© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

»Danke Deutschland!«
Vietnamesen ehren deutsche Helfer

Dass sich einmal eine Zuwanderergruppe bei uns Deutschen bedankt, habe ich in langen Jahren in der Politik noch nie erlebt“, erklärte Michael Braun, der kulturpolitische Sprecher der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus. Braun hielt neben anderen ein Grußwort auf der großen Dankveranstaltung, die Vietnamesen im Audimax der TU Berlin ausgerichtet hatten. Sie trug den Titel „Danke Deutschland!“ und wurde von den Vereinen der vietnamesischen Flüchtlinge organisiert. Gehisst war die alte Flagge Südvietnams, dessen Hymne gemeinsam mit dem Deutschlandlied gesungen wurde.

2009 hatten bereits Vietnamesen in München mit einer ähnlichen Veranstaltung Deutschland für ihre Aufnahme gedankt. Auch hier waren vor allem die „Boat People“ aus Südvietnam, die nach dem Fall Saigons im Jahr 1975 vor den Kommunisten flohen, und ihre Nachkommen stark vertreten. Die Gruppe der Bootsflüchtlinge einschließlich ihrer später über die Familienzusammenführung eingereisten Angehörigen zählt rund 40000 Menschen in Deutschland.

In das damalige West-Berlin kamen etwa 2000 Vietnamesen. Wie die frühere Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John sagte, waren sie vor allem Angehörige der vietnamesischen Mittelschicht: Ärzte, Offiziere, Unternehmer, Piloten, Ingenieure, Lehrer und deren Kinder. Mit nichts mussten sie in dem völlig fremden Land neu anfangen. Doch waren sie, die bisweilen auch als „die Preußen Asiens“ bezeichnet werden, von eisernem Arbeitswillen sowie großer Lern- und Integrationsbereitschaft beseelt. Über 60 Prozent der vietnamesischen Kinder besuchen heute Gymnasien und überflügeln oft deutsche Schüler. Mit berechtigtem Stolz weisen vietnamesische Eltern auf viele akademische Abschlüsse ihrer Kinder hin. Zu Recht können sie als Vorzeige-Migranten gelten. Sie sind der lebende Gegenbeweis, dass Integrationsprobleme nicht nur „soziale Ursachen“ haben, wie das linke Mantra lautet, sondern es entscheidend auf die Einstellung der Menschen und ihr Wertesystem ankommt. Der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen erklärte auf der Veranstaltung, „andere im Wedding und in Neukölln“ – dort leben besonders viele Türken und Araber – sollten mit dem Schicksal und der Leistung der Vietnamesen vertraut gemacht werden. Die Vietnamesen ehrten deutsche Helfer, die ihnen besonders in der schweren Anfangszeit zur Seite standen.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Christoph Meyer, überbrachte die Grüße von Vizekanzler Philipp Rösler, des prominentesten Vietnam-„Migranten“. 1973 in Vietnam geboren, verbrachte Rösler die ersten Lebensmonate in einem Waisenhaus, bevor ihn ein Bundeswehroffizier adoptierte. Auf der Veranstaltung schilderten vietnamesische Zeitzeugen ihre Schicksale, darunter die 30-jährige Amur Nguyen, die auf der „Cap Anamur“ zur Welt kam. Das Schiff hatte 10375 Menschen aus dem Meer gerettet.

Die in der DDR ausgebeuteten vietnamesischen Vertragsarbeiter – meist aus Nordvietnam – stellten eine andere Gruppe dar. Mit ihren Landsleuten aus dem Süden haben sie Fleiß und Leistungswillen gemeinsam. In Berlin-Lichtenberg und -Marzahn leben etwa 12000 Vietnamesen, kaum zwei Prozent der Einwohner. Doch 17 Prozent der Schüler des dortigen Barnim-Gymnasiums stammen aus vietnamesischen Familien. Michael Leh


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