© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

Kein Vertrauen zu Rom
Ratingagentur stuft Italiens Bonität wegen politischer Risiken herab

Die schlechte Nachricht kam nicht überraschend, weist Italien nach dem maroden Griechenland doch den zweithöchsten Schuldenstand innerhalb der Euro-Zone auf. Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S & P) hat das Land jetzt wegen der „sich abschwächenden Wachtumsaussichten“ in seiner Kreditwürdigkeit weiter heruntergestuft und den Ausblick für die weitere Bewertung als unverändert negativ bezeichnet. Für den schlimmsten Fall geht S & P davon aus, dass Italien bereits im kommenden Jahr in eine Rezession gerät. Mag Ministerpräsident Silvio Berlusconi auch noch so toben und der in seinen Augen zu negativen Berichterstattung der europäischen Medien die Schuld geben, die Ratingagentur glaubt nicht daran, dass die Regierung ihre revidierten Haushaltsziele erreichen wird.

Diese Einschätzung begründet S & P unter anderem mit der „zerbrechlichen Regierungskoalition und dem Richtungsstreit innerhalb des Parlaments“, wodurch die Handlungsfähigkeit Roms eingeschränkt sei, wirksam auf die Schuldenkrise zu reagieren. Ähnlich hatte kürzlich die Agentur Fitsch die Neubewertung der Bonität Belgiens begründet, obwohl die Wirtschaftsprognosen für das Land kein Katastrophenszenario rechtfertigen. Durch die langanhaltenden Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung sei das politische Risiko zu hoch, so die Agentur.

Die hauptsächlich politisch begründete Herabstufung Italiens sollte in Berlin als Warnung verstanden werden. So zerrissen, desolat und ratlos wie die Bundesregierung derzeit auftritt, könnte auch sie im Urteil der Ratingagenturen schon bald als politisches Risiko betrachtet und die Prognose für Europas größte Volkswirtschaft als „negativ“ bewertet werden. J.H.


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