© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 38/14 vom 20.09.2014

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Faschismuskeule prallte ab
AfD-Sieg darf alle Bürgerlichen freuen: Linke Propaganda blieb wirkungslos

Der Erfolg der Alternative für Deutschland zeugt von neuem Selbstbewusstsein rechts der Mitte. Auch die Union lernt dazu.

Der Paukenschlag ist noch heftiger ausgefallen als vorherzusehen war. Mit Erdrutschsiegen hat sich die Alternative für Deutschland im Parteiensystem festgesetzt.

Viele Wähler des bürgerlichen Lagers sehen das mit gemischten Gefühlen. Sie bedauern den Abgang der FDP als liberale Stimme oder fürchten um eine starke Union als Stabilitätsanker.

Die Ergebnisse von Potsdam und Erfurt liefern jedoch auch ein Signal, über das sich alle bürgerlichen, freiheitsliebenden Deutschen nur freuen können: Die „Faschismuskeule“ hat offenkundig massiv an Wirkung verloren. Sie ist eben kein Instrument zur Bekämpfung des Rechtsextremismus. Sie dient vielmehr dazu, das gesamte demokratische Lager rechts der Mitte scheibchenweise auszugrenzen, niederzuhalten, ja, regelrecht zu kriminalisieren.

Gegen die AfD kam diese Keule mit aller Macht zum Einsatz. Doch sie verfehlte offenkundig ihre Wirkung. Mehr als jeder zehnte Wähler zeigte sich völlig unbeeindruckt.

Nur so können die demagogischen Waffen der Einschüchterung unschädlich gemacht werden: Indem man sie ignoriert.

Mehr noch: Auch innerhalb der Union mehren sich nun die Stimmen, die sich nicht länger von einer von links aufgezwungenen Politischen Korrektheit vorschreiben lassen wollen, mit wem sie reden dürfen. Renommierte Unionspolitiker wie Wolfgang Bosbach und Christean Wagner fordern einen streitbaren, aber fairen Umgang mit der AfD. Daraus spricht bürgerliches Selbstbewusstsein gegen linken Druck.

Dass SPD und Grüne verbissen an der Verteufelungsrhetorik gegen die AfD festhalten, folgt einem leicht durchschaubaren Kalkül. Es geht darum, der Union jedwede Bündnisoption in Richtung AfD zu verbauen und damit bürgerliche Mehrheiten auf Dauer zu verhindern. Diese Strategie aber wird früher oder später bröckeln. Auf der kommunalen Ebene hat der Prozess bereits begonnen.

Aufschlussreich ist die Haltung nahezu aller Staats- und großen Verlagsmedien. Es herrscht dort offenbar nahezu völlige Einigkeit darüber, dass die AfD bekämpft werden müsse. Teilweise gerieren sich Analysten und Kommentatoren der großen Blätter und Sender wie professionelle Politikberater der etablierten Parteien, die Tag und Nacht darüber sinnen, wie man den lästigen neuen Konkurrenten wieder los wird.

Das ist Wasser auf die Mühlen jener Kritiker im Volk, die an die Meinungsvielfalt in den Medien ohnehin nicht mehr glauben, die sich vielmehr einem konzertierten Netz aus „System-Medien“ ausgesetzt sehen, das bloß Propaganda im Auftrag der „Herrschenden“ betreibt. Die dominierenden Medien in Deutschland haben eine Chance verpasst, diesem Verdacht entgegenzutreten. Stattdessen haben sie ihm zusätzlich Nahrung gegeben. Hans Heckel


Mit dem Rücken zur Wand
Hamburg will mit Polizeirecht mehr Asylunterkünfte schaffen

Der Hamburger Senat will Polizeirecht anwenden, um mehr Unterkünfte für Asylbewerber zu schaffen. „Die Welt ist aus den Fugen geraten“, erklärte Sozialsenator Detlef Scheele in der vergangenen Woche in der Hamburgischen Bürgerschaft. Die Stadt sei an einem Punkt angekommen, an dem sie auf Notlösungen angewiesen sei. „Wir werden das alles nach Polizeirecht tun, wir müssen es tun. Es geht nicht anders“, so Scheele weiter.

Das Hamburger Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (SOG) kann von der Polizei, aber auch von allen anderen Behörden, immer dann angewandt werden, wenn „Gefahr in Verzug“ herrscht. Unter anderem heißt es dort, die Verwaltungsbehörden dürften „Sachen wie Unterkünfte, Arznei- und Nahrungsmittel, Arbeitsgeräte, Baustoffe und Beförderungsmittel zur Leistung in Anspruch nehmen“. Dabei sei „diejenige Maßnahme zu treffen, die den Einzelnen und die Allgemeinheit am wenigsten belastet“. Sollte diese jedoch erfolglos bleiben, darf eine „stärker belastende Maßnahme“ getroffen werden. Demnach könnten private Immobilen von Amts wegen mit Flüchtlingen belegt werden. An derartige Zwangsmaßnahmen denkt der Senat nach eigener Aussage noch nicht. Einstweilen verfolgt er mit der Anwendung des SOG das Ziel, bei der Schaffung von Unterkünften Hindernisse wie Bau- und Verwaltungsvorschriften, Sicherheitsbedenken oder Anwohnerinteressen zu umgehen. Dabei hat die Stadt neben öffentlichen Immobilien wie Schulen, Kasernen und Festplätzen auch private Objekte wie angemietete Wohnungen, ungenutzte Baumärkte und leerstehende Gewerbegebäude im Auge.

Hamburg muss 14000 Plätze für Zuwanderer bereitstellen, hat derzeit aber nur 10000. Lediglich 2500 weitere sind fest in Planung. J.H.


Deutsche auf Erkundung
Bundeswehrsoldaten sondieren für OSZE-Mission in der Ukraine

Die Bundesregierung hat am Dienstag 14 Bundeswehrsoldaten in die Ukraine geschickt. Dabei handelt es sich um Experten für unbemanntes Fluggerät sowie logistisches, technisches und medizinisches Personal. Gemeinsam mit einem französischen Team sollen sie prüfen, ob und unter welchen Rahmenbedingungen eine Unterstützung der OSZE-Beobachtermission zur Überwachung der Waffenruhe in der Ostukraine möglich ist. Dabei geht es deutscherseits vor allem um die Stationierung von Aufklärungsdrohnen im Raum Lugansk, der von den Kampfhandlungen bisher nicht betroffen ist. Konkret sollen Art und Umfang des benötigten Personals, der Beobachtungsmittel, erforderlichen Schutzmaßnahmen sowie der sanitätsdienstlichen und logistischen Unterstützungsleistungen erkundet werden. Die Erkundung erfolgt unter Führung und Begleitung der OSZE. Die deutschen Soldaten tragen Uniform, sind unbewaffnet und gemäß den OSZE-Vorgaben gekennzeichnet.

Deutschland und Frankreich hatten sich auf dem Nato-Gipfel in Wales bereit erklärt, auf Wunsch der OSZE eine Unterstützung von deren Beobachtermission zur Überwachung der Waffenruhe zu prüfen. Die OSZE-Mission wiederum basiert auf der Vereinbarung von Minsk vom 5. September 2014, die auch von Moskau getragen wird.

Damit ist jedoch noch nicht über eine deutsche Beteiligung entschieden. Erst auf Grundlage der Ergebnisse der Erkundungsmission wird geprüft werden, ob und in welcher Form sich Deutschland und Frankreich, vorbehaltlich einer politischen Entscheidung, an einer Unterstützungsmission für die OSZE beteiligen könnten. Voraussetzung und Bedingung für eine Unterstützung ist die tatsächliche Einhaltung der Waffenruhe durch die Konfliktparteien. J.H.


Jan Heitmann:
Grenze erreicht

Berlin kollabiert unter der Last der Zuwanderungswelle (s. PAZ 37/2014), Brandenburg will im märkischen Nirgendwo Unterkünfte für Asylbewerber einrichten und Hamburg wendet das Polizeirecht an, um die vielen Fremden unterzubringen (s. unten). Letzteres ist eine einschneidende Maßnahme. Im ersten Schritt sollen damit Vorschriften und die Rechte der Bezirke ausgehebelt werden, doch schon der nächste Schritt könnte Eingriffe in das Privateigentum wie die Beschlagnahme von Immobilien bringen. Wenn Politik und Verwaltung zu solchen Mitteln greifen, stehen sie mit dem Rücken zur Wand. Genau genommen haben sie aber nur das bekommen, was sie bestellt haben. Wer von offenen Grenzen, bunter Republik und Willkommenskultur schwärmt, sollte sich vorher überlegen, wie er die damit einhergehenden Probleme löst. Darauf jedoch wurde großzügig verzichtet und wir alle dürfen jetzt die Folgen tragen.

Wenn dafür schon Polizeirecht angewendet werden muss, sind die Grenzen der Belastbarkeit erreicht und es ist höchste Zeit zum Umdenken. Ein wichtiger Schritt, den Unterbringungsdruck zu lindern, wäre die Streichung aller europäischen Staaten von der Asylliste. Wer aus einem sicheren Land kommend Asyl fordert, sucht nicht unseren Schutz, sondern Teilhabe an unserem Wohlstand. Damit missbraucht er unser Asylrecht und schränkt die Möglichkeiten ein, denjenigen zu helfen, die wirklich verfolgt und bedroht sind. Er gehört konsequent abgeschoben. Diesem Schritt müssen weitere Anpassungen der Asylpolitik folgen. Bei all seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stärke kann Deutschland nicht alle Probleme dieser Welt lösen.


S. 2 Aktuell

Geradezu verdächtig nichtssagend
Untersuchungskommission legt Zwischenbericht zum Absturz des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 vor

Wer in Sachen Abschuss des malaysischen Flugzeugs auf seinem Flug MH17 eine Klärung der Schuldfrage erwartet hat, erlebt mit dem kürzlich vorgelegten Zwischenbericht der Untersuchungskommission eine herbe Enttäuschung: Wenig mehr als die Aussage, dass technisches oder menschliches Versagen als Unglücksursachen ausgeschlossen werden können und die Maschine abgeschossen wurde, ist im Kern nicht enthalten. Anlass genug, dass Fachleute am Aufklärungswillen zu zweifeln beginnen.

„Ich selbst habe niemals einen Bericht über ein Flugzeugunglück gesehen, der derartig nichtssagend war“, so Peter Haisenko. Fragen wirft für den ehemaligen Lufthansa-Piloten unter anderem der Abdruck der Aufnahmen des sogenannten Voice- oder Stimmenrekorders auf, der den Funkverkehr, aber auch die Cockpit-Gespräche auf dem Flug MH17 aufgezeichnet hat. „Die Niederschrift des Funkverkehrs beginnt um 13:08:00 und endet um 13:22:02. Aus meiner Erfahrung als Flugkapitän kann ich mir nicht vorstellen, dass während 14 Minuten kein weiteres Gespräch oder Geräusch innerhalb des Cock-pits vom Voicerekorder aufgezeichnet worden ist.“

Mit seinen Zweifeln steht der Pilot nicht allein. „Ein international absolut unübliches Vorgehen“, kommentiert etwa das Luftfahrtmagazin „Austrian Wings“ die Tatsache, dass die vollständigen Cockpit-Aufzeichnungen unter Verschluss bleiben. „Einen Bordkanonenbeschuss beispielsweise würde man – jedenfalls, wenn es im Bereich des Cockpits Einschläge gab, worauf gefundene Trümmer hinweisen – zweifelsfrei auf den Aufnahmen hören und von einem Raketentreffer unterscheiden können“, so „Austrian Wings“.

In den Niederlanden, dem Land, aus dem die meisten Opfer stammen, sorgt laut der „Sächsischen Zeitung“ ein anderer Umstand für heftige Diskussionen. Bereits im August soll ein Sprecher der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft mitgeteilt haben, „die Ergebnisse der Ermittlungen werden nach Abschluss sowie nach Zustimmung aller Parteien, die an der Untersuchung beteiligt sind, bekannt gegeben“. Faktisch verbirgt sich dahinter nichts anderes als ein Vetorecht der Ukraine bei der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse. Die Vorstellung, dass man sich nicht auf die Preisgabe aller Details habe verständigen können, „macht mich rasend und wütend“, so ein niederländischer Angehöriger eines Opfers zur „Sächsischen Zeitung“.

Skeptisch stimmen sollte auch die Andeutung der Untersuchungskommission, ein endgültiger Untersuchungsbericht könnte womöglich erst zum Jahrestag des Unglücks vorliegen, über welche die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Zu befürchten ist, dass aussagekräftige Ergebnisse so lange zurückgehalten werden, bis die breite Öffentlichkeit das Interesse an den Umständen des Absturzes verloren hat.

Wie sehr das Interesse an Enthüllungen von deren Zeitpunkt abhängen kann, machen die internen Berichte von US-Diplomaten deutlich, die im Jahr 2010 auf der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht wurden. Nur wenig beachtet, ist diesen zu entnehmen, dass Petro Poroschenko im Jahr 2006 und den Folgejahren ein inoffizieller Informant der US-Botschaft in Kiew war. Der als „unser ukrainischer Insider“ bezeichnete heutige Staatspräsident der Ukraine wurde von den US-Diplomaten geschätzt, weil er durch seine Beziehungen einen breiten Einblick in Politik und Wirtschaft der Ukraine geben konnte.

Deutlich wird aus den Unterlagen ebenso, dass man zumindest im US-Außenministerium eine Ahnung davon gehabt haben muss, worauf man sich beim Versuch einer Westbindung der Ukraine einließ. So hat der damalige US-Botschafter in Moskau, William J. Burns, in einem Memorandum an den US-Generalstab vom 1. Februar 2008 davor gewarnt, dass Nato-Beitrittsambitionen der Ukraine und Georgiens in Moskau einen ganz empfindlichen Nerv treffen würden. In Russland herrsche die Sorge, dass eine Nato-Mitgliedschaft innerhalb der Ukraine so stark umstritten sei, dass der ukrainischen Gesellschaft ein tiefer Riss drohe – Gewalt und Bürgerkrieg eingeschlossen. „Russland würde dann die Entscheidung über eine Intervention in der Ukraine zu treffen haben“, eine Entscheidung, so der damalige US-Botschafter, vor die Russland lieber nicht gestellt werden wolle.

Norman Hanert


»Ohne Kampf gibt es keinen Sieg«
Der Bürgermeister Kiews und Ex-Boxweltmeister Vitalij Klitschko erhielt in Potsdam den »M100 Media Award«

Der zwei Meter große Bürgermeister Kiews und frühere Boxweltmeister im Schwergewicht Vitalij Klitschko ist in Potsdam mit dem renommierten Medienpreis „M100 Media Award“ geehrt worden. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs, der auch Vorsitzender des M100-Beirats ist, erklärte, Klitschko erhalte die Auszeichnung als Vertreter aller demokratisch ausgerichteten Oppositionellen des Majdan. Klitschko habe sich um die demokratische Bewegung in der Ukraine verdient gemacht. „Sein Wirken für einen friedlichen Verlauf der Demonstrationen ist nicht hoch genug einzuschätzen“, so Jakobs. Klitschko habe mäßigend und beruhigend auf die Massen eingewirkt.

Der österreichische Außenminister Sebastian Kurz erklärte in seiner Laudatio: „Ich bewundere Vitalij Klitschko für seinen unermüdlichen Einsatz für Freiheit, Demokratie und Frieden in seiner Heimat. Dieses selbstlose Verhalten sollte uns alle inspirieren, denn Freiheit und Frieden sind in vielen Teilen der Welt – und leider auch wieder für Europa – keine Selbstverständlichkeit.“

Einen Sonderpreis nahmen in Potsdam stellvertretend für die ukrainische Gruppe „YanukovychLeaks“ Natalie Sedletzka und Kateryna Kapliuk in Empfang. Die Gruppe aus zwölf Journalisten und vielen Aktivisten hatte nach der Flucht des ehemaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch Tausende von Dokumenten geborgen, die er zuvor in einem Weiher auf seinem Anwesen versenkt hatte. Die Dokumente wurden von der Gruppe analysiert und publiziert, um das Korruptionssystem Janukowitschs transparent zu machen.

Der 43-jährige Klitschko, Sohn eines ukrainischen früheren Offiziers der Sowjetarmee, wurde am 25. Mai mit großem Abstand vor allen anderen Kandidaten in einer Direktwahl mit 57,6 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister Kiews gewählt. Seine 2010 gegründete Partei „Ukrainische demokratische Allianz für Reformen“, abgekürzt UDAR (ukrainisch/russisch für Schlag beziehungsweise Fausthieb), gewann zugleich 60 Prozent der Mandate im Stadtrat der Millionenmetropole. Klitschko ist auch Abgeordneter im ukrainischen Parlament. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 26. Oktober wird er die Liste des „Blocks Pjotr Poroschenko“ anführen.

Auf einer Pressekonferenz in Potsdam erklärte Klitschko, der ihm verliehene Preis gebühre allen Ukrainern, die sich für Freiheit und Demokratie einsetzten und besonders jenen, die auf dem Majdan für eine europäische Zukunft ihr Leben gegeben hätten. „Wir sind Europäer und wir wollen einen erfolgreichen Weg gehen wie Polen, Tschechien, die Slowakei oder Ungarn“, sagte er. Und: „Wir haben immer von einem EU-Beitritt geträumt.“ Es gelte, Reformen durchzusetzen. Dazu sei er entschlossen. „Wir haben heute leider eine schwierige Situation durch die Annexion der Krim und die militärischen Angriffe der russischen Armee in der Ostukraine“, erklärte Klitschko, „aber wir haben auch Patrioten, die unser Land verteidigen.“ Im übrigen Europa müsse man begreifen, dass es nicht nur um das Schicksal der Ukraine gehe. „Es gibt Leute“, sagte er, „die daran interessiert sind, einen erfolgreichen europäischen Weg der Ukraine zu verhindern und Instabilität in eines der größten europäischen Länder zu bringen.“ Alle europäischen Politiker sollten helfen, die Ukraine zu stabilisieren und die Aggression Russlands zu stoppen. Alle diplomatischen Bemühungen müssten genutzt werden, um den „blutigen Kampf zu beenden – aber auf keinen Fall um den Preis der Unabhängigkeit unseres Landes“, fügte Klitschko hinzu.

Nach einer Pressekonferenz Klitschkos bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Berlin hatte eine falsche dpa-Meldung für Schlagzeilen gesorgt, wonach er angeblich für einen „Mauerbau“ an der ukrainisch-russischen Grenze um Hilfe gebeten hätte. Auf Nachfrage eines holländischen Journalisten in Potsdam stellte Klitschko deshalb noch einmal klar, dass es sich bei der Meldung um eine „Luftblase“ handele. Womöglich seien Aussagen von ihm falsch interpretiert worden. „Allerdings“, fügte Klitschko hinzu, „müssen wir die Grenze zwischen der Ukraine und Russland sichern, da sehr viele Waffen über die Grenze geschmuggelt werden und sehr viele militärische Gruppen aus Russland kommen.“

Gefragt, ob es Eigenschaften eines Spitzensportlers gebe, die ihm auch als Politiker helfen, erklärte der promovierte Sportwissenschaftler: „Disziplin, Verantwortung und Wille zum Sieg.“ „Ohne Kampf kein Sieg“, hatte er zuvor bei einem Vortrag in der Berliner KAS-Akademie erklärt, als er zur schwierigen Lage in seinem Land befragt wurde. Auf die Frage der PAZ, wie in Kiew die Unterbringung der vielen Flüchtlinge gemeistert werde, erklärte er, neben einem Regierungsprogramm gebe es sehr viele freiwillige Helfer.

Michael Leh


MELDUNGEN

Liberia droht Zusammenbruch

Monrovia – Die Ebola-Epidemie bedroht „den gesamten Staat Liberia“, so die liberianische Regierung. Weil sich die Krankheit „wie ein Flächenbrand“ ausbreite, hat sie die Vereinten Nationen um internationale Hilfe gebeten. Wie Verteidigungsminister Brownie Samukai gegenüber der BBC erklärte, sei das Gesundheitssystem des Landes hoffnungslos überlastet. Es fehle an der Infrastruktur, den logistischen Kapazitäten, dem medizinischen Fachwissen und dem nötigen Geld, um die Krankheit effektiv bekämpfen zu können. „Das tödliche Ebola-Virus hat die normale Funktionsfähigkeit unseres Staates beeinträchtigt“, erklärte der Minister. Liberia verzeichnet mit über 2000 Infizierten knapp die Hälfte aller gemeldeten Fälle und mit über 1200 mehr als die Hälfte der registrierten Todesfälle. J.H.

 

EU stoppt Anti-TTIP-Initiative

Brüssel – Die EU-Kommission hat die rechtliche Zulassung der Europäischen Bürgerinitiative „Stop TTIP“, zu der sich knapp 230 Organisationen zusammengeschlossen haben, abgelehnt. Die Initiative fordert, dass die EU die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen mit den USA stoppt und einen ähnlichen Vertrag mit Kanada (Ceta) nicht beschließt. Die EU-Kommission begründete die Ablehnung unter Berufung auf Artikel 11 des EU-Vertrages damit, dass die Verhandlungsmandate zu TTIP und Ceta keine Rechtsakte, sondern interne Vorbereitungsakte seien, die die Bürgerinitiative nicht anfechten könne. Die Initiative kontert, das Verhandlungsmandat sei ein förmlicher Beschluss des Rates und deshalb sehr wohl ein Rechtsakt. Sie erwägt, gegen die Ablehnung vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen. Das Instrument der Europäischen Bürgerinitiative soll es den Bürgern ermöglichen, direkt bei Entscheidungen der EU mitzureden. J.H.


S. 3 Preussen/Berlin

Wo die AfD besonders stark ist
Grenzkriminalität: An der Oder holte die »Alternative« bis zu 21,3 Prozent

Nahe der Grenze zu Polen gehen Brandenburgs Bürger zunehmend selbst auf Streife, statt auf die Hilfe der Polizei zu hoffen. Im Wahlkampf sparten die etablierten Parteien das heikle Thema weitgehend aus.

Mitten in die heiße Endphase des Landtagswahlkampfs in Brandenburg platzte die Nachricht von der Bildung einer neuen „Bürgerwehr“ in der Grenzregion zu Polen. Dass Bürger dort auf Streife gehen, wo sie von Polizei und Politik zu wenig für den Schutz ihres Eigentums erwarten, wird in der Mark zunehmend zum Massenereignis, das sich auf immer mehr grenznahe Orte ausdehnt. Die Grenzkriminalität, von den etablierten Parteien im Wahlkampf weitestgehend ausgespart, beeinflusste nicht nur die Wahl, sie bleibt eine der größten Herausforderungen des Landes und ein politischer Sprengsatz.

Seit Mitte August gehen auch die Bürger von Lawitz nahe Eisenhüttenstadt (630 Einwohner) auf selbstorganisierten Streifendienst. Wie die Bewohner anderer Orte in der Grenzregion wissen sie kein anderes Mittel mehr, um ständige Einbrüche abzuwehren. Die Polizei benötigt zu lange zum Einsatz, Wachen bleiben nachts infolge der rot-roten Polizeireform geschlossen. Lediglich die Bundespolizei ist als verlässlicher, aber überlasteter Partner vor Ort.

Diebe hatten dem Initiator der Lawitzer Streife, Roman Kühne, in kürzester Zeit drei Motorräder entwendet. Im Juli schlug der Alarm auf dem Grundstück von Bürgermeisterin Gud­run Schmädicke an: Ihr Sohn sah sich drei Eindringlingen gegenüber. Diese offene Bedrohung beantworteten 200 Einwohner mit einer Bürgerversammlung. Jetzt halten drei Zweier-Teams auf den Straßen Nachtwache, ausgerüstet mit Warnwesten, Taschenlampen, Sprechfunkgeräten sowie Pfefferspray. Die zuständige Amtsverwaltung finanziert die Ausstattung. Am Ortseingang steht mehrsprachig: „Wir schützen uns selbst.“

Mehr als 22000 Straftaten registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in den 24 Gemeinden entlang der Grenze. Brandenburgs zu Polen. Die Enttäuschung über die etablierte Politik wächst stark an. Nicht von ungefähr fuhr die AfD in der Grenzregion ihre besten Ergebnisse ein, im Wahlkreis Oder-Spree II südlich von Frankfurt an der Oder hätte sie mit 21,3 Prozent beinahe die CDU (21,8) überholt.

Die Beteiligung der Bürger an den Landtagswahlen gestaltete sich trotz allen Ärgers verhalten, dabei ist die Sicherheitslage brisant. Und an der Grenze zu Polen kommt ein Bevölkerungsrückgang hinzu. Die Uckermark bevölkerten 1990 noch 170000 Menschen. Vergangenes Jahr waren es laut Zensus nur noch gut 120000. Eine Landschaft, in der nicht nur Bevölkerung und Infrastruktur auf dem Rück­zug sind, sondern auch der Staat an sich, hat allerdings mit mehr als Grenzkriminalität zu kämpfen.

Während das Thema Fluglärm in den davon betroffenen Gemeinden kaum für mehr Interesse am Urnengang sorgte, zeichnete sich schon vor dem Wahltag der Einzug der AfD in den Potsdamer Landtag ab. Die Partei hatte im Wahlkampf sichere Grenzen statt Grenzkriminalität und mehr Grenzkontrollen gefordert.

Im wenig spannenden Wahlkampf mit den Schwerpunkten Braunkohle und Bildung vermied der 47 Jahre alte CDU-Spitzenkandidat Michael Schierack hingegen einen strikten Gegenkurs zu Rot-Rot. Bun­deskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab fast deutlichere Signale von sich, als sie die Zahl aufgeklärter Verbrechen in der Mark mit denen Thüringens verglich, wo es eine um zehn Prozent höhere Aufklärungsrate gebe: „Die Brandenburger Polizisten sind genauso gut, sie müssen nur vernünftig ausgestattet werden, und sie müssen eine gute Personaldecke haben.“

Eine Lösung des Problems der Grenzkriminalität erhoffte sich ein Großteil der Wähler von solch unkonkreten Aussagen allerdings nicht mehr, zumal die Worte der Kanzlerin sehr spät kamen, nämlich erst, als es sich abzuzeichnen begann, dass die AfD mit dem Thema punkten könnte. Im großen Fernsehduell der Politkontrahenten sparte der Staatssender RBB die Grenzkriminalität sogar ganz aus. Die Unterschiede in den Positionen der etablierten Parteien hierzu waren offenbar zu gering. Daher lagen die Nerven gegenüber dem Neuling AfD blank: Die Arztpraxis eines AfD-Direktkandidaten in Frankfurt an der Oder wurde in der Nacht zum Sonntag mit Pflastersteinen beworfen, Täter bislang unbekannt.

Die Auswirkungen der Grenzkriminalität bleiben gravierend: 2013 wurden allein in Berlin rund 26500 Fahrräder gestohlen. Aufgeklärt wurden klägliche 4,3 Prozent der Fälle. Meist verschieben professionelle Banden die Zweiräder weiter. Anfang des Monats gelang der Polizei ein seltener Erfolg gegen eine solche Bande, der die weit ausstrahlende Bedeutung der Unsicherheit an der Grenze wieder veranschaulichte. Erst vor Tagen legten sieben deutsche und polnische Staatsanwälte, die sich zur Bekämpfung der Grenzkriminalität seit Februar vernetzt haben, eine Zwischenbilanz vor: Die 71 seither ergangenen Haftbefehle bilden indes nur die Spitze eines Eisbergs. „Diese neue Abteilung ist hoch effektiv, aber auch hoch belastet“, erklärte der Chef der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Helmut Lange. Die Zusammenarbeit ist zudem infolge von EU-Vorgaben nur auf bestimmte Delikte beschränkt. Die Fragen, wie viel Polizei die Mark benötigt und welche politische Lösung die Grenzregionen sichert, werden somit auch den Wahlsieger weiter beschäftigen.

Sverre Gutschmidt


Gauland, der Stratege
von Klaus Gröbig

Das Unwahrscheinliche ist passiert: Die Alternative für Deutschland (AfD) hat ihr Wahlergebnis von Sachsen in Brandenburg noch einmal übertroffen und ein zweistelliges Ergebnis erzielen können.

Woher kommt dieser Wahlerfolg? Eine Rolle, obwohl nichts mit Landespolitik zu tun, spielte offenbar die russlandpolitische Linie des Landesverbandes. Vielen Menschen, selbst innerhalb der AfD, stieß die Wahlkampfführung des Spitzenkandidaten Alexander Gauland auf. Er hatte schon früher einen Wechsel in der deutschen Außenpolitik angemahnt und auf Otto von Bismarck verwiesen. Der pflegte stets ein freundschaftliches Verhältnis zu Russland. Damit war ein „August 14“ zu dessen Amtszeit ausgeschlossen. Wohlgemerkt – Gauland ist kein „gelernter DDR-Bürger“. In Brandenburg, mit seinem besonders hohen Anteil an früheren Angehörigen der Armee der DDR und den überall in den neuen Bundesländern anzutreffenden ehemaligen Volkspolizisten, fiel Gaulands Linie jedoch auf fruchtbaren Boden.

Gauland ist glaubwürdig, weil er seine Meinung mit Rückgriff auf Bismarck und nicht etwa auf Walter Ulbricht begründet. In den letzten Wochen vor der Landtagswahl eskalierte der Streit innerhalb der AfD, weil Parteichef Bernd Lucke, der frühere BDI-Chef Olaf Henkel und andere AfD-EU-Parlamentarier eine sehr rußlandkritische Resolution mitgetragen hatten. Gauland und Lucke trugen diesen Dissens öffentlich aus, was Gaulands Position noch glaubwürdiger machte.

Zahlreiche NVA-Veteranen fühlen sich von der Geschichtsschreibung ungerecht behandelt. Viele von ihnen waren gar keine Kommunisten, sondern wollten Soldaten – gute Soldaten – sein. Schließlich war Potsdam vor 100 Jahren der Standort der kaiserlichen Garde. In dem Maße, wie die Linkspartei sich Hausbesetzern und linken Szene-Aktivisten zuwandte, entfremdete sie sich von der ordnungsliebenden, staatstragenden, eigentlich konservativen Schicht der früheren DDR. Diese Menschen suchen – ähnlich wie die Heimatvertriebenen in den 50er Jahren – eine politische Heimat.

Viele von ihnen hat Gauland offenbar für die AfD gewinnen können. Damit hat sich der 73-Jährige als Stratege erwiesen, der in Brandenburg die Linkspartei stimmenmäßig massiv reduzieren konnte. Allerdings sollte die AfD mit ihren neuen Wählern auch ehrlich umgehen und sich zu ihnen bekennen. Ein Verhalten, wie es die CDU mit den Heimatvertriebenen langfristig praktiziert hat, könnte ihr schnell zum Problem werden.

Der Verfasser war bis 2000 Chef der FDP Tempelhof, des damals mitgliederstärksten Kreisverbandes der Berliner Liberalen


Auf Kosten der Schwachen
Abschaffung der Förderschulen erweist sich als Fehlschlag

Was Kritiker der „Inklusion“ befürchtet haben, scheint mit Beginn des neuen Schuljahres in Berlin einzutreten. Die Abschaffung von Förderschulen sowie der gemeinsame Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern entpuppt sich nicht als gelungene Integration, sondern als Sparpolitik auf Kosten der Kinder.

Während die bisherigen Förderschulen mit Sonderpädagogen eingespart worden seien, hätten die Regelschulen weder ausreichend Personal noch die notwendige Ausstattung erhalten, um die Behinderten unterrichten zu können, klagt die Lehrergewerkschaft GEW.

Medienberichten zufolge ist die Zahl dieser Schüler von 8828 im Schuljahr 2010/11 auf 11030 im Schuljahr 2013/14 gestiegen. An vielen Schulen sitzen bereits vier bis fünf Kinder mit Förderstatus in einer Regelklasse. Dennoch ist an vielen Einrichtungen die Zahl der sogenannten Schulhelferstunden drastisch gekürzt worden.

Die Helfer sollen dafür zu sorgen, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf überhaupt am Schulalltag teilnehmen können. Die Betreuung geht im Einzelfall bis zu Hilfen beim Essen oder beim Gang zur Toilette. Schwer autistische Kinder können in einer Regelschule eigentlich nur lernen, wenn sie ständig einen Helfer zur Seite haben. Tatsächlich stehe für diese Kinder aber oft gar keine Hilfe mehr bereit, so die GEW.

Faktisch auf eine Einsparung läuft ebenfalls heraus, was den Schulen bei den Förderstunden zugemutet wird. Die gestiegene Zahl von Kindern muss mit einem Stundenpool abgedeckt werden, der auf altem Niveau geblieben ist. Als Folge stehen für Schüler mit Förderbedarf inzwischen im Schnitt nur noch 1,5 Stunden zusätzliche Betreuung pro Woche zur Verfügung, vor zwei Jahren waren es noch 2,5. Selbst Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) muss eingestehen, dass rund 5000 Schüler aus Geldmangel nicht die notwendige Förderung bekommen. Berlins GEW-Chefin Sigrid Baumgardt sieht eine Mitschuld an der eingetretenen Misere bei Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er habe zugelassen, dass viel Geld in Richtung Brennpunktschulen (Rütli etc.) fließe.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh hatte 2013 das sogenannte Bonusprogramm aufgelegt, das für diese Schulen jährlich 15 Millionen Euro zusätzlich bereithält. „Für die Inklusion hat es hingegen kaum Geld gegeben“, kritisiert Baumgardt. Norman Hanert


CDU zu rechts?
Berlins Grüne: Union muss linker werden

Nachdem jüngste Annäherungsversuche von maßgeblichen Repräsentanten der Berliner CDU in Richtung auf ein schwarz-grünes Bündnis bekannt geworden sind, gab es nun entsprechende Signale der Hauptstadtgrünen. Am ersten Septemberwochenende trafen sich die grünen Landesparlamentarier zu einer dreitägigen Fraktionsklausur im brandenburgischen Sommerfeld bei Kremmen. Infolge der schlechten Umfragewerte für die Berliner SPD scheint es so, dass die Grünen ab 2016 Regierungspartei werden könnten.

Für Rot-Grün gibt es allerdings laut allen Umfragen auf absehbare Zeit keine Mehrheit mehr. Die Alternative zu Schwarz-Grün wäre allein eine linke Dreierregierung aus SPD, Grünen und Linkspartei.

Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop: „Wir werden keinen Koalitionswahlkampf machen.“ Zweimal hatten sich die Grünen Hoffnungen aufs Mitregieren in Berlin gemacht und wurden jedes Mal enttäuscht. Zunächst regierte Klaus Wowereit mit der Linkspartei und seit 2011 mit der CDU.

Neu ist, dass nun auch der linke Grünen-Flügel Schwarz-Grün nicht mehr kategorisch ausschließt. Landeschef Daniel Wesener aus Kreuzberg will die CDU allerdings zunächst deutlich weiter nach links gerückt sehen. Wörtlich fordert er: „Die CDU hat es bislang nicht geschafft, eine liberale Großstadtpartei zu werden, wie man an ihrem Umgang mit der Flüchtlingsfrage sieht. Selbst wenn es nach den Zahlen reichen würde: Die CDU müsste sich für Schwarz-Grün kulturell tiefgreifend verändern.“ Hans Lody


Antifa verjagt CDU-Senator

Am vorvergangenen Wochen­ende störten und randalierten etwa 50 sogenannte Flüchtlinge und ihre Unterstützer auf einem Bürgerfest der CDU in Lichtenberg. Die Aktion war in linksextremen Internetplattformen, darunter indymedia, zuvor angekündigt worden und wurde anschließend als „Erfolg“ unter dem Motto: „Flüchtlinge bleiben –Henkel vertreiben!“ gefeiert. Neben Innensenator Frank Henkel wollten auch der Bundestagsabgeordnete Martin Pätzold und Danny Freymark, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, an dem Fest teilnehmen. Henkel „flüchtete“ gedeckt von Personenschützern, wie linksextreme Internet-Medien später höhnisch berichteten. Henkel gibt sich geschockt von den Ereignissen: „Ich bin erschrocken über so viel Intoleranz … Ich wäre gern mit den Berlinern in den Dialog getreten, das war aber leider nicht möglich.“ Stattdessen besetzten die Störer zeitweise die Bühne des CDU-Festes. T.M.


S. 4 Hintergrund

Alte Wunden aufgerissen
Baltische Staaten fürchten russische Übergriffe – Nato reagiert mit mehr Präsenz

Seit in der Ostukraine Kriegszustände herrschen und Russland die Krim annektiert hat, rufen die drei baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland Nato und EU zu mehr Unterstützung gegen den „Aggressor Russland“ auf. Die Furcht, gegen den eigenen Willen wieder von jenem besetzt zu werden, sitzt tief.

Mit drastischen Worten prangerte die litauische Staatschefin Dalia Grybauskaite das Verhalten Russlands im Osten der Ukraine an. „Russland ist praktisch im Krieg mit Europa“, sagte sie Ende August vor dem EU-Gipfel in Brüssel. Sie forderte, dass der Westen die Ukraine mit Waffen beliefern müsse und prangerte die bisherigen Sanktionen der EU als zu wenig zielgerichtet an.

Die Forderungen der kleinen Baltenstaaten gehen noch weiter. Die einer Hysterie gleichende Ungeduld, mit der sie ein härteres Vorgehen gegen den Russland gefordert haben, hat bereits Wirkung gezeigt.

Russlands Annexion der Krim und auch der Krieg im Osten der Ukraine haben alte Wunden aufgerissen. Die Balten befürchten, dass Moskau versuchen könnte, mit gezielter pro-russischer Propaganda die in ihren Ländern lebende russische Minderheit aufzuwiegeln mit dem Ziel, den nach dem Zerfall der Sowjetunion verloren gegangenen Einfluss wiederzuerlangen. Die Balten werfen Putin vor, eine Resowjetisierung zu betreiben, mit der Absicht, ein neues „Zarenreich“ zu schaffen. Schützenhilfe erhalten die Balten von Polen, auf dessen Territorium die Nato die Einrichtung eines Raketenabwehrschilds vorbereitet.

Deutschland sei das wichtigste Land in Europa, so Leszek Balcerowitz, ehemaliger stellvertretender polnischer Ministerpräsident. Deshalb sei es für die Zukunft der osteuropäischen Demokratien existenziell, die deutsche Politik und Öffentlichkeit im Sinne einer stärkeren Reaktion gegenüber Putin zu beeinflussen. Deutschlands Rolle werde von den Osteuropäern mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und sei mit hohen Erwartungen befrachtet.

Dass die Bundesregierung die Sorgen der Balten ernst nimmt, bewies Angela Merkel, indem sie beim EU-Gipfel von einer „sehr ernsten Lage“ mit Blick auf den Ukrainekonflikt sprach.

Nach Barack Obamas Besuch in Estland unmittelbar vor dem Nato-Gipfel in Wales, bei dem er den Balten volle Solidarität und eine höhere Militärpräsenz der Nato zusicherte, ließ auch Deutschland Taten folgen: Seit dem 1. September sind in Estland im Auftrag der Nato vier deutsche „Eurofighter“ stationiert, zwei weitere stehen für den Ernstfall bereit. 160 Deutsche sind in Estland stationiert.

Für Obama hat sich sein Besuch im Baltikum doppelt gelohnt: Zum einen konnte er, der zuhause wegen seines Zauderns in der Kritik steht, Stärke demonstrieren, zum anderen war es eine Gelegenheit, die Nato-Mitglieder zu höheren Militärausgaben zu animieren.

Die Mission ist an sich nicht neu. Seit Jahren übernimmt die Nato das sogenannte „Air Policing“ über dem Baltikum, das heißt, sie kontrolliert den Luftraum der drei Länder, da die Kleinstaaten keine eigene Luftwaffe haben.

Zwar ist ein Angriff der Russen auf das Baltikum eher unwahrscheinlich, da sie bei einer kriegerischen Auseinandersetzung Gefahr liefen, ihre Exklave Königsberg und damit den eisfreien Zugang zur Ostsee zu verlieren. Allerdings registrieren Nato-Piloten seit über drei Jahren eine Zunahme der nicht richtig deklarierten Flüge von russischen Militärmaschinen. Es könnte sich um Versehen handeln, oder aber die Russen wollen testen, wie viel sich die Nato-Staaten gefallen lassen.

Manuela Rosenthal-Kappi(siehe Seite 6)


Selten souverän
Das Baltikum war häufig ein Spielball seiner Nachbarn

Wie das Land der Pruzzen war auch das Baltikum von den Balten dominiert, nur dass es dies im Gegensatz zu Ostpreußen bis heute blieb. Ähnlich wie im Kerngebiet des Deutsch­ordensstaates spielten auch im Baltikum Deutsche bei der Christianisierung eine wichtige Rolle. Zur Missionierung Livlands wurde 1202 der Schwertbrüderorden gegründet, der 1237 nach der schweren Niederlage bei Schaulen gegen die Litauer auf Geheiß des Papstes mit dem Deutschen Orden vereint wurde. Verständlicherweise strebten die Deutschordensritter nach einer Landbrücke zu der neugewonnen Exklave in Livland, so dass auch das dazwischen liegende Samaiten zeitweise Deutschordensland wurde.

Im 15. Jahrhundert begann der Abstieg des Deutschordensstaates. Das Machtvakuum füllten andere. Durch die polnisch-litauische Union geriet Litauen unter den Einfluss der polnischen Könige. Doch auch die Skandinavier breiteten sich an der baltischen Ostseeküste aus.

Das 18. Jahrhundert brachte dann den Aufstieg Russlands. Die Skandinavier verloren im Großen Nordischen Krieg ihren Großmachtstatus an Russland und die einst mächtige polnisch-litauische Union wurde Opfer der sogenannten polnischen Teilungen. Das Baltikum wurde russisch.

Das blieb es bis zum Ersten Weltkrieg, der zu einer Schwächung Russlands führte und in deren Folge zur Gründung der drei baltischen Republiken Litauen, Lettland und Estland. Sie sind ein fester Bestandteil der von den Siegern des Ersten Weltkrieges geschaffenen europäischen Nachkriegsordnung einschließlich des Cordon sanitaire zwischen den Großmächten Deutschland und Russland.

Um die Unabhängigkeit der baltischen Staaten war es geschehen, als die beiden Parias der Nachkriegsordnung sich annäherten und das Reich um des Wohlwollens der Sowjetunion (SU) Willen im deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag erst Estland und Lettland und gut einen Monat später im Grenz- und Freundschaftsvertrag dann auch Litauen als Bestanteile der sowjetischen Interessensphäre anerkannte. Die SU einverleibte daraufhin das Baltikum.

Im Deutsch-Sowjetischen Krieg wurde das Baltikum zwar kurzzeitig von der Sowjetherrschaft befreit, doch blieb dieses Episode. Die Russen eroberten das Baltikum zurück und als Sieger des Zweiten Weltkrieges konnte Josef Stalin es mit dem Einverständnis seiner westlichen Alliierten behalten.

Erst ein erneuter russischer Machtverlust, der Abstieg der SU in der Ära Michail Gorbatschows, ermöglichte den Balten dann die Rückgewinnung der Eigenstaatlichkeit in der Singenden Revolution. Im Jahr der deutschen Widervereinigung pro­kla­mierten erst Litauen am 11. März, dann Lettland am 4. Mai und schließlich Estland am 8. Mai die Wiederherstellung ihrer Unabhängigkeit. Nach dem Scheitern des Augustputsches in Moskau er­kann­te die UdSSR am 21. August 1991 den Verlust ihrer drei baltischen Republiken an, bevor sie sich wenige Monate später auflöste beziehungsweise durch ihren verbliebenen Mitglieder aufgelöst wurde. Manuel Ruoff


Deutschbalten: 750 Jahre Erfolgsgeschichte

Sie nahmen alles mit, was irgendwie beweglich war, einschließlich Kühen, Pferden, Hunden und Katzen. Um die Jahreswende 1939/40 verließen etwa 83000 Deutschbalten ihre Heimat, um sich im Deutschen Reich anzusiedeln. Damit endete die über 750-jährige Geschichte der Deutschbalten, deren Vorfahren einst als Ordensritter und Kaufleute ins Baltikum gezogen waren, um das Land zu christianisieren und zu kultivieren. Obwohl die Deutschstämmigen stets deutlich in der Minderzahl blieben, entwickelten sie sich dank ihres herausragenden Wissens und Könnens, ihres Fleißes sowie gezielter Zuwanderung vor allem auf dem Gebiet der späteren Staaten Lettland und Estland schnell zur Führungsschicht. So wurde Deutsch als Amtssprache anerkannt, es gab ein deutsches Bildungssystem und eine deutsche Gerichtsbarkeit und Verwaltung. Diese Führungsrolle wurde erst ab Anfang des 19. Jahrhunderts durch die zunehmende Russifizierung bedroht und das Deutschtum langsam zurückgedrängt.

Das endgültige Ende der deutschbaltischen Tradition vollzog sich 1939 mit dem Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt. Darin hatte Deutschland die baltischen Staaten als sowjetisches Einflussgebiet anerkannt. Um die hier lebenden Deutschen nicht der stalinistischen Herrschaft auszuliefern, schloss die Reichsregierung mit Lettland und Estland ein Abkommen zur Regelung einer freiwilligen Umsiedlung ins Reich. Die Kosten der Umsiedlungsaktion trug der deutsche Staat. Rund 60000 der Umsiedler fanden eine neue Bleibe in Westpreußen und im neu geschaffenen Warthegau. Keine sechs Jahre später mussten sie wieder fliehen, als Westpreußen und das Wartheland durch die Siegermächte Polen zugesprochen wurden. J.H.


Zeitzeugen

Albert von Buxhoeven – Der um 1165 geborene Bremer Domherr amtierte von 1199 bis 1229 als Bischof von Livland, ab 1201 mit dem Titel Bischof von Riga. Er verhalf der lateinischen Kirche im heutigen Lettland und Estland dazu, ihren Geltungsanspruch durchzusetzen und begründete hier die deutsche Kolonie. Gemeinsam mit Kaufleuten, Missionaren und Pilgern gründete er 1201 die Stadt Riga.

Johann Gottfried Herder – Nach Studium und literarischer Tätigkeit in Königsberg wurde der 1744 geborene Herder 1764 an die Domschule nach Riga berufen und war später bis 1769 als Pfarradjunkt angestellt. In Riga fand der Schüler Kants einen wichtigen Wirkungskreis und hohes Ansehen. Er gilt als einer der einflussreichsten Schriftsteller und Denker deutscher Sprache im Zeitalter der Aufklärung.

Lennart Meri – Meri (1929–2006) war von 1992 bis 2001 Staatspräsident Estlands. In Deutschland wurde er bekannt, nachdem er unseren Staat in seiner Rede zur Deutschen Einheit 1995 als „Canossa-Republik“ kritisiert hatte. Man könne einem Land kaum trauen, das „rund um die Uhr eine Art intellektuelle Selbstverachtung“ übe. Meri bezeichnete Estland als „Teil des Kulturkreises des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ und war durch und durch deutschfreundlich.

Michail Gorbatschow – Der letzte Staatspräsident der UdSSR war bereit, die Ostblockstaaten in die Unabhängigkeit zu entlassen, aber nicht die Sowjetrepubliken. Trotzdem musste er nach seiner Demontage während des Augustputsches in Moskau den geänderten Machtverhältnissen Rechnung tragen und die Abspaltungen von der Sowjetunion und schließlich deren Auflösung akzeptieren.

Josef Stalin – Nach der Verständigung mit Adolf Hitler und dem Dritten Reich im Nichtangriffs- sowie dem Grenz- und Freundschaftsvertrag des Jahres 1939 hatte der Diktator freie Hand, die Rote Armee in die baltischen Staaten einmarschieren zu lassen und die Eingliederung Litauens, Lettlands und Estlands am 3., 5. be­zie­hungs­weise 6. August 1940 zu erzwingen. Als Sieger des Zweiten Weltkrieges konnte er die Beute behalten.


S. 5 Deutschland

Doppeltes Desaster beim »Klimaschutz«
Die Eiskappen wachsen und Windräder wie Elektroautos führen zu mehr Kohlendioxidausstoß

Gleich zwei Vorhersagen der Apologeten der „Energiewende“ erweisen sich als falsch. Die Eiskappen wachsen, statt zu schmelzen, und Windräder wie Elektroautos produzieren mehr Kohlendioxid statt weniger. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb wird das Vorgehen gegen „Klimaleugner“ immer intoleranter.

Den Klimawandel zu „leugnen“ ist schon des Längeren genauso riskant wie abzustreiten, dass die angebliche „Erderwärmung“ auf das Konto des Menschen gehe, der zu viel von dem „gefährlichen Treibhausgas“ Kohlendioxid in die Atmosphäre blase. Wer dies wagt, geht das Risiko ein, von übereifrigen Gutmenschen mit jenen Zeitgenossen auf eine Stufe gestellt zu werden, die den Holocaust anzweifeln. Desgleichen faselten einige Scharfmacher auch schon von „Öko-Gulags“ zur „Umerziehung“ der Uneinsichtigen. Jetzt allerdings trieb Sir Paul Nurse, der neue Präsident der British Science Association, das Kesseltreiben auf die Spitze, indem er ganz unverhohlen zu Gewalttaten aufrief, die an das Treiben der Mörderbanden des Islamischen Staates gemahnen. Denn wie anders soll man die von britischen Zeitungen zitierten Aussagen von Nurse verstehen, „Klimaskeptiker“ seien „Serientäter“, die „zerquetscht und begraben“ werden müssten?

Glücklicherweise lassen sich viele Wissenschaftler aber nicht mehr von derartigen Unterstellungen oder Drohungen beeinflussen und widersprechen der Weltuntergangs-Propaganda, was deren Wortführer um jeden Preis zu kaschieren versuchen. So begründete US-Präsident Barack Obama seine jüngste Klimaschutzinitiative vom 31. Mai unter anderem damit, dass über 97 Prozent der Fachleute an den menschengemachten Klimawandel glaubten. Allerdings resultiert diese Zahl aus vollkommen unsinnigen Fehlinterpretationen einer Befragung der University of Illinois, in deren Verlauf gerade einmal 77 von 10257 angeschriebenen Naturwissenschaftlern erklärt hatten, Obamas Thesen zu teilen.

Der mittlerweile also weit verbreitete „Klimaskeptizismus“ resultiert nicht zuletzt aus der Faktenlage, die eine immer deutlichere Sprache spricht: Wie selbst der Weltklimarat (IPCC), die Dachorganisation der „Klimawarner“, anerkennen musste, gab es seit 1997 keine weitere Erhöhung der Globaltemperatur, obwohl der Kohlendioxidwert im gleichen Zeitraum um fast zehn Prozent anstieg. Zudem werden die Folgen der stagnierenden Temperaturen nun auch ganz konkret sichtbar. So zeigen satellitengestützte Messungen des National Snow and Ice Date Center der USA sowie des Dänischen Meteorologischen Instituts, dass sich die arktische Eiskappe nun bereits seit zwei Jahren ausdehnt – und zwar in erheblichem Ausmaß: Die US-Forscher sprechen von einem Zuwachs um 43 Prozent, während die Dänen sogar einen Wert von 63 Prozent ermittelt haben. Auf jeden Fall expandierte die Eisdecke im Norden damit in kürzester Zeit um eine Fläche von mindestens der Größe Alaskas. Darüber hinaus ist der Eispanzer nicht nur umfangreicher, sondern auch dicker geworden, und das Eis weist eine größere Dichte auf, was die Resistenz gegen das Abschmelzen erhöht.

Das alles weckt natürlich nun gravierende Zweifel an jenen Modellen, die einen engen Zusammenhang zwischen der „Erd­erwärmung“ und dem vom Menschen erzeugten Kohlendioxid konstruieren, und lässt die „Experten“ mit ihren Prognosen blamiert dastehen. So hatte der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, der für seine Warnungen vor dem Klimawandel sogar den Friedensnobelpreis erhielt, noch 2007 getönt, in sieben Jahren – also genau jetzt – gebe es überhaupt kein Polareis mehr.

Angesichts dieser Entwicklung ist es fast ein Trost, dass die Maßnahmen zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes, die uns Deutsche Jahr für Jahr 23 Milliarden Euro kosten, so komplett wirkungslos sind. Hierzu sagte der Kieler Professor für Regelungstechnik, elektrische Antriebe und Management Gonde Dittmer am 4. September in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“: „Bisher wurde durch die Energiewende nicht eine Kilowattstunde fossile Energie eingespart und nicht ein Kilogramm CO2-Emission vermieden, eher ist das Gegenteil der Fall.“ Bei der Produktion von Windrädern oder bei der Stromherstellung für Elektrofahrzeuge falle nämlich deutlich mehr CO2 an, als durch deren Betrieb vermieden werde: „Unterm Strich emittiert ein Dieselauto damit nur etwa die Hälfte der CO2-Gase im Vergleich zu einem Elektroauto.“ Daraus zieht Dittmer den einzig logischen Schluss: „Das wahre Ziel der Energiewende ist nicht die Reduktion von Kohlenstoffdioxidemissionen – sondern der ökonomische Gewinn.“

Trotzdem aber steht zu befürchten, dass selbst dieses doppelte Desaster beim „Klimaschutz“ hierzulande zu keinem Umdenken führen wird. Den Grund dafür nennt Michael Rosenberger, Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität von Linz, in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „GAiA – Ökologische Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft“: Schon längst gehe es im Klimadis­kurs nicht mehr „um Klimadaten und deren Deutung, sondern um Weltanschauungen und Wert­orientierungen“. Und diese sind bekanntlich zählebig – ganz gleich, was die Fakten sagen und die Vernunft gebietet.

Wolfgang Kaufmann


Kernbestandteil der Partei
»Konservativer Aufbruch« in der CSU gewinnt an Gewicht

Der „Konservative Aufbruch“, der seit einigen Monaten konstituierte CSU-interne konservative Flügel, dürfte in den kommenden Monaten in der Partei an Gewicht zulegen. Nach dem starken Abschneiden der AfD herrscht nämlich auch in der CSU-Spitze Ratlosigkeit über die richtige Reaktion. Einigkeit herrscht darüber, dass die abtrünnigen konservativen Anhänger wieder eingefangen werden sollen. Nur wie?

Anfang September hat sich CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer mit den vier Sprechern des „Konservativen Aufbruchs“ getroffen. Obwohl keine konkreten Absprachen getroffen wurden, lobten die Vertreter des „Aufbruchs“ die „konstruktive, sachliche und zielführende“ Atmosphäre und freuten sich über Scheuers Zusage, die Gruppe dürfe sich in die Parteiarbeit einbringen und die Interessen ihrer Mitglieder vertreten.

Die Konservativen in der CSU also künftig als klar abgegrenzter Arbeitskreis? Schon diese Sicht ist Teil des Problems. Die Konservativen an der CSU-Basis sehen sich nämlich keineswegs als irgendeine beliebige Zielgruppe, sondern als alter Kernbestandteil der Partei. Daher treffen sie der Linkskurs und die inhaltliche Beliebigkeit, die die CSU im Windschatten der Merkel-CDU nachvollzieht, ins Mark. Das Denken in Zielgruppen, das alle Parteistrategen der Gegenwart kennzeichnet, ist den Konservativen im Kern zuwider. Sie bemerken es schnell, wenn ihre Regierenden bestimmte Aktionen nur unternehmen, um diese oder jene Klientel zu bedienen. Die CSU-Basis vermisst den klaren konservativen Kompass, der es zu Zeiten von Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber undenkbar machte, dass eine demokratisch legitimierte Kraft rechts der CSU aufkommt. Der Konservative an sich ist nun einmal kein Revoluzzer.

Von CSU-Chef Seehofer kam denn auch als Reaktion auf das AfD-Ergebnis kein anderer Kommentar als von CDU-Chefin Merkel: Man müsse einfach gut regieren, dann erledige sich das Problem von selbst. Immerhin kann man feststellen, dass die CSU in manchen Kernbereichen konservativer Politik einen klaren Kurs fährt, so etwa bei der Inneren Sicherheit, speziell im Kampf gegen die grenzüberschreitende Kriminalität, die etwa in Brandenburg viele Wähler der AfD zugetrieben hat. Und siehe da, bereits einen Tag nach dem AfD-Erfolg in Thüringen und Brandenburg verabschiedete der CSU-Vorstand einen Sieben-Punkte-Plan zur Flüchtlingspolitik, um etwa auf Italien größeren Druck auszuüben. Von der CDU erwartet man solche Signale vergebens.

Dennoch wird all das wohl nicht genügen, um die AfD-Sympathisanten ins CSU-Lager zurück­zuholen. Die AfD und ihre Wähler müssten ernst genommen werden, fordert der „Konservative Aufbruch“. Dessen Sprecher, Lars Bergen, betont, die Union müsse ihr „konservatives Profil wieder schärfen und so das entstandene selbstverschuldete Vakuum schließen, in das die AfD ohne Gegenwehr vorstößt“. Insofern betrachten sich die Konservativen eben nicht als „Parteirebellen“, wie es vor allem Boulevard-Zeitungen immer wieder reißerisch formulieren, sondern vielmehr als eine Bewegung, die die ganze CSU wieder zu ihren konservativen Wurzeln und Werten zurück­führen will. Anton Heinrich


»Hatif« gescheitert
Aber der Bedarf an Beratung beim Islamismus-Ausstieg ist da

Trotz einer unübersehbaren Radikalisierung von Islamisten in Deutschland steht ein entsprechendes Aussteigerprogramm des Bundesamtes für Verfassungsschutz vor dem Aus. Erst vor vier Jahren gestartet, soll das Programm „Hatif“ (Heraus aus Terrorismus und islamistischem Fanatismus) „zeitnah“ eingestellt werden, wie von der Kölner Behörde unlängst mitgeteilt wurde. Man erreiche „relativ wenige Personen“, so Behördenpräsident Hans-Georg Maaßen. Treffen Medienberichte zu, dann ist dies noch eine sehr freundliche Umschreibung für einen weitgehenden Fehlschlag. Mangels Interesse sollen teilweise über Wochen die Telefone bei der Beratungsstelle stillgestanden haben.

Wie „SWRinfo“ berichtet, stößt die Entscheidung im Verbund der Verfassungsschutzämter trotz des unübersehbaren Akzeptanzproblems auf massive Kritik. Ein Experte aus dem Verfassungsschutzverbund hält die Schließung der Beratungsstelle sogar für einen „Nackenschlag“ für die Deradikalisierungsarbeit. Vor allem wird bemängelt, dass es derzeit weder auf staatlicher noch auf privater Seite eine leistungsfähige Alternative für ausstiegswillige Islamisten gebe.

Zum Verhängnis geworden sein könnte dem Aussteiger-Projekt des Verfassungsschutzes ein Konstruktionsfehler, den Skeptiker gleich von Beginn an moniert haben. Da es sich bei dem Bundesamt um einen Geheimdienst handelt, könnte bei potenziell Interessierten eine erhebliche Hemmschwelle bestanden haben. Ein Bedarf an Beratung scheint nämlich durchaus vorhanden zu sein. „Es sind vor allem die Mütter, die Hilfe suchen. Die Angst ist gewachsen, dass sich die Kinder radikalisieren könnten“, so Claudia Dantschke, die Leiterin des Berliner Projekts „Hayat“.

Dass sich vor allem besorgte Familienangehörige melden, dürfte nicht zuletzt an einer laufenden Ausreisewelle radikalisierter Islamisten in die Krisengebiete Irak und Syrien liegen. Wie die Tageszeitung „Der Westen“ berichtet, sollen allein aus Deutschland in den letzten Monaten rund 400 Personen aufgebrochen sein, um in den Reihen radikaler Milizen in Syrien und im Nordirak zu kämpfen, viele von ihnen sogar in den Reihen des berüchtigten Islamischen Staates (IS). Vor Ort angekommen, nutzt IS die unerfahrenen deutschen Kämpfer oft für Selbstmordattentate und als Kanonenfutter, so die Erkenntnisse in deutschen Sicherheitskreisen. „Nach einer dreiwöchigen Grundausbildung kommen sie an die Front, so dass sie dort kaum eine Überlebenschance haben“, so Burkhard Freier, der Leiter des Verfassungsschutzes in Düsseldorf gegenüber der „FAS“.

Hintergrund dieses Verheizens der aus Deutschland kommenden Dschihad-Krieger könnte ein gravierender Unterschied zwischen dem traditionellen orientalischen Salafisten-Milieu und den europäischen Islamisten sein. Dass die Salafisten-Bewegung vor allem gescheiterte Randfiguren anzieht, sei vor allem ein europäisches Phänomen, so die Erkenntnis des Islamwissenschaftlers Mathias Rohe, der deutsche Sicherheitsbehörden berät. In Deutschland ziehe die Bewegung vor allem Menschen mit niedrigem Bildungsniveau sowie „gewendete Kleinkriminelle“ an. Im Bürgerkriegsland Syrien würden diese „gerne zu Selbstmordattentaten geschickt, weil sie zu sonst nichts gut sind“, so Rohe.

Norman Hanert


MELDUNGEN

2,7 Milliarden für Altlasten

Berlin – Die Treuhandanstalt (THA) und die Bundesanstalt für verei­nigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) haben im Zuge der Überführung des DDR-Volksvermögens ins marktwirtschaftliche System bis Ende 2013 rund 2,7 Milliarden Euro für die Altlastensanierung ausgegeben. Nicht eingeschlossen sind die Ausgaben für Bergbau und Kernkraftwerke. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei hervor. Grundlage der Zahlungen sind rund 15500 von THA und BvS geschlossene Privatisierungsverträge, die eine Altlastenregelung enthielten. Weitergehende statistische Daten wie die Anzahl der von den Privatisierungsverträgen umfassten Grundstücke, deren zukünftige Nutzung und deren Altlasten, kann die Bundesregierung nicht liefern. J.H.

 

Kirche fördert Denkmal-Frevel

Hamburg – Die Evangelische Akademie der Nordkirche hat ein Projekt zur „temporären Installation von Kunstwerken“ an Hamburger Kriegerdenkmälern organisiert. Um „neue Perspektiven auf die Kriegerdenkmäler zu schaffen“ und an den Ausbruch der beiden Weltkriege zu erinnern, haben Kunstschaffende an mehreren Denkmälern massive Wäschestangen gesetzt, daran lange Wäscheleinen befestigt und Bettlaken, Büstenhalter und andere Wäsche aufgehängt. Hinter der Aktion „Weiße Wäsche“ steht die Absicht, „die kriegsverherrlichende Symbolik und Geschichte dieser Denkmäler kritisch zu hinterfragen“. Ein Teil der „Installationen“ wurde jedoch schon in der ersten Nacht von Unbekannten entfernt. Zuvor hatte die Polizei bereits auf Bürgerbeschwerden reagiert und Wäschestücke sichergestellt. Zur „Eigentumssicherung“, wie es offiziell heißt. J.H.


S. 6 Ausland

Balten befürchten Überfremdung
Negative demografische Entwicklung in Estland, Lettland und Litauen: Russen könnten Mehrheit werden

Die drei baltischen Staaten Estland, Litauen und Lettland gelten gemeinhin als Vorbilder für eine erfolgreiche Integration in die Europäische Union. Einerseits hat das Baltikum seit seiner Loslösung aus der Sowjetunion Demokratisierung und Modernisierung erfahren, andererseits haben sich Strukturprobleme gerade wegen der EU-Zugehörigkeit beschleunigt.

Seit der Annexion der Krim durch Russland und dem Bürgerkrieg in der Ukraine haben die drei baltischen Länder verstärkt auf ihre Lage aufmerksam gemacht. Ihre Furcht, dass ihnen Ähnliches widerfahren könnte wie der Ukraine, erhält nicht zuletzt Nahrung aufgrund innerer Strukturprobleme. Besonders eine langjährige Tendenz bereitet den Regierungschefs der Länder Sorge: Die einheimische Bevölkerung schrumpft beständig.

In Litauen ging die Bevölkerungszahl von 3,7 Millionen im Jahr 1989 auf 2,93 Millionen im Juli 2014 zurück, Besonders betroffen vom Bevölkerungsschwund ist Lettland. Hatte das Land 1989 noch 2,7 Millionen Einwohner, so waren es am 1. August 2014 noch 1,99 Millionen. In Estland ist die Situation insgesamt etwas besser als bei den beiden baltischen Nachbarn. Von 1,6 Millionen 1989 sank die Bevölkerung auf etwa 1,3 Millionen Anfang 2014. Diese Tendenz hält seit Jahren an, seit die Balten nach dem Beitritt zum Schengen-Abkommen Reisefreiheit innerhalb der EU und damit die Möglichkeit erhielten, das Land zu verlassen. Viele Balten nutzten die Gelegenheit, in die reichen Länder Westeuropas auszuwandern.

Die EU-Mitgliedschaft der drei Baltenstaaten hat diese Tendenz noch verstärkt. Junge und gut ausgebildete Menschen verlassen ihr Land, weil sie entweder keine oder nur schlecht bezahlte Arbeit in ihren Heimatländern finden. In ihrem Umfeld ist die Lebensqualität schlecht, deshalb suchen sie ihr Glück in einem reichen Land. So ist es vor allem Arbeitsmigration, die junge Menschen nach Großbritannien, Irland, Spanien und nach Deutschland führt.

Im Westen erhalten sie in der Regel sofort Zugang zu den Sozialsystemen: Wenn nötig, erhalten sie Sozialwohnungen, Kindergeld und andere materielle Hilfen.

Die Folge ist eine Entleerung ganzer Städte in der Heimat. Ein Phänomen, das auch bei neuen EU-Beitrittskandidaten wie Rumänien oder Bulgarien zu beobachten ist. Im Baltikum trifft die Migration mit einem Rückgang der Geburtenrate zusammen, was zur Überalterung der baltischen Bevölkerung führt, einhergehend mit einer Belastung für die Wirtschaft dieser Länder.

Auswanderung plus Bevölkerungsschwund tragen nicht gerade zur Verbesserung des Investitionsklimas der baltischen Staaten bei.

Zwar gibt es Landflucht und Urbanisierungserscheinungen in vielen postindustriellen Staaten, die sich von einer Agrar- und Industrie- hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt haben. Deutschland bildet da keine Ausnahme. Der Unterschied zu den baltischen Staaten ist jedoch, dass es kleine Länder sind, deren ethnische Existenz bedroht ist, wenn große Teile ihrer Bevölkerung auswandern.

Allein in Lettland ist in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Schüler auf ein Drittel gesunken. Dieser drastische Rückgang hat auch eine psychologische Auswirkung: Die lettische Kultur steht vor ihrer Auslöschung. Die Zahl der Letten schrumpft drastisch, die verbliebene Bevölkerung veraltet. Mit den Alten sterben Traditionen, die vor allem in den Dörfern gelebt wurden. In Lettland beträgt zudem der Anteil der russischen Bevölkerung zirka ein Drittel.

In Litauen ist die Lage weniger bedrohlich. Vor allem Wilna ist eine prosperierende Stadt, in der vor allem durch den Tourismus viele Arbeitsplätze entstanden sind. Die Stadt profitiert von Einkaufstouristen aus dem benachbarten Weißrussland. In Estland hat sich der demografische Wandel verlangsamt. Der Bevölkerungsrückgang im gesamten Baltikum wird bis 2030 allerdings voraussichtlich jährlich ein bis anderthalb Prozent betragen.

Die größte Sorge bereiten den Balten die slawischen Länder, von denen sie umgeben sind, hier vor allem Russland. Konflikte mit der russischen Minderheit gab es sowohl in Estland, Litauen und Lettland in der Vergangenheit vereinzelt durch russische Nationalisten. Was die Probleme derzeit verschärft, ist der Zuzug von Flüchtlingen aus dem Osten der Ukraine. Im benachbarten Königsberger Gebiet leben seit Januar über 3000 Ukrainer, laut Plänen des russischen Premiers Dmitrij Medwedjew soll die Region bis zu 9000 Flüchtlinge dauerhaft aufnehmen. Insgesamt gibt es Schätzungen, dass Hunderttausende, wenn nicht Millionen die Ukraine verlassen könnten. Da die Einwanderer überwiegend russische Ukrainer sind, befürchten die baltischen Staaten, dass ihnen das gleiche Schicksal drohen könnte wie der Krim. Wenn im Baltikum mehr Russen leben als Einheimische, hätte Putin leichtes Spiel, über prorussische Propaganda Einfluss zu nehmen.

Der Konflikt in der Ukraine wirkt sich also auch auf das Baltikum aus. Wird die massenhafte Auswanderung der Balten nach Westeuropa nicht gestoppt, wird dies zu einem paradoxen Prozess führen: Die Balten wandern aus, zurück bleiben Russen, der demografische Wandel wird beschleunigt. Die Nato-Präsenz wird diese negative Tendenz kaum aufhalten können. M. Rosenthal-Kappi


Für ein polnisches Europa
Tusk und Bienkowska erhalten EU-Schlüsselressorts

Polen wird nach den Plänen von Jean-Claude Juncker mit Elzbieta Bienkowska als Kommissarin für Binnenmarkt und Industrie ein einflussreiches Schlüsselressort in der EU-Kommission erhalten. Noch ungleich mehr bewegen kann allerdings ihr Landsmann Donald Tusk als Nachfolger von Herman Van Rompuy auf dem Posten eines EU-Ratschefs. So wird Tusk künftig an Sitzungen der Euro-Gruppe teilnehmen, obwohl Polen nicht Teil der Währungsunion ist.

Als sicher gilt in Brüssel bereits, dass Tusk seinen Einfluss nutzen wird, um eine EU-Energieunion zu errichten. Bereits als polnischer Regierungschef hatte Tusk recht detaillierte Vorschläge in diese Richtung gemacht. Nach den im April vorgelegten Plänen Warschaus soll die EU im Zuge der Energieunion drei Viertel der Kosten übernehmen, die bei der Schaffung eines länderübergreifenden Pipeline-Netzwerks anfallen. Zudem schwebt Warschau eine „Gas-Solidarität“ in Krisenfällen und beim gemeinsamen Gaseinkauf vor. Dass fast zeitgleich zu der Nominierung Tusks nun aus Warschau Meldungen kommen, Russland habe seine Gaslieferung nach Polen fast halbiert, dürfte den polnischen Plänen in der westlichen Öffentlichkeit Rückenwind verleihen. Wie das Journal „Euractiv“ berichtet, gibt es allerdings selbst in EU-Kreisen Zweifel an der Aufrichtigkeit der polnischen Ambitionen in Sachen Energieunion. So sollen mehrere Länder Warschau verdächtigen, seine eigene Agenda als EU-Politik verkleidet zu verfolgen. Geargwöhnt wird etwa, dass Warschau eine 100-prozentige EU-Finanzierung von Energieprojekten wie Flüssigerdgas-Terminals anstrebe, die der EU-Haushalt bisher nicht hergebe.

Dass von Europa geredet werde, aber tatsächlich der eigene Geldbeutel und mehr Einfluss gemeint seien, ist ein Vorwurf, der in der Vergangenheit immer wieder gegenüber Paris erhoben wurde. Nun scheint inzwischen auch die politische Elite Polens entdeckt zu haben, welche Vorteile die EU bietet. Während das nationalkatholische Gespann der Kaczynski-Zwillinge Brüssel noch als Quertreiber genervt hatte, gibt man sich unter Tusk ganz als Vorzeige-Europäer. Honoriert wird dies von Brüssel nicht nur mit wichtigen Posten, sondern auch mit reichlich Fördermilliarden. Schon in den vergangenen Jahren war Polen der größte Nettoempfänger der EU. Auch bei der Verteilung der Fördermittel im EU-Haushalt 2014 bis 2020 hat es Polen erneut geschafft, sich von allen Ländern den größten Anteil zu ergattern.

Eine völlig neue Qualität könnten die Transferzahlungen erreichen, wenn eine Forderung Realität wird, die der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek unlängst auf einer Veranstaltung in Brüssel präsentiert hat. Nach den Vorstellungen des Polen soll ein 700 Milliarden Euro schwerer Investitionsfonds zur Ankurbelung der schwächelnden Wirtschaft in Europa geschaffen werden. In den Topf sollen alle 28 EU-Länder einzahlen, wobei die jeweiligen nationalen Aufwendungen nicht auf die Gesamtverschuldung angerechnet werden sollen. Basis für den Fonds soll zudem eine gemeinsame Haftung sein. Ohne dass dies explizit auf dem Etikett stünde, wäre damit faktisch ein weiterer Schritt in Richtung Schuldenvergemeinschaftung getan. Sollte Tusk als Ratspräsident solche Pläne forcieren, dürfte ihm die Rückendeckung einer ganzen Reihe von EU-Ländern gewiss sein. Norman Hanert


Ehrlicher Makler
Was Deutschland in und für Afrika sein könnte

Deutschland müsse mehr außenpolitische Verantwortung übernehmen, lautet bereits seit geraumer Zeit das Credo, das parteiübergreifend Politiker wie Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verbindet. Gemeint sind damit verstärkte Hilfsdienste für ehemalige Besatzungsmächte wie Frankreich oder die USA. Dabei bringt die Bundesrepublik weitaus bessere Voraussetzungen mit, auf dem afrikanischen Kontinent etwas im positiven Sinne zu bewegen, als die meisten anderen westlichen Mächte. Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen genießt Deutschland ein hohes Ansehen. Anders als Frankreich und Großbritannien ist Deutschland jedoch kaum durch eine koloniale Vergangenheit belastet. Bereits in mehreren Konflikten haben deutsche Diplomaten bewiesen, dass sie durchaus als neutraler Vermittler akzeptiert werden.

Schaut man darauf, was Berlin mit diesen Trumpfkarten anfängt, sieht man sich enttäuscht. Statt in Anknüpfung an die Bismarcksche Außenpolitik als „ehrlicher Makler“ aufzutreten, beschränkt sich die bundesdeutsche Außenpolitik regelmäßig darauf, sich den meist militärischen Aktionen ehemaliger Besatzungsmächte anzuschließen, wenn es denn nicht passiv beiseitesteht.

Dabei besteht Anlass genug, gerade bei Frankreichs Afrika-Politik auf Distanz zu gehen. Hinlänglich bekannt ist das Resultat des britisch-französischen Eingreifens in Libyen. Zwar wurde der Diktator Muammar al-Gaddafi aus dem Amt gejagt, doch inzwischen ist Libyen ein gescheiterter Staat, von dem islamistischer Terror und Flüchtlingsströme ausgehen. Ein ähnliches Debakel zeichnet sich inzwischen im Fall des französischen Eingreifens in Mali ab. Vor über einem Jahr gab es massive Forderungen, Deutschland solle Frankreich bei seinem militärischen Vorgehen in dem zentralafrikanischen Land doch mehr als nur symbolisch unterstützen.

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, war die hierzulande weitverbreitete Skepsis allerdings durchaus berechtigt. Nach Anfangserfolgen der französischen Truppen ist das Land zwar schnell wieder aus den Schlagzeilen verschwunden, die Bilanz ist mittlerweile aber eine katastrophale. Mali versinkt ungeachtet des Eingreifens französischer Truppen im Chaos und ist von der Teilung bedroht. Drei Viertel des Landes sind mittlerweile wieder unter die Kontrolle der Tuareg-Rebellen geraten, so dass Malis Regierung mit dem Rücken zur Wand steht. Die Franzosen scheinen sich nur noch da­rauf zu beschränken, für sie wichtige Bergbauunternehmen in der Region und die für sie wichtige Uranförderung im angrenzenden Niger zu schützen.

Frankreichs Agieren auf dem schwarzen Kontinent eilt jedoch nicht nur der Ruf notorischer Erfolglosigkeit voraus. „In Afrika herrscht eine weit verbreitete Ablehnung der französischen Präsenz, die von vielen als Versuch gesehen wird, diskreditierte und kostspielige Einsätze – durch die EU und die Vereinten Nationen – zu multilateralisieren“, so die Einschätzung von Forschern des Zentrums für Konfliktlösung in Kapstadt.

Angesichts des Zerfalls von Staaten wie Libyen oder Mali drängt sich die Frage regelrecht auf, wie lange Deutschland auf eine eigene Afrika-Politik noch verzichten will. Steigende Asylzahlen – gerade auch aus dem nordafrikanischen Raum – werden den Handlungsdruck steigen lassen. N.H.


MELDUNGEN

»Eiserne Lady« übernimmt

Warschau – Die bisherige Parlamentspräsidentin Ewa Kopacz wird Nachfolgerin des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk, der als EU-Ratspräsident nach Brüssel wechselt. An der 57-jährigen Vertrauten Tusks scheiden sich indes die Geister. Sie gilt als technokratisch, unbequem, verbissen, perfektionistisch und misanthropisch. Selbst Kritiker bescheinigen der ausgebildeten Kinderärztin und ehemaligen Gesundheitsministerin ein ausgeprägtes Organisationstalent und den Mut, auch unpopuläre Entscheidungen durchzusetzen. Die „kompromisslose Frau mit Charakter“, so ein früherer Abgeordneter, genießt zwar breiten Respekt, ist jedoch nicht allgemein beliebt. Kritiker wie Anhänger bezeichnen sie gern als Polens „Eiserne Lady“. J.H.

 

IS-Kämpfer verlieren Pass

Wien – Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Justizminister Wolfgang Brandstetter und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner wollen militanten Dschihadisten mit doppelter Staatsbürgerschaft den österreichischen Pass entziehen. Dieser Schritt ist Teil eines breiten Maßnahmenpakets zur Bekämpfung islamistischer Gruppen. Zudem planen die ÖVP-Minister eine Verschärfung des Abzeichengesetzes. Diese sieht vor, dass die Symbole und Abzeichen von 19 Organisationen wie IS und Al-Kaida nicht mehr öffentlich gezeigt werden dürfen. Im Zuge des Maßnahmenpakets wird auch der Verhetzungstatbestand ausgeweitet. Künftig soll er schon dann greifen, wenn die Äußerungen vor nur rund zehn Personen getätigt werden. Justizminister Brandstetter erklärte, „mit voller Härte“ gegen Islamisten vorzugehen: „Wer Hass und Gewalt in Österreich sät, wird Gefängnis ernten“. J.H.


S. 7 Wirtschaft

Galileo entwickelt sich zum Steuergrab
Die Suche nach den Ursachen für die falsche Umlaufbahn ihrer Satelliten Sat-5 und Sat-6 hat begonnen

Das europäische Pendant zum US-amerikanischen GPS, das von der EU und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) aufgebaute Satellitennavigationssystem Galileo, hat erneut einen schweren Rückschlag erlitten. Die Ende August im europäischen Weltraumbahnhof Kourou gestartete Sojus-Rakete brachte zwei 40 Millionen Euro teure Satelliten auf eine 6000 Kilometer niedrigere Umlaufbahn als geplant. Nun hat die Fehlersuche begonnen.

Die beiden Satelliten Galileo Sat-5 und Sat-6 sollten eigentlich in eine Erdumlaufbahn in rund 23000 Kilometern Höhe gebracht werden und nach einer Reihe von Tests im Herbst in Be­trieb gehen. Mit dem bordeigenen Treibstoff kann der Zielorbit nunmehr nicht mehr er­reicht werden. Als am wahrscheinlichsten gilt ein Problem mit der Fregat-Oberstufe, die bisher als sehr zuverlässig galt und bei 47 Starts seit dem Jahr 2000 nur zwei komplette Fehlschläge zu verzeichnen hat. Der nun von der EU-Kommission einberufene Untersuchungsausschuss wird von dem ehemaligen ESA-Generalinspektor Peter Dubock geleitet. Obwohl die Sojus und die Fregat russische Produkte sind, ist kein Russe Mitglied des Ausschusses, jedoch unterhält der Ausschuss Kontakte zu der russischen Herstellerfirma und der dortigen Untersuchungskommission.

Obwohl die Raumfahrt inzwischen Routine und der Satellitenmarkt ein Milliardengeschäft ist, können bei einzelnen Missionen überraschende Probleme auftreten. 2011 schlugen gleich zwei Sojus-Starts fehl, von denen eine einen Militärsatelliten und die andere Fracht zur Internationalen Raumstation (ISS) transportieren sollte. Im März 2014 konnte eine Kapsel mit drei Raumfahrern aus Russland und den USA wegen einer Computerpanne im Navigationssystem kurzfristig nicht an der ISS andocken.

Das Galileo-Navigationssystem soll einmal aus 30 Satelliten bestehen und mit seinen metergenauen Ortungen zu dem US-System GPS sowie dem russischen Glonass in Konkurrenz treten. Die angebotenen Dienste umfassen Navigationsleistungen für Autofahrer, Erntehilfe für Landwirte, Hilfe für Piloten beim Landeanflug und Navigation für Rettungsdienste. Eine derartige Genauigkeit ist besonders wichtig, wenn es um die Sicherheit von Menschen geht. Bereits heute verbessert das europäische Egnos-System, eine Art Galileo-Vorläufer, die Signale der US-amerikanischen GPS-Satelliten auf mehr als 80 Flughäfen. Vor allem die angestrebte europäische Unabhängigkeit vom GPS führte anfänglich zu Streit. 2004 gab die EU der Forderung der USA nach und verzichtete auf Frequenzbereiche für Galileo, die vom US-Militär genutzt werden. Im Gegenzug verzichteten die USA auf ein Vetorecht gegen eine Weiterentwicklung von Galileo.

Doch auch hausgemachte Probleme bereiten den Galileo-Verantwortlichen Sorge. Vor allem Streitigkeiten um Zuständigkeiten zwischen den Partnerländern und Kosten trugen zu einer jahrelangen Verzögerung bei. Als Wirtschaftsprojekt war Galileo von der EU-Kommission derart schlecht gemanagt worden, dass sich keine privatwirtschaftliche Lösung fand. 2007 scheiterte das von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot per „Zwangsfusion“ entstandene Industriekonsortium an den vagen Vorgaben und dem risikobehafteten Geschäftsmodell. Der damalige EADS-Co-Vorstandsvorsitzende Thomas Enders kritisierte, dass er noch nie ein Projekt erlebt habe, dass so stark politisch geprägt sei wie Galileo. Die EU entschied deshalb, das Projekt in Eigenregie durchzuführen. Warnungen, wie die des SPD-Europaabgeordneten Ulrich Stockmann, dass dieses „Fiasko“ den Steuerzahler weit mehr als drei Milliarden Euro kosten werde, wurden ignoriert.

Inzwischen ist klar, dass Galileo keineswegs den erhofften Geldsegen bringt und einen zweistelligen Milliardenbetrag kostet. Bereits von 2007 bis 2013 wurden Ausgaben von rund vier Milliarden Euro getätigt. Weitere 6,3 Milliarden sind bis 2020 für den Ausbau und Betrieb von Galileo und Egnos vorgesehen. Alleine für die Lieferung der ersten 14 OHB-Satelliten bezahlt die EU 566 Millionen Euro. Unklar ist, ob die Nachfrage nach den kostenpflichtigen Diensten die laufenden Kosten von 800 Millionen Euro pro Jahr deckt, obwohl das Weltmarktvolumen für Satellitennavigationsanwendungen in den letzten Jahren um 30 Prozent stieg und auf 240 Milliarden Euro im Jahr 2020 geschätzt wird.

Die für die Gesamtkoordination des Programms verantwortliche EU-Kommission in Brüssel gibt sich weiterhin optimistisch. Das Projekt stehe durch die erneute Panne nicht infrage, betonte Industriekommissar Ferdinando Nelli Feroci. Dafür sei es strategisch zu wichtig, weil heute schätzungsweise an die sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts der entwickelten Länder von Satellitenleistungen abhingen. Er sei zuversichtlich, dass die Ausbringung der Satelliten nun wie geplant weitergehe, erklärte der Italiener.

Nach bisheriger Einschätzung des Europäischen Raumflugkontrollzentrums (ESOC) der ESA in Darmstadt sind Galileo Sat-5 und Sat-6 unter Kontrolle. Auf ihrer jetzigen Umlaufbahn sind sie jedoch nutzlos. Damit verschiebt sich die Inbetriebnahme der ersten Dienste ständig weiter in die Zukunft. Ursprünglich ging die EU-Kommission von 2008 beziehungsweise 2010 aus. Die jetzige Panne stellt den neuen Termin 2015 infrage. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen sind Zweifel an einem vollständigen Ausbau und der technischen Weiterentwick­lung des Galileo-Systems bis 2018/19 angebracht. Ulrich Blode


Von wegen unbeabsichtigt
Die USA betreiben in Deutschland gezielte Wirtschaftsspionage

Inzwischen bröckelt auch die letzte Verteidigungslinie Wa-shingtons in Sachen Wirtschaftsspionage: die Behauptung, man würde im Ausland zwar auch Wirtschaftsgeheimnisse abschöpfen, diese aber – im Gegensatz etwa zu China – nicht an eigene Unternehmen weitergeben. Ein Dokument aus dem April 2009, dass der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald nun auf der Internetseite „Intercept“ veröffentlicht hat, scheint auf das genaue Gegenteil hinzudeuten. In dem ebenfalls zu den Snowden-Papieren gehörenden Dokument warnte die NSA davor, dass ausländische Konkurrenten US-Unternehmen technologisch ausstechen könnten. Als Schlussfolgerung kam die NSA zu der Erkenntnis, dass man zur Abhilfe ausländische Innovationszentren ausspionieren müsse.

Tatsächlich hätte es dieser jüngsten Veröffentlichung nicht einmal bedurft, um einen Beleg dafür zu haben, dass Spionageergebnisse der NSA auch bei US-Unternehmen landen. Wie bereits vor einiger Zeit ebenfalls durch die Snowden-Papiere bekannt wurde, ist ausgerechnet ein deutsches Unternehmen, die Essener Firma Ferrostahl, durch die NSA ausspioniert worden und hat als Folge im Jahr 2003 einen 34-Millionen-Dollar-Auftrag an einen US-Konkurrenten verloren. In Nigeria hatte sich Ferrostahl um einen Großauftrag für Funküberwachungssysteme beworben und gute Chancen gehabt, den Zu­schlag zu erhalten. Die nigerianische Regierung favorisierte die Deutschen, bis sich die örtliche US-Botschaft einschaltete. Diese ließ „alle Details des deutschen Angebots abfischen, wie Preis, Kredithöhe, Zinssätze und Laufzeit. Die Daten schickte sie an die US-Regierung. Auch einen Brief des Ferrostaal-Managers an den nigerianischen Präsidenten haben sich die Amerikaner besorgt sowie Geheimunterlagen der Nigerianer“, so die Zeitung „Der Westen“. Das Ergebnis war, dass der Auftrag für Ferrostahl verloren ging und der US-Konkurrent den Zuschlag erhielt.

Wie solche Industriespionage ganz konkret abgewickelt wird, haben Recherchen des ZDF-Magazins „Frontal21“ zutage gefördert. Demzufolge haben sich die „Advocacy Center“ an US-Botschaften und Generalkonsulaten als Schnittstellen zwischen Geheimdiensten und Privatunternehmen herausgestellt. Per Formular können US-Unternehmen dort die Unterstützung ihrer Regierung auf den jeweiligen Exportmärkten beantragen. Nach Erkenntnissen des Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom fragen die Advocacy Center in ihren Formularen, die sie den an Exporthilfeinteressierten US-Unternehmen vorlegen, ge­zielt nach wirtschaftsspionagerelevanten Angaben. So werden Details über Konkurrenten abgefragt wie etwa die Namen der zuständigen Manager bei den ausländischen Konkurrenzunternehmen. Vom Observieren bis hin zum Abhören haben die US-Nachrichtendienste dann viele Möglichkeiten, dem US-amerikanischen Unternehmen Informationen über seine nicht-US-amerikanischen Konkurrenten zu­kommen zu lassen.

Norman Hanert


Sündenbock Deutschland
Wie Italiens politische Kaste die Wirtschaftskrise erklärt

Ein kürzlich in der Nähe von Mailand abgehaltenes Wirtschaftsseminar hat erneut vorgeführt, was in der italienischen Politik mittlerweile parteiübergreifender Konsens zu sein scheint. Deutschland wird die Schuld an der ökonomischen Krise in der EU und vor allem an der anhaltenden Misere Italiens gegeben. Bei den geladenen Romano Prodi und Mario Monti – beide ehemalige italienische Ministerpräsidenten und frühere Mitglieder der EU-Kommission – herrschte Einigkeit, dass das deutsche Nein zu mehr kreditfinanzierten Investitionen für die schwache Wirtschaftsentwicklung in Europa verantwortlich sei. Nach Ansicht Prodis sei es eine Frage der europäischen Solidarität, dass Deutschland für Wachstum sorgen müsse – Italien habe schließlich bei der deutschen Wiedervereinigung „geholfen und damit seine Pflicht getan und wegen des innerdeutschen Wechselkurses eins zu eins jahrelang unter hohen Zinssätzen leiden müssen“.

Diese Sichtweise, wonach Deutschland Schuld an der anhaltend schlechten Wirtschaftslage Italiens trägt, ist unter den Politikern des Landes weit verbreitet. Unter den Parteien herrscht eine bemerkenswerte Einigkeit, dass Arbeitslosigkeit und Rezession in Italien auf das Konto einer von der EU auf Geheiß Deutschland aufgezwungenen Haushaltssanierung gingen. Kaum ein Thema sind die hohen privaten Nettovermögen in Italien, der immense Besitz des italienischen Staates an Unternehmen und Immobilien oder der enorme Geldbedarf der Politiker-Kaste.

So ist Silvio Berlusconis Forza Italia im vergangenen Jahr mit den Worten „Più Italia, meno Germania“ (Mehr Italien, weniger Deutschland) im Wahlkampf auf Stimmenfang gegangen. Der links-anarchistische Beppe Grillo (Bewegung Fünf Sterne) hat sogar mit Aussagen wie „Italien hat seine Seele dem ,teutonischen Teufel‘ verkauft“ bei Italiens Wählern punkten wollen. Zu befürchten ist, dass solche Schuldzuweisungen und damit begründete Forderungen an Berlin in nächster Zeit wieder öfter zu hören sind. Wie Ministerpräsident Matteo Renzi (Partito Democratico) vor Kurzem eingestehen musste, wird in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum in Italien weitgehend ausbleiben. Bisher hatte die Regierung in Rom den Eindruck erweckt, dass für das laufende Jahr mit einem leichten Plus von 0,8 Prozent zu rechnen sei.

Für Renzi, der im Februar als Hoffnungsträger mit dem Versprechen angetreten war, durch Reformen die Konjunktur wieder in Schwung zu bringen, ist diese Entwicklung ein herber Rück­schlag. Ausgeblieben ist bisher ebenso ein Erfolg bei Renzis Bemühungen, während der italienischen EU-Ratspräsidentschaft eine Lockerung der Sparauflagen zu erreichen. Entsprechend gereizt ist inzwischen der Ton: „Von Europa erwarten wir uns also keine Belehrungen, sondern die 300 Milliarden an Investitionen“, die der neue Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker versprochen habe, so Renzi in forschem Ton kurz vor einem Treffen der Euro-Finanzminister in Mailand. N.H.


MELDUNGEN

Strom: Privatleute zahlen viel mehr

Berlin – Der Strompreis für Privatverbraucher ist seit 2008 um 38 Prozent gestiegen, wie die Bundesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen mitteilte. Der Preis pro Kilowattstunde stieg demnach von 21,4 auf über 29 Cent. Die energieintensive Industrie musste dank hoher Rabatte eine Preissteigerung von lediglich einem Prozent hinnehmen, während die übrige Industrie 13 bis 15 Prozent mehr zahlen musste. J.H.

 

Junge Firmen immer wichtiger

Berlin – Junge Unternehmen werden immer wichtiger für die deutsche Wirtschaft. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilt, wollen sie in den nächsten zwölf Monaten im Schnitt zehn neue Mitarbeiter einstellen. Grund für den positiven Trend sei, dass mehr als die Hälfte der jungen Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 250000 Euro erwirtschaftet habe. J.H.

 

Waffen zählen als Investitionen

Brüssel – Rüstungsausgaben werden laut einem Bericht des „Spiegel“ seit dem 1. September in der EU grundsätzlich zu den Investitionen gezählt. Verantwortlich dafür ist eine Änderung des „Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen“ (ESVG). Bis dahin hatten nur solche Rüstungsausgaben als Investitionen verbucht werden können, die sich theoretisch auch zivil nutzen lassen, etwa ein neuer Marinehafen. Nun aber zählen alle Waffen und Rüstungsgüter als Investitionen, sofern sie denn länger als ein Jahr verwendet werden. Ebenfalls seit dem 1. September können auch Forschungs- und Entwicklungsausgaben statistisch als Investitionen verbucht werden. N.H.


S. 8 Forum

Es geht auch ohne
von Jan Heitmann

Ein großes Gipfeltreffen hatte Frankreichs Präsident Fran­çois Hollande angekündigt, doch geworden ist aus der Konferenz gegen die Terrororganisation IS nur ein Treffen der Außenminister. Herausgekommen ist dabei außer der Erklärung, sich bei einem Vorgehen gegen den IS an internationales Recht zu halten, wenig. Da waren einige Bündnispartner beim letzten Nato-Gipfel in Wales schon weiter und haben eine von den USA dominierte Anti-Terror-Allianz geschmiedet. Die will angesichts des mörderischen islamistischen Terrors, der leicht vom Irak und Syrien nach Europa und in die USA überschwappen kann, nicht auf ein UN-Mandat warten, das wegen der Haltung der beiden Veto-Mächte Russland und China ohnehin nicht wahrscheinlich ist. Und von OSZE und EU ist in dieser Sache erst gar nichts Brauchbares zu hören.

Somit werden die USA und ihre Mitstreiter die Stellungen und Rückzugsgebiete des IS in Syrien wohl ohne UN-Mandat und damit unter Bruch des Völkerrechts angreifen müssen. Wenn es wirklich darauf ankommt, ist auf die internationalen Organisationen eben kaum Verlass. Dann ist doch wieder die einzelstaatliche Initiative gefragt.


Zonenrandgebiete
von Manuela Rosenthal-Kappi

Angesichts der Erfahrungen, welche die baltischen Staaten im Laufe der Geschichte machen mussten, ist es verständlich, dass sie auf die Annexion der Krim durch Russland mit besonderer Ablehnung reagieren und lang gehegte Ängste neue Nahrung bekommen. Dass die Nato ihre Präsenz angesichts ihres Bedeutungsverlusts in den vergangenen Jahren erhöht, ist auch nachvollziehbar.

Allerdings sollten die Balten sich weder von Polen in eine Anti-Russland-Hysterie treiben, noch sich dazu verleiten lassen, an der deutschen Haltung gegen-über Russland herumzumäkeln. Mal ehrlich: Wie soll denn die EU, allen voran Deutschland, allen ihren Verpflichtungen nachkommen können, wenn bestehende Handelsverträge mit den Russen auf Eis gelegt oder ganz gestrichen werden? Und was würden die Balten sagen, wenn ihnen die finanzielle Unterstützung aus Brüssel nicht mehr in dem Maße zuflösse, wie sie es benötigen?

Die baltischen Staaten sind selbst wirtschaftlich eng mit Russland verbunden. Besonders Litauen bezieht den größten Teil seines Energiebedarfs vom großen Nachbarn. Die Hafenstadt Riga könnte ohne russischen Warenverkehr kaum existieren. Die drei baltischen Länder könnten das gleiche Schicksal erleiden wie damals die Zonenrandgebiete in Deutschland, als ganze Regionen verwaisten. Einige, zum Beispiel der Kreis Lüchow-Dannenberg, haben sich bis heute nicht davon erholt. Wenn Russen ein Gebiet besiedeln würden, das von seinen Bewohnern verlassen wurde, weil die sich im reichen Westen wohler fühlen, wäre es denen dann zu verübeln?


FDP – kaum noch zu retten
von Hans Heckel

Totgesagte leben länger, das mag stimmen. Doch irgendwann ereilt das Ende auch sie. Für die FDP scheint der Weg in die Ewigen Jagdgründe nunmehr unabwendbar.

Die derzeitige Krise ist mit früheren nicht zu vergleichen. Vergangene Einbrüche der FDP währten viel kürzer, waren schnell überstanden. Die jetzige Agonie aber dauert schon vier Jahre, da setzt sich das Bild der abgängigen Partei irgendwann fest. Und einen Leichnam mag kaum mehr jemand wählen.

Entscheidend für den Erfolg einer Partei sind drei Faktoren: Ihr Programm, ihre Ausstrahlung (zumal des Personals) und die Frage, ob es naheliegende Alternativen gibt, zu denen die Wähler bei Unbehagen ausweichen können.

Zunächst zum programmatischen Profil der Freien Demokraten: Sie sind die Partei der persönlichen Freiheit, von Bürgerrecht, Privateigentum und Demokratie. Viele deutsche Anhänger der Idee des Liberalismus sehen im Euro eine Gefährdung des Privateigentums, im EU-Zentralismus eine Bedrohung der Demokratie und in beidem daher eine Attacke auf ihre Rechte und Freiheiten.

Die FDP-Führung hat solche Befürchtungen nicht nur nie ernstgenommen. Sie hat sogar jene, die solche Bedenken vorbrachten, verhöhnt oder polemisch attackiert, auch in den eigenen Reihen. Eine offene Debatte über den Sinn des Euro oder den Grad der europäischen Integration hat es in der FDP nie gegeben. Die Linie schien wie von einer höheren Macht vorgezeichnet zu sein und wurde verbissen durchgepeitscht. Das hat eine große Zahl liberal Denkender abgestoßen.

In der Führung dominierten seit Guido Westerwelles Aufstieg zum Parteichef 2001 Persönlichkeiten, die den Eindruck erweckten, als ob eine Ju­gendorganisation ihre Parteizentrale gekapert hätte. Was Westerwelle als „frischen Stil“ verstand, empfanden viele Deutsche als reine Infantilisierung der FDP, was unter seinem Nachfolger Philipp Rösler nicht im Mindesten besser wurde.

Schließlich die Alternative: Immer wieder stärkten marktliberale Unionsanhänger der FDP den Rücken, weil ihnen CDU und CSU zu „sozialdemokratisch“ geworden sind. Kurioserweise stammten sie oft vom rechten Flügel der Unionswählerschaft, sahen aber neben der FDP keine wirklich marktwirtschaftliche Partei. Mit der AfD haben die von der „sozialdemokratischen“ Uni­on enttäuschten Bürger eine neue Möglichkeit gefunden, die vielen von ihnen deutlich besser schmecken dürfte als die FDP. Und die Rolle als reiner Mehrheitsbeschaffer, die ist ohnehin überflüssig geworden im heutigen deutschen Parteienspektrum.

An alldem kann der verzweifelt kämpfende Parteichef Christian Lindner kaum noch etwas ändern. Alles andere wäre ein Wunder. Wahrscheinlich ist eher, dass er als tragische Figur in die Geschichte eingeht, als derjenige, der das Licht ausmacht.


Frei gedacht
Wer sein Kind liebt, geht in den Knast
von Eva Herman

Es fällt nicht leicht, die folgende Geschichte, die sich derzeit mitten in Deutschland abspielt, ohne Emotionen zu schildern. Ich will es dennoch versuchen, damit sich jeder unbeeinflusst seine Meinung bilden kann. In Nordrhein-Westfalen wird in den nächsten Tagen eine Mehrfach-Mutter in Erzwingungshaft genommen. Die Behörden wollen so die Zahlung eines Bußgeldes durchsetzen. Bußgeld für was? Der zwölfjährige Sohn wollte nicht am Sexualkundeunterricht teilnehmen. Dass die Frau derzeit einen Säugling stillt, stört das Amt auch nicht: Das Urteil ist gefällt.

Elisabeth Thiessen und ihr Mann warten auf das Klingeln. Sie wissen, dass mit den Behörden nicht zu spaßen ist. Sie wissen auch, dass die Beamten die Frau abholen, dass sie die nächste Zeit im Gefängnis, unter Betrügerinnen und Drogenabhängigen, sitzen wird. Und dass der Vater dann zuhause allein ist mit den kleinen Kindern und dem Baby. Das „ungeheure Vergehen“ scheint den Staatsbeamten das alles wert zu sein. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hatte die Frau ihren Sohn und dessen Intimsphäre zu schützen gesucht: Der Junge hatte die Eltern und die Lehrer seiner Schule in Salzkotten gebeten, dem Sexualkundeunterricht fernbleiben zu dürfen. Der Aufklärungsstoff war ihm einfach zu viel. Die Eltern gaben ihre Erlaubnis, doch weder die Lehrer noch der Rektor zeigten Verständnis. So wurden Staatsanwaltschaft und Gericht eingeschaltet, die zuständigen Richter beharrten auf dem Bußgeld, jetzt geht die Frau in den Knast.

Die Eltern zahlen aus Prinzip nicht, warum sollten sie auch? Mit dem Sexualkundeunterricht sind sie ja überhaupt nicht einverstanden. Warum lässt man den Jungen nicht einfach fernbleiben, lässt ihn stattdessen beispielsweise Mathe oder Deutsch lernen in den vorgesehenen Unterrichtsstunden? Wen würde das stören? Wer trüge einen Schaden? Wo bleibt die Menschlichkeit? Warum müssen heutzutage alle Kinder schulisch sexualisiert werden? Viele Fragen, keine Antworten.

Es ist nicht der erste Fall in Salzkotten. Schon mehrmals wurden Väter oder Mütter eingesperrt, weil sie die Kinder nicht zur Sexaufklärung schickten, jedes Mal trafen sie die Entscheidung aus moralisch-sittlichen Gründen. Bei Zahlung des Bußgeldes würden sie ja in das System einwilligen, das sie in Wahrheit ablehnen. Bis zu sechs Wochen dauerten die Gefängnisaufenthalte der Mütter oder Väter deswegen schon.

Man muss wissen, dass es sich stets um eine Ermessensfrage der Behörden handelt. Ermessen oder Willkür? Die Beugehaft soll sogar unterbleiben, wenn die Eintreibung des Bußgeldes auf diese Weise nicht erzielt werden kann. In entsprechenden Fällen haben sich Eltern, selbst bei einer Erzwingungshaft über einen Monat hinaus – so auch der Vater des Jungen –, nicht bewegen lassen, das Bußgeld zu zahlen. Auch die Mutter versicherte, dass sie aus besagten Gründen nicht zahlen werde.

Der Fall ist umso pikanter, als Elisabeth Thiessen ihr kleinstes Kind derzeit noch stillt. „Gestillt zu werden ist ein Menschenrecht. Jedes Kind hat ein Recht auf Muttermilch, jede Mutter hat ein Recht, ihr Kind zu stillen.“ Das sind Grundsätze der Weltgesundheitsorganisation (WHO), mit denen sich jede Mutter, jeder Vater, und natürlich auch jeder Richter dieser Welt auseinanderzusetzen hat. Aber Menschenrechte für Kinder spielen offenbar keine Rolle mehr in unserer Gesellschaft. Was heißt das im Klartext? Richtig, die Mutter wird abstillen müssen. Wer sich mit dem Thema Muttermilch für die seelische und körperliche Gesundheit der Kinder je beschäftigt hat, der weiß, was diesem Kind verloren geht. Was soll hier eigentlich entschieden, was soll bewiesen werden?

Es geschieht also nicht zum ersten Mal, dass Eltern in Nordrhein-Westfalen wegen des Sexualkundeunterrichtsausschlusses ihrer Kinder ins Gefängnis müssen. Mehrfach schon wurden Mütter und auch Väter eingesperrt. Die christlichen Familien, die stets aus Glaubensgründen entschieden, wurden gar wiederholt zur Erzwingungshaft verurteilt, nachdem sie Bußgelder nicht bezahlt hatten. Einige Frauen waren schon zum zweiten Mal im Gefängnis. Zuvor hatte man ihre Ehemänner eingesperrt. Der Begriff Bußgeld erhält hier übrigens eine besondere Bedeutung, denn die Eltern weigern sich ausdrücklich, Buße zu tun für etwas, was ihnen ihr Gewissen doch anders vorgibt. Weitere Verfahren stehen noch an, in denen sie mit zusätzlichen Erzwingungshaftverordnungen bedroht werden, denn auch die nach­rückenden Kinder werden von den Eltern nicht zum Sexualkundeunterricht geschickt werden.

Dem Staat passt so viel Eigenständigkeit von Eltern nicht. Er greift ein. Er zeigt den Unbeugsamen, wo der Hammer hängt: So wurden die Geldbußen in den letzten Jahren ständig erhöht. In einem Fall stieg die Geldstrafe innerhalb von zwei Jahren von einst 250 Euro auf inzwischen 1000 Euro. Auch die Anzahl der Gefängnistage wächst: Bei einigen Familien, in denen die Mütter bereits mehrfach inhaftiert worden waren, müssen nun wieder die Väter ran; sie kommen aber nicht mehr mit einer Woche Haft aus, sondern in drei Fällen wurden jetzt Erzwingungsstrafen von 20 beziehungsweise 40 Tagen angeordnet!

Wohlgemerkt: Hier ist nicht etwa die Rede von einem generellen Fernhalten der Kinder von der Schule. Sondern es geht um einzelne Schulstunden, einige Sachkundeunterrichtsstunden, die für das Thema Sexualaufklärung vorgesehen sind.

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (international) ist übrigens unter anderem festgelegt: „Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.“ Der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte legt in Artikel 23 fest: „Die Familie ist die natürliche Kernzelle der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.“ Es gilt vor allem und stets zudem eine besondere Schutzbedürftigkeit für Mütter!

Deutschland 2014: Das Kindeswohl scheint unsere Gerichte nicht mehr zu interessieren. Das Wohl der Familie hat ebenso wenig Priorität. Kleine Kinder müssen am Sexualkundeunterricht teilnehmen! Aus! Basta! Und die Allerkleinsten werden vielerorts schon im Kindergarten mit dem berühmten „Sexkoffer“ aufgeklärt: Plüschvagina und Gummi-Penis erklären ihnen spielerisch, wie sie einst selbst überhaupt zustande gekommen sind. Das ist heute! Das ist unsere Gesellschaft! Das ist Deutschland!

Arme Kinder. Arme Zukunft. Armes Deutschland!

Die deutschen Medien berichten so gut wie nicht über diesen Fall.

Sollen wir eigentlich wirklich immer alles hinnehmen? Oder was könnten wir jetzt tun?

Gegen die vorgesehene Erzwingungshaft kann Protest eingelegt werden bei den nachstehenden deutschen Behörden, jeder kann mitmachen:

Polizeistation Salzkotten, E-Mail: Bezirksdienst.Salzkotten@polizei.nrw.de

Kreispolizeibehörde Paderborn, E-Mail: Wache.Paderborn@polizei.nrw.de

Staatsanwaltschaft Detmold, z.H. Herrn Achim Walter, Leitender Oberstaatsanwalt, E-Mail: poststelle@sta-detmold.nrw.de

Amtsgericht Detmold, z.H. Herrn Direktor Michael Wölfinger, E-Mail: Poststelle@ag-detmold.nrw.de

Justizminister von NRW, z.H. Herrn Justizminister Thomas Kutschaty, E-Mail: poststelle@jm.nrw.de


S. 9 Kultur

Einfach »irre«
Wie in den Goldenen Zwanzigern − Berliner Varieté Wintergarten kultiviert das Fremdartige und Sonderbare

Das Varieté Wintergarten ist eine Berliner Kultur-Institution, die schon in der Kaiserzeit weltweit berühmt war. Aktuell faszinieren Akrobaten, Tänzer und Musiker mit dem Programm „Der helle Wahnsinn“.

Wer mit dem Pariser Nachtzug Berlin erreicht, der kann die beiden kontinentalen Metropolen unmittelbar vergleichen. Berlin ist dabei in vielerlei Hinsicht noch überraschender, noch lebendiger. Denn von allen europäischen Hauptstädten wirkt die deutsche am wenigsten museal. Sie lockt die Touristen aus aller Welt überwiegend durch ihre heutige kulturell anziehende Atmosphäre an und nicht wegen der Reminiszenz an eine Vergangenheit.

Anders als andere deutsche Städte mit mittelalterlichem Ur­sprung war die Reichshauptstadt Berlin zur Zeit ihrer Kriegszerstörung noch relativ jung. Deshalb konnte sie wenigstens noch so manches von ihrer typischen Aura erhalten. Durch die frühere Teilung hat sie den nach dem Krieg erhaltenen Restbestand in einer Art Wachkoma mit künstlicher Nahrungszufuhr lange Zeit konserviert.

Nach der Wiedervereinigung konnte der moderne Mythos der Millionenstadt dann wiedererstehen. Manche Einrichtungen waren schon vor 1945 in der rasant gewachsenen Stadt nur grandiose Provisorien. Zu den Landflüchtigen aus der deutschen Provinz kam der Zustrom von Emigranten aus aller Welt, der sich zusätzlich verwirrend über die kulturelle Instabilität der Zwischenkriegsjahre legte. Daraus entstand dann die Legende von den Goldenen Zwanzigern. Mit der neuen Berliner Republik hat sich jetzt wieder das Gefühl der Instabilität erneuert. Ein Anzeichen dafür ist auch der Aufschwung der Halbweltvergnügung des Varietés.

Das Wintergarten-Varieté an der Potsdamer Straße versprüht diesen Geist der Zeit. Es lebt vom großen Ruf der Vergangenheit wie auch ebenso von der Tatsache, dass die Stadt heute Künstler und Gaukler und talentierte Straßenmusikanten von überallher an­lockt. Die Lieder des neuen Programms „Der helle Wahnsinn“ wurden zum Beispiel vom Pianisten und Sänger Jack Woodhead aus Manchester und dem jungen spanischen Tänzer David Pereira geschrieben und komponiert. Die beiden haben eine Brücke in die Vergangenheit geschlagen. Die Handlung spielt 1947 in einer Berliner Nervenheilanstalt. Alle Formen krankhaften Verhaltens sind dort anzutreffen. Es ist eine Versammlung von gefährlichen und gefährdeten Käuzen. Nach der Entlassung aus den Lagern der Nationalsozialisten sind sie jetzt in eine geschlossene Anstalt überstellt. Eine im wahrsten Sinn „verrückte“ Rückbindung ergibt sich daraus, dass in dieser Irrenanstalt auf der Varietébühne des Wintergartens nun von den Insassen ihrerseits wiederum Theater gespielt wird. Grund: Der einflussreiche US-amerikanische Impresario Mr. Wonderland möge sie mit ihrer Revue im Stil der 20er Jahre entdecken und mit in die Neue Welt nehmen.

Die schrillen Töne und die Laszivität sind hier am rechten Ort. Auf harmlose Weise zielt das Varieté üblicherweise auf Unterhaltung und Zerstreuung ab. Wenn ihm von manchen Kritikern hinsichtlich des Multikulti-Treibens auf der Bühne einen gewissen Toleranzgedanken und damit volkserzieherische Absichten untergeschoben werden, wie sie Fried­rich Schiller für das dramatische Theater im Sinne hatte, so liegen dem allenfalls Marketingabsichten zugrunde. Während auf den modernen Theaterbühnen mit Frivolitäten der Niedergang tradierter Formen betrieben wird, bemüht sich das Varieté jetzt um die Darstellung des Ab­seitigen als Sinnbild der modernen sozialen und kulturellen Vielfalt.

Für beide Theaterformen sind diese Absichten selbstmörderisch. „Dem Staunen gewidmet“, prangt in Goldbuchstaben in dem himmelblauen Oval im Vestibül des neuen Wintergartens anstelle eines Deckengemäldes. Zum Staunen ist aber nur etwas Normabweichendes, Fremdartiges und Sonderbares. Sobald es zum Leitbild wird, ist es mit dem Staunen darüber vorbei.

Doch das Publikum ist klüger und genießt einfach die leichte Unterhaltung, die Akrobatik und Körperbeherrschung. Die Körpersprache dieser „Geisteskranken“ ist auch Ausdruck ihrer sonstigen Sprachlosigkeit. Das Publikum selbst wird schließlich doch ganz sprachlos vor Staunen angesichts der raffinierten Nummern der Artisten.

Das legendäre Urbild des Wintergartens entstand mit dem ersten großen Aufschwung der Hauptstadt. Mit dem Central-Ho­tel auf der Fried­richstraße eröffnete 1880 ein „Jardin de Plaisanterie“, also ein „Scherzgarten“, für dessen Gäste. Auf 2000 Quadratmetern er­streck­te sich seinerzeit ein Wintergarten mit Palmen und Lianen. Zwischen Fontänen und Grotten wurde getafelt und flaniert. Hier fanden Konzerte und Bälle statt.

Da die Bühne dazu einlud, wurde bald auch Theater im Wintergarten ge­spielt. Ab 1888 wurde die Wintergarten-Varietébühne mit ihrem leicht frivolen Programm weltweit bekannt.

Zur Berliner Lokalgeschichte des Wintergartens gehören auch die Auftritte der Chansonnette Claire Waldoff und des Coupletsängers Otto Reutter. 1895 führen die Brüder Skladanowsky zum ersten Mal die Neuerfindung ihres Cinematografen vor. Im Hollywoodfilm „Helden der Arena“ von 1963 sucht der Zirkusdirektor Masters alias John Wayne während einer Gastspielreise durch Europa die Mutter seiner Pflegetochter. Eine Einstellung zeigt eine Hochseilnummer im nachgestellten „Wintergarten Berlin“. Das Lokal repräsentiert im Film die große Welt der Schaustellung um 1900.

Das Varieté war eine der wichtigsten Spielstätten für die Weltstars jener Zeit, Hier erlebte man den Entfesselungskünstler Houdini, den Jongleur Rastrelli oder die Clowns Rivel und Crock. In wandhohen Vitrinen zu beiden Seiten der Bühne sind heute die Originalrequisiten von einigen dieser Granden der Zirkuskunst eingelassen. Sie stammen aus der Sammlung des Zirkusdirektors Bernhard Paul, der gemeinsam mit dem Zirkus-Roncalli-Mitgründer André Heller den Berliner Wintergarten wieder aufleben ließ.

Das ursprüngliche Gebäude in der Stadtmitte wurde im Juni 1944 ausgebombt. Der Neuanfang eines Kino-Varietés mit gleichem Namen in der Hasenheide un­mittelbar nach Kriegsende währte nur bis 1955. Doch die Erinnerung an den le­gendären Namen erlosch nie. Mit dem ehemaligen Rockschuppen „Quartier Latin“ an der Potsdamer Straße wurde dann fast 40 Jahre später ein passendes Lokal gefunden.

Am 25. September 1992 eröffnete der neue Wintergarten mit 500 Plätzen. 2009 endete der Spielbetrieb vorübergehend. Der Vermieter des Ge­bäudes erwarb sowohl Einrichtung als auch Marke des Wintergartens und betrieb diesen zunächst nur mit Gastspielen weiter. Nach kurzer Pause gab es schon 2010 wieder eine eigene Produktion. Die Reklame „Wintergarten − Das führende Varieté! Rauchen erlaubt − Diner Terrasse“ gilt freilich nur noch im Hinblick auf die Bewirtung. Sebastian Hennig

„Der helle Wahnsinn“ läuft noch bis 5. Oktober, Mittwoch bis Sonnabend 20 Uhr, Sonntag 18 Uhr. Karten: (030) 588433.


Herr des Rings
Iffland und seine Nachlässe − Vor 200 Jahren starb der große Schauspieler der Goethe-Zeit

Zwei Nachlässe sind es, die das Andenken an den am 22. September 1814 in Berlin gestorbenen August Wilhelm Iffland wohl noch über Generationen hinweg garantieren werden. Da ist zum einen der „Iffland-Ring“, welcher der Legende nach von Iffland selbst stammen soll und der nach dem Tod des jeweiligen Trägers an den zu der Zeit würdigsten Schauspieler weitergereicht wird. Der erste war der Berliner Ludwig Devrient, der den Ring an seinen Neffen Emil weiterreichte, welcher ihn 40 Jahre lang trug. Rekordhalter mit 41 Jahren Ringträgerschaft ist allerdings Albert Bassermann (1867–1952). Seit 1996 darf sich Bruno Ganz als der am „Würdigste“ geehrt fühlen.

Zum anderen ist im letzten Jahr ein zweiter Nachlass Ifflands aufgetaucht. Es handelt sich um das Korrespondenzarchiv des Dramatikers in seiner Zeit als Intendant des Königlichen Nationaltheaters in Berlin. Von 1796 bis 1814 korrespondierte er eifrig mit allen Geistesgrößen seiner Zeit wie Goethe, Schiller, August Wilhelm Schlegel, August von Kotzebue oder Johanna Schopenhauer. Dieses Archiv mit 7000 Schriftstücken in 34 Bänden, die auch Hunderte von Kostüm- oder Besetzungsverzeichnisse zu den am Theater gespielten Stücken enthielt, galt nach 1945 als verschollen, bis es Anfang dieses Jahres überraschend auftauchte. Ein Wiener Kunsthändler bot es für 450000 Euro schließlich auf einer Auktion an. Da aber für die Berliner Senatsverwaltung für Kultur die Provenienzfrage nicht geklärt war, kamen die Bände nicht unter den Hammer.

Angeblich will der Berliner Theaterwissenschaftler Hugo Fetting das Konvolut 1953 auf ei­ner Müllhalde nahe der Staatsoper Unter den Linden ge­funden und als herrenloses Gut an sich genommen haben. Vor einem Jahr entschied er sich, es dem Wiener Antiquar für 50000 Euro zu verkaufen.

Nachdem sich der Berliner Senat mit dem Wiener Antiquariat geeinigt hat und 15000 Euro Unkostenerstattung bezahlt haben soll, ist das Iffland-Archiv inzwischen wieder in Berlin. Es wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen, das kulturhistorisch äußerst wertvolle Korrespondenzmaterial wissenschaftlich aufzubereiten.

Iffland wird so die Gegenwart noch ähnlich beschäftigen, wie er auch seine Zeitgenossen auf Trab hielt. 1759 in Hannover geboren, kam er gleich bei seinem ersten großen Theaterengagement mit dem jungen Schiller in Kontakt. In Mannheim verkörperte er in der Erstaufführung von „Die Räuber“ den Franz Moor. Iffland war es auch, der Schiller vorschlug, sein Drama „Luise Millerin“ doch besser „Kabale und Liebe“ zu nennen. Schiller wiederum animierte den Schauspieler Iffland, eigene Stücke zu schreiben. Auf rund 65 Dramen brachte es Iffland, die als Schwänke oder Sittengemälde ganz den Ge­schmack des damaligen Publikums fanden, von denen aber keines bis heute überdauert hat.

Wirkungsvoller war Iffland als Schauspieler, der wegen seiner körperlichen Fülle eher in komödiantischen als in tragischen Heldenrollen glänzte, und späterer Direktor des Berliner Nationaltheaters am Gendarmenmarkt, das er aus seiner Führungskrise erlöste und zu einer der bedeutendsten deutschsprachigen Theaterbühnen machte. Anpassungsfähig wie es ein guter Schauspieler sein muss, rettete er das Theater als Direktor der „Société Dramatique et Lyrique Allemande de S. M. le Roi“ in den zwei Jahren von 1806 bis 1808, als Napoleons Truppen Berlin besetzt hielten. Später dankte es ihm Friedrich Wilhelm III., indem er Iffland auch zum Generaldirektor der Oper Unter den Linden ernannte. Als dieser vor 200 Jahren starb, war Berlin dank seines Wirkens zur führenden deutschen Theaterstadt geworden. Harald Tews


Ironie eines Künstlerlebens

Neben Franz Marc, der 1916 bei Verdun fiel, ist August Macke der bekannteste deutsche Maler, der auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs sein Leben ließ. Vor 100 Jahren, am 26. September 1914, starb er 27-jährig in der Champagne bei Perthes-lés-Hurlus, wo er anonym auf dem deutschen Teil des Soldatenfriedhofs beigesetzt wurde.

Trotz seines frühen Todes hat Macke ein riesiges Werk von 1200 Öl­gemälden und Aquarellen sowie 9000 Zeichnungen und Skizzen hinterlassen. Nach impressionistischen Anfängen hat sich der im sauerländischen Meschede geborene, in Köln aufgewachsene und in Bonn arbeitende Maler um 1910 dem Expressionismus zugewandt. So be­teiligte er sich an den beiden von Kandinsky und Franz Marc organisierten Ausstellungen des „Blauen Reiters“ in München. Später rückte Macke von Kandinskys Abstraktionsstil ab und näherte sich französischen Einflüssen eines Matisse oder Delaunay. Es ist die Ironie seines Lebens, dass der Kriegsfreiwillige dann just in Frankreich starb. tws


MELDUNG

Carrousel dreht sich doch nicht

Potsdam − In der Ausgabe 36 vom 6. September hatte die PAZ noch gemeldet, dass vom 11. bis 14. September die barocke Pferde­oper „Le Carrousel“ vor der jüngst nach sechsjähriger Renovierung wie­dereröffnete Kolonnade am Neuen Palais in Potsdam stattfinden werde. Doch kurz vor dem ersten Termin teilte die veranstaltende Höfische Festspiele GmbH mit, dass die Vorstellungen ersatzlos abgesagt worden sind. Offenbar hatte man sich bei den hohen Kosten, die bei der aufwändigen Veranstaltung anfallen und die ohne öffentliche Fördergelder finanziert wurden, verhoben. „Wir standen vor der Entscheidung, die Veranstaltung entweder jetzt abzusagen, oder erhebliche Kosten auszulösen, die wir später mit aller Wahrscheinlichkeit nicht hätten decken können“, teilte der Veranstalter mit. Käufer, die ihre Karten an Vorverkaufsstellen er­worben haben, können sich unter berlin@moenning-georg.de mit Angabe von Kontaktdaten und Ticket-ID melden. Da ein vorläufiger Insolvenzverwalter hinter der Abwick­lung steckt, ist es aber derzeit nicht klar, ob die Käufer den Ticketpreis erstattet bekommen. tws


S. 10 Geschichte

Weltweit geschätzte Motorräder aus Bayern
Vor 30 Jahren endete die fast sieben Jahrzehnte währende Erfolgsgeschichte von Zündapp

Am 19. September 1984 erschütterte eine Meldung die deutsche Wirtschaft: Mit der Eröffnung des Konkursverfahrens stellte die fast über 70 Jahre in der ganzen Welt bekannte Motorradschmiede Zündapp ihren Betrieb ein, nachdem es bereits in den Jahren zuvor Umstrukturierungen, Personalreduzierungen sowie Umsatz- und Produktionsrückgänge gegeben hatte. Nahezu sieben Jahrzehnte des erfolgreichen Baus von Motorrädern – und weiterer Technikgeräte – fanden damit ihr Ende.

Denkt man an deutsche Motorräder, so bringt man dies heute primär mit dem weltweit agierenden Motorenwerk in Verbindung, das in München seine Zentrale hat. Doch früher war Nürnberg das deutsche Kraftrad-Zentrum. Von Arie über Mammut und Rex bis Zündapp – dies sind nur vier von vielen Motorradmarken, die hier aktiv waren. Drei Jahrzehnte ist es nun her, dass Zündapp seinen Betrieb einstellte, wobei der Firmensitz bereits seit 1958 in München war und Zündapp nicht nur Motorräder herstellte.

„Zündapp“ ist die Kurzform des Firmennamens „Zünder-Apparatebau-Gesellschaft mbH“. Fritz Neumeyer, Jahrgang 1875, der zunächst Dampfmaschinen und Spielwaren herstellte, gründete am 17. September 1917 mit der Essener Firma Friedrich Krupp AG sowie der Uhren- und Werkzeugmaschinenfabrik Thiel aus Ruhla (Thüringen) in Nürnberg dieses Unternehmen. Bis Ende des Ersten Weltkrieges wurden Zünder für das Deutsche Heer produziert, 1918 erfolgte die Umstellung auf die Produktion diverser technischer Geräte, Krupp schied aus der Firma aus, sie ging in Neumeyers Alleinbesitz über.

Anfang der 20er Jahre wurden die Menschen mobiler, was auch in der Berliner Automobil- und Motorradausstellung deutlich wurde. So beschloss Neumeyer, mit dem Bau von Motorrädern zu beginnen, und nannte die Firma in „Zündapp-Gesellschaft für den Bau von Spezialmaschinen mbh“ um. Das erste Zündapp-Zweirad, die Z 22 (211 Kubik, 2,5 PS, Einzylinder-Zweitakter, 65 Kilometer pro Stunde), kam 1921 auf den Markt und wurde bis 1924 produziert – über 10000 mal. Aufgrund des großen Erfolges der Motorräder baute Zündapp 1928 in Nürnberg eine neue Fabrik, das Unternehmen wurde zu einem der mo­dernsten Motorradwerke. Ein Jahr später übernahm Hans-Fried­rich Neumeyer, der Sohn des Gründers, die Leitung der florierenden Firma, die ihr Modellangebot kontinuierlich steigerte. Schon damals versuchte Zündapp, auch im Automobilbereich Fuß zu fassen. Nachdem man 1932 in Kooperation mit dem Konstruktionsbüro Porsche Prototypen eines viersitzigen Personenwagens („Volkswagen“) entwickelt hatte, baute man 1933 einen vierrädrigen Schnell-Lieferwagen, dem jedoch weniger Erfolg beschieden war als den Motorrädern. 1936 wurde das 150000. Motorrad fertiggestellt, zwei Jahre später die 200000. Zündapp.

1938, die Zeichen standen auf Krieg, wurde nicht nur der Firmenname in „Zündapp-Werke GmbH“ geändert, sondern auch die Produktpalette. Beauftragt vom Reichsluftfahrtministerium, befasste man sich mit dem Bau von Flugmotoren. Und der erste, im Jahr 1939 konstruierte, Sport-Flugmotor mit einer Leistung von 50 PS stellte gleich sieben neue Rekorde auf. Ab 1939 wurde auf Kriegsproduktion umgestellt. Zwei Jahre später begann die Produktion des Motorrad-Gespanns „KS 750“. Ein weiteres Militärprojekt war 1943/44 der ferngelenkte Sprengpanzer Goliath V. Zündapp brachte hierfür den Zweizylinder-Zweitaktmotor SZ 7 ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann mit 170 Mitarbeitern gleich 1945 der Wiederaufbau des Werkes. Im Fokus stand erst die Produktion von Müllerei-Maschinen, danach von Nähmaschinen. Zwei Jahre später lief die Fabrikation von Motorrädern wieder an. Da in jenen Jahren das Motorrad das wichtigste Fahrzeug und Transportmittel war, erreichte Zündapp im Juli 1950 schon das 300000 Zweirad. 1951 wurde das Werk in München gebaut. In Nürnberg entstanden Motorrad-Klassiker wie die KS 601 („Grüner Elefant“). Richtungsweisend war das Jahr 1952 – Zündapp begann mit dem Bau von Kleinmotoren, die als Außenbord- beziehungsweise Seitenmotor an ein Fahrrad angebaut werden konnten oder sich zum stationären Einsatz in der Land- und Forstwirtschaft sowie auch bei Forschung und Technik eigneten. Zündapp-intern fand der „Combimot-Motor“ (48 Kubik, Einzylinder-Zweitakt, 1,3 PS) Verwendung im Moped Combinette, im Bootsmotor Delphin und im Zündapp-Stromerzeuger.

Drei Fahrzeuge aus den 50er Jahren bleiben unvergessen: Der Motorroller Bella, der erstmals 1953 präsentiert wurde, und 1957/58 der Kleinwagen Janus, benannt nach dem zweiköpfigen römischen Gott. 1955 erschien die Combinette 404, die heute als Vorreiter der modernen Mopeds gilt.

Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre war angesichts der Flaute auf dem Motorrad-Sektor mit den größeren Motorrädern Schluss. Dafür baute man die Produktion von Kleinkrafträdern aus. Das Nürnberger Stammwerk wurde 1958 aufgegeben, die Fabrikation erfolgte nun ausschließlich in München. Die 1961 präsentierte Falconette KS 50/510 bildete den Beginn der äußerst erfolgreichen KS-Reihe mit luft- und wassergekühlten Motoren. Neue Absatzmärkte versuchte Zündapp zu Beginn der 70er Jahre mit der Herstellung hochwertiger Rasenmäher zu gewinnen. Allerdings erwies sich dieses Standbein nur als mäßiger Erfolg. Mit der Anfang der 80er Jahre eingeführten 80er Führerscheinklasse wurde die KS 50 zur KS 80 mit unterschiedlichen Varianten aufgepeppt, unter anderem auch eine Enduro- und Touringversion. Neben diesen Mopeds war auch die Produktion von Mofas ein wichtiges Standbein.

Die Umstrukturierung des Gesamtunternehmens im Herbst 1981 in eine Immobilien-Besitzgesellschaft und eine Betriebsgesellschaft zog bis 1984 eine starke Reduzierung des Personals nach sich. Dennoch galt die KS 80 Super/537-010 als das beste Leichtkraftrad am deutschen Markt. Doch die Produktion ging zurück, weshalb Abteilungen zusammengelegt oder geschlossen wurden. Wohl auch die neuen Rahmenbedingungen für Moped-, Mokick- und Mofafahrer (Helmpflicht, Prüfbescheinigung, Versicherung) können als Gründe für den Rückgang dieses Segments ab Ende der 70er Jahre gesehen werden. Das allerletzte Produkt, die KS 80 Super-Sport von 1984, konnte trotz des Rennoutfits den Niedergang nicht mehr aufhalten. Im Juli 1984 waren die Probleme derart groß, dass Verhandlungen mit Kaufinteressenten aufgenommen wurden. Am 10. August stellte Geschäftsführer Dieter Neumeyer schließlich den Antrag auf ein gerichtliches Vergleichsverfahren, das Konkursverfahren wurde am 19. September 1984 eröffnet. Die Produktionseinrichtung erwarb Ende Oktober 1984 das chinesische Unternehmen Tianjin Motorcycle Co. und verschiffte sie nach China. 67 Jahre erfolgreicher und weltweit bekannter Motorradbau aus Bayern waren damit beendet. Aber noch sind viele Zündapp-Zweiräder unterwegs, die vom einstigen Glanz dieses Unternehmens zeugen. Markus Bauer


Schlacht gewonnen, aber trotzdem die Kolonie verloren
Vor 100 Jahren schlugen 1700 Schutztruppler 3120 Briten und Südafrikaner bei Sandfontein in Deutsch-Südwestafrika

Am 5. August 1914 traf in Deutsch-Südwestafrika die Nachricht von der englischen Kriegserklärung an das Reich ein. Daraufhin rief Gouverneur Theodor Seitz (1863–1949) am 7. August den Belagerungszustand aus und ließ die Schutztruppe mobil machen. Zwar enthielt die Berliner Kongoakte von 1885 den Passus, dass die Kolonien der europäischen Großmächte im Kriegsfall wie Neutrale behandelt werden sollten, doch glaubte man in Windhuk nicht an die Bereitschaft der Gegenseite, sich an diese Abmachung zu halten. Und tatsächlich befahl der Premierminister der zum britischen Empire gehörenden Südafrikanischen Union, Louis Botha (1862–1919), schon am 10. August, die Küstenhäfen Deutsch-Südwestafrikas einzunehmen, wohingegen er sich mit einer formellen Kriegserklärung noch bis zum 9. September Zeit ließ.

Damit standen nun 100770 Soldaten der Union gegen 1967 Angehörige der Schutztruppe – das war ein Kräfteverhältnis von mehr als 50 zu 1. Deshalb konnten die deutschen Reiter weder die Besetzung der Hafenstadt Lüderitz noch die Deportation der dortigen Zivilbevölkerung in Konzentrationslager bei Pretoria und Pietermaritzburg verhindern. Ebenso machtlos waren sie gegen den Grenzübertritt der britisch-südafrikanischen Streitmacht „Force A“, die aus 3120 Mann bestand. Deren Kommandeur, Brigadegeneral Henry T. Lukin (1860–1925), beging allerdings den Fehler, nach der Durchquerung des Oranje-Flusses einen nächtlichen Gewaltmarsch bis zu den 45 Kilometer entfernten Quellen von Sandfontein anzuordnen. An dessen Ende am Morgen des 26. September waren nämlich sowohl seine Soldaten als auch deren 4347 Lasttiere derart dehydriert, dass sie kurz vor dem Zusammenbruch standen. Darum unterblieb eine ausreichende Sicherung bei der Ankunft an der Wasserstelle, wo bereits um die 1700 Schutztruppler unter Oberstleutnant Joachim von Heydebreck (1861–1914) auf den Feind warteten.

Die Deutschen wussten schon seit Tagen, dass der feindliche Verband hier vorbeikommen würde. Zum einen hatten dies die beiden Luftaufklärer gemeldet, zum anderen blieb Lukin auch gar keine Alternative zum Wasserfassen in Sandfontein, wenn er weiter in die Kolonie hinein vorstoßen wollte. Und so gerieten die halbverdursteten South African Mounted Rifleman (S.A.M.R.) direkt an den ersehnten Quellen in die tödlichen Maschinengewehrsalven der deutschen Verteidiger, wobei ihnen bald klar wurde, dass sie von drei Seiten eingekesselt waren: Im Süden lag das I. Feldbataillon unter Major Emil von Rappard (1863–1914), auf die Ostflanke drückte das II. Feldbataillon, das vom legendären Helden des Herero-Krieges, dem Major und Pour-le-Mérite-Träger Victor Franke (1866–1936), angeführt wurde, und im Westen verhinderte das III. Feldbataillon von Major Hermann Ritter (1873–?) jedwedes Ausweichen.

In dieser desaströsen Situation, die Lukin offenkundig vollkommen überforderte, avancierte Lieutenant-Colonel Reginald C. Grant zum Retter auf britisch-südafrikanischer Seite: Trotz einer Verwundung gelang es dem Kommandeur des ersten Regimentes der S.A.M.R, das bedrängte Truppenkontingent auf eine Anhöhe zu führen, wo es dem Feuer des Gegners deutlich weniger ausgesetzt war. Allerdings saßen die gescheiterten Angreifer dort dann auch in der Falle, weil die vier permanent feuernden Maschinengewehre der Schutztruppe jedwede weitere Absetzbewegung unmöglich machten und zudem wieder kein Wasser geschöpft werden konnte. Ebenso gelang es Grant nicht, Verstärkung anfordern, denn Heydebrecks Leute hatten vorsorglich alle Telefon- und Telegraphenleitungen hin zur Grenze gekappt.

An den nächsten beiden Tagen versuchten die britisch-südafrikanischen Soldaten, ihre an für sich überlegene Artillerie effektiv in Stellung beziehungsweise zum Einsatz zu bringen, was jedoch letztlich scheiterte. Daher vermochten die drei Bataillone der Schutztruppe, immer näher heranzurücken und einen derart starken Beschuss mit Maschinengewehren und Geschützen vorzunehmen, dass die Invasoren schließlich am Abend des 29. September die weiße Flagge hissten. Im Anschluss an diese Kapitulation stillten beide Seiten zunächst gemeinschaftlich ihren brennenden Durst, dann gratulierte Heydebreck Grant, der nun mit seinen Männern in deutsche Gefangenschaft ging, zur bravurösen Gegenwehr. Gleichzeitig allerdings zeigte sich der Kommandeur der Schutztruppe auch sehr erbost über das Ausmaß, in dem Südafrika schwarze Soldaten gegen die Deutschen aufgeboten hatte. Deshalb schickte er umgehend eine geharnischte Protestnote an die Botha-Regierung.

Auf britisch-südafrikanischer Seite forderte die verlorene Schlacht von Sandfontein 50 Tote und 100 Verwundete; die Schutztruppe verlor hingegen nur 14 Mann, darunter jedoch auch den aus Preußen stammenden Major von Rappard, der bereits am ersten Tag gefallen war. Aufgrund der erlittenen Schlappe agierten die Truppen der Südafrikanischen Union nachfolgend erst einmal deutlich vorsichtiger, zumal es jetzt auch noch Probleme mit burischen Freischärlern gab, welche sich auf die Seite der Deutschen schlugen.

Dennoch aber geriet das kleine Kontingent der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika im weiteren Verlauf des Ersten Weltkrieges zunehmend in die Defensive, da die personelle und materielle Übermacht Südafrikas einfach zu groß war. So konnte Botha, der am 11. Februar 1915 den persönlichen Oberbefehl über die Streitkräfte des Dominions übernahm, eine finale Offensive mit 35000 Mann und zahllosen Kraftfahrzeugen starten, woraufhin der Schutztruppe nur die Möglichkeit blieb, sich in den nördlichen Landesteil zurückzuziehen. Dem folgten der Fall von Windhuk am 12. Mai 1915 und die Niederlage in der Schlacht von Otavifontein am 1. Juli. Neun Tage später unterzeichneten Gouverneur Seitz und Oberstleutnant Franke, der nach dem Unfalltod von Heydebrecks als neuer Kommandeur der Schutztruppe fungierte, am Meilenstein 200 der Otavibahn einen Waffenstillstandsvertrag, der de facto einer Kapitulationsurkunde gleichkam. Damit war der Weg frei für die Annexion der deutschen Kolonie durch Südafrika. Wolfgang Kaufmann

Allerdings ging die Kolonie im Jahr darauf dennoch verloren, weil die materiellen und personellen Ressourcen des Gegners einfach größer waren.


S. 11 Preussen

Nur kurz existent, aber effektiv
Vor 300 Jahren schuf Friedrich Wilhelm I. die Generalrechenkammer

Im Zuge seiner drastischen Sparmaßnahmen etablierte der preußische König Friedrich Wilhelm I. im Oktober 1714 ein oberstes Rechnungsprüfungsorgan: die Generalrechenkammer. Und diese trug dann auch tatsächlich zur nachhaltigen Sanierung der Staatsfinanzen bei, obwohl die meisten ihrer Kompetenzen 1723 an das Generaldirektorium übergingen.

Als Friedrich I., König in Preußen und Markgraf von Brandenburg, am 25. Februar 1713 starb, hinterließ er seinem Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) einen bankrotten Staat mit 20 Millionen Reichstalern Schulden. Diese resultierten zum einem aus der Korruption und Misswirtschaft, für die vor allem die drei Grafen und Minister Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg (1643–1712), August David zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein (1663–1735) und Alexander Hermann von Wartensleben (1650–1734) verantwortlich waren. Zum anderen hatte aber auch die aufwendige Hofhaltung des Monarchen Preußen ruiniert. Deshalb erklärte Friedrich Wilhelm als erste Amtshandlung nach dem Tode seines Vaters den aktuellen Etat für null und nichtig.

Danach übernahm der 25-Jährige die Kontrolle über die Staatsgeschäfte, zutiefst überzeugt davon, dass Gott ihn „auf den trohn gesetzet nicht zu faullentzen sondern zu arbeiten“. Ebenso glaubte er, „wo man selbst nicht die Nase in jeden Dreck steckt, so geht die Sache nicht, wie sie gehen soll“. Andererseits musste aber auch Friedrich Wilhelm I. Verantwortung delegieren – das galt selbst für den hochsensiblen Bereich des Finanzwesens. Dabei fiel seine Wahl auf Ernst Bogislav von Kameke (1674–1726) und Friedrich Wilhelm von Grumbkow (1678–1739). Dem ersteren unterstellte er am 27. März 1713 das neugeschaffene Generalfinanzdirektorium, das an die Stelle der Geheimen Hofkammer trat, welche die Staatsgüter verwaltet und sich seit dem Ende der Regierungszeit von Friedrich I. in einem „schlimmen und verwirrten Zustand“ befunden hatte. Und dem Kriegsminister Grumbkow wiederum oblag nun auch noch die Leitung des Generalkriegskommissariates, also der Behörde, die für die Erhebung all der Abgaben sorgte, mit denen das preußische Militär finanziert wurde.

Allerdings blieb der „Soldatenkönig“ nach den extrem negativen Erfahrungen mit dem betrügerischen Drei-Grafen-Kabinett misstrauisch und etablierte deshalb am 2. Oktober 1714 eine zusätzliche oberste Rechnungsprüfungsbehörde, die er Generalrechenkammer nannte und dem ebenso integeren wie sparsamen Geheimen Kammerrat sowie nunmehrigen „Controlleur-Général“ Ehrenreich Bogislaus von Creutz (1670–1733) unterstellte. Dabei erhielt dieser folgende orthographisch nicht ganz korrekte, aber eindringliche Weisung des Monarchen mit auf den Weg: „Er soll keinen schonen, er mack sein wer er will, wen es auch mein Bruder wehre, auf alle Mauserein soll er acht habn.“

Bei seiner Entscheidung ließ sich der junge preußische König vermutlich von Sachsen als Vorbild leiten, wo Kurfürst Friedrich August I. (1670–1733) im Mai 1707 mit der Ober-Rechenkammer ein ähnliches zentrales Kontrollorgan geschaffen hatte. Jedenfalls erhielt die preußische Generalrechenkammer nun die Aufgabe, sämtliche Belege des Zivil- und Militäretats zu überprüfen. Da diese bereits von den zuständigen Stellen bis hinauf zum Generalfinanzdirektorium und dem Generalkriegskommissariat durchgesehen worden waren, handelte es sich in diesem Falle also um eine finale Oberprüfung beziehungsweise Superrevision. Normalerweise erfolgte im Laufe derselben sowohl die Kontrolle auf rechnerische Richtigkeit als auch die Verwaltungskontrolle. Deren Zweck bestand darin herauszufinden, ob die zuständigen Beamten bei der Gewinnung und Erhebung der Einnahmen sowie der Verausgabung von Staatsmitteln und dem Umgang mit Staatseigentum stets den Grundsatz der gebotenen Wirtschaftlichkeit sowie die geltenden Vorschriften und Gesetze eingehalten hatten.

Die Generalrechenkammer fungierte dabei als kollektives Verwaltungsorgan, was Friedrich Wilhelm I. in einer speziellen Order vom 16. Juni 1717 noch einmal ganz explizit bestätigte. Zugleich ermächtigte er die Mitglieder der Behörde jetzt außerdem noch, jedweden Rechnungsführer des Königreiches vorzuladen und anzuhören. Deswegen, und weil der Vorsitzende der Generalrechenkammer niemandem anders als dem Monarchen selbst verantwortlich war, galt sie allgemein als das „Auge des Königs“, der es für nötig befunden hatte, „einen Verbindungspunkt zu bestimmen, in welchem die Resultate der ganzen Staatsverwaltung sich concentrieren und gründlich übersehen werden können, um dadurch allen etwa existierenden oder sich ereignenden Mängeln auf dem kürzesten Wege abzuhelfen“. Damit unterstützte die Kammer natürlich die absolutistischen Bestrebungen des preußischen Herrschers.

Die 20 Mitglieder der Generalrechenkammer erfüllten die Erwartungen von Friedrich Wilhelm I. bereits im ersten Jahr, wie Berichte über die Entdeckung von Personalfehlausgaben zeigen. Das wiederum schuf einen Vertrauensbonus, der dazu führte, dass die Spitzenbeamten der obersten Prüfbehörde bald auch in die Aufstellung des Etats einbezogen wurden. Nichtsdestotrotz jedoch verfügte der „Soldatenkönig“ am 2. März 1723 eine weitere Verwaltungsreform, in deren Verlauf die Generalrechenkammer ihre Immediatstellung verlor und unter die Aufsicht des neu gegründeten General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domänen-Direktoriums, auch kurz Generaldirektorium genannt, gelangte; darüber hinaus erfolgte die Aufspaltung in eine Ober-Kriegs- und eine Domänen-Rechenkammer. Damit verkam die bis dahin so mächtige Institution zu einem subalternen Werkzeug des Generaldirektoriums, das nun für die gesamte Finanz-, Wirtschafts- und Innenpolitik verantwortlich zeichnete und gebildet worden war, um die permanenten Zwistigkeiten zwischen den beiden bisherigen obersten Landesbehörden Generalfinanzdirektorium und Generalkriegskommissariat aus der Welt zu räumen.

Ungeachtet ihrer also doch recht kurzzeitigen Existenz wurde mit der Schaffung der Generalrechenkammer der Grundstein für einen soliden Umgang mit den preußischen Staatsfinanzen gelegt. Sichtbarster Ausdruck derselben war der Anstieg der Einnahmen zwischen 1713 und 1740 von 3,4 auf sieben Millionen Taler pro Jahr, der es Friedrich Wilhelm unter anderem ermöglichte, einen Staatsschatz von etlichen Millionen Talern anzulegen. Hinzu kam die Vergrößerung des preußischen Heeres von 40000 auf 80000 Mann. Wolfgang Kaufmann


Geschichte im Großformat
Hindenburgs »Hof- und Leibmaler« Hugo Vogel

In Hamburgs 1886 bis 1897 errichtetem Rathaus hängen im großen Festsaal, in dem alljährlich mit der Matthiae-Mahlzeit das älteste Festmahl der Welt stattfindet, fünf große Bilder, welche die Geschichte der Freien und Hansestadt darstellen. Das mittlere ist der Christianisierung unter Karl dem Großen gewidmet. Es zeigt die Taufe eines Sachsen. Irritierend wirkte dabei, dass der die Taufe vornehmende Erzbischof Ansgar dem vor ihm stehenden Täufling nicht ins Gesicht oder auf das Haupt schaut, sondern darunter. Die Erklärung ist, dass der Täufling anfänglich vor dem Geistlichen kniete. Die Hamburger mit ihrem Bürgerstolz vor Fürstenthronen machten dem Maler jedoch unmissverständlich klar, dass ein Hamburger – und damit auch dieser Sachse – vor niemandem kniet, auch nicht vor einem Geistlichen bei der Taufe. Und so musste der Künstler den knienden Täufling übermalen – durch einen stehenden.

Der Maler kam offenkundig nicht aus der Hansestadt, dass er so wenig um das hansestädtische Selbstbewusstsein und -verständnis wusste. Und tatsächlich stammte er aus einer Stadt, die es bis zu seinem Tode nie zu Reichsunmittelbarkeit und Stadtstaatstatus gebracht hat. Er kam aus Berlin und hieß Hugo Vogel.

Geboren wurde der Sohn eines Kaufmanns – wenigstens der Beruf des Vaters war hansestadt-kompatibel – am 15. Februar 1855 in Magdeburg, wo er auch die Realschule besuchte, bevor er 1874 ein Studium an der Düsseldorfer Akademie aufnahm.

Nachdem er sich bereits 1883 mit seinen Bildern „Luther predigt während der Gefangenschaft auf der Wartburg“ und „Empfang der Refugies durch den Großen Kurfürsten im Potsdamer Schloss“ an einer Ausstellung der Berliner Akademie beteiligt hatte, wurde er vier Jahre später an selbiger Professor. Bilder wie die im Hamburger Rathaus sowie Fresken mit überwiegend geschichtlichen Themen wurden sein Spezialgebiet. Wie Hamburg griffen auch Berlin und Merseburg auf seine Schaffenskraft zur Ausschmückung des Inneren repräsentativer Bauten zurück.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde der Preuße Paul von Hindenburgs „Hof- und Leibmaler“, zu dem der General und spätere Reichspräsident seinen Landsmann mit Wohlwollen im Scherz ernannte. An der Beisetzung Hindenburgs konnte er zu seinem großen Bedauern nicht teilnehmen. Zu fortgeschritten war schon sein eigenes Leiden. Am 26. September starb 1934 Hugo Vogel an seinem letzten Wohnort Berlin, wo er auch in einem Ehrengrab seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Manuel Ruoff


Der Ermittler vom Dienst
Vor 100 Jahren wurde der »Alte« Siegfried Lowitz in Berlin geboren

Neben Erik Ode als der „Kommissar“ und Horst Tappert als „Derrick“ ist Siegfried Lowitz als der „Alte“ der bedeutendste Fernsehserienermittler der Republik. Genau 101-mal – und damit häufiger als Ode in „Der Kommissar“ – spielte der gebürtige Berliner die Titelrolle in „Der Alte“. Zwei Jahre nachdem der „Kommissar“ 1975 nach 97 Episoden die Ermittlungen eingestellte hatte, übernahm der „Alte“ das Staffelholz. 1986 ließ sich Lowitz als Kriminalhauptkommissar Erwin Köster erschießen. Er wählte als Ausstieg einen Weg ohne Wiederkehr, denn zumindest am Ende sah er seine Rolle durchaus kritisch: „Wie ich diese Rolle des heldischen Polizisten, der alles weiß und alles aufklärt, über 100 Folgen lang ertragen konnte?“, schreibt er in seinen Erinnerungen und: „Es ist wie mit der Liebe auf dem Strich. Hätte ich, wie mein Kollege Horst Tappert, 250 Folgen Derrick abgedreht, wäre ich wohl in der Psychiatrie gelandet mit diesem konfektionierten Krimi-Käse.“

Ob er will oder nicht, Siegfried Lowitz bleibt vor allem als Ermittler in Erinnerung, denn der „Alte“ war nur der krönende Abschluss einer beachtlichen Ermittlerkarriere. Bereits im ersten der legendären Edgar-Wallace-Filme von Rialto Film, „Der Frosch mit der Maske“, spielte er 1959 den Inspektor Elk. Sieben Jahre später war er in dem Straßenfeger „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ als Inspektor Macleod der Gegenspieler der Hauptfigur Michael Donegan, dargestellt von Horst Tappert. Und das sind nur einige seiner Kriminalistenrollen.

Obwohl er mit seiner Ermttlertätigkeit ein Stück bundesdeutsche Filmgeschichte geschrieben hat, wäre es allerdings ungerecht, sein Wirken nur auf die Polizistenrollen zu reduzieren. So erhielt er seine Goldene Kamera beispielsweise 1968 für die Titelrolle in der im Vorjahr produzierten Verfilmung von Hans Falladas Roman „Der Trinker“.

Der Sohn eines Bildhauers und einer Modeschneiderin kam zwar am 22. September 1914 in Berlin zur Welt, aber zumindest in der Nachkriegszeit bildete doch eher München den Schwerpunkt seines Lebens und Wirkens. Dort wurde er in dem Kabarett „Die Schaubude“ vom Regisseur und Intendanten Heinz Hilpert entdeckt, dort war er ab 1950 mit mehrjähriger Unterbrechung Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele, bis er 1968 zum Bayerischen Staatsschaupiel wechselte, dem er bis 1978 angehörte. In München spielte auch „Der Alte“, und auch nach seinem Filmtod als Köster blieb er der bayerischen Hauptstadt treu. Dort wohnte er bis zu seinem Tode am 27. Juni 1999 und hier liegt sein Grab. M.R.


S. 12 Leserforum

Leserforum

Perverses Spiel

Zu: Worüber Putin stürzen könnte (Nr. 36)

Durch einen bis heute ungeklärten Flugzeugabsturz kam der Schwede Dag Hammarskjöld, Generalsekretär der UN und desig­nierter Friedensnobelpreisträger, 1961 in Afrika ums Leben. Der südafrikanische anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Tutu behauptete damals sofort, das sei ein geplanter und gezielter Mord gewesen.

Der Abschuss der malaysischen Boeing zeigt einige Parallelen dazu auf. Wladimir Putin kam von einer erfolgreichen Reise aus Südamerika mit einem Flugzeug, das der abgeschossenen Boeing zum Verwechseln ähnlich sah, und flog zur gleichen Zeit und in dem gleichen Luftraum wie diese.

Wäre die Maschine, in der Putin saß, abgeschossen worden, dann wäre es als „Kollateralschaden“ ein strategischer Sieg der Kalten Krieger gewesen, denn ohne Putin wären die Krim und die Schwarzmeerflotte den Russen verloren gegangen. Aber Gott sei Dank wurde die Maschine von Putin nicht getroffen. Leider haben 300 unschuldige Passagiere eines anderen Flugzeuges ihr Leben verloren.

Dass aber jetzt unsere Schutzmacht von uns Deutschen verlangt, Russland mit einem Wirtschaftskrieg zu bestrafen, ist pervers. Denn bei diesem Spiel ist nur Deutschland bestraft und muss das dann als größter Verlierer mit Wohlstandsverlust bezahlen.

Ernst-Reiner Langenfeld, Wuppertal

 

 

Ignoranz gepaart mit Arroganz

Zu: Vertriebene verunglimpft (Nr. 36)

Ohne vom Leserbrief von Wilhelm Kreuer, Mitglied des Landesvorstandes Nordrhein-Westfalen der Landsmannschaft Ostpreußen, gewusst zu haben, hatte auch ich seinerzeit in derselben Angelegenheit an die „Apotheken Umschau“ geschrieben. Auch mein Leserbrief wurde dort nicht veröffentlicht. Stattdessen rief mich einer der Redakteure an und versuchte mir zu erklären, warum nur die polnischen Bezeichnungen in dem Artikel verwendet worden seien. Schließlich handele es sich bei Masuren um eine polnische Region, die zwar mal deutsch gewesen sei, aber das sei ja schon lange her und müsse deshalb nicht unbedingt mehr erklärt werden, zumal es junge Menschen vermutlich ohnehin nicht interessiere. Ebenso wenig, so ergänzte er, würde er beim Thema Südtirol erwähnen, dass dies mal zu Österreich gehört habe und deshalb selbstverständlich nur die italienischen Bezeichnungen verwenden.

Zu meinem Argument, er habe in dem Artikel teilweise ja auch deutsche Bezeichnungen verwendet („Spirdingsee“) oder sogar gemischtsprachige („Mamry-See“), konnte er keine Erklärung liefern, da wollte er vielmehr noch einmal mit der Autorin des Artikels sprechen. Und die polnischen Sonderbuchstaben waren ihm nicht bewusst oder bekannt. Auf meine erneute Frage, ob er denn auch Warszawa, Kraków, Moskwa ober Praha statt Warschau, Krakau, Moskau ober Prag schreiben würde − wie bereits am Ende meines Leserbriefes angespro­chen −, erwiderte er lediglich, das sei doch etwas ganz anderes, denn diese Städtenamen seien schließlich im Deutschen feste Begriffe. Eine weitere Diskussion erachtete er als wenig sinnvoll, da wir offensichtlich ein unterschiedliches Weltbild hätten.

Ich bat ihn dann, mir seine Ansichten noch einmal in Schriftform zukommen zu lassen, damit ich etwas an der Hand hätte, doch er antwortete mir, es sei bei ihnen grundsätzlich nicht üblich, auf an die Redaktion gerichtete Briefe schriftlich zu reagieren. Und wie ich nun Ihrem Beitrag entnahm, handelte man ja im Fall des Herrn Kreuer ebenso.

Wolfgang Reith, Neuss

 

 

Ein Bauernparadies

Zu: Ein abenteuerlicher Fall (Nr. 34)

In dem Beitrag über die Reichenbachfälle und den Ort Meiringen in der Schweiz wird letzterer, zumindest bezogen auf die Vergangenheit, in beleidigender Art und Weise als „Bauernkaff“ bezeichnet. Diese Ausdrucksweise beinhaltet ein deftiges Maß an Arroganz von Großstädtern. Denn erstens leben auch heute noch viele Menschen in Dörfern, Marktflecken und Kleinstädten und besitzen in ihren solchen Wohnorten ein ausgeprägtes Heimatgefühl. Und zweitens, man staune, möchten sie vielleicht auch gar nicht woanders leben.

Ich habe bis zu meinem 14. Lebensjahr auf einem Gutshof auf der Insel Rügen gelebt, in dessen dazugehörigem ältesten Profanbau (heute Hotel) der Insel ich geboren wurde. Der Hof bestand zusammen mit dem Gutshaus aus nur acht Gebäuden: Zwei Häuser mit Wohnungen für die Mitarbeiter, drei riesige Ställe und zwei ebenso große Scheunen. Der Hof war schon vor dem Ersten Weltkrieg an das Strom- und Telefonnetz angeschlossen und wir hatten, solange ich zurückdenken kann, Warm- und Kaltwasser „aus der Wand“, selbstverständlich auch mit dazugehöriger Badewanne und Dusche. Das hatten manche Bewohner von Großstädten nicht, man denke nur an die Slums in Berlin mit bis zu sieben Hinterhöfen.

Helmut von Binzer, Hamburg

 

 

Diskriminierung

Zu: Deutsche zählen kaum (Nr. 36)

Da soll jährlich am 20. Juni der Opfer von Flucht und Vertreibung gedacht werden. Natürlich auch der Deutschen, aber bitte im Kontext mit dem Zweiten Weltkrieg. Das heißt: Bei den Betroffenen in aller Welt spielt es keine Rolle, wer dortige Kriege angefangen hat.

Weil aber an den deutschen Vertriebenen Völker- und Menschenrechtsverbrechen begangen wurden, soll die Schuld der Sieger nicht an die Oberfläche gelangen. Daher dient der „Kontext“ nur als Ausrede. Niemand war gezwungen, Deutsche aus ihrer Heimat zu vertreiben, zumal diese „Kontext“-Erklärung“ keine Logik ergibt; denn Hitlerdeutschland war nicht auf die Ostgebiete beschränkt, sondern Bestandteil des ganzen damaligen Reichs. Demnach hätten alle Deutschen vertrieben werden müssen. Was übrig bleibt? Eine Diskriminierung der deutschen Vertriebenen.

Elisabeth Krahn, Celle

 

 

Kern der Misere

Zu: Sprengsatz für den Euro (Nr. 35)

Die Analyse greift zu kurz. Denn ein Land wie Frankreich kann doch in der Zange des Euro-Systems seine Probleme lösen, zumal die Gemeinschaftswährung, was ebenfalls die AfD gerne mit ihren viel zu einfachen ökonomischen Antworten übersieht, die Krise in etlichen europäischen Staaten zwar verstärkt, aber nicht ursprünglich ausgelöst hat.

Der Kern der Misere liegt in falschen Gesellschaftsmodellen, in denen sich viele Interessengruppen, besonders zulasten der nachfolgenden Generation, den erwirtschafteten Wohlstand unter sich aufgeteilt haben. Deshalb können Reformen, die im Übrigen nicht immer schmerzhafter Natur sein müssen, Wunder bewirken, und es bleibt aus deutscher Sicht der größte Fehler, dass Angela Merkel die nach Veränderung rufenden jungen Menschen im mediterranen Raum in keiner Weise unterstützt.

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

 

 

Gaucks Staatsräson

Zu: Gauck, bleib bei deinem Leisten! (Nr. 35)

In meinen Leserbrief zu „Gaucks unappetitliche Rede“ hat sich leider im letzten Absatz ein Fehler eingeschlichen. Dort heißt es auf Adenauer bezogen: „Er hat die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson erklärt.“ Dies ist falsch. Richtig muss es heißen: „Konrad Adenauer hat bei seinem ersten Besuch in Israel gezeigt, wie man sich anders verhalten kann, ohne ein übertriebenes Reuebekenntnis abzulegen, (ohne) die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson zu erklären und trotzdem als geachteter Bundeskanzler zurückzukehren.“

Zusätzlich möchte ich anmerken, dass, nachdem vor Jahren Adenauers Nachfolgerin im Kanzleramt, Frau Merkel, die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson erklärt hat, Herr Gauck jetzt nachgekartet und verlangt hat, dass deutsche Truppen im Auslandseinsatz einzusetzen sind. Sollte dieser Fall während seiner Amtszeit als Bundespräsident eintreten, müss­te er der Ehre Genüge tun, vom Amt zurücktreten und sich der kämpfenden Truppe als Militärseelsorger zur Verfügung stellen.

Gebhard Knull, Buxtehude

 

 

Fakten über Schlonsaken

Zu: Der Krieg, der zu früh begann (Nr. 34)

Mit Interesse habe ich diesen Beitrag über ein deutsches Kommandounternehmen an der slowakisch-polnischen Grenze im August 1939 gelesen. Der Autor Jan Heitmann erwähnt indessen nicht, was Monate zuvor, nämlich im Herbst 1938, mit diesem Gebiet geschehen ist. Die Gegend um den Jablunka-Pass gehörte nämlich bis dahin (und zwar infolge der Grenzregelung vom Sommer 1920, mit der Warschau sehr unzufrieden war) zur CSR. Erst in den Tagen um die Münchener Viermächte-Konferenz, zu der Polen ja nicht eingeladen war, sowie infolge der polnischen Note an Prag vom 27. September 1938 und des Ultimatums vom 30. September, worin die Abtretung der beiden tschechoslowakischen Bezirke Freistadt und Teschen gefordert wurden, wurde die Grenze im „Teschener Schlesien“ weiter nach Westen verlegt. Das heißt, das sogenannte „Olsa-Gebiet“ (mit der Bahnlinie von Oderberg zum Jablunka-Pass) kam nun zu Polen. Die Besetzung desselben durch polnische Truppen erfolgte bis zum 10. Oktober 1938.

Dessen Bewohner waren jedoch keine Polen, sondern Schlonsaken, also slawische Menschen, die zwar einen dem Polnischen recht nahestehenden Dialekt sprachen, jedoch in der Mehrzahl politisch keineswegs „polnisch gesinnt“ waren. Dafür gibt es eine Vielzahl von Belegen. Daher kam es, dass sich dann 1939 so viele Bewohner des südlichen „Olsa-Gebiets“ von der deutschen „Abwehr“ zu Mitgliedern der Kriegs­organisation anwerben ließen. Auch wollten sich dort wohnende männliche Personen im wehrpflichtigen Alter dem drohenden Dienst in der polnischen Armee durch Übertritt ins nahe gelegene Gebiet des Protektorats entziehen.

Es trifft daher keineswegs zu, dass es sich bei diesen Leuten hauptsächlich um Volksdeutsche gehandelt habe: Es waren vielfach Schlonsaken, die anti-polnisch gesinnt waren. Kurz nach der Annexion des „Olsa-Gebiets“ kam es Ende Oktober 1938 zusätzlich noch zum Anschluss verschiedener slowakischer Gebietsteile an Polen, so etwa des oberen Tales der Ciernanka (südlich des Teschener Schlesien gelegen unter anderem mit dem Ort Skalite), in dem eine Bahnstrecke von Cadca zum Zwardon-Pass führt. Aus einem der dortigen Orte wurde von Auseinandersetzungen zwischen den slowakischen Bewohnern und den polnischen Besatzern berichtet. Dies brachte dort auch eine geringfügige Verschiebung der polnisch-slowakischen Grenze südlich des Jablunka-Passes.

Das „Olsa-Gebiet“ wurde im Herbst 1939 zusammen mit dem weiter östlich gelegenen Teil des Teschner Schlesien dem Reichsgebiet angeschlossen. Die slowakischen Gebietsteile kamen wieder an die Slowakei zurück. Diese historischen Fakten sollte man meines Erachtens bei der Darstellung des „Falles Jablunka-Pass 1939“ nicht außer Acht lassen.

Arnulf Tobiasch, Fürth

 

 

Eurasische Zukunft

Zu: Mit aller Macht gegen Putin (Nr. 31)

Wie eh und je werden auch im Fall der Ukraine-Krise brandschwarze US-Propagandalügen verbreitet, die von Berlin über Brüssel bis nach Paris untertänig nachgebetet werden. Und das alles im Namen der beweihräucherten, jedoch restlos verluderten westlich-kapitalistischen Wertegemeinschaft.

Wann endlich zeigen die Politiker in Europa den Kriegstreibern in Washington die Rote Karte? Die Zukunft unseres Kontinents wurzelt einzig und allein in einer eurasischen Partnerschaft, aber ohne Nato und dafür im Frieden mit einem starken orthodoxen Russland.

Vincenz Oertle, Gais/Schweiz

 

 

Keiner kann sich Engel nennen

Zu: Gutmenschen am Ende (Nr. 35)

Mit starken, das heißt unmissverständlichen Worten werden in diesem Artikel die Folgen der „Aufhebung des Gewaltverbotes“ – proklamiert durch den islamischen Dschihad und aktuell ausgeführt durch die IS-Truppen – benannt. Dass diese Aufhebung die „sexuellen, destruktiven Energien junger Männer“ in brutalstmöglicher Form „freisetzt“, versetzt nicht ausschließlich nur deutsche „Gutmenschen“ zunächst in Schockstarre, sondern alle „Westler“.

Doch auch die Europäer brauchten Jahrhunderte, um jegliches Gewaltpotenzial in ihren Gesellschaften zu ächten. Ein Beispiel aus der noch nicht lange zurückliegenden Vergangenheit ist zum Beispiel der Terror sowjetischer Truppen an Frauen und Kindern im Raum Königsberg und Danzig, in Pommern und Schlesien, wo sie bei Kriegsende barbarisch wüteten.

Es fehlt mir in dieser Schreckens-Aufzählung der Hinweis, dass vorangegangene barbarische Gräuel sehr wohl auch von deutschen Truppen verübt wurden, so zum Beispiel in den von ihnen überfallenen Ost-Ländern, bei der Blockade von Leningrad, bei der Zerstörung der polnischen Hauptstadt Warschau und an den Juden.

Brunhilde Krüger, Hamburg

 

 

EU-Bürger sollten sich warm anziehen

Zu: Doppelt blöd (Nr: 36)

Meine Generation, die Hitler-Deutschland durch- und überlebte, wird hier spontan an die Worte Goebbels’ vom „Koloss auf tönernen Füßen“ erinnert. Das stimmte sogar – bis Ende Januar 1943. Dann kapitulierte die hochgelobte 6. Armee in Stalingrad einschließlich der dort kämpfenden Rumänen und Ungarn. Von da an erhob sich das russische Heer langsam, aber sicher wie „Phönix aus der Asche“. Erinnert sei an die Verteidigung von Leningrad sowie an die heroischen Leistungen der Heimatfront bei der Verlagerung bedeutender Teile der Rüstungsindustrie in die Weiten Sibiriens. Und das ungebremst inmitten des besonders strengen Winters 1941/42. Der dann massenhaft produzierte hervorragende Panzer T-34 lernte Hitler das Fürchten.

Die Nato-Schildknappen der USA, heute als „Speerspitze“ bezeichnet, wären um des nackten Überlebens halber gut beraten, aus dieser Geschichte die notwendigen Lehren zu ziehen. Die internationalen Kräfte der politischen Vernunft haben das begriffen und formieren sich. An der Spitze steht die Leiterin des Geheimdienst-Ausschusses im USA-Senat, Dianne Feinstein. Sie sagte in einem Interview für den TV-Sender NBC: „Einige Menschen rufen auf abzuwarten, bis die Sanktionen zu wirken beginnen und sich die Wirtschaftslage Russlands verschlechtert. Ich bin damit nicht einverstanden. Die Russen sind sehr tapfer und können lange dulden. Sie werden jegliche wirtschaftlichen Schwierigkeiten überstehen.“

Davon findet sich kein Wort in der deutschen Monopolpresse. Warum? Feinstein ist weiter der Meinung, dass Putin die Unterstützung der Bürger Russlands genießt. „Deshalb werden die Sanktionen der westlichen Länder die Einstellung der Bevölkerung zur Politik Moskaus nicht beeinflussen.“ Direkte Verhandlungen mit der russischen Führung sind nach Ansicht Feinsteins die beste Strategie für die Beilegung der Ostukraine-Krise – und ich darf hinzufügen: zumal in acht Wochen ein übermächtiger Verbündeter Russland zur Seite steht – „Väterchen Frost“.

Koste es, was es wolle! Das ultimative Zudrehen der Gas- und Öl-Versorgung als Antwort auf die weiteren, unverschämten Sanktionsdrohungen wäre nur ein Akt der wirtschaftlichen Selbstverteidigung Russlands. EU-Bürger, zieht Euch warm an!

Dieter Bock, Burgstall


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Gedenkkonzert gegen den Krieg
Veranstaltung und Ausstellung im Königsberger Dom erinnerten an die Bombardierung von 1944

Anlässlich des 70. Jahrestags der Bombardierung Königsbergs hatte Dombaudirektor Igor Odinzow zu einem feierlichen Gedenkkonzert, das künftig jährlich wiederholt werden soll, in den Dom eingeladen, in dem auch eine Ausstellung die Zerstörung der Stadt durch britische Bomber thematisierte.

Der Konzertraum des Königsberger Doms war am Abend des 29. August fast bis auf den letzten Platz besetzt. Neben Bewohnern der Stadt und Touristen waren auch Gruppen aus der Bundesrepublik Deutschland angereist, um dem Ereignis beizuwohnen.

Der Domorganist Artjmo Chatschaturow spielte von Johann Sebastian Bach „Passacaglia in c-Moll“ und gemeinsam mit einer Solistin das „Ave Marie“ von Charles Gounod. Zum Abschluss des Konzerstabends spielte der Domorganist, begleitet von zwei Solisten und einem Chor, das vollständige „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms. Die Anwesenden lauschten sichtlich ergriffen der Musik.

Zuvor hatten zahlreiche Plakate auf das Gedenkkonzert anlässlich des 70. Jahrestags der Zerstörung des Königsberger Doms hingewiesen. Am 29. August 1944 hatten britische Flugzeuge Luftangriffe auf das Stadtzentrum ausgeführt. Während der Bombardierung wurden auch die für ihre verheerende Wirkung berüchtigten Napalmbomben verwendet. Über 200 Flugzeuge waren daran beteiligt, die über 160 Spreng- und etwa 350 Brandbomben über dem historischen Stadtzentrum Königsbergs abwarfen und es in Trümmer verwandelten.

Nach annähernden Schätzungen verloren infolge der Luftangriffe 5000 Zivilisten ihr Leben und zirka 200000 Menschen wurden obdachlos. Dabei wurden auch zahlreiche bedeutende Kultur- und Geschichtsdenkmäler zerstört, das Königsberger Schloss und der Dom wurden ausgebombt.

Um an dieses traurigen Ereignis und an die Ausbombung des Königsberger Doms zu erinnern, hatte Odinzow die Idee, eine Veranstaltung im Dom auf dem Kneiphof, dem Herzstück der massiven Bombardierung, durchzuführen. In Europa wissen viele Menschen etwas über Guernica und Dresden, aber über die Ereignisse vom August 1944 in Königsberg ist den meisten nichts bekannt. Über die Tragödie von Dresden 1945 wurde weltweit berichtet, dabei war die vorausgegangene Zerstörung Königsbergs nicht minder tragisch. Königsberg war die erste Großstadt, in der wissenschaftlich entwickelte Zerstörungsmittel getestet wurden.

Das Gedenkkonzert wurde begleitet von einer Ausstellung, in der die Folgen der Bombardierung für die Stadt gezeigt wurde. Die Wahl des Ortes ist von hoher Symbolik, da auch die Orgel des Doms 1944 ein Opfer der Flammen wurde. Für viele Jahre war ihr Klang verstummt.

Den Nachbau der Orgel, der von Königsberger Meistern elegant dekoriert wurde, führte die deutsche Firma Alexander Schuke aus. Auf dieser Orgel wurde das Requiem-Konzert gespielt.

Am Ende des Gedenkkonzerts sprach Odinzow neben seinem Dank an die Aktiven die Hoffnung aus, dass dieses Konzert zukünftig jeden 29. August stattfinden möge. Odinzow, der für klare Worte bekannt ist, sprach sich gegen Kriege aus und nahm auch Bezug auf die aktuellen Ereignisse in der Ukraine. Er sprach von den Befürchtungen der Gebietsbewohner, dass die Politik den bisherigen Kontakt zum westlich gelegenen Teil Europas beschädigen könne. Er dankte den deutschen Gästen für ihr Kommen, das zeige, dass sie in Königsberg keine „russischen Barbaren“ erwarteten. Jurij Tschernyschew


Restaurieren statt verkaufen
Mehlsack will den Kirchturm der Stadt restaurieren lassen

In Mehlsack [Pieniezno], Kreis Braunsberg, stand lange der Verkauf des Kirchturms der 1851 erbauten neogotischen evangelischen Kirche zur Debatte. Der 28 Meter hohe Bau am städtischen Marktplatz ist nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel errichtet und das letzte Überbleibsel der 1945 teilweise zerstörten und in den 60er Jahren abgetragenen Kirche. Suchte die Stadtverwaltung damals noch nach Käufern zur Rettung des Bauwerks, scheint sie laut einem Beitrag bei Radio Olsztyn vom 15. September die Restaurierung nun selber in die Hand nehmen zu wollen. Der Bürgermeister von Mehlsack, Kazimierz Kiejdo, hält das für möglich: „Der Turm ist ein Teil der Geschichte der Stadt, deshalb liegt uns daran, dass er lange erhalten bleibt. Zur Rettung sind jedoch Gelder notwendig.“ Und zwar 400000 Złoty (rund 95000 Euro), welche die Stadt nun beim Kultusministerium in Warschau beantragen will. Die technische Dokumentation zur Renovierung liegt bereits vor. „Unsere Partnergemeinde Rangsdorf mit ihrem in der evangelischen Kirche aktiven Bürgermeister Klaus Rocher hat uns bei den Kosten dafür sehr unter die Arme gegriffen“, bedankt sich Bürgermeister Kiejdo.

Die Stadt Mehlsack, die in diesem Jahr die Verleihung der Stadtrechte vor 700 Jahren feiert, war zuletzt durch die Auseinandersetzungen um das Denkmal für den in Polen umstrittenen sowjetischen General Iwan Tschernjachowski ins Licht der Öffentlichkeit geraten.

Uwe Hahnkamp


Jubiläumsgeschenk
Modell von Elbings Friedrich-Wilhelm-Platz

Auf dem Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Kassel hatte Hans-Joachim Pfau, der Vorsitzende vom Elbing-Club Pangritz-Kolonie, sein Modell des Fried­rich-Wilhelm-Platzes in Elbing in seinem Aussehen um das Jahr 1919 einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Jetzt hat er das Modell seiner Heimatstadt geschenkt.

In diesem Jahr feiert die Stadt Elbing ihr 777-jähriges Bestehen. Ein Höhepunkt war der „Swieto Chleba“, der Jahrmarkt der regionalen Produkte vom 29. bis 31. August. An jenem Wochenende eröffnete das Archäologisch-Historische Museum in Elbing die Ausstellung „Zeugnisse. Geschichte in Gesichtern – Gesichter der Geschichte“. In ihr geht es um die Erinnerungen ehemaliger Bewohner der Stadt und des Kreises Elbing, die in aufgezeichneten Gesprächen, Dokumenten und Gegenständen dargestellt werden. Zu den Exponaten gehört das Modell des früheren Friedrich-Wilhelm-Platzes, das der gebürtige Elbinger Hans-Joachim Pfau im Rahmen der Vernissage offiziell dem Oberbürgermeister der Stadt, Jerzy Wilk, übergab.

Die Ausstellung „Zeugnisse. Geschichte in Gesichtern – Gesichter der Geschichte“ im Archäologisch-Historisches Museum in Elbing, Bulwar Zygmunta Augusta 11, 82-300 Elbing, ist täglich außer montags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Sonntags ist der Eintritt frei. U.H.


MELDUNGEN

Rekonstruierte Werkstätten

Guttstadt – Im Juli fand die feierliche Eröffnung der restaurierten Altbauten in der Sowinskiegostraße und am Platz Sw. Katarzyny statt. Die Gebäude sollen als Stätten der Bildung und Kultur genutzt werden. In vier Räumen wurden bereits handwerkliche Werkstätten rekonstruiert für einen Fotografen, einen Schneider, einen Schuhmacher und einen Friseur. Die weiteren Räumlichkeiten werden auch als Museum dienen. Die Restaurierung wurde mit Mitteln der Europäischen Union und der Gemeinde finanziert und kostete insgesamt 5,5 Millionen Zloty (rund 1,3 Millionen Euro). Die Altbauten kann man dienstags bis sonntags von 12 bis 14 Uhr und am Wochenende zusätzlich von 16 bis 18 Uhr besichtigen. PAZ

 

Polnische Ermland-App

Allenstein – „Przewodnik po Warmii“ (Reiseführer Ermland) heißt das erste Anwendungsprogramm (App) für Smartphones über das Ermland. Es gibt sechs Kategorien: historische Ereignisse, historische Persönlichkeiten, interessante Orte, aktive Erholung, Handel und Dienstleistungen, Veranstaltungen. Dank der Ortsbestimmung kann jeder Benutzer schnell feststellen, welche Sehenswürdigkeiten in der Nähe zu sehen sind, wo er übernachten kann oder wo sich die nächste Kanustrecke befindet. Die App wurde von der ermländisch-masurischen Selbstverwaltung finanziert und ist kostenlos herunterzuladen. Leider ist sie nur auf Polnisch. PAZ

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S22: Brücke auf der Passarge, Renovierung. Straße Nr. 7: Fiugajny – Schwenteinen [Swietajny], Mähen der Randstreifen. Straße Nr. 15: Rakowitz, Kreis Neumark [Rakowice], Straßenumbau. Straße Nr. 16: Nikolaiken [Mikołajki], Baustellen; Kreuzdorf [Krzyzewo] – Reiffenrode [Prawdziska], Baustelle. Straße Nr. 16c: Allenstein [Olsztyn] – Wartenburg [Barczewo], Baustelle. Straße Nr. 22: Elbing (Elblag] – Rehfeld [Grzechotki], Baustelle. Straße Nr. 57: Klein Schöndamerau [Trelkówko] – Eichtal [Debówko], Baustelle; Ortelsburg [Szczytno], Renovierung der Straßen. Straße Nr. 58: Kurken [Kurki], Brückenbau, einspurig; Rudczanny-Nieden [Ruciane-Nida] – Johannisburg [Pisz] – Bialla [Biała Piska], Renovierung der Straße. Straße Nr. 58b: Johannisburg [Pisz], Czernieckiegostraße, Baustelle. 63: Primsdorf [Prynowo], Renovierung der Brücke. Straße Nr. 65: Teuburg [Olecko] – Lyck [Ełk], Ortschaft Herzogskirchen [Gaski], Baustelle; Prostken [Prostki] – Bogusze, Baustelle. PAZ


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

wenn ich in Gesprächen mit Nichtlesern der PAZ auf die Erfolge unserer Ostpreußischen Familie zu sprechen komme, stoße ich oft auf Skepsis oder sogar Unverständnis. Wie soll es denn möglich sein, dass sich heute noch allein durch einen kleinen Zeitungsbericht ehemalige Freunde, Bekannte oder sogar Verwandte, von denen man seit Flucht und Vertreibung nichts mehr gehört hatte, zusammen finden? Und das oft nach Jahrzehnten erfolgloser Suche? Ich kann dann den Ignoranten gut begegnen, indem ich einfach eine Familie-Seite hervorhole, in der solch ein Wiedersehen geschildert und damit belegt wird. Das vermag demnächst auch die heutige Seite zu sein, denn wir können wieder von einer erfolgreichen Suche berichten, die zwei Schulfreundinnen von einst nach über 70 Jahren zusammengebracht hat.

Die Suchende ist Frau Waltraud Wagener geborene Plack, die Gesuchte Frau Erika Zenthöfer, der Schulort war Lötzen. Dort besuchten beide bis zur Flucht das Lyzeum. Dritte im Bunde war damals Irmgard Scheller. In der Nachkriegszeit bekam Waltraud Kontakt zu Irmgard und blieb mit ihr verbunden. Vergeblich verlief dagegen die Suche nach Erika, die auch lange Zeit durch einen Auslandsaufenthalt von Waltraud unterbrochen wurde. Erst in den vergangenen Jahren startete Waltraud neue Versuche, so auf Empfehlung von Frau Ute Eichler, auch über unsere Ostpreußische Familie. In Folge 29/13 brachten wir ihren Suchwunsch, aber wie immer bei Mädchennamen schwingt da auch eine leise Befürchtung mit, dass die Gesuchte deshalb nicht erreicht wird, weil sie inzwischen durch Heirat einen anderen Namen trägt. Dass dies auch bei Erika der Fall war, bestätigte uns jetzt Anfang September Frau Wagener in einem kurzen Schreiben:

„Ich kann Ihnen heute die freudige Mitteilung machen, dass sich meine Freundin Erika Zenthöfer – jetzt verheiratete Schwarz – bei mir gemeldet hat. Vielleicht haben auch meine Nachfragen beim großen Ostpreußen-Treffen in Kassel geholfen, den Kontakt herzustellen. So sind wir – Schulfreundinnen aus Lötzen – nach 70 Jahren wieder in Verbindung gekommen. Meine Freude darüber war riesengroß!“

Und die ihrer wiedergefundenen Freundin mit Sicherheit auch. Auf welchem Wege sie sich gefunden haben, dürfte uns auch schon interessieren, da hier – wie ich richtig vermutete – der Fall der Namensänderung vorliegt. Doch darüber werden wir wahrscheinlich noch mehr erfahren, vielleicht auch von einem Treffen der ehemaligen Schulkinder aus Lötzen – nunmehr im Seniorenalter?

Zu einer anderen Suchfrage, die Frau Wagener gestellt hatte, kam leider bisher nicht der geringste Hinweis. Es handelte sich um die Klärung des Schicksals ihres Vaters Otto Plack aus Lötzen, der seit den Kämpfen bei Fischhausen im Januar 1945 als Volkssturmmann vermisst ist. Vielleicht zählt er zu den 65 unbekannten deutschen Soldaten, die auf dem Friedhof in Fischhausen liegen, wie am Ende der dort verzeichneten Namensliste vermerkt ist. Auch der Bruder von Frau Brigitte Lenz aus Ratingen könnte hier liegen, wie sie nach einem Besuch des Friedhofes vermutete. Bei jedem Aufenthalt in ihrer samländischen Heimat – und das sind inzwischen schon zwölf Reisen! – versucht Frau Lenz, irgendwelche Spuren zu finden. Sie hat auch alle nur möglichen Such- und Informationsstellen in der Bundesrepublik Deutschland, Königsberg und Russland bemüht – vergebens. Jetzt ruht ihre letzte Hoffnung auf unserer Ostpreußischen Familie. Frau Brigitte Lenz schreibt:

„Mein Vater ist nach seiner Verwundung im Samland in einem Lazarett in der Nähe von Aalborg am 1. Mai 1945 verstorben. Mein Bruder wurde am 20. Januar in Neukuhren mit 17 Jahren vom Fliegerhorst Neukuhren zum Militärdienst einberufen. Meine Mutter und ich gingen auf die Flucht und kamen bis Danzig. Von dort wurden wir von Wehrmachtsangehörigen wieder zurück in das Samland mitgenommen, als die Russen vor Danzig standen. Ende März bekamen wir vom Fliegerhorst Neukuhren Bescheid, dass mein Bruder Hans-Günter Link am 24. März in Heiligenbeil verwundet wurde und in das Lazarett Elenskrug bei Großheidekrug gebracht worden ist. Am 7. April machte sich meine Mutter auf den Weg, um mit dem Zug dorthin zu fahren. In Gr. Dirschkeim wurden sie von Tieffliegern beschossen, wobei meine Mutter am Bein verwundet und in das Lazarett in Rauschen gebracht wurde. Von dort holte ich sie mit einem Pferdewagen ab, um sie nach Neukuhren zurück zu bringen. Seitdem wissen wir nichts von meinem Bruder, der als vermisst gilt.“

Brigitte Lenz hat sich bisher vergebens bemüht, etwas über Elenskrug zu erfahren. Nun war dies nur ein kleiner Ort, der aus mehreren Gehöften und einer Försterei bestand. Zwei Häuser sollen noch stehen. Vielleicht kann jemand, der aus Elenskrug oder Großheidekrug stammt, Frau Lenz mehr über den Ort berichten, ob es da ein Lazarett gegeben hat und wo es sich gegebenenfalls befand. Vielleicht findet sich sogar ein Leser, der auch in diesem Lazarett war, ob als Verwundeter oder als Sanitäter. Und wo wurden die in Elenskrug Verstorbenen beerdigt? Frau Lenz will trotz ihres hohen Alters noch einmal in die Heimat reisen, alles ist schon vorbereitet, und es wäre schön, wenn sie mit guten Informationen und Ratschlägen versehen auf die Reise gehen könnte. Bei ihrem diesjährigen Aufenthalt besuchte sie mit ihrer russischen Freundin auch die Friedhöfe in Pillau und an der Cranzer Allee in Königsberg, auf dem sie das Kreuz mit dem Namen von Bernhard Dauskardts Vater fand. Es stimmt leider, dass es in Königsberg keinen Hinweis gibt, der auf diese Grabstätte, über die Bernd Dauskardt in Folge 27 berichtet hat, hinweist, und sie dadurch schwer auffindbar ist. Erfreulich ist aber zu wissen, dass die auf eigener Erfahrung beruhenden Informationen, die unsere Familie aus unserem Leserkreis, und damit „aus erster Hand“, erhält, auch zur Anwendung kommen. (Brigitte Lenz, Am Geist 14 in 40885 Ratingen, Telefon 02102/35326.)

Um einen Gedenkstein für die Gefallenen und Vermissten, die dort in den letzten Kriegstagen im Volkssturm eingesetzt wurden, handelt es sich auch bei der Anfrage von Herrn Hans Arenhold aus Kerpen-Sindorf. Er steht nicht in den ehemaligen Kampfgebieten, sondern in der Lüneburger Heide, wobei es fraglich ist, ob er überhaupt noch vorhanden ist, denn er wurde bereits in den ersten Jahren nach Kriegsende errichtet. Es soll sich um einen Findling mit den Namen von etwa 30 Gefallenen und Vermissten aus Königsberg handeln. Wer ihn errichtet hat, ist unklar, jedenfalls geschah dies nicht von offizieller Seite, sondern von Vertriebenen aus Ostpreußen, die für ihre Angehörigen fern der Heimat ein bleibendes Gedenken schaffen wollten. Herr Arenhold stieß auf diesen Gedenkstein bei der Erarbeitung seiner Familiengeschichte, denn der Name des Vaters seiner Schwägerin ist auf dem Findling vermerkt: Artur Otto Ewert, geboren am 26. April 1902 im Kreiskrankenhaus (KKH) der Polizei in Königsberg. Es geht nun darum festzustellen, ob und gegebenenfalls wo der Stein noch steht, es müsste irgendwo im Raum Walsrode-Soltau-Fallingbostel sein. Vielleicht befindet er sich auf einem Privatgrundstück – da er ursprünglich wohl von Angehörigen der Gefallenen in Eigeninitiative errichtet wurde und dadurch auf keinem öffentlichen Platz aufgestellt werden konnte –, vielleicht auf einem Heidefriedhof, oder er liegt überwuchert auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz. Ich selber kenne diese Gegend sehr gut, denn als damalige Reporterin gehörte die Lüneburger Heide zu meinem besonderen Aufgabengebiet. Meine Kenntnisse konnte ich später für den Reiseführer „Die Lüneburger Heide kennen und lieben“ gut gebrauchen. Der Stein wäre mir als Königsbergerin sofort aufgefallen, und ich hätte ihn mit Sicherheit auch in meinem Buch erwähnt. Habe ich aber nicht, und so muss ich also auf Wunsch von Herrn Arenhold die Frage an unsere Familie weiterreichen, und das ist gut so. Denn als Informanten kommen nicht nur unsere Leser aus der Heide infrage, sondern auch Angehörige der auf dem Stein verzeichneten Königsberger. Also: Wer erinnert sich an den Gedenkstein für die Gefallenen aus Königsberg, wer hat ihn damals errichtet, steht er noch und gegebenenfalls wo? Ganz besonders ist Herr Arenhold an einer Abbildung des Steins interessiert. (Hans Arenhold, Hermann-Löns-Straße 23 in 50170 Kerpen-Sindorf, Telefon/Fax 02273/55889.)

Und wieder muss ich den Gedenkstein in das Gedächtnis unserer Leserinnen und Leser rücken, der auf dem alten Luisenfriedhof in Königsberg steht und der dem Andenken der im Nachkriegselend verstorbenen elternlosen Kinder gewidmet ist. Errichtet von ihren überlebenden Leidensgefährten, die sich im späten Alter zu der losen Vereinigung „Kinder Königsbergs“ zusammenschlossen. Wir haben immer wieder über diese Gruppe berichtet, zuletzt über die Planung eines Sammelbandes mit den Erinnerungen der heutigen Senioren. Aufmerksamen Lesern, welche die Aktivitäten dieses Kreises verfolgten, wird aufgefallen sein, dass bei dem Aufruf zur Beteiligung an dem Sammelband ein Name fehlte, der bisher für die Eigeninitiative dieser ehemaligen Königsberger Waisenkinder stand, nämlich der von Helga van de Loo. Sie war es, die vor einigen Jahren, als die lose Gruppierung feste Formen angenommen hatte, mit der Bitte um Veröffentlichung an uns herantrat, unsere Leser über Sinn und Zweck der Vereinigung zu informieren und weitere Schicksalsgefährten zu erfassen. So bildete sich im Laufe der Jahre eine erfreuliche Zusammenarbeit, es kam zu persönlichen Begegnungen auf den Tagungen der Gruppe in Bad Pyrmont, und ich lernte Frau van de Loo als eine tatkräftige Frau kennen, die nicht nur ihr Schicksal meisterte, sondern auch anderen bei der Bewältigung des Erlebten half. Ihre Aktivitäten bereicherten auch unsere Ostpreußische Familie mit Wort und Bild. Nun teilte Frau van de Loo uns mit, dass sie sich „ausgeklinkt“ habe. Gegebenheiten in der Familie, Alter und Gesundheit begründeten den ihr sehr schwer gefallenen Entschluss. „Ich habe mich nach gründlicher Abwägung nach dem diesjährigen Treffen kurz entschlossen, mein bisheriges aktives Einbringen in den Kreis der ,Kinder Königsbergs‘ aufzukündigen. Ich war Jahre mit ganzem Herzen und Einsatz in diesem Kreis tätig. Gelungen ist mir dies aber auch nur durch die beispielhafte großartige verlässliche Unterstützung.“ Die sie vor allem von Frau Hannelore Müller erhielt, mit der sie herzlich verbunden bleibt. Auch uns gilt Frau van de Loos Dank in ihrem Abschiedsbrief. Auch wenn er an mich persönlich gerichtet ist, so betrifft er unsere ganze Ostpreußische Familie: „Sie waren und sind unser Halt, das vertrauensvolle Bindeglied unseres Kreises, Sie haben uns in unserem Selbstvertrauen unendlich gestärkt und viel gegeben. Danke!“

Dafür sagen wir nun Dank und hoffen, dass wir mit Ihnen, liebe Frau van de Loo, auch weiter verbunden bleiben. Dass Sie uns für die heutige Kolumne einen flüssigen Übergang zu unserem heutigen Sonderbeitrag gegeben haben, konnten Sie nicht ahnen, als Sie in Ihrem Brief auch dankbar die Zusammenarbeit mit der in Estland lebenden Königsbergerin Anne Rekkaro – liebevoll „Roosi“ genannt – erwähnen. Über diese ungemein kreative Frau hat uns Frau Brunhilde Krüger aus Hamburg schon oft berichtet, und so informiert sie uns auch heute über die neuesten Aktivitäten von Anne Rekkaro.

Eure Ruth Geede


Eine alte Knopfschachtel als Erbe
Anne Rekkaro erzählt von ihrer Kindheit in Estland

Roosi – ja, so wurde Anne Rekkaro in ihrer Kindheit von ihrer estnischen Adoptivmutter genannt, und damit führte sie den Kosenamen weiter, den ihr die leibliche Mutter gegeben hatte: Röschen. Das war in Königsberg gewesen, wo Roosi 1943 als Roswitha-Anne Browarzyk geboren wurde und die ersten Jahre noch in der Obhut ihrer Mutter verbringen konnte, bis deren Kräfte nachließen und dem Kind der Hungertod drohte. Die Vierjährige wurde von einer Estin gerettet, deren sorgsamer Pflege es zu verdanken war, dass „Roosi“ zu einer in sich gefestigten Frau heranwuchs, die ihr nicht immer leichtes Schicksal meisterte. Und die ihre Königsberger Kindheit nie vergessen konnte und auch nicht wollte, im Gegenteil: Anne Rekkaro hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Schicksal der Stadt und ihrer Bewohner den Esten nahe zu bringen. Was zuerst auf viele Schwierigkeiten stieß, als sie das Buch „Frauen in Königsberg 1945 bis 1948“ übersetzen wollte. Das Vorhaben gelang dann aber doch mit Hilfe ihres inzwischen in Deutschland gewonnenen Freundeskreises, zu dem auch Helga van de Loo zählt. Und zwar so erfolgreich, dass Anne Rekkaro sich an das nächste Objekt wagte und das Buch „Iwan, das Panjepferd“ von Heinz Buchholz ins Estnische übersetzte. Und da auch dieses auf großes Interesse bei den estnischen Lesern stieß, nahm sie sich ein drittes Buch vor: „Ich sah Königsberg sterben“ von Hans Deichelmann.

Das nun vorliegt, wie uns Frau Brunhilde Krüger aus Hamburg mitteilt, denn sie erhielt soeben dieses dritte Übersetzungswerk von Frau Rekkaro übersandt. Die Königsbergerin fühlt sich ihrer „Landsfrau“ in steter Hilfsbereitschaft eng verbunden, seit sie sich im Oktober 2007 bei einem Treffen der Königsberger in Hamburg zufällig begegneten. Daraus erwuchs eine feste Freundschaft, die sich in persönlichen Begegnungen und einem permanenten Briefdialog festigte. Der von Anne Rekkaro dankbar angenommen wird, wie ihre letzte Antwort auf Frau Krügers Brief mit zusätzlichem aktuellen Infomaterial beweist: „Heute habe ich einen dicken Briefumschlag bekommen, große Überraschung! Jetzt fühle ich mich wie mit Muttis Knopfschachtel – so viel Interessantes!“ Und was Anne Rekkaro darunter versteht, hat sie als Kindheitserinnerung zu Papier gebracht, wobei sie beweist, dass sie nicht nur eine gute Übersetzerin ist, sondern auch als Erzählerin bestehen kann. Deshalb wollen wir gerne auf Frau Krügers Vorschlag eingehen und diese liebevolle Schilderung von Anne Rekkaro bringen, die einen Einblick in den neuen estnischen Familienkreis des Königsberger Kindes gewährt, in dem vor allem die älteren Frauen ein gutes Deutsch sprachen. Das trug wohl dazu bei, dass „Roosi“ ihre Muttersprache nie verlernte, sondern sie in ihre Literaturarbeit so erfolgreich einbringen kann.

Anne Rekkaro, „Die Knopfschachtel“:

„Ich hatte wirklich diese große Pappschachtel sehr lieb, als ich noch Kind war. Wenn meine Pflegemutter einen Knopf brauchte, nahm sie die Schachtel aus dem Kleiderschrank, legte Zeitungspapier auf die Tischdecke und kehrte die Schachtel darauf um. Es waren nicht hunderte, nein tausende Knöpfe, alte und neue, aus jedem Winkel der Erde. Man hatte eine Großmutter in Petersburg gehabt, eine Tante in Amerika, eine Cousine in Deutschland, die ihre alten Kleider ins ,arme Ost‘ geschickt hatten. Oder bei einem Besuch einfach nicht mehr mitnehmen wollten.

In der ersten estnischen Zeit (1918–1940) hatte man die Möglichkeit, viel zu verreisen und brachte dann auch immer moderne Kleider aus ,Europa‘ mit. Nach dem Zweiten Weltkrieg warf man nichts weg. Alles, auch der kleinste Knopf war wertvoll, denn die Läden waren leer. Große Kaufhäuser gab es ja noch nicht. Wir lebten wie alle Esten von Vielem, das man noch vor dem Krieg gekauft hatte: Nadel, Faden, Wolle, Bettwäsche und anderes mehr. Alle Knöpfe, die man brauchte, schnitt man ab und bewahrte sie in der Schachtel. Und diese war spannender als ein Abenteuerbuch – die gab es sowieso nicht bei uns. Du suchtest dir einen Knopf heraus und gleich fing meine Pflegemutter an zu erzählen: von welchem Kleid oder Mantel er stammte, wem er gehört hatte, wo der Träger oder die Trägerin gelebt hatte – eben alles, was mit dieser Person verbunden war, auch über die Zeit und das, was damals in der Welt geschah. Es waren keine Märchen, meine Pflegemutter erzählte mir nie welche. Sie berichtete nur von dem, was in Ingels Familie geschehen war. Sie war eine geborene Ingel (Engel), und ich fand diesen selten vorkommenden Namen sehr schön. Ihr Vorname war Selma, und der ihrer Schwester, mit der wir zusammen wohnten, Frieda. Am Ende ihrer Erzählung sagte sie manchmal: ,Da müssen noch einige solcher Knöpfe sein, kannst sie heraussuchen.‘ Das tat ich gerne, und wenn ich sie alle hatte, band ich sie mit einem Faden zusammen. Später bestand der Inhalt der Schachtel aus lauter kleinen Knopfbünden und Einzelknöpfen in Plastiktüten. Und so habe ich diese Knopfschachtel als Erbe bekommen.“

R.G.


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 101. GEBURTSTAG

Druba, Gerda, geb. Kawald, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 20. September

ZUM 98. GEBURTSTAG

Eggert, Bernhard, aus Ortelsburg, am 21. September

Merkert, Frieda, geb. Hasse, aus Bilderweiten, Kreis Ebenrode, am 21. September

ZUM 96. GEBURTSTAG

Hattan, Gertrud, geb. Follmann, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 22. September

May, Ida, geb. Krawelitzki, aus Lyck, Königin-Luisenplatz 3, am 24. September

Sieg, Herbert, aus Schlöppen, Kreis Treuburg, am 25. September

ZUM 95. GEBURTSTAG

Darge, Hildegard, geb. Dannenfeldt, aus Lyck, Lycker Garten 53, am 25. September

Dinkat, Eva, geb. Teich, aus Rokitten, Kreis Elchniederung, am 22. September

Ködel, Hildegard, geb. Rasch, aus Eibenau, Kreis Treuburg, am 23. September

Paschke, Gerhard, aus Haldenau, Kreis Ebenrode, am 25. September

ZUM 94. GEBURTSTAG

Adomat, Heinz, aus Dorf Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 25. September

Appenowitz, Gustav, aus Amalienhof, Kreis Ebenrode, am 26. September

Habermann, Kurt, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 21. September

Müller, Margarete, geb. Adomeit, aus Wehlau, am 26. September

Wendler, Gerhard, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 25. September

Westermann, Elly, geb. Wilzopolski, aus Stosnau, Kreis Treuburg, am 25. September

Winderlich, Martha, geb. Dziedo, aus Schelasken, Kreis Lyck, am 22. September

ZUM 93. GEBURTSTAG

Brockmann, Ursula, geb. Szill, aus Weißensee, Kreis Wehlau, am 24. September

Gehrmann, Ella, geb. Schmidt, aus Kerpen, und aus Alt Christburg, Kreis Mohrungen, am 20. September

Karrasch, Gerda, geb. Specka, aus Mingfen, Kreis Ortelsburg, am 22. September

Kutz, Iris, geb. Pflaumbaum, aus Schellendorf, Kreis Ebenrode, am 24. September

Marzinzig, Hildegard, geb. Effenberger, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 139/140, am 22. September

Meller, Erika, geb. Michaelis, aus Pobethen, Kreis Samland, am 22. September

Moscinski, Käte, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 24. September

Pfeffer, Alice, geb. Schimkat, aus Stobingen, Kreis Wehlau, am 23. September

Richter, Hildegard, geb. Neitz, aus Schloßbach, Kreis Ebenrode, am 24. September

Rogner, Erika, geb. Didt, aus Pillau, Kreis Samland, am 23. September

Steffens, Sophie, aus Heldenfelde, Kreis Lyck, am 26. September

Willert, Fritz, aus Voerde, am 24. September

Wöckner, Hedwig, geb. Krüger, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 26. September

ZUM 92. GEBURTSTAG

Daumen, Friedel, geb. Neumann, aus Groß Hoppenbruch, Kreis Heiligenbeil, am 22. September

Fischer, Herbert, aus Friedrichsthal, Kreis Wehlau, am 23. September

Görke, Erhard, aus Schalben, Kreis Samland, am 26. September

Heiner-Karohl, Irene, aus Allenstein, am 22. September

Ketelhake, Hildegard, geb. Bardeck, aus Groß Allendorf, Kreis Wehlau, am 23. September

Olschewski, Helmut, aus Langenhöh, Kreis Lyck, am 23. September

Piefke, Christa, geb. Radtke, aus Ebenrode, am 24. September

Quaschnowitz, Helga, geb. Reimer, aus Neusorge/Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 20. September

Schäfer, Hilda, geb. Sprenger, aus Wehlau, am 23. September

Schilling, Gernot, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 25. September

ZUM 91. GEBURTSTAG

Banaski, Walter, aus Martinshagen, Kreis Lötzen, am 21. September

Czekay, Johannes, aus Reichensee, Kreis Lötzen, am 24. September

Döbbeling, Herta, geb. Kowalewski, aus Lyck, Steinstraße 13, am 26. September

Heller, Gertrud, aus Krattlau, Kreis Samland, am 22. September

Knothe, Frieda, geb. Brozio, aus Goldenau, Kreis Lyck, am 26. September

Kruska, Emma, geb. Aleoschat, aus Grünau, Kreis Tilsit-Ragnit, am 22. September

Milkuhn, Renate, geb. Tomeschat, aus Rauschen, Kreis Samland, am 26. September

Nowak, Irmgard, geb. Rautenberg, aus Eichen, Kreis Preußisch Eylau, am 24. September

Steffens, Waltraud, geb. Schulz, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 26. September

ZUM 90. GEBURTSTAG

Czichy, Ulrich, aus Lyck, am 21. September

Danowski, Elly, geb. Malso, aus Grabnick, Kreis Lyck, am 22. September

Falinski, Otto, aus Magdalenz, Kreis Neidenburg, am 20. September

Godkewski, Christel, geb. Kasimir, aus Groß Blumenau, Kreis Ortelsburg, am 24. September

Heerde, Traute, geb. Bergatt, aus Rauschen, Kreis Samland, am 21. September

Herwig, Anneliese, geb. Moyseszyk, aus Treuburg, am 20. September

Hinz, Lothar, aus Neufrost, Kreis Elchniederung, am 23. September

Korinth, Gerda, aus Gerhardsweide, Kreis Elchniederung, am 25. September

Kulschewski, Frieda, geb. Pusch, aus Eiserwagen, Kreis Wehlau, am 25. September

Nagler, Edith, geb. Szogs, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 22. September

Naujok, Artur, aus Wilhelmsbruch, Kreis Elchniederung, am 26. September

Philipp, Reinhold, aus Wehlau, am 21. September

Romani, Gertrud, geb. Browarzik aus Wallenrode, Kreis Treuburg, am 21. September

Rughase, Edith, geb. Pauluhn, aus Plibischken, Kreis Wehlau, am 25. September

Schendel, Rudi, aus Groß Birkenfelde, Kreis Wehlau, am 20. September

Schmidt, Christel, geb. Niklowitz, aus Winsken, Kreis Neidenburg, am 24. September

Seidel, Edith, geb. Wassel, aus Groß Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 20. September

Spitz, Kurt, aus Neukuhren, Kreis Samland, am 21. September

Thiel, Ruth, aus Gutenborn, Kreis Lyck, am 25. September

Thurau, Lydia, geb. Niedzwetzki, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 21. September

Wüsthoff, Gerda, geb. Hetz, aus Raging, Kreis Elchniederung, am 21. September

ZUM 85. GEBURTSTAG

Bartschat, Gerhard, aus Dünen, Kreis Elchniederung, am 21. September

Becker, Werner, aus Kiöwen, Kreis Treuburg, am 20. September

Bernt, Margarete, geb. Gesick, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 20. September

Blazejewski, Hans, aus Soldau, Kreis Neidenburg, am 23. September

Brandau, Hildegard, geb. Brozio, aus Petzkau, Kreis Lyck, am 20. September

Buczkowski, Lieselotte, geb. Samorski, aus Wilhelmsthal, Kreis Ortelsburg, am 26. September

Chitralla, Gerhard, aus Krupinnen, Kreis Treuburg, am 24. September

Dragun, Kurt, aus Maldanen, Kreis Ortelsburg, am 26. September

Fischer, Erika, geb. Feege, aus Lentenbude, Kreis Elchniederung, am 26. September

Gelies, Horst, aus Schneckenmoor im Gutsbezirk Schnecken Forst, Kreis Elchniederung, am 21. September

Goullon-Pauliks, Anneliese, aus Allenbruch, Kreis Lötzen, am 23. September

Grabley, Hildegard, geb. Wembdzio, aus Bärengrund, Kreis Treuburg, am 26. September

Grashoff, Käthe, geb. Baltrusch, aus Skaten, Kreis Wehlau, am 21. September

Hahn, Eleonore, geb. Nikolayzik, aus Prostken, Kreis Lyck, am 21. September

Kasper, Elvira, geb. Pruga, aus Dingeln, Kreis Treuburg, am 22. September

Keyser, Waltraut, geb. Wieberneit, aus Treuburg, am 26. September

Kowalzik, Hans, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 24. September

Krutzki, Annelise, geb. Bubrecht, aus Schönhöhe, Kreis Ortelsburg, am 24. September

Labusch, Manfred, aus Freudengrund, Kreis Ortelsburg, am 24. September

Morgalla, Liesbeth, geb. Wembdzio, aus Bärengrund, Kreis Treuburg, am 26. September

Nickel, Gerhard, aus Grieben, Kreis Ebenrode, am 20. September

Pawlowski, Gisela, geb. Biernatzki, aus Garbassen, Kreis Treuburg, am 24. September

Pichler, Ruth, geb. Blanck, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 20. September

Rahn, Edith, geb. Girnuss, aus Finkenhagen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 23. September

Ramin, Elsbeth, geb. Block, aus Zinten, Oberthorstraße 3, Kreis Heiligenbeil, am 25. September

Schneider, Gertrud, geb. Albrecht, aus Rodebach, Kreis Ebenrode, am 26. September

Sohlich, Kristel, geb. Kowalewski, aus Sonnau, Kreis Lyck, am 21. September

Taufferner, Gudrun, aus Groß Ponnau, Kreis Wehlau, am 25. September

Ulke, Werner, aus Peyse, Kreis Samland, am 25. September

Wengerowski, Alfred, aus Eichensee, Kreis Lyck, am 22. September

Werner, Siegfried, aus Königsberg, am 17. September

ZUM 80. GEBURTSTAG

Arndt, Albert, Grünwalde, Kreis Heiligenbeil, am 20. September

Bulle, Helga, geb. Brandstaeter, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 20. September

Christeleit, Horst, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 22. September

Draeger, Willy, aus Sarken Kreis Lyck, am 24. September

Drewinski, Frieda, geb. Eiben, am 22. September

Gobert, Erika, geb. Ebert, aus Augam, Kreis Preußisch Eylau, am 20. September

Gudergan, Ruth, geb. Kobuss, aus Gellen, Kreis Ortelsburg, am 24. September

Hardt, Edith, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 25. September

Harz, Christel, geb. Lask, aus Schelasken, Kreis Lyck, am 23. September

Hermanns, Helmut, aus Pelkeninken, Kreis Wehlau, am 20. September

Klimmek, Werner, aus Stosnau, Kreis Treuburg, am 21. September

Kulikowski, Ernst, aus Hügelwalde, Kreis Ortelsburg, am 26. September

Lenski, Werner, aus Ortelsburg, am 23. September

Luhm, Liane, geb. Hildebrandt, aus Neidenburg, am 20. September

Malonnek, Ernst, aus Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 23. September

Marquaß, Albert, aus Taplacken, Kreis Wehlau, am 26. September

Matzick, Dietrich, aus Herdenau, Kreis Elchniederung, am 23. September

Nahas, Ursula, geb. Ehlert, aus Lyck, am 22. September

Olschewski, Friedrich-Wilhelm, aus Kielen, Kreis Lyck, am 22. September

Reis, Erika, geb. Schulz, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 24. September

Rohloff, Horst, aus Wehlau, am 23. September

Röttgers, Waltraut, geb. Kutschmann, aus Jägerhöh, Kreis Elchniederung, am 25. September

Schönwald, Hans, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 26. September

Seidler, Ulrich, aus Statzen, Kreis Treuburg, am 21. September

Spodeck, Christel, aus Treuburg, am 23. September

Stadie, Siegfried, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 28. September

Stuckly, Gudrun, geb. Pultke, aus Partheinen, Kreis Heiligenbeil, am 24. September

Stutzke, Alfred, aus Lyck, am 25. September

Trimkowski, Horst, aus Wallenrode, Kreis Treuburg, am 22. September

Wiberny, Helmut, aus Wiesenhöhe, Kreis Treuburg, am 22. September

ZUM 75. GEBURTSTAG

Adler-Raudszus, Gerda, geb. Raudszus, aus Tannenhöhe, Kreis Elchniederung, am 25. September

Bajohr, Alfred, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 21. September

Bednarz, Hannelore, geb. Juschka, aus Dannenberg, Kreis Elchniederung, am 26. September

Behnert, Burghardt, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 22. September

Brillert, Eleonore, geb. Skornetzki, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 26. September

Dietz, Irma, geb. Bödder, aus Groß Michelau, Kreis Wehlau, am 25. Septemberz

Dobbe, Ethel, geb. Guse, aus Malgaofen, Kreis Neidenburg, am 24. September

Fischer, Erich, aus Pobethen, Kreis Samland, am 24. September

Gorny, Wolfgang, aus Schwentainen, Kreis Treuburg, am 23. September

Grenz, Erwin, aus Quilitten, Kreis Heiligenbeil, am 21. September

Gritto, Otto, aus Wilmsdorf, Kreis Wehlau, am 23. September

Grube, Ewald, aus Ortelsburg, am 25. September

Kimmel, Hilde, geb. Konopka, aus Friedrichsheide, Kreis Treuburg, am 20. September

Kranke, Detlef, aus Sorgenau, Kreis Samland, am 26. September

Laser, Gerda, geb. Fomferra, aus Rohmanen, Kreis Ortelsburg, am 26. September

Lehmann, Heinz, aus Trammen, Kreis Elchniederung, am 21. September

Oehsen, Ursula, geb. Schneider, aus Drusken, Kreis Ebenrode, am 26. September

Schröder, Hildegard, geb. Blume aus Rosenfelde, Kreis Wehlau, am 24. September

Sprie, Karl, aus Sarkau, Kreis Samland, am 21. September

Ties, Manfred, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 23. September

Goldene Hochzeit

Pusch, Egon, aus Hochmühlen, Kreis Ebenrode, und Ehefrau Karin, geb. Schmidt, aus Nordhastedt, am 25. September


S. 16-17 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERAPP (DARKEHMEN)

Kreisvertreterin: Edeltraut Mai, Weißdornweg 8, 22926 Ahrensburg, Telefon (04102) 823300, Internet: www.angerapp.com

Am 30. August fand in unserer Patenstadt Mettmann das Jahreshaupttreffen der Kreisgemeinschaft statt. Auf der Tagesordnung stand die Wahl des Kreistages und des Kreisausschusses. In der öffentlichen Sitzung wurden folgende Landsleute gewählt: Walter Erzmoneit (Konradshof), Brigitta Gehre (Angerapp), Heinz Hohmeister (Rüttelsdorf), Lothar Kapteinat (Schanzenhöh), Edeltraut Mai (Ballethen), Hannelore Mieczarek (Grieswalde), Fritz Pauluhn (Kl. Lautersee), Siegfried Raudonat (Grieswalde), Dietrich Rose Angerapp), Gitta Schawohl (Jürgenfelde), Annette Wiethoff (Angerapp). Als Kreisvertreterin wurde Edeltraut Mai einstimmig wiedergewählt.

Am 31. August 2014 fand die Feier anlässlich des Bestehens der 60-jährigen Patenschaft mit der Stadt Mettmann statt. Die Stadt hatte uns eine würdevolle Ausgestaltung unserer gemeinsamen Feier bereitet. Viele Landsleute waren erschienen, unter anderem unsere 98-jährige Dora Schenderlein (Angerapp) und unsere 93-jährige Frieda Rehagen (Angerapp). Die Kreisvertreterin überreichte diesen beiden treuen Teilnehmerinnen jeweils einen großen Blumenstrauß. Aus Osjorsk waren der stellvertretende Landrat und die Verwaltungsdirektorin aufgrund der Einladung des Bürgermeisters der Stadt Mettmann angereist. Zu unserer Feierstunde waren die ehemaligen Bürgermeister der Stadt Mettmann, Bodo Nowodworski und Ottokar Iven sowie der frühere Stadtdirektor, Horst Masanek, anwesend. Für sie ist und war die Verbindung zu Angerapp ein Teil ihrer Amtsgeschäfte. Unter den Gästen befanden sich der stellvertretende Landrat, Manfred Kick, sowie die stellvertretenden Bürgermeister Becker und Kippenberg. Mit ihrer Anwesenheit wollten sie signalisieren, welchen Stellenwert einem solchen Ereignis zugemessen wird. Die Festrede hielt der Sprecher der Landsmannschaft, Stephan Grigat. Für die musikalische Begleitung sorgte das Trompeten-ensemble der Musikschule in Mettmann. Bernd Krutzinna, als BernStein bekannt, unterhielt uns mit einer musikalischen Reise nach Ostpreußen. Er hatte eigens ein Lied für die Angerapper gedichtet und gesungen. Es war eine feierliche Veranstaltung in sehr guter Atmosphäre.

 

FISCHHAUSEN

Kreisvertreter: Klaus A. Lunau, Bahnhofstraße 14, 30853 Langenhagen, Stellvertreterin: Marion Gehlhaar, Telefon (040) 476070. Geschäftsstelle: Fahltskamp 30, 25421 Pinneberg, täglich erreichbar unter Telefon (04101) 22037, Postfach 17 32, 25407 Pinneberg, E-Mail: Geschaeftsstelle@kreis-fischhausen.de. Besichtigung nach Wunsch.

Vom Sonnabend, 20., bis Sonntag, 21. September, findet unser alljährlicher Höhepunkt statt. Wir würden uns freuen, wenn wir recht viele von Ihnen in Pinneberg begrüßen könnten. An beiden Tagen ist die Samlandausstellung am Fahltskamp 30 von 10 Uhr an geöffnet, wo auch für das leibliche Wohl gesorgt wird. Bei Kaffee und ostpreußischem Streuselkuchen, Schmalzbrot und – ganz wichtig – dem einen oder anderen Pillkaller lässt es sich gut mit alten Nachbarn und Freunden „schabbern“. Die Räume im Hotel Cap Polonio sind bereits um 9.30 Uhr geöffnet, dort beginnt am Sonnabend um 14 Uhr die Feierstunde. Herr Jöns vom Bernsteinmuseum in St. Peter-Ording wird uns in einem Vortrag über das „Gold des Nordens“ mit Wissenswertem über den Bernstein überraschen. Um 16 Uhr erzählt Frau Lohan im Samlandmuseum „Märchen für Erwachsene“ – Geschichten voller Weisheit, die nachdenklich stimmen. Der Samstagabend wird wie üblich mit einem gemeinsamen Essen und gemütlichem Beisammensein ausklingen. Für die Teilnahme wird ein Kostenbeitrag in Höhe von zehn Euro benötigt, es gibt drei Gerichte zur Auswahl. Eine rechtzeitige verbindliche Anmeldung ist empfehlenswert. Am Sonntag um 11 Uhr wird Herr Gronau vom ostpreußischen Landesmuseum über die Preußenkönigin Luise referieren: ein Thema, das sicherlich viele interessierte Zuhörer finden wird. Nicht nur die Cranzer, sondern viele andere Samländer auch, erwarten mit Spannung den Dia-Vortrag von Klaus Lunau, mit dem er über die neuesten Entwicklungen in Cranz und Umgebung berichten wird. Nun wünschen wir Ihnen eine gute Anreise mit Bus, Bahn oder Pkw und hoffen trotz des kürzlich stattgefundenen Deutschlandtreffens in Kassel auf eine zahlreiche Teilnahme. Auch wenn wir nicht jünger werden, setzen wir auf die alte Verbundenheit der Samländer. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Pinneberg.

 

JOHANNISBURG

Kreisvertreter: Dr. Manfred Solenski, Fichtenstraße 14, 26316 Varel, Telefon (04451) 4581, Fax (04451) 9189298, E-Mail: solenski@kreisgemeinschaft-johannisburg.de. Internet: www.kreisge-meinschaft-johannisburg.de

Hiermit ergeht die Einladung zur Sondersitzung des Kreistages an den Tagen Freitag, 3. Oktober, ab 15 Uhr, bis Sonntag, 5. Okto-ber, Abreise nach der Verabschiedung.

Am Sonnabend, 4. Oktober, um 10 Uhr, nimmt der gesamte Kreistag an der Feierlichkeit zum 60-jährigen Patenschaftsjubiläum teil. Veranstaltungsorte: Kirche in Oeversee und Akademie Sankelmark, Akademieweg 6, 24988 Oeversee, Telefon (04630) 550. Anreise: Freitag, 3. Oktober, bis 14 Uhr. Abreise: Sonntag, 5. Okto-ber, nach der Verabschiedung. Anmeldungen mit eventuell zusätzlichen Tagesordnungspunkten sind bitte zu richten bis zum 1. Oktober an den stellvertretenden Vorsitzenden, Detlef Liedtke, Vennstraße 3, 46284 Dorsten, Telefon (02362) 73380.

Tagesordnung: Freitag, 3. Okto-ber: 1. Eröffnung und Begrüßung, 1.1 Feststellung der ordnungsgemäßen und fristgerechten Einladung, 1.2 Feststellung der Anwesenheit und Beschlussfähigkeit, 1.3 Beschluss der Tagesordnung. 2. Sachstände, 2.1 Sammellager/Archiv, 2.2 Heimatbrief und Spenden, 2.3 Betreuungsfahrt i. V. m. Bruderhilfe, 2.4 Gedenksteine und Friedhöfe. 3. Verschiedenes.

Sonnabend, 4. Oktober: Teilnahme der Kreistagsangehörigen sowie der Gäste an der Jubiläumsfeierlichkeit. Sonntag, 5. Oktober: Verabschiedung.

 

SCHLOSSBERG (PILLKALLEN)

Kreisvertreter: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle/Saale. Geschäftsstelle: Renate Wiese, Tel. (04171) 2400, Fax (04171) 24 24, Rote-Kreuz-Straße 6, 21423 Winsen (Luhe).

Schülertreffen der Friedrich-Wilhelm Oberschule Schloßberg, am „Hans-Günther Segendorf Tag“ – Freitag, 25. Juli. 2014: Große Ereignisse fanden beim Schülertreffen der Ehemaligen der Friedrich-Wilhelm Oberschule (FWO) Schloßberg/Ostpreußen statt. Am Freitag, dem 25. Juli, trafen sich die Ehemaligen anlässlich des Schloßberger Ostpreußentreffens in ihrer Patenstadt in Winsen (Luhe). Neben den üblichen Ehrungen der Abiturklasse, in diesem Jahr die Abiturienten von 1944; dem Gedenken der Sexta-Einschulung der Jahre 1934 und 1944, standen zwei weitere Ehrungen auf dem Programm.

Barbara Loeffke, Landesvorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), Landesgruppe Niedersachsen, ehrte als ehemalige Schülerin der Schloßberger Oberschule Christel Geisendorf mit der „Silbernen Ehrennadel“ der LO. Eine weitere „Silberne Ehrennadel“ verlieh die Sprecherin der Schülervereinigung, Ursula Gehm, dem ausscheidenden Schulleiter des Patengymnasiums Winsen (Luhe), OStD Reinhard Haun. In Anerkennung ihrer Verdienste hatte Christian-Jörg Heidenreich, stellvertretender Vorsitzender KG Schloßberg, die Laudatio formuliert.

Wilfried Manthei würdigte in einem humorvollen Beitrag Schülersprecherin Ursula Gehm. Sie betreut seit 25 Jahren die Schülervereinigung der ehemaligen Schloßberger Schüler, ihre Nachkommen und Freunde. Ursula Gehm schilderte in „Mine 25 Jahre als Sprecherin“ ihre ehrenamtlichen Aufgaben. Neben der Betreuung der Ehemaligen liegt ihr der freundschaftliche Kontakt zum Winsener Patengymnasium besonders am Herzen. OStD Lothar Raabe begleitete einige Jahre die Patenschaft, zunächst mit dem ersten Sprecher, Hans-Günther Segendorf. In der Nachfolge wirkten ganze 12 Jahre OStD Raabe und Frau Gehm gemeinsam an einer aktiven Patenschaft. Die Ehemaligen besuchten samstags nach dem Schülertreffen ihr Patengymnasium. Wichtig für diese Patenschaft ist und bleibt die Überreichung der Alberten an die Abiturientinnen und Abiturienten.

Herzliche Kontakte entstanden auch zu OStD Dr. Jutta Neeman, die für kurze Zeit das Gymnasium kommissarisch leitete. 2001 begann die Amtszeit von OStD Reinhard Haun. Jetzt, nach 13 Schuljahren, mussten sich die Ehemaligen von diesem verehrten Schulleiter verabschieden. In seiner Dienstzeit hat Haun es verstanden, die Patenschaft mit neuem Schwung und guten Ideen zu beleben. Die Ehemaligen lernten bei den Begegnungen in ihrem Patengymnasium die Schule nach und nach kennen. Die Abiturfeiern mit den gewünschten Alberten waren stets ein besonderes Ereignis.

Zum Abschied erhielten die Ehemaligen von OStD Haun eine Patenschaftstafel, die im Jahre 2013 am Schulgebäude angebracht wurde mit dem Wortlaut „Patenschaft Friedrich-Wilhelm Oberschule Schloßberg/Ostpr. seit 1966“.

In ihren Dankesworten für die gemeinsamen 25 Jahre bedauerte Frau Gehm, dass viele vertraute Gesichter nicht mehr anwesend sein können. Sie dankte ihren Eltern, Helmut und Christel Geisendorf, für 25 Jahre ständiger Unterstützung und für die Beantwortung all ihrer Fragen. In ihren Dank schloss Frau Gehm die Oberstudiendirektoren Lothar Raabe und Reinhard Haun ein. Ein ganz besonderes Dankeschön sprach sie aber allen Ehemaligen aus. Ohne die ehemaligen Schüler, ohne ihre Spenden und ihre Reisen zu den Treffen, wäre ein Erfolg dieser Güte nicht möglich gewesen. Viele können heute nicht mehr verreisen, so ist der Schüler-Heimatbrief mit Beiträgen vom Treffen, von Erlebnissen aus der Schulzeit und von den Kontakten zur russischen Schule in Schloßberg, dem heutigen Dobrowolsk, ein wichtiges Bindeglied zwischen allen Ehemaligen.

Alle Anwesenden dankten Frau Gehm für diese 25 Jahre ehrenamtliche Arbeit und für den gelungenen Einsatz zum Erhalt der Schülergemeinschaft FWO Schloßberg.

Für ihre Verdienste um Heimat und Vaterland wurde Christel Geisendorf, geb. Kallweit, aus Pillkallen/Schloßberg das Silberne Ehrenzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen verliehen. Durch die große Verbundenheit zur ostpreußischen Heimat, aber auch durch zahlreiche Fahrten nach Ostpreußen, gab das Ehepaar Geisendorf das Interesse an Ostpreußen, insbesondere aber dem Kreis Schlossberg, an ihre ältere Tochter Ursula weiter und vermittelte ihr, was Heimat bedeutet. Helmut und Christel Geisendorf hielten über Jahre Kontakt zu den ehemaligen Schulfreunden und besuchten die Treffen der Schülervereinigung und das Schloßberger Hauptkreistreffen. Als der Sprecher der Schülervereinigung der Friedrich-Wilhelm-Oberschule Schloßberg, Hans-Günther Segendorf, wegen Erkrankung seine ehrenamtliche Tätigkeit in jüngere Hände legen musste, trug man der Tochter, Ursula Gehm, geb. Geisendorf, die Nachfolge an. Bedingung für die Nachfolgerin war, dass ihre Eltern bei ihrer schweren Aufgabe jegliche Unterstützung zusagten. Beide hatten die Schloßberger Fried-rich-Wilhelm Oberschule besucht, während Ulla erst 1939 in Schloßberg geboren wurde. All die Jahre haben Christel und Helmut Geisendorf, letzterer verstarb 1998, ihre Tochter unterstützt, zum Beispiel bei der Organisation von Reisen in die Heimat sowie der jährlichen Schülertreffen, Pflege des Kontakts zum Patengymnasium Winsen und den Schulleitern Lothar Raabe und Reinhard Haun. Sie halfen auch mit bei der Gestaltung des Traditionsraumes nach dem Schulumbau. Seit 25 Jahren führt Christel Geisendorf die Ehrenbücher mit allen Briefen, Berichten, Fotos und Todesanzeigen. Es ist ein „Buch des Lebens“ geworden. Zusätzlich gestaltet sie große Mappen mit Dokumenten und Fotos von Pillkallen und beschriftet die Fotos, die noch keine genaue Beschriftung haben, mit Namen, Daten und Ort. Sie ist bis heute ihrer Tochter Ulla eine großartige Hilfe.

Christel Geisendorf geb. Kallweit wurde am 29. Mai 1919 in Pillkallen geboren. Nach dem Besuch der Friedrich-Wilhelm Oberschule musste sie in der elterlichen Gärtnerei helfen. Nach der Heirat mit Helmut Geisendorf und den Wirren des Krieges bauten sie sich in Korbach und Bad Wildungen eine neue Existenz auf.

Für seine stets währende Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Schülervereinigung der Fried-rich-Wilhelm-Oberschule Schloßberg im Zusammenhang mit der Patenschaft zum Gymnasium Winsen (Luhe), wird dem Leiter des Gymnasiums, OStD Reinhard Haun, das Silbernes Ehrenzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen verliehen.

Seit 1966 besteht die Patenschaft des Gymnasiums Winsen zur Friedrich-Wilhelm-Oberschule Schloßberg/Ostpreußen. Die bisherigen Direktoren des Winsener Gymnasiums – die Oberstudiendirektoren Werner Seifert, Jobst Nöldeke und Lothar Raabe unterstützten bisher die Patenschaft. Während der letzten 13 Jahre begleitete Haun mit großem Interesse erfolgreich diese Patenschaft. Der Kontakt zu den ehemaligen Schülern des Patengymnasiums war und ist ihm wichtig. In der Runde der Ehemaligen berichtete er während der Feierstunde am jährlichen Schülertreffen von der Entwicklung des Patengymnasiums. In seiner Eigenschaft als Schulleiter verlegte er nach seinem Amtsantritt die jährliche Alberten-Verleihung in die Abiturfeier. Der regelmäßige Besuch der Ehemaligen Schloßberger Oberschüler am Schülertreffen endete jeweils am Sonnabend mit der Begrüßung des Schulleiters im Traditionsraum des Patengymnasiums. Haun überraschte sie jedes Mal mit einem besonderen Programmpunkt. Mal lernte man die Bibliothek der Oberstufe kennen, die neue Mensa wurde besichtigt oder die Neugestaltung des Pausenbereiches, aber auch die neue Technik der Unterichtsgestaltung war Thema. An einem Schülertreffen wurden die Ehemaligen mit der Schulehrennadel ausgezeichnet. Mit einer Patenschaftstafel überraschte Haun die Ehemaligen am letzten Schülertreffen in Winsen. Haun ging zum 31. Juli 2014 in den Ruhestand. Die Ehemaligen der Schloßberger Friedrich-Wilhelm-Oberschule möchten diesen verdienten Unterstützer der Patenschaft mit der Silbernen Ehrennadel der Landsmannschaft Ostpreußen ehren und ihm für die so verdienstvolle Begleitung der Patenschaft danken.

Reinhard Haun wurde am 18. Januar 1948 als Sohn des Pfarrers Gerhard Haun geboren. Er studierte die Fächer: Evangelische. Theologie und Religionspädagogik sowie biblische Geschichte in Bremen. Sein Studium schloss er mit der Note „gut“ ab. Es folgten 14 Jahre Unterricht am Gymnasium Achim, die Gründung, Aufbau und Leitung der Kirchlichen Medienstelle in Achim. Stationen seiner weiteren Laufbahn waren: 1989 bis 1997 Unterricht im Auslandsschuldienst an der Internationalen AFCENT-Schule in Brunsumm/

Niederlande. 1997 bis 2001: Unterricht am Realgymnasium Peine, ständiger Vertreter des Schulleiters. 1999-2000: Kommissarischer Schuleiter des Realgymnasiums Peine, Auszeichnung mit dem Silberkamp des Realgymnasiums Peine, Auszeichnung der Stadt Peine für den Frieden in der Schullandschaft. 1. Februar 2001 bis 31. Juli 2014: Schulleiter (OStD) Gymnasium Winsen/Luhe.

 

HEILIGENBEIL

Kreisvertreterin: Elke Ruhnke, Im Bökel 76, 42369 Wuppertal, Tel.: (0202) 46 16 13. E-Mail: ruhnke@kreis-gemeinschaft-heiligenbeil.de. Stellvertreter: Christian Perbandt, Im Stegfeld 1, 31275 Lehrte, Tel.: (05132) 57052.

E-Mail: perbandt@kreisge­meinschaft-heiligenbeil.de. 2. stellvertretender Kreisvertreter: Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821) 8 42 24. E-Mail: Schmidt.ploessen@gmx.de. 2. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www. kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de

Zahlreiche Heiligenbeiler Landsleute fanden sich am 6. und 7. September im Veranstaltungszentrum in Burgdorf ein, um das 77. Hauptkreistreffen der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil gemeinsam zu begehen. Am Samstagmorgen trafen sich viele Landsleute am Heiligenbeiler Gedenkstein im Park des alten Burgdorfer Rathauses. Der Ehrenvorsitzende Siegfried Dreher sprach zu den Anwesenden im Andenken an die verlorene Heimat, gedachte aber auch der vielen Opfer durch Flucht und Vertreibung.

Die Mitgliederversammlung fand am Samstagmittag statt. Kreisvertreterin Elke Ruhnke als Versammlungsleiterin eröffnete die Veranstaltung offiziell. Der 1. stellvertretende Kreisvertreter Christian Perbandt gedachte in einer Totenehrung der Landsleute, die seit dem letzten Kreistreffen von uns gegangen sind (hier erwähnte er besonders Erwin Ohnesorge und Peter Burchert), aber auch derer, die durch Flucht und Vertreibung ihr Leben lassen mussten. Anschließend berichtete die Kreisvertreterin über die Aktivitäten der Kreis-gemeinschaft, des Vorstandes und der Kreisvertreterin im Jahr 2013/2014. Im diesjährigen Heimatblatt Nr. 59 sind die Höhepunkte des vergangenen Jahres, zu denen auch das Hauptkreistreffen 2013 gehörte, nachzulesen. In der Vergangenheit erfuhren wir Unterstützung beim Versand des Heimatblattes dahingehend, dass der Nahrungsmittelfabrikant Hipp sich an den Portokosten beteiligte. In diesem Jahr war das leider nicht der Fall. Das im letzten Jahr erschienene neue Buch „Keine Zeit für Trauer – keine Zeit für Tränen“ verkauft sich gut, so dass nach einem Jahr von den aufgelegten 1000 Stück nur noch zirka 250 Exemplare übrig sind. Ein Angebot für eine zweite Auflage über 500 Stück wurde inzwischen eingeholt, und bei der nächsten Kreistagssitzung wird entschieden, ob eine zweite Auflage aufgelegt wird. Weitere Tagesordnungspunkte waren der Kassenbericht für das Jahr 2013, vorgetragen von Heidi Pomowski, die seit April 2013 im Amt ist, dieses aber aus persönlichen Gründen niedergelegt hat und bis zur Kassenübergabe an ihren Nachfolger kommissarisch führt. Sie erläuterte die finanzielle Situation der Kreisgemeinschaft vor dem Hintergrund, dass die Einnahmen aufgrund des demographischen Wandels immer geringer ausfallen, die Kosten aber bleiben oder steigen. Die ersten Schritte zur Kostenreduzierung sind bereits eingeleitet worden, so durch die Umgestaltung des Kreistreffens. Aufgrund der rückläufigen Besucherzahlen ist das Veranstaltungszentrum in Burgdorf zu groß geworden. Durch den Umstand, dass die Stadt Burgdorf seit dem vergangenen Jahr 1000 Euro pro Tag an Saalmiete erhebt, werden Überlegungen angestellt, was hier geändert werden kann.

Es folgte der Bericht der Kassenprüfer, verlesen von Herta Hoffmann, die eine ordnungsgemäße Kassenführung bestätigte. Joachim Ruhnau rückte zum 1. Kassenprüfer auf, Gudrun Schmidt zur 2. Kassenprüferin; als Kassenprüferin neu gewählt wurde Anja Reyentanz. Die Satzungsänderung, in der es um die Gemeinnützigkeit der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil (aus steuerlichen Gründen) geht, die im letzten Jahr beschlossen wurde, konnte aufgrund eines Formfehlers im Protokoll jedoch nicht eingetragen werden. Den Mitgliedern wurde mitgeteilt, dass das Protokoll dementsprechend korrigiert wurde und die Eintragung nunmehr erfolgen kann. Aufgrund des Tagesordnungspunktes „Satzungsänderung“ waren noch zwei neue Anträge eingegangen, wonach das Restvermögen bei einer eventuellen Auflösung der Kreisgemeinschaft entgegen der im letzten Jahr beschlossenen Form gedrittelt werden soll, und zwar zu gleichen Teilen für die Landsmannschaft, für das Museum Lüneburg und das Kulturzentrum Ostpreußen im Deutschordensschloss Ellingen. Diese Anträge konnten keine Berücksichtigung finden, da sie zum einen zu kurz vor dem Kreistreffen eintrafen, so dass eine Information der Mitglieder nicht mehr möglich war und zum anderen die Antragstellung müßig ist, da die Landsmannschaft die beiden genannten Museen sowieso schon unterstützt.

Es folgten die Ehrungen: Die Silberne Nadel der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil erhielten: Wolfgang Milewski für seine Treue zur Kreisgemeinschaft in seiner Funktion als Kirchspielvertreter des Kirchspiels Bladiau, Christian Perbandt für seine über Jahre geleistete Arbeit in verschiedenen Funktionen innerhalb und außerhalb des Vorstandes. Des Weiteren sollte Irmgard Lenz, Kirchspielvertreterin von Zinten-Land, mit der Silbernen Ehrennadel der Landsmannschaft Ostpreußen für ihre über viele Jahre geleistete Arbeit und Treue zur Heimat geehrt werden. Diese Ehrung konnte leider nicht vorgenommen werden, da Frau Lenz aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein konnte. Die Ehrung wird kurzfristig nachgeholt werden, vermutlich bei der nächsten Kreistagssitzung Anfang April 2015 in Bad Pyrmont.

Es wurden die für 2014/2015 geplanten Projekte und Veranstaltungen vorgestellt: 27. September, Landestreffen Rostock. Von der Kreisgemeinschaft wird niemand teilnehmen. 16. bis 20. Oktober, 7. Deutsch-russisches Forum in Tilsit. 8./9. November, Ostpreußische Landesvertretung. 21. bis 23. November, Vorstandssitzung in Burgdorf. 11. bis 12. April 2015, Kreistagssitzung in Bad Pyrmont. 5./6. September 2015, Kreistreffen in Burgdorf.

Die Heimatstube in der Wilhelmstraße 3 A war am Samstag ab 14 Uhr für alle Interessierte geöffnet. In diesem Jahr war eine Ausstellung unter dem Motto „Unvergessene Heimat“ vorbereitet worden. Die Gestaltung lag, wie schon in den Jahren zuvor, in den Händen von Ilse Thomann (Fotoarchiv). Der Besuch war sehr gut; es stellten sich zirka 40 Besucher ein. Ab 16 Uhr las Ilse Thomann Geschichten aus den Heimatbriefen des Dienstmädchens Auguste Oschkenat (von Dr. Alfred Lau) zur Freude der erschienenen Zuhörer. Anschließend wurde die Lösung des im Heimatblatt veröffentlichten Preisrätsels bekannt gegeben. Bei der Auslosung ging Edith Buss aus Schönfeld, Kirchspiel Tiefensee, als Gewinnerin hervor, die aber leider nicht anwesend war. Das ausgelobte Buch „Keine Zeit für Trauer, keine Zeit für Tränen“ wird ihr daher per Post zugestellt.

Der Sonntagmorgen begann musikalisch mit einem Platzkonzert des Schützenmusikkorps „O. v. Reden“ Gehrden unter der Leitung von Hans-Heinrich Beier. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatte im Foyer des Veranstaltungszentrums einen Informationsstand aufgebaut, der regen Zulauf hatte. Es folgte die Feierstunde mit traditionellem Ablauf: Begrüßung der Mitglieder und Gäste durch die Kreisvertreterin; gemeinsam gesungenes Ostpreußenlied; Totenehrung (Christian Perbandt); es folgte der Choral von Leuthen („Nun danket alle Gott“). Der Vortrag von Ilse Thomann hatte den Titel „Zuhause: was ist zuhause?“, der sehr gut aufgenommen wurde. Es folgten Grußworte von Mirko Zschoch, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion in Burgdorf und Oliver Brandt, CDU, Region Hannover. Ottmar Strehler vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Hannover sprach ein kurzes Grußwort und verwies auf seinen Vortrag über die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der nach dem Absingen der dritten Strophe des Deutschlandliedes mit einer Dia-show untermalt wurde. Diesem Vortrag folgte ein Instrumentalstück des Musikkorps „O. v. Reden“: „Ännchen von Tharau“. Elke Ruhnke sprach das Schlusswort, bevor die Feierstunde endete. Danach gab es reichlich Gelegenheit zum Schabbern und Plachandern. Von 13.30 bis 15 Uhr war die Heimatstube nochmals geöffnet. Aufgrund dessen, dass der Historiker Dr. Oliver Schulz gemäß Beschluss des Kreistages im letzten Oktober das Archiv gesichtet und neu geordnet hatte, waren Fragen von Besuchern wesentlich leichter zu beantworten. Es sind zwar immer noch einige Restarbeiten zu erledigen, aber die Exponate und Dokumente sind nun aufgrund des systematischen Ordnens wesentlich besser zu finden.

Wie in vielen Gesprächen und Briefen immer wieder zu erfahren ist, ist es vielen Landsleuten leider nicht mehr vergönnt, aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes die Kreistreffen zu besuchen. Doch trotz der jährlich sinkenden Besucherzahlen waren immerhin etwa 200 Besucher der Einladung des Vorstandes gefolgt und nach Burgdorf gekommen, um sich in Begegnungen mit alten Freunden und Bekannten auszutauschen. Und trotz der immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen hoffen wir alle, dass wir noch viele Treffen erleben können. Wir werden uns auch weiterhin bemühen, besonders die persönlichen Kontakte zu pflegen in Form von Telefonaten, Rundbriefen und über das Heimatblatt. Der Vorstand, die Kirchspiel-/Stadtvertreter und die Kreisvertreterin wünschen allen Landsleuten gute Gesundheit, damit wir uns auch im nächsten Jahr in Burgdorf wiedersehen.

Brunhilde Schulz, Beisitzerin

 

TILSIT-RAGNIT

Kreisvertreter: Dieter Neukamm, Am Rosenbaum 48, 51570 Windeck, Telefon (02243) 2999, Fax (02243) 844199. Geschäftsstelle: Eva Lüders, Telefon/Fax (04342) 5335, Kührenerstraße 1 b, 24211 Preetz, E-Mail: Eva.lueders@arcor.de.

Im Erdgeschoss des Plöner Kreishauses, direkt gegenüber dem Haupteingang, befindet sich eine Dauerausstellung zum Thema „Flüchtlinge und Vertriebene im Kreis Plön“. Auf fünf gut gestalteten Wandtafeln werden die Themen „Der Kreis Tilsit-Ragnit“, „Flucht und Vertreibung“, „Notunterbringung“, „Ansiedlung und Neubeginn“ und „Vom Kreis Tilsit-Ragnit zum Rajon Neman“ behandelt. In eindrucksvoller Weise werden die geschichtliche Entwick-lung, die Einwohner, die Landwirtschaft und die Wirtschaft des Kreises beschrieben. Es folgt die Darstellung der dramatischen Fluchtumstände von Ostpreußen nach Schleswig-Holstein, wodurch die Einwohnerzahl des Landes von 1,6 auf 2,6 Millionen stieg. Fast 200000 Flüchtlinge mussten in Massenunterkünften, Baracken, Nissenhütten und Bunkern leben. Es gab 513 Flüchtlingslager im Land, erst 1964 wurden die letzten aufgelöst. Im Zuge des Neubeginns wurden allein im Kreis Plön 25 Siedlungen für Flüchtlinge gebaut. Die letzte Tafel beschreibt die zahlreichen Kontakte zwischen dem Rajon Neman und der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit. In Vitrinen werden Gegenstände des ostpreußischen Alltags, Dokumente, Abrechnungen und Ausweise ausgestellt. Auch eine Ausweiskopie des jugendlichen Walter Klink findet man hier. Die Ausstellung ist überschaubar, sie nimmt nicht zu viel Zeit in Anspruch. Daher sollte jeder interessierte Urlauber in der schönen Holsteinischen Schweiz einen Abstecher zum Kreishaus Plön machen, es lohnt sich.

In Tilsit gab es früher zehn Friedhöfe der verschiedensten Glaubensgemeinschaften. Sie alle existieren nicht mehr. Stellvertretend für die verschwundenen Begräbnisstätten ist nun auf dem Areal des ehemaligen Brackschen Friedhofs in einer anmutigen Parklichtung ein Kreuz errichtet worden. Eine marmorne Gedenktafel erinnert an die einstigen Friedhöfe und an die vielen deutschen Tilsiter, die dort in heimatlicher Erde ihre letzte Ruhe fanden.

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

Hans Dzieran und Siegfried Dannath-Grabs, die anlässlich des Stadtfestes in Tilsit weilten, gedachten an der gerade erst entstandenen Ruhestätte der toten Tilsiter und legten in stillem Gedenken einen Kranz der Stadtgemeinschaft nieder. Sie sprachen der Ex-Stadtpräsidentin und Geschäftsführerin von „Einiges Russland“ Jelena Sokolowa Dank und Anerkennung aus. Durch den ehrenamtlichem Freizeiteinsatz ihrer Jugendgruppe „Molodaja Gwardia“ konnte das Projekt zur Verwirklichung gebracht werden.

Durch die zentrumsnahe Lage wird die würdige Erinnerungsstätte mit dem Kreuz künftig für alle Tilsiter Besucher ein Ort des Verweilens sein, an dem sie ihrer in Tilsit beigesetzten Vorfahren gedenken können.

 

TREUBURG

Kreisvertreterin: Ingrid Meyer-Huwe, Heinrich-Heine-Straße 51, 30173 Hannover, Telefon/Fax (0511) 884928, E-Mail: eusebius@kabelmail.de. Stellvertreter: Siegfried Schmidtke, Marienweg 31, 50858 Köln, Telefon (02234) 996441, schmidtke@ubcom.de. Geschäftsführerin: Irmgard Klink, Schlehdornweg 30, 47647 Kerken, Telefon (02833) 3984 (Fax: 3970), iklink@gmx.de. www.treuburg.de. Ansprechpartnerin in Ostpreußen: Hannelore Muraczewska, Wisniowa 1, PL 19-400 Olecko, Telefon (0048) 875 20-3180.

Liebe Treuburger Landsleute!

Wie schon im Treuburger Heimatbrief zu lesen war, haben wir in diesem Jahr kein eigenes Treuburger Treffen.

Wir laden aber alle, die sich wiedersehen möchten, zu dem Landestreffen der Mecklenburger am 27. September in der Hansestadt Rostock ein. Wir hoffen, dass viele Landsleute, die sonst den weiten Weg nach Leverkusen oder Düsseldorf nicht mehr unternehmen können, nun nach Mecklenburg-Vorpommern kommen können.

Die Veranstaltung findet ab 10 Uhr in der Stadthalle zu Rostock, Südring 90 (am Hauptbahnhof, ZOB) statt. Über eine rege Teilnahme würden wir uns sehr freuen.


S. 18-20 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Landesdelegiertentagung: Sonnabend, 20. September, Hotel Wartburg, Langestraße 49, Stuttgart, Beginn 10 Uhr, mit Berichten aus der Arbeit des Landesvorstands, Kassenbericht, und Entlastung.

Landeskulturtagung: Sonnabend, 20.,Sonntag, 21. September, Hotel Wartburg, Stuttgart, Langestraße 49, Beginn 14 Uhr. Mit einem Vortrag von Stefan Hein, (Bundesvorsitzender BJO) „Landschaft erleben – Geschichte entdecken – Gemeinschaft erfahren ...“ Der BJO ist sowohl in der Bundesrepublik als auch in Ostpreußen mit Seminaren, Freizeiten, Bildungsveranstaltungen und Begegnungen sowie in der Kriegsgräberfürsorge in Ostpreußen aktiv. Verbindendes Element sind die gemeinsamen Fahrtenerlebnisse und Interesse am historischen deutschen Osten, an seinem ideellen Erbe und seiner einzigartigen Kulturlandschaft. Ab 16 Uhr Lesung: Gerda Hildbrand, V.-Schwenningen, „Ein Leben – Zwei Seiten Schicksal einer Gutsbesitzer-Familie aus Ostpreußen“. Ella Brümmer, eine mutige Ostpreußin, die mit ihrer Heimat untrennbar verbunden war, hat nach ihrer Flucht in den Westen ihre Lebenserinnerungen zu Papier gebracht (1882–1949). Ab 19 Uhr kultureller Heimatabend mit Sketchen und Vertellchen der Teilnehmer, am Klavier: Ralph Demski.

Sonntag, 21. September, 8.30 Uhr: Fortsetzung der Landeskulturtagung im Hotel Wartburg. Irma Barraud, Lahr: „Wort zum Sonntag“. Anschließend Vortrag von Uta Lüttich „Kampf um Ostpreußen – Der Mythos Tannenberg – Ostpreußen unter russischer Herrschaft 1914“. Delegierte und Gäste sind an beiden Tagen herzlich eingeladen. Übernachtung im Hotel Wartburg. Anmeldungen an Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart.

Sonntag, 21. September, 11 Uhr: Tag der Heimat in Stuttgart-Bad Cannstatt, Gedenkfeier am Vertriebenendenkmal im Kurpark. Die Feier wird von der LM Ostpreußen ausgerichtet mit dem BdV-Chor der LO Ulm, Leitung Alexander Diehl. Ansprache Uta Lüttich. Ab 14 Uhr Liederhalle, mit festlichem Programm. Festredner Regierungspräsident Johannes Schmalzl.

Buchen – Dienstag, 23., bis Sonnabend, 27. September: Fahrt in die „Holsteinische Schweiz“ mit Standquartier am Plöner See. Desweiteren Besuch von Wedel, Eutin, „Immenhof“, Malente sowie ein Trakehnergestüt, Schiffsfahrt, Kutschfahrt und Besuch des Ostpreußen-Museums in Lüneburg.

Ludwigsburg – Mittwoch, 24, September, 15 Uhr, Kronenstuben, Kronenstraße 2: Stammtisch.

Reutlingen – Sonnabend, 4. Oktober, Treffpunkt für Ältere, Gustav-Werner-Straße 6: Erntedankfest. Nach der langen Sommerpause ist bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit zum Plachandern und Schabbern. Zur Programmgestaltung ist es gelungen, die Band der Uni Reutlingen unter der Leitung von Professor Mayer zu engagieren. Hildegard Zaiss ist mit ihren Vorträgen aus dem Programm nicht wegzudenken. Die Erinnerung an Erntezeit und Erntedank in der Heimat soll gemeinsam wachgehalten werden. Erntegabentisch und große Tombola werden, wie all die Jahre vorher, zur Unterhaltung beitragen. Spenden für den Erntegabentisch und die Tombola nimmt Ilse Hunger, Steinachstraße 54, 72770 Reutlingen, Telefon (07121) 54541, entgegen.

Stuttgart – Sonnabend, 4. Okto-ber, 13 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal: Herbstfest der Kreisgruppe mit dem Trio Jurewitz, Hohler, Karle, ein heimatliches, festliches Programm.

Ulm/Neu-Ulm – Sonnabend, 20. September, 1430 Uhr, Ulmer Stuben: Monatliches Treffen. Sonntag, 21. September, Stuttgart: Zentraler Tag der Heimat für Baden-Württemberg. 11 Uhr Gedenkfeier am Denkmal im Kurpark Bad Cannstatt, 14 Uhr Festakt in der Liederhalle. – Sonntag, 5. Oktober, 14.30 Uhr, Auferstehungskirche Böfingen: Heimatgottesdienst.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Ansbach – Sonnabend, 20. September, 15 Uhr, Orangerie: Bilder vom Sommerfest. Kurzer Bericht über den Ersten Weltkrieg in einem kleinen Dorf im Kreis Goldap. – Freitag, 26. September, 19 Uhr, Gasthof Hotel Krone, Gunzenhausen: Gemeinsames Essen „Schlesische Bratwürste“. Anschließend Filmvorführung „Jokehnen“ von Arno Surminski. – Sonntag, 5. Oktober, 14.30 Uhr, Orangerie: Tag der Heimat 2014. Festredner: Professor Manfred Kittel, Direktor der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, Berlin.

Bamberg – Sonntag, 21. September, 15 Uhr, Harmoniesaal Bamberg: Festveranstaltung zum Tag der Heimat.

Landshut – Sonnabend, 4. Ok-tober: Ausflug zum Ahornboden in der Eng. Busfahrt.

München – Sonnabend, 20. September, 14.30 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Erntedankfest mit herbstlicher Dekoration. Zuvor gemeinsame Kaffeetafel. – Freitag, 10. Oktober, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Zusammenkunft der Frauengruppe.

Jeden Montag, 18 bis 20 Uhr, Haus des Deutschen Ostens: Ostpreußischer Sängerkreis. Kontakt: Dr. Gerhard Gräf, Offenbachstraße 60, 85598 Baldham, Telefon (08106) 4960.

Nürnberg – Dienstag, 23. September, 15 Uhr, Haus der Heimat, Nürnberg-Langwasser, Imbuschstraße 1 (Endstation der U 1): Die Arbeit des Volkbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Weiden – Heimatnachmittag –Nach der Sommerpause trafen sich die Landsleute zum Heimatnachmittag. Der 1. Vorsitzende Norbert Uschald konnte zahlreiche Mitglieder und Gäste begrüßen, die sich nach dem Urlaub und anderen Erlebnissen viel zu erzählen hatten. Die Anwesenden sangen die Heimatlieder „Land der dunklen Wälder“ und „Westpreußen mein lieb Heimatland“.

Die Kassiererin Ingrid Uschald gratulierte den Geburtstagskindern und wünschte Ihnen recht viel Gesundheit. Der Vorsitzende berichtete von St. Magnus, dem Patron des Allgäus, der auch heute noch große Bedeutung für die einheimische Bevölkerung hat. Anita und Norbert Uschald spielten mit Flöte und Melodika fröhliche Weisen, die von den Landsleuten mitgesungen wurden. Im Anschluss brachte Ingrid Uschald die heitere Geschichte über „Adam und Eva im Paradies“ zu Gehör. Norbert Uschald lud zum großen Festabend des Heimatringes Weiden zum Tag der Heimat am 27. September um 19.30 Uhr in die Max-Reger-Halle ein. Heuer lautet das Motto „Zukunft braucht Erinnerung“. Die Kreisgruppe der Landsmannschaft beteiligt sich auch in diesem Jahr mit einem Wortbeitrag und Norbert Uschald wird wieder die Moderation übernehmen. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Kein schöner Land“ verabschiedeten sich die Mitglieder und Gäste bis zum 5. Oktober um 14.30 zum Erntedankfest im Cafe Mitte.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Bartenstein – Sonnabend, 4. Oktober, 14 Uhr, Rathaus Zehlendorf, Zimmer 21, Kirchstraße 1–3, 14163 Berlin: Erntedankfest mit Tombola. Anfragen bei Elfriede Fortange, Telefon (030) 4944404.

Frauengruppe – Mittwoch, 8. Okto-ber, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: Treffen der Frauengruppe zum Erntedankfest. Anfragen bei Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Königsberg/Samland/Labiau – Freitag, 10. Oktober, 14 Uhr, Johann-Georg-Stuben, Johann-Georg-Straße 10, 10709 Berlin: Treffen der Gruppen. Informationen bei Prof. Wolfgang Schulz, Telefon (030) 2515995.

Heilsberg/Rößel – Sonnabend, 11. Oktober, 15 Uhr, Seniorenfreizeitstätte „Maria Rimkus Haus“, Gallwitzallee 53, 12249 Berlin: Erntedankfeier. Anfragen für Heilsberg bei Benno Boese, Telefon (030) 7215570, für Rößel bei Ernst Michutta, Telefon (05624) 6600.

Rastenburg – Sonntag, 12. Oktober, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus, Rohrdamm 24 B, 13629 Berlin: Erntedankfest. Anfragen bei Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremerhaven – Freitag, 26. September, 14.30 Uhr, Barlachhaus: Heimatnachmittag zur Erntedankfeier. Gäste aus den anderen ostdeutschen Landsmannschaften sind herzlich willkommen.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Kippingstr. 13, 20144 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

LANDESGRUPPE

Sonnabend, 27. September, 10 bis 17 Uhr, Gerhart-Hauptmann-Platz, Mönckebergstraße (gegenüber Karstadt): 29. Heimatmarkt der ost- und mitteldeutschen Landsmannschaften mit vielen Angeboten heimatlicher Spezialitäten. Der Ostpreußenstand ist auch dabei. Für Unterhaltung sorgt die „Power-Band 93“ des SV Bergedorf-West von 1971 e.V.

KREISGRUPPE

Gumbinnen – Sonnabend, 18. Oktober, 14 Uhr, Restaurant Lackemann, Litzowstieg 8 (Nähe Einkaufs-Center Quarree, Pkw-Parkhochhaus vorhanden), U1 bis Wandsbek-Markt; dann fünf Minuten Fußweg durch Hausdurchgang. Anmeldung erforderlich bis 15. Oktober bei Schriftführerin Hilde Jansen-Kaydan, Rathenaustraße 53, 22297 Hamburg, Telefon (040) 517931: Gemeinsames Treffen mit der Heimatkreisgruppe Heiligenbeil mit gemeinsamen Programm. Siehe auch Inserat der Heimatgruppe Heiligenbeil. Der Vorstand freut sich auf ein Wiedersehen. Gäste sind herzlich willkommen.

Heiligenbeil – Sonnabend, 18. Oktober, 14 Uhr, Restaurant Lackemann, Litzowstieg Ecke Hinterm Stern: Die Kreisgruppe feiert ihr Herbstfest. Hierzu sind alle Mitglieder und Freunde der Gruppe herzlichst eingeladen, bei Kaffee und Kuchen wollen die Teilnehmer einige gesellige und fröhliche Stunden miteinander verbringen mit einem Vortrag der Polizei Hamburg über seniorenbezogene, kriminalpräventive Themen wie zum Beispiel: „Enkeltrick, Trickbetrug an der Haustür. Enkeltrick? Kenne ich. Falle ich nicht drauf rein! Trickbetrüger an meiner Haustür? Ich bin doch nicht blöd!“ Die Meinung der Gesellschaft über die Opfer dieser Straftaten ist oft nicht positiv. Und doch kann es grundsätzlich jedem passieren! Warum ist das so? Wie gehen die Täter vor und wie kann ich mich schützen? Ein Vortrag im Dialog und zum Verständnis für Senioren. Da dies in letzter Zeit wieder ein ganz aktuelles Thema ist, konnte die Gruppe das Kriminalpräventive Team der Polizei Hamburg mit der für einen Vortrag erhalten. Anmeldung bei Lm. Konrad Wien, Telefon (040) 53254950, bis 15. Oktober 2014. Das Restaurant Lackemann ist erreichbar über den Durchgang Hinterm Stern zwischen Wandsbek Quarree und Hotel Tiefenthal, gegenüber der U-Bahnstation Wandsbek Markt.

Insterburg – Die Gruppe trifft sich jeden 1. Mittwoch im Monat (außer Januar und Juli) mit Liedern und kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Osterode – Sonnabend, 11. Oktober, 14 Uhr, Café Prinzess, Alsterdorfer Straße 572, unmittelbar am U- und S-Bahnhof Ohlsdorf: Erntedankfeier. Nach der gemeinsamen Kaffeetafel singen die Teilnehmer Lieder zum Erntedank. Eine Spende für den Erntetisch wird gerne entgegengenommen. Gäste sind willkommen. Eintritt frei.

BEZIRKSGRUPPE

Harburg/Wilhelmsburg – Montag, 29. September, 15 Uhr, Waldquelle, Meckelfeld, Höpenstraße 88 (mit Bus 443 bis Waldquelle): Bunter Nachmittag.

SALZBURGER VEREIN

Sonnabend, 11. Okto-ber, 13 Uhr, Hotel „St. Raphael“ in Hamburg, Adenauerallee 41: Treffen der Gruppe mit Bildvortrag von Christoph. Hinckelmann, Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg: „Glanzlichter aus der Natur Ostpreußens“. Gäste sind herzlich willkommen.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612.

Dillenburg – Mittwoch, 24. September, 15 Uhr, Café Eckstein, Königsberger Straße: Monatsversammlung. Bernd Kohlhauer spricht über den gebürtigen Ostpreußen Joachim Gottfried Herder, und zwar über sein Wirken an der Stadtkirche in Weimar. Gäste sind wie immer herzlich willkommen.

Kassel – Donnerstag, 2. Okto-ber, 14.30 Uhr: Bildvortrag von Christoph Hinkelmann: „Faszination der Natur in Ostpreußen – und was von ihr bei uns bis heute weiterwirkt“. – Im Mittelpunkt des September-Heimatnachmittags stand die einstige Hansestadt Danzig. Zu diesem Städteporträt konnte der Geograph und Kunstgeschichtler Professor Heinz Schürmann aus Bielefeld gewonnen werden. Mehr als drei Dutzend Mitglieder und Gäste folgten den anschaulichen Beschreibungen einer Stadt, die, wie wenige andere im Ostseeraum, auf vielerlei Weise Wegmarken setzte. Zwar ist vielen Landsleuten das großartige Stadtbild im Umfeld von Krantor, Langer Markt, Rathaus, Artushof und Marienkirche nicht unbekannt, gleichwohl vermittelte der Kenner des ehemaligen deutschen Ostens so viel interessante Details zur Geschichte und Gegenwart Danzigs, dass der geistige Horizont wesentlich erweitert wurde. Eingehend beschrieb Schürmann die Entwick-lung der drei Teilstädte mit je eigenem Stadtkern und Rathaus im 14. Jahrhundert und danach: die Rechtstadt, die Altstadt und die Speicherstadt. Im Blick auf den Wiederaufbau nach dem Kriege kam zur Sprache, dass die Polen bemüht waren, möglichst alle Hinweise auf eine deutsche Herkunft zu tilgen. Sie blendeten die letzten 150 Jahre weitestgehend aus und berücksichtigten vor allem die ihrer Meinung nach „polnische Zeit“ (1455–1793), als sich Danzig aus innenpolitischen Gründen der Oberhoheit der polnischen Könige unterstellte (dabei aber politisch und wirtschaftlich unabhängig blieb). Ein weiterer, wenig bekannter Aspekt beim Neuaufbau nach 1945: In Elbing und Kolberg wählten die Bauleute im Gegensatz zu Danzig eine andere „Formensprache“: Man lehnte sich lediglich an die historischen Vorbilder an, gestaltete die Fassaden aber in eigener, bemerkenswerter, Weise. Eine lebhafte Aussprache beendete die sehr ansprechende Vorlesung.

Wiesbaden – Sonnabend, 27. September, 15 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal, Friedrichstraße 35: Feier des Erntedankfestes. Wer durch Geld- oder Sachspenden mithelfen möchte, den Erntetisch zu bereichern und zu verschönern, teile dies bitte Irmgard Steffen unter Telefon 844938 oder Helga Kukwa Telefon 373521 mit. Allen Spendern herzlichen Dank.

 

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

Landesgruppe – 19. Landestreffen der Ostpreußen M-V in Rostock. Am Sonnabend, 27. September, treffen sich von 10 bis 17 Uhr die Ostpreußen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern in der Stadthalle Rostock, Südring 90. Zu diesem großen Wiedersehen werden etwa 2000 Besucher erwartet – darunter allein 100 Gäste aus den polnischen, russischen und litauischen Teilen Ostpreußens. Angehörige und Interessenten von nah und fern sind ebenfalls herzlich eingeladen. Alle 40 ostpreußischen Stadt- und Landkreise sind wie immer an Extra-Tischen ausgeschildert, wo man Landsleute aus der Heimat treffen kann. Das reiche ostpreußische Kulturprogramm gestaltet das Orchester der Hansestadt Rostock, der Shanty-Chor „De Klaashahns“ Warnemünde, die Mecklenburger & Pommeraner Folklore-Ensemble Ribnitz-Damgarten sowie Tanzgruppen und Chöre aus Masuren, Gumbinnen und dem Memelland. Schirmherrin ist die Justizministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Uta-Maria Kuder. Für das leibliche Wohl, eine große Auswahl Heimatliteratur und Bärenfang sowie genügend Parkplätze gleich an der Stadthalle ist gesorgt. Informationen gegen Rückporto bei: Manfred Schukat, Hirtenstr. 7a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Buxtehude – Sonntag, 5. Okto-ber: Theaterfahrt zur Dittchenbühne in Elmshorn. Gespielt wird „Der Hauptmann von Köpenick“. Busabfahrt: 13 Uhr Stade/Hahle, 13.30 Uhr Horneburg/B73, 13.45 Uhr Buxtehude Stader Straße (Waldburg und Denkmal), 13.55 Buxtehude Bahnhofstraße/Marktkauf, 14 Uhr ZOB Buxtehude, 14.15 Uhr Neu-Wulmstorf/B73/Hauptstraße. Einsteigestellen zwischen Stade und Buxtehude mit Uhrzeit werden bei der Anmeldung angesagt. Die Kosten für Busfahrt, Kaffeegedeck und Eintritt betragen 26 Euro pro Person. Anmeldung bis spätestens 26. September bei Wolfgang Weyer, Telefon (04161) 3406. – Freitag, 17. Oktober, 14.30 Uhr, Inselrestaurant, Stade: „Ostdeutsche Dichter und Denker“. Die Gruppe erinnert mit Liedern, Lesungen und Gedichten an die Geistesgrößen der Heimat. Die Kosten für Eintritt und Kaffeegedeck betragen zehn Euro pro Person. Das Inselrestaurant ist vom Stader Bahnhof in sechs Minuten Fußweg zu erreichen. Anmeldung bitte bis zum 10. Oktober bei Wolfgang Weyer, Telefon (04161) 3406.

Helmstedt – Donnerstag, 9. Ok-tober, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Monatstreffen der Gruppe.

Oldenburg – Bericht über die Versammlung am 10. September – Die Frauengruppe traf sich nach der Sommerpause und sah unter dem Motto „Schlesien – Land der Träume – Land der Tränen“ einen Dia-Vortrag von Karl-Heinz Bonk, Oldenburg, von seinen zahlreichen Reisen nach Schlesien. „Man wirft ja nicht gern irgendwelche Bilder aus Schlesien weg“ ist seine Devise und so präsentierte er einen bunten Strauß von Bauwerken, Marktplätzen, Menschen und Landschaftsimpressionen anfangend in Breslau, nach Oppeln bis nach Ratibor, ins Glatzer Land und hinauf auf die Schneekoppe. Es kam keine Langeweile auf, weil Herr Bonk es verstand, die Konzentration und Neugier auf jedes neue Bild zu lenken. Auch wenn die Bilder zum Teil von 1986 heute schon wieder Zeitdokumente sind: Solche Impressionen der ostdeutschen Länder, vermengt mit eigenen Erlebnissen, sind immer eine Erinnerung wert. Es blieb gerade noch Zeit für das Ostpreußen- und ein Abschiedslied, dann war der Nachmittag vorbei. Im nächsten Monat, am

8. Oktober feiert die Gruppe den Erntedank-Nachmittag bei einem Basar mit Ernteprodukten und Lesungen von Dorothea Orth. Freunde und Bekannte sind herzlich willkommen.

Osnabrück – Dienstag, 23. September, 16.30 Uhr, Hotel Ibis, Blumenhaller Weg 152: Kegeln. – Donnerstag, 25. September, 15 Uhr, Gaststätte Bürgerbräu, Blumenhaller Weg 43: Literaturkreis. – Sonntag, 28. September, 15 Uhr, Parkhotel: Erntedanknachmittag. Anmeldung bei Gertrud Franke, Telefon 67479 oder Else Tober, Telefon 1393614, erbeten.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bielefeld – Donnerstag, 2. Okto-ber: Gesprächskreis der Königsberger und Freunde der ostpreußischen Hauptstadt. – Sonnabend, 4. Oktober: Erntedankfest mit Kaffeetafel und Verlosung. – Montag, 6. Oktober: Frauengruppe der Ost- und Westpreußen. Alle Veranstaltungen beginnen um 15 Uhr in der Wilhelmstraße 13 33602 Bielefeld.

Bonn – Sonnabend, 20. September, 16 Uhr, Remigiuskirche, Brüdergasse: Ökumenischer Gottesdienst. – Sonntag, 21. September, Marktplatz vor dem Alten Rathaus Bonn: Ostdeutscher Markttag.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 bis 20 Uhr, GHH/Eichendorff-Saal, 1. Etage: Chorprobe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft. – Sonntag, 21. September, 8.30 Uhr: Tagesausflug zur Hengstparade in Warendorf. – Mittwoch, 24. September, 19 Uhr, VHS Düsseldorf: Vortrag von Professor Johannes Fried: „Karl der Große, Gewalt und Glaube“. – Donnerstag, 25. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Buchpräsentation mit Dr. Walter Engel und Dr. Stefan Sienerth: „Das Banat im Blick“. – Donnerstag, 25. September, 20 Uhr, GHH/Raum 412 „Ostpreußen“: Lesung mit Dr. Katja Schlenker und Volker Neupert: „Nachrichten aus dem Menschenschlachthaus. Der Erste Weltkrieg in Feldpostbriefen“. – Sonntag, 21. September, 8.30 Uhr: Tagesausflug zur Hengstparade nach Warendorf. – Mittwoch, 24. September, 19 Uhr, VHS Düsseldorf: Vortrag von Professor Johannes Fried: „Karl der Große, Gewalt und Glaube“. – Donnerstag, 25. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Buchpräsentation mit Dr. Walter Engel und Dr. Stefan Sienerth: „Das Banat im Blick“. – Donnerstag, 25. September, 20 Uhr, GHH/Raum 321 „Ostpreußen“: Lesung mit Dr. Katja Schlenker und Volker Neupert: „Nachrichten aus dem Menschenschlachthaus. Der Erste Weltkrieg in Feldpostbriefen“. – Montag, 29., Dienstag, 30. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Zum 80. Geburtstag von Arno Surminski.

Köln – Donnerstag, 25. September, 15 bis 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Tag der offenen Tür mit Kaffee und Kuchen. Das Programm wird in der örtlichen Presse bekannt gegeben.

Köln-Deutz – Sonntag, 21. September, 15 Uhr, Stadthaus Köln-Deutz: Der Bund der Vertriebenen (BdV), Kreisgruppe Köln, lädt zum Tag der Heimat ein. Festredner ist Bernd Posselt, Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft und langjähriger CSU-Europaabgeordneter. Die ökumenische Eröffnung leitet für das Erzbistum Köln Pfarrer Rainer Hoverath (Seelsorge-Beauftragter für Vertriebene und Aussiedler). Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters lässt sich durch Bürgermeister Dr. Ralf Heinen (SPD) vertreten. Ein kulturelles Rahmenprogramm mit Chorgesang und Trachtentanz runden den Nachmittag ab. Anschließend wird zu einem Umtrunk/Imbiss eingeladen.

Siegen – Rezepte für Königsberger Klopse gibt es viele, aber Olbrichs Klopse sind die Besten. Das fanden alle, die sich am 31. August auf Hof Heide eingefunden hatten. Wegen des unbeständigen Wetters waren nicht alle geladenen Gäste gekommen, aber eine Open-Air-Veranstaltung ist im Siegerland, wo jedes Tal seine eigene Wetterlage hat, mit vielen Unbekannten behaftet. Neben den schon traditionellen Königsberger Klopsen gab es weitere ostpreußische Leckereien bis hin zum Meschkinnes. Es war ein gelungenes Fest und das Plachandern wollte kein Ende nehmen. Vielen Dank Anton Olbrich! Vielen Dank aber auch an Christel Heide, die nicht nur ihren Hof zur Verfügung stellte, sondern auch mit ihrer Familie alle Vorbereitungen für das schöne Zusammensitzen getroffen hatte. Christel Heide und Anton Olbrich – zwei echte Ostpreußen eben!

Viersen-Dülken – Sonnabend, 27. September, 15 Uhr, Dülkener Hof, Lange Straße 54: 100. Veranstaltung in dieser Gaststätte. Auch in diesem Jahr wird für das leibliche Wohlbefinden in bewährter Weise gesorgt. Der Unkostenbeitrag beträgt für Kaffee, Kuchen und ein Garantielos 7 Euro pro Person. Spenden für die Erntedankverlosung werden bis zum 26. September erbeten (An der Hees 15). Freunde und Bekannte sind herzlich. Jeder zusätzliche Gast sichert das Fortbestehen der Gruppe und ist willkommen.

 

RHEINLAND-PFALZ

Vors.: Dr. Wolfgang Thüne, Wormser Straße 22, 55276 Oppenheim.

Mainz – Jeden Freitag, 13 Uhr, Café Oase, Schönbornstraße 16, 55116: Die Gruppe trifft sich zum Kartenspielen. – Donnerstag, 18. September: Besuch des Otto-Schwabe Heimatmuseums Hochheim am Main, anschließend Einkehr in eine Weinwirtschaft. Treffpunkt: 14 Uhr, Mainz, Bahnhofsvorplatz 2.

 

SACHSEN

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

Landesgruppe – Sonnabend, 20. September, Platner Hof, Platnerstraße 38, Chemnitz: Tag der Heimat. Einlass ist um 10 Uhr und der Beginn um 10.30 Uhr geplant. Der Vormittag wird mit der Wahl des Landesvorstandes beginnen. Zur Wahl haben sich gestellt als Landesvorsitzender Alexander Schulz (Chemnitz), als Stellvertretender Landesvorsitzender Peter Wolf (Leipzig), als Landesschatzmeisterin Bianca Schulz (Chemnitz), als Frauenreferentin Dora Arnold (Leipzig), als BJO Marcus Röthig (Dresden), als Landesschriftführerin Frau Sigrid Kaminsky (Mittweida), als Beisitzer Reinhard Gerullis (Limbach-Oberfrohna), Eberhard Grasshoff (Leipzig). Gisela Lossack und Edith Wellnitz stellen sich als Revisoren zur Verfügung.

Der Nachmittag wird beginnen mit einem Vortrag von Dr. Gerd Berger zum Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Eine Theatergruppe aus Zschopau bringt uns das Theaterstück „In meinem Herzen bleit es Heimat“ zu Gehör und als Abschluss zeigt der Kindergarten aus der Matthäus Gemeinde mit Spiel und Gesang ihr kleines Programm.

Limbach-Oberfrohna – Sonnabend, 11. Oktober, 14 Uhr, Eschemuseum: Die Kreisgruppe feiert ihr traditionelles ostpreußisches Erntedankfest. Zu diesem Fest werden schon gemeinsam Vorbereitungen getroffen. Mit Freude und guten Ideen will die Gruppe einen Tag vorbereiten, der allen noch lange in Erinnerung bleiben soll. Der gemischte Chor „Langenberg“ wird im kulturellen Teil unterhalten und die Teilnehmer dürfen fröhlich mitsingen. Eine Kindergruppe von der Gerhart-Hauptmann-Schule führt durch ein abwechslungsreiches Programm. Es ist hausgeschlachtete Wurst im Angebot. Alle Landsleute und Gäste sind herzlich eingeladen.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Bad Malente – Sonntag, 5. Ok-tober, 15 Uhr, Maria-Magdalenen-Kirche: Erntedankfeier. Die Anmeldung ist bis zum 29. September im Blumenhaus Franck (Inhaber R. Dluzak) in der Bahnhofstraße 26 vorzunehmen. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Gäste sind herzlich willkommen. Im Anschluss findet im Haus der Kirche, Janusallee 5, ein gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen statt, wobei jeder durch Beiträge (Lesungen, Lieder) zum Gelingen des Nachmittags beitragen kann.

Bad Schwartau – Das Polizeimuseum Hamburg auf dem Polizeigelände in Alsterdorf, Carl-Cohn-Straße 39, war am 12. Juni Ziel der etwas verspäteten Frühlingsfahrt. Die ehemalige Mackensen-Kaserne war bereits dem Abriss gewidmet, aber das Denkmalschutzamt war seinerzeit damit nicht einverstanden und so konnte sich hier im Laufe der Jahre das Zentrum der Hamburger Polizei etablieren. Die Eröffnung des Polizeimuseums erfolgte nach langer Planung und Vorbereitung am 28. Februar 2014 und die Gruppe erhielt einen der ersten Besuchertermine, die mittlerweile auf Monate im Voraus ausgebucht sind.

Die Polizei Hamburg wird 200 Jahre alt. Im Jubiläumsjahr fand bei strahlendem Sonnenschein der erste Tag der offenen Tür der jungen Akademie der Polizei Hamburg statt. Pensionierte Polizeibeamte führten durch die Ausstellung und bereiteten über zwei Stunden eine äußerst spannende Unterhaltung mit vielen Informationen, historischen und kriminaltechnischen Erklärungen sowie eigenen Erfahrungen aus spektakulären Einsätzen. Sie hatten jahrzehntelang auf dem Polizeigelände ihren Dienst verrichtet und engagieren sich jetzt ehrenamtlich als Führer und kompetente Sachverständige im Polizeimuseum. Die Teilnehmer erfuhren, dass die Einzigartigkeit des ersten Hamburger Kriminalmuseums und die Konzepte der nachfolgenden Lehrmittelsammlung (1947–2006) hier dokumentiert und sowohl Museumsfachleuten als auch interessierten Besuchern zugänglich sind. Rund 5700 Objekte umfasst die Sammlung des Museums. Der Großteil stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, aber einige bedeutsame Exponate stammen auch aus den Frühzeiten des Hamburger Kriminalmuseums, gegründet 1893 und damals untergebracht im Stadthaus am Neuen Wall. Die Objekte sind überwiegend in Ermittlungen gesammelte Asservate. Die Lehrmittelsammlung beherbergt Original-Exponate aus spannenden Kriminalfällen in Hamburg. Zum Beispiel findet man ein Mini-U-Boot, mit dem der Kaufhauserpresser „Dagobert“ eine Geldübergabe abwickeln wollte, die gefälschten Hitler-Tagebücher, die eine landesweite Mediendiskussion auslösten oder aber die Säge, mit der der Mörder Honka seine weiblichen Opfer zerlegte. Es war ein spannungsgeladener und faszinierender Besuch, der mit einem Königsberger-Klopse-Essen in der Kantine des Polizeipräsidiums abgerundet wurde. Am Nachmittag konnten sich dann alle auf dem Gut Groß Zecher am Schaalsee bei Kaffee und Kutschertorte erholen. –

Flensburg – Sonntag, 5. Okto-ber, 11.15 Uhr, St. Michaelkirche, Am Ochsenmarkt: Erntedankfest mit anschließendem Mittagessen. Bushaltestellt im Nahbereich.


S. 21 Lebensstil

Merci, Udo!
Mit »Merci, Chérie« wurde er zum Liebling der deutschen Schlagerfans − Der scheinbar ewig junge Udo Jürgens wird 80 Jahre alt

Am 30. September feiert Schlagersänger Udo Jürgens seinen 80. Geburtstag. Eine Filmdokumentation auf Arte (am 21.9. um 21.40 Uhr) und im Ersten (am 29.9. um 20.15 Uhr) zeigt auch die Schattenseiten des Publikumslieblings.

Die Dokumentation, die das Erste am Vorabend seines 80. Geburtstags zeigt, ist eine Verneigung, in der Weggefährten wie der kürzlich verstorbene Blacky Fuchsberger auftreten, seine Kinder Jenny und Johnny, sein langjähriger Manager. „Er hat den Sound der Bundesrepublik geprägt“, wird Schauspielerin Iris Berben im Film sagen.

Wie wahr: Dieser Österreicher, mit zwei Brüdern auf Schloss Ottmanach in Kärnten aufgewachsen, gab in den Jahrzehnten seiner Karriere dem jeweiligen Zeitgeist eine Stimme. Mit dem heiteren Schunkellied „Griechischer Wein“ setzt er dem Heimweh der Gastarbeiter ein Denkmal. „Ein ehrenwertes Haus“ beschreibt den bigotten Biedersinn in den frühen 70er Jahren. Und mit der Hymne „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ rüttelte er an den Schlagbäumen, die die Ruheständler vom Leben trennen.

Über 1000 Lieder hat Jürgens komponiert – für sich selbst und Weltstars wie Shirley Bassey. Seine Songs gingen um die Welt, seine Verkäufe in die Millionen. Steht da nun ein Sieger vor seinem Publikum, ein Held?

Wer die Biografie des Udo Jürgens durchleuchtet, wer womöglich das Glück hatte, ihn in seinem Refugium oberhalb des Zürichsees zu besuchen, der trifft auf einen Mann, der freimütig Momente der Verzagtheit und des Scheiterns einräumt. Der auch ungefragt an den schlaksigen jungen Mann erinnert, der er mal war: Jürgen Udo Bockelmann, der für die Musik entflammte und doch jahrelang erfolglos in Bars und Kaschemmen auftrat. Seemannslieder lässt man ihn singen, Italien-Schnulzen. Er soll den Ge­schmack der Zeit bedienen und denen gleichen, die damals erfolgreich waren – Freddy Quinn, Peter Kraus.

Erst sein Manager Hans R. Beierlein schiebt ihn auf die Er­folgsspur. Der Grand Prix 1966 in Luxemburg wird den Durchbruch bringen: Udo Jürgens, wie er sich längst nennt, startet mit „Merci, Chérie“ für Österreich. Die Erfolgsaussichten sind schlecht, und Manager Bei­erlein lässt schnell an den Kios­ken noch alle Zeitungen mit kritischen Titelzeilen aufkaufen, um seinen Schützling zu schonen. In dem ARD-Porträt erinnert sich Jürgens an den Rausch, der ihn auf der Bühne erfasst hat: „Jeder Ton stimmte, es fühlte sich alles richtig an.“

„Merci, Jury!“, singt der so lange Verkannte nach seinem Sieg und kann es bis heute kaum fassen: „Viel Zeit hätte ich nicht mehr gehabt, damals warst du mit 30 schon ein halber Methusalem.“

Seitdem begleitet Jürgens dieses Land am Klavier. Er sucht sich Textdichter, die die Themen der Zeit erfassen. Er singt von Sehnsüchten, ohne kitschig zu sein. Er wagt große Gefühle, ohne dass es kalkuliert wirkt: „Ich weiß, was ich will, ich habe noch nie im Leben Berge versetzt, ich tu es jetzt.“ Und weiter sagt er in der TV-Doku: „Das wünscht sich doch jede Frau, dass ein Mann sich für sie entscheidet. Nur für sie“.

Er selbst heiratet 1964 Panja, seine erste Frau. Fotos zeigen ein glamouröses Paar: sie mit hohen Wangenknochen und brünettem Haar, er ein nervöser Künstler, der am Küchentisch halbherzig den Familienvater verkörpert. Draußen warten die Karriere, die Bühne, der Applaus. Und hinter dem Bühnenausgang warten die Mädchen, denen er eines seiner berühmtesten Lieder widmet: „17 Jahr, blondes Haar, so stand sie vor mir.“

Die Ehe wird scheitern, genauso wie die zweite mit der blonden Corinna. Die Leidenschaft, die seine Lieder befeuert, treibt ihn zu neuen Ufern und Abenteuern.

Wenn es einmal still wird in diesem rastlosen Leben, wenn der Mann, der sich Udo Jürgens nennt, in seinem Haus sitzt und zurück­blickt, dann nimmt er sich vor, die Wunden dieses Künstlerlebens zu heilen. „Ich finde, abgebrochene Beziehungen sind eine Wunde, die man sich selbst zufügt. Wunden schlägt das Leben von alleine, dazu muss ich nicht noch beitragen.“

Manchmal greift er zum Telefonhörer und ruft die Menschen an, zu denen der Kontakt abgerissen ist. Seinen früheren Ma­na­ger Beierlein etwa. Seine Ex-Gefährtinnen. Oder seine beiden unehelich geborenen Töchter.

Wie so viele seiner Generation be­gibt sich auch Jürgens in der Mitte seines Lebens auf Spurensuche. Wa­rum etwa wanderte sein Großvater Heinrich Bockelmann von Deutschland nach Moskau aus, um dort eine Bank zu leiten? Und wieder trifft er bei seinen Recherchen auf die Zaubermacht der Musik: Ein Fagottspieler spielte anno 1891 auf dem Bremer Weihnachtsmarkt derart sehnsuchtsvoll eine russische Weise, dass Großvater Bockelmann alle Brücken kappte und dem Ruf der Töne bis nach Russland folgte.

„Der Mann mit dem Fagott“ wird Jürgens seine Autobiografie nennen und nicht eher ruhen, bis die Geschichte seiner Familie als Zweiteiler für das Fernsehen verfilmt wird. In diesem Film wird auch der Moment seiner größten Demütigung ge­zeigt, als ein vermögender Onkel den jungen Musiker von einer Familienfeier ausschließt, weil der arme Schlucker im Kreis der Arrivierten nicht gern gesehen ist. Jahre später wird jener Onkel an der Künstlergarderobe des längst Erfolgreichen anklopfen, um Verzeihung bitten, bis auch bei Jürgens Tränen der Rührung fließen.

Große Gefühle, Pathos gar, hat Jürgens nie gescheut. Wenn er auf der Bühne steht, sollen sie da unten im Parkett sehen, wie ihm der Schweiß in den Nacken rinnt. Sie sollen spüren, dass er alles gibt, selbst nach der x-ten Zugabe, bereits im weißen Bademantel, zurück auf die Bühne drängt. Nie wird er zulassen, dass Routine die künstlerische Leidenschaft lähmt.

Es gibt eine Schlüssel-Szene in der ARD-Dokumentation, eine dieser Situationen, die jeder Künstler kennt. Jürgens und seine Band treten bei einem Unternehmer auf, aber der Funke springt nicht über, das Publikum bleibt teilnahmslos. Aber ein Udo Jürgens gibt nicht auf. Er kämpft. „Ich kann ohne Applaus leben, aber nicht, wenn ich auf der Bühne stehe.“ Zum Schluss des Konzerts werden sie tanzen und mitsingen, er wird alle mitreißen und wie immer triumphieren.

Diesen Herbst geht der 80-jährige auf Tournee, von Abschied ist nicht die Rede. Warum auch: Seine Konzerte feiern die Sehnsucht nach dem Leben – eine Melodie, die noch lange nicht verklungen ist. Harriet Richter


Die Welt in Rosarot
Rosamunde Pilcher wird 90 − Erfolge feierte die Autorin durch deutsche Verfilmungen

Rosamunde Pilcher kann sich in diesem Jahr über ein doppeltes Jubiläum freuen. Zum einen feiert die britische Schriftstellerin ihren 90. Geburtstag, und vor genau 25 Jahren kam „Die Muschelsucher“, die deutsche Ausgabe ihres berühmtesten Werkes „The Shell Seekers“, auf den Markt und wurde seitdem über 1,7 Millionen Mal in Deutschland verkauft. Mit der Familiensaga gelang der Autorin 1987 der kommerzielle Durchbruch als Romanautorin. Insgesamt wurden ihre Werke bis heute weltweit über 60 Millionen Mal verkauft. Damit zählt die Britin zu den erfolgreichsten Autoren der Gegenwart.

Wenn Penelope Keeling in den „Muschelsuchern“ nach ihrem Herzanfall wieder nach Hause zurückgekehrt und sagt, es sei, „als ob jeden Augenblick etwas Wunderbares geschehen könne“, so kommt das einer Zu­sam­menfassung der Pilcherschen Romanphilosophie gleich. Mit ihren Liebes- und Fa­milienge­schichten befriedigt die am 22. September 1924 in Lelant, Cornwall, geborene Autorin die niemals versiegende Sehnsucht nach Ro­mantik, echten Gefühlen, Gerechtigkeit und heiler Welt. Mögen die Intrigen, die sich diesen hehren Zielen entgegen stellen, auch noch so kunstvoll gesponnen sein, sie sind stets leicht durchschaubar und schluss­endlich immer zum Scheitern verurteilt. Das Happy End, ob auf Erden oder im Himmel – wie in den „Muschelsuchern“ –, gehört un­weigerlich dazu.

Pilchers Geschichten sind Märchen, die versöhnen, die den Alltag vergessen lassen und in detaillierten Beschreibungen oder bei den Verfilmungen in prächtigen Bildern die Schönheit der Welt und des Lebens vor Augen führen und über das Hässliche siegen lassen. Kraft der Liebe: Omnia vincit amor. Trotz aller Entrückt­heit von der gesellschaftlichen Realität unserer Zeit findet in den schablonenhaften Charakteren und kulissenhaften Schauplätzen jeder sich selbst, ei­nen Bekannten oder Verwandten wieder.

Es muss diese Mischung aus Traum und zeitloser Wahrheit sein, die ganz besonders die Deutschen, die in den Augen vieler noch immer oft als Romantiker gelten, fasziniert. Wie sonst ist es zu erklären, dass die inzwischen fast 120 verfilmten Romane zu den beliebtesten ZDF-Sendungen mit durchschnittlich sieben Millionen Zuschauern zählen?

Rosamunde Pilcher ist ein Naturtalent. Als Tochter eines Marineoffiziers trat sie während des Zweiten Weltkrieges 1942 dem freiwilligen Dienst des Women’s Royal Naval Service bei. Eine Erfahrung, die sie in den „Muschelsuchern“ verarbeitet. Daneben war sie Sekretärin im Außenministerium und wurde 1943 nach Indien berufen, wo sie bis Kriegsende blieb. 1946 heiratete sie den Textilunternehmer Graham Pilcher (1915–2009) und zog nach Longforgan bei Dundee in Schottland, wo sie seither wohnt. Ihre schriftstellerische Tätigkeit begann sie Ende der 1940er Jahre am Küchentisch, so heißt es, neben der Erfüllung ihrer Aufgaben als Hausfrau und Mutter von vier Kindern. Hoch dekoriert, gab sie am 7. Juni 2012 im Alter von 87 Jahren bekannt, mit dem Schreiben aufzuhören, weil sie sich dazu zu alt fühle.

Was für eine Lebensleistung! Was für eine Werbung für Großbritannien! Denn in den Pilcher-Verfilmungen zeigt sich die Insel von ihrer schönsten Seite und die liegt zweifellos in Cornwall. Die Drehorte sind über die ganze Region verstreut. Um sie zu finden, kommt man um eine Rundreise nicht herum.

Vor allem nicht an Prideaux Place in Padstow an der Nordwestküste. Mit 18 Hektar Parklandschaft und 81 Zimmern gilt es als das Mekka für Rosamunde Pilcher-Fans. Hier wurden und werden unter anderem Filme wie „Das Ende eines Sommers“, „Heimkehr“ und „Die Frau auf der Klippe“ gedreht. Von Frühjahr bis Herbst gibt es Führungen durch das Anwesen, manchmal sogar vom Hausherrn Peter Prideaux persönlich (www. prideauxplace.co.uk). Helga Schnehagen


Verkanntes Genie
1864 stellte Reis das Telefon in Gießen vor

Dass man eines Tages Nachrichten in kürzester Zeit, über große Entfernungen würde übermitteln können, konnte sich vor 150 Jahren sicher niemand vorstellen. Zwar hatte der Amerikaner Samuel Morse bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Telegrafie erfunden. Mit einem sogenannten Morse-Apparat konnten aber keine gesprochenen Worte übertragen werden, sondern nur kurze und lange elektrische Impulse. Morse entwickelte dafür aus kurzen und langen Signalen das Morse-Alphabet.

Eine umwälzende Veränderung war jedoch das Telefon. Ein Telefon (griechisch: tele = fern; phone = Stimme, Klang) ist ein Wandler, der beim Sprechen erzeugte Schallwellen in elektrischen Strom umwandelt. Am Endgerät wandelt die Hörmuschel den Strom wieder in Schall um.

Die Entwicklung des Telefons begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Drei Männer waren entscheidend beteiligt. Der Erste, der daran forschte, wie man Laute auf elektronischem Wege übertragen könnte, war der Franzose Charles Bourseul. Doch 1854 nahm seine Ideen noch niemand ernst.

Der hessische Mathematik- und Physiklehrer Johann Philipp Reis (1834−1874) interessierte sich dafür, wie das menschliche Ohr funktionierte. Für den Unterricht entwickelte er das Holzmodell einer Ohrmuschel. Hierdurch kam er auf die Telefon-Idee. Er baute einen ersten Ferntonapparat mit einem Sender (das Holz-Ohr) und einem Empfänger (ein Holzkästchen). Man konnte die Übertragung zwar nur in eine Richtung anwenden, wobei die Übertragung zudem schlecht war, aber der Apparat funktionierte. Reis nannte seine Erfindung „Telephon und Reproduktionsapparat“ und stellte sie 1861 dem Frankfurter Physikalischen Verein vor zunächst noch skeptisch reagierenden Zuhörern vor. Den verbesserten Apparat führte Reis am 21. September 1864 auf einer Na­turforschertagung einem begeisterten Publikum in Gießen vor. Es war für ihn der Durchbruch als Erfinder.

Wirtschaftlich kam die Erfindung aber nicht in die Gänge. Es fehlte ein Investor. So experimentierten zahlreiche Wissenschaftler anderer Länder mit der genialen Idee weiter. Ruhm erntete schließlich der amerikanische Erfinder Alexander Graham Bell. Er hatte die Idee technisch weiter so weiterentwickelt, dass jetzt Mitteilungen in beide Richtungen möglich wurden. 1876 ließ er seine Idee patentieren. Bell verbesserte die Erfindung, so dass er und sein Assistent Watson sich schon kurze Zeit später über eine Entfernung von 200 Kilometern unterhalten konnten.

Der erste über ein Telefon gesprochene Satz von Reis lautete übrigens: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.“ Silvia Friedrich


S. 22 Neue Bücher

Gescheitert an sich selbst
Der Abstieg des Ronald Schill

Es ist ein bemerkenswerter Abstieg, den Ronald Schill da hingelegt hat. Vom Hamburger Rathaus über eine heruntergekommene Favela in Rio de Janeiro bis in den Container von „Promi Big Brother“. Darüber musste der ehemalige Hamburger Innensenator und Zweite Bürgermeister ein Buch schreiben, aber das hatte er ohnehin immer vor: „Als bekennender Hedonist war ich stets darauf bedacht, mein Leben so zu gestalten, dass es sich lohnt, darüber ein Buch zu schreiben“, erklärt er gleich zu Beginn.

Der Absturz des einstigen „Richter Gnadenlos“ zum „Richter Hüllenlos“ im Privatfernsehen ist spektakulär, sein 208 Seiten starkes Werk verursacht Kopfschütteln, Abscheu, Staunen und Schmunzeln zugleich. Es sind dabei weniger die von Schill geschilderten sexuellen Eskapaden, die das Buch interessant machen, sondern eher die Tatsache, dass ein Durchschnittsjurist 2001 nicht nur die Hamburger Lokalpolitik aufmischen konnte, sondern auch bundesweit zum Schreckgespenst der Etablierten mutierte. „Als Trommler habe ich für Ole von Beust und mich das Hamburger Rathaus erobert“, schildert er die Gründung seiner Partei, den spektakulären Einzug in die Bürgerschaft im Herbst 2001 und schließlich seine Berufung zum Hamburger Innensenator. Doch die große Politik sei für ihn immer nur ein großes Spiel gewesen: „Mein Schwanz brach mir mein Genick“, erklärt er ebenso offen wie vulgär.

Die Mühen der Ebenen waren seine Welt nicht, das gibt er freimütig zu. Statt Akten zu wälzen, verrichtete er Dienst nach Vorschrift und hielt sich bevorzugt in Hamburger Nachtclubs auf, stets auf der Suche nach dem weiblichen Geschlecht. Von ausschweifenden Orgien ist die Rede, von Drogen-Exzessen und von nächtlichen Abenteuern in seinem Dienstzimmer. Als er im Herbst den Ersten Bürgermeister Ole von Beust mit dessen Homosexualität erpresste, flog Schill zunächst aus dem Amt, dann aus seiner „Partei Rechtsstaatlicher Offensive“. Dass er 2004 auf dem Ticket des verstorbenen Börsengurus Bolko Hoffmann und seiner „Pro DM“ noch mal zur Wahl antrat, erklärt Schill damit, „dass man sich an das Leben als Abgeordneter schon gewöhnen kann“.

„Der Provokateur“ ist die Geschichte eines Mannes, der sich selbst eingesteht, von Geltungssucht getrieben zu sein. Es ist aber auch eine Erklärung für die Vorgänge, die sich um die Jahrtausendwende in der Hansestadt abspielten. Jahrzehntelang regierte die SPD, die CDU war zerstritten und gespalten, die Angst der Bürger vor der Kriminalität wuchs. Auch mit der FDP hätten die Christdemokraten den Machtwechsel nicht geschafft. Und so kam der Amtsrichter Schill ins Spiel. Von der Springer-Presse rund um die „Bild“-Zeitung wurde er auf Grund relativ harter Gerichtsurteile zum „Richter Gnadenlos“ und irgendwann riet man ihm, eine Partei zu gründen: „Es waren die Leute, die mich hochgeschrieben haben und mich nachher fallenließen“, schreibt er. Ziemlich naiv ist der 1,95-Meter-Hüne an die Sache herangegangen, „mir wurde erst hinterher klar, welches Spiel da lief“. Selbst Kritiker bescheinigen Schill eine große Intelligenz, doch auch die reichte nicht, um den Polit-Dschungel zu durchblicken: „Man hat mich fallengelassen, als man mich nicht mehr brauchte“, schreibt der 55-Jährige. Dass bis heute eine gewisse Faszination von ihm ausgeht, zeigen die Verkaufszahlen. „Der Provokateur“ stieg bereits in der ersten Woche auf Platz 15 bei den Taschenbüchern. Peter Entinger

Ronald Barnabas Schill: „Der Provokateur“, Soundtrack, Berlin 2014, brosch., 208 Seiten, 9,95 Euro


Zurück zu Humboldt
Hamburger Uni-Präsident rechnet brillant mit Bologna-Reform ab

Zum Niederknien! Mit fast jedem Wort in „Bildung statt Bologna!“ gelingt es dem Autor, Dieter Lenzen, die Rezensentin für sich einzunehmen. Neben vielen klaren und wahren Worten in seiner Streitschrift für mehr Bildung und weniger Bologna-Reform formuliert der Präsident der Hamburger Universität seine Forderungen auch noch so spitz, dass man immer wieder herzhaft lachen muss.

Dabei ist die Ausgangslage eigentlich ziemlich traurig. So kritisiert Lenzen, dass das deutsche Universitätssystem, das auf den Eckpunkten Bildung durch Wissenschaft, forschendes Lernen und akademische Freiheit beruhte, zugunsten des aus dem britisch-amerikanischen Raum entliehenen Modells universitärer Einrichtungen als Berufsausbildungsinstitutionen geopfert worden sei. Bachelor und Master ersetzten so fast überall Magister und Diplom, und das obwohl die deutschen Abschlüsse weltweit den allerbesten Ruf hatten.

Eigentlich sollten mit der 1999 beschlossenen Bologna-Reform Hochschulabschlüsse innerhalb Europas vergleichbarer werden. Europäer sollten leichter auch über Ländergrenzen hinweg Hochschule und Arbeitsplatz wechseln können. Wohl auch, um eine „europäische Identität“ zu forcieren, sollten Studiengänge aneinander angeglichen werden, so Lenzen, der jedoch zu dem Urteil kommt, dass es auch jetzt mit der „europäischen Identität“ nicht weit her sei. Zudem sei der deutsche Grundgedanke, dass auf einer Universität auch Menschenbildung betrieben werde, einfach achtlos über Bord geworfen worden. Stattdessen dominierten heute nun „Qualitätsstandards“.

Lenzen kritisiert, dass keiner, da ganz dem „Europa-Suff“ verfallen, die „bürokratische Gleichschaltung“ verhindert habe. Dabei erkenne selbst der Staat den von ihm eingeforderten Bachelor-Abschluss nicht als wissenschaftlichen Hochschulabschluss an. Nur wer einen Master habe, könne in die Vergütungsgruppen des Höheren Dienstes aufsteigen.

Nun sieht Lenzen, nachdem er die Ergebnisse der Reform erkannt hat, es als seine Pflicht an, eine massive Korrektur einzufordern und auf die historische Alternative aufmerksam zu machen. Diese führt zurück zu Wilhelm von Humboldt. Er kritisiert, dass die Universität zur zweiten Berufsschule transformiert worden sei, obwohl Deutschland im Gegensatz zum Ausland Berufsschulen schon hat.

Auch zweifelt er die offizielle Begründung für die Reform an. Hätte man wirklich nur das Ziel gehabt, Vergleichbarkeit zu schaffen, dann hätte man vor allem die Studieninhalte angleichen müssen, doch das sei nicht geschehen. Aus „Bildung für alle“ sei mit dem zumeist sechssemestrigen Bachelorabschluss eine Art Schmalspurabschluss entstanden, der vor allem „billig für alle“ sei. In solchen Einrichtungen könne man zwar Leute ausbilden, die artig ihre Arbeit machten, aber keine, die neue Weltbilder erzeugten, Quantensprünge sprängen und einen Beitrag zur Aufklärung der Menschheit leisteten. Doch offenbar sei genau dies gewollt.

Jedenfalls kommt man zu dem Schluss, wenn Lenzen sich darüber aufregt, dass die „bunten Broschüren von Innovationspropagandisten“ Bilder von Google, Windkraftwerken oder digitalen Fotokameras zeigten. Dies sei also Innovation? Windmühlen habe es schon in der Antike gegeben, Informationssuche sei auch schon mit dem Schlagwortkatalog der Bibliothek möglich gewesen. Für Lenzen sind der Satz des Pythagoras, das Konzept der Null, die Entdeckung der DNA oder die Einführung der doppelten Buchführung Innovationen. Doch um Neues zu denken benötige man neben allem Wissen „Zeit für Tagträume“, für die „Suche nach Lösungen auch für scheinbar abwegige Probleme“, doch die böte die Universität neuen Zuschnitts nicht mehr.

Immer wieder ist das vorliegende Buch eine Liebeserklärung an die Thesen Humboldts, wobei Lenzen nicht unkritisch Bilanz dessen zieht, was in den letzten Jahrzehnten aus dem Humboldt’schen Bildungsideal wurde. Die Hochschulen hätten sich in einem Elfenbeinturm von den wirklichen Problemen des Lebens isoliert und am gesellschaftlichen Bedarf vorbeigearbeitet, sich aber von der Öffentlichkeit dafür finanzieren lassen. Doch anstatt das Alte zu reformieren, wurde ein System übernommen, „mit dem ganze 20 von 4800 amerikanischen Universitäten weltweit erfolgreich“ agierten.

„Mit der Bologna-Reform ist es wie mit dem Euro: Ob gewollt oder nicht, wir werden uns mit ihren Konsequenzen auseinandersetzen müssen“, so Lenzens Fazit. Und erfreulicherweise lebt der 66-jährige Erziehungswissenschaftler auch das, was er schreibt. Gerade dieser Tage forderte er knallhart die Hamburger Politik auf, ihrer Pflicht gegenüber den Studenten nachzukommen. Rebecca Bellano

Dieter Lenzen: „Bildung statt Bologna!“, Ullstein, Berlin 2014, broschiert, 108 Seiten, 9,99 Euro


Mitten ins Getümmel
Roman setzt Ersten Weltkrieg aus ungewöhnlicher Perspektive in Szene

Es dauert lange Seiten, bis die Erzählstränge des Romans „Entlang des Großen Krieges“ zueinander finden. Echte Handlung bietet Thomas Persdorf kaum, aber viel Spannung – weil sein „Roman“ im Grunde ein Drama ist, mit ziselierten Charakteren, scharfen Szenenwechseln von Armeestäben zum Brandenburger Gutshof, viel Seelenkitsch, aber auch einer herrlichen Fluchkaskade, die Krankenschwester Priscilla auf Romanheld Quintus prasseln lässt, nachdem der eine letzte Nacht bei seiner an einer Infektion verstorbenen Geliebten gewacht hat. Alles umstellt von Kulissen besonderer Art – Originalzitaten aus Befehlen, Regierungsdokumenten, Kaisererlassen, leserfreundlich kursiv gesetzt und so boshaft ausgesucht, dass man mitunter an der Authentizität zweifelt. Zu Unrecht!

Quintus ist eine Kunstfigur, die fugenlos in reale Abläufe passt. Als wandelnde Geschichtsenzyklopädie kommt er zur deutschen Delegation, die Anfang 1918 mit den Sowjets in Brest Litowsk einen Frieden aushandelt. Quintus ist dabei nur stummer Beobachter, der einen langen Report schreibt. Andere Verwendung hat Persdorf für ihn nicht, wenn er mit historischer Akribie und stilsicherem Kolorit den Verhandlungspoker Trotzkis („kein Krieg – kein Frieden“), Radeks & Co. verfolgt.

Die „Roten“ verlieren Finnland und Polen, aber noch 1918 verliert Deutschland den Krieg und weit mehr Territorien, der Kaiser dankt ab, die Sozialdemokraten rufen die Republik aus und verteidigen sie gegen den bolschewistischen Spartakusbund, was Persdorf knapp-erschöpfend beschreibt und dokumentiert.

Im Zivilberuf ist der Autor Tierarzt. Wie Tschechow, Benn und weitere schreibende Mediziner besitzt er jene ausgeprägte Sensibilität für Schmerz und Leid, wie sie gerade ein Krieg bringt. Persdorf zeigt seine Abneigung gegen Krieg und Kriegsgeschrei in „hinterfotziger“ Eindrücklichkeit. Wolf Oschlies

Thomas Persdorf: „Entlang des Großen Krieges“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2013, borschiert, 379 Seiten, 14 Euro


Führende Rolle Deutschlands verhindert
Das »Deutschland-Journal« der SWG analysiert Ursachen und Folgen des Ersten Weltkriegs

Lässt man die aus Anlass des 100. Jahrestages des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges erschienenen wissenschaftlich ernstzunehmenden Bücher Revue passieren, stellt man staunend fest, dass fast alle ausnahmslos die den damaligen Kriegsverlierern im Versailler Friedensdiktat aufgezwungenen Schuldbekenntnisse ablehnen, sei es der australische Historiker Christopher Clark, dessen Wälzer eine Neuauflage nach der anderen erlebt, seien es die deutschen Historiker Hans Fenske, Jörg Friedrich oder Herfried Münkler.

In der Reihe der neuen Literatur, die die Frage nach den Ursachen des Großen Krieges neu und jenseits der Politischen Korrektheit aufwirft, fehlt auch das „Deutschland-Journal“ der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft (SWG) nicht. Soeben ist die Ausgabe erschienen, in der das im Frühjahr in Hamburg mit über 200 Teilnehmern durchgeführte Seminar unter dem Titel „1914 Europa vor dem Sturm: Lehren für heute“ dokumentiert ist. Der Text der Hauptreferate, der Wortlaut der anschließenden Diskussionen sowie ausführliche Rezensionen einiger wesentlicher neuer Bücher zu Teilaspekten des behandelten Themas sind hierin abgedruckt.

Der Journalist und Historiker Günther Deschner informierte über „Das wilhelminische Kaiserreich und der Geist der Moderne“, indem er manches vortrug, was sicherlich den meisten, weitgehend geschichtslosen Bundesbürgern unbekannt ist. Oder wer weiß schon, dass Deutschland sich damals der fortschrittlichsten Sozialpolitik in der Welt rühmen konnte? Das Ausland bestaunte das erste deutsche Wirtschaftswunder und übernahm in vielen Fällen das dreigliedrige deutsche Bildungssystem, das bewirkte, dass um die Jahrhundertwende im Reich die Zahl der Analphabeten auf ein Prozent gesunken war.

Der durch viele jenseits der political correctness angesiedelte Bücher über Fragen der Zeitgeschichte bekannt gewordene Historiker Walter Post holte in seinem im Mittelpunkt des Seminars stehenden Referat „Der vierspurige Weg zum Weltkrieg“ weit aus, um darzustellen, wie Großbritannien, Frankreich und Russland durch ein teils sogar geheimes System von Bündnissen das Deutsche Reich einkreisten, bis – ohne dass einer der führenden Staatsmänner ahnte, welches Ausmaß der Krieg annehmen würde – Anfang August 1914 alle zu den Waffen griffen. Dabei ging es um die Machtfrage: Man wollte verhindern, dass Deutschland die führende Rolle auf dem Kontinent spielte.

Wichtig für eine sachliche Sicht auf die Ereignisse sind die in ausführlichen Besprechungen vorgestellten Biografien über General Erich Ludendorff und Großadmiral Alfred v. Tirpitz, die innerhalb weniger Monate in mehreren Neuauflagen erschienen sind, sowie das endlich in deutscher Übersetzung erschienene Buch der amerikanischen Professorin für europäische Geschichte in Berkeley, Margaret Lavinia Anderson, „Lehrjahre der Demokratie. Wahlen und politische Kultur im Deutschen Kaiserreich“, in dem die Wissenschaftlerin deutlich macht, dass das junge Reich in der politischen Kultur und der demokratischen Beteiligung des Volkes den angeblichen „Musterdemokratien“ Frankreich, England und USA mindestens ebenbürtig war.

Das im Laufe der Jahrzehnte seines Erscheinens auf nun über 140 Seiten angewachsene „Deutschland-Journal“ ist zwar außerordentlich materialreich, doch die Redaktion dürfte ihren Lesern einen Gefallen tun, wenn sie in Zukunft leserfreundlicher etwa durch gelegentlich eingestreute Bilder und Zwischenüberschriften arbeiten würde. Die jetzt schon hier und da eingeschalteten Witze aus der zeitgenössischen satirischen Zeitschrift „Simplizissimus“ könnten ein Anfang sein.

Dieser Ausgabe des „Deutschland-Journal“ liegt eine DVD bei mit einem vom Schöpfer des Preußisch-Brandenburgischen Museums in Wustrau, Eberhard Bödecker, produzierten Dokumentarfilm „Das deutsche Kaiserreich einmal anders“. Bödecker stiftete die DVD den Mitgliedern und Freunden der SWG. Hans-Joachim von Leesen

Das „Deutschland-Journal“ samt DVD ist gegen Einsendung eines Fünf-Euro-Scheins pro Exemplar für Versandkosten und Schutzgebühr erhältlich bei der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft, Postfach 261827, 20508 Hamburg.


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Achse des Bösen / Wie Brüssel die nächste deutsche Kasse plündert, wann „Propaganda“ verboten wird, und von wo aus das alles viel schöner aussieht

Da sind wir uns ja wohl alle einig: Europa muss sozialer werden. Sozialer heißt: gleicher. Die soziale Ungleichheit schreit zum Himmel. Dieser Tage haben sich die EU-Finanzminister unter italienischem Vorsitz zusammengerauft, um diesen Skandal endlich abzustellen.

Bei ihrem Treffen in Mailand haben sie das nächste Großprojekt zur europäischen Umverteilung auf den Weg gebracht – die Europäische Arbeitslosenversicherung. Derzeit hat jedes Land seine eigene Versicherung, was große Ungerechtigkeit schafft. In Rumänien bekommt ein Arbeitsloser im ersten Jahr durchschnittlich nur 108 Euro pro Monat. Die Griechen zahlen kaum oder gar keine Beiträge in ihre Arbeitslosenversicherung ein, weshalb sie im Falle des Falles auch kaum etwas bekommen, die Armen. Die Deutschen hingegen zahlen massiv ein, weshalb sie auch mit die höchsten Arbeitslosengelder ausgezahlt kriegen.

In Italien dagegen erhalten überhaupt nur 16 Prozent der Kurzzeiterwerbslosen Geld aus der Solidarkasse. Das liegt daran, dass die meisten gar nicht sofort arbeitslos gemeldet werden, sondern zunächst ein Übergangsgeld vom letzten Arbeitgeber erhalten.

Die italienischen Arbeitgeber würden diese Kosten gern loswerden. Verständlich. Sie pochen auf mehr Solidarität. Die Bundesrepublik ist (wegen der hohen deutschen Beiträge, aber das tut nichts zur Sache) schließlich das einzige Land, in dem die Arbeitslosenversicherung auf Milliarden Euro schweren Rücklagen sitzt.

Die, das ist erst einmal das Hauptziel, gilt es, in die anderen EU-Länder umzuverteilen, um das Arbeitslosengeld anzugleichen. In Rumänien oder Ungarn hätten Arbeitslose nach der Angleichung viel mehr Geld in der Tasche als die Masse ihrer arbeitenden Landsleute. Viele würden mit dem Arbeiten vermutlich einfach aufhören. Das könnte zu Problemen in der Staatskasse führen, denn wer nicht mehr arbeitet, der zahlt auch keine Steuern mehr.

Ach, sagt Brüssel, macht nichts. Wie für alles andere haben wir dafür eine verheerende Lösung parat: Der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will groß in „Euro-Bonds“ einsteigen. Damit werden für die Schulden, die ein Land aufnimmt, alle Länder haften müssen. Griechen oder Italiener könnten dann Schulden aufnehmen, für die vor allem die deutschen Steuerzahler geradestehen müssten.

Juncker schießt gleichzeitig schon seit Jahren gegen jede „strikte Sparpolitik“, sprich: Den Ländern solle es mit den Euro-Bonds auch grenzenlos ermöglicht werden, nach Herzenslust Schulden auf die deutsche Kappe zu machen. Der deutsche EU-Parlamentspräsident Martin Schulz unterstützt Junckers Forderungen übrigens nach Kräften.

Auch von einer anderen Flanke kann die EU erfreuliche Fortschritte melden. Das EU-Parlament hat das „Assoziierungsabkommen“ mit der Ukraine mit 535 zu 127 Stimmen ratifiziert. Aus Rücksicht auf Russland soll das Abkommen zwar erst 2016 in Kraft treten. Doch Kiews Präsident Petro Poroschenko lobte den Vertrag bereits als „ersten Schritt“ seines Landes in die EU.

Die Ukraine hat doppelt so viele Einwohner wie Rumänien, ist dafür doppelt so arm und mindestens noch einmal so korrupt. Auf die deutschen Steuer- und Beitragszahler kommen also ungeahnte neue Chancen zu, noch mehr europäische Solidarität zu üben. Irgendwann arbeiten wir für gar nichts anderes mehr, wunderbar.

Übrigens: Es sollen nicht bloß die Geldflüsse für Arbeitslose vereinheitlicht werden, auch die nationalen Arbeitslosenverwaltungen will Brüssel „synchronisieren“ und eine europäische Arbeitsagentur schaffen. Was die deutsche Arbeitsagentur bisher (nicht) geleistet hat, soll demnach mithilfe der bekanntermaßen sagenhaft effizienten Verwaltungen von Griechenland, Portugal oder Bulgarien noch besser gemacht und in einer gigantischen Brüsseler Behörde zusammengefasst werden mit einheitlichen Verfahrensvorschriften für alle. Das helfe Europa, „die Arbeitsmärkte effizienter zu machen und Menschen schneller in Arbeit zu bringen“, bescheinigt uns ein von der EU bestellter Experte.

Na? Sind Sie bereits in Schnappatmung gefallen? Haben eine Kerbe in die Tischkante gebissen? Eine Vase durchs geschlossene Fenster geschleudert?

„Focus“-Kommentator Uli Dönch nennt die Garde um Juncker, Schulz und deren Komplizen eine neue „Achse des Bösen“, eine Bande von Schurken also. So offenkundig erscheint ihm mittlerweile deren Begehr, Europa und insbesondere Deutschland wirtschaftlich und sozial in Schutt und Asche zu legen.

„Achse des Bösen“! Darf er das überhaupt schreiben? Leider ja, aber vielleicht nicht mehr lange. Wie ein Bundestagsabgeordneter der Linkspartei aufgedeckt hat, wirkt das Auswärtige Amt auf EU-Ebene darauf hin, mehreren russischen Journalisten Berufs-, sprich: Veröffentlichungsverbot zu erteilen, weil sie „Putin-Propaganda“ betrieben.

Eine solche Regelung ließe sich gewiss noch ausdehnen. Beispielsweise auf deutsche Journalisten, die „Anti-EU-Propaganda“ fabrizierten.

Der renommierte Autor Michael Klonovsky antwortete auf den Vorstoß zum Veröffentlichungsverbot mit einem feurig-verächtlichen „Heil Hitler, meine Herren!“ Auf diese Weise erinnert er uns daran, in welcher Epoche es westlich der Werra zuletzt solche Verbote gegeben hat. Auch derlei Erinnerungen sollten verboten werden. Und wenn unsere Hirne eines Tages gänzlich von kritischen Gedanken leer- und mit der offiziellen „Wahrheit“ vollgepumpt sind, können wir sogar die Erinnerung an das Verbot verbieten.

Die Zerstörung Europas macht indes nicht bloß wirtschaftlich und sozial, sie macht auch emotional beachtliche Fortschritte. In Ländern wie Spanien, Portugal oder Griechenland, wo die Deutschen vor Kurzem noch sehr beliebt und vor allem hoch geachtet waren, sind wir heute nur noch verhasst. Bravo EU, bravo Euro.

Nun wollen wir aber nicht alles immer so negativ sehen! Um die lichten Seiten des voranschreitenden Wahnsinns erkennen zu können, muss man nur die Perspektive wechseln.

Aus globaler, sagen wir „bilderbergischer“ Sicht nimmt sich das Ganze nämlich fabelhaft aus. Europa wird nach und nach zum chaotischen, wehrlosen Freigehege für international agierende Machtkartelle, die sich bei „Bilderberg“-Konferenzen und ähnlichen Treffen koordinieren.

Der Plan gelingt auch und gerade deshalb so gut, weil mit den Maßnahmen vor allem das einzige Land getroffen wird, das das Zeug zu einer Art europäischer Führungsmacht hätte: Deutschland.

Dem Land wird planmäßig der Lebenssaft abgesogen. Die EZB zerstört unsere Ersparnisse, nachdem unsere D-Mark schon beseitigt wurde. Die Früchte unserer Arbeit verschwinden im Moloch riesiger EU-Schlunde, in denen sich Lobbyisten mit Hilfe gigantischer Bürokratien hemmungslos bedienen. Und nun geht es auch noch, zum Dessert sozusagen, an unsere Sozialkassen. Die funktionieren nämlich noch halbwegs. Aber das kann man, wie gezeigt und nun offiziell angestrebt, ebenfalls ändern.

Mit seinen Nachbarn wird das ausgelaugte, zu Boden gestreckte Deutschland am Ende nur noch in Wut und Zwietracht liegen. Nach unserer Plünderung werden wir das bestgehasste Land Europas sein, viel zu schwach und zu isoliert, um irgendetwas anführen zu können.

Die schwächeren EU-Länder werden bis dahin mit deutschem Geld gewissermaßen „sediert“, auf dass sie sich nicht reformieren und besinnungslos auf das Niveau eines maroden Schwellenlandes hinab dämmern. Wofür sie natürlich uns die Schuld geben werden. Am Ende könnte Europa wohl so etwa werden wie „Groß-Moldawien“: ein Paradies für gewissenlose Geschäftemacher und moralfreie Bilderberg-Strategen mit ihren korrupten Politikern.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Lohn: Bis zu 20 Prozent weniger

Duisburg – Die Reallöhne von Geringverdienern sind in Westdeutschland von 1995 bis 2012 um 20 Prozent gesunken. Dies ergab eine Studie der Uni Duisburg-Essen. In den neuen Bundesländern habe der Rückgang nur 6,3 Prozent betragen. Dies liegt nach Auffassung der Forscher aber an der geringeren Ausgangbasis. Im Durchschnitt aller Lohngruppen sei das deutsche Gehaltsniveau im genannten Zeitraum ebenfalls zurückgegangen. H.H.

 

Kein Deutsch, keine Beute

Berlin – Mangelnde Deutschkenntnisse wurden einem Räuber in einem Supermarkt in Berlin-Reinickendorf zum Verhängnis. Als letzter Kunde bedrohte er gegen 21 Uhr eine Kassiererin mit einer Schusswaffe und forderte etwas. Die Frau verstand aber nicht, was er wollte, und reagierte daher nicht. Auch eine zweite Angestellte konnte seine Forderung nicht entschlüsseln. Sie fing aber an zu schreien, woraufhin der Mann die Flucht ergriff. H.H.

 

Ein Sieg des freien Denkens

Solch eine Wahlsensation hat es in 65 Jahren Bundesrepublik noch nie gegeben. Dank eines gewonnenen Direktmandats bei den Brandenburger Landtagswahlen werden die dortigen Vereinigten Bürgerbewegungen (BVB) der Freien Wähler in den Landtag einziehen, obwohl sie die Fünfprozenthürde nicht überspringen konnten. Eine Klausel im Brandenburger Wahlgesetz machte diese Ausnahme möglich, so dass die erzielten 2,7 Prozent voll angerechnet werden und die BVB neben den Direktkandidaten noch zwei weitere Abgeordnete stellen können.

Den Coup zu verdanken haben die Freien Wähler dem Arzt Christoph Schulze, der für die BVB mit 27 Prozent aller Stimmen das Direktmandat im Wahlkreis Teltow-Fläming III errang. Damit verteidigte er seinen Wahlsieg, den er in den Jahren zuvor noch für die SPD errungen hatte. Seit 1990 saß Schulze für die Sozialdemokraten im Landtag. Doch aus Protest gegen den Berlin-Brandenburger Flughafen BER und die Haltung der SPD-Fraktion gegen eine Volksinitiative für ein Nachtflugverbot – sein Wahlkreis grenzt an den BER an – trat er im Mai 2013 aus der Fraktion aus und wechselte als parteiloser Abgeordneter zur Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Für die Landtagswahl ging der 1965 im mecklenburg-vorpommerischen Crivitz geborene Politiker allerdings für die Freien Wähler ins Rennen, unter deren Dach etwa 110 Bürgerinitiativen für direkte Demokratie, für Volksentscheide und gegen den BER organisiert sind. Der in seinem Heimatort Zossen äußerst beliebte Diplommediziner, der bis 1994 als Krankenhausarzt praktizierte, kommentierte den Wahlsieg so: „Mein Erfolg ist auch eine Botschaft an andere Politiker: Seid mutig, es kann sein, dass der Wähler euren Mut und euer freies Denken belohnt.“ Harald Tews


MEINUNGEN

Konstantin von Notz, Grünen-Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages, beklagt sich in einem Gastbeitrag für die „Welt“ (12. September) über mangelnden Aufklärungswillen der Bundesregierung:

„Die Akrobatik der Argumentation, warum Edward Snowden nicht nach Deutschland kommen kann, kommen soll, kommen darf, wird immer grotesker.“

 

 

Die etablierten Parteien stecken laut Justus Bender gegen­über der Konkurrenz von der AfD in der Zwickmühle. In der „FAZ“ (15. September) analysiert er:

„Sollten diese die AfD vereinnahmen wollen und deren Positionen für sich reklamieren, wird der Wähler sich nach aller Erfahrung dem Original zuwenden. Sollten sie die AfD umso heftiger kritisieren, würde das die in Widerspenstigkeit geübten AfD-Anhänger nur noch stärker motivieren. Legt man die wahrscheinliche Annahme zugrunde, dass die AfD ihr Klientel stärker mobilisiert als andere Parteien, kann auch der Versuch des Totschweigens als gescheitert bezeichnet werden.“

 

 

Wolfgang Bosbach (CDU-MdB) kritisierte im Gespräch mit „Focus-online“ (15. September) den ignoranten Umgang der Union mit der AfD und ihren Unterstützern:

„Ich habe es immer für eine Fehleinschätzung gehalten, dass die AfD ein Wählerpotenzial zwischen zwei und drei Prozent habe und eine vorübergehende Erscheinung sei, dass man sie aus einer Mischung aus Ignoranz und Desinteresse marginalisieren könne. Ich habe das nie verstanden. Wenn man einmal ohne Kopfhörer durch die Fußgängerzone geht oder täglich seine Post selbst liest, bekommt man ein völlig anderes Bild von der Stimmung im Land.“

 

 

Matthias Iken, stellvertretender Chefredakteur des „Hamburger Abendblatts“ (12. September), fordert eine grundlegende Reform der Asylpolitik:

„Das Recht auf Asyl hatten die Verfassungsväter als Schutz vor politischer Verfolgung definiert. Es ist das falsche Tor für Menschen, die sich eine bessere Zukunft in Deutschland erhoffen.“

 

 

Laut Christoph Schwennicke („Cicero“, 15. September) ist der Untergang der FDP vermutlich unabwendbar:

„Es ist nicht erkennbar, wie Christian Lindner die von seinen Vorgängern systematisch zerstörte Partei rechtzeitig zur Bundestagswahl 2017 wieder konkurrenzfähig machen soll. Es ist keine Idee da, kein Kern, es gibt keine Köpfe, kein Konzept. Nichts.“

 

 

Der Chef des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann, Frank Haun, beklagt in der US-amerikanischen Fachzeitschrift „Defense News“ das gestörte Verhältnis der deutschen Politik zur Wehrindustrie:

„In Berlin werden wir wie die Mätresse der Politik behandelt: Jeder braucht, was wir zu bieten haben, aber niemand möchte mit uns in der Öffentlichkeit gesehen werden, und einige wünschen uns sogar den Tod, ohne dass man sie dafür verantwortlich machen kann.“