© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-11 vom 24. September 2011

MELDUNGEN / ZUR PERSON

Illegale Wahlhilfe aus Afrika

Paris – Schwere Vorwürfe hat der ehemalige Regierungsberater Robert Bourgi gegen Jacques Chirac und Dominique de Villepin erhoben. Gegenüber dem „Journal du Dimanche“ behauptet der Afrika-Experte, dass beide Politiker jahrelang Zahlungen von afrikanischen Staatschefs erhalten hätten. Allein für Chiracs Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2002 sollen etwa zehn Millionen Dollar aus fünf afrikanischen Ländern geflossen sein. N.H.

 

Athen importiert Olivenöl

Athen – Nach Angaben der grie-chischen Statistikbehörde Elstat wurde im Jahr 2010 Olivenöl im Wert von 1,5 Millionen Euro aus Deutschland importiert. Die Vereinigung Griechischer Agrarverbände (GCGAA) geht allerdings davon aus, dass es sich um griechische Ware handelt, die reimportiert wurde, weil zahlreiche Erzeuger aufgrund eines Preisverfalls ihren Anbau eingeschränkt hatten. N.H.

 

Schillernde Amazone

Dass Wirkung in der Politik oft wichtiger als Inhalt ist, beweist die Siegerin der dänischen Parlamentswahlen, die Sozialdemokratin Helle Thorning-Schmidt. „Gucci-Helle“, wie sie wegen ihres luxuriösen Lebensstils genannt wird, beflügelt die Phantasie ihrer Landsleute auf besondere Weise. An erster Stelle der Suchkriterien in der Internet-Suchmaschine „Google“ steht in Zusammenhang mit ihrem Namen das Wort „nøgen“ (nackt). Offensichtlich interessierte man sich während des Wahlkampfes mehr für ihre Optik als für ihre politische Programmatik. Trotzdem haben ihr die Dänen als erster Frau in der Geschichte des Landes zum Sprung an die Regierungsspitze verholfen.

In ihrer Jugend engagierte sich die 1966 geborene Politikwissenschaftlerin in der Friedens- und Bürgerrechtsbewegung und stand zeitweise den Kommunisten nahe. Nach dem Studium am Europakolleg im niederländischen Brügge und in Kopenhagen arbeitete sie als Sekretärin der dänischen Sozialdemokraten im Europaparlament und als Beraterin des dänischen Gewerkschaftsbundes. Im Jahre 1999 wurde sie selbst für eine Legislaturperiode ins EU-Parlament gewählt. 2005 zog sie ins dänische Nationalparlament Folketing ein und wurde im gleichen Jahr als erste Frau an die Parteispitze gewählt. Trotz der bitteren Niederlage der Sozialdemokraten bei der Parlamentswahl 2007 blieb sie im Amt, weil es keine personelle Alternative zur Parteivorsitzenden gab. Der Wahlsieg vom 15. September krönt nun ihre politische Karriere.

Die schillernde Thorning-Schmidt gilt als Vertreterin des rechten Parteiflügels, sie tritt jedoch energisch für das Festhalten am dänischen Sozialstaatsmodell ein. Als Oppositionsführerin folgte sie in der Außen- und der Ausländerpolitik weitgehend der Linie der liberal-konservativen Regierungskoalition, die sie nun ablöst. J.H.


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