© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-11 vom 01. Oktober 2011

Dekadent
von Christian Rudolf

Berlin hat gewählt und die Spaß-Partei der „Piraten“ ins Abgeordnetenhaus geholt. Nach einem Wahlkampf, der unfreiwillig wieder einmal die austauschbaren Plattitüden der Systemparteien vorführte, kann man direkt froh darüber sein, dass es politischen „Newcomern“ gelang, das Kartell aufzubrechen und für etwas Frischluft zu sorgen. Doch vor dem Hintergrund der Probleme Berlins vergeht der kurze Anflug von Freude, und es ist gewiss, dass die Chaostruppe mit ihrem Nicht-Programm nichts Konstruktives zur Lösung beitragen wird. Die Hauptstadt ertrinkt im Milliarden-Meer ihrer Schulden, die Polizei wird der massenhaften Autobrandstiftungen auch dieses Jahr nicht Herr, der Schulunterricht leidet unter dem Störfeuer integrationsunwilliger Immigranten, in den Brennpunkt-Bezirken werden Kinder deutscher Eltern von Fremdstämmigen gemobbt, die spezifischen Probleme am Berliner Arbeitsmarkt sind sprichwörtlich, der Hartz-IV-Kropf drückt – und 160000 Berliner verspielen ihre Wahlstimme.

Möglich, dass die Piraten das Lebensgefühl der Internet-Generation wiedergeben. Möglich, dass sie den Grünen mittelfristig den Rang ablaufen. Ein Dekadenzphänomen ist ihr Auftreten jetzt schon.


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