© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-11 vom 01. Oktober 2011

Zurück auf Linie
von Michael Johnschwager

Die kritischen Töne gegen-über Griechenland aus dem Munde des liberalen Bundesvorsitzenden Philipp Rösler haben ein langjähriges FDP-Mitglied wie mich aufhorchen und wieder hoffen lassen. Ebenso die bekundeten Bedenken zur Euro-Rettung des ostwestfälischen Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler und seiner Mistreiter.

Eine mutige Haltung in einer Partei, die sich Europas Integration vorrangig auf die gelb-blaue Fahne geschrieben hat, denke ich. Da artikuliert ein Zirkel freimütig, was mich seit geraumer Zeit mit einer Mischung aus Unmut und Besorgnis erfüllt. Plötzlich schießt mir durch den Kopf: Damit lässt sich das Ruder des vor sich hindümpelnden Schiffs FDP in letzter Minute doch noch herumreißen. Licht am Ende des Tunnels wird für mich sichtbar.

Doch die Kritik an der jetzigen Form der Euro-Rettung hat Leute wie den Hamburger FDP-Landesvorsitzenden Rolf Salo auf den Plan gerufen. Mit einem Appell per E-Mail sollen etwaig mit Schäffler und Co. sympathisierende Abweichler unter den Elb-liberalen auf Linie gebracht werden. Und das in einer Partei, die gebetsmühlenartig ihre liberalen Grundsätze betont!

Mein liberales Credo gerät nun unweigerlich ins Wanken. Macht doch diese Art von Zwang schon nicht mehr vor einem schlichten Parteigänger halt. Meine Enttäuschung kann ich nicht verbergen. Soll ich dem Trend all derer folgen, die dieser vorgeblich liberalen Partei desillusioniert den Rücken gekehrt haben? Nein. Nach reiflicher Überlegung entschließe ich mich, der FDP erhalten zu bleiben – als unbequemer Querdenker.


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