© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-11 vom 03. September 2011

Schuldenfrei trotz Kriege
Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft gedenkt Friedrich

Ein großes Jubiläum bietet gewöhnlich Anlass, etwas verklärend und nostalgisch auf eine Person oder ein Geschehen zurückzublicken. Was ist alles zu lesen gewesen über Friedrich, dessen vermeintlich verkorkste Jugend, seine Traumata oder sein Sexualleben. Diese psychologisierenden Deutungen, die sich meist auf reine Vermutungen stützen, schaffen ein schiefes Bild, sodass die wirklichen Leistungen des Preußenkönigs, seine prägende Kraft für das heutige Europa allzu leicht unbeachtet bleiben. Hier wollten die Referenten einen Kontrapunkt setzen.

Warum ist Friedrich nach heutigen Maßstäben „groß“ zu nennen, fragt Professor Wolfgang Stribny in seinem historisch hochwertigen Referat über die friderizianische „Politik der praktischen Vernunft zum Wohle des Bürgers“. Stribny nennt vier Argumente: Erstens war Preußen der erste Staat mit Glaubensfreiheit für alle Religionen; zweitens entstand in Preußen durch das Allgemeine Landrecht der erste moderne Rechtsstaat in Europa; drittens war Preußen das erste große Land der Welt mit einer allgemeinen Schulpflicht für Jungen und Mädchen. Viertens sei das preußische Königreich ein „übernationaler Staat“ gewesen, wo nicht Sprache oder Glaubensbekenntnis, sondern die Treue zum König und zur preußischen Staatsidee entscheidend gewesen sei.

Betrachtet man diese Liste, ist die legendäre Popularität des Königs bei seinen Soldaten oder Untertanen durchaus nachvollziehbar. Bei einem fast spartanisch zu nennenden eigenen Lebensstil, bewahrte der König eine große Nähe zu den armen Leuten und seinen kämpfenden Truppen. Die Wirtschaftspolitik sei „sehr verwickelt“, schreibt Friedrich nach 29 Regierungsjahren, die Preußen einen einzigartigen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht hatten. Im Gegensatz zu seinen hochverschuldeten Nachbarn war Preußen, trotz kostspieliger Kriege, schuldenfrei und besaß gut gefüllte Kassen für diverse Zwecke.

Der erste Grundsatz bestehe darin, dass die „wahre Kraftquelle des Staates in einer hohen Volkszahl liegt“, schreibt Friedrich. Ein Grundsatz, der sowohl in der „Gründerzeit“ des Deutschen Kaiserreiches wie im „Wirtschaftswunder“ der 50er Jahre beherzigt wurde. Heute allerdings sieht es auf lange Sicht wegen der fehlenden Kinder düster aus in Deutschland. Die elementarsten Grundsätze einer klugen und erfolgreichen Politik, der friderizianischen Finanz- und Wirtschaftspolitik werden nicht beherzigt.

Hinrich E. Bues „Friedrich der Große – seine Bedeutung für das heutige Deutschland“, Hamburg 2011, 141 Seiten. Kostenlos zu beziehen über: Geschäftsstelle SWG e.V., Postfach 26 18 27, 20508 Hamburg.


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