© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 39/14 vom 27.09.2014

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Ungebremst ins Desaster
»Flüchtlingspolitik«: Die Politik verschließt weiter die Augen vor der Wirklichkeit

Die Kommunen kollabieren unter dem Ansturm von „Flüchtlingen“. Doch Regierung wie Opposition stehen hilflos vor dem Problem.

Der „Asylkompromiss“ zwischen Bundestag und Bundesrat wirft ein grelles Licht auf die völlig verfahrene deutsche „Flüchtlings“-Politik. Zuwanderern aus Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina soll kein politisches Asyl mehr gewährt werden. Dafür werden alle übrigen Asylbewerber bessergestellt.

Schon bei der Begrifflichkeit beginnt die Verzerrung der Wirklichkeit. Pauschal bezeichnen Politiker und die allermeisten Medien jeden, der aus einem ärmeren Land in die Bundesrepublik gelangt, als „Flüchtling“. Dabei ist gerade für die Deutschen, die Mitte des 20. Jahrhunderts die gewaltigste Flucht und Vertreibung der Menschheitsgeschichte erlitten haben, der Begriff „Flüchtling“ von besonderer historischer Schwere. Die Deutschen aus dem Osten flohen nicht, weil sie sich im Westen ein besseres Leben oder gar Sozialleistungen erhofften, sondern weil sie um Leib und Leben fürchten mussten. Mehr als zwei Millionen kamen dabei um. Was heute in Rede steht, sind ganz mehrheitlich Auswanderer, die aus rein wirtschaftlichen Gründen nach Europa streben, also keine Flüchtlinge.

Der Protest hinsichtlich der Beschränkungen für die Menschen aus den genannten Balkanländern kam bezeichnenderweise aus derselben politischen Ecke, aus der heraus besonders eifrig die EU-Aufnahme der betreffenden Länder gefordert wird. Dabei kann nur eines zutreffen: Entweder, es sind „Verfolgerstaaten“, dann haben sie in der EU nichts zu suchen. Oder es sind EU-kompatible Länder. Dann liegt grundsätzlich kein Asylgrund für Bürger dieser Staaten vor.

Doch die Balkanfrage erfasst nur einen kleinen Teilaspekt des Gesamtproblems. Jeder neue Armutszuwanderer aus anderen Weltregionen kommuniziert sein erfolgreiches Ankommen in Deutschland in seine Heimat und lockt so etliche Nachahmer an. Es entwickelt sich eine Lawine, unter der eine Kommune nach der anderen zusammenbricht, die gewaltige Integrationsprobleme in der Zukunft schafft und die hiesige, vor allem gering qualifizierte, Arbeitnehmer einer immer erdrückenderen Konkurrenz aussetzt, vor der sie auch ein „Mindestlohn“ nicht schützen wird, der in allzu vielen Branchen leicht zu unterlaufen ist.

Vor all dem kapituliert die Politik der Regierung, vom Gerede der Opposition ganz zu schweigen. Sehenden Auges dirigieren beide das Land in ein Desaster. Die einzige, wenn auch harte Lösung kann darin bestehen, die Menschen beispielsweise aus Afrika zurück auf ihren Kontinent zu bringen, um dort in Auffanglagern an der südlichen Mittelmeerküste über ihren Asylantrag zu befinden. Dann hat die sehr überschaubare Minderheit der wirklich Verfolgten weiterhin eine Chance auf Asyl, ehe Europa vor dem Ansturm seine Grenzen bald ganz und für alle schließen muss. Hans Heckel


Faulenzen wird belohnt
Nahles will Sanktionen für jugendliche Hartz-IV-Bezieher lockern

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will die bisherigen Sanktionsregeln für jugendliche Hartz-IV-Bezieher lockern. Unter Sanktionen werden Maßnahmen verstanden, die das Jobcenter verhängt, wenn ein Leistungsbezieher Pflichtverstöße wie Termin- oder Mitwirkungsversäumnisse begeht. Die Höhe der Kürzung ist abhängig von der Art und Schwere der Pflichtverletzung. Für unter 25-Jährige gelten bislang besonders strenge Regeln. Bereits bei der erstmaligen Pflichtverletzung kann die Behörde eine Sanktion in Form des vollständigen Wegfalls der Regelleistung verhängen. Lediglich die Kosten für Miete und Heizung werden weiterhin vom Leistungsträger übernommen, um Obdachlosigkeit zu vermeiden. Der ursprüngliche Gedanke ging davon aus, dass unter 25-jährige Menschen besonders arbeitsfähig und arbeitswillig wären. In der Praxis hat sich allerdings das Gegenteil gezeigt.

Rechte und Pflichten sollen laut Nahles’ Plänen künftig „für alle Leistungsberechtigten in gleicher Weise gelten“. Strengere Regeln für unter 25-Jährige soll es demnach künftig nicht mehr geben. Die Jobcenter sollen auch keine stufenweise Sanktionierung mehr durchführen, sondern pauschal mindern können. Unter Verfassungsrechtlern ist die „U25-Regelung“ seit jeher umstritten. Tatsächlich häufen sich die Klagen gegen Sanktionen, von denen jede dritte erfolgreich ist. Offiziell begründet das Arbeitsministerium die geplante Änderung damit, dass die bisherige Regelung „verwaltungsaufwendig, fehleranfällig und ungerecht“ sei. Eher wahrscheinlich ist jedoch, dass Nahles einer absehbaren Niederlage in einem Normenkontrollverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht zuvorkommen will. P.E./J.H.

(siehe Leitartikel)


Bürgerwille zählt nicht
München: Volksbegehren gegen Moschee erfolgreich, doch Politik mauert

Die Partei „Die Freiheit“ hat am vergangenen Donnerstag 60720 Unterschriften gegen das geplante Europäische Islamzentrum in München eingereicht. Das Bürgerbegehren richtet sich gegen die Pläne des Münchner Forums für Islam (MFI), an der Dachauer Straße ein großes islamisches Gemeindezentrum mit einer repräsentativen Moschee zu errichten. Hier will der aus Mazedonien eingewanderte und vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtete Imam Benjamin Idriz Imame ausbilden und auf Deutsch einen europäischen Islam predigen, der nach seinen Angaben mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Das Projekt wird von der Stadt München offiziell unterstützt. Drei Jahre lang hatten die Initiatoren des Bürgerbegehrens mit 144 Kundgebungen, 148 Infoständen und vielen weiteren Aktionen über das Vorhaben informiert und Unterschriften gesammelt – fast das Doppelte des zur Initiierung eines Bürgerentscheids erforderlichen Quorums.

Das Münchner Verwaltungsamt hat jetzt vier Wochen Zeit, um die Unterschriften zu prüfen. Zeitgleich erarbeitet die Verwaltung eine Vorlage für den Stadtrat, die in einem Monat behandelt werden soll. Wenn das Bürgerbegehren zulässig ist, wird ein Bürgerentscheid über das Islamzentrum durchgeführt, an dem sich mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten beteiligen müssen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), erst seit Mai im Amt, kündigte an, „sich dafür einzusetzen, dass dieser plumpe Versuch einer Spaltung der Stadtgesellschaft keinen Erfolg hat“. Auch die Ratsfraktionen von SPD, CSU und Grünen wollen den Bürgerwillen missachten. In einer gemeinsamen Erklärung riefen sie dazu auf, sich der „abscheulichen Stimmungsmache gegen eine Minderheit entgegenzustellen”. Jan Heitmann

(s. Kommentar S. 8 und auch S. 5)


Jan Heitmann:
Fehlanreiz

Wenn Politiker Fehler eingestehen und diese rückgängig machen, ist das eigentlich erfreulich. Das Vorhaben von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, die Sanktionsregeln für Jugendliche Hartz-IV-Bezieher zu lockern, hat jedoch zwei Seiten (siehe Dreispalter). Es war absehbar, dass die alten Regeln wegen Verstoßes gegen den Gleichheitsgrundsatz vom Bundesverfassungsgericht kassiert worden wären. Insofern lässt sich Nahles‘ Entscheidung problemlos juristisch begründen. Ihre Begründung hingegen ist vorgeschoben und soll nur diejenigen einfangen, die der SPD die Agenda 2010 noch immer nicht verziehen haben. Die „U25-Regelung“ mag juristisch falsch gewesen sein, politisch war sie jedoch das einzig Richtige. Alles andere wäre ein Fehlanreiz, käme geradezu einer Einladung zum Nichtstun an diejenigen gleich, die am ehesten zur Arbeit in der Lage wären. Wer bei Pflichtverstößen kaum negative Folgen zu erwarten hat, wird sich weder an Regeln halten noch um Arbeit bemühen.

Viele Leistungsbezieher würden gern arbeiten. Allzu viele, vor allem Jüngere, aber machen es sich gern in der sozialen Hängematte bequem und lassen sich ihre Existenz auch von denjenigen alimentieren, die täglich für einen Hungerlohn zur Arbeit gehen, der kaum über dem Hartz-IV-Satz liegt.

Der Gleichheitsgrundsatz gebietet es, tatbestandlich Gleiches rechtlich gleich zu behandeln. Er ist ein unveräußerliches Menschenrecht, das auch der Gesetzgeber nicht beliebig einschränken oder aufheben kann. Deshalb sollte dieser dringend eine verfassungskonforme Sanktionsregelung erlassen, die diejenigen in besonderem Maße in die Pflicht nimmt, die Arbeiten könnten, es aber nicht wollen.


S. 2 Aktuell

Neue Dimension der Entmündigung
Weitere Schwächung Deutschlands durch Einbindung in einen europäischen Bundesstaat geplant

Ein Blick auf den Umbau der EU-Kommission unter ihrem neuen Präsidenten Jean-Claude Juncker lässt vermuten, dass die Entmündigung der EU-Mitgliedsstaaten eine völlig neue Dimension annimmt. Um zu verhindern, dass Deutschland zu stark wird, soll Berlin augenscheinlich in einen europäischen Bundesstaat nach dem Vorbild der USA gedrängt werden.

Deutlicher hätte der ehemalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kaum zeigen können, was er von den überall in Europa aufkeimenden Unabhängigkeitsbestrebungen hält. „Das Ergebnis ist gut für ein starkes, vereintes Europa, für das auch die EU-Kommission steht“, so Barroso nach dem gescheiterten Versuch, ein selbstständiges Schottland zu schaffen. An sich ist diese offen zur Schau getragene Ablehnung erstaunlich – aus Sicht Brüssels bieten die Abspaltungstendenzen durchaus einen Vorteil: Jede Schaffung neuer „Mini-Nationen“ vom Kaliber Schottlands, Kataloniens oder Flanderns auf Kosten der Zentralstaaten sollte eigentlich die Rolle der EU als zentraler Machtfaktor in Europa nur stärken.

Auf einen möglichen Beweggrund für die bisherige Brüsseler Abneigung stößt man in einem Artikel, der unlängst im britischen „Daily Telegraph“ erschienen ist. Ambrose Evans-Prichard, ein bekannter Beobachter der europäischen Politik, wagte darin eine brisante Voraussage: „Die zunehmende Neigung zur Fragmentierung, die den Kontinent erfasst hat, wird zu einer teutonischen Hegemonie führen – wenn wir Glück haben.“ Hintergrund der Aussage ist die Befürchtung, dass sich Europa zu einem provinziellen Flickenteppich entwickelt. Ohne einheitliche Führung sieht Evans-Prichard die Gefahr, dass sich Europa in einer Opferrolle und im Niedergang wälzt, während die Bedrohung des Kontinents von Außen wächst. Während weiten Teilen Europas die „Balkanisierung“ drohe, diagnostiziert der „Daily Telegraph“-Autor, dass Deutschland Separationstendenzen gegenüber bisher immun geblieben sei. Dazu kommt der Befund, dass auch die bisherige Machtbalance in der EU zerfälle: Der große Entwurf habe ein Gleichgewicht zwischen Berlin und Paris vorgesehen, das durch einen von London angeführten Staaten-Block abgerundet worden sei. Paralysiert durch eine wirtschaftliche Depression und den Kollaps der Präsidentschaft François Hollandes sei Frankreich allerdings nicht in der Lage, noch eine ernsthafte Rolle zu spielen. Statt in Alarmismus vor einer deutschen Dominanz zu verfallen, kommt Evans-Prichard vor diesem Hintergrund zu einem erstaunlichen Fazit: Für Europa ist kaum ein zurückhaltenderer Hegemon denkbar als Deutschland. Das Land sei eine lebendige Demokratie mit starken Abwehrkräften gegen autoritäres Unheil.

Völlig anders sieht dies, der in Cambridge lehrende Brendan Simms. Der irische Historiker sieht nicht nur die letzten 500 Jahre europäischer Geschichte von einem „deutschen Problem“ überschattet, sondern auch die Gegenwart. Um zu verhindern, dass Deutschland zu stark werde, fordert Simms ganz offen, dass Berlin in eine „wirkliche politische Union“, in einen europäischen Bundesstaat nach dem Vorbild der USA gedrängt werden soll.

Einiges spricht dafür, dass mit der Berufung von Jean-Claude Juncker zum Chef der EU-Kommission die Weichen in Richtung einer solchen Entwicklung gestellt worden sind. Ein Blick auf den Umbau der EU-Kommission lässt nämlich befürchten, dass die Entmündigung der EU-Mitgliedsstaaten eine völlig neue Dimension annimmt. Personalentscheidungen wie die Berufung des ehemaligen französischen Finanzministers Pierre Moscovici zum neuen EU-Währungskommissar haben den Blick darauf vernebelt, dass sich Jean-Claude Juncker als Kommissions-Chef eine enorme Machtfülle zugeschanzt hat. EU-Vizekommissionschefs gab es auch schon vorher, aber unter Juncker wurde ihre Bedeutung erheblich gestärkt. Dieses erlaubt ihm künftig eine straffe Kontrolle über die EU-Kommission. So sollen die sieben Vize-Chefs nicht nur die EU-Kommissare übergeordnet anleiten, sondern Juncker „vollumfänglich vertreten und seine Autorität in ihrem jeweiligen Bereich ausüben können“. Diese Machtballung an der Spitze des ohnehin einflussreichsten Gremiums der EU droht vor allem für Deutschland verhängnisvolle Konsequenzen zu haben. In Brüssel gilt Juncker als gewiefter Strippenzieher, der genau weiß, wie der EU-Apparat funktioniert. Obendrein hat Juncker in dem EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz (SPD) einen einflussreichen Verbündeten. Zu befürchten ist, dass das von keinem Bürger direkt gewählte Duo Juncker-Schulz versuchen wird, die Macht der nationalen Regierungschefs noch weiter zu marginalisieren. Unter diesen Bedingungen droht Deutschland, in den kommenden fünf Jahren der Amtszeit Junckers weiter an politischen Einflussmöglichkeiten zu verlieren, während es gleichzeitig durch Vorhaben wie Euro-Bonds oder eine EU-Arbeitslosenversicherung verstärkt finanziell zur Ader gelassen wird. N. Hanert


Gern ein »Tickchen größer«
Leipzig macht den Weg für umstrittenen Moscheebau frei

Mitte 2013 wurde bekannt, dass die Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Leipziger Georg-Schumann-Straße eine Moschee mit Minaretten und Gebetsräumen auf zwei Etagen bauen möchte. Hiergegen regte sich im betroffenen Stadtteil Gohlis sofort Widerstand unter der Bevölkerung. Dieser hatte vor allem drei Gründe. Zum ersten war da die Zielsetzung der Ahmadis: Immerhin hoffen diese explizit auf einen baldigen Sieg des Islam sowie die „vollständige Verdrängung des heutigen Christentums“ – und zwar auch und gerade in Deutschland. Zum zweiten konnten die Moscheegegner nicht nachvollziehen, wieso eine kleine Gemeinde von 60 bis 70 Gläubigen einen so großzügig bemessenen Treffpunkt benötigt. Hier kam der Verdacht auf, dass ein weiterer Zustrom von außen vorbereitet werden solle. Und zum dritten gab es Sicherheitsbedenken, weil die mit den Ahmadis verfeindeten Salafisten nur wenig entfernt in der Roscherstraße residieren.

Nichtsdestotrotz wurden die Kritiker als „Ewiggestrige“ und „Nazis“ denunziert. Dies betraf auch die Bürgerinitiative „Gohlis sagt Nein!“ und die CDU-Lokalpolitikerin Katrin Viola Hartung, die 10000 Stimmen gegen das Bauvorhaben sammelte, die umso schwerer wiegen, als die eilends auf die Beine gestellte Pro-Moschee-Initiative „Leipzig sagt Ja“ am Ende keine 6000 Unterstützerstimmen zusammenbekam. So fühlte sich Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) bemüßigt, die Unterschriften unter der Petition von Hartung als „Ausdruck einer vollkommen falschen Gesinnung“ abzuqualifizieren. Und das ungeachtet der fundierten Warnungen vor den Ahmadis, wie sie vor allem von der Sektenbeauftragten Solveig Prass sowie dem Leipziger Polizeipräsidenten Bernd Merbitz vorgebracht worden waren.

Jedenfalls schlug so die Stunde der parteilosen, aber den Grünen nahestehenden Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau, die das Vorhaben stets mit dem größten Wohlwollen begleitet hatte, obwohl sie sonst eher als Bremserin auftritt, wenn es um Veränderungen im Stadtbild geht. Die Architektin sah in dem umstrittenen Gebäude, das Sachsens erstes islamisches Gotteshaus mit Minaretten werden soll, ein „Moscheechen“, das ruhig noch „ein Tickchen größer“ ausfallen könnte. Deshalb erging jetzt auch ein positiver Bescheid zur Bauvoranfrage der Ahmadiyya-Gemeinde, womit es juristisch möglich ist, den Bauantrag im vereinfachten Schnellverfahren durchzuwinken. Bezeichnenderweise geschah dies genau vier Tage nach der Landtagswahl in Sachsen! Jedoch wird Dubrau ihr taktisches Kalkül wohl nicht viel nützen, da die jetzt spürbar erstarkte Alternative für Deutschland weiteren Widerstand gegen das Bauvorhaben angekündigt hat, denn „Integration funktioniert nicht mit der Brechstange“.

Gelassen bleiben dahingegen die Ahmadis. Aber das können sie sich angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Leipziger Muslime seit 2003 von 500 auf 10000 angewachsen ist und mittlerweile schon sieben weitere Moscheen in der Messestadt zum Gebet rufen, auch leisten. Für Ärger dürfte hier wohl eher die Ankündigung der Salafisten sorgen, mit eigenen und höheren Minaretten kontern zu wollen.

Wolfgang Kaufmann


Achtung, Kontrolle!
USA wollen hoheitliche Rechte in der EU

Die US-Sicherheitsbehörden wollen auf dem Hoheitsgebiet der EU-Mitgliedsstaaten Deutschland, Niederlande, Großbritannien, Frankreich und Schweden „vorgelagerte Einreisekontrollen“ durchführen. Dieses Kontrollrecht soll auch Befragungen und Durchsuchungen von Reisenden umfassen. Diesen Plan unterbreiteten US-Vertreter den nationalen Innenministerien sowie dem EU-Rat. Die Bun­desregierung will zwar „vorgreiflich keine abschließende Positionierung“ vornehmen, da noch kein „formaler schriftlich fixierter Antrag von US-Behörden in dieser Angelegenheit“ vorliege. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei heißt es jedoch: „Die Bundesregierung steht dem US-Ansinnen äußerst zurückhaltend gegenüber, da die Ausübung hoheitlicher Befugnisse innerhalb des Bundesgebietes grundsätzlich den jeweils zuständigen Behörden des Bundes und der Länder auf der Grundlage deutschen und/oder unmittelbar geltenden Rechts der Europäischen Union obliegt.“

Auch die schwedische Regierung äußerte sich in einer ersten Reaktion skeptisch und schlägt eine Prüfung hinsichtlich der Auswirkungen auf die Schengen-Regelungen und die Menschenrechtskonvention durch den Juristischen Dienst des Rates der EU vor. Die Niederlande prüfen das Anliegen hinsichtlich rechtlicher, finanzieller und wirtschaftlicher Machbarkeit. Großbritannien und Frankreich dagegen sehen schon jetzt Vorteile in einer Zulassung des Verfahrens, wobei Frankreich eine Beteiligung der USA an der Finanzierung erwartet. In Irland, das nicht zur EU gehört, gibt es bereits seit 2009 auf der Grundlage bilateraler Vereinbarungen vorgelagerte US-Einreisekontrollen, in deren Rahmen Repräsentanten von US-Behörden berechtigt sind, auch Befragungen und Durchsuchungen von Reisenden durchzuführen.

Nach Auskunft der Bundesregierung sind derzeit 39 Mitarbeiter von US-Behörden in Deutschland tätig und beim Auswärtigen Amt angemeldet. Dabei handelt es sich um Personal von Zoll- und Einwanderungs- sowie von verschiedenen Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden. J.H.


MELDUNGEN

Ein Toter alle zwei Minuten

Brüssel – Alle zwei Minuten stirbt ein EU-Bürger an den Folgen einer Diabetes-Erkrankung wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Nierenversagen. Damit ist Diabetes die viert­häufigste Todesursache in Europa. Die Weltgesundheitsorganisation und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fordern deshalb ein stärkeres Engagement der EU-Regierungen gegen Diabetes. In der EU gibt es rund 32 Millionen Diabetiker, das entspricht 8,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Rund 9,3 Prozent des gesamten EU-Gesundheitsbudgets werden für Diabetes ausgegeben. Die OECD empfiehlt den Regierungen daher, Ernährungsbildung und Sport zu fördern oder Steuern auf Nahrungsmittel mit einem hohen Zuckeranteil oder einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren zu erheben. J.H.

 

Deutsche Welle: Kotau vor Peking

Bonn – Peter Limbourg, Intendant des öffentlich-rechtlichen Auslandsrundfunks Deutsche Welle (DW), hat die Kooperation mit chinesischen Staatssendern angekündigt. Außerdem will er die Tätigkeit einer China-kritischen Autorin beenden, da diese dem Sender „mehr schaden als nützen“ würde. Zur Deutschen Welle gehören das Hörfunkprogramm DW Radio, das TV-Programm DW-TV und ein Internetangebot in verschiedenen Sprachen. Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert das Vorhaben des DW-Intendanten scharf. Politische Themen, zu denen selbstverständlich auch die Kritik an Menschenrechtsverletzungen gehöre, müssten weiterhin einen angemessenen Anteil am Programmauftritt der DW haben. Eine „weichgespülte“ China-Berichterstattung mit dem Ziel, Zugang in einen zensierten Markt zu erhalten, könne für die DW als „Stimme der Freiheit“ keine vernünftige Option sein. J.H.


S. 3 Preussen/Berlin

Stürmische Zeiten voraus
Brandenburg nach der Wahl: SPD wird zum Scheinriesen, Linkspartei brechen Milieus weg

Brandenburgs sozialdemokratischer Ministerpräsident Dietmar Woidke macht weiter, höhlt den Partner „Die Linke“ aus – die Probleme des Landes verschärfen sich und somit auch das Potenzial für den heimlichen Sieger Alternative für Deutschland.

Die Dauerherrschaft der SPD geht weiter, ungeachtet der Skandale um den Flughafen BER und die Polizeireform, welche die Bürger in vielen Regionen der Mark mit der Kriminalität regelrecht allein lässt. Einsparungen und staatlicher Rückbau bei unvermindert linker Bildungspolitik setzten der SPD kaum zu: 31,9 Prozent. Ihre Machtposition als Regierungspartei wurde vom Wähler bestätigt. Sie kann ihren Koalitionspartner wählen und will entsprechend mit der CDU und der „Linken“ verhandeln.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) schaffte es, mit dem chaotischen Flughafenprojekt nicht in Verbindung gebracht zu werden. Obwohl einer der politisch Hauptverantwortlichen, ging er bereits früh auf Abstand zu dem Problembau, indem er den Fluglärmgegnern nachgab. So wertet die SPD ihren relativen Wahlsieg auch als zustimmendes Signal für ihre BER-Politik, das sie an Flughafenmacher Hartmut Mehdorn weiterreicht, der vom Aufsichtsrat in seinem Amt bestätigt wurde. Ins­gesamt wurde der Wahlabend „ein wunderbarer Abend für die Sozialdemokratie“, so Woidke.

Doch der Blick auf die Wirklichkeit trübt das Siegerbild. Die SPD wandelt sich zum Scheinriesen, denn 1,1 Prozentpunkte Verlust gegenüber 2009 sind kein Beleg wachsender Zustimmung. Zumal der Verlust noch drastischer ausfällt, wenn man die stark gesunkene Wahlbeteiligung einrechnet: Nur 47,9 Prozent der 2,1 Millionen Wahlberechtigten Märker gingen zur Urne, nach 67 Prozent 2009. Die damit größte Partei, die der Nichtwähler, regte die etablierten Politiker kaum zur Selbstkritik an.

Zudem droht eine ungemütliche Zukunft. „Die Brandenburg-Partei“, wie Woidke seine Truppe seit der Wahl nennt, muss den strukturellen Abbau des Staates fortsetzen, egal mit wem sie regiert, denn es steht eine tiefgreifende Kreisreform bevor und die Anpassung der sozialen Infrastruktur bei dramatisch schrumpfender Bevölkerung in den Randgebieten. Investitionen in Schulen im aufstrebenden Berliner Umland sind dagegen dringlich, all das unter den Bedingungen eines Neuschuldenverbots und des auslaufenden Solidarpakts. Das setzt kaum Bindungskräfte zum Bürger frei.

Den an der bisherigen Regierung beteiligten „Linken“ brechen ganze Milieus weg. Das Aushängeschild der Linkspartei, Christian Görke, sprach von einer „herben Niederlage“, als er den Absturz um 8,6 Punkte auf 18,6 Prozent bewertete. Die größten Verluste bescherte die AfD der „Linken“: 20000 Wähler wanderten zu der neuen Partei ab, was im Nachhinein ein neues Licht auf die Angriffe aus dem Umfeld des linken Randes auf die „Alternative“ wirft. Nicht die Ablehnung der Ziele der AfD, sondern die Angst, bisher eigentlich Heimatlose und mit der „Linken“ nicht wirklich Zufriedene an den Neuling zu verlieren, prägt die Stimmung.

Die AfD ist mit mehr als zwölf Prozent der Stimmen der eigentliche Wahlgewinner. Dass alle etablierten Parteien sich einig sind, dies solle keinen Einfluss auf die Politik haben, und jede Zusammenarbeit ausschlossen, dürfte die AfD weiter stärken. Die Probleme um die Unterbringung von Zuwanderern spitzen sich zu, doch die Landesregierung setzt auf eine „Jetzt erst recht“-Politik: Man halte an der Unterbringung in der einstigen Bundeswehrkaserne von Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) „unvermindert fest“. Die AfD hatte im Wahlkampf gegen die massive Belegung in so einem kleinen Ort protestiert. Die Etablierten lassen dem Bürger somit nur eine „Alternative“. Die AfD ist in den von Strukturabbau geprägten Gebieten schon jetzt sehr stark und erzielte in Frankfurt an der Oder 20 Prozent.

Das bürgerlich-konservative Lager sieht sich von der CDU jedenfalls nicht hinreichend vertreten, das machte die Wahl deutlich. Die Partei erzielte nur minimale Gewinne. Nachdem die CDU ihre führende Landespolitikerin Saskia Ludwig entmachtet hatte, steuerte sie einen moderaten Oppositionskurs zu Rot-Rot, der die Hoffnung auf eine Große Koalition mit der SPD stets erkennen ließ.

Mit 23 Prozent und 3,2 Punkten Gewinn profitierte sie zudem ohne viel eigenes Zutun vom bürgerlicher werdenden Klima im Berliner Umland. Im „roten Potsdam“ büßen SPD wie Linkspartei an Bedeutung ein. Die Grünen befinden sich dort wie die CDU im Aufwind, wenn sie auch mit landesweit 6,2 Prozent eher schwach abgeschnitten haben. Die AfD lag in Potsdam bei rund zehn Prozent. Die gutsituierten Zuzügler bescherten der SPD dort das schlechteste, der „Linken“ das zweitschlechteste Ergebnis seit 1990. SPD-Bürgermeister Jann Jakobs räumt ein: „Man merkt, dass Potsdam strukturell konservativer wird.“ Das gesamte Berliner Umland ist nicht mehr sicher in SPD-Hand.

Ein Problem der bisherigen Regierungsparteien: SPD und „Linke“ haben kaum Zugpferde bei ihrem politischen Nachwuchs. Zudem gärt in der SPD bereits Streit um Fluglärm und Forderungen nach einem S-Bahnausbau. Die missglückte Polizeireform mit der Ausdünnung des Personals könnte nur ein Vorgeschmack darauf sein, was der Mark in den nächsten Jahren bevorsteht. Der CDU droht als Woidkes Juniorpartner eine Abstrafung durch die Wähler, wie sie die „Linke“ jetzt erlebt, während sich die AfD unter einem Politprofi wie Alexander Gauland als unverbraucht formieren kann.

Sverre Gutschmidt


Neuköllner Idylle
von Vera Lengsfeld

Neuköllner Idylle? Gibt es das? Aber ja, zum Beispiel in der Wipperstraße, wo ein interkulturelles Ehepaar einen Hinterhof nicht nur von seiner Asphaltdecke befreit, sondern in einen wunderschönen Garten umgewandelt hat. Jetzt, im Spätsommer, blüht nicht mehr viel, aber das Grün ist so üppig, dass es die Hausherrin an den heimatlichen vietnamesischen Dschungel erinnern könnte.

Danke Deutschland – das ist der Name des Vereins vietnamesischer Boatpeople, die vor 40 Jahren vor der kommunistischen Invasion Südvietnams in Deutschland Zuflucht gefunden haben.

Aus der Zuflucht ist eine Heimat geworden, nicht nur für diejenigen, die deutsche Ehepartner geheiratet haben. Wer, wie ich, der Einladung zur Feier des 40-jährigen Deutschland-Jubiläums der Unternehmerin Dieu Hao Abitz und einer gelungenen deutsch-vietnamesischen Ehe gefolgt ist, fand sich in einer bunt gemischten Gesellschaft wieder, die als Urbild einer erfolgreichen Einwanderungs­gesellschaft gelten könnte.

Das sind Menschen, die staatliche Transfers als Starthilfe und nicht als Hängematte angesehen haben. Der Bezirk ist seiner „Berliner Unternehmerin des Jahres 2006“ so dankbar, dass er einen Vertreter entsandt hat, der das in einer kurzen Rede zum Ausdruck bringt.

Aber wirklich kurz, um die Festlaune nicht mit offiziellen Floskeln zu zerstören.

Es herrscht ein ungezwungener Umgang, selbst als Fremde fühlt man sich sofort wohl. Man kommt zwanglos ins Gespräch. Es gibt köstliche Sommerrollen, Bratnudeln und pikante Soßen, vietnamesische Süßigkeiten und allerlei kulinarische Mitbringsel der Gäste.

Vor allem gibt es hinreißende Musik. Eine Samba-Gruppe aus der Nachbarschaft spielt auf, deren Mitglieder ebenso unterschiedlich sind wie die Festgesellschaft. Es handelt sich überwiegend um Schüler der Leiterin der Gruppe Pamela Rehfeld. Gespielt wird Pagode, das ist brasilianische Perkussion mit Gitarre, Cavaco und Gesang, die von den Musikern gerne abends zum Einbruch der Dunkelheit angestimmt wird, zum Mitsingen und zum Tanzen einlädt.

Das funktioniert reibungslos. Schnell bilden sich Paare, die sich meist sehr geschickt zu den feurigen Rhythmen bewegen. Selbst wer sich nicht auf die Tanzfläche traut, wird trotzdem mitgerissen und fängt an, sich hin- und herzuwiegen, während er die Tänzer bewundert.

Als wir zum Rauchen auf die Straße gehen, denn das Qualmen ist auf dem Hof untersagt, beobachten wir, wie magisch die Nachbarn von der Fröhlichkeit angezogen werden. Ein paar verschleierte Frauen beobachten das Geschehen scheu, aber mit offensichtlicher Sehnsucht. Das erinnert an die Zerbrechlichkeit der Neuköllner Idylle.


Drogen sollen legal werden
Bezirksbürgermeisterin Herrmann (Grüne) will Gesetz aushebeln

Nachdem die Bezirksbürgermeisterin von Fried­richshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), bereits mit ihrer „Flüchtlingspolitik“ bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat, drohen nun neue Negativnachrichten. Noch in diesem Jahr will Herrmann einen Anlauf zur Legalisierung des Cannabis-Verkaufs unternehmen.

Der legale Drogenverkauf in sogenannten Coffee-Shops soll nach Ansicht von Herrmann die zunehmende Kriminalität rund um den Drogenumschlagplatz Görlitzer Park eindämmen. Um das Vorhaben umsetzen zu können, scheint man im Bezirk auf einen juristischen Winkelzug zurück­greifen zu wollen. Im Gespräch ist, den Cannabis-Verkauf als sozial- oder kriminalwissenschaftliche Studie zu legitimieren – und damit zu legalisieren.

Das Vorhaben macht einen grundsätzlichen Politikstil Herrmanns deutlich. Die Bezirkspolitikerin scheint sich zum einen nicht darauf beschränken zu wollen, die auf lokaler Ebene vorhandenen Probleme zu lösen. Zu erkennen ist vielmehr das Bemühen, über die Kommunalpolitik Bundesgesetze auszuhebeln oder abzuändern. Ihre Zuwandererpolitik zielte auf das gesamte Asylrecht.

Ebenso erkennbar ist die Taktik, Probleme zunächst ausufern zu lassen, bis sich nicht mehr tragbare Zustände einstellen. Ist diese Situation eingetreten, wird die entsprechende „Lösung“ präsentiert. Im Fall der dauerprotestierenden „Flüchtlinge“ waren dies Angebote, welche Asylbewerber eindeutig benachteiligen, die sich an das rechtsstaatliche Asylverfahren gehalten haben, und Rechtsbruch dagegen belohnten. Im Fall der auf mehrere Hundert angewachsenen Gruppe der Drogendealer rund um den Görlitzer Park wird nun die Legalisierung des Drogenverkaufs in Coffee-Shops als Lösung suggeriert.

Indizien, dass zumindest der Verkauf weicher Drogen durch die mehrheitlich afrikanischen Dealer im Park in der Vergangenheit eine gewisse Duldung durch das Bezirksamt erfahren hat, sind vorhanden. Als Kinder vor einigen Monaten auf einem eingezäunten Kitaspielplatz ein Kokaindepot gefunden hatten, hieß es von Seiten des Bezirks: „Die Dealer halten sich nicht an Absprachen.“ Die Aussage kann eigentlich nur bedeuten, dass es zuvor eine Vereinbarung gegeben haben muss, wonach die kriminellen Aktivitäten in einem bestimmten Rahmen geduldet werden. Norman Hanert


Kontra Olympia
Linkspartei mobilisiert gegen Bewerbung

Sowohl in Hamburg als auch in Berlin erwägen die politisch Verantwortlichen eine Bewerbung ihrer Städte für die Olympischen Sommerspiele 2024 oder 2028. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, bescheinigt beiden Metropolen „Olympiareife“.

Das politische Berlin unterstützt die Bewerbung. Selbst die Grünen sind nicht grundsätzlich dagegen. Die Linkspartei ist indes dagegen. Sie hat ihre „Sportexperten“ aus beiden Städten, Gabriele Hiller (Berlin) und Mehmet Yildiz (Hamburg), in einem Lokal in Berlin-Friedrichshain mit dem sinnigen Namen „Die Turnhalle“ zu einer Veranstaltung geladen, um Argumente gegen die Olympiabewerbung beider Städte zu präsentieren.

Ihre Kritik: Allein die Bewerbung Berlins koste den Steuerzahler 50 Millionen Euro. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) pflege eine „autoritäre“ Vergabepraxis und das Sponsoring der Spiele sei undurchsichtig. Yildiz: „Was helfen 16 Tage Olympische Spiele, wenn in Hamburg-Billstedt nur jedes zehnte Grundschulkind schwimmen kann?“ Hiller verwies auf marode Sport- und Schwimmhallen in Berlin und die 40 Prozent Nichtschwimmerquote in Berlin-Neukölln unter Schulkindern.

Allerdings war die „Linke“ von 2002 bis 2011 an der Regierung Berlins beteiligt und hat die nun angeprangerten Missstände mit zu verantworten, mit geschaffen. Der Deutsche Olympische Sportbund und die politisch Verantwortlichen erwägen eine Bürgerbefragung zur Olympiabewerbung Berlins. Hans Lody


CDU und AfD üben Kritik

Rund 6000 Armutszuwanderer und Flüchtlinge könnten 2014 nach Brandenburg kommen. Das wären fast doppelt so viele wie im Vorjahr, als 3300 eingetroffen waren. Die Kapazitäten sind erschöpft, die Lager platzen aus allen Nähten. Das Land plant nun eine zweite zentrale Erstaufnahmestelle in Doberlug-Kirchhain, da die Einrichtung in Eisenhüttenstadt überfüllt ist. CDU und AfD haben an den Plänen Kritik geübt, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. CDU-Chef Michael Schierack fürchtet vor allem ein Kommunikationsproblem. Man hätte früher mit den Bürgern sprechen müssen. AfD-Landesvorsitzender Alexander Gauland dagegen erklärte, dass eine konsequente Abschiebung abgelehnter Asylbewerber das Problem gar nicht erst entstehen ließe. Ivana Domazet vom Brandenburgischen Flüchtlingsrat findet dagegen die Pläne der Landesregierung unzureichend: „Es fehlt an politischem Willen, nicht an Möglichkeiten.“ T.M.


S. 4 Hintergrund

Weltverbesserung nach Noten
Was die Musik dem Einzelnen und der Gesellschaft geben kann

„Wo man singt, da lass’ dich fröhlich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder“ – das Sprichwort ist „zu schön, um wahr zu sein“. Oder doch nicht?

Einerseits passt es weder zu rassistischen Hassgesängen alkoholisierter Fußballfans noch zu aggressiv machendem Techno-Gedröhne. Andererseits sind sich Psychologen, Neurologen und Soziologen weitgehend einig, dass Musik messbare – und oft durchaus positive – Wirkungen auf das Denken, Empfinden und Sozialverhalten von Menschen hat. Und damit auch auf gesellschaftliche, sprich politische Entwicklungen.

Also doch „Weltverbesserung nach Noten? Wird alles gut, wenn nur der richtige Ton getroffen wird? Werden – Jahrhunderte nach Ludwig van Beethoven und Fried­rich Schiller – doch noch „alle Menschen Brüder“, wohlbeschwingt und wenn’s denn sein muss im Dreivierteltakt? Hindemith und Heino, Domingo und DJ Ötzi harmonisch vereint als globale Friedensstifter?

Die Wirklichkeit sieht manchmal, aber leider nicht immer, so schön und geradlinig aus. Da will man sich im Konzertsaal des Luzerner KKL verzaubern lassen von den Klängen eines Orchesters, das zu großen Teilen aus jungen Juden, Muslimen und Christen besteht. Doch können auch Wolfgang Amadeus Mozart und Maurice Ravel nicht verdrängen, dass draußen, in der Heimat vieler dieser Musiker, gerade ein mörderischer Krieg geführt wird.

Dennoch wird der Gründer und Chefdirigent dieses „West-Eastern Divan Orchestra“, Daniel Barenboim, nicht müde, seinen ebenso einfachen wie bislang unerfüllten Appell zu wiederholen: „Hört endlich auf mit dem Töten, in Palästina ist für uns alle Platz.“ Der Maestro weiß, wovon er redet: Er hat zwei Pässe, einen israelischen und einen palästinensischen. Das deutsche Publikum schätzt ihn als Chef der Berliner Staatsoper und Staatskapelle sowie als Dirigenten spektakulärer Bayreuth-Inszenierungen. Beim ersten Gastspiel der Berliner Philharmoniker in Israel stand er am Pult, und er ließ sich auch nicht von Scharfmachern irritieren, als er erstmals nach dem Kriege Richard Wagners „Tristan“ in seiner Heimat erschallen ließ.

Gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said und dem Weimarer Kulturmanager Bernd Kauffmann gründete Barenboim 1999 das West-Eastern Divan Orchestra, ein Ensemble junger israelischer, arabischer und europäischer Musiker. Begleitet von wohlwollendem Schulterklopfen wurde dieser Vision einer etwas friedlicheren Welt, in der auch dank der Musik Grenzen überwunden werden, das alsbaldige Verstummen prophezeit.

Darauf warten die kritischen Geister seit nunmehr 15 Jahren vergebens. Die Stimme dieses Orchesters mit diesem Dirigenten ist unüberhörbar.

Inzwischen bekommen sie Unterstützung von unverhoffter Seite. Neurologen, Psychologen und Soziologen gehen interdisziplinär der Frage nach, was Musik dem einzelnen Menschen und der Gesellschaft insgesamt geben kann. Hier kommt die Hirnforschung zu wahrhaft aufregenden Ergebnissen. Hirnstrommessungen zeigen, dass Musik keineswegs nur jene „grauen Zellen“ erreicht, die direkt fürs Akustische zuständig sind. Ob Bach, Beethoven oder die Beatles – sie entfachen ein neuronales Feuerwerk, das keine Partie der menschlichen Denkzentrale auslässt.

Das wiederum führt, wie der Zürcher Neuropsychologe Lutz Jäncke erläutert, zu Verhaltensweisen, die den Aufbau sozialer Beziehungen fördern. So wird Musik auch ohne Fremdsprachenkenntnisse zur gemeinsamen Sprache – „ein Lied sagt mehr als tausend Worte“.

Natürlich bleibt der allumfassend globale Chor, in dem es keine „bösen Menschen“ mehr gibt, eine unerreichbare Vision. Es ist aber schon viel gewonnen, sich diesem Ziel zu nähern. In der Musik steckt enormes Potenzial – leider haben das Werbeheinis und Diktatoren wieder einmal schneller kapiert als demokratische Politiker. Hans-Jürgen Mahlitz


Kunst, Geld und Freiheit ohne Grenzen?

Klassik ist „in“. Die Festspiele melden zum Abschluss der Saison 2014 Rekordumsätze und -besucherzahlen. Die Menschen zahlen zum Teil horrende Preise, um große Sänger, Solisten und Orchester zu erleben. Dennoch reichen die Einnahmen nicht.

Für die Wagner-Festspiele in Bayreuth müssen Bund, Freistaat Bayern und Stadt sieben Millionen Euro zuschießen. Das Lucerne Festival verfügt über einen Etat von knapp über 20 Millionen Euro (25 Millionen Franken). Stadt und Kanton sind aber nur mit bescheidenen drei Prozent dabei. Ansonsten springen großzügige Sponsoren ein. Ihnen vor allem ist es zu danken, dass dieses Festival nicht nur die Klassik-Weltelite an den Vierwaldstättersee lockt, sondern auch der zeitgenössischen Musik und dem künstlerischen Nachwuchs ein in dieser Breite und Qualität einmaliges Forum bietet.

Salzburg ist Rekordhalter bei den Subventionen. Noch weiß niemand genau, wie groß die Lücke ist, die der scheidende Intendant hinterlässt. 30 Millionen Euro werden wohl nicht reichen.

Überall stellt sich die Frage: Was ist große Kunst uns eigentlich wert? Welchen Eintrittspreis und welche öffentliche Subvention sind wir bereit zu zahlen? Andererseits: Gilt auch für Künstler und Kunstmanager der Satz „Wer zahlt, schafft an“?

Nein, sie müssen ihre künstlerische Freiheit behalten, müssen selbst entscheiden, was sie dem Publikum anbieten. Das aber muss ebenso frei bleiben – und selbst entscheiden, was es hören und sehen will. Und wofür es wie viel bezahlen will.

So ist es eben mit der Freiheit: Sie braucht auch Grenzen, sonst gibt es nur Streit. Und der ist meist noch teurer als die schönste Harmonie. H.J.M.


Fade Festivalsaison
Neubeginn in Luzern, bald in Salzburg – und wann in Bayreuth?

Götterdämmerung“ nannte Richard Wagner die vierte Oper seines „Ring“-Zyklus. Zwar stand das Werk in dieser Saison nur dreimal auf dem Spielplan, doch schwebte über den gesamten Bayreuther Festspielen ein Hauch von Götterdämmerung.

Die Prominenz blieb fern oder kam erst, als die Kameras – noch ist die Eröffnung TV-Pflichttermin! – abgebaut waren. Zwar vermeldete die Festspielleitung bei dem Versuch, den „Grünen Hügel“ zum Olymp zu stilisieren, stolze Rekorde (58470 Besucher zahlten zwölf Millionen Euro) sowie den Einzelfall einer 35-minütigen Ovation. Verschwiegen wurden hingegen Dauer und Intensität von Buhrufen.

Statt selbstkritisch zu fragen, ob die Festspielleitung der Damen Katharina und Eva Wagner wirklich der Weisheit allerletzer Schluss sei, wurde der „Schwarze Peter“ ans Publikum weitergereicht. Lance Ryan, heftig ausgebuhter Siegfried-Sänger, beschimpfte die „respektlosen“ Zuschauer („so viel Hass, Wut und Rache“) und befand, es gehe nicht „darum, dass die Menschen es schön finden“. Ring-Regisseur Frank Castorf orakelte gar: „Wenn das sich wiederholt, muss ich nicht hier sein.“ Nicht jeder empfand das als Drohung.

Was die Menschen schön finden, spielte auch bei den Salzburger Festspielen nicht immer die „erste Geige“. Im Vordergrund stand der Streit zwischen Festival-Leitung und Intendant Alexander Pereira, der nach nur drei Jahren das Handtuch warf und nach Mailand flüchtete. Er hinterlässt ein durch Masse statt Klasse – trotz überzogenen Starkults – verunsichertes Publikum und ein Defizit, das die Ticketeinnahmen deutlich überschreiten dürfte, und nahm stattdessen einige Eigen-Inszenierungen mit an die Scala.

Immerhin waren die insgesamt 266 Veranstaltungen zu 93 Prozent ausgelastet, „Don Giovanni“ und „La Cenerentola“ sogar zu 99 Prozent, und beim „Rosenkavalier“ blieben in acht Vorstellungen nur drei Karten unverkauft. Über 270000 Besucher brachten 29 Millionen Euro in die Kasse. Zugleich aber schaffte es Pereira, über 60 Millionen auszugeben.

Ganz andere Sorgen hat Michael Haeflinger, Intendant des Lucerne Festival. Der geistige Vater des „Wunders von Luzern“, Claudio Abbado, ist Anfang des Jahres verstorben. Wer soll, wer kann ihn ersetzen? Die Wahl fiel auf den 35-jährigen Letten Andris Nelsons. 2010 machte er in Bayreuth auf sich aufmerksam, 2011 wurde er „Dirigent des Jahres“.

Nun tritt er ein schweres Erbe an. Das Eröffnungskonzert wurde von vielen Kritikern noch als etwas zu holperig empfunden. Beim zweiten Programm – mit Altmeister Mauricio Pollini am Klavier – hatte er das legendäre Festival-Orchester schon besser im Griff. Sein Können als Dirigent steht außer Zweifel, den Respekt des Ensembles muss er sich noch erwerben – auch durch etwas unbescheideneres Auftreten. Unterm Strich aber ist die Bilanz im Jahr 1 nach Abbado durchaus positiv. Wohl auch, weil man hier hört und sieht, was dem Publikum und den Künstlern gefällt. H.J.M.


Zeitzeugen

Friedrich Schiller – Mit der „Hymne an die Freude“ schufen er und Ludwig van Beethoven die Vision einer idealisierten Gesellschaft, in der „alle Menschen Brüder“ sind und nur noch Frieden und Eintracht herrschen. Das sowohl musikalische wie literarische Meisterwerk symbolisiert heute als Europahymne, wie weit Ideal und Wirklichkeit auseinanderklaffen.

Michael Barenboim – Der 29-jährige Violinist, Sohn des Dirigenten Daniel Barenboim und der Pianistin Jelena Baschkirowa, startete schon mit vier Jahren seine Instrumentalausbildung. Als 15-Jährger trat er in das von seinem Vater gegründete arabisch-israelisch-europäische West-Eastern Divan Orchestra ein, mit 18 wurde er dessen Konzertmeister. Der hochbegabte Musiker, dessen künstlerischer Werdegang stark mit Berlin verbunden ist, glänzte am Lucerne Festival mit einer Soloeinlage bei Ravels Bolero. Er glaube, bekundete er am Rande des Festivals, Musik könne durchaus dazu beitragen, den Menschen „besser, intelligenter, kommunikativer und sensibler“ zu machen.

Claudio Abbado – Der 1933 geborene Italiener zählt zu den bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit. 1961 debütierte er an der Mailänder Scala, 1966 dirigierte er erstmals die Berliner Philharmoniker, deren künstlerischer Leiter er 1989 wurde. Das Orchester hatte Schwierigkeiten, sich an ihn zu gewöhnen; der Gegensatz zum autoritären Vorgänger Herbert von Karajan schien zu groß. Beim Berliner Publikum aber blieb er auch nach dem Abgang 2002 sehr beliebt. Abbado krönte sein Lebenswerk mit der Gründung des Lucerne Festival Orchestra. Hier treffen sich jeden Sommer Spitzenkräfte der weltweit besten Orchester. Abbado starb im Januar 2014, die Klassik-Elite der Welt aber hielt seinem „Wunder von Luzern“ die Treue.

Lang Lang – Der 32-jährige Chinese ließ sich, wie er selber erzählt, im Alter von zwei Jahren von einem Tom-und-Jerry-Cartoon zum Klavierspielen verleiten. Mit 17 gelang ihm der internationale Durchbruch, mit 21 gab er ein erstes Solokonzert in der Carnegie Hall. 2006 spielte er zur Eröffnung der Fußball-WM im Münchner Stadion vor 66000 Zuhörern. In Luzern versetzte er das Publikum in Begeisterung und sich selber in Spiellaune (vier Zugaben). Natürlich macht er auch Show, aber die kann er sich dank unglaublicher Virtuosität leisten. Überzeugt zeigte er sich, dass „Musik unsere Herzen berührt und unsere Sinne schärft“. So stiftet sein Spiel, ob Mozart oder Frédéric Chopin, grenz- und generationsübergreifend Harmonie.


S. 5 Deutschland

Für die »unverbrüchliche Würde«
Berlin: »Marsch für das Leben« mobilisierte Tausende – linke Gruppen scheiterten mit Blockadeversuch

Der „Marsch für das Leben“ zählte 2014 mehr Teilnehmer denn je in seiner zehnjährigen Geschichte. Linke Blockadeversuche scheiterten, es kam aber zu Übergriffen auf Lebensschützer. Ein CDU-Politiker will von einem ZDF-Team körperlich bedrängt worden sein.

Zwischen 5000 und 6000 Menschen haben dieses Jahr am „Marsch für das Leben“ in Berlin teilgenommen. Zum zehnten Mal hatte der „Bundesverband Lebensrecht“ (BVL) in die Hauptstadt gerufen, so viele wie am vergangenen 20. September waren dem Appell jedoch noch nie gefolgt. Die Veranstalter hatten im Vorfeld lediglich mit 4500 Unterstützern gerechnet.

Ziel des alljährlichen Marsches ist es vor allem, die große Zahl von Abtreibungen anzuprangern. Im BVL sind 13 Organisationen zusammengeschlossen, die sich den Lebensschutz zum Ziel setzen. So lautete das Motto „Ja zum Leben – für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie“. Neben der Ablehnung von Abtreibungen stand die Forderung im Mittelpunkt, dass Familien und vor allem jungen Müttern besser beigestanden werden müsse, um so deren Bereitschaft zu steigern, ihre Kinder auszutragen.

Gegen den „Marsch für das Leben“ hatten linke Gruppen mobilisiert, unter anderem die Jusos, die Linkspartei und der Verein „Pro Familia“. Sie warfen den Lebensschützern vor, Antifeministen, christliche Fundamentalisten und Nationalisten zu sein.

Als nationalistisch betrachten die Linken, dass der BVL den Geburtenrückgang unter der deutschen Bevölkerung beklagt. Dahinter verberge sich „rassistische Migrantenhetze“. Der Hinweis auf Euthanasie im Zusammenhang mit Abtreibungen sei eine Verharmlosung von NS-Verbrechen. Die Würdigung der Mutterrolle durch die Lebensschützer betrachten die linken Gruppen als antifeministisch.

Das Internetforum „Netz gegen Nazis“ rief dazu auf, den „Marsch für das Leben“ zu blockieren, sprich: zu verhindern. Die Aktion lief unter dem Motto „What the fuck ... ?“, zu Deutsch etwa: „Was zur Hölle ... ?“ „Netz gegen Nazis“ wird unterstützt vom Deutschen Fußballbund (DFB), dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der Bundesliga, dem Deutschen Feuerwehrverband und der Zeitung „Die Zeit“.

Gefolgt sind dem Aufruf zur Blockade des „Marsches für das Leben“ rund 300 Personen aus der linken Szene. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie „My Body, my Choice“ (in etwa: mein Körper, meine Entscheidung), „Gegen Christus“ oder „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“. Der Versuch einer Blockade des Marsches schlug jedoch fehl. Die Polizei nahm mehrere Blockierer fest.

Im Zuge der Auseinandersetzungen kam es laut dem CDU-Bundestagsabgeordneten Hubert Hüppe auch zu Übergriffen durch Medienvertreter. Hüppe behauptet, er sei von Mitarbeitern der ZDF-Sendung „heute show“ mehrmals angerempelt und weggedrückt worden.

Reporter der „heute show“ hätten, so Hüppe, Lebensschützer mit provozierenden Fragen aufs Glatteis locken wollen. „Die haben unter anderem gefragt: Wen würden Sie denn heute gerne kreuzigen?“ Dabei, so der CDU-Politiker, sei den Marschierern möglicherweise gar nicht klar gewesen, dass es sich bei der „heute show“ um eine Satiresendung handele. Davor habe er die Demonstranten warnen wollen, was die ZDF-Reporter verärgert habe. „Einer von denen hat noch gesagt: Schafft mir den bloß vom Hals. So etwas in der Art“, schilderte Hüppe die Vorgänge gegenüber den „Ruhr-Nachrichten“.

Das ZDF wies die Vorwürfe auf Anfrage der PAZ entschieden zurück. Vielmehr habe Hüppe das ZDF-Team bedrängt und bei der Arbeit gestört.

Linke Blockierer entrissen den Lebensschützern weiße Holzkreuze, die diese mit sich führten. Außerdem wurden die Marschierer bespuckt und beschimpft. Weibliche Lebensschützer berichten von sexuellen Übergriffen seitens der Blockierer.

Während die Blockierer über das „Netz gegen Nazis“ mit ihrem Rückhalt bei DFB, DOSB, Bundesliga und Feuerwehrverband warben, erfreute sich der „Marsch für das Leben“ breiter Unterstützung durch zum Teil hochrangige Politiker von Union und AfD sowie durch prominente Vertreter der Kirchen bis hinauf zum Heiligen Stuhl. In seinem Grußwort übermittelte der Staatssekretär des Papstes, Kardinal Pietro Parolin, die herzlichen Grüße von Papst Franziskus. „Jeder Mensch hat eine unverbrüchliche Würde. Er darf nicht zur Wegwerfware werden“, heißt es in dem Grußwort, in dem gemahnt wird: „Wo Menschen ausgesondert werden, beraubt sich die Gesellschaft der Wurzeln ihrer Existenz.“

Auch der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, sendete ein Grußwort. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (CSU), wandte sich in seinem Gruß vor allem gegen die aktive Sterbehilfe.

Der katholische Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, hatte zuvor zur Teilnahme an dem Marsch ermutigt: „Das Maß effektiven Lebensschutzes ist zugleich der Gradmesser authentischer Humanität einer Gesellschaft“, so Woelki.

Der Greifswalder evangelisch-lutherische Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Hans Jürgen Abromeit, legte in seinen Worten zum „Marsch für das Leben“ den Schwerpunkt auf das Thema würdiges Sterben und „Sterbehilfe“. Sterbehilfe sei eine verführerische Lösung, die weit weniger koste als Pflege. Aber Sterbehilfe lasse die Menschen allein. Abromeit plädiert dafür, die Palliativmedizin zu stärken.

Hans-Jörg Voigt, Hannoveraner Bischof der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) warnte in seinem Grußwort, Abtreibung und Euthanasie fügten einer Gesellschaft einen tiefen bleibenden Schaden zu.

Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Württemberg, Frank Otfried July, führt beide Argumentationen zusammen. Er schrieb den in Berlin versammelten Lebensschützern: „Für den Schutz des Lebens vom Anfang bis zum Ende treten wir als Christen ein.“ Hans Heckel


Nur Ja-Sager erwünscht
Einige EU-Länder wollen kritische Journalisten gängeln

Auf der Suche nach neuen Sanktionsmöglichkeiten gegen Russland wagen sich nun einige EU-Länder mit der Forderung nach Arbeitseinschränkungen für Journalisten auf ein ganz heikles Gebiet vor. Auf einem Treffen der EU-Botschafter haben Vertreter Polens, Litauens, Lettlands, Estlands, Rumäniens, Großbritanniens und Schwedens die Forderung präsentiert, „Propagandisten der russischen Aggression“ die Einreise in die EU zu verweigern.

Skeptisch wurde der Vorstoß von Vertretern Deutschlands, Belgiens und Luxemburgs aufgenommen. Eine Unterscheidung zwischen einem Propagandisten und einem Journalisten müsse im Einzelfall auch „gerichtsfest“ sein, so die ablehnende Sichtweise. Schnell zur Hand dürfte zudem der Vorwurf von Berufsverboten für unliebsame Journalisten sein. Schon ziemlich weit in diese Richtung geht ein Vorstoß, der von dem EU-Parlamentarier Christoph Heinemann (CDU) gekommen ist. Aus Sicht Heinemanns sollten westliche Journalisten, die für den Fernsehsender „Russia Today“ arbeiten, bestraft werden.

Tatsächlich scheint die Frage, wie unabhängig eigentlich ein Großteil der hiesigen Medien ist, längst überfällig zu sein. Sollte diese Diskussion aufkommen, dürfte es allerdings weniger um „Kreml-Propaganda“ gehen als um den Einfluss, den die USA ausüben. Nachdem bereits der Medienwissenschaftler Uwe Krüger vor einiger Zeit in seiner Doktorarbeit „Meinungsmacht“ die Vernetzung von renommierten deutschen Journalisten mit transatlantischen Lobbyorganisationen wissenschaftlich unter die Lupe genommen hat, sind in jüngster Zeit ganz konkrete Belege aufgetaucht, wie eine Einflussnahme in der Praxis abläuft.

Desillusionierend ist etwa, was der Ex-Verteidigungsstaatssekretär Willy Wimmer (CDU) vor Kurzem offenlegte: „Ich kann mich sehr gut an ein langes Gespräch mit einem mir seit Jahrzehnten bekannten führenden ,FAZ‘-Mitarbeiter erinnern. Der machte deutlich, wenn das State Department noch rechtzeitig vor Druck­legung nachts anruft, dann kommt der gewünschte Artikel am nächsten Morgen in die Zeitung.“ Genauso erstaunlich ein selbstkritischer Rückblick, den der Journalist Udo Ulfkotte unternimmt, der unter anderem 17 Jahre bei der „FAZ“ gearbeitet hat: „Geheimdienste haben wie selbstverständlich Artikel geschrieben, über denen mein Name stand – man kannte sich ja aus den Elitenetzwerken. Und als ,Journalist‘ habe ich wie ein verlängerter Arm der Nato-Pressestelle gewirkt …“

Die zunehmenden Zweifel an der Unabhängigkeit etablierter Massenmedien treffen eine Branche, die sich ohnehin in der Krise befindet. Die Verkaufs- und Abonnentenzahlen gehen zurück. Das Internet bietet nicht nur gratis Informationen, es erlaubt auch, dass sich Medienkonsumenten weitaus umfassender informieren können als in der Vergangenheit. In den Strudel der Zeitungskrise geraten ist inzwischen auch ein Flaggschiff der hiesigen Medienlandschaft, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. So sollen bei der „FAZ“ bis zu 200 von insgesamt 900 Arbeitsplätzen gestrichen werden.

Norman Hanert


MELDUNGEN

Drittgrößter Zahler für UN

Berlin – Deutschland gehört, freiwillige Spenden eingeschlossen, zu den zehn größten Gebern der Vereinten Nationen. Das geht aus einer Unterrichtung der Bundesregierung an den Bundestag hervor. Insgesamt beziffert die Bundesregierung den deutschen Beitrag für 2012 und 2013 auf rund 2,46 Milliarden Euro an Pflichtbeiträgen und freiwilligen Leistungen für das System der Vereinten Nationen. Demnach ist Deutschland bezogen auf die Pflichtbeiträge nach derzeitiger Beitragsskala mit 7,1 Prozent drittgrößter Beitragszahler nach den USA (22 Prozent) und Japan (10,8 Prozent). Damit rangiert es noch vor den ständigen Sicherheitsratsmitgliedern Frankreich (5,6 Prozent), Großbritannien (5,2 Prozent), China (5,2 Prozent) und Russland (2,4 Prozent). J.H.

 

Immer noch Verweigerung

Köln – Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) hat seit Aussetzung der Wehrpflicht vor drei Jahren 1411 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung abschließend bearbeitet, von denen 1095 Anträge anerkannt wurden. Im gleichen Zeit­raum wurden 241 Offiziere und 397 Unteroffiziere wegen ihrer Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer aus der Bundeswehr entlassen. Bei Soldaten prüft das im Mai 2011 als Nachfolger des Bundesamtes für den Zivildienst gegründete und dem Bundesfamilienministerium nachgeordnete BAFzA, „ob die notwendige Umkehr von einer bewussten Entscheidung für den Dienst an der Waffe hin zu einer Gewissensnot für den Fall einer Kriegsdienstteilnahme“ erfolgt ist. Diese Umkehr kann beispielsweise durch ein Schlüsselerlebnis herbeigeführt worden oder das Ergebnis eines längeren intensiven Wandlungsprozesses sein. J.H.


S. 6 Ausland

Unsicherer Kantonist Türkei
Nato-Mitgliedsland macht offenbar gemeinsame Sache mit Terrororganisation IS

Derzeit verdichten sich die Hinweise darauf, dass das Nato-Mitglied Türkei unter der Hand mit dem Islamischen Staat paktiert, um eigene strategische Ziele zu erreichen.

In den letzten Tagen meldeten mehrere türkische Zeitungen, der Islamische Staat (IS) unterhalte „Schläferzellen“ in Ankara und Istanbul sowie den anatolischen Provinzen Van, Diyarbakir, Hatay, Sanliurfa und Gaziantep, die jederzeit loszuschlagen vermögen. Daraus konstruierten wohlwollende Kommentatoren dann sofort einen weiteren Entschuldigungsgrund für die Türkei, beim Kampf gegen die Terrormiliz abseits zu stehen, wie er im Vorfeld der wundersamen Befreiung der 49 türkischen Geiseln aus dem Konsulat in Mossul nicht passender hätte auftauchen können. So darf die Regierung in Ankara nämlich nun weiter die Rolle des Erpressungsopfers reklamieren, das zu Wohlverhalten gezwungen sei, woraus dann auch die Unmöglichkeit resultiere, der Anti-IS-Koalition von zehn arabischen Staaten beizutreten und Luftwaffenbasen für Angriffe auf die Islamisten zur Verfügung zu stellen.

Doch hat Kalif Ibrahim die Türkei tatsächlich immer noch in der Hand oder konstruiert Ankara nur ein Bedrohungsszenario, um sein eigenes Süppchen am Kochen zu halten? Ja, handelt es sich bei den „Schläfern“ vielleicht sogar um Angehörige des Islamischen Staates, die der türkische Geheimdienst MIT selbst ins Land geholt hat? Das nämlich ist gar nicht so weit hergeholt, wie es scheint. Immerhin beweist ein der Tageszeitung „Özgür Gündem“ zugespieltes Schreiben des damaligen türkischen Innenministers Muammer Güler vom 15. März 2013, wie intensiv der MIT zu diesem Zeitpunkt bemüht war, den Terroristen der IS-Vorläuferorganisation ISIS durch die Bereitstellung von Trainings- und Wohnmöglichkeiten Unterstützung zu leisten. Darüber hinaus steht seit der Stellungnahme von Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu auch zweifelsfrei fest, dass mindestens 900 verwundete Kämpfer des Islamischen Staates in südosttürkischen Krankenhäusern aufgepäppelt wurden, darunter auch der hochrangige Kommandeur Mazen Abu Mohammed.

Außerdem sind da noch die Waffenlieferungen der Türkei nach Syrien, die offenkundig nicht nur an „moderate“ Assad-Gegner gehen, denen übrigens mittlerweile auch weniger denn je zu trauen ist, nachdem sie sich jetzt auf einen Waffenstillstand beziehungsweise Nichtangriffs­pakt mit dem Islamischen Staat geeinigt haben. So flog in der Vergangenheit bereits eine MIT-Lieferung von 1200 Granatwerfergeschossen auf, die direkt in Gebiete gehen sollte, die von der Al-Kaida kontrolliert wurden. Deshalb haben die türkischen Oppositionspolitiker Kemal Kilicdaroglu und Ertugrul Kürkcü wohl mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit recht, wenn sie der Regierung Erdogan beziehungsweise dem Geheimdienst ihres Landes vorwerfen, auch den Islamischen Staat mit Waffen zu beliefern oder dies zumindest bis vor Kurzem getan zu haben.

Ebenso fällt auf, dass sich immer mehr Türken der Terrormiliz anschließen, darunter mittlerweile schon ganze Großfamilien mit Kindern, wie der Abgeordnete Atilla Kart aus seinem anatolischen Wahlbezirk Konya berichtete – schwer vorstellbar, wie ein derartiger Abfluss von Menschen gegen den Willen der türkischen Behörden möglich sein soll. Und es liegen ja auch genügend Berichte über lasche Grenzkontrollen vor, bei denen nicht einmal die Pässe überprüft wurden.

Fragt man nach den Gründen, welche die Türkei zu einem heimlichen Verbündeten des IS machen könnte, so stößt man unter anderem auf die Ölverkäufe der Terrormiliz. Nach Vor-Ort-Beobachtungen von Mehmet Ali Ediboglu, der die Provinz Hatay im Parlament vertritt, hat der IS allein in der ersten Jahreshälfte dieses Jahres Rohöl im Werte von 800 Millionen Dollar in die Türkei geliefert – und zwar für den sagenhaften Dumping-Preis von 18 Dollar pro Barrel. Darüber hinaus steht zu vermuten, dass Ankara insgeheim auf eine Schwächung beziehungsweise Dezimierung der Kurden infolge der Kämpfe mit dem IS sowie den Zusammenbruch der sunnitischen Staaten südlich seines Territoriums hofft. Hierdurch nämlich könnte es sich zur Hegemonialmacht im Raum zwischen der Levante und Mesopotamien aufschwingen, was de facto auf die teilweise Restauration des Osmanischen Reiches hinausliefe.

Auf jeden Fall ist und bleibt die Türkei ein extrem unsicherer Kantonist, wenn es um die Bekämpfung islamistischer Terrorgruppen wie der Miliz von Kalif Ibrahim geht. Das wiederum droht zu einer tödlichen Gefahr für Europa und Deutschland zu werden. Bereits jetzt genehmigt Italien so gut wie jeden türkischen Visa-Antrag, und die Griechen und Ungarn verfahren auch nicht viel strenger, weil sie auf das Geld schielen, das die Türken ins Land bringen. Hierdurch könnten zahllose IS-Anhänger türkischer Herkunft in den Schengen-Raum einsickern, die bisher nirgendwo als Gefährder registriert sind. Und in dieser Situation verhandelt die EU tatsächlich noch mit Ankara über eine vollständige Abschaffung der Visapflicht für Türken!

Wolfgang Kaufmann


Obama vor dem Aus?
Kongresswahlen entscheiden über die Macht des Präsidenten

Es sieht nicht gut aus für Barack Obama. Offiziell läuft die Amtszeit des US-Präsidenten zwar noch bis Anfang 2017, doch de facto könnte er seine Macht bereits im November los sein. Dann finden in den USA Kongresswahlen statt – im Repräsentantenhaus haben die oppositionellen Republikaner bereits eine Mehrheit. Und im Senat, noch in der Hand von Obamas Demokraten, könnten die Machtverhältnisse ebenfalls kippen. „Es gibt nur eine einzige Sache, die Obama braucht, um die Macht zu behalten“, sagt der Republikaner-Chef Mitch McConnell: „Er braucht den Senat. Gewinnen wir den, ist der Präsident am Ende.“

Die Zustimmungswerte für den Präsidenten befinden sich schon seit Monaten im Keller. Zwar hat er die angekündigte Gesundheitsreform auf den Weg gebracht, aber die Konjunkturprogramme scheiterten auch an der Blockade im Kongress.

Das politische Patt in Washington lähmt die Nation, längst ist von der „Amerikanischen Krankheit“ die Rede. Gewählt werden am 4. November die 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses sowie 36 Senatoren, was gut ein Drittel der Sitze in der oberen Kammer ausmacht. Ein Abgeordneter wird auf zwei, ein Senator auf sechs Jahre gewählt. Traditionell dienen diese „Midterm-Wahlen“, die zur Halbzeit der Legislaturperiode des Präsidenten stattfinden, zur Abrechnung mit dem Weißen Haus. Das war bei Obamas erster Amtszeit nicht anders als bei seinem Vorgänger George W. Bush. Doch in diesem Jahr kommt den Kongresswahlen eine entscheidende Bedeutung zu.

Die Welt schaut mit Sorge nach Washington, wo der Präsident mit zahlreichen außenpolitischen Brandherden zu kämpfen hat. Die Lage in Syrien und im Irak ist instabil, zudem belastet der Ukraine-Konflikt die Stimmung zwischen den USA und Russland. Das Verhältnis der beiden Großmächte ist so gespannt wie lange nicht mehr und ein schwacher US-Präsident ist kein Garant für eine nachhaltige Stabilisierung. Im laufenden Wahlkampf begnügt sich der Präsident als Spendensammler im Hintergrund, einflussreiche Demokraten, die um ihre Wiederwahl bangen, verzichten auf gemeinsame Wahlkampf-Auftritte mit Obama. Neben der komplizierten weltpolitischen Lage ist auch das innenpolitische Klima in den USA belastet. Im Jahr 2010 hatte der Supreme Court entschieden, dass Unternehmen quasi unbegrenzt Gelder an Lobbygruppen spenden können, die damit ihre favorisierten Kandidaten finanzieren. So wird das ursprüngliche Gebot der Spendenbegrenzung umgangen. Die „Huffington Post“ berichtete kürzlich, dass große Öl-Konzerne schon jetzt mehr als 50 Millionen US-Dollar in den Wahlkampf gepumpt und 44000 TV-Spots gekauft hätten.

Stabile Verhältnisse sind unter diesen Voraussetzungen nicht zu erwarten, zumal die konservativen Republikaner untereinander heillos zerstritten sind. Fest steht nur, dass im November in beiden politischen Lagern das Schaulaufen für die Präsidentschaftswahl 2016 beginnen wird. Bei den Demokraten werden Außenministerin Hillary Clinton die besten Chancen eingeräumt, bei den Republikanern scheint Jeb Bush, Bruder des Ex-Präsidenten, vorne zu liegen. „Beide haben die größte Zustimmung der Wirtschaft. Das wird entscheidend sein“, glaubt die „New York Times“.

Peter Entinger


Teure schlechte Waren
Russen spüren Folgen der Gegensanktionen im Portemonnaie

Glaubt man offiziellen russischen Umfragen, dann machen lediglich 21 Prozent der Russen das Embargo zwischen Russland und der EU für steigende Preise verantwortlich. Dass sich Lebensmittel drastisch verteuert haben und im nächsten Halbjahr mit einem durchschnittlichen Preisanstieg von 20 Prozent gerechnet wird, bestreitet niemand.

Die Regierung wird nicht müde, die deutlich sichtbaren Folgen ihrer Embargopolitik zu verharmlosen und die Bevölkerung auf Optimismus einzuschwören mit der Begründung, dass Russlands Landwirtschaft jetzt die Chance habe, sich zu erneuern. Es klingt nach Parolen sowjetischer Art, wenn Premier Dmitrij Medwedjew immer wieder auf die große Chance für die russische Landwirtschaft hinweist. Den Willen der Regierung, das Land unabhängig von ausländischen Agrarprodukten zu machen, unterstrich Medwedjew, indem er Landwirtschaftsminister Nikolaj Fjodorow umgerechnet 128 Millionen Euro für die Landwirtschaft zuteilte, um bis 2020 den Import von Fleisch und Milch drastisch zu reduzieren. Laut einer staatlichen Doktrin sollen in Zukunft 95 Prozent des Getreides aus heimischer Produktion kommen sowie 80 Prozent des Zuckers und 80 Prozent Ölpflanzen. Die Versorgung mit Fleisch soll schon 2016 bis 2017 gewährleistet werden.

Bis die eigene Landwirtschaft das Land ernähren kann, ist es jedoch noch ein weiter Weg. Investitionen kosten Geld, das Russland aufgrund des fallenden Ölpreises und des Abzugs fremden Kapitals fehlt. Das ist auch der Grund, warum die Preise für russische Lebensmittel, die jetzt verstärkt in die Läden kommen, ebenfalls steigen. Hintergrund ist, dass Russland unter den Folgen der Dürreperioden der Jahre 2011 und 2012 leidet, welche die Futtermittel verteuert haben. Darüber hinaus nutzen einheimische Hersteller die Gunst der Stunde, überhöhte Preise zu verlangen nach dem Prinzip der freien Marktwirtschaft, wonach die Nachfrage den Preis bestimmt. So kommt es, dass beispielsweise Geflügel um 23 Prozent teurer wurde, obwohl bereits 87,3 Prozent des Marktes mit einheimischem Fleisch versorgt werden. Es ist zu befürchten, dass russische Produzenten Händlern ihre Preise diktieren werden, wenn sie keine Konkurrenz mehr haben. Tausende Bürger haben sich schon mit Beschwerden an die Staatliche Anti-Monopolbehörde FAS gewandt, jedoch ohne Erfolg.

Russische Waren werden auch deshalb teurer, weil neben Erfahrungen auf dem Agrarsektor auch optimale Bedingungen, die der Westen hat, fehlen, vor allem Mischkalkulationen für günstige Preise, hohe Qualitätsstandards, Schnelligkeit und einfache Logistik. Die Lücke westlicher Lieferanten füllen Länder wie China, wo Kontrollen oft gänzlich fehlen. Weil China schlechte Qualität durch Infektionskrankheiten der Tiere lieferte, hatte Moskau 2002 den Import verboten. Doch jetzt wurden sämtliche Beschränkungen gelockert.

Für die Russen bedeutet dies, dass sie für mangelhafte Ware, denn auch die Qualität von Obst und Gemüse hat nachgelassen, tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Teuerungsrate liegt zwölf Prozent höher als im Vorjahr. Schon jetzt ist Benzin in Russland teurer als in Polen. Verbraucher müssen für ein von ihrer Regierung lange nicht erkanntes Strukturproblem in ihrem Land die Zeche zahlen. Noch zeigt die staatliche Propaganda Wirkung, doch kann sie die Wirklichkeit auf lange Sicht nicht verschleiern. M. Rosenthal-Kappi


MELDUNGEN

Neuseeland will neue Flagge

Wellington – Neuseeland soll eine neue Nationalflagge bekommen. Bisher ziert der britische Union Jack die Flagge des souveränen Mitglieds des Commonwealth of Nations. Demnächst sollen die vier­einhalb Millionen Neuseeländer über eine neue Flagge abstimmen, die ein silbernes Farnblatt auf schwarzem Grund zeigt. Das Farnblatt ist in Neuseeland ein Nationalsymbol, während der Union Jack, so der am vergangenen Wochenende mit absoluter Mehrheit wiedergewählte Premierminister John Key, eine Kolonialära repräsentiere, die vorbei sei. An der britischen Königin als Staatsoberhaupt Neuseelands dagegen will auch Key nicht rütteln. J.H.

 

Studienkredit gemäß Scharia

London – Die britische Regierung führt für muslimische Studenten schariakonforme Kredite zur Bezahlung der Studiengebühren ein. Seit 2012 müssen die Darlehensnehmer bei der Rückzahlung neben einem Aufschlag in Höhe der Inflationsrate drei Prozent Zinsen zahlen. Dagegen wurden Bedenken laut, weil Zinsen nicht mit dem islamischen Glauben vereinbar seien. Somit könnten sich muslimische Studenten diskriminiert fühlen. Nachdem die britische Regierung im April eine Online-Umfrage gestartet und sich von „Experten in islamischen Finanzfragen“ hat beraten lassen, wird sie einen Fonds einrichten, aus dem die Kredite ausgezahlt werden. Nach Studienabschluss zahlen die Kreditnehmer in diesen Fonds ein, was als Spende gewertet wird und daher als mit der Scharia vereinbar gilt. Die Kredite sollen allen Studenten offenstehen und keine finanziellen Vorteile gegenüber der bisherigen darlehensbasierten Studienfinanzierung beinhalten. J.H.


S. 7 Wirtschaft

Konflikt als Teil des Plans
USA wollen durch Sanktionen gegen Russland Europa in einen transatlantischen Wirtschaftsraum zwingen

Es mehren sich die Anzeichen, dass die zunehmende Schädigung der europäischen Wirtschaft durch die Sanktionen gegen Russland kein Kollateralaschaden, sondern das Ziel der von Washington geforderten Sanktionen gegen Russland ist. Der Verdacht erhärtet sich, dass die USA statt des Freihandels einen von ihr geführten abgeschotteten transatlantischen Wirtschaftsblock anstreben.

Es sind ungewöhnlich deutliche Worte, mit denen Michael Fuchs, der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, auf den enormen Geldbedarf der Ukraine aufmerksam macht: „Gegen das, was es braucht, um die Ukraine am Leben zu halten, war die Griechenlandhilfe ein Klacks. Das sind völlig andere Dimensionen“, so der Unions-Politiker in einem Interview mit dem „Spiegel“. Nach Ansicht von Fuchs könne die Bundesregierung nicht darauf vertrauen, dass sich die Situation in der Ukraine mithilfe deutscher Steuergelder nachhaltig verbessern ließe. Notwendig hält der Wirtschaftsexperte grundlegende Reformen, damit die Ukraine nicht auf Dauer von Hilfsgeldern abhängig bleibt. Ebenso erwartet Fuchs, dass die teilweise steinreichen Oligarchen ihren Beitrag leisten: „Es ist nicht einzusehen, dass die ukrainischen Oligarchen in London ganze Straßenzüge für zweistellige Milliardenbeträge aufkaufen und die Rettung ihres Landes dem deutschen Steuerzahler überlassen.“

Eine derart nüchterne Herangehensweise ist in Sachen Ukraine keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Dabei wären gerade mit Blick auf immer neue Sanktionsforderungen gegen Russland viele europäische Politiker gut beraten, einen klaren Kopf zu bewahren. Es wird immer weiter an der Sanktionsschraube gedreht, obwohl schon jetzt klar ist, dass es Europa und nicht die USA sein wird, das die höchsten Kosten schultern muss. Als Alarmsignal kann die Entwicklung ISM-Einkaufsmanagerindex (PMI) gelten. Der sehr zuverlässige Indikator ging mit Beginn der Russland-Sanktionen für die US-Industrie steil nach oben – in Europa erlebte der Index einen Absturz. Der Befund ist so eindeutig, dass Wirtschaftsblogger in den USA bereits scherzhaft orakeln, Präsident Obama wolle lieber nicht, dass Merkel die entsprechende Statistik zu Gesicht bekommt: „The chart Obama does not want Merkel to see“. Tatsächlich werden die Folgen der Sanktionsspirale für Europas Wirtschaft bald sichtbar werden.

Als eine äußerst effektive Gegenmaßnahme Russlands könnte sich ein Entzug von Überflugsrechten für Fluglinien aus der EU entpuppen. Sollte Wladimir Putin tatsächlich den russischen Luftraum sperren, droht dies für Europas Luftfahrtbranche einer der sprichwörtlichen Sargnägel zu werden. Stark betroffen wären Fluggesellschaften wie SAS, British Airways und Finnair, die für ihre Asienrouten bisher den Weg über Sibirien nutzen. Dabei haben die Fluglinien so schon genug Probleme, sich gegen die subventionierten Fluglinien der ölreichen Golfstaaten zu behaupten. Eine Sperrung der Sibirienroute würde den arabischen Fluglinien einen zusätzlichen Vorteil bescheren.

Es ist noch nicht einmal ansatzweise abzusehen, auf welches Abenteuer sich die Politiker in der Europäischen Union eingelassen haben, als sie die Sanktionsmaßnahmen auf russische Öl-und Gasfirmen ausgeweitet haben. Wegen Kraftwerksproblemen rechnen Belgien, Frankreich und Großbritannien ohnehin mit Schwierigkeiten bei der Energieversorgung. Dazu kommt der Gaskrieg zwischen Russland und der Ukraine, der nach Ansicht der „Financial Times“ im Januar eskalieren könnte, wenn die ukrainischen Reserven aufgebraucht sind. Die in London erscheinende wirtschaftsliberale Wirtschaftszeitung sieht die Gefahr, dass sich rückblickend die weitreichenden Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise als das Ende der Globalisierung erweisen könnten.

Mit dieser Vorahnung steht das Wirtschaftsblatt keineswegs allein. Die sehr pro-europäische Denkfabrik Leap bewertet die Krise um die Ukraine sogar als eine US-geführte-Operation, bei der mithilfe von gutplatzierten Gefolgsleuten in Europa das Schicksal des Kontinents an einen von den USA geführten transatlantischen Wirtschaftsblock gekettet werden soll. Tatsächlich lässt beispielsweise das Agieren einiger EU-Akteure bei den geheimen Verhandlungen zum Transatlantischen Freihandels- und Investitionschutzabkommen (TTIP) die Frage aufkommen, welcher Seite sie sich verpflichtet fühlen. Die Lust, ungeachtet der drohenden wirtschaftlichen Konsequenzen immer neue Sanktionsvorschläge zu lancieren, verstärkt diese Zweifel noch. Erinnert sei ebenso an einen Fakt, der in der breiten Öffentlichkeit inzwischen weitgehend vergessen ist: Im Jahr 2010 ist den Europäern von Wladimir Putin bei seinem Deutschland-Besuch eine eurasische Freihandelszone „von Lissabon bis Wladiwostok“ vorgeschlagen worden. Die Offerte wurde verhalten aufgenommen, spätestens seit der Ukraine-Krise dürfte das Angebot hinfällig sein. Unübersehbar nehmen nun zwei abgetrennte Wirtschaftsblöcke – ein transatlantischer und ein BRICS-Block (Brasilien, Russland, Indien, China; Südafrika) immer mehr Form an, wobei die aktuellen Sanktionen wie ein Katalysator wirken. Zu befürchten ist, dass dabei der globale Freihandel – Lebenselixier der exportorientierten deutschen Wirtschaft – langfristig zum Auslaufmodell wird.

Norman Hanert


Neuer Waffengigant entsteht
Rheinmetall plant Bildung eines großen Wehrtechnikkonzerns

Im 125. Jahre seines Bestehens plant das Unternehmen Rheinmetall offenbar, durch Zukäufe einen großen deutschen Wehrtechnik-Konzern formen zu wollen. Nachdem der Plan einer Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems 2012 gescheitert ist, will das Düsseldorfer Unternehmen einem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge nun nach neuen Fusionspartnern Ausschau halten. Im Visier sollen dabei Sparten von Airbus und Thyssen-Krupp stehen. Letzterer hat seine zivilen Schiffbauaktivitäten wie etwa weite Teile der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss bereits Ende 2011 abgestoßen. In diesem Jahr folgte der Verkauf von Marine-Werften in Schweden. Beobachter rechnen damit, dass der angeschlagene Essener Konzern sich auch noch von seinem U-Boot-Bau trennen wird. Diese Sparte würde zu dem Wehrtechnikhersteller Rheinmetall ebenso passen wie das bisher gemeinschaftlich von Airbus und Thyssen-Krupp betriebene Unternehmen Atlas-Elektronik. Laut Konzernchef Tom Enders könnte Airbus seinen Anteil an dem Bremer Spezialhersteller für Torpedos und Sonartechnik noch in diesem Jahr zum Verkauf stellen.

Bereits vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass es bei Rheinmetall auch Überlegungen gibt, den geplanten Zusammenschluss des Konkurrenten Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit dem französischen Staatskonzern Nexter zu durchkreuzen. Wie es in Branchenkreisen heißt, sei Rheinmetall selbst an einer Übernahme des Panzerbauers KMW interessiert. Rheinmetall hatte vor Jahren schon einmal einen Zusammenschluss mit KMW angestrebt. Damals scheiterte das Projekt allerdings am Widerstand der KMW-Eigentümerfamilien. Auch momentan scheint unklar, ob Rheinmetall eine Chance hat. Gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ hatte der frühere KMW-Teilhaber Burkhart von Braunbehrens die Fusionsgespräche mit dem französischen Staatskonzern Nexter als „Ablenkungsmanöver« bezeichnet. Als möglicher Hintergrund wird die Sorge der KMW-Firmenleitung vor einem Machtverlust gegenüber dem weitaus größeren Rheinmetall-Konzern genannt. Die Gespräche mit den Franzosen könnten somit nichts anderes sein als der Versuch, sich gegenüber Rheinmetall in eine bessere Ausgangsposition für Fusionsverhandlungen zu bringen. Kritiker halten nämlich die Gefahr, dass der Staatskonzern Nexter in einem Gemeinschaftsunternehmen mit KMW langfristig das Ruder an sich reißen würde, für recht groß.

Für ein Zusammengehen mit Rheinmetall würden auch andere Gründe sprechen: Der Panzerbauer KMW „wickelt ohnehin schon die Hälfte der Produktion mit Rheinmetall ab, teils auf doppelten Produktionslinien“, so der ehemalige KMW-Teilhaber Burkhart von Braunbehrens. Obendrein scheint Rheinmetall mit seinen Fusionsplänen von Berlin Rückendeckung zu erhalten. „Sollte sich Rheinmetall breiter aufstellen wollen, würde ich das nur begrüßen“, so der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, gegenüber dem „Handelsblatt“. N.H.


Auf dem Weg zur Weltspitze
Autozulieferer ZF übernimmt US-amerikanischen Konkurrenten

Heimlich, still und leise ist dem auf Antriebs- und Fahrwerktechnik spezialisierten Friedrichshafener Technologiekonzern ZF ein über die Grenzen der Branche hinaus viel beachteter Coup gelungen. Sollten die Kartellbehörden und die Aktionäre zustimmen, dann wird ZF den US-amerikanischen Konkurrenten TRW Automotive übernehmen. Mit der Übernahme würde sich der Umsatz fast verdoppeln auf mehr als 30 Milliarden Euro, die Zahl der Mitarbeiter auf 138000 steigen. Zehn Milliarden Euro will ZF auf den Tisch legen, um den Kauf über die Bühne zu bringen, der den Automobilzulieferer unter die Top drei der Branche katapultieren würde.

Der aus dem im Jahre 1915 gegründeten Luftschiffbauer Zeppelin hervorgegangene ZF-Konzern verfügt derzeit über 122 Produktionsstätten in 26 Ländern. Bei dem weltweit tätigen Unternehmen handelt es sich um eine Aktiengesellschaft, die allerdings nicht an der Börse notiert ist. 93 Prozent der Anteile hält die Zeppelin-Stiftung, die laut Satzung ausschließlich mildtätige Ziele verfolgt. Branchen-Kenner sprechen von einem „besonderen Unternehmen mit hohem sozialen Anspruch“.

Einerseits möchte ZF-Vorstandsboss Stefan Sommer mit der Übernahme von TRW seinem Unternehmen ein Gefühl der Stärke vermitteln, andererseits gehört es zum eigenen Selbstverständnis, bescheiden aufzutreten. „Das ist eine Akquisition im Geiste einer Partnerschaft, keine radikale Übernahme“, betont Sommer in Richtung der US-Belegschaft. Als Vorzüge des Zusammenschlusses der beiden Technologieführer nennt er, dass ZF auf einen Schlag auf dem amerikanischen Markt vertreten wäre und zudem TRW-Strukturen in China übernehmen könnte.

Doch es bleiben auch offene Fragen. Den Kaufbetrag wird das Unternehmen nach eigenen Angaben ausschließlich über Kredite aufbringen. Was aber passiert, sollte die Auftragslage einbrechen? Schon einmal wurde ZF von einer Wirtschaftskrise überrascht. 2009 musste man einen Kredit in Höhe von 250 Millionen Euro aus dem Deutschlandfonds der Bundesregierung in Anspruch nehmen. „Wir haben alles sachlich und genau kalkuliert“, sagt Sommer. Beispiele gescheiterter deutsch-amerikanischer Wirtschaftsehen wie die Fusion des Daimler-Konzerns mit Chrysler oder die Übernahme von Continental durch das Familienunternehmen Schaeffler hält er für „nicht vergleichbar“.

Für ZF sei es wichtig, neue Märkte zu erschließen. Zwar soll der künftige Konzern immer noch 51 Prozent seines Umsatzes in Europa machen, aber die kontinentale Fixierung würde der Vergangenheit angehören. Mit starken Aktivitäten in den USA und China bieten sich dem Unternehmen dann andere Möglichkeiten, um auf eine mögliche europäische Wirtschaftskrise zu reagieren. Mit dieser Argumentation konnte Sommer die eigenen Betriebsräte schon mal überzeugen: „Die Risiken erscheinen im Vergleich zu den Vorteilen sehr gering“, teilte das Gremium mit.

Peter Entinger/J.H.


MELDUNGEN

»Bayernkurier« als Monatsblatt

München – Der „Bayernkurier“ wird ab Mitte nächsten Jahres nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch einmal im Monat er­scheinen. Grund sind Sparmaßnahmen des 1950 von Franz Josef Strauß mitgegründeten CSU-nahen Blatts. Die Partei hat die Zeitung, deren Auflage zuletzt bei nur noch 50000 Exemplaren lag, jährlich mit mehr als einer Million Euro unterstützt. tws

 

Gas: Polen rudert zurück

Warschau – Der staatliche polnische Versorger PGNiG hat seinen Vorwurf, der russische Lieferant Gazprom habe seine Erdgas-Lieferungen nach Polen um 45 Prozent reduziert, mittlerweile relativiert. Wie PGNiG-Chef Mariusz Zawisza inzwischen klargestellt hat, war von Polen mehr Erdgas als in der Vergangenheit bestellt worden. Gazprom habe allerdings seine Versorgung auf dem bisherigen Niveau gehalten und erstmals eine von Polen gewünschte zusätzliche Liefermenge nicht bereitgestellt. Von russischer Seite wird heftig kritisiert, dass Polen russisches Erdgas an die Ukraine weiterleitet. N.H.

 

Öleinkauf bei Terroristen

Bagdad – Mehrere EU-Mitglieder haben Rohöl vom Islamischen Staat (IS) gekauft. Dies teilte die EU-Botschafterin im Irak, Jana Hybášková, mit. Einem Bericht der „Anadolu News Agency“ zufolge hat es Hybášková vor dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlament allerdings abgelehnt, die Namen der betreffenden EU-Länder zu nennen. Zitiert wird die EU-Botschafterin mit der Forderung, die Europäische Union müsse Druck auf den Iran, Kurdistan und die Türkei ausüben, um diesen Ölhandel zu stoppen. N.H.


S. 8 Forum

Kein großer Wurf
von Philipp Hötensleben

Nach langem koalitionsinternen Streit hat Bundesjustiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) die im Koalitionsvertrag vereinbarte Mietpreisbremse verkündet. Vom kommenden Jahr an dürfen Mieten bei einer Wiedervermietung die ortsübliche Vergleichsmiete nur noch um höchstens zehn Prozent übersteigen. Mit den beschlossenen Maßnahmen sollen Mieten „auch für Normalverdiener“ bezahlbar bleiben und „exorbitant steigende Mieten in Ballungszentren“ verhindert werden. Die Bundesregierung habe jetzt einen gerechten Ausgleich zwischen den Interessen der Vermieter und Mieter geschaffen. Das zumindest meint der Minister. Ein großer Wurf ist ihm mit dieser Form einer Mietpreisbremse indes nicht gelungen. Sie gilt nämlich nur für neu vermieteten Wohnraum. Bestehende, und damit die große Masse der Mietverhältnisse sind davon also gar nicht betroffen. Zudem gilt sie nicht bundesweit, sondern nur in Regionen „mit angespannten Wohnungsmärkten“, die von den Bundesländern festgelegt werden. So wird sich die neue Regelung kaum auf die Preisentwick­lung auswirken, die Mieten nicht einfrieren und das Wohnen zur Miete insgesamt auch nicht billiger machen.


Bürgerwille zählt!
von Jan Heitmann

Wäre in München demnächst Kommunalwahl, könnten den sogenannten Protestparteien von vornherein 60720 Stimmen sicher sein. Das wären die Stimmen all derer, die in München beim Bürgerbegehren gegen eine islamische Kaderschmiede nebst Monster-Moschee votiert haben und dafür von den großen Stadt­ratsparteien als „abscheuliche Stimmungsmacher“ verunglimpft werden. Das Lamento, das die etablierten Parteien dann anstimmen würden, kennen wir seit den Wahlerfolgen der AfD bei gleichzeitig dramatisch sinkender Wahlbeteiligung. Dann würde wieder viel davon die Rede sein, dass man die Bedürfnisse und Sorgen der Bürger ernster nehmen und sich wieder auf den eigenen Markenkern besinnen müsse. Bei der CSU beispielsweise wäre das eine konservativ-christliche Haltung, aber ganz gewiss nicht die Förderung fragwürdiger islamischer Prestigeprojekte.

Dass der Bürgerwille die Politik tatsächlich nicht interessiert, haben der SPD-Oberbürgermeister sowie die Stadtratsfraktionen von SPD, CSU und Grünen mit ihrer Ankündigung, das Wählervotum in Sachen Moscheebau mit allen Mitteln bekämpfen zu wollen, eindrucksvoll bewiesen. 60720 Stimmen sind zwar noch lange keine Mehrheit, aber eine Willensäußerung in einer Größenordnung, die man nicht einfach ignorieren und schon gar nicht unterdrücken kann. Wenn die selbst ernannten Volksparteien das weitere Absinken der Wahlbeteiligung und das Erstarken von Protestparteien verhindern wollen, sollten sie den Bürger als das behandeln, was er ist: als den Souverän, dessen Wille allein zählt, und dem sie ihre Posten, Macht und Diäten verdanken.


Viel Qualm um nichts
von Harald Tews

Täte man die Schadstoffbilanz ermitteln, die der Weltklimagipfel in New York verursacht hat, käme man mit Sicherheit auf ein verheerendes Ergebnis. Von den Spitzenpolitikern, die aus 130 Nationen angereist kamen, ist nicht anzunehmen, dass sich auch nur einer von ihnen umweltschonend zu Fuß, mit dem Fahrrad oder einem Elektromobil auf den Weg gemacht hat. Und von den 400000 Demonstranten, die sich an einem „Klimamarsch“ durch New York beteiligt haben und von denen viele Öko-Aktivisten auch aus Europa angereist kamen, hat sicher kein Einziger den Atlantik mit einem Solarflugzeug überquert. So wurden per mobilen Abgasschleudern in der Luft wie auf der Straße, Schiene oder dem Wasser Unmengen an Kohlendioxid für eine Umweltkonferenz ausgestoßen, bei der man schon im Vorfeld damit gerechnet hat, dass es zu keinen konkreten Beschlüssen kommen würde.

Am Vortag der jährlichen UN-Generalversammlung sollten die Politiker gemeinsam mit Klimaforschern lediglich Erfahrungen und Ideen austauschen. „Synergien entwickeln“ heißt das heutzutage, was nichts anderes be­deutet, als dass einer der Experten in der Klimarunde seine Tasse hinhält, damit der Kollege den Kaffee einschenken kann.

Dass dieses keiner richtig ernst nimmt, zeigt die Tatsache, dass außer den Staatspräsidenten Barack Obama und François Hollande kaum ein Regierungschef am Klimagipfel teilnahm. Deutschland war nur durch Umweltministerin Barbara Hendricks vertreten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte schon vor Monaten ihre Teilnahme abgesagt. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon war daraufhin so eingeschnappt, dass er im Juli bei Merkels Petersberger Klimadialog seinerseits durch Abwesenheit glänzte.

Diese Spielchen von Politikern, die sich gegenseitig auf den Schlips getreten fühlen, erwecken den Eindruck, dass es sich bei diesen Klimagipfeln um letztlich belanglose und gemütliche Plauderstunden handelt, bei denen man sich vom anstrengenden politischen Alltag erholen kann. Klimaexperten dürfen sich dafür gebauchpinselt fühlen, zur Veranstaltung eingeladen zu sein. Es kann ihrer Karriere sicher nicht schaden. Zumal dann nicht, wenn sie Koalitionen schmieden und so einen Meinungspool bilden, der sich gut verkaufen lässt. So profilierten sich einige Forscher beim Gipfel mit einer „97-Prozent-Kampagne“, die auf eine Twitter-Meldung des US-Präsidenten zurückgeht. Darin schrieb er: „97 Prozent der Wissenschaftler stimmen überein: Klimawandel ist eine Tatsache, menschengemacht und gefährlich.“

Dass diese Aussage auf einer falsch interpretierten Studie beruhte, interessierte die Wenigsten. Prompt haben sich in New York 97 Wissenschaftler in Stellung gebracht, um die überwiegend klimaskeptische US-Bevölkerung von einem vom Menschen verursachten Klimawandel zu überzeugen. Am Ende haben sie letztlich nur Werbung in eigener Sache betrieben und wie der gesamte Klimagipfel nur viel umweltschädlichen Qualm um nichts gemacht.


Moment mal!
Der Kommunismus – hat er auch etwas Gutes?
von Klaus-Rainer Röhl

September 2014, Jahrestag der Befreiung der Menschen vom Kommunismus. In Deutschland folgten Mauerfall und Wiedervereinigung. Eigentlich für alle ein Grund zur Freude. Aber mit dem Jahrestag kam wieder die uns schon vertraute DDR-Nostalgie auf – und der „Spiegel“ brachte eine ganze Titelgeschichte dazu heraus. Darin stand, was im ganzen Gebiet der damaligen DDR von vergesslichen Menschen in immer breiteren Kreisen dahergeredet und im noch vergesslicheren Wes-ten neuerdings einfach nachgeplappert wird, ohne viel über den Inhalt nachzudenken:„Es gab doch was Gutes an der alten DDR!“ – „Viel Gutes!“, fügen manche hinzu. Und dann wird wieder die Sache mit den flächendeckend für alle vorhandenen Kinderkrippen und den Arbeitsplätzen für alle Frauen und der jederzeit möglichen Abtreibung und ärztlichen Versorgung in den Polikliniken aufgeführt und vor allen Dingen – die Gerechtigkeit. Allen ging es gleich mies. Es gab eben nicht nur für ein paar arme Leute keine Bananen oder Pfirsiche oder jederzeit frei zu kaufende Autos, sondern für alle Leute keine Autos oder Bananen. Daher die große Freude, wenn es eine Sonderzuteilung von Apfelsinen oder die ersten echten Jeans gab. Die schönen Stunden blieben länger in Erinnerung als heute der tägliche Einkauf im Supermarkt.

Aber das wichtige Gute, was im Gedächtnis der Menschen geblieben ist, das waren die Beziehungen der Menschen untereinander, sagt man. Sie wären wärmer und enger gewesen, und rück­blickend – je länger es her ist, umso mehr – war es fast gemütlich, irgendwie kuschelig, trotz der Herrschaft der Kommunisten und der Allgegenwart der Stasi. Gab es also etwas Gutes in der alten, vor 25 Jahren untergegangenen DDR? Es gab etwas Gutes. Aber das war nicht das Gute am Kommunismus, sondern vieles, was die Deutschen in Kriegszeiten, bei Bombenterror und Russeneinmarsch, was die Leute zusammengehalten hatte, Kameradschaft entstehen ließ, mehr Zusammengehörigkeitsgefühl als im Westen. Aber das war eine Gemeinschaft trotz des – oder sogar gegen den Kommunismus, nicht für ihn. Und eines Tages hatten die Kommunisten ausgespielt.

Letzte Woche wäre um ein Haar ein Kommunist Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes, nämlich in Thüringen, geworden. Dass er es nicht wurde, verdanken wir keineswegs einem tiefen Abscheu und einer soliden Abwehr der demokratischen Parteien gegen den Kommunismus, dem von Lenin eingeführten und von Stalin ausgebauten und zur Rechtfertigung von Massenmorden eingesetzten System, sondern kleinkariertem parteipolitischen Lavieren und Ämter-Geschacher, genannt Realpolitik. Dass wir diesmal noch davon gekommen sind, gerade mit einem blauen Auge an der knallroten Herrschaft vorbei geschlittert sind. Aber selbst wenn der SED-Nachfolger Ministerpräsident geworden wäre, würde das unsere veröffentlichte Meinung aufregen? Es würde heißen: „Kommunist – na und? Die treten doch sowieso jeden Abend in der Talkshow auf und geben zu jedem Bundestagsbeschluss ihren Kommentar ab – in der besten Sendezeit!“

Kommunismus, das hört sich für die meisten Leute an wie etwas, was man nicht gerne im eigenen Land oder gar in seinem Nachbarhaus hätte, aber was in Wirklichkeit nicht so ganz schlimm ist. Mehr eine Art Kavaliersdelikt wie Asyl­erschleichung durch falsche Angaben oder Steinwürfe auf Polizisten aus „Notwehr“, Totschlag im Affekt, im schlimmsten Fall als Verbotsirrtum aus Mangel an Sprachkenntnissen. Oder einfach bloß –Wut im Bauch gehabt. Das genügt heute ja schon.

Manchmal wirkt es erfrischend, wenn plötzlich, mitten in Deutschland ein junger Mann den Mund aufmacht, und sagt, wie es ist: Wenn ein junger Amerikaner, Yale-Absolvent und jetzt Auslandskorrespondent für amerikanische Blätter in Berlin, in einem Gastbeitrag in der online-Ausgabe der „FAZ“ die Binsenwahrheit ausspricht, dass der Kommunismus nicht irgendeine gut gemeinte, aber leider oft missverstandene Theorie aus Russland ist, sondern, wie unsere Kinder mit ihrem Smartphone „posten“ würden: einfach Scheiße. Eben nicht eine eigentlich gute Sache, die nur schlecht gemacht wurde, sondern etwas, was man schlicht und begründet ablehnen muss. Der junge Amerikaner heißt James Kirchick. Seine Online-Präsentation in der „FAZ“ (FAZ.net) wird illustriert durch ein Foto des von Linken hartnäckig verehrten Che Guevara mit der Unterschrift: „Warum vergessen die Menschen, dass der Mann ein Soziopath war, der Massenmord beging?“ Ja, warum vergessen wir dies und alles andere, was mit dem Kommunismus zusammenhängt? Kirchick: „Der Kommunismus ist die tödlichste Ideologie der Geschichte. Es ist an der Zeit, endlich mit dem linken Mythos aufzuräumen, er sei nur falsch verstanden worden – und könne nichts für die Millionen Toten, die er gefordert hat.“ Solche Behauptungen hatte der Amerikaner schon in den Diskussionsrunden im Studentenwohnheim zu hören bekommen. Die Auffassung, dass die marxistisch-leninistische Ideologie nicht für die 100 Millionen Toten verantwortlich sei, die durch kommunistische Regime angeordnet wurden, gehörte lange zum guten Ton in breiten Teilen der intellektuellen Elite, und diese Weltanschauung macht sich auch unter den jungen Menschen, die zwischen dem Ende der 80er und den 2000er Jahren geboren wurden, wieder breit. Meint Kirchick.

Ich lernte die kommunistische Partei kennen, als sie gerade verboten war und ihre Mitglieder mit Gefängnisstrafen bedroht wurden. Stalin war schon lange tot, und Chruschtschow hatte auf dem 20. Parteitag die schlimmsten Schandtaten Stalins aufgedeckt und angeprangert. Aber im Wesentlichen waren es nur die Untaten, die er an den Mitgliedern der Partei begangen hatte. Die Massenmorde, wie die an rund 10 Millionen Kulaken, sogenannten „Großbauern“, die Stalin im Zuge der Zwangskollektivierung samt Frauen und Kindern erbarmungslos verhungern ließ, waren nicht sein Thema. Stalin, hieß es, sei an allem schuld. Die Idee war gut, nur die Ausführung schlecht. Hochgehalten und geradezu als Heiliger verehrt dagegen wurde Lenin, obwohl das System der Ausrottung politischer Gegner bereits von diesem ausgebildet und schon seit 1918 bekannt war, dass die Kommunisten ihre Herrschaft in Russland ausschließlich besonders brutaler und konsequenter Unterdrückung politischer Gegner zu verdanken hatten, getreu dem Wort Lenins an die Tscheka: „Rücksichtslosigkeit ist unsere Pflicht. Innerhalb dieser Pflicht ist Grausamkeit das höchste Verdienst.“

Zu spät merkten wir, dass sich in der kommunistischen Partei auch nach Chruschtschow nichts geändert hatte und auch nicht ändern konnte, weil das System, die Herrschaft der wenigen über die vielen, der selbst ernannten Menschheitserzieher über die Masse ihrer Zöglinge, nicht gut gehen konnte und tatsächlich auch noch nie in der Geschichte gut gegangen ist.

Hatte der Kommunismus doch etwas Gutes? Er hatte es nicht. Höchstens, dass er uns immun gemacht hat gegen weitere, neue monokausale Welterklärungen. War das 100 Millionen Opfer wert?


S. 9 Kultur

Nahezu blind in den Krieg
Kein großer Wurf − Ausstellung im Dresdner Militärhistorischen Museum über den Ersten Weltkrieg stapelt zu hoch

Mit „14 − Menschen − Krieg“ stellt das Militärhistorische Museum Dresden die Schicksale einfacher Leute im Ersten Weltkrieg vor. So manches bleibt einem dabei aber im Dunkeln.

Den 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges will natürlich auch das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden würdigen und zeigt daher noch bis Ende Februar 2015 eine Sonderausstellung mit dem Titel „14 − Menschen − Krieg“. Diese Schau, welche auf 1300 Quadratmetern 600 Exponate zeigt, entstand in Kooperation mit den Produzenten der Dokumentarfilm­serie „14 − Tagebücher des Ersten Weltkriegs“, welche kürzlich in den öffentlich-rechtlichen Sendern in Österreich und den Niederlanden lief.

Die Ausstellung verfolgt einen mentalitätsgeschichtlichen An­satz. Das heißt, es geht nicht um die zentralen politischen und militärischen Ereignisse zwischen 1914 und 1918, sondern um das Erleben seitens der vielbeschworenen „kleinen Leute“, darunter – wie könnte es heutzutage anders sein – auch einer großen Anzahl von Frauen, wobei das Hauptaugenmerk auf der Heimatfront und den Materialschlachten im We­sten liegen soll. Allerdings werden die letzteren dann nur auf wenigen Metern Ausstellungsfläche thematisiert, wo der Besucher einige kleinere Granaten und Bomben sowie ein nicht sonderlich beeindruckendes 18-Zentimeter-Geschütz vorfindet. Dazu kommt das Ärgernis, dass die Beschriftung dieser Objekte, analog der ganzen übrigen Sonderschau, schwer lesbar ist, da sie entweder zu klein gehalten oder in ungünstiger Höhe und mangelhaft ausgeleuchteten Vitrinenbereichen platziert wurde.

Im Zentrum von „14 − Men­schen − Krieg“ stehen zwei Großobjekte, welche „schaubildartig für den Eintritt Europas in eine Katastrophe“ stehen sollen, wie das Faltblatt zur Ausstellung verheißt. Das erste dieser beiden Exponate ist ein deutscher Viehwaggon vom Typ G 10, mit dem seinerzeit zahllose Soldaten an die Front transportiert worden waren. Natürlich handelt es sich hierbei nicht gerade um ein spektakuläres Stück, woran auch der Hinweis kaum etwas zu ändern vermag, dass man im Zweiten Weltkrieg dann in ebensolchen Waggons Menschen in die Vernichtungslager deportiert habe.

Das zweite Großexponat kann der Besucher besichtigen, wenn ihm das Kunststück gelingt, den völlig unausgeschilderten Weg in ein ebenfalls nicht extra gekennzeichnetes Seitengebäude des Museums zurückzulegen. In diesem Museumsversteck befindet sich laut Ankündigung der Ausstellungsmacher um den Kurator Gerhard Bauer „ein erst vor Kurzem wiederentdeckter deutscher Unterstand aus dem Elsass“, der „eigens zur Sonderausstellung nach Dresden ge­bracht und begehbar aufgebaut“ worden sei. Damit ist der sogenannte Kilian­stollen von Altkirch im Oberelsass gemeint, der am 18. März 1918 nach drei französischen Artillerievolltreffern eingestürzt war, was 34 deutsche Soldaten das Leben kostete.

Archäologen des PAIR (Pôle d’Archéologie Interdépartemental Rhénan) konnten diesen Unterstand von insgesamt 125 Metern Länge, der bis zu 500 Soldaten Schutz bot, 2007 lokalisieren, wonach dann 2011 die komplette Freilegung erfolgte, in deren Verlauf unter anderem auch die sterblichen Überreste der letzten Insassen sichergestellt wurden.

Allerdings stapelt das Militärhistorische Museum doch um einiges zu hoch, wenn es behauptet, das „Stellungssystem“ des Kilian­stollens sei „zusammen mit dem von den französischen Archäologen geborgenen Inventar für die Ausstellung rekonstruiert worden“, so dass es nun einen Eindruck davon vermittele, „wie sich Soldaten in Klaustrophobie erzeugender Enge ‚einrichteten‘ und sich vor gegnerischen Geschossen zu schützen versuchten“. Im Original gezeigt wird nämlich weiter nichts als ein einfaches Gangstück von vielleicht zwei Metern Länge, ansonsten wandelt der Besucher durch einen aus frischen Brettern zu­sammengezimmerten Tunnel, an dessen Wänden Schaukästen mit Kleinfunden aus dem Kilian­stol­len angebracht sind. Keine Spur also von echter Schützengraben- oder Bunkeratmosphäre: Das einzige, was in diesem angeblichen „Pom­peji des Ersten Weltkrieges“ authentisch wirkt, ist die Dunkelheit, in der die Beschilderung teilweise noch schlechter lesbar daherkommt als in der übrigen Aus­stel­lung.

Es handelt sich bei „14 − Men­schen − Krieg“ also nicht gerade um einen großen Wurf, obgleich der Direktor des Museums, Oberst Matthias Rogg, die Ansicht vertritt, diese Schau sei weltweit einmalig. Andererseits entspricht sie genau der Philosophie des Hauses am Dresdner Olbrichtplatz, das es nach dem sieben Jahre währenden und 62 Millionen Euro teuren Umbau, in dessen Verlauf der amerikanische Stararchitekt Da­niel Libeskind einen riesigen metallischen Keil durch das historische Arsenalgebäude trieb, keine „militärische Leistungsschau“ mehr bieten, sondern „Gewalt als historisches, kulturelles und anthropologisches Phänomen“ zeigen will. Deshalb sind die einzelnen Bereiche der seit Oktober 2011 zu sehenden Dauerausstellung nun auch kulturgeschichtlichen Themen wie „Militär und Mode“, „Militär und Musik“, „Militär und Sprache“, „Krieg und Spiel“, „Tiere beim Militär“, „Formation der Körper“ und ähnlichem gewidmet. Diesem angeblich „modernen militärtheoretischen Ansatz“ folgend, der komplett auf „langweilige Chronologien“ verzichtet, wurden zahlreiche interessante Exponate in die Magazine verbannt, darunter die detailreichen Dioramen, welche wichtige Schlachten der Weltgeschichte in höchster An­schaulichkeit gezeigt hatten.

Dazu kommt das Sakrileg des lieblosen Umganges mit zwei einmaligen Spitzenexponaten: dem vom Grund der Kieler Förde gehobenen U-Boot „Brandtaucher“ von 1850 und der Lande­kapsel des sowjetischen Raumschiffes „Sojus 29“, mit der der erste Deutsche im All im September 1978 zur Erde zurückkehrte.

So bleibt das faszinierende In­nere des ältesten erhaltenen Tauchbootes der Welt aus „Brandschutzgründen“ im Dunkeln, wo­bei man sich fragt, was daran ge­fährlich sein soll, ein komplett aus Stahl bestehendes Objekt von In­nen zu beleuchten. Und die „So­jus“-Kapsel wiederum hängt derart hoch und verloren über den Köpfen der Besucher in einer Ecke des Libeskind-Keils, dass lediglich der Hitzeschild zu sehen ist. Was für eine erschütternd dilettantische Präsentation dieser Objekte von höchstem nationalen Symbolwert! Wolfgang Kaufmann


Lieb und teuer
»Harry Potter« zaubert Geld aus den Taschen

Seit 2011 der letzte Film der „Harry Potter“-Reihe er­schie­nen ist und Romanautorin Joanne K. Rowling auch kein neues Buch mehr plant, ebbt die weltweite Euphorie um den Zauberlehrling ab. Also dachten sich clevere Werbestrategen, mit ei­ner Ausstellung das letzte Quäntchen Begeisterung herauszupressen, um es zu Geld zu machen.

Die in den USA entwickelte Ausstellung „Harry Potter – The Exhibition“ kommt jetzt nach Deutschland. Ab dem 3. Oktober wird die Schau im Abenteuermuseum „Odysseum“ in Köln-Kalk zu sehen sein. „Diese Ausstellung wird die Augen der kleinen und großen Fans zum Strahlen bringen“, erklärt Ausstellungs-Chef Andreas Waschk. Auf rund 1200 Quadratmetern werden originale Kostüme, Requisiten und Figuren aus den Kinofilmen gezeigt.

Um die Fan-Euphorie anzuheizen, wurde die Ausstellung be­reits im April dieses Jahres groß angekündigt. Besonders spektakulär damals: die Inszenierung des Ticket-Vorverkaufs. Dafür kamen die Zwillinge Oliver und James Phelps (beide 28), die seit ihrem 14. Lebensjahr die Rollen des Fred und George Weasley in den „Harry-Potter“-Filmen gespielt haben, extra nach Köln geflogen.

Den langen Vorlauf erklärte Waschk damit, dass „die Ausstellung sehr aufwendig“ sei. Zehn Kulissen werden präsentiert, unter anderem der Gryffindor-Gemeinschaftsraum, ein Hogwarts-Klassenzimmer, Hagrids Hütte und auch ein Nachbau der Hogwarts-Express-Lokomotive.

Beim Erwerb der Eintrittskarten könnten sich die „strahlenden Au­gen der kleinen und großen Fans“ schnell mit Tränen füllen. Denn die Familienkarte (zwei Erwachsene, zwei Kinder unter 18) kostet knapp 100 Euro. Für Harry Potter zahlt der Er­wachsene 29,95 Euro. Bei Kindern und Jugendlichen, der Haupt-Zielgruppe, wird beson­ders kräftig zugelangt: abenteu­erliche 23,95 Euro − gegenüber 8 Euro bei einer „normalen“ Ausstellung im „Odysseum“.

Bei den Eintrittskosten allein wird es für Eltern oder Großeltern nicht bleiben. Der Nachwuchs wird solange quengeln, bis Eltern oder Großeltern beim nicht gerade günstigen Kauf von „Harry Potter“-Fanartikeln nachgeben.

Nach Angaben des Kinderschutzbundes leben hierzulande über 2,5 Millionen Kinder − und damit etwa 19,4 Prozent aller Personen unter 18 Jahren − in Einkommensarmut. Da ist es bei den übertrieben hohen Eintrittspreisen dieser kommerziell ausgerichteten Ausstellung ein falsches soziales Signal, aus der abklingenden „Harry Potter“-Manie den letzten Cent herauszuquetschen. Siegfried Schmidtke


Das Glückwunschkind
Die vielgelesene Romanautorin Ina Seidel starb vor 40 Jahren

Die 1885 in Halle an der Saale geborene Ina Seidel ist eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts gewesen. Ihr neben „Das Wunschkind“ (1930) oder „Das unverwesliche Erbe“ (1954) bekanntester Roman „Len­nacker“ (1938) stellt ein beeindruckendes Panorama protestantischer deutscher Kirchen­ge­schichte dar − wiedergegeben in verschiedenen Episoden ei­nes sich über mehrere Jahrhunderte hinziehenden Pfarrergeschlechts.

Dass Ina Seidel der 1933 an die Macht gekommenen nationalsozialistischen Be­wegung lange Zeit aufgeschlossen gegenübergestanden hat, lag an einer grandiosen Fehleinschätzung Adolf Hitlers und der von ihm beziehungsweise der NSDAP propagierten politischen Zielsetzung. Noch zum 50. Geburtstag Hitlers feierte sie den „Führer“ in ge­schmacklosen, pathetischen Worten: „Hier stehn wir alle um den Einen, / und dieser Eine ist des Volkes Herz. / Das Herz, das wie die Quelle unter Steinen / standhielt dem tödlich starren Winterschmerz.“ In An­spielung auf ihren bekannten Romantitel verspottete sie daher der Autor Werner Bergengruen als „Glückwunschkind“.

Dabei ist Ina Seidel nie Parteimitglied der NSDAP gewesen. Ihr Mann, der evangelische Pfarrer und Schriftsteller Heinrich Wolfgang Seidel, war für seine ablehnende Haltung den nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ gegenüber bekannt. Dass sie selber jedoch längere Zeit von Hitler fasziniert war, das führt ihr Sohn Georg Seidel (alias Christian Ferber) in seiner Familienbiografie „Die Seidels“ unter anderem auf ihren Schwiegersohn, den glühenden Nationalsozialisten Ernst Schulte-Strathaus, zurück. Der kannte nicht nur Hitler persönlich, sondern war auch mit dessen „Stellvertreter“ Rudolf Heß be­freundet, in dessen Stab er tätig war. Das positive Bild, dass der an astrologische Einflüsse glaubende Schulte-Strathaus seiner Schwiegermutter von Hitler vermittelte, beeindruckte die im abgelegenen Starnberg lebende Dichterin sehr. Zumal auch ihr an und für sich christliches Weltbild nicht frei von einem gewissen esoterischen Moment war. Schien Hitler, über dessen Haupt sie „kosmische Ströme des deutschen Schicksals“ sich sammeln sah, vielleicht ausersehen, zum Wohl des deutschen Volkes große, heilvolle Taten zu wirken?

Ihre bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs an­dauernde Täuschung über den wahren Charakter Hitlers und der nationalsozialistischen Bewegung hat Ina Seidel später peinlich be­rührt. In dem breit angelegten Roman „Michaela“ (1959) ging sie anhand von psychologischen und soziologischen Erklärungsversuchen der Frage nach, wie und aus welchen Gründen es in Deutschland möglich war, dass Hitler überhaupt zur Macht gelangen und das NS-Reich sich dann zwölf Jahre halten konnte.

Unmittelbar nach Kriegs­ende hatte sie in eines ihrer „Wachstuchhefte“ eingetragen: „Wir haben nicht die Macht − wir haben die Realität des Bösen unterschätzt. Mögen die Folgen uns eine unaustilgbare Lehre sein für alles, was noch vor uns liegt.“

Ina Seidel ist vor 40 Jahren, am 2. Oktober 1974, in einem Pflegeheim in Ebenhausen bei München verstorben. Matthias Hilbert


MELDUNGEN

Pergamonaltar schließt bis 2019

Berlin − Von diesem Sonntag an wird im Pergamonmuseum die bekannteste Attraktion für einige Jahre nicht zu sehen sein. Wegen einer Grundsanierung des Zentralbaus wird der Saal mit dem weltberühmten Pergamonaltar ge­schlossen. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis 2019. Wegen des komplizierten Baugrunds auf der Insel kann die Schließung noch länger dauern. Die Instandsetzung des Pergamonflügels findet bei laufendem Betrieb statt. Andere Museumsflügel bleiben geöffnet, so dass das Ischtar-Tor, auch weiterhin zu sehen sein wird. Einzelne Teile des Mu­seums, wie die Kunst der Griechen, Etrusker und Römer, wurden ins Alte Museum am Lustgarten ausgelagert. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hofft noch Förderer zu finden, die ihr ein Interimsmuseum beschaffen. tws

 

Kreativ im Ersten Weltkrieg

Berlin − „Georg Kolbe und der Erste Weltkrieg“ heißt die neue Ausstellung im Berliner Kolbe-Museum (Sensburger Allee 25). 1917 wurde der Künstler zum Militärdienst eingezogen. Man versetzte ihn in die Türkei nach Konstantinopel, wo er bildhauerisch tätig sein konnte. Die Schau zeigt bis zum 16. November Kolbes Arbeiten aus dem Ersten Weltkrieg. tws


S. 10 Geschichte

Trauer über alle Grenzen hinweg
Mit Käthe Kollwitz von Belgien nach Deutschland, Polen und Weißrussland bis zum deutsch-russischen Soldatenfriedhof Rschew

Ein Jahrhundert nach dem ersten und 75 Jahre nach dem zweiten Weltkriegsausbruch stand einmal nicht die Schuldfrage, sondern die Trauer um die Toten auf allen Seiten im Vordergrund – der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ließ die Kopie einer Doppelstatue von Käthe Kollwitz quer durch Zentraleuropa wandern.

Das Ziel war am letzten Sonnabend endlich erreicht. In einer feierlichen Zeremonie weihte der deutsche Botschafter in Russland, Rüdiger Freiherr von Fritsch, ein Mahnmal ein, das nicht nur an die hier beigesetzten deutschen und russischen Soldaten erinnern soll, sondern an das Schicksal aller Opfer von Krieg und Gewalt.

Begonnen hatte die symbolträchtige Reise im Juni in Belgien. Hier in Flandern, bei Diksmuide, im Niemandsland zwischen der deutschen und der belgischen Front, war am 23. Oktober 1914 der 18-jährige Peter Kollwitz gefallen und beigesetzt worden. Seine Mutter, Käthe Kollwitz, Bildhauerin und Malerin, geboren 1867 in Königsberg, schuf 1932 eine ausdrucksstarke Skulpturengruppe: ein Elternpaar, das um sein verlorenes Kind trauert. Die beiden Figuren trugen die Gesichtszüge der Künstlerin und ihres Mannes.

Das massive Kunstwerk aus belgischem Granit verblieb bis 1952 auf dem Soldatenfriedhof Esen-Roggefeld. Dann löste der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Begräbnisstätte auf, die Toten wurden nach Vladslo umgebettet, die Kollwitz-Skulpturen begleiteten sie.

Der Gefallenentod des Sohnes Peter – in Belgien, im Ersten Weltkrieg – war nicht der einzige Schicksalsschlag, der Käthe Kollwitz traf. In der nächsten Generation gab es wieder einen Peter Kollwitz. Diesmal war es der Enkel der Künstlerin, diesmal durfte er 21 Jahre alt werden, diesmal war es der Zweite Weltkrieg, diesmal war es Russland. Am 22. September 1942 fiel er, gut 200 Kilometer westlich von Moskau, einer von tausenden Soldaten, die hier bei erbitterten Kämpfen ihr Leben verloren.

Kurz nach dem Ende der Sowjetunion einigten sich Deutschland und Russland auf die Errichtung neuer zentraler Soldatenfriedhöfe. 1997 wurde auch die Kleinstadt Rschew am Oberlauf der Wolga auf die Liste der Standorte gesetzt. Trotz massiver Behinderungen durch fanatisierte Gegner des Projekts konnten die Umbettungen durchgezogen werden; die neue Ruhestätte für 25000 deutsche und 11000 russische Soldaten wurde am 28. September 2002 eingeweiht.

Dem damaligen Präsidenten des Volksbundes, Reinhard Führer, fiel auf, dass in dieser Region auch der Enkel von Käthe Kollwitz gefallen war. Tatsächlich konnten Mitarbeiter des Volksbundes 2011 bei Alenino, 18 Kilometer südlich von Rshew, die Gebeine von 50 deutschen Soldaten exhumieren und umbetten. Auch wenn eine zweifelsfreie Identifizierung nicht möglich war, ist doch nahezu sicher, dass einer der Toten Peter Kollwitz war.

Führers Idee: Von der in Belgien stehenden Kollwitz-Skulptur sollte eine originalgetreue Replik angefertigt und über symbolhaltige Zwischenstationen nach Russland verbracht werden.

Unter dem heutigen Volksbund-Präsidenten Markus Meckel wurde die Idee realisiert. Die belgische Firma Renier gestaltete die Nachbildungen der „Trauernden Eltern“ und am 18. Juni verabschiedete der deutsche Botschafter Eckart Cuntz den Lkw mit der wertvollen Ladung.

Erste Station war Gütersloh, wo man es noch vor kurzem für nötig gehalten hatte, um eine rote Fahne über dem Friedhof mit 11000 russischen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg einen heftigen Streit zu entfachen. Weiter ging es nach Berlin, wo Käthe Kollwitz lange gelebt und gearbeitet hatte. Hier wurden die Repliken eine Woche lang im Lustgarten der Öffentlichkeit präsentiert. Nächste Station war Warschau. Auch hier nahm der deutsche Botschafter, Rolf Nikel, an der öffentlichen Gedenkfeier teil.

Anschließend ging es in die weißrussische Hauptstadt Minsk. Hier erinnerte Markus Meckel in einer von Botschafter Wolfram Maas organisierten Gedenkstunde daran, dass das Land nicht nur unter den Schrecken des Krieges, sondern auch unter der Terrorherrschaft des Stalinismus gelitten hat. Damit kam, wie an allen Stationen der Reise, zum Ausdruck, dass es bei dieser Aktion über das Schicksal einer vom Pazifismus geprägten Künstlerin hinaus ganz allgemein um das Leid der Kriegstoten und ihrer Hinterbliebenen geht. Und es versteht sich, dass dabei auch die Opfer von Flucht und Vertreibung eingeschlossen sind. Denn es waren und sind dieselben Kriege und es waren auch oft genug dieselben Eltern, die erst an fernen Fronten Kinder und Enkel und am Ende selber Heimat, Hab und Gut verloren.

Trauer über alle Grenzen hinweg, Versöhnung über den Gräbern – diese Botschaft tragen nun die Skulpturen von Käthe Kollwitz auch vom russischen Rshew aus hinaus in die Welt. Ob sie gehört wird, muss man angesichts der aktuellen Weltlage allerdings bezweifeln. Hans-Jürgen Mahlitz


Vorboten der Friedlichen Revolution
Aus dem Tagebuch von Vera Lengsfeld: September 1989

Die PAZ-Autorin Vera Lengsfeld war seit den 1970er Jahren in der Opposition gegen das SED-Regime aktiv und seitdem Mitorganisatorin aller wichtigen Veranstaltungen der Friedens- und Umweltbewegung der DDR. 1988 wurde sie wegen „Versuchter Zusammenrottung“ verhaftet und nach einem Monat in den Westen abgeschoben. Am Morgen des 9. November 1989 in die DDR zurückgekehrt, wurde sie Mitglied der Verfassungskommission des Runden Tisches und später der ersten und zugleich letzten frei gewählten Volkskammer. Von 1990 bis 2005 gehörte sie dem Deutschen Bundestag an. An dieser Stelle berichtet die bekannte Bürgerrechtlerin monatlich aus eigenem Erleben über die Ereignisse vor 25 Jahren in der DDR.

In Leipzig findet am 4. September im Anschluss an das Friedensgebet in der Nikolaikirche die erste Montagsdemonstration statt. Noch sind es nur ein paar Dutzend Menschen, die von der Kirche aus über den Ring, an der „Runden Ecke“, dem hiesigen Stasihauptquartier, vorbei bis zum Bebelplatz laufen. Die beobachtenden Stasileute haben keine Ahnung, dass aus diesem kleinen Schneeball innerhalb von wenigen Wochen eine Riesenlawine wird, die nicht nur ihre Firma, sondern die ganze DDR verschlingt.

Am nächsten Tag wird auf der wöchentlichen Politbürositzung noch nicht über die Ereignisse in Leipzig gesprochen.

Aufgrund der bevorstehenden Öffnung der Grenze zwischen Ungarn und Österreich kommt es aber zu einem absolut ungewöhnlichen Vorfall: zu einer kontroversen Debatte. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Politbürokraten immer noch nichts verstanden haben. Es wird beschlossen, die Ausreisewilligen in Ungarn mittels Flugblättern und Gesprächen zur Rückkehr in die DDR zu bewegen. Kurz darauf wurden „Mitteilungen“ der DDR-Botschaft vor allen Flüchtlingslagern verteilt, die Heimkehrwilligen „Straffreiheit“ zusicherten. Wörtlich. „Bürger können bei Rückkehr in die DDR ihre Anliegen in den Heimatorten vortragen. Diese Vorsprachen werden als Antragstellung … gewertet.“

Die Leute haben es aber satt, Anträge zu stellen und sie haben nicht vor, die nahe Freiheit gegen Straffreiheit einzutauschen. Als ein Vertreter der DDR-Botschaft versucht, auf dem Gelände des Flüchtlingslagers in Budapest eine „Beratungsstelle“ einzurichten, sieht er sich bald in seinem Campingwagen von einem halben Hundert jungen DDR-Bürgern eingekesselt und muss sich anhören, was die Flüchtlinge über den SED-Staat und seine Methoden denken.

Auf dem Berliner Alexanderplatz findet am 7. September eine weitere Demonstration gegen den Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen statt. Die Volkspolizei und die Staatssicherheit gehen mit brutaler Gewalt gegen die Demonstranten vor. Der Alexanderplatz wird komplett abgeriegelt. Die Schreie der geprügelten Menschen kann man bis hoch auf den S-Bahnsteig hören.

Zwei Tage später, am 9. September, treffen sich in Grünheide bei Berlin 30 Vertreter unterschiedlicher Gruppen aus der ganzen DDR. Es ist die Geburtsstunde des Neuen Forums.

Der Gründungsaufruf „Aufbruch 89 – Neues Forum“ stößt sofort auf eine enorme Resonanz. Er verbreitet sich blitzschnell in alle Ecken der Republik. Binnen Tagen kommen viele tausende Unterschriften zusammen.

Für alle, die der DDR den Rücken kehren wollen, gibt es eine gute Nachricht aus Ungarn:

Der ungarische Außenminister Gyula Horn verkündet über das Fernsehen, dass alle Inhaber eines DDR-Ausweises ab dem 11. September Ungarn in Richtung Österreich verlassen dürfen. Zehntausende hatten in Ungarn auf dieses Signal gewartet und machen sich auf in Richtung Grenze. In der DDR spricht sich die Nachricht herum wie ein Lauffeuer und veranlasst noch einmal Zehntausende dazu, die Koffer zu packen.

Währendessen folgt der nächste „Aufruf zur Einmischung in eigener Sache“ der Initiative „Demokratie Jetzt“. Weitere Gruppen werden folgen. Darin zeigt sich, wie wenig homogen die DDR-Bürgerrechtsbewegung war. Während die Existenz zahlreicher, unabhängig voneinander operierender Gruppen während der Zeit des DDR-Regimes ein unschlagbarer Vorteil war, wird dies in der Aufbruchszeit nun zum entscheidenden Nachteil. Die Opposition spricht nicht mit einer Stimme. Sie kann weder zu einem stringenten Konzept noch zu gemeinsamem Handeln finden.

Glücklicherweise hält das den Gang der Dinge nicht auf.

Allmählich beginnen sich die verschiedenen Protestaktionen, die in immer kürzeren Abständen in der DDR stattfinden, zu vernetzen und aufeinander zu beziehen: In der Berliner Gethsemanekirche findet ein erstes Fürbittgebet für die in Leipzig nach dem Montagsgebet inhaftierten Menschen statt.

Es entstehen täglich neue Initiativen. Nachdem bereits Magdeburg nach dem Leipziger Vorbild ein „Friedensgebet“ eingeführt hat, folgt nun Nordhausen. Damit hat die oppositionelle Bewegung endgültig auch die Provinz erfasst.

In Leipzig werden 1500 zusätzliche Sicherheitskräfte bereitgestellt, um eine Demonstration nach dem Montagsgebet am 25. September zu verhindern. Die Innenstadt ist komplett abgesperrt. Trotzdem strömen Tausende zur Nikolaikirche. Das Gotteshaus muss wegen Überfüllung geschlossen werden. Eine riesige Menschenmenge verharrt vor dem Gebäude. Das von Pfarrer Christoph Wonneberger gestaltete Gebet hat gewaltlosen Widerstand zum Thema. Am Schluss sagt er: „Deshalb müssen wir … strikt das Prinzip der Gewaltlosigkeit vertreten. Das gilt auch gegenüber Provokateuren, die in unseren Reihen sind.“

Danach beginnt die erste Massendemonstration der DDR, die von Polizei und Sicherheitskräften unbehelligt bleibt. Die Stasi ist von der bloßen Anzahl der Teilnehmer überrumpelt: Etwa 6000 Menschen marschieren über den Ring bis zum Hauptbahnhof. Die Polizeiketten umgehen sie einfach. Immer mehr Passanten schließen sich an. Stasichef Erich Mielke ist vollkommen überrascht, als er bei seinen Telefonaten erfährt, dass ein Eingreifen mit den üblichen Mitteln nicht möglich ist. Er bellt von Berlin aus sinnlose Befehle in den Hörer, während sich die Demonstration an diesem Abend am Leipziger Hauptbahnhof friedlich auflöst.

Der Monat endet mit einem Paukenschlag: Die Bilder gehen um die Welt: Außenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet den 4000 Besetzern der Prager Botschaft, dass sie ausreisen dürfen. Ein Jubelschrei aus vielen tausend Kehlen antwortet ihm. In Warschau macht Staatssekretär Jürgen Sudhoff das Gleiche.

Die Menschen, die seit Tagen, zum Teil Wochen, in den Botschaften ausgeharrt haben, beginnen ihre Habseligkeiten zusammenzupacken und sich für die Abreise fertig zu machen. Sie erfahren erst nach und nach, dass die Reise sie noch einmal durch die DDR führen wird. Manchen ist das unheimlich. In der Nacht fahren die ersten Sonderzüge von Prag über die DDR nach Westdeutschland. Es soll nach dem Willen der DDR-Regierung ein „einmaliger humanitärer Akt“ sein.

So kann man sich täuschen.

Die Autorin dieses Beitrags ist Verfasserin des unlängst erschienenen Buches „1989 – Tagebuch der Friedlichen Revolution – 1. Januar bis 31. Dezember“, TvR Medienverlag Jena.


S. 11 Preussen

Was ist Aufklärung?
Vor 230 Jahren beantwortete Immanuel Kant die Frage in der Berlinischen Monatsschrift

Mit seiner Beantwortung der Frage „Was ist Aufklärung?“, datiert am 30. September 1784 in Königsberg in Preußen und erschienen im Dezemberheft 1784 der „Berlinischen Monatsschrift“, hat Immanuel Kant eine prägnante Zusammenfassung und Begründung der Errungenschaften des philosophischen 18. Jahrhunderts gegeben, die den moralischen Kern unserer modernen Welt ausmachen.

Während Moses Mendelssohn, dessen Beantwortung der gleichen Frage im Septemberheft erschienen war, in Königsberg aber Ende September noch nicht vorlag, unter Aufklärung Kenntnisse, das heißt den theoretischen Teil der Bildung des Menschen versteht, nimmt Kant Aufklärung praktisch und definiert sie als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Die zu gewinnende Mündigkeit des Menschen schließt durchaus den Erwerb von Kenntnissen ein, freilich mit Hilfe des freien Gebrauchs des eigenen Verstandes, zu dem auch Mut gehört. „Sapre aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ ist daher der Wahlspruch der Aufklärung.

Kant setzt die Schwerpunkte seiner Erläuterungen zum Begriff der Aufklärung in den Bereichen Religion und Politik, in denen das Zeitalter der Aufklärung entscheidende Schritte zum Selbstdenken getan hat. 1781 hatte er sein Hauptwerk, die „Kritik der reinen Vernunft“, in einer Anmerkung zur Vorrede in den Zusammenhang seines durch vernünftige Kritik gekennzeichneten Zeitalters gestellt und die Einbeziehung von Religion und Gesetzgebung in diese Kritik ausdrücklich gefordert: „Unser Zeitalter ist das eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen muss. Religion durch ihre Heiligkeit und Gesetzgebung durch ihre Majestät wollen sich gemeiniglich derselben entziehen. Aber alsdann erregen sie gerechten Verdacht wider sich, und können auf unverstellte Achtung nicht Anspruch machen, die die Vernunft nur demjenigen bewilligt, was ihre freie und öffentliche Prüfung hat aushalten können.“ Im Aufklärungsaufsatz von 1784 wendet Kant das Prinzip der Freiheit des öffentlichen Vernunftgebrauchs auf alle Menschen an, auch auf diejenigen, die in Staat oder Kirche ein Amt innehaben. „In der Qualität eines Gelehrten“ kann zum Beispiel auch der Geistliche getrost von dem Lehrgehalt der symbolischen Bücher seiner Kirche abweichen. Freilich muss er seiner Gemeinde die Lehre seiner Kirche vortragen. Die Grenze der Vereinbarkeit von Amt und abweichender eigener Überzeugung liegt dort, wo der Geistliche glaubt, seine Kirche lehre etwas der „inneren Religion“, das heißt unserer vernünftigen Einsicht von Gott und dem Verhältnis des Menschen zu ihm Widersprechendes. Dieser Fall läge nach Kant namentlich dann vor, wenn der Geistliche die Überzeugung gewönne, seine Kirche verwandle Religion in ein „bloßes Fe­tisch­ma­chen“, indem sie die Erfüllung statutarischer Vorschriften der Festigung der moralischen Gesinnung voranstelle. Dann und nur dann muss der gewissenhafte Geistliche sein Amt niederlegen.

Die Frage, ob eine Geistlichkeit sich unwiderruflich auf ein Symbol verpflichten und ob der Staat einen solchen geistlichen Despotismus sanktionieren könne, führt Kant auf ein Kriterium, das für die Theorie der Demokratie grundlegend ist und von ihm in seiner Staatsphilosophie fortan immer wieder benutzt wurde. Es ist das Prinzip des möglichen allgemeinen Willens: „Der Probierstein alles dessen, was über ein Volk als Gesetz beschlossen werden kann, liegt in der Frage: ob ein Volk sich selbst wohl ein solches Gesetz auferlegen könnte?“ Auf mögliche Fortschritte im Denken zu verzichten (gerade in so wichtigen Angelegenheiten wie denen der Religion), ja, sie auch nur aufzuschieben, bedeutete aber eine Verletzung der „heiligen Rechte der Menschheit“, weil die Qualität des Menschseins gerade in der Fähigkeit zu freiem Denken und Handeln (Irrtum und Verfehlung eingeschlossen) besteht. Deshalb darf kein Volk über sich selbst ein Reformationsverbot beschließen und folglich erst recht kein staatliches Gesetz ein solches Verbot sanktionieren.

Was die Freiheit der Kritik an der geltenden Rechtsordnung anbetrifft, so preist Kant die Einmaligkeit Friedrichs des Großen darin ebenso wie hinsichtlich der Freiheit des religiösen Bekenntnisses. Kant nennt daher hier seine eigene Epoche „das Zeitalter der Aufklärung, oder das Jahrhundert Fried­richs“. Doch Kant gibt in seinem Aufsatz nicht nur einen Nachweis der Aufklärung als Selbstdenken in Sachen der Religion und der Politik und eine historische Würdigung des aufgeklärten Regimes Friedrichs des Großen. Die Mündigkeit, die der Mensch gegen eigene Faulheit und Feigheit noch mühsamer erkämpfen muss als gegen staatlichen und kirchlichen Despotismus, hat in allen Lebensbereichen bedeutsame Folgen.

Selbstverständlich schlug der Geist der Aufklärung auch auf die Ziele und Grundsätze der Erziehung durch. Es ist bekannt, dass Kant in den 70er Jahren den Philanthropismus Johann Bernhard Basedows und seiner Mitarbeiter lebhaft durch zwei Zeitungsaufsätze, durch die Vermittlung von Schülern an das Institut in Dessau und durch Annahme von Abonnentenbestellungen für die Zeitschrift des Dessauer Philanthropins unterstützt hat. Dabei war die ökumenische Handhabung des Religionsunterrichts ein wichtiges Motiv, die Aufnahme der Realien unter die Unterrichtsgegenstände und die natürliche Art des Sprachunterrichts unter Einbeziehung auch moderner Fremdsprachen kamen hinzu. Die Forderung einer Pädagogik der behutsamen Leitung in Abhebung gegen eine mechanische Dressur, wie sie hier in Kants Spott gegen die „Gängelwagen“, die in Unmündigkeit erhalten, zeigt, drückt er 1776 in einem Brief nach Dessau aus, indem er die bisherige Erziehung eines sechsjährigen Knaben, der aufs Philanthropin geschickt werden soll, so beschreibt: „Er ist frey erzogen, doch ohne beschwerlich zu fallen.“

So haben wir in Kants 230 Jahre altem Aufklärungsaufsatz wie in einer Nussschale die Ideen vor uns, durch die der Mensch seiner Würde gemäß leben kann, wenn sie nur von ihm selbst und den Einrichtungen, die er sich schaffen muss, befolgt werden. Wo Frömmigkeit ohne Aberglauben und Gesetzesgehorsam ohne blinde Gefolgschaft oder Unterdrückung angetroffen werden, wo Gedanken nicht zur Verwirrung, sondern als Helfer zur Gesundheit, wo Erziehung und Bildung nicht zur Abrichtung, sondern zu zielstrebigen Entwicklung selbstständiger Persönlichkeiten Anwendung finden, da ist der Mensch „mehr als Maschine“. Da klebt er nicht mit Maulwurfsaugen der Bequemlichkeit und der ideologischen Einengung an der ihn zufällig umgebenden Wirklichkeit, sondern gestaltet sein Leben und, soviel an ihm ist, seine Welt selbstdenkend als ein Wesen, „das aufrecht zu stehen und den Himmel anzuschauen gemacht war“.

E.B.


Auf der Suche nach den Motiven der Täter
Kant-Freund Gerfried Horst hat zum traurigen 70. Jubiläum der Zerstörung Königsbergs eine »Streitschrift« vorgelegt

Am 29. August 2014, dem 70. Jahrestag des zweiten und schwersten britischen Bombenangriffs auf Königsberg, hat Gerfried Horst im Königsberger Dom sein neues Buch und zugleich die russische Ausgabe mit einer Lesung vorgestellt. Der Vorsitzende der internationalen „Gesellschaft der Freunde Kants und Königsbergs e.V.“ gab 2010 seine Broschüre „Generalprobe für die Hölle – Wahrheit über die Zerstörung Königsbergs“ heraus. Für eine Neuauflage erbat er Zeitzeugenberichte über die Bombardierung. Nun hat er solche Berichte sowie weitere Beiträge zu diesem Themenkreis ausgewertet und in einer wesentlich erweiterten Neuausgabe mit neuem Titel berück­sichtigt. Neun Seiten Bibliographie zum Thema beschließen das Buch.

Dem Autor fällt es angesichts von Adolf Hitlers Eroberungskriegen erklärtermaßen schwer, sich mit dem Bombenkrieg der westlichen Alliierten gegen deutsche Städte, speziell Königsberg, woher seine Mutter stammt, zu befassen, hält dies aber für dringend notwendig. Denn Königsberg wird in den deutschen Büchern über den Bombenkrieg kaum erwähnt, und seine Zerstörung ist in vielen Ländern völlig unbekannt. Auch sei die Zerstörung deutscher Städte und die gezielte Tötung ihrer Bewohner keine notwendige Folge des Krieges gewesen. So versucht er festzustellen, was die Ursache für den Bombenkrieg war und welche Ergebnisse damit erzielt wurden. Es geht ihm nicht darum, die Engländer wegen Kriegsverbrechen anzuklagen, sondern darzulegen, dass sie der falschen Theorie gefolgt sind, wonach man einen Krieg durch Angriffe auf die Zivilbevölkerung gewinnen könne. Dagegen verfasste er seine Streitschrift, lässt alle Seiten zu Wort kommen. Den falschen Theorien britischer Bombenpolitik und NS-Ideologen werden durch Zitate Immanuel Kants, Hannah Arendts und besonders britischer Autoren die richtigen Theorien gegenübergestellt.

Zwar unterscheidet seit 1907 die Haager Landkriegsordnung zwischen Kämpfenden und Zivilisten, deren Leben und Eigentum im Krieg möglichst zu schützen seien. Sowohl der britische Premierminister Neville Chamberlain 1938 als auch der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt bestätigten diese Grundsätze in ihren Appellen. Doch schon einen Tag nach dem Amtsantritt Winston Churchills als britischer Premierminister am 11. Mai 1940 beschloss seine Regierung unbegrenzte Luftangriffe auf Städte in Deutschland, noch bevor Deutschland das in England tat. Die Flächenbombardierungen richteten sich in erster Linie gegen Wohngebiete deutscher Arbeiter, sollten möglichst viele Menschen töten, die Kampfmoral der Bevölkerung schwächen unddiese gegen den NS-Staat aufbringen; so würde auch die Industrie zum Erliegen kommen. So ließen Churchill und sein Bomber Command Arthur Harris immer mehr deutsche Städte bombardieren und miss­achteten einzelne Proteste im eigenen Land.

In den Nächten vom 26. auf den 27. und vom 29. auf den 30. August 1944 war auch Königsberg eine der Großstädte, deren Innenstadt von der britischen Luftwaffe nach wissenschaftlich entwickelter Methode mit der erfolgreichen Reihenfolge von Luftminen, Brand- und Phosphor-, Napalm- und schließlich Spreng- und Splitterbomben, auch mit Zeitzündern, vernichtet wurde. Auf 55 Seiten druckt Horst Berichte von Überlebenden dieser „Hölle auf Erden“ inmitten der Feuerstürme, die etwa 5000 Menschen das Leben kostete, mit erschütternden Einzelheiten ab. Im Gegensatz zu der von den Engländern geplanten Wirkung schweißte aber die raffinierte Propaganda der NS-Führung, der Überlebenstrieb der Menschen und ihre Disziplin sie zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen.

Die berechtigte Frage, warum gerade in Königsberg Wohn- und Kulturbauten, aber nicht Kasernen, Bahnhof und Eisenbahngleise nach Osten hin bombardiert wurden, beantwortet Horst dreifach: Erstens sollten möglichst viele Menschen getötet und ihr kulturelles Erbe zerstört werden. Zweitens wollte man mit der Zerstörung des so weit östlich liegenden Königsberg den Sowjets eine warnende Demonstration britischer Stärke bieten. Drittens sollten die Bahnstrecken nach Osten für die deutsche Wehrmacht möglichst lange benutzbar bleiben, damit diese die Rote Armee auf ihrem Vormarsch so lange aufhalten könne, bis die Westalliierten genügend weit nach Deutschland vorgerückt seien, um den kommunistischen Einfluss zu bremsen. Der „Kalte Krieg“ gegen die Sowjets habe damals schon begonnen.

In seinem „philosophischen Versuch“ meint Horst, dass Königsberg, die Stadt, in der Immanuel Kant im Jahre 1795 seinen Traktat „Zum ewigen Frieden“ veröffentlichte, mit ihrem Schick­sal heute dazu auffordere, den Weg zu solchem Frieden einzuschlagen, der nach Kant „keine leere Idee, sondern eine Aufgabe ist“, die nach und nach gelöst werden kann, so dass man diesem Ziel „beständig näher kommt“.

Mit seiner Fülle wichtiger und auch neuer Informationen zu dem Thema gehört das Buch in die Hand jedes Königsbergers und Freundes der Stadt.

Es kann außer im Buchhandel auch direkt bei Gerfried Horst, Ceciliengärten 6, 12159 Berlin, zum Ladenpreis von 14,90 Euro zuzüglich 2,10 Euro für Porto und Verpackung bezogen werden.

Klaus Plorin

Gerfried Horst: „Die Zerstörung Königsbergs – Eine Streitschrift“, Osteuropa Zentrum Berlin, Berlin 2014, Paperback, 389 Seiten, zehn Fotos, zwei Karten, Preis 14,90 Euro.


S. 12 Leserforum

Leserforum

EU und Nato als Büttel der USA

Zu: Warnung vor den eigenen Leuten (Nr. 37)

Die USA haben jetzt zugegeben, dass Krieg herrscht, zumindest am Euphrat. Aber sie wollen nicht wahrhaben, dass der Krieg zu einem wesentlichen Teil als Ergebnis ihrer weltweiten Politik gegen sie gerichtet ist. Sie möchten jedoch alle Welt mit hineinziehen. Dabei sollen EU und Nato als Büttel für US-amerikanische Weltmachtphantasien herhalten, und mit der Ukraine soll als willkommener Prellbock gegen urrussisches Gebiet jongliert werden.

Mit diesen USA sollen wir angeblich eine Wertegemeinschaft bilden, wird immer wieder behauptet, jedenfalls von unserer Seite. Sind wir denn eine solche Gemeinschaft? Billigen wir im Nachhinein die Atombomben auf japanische Städte und die bewaffneten Überfälle auf Afghanistan, Irak und Libyen? Oder die unverhohlene Unterstützung dubioser Kräfte für den gewaltsamen Sturz der Assad-Regierung in Syrien? Billigen wir Giftspritzen gegen eigene Landsleute der USA und die tausendfache Ermordung fremder Staatsbürger durch Drohnen? Sind wir für millionenfache Überwachung von Telefonen und E-Mails? Ist den USA beizupflichten, wenn sie mit Israel eine Regierung stützen, die Palästinenser seit Jahrzehnten besatzungsrechtlich behandelt?

Der moralische Zerfall der USA hat längst begonnen. Wir sollten uns der nicht ganz gefahrenfreien Endphase dieses Zerfalls rechtzeitig entziehen und nicht Hilfs­truppe – wo und in welchem Umfang auch immer – sein wollen.

Dr. Klaus J. Schneider-Haßloff, Berlin

 

 

Uralter Deutschen-Hass

Zu: Für keine Lüge zu schade (Nr. 36)

Der Autor des in der PAZ-Rezension besprochenen Buches „1914. Die Erfindung des hässlichen Deutschen“ hat Nachforschungen darüber angestellt, warum die Deutschen in der weiten Welt gezeichnet sind wie ein gewalttätiges Tier. Schon im Ersten Weltkrieg wurden in England, Frankreich und anderen Ländern Propagandaplakate aufgestellt, die zeigten, wie deutsche Soldaten wehrlose Frauen und Kinder erschlugen oder auf eine andere Art und Weise töteten.

Ja, es heißt, die feindlichen Truppen seien sogar aufgefordert worden, die Deutschen auf die Schlachtbank zu legen, um sie lustvoll zu töten. Dem Rezensenten nach zu schließen hat der Buchautor nicht daran gedacht, dass der Hass vieler europäischer Länder gegen Deutschland vielleicht daher rühren könnte, dass im 16. Jahrhundert die Reformation in Deutschland ausbrach, die − von Bibelzitaten − begleitet mit Verfolgung und Totschlag einherging.

Als Karl V. im Jahr 1547 sich mit seinen Truppen aufmachte, um das schmalkaldische Heer bei Wittenberg zu schlagen, konnten die Krieger viele zerschossene und zerstörte Wegkreuze, Feldkapellen oder Kirchen sehen. Dies erweckte laut dem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert wirkenden evangelischen Historiker Karl Adolf Menzel bei den Soldaten Karls V. einen solchen Zorn, der mithalf, das schmalkaldische Heer zu schlagen. Es ging als „Wittenberger Kapitulation“ in die Geschichte ein.

Martin Schmitt, St. Augustin

 

 

Berliner Selbstblockade

Zu: Angriff auf das Herz von Berlin (Nr. 35)

Der Abgang des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, zeigt die Selbstblockade der Stadt auf. Auch das „Umgestaltungsverbot“ der städtebaulich verwaisten Berliner Mitte, von Berlin und dem Bund bis 2030 gemeinsam erlassen, bestätigt dies erneut, macht sprachlos und behindert beziehungsweise verhindert die städtebaulich notwendigen und sinnvollen Maßnahmen der Rückgewinnung von urbaner Substanz für den Kernbereich des historisch alten Berlins.

Eine zügige Erarbeitung eines Gesamtplanes für den Bereich des alten Berlins und dessen Umsetzung ist daher unerlässlich, um die derzeitige städtebaulich unbefriedigende Situation, besonders der Grünflächen des Marx-Engels-Forums auf den Flächen des ehemaligen Marienviertels, beseitigen zu können.

Hier wäre der Einfluss und das Engagement sowie die Durchsetzungskraft der amtierenden Senatsbaudirektorin Lüscher gefragt, die aber wohl mangels historischer Stadtkenntnisse an einer Wiederbelebung des historischen Zentrums wenig Interesse zeigt und die der von den DDR-Planern geschaffenen Brache, besonders des Grüns des Marx-Engels-Forums, noch eine städtebauliche Qualität abgewinnen kann.

Allen Beteiligten sollte die Bedeutung des Ortes bewusst werden − es handelt sich schließlich um den zentralen Raum der Hauptstadt −, damit ein zügigeres Handeln im Sinne der Stadtverbesserung erreicht werden kann.

Joachim Moeller, Berlin

 

 

Putin zündelt nicht

Zu: Die Friedensbombe (Nr. 37)

Die Aussage von Klaus Rainer Röhl gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin und sein direkter Vergleich mit Hitler vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise empfinde ich als kontraproduktiv.

In seiner Kolumne behauptet Röhl, dass Putin Chef des sowjetischen Geheimdienstes in der damaligen DDR gewesen sei, was meiner Kenntnis nach nicht stimmt. Auch die Behauptung, dass die sogenannte Ostukraine erst durch Putin als „Neurussland“ bezeichnet worden sei, ist falsch. Und beim Pulverfass Kaukasus hat Putin meines Erachtens gegen das Nato-Mitglied Türkei bis heute ebenso wenig die Zündschnur ausgelegt.

Helmut Möller, Geraberg

 

 

Stets bereit

Zu: Öffentliche Geschichtsfälschung (Nr. 35)

Bezugnehmend auf die Ausführungen der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld in ihrer PAZ-Kolumne unter anderem zu dem früheren Kommunistenführer der Weimarer Zeit, Ernst Thälmann, möchte ich in meinem und auch im Namen vieler meiner Bekannten reagieren. Ich möchte in leichter Abwandlung eines Pionier- beziehungsweise Kinderliedes sagen:

„Wir lernen die Welt begreifen, wir forschen auf froher Fahrt und bau’n ein schönres Vaterland nach Thälmanns Sinn und Art ... Wir wissen: In allen Landen, hin über die Erde weit, sind Menschen so wie wir zur Freundschaft stets bereit.“

Monika Ogorsolka, Goslar

 

 

Ungarn verlor

Zu: „Geschichte ist irreversibel“ (Nr. 37)

Das sind interessante Gedanken zu den Folgen der Schlacht bei Tannenberg. Da werden viele Völker genannt, die durch den Ersten Weltkrieg ihre Freiheit wiedererlangt haben. Dazu sollen auch die Ungarn gehört haben. Sie verloren 1920 im Frieden von Trianon 68 Prozent ihres Staatsgebietes und das Land 59 Prozent seiner früheren Einwohner. Das passt nicht zusammen.

Ernst Wehler, Weißenfels

 

 

Scheuklappen auf

Zu: Wann hört der Albtraum auf (Nr. 36)

Dieser 91-jährigen Leserbriefschreiberin aus Frankenberg möchte ich meinen ganz großen Dank entbieten! Mit der Aneinanderreihung von Lenin, Stalin und Putin hat sie die Situation großartig beschrieben. Mit meinen − ihr gegenüber − jungen 82 Jahren habe ich zwar auch nicht geschlafen, aber wenn die grausamen Gedanken noch so sehr hochkommen, lassen wir uns doch nicht unterkriegen.

In der „Neuen Zürcher Zeitung“ habe ich am 7. Juli einen Artikel über Russland von der russische Autorin Elena Chizhova gelesen. Sie hat darin auf die russische Intelligenzija gesetzt. Bei all den Gesprächen mit Russen kam nur selten die notwendige Offenheit zu Tage. Und dann auch nur von Menschen aus der zweiten oder dritten Reihe. Das wird sicher ein langer Weg, bis wir dort ohne Scheuklappen reden können. Das Leserforum der PAZ hat mir sehr geholfen, weiter das Gespräch zu versuchen.

Karl Feller, Laurenziberg

 

 

Ukraine-Politik ist eine einzige Luftnummer

Zu: Die Friedensbombe (Nr. 37)

In den Nachrichten zur Ent­wick­lung in Nahost und der Ukraine erfährt man, dass die USA in Nahost inzwischen außer der Luftwaffe auch 1500 Soldaten im Einsatz haben. Dabei handelt es sich in der Region um eine grenzüberschreitende Auseinan­dersetzung verfeindeter, bewaffneter religiöser islamischer Gruppen, nicht um eine zwischenstaatliche militärische Auseinandersetzung. Den USA hat niemand den Krieg erklärt, keiner der Staaten, in denen die Kampfhandlungen stattfinden, hat die USA um Hilfe gebeten. Und keiner regt sich auf.

In der Ukraine waren angeblich 1000 russische Soldaten auf Seiten der Separatisten im Einsatz, was bisher nie bewiesen wurde und zu den tollsten Zahlenspielereien und Tricksereien geführt hat. Diese Luftnummer wurde so lange plattgetreten, bis daraus eine akute Bedrohung der EU durch Russland wurde. Dabei ging es im Ursprung eigentlich darum, dass die Absichten der korrupten und käuflichen ukrainischen Staatsführung zur Vermeidung einer Insolvenz nicht mit den Interessen der Volksgruppen übereinstimmten. So war im konkreten Fall die Entwicklung zu einem Bürgerkrieg nahezu unvermeidbar. Haltet den Dieb, wird geschrien und gleichzeitig Öl ins Feuer gegossen. Wenn die von den Separatisten erstrebte autonome Republik Neurussland dem Westen zustreben wollte, sähe das Ganze völlig anders aus.

Die Separatisten in der Ostukraine werden neuerdings auch als Partisanen bezeichnet. Dieser Schuss geht nach hinten los, denn Partisanen sind Freiheitskämpfer eines feindbesetzten Staates (Ostukraine) und bekämpfen im Hinterland nach der Methode „Hit and Run“ die Streitkräfte der Besatzungsmacht (Ukraine). Das gibt genau das Bild, das die Separatisten als Soldaten Neurusslands rechtfertigt.

Am 28. Juni 1914 fiel der österreichische Thronfolger in Sarajewo einem Attentat zum Opfer, am 7. November 1938 führte das Attentat in Paris zur sogenannten Reichskristallnacht. Beide Ereignisse mündeten in militärische Auseinandersetzungen und Völkerhass, mit den bekannten Ergebnissen. Wohin wird die Exekution der amerikanischen und britischen Bürger im Irak führen? Was werden wir hören, wenn einer der deutschen Soldaten als Geisel das gleiche Schicksal erleiden sollte?

Die Rufe nach Selbstbestimmung einiger Regionen Europas werden zahlreicher und lauter. Schottland und Katalonien folgen der Krim; man fragt sich, wann Südtirol, Bayern oder das Saarland folgen. Aber wo kommen wir hin, wenn wir einen Volksentscheid in der Ukraine verdammen, während wir die anderen womöglich akzeptieren müssten?

Es zeigt sich, dass viele Probleme der heutigen Zeit aus machtpolitischen Entscheidungen der Kolonialzeit sowie der Sieger-Diktate beider Weltkriege herrühren. Ideologische Monokulturen politischer, religiöser wie auch philosophischer Natur wurden und werden von machtbesessenen Führern – und ihrer willigen Gefolgschaft – missbraucht, weil es keine Institution gibt, die in sich das Recht und die Macht vereint, diesem Treiben Einhalt zu gebieten. Die Christen sollten dabei nicht auf einem zu hohen Ross sitzen, die Kreuzzüge sind noch nicht allzu lange vorbei und untereinander ist auch nicht gerade wenig Blut geflossen. Der Leitsatz „Cuius regio, eius religio“ („wessen Gebiet, dessen Religion“) ist erst unter dem Alten Fritz, bei dem jeder nach seiner Fasson selig werden konnte, beendet worden. Wenn es darum geht, das Christentum in aller Welt zu verteidigen, so ist dies eine Aufgabe der Christen und nicht irgendeiner staatlichen Gewalt.

Zur Lösung der heutigen Fragen ist jedoch ein Blick nach rück­wärts wenig geeignet, weil er zumeist darauf gerichtet ist, Schuld und Verantwortung hin- und herzuschieben. Also nach vorn blicken, die Lage kennen und den Weg zum Ziel beschreiten. Die Freiheiten, die man für sich beansprucht, gelten auch für andere. Monokulturen schaden nicht nur in der Landwirtschaft.

Manfred Voss, Oldendorf

 

 

Aggressive Politik Polens führte mit zum Krieg

Zu: Als in Warschaus Straßen gefeiert wurde (Nr. 35)

„Das Tischtuch war“ nicht deshalb „zerschnitten“, weil, wie in der PAZ-Nr. 35 auf Seite 10 berichtet wird, „Adolf Hitler am 28. April 1939 den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt gekündigt hatte“, sondern weil die polnische Regierung bereits am 22. März 1939 mit der Teilmobilmachung der polnischen Armee an den Grenzen zu Deutschland den deutsch-polnischen Vertrag gebrochen und darüber hinaus die englische Regierung durch ihren Regierungschef Chamberlain am 31. März 1939 im englischen Parlament öffentlich erklärte hatte, dass im Falle eines Krieges zwischen Deutschland und Polen Frankreich und besonders England „mit all seinen Streitkräften und Mitteln“ Polen militärischen Beistand leisten wollten.

Nach diesen ausschließlich gegen Deutschland gerichteten bedrohlichen englisch-polnischen Maßnahmen entschloss sich Hitler schließlich angesichts der Bedrohung von inzwischen 700000 polnischen Soldaten direkt an den Grenzen zu Deutschland am 3. April zur Gegenmaßnahme mit militärischen Vorbereitungen, also der Weisung an die Wehrmacht, nämlich den „Fall Weiß“.

Die englische Regierung stellte Polen sogar eine Art „Blankoscheck“ aus, indem sie versprach, Polen in einem Krieg gegen Deutschland auch dann militärisch beizuspringen, wenn eine polnische Regierung nur zu erklären braucht, dass Deutschland militärische Gewalt gegen Polen ausübte, aber auch dann, wenn die von Deutschland getrennte Danziger Bevölkerung sich gegen Polen erhebt. Zusätzlich zu dieser eigenartigen englisch-polnischen Konstellation warnte dann auch noch der kontinentferne US-Präsident Roosevelt drei Wochen vor Kriegsausbruch die polnische Regierung, die er wortwörtlich beschwor: „Die Geschichte darf nicht bezeugen, dass der erste Akt militärischer Aggression von Polen durchgeführt wird.“

Dieser englisch-polnische Beistandspakt wurde schließlich mehrmals bis weit in den August 1939 hinein ausschließlich zugunsten Polens von beiden Vertragsparteien modifiziert. Und er war einzig und allein nur gegen einen bereits im Mai und September 1938 von England damals noch vergeblich ausgesuchten Aggressor, der natürlich Deutschland hieß, also gegen keinen anderen möglichen Kriegsgegner Polens, gerichtet.

Dass über die deutschen Flüchtlinge aus Polen in den NS-Medien nichts veröffentlicht werden durfte − diese Führeranweisung bestand schon ab 1934, dem Jahr des deutsch-polnischen Freundschafts- und Nichtangriffsvertrages. Hitler hob sie leider viel zu spät auf, nämlich erst nach dem polnischen Vertragsbruch im Frühjahr 1939.

Die Verfolgung von Deutschen im dank der Siegermächte wieder erstandenen zu groß geratenen Polen fand ab 1919 ohne Unterbrechung statt und sogar noch verstärkt nach dem deutsch-polnischen Hitler-Pilsudski-Vertrag von 1934. Bereits ab 1937 wurden die in Polen lebenden Deutschen zur Vorbereitung für die Internierung und Liquidierung in polnischen KZ sogar in drei Kategorien selektiert: in Staatsfeinde in Rot, Missliebige in Rosa und Unzuverlässige in Gelb.

Diese polnischen Rassegesetze fanden nicht nur Anwendung gegen Deutsche, sondern auch gegen alle anderen nichtpolnischen Volksgruppen, besonders gegen die dort größte Volksgruppe: die dreieinhalb Millionen polnischen Juden, die nach den Plänen der polnischen Regierung gemäß Endlösung der polnischen Judenfrage von 1935 bis 1939 aus Polen zwangsweise ausgesiedelt werden sollten.

Ingo Schewiola, Hamm

 

 

Sitz zur Freude

Zu: „Zitaten-Bänke“ zieren Königsberg (Nr. 34)

Es gibt doch immer wieder neue erfreuliche Ideen! Wir unvollkommenen Menschen sollten regelmäßig innehalten und uns um Besserungen und Verschönerungen bemühen. Gütig-kluge Menschen bringen uns mit ihren öffentlichen Königsberger Sitzbänken mit Zitaten auf einen guten Weg zur Freude von jung und alt. Mögen baldigst überall „Zitaten-Bänke“ stehen.

Elfriede Hardt, Bad Münder


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Über Nacht eine Bohrinsel
Cranz: Königsberger Lukoil-Tochter sucht in der Ostsee nach Öl – Bürger befürchten Umweltkatastrophe

Über Nacht ist unmittelbar vor der Cranzer Seepromenade eine Bohrinsel aufgetaucht. Die Nachfrage besorgter Anwohner bei den Behörden ergab, dass hier die Königsberger Lukoil-Tochter den Grund der Ostsee nach Erdölvorkommen absucht. Die überraschten Bürger zeigen sich besorgt ob der Gefährdung der Umwelt, sollte tatsächlich Öl gefunden und gefördert werden.

Gewöhnlich gibt es an der Ostseeküste des Kurorts Cranz wenig Spektakuläres zu sehen. Urlauber suchen hier Erholung von der Hektik des Alltags. Die Besucher der zahlreichen Cafés und Restaurants, die entlang der neuen Promenade flanieren, blicken gewöhlich auf eine friedliche glatte Meeresoberfläche, so weit das Auge reicht. Hier gibt es weder Kutter noch Jachten oder Sportboote. Hin und wieder sieht man Freizeitsportler auf Wassermotorrädern übers Meer rasen. Seit der Marinestützpunkt im etwa 20 Kilometer entfernten Neukuhren eingestellt wurde, sieht man kaum noch Schiffe in Küstennähe. Jedes vorbeischwimmende Objekt ist eine Attraktion.

So staunten in Cranz verweilenden Urlauber in diesem Sommer nicht schlecht, als sie eines Morgens auf die Promenade gingen und nicht etwa nur ein Fischerboot, sondern eine riesige Bohrinsel sahen, die quasi aus dem Nichts vor der Cranzer Promenade erstanden war. Zwar war die Bohrinsel auch vorher schon zu sehen gewesen, aber da konnte man sie mit bloßem Auge am Horizont kaum erkennen, so dass sie wenig Beachtung gefunden hatte. Doch nun bestaunten die Urlauber das außergewöhnliche Objekt neugierig wie eine Weihnachtstanne. Da auf der Bohrinsel nach Sonnenuntergang viele Lichter und Scheinwerfer schimmern, erinnert sie an Festbeleuchtung. Doch ziemlich schnell schlugen die ersten Emotionen der Neugier in Sorge um. Spaziergänger auf der Promenade diskutierten über den Grund für das Auftauchen der monströsen Konstruktion in unmittelbarer Nähe zum wenig vorhandenen Strand.

Da niemand den Grund für das plötzliche Auftauchen der Bohrinsel an der Küste kannte, zeigten sich die Cranzer Bewohner besorgt. Sofort begannen die wildesten Spekulationen. Das ist verständlich, denn wer möchte schon in der Nähe einer Ölbohrinsel Urlaub machen oder dort wohnen mit der ständigen Gefahr einer Umweltkatastrophe. Die Menschen wollten es dann genau wissen. Sie bombardierten Behörden, Zeitungen und öffentliche Einrichtungen mit Anrufen.

Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine Selbsthebebohranlage mit der Bezeichnung „Arktische“ der Firma „Fertoing“. Diese Firma wurde 2003 gegründet als Abteilung für technische Studien der Firma „Morstroj“, die zu diesem Zeitpunkt schon ein breites Spektrum an See- und Unterwasserforschungen durchgeführt hatte. Die vor Cranz eingesetzte Anlage ist im Dezember 2012 in Betrieb genommen worden. Sie kann Bohrungen bis zu einer Tiefe von sechseinhalb Kilometern vornehmen. Die Plattform ist über der Wasseroberfläche an drei Säulen von fast 140 Metern Höhe befestigt. Sie verfügt über einen Wohntrakt, in dem die Diensthabenden wohnen und über einen Hubschrauberlandeplatz.

Die Untersuchungen und die Probennahmen sind im Auftrag der Ölgesellschaft „Lukoil-Kaliningradmorneft“ erfolgt, die zum Konzern Lukoil gehört. Die drei Kilometer vor der Küste liegende Bohranlage untersucht den Meeresboden auf das Vorhandensein von mineralischen Ressourcen und Kohlenwasserstoffvorkommen. Bis zum Sommer 2015 sind weitere Bohrungen zur gründlichen Erforschung von Ölvorkommen auf dem Grund der Ostsee vor der Region Königsberg geplant.

Das wirft natürlich die Frage auf, was auf Cranz zukommt, wenn sich wirklich in unmittelbarer Nähe des Strandes signifikante Ölvorkommen auftun? Dann könnten Ölbohrinseln für viele Jahre ein alltäglicher Bestandteil der Silhouette des Kurorts werden, die Urlauber Tag und Nacht „bewundern“ könnten.

Jurij Tschernyschew


Königsberg droht Abfluss fremden Kapitals
Noch halten sich die Folgen der Sanktionen des Westens und der russischen Gegensanktionen in Grenzen

Die Eskalationspolitik des Westens im Zusammenhang mit der Ukrainekrise droht nun auch negative Auswirkungen auf Königsberg zu entfalten. So meinte die Wirtschaftsministerin des Königsberger Gebiets, Anastasia Kusnezowa, gegenüber Interfax, dass infolge der Sanktionen der Europäischen Union gegen die Russische Föderation und der daraufhin verhängten Gegenmaßnahmen Moskaus auch Königsberg vom Abfluss ausländischen Kapitals betroffen sei.

Die Struktur der Investitionen in die Wirtschaft Königsbergs habe sich deshalb bereits verändert. Im ersten Halbjahr war mit einem Anwachsen der staatlichen und privaten Investitionen im Umfang von sieben Prozent gerechnet worden, was eine absolute Investitionssumme im Könnigsberger Gebiet in Höhe von 72,5 Milliarden Rubel (fast 1,5 Milliarden Euro) erwarten ließ. Mit einem Plus von 15,5 Prozent wurde diese Erwartung sogar noch überboten. Dennoch warnt man im Wirtschaftsministerium vor Euphorie, da es zu Kapitalabflüssen kommen werde.

Allerdings wollen sich zahlreiche Investoren nicht durch die aggressive Konfrontationspolitik des Westens von Engagements in der Königsberger Region abschrecken lassen. So wollen beispielsweise Unternehmen aus Norwegen, Dänemark und Thailand für 2,5 Milliarden Rubel (knapp 51 Millionen Euro) ihre Schweineproduktion vor Ort bis zum Jahre 2016 ausweiten. Und die Automobilfabrik Avtotor stattet, so berichtet der „Königsberger Express“, ihre Produktionshallen mit neuen Schweiß- und Stanzmaschinen aus. Diese seien bereits per Schiff von Südkorea nach Pillau [Baltijsk] geliefert worden. Anfang dieses Monats soll die neue Technik aufgestellt und in Betrieb genommen worden sein.

Was den täglichen Einkauf anbelangt, merken die Kunden wenig von einer Sanktionsspirale. Obwohl Russland einen Importstopp für Lebensmittel aus den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union und einigen anderen Ländern verhängt hat, sind die Regale gut gefüllt. Die unter die Sanktionen fallenden Waren machen „Russland Heute“ zufolge nur rund 16 Prozent des gesamten Königsberger Importvolumens aus.

Bereits seit Mitte August erhält die Exklave Äpfel und Tomaten aus Serbien sowie Weintrauben aus Malaysia. Wie die stellvertretende Zolldirektorin des Königsberger Gebietes, Swetlana Kumanjewa, mitteilt, werden zudem Verträge mit Lieferanten aus Weißrussland, der Türkei, Israel und mehreren Ländern Südamerikas geschlossen.

Gouverneur Nikolaj Zukanow befürchtet trotzdem, dass es im Laufe der nächsten Monate zu Engpässen in der Lebensmittelversorgung kommen könnte. Denn die Einzelhandelsketten hatten stets in erster Linie auf polnische und litauische Zulieferer gesetzt und sich nicht von diesen Lieferungen unabhängig gemacht – etwa durch die Schaffung eigener Kapazitäten zur Lagerung von Obst und Gemüse. Dies solle nun zügig nachgeholt werden.

Zu den fehlenden Lagerkapazitäten kommt die Bürokratie. Der Zoll und die Aufsichtsbehörde des russischen Landwirtschaftsministeriums verschärften mit dem Importverbot die Anforderungen an die Frachtpapiere für die Einfuhr von Obst und Gemüse. So bilden sich an der Grenze immer länger werdende Lkw-Schlangen. Ende August blieben sechs Lastwagen mit verderblichen Lebensmitteln im Zwischenlager INMAR hängen und wurden erst abgefertigt, nachdem der Königsberger Minister für Wirtschaftspolitik persönlich interveniert hatte. Ali Özkök


MELDUNGEN

Bier aus Braunsberg

Braunsberg – Nachdem die Braunsberger Brauerei einige Jahre lang leer gestanden hatte, wird in ihr dank einer Investition der Brauerei Namysłów ab Ende kommenden Monats wieder Bier gebraut. Das Gebäude wurde im Februar dieses Jahres gekauft und mittlerweile arbeiten dort schon 70 Personen. Das Bierbrauen hat in Braunsberg eine lange Tradition. Diese Brauerei wurde von Karol de Roy 1854 gegründet. Nach dem Krieg wurde hier unter anderem das berühmte „EB-Bier“ produziert. Die Qualität des Braunsberger Biers kommt von dem reinen Trinkwasser, das aus dem dortigen artesischen Brunnen kommt. E.G.

 

Jäger retteten Elch mit Waffe

Altkirchen – In der Umgebung des masurischen Dorfes Altkirchen [Swietajno], Kreis Ortelsburg, haben Jäger der Gemeinschaften „Jelen“ und „Rogacz“ sowie Puppener Förster mit Unterstützung der örtlichen Bevölkerung einen Elch gerettet, der sich im Stacheldraht verheddert hatte. Dank des Tierarztes aus Ortelsburg, der eine Spezialwaffe zum Betäuben von Tieren besitzt, gelang es, den Elch zu betäuben und während seines Schlafes den im Geweih stark verhedderten Stacheldraht zu zerschneiden. In den folgenden Stunden beobachteten die örtlichen Förster das Tier, bis es in der späten Nacht wieder zu vollem Bewusstsein kam. PAZ

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7: Verkehrsknoten: Elbing Ost [Elblag Wschód], Baustelle. Straße Nr. 16: Bergfriede [Samborowo] – Wirwajdy, Baustelle; Erlenau [Olszewo] – Drosdowen [Drozdowo], Baustelle; Nikolaiken [Mikołajki], Baustellen; Kreuzdorf [Krzyzewo] – Reiffenrode [Prawdziska], Baustelle. Straße Nr. 16c: Allenstein [Olsztyn] – Wartenburg [Barczewo], Baustelle. Straße Nr. 22: Elbing [Elblag] – Rehfeld [Grzechotki], Baustelle. Straße Nr. 53: Ortelsburg [Szczytno], Renovierung der Bürgersteige. Straße Nr. 57: Klein Schöndamerau [Trelkówko] – Eichtal [Debówko], Baustelle; Ortelsburg [Szczytno], Renovierung der Straßen. Straße Nr. 58: Kurken [Kurki], Brückenbau, einspurig. Straße Nr. 58b: Johannisburg [Pisz], Czernieckiegostraße, Baustelle. Straße Nr. 59: Sensburg [Mragowo] – Peitschendorf [Pie-cki], Baustelle. Straße Nr. 63: Primsdorf [Prynowo], Renovierung der Brücke; Angerburg [Węgorzewo], Renovierung der Bürgersteige; Angerburg [Wegorzewo], Kreuzung – Bema- und Wojska-Polskiego-Straße, Baustelle; Arys [Orzysz] – Johannisburg [Pisz], Baustelle. Straße Nr. 65: Prostken [Prostki] – Bogusze, Baustelle. PAZ


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

Einspruch Euer Ehren – nein, so hat unser Landsmann Peter Perrey sein Schreiben nicht eingeleitet, mit dem er noch einmal zu dem Fischkutter BX 706 Stellung nimmt – hätte er aber können, denn er legt in höflicher Form ein Veto ein. Als wir in Folge 35 die Geschichte von dem Rettungsring des Kutters „Frisches Haff“ und die damit zusammenhängende Chronik des betreffenden Schiffes brachten, die Herr Peter Timnik aus Westerrrönfeld für unsere Familienseite geschrieben hatte, dachte ich, dass diese erfolgreiche Suchgeschichte nun ein Ende gefunden hätte. Hat sie aber nicht, wie wir nun sehen, denn Peter Perrey bringt Argumente ins Spiel, die konträr zu denen von Herrn Timnik stehen, und so wird sich über unsere Familie sicherlich ein klärender Dialog zwischen den beiden Herren entwickeln. Unsere Ostpreußische Familie als Forum, was ja auch eine ihrer Hauptaufgaben ist, denn sie soll Themen zur Diskussion stellen, die aus unserem Leserkreis an uns herangetragen werden. Also noch einmal zu dem Kutter Frisches Haff BX 706, dem ehemaligen Kriegsfischkutter KFK 522, dessen Geschichte Herr Timnik bis zum Umbau zur Motorsegelyacht „Deborah“ und deren Untergang in der stürmischen See vor der spanischen Küste im Jahr 1986 dokumentiert hat. Herr Perrey beanstandet nur eine Erklärung, nämlich dass nach Herrn Timriks Ausführungen die Bezeichnung BX eine Kennung der britischen Besatzungsmacht sei. Dies zur Erklärung für das Monitum von Herrn Perrey, das wir im Wortlaut bringen:

„Dass ich auf Peter Timniks Ausführungen zum Kfk ,Frisches Haff‘ (BX 706) noch einmal eingehen müsse, hätte ich nicht gedacht. Schon in der Folge 18 der Ostpreußischen Familie hatten Sie freundlicherweise meine Erklärungen zu dem Fahrzeug abgedruckt, die unter anderem auf einer entscheidenden Auskunft von Herrn Bernhard Mey aus Heikendorf – früher Lochstädt – beruhten. Darin war ich auch auf die Bedeutung der BX-Kennung des Kutters eingegangen.

Es ist leider unrichtig, wenn Herr Timnik nun zum BX ausführt, „der Buchstabe B steht für British, X steht für Bremerhaven“. Ich füge Ihnen als Anhang die Abbildung des Bremerhavener Seitentrawlers BX 15 bei, der im Jahr 1891 vom Stapel lief und bereits 1903 (!) im Orkan sank. Die Bremerhavener Eigner dieses Fahrzeugs dürften ihr Schiff nach der Kaiserzeit wohl kaum im vorauseilenden Gehorsam gegenüber der späteren britischen Besatzungsmacht gekennzeichnet haben. Nein, BX ist eines der traditionellen Kennzeichen für die Bremerhavener Hochseefischerei und hat mit den Briten nichts zu tun. Bremen und Bremerhaven waren eine Exklave der US-amerikanischen Besatzungszone in Süddeutschland und standen daher nicht unter britischer Militärverwaltung.“

Soweit also die an uns gerichtete E-Mail von Herrn Peter Perrey aus 31535 Neustadt. Zum Beweis seiner Ausführungen bringen wir das Foto des Bremerhavener Seitentrawlers mit der deutlich sichtbaren Kennung BX 15. Da unsere Heimat ja ein einziges großes Wasserparadies ist, dürfte diese Geschichte ihre interessierte Leserschaft finden, zumal der KfK 522 in den letzten Phasen des Zweiten Weltkrieges auch im Geleit- und Flüchtlingsdienst von Hela aus eingesetzt wurde und somit Flüchtlingen und Soldaten das Leben gerettet hat, wie Peter Timnik in seiner Bootschronik dokumentiert. Warten wir ab, ob es sich nun um eine „endliche“ Geschichte handelt oder ob und wie sie weitergeht.

Auch die Geschichte von dem Denkmal des Walther von der Vogelweide findet eine Fortsetzung, die eigentlich eine Rückschau ist, denn unser aufmerksamer Leser Wolfgang Reith aus Neuß erinnert sich noch gut an die unversehrte Skulptur. Vor allem deshalb, weil er noch zu einem anderen Denkmal, das dem Minnesänger gewidmet ist, eine Beziehung hat: Es steht auf dem Waltherplatz in Bozen in Südtirol, und Herr Reith hat an Ort und Stelle die Wiederaufstellung des dortigen Walther-von-der-Vogelweide-Denkmals miterlebt. Es war, wie er schreibt, während der faschistischen Regierungszeit entfernt worden, weil es deutsches Kulturgut war. In Königsberg hatte er eigentlich nicht ein Standbild des Minnesängers erwartet, und deshalb war er sehr überrascht, als er bei seinem ersten Besuch in der ostpreußischen Heimat im Jahr 1993 – vorher konnte er nicht dorthin, weil er als Reserveoffizier der Bundeswehr eine hohe Sicherheitsstufe erworben hatte – das Denkmal entdeckte. Herr Reith schreibt:

„Damals war der Dom ja noch eine Ruine, und in den folgenden Jahren haben wir dann den schrittweisen Wiederaufbau miterlebt. Auf der verwilderten Wiese neben der Domruine standen einige Skulpturen, die den Krieg überdauert hatten, etwas verloren herum, darunter auch jene des Walther von der Vogelweide. Mit Beginn des Wiederaufbaues des Doms verschwanden die umherstehenden Monumente und, wie Herr Pekrul richtig schreibt, kam die Fuhg-Skulptur in den Innenhof der Universität. Wann das geschah, kann ich leider nicht sagen, es müsste wohl vor dem Jahr 2000 gewesen sein“.

Herr Reith hatte damals ein Foto von dem noch unversehrten Denkmal zwischen Unkraut und Wildwuchs gemacht, und so konnte er uns nun einen Abzug übermitteln, den wir auf seinen Wunsch hin an Herrn Pekrul weiterleiten, dessen letzte „Königsberger Wanderung“ bei unseren Lesern viel Anklang gefunden hat.

Eine erfreuliche Resonanz kann auch der Buchautor Heinz Timmreck verzeichnen, dessen zweite Dokumentation „Flucht mit der Bahn 1944/45“ ihrer Vollendung entgegen sieht. Wir hatten über das Projekt in Folge 32 berichtet und unsere Leser gebeten, Herrn Timmreck noch mit eventuell vorhandenen Fotos von der Flucht zu unterstützen. In diesem Zusammenhang suchte er den Leser, dessen von ihm eingesandtes Foto im Ostpreußenblatt, Folge 4/1974, erschienen war. Es zeigt einen von Königsberg kommenden Zug, der auf der Fahrt nach Berlin die Marienburg passiert! Als Einsendername ist „Kahrau“ angegeben. Da Herr Timmreck dieses Foto gerne als Titelbild verwenden möchte, ist ihm an der richtigen Quellenangabe sehr gelegen. Leider hat sich bisher niemand gemeldet, der auf den damaligen Einsender hinweisen kann. Dafür hat es aber eine rege Zustimmung zu dem geplanten Ergänzungsband gegeben und erfreuliche, für das Buch verwertbare Zuschriften. So erhielt Herr Timmreck von Frau Dorothea Blankenagel ein Foto von der Kleinbahn, mit der sie am 24. Januar 1945 von Neuhausen zu den Großeltern nach Königsberg flüchtete – sozusagen ihr letzter Zug. Denn vier Tage später erfolgte dann von Pillau aus die Flucht über See – das weckt Erinnerungen, denn auch ich war zur gleichen Zeit in Pillau. Zu einer persönlichen Begegnung zwischen dem Autor und einem für ihn wichtigen Zeitzeugen kam es durch Zufall in Hamburg, dem neuen Wohnort von Herrn Timmreck. Hier traf er sich mit Herrn Heinrich Wormitt, der in dem ersten Doku-Band „Letzte Flüchtlingszüge aus Ostpreußen“ einen Beitrag entdeckt hatte, der ihn selber betraf. Es handelte sich um einen Bericht des damaligen Zugführers Erich Stiemer über den Flüchtlingszug, in dem auch Heinrich Wormitt mit Mutter, Schwester und Bruder gewesen war. Er hat darüber einen elf Seiten langen Bericht geschrieben, der etwas verkürzt nun den neuen Band bereichern wird.

In diesem wird auch ein Beitrag von Helmut Herrmann zu finden sein, den wir auf unserer Familienseite in Folge 9/2013 veröffentlichten. In ihm schildert Herr Herrmann seine Rettung als Patient des Allensteiner Marienkrankenhauses mit dem wohl einzigen Zug, der Allenstein am 22. Januar 1945 verließ. Während sein Vater, der sich mit großer Wahrscheinlichkeit im vorderen Teil des Zuges befand, noch über die Weichsel kam, erlebte der Sohn im abgekoppelten Wagen eine Irrfahrt, bis er schließlich nach Pillau und damit auf ein rettendes Schiff gelangte. Der neue Doku-Band „Flucht mit der Bahn 1944/45“ wird, wie man sieht, zu einer authentischen Dokumentation über die letzten Fluchttage werden, die zusammen mit dem ersten Band durch die Vielzahl von unterschiedlichen Beiträgen ein umfassendes und unbestechliches Bild jenes furchtbaren Geschehens vermittelt. (Heinz Timmreck, Kriemhildstraße 15D in 22559 Hamburg-Rissen,Telefon 040/85505123, E-Mail: mail@heinz-timmreck.de)

Ein anderer Anruf, den Herr Timmreck erhielt, bezog sich nicht nur auf seine Angelegenheit, sondern auch auf eine andere in Folge 32 veröffentlichten Frage, die ein ähnliches Schicksal behandelt wie das von Helmut Hermann Geschilderte. Denn so wie er lag auch Hans-Georg Gusek im Krankenhaus, als der große Exodus begann, allerdings in Sensburg. Der Transport des Bettlägerigen erfolgte in verschiedenen Zügen, bis er in Pillau auf ein größeres Schiff gebracht wurde und von dort sicher über See nach Travemünde kam. Herr Gusek wollte nun mehr über seinen Fluchtweg wissen, da er ja damals erst sechs Jahr alt war und nur einige gravierende Eindrücke in der Erinnerung verblieben. Nun zu dem Anruf von Herrn Grünfelder bei Herrn Timmreck, der sich genau auf diese Situation in Pillau bezog. Herr Grünfelder gehörte damals zur Besatzung des Schweren Kreuzers „Admiral Scheer“. Er musste an der Pier Verwundete aus einem ankommenden Lazarettzug entladen, die anschließend auf die Passagierschiffe „Berlin“ und „Monte Rosa“ eingeschifft wurden. Er erinnerte sich an einen Jungen, bei dem es sich um den sechsjährigen Hans-Georg Gusek handeln könnte, wie er meint. Fast gleichzeitig erhielt ich von Herrn Gusek einen Bescheid über seine inzwischen erworbenen Erkenntnisse in Kurzform: „In der Zwischenzeit erfuhr ich, dass mein Schiffstransport von Pillau nach Swinemünde am 25. Januar 1945 startete mit dem KdF-Dampfer ,Robert Ley‘, den beiden Afrika-Linern ,Pretoria‘ und ,Ubena‘, dem Essberger-Dampfer ,Duala‘ und mit zwei Schiffen aus Königsberg, ,General San Martin‘ und ,Der Deutsche‘. Am 28. Januar erreichten wir unseren Zielhafen.“ So viel für heute. Zu diesen Vorgängen werden wir mit Sicherheit noch weitere Zuschriften bekommen.

Eure Ruth Geede


Beim masurischen Plon wurde tüchtig geschwaukst
Uralte Erntebräuche hatten sich noch bis in unsere Zeit gerettet

Kein Fest wurde im alten Ostpreußen so fröhlich gefeiert wie das Erntefest. Und wenn eine gute Ernte eingefahren und alles sicher unter Dach und Fach war, dann kannte die Fröhlichkeit keine Grenzen. Dann waren Schweiß, Schmerz und Sorge vergessen, die es in den harten Augustwochen in reichem Maße gegeben hatte, dann wurde mit Spruch und Lied dem Herrgott gedankt und dem Hofbesitzer die Erntekrone überreicht. Was dann begann, war ein munteres Spiel, das vor allem zwischen den Geschlechtern ausgetragen wurde wie zum Beispiel beim masurischen Plon – ein Brauch, der aus uralten Quellen gespeist wurde, und das im wörtlichen Sinne, denn es war ein Spiel mit Wasser, das als Kraftspender die müden Lebensgeister wieder erwecken sollte. Es wurde tüchtig „geschwaukst“ – mit reichlich Wasser, aus einem der vielen masurischen Seen geschöpft, das in hölzerne Eimer und Bottiche gefüllt für die große Wasserschlacht schon rechtzeitig bereitgestellt wurde. Zuerst begann alles ganz feierlich, wie sich eine alte Masurin erinnerte – als Hedwig von Lölhöffel sie für einen Arbeitsbrief der Landsmannschaft Ostpreußin nach dem Plon befragte –, aber dann:

„Feierlich wurde der Plon, die letzte Garbe, vor das Haus gebracht. Wenn das Lied ,Wir schneiden den Plon‘ verklungen war, bekamen Hauer und Mädchen mit Eimern und Stüppeln Wasser über den Kopf gegossen, dass sie nur so trieften. In manchen Gegenden begossen die Mädchen die Männer, und dann wurden sie dafür in den Teich getaucht.“ Im Danziger Werder musste die langsamste Binderin unter die Vorlaube des Hauses treten und bekam ihren Wasserguss von oben herab. Aber das wurde alles mit Lachen ertragen, denn das Erntefest wurde ja – nachdem das letzte Fuder eingefahren war – noch im warmen September gefeiert. Im trockenen Sonntagsstaat ging es dann zur fröhlichen Feier auf den Speicher – und daran erinnerte sich eine ebenfalls von Hedwig von Lölhöffel befragte Ostpreußin nur zu gerne:

„Auf dem Speicher wartete schon das eigens für das Fest gebraute Austbier, das für manchen Landarbeiter das Schönste vom ganzen Jahr war. Wen es auch große Schufterei gegeben hatte auf dem Kornschwatt und beim Einfahren – die Freude auf das Austbier ließ alles vergessen. Aber zuvor wurde ja dem Bauernpaar die Erntekrone überreicht. Die hatten die Mädchen mit Wischern aus allen Getreidearten auf der Scheunendiele geflochten, denn die Krone war ja ziemlich groß, weil sie über große Bügel geflochten wurde. Sie hatten dann auch Schleifen und Blumen von buntem Papier daran gebunden oder Strohblumen angebracht. Bei der Feier am frühen Nachmittag hatten sich alle Hofleute von der ältesten Großmutter bis zum kleinsten Kind vor dem Haus versammelt, die Musikanten spielten, es wurden Lieder gesungen, der Bauer bedankte sich für den Fleiß und die Mühe bei allen, die mitgeholfen hatten, die Ernte sicher unter Dach und Fach zu bringen. Und dann kam der Höhepunkt, denn eines der Mädchen überreichte nun dem Bauernpaar die Erntekrone mit dem Spruch:

,Ich bring’ der Herrschaft eine Krone von Korn. / Sie ist gewachsen in Distel und Dorn / hat ausgestanden Schnee, Hagel und Regen / Ich wünsch der Herrschaft viel Glück und Segen. / Und die von dem Korn werden essen / werden den lieben Gott nicht vergessen.‘

Dann gab es erst mal für jeden einen Schnaps und es ging – die Musikanten voran – über den Hof und geschlossen zum Speicher und die hohe Treppe hinauf, denn da oben war genug Platz zum Tanzen. Es war eine schöne Musikkapelle, so bis fünf, sechs Mann, und es war Blechmusik, denn es musste ja ordentlich dröhnen. Vor dem Tanzen gab es aber noch Kaffee und richtig Fladen, auch Pirock mit Zucker und Kaneel drauf, die Frau hatte ordentlich gebacken. Und dann haben wir gesungen und gespielt, ja manchmal haben wir richtig Theater gespielt, und dann wurde getanzt. Ach, was haben wir getanzt! Die ganze Nacht hindurch. Einer von den Hofleuten packte die Bauersche zum Ehrentanz. Wir haben so viel gescherbelt, dass die Füße schon nicht mehr in den Schuhen Platz hatten. Und dann ging ich an den Fluss, huckte mich auf den Steg, hing die Füße rein und kühlte sie. Das war das schönste Fest vom ganzen Jahr, das Austbier!“

Soweit die Erinnerungen dieser Ostpreußin, vor einigen Jahrzehnten aufgeschrieben. Manche Leserinnen und Leser werden die Erntefeste ihrer Kindheit und Jugendzeit vielleicht anders in Erinnerung haben, denn gerade diese Festlichkeiten wurden unterschiedlich gefeiert, da es ja sozusagen „betriebsinterne Feiern“ waren, die oft noch vor dem offiziellen Erntedanktag stattfanden, der in den geschmückten Kirchen die ganze Gemeinde vereinte. Viele regional gebundene Bräuche gingen nach dem Ersten Weltkrieg verloren. Ich denke da an den „Bobas“, wie im nördlichen Ostpreußen die letzte Garbe genannt wurde, die in einem Winkel der Gesindestube aufgehängt wurde und deren Körner der ersten Aussaat beigegeben wurden. Wenn wir nun den Erntedanktag feiern, dann sollte man schon einen Blick zurückwerfen und daran denken, wie schwer unsere Vorfahren ihr „täglich Brot“ verdienen mussten und wie dankbar sie waren, wenn die Ernte trocken und sicher geborgen war. R.G.


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 103. GEBURTSTAG

Berndt, Erika, geb. Brehm, aus Lyck, Hindenburgstraße 63, am 27. September

ZUM 101. GEBURTSTAG

Schink, Hugo, aus Eisenberg, Kreis Heiligenbeil, am 24. September

ZUM 98. GEBURTSTAG

Barthel, Hildegard, geb. Kruse, aus Regeln, Kreis Lyck, am 30. September

ZUM 97. GEBURTSTAG

Heer, Lore, geb. Tiedemann, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 28. September

Kopp, Margarete, geb. Berg, aus Kleeburg, Kreis Elchniederung, am 27. September

Lucka, Charlotte, geb. Pawellek, aus Saadau, Kreis Ortelsburg, am 2. Oktober

ZUM 95. GEBURTSTAG

Blömke, Otto, aus Nodems, Kreis Samland, am 29. September

Blum, Walter, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 2. Okto-ber

Brauns, Willi, aus Kniprode, Kreis Neidenburg, am 1. Okto-ber

Emmermann, Gertrud, geb. Gaedtke, aus Lindental, Kreis Elchniederung, am 28. September

Hartebrodt, Erna, geb. Nimzik, aus Treuburg, am 3. Oktober

Klotzek, Ernst, aus Davidshof, Kreis Ortelsburg, am 2. Okto-ber

Krolzig, Emma aus Krokau, Kreis Neidenburg, am 30. September

Lehrhammer, Helene, geb. Neumann, aus Grunau, Kreis Heiligenbeil, am 27. September

Ludwanowski, Ella, geb. Wagner, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 27. September

Mögel, Julius, aus Birkenau, Kreis Wehlau, am 3. Oktober

Pamin, Walter, aus Balga, Kreis Heiligenbeil, am 27. September

Riechert, Erna, geb. Saunar, aus Bolbitten/Kirscheiten, Kreis Heiligenbeil, am 29. September

Ulmer, Herbert, früher Uymowski, aus Bischofsburg, Kreis Neidenburg, am 27. September

ZUM 94. GEBURTSTAG

Appenowitz, Gustav, aus Amalienhof, Kreis Ebenrode, am 26. September

Czarnetzki, Helmut, aus Gartenau, Kreis Neidenburg, am 2. Oktober

Heinrich, Gertrud, geb. Zehrt, aus Herdenau, Kreis Elchniederung, am 28. September

Rosmus, Edith, geb. Jeworrek, aus Giesen, Kreis Treuburg, am 3. Oktober

Schaak, Werner, aus Hoheneiche, Kreis Elchniederung, am 28. September

Stank, Edith, geb. Czarnojan, verwitwete Klein, aus Herzogshöhe, Kreis Treuburg, am 3. Ok-tober

ZUM 93. GEBURTSTAG

Fexer, Ewald, aus Allenstein, am 2. Oktober

Friedrich, Waltraud, geb. Trerziak, aus Kobilinnen, Kreis Lyck, am 27. September

Fuhry, Ruth, geb. Heybeck, aus Grünhayn, Kreis Wehlau, am 27. September

Heidt, Anna, geb. Fleischhauer, verwitwete Skornetzki, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 2. Oktober

Killewald, Ilse, aus Lyck, am 3. Oktober

Kling, Helene, geb. Brinkmann, aus Lyck, Danziger Straße 12, am 27. September

Otto, Emma, geb. Zielske, aus Malshöfen, Kreis Neidenburg, am 3. Oktober

Schulz, Gerda, geb. Guss, aus Rauschen, Kreis Samland, am 2. Oktober

ZUM 92. GEBURTSTAG

Auringer, Karl, aus Neuendorf, Kreis Elchniederung, am 29. September

Bystron, Helena, geb. Keil, aus Wittken, Kreis Elchniederung, am 1. Oktober

Frischmuth, Max, aus Deschen, Kreis Elchniederung, am 1. Oktober

Giebler, Gertraut, geb. Wietz, aus Wehlau, am 30. September

Glas, Gertrud, geb. Aschendorf, aus Auersberg, Kreis Lyck, am 28. September

Lieder, Ursula, geb. Kannenberg, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 128, am 1. Oktober

Schachtner, Hans, aus Wirbeln, Kreis Ebenrode, am 3. Oktober

Wellbrock, Ellen, geb. Czwalina, aus Regeln, Kreis Lyck, am 30. September

ZUM 91. GEBURTSTAG

Balturschat, Paul, aus Grieben, Kreis Ebenrode, am 3. Oktober

Busse, Hildegard, geb. Manneck, aus Backeln, Kreis Samland, am 1. Oktober

Falk, Gustav, aus Heldenfelde, Kreis Lyck, am 29. September

Güttsches, Hildegard, geb. Dettke, aus Rauschen, Kreis Samland, am 27. September

Kopka, Eva-Maria, geb. Reynoss, aus Treuburg, am 2. Oktober

Kraschewski, Hildegard, geb. Lobitz, aus Groß Sakrau, Kreis Neidenburg, am 3. Oktober

Ollesch, Hildegard, geb. Lehmann, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 3. Oktober

Peters, Ursula, geb. Krause, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 29. September

Prikuls, Käthe, geb. Kottowski, aus Baitenberg, Kreis Lyck, am 29. September

Tolkacz, Hildegard von, geb. Pajonk, aus Lötzen, am 28. September

Weiß, Herta, geb. Jedamski, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 29. September

Wiese, Gertrud, geb. Spitz, aus Groß Dirschkeim, Kreis Samland, am 28. September

ZUM 90. GEBURTSTAG

Böttcher, Hildegard, geb. Kulessa, aus Selmenthöhe, Kreis Lyck, am 27. September

Bröckelmann, Eleonore, geb. Rungk, aus Wildenhoff, Kreis Preußisch Eylau, am 28. September

Burow, Erna, geb. Wanagat, aus Groß Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 30. September

Dybus, Irmgard, geb. Dybus, aus Königsruh, Kreis Treuburg, am 28. September

Dyck, Herbert, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 81, am 28. September

Freese, Elfriede, geb. Tolkiehn, aus Wargen, Kreis Samland, am 3. Oktober

Graupner, Christel, geb. Blumstein, aus Neidenburg, am 3. Oktober

Gutzeit, Gustav, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 3. Okto-ber

Kotowski, Hans, aus Wittenwalde, Kreis Lyck, am 2. Oktober

Kratzke, Margarete, geb. Fiergolla, aus Winrichsrode, Kreis Neidenburg, am 30. September

Möckelmann, Ruth, geb. Wölk, aus Germau, Kreis Samland, am 29. September

Onescheit, Ruth, aus Königsberg, Am Hochgericht 2, am 1. Okto-ber

Piassek, Richard, aus Albrechtsfelde, Kreis Treuburg, am 2. Oktober

Powitz, Renate, geb. Rosentreter, aus Irglacken, Kreis Wehlau, am 29. September

Rusch, Elisabeth, geb. Schöffsky, aus Klein Steegen, Kreis Preußisch Eylau, am 2. Oktober

Schmerl, Ella, geb. Glowatz, aus Lyck, am 30. September

Seestädt, Ingeborg, geb. Gröning, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 2. Oktober

Skwirbat, Selma, geb. Kohlert, aus Angertal, Kreis Angerburg, am 5. Oktober

ZUM 85. GEBURTSTAG

Bliese, Wally, geb. Gudduscheit, aus Altschanzenkrug, Kreis Elchniederung, am 1. Oktober

Ebert, Annemarie, geb. Bacher, aus Rauhdorf, Kreis Ebenrode, am 18. September

Gabel, Helga van de, geb. Feyerabend, aus Kalkstein, Kreis Samland, am 2. Oktober

Goerke, Vera, geb. Venohr, aus Rödersdorf, Kreis Heiligenbeil, am 5. September

Hüttmann, Ernst, aus Lötzen, am 3. Oktober

Katke, Erika, geb. Sbresny, aus Regeln, Kreis Lyck, am 27. September

Keiter, Reinhold, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 2. Oktober

Kerstein, Paul, aus Groß Lindenau, am 1. Oktober

Kolberg, Erwin, aus Wilhelmshof, Kreis Ortelsburg, am 29. September

Laskowski, Kurt, aus Reimanswalde, Kreis Treuburg, am 29. September

Lenssen, Madlene, geb. von Glasow, aus Partheinen/Rg. Partheinen, Kreis Elchniederung, am 3. Oktober

Lukesch, Marita, geb. Winkler, aus Rauschen, Kreis Samland, am 1. Oktober

Mattheis, Ilse, geb. Ostwald, aus Peterswalde, Kreis Elchniederung, am 30. September

Nowotzin, Horst, aus Liebenberg, Kreis Ortelsburg, am 2. Okto-ber

Przytulla, Edith, aus Goldenau, Kreis Lyck, am 30. September

Schmidt, Ingeborg, geb. Hübner, aus Leitwarren, Kreis Elchniederung, am 2. Oktober

Schröder, Hannelore, geb. Platzek, aus Baitenberg, Kreis Lyck, am 27. September

Seidler, Gerhard, aus Wehlau, am 1. Oktober

Sellhorn, Otto, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 29. September

Stein, Günter, aus Germau, Kreis Samland, am 1. Oktober

Welsch, Erwin, aus Kreuzingen, Kreis Elchniederung, am 28. September

Zürn, Helga, geb. Ohlendorf, aus Kreuzingen, Kreis Elchniederung, am 29. September

ZUM 80. GEBURTSTAG

Ambrass, Heinz, aus Ginkelsmittel, Kreis Elchniederung, am 30. September

Bandilla, Gerd, aus Mostolten, Kreis Lyck, am 3. Oktober

Böhm, Lucie, geb. Böhm, aus Dorbnicken, Kreis Samland, am 28. September

Böhme, Ursel, geb. Mudek, aus Tannau, Kreis Treuburg, am 2. Oktober

Buhrke, Helmut, aus Nalegau, am 27. September

Ewert, Heinz, aus Drugehnen, Kreis Samland, am 3. Oktober

Gellner, Hans, aus Wallenrode, Kreis Treuburg, am 3. Oktober

Glanert, Günter, aus Rogonnen, Kreis Treuburg, am 2. Oktober

Grubert, Ingrid, geb. Schäfer, aus Hüttenfelde, Kreis Tilsit-Ragnit, am 29. September

Gruschkus, Hannelore, aus Lyck, am 3. Oktober

Henn, Hannelore, geb. Eggert, aus Bobern, Kreis Lyck, am 1. Ok-tober

Jeschkeit, Ruth Traute, geb. Czock, aus Neidenburg, am 30. September

Knorr, Werner, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 28. September

Körner, Elfriede, geb. Polakowski, aus Spirgsten, Kreis Lötzen, am 28. September

Krenz, Erna, geb. Michalski, aus Ramecksfelde, Kreis Lyck, am 30. September

Ludorff, Siegfried, aus Waldwerder, Kreis Lyck, am 3. Oktober

Mahler, Alfred, aus Wehlau, am 28. September

Markowski, Reinhold, aus Groß Blumenau, Kreis Ortelsburg, am 30. September

Palfner, Barbara, geb. Lindenblatt, aus Battau, Kreis Samland, am 3. Oktober

Radmacher, Heinz, aus Postnicken, Kreis Samland, am 30. September

Rattay, Alfons, aus Bobern, Kreis Lyck, am 30. September

Reichelt, Charlotte, geb. Klingschat, aus Germingen, Kreis Ebenrode, am 27. September

Rohlfs, Dorothea, geb. Symanowski, aus Gedwangen, Kreis Neidenburg, am 30. September

Rosinski, Waltraut, geb. Kniest, aus Wittingen, Kreis Lyck, und aus Lengfried, Kreis Ebenrode, am 29. September

Schaible, Edeltraud, geb. Schmidt, aus Köllmisch Linkuhnen, Kreis Elchniederung, am 29. September

Teichert, Werner, aus Ragnit, Hindenburgstraße 23c, am 29. September

Thierbach, Waltraud, geb. Schulz, aus Kleinwarschen, Kreis Elchniederung, am 30. September

Tobias, Günter, aus Wehlau, am 3. Oktober

Uttich, Alfred, aus Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 29. September

Wichmann, August, aus Samplatten, Kreis Ortelsburg, am 1. Oktober

Wittig, Elfriede, geb. Schwarz, aus Nesten, Kreis Tilsit-Ragnit, am 27. September

Zymny, Hans-Dietrich, aus Woiten, Kreis Johannisburg, am 27. September

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bahr, Erich, aus Schölen, Kreis Heiligenbeil, am 30. September

Bolz, Karl Heinz, aus Tawellenbruch, Kreis Elchniederung, am 3. Oktober

Burchardt, Gerda, geb. Trienke, aus Neidenburg, am 28. September

Deptolla, Siegfried, aus Rohmanen, Kreis Ortelsburg, am 1. Oktober

Freitag, Erika-Eva, geb. Kehler, am 1. Oktober

Jeromin, Reinhold, aus Schwiddern, Kreis Treuburg, am 30. September

Korn, Rudi, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 29. September

Kunde, Hildegard, geb. Rose, aus Warnien, Kreis Wehlau, am 28. September

Lapschies, Hannelore, geb. Sotzek, aus Jesken, Kreis Treuburg, am 29. September

Matzick, Manfred, aus Hohenberge, Kreis Elchniederung, am 1. Oktober

Oehsen, Ursula von, geb. Schneider, aus Drusken, Kreis Ebenrode, am 26. September

Pesch, Horst, aus Leißienen, Kreis Wehlau, am 2. Oktober

Poschmann, Siegfried, aus Fürstenwalde, Kreis Ortelsburg, am 27. August

Preuß, Heinz, aus Windkeim, Kreis Heiligenbeil, am 30. September

Sangel, Konrad, aus Gilgetal, Kreis Elchniederung, am 2. Oktober

Schleicher, Edith, geb. Hensel, aus Groß Kuhren, Kreis Samland, am 2. Oktober

Ulbrich, Ingried, geb. Heybutzki, aus Klein Schläfken, Kreis Neidenburg, am 27. September

Zembrzuski, Rosemarie, geb. Borowski, aus Neidenburg, am 29. September


S. 16-17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Ludwigsburg – Mittwoch, 24. September, 15 Uhr, Kronenstuben, Kronenstraße 2: Stammtisch.

Reutlingen – Sonnabend, 4. Oktober, Treffpunkt für Ältere, Gustav-Werner-Straße 6: Erntedankfest. Nach der langen Sommerpause ist bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit zum Plachandern und Schabbern. Zur Programmgestaltung ist es gelungen, die Band der Uni Reutlingen unter der Leitung von Professor Mayer zu engagieren. Hildegard Zaiss ist mit ihren Vorträgen aus dem Programm nicht wegzudenken. Die Erinnerung an Erntezeit und Erntedank in der Heimat soll gemeinsam wachgehalten werden. Erntegabentisch und große Tombola werden, wie all die Jahre vorher, zur Unterhaltung beitragen. Spenden für den Erntegabentisch und die Tombola nimmt Ilse Hunger, Steinachstraße 54, 72770 Reutlingen, Telefon (07121) 54541, entgegen.

Stuttgart – Sonnabend, 4. Okto-ber, 13 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal: Herbstfest der Kreisgruppe mit dem Trio Jurewitz, Hohler, Karle, ein heimatliches, festliches Programm. – Freitag, 10. Oktober, 14.30 Uhr, Haus der Heimat, Gr. Saal, Schloßstraße 92: Kulturelle Veranstaltung der LM Westpreußen, Gäste sind herzlich eingeladen.

Ulm/Neu-Ulm – Sonntag, 5. Oktober, 14.30 Uhr, Auferstehungskirche Böfingen: Heimatgottesdienst. – Sonntag, 12. Oktober, 14.30 Uhr, Ulmer Stuben: Erntefert der Ost- und Westpreußen. Es gibt einen Erntetisch, besinnliche und heitere Vorträge, Lieder des BdV-Chors und Lieder zum Mitsingen. Gäste sind herzlich willkommen.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Ansbach – Sonntag, 5. Oktober, 14.30 Uhr, Orangerie: Tag der Heimat 2014. Festredner: Professor Manfred Kittel, Direktor der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, Berlin. – Freitag, 10. bis Sonntag, 12. Oktober: Gemeinsamer Jahresausflug nach Lüneburg. Busfahrt nach Lüneburg mit Besuch des Ostpreußischen Landesmuseums und in das Kaiserbad Pyrmont.

Bamberg – Mittwoch, 15. Okto-ber, 15 Uhr: Erntedankfeier.

Kitzingen – Freitag, 17. Oktober, 14.30 Uhr, im Bären, Kleinlangheim: Erntedankfeier. Fahrt dorthin nicht mit dem Bus, sondern es werden Fahrgemeinschaften gebildet, deshalb unbedingt anmelden unter Telefon (09321) 4405.

Landshut – Sonnabend, 4. Ok-tober: Ausflug zum Ahornboden in der Eng. Busfahrt.

München – Freitag, 10. Oktober, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Zusammenkunft der Frauengruppe.

Jeden Montag, 18 bis 20 Uhr, Haus des Deutschen Ostens: Ostpreußischer Sängerkreis. Kontakt: Dr. Gerhard Gräf, Offenbachstraße 60, 85598 Baldham, Telefon (08106) 4960.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Bartenstein – Sonnabend, 4. Oktober, 14 Uhr, Rathaus Zehlendorf, Zimmer 21, Kirchstraße 1–3, 14163 Berlin: Erntedankfest mit Tombola. Anfragen bei Elfriede Fortange, Telefon (030) 4944404.

Frauengruppe – Mittwoch, 8. Oktober, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: Treffen der Frauengruppe zum Erntedankfest. Anfragen bei Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Königsberg/Samland/Labiau – Freitag, 10. Oktober, 14 Uhr, Johann-Georg-Stuben, Johann-Georg-Straße 10, 10709 Berlin: Treffen der Gruppen. Informationen bei Prof. Wolfgang Schulz, Telefon (030) 2515995.

Heilsberg/Rößel – Sonnabend, 11. Oktober, 15 Uhr, Seniorenfreizeitstätte „Maria Rimkus Haus“, Gallwitzallee 53, 12249 Berlin: Erntedankfeier. Anfragen für Heilsberg bei Benno Boese, Telefon (030) 7215570, für Rößel bei Ernst Michutta, Telefon (05624) 6600.

Rastenburg – Sonntag, 12. Oktober, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus, Rohrdamm 24 B, 13629 Berlin: Erntedankfest. Anfragen bei Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.

Pillkallen/Stallupönen – Donnerstag, 16. Oktober, 14 Uhr, Haus des Älteren Bürgers, Werbellinstraße 42, 12053 Berlin: Treffen der Gruppe. Anfragen bei Helga Rieck, Telefon (039888) 529000.

Tilsit-Ragnit/

Tilsit-Stadt – Sonnabend, 18. Oktober, 15 Uhr, Ratskeller Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 102, 10585 Berlin: Treffen der Gruppe. Anfragen bei Hermann Trilus, Telefon (03303) 403881.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremen – Im April nächsten Jahres plant die Gruppe eine Fernreise für ihre Mitglieder und Freunde nach Namibia, dem früheren Deutsch-Südwestafrika. Nach einem Direktflug mit der Condor ab Frankfurt nach Windhuk beginnt eine Rundreise zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten, insbesondere auch in die Nationalparks, dem Etoscha-Nationalpark, die Walfischbucht, das Ovamboland und in die Region um den Waterberg. Die Unterbringung erfolgt in der Regel in sehr gut eingerichteten Lodges mit Halbpension. Die Reise findet vom 9. bis 21. April 2015 statt. Telefonische Nachfragen zur Reise sind an den Vorsitzenden der Gruppe, Heinrich Lohmann, unter der Rufnummer (04231) 62626 zu richten (ab 19 Uhr).

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Kippingstr. 13, 20144 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

LANDESGRUPPE

Sonnabend, 27. September, 10 bis 17 Uhr, Gerhart-Hauptmann-Platz, Mönckebergstraße (gegenüber Karstadt): 29. Heimatmarkt der ost- und mitteldeutschen Landsmannschaften mit vielen Angeboten heimatlicher Spezialitäten. Der Ostpreußenstand ist auch dabei. Für Unterhaltung sorgt die „Power-Band 93“ des SV Bergedorf-West von 1971 e.V.

KREISGRUPPE

Gumbinnen – Sonnabend, 18. Oktober, 14 Uhr, Restaurant Lackemann, Litzowstieg 8 (Nähe Einkaufs-Center Quarree, Pkw-Parkhochhaus vorhanden), U1 bis Wandsbek-Markt; dann fünf Minuten Fußweg durch Hausdurchgang. Anmeldung erforderlich bis 15. Oktober bei Schriftführerin Hilde Jansen-Kaydan, Rathenaustraße 53, 22297 Hamburg, Telefon (040) 517931: Gemeinsames Treffen mit der Heimatkreisgruppe Heiligenbeil mit gemeinsamen Programm. Siehe auch Inserat der Heimatgruppe Heiligenbeil. Der Vorstand freut sich auf ein Wiedersehen. Gäste sind herzlich willkommen.

Heiligenbeil – Sonnabend, 18. Oktober, 14 Uhr, Restaurant Lackemann, Litzowstieg Ecke Hinterm Stern: Die Kreisgruppe feiert ihr Herbstfest. Hierzu sind alle Mitglieder und Freunde der Gruppe herzlichst eingeladen, bei Kaffee und Kuchen wollen die Teilnehmer einige gesellige und fröhliche Stunden miteinander verbringen mit einem Vortrag der Polizei Hamburg über seniorenbezogene, kriminalpräventive Themen wie zum Beispiel: „Enkeltrick, Trick-betrug an der Haustür. Enkeltrick? Kenne ich. Falle ich nicht drauf rein! Trickbetrüger an meiner Haustür? Ich bin doch nicht blöd!“ Die Meinung der Gesellschaft über die Opfer dieser Straftaten ist oft nicht positiv. Und doch kann es grundsätzlich jedem passieren! Warum ist das so? Wie gehen die Täter vor und wie kann ich mich schützen? Ein Vortrag im Dialog und zum Verständnis für Senioren. Da dies in letzter Zeit wieder ein ganz aktuelles Thema ist, konnte die Gruppe das Kriminalpräventive Team der Polizei Hamburg für einen Vortrag gewinnen.

Anmeldung bei Lm. Konrad Wien, Telefon (040) 53254950, bis 15. Oktober 2014. Das Restaurant Lackemann ist erreichbar über den Durchgang Hinterm Stern zwischen Wandsbek Quarree und Hotel Tiefenthal, gegenüber der U-Bahnstation Wandsbek Markt.

Insterburg – Die Gruppe trifft sich jeden 1. Mittwoch im Monat (außer Januar und Juli) mit Liedern und kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Osterode – Sonnabend, 11. Oktober, 14 Uhr, Café Prinzess, Alsterdorfer Straße 572, unmittelbar am U- und S-Bahnhof Ohlsdorf: Erntedankfeier. Nach der gemeinsamen Kaffeetafel singen die Teilnehmer Lieder zum Erntedank. Eine Spende für den Erntetisch wird gerne entgegengenommen. Gäste sind willkommen. Eintritt frei.

BEZIRKSGRUPPE

Harburg/Wilhelmsburg – Montag, 29. September, 15 Uhr, Waldquelle, Meckelfeld, Höpenstraße 88 (mit Bus 443 bis Waldquelle): Bunter Nachmittag.

SALZBURGER VEREIN

Sonnabend, 11. Oktober, 13 Uhr, Hotel „St. Raphael“ in Hamburg, Adenauerallee 41: Treffen der Gruppe mit Bildvortrag von Christoph Hinckelmann, Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg: „Glanzlichter aus der Natur Ostpreußens“. Gäste sind herzlich willkommen.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612.

Kassel – Donnerstag, 2. Okto-ber, 14.30 Uhr: Bildvortrag von Christoph Hinckelmann: „Faszination der Natur in Ostpreußen – und was von ihr bei uns bis heute weiterwirkt“.

Wetzlar – Montag, 13. Oktober, 19 Uhr, Wetzlarer Grillstuben, Stoppelberger Hohl 128: Die Kreisgruppe trifft sich zu einer Erntedankfeier. Die Kulturbeauftragte Karla Weiland spricht anschließend unter dem Motto „Das Glück hat Flügel“ über den jährlichen Flug der Kraniche über Deutschland. Gäste sind willkommen. – Bericht – Sie ist im 19. Jahrhundert fast wie eine Nationalheilige verehrt worden: Königin Luise. Über Leben und Wirken der nur 34 Jahre alt gewordenen preußischen Regentin aus dem Fürstenhaus Mecklenburg-Strelitz hat Gerlinde Groß aus Frankfurt am Main während des September-Treffens berichtet. Unlängst hat eine Bürgerinitiative in Tilsit [Sowjetsk] an der Memel das während des Zweiten Weltkriegs im damaligen Tilsit zerstörte Denkmal der preußischen Königin Luise (1776–1810) durch eine Nachbildung ersetzt. Luise sei weder „eine Geistesgröße noch eine schöpferische Persönlichkeit“ gewesen. Allein „ein freundliches Wesen gegen jedermann“ habe sie ausgezeichnet, charakterisierte Groß die Königin. Bezeichnenderweise habe sie bei ihrem Einzug in Berlin kurz vor ihrer Heirat mit dem preußischen Thronfolger Friedrich Wilhelm III. spontan ihre Kalesche verlassen, um sich unter dem Jubel der Menschenmenge am Straßenrand unters Volk zu mischen. Eine solche Geste einer königlichen Hoheit habe es bislang in Preußen nicht gegeben, kommentierte Groß Luises Verhalten. An der Seite ihres Ehemanns habe sie nach dessen Antritt als preußischer König dessen zauderhaften Regierungsstil mit Charme und Entschlossenheit auszugleichen versucht. Nach der Besetzung Berlins durch die Franzosen habe sie sich nach der Flucht der Königsfamilie nach Ostpreußen bei einer denkwürdigen Begegnung mit Napoleon in Tilsit im Jahre 1807 dafür eingesetzt, den französischen Kaiser zu einem für Preußen annehmbaren Frieden zu bewegen. Ein Erfolg ihrer Bemühungen sei ihr leider nicht beschieden gewesen, stellte Groß fest. Ihre Beliebtheit im Volk habe sie aber zum „Mythos für Preußen“ werden lassen.

Wiesbaden – Sonnabend, 27. September, 15 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal, Friedrichstraße 35: Feier des Erntedankfestes. Wer durch Geld- oder Sachspenden mithelfen möchte, den Erntetisch zu bereichern und zu verschönern, teile dies bitte Irmgard Steffen unter Telefon 844938 oder Helga Kukwa Telefon 373521 mit. Allen Spendern herzlichen Dank. – Dienstag, 14. Oktober, 15 Uhr, Haus der Heimat, Wappensaal, Friedrichstraße 35: Treffen der Frauengruppe zur Erntedankfeier. – Donnerstag, 16. Oktober, 12 Uhr, Gaststätte Haus Waldlust, Ostpreußenstraße 46, Wiesbaden-Rambach: Stammtisch. Serviert wird Grützwurst. Es kann auch nach Speisekarte bestellt werden. Wegen der Platz- und Essensdis-position bitte unbedingt anmelden bis spätestens 10. Oktober bei Irmgard Steffen, Telefon (0611) 844038.

 

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

Landesgruppe – 19. Landestreffen der Ostpreußen in Rostock. Am Sonnabend, 27. September, treffen sich von 10 bis 17 Uhr die Ostpreußen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern in der Stadthalle Rostock, Südring 90. Zu diesem großen Wiedersehen werden etwa 2000 Besucher erwartet – darunter allein 100 Gäste aus den polnischen, russischen und litauischen Teilen Ostpreußens. Angehörige und Interessenten sind ebenfalls herzlich eingeladen. Alle 40 ostpreußischen Stadt- und Landkreise sind an Extra-Tischen ausgeschildert, wo man Landsleute aus der Heimat treffen kann. Das reiche ostpreußische Kulturprogramm gestaltet das Orchester der Hansestadt Rostock, der Shanty-Chor „De Klaashahns“ Warnemünde, das Mecklenburger & Pommeraner Folklore-Ensemble Ribnitz-Damgarten sowie Tanzgruppen und Chöre aus Masuren, Gumbinnen und dem Memelland. Schirmherrin ist die Justizministerin des Landes Meck-lenburg-Vorpommern, Uta-Maria Kuder. Für das leibliche Wohl, eine große Auswahl Heimatliteratur und Bärenfang sowie genügend Parkplätze gleich an der Stadthalle ist gesorgt. Informationen gegen Rückporto bei: Manfred Schukat, Hirtenstr. 7a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Buxtehude – Sonntag, 5. Okto-ber: Theaterfahrt zur Dittchenbühne in Elmshorn. Gespielt wird „Der Hauptmann von Köpenick“. Busabfahrt: 13 Uhr Stade/Hahle, 13.30 Uhr Horneburg/B73, 13.45 Uhr Buxtehude Stader Straße (Waldburg und Denkmal), 13.55 Buxtehude Bahnhofstraße/Marktkauf, 14 Uhr ZOB Buxtehude, 14.15 Uhr Neu-Wulmstorf/B73/Hauptstraße. Einsteigestellen zwischen Stade und Buxtehude mit Uhrzeit werden bei der Anmeldung angesagt. Die Kosten für Busfahrt, Kaffeegedeck und Eintritt betragen 26 Euro pro Person. Anmeldung bis spätestens 26. September bei Wolfgang Weyer, Telefon (04161) 3406. – Freitag, 17. Oktober, 14.30 Uhr, Inselrestaurant, Stade: „Ostdeutsche Dichter und Denker“. Die Gruppe erinnert mit Liedern, Lesungen und Gedichten an die Geistesgrößen der Heimat. Die Kosten für Eintritt und Kaffeegedeck betragen zehn Euro pro Person. Das Inselrestaurant ist vom Stader Bahnhof in sechs Minuten Fußweg zu erreichen. Anmeldung bitte bis zum 10. Oktober bei Wolfgang Weyer, Telefon (04161) 3406.

Hannover – Freitag, 17. Oktober, 14 Uhr, Ihmeblick: Treffen mit den Heimatfreunden der Pommerngruppe zum kleinen Erntedankfest. Um Anmeldung wird gebeten unter Telefon (05101) 2530.

Helmstedt – Donnerstag, 9. Ok-tober, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Monatstreffen der Gruppe.

Osnabrück – Sonntag, 28. September, 15 Uhr, Parkhotel: Erntedanknachmittag. Anmeldung bei Gertrud Franke, Telefon 67479 oder Else Tober, Telefon 1393614, erbeten. – Freitag, 17. Oktober, 15 Uhr, Gaststätte Bürgerbräu, Blumenhaller Weg 43: Treffen der Frauengruppe.

Rinteln – Donnerstag, 9. Okto-ber, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Monatstreffen. Nach gemeinsamem Kaffeetrinken und Plachandern wird Joachim Berg Filmauschnitte über die Heimat der Vorfahren zeigen. Der Eintritt ist frei, auch Freunde, Verwandte und interessierte Gäste aus Nah und Fern sind herzlich willkommen. Weitere Auskünfte und Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit in Rinteln gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat unter Telefon (05751) 5386 oder über: rebuschat@web.de.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bielefeld – Donnerstag, 2. Okto-ber: Gesprächskreis der Königsberger und Freunde der ostpreußischen Hauptstadt. – Sonnabend, 4. Oktober: Erntedankfest mit Kaffeetafel und Verlosung. – Montag, 6. Oktober: Frauengruppe der Ost- und Westpreußen. Alle Veranstaltungen beginnen um 15 Uhr in der Wilhelmstraße 13 33602 Bielefeld. – Donnerstag, 9. Oktober: Gesprächskreis Ostpreußisch Platt. – Donnerstag, 16. Oktober: Heimatliteraturkreis. Alle Veranstaltungen beginnen um 15 Uhr in der Wilhelmstraße 13 33602 Bielefeld.

Bonn – Dienstag, 7. Oktober, 18 Uhr, Haus am Rhein, Elsa-Brandström-Straße 74: „Der Weg zum Ersten Weltkrieg und die Politik der Ententemächte gegenüber dem Dritten Reich“. Referent: Dr. Mario Kandil.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 bis 20 Uhr, GHH/Eichendorff-Saal, 1. Etage: Chorprobe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft. – Montag, 29., Dienstag, 30. September, 19 Uhr, GHH/Konferenzraum: Zum 80. Geburtstag von Arno Surminski.

Ennepetal – Sonnabend, 11. Oktober, 15 Uhr (Einlass 14 Uhr), Restaurant Rosine, Ennepetal Voerde, Eingang Bergstraße 4-6: Traditionelles Erntedankfest mit Essen, Tanz und Tombola. Eintrittspreis fünf Euro. Als Gast ist der stellvertretende Bürgermeister Manfred Drabent eingeladen. Es singt der Ostdeutsche Heimatchor Hagen unter der Leitung von Ingrid Struck. Um Tanz und zur musikalischen Unterhaltung spielt Arnold Kubitza aus Hagen. Anmeldungen bis zum 30. September erbeten bei Gerhard Sadlowski, Kampershausweg 10, Telefon (02333) 75137, oder M. Gräf, Dr. Siekermann-Weg 28, Telefon (02333) 5766. Eine große Tombola wartet auf glückliche Gewinner. Präsente für die Tombola werden gerne entgegen genommen. Gäste sind willkonmen. – Donnerstag, 16. Oktober,

18 Uhr, Heimatstube, Archivgebäude Kirchstraße 52 (Grundschule Harkort): Monatsversammlung.

Gütersloh – Donnerstag, 9. Oktober, 15.30 Uhr, Gütersloher Brauhaus, Unter den Ulmen: Treffen der Frauengruppe. –Sonnabend, 11. Oktober, 20 Uhr (Einlass 19 Uhr), Spexarder Bauernhaus, Lukasstraße 14: Herbstfest. Eintritt 7/10 Euro. Wer möchte, kann in Dirndl, Tracht oder Lederhose kommen. Infos unter marianne.bartnik@t-online.de oder telefonisch unter (05241) 29211.

Köln – Donnerstag, 25. September, 15 bis 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Tag der offenen Tür mit Kaffee und Kuchen. Das Programm wird in der örtlichen Presse bekannt gegeben.

Mülheim – Dienstag, 14. Oktober, 15 Uhr, Bürgergarten: Mitgliederversammlung mit einem Referat der Vorsitzenden. Abschluss wird das traditionelle Königsberger-Klopse-Essen sein.

Neuss – Sonntag, 5. Oktober, 15 Uhr (Einlass 14 Uhr), Marienhaus, Kapitelstraße 36: Erntedankfest der Ostpreußen mit Gedichten, Liedern und Tanz unter der Erntekrone.

Siegen – 65. Tag der Heimat – Dieser Gedenktag fand unter Mitwirkung der Kreisgruppe in der Bismarckhalle statt. Unter dem Motto „Deutschland geht nicht ohne uns“ brachte Festredner Professor Ulrich Pensky den zahlreich erschienen Mitgliedern des BdV und der Kreisgruppe der Landsmannschaft Ostpreußen die Vertreibung der Deutschen aus den historischen ostdeutschen Siedlungsgebieten in Erinnerung. Die stellvertretende Landrätin Jutta Capito überbrachte ein Grußwort des Landrats Andreas Müller. Für 60000 Vertriebene und Aussiedler war nach dem Zweiten Weltkrieg der Kreis Siegen-Wittgenstein zur neuen Heimat geworden. Zum Gelingen der Veranstaltung trugen auch die Trachten und Volkstanzgruppe „Fröhlicher Kreis“ aus dem Bergischen Land bei. Heimatlieder wechselten mit heiteren und besinnlichen Beiträgen aus den Vertreibungsgebieten. Mitglieder der Kreisgruppe und Besucher trugen zur Veranstaltung bei. Besonders erfreulich war auch, dass die beiden ältesten Mitglieder der Gruppe, die 97-jährige Johanna Rohde, früher Heiligenbeil, und die 92-jährige Thilde Utikal, früher Königsberg, anwesend waren. Mit Unterstützung der Bruderhilfe wird die Hilfsaktion für Betagte und Kranke in den Heimatgebieten unter Federführung von Kulturwart Frank Schneidewind fortgeführt

Viersen-Dülken – Sonnabend, 27. September, 15 Uhr, Dülkener Hof, Lange Straße 54: 100. Veranstaltung in dieser Gaststätte. Auch in diesem Jahr wird für das leibliche Wohlbefinden in bewährter Weise gesorgt. Der Unkostenbeitrag beträgt für Kaffee, Kuchen und ein Garantielos 7 Euro pro Person. Spenden für die Erntedankverlosung werden bis zum 26. September erbeten (An der Hees 15). Freunde und Bekannte sind herzlich eingeladen. Jeder zusätzliche Gast sichert das Fortbestehen der Gruppe.

Wesel – Sonnabend, 11. Okto-ber, 17 Uhr, Heimatstube, Kaiserring 4: Erntedankfest mit verschiedenen Darbietungen. Die beliebte Tombola steht natürlich auch auf dem Programm. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Anmeldungen bis zum 30. Septemberbei Paul Sobotta, Telefon (0281) 45657 erbeten.

 

RHEINLAND-PFALZ

Vors.: Dr. Wolfgang Thüne, Wormser Straße 22, 55276 Oppenheim.

Mainz – Jeden Freitag, 13 Uhr, Café Oase, Schönbornstraße 16, 55116: Die Gruppe trifft sich zum Kartenspielen. – Sonnabend, 4. Oktober, 15 Uhr, Mundus Residenz, Große Bleiche 44, 55116 Mainz: Erntedankfest. Gaben für den Erntetisch werden gern entgegengenommen.

 

SACHSEN

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

Landesgruppe – Am Sonnabend, 20. September, fand der Tag der Heimat im Platner Hof Chemnitz statt. Zur Wahl haben sich gestellt als Landesvorsitzender Alexander Schulz (Chemnitz), als Stellvertretender Landesvorsitzender Peter Wolf (Leipzig), als Landesschatzmeisterin Frau Bianca Schulz (Chemnitz), als Frauenreferentin Dora Arnold (Leipzig), als BJO-Vertreter Marcus Röthig (Dresden), als Landesschriftführerin Sigrid Kaminsky (Mittweida), als Beisitzer Reinhard Gerullis (Limbach-Oberfrohna), Eberhard Grasshoff (Leipzig). Gisela Lossack und Edith Wellnitz stellen sich als Revisoren zur Verfügung. Alle nahmen die Wahl an.

Die Theatergruppe aus Zschopau „Zentrum für neue Arbeit“ brachte das Theaterstück „In meinem Herzen bleit es Heimat“ zu Gehör, es handelt aus der Zeit der Zarin Katharina, die viele Landsleute aus Deutschland nach Russland lockte und zum Schluss, als sie nicht mehr gebraucht wurden, hatte man sie weggejagt oder in die Verbannung geschickt. Zum Abschluss zeigte der Kindergarten aus der Matthäus Gemeinde mit Spiel und Gesang sein keines Programm.

Limbach-Oberfrohna – Sonnabend, 11. Oktober, 14 Uhr, Eschemuseum: Die Kreisgruppe feiert ihr traditionelles ostpreußisches Erntedankfest. Zu diesem Fest werden schon gemeinsam Vorbereitungen getroffen. Mit Freude und guten Ideen will die Gruppe einen Tag vorbereiten, der allen noch lange in Erinnerung bleiben soll. Der gemischte Chor „Langenberg“ wird im kulturellen Teil unterhalten und die Teilnehmer dürfen fröhlich mitsingen. Eine Kindergruppe von der Gerhart-Hauptmann-Schule führt durch ein abwechslungsreiches Programm. Es ist hausgeschlachtete Wurst im Angebot. Alle Landsleute und Gäste sind herzlich eingeladen.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle, Telefon privat (0345) 2080680.

Magdeburg – Dienstag, 7. Okto-ber, 13.30 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen. – Freitag, 10. Oktober, 15 Uhr, TuS, Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises. – Sonntag, 12. Oktober, 14 Uhr, Sportgaststätte Spielhagenstraße: Erntedank.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Bad Malente – Sonntag, 5. Ok-tober, 15 Uhr, Maria-Magdalenen-Kirche: Erntedankfeier. Die Anmeldung ist bis zum 29. September im Blumenhaus Franck (Inhaber R. Dluzak) in der Bahnhofstraße 26 vorzunehmen. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Gäste sind herzlich willkommen. Im Anschluss findet im Haus der Kirche, Janusallee 5, ein gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen statt, wobei jeder durch Beiträge (Lesungen, Lieder) zum Gelingen des Nachmittags beitragen kann.

Bad Oldesloe – Nach Begrüßung der September-Runde überbrachte Gisela Brauer Grüße von Erna Drescher und Eva Kosuch aus dem Wichern-Haus. Katharina Makarowski hatte vor einiger Zeit angeregt, dass die Teilnehmer einmal ihr Hobby vorstellen sollten. Nun hatte sie ihre handgewebten Wand-Teppiche mitgebracht. Dazu sprach sie über die textile Kunst in der Heimat und ging auf die Familienteppiche ein, zum Beispiel auf den Familienteppich der Familie Koller, die 1752 aus dem Salzburger Land nach Ostpreußen gekommen war. Auch sie hatte alles verloren, eins war geblieben: die Erinnerung. Das Weben war fester Bestandteil der Arbeit auf den Bauernhöfen und wurde auch in den Landwirtschaftsschulen gelehrt. Die Runde konnte die wunderbaren Wandteppiche von Katharina Makarowski betrachten, dazu gehörte auch das Stadtmotiv – anno 1353 – von Allenstein mit dem Schloss und den Häusern. Sie hatte verschiedene ostpreußische Motive bearbeitet, Bauernhäuser und Kurenkähne, den Elch. Dazu gab es viel Beifall für die Künstlerin. Dietmar Wrage erläuterte seine Heimatarbeit am Bildschirm. Er hat unter anderem aus dem Raum Königsberg Personennamen und Daten gesammelt und kann damit aufzeigen, welche Personen in welchen Orten gelebt haben. So konnte er auch Familie Baltrusch einige Familienangehörige präsentieren. Die Runde dankte den beiden Vortragenden für den besonders interessanten Nachmittag.

Bad Schwartau – Blaufahrt – Am 14. August startete die Gruppe zur Blaufahrt. Es ging nach Schwerin. Am Anleger der „Weißen Flotte“ stieg ein Stadtführer ein, und die Teilnehmer erlebten eine Stadtrundfahrt, bei der sie Schwerin mal etwas anders kennenlernten. Dann ging es zum eigentlichen Ziel, dem Schweriner Fernsehturm. Die 486 Treppenstufen waren für die Gruppe keine Hürde, da man sie mit dem Fahrstuhl nach oben beförderte in ein Restaurant, wo sie mit einem deftigen Mecklenburger Rippenbraten erwartet wurde. In 100,8 Metern Höhe hatte sie eine phantastische Sicht in das Mecklenburger Land. Dann ging es zirka 43 Kilometer weiter nach Rögnitz. „Kunst und Käse“ war das Ziel – und was sich dahinter verbarg, war eine Überraschung. Ute Rohrbeck, ehemalige Theatermalerin und Filmausstatterin und ihr Mann suchten eigentlich vor etwa 17 Jahren ein Häuschen in der Nähe von Hamburg. Aber dann entdeckten sie ein viel zu großes, stark renovierungsbedürftiges Gutshaus in Rögnitz am Schaalsee, an der Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Ute Rohrbeck wollte nicht mehr zwischen Stadt und Land pendeln und kam auf den Gedanken, sich hier ein Betätigungsfeld zu suchen. Ziegenkäse liebte sie schon immer, und so fiel dann die Entscheidung, Ziegen zu kaufen und Käse zu machen. „Kunst & Käse“ nennt Ute Rohrbeck ihre Ziegenkäserei und ihren Laden – und sie hat inzwischen bereits eine Dependence in Berlin. Über Rögnitz berichtet sie: „Wir befinden uns mitten im Biosphärenreservat Schaalsee und stellen der Welt besten Ziegenkäse her. Sie finden hier einen Regionalwarenladen mit Kunstausstellungen, wir bieten Seminare an und vermieten zwei Ferienwohnungen. Wir sind ein Ausflugsziel für Radfahrer und Menschen, die im Gutshausgarten picknicken möchten“. Nach einem kräftigenden Kaffee und selbstgebackenen Kuchen wurde der Hofladen bzw. Regionalwarenladen gestürmt. Auch dies war wieder ein erlebnisreicher Tag, der sicher in der Erinnerung noch lange nachklingen wird.

Burg/Fehmarn – Dienstag, 14. Oktober, 15 Uhr, Haus im Stadtpark: „Erntedank – der Dank an Gott für die Ernte“. Unter diesem Motto feiert die Landsmannschaft in Burg das Erntedankfest. Ein gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen an herbstlich geschmück-ten Tischen, wobei hier jeder durch Beiträge zum Gelingen des Nachmittags beitragen kann. Hierzu sind alle Mitglieder und Freunde der Gruppe herzlich eingeladen.

Flensburg – Sonntag, 5. Okto-ber, 11.15 Uhr, St. Michaelkirche, Am Ochsenmarkt: Erntedankfest mit anschließendem Mittagessen. Bushaltestelle im Nahbereich.

Neumünster – Mittwoch, 8. Oktober, 15 Uhr, Restaurant am Kantplatz: Erntedank-Nachmittag. Die Teilnehmer erinnern sich an Erntedanksitten und -bräuche auf dem ostpreußischen Bauernhof. Gäste sind willkommen. – Bericht – Nach der langen Sommerpause melden sich die Ost- und Westpreußen, Kreisgruppe Neumünster wieder zurück. Die Landsmannschaft traf sich am 10. September zur monatlichen Veranstaltung wie immer im „Restaurant am Kantplatz“. „Heimatkunde“ stand auf dem Stundenplan. Ein 20-Fragen-Quiz sollte gelöst werden. Nach der Begrüßung las die 1. Vorsitzende Brigitte Profé das Gedicht „Ostpreußisch“, geschrieben von einem Memeler Pastor, vor. Nun begann das Überlegen nach der Kaffeepause. Zum Einstieg las Brigitte Profé die lustige Geschichte „Kennst du das Land?“ vor. Anhand der großen Ostpreußenkarte konnten dann alle Fragen gemeinsam gelöst werden. „Erinnerungen – ach, ja“, war zu hören. Allen hatte es Spaß und Freude bereitet, zumal sich auch keiner schämen musste, wenn auch manche Frage offen blieb. Zum Schluss wurde von Brigitte Profé noch ein etwas wehmütiges Gedicht vorgetragen: „Ich möchte noch mal die Heimat sehen!“.

Pinneberg – Sonntag, 12. Okto-ber, 12 Uhr: Preußische Tafelrunde mit Vortrag. Informationen unter Telefon (04101) 62667 oder (04101)73473.

 

THÜRINGEN

Vors.: Edeltraut Dietel, August-Bebel-Straße 8 b, 07980 Berga an der Elster, Tel. (036623) 25265.

Eisenach – Sonnabend, 11. Ok-tober, 14 Uhr, Insterburger Heimatgruppe Thüringen, Rot-Kreuz-Weg 1: Die Gruppe trifft sich zum Filmvortrag über Ostpreußen. – Dienstag, 14. Oktober, 14 Uhr, Rot-Kreuz-Weg 1: Heimatnachmittag der Ost- und Westpreußen.

Meiningen – Freitag, 10. Okto-ber, 14 Uhr, Wolkenlos: Erntedankfest der Ostpreußen.


S. 18-20 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101.

„Von 39 Patenschaften die Beste“: Die Angerburger Tage standen in diesem Jahr unter einem besonderen Stern: Die Kreisgemeinschaft Angerburg und der Landkreis Rotenburg (Wümme) konnten auf 60 Jahre Patenschaft zurückblicken. Ein Höhepunkt war die Verleihung des Angerburger Kulturpreises.

Bereits am Freitagabend waren die Angerburger und die an der Patenschaft beteiligten Rotenburger zu einem Empfang auf Einladung des Landkreises Rotenburg (Wümme) im Heimathaus zusammen gekommen. Landrat Luttmann begrüßte als Ehrengäste den ehemaligen Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm von Gottberg sowie als Referenten, den Sohn des ehemaligen Oberkreisdirektors Helmut Janßen, Uwe Janßen. Luttmann freute sich, dass eine Vielzahl von Kreistagsabgeordneten zum Empfang erschienen war. Wilhelm von Gottberg dankte in seinem Grußwort den Verantwortlichen des Landkreises dafür, dass sie sich stets zur Patenschaft bekannt haben, auch als dies weniger leicht gewesen sei. „Von den 39 Patenschaftsverhältnissen westdeutscher Kommunen und ostpreußischer Städte und Landkreise ist das zwischen Rotenburg und Angerburg besonders hervorzuheben“.

Den Festvortrag hielt Uwe Janßen aus Liederbach. Dessen Vater hatte 1954 als Oberkreisdirektor des damaligen Landkreises Rotenburg (Hannover) die Patenschaftsübernahme angeregt und vorantrieben. Janßen schilderte in seinem Vortrag seine ganz persönlichen Erinnerungen an die Anfänge der Patenschaft, die er als 17-jähriger Jugendlicher erlebte.

Am Sonnabend legten die Angerburger am Patenschaftsstein im Amtshofpark am Kreishaus einen Kranz nieder und gedachten den Kriegsopfern und Toten. Im Anschluss daran fand die Sitzung der Angerburger Kreisvertretung statt.

Am Abend wurde der Angerburger Kulturpreis an die Herausgeber des Angerburger Heimatbriefes verliehen. Dieser Preis wird alle drei Jahre für Arbeiten aus Kunst und Wissenschaft vergeben, die die Angerburger Landschaft, Atmosphäre, Kultur, Wirtschaft, Geschichte oder die Völkerverständigung zum Thema haben. Der Angerburger Heimatbrief wird zwei Mal jährlich von der Kreisgemeinschaft Angerburger herausgegeben und informiert die in der ganzen Welt lebenden Angerburger über die Aktivitäten der Kreisgemeinschaft sowie über Geschichtliches und Aktuelles aus dem Landkreis Angerburg.

Am Sonntag folgte zum Abschluss die traditionelle Feierstunde. Kurt-Werner Sadowski, der Kreisvertreter der Angerburger, begrüßte viele Ehrengäste, darunter die Bundes- und Landtagsabgeordneten Lars Klingbeil, Reinhard Grindel, Mechthild Ross-Luttmann und Hans-Heinrich Ehlen.

Der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat, gratulierte den Angerburgern und Rotenburgern zum Patenschaftsjubiläum und gedachte der Opfer von Flucht und Vertreibung.

 

BRAUNSBERG

Kreisvertreter: Manfred Ruhnau, Tel.: (02241) 311395, Fax (02241) 311080, Bahnhofstraße 35 b, 53757 Sankt Augustin. Geschäftsstelle: Stadtverwaltung Münster, Patenstelle Braunsberg, Frau Jostenmeier, 48127 Münster, Tel.: (0251) 4926051.

Sonnabend, 4., Sonntag, 5. Ok-tober, Johanniter Akademie, Weißenburg-Straße 60-64, Münster. Aus Ostpreußen erwarten wir von Braunsberg [Braniewo] Bürgermeister Mrozinski, seinen Stellvertreter Herrn Maziarz und den Stadtratsvorsitzenden Herrn Barycki. Diese drei Personen sind von unserer Patenstadt Münster zu unserem Jubiläum eingeladen. Von uns, der Kreisgemeinschaft Braunsberg sind weitere fünf Personen eingeladen und werden daran teilnehmen: Es sind Domherr André Schmeier, Irene Kasza, Lidia Necio, Jerzy Butkewicz und Zbigniew Kendzora. Zu dieser Jubiläümsveranstaltung sind alle Braunsberger aus der Stadt und dem Landkreis Braunsberg herzlich eingeladen. Bitte melden Sie sich an in der Johanniter Akademie in Münsterunter Telefon (0251) 972 30 145 zum Kreisteffen in Münster.

Der Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Braunsberg e. V., hat an der Feier mit Priester Gerhard Steffen und Werner Fieberg, alle drei gebürtige Langwalder, teilgenommen. Am Sonnabend, 6. September, begann um 12 Uhr der Gottesdienst in der Kirche, an dem unser Priester Gerhard Steffen mit drei weiteren Priestern den Gottesdienst gestaltete. Anschließend zogen alle Teilnehmer, den Priestern folgend, zu dem neuen Gedenkstein, der mit einem weiß-roten Band umgeben war und den Text enthielt „700 Jahre Dlugoboru 1314–2014“. Ich wurde aufgefordert, gemeinsam mit Landrat Kowalski, Bürgermeister von Plaßwich [Ploskinia] und Ortsvorsteher von Langwalde, das Band mit einer Schere durchzuschneiden. Dies geschah unter großem Beifall der teilnehmenden Menschen. Unweit dieses Gedenksteines, gegenüber liegend der Straße, war ein großes Zelt mit Bühne aufgebaut. Desweiteren waren Tische und Bänke aufgestellt, wo alle Teilnehmer Speisen und Getränke kaufen und diese zu sich nehmen konnten. Ich wurde aufgefordert, eine Ansprache, natürlich auf Deutsch, zu halten, die anschließend von meiner Dolmetscherin auf Polnisch vorgetragen wurde. Dem Bürgermeister und Ortsvorsteher habe ich jeweils Band 1 und Band 2 der Langwalder Bücher übergeben. Unter lauter Musikbegleitung wurden zwischendurch Ansprachen vom Landrat und Bürgermeister vorgetragen. Ein buntes Programm nahm seinen Lauf, wo unter anderem auch getanzt werden konnte. Bei Kaffee und Kuchen verlief der Nachmittag.

Am Sonntag, 7. September, nahmen wir drei Langwalder am Gottesdienst teil. Der Altar war mit vielen Früchten des Feldes dekoriert. Zugleich wurde Kirchweih und Erntedank gefeiert. Nach der Messe wurde eine Prozession um die Kirche gemacht, wo unser Langwalder Priester Gerhard Steffen die Monstranz unter dem Himmel um die Kirche tragen durfte. Eine große Ehre für unseren Priester, veranlasst durch den Probst von Langwalde. Anschließend waren wir drei Langwalder und unsere Dolmetscherin Lidia bei den beiden Familien, die auf dem Hof meines Onkels, Ferdinand Ruhnau wohnen, zum Mittagessen eingeladen. Ein gelungener Heimatbesuch für uns drei Langwalder, der unvergessen bleibt. Am Montag, 8. September, wurde noch der Domherr und Pfarrer von Pettelkau, Tadeusz Rudzinski besucht, wo in der Kirche zu Pettelkau mein Vorgänger Gerhard Steffen 2012 beigesetzt worden ist. Manfred Ruhnau

 

BRAUNSBERG

Kreisvertreter: Manfred Ruhnau, Tel.: (02241) 311395, Fax (02241) 311080, Bahnhofstraße 35 b, 53757 Sankt Augustin. Geschäftsstelle: Stadtverwaltung Münster, Patenstelle Braunsberg, Frau Jostenmeier, 48127 Münster, Tel.: (0251) 4926051.

Auch in diesem Jahr fanden sich die Ostpreußen des Kreises Elchniederung vom 12. bis 14. September zu ihrem Kreistreffen, das immer gleichzeitig auch Mitgliederversammlung ist, zusammen. Veranstaltungsort war wieder das Hotel Esplanade in Bad Nenndorf.

Das Kreistreffen begann am Freitag mit der Delegiertenversammlung, zu der sich im öffentlichen Teil auch einige Mitglieder als Zuhörer gesellten. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt der Delegiertenversammlung auf den Vorbereitungen für das 60-jährige Bestehen der Patenschaft mit Bad Bentheim, welches 2015 gefeiert wird. Außerdem wurde Barbara Dawideit, die nach dem Tod von Hartmut Dawideit vom Vorstand als Geschäftsführerin eingesetzt worden war, von den Delegierten als zweite stellvertretende Vorsitzende gewählt. Zeitgleich zur Versammlung wurden im Untergeschoss des Festsaales bereits Filme und Fotos von verschiedenen Heimatreisen gezeigt. Wolfgang Nienke hatte dazu in bewährter Weise die nötige technische Ausstattung aufgebaut.

Am Sonnabend trafen nach und nach immer mehr Mitglieder der Kreisgemeinschaft ein, so dass Kreisvertreter Manfred Romeike am Nachmittag bei der Eröffnung des Treffens über 80 Gäste begrüßen konnte. Nach der Übermittlung von verschiedenen Grußworten und der Totenehrung gab er einen kurzen Abriss über die Ereignisse des zurückliegenden Jahres. Er erwähnte auch die Mitglieder der Kreisgemeinschaft, die den Weg nach Bad Nenndorf nicht mehr auf sich nehmen können. Für sie ist der Heimatbriefumso wichtiger, um am Austausch von Erinnerungen teilhaben zu können. Der Kreisvertreter verband dies mit einem Aufruf, weiterhin Beiträge für den Heimatbrief an die Redakteurin zu schicken. Weiterhin berichtete er über das plötzliche Versterben des Geschäftsführers Hartmut Dawideit im Juni. Bereits im Frühjahr hatte der Vorstand beschlossen, ihn für sein langjähriges Engagement mit der Silbernen Ehrennadel der Landsmannschaft Ostpreußen auszuzeichnen. Der erste stellvertretende Vorsitzende, James-Herbert Lundszien, führte diese nun posthume Ehrung mit bewegenden Worten durch.

Anschließend berichtete der Vorsitzende der Delegiertenversammlung, Dr. Günter Spilgies, über die Ergebnisse der Delegiertenversammlung vom Vortag. Er informierte über die wirtschaftliche Situation der Kreisgemeinschaft und betonte, dass das Spendenaufkommen noch ausreichend sei zur weiteren Finanzierung des Heimatbriefes. Danach fand eine kurzfristig angesetzte Wahl statt. Ines Laue stellte sich vor und erläuterte ihre Beweggründe, den Kirchspielvertreter für Kreuzingen und Gowarten, Dieter Wenskat, in seiner Arbeit unterstützen zu wollen. Sie wurde von den Mitgliedern ohne Gegenstimmen und Enthaltungen zur stellvertretenden Kirchspielvertreterin für Kreuzingen gewählt. Nach diesem offiziellen Teil gab es ausreichend Gelegenheit, Freunde und Bekannte zu treffen, zu plachandern und Erinnerungen auszutauschen. Der Abend klang mit musikalischer Untermalung und Gelegenheit zum Tanz aus. Am Sonntagmorgen bestand wie in jedem Jahr die Möglichkeit, am Gottesdienst in der evangelischen Kirche von Steinhude teilzunehmen.

Freitag, 10. Oktober, 16 Uhr, Medienraum des Preußen-Museums, 32427 Minden, Simeonsplatz 12: Lichtbildervortrag über Nidden und die Kurische Nehrung: „Die Kurische Nehrung und Nidden, wie es die Fotolinse sah“ mit Dr. Jörn Barfod, Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg

 

KÖNIGSBERG LAND

Kreisvertreterin: Gisela Broschei, Bleichgrabenstraße 91, 41063 Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, Fax (02161) 87724. Geschäftsstelle: Im Preußen-Museum, Simeonsplatz 12, 32427 Minden, Telefon (0571) 46297, Mi. Sa. u. So. 18-20 Uhr.

Eine große Bildfolge ist erst jüngst durch einen glücklichen Umstand in den Besitz des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg gelangt. Dr. Barfod wird sie und andere Bilder fachkundig vorführen. Wir freuen uns, dass wir diese Veranstaltung durchführen können und sind davon überzeugt, dass es nicht nur für gebürtige Ostpreußen ein interessanter und lohnender Nachmittag werden wird. (Unkostenbeitrag: 6 Euro). In der Pause wird ein Glas Wein/Wasser oder Bärenfang kredenzt. Viele bedeutende Persönlichkeiten wie Alexander von Humboldt und Thomas Mann haben das hohe Lied der Kurischen Nehrung gesungen und werden immer wieder zitiert. Hier aber soll ein überlieferter liebevoller Vierzeiler aus dem Gästebuch des Gasthauses Matzkies in Pillkoppen wiedergegeben werden: „Wer blöden Aug‘s vorübergeht/Der sieht hier nichts als Sand/Doch in wess‘ Herz die Schönheit glüht/Den dünkt‘s ein Wunderland“. In diesem Sinne wollen wir die schönen Bilder auf uns wirken lassen.

 

LABIAU

Kreisvertreterin: Brigitte Stramm, Hoper Straße 16, 25693 St. Michaelisdonn/Holstein, Telefon (04853) 562. info­@stramm­verlag. de, Internet: www.labiau.de.

Gut 100 Labiauer aus Stadt und Kreis ließen es sich nicht nehmen, zu unserem jährlich stattfindenden Hauptkreistreffen nach Otterndorf zu kommen. Bei strahlendem Spätsommerwetter genossen die Labiauer vom 12. bis 14. September die schöne über 800-jährige Stadt Otterndorf, deren Umgebung so viel Ähnlichkeit mit unserem Heimatkreis Labiau hat.

Die Halle war ansehnlich geschmückt, die Bilderausstellung aufgebaut, sodass wir am Begrüßungsabend am Freitag die bereits angereisten Teilnehmer begrüßen konnten. Der Abend verlief interessant und bot den Rahmen für viele Gespräche und Informationen. Es wurden alte und neue Filme und Bilderschauen gezeigt.

Am Sonnabend sind die meisten Teilnehmer angereist. Trotz allem muss gesagt werden, dass die zurückgehende Teilnehmerzahl schon besorgniserregend ist. Zur Freude der Besucher wurde auch eine Film-Zusammenstellung gezeigt. Der Abend war dann dem Tanzvergnügen gewidmet. Die Otterndorfer Elbemusikanten rissen alle mit ihrem tollen Repertoire mit und es wurde kräftig das Tanzbein geschwungen. Am frühen Sonntagvormittag fand die Blumenniederlegung am Labiauer Gedenkstein statt, wie jedes Jahr. Den Abschluss des Kreistreffens bildete die Feierstunde am Sonntag. Unsere Ehrengäste aus dem Patenkreis, Landkreis Cuxhaven, wurden freudig begrüßt. Gekommen waren der Landrat, Kai-Uwe Bielefeld, der Otterndorfer Bürgermeister Claus Johannsen, der Ehrenbürgermeister der Stadt Hermann Gerken, der Stellvertretende Samtgemeindebürgermeister Hans-Volker Feldmann, Hannelore Brüning, sie hat uns als stellvertretende Bürgermeisterin stets begleitet und hat auch dieses Jahr wieder der Labiauer Eiche in Otterndorf eine schöne Schleife anlässlich des Kreistreffens umgebunden. Diesjähriger Festredner war der Redakteur der Preußischen Allgemeinen Zeitung, Hans Heckel. Sein vielbeachteter Vortrag zu den aktuellen Geschehnissen in der Ukraine und Russland bot auch hinterher noch viel Gesprächsstoff. Das Torhaus Otterndorf mit der Sammlung Labiau/Ostpreußen war natürlich während des Treffens auch geöffnet. Der renovierte und neu gestaltete Raum im Erdgeschoss – dafür auch noch Dank an die Otterndorfer Museumscrew Herrn und Frau Dieckmann sowie Herrn und Frau Spanuth. Heinke und Dieter Lanatowitz haben sich vorbildlich um die am Archiv interessierten Besucher gekümmert und auch weitere Kirchspielvertreter kümmerten sich um die Besucher. Im übrigen begrüßen wir auch herzlich einen „neuen“ Mitarbeiter im Otterndorfer Team: Es ist Herr Langwald, der aus Gumbinnen stammt. Allen Labiauern aus Stadt und Kreis ein herzliches Dankeschön, dass sie gekommen sind, allen fleißigen Helfern ebenfalls, ein ausführlicher, bebildeter Bericht wird im Dezember-Tohus-Heft zu sehen sein.

Aus besonderem Grund hat die Sitzung im September stattgefunden. Alle in Ausgabe 16 vom 19. April 2014 namentlich genannten Kirchspielvertreter wurden gewählt. Die alte und neue Kreisvertreterin ist Brigitte Stramm, weitere Vorstandsmitglieder: 1. Stellvertreter Egbert Marenke, 2. Stellvertreterin Heinke Lanatowitz, Schatzmeister Klaus-Arno Lemke, Schriftführerin Martina Hahn, Beisitzer Dorothea Kurzmann, Hubertus Springer, Thomas Rieser, für die Sparte Familienforschung Alfred Erdmann.

Die Kreisvertreterin und der Vorstand werden alles daran setzen, die Kreisgemeinschaft Labiau weiterhin positiv in die Zukunft zu bringen. Unser seit vielen Jahren geflügeltes Wort: „Ostpreußen lebt – durch uns“ soll dafür der Ansporn sein.

 

NEIDENBURG

Kreisvertreter: Jürgen Szepanek, Nachtigallenweg 43, 46459 Rees-Haldern, Tel. / Fax (02850) 1017.

Das diesjährige Neidenburger Heimattreffen fand am 14. September im Restaurant Kronendiele in Lüneburg statt. Die unmittelbare Nähe zum Ostpreußischen Landesmuseum bot sich geradezu einladend zu einem Besuch an. Fast alle Teilnehmer nutzten diese Gelegenheit und waren, trotz der gegenwärtigen Umbauarbeiten, von der Vielfalt der Ausstellungen begeistert. Schade, dass bei diesem schönen Spätsommerwetter nur rund 80 Landsleute in Lüneburg erschienen sind. Neuer Kreistag

Bereits am Vortag der Veranstaltung fanden die Wahlen des Kreistages für die Legislaturperiode von 2014 bis 2018 statt. Der bisherige Kreisvertreter Jürgen Szepanek, sein 1. Stellvertreter Hans-Ulrich Pokraka, sowie der Schatzmeister Lutz Knief, wurden im Amt bestätigt. Neu in den Vorstand wurde als 2. stellvertretender Kreisvertreter Martin Hennig gewählt. Nachstehend die weiteren Kreistagsmitglieder in alphabetischer Reihenfolge, Aufgabengebiete in Klammern. Ruth Bahr (stellvertretende Protokollführerin/Berichte über Heimattreffen), Dr. Irmtraud Bießner (Bildarchiv Ostpreußen), Günther Ernst (Revisor und Berichte aus Ostpreußen), Marion Haedge (Sonderaufgaben), Martin Hennig (Internetbeauftragter), Ulrich Hoffmann (Betreuung Heimatstube), Frank Jork (Protokollführer), Reinhard Kayss (Familienforschung), Lutz Knief (Schatzmeister), Jürgen Kowalek (Schriftleiter), Ingrid Laufer (Literatur/Gratulationen), Dr. Uwe Laurien (stellvertretender Revisor), Dietrich Olinski (Revisor/Berichte über Heimattreffen), Hans-Ulrich Pokraka (Mitgliederdatenverwalter und Beauftragter Bruderhilfe). Außerdem werden der Kreisälteste Gerhard Toffel sowie Herfried Jobski, weiterhin die Heimatstube betreuen.

 

SENSBURG

Kreisvertreterin: Gudrun Froemer, In der Dellen 8a, 51399 Burscheid, Telefon (02174) 768799. Alle Post an: Geschäftsstelle Kreisgemeinschaft Sensburg e.V., Stadtverwaltung Remscheid, 42849 Remscheid, Telefon (02191) 163718, Fax (02191) 163117, E-Mail: info@kreisgemeinschaftsensburg.de, www. kreisgemeinschaftsensburg.de

Aus den Wahlen 2014 zum Sensburger Kreistag sind folgende Kandidatinnen und Kandidaten hervorgegangen: für Aweyden Gerd Sacknieß; für Eichmedien Gerhard Zielinski; für Hoverbeck Christine Birkner, Burgundel Ursula Kisza; für Niedersee Falk Möllenhoff; für Nikolaiken Horst Wiberny; für Peitschendorf Klaus Schütz, Bruno Teuber; für Ribben Wolfgang Dabrowski; für Schmidtsdorf Heinz Eckhoff; für Seehesten Manfred Bojahr, Helga Dzubiella; für Sensburg-Stadt Gudrun Froemer, Bernd-Udo Moyzyczyk, Hans Jürgen Katzenski; für Sensburg-Land Helmuth Tomscheit, Hartmut Waschke; für Sorquitten Manfred Buchholz, Werner Albrecht; für Ukta Rolf W. Krause, Friedhelm Hoffmann; für Warpuhnen Alfred Thiel. Ehrenmitglieder: Johannes Schmidt, Gerhard Terner, Adalbert Teuber.

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

Zum diesjährigen Schultreffen im Altstadthotel Potsdam konnten 29 Teilnehmer vom Ehepaar Pfiel begrüßt werden. Schulsprecher Klaus-Jürgen Rausch lag zu dieser Zeit im Krankenhaus. Die Unterbringung der Teilnehmer im zentral gelegenen Altstadthotel war vorteilhaft für die nicht mehr so mobilen Schulkameraden, da die Entfernung zur Fußgängerzone zirka drei Minuten beträgt und fünf Minuten zur Straßenbahn wie auch zum Holländischen Viertel. Man kann sich daher Potsdam in eigener Initiative ansehen, auch ohne große Wege zurücklegen zu müssen. Zum Auftakt begrüßte Gerhard Pfiel die Teilnehmer und lud zu einer Kaffeetafel ein. Er dankte den Anwesenden für ihre Teilnahme am Schultreffen und damit auch für ihre Treue zur Schulgemeinschaft. Ein besonderer Dank galt Schulkamerad Georg Dargelies mit seiner Frau Hannelore, welche die sehr weite Anreise aus Kanada nicht scheuten. Der offizielle Teil (Regularien) wurde mit dem Gesang des Ostpreußenliedes eröffnet. Beim Totengedenken gedachten wir der 23 Schulkameraden, die seit dem letzten Schultreffen in Verden/Aller die Schulgemeinschaft für immer verlassen haben. Revisor Klaus Bluhm bescheinigte in seinem Revisionsbericht die korrekte Kassenführung und einwandfreie Erfassung und Verwendung der eingegangenen Spenden, für die wir an dieser Stelle noch einmal herzlich danken. Abends trafen wir uns zum gemeinsamen Abendessen mit anschließendem gemütlichen Plachandern. Am nächsten Tag wurden wir per Bus zur Stadtrundfahrt am Hotel abgeholt– mit sachkundiger Führung, die uns die Potsdamer Geschichte nahe brachte und viele Sehenswürdigkeiten erklärte. Auch ein kurzer Rundgang durch Park und Palais von Sanssouci war in der Führung enthalten. Abends sah man sich wieder zum Abendessen. Bei unserer großen Inselrundfahrt am dritten Tag hat uns Petrus leider im Stich gelassen. Aber der strömende Regen hat uns beim „Dampferchen fahren“ in dem großen modernen Schiff nicht gestört. Auch dieser Tag endete mit einem gemütlichen Beisammensein. Hans Dzieran berichtete über interessante neue Informationen aus der Stadtgemeinschaft und aus Tilsit. Klaus Bluhm erinnerte sich an einige heitere Begebenheiten aus unserer Schulzeit. Zu Vorschlägen, wo das nächste Schultreffen stattfinden soll, kam einstimmig die Antwort: „wieder in Potsdam“. Es hat alles gestimmt und allen sehr gefallen: das Hotel und sein Personal, die Verpflegung, das Programm und last not least das Wiedersehen mit den Schulkameraden. G. Pfiel, Stellvertretender Schulsprecher

 

WEHLAU

Kreisvertreter: Gerd Gohlke, Syker Straße 26, 27211 Bassum. Telefon (04241) 5586. 2. Vors. und Schriftleiter: Werner Schimkat, Dresdener Ring 18, 65191 Wiesbaden, Telefon (0611) 505009840. Internetseite: www.kreis-wehlau.de

Diese Fahrt ins Königsberger Gebiet in der Zeit vom 1. bis 6. August verlief anders als alle bisherigen Fahrten. Unser Auto blieb zu Hause in der Garage stehen. Wir wurden von einem russischen Bekannten, der sich in Deutschland aufhielt, abgeholt. Die Reiseunterlagen, die Bruderhilfe und die Spendensachen waren für die Reise vorbereitet. Gleichzeitig hatte uns die Bürgermeisterin, Alla Haritonowa von der Wehlauer Administration, eine Einladung zur Teilnahme am „Wehlauer Stadtfest“ geschickt. Der bisherige Bürgermeister, Kirril Kozlow, wurde in der Zwischenzeit zur Erfüllung komplizierter Aufgaben nach Gumbinnen versetzt.

Die Einladung drückt aus, dass nicht nur wir gern gesehene, sondern auch alle ehemaligen Wehlauer bei ihnen herzlich willkommene Gäste sind. Groß war die Enttäuschung, als sie erfuhren, dass die angekündigte deutsche Reisegruppe auf Grund mangelnder Beteiligung ihren Besuch abgesagt hatte. Umso herzlicher wurden wir und die spontan angereisten deutschen Touristen, die sich zum Stadtfest eingefunden hatten, begrüßt. Sieglinde Kenzler wurde als gebürtige Wehlauerin von der amtierenden Bürgermeisterin Haritonowa gebeten, zu den Menschen zu sprechen und sie nutzte die Gelegenheit, die Grüße der Kreisgemeinschaft Wehlau den neuen Wehlauern zu übermitteln. Die Begeisterung und der Beifall waren groß. Viele weitere Ehrengäste überbrachten Glückwünsche und den Dank für die geleistete Arbeit zur Verschönerung der Stadt. Mit großem Beifall wurde der jüngste Erdenbürger der Stadt, acht Tage alt, von den Teilnehmern bejubelt. Die stolze Mutter durfte sich spontan in der Administration von unseren mitgebrachten Spenden ein paar nützliche Sachen für ihr Kind aussuchen. Das Glück konnte man ihr ansehen.

Die Aufregung über den demolierten Hirsch, ein Geweihteil war ihm abhanden gekommen, löste eine große Suchaktion durch Polizei, der Presse, das Fernsehen und die Bevölkerung aus. Im hohen Gras am Rande des Sportplatzes wurde das gesuchte Teil schließlich gefunden. Böse Buben hatten es abgesägt und dann weggeworfen. Künstler haben das Geweihteil wieder montiert, so dass kein Schaden mehr zu erkennen ist.

Der Tag war ausgefüllt mit Chorgesang, Darbietungen der Kulturgruppen, Ponyreiten, Kutschfahrten, Elektroroller und Fahrrad fahren und vielen anderen Dingen. Für das leibliche Wohl war ausreichend gesorgt.

Die Kirchenruine war auch in diesem Jahr als fester Bestandteil des Stadtfestes einbezogen. Organisatorische Fragen konnten hier geklärt werden und Schüler der Mittelschule Nr. 2 gaben bereitwillig Auskunft über ihre Arbeit zur Aufarbeitung der Geschichte der Stadt Wehlau. An selbst gefertigten Tafeln erläuterten sie ihren Zuhörern die Geschichte ihrer Stadt und waren stolz, dass sie auf viel Material zurückgreifen konnten, dass sie von der Kreisgemeinschaft Wehlau erhalten hatten. Die Schüler gaben zu verstehen, dass ihre Geschichtslehrerin sehr spannend und interessant den Geschichtsunterricht durchführt, und dass sie die Schüler zur Aufarbeitung der Vergangenheit der Stadt Wehlau einbezieht.

Besonders gefreut haben wir uns mit unserem „Kapitän“ Herbert Szidat aus der Kreisgemeinschaft Wehlau, der als Tourist angereist war, zusammen zu treffen und mit ihm ein paar Stunden gemeinsam zu verbringen. Bei einem Essen in der Administration gab es dann auch viel zu erzählen. So wurde berichtet, dass innerhalb eines knappen Jahres die Straße und die östliche Seite des Fußgängerweges von Wehlau nach Patershof fast komplett instandgesetzt wurden und dass man die gesteckten Ziele des bisherigen Bürgermeisters, Kirril Kozlow, fortführen und erfüllen will. So wurde mit der Sanierung der Pregelbrücke begonnen und in der Nähe der Kirchenruine die Fundamente für einen Supermarkt und eine Autowaschanlage ausgehoben. Das alte Beamtenhaus (Kinderheim) soll als Hotel ausgebaut werden.

Mit Herbert Szidat besuchten wir noch die Bäckerei von Joseph Maibach, einem Russlanddeutschen, der mit einem Backofen anfing und jetzt eine große Bäckerei betreibt. Ein weiteres Erlebnis war für Herbert Szidat der Besuch der restaurierten katholischen Kirche in der Nähe des Wehlauer Friedhofes. Lange verweilte Herbert in dem neu restaurierten Kirchenschiff und war tief in seinen Gedanken versunken. Sehr beeindruckt waren wir auch von dem Besuch der Wehlauer Mittelschule Nr. 2 (ehemalige Ordensschule). Der Direktor der Schule, Herr Yezhikov, hatte für uns extra die Schule öffnen lassen und empfing uns persönlich. Mit Stolz wies er auf die Ergebnisse der durchgeführten Renovierungen hin und dass die Schule in der Liste der „denkmalgeschützten Gebäude“ aufgenommen wurde. Als besonderes Schmuckstück öffnete er uns die Tür zum Schulmuseum, welches in liebevoller Arbeit durch die Lehrer, vielen Schülern und vor allen Dingen der tatkräftigen Unterstützung mit Hinweisen, Materialien und Exponaten durch die Kreisgemeinschaft Wehlau entstanden ist. Danach fuhren wir nach Taplacken um in der Gasstätte „Poljana“ den Tag ausklingen zu lassen. Der Chef des Hauses, Herr Popow – ehemaliger Polarflieger, begrüßte uns persönlich und lud unseren Kapitän Herbert Szidat zur Teilnahme an seiner Jagd im Oktober dieses Jahres ein. Szidat nahm rührend das Angebot an und brachte zum Ausdruck: „Ich habe mich schon oft in dieser Gegend aufgehalten. Heute weiß ich, dass ich nur mit Scheuklappen herumgelaufen bin, so wie jetzt habe ich die Menschen und ihre Leistungen nicht gesehen.“ Wir wünschen allen Wehlauern und den Mitarbeitern der vorläufigen Stadtverwaltung weiterhin große Erfolge zur Erfüllung der gestellten Ziele und dazu viel Kraft und Gesundheit, eine gute Zusammenarbeit auch mit uns, und dass wir alle Kraft dafür einsetzen dass uns der Friede erhalten bleibt.

Sieglind und Heinrich Kenzler


S. 21 Reise

Irgendwie kafkaesk
1989 ertönte ein Jubelruf über Prag: Deutsche feierten ihre Freiheit − Ein Besuch 25 Jahre danach

Am 30. September 1989 wurde in Prag Geschichte geschrieben. Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Deutschen Botschaft und die tausende dorthin ge­flüchteten DDR-Bürger, die sich unbändig über ihre Ausreise in den Westen freuten, berührten damals die ganze Welt.

Für die Schönheit der Stadt hatten die Bürger der ehemaligen DDR, die vor genau 25 Jahren im Spätsommer 1989 auf dem Gelände der deutschen Botschaft in Prag Zuflucht suchten, damals wohl kaum einen Sinn. Mitte August kampierten rund 120 Flüchtlinge im Garten des Palais Lobkowitz, in den Tagen danach kamen täglich bis zu 50 weitere hinzu, schlussendlich waren es über 4000.

Zwar wurden seitens der Botschaft Zelte und sanitäre Anlagen aufgestellt, doch spitzte sich die Situation auf dem von Regen durchweichten Gelände immer mehr zu. Die Erlösung kam am Abend des 30. September, als Bundesaußenminister Genscher nach Verhandlungen mit seinem sowjetischen Kollegen Schewardnadse aus New York kommend in Prag eintraf und vom Balkon des Palais Lobkowitz die Ausreiseerlaubnis in die Bundesrepublik Deutschland verkündete, womit der Anfang vom Ende der DDR eingeläutet wurde.

Den 25. Jahrestag dieses historischen Ereignisses möchte die deutsche Botschaft in Prag gebührend feiern. Sie lädt alle ein, die damals auf dem Gelände ausgeharrt und auf die ersehnte Ausreiseerlaubnis zum Teil über sechs Wochen lang gewartet hatten, am 29./30. September dieses Jahres wiederzukommen, um gemeinsam der damaligen Ereignisse zu gedenken und deren glücklichen Ausgang zu feiern. Als bleibende Erinnerung an das Geschehen vor 25 Jahren steht im Garten ein Denkmal des tschechischen Pop-Künstlers David Cerný: Es trägt den Namen „Quo Vadis“ und zeigt einen Trabi auf vier Menschenbeinen, bereit, sich langsam, aber sicher in Bewegung zu setzen.

Will man auf den Spuren eines anderen Prager Künstlers wandeln, der als deutschsprachiger Jude 1883 hier geboren wurde und als Schriftsteller post mortem Weltruhm erlangte, beginnt der Rundgang in der Josefstadt, dem einstigen jüdischen Viertel. An Franz Kafkas Geburtshaus, von dem nur das Portal erhalten blieb, erinnert sein Bronzekopf an ihn als berühmten Sohn der Stadt. Das 2003 errichtete offizielle Kafka-Denkmal steht ein paar Schritte weiter neben der Spanischen Synagoge: Es zeigt einen Mann ohne Kopf, dem ein anderer auf der Schulter sitzt – gestaltet in Anlehnung an eine Szene aus der Novelle „Beschreibung eines Kampfes“.

Da der Dichter bis ins fortgeschrittene Erwachsenenalter bei seinen Eltern lebte, danach aber häufig umzog, haben Reiseleiter, die Touristen auf Kafkas Spuren durch Prag führen, weite Wege zu gehen: über die Karlsbrücke hinauf zur Prager Burg, wo Kafka im „Goldenen Gässchen“ eine Zeitlang das Haus Nr. 22 bewohnte und hier mehrere Erzählungen schrieb, bis hin zur letzten Station auf dem Neuen Jüdischen Friedhof, wo er begraben liegt. Gern wird dabei die Anekdote von einer literaturbegeisterten Amerikanerin zum Besten gegeben, die stolz kundtat, sie sei nach Prag gereist, die tschechische Sprache zu erlernen, um Kafka endlich im Original lesen zu können.

Auf den Spuren Kafkas durch die Altstadt wandeln, auf der Karlsbrücke die Moldau überqueren, danach in ein Kaffeehaus einkehren und das nostalgische Ambiente genießen − Eindrücke wie diese machen die Attraktivität und den Charme Prags aus. Von Zerstörungen beider Weltkriege verschont, zählt das historische Zentrum heute zum Unesco-Weltkulturerbe. Von gotischen Kirchen über barocke Paläste, verspielte Jugendstil-Fassaden bis hin zu hypermodernen Stahl-Glas-Bauten wie Frank Gehrys „Tanzendes Haus“ reicht die architektonische Stilpalette.

Auf der Prager Burg etwa trifft tausendjährige Geschichte auf Millionen von Touristen. Mit einer Größe von über sieben Hektar ist dies die größte Burganlage der Welt. Überragt vom gotischen St. Veitsdom, beherbergt sie zahlreiche Paläste, Kirchen und Museen. Will man alles in Ruhe besichtigen, reicht ein Tag kaum aus. Deshalb ist jedes Eintritts­ticket zwei Tage lang gültig. Nicht nur goldene, sondern auch dunkle Zeiten wurden hier eingeläutet: Im Mai 1618 kam es zum „Prager Fenstersturz“, dem Auslöser des Dreißigjährigen Krieges.

Eine weitere historische Prager Burg, allerdings ohne Touristenmassen, ist Vyšehrad, hoch oben auf einem Felsen oberhalb der Moldau thronend. Der Sage nach war dies die erste Residenz böhmischer Könige, und die slawische Prinzessin Libuše soll von hier aus die glorreiche Zukunft Prags vorhergesagt haben. Leider sind von der ursprünglichen Burg nur noch die Festungsmauern und ein paar unterirdische Verliese erhalten. Die weitläufigen Grünanlagen innerhalb der Mauern sind für einheimische Familien ein beliebtes Ausflugsziel. Sehenswert ist die alles überragende gotische Peter-und-Paul-Kirche, innen ausgeschmückt mit Fresken im schönsten Jugendstil, sowie der angrenzende Ehrenfriedhof, auf dem die Berühmtheiten des Landes, darunter die Komponisten Dvorák und Smetana, ihre letzte Ruhe fanden. Unvergleichlich schön ist von hier oben der Blick: Richtung Süden über den angepflanzten Weinberg hinweg weit hinein in die Landschaft Böhmens, nach Norden über die Moldaubrücken und die Stadt bis hinüber zum Hradschin.

Weitere „Höhepunkte“ im Stadtbild sind die zahlreichen Türme, von denen drei eine besondere Erwähnung verdienen: Erstens die 60 Meter hohe, fünffach verkleinerte Eiffelturm-Kopie auf dem Petrín-Berg, auf den man per Standseilbahn von der Prager Kleinseite aus gelangt. Um den grandiosen Ausblick zu genießen, heißt es entweder 299 Stufen erklimmen oder für den Lift extra bezahlen. Zweitens der Turm des Altstädter Rathauses, der einen Blick aus der Vogelperspektive in das „Wohnzimmer“ der Stadt gewährt: den Altstädter Ring mit dem Jan Hus-Denkmal sowie den „Adam und Eva“ genannten ungleichen Türmen der Teynkirche. Hier ist der Lift im Eintrittspreis inbegriffen.

Den dritten und ältesten Turm muss man zu Fuß erklimmen, und das am besten zur „blauen Stunde“, wenn die Lichter angehen: Es ist der Altstädter Brückenturm, der als schönster gotischer Wehrturm Europas gilt und von dem aus man einen herrlichen Blick auf Karlsbrücke und Burg genießt. Angelika Fischer


Zu Gast beim Großmeister
Auf den Spuren der Deutschordensritter im Taubertal − Bad Mergentheim pflegt eine stolze Tradition

Der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich von Riehl schrieb 1865: „Ein Gang durchs Taubertal ist ein Gang durch die deutsche Geschichte, durch das alte Reich.“ Das Deutschordensschloss in Bad Mergentheim bestätigt seine These bis auf den heutigen Tag.

Zwei Historiker aus Liverpool haben extra wegen der „Teutonischen Ritter“ auf ihrer Reise durch Süddeutschland in Bad Mergentheim halt gemacht. Die Kurstadt im Taubertal sei eine echte Postkartenidylle, finden Ian und Mary. Und dem Charme des Marktplatzes mit seinen prächtigen Fachwerkhäusern aus dem 15. Jahrhundert könne sich keiner entziehen. Ihr Hauptanliegen aber sei das imposante Schloss des Deutschen Ordens gewesen – „simply fantastic!“

Im Innenhof stürmt uns eine Klasse Zwölfjähriger entgegen. „Immer mehr Jugendliche interessieren sich für den Orden“, zeigt sich Klaus-Dieter Brunotte, pensionierter Lehrer des Deutsch Orden Gymnasiums und passionierter Museumsführer erfreut über die Entwicklung. Bevor wir in die wechselvolle Geschichte des Ordens eintauchen, zeigt er uns eine der „Perlen“ des Schlosses. Der „Schneck“ ist eine freistehende Wendeltreppe, die sich, begleitet von zierlichen gedrehten Säulchen, bis unter das Dach windet. Neben diesem filigranen Meisterstück des Renaissance-Baumeisters Blasius Berwart nimmt sich das Modell der ersten Trutzburg nahezu klobig aus. „Wehrhaft musste die An­lage sein. Sie ging aus einer Wasserburg de­rer von Ho­hen­lohe aus dem 12. Jahrhundert hervor“, erklärt Brunotte. Von ei­ner Leiter aus kann der Besucher das Innere erkunden, nebst Zugbrücke, Wehrgängen und Stallungen. Ein Ritter in vollem Ornat demonstriert, in welcher Montur die einstigen Herren des Deutschen Ritterordens sich auf ihre Kreuzzüge ins Heilige Land begaben.

Die Historie des Ordens und seine hierarchische Ordnung werden auf großen Tafeln erklärt. Ohne sie geriete mancher auch ins Schleudern, denn die ge­schichtlichen Zusammenhänge sind reichlich verzwickt: Der Deutsche Ritterorden entwickelte sich 1198 aus einer Hospitalgenossenschaft, die norddeutsche Kaufleute auf dem dritten Kreuzzug im Jahre 1190 während der Belagerung von Akkon gründeten. Die Ordensritter waren erkennbar an ihren weißen Mänteln mit schwarzem Kreuz. Oberhaupt des Ordens war der auf Lebenszeit gewählte Großmeister, dem fünf „Großgebietige“ als Berater zur Seite standen. Auf prächtigen Gemälden sind streng blickende Groß- und Hochmeister dargestellt. „Eine Art Clanchefs“, wie ein schlaksiger junger Mann seiner Freundin zuraunt, bevor sich beide in die Sammlung von Waffen und kostbaren Münzen im nächsten Ausstellungsraum vertiefen.

Die Entwick­lung des Deutschen Ordens von seinen An­fängen bis heute wird in den hellen Museumsräumen an­hand von Kartenmaterialien, Ge­brauchsgegenständen, Grafiken und Gemälden dargestellt.

Inzwischen sind wir in den mit erlesenem Dekor und kostbaren Möbeln ausgestatteten fürstlichen Gemächern des Schlosses angelangt. Aus goldenem Rahmen blickt Kurfürst Clemens August als Hochmeister des Deutschen Ordens um 1745 gnädig auf die Besucher herab. Die ausschweifende Lebensfreude des Rokoko hatte auch vor den einst so rigiden Regeln des Ordens nicht halt gemacht. Der Kapitelsaal, ein eleganter Mix aus Spätbarock und Klassizismus, prunkt mit Stuckdecken und herrlichen Kronleuchtern. Er wird heute gern für festliche Veranstaltungen und Konzerte genutzt. Auch die Schlosskirche, deren sonnenhelle Fassade an die spätbarocke Theatinerkirche in München erinnert, ist eine eingehende Besichtigung wert. Hinreißend das Deckengemälde von Johann Nikolaus Stuber, das die Verherrlichung des Kreuzes im Himmel und auf Erden darstellt!

Die Prachtentfaltung des 18. Jahrhunderts nahm ein jähes Ende, als Napoleon Bonaparte 1809 den Orden verbot. „Da war erst einmal Schluss mit lustig“, sagt Brunotte süffisant. Doch der Deutsche Orden hatte in seiner über 600 Jahre währenden Ge­schichte so kräftige Wurzeln ge­schlagen, dass er sich gleich nach der Niederlage des französischen Imperators neu konstituierte und bis heute fortbesteht. Eine stolze Tradition, die es verdient, weiter gepflegt zu werden. Uta Buhr


MELDUNGEN

»Alles Klara« in Quedlinburg

Die schmale Gasse neben der Marktkirche St. Benedikti liegt meist im Schatten der beiden verschieden hohen Spitztürme. Doch diesmal ist sie mit Scheinwerfern hell ausgeleuchtet. Ein Filmteam dreht eine neue Szene für die Vorabendserie „Heiter bis tödlich: Alles Klara“, in der die Schauspielerin Wolke Hegenbarth als Klara Degen auf den Spuren von Miss Marple wandelt und als Hobby-Ermittlerin Kriminalfälle löst.

Offenbar liegt ein komplizierter Fall vor, denn die Dreharbeiten in der Quedlinburger Altstadt ziehen sich über den ganzen Vormittag hin, so dass immer mehr Touristen den Drehort bevölkern. Schon seit 2012 dient die Stadt im Harzer Vorland als Kulisse für die beliebte ARD-Serie. Das überreiche Ensemble an denkmalgeschützten Fachwerkhäusern ist ideal für Filme, die historisches Ambiente in Szene setzen möchten. Zu Recht sind Quedlinburgs Altstadt, Schloss und Stift seit 1994 Unesco-Weltkulturerbe. Zusammen gelten sie als größtes deutsches Flächendenkmal.

Dabei wäre die Innenstadt zu DDR-Zeiten beinahe plattgemacht worden. Nur Geldmangel verhinderte, dass aus der Stadt in den 1960er Jahren ein einziger sozialistischer Plattenbau wurde. Dafür haben die Bewohner heutzutage mit Denkmalschutzauflagen und teuren Sanierungsmaßnahmen zu kämpfen. Doch es lohnt sich. Jährlich kommen hunderttausende Touristen in die Stadt, um die 1300 Fachwerkhäuser und Gründerzeit-Villen, das gotische und mit Efeu bewachsene Rathaus oder die auf dem Schlossberg gelegene romanische Stiftskirche St. Servatii zu besuchen. Dort befindet sich auch der berühmte Domschatz mit Reliquien und Evangelien aus der Zeit der Ottonen. In der Krypta liegt der Sohn Ottos I. von Sachsen, König Heinrich I. Dessen Frau Mathilde legte den Grundstein für das spätere reichsfreie Frauenstift, das seit dem Jahr 936 für die mittelalterliche Blüte der Stadt und den vielen Fachwerkhäusern sorgte.

In einem solchen ist vis à vis der Stiftskirche mit Friedrich Gottlieb Klopstock der bedeutendste Dichter der Vor-Goethe-Zeit geboren. Heute ist das Haus ein Mu­seum, in dem neben Klopstock auch andere Persönlichkeiten der Stadt vorgestellt werden wie Dorothea Erxleben, die 1755 als erste Frau in Deutschland in Medizin promovierte. Noch mehr Kultur gibt es in der hinter dem Klopstock-Haus liegenden Lyonel-Feininger-Galerie. Ein Quedlinburger Kunstsammler war es, der viele der filigranen Architektur-Bilder aufkaufte, mit denen der deutsch-amerikanische Künstler berühmt wurde, und die so die NS-Zeit überdauerten, als Feininger 1936 Deutschland verließ. Ganz klar(a): An Motiven für TV-Serien mangelt es hier wahrlich nicht. Harald Tews


S. 22 Neue Bücher

Verdreht und aufgebauscht
Terrorkampf stark vereinfacht

Dass es eine Sicherheitspartnerschaft zwischen der Bundesrepublik und den USA gibt, was den Kampf gegen den Terror betrifft, ist weder ein Geheimnis noch ein Skandal. Nichtsdestotrotz versuchen die beiden NDR-Reporter John Goetz und Christian Fuchs in ihrem Buch „Geheimer Krieg. Wie von Deutschland aus der Kampf gegen den Terror gesteuert wird“ genau diesen Eindruck zu erwecken, wenn sie wortreich ihre „investigative Reise zu den geheimen Orten des ‚Anti-Terror-Kriegs‘ in Deutschland“ schildern. Alles ist irgendwie höchst bedenklich und auf jeden Fall Ausdruck einer konspirativen „Partnerschaft außer Kontrolle“: die Tatsache, dass im US-Oberkommando Africom in Stuttgart-Möhringen der Krieg gegen den Terror in Afrika koordiniert wird; die Existenz des Air and Space Operations Center in Ramstein, das die konkreten Drohnen-Einsätze über dem Schwarzen Kontinent lenkt; das Abschöpfen von Asylbewerbern aus Ländern wie Somalia und Nigeria durch die „Hauptstelle für Befragungswesen“ des Bundesnachrichtendienstes zwecks Information der Amerikaner über die Gegebenheiten vor Ort; die Tätigkeit des US-Militärnachrichtendienstes INSCOM, der unter dem Dach der NSA Gegneraufklärung betreibt; das Agieren von Mitarbeitern der amerikanischen Customs and Border Protection, die auf deutschen Flughäfen dafür sorgen, dass keine als gefährlich identifizierten Personen an Bord von Passagiermaschinen gehen, und so weiter ...

Natürlich werden dabei auch bestehende Gesetze gebrochen und die deutsche Souveränität verletzt – wie so oft, wenn die ehemaligen Besatzungsmächte USA, Großbritannien und Frankreich hierzulande agieren. Allerdings muss die Frage erlaubt sein, was Bundesgesetze und Souveränitätsrechte wert sind, wenn diese unseren Staat eher wehrlos machen?

Der BND wäre jedenfalls in keiner Weise dazu fähig gewesen, den potenziellen Selbstmordattentäter Bünyamin Erdogan aus Wuppertal in seinem Terrornest in Waziristan auszuschalten, nachdem er mit einem konkreten Anschlag gedroht hatte – wobei die Aktion in dem Buch bezeichnenderweise so dargestellt wird, als habe es die „Dinner-Party“ einer harmlosen dörflichen Aussteigerkommune getroffen.

Und noch etwas gilt es zu bedenken: Was ist, wenn afrikanische Terrormilizen wie die Boko Haram in Nigeria oder die al-Shabaab in Somalia dem Vorbild des Islamischen Staates folgen und ebenfalls ein Kalifat ausrufen, wonach sie munter zum Völkermord an Nichtmuslimen schreiten? Dann wird man wieder wie im Falle des Irak und Syriens händeringend die Vereinigten Staaten anflehen, doch nun endlich zu intervenieren, um das Leben von Christen und anderen Minderheiten zu retten. Aber wie soll Washington denn erfolgreich losschlagen, wenn es über keine militärische und nachrichtendienstliche Infrastruktur für Kämpfe in der Region verfügt?

Alles in allem handelt es sich bei „Geheimer Krieg“ also um eine sehr kurzsichtige und unreflektierte Darstellung, an der darüber hinaus stört, wie sich die beiden NDR-Reporter ständig selbst für ihre Rechercheerfolge feiern. Wolfgang Kaufmann

Christian Fuchs und John Goetz: „Geheimer Krieg. Wie von Deutschland aus der Kampf gegen den Terror gesteuert wird“, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2013, geb., 254 Seiten, 19,95 Euro


Überall gefrorene Leichen
Aufzeichnungen einer deportierten Litauerin erstmals auf Deutsch

Dies gleich vorweg: „Aber der Himmel – grandios“ der Litauerin Dalia Grinkeviciute ist nichts für zarte Gemüter. Wer das Buch zur Hand nimmt, muss bereit sein, die detaillierte Schilderung von Not und Elend, Krankheit und Tod von Erwachsenen, aber auch Kindern in all seinen unschönen, furchtbaren Varianten ertragen zu können. Daher ist es erstaunlich, dass die Lebenserinnerungen der 1927 in Kaunas geborenen Beamtentochter in Litauen Schullektüre sind. Natürlich ist das darin Geschilderte ein wichtiger Teil litauischer Geschichte, doch hier wird Jugendlichen einiges zugemutet – ähnlich wie deutschen Schülern bei Berichten über die Grauen der Judenvernichtung. Allerdings haben die jungen Litauer den Vorteil, dass ihre Landsleute Opfer waren, während die deutschen Schüler nicht nur mit Not und Elend konfrontiert werden, sondern auch mit der Tatsache, dass ihre Vorväter zumeist als Täter dastehen.

Grinkeviciutes in den 40er Jahren verfassten und in einem Einweckglas im Garten vergrabenen Aufzeichnungen über die Deportation an die Lena-Mündung nahe der Arktis wurden 1991 beim Umpflanzen einer Pfingstrose gefunden. Da war Grinkeviciute bereits einem Krebsleiden erlegen. Jedoch hatte sie Ende der 70er Jahre ihre nun erstmals in deutscher Sprache erschienenen Erinnerungen erneut niedergeschrieben und in sowjetkritischen Kreisen verbreitet, so dass die Autorin dafür sorgte, dass die Grauen des Erlebten nicht in Vergessenheit gerieten.

„Noch ein Stoß und der Zug setzt sich in Bewegung. Ich sehe die Türme der Karmelitenkirche vorüberziehen, sie glänzen golden in der Morgensonne … Die 63 Waggons rollen leiste und bringen uns, 1500 Litauer, in eine unbekannte Ferne, ein unbekanntes Leben“, beschreibt Grinkeviciute den Beginn der Verschleppung durch die Sowjets 1941. Bei ihr sind ihr Bruder und ihre Mutter. Beklemmend schildert Grinkeviciute, wie die Menschen tagelang zusammengepfercht in den Waggons sitzen und nicht wissen, was sie erwartet. Anfangs ärgert sich die damals 14-Jährige noch, dass sie für die den Tross begleitenden Sowjets nur Nr. 17 aus Waggon 19 ist und von einem Tschekisten wie ein Sklavenhändler auf ihre Tauglichkeit für schwere Arbeiten hin gemustert wird, später jedoch ist sie überhaupt froh, wahrgenommen zu werden.

Anfangs hoffen die Litauer, dass sie in amerikanische Gebiete ausgesiedelt werden, doch als sie am Ziel ankommen, sterben schnell jegliche Hoffnungen. Polarbezwinger sollen die Männer, Frauen und Kinder werden und in der Tundra neue Städte aus dem Boden stampfen. Doch hierfür erhalten sie nur einige Bretter, die die handwerklich unerfahrenen Städter irgendwie zu Baracken zusammenhauen, nicht ahnend, dass auf sie ein zehnmonatiger Winter zukommt, der ihre kühnsten Befürchtungen weit übersteigt.

Litauer, Finnen und Jakuten sind an diesem Ort versammelt. Grinkeviciutes Ausführungen machen deutlich, dass Läuse, Hunger, Krankheit und Tod sie gleichermaßen betrifft. Als auch ihre Mutter immer dünner und kränker wird, ahnen Dalia und ihr Bruder, dass ihre Mutter freiwillig den Hungertod gewählt hat und ihre Brotration unter ihren Kindern aufgeteilt hat. „Und wir, wie hungrige Tiere, erfroren und ausgelaugt von der schweren Arbeit, haben alles verschlungen, ohne zu fragen: Mutter, hast du auch schon gegessen? Wir haben unsere Mutter umgebracht“, so die bittere Erkenntnis. Die Kinder mobilisieren ihre letzten Kräfte und beschaffen ihrer Mutter die nötigen Nahrungsmittel. Doch viele andere werden nicht gerettet: „Die meisten Leichen sind nackt … Sie liegen zu einem Haufen getürmt, gefroren wie Holzstücke. Die Polarfüchse, die nichts anderes zu fressen haben, nagen sie an.“

Was Grinkeviciute aus ihrem Alltag schildert, erinnert nicht mehr an das Leben von Menschen, hier kriechen Sterbende auf allen Vieren durch Schnee und Eis, nur wenigen wird geholfen, da der sie ständig umgebende Tod das Mitleid der noch Gesunden zumeist abgetötet hat. Nur wenige von der Autorin geschilderte Details offenbaren Mitmenschlichkeit, zumal alle genug damit zu tun haben, selbst zu überleben.

Doch Grinkeviciute ließ sich nicht brechen, sie studierte später Medizin und wurde von den Menschen als mitfühlende Person geschildert. „Doktor Dalialein“ nannten sie die Menschen, sie, die bis zu ihrem Krebstod dafür kämpfte, das erlittene Unrecht publik zu machen und die den herrschenden Sowjets in all ihrem Tun derart ein Dorn im Auge war, dass sie ihr 1974 verbaten, als Ärztin zu praktizieren. Rebecca Bellano

Dalia Grinkeviciute: „Aber der Himmel – grandios“, Matthes & Seitz, Berlin 2014, geb., 206 Seiten, 19,90 Euro


Indien entzaubert
Nicht nur Gandhi wird in dieser Geschichtsanalyse kritisch gesehen

In drei langen Essays beleuchtet der 1938 in Irland geborene britische Historiker Perry Anderson „Die indische Ideologie“. Vorangegangen ist dieser Untersuchung seine Publikation über die Türkei „Nach Atatürk. Die Türken, ihr Staat und Europa“. Beides sind Länder, die aus riesigen langdauernden Reichen hervorgegangen sind. Explosionsartig wurde dort die äußere Form westlicher Staatlichkeit etabliert. Da es das europäische Pathos der Freiheit des Individuums nicht gab, mussten die ethnischen und religiösen Traditionen zum Sprengsatz dafür herhalten.

Anderson behandelt in „Unabhängigkeit“ den effektiven Wankelmut Gandhis, der von den Kastenlosen über die Muslime bis zu den Briten alle Partner auf dem Weg zur Selbstverwaltung der Inder durch sein Taktieren erst zu binden sucht und dann hintergeht. Nach ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen bläst er die Aktionen des zivilen Ungehorsams wieder ab. Anderson weist darauf hin, dass ähnliche Skrupel Gandhi 1942 nicht daran hinderten, ein Blutbad in Kauf zu nehmen. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte er kein Interesse, die britische Verwaltung aus dem Land zu treiben.

Der Kolonialismus wurde in Asien dann vor allem durch das rasche Vordringen der japanischen Armee im Zweiten Weltkrieg gebrochen. Anders als in Irland, Zypern und Palästina war das Em­pire nicht an einer Teilung Indiens interessiert. Aber die brutale Dynamik der Interessen hat das Riesenreich zerrissen. Die Kongress-partei drängte auf Teilung des Landes, um im größten Gebiet die uneingeschränkte Dominanz zu erhalten. Massaker und Vertreibungen waren die Folge des nur sechswöchigen Teilungsprozesses. Die Briten hatten eine Abwicklung binnen Jahresfrist ins Auge gefasst. Zwischen zwölf und 18 Millionen Menschen wurden durch die Teilung zu Flüchtlingen. Es war eine Befreiung von der Hegemonie, die in die Oligarchie der Clans führte. Anderson findet klare Worte: „Mountbatten entzündete das Pulverfass und übergab die Gebäude ihren neuen Eigentümern kurz vor der Explosion – dies ist wohl in den gesamten Annalen des Empire die verachtenswürdigste Tat.“

Hinsichtlich Gandhis ist er nachsichtig, wenn er meint: „Da seine Gesinnung jenseits irdischer Vernunft lag, kann man ihn ihretwegen nicht kritisieren.“

In „Republik“ beschreibt Perry die politische Wirklichkeit der „größten Demokratie der Welt“. Die Kongresspartei bediente sich unter dem erklärt säkularen Nehru der Hindu-Religion zur ideologischen Haftung. Ihre Bündnispartner im Befreiungskampf haben die Herrschenden brüsk abserviert und damit in der Region Bruchzonen geschaffen. So sei nun Indien allenfalls eine 50-Prozent-Demokratie mit systematischer Polizeiwillkür. Sebastian Hennig

Perry Anderson. „Die indische Ideologie. Essays“, Berenberg, Berlin 2014, geb., 208 Seiten, 22 Euro


Mehr Ähnlichkeiten als erwartet
Deutsch-polnische Beziehungen vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert – Geschichte in Querschnitten erzählt

Das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt informiert wie keine andere Einrichtung in Deutschland über die Vorgänge im Nachbarland. Unlängst hat es eine fünfbändige Geschichtsreihe gestartet, in der von deutschen und polnischen Historikern die deutsch-polnische Geschichte seit dem Mittelalter dargestellt wird. Ein erster Band zur Frühen Neuzeit ist erschienen. Verfasser des Bandes zur Zeit von 1500 bis 1806 sind der in Gießen lehrende Historiker Hans-Jürgen Bömelburg und sein Danziger Kollege Edmund Kizik.

An Darstellungen zur deutsch-polnischen Geschichte besteht eigentlich keine Mangelware. Gleichwohl fällt dieses Buch aus dem Rahmen: Anstelle der meist üblichen chronologischen Darstellung gibt es hier eine Art Querschnittsgeschichte oder besser

-geschichten. Einzelne Themen werden gleichsam wie ein Leinen über beide Nationen – also das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und das Land der polnischen Krone Polen-Litauens (später die polnische Republik ) – gelegt, was viel genauer als eine chronologische Darstellung Vergleiche erlaubt, die dann überraschenderweise viel mehr Ähnlichkeiten zutage fördern als eine noch immer fortwirkende Nationalgeschichtsschreibung.

Die wichtigsten Themen sind dabei die nachbarlichen Beziehungen über drei Jahrhunderte, Fragen von Mentalitäten und Migration, religiöse Institutionen und Zentren, die nationsübergreifende Adelskultur und literarisch-kulturelle Verflechtungen. Etwas speziellere Kapitel gelten der sächsisch-polnischen Union von 1697 bis 1763, den von einer Harmonie zur Gegnerschaft sich wandelnden Beziehungen zu Brandenburg-Preußen und den drei polnischen Teilungen, nach deren letzter Polen als Staat von der europäischen Landkarte verschwand.

Die Lektüre zeigt zahllose Ähnlichkeiten und Parallelen: Die Herrschaftsform mit Kaiser beziehungsweise König an der Spitze, unter ihnen Fürsten beziehungsweise eine mächtige Adelsschicht, eine fast gleichzeitig beginnende Ständevertretung (der Sejm ab 1493, der Reichstag ab 1496), deutsche Stadtentwicklung unter polnischer Hoheit (Danzig, Thorn, Lemberg), Mehrsprachigkeit, Schriftsteller wie Martin Opitz und Andreas Gryphius „hüben wie drüben“. In der 1000-jährigen deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte, so die Autoren, „ist das Besondere der Epoche, dass politisch-pragmatisch eine Parität zwischen beiden Staatsverbänden existierte, die von den Zeitgenossen akzeptiert wurde“.

Auch nach Aufkommen der Reformation währte noch lange ein friedliches Nebeneinander der Konfessionen; erst ab Mitte des 16. Jahrhunderts gesellten sich zu religiösen auch nationale Gegensätze mit entsprechenden Vorurteilen. Friedrich der Große hatte das spätere Stereotyp der „polnische Wirtschaft“ völlig verinnerlicht, und die von ihm forcierte erste polnische Teilung war nicht nur in Machtpolitik begründet, sondern auch im Bestreben, den Polen Kultur und Zivilisation zu bringen.

Das Ende beider Staatsformen erfolgte fast zeitgleich: die letzte polnische Teilung 1795, das Ende des Heiligen Römischen Reiches 1803. Es war, wie die Autoren sagen, das Ende der frühneuzeitlichen Verflechtungsgeschichte; und „zugleich verschwindet damit die Konstellation zweier gleichberechtigter föderaler Staatsverbände“. Dieser Satz steht auch für die Absicht der Autoren, eher das Gemeinsame und nicht mehr das Unterschiedliche sowie Trennende zwischen beiden Völkern herauszustellen. Das wirkt überzeugend; zu manchen Punkten hätte man sich noch etwas präzisere Angaben gewünscht, etwa warum die polnische Adelsrepublik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Spielball der Nachbarn wurde. Und gerade bei dieser Querschnittsdarstellung hätte dann eine Chronologie etwas mehr Halt bei der historischen Orientierung gegeben. Dirk Klose

Hans-Jürgen Bömelburg, Edmund Kizik: „Altes Reich und Alte Republik. Deutsch-polnische Beziehungen und Verflechtungen 1500 bis 1806“, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2014, 216 Seiten, 39,95 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Bedenkliche Symptome / Warum strittig ist, wer irre ist und wer normal, wie wir dem Absturz eifrig entgegen rudern, und warum man uns besser nicht zuhören sollte

Wer ist hier irre? Darüber kann man streiten. Der Geisteskranke hält angeblich uns „Normale“ für bekloppt. Spätestens nach dem Skandal um Gustl Mollath, der jahrelang von angeblich gesunden Entscheidungsträgern in der geschlossenen Psychiatrie festgehalten wurde, obwohl sein Geist völlig intakt war, wurmt uns die Frage, auf welcher Seite der Barriere wir, das Heer der vermeintlich Normalen, eigentlich stehen.

Ein Blick auf das, was wir tagtäglich treiben oder treiben lassen, ohne dass uns das merkwürdig vorkommt, nährt tatsächlich Zweifel, dass in unserem Oberstübchen alles am richtigen Platz steht.

Der Journalist Alexander Wendt, Autor des Buches „Der grüne Blackout“, zitiert den Vorsitzenden einer, wie er schreibt, „großen, einflussreichen Organisation, der öfters sowohl mit Angela Merkel als auch mit Sigmar Gabriel und etlichen Abgeordneten spricht“, mit der bitteren Feststellung: „Die Parteien in Berlin unterscheiden sich bei der Energiewende nur durch die Grade ihres Irrsinns.“ Ein Politiker und Duzfreund Merkels habe ihm, Wendt, geraten, sich einen Holzofen als Sicherheit gegen flächendeckenden Stromausfall zu besorgen und Holzvorräte anzulegen. Von SPD-Chef und Energieminister Gabriel überliefert Wendt den schönen Satz: „Die Energiewende steht kurz vor dem Aus.“

Doch was machen wir? Hart Steuerbord zur scharfen Wende von der Wende? Aber nicht doch: Hier und da wurde ein bisschen herumjustiert, das war’s. Die Bundesregierung fährt weiter geradeaus ins Fiasko, die grüne Opposition würde sogar gern noch einen Zahn zulegen. Narrenschiff am Wasserfall: Die Kapitänin befiehlt: „Kurs halten, da vorne wird’s gleich besser!“ Und obwohl wir den nahenden Abgrund schon gurgeln hören, lassen wir uns behaglich in die Liegestühle fallen. „Mutti“ auf der Brücke weiß ja, was sie tut.

Weiß sie’s? Was macht das schon: Wendt berichtet von Gesprächen mit ehemaligen DDR-Funktionären, darunter „kluge, reflektierte Leute“, wie er schreibt. Von denen wollte er wissen, wieso sie einfach weitergemacht haben, als ihnen doch schon klar sein musste, dass der ganze Laden gegen die Wand fährt. Antwort: Das verstünden sie mittlerweile selbst nicht mehr.

Die Energiewende wird nicht das einzige sein, was wir uns eines Tages kaum noch werden erklären können. Erinnern Sie sich noch an 2008? Die Lehman-Pleite, der Zusammenbruch der Finanzmärkte? Den Schuldigen für den Schlamassel hatten die Experten schnell gefunden: sogenannte ABS („Asset Backed Securities“). Das sind „Wertpapiere“, in denen alle möglichen Kredite gebündelt worden sind. Am Ende wusste keiner mehr, was in diesen ABS eigentlich drin ist. Es stellte sich heraus: haufenweise Finanzschrott. Nach dieser Entdeckung krachte der Markt ein.

Nun möchte die EZB massenhaft solche ABS-Papiere kaufen, Informationen zufolge will EZB-Präsident Draghi praktisch den ganzen Markt leerfegen, um die Banken (die den Dreck in den Bilanzen haben) zu entlasten. Und weil er nahezu alle ABS haben will, wird er Mondpreise zahlen müssen.

Der Schrott gehört dann den Steuerzahlern. Doch es kommt noch besser: Weil der Ankauf für die EZB zu schwierig sei (Was können die eigentlich?) hat Draghi die Firma Blackrock mit dem Ankauf beauftragt. Blackrock ist ein billionenschwerer Vermögensverwalter, bei dem die Schwerreichen dieser Welt ihr Geld geparkt haben.

Die Schwerreichen sind es auch, die Milliarden in ABS-Papiere investiert haben und ganz glücklich damit waren, solange noch ordentlich Rendite floss. Und die seit Jahren schwer verunsichert sind, weil sie fürchten, dass sich der Kram in Luft auflöst.

Glückes Geschick: Nun kauft ihnen ihr eigener Vermögensverwalter die Mistdinger zu Höchstpreisen mit dem Geld der europäischen Steuerzahler ab. Sie sind fein raus und wir haben den Salat. Eine Gesellschaft wie wir, die sich derart schamlos, dreist und öffentlich beklauen lässt, die muss doch einen an der Waffel haben!

Oder schauen wir mal auf das hier: Nur ein paar Jahre ist es her, da erschraken wir vor der „massenhaft gescheiterten Integration“ gewisser Einwanderergruppen, vor „Parallelgesellschaften“, in denen die Scharia oder ein martialisches Sippenrecht mit Blutrache, „Ehrenmord“ und dem ganzen vorsintflutlichen Zinnober herrscht statt der Gesetze des zivilisierten Abendlandes. Auf der Berliner Rütli-Schule kapitulierten die Lehrer, weil sie mit den Immigrantenkindern nicht mehr zu Potte kamen.

Und heute? Obwohl wir noch immer keinen Plan haben, wie wir die bereits bei uns lebenden Parallelgesellschaftler zu einem Teil unserer Gesellschaft machen können, lassen wir praktisch unkontrolliert die nächste Welle herein. Und tun alles, damit sie sich schön auftürmt.

Wirklich alles: Wie berichtet, hat die Stadt Köln ein Vier-Sterne-Hotel gekauft, um dort Asylbewerber unterzubringen. Das Haus war in der Zwangsversteigerung. Aber nicht, weil das Hotel pleite war, sondern wegen seiner verstorbenen Eigentümer. Der Laden brummt, der Pachtvertrag wurde eben erst bis 2019 verlängert, als die Stadt zuschlug. Nun verlieren 32 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz und die Stadt einen potenten Steuerzahler. Der Pachtvertrag wird vorzeitig gekündigt. Normal?

In die Problemklassen à la Rütli stecken wir derweil noch geistig behinderte Kinder, die bislang auf Förderschulen gezielt betreut wurden. Klassen am Rande des Zusammenbruchs wird so gleich noch eine Bürde aufgehalst, völlig unnötig. Kommentar überflüssig.

Überhaupt scheint für uns Bekloppte ein besonderer Reiz darin zu liegen, ein ohnehin kaum lösbares Problem durch gezielte Schläge noch ein bisschen ka­tastrophaler zu gestalten. Damit’s dann auch richtig knallt. Seit den 90er Jahren dämmert uns mit wachsender Deutlichkeit, dass unsere Altersversorgung auf Sand gebaut ist, weil es zu wenig Junge gibt. Doch was haben wir jetzt getan? Das Rentenalter für Tausende von Beschäftigten auf 63 Jahre herabgesenkt.

Und eine Mütterrente eingeführt. Eigentlich war die gedacht, um die Mütter dafür zu entlohnen, dass sie sich mit der Aufzucht von Beitragszahlern abgemüht haben. Das wäre ja auch nur gerecht. Aber unbegreiflicherweise kommt die Zusatzrente auch jenen Müttern zugute, deren Kinder überhaupt keine Rentenbeiträge zahlen. So schieben wir das Rentensystem nur noch wieder ein Stückchen näher an die Kante des Absturzes.

Derweil schrauben wir seit Jahren ohne Aussicht auf Erfolg an unserem schönen neuen Hauptstadtflughafen BER herum. Der soll mit seiner Maximalkapazität von 21 Millionen Passagieren jährlich eines Tages alle anderen Berliner Flughäfen ersetzen. Dumm nur: Die anderen Häfen zählen schon heute 27 Millionen Reisende, und Berlin wächst und wächst. Der BER wird also selbst dann, wenn alles endlich wie gedacht fertig ist, ein Schlag ins Wasser werden. Welch bemerkenswerten Schnarchnasen waren da am Werk?

Und jetzt? Alles auf Anfang wegen voraussehbaren Desasters? Nicht mit uns: Es wird natürlich fröhlich weitergemacht. Nun will man den alten Schönefelder Flughafen nebenan offenhalten. Der BER wird der erste „neue“ Flughafen der Welt sein, der vom ersten Tag seiner Geschichte an aus Flickwerk besteht.

Es heißt, die Jungen seien gut beraten, wenn sie sich Rat bei den Altvorderen holten. Für die nächste Generation sollten wir diese Empfehlung definitiv stornieren. Wer uns einmal zuhört, der kann sich seine Weisheiten ebenso gut in der Klapsmühle abholen. Möglicherweise bekommt er dort sogar klügeren Beistand als bei uns.

Wie eingangs erwähnt: Wer die Bekloppten sind, hängt letztlich vom Standpunkt ab. Wir jedenfalls sollten uns über unsere baldige Einweisung nicht wundern. Bedenkliche Symptome zeigen wir genug.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Mieter raus für Asylbewerber

Osnabrück – Rund 30 Mieter eines Wohnheims in Osnabrück verlieren ihre Bleibe, weil die Stadt dort Asylbewerber unterbringen will. Das Heim gehört dem Osnabrücker Sportclub, ist aber von einer Tochter der Osnabrücker Stadtwerke gepachtet. Durch ein Versäumnis war den Mietern ursprünglich nur eine Frist von drei Wochen bis zum Auszug gewährt worden. Nach Protesten hat die Stadtverwaltung die Frist verlängert. H.H.

 

CDU streicht »christlich«

Duisburg – Der CDU-Ortsverband im nordrhein-westfälischen Duisburg hat seine Satzung umgestaltet. Dabei ist die bisherige Selbstverpflichtung auf die „christliche Verantwortung“ gestrichen worden, meldet die Zeitung „Der Westen“. Dies sorgt dem Bericht zufolge nun für „Verwunderung in den eigenen Reihen“ der Christdemokraten. In der Bundes- und Landessatzung der CDU wird ausdrücklich aufs Christentum Bezug genommen. H.H.

 

Lieber BvB-als Merkel-Fan

Er ist Fan vom Fußballklub Borussia Dortmund (BvB), steht auf Musik von Jan Delay, mag die Taekwondo-Kämpferin Helena Fromm, hört Deutschlandradio und sieht Tatort-Krimis. Die Facebook-Seite, auf der Paul Ziemiak seine Vorlieben verrät, könnte auch die eines Bankangestellten oder Turnschuhverkäufers sein: brav, bieder, bescheiden.

Für wen er politisch schwärmt, verrät Ziemiak auf Facebook nicht. Angela Merkel taucht in seiner Liste inspirierender Persönlichkeiten jedenfalls nicht auf. Als neuer Vorsitzender der Jungen Union (JU) will Ziemiak andere Akzente setzen als seine politische Übermutti. Zum sozialliberal und evangelisch angehauchten „Merkelismus“ will er ein konservatives und katholisches Gegengewicht schaffen.

In einer Kampfabstimmung – der ersten seit 41 Jahren in der Jungen Union – hatte sich der Jurastudent aus dem sauerländischen Iserlohn gegen Benedict Pöttering deutlich durchgesetzt. Der Sohn des früheren EU-Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering hatte sich zuvor mit einer E-Mail-Kampagne unbeliebt gemacht, als er sich gegenüber der JU-Basis schon als fertiger Staatsmann dargestellt hat.

Von solchen Selbstdarstellungen hält der 28-jährige Ziemiak wenig. Er inszeniert lieber seine schlichte Herkunft als Deutsch-Pole aus Stettin. In seiner frei gehaltenen Rede beim Deutschlandtag der JU erinnerte er daran, wie seine Eltern 1988 „ohne Geld, mit drei Koffern und zwei Kindern und jeder Menge Mut“ als Aussiedler aus Polen nach Deutschland gekommen sind. Inzwischen ist er Vorsitzender der CDU Iserlohn und hat es jetzt geschafft, Philipp Mißfelder nachzufolgen, der der nach der Rekordamtszeit von zwölf Jahren aus Altersgründen nicht mehr für den JU-Vorsitz kandidierte. Harald Tews


MEINUNGEN

Der Islamist und Anführer der Wuppertaler „Scharia-Polizei“, Sven Lau, gibt im „Focus“ (22. September) einen kurzen Einblick in sein Weltbild, als er auf die Verbrechen des „Islamischen Staats“ (IS) angesprochen wird:

„Sie meinen das mit den Journalisten? Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Ich soll sagen: Ich distanziere mich vom IS und deren Gräueltaten. Warum sollte ich das tun? Sie sind kein Glaubensbruder. Ich finde die Todesspritzen in Amerika ein Verbrechen. Sie finden das Kopfabschneiden nicht legitim. Es wird immer nur auf uns geschaut.“

 

 

Dauerndes Beschäftigtsein gilt als Ausdruck von Erfolg und Glück. Falsch, sagt Marie Amrhein, Schlafmangel fördere sogar Demenz. Im „Cicero“ (21. September) hält sie ein flammendes Plädoyer für die heilsame Wirkung von Schlaf und Langeweile:

„Auch Erwachsenen gilt sie als Triebfeder des Geistes, als Voraussetzung für einen kreativen Umgang mit dem Selbst. Die Langeweile erst macht es möglich, wahre Eigeninteressen aus der Vielzahl der Angebote herauszufiltern. Wir wären also schön blöd, wenn wir uns weiterhin selbstverschuldet um Schlaf und Langeweile brächten.“

 

 

Der Starkolumnist der Berliner „B.Z.“, Gunnar Schupelius, kritisierte Berlins evangelischen Bischof Markus Dröge am 18. September dafür, dass er den „Marsch für das Leben“ nicht unterstützen wollte, denn:

„In unserem Lande läuft etwas gewaltig schief. Kindern im Mutterleib wird das Recht auf Leben aberkannt. Mehr als hunderttausend Mal im Jahr. Und in den wenigsten Fällen ist der Schwangerschaftsabbruch mit einer existenziellen Notlage begründet.“

 

 

Jacques Schuster fordert in der „Welt“ (23. September) einen radikalen Schwenk in der sogenannten Flüchtlingspolitik und der Grenzsicherung im Mittelmeer:

„Greift die Küstenwache Seelenverkäufer auf, müssen die Flüchtlinge gerettet, die Boote versenkt und die Menschen umgehend in Flüchtlingslager auf afrikanischer Seite gebracht werden, die unter Aufsicht des UN-Flüchtlingswerks UNHCR stehen und von der EU finanziert werden sollten. Dort und nur dort dürften die Asyl- und Einwanderungsgesuche bearbeitet werden.“

 

 

Der Schriftsteller und Journalist Milosz Matuschek, Jahrgang 1980, wirft in der „Neuen Zürcher Zeitung“ (23. September) seiner Generation vor, zu Ich-bezogen, träge, desinteressiert und unkreativ zu sein:

„Das Problem der zwischen 1980 und 2000 geborenen ,Generation Y‘ sind nicht die zu vielen Optionen oder das seichte Lebensgefühl des ,vielleicht dies, vielleicht das‘. Ihr Problem ist, dass sie keine Probleme mehr kennt. Erst noch die Welt retten oder lieber gleich einen Master machen? Wir streiten über Lifestyle-Themen, über glutenfrei oder gleich vegan, über zu viele Hipster in der Stadt und zu lange Schlangen vor den Klubs. NSA, Gaza, Syrien? Das sind Probleme der anderen.“