© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

Leserforum

Europa, ein Schiff im Nebel – Dampfwalze der Gleichheit

Zu: „Bunte Phrasen statt echter Lösungen“ (Nr. 37)

In schwierigen Gewässern ist die Qualität der Schiffsleitung besonders gefordert. Die Probleme, denen Europa sich in diesen Monaten in rapide wachsendem Maß gegenübergestellt sieht, stehen in bedrohlichem Kontrast zu den Fähigkeiten der Entscheidungsbefugten, sie zu lösen. Vorurteile, ideologische Verklemmungen, oberflächliche Recherchen führen zu Widersprüchlichkeiten, die der Überzeugungskraft ermangeln. Patentrezepte offenbaren sich als Etikettenschwindel.

Wird Europa wirklich untergehen, wenn die Euro-Gruppe sich auf Mitglieder reduziert, die den Voraussetzungen gerecht werden, welche bei der Einführung des Euro vereinbart wurden? Wird der Euro nicht eher geschwächt, wenn jene, die seinerzeit voreilig aufgenommen wurden, die Hausaufgaben nicht nachholen müssen und dennoch vom Rettungsschirm versorgt werden?

Dauerfinanzierung offensichtlicher Mißstände in Griechenland schreibt diese aber fest. Finanzierungshilfe für seriöse Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen, könnte dazu beitragen, Gewalt aus innergriechischer Umstrukturierung herauszuhalten.

Die Chancen, dass das EU-Schiff aus einem anderen Grunde als der Euro-Krise zu sinken beginnt, sind trotz mancher Warnung insofern gegeben, als parteienübergreifend ein starker Trend zum Dirigismus, zur Planwirtschaft und, auf die Brüsseler Szene übertragen, zum Zentralismus, Platz gegriffen hat.

Er zeigt sich besonders im ESM, dem European Stabilisation Mechanism, der, abgesehen von einer unbegrenzten Euro-Rettungsvollmacht, nach dem Merkel-Sarkozy-Konzept von einer gemeinsamen europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik begleitet werden soll. Deren Durchsetzung im Sinne einer Dampfwalze der Gleichheit wäre dann wohl Sache einer Ministerrats-ähnlichen Konstruktion (Rat der Gouverneure). Es bleibt offen, wie so etwas mit geltendem EU-Recht und den jeweiligen Verfassungen der Mitglieder der EU vereinbar ist. Große Zweifel sind wohl angebracht. Doch hat es hierzu schon aus interessierten Kreisen Andeutungen gegeben, dass gegebenenfalls Verfassungsänderungen und EU-Beschlüsse durchgezogen werden müssen.

Welche Rolle Dissidenten, Abweichler und Vertreter vernünftiger Alternativen in Deutschland noch spielen können, wird sich in Kürze zeigen.

Lienhard Schmidt, Hamburg

 

 

Alleinvertretungsanspruch des BdV

Zu: „,Wahrheit und Dialog‘“ (Nr. 35)

Der Tag der Heimat 2011 in Berlin unter dem Motto „Wahrheit und Dialog – Schlüssel zur Verständigung“ war gezeichnet von der glorreichen Idee, das Heimat- und Eigentumsrecht der deutschen Vertriebenen mit einer neuen Methode durchsetzen zu wollen. So soll die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, gefordert haben, bei Reisen deutscher Regierungsvertreter auch Delegierte der deutschen Vertriebenen mitzunehmen.

Glückwunsch! Endlich kann der Alleinvertretungsanspruch des BdV reife Früchte tragen – und bei von der Allgemeinheit bezahlten Reisen mit nicht zu verachtender Unterbringung und Verköstigung lassen sich die seit 60 Jahren versäumten Pflichten gegenüber den BdV-Mitgliedern und der Gesamtheit der deutschen Vertriebenen sicher endgültig biologisch regeln.

Genau betrachtet und gemessen an der amtlichen Vertriebenenpolitik, scheint dieser Vorschlag jedoch einzig und allein einigen wenigen zu dienen, die ihr Dasein mit einigen schönen Tagen beim Älterwerden auf Kosten des Vertreibungselends weiterhin versüßen wollen.

Herbert Jeschioro, Stuttgart Vorsitzender Zentralrat der vertriebenen Deutschen (ZvD)

 

 

Einen König!

Zu: „,Preußens Mitte ist wiederhergestellt‘“ (Nr. 35)

Knapp jeder zehnte Deutsche wünscht sich einen König. Das ergab eine Umfrage im April 2011. Eine Monarchie wie in Schweden ist doch gut. Lieber einen König als einen Bundespräsidenten! Ein König oder eine Königin als Staatsoberhaupt wäre wirklich überparteilich und würde von Kindheit an auf sein Amt vorbereitet.

Ich zitiere aus einer Rede von Bundestagspräsident Norbert Lammer während der 14. Bundesversammlung am 30. Juni 2010: „In einigen Demokratien ist die staatliche Spitze durch eine erbliche Monarchie besetzt, mit dem durchaus beachtlichen Argument mancher Staatsrechtler, es sei klug, auch und gerade in einer Demokratie das Amt des Staatsoberhauptes dem Ehrgeiz der Parteien und gesellschaftlichen Gruppen zu entziehen und nicht der sonst unverzichtbaren Mehrheitsregel zu unterwerfen.“

Olaf Tams, Hamburg

 

 

Wissenschaft?

Zu: „Die bohrende Frage der Mitschuld“ (Nr. 37)

Wirtschaftswissenschaften sind streng genommen keine Wissenschaften, sondern lediglich Anhäufungen von Spekulationen und Interpretationen, aus denen in bestimmten (Normal-)Fällen wahre Aussagen abgeleitet werden können. Diese Aussagen können aber genauso gut falsch sein, da sie sich im „belebten“ Bereich dieser Welt bewegen, dessen Kreativität exakte Vorhersagen beziehungsweise wahre Aussagen verhindert. Beispiel: Selbst Milton Friedman, der Erfinder des Monetarismus, verzweifelte an der Tatsache, dass seine so schön rationale und im „Labor“ funktionierende Theorie in der Praxis vollkommen andere Ergebnisse lieferte als erwünscht. Will heißen: Wer sich auf die Aussagen der Ökonomen verlässt, ohne den Verstand einzuschalten, braucht sich über eine Bauchlandung nicht zu wundern.

Gernot Schmidt, Wilnsdorf

 

 

Falkenhayn und das Verhängnis

Zu: „Glückloser Ermattungsstratege“ (Nr. 36)

In dem heute vergessenen und fast nicht mehr besorgbaren Werk von Rudolf Wagner „Hinter den Kulissen des Großen Hauptquartiers“, Berlin 1931, werden General Erich von Falkenhayn und der Kaiser massiv, aber fundiert kritisiert. Es fiel mir beim Durchblättern von Katalogen auf und ist wirklich sensationell:

„... aus dem Dargelegten ergibt sich, dass das österreichische Heer (mit seinen schweren Motorbatterien) dem deutschen an Kriegsbrauchbarkeit nicht nachstand. Es bestanden daher absolut keine militärischen Gründe die öster­reichische Hilfsarmee für die Verdun­Offensive abzulehnen, im Gegenteil. Nur durch gleichzeitigen Angriff auf beiden Maasufern war Verdun sicher zu nehmen, weil der einseitige Angriff stets vom andern Ufer flankiert wurde. Da Falkenhayn für den beiderseitigen Angriff weder genug Infanterie, noch Artillerie besaß, war die Ablehnung der österreichischen Hilfe ein Verbrechen.“

In dem sehr gut lesbaren Werk von Wagner wird auch auf den Rückzugsbefehl an der Marne, das Zurückhalten der deuschen Flotte und die Abwürgung des Unterseebootkrieges eingegangen. Hauptverantwortlicher nach Wagner: Kaiser Wilhelm II., der von ihm als „Vollblutengländer“ bezeichnet wird. Der Monarch sei an einer Niederlage Englands nicht interessiert gewesen.

Falkenhayns Grab auf dem Bornstedter Friedhof unweit des Schlossparks Sanssouci in Potsdam hat sich bis heute erhalten.

Markus Krämer, Allendorf

 

 

Was über 14 Tage hinausgeht, ist Kaffeesatzleserei

Zu: Wettervorhersage

Das Wesen des Wetters ist seine gänzliche Unbestimmtheit, seine Wechselhaftigkeit. Es ist nur für kurze Zeitspannen vorhersagbar, seine exakte Vorhersagbarkeit eine gern gepflegte Illusion.

Die moderne Meteorologie begann erst, nachdem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die mess- wie übertragungstechnischen Voraussetzungen zur raschen Übermittlung von Wetterdaten gegeben waren. Zu dieser Zeit wurden die nationalen Wetterdienste gegründet. Man zeichnete Wetterkarten, lernte Hoch- und Tiefdruck­gebiete zu identifizieren wie deren Bewegungen zu studieren. Der Marineoffizier Robert Fitz Roy (1805–1865) gründete 1854 den britischen Wetterdienst. Als Meteorologe war er überzeugt, dass er das zukünftige Wetter vorhersagen könne. Er veranlasste auch, dass die Wettervorhersagen in der nationalen Presse veröffentlicht würden. Das war vor genau 150 Jahren.

Er führte als erster das Barometer und das Sturmglas auf den britischen Schiffen ein. Als Reaktion auf eine Schiffshavarie gab er ab 1861 Sturmwarnungen und einfache Wettervorhersagen heraus. Diese waren jedoch meistens falsch und trugen ihm viel Spott ein.

Wenn auch die Vorhersagen heute besser sind, so läuft dennoch jeder Meteorologe Gefahr, sich der Lächerlichkeit preiszugeben, wenn er sich zu weit in die Zukunft vorwagt oder zu der Aussage versteigt, er verspreche bestimmtes Wetter für morgen. Dies gilt umso mehr für die staatlichen Wetterdienste. Die theoretisch mögliche Reichweite von Wettervorhersagen liegt bei etwa 14 Tagen. Darüber hinaus beginnt praktisch das, was man als Kaffeesatzleserei bezeichnen kann.

In diese Kategorie gehören Klimavorhersagen, die bestenfalls Szenarien-Rechnungen sind und weder das Wetter noch das von ihm abgeleitete Klima vorhersagen. Wenn der Wetterdienst aus politischer Opportunität meint, Sommer- und Winterprognosen für das Jahr 2100 abgeben zu müssen, dann hat er die Stufe zur Lächerlichkeit überschritten, zumal er nicht einmal weiß, wie das Wetter in vier Wochen sein wird. Es ist nicht seine Aufgabe, Kassandra oder Orakel zu spielen. Gemäß Wetterdienstgesetz vom 10. September 1998 ist „die Vorhersage der meteorologischen Vorgänge“ seine Aufgabe. Trendspekulationen über das mögliche Wetter in 90 Jahren gehören nicht dazu. Die Dienst- und Fachaufsicht über den Deutschen Wetterdienst obliegt dem Bundesminister für Verkehr. Es wird höchste Zeit, dass dieser seine Aufsichtspflicht wahrnimmt.

Dr. Wolfgang Thüne, Oppenheim

 

 

Volksbetrüger

Zu: „Von Athen blamiert“, „Wähler im Streik“ sowie „Zieht die Notbremse!“ (Nr. 36)

Diese sogenannten Volksvertreter oder besser gesagt „Volksbetrüger“ arbeiten gegen das eigene Volk. Sie haben nur vergessen, dass die meisten Menschen auch an ihre Nachkommen denken und was ihnen bevorsteht. Deshalb versucht man auch, die Bevölkerung durch die Allerwelts-Medien zu verdummen. Wegen fünf Euro Hartz-IV-Erhöhung wurde gestritten wie die Kesselflicker, aber nun werden Milliarden von Euro in einem Fass ohne Boden versenkt.

Geht es um die Diäten, heben sie alle die Hand! Die Herrschaften in den Parlamenten leben nach der Methode: „Nach mir die Sintflut, ich habe mein Geld und das Volk soll sehen, wo es bleibt.“ Wer nach die­sem Motto lebt, verliert das Vertrauen der Bevölkerung und die Wähler. Bei dieser Regierung kann man nur sagen: Armes Deutschland, das hast du nicht verdient.

Aber nur nicht aufregen, denn wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Jedenfalls gehen wir interessanten Zeiten entgegen, wenn die Herrschaften in ihren Wahlbezirken den Wählern erklären müssen, warum sie für den Rettungsschirm gestimmt und das Volk ausgeplündert haben.

Hoffentlich haben diese Leute dann rechtzeitig Asylanträge in Ländern gestellt, aus denen sie nicht ausgeliefert werden können.

Das deutsche Volk ist sehr geduldig und langmütig, aber wehe, wenn es explodiert – dann entsteht ein „Furor teutonicus“.

Horst Polakowski, Gernsheim


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabobestellen Registrieren