© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

Geliebtes Dogma
von Rebecca Bellano

An einigen Tankstellen wird der Biosprit E10 noch angeboten, doch die Nachfrage hält sich in Grenzen. Weil wir nicht konsumieren wollen, wie wir laut Bundesregierung sollen, zahlen wir auch schon Strafe. Zwei bis drei Cent pro herkömmlichen Liter werden uns an den Zapfsäulen zusätzlich abgeknöpft, weil die Mineralölkonzerne Strafzahlungen von der Bundesregierung erwarten. Diese schreibt vor, dass 6,25 Prozent des abgesetzten Benzins, Diesels und Öls Biokraftstoffe sein sollen. Diese Quote wird aber vermutlich nicht erreicht.

Dabei sei die Quote doch so wichtig, damit weniger CO2 freigesetzt wird und sich somit die Erde nicht so schnell erwärmt, so Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Abgesehen davon, dass die Theorie der menschengemachten Klimaerwärmung an sich schon durchaus Zweifel hervorruft, gibt es nun in Brüssel ein Papier, was nachweislich die gesamte gepriesene Umweltfreundlichkeit von Biokraftstoffen in Frage stellt.

Zum Bedauern mancher Anhänger von Biokraftstoffen ist das Papier nicht schnell genug in einer Schreibtischschublade verschwunden, obwohl derzeit die EU-Kommissare Günther Oettinger und Connie Hedegaard versuchen, es zumindest vorläufig zu ignorieren. Spätestens 2018 wolle man das Papier aber wieder hervorholen, nur leider passten die Aussagen nicht in die derzeitige Planung, geben sie offen zu. Das neue Gutachten vertritt nämlich den Standpunkt, dass die CO2-Bilanz von Biokraftstoffen schlechter als die konventioneller Kraftstoffe sei.

Haben wir doch gleich gesagt, melden sich nun zahlreiche Umweltverbände zu Wort, die schon früh darauf hingewiesen haben, dass der Anbau von Raps, Soja und anderen Biosprit-Pflanzen andere Pflanzen verdrängen würden. Da die Menschen aber essen müssen, würden dafür Wälder abgeholzt, die eigentlich CO2 aufnehmen. Zudem würden Traktoren, mit denen die Pflanzen gepflanzt werden, und Lkws, mit denen die Pflanzen transportiert werden, auch CO2 ausstoßen.

Haben wir doch gleich gesagt, sagen nun alle logisch denkenden Menschen, die zudem auch noch darauf hinweisen, dass der Anbau von Biosprit-Pflanzen den Hunger in der Welt auch noch vermehre.

Doch die Damen und Herren in Brüssel und Berlin wollen nicht hören. Stattdessen soll das Papier jetzt in der Schublade verschwinden und dafür sollen die Klimaziele erhöht werden. Sollte der CO2-Ausstoss zuvor noch bis 2020 um 20 Prozent gesenkt werden, soll er nun um 45 bis 50 Prozent gesenkt werden. Natürlich nach den Richtlinien der alten Theorie, laut der Biosprit den CO2-Ausstoss verringert. Also noch mehr Biosprit, den keiner will und von dem man nun selbst in Brüssel zur Kenntnis nehmen musste, dass er mehr CO2 ausstößt.

Da sage noch mal einer, die uns Regierenden wären in ihrem Handeln unbeständig: Der jetzige Fall belegt doch, dass sie auch gegen jeden anderslautenden Beleg an ihren Überzeugungen festhalten. Doch um ehrlich zu sein, ist ihr Tun viel zu traurig und folgenschwer, um das ganz noch mit Ironie zu betrachten.


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