© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

Banken beteiligt
Ungarn bestraft österreichische Institute

Zwangsweise will Ungarns Regierung in der Vergangenheit abgeschlossene Fremdwährungskredite in Schweizer Franken für die Kreditnehmer verbilligen. Einbußen durch einen solchen Schritt hätten vor allem österreichische Banken.

Diese sehen sich nun als „Enteignungsopfer“, sind aber an der eingetretenen Lage nicht ganz unschuldig: Es ist noch nicht lange her, da warb der ungarische Ableger der österreichischen Raiffeisen-Bank damit, wie problemlos Kunden einen Kredit in Schweizer Franken erhalten können. In einem humorvollen TV-Werbespot versucht ein Bankkunde seine Einkommenssituation zu schildern. Sobald der Kunde über seine Einnahmen sprechen will, wird er von der Bankangestellten abgeblockt, die von der Bonität des Kunden scheinbar nichts wissen will.

Der Werbefilm dürfte dem ziemlich nahegekommen sein, was sich tatsächlich in vielen Banken in den letzten Jahren abgespielt hat. Im Kampf um Marktanteile wurde es mit der Bonitätsprüfung bei Kreditanträgen häufig nicht allzu genau genommen. Kunden wurden über die Wechselkursrisiken bei den Krediten nicht aufgeklärt und oft genug wurde auch gar keine Wahl gelassen: Wenn Kredit, dann in Schweizer Franken. Resultat dieser Geschäftsstrategie und des wirtschaftlichen Absturzes, den Ungarn in den letzten Jahren erlebt hat, ist nach Angaben des ORF, dass bei einer Gesamtzahl von 1,3 Millionen Fremdwährungskrediten bei 800000 Verträgen inzwischen Rückzahlungsprobleme eingetreten sind. Die österreichische „Erste-Group“ hat drei Milliarden Schweizer Franken und die Wiener Raiffeisen International 3,4 Milliarden Schweizer Franken an Krediten in Ungarn vergeben.

Der Plan von Regierungschef Viktor Orban sieht nun vor, den durch die Franken-Aufwertung für viele nicht mehr tragbaren Wechselkurs auf einem abgesenkten Wert festzuschreiben. Die Differenz zum tatsächlichen Wechselkurs soll von den Banken getragen werden. Sowohl von den betroffenen Banken als auch von der österreichischen Finanzministerin Maria Fekter werden die ungarischen Pläne zur „Zwangskonvertierung“ heftig kritisiert. Die Wiener Angst vor Verlusten ist begründet, demnächst drohen weitere Abschreibungen in Kroatien, wo ähnliche Pläne wie in Budapest verfolgt werden. N.H.


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