© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-11 vom 10. September 2011

Außergewöhnliche Kompositionen
Restauriert: Vier Wandgemälde von Ludwig Dettmann im Altonaer Rathaus

Zur Ausschmückung des Kollegiensaals im Altonaer Rathaus schuf der Maler und Illustrator Ludwig Dettmann (1865–1944) im Jahre 1900 vier Monumentalgemälde. Die außergewöhnlichen Kompositionen beziehen sich auf vier bedeutsame Ereignisse aus der Geschichte der bis 1864 dänisch regierten Stadt Altona, die 1937 der Hansestadt Hamburg angegliedert wurde. Am 11. September, dem diesjährigen Tag des offenen Denkmals, wird der kürzlich restaurierte Kollegiensaal Besuchern offen stehen.

Heute ist der seinerzeit gefeierte Ludwig Dettmann, der als Wegbereiter des Impressionismus in Deutschland galt, weitgehend vergessen. Sein umfangreiches Werk ist großenteils zerstreut oder verloren gegangen. In seiner Hauptschaffensphase interessierten ihn vor allem ländliche und volkstümliche Motive von der norddeutschen Küste. Von Dettmann sind jedoch auch meisterliche Grafiken mit Szenen aus dem Berliner und Pariser Großstadtleben überliefert.

In Hamburg hatte er bis 1884 eine Zeichenlehrerausbildung absolviert und anschließend mit einen Staatsstipendium an der Berliner Akademie der Künste studiert. Mit seinen frischen, häufig impressionistisch anmutenden Werken erzielte er frühzeitig große Erfolge. 1896 wurde ihm ehrenhalber der Professorentitel verliehen.

Nach Fertigstellung des Altonaer Auftrags erreichte ihn die Berufung zum Direktor der Königsberger Kunstakademie. Diese hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung verloren, nachdem sie zehn Jahre stellvertretend verwaltet worden war. Der neue Direktor leitete eine Verjüngung des Lehrpersonals ein und sorgte für vielfältige Neuerungen. Unter seiner Ägide gewann die Akademie ihren früheren Ruf als erstklassiger Ausbildungsort für freischaffende Künstler und Zeichenlehrer zurück. Da Dettmann für kurze Zeit dem Vorstand der 1898 gegründeten Berliner Sezession angehört hatte, stieß seine Wahl jedoch auf Vorbehalte beim ostpreußischen Adel, der ihn als „hypermodernen“ Maler abstempelte. Seiner Aussage nach schätzten nur wenige Adelige die zeitgenössische Kunst. Hingegen gab es Anfang des 20. Jahrhunderts unter den wohlhabenden Kaufleuten Königsbergs viele echte Kunstfreunde. Bald aber akzeptierten ihn die adeligen Gutsbesitzer, da er etwas von Pferden und der Landwirtschaft verstand. Als passionierter Jäger nahm er an Treibjagden teil und durfte im Warnicker Forst pirschen.

 „Ich fand in Königsberg einen Nachklang Kantschen Geistes“, schrieb der Künstler in seinen Lebenserinnerungen. Konzerte von hohem musikalischen Niveau fanden statt. Wichtige Nationen unterhielten ihr Generalkonsulat in Königsberg, zahlreiche kleine Staaten hatten dort ihre Konsuln. Kultur und Wirtschaft standen unter einem glücklichen Stern, da fähige Beamte und Offiziere in der Hauptstadt des Grenzlands Ostpreußen eingesetzt wurden. Geselligkeit wurde großgeschrieben und kam einer Pflichterfüllung gleich. Dettmann berichtet von den Abendgesellschaften, die der Oberpräsident ebenso wie sämtliche Regierungsbeamte ausrichteten, sei es in ihren prachtvollen Palais, sei es in kleinen Wohnungen. Die Gesellschaften empfand er aber als steif und unpersönlich. Festliche Herrenabende fanden in der Königshalle statt, dem Treffpunkt des Adels. Im Sommer war er mit seiner Familie auf samländischen Gütern zu Gast. 1913 gestaltete er gemeinsam mit einigen Schülern ein monumentales Triptychon für die Fassade der Kunstakademie, auf dem drei Szenen aus den Befreiungskriegen von 1813 dargestellt waren. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Dettmann auf eigenen Wunsch als Kriegsmaler tätig. Er verließ Königsberg 1916 und lebte anschließend als freischaffender Künstler in Berlin. Künstlerisch hatte er seinen Zenit überschritten. Dagmar Jestrzemski


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