© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-11 vom 01. Oktober 2011

Theorie und Praxis

Von Aufgeklärten inspiriert,
hat man in hehrem Streben
sie tausendfältig diskutiert
und dann per Uno proklamiert –
die Menschenrechte eben.

So hat man, wenn sie wer verletzt,
Motive, sich zu rühren –
indem man erst mal sich entsetzt,
inzwischen schon die Messer wetzt,
um schließlich Krieg zu führen.

Doch wenn der Sünder mächtig ist,
na oder sonst recht wichtig,
ist’s besser, dass man drauf vergisst
und gleich mit andern Ellen misst,
wie je nach Lage richtig.

Für Völker gilt, was auch nicht schlecht,
bereits seit Wilsons Tagen
sogar ein Selbstbestimmungsrecht –
nur wehe, wenn sich wer erfrecht,
besiegt danach zu fragen!

Wenn stärker ist der Okkupant,
ist’s gleichfalls nicht zu raten,
denn wer sich wehrt, das ist bekannt,
wird füglich Terrorist genannt
für alle seine Taten.

Dann ist das Recht erst recht vertan –
das heißt in Worten, klaren,
es läuft nach des Besetzers Plan
und ist der Freibrief, so profan
wie bisher fortzufahren!

Desweitern gibt es auf der Welt
die höhern Interessen,
an die sich selbst ein Staatsmann hält
und Vetos liefert, wenn bestellt,
wie unschwer zu ermessen:

Es kommen schließlich nächstes Jahr
die Präsidentschaftswahlen –
da zählt noch mehr als sonst sogar
das Sinnen jener offenbar,
die für den Wahlkampf zahlen...

Pannonicus


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