© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-11 vom 03. September 2011

China führende Biernation
Absatz sinkt in Deutschland seit Jahren kontinuierlich

Den deutschen Brauereien läuft die Kundschaft davon, der Bierabsatz sinkt seit Jahren kontinuierlich. Allein im vergangenen Jahrzehnt wurden über zehn Millionen Hektoliter weniger konsumiert. Rund 100 kleinere Braustätten mit einem Jahresausstoß von 10000 bis 500000 Hektolitern mussten daraufhin ihren Betrieb aufgeben oder wurden von Branchenriesen ge­schluckt. Der Imageverlust gegen­über anderen Alkoholika ist enorm. Brauereifachmann Reiner Kilz von der europäischen Beratungsgesellschaft KPMG: „Bier steht nicht mehr für Lifestyle, sondern für dicke Bäuche.“

Das Schrumpfen des Marktes ist ein europäisches Phänomen. Die Finanzkrise beutelte nicht nur deutsche Konsumenten, sondern erreichte auch die starken Biertrinker Großbritanniens. Täglich schließen im Königreich sieben Pubs, der Bierabsatz sank 2009 auch infolge einer um 20 Prozent erhöhten Biersteuer auf den niedrigsten Stand seit 1930. Selbst das Mutterland des Pils, Tschechien, meldet alarmierende Zahlen: Allein 2010 gab es einen Einbruch um 12 Prozent. Insgesamt beträgt der Ausstoß rund 20 Millionen Hektoliter, zu 18 Prozent für den Export. Demgegenüber nahm die Zahl der Brauereien in den USA dank des Wachstums der sogenannten „Craft Breweries“, das sind mittelständische Privat- und Gasthausbrauereien, auf 1700 zu. Wegen Überproduktion blieben die deutschen Sudstätten auf jedem dritten produzierten Liter sitzen. Allein Warsteiner erlebte in einem Jahrzehnt einen Umsatzeinbruch von 45 Prozent. Selbst der Absatz von Mischgetränken, zunächst als Renner gefeiert, sank 2009 von 4,2 auf vier Millionen Hektoliter. Daran dürfte auch die 2011 vom Deutschen Institut für Reines Bier geforderte Anerkennung für das deutsche Reinheitsgebot als Weltkulturerbe nichts ändern.

Neidvoll schauen die deutschen Brauer dabei auf China, das die Bierproduktion auf 450 Millionen Hektoliter (USA: 228) steigerte und zur globalen Biernation Nummer eins aufrückte. Weltweit wird jedes vierte Bier inzwischen in der Volksrepublik gebraut. Der asiatische Bierdurst ließ die Weltproduktion 2010 auf 1,85 Milliarden Hektoliter steigen. Eigene „Oktoberfeste“, wie in Quindao und Hongkong, wurden aus dem Boden gestampft. Und dabei ist die mit führende Tsingtau-Brauerei eine jetzt zum amerikanischen Konzern Anheuser & Busch gehörende Gründung aus Kaiser Wilhelms kolonialen Zeiten – verschlafene Chance für Deutschlands Hersteller des begehrten „Hopfentees“.

Bier-Experte Kilz ist überzeugt, dass in Zukunft nur Brauereien mit einer starken Marke überleben werden. Die Hälfte des Weltmarktes wird von fünf Konzernen beherrscht: der amerikanischen AB-InBev (Anheuser & Busch), der Londoner SAB-Miller, Heineken in Holland, Carlsberg in Kopenhagen und China Ressource Brewery in Hongkong. Die drei größten Gruppen der Bundesrepublik – Oettinger, Radeberger und Bitburger – schaffen es zusammen gerade mal auf 1,5 Prozent. Lediglich beim Anbau von Hopfen behält Deutschland die Nase vorn. 34 Prozent der Welternte wird in der Bundesrepublik gewonnen. Joachim Feyerabend


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