© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 35-11 vom 03. September 2011

Eine Botschaft für Sebastian
Prominente Iren schreiben einem Jungen nach dem Tod des Vaters trostreiche Briefe

Im März 2008 erfuhr der in London lebende irische Geschäftsmann Jordan Ferguson, dass er unheilbar an Krebs erkrankt war und höchstens noch drei Monate zu leben hatte. Ferguson war 34 Jahre alt und verbrachte gerade mit seinem neunjährigen Sohn Sebastian ein gemeinsames Wochenende in Bangkok. Anschließend hatte er im Auftrag seiner Internetfirma nach Australien reisen wollen. Doch nachdem er die niederschmetternde Diagnose in einem Krankenhaus erhalten hatte, kehrte er auf Anraten der Ärzte umgehend nach London zurück. Seine letzte Lebenszeit verbrachte er mit seiner 70-jährigen Mutter Christine Horgan in Kinsale in der irischen Grafschaft Cork, wo sich auch seine geschiedene Frau und sein Sohn aufhielten.

Ferguson wollte seinem Sohn unbedingt etwas von bleibendem Wert hinterlassen, nicht nur ein paar Habseligkeiten und einen ausführlichen Abschiedsbrief, wozu ihm ein Psychologe geraten hatte. Diese Idee wollte er ausweiten. Unbekannterweise wandte sich Ferguson an prominente und erfolgreiche Persönlichkeiten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens in Irland, Männer und Frauen, und richtete an sie die Bitte, einen Brief mit einer persönlichen Botschaft an Sebastian zu schicken. Die Briefe sollten zu einem Buch zusammengefasst werden, aus dem Sebastian Trost und Aufmunterung und später auch Rat schöpfen könnte.

Doch sein Vater konnte das Werk selbst nicht mehr vollenden. Im Juni 2008 starb Jordan Ferguson in einem Hospiz. Seine Mutter übernahm in seinem Sinne die Fortführung des Vorhabens. Sie bestimmte, was den Adressaten nicht bekannt war, dass ein Teil des durch das Buch erzielten Erlöses einer Hospizstiftung zukommen sollte.

Aus ihren Zuschriften entstand die von Horgan herausgegebene Briefsammlung mit dem Titel „Dear Sebastian“, die 2009 in Irland eine hohe Auflage erzielte. „Für Sebastian. Ein Vater, ein Wunsch und ein Abschied für immer“ lautet der Titel der deutschen Taschenbuchausgabe, die mit einleitenden Texten, einem Glossar und Angaben über die Verfasser der Briefe versehen wurde.

Ein wenig in den Hintergrund gedrängt wird in den Begleittexten die Tatsache, dass tatsächlich ausschließlich berühmte und in ihrem jeweiligen Fachbereich besonders erfolgreiche Personen – Maler, Musiker, Politiker, Manager, Sportstars und Repräsentanten sozialer Netzwerke – zu Wort kommen. Doch der Gedanke einer Anleitung zu einem glück-lichen und erfolgreichen Leben hatte erklärtermaßen eine durchaus wichtige Rolle bei dem Buchprojekt gespielt, und wer könnte hierzu eine bessere Auskunft geben als eben Menschen, die Karriere gemacht haben.

Die Briefeschreiber aber postulieren keineswegs einen zwingenden Zusammenhang zwischen Erfolg und Glück in ihrer Nachricht an Sebastian, sondern weisen allenfalls auf diese Möglichkeit hin. Während die Zuschriften von führenden Firmenvertretern im Ton vielfach eher formell gehalten sind, zeugen viele Briefe von rückhaltloser Ehrlichkeit, eigener Erfahrung und Bewusstwerdung. So wie derjenige eines Top-Managers, der mit den Worten schließt:

„All das, was ich geschrieben habe, liegt im Grunde auf der Hand, wenn du darüber nachdenkst. Und das gilt auch für den letzten, aber wichtigen Rat, den ich dir geben kann. In den ernsten Belangen des Lebens richtig zu handeln erfordert von uns Entscheidungen auf der Grundlage unseres Gewissens. Das ist leichter gesagt als getan. Aber jeder hat irgendetwas in sich, das ihm bei wichtigen moralischen Entscheidungen sagt, was richtig und was falsch ist. Viele von uns glauben, dass Gott uns diesen moralischen Kompass mitgegeben hat. Du solltest ihm immer folgen, nicht nur weil es richtig ist, sondern weil es, viel unmittelbarer, der einzige Weg zu wahrem Glück ist. Mit allen guten Wünschen, herzlichst, Peter Sutherland.“

Um solcher Sätze von aufrichtigen und gereiften Ratgebern willen ist das Buch insbesondere als Geschenk für ältere Kinder und Jugendliche gut geeignet. Doch es gehört zweifellos zu jener Literatur, die generationenübergeifend Anklang findet. Dagmar Jestrzemski

Christine Horgan (Hrsg.): „Für Sebastian. Ein Vater, ein Wunsch und ein Abschied für immer“, Bastei Lübbe, Köln 2010, broschiert, 267 Seiten, 8,99 Euro.


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