© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-11 vom 03. September 2011

Im Abwärtsstrudel
US-Wirtschaftsdaten sind desaströs – Größtes Problem Arbeitslosigkeit

Die Zustimmung der US-Bürger zur Wirtschaftspolitik von Präsident Barack Obama ist auf ein Allzeittief gesunken, fand das renommierte Gallup-Institut in einer aktuellen Umfrage heraus. Nur noch 26 Prozent fanden sein Wirken in der aktuellen Wirtschaftskrise gut und 24 Prozent zeigten sich mit seinem Handeln im Schuldenstreit zufrieden. Da sich nur 41 Prozent der repräsentativ Befragten in der Gesamtbewertung mit der Arbeit des Präsidenten zufrieden zeigten, liegt Obama derzeit unterhalb der Schwelle, bei der seine Wiederwahl relativ sicher wäre.

Am Anfang seiner Präsidentschaft, als sich Obama noch hoher Beliebtheitswerte erfreute, sollte mit einem gewaltigen Konjunkturprogramm von über 800 Milliarden Dollar die amerikanische Wirtschaft angekurbelt werden. Insbesondere die Exportschwäche der US-Unternehmen wollte der Präsident stärken, den Export gar verdoppeln. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Amerikanische Produkte finden oft genug wegen ihrer mangelhaften Qualität keinen Absatz auf den Weltmärkten. Im Vergleich etwa zu deutschen Premium-Autos, die auch in den USA stark nachgefragt werden, kauft hierzulande kaum jemand einen Cadillac oder Chevrolet.

Mit 9,1 Prozent erreichte die Arbeitslosenquote im Mai einen Höchststand. Aktuell sind 13,7 Millionen Amerikaner arbeitslos, bei Jugendlichen liegt die Quote sogar bei 24,2 Prozent. Die relativ hohen Energiepreise und die Nachwehen des Erdbebens in Japan bremsen nach wie vor die größte Volkswirtschaft der Erde.

Gegenüber diesen für die USA vergleichsweise desaströsen Daten versuchte der oberste Volkswirt des US-Präsidialamtes, Austan Goolsbee, Optimismus zu verbreiten und meinte: „Es gibt immer Schlaglöcher auf dem Weg der Erholung, aber grundsätzlich hat die US-Wirtschaft an Fahrt gewonnen.“ Mit dieser Einschätzung steht Goolsbee allerdings weitgehend allein. Die Analysten der Wirtschaftsagentur Bloomberg registrierten einen Rück­gang des aktuellen Wachstums. Sie hoffen zwar, dass dies nur eine vorübergehende Delle ist, aber nach den Verlusten am amerikanischen und europäischen Aktienmarkt im August verstärkt sich bei vielen Ökonomen die Furcht vor einer andauernden Rezession. Der amerikanische Arbeitsmarkt leidet daran, dass die Zahl der neu geschaffenen Jobs relativ klein bleibt. Die privaten Arbeitgeber halten sich damit zurück; die öffentlichen Arbeitgeber sind wegen der Staatsschulden-Krise und der geforderten Einsparungen oftmals gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen. Sollte tatsächlich eine Zahlungsunfähigkeit des Staates eintreten oder Einsparungen in größerem Umfang notwendig sein, würden große Entlassungswellen folgen. Diese Entwicklung fürchten vor allen Dingen Politiker aus dem Lager Obamas, der für September deswegen eine neue „Jobinitiative“ angekündigt hat. Auf Grund dieser Perspektiven zeigte sich der Chef des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco, Mohamed El-Erian, kürzlich schockiert und meinte, die Zahlen würden belegen, dass die USA „eine Arbeitslosenkrise“ haben, die eine „besorgniserregende wirtschaftliche, politische und soziale Dimension annimmt“. H.E.B.


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