© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

Neue Hoffnung für die Ökumene

Auf eine historische Begegnung wartet die Welt beim Besuch von Papst Benedikt XVI. im Augustinerkloster in Erfurt. Dort, wo Martin Luther 1505 als Mönch eintrat und er erste Ideen zu einer Reformation entwickelte, will der Papst eine Rede halten. Auf besonderen Wunsch von Benedikt kommt es dort zu einer ökumenischen Begegnung mit Vertretern der kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind.

Von der Rede des Papstes, die weltweit übertragen wird, erwarten Beobachter, dass hier neue Wege der Ökumene aufgezeigt werden. Schon bei seinem Besuch in England im Herbst 2010 nutzte Benedikt solche Gelegenheiten, um der Hoffnung auf eine Überwindung der Kirchenspaltung neues Leben einzuhauchen. Für Anglikaner schuf er einen neuen Rechtsrahmen, sodass diese wieder katholisch werden können ohne zu „konvertieren“. Gleichwohl pflegte der Papst persönliche Beziehungen etwa zum anglikanischen Ehrenprimas Erzbischof Rowan Williams.

In Deutschland stehen die Zeichen für solche Beziehungen nicht gut. Von einer „Eiszeit der Ökumene“ war bereits die Rede. Dazu trug 2009 ein Papier des Oberkirchenrates Thies Gundlach bei, in dem sich der Ökumene-Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) abfällig über die katholische Kirche und Papst Benedikt äußerte. Die evangelische Seite musste sich daraufhin entschuldigen. Für neuen Zündstoff sorgte nun vor dem Erfurter Treffen der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider. In einem Interview wies er vermeintliche Machtansprüche des Papstes zurück. Gott würde sich „nicht an Ämter halten“, behauptete er – nicht gerade eine höfliche Willkommensbotschaft an den Gast aus Rom. H. Bues

 

Zeitzeugen

Hl. Simon Petrus – Nach Matthäus empfing der Apostel von Jesus die Zusage: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Nach Lehre der römisch-katholischen Kirche verlieh ihm Christus das Leitungsamt über die ganze Kirche. Sein Attribut sind die Schlüssel als Zeichen der Richter- und Lehr­autorität. Als erster Bischof von Rom erlitt er um 67 das Martyrium der Kreuzigung.

Peter Seewald – Der 57 Jahre alte Journalist hat drei Bücher zusammen mit Papst Benedikt beziehungsweise dem früheren Kardinal Ratzinger gemacht. 1973 aus der katholischen Kirche ausgetreten, gab ihm 1996 sein ausführliches Interview mit Ratzinger (als „Salz der Erde“ erschienen) Anlass zu einer Umkehr, die schließlich zu einem Wiedereintritt in die Kirche führte.

Kardinal Karl Lehmann – Trotz seiner langen Ausbildung in Rom im Collegium Germanicum gilt der 75 Jahre alte Bischof von Mainz und frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz als Inbegriff eines eigenwilligen „deutschen Katholizismus“. Der ehemalige Assistent von Karl Rahner vertritt eine ausgesprochen progressive Theologie und ist maßgeblich mitverantwortlich für den relativistischen Paradigmenwechsel im kirchlichen Leben nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Bischof Joachim Wanke – Der 1941 in Breslau geborene Bischof von Erfurt empfängt Papst Benedikt bei seinem zweitägigen Besuch in Thüringen. Wanke sagte in einem Interview, er wolle „die geistliche Intention dieser Visite stärken“. Vor dem Hintergrund der schwach verankerten Religiosität in den Neuen Ländern müsse man laut Wanke „das Evangelium auf mitteldeutsch buchstabieren“.

Nathanael Liminski – Der 26-jährige Student der Geschichte, der Politik und des Öffentlichen Rechts gründete nach dem Weltjugendtag in Köln mit Gleichgesinnten das internationale Netzwerk „Generation Benedikt“, um ein Sprachrohr für das Lebensgefühl junger glaubenstreuer Katholiken zu schaffen, die vom Papst begeistert sind und Orientierung in der Lehre der Kirche finden. Liminski hat neun Geschwister und genoss eine katholische Erziehung.


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