© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

In fremder Heimat
Den Glauben der Kirche stärken: Papst Benedikt XVI. besucht Deutschland

Wenn diese Ausgabe der PAZ ihre Leser erreicht, erlebt Deutschland historische Tage. Der Heilige Geist hat, so glauben es Katholiken, einen Deutschen auf den Stuhl Petri in Rom berufen, und dieser Papst besucht nun für vier Tage sein Vaterland.

Es war Benedikts sehnlicher Wunsch, noch einmal die Heimat zu sehen. Die Sorge um Deutschland treibt ihn um. Die Ansprachen, Predigten und Messen von Berlin, Erfurt, Etzelsbach und Freiburg im Breisgau werden prägend sein für das schwierige Verhältnis der deutschen Katholiken zu ihrer weltumspannenden Mutterkirche – und sie werden als eine Art geistliches Vermächtnis gelten dürfen, das Benedikt XVI. seinen Landsleuten hinterlassen möchte. Der „Diener der Diener Gottes“, wie einer von Benedikts Titeln lautet, kommt, um Jesu Auftrag für den Apostel Petrus zu erfüllen: „Stärke deine Brüder“, „Weide meine Lämmer“.

Während in anderen Erdteilen die katholische Kirche wächst, wird die deutsche Abteilung vom Mitgliederschwund ausgezehrt und von innerem Hader geschwächt.

Es ist keine Übertreibung: Der Papst bereist ein Missionsgebiet. Vom „Land des Glaubens, deutsches Land“, wie es der Dichter Rudolf Alexander Schröder noch 1950 besang, ist nicht viel übrig geblieben. Um den christlich-katholischen Glauben ist es hierzulande schlecht bestellt, seine Kenntnis und Verwurzelung sind gering geworden. Bitter die Zahlen: Seit der Wiedervereinigung Deutschlands vor 20 Jahren hat die katholische Kirche einen Verlust von im Saldo 3,5 Millionen Mitgliedern hinnehmen müssen. Auch die Häufigkeit des Kirchgangs liegt im Argen: Obwohl von der Kirche geboten, besuchen bloß etwa um die zwölf Prozent der Katholiken regelmäßig die Sonntagsmesse. 1990 waren es noch 22 Prozent. Die Priesterseminare sind von chronischem Nachwuchsmangel betroffen, den es geschichtlich so noch nie gegeben hat. „Für die Mehrzahl der Menschen hier ist das Religiöse wie Chinesisch“, weiß der Erfurter Bischof Joachim Wanke, der Benedikt am Freitag empfängt.

Im Ursprungsland der lutherischen Reformation verdunstet das Christliche wie siedendes Wasser. Die Amtskirche mit ihrem Gremienkatholizismus reagiert darauf nicht etwa mit einem so kraftvollen wie ansteckenden „Credo“, sondern mit Gesundschrumpfen, weiterer Verwässerung des eigentlich Katholischen und Hader mit sich selbst. Der offizielle nachkonziliare Katholizismus ist auf die Ökumene mit den Protestanten fixiert und überbietet sich in Feindschaft zum überlieferten Glaubensgut.

„Es gibt einen antirömischen Affekt“, beginnt ein berühmter Essay von Carl Schmitt. Der trägt in unserer Zeit Forderungen nach

Frauenordination, Abschaffung des Zölibats, Anerkennung homosexueller Partnerschaften, ökumenischer Gastfreundschaft wie eine Monstranz vor sich her. Offenbar um „Eigenständigkeit“ zu demonstrieren, hat das Berliner Liturgieteam vier Frauen zu Messdienern bestellt, wohl wissend, dass in Rom nur Priesteramtskandidaten bei Papstmessen ministrieren.

Anlass zu Hoffnung geben die jungen Gläubigen, etwa von der „Generation Benedikt“ oder der Katholischen Jugend-Bewegung (KJB), die keinen sozialreligiösen Wohlfahrtsclub wollen, als der kirchliches Leben vielfach erscheint, sondern sich nach der traditionellen Kirche sehnen, die sich nicht mit der Welt gemein macht; die in Verbindlichkeit der Lehre und liturgischer Strenge Erneuerung ihres Glaubens finden.

Benedikt spricht aus tiefstem Herzen zu uns Deutschen. Er, der erste Beter seiner Kirche, ist um unseretwillen gekommen. Er will uns von innen her aufrichten und den Weg zu einem gelingenden Leben mit Christus weisen. Werden wir hinhören auf seine Worte und mit ihm das Mysterium des Glaubens feiern? „Nicht das ist das Kunststück, ein Fest zu veranstalten, sondern solche zu finden, welche sich an ihm freuen“, schrieb Nietzsche. Vollbringen wir dieses Kunststück! CR


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