© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 35/14 vom 30.08.2014

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Sprengsatz für den Euro
Frankreichs Probleme können auch für Deutschland folgenschwer werden

Die politische Krise in Frankreich erreicht einen neuen Höhepunkt. Das Problem: In der Zange des Euro-Systems kann das Land seine Probleme nicht lösen.

Die politische Krise bei Deutschlands wichtigstem Nachbarn spitzt sich immer dramatischer zu. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate musste Präsident François Hollande seine Regierung umbilden. Kaum jemand aber glaubt noch, dass er und seine Sozialisten einen Ausweg finden aus der völlig verfahrenen Lage.

Die Probleme greifen von allen Seiten gleichzeitig an: Die Industrie siecht dahin, einige positive Ausnahmen wie die zuletzt wieder günstigeren Signale von den großen Autobauern können den Gesamteindruck kaum aufhellen. Die Staatsverschuldung schnellt weiter empor und erreicht bald 100 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung. Die Arbeitslosigkeit (vor allem unter jungen Leuten) verharrt auf hohem Niveau, die Konjunktur stagniert und bei den Lohnstückkosten oder der Außenhandelsbilanz verschlechtert sich die Situation gegenüber dem Haupthandelspartner Deutschland kontinuierlich.

Gehemmt vom linken Parteiflügel war es Premier Manuel Valls, einem Pragmatiker, nicht gelungen, endlich Strukturreformen durchzupauken, die Frankreich aus seiner Lähmung reißen könnten. Nun hoffen Beobachter, dass er diese Freiheit in einem neuen Kabinett bekommt.

Es wird ein harter Ritt. Nicht bloß die Linken wehren sich massiv gegen Reformen. Auch Marine Le Pen und der mächtig gewordene Front National verfolgen eine ziemlich sozialistische Sozial- und Wirtschaftspolitik und stemmen sich gegen schmerzhafte Anpassungen. Die bürgerliche UMP scheint derweil völlig abgetaucht zu sein.

Die Masse der Franzosen versteht nicht, warum plötzlich nicht mehr funktionieren soll, was immer gutgegangen war. Warum ihre Art des Wirtschaftens und der üppigen Sozialpolitik falsch sein soll.

Die Antwort ist einfach: Seit Einführung des Euro ist ihnen die Möglichkeit genommen, per Abwertung des Franc ihre Wettbewerbsfähigkeit zu reparieren, welche durch großzügige Sozialleistungen, hohe Lohnabschlüsse, staatlichen Dirigismus und andere, für Frankreich typische Maßnahmen beschädigt worden war. Zuletzt hegte Paris die Hoffnung, das gute Leben weiterfinanzieren zu können durch gigantische Schulden, welche man per Euro-System auf Deutschland abwälzen könne.

In erheblichem Umfang wird das auch passieren. Doch es reicht nicht, um Frankreich zu retten. Daher entwickelt sich der Nachbar zum Sprengsatz für den Euro, denn die Gemeinschaftswährung ist dabei, Frankreich zu ersticken. Kommt es zum Knall, werden für Deutschland die gewaltigen Kosten des Währungsexperiments offenbar, die sich bislang in „Rettungsschirmen“ und der EZB-Bilanz versteckt auftürmen. Soll heißen: Was sich an der Seine zusammenbraut, wird auch über der Spree niedergehen. Hans Heckel


Russland spaltet AfD
EU-Antrag sorgt in der Partei für Streit – Gauland kritisiert Lucke

Bei der AfD hat man sich entschieden, den ersten relevanten Streit in der Partei – er dreht sich um die um die Russlandpolitik – bis auf Weiteres ruhen zu lassen. Damit soll direkt vor den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen offenbar eine Debatte eingehegt werden, die nur Gräben aufreißt, ohne dass in den nächsten Wochen akuter Handlungsbedarf bestünde.

Brandenburgs AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland war heftig erzürnt darüber, dass Parteichef Bernd Lucke, dessen Vize Hans-Olaf Henkel, Joachim Starbatty und Bernd Kölmel im EU-Parlament für einen Antrag gestimmt hatten, der Sanktionen gegen Russland zum Thema hatte. Da die AfD auf ihrem Parteitag im April Sanktionen im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise abgelehnt hatte, betrachtet Gauland das Abstimmungsverhalten der vier von sieben AfD-Abgeordneten im EU-Parlament als illoyal.

Lucke und Henkel verteidigten sich mit dem Hinweis, dass der Parteitagsbeschluss nicht bindend gewesen sei und in dieser Sache kein Fraktionszwang geherrscht habe. Auch erklärten sie, dass sie in diesem Fall gute Gründe für eine Zustimmung gesehen hätten.

Indes: Während man in der AfD den „Dissens“, so Gaulands Wortwahl, nicht mehr öffentlich austrägt, flammt er überraschend an anderer Stelle auf. Dieter Stein, Chefredakteur der „Jungen Freiheit“, hat den Chefredakteur des „Compact“-Magazins, Jürgen Elsässer, als einen „Hauptverstärker“ bei dem „idiotischen Dauergebrüll“ in der AfD bezeichnet und etikettierte ihn gar als „linksradikales Irrlicht“. Elsässer verwahrte sich gegen die Vorwürfe und lud Stein zum persönlichen Gespräch ein. Damit hat der parteiinterne Schlagabtauch nun auch AfD-freundliche Medien mit voller Wucht erreicht. Bel


Ende der Agonie
Berlins Regierender Bürgermeister kündigt Rücktritt an

Klaus Wowereit (SPD) wird am 11. Dezember von seinem Amt als Regierender Bürgermeister Berlins zurücktreten. Hintergrund für diese Entscheidung vom vergangenen Dienstag seien unter anderem die andauernden Spekulationen über seine Amtszeit. Spekulationen darüber, wann der dienstälteste Regierungschef der Republik das Feld räumen würde, waren in der Tat mehr als berechtigt, befindet sich seine Beliebtheit bei den Berlinern nach zahlreichen politischen Fehlschlägen doch auf dem Tiefpunkt. Lustlosigkeit und Amtsmüdigkeit standen ihm schon lange ins Gesicht geschrieben.

Einst jüngster Stadtrat Berlins, regiert Wowereit die Stadt seit 2001. Die Bilanz dieser Zeit ist verheerend, hat Wowereit die Stadt doch in allen Bereichen an die Wand gefahren. Berlin ist finanziell vollkommen am Ende, die Innere Sicherheit lahmt gefährlich und von einer Wohnungsbauoffensive kann keine Rede sein. Im einst aufstrebenden Berlin herrscht politische Agonie. Selbst Projekte wie die Bebauung des Tempelhofer Feldes und der Flughafen BER, die Wowereit zu den wichtigsten seiner Amtszeit erklärt hatte, scheiterten kläglich.

Kein Wunder, dass sich Wowereits Umfragewerte seit Langem im freien Fall befinden. Eine erste Quittung erhielt er bei den Abgeordnetenhauswahlen 2011, als er sein Mandat im Stadtparlament verlor. Bei der jüngsten Erhebung von infratest dimap im Mai zeigten sich 71 Prozent der Befragten unzufrieden mit ihrem Bürgermeister. Es gibt sogar eine erfolgversprechende Initiative, Wowereit per Volksentscheid aus dem Amt zu jagen. Diese Blamage, die sonst nur Amtsträgern in der Provinz widerfährt, bleibt Wowereit nun erspart. Seine Nachfolger werden noch viele Jahre damit beschäftigt sein, die Trümmer, die Wowereit hinterlässt, wegzuräumen.

Jan Heitmann


Jan Heitmann:
Streitfall IS

Die Entscheidung über Waffenlieferungen an die Gegner der islamistischen Terror- organisation IS ist keine Petitesse, denn es geht dabei um nicht weniger als einen Paradigmenwechsel in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Erstmals würden deutsche Waffen nicht nur in ein Krisengebiet, sondern sogar an nichtstaatliche Akteure geliefert werden. Zudem kann niemand garantieren, dass sie nicht von vornherein in falsche Hände geraten, von separatistischen Kurden gegen den Nato-Partner Türkei oder bei einem Scheitern der Operation gegen den IS von diesem selbst eingesetzt würden. Damit ist auch die Frage beantwortet, ob der Bundestag über die Waffenlieferungen abstimmen muss: Selbstverständlich muss er das! Die Entscheidung ist zu grundsätzlich und zu risikobehaftet, als dass sie ohne parlamentarische Debatte allein der Bundesregierung überlassen werden darf.

Der Dschihadismus ist derzeit die größte Bedrohung der westlichen Wertegemeinschaft. Daher ist es unbegreiflich, dass dessen Hassprediger auf deutschen Plätzen ungehindert ihr Propagandagift verspritzen dürfen. Wie gefährlich das ist, zeigt die Tatsache, dass hunderte in Westeuropa rekrutierte Dschihadisten in den Reihen des IS kämpfen – und eines Tages noch mehr fanatisiert hierher zurückkehren werden. In Österreich hat man die Gefahr erkannt. Hier gibt es parteiübergreifend Pläne, radikale islamische Gruppen und sogar das öffentliche Zeigen von deren Symbolen „so rasch wie möglich“ zu verbieten. Wer den IS im fernen Morgenland mit militärischen Mitteln bekämpfen will, darf dessen gefährliche Unterstützer im eigenen Land nicht gewähren lassen.


S. 2 Aktuell

Voller Stolz und Trauer gleichermaßen
Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen blickt auf vier Jahrzehnte Arbeit und 800 Jahre Kulturgeschichte zurück

Vor 40 Jahren wurde die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen auf Initiative von Herbert Czaja, dem damaligen Präsidenten des Bundes der Vertriebenen, und Karl Mocker, damals Staatssekretär im Innenministerium des Landes Baden-Württemberg, ins Leben gerufen. Die PAZ sprach mit dem jetzigen Vorsitzenden der Kulturstiftung Hans-Günther Parplies über deren Leistungen sowie die künftige Pflege und Weiterentwicklung des Kulturerbes Ostdeutschlands.

PAZ: Die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen besteht in diesem Sommer seit 40 Jahren. Sie begehen dieses Ereignis am 17. September in Bonn mit einem Jubiläumsakt. Was wollen Sie damit aussagen?

Hans-Günther Parplies: Wir haben den Ausdruck „Festakt“ vermieden. Denn die Existenz von Vertriebeneneinrichtungen in unserem Lande geht schließlich auf die Tragödie der Vertreibung von 15 Millionen Ostdeutschen aus ihrer seit Jahrhunderten angestammten Heimat am Ende des Zweiten Weltkrieges zurück. Hinzu kommt, dass die ungesicherte Zukunft zahlreicher ostdeutscher Kultureinrichtungen, so auch unserer Stiftung, nicht gerade Anlass zum Feiern gibt, auch wenn wir mit Genugtuung, ja vielleicht auch berechtigtem Stolz auf das Geleistete zurückblicken dürfen.

PAZ: Warum ist die weitere Existenz und das Wirken ostdeutscher Kultureinrichtungen, speziell der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, wichtig?

Parplies: Bei der ostdeutschen Kulturtradition geht es um die Identität der Gesamtnation; nur ist ihre Pflege und Weiterentwick-lung fern der Entstehungsräume ungleich schwieriger als in der Mitte und hier im Westen, wo die regionale Erinnerungskultur selbstverständlicher Inhalt des alltäglichen Lebens ist.

PAZ: Die Stiftung pflegt die Zusammenarbeit und den Austausch mit Wissenschaftlern und Institutionen in Osteuropa?

Parplies: Ja, auf dem Gebiet der Kunstgeschichte zum Beispiel hat die Stiftung im zurückliegenden Jahrzehnt gemeinsam mit Kunst-historikern aus Polen, den baltischen Ländern, Finnland und Skandinavien eine ganze Veranstaltungsreihe mit mehreren Fachtagungen zur Backsteinarchitektur im Ostseeraum durchgeführt. Die Ergebnisse aus diesen international besetzten Symposien wurden in bisher fünf Bänden einer Publikationsreihe vorgelegt, die gerade in den osteuropäischen Ländern auf großes Interesse gestoßen ist und die fortgeführt wird. Gegenwärtig bereiten wir eine Ausstellung mit neuesten Forschungsergebnissen zum Thema vor, die im kommenden Frühjahr in Stralsund eröffnet werden wird. Sie ist zweisprachig in Deutsch und Polnisch angelegt und wird danach weiter in Kulturzentren in der Bundesrepublik und in Polen wandern.

PAZ: Schwieriger als in der Kunstgeschichte dürfte die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Osteuropa auf anderen Gebieten, wie etwa im Staats- und Völkerrecht, sein.

Parplies: Ganz im Gegenteil. Gewiss sind die Positionen im Einzelnen, auch in grundlegenden Fragen oft recht unterschiedlich. Aber das bedeutet ja nicht, dass man unterschiedliche Standpunkte nicht gemeinsam diskutieren und überprüfen kann und muss. Gerade bei den staats- und völkerrechtlichen Fachtagungen wird sehr darauf geachtet, dass die Themen paritätisch mit deutschen Referenten und Wissenschaftlern aus Osteuropa besetzt sind.

PAZ: Die völkerrechtlichen Fachtagungen genießen unter Kennern einen besonderen Ruf, weil sie von einer Gruppe ausgewiesener Fachgelehrter ständig betreut werden.

Parplies: … nämlich von den Professoren der Studiengruppe für Politik und Völkerrecht. Wir sind sehr froh und dankbar für diese Verbindung, die seit 1975, also praktisch seit der Gründung der Stiftung besteht. Es handelt sich um eine lockere Gemeinschaft von Universitätsprofessoren, die seit Jahrzehnten zu Fragen der Deutschlandpolitik, des Selbstbestimmungs- und des Heimatrechtes, des Minderheitenschutzes und zum Kulturgüterschutz und zu Möglichkeiten der Wiedergutmachung forscht und arbeitet und die sich selbst immer wieder aus dem akademischen Nachwuchs ergänzt.

PAZ: Die blauen Bände der Studiengruppe stehen in allen wissenschaftlichen Bibliotheken und in den Bücherschränken vieler Politiker und Experten.

Parplies: Im Laufe der Jahre sind aus der Arbeit der Studiengruppe rund 70 wissenschaftliche Werke hervorgegangen; in der Reihe der Monografien „Forschungsergebnisse der Studiengruppe für Politik und Völkerrecht“ sind bisher 32 Bände erschienen; in der Reihe der Tagungsberichte „Staats- und völkerrechtliche Abhandlungen der Studiengruppe (für Politik und Völkerrecht)“ befindet sich Band 29 soeben im Druck. Dazu gibt es eine ganze Anzahl von Dissertationen, die durch die Arbeit der Studiengruppe angestoßen wurden.

PAZ: Und die Arbeit geht weiter?

Parplies: Die Arbeit geht weiter: Für den Herbst ist eine Fachtagung in der Vorbereitung, zu der erneut mehr Referenten aus den osteuropäischen Ländern als deutsche Vortragende erwartet werden. Die Thematik „Territoriale Souveränität und Gebietshoheit“ ist angesichts der gegenwärtigen internationalen Krisen in der Ostukraine, in Palästina und im Irak von einer Aktualität, die wir bei der langfristigen Planung gar nicht voraussehen konnten. Es zeigt aber wieder einmal, wie nahe die Studiengruppe für Politik und Völkerrecht mit ihren Forschungen und Betrachtungen am jeweiligen politischen Zeitgeschehen ist.

PAZ: Mit den völkerrechtlichen Tagungen und Fachpublikationen sind Sie voll am Puls der Zeit.

Parplies: So ist es, und darum bemühen wir uns in unseren anderen Fachbereichen ebenso. Und so soll es auch bleiben.


Stützt die Türkei den IS?
Kurden unterstellen Ankara ein Paktieren mit der Terrormiliz

In letzter Zeit ist viel von einer vorsichtige Annäherung zwischen den Kurden und der türkischen Regierung die Rede, wobei die meisten Kommentatoren dieses „Tauwetter“ damit erklären, dass es jetzt mit dem Islamischen Staat (IS) einen gemeinsamen Feind gebe, den die Kurden im beiderseitigen Interesse bekämpften. Doch ist Ankara tatsächlich Gegner der Terrormiliz?

Immerhin deuten verschiedene Indizien eher auf das Gegenteil hin. So konnte der IS unbehelligt Kämpfer in der Türkei rekrutieren – laut den „Hürriyet Daily News“ bisher um die 1000 – und das Land als Transitregion nutzen. Letzteres wird zwar nun neuerdings ab und an unterbunden, aber nicht von den türkischen Sicherheitskräften, sondern durch Angehörige der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die damit quasi Polizeiaufgaben übernommen haben.

Des Weiteren äußerte ein hochrangiger Kommandeur der Kalifatstruppen namens Abu Yusaf erst kürzlich in einem Interview mit der „Washington Post“: „Wir haben der Türkei viel zu verdanken“, darunter „Equipment und Nachschub“. Und mit dieser Behauptung steht er auch keineswegs alleine da, denn der Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei CHP, Kemal Kiliçdaroglu, sowie der kurdische Bürgermeister der Grenzstadt Mardin, Ahmet Türk, sehen das ganz genauso und verlangen Aufklärung von Ankara, das aber bisher nur mit Schweigen reagiert hat. Gleichfalls unbeantwortet blieb die offizielle Anfrage des CHP-Parlamentsabgeordneten Sezgin Tanrikulu an Innenminister Efkan Ala vom 30. Juli, was es denn mit dem Video auf sich habe, das zeigen solle, wie die „türkische Brigade des IS“ mitten in Istanbul Ramadan-Feiern abhalte. Deshalb stellte Tanrikulu nun fest: Solange die Regierung alle Erkundigungen bezüglich einer eventuellen Unterstützung der Terrormiliz durch türkische Institutionen ignoriere, „muss die Bevölkerung den Eindruck gewinnen, dass, wo Rauch sei, auch Feuer sei“.

Ebenso hat sich Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bislang noch nicht dazu aufraffen können, den Islamischen Staat explizit als terroristische Vereinigung zu bezeichnen. Stattdessen sprach sein Außenminister Ahmed Davutoglu (siehe S. 24) hinsichtlich des IS von einem „Gebilde“, das „den Anschein eines radikalen, terroristischen Gebildes haben“ könne.

Und dann wäre da noch die strikte Weigerung Ankaras, sich an den Luftschlägen gegen IS-Stellungen zu beteiligen. Diese Haltung begründete Verteidigungsminister Ismet Yilmaz damit, dass sich seit der Erstürmung des türkischen Generalkonsulates in Mossul am 11. Juni dieses Jahres 49 eigene Staatsbürger in der Hand von Kalif Ibrahim befinden, darunter auch Kinder und der Generalkonsul selbst. Andererseits stellen sich Experten die Frage, warum das Konsulat nicht rechtzeitig evakuiert wurde. Nun jedenfalls bietet die Existenz von türkischen Geiseln den bestmöglichen Vorwand für einen leisetreterischen Kurs gegen-über dem Islamischen Staat, hinter dem sich aber durchaus auch ein insgeheimes Paktieren zulasten der Kurden verbergen kann – getreu der Devise: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“

Wolfgang Kaufmann


Nun auch Hannover
Rot-Grün will »sexuelle Vielfalt« im Lehrplan

Noch ist es ruhig in Niedersachsen, und die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ („HAZ“) geht auch davon aus, dass eine Wiederholung des baden-württembergischen Bürgerprotestes um das Thema „sexuelle Vielfalt“ an Schulen nicht zu erwarten sei. So seien sich die rot-grüne Landesregierung, die Opposition, der Schulleiterverband, die Lehrergewerkschaft GEW und die Kirchen einig darüber, dass Diskriminierung geächtet werden müsse, so die „HAZ“.

Doch nicht jeder ist der Meinung, dass Ächtung von Diskriminierung mit der Aufnahme des Themas „sexuelle Vielfalt“ in die niedersächsischen Lehrpläne gleichzusetzen sei. Und so gibt es inzwischen auch eine Online-Petition gegen das niedersächsische Vorhaben. Initiator der Petition ist Gerriet Kohls aus Langenhagen, Bezirksvorsitzender der Freien Wähler Hannover. „Die Eltern werden im Grunde von Staat und Gesellschaft allein gelassen. Sie tragen zwar die Erziehungsverantwortung für ihre Kinder, aber aus allen Kanälen dröhnt es bunt und laut mit Gewalt- und Sexdarstellungen“, klagt er. „Jetzt soll auch noch die Grundschule dabei mitmachen? Ein Raum, der eigentlich Schutz und Geborgenheit für die Kinder bieten sollte!“

Zwar ist in dem Antrag der Grünen nicht ausdrücklich von Grundschule die Rede, aber es heißt, bereits Kinder und nicht nur Jugendliche müssten für das Thema sensibilisiert werden – am besten sogar von Betroffenen. So möchte Ina Korter, schulpolitischen Sprecherin der Grünen, dass homosexuelle Lehrkräfte die Schüler über das Thema informieren. „Homosexualität wird oft im Zusammenhang mit Geschlechtskrankheiten dargestellt“, kritisiert Korter zudem den bisherigen Umgang. Auch müssten „Bi-, Trans- und Intersexualität an der Schule verbindlich thematisiert werden, um alle Kinder und Jugendlichen bei der Entwicklung ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität zu unterstützen“, so die Grünen.

Die bei change.org laufende Petition hat bisher 5393 Unterstützer, aber noch sind in Niedersachsen auch Sommerferien. Bel


MELDUNGEN

Karzais letztes Machtspiel

Kabul – Am 2. September will der scheidende afghanische Präsident Hamid Karzai die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger abgeben. Wer das jedoch sein soll, war bis Re-daktionsschluss der PAZ noch nicht absehbar. Damit erhöht Karzai den Druck auf die beiden verbliebenen Kandidaten Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani, die sich gegenseitig beschuldigen, die Wahl manipuliert zu haben. Ob die Anfang August unter Druck der USA vereinbarte Einheitsregierung zustande kommt, ist noch völlig ungewiss, da diese Vereinbarung ohne Details bezüglich der Machtverteilung zwischen Abdullah und Ghani erfolgte. Karzai bevorzugt Ghani als seinen Nachfolger und will mit seiner Ankündigung offenbar versuchen, eine Entscheidung in die von ihm gewünschte Richtung zu erzwingen. Bel

 

Belgien weiter ohne Regierung

Brüssel – Drei Monate nach den Parlamentswahlen stand in Belgien immer noch keine neue Regierung fest. Nachdem bereits der erste von König Philippe mit der Regierungsbildung beauftragte Politiker vor einigen Wochen aufgegeben hat, weil die Programme der verschiedenen infrage kommenden Parteien zu unterschiedlich wären, versuchen nun der bisherige christdemokratische Ministerpräsident der Region Flandern, Kris Peeters, und der Chef der frankophonen Liberalen, Charles Michel, seit über einer Woche, eine Regierung zu bilden. Nach den letzten Parlamentswahlen 2010 hatte es 541 Tage gedauert, bis eine Regierung zustande kam. „Das wird kein Spaziergang im Park“, beschrieb Peeters daher mit Galgenhumor seine Aufgabe. Sein Problem ist, dass die Partei Nieuw-Vlaamse Alliantie, die einen unabhängigen Staat Flandern anstrebt, bei der Wahl mit 30,3 Prozent der Stimmen stärkste Kraft wurde, ohne die im Grunde nichts geht. Da Belgien mit 102 Prozent des Bruttoinlandsproduktes stark verschuldet ist, kann es sich eine erneute Hängepartie nicht leisten und bedarf dringend einer neuen Regierung, die Reformen durchsetzt. Bel


S. 3 Preussen/Berlin

Öffentliche Geschichtsfälschung
von Vera Lengsfeld

Am 23. August, dem 75. Jahrestag der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes, gab es zwei öffentliche Demonstrationen in Berlin, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Vor dem Russischen Haus in der Friedrichstraße, ein gesichtsloser Neubau, der schon zu DDR-Zeiten als Domizil für die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft errichtet worden war, demonstrierten eine Handvoll politisch Verfolgter des DDR-Regimes und ein Journalist dafür, dass auch in Deutschland dieser Tag zum Gedenktag für die Verfolgten aller totalitären Diktaturen wird.

Das Europäische Parlament hatte bereits am 2. April 2009 eine Entschließung „zum Gewissen Europas und zum Totalitarismus“ angenommen, mit der Forderung, den 23. August zum gemeinsamen europäischen Gedenktag für die Opfer aller totalitären und autoritären Regimes zu erklären. Seitdem ist dieser Gedenktag fester Bestandteil der Erinnerungskultur der baltischen und anderer osteuropäischer Staaten. Nur in Deutschland wird dieser Beschluss bis heute ignoriert.

Zur Erinnerung: In einem Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939, nachdem die Wehrmacht das westliche Polen und die Rote Armee Ostpolen militärisch besetzt hatten, wurde die Aufteilung Polens und des Baltikums vereinbart sowie ein Austausch ihrer deutschen, ukrainischen und weiß­russischen Bevölkerung.

Außerdem kam es zur Auslieferung Tausender deutscher Kommunisten, die nach der Machtergreifung Hitlers in die Sowjetunion geflohen und zum großen Teil in Stalins Gulag gelandet waren, an Hitlerdeutschland. Diese Kommunisten landeten fast ausnahmslos in deutschen KZs, was für viele das Todesurteil bedeutete.

Deshalb ist jede Erinnerung an diesen Pakt von der SED-Linken nicht nur verpönt, sondern gefürchtet. Sie bekämpft die Idee des Gedenktages mit allen Mitteln, auch dem der Geschichtsfälschung.

Sie ließ ihre Vorfeldorganisationen am 23. August auf dem Rosa-Luxemburg-Platz und an anderen Orten Gedenkveranstaltungen anlässlich der Ermordung von Ernst Thälmann ausrichten, der als Parteichef der KPD die stalinistische Politik des Kampfes gegen die „Sozialfaschisten“ der SPD durchgepeitscht hat und alle Kritiker denunzieren ließ. Dabei sind diese Veranstaltungen in doppelter Hinsicht zynische Geschichtsfälschung: Thälmann wurde bereits am 18. August ermordet und konnte von den Nazis nur ermordet werden, weil Stalin keine Anstalten gemacht hat, seinen treuen Anhänger in die Sowjetunion zu holen. Leider kann die Linke das tun, ohne Proteste von den etablierten Parteien befürchten zu müssen.


Angriff auf das Herz von Berlin
Senat blockiert die Wiederbebauung der verwaisten historischen Stadtmitte für viele Jahre

Weil die Stadt chronisch pleite ist, setzen sich im Senat die Gegner einer Wiederherstellung von Berlins Mitte um Schloss und Rotes Rathaus durch. Zudem bedroht der Senat noch den Bau des Humboldt-Forums als Schlossrekonstruktion.

Berlins Senat hat allen nur denkbaren Plänen für eine Rekonstruktion oder Wiederbebauung der Stadtmitte einen planungsrechtlichen Riegel vorgeschoben. Die SPD entzweit sich darüber. Vordergründig geht es um Einsparungen. Für Konzepte einer historischen Stadtmitte bedeutet dies aber ein faktisches Umgestaltungsverbot, das Senat und Bund gemeinsam erlassen haben, Stillstand für Jahrzehnte also.

Der Beschluss verhindert eine Veränderung der DDR-Architektur in Mitte und schreibt letztlich deren Erhalt bis 2030 vor. „Eine Brache ohne Aufenthaltsqualität“, so nennt der Berliner SPD-Landeschef Jan Stöß das Gelände um das Rote Rathaus. Dass ausgerechnet das Sprachrohr des linken Parteiflügels sich für eine Belebung des historischen Kerns der Stadt ausspricht, überrascht. Stöß wettert gegen „mittelmäßige Investorenarchitektur“ als drohende Folge unzureichender städtischer Planung im Zentrum.

Schon lange verlaufen die Fronten in Berlin nicht mehr klar: Der eigentlich zu Verantwortlichkeit verpflichtete Senat macht eine Baupolitik, die beim Flughafen BER, dem Tempelhofer Feld und der Landesbibliothek viel Chaos produziert. Zugleich versucht sich die Generation der möglichen Nachfolger von Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit wohnungspolitischen Programmen zu profilieren. Stöß fordert seither, die Gestaltung der zentralen Brache zu klären. Sein Argument: Hier könne Raum für 4000 dringend benötige Wohnungen entstehen. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher jedoch ist gegen Rekonstruktionspläne. Die vom Nachwuchs getriebene Landes-SPD und die noch von Wowereit-Getreuen gelenkte SPD-Bauverwaltung der Stadt geraten somit aneinander.

Doch inzwischen hat die regierende Seite Fakten geschaffen: Laut Medienberichten dürfen das Umfeld des Fernsehturmes und auch der Marienkirche bis über das Jahr 2030 hinaus nicht umgestaltet werden. Dabei geht es nur vordergründig um Geld. Der Bund überweist Berlin demnach zehn Millionen Euro für dortige Instandhaltung und um Bodenplatten zu verlegen, Sträucher abzuholzen, Sitzbänke aufzustellen und Beete anzulegen. Der Bund zahlt und will dafür die Sicherheit, dass jenes Geld auch dauerhaft zum vereinbarten Zweck eingesetzt wird. Diese Sicherheit wiederum schiebt möglichen baulichen Änderungen einen Riegel vor.

Auch der neueste Wandel der offiziellen Berliner Politik zu dem im Aufbau befindlichen Schloss gibt einen Vorgeschmack auf weitere von der SPD ausgehende zerstörerische Kräfte: Berlin will das Projekt Humboldt-Forum mit äußerlicher Schlossrekonstruktion verlassen, meldet die „Berliner Zeitung“. Während der Bau nicht mehr zu stoppen sei, versuche demnach der Senat, aus dem gemeinsamen Vorhaben mit Bund und privaten Spendern auf den letzten Metern Geld zu erpressen: „Berlin verlangt dem Vernehmen nach bis zu 83 Millionen Euro. Das entspricht den 32 Millionen Euro für den Bau des Schlosses und den 51 Millionen Euro für das Grundstück“, so das Blatt.

Auch wenn das Land Berlin den kleinsten Anteil am Projekt trägt und das meiste davon schon bezahlt ist, so führt die Drohkulisse mitten in die Versäumnisse des Senats und zeigt deren Preis für Berlins Mitte: Die Stadt benötigt erstens Geld und will zweitens für die mehrfach verschobene Zentral- und Landesbibliothek doch nicht Teile des Schlossbaus nutzen lassen. Dieser Ausstieg wiederum soll die Rückforderungen begründen. Zwar müsste der Bund dem Rückzug zustimmen, denn vertragliche Verpflichtungen lassen sich nicht einseitig kündigen, doch das bringt die Frage der Gesamtfinanzierung wieder auf die Tagesordnung, stiftet Chaos und reißt alte Gräben auf.

Mit der Frage einer Bebauung oder gar baulichen Wiederherstellung der Stadtmitte um das Schloss verhält es sich kaum anders: Auch hier nötigt Berlin dem Bund Geld für Aufgaben ab, die eigentlich die Stadt leisten müsste. Metallbänder im Boden weisen nach den gemeinsamen Vorgaben künftigen Touristen den Weg zu Straßen, die es längst nicht mehr gibt. Die Vereinbarung will „Tourismus“ und „regionale Infrastruktur“ fördern. Doch der Senat nutzt die Chance, das heftig diskutierte Projekt „Wiederbebauung Mitte“ weiter aufzuschieben.

Allerdings ist es nicht die Einsicht in eigene Unzulänglichkeit oder der Wunsch, vorschnelle Bausünden zu verhindern, die hier vorherrschen. Das faktische Umgestaltungsverbot bindet Bezirk, Land und Bund an den Istzustand. Das ist im Sinn der Rekonstruktionsgegner, darunter Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Sie blockte bisher alle Überlegungen zur Belebung der von DDR-Planern geschaffenen Brache im Herz der Stadt ab: Der Neptunbrunnen soll nicht vor das Schloss, archäologische Grabungen und eine Art Denkpause, um langfristig tragfähige Ideen für die Mitte zu liefern, lehnt sie ebenfalls ab. Vor der Marienkirche will Lüscher möglichst schnell einen neuen Belag verlegen lassen, ohne Grabungen und Diskussion. Bei der stets teurer werdenden Opernsanierung einige hundert Meter weiter hingegen fällt ihr eine Festlegung umso schwerer: Die Kosten explodieren und es gibt keinen Fertigstellungstermin. Den Preis für solche Pleiten zahlt nun die Berliner Mitte. Sverre Gutschmidt


Erst das Tier, dann der Mensch
Ob Wolfsschäden oder Kräheninvasion: Brandenburger fühlen sich allein gelassen

Obwohl die Jagd auf das geschützte Raubtier streng verboten ist, wurde im August nahe der Lieberoser Heide südöstlich von Berlin ein erschossener und sogar geköpfter Wolf aufgefunden. Zwar hat es in Brandenburg, wo inzwischen wieder mehr als 100 Wölfe leben, schon sechs illegale Abschüsse gegeben. Befürworter einer Wolfsansiedlung sehen in dem Fall allerdings eine gezielte Provokation.

„Das Tier wurde vermutlich nicht grundlos ohne Kopf und unter einem Hinweisschild auf das Naturschutzgebiet Lieberoser Heide abgelegt“, so Peter Peuker, der Wolfsbeauftragte der Landkreise Märkisch-Oderland und Barnim, gegenüber der „Märkischen Oderzeitung“. Tatsächlich ist die Ausbreitung der Wölfe im ländlichen Raum Brandenburgs und auch Sachsens stark umstritten. Vor allem Landwirte sehen sich bei den Ansiedlungsbemühungen für das Raubtier mit ihren Problemen allein gelassen. Offiziell gilt zwar, dass das Land Entschädigungen zahlt, wenn etwa Schafe gerissen werden. Geknüpft ist dies aber an die Bedingung, dass Zäune mit Elektrodraht vorhanden gewesen sind. Wenn zudem eine Entschädigung mit der Begründung abgelehnt wird, „es handelt sich um wilde Hunde“, scheint dies wie eine rückwirkende Bestätigung für den Brandenburger Bauernbund zu sein, der bereits im Jahr 2012 eine aktive Bejagung von Wölfen im ländlichen Raum gefordert hatte.

Die Ausbreitung des Raubtiers gefährde die Tierhaltung auf den Weiden, zudem sei das Umweltministerium auch nicht in der Lage, „den Tierhaltern flächendeckend wolfssichere Zäune zu finanzieren“ oder eine Entschädigung für gerissene Nutztiere zu gewähren, so die damalige Befürchtung beim Bauernbund.

Obendrein ist die Ausbreitung von Wölfen nicht das einzige Problem, bei dem Betroffene den Eindruck bekommen, es gehe darum, in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft wie Deutschland ein stark idealisiertes Naturverständnis gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit durchzudrücken.

Zu einem regelrechten Kulturkampf zwischen Fischern und Vogelschützern hat sich der Streit um die Ausbreitung von Kormoranen entwickelt. Aus Sicht vieler Fischzüchter haben die Bemühungen, den Vogel vor dem Aussterben zu bewahren, inzwischen dazu geführt, das sich die Populationen so gut erholt haben, dass die Kormorane zu einer Plage geworden sind.

Bereits 2011 musste Umweltministerin Anita Tack (Linke) auf eine parlamentarische Anfrage hin einräumen, dass Kormorane in Brandenburgs Teichwirtschaften im Vorjahr einen geschätzten Schaden von rund 600000 Euro verursacht hatten. Schäden, auf denen die Betroffenen sitzenbleiben. Passend dazu berichten deutschlandweit Taubenzüchter über immer höhere Verlustzahlen durch eine „Raubvogelplage“ – geschützte Raubvögel selbstverständlich.

Als Extrembeispiel gilt, was sich um die mittlerweile stark angewachsenen Krähenbestände abspielt. Trotz Berichten über massive Schäden in der Landwirtschaft und sogar „Krähenterror“ gegen Menschen wird an einem starren, EU-weiten Schutz der Vögel festgehalten. Von „Experten“ müssen sich die Betroffenen oftmals anhören, dass die Probleme nur eingebildet seien oder auf Vorurteilen beruhten. Norman Hanert


Wer zahlt das?
Kreuzberg: Asylkosten explodieren

Erst nachdem die geduldete Besetzung der Gerhart-Hauptmann-Schule durch mehrere Dutzend Asylbewerber bereits mehrere Wochen andauert, will der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nun Klarheit über die Kosten schaffen. Laut dem Berliner „Tagesspiegel“ stand das Thema auf der Tagesordnung der ersten Sitzung im Bezirksamt nach der Sommerpause.

Als größter Kostenblock gilt der beauftragte Wachschutz. Rund um die Uhr sind jeweils acht Sicherheitsleute anwesend, um den Zutritt zu dem von den Asylbewerbern genutzten Gebäude zu regeln. Allein dadurch sollen dem Bezirk Kosten von deutlich mehr als 30000 Euro pro Monat entstehen. Dazu kommen weitere Zahlungen etwa für Müllentsorgung und Aufräumarbeiten auf dem verwahrlosten Schulgelände. Freiwillig zahlt der Bezirk an die Besetzer dazu eine Unterstützung analog dem Asylbewerberleistungsgesetz. Veranschlagt sind dafür 11000 Euro, die der Bezirk später vom Land zurückerstattet bekommen soll.

Als Bedingung für den Erhalt der Leistung wurde genannt, dass die Schulbesetzer ab September nachweisen, dass sie sich bei der Berliner Ausländerbehörde um eine Bearbeitung ihrer Asylverfahren kümmern. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will sich bei der Behörde und bei Innensenator Frank Henkel (CDU) dafür einsetzen, dass Berlin auch die Verfahren aus anderen Bundesländern übernimmt. Rechnet man die bekanntgewordenen Summen für die 45 Asylbewerber – so zumindest die offizielle Zahl – hoch, dürften die Gesamtkosten bei mindestens einer halben Million Euro pro Jahr liegen. N.H.


S. 4 Hintergrund

Einigkeit dank äußerem Feind
Kampf gegen Islamischen Staat schweißt Kurden über Landesgrenzen hinweg zusammen

Gebannt schaut die Weltöffentlichkeit auf die Kurden, scheinen diese doch nach dem Totalversagen der irakischen Armee die einzigen zu sein, die über das Potenzial verfügen, den Siegeszug der Mörderbanden des Islamischen Staates (IS) im Rahmen von Bodenoperationen zu stoppen und Frieden in die Region zu bringen. Doch stimmt die Einschätzung?

Der jahrhundertelange Traum der Kurden von einem eigenen Staat könnte einem dauerhaften Frieden auch im Falle einer Niederschlagung des IS entgegenstehen. Das kurdische Autonomiegebiet im Nordirak erscheint jetzt als Fels in der Brandung in einer Region voller Chaos, weshalb es mehr als vernünftig wirkt, hier ein freies, souveränes Kurdistan zu etablieren. Diese Sichtweise teilt sogar die türkische Regierungspartei AKP, deren Sprecher unlängst sagte, wenn der Irak zerbreche, werde Ankara das Selbstbestimmungsrecht der Kurden im Nordirak respektieren. Und für die Kurden selbst hat Bagdad ja auch bereits abgewirtschaftet, wie der Außenbeauftragte der Kurdischen Demokratischen Partei im Juli mitteilte. Danach fügte er hinzu, Massud Barzani, der Präsident der Autonomieregion, habe ein baldiges Referendum über die Unabhängigkeit Irakisch-Kurdistans angeordnet.

Angesichts der neuen Sachlage kommen nun Allianzen zustande, die bis vor Kurzem als unmöglich galten: So feiern die Kurden im Nordirak, die der marxistischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bisher stets feindlich gegenüberstanden, jetzt plötzlich türkische PKK-Kämpfer als Helden, weil diese Seite an Seite mit den Peschmerga, den Streitkräften der Autonomieregierung, Kirkuk und Erbil sichern und auch zum Gegenangriff gegen den IS angetreten sind. Gleichermaßen wohlgelitten ist momentan die syrische YPG, der bewaffnete Arm der PKK-nahen Kurdischen Demokratischen Union (PYD), denn sie kämpft nun ebenfalls im Verbund mit Pesch-merga-Kontingenten auf irakischem Boden. Damit bahnt sich nun wohl anscheinend eine Aussöhnung zwischen den verschiedenen kurdischen Fraktionen an.

Doch was wird geschehen, wenn der Islamische Staat niedergerungen ist? Abgesehen davon natürlich, dass dies nicht so leicht sein dürfte, wie es im Augenblick den Eindruck macht, denn die Zahl der wirklich umfassend ausgebildeten und voll kampftauglichen kurdischen Pesch-merga-Kämpfer beläuft sich nach Angaben des Wa-shington Institute for Near East Policy (WINEP) gerade einmal auf 33000 Mann. Schaffen es die einzelnen kurdischen Interessengruppen tatsächlich auch außerhalb des Schlachtfeldes, dauerhaft miteinander zu kooperieren, oder leben die internen Streitigkeiten erneut auf, sobald der äußere Feind wegfällt und die Politiker wieder das Zepter übernehmen? Immerhin erklärte der syrische PYD-Führer Salih Muslim bereits jetzt, er könne sich ein späteres „Großkurdistan“ nur als ganz lockere Föderation vorstellen. Hier und bei anderen Gelegenheiten zeigt sich, in welch starkem Ausmaß die Kurden noch ihrem traditionellen Stammesdenken verhaftet sind. Und dies wiederum birgt die Gefahr einer „Balkanisierung“ des künftigen Kurdenstaates, die dann ganz neue Konflikte zur Folge hätte.

Außerdem wären da noch die Türkei und der Iran, von denen erheblicher Widerstand zu erwarten ist. Zwar würde Ankara von einem Pufferstaat zwischen seinen eigenen Kurdengebieten und dem instabilen Irak beziehungsweise Syrien profitieren, aber am Ende dürfte dennoch die Angst vor kurdischen Separatisten obsiegen, die den Anschluss Südostanatoliens an diesen Staat betreiben. Und für die Mullahs in Teheran kann ein freies Kurdistan gleich gar kein Thema sein, denn es würde im Iran neue Aufstandsgelüste unter den Kurden wecken.

Aus all diesen Gründen verbietet sich jedwede Euphorie, was die baldige Gründung eines lebensfähigen Kurdenstaates betrifft.

Wolfgang Kaufmann


Bis ins Mark zerstritten
Kurden stellen keineswegs einen einheitlichen Interessenblock dar

Die mehr als 30 Millionen Kurden bilden derzeit das weltweit größte Volk ohne eigenen Staat. Sie leben in der Türkei (14,3 Millionen), dem Iran (7,8 Millionen) und dem Irak (5,4 Millionen), Syrien (zwei Millionen), Armenien und Aserbaidschan (jeweils 400000), dem Libanon (60000) sowie im Exil in Europa, den USA und Kanada (430000). Insgesamt ist das kurdische Siedlungsgebiet über eine halbe Million Quadratkilometer groß. Aufgrund unterschiedlicher Sprachen – im Gebrauch sind Kurmandschi, Sorani und Zazaki – und Religionen – die meisten Kurden sind zwar Sunniten, dazu kommen aber auch viele Jesiden, Aleviten und Christen – haben die Kurden in der Vergangenheit selten an einem Strang gezogen. Und selbst unter den heutigen Bedingungen ist ihre Situation durch eine ausgeprägte stammesmäßige Zersplitterung geprägt, die sich nicht zuletzt im Politischen bemerkbar macht.

So brauchte es viele Gespräche, ehe sich die 15 verschiedenen und teilweise konkurrierenden kurdischen Parteien in Syrien zum Hohen Kurdischen Komitee (DBK) zusammenschlossen, dem nun seit 2012 die Selbstverwaltung der nordsyrischen Gebiete obliegt, die unter kurdischer Kontrolle stehen.

Ähnlich ist die Situation in der Türkei, wo die Kurden die größte ethnische Minderheit bilden. Hier werden ihre Interessen durch insgesamt zwölf legale und illegale Organisationen vertreten, von denen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) die bekannteste ist. Diese eröffnete 1984 den bewaffneten Kampf gegen die Staatsmacht in Ankara, verkündete aber 2013 ein Waffenstillstand. Ihr Hauptquartier liegt in den nordirakischen Kandil-Bergen, wo auch die Kämpfer der iranischen Partei für ein Freies Leben in Kurdistan (PJAK) ihre Rück-zugsgebiete haben.

Die Kurden im schiitischen Mullah-Staat sind in der Regel Sunniten und stehen dadurch unter starkem Verfolgungsdruck, wofür vor allem Ajatollah Khomeini verantwortlich zeichnet, der 1979 zum „Heiligen Krieg“ gegen die Kurden ausrief. Seither ist die Provinz Kordestan an der Grenze zum Irak militärisches Sperrgebiet, in dem die Bevölkerung von den Revolutionsgarden terrorisiert wird und immer wieder Exekutionen kurdischer Aktivisten stattfinden. Nichtsdestotrotz existieren aber auch im Iran neben der PJAK noch andere Kurden-Zusammenschlüsse, nämlich die Demokratische Partei des Iranischen Kurdistans, die Khabat-Organisation, die Komalah und die Kurdische Vereinigte Front.

Ähnlich gespalten und somit politisch geschwächt waren die irakischen Kurden in ihrer Autonomen Region Kurdistan. Hier rivalisierten die Führer der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK), Massud Barzani, und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), Dschalal Talabani, um die Macht, bis es dem DPK-Vorsitzenden gelang, diese in seiner Hand zu konzentrieren. Doch mittlerweile kündigen sich durch den Aufstieg der oppositionellen „Bewegung für den Wandel“ (Gorran) neue Querelen an.

Die Kurden werden also zunächst erst einmal lernen müssen, ihre internen Differenzen dauerhaft beizulegen – der gemeinsame Kampf gegen den IS kann da nur der Anfang sein. W.K.


Das Wir-Gefühl kam abhanden
Das Volk der Kurden siedelt wahrscheinlich schon seit der Jungsteinzeit in Nordmesopotamien und Ostanatolien. Seine Unabhängigkeit verlor es im

7. Jahrhundert nach Christus durch die Eingliederung Kurdistans in das Reich des zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab. Später wiederum kontrollierte die persische Safawiden-Dynastie die Kurdengebiete. Allerdings nur bis zur Schlacht von Tschaldiran im Jahre 1514, in der sich die kurdischen Fürsten gegen den Schah wandten und sich auf die Seite des Osmanensultans Selim I. stellten, was dazu führte, dass die Kurdengebiete in dessen Reich eingegliedert wurden – jedoch unter Gewährung vielfältiger Privilegien. Aufgrund dessen entwickelten die Kurden zunächst auch kein eigenes Nationalgefühl, sondern definierten sich über ihre Stammeszugehörigkeit, was die immer noch bestehende kurdische Heterogenität erklärt.

Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches infolge seiner Niederlage im Ersten Weltkrieg schien ein eigenständiges Kurdistan zum Greifen nahe, aber am Ende wurden die Kurden im Vertrag von Lausanne vom 24. Juli 1923 um ihr Selbstbestimmungsrecht betrogen. Daraufhin entbrannten ab 1925 erste Aufstände, in deren Verlauf es zur Ausrufung einzelner Republiken kam. Doch weder dem Roten Kurdistan im Kaukasus noch den Republiken Ararat und Mahabad war eine lange Existenz beschieden.

Ein einigermaßen autonomes kurdisches Herrschaftsgebiet entstand erst 1991 im Zusammenhang mit der Errichtung einer UN-Schutzzone im Nordirak während des Unternehmens „Desert Storm“. Dem vorausgegangen war der versuchte Genozid an den irakischen Kurden 1988/89: Damals ließ Saddam Husseins Erfüllungsgehilfe Ali Hasan al-Madschid bis zu 180000 Kurden niedermetzeln. W.K.


Zeitzeugen

Mustafa Kemal Atatürk – Im Artikel 62 des Vertrages von Sèvres von 1920, dem nahöstlichen Pendant des Diktats von Versailles, wurde den Kurden ein eigener Staat in Aussicht gestellt. Jedoch erreichte der „Vater aller Türken“ aufgrund seines Sieges im Türkischen Befreiungskrieg eine Revision dieser Abmachung: Im Nachfolgevertrag von Lausanne war vom kurdischen Selbstbestimmungsrecht keine Rede mehr.

Abdullah Öcalan – Unter seiner Führung eröffnete die marxistische kurdische Untergrundorganisation PKK 1984 den bewaffneten Kampf gegen die Regierung in Ankara. Öcalan verbüßt seit 1999 eine lebenslange Haftstrafe auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer. Derzeit führt er Verhandlungen über ein friedliches Ende des Kurdenkonfliktes in der Türkei, in dessen Verlauf bis zu 45000 Menschen getötet wurden.

Serbest Babiri – Der Kommandeur der 17. Abteilung der Pesch-merga-Truppen ist der Hauptverantwortliche für den fluchtartigen, kampflosen Rückzug der kurdischen Kämpfer aus dem Gebiet um die Jesidenstadt Shingal. Deshalb wurde er am 13. August vom Kurdenpräsident Barzani seines Kommandos enthoben und durch Said Bedeli ersetzt. Dem vorausgegangen war heftiger Druck von Seiten der Jesiden.

Farhad Abdollahsade – Weil er Kämpfer der kurdischen Guerilla-Truppe PJAK mit Lebensmitteln versorgt haben soll, wurde der iranische Bauer Ende Juni von Angehörigen der Revolutionsgarden Teherans erschossen. Danach sollen die Pasdaran die Leiche an einen Jeep gebunden und durch das Dorf Barde-Rasch geschleift haben, meldeten mehrere regierungskritische Blogger aus dem Mullah-Staat.

Dschalal Talabani – Die Anhänger des Chefs der Patriotischen Union Kurdistans, der bis zum 24. Juli auch das Amt des irakischen Staatspräsidenten bekleidete, nennen ihn wegen seines politischen Geschicks „Der Fuchs“ – und tatsächlich dürfte Talabani noch am ehesten in der Lage sein, zwischen den zerstrittenen Kurdenfraktionen zu vermitteln. Allerdings ist der 80-Jährige mittlerweile schwer krank.


S. 5 Deutschland

Deutsches Justizsystem kollabiert
Staatsanwaltschaften kommen mit den Ermittlungen nicht hinterher – Strafverfolgung bleibt auf der Strecke

Personalmangel in der Justiz behindert immer öfter Strafverfolgungen, so dass sich in der Bevölkerung zunehmend das Gefühl einer „Gerechtigkeitslücke“ breitmacht, so die Warnung von Richtern und Staatsanwälten. Immer öfter kommt es vor Gericht zu zweifelhaften „Deals“, oder Ermittlungsverfahren werden gleich eingestellt.

Wie dramatisch die Personalsituation mittlerweile ist, dürfte so manchem erstmals bei den Schlagzeilen klar geworden sein, die kürzlich ein Fall aus Bayern ausgelöst hat. Wegen zu langer Verfahrensdauer musste die bayerische Justiz einen mutmaßlichen Vergewaltiger wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, hatte das Münchner Oberlandesgericht (OLG) die Entlassung aufgrund von Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts angeordnet. Dem Beschuldigten dürfe nicht zugemutet werden, länger als „angemessen“ in Untersuchungshaft zu sitzen, weil der Staat es versäume, seiner „Pflicht zur verfassungsgemäßen Ausstattung der Gerichte“ nachzukommen, zitierte die Zeitung die obersten Verfassungsrichter. Genau vor der Gefahr solcher Haftentlassungen hatte kurz zuvor der Bayerische Richterverein gewarnt. Selbst wenn man die amtliche Personalbedarfsberechnung heranzieht, dann fehlen allein in Bayern derzeit 261 Richter und 155 Staatsanwälte. Bundesweit ist inzwischen eine Lücke von 2000 Stellen für Staatsanwälte und Richter entstanden, so die Warnung von Oberstaatsanwalt Christoph Frank, dem Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes.

Wie sich der Personalmangel in der Justiz ganz konkret auswirkt, macht der Fall des Ex-Staatsanwalts David Jungbluth deutlich. Eigentlich in seinem Traumberuf tätig, hatte Jungbluth im Sommer 2013 nach nur 23 Monaten Dienst in der Justiz des Saarlandes frustriert das Handtuch geworfen. Die persönliche Bilanz, die der Jurist unlängst in einer Fachzeitschrift über seine Zeit als Staatsanwalt und als Zivilrichter am Landgericht zog, fällt verheerend aus. So betreute Jungbluth „sehr arbeitsintensive“ Dezernate und eine „abgesoffene“ Zivilkammer. Eine schmeichelhafte Umschreibung dafür, dass bei Dienstantritt auf Jungbluth ein Berg von Hunderten teilweise mehrere Jahre alten, unerledigten Altfällen wartete. Damit nicht genug. Der Aktenberg wuchs täglich weiter an. Mit Überstunden und Wochenendarbeit versuchte Jungbluth nach eigenen Angaben, die Flut zu bewältigen. Am Ende blieb nur das ernüchternde Eingeständnis, keine Zeit zu haben, um wirklich nach Recht und Gesetz handeln zu können. „Gerade meine Erfahrungen bei der Staatsanwaltschaft haben mir gezeigt, dass eine nur annähernd detaillierte Aktenbearbeitung – auf Grund der äußerst extensiven Verfahrenszahl je Dezernat – einen derartigen Arbeitsaufwand nach sich zieht, dass es in der Praxis oftmals zu einer bewusst in Kauf genommenen Verschleppung des Verfahrens kommt oder dass befremdliche bis abwegige Erwägungen dazu führen, dass Verfahren unsachgemäß eingestellt statt weiter verfolgt werden“, so der Jurist.

Genauso ernüchternd ist ein weiterer Einblick in die Realität bundesdeutscher Strafverfolgung. Eine sogenannte „pönale Quote“ (Strafquote) überschattet quasi als ungeschriebenes Gesetz die gesamten Abläufe und Arbeitsergebnisse bei der Staatsanwaltschaft. Demnach gilt faktisch die Vorgabe, dass mindestens 20 Prozent aller Verfahren mit einer Anklage oder einem Strafbefehl abgeschlossen werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies nichts anderes, als dass fast 80 Prozent der Fälle eingestellt werden. Damit nicht genug. Die bei der Staatsanwaltschaft erwartete Quote kann durchaus mit Bagatelldelikten erbracht werden. Aufgrund der Arbeitsüberlastung werden so verständlicherweise komplizierte Verfahren lieber eingestellt und nicht bis zur Klage gebracht.

Von der Staatsanwaltschaft zum Landgericht als Zivilrichter versetzt, machte Jungbluth ähnliche Erfahrungen: „Die Akten mussten vom Tisch – so schnell wie möglich.“ Zu schaffen ist dies nur, wenn mindestens 60 bis 70 Prozent der Verfahren einem Vergleich zugeführt werden, so die Empfehlung, die dem Jungrichter von erfahrenen Kollegen mit auf den Weg gegeben wurde. Mittlerweile bildet der Jurist an den Universitäten in Mainz und Saarbrücken Studenten aus. Das Fazit im Rückblick auf fast zwei Jahre im Justizdienst des Saarlands dürfte bundesweit Gültigkeit haben: Jeder weiß, wie falsch die Dinge laufen, aber keiner unternimmt etwas dagegen, weil er nicht den Ast absägen will, auf dem er sitzt. Zu den Fehlentwicklungen gezählt werden kann, dass Justizbehörden wegen Personallücken immer öfter auf eine Strafverfolgung verzichten und Verfahren gegen Geldauflagen einstellen.

Wie weit diese Praxis geht, macht die Einstellung des Schmier-geld-Prozesses gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone deutlich. Während ihm wegen des Verdachts der Bestechung und Anstiftung zur Untreue ursprünglich eine Haftstrafe von zehn Jahren drohte, machte die Staatsanwaltschaft den Weg dafür frei, dass sich der Angeklagte mit einer Ausgleichszahlung von 100 Millionen US-Dollar freikaufen konnte und als nicht vorbestraft gilt. Derjenige, der bestochen wurde, nämlich der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky, wurde dagegen zu einer Gefängnisstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. Norman Hanert


Von der Politik alleingelassen
Bundespolizei registriert immer mehr illegale Zuwanderer

Allein in der ersten Hälfte des Monats August hat die Bundespolizeiinspektion Rosenheim rund 400 unerlaubt eingereiste Personen registriert. In den Monaten Juni und Juli waren es 1650. Manche Polizeiberichte bieten Stoff für einen abendfüllenden Film. Von einem 55-jährigen Ägypter ist da die Rede, der auf der A8 nahe Bad Aibling von der Bundespolizei festgehalten wurde und in dessen Auto sich 13 Syrer, unter ihnen sieben Kinder, befanden. Oder von einem von der Bundespolizei kontrollierten EuroCity von Verona nach München wird berichtet, in dem die Beamten 74 Personen festnahmen, die illegal nach Deutschland eingereist waren. Da ihnen der Versuch geglückt ist, die Eritrear, Äthiopier, Somalier, Sudanesen und Syrer auf deutschem Boden von der Bundespolizei aufgespürt wurden, können sie hier einen Asylantrag stellen, sofern sie denn noch in keinem anderen Land der EU einen gestellt haben.

Für die meisten Illegalen hat es keine negativen Auswirkungen, dass sie bei ihrer unerlaubten Einreise ertappt werden. Anders sieht es bei den Schmugglern aus, die Bundespolizei kann Personen, die an der Not anderer verdienen, ins Gefängnis bringen. So einen Rumänen, der gezielt auf dem Bahnhof in Mailand illegale Zuwanderer angesprochen und ihnen für 500 Euro pro Person die Fahrt nach Deutschland angeboten hat. Doch das Geschäft scheint so lukrativ zu sein, dass, kaum ist einer der Laien-Menschenschmuggler verhaftet, ein Neuer sein Glück versucht. Und die Hintermänner der organisierten Großschleusungen sind schwer zu ermitteln, zumal die Bundespolizei aufgrund der zunehmenden Zahl an Fällen genug damit zu tun hat, diese zu registrieren. Und das gilt keineswegs nur für Bayern. Bundesweit werden immer mehr illegale Zuwanderer aufgegriffen. In Zeiten der offenen Grenzen innerhalb der EU ist ein gezieltes Abfangen unerlaubt Einreisender auch nicht mehr möglich.

Dabei ist die jetzige Situation keineswegs über Nacht entstanden. Vor einigen Wochen stellte Dieter Romann, Präsident der Bundespolizei, vor ausgesuchten Vertretern der Presse den Jahresbericht 2013 vor. Bereits im vergangenen Jahr hat die Bundespolizei mit 33000 unerlaubt Einreisenden 26,7 Prozent mehr festgestellt als 2012. Vor allem die Zahl der registrierten illegalen Schleusungen hat mit 70,6 Prozent rasant zugenommen. Für dieses Jahr dürften die Zahlen noch deutlich höher liegen.

„Das wirft Systemfragen auf“, zitiert die „Welt“ in diesem Zusammenhang Romann, der mit dieser Äußerung auf die Dublin-II-Vereinbarung zwischen den EU-Staaten angespielt hat, laut der sich diese verpflichtet haben, dass illegal einreisende EU-Ausländer in dem Land einen Asylantrag stellen sollen, in dem sie zuerst europäischen Boden betreten haben. Da aber beispielsweise Italien kein Interesse an noch mehr Asylbewerbern hat, wird vielen ungehindert die Weiterreise nach Nordeuropa ermöglicht. So wird Dublin II unterlaufen.

Auf die Äußerungen ihres Präsidenten mit der Bitte um zusätzliche Informationen angesprochen, reagiert die Pressestelle der Bundespolizei jedoch ausweichend. Auch gibt es weder eine Pressemitteilung über die Veröffentlichung des Jahresberichts noch eine, in der die Probleme der Sicherheitskräfte zusammenfassend artikuliert und analysiert werden. Rebecca Bellano


MELDUNGEN

Stiftung gegen Rückgabe

Berlin – Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) sieht sich laut einem Bericht des „Spiegels“ erneut mit der Forderung nach der Rückgabe von Kunstschätzen konfrontiert. Noch stammt diese nur von durch kolumbianische Medien unterstützten Bewohnern des Dorfes, in dem der ostpreußische Ethnologe Konrad Theodor Preuss 1913 die 35 rund 1200 bis 2000 Jahre alten Skulpturen entdeckt und von da nach Deutschland überführt hat, trotzdem sorgt die Forderung für Unruhe. Die Kunstwerke, die Teil des Bestands des Ethnologischen Museums Berlin sind, sollen eine Attraktion im Humboldt-Forum im neu errichteten Schloss werden. Die SPK betont in diesem Fall, dass offizielle Genehmigungen damals nicht üblich waren und Preuss keineswegs ein Dieb gewesen sei, er vielmehr vorab dem damaligen kolumbianischen Präsidenten sein Vorhaben mitgeteilt habe. Bel

 

Ehrenrettung für die FDP?

Berlin – Für die „Mövenpick-Steuer“ ist die FDP während der schwarz-gelben Koalition massiv beschimpft worden, doch der Bundesverband des deutschen Gastgewerbes Dehoga legte nun Zahlen vor, nachdem die Mehrwertsteuersenkung von 19 auf sieben Prozent für Übernachtungen zu deutlich mehr Investitionen in der Branche geführt habe. Die Zahlen bewiesen, dass „die Hotellerie außergewöhnlich kräftig investiert hat – auch in Mitarbeiter. Die Studie belegt eindeutig, dass sich die Umsatzsteuerreduzierung auch für den Staat gerechnet hat“, so der Verband. Nun fordert er eine Mehrwertsteuersenkung auf servierte Speisen und weist darauf hin, dass eine Pizza „auf die Hand“ nur sieben Prozent Mehrwertsteuer koste, eine im Restaurant aber 19 Prozent. Bel


S. 6 Ausland

West-Medien rudern zurück
Zweifel an bisheriger Darstellung des MH17-Absturzes mehren sich – Malaysia fordert gerichtliche Aufklärung

Über anderthalb Monate nach dem Absturz von Flug MH17 liegt noch kein Abschlussbericht über den Hergang der Katastrophe vor. Nun drängt neben Russland auch Malaysia auf eine schnellere Aufklärung, Medien berichten über berechtigte Zweifel an der bisherigen Darstellung.

Der malaysische Verteidigungsminister Hishamuddin Hussein meldete sich überraschend zu Wort und kündigte an, die Regierung seines Landes werde die Schuldigen am Abschuss von Flug MH17 strafrechtlich verfolgen. „Wir werden nicht schweigend dasitzen.“

Die „New Strait Times“, die älteste malaysische Zeitung, berichtete unter Berufung auf Verkehrsminister Liow Tiong Lai, ein Zwischenbericht des niederländischen Sicherheitsrats „Onderzoeksraad Voor Veiligheid (OVV) sei allen beteiligten Ländern vorgelegt worden. Allerdings liefere dieser keine eindeutige Erklärung für den Absturz der Boeing.

Malaysia geht es darum, dem Imageverlust entgegenzuwirken, den das spurlose Verschwinden von Flug MH370 im März dieses Jahres und nun die Tragödie von MH17 ausgelöst hat. Malaysia Airlines, mehrheitlich im Besitz des Staatsfonds Khazanah International, ist mit 19000 Mitarbeitern ein wichtiges Unternehmen, das jedoch seit über drei Jahren tief in den roten Zahlen steckt. Hatte das Unternehmen 2007 noch einen Gewinn von 200 Millionen Euro, flog es bereits vor den Flugzeugverlusten jeden Tag über eine Million Minus ein. Und das, obwohl der Luftmarkt Asiens beständig wächst. Malaysia Airlines steht unter massivem Konkurrenzdruck durch Premium-Fluglinien wie Singapore Airlines und Emirates, aber auch durch Billigfluglinien. Das größte Problem der Fluggesellschaft sind hohe Personalausgaben. Starke Gewerkschaften haben Top-Gehälter erstritten. Nun gilt es, vor allem das Vertrauen der chinesischen Fluggäste zurückzugewinnen, nachdem an Bord des verschwundenen Flugzeugs MH370 überwiegend chinesische Passagiere waren. China gilt als der größte Wachstumsmarkt im Luftverkehr.

Auch Russland drängt auf eine rasche Aufklärung der Absturzursache. Der russische UN-Botschafter Witalij Tschurkin kündigte an, beim UN-Sicherheitsrat einen Bericht über die Umsetzung der am 21. Juli beschlossenen Resolution zur Aufklärung der Flugzeugkatastrophe zu beantragen. Moskau will, dass seine Unschuld bewiesen wird, und kritisiert das Desinteresse des Westens an der Aufklärung. Die Kritik gilt insbesondere Kiew, weil die Funksprüche zwischen Lotsen und Piloten zurück-gehalten werden und der niederländisch-australischen Untersuchungskommission, weil Wrackteile nicht geborgen werden, um sie zur Deutung des Absturzvorgangs heranzuziehen.

Der Umgang mit dem Zwischenbericht der OVV führt zu Irritationen, weil die Öffentlichkeit erst im September informiert werden soll. Die OVV begründet dies damit, dass vor der Veröffentlichung noch Konzeptversionen des Papiers besprochen werden müssten. Details der Aufzeichnungen von Stimmenrekorder und Flugschreiber sollen weiter unter Verschluss bleiben.

Hatten deutsche Medien bislang nur vereinzelt die Geheimhaltung der Auswertung von Stimmenrekorder und Flugschreibern kritisiert, stellen nun auch „Mainstream“-Medien wie der „Spiegel“ die Fragen, auf deren Beantwortung die Welt seit Wochen wartet. Inzwischen kam heraus, dass „Spiegel“, „Focus“ und einige Springer-Blätter auf eine Falschmeldung der als seriös geltenden BBC hereingefallen waren, als diese berichtete, Separatistenführer hätten erstmals russische Waffenlieferungen bestätigt. Nicht gemeldet wurde der Rückzieher der BBC, als es hieß, man habe die Worte des Separatisten falsch übersetzt.

Solche Meldungen bewertet Russland als offene Propaganda und kündigte an, im nächsten Jahr mit einem deutschsprachigen Programm seines eigenen – bisher nur englischsprachigen – Propagandasenders aufwarten zu wollen. Eine französischsprachige Version ist ebenfalls in Planung.

Inzwischen thematisiert auch der „Spiegel“ die seit Wochen kursierenden Meldungen und Thesen, nach denen die Boeing nicht nur mit einer Boden-Luft-Rakete, sondern mit Bordkanonen eines Militärjets abgeschossen worden sein könnte, und zitiert Experten, die feststellten, „dass einige Teile des Gesamtbildes fehlen“, wie auch US-Geheimdienstveteranen, die von Obama handfeste, überzeugende Beweise gefordert haben, darunter der ehemalige technische NSA-Direktor William Binney. Geheimdienstanalysten zweifeln an der Stichhaltigkeit der offiziellen Version. Sie glauben, dass MH17 nicht von einer Boden-Luft-, sondern einer Luft-Luft-Rakete abgeschossen wurde. Zweifel an der Schuld der Separatisten äußerte auch Robert Parry, Reporter der Nachrichtenagentur Associated Press, in einer Veröffentlichung bei „Global Research“, einer unabhängigen Untersuchungs- und Medienorganisation, in der er sich auf US-Geheimdienstquellen beruft, die den Schluss zuließen, dass eine Schuld Russlands und der Separatisten unwahrscheinlich sei und vielmehr die ukrainische Regierung die Verantwortung trage.

M. Rosenthal-Kappi


Kiews kanadische Maulwürfe
Exil-Ukrainer kämpfen verbissen für Unabhängigkeit ihres Stammlandes

Es gibt im Westen kaum ein Land, das sich so sehr für die Ukraine engagiert wie Kanada. Während die USA und die EU noch hadern, machte Kanada vor Kurzem Schlagzeilen mit ersten militärischen Hilfslieferungen.

Seit ihrer Unabhängigkeit wird die Ukraine in allen kritischen Phasen von Kanada begleitet. So war die kanadische Botschaft während der Orangenen Revolution 2004/2005 eine wichtige Schaltzentrale, die den Aktivisten Rat und notfalls Asyl anbot. Jedenfalls konnte sich das im Hintergrund agierende Kanada mehr erlauben als andere westliche Länder wie etwa die USA. Das zeigt auch die jetzige Hilfsaktion.

Zu allen Wahlen in der Ukraine schickte Kanada die stärksten Delegationen. Während der Euromajdan-Proteste und in den Tagen des Machtwechsel Ende Februar waren Politiker Kanadas und Vertreter der Diaspora ständig in Aktion, um größeres Unheil abzuwenden.

Kanadas Engagement ist nicht verwunderlich, denn es beherbergt nach Russland mit 1,2 Millionen Menschen die größte ukrainische Diaspora. Die Ukrainer in Kanada sind mit ihrem Ukrainisch-Kanadischen Kongress und zahlreichen sozialen und kulturellen Organisationen eine der am besten organisierten ethnischen Gemeinschaften Nordamerikas. Der rührige Präsident des Kongresses, Paul Grod, der als wichtigster Verbindungsmann zwischen Kanada und der Ukraine dem Kreml ein Dorn im Auge ist, wurde nicht ohne Grund auf dessen antiwestliche Sanktionsliste gesetzt.

Als allumfassende Dachorganisation der Ukrainer fungiert der Ukrainische Weltkongress mit Sitz in Toronto, der über 20 Millionen Ukrainer der Diaspora vertritt. Einen wichtigen Rückhalt bieten auch die ukrainischen Kirchengemeinschaften – Orthodoxe, Katholiken und Protestanten – mit ihren Verbindungen zum „Mutterland“.

In Kanada haben die Ukrainer seit vielen Jahrzehnten einen großen Einfluss. Sie stellten in der schwierigen Zeit des Umbruchs in der Sowjetunion 1990 in Kanada den Generalgouverneur, das heißt Kanadas Staatsoberhaupt, und fast zeitgleich die Premiers in den drei Prärie-Provinzen Alberta, Manitoba und Saskatchewan. Bei kanadischen Wahlen werden die Ukrainer von allen Parteien umworben.

Neben der anglo- und frankophonen Oberschicht und einem wachsenden Zustrom der Asiaten bilden die Ukrainer zusammen mit Polen, Russen, Juden und den 3,5 Millionen Deutschen in Kanada die „dritte Kraft“, die ihrem Anspruch gemäß „über die Bewahrung abendländischer Kultur in Kanada und die Verbreitung westlicher Werte in Osteuropa wacht“.

Überall in der kanadischen Gesellschaft finden sich Ukrainer – als Farmer, Handwerker, Unternehmer, Intellektuelle, Sportler und Medienmitarbeiter. Sie sitzen in den Stadt-, Regional- und Föderationsparlamenten sowie in den Leitungen wichtiger Unternehmen, die weltweit in der Petroindustrie und im Bergbau investieren. So ist Grod übrigens Leiter eines Energiekonzerns in Ontario.

Das Verhältnis der ukrainischen Diaspora zur kanadischen Geschichte ist nicht ungetrübt: Nach der Internierung von Tausenden aus Österreich-Ungarn und Polen stammenden Einwanderern, Ukrainern und Deutschen, während des Ersten Weltkriegs als „Feinde“, fordern sie Entschädigung für dieses Unrecht.

H.-J. Hoppe


Durch Mord ausgebremst
Rückschlag für schlesische Autonomiebestrebungen

Unter den knapp 39 Millionen Einwohnern der Republik Polen befinden sich neun „nationale Minderheiten“, beispielsweise 400000 Deutsche, und vier „ethnische Minderheiten“, was 847000 „Schlonsaken“ gern wären. Beide Volksgruppen leben zumeist in den südlichen Woiwodschaften Schlesien und Oppeln und planten eine Zusammenarbeit in der „Bewegung für die Autonomie Schlesiens“ (RAS). Am 10. Februar dieses Jahres traf man sich, um eine „Schlesische Deklaration“ endgültig zu beraten. Abwesend war der der deutschen Volksgruppe angehörende amtsälteste Bürgermeister der Republik, Dieter Przewdzing, der seit 1976 an der Spitze der Industriestadt Odertal O.S. (Deschowitz) [Zdzieszowice] steht.

Przewdzing wurde in der Nacht zum 19. Februar auf seinem Bauernhof im Dorf Krempa [Krepa] ermordet. Ania Mroz, Pressereferentin der Oppelner Deutschen, vermutete – (wie alle) – politische Motive für den Mord, was polnische Behörden bestritten. Premier Donald Tusk ernannte Sybille Zimmermann, seit 2009 Przewdzings Stellvertreterin, zur neuen Bürgermeisterin, womit Neuwahlen umgangen wurden. Zimmermann will die konsequente Autonomielinie ihres Vorgängers nicht fortsetzen

Polens derzeitige Nervosität fußt auf der Angst vor dem „potenziellen Aggressor“ Russland, weswegen Präsident Bronislaw Komorowski mehr Präsenz der Nato im Lande forderte. In solchem Klima sprießt Verdacht, auch gegen Deutsche wie Przewdzing, dem Parteien wie die chauvinistische „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) und Tusks „Bürgerplattform“ (PO) vorwarfen, die „Abtrennung Schlesiens von Polen“ zu betreiben. Die gespannte Lage schilderte Lukasz Bily, Deutscher aus Oppeln: „Es kommt häufiger zu gewaltsamen Übergriffen auf Angehörige der Minderheit. Es sind Rechtsextreme, die früher den Bürgermeister attackierten.“ Das ging gegen Slawomir Klosowski, Sejmabgeordneter und Oppelner Vormann der PiS, der im Dezember vergangenen Jahres Przewdzing denunziert hatte, er betreibe eine „Schwächung der Einheit und Integrität des polnischen Staates“.

Zuvor wies das Oberste Gericht die Gründung einer „Gemeinschaft von Personen schlonsakischer Nationalität“ ab, weil die Schlonsaken wie die Deutschen vielen Polen als Sezessionisten gelten. Dabei hatte Przewdzing keine politische, sondern eine „ökonomische Autonomie Schlesiens“ im Sinn, denn „Warschau stiehlt schlesische Habe, es hat aus uns Bettler gemacht!“ Sein jetziger Tod verhärtete die Fronten: Deutsche, laut Berliner Ansicht „politisch und sozial gut integriert“, spüren Angst. Der Oppelner Kriminologe Tadeusz Cielecki sah im Mord an Przewdzing politische Rache. Krzysztof Zyzik, Chefredakteur der „Neuen Oppelner Tribüne“, rügte im April, dass Behörden durch schleppende Aufklärung Unruhe schürten. Nur die Schlonsaken gaben nicht auf, sie sammelten 140000 Unterschriften zur Änderung des Minderheitengesetzes. Wolf Oschlies


MELDUNGEN

Tadschiken rauben straflos

Duschanbe/Wilna – Recherchen des ARD-Magazins „Panorama“ und der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“) zufolge ist Tadschikistan ein Hauptabnehmer für in Deutschland gestohlene Luxusautos. Nachdem bereits Ermittler des Berliner Landeskriminalamts (LKA) einen Verdacht geäußert hatten, sind die Journalisten auf der Suche nach gestohlenen Fahrzeugen in dem zentralasiatischen Land fündig geworden. Auf den Sachverhalt angesprochen, erklärte der Innenminister Tadschikistans, Ramason Rachimow, er sehe die neuen Autobesitzer als rechtmäßige Eigentümer, da die Fahrzeuge gutgläubig erworben worden seien. Nach Erkenntnissen des LKA wird der Diebstahl überwiegend von professionellen litauischen Banden verübt, wobei das EU-Land Litauen als Drehscheibe beim Weitertransport nach Tadschikistan genutzt wird. N.H.

 

Niederlande ziehen Patriots ab

Den Haag – Die niederländische Regierung hat angekündigt, ihre Flugabwehrkräfte aus der Türkei abzuziehen. Im Rahmen der Nato-Operation Active Fence Turkey haben die Niederlande gemeinsam mit Deutschland und den USA Patriot-Flugabwehrraketensysteme im Süden der Türkei stationiert, die den Bündnispartner vor möglichen Raketenangriffen aus Syrien schützen sollen. Das niederländische Verteidigungsministerium begründete den Ausstieg aus der Operation mit der Überlastung von Personal und Material durch den Dauereinsatz sowie mit dringend erforderlichen Wartungsarbeiten, die nur in der Heimat durchgeführt werden könnten. Dies gilt auch für die deutschen Active-Fence-Kräfte. Ob das niederländische Vorgehen mit Berlin abgestimmt war und die Bundeswehr nachziehen wird, ist bislang nicht bekannt. J.H.


S. 7 Wirtschaft

Europa droht Zeit der Finsternis
Risse in Kernkraftreaktoren machen nicht nur Belgien zu schaffen – Erhöhte Gefahr von Stromausfällen

Fehlerhafter Spezialstahl, der vor Jahrzehnten in einer Reihe von Kernkraftwerken verbaut wurde, könnte im bevorstehenden Winter zum Auslöser einer ausgemachten europäischen Energiekrise werden.

Belgien, dass gut 50 Prozent seines Stroms nuklear erzeugt, muss derzeit gleich mehrere Hiobsbotschaften verkraften, die von seinem Energiesektor gemeldet werden. Innerhalb weniger Monate ist mehr als die Hälfte der belgischen Atomstromproduktion weggefallen, aktuell produzieren drei von sieben belgischen Reaktoren keinen Strom. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland jederzeit bis zu einer Unterbrechung der Lieferungen nach Mittel- und Westeuropa eskalieren kann. Bereits im März waren Reaktor 3 des Kraftwerks Doel bei Antwerpen und Reaktor 2 der Anlage Tihange bei Lüttich wegen Schäden vom Netz genommen worden. War bisher die Rede davon, dass die Anlagen in diesem Herbst wieder hochgefahren werden sollen, so meldete vor Kurzem die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Flämischen Gemeinschaft VRT, dass die beiden Reaktoren vermutlich überhaupt nicht mehr ans Netz gehen können. Unter Berufung auf „verlässliche Quellen“ hat VRT berichtet, dass „Zwischenergebnisse“ erkennen ließen, wonach die Reaktorwände von tausenden Rissen durchzogen seien und ein Sicherheitsrisiko darstellten.

Sollte dieser Befund von der Aufsichtsbehörde FANK bestätigt werden, dann hat nicht nur Belgien ein ernstes Problem. VRT zufolge ist der Stahl, der die bekanntgewordenen Schwächen zeigt, weltweit bei 22 Reaktoren verwendet worden. Zehn davon sollen sich auf europäischem Boden befinden. Außer Belgien sind auch die Niederlande, die Schweiz und Spanien betroffen.

Als wäre für Belgien damit die Lage nicht schon schwierig genug, ist vor Kurzem auch noch im Kraftwerk Doel der Reaktorblock 4 ausgefallen – auch er wird über die kommenden Monate keinen Strom liefern. Ursache ist das Auslaufen großer Mengen von Schmieröl in einer Hochdruckturbine, das zu einer Schnellabschaltung geführt hat. Da das Ablassen des Öls nur manuell durchgeführt werden kann, ermittelt inzwischen sogar die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts von Sabotage an der Nuklearanlage. Mit dem Ausfall von Doel 4 stehen Belgien nur wenige Monate vor dem Winter 3000 der 5700 Megawatt Produktionskapazität aus Atomkraft nicht mehr zur Verfügung.

Anlass genug, dass in Belgien inzwischen die Diskussion über die mögliche Gefahr eines „Black-outs“ – eines flächendeckenden Stromausfalls – während der bevorstehenden Wintermonate eingesetzt hat. Der deutschsprachigen Zeitung „Ostbelgien Direkt“ zufolge denken die Behörden inzwischen sogar über die Möglichkeit kontrollierter Stromabschaltungen im kommenden Winter nach, um bei Engpässen einen Zusammenbruch des gesamten Stromsystems zu verhindern. Den Belgiern droht damit etwas, dass sonst nur aus Dritte-Welt-Ländern bekannt ist, nämlich Stromrationierungen.

Erschwerend kommt hinzu, dass nun auch beim französischen Energieversorger Électricité de France (EDF) Probleme bekannt geworden sind, die sich schnell ausbreiten können. Wegen defekter Kesselsysteme musste EDF vier Atomreaktoren in Großbritannien vom Netz nehmen. Sollten die festgestellten Risse auch bei baugleichen französischen Meilern gefunden werden, müssten dort eventuell mehr als ein Dutzend Reaktoren abgeschaltet werden. Von der französischen Atomaufsichtsbehörde liegt inzwischen der Rat vor, für Ersatzkapazitäten zu sorgen.

Die sich damit abzeichnenden Energieengpässe drohen nicht nur für Belgien und Frankreich Folgen zu haben. Europas Stromnetze sind längst nicht mehr national begrenzt. Alle europäischen Erzeuger, Zwischenhändler und Verbraucher teilen sich im Grunde eine Strom-Infrastruktur. Wie schnell sich ein lokaler Störfall zu einem europaweiten Problem ausweiten kann, wurden am 4. November 2006 deutlich. Damals schaltete der Versorger Eon in Norddeutschland aus technischen Gründen zwei Hochspannungsleitungen ab. Resultat einer Kausalkette aus falscher Planung und schlechter Kommunikation der Netzbetreiber war am Ende ein länderübergreifender Stromausfall. Insgesamt gingen in zehn Millionen Haushalten in der Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Spanien und Österreich über Stunden die Lichter aus. Auch in den kommenden Monaten besteht die Gefahr, dass das deutsche System der Stromerzeugung mit seinem hohen Anteil an den „Zufallsenergien“ Wind- und Solarstrom bei der angespannten Lage in Belgien nicht etwa hilfreich, sondern weiter destabilisierend wirkt. Sollte es in den kommenden Monaten tatsächlich zu schweren Problemen in der europäischen Stromversorgung kommen, werden massive Forderungen nach der Schaffung einer „Energieunion“ durch die EU-Kommission nicht lange auf sich warten lassen. Vor allem Polens Premier Tusk macht schon länger Druck, damit die EU die bislang bilateralen Verträge für Gaslieferungen – etwa mit Russland – vergemeinschaftet.

Dass noch mehr Macht in der Energiepolitik für Brüssel keine Wende zum Besseren bringen muss, macht der 2012 von EU-Energiekommissar Günther Oettinger vorgelegte „EU-Stresstest“ für Atomkraftwerke klar. Schon damals hatten Kritiker bemängelt, dass wichtige Punkte – wie die bereits damals bekannten Risse an belgischen Reaktoren – kein Kriterium bei dem sogenannten Stresstest waren. Norman Hanert


Franchise auch bei Unis
Wie Fastfood-Ketten vergeben Hochschulen neuerdings Lizenzen

Zunehmend verleihen Hochschulen Studiengänge an private Bildungsträger, die selber keine Studenten ausbilden dürfen. Das Prinzip ähnelt dabei dem der Fastfood-Ketten, bei denen der Franchisenehmer das Recht kauft, eigene Läden unter einer bekannten Marke zu eröffnen. Die „Deutsche Universitätszeitung“ spricht deshalb schon von der „McUniversity“. Die Unternehmen und Institute erhalten gegen Lizenzgebühr ein maßgeschneidertes Studienprogramm und können sich mit der Vergabe eines Hochschulabschlusses schmücken. Diese Studiengänge gehen mitunter weit über das herkömmliche duale Studium hinaus, bei dem Studenten zwischen der Praxis in Unternehmen und der Theorie an Hochschulen wechseln.

Ein Beispiel ist der neu eingerichtete sechssemestrige Weiterbildungsmaster „Sexologie“ der Hochschule Merseburg und des Schweizer Instituts für Sexualpädagogik und Sexualtherapie ISP in Uster. Dieser soll sich an Berufstätige aus dem sozialen, psychotherapeutischen, medizinischen und pädagogischen Bereich richten und auf Tätigkeiten in der Sexualberatung vorbereiten.

Im Rahmen dieses Academic Franchising kann zwar einerseits das Studienangebot erweitert werden. So kann durch eine entsprechende Zusammenarbeit der Fachhochschule Köln mit der Internationalen Filmschule, die von der Medienstiftung Nordrhein-Westfalen und dem ZDF betrieben wird, den Absolventen der Filmschule ein akademischer Titel angeboten werden, den sie ohne die Kooperation nicht bekommen hätten.

Auf der anderen Seite droht bei den stark spezialisierten Programmen aber die Gefahr einer zu geringen Teilnehmerzahl und des Verlusts von Qualitätsstandards. Seit 2006 haben gerade einmal rund 70 Studenten den „Master of Hospital Management“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel abgeschlossen, der gemeinsam mit der Akademie Damp organisiert wird. Die Akademie gehört zu dem privaten Gesundheitsunternehmen Damp Holding AG. Wie problematisch geringe Teilnehmerzahlen sein können, zeigt das Beispiel der hannoverschen Managementschule Gisma, die ihr MBA-Programm für jährlich 1,4 Millionen Euro von der US-amerikanischen Purdue University erwarb. Aufgrund geringer Studentenzahlen musste sie finanziell vom Land Niedersachsen unterstützt werden.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) weist darauf hin, dass sich in den Landeshochschulgesetzen nur zum Teil Regelungen zum Franchising von Studiengängen finden. Während in Großbritannien bereits seit mehr als 15 Jahren über das Franchising diskutiert wird und beispielsweise ein universitärer Qualitätscode erlassen wurde, ist die Entwicklung in Deutschland relativ neu. Die HRK präzisierte 2013 deshalb ihre Empfehlungen für das akademische Franchising und forderte die Kultusministerkonferenz auf, klare rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen und diese von nichtakademischen Prüfungen abzugrenzen. Zusätzlich sollen die Hochschulen jährlich die Partnerschaften offenlegen sowie über die Einnahmen und Aufwendungen gegenüber der Öffentlichkeit Rechenschaft ablegen. Ulrich Blode


Asylbewerber statt Fachkräfte
Anwerbeaktion der Bundesregierung zeigt kaum Wirkung

Sie kommen zu Zehntausenden, deutsche Asylheime sind inzwischen derart überfüllt, dass Zelte aufgestellt und Gebäude hinzugemietet werden müssen. Doch die Politik und jene, die den Zustrom von Asylbewerbern verwalten müssen, verbreiten Optimismus. „In Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels können wir als Gesellschaft jeden dieser jungen Leute gebrauchen“, so Peter Gillo vom Regionalverband Saarbrücken, einem Zusammenschluss mehrerer Kommunen jenes Gebiets, das der am stärksten frequentierte Anlaufpunkt für Asylbewerber an der französischen Grenze ist.

Offen bleibt nur, warum jene, die wirklich Fachkräfte sind, dann nicht den für sie leichter zu nehmenden bürokratischen Weg wählen. Im Juli 2013 trat eine Verordnung in Kraft, die es Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten deutlich einfacher macht, eine Arbeitserlaubnis für Deutschland zu erhalten. Die vom damaligen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) als „wichtiger Meilenstein“ bezeichnete Regelung richtet sich ausdrücklich nicht nur an Hochqualifizierte, sondern erstmals auch an Fachkräfte unterer Lohngruppen wie Mechatroniker, Klempner sowie Kranken- und Altenpfleger, die zuvor von der Bundesregierung als sogenannte „Mangelberufe“ eingestuft wurden.

Dieser Tage zog nun die Bundesagentur für Arbeit Bilanz und gab bekannt, dass im letzten Jahr 170 beruflich qualifizierte Fachkräfte auf diesem Weg nach Deutschland gekommen seien. Die deutsche Wirtschaft zeigt sich enttäuscht und versucht, Gründe für das geringe Interesse zu finden. Hierzu zählen die mangelnden Sprachkenntnisse möglicher Bewerber, die schwierige Vergleichbarkeit ausländischer Abschlüsse mit deutschen Standards und das Fehlen einer sogenannten „echten Willkommenskultur“. Auch wurde kritisiert, dass die Bundesregierung die Regelungen, die laut dem Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration zu den liberalsten in den westlichen Industriestaaten zählt, zu wenig im Ausland kommuniziert und beworben habe.

Derartiges plant das Arbeitsministerium – inzwischen unter der Führung von Andrea Nahles (SPD) und nicht mehr von Ursula von der Leyen (CDU) – auch nicht. Man setze maßgeblich auf die „Aktivierung der inländischen Potenziale“, sprich Frauen, Ältere, Arbeitslose und bereits hier lebende Zuwanderer, statt auf Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern. Deutschland sei nicht „der quasi-natürliche Zielort für Zuwanderer aus Drittstaaten – die sprachlichen und kulturellen Barrieren zum Beispiel sind in anderen Ländern deutlich niedriger“.

Dies sieht das Wirtschaftsministerium offenbar anders. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) führt das von Rösler begonnene Pilotprojekt, Pflegekräfte aus Vietnam gezielt anzulernen, fort. Allerdings wurde es inzwischen überarbeitet. Erhielten die ersten 100 Auszubildenden 2013 in Hanoi nur einen halbjährigen Deutschkurs bevor es nach Deutschland in die Pflegeeinrichtungen ging, wurde der Sprachkurs auf ein Jahr verlängert und mit einem interkulturellem Begleitprogramm versehen. Bel


MELDUNGEN

Neue Windparks dank EEG-Reform

München – Die Stadtwerke München wagen sich nach zahlreichen Pleiten und Pannen bei Offshore-Windparks zusammen mit dem Energiekonzern Vattenfall an ein neues Projekt. Und auch EnBW denkt über neue Windparks auf offener See nach. Grund sind neue Vorgaben der Bundesnetz-agentur für die Netzanschlüsse und die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die auch weiter hohe Subventionen für Offshore-Windparks vorsieht. Bel

 

Öko-Strom nicht um jeden Preis

Erfurt – Laut einer Umfrage des Sozialforschungsinstituts INSA ist nur jeder zehnte Deutsche auf jeden Fall bereit, für die Energiewende höhere Strompreise zu zahlen. 54 Prozent lehnten Kostensteigerungen in diesem Zusammenhang sogar ausdrück-lich ab. Zustimmung und Ablehnung waren laut INSA unabhängig vom Alter der Befragten. Die meisten Politiker, vor allem von den Grünen, hingegen behaupten, dass die Mehrheit der Deutschen gerne bereit sei, für die Umstellung auf Öko-Strom höhere Strompreise zu bezahlen. Bel

 

RWE-Stiftung vor dem Aus

Essen – Die Niedrigzinspolitik der EZB, aber auch die Energiewende haben dafür gesorgt, dass der Energiekonzern RWE sich genötigt sieht, seine Stiftung, die schwerpunktmäßig in den Bereichen Bildung, Kultur und Soziales engagiert war, umzuwidmen und auslaufen zu lassen. Da über Zinsen kaum noch Einnahmen zu generieren sind und RWE infolge der Energiewende kaum noch Gewinne erwirtschaftet, muss die Stiftung ihr Kapital verbrauchen. Zudem soll sie nun auch den Bereich Energieforschung fördern. Bel


S. 8 Forum

Nein, niemals!
von Manuela Rosenthal-Kappi

Niemals würde die EU einen Konflikt daraus machen, wenn die Ukraine sagen würde: „Wir gehen jetzt zur Eurasischen Union.“ Das hat Kanzlerin Angela Merkel am vergangenen Wochenende im „Bericht aus Berlin“ in einem 19-minütigen Sommerinterview gesagt.

Nein, natürlich würde die EU niemals Druck auf die Ukraine ausüben, um sie zur Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens zu drängen. Haben die Politiker solch ein Kurzzeitgedächtnis, dass sie sich an die Ereignisse im November des vergangenen Jahres nicht mehr erinnern, als der damalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch dermaßen unter dem Druck aus Ost und West stand, dass er zwischen beiden hin- und herlavierte? Damals wie heute stand der Ukraine das Wasser bis zum Hals. Die EU hatte Janukowitsch bereits 2010 Hilfen aus dem Internationalen Währungsfonds in Aussicht gestellt und diese an Bedingungen geknüpft, die er nicht einhalten konnte oder wollte. Just in dem Moment, als er für einen Beitritt zur Eurasischen Union russische Hilfen eintauschen wollte, kam es zur Eskalation, die in einem Krieg mündete, dessen Ausgang niemand vorhersagen kann.


Verlogene Debatte
von Rebecca Bellano

Es ist schon eine massive Skepsis angebracht, wenn uns von offizieller Seite die zunehmende Zahl von Asylbewerbern schöngeredet wird, indem darauf verwiesen wird, dass Deutschland dringend Facharbeiter brauche. Wären diese Neuankömmlinge Fachkräfte, könnten sie sich nämlich über den einfacheren Weg einer Arbeitserlaubnis Einreise in dieses Land verschaffen. Und dass sie es werden, darf in den meisten der Fälle angezweifelt werden. Schließlich handelt es sich überwiegend um zumeist junge Erwachsene, deren oft nur einfaches Grundwissen vermittelnde Schulzeit abgeschlossen ist.

Auch dürfte ein Blick auf die bereits hier lebenden Kinder von Zuwanderern desillusionieren. Gerade hier sieht selbst das Arbeitsministerium unter Andrea Nahles (SPD) noch Potenzial, um eine Erhöhung des Bildungsstands durchzusetzen, sprich, wo Potenzial vermutet wird, ist es noch nicht ausgeschöpft. Zudem zeigen unzählige Statistiken, dass der Anteil höherer Bildungsabschlüsse bei Kindern von Zuwanderern unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt.

Natürlich sollte man sich hüten, alle über einen Kamm zu scheren. Wer will, sollte sich die Welt des Wissens erschließen können. Nur darf die Frage erlaubt sein, ob denn auch jeder will. Nicht in jedem Kulturkreis wird Bildung als ein hohes Gut geschätzt. Das mag aus unserer Sicht bedauerlich sein, da aber die bundesrepublikanischen Gutmenschen alles tun, um den Zuwanderern auch hierzulande die Bewahrung ihrer Traditionen zu ermöglichen, darf man sich nicht wundern.


Was nicht verwehen darf
von Hans Heckel

Am 4. September vor genau 25 Jahren bog die deutsche Geschichte in eine dramatische Wende ein, die am 9. November 1989 den ganzen Globus bewegen sollte, als die Berliner Mauer fiel. An jenem 4. September versammelten sich erstmals Leipziger Bürger zu einer sogenannten Montagsdemonstration und setzten damit – ohne es zu ahnen – eine revolutionäre Umwälzung von welthistorischen Ausmaßen in Gang.

Die Rückschau der Deutschen auf jene Ereignisse vor der Leipziger Nikolaikirche fällt vergleichsweise verhalten aus. Andere Völker begehen die Ursprünge ihrer glorreichen Volksbewegungen mit weit mehr Pomp und Pathos. Die Deutschen aber scheinen sich eigenartig schwer zu tun mit der Einordnung und Würdigung der damaligen Ereignisse.

Die Gründe sind mannigfach. Für viele einstige DDR-Bürger dürfte die historische Leistung der Montagsdemonstranten bis heute überlagert sein von den auf die deutsche Vereinigung folgenden persönlichen Schick­salsschlägen. Zahllose Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz, Lebensentwürfe barsten, nicht selten scheiterten Menschen sogar vollends an der neuen Zeit oder mussten noch einmal ganz von vorn beginnen. Die scheinbare Entwertung der bisherigen beruflichen Lebensleistung überschattete den Stolz auf die politische, die patriotische Leistung, von der plötzlich niemand mehr etwas hören wollte. In so einer Lage fällt das vorbehaltlose Feiern des historischen Datums verständlicherweise schwer.

Es kommt aber noch etwas anderes dazu, was die deutsche Erinnerungskultur in beiden Teilen des Landes lähmt. Nicht bloß alte SED-Chargen trauern der Teilung des Landes nach. Auch in Westdeutschland gab es viele, welche die Spaltung Deutschlands nicht nur hinnahmen, sondern begrüßten.

Für sie waren die aufbegehrenden Deutschen in der DDR Störenfriede, wenn nicht gar „Verräter“. Die besonders extremen Verächter des zweiten Volksaufstandes marschierten mit „Nie wieder Deutschland“-Transparenten durch die Straßen.

Heute besetzen die damaligen Einheitsgegner noch immer einen Großteil der Schaltstellen in Politik, Medien und Kultur. Dort wachen sie darüber, dass die Erinnerung an die großartigen Tage von 1989 flach gehalten wird. Denn es war ihre politische Niederlage, die nicht wenige als persönliches Fiasko empfanden.

Von solchen Kräften aber sollten sich freiheitsliebende Patrioten heute ebenso wenig beeindrucken lassen wie damals. Denn in jenen Tagen hat sich etwas Wunderbares gezeigt, das da lautet: Wenn wir etwas wirklich wollen, dann können wir es auch erreichen. Das ist die leuchtende Botschaft des 4. September 1989, die nie verwehen darf.


Moment mal!
Gutmenschen am Ende
von Klaus Rainer Röhl

Von der Wiege bis zur Bahre haben sie uns beharkt mit ihren Sprüchen und Ermahnungen – das geht los bei den Kleinkindern, die in den Kitas von wenig oder schlecht ausgebildeten Erziehern zu guten Menschen herangebildet werden sollen und setzt sich fort im Kinder-„Spiegel“, genannt „Dein Spiegel“ („Können wir nicht auf Fleisch verzichten? Müssen Vegetarier wirklich mit Mangelerscheinungen rechnen?“ Natürlich nicht, klar!).

Kommen die Kinder zur Schule, wird die Dauerberieselung mit Propaganda zum täglichen Ritual. Alle Menschen sind gleich, auch wenn manche einen ein bisschen bedepperten Eindruck machen, schwul sein ist normal, transsexuell sein auch. Einwanderung bereichert die Gesellschaft so kolossal, dass wir eigentlich gar nicht genug davon kriegen können, und die meisten Rumänen, die jetzt einwandern, wollen eigentlich arbeiten. Sie haben aber nur noch keine Arbeitsplätze gefunden, die müssen also dringend geschaffen werden. So beziehen sie wenigstens Kindergeld für die Kinder, auch für die in Rumänien, und das gehört sich so. Der „Islam gehört zu Deutschland“, das ist fast schon ein Glaubensbekenntnis – dass das Christentum zu Deutschland gehört, steht zwar (noch) im Grundgesetz, ist jedoch eher fraglich. Es gibt keine Rassen. Bei Pferden schon, auch bei Hunden, sogar bei Zierfischen, beim Menschen aber gibt es nur verschiedene ins Auge fallende Hautfarben, aber sonst sind alle gleich. Und wer die Unterschiede überhaupt erwähnt – und es kann bei kleinen Kindern trotz strenger Gutmenschen-Erziehung schon mal passieren, dass sie sagen „Bei uns ist ein Schwarzer!“ – Au Backe! Da haben die Eltern nicht aufgepasst, das ist schwer rassistisch. Und Zigeuner gibt es überhaupt nicht, nicht einmal als Name eines Schnitzel-Gerichts, und wenn die „Sinti und Roma“ mal was klauen, gehört das zu ihrem kulturellen Brauchtum und ist zudem eine Folge jahrhundertelanger Unterdrückung. Gerade in den Deutschen stecke ein besonderer Rassismus, hieß es vorwurfsvoll in jedem zweiten Leitartikel und Kommentar.

Dabei gab es eigentlich schon bei unseren Vorfahren keine Vorurteile. Stand nicht im „Struwwelpeter“, einem weit verbreiteten, praktisch jedes deutsche Kind erreichenden Buch, ein klares Bekenntnis gegen den Rassismus? Als die bösen und verachtungswürdigen Gassenbuben einen kohlpechrabenschwarzen Andersfarbigen verhöhnen, heißt es wörtlich: „Was kann denn dieser Mohr dafür, dass er so weiß nicht ist wie ihr?“ 1845! Sollte man mehr lesen in den Kitas, den „Struwwelpeter“.

Die Appelle an „die Deutschen“, womit natürlich nur die von Geburt in den Grenzen von 1937 lebenden Deutschen gemeint sind, richteten sich besonders gegen die angeblichen Vorurteile gegen den Islamismus. Sollten wir nicht auch für junge Salafisten und Dschihadisten Verständnis aufbringen? („Sie fühlen sich ausgeschlossen aus der Gesellschaft, in der sie keine guten Jobs kriegen!“) Verständnis und viel Geld für alle forderten die guten Deutschen, kommt her zu uns, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Hier bitte abladen. So sollte es bleiben für immer ... Bis eine wild gewordene Mutation der Gattung Mensch, ein Anhänger des sogenannten „Kalifen“ des „Islamischen Staates“ (IS), einem US-amerikanischen Journalisten vor laufender Kamera den Kopf abtrennte.

Die Nachricht war eine Wende. Es hat lange gedauert, aber jetzt ist die Botschaft angekommen: Das sind keine Terroristen mit einer religiösen oder politischen Botschaft. Das sind Irre. Wild gewordene, freigelassene Irre in US-Panzern und mit weitreichenden Waffensystemen. Die Jahrtausende alten Regeln kulturellen Zusammenlebens haben sie aufgekündigt.

Der holländische Autor Leon de Winter versucht zu erforschen, was die jugendlichen Anhänger der IS in Wirklichkeit umtreibt: „Wer vom Dschihad besessen ist, hat eine bemerkenswerte Macht. Er kann in orgiastischem Fieber vergewaltigen, töten und Beute machen. Dank der Gehirnwäsche, die er durchlaufen hat, weiß er dieses Vorgehen von seiner Religion legitimiert. Die IS-Kämpfer verkörpern all das, was im Laufe der Zivilisation kanalisiert wurde: die sexuellen und destruktiven Energien junger Männer.“

Nicht anders als die Sowjetrussen beim Einmarsch in Ostpreußen 1945, die von einem ihrer größten Schriftsteller sogar ausdrücklich dazu aufgefordert wurden, deutsche Frauen und Mädchen zu vergewaltigen, Deutsche auf grausamste Weise zu töten, also all das zu tun, für das man in jedem Land mit dem Tode bestraft oder lebenslang hinter Gitter gesperrt wurde – auch in der Sowjetunion.

Die jungen Männer aus Asien, die im Raum Königsberg und in Danzig, in Pommern und in Schlesien besonders barbarisch wüteten, waren nicht grausamer erzogen als andere Jugendliche. Der Grund für die an allen Frontabschnitten auftretenden Gewalttaten und Morde war ein anderer: Sie begingen die Verbrechen, weil sie es durften. Weil das Gewaltverbot, das seit Kain und Abels Zeiten gilt, für sie aufgehoben war.

Den angeblichen „Rassestolz“ der deutschen Frauen sollten die russischen Soldaten nach einem Aufruf des Schriftstellers Ilja Ehrenburg durch massenhafte Vergewaltigungen „brechen“.

Der Ermunterungen durch solche Sprüche bedurften die jungen Soldaten aus den asiatischen Provinzen der Sowjetunion nicht – sie wussten schon, was sie mit den Frauen und Mädchen tun wollten – und taten das, was sie in ihren verborgendsten Träumen und Phantasien schon immer gewollt hatten, das gleiche, was sich alle potenziellen Sexualtäter und Mörder überall auf der Welt in ihren Gewaltträumen wünschen: das junge Mädchen, die Frau demütigen, mit Gewalt nehmen, dem Opfer Schmerz zufügen und es am Ende sogar ermorden.

Leon de Winter schließt seinen Aufsatz in der „FAZ“ über die IS-Terroristen mit den Worten: „Der islamische Dschihad erlaubt den Gläubigen nunmehr, rohe sexuelle Gewalt auszuüben. Die Menschen sind wieder so schutzlos, wie sie es vor zehntausenden von Jahren waren, bevor wir mit dem langsamen und schmerzlichen Prozess begannen, unsere grausame Natur zu überwinden. Diese Leute brauchen kein politisches oder religiöses Programm, ihre Triebkraft ist keine soziale oder ökonomische Benachteiligung. Ihre Vorstellung eines weltumspannenden Kalifats ist nur ein Vorwand. Es geht nur um den Wunsch zu vergewaltigen und zu zerstören!“

Liebe Gutmenschen, was nun? Diskutieren mit den Mördern, sie verstehen und mit verständnisvollen Worten milde stimmen?

Die Ausbreitung des IS-Terrors schreitet voran. Mit geschätzten 23000 Söldnern sind die Terrortrupps von Syrien aus in den Nordirak vorgedrungen, vertreiben, foltern, morden Andersgläubige, besonders Jesiden und Christen. Die öffentliche Hinrichtung von James Foley war der vorläufige Höhepunkt. Nun ist auch der letzte Traumtänzer aufgewacht.

Und siehe da: Auf einmal ruft auch Rupert Neudeck, geradezu die Symbolfigur aller Gutmenschen, nach Waffen!

Das muss auch den letzten im vorigen Jahrhundert hängen gebliebenen Gutmenschen die Sprache verschlagen. Es ist nicht mehr ihre Stunde.


S. 9 Kultur

Der Naturversteher
Caspar David Friedrich allerorten − Greifswald feiert seinen berühmtesten Sohn gleich dreifach

In Greifswald rüstet man zu einer Festwoche, die den berühmtesten Sohn der Stadt ehrt: Caspar David Friedrich, die Hauptfigur der ro­mantischen Malerei. Anlass ist der 240. Geburtstag am 5. September.

In den Geburtstag wird vom 30. August an hineingefeiert. An dem Tag wird im Pommerschen Landesmuseum eine Schau mit einer Auswahl der kürzlich erworbenen 55 Briefe eröffnet, die Fried­rich an seine Verwandten in Greifswald ge­schrieben oder von ihnen erhalten hat.

Der Maler war das sechste von zehn Kindern eines Seifensieders und Kerzengießers. Sein Geburtshaus lag in der Langen Straße. Das Vorderhaus brannte 1901 ab und wurde wieder aufgebaut. Original erhalten geblieben ist das Werkstattgebäude mit der Seifensiederei im Kellergeschoss. In dem Komplex wurde vor zehn Jahren das Caspar-David-Friedrich-Zentrum eröffnet. Hervorgehoben wird die sein Schaffen prägende Heimatverbundenheit. Von 1798 bis zum Lebensende 1840 in Dresden wohnhaft kam er häufig zu Familienbesuchen in die Heimat.

Dort, in Neubrandenburg, Stralsund und auf Rügen fertigte er Studienzeichnungen an, die ihm als Grundlage seiner im Dresdener Atelier gemalten Bilder dienten. Zur Feier seines Geburtstages wird die ständige Schau am 5. September um das Familienkabinett erweitert, das den Stammbaum präsentiert und die innige Verbindung zu den Geschwistern dokumentiert. Zudem wird eine Sonderschau eröffnet, die das künstlerische Schaffen der Familie vorstellt. Die Werke stammen von Friedrich selbst, seinem Sohn Gustav Adolf, seiner Schwiegertochter, seinem Enkel und weiteren Familienmitgliedern.

Die mit 15 Gemälden umfangreichste Sammlung besitzt die Alte Nationalgalerie in Berlin. Zu ihren Schätzen gehören „Der Mönch am Meer“ und „Abtei im Eichwald“ (beide um 1809). Ausgestellt 1810 auf der Schau der Berliner Kunstakademie, wurden sie durch Preußens König Friedrich Wilhelm III. auf Initiative des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Fried­rich Wilhelm IV. angekauft. „Der Mönch am Meer“ überwältigt durch die ungeheuerliche „Leere“ der Szenerie: Am Strand steht einsam und verlassen der Mönch vor Meeresfläche und Himmel mit einigen Möwen.

Friedrich kommentierte das Bild so: „Und sännst Du auch vom Morgen bis zum Abend, vom Abend bis zur sinkenden Mitternacht; dennoch würdest du nicht ersinnen, nicht ergründen, das unerforschliche Jenseits!“

Das etwas unheimliche Gemälde „Abtei im Eichwald“ zeigt Mönche bei einer Bestattungszeremonie. Vorbild für die gemalte Abtei war die vor den Toren Greifswalds gelegene Klosterruine Eldena. Dieses Sinnbild der Vergänglichkeit ist geradezu zum Wahrzeichen der romantischen Malerei geworden − und tritt wiederholt in Friedrichs Gemälden auf. Eines der erstaunlichsten befindet sich im Pommerschen Landesmuseum. Es versetzt die pommerschen Klosterüberreste nach Böhmen, wie der Titel verrät: „Ruine Eldena im Riesengebirge“ (1830/34).

Treffend deuten Experten einen Großteil der Gemälde als „Zwiesprache mit der Natur“ − an der uns der Maler teilhaben lässt. Da gibt es so erhebende Szenen wie die im Sonnenlicht liegenden „Kreidefelsen auf Rügen“ (um 1818, Museum Oskar Reinhart, Winterthur) mit Ausblick aufs Meer, das sich hier und in vielen anderen Bildern auf die Lebensfahrt des Menschen bezieht. Andererseits stehen die drei dargestellten Personen am Abgrund (der Kreidefelsen).

Einsam am Abgrund steht auch „Der Wanderer über dem Nebel­meer“ − und ebenso lässt sich sein Blick von der Höhe als Erhebung über kleinliches Grübeln hin zu erhabenen Sphären der Einsicht erleben. Das auf Zeichnungen aus dem Elbsandsteingebirge basierende Meisterwerk gehört zur umfangreichen Fried­rich-Sammlung der Hamburger Kunsthalle, die auch sein letztes vollendetes Gemälde aufbewahrt: „Meeresufer im Mondschein“.

Ebenso hervorragend ist die im Dresdener Albertinum ausgestellte Friedrich-Kollektion. Zu ihr gehört mit dem des Frühlingserwachens harrenden „Hünengrab im Schnee“ (1807) eines der frühesten Gemälde Friedrichs überhaupt. Das Identifikationsbild der deutschen Romantik schlechthin ist das Dresdener Gemälde „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ (1819/20). Der eine stützt sich vertraulich auf die Schulter des anderen. Naturandacht in lauschiger Nacht mit dem beruhigenden Gefühl, nicht allein auf dieser Welt zu sein. Veit-Mario Thiede

„Briefe von und an Caspar David Friedrich“ bis 7. September im Pommerschen Landesmuseum, Rakower Straße 9, Greifswald. Info: www.pommersches-landesmuseum.de. 5. September: Eröffnung der Erweiterung der Dauerschau sowie bis 2. November „Die Künstler der Familie Friedrich“ im Caspar-David-Friedrich-Zentrum, Lange Straße 57, Greifswald. Internet: www.caspar-david-friedrich-gesellschaft.de.


Ein Krimi-Coup
Werner Bergengruen starb vor 50 Jahren

Als 1935 Werner Bergengruens Roman „Der Großtyrann und das Gericht“ erschien, war sich die Kritik einig: ein meisterlicher Krimi aus der Renaissancezeit. Aber war diese Geschichte über den Polizeichef Nespoli, der im Auftrag des undurchsichtigen Tyrannen innerhalb von nur drei Tagen den Mord an einem Mönch aufklären soll und dabei willkürlich Verdächtige vor Gericht zerrt, tatsächlich eine Parabel über den NS-Staat? Der „Völkische Beobachter“ soll den Krimi laut Bergengruen als „Führerroman der Renaissance“ gefeiert haben. Re­gimekritiker hingegen deuteten die Geschichte als Anspielung gegen Machtmissbrauch.

Bergengruen dürfte die Reaktionen auf sein Werk sicher mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis genommen haben. Denn konzipiert hatte er den Roman schon zu einem Zeitpunkt, als Hitler noch gar nicht an der Macht war. Auf alle Fälle blieb der „Großtyrann“ bis zu Bergengruens Tod vor 50 Jahren sein bedeutendstes literarisches Werk.

Der Autor starb am 4. September 1964 in Baden-Baden. Tatsächlich aber war er Baltendeutscher. In Riga am 16. September 1892 als Sohn eines Arztes geboren, wandte er sich dem Journalismus zu, ehe er im Ersten Weltkrieg als Stoßtruppführer der baltischen Landwehr gegen die Rote Armee kämpfte. Nach dem Krieg war er in Berlin Chefredakteur der „Baltischen Blätter“ und veröffentlichte erste historische No­vellen, welche die Novellistik C. F. Meyers oder des ersten deutschen Literaturnobelpreisträgers von 1910, Paul Heyse, zum Vorbild hatten. Als Erneuerer der Literaturszene galt Bergengruen mit seinen Werken nicht gerade. In seinen Romanen und seiner vom christlichen Glauben – 1936 konvertierte er zum Katholizismus – geprägten Lyrik be­diente er sich durchweg traditionellen Formen.

Da er auch wegen seiner Frau, die jüdische Wurzeln hatte, unter den Nationalsozialisten als „politisch nicht zuverlässig“ galt, wurden seine späteren Romane wie „Am Himmel wie auf Erden“ (1940) nicht gedruckt, zumal das Papier knapp wurde. 1937 wurde der mittlerweile in Solln bei München lebende Autor aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, durfte aber weiter schreiben. Doch ein ähnlicher Coup wie mit dem „Großtyrann“ sollte ihm bis zu seinem Tod nicht mehr glücken. Harald Tews


Schöne Grüße aus dem Krieg
Berliner Gropius-Bau präsentiert farbige Feldpostkarten aus der Zeit um 1914

Andere verstehen durch Fotografie − das war ein Anliegen eines der reichsten Männer vor dem Ersten Weltkrieg, des französi­schen Bankiers Albert Kahn (1860−1940). Nicht nur seine höchst humane Gesinnung, auch die Begeisterung für die neuen Techniken der Farbfotografie veranlassten ihn, eine der weltweit bedeutendsten fotografischen Sammlungen im „Archive de la planète“ für die Nachwelt zu verwahren.

Der Erste Weltkrieg stand vor der Tür, als Kahn die Idee hatte, Fotografen in die Welt zu senden, um festzuhalten, was bald so nicht mehr sein würde. Der Mann aus eher ärmlichen Verhältnissen, im Elsass geboren, wurde um 1890 durch Spekulationen sehr reich und zog nach Boulogne-Billancourt bei Paris.

Die verschwindende Welt zu thematisieren, war seine Intention. Die entsandten Fotografen waren mit der neuesten Farbfotografietechnik ausgestattet. Sie machten sich auf den Weg nach China, Indien, Vietnam, Bosnien und der Türkei. Kahns Begeisterung für das neue Autochromverfahren der Gebrüder Auguste Marie und Louis Jean Lumière aus Frankreich gab den Anstoß.

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt mit „Die Welt um 1914. Farbfotografie vor dem Großen Krieg“ mittlerweile fast vergessene Farb-Fotografien. Kahn präsentierte die bis dahin unbekannten Aufnahmen von Menschen ferner Länder in seinen privaten Salons. So saßen dereinst Kaiser Wilhelm II. oder der japanische Tenno im kleinen Kinosaal der Villa und ließen sich mittels Projektor die Bilder vorführen.

Als „ambitioniertestes Foto- und Filmprojekt der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg“ wird die Leistung Kahns gewürdigt. Die Hälfte der Aufnahmen stammt aus Kahns Sammlung. Außerdem werden in der Schau Fotos und Filmmaterial des Berliner Che­mikers Adolf Miethe (1862−1927) gezeigt. Sein Thema: Deutsche Landschaften.

In Berlin gelang schon 1873 dem Fotochemiker Hermann Wilhelm Vogel an der Technischen Universität die Sensibilisierung für die Farbe Grün. Bis dahin nahmen die stark blau-empfindlichen fotografischen Platten die an­deren Farben nicht wahr.

Fast 30 Jahre später, im Jahr 1902 mischte Nachfolger Adolf Miethe in Berlin den Platten die Farbstoffe bei, die alle Farben registrierten. Panchromatische Platten galten als Riesenfortschritt in der Fotografie.

Weiterhin kam Miethe darauf, je ein Bild durch einen roten, grünen und blauen Filter aufzunehmen. Als Farbbild konnte er die drei Bilder wieder zusam­mensetzen. In einem Fotostudio am Ende der Ausstellung können Besucher dieses Verfahren mit einem Foto von sich nachstellen.

Auch Sergej Prokudin-Gorskii (1863−1944) machte sich damals auf den Weg. Er durchstreifte das Zarenreich und hinterließ faszinierende Aufnahmen, die man im Gropius-Bau betrachten kann.

Sehenswert auch die Bildpostkarten. 1869 in Österreich erstmals zugelassen, wurden sie in Deutschland als kostenlos transportierte Feldpostkarte im Deutsch-Französischen Krieg verwendet. Ab 1883 wurden Bildpostkarten allgemein zugelassen und seit 1905 begeistern sie bis heute Millionen Menschen.

Was hat man damals abgebildet? Den Kaiser zum Beispiel, wie er vor Kriegsgräbern salutiert, die Kaiserin mit ihren Kindern, Berlin und seine Sehenswürdigkeiten. Spätestens beim Betrachten dieser Relikte einer anderen Epoche geht man zwangsläufig auf Zeitreise, versucht die alten deutschen Handschriften zu entziffern und fragt sich, wer wohl damals an wen geschrieben hat?

Da der Erste Weltkrieg erstmals ein Medienkrieg war, wurden schließlich alle Fotografen eingezogen, damit sie Bilder zu Zwecken der Kriegspropaganda aufnehmen. Einige kehrten nach dem Krieg zum Mäzen Kahn zurück. So kam es bis 1930 noch zu 70000 Aufnahmen und 160000 Kilometer Filmmaterial.

Im Jahr 1914 standen alle Zeichen auf Krieg. Die Ausstellung zeigt einige der vielen Menschen, die die Welt kurz davor mittels einer Vision vom Frieden verändern wollten. Silvia Friedrich

Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin. Geöffnet bis 2. November, täglich 10 bis 19 Uhr, dienstags geschlossen. Eintritt: 9 Euro.


MELDUNGEN

Matthus übergibt Stab an Matthus

Rheinsberg − Der in Berlin lebende ostpreußische Komponist Siegfried Matthus übergibt die künstlerische Leitung des Musikfestivals Kammeroper Schloss Rheinsberg an seinen Sohn Frank. Siegfried Matthus, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feierte (siehe PAZ vom 12. April), stand dem kurz nach dem Mauerfall gegründeten Festival von 1990 an 24 Jahre lang vor. Das Opernfest präsentiert in den Sommermonaten re­gelmäßig Neuinszenierungen klassischer und moderner Opern. tws

 

Die »Schöpfung« beim Musikfest

Stuttgart − Vom 29. August bis zum 14. September richtet die Internationale Bachakademie Stuttgart in der Schwabenmetropole ihr Musikfest aus. Passend zum Leitthema „Herkunft“ wird im Kultur- und Kongresszentrum am 30. August Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ aufgeführt. Zu den Orchester-Höhepunkten zählen am 31. August das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter seinem Ehrendirigenten Sir Roger Norrington mit Dvoráks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, am 6. September die Junge Deutsche Philharmonie unter dem Dirigat des 90-jährigen Sir Neville Marriner und am 13. September die Münchner Philharmoniker unter der Leitung von Semyon Bychkov mit Werken von Richard Strauss. Ursprünglich hätte das Konzert der im Juli verstorbene Lorin Maazel leiten sollen. Infos unter www.musikfest.de. tws


S. 10 Geschichte

Als in Warschaus Straßen gefeiert wurde
Vor 75 Jahren brach der Zweite Weltkrieg aus – Außerhalb Polens war die Stimmung der Bevölkerung eher niedergedrückt

Das Tischtuch war zerschnitten, die Zeit der durchschaubaren Maskeraden vorbei, seit Adolf Hitler am 28. April 1939 den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt gekündigt hatte. Unmittelbar danach wurden aus den polnischen Grenzgebieten vermehrt Übergriffe auf Deutsche gemeldet. Hitler erließ „eine Weisung an die Wehrmacht“, den „Fall Weiß“, der detaillierte Anordnungen für einen Einmarsch in Polen enthielt.

Zwar leitete Hitler den „Fall Weiß“ ein mit der Feststellung „Das deutsche Verhältnis zu Polen bleibt weiterhin von dem Grundsatz bestimmt, Störungen zu vermeiden“, dann aber befahl er: „Die Aufgabe der Wehrmacht ist es, die polnische Wehrmacht zu vernichten. Hierzu ist ein überraschender Angriffsbeginn anzustreben …“

Danzig entwickelte sich zusehends zum gefährlichsten Krisenherd Europas. Der deutsche Generalkonsul Martin von Janson meldete im Mai 1939, die Stadt sei von einem polnischen Militärflugzeug überflogen worden. Polnisches Militär habe aus einem Hinterhalt auf Danziger Grenzbeamte geschossen. Wenige Tage später berichtete Generalkonsul Ernst von Küchler aus Thorn, das polnische Militär bereite einen Überfall auf Danzig vor.

Im Reich machten Gerüchte die Runde, die NSDAP in Danzig wolle die Stadt zum Teil des Deutschen Reiches erklären. Die „Kalthof-Affäre“ sorgte für Schlagzeilen. Nach einem Protest gegen polnische Zollinspektoren, denen wiederholte Übergriffe auf deutsche Frauen vorgeworfen wurden, war ein SA-Mann, der Fleischermeister Grübnau, erschossen worden. Schütze war der Chauffeur der polnischen Diplomatischen Vertretung in Danzig. Er hatte mehrere hochrangige Mitarbeiter zur Beobachtung der Proteste nach Danzig-Kalthof gefahren. Wenige Tage später wurde aus Danzig berichtet, der polnische Zoll habe auf deutsche Fernfahrer geschossen.

Die Tonlage in der Propagandaschlacht verschärfte sich. Der polnische Marschall Edward Rydz-Smigły sagte im Juni der US-Zeitung „News Chronile“, er habe bereits vor vier Monaten die Mobilisierung angeordnet. Das sei nicht nur eine Demonstration gewesen, „wir waren zum Krieg bereit“. In der Tat war der größte Teil der 330000 einberufenen Reservisten nicht wieder nach Hause ge­schickt worden, neue Armeehauptquartiere waren bezogen und gehalten, Truppenteile an ihre späteren Einsatzorte verlegt worden.

Auf täglichen Reichspressekonferenzen in Berlin erhielten Vertreter deutscher Zeitungen genaue Anweisungen zur Berichterstattung. Im Juni hieß es noch: „Über volksdeutsche Flüchtlinge aus Polen sollen nicht nur keine Zahlen, es sollen auch keine Berichte aus Flüchtlingslagern gebracht werden.“ Vier Wochen später lautete die Anweisung: „Verbürgte Greuelmeldungen, wie sie über DNB (Deutsches Nachrichtenbüro, dem Propagandaministerium unterstellt, d. Red.) kommen, müssen von heute ab groß auf der ersten Seite erscheinen.“ Und in Polen schrieb die Zeitung „Czas“ in der ersten Woche des August: „Die Geschütze sind auf Danzig gerichtet … Es sollen sich alle klar darüber sein, dass dieses Geschütze schießen, wenn die Behörden der Freien Stadt Danzig Polen vor irgendwelche vollendeten Tatsachen stellen wollen.“

Moskau verhandelte im Sommer 1939 an zwei Fronten. Einerseits waren die Sowjets mit England und Frankreich im Gespräch über ein Garantieabkommen für Polen und Rumänien, andererseits war eine Annäherung zwischen Moskau und Berlin längst über das Vorgeplänkel hinaus. Dabei hatte Adolf Hitler noch im April den wahren Feind in Mos­kau ausgemacht. In einem ausführlichen Gespräch mit dem rumänischen Außenminister hatte er gesagt, falls es zum Krieg komme, „wird es ein Zerstörungskrieg werden, wie keine Phantasie ihn sich ausmalen kann … Am Ende werden wir alle, Sieger und Besiegte, unter den gleichen Trümmern liegen, und nur einem wird es nutzen, dem da in Moskau.“ Trotzdem sandte Hitler Liebesgrüße nach Moskau. Wenn er zum festgesetzten Zeitpunkt gegen Polen marschieren lassen wollte, musste er die Sowjetunion als Gegner ausschalten.

Als sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1939 zum 25. Mal jährte, war der Frieden nicht mehr zu retten. Die Tageszeitungen veröffentlichten aus Anlass dieses Gedenktages Tagesbefehle der Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtteile. Dreifach rührten sie die Kriegs­trommel im gleichen Klang.

Hitler empfing am 11. August den Hohen Kommissar des Völkerbundes in Danzig, den Schweizer Carl Jacob Burck­hardt. Er erklärte ihm: „Alles, was ich unternehme, ist gegen Russland gerichtet. Wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden.“ Zwölf Tage später, am 23. August, unterzeichnete Außenminister Joachim von Ribbentrop in Moskau den Nichtangriffspakt. Es empfing ihn „ein sehr netter Herr Stalin …. Ein sehr netter Molotow“, überhaupt fühlte sich Ribbentrop „in ihrer Mitte wie unter alten Parteigenossen“.

Am 31. August lieferte der inszenierte Überfall auf den Sender Gleiwitz die von Hitler gewünschte Rechtfertigung für einen militärischen Schlag gegen Polen. Nach dem Krieg gab der SS-Mann Helmut Naujoks zu Protokoll, er habe die Radiostation im Auftrag Reinhard Heydrichs zusammen mit einigen polnisch sprechenden Deutschen überfallen.

Der Krieg kam nicht ganz pünktlich. Er begann nicht, wie von Hitler geplant, am 26. August um 4.40 Uhr, sondern am 1. September 1939 um 4.45 Uhr. Das im Hafen von Danzig liegende Linienschiff „Schleswig-Holstein“ eröffnete das Feuer auf die polnische Westerplatte. An der polnischen Grenze rollten die Panzer.

Auf den Straßen in Warschau feierten die Menschen den Ausbruch des Krieges. Sie waren von einem baldigen Sieg überzeugt. An den Häusern forderten Plakate zum Marsch nach Berlin auf. Aus anderen europäischen Hauptstädten wurde eine niedergedrückte Stimmung der Bevölkerung gemeldet. Klaus J. Groth


Vorboten der Friedlichen Revolution
Aus dem Tagebuch von Vera Lengsfeld: August 1989

Die PAZ-Autorin Vera Lengsfeld war seit den 1970er Jahren in der Opposition gegen das SED-Regime aktiv und seitdem Mitorganisatorin aller wichtigen Veranstaltungen der Friedens- und Umweltbewegung der DDR. 1988 wurde sie wegen „Versuchter Zusammenrottung“ verhaftet und nach einem Monat in den Westen abgeschoben. Am Morgen des 9. November 1989 in die DDR zurückgekehrt, wurde sie Mitglied der Verfassungskommission des Runden Tisches und später der ersten und zugleich letzten frei gewählten Volkskammer. Von 1990 bis 2005 gehörte sie dem Deutschen Bundestag an. An dieser Stelle berichtet die bekannte Bürgerrechtlerin monatlich aus eigenem Erleben über die Ereignisse vor 25 Jahren in der DDR.

Kurz vor seinem Ableben erfährt der SED-Staat eine Aufwertung, um die er und mit ihm die Westlinke jahrelang gekämpft hatten. Die Zeitungen des Axel-Springer-Verlages setzen ab dem 1. August den Namen des Arbeiter- und Bauernstaates nicht mehr in Gänsefüßchen. Die SED-Führung jubelt, die Genossen laufen ihr trotzdem davon. Im August beginnt die Austrittswelle aus der SED, die sich bis zum Untergang der DDR und darüber hinaus fortsetzen wird. Allein in diesem Monat verlassen 30000 Mitglieder die Partei. Andere bleiben (noch) und versuchen, sich mit der Hoffnung auf eine baldige biologische Lösung des Politbüro-Problems zu trösten.

Von Verteidigungsbereitschaft gegen-über der Politik der SED kann keine Rede mehr sein. Die Genossen schweigen bestenfalls, andere werden aufmüpfig, was bis zu Fluchtversuchen und Ausreiseanträgen reicht. So steigt neben der Zahl der Austritte auch die der Ausschlüsse rasant an.

Der DDR laufen immer mehr Leute davon. Erstmals muss die Regierung einräumen, dass es ein Flüchtlingsproblem gibt. Ein Regierungssprecher, von dessen Existenz bisher nichts bekannt war, gibt im DDR-Fernsehen zu, dass Botschaften der Bundesrepublik im befreundeten sozialistischen Ausland von Menschen, die in den anderen Teil Deutschlands ausreisen wollen, besetzt wurden.

Die DDR wäre aber nicht mehr die DDR, wenn auf das Eingeständnis nicht gleich eine handfeste Drohung folgen würde:

Die DDR-Regierung warnt ihre Bürger davor, ihre Ausreise durch die bundesdeutschen Botschaften erzwingen zu wollen. Über den Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst gibt sie bekannt, dass Reisefragen eine „innere Angelegenheit der DDR“ seien.

Damit soll signalisiert werden, dass eine Hilfe der Botschaften für DDR-Flüchtlinge als eine Verletzung der „Souveränität“ der DDR angesehen werden würde.

Auf die Drohung folgen Taten: Nach Massenverhaftungen sitzen in den Gefängnissen der DDR inzwischen etwa 2500 Flüchtlinge ein, mit ständig steigender Zahl. Die ohnehin überfüllten Haftanstalten der DDR haben Schwierigkeiten, die Neuzugänge unterzubringen. Wo vorher zweistöckig geschlafen wurde, gibt es jetzt drei- bis vierstöckige Betten.

„Bild“ meldet diese Gefangenenzahlen auf der Titelseite und lässt ihre Leser wissen, dass die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in der DDR ihren Publikumsverkehr einstellen musste. Die Botschaft, die sich nicht so nennen darf, wurde von DDR-Bürgern, die auf diese Weise ihre Ausreise erzwingen wollen, förmlich überrannt. Woher kommen plötzlich 130 Menschen in der Ständigen Vertretung? Da muss es doch eine Vorgeschichte gegeben haben. Hat es auch, aber die ist in den Medien des freien Westens so heruntergespielt worden, dass sie der allgemeinen Aufmerksamkeit bisher entgangen ist.

Währenddessen verzichtet Ungarn von nun an darauf, gescheiterte Fluchtversuche von DDR-Bürgern in die Reiseanlage ihrer Personalausweise einzutragen. Damit ist die Rückkehr in die DDR nicht mehr mit der drohenden Haft wegen „versuchter Republikflucht“ versperrt. Allerdings fahren die wenigsten Leute nach einem oder mehreren gescheiterten Fluchtversuchen wieder nach Hause. Sie ziehen es vor, den Versuch so lange zu wiederholen, bis es klappt. Es klappt immer öfter.

In Westberlin appelliert die Senatorin für Gesundheit und Soziales, Ingrid Stahmer, an die Bewohner der Teilstadt, Flüchtlinge aufzunehmen. Alle 240 Heime, in denen Flüchtlinge aufgenommen werden können, sind bereits überbelegt.

Auf der anderen Seite der Berliner Mauer demonstrieren zum Jahrestag des Mauerbaus Ausreisewillige vor dem Brandenburger Tor. Die beobachtenden Stasileute müssen sich „Die Mauer muss weg!“-Rufe anhören.

In Budapest ist die Lage durch die DDR-Flüchtlinge, die unter freiem Himmel in den Parks und Grünanlagen kampieren, so angespannt, dass die Bonner Regierung einen Abgesandten in die Budapester Botschaft schickt, um über eine Lösung zu beraten. Davon hört auch Freifrau Csilla von Boeselager, die in der Residenz des Deutschen Botschafters Urlaub macht. Kurz entschlossen verkündet die Malteser-Frau, dass sie sich um die Flüchtlinge kümmern wolle. Am 13. August eröffnet sie dann mit dem Malteser-Hilfsdienst und mithilfe eines befreundeten Pastors auf dem Gelände der katholischen Gemeinde „Zur Heiligen Familie“ das erste Lager für Ausreisewillige aus der DDR.

Partei- und Staatschef Erich Honecker ist gezwungen, zu den dramatischen Vorgängen Stellung zu beziehen. Er tut es auf eine Weise, die deutlich macht, wie stark die Realitätsverweigerung bei diesem Politik-Greis schon gediehen ist. Es ist die Geburtsstunde seines berühmten Satzes: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“ Das schallende Gelächter seiner Noch-Untertanen hätte man auf dem ganzen Globus hören müssen.

In Budapest wird die Lage der Flüchtlinge mit jedem Tag unerträglicher. Das Malteser-Camp von Csilla von Boeselager ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Tausende kampieren in den Parks und Grünanlagen. Helmut Kohl versucht, DDR-Staatschef Honecker telefonisch zu überzeugen, die Ausreisewilligen gehen zu lassen. Honecker stellt sich stur.

Am 18. August beginnt in der Nähe der ungarischen Grenzstadt Sopron das „Paneuropäische Picknick“. Es war als Friedensdemonstration am Eisernen Vorhang geplant. Als Höhepunkt des Festes sollte das Grenztor an der alten Pressburger Landstraße, zwischen Sankt Margarethen und Sopronköhida (Steinambrückl), für drei Stunden geöffnet werden. Schirmherren des Ereignisses waren der CSU-Europaabgeordnete Otto von Habsburg und der ungarische Reformpolitiker Imre Pozsgay.

An der Pressburger Landstraße und dem Grenztor zwischen Österreich und Ungarn haben sich viele Journalisten und Kamerateams eingefunden. Die Öffnung des Tores für drei Stunden war in den Medien bekannt gegeben worden. Neben den geladenen Gästen hatten sich hunderte Ausreisewillige aus der DDR eingefunden. Als Otto von Habsburg und Imre Pozsgay nach einer Pressekonferenz am Tor eintreffen, fanden sie bereits eine unübersichtlich gewordene Situation vor. Die Entschlossensten unter den Ausreisewilligen rannten gegen 15 Uhr auf das Tor zu, drückten es ein und stürzten förmlich übereinander nach Österreich. Ihre Autos hatten sie einfach am Straßenrand stehen lassen. Auch sonst hatten die Flüchtlinge kaum etwas dabei. Von einem geordneten „kleinen Grenzverkehr“, wie er geplant war, konnte keine Rede sein. Der Flüchtlingsstrom fegte alle sorgfältige Planung hinweg.

„Bild“ kündigt am Ende des Monats die „größte Flucht aller Zeiten“ an. In Ungarn stünde ein Ausbruch von schätzungsweise 20000 Ausreisewilligen aus der DDR über die Grenze nach Österreich bevor. Es herrscht ein unglaubliches Chaos auf beiden Seiten des Grenzgebietes.

In der DDR lösen die vielen Flüchtlinge erhebliche Unruhe im Land aus. Stasichef Erich Mielke fragt in einer Dienstbesprechung besorgt: „Ist es so, dass morgen der 17. Juni ausbricht?“

Die Autorin dieses Beitrags ist Verfasserin des unlängst erschienenen Buches „1989 – Tagebuch der Friedlichen Revolution – 1. Januar bis 31. Dezember“, TvR Medienverlag Jena.


S. 11 Preussen

Der Arbeiterführer starb wie ein Aristokrat
Vor 150 Jahren erlag Ferdinand Lassalle den Folgen eines Duelles mit dem Verlobten seiner Ex-Geliebten Helene von Dönniges

Schon fast grotesk, um nicht zu sagen komisch, ist der Anachronismus, dass Ferdinand Lassalle, der als Sozialist eine nachbürgerliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung wollte, einem vorbürgerlichen Ritual zum Opfer fiel und dass das Ende des begnadeten Führers des erst aus der modernen Industrialisierung hervorgegangenen Vierten Standes an eine antike Tragödie erinnert. Beide Hauptprotagonisten der Liebestragödie haben ihr Fehlen später eingesehen und bereut – aber da war es zu spät, um die Katastrophe zu verhindern.

Erschöpft vom politischen Kampf gönnte sich der 1825 in Breslau geborene Hauptinitiator und Präsident der ältesten SPD-Vorläuferorganisation ADAV ab Mitte Juli 1864 einen Kuraufenthalt in der Schweiz, im Kurort Kaltbad auf dem Rigi. Als die damals 21-jährige Helene von Dönniges hiervon erfuhr, reiste sie ihm, der ihr schon in Berlin den Hof gemacht hatte, von Genf aus, wo ihr Vater als Gesandter Bayerns arbeitete und wohnte, nach und besuchte ihn am 25. Juli. Noch am selben Abend machte Lassalle ihr einen Heiratsantrag. Helene bat um Bedenkzeit und antwortete dann schriftlich: „Und nun wissen Sie auch mit Ihrem schönen herrlichen Geist und Ihrer so großartigen, aber mir lieben Eitelkeit, wie mein Entschluss lautet: Ich will und werde Ihr Weib sein!“

Lassalle ist ein Jude und ein roter, zeitweise vom Staat verfolgter Arbeiterführer und damit nicht unbedingt das, was sich in jener Zeit ein frischgeadelter Emporkömmling zum Schwiegersohn wünscht. Doch Lassalle, diese selbstbewusste politische Geistesgröße, hat einen Plan. Er will erst das Vertrauen von Helenes Vater gewinnen und dann bei ihm um ihre Hand anhalten. Erst falls dieser Plan nicht klappen sollte, will er als Plan B mit Helene durchbrennen.

Helene macht Lassalle jedoch einen Strich durch die Rechnung. Sie beichtet bei erstbester Gelegenheit ihre Liebe ihrer Mutter, die wiederum den Vater informiert. Der tobt. Helene flieht zu Lassalle und erwartet, dass nun Fall B in Kraft tritt. Lassalle weigert sich jedoch, mit seiner Geliebten durchzubrennen, und will es erst noch einmal mit einer einvernehmlichen Lösung mit Helenes Eltern versuchen. Er liefert Helene ihrer Mutter aus. Damit hofft er, bei Helenes Eltern zu punkten. Doch der Schuss geht nach hinten los. Die Eltern isolieren Helene und der Vater setzt sie psychischer und physischer Gewalt aus, in der nicht vergeblichen Hoffnung, ihren Willen zu brechen. Helene fühlt sich durch Lassalles Weigerung, mit ihr durchzubrennen, und die Auslieferung an ihre Mutter verraten und sieht sich in diesem Gefühl noch dadurch bestärkt, dass ihr Geliebter die Schweiz verlässt.

Hierbei wird sie Opfer eines tragischen Missverständnisses. Denn der selbstbewusste Lassalle ist abgereist, um in München seine nicht unerheblichen Beziehungen spielen zu lassen. In der Annahme, dass Bayern katholisch seien, lockt er die katholische Kirche mit dem Angebot, zu ihrem Glauben überzutreten, wenn sie sich denn für ihn bei Helenes Familie stark macht. Dieser Plan scheint vielversprechend, bis sich herausstellt, dass nicht alle Bayern katholisch sind. Helenes Familie beispielsweise ist wider die Regel protestantisch. Damit ist dieser Weg verbaut.

Auch über den Dienstherren von Helenes Vater versucht er es. So soll sein Freund Hans von Bülow Richard Wagner dazu bringen, dass der den bayerischen König Ludwig II. dazu bringt, dass der Helenes Vater dazu bringt, seinen Widerstand aufzugeben. Dieser Versuch scheitert bereits an dem Antisemiten Wagner, der keine Lust verspürt, sich für Lassalle bei seinem Gönner zu verwenden.

Beim bayerischen Außenministerium ist Lassalle erfolgreicher. Der Außenminister entsendet tatsächlich einen Emissär, mit dessen Hilfe es in der Tat gelingt, Helene die Möglichkeit zu geben, sich zu erklären. Durch die Enttäuschung über ihren Geliebten und die Bearbeitung durch ihre Familie ist die willensschwache Helene jedoch inzwischen von Lassalle abgerückt. Sie hat ihre Verlobung mit dem rumänischen Bojaren Janko von Racowitza, die sie wegen Lassalle gelöst hatte, reaktiviert und zeigt sich gegenüber Lassalles Emissären an einer Aussprache mit diesem desinteressiert: „Wozu das? Ich weiß, was er will. Ich habe die Sache satt.“

Lassalle ist ob dieses Sinneswandels Helenes konsterniert. Enttäuscht und gekränkt bricht er den Stab über Helene. Nun nicht mehr gezwungen, um die Gunst von Helenes Vater zu buhlen, schreibt er diesem am 26. August: „Nachdem ich ... vernommen habe, dass Ihre Tochter Helene eine verworfene Dirne ist und es folgeweise nicht länger meine Absicht sein kann, mich durch eine Heirat mit ihr zu entehren, habe ich keinen Grund mehr, die Forderung der Satisfaktion für die verschiedenen mir von Ihnen widerfahrenen Avanien und Beleidigungen länger zu verschieben und fordere Sie daher auf, mit den beiden Freunden, die Ihnen diese Erklärung überbringen, die erforderlichen Verabredungen zu treffen.“

Helenes Vater entzog sich durch Abreise dem Duell. Er ließ sich durch Helenes Verlobten vertreten. Beim Pistolenduell am 28. August im Wäldchen von Carrouge bei Genf gab Racowitza den ersten Schuss ab und verletzte Lassalle schwer am Unterleib. Der so Verletzte konnte zwar noch zurück­schießen, verfehlte aber sein Ziel. Am 31. August 1864 erlag Ferdinand Lassalle seiner Schussverletzung.

Dass seine Weigerung, mit Helene durchzubrennen, ein Fehler war, hatte Lassalle noch erkannt. Am 4. August 1864 schrieb er einer Vertrauten: „Ich bin so unglück­lich, dass ich weine, seit 15 Jahren zum ersten Mal. Was mich dabei noch zermartert, ist das Verbrechen meiner Dummheit. Wie konnte ich so beschränkt sein, auf Helenes Wunsch nicht einzugehen, sie ihren Eltern zurückliefern und loyal um sie werben! Ich hätte den Besitzstand benützen und sofort mit ihr fliehen sollen! Jetzt ist das Unglück da … Meine Dummheit richtet mich hin!“

Und Helene übte später Selbstkritik hinsichtlich ihres Wankelmutes. In ihrem 1879 erschienenen Buch „Meine Beziehung zu Ferdinand Lassalle“ hat sie geschrieben: „Das einzige, alles Entsetzen in voller Stärke überlebende Gefühl war … der Hass gegen die Eltern … und eine ebenso tiefe, dauernde Verachtung gegen mich selbst, gegen meine schmachvolle Willensschwäche. – Dieser auch klage ich mich wieder und wieder an und bekenne mich ihrer unverzeihlich schuldig.“

Aber beide Einsichten kamen zu spät. Manuel Ruoff


Teuer erkaufter Sieg
Vor 700 Jahren tobte im Deutschordensland der Hungerkrieg

Vor 700 Jahren tobte im Deutschordensland der sogenannte Hungerkrieg zwischen dem Deutschen Orden und der polnisch-litauischen Union. Die militärische Strategie des Ordens war von den Erfahrungen des vorausgegangenen Krieges gegen die Union im Allgemeinen und jenen der Schlacht von Tannenberg im Besonderen geleitet: Keinesfalls wollte man nochmals das Risiko einer großen Schlacht mit dem möglichen Verlust eines beachtlichen Teiles des eigenen Aufgebotes eingehen. Stattdessen zog man sich auf die befestigten Burgen und Städte zurück, rief die Landbevölkerung in den vom polnischen Vorstoß betroffenen Gebieten dazu auf, ihre Güter zu verlassen, sich in die benachbarten Befestigungen einzufinden oder sich in entferntere, sichere Gebiete im Samland oder im Weichselwerder zu begeben. Das flache Land wurde also dem Gegner preisgegeben, mit der Folge, dass die polnisch-litauischen Truppen es erbarmungslos verbrannten und verwüsteten, nach den damals üblichen Methoden des „Verheerungsfeldzuges“: Sie wollten ihren Feind durch die Vernichtung seiner wirtschaftlichen Grundlagen, durch die Zerstörung seiner Höfe, die Niederbrennung seiner Ernten seiner Lebensgrundlagen berauben und so zur Aufgabe treiben. Die gegnerische Bevölkerung sollte ausgehungert werden – eine Absicht, die aber auch von der Gegenseite aufgegriffen und gegen den Angreifer gewendet werden konnte, indem sie dessen Truppen durch den Rück­zug in die Burgen und die Wegführung oder gar Vernichtung der eigenen Vorräte auf dem verlassenen Landstrichen keine brauchbaren Vorräte mehr zurück­ließ und darüber hinaus durch vereinzelte gezielte Gegenstöße von der notwendigen Zufuhr abschnitt. Wegen dieser Vorgehensweisen des Verheerungsfeldzuges und ihrer Folgen ist der Krieg des Sommers 1414 in die historischen Annalen unter dem Namen „Hungerkrieg“ eingegangen.

Das polnisch-litauische Heer stieß, da die Drewenz von der Landwehr des Ordens gedeckt war und nicht nach Westen überschritten werden konnte, nach Norden vor, fiel raubend und plündernd in das Bistum Ermland ein, wandte sich von dort in das Oberland nach Christburg, drang bis vor Elbing vor und zog weiter nach We­sten und Südwesten ins Bistum Pomesanien, ohne mit seinen Bestürmungen der Städte sonderlich erfolgreich zu sein, setzte sich schließlich auf seinem Rückzug vor Strasburg im Kulmerland fest und belagerte erfolglos die nur von einer kleinen Besatzung verteidigte Ordensburg. Hier erschien Anfang Oktober ein päpstlicher Legat, und er vermittelte am 7. Oktober, begünstigt durch das gleichartige Drängen des deutschen Königs Sigismund, einen zweijährigen Waffenstillstand. Der Streit sollte auf dem unmittelbar bevorstehenden Konzil zu Konstanz vom Papst oder dem deutschen König, durch das Konzil selbst oder durch geistliche oder weltliche Fürsten verhandelt und entschieden werden.

Rückblickend lässt sich konstatieren, dass sich die Strategie Michael Küchmeisters, des damaligen Hochmeisters des Deutschen Ordens, insofern bewährte, als der polnische Angriff ins Leere lief, sich an den Festungen des Ordens brach und schließlich wegen zunehmender Versorgungsengpässe abgebrochen werden musste. Der Erfolg des Ordens war freilich schwer erkauft, da er der Landbevölkerung große Lasten zumutete: Sie hatte die Zerstörung ihrer Dörfer, Höfe und Felder hinzunehmen. Am Ende standen der polnische König Wladislaw und der litauische Großfürst Witold politisch mit leeren Händen da, hatten sie doch von ihren weitgespannten Zielen kein einziges erreichen können. Der grundsätzliche Konflikt war nach dem Abbruch des Hungerkrieges allerdings nicht beseitigt, er wurde fortgesetzt und wieder auf eine andere Ebene, die diplomatische und kirchenrechtliche des Konstanzer Konzils, verschoben. Klaus Neitmann


Grenadier oder Musketier?
Wessen Knochen Deutschlands Balkaninteressen nicht wert waren

Die Welt ist uneinig: Briten zitieren Otto von Bis­marcks „Pomeranian grenadier“, Italiener seinen „granatiere della Pomeranis“, aber Bulgaren den „pomeranski musketar“. Wer zitiert nun den Eisernen Kanzler richtig? Was hat er wirklich gesagt?

Die Stenographischen Berichte des Deutschen Reichstags haben Bismarcks Worte vom 5. Dezember 1876 akribisch vermerkt: „Ich werde zu irgendwelcher aktiven Beteiligung Deutschlands an diesen Dingen nicht raten. Ich sehe in dem Ganzen für Deutschland kein Interesse, welches auch nur die gesunden Knochen eines einzigen pommerschen Musketiers wert wäre.“ Mit diesen drastisch-deutlichen Worten beantwortete Reichskanzler Otto von Bismarck eine Anfrage des Reichstagsabgeordneten Eugen Richter von der linksliberalen Deutschen Fortschrittspartei, was Deutschland gegen den drohenden Krieg der Russen mit den Osmanen tun wolle. „Diese Dinge“ war die auf dem Balkan virulente „orientalische Frage“, jenes mörderische Dreieck aus osmanischer Agonie, Großmachtrivalitäten und divergierenden Territorialansprüchen, alles durch Propagandalügen vernebelt, die Bismarck sehr wohl durchschaute. Dieser historische Hintergrund ist verblasst.

Zur Verteidigung der Briten, Italiener und anderer, die Bismarcks Worte variierend zitieren, muss man allerdings ergänzen, dass beim Eisernen Kanzler selber später aus den Musketieren Grenadiere wurden. So sagte er am 11. Januar 1887 im Reichstag: „Es ist uns vollständig gleichgiltig, wer in Bulgarien regirt und was aus Bulgarien überhaupt wird. Ich wiederhole Alles, was ich früher mit dem viel gemißbrauchten und totgerittenen Ausdruck von den Knochen des pommerschen Grenadiers gesagt habe: die ganze orientalische Frage ist für uns keine Kriegsfrage. Die Freundschaft von Russland ist uns viel wichtiger als die von Bulgarien.“ Und am 17. Juli 1892 schrieb er in den „Hamburger Nachrichten“: „Das Wort vom pommerschen Grenadier und dem Werth seiner gesunden Knochen hat für uns und alle friedliebenden Deutschen noch dieselbe Bedeutung wie früher“.

Hatte Bismarck vergessen, mit welcher Waffengattung er Deutschlands Interessen an dem zwischen dem Zaren- und dem Osmanischen Reich umstrittenen Balkan ursprünglich gewogen und für zu leicht befunden hatte? Immerhin sind beide Wörter keine Synonyme. Vielmehr galten Mus­ketiere als simple Muschkoten, primitiv wie ihre Vorderlader-Mus­keten ohne gezogene Läufe. Grenadiere hingegen waren hochtrainierte Werfer von Granaten und bildeten die Elite der Infanterie. Gerade pommersche Grenadiere hatten sich in den Befreiungskriegen gegen Napoleon manche Meriten erworben, von denen sogar plattdeutsche Volkslieder kündeten. Andererseits hatten sich seit diesen Kriegen die Unterschiede zwischen Musketieren, Füselieren und Grenadieren mehr und mehr verwischt.

Bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, ob Versehen oder Absicht Bismarcks Wechsel vom Musketier zum Grenadier bewirkt haben, kann man altersbedingte Schusseligkeit wohl ausschließen. Wahrscheinlicher ist da schon die Rücksicht auf Volkes Stimme. Denn wenn der „Musketier“ auch originär war, geläufig wurde bei den Deutschen der „Grenadier“. Und so billigte Bismarck am Ende die Vox populi.

Auch in Debatten des konservativen Alldeutschen Verbands war vom pommerschen Grenadier die Rede. 1893 verbreitete sich der deutsche Soziologe und Sozialphilosoph Max Weber vor einem Kongress über die „Polenfrage“. Polnische Saisonarbeiter, der Landwirtschaft willkommen und vonnöten, seien eine Gefahr für Staat und Nation, denn „wenn das so weiter geht, dann werden wir die berühmten Knochen des pommerschen Grenadiers wohl einst in Pommern selbst vergeblich suchen“. Wolf Oschlies


S. 12 Leserforum

Leserforum

Marionette des Kapitals

Zu: Moskau darf nicht helfen (Nr. 33)

Der ukrainische Ernährungsminister Igor Schwaika erklärte, dass „die ukrainische Regierung keine humanitäre Katastrophe in Lugansk im Osten des Landes“ sieht und dass „das Militär in dem umkämpften Gebiet gut verpflegt“ ist. Das ist die zynische Aussage eines sogenannten Befreiers. Nachdem Russland einen Konvoi mit Hilfsgütern losfahren ließ und nachdem die Politiker in Kiew diesen Konvoi an der Weiterfahrt zu den Bedürftigen behindern, fällt es den Zynikern in Kiew erst ein, dass auch sie den Menschen im Osten helfen werden, aber wohlgemerkt, nicht in den von ihnen zerstörten Städten, sondern in den schon „befreiten Gebieten“.

Haben die Politiker in der EU noch nicht bemerkt, dass die ukrainische Armee durch den Einsatz schweren Kriegsgeräts Menschen tötet oder verwundet, dazu Häuser zerstört und Kraftwerke sowie andere Wirtschaftsanlagen beschädigt? Zuerst zerstören, dann Aufbauen und Dollars investieren. Da­nach: abkassieren und so den Schuldner an die Leine legen − dadurch begibt sich die Ukraine wie eine Marionette an die Strippen des Kapitals.

Für Ministerpräsident Jazenjuk und seine Oligarchen sind die Menschen unter ihnen Strandgut der Geschichte.

Gerhard Jeske, Hamburg

 

 

Gauck, bleib bei deinem Leisten!

Zu: Gaucks unappetitliche Rede (Nr. 32)

Seit Wulff und Gauck ist es offensichtlich, dass nicht nur die Wirtschaft über mangelnde Fachkräfte zu klagen hat. Abgezeichnet hat sich diese Tendenz schon mit der Wahl Richard von Weizsäckers zum Bundespräsidenten. Kaum einer hat ein fundiertes Wirtschaftswissen, geschweige denn ein geschichtliches Grundwissen des letzten Jahrhunderts.

Sobald ein renommierter Wirtschaftler gewählt ist, wird er aus dem Amt herausgemobbt, wie kürzlich geschehen.

Bundespräsident Gauck scheint seine Staatsbesuche grundsätzlich so zu legen, dass er sein pastorales Gehabe zu Lasten Deutschlands ausspielen kann. Sein ZDF-Interview bezüglich des „Überfalls“ Deutschlands auf Frankreich und sein Besuch in Oradour-sur-Glane mögen als Beispiele ausreichen.

Adenauer hat bei seinem ersten Besuch in Israel gezeigt, wie man sich anders verhalten kann, ohne ein übertriebenes Reuebekenntnis abzulegen. Er hat die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson erklärt und ist trotzdem als geachteter Bundeskanzler zurück­gekehrt. Dass die Aufforderung, „Schuster, bleib bei deinem Leisten“, nichts von ihrem Wahrheitsgehalt verloren hat, hat Gauck bewiesen.

Gebhard Knull, Buxtehude

 

 

Eine Mordarie

Zu: Moskau darf nicht helfen (Nr. 33)

Die russisch-sprachige Minderheit in der Ukraine soll laut der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko entweder vertrieben oder liquidiert werden. Der jetzige Ministerpräsident Jazenjuk und Staatschef Poroschenko haben sich ebenso eindeutig geäußert. Zwischenzeitliche humanitäre Hilfslieferungen konterkarieren nur die ganzen Mord­arien per Granaten, Raketen und Phosphorbomben auf die Zivilbevölkerung und verursachen nur weitere Geldforderungen des Putschisten-Regimes beim Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union.

Kanada hat zwar gerade 32 Tonnen an neuen militärischen Gütern in die Ukraine eingeflogen, aber ob diese ein schnelleres Ende des Elends der Bevölkerung herbeiführen können, ist völlig ungewiss.

Matthias Dumke, Wedel

 

 

Sprachverlust und Kriegstreiberei

Zu: Gaucks unappetitliche Rede (Nr. 32)

Betrachten wir das ganze Kriegsschuldthema einmal von den Vereinigten Staaten aus, wo ich lebe.

Dieser dumme Erste Weltkrieg hatte die Deutschamerikaner in eine äußerst schwierige Situation gebracht. Einerseits mussten sie sich patriotisch geben, weil sie aus deutschsprachigen Gebieten aus Europa nach Amerika gekommen waren, andererseits lag ihnen nicht daran, dass die USA in diesen Krieg hineingehen. Als dann erste Geheimoperationen der Deutschen in den Vereinigten Staaten abliefen und schwere Sabotageakte verübt wurden, außerdem ein U-Boot-Krieg die Handelsschifffahrt beeinträchtigte, musste sich der US-Präsident zur Kriegsteilnahme entschließen.

Mit dem Kriegseintritt der USA begann zugleich eine anti-deutsche Hysterie, die im Sprachverbot gipfelte. Es war untersagt, in der Öffentlichkeit und am Telefon deutsch zu sprechen. Der Unterricht der deutschen Sprache in Schulen wurde abgeschafft. Innerhalb weniger Jahre war das Deutschsprechen auf dem Gebiet der USA verschwunden.

Als man sich vor dem obersten US-Gericht bemühte, das Verbot der deutschen Sprache aufzuheben, war es schon zu spät. Der Sprachverlust war bereits eingetreten. Die aufkommende NS-Zeit und der Zweite Weltkrieg haben der deutschamerikanischen Kultur den Rest gegeben.

Man kann einfach sagen: Diejenigen, die unbedingt darauf aus waren, dass das Deutsche Reich einen Krieg beginnt, sind Schuldige. Sie haben Schlimmstes angerichtet. Nun auch noch hinzugehen, Teile der Schuld bei anderen abzuladen, ist völlig unnötig. Kriegstreiber, die unbedingt eine Nation zum Kriegsbeginn drängen, darf man nicht nachträglich entschuldigen.

Karl-Ludwig Diehl, New York/USA

 

 

Der Bundespräsident hätte besser schweigen sollen

Zu: Gaucks unappetitliche Rede (Nr. 32)

Die „deutsch-französische Erbfeindschaft“ wurde am wenigsten von den Deutschen verursacht. Über Jahrhunderte hinweg versuchten royalistische und republikanische Machthaber Frankreichs die Ostgrenze ihres Staates an den Rhein zu verschieben oder sogar darüber hinaus, nicht nur mit den Mitteln der Diplomatie, sondern auch mit kriegerischer Gewalt. Die Ruine des Heidelberger Schlosses kündet noch heute von willkürlichen Verwüstungen einer ganzen Region durch französische Söldner im 17. Jahrhundert.

Vor Kurzem besuchte ich die Stadt Aachen, die zurzeit drei Ausstellungen dem Todestag des „gemeinsamen Kaisers“ Karl des Großen vor 1200 Jahren widmet. Charlemagne war wohl kaum der Grund, warum ein Jahrtausend später französische Revolutionstruppen die Lieblingspfalz des Frankenherrschers und nach ihnen Napoleons Armeen große Teile Deutschlands Frankreich einverleibten. War es schließlich nicht der noch heute als Genie verehrte, aber auch machtsüchtige korsische Abkömmling, der mit seinen Eroberungszügen durch ganz Europa nationalistische Bewegungen auslöste, also auch unter den Deutschen das Verlangen nach einer einigen Nation?

Ich meine, es war nicht die Aufgabe des französischen Staatspräsidenten François Hollande und des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck, bei der Gedenkfeier an den Ersten Weltkrieg auf dem Hartmannsweilerkopf im Elsass wieder die schlimme Vergangenheit in den Beziehungen ihrer Länder mit deren Ursachen und Verantwortlichkeiten in irgendeiner Weise zu bewerten. Ihr Anliegen bei der Begegnung auf dem „Menschenfresserberg“ konnte nur sein, auf den ungeheuren Irrsinn unablässiger Kriege auf dem europäischen Kontinent hinzuweisen und als Quint­essenz mit Leidenschaft für ein gemeinsames Europa als Garant für ein Leben in Frieden und Freiheit zu plädieren. Dass sich das heutige offizielle Frankreich völlig unzeitgemäß immer noch mit einem gewissen Glorienschein aus früheren Siegen und erfolgreichen Annexionen, selbst in Übersee, umgibt, ist unserem Bundespräsidenten wohl entgangen. Auch insofern sind mir seine Einlassungen über ein gutes französisches und kritisches deutsches Nationalverständnis schleierhaft. Er hätte zur Vergangenheit besser geschwiegen, so wie sein französischer Partner.

Doch Gaucks Rede insgesamt als Tirade und unappetitlich zu bezeichnen halte ich für einen bedauernswerten journalistischen Stil, den sich die PAZ, die ja auch das Sprachrohr der Heimatverbände ist, nicht zu eigen machen sollte, wenn sie bei ihren Lesern glaubwürdig erscheinen will.

Ich zähle noch zu der Generation, die als Kind die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erlebte. Meine ostpreußischen Vorfahren väterlicherseits wurden durch Tod und Vertreibung Opfer beider Weltkriege. Nicht zuletzt diese eigene Familiengeschichte ließ mich zu einem überzeugten Europäer werden. Deshalb pflege ich auch gute Beziehungen zu französischen Freunden, die sich ebenfalls schon früh europäischen Idealen verschrieben haben. Und ich warb schon nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bei Begegnungen mit Polen im früheren Ostpreußen für einen Beitritt des neuen Polens zur Europäischen Union.

Hermann Kowalewski, Weißenhorn


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Zivilflughafen für Groß Schiemanen
Grundsteinlegung für ein 50-Millionen Euro-Projekt in der Nähe Ortelsburgs – Drei Viertel zahlt die EU

Der ehemalige Militärflughafen in Groß Schiemanen bei Ortelsburg wird zu einem zivilen Fluhafen umgebaut. Bei starkem Regen wurde diesen Monat der Grundstein für das Projekt Regionalny Port Lotniczy Olsztyn-Mazury (Regionalflughafen Allenstein-Masuren) gelegt.

An der feierlichen Grundsteinlegung nahmen ranghohe Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kirche, aber auch Militär, Polizei und Berufsfeuerwehr teil. Nach der Eröffnung des Festaktes und der Begrüßung aller Teilnehmer durch den für Infrastruktur und Vermessungskunde zuständigen Ressortchef, Viktor Wójcik, namens der Regierung der Woiwodschaft Ermland-Masuren, die auch die Bauaufsicht beim Flughafen führt, sprach Woiwodschaftsmarschall Jacek Protas. Er dankte allen Beteiligten, die zur Realisierung des Projektes beigetragen haben und informierte über die weiteren Planungen und die Kosten.

Die gesamten Baukosten betragen 200 Millionen Złoty (fast 50 Millionen Euro). Davon werden 76 Prozent als Fördermittel von der EU zur Verfügung gestellt. Die Firma Mostostal-Krakow hat sich vertraglich verpflichtet, für 111,3 Millionen Złoty (fast 26,6 Millionen Euro) die Start- und Landebahn zu bauen sowie die komplette Navigationsanlage zu errichten. Für weitere 56,5 Millionen Złoty (knapp 13,5 Millionen Euro) soll Mostostal-Krakow die Abfertigungshalle einschließlich zugehöriger Infrastruktur fertigstellen. Die Firma Skanska soll für 9,2 Millionen Złoty (fast 2,2 Millionen Euro) die komplette Zaunanlage inklusive der Infrastruktur bauen und erhält 3,9 Millionen Złoty (gut 0,9 Millionen Euro) für diverse Neubauten einschließlich des vorhergehenden Rückbaus der alten Gebäude. Als Fertigstellungstermin ist der 31. August des nächsten Jahres projektiert.

Nach den Reden wurden von Vertretern aus Politik und Wirtschaft unterschriebene Urkunden zusammen mit einer aktuellen Ausgabe der Tageszeitung „Gazeta Olsztynska“ zusammengerollt und in einem Messingbehälter verschlossen, der seinerseits in einer Betonröhre im Boden versenkt wurde. Ein hoher Geistlicher der katholischen Kirche sprach gemeinsam mit den Anwesenden das Vaterunser und segnete das gesamte Vorhaben. Zum Abschluss des festlichen Aktes wurde vor den Augen der Gäste demonstrativ mit dem Abbruch eines Teiles der alten Betonstart- und -landebahn begonnen.

Bereits Wochen vor der Grundsteinlegung, am 1. Juli dieses Jahres, waren die ersten Baumaßnahmen eingeleitet worden. Vor dem Festakt bereits in Angriff genommen wurden der Rückbau der ehemaligen Kaserne der polnischen Armee, der Rückbau der alten Zäune und der Neubau der neuen Sicherheitsbegrenzung des Flughafengeländes sowie der Abriss der alten Lande- und Startbahn. Der dabei anfallende Schutt wird als Verdichtungsmaterial und Unterbett für die neue Lande- und Startbahn verwendet. Die neue Lande- und Startbahn wird in Richtung Osten 500 Meter länger sein als ihre Vorgängerin. Somit können in Zukunft auch die ATR 45 und die ATR 72 von Avions de Transport Régional, die Embraer 170, die Bombadier 400, die Boeings 737-600, 737-800 und 737-900 sowie die Airbusse A 320 und A 330 den Flughafen anfliegen. Der alte Terminal dient zurzeit als Bauunterkunft, später soll er als Unterkunft für Service- und Wartungspersonal zur Verfügung stehen.

Der nun neu entstehende Zivilflughafen liegt zwar etwas außerhalb, ist aber an das Straßen- und Bahnnetz angebunden. Er liegt an der Bundesstraße Ortelsburg–Warschau. Die Bahnstrecke von Allenstein über Passenheim nach Ortelsburg ist gerade erst von 2012 bis Juli dieses Jahres durch die italienische Firma Salcef erneuert worden. Siegfried Taday


BJO-Gruppe traf Gebietsgouverneure
Ungeplante Begegnung auf dem deutsch-russischen Soldatenfriedhof Mattischkehmen

Zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren und um sich ein Bild von den aktuellen russischen Restaurierungsarbeiten zu machen, hat der Gouverneur des Königsberger Gebietes, Nikolaj Zukanow, mit einer größeren Delegation und Presseanhang den Soldatenfriedhof Mattischkehmen [Sowchosnoje] besucht. Unmittelbar zuvor hatte eine Gruppe des Bundes Junges Ostpreußen (BJO), der Jugendorganisation der Landsmannschaft Ostpreußen, einen Kranz für die deutschen und russischen Soldaten niedergelegt.

Im anschließenden gemeinsamen Gespräch zeigte sich Zukanow erfreut über das Interesse der jungen Deutschen an der Region. Die Beteiligung der deutschen Seite bei der Pflege von Kriegsgräbern in dem Gebiet sei besonders wichtig, erklärte der Gouverneur. Hier könnten Deutsche und Russen gemeinsam zur Gräberpflege beitragen und bei der Versöhnung zwischen Deutschland und Russland mitwirken. Des Weiteren lobte das Gebietsoberhaupt die Zusammenarbeit mit der Kreisgemeinschaft Gumbinnen und der Partnerstadt Bielefeld.

Die Vertreter des Bund Junges Ostpreußen sprachen die besondere Rolle des Königsberger Gebietes an, die eine Schlüsselposition für eine Annäherung zwischen Deutschland und Russland haben könnte. Vor allem in Anbetracht der gegenwärtigen diplomatischen Situation sei es hier möglich, ungeachtet dessen eine einende Brücke, aufbauend aus den Gemeinsamkeiten der Geschichte, zwischen den beiden Ländern zu errichten.

Die russische Restaurierung des Friedhofes in Mattischkehmen zeigt, dass eine solche Annäherung durchaus möglich ist und kann als Vorbild für weitere Projekte in dem Gebiet dienen. Bis zum Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Der Soldatenfriedhof Mattischkehmen ist eine von etlichen Grabstätten für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im nördlichen Ostpreußen. Die Soldatenfriedhöfe sind mahnendes Zeugnis der Ereignisse von vor 100 Jahren. Mit 643 deutschen und 438 russischen Gefallenen ist Mattischkehmen einer der größeren Friedhöfe im Gebiet. Dort liegen Soldaten, die an der Schlacht von Gumbinnen am 20. August 1914 teilnahmen. Die Schlacht endete mit einem deutschen Rückzug, aus welchem sich schließlich die Schlacht von Tannenberg entwickeln sollte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verwilderten und verfielen die meisten Friedhöfe im Gebiet stark, so auch Mattischkehmen. Erst in den 90er Jahren wurde das Friedhofsareal vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gepflegt. Nach einem Beschluss der Gebietsregierung aus dem vorigen Jahr wurden Gelder für die Pflege und Erhaltung von Gräbern und Denkmälern bereitgestellt. Dabei spielte der Kriegsbeginn vor 100 Jahren eine große Rolle. In diesem Rahmen begannen dann auch schließlich die Russen kürzlich mit der Restaurierung dieses Friedhofs.

Marius Hempelmann


MELDUNGEN

Seminar über Tannenberg

Hohenstein – Dieses Wochenende veranstaltet der Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren mit dem Hohensteiner Freundschaftskreis in Hohenstein [Olsztynek], Kreis Osterode ein Seminar über die Tannenbergschlacht zwischen Deutschen und Russen vom 26. bis 30. August 1914. Die Namen der Referenten und deren Themen lauten: Rafał Betkowski: Hohenstein während der Tannenbergschlacht; Jerzy Sikorski: Die Bevölkerung Ostpreußens angesichts der russischen Invasion in den Jahren 1914 und 1915; Bogumił Kuzniewski: Das Tannenberg-Denkmal. Bedeutung und Niedergang; Ralf Meindl: Die Rezeption der Schlacht von Tannenberg in der deutschen Öffentlichkeit; Sebastian Mierzynski: Drei Mythen zu Tannenberg; Tomasz Kurs: Europäischer Park der Geschichte und Erinnerung. Im Programm ist auch die Eröffnung einer Ausstellung zur Tannenbergschlacht, der Besuch eines okumenischen Gottesdienstes sowie die Besichtigung von Soldatenfriedhöfen vorgesehen. Mehr unter: www.zsnwim.eu E.G.

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7j: Hohenstein [Olsztynek] Richtung Zalusken [Załuski], Mähen der Grünstreifen. Straße Nr. S22: Verkehrsknoten: Braunsberg Süd [Braniewo Południe] Richtung Braunsberg Nord [Braniewo Północ], Renovierung der Brücke; Brücke auf der Passarge, Renovierung. Straße Nr. 15: Rakowitz im Kreis Neumark [Rakowice], Straßenumbau. Straße Nr. 16: Lycker Umgehungsstraße, Renovierung der Brücke; Eckersberg [Okartowo] Richtung Tuchlinnen [Tuchlin], Mähen der Randstreifen, Arys [Orzysz] Richtung Lyck [Ełk], Erneuerung der Straßenmarkierung; Lyck [Ełk] Richtung Klein Ruttken [Rutki], Erneuerung der Straßenmarkierung; Kreuzdorf [Krzyzewo] Richtung Reiffenrode [Prawdziska], Baustelle; Straße Nr. 16c: Kaplitainen [Kaplityny] Richtung Lengainen [Łegajny], Baustelle. Straße Nr. 57: Ortelsburg [Szczytno] Richtung Neu Schiemanen [Nowiny], Reparatur der Schutzplanken. Straße Nr. 58: Kurken [Kurki], Brückenbau, einspurig; Ortelsburg [Szczytno] Richtung Babenten [Babieta], Erneuerung der Straßenmarkierung. Straße Nr. 59: Sensburg [Mragowo] Richtung Aweyden [Nawiady], Mähen der Randstreifen; Peitschendorf

[Piecki], Renovierung der Kanalisation. Straße Nr. 63: Primsdorf [Prynowo], Renovierung der Brücke; Angerburg [Wegorzewo], Zamkowa Straße, Kreuzungsumbau; Ublick [Ublik] Richtung Dannen [Danowo], Baustelle; Lötzen [Gizycko], Bauarbeiten an der Randstreifen; Arys [Orzysz], Erneuerung der Straßenmarkierung. Straße Nr. 65: Lyck [Ełk] Richtung Grajewo-Staatsgrenze, Erneuerung der Straßenmarkierung. PAZ


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

eigentlich müsste ich unsere Kolumne mit eben diesem, von mir so ungeliebten Wort beginnen, und ich habe es ja bereits getan. Also: Eigentlich wollte ich heute und hier auf die inzwischen in reichlicher Fülle eingegangenen Zuschriften auf unsere letzten Folgen eingehen, aber gleichzeitig erhielten wir so viele Suchwünsche im Rahmen der Familienforschung, dass wir diese vorziehen müssen. Denn hier sind Zeitzeugen gefragt, und die Zeit läuft nun einmal in Sieben-Meilen-Stiefeln, und wir können ihr Tempo nicht drosseln. Also begeben wir uns heute wieder auf die große Suche und fangen gleich mit der ersten Zuschrift an.

Herr Mirco Szember aus Voerde kam erst auf einem Umweg zu der eigenen Ahnenforschung. Als er sich im Internet über das aktuelle Thema Staatsangehörigkeitsausweis informierte, stellte er fest, dass für die Glaubhaftmachung der Staatsangehörigkeit der Abstammungsnachweis erforderlich ist. Dieses gelang ihm auch, dazu konnte er mit dem Familiennamen Szember bei Recherche im Internet auch Einträge in den Archiven des Ostpreußenblattes verzeichnen. Zum einen handelt es sich um mehrere nach der Flucht gestellte Suchanzeigen, die in den Kreis Labiau weisen, zum anderen um das Foto einer Volksschulklasse aus Krakau, Kreis Labiau. Aufgrund dieser Entdeckungen hofft Herr Szember zu weiteren Erkenntnissen seiner Familiengeschichte zu kommen. Denn bisher wusste er über seinen Großvater Horst Bernhard Szember nur so viel, dass dieser am 8. Oktober 1928 in Krakau, Kreis Labiau geboren wurde. Seine Eltern waren Otto Szember, *5. April 1892 in Leissen, Kreis Allenstein und Elisabeth geborene Räder, *18. April 1902 in Kirschbeck, Kreis Labiau. Die Ehe wurde am 13. September 1923 in Laukischken geschlossen. Laut Melderegister in Duisburg kam Urgroßvater Otto Szember 1948 aus Litwethen, Kreis Labiau nach Walsum/Duisburg. Und da setzt schon die erste Frage ein: Wo soll dieses Litwethen liegen? Weder Herr Szember noch wir haben einen Ort dieses Namen in Ostpreußen finden können, und wenn es ähnlich klingende waren – wie Lengwethen – lagen sie nicht im Kreis Labiau. Herr Szember meint, dass damals in Duisburg der Ortsname von dem eintragenden Beamten aufgrund des ostpreußischen Dialektes seines Urgroßvaters falsch verstanden worden sei. Wie auch immer: Wer enträtselt Litwethen? Weitere Fragen ergeben sich aus den im Ostpreußenblatt veröffentlichten Suchanzeigen. So taucht in der in Folge 13/1953 erschienenen Anzeige der Familienname dreimal auf, als Gustav Szember, *1889, Bauer, Fritz Szember, *1897, Anna Pabbel geborene Szember, *1891, und Hertha Ploeck geborene Szember, *1922. Sie wurden zuletzt im Februar 1945 in Gotenhafen gesehen. Aufgegeben hatte die Anzeige damals Bruno Knutti aus Meldorf/Schleswig-Holstein.

Zu dem Klassenbild der Volksschule in Krakau ergeben sich weitere Fragen. Es erschien beim Ostpreußenblatt in Folge 51/1988 als Erinnerungsfoto 727. Alle Schulkinder der zweitklassigen Volksschule sind auf ihm zu sehen, also die gesamte Dorfjugend, die hier 1939/40 die Schulbank drückte, und eine Vielzahl ist auch namentlich aufgeführt. So kommt auch der Name Szember vor, zweimal nur als Nachname und einmal als Richard Szember. Außerdem ist unter den älteren Schülern ein „Schember“ aufgeführt, der zweifellos zu dieser Familie gehört. Unter den nicht namentlich Genannten könnte sich auch der Großvater Horst Bernhard befinden, der damals mit Sicherheit die Schule in Krakau besuchte. Das Foto wurde von einem Leser – Heinz Groß – eingesandt. Aus diesen Angaben ist ersichtlich, dass es sich bei den Szembers um eine Krakauer Großfamilie handeln muss. Deshalb werden sich ehemalige Nachbarn oder Bekannte noch an die Familie erinnern, vielleicht auch wissen, was aus dem Flüchtlingen in Gotenhafen geworden ist, bei denen es sich bei den Älteren wohl um Geschwister von Urgroßvater Otto handeln könnte. Es ist auch anzunehmen, dass es weitere Nachfahren dieser Großsippe gibt. Herrn Mirco Szember wäre jeder Hinweis willkommen, der seine ostpreußische Familiengeschichte transparenter macht. (Mirco Szember, Gärtnerstraße 70 in 46562 Voerde, Telefon 02855/308009, E-Mail: mirco-szember@web.de)

Auch Frau Petra Linke wurde in einem alten Ostpreußenblatt fündig. Zu ihrer Überraschung entdeckte sie in Folge 11/16 vom 13. März 1965 in einer Suchanzeige den Namen Ludwig Languth. So hieß ihr Schwiegervater, nach dem sie schon lange gesucht hatte. Die Familiengeschichte ihres Mannes Heinz Linke, die sie erforschen will, ist nicht ganz einfach zu durchleuchten, aber hier hatte sie endlich einen Ansatzpunkt gefunden. Gesucht wurden in der Anzeige Ludwig und Meta Languth geborene Greszies aus Gowarten, die Antworten sollten an Herrn Leo Frischmuth in Hannover gerichtet werden. Ob die Anzeige damals Erfolg hatte, ist nicht bekannt. Frau Linke weiß so viel über ihren Schwiegervater, dass er in Krauleiden, Kreis Tilsit-Ragnit geboren wurde. Mit seiner Ehefrau soll er vier Kinder gehabt haben: Lothasso, Jenz, Rudi und Bodo. Das sind die wenigen Angaben, die Frau Linke machen kann, und es wird schwierig sein, festzustellen, ob es sich in der damaligen Anzeige tatsächlich um den Vater ihres Mannes handelte. Von früheren Einwohnern aus Krauleiden, die eventuell Auskunft über die Familie Languth geben könnten, ist auch nicht viel zu erwarten, da der Ort noch nicht einmal 100 Einwohner hatte. Krauleiden, 23 Kilometer südwestlich von Tilsit gelegen, gehörte zum Kirchspiel Königskirch, das früher Jurgaitschen hieß. Durch den Krieg kam Ludwig in die Uckermark nach Angermünde. Er hatte mehrere Kinder. Eines davon ist Heinz Linke, *27. November 1949 in Augustenfelde. Vielleicht ergeben sich aus dem weiteren Umkreis einige Hinweise. Es ist dies jedenfalls ein für Frau Linke Erfolg versprechender Versuch, die Familiengeschichte ihres Mannes zu erforschen, jedenfalls ist sie froh, dass sich durch die alte Suchanzeige eine Spur ergeben hat. (Petra Linke, Templiner Straße 66, 16278 Angermünde, Telefon 03331/298412, E-Mail: petra-helga-linke@web.de)

Es ist nicht immer leicht, Stammbäume zu durchforsten, die weit bis in die Vergangenheit zurückführen. Denn damit wachsen auch die Ur’s vor Großvater oder Großmutter – bei Frau Inke Stuertz aus Wöhrden sind es sogar fünf Ur’s, und da kommt auch sie bei ihren Angaben leicht ins Schwimmen. „Aber alles, was im Dunkeln liegt, hat seinen Reiz“, schreibt sie, und so möchte sie gerne etwas über die väterliche Linie erfahren, weil sie hier prussische Wurzeln vermutet. Womit sie absolut richtig liegt, wie wir gleich sehen werden. Inke Stuertz hat immerhin das Glück, auf eine Ahnentafel zurückgreifen so können, die ihr Urgroßvater Kurt Stuertz erstellt hatte. Leider konnte er die elterliche Linie seiner Mutter nicht weiter verfolgen, was deren Ururenkelin nun nachholen will. Kurt Stuertz war der Sohn des Uhrmachermeisters Albert Eduard Stuertz in Bischofsburg und seiner Frau Hedwig geborene Passarge. Deren Vater Otto Passarge, am 30. Januar 1832 in Nordenburg geboren, hatte eine Ofenfabrik in Bischofsburg. Er war verheiratet mit Henriette geborene Kutzer, *20. Juni 1831 in Schippenbeil. Hier handelt es sich um eine alt­eingesessene Schippenbeiler Familie, denn bereits ihre Eltern wurden dort geboren – August Ferdinand Kutzer, *1802, und Wilhelmine geborene Zipper, *1808 – und auch die Zippertsche Linie lässt sich mit Johann Zipper, *1758, †1831, und Wilhelmine Charlotte geborene Pohl (*1764, †1834) in Schippenbeil zurückverfolgen. Das waren dann die fünf Ur’s! Leider gibt es keine Informationen über die Familie Passarge. Sie könnte nach Nordenburg, dem Geburtsort von Otto Passarge, führen. Und gerade diese Linie interessiert Frau Stuertz besonders – wegen der prussischen Wurzeln, die ja der Name schon offen legt und die somit keiner Bestätigung benötigen. Die ist schon allein mit unserem ostpreußischen Fluss Passarge belegt.

Bündeln wir nun die Fragen: Wer kann sich von den alten Bischofsburgern noch auf die Familie Passarge besinnen, wer weiß, ob es in Nordenburg diesen Namen gegeben hat, wer glaubt, mit dieser Passarge-Linie verwandt zu sein? Auch über die Schippenbeiler Familien – Kutzer, Zipper, Pohl – hätte Frau Stuertz gerne etwas erfahren. Für die Hilfe der Ostpreußischen Familie bedankt sie sich schon jetzt. Enttäuschen wir sie nicht. (Inke Stuertz, Claus-Nissen-Straße 14 in 25797 Wöhrden, E-Mail: inke.stuertz@web.de)

Das sind also drei große Suchfragen, aber längst nicht alle. Bei einigen müssen wir noch nachfassen, weil die Angaben ungenau sind oder die Anschriften mit Telefonnummer fehlen. Immer wieder muss ich betonen, dass sich viele unserer älteren Leserinnen und Leser nur brieflich oder telefonisch melden können, und gerade sie sind doch die Zeitzeugen, die aus eigener Erfahrung authentische Auskunft geben können. Für unsere Re­dak­tionsarbeit ist vor allem die Angabe der Telefonnummer wichtig, denn im direkten Gespräch ergeben sich zumeist weitere wichtige Angaben für eine Veröffentlichung. Nur so können wir zu den Erfolgen kommen, die uns immer wieder überraschen.

Bei der nächsten Suchfrage ist der Erfolg schon programmiert, denn ich kann Herrn Professor Dr. Heinz Jeroch bei der Quellensuche helfen, die für ihn leider bisher nur wenig erbrachte. Als ehemaliger Hochschullehrer für Tiernahrung hat er immer noch Kontakt mit der Warmia-und-Mazury-Universität in Allenstein. Deren Lehrschulleiter für Geflügelwirtschaft, Professor Dr. Jankowski, beabsichtigt eine Abhandlung über die ostpreußische Geflügelwirtschaft und Geflügelwissenschaft zu schreiben und hat sich deshalb an Herrn Professor Jeroch gewandt mit der Bitte, ihm bei der Literatursuche behilflich zu sein. Wie überall in Deutschland habe sich die Geflügelhaltung und -produktion auch in Ostpreußen nach dem Ersten Weltkrieg schnell entwickelt, meinte Herr Professor Jeroch in seinem Schreiben an die Landsmannschaft Ostpreußen, an die er sich auf seiner Literatursuche wandte. Da hat er Recht, denn Ostpreußen stand ja im Deutschen Reich als Ausfuhrprovinz für Eier und Geflügel an erster Stelle. Leider gibt es hierüber nur wenig brauchbares Material, aber immerhin kann ich ihm ein Exemplar der fünften Auflage der „Landwirtschaftlichen Geflügelzucht“ von Georg Meyer zusenden, dem Standartwerk der ostpreußischen Geflügelzucht. Ich bekam es einmal vor langen Jahren aus unserem Leserkreis – die Ostpreußische Familie ist und bleibt eben eine unerschöpfliche Fundgrube! Ich möchte aber auch die Bitte von Herrn Professor Jeroch weiterleiten an unsere Leserinnen und Leser, die vielleicht noch weitere Fachliteratur besitzen oder Hinweise zur Quellensuche geben können. (Professor Dr. H. Jeroch, Lise-Meitner-Straße 3 in 04178 Leipzig, Telefon 0341/4420691.)

Ja, manchmal ist es nur ein einziges Buch, das für seinen Besitzer so wertvoll ist, dass er es nur in gute Hände weitergeben möchte. So geht es Frau Gerhild Weiß aus Preetz, die sich wohl in absehbarer Zeit von einigen Dingen trennen will, die ihr Leben begleitet haben. Dazu gehört auch ein Buch, zu dem ihre Familie eine besondere Beziehung hat. Es handelt sich um das „Lehrbuch der Kinderheilkunde“ von Professor Philipp Bamberger. Ein Name, der älteren Königsbergern noch ein Begriff sein wird, denn sein Träger war einer der führenden Mediziner auf dem Gebiet der Kinderheilkunde. Professor Bamberger wurde 1937 an die Königsberger Universität, die Albertina, als Ordinarius für Kinderheilkunde berufen und hat unter anderem bedeutende Verbesserungen im Gesundheitswesen in Ostpreußen eingeführt, so dass eine starke Senkung der Kindersterblichkeit erfolgte. Die Eltern von Frau Weiß haben Herrn Professor Bamberger sehr geschätzt und immer erzählt, wie viel sie von ihm gelernt haben. Deshalb möchte Frau Weiß das Buch gerne in gute Hände geben. Es handelt sich um eine gebundene Ausgabe von 1952 mit – leicht lädiertem – Schutzumschlag. (Gerhild Weiß, Platenstraße 5 in 24211 Preetz, Telefon 04342/2921.)

Eure Ruth Geede


Ein alter Rettungsring und seine Geschichte
Aus dem Fischkutter »Frisches Haff« wurde die Jacht »Deborah«

Es war nur ein Foto und ein erklärender Begleittext dazu – aber welch einen Erfolg diese Veröffentlichung auf einer im März 2013 erschienenen Familienseite hatte, erstaunte nicht nur den Einsender, sondern verblüffte auch die Leser. Darüber konnten wir in der Folge 18/2013 berichten. Aber was dann daraus wurde, ist noch weitaus bemerkenswerter und beweist, welch ein Informationspotenzial in unserer Ostpreußischen Familie steckt. In diesem Fall führt es zu einer Dokumentation über die Geschichte der Kriegsfischkutter, die von dem Einsender des Fotos, Herr Peter Timnik aus Westerrönfeld, nach den ihm zugegangenen Unterlagen erstellt wurde und die er nun unserer Ostpreußischen Familie übermittelt.

Das Foto, mit dem alles begann, zeigte einen Rettungsring mit der Aufschrift „Frisches Haff BX 706“, den Herr Timnik in einem dänischen Antiquitätenladen entdeckte. Als in Sensburg geborener Ostpreuße wollte er wissen, was aus dem Boot und dessen Besitzer, der zweifellos eine Verbindung zu seiner Heimat hatte, geworden war. Acht Folgen später vermochten wir unseren Lesern mitzuteilen, dass die Geschichte des Kutters geklärt werden konnte. Aber nun lassen wir Herrn Peter Timnik selber erzählen:

„Ich war sehr erstaunt über das Echo, welches meine Anfrage bei den Lesern des Ostpreußenblattes ausgelöst hatte. Ich erhielt über 20 Anrufe, und jedes Gespräch war ein Mosaikstein und motivierte mich, in der Suche nach dem Boot nicht nachzulassen. Das Ergebnis: Bei dem Boot ,Frisches Haff BX 706‘ handelt es sich um den ehemaligen Kriegsfischkutter KFK 522.

Zum Verständnis ein kurzer Blick zurück in die Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Bis 1941 hatte man nicht nur im Deutschen Reich, sondern auch aus den besetzten Staaten von Norwegen bis Griechenland Fischkutter für die örtliche Verteidigung beschlagnahmt, was zu Nahrungsengpässen in den betroffenen Ländern führte. Die Kriegsmarine erhielt eine Vielzahl unterschiedlichster Boote, deren Instandsetzung ein logistisches Chaos bedeutete, der militärische Nutzen also gering war. Im Jahr 1942 gab die Kriegsmarineführung den Auftrag, 1072 Kriegsfischkutter (KFK) zu bauen. 612 Boote wurden in Dienst gestellt, 135 gingen im Krieg verloren. Die Boote wurden auf 42 Werften in sieben europäischen Ländern gebaut. Das 24 Meter lange, 6,25 Meter breite Boot, das etwa 18 Soldaten aufnehmen konnte, war für den Einsatz als Vorpostenboot, U-Jagd, Minenräumdienst, Geleitdienst und Hafenschutz vorgesehen.

Der KFK 522 wurde 1942/43 auf der Burmester-Werft in Swinemünde gebaut. Im Sicherungsdienst war es in norwegischen Gewässern bis Ende 1944 eingesetzt. Von Januar bis Mai 1945 wurde er in die Ostsee verlegt, wo er zunächst in der U-Bootjagd (Pillau/Gotenhafen) eingesetzt wurde, um dann im Geleit- und Flüchtlingsdienst (Hela) zahlreichen Flüchtlingen und Soldaten das Leben zu retten. Am Abend des 8. Mai 1945 verließen mehrere Geleite, darunter auch KFK, unter feindlichem Beschuss die Häfen Libau und Windau, schlugen sich nach Westen durch und retteten abermals tausenden Menschen das Leben. Ein KFK verlor durch Fliegerbeschuss den Anschluss an den Konvoi. Mit mehr als 200 Menschen an Bord erreichte dieser KFK den Flensburger Hafen lange nach Kriegsende und schrieb damit Zeitgeschichte: Es kam als letztes Boot der Kriegsmarine im Westen an!

Als nach Kriegsende das schwimmende Gut der Marine unter den Siegermächten als Kriegsbeute aufgeteilt wurde, erhielten die USA, die Sowjetunion und Großbritannien je ein Drittel aus dem noch 443 Boote zählenden KFK-Bestand. Aber die Westmächte schätzten ihren militärischen Wert sehr gering ein und waren bestrebt, die Boote nach kurzem Minenräumeinsatz an deutsche Fischereiunternehmen zu verchartern oder zu verkaufen.

Und nun kommt Ostpreußen ins Spiel. Denn das KFK 522 wurde von dem ostpreußischen Fischer Johann Prengel aus Kiel gechartert, der eine Genossenschaft gegründet hatte. Das Boot wurde 1947 auf der Werft Nobiskrug in Rendsburg zum Fischkutter konvertiert und mit dem neuen Namen ,Frisches Haff BX 706‘ in Dienst gestellt. 1954 erwarb Johann Prengel das Boot. Vor dem Krieg war das Frische Haff das Stammrevier des Berufsfischers gewesen. Das erklärt den Schiffsnamen, während die Bezeichnung BX eine Kennung der britischen Besatzungsmacht ist, der Buchstabe B steht für British, X steht für Bremerhaven. 1968 wurde das Boot nach Hamburg verkauft und zu einer Motorsegeljacht umgebaut, die den Namen ,Deborah‘ erhielt. 1986 sank das Boot während eines Sturmes in der Mündung des Guadalfeo im spanischen Andalusien.“

Geblieben ist der Rettungsring, den Peter Timnik durch Zufall in Dänemark entdeckte – nicht ahnend, welch eine maritime Legende sich daraus entwickeln würde. Ich danke Herrn Timnik sehr für diesen Beitrag, der sicher interessierte Leser finden wird. Und wer sich noch intensiver mit diesem Thema befassen will, für den hat der Verfasser noch einen Tipp: das Buch „Kriegsfischkutter KFK“ von Herwig Danner, Verlag Mittler u. Sohn. R.G.


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 101. GEBURTSTAG

Naujoks, Helene, geb. Strasdat, aus Dittlaken, Kreis Insterburg, am 28. August

ZUM 100. GEBURTSTAG

Piekarowitz, Margarete, geb. Porr, aus Goldensee, Kreis Lötzen, am 4. September

ZUM 98. GEBURTSTAG

Gerlach, Elfriede, geb. Jortzik, aus Neuendorf, Kreis Treuburg, am 4. September

ZUM 96. GEBURTSTAG

Bosniakowski, Edith, aus Bergenau, Kreis Treuburg, am 4. September

Klimoßek, Guste, geb. Meyer, aus Roggen, Kreis Neidenburg, am 4. September

ZUM 94. GEBURTSTAG

Hildebrandt, Frieda, geb. Specht, aus Rauschen Kreis Samland, am 4. September

Hüttig-Langer, Hanna, geb. Matzick, aus Kleinsommershöfen, Kreis Elchniederung, am 31. August

Kugland, Heinz, aus Königsberg/Preußen, Lawsker Allee 110, am 30. August

ZUM 93. GEBURTSTAG

Haut, Ulrich, aus Pommern/ Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 29. Juli

Hetke, Anneliese, geb. Gieske, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 1. September

Kibbat, Erich, aus Hohenfried, Kreis Ebenrode, am 3. September

Pallat, Erika, aus Ortelsburg, am 5. September

Seeck, Werner, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 5. September

Sokoll, Wanda, geb. Gedak, aus Wehlau, am 2. September

Struck, Else, geb. Zalenga, aus Klein Koslau, Kreis Neidenburg, am 2. September

Torst, Herta, geb. Gronau, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 5. September

Warda, Elisabeth, geb. Wascheszio, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 1. September

ZUM 92. GEBURTSTAG

Brügmann, Erna, geb. Orlowski, aus Prostken, Kreis Lyck, am 3. September

Konrad, Lieselotte, geb. Galonska, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 4. September

Nowatzki, Elisabeth, geb. Kobus, aus Klein Stürlach, Kreis Neidenburg, am 31. August

Runschke, Hedwig, geb. Fabian, aus Schönhorst, Kreis Lyck, am 1. September

Scheffler, Edith, aus Lyck, Falkstraße 3, am 2. September

Stegat, Ida, geb. Parakenings, aus Klein Friedrichsgraben, Kreis Elchniederung, am 4. September

Strelski, Guenther, aus Widminnen, Kreis Lötzen, am 6. September

Walleit, Erich, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 31. August

Walleneit, Christel, aus Klein Rauschen, Kreis Lyck, am 4. September

Wasselowski, Hermann, aus Weißensee, Kreis Wehlau, am 31. August

Zabel, Luise, aus Neidenburg, am 30. August

ZUM 91. GEBURTSTAG

Funk, Ilse, geb. Jewan, aus Layß, Kreis Neidenburg, am 2. September

Gold-Schmidt, Ella, geb. Will, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 30. August

Hein, Hedwig, geb. Gebert, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 1. September

Hensel, Emil, aus Gedwangen, Kreis Neidenburg, am 30. August

Krause, Kurt, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 2. September

Mattern, Herbert, aus Friedrichsdorf, Kreis Wehlau, am 3. September

Prengel-Neumann, Elsbeth, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 1. September

Rosan, Horst, aus Neidenburg, am 30. August

Vierzig, Prof. Dr. Siegfried, aus Lötzen, am 5. September

Weinberger, Siegfried, aus Ebenrode, am 5. September

Zielasko, Kurt, aus Lindenfließ, Kreis Lyck, am 31. August

Zniewski, Helene, geb. Jedamski, aus Gorau, Kreis Neidenburg, am 5. September

ZUM 90. GEBURTSTAG

Emde, Karl-Heinz, aus Schallen, Kreis Wehlau, am 31. August

Friedrich, Käthe, geb. Pilzecker, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 31. August

Garbe, Hanna, geb. Gerleick, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 3. September

Gollub, Wilhelm, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 2. September

Lettner, Prof. Dr. Jürgen, aus Lyck, am 1. September

Lyhs, Martha, aus Kleschen, Kreis Treuburg, am 5. September

Rembitzki, Helmut, aus Gusken, Kreis Lyck, am 1. September

Riedel, Herta, geb. Rohmann, aus Neumalken, Kreis Lyck, am 30. August

Sadowski, Ernst, aus Großschöndamerau, Kreis Ortelsburg, am 16. August

Schellmat, Helga, aus Ibenberg, Kreis Elchniederung, am 31. August

Sigmundt, Fritz Karl, aus Lötzen, am 31. August

Simmat, Alfred, aus Ebenrode, am 1. September

Wichert, Elfriede, aus Lyck, am 4. September

Wofgramm, Erna, geb. Janke, aus Große Norgau, Kreis Samland, am 5. September

ZUM 85. GEBURTSTAG

Blank, Ursula, geb. Budzinski, aus Partheinen, Kreis Heiligenbeil, am 1. September

Borchert, Margarete, geb. Römpke, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 3. September

Brinkmann, Edeltraut, aus Langheide, Kreis Lyck, am 3. September

Eichner, Horst, früher Saruski, aus Mostolten, Kreis Lyck, am 30. August

Geib, Erna, geb. Klaus, aus Rosignaiten, Kreis Samland, am 5. September

Hahn, Wolfram, aus Finken, Kreis Samland, am 31. August

Helmle, Frieda, geb. Zeleck, aus Stobingen, Kreis Wehlau, am 31. August

Hinrichs, Herta, geb. Rischkau, aus Posselau, Kreis Samland, am 5. September

Kirschnick, Erna, geb. Schmakeit, aus Ruckenhagen, Kreis Elchniederung, am 4. September

Komorunas, Edith, geb. Schalkau, aus Insterburg, am 31. August

Leube, Gisela, geb. Tolkmitt, aus Pillau, Kreis Samland, am 31. August

Matrisch, Emil, aus Malshöfen, Kreis Neidenburg, am 31. August

Niemann, Christel, geb. Störmer, aus Partheinen/Mükühnen, Kreis Heiligenbeil, am 1. September

Olscewski, Fritz, aus Malschöwen, Kreis Ortelsburg, am 1. September

Pester, Gisela, geb. Spach, aus Gurnen, Kreis Goldap, am 31. August

Pillath, Helmut, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 1. September

Rogalski, Eitel, aus Birkenwalde, Kreis Lyck, am 5. September

Schmelter-Awiszus, Marta, geb. Schimanski, aus Froben Kreis Neidenburg, am 1. September

Schmidt, Herbert, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 4. September

Schneider, Ruth, geb. Marchel, aus Birkenfelde, Kreis Lötzen, am 4. September

Schulz, Herta, geb. Pieslack, aus Martinshöhe, Kreis Lyck, am 31. August

Schulz, Ursula, geb. Schlesies, aus Pillau, Kreis Samland, am 2. September

Steenbock, Edith, geb. Annuß, aus Kukukswalde, Kreis Ortelsburg, am 30. August

Szillat, Paul, aus Kieslau, Kreis Elchniederung, am 30. August

Theis, Ruth, geb. Hartwig, aus Neidenburg, am 1. September

Thomas, Edith, aus Klein Heinrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 30. August

Volkmann, Helga, geb. Weber, aus Dürrfelde, Kreis Ebenrode, am 3. September

Winterhalter, Hildegard, geb. Klesch, aus Lisken, Kreis Lyck, am 5. September

ZUM 80. GEBURTSTAG

Bock, Irene, geb. Steiner, aus Wehlau, am 1. September

Denda, Otto, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 30. August

Dilewski, Hanna, aus Ortelsburg, am 2. September

Dolke, Erwin, aus Großheidekrug, Kreis Samland, am 30. August

Domnowski, Hilde, geb. Domnowski, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 3. September

Gorontzi, Hedwig, geb. Przygodda, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 5. September

Gusek, Manfred, aus Lehmanen, Kreis Ortelsburg, am 5. September

Hanke, Horst, aus Großheidekrug, Kreis Samland, am 1. September

Hertzler, Hannelore, geb. Horn, aus Kurwensee, Kreis Elchniederung, am 2. September

Horwath, Elfriede, aus Lengen, Kreis Ebenrode, am 5. September

Husemann, Hildegard, geb. Hennig, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 31. August

Klement, Erhard, aus Königsberg, am 30 August

Kommessien, Günter, aus Leißienen, Kreis Wehlau, am 1. September

Koriath, Edelruth, geb. Stinski, aus Mingfen, Kreis Ortelsburg, am 31. August

Krone, Hildegard, geb. Skubisch, aus Ebenfelde, Kreis Lyck, am 4. September

Kukowski, Walter, aus Wiesenfelde, Kreis Treuburg, am 5. September

Lange, Anneliese, geb. Bednarz, aus Rohmanen, Kreis Ortelsburg, am 2. September

Poschmann, Artur, aus Böttchersdorf, Kreis Bartenstein, am 29. August

Przyborowski, Kurt, aus Treuburg, am 1. September

Schikowsky, Fritz, aus Reichertswalde, Kreis Mohrungen, am 30. August

Schirmacher, Meta, geb. Falkus, aus Klein Kosel, Kreis Neidenburg, am 31. August

Schlicht, Ruth, aus Groß Ottenhagen, am 30. August

Schulz, Werner, aus Gründann, Kreis Elchniederung, am 4. September

Seifert, Ilse, geb. Lieske, aus Angertal, Kreis Angerburg, am 26. August

Siedemann, Edith, geb. Maczasek, aus Neidenburg, am 5. September

Steffner, Heinz, aus Almen, Kreis Ebenrode, am 4. September

Werle, Hannelore, geb. Goerke, aus Neidenburg, am 3. September

Zabel, Hannelore, aus Neuwuhrow/Pommern, am 1. September

Ziemek, Günther, aus Lenzendorf, Kreis Lyck, am 30. August

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bartsch, Eva, geb. Saal, aus Großudertal, Kreis Wehlau, am 5. September

Bendig, Kuno, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 31. August

Bernhardt, Wolfram, aus Köthen, Kreis Wehlau, am 4. September

Bluhm, Gerhard, aus Banners, Kreis Mohrungen, am 30. August

Hildenbrand, Karin, geb. Holz, aus Merunen, Kreis Treuburg, am 31. August

Königsmann, Franz, aus Hügelwalde, Kreis Ortelsburg, am 3. September

Marquitan, Anneliese, geb. Bohlien, aus Groß Engelau, Kreis Wehlau, am 4. September

Matthies, Sabine, geb. Kalkschmidt, aus Mühlmeistern, Kreis Elchniederung, am 1. September

Pape, Irmgard, geb. Neumann, aus Tölteninken, Kreis Wehlau, am 31. August

Quast, Irmgard, geb. Pelk, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 1. September

Richert, Günther, aus Wehlau, am 3. September

Riechert, Vera, aus Deschen, Kreis Elchniederung, am 4. September

Romeike, Helga, geb. Engelke, aus Neumühl, Kreis Wehlau, am 4. September

Schäuble, Erika, geb. Krypan, aus Gerhardsweide, Kreis Elchniederung, am 31. August

Tegeler, Margret, aus Wehlau, am 3. September

Türling, Werner, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 3. September

Wiwianka, Siegfried, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 30. August


S. 16-17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Mittwoch,

10. September, 19 Uhr, Parkhotel Pforzheim, Deimlingstraße 36: 136. Preußische Tafelrunde Pforzheim. Die Landesgruppe Baden-Württemberg Kreisgruppe Pforzheim/Enzkreis im BdV laden zur 136. Preußischen Tafelrunde ein. Nach einem gemeinsamen ostpreußischen Abendessen referiert Dr. Ralf Meindl, Vorsitzender des Berliner Historikerlabors – zeithistorische Forschung für das Dokumentartheater – über „Erich Koch – Hitlers ,Vizekönig‘ in Ostpreußen“. Er gilt als einer der mächtigsten und grausamsten Statthalter Hitlers, sein Reich erstreckte sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Als Oberpräsident Ostpreußens besiegte er angeblich die Arbeitslosigkeit, galt aber auch als Inbegriff der Korruption. Als Reichskommissar für die Ukraine soll er die Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg verursacht haben, als Gauleiter war er am Kriegsende für das grausame Schicksal der Flüchtlinge verantwortlich. Die Rede ist von Erich Koch, dem Führer der ostpreußischen NSDAP. Wer war dieser Mann, wie konnte er in eine solche Position aufsteigen und war er wirklich so mächtig, wie von ihm behauptet wurde? Der Vortrag möchte diese Fragen beantworten. Für das Abendessen sind 19 Euro zu überweisen an: LM Ostpreußen, Landesgruppe, Konto 133221, BLZ 64251060, Kreissparkasse Freudenstadt. Anmeldungen an Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon (0711) 85 40 93 oder E-Mail: uta.luettich@web.de

Ulm/Neu-Ulm – Sonnabend, 13. September, Bürgerhaus Allmendingen: Tag der Heimat.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Bamberg – Mittwoch, 17. September, 15 Uhr, Hotel Wilde Rose: Vortrag „Königsberg in den Jahren 1945–1948“.

Ingolstadt – Sonntag, 14. September, 14.30 Uhr, Gasthaus Bonschab, Münchener Straße 8: Monatliches Heimattreffen.

Landshut – Dienstag, 16. September, 12 Uhr, Gasthaus Zur Insel: Mittagessen.

München – Freitag, 12. September, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Zusammenkunft der Frauengruppe.

Jeden Montag, 18 bis 20 Uhr, Haus des Deutschen Ostens: Ostpreußischer Sängerkreis. Kontakt: Dr. Gerhard Gräf, Offenbachstraße 60, 85598 Baldham, Telefon (08106) 4960.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Kulturtag der Landsmannschaften, Rathaus Schöneberg „Sich begegnen, heißt verstehen“. Unter diesem Motto steht der diesjährige Kulturtag der Landsmannschaften, zu dem der Berliner Landesverband der Vertriebenen e.V. sehr herzlich einlädt.

Am Sonnabend, 20. September, finden eine Reihe kultureller Veranstaltungen im Rathaus Schöneberg, John-F.-Kennedy-Platz 1 statt. Darüber hinaus werden sich alle Landsmannschaften mit Informationsständen, an denen auch kulinarische Besonderheiten aus den Regionen angeboten werden, vorstellen. Programm: 10 Uhr, Willy Brandt-Saal: Geistliches Wort, Pfarrer Edgar Kotzur, St. Matthias. Im Anschluss Eröffnung, Rüdiger Jakesch, Vorsitzender des BLV. 10.20 Uhr: Ostdeutsches Liedgut, Polizeichor Berlin. 11 bis 12.30 Uhr: Folkloreprogramm „Buntes aus den Dörfern der Alten Heimat“, Mädchentanzgruppe aus Rummelsburg [Miastko], Hinterpommern, Pommersche Volkstanzgruppe, Oberschlesische Volkstanzgruppe. 12.30 bis 14 Uhr, Brandenburghalle: Begegnungen und Gespräch. Landsmannschaften stellen sich vor. 14 bis 15.30 Uhr, Willy-Brandt-Saal: Das Autorenporträt. Lesung Jenny Schon, geb. 1942 in Trautenau, seit 1961 in Berlin, liest aus ihrem Roman „Der Graben“ und aus ihren Erzählungen „Rheinisches Rondeau“. In der Brandenburghalle des Rathauses Schöneberg befinden sich das Café Pommern der Pommerschen Landsmannschaft (Öffnungszeiten 10 bis 14.30 Uhr) sowie weitere Informationsstände der Landsmannschaften. Änderungen vorbehalten. Informationen: Berliner Landesverband der Vertriebenen e.V., Forckebeckstraße 1, 14199 Berlin, Telefon (030) 2547345. E-Mail: info@bdv.de.

Lyck – Sonnabend, 6. September, 15 Uhr, Kleiner Ratskeller, Am Rathaus 9, 10825 Berlin: Treffen der Gruppe. Anfragen bei Peter Dziengel, Telefon (030) 8245479.

Tilsit-Ragnit/Tilsit-Stadt – Sonnabend, 6. September, 15 Uhr, Ratskeller Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 102, 10585 Berlin: Treffen der Gruppe. Anfragen bei Hermann Trilus, Telefon (03303) 403881.

Frauengruppe – Mittwoch, 10. September, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: Bericht aus Ostpreußen. Anfragen bei Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Angerburg/Darkehmen/Goldap – Donnerstag, 18. September, 14 Uhr, Restaurant Oase Almera, Borussiastraße 62, 12102 Berlin: Erntedank in Ostpreußen und Berichte über Ostpreußen. Anfragen bei Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

 

BRANDENBURG

Vors.: Elard v. Gottberg, Zarnekauer Siedlung 8a, 23701 Süsel, Telefon (04521) 4094-830, Fax (04521) 4094-831, Mobil (0173) 6254277, E-Mail: elard.gottberg@gottberg-logistik.de.

Oranienburg – Studienreise 2015 nach Königsberg im modernen Reisebus für Alt und Jung „Auf den Spuren deutscher Kultur und Geschichte durch Ostpreußen bis in die heutige Enklave Kaliningrader Gebiet“ Reisezeit: Planung für die letzte Dekade Monat Mai 2015, acht bis zehn Tage. Abfahrt: S-Bahnhof Oranienburg, Stralsunder Straße, ehemals Busbahnhof. Mitnahme Rolli kein Problem. Ziel: Vertraut machen mit der Kultur und Geschichte sowie Entwicklung einer ehemals interessanten deutschen Region bis 1945 und einer russischen Region bis heute sowie Kontakte und Gespräche mit vielen interessanten heute dort lebenden Menschen. Die Gruppe besucht historische Sehenswürdigkeiten von Königsberg und Umgebung, Orgelkonzert im Königsberger Dom, Besuch Immanuel-Kant-Museum, Besichtigung General-Lasch-Bunker sowie ein altes deutsches Forschungsschiff, Gespräche in Deutsch-Russischer Begegnungsstätte, Kurische Nehrung, Vogelwarte, Bade- und Kurort Rauschen, Wehlau, Tilsit und vieles mehr. Individueller Besuch umliegender Gemeinden kann organisiert werden. Gespräche mit Persönlichkeiten der Stadt sowie mit Lehrern und Schülern. Informationen über heutige Verwaltungsstrukturen, Land und Leute. Reiseleitung und Dolmetscher.

Veranstalter: BdV Kreisverband OHV e.V. und Verein der Ostpreußen Oranienburg.

Interessenten melden sich bitte umgehend bis spätestens zum 30. September 2014 unter Telefon (03301) 800725 (Siglinde Kenzler) oder (033055) 22971 (Hans-Joachim Speckmann) oder per

E-Mail: speckmann24@web.de. Danach erhalten alle Interessenten das konkrete Reiseangebot und ausführliche schriftliche Informationen von der Reiseleitung.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Kippingstr. 13, 20144 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

KREISGRUPPE

Elchniederung – Mittwoch, 17. September, 14 Uhr, Haus Lackemann, Hamburg-Wandsbek: Treffen der Gruppe zum Plachandern und Schabbern über Ernte und Herbst. Gäste sind herzlich willkommen.

Insterburg – Die Gruppe trifft sich jeden 1. Mittwoch im Monat (außer Januar und Juli) mit Liedern und kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Königsberg – Freitag, 12. September, 11 Uhr (Einlass 10 Uhr), Café Harmonie, Alsterdorfer Straße 579, Hamburg-Ohlsdorf: Die Stadtgemeinschaft Königsberg in der Landesgruppe Hamburg feiert ihr 35-jähriges Jubiläum. Gäste sind immer herzlich willkommen. Für musikalische Unterhaltung sorgt BernStein. Anmeldung bis zum 8. September erbeten bei Brigitte Reimer, Telefon (040) 873495.

Sensburg – Sonnabend, 13. September, 14 Uhr, Café Prinzess, Alsterdorfer Straße 572, Hamburg-Ohlsdorf: Gemütliches Beisammensein. Erstes Treffen nach der Sommerpause.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612.

Darmstadt-Dieburg – Sonnabend, 6./Sonntag, 7. September: Tag der Heimat. Sonnabend, 6. September, 14.30 Uhr: Treffen mit den anderen Landsmannschaften zur Kranzniederlegung an der Gedenkstätte der Vertriebenen auf dem Darmstädter Waldfriedhof. – Sonntag, 7. September, 14 Uhr, Haus der Heimat, Chausseehaus Nieder-Ramstadt, Bahnhofstraße 61: BdV-Kreistreffen zum Tag der Heimat. – Sonnabend, 13. September, 15 Uhr, Bürgersaal, Darmstadt-Neu-Kranichstein: Treffen der Gruppe. Nach der Kaffeetafel stellen Hannelore Neumann und Gerhard Schröder das Leben und Werk des ostpreußischen Dichters Ernst Wiechert anlässlich seines 100. Todestages vor.

Kassel – Donnerstag, 4. September, 14.30 Uhr: Vortrag von Prof. Dr. Heinz Schürmann: „Hansestadt Danzig, Backsteingotik an der Ostseeküste. Entwicklung der Rechtstadt, Kultur, Kunst, Städtebau und Danzig heute.“ – Zum ersten Treffen nach der Sommerpause fanden 32 Interessierte den Weg zum Trefflokal der Gruppe. Im Informationsteil konnte der Vorsitzende Gerhard Landau auf eine Spende von Waltraud von Schaewen-Scheffler verweisen. Nach dem gemeinsamen Singen der „Westpreußenhymne“ sprach der Landesschriftleiter, Manfrid Baaske, über das Thema: „Polen in der Zwischenkriegszeit“. Dabei nutzte der aus dem westpreußischen Kreis Berent stammende Referent auch polnische Quellen und stellte eigenes Erleben denselben gegenüber. Dem historisch überaus kundigen Pädagogen aus Fulda ist das Geschehen jener unruhigen Jahre so fest im Kopf verankert, dass er viele Ereignisse spontan ohne Konzept vorzutragen imstande war. Selbstverständlich kam die polnische Geschichte vor den drei Teilungen zur Sprache wie auch die Kriege und Aggressionen des 1918 wieder neu erstandenen Landes gegen seine Nachbarn. Als weitere Stichworte seien nur genannt: die Zielsetzungen polnischer Politiker und Nationalisten nach 1916, das „Wunder an der Weichsel“ (1920), die Korridorsituation, Minderheitenfrage, polnische Identität, Größenwahn und Realitätsferne, der Fall „Weiß“ (Besetzung Polens). Manche bedeutsame Entwicklungen mussten aus Zeitgründen ausgespart bleiben, beispielsweise die Kämpfe um den Annaberg oder die Grenzverletzungen seitens der Polen im Jahre 1939 in Masuren, Schlesien und anderswo. Nach Einschätzung Baaskes kann folgende Aussage zur gegenwärtigen Geschichtsaneignung getroffen werden: „Nicht wenige der polnischen Historiker, zumal die jüngeren, wollen heute wissen, wie es wirklich war.“ Sie nähern sich anscheinend mehr und mehr der strengen Quellenkritik des Altmeisters der Historikerzunft Leopold Ranke. Dem Berichterstatter war nach langer Diskussion ein kräftiger Applaus sicher.

Wetzlar – Montag, 8. September, 19 Uhr, Wetzlarer Grillstuben: Gerlinde Groß aus Wehrheim spricht über das Leben und Wirken der Königin Luise von Preußen (1776–1810). Gäste sind willkommen.

Wiesbaden – Sonnabend, 6. September, 11 Uhr, Wiesbaden-Kohlheck, An der Kranichstraße: Feierstunde am BdV-Gedenkstein. – Sonntag, 7. September, 11 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal, Friedrichstraße 35: Feststunde des BdV-Kreisverbandes. – Dienstag, 9. September, 15 Uhr, Haus der Heimat, Wappensaal, Friedrichstraße 35: Heimatnachmittag. – Sonntag, 14. September, 10 Uhr, Eingangshalle des Hessischen Landtags (Eingang Grabenstraße): Hessischer Gedenktag für die Opfer von Flucht und Deportation, und Zentraler Tag der Heimat 2014. Ansprachen: Volker Bouffier (hessischer Ministerpräsident), Stefan Grüttner (hessischer Minister für Soziales und Integration), Siegbert Ortmann (Vorsitzender des BdV-Landesverbandes Hessen. Platzkonzert ab 9.30 Uhr.

 

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

Anklam – Sonnabend, 6. September: Landesweiter Tag der Heimat 2014, „Wir sehen uns wieder am Oderstrand“ – die Oberschlesier kommen nach Anklam! Der 23. landesweite Tag der Heimat wird festlich begangen. Treffpunkt ist von 10 bis 17 Uhr in der Mehrzweckhalle „Volkshaus“ Anklam, Baustraße 48–49 (Stadtzentrum/Nähe Markt). Ehrengast ist der Präsident aller deutschen Gesellschaften in Polen, Bernard Gaida, aus Oppeln. Ebenfalls direkt aus Oberschlesien kommen der Trachtenchor „Heimatklang“ Cosel-Klodnitz und das Blasorchester Himmelwitz nach Anklam. Für diesen Tag hat auch das Mecklenburger & Pommeraner Folklore-Ensemble Ribnitz-Damgarten Volkstänze aus der Heimat einstudiert. Eingeladen sind alle Landsleute und Heimatfreunde von nah und fern nebst Angehörigen und Interessenten. Für das leibliche Wohl mit Mittagessen, Kaffee, Kuchen und Bärenfang sowie für genügend Parkplätze ist gesorgt.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Buxtehude – Donnerstag, 18. September: Busfahrt in das „Tister Bauernmoor“ bei Sittensen. Dieses Naturschutzgebiet mit seinen großen wiedervernässten Moorflächen hat eine sehr reiche Pflanzen- und Tierwelt und ist bekannt für seine tausende von Kranichen, die zur Übernachtung hier im Herbst einfallen. 14 Uhr Busfahrt ZOB, 14.10 Uhr Bahnhofstraße/Post, 14.20 Uhr Apensener Straße/Denkmal, 14.30 Uhr Apensener Straße/Wachtelburg, 15.25 Uhr an Burgsittensen, Bahnhof der Moorbahn. Kaffeegedeck in der Bahnhofgaststätte. 16.15 Uhr Fahrt mit der Moorbahn und zwischenzeitliches Aussteigen, 18.30 Uhr Rückfahrt. Kostenbeitrag 18 Euro pro Person. Anmeldung bis zum 12. September bei Wolfgang Weyer, Telefon (04161) 3406.

Hannover – Freitag, 12. September, 14.30 Uhr, Ihmeblick (Ruderclub), Roesebeckstraße 1: Treffen nach der Sommerpause. Auf dem Programm stehen Reiseberichte und Schabbern.

Oldenburg – Mittwoch, 10. September, 15 Uhr, Stadthotel Eversten, Hauptstraße 38: Die Frauengruppe trifft sich nach der Sommerpause. Karl-Heinz Bonk, Oldenburg, zeigt Dias von seinen Reisen durch Schlesien: „Schlesien – Land der Träume – Land der Tränen“. Freunde und Gäste sind herzlich willkommen.

Rinteln – Donnerstag, 11. September, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Monatstreffen. Professor Dr. Heinz Schürmann aus Bielefeld hält zum Thema „Krakau an der Weichsel – alte Kulturmetropole einen Lichtbildervortrag unter besonderer Berücksichtigung deutscher Spuren. Der Eintritt ist frei. Neben den Mitgliedern der Gruppe sind auch Freunde, Verwandte und interessierte Gäste aus Nah und Fern recht herzlich willkommen! Weitere Auskünfte und Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit in Rinteln gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat unter Telefon (05751) 5386 oder über: rebuschat@web.de.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bielefeld – Montag, 1. September, 15 Uhr, Wilhelmstraße 13, 33602 Bielefeld: Zusammentreffen der Frauengruppe. – Donnerstag, 4. September, 15 Uhr, Wilhelmstraße 13, 33602 Bielefeld: Stammtisch der Königsberger und Freunde der Hauptstadt Ostpreußens. – Donnerstag, 11. September, 15 Uhr, Wilhelmstraße 13, 33602 Bielefeld: Gesprächskreis Ostpreußisch Platt. – Donnerstag, 18. September, 15 Uhr, Wilhelmstraße 13, 33602 Bielefeld: Literaturkreis.

Bonn – Dienstag, 2. September, 18.30 Uhr, Stadthalle, 53177 Bonn-Bad Godesberg: Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat in Bonn.

Dortmund – Sonnabend, 6. September, 16 Uhr, Gemeindehaus der St, Joseph Kirche Heroldstr. 13 Ecke Münsterstraße, 44145 Dortmund: Die Kreisgruppe lädt ein zum Tag der Heimat am ein. Ab 15 Uhr Kaffeetrinken. Der Landtagabgeordnete Herr Jostmeier, Vertriebenenbeauftragter der CDU, hält die Festrede. Leitwort 2014: „ Deutschland geht nicht ohne uns“.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 bis 20 Uhr, GHH/Eichendorff-Saal, 1. Etage: Chorprobe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft. – Mittwoch, 3. September, 15 Uhr, GHH/Raum 311 „Siebenbürger Sachsen“: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt. – Donnerstag, 4. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Lesung und Gespräch mit Dr. Hajo Buch und PD Dr. Winfrid Halder: „Zustand einer erhöhten seelischen Ausgeglichenheit“. Zum 50. Todestag Werner Bergengruens (1892–1964). – Donnerstag, 4. September, 19.30 Uhr: Offenes Singen mit Barbara Schoch. – Sonnabend, 6. September, 11.30 Uhr: Wandertreff. Infostand Hauptbahnhof/Fahrt nach Krefeld zum Hülser Berg mit Einkehr ins idyllische Parkschlösschen. – Montag, 8. September, 18 Uhr, GHH/Ausstellungsraum: Ausstellungseröffnung „Unterm Strich und Zensur in der DDR“. Die Ausstellung läuft bis zum 25. November. – Mittwoch, 10. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Vortrag von PD Dr. Winfrid Halder über „Georg Forster“. – Donnerstag, 11. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Lesung mit Franz Hodjak: „Der Gedenke, mich selbst zu entführen, bot sich an“. Moderation: Helmut Braun. Freitag, 12. September, 18 Uhr, Restaurant Lauren’s, Bismarckstraße 62: Stammtisch. – Sonnabend, 13. September, 11 Uhr, GHH/Konferenzraum: Tag der Heimat. – Mittwoch, 17. September, 18 Uhr, GHH/Eichendorff-Saal/Raum 312: 65. Chorjubiläum der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland. – Donnerstag, 18. September, 19 Uhr, GHH/Raum 312 „Schlesien“: Vortrag Dr. Margret ott, Verein für Düsseldorfer Familienkunde: „Vorstellung des Pommerschen Greif e.V. und der Forschungsmöglichkeiten für Pommern im Internet“.

Gütersloh – Sonntag, 7. September, 15 Uhr, Gütersloher Brauhaus: Alle Interessierten sind zum diesjährigen Tag der Heimat eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. – Donnerstag, 11. September, 15.30 Uhr, Gütersloher Brauhaus, Unter den Ulmen: Ostpreußische Frauengruppe. Kontakt und Informationen bei Renate Thamm, Telefon (05241) 40422. – Sonnabend, 13. September: Pfarrfest Bruder-Konrad-Gemeinde Spexard. Das diesjährige Pfarrfest in der katholischen Kirche in Spexard steht ganz unter dem Oberschlesischen und ostpreußischen Motto. Nach der heiligen Messe um 18.30 Uhr gibt es im Pfarrheim Live-Musik mit dem bekannten Trio „Kampari-Band“ aus Leverkusen sowie Spezialitäten aus Ostpreußen und Oberschlesien: Barschtsch, Bigos und „heiße Oppelner“, Schlesier sowie Grützwurst vom Grill. Außerdem Schmalz, Bärenfang, Gozka Zoladkowa und Debowa. Zur späten Stunde gibt es Kaffee und Mohnkuchen. Alle sind herzlich eingeladen. Informationen bei Marianne Bartnik, Telefon (05241) 29211.

Mülheim an der Ruhr – Donnerstag, 4. September: Tagesausflug zum Haus der Geschichte nach Bonn. Die Busfahrt, im Rahmen des BdV, beginnt um 9 Uhr am Busparkplatz hinter dem Forum, 9.10 Uhr vom Südbad. Nach dem Besuch des Hauses ist ein Mittagessen im Haus Schlesien vorgesehen. – Sonntag, 7. September, 11 Uhr, Bürgergarten: Einladung zur Feierstunde zum „Tag der Heimat“. Die Festrede wird der Vorsitzende des Mühlheimer OMV, Heiko Hendriks, halten. Der Chor „Sympathie“ übernimmt den musikalischen Rahmen. Nach der Feierstunde bietet der Wirt ein Mittagessen an.

Neuss – Donnerstag, 4. September, 15 bis 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: „Tag der offenen Tür“ mit Kaffee und Kuchen. – Sonnabend, 13. September: Tag der Heimat. 14 Uhr: Kranzniederlegung am Ostdeutschen Gedenkstein Oberstraße.

15 Uhr: Im Anschluss Feierstunde im Zeughaus. Programm: Musikvortrag: Quartettsverein Sängerbund 1859 Büderich (Dirigent Dr. Winfrid S. Küttner). Willkommensgruß: Peter Pott, Kreisvorsitzender. Grußworte: Bürgermeister oder Stellvertreter. Musikvortrag: Quartettsverein Sängerbund 1859 Büderich (Dirigent Dr. Winfrid S. Küttner). Gedenkrede: Hans-Jürgen Petrauschke, Landrat. Musikvortrag: Quartettsverein Sängerbund 1859 Büderich (Dirigent Dr. Winfrid S. Küttner). Dankes- und Schlussworte: Dr. Sigrid Bießner, stellvertretende Kreistagsvorsitzende. Nationalhymne.

Witten – Montag, 15. September, Evangelisch-Lutherische Kreuzgemeinde, Lutherstraße 6–10: Ostpreußisch Platt. Vorträge von Bruno Romeiks.

 

RHEINLAND-PFALZ

Vors.: Dr. Wolfgang Thüne, Wormser Straße 22, 55276 Oppenheim.

Mainz – Jeden Freitag, 13 Uhr, Café Oase, Schönbornstraße 16, 55116: Die Gruppe trifft sich zum Kartenspielen. – Sonntag, 14. September: Tag der Heimat, zusammen mit dem Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation im Foyer des Landtags Wiesbaden. – Donnerstag, 18. September: Besuch des Otto-Schwabe Heimatmuseums Hochheim am Main, anschließend Einkehr in eine Weinwirtschaft. Treffpunkt: 14 Uhr, Mainz, Bahnhofsvorplatz 2.

 

SACHSEN

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

Limbach-Oberfrohna – Sonnabend, 11. Oktober, 14 Uhr, Eschemuseum: Die Landsleute der Kreisgruppe feiern ihr traditionelles ostpreußisches Erntedankfest. Zu diesem Fest werden schon gemeinsam Vorbereitungen getroffen. Mit Freude und guten Ideen will die Gruppe einen Tag vorbereiten, der allen noch lange in Erinnerung bleiben soll. Der gemischte Chor „Langenberg“ wird im kulturellen Teil unterhalten und die Teilnehmer dürfen fröhlich mitsingen. Eine Kindergruppe von der Gerhart-Hauptmann-Schule führt durch ein abwechslungsreiches Programm. Es ist hausgeschlachtete Wurst im Angebot. Alle Landsleute und Gäste sind herzlich eingeladen.

Chöretreffen – Die Mitglieder der Kreisgruppe nahmen am Chöretreffen des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler (LVS) in Reichenbch O.L. teil. Der LVS hatte eine sehr gute Veranstaltung vorbereitet. Am 13. Juli war es soweit. Früh am Morgen begann die Fahrt zeitig genug, um den Gottesdienst von Pfarrer Wiesner keinesfalls zu versäumen. Die Worte der Predigt waren ergreifend, weil es um „Verzeihung und Freundschaft“ ging. Der Landesvorsitzende und Mitglied des sächsischen Landtages der CDU-Fraktion Frank Hirche begrüßte alle Teilnehmer herzlich. Hirche teilte mit, dass es nun endlich gelungen sei, den „Sächsischen Gedenktag für Heimatvertriebene“ durchzusetzen. Dafür bekam Hirche von allen Teilnehmern großen Beifall. Dr. Baumann vom sächsischen Innenministerium begrüßte die Landsleute und Gäste und gab wertvolle Informationen bekannt. Gisela Lossack begrüßte ebenfalls alle Teilnehmer freudig, dankte für die große Anzahl der Teilnehmer. Als Moderatorin sprach sie über den Ablauf der Chorauftritte und die der Mundartsprecher. Die Chöre waren aus vielen Städten angereist wie Dresden, Hoyerswerda, Leipzig, Chemnitz, der Chor der Russlanddeutschen sowie Chöre aus anderen Vertreibungsgebieten waren anwesend. Dieses Jahr war die Aufnahme einer CD geplant, womit die Chöre und Mundartsprecher einen Beitrag zum Erhalt der Kultur und des Brauchtums leisten durften. Von den Mundartsprechern waren die Beiträge auf die jeweilige Heimat bezogen vorbereitet. Lossack führte mit Schwung und Fröhlichkeit durch das Programm und hatte jeweils zur Ankündigung der einzelnen Chöre und Sprecher lustige Sprüche ausgesucht.

Kurt Weihe von der Gruppe Limbach-Oberfrohna hatte auch dieses Jahr eine große Überraschung vorbereitet zur Bereicherung des Museums in Reichenbach O.L. Aus dem Nachlass von Bruno Lehmann, der in Königsberg geboren wurde, hatte er gemeinsam mit den Kindern von Herrn Lehmann in der Bodenkammer einen wertvollen Schatz gefunden. Ein Kissen, komplett mit Inlett und Federn von bester Qualität von der ersten Königsberger Federnfabrik. alles noch in bestem Zustand. Weihe übergab dieses besondere Erinnerungsstück an Professor Dr. Schirotzek, welcher sich für die Bereicherung bedankte, und versprach es auch weiterhin in Ehren zu halten. einen Kinderwagen hat die Familie Lehmann von Königsberg nach St. Egidien mitgebracht. Das Kissen gehört zu diesem Kinderwagen, der nun fast komplett ist. Weihe hatte zur Erinnerung noch eine Überraschung bereitgehalten. Diese bestand aus der Übergabe von Soldatenbriefen, zu der Ingeborg Christoph geb. Senftleben mit ihrem Gatten von Berlin angereist war. Frau Christoph erhielt aus den Händen ihrer Mutter Soldatenbriefe. Darin konnte man lesen, mit wie viel Liebe an die Familie zu Hause gedacht wurde. Das eigene Leid dieser jungen Menschen im Krieg war ihnen nicht so wichtig, sondern die Sorge um ihre Lieben zu Hause und deren Wohlergehen stand für sie im Vordergrund. Die Rechtsanwältin Ingeborg Christoph geb. Senftleben übergab diesen wertvollen Schatz zusammen mit Kurt Weihe an Professor Dr. Schirotzek für das Museum. Frau Christoph hatte im vergangenen Jahr dem Museum schon ein Butterfass und ein Spinnrad aus der Heimat übergeben. Alle freuten sich darüber. Vielleicht hat noch jemand irgendwo im Kämmerchen ein wertvolles Stück aus der Heimat, dann lasse er die Gruppe teilhaben und sich daran gemeinsam freuen. Die Veranstaltung gab den Teilnehmern die Möglichkeit, Freunde zu treffen und Gedanken auszutauschen. Für das leibliche Wohl waren Speisen und Getränke in großer Auswahl im Angebot. Bei einer guten Tasse Kaffee und Kuchen, von der Kirche vorbereitet, gab es lebhafte Unterhaltungen und Dis-kussionen. Die Besichtigung des Museums nutzten vielen Besucher. Dank gebührt allen aktiven, ehrenamtlichen Mitarbeitern für diesen erlebnisreichen Tag. Der Dank der Gruppe gilt auch dem Landesverband der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler. Ein besonderer Dank geht an das sächsische Innenministerium für die Unterstützung.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle, Telefon privat (0345) 2080680.

Gardelegen – Freitag, 5. September, 12 Uhr, Knackmußscher Hof, Letzlingen: Die Gruppe trifft sich zum Pellkartoffelessen mit Programm.

Magdeburg – Freitag, 5. September, 16 Uhr, TuS, Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises. – Freitag, 12. September, TuS Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises. – Sonntag, 14. September, Sportgaststätte Spielhagenstraße: Tag der Heimat. – Dienstag, 16. September, 13.30 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Landesgruppe – Rede des Vorsitzenden Edmund Ferner anlässlich des 65. Tags der Heimat: „Zum landesweiten 65. Tag der Heimat in Neumünster, Schleswig-Holstein, überbringe ich den Veranstaltern die herzlichsten Grüße der Ostpreußen der Landesgruppe Schleswig-Holstein. Zur Geschichtsschreibung der Bundesrepublik Deutschland gehört auch das Kapitel Flüchtlinge, Vertriebene und ihre Organisationen; unsere Landsmannschaften, die Heimatkreise und der BdV. Lassen Sie mich heute zur Erinnerung an unsere früheren deutschen Ostgebiete ein paar Geistesgrößen nennen, die für immer mit unserer gesamtdeutschen Kultur- und Geistesgeschichte verbunden bleiben. Aus Pommern stammen: Ernst-Moritz Arndt (Dichter), Caspar David Friedrich (Maler), Philipp Otto Runge (Maler), Rudolf Virchow (Arzt), Heinrich von Stephan (Gründer des Weltpostvereins) und Paul Nipkow (Pionier des Fernsehens). Aus Schlesien stammen: Adolf von Menzel (Maler), Gustav Freytag (Dichter), Gerhart Hauptmann (Dichter) und Joseph Freiherr von Eichendorff (Dichter). Aus Ostpreußen stammen: Immanuel Kant (Philosoph), Ernst Wiechert (Dichter), Agnes Miegel (Dichterin), Lovis Corinth (Maler), E. T. A. Hoffmann (Dichter und Musiker) und Johann Gottfried Herder (Dichter und Philosoph). Aus Westpreußen und Danzig stammen: Emil von Behring (Arzt), Nicolaus Copernicus (Astronom), Arthur Schopenhauer (Philosoph), Max Halbe (Schriftsteller) und Andreas Schlüter (Baumeister und Bildhauer). Aus dem Sudetenland stammen: Georg Mendel (Begründer der Erbgesetze), Adalbert Stifter (Dichter) und Marie von Ebner-Eschenbach (Dichterin). All diese genannten Persönlichkeiten haben unser deutsches Volk geistesgeschichtlich nachhaltig befruchtet. Wir ostdeutschen Landsleute haben hier unsere zweite Heimat gefunden, in der wir glücklich und zufrieden leben. Dennoch werden wir unsere erste Heimat nicht vergessen. Lassen Sie mich jetzt mit einem überzeitlichen Gedicht von Ernst-Moritz Arndt schließen: ,Heimat und Vaterland; O Mensch, du hast ein Vaterland, ein heiliges Land, ein geliebtes Land, eine Erde, wonach deine Sehnsucht ewig dichtet und trachtet. Wo dir Gottes Sonne zuerst erschien, wo dir die Sterne des Himmels zuerst leuchteten, wo seine Blitze dir zuerst seine Allmacht offenbarten und seine Sturmwinde dir mit heiligem Schrecken durch die Seele brauseten: da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland. Wo das erste Menschenauge sich liebend über deine Wiege neigte, wo deine Mutter dich zuerst mit Freuden auf dem Schoß trug und dein Vater dir die Lehren der Weisheit und des Christentums ins Herz grub: da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland. Und seien es kahle Felsen und öde Inseln und wohnte Arbeit und Mühe dort mit dir, du musst das Land ewig liebhaben; denn du bist ein Mensch und sollst nicht vergessen, sondern behalten in deinem Herzen.

Burg auf Fehmarn – Dienstag, 9. September, 15 Uhr, Haus im Stadtpark: Bei der Landsmannschaft Ost-, Westpreußen und Danzig findet nach der Sommerpause der monatliche Nachmittag statt, der unter dem Motto „Am Meeresstrand im Schimmelreiterland“ steht. Eckehard Schmidt aus Rendsburg hält einen Vortrag über Theodor Storm. Gäste sind herzlich willkommen.

Flensburg – Freitag, 12. September, 14 Uhr: Tag der Heimat. Gemeinsame Veranstaltung der Vereinigten Landsmannschaften Flensburg. Gottesdienst in der St. Michael Kirche, Am Ochsenmarkt, mit anschließender Kaffeerunde. Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar wird eingeladen. Bushaltestelle im Nahbereich.

Pinneberg – Sonntag, 14. September, 15 Uhr: „Nordostpreußen“. Dia-Multi-Visions-Show, zweiter Teil. Informationen unter Telefon (04101) 62667 oder (04101) 73473.

Schönwalde am Bungsberg – Sonntag, 14. September, 945 Uhr, Kirche: Tag der Heimat.

 

THÜRINGEN

Vors.: Edeltraut Dietel, August-Bebel-Straße 8 b, 07980 Berga an der Elster, Tel. (036623) 25265.

Landesgruppe – Sonnabend, 6. September, Stadthalle, Brauhaus-Hotel, Arnstadt, Brauhausstraße: Tag der Landsmannschaften. Von 10 bis 12 Uhr organisiert jede Landsmannschaft ihr eigenes Programm. Von 12 bis 14 Uhr gibt es Mittagessen, und von 14 bis zirka 17 Uhr findet ein gemeinsames Kulturprogramm als zentraler „Tag der Heimat“ statt. Alle ost- und westpreußischen Landsmannschaften sind zu dieser Veranstaltung ganz herzlich eingeladen. Die Landesgruppe freut sich über eine rege Beteiligung.

Eisenach – Dienstag, 16. September, 14 Uhr, Rot-Kreuz-Weg 1: Heimatnachmittag der LM-Gruppen Ost- und Westpreußen.


S. 18-20 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Zur Sitzung der Delegiertenversammlung der KG Elchniederung e.V. lade ich hiermit ein. Die Sitzung findet am 12. September ab 14 Uhr im Hotel Esplanade in Bad Nenndorf statt. Tagesordnung: Begrüßung durch den Kreisvertreter A. Öffentlicher Teil: 1. Eröffnung der Versammlung und Feststellung der Beschlussfähigkeit, 2. Abstimmung über die Tagesordnung, 3. Protokoll der Delegiertenversammlung vom 13. September 2013, 4. Bericht des Kreisvertreters mit Aussprache, 5. Kassenbericht 2013 – Prüfung vom 23. April 2014 (Romeike/Westphal), 6. Entlastung des Vorstandes für das Jahr 2013, 7. Wirtschaftsplan 2014–2015, 8. Veranstaltungen im Jahr 2014–2015, Ostpreußentreffen M/VP in Rostock am 27. September, Deutsch-Russisches Forum vom 17. bis 20. Oktober, Nachbarschaftsgespräch in Schmalkalden am 14. März 2015, Feier 60 Jahre Patenschaft in Bad Bentheim vom 8. Bis 9. Mai 2015, Kreis- und Nachbarschaftstreffen in Bad Nenndorf vom 10. bis 13. September 2015, 9. Wahl eines Geschäftsführers, 9a. Wahl eines 2. stellvertretenden Vorsitzenden, 10. Beitrag der Arbeitsgruppe Fortbestand Elchniederung 11. Beitrag Bildarchiv, 12. Beitrag Familienforschung, 13. Verschiedenes. B. Nichtöffentlicher Teil.

 

GUMBINNEN

Kreisvertreter: Eckard Steiner, Schöne Aussicht 35, 65510 Idstein / Taunus, Telefon (06126) 4173, E-Mail: eck.steiner@ pcvos.com, Internet: www.kreis-gumbinnen.de.

Am 13. und 14. September findet in der Patenstadt Bielefeld das 61. Bundestreffen der Kreisgemeinschaft Gumbinnen statt; dann treffen sich im „Brenner Hotel“, Otto-Brenner-Straße 135, ehemalige Gumbinner, ihre Nachkommen und Freunde von fern und nah.

Am Sonnabend, ab 13.30 Uhr, wird in der Kreisversammlung der gesamte Vorstand neu gewählt. An der Arbeit Interessierte können sich noch schriftlich beim Vorsitzenden melden. Dazu werden Tätigkeits- und Rechenschaftsberichte abgegeben, ebenso Berichte von der „Stiftung Gumbinnen“ und der Arbeitsgruppe „Ostpreußisch Platt“. Es bleibt auch noch genügend Zeit zum Kaffeetrinken und Plachandern. Am Nachmittag bringt ein Bus um 16.30 Uhr die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Gedenkstätte Sennestadt am Ehrenmal. Dort wird um 17 Uhr in einer kleinen Gedenkfeier der Toten des Ersten und Zweiten Weltkrieges gedacht und ein Kranz niedergelegt, begleitet wird die Feier vom Kammerchor Kant aus Gusew. Auch Bürgermeister Andreas Rüther wird an dieser Feier als Vertreter der Patenstadt Bielefeld teilnehmen.

Wie schon in den vergangenen Jahren, findet um 19.30 Uhr in der Lutherkirche gegenüber vom Tagungshotel ein Konzert mit dem Kammerchor Kant statt, dazu sind auch Bielefelder Gäste herzlich eingeladen. Der Abend im Brenner Hotel bietet anschließend Zeit für ein gemütliches Beisammensein und Gesprächen mit alten und neuen Freunden, Bekannten und ehemaligen Nachbarn.

Der Sonntag beginnt um 10 Uhr im Brenner Hotel mit der einer öffentlichen Gemeinschaftsstunde, zu der auch Vertreter der Stadt Bielefeld eingeladen sind. Traditionsgemäß wird nach einer Andacht das Totengedenken gesprochen. Neben den Grußworten der Ehrengäste und dem Bericht des Vorsitzenden über die Arbeit der Kreisgemeinschaft wird der Gumbinner Nachkomme Bernd Stick-lies über „Ostpreußische Flüchtlinge im Kreis Pinneberg von November 1914 bis April 1915“ berichten. Sie teilten bereits im Ersten Weltkrieg das Schicksal vieler Ostpreußen, konnten aber im Gegensatz zu den Flüchtlingen im Zweiten Weltkrieg in ihre Heimat zurückkehren.

Zum Treffen wird auch eine Delegation aus der ehemaligen Heimatstadt, dem heutigen Gusew erwartet, zu der die Kreisgemeinschaft Gumbinnen, aber auch die Patenstadt Bielefeld, gute Kontakte pflegt.

 

JOHANNISBURG

Kreisvertreter: Dr. Manfred Solenski, Fichtenstraße 14, 26316 Varel, Telefon (04451) 4581, Fax (04451) 9189298, E-Mail: solenski@kreisgemeinschaft-johannisburg.de. Internet: www.kreisge-meinschaft-johannisburg.de

Sehr geehrte Damen und Herren, die Kreisgemeinschaft Johannisburg in der Landsmannschaft Ostpreußen e.V. veranstaltet am Sonntag, 7. September, im Goldsaal des Kongresszentrums Westfalenhallen in Dortmund ihr 59. Heimatkreistreffen. Es werden Teilnehmer aus vielen Teilen der Bundesrepublik Deutschland und auch heimatverbliebene Landsleute aus Polen, aus dem Kreis Johannisburg [Pisz], erwartet. Die offizielle Feierstunde beginnt um 11 Uhr und endet um zirka 12.30 Uhr. Das Festprogramm wird musikalisch umrahmt von einem Musiker sowie einem Chor aus Dortmund. Das Treffen steht unter dem Leitwort: „Deutschland geht nicht ohne uns.“

Programmablauf: Einlass 9 Uhr, Beginn 11 Uhr. Musikalische Einleitung Taisia Fischer, Begrüßung Dr. Manfred Solenski, Kreisvertreter, „Großer Gott wir loben Dich“ (Choral) Andacht Gerhard Boesler, Stellvertretender Kreisvertreter, Glocken der Heimat (Lied) Chor „Heimatmelodie“ der „Deutschen aus Russland“, Leitung: Boris Kuferstein, Totenehrung Gerhard Boesler. „Ich hatt’ einen Kameraden“ Taisia Fischer, „Möge die Straße“ (Lied) Chor „Heimatmelodie“ der „Deutschen aus Russland“, Leitung: Boris Kuferstein, Grußwort der Gäste. Jahresbericht: Dr. Manfred Solenski, Kreisvertreter, Masurenlied „Meine Heimat ist so schön“ (Lied) Chor „Heimatmelodie“ der „Deutschen aus Russland“, Leitung: Boris Kuferstein, Schlusswort Dr. Manfred Solenski, „Land der dunklen Wälder“ Ostpreußenlied, Gemeinsam mit musikalischer Begleitung Deutschlandlied 3. Strophe, Gemeinsam mit musikalischer Begleitung.

Satzungsgemäß ergeht hiermit die Einladung zur Sitzung des Kreistages an den Tagen Sonnabend, 6. September ab 14 Uhr und Montag, 8. September von 9 bis 12 Uhr. Am Sonntag, 7. September um 11 Uhr nimmt der gesamte Kreistag am 59. Hauptkreistreffen der Johannisburger teil. Veranstaltungsort: Best Western Parkhotel Westfalenhallen, Strobelallee 41, 44139 Dortmund, Telefon (0231) 1204/324. Anreise: Sonnabend, 6. September bis 13 Uhr (Hauptbahnhof mit der U- Bahn 45), Abreise: Montag, 8. September (nach der Kreistagssitzung). Anmeldungen mit eventuell zusätzlichen Tagesordnungspunkten sind bitte zu richten an den Stellvertretenden Vorsitzenden, Detlef Liedtke, Vennstraße 3, 46284 Dorsten, Telefon (02362) 73380.

Tagesordnung: Sonnabend, 6. September: 1. Eröffnung und Begrüßung, 1.1 Feststellung der ordnungsgemäßen und fristgerechten Einladung, 1.2 Feststellung der Anwesenheit und Beschlussfähigkeit, 1.3 Beschluss der Tagesordnung, 1.4 Genehmigung des Protokolls der Kreistagssitzung am 31. August und 2. September 2013. 2. Totenehrung. 3. Entgegennahme des Jahresberichts des Kreisausschusses (Vorstand) – Aussprache. 4. Bericht des Vereins „Rosch“ – Aussprache. 5. Bericht der Vertreterin des Patenkreises – Aussprache.

6. Entgegennahme der Jahresabrechnung für das Haushaltsjahr 2013. 7. Bericht des Prüfungsausschusses. 8. Antrag der Kassenprüfer auf Erteilung der Entlastung des Kreisausschusses.

9. Feststellung des Einnahmen- und Ausgabenvoranschlages für das Jahr 2015.

Montag, 8. September: 10. Berichte der Kirchspielvertreter.

11. Tagungen und Veranstaltungen. 12. Kreistreffen und Kreistagssitzung 2015. 13. Aufgaben und Ziele für das Jahr 2015.

14. Verschiedenes. 15. Schlusswort des Kreisvertreters.

 

LABIAU

Kreisvertreterin: Brigitte Stramm, Hoper Straße 16, 25693 St. Michaelisdonn/Holstein, Telefon (04853) 562. info­@stramm­verlag. de, Internet: www.labiau.de.

Am nächsten Tag war eine Fahrt in Ostpreußens Hauptstadt Königsberg geplant. Doch an dem Morgen gab es für die Kreisvertreterin eine große Überraschung. Sie hatte an dem Tag Geburtstag und keine Ahnung davon, dass die Gruppe überhaupt Kenntnis davon hatte. Liebevolle Blumendekoration, ein Ständchen und Glockenklingeln mit den gerade am Vortag erhaltenen Waldwinkler Glöckchen machten die Überraschung perfekt.

So, nun aber auf nach Königsberg. Eine Stadtrundfahrt, aber auch ein Rundgang zu Fuß vom Hansaplatz aus, bei dem die frühere und jetzige Nutzung der Gebäude erklärt wurde, gaben einen kleinen Einblick. Das Bernsteinmuseum ist immer wieder prächtig anzusehen. Auch statteten wir unserer „Historischen Labiau-Ausstellung“ im Staatsarchiv einen Besuch ab. Es ist wirklich beeindruckend, wie interessiert gerade jüngere Menschen an der Geschichte des Landes sind.

Königsberg, das jetzige Kaliningrad, hat einen positiven Eindruck hinterlassen dank der Tatsache, dass die historischen Gebäude die uns interessierende Stadtgeschichte aufzeigten. Für die restlichen Tage in Ostpreußen war unser Quartier das Hotel Rauschen in Rauschen. Auch hier verbrachten wir schöne und interessante Tage, genossen die nahe Ostsee, spazierten abends zum Strand oder inspizierten die Bernsteinstände. Leider verschwindet die berühmte Bronzefigur von Herman Brachert „Die Nymphe“, die von einer Mosaikmuschel umrahmt ist, hinter diversen Sommerständen und Sonnenschirmen, nahezu unbeachtet. Man findet sie eigentlich nur noch, wenn man sie sucht, schade.

Ein Ausflug auf die Kurische Nehrung, vor einigen Jahren zum Nationalpark erklärt, ist immer wieder ein Erlebnis. Der lange, fast menschenleere Strand, herrliches, klares Sommerwetter luden zum Wandern oder auch zum Baden ein. In einigen Stunden Aufenthalt konnte man die Seele baumeln lassen. Überhaupt ist die Natur das größte Gut, das dieser Teil Ostpreußens zu bieten hat. Auch in Palmnicken und Pillau, das mittlerweile zwar mit spezieller Genehmigung aber ohne Kontrolle zu erreichen ist, konnte die wunderbare Natur der Samlandküste erlebt werden. Die Steilküste und den Tagebau der Bern-steingrube, der jetzt wieder gut zu erreichen und zu besichtigen ist; den herrlichen Strand in Pillau mit dem in die Dünen eingebetteten Kriegsgräberfriedhof, dem Denkmal von Peter dem Großen, das auf dem Sockel des Großen Kurfürsten steht, der nun in der Gegenwart seinen Platz in Eckernförde gefunden hat, dem Schinkel-Leuchtturm, dem früheren Ostpreußenkai, an dem die Schiffe des „Seedienst Ostpreußen“ und später die Flüchtlingsschiffe an- und ablegten, dem Hotel Zum Goldenen Anker – alles Namen und Plätze, die für den Ostpreußenfreund- und Kenner eine große Bedeutung haben.

Der letzte Tag in Ostpreußen galt nochmal dem Besuch des Kreises Labiau. In der Stadt fand an diesem Tag der „Labiauer Tag“ unter Beteiligung von Gästen aus Litauen, Weißrussland, Polen und Deutschland statt. Es gab einen Festumzug und auf der Festwiese gab es viele Stände mit einem Warenangebot wie Spielzeug, Schmuck, Bilder, aber auch Stände, die für das leibliche Wohl sorgten, gab es reichlich. Die Gruppe fuhr nun nach Tilsit, dort wurde das Museum besichtigt und ein Rundgang durch die Stadt gemacht. Leider konnte das kurz zuvor eingeweihte Königin-Luise-Denkmal aus Zeitgründen nicht mehr in Augenschein genommen werden, da der lange Weg nach Rauschen noch zu bewältigen war.

Das war der letzte Tag in Ostpreußen, den wir mit dem außergewöhnlich schönen Vortrag des Damen-Chores „Legende“ und auf der Terrasse des Hotels in Rauschen ausklingen ließen. Am nächsten Morgen ging es mit Stopp in Danzig zur Zwischenübernachtung bei Stolp. Ein wunderbares Hotel gab den Rahmen für das Ende einer wunderbaren Reise, von der alle Teilnehmer höchst zufrieden, bereichert mit vielen Eindrücken und Erlebnissen, gesund zurückkehrten.

Im Übrigen wurde unsere Reise von einem Zwei-Personen-Filmteam begleitet, zwei jungen Leuten, die einen Abschlussfilm des Masterstudiengangs Fernsehjournalismus an der Hochschule Hannover drehten. Thema: Sehnsucht Ostpreußen. Die Großmutter der Studentin kommt aus Schenkendorf im Kreis Labiau, deshalb wurde unsere Gruppe ausgesucht. Es wurde viel gefilmt, Interviews mit den Zeitzeugen geführt – immerhin war unser ältester Teilnehmer 93 Jahre alt, er konnte viel erzählen. Wir sind schon alle sehr gespannt auf diesen Film. Zu begrüßen ist die Initiative, dass überhaupt junge Menschen Ostpreußen in dieser Form als Thema auswählen.

Bitte merken: Der Reisetermin 2015 steht auch bereits fest: 23. Mai bis 1. Juni 2015. Nach Ostpreußen fährt man mit Ostpreußen! Sind Sie nächstes Jahr dabei? Brigitte Stramm

 

LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Helga Buss, geb. Bemba, geb. am 10. Juni 1945 in Aulacken, ist am 3. August 2014 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Helga war seit dem 16. März 2013 Ortsvertreterin von Aulacken und wurde am 1. Oktober 2013 als Beisitzerin in den Kreisausschuss ernannt. Vorstandsmitglieder der Kreisgemeinschaft Lyck haben Helga auf ihrem letzten Weg begleitet und von ihr Abschied genommen.

Unter den Trauergästen war eine Familie mit sechs Kindern aus Warschau angereist, die Tochter von Helgas Kindheitsfreundin aus Fließdorf, auch sie wollten sich von Helga am Grabe verabschieden. Helga Buss wird uns als ein froher und lebenslustiger Mensch in Erinnerung bleiben und wir trauern gemeinsam mit den Angehörigen um sie.

Am 16. August 2014 verstarb Pfarrer Gerhard Fröhlich in Gro-ßenkneten, Kreis Oldenburg. Er wurde am 27. Juli 1929 in Waldenfried (Bilitzen), Kreis Johannisburg, geboren. Sein Heimatdorf war Kalgendorf im Kreis Lyck. Gerhard Fröhlich war von 2006 bis 2010 Bezirksvertreter des Bezirks Dippelsee, zu dem Kalgendorf gehört, und damit auch Mitglied des Kreistages der Kreisgemeinschaft Lyck. Die ökumenischen Gottesdienste 2002 in Ebenfelde und 2004 in Klaussen hat er zelebriert. Gerhard Fröhlich hat mehrere Bücher geschrieben, unter anderem sein biografisches Werk „Erinnerungen“.

Die Kreisgemeinschaft Lyck wird Gerhard Fröhlich ein ehrendes Gedenken bewahren.

 

NEIDENBURG

Kreisvertreter: Jürgen Szepanek, Nachtigallenweg 43, 46459 Rees-Haldern, Tel. / Fax (02850) 1017.

Zu unserem diesjährigen Heimattreffen am Sonntag, dem 14. September im Restaurant Kronendiele, Heiligengeiststraße 39–41, 21335 Lüneburg, unmittelbar neben dem Ostpreußischen Landesmuseum gelegen, laden wir herzlich ein. Einlass ist um 9 Uhr, das Ende für zirka 17 Uhr vorgesehen. Nach der Begrüßung durch den Kreisvertreter werden wir einen Vortrag über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hören. Angeboten werden bei dieser Veranstaltung unsere jüngst in 4. Auflage erschienenen DVDs sämtlicher Heimatbriefe ab 1947, beider längst vergriffenen Kreisbücher, wie auch beide Bildbände. Des Weiteren gibt es hervorragende Abzüge einer Schulwandkarte aus dem Jahre 1931 und erst kürzlich gefertigte Kopien des Neidenburger Stadtplanes. Generelle Auskünfte erteilen gerne nicht nur der anwesende Familienforscher und Schriftleiter, sondern alle aktiven Mitarbeiter unserer Kreisgemeinschaft. In dem geringen Eintrittspreis ist gleichzeitig der Eintritt in das Ostpreußische Landesmuseum eingeschlossen, was sich bereits bei unserem Treffen im Jahre 2008 bewährt hat. Der Vorstand würde sich über zahlreiches Erscheinen unserer Landsleute und Freunde freuen. Bereits am Sonnabend, 13. September, 15 Uhr, findet die öffentliche Kreistagssitzung unserer Gemeinschaft mit der anschließenden konstituierenden Sitzung des neuen Kreistages für die nächsten vier Jahre in den Räumlichkeiten der Kronendiele statt.

Der Wahlausschuss der Kreisgemeinschaft Neidenburg gibt in alphabetischer Reihenfolge die gewählten Mitglieder für die Legislaturperiode von 2014 bis 2018 bekannt: Ruth Bahr, Dr. Irmtraud S. Bießner, Günther Ernst, Marion Haedge, Martin Hennig, Ulrich Hoffmann, Frank Jork, Reinhard Kayss, Lutz Knief, Jürgen Kowalek, Ingrid Laufer, Dr. Uwe Laurien, Dietrich Olinski, Ulrich Pokraka und Jürgen Szepanek. Der Vorsitzende des Wahlausschusses: Benno Kaden“.

 

SCHLOSSBERG (PILLKALLEN)

Kreisvertreter: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle/Saale. Geschäftsstelle: Renate Wiese, Tel. (04171) 2400, Fax (04171) 24 24, Rote-Kreuz-Straße 6, 21423 Winsen (Luhe).

Am 25. und 26. Juli, fand in Winsen (Luhe) in der Stadthalle unser Ostpreußentreffen statt. Der Begriff „Ostpreußentreffen“ klingt vielleicht noch ein wenig fremd, denn früher wurden unsere Schloßberger immer zum „Hauptkreistreffen“ eingeladen. Das haben wir geändert, um damit deutlich zu machen, dass nicht nur die Schloßberger, sondern auch alle anderen Ostpreußen und am Treffen Interessierte herzlich eingeladen sind. Warum haben wir unser Treffen umbenannt? In den Vorjahren waren die Besucherzahlen kontinuierlich rückläufig. Das liegt insbesondere daran, dass aufgrund des hohen Lebensalters und der meistens weiten Anreise nach Winsen, die Teilnahme zu beschwerlich und zu teuer ist, aber auch der Gesundheitszustand es oft nicht zulässt teilzunehmen. Vielleicht ist es auch die Enttäuschung, wenn bei früheren Treffen nur noch wenige Freunde und Bekannte angetroffen wurden. Daran können wir, die Organisatoren, leider nichts ändern.

Durch den Zusammenschluss der Kreisgemeinschaften (KGs) Schloßberg und Ebenrode und in Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppen Niedersachsen und Hamburg, möchten wir alle Menschen ansprechen, die sich mit Ostpreußen verbunden fühlen. Der Freitag war geprägt von Sitzungen, durch die öffentliche Kreistagssitzung des Schloßberger Kreistages und parallel dazu fand das sehr gut besuchte Schülertreffen der Friedrich-Wilhelm-Oberschule (FWO) Schloßberg im Clubraum der Stadthalle statt. Der Sonnabend begann mit der Kranzniederlegung am Ehrenmal auf dem Winsener Waldfriedhof. Pastor i.R. Kurt Perrey, KG Ebenrode, hielt die Ansprache.

An beiden Tagen hatten die Besucher im Foyer der Stadthalle die Möglichkeit, an den Informationsständen in Chroniken, Büchern, Karten, Heimatbriefen und vieles mehr der KGs Schloßberg und Ebenrode zu erwerben. Wie in den Vorjahren fehlte auch Heinz Buchholz nicht. Er bot sein Buch „Iwan das Panjepferd“ zum Kauf an. Gern signierte er seine Bücher und beantwortete Fragen.

Wir konnten uns darüber freuen, dass die Landsmannschaft Ost- und Westpreußen, organisiert von ihrem Vorsitzenden, Hans-Dieter Kossack, am Sonnabend die Möglichkeit bot, ostpreußische Spezialitäten wie original ostpreußische Dosenwurst und „Bärenfang“ zu erwerben. Um 10.30 Uhr begann die Feierstunde im Saal der Stadthalle. Der Kreisvertreter der KG Schloßberg, Michael Gründling, begrüßte die anwesenden Ehrgäste namentlich, so Heiner Schönecke als stellvertretenden Landrat und MdL im Landtag Hannover, Hans-Joachim Röhrs als Oberkreisdirektor i.R., André Wiese, Bürgermeister der Stadt Winsen (Luhe), Professor Jens Rainer Ahrens, Vorsitzender der SPD im Kreistag, André Bock als MdL und Fraktionsvorsitzenden der CDU im Stadtrat Winsen (Luhe), Dr. Cornell Babendererde als Vorsitzender CDU Winsen (Luhe), Hans-Dieter Kossack als Vorsitzenden der Landsmannschaft (LM) der Ost- und Westpreußen in Winsen (Luhe), das Ehepaar Ulrich und Edith Knuth als Vertreter der LM der Ost- und Westpreußen und Franz Schaffeld, den bis kürzlich amtierenden Jugendpfleger des Landkreises Harburg. Weiterhin begrüßte Gründling eine Abordnung des Schützenkorps Winsen sowie die amtierende Pillkaller Schützenkönigin 2013/14, Margrit Nielsen, die Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe Niedersachen, Dr. Barbara Loeffke sowie den Vorsitzenden der Landesgruppe Hamburg, Hartmut Klingbeutel.

Nach der Totenehrung brachte die „Chorgemeinschaft Singzirkel und Männerchor Winsen“ den Gästen mit „Das stille Tal“, „Kein schöner Land“, „Teure Heimat“ und „Ich bete an die Macht der Liebe“ einige bekannte Volksweisen zu Gehör. Die „Macht der Liebe“ nahm Pastor i.R. Kurt Perrey (KG Ebenrode) auch zum Inhalt seiner Andacht. Gemeinsam wurde das Lied Nr. 430 „Gib Frieden, Herr gib Frieden, die Welt nimmt einen schlimmen Lauf“ gesungen. Grußworte des Paten-Landkreises Harburg wurden vom stellvertretenden Landrat, Heiner Schönecke, sowie von Bürgermeister der Patenstadt Winsen (Luhe), André Wiese, gesprochen.

Den Festvortrag mit dem Titel „Das ostpreußische Landesmuseum auf dem Weg in die Zukunft“ hielt Museumsdirektor Dr. Joachim Mähnert. Er berichtete, dass die Zahl der Besucher im ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg kontinuierlich steigt. Besonders erfreulich sei die Tatsache, dass viele Kinder und Jugendliche zu den Besuchern gehören. Nach einer langen Vorbereitungszeit werden nun die Umbauarbeiten im und am Ostpreußischen Landesmuseum beginnen. Allein durch die Verlegung des Einganges von der Ritterstraße in die Fußgängerzone hoffe man auf noch mehr Besucher.

Nach dem Festvortrag wurde gemeinsam das Ostpreußenlied gesungen.

Dr. Gerhard Kuebart, Kreisvertreter der KG Ebenrode, sprach das Schlusswort. Die Feierstunde endete mit der Nationalhymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Danach bestand die Möglichkeit, ein Mittagessen einzunehmen. Seit Anfang 2014 hat die Stadthalle in Winsen (Luhe) einen neuen Pächter. Joannis Kourkoutidis richtete unsere Veranstaltung zum ersten Mal aus. Seine Mitarbeiterin Angelika stand ihm tapfer zur Seite, um mit viel Geduld alle unsere Sonderwünsche zu erfüllen, und seien es auch nur der „Pillkaller“ oder die „Königsberger Klopse“ gewesen, die dem neuen griechischen Wirt und seinen Hilfen fremd waren.

Für das Nachmittagsprogramm war der Ostpreußenchor Hamburg eingeladen. Die 16 Damen und Herren waren mit der Bahn aus Hamburg angereist. Trotz großer Hitze traten die Damen in langen schwarzen Röcken und weißen Blusen mit Bernsteinketten auf und die Herren in weißen Hemden und schwarzen Hosen. Ilse Schmidt stellte den Chor vor und trug zu Beginn das Gedicht „Es war ein Land“ von Agnes Miegel vor. Die Volkslieder: „Willst du in meine Heimat gehen. „Die Düne“, „Kleine Maria“, „Die Glocken der Heimat“, “Ännchen von Tharau“, “Im schönsten Wiesengrunde“, „Von fern klingt leise eine Melodie“ und „Rosemarie“, folgten Nonstop und begeisterten die Zuhörer, die mit Applaus nicht geizten. Derweil waren die Kinder des Volkstanzkreises Winsen in der Stadthalle eingetroffen. Unter der Leitung von Sandra Zimmermann hatten sie für uns bei begleitender Livemusik mehrere Tänze einstudiert. Am Ende der Veranstaltung erhielten die Kinder zum Dank eine kleine Geschenktüte, gefüllt mit einem Button (Abbildung Elch/Aufschrift Ostpreußen) und Süßigkeiten.

Wegen der Erkrankung des stellvertretenden Kreisvertreters, Chr.-Jörg Heidenreich, mit derzeitigem Aufenthalt in der Uniklinik Kiel, musste der angekündigte Auftritt der Parforcehornbläser Wilstermarsch – in diesem Chor wirkt Heidenreich seit Jahrzehnten aktiv mit – leider ausfallen. Von dieser Stelle wünschen wir ihm gute und schnelle Besserung. Am frühen Abend bestand dann die Möglichkeit, die Heimatstuben der KGs Schloßberg und Ebenrode zu besuchen. Kaffeeduft und viele ostpreußische Stimmen luden zum geselligen Beisammensein bei heimatlicher Atmosphäre am großen Tisch in die Heimatstube ein. Wir bedanken uns herzlich bei allen Besuchern, die an unserem Treffen teilgenommen haben und hoffen, dass sie schöne Erlebnisse und Erinnerungen aus Winsen (Luhe) mitgenommen haben. Renate Wiese

Lilli Janßen plant mit maximal 15 Personen eine zwölftägige Busreise ab Mitte Juli 2015 mit einem Kleinbus. Ziele werden sein der Kreis Pillkallen/Schloßberg mit Schwerpunkt Lasdehnen/Haselberg sowie Gr. Wersmeningken/Langenfelde. Darüber hinaus werden auch Sonderwünsche der Mitreisenden selbstverständlich berücksichtigt. Interessenten sollten sich mit Lili Janßen in Verbindung setzen: 58642 Iserlohn, Friedrich-Ebert-Straße 30, Telefon (02374) 12503.

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

In diesem Jahr führte uns der Weg nach Potsdam/Babelsberg ins Hotel Lili Marleen. Am Nachmittag des 31. Juli trudelten alle zur Kaffee- und Kuchenzeit ein und die Freude über das Wiedersehen war groß. Wir durften in unserem Kreis zwei Neue begrüßen, die heute in Erfurt leben. Es gab viel zu erzählen und vor dem Abendessen haben alle mit einem Glas Sekt auf gutes Gelingen des Treffens angestoßen. Für einige Minuten gedachten wir still an den Heimgang von Helga Schreck, die uns am 14. Februar für immer verlassen hat. Sie war ein lebenslustiger und kreativer Mensch. Sie brachte uns mit ihren Vorträgen zum Lachen.

Am 1. August hatten wir mit einer reizenden Stadtbegleiterin eine Rundfahrt in Potsdam/Babelsberg und einem kleinen Teil von Berlin unternommen. Wir sahen einige wichtige Sehenswürdigkeiten und auch die preußische Geschichte wurde nicht ausgelassen. Am nächsten Tag war Freizeit angesagt. Da unterschiedliche Interessen da waren, teilte sich die Gruppe auf und Dank der „Potsdamkarte“ konnten wir uns überall frei bewegen. Mit zehn Personen machten wir Berlin unsicher. Selbstverständlich probierten wir auch die berühmte Berliner Currywurst. Nachdem wir Regierungsviertel, Brandenburger Tor, Alexanderplatz, Dom, die Rück-seite der Museumsinsel und der Spree einen Besuch abgestattet hatten, fuhren müde Krieger ins Hotel zurück. Die andere Gruppe machte Potsdams Holländerviertel und Umgebung unsicher und war begeistert. Am 3. August besuchten wir gemeinsam Schloss Sanssouci mit Führung. Der preußische Drill herrscht dort noch heute, wie wir feststellen konnten. Die Räume im Schloss haben noch die ursprünglichen Möbel und auch der Sessel, in dem Friedrich der Große verstorben ist, steht noch da. Da Friedrich der Große die Kartoffel nach Deutschland gebracht hat, liegen auf seinem Grab zum Andenken Kartoffeln.

Am 4. August stand die vierstündige Havelrundfahrt per Schiff Belvedere auf dem Programm. Sie führte vorbei an Templin, Schloss Caputh, Petzow, Ferch, Geltow, Werder Insel und zurück nach Potsdam. Rundum es gab es viel zu sehen, unter anderem auch die Glienicker Brücke. Abends gingen wir zum Essen in den Kartoffelpub. Zurück im Hotel saßen wir draußen und ließen den Abend mit Gesprächen von Erlebnissen ausklingen, denn der größte Teil der Gruppe fuhr am 5. August wieder nach Hause. An jedem Abend nach dem Essen wurde viel plachandert, gesungen und gelacht. Denn das Lachen gehört zu uns. Nachdem sich der größte Teil von uns verabschiedet hatte, blieb ein kleiner trauriger Teil zurück. Aber Peter Birth versuchte den Tag zu retten und schlug einen Ausflug nach Charlottenburg vor. Wir fuhren hin und machten uns auf den Weg zum Mausoleum und statteten Königin Luise und ihrem Gatten König Friedrich Wilhelm III. einen Besuch ab. Liebe Elfriede Satzer, wir senden dir die besten Genesungswünsche und hoffen, dass du nächstes Jahr wieder bei uns bist. Wir haben dich sehr vermisst. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Teilnehmern, die mir zu meinem Zehnjährigen eine große Freude bereitet haben, bedanken. Diese Überraschung ist gelungen, ich muss sie aber immer noch verarbeiten. Dir liebe Annemarie Knopf nochmals danke für die geheimnisvolle Gestaltung. Irmgard Steffen


S. 21 Reise

Ein abenteuerlicher Fall
Literatur inklusive − Goethe, Lord Byron und Sir Arthur Conan Doyle waren die bekanntesten Urlauber des Schweizer Haslitals

Am 4. Mai 1891 geschah am Reichenbachfall im Berner Oberland ein tragisches Unglück. Ein weltberühmter Detektiv stürzte im Kampf mit seinem Widersacher in die tosenden Wassermassen, die bei Meiringen 120 Meter tief ins Haslital fallen.

Der Detektiv hieß Sherlock Holmes, und sein Widersacher war der von ihm als „Napoleon des Verbrechens“ bezeichnete Professor Moriarty. Nach 25 Geschichten über den Meisterdetektiv be­schloss dessen geistiger Vater, der Krimiautor Sir Arthur Conan Doyle, seine Lieblingsfigur in der Holmes-Erzählung „Der letzte Fall“ sterben zu lassen. „Wenn ich ihn nicht getötet hätte, hätte er zweifellos mich getötet“, begründete Conan Doyle diesen „Mord“ an seiner Romanfigur.

Zur „Belohnung“ sollte der Held nicht auf dem oft nebligen Pflaster von London zu Tode kommen, sondern in einer traumhaft schönen Landschaft. Nichts anderes hätte Holmes verdient, der seinem Autor schließlich neben dauerhaftem Ruhm auch viel Reichtum eingebracht hatte.

Die perfekte Kulisse für das dramatische Ende von Sherlock Holmes fand Conan Doyle in Meiringen. Den Ort hatte der britische Autor erstmals besucht, als er auf Durchreise von Genf nach Leukerbad im Wallis war. In späteren Jahren war er Dauergast im Hotel „Zum wilden Mann“, das heutzutage „Parkhotel du Sauvage“ heißt, und von wo aus er auf die nahegelegenen Berge und Gletscher zum Skilaufen aufbrach.

Das nach Osten hin oberhalb des Brienzer Sees gelegene Meiringen hat die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und vermarktet seinen prominenten Urlaubsgast zu touristischen Zwecken. Direkt neben dem Parkhotel befindet sich eine kleine Kapelle, die früher von den vielen englischen Gästen für Gottesdienste genutzt wurde. In dieser „Englischen Kirche“ hat eine Doyle-Tochter 1991, also genau 100 Jahre nach der Tragödie am Reichenbachfall, ein Sherlock-Holmes-Museum eröffnet.

Während der Kirchensaal gegenwärtig für wechselnde Kunstinstallation einheimischer Künstler genutzt wird, ist im Untergeschoss eine ständige Ausstellung über die Romanfigur zu sehen. Hinter einer Glasscheibe geschützt, ist unter anderem ein komplett eingerichtetes Arbeitszimmer von Sherlock Holmes und seines Assistenten Dr. Watson in der Londoner Baker Street 221B nachgebildet, so wie es Conan Doyle in seinem Roman beschrieb: viktorianisch gemütlich, dabei unaufgeräumt und mit einer flüchtig auf einem Sofa hingeworfenenen Stradivari-Geige, so als hätte Holmes den Raum soeben wegen eines neuen Falls eilig verlassen.

Conan Doyle war keinesfalls der erste Prominente, der die Schönheiten des Haslitals für sich entdeckte. In den 1770er Jahren unternahm bereits Goethe zwei Schweizer Reisen, wobei er 1777 ein Meiringer Findelkind als Adoptivsohn zu sich nach Weimar geholt hatte, wo er sich um dessen Erziehung kümmerte. Zwei Jahre später kam Goethe, von Grindelwald kommend an der Großen Scheidegg und am Reichenbachfall vorbei, höchstselbst nach Meiringen.

In einem Brief an Charlotte von Stein beschrieb er die Einzigartigkeit dieser Region, als hätte er Werbung für einen Touristenführer getextet: „Kein Gedancke, keine Beschreibung noch Erinnerung reicht an die Schönheit und Grösse der Gegenstände, und ihre Lieblichkeit in solchen Lichtern Tageszeiten und Standpunckten.“

Nach Goethe waren es vor allem die Briten, welche die Region „eroberten“. Im Gefolge des romantischen Dichters Lord Byron und des Malers William Turner, der auch die Reichenbachfälle aquarellierte, kam der finanzkräftige britische Adel, der den Ehrgeiz hatte, als Erster die umliegenden schneebedeckten Dreitausender bergsteigerisch zu meistern.

Das im Zentrum des Haslitals liegende Meiringen ist aber noch wegen einer schneeweißen Köstlichkeit ganz anderer Art bekannt: dem Meringue. Um 1600 stellte der Konditor Gasparini eine Kombination aus Eischnee und Zucker her, die er nach dem Ort seiner Erfindung nannte. In Deutschland ist sie eher als Baiser bekannt. Und weil die Süßspeise, welche die Franzosen auch in ihre Kolonien eingeführt haben, den Bewohnern der Karibik so gut geschmeckt hat, haben diese den Namen des Ortes Meiringen sogar in dem lateinamerikanischen Tanz Merengue verewigt.

Dabei war Meiringen bis zu dem Zeitpunkt, als Goethe oder Co­nan Doyle dort urlaubten, nur ein armes Bauernkaff mit wenigen Be­wohnern. Auch heute ist es mit knapp 5000 Einwohnern nicht gerade groß zu nennen. Dafür bietet es mit seinem Haslital eine Unzahl von Na­tur-Attraktionen.

Wer etwa von Luzern kommend über den 1000 Meter hoch gelegenen Brünigpass in das Tal einfährt, ist überrascht von dem permanenten Rauschen fließenden Wassers. Es ist weniger der reißende Fluss Aare, der über den Brienzer und Thuner See später in den Rhein mündet, welcher dieses Geräusch verursacht.

Schuld an der Klangkulisse sind vielmehr die vielen Wasserfälle, die ringsum von den steilen Bergwänden herabstürzen. Die Reichenbachfälle sind dabei die ge­waltigsten. An der Schlucht entlang führt eine Standseilbahn auch zu der Stelle hinauf, wo Sherlock Holmes mit Moriarty kämpfte. Eine Gedenktafel erinnert dort an diese literarische Szene.

An der gegenüberliegenden nördlichen Talseite stürzt am Hasliberg der Alpbach ins Tal. Direkt oberhalb des Wasserfalls überquert eine markante rote Brücke die Schlucht, von wo aus alle, die schwindelfrei sind, einen traumhaften Blick aufs Tal genießen können. Ein Stück darüber beginnt das mit vielen Seilbahnen er­schlossene Skigebiet des Hasliberges, das im Winter täglich von tausenden Sportverrückten bevölkert wird. Im Sommer ist es ein ideales Wandergebiet auch für Familien. Von der Bergstation Mägisalp aus ist für Kinder der sogenannte Zwergenweg „Muggenstutz“ angelegt. Auf etwa fünf Kilometern kann man dabei auf den Spuren der Märchenfiguren wandeln, welche die aus der Regi­on stammende Kinderbuchautorin und Zeichnerin Su­sanna Schmidt-Germann ersonnen hat.

Zurück in Meiringen wartet mit der Aareschlucht ein Abenteuer be­sonderer Art. Am östlichen Orts­ausgang hat sich auf 1400 Metern Länge die Aare bis zu 200 Meter tief in den Fels gefressen. Schon 1888 hat man damit begonnen, hölzerne Laufstege an den steilen Wänden anzubringen, auf denen man die Schlucht bis Innertkirchen, von wo aus es zu den auf über 2000 Metern Höhe gelegenen Furka- und Sustenpass geht, durchwandern kann. Wer in dieser Schlucht in das eiskalte Wasser stürzt, hat keine Überlebenschance.

Sherlock Holmes hätte auch hier ein würdiges Ende finden können. Sein Autor hat den Detektiven später übrigens wieder auferstehen lassen. Zu groß waren die Leserproteste, die in Abo-Kündigungen des Magazins gipfelten, in dem die Geschichten erschienen waren, und die Zahl der Briten, die wegen des „Todes“ Trauerflor an­legten. In der Kurzgeschichte „Das leere Haus“ von 1903 erzählt Holmes von seiner wundersamen Rettung am Reichenbachfall. Harald Tews


Stille garantiert
Am 18. September entscheiden vier Millionen Schotten über ihre politische Zukunft − Reise in ein Land, das um die Unabhängigkeit ringt

Stundenlang kann man in dieser Region unterwegs sein, ohne auch nur einem einzigen Menschen zu begegnen: An der Küste entlang mit Blick aufs unwahrscheinlich blaue Meer, durch hellen Sand, der zum Barfußlaufen einlädt oder auch über sanfte Dünen hinweg. Idyllische Pfade führen durch Wiesen und am Wasser entlang, und immer mal wieder findet sich eine Bank zum Verweilen oder auch zum Meditieren, denn die äußere Stille garantiert auch innere Ruhe. Wer die sucht, ist in Schottland gut aufgehoben.

Die Gegend am Moray-Firth im Nordosten des Landes scheint vom Massentourismus noch nicht entdeckt zu sein. Das freut den Besucher. Quartiert er sich für seinen Wanderurlaub zum Beispiel in El­gin ein, der Grafschaftsstadt von Moray, trifft er recht selten auf auswärtige Gäste. Genießt er zu­dem das seltene Glück, zwei Wo­chen lang nur Sonnenschein zu erleben, fühlt er sich versucht, das nicht ganz unbegründete Vorurteil zu entkräften, in Schottland regne es zu viel.

Wer eine erholsame Reise ins Land des Whiskys hinter sich hat, kann mitreden. Elgin ist für erste Erkundungen gut geeignet, zumal die am Flüsschen Lossie gelegene Ortschaft Geruhsamkeit und Behaglichkeit ausstrahlt und einiges zu bieten hat. Ihr Museum zählt seit Kurzem zu den sechs familienfreundlichsten Einrichtungen dieser Art in Großbritannien, und der größte Anziehungspunkt ist die im Osten der Stadt gelegene pittoreske Ruine seiner einst stolzen Kathedrale. Sie wurde 1224 fertiggestellt, galt als „Lantern of the North“ (Laterne des Nordens) und wurde mehrfach zerstört. Wer dem genius loci auf die Spur kommen will, sollte die altehrwürdigen Gemäuer er­kunden, sich über die reiche bewegte Ge­schichte des Sakralbaus informieren und von der Spiritualität der Stätte bezaubern lassen. Die Besichtigung dieser Magie ausstrahlenden Se­henswürdigkeit ist unverzichtbar, auch für den, der vor allem zum Wandern angereist kam.

Wer sein Auto vielleicht wegen des Linksverkehrs zuhause ließ, wird von den regelmäßig fahrenden Bussen problemlos von einem Ort zum anderen ge­bracht, zum Beispiel von Elgin nach Lossiemouth, der sympathischen, von den Einheimischen kurz „Lossie“ genannten kleinen Gemeinde. Hier mündet das gleichnamige Flüsschen in den Moray Firth. Die einstige Hafenstadt liegt malerisch am Meer, an dessen Gestade, sei es am West Beach oder dem von manchen bevorzugten East Beach, man ausgiebig entlang spazieren kann – immer mit Blick auf die fast unwirklich blaue Nordsee. Da korrespondiert das Wasser mit dem nicht minder azurfarbenen Himmel, auf dem weiße Wolken bizarre Gebilde formen. So mancher Fotografierlustige entwickelt sich hier zum aufmerksamen Himmelsbeobachter und gerät auch angesichts der ihm entgegenbrandenden Wellen ins Meditieren. Er zieht Schuhe und Strümpfe aus, und wenn ihn im feuchten Sand etwas piekt, ist er auf eine Muschel getreten. Die werden in Mengen an Land gespült, wie auch die Steine, zum Teil bizarr geformt oder attraktiv glitzernd und zuweilen mit exakten Quer- oder Längsrillen, die wie mit dem Lineal gezogen anmuten. Sie scheinen Geschichten zu erzählen. Auch noch dann, wenn sie auf dem heimischen Schreibtisch gelandet sind. Hier ruht auch das hübsche Paperweigh mit den lila Disteln. Die resistenten Pflanzen leuchten dem Wanderer auf Schottlands sattgrünen Wiesen überall entgegen, besonders reichlich auf dem Küstenpfad nach Findhorn, und markieren symbolhaft die sprichwörtliche Widerstandsfähigkeit der Schotten.

Wer sich bei einer längeren Tour für den Speyside Way entscheidet − er zählt neben dem West Highland Way, dem Great Glen Way und dem Southern Upland Way zu den vier offiziellen schottischen Weitwanderwe­gen − kann ihn von verschiedenen Orten aus in Angriff nehmen und in mehreren Etappen geruhsam bewältigen. Die Route, auf der man den River Spey fast nie aus den Augen verliert, verläuft ohne größere Auf- oder Abstiege immer durch eine sattgrüne Natur, in der friedliche Schafe grasen.

Um unnötige Anstrengungen zu vermeiden, fährt man zum Beispiel mit dem Bus nach Craigellachie. Von hier aus wandert man nach Aberlour, wo das berühmte Walker’s Shortbread produziert wird, oder man wählt die umgekehrter Richtung und begibt sich auf der ehemaligen Bahntrasse entlang von Craigellachie bis Dufftown, der „Whisky-Hauptstadt“ der Highlands. Hier ist ein Destillerie-Besuch, zum Beispiel bei Glenfiddich, obligatorisch.

Wer sich gerne den Wind um die Nase wehen lässt, den Blick aufs Meer auskosten und dabei lohnende Örtlichkeiten kennenlernen möchte, könnte als weitere mögliche Teilstrecke den Beginn des Speyside Ways erproben. Vom idyllischen Fischerort Buckie aus geht es an der Küste entlang nach Portgordon, ebenfalls gut mit dem Bus zu erreichen und zum geruhsamen Verweilen einladend.

Der Tierfreund, der etwas weiter westlich mit etwas Glück auch Delphine entdecken kann, freut sich über die in Portgordon ganz aus der Nähe zu betrachtenden Robben. Begegnet man ihnen bei Flut, besteht Gelegenheit, sie beim Schwimmen zu beobachten. Bei Ebbe lagern sie in reicher Zahl träge am moorigen Strand und lassen sich die Sonne auf den Leib scheinen, fast zum Anfassen einladend. Doch kommt man den sympathischen Säugetieren zu nahe, droht man im Schlamm einzusinken. Die Robben weisen eine grau-weiß-bräunliche Tarnfarbe auf und wären kaum von dem Gestein, auf dem sie sich ausbreiten, zu unterscheiden, würden sie sich nicht ab und zu bewegen. Ihren Besuchern schauen sie friedlich entgegen.

Apropos Frieden: Die von den Briten vor rund 70 Jahren an Schottlands Küsten zur Abwehr deutscher Invasoren aufgestellten „tank traps“ (Panzerfallen), ausladende Quader aus Beton, finden sich noch recht häufig in Meernähe. Es hätte zu viel Mühe bereitet, sie zu entfernen oder zu vernichten, und so bilden sie ein Denkmal besonderer Art. Heide Seele


S. 22 Neue Bücher

Am Ende alles gut
Das Potsdamer Stadtschloss

Das Potsdamer Stadtschloss hat eine wechselhafte Geschichte erlebt. Von den kurfürstlichen Anfängen über Friedrich den Großen und die Kaiserzeit bis zur Ruine nach dem Zweiten Weltkrieg, der Sprengung und dem Wiederaufbau war und ist das Schloss der Mittelpunkt Potsdams. Jörg Kirschstein gibt in „Das Potsdamer Stadtschloss. Vom Fürstensitz zum Landtagsschloss“ einen lebendigen Einblick in die Nutzung des Schlosses in den verschiedenen Epochen.

Nachdem schon einige Jahrhunderte ein mehrfach umgebauter Festungsbau in der Mitte Potsdams existiert hatte, begann die eigentliche Geschichte des Schlosses mit dem frühbarocken Neubau, den Kurfürst Friedrich Wilhelm 1662 nach niederländischen Vorbildern in Auftrag gab. Sein Sohn Kurfürst Friedrich III., der sich 1701 in Königsberg zum König krönen ließ, erweiterte das Schloss, so dass dort prunkvolle Feste und Bälle stattfinden konnten, und ließ das neue Eingangstor, „Fortunaportal“ nach der Figur auf der Spitze genannt, erbauen. Friedrich II. beauftragte 1744 seinen Lieblingsarchitekten Knobelsdorff mit dem Umbau des Schlosses im anmutigen Rokokostil als Winterwohnsitz, und so wurden ein Theater eingebaut, Gästewohnungen ergänzt und der Lustgarten neu angelegt. Schon damals konnte das Schloss während der Abwesenheit des Königs besichtigt werden. In den weiteren Jahren wurde das Schloss oft nur vorübergehend als Wohnsitz der herrschenden Regenten und ansonsten für repräsentative Zwecke genutzt.

Der Autor zeigt detailliert die Lebenswelt der königlichen Familien, beschreibt ihre Lebensgeschichte und zeichnet den Alltag genau nach. Mit historischen Fotos und Zeichnungen werden die räumlichen Gegebenheiten anschaulich dargestellt.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ging das Schloss in Staatsbesitz über und wurde unter anderem von der Stadtverwaltung, dem Arbeitsamt und dem Potsdamer Kunstverein genutzt. Die Räumlichkeiten der 1810 verstorbenen Königin Luise konnten weiter besichtigt werden.

Am 14. April 1945 wurde die Innenstadt Potsdams durch einen Luftangriff zerstört. Zwar war die kostbare Innenausstattung ausgelagert worden, aber das Schloss brannte bis auf die Außenmauern nieder. Die Bausubstanz war jedoch erhaltenswert und zum größten Teil weiterhin tragfähig. Gegen den Protest der Bevölkerung beschloss das Politbüro der SED dennoch den Abriss, ließ das Schloss 1960 sprengen und änderte die Straßenführung so, dass nichts mehr an das Schloss erinnerte. Ende der 80er Jahre wurde dort ein Theaterneubau begonnen, der Rohbau wurde jedoch bereits 1991 abgerissen und die Überlegungen zum Wiederaufbau begannen. Endgültiger Anstoß war das 2002 durch Sponsoren wieder aufgebaute Fortunaportal. Der Landtag entschied dann 2005 den Wiederaufbau als Landtagsgebäude in den alten Baumaßen mit Wiederherstellung der historischen Fassade, die allerdings nur durch private Spenden ermöglicht wurde. Das alte und das neue Herz Potsdams schlägt seit dem 21. Januar dieses Jahres wieder – das historische Stadtschloss wurde als Landtagsschloss wieder eröffnet.

Jörg Kirschstein beleuchtet die Geschichte des Potsdamer Stadtschlosses von allen Seiten, von den historischen Lebensläufen der Bewohner und dem Lebensalltag in den verschiedenen Epochen, über die Architekturgeschichte bis zum Spielball der Politik. All diese Informationen hat er in seinem interessanten Text vermittelt und durch vielfältige Abbildungen, wie alte Zeichnungen, Grundrisse, Gemälde und zeitgenössische Fotos, illustriert. So ist ein sehr lesenswertes und informatives Buch entstanden, das beim Leser keine Frage mehr offenlässt. Britta Heitmann

Jörg Kirschstein: „Das Potsdamer Stadtschloss. Vom Fürstensitz zum Landtagsschloss“, be.bra Verlag, Berlin-Brandenburg 2014, geb., 160 Seiten, 19,95 Euro


Todbringende Lügen
Propaganda im Ersten Weltkrieg zulasten der Deutschen

Helmut Roewer war von 1994 bis 2000 Präsident des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz, mithin also genau in der Zeit, in der sich der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) in dem Bundesland formierte. Seinen Hut nehmen musste er allerdings nicht deshalb, sondern wegen „exzentrischer Amtsführung“ und dem Vorwurf der Untreue, wobei viele der Belastungspunkte an den Haaren herbeigezogen wirken. Jedenfalls ist Roewer ein Mann der deutlichen Worte und gehört zu den wenigen führenden Geheimdienstlern in Deutschland, welche offenkundig nicht nur in juristischen, sondern auch in historischen Kategorien denken und dabei „politisch unkorrekt“ sein können. Das bewies er 2010 mit seinem Buch „Die Rote Kapelle und andere Geheimdienstmythen“, in dem er kein sympathisches Bild vom kommunistischen Widerstand gegen Hitler zeichnete.

Nun legt er nach gründlichen Quellenstudien – die neben der klaren Sprache ein weiteres Charakteristikum Roewers sind – einen neuen Band vor, in dem er, wie neuerdings erfreulich viele andere Autoren auch, die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges auf eine Weise beschreibt, welche lange als „revisionistisch“ denunziert wurde, weil sie mit gängigen Klischees und angeb-lichen „Gewissheiten“ bricht.

So macht Roe-wer plausibel, dass der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo auch deshalb eliminiert wurde, weil er den französischen und russischen Strategen ein Dorn im Auge gewesen war – zum einen wegen seines politischen Geschicks, mit dem er den fragilen Vielvölkerstaat hätte stabilisieren können, zum anderen, weil er bestimmt nicht so blind in einen Weltkrieg hineingetaumelt wäre wie die unfähigen anderen Akteure in Wien. Deshalb habe der russische Militärgeheimdienst Raswjedka dann auch die serbischen Attentäter von Sarajevo finanziert. Und die konkreten, aber natürlich geheimgehaltenen russischen Kriegsvorbereitungen hätten auch nicht erst mit der Mobilmachung vom 29. Juli 1914 begonnen, wie immer wieder behauptet wird, sondern schon deutlich vor den in Auftrag gegebenen Schüssen auf Franz Ferdinand, nämlich am 14. Mai 1914.

Ebenso legt der frühere Verfassungsschützer dar, mit welchen Mitteln eine kleine, aber einflussreiche britische Intrigantengruppe um den Außenminister Edward Grey schon seit 1905 alles daran gesetzt habe, mittels gezielter Falschmeldungen antideutsche Stimmungen zu schüren – ein Tun, das dann nach dem Beginn der Julikrise von 1914 deutlich intensiviert wurde, weil sich weite Teile der Bevölkerung noch nicht kriegswillig zeigten.

Und dann wäre da noch das angeblich „neutrale“ Belgien, welches wegen seiner Kolonialgräuel außenpolitisch isoliert dastand. Roewer liefert Beweise dafür, dass dieses Belgien mit den deutschfeindlichen Kreisen im Vereinigten Königreich konspirierte, was die Planung einer gemeinsamen Kriegführung gegen Deutschland betraf. Um diese Tatsache zu verschleiern, sei nach Kriegsausbruch eine gewaltige und perfide Propagandakampagne um angebliche deutsche Kriegsverbrechen in Gang gesetzt worden.

Außerdem stützen die von Roewer gefundenen Quellen die These, dass der britische Marinegeheimdienst Anschläge und verdeckte Operationen gegen die USA verübt habe, die Deutschland in die Schuhe geschoben worden seien, um die USA in den Krieg hineinzuziehen.

Das Buch endet mit der weitgehend bekannten Inszenierung der russischen Oktoberrevolution von 1917 durch den deutschen Geheimdienst, womit 1918 ausgespart bleibt. Roewer schreibt hierzu, dass er sich diesem „Jahr der Entscheidung“ vielleicht einem späteren Band widmen werde. W. Kaufmann

Helmut Roewer: „Kill the Huns. Tötet die Hunnen! Geheimdienste, Propaganda und Subversion hinter den Kulissen des Ersten Weltkrieges“, Ares, Graz 2014, geb., 504 Seiten, 29,90 Euro


Spielerisch Preußen entdecken
Rätselspaß für Kinder, der erstaunlich unbefangen mit der Historie umgeht

In „Das große Preußen-Buch für Kinder. Mal- und Rätselspaß rund um den Alten Fritz & Co“ geht der Autor Claas Janssen erstaunlich unbefangen mit dem Thema Preußen um und führt Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren spielerisch in die Materie ein. Gleich zu Beginn ist über eine Doppelseite eine Karte Preußens abgedruckt. „So groß war Preußen 1866. Vergleiche es mit Deutschland heute: Was ist größer?“ Am unteren Bildrand steht dann über Kopf die Lösung gedruckt, der man entnehmen kann, dass der Größenunterschied nur minimal war. Breitete Preußen sich mehr gen Osten aus, reicht die Bundesrepublik tiefer in den Süden hinein, so dass diese mit 357000 Quadratkilometern nur wenig mehr Fläche aufweist als Preußen 1866 mit 349000 Quadratkilometern. Gleich darauf folgen der Alte Fritz und Königin Luise zum Ausmalen. Über sie wird nur wenig mitgeteilt, aber das Wenige ist positiv.

Dem Schloss Sanssouci ist eine Doppelseite gewidmet, auf der der Leser in den Fenstern viele Gestalten sieht, unter denen sich auch ein Gespenst befindet, das gefunden werden muss. Und an der Seite steht kindgerecht einiges zum Lieblingsschloss von Friedrich dem Großen geschrieben. Weiter geht es ins Schloss Königs Wusterhausen, in das Kinderzimmer von Friedrichs Vater Friedrich Wilhelm I., dessen Leidenschaft anhand der Abbildungen erraten werden soll. Eine Seite weiter gibt es die Langen Kerls zum Anmalen und Ausschneiden. Und es folgt ein Buchstabensalat, in dem sich die Namen von zehn preußischen Schlössern verstecken. Etwas später sticht dann die Fregatte „Markgraf von Brandenburg“ in See und will nach Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana.

Spätestens an dieser Stelle erkennt man, dass es dem Autor nicht um die chronologische Reihenfolge geht, schließlich erzählt er hier aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er greift nur einige Aspekte der preußischen Geschichte auf, die er auch wahrhaftig nicht mit einem Zuviel an Informationen darstellt. Einige wenige Sätze mehr zu jedem Aspekt hätten hier nicht geschadet. Trotzdem wird dem kindlichen Leser ein erster Eindruck von Preußen vermittelt, der zudem nicht nur durch die wenigen Informationen positiv ist, sondern auch durch die integrierten Spiele und Rätsel.

Vom Gedicht über den Herrn von Ribbeck im Havelland geht es weiter in einen Klassenraum, der ausgemalt werden kann, während man zudem erfährt, dass in Preußen vor rund 300 Jahren die Schulpflicht eingeführt wurde. Es folgen Schloss Rheinsberg, die von Friedrich dem Großen eingeführte Kartoffel und dessen Flötenkonzerte. Unter den weiteren Dingen, die der Autor mit Preußen assoziiert sehen will, befinden sich der Naturforscher Alexander von Humboldt, der mit einer Schmetterlingssammlung gezeigt wird, das sich Liebesbriefe schreibende Königspaar Luise und Friedrich Wilhelm III., deren Schloss Paretz, die Kaiserproklamation von 1871 des Sohnes Wilhelm und Kronprinzessin Cecilie in ihrer Hochzeitskutsche, die, wie der Autor schreibt, nie den Thron besteigen durfte, da 1918 die Monarchie abgeschafft wurde.

So manchen Preußenhasser wird es schockieren, dass in dem ganzen Buch das Thema Krieg fast keine Rolle spielt und auch vor Preußen als angeblichem Unheilsbringer nicht gewarnt wird, es stattdessen auf charmante Art präsentiert wird, ohne es in irgendeinen historischen Kontext zu stellen. Aber dem Autor geht es auch nicht um Kontexte, er will Spiel und Spaß vor historischer Kulisse und hat hierfür Preußen ausgewählt. Rebecca Bellano

Claas Janssen: „Das große Preußen-Buch für Kinder. Mal- und Rätselspaß rund um den Alten Fritz & Co“, edition q, Berlin 2014, broschiert, 64 Seiten, 9,95 Euro


Martyrium für Nachwelt aufgezeichnet
Geschwisterpaar erinnert sich an Fluchtversuch aus der DDR und die anschließende Haft

Im Rahmen des Biografieprojekts „Lebensmomente“ sprach der 1958 geborene Komponist und Pianist Michael Proksch 2006 zum ersten Mal nach mehr als 20 Jahren über seinen Fluchtversuch aus der DDR, den er 1983 gemeinsam mit seiner Schwester Dorothea, deren Ehemann und einem Freund unternommen hatte. Anfang 1984 waren die in Bulgarien abgefangenen Republikflüchtlinge zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt und am Jahreswechsel 1984/85 durch die Bundesrepublik Deutschland freigekauft worden. Aus den Tonbandaufnahmen, ergänzt um die schriftlich abge-

fassten Erinnerungen der Schwester und der Mutter von Michael Proksch, gestaltete die Initiatorin des Biografieprojekts, Ina-Maria Martens, ein packendes Buch mit dem Titel „Und plötzlich waren wir Verbrecher. Geschichte einer Republikflucht“. Die Schilderungen der Geschehnisse aus drei verschiedenen Perspektiven ergänzen sich und sind informativ, was auch der Unterstützung von Freunden und Zeitzeugen zu verdanken ist.

„Ihr Sohn/Ihre Tochter … befindet sich in der Untersuchungshaftanstalt Berlin. Sie haben die Möglichkeit, monatlich vier Briefe zu schreiben. Äußerungen über die Straftat sind darin nicht gestattet. Paketsendungen können nicht entgegen genommen werden.“ Durch diese lapidare Mitteilung des Generalstaatsanwalts der DDR erhielt das Ehepaar Proksch im September 1983 Gewissheit, dass ihre Tochter, Studentin der Meisterklasse für Violine, und ihr Sohn, der ebenfalls Musik studierte, an der Grenze zwischen Bulgarien und Jugoslawien von Sicherheitskräften aufgegriffen und der Stasi übergeben worden waren, wie ihnen eine anonyme Anruferin tags zuvor mitgeteilt hatte. In ihre Pläne zur Flucht aus der DDR, die sie mit dem Ehemann von Dorothea, Mathias Ebert, und Michaels Freund Gerd Hortsch planten, hatten Sohn und Tochter beide Elternteile vorsichtshalber nicht eingeweiht.

Den Entschluss, die DDR zu verlassen, fassten sie aus Widerwillen gegen das staatliche System, „das von Grund lebensfeindlich war“ und die „Atmosphäre zwischen den Menschen vergiftete“ (Michael Proksch). Mit der Zeit reagierte Michael Proksch immer empfindlicher auf die ständigen Bevormundungen und das grobe Verhalten der Verwalter der Staatsmacht. Von beklemmender Eindrücklichkeit sind seine Darstellungen der Verhöre und des Gefängnislebens, das für Proksch umso mehr zum Martyrium wurde, als man ihn im berüchtigten Brandenburger Zuchthaus mit Schwerkriminellen zusammenlegte. Dort musste er unter gesundheitsschädlichen Bedingungen im Akkord „malochen“.

Seine Schwester hatte es im Frauengefängnis Hoheneck in mancher Hinsicht leichter, zumal ihr die Vergünstigung zuteilwurde, auf der Geige zu üben. Vertreter von Amnesty International hatten durchgesetzt, dass kulturelle Veranstaltungen in Hoheneck stattfanden, so konnte sie einen musikalischen Zirkel aufbauen. Sie verweist „auf die traurige Bilanz, dass 90 Prozent der Ehen, die durch eine so extreme Trennung gegangen sind, in der Folgezeit geschieden wurden. Auch meine gehört dazu.“ Nach ihrer Ausbürgerung aus der DDR setzte Dorothea ihr Geigenstudium in Salzburg fort. Seit 1988 gehört sie als Geigerin dem Bayerischen Staatsorchester an und unterrichtet an der Hochschule.

Die fein kommentierten Beobachtungen aller drei Autoren vom Leben in der DDR innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern sind ein Lehrstück, wie die Gesellschaft nicht zuletzt durch das anmaßende Verhalten eines riesigen „Mitarbeiterstabes“ des staatlichen Regimes von innen her ausgehöhlt wurde. D. Jestrzemski

Dorothea Ebert, Michael Proksch: „Und plötzlich waren wir Verbrecher. Geschichte einer Republikflucht“, dtv, broschiert, 303 Seiten, 10,90 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Was wir »brauchen« / Was Katrin Göring-Eckardt wirklich gesagt hat, wie wir die EU stabilisieren, und warum wir mehr Mut zur Albernheit aufbringen müssen

Die Lage drohte ernst zu werden: Unter der unerhörten Parole „Wer betrügt, der fliegt“ setzte die CSU Anfang des Jahres zum großen Sprung an. Ausländer, die sich durch Vorspiegelung falscher Tatsachen deutsche Sozialleistungen erschleichen, sollten des Landes verwiesen werden und nicht wieder einreisen dürfen. Jedenfalls nicht sofort. Die Empörung war namenlos: Populismus!

Schlimm war das, doch heute können sich die Gemüter wieder beruhigen. Ein Staatssekretärsausschuss hat getagt und eine Vorlage fabriziert, welche die Regierung wohl beschließen wird. Von den CSU-Forderungen ist praktisch nichts übrig.

Eine Wiedereinreise soll beispielsweise nur verwehrt werden, wenn ein „besonders schwerer Fall“ vorliegt, heißt es. Schein­ehen etwa gehören nicht dazu. Zudem soll weiter Kindergeld an ausländische Kinder gezahlt werden, auch wenn die gar nicht in Deutschland, sondern im EU-Ausland wohnen. Und zwar in voller Höhe, was in manchen EU-Staaten einem stattlichen Gehalt gleichkommt. Die Zahlung wenigstens an die Lebenshaltungskosten in dem betreffenden Land anzugleichen, sei mit EU-Recht nicht zu vereinbaren.

Ebenso abgeschmettert wurde der CSU-Vorschlag, arbeitslos eingewanderten Ausländern für die ersten drei Monate die Sozialleistungen zu streichen. Das wäre ja auch noch schöner. Wozu kommen die denn überhaupt her? Für viele wäre die Auswanderung nach Deutschland ja völlig sinnlos, wenn sie nicht gleich nach Grenzübertritt locker Knete kassieren könnten.

So werden sie also munter weiter kommen, und davon haben wir alle etwas, weiß Karin Göring-Eckardt. Im ARD-Morgenmagazin forderte die Co-Fraktionschefin der Grünen im Bundestag letzte Woche, dass Deutschland ein Land sein müsse, „das für Migrantinnen und Migranten offen ist, das Leute anzieht, die wir übrigens dringend brauchen, nicht nur die Fachkräfte, sondern auch Menschen, die in unseren Sozialsystemen zuhause sind und sich auch zuhause fühlen können“.

Wie bitte? Deutschland „braucht“ Leute, die nur zu uns kommen, um den deutschen Steuerzahler per Sozialtransfer abzukochen? Das hat die wirklich gesagt? Ja, hat sie. Zugegeben, auch ich musste das mehrmals zurückspulen, um meinen Ohren zu trauen. Aber es stimmt. Wer Zugang zum Internet hat, kann sich die Sache auf „Youtube“ gern selber antun.

Doch warum sagt sie das? Damit bestätigt sie doch bloß die rechtspopulistischen Parolen von der angeblichen Einwanderung in unsere Sozialsysteme, wo doch jeder gute Menschen zu behaupten gelernt hat, dass da vor allem qualifizierte Fachkräfte über die Grenzen fluten.

Ja sicher, nur als der Satz mit den „qualifizierten Fachkräften“ schon fast den Rang eines täglichen Morgengebets erklommen hatte, knallten irritierende Zahlen auf den Frühstückstisch: Unter den Abertausenden von Zuwanderern aus Nicht-EU-Ländern verloren sich in den verganegen zwölf Monaten bloß klägliche 170 solcher „Fachkräfte“. Damit war die alte Parole leider nicht mehr zu halten.

Ergo serviert man uns eine neue: Wir sollen uns gefälligst freuen, dass so viele Sozialtouristen hereinkommen, weil wir die „dringend brauchen“. Wozu, wollen Sie wissen? Diese Frage verkneifen Sie sich bitte, wenn Sie nicht von Frau Göring-Eckardt auf „rechte Tendenzen“ hin abgehorcht werden möchten.

Könnte aber auch sein, dass sich das Problem bald ganz von selbst löst, ganz einfach weil das „Zuhause“ namens deutsches Sozialsystem zusammenkracht und daraufhin jeder Anreiz wegfällt, hier einzuziehen. Die Lösung lautet „europäisches Arbeitslosengeld“. Mit der Vergemeinschaftung der bislang nationalen Arbeitslosenversicherungen will Brüssel den Deutschen abermals ordentlich das Fell über die Ohren ziehen. Nachdem sie uns durch Euro-bedingte Nahe-Null-Zinsen schon die Ersparnisse wegdampfen, damit sich Krisenländer und Zombiebanken günstiger verschulden können, möchten die Eurokraten nun auch an die von deutschen Arbeitnehmern gefüllten Notfallkassen, damit die Regierungen in Madrid, Rom oder Paris von dem Albdruck befreit werden, sich mit unpopulären Maßnahmen die Wiederwahl verhageln zu müssen.

Gut versorgte Arbeitslose sind nämlich nicht so aufmüpfig, sie verfallen vielmehr nach einiger Zeit in eine tiefe Melancholie, die ihr Selbstwertgefühl zersetzt. Wenn man sie dann noch durch ein paar möglichst demütigende „Fortbildungsmaßnahmen“ peitscht nach dem Muster „Alphabetisierung für Gymnasiasten – heute die Buchstaben A bis F“ oder „Wir lernen zum 150. Mal, wie man sich erfolgreich (hi, hi, hi!) bewirbt“, halten sie sich vollends für den letzten Dreck. Solche Leute sind wie geschaffen für inkompetente Politiker, denn die sind viel zu niedergeschlagen, um gegen die Pfeifen zu revoltieren.

Nur: Für Essen, Bier und ein bisschen billigen Spaß zur Ablenkung muss dennoch immer Geld da sein, sonst droht ein Aufstand der Verzweifelten. Dafür soll das europäische Arbeitslosengeld auf hauptsächlich deutsche Kosten sorgen. Es ist daher die ideale Maßnahme zur Beruhigung der aufgeheizten Situation in den Euro-Krisenländern. Zudem bekämen Frankreichs Hollande oder Italiens Renzi durch die warme Dusche aus Germanien wieder eigene Mittel frei, die sie unters Volk streuen könnten, um sich als Wohltäter der armen Leute bejubeln zu lassen.

Was aber, wenn die Deutschen das nicht so lustig finden und ihrer eigenen Führung aufs Dach steigen? Das ist kaum zu befürchten, wir machen sowas nicht. Und wenn doch, wird uns Katrin Göring-Eckardt eben verkünden, dass auch „wir“ das europäische Arbeitslosengeld „dringend brauchen“. Das würde sie sogar gut begründen können, schließlich bekämen ja auch deutsche Arbeitslose Geld aus der EU-Kasse und spürten so die „europäische Solidarität“ am eigenen Leibe. Dass sie vorher ein Mehrfaches eingezahlt haben, wird natürlich nicht erwähnt. Es läuft wie immer bei der „europäischen Solidarität“: Sie nehmen uns 100 Euro weg und geben uns davon 30 Euro zurück, an denen wir schließlich sehen könnten, dass „auch wir Deutsche von der EU profitieren“.

Die Regierung der Ukraine weiß schon, warum sie unbedingt in die EU will. Die Riege aus Oligarchen und schillernden Miliz-Führern, die in Kiew das Sagen hat, würde in deutschem Geld aus Brüssel schwimmen. Wären da bloß nicht diese Russen: Deren Putin macht weiter Ärger. Erst schickte er den Hilfskonvoi für die bedrängten Ostukrainer los. Da hofften wir noch, er würde wenigstens ein paar Waffen mitschmuggeln, damit wir ihn festnageln können. Waren aber keine dabei. Als Kiew den Konvoi blockieren wollte, umfuhren die Russen die ukrainischen Grenzposten einfach. Als die Wagen dann am Ziel waren, polterte Pentagon-Sprecher John Kirby: „Russland muss seine Fahrzeuge und sein Personal umgehend von ukrainischem Staatsgebiet zurückziehen.“ Sonst müsse der Kreml mit weiteren Strafmaßnahmen rechnen. Kaum hatte er das gesagt, zog der Konvoi tatsächlich ab.

Spielverderber! Wären die weißen Lkw noch ein Weilchen geblieben, hätten wir sie zum „verdeckten russischen Einmarsch“ hochjubeln können. Aber das macht nichts, schnell hatten wir den nächsten Pfeil parat: Das Ganze sei ja nur eine billige russische Propagandamasche gewesen, ein einmaliger Knalleffekt ohne langfristige humanitäre Wirkung. Schlau sind wir, was? Von wegen, es ist zum Haare raufen: Russland hat daraufhin den nächsten Transport losgeschickt, womit auch der Vorwurf des „einmaligen Effekts“ zerplatzt ist. Darüber sind wir nun verständlicherweise noch heftiger entrüstet als eben noch über den Knalleffekt. Machen wir uns lächerlich? Egal: Im Propagandakrieg darf man keine Albernheiten scheuen.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Punktsieg für Separatisten

Edinburgh – Im letzten TV-Duell vor der Volksabstimmung über Schottlands Unabhängigkeit von Großbritannien am 14. September konnten die Anhänger der Abspaltung noch einmal punkten. 71 Prozent der Zuschauer erklärten den Führer der Separatisten, Alex Salmond, zum Sieger im Schlagabtausch mit dem Unionisten Alistair Darling. Bei Umfragen halten die Befürworter einer Fortsetzung der Union mit London indes noch einen leichten Vorsprung. H.H.

 

Mehr Brände in Moscheen

Berlin – Nach erneuten mutmaßlichen Brandanschlägen auf Moscheen und türkische Kulturvereine haben islamische Verbände die Bundesregierung kritisiert, nicht entschieden genug reagiert zu haben. Hatten die Behörden von 2001 bis 2011 jährlich im Schnitt gut 20 verdächtige Brände in islamischen Einrichtungen registriert, waren es 2013 schon 37. In Bielefeld brannte jüngst eine Moschee gleich zweimal innerhalb von acht Tagen. H.H.

 

Der ideale Strohmann

Als Außenminister der Türkei hat Ahmet Davutoglu bislang wenig von sich reden gemacht. Ob sich daran in seiner neuen Funktion als Ministerpräsident etwas ändern wird, ist die große Frage. Gut möglich, dass er einen ähnlichen Strohmann darstellt für den eigentlichen starken Mann im Staat, den zum Staatspräsidenten gewählten Recep Tayyip Erdogan, wie es Dmitrij Medwedew für Russlands Staatspräsidenten Wladimir Putin ist.

Ähnlich wie Putin, der seit 2000 als Ministerpräsident oder Präsident der russischen Föderation die Strippen zieht, lässt sich auch Erdogan nicht die Macht aus der Hand nehmen. Schließlich durfte das Volk erstmals den türkischen Präsidenten ins Amt wählen. Das stärkt Erdogans Rolle, der damit mehr als nur repräsentative Pflichten ausfüllen wird, und schwächt diejenige Davutoglus als Ministerpräsident.

Davutoglu ist als Mann ruhiger Töne die ideale Marionette Erdogans. Anders als Ex-Präsident Abdullah Gül, der sich früher auch als Chef der Regierungspartei AKP mit Erdogan schon mal in den Haaren lag, gilt der mit einer Ärztin verheiratete vierfache Vater Davutoglu nicht als machtbesessen.

Der 1959 als Sohn eines Schumachers in der mitteltürkischen Provinz Konya geborene Politikwissenschaftler und Autor des außenpolitischen Standardwerks „Strategische Tiefe“ gilt als bescheiden und nicht als einer, der Erdogan politisch gefährlich werden kann. Für 2015 hofft Erdogan auf eine Zweidrittelmehrheit bei den Parlamentswahlen, die nötig ist, um durch eine Verfassungsänderung die präsidiale Macht auszuweiten. Einen Ministerpräsidenten, der ihm dabei in die Parade fährt, kann er nicht gebrauchen. Allein deswegen ist Davutoglu der ideale unsichtbare Zweite. Harald Tews


MEINUNGEN

Der US-Ökonom Joseph Stiglitz erklärte anlässlich eines Treffens der Wirtschaftsnobelpreisträger in Lindau den Euro zur Ursache der europäischen Krise:

„Die Einführung des Euro hat ein System der Instabilität geschaffen mit der Folge, dass die schwachen Staaten immer schwächer und die starken immer stärker geworden sind. Das ist fatal.“

 

 

James Rickards, vormaliger Chefjurist des 1998 beinahe untergegangenen Hedgefonds LTCM und Investmentbanker, sieht schwarz für die Weltwirtschaft. Die Schweizer Zeitschrift „Finanz und Wirtschaft“ zitierte ihn am 19. August:

„Die kommende Krise wird mit solcher Wucht zuschlagen, dass nicht einmal mehr die Zentralbanken das System schützen können. Die Finanzinstitute, die bereits 2008 zu riesig waren, um sie sterben zu lassen, sind heute noch größer und sitzen auf noch mehr Derivaten. Gleichzeitig haben die Zentralbanken ihre Bilanzen enorm aufgebläht. Insgesamt hat die Verschuldung damit sogar noch zugenommen, womit wir direkt in die nächste Krise steuern.“

 

 

Christian Ortner sieht im Selbstbetrug der Europäer einen Grund für das Erstarken des islamistischen Terrors. In der Wiener „Presse“ (22. August) schreibt er:

„Viele Jahre lang hatte die sogenannte Integrationspolitik das sich seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 abzeichnende Bedrohungsbild konsequent ignoriert. Wer sich im öffentlichen Diskurs nicht an dieses unausgesprochene Agreement hielt, musste damit rechnen, als islamophober Rechtsextremist abgestempelt zu werden.“

 

 

Ednan Aslan, türkischstämmiger Dozent am Institut für Islamische Religionspädagogik in Wien, warnt im Wiener „Kurier“ (24. August), dass seine radikalen Glaubensbrüder die Scharia auch in Europa einführen würden, sobald sie es könnten:

„Derzeit geniert man sich nur, Muslim zu sein ... Weil Muslime nirgendwo auf der Welt ihre Probleme mit friedlichen Mitteln lösen können, ist Krieg beinahe eine islamische Angelegenheit geworden ... Diese Menschen sagen, dass es die Scharia in Österreich nicht gibt, weil sie hier als Minderheit leben. Wenn sie sich diese Worte auf der Zunge zergehen lassen, was heißt das? ... Sie steinigen hier keine Frauen, aber wenn sie die Mehrheit hätten, dann würden sie das tun? So könnte man das verstehen.“

 

 

Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel (CDU), zeigt im „Spiegel“ (16. August) Verständnis für die AfD-Anhänger:

„Die meisten Mitglieder der AfD haben keine feindliche Haltung zu Europa, sondern zur Euro-Rettungspolitik. Dafür gibt es eine ganze Menge guter Gründe. Ich halte es für die größte Selbstverständlichkeit, dass nicht nur jeder Bürger Verträge einhalten muss, sondern auch jede Regierung. Vertragsbruch ist im Fall der Euro-Krise besonders schlimm, weil die Stabilitätskriterien der Ersatz für die Politische Union waren, die nicht zustande kam.“