© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

Wie Phönix aus der Asche wiedererstanden
Wallfahrt der Nationen nach Maria Hilf im Ost-Sudetenland – Von Kommunisten gesprengt, nach der Wende neu aufgebaut

Wie kaum etwas anderes kann der katholische Glauben Gegensätze und Animositäten zwischen den Nationen überwinden und Verhärtungen im Miteinander mildern, ohne freilich den Völkern ihre Eigenheiten streitig zu machen und Unterschiede glattbügeln zu wollen. Einstmals verfeindete mitteleuropäische Völker, durch unkluge nationalistische Politik aufeinandergehetzt, finden nach dem glück­lichen Fall des Eisernen Vorhangs wieder zu einem vertrauensvollen Verhältnis.

Von der völkerverbindenden Kraft des Glaubens liefert ein kleines Marienheiligtum im Ost-Sudetenland ein Lehrstück. Am Kirchlein Maria Hilf bei Zuck­mantel [Zlaté Hory] im nordmährischen Altvatergebirge kamen am vergangenen Sonnabend zum nunmehr 16. Mal wiederum viele Tausend Pilger aus der Tschechei, der Republik Polen, der Bundesrepublik und anderen Ländern zur traditionellen „Wallfahrt der Nationen“ zusammen. Hauptorganisator der Wallfahrt ist seit Jahren der bischöfliche Minderheiten-Seelsorger in der Diözese Oppeln, Prälat Wolfgang Globisch, und viele Pilgergruppen gehören den Deutschen Freundschaftskreisen im Oppelner Land an.

Dass heute die Wallfahrer wieder eine Kirche vorfinden, nannte Oppelns Bischof An­drzej Czaja einmal ein „Zeichen der göttlichen Vorsehung“. Denn das steinerne Kirchlein, das die letzte Generation von Deutschen bis zur Vertreibung noch gekannt hat, wurde 1973 von tschechischen Kommunisten dem Erdboden gleichgemacht. Die Marienverehrung in der Waldeseinsamkeit des Querberges geht auf den Beginn des 18. Jahrhunderts zurück und ist mit einem wundertätigen Marienbild verbunden. Jahrzehntelang diente eine einfache Holzkapelle der Andacht, doch dank des Fleißes der Zuckmantler Geistlichkeit und der opferbereiten Liebe der Katholiken aus der Umgebung konnte 1841 ein fester Bau aus Stein ausgeführt werden. Der Wallfahrtsort inmitten wunderschöner Natur erfreute sich großer Beliebtheit und war weit über Mährisch-Schlesien hinaus bekannt. Zeitgenössische Quellen berichten von jährlich bis zu 100000 Pilgern in der Zwischenkriegszeit.

Von Kriegseinwirkungen verschont, wirkte sich die Vertreibung der Sudetendeutschen verheerend für Maria Hilf aus. Verwüstet und geplündert, verfiel das Kirchlein rasch. Fanatischer Deutschenhass und die Ausmerzungspolitik gegen den Glauben führte zur Sprengung der Anlage durch den tschechoslowakischen Geheimdienst. Das Gelände wurde mit Bulldozern planiert.

Doch die Erinnerung an Maria Hilf blieb lebendig. Eine Kopie des Bildes, die in der Kirche gehangen und vor der Zerstörung gerettet werden konnte, bewahrten Gläubige in Privathäusern auf, unbemerkt von den Spitzeln der Geheimpolizei. Gleich nach der Samtenen Revolution in der CSSR bildete sich im Frühling 1990 ein Ausschuss zur Wiedererrichtung des traditionsreichen Wallfahrtsortes. Papst Johannes Paul II. segnete bei seinem Besuch in Velehrad im April desselben Jahres den Grundstein für den Neubau. Die neue Kirche Maria Hilf konnte – auch dank sehr großherziger Spenden deutscher Heimatvertriebener – am 23. September 1995 geweiht werden. Eine unübersehbare Menge von 12000 Pilgern zeugte davon, wie sehr der Wiederaufbau von den Gläubigen getragen wurde. Maria Hilf steht mit seiner Existenz dafür, dass „der gläubige Mensch, auch wenn er manchmal unter dem Kreuz stehen muss, sich doch auf die Auferstehung freuen kann“ (Bischof Czaja). CR


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