© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 34/14 vom 23.08.2014

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Steinmeiers Mission
Ukraine-Krise: Deutscher Außenminister bietet Kräfte der Konfrontation die Stirn

Es ist ein Ringen zwischen den Kräften der Mäßigung und jenen der Konfrontation, das am Montag in Berlin in seine womöglich entscheidende Phase getreten ist. Die von Deutschland und Frankreich initiierten russisch-ukrainischen Friedenssondierungen in Berlin endeten ohne greifbares Ergebnis, was auch kaum anders zu erwarten war. Zu verfahren ist die Lage.

Wer ist schuld am mageren Resultat? Gewiss nicht der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der seit Beginn des Konflikts eine beispielhafte Arbeit als Vermittler leistet und nicht lockerlässt. Die meisten deutschen Kommentare wiesen mit dem Finger auf Russland, was wenig überrascht, nachdem sich die Medien der Bundesrepublik bereits seit Monaten auf den Kreml als Quell allen Übels eingeschossen haben. Eine Haltung, die sie mit den politischen Führungen von Nato und EU teilen.

Diese Position diene vor allem der Beruhigung der östlichen EU- und Nato-Partner, die sich von Russland bedroht fühlten, heißt es. Auf diese Weise wird allerdings auch jenen Kräften in Kiew der Rücken gestärkt, die jedes Entgegenkommen gegenüber den ostukrainischen Rebellen und Russland ablehnen und stattdessen auf einen „Siegfrieden“ setzen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte in Berlin einen bedingungslosen Waffenstillstand vorgeschlagen, damit erst einmal das Töten aufhört und den Zivilsten geholfen werden kann. Danach sollten die eigentlichen Verhandlungen aufgenommen werden.

Das wies sein ukrainischer Kollege Pawel Klimkin barsch zurück. Neben seinen drei Forderungen – Schließung der Grenzen, OSZE-Kontrolle über die Ostukraine und Freilassung aller Gefangenen durch die Rebellen – will Kiew dem Vernehmen nach auch, dass die Rebellen sofort die Waffen niederlegen. Außerdem fordert die Ukraine nach wie vor die Rückgabe der Krim.

Nicht nur Kiew, auch den westlichen Regierungen ist klar, dass die Rückgabe der Krim für Russland nicht infrage kommt. Sie wäre politischer Selbstmord für jede russische Führung. Der verbissene Verweis des Westens aufs Völkerrecht wirkt fadenscheinig. Etliche der jetzt so legalistisch auftretenden Mächte haben es selbst in den vergangenen 100 Jahren ohne Zögern gebrochen, zuletzt bei der Anerkennung des Kosovo.

So bleibt der düstere Verdacht, dass es einigen Kräften im Westen gar nicht um eine friedliche, für alle Seiten verträgliche Lösung geht. Womöglich streben sie vielmehr eine Verfestigung des Konflikts an, um eine neuerliche Spaltung Europas herbeizuführen, weil ein gespaltenes Europa besser in ihre geostrategische Planung passt als ein einiges, in dem Russland mit West- und Mitteleuropa – Deutschland zumal – eine gedeihliche Partnerschaft einginge. Für Berlin gilt es, diese Pläne geschickt zu durchkreuzen. Außenminister Steinmeier hat somit eine Mission von Bismarckschen Ausmaßen übernommen. Hans Heckel


Zu Unrecht in der Defensive
Im Fall der Türkei hat der BND gute Argumente für Abhöraktionen

Für die Amerikaner ist diese Nachricht ein Geschenk des Himmels“, kommentierte der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestags, Wolfgang Bosbach (CDU), die Tatsache, dass der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) aus Versehen vereinzelt Gespräche von US-Außenminister John Kerry und seiner Amtsvorgängerin Hillary Clinton mitgehört hat. Dass das systematische Ausspähen der US-Geheimdienste von deutschen Politikern inklusive der Bundeskanzlerin eine andere Qualität und Quantität hat als die als „Beifang“ bezeichneten Abhöraktionen des BND, blendet Washington hingegen aus, und nun ist plötzlich Berlin in der Defensive.

In Bezug auf die Abhöraktionen des BND gegenüber dem Nato-Partner Türkei hingegen bekommt dieser unerwartet Rückendeckung von dem ehemaligen Grünen-Chef Jürgen Trittin. Deutschlands Sicherheit sei durch die Spannungen im Grenzgebiet der Türkei mit Syrien und dem Irak „unmittelbar betroffen“, so Trittin, der daran erinnerte, dass dort auch Bundeswehrsoldaten stationiert seien. Auch eine kleine Online-Umfrage des „Spiegel“ ergab, dass zwei Drittel der gut 3000 Befragten der Meinung war, dass der BND die Türkei abhören solle.

Dieses Stimmungsbild ist darauf zurückzuführen, dass von Ankara in den letzten Jahren zahlreiche Aktionen ausgingen, die nicht mit dem deutschen Rechtsempfinden zu vereinbaren sind. Hier sind beispielsweise die Einschränkungen des Demonstrationsrechtes, der Pressefreiheit oder der Justiz zu nennen. Auch ist die Rolle der Türkei im Syrienkonflikt undurchsichtig. So sollen hunderte Dschihadisten auch aus Deutschland über die Türkei ungehindert in die Krisenregion gereist sein. Da einige von ihnen radikalisiert und zu einem Anschlag willens heimkehren könnten, muss der BND hier aktiv sein. Bel


Ganoven im Glück
Berliner Polizei ermittelt nur noch bei Aussicht auf Erfolg

Erst dieser Tage wurde publik, dass die Berliner Polizeiführung aufgrund von Personalmangel seit Jahresbeginn in 24 der 37 Polizeiabschnitte die Mitarbeiter probeweise dazu anhält, nur noch bei Aussicht auf Erfolg zu ermitteln.

„Wenn ich lese, dass in den Abschnittskommissariaten nur dort tiefer ermittelt werden soll, wo es erfolgsversprechende Ermittlungsansätze gibt, wird mir ganz anders“, sagte die Landesbezirks- vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Kerstin Philipp. So fürchte sie, dass eine derartige Vorgehensweise den Tätern in die Hände spiele, denn oft sei es erst die Hartnäckigkeit der ermittelnden Polizisten, die den gewünschten Ermittlungserfolg mit sich bringe.

Die Anordnung wird so interpretiert, dass im Falle von Fahrraddiebstählen, Einbrüchen oder Sachbeschädigungen nicht mehr ermittelt werden soll, da hierfür das Personal fehle. Kleinkriminelle hätten also demnach noch weniger zu befürchten als bisher (siehe auch S. 3). Gegenüber der „Berliner Morgenpost“ äußerte sich jedoch ein ranghoher Kriminalbeamter derart, dass dies schon längst Alltag sei und nicht mit der relativ neuen Anordnung zusammenhänge. Mit „Volldampf“ werde nur noch ermittelt, wenn es Hinweise auf Täter gebe oder den Verdacht einer Serie, so der Polizist weiter.

Die „Berliner Zeitung“ weist zudem darauf hin, dass für Ermittlungen nicht nur das Personal fehle, auch sei das vorhandene häufig schon in einem Alter, in dem ein Außendienst aus gesundheitlichen Gründen nur noch eingeschränkt zuzumuten sei.

Polizeipräsident Klaus Kandt hingegen versteht die ganze Aufregung nicht. Man habe schon immer bei Ermittlungen Prioritäten gesetzt, das sei völlig normal. Bel


Rebecca Bellano:
Unterschätzt

Man habe einen russischen Militärkonvoi auf ukrainischem Gebiet gesichtet und zerstört, meldete Kiew am vergangenen Wochenende. Prompt dementierte Moskau und behauptete, es gäbe gar keinen russischen Militärkonvoi in der Ukraine. Der deutsche Nachrichtenkonsument blieb daraufhin ratlos zurück, zumal Kiew Fotos, die die Zerstörung des Corpus Delicti hätte beweisen können, nicht sofort mitlieferte, obwohl dies eigentlich ganz einfach hätte sein müssen.

Die aktuelle Ukraine-Krise ist ein Musterbeispiel für eine Propagandaschlacht, bei der jede Seite versucht, die neutralen Beobachter für sich einzunehmen. Dass Putin seine eigene Sicht der Dinge hat, ist den deutschen Mediennutzern bewusst, auch ist er zumeist in der Lage, diese einzuordnen, doch dass die Regierung in der Ukraine nicht das Unschuldslamm in Person ist, ist angesichts der Voreingenommenheit der Medien nicht sofort zu erkennen. Aber man wird misstrauisch, wenn Kiew behauptet, seine Luftwaffe bombardiere keineswegs die von Separatisten besetzten Städte Donezk und Lugansk, während gleichzeitig der dort stationierte österreichische ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz vom Bombardement berichtet und wenig später Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) Bombenkrater sichten.

Aus der Geschichte kann man lernen und daher lohnt sich ein Blick 100 Jahre zurück (siehe Seite 4). Schon im Ersten Weltkrieg war Propaganda eine beliebte Waffe, die jedoch nur auf den ersten Blick außer der Wahrheit keine Opfer fordert. Denn Propaganda verhindert Versöhnung und verlängert so den Krieg.


S. 2 Aktuell

Aufbegehren gegen Propagandakrieg
Zweifel an Schuldzuweisungen gegen Russland wachsen – MH-17-Daten weiter unter Verschluss

Russische Waffenlieferungen als getarnter Hilfskonvoi, Moskaus Mitschuld am MH-17-Absturz, Wladimir Putin als das personifizierte Böse: Dieses Bild verbreiten deutsche Leitmedien von Russland. Während die meisten Deutschen diese Darstellung nicht hinterfragen, werden Zweifel an der Wahrheit solcher Stereotypen laut.

Man muss kein „Putin-Versteher“ sein, um zu merken, dass bei der Berichterstattung über Russland derzeit etwas schief läuft. Dass ein an Schärfe zunehmender Medienkrieg zwischen dem Westen und Russland tobt, bestreitet wohl niemand. Allmählich scheint auch bei deutschen Medien eine vorsichtigere Betrachtungsweise einzusetzen, wenn etwa in den ARD-“Tagesthemen“ zugegeben wird, dass es keine unabhängigen Nachrichten mehr aus der Ostukraine gibt.

Auslöser für diesen Sinneswandel waren Berichte zweier britischer Journalisten des „Guardian“ und des „Telegraph“, die 23 russiche Panzerfahrzeuge beim Einmarsch in die Ukraine beobachtet haben wollen, freilich, ohne Beweise vorlegen zu können, nicht einmal Handyfotos konnten sie vorweisen. Dass sie Militärfahrzeuge in einem Kriegsgebiet gesehen haben, zumal in einer Grenzregion, die von Separatisten kontrolliert wird, verwundert nicht. Andere offizielle Quellen als die ukrainische Regierung, die diesen Zwischenfall bestätigen, gibt es nicht. Auch der als verdächtig eingestufte russische Hilfskonvoi, bestehend aus 280 Lkw, hatte laut Internationalem Roten Kreuz tatsächlich Decken und andere Hilfsgüter geladen. Was verwundert, ist die Tatsache, dass die Lkw nur zur Hälfte beladen waren. Die russische Seite begründet das damit, man habe verhindern wollen, dass die Lastwagen in unwegsamem Gelände steckenbleiben. Russlands Außenminister Sergej Lawrow lobte die erste „wahrheitsgetreue westliche Berichterstattung“, weil inzwischen die Schrecken des Krieges und das Leid der Zivilbevölkerung thematisiert würden.

Es zeichnet sich ab, dass auch offizielle Meldungen  Kiews vorsichtig hinterfragt werden, nachdem OSZE-Beobachter das brachiale Vorgehen der ukrainischen Armee schilderten. Der Beschuss von Wohnhäusern und einem Krankenhaus in Donezk hat Menschenleben gefordert, nach dem Beschuss der Stadt Gorlowka mit dem größten Chemiebetrieb der Ukraine droht eine ökologische Katastrophe.

Beim Umgang mit dem Abschuss von MH-17 herrscht jedoch weiter Schweigen. Fragen, die offensichtlich kein Journalist mehr stellt, veröffentlichen Leser in Online-Kommentaren. „Wo ist der Voicerecorder aus MH-17 beziehungsweise seine Auswertung, die beweisen würde, dass Putin oder die Separatisten schuldig sind“ oder „Man traut der Presse (auch dem ,Spiegel‘) nicht mehr. Die Argumente, die für Russland und die russischen Bürger in der Ukraine sprechen, werden jetzt seit Wochen unterdrückt und verschwiegen.“

Die letzten Meldungen über den Verbleib von Stimmenrekorder und Flugdatenschreiber des malaysischen Flugzeugs stammen vom 8. August. Seltsamerweise liegen die Flugdaten der Air-Algérie-Maschine, die mehr als eine Woche später abstürzte, längst vor. Dies, wie auch die Tatsache, dass neue Hinweise aus Indien kaum bekannt gemacht wurden, obwohl sie neue Aufschlüsse bringen könnten, nähren den Verdacht, dass die Wahrheit vertuscht werden soll. Laut „Times of India“ soll sich ein Dreamliner der Air India in 25 Kilometern Entfernung befunden haben, als die Piloten Minuten vor dem Abschuss von MH-17 einen Funkspruch gehört haben wollen. Demnach sei der MH-17-Besatzung die Erlaubnis für ein sogenanntes „direct routing“ durch den ukrainischen Fluglotsen erteilt worden. Dabei darf ein Flugzeug die geplante Route verlassen und einen direkten Weg, der bei Piloten beliebt sei, weil er Zeit spare, nehmen.

Es scheint jedoch, als seien weder Washington oder London noch Brüssel an einer Aufklärung interessiert, da der Vorfall den Sanktionen des Westens Vorschub geleistet hat: Waren vor dem Abschuss von MH-17 die meisten Europäer gegen eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland, betrachteten danach alle Putin als Aggressor.

Zeugenaussagen wie die des ukrainisch-kanadischen OSZE-Beobachters Michael Bociurkiw, die dieser in einem Interview mit dem kanadischen TV-Sender CBC gemacht hatte, blieben unkommentiert. Seltsam daran ist, dass es für Nato und USA ein Leichtes sein müsste, die Wahrheit ans Tageslicht zu fördern, da sie jeden Schritt der Russen beobachten. Die USA geben jährlich 100 Milliarden Dollar für globale Geheimdienst-Aktivitäten aus. Zur Zeit des Flugzeugabsturzes hielten sich Nato-Schiffe im Schwarzen Meer sowie Awacs-Aufklärer in der Region auf. Wo sind deren Daten? Und warum rücken die USA ihre Satellitendaten nicht heraus, um sie mit denen, die Russland bereits am 21. Juli der EU übergeben hatte, zu vergleichen?

Motiv dürfte ein Interesse vor allem der USA sein, die Russen vom ukrainischen Markt zu verdrängen. Die ukrainische Regierung hat angekündigt, Russen nicht mehr an strategisch wichtigen Unternehmen zu beteiligen. Nur Investoren aus der EU und den USA sind künftig zugelassen. Hochrangige Ex-US-Geheimdienstmitarbeiter haben am 29. Juli Präsident Obama in einem offenen Brief aufgefordert, den Propagandakrieg einzustellen und stattdessen Ergebnisse vorzulegen.

Dass eine malaysische Maschine über dem Kampfgebiet abgeschossen wurde, ist für Russland eine Katastrophe. Malaysia ist einer der wichtigsten Abnehmer russischer Rüstungsgüter in Asien und Verbündeter. M. Rosenthal-Kappi


Tillich weiter siegesgewiss
Sachsen-CDU wird sich Koalitionspartner aussuchen können

Sah es in Umfragen lange danach aus, dass der CDU in Sachsen ein Kantersieg die Alleinherrschaft ermöglichen werde, so ist zehn Wochen vor der Wahl die sicher geglaubte absolute Mehrheit plötzlich gefährdet. Nichtsdestotrotz stehen die Chancen von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) auf den Machterhalt durchaus gut. Abgesehen von der Grenzkriminalität gibt es kein Thema, das das Land aufwühlt und intensiv beschäftigt. Auch politische Herausforderer, die dem Sorben Tillich auch nur ansatzweise gefährlich werden könnten, sind bisher nicht in Sicht. Bei Umfragen kam die sächsische CDU Anfang August auf Zustimmungswerte von 42 Prozent – ein solider Vorsprung vor allen anderen Parteien. In der Schlussphase des Wahlkampfs hat Tillich zudem seine politische Dominanz in den Medien geschickt inszeniert. So lehnte er eine Teilnahme an einer Debattenrunde mit anderen Parteien im MDR ab.

Ein Rededuell hat es nur im Rahmen einer Veranstaltung gegeben, die von den drei Landeszeitungen organisiert wurde. Tillichs Gegenpart war nicht etwa Sachsens SPD-Chef Martin Dulig, sondern Rico Gebhardt, der Spitzenkandidat der Linkspartei. Dahinter verbirgt sich ein gekonnter Seitenhieb auf die sächsische SPD. Gebhardt sei eben der Oppositionsführer, so die Union. Tatsächlich ist die „Linke“ mit weitem Abstand vor der SPD die zweitstärkste politische Kraft in Sachsen. Für die Genossen von der SPD wirkt diese demonstrative Nichtbeachtung durch die Union wie Salz in einer offenen Wunde, zumal auch kaum Aussicht auf Besserung besteht. Über ein rot-rot-grünes Bündnis muss sich Sachsens SPD-Chef Dulig zumindest bei dieser Wahl kaum Gedanken machen. Alle drei Parteien kamen zuletzt bei Umfragen nur auf 41 Prozent. Sollte es auf eine Neuauflage des schwarz-roten Bündnisses von 2008/09 hinauszulaufen, so droht die SPD wiederum als kleiner Regierungspartner von einer übermächtigen CDU zerrieben zu werden.

Tillichs aktueller Koalitionspartner, die FDP, liegt konstant bei drei Prozent, so dass ihm bei der Wahl am 31. August ein Scheitern droht, dessen Bedeutung weit über Sachsen hinausgehen dürfte. Nicht nur, dass die FDP nicht mehr im sächsischen Landtag vertreten wäre, sie würde auch bundesweit in keinem Land mehr in Regierungsverantwortung stehen.

Das politische Aus droht nach zehn Jahren im Landtag ebenso der sächsischen NPD. Die Partei wäre dann nur noch im Landtag Mecklenburg-Vorpommer vertreten.

Als relativ sicher gilt, dass die AfD in Sachsen erstmals den Einzug in ein deutsches Länderparlament schaffen wird. Als spannendes Detail der Sachsen-Wahl dürfte sich die Frage erweisen, wie viele Stimmen die Euro-Kritiker der Linkspartei abnehmen können. Die Forderung nach berufsnahen Schulpraktika „analog zum DDR-Schulsystem“ im AfD-Landtagswahlprogramm oder die von Spitzenkandidatin Frauke Petry angeregten „Familienkredite“ nach DDR-Vorbild könnten auch bei „Linke“-Wählern zugkräftige Argumente für die AfD sein.

Die Union war klug genug, im Wahlkampf konkrete Koalitionszusagen zu vermeiden. N. Hanert


Nicht für Beamte
Bund lehnt Pension mit 63 ab

Die abschlagsfreie Rente bei Erreichen von 45 Beitragsjahren zur Rentenversicherung mit Vollendung des 63. Lebensjahres war ein Wahlgeschenk der SPD an die entsprechende Arbeitnehmerklientel. Nach dem Willen der Regierungskoalition sind die Beamten jedoch ausgenommen.

Aus Sicht der Bundesregierung stellen die gesetzliche Rentenversicherung und die Beamtenversorgung zwei selbstständige und miteinander nicht vergleichbare Alterssicherungssysteme dar. Sowohl die Gewerkschaft „Verdi“ als auch der Deutsche Beamtenbund wollen hingegen, dass die Beamten von der Rentenreform einschließlich der Mütterrente profitieren. Als Begründung führt „Verdi“ die sogenannte Revisionsklausel im Dienstrecht an, auf deren Grundlage Rente und Versorgung sich im Gleichklang entwickeln sollen, wie es beispielsweise bei der Verlängerung der Regelaltersgrenze auf das 67. Lebensjahr geschieht.

Viele Bundesländer zeigen sich jedoch aus finanziellen Gründen gegenüber derartigen Forderungen skeptisch und halten sich momentan bei Besoldungsfragen bedeckt. Immerhin betragen die gesamten Pensionslasten jährlich 32,5 Milliarden Euro, von denen die Länder ungefähr zwei Drittel zu tragen haben. In den nächsten Jahren sollen die Ausgaben sich auf 52 Milliarden erhöhen. Bislang hat nur Bayern angekündigt, die von Union und SPD im Bund beschlossene Rente mit 63 für seine Landesbeamten einzuführen.

Wenig Hoffnung dürfen sich vor allem die Bundesbeamten machen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich bereits diesen Januar gegen eine Veränderung bei den Beamtenpensionen ausgesprochen und auf die bestehenden Regelungen für Frühpensionierungen in besonders gefährdeten Sparten wie Feuerwehr und Polizei hingewiesen. „Verdi“ hält hingegen eine vorzeitige Pension vor allem bei Beamten des einfachen oder mittleren Dienstes für vertretbar, weil sie in oftmals körperlich anstrengenden Berufen tätig seien. U.B.


MELDUNGEN

Vertriebene ehren Merkel

Bonn – Um die Verdienste der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um die Heimatvertriebenen „besonders“ zu würdigen, hat der Bund der Vertriebenen (BdV) eigens eine Ehrenplakette in Gold geschaffen. BdV-Präsidentin Erika Steinbach hebt vor allem das Engagement ihrer Parteichefin für die staatliche Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ hervor, die ohne Merkel so nie entstanden wäre. Zudem sei es der Kanzlerin zu verdanken, dass im Koalitionsvertrag ein nationaler Gedenktag für die deutschen Vertriebenen verankert wurde. Und überhaupt habe Merkel mit ihrem Einsatz für die Heimatvertriebenen dafür gesorgt, dass das Schicksalsthema im öffentlichen Bewusstsein präsent sei und zum gesamtdeutschen Anliegen wurde. Die BdV-Ehrenplakette in Gold soll der Kanzlerin am Tag der Heimat, den 30. August, verliehen werden. Bel

 

Starke Worte, schwache Taten

Rom – Eigentlich wollte Italiens neuer Ministerpräsident Matteo Renzi die Wende bringen, doch derzeit sieht er sich einem rasant steigenden Schuldenberg gegen-über. Und da die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im zweiten Quartal dieses Jahres um 0,2 Prozent schrumpfte, will er sogar noch mehr Schulden machen in der Hoffnung, so die Wirtschaft anzukurbeln. Insgesamt sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Italien seit 2008 um neun Prozent, während der Schuldenberg auf 135,6 Prozent des BIP anstieg. Eine Trendumkehr ist derzeit nicht erkennbar, denn obwohl Renzi Aufbruchstimmung verbreitet, sind derzeit noch keine der notwendigen Strukturreformen in Angriff genommen worden. Italiens Wirtschaftsminister versucht der Lage jedoch die Dramatik zu nehmen, indem er darauf verweist, dass die Regierung über Privatisierungen die Einnahmen stark erhöhen wolle. Bisher laufen diese jedoch nur äußerst schleppend an, obwohl sie im Gegensatz zu Griechenland von Rom vergleichsweise gut vorbereitet und professionell umgesetzt wurden. Doch von den offiziell insgesamt erwarteten 80 Milliarden Euro wurden bisher erst einige Millionen eingenommen. Bel


S. 3 Preussen/Berlin

Gewalt in S-Bahnen eskaliert
Berlin: Welle von brutalen Exzessen erschreckt die Hauptstadt – Justiz bleibt zahm

Die blanke Angst fährt mit. Innerhalb weniger Wochen hat sich in den Zügen der Berliner S-Bahn und auf den Bahnhöfen eine Serie brutaler Gewalttaten abgespielt. Hemmschwellen scheinen die verrohten Täter ebenso wenig zu kennen wie Furcht vor Polizei und Justiz.

So dürfte man sich bei der Deutschen Bahn das runde Jubiläum der Berliner S-Bahn ganz gewiss nicht vorgestellt haben. 90 Jahre nachdem im August 1924 zwischen Berlins damaligem Stettiner Bahnhof und dem märkischen Bernau nordöstlich der Hauptstadt der Betrieb aufgenommen wurde, sorgt eine Serie von Gewaltexzessen in Zügen und Bahnhöfen der S-Bahn für schockierende Schlagzeilen. Vorläufiger Tiefpunkt ist der Tod eines Rentners, der im Unfallkrankenhaus seinen Verletzungen erlag.

Am helllichten Tag hatte ein männlicher Täter den 72-Jährigen am S-Bahnhof Grünbergallee am Südostrand der Stadt ins Koma geprügelt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei war der Rentner am 6. August am Bahnhof Altglienicke in einen S-Bahnzug gestiegen und nur eine Station weit gefahren, um in der Nähe des Tatorts einzukaufen. Im Treppenaufgang des S-Bahnhofs Grünbergallee war der Mann angegriffen und mit Faustschlägen niedergeschlagen worden.

Der tragische Tod des Rentners ist nur der jüngste Fall in einer ganzen Serie von Gewalttaten, die sich innerhalb weniger Wochen ereignet hat: In der S-Bahn-Linie 7 zwischen den Bahnhöfen Grunewald und Nikolassee prügelten zwei Jugendliche am 27. Juli einen 57-jährigen Sicherheitsmitarbeiter ins Krankenhaus, nachdem dieser sie aufgefordert hatte, nicht im Abteil zu randalieren. Die Schläger wurden kurz darauf gefasst, weil einer der Jungen sein Handy verloren hatte.

Nur zwei Tage später, in der Nacht zum 29. Juli, überfielen fünf Jugendliche einen schlafenden Mann in der Linie S5 zwischen Friedrichsfelde-Ost und Biesdorf und prügelten ihn ebenfalls krankenhausreif. Ein Grund für die Attacke ist bisher nicht erkennbar.

Am 30. Juli schlugen ein Jugendlicher und ein Kartenkontrolleur auf dem S-Bahnhof Schichauweg aufeinander ein – der Junge war beim Schwarzfahren erwischt worden. Der Vorfall kann beispielhaft für eine Entwicklung stehen: Die Gewalttäter zeigen nicht einmal gegenüber Bundespolizei oder bahneigenem Sicherheitspersonal Respekt. So beleidigte am 10. Juli ein Jugendlicher zwei Bundespolizisten am S-Bahnhof Ostkreuz und lieferte sich auch noch ein Handgemenge mit den Beamten.

Wie weit die Hemmschwelle mittlerweile gesunken ist, macht eine Gewalttat deutlich, die sich am 17. Juli zugetragen hat. Auf dem Bahnhof Halensee war ein Zugführer der S-Bahn von einem Täter bis zur Bewusstlosigkeit zusammengeschlagen worden. Auch als der 42-jährige Mann bereits am Boden lag, trat der Täter weiter zu. Zeugen versuchten noch, den Schläger festzuhalten, ihm gelang aber zunächst die Flucht.

Vorangegangen war eine Situation, die in Berlin mittlerweile fast zum Normalfall geworden ist. Um einer Bekannten noch den Zutritt zu einer schon abfahrbereiten S-Bahn zu verschaffen, hatte der Täter einfach eine Waggontür blockiert. Inzwischen ist er gefasst und auch geständig. Polizeibeamte fanden in der Wohnung des Mannes mehrere Dokumente, die dem Vernehmen nach auf die Verwendung verschiedener Identitäten hinweisen.

Sowohl in diesem wie in den anderen bekannt gewordenen Fällen sind bei den Tätern kaum noch moralische Hemmschwellen erkennbar. Dass Fahrscheinkontrolleure darauf gefasst sein müssen, von ertappten Schwarzfahrern mit einem Messer bedroht zu werden, scheint mittlerweile fast Alltag zu sein. Inzwischen scheint jedoch auch das Einprügeln auf Wehrlose wie Rentner oder Schlafende keine Seltenheit mehr. Weder die Anwesenheit von Zeugen noch drohende Strafen schrecken ab.

Ganz offensichtlich wird dies bei einem anderen Kriminalitätsphänomen, das in den S-Bahnzügen ebenfalls immer mehr um sich greift. Nach Angaben der Bundespolizeidirektion Berlin hat die Zahl der von Bahnreisenden angezeigten Taschendiebstähle drastisch zugenommen. Gestohlen wird dabei alles, was irgendwie zu verkaufen ist, so Jens Schobranski, Sprecher der Direktion. Zu beobachten ist dabei, dass die Täter einen neuen Dreh gefunden haben, um an die Wertgegenstände ihrer Opfer zu kommen. Vor allem nachts schlitzen Diebe innerhalb weniger Sekunden mit scharfen Messern die Bekleidung oder die Taschen schlafender Fahrgäste auf. Wenn die Opfer den Diebstahl bemerken, sind die Täter längst verschwunden.

Erstaunlicherweise lassen Äußerungen von Polizeifahndern in der Berliner Presse darauf schließen, dass die Täter, die mit Teppichmessern auf Beutezug in den Berliner Bahnen gehen, durchaus einschlägig bekannt sind. Als Problem hat sich allerdings herausgestellt, dass die Diebe die Justiz kaum fürchten müssen. Mit dem Nachweis eines festen Wohnsitzes sind die Täter zügig wieder auf freiem Fuß. Kommt es zu einer Verurteilung, dann müssen häufig nur 50 Tagessätze zu je drei Euro gezahlt werden. „Die 150 Euro holen sie mit einer Diebestour schnell wieder rein“, so ein Fahnder gegenüber der „Berliner Zeitung“. Norman Hanert


Sorgen der Kleinen
von Klaus Gröbig

Mit einem Stimmenanteil von fünf bis sechs Prozent bei den kommenden Landtagswahlen am 14. September können die brandenburgischen Grünen nach Umfragen rechnen. Spitzenkandidat Axel Vogel sieht die Gefahr eines Scheiterns seiner Partei an der Fünf-Prozent-Hürde dennoch nicht. „Deutlich mehr als die sechs Prozent“ prognostiziert er. Irgendwie klingt das nach Hape Kerkeling. In der Politkomödie „Isch kandidiere“ sagt, sein Kanzlerkandidat Horst Schlämmer stets: „Es muss alles mehr werden.“

Die Grünen-Plakate könnten aus der anderen Politkomödie „Der Experte“ mit Dieter Hallervorden stammen. Die Grünen versprechen, sie „wolle die Sau raus lassen“. Wenn nun feierfreudige Jungwähler glauben, die Möchtegernökos wollten mit ihnen wilde Partys feiern, werden sie schwer enttäuscht. Spitzenkandidat Vogel erklärt den Hintergrund: Die Grünen beziehen Stellung gegen die Massentierhaltung. Nix mit Party. Gut zu wissen.

Das besagte Nutztier spielt auch beim FDP-Wahlkampf in der Mark eine tragende Rolle. „Keine Sau braucht die FDP!“ heißt es da. Bundesparteichef Christian Lindner zeigte sich wenig begeistert, aber versuchte wie der grüne Vogel zu „erklären“. „Das Kernproblem einer Partei in der außerparlamentarischen Opposition ist es, Aufmerksamkeit zu gewinnen“, so Lindner. FDP-Wahlkampfleiter Frank Stauss jedenfalls ist zufrieden: „Das erste Ziel dieser Kampagne – dass man überhaupt über sie spricht – ist erreicht.“ Immerhin wies die letzte Umfrage für die FDP einen Wert von drei Prozent auf – nach der vorhergehenden Umfrage eine Verbesserung um einen Punkt.

Das Hauptproblem der brandenburgischen Kleinparteien mit Landtagsambitionen ist, dass sie zum Regieren nicht benötigt werden, weil die drei Großen SPD, CDU und „Die Linke“ etwa gleich stark sind und daher bisher fast immer Zweierkoalitionen möglich waren. Für Parteien hingegen, die von vorn herein keinerlei Regierungsbeteiligung anstreben wie die Alternative für Deutschland (AfD), kann die Dreier-Dominanz sogar zum Vorteil werden.

Als Trumpfkarte könnte sich dabei erweisen, dass der AfD-Spitzenkandidat, der konservative Medienmann Alexander Gauland, neuerdings in der Presse als „Putinversteher“ beschimpft wird. Frustrierte Links-Wähler könnte das für ihn einnehmen. Damit könnte sich der Trend aus Bundes- und Europawahlen fortsetzen. Dort hatten viele ehemalige Wähler der Linkspartei der AfD die Stimme gegeben. Sollten die SED-Erben zu viele Stimmen an die AfD verlieren, könnte es für „Rot-Rot“ im Landtag keine Mehrheit mehr geben.

 

Klaus Gröbig war bis 2000 Vorsitzender der FDP-Tempelhof, des damals mitgliederstärksten Kreisverbandes der Berliner FDP.


Letzter Aufruf FDP
Bei der Brandenburg-Wahl sehen die Liberalen in den Abgrund

Keine Sau braucht die FDP“ – mit diesem Spruch flehen Brandenburgs Liberale um Aufmerksamkeit bei der Landtagswahl am 14. September. In neun Landesparlamenten ist die FDP noch vertreten, es geht ums Überleben. Für die Brandenburger Wahl sagen die Meinungsforscher von Infratest Dimap der FDP nur noch eine „nicht messbare Zustimmung“ voraus.

Einige Plakate mit dem neuen Wahlspruch hängen bereits in Potsdam. Parteiaustritte erschütterten zuletzt die Märker Liberalen. Andere Umfragen neben Infratest bescheinigten ihnen nach anhaltendem Tief in der Wählergunst bestenfalls zwei Prozent, hart an der Grenze verlässlicher Vorhersagen. Auch in Thüringen, wo ebenfalls am 14. September gewählt wird, wirbt die FDP mit einer verzweifelten Parole. Mit „Wir sind dann mal weg!“ wollen die Liberalen den Wählern Angst machen mit dem Verschwinden der FDP. Sachsens Liberale (Wahl am 31. August) gehen gar auf Konfrontation zur Bundespartei, wollen deren junge Führung ablösen.

Die gequälte Selbstironie des Brandenburger FDP-Slogans kommt beim Wähler indes nicht an, sagen Politikwissenschaftler, denn die Bürger wollten Ehrlichkeit, keine scheinbar witzig-ironischen Sprüche. „Das ist wohl die letzte Hoffnung der FDP, auf sich aufmerksam zu machen“, sagt Manfred Güllner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Forsa.

Wer die Internetseite der FDP Brandenburg aufruft, dessen Bildschirm füllt der neue Slogan aus wie der Angriff eines Schadprogramms. Das vermuteten selbst Parteifreunde zuerst, doch es ist Absicht, wie eine offizielle Presseeinladung der Partei belegt. Landeschef Gregor Beyer steht hinter der Kampagne. Aufklärung lieferte die Partei bis dahin nicht – selbst auf dem Anrufbeantworter nur der Slogan, mit dem die Partei „so weit abgeschlagen ist, dass sie sich selbst zu hassen scheint“, wie das ZDF-Morgenmagazin lästerte. Es lud den Bundesvorsitzenden Christian Lindner ein, der die „zugespitzte Kampagne“ rechtfertigte, ohne sie zu kennen. Er sagte zugleich: „Ich würde eine andere wählen.“

Das sieht nach Chaos aus, doch die Liberalen verweisen auf Zustimmung aus der PR-Industrie und ergänzten spät doch noch inhaltliche Aussagen. 2009 erreichte die FDP in Brandenburg noch 7,2 Prozent. Sie zog damals erstmals nach 15 Jahren wieder in den Landtag als viertstärkste Kraft hinter SPD, Linke und CDU ein. SV


Linke ohne Thema
Potsdams roter Rand langweilt sich

Potsdams linksextreme Szene trocknet aus. Anfang der 90er Jahre gab es dort die meisten besetzten Häuser in der Ex-DDR. Nun sind es noch neun, deren Zukunft auf der Kippe steht. Die städtische Immobiliengesellschaft fordert höhere Mieteinnahmen. Das wollen die Besetzer nicht hinnehmen.

Der Ortschef der Linkspartei, Sascha Krämer, weiß, was er seiner Klientel schuldig ist: „Die Wohnprojekte sind aktiver Widerstand gegen rechtsextreme Ideologie“, verteidigt er die Besetzer. Indes: Die Rechtsaußen-Szene ist aus Potsdam nahezu verschwunden. Den Linken fehlt es mithin an Legitimation für ihre „Projekte“. Ein sinnstiftendes linksextremes Thema fehlt.

Steigende Mieten mobilisieren nicht. Die letzte Demonstration dagegen ist beinahe ein Jahr her. Die Einschüchterung von Bürgern, die sich gegen neue Asylantenunterkünfte in ihrem Wohnquartier organisieren wollen durch die „Antifa“, ist auch nicht „spannend“.

Das einzige linke Thema, das Teile der Grünen, der „Linken“, der linksextremen Stadtratsfraktion der „Anderen“ und der „Antifa“ wieder auf die Beine bringen soll, ist nun der geplante Wiederaufbau der Garnisonkirche. „Wir möchten weder eine Spielwiese für rechts-konservative Militärs, noch eine kleinkarierte grüne Gartenzwergidylle in der Innenstadt“, polemisiert „Andere“-Fraktionschefin Jenny Pöller.

Doch ob das reicht, die linke Demo-Gesellschaft zu mobilisieren, scheint fraglich. Da ist der Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg, mit der S-Bahn gut erreichbar, wohl interessanter. T.M.


Berlin: Christen müssen fliehen

Rund 100 muslimische Tsche-tschenen haben am 7. August im Asylbewerberheim Berlin-Marienfelde 30 christliche Syrer teilweise krankenhausreif geprügelt. Nachdem wegen wiederholter Übergriffe mehrfach die Polizei anrücken musste, flohen die bedrohten syrischen Asylbewerber schließlich in die katholische St. Laurentius-Kirche in Berlin-Tiergarten. Die Furcht vor weiteren gewalttätigen Angriffen führte zur Weigerung der Syrier, in das Heim nach Marienfelde zurück-zukehren. Erst durch den Einsatz von 80 Polizeibeamten konnte die Lage im Asylbewerberheim beruhigt und der Einsatz gegen 3 Uhr beendet werden. Acht Tatverdächtige wurden festgenommen und nach erkennungsdienstlichen Maßnahmen wieder entlassen. Die Polizeibeamten fertigten Anzeigen wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung. Die Sozialverwaltung will versuchen, für die Tsche-tschenen ein anderes Heim zur Unterbringung zu finden. N.H.


S. 4 Hintergrund

Büchse der Pandora geöffnet
Mit ihrem Vorgehen in Belgien lieferten die Deutschen dem Feind eine Steilvorlage

Vor 100 Jahren lieferten deutsche Einheiten mit ihrem Vorgehen in der belgischen Stadt Löwen ihren Feinden eine Angriffsfläche frei Haus, die diese propagandistisch ausnutzten, während die Deutschen selbst noch zu rekonstruieren versuchten, was am Abend des 25. August 1914 und den Tagen danach genau geschehen war.

In der Theorie hörte sich alles machbar an. Um einen eventuellen Zweifrontenkrieg mit Frankreich im Westen und Russland im Osten zu vermeiden, hatte Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen bereits 1905 einen Plan präsentiert, nachdem im Falle eines Krieges mit beiden Ländern erst Frankreich besiegt und dann Russland mit vereinten Kräften angegriffen werden könnte. Um Frankreich innerhalb von sechs Wochen als Gegner auszuschalten, sah der Plan vor, dass drei Armeen als rechter Flügel des Westheeres mit rund 700000 Mann über Belgien und Nordfrankreich nach Paris marschierten und dort auf die anderen Armeen treffen würden. Allerdings war nicht damit gerechnet worden, dass das neutrale Belgien sich gegen den Aufmarsch stellen würde. Und so kam es zu Gefechten mit der Armee, aber auch der Garde Civique, einer Art militärischen Gendarmerie, die von deutscher Seite nicht als reguläre militärische Einheiten, sondern eher mit den französischen Freikorps des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 verglichen wurde, die damals nicht anders als Partisanen aus dem Hinterhalt agiert hatten. Die deutsche Angst vor diesen Franktireurs war letztendlich auch die Ursache für deutsche Geiselnahmen und Erschießungen von Zivilisten.

Doch mit den Ereignissen in Löwen (siehe Artikel unten) öffneten die Deutschen gleich mehrfach die Büchse der Pandora. Von der obersten Militärführung zum Statuieren von Exempeln aufgerufen, in der Hoffnung, so in Belgien die benötigte Ruhe zu erlangen, um wichtige Nachschubwege nach Frankreich, dem eigentlichen Feind, zu sichern, starben in der Stadt nicht nur etwas über 200 Zivilisten, sondern auch ein Stück des deutschen Selbstverständnisses als Kulturnation. So wurde nämlich auch ein Teil der historischen Altstadt mit der 1636 gegründeten Universitätsbibliothek mit tausenden jahrhundertealten Büchern und Handschriften niedergebrannt.

Vor allem für die englische Presse war dies ein gefundenes Fressen, um die eigene Bevölkerung auf den deutschen Feind einzuschwören. Wenige Tage nach Löwen tauchte im Zusammenhang mit den Deutschen der Begriff „Hunnen“ auf. Die Legenden um die Brutalität des zentralasiatischen Reitervolks waren groß genug, um die gewünschten Assoziationen mit den „barbarischen“ Deutschen auszulösen. Und um die Identifikation mit den Belgiern noch zu erhöhen, wurde Löwen gleich mit der britischen Universitätsstadt Oxford verglichen und die Ereignisse zum „Strafgericht“ gegen das „Oxford of Belgium“ stilisiert. Da jedoch die wahren Verbrechen der Deutschen aus medialer Sicht nicht groß genug waren, kam die Phantasie mit ins Spiel. Karikaturen des Pickelhaube tragenden häßlichen Deutschen, der Städte niederbrennt, Frauen vergewaltigt und Kindern die Hände abhackt, begleiteten fortan die Briten durch den Ersten Weltkrieg.

Auch die Franzosen nutzten die Steilvorlage, die die Deutschen ihnen geliefert hatten, allzu gern, um gegen den Feind zu mobilisieren. Und selbst die anfangs neutralen USA fanden Gefallen daran, dass die Deutschen, die sich immer wieder als große Kulturnation präsentiert hatten, sich selbst entzaubert hatten. Und so bot die Vernichtung der Universitätsbibliothek den auf dieser Ebene unter Minderwertigkeitskomplexen leidenden USA den perfekten Anknüpfungspunkt, um die eigene Bevölkerung auf einen Kriegseintritt einzustimmen. Rebecca Bellano


Suche nach Schuldigen
Belgier behaupten, dass Deutsche auf Deutsche schossen

Was geschah wirklich an diesem 25. August 1914? Wer dies zu ergründen versucht, dem bieten sich einige Quellen an, doch keine davon ist von unparteiischer Seite. Reichskanzler Bethmann-Hollweg bereiste nach den Vorwürfen gegen das deutsche Militär wenig später selbst Löwen und versprach den Bewohnern zu klären, was passiert war. So wurde die Militärbehörde mit der Recherche über die Ereignisse beauftragt.

Im Mai 1915 lag der Bericht vor. Er trug den Titel „Weißbuch. Die völkerrechtswidrige Führung des belgischen Volkskrieges“ und vertrat die mit zahlreichen Zeugenaussagen unterlegte These, dass sich Franktireurs den Vorstoß der belgischen Armee von Antwerpen aus zunutze gemacht hätten. Sich als Bürger ausgebend hätten sie sich in der Stadt mit Anwohnern solidarisiert und von deren Häusern aus bei Einsetzen der Dämmerung gegen 20 Uhr mit einigen von ihnen deutsche Soldaten beschossen. Diese wiederum wehrten sich, es kam zu Straßenkämpfen, zu Festnahmen, Verhören und anschließend zu Erschießungen von allen Inhaftierten, bei denen zwei Zeugenaussagen unabhängig voneinander die Beteiligung an dem Angriff belegten, so der Bericht. Auch habe man, um fortan Ruhe zu haben, einige Bewohner als Geiseln genommen und wenige Tage später entschieden, als Strafaktion und Warnung für alle anderen Belgier die Häuser der Beteiligten niederzubrennen.

Kein Jahr später veröffentlichten die Belgier als Antwort das „Graubuch“, in dem sie die deutsche These von den Partisanen dementierten und behaupteten, dass die deutschen Soldaten sich gegenseitig selber erschossen hätten. Nervös vom ganzen Gerede um die Franktireurs und im Falle der bereits seit dem 19. August in der Stadt einquartierten, teils auch angetrunken Soldaten hätten diese angesichts der herannahenden belgischen Armee auf ihre frisch in der Stadt ankommenden Kameraden geschossen, welche zurück-schossen, sich Straßenkämpfe lieferten und dann um ihr eigenes Versagen zu übertünchen, die Belgier dafür leiden ließen.

Über ein Jahrzehnt später bat der Reichstag den Völkerrechtler Christian Meurer, den Fall Löwen zu untersuchen. Dieser kam 1927 zu dem Ergebnis, dass das „Weißbuch“ glaubwürdig sei, worauf wiederum der an der Universität Löwen lehrende Professor Fernand Mayence „Die Legende der Franktireurs von Löwen“ publizierte. Er verwies darauf, dass unter den 209 Toten auch acht Greise, 21 Frauen und sieben Kinder gewesen seien, das „Weißbuch“ nur deutsche Zeugen befragt habe und zudem die ganze Franktireur-Debatte ohne Bedeutung sei, schließlich seien alle Belgier brave Bürger. Den Umstand, dass selbst die belgische Presse über Partisanen berichtet hatte, tat er mit dem Hinweis ab, dass diese übereifrige Patrioten gewesen seien, die mit den Meldungen den Deutschen Angst machen wollten. 1958 schloss sich Peter Schöller den Thesen von Mayence an und ließ sich international feiern. 1963 wiederum widersprach „Der Fall Löwen. 1914 und was dort wirklich geschah“ Schöllers Thesen. Weitere Publikationen folgten. Bel


Verurteilung der Deutschen als Ziel

Nichts als Schilderungen der Verwüstungen, mit niedergebrannten Dörfern und Städten, erschossenen Geiseln, erstochenen Frauen und Kindern, geplünderten Privathäusern, Museen und Schlössern“, notierte Theodor Wolff, damals Chefre-dakteur des regierungskritischen „Berliner Tageblatts“, nach der Lektüre der ausländischen Presse desillusioniert am 8. Oktober 1914 in sein Tagebuch. Die meisten Intellektuellen in Deutschland waren natürlich nicht erfreut über das, was von deutscher Seite ausgegangen war, andererseits ärgerte es sie noch mehr, wie das Ausland die Ereignisse in Belgien alles andere als fair ausschlachtete.

Alles, was Deutschland hätte entlasten können, fand kein Gehör, und es wurde nahezu so getan, als wären die Deutschen die einzigen, deren militärische Aktionen die Neutralität fremder Länder verletzte. Kaum ein Wort darüber, dass die alliierten Truppen das neutrale Griechenland zum Durchmarsch nutzten. Auch sorgten die rund 1600 zivilen Todesopfer in Ostpreußen innerhalb von nur wenigen Wochen und die gut 14000 Verschleppten, von denen 4000 nicht zurückkehrten, im Zuge der russischen Invasion für wenig Erregung im Ausland.

Der schwedische Reiseschriftsteller Sven Hedin, der neben Löwen 1915 auch das von Russen zerstörte Ostpreußen besucht hat, bezeichnete die Verwüstungen in der deutschen Provinz als ungleich schwerer. „Der Vergleich des russischen und des deutschen Agierens in Feindesland zeige, dass es der Weltöffentlichkeit nicht darum gehe, das Kriegsrecht zu wahren, sondern bloß darum, Deutschland zu verurteilen“, so einer der wenigen, der versuchte, die Deutschen zu verteidigen. Bel


Zeitzeugen

Alfred Harmsworth – Vor allem der britische Verleger profitierte von den Ereignissen in Belgien. Der Herausgeber von „Daily Mail“ und „Daily Mirror“ hatte bei Kriegsbeginn das Problem, dass er noch wenig über die Heldentaten britischer Soldaten berichten konnte, Geschichten über Gräueltaten an Belgiern kamen ihm da ganz recht, um die Auflage seiner Blätter zu steigern. Laut dem Militärhistoriker Klaus-Jürgen Bremm setzte Harmsworth eine Prämie für ein Foto eines von Deutschen verstümmelten belgisches Kindes aus, doch einen derartigen Beweis, der die in seinen Zeitungen aufgestellten Behauptungen hätte stützen können, erhielt er nie.

John Charteris – Der damalige Chef des militärischen Nachrichtendienstes Großbritanniens gilt als Urheber des Gerüchtes, Deutsche würden ihre Leichen zu Glycerin für die Munitionsproduktion verwerten. Seine gezielt gestreute Falschmeldung von Kadaververwertungsanstalten brachte Menschen in aller Welt angesichts des unterstellten deutschen Barbarentums zum Gruseln.

Albert I. von Belgien – Während der griechische König Konstantin und seine Untertanen zwar wenig begeistert darüber waren, dass die Entente ihre Neutralität missachtete und ihr Land als Durchmarschgebiet nutzte, es aber beim verbalen Protest beließen, rief der belgische Monarch zum patriotischen Ungehorsam gegenüber den deutschen Besatzern auf. Als Oberbefehlshaber der belgischen Streitkräfte führte er den Widerstand der belgischen Armee an und torpedierte so den deutschen Plan, schnell nach Frankreich durchzumarschieren, es zu besiegen und so einen langen, opferreichen Zweifrontenkrieg zu verhindern. Rund 5000 belgische Opfer sollen die Deutsche zu verantworten haben.

Jörg Friedrich – Der Publizist und renommierte Sachbuchautor stellt die zivilen Opfer in Belgien, aber auch in Ostpreußen in den historischen Kontext. So seien die Zahlen angesichts der 30000 bis 40000 Ziviltoten im britischen Burenkrieg, der 200000 Toten im amerikanischen-philippinischen Krieg und der Millionen Toten im Zuge der belgischen Kolonialherrschaft im Kongo gering. Auch die rund 800000 deutschen Hunger- und Seuchentoten in der Zivilbevölkerung im Rahmen der alliierten Blockade erwähnt er.


S. 5 Deutschland

Armutszuwanderung: Berlin zahnlos
Regierung will Missbrauch des deutschen Sozialsystems eingrenzen, doch Kontrollmöglichkeiten sind gering

Und sie werden mehr und mehr: Der Zuwachs der Armutsflüchtlinge in die Bundesrepublik Deutschland scheint kein Ende zu nehmen. Erstmals seit Einführung der Hartz-IV-Gesetze im Jahr 2002 ist die Zahl der Bezieher aus Osteuropa und den südeuropäischen Schuldenländern auf über 300000 gestiegen.

Schon beim Amtsantritt der Großen Koalition im vergangenen Jahr hatten sich die Parteien darauf verständigt, Auswirkungen des Freizügigkeitsabkommen innerhalb der Europäischen Union auf die deutschen Sozialsysteme zu untersuchen. In den vergangenen Monaten hatten sich Innenminister und Staatssekretäre der Länder mehrfach zu Beratungen getroffen und Anfang August schließlich Ergebnisse präsentiert. Nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ soll sich das Bundeskabinett am 27. August mit der Vorlage befassen und einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg bringen. Demnach sollen Zuwanderer, die sich durch falsche Angaben oder Dokumente Zugang zu staatlichen Leistungen verschafft haben, künftig härter bestraft werden.

Außerdem sollen Kommunen mit vielen Armutsflüchtlingen durch finanzielle Hilfen des Bundes entlastet werden. Für das laufende Jahr ist eine Soforthilfe von zusätzlichen 25 Millionen Euro für Ausgaben im Rahmen des Hartz-IV-Systems geplant, das Gesamtpaket soll mehr als 200 Millionen Euro umfassen.

Bürger aus Ländern der Europäischen Union sollen sich künftig nur noch sechs Monate in Deutschland aufhalten dürfen, um sich eine Arbeitsstelle zu suchen. Wem dies nicht gelänge, solle nicht vom sozialen Netz der Bundesrepublik aufgefangen werden, sondern müsse wieder ausreisen. EU-Zuwandern sollen zudem die Ausweisung drohen sowie ein Verbot der Wiedereinreise über einen Zeitraum von fünf Jahren, wenn diese ihren Aufenthalt mit „Rechtsmissbrauch oder Betrug“ erschlichen haben. Bisher waren solche Maßnahmen im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit nur bei schweren Straftaten und Seuchengefahr möglich. Daneben will die Regierung einen unberechtigten Bezug von Kindergeld unterbinden, indem künftig Kindergeldanträge nur noch gegen Vorlage der Steueridentifikationsnummern für Eltern und Kinder bewilligt werden.

Die Problematik der Armutszuwanderung ist nicht neu. Die Kommunen klagen bereits seit 2012 über einen sprunghaften Anstieg von mittellosen Flüchtlingen. Doch mit der Einleitung konkreter Maßnahmen tat sich die Politik bislang schwer. Das liegt vor allem daran, dass die juristische Lage aufgrund der Gesetzgebung der EU alles andere als einfach ist. Ein Gericht muss dem EU-Ausländer nachweisen, dass er sich „in betrügerischer Absicht“ deutsche Sozialleistungen erschlichen hat. Und zwar vorsätzlich. Experten der Kommunen befürchten somit Gerichtsverfahren von langer Dauer und schlechten Ausgang. Ein Ausländer könne sich im Zweifel immer auf mangelnde Sprachkenntnisse und Verständigungsprobleme berufen. Große Hoffnungen ruhen dennoch auf einem Urteil, das der Europäische Gerichtshof in den kommenden Monaten fällen wird. Deutschland soll EU-Zuwanderern dann Hartz-IV-Leistungen verweigern können, wenn sie ausschließlich wegen dieser Sozialleistungen nach Deutschland gekommen sind und nicht nach einer Arbeitsstelle suchen. Der EU-Generalanwalt hat dieses Plädoyer abgegeben, weil nur so „Missbräuche und eine gewisse Form von Sozialtourismus zu verhindern sind“. Doch auch in diesen Fällen dürfte der Nachweis nicht immer einfach zu erbringen sein. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete Mitte August von „den miesen Tricks von Armutszuwanderern“. Profis würden in den Heimatländern gegen Provision Ratschläge erteilen, wie der deutsche Sozialstaat am besten auszutricksen sei. Organisierte Schlepperbanden spielen bei diesem System eine zentrale Rolle. „Die Zuwanderer werden oft schon im Heimatland angeworben, mit Handynummern und Anlaufadressen versehen“, heißt es in einem Lagebericht. Gegen hohe Honorare würden die Schlepper den Einwanderern Wohnraum und Beschäftigung vermitteln und ihnen Begleitung bei Behördengängen versprechen.

Ob die geplanten Gesetzesänderungen Abhilfe verschaffen können, scheint daher fraglich. Vor allem osteuropäische Schlepper gelten als gut organisiert. Wird ein Zuwanderer nach einer gewissen Zeit ausgewiesen, könne er bereits am nächsten Tag in einer anderen deutschen Stadt einen neuen Anlauf wagen, sofern er vorgibt, eine geregelte Arbeit zu suchen.

Für Asylbewerber aus den Balkanstaaten sollten daher aus Sicht des „Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge“ noch strengere Regeln herrschen. „Bei den sicheren Herkunftsländern sollten wir noch mehr machen“, sagte Behörden-Chef Manfred Schmidt der Nachrichtenagentur dpa. „Wir brauchen als Signalwirkung für abgelehnte Anträge aus den sicheren Herkunftsländern eine Wiedereinreisesperre im Pass für das gesamte Schengen-Gebiet.“ Außerdem müsse darüber nachgedacht werden, die Sozialleistungen für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern zu verringern. „Der Anreiz, mehrere Monate in unserem Asylsystem zu bleiben, wird natürlich geringer, wenn die finanzielle Leistung geringer wird.“ Peter Entinger


»Grenzen der Belastbarkeit längst erreicht«
Der CSU-Politiker Martin Neumeyer zu Asylverfahren: Christenverfolger können abgeschoben werden

Der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, MdL, schildert, wie die Abschiebung von Ausländern in der Praxis funktioniert.

PAZ: Herr Neumeyer, Sie empfehlen, Asylbewerber, die Andersgläubige im Asylbewerberheim attackieren, abzuschieben. Ist so etwas während eines laufenden Asylverfahrens möglich?

Martin Neumeyer: Das ist möglich, wenn das Verhalten eines Asylbewerbers als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung gelten kann, beispielsweise indem er sich einer nachweisbaren Straftat schuldig gemacht hat. Wenn es also in Asylbewerberheimen zu gewalttätigen Übergriffen gekommen ist oder sich jemand der Volksverhetzung schuldig macht, ist das durchaus Anlass, darüber nachzudenken, ob die betreffende Person abgeschoben werden sollte. Das setzt aber natürlich zuvor ein rechtsstaatliches Ermittlungsverfahren voraus.

PAZ: Als Integrationsbeauftragter der CSU sind Sie auch häufiger in Flüchtlingsheimen. Sind Ihnen hier in den letzten Monaten Veränderung aufgefallen?

Neumeyer: Zwei Veränderungen sind augenfällig: Zum einen ist der Strom der Asylbewerber in den vergangenen Monaten rapide angewachsen. Die Grenzen der Belastbarkeit sind längst erreicht und die bestehenden Einrichtungen platzen aus allen Nähten. Schließlich konnte niemand mit einer derartigen Entwicklung rechnen, und wir müssen erst die Infrastruktur für eine derart große Zahl von Flüchtlingen aufbauen. Das führt natürlich auch zu Spannungen in den Unterkünften, und verlangt von Politik, Verwaltung und Personal vor Ort ein hohes Maß an sozialtherapeutischem und psychologischem Engagement.

Eine andere Veränderung verdanken wir den Reformen und Erleichterungen, die die Bayerische Staatsregierung in den vergangenen Monaten eingeleitet hat. Die Lockerung der Residenzpflicht, der Übergang von Geld- zu Sachleistungen und die Überführung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge von den Erstaufnahmeeinrichtungen in die Obhut der Jugendpflege haben die Atmosphäre in den Flüchtlingsheimen zuletzt doch deutlich entspannt.

In den vergangenen Monaten habe ich auch einige Male selbst in Flüchtlingsheimen übernachtet. Diese haben sehr unterschiedliche Standards, wobei diejenigen, die bestimmte Mindeststandards nicht erfüllen, sofort von den Behörden geschlossen würden. Zustände wie in manchen anderen EU-Ländern sind in Bayern undenkbar. Beeindruckend war für mich aber auch das Engagement des Personals vor Ort und insbesondere zahlreicher ehrenamtlicher Helfer, die mit den Flüchtlingen sprechen, sie betreuen und zusätzlich versorgen.

PAZ: Wenn ein Antrag auf Asyl abgelehnt wird, wie läuft dann in der Praxis die Abschiebung ab? Hält dann ein Bus vor der Tür und bringt den Abgelehnten zum Flughafen, von wo aus er in sein Heimatland fliegt, oder wie hat man sich das vorzustellen?

Neumeyer: Sobald ein Asylantrag unanfechtbar abgelehnt ist, wird die betreffende Person ausreisepflichtig. Mit Hilfe der Rückkehrberatung setzen Sozialministerium und Ausländerbehörden alles daran, dass die Ausreisepflichtigen das Land freiwillig verlassen. Freiwilligkeit geht vor Zwang. Sind die Betroffenen aber „uneinsichtig“ oder ist Widerstand zu erwarten, ist der Staat verpflichtet, den gesetzlichen Zwang zur Ausreise, im Volksmund „Abschiebung“ genannt, durchzusetzen. Dabei ist kein Fall wie der andere, und die zuständigen Behörden fällen, um dem gerecht zu werden, immer Einzelentscheidungen.

Die meisten Abschiebungen erfolgen über den Luftweg. Dabei wird der Flug über die Polizeiinspektion „Schubwesen“ gebucht, die das zentral für ganz Bayern organisiert. Reisen die Betroffenen freiwillig aus, gibt es keine Probleme – hat die Person dagegen Widerstand angekündigt, so übernimmt die Polizei in Zusammenarbeit mit den Ausländerbehörden den Vollzug, holt die auszuweisenden Personen ab und setzt sie dann auch ins Flugzeug.

PAZ: In jüngster Zeit gab es gleich mehrere Urteile, die die Abschiebehaft betreffen. Wann genau kommt jemand in Abschiebehaft und was ist das Ziel dieser Maßnahme?

Neumeyer: Wenn die begründete Vermutung besteht, dass sich ein Ausreisepflichtiger der Abschiebung entziehen will – beispielsweise, weil er zwischenzeitlich „untergetaucht“ war oder deutlich gemacht hat, dass er sich der Ausreise entziehen will – kann die zuständige Ausländerbehörde beim Amtsgericht Abschiebungshaft beantragen. Die Abschiebungshaft bedarf einer richterlichen Anordnung, gegen die natürlich Rechtsmittel eingelegt werden können.

Dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach Abschiebungshäftlinge nicht gemeinsam mit Strafgefangenen oder Untersuchungshäftlingen untergebracht werden dürfen, trägt Bayern seit 2013 Rechnung. So gibt es in Mühldorf am Inn eine eigene, für ganz Bayern zentrale, Hafteinrichtung nur für Menschen, die sich ihrer Ausreiseverpflichtung entziehen wollten.

Die Fragen stellte Rebecca Bellano.


Grünem Punkt geht Geld aus

Unter den Betreibern des Dualen Systems ist der Streit über die Verteilung der Kosten mittlerweile derart eskaliert, dass vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) die Warnung erging, die gelben Tonnen könnten möglicherweise nicht mehr abgeholt werden. Anlass des Streits unter den neun Anbietern, die mit Grünem Punkt und gelber Tonne das Sammelsystem für Verpackungsmüll organisieren, ist eine aufgelaufene Finanzierungslücke in Höhe von 52,9 Millionen Euro. Hintergrund ist die Tendenz, dass Handel und Industrie Lizenzgebühren für den Grünen Punkt zunehmend vermeiden und stattdessen eine Eigenrücknahme, etwa durch Müllbehälter hinter den Supermarkt- und Drogeriekassen, anbieten. Nach Angaben des Branchenmagazins Euwid stieg bei den Eigenrücknahmen die Müllmenge im ersten Quartal dieses Jahres um 166 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Entsprechende Einnahmen gingen dem Dualen Systems verloren, die mit ihren Lizenzeinnahmen die Leerung der gelben Tonnen finanzieren. N.H.


MELDUNGEN

Rückendeckung für Polizisten

Bremen – Derzeit bekommen Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte von unerwarteter Seite Rückendeckung. Ausgerechnet die Bremer SPD fordert härtere Strafen für jene, die die Retter in der Not angreifen. „Wir brauchen eine Mindeststrafe. Wer Polizisten angreift, muss am Ende mit Gefängnis bestraft werden“, so der Bremer Justizsenator Martin Gün-thner, der über eine Bundesratsinitiative einen neuen Paragrafen im Strafrecht verankern oder bestehende Strafrahmen verschärft sehen will. In dem kleinen Stadtstaat wurden 2013 fast 500-mal Polizisten angegriffen. Dies dürfe nicht ungestraft bleiben, so Günthner. „Nach meiner Überzeugung ist es notwendig, dass Menschen, die für diesen Staat in Konfliktsituationen geschickt werden, vom Staat geschützt werden.“ Bel

 

NRW kein Vorbild

Düsseldorf – Sylvia Löhrmann (Grüne), Ministerin für Schule und Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen und derzeit Präsidentin der Kultusministerkonferenz, erhält für ihre Bildungspolitik ein miserables Zeugnis. Laut dem von der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beim Institut der deutschen Wirtschaft in Auftrag gegebenen aktuellen „Bildungsmonitor“ ist Nordrhein-Westfalen von Platz 13 nun auf den vorletzten Platz gleich nach Berlin abgerutscht. Kritisiert wurde vor allem, dass NRW von den Flächenländern den höchsten Anteil an Schülern mit wesentlichen Bildungsdefiziten zu verzeichnen habe. Die läge vor allem daran, dass zu viele Schüler auf einen Lehrer kämen. „Erstmals sinken die Richtwerte für weiterführende Schulen von durchschnittlich 28 auf 27 Schüler“, kommentierte eine Sprecherin des Schulministeriums den Befund. Bel


S. 6 Ausland

Die stillen Feinde des IS
Neben Syrien bekämpft auch der Iran aus dem Hintergrund heraus die Islamisten

Weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit, die derzeit gebannt abwartet, ob es den US-Bombern und Kurdenmilizen tatsächlich gelingt, den Vormarsch des Islamischen Staates (IS) zu stoppen, entwickeln sich nun auch die iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran) zu Gegenspielern von Kalif Ibrahim.

Für Teheran hatte der sunnitische IS definitiv die rote Linie überschritten, als er sich an den schiitischen Heiligtümern im Irak vergriff. Deshalb wurden drei Bataillone der extra für solche Einsätze trainierten Al-Quds-Brigaden über die Grenze beordert, um weitere Sakrilege zu verhindern. Ihre Feuertaufe erlebten die Elitekämpfer der Mullahs dabei bereits Ende Juni, als sie die Mausoleen des 10. und 11. Imans der Schiiten sowie den Al-Askari-Schrein in Samarra gegen die dschihadistisch-salafistischen Kulturzerstörer verteidigten, wobei unter anderem die beiden iranischen Obristen Kamal Shirkhani und Shojaat Alamdari Mourjani den Tod fanden.

Des Weiteren verlegte Teheran nach der Einnahme von Mossul Nachrichteneinheiten, Aufklärungsdrohnen und drei Suchoi-Su-25-Erdkampfflugzeuge russischer Bauart auf den Raschid-Flugplatz bei Bagdad, denn mit dem Vordringen des IS in die Kurdengebiete im Nordosten des Irak rückte dieser bis auf wenige Dutzend Kilometer an das iranische Hoheitsgebiet heran. Und seit einigen Tagen landen nun auch permanent Transportmaschinen ohne Kennzeichen in der Kurdenhauptstadt Erbil, aus denen jeweils rund 70 Tonnen Waffen entladen werden, die offenkundig nicht aus dem Westen, sondern dem Nachbarland stammen.

Das alles geschieht ebenso diskret wie die Mobilisierung schiitischer Milizen im Irak, dem „Hinterhof“ des Iran. Und möglicherweise steckt Teheran auch hinter der Reaktivierung der Mahdi-Armee des radikalen Schiitenpredigers Muqtada al-Sadr, die 2004 Berühmtheit erlangte, weil sie als erste auf Konfrontation zu den US-Besatzungstruppen im Irak ging.

Auf jeden Fall haben die Mullahs nun ihre Unterstützung für den umstrittenen früheren irakischen Premierminister Nuri al-Maliki aufgekündigt, der nur deshalb sein Amt bekleidete, weil Muqtada al-Sadr, der sich von 2007 bis 2011 im iranischen Exil befunden hatte, nach der Wahl von 2010 als Königsmacher fungiert hatte. Erst nannte Großayatollah Ali al-Sistani es einen „schweren Fehler“, wenn Politiker an ihren Ämtern kleben, dann verkündete der Nationale Sicherheitsrat in Teheran am 12. August, dass man nun auf Malikis Gegenspieler Haidar al-Abadi setze, den mit der Regierungsneubildung beauftragten Vize-Präsidenten des irakischen Parlaments. Dahinter steckt die Absicht, einen fähigeren Sachwalter schiitischer beziehungsweise iranischer Interessen in Bagdad zu haben. Andererseits sorgt Teheran damit natürlich für eine fortgesetzte Schwächung des Irak, der eigentlich keine weitere konfessionelle Spaltung und Benachteiligung von Sunniten gebrauchen kann, denn dadurch ist der Islamische Staat ja überhaupt erst groß geworden.

Den Letzteren bekämpft der Iran nicht nur im Nachbarland, sondern auch in Syrien. Dort befinden sich ebenfalls zahlreiche Pasdaran, die Präsident Baschar al-Assad als sogenannte Militärberater zur Seite stehen. Allerdings hat der Diktator in Damas-kus in letzter Zeit zunehmend weniger Anstalten gemacht, gegen die Truppe von Kalif Ibrahim vorzugehen und konzentrierte sich stattdessen auf seine anderen Bürgerkriegsgegner. Bis Juli schien sogar eine Art Waffenstillstand zu herrschen – so verzichteten syrische Regierungstruppen auf Luftangriffe im Norden des Landes, wo unter anderem ar-Raqqa, die „Hauptstadt“ des Islamischen Staates, liegt. Außerdem fällt auf, dass die IS-Miliz keine der eingenommenen syrischen Provinzen im Kampf gegen die reguläre Armee Assads erobert hat: Stets vertrieben die Gotteskrieger nur andere Rebellen.

Nun aber scheint Assad seine Öl- und Gasquellen sowie Luftwaffen-Stützpunkte wiederhaben zu wollen. So befahl er Offensiven zur Rückeroberung von Gebieten rund um Homs beziehungsweise Deir al-Sur und ließ nun sogar erstmals auch ar-Raqqa bombardieren. Das wirkt recht entschieden. Beim genaueren Hinsehen entpuppt sich der letztgenannte Angriff allerdings als rein symbolischer Akt, denn die Bomben trafen nicht das Hauptquartier des IS im leicht auszumachenden ehemaligen Gouverneurspalast der Stadt, sondern detonierten weitab davon. Möglicherweise versucht Assad, den IS ungeschoren zu lassen, damit er sich dem Ausland gegenüber als das kleinere Übel präsentieren kann. Und das scheint ja auch durchaus zu funktionieren: Wie libanesische Zeitungen meldeten, haben inzwischen mehrere westliche Geheimdienste den Kontakt zur Regierung in Damaskus gesucht. Darunter soll angeblich auch der Bundesnachrichtendienst sein.

Wolfgang Kaufmann


Guter Deutscher
Klaus Johannis bald rumänischer Präsident?

Nach französischem Muster ist Rumänien eine Republik, in der das Amt des Präsidenten mit relativ viel Einfluss ausgestattet ist, und in der Personen mehr als Parteien gelten. Die Amtszeit des jetzigen Präsidenten Traian Basescu endet am 21. Dezember, sein Nachfolger wird Anfang November gewählt, wofür zehn Personen kandidieren. Wirkliche Chancen haben nur Victor Ponta (*1972), Premier und Chef der Sozialdemokraten (SDP), und Klaus Johannis (*1959), Chef der Nationalliberalen Partei (PNL), die sich unlängst mit anderen Liberalen zur Christlich-Liberalen Allianz (ACL) vereinte und Johannis zum gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten kürte.

Johannis gehört zur Volksgruppe der Deutschen, die 1930 offiziell 745421 Angehörige zählte, 2002 rund 60000 und 2014 nur noch 36000. Aber die Verbliebenen haben bei den Rumänen einen guten Ruf und gelten als ehrliche Mitbürger, gute Fachleute und Führungspersönlichkeiten. Johannis ist nach Ansicht rumänischer Soziologen das Urbild des „deutschen Mythos“ und darum nationsweit bekannt. 1959 wurde er im siebenbürgischen Hermannstadt [Sibiu] geboren, dessen Bürgermeister er seit 2000 ist. Er steht seit 1990 für das „Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien“, ist Lutheraner, was die Orthodoxe Nationalkirche nicht stört. „Werden die Rumänen einen deutschen Lutheraner zum Präsidenten Rumäniens wählen?“, fragte der Historiker Andrei Oisteanu und befand: Sie wären schlecht beraten, wenn sie es nicht täten!

Unter Ponta fielen ausländische Investitionen um 10,3 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro – Johannis brachte deutsche Investoren nach Hermannstadt und Umgebung, wo noch Deutsche leben, die fachlich und sprachlich fit sind. Unter den 42 Bezirken Rumäniens gehört Hermannstadt zu den zehn, die am besten entwickelt sind. 2007 machte der studierte Physiker Johannis seine Stadt zusammen mit Luxemburg zur Kulturhauptstadt Europas. So flossen hohe Summen nach Hermannstadt, die er für die Infrastruktur verwendete. Der Publizist Emil Hurezeanu spricht wohl für viele, wenn er Johannis als „möglichen Retter in kritischer Zeit“ sieht, dessen Sieg er schon im Juni vorhersah. Übrigens: Falls der Deutsche siegt, dann exakt 25 Jahre nach dem Sturz Ceausescus. Wolf Oschlies


»Waffe direkt zwischen die Augen«
USA: Auch militante Gruppen machen Jagd auf illegale Zuwanderer – Texas sieht zu

Die USA ertrinken in der Flut illegaler Einwanderer. Das ist ein Problem. Doch nun bahnt sich ein weiteres an, und zwar mit jenen Leuten, die eben dieses Problem mit Gewalt lösen wollen: rechtsgerichtete Miliz-Gruppen, auch „Vigilantes“ genannt, wie die Bürgerwehrgruppen, die im letzten Jahr in Mexiko gegen die Drogen-Kartelle auftraten.

Rick Perry, Gouverneur von Texas, der bereits im Juni 1000 Mann der Nationalgarde an die Grenze nach Mexiko beordert hatte, drückt ein Auge zu vor der Gefahr, die eskalieren könnte mit diesen bewaffneten Kämpfern, die vielfach in Uniform und mit Mas-ken auftreten wie die Dschihad-Kämpfer im Mittleren Osten. Sie haben klangvolle Namen wie „Patriots“, „Three Percenters Club“, „Whiskey Bravo“, „Gamp Geronimo“, „Independent Citizens’s Militia“, „Bolinas Border Patrol“, nicht zuletzt die berüchtigten radikalen Grenzschützer „Minutemen“. Und sie folgen einem aktuellen Aufruf über Facebook und andere neue Medien zur Grenzsicherung, der „Operation Secure Our Border“.

Barbie Rogers leitet die „Patriot Information Hotline“, über die rund um die Uhr versucht wird, die Gruppen zu koordinieren. „Wir benötigen einfach Leute, die uns helfen, diesen riesigen Ansturm von Illegalen zu kontrollieren“, so Rogers. „Von Januar bis Juli sind über 130000 Personen eingewandert, darunter 57525 unbegleitete Kinder und 55000 Familien.“ Nach ihrer Aussage sind 14 Miliz-Gruppen bereits eingetroffen und überwachen von Texas bis Kalifornien die Grenze nach Mexiko. Weitere Helfer werden erwartet. „Wir haben ausgemusterte Soldaten. Wir haben Bauarbeiter und Klempner und sogar einen pensionierten Militär-Pfarrer. Wir haben auch Frauen. Alles normale Bürger von nebenan, die in dieser Krise etwas tun wollen.“

Doch das ist etwas geschönt dargestellt. Einige dieser Gruppen sind wohlmeinend. Andere jedoch bestehen aus paranoiden, regierungsfeindlichen und möglicherweise gefährlichen Waffen-Aktivisten. So die „Oathkeeper“, auf deren Internetseite davor gewarnt wird, dass die Regierung „die amerikanischen Bürger entwaffnen, ihr Eigentum konfiszieren, ihre Städte blockieren und so in Konzentrationslager verwandeln“ wolle. Eine andere Gruppe ist der „Three Percenters Club“, benannt nach jenen drei Prozent der Kolonisten, die sich einst weigerten, der britischen Krone zu gehorchen und ihre Waffen abzuliefern. „Unsere Mission ist es“, so das Ziel der „Three Percenter“, „unseren Mitgliedern die Mittel und Fähigkeiten zu geben, einheimische und fremde Feinde mit einer militärischen Strategie zu bekämpfen.“

Andere suchen dagegen verzweifelt humanitäre Lösungen für die Krise. Der Staat Virginia, zu dem Washington D.C. gehört, hat 2234 unbegleitet eingereiste Kinder aus staatlicher Obhut zu Verwandten und Freunden entlassen. Virginia ist Heimat für einen großen Bevölkerungsanteil aus Guatemala, San Salvador und Honduras, woher viele der Minderjährigen kommen.

Auch in Kalifornien hat man das Wohl der Kinder im Auge. Private Gruppen haben einen Hilfsfonds gegründet, in den schon eine halbe Million Dollar geflossen ist – gedacht für die adäquate Unterbringung der Kinder und Mütter bis zu ihrer gesetzlichen Anhörung wie für die dafür notwendigen Anwälte. Auch hier werden die Jugendlichen, wenn möglich, zu Verwandten und Freunden entlassen.

Die Landesgruppe der zwölf demokratischen Kongress-Abgeordneten aus Texas sandte einen Brief an den Generalstaatsanwalt des Staates, Greg Abbott. Darin zitiert sie einen der Miliz-Anführer, der seine Mitglieder anhält: „Wenn du einen Illegalen siehst, presse ihm deine Waffe direkt zwischen die Augen und sage: Verschwinde über die Grenze oder du wirst erschossen!“ Sie ersuchen Abbott, die Aktionen dieser Milizen zu verurteilen und die rechtliche Situation zu klären, wie diese an der Seite von Polizei und Grenzkontrolle agieren können. Der Generalstaatsanwalt tat den Brief als „parteipolitischen Werbegag“ ab. Das Büro von Gouverneur Rick Perry gab bewusst keinen Kommentar. Und Doug Miller, ein republikanischer Abgeordneter im texanischen Landesparlament, erklärte offiziell, die Milizen hätten „ein Recht, dort zu sein, und stellen zurzeit kein Problem dar“. Doch Mark Potok von der linken Bürgerrechtsbewegung „Southern Poverty Law Center“ warnt: „Wenn man gefährliche Waffen in die Hände von untrainierten Menschen gibt und diese an die Grenze schickt, bleibt Ärger nicht aus.“ Liselotte Millauer


MELDUNGEN

Kritik an Sanktionen

Budapest – „Ich stimme Robert Fico zu, dass die westlichen Sanktionen und die Gegenmaßnahmen der Russen uns mehr schaden als den Russen. In der Politik bezeichnen wir das als einen Schuss ins eigene Bein.“ Mit diesen Worten schloss sich Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán der Kritik des slowakischen Ministerpräsidenten an. Und auch Tschechiens Präsident Milos Zeman ist überzeugt, dass die Sanktionen das Misstrauen zwischen den Staaten nur verschärften. Offiziell haben alle drei Staaten die EU-Sanktionen jedoch mit beschlossen. Bel

 

Touristenknigge für Araber

Wien – Seit einiger Zeit strömen immer mehr Gäste aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in die österreichische Tourismusregion Zell am See-Kaprun. Dort sah man sie anfangs mit Wohlgefallen, weil sie mit ihren Petro-Dollars nur so um sich warfen. Doch mittlerweile ist das Benehmen der arroganten „Scheichs“ und ihrer vollverschleierten Gattinnen derart unerträglich geworden, dass der Pinzgauer Tourismusverband Anlass sah, den arabischen Urlaubern eine achtseitige Spezialbroschüre zu überreichen. Darin wird unter anderem freundlichst gebeten, nicht vom Fußboden zu essen, die Verkehrsregeln einzuhalten, das österreichische Personal menschenwürdig zu behandeln und die Toiletten bestimmungsgemäß zu benutzen. Ob solcher „Apart-heid“ erbost, intervenierten einige arabische Blätter und wahrscheinlich auch Botschaften. Daraufhin zogen die Pinzgauer ihren „Touristenknigge“ nun erschrocken zurück, womit natürlich alles beim Alten bleibt – außer, dass die europäischen Stammgäste in Scharen das Weite suchen. W.K.


S. 7 Wirtschaft

In der Transferfalle
Teuer für Deutsche: EU-Kommissar drängt auf Einführung einer gemeinsamen Arbeitslosenversicherung

Nachdem die EU-Bankenunion auf den Weg gebracht ist, hat Brüssel nun eine neue Idee für Finanztransfers von Nord nach Süd. Über eine gemeinsame EU-Arbeitslosenversicherung soll Deutschland erneut Milliardenhilfen an das übrige Europa leisen.

Obwohl das Thema bereits vor zwei Jahren eigentlich als erledigt galt, hievt der ungarische EU-Sozialkommissar Lászlo Andor das umstrittene Vorhaben EU-Arbeitslosenversicherung nun erneut auf die politische Tagesordnung. Obwohl vor allem Deutschland das Projekt rundweg ablehnt, präsentierte Andor vor Kurzem auf einer Fachtagung Details zu einer gemeinsamen Versicherungskasse. Demnach sollen europaweit Erwerbslose sechs Monate lang 40 Prozent ihres letzten Einkommens aus der europäischen Arbeitslosenversicherung erhalten. Jedem Euro-Land soll es freistehen, darüber hinaus den Betrag noch aufzustocken und die Laufzeit des Anspruchs zu verlängern. Gegen-über der „Wirtschaftswoche“ bezeichnete der EU-Sozialkommissar ein Modell, in dem die Mitgliedsstaaten der Wirtschafts- und Währungsunion einen Teil der Kosten der Arbeitslosenversicherung teilen würden, als den logischen nächsten Schritt nach einer Bankenunion. Das Projekt sei „eine der wichtigsten Prioritäten für die nächste EU-Kommission“, so Andor weiter.

Eine einigermaßen erstaunliche Ankündigung: Nachdem im September 2012 der damalige französische Finanzminister Pierre Moscovici erstmals die Idee einer gemeinsamen europäischen Arbeitslosenversicherung lanciert und eine klare Absage aus Berlin kassiert hatte, galt die Idee eigentlich als beerdigt. Zu befürchten ist nun, dass Moscovici als künftiger französischer EU-Kommissar das Konzept in Brüssel verstärkt vorantreiben wird. Klare Rückendeckung für das Vorhaben kommt zudem von der italienischen Regierung, die noch bis zum Ende des Jahres die EU-Ratspräsidentschaft innehat und somit wichtige Weichen stellen kann.

Wie die „Wirtschaftswoche“ berichtet, haben Ökonomen aus dem französischen Finanzministerium bereits nachgerechnet, welche Transfers zwischen den Euro-Ländern eine „EU-Arbeitslosenversicherung“ in Gang bringen würde. Demzufolge hätte Deutschland zwischen 2000 und 2012 einen Nettobetrag von 20,4 Milliarden Euro in eine gemeinsame Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Allein Spanien würde dagegen netto 34,5 Milliarden Euro kassiert haben. Den französischen Berechnungen zugrunde gelegt worden war eine Variante, bei der Erwerbslose zwölf Monate lang 50 Prozent des letzten Einkommens erhalten würden. Auch wenn Andor mit einer etwas entschärften Variante an die Öffentlichkeit gegangen ist – generell zu befürchten ist, dass mit dem Projekt Fehlentwicklungen mit Milliardenkosten zementiert werden.

Eine Veröffentlichung, die von der Deutschen Bank zum Thema europäische Arbeitslosenversicherung bereits im Jahr 2013 vorgelegt wurde, führte als Risiko der gemeinsamen Versicherung an, dass plötzliche hohe Transfers die Bereitschaft zu Arbeitsmarktreformen einschränken könnten. Obendrein biete die gemeinsame Arbeitslosenkasse auch keine Lösung bei strukturellen Asymmetrien zwischen Mitgliedsländern, die durch verschiedene Lohnverhandlungssysteme, unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit und den Arbeitsmarkt bedingt sind.

Tatsächlich ist zu befürchten, dass die permanenten Transferzahlungen im Milliardenvolumen nationalen Regierungen eher den Anreiz nehmen würden, Arbeitsmarktreformen in Angriff zu nehmen. Als Endresultat droht, dass die Folgen verfehlter Lohnpolitik, etwa in Südeuropa, auf Länder abgewälzt werden, die eine wirtschaftlich etwas vernünftigere Politik betrieben haben. Zudem steht zu befürchten, dass auch bei der EU-Arbeitslosenversicherung ein hohes Missbrauchspotenzial besteht. Schon die zeitliche Begrenzung eines Anspruchs auf Arbeitslosenhilfe könnte sich schnell als wirkungslos entpuppen. Denkbar ist etwa, dass schon ein kurzzeitiges Arbeitsverhältnis – vieleicht sogar nur ein Scheinarbeitsverhältnis – den Anspruch auf EU-Arbeitslosengeld schnell wieder aufleben lässt. Allein mit Blick darauf, was sich in Spanien über lange Zeit an vielfältigen Betrügereien mit EU-Milliarden zur Fortbildung von Arbeitslosen abgespielt hat, sollte skeptisch stimmen.

Dass sich die Bundesregierung angesichts des neuerlichen Vorstoßes des Sozialkommissars bisher in Schweigen hüllt, ist allerdings noch aus einem anderen Grund verwunderlich. Es wird nicht nur erneut ein milliardenschweres Transfersystem zulasten einiger weniger Länder aufgemacht, die EU-Kommission überschreitet auch erneut ihre Kompetenzen. Tatsächlich ist laut den EU-Verträgen nämlich die Sozialpolitik ausdrücklich eine nationale Angelegenheit der Mitgliedsstaaten, so dass Brüssel bei der Sozialpolitik bewusst sehr enge Grenzen gezogen wurden. Sollte das Projekt tatsächlich – wie von Andor angekündigt – „eine der wichtigsten Prioritäten für die nächste EU-Kommission“ darstellen, wäre dies ein weiteres Indiz dafür, dass für die EU-Kommission rechtsgültige Verträge kaum noch eine echte verbindliche Wirkung haben.

Norman Hanert


Sanktionen treffen Athen
Russen sind für Griechen gute Kunden: Rückschlag für die Wirtschaft

Wenn Russland als Antwort auf die EU-Sanktionen seinerseits Strafmaßnahmen verhängt, droht dies vor allem für den Euro-Problemfall Griechenland drastische Auswirkungen zu haben. Russland ist für die griechische Landwirtschaft ein enorm wichtiger Exportmarkt, Herkunftsland vieler Touristen und darüber hinaus der größte Erdgaslieferant.

Auf den ersten Blick scheint die griechische Abhängigkeit von Exporten nach Russland nicht besonders groß zu sein. So meldete die griechische Statistikbehörde Elstat für 2013 direkte Ausfuhren im Volumen von 251,29 Millionen Euro nach Russland. Tatsächlich finden indirekt allerdings wesentlich mehr griechische Waren ihren Weg nach Russland. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, wird etwa der Export griechischer Pfirsiche nach Russland aus steuerlichen Gründen über Polen abgewickelt. Insgesamt soll Griechenland im Jahr 2013 für rund 75 Millionen Euro Kiwi-Früchte, Pfirsiche und Erdbeeren nach Russland geliefert haben, wobei Russland immerhin ein Viertel der griechischen Obst- und Gemüseexporte abnimmt.

Hervorragende Kunden waren die Russen bisher auch für die griechische Pelzindustrie. Fast 90 Millionen Euro gaben sie 2013 für griechische Pelze aus. In Athen wird befürchtet, dass die Wirkung der russischen Gegenmaßnahmen über den Wegfall der Einnahmen aus den Exporten noch hinausgehen wird. So droht nämlich ein plötzliches Überangebot bei landwirtschaftlichen Produkten und den Produzenten ein genereller Preisverfall. Zum Leidwesen griechischer Exporteure sind russische Einkäufer auf der Suche nach alternativen Lieferanten sehr schnell fündig geworden – und zwar in der Türkei. Befürchtet wird inzwischen, dass die russischen Kunden auch nach einem Ende des Embargos nicht mehr wiederkehren.

Nicht viel besser sieht die Stimmung in der Tourismusbranche aus. Es herrscht die Furcht, dass anhaltende internationale Spannungen russische Gäste abschrecken könnten. Es waren ausgerechnet Buchungen aus Russland, die zuletzt dafür gesorgt hatten, dass griechische Hoteliers wieder Hoffnung schöpfen konnten. Allein 2013 besuchten 1,35 Millionen Gäste aus Russland Griechenland – ein Anstieg von 46 Prozent gegenüber 2012. Ob es in diesem Jahr zu der bisher prognostizierten Zahl von 1,5 Millionen russischen Touristen kommt, ist fraglich. Neben dem Ukraine-Konflikt vermiesen auch der schwache Rubel und Pleiten von Reiseveranstaltern vielen Russen die Reiselaune. Erste Prognosen gehen inzwischen davon aus, dass ein Handelskrieg der EU mit Russland die griechische Wirtschaft insgesamt 7,5 Milliarden Euro – immerhin vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts – kosten könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass mit Tourismus und Landwirtschaft genau die Wirtschaftszweige in Mitleidenschaft gezogen werden, auf die Griechenlands Regierung große Hoffnungen zur wirtschaftlichen Gesundung gesetzt hat.

Vollends ins Desaster schlittern würde Griechenland, wenn es zu einer Unterbrechung der Erdgasversorgung kommen sollte. Die Griechen beziehen über 60 Prozent ihres importierten Erdgases aus Russland. N.H.


Krise auch ohne Strafen
Rückgang und Pleiten: In Russland kündigt sich Rezession an

Russlands Wirtschaft schwächelt. Die Sanktionen des Westens beschleunigen einen Abwärtstrend, den die russische Regierung bislang nicht aufhalten konnte.

Vor allem die Automobil-, die Tourismus- und die Bankenbranche bekommen die Auswirkungen der Sanktionen zu spüren. Der russische Automobilmarkt galt bisher wegen seines Wachstumspotenzials einer der wichtigsten. Mit vier Millionen verkauften Neuwagen jährlich sollte er bis Ende des Jahrzehnts der größte europäische Markt werden und sogar Deutschland überholen. Seit der politischen Krise ging die Nachfrage um 23 Prozent zurück. Moskau erwägt deshalb ein Importverbot für ausländische Fahrzeuge.

Die Tourismusbranche wird von einer Pleitewelle überrollt. Zehntausende russische Touristen mussten auf ihre gebuchten Reisen verzichten oder saßen im Ausland fest, weil ihr Reiseveranstalter pleite war. Seit Mitte Juli haben sechs russische Reiseunternehmen ihren Betrieb eingestellt. Gründe hierfür sind im starken Nachfragerück-gang, aber auch im Wertverlust des Rubels zu suchen. Wütende Bürger drohten Reisebüros zu stürmen. Premierminister Dmitrij Medwedjew versprach den im Ausland festsitzenden  Urlaubern, den zivilen Katastrophenschutz für Rück-holaktionen einzusetzen. Eine deutliche Folge der EU-Sanktionen ist die Schließung der erst im Juni gegründeten Moskauer Billigfluglinie Dobroljot. Die Aeroflot-Tochter bot als einzige Flüge auf die Krim an. Weil technische Wartungen verweigert und der Leasing-Vertrag für Maschinen des Typs Boeing 737-800 aufgekündigt worden waren, stellte die Fluggesellschaft alle Flüge ein.

Als Gegenmaßnahme plant das Kulturministerium, eine zentrale staatliche Agentur wie einst „Intourist“ zu gründen, um sowohl Touristen aus dem Ausland anzulocken als auch den Inlandstourismus anzukurbeln.

Experten sehen eine lang anhaltende Wirtschaftsflaute voraus. Die Verbraucherpreise werden steigen, die Inflationsrate wird bei zirka 7,5 Prozent liegen. Für Investitionen fehlt russischen Unternehmen das Geld. Konnten sie sich bislang im Ausland mit Krediten zu Zinssätzen um die drei Prozent versorgen, müssen sie zu Hause um die 15 Prozent berappen. Das bekommt auch der Otto Normalverbraucher zu spüren. Immer mehr Russen leben über ihre Verhältnisse. Sie kaufen alles auf Pump, wofür die Banken zwischen 11 und 17 Prozent Zinsen verlangen. Firmen werben massiv für Ratenkäufe. Alles wird auf Kredit angeboten, sogar günstigere Mobiltelefone.

Diese Tendenzen sind aber keine unmittelbaren Folgen der EU-Sanktionen. Die Reisebranche steckt seit 2009 in einer tiefen Krise, die Konjunktur in Russland war schon 2013 rückläufig. Bereits 2012 zogen ausländische Anleger Kapital in Höhe von 57 Milliarden US-Dollar ab. Das Bruttoinlandsprodukt war rückläufig, die Arbeitslosenquote stieg, was sich negativ auf die Kauflaune der Verbraucher auswirkte. Sie mussten bereits für Lebensmittel und Wohnnebenkosten tiefer in die Tasche greifen. Die aktuellen Sanktionen verstärken diese Erscheinungen bloß. MRK


MELDUNGEN

230 Milliarden Euro Verlust

Frankfurt am Main – Anlageexperten weisen darauf hin, dass die deutschen Sparer wegen der Nied-rigzinsen und der Inflation bis 2018 einen Kaufkraftverlust von 230 Milliarden Euro erleiden werden, da 40 Prozent ihrer Vermögen auf so gut wie unverzinsten Tages- und Sparbuchkonten liegen. Bel

 

Sorgenkind Hapag-Lloyd

Hamburg – Der Hamburger SPD-Senat steht unter starkem Erklärungsdruck, da die Stadt 70 Millionen Euro des insgesamt 173 Millionen Euro umfassenden Verlustes der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd übernehmen muss. Dieser ist allein im ersten Quartal dieses Jahres entstanden. In den letzten Jahren hat die Hansestadt Stück für Stück ihre Beteiligung an der krisengeschüttelten Reederei aufgestockt. Zuletzt wurden 2012 weitere Anteile übernommen, so dass die Stadt mit 39,6 Prozent der größte Einzelaktionär ist. Der Senat setzt all seine Hoffnungen auf die Fusion Hapag-Lloyds mit der ebenfalls defizitären chilenischen Reederei CSAV. Bel

 

Luxemburg passt sich Scharia an

Luxemburg – Um mehr Investoren aus islamischen Ländern anzulocken, hat das Parlament in Luxemburg die Einführung eines „Sukuk“ beschlossen. Hierbei handelt es sich um eine Anleihe nach islamischen Regeln, bei der keine Zinsen ausgezahlt werden, da diese laut Scharia verboten sind. Stattdessen erhalten die Anleihenkäufer in diesem Fall Teile der Mieteinnahmen, da das über den Anleihenverkauf in einen Fonds geflossene Geld für den Ankauf zweier im Staatsbesitz befindlicher Bürotürme und eines Verwaltungsgebäudes verwendet wird. Bel


S. 8 Forum

Eine Anklage
von Harald Tews

Es wurde langsam Zeit, dass sich ein Spielfilm mit den ostpreußischen Wolfskindern befasst. Nach Eberhard Fechners Dokumentarfilm von 1990 und Sonya Winterbergs 2012 erschienenem Buch zum selben Thema zeigt jetzt Filmregisseur Rick Ostermann in „Wolfskinder“ das ganze Leid ostpreußischer Waisenkinder nach dem Krieg (siehe Seite 9). Zwar kommt diese filmische Aufarbeitung nach rund 70 Jahren reichlich spät, aber eben doch gerade rechtzeitig. Denn noch leben viele dieser ehemaligen Wolfskinder, die in den Wäldern Ostpreußens um ihr Überleben kämpften.

Es ist Ostermann positiv anzurechnen, dass er sich dieses Themas nicht auf reißerische Art annahm, sondern das Geschehen feinfühlig aus der Perspektive der Kinder erzählt. Mit ihren Augen erlebt der Zuschauer hautnah mit, was für ein Elend die Kinder durchmachen mussten.

Ebenso wenig wie die Kinder nach den Ursachen dieses Elends fragen oder andere für ihre Situation verantwortlich machen, fragt auch der Film nach dem historischen Kontext oder klagt an. Ist das feige zu nennen? Nein, denn der Film ist eine einzige Anklage all jener, die Kinder in eine solche Lage bringen.


Wer entscheidet?
von Rebecca Bellano

Viele Gegner von deutschen Waffenlieferungen an die Kurden führen an, dass diese nach einem Sieg über den Islamischen Staat die Waffen nutzen könnten, um sich den lang gehegten Wunsch nach einem eigenen Kurdenstaat mit Gewalt zu erfüllen. Und ja, man kann es nicht bestreiten, die Möglichkeit besteht.

Doch was ist eigentlich so schlimm an einem Kurdenstaat im Nordirak. Wenn wir sehen, was in Bagdad seit Jahren läuft oder besser nicht läuft, dann kann man verstehen, dass die irakischen Kurden, die gut 20 Prozent der Bevölkerung stellen, sich gerne vollständig selbst regieren würden. Natürlich befinden sich im Norden des Landes, in dem die Kurden leben, wichtige Ölquellen, auf die Bagdad nicht verzichten möchte, aber wieso wurde bei ähnlicher Ressourcenverteilung eine Unabhängigkeit des Südsudans international begrüßt, eine der Kurden aber verhindert? Warum gilt hier das Selbstbestimmungsrecht der Völker weniger als beispielsweise im Falle Serbien/Kosovo? Dort wurde die Unabhängigkeit des Kosovos international forciert, obwohl Belgrad Zeter und Mordio schrie und das Kosovo im Gegensatz zum Nordirak keinerlei Geschäftsmodell vorweisen konnte, es sei denn, man rechnet die dort ansässigen Mafia-Clans mit in die Wirtschaftsleistung ein.

Eine Antwort könnte lauten, dass im Falle eines Kurdenstaates auch Syrien und die Türkei Gebiete verlieren könnten, da auch dort Kurden leben, doch das allein genügt als Antwort nicht. Wer entscheidet also, wann eine Unabhängigkeit gewünscht ist und wann nicht, wenn nicht die Völker selbst?


Es geht auch um uns
von Hans Heckel

Über die Frage deutscher Rüstungsexporte ist eine heiße Debatte entbrannt, die es an starker Rhetorik nicht missen lässt. Am weitesten bei ihrer Ablehnung von Verkäufen deutscher Waffentechnik geht die Linkspartei. Sie würde, von Ausnahmen wie Gregor Gysi abgesehen, die Ausfuhr von Wehrtechnik am liebsten ganz verbieten.

Die Diskussion über Waffenexporte ist nicht allein ein kniffliges Feld für alle Verantwortungsbewussten. Sie bietet leider auch eine große Bühne für Moralisten, die hier ihre angeblich makellose Prinzipientreue zur Schau stellen wollen auf Kosten der Reputation Andersdenkender. So auch hier. Wer beispielsweise das Ringen der Kurden, Christen und Jesiden im Nordirak nur humanitär unterstützen will, der verkennt die Lage. Wenn die Schergen vom IS anrücken, bedarf es militärischer Macht dagegen.

Leider erzählen die Zyniker keine Märchen, wenn sie behaupten: Wenn wir die Waffen dazu nicht liefern, dann tun es eben andere. Deshalb dürften deutsche Waffenexporte nicht für Krieg verantwortlich gemacht werden. Diese Behauptung entspricht der historischen Erfahrung. Nur ein Beispiel: Der Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren wurde überwiegend mit einfachen Gewehren und noch primitiveren Waffen wie Messern und Macheten ausgeführt. Moderne deutsche Technik war gar nicht nötig. Andererseits werden aus den Depots von Armeen alljährlich Millionen einstmals moderner Waffen ausgemustert und verschrottet, die nie zum kriegerischen Einsatz gekommen sind, die „zeitlebens“ nur der Abschreckung gedient hatten.

Das ist nur ein Aspekt, ein weiterer kommt in der Debatte fast gar nicht vor. Der eben verstorbene Peter Scholl-Latour warnte in einem seiner letzten öffentlichen Äußerungen, Europa und Deutschland seien „wehrlos“, was in einer immer gefährlicheren Welt zunehmend riskant sei.

In der Tat ist die Bundeswehr ebenso kaputtgespart und zugrunde „reformiert“ worden wie auch andere, einst große europäische Armeen. Wehe, wenn unsere Wehrfähigkeit ernsthaft herausgefordert wird. Wir wären gezwungen, sehr schnell wieder aufzurüsten. Aber womit, wenn unseren Rüstungsschmieden bis dahin die Luft ausgegangen ist?

Seiner Wehrtechnik entkleidet fiele es Deutschland unendlich schwerer, sich wieder verteidigungsbereit zu machen, als dies heute (noch) der Fall wäre. Wir wären auf die Gunst ausländischer Lieferanten angewiesen. Was, wenn die uns abweisen?

Die deutsche Rüstungsindustrie sollte daher unbedingt erhalten und durch die Politik unterstützt statt behindert werden. Sie bietet die Option einer Wiederaufrüstung, zu der uns die Weltlage schneller zwingen könnte, als wir es uns derzeit vorstellen mögen.


Frei gedacht
Haben Sie Mut, sich Ihres Verstandes zu bedienen!
von Eva Herman

George Orwell beschreibt in seinem Buch „1984“, wie man durch ständige Wiederholungen in den Medien auch die größten Unwahrheiten zur Wahrheit umgestaltet. Unsere Zeit strotzt nur so von Beispielen. Ob es um vermeintliche Terrorstaaten geht, gegen die man sich „verteidigen“ müsse, ob um angebliche CO2-basierte Klimaerwärmungen, um „gefährliche“ Pandemien oder um den modernen Feminismus. Die Auflistung lässt sich unendlich fortsetzen. Wir spüren, da stimmt etwas nicht. Doch was tun wir?

In jedem Zeitalter lebten wir Menschen im Korsett gewisser Paradigmen. Mit jeder Epoche änderten sich offizielle Denkweisen wieder nach dem Motto: Was gestern richtig war, muss heute lange nicht mehr stimmen. Stets wurde man „moderner“ im Wandel der Zeiten. Heute geht der Wechsel viel schneller, manchmal reicht eine Generation nicht mehr aus, um die Gesellschaft in völlig neue Weltbilder überzuwechseln. Können wir noch folgen? Was gestern normal war wie zum Beispiel eine Familie mit Mutter, Vater und Kind, ist heute Patchwork gewichen, das ist jetzt normal, also die Norm. Oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Wer heute beklagt, dass dieses neue Weltbild seiner Empfindung Probleme bereitet, der muss mit einer Klage rechnen: wegen Homophobie, wegen Sexismus. Weil hier die Gesetzesbandagen immer straffer angezogen werden, schweigen die meisten Leute. Sie überhören ihre Empfindung lieber, bevor sie Probleme kriegen. Wohin führt das?

Ein weiteres modernes Dogma betrifft eine ganz natürliche Einrichtung unserer Schöpfung: Es geht um den Begriff Mutter. Während dieser die Frauen in allen zurückliegenden Jahrhunderten stolz machte, schämen sich heute viele dafür und wollen es nicht mehr sein: Denn wer Karriere machen will, kann sich nicht mit diesen unwichtigen Dingen aufhalten wie dem Muttersein. Wofür sind denn sonst die Krippen da? Wer Mütter heute gut findet, setzt sich sogar dem Vorwurf des Sexismus aus, oder er gilt als ultrarechtsextrem. Der Begriff Mutter und auch Vater soll nun aus der EU-Behördensprache entfernt werden. Noch überlegt man, wie man sich dem US-amerikanischen Vorbild nähern könnte, wo die Ämter nur noch von „Parent 1“ und „Parent 2“ sprechen.

All diese familienpolitischen Neusprechs und Neulebs verdanken wir der vor einigen Jahrzehnten erfundenen Gender-Forschung, einem Buchstabengewirr, einer Aneinanderreihung willkürlich hingeworfener Wortbrocken, die, aus welchem Blickwinkel auch immer betrachtet, einfach keinen Sinn machen. Wer einmal versuchte, eine behördliche Genderschrift zu lesen, weiß, wovon ich rede. Es gibt auch Genderforschung für Krippen und Kindergärten, Gender für Schulen, Firmen, Altersheime und so weiter. Wir sollen jetzt lernen: Genderforschung ist richtig! Egal, was die Empfindung dazu sagt. Und was sagt die?

Ja, ja, die Forschung: Nahezu alle unsere Denkmuster basieren auf Annahmen und Forschungsergebnissen, die man zum Dogma erhebt beziehungsweise zu einem Paradigma, was nicht ganz so hart klingt. Wie oft aber stellt sich immer wieder heraus, dass die Forschungen nicht ausreichend waren oder als schlicht falsch bezeichnet werden müssen. In Oslo hat man jetzt das Gender-Institut wieder geschlossen, weil man einsah, dass diese Forschung reiner Unsinn ist. Hierzulande sind wir noch nicht so weit. Die Funktionäre und Nutznießer der bestehenden (Un)Ordnung sind natürlich alles andere als objektiv, wenn es darum geht, ein System aufgrund neuer Erkenntnisse zu verändern oder gar komplett zu erneuern. Schließlich hat man sich am Futtertrog gut eingenistet …

Wie finden wir uns in diesem Irrgarten zurecht? Wer hilft bei einer objektiven Aufklärung? Warum tun wir es nicht selbst? Warum fragen wir nicht unsere Empfindung, die meist ziemlich gut Recht von Unrecht, Wahrheit von Lüge, objektive Information von platter Propaganda zu unterscheiden in der Lage ist? Natürlich ist es im ersten Augenblick bequemer, jeden noch so widersprüchlichen Unsinn der Experten kritiklos zu übernehmen. Durch die mittlerweile gigantischen Propagandamaßnahmen der Machtsysteme, die von den Dogmen gut leben, die sie selbst initiierten, lassen sich die Menschen immer wieder gerne einlullen. Doch warum diese geistige Trägheit? Haben wir verlernt, selbst zu prüfen?

Schauen wir in unser hochgelobtes Bildungssystem. Kleinkinder in Krippen sollen bilingual aufwachsen, heißt es. Das sei besser für das Sprachverständnis der Kleinen. Die Politiker strahlen, die Eltern versuchen, alles richtig zu machen. Frühkindliche Bildung, das ist ja prima. Und? Was sagt Ihre Empfindung? Ist es richtig, dass die Zweijährigen Englisch lernen? Zu früh, meinen Sie? Ja, da haben Sie wohl recht: Denn es bleibt eh nichts hängen, was man in diesem Alter an zusätzlichen Sprachkenntnissen aufnimmt, außer, das Umfeld spricht mit den Kindern rund um die Uhr Englisch. Dann hakt es aber mit der Muttersprache. Warum sagen wir nichts? Warum vertrauen wir unserer inneren Stimme nicht? Weil es bequemer ist zu schweigen?

Oder lassen wir die Empfindung hier doch einmal zu Wort kommen: Wir tragen Kleidung, die von geschickten Kinderhänden in Indien hergestellt wurden. Wir wissen alle, wie gnadenlos unsere Umwelt im Interesse des Profits zerstört wird, und wir kennen die unsäglichen Tiertransporte, bei denen wir am liebsten wegsehen.

Was sagt Ihnen bei diesen Beispielen Ihre Empfindung? Sind sie gerecht im Sinne der Schöpfung, der Naturgesetze? Die bequeme Aussage, dass man gegen „die da oben“ ja nichts tun könne, läuft ins Leere. Verantwortlich für die weltweite Dramatik sind wir selbst, denn es gehören zwei Gruppen zu diesem zynischen Spiel: diejenigen, die es tun, und jene, die es zulassen.

Weiteres Beispiel sind die alltäglichen propagandistischen Abrichtungen der Massenmedien, und zwar zum Thema Wirtschaft. Unsere betriebswirtschaftliche Ordnung basiert in erster Linie auf reinem „Profitstreben“. Die Fachsprache in den Chefetagen der Firmen ist als nahezu militärisch einzuordnen. „Wir müssen Marktanteile erobern“, „Die Konkurrenz bricht in unsere Absatzmärkte ein“ oder „Mit unserer neuen Werbestrategie eliminieren wir unseren Konkurrenten und kaufen ihn auf“ … das sind nur drei kleine ganz normale Beispiele.

Doch was meldet unser natürliches Empfinden bei diesen Aussagen? Spüren wir eine positive Resonanz, oder erkennen wir ein destruktives Dogma, welches das Wohl von Mensch und Unternehmen längst aus den Augen verloren hat?

Haben wir uns schon so sehr daran gewöhnt, Ja und Amen zu sämtlichen Dogmen zu sagen, die man uns täglich wortreich und machtvoll aufbrummt? Haben wir verlernt, unserer Intuition zu vertrauen? Sind wir nicht mehr in der Lage, unsere ureigenen Interessen, unsere Meinung durchzusetzen? Oder warum lassen wir uns für dumm verkaufen, ohne überhaupt noch zu zucken?

Ist der laufende Niedergang der menschlichen Zivilisation noch aufzuhalten? Es liegt an uns … Findet die Menschheit nicht zu einem Abgleich zwischen Geist und Verstand zurück, wird sie in sehr absehbarer Zeit ihren finalen Niedergang erfahren.


S. 9 Kultur

Ende einer Kindheit
Der Spielfilm »Wolfskinder« startet in den Kinos − Schicksal ostpreußischer Nachkriegswaisen hautnah nachempfunden

Einen Film über Wolfskinder zu drehen ist ein heißes Eisen: Man kann sich politisch daran leicht verbrennen. Rick Ostermann kommt mit seinem Film, der am 28. August in den Kinos startet, ziemlich unbeschadet davon.

Die Kinder haben ihr Lachen verloren. Stumm und stumpfsinnig schlägt sich eine kleine Gruppe Halbwüchsiger durch die Wälder und ernährt sich von Beeren und rohem Fleisch. Es gibt nichts, was sie aufheitern könnte, keine Spiele, keine Eltern, kein Zuhause. In „Wolfskinder“ ist die Natur das Zuhause dieser Kinder, dem sie zugleich entfliehen wollen. Zu unbarmherzig stellt sie sich ihnen dar. Sie werden von Hunden gehetzt, von Bauern verjagt und von Soldaten getötet.

In dem Film ist man bei den ostpreußischen Wolfskindern, die nach dem Zweiten Weltkrieg ohne Eltern aufwuchsen und die ihr Leben zu retten versuchten, ganz dicht dran und erlebt alles aus deren Perspektive. Noch realer lässt sich der Überlebenskampf der Kinder kaum schildern. Um die authentische Darstellung nicht zu gefährden, verzichtet Ostermann auf jegliche Erklärungen. Es gibt weder Erzähler noch eine Handlung, welche die Hintergründe des Geschehens erläutern. Der Zuschauer fühlt sich ebenso wie die Kinder auf sich allein gestellt und muss sich wie diese selbst seinen Reim auf das Ganze machen.

Der Film ist geradlinig und mit archaischer Knappheit subjektiv aus Kinderaugen erzählt. Mit dem einzigen Hinweis, dass die Handlung im Ostpreußen des Sommers 1946 spielt, beginnt der Film da­mit, dass sich ein – offensichtliches – Brüderpaar an einer Bahnstation das Pferd eines – womöglich – polnischen Soldaten entführt, es in einer Kirche erschießt und sich von dem rohen Fleisch des Tieres ernährt.

Bis dahin kommt man sich vor wie in einem Stummfilm, denn es wird kein Wort gesprochen. Später erfährt man, dass der ältere Bruder Hans heißt. Seine sterbende Mutter schärft ihm ein, seinen Namen und seine Identität niemals zu vergessen und sich mit seinem Bruder Fritzchen über die Memel nach Litauen zu retten. Da die dort nach Unabhängigkeit strebende Bevölkerung die Russen zum Feind hat, sieht man in ihnen Verbündete, die die Waisen aufnehmen.

Schauspielerin Jördis Triebel hat im Film einen Kurzauftritt als todgeweihte Mutter. Von ihr stammen diese wenigen Informationen, die als einige der wenigen Orientierungspunkte für den Zu­schauer dienen. Die anderen Er­wachsenen, die im Film auftreten, erscheinen bestenfalls als dunkle Schatten, vor denen die Kinder stets auf der Hut sind. Nur selten treffen sie im Wald auf Bauern, die sich ihrer erbarmen und ihnen ein Stück Brot geben. Aber nur gegen „Bezahlung“: Ein Mädchen, dass sich dem Bruderpaar angeschlossen hat, muss ihren letzten Trost, eine verdreckte Puppe, dem Bauernkind geben. Es bleibt keine Zeit zum Trauern, dem verbitterten Mädchen kommen keine Tränen mehr. Außer Eltern, Heimat und ihrem Lachen haben die verwahrlosten Kinder auch ihr Weinen verloren.

Regisseur und Drehbuchautor Ostermann hat das Schicksal der vermutlich etwa 5000 ostpreußischen Wolfskinder akribisch re­cherchiert und sich von Berichten einiger weniger Betroffener inspirieren lassen. Das gibt dem Film eine authentische Stärke. Man mag kritisieren, dass nicht nach dem historischen „Warum“ und dem politischen „Wieso“ gefragt wird. Aber die unwissenden Kinder stellen ja auch keine Fragen. Wenn Soldaten auf die in der Memel schwimmenden Kinder schießen und dabei eines töten, kann man nur vermuten, dass es sich dabei um Rotarmisten handelt. Sicherlich kann man Ostermann vorwerfen, dass er zeitgeistkonform davor zurück­schreckt, diese Täter anzuklagen, indem er nicht Klartext spricht. Doch der Film wirkt durch die Reduzierung auf den reinen Überlebenskampf der Kinder viel stärker und entfaltet dadurch eine deutliche politische Aussage.

Kinder sind die eigentlichen Opfer von Kriegen. In „Wolfskinder“ hat Ostermann seine jugendlichen Darsteller im Alter zwischen neun und 14 Jahren bis an ihre physischen Grenzen geführt, wenn er sie etwa durch die Memel schwimmen lässt. In Heydekrug und im Memeldelta gedreht, ist die Natur ein weiterer Hauptdarsteller des Films. Prächtige Landschaftsaufnahmen von Wäldern, Wiesen und Gewässern mit Schilfbewuchs singen ein Loblied auf Ostpreußen.

Umso stärker wirkt der Kon­trast zum Elend der Kinder, die sich in Gruppen zusammenfinden, dann getrennt werden, ehe sich die, die überlebt haben, zufällig wiedersehen. Ein Kinderfilm ist „Wolfskinder“ nicht. Diesen Kindern ist ihre Jugend ebenso genommen worden wie ihr Lachen. Das macht den Film so erschütternd. Harald Tews


Regisseur Ostermann über »Wolfskinder«

Der Film „Wolfskinder“ ist das Regie-Debüt des 1978 in Paderborn geborenen Rick Ostermann. Der Filmemacher, der in Hamburg zur Schule ging und im bayerischen Ettal das Internat besuchte, arbeitet in Berlin als Filmassistent und Drehbuchautor. Die Idee zu „Wolfskinder“ stammt ebenfalls von ihm. Vor dem offiziellen Kinostart am 28. August feierte der Film seine Premiere bei den letztjährigen Filmfestspielen in Venedig. Beim Münchener Filmfest erhielt Ostermann den mit 5000 Euro dotierten Friedenspreis des Deutschen Films − Die Brücke. Am 2. November verleiht ihm die Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ in der Frankfurter Paulskirche den mit 10000 Euro dotierten Franz-Werfel-Menschenrechtspreis. Die PAZ sprach mit Ostermann.

PAZ: Wie kam es zur Film-Idee über Wolfskinder?

Ostermann: Meine Mutter stammt aus der Nähe von Allenstein. Als Kind ist sie 1945 mit ihren Eltern und ihrem Bruder aus Ostpreußen geflohen. Seitdem sie mir von ihrem Schicksal berichtet hat, beschäftige ich mich mit dem Thema Flucht und Vertreibung. In dem Zusammenhang bin ich auch auf die Wolfskinder gestoßen.

PAZ: Hatten Sie bei ihren Recherchen mit Wolfskindern gesprochen?

Ostermann: Ja, ich habe die Wolfskinder-Vereine angeschrieben. Es war am Ende nur eine Handvoll von Personen, die sich mir anvertraut haben. Bei den meisten anderen sitzt das Trauma noch zu tief, um darüber zu reden.

PAZ: Im Film haben Sie sämtliche historische und politische Bezüge, die für das Schicksal der Wolfskinder verantwortlich sind, ausgeblendet. Warum?

Ostermann: Ich erkläre die Wolfskinder nicht, denn sonst wäre ein ganz anderer Film entstanden. Einen Dokumentarfilm über dieses Thema gibt es schon, war aber nicht meine Absicht. Aber mir ging es um die Identität der Kinder, die ihnen auf der Flucht abhandenzukommen droht. Wer sich näher mit dem Thema befassen will, kann ja zu Hause nachlesen.

PAZ: Wer Filme aus deutscher Opferperspektive dreht, gerät leicht in Revanchismusverdacht. War es schwierig, den Film finanziert zu bekommen?

Ostermann: Bei der Finanzierungsphase lief gerade die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“. Das machte es einfacher, die Filmfonds für das Thema zu interessieren.

PAZ: Konnten Sie die Jungdarsteller daran gewöhnen, dass sie nicht in einem Kinderfilm auftreten?

Ostermann: Es war für alle physisch sehr anstrengend, da wir in der Natur gedreht haben, bei Hitze und Kälte. Wir haben an der Memel gedreht, die die Kinder tatsächlich durchschwommen haben! Diesen „Überlebenskampf“ haben sie toll gemeistert.


Vor den Kopf gestoßen
Französischer Multikulti-Erfolg »Monsieur Claude und seine Töchter« verwirrt »anständiges« deutsches Feuilleton

Die Eltern sind schockiert: „Was haben wir dem lieben Gott nur getan?“, fragen sich Claude Verneuil, ein wohlhabender katholischer Notar aus Chinon sowie bekennender Gaullist, und dessen etwas weltfremde Gattin Marie in dem sehenswerten französischen Film „Monsieur Claude und seine Töchter“, der aktuell viele Gemüter bewegt.

Grund für den Stoßseufzer der Eltern ist der Umstand, dass drei der vier weiblichen Nachkommen des Paares so gar nicht mit den Männern verheiratet sind, auf welche die Eltern gehofft hatten: Erst gab Odile einem jüdischen Unternehmer das Ja-Wort, dann ehelichte Isabelle einen muslimischen Anwalt mit algerischen Wurzeln, und zum Schluss nahm Ségolène dann auch noch einen chinesischstämmigen Bankier zum Mann. Die hieraus resultierenden Verwick­lungen lassen sich unschwer erahnen, zumal der Jude kein Händchen fürs Geschäft hat, der Muslim zwischen Dauerbeleidigtsein und Resignation an seiner eigenen Kultur wechselt und der Chinese gar nicht asiatisch zu­rück­haltend, sondern ausgesprochen großspurig auftritt, wenn es ums Geld geht.

Daher ruht die ganze Hoffnung der Verneuils nun auf dem Nesthäkchen Laure (verkörpert durch die bezaubernde Élodie Fontan). Tatsächlich kündigt das gute Kind eine Hochzeit mit dem lupenreinen Katholiken Charles an. Charles – wie Charles de Gaulle!

Monsieur Claude und Madame Marie schöpfen also wieder Hoffnung auf unbeschnittene Enkel mit westeuropäischen Essgewohnheiten. Allerdings nur bis zu dem Moment, in dem der familiäre Hoffnungsträger vor ihnen steht und sich als schwarzer Rastalockenträger von der Elfenbeinküste entpuppt. Das führt bei dem von Christian Clavier ge­spielten Vater der Braut zu cholerischen Ausbrüchen á la Louis de Funès, während die Mutter in Depressionen versinkt.

Hierdurch sichtlich erschüttert, versuchen die drei ansonsten zerstrittenen Schwiegersöhne nun in friedlicher Eintracht, die vierte und letzte multikulturelle Ehe einer Verneuil-Tochter zu verhindern. Selbiges ist zudem auch das Ziel von Laures künftigem Schwiegervater André Koffi (sehr authentisch: Pascal N’Zonzi), einem daueraggressiven Ex-Offizier mit ziemlich westlichen Lebensgewohnheiten, der nun aber plötzlich den naiven Afrikaner mimt, um die französischen „Kolonialherren“ zu beschämen – und finanziell über den Tisch zu ziehen. Am Ende kommt es zu einer alkoholträchtigen Versöhnung der beiden Familienoberhäupter und sämtliche Probleme lösen sich in Wohlgefallen auf.

Abgesehen von diesem klamaukartigen Schluss handelt es sich bei „Monsieur Claude und seine Töchter“ um eine durchaus ernstzunehmende Auseinandersetzung mit den Problemen, ja Leiden, die der tatsächlich gelebte Multikulturalismus jeder einzelnen Familie bescheren kann, auch wenn das Ganze als scheinbar leichte Komödie daherkommt.

Genau aus diesem Grund feuert das deutsche Gutmenschen-Feuilleton nun gegen den Film des Regisseurs Philippe de Chauveron, der in Frankreich schon weit über zehn Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt hat und auch hierzulande ein Publikumsrenner ist: Der Streifen habe „keine aufklärerische Funktion“ mäkelt der TV-Sender „Das Erste“. Die „Frankfurter Rundschau“ findet es „erstaunlich, dass die französischen Multikulti-Sozial-Komö­dien immer zahlreicher werden mit dem öffentlichen Erfolg von Marine Le Pens rechtspopulistischer Partei Front National, wonach das vernichtende Urteil folgt: „Was Rassisten denken und immer öfter auch zu sagen wagen – hier wird es heraustrompetet.“ In die gleiche Kerbe hackt die Wochenzeitung „Die Zeit“: De Chauverons Kassenfüller habe „ein Rassismusproblem“ und schaffe einen „Modus der Komplizenschaft“ unter den Zuschauern, die in ihrem „Alltagsrassismus“ be­fangen seien. Denn nur, wer dem Letzteren fröne, könne über die Handlung lachen.

Angesichts solcher Behauptungen erscheint es höchst empfehlenswert, sich den Streifen selbst anzusehen, um neben einer persönlichen Bewertung auch einen Eindruck vom mentalen Zustand der zitierten Feuilletonisten zu gewinnen. Wolfgang Kaufmann


MELDUNG

Ehren-Leopard an Mueller-Stahl

Locarno − Der in Tilsit geborene Film- und Theaterstar Armin Mueller-Stahl erhielt beim diesjährigen Filmfestival im Schweizer Locarno den Ehren-Leoparden. Mit dem Preis wurde der Ostpreuße als eine „der herausragenden Schauspielerpersönlichkeiten der Weltfilmkunst mit prägendem Einfluss auf die nachfolgenden Generationen“ geehrt. Der Schauspieler, der auch in zahlreichen Hollywoodfilmen mitwirkte, ist dem deutschen Publikum durch seine Rolle als Schriftsteller Thomas Mann in Heinrich Breloers TV-Saga „Die Manns“ (2001) ein Begriff. In der „Buddenbrooks“-Verfilmung von 2008 verkörperte er den Konsul Jean Buddenbrook. In Locarno verkündete der 83-Jährige nun, dass er hinsichtlich der Schauspielerei „keine Pläne“ mehr habe. „Das ist irgendwie abgeschlossen für mich“, sagte er. Und weiter: „Ich habe 25 Jahre Theater ge­spielt. Ich habe 120 Filme ge­macht. Das hat mir heute jemand gesagt, der die anscheinend ge­zählt hat. Das ist doch wirklich ein sattes Schauspielerleben.“ Zukünftig wolle er sich in erster Linie der Malerei widmen. tws


S. 10 Geschichte

Der Krieg, der zu früh begann
Noch im Frieden versuchte ein deutsches Kommandounternehmen, in Polen den Jablunka-Pass zu nehmen

Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass die ersten Schüsse des Zweiten Weltkrieges in den Morgenstunden des 1. September 1939 fielen. Tatsächlich war es schon in der Nacht vom 25. zum 26. August im slowakisch-polnischen Grenzgebiet zu Gefechten zwischen deutschen und polnischen Truppenteilen gekommen.

Als Folge der starren linearen Aufstellung der polnischen Verteidigungskräfte an der Westgrenze sah es die deutsche Operationsplanung als unverzichtbar für den Erfolg des deutschen Vormarsches in Polen an, noch vor dem eigentlichen Angriff bestimmte strategisch wichtige infrastrukturelle Ziele unversehrt in die eigene Hand zu bekommen. Eines dieser vitalen Objekte war der Jablunka-Pass mit dem dazugehörigen Eisenbahntunnel, gelegen in den zu den Ausläufern der Karpaten gehörenden Westbeskiden, auf der polnischen Seite der Grenze zur unter deutschem Einfluss stehenden Slowakei. Als Ausfalltor vom Osten des Deutschen Reiches und von Polen nach Österreich sowie auf den Balkan, das alle Verkehrsströme in Nord-Süd-Richtung in diesem weitgehend unzugänglichen Gebiet kanalisierte, war dieses Verkehrskreuz geografisch der neuralgische Punkt im Operationsgebiet der Heeresgruppe Süd. Denn genau durch dieses Nadelöhr führte der kürzeste Weg für die deutschen Kräfte, die aus der Nordwestslowakei angreifend die Südflanke der polnischen Armee zerschlagen sollten.

Aus diesem Grunde planten der Abwehrchef Admiral Wilhelm Canaris und sein Mitarbeiter Oberstleutnant Erwin Lahousen, den Pass und den Tunnel unmittelbar vor Angriffsbeginn – dieser war festgelegt auf den 26. August, 4.30 Uhr – in einem Handstreich nehmen, die Sprengvorrichtungen entfernen und die Anlagen bis zum Eintreffen der deutschen Angriffsspitzen halten zu lassen. Da reguläre Kräfte dafür nicht in Frage kamen, ging der Auftrag an die sogenannten Kampforganisationen „Jablunka“ und „Sillein“, die in der Slowakei unter bürgerlicher Tarnung auf ihre Aktivierung warteten. Die Kampforganisationen (KO) waren überwiegend aus Angehörigen der volksdeutschen Minderheit in den östlichen Nachbarstaaten bestehende Kampfgruppen, die verdeckt von der Abwehr aufgestellt und geführt wurden. Sie hatten den Auftrag, bei Ausbruch der Feindseligkeiten durch schnellen Zugriff die Zerstörung vitaler Objekte auf feindlichem Territorium zu verhindern.

Mit der Führung des Jablunka-Unternehmens wurde Leutnant der Reserve Hans-Albrecht Herzner beauftragt, der zu diesem Zeitpunkt gerade eine Reserveübung absolvierte. Im Zivilberuf war der promovierte Jurist und Philosoph als Zivilangestellter der Abwehrstelle Breslau tätig, wo er unter anderem mit der Rekrutierung, Aufstellung und Ausrüstung der Kampforganisationen befasst war. Der bekennende Konservative und Christ gehörte dem Widerstandskreis um Erwin von Witzleben, Hans Oster und Canaris an, der im September 1938 einen Umsturz geplant hatte, dem dann jedoch durch das Münchener Abkommen die Grundlage entzogen worden war.

Am 25. August begab sich Herzner mit gefälschten Personalpapieren unter dem Decknamen Dr. Heinrich Herzog in einem Privatwagen in das slowakische Cadca, wo er vom Kommandeur der 7. Infanteriedivision weitere Befehle erhielt und dann die KO Jablunka in einer Kaserne zusammenkommen ließ. Kurz vor Einbruch der Dämmerung war seine Truppe abmarschbereit. Lediglich Herzner und sein Fahrer, ein Gefreiter der Wehrmacht, trugen reguläre deutsche Uniform, während die anderen 24 Angehörigen der Gruppe Zivilkleidung und Hakenkreuzbinden zur Kennzeichnung trugen. Gegen Mitternacht erreichte die Gruppe die Grenze zu Polen, wo sie vergeblich auf das Eintreffen der 140 Mann der KO Sillein wartete und bald darauf in zwei Trupps unbemerkt die Grenze überschritt.

Während Herzner am vereinbarten Treffpunkt in der Nähe der Ortschaft Mosty auf den anderen Trupp wartete, schlossen sich ihm KO-Leute und deutschfreundliche Freiwillige aus der Umgebung an, so dass seine Einheit auf 70 Mann aufwuchs. Um 3.30 Uhr des 26. August entschloss er sich, nicht länger auf den anderen Trupp zu warten, um den Angriff noch vor Sonnenaufgang durchzuführen. Als Angriffsziele befahl er die nördliche Tunnelzufahrt sowie den Bahnhof Mosty samt Nebengebäuden und einer Unterkunftsbaracke für die Tunnelwache.

Die Angreifer stießen nur auf schwachen Widerstand. Bahnhofsanlagen, Tunneleinfahrt und Passzufahrt konnten schnell genommen und die Fernmeldeverbindungen unterbrochen werden, bevor die polnischen Verteidiger noch einen Spruch hatten absetzen können. Außerdem wurden zahlreiche Gefangene eingebracht, darunter etliche Pendler, die unbekümmert zum Bahnhof gekommen waren und auf ihren Zug warteten. Nun stellte sich heraus, dass der zunächst vermisste Teil der KO Jablunka sich in der Dunkelheit in dem unwegsamen Gelände verlaufen und bereits seit 2.00 Uhr vereinzelt mit polnischen Alarmposten im Feuerkampf gestanden hatte.

Einer von Herzners Leuten bestieg eine Lokomotive, zwang zwei polnische Eisenbahner, sie in Gang zu setzen, und fuhr damit unter Beschuss in den Tunnel. Mit einer Axt zerstörte er die Zündkabel und verließ den Tunnel am anderen Ende. Dabei geriet er erneut unter heftiges Feuer, doch er konnte nicht mehr in den Tunnel zurück, da die polnischen Verteidiger hinter ihm das Gleis gesprengt hatten. Da ihm nun der Rückweg versperrt war, fuhr er weiter auf dem Schienenweg bis Cadca, wo er dem Kommandeur der 7. Infanteriedivision sofort Bericht erstattete. So erfuhr man auf deutscher Seite, dass der Angriff erfolgt war.

Kaum waren die Angriffsziele gesichert, verschwanden Herzners ortsansässige Helfer so schnell wie sie gekommen waren. Herzners Auftrag war erfüllt. Die Befragung eines deutschstämmigen Bahnbediensteten ergab jedoch, dass die Ladungen kurz zuvor aus den Sprengkammern entfernt worden waren. Die ganze Aktion war somit überflüssig gewesen. Dennoch wartete Herzner befehlsgemäß auf das Vorauskommando der deutschen Truppen, die um 4.30 Uhr zum Angriff hätten antreten sollen. Doch Herzner stand auf verlorenem Posten, denn mittlerweile hatten sich als Folge der politischen Entwicklung kurzfristig terminliche Änderungen in der deutschen Angriffsplanung ergeben, von denen Herzner mangels geeigneter Fernmeldeverbindungen nicht mehr hatte in Kenntnis gesetzt werden können.

Man muss sich diese Situation einmal vorstellen: Da befinden sich deutsche Kombattanten in Friedenszeiten auf dem Hoheitsgebiet eines souveränen Staates und stehen mit dessen Streitkräften im Feuerkampf. Es ist unschwer vorstellbar, dass Canaris und Lahousen bei diesem Gedanken sehr unwohl war und sie alles unternahmen, um Herzner doch noch zu erreichen. Dies gelang erst nach Stunden und Herzner erhielt den Befehl, seine Gefangenen freizulassen und sich unverzüglich über die Grenze zurück­zuziehen. Nachdem sie noch bei Mosty und auf ihrem Weg durch die Wälder mehrere polnische Gegenangriffe abgewehrt hatten, waren Herzner und seine Leute um 13.30 Uhr wieder in Sicherheit. Ihr Einsatz auf „feindlichem“ Territorium hatte gerade einmal elf Stunden gedauert.

Nun galt es, die für beide Seiten gleichermaßen peinliche Angelegenheit zu bereinigen. Da es keine Toten und nur einige Leichtverletzte gegeben hatte, begnügte sich das polnische Militär mit einem Protest gegen die Verletzung des polnischen Territoriums, auf den der zuständige deutsche General mit einem Entschuldigungsschreiben antwortete. Der Zwischenfall sei ein Versehen gewesen und auf den unklaren Grenzverlauf in den dichten Wäldern zu­rück­zuführen. Da die polnische Regierung ihn als eine gewöhnliche Grenzverletzung abtat, wie sie sich in diesen politisch aufgeheizten Tagen häufiger ereignete, verzichtete sie darauf, eine offizielle Protestnote nach Berlin zu schicken. Hier wiederum war man nur allzu gern bereit, den Mantel des Schweigens über die Angelegenheit zu legen.

Obwohl das polnische Militär Herzners Aktion nicht in Verbindung mit einem bevorstehenden deutschen Angriff brachte, blieb es in den folgenden Tagen nicht untätig. Polnische Pioniere füllten die Sprengkammern des Tunnels mit 40 Ladungen à 500 Kilogramm Trotyl. Außerdem wurde die Tunnelsicherung verstärkt. Als am 1. September 1939 der deutsche Angriff dann tatsächlich erfolgte, waren auch Herzner und seine Truppe wieder im Einsatz – allerdings nicht am Jablunka-Pass, denn dort war ein erneuter Überraschungserfolg im Handstreichverfahren nicht zu erwarten. So war es diesmal ein reguläres Bataillon, dem sich einige von Herzners Männern als ortskundige Führer angeschlossen hatten, das den Auftrag erhielt, das Ziel im klassischen Infanterieangriff unversehrt in die Hand zu bekommen. Wieder konnte Mosty nach kurzem Gefecht genommen werden, aber als sich die Angreifer der Tunneleinfahrt näherten, flog das strategisch wichtige Bauwerk in die Luft. Trotz dieses Fehlschlags meldete der Wehrmachtbericht am folgenden Tag: „Die deutschen Truppen haben am Nachmittag des 1. September den Vormarsch auf allen Fronten erfolgreich fortgesetzt. Heute früh sind die Bewegungen überall im Fortschreiten. Der Jablunka-Pass wurde schnell bezwungen.“ Jan Heitmann


Gedenkstätte modernisiert

Mit Blick auf den 70. Jahrestag des Attentats vom 20. Juli 1944 ist die Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock in Berlin grundlegend erneuert worden. Nun setzt sie insbesondere auf den Einsatz von Medien, was zum Beispiel mittels berührungsempfindlicher Bildschirme, sogenannter Touchscreens, erlaubt, ein jeweiliges Thema bis in weiteste Verästelungen zu verfolgen.

In 18 Themenbereiche auf zwei Raumfluchten wurde die Ausstellung untergliedert, beginnend mit einem allgemeinen Überblick auf den Widerstand und auf die Struktur des NS-Regimes, um dann zunächst den Widerstand aus der Arbeiterbewegung, seitens der Kirchen und von Künstlern und Intellektuellen zu zeigen. Die Weiße Rose und die Rote Kapelle stehen gleichrangig neben dem Kreisauer Kreis. Dem Einzelkämpfer Georg Elser, dessen Attentatsversuch am 8. November nur knapp misslang, ist ein eigener Raum gewidmet. Das Attentat vom 20. Juli 1944 samt seiner Vorgeschichte, zu dem ja auch in der früheren Ausstellung schon das meiste Material vorhanden war, nimmt mit vier Räumen den meisten Platz ein. Die Ausstellung schließt mit einem Überblick zum Widerstand von Juden, Sinti und Roma sowie zum Widerstand im Kriegsalltag und aus dem Exil.

Die täglich geöffnete, eintrittsfreie Ausstellung stellt zudem umfangreiches Begleitmaterial zur Verfügung, etwa Faksimiles von Aufrufen und geheimen Flugschriften, ferner einen Audioguide in sieben Sprachen. Bei entsprechender Voranmeldung und Absprache soll auf besondere Wünsche von Besuchern eingegangen werden. Der Innenhof des Gebäudes, heute der Ehrenhof, in dem am Abend des 20. Juli 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Friedrich Olbricht, Albrecht Ritter Merz von Quirnheim und Werner von Haeften hingerichtet wurden, ist in seiner betont schlichten Form mit der von Richard Scheibe 1953 geschaffenen Bronzefigur so belassen worden wie bisher. Ebenso geblieben ist die eingelassene Platte mit der vom früheren Reichskunstwart Edwin Redslob verfassten Inschrift. Wie bisher bleibt der Ehrenhof Ort der offiziellen Totenehrung der Bundesregierung für die Widerstandskämpfer. Dirk Klose


S. 11 Preussen

Vor den Russen kamen die Engländer
Vor 70 Jahren wurde Ostpreußens Hauptstadt ein Opfer der Royal Air Force – Schwedens Neutralität wurde ignoriert

Sieben Monate bevor die Rote Armee Königsberg endgültig in ein Trümmerfeld verwandelte, legten britische Bomber die ostpreußische Provinzhauptstadt bereits zu weiten Teilen in Schutt und Asche.

Angesichts der dramatischen Ereignisse rund um Flucht und Vertreibung gerät oft aus dem Blickfeld, dass Ostpreußen die Härte des Krieges schon lange vor dem Oktober 1944 zu spüren bekam, in dem die Rote Armee hier erstmals auf Reichsgebiet vorstieß und Tod wie Verwüstung brachte. Immerhin erschienen ja bereits in der Nacht vom 22. zum 23. Juni 1941, also nur wenige Stunden nach dem Beginn des deutschen Einmarsches in Russland, die ersten sowjetischen Fernbomber über Königsberg und beschädigten Hafenanlagen und das Gaswerk. Dem folgten bis Frühjahr 1943 zehn weitere Luftangriffe seitens der UdSSR, deren Intensität sukzessive zunahm – so wurde in der Nacht vom 29. zum 30. April 1943 erstmals auch eine überschwere Fünf-Tonnen-Bombe vom Typ FAB-5000 NG abgeworfen. In ähnlicher Weise traf es Tilsit, Memel und Insterburg. Allerdings blieben die Schäden hierdurch noch vergleichsweise gering, weswegen das Reichspropagandaministerium bis Mitte 1944 verharmlosend von „Störflügen“ sprechen konnte, was unter anderem zur Folge hatte, dass die Entsendung von „Bombenevakuierten“ aus Berlin sowie anderen mittel- und westdeutschen Städten nach Ostpreußen fortgesetzt wurde.

Dann freilich kam der August 1944, in dem nicht mehr sowjetische Iljuschin DB-3 und Petljakow Pe-8 Königsberg attackierten, sondern die Maschinen der 5. Bombergruppe der britischen Royal Air Force, die von Air Vice-Marshal Ralph A. Cochrane (1895–1977) kommandiert wurde und schon durch den ersten „Tausend-Bomber-Angriff“ auf Köln sowie die Zerstörung der Talsperren von Möhne und Eder auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Königsberg stand unter dem Decknamen „Blenny“ (Schleimfisch) bereits seit 1942 auf der Liste der zivilen Ziele, die durch Flächenbombardements zerstört werden sollten, um die Moral der deutschen Bevölkerung zu schwächen. Jedoch konnten die britischen Langstreckenbomber nur dann von der britischen Insel nach Ostpreußen gelangen, wenn sie den Luftraum des neutralen Schweden verletzten, doch genau davor schreckten die Briten zunächst zurück. Das änderte sich erst im Sommer 1944 – wahrscheinlich nicht zuletzt aufgrund der ausgesprochen knieweichen Reaktion der Schweden auf die versehentlichen Bombenabwürfe auf Stockholm durch einige verirrte sowjetische Flugzeuge am 22. Februar 1944. Außerdem standen die Zeichen für die Alliierten nun eindeutig auf Sieg, weswegen man meinte, die zu erwartenden schwedischen Demarchen als irrelevant abtun zu können.

Der erste Angriff erfolgte in der Nacht vom 26. zum 27. August 1944: 174 viermotorige Avro 683 „Lancaster“ der No. 61 Squadron der RAF flogen von der Luftwaffenbasis Skellingthorpe in der ostenglischen Grafschaft Lincolnshire quer über Dänemark und die schwedische Provinz Schonen und luden dann ihre Bombenlast binnen zehn Minuten über den Königsberger Stadtteilen Maraunenhof, Tragheim und Alter Roßgarten ab. Dabei kamen unter anderem auch die neuen 30-Pfund-Flammstrahlbomben zum Einsatz, die zuvor schon in Braunschweig, Kiel, Stuttgart und Stettin getestet worden waren. Diese verursachten ausgedehnte Feuersbrünste, durch die rund fünf Prozent aller Königsberger Wohngebäude zerstört wurden, was 10000 Menschen obdachlos machte. Außerdem gab es auch rund 1000 Tote zu beklagen. Doch das stellte nur das Vorspiel zu einer noch viel größeren Katastrophe dar.

Bereits am 29. August starteten erneut 189 „Lancaster“ aus Skellingthorpe zu dem 2000-Meilen-Flug über die Nord- und Ostsee. Und diesmal saß in der Führungsmaschine Squadron Leader John Woodroffe (1914–1957), einer der erfahrensten britischen Bomberpiloten, der bereits an Angriffen auf Berlin, Essen, Leipzig, Bremen, Nürnberg und Schweinfurt beteiligt gewesen war. Auf seinen Befehl hin kreisten die „Lancaster“ trotz akuten Treibstoffmangels 20 lange Minuten über Königsberg, weil die dichte Wolkendecke zunächst keine erfolgversprechenden Abwürfe erlaubte. Dann aber zerriss der schützende Schleier unmittelbar nach Anbruch des 30. August, woraufhin innerhalb kürzester Zeit 480 Tonnen Bomben auf das dicht besiedelte Stadtzentrum herabprasselten; anschließend drehten die Maschinen eilig über die Ostsee ab. Jedoch konnten die Junkers Ju 88 und Messerschmitt Bf 110 des deutschen Nachtjagdgeschwaders 5 in Powunden 15 Angreifer abschießen, wobei sieben der getroffenen „Lancaster“ auf schwedisches Territorium stürzten, was heftige Proteste Stockholms an die Adresse Londons nach sich zog.

Das änderte freilich nichts daran, dass Königsberg durch das erneute britische Bombardement, das wiederum rein zivilen Zielen gegolten hatte, derart Schaden nahm, dass nochmals 200000 Einwohner ihre Bleibe verloren und bis zu 5000 eines grausamen Todes starben. Zugleich verwandelte sich das glanzvolle historische Königsberg an diesem 30. August 1944 in Schutt und Asche. Zerstört wurden nämlich nicht nur mehr oder weniger moderne Gebäude wie das Oberpräsidium, die NSDAP-Kreisleitung, das Haus der Arbeit, die Gauwirtschaftskammer, das Finanzamt, sechs große Bankfilialen und die Hälfte aller Schulen, sondern ebenso die drei eng bebauten Innenstadtteile Löbenicht, Kneiphof und Altstadt, die den ursprünglichen Siedlungskern Königsbergs bildeten. Nichts aus der langen Geschichte des einstigen Hochmeistersitzes des Deutschen Ordens und der Residenz der Herzöge von Preußen blieb verschont – weder das Schloss mit seinen Museen oder die Albertus-Universität von 1544 noch die Geburtshäuser solch berühmter Persönlichkeiten wie E. T. A. Hoffmann (1776–1822); ebenso ein Raub der Flammen wurde das Domizil Heinrich von Kleists (1777–1811), in dem der Dichter seinen „Zerbrochnen Krug“ vollendet hatte.

Des Weiteren fielen 13 Kirchen der Stadt dem Terrorangriff zum Opfer, darunter der imposante Dom aus dem 14. Jahrhundert. Hierzu schrieb die ostpreußische Heimatdichterin und Ehrenbürgerin von Königsberg Agnes Miegel (1879–1964) am 5. Oktober 1944: „Zuletzt, ehe sie sanken, haben im Feuersturm noch alle Kirchenglocken geläutet, wirklich das Sterbelied.“

Wolfgang Kaufmann


Bach widmete ihm Meisterwerk
Der jüngste Sohn des Großen Kurfürsten, Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt

Wie die böse Stiefmutter im Märchen trachtete auch die Mutter von Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt, die zweite Ehefrau des Großen Kurfürsten Dorothea Sophie, danach, das materielle Wohl ihrer leiblichen Kinder zu mehren. Wenn ihr auch unterstellt wurde, ihren Stiefkindern nach dem Leben zu trachten, so konnte sie doch ihren eigenen Nachwuchs nicht in den Besitz eines Fürstentums bringen, aber sie konnte Vermögen anhäufen und dieses ihren Kindern vererben. Sie erwarb Schwedt und Umgebung und schuf damit die materielle Grundlage für die Nebenlinie Brandenburg-Schwedt. Weitere Grundherrschaften kaufte sie hinzu, so dass der Besitz schließlich drei Städte, drei Schlösser, 33 Dörfer und 24 Vorwerke umfasste.

Nutznießer dieser Akkumulation von Vermögen durch Christian Ludwigs Mutter war primär sein ältester Bruder Philipp Wilhelm. Doch auch er selber hatte keinen Grund zur Klage. Trotz des Verhaltens seiner Mutter waren ihm die Nachkommen aus der ersten Ehe des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm nicht gram. Sein Neffe König Friedrich Wilhelm I. in Preußen zeigte sich ihm gegenüber vielmehr von einer angesichts der dem Soldatenkönig nachgesagten Sparsamkeit geradezu bemerkenswerten Großzügigkeit. So gestattete der Monarch seinem an den Künsten, nicht zuletzt der Musik, interessierten Onkel die Beibehaltung einer eigenen Kapelle im Berliner Stadtschloss. Während dem Soldatenkönig allenfalls die Werke Georg Friedrich Händels etwas gaben, zeigte sich Christian Ludwig vom Besuch Johann Sebastian Bachs in der brandenburgischen Hauptstadt stark beeindruckt und bat den Musiker um einige seiner Kompositionen. 1721 erhielt er daraufhin die ihm gewidmeten „Six Concerts avec plusieurs instruments“. Wir kennen sie heute als „Brandenburgische Konzerte“.

Seine Stellung als legitimer Sohn des Großen Kurfürsten, die Großzügigkeit seines Onkels und Königs sowie Einkünfte aus dem Erbe seiner ebenso geschäftstüchtigen wie fürsorglichen Mutter schufen ihm die Möglichkeiten, seinen Hobbies zu frönen. Der vierte Empfänger der von seinem Halbbruder Fried­rich I. gestifteten höchsten Auszeichnung des von ihm geschaffenen Königreiches, des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler, hatte als Offizier im Generalsrang, Regimentschef, Herrenmeister von Sonnenburg sowie Administrator und evangelischer Dompropst von Halberstadt sein Auskommen. Darüber hinaus übertrug ihm der Soldatenkönig die Herrschaften Malchow und Heinersdorf.

Der am 24. Mai 1677 in der Hauptstadt seines Vaters geborene Prinz blieb unbeweibt und kin­derlos. Er starb am 3. September 1734 auf seinem Gut Malchow.

Manuel Ruoff


Früh vollendet
Der Danziger Maler Hans Meckelburger

Vor 130 Jahren, am 17. September 1884, wurde Hans (Johannes) Mekelburger in Scharfenort bei Danzig als Sohn des Johann Mekelburger und seiner Frau Catarina geborene Wieler geboren. Er stammte aus einer rein mennonitischen Bauernfamilie, die in Orloff und Hochzeit (Danziger Werder) ansässig gewesen sein soll.

Nach der Dorfschule besuchte Hans Mekelburger das Conradinum in Langfuhr und ging dann zu den Kunstakademien in Königsberg, Berlin und München. In Königsberg erhielt er seine Ausbildung hauptsächlich bei den Professoren Heinrich Wolff, Ludwig Dettmann und Karl Storch den Älteren. In Danzig schließlich ließ er sich als freischaffender Maler nieder, hatte sein Atelier auf dem Kaninchenberg 14.

Noch im Frühjahr 1914 machte er mit einem befreundeten Redakteur einer Danziger Zeitung eine längere Italienreise. Im Herbst 1914 wurde er zu einem Infanterieregiment in Thorn eingezogen. Am 16. März 1915 ist Hans Mekelburger seiner schweren Verwundung im Feldlazarett in Prasznysz erlegen. Im Herbst 1915 wurde er nach Danzig überführt und auf den Vereinigten Friedhöfen Halbe­allee beigesetzt. Sein Grabstein zeigt ein Relief seines Kopfes, der über Danzig blickt. Beide Nachbildungen waren nach seinen Bildern geschaffen.

Eine große Gedenkausstellung wurde in der Peinkammer des Stockturms in Danzig und danach eine in Königsberg in der Kunsthandlung Teichert gezeigt. Auch seine alten Professoren sahen sich damals die Bilder an.

Hans Mekelburger wurde in Nachrufen oft mit Alfred Rethel verglichen. Trotz seiner Jugend hatte er sehr bedeutende und viele Gemälde und Zeichnungen geschaffen. Immer wieder die Marienkirche und Motive, die sich mit dem Tod beschäftigen, sind in seinem Schaffen zu finden; daneben gab es aber auch Radierungen wie den Kopf von Johannes Trojan und Selbstbildnisse, viele Stillleben, Kompositionen, Landschaftsbilder der Heimat und aus Italien. Auch nach seinem Tod wurden immer wieder Bilder von Königsberg aus auf große Kunstausstellungen geschickt und dort verkauft. E.B.


S. 12 Leserforum

Leserforum

Eine »Sechs« in Geschichte

Zu: Gaucks unappetitliche Rede (Nr. 32)

Der Ein- und Durchmarsch deutscher Truppen zu Beginn des Ersten Weltkriegs in beziehungsweise via Belgien war dem Schlieffenplan geschuldet, der es in einem Zweifrontenkrieg Deutschland ermöglichen sollte, militärisch die Oberhand zu behalten. Zuerst schnell an der Westfront gewinnen, um dann die Soldaten gegen Russland zu führen. Dass es zu Kollateralschäden bei der belgischen Bevölkerung gekommen ist, kam daher, dass die belgischen Soldaten wegen ihrer „zivilen Uniformen“ von den deutschen für Partisanen gehalten wurden. Und bei Partisanen reagieren nicht nur deutsche Soldaten allergisch.

Anstatt dass der Krieg bei allen Unerquicklichkeiten für die Zivilbevölkerung als rein militärische Angelegenheit betrachtet wurde, haben die Alliierten die Deutschen als kinderfressende Ungeheuer dargestellt, um die Massen zu manipulieren und zu mobilisieren.

Und zurück zum Schlieffenplan: Die Alliierten hatten ebenfalls Pläne, das „neutrale“ Belgien zu durchqueren. Und deutsche Soldaten fanden alliierte Militärdepots in Belgien.

Tja, Herr Gauck. Setzen! In Geschichte eine „Sechs“!

Gernot Schmidt, Wilndorf

 

 

Pflugscharen zu Schwertern

Zu: Gaucks unappetitliche Rede (Nr. 32)

Bei der Wehrkundetagung in München schwadronierte Bun­despräsident Joachim Gauck wieder vor internationalem Publikum über die deutsche Kriegsschuld und forderte dann unbedingten Kriegswillen vom deutschen Volk. Sagte Jesus nicht etwas in Richtung Schwerter zu Pflugscharen? Und was macht Pfarrer Gauck da­raus: Pflugscharen zu Schwertern.

Aber wenn deutsche Soldaten unter fremdem Befehl sterben, dann ist das wohl richtig und kein deutscher verdammenswerter Kriegswille. Als Pfarrer ist man daran gewöhnt, Worte nachzubeten und sich keine eigenen Gedanken zu machen. Und da fällt es Gauck auch überhaupt nicht auf, wenn er geschichtliche Lügen wiederholt und er sich mit Freuden in dem historischen Lügensumpf behaglich einrichtet.

Wird unser Präsident die Opfer in Vietnam auch so bedauern wie die Toten des Ersten Weltkriegs oder die der Nato auf dem Balkan, Libyen und besonders im Irak? Doch seltsamerweise werden die Verbrechen der einen übergangen, als gäbe es sie nicht, und andererseits werden die Taten anderer überhöht. Wahrscheinlich, weil das Gesamtschuldkonto ausgeglichen sein muss. Was die einen nicht tragen, kriegen die anderen mit aufgebürdet.

W. Scholz, München

 

 

Schritt zur Besserung

Zu: Gaucks unappetitliche Rede (Nr. 32)

Bei seinem Staatsbesuch in Indien im Februar dieses Jahres warb Joachim Gauck für Zuwanderung nach Deutschland aus Indien und anderen Teilen der Welt. Dieses Verhalten des Bundespräsidenten ist in mehrfacher Hinsicht kritikwürdig. Erstens missbraucht er sein Amt, um nach seinem Belieben in die Politik einzugreifen. Zweitens ignoriert er die Probleme, die deutsche Städte bereits mit der Armutszuwanderung aus Osteuropa und hohem Flüchtlingszustrom haben. Drittens leistet er keinen Beitrag zur Lösung der von ihm verschärften Probleme. Er ist zum Beispiel nicht in der Lage, Arbeitsplätze zu schaffen. Dass ein Mangel an Fachkräften nur deshalb reklamiert wird, um ein Überangebot zum Zweck des Lohndumpings zu erreichen, müsste sich auch bis zu ihm herumgesprochen haben.

Ebenfalls sollte ihm bekannt sein, dass die Zuwanderung von Ausländern hohe Kosten verursacht und die Staatsverschuldung bereits die astronomische Höhe von zwei Billionen Euro erreicht hat. Erstaunlich ist, dass dieser Amtsmissbrauch des Bundespräsidenten kaum Kritik durch die politische Führungselite ausgelöst hat und der breiten Öffentlichkeit nicht zur Kenntnis gebracht wurde. Wie ist dieses Verhalten von mindestens 80 Prozent der deutschen politischen Führungselite und das Verhalten des Bundespräsidenten zu erklären?

Die Ursache für ihre Fehlleistungen ist sicher ihr altes Problem, die vor fast 70 Jahren zu Ende gegangene NS-Zeit positiv zu verarbeiten. Sie verharren in einer Kollektivscham, die sie mit Überfreundlichkeit gegenüber Ausländern und Geringschätzung des eigenen Volkes sowie der Aufgabe seines Selbstbestimmungsrechtes und seiner Umwandlung in eine multiethnische Gesellschaft zu kompensieren versuchen. Sie erscheinen auf diese Weise als „Gutmenschen“. Kritik an der überzogenen Ausländerfreundlichkeit des Bundespräsidenten Gauck wäre daher kontraproduktiv.

Sind diese politischen Führungseliten und der Bundespräsident aber tatsächlich „Gutmenschen“? Wenn sie Gutes tun wollten, müssten sie auch die damit verbundenen Lasten tragen. Die Armutszuwanderung und die Aufnahme von Flüchtlingen verursachen hohe Kosten. Die politische Elite finanziert diese Kosten mit Krediten, deren Rückzahlung sie kommenden Generationen überlässt. Handelt es sich bei dieser Führungselite einschließlich des Bundespräsidenten also weniger um „Gutmenschen“ als vielmehr um jene Spezies, die volkstümlich als Charakterschwein apostrophiert wird? Selbsterkenntnis wäre der erste Schritt zur Besserung.

Dieter Bliesener, Hamburg

 

 

Kein Wort zu Gaza

Zu: Gaucks unappetitliche Rede (Nr. 32)

Gerade hat Bundespräsident Gauck ein rhetorisches Meisterstück geliefert, als er gramgebeugt von tiefer Scham davon sprach, dass deutsche Soldaten beim Warschauer Aufstand irregulärer Kampfeinheiten ihr Leben verteidigten und nicht wegrannten.

Man darf vom Bundespräsidenten erwarten, dass er demnächst um Verzeihung dafür bittet, dass deutsche Jagdflieger und Flakmannschaften alliierte Flugzeuge abgeschossen haben, aus denen auf deutsche Wohngebiete mit Frauen und Kindern Spreng- und Brandbomben abgeworfen wurden. Selbstverständlich ist von ihm auch kein Wort dazu zu hören, dass die Gaza-Bewohner keine mit Bomben zu vertilgenden Terroristen sind, sondern völlig verzweifelte Menschen, die seit Jahrzehnten auf die Hilfe der Welt warten.

Dr. Schneider-Haßloff, Berlin

 

 

Warum aufs Glanzlicht verzichten?

Zu: Letzte Attacke gegen Garnisonkirche (Nr. 31)

Es ist sehr schade, dass sich die Potsdamer gegen einen Wiederaufbau der Garnisonkirche stemmen. Potsdam ist eine schöne Stadt mit kleinen Defiziten. Da würde der Aufbau der Garnisonkirche der Stadt ein weiteres Glanzlicht bringen. Die Kirche ist schließlich ein Stück deutsche Geschichte.

Herbert Schinkel, Lengede

 

 

Peinliches Schauspiel zweier Präsidenten

Zu: Gaucks unappetitliche Rede (Nr. 32)

Bundespräsident Joachim Gauck gibt sich beim Gedenken der Opfer des Ersten Weltkriegs nicht damit zufrieden, im Beisein von Repräsentanten aus 80 Ländern lediglich die deutsche Mitschuld zu bekennen. Nein, seine Schuldbesessenheit lebt er jetzt auch hinsichtlich des Ersten Weltkriegs aus, indem er meint, an „deutsche Verbrechen“ erinnern zu müssen. Im Zusammenhang des Zweiten Weltkriegs haben wir uns mittlerweile an den „Überfall auf die Sowjetunion“ und „deutsche Verbrechen“ hinlänglich gewöhnt. Gauck erweitert das Bewusstsein der „ewigen deutschen Schuld“ jetzt um den „Überfall auf Belgien“ und „deutsche Verbrechen im Ersten Weltkrieg“.

Da Gauck „nur“ eine deutsche Mitschuld – keine Alleinschuld − am Ausbruch des ersten Weltkriegs eingestehen konnte, erinnerte er sicherheitshalber daran, dass Deutschland 1940 abermals Belgien überfallen habe, um den Kult um die deutsche Schuld zu bedienen.

Gaucks Feststellung, dass „dieser Krieg in Westeuropa mit dem durch nichts zu rechtfertigenden Überfall Deutschlands auf das neutrale Belgien“ begann, offenbart eine erschreckend eindimensionale Sichtweise. Der Beobachter seiner Ansprachen in Belgien und im Elsass kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das deutsche Staatsoberhaupt sich von „Schuldstolz“ leiten lässt.

Gauck möge doch zur Kenntnis nehmen, dass die deutsch-französische Aussöhnung bereits von de Gaulle und Adenauer sowie Mitterand und Kohl eindrucksvoll und symbolträchtig demonstriert worden ist.

Es ist also nicht nötig, dass Gauck und Hollande bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu einem deutschen Schuldbekenntnis erst schweigend nebeneinander stehen, dann dem anderen den Arm um die Schulter legen, sich zueinander drehen und eine innige Umarmung folgen lassen. Dieses Schauspiel ist im Jahre 2014 nur peinlich.

Joachim Wiegand, Bückeburg


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Zwischen Hoffen und Bangen
Was der beginnende Handelskrieg zwischen Russland und dem Westen für das Königsberger Gebiet bedeutet

Die gegen Russland gerichteten EU-Sanktionen und die russischen Gegensanktionen treffen nicht nur die Metropole Moskau, sondern wirken sich auch auf die Provinz aus. Im Königsberger Gebiet sieht die Bevölkerung die Lage noch gelassen, auch wenn mit drastischen Preiserhöhungen gerechnet wird. Regionale Produzenten wittern ihre Chance, während andere vom Kleinen Grenzverkehr profitieren.

Von dem von Wladimir Putin verordneten Einfuhrverbot als Antwort auf die Sanktionen des Westens sind Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch, Fisch, aber auch Milchprodukte, Gemüse, Obst und Nüsse betroffen. Eine Ausnahme gibt es für Kindernahrungsmittel. Auch Waren, die Russen selbst im Ausland kaufen und nach Hause mitnehmen, finden den Weg auf den russischen Markt. Den Massenmedien wurde indes verboten zu berichten, dass italienischer Schinken, französischer Käse und norwegischer Lachs aus den Läden verschwinden werden. Die Königsberger reagieren ironisch auf solche Verbote.

Im Königsberger Gebiet sind Waren aus Litauen und vor allem aus Polen ein wichtiger Bestandteil der Versorgung. Polnische Äpfel und litauische Milch trifft man in jedem Haushalt an. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Lebensmittelembargos wurde deshalb in Königsberg eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des stellvertretenden Gebietsregierungschefs Konstantin Suslow gebildet, um die Lebensmittel- und Verbrauchermärkte zu beobachten.

Auch in Moskau macht man sich über die Exklave Gedanken. „Falls nötig, muss die Frage von Beschränkungen des Imports von landwirtschaftlichen Produkten und Gegenständen des täglichen Gebrauchs in das Königsberger Gebiet aus Ländern, die Sanktionen gegen Russland verhängt haben, einzeln betrachtet werden“, erklärte Landwirtschaftsminister Nikolaj Fjodorow, „Situationen wie in Exklaven erfordern … vielleicht auch individuelle Ansätze.“

Bis zum 1. September will die Gebietsregierung einen Plan aufstellen, der die besonderen Folgen eines Importverbotes für die Exklave berück­sichtigt. Bislang gibt sich die regionale Regierung optimistisch. Es heißt, unter schwierigen Bedingungen könne das Gebiet seinen Agrarsektor aktiv entwickeln.

Der Gebietsminister für Industriepolitik, Wirtschaftsförderung und Handel, Dmitrij Tschemakin, sagte, dass die Frage der Versorgungssicherheit bereits mit den Direktoren der größten Einzelhandelsketten und Lieferanten diskutiert worden sei. Seinen Angaben zufolge beträgt der Anteil der importierten Lebensmittel im Königsberger Gebiet nur einen „unbedeutenden“ Anteil von 15,8 Prozent.

Inzwischen sind aus den Läden allerdings Nektarinen, Mangos, Kiwis, Pfirsiche und Pflaumen verschwunden, die vor allem aus dem benachbarten Polen kamen, aber auch aus Spanien. Die Inhaber von Einzelhandelsketten versichern, dass sie bald andere Lieferanten finden würden. Man hofft vor allem auf Serbien, die Türkei und Mazedonien, die sich als Nicht-EU-Mitglieder nicht an die Sanktionen halten müssen. Von dort gibt es bereits mehr Lieferungen ins Königsberger Gebiet. Die geografische Nähe zu Weißrussland erlaubt es, heimische Früchte und Gemüse von dort zu beziehen. Die weißrussischen Landwirtschaftsbetriebe beteuern, den Bedarf des Königsberger Gebiets vollkommen abdecken zu können. Die Gebietsregierung führt täglich Preiskontrollen durch, damit Händler die Situation nicht ausnutzen. Inwieweit die Preise steigen werden, schätzen Händler, Behörden und Verbraucher unterschiedlich ein. Einzelne Produkte könnten 15 bis 25 Prozent teurer werden, weil ein weiterer Transportweg höhere Kosten verursacht. Zurzeit ist es in Königsberg noch ruhig, weil niemand ernsthaft mit Lebensmittelknappheit rechnet. In den öffentlichen Medien dis­kutieren Experten über die Lage und geben die unglaublichsten Vorhersagen und Spekulationen zum Besten.

Befragt man die Menschen auf der Straße, zeigt sich ein anderes Bild. Die Rentnerin Natalja Petrowna beispielsweise geht alle zwei bis drei Tage zum Zentralmarkt einkaufen. Beim Blick auf die Gemüseauslage reagiert sie emotional: „Wir haben auch früher schon wenig und einfach gegessen. Wofür brauche ich Köstlichkeiten wie französischen Käse. Es gab nicht so viele veränderte Produkte mit künstlichen Zusätzen.“

Eine Frau mittleren Alters vor einem Regal mit Milchprodukten starrt auf das Etikett der Verpackung. Sie holt aus der letzten Reihe einen Kefirbecher hervor. Viele Händler etikettieren abgelaufene Produkte über Nacht um. Mit ironischem Lächeln sagt die Frau: „Das, was verdorben ist, wird in Salaten und Soßen verarbeitet und dann verkauft. Dank des Embargos wird es weniger abgelaufene Produkte geben, weil es sie dann überhaupt nicht mehr gibt.“

Michail und Olga befürchten, dass der Kleine Grenzverkehr mit Polen geschlossen wird. „Für den persönlichen Bedarf kann man dort einkaufen. Deswegen fahren wir mit dem Bus nach Danzig oder Allenstein. Hauptsache, der Kleine Grenzverkehr wird nicht dicht gemacht. Wir fahren fast jedes Wochenende, deshalb ist das Einfuhrverbot für diese Bauern von Nutzen. Sie werden uns ihre Äpfel halt bei sich in Polen verkaufen.“

Findige Königsberger haben ein neues Geschäftsmodell entdeckt: Aus Polen oder Litauen mitgebrachte Waren verkaufen sie direkt aus dem Kofferraum ihres Autos. Bereits 300 solcher „Fliegenden Händler“ wurden im Königsberger Gebiet gezählt. Sergej, der lange bei einer Spedition gearbeitet hat und heute beim Zoll beschäftigt ist, erzählt: „Sie vereinbaren mit dem Zoll, dass sie die Waren einführen, indem sie Etiketten ändern, Pakete umpacken, um so auch weiter Produkte aus Europa ... einführen zu können. Meistens finden unsere Leute Umwege. In Königsberg gibt es eine ganze Reihe von Importunternehmen, die damit gutes Geld machen, und keiner von ihnen hat vor, darauf zu verzichten. Die Preise werden natürlich steigen, aber das Angebot wird kaum geringer werden.“ Während große Importeure sich über die erschwerte Lage beklagen, hoffen kleine Betriebe auf ihre Chance, indem sie Nischen besetzen. Die Bauern wollen mehr Äpfel und Erdbeeren anbauen. Es gibt noch viele brachliegende deutsche Apfelgärten, die man rekultivieren könnte.

Nikolaj Semjonowitsch hat einen landwirtschaftlichen Betrieb im Raum Labiau: „Früher haben die Handelsketten unsere Waren nicht abnehmen wollen, weil sie die ausländischen bevorzugten. Wir mussten unsere auf den Märkten oder an der Straße verkaufen, von Autos aus, und am Wochenende auf Jahrmärkten. Ich hoffe, dass sie jetzt keine Wahl haben. Deswegen wird es uns besser gehen. So denke nicht nur ich, sondern so denken auch meine Kollegen.“ Jurij Tschernyschew


Experten sind pessimistisch

Die Erwartungen der meisten Experten fallen pessimistischer aus als die der Bevölkerung. Sie rechnen damit, dass Waren, die von den Sanktionen betroffen sind, um 20 Prozent teurer werden, weil selbst, wenn schnell Ersatzhändler gefunden werden sollten, die Lieferwege zum Teil erheblich länger würden, wenn beispielsweise Tomaten aus Aserbaidschan oder Gemüse aus der Türkei statt aus Polen und Litauen kämen.

Zudem treffen die Sanktionen des Westens über die Endverbraucher hinaus auch örtliche Weiterverarbeitungsbetriebe. In der Region gibt es über 200 große und kleine Firmen, die auf die Weiterverarbeitung importierter Rohstoffe spezialisiert sind. Vor dem Embargo wurden jährlich 100000 Tonnen Schweinefleisch aus der EU verarbeitet, 60 bis 70 Prozent der Milchprodukte, 44 Prozent des Gemüsebedarfs und 40 Prozent des Geflügelfleisches wurden importiert. Zwei Kombinate mit einem Umsatz von umgerechnet 124 Millionen Euro verarbeiten norwegischen Lachs. Polnische Äpfel deck­ten 70 Prozent des Bedarfs.

Die Experten halten es für illusorisch zu glauben, dass die Region in kürzester Zeit diese Lücken ausfüllen könnte. Eine Versorgung aus eigener Kraft ist frühestens – und dann auch nur teilweise – ab 2015 möglich, da der Anbau von Obst und Gemüse Zeit braucht. Apfelbäume zum Beispiel tragen erst nach fünf bis sechs Jahren Früchte. MRK


»Zitaten-Bänke« zieren Königsberg
Touristische Route erinnert an deutsche Dichter und Philosophen wie E.T.A. Hoffmann und Immanuel Kant

In diesem Jahr überraschte Königsberg mit einer ästhetischen Verschönerung der Landschaft: „Die Route der 101 Bänke“ heißt eine im Rahmen des Projekts „Europäische Stadt“ durchgeführte Aktion. An Königsberger Straßen und Plätzen wurden strahlend weiße Bänke aufgestellt, die Touristen zum Erholen während ihrer Stadterkundungen einladen. Es handelt sich nicht um gewöhnliche Bänke, denn auf jeder ist das Zitat einer berühmten Persönlichkeit angebracht, die einmal in Königsberg gelebt hat. Alle Bänke zusammen ergeben so eine originelle Zitatensammlung. Die Aktion wurde von einer Königsberger Bank und ihren Kunden finanziert.

Die erste dieser Bänke ziert die Körteallee. Eine weitere steht in der Nähe des Tiergartens, auf der ein Ausspruch Immanuel Kants zu lesen ist: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung werden könne.“ Eine weitere Bank steht am Hansaplatz, auf der ebenfalls ein Zitat Kants zu lesen ist. Und der berühmte Märchendichter E.T.A. Hoffmann erinnert die Vorübergehenden mit seinem Aphorismus: „Ein genaues Augenmaß ist wahrscheinlich das, was man guten Geschmack nennt.“

Die im Sonnenlicht strahlenden Bänke erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Städtern, die darauf Platz nehmen. Besonders angenehm ist, dass die Bänke in der Nähe von Sehenswürdigkeiten liegen. Nicht umsonst haben die Ini­tiatoren das Projekt „Europäische Stadt“ genannt, denn sie versuchen, das Aussehen von Königsberg den Standards der europäischen Stadtlandschaft anzupassen.

Bevor die neuen Bänke auf den Straßen Königsbergs aufgestellt wurden, hat man aus verschiedenen Möglichkeiten die vermeintlich beste Variante ausgewählt. Neben jeder Bank wurde ein Müllbehälter aufgestellt.

Über die neue Initiative äußerte sich Bürgermeister Alexander Jaroschuk positiv: „Viele Königsberger sind häufig im Ausland und streben danach, in ihren Alltag das mitzunehmen, was sie in europäischen Städten sehen. In der letzten Zeit ist die Aktivität der Bürger gestiegen, sie übernehmen selbst die Initiative und schlagen nicht nur der Regierung vor, interessante Ideen zu übernehmen, sondern sie realisieren diese auch selbstständig. Und das ist ein äußerst positiver Faktor für die Stadtentwick­lung. Die Initiativen von Bürgern zum Wohle der Stadt sollten in jeder Weise unterstützt werden. J.T.


Stöungen des Verkehrs

Straße Nr. S7j: Hohenstein Richtung Zalusken, Mähen der Grünstreifen. Straße Nr. S22: Verkehrsknoten Braunsberg Süd Richtung Braunsberg Nord, Renovierung der Brücke. Straße Nr. 15: Rakowitz, Kreis Neumark, Straßenumbau. Straße Nr. 16: Osterode Richtung Jungingen, Mähen der Randstreifen; Arys Richtung Lyck, Baustelle; Lyck Richtung Klein Ruttken, Baustelle. Straße Nr. 16c: Allenstein Richtung Reuschhagen, Erneuerung der Straßenmarkierung. Straße Nr. 57: Klein Schöndamerau Richtung Eichtal, Baustelle. Straße Nr. 58: Kurken, Brückenbau, einspurig; Sgonn, Renovierung der Brücke. Straße Nr. 65: Staatsgrenze Richtung Lyck, Mähen der Randstreifen; Lyck Richtung Grajewo, Mähen der Randstreifen, Erneuerung der Straßenmarkierung. PAZ


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

wir haben oft, viel und mit großer Anteilnahme über „Die Kinder Königsbergs“ berichtet, haben ihre Zusammentreffen und ihre Reisen nach Königsberg verfolgt, wo sie für die kleinen Gefährten, die ihre Heimat nicht mehr lebend verlassen konnten, einen Gedenkstein setzten. Auch in diesem Jahr haben sie sich in kleinem Kreis im Ostheim in Bad Pyrmont zusammengefunden und ein Vorhaben zur Diskussion gestellt, das schon länger im Raum stand: Ihre Schicksale aufzuschreiben und zu bündeln, um den heutigen Generationen die Wahrheit über das Geschehen in den schweren Schicksalsjahren 1945 bis 1948 zu vermitteln und den kommenden Generationen eine untrügliche Dokumentation zu hinterlassen. Nun hat dieser Plan konkrete Formen angenommen. Die Konzeption für einen Sammelband liegt vor. Sie wurde uns von dem Mitinitiator Lutz Radtke aus Bad König übermittelt. Der vor 83 Jahren in Königsberg geborene Ostpreuße ist der Motor dieses Projektes, das er zusammen mit einem anderen Königsberger, Carl Georg Kleppe, betreuen will. Herr Radtke kann seine Erfahrungen als Autor der Nachkriegsjahre mit einbringen, die er in seinem biografischen Werk „Entkommen! Mein Weg durch Chaos, Krieg und Kälte“ wie auch in der Schilderung eines Frauenschicksal „Treibgut der Geschichte“ dokumentiert hat. Nun hat er mit Frau Hannelore Müller den Aufruf „Die verlassenen Kinder von Königsberg 1945–1948“ verfasst, der an „Unsere ehemaligen Königsberger Mitbürger – an alle, die in dunkler Zeit Kinder in Königsberg waren“ gerichtet ist. Um auch diejenigen zu erfassen, die aus gesundheitlichen Gründen an den Treffen nicht teilnehmen konnten oder die bisher keinen Zugang zu diesem Kreis fanden, bringen wir heute diesen Appell und bitten unsere Leserinnen und Leser, die sich angesprochen fühlen, dem Aufruf nachzukommen, damit sich ein möglichst breites Spektrum an Schicksalen ergibt. Der Aufruf lautet:

„Der Vater an der Front oder tot. Die Mutter an Seuchen, Hunger oder Vergewaltigungen gestorben – ihre Kinder allein in der zerstörten Stadt. Wie lebt man da – nein, wie lebt man überhaupt? Einige tausend Königsberger Kinder – vom Kleinkind bis in die frühe Jugend – haben es erlitten. Sie haben gebettelt, gefroren, gehungert, in Häuserruinen und Kellern gehaust. Sie waren schutzlos der Macht und Willkür fremder Erwachsener ausgeliefert.

Heute leben sie unter uns. Es sind nicht mehr viele, und sie sind in die Jahre gekommen.

Dennoch: Wir bitten sie, nicht zu schweigen! Wir bitten sie zu berichten. Wie sie persönlich überlebten. Wie sie ihr Lachen verloren und hoffentlich irgendwann wieder gefunden haben, wie ihr weiteres Schicksal verlaufen ist. Es geht uns um eine Dokumentation über die Kinder Königsbergs – von damals bis heute. Wir brauchen ihre Erlebnisse, um sie der Nachwelt zu hinterlassen, um aus ihren Geschichten zu lernen – und vielleicht auch ein wenig dazu beizutragen, dass sie sich nie mehr und nirgendwo auf der Welt wiederholen mögen.

Auch wir sind Kinder Königsbergs, Überlebende dieser Zeit. Wir arbeiten daran, diese Erlebnisse zu sammeln, sie zu drucken, aufzubewahren, zu archivieren und vor allem einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie sind ein Teil deutscher Geschichte, über den die Generationen heute immer weniger wissen. Das möchten wir so gut wie möglich ändern. Bitte, helfen Sie uns dabei!“

Soweit der Appell der „Kinder Königsbergs“ an die Leser und Leserinnen, die sich angesprochen fühlen. Für alle, die zu dieser Dokumentation beitragen wollen und können, sind einige Vorgaben angeführt. So sollen die Beiträge nicht länger als 20 Seiten sein, (eineinhalbzeilig, mit 65 Anschlägen pro Zeile). Zum Inhalt: Erlebnisse in Königsberg zunächst bis Januar 1945, dann ab Januar bis zur Kapitulation, dann die Zeit bis zur Ausreise – und aus dem Leben danach bis zur Gegenwart. Fotos sind natürlich auch erwünscht, aus der Königsberger Zeit werden aber kaum welche vorhanden sein. Die Berichte sind bis spätestens 1. Dezember 2014 an die Koordinatorin dieser Aktion, Frau Ingrid von der Ohe, Mittelweg 6 in 21391 Reppenstedt, Telefon (04131) 63202 zu richten. Soweit der Aufruf der Ini­tiatoren dieser Aktion, über die wir weiter berichten werden.

Auch über die „Wolfskinder“, die in Litauen verbliebenen heimatlosen Kinder aus dem nördlichen Ostpreußen, haben wir ja in den vorangegangenen Folgen viel berichtet. Die Reaktionen blieben nicht aus, und auf einen besonders verständnisvollen Brief möchte ich etwas näher eingehen. Herr Siegfried Grempe aus Erfurt hat ihn geschrieben, er ist von dem in Folge 29 erschienenen Bericht über die Hilfsaktionen der in Florida lebenden Frau sehr beeindruckt, und stellt sich und uns die Frage: „Wenn in Florida Wintersachen und Geld für die Landsleute in Litauen gesammelt werden, warum denn nicht bei mir?“ Herr Grempe war selber in manchem Winter zwischen Weichsel und Ural und kennt die winterlichen Temperaturen. Vielleicht hat er da die Mäntel mit Pelzfutter getragen, die er abgeben möchte, aber auch noch ein bisschen mehr. „Im Alter von 83 Jahren bin ich etwa so alt wie manche Wolfskinder und stehe vor dem Problem, in absehbarer Zeit meine Wohnung und den darin befindlichen Besitz zu verkleinern. Selbst Pakete oder Geldsendungen über die Grenze zu schicken kommt für mich nicht infrage, ich kenne ja keinen Adressaten. Ich will gezielt helfen, auch mit einer Geldspende, und möchte deshalb Kontakt aufnehmen zu einem Menschen, der Verbindung mit Hilfsbedürftigen hat.“ Den werden wir herstellen in der Hoffnung, dass es eine erfreuliche Aktion für alle Beteiligten wird. Für heute erst einmal ein herzliches Dankeschön an Herrn Siegfried Grempe für seine Hilfsbereitschaft.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, und für Frau Sigrid Bernitz in Münster wollen wir versuchen, sie noch am Leben zu erhalten, obgleich es immer schwieriger wird, ungelöste Schicksale zu klären, die sich im Dunkel der letzten Kriegswochen und in der Nachkriegszeit verlieren. Sigrid Bernitz geborene Zimmermann hat immer versucht, etwas über den Verbleib ihres Bruders Arno zu erfahren, und immer war es vergeblich. Nun wendet sie sich an unsere Ostpreußische Familie und bittet uns, ihr bei der Suche nach dem Wehrmachtsangehörigen zu helfen, der sich anscheinend über das Kriegsende retten konnte, wenn auch als Gefangener, denn seine Spur verliert sich in einem Lager in Thorn. Arno Zimmermann, *23. Juli 1926 in Königsberg, wohnhaft in Gumbinnen, Bismarckstraße 4, war Unteroffizier bei der II. Inspektion, ROB Lehrgang 1 für Infanterie in Rostock, Blücherkaserne. Von dort kam auch die letzte persönliche Nachricht, die er am 8. April 1945 an seine Familie sandte. Er muss dann in Rostock in Gefangenschaft gekommen sein, denn von da an hat er sich nicht mehr gemeldet. Dass er die erste Nachkriegszeit überlebt hat, beweist ein Brief, den Frau Bernitz von unerwarteter Seite erhielt. Herr Kurt Lupp teilte ihr in einem vom 24. Januar 1949 datierten Schreiben mit, dass sein Vater mit Arno Zimmermann zusammen in Thorn in polnischer Gefangenschaft gewesen sei. Sein Vater wurde aus Altersgründen entlassen, der 20-Jährige musste bleiben. Es sei ihm aber ganz gut gegangen – so berichtete der Entlassene. Was man auch darunter verstehen kann, so beweist diese Aussage immerhin, dass Arno Zimmermann die erste Nachkriegszeit ohne schwere gesundheitliche Schäden überstanden hatte. Von da an hat Frau Bernitz nichts von ihrem Bruder gehört. Hier muss also die Suche einsetzen, die aber für unsere Leserschaft insofern erschwert wird, als sich wahrscheinlich nicht viele Ostpreußen in dem Gefangenenlager in Thorn befanden. Dass weitere Kameraden von Arno aus der Rostocker Blücherkaserne ebenfalls in polnische Gefangenschaft gerieten und nach Thorn gebracht wurden, ist anzunehmen. Wann und wohin ein Weitertrans­port erfolgte, ist unbekannt. Da Arno Zimmermann in relativ gutem Zustand gewesen war, als sein älterer Mitgefangener entlassen wurde, müsste er eigentlich auch die nächsten Strapazen überstanden haben. Bleibt also die Frage: Wer war mit dem jungen Ostpreußen in Thorn, auf dem Weitertransport oder in einem anderen Lager zusammen? Für jeden noch so kleinen Hinweis wäre seine Schwester dankbar. (Sigrid Bernitz, Bermestraße 33 in 48167 Münster, Telefon 02506/7575, E-Mail: sbernitz@t-online.de)

Prompt und präzise wie immer meldet sich unser eifriger Landsmann Peter Perrey. Er meint, dass es ein Leichtes sei, Frau Pielka geborene Tomski bei ihrer Standortsuche in Neidenburg zu helfen. Wir hatten schon bei der Veröffentlichung in Folge 32 zum Ausdruck gebracht, dass einige der gestellten Fragen mit Sicherheit von unseren Lesern, die aus Neidenburg stammen, beantwortet würden, aber Herr Perrey ist kein Neidenburger, sondern Königsberger, und trotzdem hat er die Angaben von Frau Pielkas Mutter, Christel Tonski, berichtigen können. Frau Tonski konnte bei einem Heimatbesuch die Bismarckstraße, in der sich die väterliche Fleischerei befunden hatte, nicht wiedererkennen und beschrieb einen vom Rathaus abgehenden Weg, den Herr Perrey als den richtigen bestätigte. Und er fügte noch viele Ergänzungen über die Bismarckstraße [Traugutta]. Das wird Frau Pielka und ihrer Mutter beim nächsten Besuch in Neidenburg sicher weiter helfen.

Und vielleicht kann jemand auch Herrn Günter Schött aus Bremen weiter helfen, der sich seit 30 Jahren mit der Erforschung seines Heimatortes Alt-Passarge befasst. Er selber hat unserer Kolumne einen netten Beitrag beigesteuert, als er uns die Erinnerungen des Schriftstellers Rudolf Kinau an einen Besuch in diesem Fischerort am Frischen Haff übermittelte. Wir haben diesen in Finkenwerder Platt geschriebenen heiteren Bericht in Folge 13 gebracht, und er hat viel Anklang gefunden. Dafür möchten wir Herrn Günter Schött noch einmal unsern herzlichen Dank sagen. Leider konnten wir ihm bei zwei Fragen nicht weiterhelfen und müssen diese an unsere Leserinnen und Leser weiterreichen. Herr Schött sucht Unterlagen über einen Großbrand in Alt-Passarge im Jahre 1735, der das kleine Fischerdorf so zerstörte, dass es vollkommen neu aufgebaut werden musste. Wer besitzt Unterlagen über dieses Ereignis oder kann diesbezügliche Hinweise geben? Außerdem ist Herr Schött auf der Suche nach Veröffentlichungen, die sich mit dem Thema „Dorfgeschworene und Dorfschulzen in Ostpreußen“ befassen. Es wird nicht leicht sein, hierüber dokumentarisches Material zu finden, hoffen wir also mit Herrn Schött, dass er informative Zuschriften aus unserem Leserkreis bekommt. (Günter Schött, Auf dem Krümpel 99a in 28757 Bremen, Telefon 0421/623155, E-Mail: guenter@schoett.eu)

Eure Ruth Geede


Wo Straßenschilder wieder deutsche Namen tragen
Paul Wernitz berichtet von einer Reise durch das nördliche Ostpreußen

Man kann die Heimat auf unterschiedliche Art erleben, und unser Landsmann Paul Wernitz aus Tschernitz hatte sich entschieden, Ostpreußen auf dem Fahrrad zu erkunden. Das hat er bereits auf drei Touren getan, in diesem Jahr stand die vierte ins Haus, aber sie sollte diesmal anders verlaufen. Zuerst ging es mit dem Auto in das Königsberger Gebiet, denn auf den bisherigen Fahrten hatte er einige Gegenden nur kurzfristig aufsuchen können und die wollte er intensiver erfassen. Die Räder sollten erst hinter der Luisenbrücke in Tilsit zum Einsatz kommen, auf ihnen wollten Paul Wernitz und seine Begleiter das Memelland erkunden. Von dem ersten Teil der Reise hat er uns nun einen Bericht zugesandt, und da dieser recht anschaulich seine Eindrücke von den verschiedensten Orten des nördlichen Ostpreußen wiedergibt, wollen wir sie unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten. Vor allem den Älteren, die nicht mehr in die Heimat reisen können oder wollen, dürfte dieser Bericht einen Einblick in den heute russischen Teil Ostpreußens vermitteln.

Paul Wernitz und seine Begleiter starteten schon in aller Herrgottsfrühe und konnten so bei aufgehender Sonne die Christusfigur bei Schwiebus erblicken. Da es Anfang Juni und zu Beginn der WM in Brasilien war, dachten sie an Rio und hatten aktuellen Gesprächsstoff genug, so dass die Zeit bis Elbing auf den neuen – kostenpflichtigen! – Autobahnen schnell verging. Die Grenzabfertigung in Heiligenbeil nahm einige Zeit in Anspruch, dann fuhren sie durch eine alte Allee in Richtung Königsberg. Hier holte sie die Vergangenheit wieder ein, denn unwillkürlich gingen die Gedanken zurück an den Fluchtwinter. Wenn Bäume reden könnten – was werden sie nicht alles gesehen haben, damals in der bitteren Kälte der Wintermonate 1944/45. Manchmal leuchtete zwischen den Büschen der zugewachsenen Felder das helle Blau des Frischen Haffes auf und verstärkte noch diese Erinnerungen. Kurze Pause in Bladiau, ein hohes Holzkreuz erinnert an die zerstörte Kirche, wie die Inschrift auf der Gedenktafel beweist: „Hier stand die Kirche zu Bladiau 1399–1945 / Ehre sei Gott in der Höhe!“

Als sie Königsberg erreichten, herrschte reger Feierabendverkehr. Da Herr Wernitz ja schon die Stadt recht gut kannte, erreichten sie auch bald ihr Hotel an der Cranzer Allee. Trotz der Übermüdung wollte man noch nicht schlafen gehen, aber während sich seine Begleiter in den abendlichen Trubel der Großstadt stürzten, suchte Herr Wernitz einen Ort der Ruhe – und den fand er am nahen Oberteich auf einer Bank an der neu angelegten Promenade, die anscheinend den hier flanierenden Pärchen nach besonders bei der Jugend beliebt ist. Dann setzte die Dämmerung ein, die Straßenlampen leuchteten auf, der nahe Dohnaturm trat schattengleich aus dem sinkenden Licht. Das Ufer bevölkerte sich mit Anglern – ach, du guter, alter Oberteich, du Anglerparadies der Königsberger Petrijünger, es bleibt unvergessen! –, die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos irrlichterten durch das Dunkel der Uferanlagen. So beschloss Herr Wernitz, diesen Königsberger Abend in einer Gaststätte am Roßgärter Tor zu beenden, und das geschah auch zu seiner vollen Zufriedenheit bei Steak und Königsberger Pils, von einer netten Bedienung serviert.

Die Stadt am Pregel war ja aber nur als Ausgangspunkt für eine Fahrt durch den Teil des russischen Gebietes, der auf den vorigen Fahrradreisen nur teilweise aufgesucht werden konnte. Und hier spielen für Paul Wernitz auch persönliche Verbindungen mit, so dass ich ihn nun selber berichten lasse:

„Es ging also in Richtung Osten. Von Tapiau waren wir begeistert, wir sahen einen neu gestalteten Marktplatz mit alter Bausubstanz, gingen in die Kirche, in der einmal ein prächtiges Altarbild hing, gestiftet von Lovis Corinth, einem Sohn der Stadt. In Wehlau – bekannt durch den einst größten Pferdemarkt Europas – zeigten sich noch deutlich die Spuren des Krieges, die mächtige Kirche ist eine Ruine, nur der Turm wurde bisher wieder hergestellt. Nächstes Ziel war Norkitten, von dort wollten wir nach Wirbeln, dem Wohnort der Großeltern meiner Frau, die dort 1945 verhungerten. In dem vernachlässigten Dorf steht noch das unbewohnte Haus der Großeltern, dem Verfall preisgegeben. Der Weg von Norkitten nach Wirbeln über Saalau war wegen einer kaputten Pregelbrücke nicht passierbar. Deshalb mussten wir einen Umweg über Insterburg, dem Geburtsort meiner Frau, machen. Unterwegs sahen wir die Reste des Bismarckturmes. Nemmersdorf war die nächste Station, ich wollte hier noch einmal die furchtbaren Geschehnisse nachvollziehen, die sich hier beim Russeneinfall ereigneten. Friedlich und still war es im Dorf, ich überquerte auf einer neuen Brücke die Angerapp. Sah daneben die zerstörte alte Brücke, die bei den Kampfhandlungen eine Rolle gespielt hatte, sah die Kirche – ohne Turm –, in der sich heute eine Bibliothek befindet. Noch an selben Abend gingen wir durch die Straßen von Tilsit, statteten dem Elch einen Besuch ab und bewunderten renovierte Häuserzeilen mit Bauten aus verschiedenen Epochen. An der Luisenbrücke ließen wir den Tag ausklingen, vor uns strömte die Memel ihrer Mündung entgegen, morgen würden wir uns drüben am anderen Ufer auf unsere Räder setzen. Ostpreußen hatte uns wieder!“

Und das nicht nur spür-, sondern auch lesbar: Auf einem Wegweiser mitten in Tilsit sind die Namen der hier kreuzenden Straßen weithin sichtbar in Deutsch angegeben! Siehe Foto! R.G.


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 97. GEBURTSTAG

Dehachaux, Emil, aus Alexbrück, Kreis Ebenrode, am 27. August

Kenze, Waltraud, aus Dirschau/Westpreußen, am 23. August

Nadobnik, Erna, geb. Kohnke, aus Medenau, Kreis Samland, am 23. August

ZUM 95. GEBURTSTAG

Bähnisch, Alwine, geb. Schindler, aus Bludau, Kreis Samland, am 24. August

Lilge, Christel, geb. Machmüller, aus Tapiau, Markt, Kreis Wehlau, und aus Königsberg, Oberhaberberg 102, am 25. August

Napp, Eva, geb. Noetzel, aus Neufrost, Kreis Elchniederung, am 29. August

Olbrisch, Sabine, geb. Sterner, aus Balga, Kreis Heiligenbeil, am 25. August

Rausch, David, aus Lank/Diedersdorf, Kreis Heiligenbeil, am 24. August

Wirsching, Hildegard, geb. Skibba, aus Lötzen, am 25. August

ZUM 94. GEBURTSTAG

Bock, Margarete, geb. Gahmann, aus Schönrade, Kreis Wehlau, am 25. August

Ehlers, Paula, geb. Braun, aus Brandenburg, Kreis Elchniederung, am 29. August

Jakel, Frieda, geb. Cytterich, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 26. August

Schenk, Klaus, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 27. August

Schurat, Alfred, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 19. August

Spiegel, Elsbeth, geb. Kottowski, verwitwete Haberland, aus Lisken, Kreis Lyck, am 26. August

ZUM 93. GEBURTSTAG

Rohmann, Eduard, aus Selmenthöhe, Kreis Lyck, am 27. August

Storm, Hertha, geb. Bade, aus Lyck, Yorkplatz 1, am 27. August

Walendy, Alfred, aus Markgrafsfelde, Kreis Treuburg, am 28. August

Wandke, Lydia, geb. Neschokat, aus Nassawen, Kreis Ebenrode, am 29. August

ZUM 92. GEBURTSTAG

Baldzun, Ella, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 27. August

Czerwinski, Luise, geb. Kuntsch, aus Millau, Kreis Lyck, am 26. August

Dibowski, Martha, geb. Jestremski, aus Paterschobensee, Kreis Ortelsburg, am 29. August

Feldten, Lisbeth, aus Lyck, am 26. August

Jannsen, Erna, aus Lyck, am 29. August

Klimaschewski, Gerda, geb. Laupichler, aus Millau, Kreis Lyck, am 24. August

Kuhn, Hedwig, geb. Bednarz, aus Groß Jerutten, Kreis Ortelsburg, am 24. August

Palfner, Hildegard, aus Ebenrode, am 29. August

Seher, Elfriede, geb. Danisch, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 150, am 23. August

Weiss, Erna, geb. Liedtke, aus Hohenwalde, Kreis Heiligenbeil, am 29. August

Zawallich, Gertrud, geb. Labusch, aus Freudengrund, Kreis Ortelsburg, am 26. August

ZUM 91. GEBURTSTAG

Hartmann, Erika, geb. Mack, aus Grabnick, Abbau, Kreis Lyck, am 24. August

Lange, Hilde, geb. Reimann, aus Herzogsmühle, Kreis Treuburg, am 25. August

Napierski, Gerda, geb. Bielinski, aus Walden, Kreis Lyck, am 28. August

Rosslan, Erich, aus Schuttschenofen, Kreis Neidenburg, am 28. August

Rutkewitz, Wolfgang, aus Ortelsburg-Försterei-Mitte, am 24. August

Stahberg, Ursel, geb. Wischnewski, aus Prostken, Kreis Lyck, am 23. August

Stalschus, Bruno, aus Warskillen, Kreis Elchniederung, am 29. August

Szech, Walter, aus Lyck, Hindenburgstraße 32, am 29. August

Willms, Gerda, geb. Nötzel, aus Ginkelsmittel, Kreis Elchniederung, am 23. August

ZUM 90. GEBURTSTAG

Albrecht, Alma, geb. Köpke, aus Sorgenau, Kreis Samland, am 27. August

Baumgardt, Werner, aus Altengilge, Kreis Elchniederung, am 25. August

Eich, Adelheid, geb. Schröder, aus Deumenrode, Kreis Lyck, am 25. August

Eichelkraut, Elise, geb. Hoffmann, aus Georgenswalde, Kreis Samland, am 25. August

Ginnuth, Hildegard, geb. Worgall, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 23. August

Jablonowski, Friedrich, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 24. August

Jekutsch, Maria, geb. Stasko, aus Steintal, Kreis Lötzen, am 26. August

Martsch, Anna, aus Prostken, Kreis Lyck, am 25. August

Moser, Christa, geb. Scheidereit, aus Föhrenhorst, Kreis Ebenrode, am 27. August

Nagel, Edeltraut, aus Lyck, am 24. August

Sander, Hildegard, geb. Goerke, aus Jagsten, Kreis Elchniederung, am 29. August

Steffan, Gerda, geb. Kujus, aus Hohensprindt, Kreis Elchniederung, am 28. August

Wilimzik, Ella, geb. Grubert, aus Stradaunen, Kreis Lyck, am 27. August

ZUM 85. GEBURTSTAG

Bark, Brigitte, geb. Lehwald, aus Gedwangen, Kreis Neidenburg, am 23. August

Birtner, Eva, geb. Heydasch, aus Friedrichshof, Kreis Ortelsburg, am 28. August

Bünger, Renate, geb. Boguschewski, aus Legenquell, Kreis Treuburg, am 23. August

Gerber, Eva, geb. Hakelberg, aus Ebenrode, am 26. August

Henke, Waltraud, geb. Kannacher, aus Lötzen, am 29. August

Janz, Harry, aus Lentenbude, Kreis Elchniederung, am 24. August

Jarst/Jablonowski, Ewald, aus Saberau, Kreis Neidenburg, am 29. August

Kaczenski, Herbert, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 25. August

Knispel, Heinrich, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 26. August

Krajewski, Benno, aus Rummau, Kreis Ortelsburg, am 27. August

Kubbos, Gerry, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 27. August

Lagerpusch, Leo, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 24. August

Langer, Irmgard, geb. Bilda, aus Plötzendorf, Kreis Lyck, am 25. August

Lenze, Gisela, geb. Witt, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 27. August

Liss, Georg, aus Wittenwalde, Kreis Lyck, am 28. August

Manzau, Lothar, aus Tranatenberg, Kreis Elchniederung, am 26. August

Neumann, Gerhard, aus Ebenrode, am 28. August

Paradies, Hedwig, geb. Tittnags, aus Ruckenfeld, Kreis Elchniederung, am 25. August

Podbielski, Erich, aus Waldwerder, Kreis Lyck, am 25. August

Ramseger, Helga, geb. Ginnuth, aus Sköpen, Kreis Elchniederung, am 26. August

Rippke, Heinz, aus Regehnen, Kreis Samland, am 26. August

Sackel, Ursula, geb. Mikat, aus Bieberswalde, Kreis Wehlau, am 28. August

Schmidtke, Kurt, aus Ibenberg, Kreis Elchniederung, am 24. August

Schuch, Hedwig, geb. Sahmel, aus Neufelde, Kreis Elchniederung, am 29. August

Schwittay, Gertraud, geb. Bertsch, aus Groß Blumenau, Kreis Ortelsburg, am 29. August

Szech, Horst, aus Seebrücken, Kreis Lyck, am 27. August

Tomaschky, Harro, aus Tilsit, Jägerstraße 22, am 22. August

Winklewski, Erwin, aus Treuburg, am 28. August

ZUM 80. GEBURTSTAG

Dangeleit, Heinz, aus Elbings Kolonie, Kreis Elchniederung, am 24. August

Dinse, Gisela, geb. Mohrlang, aus Quitten/Schreinen, Kreis Heiligenbeil, am 28. August

Drewinski, Gerhard, aus Geigenau, Kreis Lyck, am 26. August

Grondowski, Ilse, aus Willkassen, Kreis Treuburg, am 25. August

Heidenreich, Lotte, geb. Rohmann, aus Burdungen, Kreis Neidenburg, am 25. August

Heintzen, Irmgard, geb. Bendrich, aus Balga, Kreis Heiligenbeil, am 25. August

Hölter-Genée, Ruth, geb. Genée, aus Halldorf, Kreis Treuburg, am 25. August

Kaab, Christel, geb. Lenwenus, aus Kbg.-Rossgarten, Grolmannstraße 10, am 27. August

Krumpholz, Inge, geb. Lukaschewski, aus Heldenfelde, Kreis Lyck, am 29. August

Lülow, Reinhilde, geb. Gossing, aus Königsberg/Pr., am 28. August

Magritz, Gertrud, geb. Przykopanski, aus Puppen, Kreis Ortelsburg, am 23. August

Markowski, Alfred, aus Allenstein, Sensburger Straße 11, am 18. August

Marschewski, Gerhard, aus Skottau, Kreis Neidenburg, am 24. August

Michalzik, Günther, aus Kalthagen, Kreis Lyck, am 25. August

Michalzik, Klaus, aus Kalthagen, Kreis Lyck, am 25. August

Neumann, Hildegard, geb. Anton, aus Lyck, am 23. August

Nicolai, Elly, geb. Katzki, aus Buttken, Kreis Treuburg, am 26. August

Pucilowska, Traute, am 26. August

Purwin, Günter, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 27. August

Reiher, Anni, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 28. August

Sadowski, Willi, aus Allendorf, Kreis Neidenburg, am 27. August

Schimmelpfennig, Günter, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 24. August

Schlachter, Margarete, geb. Wittenberg, aus Sanglienen, Kreis Samland, am 25. August

Schlüter, Elli, geb. Schröder, aus Partheinen/Milchbude, Kreis Heiligenbeil, am 29. August

Schröter, Klaus, aus Liebstadt, Kreis Mohrungen, am 26. August

Seibert, Irmtraud, geb. Patschewitz, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 26. August

Voss, Günter, aus Königsberg/ Preußen, Schönfließer Allee 18 c, am 23. August

Wilkens, Hildegard, geb. Grenz, aus Pillau, Kreis Samland, am 28. August

Wolf, Ilse, geb. Glaser, aus Rosignaiten, Kreis Samland, am 23. August

Wowerat, Marianne, geb. Lüll, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 23. August

ZUM 75. GEBURTSTAG

Acktun, Uta, geb. Rissel, aus Schillenberg, Kreis Wehlau, am 25. August

Ammermann, Erika, geb. Gedenk, aus Tannenhöhe, Kreis Elchniederung, am 28. August

Becker, Adelheid, geb. Borchert, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 27. August

Damerau, Sigrid, geb. Anischew-ski, aus Duneiken, Kreis Treuburg, am 29. August

Greschat, Erhard, aus Stadtfelde, Kreis Ebenrode, am 24. August

Hiege, Sabine, geb. Stephan, aus Rauschen, Kreis Samland, und aus Wehlau, am 27. August

Kapff, Ute von, geb. Müller-Freienfels, aus Bolken, Kreis Treuburg, am 24. August

Link, Erich, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 18. August

Petzsch, Ingrid, geb. Schneider, aus Tannau, Kreis Treuburg, am 28. August

Piotrowski, Günter, aus Dietrichsdorf, Kreis Neidenburg, am 25. August

Rolauf, Hannelore, geb. Römer, aus Burgkampen, Kreis Ebenrode, am 26. August

Schiller, Horst, aus Pobethen, Kreis Samland, am 28. August

Wagner, Karl-Heinz, aus Graiwen, Kreis Lötzen, am 29. August

Wasserberg, Manfred, aus Rauschen, Kreis Samland, am 28. August


S. 16-18 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ALLENSTEIN LAND

Kreisvertreter: Hans-Peter Blasche, Lankerstraße 40, 40545 Düsseldorf, Telefon (0211) 17181290; (02131) 902700 (dienstl.), Telefax (02131) 902430 (dienstl.) Geschäftsstelle: Gemeindeverwaltung Hagen, Postfach 1209, 49170 Hagen, Telefon (05401) 9770. www.alleinstein-landkreis.de

Die Kreisgemeinschaft ist auf neue Füße gestellt worden. Das wurde auf der allerersten Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft am 14. Juni 2014 in Hagen a.T.W. beschlossen. Das Ergebnis ist die Abschaffung der seit 1989 bestehenden Doppelspitze in der Vereinsführung und das Näherrücken an das Vereinsrecht des BGB. Die neue Vereinssatzung nennt anstelle des früheren Kreisausschusses den aus fünf Mitgliedern bestehenden geschäftsführenden Vorstand (Kreisvertreter, Stellvertreter, Schatzmeister, Schriftführer, Schriftleiter), von dem jeder der drei Erstgenannten den Verein allein im Sinne des § 26 Absatz II BGB vertreten darf. Dem geschäftsführenden Vorstand steht unterstützend zur Seite der erweiterte Vorstand im Sinne des § 30 BGB, der aus weiteren zehn Mitgliedern besteht Dem Gesamtvorstand, nach wie vor Kreistag genannt, gehören zwei Kassenprüfer an.

Es wurden gewählt: Zum Kreisvertreter Hans-Peter Blasche, zum Stellvertreter Siegfried Keuchel, zum Schatzmeister Artur Korczak, zum Schriftführer Jan Hacia, zum Schriftleiter Andreas Galenski. Horst Tuguntke kandidierte nach 25 Jahren Schriftleitung nicht mehr für dieses Amt. Zu Kassenprüfern wurden Adalbert Graf und Clemens Seidel gewählt. Der frühere Vorsitzende des Kreistages Johann Certa übernahm im erweiterten Vorstand das Amt des Kirchspielbeauftragten. Der frühere Kreisvertreter Herbert Monkowski wurde Redaktionsmitglied und Betreuer der Heimatverbliebenen, Horst Tuguntke wurde ebenfalls Redaktionsmitglied und Pressereferent. Zum Internetbeauftragten wurde ernannt Bernhard Grodowski und als sein Assistent Alfred Behrendt; 2. Schriftführerin wurde Hildegard Gerigk und Beirat Oswald Massner, Bernhard Korczak sowie Gerhard Tolksdorf. Das Archiv wird vom Stellvertretenden Kreisvertreter, die Namenskartei vom Schatzmeister und die Versandkartei vom Schriftführer verwaltet. Der frühere langjährige Schatzmeister und Kulturreferent Klaus Josef Schwittay hat aus Krankheitsgründen, die nicht lebensbedrohlich sind, seine Ämter niedergelegt. Auf Antrag des geschäftsführenden Vorstandes wählte die Mitgliederversammlung den früheren Kreisvertreter (1. Vorsitzender) Herbert Monkowski zum Ehrenvorsitzenden und den langjährigen Schriftleiter Horst Tuguntke zum Ehrenmitglied der Kreisgemeinschaft. Im kommenden Heimatjahrbuch werden die Namen und Anschriften des Gesamtvorstandes und die Vereinssatzung 2014 veröffentlicht werden. Letztere wurde nach erneuter Vorgabe des Finanzamtes von der Mitgliederversammlung endgültig verabschiedet. Nach dem umfangreichen mündlichen und schriftlichen Bericht des Schatzmeisers und der beiden amtierenden Kassenprüfer Paul Nowack und Bruno Kuzinna wurden der Jahresabschluss 2013 und nachträglich derjenige der Vorjahre 2011/2012 von der Mitgliederversammlung genehmigt und dem damaligen Kreisausschuss Entlastung erteilt. Der Schatzmeister legte ebenfalls in Schriftform den vorläufigen Haushaltsplan 2014 vor, der in der Sitzung angenommen wurde.

Unser Pate, der Landkreis Osnabrück, veranstaltet durch die „Deutsch-Polnische Gesellschaft in der Region Osnabrück e.V.“ unter der Leitung ihrer Vorsitzenden Irmgard Vogelsang (Ehrenmitglied der KG) vom 26. August bis 3. September eine neuntägige Polenrundreise in einem modernen Bus, auf der mit Ausnahme von Aufenthalten in Posen und Warschau vornehmlich Großstädte, Kirchen, Burgen und Kultureinrichtungen im historischen deutschen Osten aufgesucht werden. In Allenstein Stadt und Land kommt es zu Begegnungen mit Amtsträgern, Kirchenvertretern und der Deutschen Minderheit. Unsere Kreisgemeinschaft ist eingebunden. Der geschäftsführende Vorstand und einige Mitglieder aus dem erweiterten Vorstand kommen erstmals zusammen am 22. August 2014, 15 Uhr, in 58097 Hagen, BdV-Stätte Damsheide 14.

 

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101.

Das Jahr 2014 steht ganz im Zeichen der Erinnerung an viele geschichtliche Ereignisse. Die Patenschaftsübernahme des Landkreises Rotenburg (Wümme) für unseren Heimatkreis durch einstimmigen Beschluss des Rotenburger Kreistages am 16. September 1954 war für uns Angerburger der erste Schritt in eine bessere Zukunft. Am 13./14. September 2014 wollen wir uns an die Patenschaftsübernahme vor 60 Jahren erinnern und dem Landkreis Rotenburg (Wümme) für die den Angerburgern in vielen Jahren gewährte Unterstützung durch möglichst guten Besuch danken. Alle Angerburger aus dem In- und Ausland sind herzlich eingeladen. Es ist auch eine gute Gelegenheit, alte und neue Freunde zu treffen und sich auszutauschen. Die

60. Angerburger Tage finden in der Rotenburger Theodor-Heuß-Schule in der Gerberstraße 16 (neben dem Ratsgymnasium) statt. Eingeleitet werden die 60. Angerburger Tage am Sonnabend, 13. September, um 9 Uhr mit einer Kranzniederlegung am Patenschaftsstein neben der Angerburger Eiche beim Rotenburger Kreishaus. Anschließend tagt ab 9.30 Uhr in einer öffentlichen Sitzung im großen Sitzungssaal des Rotenburger Kreishauses die Angerburger Kreisvertretung (Delegiertenversammlung). Im Mittelpunkt der Sitzung stehen Berichte des Vorstandes sowie die Verabschiedung des Haushaltsvoranschlages für das Geschäftsjahr 2015. Es gibt somit Informationen aus erster Hand.

Um 13.30 Uhr starten wir vom „Hotel am Pferdemarkt“ zu einer Kreisrundfahrt. Dafür bitten wir um einen Kostenbeitrag von unverändert 10 Euro pro Person einschließlich Kaffee/Tee und Kuchen. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 25. Aus organisatorischen Gründen wird um eine schriftliche Anmeldung unter Angabe der Personenzahl an Brigitte Junker, Sachsenweg 15, 22455 Hamburg, bis spätestens 31. August gebeten. Ab 15 Uhr ist die Theodor-Heuss-Schule geöffnet für Besucher, die nicht an der Busfahrt teilnehmen. Zum Abendessen (ab 18 Uhr) werden Speisen und Getränke (kleine Karte) angeboten. Der kulturelle Abend beginnt um 20 Uhr mit der Übergabe des Angerburger Kulturpreises durch den Landkreis Rotenburg (Wümme). Gestaltet wird der kulturelle Abend vom Rosenau-Trio aus Baden-Baden, dem sich ein Sekt-empfang anschließt. In geselliger Runde lassen wir dann den Tag ausklingen.

Am Sonntag, 14. September, sind die Räume in der Theodor-Heuss-Schule ab 9.30 Uhr geöffnet. In der Aula der Schule findet um 11 Uhr eine Feierstunde statt. Der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat, wird die Festrede halten. Wegen zu geringer Beteiligung kann leider kein Gottesdienst mehr in der Michaelskirche stattfinden. Nach der Feierstunde treffen sich die Angerburger aus Stadt und Kreis mit alten und neuen Freunden zum Gedankenaustausch. Gelegenheit zum Mittagessen besteht ebenfalls, außerdem werden Kaffee/Tee, Kuchen und auch Getränke angeboten. Am Sonnabend und Sonntag sind das Angerburger Archiv und das Angerburger Zimmer mit der Heimatsammlung von 13 bis 16 Uhr im Hause Weicheier Damm 11 in Rotenburg (Wümme) geöffnet. In der Theodor-Heuss-Schule werden Bücher, Karten, Landkarten sowie Heimatbriefe verschiedener Jahrgänge angeboten. Das vollständige Programm mit den Übernachtungsmöglichkeiten ist im Angerburger Heimatbrief Nr. 153 (Mai 2014) auf den Seiten 46/47 abgedruckt. Im Hotel am Pferdemarkt und im Helmut Tietje-Haus sind für die Angerburger einige Zimmer reserviert. Bitte geben Sie bei der Zimmerbestellung an, dass Sie die Angerburger Tage besuchen wollen. Es empfiehlt sich, die Zimmer möglichst umgehend zu bestellen. Unterstützen Sie die Arbeit der Kreisgemeinschaft durch den Besuch der 60. Angerburger Tage am 14./15. September 2014 in Rotenburg (Wümme). Bis dahin wünscht Ihnen der Vorstand eine gute Zeit.

 

BRAUNSBERG

Kreisvertreter: Manfred Ruhnau, Tel.: (02241) 311395, Fax (02241) 311080, Bahnhofstraße 35 b, 53757 Sankt Augustin. Geschäftsstelle: Stadtverwaltung Münster, Patenstelle Braunsberg, 48127 Münster, Tel.: (0251) 4926051.

Sonnabend, 4., und Sonntag, 5. Oktober, Johanniter Akademie Weißenburg Straße 60–64 in 48151 Münster.

Veranstaltungen: Sonnabend, 4. September, 15 Uhr: Mitgliederversammlung, Totengedenken, Rechenschaftsbericht des Kreisvertreters Manfred Ruhnau, Kassenbericht der Schatzmeisterin Gertrud Arendt, Bericht der Kassenprüfer, Aussprache zu den Berichten, Entlastung des Vorstandes, Verschiedenes. Anschließend Begegnung der Landsleute aus den Städten und Dörfern des Kreises Braunsberg. 18 Uhr, gemeinsames Abendessen in der Kantine, 19 Uhr, Geselliges Beisammensein.

Sonntag, 5. Oktober, 8.30 Uhr: Katholischer Gottesdienst in der Hl. Geistkirche, Metzer-Straße, Zelebrand: Konsistorialrat Dr. Claus Fischer. Unsere evangelischen Landsleute sind ebenfalls dazu herzlich eingeladen. 10.30 Uhr, Johanniter Akademie im Vortagssaal, Kapelle Reinhold Kollenberg: Begrüßung Kreisvertreter Manfred Ruhnau, Grußworte der Stadt Münster, Gäste Grußworte, Festvortrag Domherr André Schmeier: „Bischof Heinrich Fleming, aus den Anfangsjahren des Bistums Ermland“, anschließend Empfang durch unsere Patenstadt Münster. 14 Uhr: Der Vorstand gibt Auskunft über Vorhaben und die weitere Arbeit. Danach geselliges Beisammensein bei Kaffee und Kuchen und Zeit für Gespräche. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. Sie werden sehen, wie schön es im Kreise der Braunsberger ist.

 

ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Einladung und Programm für das Kreistreffen und Mitgliederversammlung der ehemaligen Bewohner des Kreises Elchniederung und deren Nachfahren sowie aller Freunde Ostpreußens: vom 12. bis 14. September in Bad Nenndorf Hotel „Esplanade“ (05723) 798110 Bahnhofstraße 8, 31542 Bad Nenndorf.

Freitag, 12. September, ab 14 Uhr: Eröffnung des Tagungsbüros Foyer, ab 14 Uhr Delegierten-Versammlung im Hotel, ab 14 Uhr Treffen im Restaurant, 16 bis 18 Uhr, im Keller: Film- und/oder Diavorträge Leitung: W. Nienke.

Sonnabend, 13. September, 9 Uhr: Eröffnung des Tagungsbüros, ab 9.30 Uhr Treffen im Restaurant, 10 bis 12 Uhr, im Keller: Unser Bildarchiv/unsere Homepage/Film- und/oder Diavorträge, Leitung: W. Nienke, 12 Uhr Mittagessen im Restaurant, 14 Uhr Eröffnung der Mitgliederversammlung durch den Vorsitzenden M. Romeike: Totenehrung, Berichte über die Kreisgemeinschaft und Kirchspielgebiete sowie Wahlen. 16 Uhr: Im Restaurant gemütliches Beisammensein, Plachandern, 16 bis 18 Uhr, im Keller: Weitere Bilder, Filme, Bilderfassung (scannen), Leitung: W. Nienke, ab 18 Uhr Musikalische Unterhaltung.

Sonntag, 14. September, ab 10 Uhr: Gottesdienst in der Kirche Steinhude, Besuch des Agnes-Miegel-Hauses und Ausklang im Hotel. Wie bei allen Treffen steht das freundschaftliche Wiedersehen unserer Landsleute im Mittelpunkt unserer Bemühungen, und Sie werden feststellen, dass alles, was Ihrer Bequemlichkeit dient, in Bad Nenndorf vorhanden ist. Mittelpunkt unseres diesjährigen Treffens ist das Hotel Esplanade in Bad Nenndorf. Hier spielt sich das Treffen ab zwischen alten und neuen Freunden, hier werden nicht nur Bildbände, Bücher, Heimatbriefe und Kartenmaterial zum Kauf angeboten, hier sind auch wieder die Kirchspielvertretung und Heimatkreisdatei vertreten in der Hoffnung, dass es, wie in den vergangenen Jahren, wieder viele Landsleute gibt, die zum ersten Mal an einem Treffen teilnehmen und Auskunft geben können über Landsleute, die bisher für uns verschollen sind. Wir haben versucht, an alles zu denken, was Ihnen den Aufenthalt in Bad Nenndorf so angenehm wie möglich macht. Nutzen Sie diese umfangreichen Vorarbeiten und kommen Sie zum Treffen. Wir freuen uns auf ihr Kommen und erwarten Sie. Anmeldungen befinden sich im Heimatbrief, Sie können sich auch direkt an die Geschäftsstelle wenden.

Die Kreisgemeinschaft trauert um ihren Geschäftsführer Hartmut Dawideit, geb. am 11. Juni 1944 in Inse/Ostpreußen, gest. am 2. Juni 2014 in Zwenkau/ Sachsen. Er starb plötzlich und unerwartet aus einem arbeitsreichen Leben. Nach der Vertreibung aus der Elchniederung kam die Familie Dawideit nach Sachsen; über Zehmen – später Tellschütz, südlich von Leipzig – lebte Hartmut Dawideit bis zum 2. Juni 2014. Nach einer Lehre zum Elektriker arbeitete er im Kraftwerk Lipendorf, jetzt Firma Vattenfall. Im Jahre 1990 wurde er zum Betriebsrat gewählt und leitete diesen bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2000.

Danach begann seine Arbeit für die Kreisgemeinschaft Elchniederung. Über die Tätigkeit als Kirchspielvertreter für sein Dorf Inse und später auch für Karkeln hatte er im Jahre 2006 die Geschäftsführung übernommen und war ab dem 14. September 2013 zweiter stellvertretender Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Elchniederung. Durch seine hervorragende Arbeit und Sachkompetenz erwarb er sich Anerkennung bei den Delegierten. Er hat seine ganze Kraft eingebracht, um die Erinnerungen an unsere ostpreußische Heimat wachzuhalten. Die Kreisgemeinschaft Elchniederung wird Hartmut Dawideit ein ehrendes Andenken bewahren.

Manfred Romeike

Kreisvertreter

 

GOLDAP

Kreisvertreter: Stephan Grigat, Telefon (05231) 37146, Fax (05231) 24820, Heidentalstraße 83, 32760 Detmold. Geschäftsstelle: Annelies Trucewitz, Hohenfelde 37, 21720 Mittelnkirchen, Telefon (04142) 3552, Telefax (04142) 812065, E-Mail: museum@goldap.de. Internet: www.goldap.de.

Programm: Freitag, 5. September: Patenschaftsmuseum geöffnet von 10 bis 17 Uhr. Ab 18 Uhr Treffen der Ortsgemeinschaft Duneiken und Umgebung.

Sonnabend, 6. September: Das Patenschaftsmuseum bleibt geschlossen. 9 Uhr: Kreistagsitzung (nur für Mitglieder des Kreistages sowie gewählte Orts- und Schulvertreter). 10.30 Uhr: Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft Goldap Ostpreußen e.V. mit Wahlen zum Kreisausschuss und Kreistag (nur für Mitglieder der Kreisgemeinschaft – Ehepartnern und Familienangehörigen ist die Teilnahme gestattet). Beide Sitzungen finden im Hotel Vier Linden, Schölischer Straße 63, 21682 Stade, statt. 13 Uhr: Mittagspause. 14 Uhr: Elbeschiffahrt mit Kaffeetafel auf der „MS Schwingeflair“. Anlegestelle Stadthafen Stade, Eigenbeteiligung pro Person 6 Euro, Kartenausgabe nach Mitgliederversammlung und Wahlen.

17 Uhr: „50 Jahre Patenschaft Stadt Stade für die Stadt Goldap in Ostpreußen“ auf Einladung der Goldaper Patenstadt Stade, Rathaus Königsmarksaal, Hökerstraße 2, 21682 Stade. Begrüßung: Silvia Nieber, Bürgermeisterin, Stephan Grigat, Kreisvertreter. Festansprache: Dr. Michael Erhardt. Musikalische Umrahmung: Christine Heyken. Ehrungen, Ostpreußenlied anschließend Empfang.

20 Uhr: Heimatabend, zum Tanz spielt Dieter Kohn; Gerta Heykena unterhält Sie mit ostpreußischen Geschichten und Liedern. Einlass ab 19 Uhr, die Musik spielt bis 24 Uhr.

Sonntag, 7. September: Patenschaftsmuseum: geöffnet von 9.30 bis 17 Uhr. 9.30 Uhr Bustransfer vom Hotel Vier Linden zur Kirche St. Wilhadi, 10 Uhr: ev.-luth. Gottesdienst in der Kirche St. Wilhadi in Stade. Den Gottesdienst halten Pastorin Brandy aus Stade und Pfarrer Dawid Banach aus Goldap, danach Bustransfer von der Kirche zum Mahnmal in den Wallanlagen, 11 Uhr: Öffnung des Saales im Hotel „Vier Linden“. Fr. Karow öffnet ihren Verkaufsstand mit Heimatartikeln, 11.30 Uhr Feierstunde in den Wallanlagen an unserem Mahnmal. Begrüßung: Stephan Grigat, Kreisvertreter. Gedichtvortrag: „Es war ein Land“ Gertrud Braumann. Totenehrung: Stephan Grigat. Festansprache: Oliver Grundmann, Mitglied des Bundestags, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Stade. Ostpreußenlied. Nationalhymne.

Musikalische Umrahmung Posaunenchor der St. Johanniskirche zu Stade, 12.30 Uhr: Bustransfer zum Hotel „Vier Linden“, 13 Uhr: Hauptkreistreffen. Gemeinsames Mittagessen und gemütliches Beisammensein im Hotel „Vier Linden“, ab 14 Uhr: „Ostpreußisch Platt“ mit Gertrud Braumann, Anna-Eliese Färber und Dieter Mau. Manfred Heiland stellt im Hotel „Vier Linden“ seine Fotodokumentation „Das Dorf Duneiken“ aus.

 

HEILIGENBEIL

Kreisvertreterin: Elke Ruhnke, Im Bökel 76, 42369 Wuppertal, Tel.: (0202) 46 16 13. E-Mail: ruhnke@kreis-gemeinschaft-heiligenbeil.de. Stellvertreter: Christian Perbandt, Im Stegfeld 1, 31275 Lehrte, Tel.: (05132) 57052.

E-Mail: perbandt@kreisge­meinschaft-heiligenbeil.de. 2. stellvertretender Kreisvertreter: Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821) 8 42 24. E-Mail: Schmidt.ploessen@gmx.de. 2. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www. kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de

Es wird Zeit, die Koffer zu packen. Unser Kreistreffen in Burgdorf steht vor der Tür! Kommen auch Sie am 6. und 7. September in das Veranstaltungszentrum Burgdorf bei Hannover. Wir freuen uns auf Sie.

Programm: Sonnabend, 6. September, 9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungszentrums Burgdorf, Sorgenser Straße 31. 11 Uhr: Gedenkminute und Niederlegung von Blumen am Gedenkstein im Park. Ab 10.45 Uhr fährt ein Bus vom Veranstaltungszentrum hin und zurück. 12 Uhr: Öffentliche Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil im Saal des „Haus der Jugend“. 14 Uhr: Öffnung der Heimatstube und des Archivs in der Wilhelmstraße 3a. Pendelverkehr vom Veranstaltungszentrum zur Heimatstube von 13.45 bis 16 Uhr. 16.30 Uhr: „Neues vom Dienstmädchen Auguste Oschkenat aus der Großstadt“. Heimatbriefe von Dr. Alfred Lau, vorgetragen von Ilse Thomann. 18.30 Uhr: Gemütliches Beisammensein.

Sonntag, 7. September: 9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungszentrums. Zirka 10 Uhr: Platzkonzert der Schützenkapelle „Gehrden“. 11 Uhr: Feierstunde im Saal des „Haus der Jugend“. Begrüßung Kreisvertreterin (Elke Ruhnke). Ostpreußenlied. Totenehrung (Christian Perbandt, stellvertretender Kreisvertreter). Choral von Leuthen (Nun danket alle Gott…). Ilse Thomann: „Zuhause: was ist zuhause?“. Grußworte. Festansprache: Ottmar Strehler, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Hannover, Thema: Arbeit des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge in Ostpreußen. Instrumentalstück. Schlusswort (Elke Ruhnke, Kreisvertreterin). Deutschlandlied 3. Strophe. 13.30 Uhr: Öffnung der Heimatstube bis

15 Uhr. Es ist ein Pendelverkehr hin und zurück eingerichtet. 16 Uhr: Offizielles Ende des Hauptkreistreffens. Änderungen vorbehalten.

Freitag, 5. September, ab 15 Uhr bis zirka 17 Uhr im Hotel „Försterberg“ in Burgdorf in der Immenser Straße 10. Leitung: Wolfgang Milewski

Sonnabend, 6. September, um 15.30 Uhr im Veranstaltungszentrum Burgdorf, Sorgenser Straße 31. Leitung: Viola Reyentanz, geb. Schlenger

Das Sondertreffen der Kirchspiele Brandenburg und Pörschken findet in diesem Jahr während des Kreistreffens am 6. und 7. September im Veranstaltungszentrum in Burgdorf statt.

 

JOHANNISBURG

Kreisvertreter: Dr. Manfred Solenski, Fichtenstraße 14, 26316 Varel, Telefon (04451) 4581, Fax (04451) 9189298, E-Mail: solenski@kreisgemeinschaft-johannisburg.de. Internet: www.kreisge-meinschaft-johannisburg.de

Einladung zum 59. Kreistreffen der Johannisburger. Sonntag, 7. September in Dortmund, Goldsaal des Kongresszentrums Westfalenhallen.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Kreisgemeinschaft Johannisburg in Dortmund ihr 59. Heimatkreistreffen. Es werden Teilnehmer aus vielen Teilen der Bundesrepublik Deutschland und auch heimatverbliebene Landsleute aus Polen, aus dem Kreis Johannisburg [Pisz], erwartet. Die offizielle Feierstunde beginnt um 11 Uhr und endet um zirka 12.30 Uhr. Das Festprogramm wird musikalisch umrahmt von einem Musiker sowie einem Chor aus Dortmund. Das Treffen steht unter dem Leitwort: „Deutschland geht nicht ohne uns.“

Programmablauf: Einlass 9 Uhr, Beginn 11 Uhr. Musikalische Einleitung Taisia Fischer, Begrüßung Dr. Manfred Solenski, Kreisvertreter, „Großer Gott wir loben Dich“ (Choral) Andacht Gerhard Boesler, Stellvertretender Kreisvertreter, Glocken der Heimat (Lied) Chor „Heimatmelodie“ der „Deutschen aus Russland“, Leitung: Boris Kuferstein, Totenehrung Gerhard Boesler. „Ich hatt’ einen Kameraden“ Taisia Fischer, „Möge die Straße“ (Lied) Chor „Heimatmelodie“ der „Deutschen aus Russland“, Leitung: Boris Kuferstein, Grußwort der Gäste. Jahresbericht: Dr. Manfred Solenski, Kreisvertreter, Masurenlied „Meine Heimat ist so schön“ (Lied) Chor „Heimatmelodie“ der „Deutschen aus Russland“, Leitung: Boris Kuferstein, Schlusswort Dr. Manfred Solenski, „Land der dunklen Wälder“ Ostpreußenlied, Gemeinsam mit musikalischer Begleitung Deutschlandlied dritte Strophe, Gemeinsam mit musikalischer Begleitung.

 

LABIAU

Kreisvertreterin: Brigitte Stramm, Hoper Straße 16, 25693 St. Michaelisdonn/Holstein, Telefon (04853) 562. info­@stramm­verlag. de, Internet: www.labiau.de.

Es ist wieder soweit – erleben Sie Faszination Ostpreußen in Otterndorf. Einladung zu unserem Hauptkreistreffen am 13. bis 14. September in der Stadthalle in Otterndorf/Niederelbe, Fröbelweg im Patenkreis Landkreis Cuxhaven. Die Stadthalle ist an beiden Tagen ab zirka 9 Uhr geöffnet mit Begrüßungsabend in der Stadthalle am 12. September ab 19.30 Uhr für alle, die am Freitag bereits angereist sind. Programm (Änderungen vorbehalten): Sonnabend, 13. September, 10 Uhr, Offizielle Eröffnung des Kreistreffens, 19 Uhr, Gemütlicher Abend bei Musik und Tanz bis 22 Uhr. Die vier Elbemusikanten aus Otterndorf bringen uns in Schwung.

Sonntag, 14. September, 9.30 Uhr, Kranzniederlegung am Gedenkstein Am Großen Specken. 10.30 Uhr, Feierstunde in der Stadthalle. Festredner der „Kult“-Redakteur der Preußischen Allgemeinen Zeitung Hans Heckel. Alfred Erdmann steht mit seinem „Familienforschungs-Terminal“ zur Verfügung. Manfred Zink zeigt Freitag und Sonnabend die Ausstellung „Labiauer Firmengeschichten“.

Die Bildausstellung Labiau – Stadt und Land – wie es einmal war, findet wieder in der Veranstaltungshalle an beiden Tagen statt. Herr Dieckmann und das Otterndorfer Team haben an beiden Tagen das Museum im Torhaus geöffnet. Informationsstand der Geschäftsstelle mit Verkauf von Postkarten, Heimatbrief usw., Bücherstand, Marzipan, Labiauer Korporal, Meschkinnes und vieles mehr. Für das leibliche Wohl ist wieder gut gesorgt: Am Sonnabend gibt es Mittag- und Abendessen nach kleiner Karte, nachmittags Kuchenbüfett, am Sonntag Mittagsbüfett. Ende der Veranstaltung zirka 16 Uhr am Sonntag.

Allen Labiauern aus Stadt und Land sowie allen Gästen ein herzliches Willkommen – wir freuen uns auf Sie.

Am 12. Juli war es wieder soweit, die jährlich stattfindende zehntägige Reise unserer Kreisgemeinschaft wurde von 40 Personen gebucht. Stamm-Mitfahrer und unsere Zeitzeugen, Nachkommen und Ostpreußen-Interessierte machten sich unter der Leitung der Kreisvertreterin Brigitte Stramm auf den Weg nach Osten. Spannend war bereits die erste Zwischenübernachtung in Pommern, genauer gesagt, in Groß Möllen, zwischen Ostsee und Jamunder See gelegen. Die traumhafte Ostseeküste zeigte sich zwar grau verhangen, aber gerade das hatte so eine besondere Stimmung, die jeden in den Bann zog. In Mielno, wie Groß Möllen jetzt heißt, gibt es unter anderem ein Walroßdenkmal, das sich am Haupteingang zum Strand befindet. Aufgestellt anlässlich des Eintrags im Guinessbuch der Rekorde im Jahr 2010, als sich 1054 Eisbader trafen, die sich „Walrosse“ nennen und diesen Rekord auf stellten. Das Eisbaden erfreut sich steigender Beliebtheit.

Trotz der Hauptreisezeit gab es keine größeren Behinderungen auf der Strecke. Um die größeren Städte führen zumeist Umgehungsstraßen herum. Einerseits ist das zeitsparend auf dem langen Weg, andererseits aber nicht so interessant. Kommentare zu den Städten und zur Landschaft gab es natürlich trotzdem, man soll ja gerne wissen, wie die Strecke verlief. Vorbei an Danzig und Elbing ging es rasch auf der nun ausgebauten Strecke auf der ausgebauten Trasse der früheren Reichsautobahn Richtung Grenzübergang Heiligenbeil II [Mamonowo II/Grzechotki]. In etwa einer Stunde hatten wir die Grenze passiert und weiter ging es ins Hotel „Usadba“ nach Nesselbeck [Orlowka] im Samland.

Usadba heißt auf Deutsch Gutshof, wir tauchen ein in die Historie, denn wir befinden uns auf der Anlage des früheren Gutes Nesselbeck, das bis 1945 der Familie von Schenkendorf gehörte. Der Hauch der Vergangenheit umfing uns, eine wohltuende Atmosphäre, gepaart mit freundlichem Service und komfortabel ausgestatteten Zimmern, sowohl im Gästehaus als auch im Gutshaus, ließen die Gedanken in längt vergangene Zeiten schweifen. Positives und Negatives liegen eng beieinander, jemand aus unserer Reisegruppe hat in diesem Gutshaus 1945 Station machen müssen und Angst und Schrecken erlebt.

Doch zurück zur Jetztzeit, ein wunderbar gepflegter Garten mit vielen Sitzmöglichkeiten, bunten Bauernblumen, Pferdestallungen und Paddocks ließen Landgutatmosphäre aufkommen. Neben diesem Gutshof gibt es nur wenige Meter entfernt das „Schloss Nesselbeck“, so steht es auch am Gebäude geschrieben, ein Neubau mit vielen Türmchen, der von weitem den Eindruck erweckt, als stünde er schon Jahrhunderte dort. Sicher auch ganz nett, aber nichts gegen das Gutshaus, in dem der Besucher auf Schritt und Tritt die Geschichte spürte. Trotz intensiver Forschungen findet sich kaum Information über Nesselbeck bis 1945. Wer von den Samländern helfen kann, gebe bitte Info an die Kreisvertreterin.

Von hier aus starteten wir unsere Unternehmungen. Der nächste Tag galt dem Heimatkreis Labiau. Schon auf dem Weg sahen wir touristische Hinweisschilder und Reklame, zum Beispiel für Gilge. Auch unsere Kreisstadt nimmt langsam aber stetig am Aufschwung teil. Es wurden Gebäude restauriert, Hinweisschilder, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen, aufgestellt. Eins zeigte zur Brauerei, die längst nicht mehr arbeitet, völlig entkernt ist, aber trotzdem immer noch mehr zu bieten hat als die „neuen“ Gebäude. Ganz erfreulich, „unser“ altes Postgebäude in der Königsberger Straße, das zuletzt einige Jahre leer stand, wurde mit neuen Fenstern versehen und es haben sich verschiedene Geschäfte dort etabliert. In den Fluren findet man wieder Bilder mit alten Ansichten von Labiau an den Wänden. Der Schulneubau am ehemaligen Schweizerweg ist nahezu fertig und soll Anfang September 2014 eingeweiht werden. Zirka 1100 Schüler werden dann an der nach modernsten Gesichtspunkten erbauten Schule unterrichtet werden.

Wir besuchten das Museum im Schloss. Nikolaj Wassiljewskij berichtete erneut von Plänen, die altehrwürdige Ordensburg wieder aufzubauen, denn es fehlen ja das obere Stockwerk und das Dachgeschoss. Auch der Treppengiebel ist in den 1960er Jahren einem Brand zum Opfer gefallen. Der zusätzlich renovierte Raum wurde Anfang Mai seiner Bestimmung übergeben. Er zeigt die russische Geschichte ab 1945.

Obligatorisch ist eine Fahrt ans Kurische Haff. Rinderort mit dem alten Leuchtturm, der leider dem rasanten Verfall preisgegeben ist, seinem kleinen Fischereihafen und den mit hohem Schilf bewachsenen Buchten schien geradewegs in tiefen Dornröschenschlaf gefallen zu sein. Schön war, dass doch einige Zeitzeugen erklären konnten, wie es einmal war. Ein Stopp in Labagienen wurde dazu genutzt, den kleinen Haffstrand zu besuchen und mal kurz die Füße ins Haffwasser zu stecken. Von dieser Bucht sieht man auch das Seezeichen, das die nahe Deimemündung anzeigt, in der Ferne auch das Wäldchen an der Haffküste, das von Kormoranen bewohnt wird.

Anschließend wurde das zweite Museum in unserem Kreisgebiet besucht, in Kelladden/Waldwinkel. Inessa Natalitsch hat es mit viel Liebe, Recherchen und dadurch erhaltene Sachkenntnis eingerichtet und vervollständigt es stetig.

Wir hatten einige Exponate und Archivalien bei uns, die sie mit großer Freude entgegennahm. Für uns war bereits der Kaffeetisch im Garten gedeckt und bei traumhaftem Wetter, unter dem buchstäblich berühmten ostpreußischen hohen Himmel, ließen wir uns die Piroggen, Kaffee und Tee schmecken. Als Geschenk erhielt jeder von uns noch eine kleine tönerne Glocke mit der Aufschrift Waldwinkel oder Elchwald. Wir ließen uns natürlich auch nicht lumpen und spendeten kräftig für die weitere Pflege des Museums. Am Museum ist im September 2013 ein Gedenkstein aufgestellt worden, ein großer Findling mit einer rötlichen Granitplatte mit folgender Aufschrift: Menschen mit Moral in unmoralischer Zeit Elchjägermeister Hans Kramer sowie allen Forstbeamten und Waldarbeitern des Oberforstamtes Elchwald zur bleibenden Erinnerung gewidmet. (Hans Kramer, *13.07.1896 † 11.01.1982) Das Oberforstamt Elchwald/Pfeil befand sich nur wenige 100 Meter von Kelladden/Waldwinkel entfernt. Von dem stattlichen Anwesen ist leider nichts geblieben.

Den Abend konnten wir erneut wie die Gutsherren- und Damen genießen, es war leider schon der Abschluss im Gutshof-Hotel.

 

MOHRUNGEN

Kreisvertreter:  Hartmut Krause, Elbinger Straße 40, 28876 Oyten, Telefon (04207) 1045, E-Mail: krause.oyten@gmx.de. Stellvertretende Kreisvertreterinnen: Gisela Harder, Moorfleeter Deich 395, 22113 Hamburg, Telefon/Fax (040) 7373220; Ingrid Tkacz, Knicktwiete 2, 25436 Tornesch, Telefon/Fax (04122) 55079. Frank Panke, Schatzmeister, Eschenweg 2, 92334 Berching, Telefon (08462) 2452. Geschäftsstelle Horst Sommerfeld, Lübecker Straße 4, 50858 Köln, Telefon (02234) 498365.

Liebe Landsleute aus dem Kreis Mohrungen und liebe Heimatfreunde, unser diesjähriges Jubiläums-Heimatkreistreffen mit der Feier aus Anlass 60. Jahre Patenschaft zur Universitätsstadt Gießen findet am 30. und 31. August im Best Western Plus Hotel Steinsgarten, Hein-Heckrodt-Straße 20, 35390 Gießen, Telefon (0641) 38990, statt. Wir laden Sie herzlich dazu ein und würden uns freuen, Sie in der Patenstadt Gießen begrüßen zu dürfen.

Festfolge: Sonnabend, 30. August, 9 Uhr: Einlass in die Tagungsräume im Hotel Steinsgarten, 9.30 Uhr: Begrüßung der Teilnehmer durch den Vorstand und Eröffnung der Ausstellung „Wanderung vom Kreis Mohrungen nach Hessen“ durch die Kulturreferentin Gisela Harder. 10 Uhr: Es besteht die Möglichkeit unser Archiv in Gießen, Rodheimer Straße 33 zu besuchen, sowie im Tagungshotel unsere Jubiläumstassen, Bücher und Spezialitäten zu erwerben. 12 Uhr: Mittagessen – das Hotel bietet eine Auswahlkarte an. 14 Uhr: Filmvorführung durch Joachim Berg, anschließend Kaffeetafel, 17 Uhr: Mitgliederversammlung, 18 Uhr: Festliches Abendbrot, nach Auswahlkarte des Hotels. 19 Uhr: Bunter Abend mit Musik, Redebeiträgen und Quiz.

Sonntag, 31. August, 8.45 Uhr: Treffen und anschließend Abfahrt zum „Mohrungen Mahnmal“ in der Wieseckaue. Hinweis: Das Mahnmal liegt innerhalb der Landesgartenschau. Für Fahrmöglichkeiten wird gesorgt, für eine Anzahl von Freikarten wird gesorgt. 9.45 Uhr: Kranzniederlegung und Gedenken an unsere Heimat am „Mohrungen Mahnmal“, Wieseck-aue, anschließend Rückfahrt zum Tagungshotel. 11 Uhr: Feierstunde „60 Jahre Patenschaft zur Universitätsstadt Gießen“, „Land der dunklen Wälder“ – gemeinsamer Gesang, Begrüßung durch den Kreisvertreter Hartmut Krause, Grußworte der Ehrengäste, „Das geistliche Wort“ – Pastor i. R. Johannes Haese, Totenehrung – es spricht Elisabeth Krahn, „Lobet den Herrn“ – gemeinsamer Gesang, Festrede: Gisela Harder, Kulturreferentin: „60 Jahre Patenschaft der Universitätsstadt Gießen zur Kreisgemeinschaft Mohrungen e.V.“, „Ännchen von Tharau“ – gemeinsamer Gesang, Ehrungen, Schlussworte – Kreisvertreter Hartmut Krause, „Freude schöner Götterfunken…“ – Europahymne, Nationalhymne Deutschlandlied, 3. Strophe.

Weitere Termine: Freitag, 29. August, 10 Uhr: Kreisausschusssitzung, 13.30 Uhr: Kreistagssitzung. Die Kreisausschuss- und Kreistags-Mitglieder haben eine schriftliche Einladung erhalten. Die genannten Sitzungen finden im Best Western Plus Hotel-Steinsgarten in Gießen, statt. In heimatlicher Verbundenheit grüßt Sie der Vorstand der Kreisgemeinschaft Mohrungen e.V.

 

NEIDENBURG

Kreisvertreter: Jürgen Szepanek, Nachtigallenweg 43, 46459 Rees-Haldern, Tel. / Fax (02850) 1017.

Zu unserem diesjährigen Heimattreffen am Sonntag, dem 14. September, im Restaurant Kronendiele, Heiligengeiststraße 39–41, 21335 Lüneburg, unmittelbar neben dem Ostpreußischen Landesmuseum gelegen, laden wir herzlich ein. Einlass ist um 9 Uhr, das Ende für zirka 17 Uhr vorgesehen. Nach der Begrüßung durch den Kreisvertreter werden wir einen Vortrag über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hören. Angeboten werden bei dieser Veranstaltung unsere jüngst in 4. Auflage erschienenen DVDs sämtlicher Heimatbriefe ab 1947, beider längst vergriffenen Kreisbücher, wie auch beide Bildbände. Des Weiteren gibt es hervorragende Abzüge einer Schulwandkarte aus dem Jahre 1931 und erst kürzlich gefertigte Kopien des Neidenburger Stadtplanes. Generelle Auskünfte erteilen gerne nicht nur der anwesende Familienforscher und Schriftleiter, sondern alle aktiven Mitarbeiter unserer Kreisgemeinschaft. In dem geringen Eintrittspreis ist gleichzeitig der Eintritt in das Ostpreußische Landesmuseum eingeschlossen, was sich bereits bei unserem Treffen im Jahre 2008 bewährt hat. Der Vorstand würde sich über zahlreiches Erscheinen unserer Landsleute und Freunde freuen. Bereits am Sonnabend, 13. September, 15 Uhr, findet die öffentliche Kreistagssitzung unserer Gemeinschaft mit der anschließenden konstituierenden Sitzung des neuen Kreistages für die nächsten vier Jahre in den Räumlichkeiten der Kronendiele statt. Kreistagswahlen 2014 Der Wahlausschuss der Kreisgemeinschaft Neidenburg gibt in alphabetischer Reihenfolge die gewählten Mitglieder für die Legislaturperiode von 2014 bis 2018 bekannt: Ruth Bahr, Dr. Irmtraud S. Bießner, Günther Ernst, Marion Haedge, Martin Hennig, Ulrich Hoffmann, Frank Jork, Reinhard Kayss, Lutz Knief, Jürgen Kowalek, Ingrid Laufer, Dr. Uwe Laurien, Dietrich Olinski, Ulrich Pokraka und Jürgen Szepanek. Der Vorsitzende des Wahlausschusses: Benno Kaden“

 

SENSBURG

Kreisvertreterin: Gudrun Froemer, In der Dellen 8a, 51399 Burscheid, Telefon (02174) 768799. Alle Post an: Geschäftsstelle Kreisgemeinschaft Sensburg e.V., Stadtverwaltung Remscheid, 42849 Remscheid, Telefon (02191) 163718, Fax (02191) 163117, E-Mail: info@kreisgemeinschaftsensburg.de, www. kreisgemeinschaftsensburg.de

Vom 27. bis 30. Juni fand in Eberbach/Neckar in dem gastlichen Hotel „Krone Post“ das 29. Treffen der Heimatgemeinden Steinhof und Groß Steinfelde statt. Nach herzlicher Begrüßung durch Berthold Hirsch wurde der im letzten Jahr verstorbenen Landsleute, die diesem Kreis angehörten, gedacht. Mit dem Gesang des Ostpreußenliedes und dem ostpreußischen Heimatlied „Gode Morge“ von Fritz Hirsch, dem früheren Bürgermeister, fanden die stillen Gedenkminuten einen würdigen Abschluss. Die folgenden Stunden waren ausgefüllt mit frohem Plachandern, wobei man immer wieder die einleitenden Worte „Weißt Du noch“ oder „Hast Du auch gehört, dass ...“ vernehmen konnte. Erheiternd waren Anekdoten und Kurzberichte von Berthold Hirsch so wie das von Ruth Behrends vorgetragene Gedicht über die Beschwerden im Älterwerden. Aus Anlass ihres 80. und 75. Geburtstags hatten Berthold Hirsch und seine Frau Lore alle Teilnehmer zu Kaffee und Kuchen eingeladen, worauf eine herzliche Gratulation aller Beteiligten erfolgte. Der Spendenaufruf von Berthold Hirsch erbrachte eine beachtliche Summe, die jeweils zur Hälfte als Hilfe für in der Heimat lebenden Landsleute und für die Sanierung unseres Kirchleins Sorquitten vorgesehen ist. Auch hier noch einmal ein herzliches Dankeschön dafür. Höflich bat Berthold Hirsch noch einmal darum, den Sensburger Heimatbrief nicht zu vergessen, der ausschließlich durch Spenden finanziert wird. Der Besuch des Sonntagsgottesdienstes in der Michaeliskirche ist für uns inzwischen zur guten Tradition geworden und gehört zu unseren jährlich stattfindenden Ortstreffen, die sich immer mehr zu Familientreffen gestalten. Unser nächstes Treffen findet statt von Freitag, 26., bis Montag, 29. Juni 2015, im Hotel Krone in Eberbach/Neckar. Berthold Hirsch

Mit Manfred Buchholz wird eine Persönlichkeit geehrt, die sich große Verdienste erworben hat um die kontinuierliche Verbindung der Kreisgemeinschaft Sensburg mit der Sensburger Deutschen Gesellschaft „Bärentatze“, wobei ihm die Beherrschung der polnischen Sprache besonders hilfreich ist. Manfred Buchholz vollendete im Mai 2014 sein 81. Lebensjahr. Sein Heimatort ist Heinrichshöfen im Kirchspiel Sorquitten. Bis 1957 war er Pfarrer in Bartenstein, musste jedoch am 7. April 1957 Ostpreußen verlassen, da er es unter anderem duldete, dass die Gläubigen während des Gottesdienstes deutsch sangen und er sich als Amtsperson der deutschen Sprache bediente. Als Pastor i.R. lebt er heute mit seiner Ehefrau in Sondershausen/Thüringen. Ab Oktober 2003 wurde Manfred Buchholz für die Kreisgemeinschaft Sensburg tätig als Leiter der Dorfgemeinschaft Heinrichshöfen, Rodowen und Heinrichsdorf; seitdem organisiert er die Treffen des Kirchspiels Sorquitten. Ab 2006 übernahm er das Amt des 2. Kirchspielvertreters für dieses Kirchspiel. Seit 2010 ist er 1. Kirchspielvertreter und Mitglied des Kreisausschusses als Beauftragter für die „Bärentatze“. Seine häufigen Reisen – trotz seines hohen Alters – in den etwa tausend Kilometer entfernten Kreis Sensburg gewährleisten einen dauernden engen Kontakt mit unseren heimatverbliebenen Landsleuten. Am 4. Mai 2013 wählte der Sensburger Kreistag ihn zum 2. Stellvertreter der Kreisvertreterin. Seit 2007 schreibt Manfred Buchholz im Zweijahresrhythmus das Geistliche Wort für den Sensburger Heimatbrief und veröffentlicht darin seitdem auch zahlreiche aktuelle Beiträge über Ereignisse und Entwick-lungen in unserem Heimatkreis. In den Jahren 2009, 2011 und 2013 organisierte er mit großem Erfolg jeweils ein Heimattreffen im Kirchspiel Sorquitten, wobei er 2013 den Festgottesdienst gemeinsam mit Ortspfarrer Krzysztof Mutschmann und einem weiteren ehemaligen Amtskollegen zelebrierte. (Die PAZ berichtete in ihrer Ausgabe Nr. 36 vom 7. September 2013 ausführlich darüber.) Für seine herausragenden Leistungen spricht die Kreisgemeinschaft Sensburg Manfred Buchholz mit dieser Auszeichnung ihren Dank und ihre besondere Anerkennung aus.

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

Zum 9. Mal trafen sich die Tilsiter „Neustädtischen“ zum Jahrestreffen in der Lüneburger Heide/ Südheide.

Die „Alte Fuhrmanns-Schänke“ bot wieder das, was man an Gastlichkeit, Service, Speisen und Getränken bei so einem Treffen erwartet. Auch dieses Jahr mussten wir wieder auf das Wiedersehen mit langjährigen, treuen Teilnehmern verzichten. Trotzdem konnten die angereisten Teilnehmer interessante Abende und abwechslungsreiche Tagesprogramme erleben. Am ersten Abend wurde seitens des Schulsprechers umfassend über die Höhepunkte im Leben der Stadtgemeinschaft Tilsit informiert. Vom ersten Abend an war auch wieder der „Heidegeist“ dabei. Die am zweiten Tag geplante Stadtrundfahrt mit Kutsche durch das historische Stadtzentrum von Celle musste abgebrochen werden infolge starker Regengüsse. Allerdings wurde dadurch nichtgeplante Zeit frei, um in zirka zwei Stunden mehr als 200 Bilder von der Reise nach Tilsit anlässlich der Einweihung des Luisendenkmals am Laptop anzusehen. Der Besuch des „Bauerncafés Ole Müllern-Schün“ der Norddeutschen Tortenmeisterin in Müden/Oertze, bei Hermannsburg, gehört fast schon zum Standardprogramm. Wie im Vorjahr wurde das für das Bewandern gestaltete Areal der Lüneburger Südheide besucht. Es ist das Stück der Südheide, in dem der Gedenkstein steht, der an den größten Wald-/Heidebrand Deutschlands erinnert, der hier vom 10. Bis 15. August 1975 wütete.

Am letzten Abend stand wiederum die Frage im Raum: Wie geht es mit unserer Schulgemeinschaft weiter? Auf jeden Fall sollten wir uns auf das nächste Treffen der drei Kreise Elchniederung, Tilsit-Ragnit und Stadt Tilsit am Wochenende vom 11. Bis 13. September 2015 in Bad Nenndorf (bei Hannover) orientieren. Außerdem haben vier „Optimisten“ erneut für nächstes Jahr eine Buchung für die Fuhrmannsschänke, Montag bis Mittwoch in der ersten Augustwoche 2015 nicht ausgeschlossen. Gemeinsamkeiten mit einer oder mehreren anderen kleineren Schulgemeinschaften gestalten sich weiterhin schwierig.

Erwin Feige, Schulsprecher

 

ANGERAPP(DARKEHMEN)

Kreisvertreterin: Edeltraut Mai, Weißdornweg 8, 22926 Ahrensburg, Telefon (04102) 823300, Internet: www.angerapp.com

Das diesjährige Jahreshaupttreffen steht im Zeichen der 60jährigen Patenschaft mit der Stadt Mettmann und findet am 30. und 31. August 2014 in Mettmann in der Neanderthalhalle statt. Die Patenschaftsübernahme der Stadt Mettmann erfolgte für unseren Heimatkreis durch einstimmigen Beschluss durch den Rat der Stadt Mettmann. Als äußeres Zeichen der Verbundenheit und zur Erinnerung an die Patenschaft wurde ein Platz in einem Neubaugebiet „Angerapper Platz“ benannt. Im Jahre 1960 wurde dann an dem vorgenannten Platz der „Angerappstein“ enthüllt. Am 30./31. August wollen wir uns an die Patenschaftsübernahme vor 60 Jahren erinnern und der Stadt Mettmann für die den Angerappern in all den Jahren gewährte Unterstützung danken. Vor der öffentlichen Kreistagssitzung am 30. August 2014 findet eine gemeinsame Busfahrt zum Neanderthal-Museum statt. Die Abfahrt erfolgt von der Neanderthalhalle um 12 Uhr; Rückkehr gegen 15 Uhr. Die öffentliche Kreistagssitzung – mit Neuwahl des Kreistages – findet um 16.00 Uhr in der Neanderthalhalle statt. Am Sontag, 31. August 2014 wird um 9.00 Uhr eine gemeinsame Busfahrt von der Neanderthalhalle zur Kranzniederlegung am Angerapp-Stein und auf dem Friedhof stattfinden. Die Feierstunde beginnt um 11 Uhr in der Neanderthalhalle. Zum ersten Mal wird ein ökumenischer Gottesdienst stattfinden. Der Sprecher der Landsmannschaft wird die Festrede halten. BernStein (Bernd Krutzinna) wird eine „musikalische Reise in Bilder nach Ostpreußen (bis Angerapp)“ vortragen. Zu diesem Treffen hat sich der neue Landrat und der Bürgermeister unserer Stadt Angerapp, dem heutigen Osersk, angekündigt. Alle Landsleute der Kreisgemeinschaft sind herzlich eingeladen, an dem Jahrestreffen anlässlich der 60-jährigen Patenschaft teilzunehmen. Um einen Überblick der Teilnehmerzahl zu unserem Treffen zu haben, bitten wir Sie, sofern noch nicht erfolgt, sich bei der Kreisvertreterin, noch telefonisch anzumelden. (Tel. 04102/58418 oder mobil (0151) 18461001.


S. 19-20 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Stuttgart – Sonnabend, 30. August, 14 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal, Schloßstraße 92: Bildervortrag von Ursula Gehm, Landeskulturreferentin LO: „Die Entwicklung im Königsberger Gebiet 1987 – 2013“. Gäste sind herzlich eingeladen.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

München – Freitag, 12. September, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Zusammenkunft der Frauengruppe.

Jeden Montag, 18 bis 20 Uhr, Haus des Deutschen Ostens: Ostpreußischer Sängerkreis. Kontakt: Dr. Gerhard Gräf, Offenbachstraße 60, 85598 Baldham, Telefon (08106) 4960.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Landesgruppe – Kulturtag der Landsmannschaften, Rathaus Schöneberg. „Sich begegnen, heißt verstehen“. Unter diesem Motto steht der diesjährige Kulturtag der Landsmannschaften, zu dem der Berliner Landesverband der Vertriebenen e.V. sehr herzlich einlädt. Sonnabend, 20. September, finden eine Reihe kultureller Veranstaltungen im Rathaus Schöneberg, John-F.-Kennedy-Platz 1 statt. Programm: 10 Uhr, WillyBrandt-Saal: Geistliches Wort, Pfarrer Edgar Kotzur, St. Matthias. Im Anschluss Eröffnung, Rüdiger Jakesch, Vorsitzender des BLV. 10.20 Uhr: Ostdeutsches Liedgut, Polizeichor Berlin. 11 bis 12.30 Uhr: Folkoreprogramm „Buntes aus den Dörfern der alten Heimat“, Mädchentanzgruppe aus Rummelsburg [Miastko], Hinterpommern, Pommersche Volkstanzgruppe, Oberschlesische Volkstanzgruppe. 12.30 bis 14 Uhr, Brandenburghalle: Begegnungen und Gespräch. Landsmannschaften stellen sich vor. 14 bis 15.30 Uhr, Willy-Brandt-Saal: Das Autorenporträt. Lesung Jenny Schon, geb. 1942 in Trautenau, seit 1961 in Berlin, liest aus ihrem Roman „Der Graben“ und aus ihren Erzählungen „Rheinisches Rondeau“.

In der Brandenburghalle des Rathauses Schöneberg befinden sich das Café Pommern der Pommerschen Landsmannschaft (Öffnungszeiten 10 bis 14.30 Uhr) sowie weitere Informationsstände der Landsmannschaften. Änderungen vorbehalten. Informationen: Berliner Landesverband der Vertriebenen e.V., Forckebeckstraße 1, 14199 Berlin, Telefon (030) 2547345. E-Mail: info@bdv.de.

Lyck – Sonnabend, 6. September, 15 Uhr, Kleiner Ratskeller, Am Rathaus 9, 10825 Berlin: Treffen der Gruppe. Anfragen bei Peter Dziengel, Telefon (030) 8245479.

Tilsit-Ragnit/ Tilsit-Stadt – Sonnabend, 6. September, 15 Uhr, Ratskeller Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 102, 10585 Berlin: Treffen der Gruppe. Anfragen bei Hermann Trilus, Telefon (03303) 403881.

Frauengruppe – Mittwoch, 10. September, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: Bericht aus Ostpreußen. Anfragen bei Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Angerburg/ Darkehmen/ Goldap – Donnerstag, 18. September, 14 Uhr, Restaurant Oase Almera, Borussiastraße 62, 12102 Berlin: Erntedank in Ostpreußen und Berichte über Ostpreußen. Anfragen bei Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Kippingstr. 13, 20144 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

KREISGRUPPE

Insterburg – Die Gruppe trifft sich jeden 1. Mittwoch im Monat (außer Januar und Juli) mit Liedern und kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Königsberg – Freitag, 12. September, 11 Uhr (Einlass 10 Uhr), Café Harmonie, Alsterdorfer Straße 579, Hamburg-Ohlsdorf: Die Stadtgemeinschaft Königsberg in der Landesgruppe Hamburg feiert ihr 35-jähriges Jubiläum. Gäste sind immer herzlich willkommen. Für musikalische Unterhaltung sorgt BernStein. Anmeldung bis zum 8. September erbeten bei Brigitte Reimer, Telefon (040) 873495.

Sensburg – Sonnabend, 13. September, 14 Uhr, Café Prinzess, Alsterdorfer Straße 572, Hamburg-Ohlsdorf: Gemütliches Beisammensein. Erstes Treffen nach der Sommerpause.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612.

Darmstadt-Dieburg – Sonnabend, 6./Sonntag, 7. September: Tag der Heimat. Sonnabend, 6. September, 14.30 Uhr: Treffen mit den anderen Landsmannschaften zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte der Vertriebenen auf dem Darmstädter Waldfriedhof. – Sonntag, 7. September, 14 Uhr, Haus der Heimat, Chausseehaus Nieder-Ramstadt, Bahnhofstraße 61: BdV-Kreistreffen zum Tag der Heimat.

Wiesbaden – Sonnabend, 6. September, 11 Uhr, Wiesbaden-Kohlheck, An der Kranichstraße: Feierstunde am BdV-Gedenkstein. – Sonntag, 7. September, 11 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal, Friedrichstraße 35: Feststunde des BdV-Kreisverbandes.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Buxtehude – Donnerstag, 18. September: Busfahrt in das „Tister Bauernmoor“ bei Sittensen. Dieses Naturschutzgebiet mit seinen großen wiedervernässten Moorflächen hat eine sehr reiche Pflanzen- und Tierwelt und ist bekannt für seine Tausende von Kranichen, die zur Übernachtung hier im Herbst einfallen. 14 Uhr Busfahrt ZOB, 14.10 Uhr Bahnhofstraße/Post, 14.20 Uhr Apensener Straße/-Denkmal, 14.30 Uhr Apensener Straße/Wachtelburg, 15.25 Uhr an Burgsittensen, Bahnhof der Moorbahn. Kaffeegedeck in der Bahnhofgaststätte. 16.15 Uhr Fahrt mit der Moorbahn und zwischenzeitliches Aussteigen, 18.30 Uhr Rückfahrt. Kostenbeitrag 18 Euro pro Person. Anmeldung bis zum 12. September bei Wolfgang Weyer, Telefon (04161) 3406.

Hannover – Freitag, 12. September, 14.30 Uhr, Ihmeblick (Ruderclub), Roesebeckstraße 1: Treffen nach der Sommerpause. Auf dem Programm stehen Reiseberichte und Schabbern.

Helmstedt – Donnerstag, 11. September, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Monatliches Treffen der Gruppe.

Rinteln – Donnerstag, 11. September, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Monatstreffen. Professor Dr. Heinz Schürmann aus Bielefeld hält zum Thema „Krakau an der Weichsel – alte Kulturmetropole einen Lichtbildervortrag unter besonderer Berücksichtigung deutscher Spuren. Der Eintritt ist frei. Neben den Mitgliedern der Gruppe sind auch Freunde, Verwandte und interessierte Gäste aus Nah und Fern recht herzlich willkommen! Weitere Auskünfte und Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit in Rinteln gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat unter Telefon (05751) 5386 oder über: rebu-schat@web.de.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bielefeld – Montag, 1. September, 15 Uhr, Wilhelmstraße 13, 33602 Bielefeld: Zusammentreffen der Frauengruppe. – Donnerstag, 4. September, 15 Uhr, Wilhelmstraße 13, 33602 Bielefeld: Stammtisch der Königsberger und Freunde der Hauptstadt Ostpreußens. – Donnerstag, 11. September, 15 Uhr, Wilhelmstraße 13, 33602 Bielefeld:

Bonn – Dienstag, 2. September, 18 Uhr, Großer Sitzungssaal des Rathauses Bonn-Beuel: Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat in Bonn.

Dortmund – Sonnabend, 6. September, 16 Uhr, Gemeindehaus der St, Joseph Kirche Heroldstraße 13/ Ecke Münsterstraße, 44145 Dortmund: Die Kreisgruppe lädt ein zum Tag der Heimat am ein. Ab 15 Uhr Kaffeetrinken. Der Landtagabgeordnete Herr Jostmeier, Vertriebenenbeauftragter der CDU, hält die Festrede. Leitwort 2014: „Deutschland geht nicht ohne uns“.

Düsseldorf – Mittwoch, 3. September, 15 Uhr, GHH/Raum 311 „Siebenbürger Sachsen“: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt. – Donnerstag, 4. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Lesung und Gespräch mit Dr. Hajo Buch und Dr. Winfrid Halder: „Zustand einer erhöhten seelischen Ausgeglichenheit“. Zum 50. Todestag Werner Bergengruens (1892–1964). – Donnerstag, 4. September, 19.30 Uhr: Offenes Singen mit Barbara Schoch. – Sonnabend, 6. September, 11.30 Uhr: Wandertreff. Infostand Hauptbahnhof/Fahrt nach Krefeld zum Hülser Berg mit Einkehr ins idyllische Parkschlösschen. – Montag, 8. September, 18 Uhr, GHH/Ausstellungsraum: Ausstellungseröffnung „Unterm Strich und Zensur in der DDR“. Die Ausstellung läuft bis zum 25. November. – Mittwoch, 10. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Vortrag von Dr. Winfrid Halder über „Georg Forster“. – Donnerstag, 11. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Lesung mit Franz Hodjak: „Der Gedenke, mich selbst zu entführen, bot sich an“. Moderation: Helmut Braun. Freitag, 12. September, 18 Uhr, Restaurant Lauren’s, Bismarckstraße 62: Stammtisch.

Gütersloh – Sonntag, 7. September, 15 Uhr, Gütersloher Brauhaus: Alle Interessierten sind zum diesjährigen Tag der Heimat eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. – Donnerstag, 11. September, 15.30 Uhr, Gütersloher Brauhaus, Unter den Ulmen: Ostpreußische Frauengruppe. Kontakt und Informationen bei Renate Thamm, Telefon (05241) 40422.

Neuss – Donnerstag, 4. September, 15 bis 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: „Tag der offenen Tür“ mit Kaffee und Kuchen.

 

RHEINLAND-PFALZ

Vors.: Dr. Wolfgang Thüne, Wormser Straße 22, 55276 Oppenheim.

Diez – Sonntag, 24. August, 14.30 Uhr: Der Ostpreußische Seniorenclub Hessen-Nassau lädt in das Café am Hain, Hainstraße 25 ein. Eingeladen sind alle Ost- und Westpreußen, auch jüngere, ob aus Hessen oder Rheinland-Pfalz, eben aus dem alten Hessen-Nassau. Bei Kaffee und Kuchen soll von aktuellen oder früheren Fahrten in die Heimat berichtet werden oder es wird einfach nur plachandert.

Mainz – Jeden Freitag, 13 Uhr, Café Oase, Schönbornstraße 16, 55116: Die Gruppe trifft sich zum Kartenspielen. – Sonnabend, August, 15 Uhr, Theodor-Heuss-Platz, Berlin: Kranzniederlegung am Tag der Heimat.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle, Telefon privat (0345) 2080680.

Gardelegen – Freitag, 5. September, 12 Uhr, Knackmußscher Hof, Letzlingen: Pellkartoffelessen mit Programm.

Magdeburg – Freitag, 5. September, 16 Uhr, TuS, Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Landesverband – Tag der Heimat 2014 – Der BdV Neumünster e.V., die Vereinigten Landsmannschaften e.V., der BdV Landesverband SH e.V. und die PlM Landsmannschaft SH e.V. hatten zum 65. landesweiten Tag der Heimat unter dem Leitwort „Deutschland geht nicht ohne uns“ nach Neumünster eingeladen. Die Veranstaltung begann mit dem Einmarsch der Fahnen der Landsmannschaften, der der Bundesrepublik Deutschland und der Europa-Fahne durch die Jugendfeuerwehr Wittorf. Der Andacht hatte Pastor Tobias Gottesleben von der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde den 23. Psalm zugrunde gelegt. In den Grußworten und im Festvortrag von Staatssekretär Dr. Schmidt-Elsaeßer kamen das Leid und die Strapazen zum Ausdruck, die die Flüchtlinge und Vertriebenen erleben mussten. Die Flüchtlingsströme führten von 1945 bis 1947 zu einem dramatischen Bevölkerungsanstieg in Schleswig-Holstein. Ein großer Teil der Flüchtlinge musste in Baracken leben. Viele konnten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine Arbeitsstelle finden und dorthin umziehen. So war eine gute Eingliederung möglich, und die Zugewanderten beteiligten sich aktiv am Aufbau der Bundesrepublik, Edmund Ferner, Vorsitzender der Landesgruppe Schleswig-Holstein, hatte in seinem Grußwort darauf hingewiesen, dass zur Geschichtsschreibung der Bundesrepublik Deutschland die Flüchtlinge und Vertriebenen und ihre Landsmannschaften gehören. Dabei machte er auf die besonderen Persönlichkeiten aufmerksam, die aus den früheren deutschen Ostgebieten stammen: wie aus Pommern Ernst Moritz Arndt, Heinrich von Stephan; aus Ostpreußen Immanuel Kant, Agnes Miegel, Johann Gottfried Herder; aus Westpreußen und Danzig Emil von Behring, Nicolaus Copernicus, Arthur Schopenhauer, aus Schlesien Gustav Freytag, Gerhard Hauptmann. Schmidt-Elsaeßer ehrte dann die vor 65 Jahren gegründeten Landsmannschaften und ihre Gründungsmitglieder und überreichte die Urkunden an die Landesvorsitzenden. Mit den Liedern der Heimat, dem Schleswig-Holstein-Lied und der Nationalhymne klang die Veranstaltung aus. Gisela Brauer

Flensburg – Freitag, 12. September, 14 Uhr: Tag der Heimat. Gemeinsame Veranstaltung der Vereinigten Landsmannschaften Flensburg. Gottesdienst in der

St. Michael Kirche, Am Ochsenmarkt, mit anschließender Kaffeerunde. Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar wird eingeladen. Bushaltestelle im Nahbereich.

Mölln – Mittwoch, 27. August,

15 Uhr, Quellenhof: Mitgliederversammlung. Mitglied Conrad-Kowalski wird einen Vortrag über das ostpreußische Volkslied als Teil der deutschen Volksliedkultur halten. Im Jahre 1773 prägte Johann Herder den Begriff des Volksliedes. Lieder über die Wanderlust, Liebesleid und Freud‘, Sehnsucht nach der Liebsten und Heimat zeichneten ein buntes Bild der deutschen Volksliedkultur. Herder wurde besonders fündig in Ostpreußen und Litauen.

 

THÜRINGEN

Vors.: Edeltraut Dietel, August-Bebel-Straße 8 b, 07980 Berga an der Elster, Tel. (036623) 25265.

Landesgruppe – Sonnabend, 6. September, Stadthalle, Brauhaus-Hotel, Arnstadt, Brauhausstraße: Tag der Landsmannschaften. Von 10 bis 12 Uhr organisiert jede Landsmannschaft ihr eigenes Programm. Von 12 bis 14 Uhr gibt es Mittagessen, und von 14 bis zirka 17 Uhr findet ein gemeinsames Kulturprogramm als zentraler „Tag der Heimat“ statt. Alle ost- und westpreußischen Landsmannschaften sind zu dieser Veranstaltung ganz herzlich eingeladen. Die Landesgruppe freut sich über eine rege Beteiligung.

Nachruf auf Alfred Lehrmann – Tief betroffen erhielten wir die traurige Nachricht vom plötzlichen Ableben unseres lieben Landsmanns Alfred Lehrmann. Er wurde 1932 in Anhaltsberg in Ostpreußen geboren, kam nach dem Krieg nach Königsee (Lichta) in Thüringen, wo er bis zu seinem Tode im Juli 2014 lebte. Er liebte seine ostpreußische Heimat über alles, genauso wie seine Familie. Lm. Lehrmann war viele Jahre Mitglied im Vorstand der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe Thüringen. Seine ruhige, liebenswerte und sachliche Art war für uns immer ein ruhender Pol. Er hat viele Spuren der Liebe und Fürsorge hinterlassen und die Erinnerung an all da Schöne mit ihm wird stets in uns lebendig sein. Wenn ein so lieber Mensch stirbt, ist er nicht wirklich tot, sondern lebt in unseren Herzen weiter. Unnachahmlich war sein Talent, unaufdringlich für andere da zu sein und sich selbst dabei nicht aufzugeben, trotz seiner schweren Krankheit. Wir danken unserem Lm. Lehrmann für seine aufopferungsvolle Arbeit für unsere geliebte Heimat Ostpreußen, verneigen uns still und bewahren ihm stets ein ehrendes Andenken. Seinen lieben Angehörigen sprechen wir unser tiefes Mitgefühl aus. Im Namen des Vorstands

Edeltraut Dietel

Landesvorsitzende


S. 21 Lebensstil

»O Haupt voll Blut und Wunden«
St.-Moritz-Kirche im brandenburgischen Mittenwalde wiedereröffnet − Barockdichter Paul Gerhardt predigte auf Cranach-Kanzel

Nach mehr als einjährigen Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten des Kirchenraums wird die spätgotische St.-Moritz-Kirche im südlich von Berlin gelegenen Mittenwalde am 27. August mit einem feierlichen Gottesdienst um 14 Uhr wiedereröffnet.

Da der kostbare Wandaltar der Kirche 1514 aufgestellt wurde, sollte die Wiedereröffnung unbedingt in diesem Jahr gefeiert werden. Den nunmehr restaurierten Altar aus der Werkstatt des bedeutenden Renaissancekünstlers Lucas Cranach des Älteren erhielt die Gemeinde also vor genau einem halben Jahrtausend. Vermutlich war er ein Geschenk vom Kurfürsten Joachim von Brandenburg. Er weist auf seiner Vorderseite Schnitzwerk und auf den Rückseiten seiner vier Flügel Gemälde auf. Vor dem Altar liegen die Grabsteine von Bürgermeister und Rat.

Die Pfarrkirche von Mittenwalde ist ein dreischiffiger Backsteinhallenbau mit Sternrippengewölben und Umgangschor. Die Kirche ist das bedeutendste Zeugnis mittelalterlicher Geschichte in der kleinen Stadt 40 Kilometer südlich von Berlin. Nach außen präsentiert sie sich mit einem steilen Satteldach und einem 67 Meter hohen Turm, der 1877/78 im oberen Teil nach einem flandrischen Vorbild völlig neu gestaltet worden ist. Das etwa neun Meter hohe Gewölbe des Innenraums mit seinen hohen Fensteröffnungen wird von insgesamt zwölf Pfeilern getragen. Zahlreiche Änderungen und Umbauten sind an dem Gotteshaus im Laufe der Jahrhunderte vorgenommen worden. Auf die Zeit um 1250 geht der erste Kirchenbau aus Feldsteinen zurück, der aber schon wenige Jahrzehnte bis auf drei Meter Höhe abgetragen wurde, um darauf einen repräsentativeren Backsteinbau zu errichten.

Anfang des 14. Jahrhunderts er­folgte die Unterteilung des Kirchenraums durch vier reich gegliederte Pfeilerpaare in drei Schiffe, die mit einem Tonnengewölbe gedeckt waren. Um 1480 entstand der fünfseitige Chor mit Umgang. Ungefähr gleichzeitig wurden die flachen Sterngewölbe im Mittelschiff, in den Seitenschiffen, im Chorbereich und in der Turmhalle eingezogen. Auf der Südseite wurde ein zweigeschossiger Anbau mit der Sakristei im Erdgeschoss angefügt.

1862 unterzog man das gesamte Kircheninnere einer umfassenden Neugestaltung. Leider ging dabei viel historische Substanz für immer verloren, ebenso wie bei der Sanierung des Kircheninnern 1958/59, nachdem die Kirche den Zweiten Weltkrieg ziemlich unbeschadet überstanden hatte. Erhalten blieben unter anderem das Ratsherren- und Innungsgestühl im Umgangschor aus dem 16. Jahrhundert.

Restauriert sind nun auch die verzierten Holzbänke im Jägerchor, einem Raum mit drei langen spitzbogigen Fenstern über der Sakristei. Wegen der später angesetzten Empore nannte man ihn ab Mitte des 18. Jahrhunderts nach den in Mittenwalde stationierten Feldjägern Jägerchor. Im Zuge der Deckensanierung machten die Re­stauratoren eine spektakuläre Entdeckung. Auf zehn Feldern des Mittelschiffgewölbes traten farbenprächtige Malereien aus der ersten Bauzeit des Gewölbes um 1480 zutage. Sternförmig angeordnete Weinranken, Reben und Trompete spielende Engel sind die Motive eines Paradiesgartens, der die sogenannte Heilig-Geist-Öffnung im Gewölbe umgibt. Solche Höhlungen in gotischen Deckengewölben anstelle eines Schlusssteins dienten als Lüftungsloch, aber zu Pfingsten ließ man durch das Loch als Symbol für den Heiligen Geist eine Taube hinab, die über den Köpfen der Gottesdienstbesucher schwebte.

1859 besuchte Theodor Fontane die St.-Moritz-Kirche und schrieb darüber in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. 1651 bis 1657 war die Wirkenszeit des Theologen und Barock­dichters Paul Gerhardt als Probst in Mittenwalde. Hier dichtete er viele seiner Kirchenlieder, darunter das Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“. An der Kirche befindet sich das Epitaph seiner erstgeborenen Tochter.

Für die knapp 900 Gemeindemitglieder aus Mittenwalde, Gallun und Telz beginnen am Tag der Wiedereröffnung der St.-Moritz-Kirche die musikalischen Festwochen bis zum Erntedankfest mit Konzerten und Kirchenmusik. Besucher sind herzlich willkommen. D. Jestrzemski


Ade, Adebar!
Störche starten ihren Flug in den Süden

Schon Ende August werden die Vögel unruhig. Einer unserer größten Landvögel, der Weißstorch (ciconia ciconia), auch Adebar genannt, macht sich dann auch auf den vielen Horsten in Ostpreußen bereit für seine lange Reise in den Süden. Die Menschen haben diesen schönen Vogel mit der beachtlichen Flügelspannweite von bis zu zwei Meter, schon immer als einen Glücksboten angesehen. Jeder freute sich, wenn auf dem Dach seines Hauses ein Storch sein Nest baute.

Störche üben ein paar Flug­runden, testen ob die Wetterbedingungen stimmen und dann geht es los, zum Teil bis nach Südafrika. Dabei fliegen sie Strecken von 10000 Kilometern hin und auch wieder zu­rück. Störche sind große Energiesparer. Um den weiten Flug zu überstehen, nutzen sie die warmen Aufwinde. Im Se­gelflug und mit dem richtigen Wind können sie einige hundert Kilometer am Tag fliegen. Die Sterne, die Sonne und eine Art Magnetkompass, der angeboren ist, helfen den Vögeln zur Orientierung während des Fluges. Denn niemand zeigt ihnen, in welche Richtung es gehen muss.

Bei den Störchen gibt es die sogenannten Westzieher und Ostzieher. Das heißt, dass die Vögel, die im Westen unseres Landes geboren wurden, über Frankreich und Spanien nach Westafrika ziehen und die im Osten geborenen über Osteuropa bis nach Ost-und Südafrika fliegen. Sie können bis zu 400 Kilometer am Tag zurück­legen bei einer Geschwindigkeit von etwa 90 Stundenkilometern. Alle Störche bevorzugen es, über Land zu ziehen und meiden große Strecken über das Meer, da ihnen über den Wasserflächen die hilf­reichen Aufwinde fehlen.

In ihrem sonnigen Winterquartier ernähren sie sich hauptsächlich von Insekten. Bei uns schätzen sie feuchte Wiesen, in denen sie Frösche und andere Kleintiere erbeuten können. Leider gibt es aber immer weniger davon, da viele Wiesen trockengelegt wurden. So steht ihnen nur noch wenig Lebensraum zur Verfügung, wo sie ausreichend Na­hrung finden können. Naturschützer bemühen sich jedoch, diesen prachtvollen Vögeln zu helfen. Denn ohne Nahrung können sie nicht überleben, wenn sie im Frühjahr zu ihren Nistplätzen bei uns zurückkommen.

Die gewaltigen Nestbauten von zwei Me­tern Durchmesser werden immer wieder von ihnen benutzt. Dort legt das Weibchen drei bis vier Eier und nach etwa 33 Tagen schlüpfen die Jungstörche. Ob sie überleben, hängt davon ab, wie viel Nahrung die Storcheneltern finden. Eine weitere Gefahr für die Vögel sind Hochspannungsleitungen, die sich überall in der Luft befinden und in denen sie sich beim Fliegen oft verfangen.

Zur Verständigung untereinander klappern die Vögel laut mit ihren langen Schnäbeln. So be­grüßen sie ihren Partner oder vertreiben Feinde vom Nest. S.F.


Zurück auf die Schulbank
In vielen Bundesländern ist Schulfang − Doch wie sah früher der Alltag der Pennäler aus?

Für Schüler in den nördlichen Bundesländern und in Berlin sind die Sommerferien vorbei. Dort fängt in diesen Tagen das neue Schuljahr an. Aber mit welchen Gefühlen wird man später an die eigene Schulzeit denken? Kommen angenehme Ge­danken oder sind es nur die Qualen, die im Ge­dächtnis haften geblieben sind? Dass sich die Schule früherer Zeiten von der heutigen um Lichtjahre unterscheidet, ist jedem klar. Ein Be­such im Schulmuseum in Fried­richshafen am Bodensee verdeutlicht wie im Zeitraffer den Wandel der schulischen Erziehung.

Früher hatte der „Herr Lehrer“ einen höheren Stand als die eigenen Eltern. Er durfte strafen, sogar die Eltern maßregeln und nahm sich überdies heraus, Fingernägel und Taschentücher seiner Zöglinge auf Sauberkeit zu untersuchen. Mal ganz abgesehen von den bis weit ins 20. Jahrhundert ausgeübten heftigen Strafen, war Schule seit Einführung der Allgemeinen Schulpflicht im 19. Jahrhundert immer eher Erziehungsanstalt denn ein Hort der Förderung. Alle, die vor 1968 zur Schule gingen, haben diesen Drill noch genießen „dürfen“. Erst mit den Studentenunruhen und den damit verbundenen weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen wurde Schule mehr und mehr zu dem, was sie eigentlich sein sollte: menschlicher, bunter, ohne Prügel und militärischen Zwang. Kinder wurden ernst genommen, was bis dato völlig unvorstellbar war.

Vor vielen Jahrhunderten ging niemand zur Schule. Kinder wurden recht früh zur Arbeit angehalten. Helfen auf dem Hof, dem Feld und in der Werkstatt, sogar im Bergbau war an der Tagesordnung und völlig normal, ja sogar nötig, um die Armut der einfachen Familien etwas zu lindern. Bildung, lange Zeit ein Vorrecht des Adels und der reichen Leute, wurde aber nur den Jungen und nur in Klosterschulen vermittelt. Zumeist von Mönchen in lateinischer Sprache und mit Inhalten aus der Bibel. Natürlich zog man die Knaben dieser Schichten auch durch Reit- und Fechtunterricht zu Feldherren künftiger Kriege heran. Für Mädchen dieses Standes reichte es, wenn sie sich mit Haushalt, Kindererziehung und Handarbeiten auskannten.

Noch weit bis ins 20. Jahrhundert hinein erlebten Kinder, vor allem der Landbevölkerung, eine kaum anders orientierte schulische Erziehung. Arbeiterkinder blieben dort, wo sie hineingeboren wurden, mangels finanzieller Mittel und Förderung.

Wissen ist Macht, heißt es. Das geflügelte Wort macht deutlich: Lange Zeit sollte sich an den bestehenden Verhältnissen nichts ändern. Denn ein gebildetes Volk könnte revoltieren und sich zur Wehr setzen.

Die Revolution in Frankreich 1789 änderte vieles auch bei uns. Zumindest in den Köpfen. Die Franzosen kämpften für Freiheit und Gleichheit für alle Menschen. Gleichheit für alle bedeutete auch, dass alle ein Recht auf Bildung hatten. In Frankreich wurde die Schulpflicht 1793 eingeführt.

Bei uns dauerte es etwas länger. Die Schulpflicht für alle wurde im Zuge der Preußischen Reformen bei uns im 19. Jahrhundert eingeführt. Zuerst im Norden Deutschlands, in Preußen, dann auch in Bayern. In Preußen tat sich be­sonders Wilhelm von Humboldt hervor, indem er für die Elementarschule eintrat. Es entstanden Gymnasien, sogar ein verpflichtender Lehrplan 1837. Der Willkür des Lehrkörpers in Lehrinhalten wurde Einhalt geboten. Schule damals hatte mit der heutigen wenig zu tun. Oft wurden alte Soldaten als Lehrer eingesetzt, und die Bestrafung der Kinder war entsprechend hart. Bei geringsten Vergehen wurde geprügelt oder in den Karzer gesperrt. Auch beliebt war das Bloßstellen des „Sünders“ durch „in der Ecke stehen“ oder Eselsohren auf den Kopf setzen. Schläge auf die Hände oder das Knien auf Holzscheiten waren ebenso an der Tagesordnung. Alles, um den Tugenden Gehorsam, Fleiß, Ordnung und Sauberkeit gerecht zu werden.

Besonders ärmeren Eltern fehlten die Kinder zuhause, so nahmen sie die Schulpflicht nicht so genau. Ebenso die Aufgaben, die ihre Sprösslinge nun auch noch am Nachmittag für die Lehranstalt durchführen sollten. Wenn je­mand zum Kühehüten benötigt wurde, dann musste das Wissen hintenan stehen. Lange dauerte es, bis man verstand, dass eine gute Bildung der Weg zu einem besseren Leben ist.

Die Kinder gingen weite Wege zur Schule zu Fuß, sommers wie winters. Der Ofen im Schulzimmer musste oft auch selber geheizt werden. Kinder ganz verschiedenen Alters hockten zu­sammen in einem Klassenraum und wurden von einem einzigen Lehrer unterrichtet. Vorne saßen die Kleinsten, dahinter die nächste Klasse und dahinter wieder die etwas Größeren. Daher stammt auch der Begriff des „Sitzenbleibens“, wenn man es nicht geschafft hat, eine Klasse weiter zu kommen. Der Lehrer oder das immer unverheiratete Fräulein Lehrerin gaben den Kindern Aufgaben und beschäftigten sich abwechselnd mit der jeweiligen Klasse. Während reiche Kinder oft die höheren Schulen besuchen durften, blieb für die Kinder der Armen nur eine kurze Volksschulzeit.

Der Philosoph Jean Jacques Rousseau (1712−1778) propagierte dereinst, Kinder sollten ohne Zwang in Freiheit aufwachsen. Diesen Gedanken nahm man im Zuge der Aufklärung irgendwann auch bei uns auf, doch blieb Schule in beiden deutschen Systemen lange Zeit strenge Erziehungsanstalt und immer verlängerter Arm staatlicher Maßregelungen. Silvia Friedrich

Noch bis zum 12. April 2015 läuft im Schulmuseum Friedrichshafen, Friedrichstraße 14, die So­n­derausstellung „Steckenpferd und Zinnsoldat. Kindheit um 1900“. Öffnungszeiten und Infos unter www.schulmuseum-fn.de.


S. 22 Neue Bücher

Vom Rachen bis zum Anus
Abenteuer Verdauungstrakt

Nach dem Urteil der „Wa-shington Post“ ist Mary Roach aus Kalifornien „die witzigste Wissenschaftsjournalistin Amerikas“. Die Spezialistin für Naturwissenschaften arbeitet für die „New York Times“ und diverse US-amerikanische Magazine. In ihren Sachbüchern hat sie sich bisher vor allem mit den, aus nachvollziehbaren Gründen, nicht besonders oft thematisierten „südlichen“ Zonen des menschlichen Körpers befasst. So auch in ihrem neuen Buch mit dem Titel „Schluck. Auf Entdeckungsreise durch unseren Verdauungstrakt“, wobei die deutsche Ausgabe, Zufall oder nicht, mit der Erscheinung eines weiteren Sachbuchs zum Thema Darm zusammenfällt. In „Charme mit Darm. Alles über ein unterschätztes Organ“ erklärt die Medizinstudentin Giulia Enders unbefangen und gut gelaunt die Funktionsweise dieses hoch komplexen und sensiblen Organs.

Dagegen hat sich Roach, ebenfalls gut aufgelegt, im Hinblick auf den Verdauungsapparat vor allem mit ungewöhnlichen und skurrilen Vorkommnissen und Forschungen beschäftigt, auf deren Bekanntmachung die Welt nicht unbedingt gewartet hat. Dazu hat sie eine Fülle von aktuellen Studien und älteren Berichten gesichtet. Ausgehend von ihren merkwürdigen Einzelfällen zaubert Roach kaleidoskopartige Reportagen, mit denen sie die Leser unweigerlich in ihren Bann zieht. Der Vergleich ihres etwas schrägen Blicks auf den Verdauungstrakt vom Rachen bis zum Anus mit der Reise einer Pillenkamera durch den Darm bei einer medizinischen Untersuchung, den sie in der Einleitung heranzieht, ist allerdings nicht recht stimmig, da ihre „Reise“ keineswegs geradlinig verläuft wie diejenige der Pillenkamera. Bei Roach darf man zugleich angeekelt und, manchmal wider Willen, belustigt sein, das gehört durchaus zu ihrem Konzept. Geschickt spielt sie mit der Neugier und den widersprüchlichen Gefühlen der Leser bei der Konfrontation mit der nicht unproblematischen Materie, hält dabei aber meistens – nicht immer, wie im Klappentext behauptet wird – die Regel ein, dass billige Scherze über tabuisierte Leiden wie heftige Blähungen nicht gesellschaftskonform sind.

Verdauungsprobleme aller Art beim Menschen und gelegentlich bei Tieren werden schwerpunktmäßig behandelt. Die Anekdote von dem Freund einer Bekannten, der ständig rechts ranfuhr, „um den Reifendruck zu prüfen“, ist nur eine von vielen aus dem Kapitel über die Flatulenzforschung. Roach hat dazu den Chemiker Michael Levitt um Auskunft gebeten, der einen Wasserstoffatemtest entwickelt hat, um die schlechte Verarbeitung von Kohlenhydraten im Dünndarm nachzuweisen, welcher sich dann aber überraschenderweise als ein Messgerät für Blähungen erwies. Ein paar alltagstaugliche Tipps dürfen natürlich nicht fehlen. Man erfährt zum Beispiel, wie oft man einen Bissen Essen idealerweise kauen sollte.

Überraschenderweise legen neueste Forschungen die Vermutung nahe, dass eine längere Verweildauer des Verdauungsbreis im Darm wider Erwarten eine gesundheitsfördernde Komponente hat. Das mag ein kleiner Trost für die Vielen sein, die an quälender Darmträgheit leiden. Zu ihnen gehörte der „King of Rock’n Roll“ Elvis Presley. Aus diesem Grund besuchte die Autorin einen alten Freund des verstorbenen Musikers in Memphis/Tennessee, der ihr haarklein alle diesbezüglichen Einzelheiten preisgab, die sie denn auch in ihrem Buch publik gemacht hat.

Eingedenk der Tatsache, dass mehr als zwei Drittel der US-Amerikaner übergewichtig sind, fällt auf, dass in dem Buch von Nahrungsverarbeitung viel, von Gewichtsreduzierung aber so gut wie gar nicht die Rede ist. Diese relevante Problematik wurde wohl nicht zufälligerweise ausgespart. Vermutlich wollte Roach den zahlreichen Lesern mit einem Gewichtsproblem den Spaß an ihrem unterhaltsamen Buch nicht verderben. D. Jestrzemski

Mary Roach: „Schluck. Auf Entdeckungsreise durch unseren Verdauungstrakt“, DVA, München 2014, kartoniert, 378 Seiten, 14,99 Euro


Geleugnete Gefahr
Über den Antifaschimus haben Linksextreme Macht erhalten

Wer sich über den „Kampf gegen Rechts“ und Rechtsextremismus informieren will, der kann aus einer Fülle von Studien, Artikeln und Büchern schöpfen. Will man jedoch mehr über Linksextremismus erfahren, so stößt man auf weit weniger Material. Das scheint wohl auch der Verfassungsschutz so zu sehen, der nun das linksextreme Milieu wissenschaftlich untersucht sehen will. Hier kann er auf eine Publikation der Politikwissenschaftlerin Bettina Blank zurückgreifen. Herausgegeben von den renommierten Extremismusforschern Dr. Uwe Backes und Dr. Eckhard Jesse bietet „,Deutschland, einig Antifa‘? ,Antifaschismus‘ als Agitationsfeld von Linksextremisten“ viel Hintergrundinformationen über die Entstehung, Entwicklung und die Folgen des Linksextremismus in Deutschland.

Blank führt an, dass die Wurzeln des Antifaschismus 1919 zu finden seien, also dem Jahr der Gründung der kommunistischen Weltpartei Komintern. Die heutigen Antifaschisten beriefen sich jedoch vor allem auf den „antifaschistischen Konsens“ der Potsdamer Konferenz 1945. Aber selbst das Grundgesetz würde als Auftrag interpretiert, den Faschismus zu bekämpfen. Moralisch würde sich die Antifa auf den „Schwur von Buchenwald“ beziehen, der jedoch laut Blank keineswegs von normalen Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald getätigt worden sei. Organisiert wurde der Schwur, in dem dem Faschismus der Kampf angesagt wurde, vom 1943 gegründeten „Internationalen Lagerkomitee“, in dem sich Kommunisten verschiedener Länder versammelt hatten. „Der kommunistische Ursprung des Schwurs beinhaltete also das Ziel der Umsetzung der Beschlüsse des VII. Weltkongresses der Komintern 1935“, so Blank. Später wurde der „Schwur von Buchenwald“ zur antifaschistischen Legitimationsgrundlage der DDR, wie die 1956 geborene Autorin darstellt. Aber auch in der Bundesrepublik fand er bei einer Gedenkfeier in Anwesenheit des damaligen Kanzlers Gerhard Schröders Gehör.

„Grundsätzlich sind nach eigenem Verständnis alle Linksextremisten Antifaschisten. Allerdings wird dem antifaschistischen Kampf ein unterschiedler Stellenwert eingeräumt“, führt Blank weiter aus und stellt die verschiedenen Gruppierungen, ihre Methoden und Ziele vor. Vielen sei gemein, dass sie versuchten, mit ihrer Version der Vergangenheit Politik zu machen. Unter dem harmlos klingenden Stichwort „Pflege der Gedächtnis- und Erinnerungskultur“ betreibe vor allem der „Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN-BdA) Geschichtsklitterung. Stück für Stück seien so bestimmte Auffassungen der Antifaschisten inzwischen nicht nur salonfähig, sondern zum anerkannten Dogma geworden.

Auf Methoden wie die Be- und Verhinderung von „Nazi-Treffen“, die „Recherche- und Aufklärungsarbeit“, die häufig nichts anderes sei als Propaganda in eigener Sache und Denunziation Missliebiger, aber auch auf die Bereitschaft zur Gewaltanwendung wird eingegangen. Wer zudem Faschist sei, würden die Linksextremen selbst entscheiden. Ursprünglich galten schlicht Kapitalisten als Faschisten, doch jede Antifa-Gruppe definiert Faschist anders. Ganz fanatische Organisationen erklärten sogar neben der CDU die SPD zum Feind.

Kampagnen wie „Für Nazis keine Wohnung, keine Arbeit, keinen Alltag: Nazis raus!“ sollten den politischen Feind isolieren. Blank geht darauf ein, wie angebliche „Naziläden“ in den Ruin getrieben sowie Heimatvertriebene und Burschenschaften bekämpft werden. Meinungsfreiheit wiederum würde den politischen Feinden nicht gewährt, denn „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“, so einige Antifa-Gruppen.

Blank ist eine beachtliche Fleißarbeit gelungen, die voller Hintergrundinformationen steckt, die sich der Leser aber auch erarbeiten muss, da es sich um eine wissenschaftliche Abhandlung handelt. Am Ende jedoch bietet die Autorin äußerst klare Worte. So warnt sie vor der „Machtergreifung über die Köpfe“ durch die Linksextremisten, die über den gesellschaftlich anerkannten „Kampf gegen Rechts“ ihre Ideologie mit dem Ziel der späteren Systemüberwindung in der Gesellschaft verbreite. „Die anhaltende Schwäche der linksextremistischen Szene darf deshalb nicht mit politischer Wirkungslosigkeit verwechselt werden“, warnt Blank. Über die politische Bildung hätten Linksextremisten längst die Gesellschaft infiziert. Linksextremistische Begriffe seien so längst in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen worden, und eine Überprüfung der „Kämpfer gegen Rechts“ auf einen linksextremistischen Hintergrund sei nicht mehr vermittelbar. Und so ruft Blank für eine wissenschaftliche Abhandlung völlig überraschend dazu auf, wahre Zivilcourage zu zeigen, sich gegen die Avancen des Zeitgeistes zu stellen und demokratisch-politische Werte zu verteidigen.

Rebecca Bellano

Bettina Blank: „,Deutschland, einig Antifa‘? ,Antifaschismus‘ als Agitationsfeld von Linksextremisten“, Nomos, Baden-Baden 2014, broschiert, 408 Seiten, 64 Euro


Die Freiheit gewagt
DDR-Geschichte: Studentenpärchen verbindet Flucht mit Asienrundreise

„Freiheit ist das einzige, was zählt“, hat Marius Müller-Westernhagen 1990 in einem seiner Songs gesungen. In dem Roman „Die verbotene Reise. Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht“ erzählt der Journalist Peter Wensierski die Geschichte von den Ost-Berliner Studenten Jens und Marie, eine Geschichte von Freiheit und Sehnsucht, die tatsächlich geschehen ist.

Zunächst beginnt der Roman sehr beschaulich. Der Autor beschreibt, wie die Studenten Marie und Jens sich in den 80er Jahren in Ost-Berlin kennenlernten. Die beiden abenteuerlustigen jungen Leute hatten bereits alle Länder, die auf Geheißt der DDR-Regierung besuchen durften, bereist. Jens hatte es über ein Schlupfloch im System sogar einmal unbehelligt bis in die Sowjetunion geschafft.

So wie Wensierski das bescheidene Leben der Studenten in den verfallenen Wohnungen am Prenzlauer Berg darstellt, das Gemeinschaftsgefühl der Studenten untereinander und die gemütlichen Treffen, wirken eigentlich alle zufrieden. Ein Leben fern ab von Luxus und Sozialneid, einfach und scheinbar frei und selbstbestimmt. Aber auch nur scheinbar. Denn als der begeisterte Biologe Jens das Seminar des bekannten Professors Trembrock besuchte statt die auf dem Studienplan stehenden Russisch-Vorlesungen, wurde er kurzerhand exmatrikuliert. Die Erfahrung, dass auch sein großes Vorbild vor der Kommission schwieg, statt ihn zu verteidigen, brachte Jens zurück auf den Boden der Tatsachen. „Mit seinen Vorstellungen von einem freieren Studium mochte Trembrock – und vielleicht auch andere – heimlich sympathisieren. Doch hier ging es darum, dass Jens vor der Kommission kriechen sollte.“

Statt sich unterkriegen zu lassen, bastelte er jedoch weiter an seinem geheimen Plan, mit Marie in die Mongolei zu fahren. Kurz entschlossen setzten Jens und Marie alles auf eine Karte und machten sich auf den beschwerlichen Weg. Die in dem Buch eingebundenen Farbfotos zeigen deutlich, was die beiden auf sich nahmen, um der Enge der DDR zu entkommen. Von Ulan Bator aus begannen sie ihre faszinierende Reise durch die Mongolei. Der gewagte Plan, sogar bis nach China zu gelangen, ging auf. In Peking standen sie am Ende nicht nur vor der bundesdeutschen Botschaft, sondern auch vor der bislang schwersten Entscheidung ihres Lebens.

Die Tatsache, dass die Handlung des Romans „Die verbotene Reise“ nicht lediglich eine spannende, sondern auch eine wahre Geschichte ist, nimmt den Leser schnell für das Buch ein. Die Leidenschaft des Autors für die Thematik ist über das gesamte Buch hinweg spürbar. Wensierski begann seine Arbeit als Journalist 1979 mit Reportagen und Berichten aus der DDR. Er schrieb für den „Spiegel“ und berichtete über die aufkommende Oppositionsbewegung.

Die abenteuerliche Flucht von Jens und Marie war nicht nur wahnwitzig gefährlich, sondern zeugt auch von einem unglaublichen Mut und einem großen Vertrauen in einen positiven Ausgang, ein Grundvertrauen, an dem man sich nur zu gern ein Beispiel nähme. Vanessa Ney

Peter Wensierski: „Die verbotene Reise. Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht“, DVA, München 2014, geb., 256 Seiten, 19,99 Euro


Weltgeschichte aus asiatischer Perspektive
Indischstämmiger Autor überschüttet den Westen mit kompromissloser Kritik

Die Weltgeschichte nicht aus europäischer, sondern aus asiatischer Perspektive zu sehen, ist Anliegen des Buches „Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens“. Der 1969 in Indien geborene Autor Pankaj Mishra lebt seit Langem in London und schreibt für mehrere britische und US-amerikanische Blätter. Dem westlichen Leser hält er bittere Wahrheiten vor.

Vom Osmanischen Reich über Indien und China bis nach Japan führte die europäische Herrschaft – die Briten in Indien und Burma, Frankreich in Indochina, die Niederlande im heutigen Indonesien, Russen und Briten im ständigen Streit über Persien und Afghanistan – zu Unabhängigkeitsbewegungen, die anfangs relativ moderat waren, sich aber fast zwangsläufig schnell radikalisierten. Mishra macht diese meist von Intellektuellen getragenen Bewegungen an drei herausragenden und noch heute in Asien verehrten Personen deutlich, die beispielhaft für die große Zahl von nach Unabhängigkeit vom Westen strebenden Geistern stehen: Für den arabischen Raum nennt er den muslimischen Gelehrten Jamal al-Din al-Afghani (1838/39–1897), der mal für einen alles umfassenden Panislamismus, dann wieder für einen regionalen Nationalismus eintrat; zweitens den chinesischen Gelehrten Liang Qichao (1873–1929), der sein Land nach den tiefen Demütigungen im 19. Jahrhundert (Opiumkrieg, Boxeraufstand) radikal modernisieren wollte, voller Hoffnung, aber dann tief enttäuscht 1919 an der Pariser Friedenskonferenz teilnahm, wo er sein Land von den Siegermächten um alle Versprechungen (Wilsons Selbstbestimmungsrecht der Völker) geprellt sah; schließlich den indischen Dichter Rabindranath Tagore (1861–1941), der spätestens nach der Anerkennung des Literaturnobelpreises 1913 mit seiner tiefgreifenden Zivilisationskritik auch im Westen zum Idol wurde.

Gegenüber der oft kompromisslos harten Kritik ließen sich aus europäischer Sicht leicht viele Gegenargumente aufzählen, etwa der medizinische Fortschritt, der Aufbau von Schulen und Universitäten, die Verkehrserschließung gewaltiger Räume, die rasante Verbesserung der Kommunikation. Aber damit ginge man am Kern dieses Buches vorbei. Wichtig wäre es, sich ganz deutlich zu machen, dass die meisten Länder Asiens, obwohl heute voll in die Globalisierung eingebunden, andere gesellschaftliche und geistige Prioritäten setzen als der Westen, und dass Vorbehalte ihm gegenüber einfach die internationale Politik mitbestimmen, sei es der irrationale Hass vieler Muslime, sei es die leichte, aber doch unübersehbare Distanz in Indien und China, ja auch in Japan. Es muss kein „Kampf der Kulturen“ à la Samuel Huntington ausbrechen, wenn Toleranz, Wissen um die Mentalität des anderen und echte Partnerschaft das internationale Geschehen bestimmen. Dirk Klose

Pankaj Mishra: „Aus den Ruinen des Empires. Die Revolte gegen den Westen und der Wiederaufstieg Asiens“, S. Fischer, Frankfurt/M. 2014, geb., 442 Seiten, 26,99 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Zum Weglaufen / Wann die Rasse eines Täters genannt werden darf, wie wir Integration gekonnt vereiteln, und wie Erdogan unser »Freund« wurde

Die Erschießung eines 18-Jährigen durch einen Polizisten hat das US-Städtchen Ferguson bei St. Louis in bürgerkriegsähnliche Zustände gestürzt und erschüttert die gesamten Vereinigten Staaten. Wie es zu den Schüssen kam, wissen wir noch nicht. Kein Wunder: Die Ermittlungen laufen ja gerade erst an.

Verwunderlich ist, was wir – auch aus den deutschen Medien – sofort erfahren haben. Nämlich, dass der Erschossene ein Schwarzer war und der Schütze weiß ist. Das erstaunt: Ansonsten winden sich unsere Blätter mit allen Mitteln um die Nennung irgendwelcher rassischen, ethnischen oder ähnlichen Eigenschaften im Zusammenhang mit mutmaßlichen Straftaten. Es sollten schließlich keine „Vorurteile bedient“ oder gar „geschürt“ werden, heißt es zur Begründung. Daher steht wohl auch fest, was man geschrieben hätte, wenn der Schütze schwarz und der Erschossene weiß gewesen wäre. „Polizist erschießt Jugendlichen“, was sonst.

Vorurteile behindern bekanntlich die Integration von Zuwanderern und deren Kindern und Enkeln. Um deren Integration ringt die Politik seit Jahrzehnten und wundert sich immer aufs Neue, warum das Projekt so schlecht gelingt. Dabei kommen wir ihnen doch entgegen, wo es nur geht: Sprachsensible Experten haben sogar das „Kiezdeutsch“ der Jungtürken aus den Brennpunktvierteln zur „Bereicherung unserer Kultur“ erhoben. Nun staunen Bildungsexperten, dass die jungen Zuwanderer immer schlechter Deutsch sprechen. Dass dazu auch beigetragen haben könnte, dass sprachsensible Experten bildungsabstinentes Gebrabbel zur „Kultur“ geadelt haben, darauf kommen wir der Politischen Korrektheit zuliebe natürlich nicht. Doch warum sollte man denn richtiges Deutsch lernen, wenn „Äy Digger, isch geh Disco“ auch Sprachkultur ist?

Es kommt noch interessanter. Neuköllns deutschlandweit bekannter Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky schlägt Alarm. Die jungen Zuwanderer interessierten sich nicht nur nicht für richtiges Deutsch, ihnen sei auch das Land, in dem sie leben, völlig wurscht. Sie interessierten sich weder für die Kultur noch für die Geschichte Deutschlands.

Einen Grund dafür – womöglich den Hauptgrund – nennt er selbst. Putzigerweise, ohne es zu bemerken. Wenn sich vor allem muslimische Jugendliche nicht für deutsche Geschichte interessierten, dann stehe, jammert Buschkowsky, „ein Lehrer doch auf verlorenem Posten, wenn er von den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis erzählt“.

Die Äußerung lässt tief blicken. Auch andere Länder bemühen sich um die Integration ausländischer Neubürger. Und auch sie benutzen dafür den Geschichtsunterricht. Um die Ankömmlinge für die neue Heimat zu begeistern, berichten sie ihnen von den Großtaten der Vorväter, von Helden, vergangenem Glanz und kulturellen Errungenschaften. Manchmal werden auch weniger helle Punkte der eigenen Historie erwähnt, im Vordergrund aber steht immer das Strahlende. Schließlich ist der Zweck der Übung, dass sich die Einwanderer geradezu danach drängen, Teil ihres neuen Landes zu werden.

Über Deutschland könnten wir denen zum Beispiel erzählen, dass kein Volk der Welt so viel zur klassischen Musik beigetragen hat wie die Deutschen. Oder wie sich unsere Vorfahren über 2000 Jahre hinweg erfolgreich gegen meist massiv überlegene Aggressoren gewehrt haben: Römer, Hunnen, Ungarn, Wikinger, Tataren, Dänen, Türken, Franzosen oder (etwa im 30-jährigen Krieg) auch gleich halb Europa. Dass wir trotzdem immer wieder aufgestanden sind und heute sogar als die Nummer eins in Europa gelten. Und dass Deutschland erst in der allerjüngsten Vergangenheit selbst Aggressor geworden ist. Dass es dies aber – im Gegensatz zu den allermeisten Aggressoren der Welt! – ernsthaft bereut.

Auch könnten wir den sagenhaften Beitrag der Deutschen zum technischen Fortschritt und zur Wissenschaft vor den Zuwanderern ausbreiten. Oder, dass man uns Pioniere des Umweltschutzes nennt und die bedeutendste Philosophen-Nation seit den alten Griechen und Römern. Dass unser Wappentier direkt auf den römischen Adler zurückgeht, wir also buchstäblich die Siegelbewahrer des antiken Abendlandes sind.

Ja, wir hätten den Neulingen einiges zu erzählen, und wir dürften zuversichtlich sein, dass sich viele unter ihnen unwiderstehlich angezogen fühlten. Davon sagen wir ihnen aber nichts. Stattdessen: Vernichtungslager, deutsche Verbrechen, deutsche Schuld. Eine Story zum Weglaufen. Dass die jungen Immigrantenkinder keinerlei Neigung verspüren, uns in diesen rabenschwarzen Abgrund hinterher zu springen, darf eigentlich nicht wundern. Da blicken sie lieber (je nach Charakter spöttisch oder mitleidig) auf uns hinab und sind froh, dass wir da unten allein bleiben. Doch selbst ein so alltagserfahrener Mann wie Buschkowsky scheint diesen simplen Zusammenhang nicht erkennen zu wollen.

Vielleicht sollten wir generell darüber nachdenken, ob unsere Rezepte zur Völkerverständigkeit stimmen. Die tägliche Selbstbezichtigung, mit der wir auch unsere Zuwanderer anöden, sollte uns Deutsche ja eigentlich sympathischer erscheinen lassen. Offenbar tritt das Gegenteil ein.

Auch hatten wir gedacht, je näher wir die Völker zueinander bringen oder sogar durchmischen, desto mehr werden sie einander lieben lernen. Die Wirklichkeit: Vor 50 Jahren war das Deutschlandbild der Türken makellos, die Deutschen verloren ihrerseits über „die Türken vor Wien“ schon seit Generationen kein Wort mehr und rühmten stattdessen viel lieber die Waffenbrüderschaft im Ersten Weltkrieg.

Nach drei Generationen „Näherbringen“ ist das Verhältnis derart am Hund wie tatsächlich seit der Belagerung Wiens nicht mehr. In der Euro-Zone erleben wir, ganz ohne Massenzuwanderung, etwas Ähnliches. Je mehr sie miteinander verwoben werden, desto gereizter reagieren die einst harmonischen Völker auf einander.

Daher ist die Sache mit dem BND wohl auch nur noch ein Tropfen im Ozean der gezüchteten Zwietracht. „Freunde belauscht“, entrüsten sich Medien. Freunde? „Freund“ Erdogan lässt seit Jahren keine Gelegenheit aus, uns eins überzuziehen. Assimilation nannte er (bei einer Rede in Deutschland!) Völkermord, predigt also eine Art Rassentrennung, auf dass sich seine edlen Türken ja nicht mit dem germanischen Pöbel gemein machen mögen. Deutsche Soldaten, die zum Schutz der Türkei vor einem Übergriff der syrischen Turbulenzen nach Anatolien entsandt worden waren, wurden dort massiv bedrängt. Wie hieß es doch gleich: Gott schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden schütz’ ich mich selbst!

Wie man sich Freunde macht, scheint umstrittener denn je. Wir dachten ja immer, unsere großzügigen Zuwendungen für Asylbewerber würden uns als leuchtender Ausdruck unserer Humanität gutgeschrieben. Nicht mal das klappt.

Nicht nur, dass manche Asylbewerber mittlerweile einen Sport daraus gemacht haben, uns mit immer neuen Beschwerden und Forderungen zu piesacken. Jetzt kriegen wir auch noch aus einem Herkunftsland was zwischen die Hörner. Serbiens Ministerpräsident schimpft, die 500 bis 600 Euro monatlich, die Asylbewerber bei uns bekämen, seien viel mehr als der Mindestlohn in Serbien. „Das ist ein großer finanzieller Anreiz. Sie kommen nicht, um Asyl zu erhalten, sondern um Geld zu nehmen“, wird er zitiert.

Schwadroniert da etwa einer von „Sozialtourismus“? So etwas wollen wir nicht hören. Er wird auch nichts erreichen. Wir werden weiter zahlen und uns dafür beschimpfen lassen. Wir werden weiter unsere Geschichte schwarz in schwarz malen und uns wundern, dass keiner zu uns stoßen will. Warum? Vermutlich, weil wir gar nicht mehr wissen, dass es auch anders geht.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Mysteriöse Abbuchungen

Kuala Lumpur – Zusammen mehr als 25000 Euro sind von vier Konten von Passagieren des am 8. März verschwundenen malaysischen Fliegers mit der Flugnummer MH-370 abgebucht worden. Dies meldet die britische Zeitung „Mirror“. Eine Bank in Kuala Lumpur habe die Buchungen am 18. Juli registriert. Die Meldung beflügelt Gerüchte, die Maschine sei nicht, wie offiziell vermutet, über dem Indischen Ozean abgestürzt, sondern sie sei entführt worden. H.H.

 

Besetzer werden wieder mehr

Berlin – In die besetzte Kreuzberger Gerhart-Hauptmann-Schule dringen nach der „erfolgreichen“ Teilräumung wieder vermehrt Asylbewerber ein. Die Zahl der bislang 40 verbliebenen Besetzer hat sich in etwa verdoppelt, so die Berliner Polizei. Grund seien lasche Zugangskontrollen. Bezirksamtssprecher Sascha Langenbach ist laut „B.Z.“ von den Asylbewerbern enttäuscht: „Das war nicht abgemacht.“ H.H.

 

Prophet im eigenen Land

Manche der vielen Nachrufe sind ganzseitig, und alle sind voll des Lobes bezüglich der Lebensleistung des dieser Tage im Alter von 90 Jahren verstorbenen Journalisten Peter Scholl-Latour. Überall wird die Bedeutung des 1924 in Bochum geborenen Sohnes eines Franzosen und einer jüdischen Elsässerin, der unter den Nationalsozialisten daher als „Mischling ersten Grades“ galt, geschrieben. Im Grunde ist keiner seiner Kollegen international derart vernetzt, kann auf eine so lange Berufserfahrung zurückblicken und hat so viele Krisenherde der Welt selbst bereist, wie eben Scholl-Latour, dessen Expertenmeinung immer gefragt war.

Doch halt, wirklich immer? In einigen Nachrufen klingt es in Nebensätzen an, doch kaum einer sagt deutlich, dass es Zeiten gab, in denen der Verstorbene nur in kleinen Publikationen der Gegenöffentlichkeit gern gesehen war. Zwar war Scholl-Latour ein stets in TV-Runden hinzugezogener Experte, doch zeitweise sprach man ihm die Rolle des Ewiggestrigen zu. Ein Mann, der nicht davon lassen wollte, die Menschen in Ethnien und Religionen einzuteilen. Vor allem seine bereits in den 80er Jahren geäußerte Warnung vor dem Islam, dem er großes Konfliktpotenzial beimaß, passte nicht in den damals aufkommenden Zeitgeist.

Dumm nur, dass die meisten seiner Einschätzungen zutrafen. Bereits der 11. September 2001 gab dem frankophilen Weltreisenden recht, doch noch immer war die Mehrheit der Meinungsmacher nicht gewillt, sich seinen Vorhersagen anzuschließen. Erst als der Arabische Frühling nicht die Demokratie, dafür das von Scholl-Latour prognostizierte Chaos in die Region brachte, drehte sich der Wind, so dass der Experte in seinen letzten Lebensjahren die verdiente Anerkennung erhielt. Bel


MEINUNGEN

Reinhard Müller deckt in der „FAZ“ (12. August) auf, was mit der ungehemmten Vergabe der deutschen Staatsbürgerschaft auch an „Sozialtouristen“ wirklich erreicht wird:

„Dass viele Übeltäter nicht nur EU-Bürger, sondern mittlerweile auch Deutsche sind, fällt auf die Volksparteien zurück, die ihr Volk vergessen haben. Die Verschleuderung der deutschen Staatsangehörigkeit soll die Integration befördern, doch sie zerreißt das Land ... Wer alles für alle offenhält, ist nicht ganz dicht.“

 

 

Alexander Kissler kann es nicht ertragen, mit welcher Gleichgültigkeit wir den Untergang der orientalischen Christen begleiten. Im „Cicero“ (12. August) klagt er:

„Christenfrei droht schon in kürzester Zeit der Irak zu werden – und das heißt: frei von seinen Ureinwohnern, die dort seit 2000 Jahren als Nachfahren der antiken Assyrer, Babylonier, Chaldäer leben. Lebten. Kümmert es uns? In Berlin demonstrierten am vergangenen Wochenende 6000 Menschen für die Legalisierung des Hanfes. Gegen den ,Islamischen Staat‘ demonstrierte eine fünfmal kleinere Gruppe, für die Menschenrechte der verfolgten Christen niemand.“

 

 

Michael Klonovsky warnt in seinem Internetportal davor, wir könnten selbst das Opfer unserer Manie zur Selbstbezichtigung zu werden:

„Mit seiner Rassismus- und Diskriminierungs-Selbstbezichtigung hat sich der Westen in Gott weiß wie nobler Absicht eine Schlinge um den Hals gelegt. Dass es auch um ihren eigenen Hals geht, werden diejenigen, die sie täglich enger ziehen, womöglich erst merken, wenn es zu spät ist …“

 

 

Auch Alexander Görlach, Chefredakteur von „The European“, treibt unsere Gleichgültig gegenüber verfolgten Christen um. Am 10. August verbindet er seine Kritik mit einer düsteren Prophezeiung:

„Wir verteidigen weiter und unbeeindruckt unseren Besitzstand, die anderen sind uns egal. Die Apathie, mit der wir den Nachrichten der Christenverfolgung in der arabischen Welt begegnen, ist ein unzweideutiger Beleg dafür, dass wir selbst als Nächste untergehen: der Westen mit all seiner schalen Selbstgerechtigkeit.“

 

 

Juli Zeh wundert sich im „Spiegel“ vom 11. August über die Reaktion auf das Foltereingeständnis von US-Präsident Barack Obama:

„Keiner der Verantwortlichen wurde bis heute zur Rechenschaft gezogen. Keine Rücktritte, keine öffentliche Entschuldigung, schon gar kein strafrechtliches Verfahren. 35 Jahre Gefängnis bekam hingegen die ehemalige US-Soldatin Chelsea Manning, deren Enthüllungen auf der Plattform wikiLeaks dazu beitrugen, Folterskandale im Rahmen des Antiterrorkampfes an die Öffentlichkeit zu bringen. So sieht sie aus, die westliche Demokratie im Jahr 2014: Der Satz ,Wir haben ein paar Leute gefoltert‘ löst keinen Aufschrei aus, sondern verhaltenen Applaus. Wir freuen uns darüber, dass es wenigstens einer zugibt.“