© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 08-12 vom 25. Februar 2012

Deutscher »Sparmansperg« für Griechenland
Nachdem Joseph von Armansperg Bayerns Finanzen saniert hatte, wurde er als Regierungschef nach Griechenland geschickt

Bereits im 19. Jahrhundert wurde der Versuch unternommen, mit deutscher Ordnung, Gründlichkeit und Sparsamkeit Griechenland zu sanieren, denn schon damals war es ein „verwahrlostes Land“, wie Roswitha von Bary-Armansperg in der „Neuen Deutschen Biographie“ zu berichten weiß. An der Spitze dieses Versuchs stand Joseph Ludwig Graf von Armans­perg, der ebenso wie der damalige König Griechenlands, Otto I., aus Deutschland stammte.

Der am 28. Februar 1787 im niederbayerischen Kötzting geborene Urenkel des bayerischen Staatskanzlers Franz Xaver Josef von Unertl war nach einem Jurastudium in Landshut 1808 in den bayerischen Staatsdienst eingetreten. Während der Befreiungskriege war er ab 1813 als Verwaltungsbeamter der bayerischen Besatzungsmacht in Frankreich tätig. Dabei lernte er das fortschrittliche Verwaltungssystem der westlichen Kontinentalmacht kennen und schätzen.

Nach den Freiheitskriegen machte Armansperg in der bayerischen Verwaltung Karriere. Seine Politikerkarriere begann nach der Regierungsübernahme Ludwig I. im Jahre 1825. Für die Sanierung der Staatsfinanzen griff dieser ambitionierte König auf Armansperg zurück, der sich bereits ab 1820 an der Spitze des Obersten Rechnungshofes als Finanzfachmann ausgewiesen hatte. Noch im Jahre seiner Regierungsübernahme holte der Monarch Armansperg in die sogenannte Ersparungskommission. Zwei Jahre später berief er ihn an die Spitze nicht nur des Finanz-, sondern auch des Innenministeriums. Noch im selben Jahr konnte Armansperg vor dem Landtag verkünden, dass der Staatshaushalt in jenem Jahr erstmals seit langer Zeit kein Defizit auswies. „Sparmannsberg“ wurde deshalb sein Ministerium ebenso scherzhaft wie vielsagend genannt.

Des Weiteren bemühte der liberale Minister sich, Verwaltungsinstitutionen aus der vormals französischen linksrheinischen Bayerischen Pfalz in das rechtsrheinische Mutterland zu übertragen. Mit seinem fortschrittlichen Kampf gegen die Patrimonial­gerichtsbarkeit und die Wieder­errichtung der in der napoleonischen Zeit aufgelösten Klöster brachte er jedoch Adel und Kirche, sprich den ersten und den zweiten Stand, gegen sich auf. Diese setzten durch, dass er das Innenministerium verlor und nun neben dem Finanz- das Außenministerium erhielt.

Auch als Chef des Außenresorts setzte Armans­perg liberale Akzente. So setzte er sich für den Abbau von Zollmauern und die Schaffung eines gemeinsamen deutschen Marktes ein. Die Zollvereinspolitik des bayerischen Außenministers widersprach jedoch den Interessen Wiens, da die österreichische Regierung die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Staates als zu gering erachtete, als dass er sich an einem gemeinsamen deutschen Markt hätte beteiligen können. So wurde die kleindeutsche Einigung Deutschlands durch die Zollvereinspolitik quasi auf wirtschaftlichem Gebiete vorweggenommen.

Doch auch ideologische Gründe belasteten das bayerisch-österreichische Verhältnis. An der Spitze der süddeutschen Mittelmacht stand mit Armans­perg ein Liberaler, an der Spitze der süddeutschen Großmacht mit Klemens Wenzel Lothar von Metternich ein Reaktionär. Zur Kompensation suchte Armansperg Rückhalt bei Frankreich.

Das Ende dieser liberalen, frankreichfreundlichen Politik kam, nachdem in der westdeutschen Großmacht 1830 die Julirevolution ausgebrochen war. Verschreckt von der Revolution suchte der Bayernkönig die Nähe Österreichs und ließ Armansperg fallen.

Der geschasste Liberale zog sich auf seine Güter zurück, wurde jedoch schon kurze Zeit später als Regierungschef Griechenlands reaktiviert. Auf der Londoner Konferenz einigten sich die drei nichtdeutschen Großmächte 1832 auf die Schaffung eines griechischen Königreiches mit dem Bayernprinzen Otto als König. Da der 1815 geborene Wittelsbacher zu dem Zeitpunkt noch unmündig war, wurde ein Regentschaftsrat eingesetzt. Zu dessen Chef wurde bezeichnenderweise ein deutscher Finanzexperte mit Sparerfahrung berufen, Joseph von Armansperg.

Wie schon als bayerischer suchte er nun auch als griechischer Regierungspolitiker Rück­halt im liberalen Westen. Aufgrund der geografischen Lage war es diesmal allerdings weniger Frankreich als Großbritannien, an das er Anlehnung suchte.

Eine Wiederholung seines Erfolges in Bayern blieb Armans­perg jedoch in Griechenland versagt, was nicht unbedingt an ihm liegen muss. Interessanterweise wurde dem Bayern wie heute der Griechenlandpolitik der Bundesregierung vorgeworfen, allzu sehr nach heimischer Schablone zu arbeiten. Karl Theodor von Heigel verweist allerdings zur Verteidigung des Deutschen darauf, dass „in diesen Jahren eine rein griechische, auf nationalen Formen beruhende Regierung gar nicht möglich war, sondern erst vorbereitet werden musste“. Die Situation in Hellas war also ähnlich wie heute.

1837 wurde der erfolglose griechische Regierungschef von seinem mittlerweile mündigen König entlassen. Armansperg zog sich wie weiland 1831 auf seine bayerischen Güter zurück, diesmal allerdings endgültig. Er starb am 3. April 1853 in Bayerns Hauptstadt München. Manuel Ruoff


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