© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

Zur Kooperation gezwungen
Automobilindustrie: Peking erhöht Druck zum Technologietransfer

Beim bisherigen chinesischen Plan, im Autobau eine internationale Spitzenstellung einzunehmen, zeichnet sich ein Scheitern ab. Außer mit exotischen Namen, Qualitätsmängeln und dem katastrophalen Abschneiden bei Sicherheitstest haben Chinas Autobauer im Westen bisher kaum für Aufmerksamkeit gesorgt. Eine neue Chance erhofft man sich in Peking nun auf dem Gebiet der Elektroautos.

Offiziell mit der Sorge um die Umwelt begründet, ist der Bau von Elektroautos zum strategischen Ziel in Chinas Fünfjahresplan geworden. Bis zum Jahr 2020 will das Land die technologische Führerschaft beim Bau von Elektroautos übernehmen. Ähnlich wie beim konventionellen Fahrzeugbau haben die Hersteller allerdings auch auf dem Gebiet der neuen Antriebstechniken große Probleme. Bisher will es nicht gelingen, die neue Technik in den Griff zu bekommen. In dieser Situation wird der Druck der staatlichen „National Development and Reform Commission“ (NDRC) auf westliche Hersteller immer größer: Bis 2015 sollen Autobauer wie VW, Daimler und BMW von ihnen entwickelte Technologien zum Bau von E-Autos mit chinesischen Partnerunternehmen teilen.

Der von Peking gewünschte und legalisierte Technologieraub unter dem Deckmantel der zwangsweisen Gemeinschaftsunternehmen bringt den chinesischen Autobauern einen unschätzbaren Kostenvorteil. Wiederholen dürfte sich, was schon bisher, neben niedrigen Löhnen, ein wesentlicher Teil des chinesischen Entwicklungsmodells war: das Kopieren westlicher Technik. Die chinesischen Mutterkonzerne nutzen den Einblick in den westlichen Forschungsstand, den die mit westlichen Herstellern betriebenen Tochterunternehmen bieten, um ihre eigenen Produkte auf den neuesten Stand zu bringen.

Die deutschen Autobauer reagieren auf den Druck zum Technologietransfer mit der schon bisher verfolgten Strategie. Nach der Zwangskooperation im konventionellen Autobau werden nun Tochterunternehmen für den E-Autobau auf den Weg gebracht. Der VW-Konzern hat ein Unternehmen namens „Kaili“ und Daimler die Tochterfirma „Suit“ gegründet.

Da auch der Druck auf BMW steigt, wird nun auch von den Bayern ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem bisherigen chinesischen Partner „Brilliance“ angeschoben. Der Plan der Münchner: Die neue Marke soll keineswegs den neuesten Stand der Technik aufweisen. Die allzu offensichtliche Absicht der Chinesen, kostenlos an den aktuellen Forschungsstand zu gelangen, wird damit unterlaufen.

Um einen Imageverlust zu vermeiden, soll in der öffentlichen Wahrnehmung die unfreiwillige neue Marke möglichst auch nicht mit der Kernmarke BMW in Verbindung gebracht werden.

Ähnlich dürften die Pläne von VW und Daimler in Reaktion auf den Druck der Pekinger Behörden zum Technologietransfer aussehen. Dass westliche Autobauer sich überhaupt auf die Forderungen Pekings einlassen, liegt in der Attraktivität des chinesischen Marktes begründet, der hohe Margen abwirft: BWM setzt beispielsweise in China 15 Prozent seiner Produktion ab, erlöst damit aber 25 Prozent seines Gewinns. N. Hanert


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