© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

Einsatz für Vertriebene
Paul Hansel rief Informationsveranstaltungen für Lehrer ins Leben

Ein Plakat des Kulturwerks Schlesien, das zu einer Tagung über schlesische Geschichte einlud, fiel dem jungen Erlanger Studenten der Germanistik, Geschichte und der politischen Wissenschaften auf. Er fuhr hin und war fortan für Vergangenheit und Gegenwart der Vertreibungsgebiete gewonnen. Über seinen Lebensweg und seine Arbeit berichtete er im Erzählcafé des Münchner „Haus des Deutschen Ostens“(HdO) unter der Moderation von Renate v. Walter.

Der heutige Ministerialdirigent des „Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen“ Paul Hansel stammt aus einer oberschlesischen Familie, wurde aber erst 1948 in Bayern geboren. Daheim lernte er den oberschlesischen Wortschatz und wurde nach dem Studium Gymnasiallehrer in Regensburg und Eichstätt. Noch im Schuldienst sorgte er für eine Eichendorff-Ausstellung und kümmerte sich um ein Projekt über die mittelalterliche Ostsiedlung. Seine Karriereleiter begann Hansel bei der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen an der Donau, sie führte ihn 1991 in die Nähe der Ministerpräsidenten Stoiber und Seehofer in der Bayerischen Staatskanzlei bis hin zum Abteilungsleiter im Ministerium. Dort gehört die Sorge um Vertriebene, Aussiedler und Spätaussiedler mit ihren Institutionen zu seinem Verantwortungsbereich. Unter anderen sind das das „Haus des Deutschen Ostens“, das „Haus der Heimat“ in Nürnberg, das „Sudetendeutsche Haus“ mit seinen Organisationen, das Ostpreußenmuseum in Ellingen und die Ostdeutsche Galerie Regensburg. Im Blick sind auch die deutschen Sprachinseln.

Die Vertreibungsgebiete besaßen Anfang der achtziger Jahre an der Lehrerfortbildungsakademie in Dillingen keinen großen Stellenwert. Zusammen mit dem damaligen Leiter des „Haus des Deutschen Ostens“ Horst Kühnel entwickelte Hansel ein Modellprojekt, das seit 1986 jährlich etwa jeweils dreißig bayerische Lehrer/innen mit fachlicher Begleitung zu einer Exkursion nach Ost-Südost-Mitteleuropa führt. Bei der ersten Reise wollten dreihundert Lehrer mitfahren. Hansels Idee hatte gezündet. Die Teilnehmer opfern einen Teil ihrer Ferien. Der heutige Direktor des HdO Ortfried Kotzian setzt diese Tradition fort. Die Lehrgänge gehören zum festen Programm der Dillinger Akademie.

Hansel weiß über diese Reisen in den Osten vor der Wende, von Schikanen und langen Wartezeiten an den Grenzen zu erzählen. Auch emotional forderten ihn die Begegnungen mit dortigen deutschen Minderheiten und ihren Existenznöten. Bayerns Schulkinder und die Kollegen in den Lehrerzimmern erfuhren davon. Viel Wissen floss dann in die Schülerwettbewerbe „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn“ ein. Nach 1989 ergaben sich aus der Kenntnis der Not im Osten in Bayern wichtige Hilfsprojekte wie zum Beispiel die in Rumänien.

Damals geschlossene erste Kontakte zu Lehrern in den östlichen Nachbarstaaten bereiteten den Boden für viele heutige Schulpartnerschaften. Allein mit der Tschechei sind 180 bayerische Schulen verbunden.

Aus seinen Erfahrungen als Pädagoge weiß Hansel, wie lange es dauert, in der Gesellschaft festgefügte Geschichtsbilder zu ändern. „Wie hat man Frau Steinbach in Polen behandelt“, erst jetzt haben wir ein an die deutschen Mitbürger erinnerndes Museum in Aussig.

Hansel setzt sich dafür ein, Zeitzeugen von Flucht und Vertreibung in die Schulen einzuladen. Für junge Lehrer, Beamte in den Ministerien und Behörden wie Journalisten sind die Jahre der Vertreibung weit weg. Nötig sind für sie authentische Berichte. Norbert Matern


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