© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

Cherchez la femme (Suchet die Frauen)
Frauen haben in den Beziehungen des Bankhauses von Metzler zum Königreich Preußen eine bedeutende Rolle gespielt

Ein Staatsschuldner, der Zins und Tilgung immer pünktlich beglichen hat? In einer Zeit, wo fast täglich neue Hiobsbotschaften von verschuldeten Staaten eintreffen, keine Selbstverständlichkeit. Das Frankfurter Bankhaus Metzler, seit 1701 Finanzier des preußischen Königshauses, berichtet von der hohen Zahlungsmoral der Preußen, wo immer wieder Frauen eine bedeutungsvolle Rolle spielten.

Die Beziehungen zwischen dem Bankhaus Metzler und dem preußischen Königshaus waren je nach Kassenlage mehr oder minder eng. Die sprichwörtliche preußische Sparsamkeit herrschte durchaus nicht immer, überblickt man die letzten 310 Jahre. So benötigte etwa der seit 1701 regierende Friedrich I. (1657–1713) noch den einen oder anderen Kredit von den Metzlers in Frankfurt, um unter anderem seine prunkvolle Hofhaltung zu finanzieren.

Erst sein Sohn, der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) führte ab seinem Regierungsantritt 1713 Maßnahmen ein, an dem sich das heutige Griechenland ein Beispiel nehmen könnte. In dieser Phase der preußischen Geschichte gab es für das Bankhaus Metzler wenig zu tun und dementsprechend wenig zu verdienen.

Erst der Neffe und Nachfolger des großen Preußenkönigs, Fried­rich Wilhelm II., ließ die Zügel der Sparsamkeit in seiner Regierungszeit (1786–1797) wieder schleifen. Der höfische Prunk nahm trotz der politisch schwierigen Zeiten wieder zu, die seit dem Ausbruch der Französischen Revolution von 1789 herrschten. Und genau in dieser Zeit intensivierten sich wieder die Beziehungen zum Bankhaus Metzler, wobei Frauen ins Spiel kamen.

Im Dezember 1792 gewann der König eine Schlacht gegen die Franzosen, die Frankfurt am Main besetzt hielten. Daraufhin verlebte der Monarch einen rauschenden Winter mit vielen Feiern in der Mainmetropole. Auf einem der höfischen Bälle verlor er sein Herz an die junge Sophie Bethmann-Metzler. Der Altersunterschied von knapp 30 Jahren focht den verheirateten Monarch nicht an; er machte der jungen Dame den Hof. Zögerlich zwar, doch Friedrich Wilhelm wurde immer wieder von Sophie abgewiesen. Umso hartnäckiger machte er der Bankierstochter den Hof. Aus allen militärischen Lagen schrieb er auch in den beiden folgenden Jahren der jungen Dame sehnsüchtige Briefe, hin- und hergerissen zwischen Resignation und Enttäuschung. Doch mehr als ein paar Begegnungen sprangen für den König offenbar nicht heraus.

Vielleicht hat im Hintergrund auch die Bankiersfamilie diese Beziehung gebremst, vermuten Historiker. Das Bankhaus Metzler gab 1795 eine Anleihe von einer Million Gulden an das preußische Königshaus, wie aus dem Jahrbuch der Metzler Bank (1924) hervorgeht. Hier kreuzten sich offenbar geschäftliche wie private Interessen der Familie. Der Kontakt zwischen Sophie und dem König wurde gutgeheißen, aber eine deutliche Grenze schien doch angebracht.

Wie eng die Beziehungen in der Zeit der Befreiungskriege zwischen Bank- und Königshaus waren, zeigt eine Begebenheit aus dem Jahre 1813. Frankfurt war durch die Verbündeten besetzt, aber das Bankhaus Metzler residierte noch im benachbarten Offenburg. Dort wollte Friedrich Wilhelm III. dem Bankier Friedrich Metzler (1749–1825), der 1794 zum „Geheimen preußischen Rat“ ernannt worden war, treffen. Des Weges unkundig richtete der Monarch an einen zufällig Vorbeikommenden, in kurz militärisch angebundener Weise, die Frage: „Geheimer Rat Metzler?“. „Rechts um die Ecke“, war die Antwort des Passanten, der sich nicht anmerken ließ, dass er den inkognito reisenden König erkannt hatte.

Die nächste interessante Episode zwischen Preußen und dem Bankhaus Metzler, wieder mit weiblicher Beteiligung, spielt in der Zeit der Einheitskriege von 1866 bis 1871. Emma Metzler (1827–1880), die Ehefrau des Bankiers Wilhelm Peter Metzler (1808–1904), nutzte ihre freundschaftlichen Beziehungen zu Otto von Bismarck, um nach der Besetzung Frankfurts durch die preußische Rheinarmee unter General Vogel von Falckenstein im Jahr 1866. Der Stadt war eine Reparationszahlung von 25 Millionen Gulden auferlegt worden, was die Bürger der Stadt zu „tiefstem Schmerz“ veranlasst habe, wie Emma Metzler an Bismarck und König Wilhelm I. schrieb. Sie beklagt darin, „das Ende der Selbstständigkeit Frankfurts als freie Stadt“ und erbat in ihrem Brief vom 7. Juli 1866, nur vier Tage nach der Schlacht von Königsgrätz, Gerechtigkeit für ihre Vaterstadt. Sie verwies darauf, dass die einst gegen Preußen gerichteten Beschuldigungen nicht von der Bürgerschaft Frankfurts gebilligt worden seien.

In einem weiteren Schreiben vom 21. Juli verteidigte sie ihre Vaterstadt gegen die erhobenen Anklagen und erinnerte den König daran, welche Pflege und Fürsorge preußische Soldaten während des badischen Feldzuges im Jahr 1749 in Frankfurt gefunden hätten. Bis 1871 setzte Frau Metzler diese Briefdiplomatie unermüdlich fort. Dass Frankfurt im geeinten Reich dann eine bedeutungsvolle Stellung errang, die den Verlust der Selbstständigkeit verschmerzen ließ, ist vermutlich auch ein Ergebnis dieser Bemühungen.

Und heute? Das Bankhaus Metzler wird noch immer von einem persönlich haftenden Mitglied der Familie geführt, einem Namensvetter des alten Finanziers des preußischen Königshauses zur Zeit der Freiheitskriege: Der heutige Bankchef Friedrich von Metzler (68) erinnert sich an die Solidität des preußischen Königshauses: „Preußen hat immer und pünktlich gezahlt“, sagte er kürzlich in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Solidität und keine Experimente sind die Maximen seines Hauses bis heute. Hinrich E. Bues


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