© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-12 vom 14. Januar 2012

Fliegen soll einfacher werden
Die Politik arbeitet an einer besseren Erreichbarkeit Allensteins auf dem Luftwege

Eines der größten Infrastrukturdefizite Allensteins ist das Fehlen eines eigenen Regionalflughafens. Nun soll die Woiwodschaftshauptstadt besser an das internationale Luftfahrtnetz angeschlossen werden. Mehrere Optionen stehen zur Wahl.

Bis jetzt sind die nächstgelegenen Flughäfen Warschau und Danzig, die rund drei bis vier Stunden Fahrzeit entfernt liegen. Für Allensteiner ist es deshalb oft problematisch, einen gewünschten Flug wahrzunehmen, besonders dann, wenn es sich um die Angebote sogenannter Billigflieger handelt. Die Einwohner Allensteins wie überhaupt des südlichen Ostpreußen können die preisgünstigeren Last-Minute-Reisen meist nicht in Anspruch nehmen. Das Fehlen eines geeigneten Flugplatzes hat außerdem zur Folge, dass der Fremdenverkehr stagniert.

Seit langem ist eine Neueröffnung des Regionalflughafens in Schimanen bei Ortelsburg im Gespräch. In den 90er Jahren waren Reisemaschinen aus dem Ausland hier mit ihren Passagieren gelandet. Dann jedoch wurde der Zivilflughafen in einen militärischen umgewandelt. Gezwungenermaßen wichen die Fluggäste auf die Angebote anderer polnischer Flughäfen aus.

Zwar steht der Flughafen Schimanen bereits seit einigen Jahren wieder unter der Obhut einer Zivilbehörde, was zu wiederholten Versuchen geführt hat, den zivilen Flugverkehr wieder aufleben zu lassen, doch komplizierte Eigentumsverhältnisse der Anlage erschwerten dieses Vorhaben. Dazu kommt die schlechte Verkehrsanbindung zur Gebietshauptstadt. Allenstein liegt zirka 55 Kilometer Luftlinie entfernt. Um den Flughafen verkehrstechnisch zu erschließen, wurde deshalb beschlossen, die Eisenbahnlinie nach Ortelsburg mit ihrer Weiterführung nach Schimanen zu modernisieren. Mit den notwendigen Bauarbeiten wurde sogar schon begonnen. Nach ihrer Fertigstellung soll es möglich sein, die Endstation in Schimanen in einer knappen Stunde vom Hauptbahnhof in Allenstein aus zu erreichen. Nur unter dieser Bedingung scheint eine Nutzung des künftigen Flughafens sinnvoll zu sein.

Da aber das ganze Projekt langwierig ist, schießen immer wieder neue Ideen durch die Köpfe vieler Allensteiner. Dabei wird in erster Linie erwogen, ob die zwei anderen Flugplätze in der Umgebung zu Flughäfen ausgebaut werden könnten. Es handelt sich um den Flugplatz Deuthen, von dem bereits vor der Eroberung durch die Rote Armee Maschinen nach Königsberg abgehoben waren, und den alten Militärflugplatz Grieslienen. Die beiden liegen in direkter Nachbarschaft zu Allenstein, wodurch die strapazierenden An- und Rückfahrten überflüssig würden. Nach einer Verlängerung der kürzlich ausgebesserten Flugbahn könnte der Deuthener Flugplatz von kleinen Flugzeugen, wie sie die Empresa Brasileira de Aeronáutica S.A. (Embraer) herstellt, angeflogen werden. An der Universität in Allenstein wurde bereits eine Machbarkeitsstudie erstellt. Obwohl es sich nur um wenige Flugzeuge handelt, die diese Startbahn täglich nutzen würden, wird mit heftigen Protesten seitens der Anrainer gerechnet. Zudem ist der Allensteiner Vorort Grieslienen zwar verkehrsmäßig gut an die Woiwodschaftshauptstadt an­ge­bun­den, doch müss­ten die für einen Flugplatz notwendigen Abfertigungsräumlichkeiten erst noch gebaut werden.

Das ist jedoch alles Zukunftsmusik. Gegenwärtig ist dort ein Flugsportklub beheimatet, der im Sommer Flüge für interessierte Besucher veranstaltet. Wenn man also etwa schnellstens die Bundesrepublik Deutschland erreichen möchte, muss man sich weiterhin auf den Lech-Wałesa-Flughafen Danzig verlassen, der günstige Flüge nach Hamburg und Dortmund anbietet. Es ist einer der am meisten expandierenden Regionalflughäfen der Republik Polen. Mit über 2,2 Millionen Passagieren war er im Jahr 2010 nach Warschau, Krakau und Kattowitz der vierthäufigst frequentierte Flughafen der Republik Polen. Bis zur sogenannten Wende fokussierte sich entsprechend dem sozialistischen Zentralismus der internationale Flugverkehr Polens auf die Hauptstadt. Die anderen Flughäfen waren nur auf den Inlandverkehr ausgerichtet. Erst später wurden die Grundlagen für den Ausbau anderer Flughäfen geschaffen. Seitdem boomen sie und die Zahl der dort abgefertigten Fluggäste wächst ständig. Besonders spektakulär war der ökonomische Erfolg des Krakauer Flughafens Johannes Paul II. sowie der Flughäfen in Breslau, Posen und Rzeszów. Von der Hauptstadt der Woiwodschaft Karpatenvorland, die von 1941 bis 1945 den Namen „Reichshof“ trug, gibt es sogar eine Luftverbindung in die Vereinigten Staaten von Amerika. Die übrigen Flughäfen Stettin, Bromberg, Lodz und Grünberg weisen weitgehende Verluste der Passagierzahlen auf. Grzegorz Supady


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