© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 49/14 vom 06.12.2014

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

CDU muss Farbe bekennen
Parteitag in Köln: Streit um »kalte Progression« wird zum Richtungskampf

Die Sozialdemokratisierung der CDU lässt viele Anhänger verzweifeln. Kritiker wollen daher eine Kurskorrektur erzwingen.

Bundesparteitage der CDU erzeugten in der jüngeren Vergangenheit wenig Spannung. Sie schienen zu reinen Jubelfeiern für Angela Merkel verkommen zu sein, seichte Show-Veranstaltungen nach dem schlechten US-amerikanischen Vorbild.

Kommende Woche treten die Christdemokraten wieder zusammen. Diesmal soll es jedoch anders werden. Auf dem Parteitag in Köln will Carsten Linnemann, der Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT), mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Klingen kreuzen.

Es geht um die sogenannte „kalte Progression“. Sie sorgt dafür, dass Beschäftigte automatisch in einen höheren Steuertarif rutschen, selbst wenn ihr Bruttogehalt nicht stärker steigt als auf Höhe der Inflation.

Linnemann warnt vor einer „gefährlichen Stimmung“, die sich im Land ausbreite: „Es entsteht der Eindruck, dass wir nur noch Transferleistungen zahlen, Geld verteilen und den Sozialstaat ausdehnen. Die Leute haben nicht mehr das Gefühl, dass es noch erstrebenswert ist, in Deutschland Leistungsträger zu sein.“

Finanzminister Schäuble will vor der nächsten Bundestagswahl 2017 lediglich einen Gesetzesentwurf zur kalten Progression vorlegen. Und seine bisherigen Äußerungen zum Thema lassen befürchten, dass es dabei bleiben soll und er eine Kurskorrektur in Wahrheit gar nicht anstrebt. Linnemann fordert dagegen, dass schon zum 1. Januar 2017 ein fertiges Gesetz verabschiedet wird. Er hofft dabei auf die Unterstützung des CDU-Arbeitnehmerflügels und droht notfalls mit einer Kampfabstimmung in Köln.

Linnemann trifft damit ins Herz der hart arbeitenden Mittelschicht, für die das Festhalten an der kalten Progression nur ein weiteres Indiz für die Sozialdemokratisierung ihrer früheren Leib-und-Magen-Partei darstellt. Die Verewigung des „Soli“ ist ein weiterer Punkt. Auch mehren sich Verdachtspunkte, dass die Pkw-Maut am Ende doch nicht „kostenneutral“, sondern als Zu-

satzabgabe auf die Kraftfahrer zukommt. Wer zudem genau hinsieht, erkennt, dass Schäubles „schwarze Null“ im Haushalt 2015 allein darauf zurückzuführen ist, dass er fast keine Zinsen mehr auf refinanzierte Altschulden zahlen muss, wofür die Sparer, Privatrentner und Lebensversicherten über Jahre die Zeche zahlen.

Alles in allem entsteht so das Bild eines immer gieriger zugreifenden Steuerstaats, der seinen Leistungsträgern immer weniger Luft lässt – eine in der Tat durch und durch sozialistische Tendenz. Will die CDU nicht noch mehr von ihrem einstigen Profil als Partei der leistungsorientierten Mittelschicht einbüßen, tut sie gut daran, dem Vorstoß der MIT zu folgen. Verweigert sie sich der Reform, heißt die neue Konkurrenz von der AfD die Enttäuschten nur zu gern willkommen. Hans Heckel


Grüner Pyrrhussieg
Eon spaltet konventionelle Kraftwerke ab – Sorge um Stromversorgung

Von den ersten Kommentatoren wurde es wie ein Sieg, eine gar historische Bestätigung der Energiewende gefeiert: Der Eon-Konzern wird 2016 seine gesamte Sparte zur Herstellung von Energie in Kohle-, Kern- und Gaskraftwerken abspalten. Der Bereich war zuletzt derart verlustreich, dass ihn Eon in eine Art „Bad Bank“ aussortieren will.

Es steht zu erwarten, dass Eon den Zweig der konventionellen Kraftwerke ab 2016 langsam sterben lassen will. Der Stammkonzern wird sich dann allein den Erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne und Biogas zuwenden sowie dem Betrieb von Strom- und Gasnetzen und dem Vertrieb.

Was auf den ersten Blick tatsächlich wie ein Triumph der „grünen“ Energiewende aussehen mag, betrachten Skeptiker mit großer Sorge. Die konventionellen Kraftwerke wurden unrentabel, weil sie zwar stets betriebsbereit gehalten werden müssen, jedoch nur Geld verdienen, wenn Ökostrom nicht ausreichend zur Verfügung steht. Da der Ökostrom (auf Kosten der Verbraucher) hoch subventioniert ist, liegen die Großhandelspreise für Strom zudem am Boden.

Damit ist es für große Betreiber nicht mehr sinnvoll, die Grundlast vorzuhalten. Ziehen sie sich nun aber schrittweise aus dem (der politischen Entscheidungen wegen) schlecht gewordenen Geschäft zurück, ist die Grundversorgung für wind- und sonnenarme Zeiten stark gefährdet.

Auch die anderen großen drei Versorger werden dem Beispiel von Eon folgen, fürchten Kritiker. Dann dürften die Stimmen jener Experten, die vor drohenden Stromausfällen mit gravierenden Folgen für die Industrie warnen, wieder lauter werden. Die Politik indes sieht sich bestätigt und will ohne Wenn und Aber am eigeschlagenen Kurs festhalten. H.H.


Neue Verbrechensqualität
In Niedersachsen stürmen kurdische Kriminelle eine Polizeiwache

Ernst schauten die beiden drein, als Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) und Amtskollegin Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) am vergangenen Montag den alljährlichen „Lagebricht organisierte Kriminalität“ für ihr Bundesland verkündeten. Sicher, es gab Erfolge zu vermelden. Die Rockerkriminalität durch Banden wie die Hells Angels wurde zurückgedrängt. Ein anderes Phänomen aber macht der Staatsgewalt mehr zu schaffen. Zum ersten Mal enthält der Lagebericht ein Kapitel, das sich ausschließlich mit der sogenannten „Clan-Kriminalität” beschäftigt. Gemeint sind Groß-

familien, die in Niedersachsen meist aus dem kurdisch-libanesischen Raum oder aus türkisch-kurdischen Regionen stammen. Sie betätigen sich vor allem im Rauschgifthandel. Was sie auszeichnet: Wenn es darauf ankommt, bedrohen sie massiv auch Polizisten, Richter und Staatsanwälte.

Der wohl spektakulärste Fall ereignete sich Anfang November in Peine, als eine Kurden-Gruppe das örtliche Polizeikommissariat stürmte und mit Fäusten gegen die Beamten vor Ort vorging. Nur mit Mühe konnten die Männer aus dem Gebäude vertrieben werden. Ein Vorgang, den Ulf Küch, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) beispiellos nennt. Etwas Derartiges sei ihm in rund 40 Jahren Dienstzeit nicht auf den Schreibtisch gekommen. Ob er einzigartig bleibt, darf bezweifelt werden. Das Phänomen der Clan-Kriminalität ist längst nicht nur auf Niedersachsen beschränkt. Ob in Berlin, Bremen oder im ländlichen Raum – mafiöse Ausländerclans oft mit tausenden Mitgliedern haben sich zu dominierenden Größen der Organisierten Kriminalität entwickelt. Frank Horns

(Siehe Kommentar Seite 8)


Jan Heitmann:
Auch ein Nazi?

Gerade heraus, das ist es, was Altkanzler Helmut Schmidt bis heute auszeichnet, wofür er geschätzt und gleichermaßen gefürchtet wird. Gerade heraus ist er auch immer gewesen, wenn es um seinen Lebenslauf bis 1945 ging. Dieser gleicht dem Millionen anderer seiner Generation: Von der Schulbank in die Uniform und weiter in den Krieg. Über diese Jahre hat Schmidt immer offen gesprochen. Dabei hat er stets scharf zwischen seinem Vaterland, dem er als Soldat aus Überzeugung gedient, und dem Regime, das er abgelehnt hat, unterschieden. Er steht zu dem, was er getan und unterlassen hat und hat nie für sich in Anspruch genommen, ein Widerstandskämpfer gewesen zu sein.

Die Journalistin Sabine Pamperrien wirft ihm nun in einem Buch vor, „von der Nazi-Ideologie kontaminiert“ gewesen zu sein. Diese kühne Behauptung stützt sie hauptsächlich auf Eintragungen in seiner militärischen Personalakte, in der Vorgesetzte ihm eine einwandfreie nationalsozialistische Haltung bescheinigen. Dies ist allerdings noch lange kein Indiz dafür, dass der Beurteilte tatsächlich der NS-Ideologie verfallen war. Derartige Formulierungen waren damals durchaus üblich, wenn der Betreffende nicht gerade als Kritiker des Regimes galt. Sie finden sich in den Personalunterlagen von Millionen und dürften selbst in denen der Akteure des 20. Juli nicht fehlen. Dieses Buch ist nichts anderes als der untaugliche Versuch, sich mit der Demontage einer Ikone der Politik zu profilieren. Und es darf der Autorin noch eine weitere Absicht unterstellt werden: Sie zielt auf einen, um eine ganze Generation zu treffen, der seit Jahren unterstellt wird, eine Generation von Nazis und Mördern zu sein.


S. 2 Aktuell

Mit einem »Showroom« zum Erfolg?
Als Freiwilligenarmee geht die Bundeswehr bei der Nachwuchsgewinnung neue Wege

Die Bundeswehr hat in Berlin direkt gegenüber dem Bahnhof Friedrichstraße ihren deutschlandweit ersten „Showroom“ (englisch für: Präsentations- oder Vorführungsraum) eröffnet. Im Mittelpunkt stehen die Angebote für am Dienst in der Bundeswehr interessierte Bewerber.

Linke Schreihälse fehlten nicht bei der Eröffnung des ersten „Show­rooms“ der Bundeswehr mitten in Berlin. „Kein Werben fürs Sterben“, skandierten sie lautstark bei einer kurzen Ansprache von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor dem kleinen Ladenlokal in der Georgenstraße 24. Auch Bundestagsabgeordnete der „Linken“ waren unter den Protestierern. Eigentlich scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Fensterscheiben eingeworfen werden. Allein im ersten Halbjahr 2014 registrierten die Sicherheitsbehörden in Berlin 241 Gewaltdelikte sowie 482 sonstige Delikte von Linksextremisten. Zum Vergleich: In demselben Zeitraum wurden nur 47 rechtsextreme Gewaltdelikte gezählt.

Wie der Leiter des neuen Präsentationsraums der Bundeswehr, Hauptmann Jürgen Klau, im Gespräch mit der PAZ erklärt, soll das bisherige Schaufensterglas bald durch ein Spezialglas ersetzt werden. Montags bis sonnabends von 9 bis 20 Uhr hat der kleine Bundeswehrladen – er hat nur einen Raum – geöffnet, und vielleicht wäre für die Nachtstunden noch ein metallener Rolladen gut, so wie es bei vielen Geschäften in Berlin aufgrund der hohen Einbruchsgefahr üblich ist. Hauptmann Klau stammt aus dem niederbayerischen Pfarrkirchen und kommt von den Heeresfliegern. Für die Tätigkeit im „Show­room“ ist er der richtige Mann. Seit 1984 ist Klau bei der Bundeswehr, er ist offen und kompetent, redegewandt und hat Humor. Zur Seite stehen ihm pro Schicht in der Regel zwei Unteroffiziere. Alle, auch Klau, tragen Flecktarn-Uniform. Das erinnert in dem kleinen Raum mit seinen blauen stoffbezogenen Hockern und dem niedrigen weißen Tisch daran, dass die Bundeswehr doch ein Arbeitgeber der etwas anderen Art ist. „Aktiv. Attraktiv. Anders“, prangt als Werbespruch an der Wand. Und: „Wir. Dienen. Deutschland.“ Info-Broschüren liegen aus. Auf zwei Flachbildschirmen flimmern Werbefilmchen, bei denen man den Eindruck bekommen könnte, die Bundeswehr bestünde mindes­tens zur Hälfte aus attraktiven Soldatinnen.

Wie Hauptmann Klau auf Frage der PAZ mitteilt, kamen in der ersten Woche täglich im Durchschnitt 50 Besucher in den „Show­room“. Davon hatte laut Klau rund ein Drittel echtes Interesse an einem Dienst „beim Bund“. Etwa 30 Prozent seien Frauen. Das Alter der Interessenten läge zwischen 17 und 27 Jahren. Dabei hebt Klau hervor, dass frühere Altersgrenzen für Einstellungen gefallen seien. Bei der Bundeswehrverwaltung etwa werden zurzeit Bewerber für eine Beamtenlaufbahn bis zum 50. Lebensjahr eingestellt.

Bislang habe es im „Show­room“ keine Probleme mit Besuchern gegeben, sagt Klau auf Frage der PAZ. Besucher kämen nicht nur aus Berlin, sondern seien etwa auch als Touristen in der Stadt. Die Georgenstraße gegenüber dem Bahnhof Friedrichstraße wird täglich von einer großen Zahl Menschen frequentiert. Viele sind auch durch die Medien auf die neue Dependance aufmerksam geworden. Einige erklärten ausdrücklich, so Klau, dass sie es gut fänden, dass die Bundeswehr sich jetzt öffentlich so präsentiere. Ob auch in anderen Städten solche „Showrooms“ angemietet werden, sei noch offen.

Hätte man nicht statt „Show­room“ ein anderes Wort finden können, vielleicht Rekrutierungsbüro? Dieser Begriff wäre laut Klau auch nicht ganz passend. Denn es werde nicht nur um Rekruten geworben, sondern auch um Zivilbeschäftigte für die Bundeswehr. In unmittelbarer Nähe zum „Showroom“ gibt es ein „Karrierecenter“ der Bundeswehr, für das ein weiterer Beratungstermin ausgemacht werden kann.

Stellen nicht mögliche gefährliche Auslandseinsätze ein erhebliches Problem für Bewerber da? Die Mehrheit der ernsthaften Bewerber für den Militärdienst sei schon vorinformiert und sich auch der Auslandseinsätze bewusst, sagt Klau. Bewerber fragten auch bewusst nach einer zivilen Karriere. Im Internet hält die Bundeswehr umfangreiche Informationen parat. Zudem gibt es unter der Telefonnummer 0800/9800880 kostenlos Beratung.

Die Aussetzung der Wehrpflicht, deretwegen erst die verstärkte Nachwuchswerbung für die Bundeswehr nötig wurde, kritisiert Klau nicht. „Wer jetzt kommt, ist wirklich freiwillig da“, sagt er. Doch räumt er erhebliche Personalprobleme bei der Marine ein. Bereits der frühere Marineinspekteur Axel Schimpf hatte auf die prekäre Personalsituation infolge der überstürzten Wehrpflicht-Aussetzung hingewiesen. Von der Leyen erklärte vor kurzem: „Wir haben zur Zeit vier U-Boote, von denen aus personaltechnischen Gründen nur zwei gefahren werden können.“

Die Bundeswehr beschäftigt derzeit 277000 Personen, davon 183500 im militärischen und 93500 im zivilen Bereich. Das Militär umfasst 53000 Berufssoldaten, 120000 Zeitsoldaten und 10500 Freiwillig Wehrdienstleistende (FWD). Von den Zivilisten sind 23800 Beamte, 65000 Arbeitnehmer und 4700 in Ausbildung. In der Bundeswehr dienen 18500 Soldatinnen, der Frauenanteil beträgt hier rund zehn Prozent, davon 7800 im Sanitätsdienst.

Nach ihrer Neuausrichtung soll die Bundeswehr im Jahr 2017 nur noch 240000 Beschäftigte haben, davon bis zu 185000 Soldaten und nur noch 55000 Zivilbedienstete. Die Zahl der Freiwillig Wehrdienstleistenden (Verpflichtungszeit bis 23 Monate) soll zwischen 5000 und 12500 liegen. In der Vergangenheit war der Freiwillige Wehrdienst von einer hohen Abbrecherquote gekennzeichnet. Im Jahr 2012 lag sie bei 28,8 Prozent. Der Bericht des Wehrbeauftragten für 2013 verdeutlichte an Beispielfällen, dass hierfür oft auch inkompetente Beratungen und Entscheidungen von „Karrierecentern“ mit schuld sind.

Michael Leh


»Neusprech« für Journalisten
Einflussreicher Verein gibt Sprachregelungen für Medien heraus

Ein 21 Seiten umfassendes Glossar des Vereins „Neue deutsche Medienmacher“ will „Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ geben. Statt zu „mehr Vielfalt hinter den Kameras und Mikrofonen“, wie es das Medienbündnis verheißt, droht mit den vorgelegten Formulierungsempfehlungen allerdings, dass sich in Deutschlands Medien die nächste Steigerungsstufe der Politischen Korrektheit breitmacht. So nimmt „Neue deutsche Medienmacher“ in seinem Glossar allen Ernstes auch noch an einer Formulierung wie „Deutsche mit türkischer Herkunft“ Anstoß. Konsequenterweise müsste es dann auch „Deutsche mit deutscher Herkunft“, sprich „Herkunftsdeutsche“, heißen, so zumindest die Ansicht des Bündnisses, das sich als „Ansprechpartner für interkulturellen Journalismus“ sieht. Als weitere Begriffsvorschläge für die „Bürger eines Einwanderungslandes“ werden noch „Biodeutsche“, „Passdeutsche“, „Standarddeutsche“ und „Copyright-Deutsche“ präsentiert.

Andere Empfehlungen für die tägliche Redaktionsarbeit erinnern ähnlich stark an den „Neusprech“ aus Georg Orwells Roman „1984“. Statt „Einheimische“ und „Migranten“, solle es besser „Einheimische und Mehrheimische“ heißen. Beim Umgang mit dem zunächst harmlos erscheinenden Wort „Wir“ gelte es zu bedenken, dass es, „ohne ausgesprochen zu werden, für wir Deutsche (ohne Migrationshintergrund)“ stehe und damit ausgrenze. Ähnlich feinsinnig herausgearbeit werden die Unterschiede zwischen einem „Ehrenmord“ und einer „Beziehungstat“ oder einem „Salafisten“ und dem scheinbar etwas gemäßigteren „Salafiten“.

Weitgehend verschwinden soll nach den Vorstellungen des Vereins der Begriff „Ausländerkriminalität“. Da es keine „Deutschenkriminalität“ gebe, solle die Formulierung nur noch als Oberbegriff für Verstöße gegen Asylgesetze, Visavergehen und einige Straftaten verwendet werden, jedoch nicht mehr als eine Bezeichnung für alle Straftaten, die von Ausländern begangen werden.

Zu befürchten ist, dass die vorgelegten „Formulierungshilfen“ im journalistischen Alltag vieler Medien durchaus die Wirkung von verbindlichen Vorgaben entwickeln werden. Bei dem Verein „Neue deutsche Medienmacher“ handelt es sich keineswegs um eine bedeutungslose Hinterzimmerveranstaltung für kabarettreife Wortschöpfungen. Auf der Internetpräsenz des Vereins werden als Partner unter anderem wichtige Akteure der deutschen Medienlandschaft wie die Bertelsmann Stiftung genannt oder die Grimme-Akademie, deren Gesellschafter der Deutsche Volkshochschul-Verband, die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, der WDR, das ZDF, die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, die Stadt Marl und das Land Nord­rhein-Westfalen sind, also staatliche oder staatsnahe Institutionen.

Wie schnell und umfassend mittlerweile bestimmte Begriffe aus der öffentlichen Diskussion verschwinden und durch „Neusprech“ ausgetauscht werden, lässt sich derzeit an einem Beispiel sehr eindrücklich beobachten. So sind die Begriffe „Asylberwerber“ oder „Asylanten“ aus der Berichterstattung nahezu aller etablierten Medien weitgehend verschwunden. N.H.


Geld für Wahrheit
Prämie für Hinweise zu Flug MH17 erhöht

Der Betrag, den der deutsche Privatdetektiv Josef Resch für Hinweise zum Absturz der Passagiermaschine Malaysian Air MH17 in der Ostukraine ausgesetzt hat, wird um 17 Millionen US-Dollar aufgestockt. Wie der von einem Unbekannten beauftragte Ermittler der Zeitschrift „Capital“ mitteilte, ist das zusätzliche Geld für diejenigen Hinweisgeber gedacht, die aufzeigen können, wie staatliche Stellen die Aufklärung verhindern.

Bereits im September war für Hinweise auf die Hintermänner des Flugzeugabschusses eine Summe von 30 Millionen Dollar ausgelobt worden. Zum Stand der Ermittlungen gab Resch an, er und seine Mitarbeiter seien „ein gutes Stück weitergekommen“. Nach Einschätzung des renommierten Ermittlers war bei dem reichlich eingegangenen Material ein großes Interesse erkennbar, „aufwändige Fälschungen als echt zu verkaufen“. Ebenso habe es Versuche gegeben, den Stand der Ermittlungen auszuforschen. Nach gut zwei Monaten Arbeit will Resch in der Sache nichts ausschließen. Allerdings meldet er „erhebliche Zweifel“ an der gängigen Theorie an, dass prorussische Separatisten die Maschine mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen hätten.

Mit seinem Misstrauen steht der Privatdetektiv nicht allein. Auch in den Niederlanden gibt die durch staatliche Stellen betriebene Geheimhaltung bei der Untersuchung des Flugzeugunglücks Rätsel auf. So ist die niederländische Wochenzeitung „Elsevier“ daran gescheitert, unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz eine Veröffentlichung der geheimen Vereinbarung des gemeinsamen internationalen Ermittlungsteams sowie 16 weiterer Dokumente zu erreichen. Dass in der Ermittlergruppe zwar die Niederlande, Belgien, Australien und die Ukraine vertreten sind, ausgerechnet Malaysia aber ausgeschossen ist, hatte schon zuvor in Kuala Lumpur für erhebliche Verärgerung gesorgt. Abgerundet wird der fatale Eindruck dadurch, dass die vier Staaten, die in Sachen MH17-Abschuss ermitteln, offenbar auch noch ein Vetorecht bei der Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen vereinbart haben. N.H.


MELDUNGEN

Besserstellung von Dementen

Berlin – Ab 2017 soll es einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff geben. Mit diesem Vorhaben reagiert die Bundesregierung auf eine Forderung des Sozialverbandes VdK, der in einer Eingabe an den Bundestag bemängelt hatte, dass geistige und psychische Beeinträchtigungen in der Pflegeversicherung weniger berücksichtigt würden als körperliche Ursachen von Pflegebedürftigkeit. Wie Gesundheitsstaatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) betonte, soll es durch die Besserstellung von dementen und kognitiv eingeschränkten Patienten „keine Einsparungen von Leistungen“ auf anderen Ebenen geben. Allerdings geht die Bundesregierung von einer Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung um 0,2 Prozentpunkte aus, um die Änderung zu finanzieren. J.H.

 

Swapo siegt in Namibia

Windhuk – Am Freitag vergangener Woche waren die 1,2 Millionen Wähler Namibias aufgerufen, ein neues Parlament und den Nachfolger von Staatspräsident Hifikepunye Pohamba zu bestimmen. Es siegte wie bei allen Wahlen zuvor seit dem Beginn der Unabhängigkeit im Jahre 1990 die Swapo Party of Namibia. Sie erhielt diesmal 77 Prozent der abgegebenen Stimmen. Dahingegen stürzte die wichtigste Oppositionspartei RDP von 11,2 auf 3,8 Prozent ab. Außerdem deklassierte der Swapo-Präsidentschaftskandidat Hage Geingob die Konkurrenz mit überwältigenden 87 Prozent. Allerdings bezweifeln viele Namibier, dass es bei der Wahl mit rechten Dingen zugegangen ist. Das ist dem Einsatz der extrem manipulationsanfälligen Elektronischen Wahlgeräte (EVM) aus Indien geschuldet, gegen deren Verwendung bereits im Vorfeld Klage eingereicht wurde. Nun dürften weitere Einsprüche seitens der Wahlverlierer folgen. W.K.


S. 3 Preussen/Berlin

Antifa von der Kette gelassen
Linker Gewaltexzess: Marzahner Bürger erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei und Politik

Berliner Politiker aller Couleurs feiern sich dafür, dass eine „Gegendemonstration den Aufmarsch von Flüchtlingsheim-Gegnern in Marzahn verhindert“ habe. Anwohner und Demonstrationsteilnehmer erheben dagegen einen schweren Vorwurf. Der Bürgerprotest soll der Antifa regelrecht zum Abschuss freigegeben worden sein.

„Ein guter Tag für Demokratie und Zivilgesellschaft“, so und ähnlich lauteten die Bewertungen des Ausgangs einer Demonstration, die am 22. November stattgefunden hat. Gegen den Bau eines Containerdorfes im Bezirk Berlin-Marzahn hatten sich rund 800 bis 1000 Demonstranten versammelt. Rund 3000 Gegendemonstranten – unter ihnen Berlins SPD-Chef Jan Stöß – bildeten nach vorherrschender Darstellung das zivilgesellschaftliche Gegengewicht und ließen die „fremdenfeindliche Kundgebung“ zu einem weitgehenden Misserfolg werden.

Wer abseits der offiziellen Berichterstattung schaut, was in sozialen Netzwerken im Internet an Augenzeugenberichten, Fotos und Videos zu den Ereignissen des 22. November veröffentlicht wurde, dem bietet sich ein anderes Bild. Im Raum steht zum einen der Vorwurf, die Polizeiführung habe kein sonderlich großes Interesse daran gezeigt, die angemeldete Demonstration gegen Asylmissbrauch wirklich so stattfinden zu lassen, wie von den Veranstaltern eigentlich geplant. „Es war in keiner Sekunde von Seiten der Polizei gewollt, dass wir überhaupt einen Meter laufen. Nachdem die Montagsdemos und deren Erfolge immer weiter positiv bei den Anwohnern angekommen waren, wollte man scheinbar nun ein Exempel statuieren und den Protest gegen die verfehlte Asylpolitik eindämmen“, so ein Demonstrationsteilnehmer auf der Facebook-Seite der „Bürgerbewegung Marzahn“. Was sich ereignet hat, liest sich in Kurzform bei der „Berliner Zeitung“ wie folgt: „Eingekesselt von der Polizei und dahinter tausenden Gegendemonstranten, steckten sie stundenlang in der Kälte fest, ehe sie von der Polizei zum S-Bahnhof geleitet wurden.“

Noch weit schwerer wiegt der erhobene Vorwurf, man habe ganz bewusst die Antifa gegen die Bürgerproteste „von der Leine gelassen“. So scheint die Polizei, die nach eigenen Angaben mit 1700 Beamten vor Ort war, nicht in der Lage oder willens gewesen zu sein, Blockaden der genehmigten Demonstrationsroute durch 100 bis 200 Blockierer auf einer 40 Meter breiten Straße zu räumen.

Was sich während der stundenlangen Einkesselung des Demonstrationszuges ereignet hat und in den Medien als „kleinere Zwischenfälle“ abgehandelt wurde, stellt sich aus Sicht Betroffener wie folgt dar: „Wir wurden von 1500 Gegendemonstranten umzingelt und mit Steinen und Flaschen beworfen.“

Von massiver Gewalt betroffen waren offenbar auch unbeteiligte Anwohner. So zeigen Fotos, dass in der Wuhletalstraße Linksextremisten abgestellte Personenkraftwagen umgekippt und angezündet haben. Vom Bürgerpark Marzahn wiederum liegen Berichte vor, dass dort eine Guppe von rund 150 Linksautonomen über Stunden nicht von der Polizei begleitet wurde und immer wieder massive Übergriffe auf Passanten verübte. Tumultartige Szenen schildern Anwohner ebenfalls vom Blumberger Damm. „Komplett Vermummte gingen grundlos auf im Stau stehende Autos los, rissen die Türen auf, traten dagegen, weil sie Leute jagten. Da waren verdammt nochmal auch Kinder drin!“, so ein Anwohner, der die gespenstische Szene beobachtete.

Aufgezählt werden zahlreiche weitere Details, die entweder für eine Überforderung der zahlreich anwesenden Polizei sprechen, oder aber den Verdacht erhärten, dass an diesem Tag der Antifa ganz bewusst die Möglichkeit zur Eskalation gelassen wurde. Dass der Gedanke einer bewussten Instrumentalisierung von Linksextremisten durchaus in gewissen Kreisen herumspukt, macht ein Artikel deutlich, den der Berliner „Tagesspiegel“ bereits Anfang dieses Jahres publiziert hatte.

Unter der Überschrift „Danke, liebe Antifa!“ attestierte der Autor der Antifa, es sei zwar leicht, sie als hirnlose Krawallmacher abzustempeln, aber: „Wenn wir ehrlich sind, haben wir ihnen viel zu verdanken.“ „Wollen Nazis heute durch Straßen ziehen, werden sie von einem riesigen Polizeiaufgebot abgeschirmt. Die gesamte Wegstrecke ist von Hundertschaften abgesperrt, es gibt Gitter und Polizeiketten – Passanten sind weit weg, Hetzparolen verhallen ungehört. Das alles passiert nur, weil der Staat genau weiß, dass militante Linke sonst Radau machen“, so zu lesen im „Tagesspiegel“ vom 24. Januar 2014.

Im Fall der Demonstration, die am 22. November nach stundenlanger Blockade durch „Zivilgesellschaft“ und Antifa abgebrochen werden musste, erwägen die Organisatoren nun sogar Anzeige gegen den zuständigen Polizei-Einsatzleiter. Mögen die Vorwürfe zur bewussten Behinderung und dem Wegschauen beim Treiben der Antifa zutreffen oder nicht – zu kritisieren ist in jedem Fall das Agieren von Politikern etablierter Parteien und eines Großteils der Medien.

So müssen sich die Berliner, die sich gegen den Bau von Wohncontainerdörfern in ihren Wohngebieten aussprechen, regelmäßig den Vorwurf anhören, dass ihre Proteste von Rechtsextremisten missbraucht würden. Dass „der Schulterschluss demokratischer Kräfte“ gegen die Bürgerbewegung in Marzahn und Hellersdorf den Rahmen bildet, in dem sich gewalttätige Linke austoben, ist dagegen bisher kein Thema der öffentlichen Diskussion.

Norman Hanert


Preis für einen mutigen Poeten
von Vera Lengsfeld

In den Ministergärten – dieser Name erinnert an die Zeiten, als die Steinwüste nahe dem Potsdamer Platz noch eine blühende Landschaft war, in der unter anderem Bettina von Arnim und Clemens von Brentano unter Rosensträuchern ihre Gedichte deklamiert haben. Später dienten die Gärten den Bewohnern des nahegelegenen Bunkers zum Luftholen. Bäume gab es dann nur noch als verkohlte Überreste. Zu DDR-Zeiten war hier Niemandsland, schussfreies Feld.

Als Berlin Regierungssitz wurde, bauten etliche Länder hier ihre Vertretungen. Die Hessen haben nicht nur die größte Repräsentanz, sondern dank der Ecklage des Grundstücks auch die Gelegenheit genutzt, etwas ländliche Idylle in das Herz Berlins zu bringen. Allerdings sind es nicht wie in der Romantik Obstbäume und Rosen, sondern zur Überraschung der Vorübergehenden Weinstöcke, die an die Winzertradition des Landes erinnern sollen. Hinten, am anderen Ende steht unauffällig die Vertretung des Saarlandes. Seit acht Jahren ist sie der würdige Rahmen für die Verleihung des Hohenschönhausenpreises, den der Förderverein der gleichnamigen Gedenkstätte im ehemaligen Zentralen Untersuchungsgefängnis der Stasi verleiht.

Mehr als 250 Menschen wohnten der Preisverleihung bei, ein Zeichen dafür, dass der Preis zunehmend an Akzeptanz gewinnt. Ausgezeichnet wurde der Schriftsteller Reiner Kunze, einen Sonderpreis erhielt das Menschenrechtszentrum Cottbus. Laudator war der Ministerpräsident von Sachsen- Anhalt, Reiner Haseloff.

In seiner Rede würdigte er erst die einmalige Initiative von Häftlingen des Zuchthauses Cottbus, die ihr Gefängnis gekauft und mit viel Eigenarbeit und Ideen in eine Gedenkstätte umgewandelt haben. Im vergangenen Sommer war das Projekt bundesweit bekannt geworden durch die Aufführung der Oper „Fidelio“ auf dem Gefängnishof. Jeder, der bei einer der restlos ausverkauften Vorstellungen dabei war, wird dieses Erlebnis nie vergessen.

Auch Reiner Kunze ist ein Solitär, nicht nur in der literarischen Landschaft, sondern auch unter den Gegnern des DDR-Regimes. Kunzes Waffe war das Wort. Jeder seiner Verse war ein Aufbegehren gegen die Kulturlosigkeit der Machthaber. Sein Gedichtbändchen „Brief mit blauem Siegel“ wurde tausendfach von denen kopiert, die kein eigenes Exemplar ergattern konnten.

Die glücklichen Besitzer, wie Haseloff, nahmen es überall mit hin, sogar in NVA-Standorte, wo es die Rekruten, die durch militärischen Drill verbogen werden sollten, immer wieder aufrichtete. Statt einer Dankesrede las Kunze seine Gedichte und bewies, dass er nichts von seiner poetischen Kraft eingebüßt hatte.


Grünes Absurdistan
Görlitzer Park: Büsche beschneiden gegen Drogen-Dealer

Der grün regierte Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der die Drogenhändler im Görlitzer Park nicht vertreiben will, lässt jetzt im Park unter Polizeischutz Büsche abschneiden, um den Drogenverstecken weniger Raum zu bieten. Polizeihunde fanden dabei in der Erde harte Drogen wie Crystal Meth, Ecstasy, LSD und Crack.

Dass die Grünanlage längst zum Umschlagplatz für aggressiv auftretende, meist afrikanische Drogenhändler geworden ist, fällt selbst Ortsunkundigen schnell auf. Eine kürzlich erfolgte Messerstecherei mit Schwerverletzten zeugte von der Gewalt in und um den Park. Nach dem einst besetzten Oranienplatz und der weiter besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule gilt der „Görli“ als dritter von den regierenden Grünen durch Tolerierung geschaffener Brennpunkt. Bei den Anwohnern geht die Angst vor dem jetzt vom Berliner Senat zur Sonderzone erklärten Kriminalitätsschwerpunkt um.

Wer glaubt, grüne Bezirkspolitik habe sich mit den „Strauchschnittarbeiten im Görlitzer Park zur Erhöhung der Sicherheit“ noch spät an das Gebot der Durchsetzung des Rechtsstaats erinnert, der irrt indes. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann äußert sich weiterhin positiv zur Freigabe von Drogen. Während Innensenator Frank Henkel (CDU) eine Eingreiftruppe aus verschiedenen Behörden gegen die Zustände im Park zusammenstellt, fällt sie ihm in den Rücken und schwärmt weiter von „Coffee-Shops“, die ihr zufolge „mittelfristig den Cannabis-Schwarzmarkt austrocknen“. Mit „Flohmärkten und Kinderfesten“ will Herrmann den Platz „für die Anwohner zurückerobern“.

Selbst in linken Kreisen gilt diese Linie als hoffnungslos naiv. Nachdem sie vor Tagen ihre Ratlosigkeit zu Drogen und Gewalt im Bezirk eingestanden hat, schiebt Herrmann nun die Verantwortung dem Senat zu: „Für die aktuellen Probleme hat der Bezirk allein keine Lösung. Unser Ordnungsamt kann ja niemanden verhaften und einsperren. Da muss der Innensenator seine Kompetenz wahrnehmen.“ Selbst die Polizei habe kein Konzept, so Herrmann jetzt.

Dem Bezirk fehlt dank der massiven Ausgaben für Zuwanderer inzwischen Geld. Jugend- und Sozialprojekte sind gefährdet. Vom Mädchensportfest bis zur Obdachlosenunterstützung sind zahlreiche Projekte durch die Haushaltssperre der Bezirksverwaltung bedroht. SV


»Nur in Berlin«
Olympia: Umfrage beunruhigt den Senat

Am 21. März wird der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verkünden, ob Hamburg oder Berlin sich um die Olympischen Spiele 2024 bewirbt. Berlins Senat hat nun seine Olympiaplanung weiter ausgestaltet. Die Stadtregierung geht dabei auf Gegenkurs zum DOSB: Nicht die Umfragen in der Bevölkerung, sondern das Austragungskonzept sei entscheidend.

Berlin hat seit dem Scheitern seiner teuren Olympiaplanung für das Jahr 2000 ein Problem: Die Zustimmung der Berliner zu solchen Großereignissen ist dank der Art der politischen Vorbereitung begrenzt. Sie liegt aktuell laut Forsa bei nur 48 Prozent. In der Bewerbungsrunde 1993 hatten die Stadtoberen sogar Dossiers über die Entscheider des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) angelegt und diese nicht nur aufwendig auf Kosten der Steuerzahler umworben, sondern auch noch mit Vermerken über sexuelle Vorlieben vorgesorgt. Eine Blamage folgte, Berlin wurde deutlich abgelehnt.

Beim Konkurrenten Hamburg ist die allgemeine Zustimmung zwar nur etwas größer, doch der DOSB will seine Entscheidung von Volkes Stimme abhängig machen. Dazu sagte der Chef der Berliner Senatskanzlei, Björn Böhning (SPD): „Es geht hier nicht darum, einen nationalen Schönheitswettbewerb zu gewinnen.“ Die Entscheidung solle sich laut Senat daran ausrichten, welche Stadt das bessere Austragungskonzept habe, erfahrener sei und wo die Spiele günstiger und verträglicher zu gestalten seien. Böhnings unüberhörbarer Tenor: Eine internationale Chance habe nur Berlin. SG


Moschee sperrt Schwule aus

Vergangene Woche kamen moslemische Vertreter mit Repräsentanten der Schwulen- und Lesbenszene zu einer Diskussion in Räumlichkeiten der evangelischen Jerusalemkirche in Berlin-Kreuzberg zusammen. Von den sieben Podiumsvertretern waren nur zwei Moslems, Ender Cetin von dem Verein Ditib-Sehitlik Türkisch Islamische Gemeinde zu Neukölln und seine Frau Pinar. Ursprünglich sollte das Treffen in der Sehitlik-Moschee stattfinden, war dort aber abgesagt worden.

Türkische Zeitungen hatten über das geplante Treffen berichtet und ein Berliner Boulevardblatt meldete zudem, dass die Ditib Deutschland sich gegen das Treffen ausgesprochen haben soll. Ein Vertreter der Homosexuellen sagte wegen der Verlegung nun seinerseits ab: „Ein Gespräch irgendwo in Berlin halten wir für einen Rückschritt“, so der Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, Jörg Steinert, der dem Treffen in der Kirche fernblieb. H.L.


S. 4 Hintergrund: Aufbau Ost

Wo der Aufbau Ost gelungen ist
Nicht alle Landschaften blühen, aber es ist auch nicht alles schlecht

25 Jahre nach dem Mauerfall wird gestritten, ob der Soli für den Aufbau Ost endlich entfallen kann. Fazit: Kritik am zu langsamen Fortschritt ist berechtigt, aber darüber sollte man das Positive nicht vergessen.

Blühende Landschaften hatte Helmut Kohl einst den DDR-Bürgern versprochen, die sich gerade anschickten, ihr Staatswesen in den Mülleimer der Weltgeschichte zu befördern. Die Menschen glaubten dem „Kanzler der Einheit“, wie sie auch seinem Finanzminister Theo Waigel den Hinweis auf die Portokasse abnahmen, die angeblich für die Kosten der Einheit leicht reichen sollte.

Längst wissen wir: Es kam anders. Nicht alle Landschaften im Osten der Republik denken daran zu blühen. Und die Portokasse wäre schon nach wenigen Wochen leer gewesen, hätte der Steuerzahler nicht nachgelegt.

Der Politik, einschließlich Kohl und Waigel, muss man zugutehalten: Es gab keine Handlungsanleitung für den Zusammenschluss zweier Staaten mit gegensätzlicher Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. In den Bibliotheken standen reihenweise Bücher, die detailliert beschrieben, wie man aus einer kapitalistischen eine sozialistische Gesellschaft macht, aber kein einziges Buch über den umgekehrten Vorgang.

Kohl und Co. also – um im Sprichwörtlichen zu bleiben – wussten nicht, was sie taten, als sie die marode DDR-Wirtschaft eingliederten. Auf die im rheinischen Bonn naheliegende Frage „Wer soll das bezahlen?“ freilich wussten sie Antworten: Erstens der Steuerzahler, zweitens die späten Opfer der Enteignungen in der sowjetischen Besatzungszone von 1945 bis 1949. Deren Eigentum eignete sich der Bund ohne angemessene Entschädigung an. Der Vorgang, im Privatleben als Hehlerei bezeichnet, wurde vom Bundesverfassungsgericht sanktioniert, dessen Präsident Roman Herzog später dankenswerterweise Bundespräsident werden durfte.

In der veröffentlichten Meinung wurden derweilen die Enteignungen, wie einst inszeniert, als Schlag gegen die „Junker“ – Synonym für „böse Reiche“ – interpretiert. Dass er sich in Wahrheit gegen den Mittelstand richtete, wurde allenfalls am Rande vermerkt.

Was Moskau bis 1949 nicht geschafft hatte, vollendete die SED. Erich Honecker brüstete sich Anfang der 70er Jahre damit, die „Bodenreform“ zum Abschluss gebracht zu haben. Seine Bilanz: Über 11000 mittelständische Betriebe mit fast 600000 Beschäftigten waren in „Volkseigentum“ überführt worden – ganz legal, wie seine Nachbeter uns heute noch erzählen.

Damit war der Mittelstand in der DDR nahezu vollständig liquidiert. Der zweite Schlag – ebenfalls „ganz legal“ – folgte nach der Vereinigung. Jene Mittelständler, die in der alten Heimat einen Neuanfang wagen wollten (und konnten), wurden genötigt, einstiges Eigentum zurückzukaufen. Die mit der Abwicklung betraute Treuhand aber schaffte es nicht einmal, sich an solch „unrecht Gut“ hinreichend zu bereichern. Mitsamt ihrer Präsidentin Birgit Breuel verabschiedete sie sich Ende 1994 mit mehr als 200 Millionen D-Mark Schulden.

Umso höher ist es zu bewerten, dass sich dennoch in vielen Regionen der einstigen DDR wieder ein gesunder und leistungsfähiger Mittelstand heranbildet. Es sind zwar immer noch zu wenige positive Beispiele, aber sie dürfen nicht kleingeredet werden.

Im Gegenteil: Es gibt sie, die „blühenden Landschaften“. Sie vorzuzeigen und zur Nachahmung zu empfehlen, bringt allemal mehr als der nostalgisch-unkritische Blick zurück auf eine Zeit, die mit dem Fall der Mauer abgelaufen war. Das ist die wahre Lebensleistung: ein Unrechtssystem friedlich abgeschafft und etwas Neues, in vielem, wenn auch nicht in allem, Besseres aufgebaut zu haben.

Hans-Jürgen Mahlitz


Zurück zu den Wurzeln
Glashütte in Sachsen: Vom Plastikwecker zum Nobel-Chronometer

Anerkennung hat einen Namen: Tobias Christ. Der Schweizer leitet die Münchner Boutique des sächsischen Nobeluhrenbauers A. Lange & Söhne und lässt keinen Zweifel aufkommen: Die Konkurrenz aus Glashütte bei Dresden hat mit der Heimat hochwertiger Armbanduhren mit mechanischen Werken gleichgezogen.

Und wenn wir schon bei den Namen sind: A. Lange steht seit fast 170 Jahren für Spitzentechnik „made in Germany“ und seit 20 Jahren auch dafür, was Unternehmergeist, Traditionsbewusstsein, Können und Mut vermögen – eine fast unglaubliche Erfolgsgeschichte!

Angefangen hatte sie in Dresdens Semper-Oper. Der Uhrmacher Ferdinand Adolph Lange hatte beim Bau der legendären Fünfminutenuhr mitgewirkt und das hier gewonnene Renommee genutzt, um 1845 im nahe gelegenen Glashütte eine eigene Manufaktur zu gründen. Die Taschenuhren des Familienunternehmens erlangten schon bald Weltruf und zählen heute zu den teuersten Stücken im einschlägigen Kunst- und Antiquitätenhandel.

Der Urenkel des Gründers, Walter Lange, 1924 geboren, beschloss nach dem Mauerfall, wieder bei Null anzufangen. Er wollte die Enteignung durch die sowjetische Besatzungsmacht und die Degradierung zum Quarzweckerbauer durch die DDR-Behörden nicht hinnehmen.

Die Rückgabeverhandlungen mit der Treuhand standen kurz vor dem Abschluss, als deren Chef Karsten Rohwedder in Düsseldorf von einem Scharfschützen der RAF ermordet wurde. Neue Gespräche mit dessen Nachfolgerin Birgit Breuel blieben erfolglos.

Aber Lange steckte nicht zurück. Er rekrutierte Mitarbeiter, die bei IWC in Schaffhausen für den Bau mechanischer Präzisionsuhren fit gemacht wurden. Dank der großzügigen finanziellen und personellen Hilfe der Schweizer und der tätigen Fürsprache des sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf konnte Lange gemeinsam mit IWC-Patron Günter Blümlein 1994 die erste eigene Kollektion von hochwertigen Armbanduhren präsentieren. Vor allem die inzwischen legendäre Lange 1 – ein Meisterwerk aus 365 handgefertigten Einzelteilen – überzeugte Fachwelt und betuchte Kundschaft gleichermaßen. Das „Wunder von Glashütte“ war gelungen, A. Lange & Söhne wieder ganz oben in der Weltelite.

Und Glashütte ist heute, so der inzwischen 90-jährige Walter Lange, tatsächlich eine „blühende Landschaft“. In der Kleinstadt mit knapp 6800 Einwohnern haben sich zehn weitere Uhrenmanufakturen angesiedelt; über 1300 Menschen arbeiten in dieser Branche. Wichtigstes Kapital, sagt Geschäftsführer Wilhelm Schmid, „sind unsere Mitarbeiter“. Den Nachwuchs „bilden wir selber aus“, jedes Jahr 20 neue Lehrlinge. Wer mit einer 2 oder besser abschneidet, erhält eine unbefristete Festanstellung. Besonders stolz ist Schmid darauf, dass bislang kein einziger Azubi vorzeitig abgebrochen hat – auch in dieser Hinsicht ein Musterbetrieb. H.J.M.


Die Zeit, die ihre eigenen Wunden heilt

Die Kommentare der Passanten vor dem Schaufenster mit den Nobeluhren – alle im fünfstelligen Preissegment – sind klar: „Wer braucht denn so etwas? Eine Quarzuhr für zehn Euro zeigt auch keine andere Zeit!“

So ist es, und doch ist es so zu kurz gedacht. Zeit beherrscht das Denken der Menschheit, seit sie überhaupt zu denken lernte. Zeit kann man nicht sehen, nicht fühlen, nicht hören. Aber sie ist allgegenwärtig. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – alles eine Frage der Zeit.

Die Zeit ist, entgegen allen Schaufester-Sprüchen, relativ, nicht nur, weil Kosmologen und Philosophen uns das so lehren. Im Urlaub verfliegen die Stunden wie im Flug, vor drohender Gefahr ziehen sie sich quälend dahin, werden zu Ewigkeiten. Jeder weiß, dass Zeit nur in eine Richtung läuft, aber gern wird versucht, sie zurückzudrehen.

Und zu den größten Leistungen des Menschen gehört die Fähigkeit, Zeit zu messen. Schon Ägypter, Babylonier und Kelten bestimmten aufgrund astronomischer Beobachtungen den Rhythmus von Jahr, Monat, Woche und Tag. Die Erfindung mechanischer Uhren bestimmte den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Von Kolumbus bis zur Raumfahrt und zum Navi fürs Auto – alles undenkbar ohne immer exaktere Zeitmessung.

Zudem ist der Bau präziser mechanischer Uhren auch ein Symbol der Leistungsstärke menschlichen Erfindergeistes. Und dass eines der Weltzentren dieser Kunst heute wieder im deutschen Freistaat Sachsen liegt, zeigt auch, welche Wunden die Zeit heilen kann. Diese Erkenntnis, an der wir doch alle teilhaben, darf dann, wer es bezahlen kann, sich auch etwas kosten lassen. H.J.M.


Zeitzeugen

Helmut Kohl – Der „Kanzler der Einheit“ wies kürzlich darauf hin, die DDR sei Ende der 80er Jahre pleite, folglich ohnehin dem Untergang geweiht gewesen. Hat er damit die friedliche Revolution, die zum Mauerfall führte, abgewertet? Nicht unbedingt: Man kann durchaus das eine so sehen, ohne das andere gering zu achten. Natürlich war Ost-Berlin am Ende, da half auch das Geschäftsmodell „Leere Kasse, voller Knast“ nicht mehr. Denn um zahlungsfähig zu bleiben, hätte Honecker die gesamte DDR-Bevölkerung durch Bautzen schleusen und an den Westen verkaufen müssen. Aber wie alle Diktatoren war er bis zuletzt unbelehrbar und musste zum Aufgeben gezwungen werden. So bleibt das Verdienst des Volkes ungeschmälert.

Birgit Breuel – Die 1937 geborene Tochter einer Hamburger Kaufleute- und Ban­ki­ers-Familie wurde im Frühjahr 1991 als Nachfolgerin des ermordeten Karsten Rohwedder Präsidentin der Treuhand. Deren Aufgabe war es, die Wirtschaft der untergegangenen DDR in das bundesdeutsche System einzugliedern. Unter ihrer Regentschaft aber erfuhr der Begriff „abwickeln“ eine neue Bedeutung: Ein neuer, starker Mittelstand konnte nicht aufgebaut werden, für viele nicht mehr konkurrenzfähige DDR-Betriebe fanden sich keine Investoren, aufbauwillige Alteigentümer wurden mit finanziellen und bürokratischen Hürden konfrontiert. Nach nicht einmal vier Jahren wurde denn auch Breuels ungeliebte Behörde „abgewickelt“.

Walter Lange – Der Urenkel des Gründers der Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne blieb der Familientradition treu und absolvierte eine Uhrmacherlehre. Er wurde zur Wehrmacht eingezogen und nahe Königsberg bei der Verteidigung von Flüchtlingstrecks verwundet. Zurück im sächsischen Glashütte musste er miterleben, wie am letzten Kriegstag die elterliche Fabrik sowjetischen Bomben zum Opfer fiel. Der Versuch, den Betrieb wieder aufzubauen, scheiterte. 1948 wurde die Familie enteignet, die Manufaktur zum VEB zwangsumgewandelt. Lange floh vor der drohenden Zwangseinweisung zum Uranbergbau in den Westen. Mit 65 ging er in den Ruhestand, was sich nach dem Mauerfall aber schnellstens wieder ändern sollte.


S. 5 Deutschland

Angst vor Gegenwehr
Antifa-Aktivisten befürchten, bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Pegida zu unterliegen

Die Antifa hat ein Problem. Nachdem die Zahl der „rechten“ Demonstrationen, zu deren Verhinderung oder Blockade sie sich berufen fühlt, lange Zeit im überschaubaren Rahmen blieb, explodiert das Ganze nun.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Dresden. Bisher reisten zum Gedenktag anlässlich der Zerstörung der Stadt durch anglo-amerikanische Bomber einige tausend Linksradikale aus ganz Deutschland an, um die „faschistischen“ Umzüge, die an den Massenmord erinnern sollten, zu stoppen. Und das hat auch bestens funktioniert. Jetzt aber treffen sich die angeb­lichen „Nazis“ nicht mehr nur einmal im Jahr, sondern einmal in der Woche oder sogar noch öfter, denn es finden ja neben den montäglichen Demonstrationen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) zahllose weitere kleinere Protestveranstaltungen statt, die gegen den am Bürgerwillen vorbei beschlossenen Bau von insgesamt zwölf neuen Asylbewerberheimen gerichtet sind.

Das hat „T&P“, zwei Vertreter der örtlichen Antifa, dazu bewogen, einen höchst larmoyanten Text für die linksradikale Internetplattform „indymedia“ zu verfassen, der mit „Pegida oder der ganz normale Wahnsinn – Montag, Scheißtag“ überschrieben ist. Darin heißt es unter anderem, Massenblockaden seien unter den gegenwärtigen Umständen kaum mehr realisierbar, denn „mit gutem Recht hat kein Mensch Bock jeden Montag ins bekackte Dresden zu kurven“. Hierdurch wiederum agiere man nun permanent in der Unterzahl, was es faktisch unmöglich mache, einfach mal so richtig draufzuhauen und die „Teilnehmer*innen der Pegida amtlich ins Krankenhaus zu schicken“, denn die nach einer solchen Aktion zu erwartende Radikalisierung der Gegenseite „kann die Dresdner Linke derzeit definitiv nicht auffangen und aushalten“.

Das gleiche trifft sinngemäß auch auf Leipzig, München, Kassel, Düsseldorf und andere Städte zu, wo nun weitere Gruppen nach dem Muster der Pegida entstehen und ihrerseits Demonstrationen planen beziehungsweise durchführen: Je mehr die Bewegung gegen Asylmissbrauch und Islamismus Breitenwirkung entfaltet, umso mehr muss die Antifa ihre Kräfte zersplittern sowie auch auf die üblichen Gewaltexzesse verzichten, weil ihre Protagonisten vor Ort immer deutlicher in die Unterzahl geraten. Und das macht offensichtlich Angst – in Dresden und anderswo. So gaben Berliner Linksextremisten in einem weiteren „indymedia“-Beitrag zu Protokoll, die wachsende Zahl der Gegner neuer Flüchtlingsheime verursache ihnen ein „mulmiges Bauchgefühl“, wonach dann der blanke Defätismus durchblitzt: „Eine Strategie der ständigen Mobilisierung zu Gegendemos, die im Dunkeln durch unbekannte Gebiete/Kieze führen, kann weder erfolgreich sein noch wird sie der Komplexität des Themas und des Problems gerecht.“

Als „neue Handlungsoption“ in dieser ungewohnten Defensiv-Situation empfehlen die sichtlich entnervten Berliner Mitglieder der „Antifaschistischen Aktion“, „einen Keil zwischen Anwohner_innen und Nazis zu treiben“, um den vermeintlich gefährlicheren Gegner zu isolieren und das vertraute Kräfteverhältnis der Vergangenheit wiederherzustellen. Das wiederum sehen „T&P“ ganz ähnlich: Die Pegida-Gegner, die dem Umfeld der Undogmatischen Radikalen Antifa (URA) in Dresden entstammen, sollten endlich aufhören, „sich unabhängig von jeglichem Kontext, aggressiv, radikal und gefährlich zu geben“. Zum einen verliere man so vollends die Sympathien der Bürger, die ja letztlich nur von den „Neonazikadern“ der NPD und AfD aufgehetzt worden seien, zum anderen könne niemand genau sagen, wie viele der eigenen Leute denn tatsächlich noch zur Verfügung stünden, „sollte es einmal zu einer physischen Konfrontation kommen“.

Diese Stimmen der Vernunft beziehungsweise Vorsicht aus den Reihen der Antifa hindern die linksextremen Hardliner allerdings nicht daran, weiter mit verstörenden Parolen wie „Gegen Heimat, gegen Volk und gegen Vaterland!“ hausieren zu gehen und darüber hinaus genau die gewaltsamen Zusammenstöße zu riskieren, vor denen ihre etwas realistischer denkenden Gesinnungsgenossen gewarnt hatten. Denn welch anderem Zweck diente wohl der Aufruf an „alle antifaschistischen, zivilgesellschaftlichen und antirassistischen Kräfte“, am 1. Dezember nach Dresden zu kommen und den Pegida-Anhängern „entgegenzutreten“?

Am Ende fruchteten aber weder die unterschwelligen Drohungen noch das große Trommelrühren: Diesmal versammelten sich nun bereits an die 8000 Menschen zum „Großen Abendspaziergang“ – und traten diesen auch an, obwohl die Antifa eine Blockade vom Start­ort weg versuchte. Doch dazu reichte ihr Aufgebot, das aus gerade einmal 1000 Störern bestand, in keiner Weise aus. Allerdings gelang es etwa 150 Linksextremisten, den Pegida-Zug dann kurz vor Demonstrationsschluss an einer Engstelle am Elbufer von der geplanten Route abzudrängen. „Machtvolle Zeichen gegen Rechts“ sehen freilich anders aus.

Wolfgang Kaufmann


MELDUNGEN

465000 kamen nach Deutschland

Berlin – Im vergangenen Jahr sind rund 465000 Menschen nach Deutschland eingewandert. Das geht aus dem jüngsten „Internationalen Migrationsausblick“ der OECD hervor. Demnach war der Anstieg der Zuwanderung in Deutschland so kräftig wie in keinem anderen der 34 OECD-Mitgliedsstaaten. Damit ist Deutschland nach den USA zum beliebtesten Einwanderungsland weltweit geworden. Insgesamt wanderten 2013 vier Millionen Menschen auf Dauer in die OECD-Staaten ein. Hinzu kommen 550000 Asylbewerber, von denen es jeden Fünften nach Deutschland zog. U.M.

 

Über 1000 Opfer in einem Monat

Berlin – Im September dieses Jahres sind in Deutschland 53 Menschen infolge politisch motivierter Straftaten verletzt worden. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Regierungsfraktionen hervor. Demnach sind dem Bundeskriminalamt bis Ende Oktober von den Innenressorts der Bundesländer insgesamt 1319 solcher Straftaten für den Vormonat gemeldet worden, darunter 83 Gewalttaten und 615 Propagandadelikte. Davon entfielen 808 auf „politisch rechts motivierte“ Kriminalität. Die Zahl der darunter befindlichen Gewalttaten wird mit 33 angegeben, die der Verletzten mit 30. Laut Bundesregierung beläuft sich die Zahl der „politisch links motivierten“ Straftaten auf 223, von denen 26 Gewalttaten mit neun Verletzten waren. 73 Straftaten, darunter sieben Gewalttaten mit fünf verletzten Personen, wurden der „politisch motivierten Ausländerkriminalität“ zugeordnet. Die Zahl der sonstigen politisch motivierten Straftaten lag nach Angaben der Bundesregierung bei 215, von denen 17 Gewalttaten waren. J.H.


S. 6 Ausland

Machtkampf um Europa
USA will Russland destabilisieren – Moskau versucht, ehemalige Verbündete auf seine Seite zu ziehen

Gab es vor Kurzem noch einige Anzeichen, die auf eine Entspannung im Verhältnis zwischen Russland, den USA und der EU hinweist, so deutet nun wieder alles auf Eskalation hin.

So hat in Anwesenheit des ukrainischen Außenmisters Pawlo Klimkin mit Joseph La Gasse ein ehemaliger sicherheitspolitischer Berater von US-Präsident Barack Obama im November auf einer Tagung in Kiew ganz offen dazu aufgefordert, „Russland im Inneren zu destabilisieren“. Nicht nur westliche Nichtregierungsorganisationen sollen bei dem Umsturzversuch helfen, sondern auch Einwanderer, die „unter Diskriminierung durch die russische Regierungspolitik leiden“. Wie der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet, rief der US-Experte für Sicherheitspolitik auch die „Menschen aus dem Kaukasus“ dazu auf, sich in Russland nicht „länger alles gefallen zu lassen, sondern auf die Straße zu gehen“. Die faktische Aufforderung zum Sturz Wladimir Putins war nur wenigen hiesigen Medien eine Nachricht wert. Tatsächlich ist die Information aber unerlässlich, will man die kurz darauf folgende Äußerung des russischen Außenministers Sergej Lawrow richtig einordnen. „Öffentliche Figuren“ würden dafür plädieren, gegen Russland weitere Sanktionen zu verhängen, „die die Wirtschaft zerstören und öffentliche Proteste provozieren“, so der Minister.

Allerdings ist auch der Kreml längst dabei, sich Einfluss auf EU-Länder zu schaffen. Vor allem auf dem Westbalkan und im Osten der EU sucht Moskau Verbündete. Unübersehbar umgarnt Putin seit einiger Zeit Länder wie Tschechien, Ungarn, Serbien, Griechenland, Bulgarien, Moldawien und Zypern. Erste Erfolge der Charmeoffensive sind inzwischen sichtbar: Bereits am 13. November 2013 haben Russland und der EU-Beitrittskandidat Serbien im Rahmen ihrer strategischen Partnerschaft ein Militärabkommen mit 15 Jahren Laufzeit unterzeichnet. Noch mehr Sorgen dürften Brüssel und Washington Ungarn und die Slowakei bereiten. So wollte der ungarische Regierungschef Viktor Orban noch 2011 Russlands Einfluss in Ungarn unbedingt reduzieren. Inzwischen ist vereinbart, dass ein russisches Unternehmen im Ungarn beim Bau eines Kernkraftwerks zum Zuge kommt. Auf noch mehr Wohlwollen kann Putin beim slowakischen Regierungschef Robert Fico rechnen. Ebenso wie sein ungarischer Amtskollege kritisiert auch der Slowake die Sanktionen gegen Russland. Und wie Ungarn verhandelt auch die Slowakei über den Ausbau heimischer Kernkraftwerke durch russische Firmen.

Eine Schwächung der EU als geopolitischen Gegenspieler dürfte auch Putins Unterstützung von EU-kritischen Parteien wie der FPÖ oder dem Front National (FN) zum Ziel haben. Französischen Medienberichten zufolge, hat Marine Le Pens Partei inzwischen ein Darlehen von neun Millionen Euro aus Russland erhalten. Chef der kreditgebenden First Czech-Russian Bank (FCRB) ist Roman Yakubowytsch, der wegen seiner Putin-Nähe auf der US-Sanktionsliste steht. Der FN begründete den Schritt damit, dass französische Banken sich weigerten, ihm das für seine Wahlkämpfe nötige Geld zu leihen. Ein Mitglied der Parteiführung wird mit der Aussage zitiert, bei den bereits bekannten neun Millionen Euro handele es sich nur um die erste Marge eines 40-Millionen-Kredits. Auf Unterstützung Mos­kaus können indessen auch andere Parteien rechnen. Beste Beziehung unterhält der Kreml etwa zu Ungarns „Bewegung für ein besseres Ungarn“ (Jobbik). Vor kurzem war Heinz Christian Strache von der FPÖ zu Besuch bei Putin. Zu kurz greifen dürfte die Vermutung, es handele sich bei der Kooperation mit den eher im nationalen oder konservativen Lager verorteten Parteien um ein taktisches Bündnis auf Zeit. Selbst in einigen konservativen Kreisen der USA wird Putin nämlich als letzter machtvoller Verteidiger traditioneller Werte wie Familie, Nation und Christentum gesehen. Großbritanniens bekanntester EU-Skeptiker Nigel Farage (Ukip) hat Putin als dasjenige Staatsoberhaupt bezeichnet, das er „am meisten bewundert“.

So sehr Putin bei Europas Rechtskonservativen und einigen Balkan-Ländern punkten kann, die Zeichen deuten auf eine wichtige Niederlage im geopolitischen Poker um Europa hin. Zunehmend wird darüber spekuliert, ob Angela Merkel die bisherige Ostpolitik der Bundesregierung aufgeben und Deutschland außenpolitisch noch stärker an die USA binden wird. So hat es aufhorchen lassen, dass die Bundeskanzlerin in einer Rede in Sydney die russische Politik ungewöhnlich scharf attackiert hat. Mehr noch, Merkel äußerte sogar, sie habe Putin noch nie „wirklich über den Weg getraut“. Als Signal für eine stärkere Hinwendung zu Washington wurde ebenfalls ihr Drängen zur Eile bei dem umstrittenen Freihandelsabkommen mit den USA interpretiert. Wie Natalie Nougayrède, die frühere Chefredakteurin der Zeitung „Le Monde“, unlängst im britischen „Guardian“ feststellte, würde eine Akzentverschiebung in der deutschen Ostpolitik Folgen für die gesamte Kräftekonstellation und die Geopolitik in Europa haben. Alle übrigen europäischen Länder würden dann aufmerksam nicht nur die Veränderungen der russisch-deutschen, sondern auch der deutsch-US-amerikanischen Beziehungen beobachten, so Nougayrède. Norman Hanert


Mut zur Wut
Jordaniens Königin Rania kritisiert Ignoranz gegenüber Salafisten

Während Jordaniens Königin Rania al Abdullah mit einer Wutrede die moderaten Araber für ihre nachlässige Haltung gegenüber dem IS-Terror kritisierte, wurde in Saudi-Arabien die Menschrechtsaktivistin und Rechtsanwältin Souad Al-Shammary für ähnlich freie Worte verhaftet. Beide Frauen sprechen aus, was die Männer Arabiens bislang verschweigen.

Jordaniens Königin Rania hat in einer Rede bei der Eröffnung eines Mediengipfels im Golf-Emirat Abu Dhabi Mitte November den moderaten Arabern eine Mitschuld an dem Erfolg des Islamischen Staates (IS) gegeben. Durch ihr Schweigen über den Terror des IS machten sie sich zu „Komplizen“ des IS-Erfolgs, sagte sie in ihrer Rede, die man auf Englisch auf ihrer Homepage nachlesen kann.

Die Ehefrau von Abdullah II. bin al-Hussein hat auf dem Medientreffen vor allem die Propagandawelle in den sozialen Netzwerken kritisiert, mit denen der Islamische Staat und andere islamistische Terrorgruppen eine Deutungshoheit über den Islam anstreben. „Eine Minderheit ungläubiger Extremisten benutzt die sozialen Medien, um unsere Geschichte neu zu schreiben“, sagte sie. Islamisten hätten die arabische Welt für ihre abstrusen Ideen und Taten in Geiselhaft genommen und bedrohten die Identität der arabischen Nationen, sagte Rania. Dieser Angriff auf Werte und die gemeinsame Geschichte sollte alle Araber in der Region erzürnen, sagte sie. Sie forderte mehr Investitionen in Bildung und Arbeitsplätze. „Entweder entwickeln wir gemeinsam unsere Region oder wir lassen andere sie zerstören.“ Bildung sei nicht billig zu haben, betonte sie, „aber der Preis der Ignoranz sei sehr viel höher“.

Rania ging auch auf die aktuelle weltpolitische und militärische Lage ein. Die US-geführte Militärallianz gegen den Islamischen Staat benötige viel mehr Partner und Unterstützung als bislang, wenn sie Erfolg haben soll, mahnte die Ehefrau des Königs, der seine Vorfahren direkt auf den Propheten Mohammed, den Gründer des Islam, zurückführt. Rania kritisierte die zögerliche internationale Reaktion auf das Vorrücken der IS-Kämpfer, die seit dem Sommer weite Teile des irakischen und syrischen Staatsgebiets unter ihre Kontrolle gebracht haben. „Wir sind auf einen Erfolg der Militärallianz angewiesen“, sagte die Königin, deren Staat sich ebenso wie Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate an der Allianz beteiligt.

In ihrer Rede hat Rania sogar angedeutet, dass sie die Deutungshoheit über den Islam, nicht mehr allein den Religiösen überlassen will. Denn der Islam sei weit mehr als eine Religion, er sei gleichzeitig ein Gesellschafts- und Herrschaftsmodell, wobei beide Sphären allzu oft von den Religiösen miteinander vermischt und gegeneinander ausgespielt würden. Um die Dschihadisten zu besiegen, müsse auch die Deutungshoheit über die Auslegung des islamischen Glaubens zurückerobert werden, denn die Salafisten ließen sich durch eine steinzeitliche Interpretation des Korans radikalisieren.

Ob sich die einflussreichen Rechtsgelehrten, die in Kairo oder Katar sitzen, mit der Wutrede und dem Appell Ranias auseinandersetzen, bleibt abzuwarten. Mit ihren weit gefächerten sozialen und Bildungsstiftungen genießt die Palästinenserin Rania, die in Kuwait geboren wurde, große Achtung in der arabischen Welt. Die mutige Monarchin hat auszusprechen gewagt, was eine Mehrheit der Muslime bislang nur denkt und fühlt. Bodo Bost


Schrei nach Polizeireform
Ministerium leitet in Ferguson Untersuchungen gegen Polizei ein

Was haben die Ereignisse von Ferguson bewirkt? Ist der Funke, der in Missouri monatelang schwelte und nach dem „Nicht schuldig”-Urteil gegen den weißen Polizisten Darren Wilson, der einen unbewaffneten schwarzen Teenager erschoss, einen Flächenbrand entfachte, mittlerweile nur noch Geschichte? Ferguson verschwindet langsam aus den Schlagzeilen. Die Brände von Häusern und Autos sind gelöscht, die geplünderten Geschäfte wieder gefüllt, die blockierten Straßen geleert und die meisten von denen, die lautstark protestierten, sitzen wieder vor dem häuslichen Fernseher. So endete der Protest von US-amerikanischen Bürgern gegen die verbreitete Brutalität der Polizei bisher immer.

Vor Ferguson hatten schon andere Fälle zu landesweiten Protesten geführt, teilweise mit aufruhrartiger Gewalt. Wie 1992 in Los Angeles, nachdem vier Polizisten freigesprochen worden waren, die einen wehrlosen Schwarzen namens Rodney G. King zusammengeschlagen hatten. Oder wie vor zwei Jahren in Florida, nachdem Trayvon Martin, wieder ein junger Schwarzer, von der Sicherheitskraft George Zimmermann erschossen wurde, was Präsident Barack Obama zu der betroffenen Bemerkung veranlasste: „Das hätte als junger Mensch ich sein können.“ Einen Tag nach den Schüssen von Ferguson verlor der offensichtlich geistesgestörte schwarze Obdachlose Ezell Ford durch Polizeischüsse sein Leben. Vor einiger Zeit wurde ein Weißer von Polizisten erschossen, weil eine Gartenschere, mit der er gerade seine Büsche beschnitt, auf sie „wie eine Pistole“ gewirkt habe. Eine alte weiße Obdachlose wurde getötet, weil sie mit etwas fuchtelte, das „wie eine Pistole“ gewirkt habe. Kürzlich veröffentlichte eine schwarze Familie ein Video von einem bis dahin unbekannten Fall. Es zeigte ihren zwölfjährigen Jungen, der mit einer Spielzeugpistole gerade von einer Parkbank aufsteht, als ein Polizeiauto wie wild über die Rasenfläche rast. Zwei Polizisten springen heraus und Sekunden später feuern sie ihre tödlichen Schüsse.

Nach einem Bericht der „Los Angeles Youth Justice Coalition“ wurden im Großraum Los Angeles mit rund zehn Millionen Einwohnern zwischen dem 1. Januar 2000 und dem 31. August 2014 590 Bürger von der Polizei erschossen. Seitdem sind sieben weitere hinzugekommen, davon sind über die Hälfte Latinos und 27 Prozent Schwarze. In der Stadt Los Angeles selbst, die nur zehn Prozent schwarze Bevölkerung hat, waren es 32 Prozent. „Sie fürchteten um ihr Leben“ ist jedes Mal die Rechtfertigung für ein derart massives Vorgehen von Polizisten. Zugegeben, sie haben es nicht leicht angesichts der hohen Krimialität insbesondere in den Großstädten. Aber haben sie nicht das beste Selbstverteidigungstraining genossen? Und wenn sie schon schießen, warum dann nicht nur ins Bein? Die Antwort liegt in der Einstellung vieler Polizisten, welche die Bürger als Gegenpol sehen nach dem Motto: Wir, die Polizei, und die, die Bürger.

Nach so vielen Fällen von Polizei-Brutalität scheint es eine Art Erwachen zu geben. Darren Wilson ist vergangenen Sonnabend aus dem Polizeidienst ausgeschieden, und Justizminister Holder hat zwei separate Untersuchungen seitens seines Ministeriums eingeleitet. Eine gegen Wilson und eine – weit wichtigere – gegen die Polizeiführung in Ferguson, die schon länger im Verdacht stand, Bürgerrechte zu missachten, und die gegen die Demonstranten mit ausrangierten militärischen Kampffahrzeugen vorgegangen ist. Liselotte Millauer


S. 7 Wirtschaft

Frankreich verharrt in Flaute
Präsident Hollande konnte Stagnation nicht aufhalten – Umfragewerte im Keller

François Hollande galt als Hoffnungsträger der europäischen Sozialisten. Doch die Halbzeit-bilanz des französischen Staatspräsidenten fällt verheerend aus. Mittlerweile scheint selbst er nicht mehr an eine zweite Amtsperiode zu glauben.

Es gehört zum guten Ton in der Fünften Republik, dass das Staatsoberhaupt in Interviews mit Samthandschuhen angefasst wird. Und so konnte sich auch François Hollande sicher sein, dass die ausgewählten TV-Journalisten keine allzu unangenehmen Fragen stellen würden. Dennoch geriet der Auftritt zum Fiasko.

Der Sozialist war vom staatlichen Fernsehen eingeladen worden, um eine Halbzeitbilanz zu ziehen. Dass die wirtschaftlichen Kennzahlen vernichtend sind, seine Popularität im Keller steckt und die Aussichten auf seine Wiederwahl äußerst begrenzt sind, stand vorher schon fest. Dass der Präsident dies aber selber schonungslos einräumte, war dann doch eine Überraschung. „Kennen Sie denn die Umfragen nicht?“, murmelte der müde wirkende Hollande auf die Frage, ob er 2017 erneut für die Sozialisten in den Ring steigen werde.

Nur noch zwölf Prozent der Franzosen haben nach einer repräsentativen Umfrage noch Vertrauen in den Präsidenten. So schlecht schnitt noch nie ein Staatspräsident im Nachkriegsfrankreich ab. Seine angekündigten Reformen, die er unter das Motto „aller plus vite, plus fort“ (schneller und entschlossener voranschreiten) stellte, scheinen zu verpuffen. „Wenn es mir nicht gelingt, eine Trendwende bei der Arbeitslosigkeit herbeizuführen, dann habe ich keinen Grund, 2017 noch einmal anzutreten“, hatte Hollande bereits im Frühjahr angekündigt. Und eine grundlegende Besserung ist nicht in Sicht. Inzwischen hat die Zahl der Arbeitslosen fast die 3,5-Millionen-Grenze erreicht. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone ist im dritten Quartal zwar endlich wieder etwas gewachsen, aber nur um magere 0,4 Prozent. Der EU-Kommission zufolge wird Frankreich in der Konjunkturflaute verharren. Für 2014 insgesamt sagt sie ein Wachstum von 0,3 Prozent voraus, für 2015 von 0,7 Prozent.

Das geringe Wachstum wirkt sich auch negativ auf die Staatsschulden aus. Im Spätsommer hatte die seit Jahren ständig steigende Staatsverschuldung die symbolisch wichtige Schwelle von zwei Billionen Euro überschritten. „Trotz spürbarer Ausgabenkürzungen dürften Frankreichs Staatsdefizit und die Schuldenstandsquote weiter steigen“, erklärte die Kommission kürzlich. Ministerpräsident Manuel Valls erklärte hierzu bereits vor einem Monat, Frankreich habe 40 Jahre über seine Verhältnisse gelebt. Daher sei es unfair, dem aktuellen Präsidenten die Schuld an der Misere zu geben.

Die Probleme sind hausgemacht. Egal ob Sozialisten oder Konservative an der Macht waren – geriet die Wirtschaft ins Kriseln, war die Politik zur Stelle. Es gehörte zum Selbstverständnis der Politik, dass Unternehmen wie der Stahlbauer Acellor oder der Autohersteller Peugeot Hilfen in Milliardenhöhe erhielten, als sie tief in die roten Zahlen gerutscht und von der Pleite bedroht waren. Das Leben auf Pump hat das Land reformunfähig gemacht.

Zudem leistet sich Frankreich einen Staats- und Verwaltungsapparat, der zu den größten in Europa gehört. Jeder vierte Franzose arbeitet im öffentlichen Dienst. Dennoch gilt die Verwaltung als nicht besonders effizient. Experten sehen zudem eine eklatante Krise auf dem französischen Arbeitsmarkt. „Es herrscht eine Überregulierung. Das führt zu einer Spaltung des Arbeitsmarktes. Wer einen Arbeitsplatz hat, genießt einen hohen Kündigungsschutz. Deswegen schaffen immer mehr Unternehmen prekäre Arbeitsverhältnisse. Der Anteil der Beschäftigten ohne unbefristeten Arbeitsvertrag ist deutlich gewachsen“, erklärte der Professor Henrik Uterwedde, Stellvertretender Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, gegenüber „Tagesschau.de“.

Einen Grund hierfür sehen Beobachter in der Stärke der Gewerkschaften. Generalstreiks und Massenproteste gehören zum politischen Alltag. Als sich Hollande daran machte, die Tarifbestimmungen zu vereinheitlichen, machten nur zwei der vier großen Gewerkschaften mit. „Es ist seine bisher einzige große Reform gewesen und seine eigenen Leute haben ihn im Stich gelassen“, analysierte die bürgerliche Tageszeitung „Le Figaro“ und spielte damit auf die traditionelle Nähe der Gewerkschaften zu den Sozialisten an.

Die Folge der staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft ist ein im europäischen Vergleich äußerst schwach ausgeprägter Mittelstand, junge, innovationsfreudige Unternehmen finden sich kaum, weil die Steuerlast zu hoch ist. Der französische Präsident hat in den vergangenen Monaten wiederholt versucht, die Schuld auf den großen Nachbarn Deutschland abzuwälzen und ihn somit in die Pflicht zu nehmen. Die Bundesregierung habe auf einen starken Euro gedrängt, der Frankreichs Wirtschaft lähmen würde, nun müsse die EU eben den Krisen-Ländern stärker helfen. „Le Figaro“ geht erklärtermaßen davon aus, dass Frankreich den Versuch unternehmen werde, sich über eine Vergemeinschaftung von Schulden zu retten. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sieht darin ein Horrorszenario. Gegen­über dem „Handelsblatt“ erklärte er: „Hollande geht immer drei viertel Schritte vor, und einen halben zurück. Aber ohne durchschlagende Reformen wird Frankreich weiter zurückfallen und stagnieren. Einen Rettungsschirm für Frankreich wird sich die EU nicht leisten können.“ Peter Entinger


Komplott gegen Russland?
Nach Opec-Treffen: Saudi-Arabien verhindert Förderbeschränkung

Der Ölpreisverfall schadet Russlands Wirtschaft mehr als die Sanktionen des Westens. Dass Saudi-Arabien auf dem Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) vergangene Woche in Wien verhinderte, dass die Ölproduktion trotz fallender Preise gedrosselt wird, wie von den Opec-Mitgliedern Venezuela und Iran sowie Russland gefordert, trifft vor allem Russland hart. Nach dem Treffen gab der Rubel gegenüber Dollar und Euro erneut nach. Russlands Haushaltsprobleme verschärfen sich stetig. War man bei der Planung für dieses Jahr von einem Preis von 104 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) der Vergleichssorte Brent ausgegangen, so kostet der Rückgang auf derzeit 73 Dollar die russische Wirtschaft laut Finanzminister Anton Siluanow 40 Milliarden Dollar im Jahr. Rosneft-Chef Igor Setschin schließt ein Absinken des Ölpreises auf 60 Dollar pro Barrel im Frühjahr 2015 nicht aus. Die Sanktionen des Westens eingerechnet, verliert Russland nach Regierungsangaben in diesem Jahr 140 Milliarden Dollar.

Experten schätzen, dass die russischen Währungsreserven, die sich derzeit auf 400 Milliarden Dollar belaufen, höchstens für zwei bis drei Jahre die Wirtschaft stützen können. Weil wegen der Sanktionen russischen Banken der Zugang zu internationalen Finanzmärkten verwehrt ist, kann die Regierung nur auf rund 270 Milliarden Dollar zugreifen. Das heißt, Russland könnte in zwei Jahren schon pleite sein. Dem System Putin drohte der Niedergang.

Moskau verdächtigt Saudi-Arabien und die USA, Putin mit einem Ölkomplott in die Knie zwingen zu wollen. Nikolaj Patruschew, Sekretär des Sicherheitsrats der Russischen Föderation und ehemaliger FSB-Chef, erinnerte an die 1980er Jahre: Damals hätten die USA den Ölpreisverfall herbeigeführt, um die Sowjetunion in den Bankrott zu treiben. Auch der Iran wirft den USA und Saudi-Arabien konspirative Absprachen vor. (siehe auch PAZ 43, Seite 7). Handfeste Beweise für einen derartigen Komplott gibt es nicht. Wenn auch nicht von der Hand zu weisen ist, dass die USA vor dem Hintergrund der Ukrainekrise nichts dagegen haben dürften, Russland zu schaden, so spricht gegen die These, dass, obwohl Saudi-Arabien einer der engsten Verbündeten der USA ist, der niedrige Ölpreis gerade auch den USA schadet, die mit ihrem durch die Frackingmethode gewonnenen Schieferöl auf den Markt drängen. Fracking ist nur bei einen Barrel-Preis von über 70 Dollar profitabel. Saudi-Arabien beobachtet die Konkurrenz aus den USA aufmerksam. Wenn der Ölpreis die Produktionskosten des Frackings nicht mehr deckt, könnte dies das Ende dieser umstrittenen Fördermethode bedeuten. Die Produktionskosten traditioneller Ölförderländer sind dagegen deutlich niedriger. In diesem Sinne äußern sich auch russische Ölproduzenten. Laut Leonid Fedun, Vizepräsident von Lukoil, ist bei einem Preis von 25 Dollar pro Barrel die Rentabilität noch gesichert. Russische Politiker wie Wirtschaftsminister Alexej Uljukanow, versuchen indessen, die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Wes-ten wieder zu verbessern.

Manuela Rosenthal-Kappi


Junckers Planwirtschaft
Europas Bürger sollen für riskante Investitionsgeschäfte einstehen

Eben noch wegen Steuerdumping in seinem Heimatland unter Kritik, sorgt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm für Schlagzeilen. „Europa braucht einen Kickstart“, sagte der Kommissionschef vorletzten Mittwoch in Straßburg bei der Vorstellung des Investitionsplans, den er in diesem Zusammenhang mit einem Startkabel verglich. Geplant ist ein 21 Milliarden Euro schwerer Fonds, der 315 Milliarden privates Kapital für Projekte in Infrastruktur, Forschung und Entwicklung mobilisieren soll. Der Fonds namens „Invest in Europe“ soll unter dem Dach der Europäischen Investitionsbank (EIB) angesiedelt werden und seine 21 Milliarden mithilfe bereits vorhandener EU-Bugdets, der EIB sowie von Bürgschaften zusammenkommen. Letzt­endlich soll damit ein Garantieinstrument entstehen, das risikoreiche Kredite der Europäischen Investitionsbank im Volumen von bis zu 60 Milliarden Euro absichert.

Als heikel gilt, dass mit dem Fonds privaten Investoren für ihre Engagements eine Verlustübernahme garantiert werden soll. Wie dies schon bei den Kreditverbriefungen im Zuge der US-Immobilienkrise der Fall war, würden damit erneut Kapitalanlage und Haftung entkoppelt. Gewinne würden in private Taschen fließen, Verluste aber dem Steuerzahler zur Bezahlung vorgesetzt. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren, nennt man das gemeinhin. Mit Junckers Plänen droht den Europäern allerdings noch ein weit größeres Risiko. Angedacht ist, dass auch privates Geld in den Fonds „Invest in Europe“ fließen soll.

Scharfe Kritik an Junckers Vorhaben äußerte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Hans-Peter Friedrich: „Die Kommission will staatliche Bürgschaftsprogramme für Investitionen, die für Investoren zu riskant sind, für die aber Steuerzahler in Deutschland und Europa haften sollen.“ Mit Blick auf die Haftungsübernahmen ist das Vorhaben der EU-Kommission eine neuerliche Variante des Brüsseler Lieblingsthemas Schuldenvergemeinschaftung. Für die deutschen Steuerzahler steht zu befürchten, dass sie bei Junckers stark staatswirtschaftlich eingefärbtem Investitionsprogramm relativ zügig zur Kasse gebeten werden. Mit der Aushebelung des Haftungsrisikos für private Investoren besteht die Gefahr, dass es zur massiven Fehllenkung von Kapital in der EU kommt. Zu den kaum ausgelasteten Flughäfen, Meerwasserentsalzungsanlagen und Schnellbahnstrecken in Südeuropa könnten sich neue Invest-Ruinen gesellen. Nach den Erfahrungen mit Korruption, Schattenwirtschaft und Organisierter Kriminalität bei der EU-Förderpolitik in Süd- und Südosteuropa ist zu befürchten, dass der neuerliche Geldsegen aus Brüssel erhebliche Mitnahmeeffekte und Veruntreuung auslösen wird. Als ebenso verheerend könnte sich das politische Signal erweisen, wenn mit Junckers Investitionsprogramm frisches Geld in reformunwillige, marode Staaten hinein gepumpt wird. Eine Entscheidung über das Juncker-Projekt wollen die Staats- und Regierungschefs auf einem EU-Gipfeltreffen fällen, das für den 18. und 19. Dezember angesetzt ist. N.H.


MELDUNGEN

Immer mehr Bauern geben auf

Berlin – Seit 1989 hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums von 668800 auf 285000 mehr als halbiert. Besonders betroffen sind Milchviehbetriebe, deren Zahl von 302000 auf 78800 zurückging. Als möglichen Grund nennt das Ministerium den technischen Fortschritt, der die Bewirtschaftung größerer Flächen beziehungsweise die Haltung von mehr Tieren möglich mache. J.H.

 

Job-Rekord trotz Flaute

Wiesbaden – Im dritten Quartal des laufenden Jahres zählte das Statistische Bundesamt rund 42,9 Millionen Erwerbstätige mit Arbeitsort in der Bundesrepublik Deutschland. Das sind 384000 Personen oder 0,9 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit sind trotz der Konjunkturflaute so viele Männer und Frauen in Deutschland beschäftigt wie nie zuvor. Auf die Arbeitslosigkeit hat diese positive Entwicklung der Erwerbstätigkeit jedoch keinen Einfluss. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich in den vergangenen zwei Jahren nämlich kaum nennenswert verändert. U.M.

 

Geheime Gold-Repatriierung

Amsterdam – Einer Mitteilung der niederländischen Nationalbank DNB zufolge sind in den vergangenen Monaten 122,5 Tonnen Gold aus den Tresoren der Federal Reserve in New York zurück in die Niederlande geholt worden. Als Folge der in aller Stille abgewickelten Goldrepatriierung hält die niederländischen Zentralbank nun 31 Prozent ihrer Goldreserven von 612,5 Tonnen an ihrem Hauptsitz in Amsterdam. N.H.


S. 8 Forum

Sinnlose Opfer
von Jan Heitmann

Was haben sie gejubelt, die Politiker der westlichen Welt, als Ägyptens Staatspräsident Hosni Mubarak mit ihrer Unterstützung aus dem Amt gejagt wurde. Danach sind diese Gutmenschen und Moralapostel schnell zur Tagesornung übergegangen, haben das Land sich selbst und den islamistischen Mulimbrüdern überlassen. Deren Treiben hat erst ein Militärputsch ein Ende bereitet. Drei Jahre nach der gefeierten Revolution wird das Land wieder von denselben Kräften regiert wie zuvor. Mubarak ist rehabilitiert und demnächst ein freier Mann, während nun die Muslimbrüder hinter Gittern sitzen. Die Revolution war nichts als ein kurzes Aufflackern. An ihren letzlich sinnlosen Opfern trägt der Westen ein gehöriges Maß an Mitschuld.


Unselige Tradition
von Friedrich List

Der Fall der jungen Deutsch-Türkin Tugce Albayrak sorgt für Bestürzung und Trauer. Am vergangenen Freitag erlag die 22-Jährige ihren schweren Kopfverletzungen. Sie hatte zwei junge Mädchen vor Belästigern geschützt. Einer dieser jungen Männer hatte ihr aufgelauert und sie niedergeschlagen. Zum Glück ist der Vorgang durch Zeugen und Überwachungsvideos gut dokumentiert. Der 18-jährige Täter sitzt in Untersuchungshaft. Sanel M. folgte, als er mit Freunden die beiden jungen Mädchen auf der Damentoilette einer McDonalds-Filiale anging, einer ebenso altehrwürdigen wie unseligen deutschen Tradition. Man kann über sie in der Literatur lesen – etwa in Robert Musils Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“. In den späten Siebzigern und frühen Achtzigern hieß das „Schlägern“, „Keilen“, in seinen milderen Formen „Hänseln“ oder „Ärgern“. Für eine starke Minderheit überwiegend männlicher Jugendlicher war es ein Hobby. Sie gingen ihm nach, weil sie es konnten. Beschwerden wurden klein geredet, bagatellisiert oder ignoriert.

Daran hat sich wenig geändert. Der einzige Unterschied ist, dass in den 80er Jahren sehr selten jemand sterben musste. Heute praktizieren die Leute Kampfsport, tragen Messer oder Gas bei sich, gehen eher in Gruppen als alleine aus. Die Folge: Viele junge Menschen leben gezwungenermaßen in einer Welt, die mehr Ähnlichkeit mit einem Mafia-Film hat als mit der Welt der Erwachsenen. Woran liegt das? Nicht an linken Sozialarbeitern oder naiv-idealistischen Lehrern. Das „Schlägern“ ist gut erforscht, Gerichte, Polizei, Schulen haben einen gut gefüllten Instrumentenkasten. Aber ihnen fehlen Geld und Personal. Der Staat ist reaktionsträge. Die Täter sehen eine Gesellschaft, die ihre entbehrlichen Mitglieder preisgibt – die Jüngeren, die Schwächeren, die Randständigen – und als sei Moral eine Sache der stärkeren Fäuste. Dazu passt leider auch, dass Tugce für ihre Zivilcourage und ihre Tapferkeit gepriesen wird. Mittlerweile scheint die Gesellschaft Helden zu brauchen, um etwas durchzusetzen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte.


M-Kurden statt IS-Bekämpfer
von Frank Horns

Ausländerkriminalität? Was für ein hässliches Wort, und grundfalsch noch dazu. Weiß man doch, dass nur die edelsten und reinsten Menschen aus Kurdistan, Serbien und anderen Weltgegenden ihren Weg zu uns finden. Grundehrliche Cha­raktere allesamt und irgendwie ohnehin die besseren Menschen als wir peinlichen und simpel-geistigen Deutschen. Daher empfiehlt der einflussreiche Verein „Neue deutsche Medienmacher“ seinen Journalistenkollegen auf den Ausdruck weitgehend zu verzichten beziehungsweise ihn nur bei Verstößen gegen Asylgesetze anzuwenden (siehe Seite 2).

Ausländerkriminalität! Ja, um der Political Correctness willen, lässt sie sich möglicherweise in den Mainstream-Medien totschweigen. Aber sie ist da und sie ist eine Bedrohung. Derzeit ist es vor allem die sogenannte Clan-Kriminalität, die den deutschen Rechtsstaat bedroht. Es geht um mafiöse Familienclans, oft sind sie kurdischer Herkunft und mehrere tausend Köpfe stark. Sie handeln mit Heroin und Kokain, kassieren in Bordellen oder sind im Schleusergeschäft aktiv. Die Brutalität, mit der sie vorgehen, ließ sie zur Macht im Milieu werden. Polizisten fürchten sich vor ihnen. Die Politik ignoriert das Phänomen weitgehend. Schließlich tragen die Kurden als tapfere IS-Bekämpfer in Syrien und dem Irak derzeit ohnehin das Helden-Etikett.

In Deutschland sprechen Insider dagegen von einer neuen Qualität des Verbrechens und weisen beispielhaft neben dem Überfall auf die Polizeiwache in Peine (siehe Seite 1) auf den sogenannten Ampelmordprozess hin. Der Angeklagte Mohamad O. hatte in Sarstedt bei Hildesheim den Liebhaber seiner Frau, einen Syrer, an einer Ampel erschossen. Noch im laufenden Verfahren gab es von seinem Clan – er gehört zur Gruppe der Mhallamiye-Kurden, kurz M-Kurden genannt – so massive Einschüchterungsversuche gegen Richter und Staatsanwalt, dass sie unter Polizeischutz gestellt werden mussten.

Was heute derart eskaliert, hat sich über Jahre hinweg entwickelt. Das Bundeskriminalamt warnte schon 2004 vor den unkontrollierbaren Ethno-Gruppierungen. Die Ermittler attackierten dabei besonders die deutsche Justiz. In falsch verstandener Toleranz hätten die Gerichte das Problem mit ihrer fortwährenden Nachsichtigkeit erheblich verschlimmert, hieß es. „Ethnisch abgeschottete Subkulturen“ hätten sich „unter erheblichem Missbrauch der vorhandenen Schwachstellen des deutschen Ausländer- und Asylrechts fest etabliert“.

Ausländerkriminalität? Man darf sie keinesfalls totschweigen. Fakten, Zahlen, Namen, Herkunftsregionen müssen ohne falsche Rücksichten genannt werden. Nur so lässt sie sich wirksam bekämpfen, und das ist im Sinne aller. Auch unbescholtene Bürger mit Migrationshintergrund werden zu Opfern krimineller Nichtdeutscher.


Moment mal!
Der »Spiegel«: Im Zweifel Geld
von Klaus Rainer Röhl

Ein bisschen Meckern über Merkel, ein bisschen Verständnis für Putin. Alles in dem flapsigen Einheitston, den Rudolf Augstein vor 66 Jahren von „Newsweek“ übernommen hatte. Alles wie gehabt, aber etwas fehlt. Von Woche zu Woche mehr. Warum wirkt der „Spiegel“ schon rein äußerlich so planlos und zufällig, dass man schon beim zweiten Durchblättern das Interesse verliert? Lustlos zusammengehauen. Kein Wunder, die „Spiegel“-Redakteure sind zutiefst zerstritten und zerfleischen sich, wenn möglich öffentlich. Beim „Stern“ ist es noch schlimmer. Der Grund ist einfach: Das langsame, aber unaufhaltsame Ende der alten Druckmedien und der noch rumpelnde und ruckelnd anlaufende Beginn des digitalen Zeitalters.

Bereits im März dieses Jahres waren beim „Spiegel“ 7,5 Prozent der Anzeigenerlöse eingebrochen (was bei der Größenordnung des „Spiegel“ allemal einen Riesengewinn ergab), aber selbst die reinen Verkaufserlöse sanken um immerhin zwei Prozent. Die durchschnittlich verkaufte Wochenauflage des Blattes war um 5,4 Prozent auf trotzdem noch stolze 842000 Exemplare gesunken. Der Verlag reagierte wieder einmal mit einer neuen, von den Stammlesern ungern gesehenen – Heft-Umgestaltung, die dem Blatt noch mehr Ähnlichkeit mit einer Illustrierten gab, einem auf Sonntag vorgezogenen Hefttermin und der Vermarktung einer digitalen Ausgabe. Ab Anfang 2015 will das wöchentliche Magazin schon am Sonnabend erscheinen. Darüber hinaus sollte das lebhaftere (dadurch jeder beliebigen Illustrierten noch ähnlichere) Bild des Heftes mehr „junge Zielgruppen und Frauen“ erreichen, hoffte der Verlag. War das nicht ein bisschen flott, wie man mit diesen beiden „Zielgruppen“ umsprang? Im Zweifel: flapsig.

Der neue Chefredakteur Wolfgang Büchner legte seinen Ressortleitern kürzlich einen „Plan 3.0“ vor, um „Spiegel“ und „Spiegel online“ zu stärken und gemeinsam einen „digitalen Spiegel“ zu entwickeln, mit dem man im Netz Geld verdienen wollte. Was bis dahin offenbar noch keinem geglückt ist. Alle zwölf Ressortleiter des gedruckten „Spiegel“ wandten sich in einem gemeinsamen Brief gegen den neuen Plan mit einem zustimmenden „Ja, aber!“

Worum geht es bei diesen mit viel Getöse verlautbarten Plänen? Die Sache ist eigentlich einfach: Die aus den Kämpfen gegen den Gründer und Eigentümer Augstein als Miteigentümer hervorgegangenen, auch nicht mehr ganz jungen Kämpen, die Redakteure des gedruckten „Spiegel“, die „Printredakteure“, wollen nicht mit dem Onlinebereich verschmelzen, wie es etwa in der „Welt“-Gruppe schon lange praktiziert wird. Sondern ihre extrem hohen Gehälter und Privilegien behalten. Die schlechter bezahlten Redakteure von Spiegel-Online sehen mit Missbehagen und Ärger auf Kollegen im Print-„Spiegel“ und deren offen zur Schau getragenen Lebensstil und hätten gern ähnlich hohe Gehälter, um sich auch drei oder fünf Ferienhäuser leisten zu können. Im Zweifel: Geld.

Der „Spiegel“ wollte zu Lebzeiten seines Gründers Rudolf Augstein immer ein lebendiges Blatt sein und um Himmels willen nicht nur eine Institution wie eine Oberpostdirektion. Heute, nach dem Tod Augsteins und dem von Intriganten innerhalb der Redaktion mit fragwürdigen Mitteln erzwungenen Ausscheiden des von Augstein selber noch als Nachfolger eingesetzten Stefan Aust, ist er endgültig zu einer schwerfälligen, durch Kompetenzwirrwarr vielfach behinderten Behörde beziehungsweise Firma für Nachrichten-Verbreitung geworden, zwar weiterhin, wie einst unter Rudolf Augstein, im nach dem Vorbild von „Newsweek“ eingeführten flapsig-saloppen Plauderton geschrieben, der längst zur kunstvoll dahingeschnodderten Spiegel-Schreibe geworden war. Doch der ehedem flotte Schreibstil kommt heute als Kunstsprache seltsam gestelzt herausgetackert wie aus einem Übersetzungsautomaten. Was einst in vielen Kämpfen („Enteignet Springer – entmachtet Augstein!“) in stürmischen nächtlichen Sitzungen ertrotzt wurde, wird heute nur noch per Handzeichen auf Vorstands- und Beiratswahlen beschlossen, die monatelang in stillen Hinterzimmern mit der Sorgfalt von Palastintrigen vorbereitet wurden.

Der „Spiegel“, von seinem Schöpfer und kreativen Weiter-Entwickler Rudolf Augstein jahrzehntelang, notfalls auch mit ziemlich harter Hand, auch gegen jeden Enteigungs-Mief aller Mitbestimmungs-Moden gehalten, wurde nach seinem Tod vom selbst ausgewählten Nachfolger, dem jungen Nachwuchsjournalisten Stefan Aust wirkungsmächtig erhalten und sogar weiterentwickelt. Dass dieser seine Ausbildung „Röhl und seinem ‚Konkret‘“ verdankt, betont er so häufig, dass ich es hier einmal bescheiden anbringen will. Die „Spiegel“-Mannschaft bekämpfte den begabten Außenseiter von Anfang an, konnte ihn aber erst nach Jahren ziemlich unappetitlicher Wühlarbeit am Ende aus dem Blatt hinausdrängen.

Nach dem Rausschmiss von Stefan Aust zerfiel die Putschistentruppe in lauter Interessengruppen und Duodez-Fürstentümer, die sich zunächst massiv mit wahrhaft fürstlichen Gehältern und Privilegien bedienten, damit natürlich nicht zufrieden, sich seit Jahren zur Freude aller Branchendienste öffentlich anmotzen und heimlich zu Fall zu bringen suchen. Da gibt es schon seit Monaten einen neuen Chefredakteur Wolfgang Büchner, der in seiner kurzen Amtszeit noch kaum journalistisch hervorgetreten ist und den ganze 90 Prozent der Redakteure der gedruckten Auflage bereits – per Unterschrift! – ausbooten wollen und der vielleicht nur darauf wartet, dass man ihm ein fettes Abfindungsangebot macht, das aber nicht kommt, weil es keinen Kandidaten gibt, der den undankbaren wackeligen Job machen will („Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat bereits dankend abgelehnt), und das hat einen Grund: Die Printredakteure wollen nicht mit dem Onlinebereich verschmelzen, sondern weiterhin ihre extrem hohen Gehälter und Privilegien behalten. Denn fast alle „Print“-Auflagen sinken, auch die des „Spiegel“. Es geht also um Geld.

Neuerdings schreibt Martin Walsers Sohn und Augstein-Ziehsohn Jakob (der zunächst mit einem eigenen Blatt „Freitag“ gestartet war) auch als Kolumnist im „Spiegel“. Unter dem Titel: „Im Zweifel links.“ Nach einem Wort Rudolf Augsteins! (Im letzten Heft hieß sein Beitrag schlicht „Kapitalismus kaputt“, eine kühne Weiterentwicklung des 68er Kinderverses „Papitalismus muss putt!“?) Der „Spiegel“: Im Zweifel: links? Das Blatt verdient auch nach seinem Auflagenschwund Geld. Viel Geld. Und dabei soll es nach dem Willen aller Beteiligten unter allen Umständen bleiben.

Auch wenn der Augstein-Sohn in seiner letzten Kolumne ein Schwundgeld zur Sprache bringt, mit einem schnell verfallenden Haltbarkeitsdatum wie Joghurt, ein Schwundgeld, wie es vor 100 Jahren schon der Ökonom Silvio Gesell zur Diskussion gestellt hat. So ganz ernst meint der neue „Spiegel“-Kolumnist den Vorschlag sicherlich nicht. Und so lange gilt auch für ihn: Im Zweifel Geld.


S. 9 Kultur

»Frau im Wahn« oder Künstlermuse?
Alma Mahler-Werfel − 50. Todestag der Komponistin, Femme fatale und Frau von Mahler, Werfel und Gropius

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts traf sich in Alma Mahler-Werfels Künstlersalon alles, was Rang und Namen hatte. Von einigen als Muse gehuldigt, von anderen als Femme fatale gehasst, besaß sie große Anziehungskraft auf Musiker, Maler und Literaten. Am 11. Dezember jährt sich zum 50. Mal ihr Todestag.

Sie ist die Frau von Gustav Mahler, Walter Gropius und Franz Werfel gewesen. Mit Oskar Kokoschka hatte sie eine mehrjährige, ständig zwischen Hass und leidenschaftlicher Liebe pendelnde Affäre. Wenn sie im Wien der 20er und 30er Jahre ihren Salon öffnete und Hof hielt, erschienen Maler, Schriftsteller und Musiker von Rang und Klang. Die Liste ihrer prominenten Freunde, Verehrer und Gäste, zu denen auch Politiker wie Engelbert Dollfuß oder Kurt von Schuschnigg gehörten, ist kaum zu überblicken. Als eine „Muse“ der Künstler, die es zu inspirieren und zu protegieren gelte, sah sie sich selbst an. Die Rede ist von Alma Mahler-Werfel, die 1879 als Tochter des Malers Emil Schindler in Wien zur Welt gekommen ist.

Klaus Mann verglich diese vitale und dynamische Frau in ihrer „künstlerischen Sensibilität und gesellschaftlichen Ambition“ mit Cosima oder den „stolzen und brillanten Damen“ des französischen Grand Siècle unter Ludwig XIV. In seiner Autobiografie „Der Wendepunkt“ liefert er über sie und ihren Salon, den er aus eigener Erfahrung kannte, ein anschauliches Bild:

„Frau Alma … machte den Salon, wo tout Vienne sich traf: Regierung, Kirche, Diplomatie, Literatur, Musik, Theater – es war alles da. Die Hausfrau, hochgewachsen, sorgfältig ge­schmückt, von immer noch schöner Miene und Gestalt, bewegte sich triumphierend vom Päpstlichen Nuntius zu Richard Strauss oder Arnold Schönberg, vom Minister zum Heldentenor, vom stilvoll vertrottelten alten Aristokraten zum vielversprechenden jungen Dichter. In einer Ecke des Boudoirs wurde im Flüsterton über die Besetzung eines hohen Regierungspostens verhandelt, während man sich in einer anderen Gruppe über die Besetzung einer neuen Komödie am Burgtheater schlüssig ward.“

Der junge Dichter Franz Werfel hatte die Grande Dame Wiens im November des Kriegsjahres 1917 kennengelernt. Obwohl Alma Mahler zu dem Zeitpunkt mit dem Stararchitekten Walter Gropius liiert war, gingen die beiden kurz nach ihrer ersten Begegnung eine Liebesbeziehung ein. Der politisch „links“ stehende Werfel war der um elf Jahre älteren, äußerst konservativ eingestellten Alma völlig ergeben. Auch wenn ihre Ehe mit Gropius bereits 1919 geschieden wurde, erfüllte sie Werfel, den sie ihr „Mannskind“ nannte, erst im Jahr 1929 den Wunsch nach einer Heirat mit ihr. Zuvor hatte sie aber zur Bedingung gemacht, dass er aus der jüdischen Gemeinde austrete.

1938 flieht das Ehepaar vor den Nationalsozialisten aus Österreich. Nach einem etwa zweijährigen Aufenthalt in Frankreich gelangen Alma und Franz Werfel schließlich 1940 in die USA. Ihre im amerikanischen Exil veranstalteten Dinner-Partys waren beliebte Treffpunkte der deutschen Emigrantenszene. Als die Witwe Alma Mahler-Werfel, die 1945 ihr „Mannskind“ verloren hatte, am 31. August 1949 in ihrer Villa in Beverly Hills ihren 70. Geburtstag feierte, war es wohl das letzte Mal, dass ihr im großen Stil gehuldigt wurde. Noch einmal gaben sich namhafte Künstler und andere Prominente wie einst in ihrem legendären Salon in Wien ein Stelldichein.

Der Jubilarin wurde eine Festschrift überreicht, in der 77 Freunde und Bekannte – unter ihnen Lion Feuchtwanger, Carl Zuckmayer, Heinrich Mann, Bruno Walter und Igor Strawinsky – ihr die Reverenz erwiesen. Thomas Mann versicherte in seinem Beitrag dem Geburtstagskind, dass er ihr „Verehrer“ sei, „der Erquickung fand in jedem Zusammensein mit Ihnen, – die heitere Belebung, die ausgeht von einer Persönlichkeit, einer Menschennatur in Weibsgestalt, einer großen Frau. Dies alles sind Sie, ich bezeuge es mit Freude und Dankbarkeit.“

Dass Alma Mahler-Werfel von den einen als Künstlermuse vergöttert wurde, bei anderen als Femme fatale verhasst war, lag auch an ihrer komplexen, überaus ambivalenten Persönlichkeit. Ein gewisser Hang zur Gefall- und Geltungssucht ist bei ihr nicht zu übersehen. Sie litt unter starken Gefühlsschwankungen. Auf der Suche nach ihrer eigenen Identität retuschierte sie immer wieder ihr Selbstbild. So auch literarisch in ihrer Selbstbiographie „Mein Leben“, das ein Konstrukt aus Dichtung und Wahrheit darstellt. Sie konnte sich voller Verachtung über Juden äußern, und hatte dennoch nicht nur viele Juden in ihrem großen Freundeskreis, sondern war auch mit zwei jüdischen Männern verheiratet gewesen: Mahler und Werfel.

Ihre eigene musikalische Begabung zeigte sich nicht zuletzt in eigenen Liedkompositionen und einem ausgezeichneten Klavierspiel. Auch besaß sie ein gutes Gespür und sicheres Urteil, was die Begabung von Künstlern betraf. War sie von ihnen überzeugt, so war sie bemüht, sie zu fördern und zu unterstützen.

Dass Franz Werfel als Dichter so erfolgreich geworden ist und in seinem relativ kurzen Leben ein umfangreiches Werk verfasst hat, das hatte er zu einem guten Teil seiner Frau zu verdanken. Ihr war es gelungen, seinem Wesen, seiner künstlerischen Schaffenskraft mehr Konstanz, mehr Disziplin zu verleihen und ihm immer wieder die Vorrausetzungen zu schaffen, die er für ein konzentriertes und produktives Arbeiten benötigte.

Oliver Hilmes verlieh 2004 seiner kritischen Alma-Mahler-Werfel-Biografie den abwertenden, plakativen Titel „Witwe im Wahn“. Diesem negativen Bild versuchte jüngst Susanne Rode-Breymann in ihrer Biografie „Alma Mahler-Werfel. Muse – Gattin – Witwe“ (2014) ein aus weiblicher Perspektive geschriebenes Porträt dieser außergewöhnlichen, facettenreichen und stets umstrittenen Frau zu entgegenzuhalten.

Beide Bü­cher machen wieder einmal deutlich, wie stark eine Biografie in ihrer Darstellung und Bewertung von dem Biografen und seinem eigenen Standort abhängt. Er ist es ja, der akzentuiert, der Quellen auswählt oder unterschlägt und immer wieder auch interpretiert. Daher kann es nur von Vorteil sein, wenn derjenige, der sich näher mit Alma Mahler-Werfel beschäftigen möchte, auf beide, sich gegenseitig ergänzende Biografien zurück­greift. Matthias Hilbert


Sachsenfestung in Brandenburg
Die Zitadelle Senftenberg ist rekonstruiert worden – Museum, Kunstsammlung und Veranstaltungsort für Festungsspiele

Gegen Böhmen zu schützte sich Sachsen mit einer eindrucksvollen Bergfestung an der Elbe. Der berühmte Königstein ragt wie eine herrische Krone zwischen den bizarren Felsbildungen der Sächsischen Schweiz empor. Die nördliche Festung Senftenberg ist weit weniger bekannt. Gegen Brandenburg wird das Land flacher. Weder Berge noch ein breiter Strom bieten einen natürlichen Anhalt für die Abwehr. Jede haltbare Stellung muss aufgeschanzt und ausgegraben werden.

Die Festung Senftenberg ist ein Musterbeispiel einer solchen in der Niederung liegenden Burg. Von besonderer Seltenheit sind die vollständig erhaltenen Erdwälle. Aus dem Wasser der Elster wurde einst ein großer Teich um das feste Haus gestaut. Die Verbindung zur Stadt verlief über den Damm. Heute hat sich die politische und geografische Umgebung von Stadt und Schloss verändert. Senftenberg gehört inzwischen zu Brandenburg. Die Flutung der Braunkohletagebaue hat eine neue Seenlandschaft entstehen lassen.

Der Gründung von Stadt und Schloss ging eine fast 1000-jährige Siedlungsleere voran. Mit der Neubesiedlung der Niederlausitz im 12. Jahrhundert wurden auch die ersten Markierungen für die Burg gesetzt. Die bestand erst nur aus Graben und Wall mit Palisaden. Später folgten eine Ziegelburg, dann das Renaissanceschloss und schließlich die Festungsanlage. Mit der deutschen Wiedervereinigung begann in Senftenberg eine umfassende Rekonstruktion.

Der Architekt und Bauhistoriker Ekkehard Kandler war von Anfang an dabei. Als Bauleiter betreute er zugleich die archäologischen Erkundungen und schrieb eine Dissertation zur Baugeschichte. Zweifach sind die Ergebnisse jetzt öffentlich zugänglich. Die Festung beherbergt das Museum des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, unter anderem mit der neuen Dauerausstellung „Sachsens Festung in Brandenburg“. Im Bildband „Burg, Schloss und Festung Senftenberg“ von Ekkehard Kandler ist alles das verständlich niedergelegt, was sich unter dem Abschluss der Rekonstruktion vor Ort wieder verbirgt.

Da Senftenberg Amtssitz war, wurde das Schloss ununterbrochen für obrigkeitliche Zwecke genutzt. Weil es Gericht, Schule und Museum beherbergte, ist es nie ganz verfallen. Dafür haben die notdürftigen Instandsetzungen wertvolle Spuren früherer Bauabschnitte entstellt und getilgt. Auf der Grundlage des Überlieferten hat der Forscher zu mutmaßen. Zum Beispiel mit den fiktiven Rekonstruktionsversuchen eines Wohn- und Wehrturms im Zentrum der Anlage. Untersuchungen an verwandten Bauten der Zeit beispielsweise in Frankfurt an der Oder, Luckenwalde und Finsterwalde gestatten einigermaßen zuverlässige Rückschlüsse auf Senftenberg. Die Deckungsgleichheit des Messnetzes der Burg mit dem der ebenfalls genau erfassten Klosterkirche Doberlug führte zu der Vermutung, dass identische Planer und Bauausführer hier wie dort am Werk waren.

Weitere Überraschungen traten zutage, als festgestellt werden musste, dass das mächtige Kellergewölbe erst nachträglich unter dem Bau des Renaissanceschlosses angelegt wurde. Wird doch für die unteren Geschosse in der Regel eine frühere Bauperiode vermutet als für darüberliegende. Bereits 1763 wurde die Militäranlage aufgegeben und zum lokalen Verwaltungssitz umgebaut. Der alte Charakter verschwindet in der Folge mehr und mehr. Gewölbe sind baufällig. Türme werden abgerissen. Die einstmals nördlichste Festungsanlage Sachsens gelangt nach dem Wiener Kongress an Preußen. Das Amtsgericht erhält dort seinen Sitz. 1913 wurde das vermauerte Renaissanceportal geöffnet, in den 30er Jahren die alte Rampe davor abgetragen und eine runde Treppe als Zugang errichtet. Der Ostflügel musste 1919 einem Schulneubau weichen.

Bei leeren Stadtkassen hielt sich die Entstellung in Grenzen. Seit 1922 war hier das „Rathenau-Reform-Realgymnasium mit Realschule“ untergebracht. Der Ausfalltunnel wurde zur pittoresken Höhlung in einem Landschaftsgarten. Pulverturm und Kommandantenhaus stehen noch.

Die Baulichkeiten um das Portal wurden wieder errichtet und damit das Festungsviereck ge­schlossen. Heute bekrönt das Portal wieder der Kurfürstenhut, der einst zuerst über dem sächsischen, dann über dem preußischen Wappenstein angebracht war. Über der Eingangsbastion wurde aus gefärbtem Beton das 1873 abgebrochene Gewölbe wieder errichtet. So kann der Besucher Wehrhaftigkeit und Prunk erleben, bevor ihn ein Spaziergang um die Festung in die Parkanlage führt.

Neben der heimatgeschichtlichen Abteilung beherbergt das Museum die 1985 gegründete Kunstsammlung Lausitz. Anders als in großen Museen vereinigt diese Sammlung Werke der berühmten Söhne der Heimat, wie Gerhard Richter und Georg Baselitz, mit denen regionaler Meister in paritätischer Angemessenheit. Regelmäßige Wechselausstellungen erschließen das umfangreiche Depot. Führungen erläutern die Funktion der Zitadelle. Schulkinder können sich bei einem Fragespiel zum Festungskanonier diplomieren lassen.

Am Ende des Festungsspiels feuern sie dann ein kleines Geschütz ab. In der Adventszeit wird auch dieses Jahr ein historischer Weihnachtsmarkt im Schlosshof stattfinden. Sebastian Hennig

Schloss und Festung Senftenberg/Kunstsammlung Lausitz: geöffnet Dienstag bis Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Infos im Internet: www.museum-osl.de. Ekkehard Kandler, „Burg, Schloss und Festung Senftenberg“. Herausgegeben vom Museum des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, Thelem-Verlag Dresden 2014, 24,80 Euro.


MELDUNGEN

Preis für »Wolfskinder«

Frankfurt am Main − Der diesjährige Franz-Werfel-Menschenrechtspreis geht an den Regisseur Rick Ostermann für seinen Ostpreußen-Film „Wolfskinder“. Die mit 10000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm jetzt in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Vergeben wird die Auszeichnung vom Zentrum gegen Vertreibungen, einer Stiftung des Bundes der Vertriebenen. In seinem Film, der Ende August in die Kinos kam (die PAZ berichtete), schildert Ostermann, der selbst ostpreußische Wurzeln hat, den Überlebenskampf von elternlosen Kindern, die in den Wäldern Ostpreußens vor der Roten Armee flüchten. Tws

 

Kunstgewerbe zu besichtigen

Berlin − Das Kunstgewerbemuseum am Kulturforum wurde nach drei Jahren Umbauzeit wiedereröffnet. Die Sammlung des ältesten Museums seiner Art in Deutschland wurde für 4,3 Millionen Euro neu geordnet und das Foyer umgestaltet. Hauptattraktion ist eine neue Mode- und Designgalerie mit kostbaren Reif­röcken des 18. Jahrhunderts, exklusiven Kleidern von Coco Chanel und Yves Saint Laurent bis hin zu Entwürfen von Philippe Starck und Ettore Sottsass. tws

 

Andy Warhol in Chemnitz

Chemnitz − „Death and Disaster“ („Tod und Desaster“) heißt eine Schau mit Werken des US-Künstlers Andy Warhol. Bis zum 22. Februar zeigen die Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz 61 Werke aus einer Werkgruppe des bedeutenden Künstler, die dem Tod gewidmet sind. tws


S. 10 Geschichte/Preussen

Vergebliches Opfer bei den Falkland-Inseln
Vor 100 Jahren erlitt das von Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee geführte Ostasiengeschwader eine vernichtende Niederlage

Gemessen an den epochalen Materialschlachten an den Landfronten des Ersten Weltkrieges war der Seekrieg arm an strategisch bedeutsamen Ereignissen. Auch die Seeschlacht vor den Falkland-Inseln vor 100 Jahren war ein Ereignis von nur nachrangiger Bedeutung. Dennoch, und obwohl sie mit einer vernichtenden deutschen Niederlage geendet hatte, hat sie lange einen festen Platz im Gedächtnis der deutschen Marine eingenommen.

Die Führung des Seekrieges stand während des gesamten Ersten Weltkrieges im Zeichen der ausgebliebenen Seeschlacht, weshalb die wenigen Treffen der gegnerischen Flotten lange Gegenstand einer geradezu mythischen Verklärung waren. Die britische Marineführung war trotz ihrer besseren geostrategischen Position und ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit nicht gewillt, die Seeherrschaft, die sie auch ohne Schlacht ausübte, durch eine verlust­reiche Seeschlacht mit strategischen Dimensionen zu gefährden. Für die deutsche Flotte dagegen gab es unter den gegebenen seestrategischen Bedingungen theoretisch nur eine Möglichkeit zum Sieg, nämlich die große Entscheidungsschlacht zwischen beiden Flotten. Die britische Flotte musste in dieser Schlacht so entscheidend geschwächt werden, dass sie ihre weltweite Seeherrschaft nicht mehr ausüben konnte. Dies aber war angesichts der Kräftekonstellation mehr als unwahrscheinlich. Ein Zwang, mit vollem Kräfteeinsatz die Entscheidung herbeizuführen, wurde daher weder von der Reichsregierung oder der Marineleitung noch vom Kaiser empfunden. Das beiderseitige Verharren in der strategischen Defensive führte dazu, dass sich die beiden mächtigen Flotten mehr oder minder tatenlos gegenüberstanden.

Im Pazifik hingegen operierte Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee für einige Zeit äußerst erfolgreich, indem er den britischen Handel störte und gegnerische Kräfte band. Allerdings fehlten der Kaiserlichen Marine in diesem Seegebiet Stützpunkte, so dass sein aus den Panzerkreuzern „Scharnhorst“ und „Gneisenau“, den Kleinen Kreuzern „Leipzig“, „Nürnberg“ und „Dresden“ sowie einigen Begleitschiffen bestehender Verband auf verlorenem Posten stand. Auch wenn er fernab der gegnerischen Marinebasen Hong Kong und Sydney relativ sicher war, wusste Spee, dass er, wohin auch immer er sich wenden sollte, am Ende zu Tode gehetzt würde. Deshalb entschloss er sich, über Südamerika die Heimat zu erreichen. Dabei stieß er am 1. November vor der chilenischen Küste bei Coronel auf einen britischen Verband, dem er dank seines taktischen Geschicks und günstiger Wetterverhältnisse empfindliche Verluste zufügen konnte. Allerdings hatte der in der Heimat euphorisch bejubelte Sieg seinen Preis, denn die deutschen Schiffe hatten über die Hälfte ihrer Munition verschossen.

Um die Scharte auszuwetzen, schickte die britische Admiralität die schnellen Schlachtkreuzer „Invincible“ und „Inflexible“ mit Höchstgeschwindigkeit zu den Falkland-Inseln, um den deutschen Kreuzerverband zu stellen. Die beiden Schiffe hatten sich gerade mit den sechs dort stationierten britischen Kriegsschiffen vereinigt, als Spees Geschwader im Morgengrauen des 8. Dezember vor Port Stanley auftauchte, um den Hafen einzunehmen, die Funkstation zu zerstören und sich mit Kohlen zu versorgen. Auf britischer Seite herrschte heilloses Durcheinander, hatte man doch nicht so früh mit einem Aufeinandertreffen gerechnet. Die zur Erkundung bis in die Hafeneinfahrt vorgedrungenen „Gneisenau“ und „Nürnberg“ zogen sich sofort zurück, während die britischen Schiffe überstürzt Dampf aufmachten und ziemlich kopflos hinterher feuerten.

Spee befahl seinem gesamten Verband, sofort nach Südosten auszuweichen und erreichte so einen Vorsprung von 15 Seemeilen. Doch begünstigt durch ruhige See und klare Sicht, kamen die Verfolger innerhalb weniger Stunden bis auf Schussweite an den deutschen Verband heran. Alle Absetzversuche Spees blieben erfolglos. Er erkannte, dass seine Lage hoffnungslos war, wenn er seine Streitkräfte zusammenhielt. So tat er das einzig Richtige, entließ die leichten Einheiten und nahm mit seinen Panzerkreuzern das Gefecht auf. Während die drei Kleinen Kreuzer und die Begleitschiffe mit Höchstfahrt südwestlichen Kurs nahmen, opferten sich die „Gneisenau“ und „Scharnhorst“, um ihnen ein Entkommen zu ermöglichen. Es war ein ungleicher Kampf, denn die britischen Schiffe eröffneten das Feuer außerhalb der Reichweite der deutschen Geschütze. Alle Versuche Spees, näher an den Gegner heranzukommen, vereitelte dieser mit taktisch klugen Ausweichmanövern. Die „Scharnhorst“ sank am Nachmittag unter konzentriertem Feuer, die „Gneisenau“ am frühen Abend. Doch ihr Opfer war umsonst, denn von den kleinen Einheiten konnten nur die „Dresden“ und ein Kohlenschiff entkommen, die bald darauf ebenfalls ausgeschaltet wurden.

Das britische Geschwader kehrte als gefeierter Sieger nach Port Stanley zurück, hatte es doch kein einziges Schiff verloren und nur zehn Tote zu beklagen. Auf deutscher Seite dagegen waren über 2200 Mann gefallen, unter ihnen Graf Spee und seine beiden Söhne. Diese vernichtende Niederlage führte zur Einstellung des deutschen Kreuzerkriegs in Übersee. Gleichwohl diente sie noch der Propaganda. Bewegende Schilderungen vom Kampf bis in den Tod selbst in aussichtloser Lage sollten den Kampfeswillen und die Opferbereitschaft der Flotte stärken. Besonders anschaulich dafür steht das bekannte Gemälde „Der letzte Mann“ des Marinemalers Hans Bohrdt. Es zeigt einen auf dem Kiel seines sinkenden Schiffes stehenden Seemann, der entschlossen die Kriegsflagge hochhält. Das Motiv beruht auf einer wahren Begebenheit. Allerdings spielte sich diese nicht auf der „Leipzig“ ab, wie von Bohrdt angegeben, sondern auf der „Nürnberg“. Und es war nicht ein Mann, sondern es waren vier, die mit dieser heldischen Pose zum Vorbild für viele wurden, die in den noch folgenden vier Kriegsjahren für Kaiser und Vaterland auf See bleiben sollten. Jan Heitmann


Wenn Sozialisation alles möglich machen soll
Aktueller Zeitgeist erinnert an den Stalinisten Trofim Lyssenko, Namensgeber des Lyssenkoismus

Alle sind gleich, doch einige sind gleicher. Der zweite Teil dieser sarkastischen Weisheit beschreibt die linke Wirklichkeit, resultiert aus den Erfahrungen mit dem real existierenden Sozialismus und den real existierenden Sozialisten. Linke sind halt auch nicht frei von Vetternwirtschaft und Selbstbedienungsmentalität. Der erste Teil jedoch gibt linke Ideologie in Reinkultur wieder. Ungeachtet der Niederlage des Sozialistischen Lagers im kalten Krieg bestimmt das Dogma unseren heutigen Zeitgeist. Betrachten wir die aktuelle (linke) Schulpolitik, Justizpolitik, Ausländerpolitik oder Frauenpolitik: Gymnasien wie Sonderschulen werden zurück gedrängt zugunsten von Einheitsschulen für alle; in der Justiz gilt Resozialisierung vor Strafe und dem Schutz der Gesellschaft durch Wegschließen; Sozialtouristen werden willkommen geheißen mit der Begründung, damit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken; und Gender leugnet den natürlichen Unterschied zwischen Mann und Frau. Hinter allen steht die Ideologie, dass von Haus aus alle gleich seien. Die unbestreitbar vorhandenen und als ungerecht empfundenen Unterschiede werden nicht als naturgegeben, sondern als von Menschenhand gemacht betrachtet. Der Mensch sei Produkt seiner Sozialisation, der Umwelteinflüsse und es sei möglich, durch Änderungen der Umwelteinflüsse vorhandene Unterschiede rückgängig zu machen und das Entstehen zukünftiger Unterschiede zu verhindern.

Dass dieses linke Dogma zu tragikomischen Exzessen führt, ist nicht erst ein Phänomen der Gegenwart. In unserem rohstoffarmen Land sind Menschen das wichtigste Kapital und so sind bei uns primär Menschen von diesem linken Großexperiment betroffen. Russland hingegen ist traditionell ein Agrarland und so führte dieses linke Dogma in der Sowjetunion Josef Stalins bei Pflanzen zu einem entsprechenden tragikomischen linken Großexperiment.

Letztgenanntes heute leider kaum noch bekannte stalinistische Großexperiment ist untrennbar mit dem Namen Trofim Denissowitsch Lyssenko verbunden. Der 1898 im ukrainischen Karlowka geborene sowjetische Biologe und Agronom diffamierte die Genetik als faschistisch und bourgeoise. Statt durch Gene, so seine Lehre, würden die Eigenschaften von Kulturpflanzen und anderen Organismen ausschließlich durch Umweltbedingungen bestimmt. Und so wie ein typischer bundesdeutscher Linker meint, aus Sozialtouristen Facharbeiter und aus Intensivtätern nützliche Glieder der Gesellschaft machen zu können, behauptete Lyssenko durch geeignete Umweltbedingungen Kulturpflanzenarten wie Weizen und Roggen ineinander umwandeln zu können.

Wenn Lyssenko in linkem Größenwahn sich einbildete, nicht Wasser in Wein, sondern Weizen in Roggen verwandeln zu können, wäre das alleine ja noch nicht so schlimm gewesen, doch fataler Weise konnte er Stalin von seinen Allmachtsphantasien überzeugen. Mit seinem Versprechen, ertragreiche Nutzpflanzen-Sorten zu züchten und alle Ernährungsprobleme des jungen Sowjetstaates zu lösen, stieg der mehrfache Lenin-Orden-Träger zum führenden Biologen der Sowjetunion auf. 1938 wurde er Präsident der Akademie für Landwirtschafts-Wissenschaften, zwei Jahre darauf Leiter des Instituts für Genetik der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion.

Bei der Bekämpfung der sogenannten Mendel-Weismann-Morgan-Genetik setzte Lyssenko weniger auf Argumente als auf den NKWD und den Staatsapparat. Nikolai Wawilow, ein international hochangesehener russischer Botaniker, Genetiker und Forschungsreisender, der die Theorie von den geographischen Genzentren der Kulturpflanzen begründete, bezahlte seine öffentlichen Widerworte mit dem Leben. 1943 starb er in einem Gefängnis in Saratow an Unterernährung. Lyssenko hingegen überlebte nicht nur Wawilow, sondern auch Stalin – und das nicht nur physisch, sondern auch gesellschaftlich. 1976 starb er im 79. Lebensjahr stehend in Moskau.

Lyssenkos Glaube an die sogenannte Artumwandlung unter Umwelteinflüssen und seine Förderung durch die Politik führten dazu, dass in der Sowjetunion im großen Stile Weizen in dafür ungeeigneten Klimazonen gepflanzt wurde, in der Hoffnung, dass unter den Umwelteinflüssen eine Umwandlung in eine Art stattfinden würde, die für das Klima geeignet ist. Die Folge waren Miss­ernten und Hungersnöte.

Karl Marx hat einmal gesagt: „Hegel bemerkte irgendwo, dass alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“ Es bleibt zu hoffen, dass es bei den heutigen Versuchen, aus Deutschland ausnützenden Einwanderern in die Sozialsysteme, Deutschland nützende Steuerzahler mit Migrationshintergrund, aus Verbrechern Engel und aus Männern Frauen zu machen, bei der Farce bleibt und nicht unsere Wirtschaft und unser Wohlstand unter den linken Allmachtsphantasien ähnlichen Schaden nehmen wie weiland die sowjetische Landwirtschaft durch den Versuch, Weizen in Roggen umzuwandeln. Und nicht zuletzt ist uns zu wünschen, dass uns der Lyssenkoismus erspart bleibe. Unter dem Begriff „Lyssenkoismus“ versteht man die politische Förderung pseudo- oder unwissenschaftlicher Thesen und die Behinderung der freien Wissenschaftsentfaltung durch die Politik. Manchmal könnte man allerdings meinen, der Lyssenkoismus habe bei uns schon begonnen.

Manuel Ruoff


Winter in Ostpreußen

Im Ostpreußischen Landesmuseum hält dessen Mitarbeiter Christoph Hinkelmann am Dienstag, dem 16. Dezember, von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr bei Kaffee, Tee und Gebäck einen Vortrag über „Winter in Ostpreußen“.

Die langen und harten Winter in Ostpreußen sind legendär, sie prägten das Land und die Menschen. In der nordöstlichsten Region Deutschlands begann er bereits im Oktober und wirkte sich bis in den Mai hinein aus, auch wurden hier die tiefsten Temperaturen des Landes gemessen. Die Menschen passten sich dem Rhythmus der Natur an und nutzten die Vorteile des Winters auf ihre Weise. Die vereisten Wasserflächen ermöglichten die Klapper- oder Eisfischerei, im 20. Jahrhundert wurden Eishockey und Eissegeln beliebt. Nehrungsfischer nutzten die Zeit, um ihre kunstvollen Bootswimpel zu schnitzen. In der Landwirtschaft kehrte Ruhe ein, im Wald wurde Holz eingeschlagen. Der Winter war die Zeit großer Gesellschaftsjagden und rauschender Feste.

Im Anschluss an den Vortrag aus der Reihe „museum erleben“ besteht die Möglichkeit zu Dis­kussionen und Fragen. Der Eintritt beträgt 5 Euro. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, empfiehlt sich eine Anmeldung beim Ostpreußischen Landesmuseum, Ritterstraße 10, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 75995-0, Telefax (04131) 75995-11. PAZ


S. 11 Preussen/Geschichte

Der Vater des Ostpreußischen Jagdmuseums
Mit der Gründung legte Hans-Ludwig Loeffke die Wurzeln des heutigen Landesmuseums in Lüneburg

Der am 3. Mai 1906 in Tilsit geborene Forstmeister und Mitbegründer der Landsmannschaft Ostpreußen Hans-Ludwig Loeffke fühlte sich unverbrüchlich seiner ostpreußischen Heimat verpflichtet. Ihr widmete er sein Lebenswerk, als welches das Ostpreußenmuseum mit Fug und Recht bezeichnet werden kann.

Nach Kindheit und Jugend besuchte der am 3. Mai 1906 in Tilsit an der Memel geborenen Ostpreuße Hans-Ludwig Loeffke das staatliche Gymnasium seiner Geburtsstadt, an dem er im Jahre 1925 das Zeugnis der Reife erhielt.

In seine Schulzeit fallen der Erste Weltkrieg und dessen Folgen. Als 1914 die russische Armee in Ostpreußen stand und in der Schlacht bei Tannenberg geschlagen wurde, war er acht Jahre alt. Die erzwungenen Abtretungen des Memellandes und des sogenannten Korridors, die Volksabstimmung über Teile des südlichen Ostpreußens, all diese Maßnahmen des Versailler Zwangs­vertrages fielen in seine Schulzeit und dürften nicht ohne tiefen Eindruck auf den Jungen geblieben sein.

Nach dem Abitur entschied er sich – anders als sein Vater – nicht für das Jurastudium, sondern für das der Forstwissenschaften. Hier­in drückt sich eine enge, intensive Verbundenheit zur Natur, zum Leben auf dem Lande und zu Wald und Wild schon damals bei der Berufswahl aus; er wurde also Forstmann aus Neigung und Berufung.

Obwohl das Forststudium an der Königsberger Universität, der Albertina, nicht möglich war, schrieb er sich dort ein, und zwar doch für das Jurastudium. Dieses tat er sicherlich auch aus Familien- und Corps-studentischer Tradition und deshalb aus Überzeugung, aber primär, um die für das forstwissenschaftliche Studium notwendigen juristischen Kenntnisse zu erwerben. Dieses geschah im Wintersemester 1925/26.

Nach drei Semestern in Königsberg wechselte er im Sommersemester 1927 in das brandenburgische Eberswalde, um an der dortigen Forstlichen Fakultät der Universität Berlin sein eigentliches Studium, nämlich das der Forstwissenschaften, aufzunehmen. Dieses schloss er vier Jahre später 1931 mit dem ersten Staatsexamen ab.

Danach absolvierte Loeffke den forstlichen Vorbereitungsdienst, also die Referendarzeit für den höheren preußischen Forstdienst. Hierzu war er unter anderem in Allenstein und Potsdam eingesetzt. Die Große Forstliche Staatsprüfung, das zweite Staatsexamen bestand er 1934 in Berlin. Er wurde danach in den preußischen Staatsdienst übernommen und war im Reichsforstamt Berlin und in verschiedenen anderen forstlichen Stellungen der Staatsforstverwaltung tätig.

Den Zweiten Weltkrieg hat Loeffke von Anbeginn an mitgemacht, bis er in britische Kriegsgefangenschaft geriet, aus der er bereits im Juni 1945 nach Lüneburg entlassen worden ist. Dort ist er, der wie alle Vertriebenen nicht in seine angestammte Heimat zu­rück­keh­ren konnte, dann geblieben.

Nach dem Krieg war es für viele, vor allem jüngere Forstleute im Westen äußerst schwierig Fuß zu fassen, weil es eine personelle Überbesetzung durch die zahlreichen vertriebenen Forstleute aus dem Osten gab. Viele fanden in den neu gegründeten Länderforstverwaltungen keine Anstellung mehr. Die Laufbahn eines preußischen Forstbeamten war mit dem Ende des Krieges beendet, eine Neuanstellung beim niedersächsischen Landesforstamt in Sarstedt bei Hannover schwierig. So wurde er 1958 als Forstmeister z.W. in den einstweiligen Ruhestand versetzt; z.W. steht für „zur Wiederverwendung“.

Der tiefe Einschnitt, den das Jahr 1945 auch im Leben von Hans-Ludwig Loeffke bedeutete, führte aber letztlich dazu, dass er zum Begründer des Ostpreußenmuseums in Lüneburg wurde. Er fühlte sich unverbrüchlich seiner ostpreußischen Heimat verpflichtet, die er für sich auch niemals abgeschrieben hat. Ihr widmete er sein Lebenswerk, als welches das Ostpreußenmuseum mit Fug und Recht bezeichnet werden kann.

Loeffke engagierte sich aber auch selbstlos für seine Landsleute, die mit ihm zusammen die geliebte Heimat verloren haben. So gründete er mit anderen Persönlichkeiten zusammen die Landsmannschaft Ostpreußen auf Bundesebene 1948 und in Niedersachsen den Landesverband des Bundes der Vertriebenen. Daneben verfolgte er aber immer mit großer Akribie das „Grüne Ostpreußen“, wie er selbst sagte.

1953 legte er auf dem Treffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Bochum den Keim für sein späteres Ostpreußenmuseum, indem er eine „Ostpreußische Jagdausstellung“ organisierte, die so viel Anerkennung fand, dass sie ein Jahr später auf der Internationalen Jagdausstellung in Düsseldorf wiederholt wurde. Nach diesen unerwartet erfolgreichen Ausstellungen reifte dann bei Hans-Ludwig Loeffke offensichtlich die Idee für ein „Ostpreußisches Jagdmuseum“ in Lüneburg.

1956 wurde der Verein „Ostpreußisches Jagdmuseum – Wild, Wald und Pferde Ostpreußens“ gegründet. Das Symbol des Vereins war natürlich der Elch. Dieser Verein besteht noch heute und ist als Trägerverein auch des heutigen Ostpreußischen Landesmuseums tätig.

Loeffke entwickelte eine rege Sammlertätigkeit und konnte dann, damals auch tatkräftig von der Stadt Lüneburg unterstützt, am 7. Dezember 1958 im Gebäude des „Alten Kaufhauses“ seine Idee verwirklichen und ein Jagdmuseum eröffnen. Weihnachten 1959 allerdings – nur ein Jahr später – ging das Museum, durch einen Serienbrandstifter angezündet, bereits wieder in Flammen auf. Unter Lebensgefahr konnte Loeffke nur wenige Exponate vor der Vernichtung retten.

Der Rückschlag führte aber bei Loeffke nicht etwa zur Resignation, sondern er packte die einmal getroffene Entscheidung, ein „grünes“ Museum im Angedenken an und als Mahnung für die Heimat Ostpreußen zu begründen, erneut tatkräftig auf. Von neuem wurde er durch die Stadt Lüneburg unterstützt und in der Salzstraße wurde dann im Ok­tober 1964, also fast sieben Jahre nach dem fürchterlichen Brand, ein neues Ostpreußenmuseum wiedereröffnet. Dieses hatte im Wesentlichen den Impetus eines Gedenkmuseums. An wissenschaftliche Museumsarbeit wie heute im Ostpreußischen Landesmuseum war damals noch gar nicht zu denken. Es ging um Mahnung und Gedenken an Ostpreußen, eine Heimstatt für die vertriebenen Ostpreußen, die das fraglos auch so empfunden haben. 1965 wurde zur Förderung des Jagdmuseums der „Fördererkreis Ostpreußisches Jagdmuseum e.V.“ gegründet, der sich im Jahr 1989 den Zusatz gab „Hans-Ludwig-Loeffke-Gedächtnisvereinigung“.

Ein Jahr nach Gründung des Fördererkreises 1966 kam ein weiterer Unterstützungsverein hinzu, nämlich der der „Freunde des Ostpreußischen Jagdmuseums – Wild, Wald und Pferde Ostpreußens e.V.“ So war ein Gerüst errichtet, das heute noch standhält und das Erbe des Gründers bewahrt.

1969 und 1974 konnte das Ostpreußenmuseum Erweiterungen erfahren. Die ursprüngliche Thematik „Wild, Wald, Pferde“ war längst überschritten. Einen Monat nach der zweiten Erweiterung des Museums an der Salzstraße starb am 11. Dezember 1974 Hans-Ludwig Loeffke. Seiner Intention entsprechend erhielt sein Museum dann den erweiterten Namen „Ostpreußisches Jagd- und Landesmuseum“. Heute heißt es „Ostpreußisches Landesmuseum“ und ist von einem „Grünen Ostpreußenmuseum“ zu einem Museum für die gesamte Kultur Ostpreußens gewachsen, einschließlich „Wald, Wild, Jagd und Pferde“. Horst Buschalsky/Manuel Ruoff


Der Konkurrenz häufig einen Schritt voraus
Max Grundig wurde auf dem Gebiet der Unterhaltungselektronik zum Symbol des westdeutschen Wirtschaftswunders

Der zeitweise – nämlich ab 1952 – größte Radiohersteller Europas und Tonbandgeräteproduzent gar der Welt war Grundig. Gegründet wurde das Unternehmen von Max Grundig, einem millionenschweren Unternehmer, der aus kleinsten Verhältnissen stammte. Erst zwölf Jahre war der am 7. Mai 1908 in Nürnberg geborene Franke alt, als sein Vater, ein Lagerverwalter, an den Folgen einer Blinddarmoperation starb. Seine Mutter versuchte, sich, ihn und seine drei Schwestern als Fabrikarbeiterin durchzubringen. Er hatte jedoch als Lehrling bei der Nürnberger Installationsfirma A. & J. Hilpert das Glück, dass sein kinderloser Arbeitgeber geradezu väterliche Gefühle für ihn entwickelte. Grundig machte es diesem aber auch leicht, denn er fiel durch Fleiß und eigenständige Ideen auf.

Max Grundig machte in dem Unternehmen Karriere. Gerade 18 Jahre alt, wurde er von seinem Chef zur Großen Deutschen Funk-Ausstellung in Berlin geschickt und im darauf folgenden Jahr wurde er mit der Leitung einer Filiale beziehungsweise eines Tochterunternehmens in Fürth betraut. Er machte seine Arbeit gut und dank einer Umsatzbeteiligung bekam er das Geld zusammen, sich selbständig zu machen. 1930 gründete er mit einem Teilhaber, der sich später ausbezahlen ließ, in Fürth das Unternehmen Radio-Vertrieb Fürth, Grundig & Wurzer OHG. Ungeachtet erster Anlaufschwierigkeiten profitierte das später in „Grundig“ umbenannte Unternehmen von mehrerlei. Es verkaufte hochwertige Produkte; sein Kundendienst war gut; und die unterschiedlichen Spannungen der Stromnetze in Nürnberg und Fürth bescherten ihm viele Kunden. Letzteres lag daran, dass Nürnberger, die in Fürth – nichts Böses ahnend – ihr Radio anschlossen, bei selbigem den Transformator zum Durchbrennen brachten.

Im Zweiten Weltkrieg produzierte Grundig für die Wehrmacht und beschäftigte ukrainische Zwangsarbeiterinnen. Nach dem Kriegs­ende wurde er von der US-amerikanischen Militärpolizei inhaftiert, aber bereits wenige Tage später wieder entlassen.

Nun baute Grundig sein kleines Nachkriegsimperium auf. Der Radiobezug wurde nach dem Kriege durch die Besatzungsmacht streng reglementiert. Grundig unterlief diese Reglementierung, indem er auch von Laien leicht zusammensetzbare Rundfunkbaukästen als Spielzeug anbot. „Heinzelmann“ wählte er als Namen für dieses Produkt. Möglicherweise ließ er sich dabei vom Funkheinzelmännchen leiten, der Titelfigur einer beliebten Kinderradioserie aus der Frühzeit des Radios. Bis 1947 waren bereits 12000 Exemplare dieses Baukastens verkauft. Ähnlich gut verkaufte sich sein in jenem Jahre 1947 vorgestellter „Weltklang“.

Grundig war auch so klug, das mit der „Befreiung“ Deutschlands nicht so wörtlich zu nehmen beziehungsweise korrekterweise als Befreiung von Besitz zu interpretieren. So ließ er sich nicht kalt erwischen, als bei der Verteilung der Sendefrequenzen im Lang- und Mittelwellenbereich 1948 in Kopenhagen durch den Kopenhagener Wellenplan der Kriegsverlierer Deutschland fast leer ausging. Vielmehr setzte Grundig früher als andere Anbieter auf Radiogeräte, die auch UKW empfangen konnten, auf das die deutschen Sender nun nolens volens zunehmend auswichen. Überhaupt war der begeisterte wie begnadete Tüftler mit neuen zukunftsweisenden Produkten dem Gros seiner Konkurrenz zumindest um einen Schritt voraus. Der Aufnahme preiswerter Tonbandgeräte in die Produktpalette folgte 1952 der Produktionsbeginn von Fernsehgeräten. Weitere Meilensteine folgten. 1954 kamen Diktiergeräte hinzu, 1955 das erste Tonbandgerät für unter 500 D-Mark, ein Jahr später der erste deutsche Fernseher für unter 1000 D-Mark. Und geschäftstüchtig war Grundig auch noch. Um vom Markt der EWG-Konkurrenzorganisation EFTA nicht ausgeschlossen zu sein, gründete er nicht zuletzt dort Tochterunternehmen. Bis 1979 wuchs die Beschäftigtenzahl auf 38460. Grundig hatte seinen Zenit erreicht.

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Es kamen die goldenen Jahre der Japaner. Und außer mit Autos drängten diese auch mit Produkten der Unterhaltungselektronik auf den Markt. Im Geschäftsjahr 1980/81 machte Grundig das erste Mal mit 187 Millionen D-Mark Verlust. Zu den unglücklichen Rahmenbedingungen kamen individuelle Probleme. So verpasste es Grundig, bei dem wachsenden Markt der Videorekorder mit VHS auf das richtige Pferd zu setzen. Grundsätzlicher noch war das Problem der Nachfolge. Grundig hatte zwar zwei Töchter, aber keinen Sohn und damit für damalige Begriffe keinen geborenen Nachfolger. Zudem wird sein Führungsstil als robustpatriarchalisch, selbstherrlich, dominant und autoritär beschrieben. So wuchs in seinem Dunstkreis kein Kronprinz heran. Grundig machte das, was in dieser Situation vielleicht das Vernünftigste war. Unfähig, einen passenden Nachfolger zu finden, suchte er die Nähe eines Global Players der Branche und ließ sein Unternehmen sukzessive in diesem aufgehen. Damit schien für die Zeit nach seinem Rückzug die Frage der Unternehmensführung gelöst und die mögliche Gefahr eines Konkurses abgewendet. Natürlich und legitimerweise ließ sich Grundig hierfür von Philipps großzügig entschädigen.

Grundig wäre jedoch nicht Grundig gewesen, wenn er sich nun aus dem Geschäftsleben zurückgezogen hätte. Nun machte er in Gastronomie. Er sammelte elitäre Hotels wie das Forsthaus Dambach in Fürth, das Schloßhotel am Fuschlsee bei Salzburg oder das Vista-Palace bei Monaco. Nachdem er bis 1988 das Kurhaus Bühlerhöhe nach Plänen des Architekten Henner Hoos und des Innenarchitekten Jan Wichers für 150 Millionen D-Mark zu einem Luxushotel hatte ausbauen lassen, fragte er seinen Biografen Egon Fein: „Jetzt hab’ ich alles erledigt. Und, Fein, was mache ich jetzt?“ Wenige Monate später, am 8. Dezember 1989, starb er in Baden-Baden, in dessen Nähe er auf dem 27-Hektar-Anwesen Mariahalden einen Großteil seines Lebensabends genossen hatte. M.R.


S. 12 Leserforum

Leserforum

Die AfD wird nur gebraucht und gewählt, wenn sie anders bleibt als die Altparteien

Zu: AfD: Die letzte Hoffnung gibt den Geist auf (Nr. 46)

Mit Interesse und Vergnügen habe ich heute den Artikel von Eva Herman gelesen und teile dazu in aller Kürze folgendes mit:

Die AfD entstand deshalb, weil politisch interessierte Bürger zunehmend feststellten, dass sich die deutsche Politik mehr und mehr von aller Vernunft gelöst hatte. Es wurden sinnlose Projekte mit hohem Energieaufwand verfolgt, ohne dass davon eine Lebensqualitätsverbesserung für die Bürger unseres Staates zu erwarten war. Die europäische Schuldenpolitik mit der Unterstützung von Griechenland, das gar nicht gerettet werden wollte, war ein Punkt, der die Wirtschaftsfachleute ratlos machte. Die Politik des Gender Mainstreaming, die letztlich nichts bewirkt außer der Zerstörung von Ehe und Familie, war ein Punkt, der viele Gesellschaftspolitiker ratlos machte. Und die deutsche Einwanderungspolitik, die mehr geschadet hat als genutzt, war ein weiterer Punkt, den man nicht mit gesundem Menschenverstand hinnehmen konnte. Mit Entsetzen stellte man fest, dass die CDU immer weiter nach links abweicht und Fehlentwicklungen nicht korrigieren wollte.

So ergab sich die beglückende Situation, dass eine neue Partei dagegen aufstand, die AfD. Dass die CDU daran mitwirkte, ist Verschwörungstheorie, überhöht die strategischen Fähigkeiten von Kanzlerin Merkel und suggeriert, dass „ein bisschen Opposition“ gewollt ist, aber so, dass man aus CDU-Sicht mit dieser Opposition zusammenarbeiten kann.

Der Verlauf der Entwicklung der AfD spricht deutlich eine andere Sprache. Zuerst totgeschwiegen, dann in die rechte Ecke gestellt, dann als Einthemenpartei verunglimpft: All das ging von der CDU aus. Zusammenarbeit mit dieser erscheint zurzeit sehr schwer vorstellbar.

Dass eine Partei, die über 20000 Mitglieder hat und zurzeit noch basisdemokratisch ihre Themen und Meinungen findet, bisweilen unterschiedliche Schwerpunkte anspricht, erscheint normal. Da sind die Unterschiede nicht sehr groß. Dass es eine Transatlantische Gruppe gibt und dass es eine Gruppe gibt, die eine gute Zusammenarbeit mit Russland anstrebt, führt nicht dazu, dass sich die Partei spalten müsste. Beide Meinungen haben ihre Berechtigung und können in der AfD verfolgt werden.

Dass die AfD immer noch anders ist als die Altparteien, ist aber eine Tatsache. Im sächsischen Landtag hat man das verdeutlicht, indem man die Stelle des Gleichstellungsministers ablehnte, die neu geschaffen wurde. Weiter plädierte man für eine Verkleinerung des Landtags und für gute Beziehungen zu Russland. Die CDU war sehr genervt.

Also: Frau Herman hilft uns, hoffentlich auch in Zukunft daran zu denken, dass die AfD nur gebraucht wird und gewählt wird, wenn sie anders bleibt als die Altparteien. Dazu ermutige ich Frau Herman auch weiterhin. Ihre „Verschwörungstheorie“, dass die AfD im Interesse der CDU Politik macht, streut Zweifel zulasten der AfD. Das sollte sie vielleicht nochmals überdenken, wenn sie feststellt, wie die AfD in den Landtagen und im Europaparlament mit der CDU und deren Vorschlägen umgeht.

Hartmut Roth, Pesterwitz

 

 

Visionäre fehlen

Zu: Das Regime war besiegt (Nr. 45)

Was man in dieser Zeit – der 1980er Jahre – überhaupt nicht verstehen konnte, ist, dass keiner von den damaligen Bonner Politikern etwas von den schleichenden Veränderungen in der DDR gewusst haben wollte. Mit der Amtseinführung von Gorbatschow 1985 wurden zweifellos neue Hoffnungen auf Frieden in der Welt geweckt. Offensichtlich bedurfte es nur zweier Menschen – Gorbatschow und Kohl –, die die unterschiedlichen Welten nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf unserem geschundenen Globus auf einen Punkt bringen konnten. Ein Glücks­fall in der Geschichte Deutschlands. Heute blicken wir Deutschen mit Freude und Dankbarkeit auf 25 Jahre vereintes Deutschland.

Betrachtet man die heutigen Konflikte zwischen Russland und dem Westen, dann bedürfte es vieler Generationen, um einen Punkt wie den 9. November 1989 jemals wieder zu erreichen. Wenn es stimmt, dass Russland mehrmals Ostpreußen an Deutschland zurückgeben wollte, dann ist meine Heimat Ostpreußen für lange Zeit kein Thema mehr. Es fehlen in der Politik eben Visionäre.

Helmut A. Rehfeld, Stockstadt

 

 

»Falsche Flagge«

Zu: Die Fäden ziehen andere (Nr. 45)

Dass die Welt vom Geld regiert wird, ist doch eine bekannte Tatsache und für wen die Geheimdienste und Denkfabriken eingespannt werden ebenso. Allerdings fallen allzu viele auf die Unterrichtung und Praktiken der „falschen Flagge“ herein. Walter Lippmans Herdenthese ist ja auch von Demokratien mit Massenverachtung in beiden Weltkriegen praktiziert worden. Es gibt viele Erkenntnisse, zuletzt auch durch den NSA-Informanten Edward Snowden, aber unsere Presse tut sich schwer, diese auch zu verwerten, um die Thesen der Alleinschuld zu wiederlegen.

Neben Gorbatschow hatte auch der ehemalige französische Au­ßenminister Roland Dumas das Nachrücken der Nato bis zur Ukraine kritisiert. Es ist eine der vielen US-Einmischungen und Manipulationen. Sie wollen eine Allianz wie gegen den Irakkrieg für die Zukunft verhindern.

Martin Segröder, Detmold

 

 

Rückgratlosigkeit

Zu: Von Beliebigkeit abgestoßen (Nr. 45)

Das Schlimmste an dieser Geschichte über den Versuch der CDU, Migranten als Parteimitglieder anzuwerben, ist nicht, wie die Buchautorin Serap Cileli sagt, dass dieser Aufruf weniger ihrer Person als ihrer Herkunft gelte, sondern dass diese Anbiederei und das Sammeln von Wählerstimmen im türkischen Milieu mit einer Aufgabe unserer christlich geprägten Werte verbunden ist. Da werden leichthin die Frauenrechte ge­opfert, nur um die unkontrolliert wachsende Schar der Anatolen für den Urnengang milde zu stimmen. Dieser „flexible“ Umgang mit unseren in der Vergangenheit hart erkämpften Werten ist mit Rückgratlosigkeit noch milde umschrieben.

Gernot Schmidt, Wilnsdorf

 

 

Warnbuch

Zu: Kampf für die Rechte der Männer (Nr. 46)

Begeistert wie auch zustimmend bedanke ich mich, dass in dieser Buchbesprechung endlich einmal klargestellt wird, wie sich nunmehr in allen wichtigen Lebensbereichen von Gesundheit, Arbeitswelt und Medien die unerträgliche Dominanz von Frauen in steter Männerdiskriminierung manifestiert. Angeführt wird das von diesen sogenannten Feministinnen und Meinungsmacherinnen, die sogar nicht einmal mehr vor Gewalt zurückschrecken.

So stimme ich auch dem Leserbriefautor in der Preußischen Allgemeinen Zeitung Nr. 45 („Eine vergessene Frauenstimme“) zu, der an die vergessene, das heißt unterdrückte Frauenstimme von Luise Mandau erinnert, die uns zeigt, wie durch Scheidungsgesetze Männer abgezockt, diese an die Armutsgrenze getrieben, Väter schnöde „entsorgt“ werden und sich gewalttätige Frauen in der Gesellschaft und Öffentlichkeit ausbreiten, um nur einige von vielen Täterinnen-Themen herauszugreifen. Ihr Buch ist ein dringend notwendiges Warnbuch für Männer zu der gegenwärtigen Frauenschreckens- und Ausbeutungsherrschaft.

Lisa Heymann, Hamburg

 

 

Wer die Pegida verurteilt, gibt seine Freiheiten und Rechte auf

Zu: Zum Feind erklärt (Nr. 46)

Alle diejenigen, die die Kundgebungen der Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) scharf verurteilen und gegen sie demonstrieren, unterstützen die Absicht der Fundamentalisten und Salafisten, in Deutschland die Scharia einzuführen. Sie geben damit – im wahrsten Sinne des Wortes – Schritt für Schritt ihre bisher wie selbstverständlich in Anspruch genommenen Freiheiten und Rechte auf (zum Beispiel auch für Schwule und Lesben). Letztendlich werden alle Nichtmuslime als Menschen zweiter Klasse mit niederen Rechten, zahlreichen Entwürdigungen und einer Kopfsteuer unter dem totalitären, menschenrechtsverachtenden Islam leiden müssen.

Offensichtlich haben sich die Gegendemonstranten nicht umfassend oder gar nicht mit dem – auf ewig und weltweit gültigen – Koran auseinandergesetzt (nicht zu verwechseln mit dem kostenlosen Salafisten-Koran, der für die „Ungläubigen“ weichgespült wurde, um den Islam als friedliche Religion darzustellen). Plagt sie wenigstens ein Unbehagen darüber, dass andere Mutige für sie die Kastanien aus dem Feuer holen und damit unsere hart erkämpften Freiheiten und Rechte verteidigen? Solange sie kein Problem haben, Fundamentalisten, Salafisten und Linksextremisten durch Gegendemos zu schützen, müssen sie hinnehmen, dass sie in der Mehrheitsgesellschaft zunehmend an Glaubwürdigkeit verlieren.

Das politische Taktieren der Ini­tiatoren, das Nichtwissen, Nichtwissenwollen und Verdrängen wird uns am Ende unter die islamische Knechtschaft zwingen.

Gisela Recki, Troisdorf

 

 

Erika Steinbach sprach verdrängtes Unrecht der Vertreibung an

Zu: Er will Brücken bauen (Nr. 46)

Die bisherige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, rief in den Vertreiberstaaten Polen und Tschechien massiven Widerstand hervor. Das ist nicht weiter verwunderlich, sprach sie doch das in Warschau und Prag nur allzu gerne verdrängte Unrecht der Vertreibung stets mit klaren Worten an. Als deprimierender für die Vertriebenen erweisen sich da schon eher die Schmähungen und Angriffe von Seiten vieler nichtvertriebener Deutscher. Diese sind ganz offensichtlich froh darüber, einen Sündenbock für die nationalsozialistischen Verbrechen gefunden zu haben.

Immer frei nach dem Motto, wer in Form von Entrechtung, Enteignung und Vertreibung die meisten Prügel bekommen hat, muss wohl auch der Verursacher der Misere gewesen sein. Dabei können die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten und aus dem Sudetenland am wenigsten für den Aufstieg der Nationalsozialisten verantwortlich gemacht werden. Bekanntlich war Bayern deren Keimzelle, nicht das Sudetenland, war München die Stadt der Bewegung, nicht Königsberg, war Nürnberg die Stadt der Reichsparteitage, nicht Eger. Zudem stammten fast alle führenden Protagonisten des Nazi-Regimes – Göring, Goebbels, Himmler, Heß, Heydrich, um von Hitler, der in München Furore machte, ganz zu schweigen − nicht aus den Vertreibungsgebieten.

Erika Steinbach hat die Geschehnisse der Vertreibung von über 13 Millionen Deutschen und die zwei Millionen Vertreibungstoten, die mehr und mehr zu einem Randthema zu werden drohten, mit Beharrlichkeit wieder in die Mitte des politischen und gesellschaftlichen Diskurses ge­rückt. Dies ungeachtet vielerlei Verunglimpfungen und trotz oftmals mangelnder Unterstützung durch ihre Partei, die CDU. Dafür gebührt ihr Dank und Anerkennung.

Dr. Walter Kreul, Germering

 

 

Toleranz-Orgien

Zu: „Pornografisierung der Schule“ (Nr. 43)

Angesichts der massiven medialen Propagierung von homosexuellen, bisexuellen und sonstigen Liebestechniken sollte man nicht außer Acht lassen, dass fast 75 Prozent der HIV-Neuinfektionen bei Homosexuellen zu verzeichnen sind. Vielleicht werden wir auch deshalb gerade wieder mit Toleranz-Orgien zugedröhnt. Gefährlich wird es, wenn vor lauter Toleranz für Minderheiten, die „normale“ Mehrheit plötzlich bevormundet und benachteiligt wird. Weit entfernt sind wir davon wohl nicht mehr.

Sylvie Becker, Bad Homburg

 

 

Rasches und vorausschauendes Handeln ist mehr denn je gefragt

Zu: Mogeln auf Bestellung (Nr. 46)

Die Diskussionslage verselbstständigt sich. Vertreter jedes der beiden Lager beteuern, richtig sei allein ihr eigener Standpunkt. Dabei gerät das zu fokussierende Problem, die Bewahrung unseres Lebensraumes und der Natur, indes aus dem Blickwinkel. Die Wahrnehmung sollte von den Handlungsmustern sowie von deren Folgen her gedeutet werden. Wie sonst ließe sich die radikale Abholzung der Regenwälder, die Fortsetzung der Zerstörung unserer Ozonschicht, die Überfischung der Meere und die Kontamination großer Regionen sowie der fast ungeminderte Ausstoß von Kohlendioxid erklären?

Die Regenwälder, um nur ein Beispiel herauszugreifen, dienten einst als Klimaschutzmantel. Mit deren Verschwinden treten weltweit klimatische Veränderungen ein, die an Ernsthaftigkeit nicht zu unterschätzen sind.

Umweltschutz sollte für jeden einzelnen, aber ganz besonders für Wirtschaftsbosse und Politiker gleichermaßen ganz oben auf der Agenda stehen. Dieser Personenkreis vertritt indes nur seine Partikular-Interessen.

Al Gore hat in seinem Buch und seinem Film bereits 2005 auf die an Heftigkeit und Häufigkeit zunehmenden Naturkatastrophen hingewiesen. Nach nunmehr fast zehn Jahren können wir feststellen, dass seine zukunftsweisenden Schlussfolgerungen zum größten Teil bereits Realität geworden sind. Diese Klimaveränderungen gehen eindeutig auf menschliches Eingreifen zurück. Dazu gehört unter anderem auch die rasante Bevölkerungszunahme, die uns vor ganz neue Herausforderungen stellt.

Doch solange Politik und Wirtschaft nur im Eigeninteresse handeln, wird es für die anstehenden existenziellen Probleme keine Lösungsansätze geben. Rasches und vorausschauendes Handeln ist mehr gefragt denn je.

Ilona Dubalski-Westhof, Radevormwald


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Spaziergang durch die Geschichte
Gedenksteine auf dem »Bischofsweg« in Ermland-Masuren erinnern an dort tätige Geistliche

Wenn die letzten Strahlen der herbstlichen Sonne zu einem Spaziergang in die kühle Luft hinaus locken, kann man diesen in Balden bei Wuttrienen sehr gut auf den Spuren der regionalen Geschichte machen – auf dem dortigen Pfad der Bischöfe des Bistums Ermland.

Entlang eines über einen Kilometer langen Abschnitts des früheren Königswegs aus Warschau reihen sich Tafeln mit den wichtigsten Informationen zu den 50 Bischöfen von Anselm bis Wojciech Ziemba, dem heutigen

Amtsinhaber. Den meisten von ihnen sind in dieser Lindenallee auch Gedenksteine gewidmet, und jedes Jahr werden zur ermländischen Kirchweih Anfang Juli neue Denkmäler eingeweiht.

Wenn die neu ernannten Bischöfe des Bistums Ermland sich auf die Reise dorthin machten, wurden sie und ihr Gefolge in Balden vom ermländischen Kapitel und den Ständen der Diözese empfangen. Es wurde ein feierlich geschmücktes, hölzernes Tor, die „wrota Warmii“, als Symbol des Einzugs des Bischofs in sein Dominium errichtet und nach einem Gottesdienst zu seinen Ehren in der Kirche in Wuttrienen gab es ein rauschendes Begrüßungsfest. Danach setzte der Zug seinen Weg nach Heilsberg fort. Der Ort des Empfangs ist kein Zufall, denn genau zwischen Balden und Wuttrienen kreuzt der „Warschauer Weg“ die damalige Grenze zwischen Masuren und Ermland.

Diese Tradition wieder aufleben zu lassen, das hatte sich Edward Cyfus zum Ziel gesetzt, der sich seit Jahren für den Erhalt der ermländischen Sprache und Kultur stark macht. Ein Projekt ist die inzwischen bereits in siebter Ausgabe gefeierte ermländische Kirchweih am ersten Juli-Wochenende jeden Jahres. Ein zweiter Gedanke war die Einrichtung des Bischofswegs, an dessen Ende zum Dorf Balden neben einem hölzernen Tor auf Schautafeln Informationen zur Geschichte von Ermland zu finden sind. Der Initiator des Pfads der Bischöfe, der langjährige Kreisvertreter und jetzige Ehrenvorsitzende der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land Herbert Monkowski, erinnert sich an die Anfänge: „Hier war zwar so etwas wie ein Weg, aber alles war zugewachsen, ein Durchkommen kaum möglich. Die Forstverwaltung hatte zugesagt, alles zu säubern und die Allee vernünftig anzulegen, aber ich hatte Zweifel, dass es gelingt.“

Der Erfolg bestärkte seine Frau Helga und ihn in dem Plan, selbst einen Gedenkstein für einen Bischof auf diesem Weg zu stiften. Neben Informationstafeln waren nämlich von Beginn an auch Denkmäler für die einzelnen Bischöfe des Bistums Ermland vorgesehen. Denn, wie Herbert Monkowski es einmal formulierte: „Das menschliche Gedächtnis ist sehr kurz, Erinnerung in Form eines Steins überdauert. Es bleibt etwas für länger.“ Bedauerlich ist nur, dass Helga Monkowski die Einweihung des gemeinsamen Steins für Eberhard von Neiße im Juli 2014 nicht mehr miterleben konnte; sie ist am 21. Januar verstorben.

Während Helga und Herbert Monkowski mit Eberhard von Neiße den Bischof ehrten, der „mit Stadtgründungen und administrativer Aufteilung den Grundstein legte, den alle weiteren Bischöfe nur ergänzt haben“, nahm sich die Kreisgemeinschaft Braunsberg in diesem Jahr seines Vorgängers und nach Anselm zweiten Bischofs von Ermland, Heinrich Fleming, an. Kreisvertreter Manfred Ruhnau erklärt, warum die Wahl auf ihn fiel: „Er ist eng mit Braunsberg und Frauenburg verbunden. Er gründete das im zweiten Pruzzenaufstand zerstörte Braunsberg neu und verlegte Domkapitel und Bischofssitz nach Frauenburg.“

Mit den vier in diesem Jahr geweihten Exemplaren stehen inzwischen 32 Gedenksteine, die Sławomir Sobolowski, Steinmetz aus Gimmendorf, gestaltet hat, zu beiden Seiten der Allee und ermöglichen wortwörtlich einen Spaziergang durch die Geschichte von Ermland – von Anselm bis zum jetzigen Erzbischof Wojciech Ziemba

. Uwe Hahnkamp

Noch 18 Plätze frei! Wer einen Gedenkstein für einen Bischof des Bistums Ermland stiften will, sollte sich mit dem Seelsorger der deutschen Volksgruppe im Ermland, Domherr Andre Schmeier, in Verbindung setzen. Er ist gerne bei der Auswahl eines Bischofs und bei Kontakten zum Steinmetz behilflich.


Würdiges Gedenken in Allenstein
Rund 60 Personen folgten der Einladung der AGDM zum Volkstrauertag

Zwei Wochen vor dem ersten Advent wird traditionell mit dem Volkstrauertag der Gefallenen und der zivilen Opfer der beiden Weltkriege gedacht. Die Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit (AGDM) hält in Allenstein diese Tradition hoch. Am 16. November fand deshalb auf dem Ehrenfriedhof am Jakobsberg eine Feier statt.

Es war ein ungemütlicher früher Sonntagnachmittag mit hoher Luftfeuchtigkeit und einem unangenehmen leichten Herbstwind. Dennoch waren etwa 60 Personen gekommen, um ab 14 Uhr auf dem Ehrenfriedhof am Jakobsberg in Allenstein der militärischen und zivilen Opfer der beiden Weltkriege zu gedenken. Stellvertretend für alle stellten sie an den Holzkreuzen der dort liegenden Soldaten Grabkerzen auf.

Für den Vorstand der AGDM leitete Aleksander Bauknecht die Veranstaltung. In Vertretung des erkrankten Alois Kowalewski übernahm er auch die Ansprache, in der er eingehend auf die Geschichte des Volkstrauertags und dessen Bedeutung einging. Das geistliche Wort sprach Domherr André Schmeier. Für die musikalische Umrahmung sorgten der Chor „Vaterhaus“ der AGDM sowie der Trompeter Dariusz Gendzierski, der seit Jahren für das Blasen des Zapfenstreichs und für die instrumentale Begleitung des Liedes „Ich hatt’ einen Kameraden“ und des Ostpreußenliedes zuständig ist.

Im Rahmen der Feier legten Bauknecht für die AGDM und Edyta Gładkowska als Vertreterin der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein Kränze am großen Kreuz auf dem Ehrenfriedhof nieder.

Dieses Kreuz harrt seiner Renovierung; dank der Pflege der Mitglieder der AGDM, die sich seit Jahren um diesen Friedhof kümmern, sind aber die kleineren Kreuze bis auf wenige Exemplare bereits erneuert und bieten mit Grabkerzen und Kränzen einen würdigen Rahmen für das Gedenken an die Toten. U.H.


Großer Wahlerfolg
PSL verdoppelt Zahl der Sitze in Allenstein

Die Polnische Volkspartei (Polskie Stronnictwo Ludowe, PSL) hat bei den vor Kurzem abgehaltenen Wahlen zum ermländisch-masurischen Sejmik (Woiwodschaftsparlament) gewonnen. Die Woiwodschaftswahlkommission hat nun die Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse beendet.

Wie Radio Allenstein erfuhr, wurde die PSL mit 14 Sitzen stärkste Partei im Sejmik. Das sind doppelt so viel wie vor vier Jahren. Auf den zweite Platz verwiesen wurde die Bürgerplattform (Platforma Obywatelska, PO) mit neun Sitzen. Bis jetzt hatte sie 14 Abgeordnete im Sejmik. Die dritte Position nimmt die Partei Recht und Gerechtigkeit (Prawo i Sprawiedliwosc, PiS) ein, die künftig sechs Sitze besetzt, einen weniger als bisher. Der Bund der Demokratischen Linken (Sojusz Lewicy Demokratycznej, SLD) kann einen Abgeordneten in das Parlament schicken.

Die Sitzverteilung stellt sich folgendermaßen dar: Für die PSL ziehen Urszula Pasławska, Piotr ŻZuchowski, Gustaw Marek Brzezin, Stanisław Trzaskowski, Edward Adamczyk, Sylwia Jaskulska, Jolanta Szulc, Ryszard Kawczynski, Jan Bobek, Teresa Nowakowska. Wioletta Slaska-Zysk, Marcin Piwowarczyk, Stanisław Bułajewski und Małgorzata Kozioł in den Sejmik ein, für die PO tun das Jacek Protas, Anna Wasilewska, Julian Osiecki, Jarosław Słoma, Bernadeta Hordejuk, Tadeusz Politewicz, Eudeniusz Koch, Zbigniew Pietrzak und Sławomir Jezierski für die PiS Józef Dziki, Artur Chojecki, Wojciech Kossakowski, Sławomir Sadowski, Adam Ołdakowski, Patryk Kozłowski und für die SLD schließlich Marcin Kulasek. Zuchowski wurde zum Parlamentspräsidenten gewählt. Der bisherige Woiwodschaftsmarschall Jacek Protas gehört der PO an. PAZ


Kein leichterer Grenzübertritt

Polnische und russische Grenzbeamte haben sich zu einem Erfahrungsaustausch getroffen, bei dem sie zu der Feststellung kamen, dass sich trotz des Ausbaus der Grenzübergänge die Wartezeiten kaum verkürzt haben. Grund ist, dass einhergehend mit der Visaerleichterung durch den Kleinen Grenzverkehr sich die Zahl der Reisenden erhöht hat. MRK


Störungen des Straßenverkehrs

Straße Nr. S7: Elbing – Preußisch Holland, Baustelle. Straße Nr. 15: Klein Schmückwalde [Smykówko]) – Rynskie, Baustelle. Straße Nr. 16: Bergfriede [Samborowo] – Warweiden, Baustelle; Thyrau [Tyrowo] – Mörlen [Morliny], Baustelle; Sawadden [Zawady] – Dietrichswalde [Gietrzwałd], Reparatur der Schutzplanken; Barranowen [Baranowa], Baustelle; Erlenau [Olszewo] – Arensfelde [Mikosze], Baustelle. Straße Nr. 22: Elbing – Fichthorst [Jegłownik], Baustelle. Straße Nr. 53: Klaukendorf [Klewki] – Scheufelsdorf [Tylkowo], Baustelle. Straße Nr. 54: Verkehrsknoten – Braunsberg Süd – Glinka, Baustelle; Braunsberg, Baustelle. Straße Nr. 57: Willenberg [Wielbark], Baustelle. Straße Nr. 58: Kurken [Kurki], Brückenbau, einspurig; Dembenofen [Dab] – Gedwangen [Jedwabno], Holzfällen; Alt Keykuth [Stare Kiejkuty] – Marxöwen [Marksewo], Baustelle; Rudczanny-Nieden, Baustelle. Straße Nr. 59: Zondern [Sadry] – Muntowen [Muntowo], Baustelle; Mythienen [Mojtyny], Baustelle. Straße Nr. 63: Angerburg, Armii-Krajowej-Straße, Erneuerung der Fußgängerzone; Kampen [Kap], Randstreifenarbeiten. E.G.


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

das Jahr wird alt – und unsere Ostpreußische Familie immer jünger. Der „Goldene Ball“, den wir in diesem Jahr ins Spiel brachten – ausgehend von der gleichnamigen Ballade des Dichters Börries von Münchhausen – ist aufgefangen und wird weitergegeben. Immer mehr junge Menschen fühlen sich verpflichtet, das ostpreußische Erbe auf ihre Weise zu interpretieren und weiterzutragen auf wissenschaftlicher, künstlerischer und sozialer Ebene. Einer, der diese Verpflichtung erkannt hat, ist unser Mitarbeiter Jörn Pekrul aus Frankfurt, dem wir schon viele einfühlsame „Königsberger Wanderungen“ zu verdanken haben. Diesmal führt ihn sein Weg nach Berlin, denn dort entwickelt sich alte Königsberger Kultur in der ganz jungen Generation. Er schreibt: „Es gibt hier eine Neuigkeit zu berichten, und zwar von einer Theateraufführung, die beim Annehmen des ,Goldenen Balls‘ entstanden ist: Junge Menschen haben sich in Berlin aus Eigeninitiative Ostpreußen erschlossen und zwar über das Werk von E.T.A. Hoffmann. Ich freue mich, dass ich das Projekt einen Teil begleiten durfte.“

Es handelt sich um das „Theater im Palais“ in Berlin, ein sehr kleines Theater, das sich der Pflege der altpreußischen Theaterkultur verschrieben hat, preußisch schlicht und die Konzentration auf Sinn und Geist des Autors und seines Werkes gerichtet. Über dieses kleine Theater hat Jörn Pekrull für unsere Leserinnen und Leser einen Bericht verfasst, den wir auf unserer Seite als Extra-Beitrag bringen. Und die Älteren unter uns werden gerne den Goldenen Ball aufgreifen, der ihnen von den jungen Menschen wieder zurückgegeben wird. Mir ging es jedenfalls so beim Lesen des Berichts von Jörn Pekrul, denn plötzlich stand das alte Haus in der Französischen Straße vor meinen Augen, in dem die Mutter von E.T.A. Hoffmann gelebt hatte und das für das Kind zum Geisterhaus wurde, wenn es die Schreie der kranken Mutter des Literaten Johann Christoph Gottsched aus der darüber liegenden Wohnung hörte. Da sich in dem Haus eine der ältesten und angesehendsten Buchhandlungen Königsbergs befand, war ich oft dort, und kann mich noch an die dunklen Räume erinnern, in denen die Geheimnisse der Jahrhunderte verborgen schienen. Im Bombenhagel ging auch dieses Stück Königsberger Kultur zugrunde. Soweit habe ich den Goldenen Ball, den mir Herr Pekrul zuwarf, aufgegriffen und reiche ihn nun zurück.

An Herrn Christopher Spatz, denn der Historiker hat mich besucht, um mir sein Exposé für sein Promotionsprojekt über die „Wolfskinder“ vorzulegen. Wir erinnern uns: Vor über vier Jahren wandte sich der junge Mann an uns, weil er Zeitzeugen für seine Arbeit suchte, mit der er eine „Blindstelle der deutschen Geschichte“ ausleuchten wollte. „Wenn heute über Flucht und Vertreibung gesprochen wird, scheint der Untergang Ostpreußens mit dem Bild der Trecks auf dem Eis des Frischen Haffes gleichnishaft zementiert. Für das, was nun in der zerstörten Heimat folgte, gibt es bislang keinen Platz im deutschen Erinnern.“ Seine Bitte, dass sich Leserinnen und Leser melden sollten, die ihm eigene Erlebnisse schildern oder Hinweise auf Zeitzeugen geben könnten, fiel in unserer Ostpreußischen Familie auf fruchtbaren Boden. Er erhielt viele Zuschriften, die ihm die gewünschten Auskünfte erbrachten und ihm die Möglichkeit zu mehr als 60 lebensbiografischen Einzelinterviews im In- und Ausland vermittelten. Seine Dissertation wurde inzwischen an der Berliner Humboldt-Universität eingereicht und durchläuft derzeit das Begutachtungsverfahren. Deshalb können wir auf das Projekt auch hier nicht näher eingehen, nur so viel sei gesagt, dass es viele neue Erkenntnisse und Fakten beinhalten wird, die bisher noch nicht an die Öffentlichkeit gelangt sind.

Der junge Historiker aber wendet sich nun mit einer erneuten Bitte um Mithilfe an unseren Leserkreis: Er sucht noch Fotografien aus dem Königsberger Gebiet, die das Leben der deutschen Zivilbevölkerung zwischen Frühjahr 1945 und ihrer Ausweisung 1947/48 dokumentieren. In diesem Zeitraum sahen sich die dort Verbliebenen dem täglichen Kampf um ihr bloßes Überleben ausgesetzt. Fotografiert wurde allenfalls von sowjetischer Seite. Herrn Spatz liegt bislang ein einziges Bild vor, das 1947 in Danzkehmen, Kreis Ebenrode aufgenommen wurde und vom Onkel des heutigen Besitzers bei der Vertreibung durch die Kontrollen geschmuggelt wurde. „Das Anliegen ist also wahrlich kein leicht zu Erfüllendes“, sagt auch Herr Spatz, „doch wer weiß, vielleicht kann die Ostpreußische Familie auch in diesem Fall wieder einspringen und helfen. Zu wünschen wäre es, zumal dieser Anlass eine günstige Gelegenheit bietet, die möglicherweise vorhandenen wenigen Fotos aus jener dunklen Zeit in einem Buch zusammen zu bündeln.“ (Christopher Spatz, Telefon 030/54844676, E-Mail: christopherspatz@web.de)

Wir wünschen ihm viel Erfolg, so wie ihn Herr Heinz Timmreck aus Bad Salzuflen vorzuweisen hat, denn er wurde auf seiner scheinbar aussichtslos scheinenden Suche nach der Herkunft des Fotos, das er sich als Titelbild für sein neues Buch über die Flucht mit der Eisenbahn ausgewählt hatte, endlich fündig. Zu diesem Ergänzungsband seines ersten Buches „Letzte Flüchtlingszüge aus Ostpreußen“ haben auch wieder unsere Leserinnen und Leser beigetragen, und weil deren Anteilnahme an diesem neuen Buchprojekt so rege war, hoffte der Autor, dass er über sie zu der Quelle des geplanten Titelfotos finden würde. Das Foto, das einen an der Marienburg vorbeifahrenden Zug Richtung Westen zeigt, war nämlich im April 1974 im Ostpreußenblatt abgebildet gewesen. Zwar war ein Urhebername verzeichnet – Kahrau –, aber die Suche nach dem damaligen Einsender der Aufnahme blieb ergebnislos. Das schien sich auch nach unser erneuten Suche in Nummer 32/14 nicht zu ändern, aber dann geschah tatsächlich das Erhoffte: Der Autor fand das gesuchte Foto bei der Eisenbahnstiftung, so dass das Buch mit dem gewünschten Titelfoto erscheinen kann. Das wird in diesen Tagen erfolgen, aber nähere Angaben liegen leider noch nicht vor.

Es ist schon ein eigenartiger Fall von Familienforschung, den wir in Nummer 46 brachten, denn er betrifft die Suche einer heute in Litauen lebenden Frau nach deren Abstammung. Edita ist zurzeit als Pflegerin in Deutschland tätig, und die von ihr betreute Seniorin in Erlangen will ihr behilflich sein, wenigstens einiges über die wahrscheinlich ostpreußische Herkunft ihrer Pflegerin zu erfahren. Editas Vater Waldemar Lardong, *8. August 1934, floh als Elfjähriger mit seiner Mutter nach Kaunas und wuchs dort als Halbwaise auf, denn sein Vater Albert Lardong war im Zweiten Weltkrieg als Offizier gefallen. Das sind auch die einzigen brauchbaren Angaben, denn zu dem Großvater liegen keinerlei Daten vor. Die Pflegerin Edita kann sich nicht erinnern, dass ein Herkunftsort genannt wurde, vermutet nur, dass er irgendwo in Ostpreußen war. Was sehr wahrscheinlich ist, da Editas Großmutter mit ihrem Sohn im grenznahen Gebiet Kaunas Zuflucht suchte. Ich vermutete deshalb, dass die Familie aus dem nördlichen Ostpreußen stammen müsste. Das scheint sich jetzt zu bestätigen, denn unser immer hilfsbereiter Landsmann Peter Perrey hat sich auf die Suche begeben und ist fündig geworden. Im Internet sind einige Einträge vorhanden, die für die Zeit vor 1945 hauptsächlich auf das nördliche Ostpreußen mit dem Schwerpunkt Memelland verweisen. Im Ortsfamilienbuch Memelland wird dieser Name zu den ebenfalls dort vorkommenden Formen Lardon, Laudon und Laudonkate – mit der litauischen Endung – gestellt. Es soll sich bei den Namensträgern um Zuwanderer handeln, die ursprünglich aus der Schweiz stammten, was ja für das nördliche Ostpreußen auch nichts Außergewöhnliches ist. So wird aus Sadweitschen/Altkrug im Kreis Gumbinnen eine Frau Lardong erwähnt. Diese und auch weitere Ermittlungen von Herrn Perry werde ich Frau Beer zukommen lassen, sie dürften ein paar Schritte weiter führen. Für Edita geborene Lardong, die heute durch Heirat einen litauischen Namen trägt, ist jeder kleinste Hinweis wichtig, der zu ihren Wurzeln führen kann.

Vielleicht gehört ja auch die Familie Lardong zu den Schweizer Siedlern, die bereits vor den Salzburgern nach Altpreußen kamen. Auf diese Einwanderer, die mancherorts im nördlichen Ostpreußen die zweitgrößte Bewohnergruppe stellten, weist Frau Sigrid Matthee-Kohl aus Rohrbach hin, die sich damit auf einen früheren Beitrag bezieht, der sich mit diesem Thema beschäftigte und den sie nun mit Ausführungen zu ihrer eigenen Familiengeschichte so ergänzt:

„Es kamen auch andere Familien, fälschlicherweise als Hugenotten bezeichnet, aus der Französischen Schweiz. Heute würde man sie als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen. Die Familien Huguenin, Grosrenaud und Matthee verkauften ihren Besitz und kamen 1712 nach Ostpreußen und kauften sich hier ein. Jacques Baltasar Huguenin bezahlte 117 Taler und 52 Kreuzer. Ab 1716 konnte er an Zins zahlen 17 Taler, 52 Groschen und elf Pfennige. Das war in Schwirgallen. So kamen Jean Matthee und Rose geborene Guyot 1712 nach Wilkoschen und blieben bis 1724 und hatten dort eine Hufe und 15 Morgen.“ Mancher Familienforscher wird Frau Matthee-Kohl um diese akribische Ausleuchtung ihrer Familiengeschichte beneiden.

Und was machen unsere Weih­nachtsgeschichten? In Folge 45 hatten wir den Wunsch der jungen Historikerin Viola Kleppe aus Rösrath veröffentlicht, unsere Leserinnen und Leser zu bitten, ihre Erinnerungen an das letzte Weih­nachtsfest daheim im Jahre 1944 aufzuschreiben. Trotz der Kürze der Zeit sind ihr aus unserem Leserkreis mehrere Berichte zugegangen, von denen wir einige in unserer Weihnachtsausgabe veröffentlichen wollen. Die Schwierigkeit liegt aber darin, dass mit Sicherheit noch weitere Zuschriften erfolgen, wenn die Zeitung bereits im Druck ist. Um auch diese berücksichtigen zu können, wird Viola Kleppe hierüber in einer Zusammenfassung berichten, die in der ersten PAZ-Nummer 2015 erscheint. Ein guter Übergang zu dem Monat, in dem vor 70 Jahren der große Exodus begann.

Eure Ruth Geede


Das geistige Erbe Königsbergs bewusst aufgegriffen
Junges Berliner Ensemble bringt E.T.A. Hoffmann auf die Bühne

Dies soll keine Kritik über eine Theateraufführung sein, die wäre hier fehl am Platze. Sie ist eher der Schlüssel für ein Erlebnis, das für Jörn Pekrul eine Bestätigung seiner Erkenntnisse erbrachte, dass sich die jüngere Generation zunehmend für Ostpreußen interessiert, wie er es in beispielloser Weise selbst tut. So ist dies ein Bericht über eine kleine Gruppe von sehr jungen Menschen, die sich in Berlin in Eigeninitiative zusammenfanden, um die Kultur Ostpreußens zu erschließen und zwar über ein Werk des Königsberger Dichters E.T.A. Hoffmann. Voran stellt Jörn Pekrul seine eigenen Erkenntnisse, die es ihm ermöglichen, diese Vorgänge bis in die kleinsten Regungen zu erfassen. Sein folgender Bericht ist eine Bestätigung meiner Eingangsworte zu der obigen Kolumne, dass unsere Ostpreußische Familie immer jünger wird!

„Was die Erlebnisgeneration erlitten hat, kann in einem Restleben nur schwer alleine abgetragen werden. Ich habe es als Angehöriger der ersten ,Nachfluchtgeneration‘ immer als eine mir gegebene und selbstverständlich übernommene Aufgabe angesehen, eigene Wünsche zurückzustellen, um der Vorgeneration ein Resonanzboden zu sein. Die Rückmeldungen sind schöner und identitätstreuer, als jeder Tand der modernen Überflussgesellschaft sein könnte.

Auch die junge Generation profitiert davon. In Berlin bin ich – neben meinem Beruf in Frankfurt am Main – seit Jahren als ehrenamtlicher Sozialarbeiter tätig. Hier hat sich eine Gruppe junger Menschen zusammengetan und das geistige Erbe von Königsberg aufgegriffen. Herausgekommen ist eine äußerst beeindruckende Theateraufführung von ,Der Sandmann‘ von E.T.A. Hoffmann, ein Stück, das schon mehrfach mit Erfolg und guten Kritiken auf einer Berliner Bühne uraufgeführt wurde.

Warum Königsberg? ,Die Stadt war ein Mikrokosmos, über den wir in der Schule leider nichts gelernt haben. Doch bei der Suche nach einem Stoff entdeckten wir über den ,Sandmann‘, welche außergewöhnlichen Leistungen die Ostpreußen uns jungen Menschen als Erbe mitgegeben haben‘, so einer der jungen Schauspieler. „In der modernen Fassung haben wir die Figuren von E.T.A. Hoffmann selbst und von Siegmund Freud eingearbeitet, die zusammen beraten, wie der Hauptfigur Nathanael geholfen werden kann. Mit diesem Bezug auf die Psychoanalyse wollen wir zeigen, wie weit E.T.A. Hoffmann seiner Zeit voraus war.‘

Dieser Königsberger Geist ist beispielhaft, denn er schafft etwas, worum sich heute Sozialarbeiter vergeblich bemühen: Er verbindet immer noch über Ländergrenzen und Anschauungen hinweg. Das Ensemble des ,Theaters im Palais‘ besteht aus deutschen und türkischen jungen Erwachsenen, alle zwischen 18 und 22 Jahren, und alle über ihre gemeinsame Arbeit inspiriert durch eine Kulturquelle, die trotz der Katastrophe vor 70 Jahren nicht versiegt ist. Das Theater ist ein Kleinod in der Berliner Kulturlandschaft. Es befindet sich ,Unter den Linden‘ gegenüber der ,Deutschen Staatsoper‘. Hinter der Neuen Wache gibt es das ,Palais am Festungsgraben‘, in dem das kleine Theater seine Spielstätte hat, daher der Name. Intendantin ist Gabriele Streichhahn, die Regie dieses Jugendprojektes liegt in den Händen von Stefan Kleinert. Er gab mir die Gelegenheit, für die Ostpreußische Familie einige Aufnahmen zu machen.

Im Nachgang zur Aufführung wurde dieser ,Königsberger Geist‘ nicht nur auf der Bühne lebendig, sondern ganz real im Hier und Heute. Die Beschäftigung der Gruppe mit dem Königsberger Geistesleben – sie hat sich aus eigenem Antrieb dazu entschlossen – ist ernsthaft und beeindruckend. Ich sprach mit ihnen über die Ostpreußische Familie, von der sie bisher nichts gewusst hatten. Die jungen Menschen fanden diese Arbeit ganz großartig und haben sofort etwas gespendet für eine Paketaktion für Deutsche im Memelland. Es ist das selbstverständliche Füreinander mit Menschen, die wir vielleicht nicht persönlich kennen, von denen wir aber wissen, dass es ihnen als in der Heimat Verbliebene nicht gut geht. Ich denke so oft an Agnes Miegels Worte: ,und dass du, Königsberg, nicht sterblich bist!‘ Ich wünschte mir, die Dichterin könnte heute sehen, wie ihre Prophezeiung den Säuretest der Zeit überstanden hat. Ostpreußen schafft im Jahre 2014 eine Inspiration und Integration, die anderswo vergeblich gesucht wird.

Insofern kann ich der Ostpreußischen Familie guten Gewissens von dem Jugendprojekt im Palais am Festungsgraben berichten. Es hat mich als ehrenamtlichen Sozialarbeiter sehr beeindruckt. Dass dort auch Königsberger Kulturquellen erschlossen und an die nachwachsende Generation weiter gegeben werden, gibt uns auf eine ganz unerwartete Art und Weise einen Beweis dafür, was uns allen am Herzen liegt: Ostpreußen lebt!“ R.G.


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 101. GEBURTSTAG

Sagon, Liesbeth, geb. Rebinski, aus Ittau, Kreis Neidenburg, am 6. Dezember

ZUM 100. GEBURTSTAG

Rieck, Hildegard, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 8. Dezember

ZUM 99. GEBURTSTAG

Kempf, Ruth, geb. Lukas, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 12. Dezember

Welz, Elise, aus Pillau, Kreis Samland, am 11. Dezember

ZUM 96. GEBURTSTAG

Kohnert, Eva, geb. Beutler, aus Neufelde, Kreis Elchniederung, am 8. Dezember

Krefting, Maria, geb. Hoffmann, aus Bärwalde, Kreis Samland, am 6. Dezember

Wolff, Erika, geb. Modregger, aus Damerau, Kreis Ebenrode, am 6. Dezember

ZUM 95. GEBURTSTAG

Brozio, Gertrud, aus Wittingen, Kreis Lyck, am 7. Dezember

Fritz, Marta, geb. Klimmek, aus Herzogsmühle, Kreis Treuburg, am 10. Dezember

Kaukel, Frieda, geb. Kullik, aus Schönhorst, Kreis Lyck, am

6. Dezember

Kosubek, Ruth, geb. Reimann, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 7. Dezember

Kumpat, Heinz, aus Neuginnendorf, Kreis Elchniederung, am 6. Dezember

Radke, Ilse, geb. Knischewski, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 7. Dezember

ZUM 94. GEBURTSTAG

Denicke, Frida, geb. Bogdahn, aus Groß Degesen, Kreis Ebenrode, am 8. Dezember

Gruhn, Gerda, geb. Keiluweit, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 7. Dezember

Heidrich, Margarete, geb. Hofer, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 11. Dezember

Meinhold, Hildegard, geb. Schröder, aus Treuburg, am 11. Dezember

Niggenaber, Erna, geb. Gutsch, aus Mandtkeim, Kreis Samland, am 12. Dezember

Palluch, Helmut, aus Bartendorf, Kreis Lyck, am 6. Dezember

Wilhelm, Liesbeth, geb. Schellong, aus Kobulten, Kreis Ortelsburg, am 9. Dezember

Zech, Betty, geb. Worat, aus Schwentainen, Kreis Treuburg, am 9. Dezember

ZUM 93. GEBURTSTAG

Breuer, Emma, geb. Usko, aus Lindenfließ, Kreis Lyck, am 6. Dezember

Dlugokinski, Käte, aus Schönwiese, Kreis Neidenburg, am 9. Dezember

Goetzmann, Hedwig, geb. Stephan, aus Sköpen, Kreis Elchniederung, am 7. Dezember

Olschewski, Günter, aus Steinkendorf, Kreis Lyck, am 8. Dezember

Suhr, Paul, aus Groß Kuhren, Kreis Samland, am 9. Dezember

Walpuski, Heinrich, aus Roggen, Kreis Neidenburg, am 6. Dezember

ZUM 92. GEBURTSTAG

Böhm, Ilsegret, geb. Neumann, aus Insterburg, und Lötzen, am 7. Dezember

Jung, Katharina, geb. Hillbrunner, aus Deumenrode, Kreis Lyck, am 12. Dezember

Knorr, Helene, geb. Szesny, aus Kielen, Kreis Lyck, am 12. Dezember

Meyer, Emma, geb. Blasko, verwitwete Szczesny, aus Giesen, Kreis Treuburg, am 12. Dezember

Otto, Anna, geb. Kaiser, aus Reußen, Kreis Mohrungen, am 8. Dezember

Pauleit, Erika, geb. Tomoschat, aus Neusorge/Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 11. Dezember

Podehl, Elisabeth, geb. Bandilla, aus Milussen, Kreis Lyck, am 10. Dezember

Reihs, Ewald, aus Neidenburg, am 7. Dezember

Seifert, Elisabeth, geb. Birnbacher, aus Bredauen, Kreis Ebenrode, am 10. Dezember

Stumpf, Charlotte, geb. Conrad, aus Mandtkeim, Kreis Samland, am 7. Dezember

Tennert, Herta, geb. Kullack, aus Mertenheim, Kreis Lötzen, am 10. Dezember

Zarbock, Charlotte, geb. Wengel, aus Grunau, Kreis Heiligenbeil, am 9. Dezember

ZUM 91. GEBURTSTAG

Blumenstein, Margarete, geb. Polixa, aus Roggenfelde, Kreis Treuburg, am 6. Dezember

Borbe, Erna, geb. Neumann, aus Tykrehnen, Kreis Samland, am 10. Dezember

Ebert, Christel, geb. Koriat, aus Wallendorf, Kreis Neidenburg, am 7. Dezember

Gollnow, Hedwig, geb. Stach, aus Ulleschen, Kreis Neidenburg, am 11. Dezember

Gruber, Edeltraud, geb. Klipp, aus Bieberswalde, Kreis Wehlau, am 7. Dezember

Kiesling, Erna, geb. Barkus, aus Tawe, Kreis Elchniederung, am 6. Dezember

Koch, Erna, geb. Warias, aus Gellen, Kreis Ortelsburg, am 12. Dezember

Lausat, Irmgard, geb. Rosenthal, aus Mühlen, Kreis Osterode, am 6. Dezember

Lipke, Willi, aus Rauschen, Kreis Samland, am 7. Dezember

Maifeld, Else, geb. Malinowski, aus Nußdorf, Kreis Treuburg, am 11. Dezember

Nehmke, Erwin, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 6. Dezember

Nissen, Ingrid, geb. Liedtke, aus Tawe, Kreis Elchniederung, am 10. Dezember

Roeder, Hellmuth, aus Neidenburg, am 11. Dezember

Voigt, Helmut, aus Gilgetal, Kreis Elchniederung, am 8. Dezember

Westermann, Gertrud, geb. Walendy, aus Nußdorf, Kreis Treuburg, am 10. Dezember

ZUM 90. GEBURTSTAG

Bielak, Hildegard, geb. Frank, aus Schareiken, Kreis Treuburg, am 8. Dezember

Buchwald, Irmgard, geb. Berkau, aus Weißengrund, Kreis Ortelsburg, am 10. Dezember

Dauner, Hans, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 12. Dezember

Kummetz, Rudolf, aus Kischen, Kreis Elchniederung, am 6. Dezember

Pabsch, Gertrud, geb. Rinka, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 6. Dezember

Sagorski, Irmgard, geb. Grytzo, aus Prostken, Kreis Lyck, am 12. Dezember

Schäfer, Edith, geb. Samel, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 8. Dezember

Schäfer, Johanna, geb. Czernitzki, aus Prostken, Stahnken, und Neuendorf, Kreis Lyck, am 11. Dezember

Schwill, Horst, aus Königsberg, am 6. Dezember

Spangehl, Erhardt, aus Herrendorf, Kreis Elchniederung, am 9. Dezember

Turtschin, Elsbeth, geb. Jeromin, aus Lyck, am 6. Dezember

Weber, Erika, geb. Bondzio, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 8. Dezember

Wenn, Elfriede, geb. Biesalski, aus Frankenau, Kreis Neidenburg, am 11. Dezember

ZUM 85. GEBURTSTAG

Böhnke, Udo, aus Alt Seckenburg, Kreis Elchniederung, am 12. Dezember

Brennig, Hildegard, geb. Trott, aus Lissau, Kreis Lyck, am 8. Dezember

Broszeit, Bruno, aus Gruten, Kreis Elchniederung, 12. Dezember

Dyck, Albrecht, aus Schillen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 9. Dezember

Gerkens, Hildegard, geb. Petrusch, aus Groß Dirschkeim, Kreis Samland, am 6. Dezember

Gerwin, Trautlinde, geb. Saul, aus Neuendorf, Kreis Treuburg, am 8. Dezember

Girg, Eva-Maria, geb. Engelhard, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 12. Dezember

Hellwich, Christel, geb. Tillyps, aus Neufrost, Kreis Elchniederung, am 11. Dezember

Janke, Edeltraut, aus Sulimmen, Kreis Lötzen, am 11. Dezember

Konrad, Erika, geb. Heckmann, aus Balga, Kreis Heiligenbeil, am 1. Dezember

Kopp, Ulrich, aus Wolfsdorf, Kreis Elchniederung, am 7. Dezember

Künetz, Carl, aus Angertal, Kreis Angerburg, am 10. Dezember

Kwauka, Edith Wally, geb. Matzeit, aus Nimmersatt, Kreis Memel, am 9. Dezember

Lomoth, Kurt, aus Erben, Kreis Ortelsburg, am 6. Dezember

Ludorff, Georg, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 12. Dezember

Matschull, Ulrich, aus Großheidenstein, Kreis Elchniederung, am 12. Dezember

Rosenfeld, Ingeborg, aus Lötzen, am 6. Dezember

Scheffler, Christel, geb. Schwarm, aus Zimmerbude, Kreis Samland, am 10. Dezember

Schwietzer, Ursula, geb. Plessa, aus Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 8. Dezember

Solinski, Gertrud, geb. Wysk, aus Finsterdamerau, Kreis Ortelsburg, am 9. Dezember

Stobbe, Hans-Günther, aus Schwanensee, Kreis Elchniederung, am 11. Dezember

Töpfer, Elisabeth, geb. Baltruschat, aus Drusken, Kreis Ebenrode, am 10. Dezember

Wieschermann, Inge, geb. Kukowski, aus Milussen, Kreis Lyck, am 9. Dezember

ZUM 80. GEBURTSTAG

Bartmann, Hildegard, geb. Blank, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 8. Dezember

Bolz, Christa, geb. Mohr, aus Jesken, Kreis Treuburg, am 8. Dezember

Dannat, Edith, geb. Becker, aus Germau, Kreis Samland, am 10. Dezember

Erdtmann, Margarete, geb. Knoop, aus Starkenberg, Kreis Wehlau, am 6. Dezember

Ficht, Gerda, geb. Gause, aus Hohensprindt, Kreis Elchniederung, am 7. Dezember

Grigoteit, Siegfried, aus Alt Seckenburg, Kreis Elchniederung, am 12. Dezember

Gutzeit, Erwin, aus Petersdorf, Kreis Wehlau, am 12. Dezember

Heinrich, Irmgard, geb. Kubat, aus Peterswalde, Kreis Elchniederung, am 7. Dezember

Horst, Johanna, geb. Reimann, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 11. Dezember

Jensen, Gerda, geb. Schimmelpfennig, aus Königsdorf, Kreis Heiligenbeil, am 12. Dezember

Katzmarzik, Werner, aus Magdalenz, Kreis Neidenburg, am 12. Dezember

Kowallik, Wilhelm, am 12. Dezember

Krämer, Annelore, geb. Kalwa, aus Allendorf, Kreis Neidenburg, am 8. Dezember

Krafzik Christel, geb. Kutrieb, aus Ortelsburg, am 6. Dezember

Meisezahl, Waltraud, geb. Dzikowski, aus Neidenburg, am 11. Dezember

Pilz, Irene, geb. Jondral, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 10. Dezember

Rehberg, Herbert, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 8. Dezember

Renken, Sieglinde, aus Elbing, am 10. Dezember

Rohde, Elli, geb. Schattner, aus Hohenschanz, Kreis Ebenrode, am 12. Dezember

Rupertus, Klaus, aus Wehlau, am 6. Dezember

Schäfer, Martha, geb. Schwarz, aus Blumental, Kreis Lyck, am 9. Dezember

Zakrotzky, Gisela, geb. August, aus Pillau, Kreis Samland, am 9. Dezember

Zilian, Arno, aus Magotten, Kreis Wehlau, am 11. Dezember

ZUM 75. GEBURTSTAG

Becker, Edelgard, geb. Wendt, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 10. Dezember

Berger, Christel, geb. Pullwitt, aus Talhöfen, Kreis Neidenburg, am 9. Dezember

Brandt, Winfried, aus Giesen, Kreis Treuburg, am 6. Dezember

Bromberg, Klaus-Dieter, aus Neidenburg, am 12. Dezember

Degreif, Klaus, aus Treuburg, am 12. Dezember

Dehring, Peter, aus Groß Ottenhagen, Kreis Samland, am 7. Dezember

Denkmann, Manfred, aus Dünen, Kreis Elchniederung, am 10. Dezember

Dierks, Ingo, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 8. Dezember

Dzwonek, Günter, aus Langenwalde, Kreis Ortelsburg, am 10. Dezember

Grenz, Christa, geb. Maibaum, aus Rodental, Kreis Lötzen, am 11. Dezember

Heß, Helga, geb. Kaminski, aus Stobingen, Kreis Wehlau, am 6. Dezember

Jankowski, Martin, aus Trumpenau, Kreis Elchniederung, am 10. Dezember

Junker, Ulrich, aus Dannenberg, Kreis Elchniederung, am 10. Dezember

Kaspar, Hans-Joachim, aus Königsberg, am 5. Dezember

Korsch, Klaus-Jürgen, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 12. Dezember

Lottermoser, Dietrich, aus Weidlacken, Kreis Wehlau, am 11. Dezember

Meisner, Helmut, aus Weidicken, Kreis Lötzen, am 11. Dezember

Rohloff, Hildegard, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 12. Dezember

Tobai, Irene, geb. Eder, aus Lucken, Kreis Ebenrode, am 7. Dezember

Weeken, Gisela, geb. Ellwanger, aus Pillau, Kreis Samland, am 7. Dezember

Zappini, Gisela, geb. Salewski, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 10. Dezember

Zeiger, Karin, geb. Meyer, aus Warnien, Kreis Wehlau, am 7. Dezember

Zeiger, Ulrich, aus Warnien, Kreis Wehlau, am 7. Dezember


S. 16-17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Heidelberg – Sonntag, 7. Dezember 15 Uhr, Hotel Leonardo, Bergheimerstraße 63: Festlicher und besinnlicher Nachmittag mit Beiträgen, Gedichten und Liedern zur Adventszeit, Elisabeth Kallien führt durch das Programm. Für musikalische Unterhaltung sorgt Herr J. Springer auf seiner Zither.

Ludwigsburg – Donnerstag,

18. Dezember, 15 Uhr, Krauthof, Beihinger Straße 27: Vorweihnachtsfeier.

Reutlingen – Sonnabend, 13. Dezember, 14 Uhr, Treffpunkt für Ältere, Gustav-Werner-Straße 6a: Weihnachtsfeier. Nach der gemütlichen Kaffeetafel wird der Posaunenchor Wannweil unter Leitung von Rudi Reiser mit weihnachtlichen Weisen auf das Fest einstimmen. Landsleute werden die Teilnehmer mit heimatlichen Vorträgen unterhalten. Alle Landsleute und Freunde sind herzlich eingeladen. Auskünfte Ilse Hunger (07121) 52541. – Mittwoch, 17. Dezember, Gasthaus Edelweiß, Sickenhäuser Straße: Weihnachtsfeier der Frauengruppe. Bitte Päckchen für den Grabbelsack mitbringen.

Stuttgart – Dienstag, 9. Dezember, 14.30 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart: Vorweihnachtsfeier der Frauengruppe mit Liedern, Gedichten, Geschichten und dem beliebten Grabbelsack. Gäste sind herzlich eingeladen. – Dienstag, 16. Dezember, 14.30 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Schlossstraße 92: Vorweihnachtsfeier mit gemeinsamen Darbietungen weihnachtlicher Poesie und Prosa. Auch das Singen soll nicht zu kurz kommen. – Samstag, 20. Dezember, 14.30 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart: Weihnachtsfeier der Landsmannschaft Westpreußen mit Geschichten und Gedichten sowie dem Trio Peter Juréwitz.

Ulm/Neu Ulm – Sonntag, 14. Dezember, 14 Uhr, Ulmer Stuben: Weihnachtsfeier der Ost- und Westpreußen. Es werden weih-nachtliche Gedichte und Texte vorgetragen. Der Chor Alexander Diehl tritt auf. Jeder Gast erhält eine kleine weihnachtliche Leckerei. – Zu Weihnachten werden Königsberger Marzipan und Lebkuchen in kleinen Mengen vorbereitet. Bestellungen nimmt Frau Jahnke entgegen. – Donnerstag, 18. Dezember, 14 Uhr, Ulmer Stuben: Weih-nachtsfeier der Frauengruppe.

Weinheim – Mittwoch, 10. Dezember, 14.30 Uhr, Café Wolf: Adventsfeier der Frauengruppe. Ein Heimatnachmittag mit Liedern, Gedichten und Geschichten. Die Landsmännin Annerose Kochem sorgt mit ihrer Drehorgel für die musikalische Begleitung.

Wendlingen – Sonntag, 14. Dezember, 14.30 Uhr, Gasthaus Zum Lamm, Kirchheimerstraße 26: Vorweihnachtliche Feier der Ostpreußen, Westpreußen und Pommern mit einer Kaffeetafel und heimatlichem Gebäck. Singen, Musizieren und besinnliche Worte werden alte Erinnerungen wach werden lassen. Ein Diafilm mit 130 Bildern aus 60 Jahren Landsmannschaft zeigt den gemeinsamen Beitrag zur Heimatpflege.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Altmühlfranken – Sonntag, 14. Dezember, 15.30 Uhr, Hotel Krone, Gunzenhausen: Weihnachtsnachmittag mit Kaffee und Kuchen sowie Gedichten und Geschichten aus dem historischen Nordosten Deutschlands.

Ansbach – Sonnabend, 6. Dezember, 16 Uhr, Orangerie, Promenade 33, 91522 Ansbach: Eine heimatliche Advents- und Weih-nachtsfeier.

Bamberg – Mittwoch, 17. Dezember, 15 Uhr, Hotel Wilde Rose: Vorweihnachtliche Feier.

Erlangen – Donnerstag, 11. Dezember, 15.45 Uhr, Raum 20, Freizeitzentrum Frankenhof, Südliche Stadtmauerstraße 36: Weih-nachtsfeier mit Kaffee und Weih-nachtsstollen. Dazu gibt es Geschichten und Weihnachtslieder. Gäste sind herzlich willkommen.

Hof – Sonnabend, 13. Dezember,15 Uhr, Restaurant Altdeutsche Bierstube, Marienstraße 88, 95028 Hof: Adventsfeier

– Bericht –

Zur Monatszusammenkunft der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen am 8. November im Restaurant Altdeutsche Bierstube waren zahlreiche Mitglieder und Gäste erschienen. Eingangs begrüßte der erste Vorsitzende Christian Joachim die Anwesenden herzlich. Seine traditionelle Gratulation galt den gewesenen Geburtstagskindern, besonders dem langjährigen treuen Mitglied Erich Kiutra, der seinen 90. Geburtstag begehen konnte. In seinen Ausführungen ließ der Vorsitzende den malerischen Herbst vorüberziehen und erinnerte an die vielen heimatlichen Gerichte, die besonders in der Erntezeit mit den geernteten Früchten und Gemüsesorten die ostpreußische Küche bereicherten.

Ein ehrendes Gedenken galt Siegfried Lenz, dem Schriftsteller und einem der bekanntesten deutschsprachigen Erzähler der Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. Er wurde am 17. März 1926 in Lyck, Ostpreußen, geboren und starb am 7. Oktober 2014 in Hamburg. Aus der humorvollen Sammlung von Kurzgeschichten in Masuren aus dem Band „So zärtlich war Suleyken» las Christian Joachim einige vor, zur Erheiterung der Anwesenden.

In seinen Gedanken zum Erntedank erinnerte Bernd Hüttner an die verschiedenen Erntebräuche in Ostpreußen, das Herausragendste war die gebundene Erntekrone. Traditionsgemäß, wie in allen Jahren, verteilte Erich Kiutra selbst gelesene unterschiedliche Ähren, gebunden für jeden Anwesenden als Symbol für Korn und Brot. Mit gemeinsam gesungenen Liedern und heiteren Beiträgen von Peter von Lossow, ging dieser gesellige Heimatnachmittag schnell vorüber. Zu erwähnen sei noch der Tag der Heimat, der für Offenheit und den Blick über die Grenzen stehe, für die Bewahrung der eigenen Kultur und Begegnung mit den Kulturen der Nachbarn. Unsere Volkstanzgruppe unter Leitung von Jutta Starosta hatte zu einer würdigen Umrahmung beigetragen.

Ingolstadt – Sonntag, 14. Dezember, 13. Uhr, Gasthaus Bonschab, Münchener Straße 8: Adventsfeier.

Kitzingen – Sonnabend, 13. Dezember, Hotel Würzburger Hof: Vorweihnachtliche Feier mit Beiträgen von Mitgliedern und musikalischer Umrahmung durch Landsmann Günter Schmidt.

Landshut – Dienstag, 16. Dezember, 14 Uhr, Insel: Weih-nachtsfeier.

Nürnberg – Sonntag, 7. Dezember, 15 Uhr, Haus der Heimat, Imbuschstraße 1 (Endstation der U1): Weihnachten in Ostpreußen – eine Feier zum zweiten Advent mit Lesungen und den Weihnachtsliedern der Heimat.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Tilsit-Ragnit – Sonnabend, 6. Dezember, 15 Uhr: „Ratskeller Charlottenburg“ Otto-Suhr-Allee 102, 10585 Berlin: Treffen. Anfragen: Hermann Trilus Telefon (03303) 40 38 81.

Bartenstein – Sonnabend, 6. Dezember, 13 Uhr, Restaurant „Heidelbeere“, Heidelberger Platz 1, 14197 Berlin: Weihnachtsfeier. Anfragen: Elfriede Fortange, Telefon (030) 4944404.

Lyck – Sonntag, 7. Dezember, 15 Uhr: Kleiner Ratskeller, Am Rathaus 9, 10825 Berlin: Adventsfeier, Anfragen bitte bei Peter Dziengel, Telefon (030) 8245479.

Pillkallen, Stallupönen – Dienstag, 9. Dezember, 14 Uhr, „Haus des „Älteren Bürgers“ Werbellinstraße 42: Treffen. Anfragen: Helga Rieck, Telefon (039888) 529000.

Frauengruppe – Mittwoch, 10. Dezember, 13.30 Uhr, „Pflegestützpunkt“ Wilhelmstraße 115, 10963 Berlin: Weihnachtsfeier der Frauengruppe. Anfragen bei Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Königsberg, Samland, Labiau – Sonntag, 14. Dezember, 14 Uhr, Johann-Georg-Stuben, Johann-Georg-Straße 10, 10709 Berlin: Gemeinsames Treffen.

Rastenburg – Sonntag, 14. Dezember, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus, Rohrdamm 24 B: Weihnachtsfeier. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.

Gumbinnen, Johannisburg, Lötzen, Sensburg – Dienstag, 16. Dezember, 13 Uhr, Restaurant Dalmata, Albrechtstraße 52, 12167 Berlin: Adventsfeier. Anfragen Gumbinnen: Joseph Lirche Telefon (030) 4032681. Johannisburg und Sensburg: Andreas Maziul Telefon (030) 5429917. Lötzen: Gabriele Reiß, Telefon (030) 75635633.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremen – Mittwoch, 10. Dezember, 9.30 Uhr, Busbahnhof vor den Cinemaxx: Busfahrt nach Lüneburg mit Besichtigung des Ostpreußischen Landesmuseums. Neben der Gelegenheit zur Besichtigung der Dauerausstellung besteht eine Anmeldung zur Aktion „Museum erleben“ zum Thema „Winter in Ostpreußen“ unter der Leitung von Dr. Hinkelmann. Anschließend ist Zeit zum Mittagessen eventuell im Gasthaus Krone (nicht vorbestellt), oder zum Gang über den Weihnachtsmarkt. Um 15.30 Uhr erfolgt die Rückfahrt. Unterwegs soll erneut das beliebte Hofcafé im „Eggershof“ in Ellingen bei Soltau zur Kaffeetafel besucht werden. Der Preis beträgt 32 Euro für die Fahrt. Anmeldungen werden ab sofort direkt bei JWD-Busreisen (Frau Venderbosch, Telefon 4854633) erbeten. (Mindestteilnehmerzahl: 25 Personen) – Sonnabend, 13. Dezember, 15 Uhr, Atlantic-Hotel beim Bremer Flughafen: Besinnliche West- und Ostpreußische Adventsfeier. Die Andacht hält Helmut Lask, Diakon der Martinsgemeinde Lilienthal. Die Gestaltung der musikalischen Umrahmung erfolgt durch Herrn Urban. Die Kosten der Kaffeetafel betragen wie im Vorjahr 10 Euro pro Person. Eine Anmeldung in der Geschäftsstelle ist unbedingt erforderlich und wird ab sofort erbeten.

Frauengruppe – Jeder 3. Donnerstag im Monat, 15 Uhr im Hotel zur Post, Bahnhofsplatz 11, 28195 Bremen: Treffen der Frauengruppe. Am 18. Dezember zusätzliche weihnachtliche Zusammenkunft.

Bremerhaven – Freitag, 19. Dezember, 14.30 Uhr, Barlachhaus: Adventsfeier.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Kippingstr. 13, 20144 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

LANDESGRUPPE

Sonnabend, 6. Dezember, 11 Uhr (Einlass 10 Uhr), Restaurant Lackemann, Litzowstieg 8, 22041 Hamburg (Wandsbek), Parkplatz Quarree, Parkhaus P2: 65 Jahre Landesgruppe Hamburg – Jubiläumsveranstaltung und Vorweihnachtsfeier der Landsmannschaft Ostpreußen. Programm mit dem Ostpreußen-Chor. Um 12.15 Uhr: Grünkohlmittag-essen. 14.30 Uhr: Kaffeepause. Der Veranstaltungsort ist gut zu erreichen mit der U1 und mit Bussen. Von der U-Bahnstation und dem Busbahnhof Wandsbek-Markt sind es wenige Gehminuten. Wenn Sie von der Wandsbeker Marktstraße den Durchgang „Hinterm Stern“ zwischen Quarree und Hotel Tiefenthal durchgegangen sind, sehen Sie das Restaurant Lackemann. Auskunft: Siegfried Grawitter, Telefon (040) 205784.

KREISGRUPPEN

Heiligenbeil – Sonnabend, 6. Dezember, 11 Uhr, Restaurant Lackemann, Litzowstieg 8, 22041 Hamburg: Alle Mitglieder und Freunde der Kreisgruppe sind herzlich zur Weihnachtsfeier eingeladen. Anmeldungen bei Konrad Wien, Telefon (040) 53254950.

Insterburg – Die Gruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum gemeinsamen Singen und einem kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

SALZBURGER VEREIN

Samstag, 6. Dezember, 13 Uhr, Hotel „St. Raphael“, Adenauerallee 4: Treffen der Landesgruppe „Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordniedersachsen“: Auf dem Programm: Gedenklesung für Siegfried Lenz, Ostpreußische und Salzburgische Texte und Lieder zur Vorweihnacht. Außerdem; Bekanntgabe der neuen Termine für 2015. Auch Gäste sind herzlich willkommen.

BEZIRKSGRUPPE

Bergedorf – 12.30 Uhr, Mittwoch, 10. Dezember, Wein- und Friesenstube, Ochsenwerder Kirchdeich 10: Weihnachtsfeier der Frauengruppe. Der Schauspieler Herbert Tennigkeit wird mit seinem Weihnachtsprogramm erfreuen.

Harburg-Wilhelmsburg – Montag, 8. Dezember, 14.30 Uhr, Gasthaus Waldquelle, Meckelfeld, Höpenstraße 88: Eine vorweihnachtliche Feier nach ostpreußischer Art.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612.

Bergstraße – Sonnabend, 6. Dezember, 14.30 Uhr, Kloster St. Vinzenz, Kalterer Straße 3, 64646 Heppenheim (am Bahnhof): Besinnlicher, vorweihnachtlicher Nachmittag mit Bild, Wort und Musik. Weitere Informationen und Anmeldungen: M. Voß Telefon (06252) 3961.

Darmstadt/Dieburg – Sonnabend, 6. Dezember, 15 Uhr, Luise-Büchner-Haus, Darmstadt-Kranichstein: Letztes Treffen im laufenden Jahr. Die vorweihnachtliche Zeit gibt Anlass zum fröhlichen Beisammensein. Christiane Mertz stimmt alle Gäste – wie von ihrer Mutter, die in der Königsberger Marzipanfabrik tätig war – überliefert, mit Marzipankonfekt ein. Dazu werden Gedichte und Geschichten vorgetragen. Jeder, der möchte, kann etwas beitragen. Musikalisch unterstützt wird die Feier vom Schuljahrgangs-Chor 1940 aus Rödermark-Ober-Roden. Um einen schönen Nachmittag verbringen zu können, wird um rege Teilnahme gebeten. Ein besonderer Gruß gilt den Mitgliedern, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen nicht teilnehmen können.

Hanau – Sonntag, 7. Dezember, 14.30 Uhr, Gaststätte Sandelmühle, Philipp Schleißner Weg 2a (zu erreichen mit der Buslinie 2 ab Freiheitsplatz): Adventsfeier mit gemeinsamen Singen. Gedichte und Geschichten werden vorgetragen. Frau Pfarrerin Rohde wird eine Andacht halten. Für musikalische Begleitung sorgt Herr Schulz auf dem Akkordeon. Alle sind herzlich eingeladen.

Kassel – Sonntag, 14. Dezember, 15 Uhr: „Mit den Hirten will ich gehen...“ – Advents- und Vorweihnachtsfeier mit Dorothea Deyß und ihrem Sing- und Spielkreis zum dritten Advent.

Wiesbaden – Dienstag, 9. Dezember, 15 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35, 65185 Wiesbaden: Weih-nachtsfeier der Frauengruppe. Gäste sind herzlich willkommen. – Sonnabend, 13. Dezember, 15 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Vorweihnachtliche Feier mit Kaffee und Kuchen, Königsberger Marzipan und einem besinnlichen Programm. Dazu gehören Geschichten, Gedichte und die Ansprache von Pfarrer Holger Saal. Für musikalische Unterhaltung sorgen Helmut Domes (Bariton), Gi Yeon Hong-Nellen (Violoncello), Horst Wilhelm (Klavier) und der Frauenchor unter Leitung von Liesl Zekert. Die Veranstalter sind dankbar für Geldspenden zur Kostendeckung der Feier.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Bad Oldesloe – Nach der Begrüßung der November-Runde erinnerte Gisela Brauer an die Gedenktage des Monats – Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag – und gab die Einladung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Feierstunde am Volkstrauertag weiter. Thema des Nachmittags war der Schriftsteller Siegfried Lenz. Katharina Makarowski sprach über den Ostpreußen, der zum bekanntesten und erfolgreichsten Erzähler Deutschlands wurde. Dabei ging sie auf einige seiner zahlreichen Romane ein. Sein Tod hat viele bewegt. Zu Beginn der Trauerfeier im Hamburger Michel stellte Arno Surminski fest, dass es nun wieder einen Ostpreußen weniger gebe, und Altbundeskanzler Helmut Schmidt schloss seine Abschiedsworte mit dem Satz: „Ich werde ihn vermissen.“ Dann sprachen die Teilnehmer über die gegenwärtigen Flüchtlingsströme und ihre eigene Ankunft nach Angst und Schrecken auf der Flucht in den Jahren 1945 bis 1947 in Westdeutschland. Freude machten die Fotos von Ulrich Klemens. Bildern, die im Oktober beim Besuch im Hause Klemens aufgenommen wurden. Und wer wird als nächster in der Gruppe sein Hobby vorstellen? Geburtstagskinder des Monats waren Katharina Makarowski und Elfriede Storjohann.

Buxtehude – Freitag, 12. Dezember, 15 Uhr, Buxtehude-Hoheluft: Adventliche Feierstunde. Anmeldungen bei Lydia und Erich Wander, Telefon (04161) 87918.

Helmstedt – Donnerstag, 11. Dezember, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Adventsfeier – Jeder zweite Donnerstag, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Allgemeines Treffen.

Oldenburg – Mittwoch, 10. Dezember: Advents-Nachmittag mit einem Basar für Gebäck und Basteleien nebst eigenen Lesungen. Freunde und Bekannte sind herzlich willkommen.

Osnabrück – Dienstag, 16. Dezember, 16.30 Uhr, Hotel Ibis, Blumenhaller Weg 152: Gemeinsames Kegeln. – Freitag, 19. Dezember, 15 Uhr, Gaststätte Bürgerbräu, Blumenhaller Weg 43: Treffen der Frauengruppe.

Rinteln – Sonnabend, 6. Dezember, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Ostpreußen, Westpreußen, Danziger und ihre Nachkommen treffen sich zur gemeinsamen Adventsfeier. Der Eintritt ist frei, Nichtmitglieder und Gäste werden um Anmeldung bei Joachim Rebuschat (05751) 5386 oder rebuschat@web.de gebeten.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bad Godesberg – Sonnabend, 7. Dezember, 15 Uhr, Parksaal der Stadthalle Bad Godesberg: Advents- und Vorweihnachtsfeier. Die Festansprache wird Pfarrer Ulrich Thomas halten. Rolf Oettgen wird die Veranstaltung mit alten Advents- und Weihnachtsweisen musikalisch umrahmen. Weiter auf dem Programm: Ein kleines Weihnachtsspiel, sowie Geschichte und Gedichte aus der Heimat. – Jeder erste Mittwoch im Monat, 15 Uhr, Erkerzimmer der Stadthalle Bad Godesberg: Treffen der Frauengruppe. – Jeder dritte Mittwoch im Monat, 17.30 Uhr, Erkerzimmer der Stadthalle Bad Godesberg: Stammtisch.

Bonn – Sonnabend 13. Dezember, 14.30 Uhr, Namen-Jesu-Kirche, Bonnegasse: Ökumenischer Adventsgottesdienst.

Detmold – Mittwoch, 10. Dezember, 15 Uhr, Kleiner Festsaal, Stadthalle: Adventsveranstaltung der Kreisgruppe Lippe. Gerhard Mörchel, Pfarrer im Ruhestand wird Gedanken zum Advent vortragen, Christel Schrei, Dietlind Silz und Hans Dieter Schlingmann werden mit weihnachtliche Geschichten und musikalischen Beiträgen unterhalten.

Dortmund – Jeden dritten Montag im Monat (aktuell: 15. Dezember), 14 bis 17 Uhr, Landgrafenschule, Eingang Märkische Straße: Treffen der Frauengruppe. Gäste sind willkommen.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 bis 20 Uhr, GHH/Eichendorff-Saal, 1. Etage: Chorprobe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft.

Ennepetal – Sonntag, 14. Dezember, 15 Uhr, Restaurant „Rosine“, Bergstraße 4-6, Ennepetal Voerde: Weihnachtsfeier. – Donnerstag, 18. Dezember, 18 Uhr, Heimatstube Kirchstraße 52: Jahresausklang. Anmeldung erforderlich.

Gütersloh – Sonnabend, 6. Dezember, Spexarder Bauernhaus, Lukasstraße 14: Zum achten Mal ist die LO-Gruppe Gütersloh auf dem Spexarder Weihnachtsmarkt vertreten. Bigos, Grützwurst, Schmalzbrote und Bärenfang werden angeboten. Neben einer Spende an die Gütersloher Suppenküche ist der Erlös für die LO bestimmt. Wer einen Topf Bigos, eine Flasche Bärenfang, Honig oder anderes spenden möchte, meldet sich bitte bei Marlene von Oppenkowski, Telefon (05241) 702919 oder Marianne Bartnik, Telefon (05241) 29211. – Sonntag, 7. Dezember, Brauhaus unter den Ulmen, 15 Uhr: Weihnachtsfeier. Kontakt und Info: Renate Thamm, Telefon (05241) 40422.

Leverkusen – Sonnabend, 6. Dezember, 14.30 Uhr, großer Saal, Herz-Jesu-Kirche, Marktplatz 1, 51373 Leverkusen: Traditionelles Weihnachtsfest. Die Kulturgruppen zaubern mit Krippenspiel und verschiedenen Darbietungen eine heimatliche Weihnacht in den Saal. Eine Anmeldung ist erforderlich. Bitte bei: Frau Pelka, Telefon (0214) 95763.

Mülheim an der Ruhr – Dienstag, 9. Dezember, 15 Uhr, Handelshof: Beisammensein bei Liedern, Geschichten und Gedichten zur Weihnachtszeit und zum Jahresende.

Münster – Sonntag, 14. Dezember, 15 Uhr, Friedenskrug, Zum Erlenbusch 16, 48167 Münster Gremmendorf (zu erreichen mit Buslinie 6 vom Hauptbahnhof Münster aus Richtung Gremmendorf bis Haltestelle Heidestraße): Weihnachtsfeier.

Viersen-Dülken – Sonnabend, 6. Dezember, 14.30 Uhr, Dülkener Hof, Lange Straße 54: Weih-nachtsfeier bei Kerzenschein. Für das leibliche Wohl wird gesorgt. Für reichlich Kaffee und Kuchen wird ein Unkostenbetrag von sechs Euro pro Gedeck erbeten. Wie immer sind Gäste gerne gesehen und herzlich willkommen.

Witten – Montag, 15. Dezember, 15 Uhr, Evangelisch Lutherische Kreuzgemeinde, Lutherstraße 6-10: Weihnachtsfeier im Wandel der Zeit.

Wuppertal – Sonntag, 14. Dezember, 14 Uhr, Rotter Kirche, Rödiger Straße, 42283 Wuppertal (Über den öffentlichen Nahverkehr mit den Linien 604 und 614 zu erreichen. Die Haltestelle heißt Thorner Straße): Adventsfeier mit Kaffee und Kuchen. Es singen die Chorfreunde Wuppertal. Die Tanzgruppe von Ursula Knocks tritt ebenfalls auf. Gäste sind herzlich willkommen.

 

RHEINLAND-PFALZ

Vors.: Dr. Wolfgang Thüne, Wormser Straße 22, 55276 Oppenheim.

Ludwigshafen – Dienstag, 16. Dezember, 12.30 Uhr, Schiller-Stube, Kapellengasse 25., Ludwigshafen-Oggersheim: Treffen zum Weihnachtsessen.

Mainz – Jeden Freitag, 13 Uhr, Café Oase, Schönbornstraße 16, 55116: Kartenspielen. – Sonnabend, 29. November, 15 Uhr, Mundus Residenz, Große Bleiche 44, 55116 Mainz; Adventsfeier. Um Gaben für die Tombola wird gebeten.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle, Telefon privat (0345) 2080680.

Gardelegen – Mittwoch, 17. Dezember, 12 Uhr, Waldgaststätte, Lindenthal: Weihnachtsfeier.

Magdeburg – Dienstag, 9. Dezember, 13.30 Uhr, Immermannstraße: Stickerchen-Treffen. – Freitag, 12. Dezember, TuS, Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Burg auf Fehmarn – Dienstag, 9. Dezember, 15 Uhr, Haus am Stadtpark: Ostdeutsche Adventsfeier der Landsmannschaft Ost-, Westpreußen und Danzig. Pastor Bertholt Kark-Carlson wird in vorweihnachtlicher Atmosphäre besinnliche Worte zum bevorstehenden Weihnachtsfest sprechen. Für die musikalische Umrahmung sorgt Kathrin Kark aus Landkirchen mir ihrer Flötengruppe. Eine festlich geschmückte Kaffeetafel, weihnachtliche Geschichten sowie Lieder, begleitet von Brigitte Asbahr und Ina Naujok auf dem Akkordeon, werden außerdem die Mitglieder und Gäste unterhalten.

Flensburg – Freitag, 12. Dezember, 15 Uhr, Treffpunkt Mürwik, Kielseng: Gemeinsame Weih-nachtsfeier in gemütlicher Runde. Anmeldung bitte bei H. und W, Brandes, Telefon (0461) 74816.

Neumünster – Sonnabend,

6. Dezember, 15 Uhr, Restauration „Johann und Amalia“ in der Stadthalle am Kleinflecken: Besinnliche Vorweihnachtsfeier. Anmeldungen bitte bis zum 29. November unter Telefon (04321) 82314.

Pinneberg – Achtung Terminverschiebung der Adventsfeier, neues Datum: Sonntag, 14. Dezember, 15 Uhr, Restaurant Mondea, Mühlenstraße 70d. Auf dem Programm: Gemeinsames Singen, Geschichten und Gedichte hören. Voranmeldung unter (04101) 62667 oder (04101) 73473.

 

THÜRINGEN

Vors.: Edeltraut Dietel, August-Bebel-Straße 8 b, 07980 Berga an der Elster, Tel. (036623) 25265.

Eisenach – Dienstag, 9. Dezember, 14 Uhr, Rot-Kreuz-Weg 1, 99817 Eisenach: Ein Heimatnachmittag der landmannschaftlichen Gruppe Ost- und Westpreußen.

Meiningen – Freitag, 5. Dezember, 14 Uhr, „Wolkenlos“: Adventsfeier.

Saalfeld – Sonnabend, 13. Dezember, 19 Uhr, Meininger Hof: Gala-Konzert der Akkordeon-Bigband-Saalfeld.


S. 18-19 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

HEILIGENBEIL

Kreisvertreterin: Elke Ruhnke, Im Bökel 76, 42369 Wuppertal, Tel.: (0202) 46 16 13. E-Mail: ruhnke@kreis-gemeinschaft-heiligenbeil.de. Stellvertreter: Christian Perbandt, Im Stegfeld 1, 31275 Lehrte, Tel.: (05132) 57052.

E-Mail: perbandt@kreisge­meinschaft-heiligenbeil.de. 2. stellvertretender Kreisvertreter: Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821) 8 42 24. E-Mail: Schmidt.ploessen@gmx.de. 2. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www. kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de

Freitag, 20. März bis Sonntag, 22. März 2015, Pension Quellenhof, An der Schwefelquelle 18, 38707 Altenau: Unser liebgewonnenes Sondertreffen Zinten-Land wird wieder im Harz in der gemütlichen Pension Quellenhof stattfinden. Eingeladen sind alle Landsleute mit Ihren Ehe- beziehungsweise Lebenspartnern aus unserem Kirchspiel Zinten-Land. Auch die jüngeren Jahrgänge, die die geliebte Heimat selbst nicht mehr erlebt haben, sind herzlich willkommen. Sollten Sie Bedenken haben niemanden zu kennen, so vergessen Sie bitte nicht, dass uns unsere ostpreußische Heimat verbindet. So können wir in gemütlich froher Runde viel Gemeinsames austauschen, und immer wieder gibt es Neues über Ostpreußen zu berichten. In diesem Jahr waren wieder etliche Teilnehmer in unserer Heimat. Beiträge zur Gestaltung unseres Programms wie Geschichten, Gedichte, Spiele oder Filme sind gerne gesehen. Die Pension Quellenhof bittet um direkte Anmeldung bis zum 15. Januar 2015 unter „Gruppe Lenz Bitte auch Irmgard Lenz über die Anmeldung kurz informieren; Telefon (07542) 4649 oder per E-Mail: lengard36@t-online.de.

Der Preis für die zwei Tage mit Halbpension und Kurtaxe beträgt 80 Euro pro Person. Reiserücktrittversicherung und Trinkgeld sind im Preis nicht enthalten.

Bei Anreise per Bahn ist Goslar der Zielbahnhof. Gerne werden Sie auch von der Pension gegen einen kleinen Betrag abgeholt.

Die Kreisgemeinschaft Heiligenbeil hat zum Kreistreffen 2014 in Burgdorf ihr neues Buch über Flucht und Vertreibung herausgebracht. „Keine Zeit für Trauer, keine Zeit für Tränen“ ist all denen gewidmet, die in jenen Tagen alles verloren – die Heimat, Familienangehörige, Verwandte, Freunde, Nachbarn, ihren gesamten Besitz, Haus und Hausrat, Vieh und Felder – den Unzähligen, die durch Bomben und Granaten ihr Leben lassen mussten, die im Schneesturm auf dem Eis des Frischen Haffs erfroren, die in den eisigen Fluten der Ostsee ertrunken sind. Die Überlebenden berichten hier über ihr Schicksal. Sie wagten mit Mut und Tapferkeit einen Neuanfang. Eine außergewöhnliche Dokumentation im Kampf gegen das Vergessen. Es kommen Zeitzeugen zu Wort, die über beinahe unglaubliche Dinge berichten, die sich während der Flucht und Vertreibung zugetragen haben und über die viele bisher kaum oder gar nicht sprechen konnten. Sie haben hier versucht, auf diese Art und Weise ihre teilweise traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Die Kreisgemeinschaft Heiligenbeil sieht es als überaus wichtig an, dass diese Erlebnisse in einer Dokumentation an folgende Generationen weitergegeben werden, damit sich so etwas Furchtbares niemals wiederholt.

Das Buch „Keine Zeit für Trauer, keine Zeit für Tränen“ hat 288 Seiten (ISBN 978-3-00-042633-9) und zeigt viele bisher unveröffentlichte Fotos. Der Verkaufspreis für das Buch beträgt 19,80 Euro zuzüglich Porto und Verpackung. Buchbestellungen an: Kreisgemeinschaft Heiligenbeil e. V., Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821)-84224, E-Mail: schmidt.ploessen@gmx.de, Internet: www.heiligenbeil-ostpreussen.de

 

KÖNIGSBERG LAND

Kreisvertreterin: Gisela Broschei, Bleichgrabenstraße 91, 41063 Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, Fax (02161) 87724. Geschäftsstelle: Im Preußen-Museum, Simeonsplatz 12, 32427 Minden, Telefon (0571) 46297, Mi. Sa. u. So. 18-20 Uhr.

Bekanntlich sind für einige Kirchspiele des früheren Landkreises Königsberg Ortsfamilienbücher (OFB) vorhanden. Für das Kirchspiel Powunden sind jetzt zwei Bände (A bis K und L bis Z) erschienen. Erfasst sind darin alle Geburten, Eheschließungen und Todesfälle aus den Jahren 1738 bis 1874. Ab 1870 wurden im damaligen Deutschen Reich die Standesämter eingerichtet. Die beiden Bände OFB Powunden umfassen 718 Seiten. Dem Text gehen umfangreiche Erklärungen voraus, aus dem man persönliche Geschichtskenntnisse erweitern kann. Einige Überschriften seien hier angeführt: Vorwort eine Seite A4 mit Erklärungen, Historischer Hintergrund, Kirchenbeschreibung, Abkürzungen, Symbole, Begriffe, Register der Familien (in alphabetischer Reihenfolge), Ortsregister und so weiter. Für Familienforscher sind nach Erachten des Autors diese Unterlagen unverzichtbar. Man erspart sich Anfragen bei Archiven und Behörden. Verfasser ist Dr. Patrick Plew, Österreicher Straße 26, 01279 Dresden, E-Mail: patrick.plew@arcor.de Mit Ausnahme der Kirchspiele Neuhausen und Schaaken, sind jetzt für alle Kirchspiele nördlich des Pregels OFB vorhanden. Das OFB Schaaken ist fertig zur Drucklegung. Zurzeit wird Korrektur gelesen. Mit dem Erscheinen kann in Kürze gerechnet werden. Besucher unseres Museums in Minden haben Gelegenheit die vorgenannte OFB einzusehen. Mit Rücksicht auf die Urheberrechte des Verfassers können in Minden keine Kopien gezogen werden. Bestellungen bitte an den Verfasser richten.

Carl Mückenberger

 

KÖNIGSBERG– STADT

Stadtvorsitzender: Klaus Weigelt. Patenschaftsbüro: Karmelplatz 5, 47049 Duisburg, Telefon (0203) 2832151.

Ein gutes Hotel und traumhaftes Wetter, waren die besten Voraussetzungen für ein gutes Gelingen beim Jahrestreffen der Vereinigung ehemaliger Sackheimer Mittelschüler in Koblenz vom 25. bis 28. September. Los ging’s am Donnerstag mit der Begrüßung gegen 17 Uhr in einem Raum mit tollem Rheinblick. Zusammen stimmten wir das Lied der Schule an. Es folgten der Jahresrückblick und die Ehrung unserer Toten.

Margot las dann die Grüße und guten Wünsche der Daheimgebliebenen vor. Heinz trug die Daten und den Kassenbestand vor. Gisela Hohendorf hatte die Kasse geprüft und bestätigte die korrekte Führung. Beiden wurde eine einstimmige Entlastung erteilt.

Im Anschluss an das Abendessen führte Adolf Pulst den Film „Von Königsberg bis Kaliningrad“ vor. Er war schön und traurig zugleich. Die ganzen Utensilien wie Laptop, Boxen, Leinwand hatte er im Bus mitgebracht. Es hat prima geklappt. Durch das Geschenk von Ilona Timm können wir zwei Filme und eine musikalische DVD mit schönen bekannten Liedern an interessierte Mitglieder verschicken.

Freitag: Zuerst wurde – mit sonnigem Rheinblick – gut gefrühstückt, dann ging es auf Tour. Heinz Gegner, Adolf Pulst und Günter Aupperle brachten uns per PKW und VW-Bus durch die wunderbare Landschaft ins Kloster Maria Laach. Ein Mönch empfing uns und erklärte den Orden, und das Klosterleben. Ganz schön ergreifend! Danach besichtigten wir die Gartenanlagen und die verschiedenen kleinen Betriebe auf dem Gelände. Natürlich wurden auch Obst und Gewürze gekauft. Weiter ging‘s dann zum Kaffeetrinken in das nahe gelegene Gasthaus. Gegen 16 Uhr mussten traten wir dann in Koblenz zur Führung in einem Sektmuseum an. Eine lustige und informative Angelegenheit, die uns das Deinhard Museum da anbot.

Deinhard besteht seit 120 Jahren, ist von der Kellerei Henkel aufgekauft, firmiert aber noch unter Deinhard, so dass wir reichlich mit Deinhard Rosee und Deinhard lila verwöhnt wurden. „Total vergnügt“ ging‘s ins Hotel Diehl retour, um das Abendessen einzunehmen, sich ein bisschen aufzuhübschen und in das Kleine Stadttheater zu fahren. Wir genossen das Stück „der Besuch der alten Dame” von Friedrich Dürrenmatt als Ballett. Gegen 22 Uhr wurde dann im Hotel der Abschluss zelebriert. Christel Bamberg spendierte eine Flasche Bärenfang zum Eintritt in den 80er Club. Reichlich viel Naschwerk hatte sie ebenfalls, was schnell auf den Tischen verteilt war. Wir bedanken uns herzlich bei den Sparhelfern und den Sponsoren sagen nochmals, dass wir weitermachen solange es gesundheitlich geht und das Interesse vorhanden ist. Die Gemeinschaft bleibt verändert bestehen. Die Tage in Koblenz waren das Letzte mehrtägige Jahrestreffen. In Zukunft begehen wir es nur noch einen Tag lang im Düsseldorfer HDO-Haus.

 

NEIDENBURG

Kreisvertreter: Jürgen Szepanek, Nachtigallenweg 43, 46459 Rees-Haldern, Tel. / Fax (02850) 1017.

Inzwischen ist der Heimatbrief Nummer 143 fertiggestellt und zum Versand gebracht worden. Dieses Mal ist er besonders umfangreich und enthält interessante Berichte über das Sommerfest in Allenstein, das 20-jährige Bestehen der Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit, das große Ostpreußentreffen in Kassel, wie auch unser Neidenburger Heimattreffen in Lüneburg, Wer den Heimatbrief noch nicht erhält und ihn beziehen möchte, teile seine Anschrift dem Schriftleiter Jürgen Kowalek (Bromberger Straße 26, 28816 Stuhr) mit. Sie bekommen dann ein Exemplar zugesandt.

Es können immer wieder einige Heimatbriefe nicht zugestellt werden, weil sich die Anschriften der Bezieher geändert haben. Alle Landsleute werden deshalb dringend gebeten, Adressenänderungen und sonstige Personenstandsmeldungen dem Verwalter unserer Mitgliederdatei, Hans-Ulrich Pokraka (An der Friedenseiche 44, 59597 Erwitte) mitzuteilen. Sie vermeiden Zustellungsverzögerungen und kostenaufwendige Nachforschungen und Nachsendungen. Auch alte Heimatbriefe können bestellt werden: Anbieten können wir drei DVDs aller Ausgaben seit 1947. Ebenfalls noch vorrätig sind Kreisbücher und Bildbände aus dem 1980er Jahren, des Weiteren eine Schulwandkarte aus dem Jahre 1931. Jedes kleine Dorf unseres Kreisgebietes ist dort ausgewiesen. Ebenfalls vorhanden sind Neidenburger Stadtpläne. Anfragen und Bestellungen bitte an den Kreisvertreter richten.

Unsere Zusammenkunft im kommenden Jahr findet erstmals im Erich-Brühmann-Haus in Bochum-Werne, direkt gegenüber der Heimatstube am Sonntag, den 6. September 2015 statt.

 

RÖSSEL

Kreisvertreter: Reinhard Plehn, Georg-Büchner-Straße 66, 40699 Erkrath, Tel. (0211) 253274 Reinhard.Plehn@online.de. Redaktion Rößeler Heimatbote: Gisela Heese-Greve, 23562 Lübeck, Tel. (0451) 58249090.

Sonntag, 14. Dezember, 14 Uhr, Kirche St. Marien, Marienkirchplatz 30, 41460 Neuss: Die Kreisgemeinschaft lädt alle Landsleute aus nah und fern zur Adventsfeier nach Neuss ein. Um 14 Uhr beginnt die Messe in der Kirche mit unserem ehemaligen Visitator, dem Domkapitular Lothar Schlegel. Ab 15 Uhr auf dem Programm: Adventsfeier bei Kaffee und Kuchen im Marienhaus, Kapitelstraße 36 (fünf Gehminuten von der Kirche entfernt).

 

TILSIT-RAGNIT

Kreisvertreter: Dieter Neukamm, Am Rosenbaum 48, 51570 Windeck, Telefon (02243) 2999, Fax (02243) 844199. Geschäftsstelle: Eva Lüders, Telefon/Fax (04342) 5335, Kührenerstraße 1 b, 24211 Preetz, E-Mail: Eva.lueders@arcor.de.

Das Jahr 2014 neigt sich dem Ende zu. Nicht alles lief wie gewollt und reibungslos ab. Wie könnten wir aber die Errungenschaften und Freuden des Alltags richtig einschätzen und einordnen, wenn nicht auch Kummer und Sorgen als Wegbegleiter stets präsent wären?

Wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich die wundervolle Herbstfärbung der Laubbäume, die sich auch im Wasser des nahen Fischteiches wiederspiegelt. Sie erinnert an das Werden und Vergehen und an die verhältnismäßig kurze Zeit, die es uns vergönnt ist auf dieser Erde zu leben, um unsere Pflicht zu erfüllen; ein Jeder nach seinem Können, nach seinen Neigungen.

Das Wissen um eine Vielzahl der Menschen, die sich mehr aus dem Fenster hinauslehnen können um für andere da zu sein, wenn die ehrenamtliche Tätigkeit, die Arbeit für die Gemeinschaft gefragt, wo es gilt zu helfen wo Hilfe notwendig ist, verpflichtet uns nicht zu versäumen Danke zu sagen. Danke für den Einsatz, für die Kraft die sie auch im vergangenen Jahr wieder aufgebracht haben um Verantwortung zu übernehmen. Dieser selbstlose Einsatz kann nicht immer von Erfolg gekrönt sein. Unvorhergesehenes kann eintreten und vieles wieder zerstören. Was einmal glänzte entschwindet in der Dunkelheit, ist abgetaucht und verbraucht.

Frieda Jung, eine ostpreußische Heimatdichterin (geboren 1865 in Kiaulkehmen, gestorben 1929 in Insterburg) hat im Gedicht „Trost“ wundervoll zum Ausdruck gebracht, was zu tun ist, wenn es nicht mehr so richtig läuft, wenn man an Grenzen gestoßen ist. Sich zu erinnern an das was sie einst in im ostpreußischen Platt, zu Papier brachte, wäre dann für jeden, nicht nur Ehrenamtlichen, sehr hilfreich. Diese Worte von ihr waren für mich die (weltliche) Losung des vergangenen Jahres: „Nömm di’t nich enne Kopp, min Kind! / nömm di’t nich so to Herze! / Dat es nu enne Welt moal so / E Wielke sen wi Mönsche froh / Doa pust ut Truerland de Wind / On bringt geschwind / Ons heete Troane met on bött‘re Schmerze / Nömm dat nich enne Kopp, min Kind / Loat man dat Wäder tose! / Kick, enne / Welt, doa es dat so / E Wielke geiht dat trurig to / Doa kömmt ut Freidland her de Wind / On bringt geschwind / Ons Lache met on rode Rose.”

Für das restliche Jahr möge diese Erkenntnis allen, die meine Grüße Lesen, Trost und Kraft geben; nicht nur für das Vergangene – Vergangenheit ist nie vergangen, – sondern auch für das Zukünftige, für weitere Aufgaben bereit und da zu sein. Albrecht Dyck, Ehrenvorsitzender der Kreisgemeinschaft


Weihnachtsgewinnspiel
Überraschen Sie Ihre Liebsten mit einem Kurzabo der PAZ und gewinnen Sie eine Reise

Alle Jahre wieder kommt Weihnachten urplötzlich! Doch was soll man den Lieben schenken? Wieder Socken oder doch etwa eine Krawatte? Brauchen Sie eine schöne Idee, damit Sie der Bescherung am Heiligabend entspannt entgegensehen können? Wie wäre es, wenn Sie etwas schenken, worüber sich derjenige nicht nur am 24. Dezember, sondern jeden Sonnabend erfreut und das drei Monate lang? Wie wäre es mit einem Kurzabo der PAZ? Sie verschenken drei Monate Lesespaß und mit ein bisschen Glück werden Sie selbst dafür belohnt!

Machen Sie bei unserem Weihnachtsgewinnspiel mit. Sie können dabei eine dreitägige Wellness-Reise in einem Viersterne Hotel im Schwarzwald gewinnen. Neben diesem tollen Hauptgewinn verlosen wir auch schöne Ostpreußen-Kalender und interessante Bücher. Was sie dafür machen müssen? Ihren Liebsten eine Freude, indem Sie ihnen die PAZ schenken. Drei Monate lang spannende Artikel über die Themen, die Deutschland und Ostpreußen bewegen. Bei uns wird es nie langweilig, denn wir berichten kritisch und unabhängig. Daher ist ein PAZ-Abo immer ein Gewinn und ein tolles Geschenk für ihre Freunde und Familie.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme! Sie können sowohl den unten angegebenen Coupon ausgefüllt an uns schicken, oder telefonisch unter (040) 41400842 beziehungsweise per E-Mail unter vertrieb@preussische-allgemeine.de (Stichwort: Weihnachtsgewinnspiel) mitmachen. Viel Glück!

Ihre PAZ-Redaktion


S. 20 Heimatarbeit

»Eine der schönsten Heimatstuben«
Von der Bernstein-Kostbarkeit bis zum Alltags-Werkszeug: Tausenderlei Dinge haben die Pillkaller zusammengetragen

„In der Fremde erfährt man erst, was die Heimat Wert ist“, hat der ostpreußische Schriftsteller Ernst Wiechert gesagt. Wer die unendlich liebevoll hergerichteten Heimatstuben der Ostpreußen besichtigt, weiß wie kostbar sie in der Tat ist. In loser Folge stellt die PAZ die Stuben vor. Diesmal berichten Barbara Löffke und Christian-Jörg Heidenreich von der Kreisgemeinschaft Schlossberg/ Pillkallen über ihre Heimatstube im niedersächsischen Winsen.

Nicht nur das wohl originellste Getränk Ostpreußens, der Pillkaller, hat den östlichen Kreis Deutschlands berühmt gemacht. Da ist noch viel mehr: Der Kreis Schloßberg, viel bekannter unter dem bis 1938 geführten Namen „Pillkallen“, darf sich nicht nur seines derb-herzlichen Humors rühmen. Das, was sich weit über Ostpreußen hinaus mit dem Begriff „Pillkallen“ in der Vorstellung verbindet, ist auch ein Ausfluss des starken, unverfälscht gebliebenen Salzburger Einschlages: das patriarchalische Lebensgefühl und die enge Verbundenheit zwischen den Kreisbewohnern.

Diese Einmaligkeit, diese Eigentümlichkeit empfängt auch heute jeden, der die Schloßberger/Pillkaller-Heimatstube betritt. Er wird aber auch sofort daran erinnert, welche Funktion Pillkallen in den vergangenen Jahrhunderten aufgrund seiner exponierten geografischen Lage zu erfüllen hatte.

Den Mittelpunkt der Heimatstube und zugleich den Blickfang für jeden Besucher bildet eine zwei Mal zwei Meter große Reliefkarte unseres Kreises. Auf ihr sind nicht nur unsere Kreisstadt und die Kirchspiele eingezeichnet, sondern zum Beispiel auch die bekanntesten Landstraßen, Flüsse und Waldgebiete. Der Beschauer findet gleichzeitig Hinweise auf einige örtliche Schwerpunkte in der Pferde- und Viehzucht, aber auch besondere historische Ereignisse.

Ergänzt ist diese Darstellung durch Geschichtstafeln, die die Geschichte des Kreises und der Kreisstadt Schloßberg sowie der Stadt Schirwindt eindrucksvoll wiedergeben. Das Relief war der Anfang unserer Heimatstube, als sie 1974 in Räumen der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Winsen (Luhe) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Heute schwelgen unsere Pillkaller Landsleute in Erinnerungen, wenn sie in die Heimatstube kommen; denn vieles von dem, was sie seit der Vertreibung als kostbares Gut im Herzen tragen, finden sie dort wieder. Der in den 30er Jahren nach Schloßberg zugereiste Verleger Böttcher sammelte mit großer Liebe und Ausdauer Fotomaterial über seine dortige Wahlheimat und fügte sie in einem Bildband, in Leder gebunden und mit der Elchschaufel aus Bernstein verziert, zusammen. Inzwischen fanden viele Fotos aus der Heimat den Weg in die Heimatstube, so dass es heute zahlreiche Darstellungen in Wort und Bild, von Viehzucht und Jagd, von Bauern- und Gutshäuser, von Gewerbe und Landwirtschaft und vielem anderen mehr gibt. Nicht vergessen wurde die Darstellung der Verdienste der preußischen Könige, insbesondere des Soldatenkönigs, der im Jahre 1724 Pillkallen zur Stadt erhoben hatte.

Natürlich gibt es auch Erinnerungsstücke, die von unseren Landsleuten im Laufe der Jahre der Heimatstube überlassen wurden. Was könnte das Eindrucks-

vollste sein? Vielleicht ein Teller, der anlässlich der Ostpreußenhilfe von Bremen für Schirwindt im Jahre 1915 erstellt wurde, oder die Obermeisterkette der Fleischerinnung von 1932 oder die Bernsteinreliefs von Pillkallen und Ostpreußen.

Es könnten aber auch die unzähligen Beweise des Wirkens der ostpreußischen Frauen sein, die aus manchen Wäschetruhe gerettet wurden, oder sind es am Ende doch die wenigen Handvoll Heimaterde, die jeden Besucher die Tränen in die Augen treiben? Fast überflüssig zu erwähnen, dass in der Heimatstube auch die militärische Tradition gepflegt wird; denn jeder Krieg, jede Auseinandersetzung mit den seit jeher aus dem Osten nach Westen und Norden drängenden Slawen hinließ im Kreis Pillkallen jedes Mal furchtbare Spuren.

Bei den jährlich in Winsen (Luhe) stattfindenden Kreistreffen übergeben uns die Landsleute weitere kostbare Erinnerungsstücke und so wächst die Heimatstube immer mehr zu einem „Pillkaller Museum“ heran.

So gäbe es noch über viel mehr aus unserer Heimatstube zu berichten, über ihr Konzept und ihren systematischen Ausbau. Vor allem aber ist dies als nachahmenswertes Beispiel hervorzuheben: Unsere Heimatstube lebt nicht nur davon, dass sie zum „Wallfahrtsort“ für viele Pillkaller wurde! Sie bildet auch den stimmungsvollen Rahmen für Veranstaltungen von Ostpreußen und Vertriebenen sowie der einheimischen Gruppen. Regelmäßig treffen sich hier natürlich auch der Vorstand und die Ausschüsse der Kreisgemeinschaft Schlossberg /Pillkallen; denn hier atmet man Heimatluft und ist zusammen im Bewusstsein, für Ostpreußen zu wirken.

Wenn wir Pillkaller heute zu Recht stolz auf unsere Heimatstube sind, so haben wir das nicht nur unseren Landsleuten zu danken, die uns viele Erinnerungsstücke übergaben und unser Vorhaben bis heute finanziell unterstützen, sondern auch unserem Patenlandkreis Harburg. Als sich abzeichnete, vom Landkreis Harburg für eine Heimatstube geeignete Räume zur Verfügung gestellt zu bekommen, wurde unterstützt von Forstmeister Hans-Ludwig Loeffke (siehe auch Seite 11) ein Konzept entwickelt, das dem damaligen Oberkreisdirektor Andreas Dehn mit der Bitte um finanzielle Unterstützung vorgelegt wurde, weil eine repräsentative Ausgestaltung der in Aussicht gestellten Räume die finanziellen Möglichkeiten unsere Kreisgemeinschaft bei weitem überstieg. Dehn stimmte zu: „Verwirklichen Sie Ihre Ideen, wir helfen Ihnen!“ Und so geschah es.

Bis heute finden wir bei unserem Patenkreis großes Verständnis für unsere Anliegen. So können wir mit Stolz sagen, dass wir sicherlich eine der schönsten und eindrucksvollsten ostpreußischen Heimatstuben haben.

Die Heimatstube befindet sich in der Rote-Kreuz-Str. 6 in 21423 Winsen (Luhe). Für Besichtigungen ist eine Voranmeldung notwendig. Ansprechpartnerin ist Renate Wiese, die außer am Dienstag an den Werktagen vormittags unter Telefon (04171) 2400 zu erreichen ist.


S. 21 Lebensstil

Wandern mit Herz und Feuer
»Lebensfeuer« heißt ein ausgefeiltes Gesundheitskonzept, mit dem das Kleinwalsertal wanderlustige Urlauber lockt

Ein Wanderurlaub lohnt im Kleinwalsertal sommers wie winters. Zumal die österreichische Ur­laubsregion nicht nur ein be­sonders „städterfreundliches“ Kennzeichnungssystem ihrer Wanderwege bietet, sondern auch eine medizinische Diagnosemethode, mit der sich das Wohlbefinden entscheidend steigern lassen.

Blau, Rot, Schwarz für leicht, mittelschwierig, schwer war ge­stern. Im Kleinwalsertal sind acht Wanderwege braun, orange und grün markiert. Sie stehen für regenerierend, aktivierend und ausgleichend. Ein Farbsystem, das in derselben Abstufung auch auf Strecken für Nordic Walker und Jogger übertragen wurde und im Winter für Langläufer gilt.

Das neue Beschilderungssystem trägt den Namen „Walser Om­gang“. Es durchzieht das gesamte 96,8 Quadratkilometer große Tal samt Nebentälern und versteht sich als Bewegungs- und Vitalprogramm zur Verbesserung von Lebensqualität, Gesundheit und Vitalität.

„Früher haben fleißige aktive Bergführer die Wanderwege eingeteilt“, erklärt Heike Wohlgenannt vom Hotel Sonnenburg in Schwende. „Sie marschierten los, um die Touren in leicht, mittelschwierig oder schwer zu klassifizieren – inklusive Zeitvorgaben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Wanderer immer nach diesen Zeiten richteten. Oft ein schwieriges Unterfangen. Denn die Zeitvorgaben waren für das Bergvolk normal, aber für jemanden, der vielleicht aus der Stadt kam, sehr anspruchsvoll. Die Folge war, dass die Urlauber nervös wurden und sich fragten, ob sie überhaupt noch richtig seien.“

Zumal das Kleinwalsertal ein Hochtal ist. Die Hauptorte Rietzlern (1086), Hirschegg (1122) und Mit­telberg (1215) liegen auf über 1000 Metern Höhe. Der Flachländer ist daher selbst in Tallage mehr gefordert als zu Hause.

Beim Walser Omgang sind die Zeitvorgaben jetzt viel großzügiger berechnet und ihr Schwierigkeitsgrad auf das Befinden des Wanderers abgestimmt. Denn hier geht es nicht darum, wie schnell man etwas „ab­rennt“, um von „A“ nach „B“ zu kommen, und wie hoch man es schafft, sondern wie be­wusst man etwas abläuft und dabei außerdem noch Zeit hat, die Natur zu genießen. Ziel der Wanderrouten ist es, in seinem natürlichen Rhythmus das innere Gleichgewicht und die beste Erholung im Urlaub zu finden.

Man darf also mit gutem Gewissen einen Gang zurückschalten, das Höhenniveau halten, seinen Blick über die Gipfel schweifen lassen oder die Wasserfälle, die ins Tal stürzen, über die Almwiesen und die Kräuter am We­ges­rand. Das tut richtig gut! Wichtig ist nur, wissen Experten, seinen Rhythmus beizubehalten, ge­nug zu trinken, zwischendurch tief durchzuatmen. Dann kann man meilenweit gehen.

Damit gibt das Kleinwalsertal eine neue Antwort auf die Wünsche vieler Österreich-Ur­lauber, für die unter allen Ur­laubsaktivitäten das Wandern mit 72 Prozent die absolute Lieblingsbeschäftigung ist. 66 Prozent wollen dabei entspannen, keinen Stress haben, 58 Prozent frische Kraft sammeln, 57 Prozent die Natur erleben, 40 Prozent etwas für die Gesundheit tun.

Wer sich nicht auf die Selbsteinschätzung verlassen will, kann durch eine sogenannte Lebensfeuer-Messung herausfinden lassen, welchen Im­puls sein Körper braucht. Entwickelt wurde sie vom Wiener Mediziner Alfred Lohninger. Sie beruht auf der Messung der Herzratenvariabilität (HRV), dem Abstand zwischen den Herzschlägen. Visualisiert man die Messwerte, die während eines Tages aufgezeichnet werden, ergibt sich eine individuelle Grafik, bei der Flammen hoch auflodern oder nur leicht glimmen – ein Abbild des derzeitigen Wohlbefindens. Es zeigt an, was der Körper braucht: Regeneration, um sich zu erholen und zu entspannen, Aktivierung, um den Körper anzuregen, oder Balance, also eine Mischung aus beidem.

Selbstbewusst nennt sich das Kleinwalsertal die „1. Lebensfeuer-Region der Welt“. „Um ein solches Projekt zu realisieren“, so Elmar Müller vom Kleinwalsertal Tourismus, „braucht man entsprechende Partner und das nötige Gelände. Das Kleinwalsertal bietet sich mit seinen drei zugänglichen Höhenlagen einfach perfekt an.“

Bucht man das ganze Paket, be­ginnt die Vorbereitung auf den Urlaub zu Hause. Per Post erhält der Gast ein Päckchen mit einem Mini-EKG. Das winzige Messgerät ist kleiner als eine Streichholzschachtel und federleicht. Mit nur zwei Klebeelektroden befestigt man es am Brustkorb und dann geht es schon los. Im Gegensatz zu einem Langzeit-EKG bemerkt man das Messgerät kaum. Daher kann man damit ungehindert schlafen und so­gar Sport treiben.

Parallel dazu führt man Protokoll über seine Aktivitäten wie Sport, Autofahren, PC, geistige Tätigkeit, manuelle Arbeit, TV, Essen und Trinken oder Schlaf, um diese den Werten später zuzuordnen. Nach erfolgter Messung wird alles an den Absender zurückgeschickt und mit etwas Glück liegt die Auswertung beim Eintreffen am Urlaubsort vor. Lässt man sich erst vor Ort messen, verzögert sich die Auswertung entsprechend.

Das Herz reagiert ununterbrochen auf äußere und in­nere Signale mit fein abgestimmten Veränderungen, sogenannten Variationen, der Herzschlagfolge. Dieses Phänomen nennt man Herzratenvariabilität, abgekürzt HRV. Das Le­bensfeuer misst die HRV über 24 Stunden. Im Ge­gensatz zum EKG liegt dabei das Augenmerk nicht auf dem Herzschlag, sondern auf allem, was zwischen den einzelnen Herzschlägen passiert. Und das sind in 24 Stunden rund 100000. Diese riesige Datenmenge wird durch ein spezielles Computerprogramm von der Wiener Gesundheitsbildungs-GmbH ausgewertet und in einer flammenähnlichen Darstellung visualisiert, daher der Name.

Entwickelt wurde diese Art der Messung für den Leistungssport, denn man hat festgestellt, dass Sportler trotz enormen Trainings am Wettkampftag die Leistung nicht abrufen konnten und sich gefragt haben warum. Die Messungen ergaben, dass die Vorbereitung falsch terminiert war. Man soll trainieren, wenn man voll leistungsstark ist, und nicht, wenn die Leistungskurve ab­fällt. Anhand der Messungen hat man die Trainingszeiten verändert. Danach zeigten die Sportler viel bessere Leistungen.

Diese Erkenntnisse lassen sich auf den Urlaub, aber auch auf den Alltag übertragen. Ein dichtes, in der Basis starkes und hoch flammendes Lebensfeuer weist auf Gesundheit hin. Der Organismus bleibt, trotz innerer und äußerer Belastungen, in seinem eigenen, gesunden Rhythmus. Obwohl die­se etwas andere Art des EKG nur für gesunde Menschen geeignet ist, ohne Herzrhythmusstörungen zum Beispiel, wird kaum einer auf ein Idealbild blicken. Hier setzt der Therapeut ein, der dieses analysiert und es mit dem Gemessenen bespricht. Zwölf Lebensfeuer-Trainer gibt es im Kleinwalsertal.

Natürlich sind sie auch im Winter aktiv. Wanderstrecken stehen in der „weißen“ Jahreszeit ebenfalls ausreichend zur Verfügung. Tourismus-Experte Müller betont: „Unser Tal ist recht schneesicher. Selbst letzten Winter hatten wir keinen Mangel. Für Winterwanderer halten wir immer 50 Kilometer Wege frei.“ Helga Schnehagen


Advent, Advent − es glimmt!
Rauchpapier und Räucherkegel lassen sich leicht selbst herstellen

Armenisches Papier ist weltberühmt. Man reißt einen Streifen davon aus einem Büchlein, knickt ihn und brennt ihn in einem Aschenbecher ab. Schon duftet der ganze Raum wie ein Boudoir im Paris der Belle Epoque. Auch Räucherkegel haben eine lange Tradition, ursprünglich verwendete man sie für medizinische Zwecke.

Beides kann man selbst herstellen, spart dabei Geld und kann sich den Duft nach eigenem Geschmack komponieren. Dabei steht man in einer uralten Tradition: Das Verräuchern von Duftölen und -harzen kennt man schon seit den Anfangstagen der Menschheit. Nichts kann so schnell die Atmosphäre und damit auch die Stimmung verändern.

Düfte öffnen die Sinne. Und man kann viel über seine Persönlichkeit mitteilen, wenn man andere Menschen an den Düften teilhaben lässt, die einen selbst bewegen. Am praktischsten geht dies mit der Herstellung von Räucherkegeln oder Räucherpapier. Fangen wir mit dem Papier an, weil es schneller zu machen ist:

Als Trägermaterial wählt man ein saugfähiges Löschpapier, das ohne Eigengeruch verglimmt. Zunächst gilt es, die Duftöle daraufzubringen. Die meisten davon lassen sich gut in Alkohol lösen. Wir können dafür das billigere Isopropanol aus der Apotheke verwenden. Die gewünschten Harze werden dünn verpulvert und mit den ätherischen Ölen in dem Alkohol gelöst. Ist dies geschehen, wird das Rauchpapier mehrmals in diese Lösung getaucht und im Freien zum Trock­nen aufgehängt. Damit nun das Papier gut glüht, wird das ge­trock­nete Blatt einmal in Salpeterlösung (20 Prozent) getaucht und wieder zum Trocknen aufgehängt. Zuletzt wird es in handliche Streifen zerschnitten. Beim Abbrennen soll keine Flamme brennen, das Papier darf nur glühen.

Räucherkegel funktionieren ganz ähnlich, nur ist ihr Grundstoff nicht Papier, sondern fein zermahlene Holzkohle. Diese wird mit den aromatischen Zutaten vermischt, soll aber mengenmäßig immer die anderen Stoffe übertreffen. Hier können auch zermahlene Hölzer und Beeren hinzugegeben werden. Damit die Mischung schön raucht, kommt noch eine Messerspitze Puderzucker dazu, und damit dies gleichmäßig erfolgt, ebenfalls wieder eine kleine Menge Salpeter, diesmal aber als Pulver. Dessen Anteil sollte unter zehn Prozent liegen. Als Verbindungsstoff dient Tragant oder Gummi arabicum. Auch Tapetenkleister geht gut. Man kann ihn aus feinem Mehl oder Mondamin leicht selbst herstellen. Wir brauchen nur eine kleine Menge davon. Die Zutaten werden mit dem Klebstoff gut verknetet. Aus diesem Teig formt man kleine Kegel, die für eine Woche zum Trocknen beiseitegestellt werden.

Die Verwendung dieser Räuchermittel sollte man zunächst auf einer feuerfesten Unterlage erproben. Hat man zu viel Salpeter verwendet oder ihn nicht richtig untergemischt, können die Kegel schnell wegzischen, was normalerweise nicht erwünscht ist. Bei einer ausgewogenen Zusammenstellung glimmt der Kegel allmählich und ruhig weg, wobei er die enthaltenen Düfte freisetzt. Auch Räucherpapier soll ganz gemächlich verglimmen. Alexander Glück


Kunst auf Porzellan
Ausstellung zum 300. Geburtstag von Friedrich von Löwenfinck

Adam Friedrich von Löwenfinck (1714–1754) hätte der große Star der Porzellan-Manufaktur Meissen werden können, denn schon im Alter von nur 18 Jahren zeichnete sich der Sohn eines invaliden sächsischen Korporals durch phantasievolle Kreationen im damals so beliebten chinesischen und japanischen Stil aus. Deshalb durfte er auch an der Bemalung des ersten großen Tafelservices für den prunksüchtigen Kurfürsten August den Starken mitwirken. Andererseits freilich versuchte Löwenfincks Vorgesetzter, der eifersüchtige, weil künstlerisch ausgebrannte Hofmaler Johann Gregorius Höroldt (1696–1775), das Nachwuchstalent einzuengen, wo es nur ging. Dazu kamen die miserablen Arbeitsbedingungen und die ungerechte Bezahlung in Meissen. Dies alles bewog Löwenfinck, sich im Oktober 1736 nach Bayreuth abzusetzen, wobei er Farben und Kupferstiche von Mustern mitgehen ließ. Allerdings hatte der Flüchtige keine Kenntnis des Arkanums und konnte somit auch nicht das Geheimnis der Porzellanherstellung in Meissen verraten.

Trotzdem freilich setzte die Manufakturkommission Himmel und Hölle in Bewegung, bis sie erreichte, dass der Markgraf von Bayreuth, wo Löwenfinck in der Fayence-Manufaktur des Johann Georg Knöller (1678–1739) untergekommen war, einer Auslieferung zustimmte. Doch bevor der sächsische Landvogt Wurlitzer mit dem Haftbefehl eintraf, entkam der Delinquent durch einen blitzartigen Wechsel nach Ansbach. Danach wirkte Löwenfinck auch noch in den dortigen Werkstätten sowie in Potsdam, Fulda und Chantilly, wodurch es zu einem sukzessiven Transfer der berühmten Meissner Dekore in verschiedene Regionen Deutschlands und Frankreichs kam.

Im Jahre 1746 wiederum tat sich der Künstler dann mit dem Frankfurter Kaufmann Johann Christoph Göltz zusammen und gründete eine eigene Fayence-Manufaktur in Höchst. Jedoch erwies sich die Herstellung der glasierten und bemalten Keramik dort als nicht so profitabel wie erhofft, weil Löwenfinck eine ausgeprägte Vetternwirtschaft betrieb und ihm zudem das Geld durch die Finger rann. Deshalb kündigte Göltz schließlich den Teilhabervertrag, woraufhin Löwenfinck seinem Bruder Christian Wilhelm nach Straßburg folgte. Dort avancierte er 1750 zum Direktor der Porzellan-Manufaktur des Paul Anton Hannong (1700–1760) im Ortsteil Hagenau. Diesen Posten hatte der Maler dann bis zum November 1754 inne, in dem er mit nur 40 Jahren starb.

Ungeachtet seiner kurzen Lebensspanne gilt Löwenfinck heute als der stilprägende Keramik- und Porzellanmaler des 18. Jahrhunderts. Deshalb zeigt die Porzellansammlung im Dresdner Zwinger zu seinem 300. Geburtstag eine Sonderausstellung mit dem Titel „Phantastische Welten“, welche noch bis zum 22. Februar 2015 zu sehen sein wird. Ziel der Exposition ist dabei vor allem, die ständigen Brüche im Werdegang des Künstlers anhand von 100 typischen Werken nachzuzeichnen, wobei sich unter diesen auch zahlreiche Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen in New York, Amsterdam, Mannheim, München, Hamburg und Lübeck befinden. Wolfgang Kaufmann


S. 22 Neue Bücher

Kants ulkige Einfälle
Gesammelte Aphorismen

Einer der größten Aphoristiker unserer Zeit ist – ja, richtig: Karl Lagerfeld. Der Modezar erfreut regelmäßig mit scharfzüngigen Bonmots wie diesem, den er in einer ZDF-Talkshow von sich gab: „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Wenigstens in Modefragen erweist er sich als Existenzialist, dem philosophisch kaum einer das Wasser reichen kann. Bis auf Immanuel Kant. Denn in der im Göttinger Steidl-Verlag seit vier Jahren erscheinenden Buchreihe L.S.D. – das Kürzel steht für „Lagerfeld, Steidl, Druckerei“ –, dessen Programmchef der Vielleser Lagerfeld nebenbei ist, kam jetzt mit „Köche ohne Zunge“ ein Band mit Aphorismen des Königsberger Philosophen heraus.

Kant ein Aphoristiker? Das ist selbst für eingefleischte Kant-Experten neu. Anders als dessen Zeitgenossen wie Lichtenberg mit seinen „Sudelbüchern“ oder Goethe mit seinen „Maximen und Reflexionen“ ist von Kant nie ein Sprüche-Band erschienen. Andererseits: Sind nicht alle großen Philosophen Aphoristiker? Schopenhauer hat mit „Parerga und Paralipomena“ gleich zwei Spruchbände herausgebracht, Fast das gesamte Werk Nietzsches hat aphoristischen Charakter wie auch Adornos Miniaturen in „Minima Moralia“. Und sind nicht auch die drei großen Kant-„Kritiken“ für viele gerade deshalb schwere Brocken, weil sie einem wie eine einzige Ansammlung aphoristisch anmutender Sentenzen vorkommen?

Das ist alles nur Ansichtssache. Jedenfalls hat der Herausgeber Jens Kulenkampff aus dem vor über 100 Jahren von der Preußischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen „Handschriftlichen Nachlass“ Kants ein Brevier erstellt, das ulkige Einfälle, Merksätze, Apercus oder nur lose hingekritzelte Notizen des ostpreußischen Philosophen enthält. Gedankenschwere philosophische Grundsätze sind dabei eher rar gesät. Kants „kategorischen Imperativ“ versteht man eigentlich am besten, wenn man diese kurze, von ihm aber nie veröffentlichte Variante liest: „Lebe so, dass deine Handlungen auch aus dem Gesichtspunkte anderer gut scheinen.“

Dem schmalen Brevier ist es sehr um Verständlichkeit gelegen. Alltägliche Beobachtungen wie die ironische Selbsterkenntnis „Mit dem Alter nimmt Urteilskraft zu und Genie ab“ kann man sich wie einen Merkzettel an die Wand heften. Manchmal scheint es, als hätte Kant die besten Einfälle gehabt, als er zu Tisch saß: „Gesunder Verstand ist wie Rindfleisch und Schöpsenfleisch ein Gericht für Bürger und Bauern et cetera, et cetera.“

Dazu muss man sich nur noch den Senf denken, mit dem Kant täglich seine Speisen würzte – und fertig ist ein tischfertiges Gericht für jeden Kant-Freund. Auch wenn der Band nicht als Einstieg in die Kantsche Philosophie gedacht ist, macht hier das Denken mit dem Königsberger Meisterdenker richtig Spaß.

Der Band selbst ist – wie in der L.S.D.-Reihe üblicher Standard – in ästhetisch hochwertiger Leinen-Aufmachung mit Leseband und einer kolorierten Kant-Karikatur als Titelbild erschienen. Dass kleine Äußerlichkeiten nicht zu verachten sind, meinte ja schon der große Aphoristiker Kant: „Man muss mehr den bon sens als Gelehrsamkeit zeigen“ oder wie der große Philosoph Lagerfeld von sich sagt: „Ich bin mehr Strass als Stress.“

Harald Tews

Immanuel Kant: „Köche ohne Zunge“, L.S.D, im Steidl Verlag, Göttingen, gebunden, 104 Seiten, 14,80 Euro


Verfluchtes Gewerbe
Ein Kölner Historiker über den Kampf gegen das Piratentum

Berühmt-berüchtigt sind die legendären Piraten und Freibeuter der Karibik, die im 17. Jahrhundert aus die spanischen Gold- und Silberflotten überfielen. Als „Gentleman“ unter den Seeräubern galt der Portugiese Bartholomew Roberts (1682 – 1722) wegen seiner Vorliebe für elegante Kleidung. Während die Nachwelt dem Engländer Henry Morgan (1635 – 1688), der 1671 von Land aus Panama-Stadt eroberte, den zweifelhaften Ehrentitel „König der Freibeuter“ verlieh.

Diese und alle anderen Seeräuber, die vorher und nachher, auf eigene Faust oder im Auftrag von Königen, Feldherrn und Gouverneuren Handelsschiffe angriffen, um deren Ladungen zu erbeuten, waren aber nicht nur Jäger, sondern auch Gejagte. In seinem packenden und bedauerlicherweise hochaktuellen Buch „Operation Piratenjagd“ erzählt der Kölner Historiker und Drehbuchautor Alain Felkel (geboren 1965) von der Herkulesaufgabe der Piratenjäger, die es auf sich nahmen, den „Wölfen der Meere“ in erbitterten Strafexpeditionen nachzustellen.

Oft versuchten sie es auch mit List und Diplomatie, um sie in die Falle zu locken – mehr oder weniger erfolgreich: Jedenfalls zermürbte die schier unausrottbare Seeräuberplage viele der Verantwortlichen. Nicht umsonst bemühte Sir Thomas Lynch, Gouverneur der Seeräuberhochburg Jamaica, 1672 den Vergleich „des verfluchten Gewerbes“ mit „Unkraut“ und „Hydraköpfen“, die dem Ungeheuer aus der griechischen Mythologie zweifach nachwuchsen, sobald der Held Herakles einen davon abgehauen hatte.

Die lebhafte, lineare Schilderung des Autors, der häufig aus alten Chroniken und anderen Originalquellen zitiert, erhöht die Faszination der Lektüre. Dabei gilt es festzustellen: So scheußlich die Verbrechen der Korsaren, Barbaresken, Bukanier, Flibuster, Vitalienbruder und Likedeeler auch waren, so drastisch und abstoßend nahmen sich die Racheakte ihrer Verfolger aus. Nicht umsonst wurden die Gewalttaten der „Schrecken der Meere“ und ihrer Verfolger vielfach literarisch behandelt und verfilmt, wobei man die Vorkommnisse gern im Sinne von Abenteuergeschichten verharmlost hat.

Felkels Sicht ist hingegen die des Historikers, der nicht beschönigt oder übertreibt. Die vorliegenden Fakten vergleicht er mit Volkslegenden und Mythen und kommt mitunter zu überraschenden Schlussfolgerungen. Seine Vorgehensweise ist chronologisch. Neben bekannten Fällen wurden auch weniger bekannte, aber nicht minder spektakuläre Aktionen gegen die „Schaumritter“ und ihre Schlupfwinkel in die Darstellung aufgenommen – zum Beispiel die Strafaktion von Prinz Adalbert von Preußen bei Tres Fortas an Marokkos Küste im August 1856.

Der Begriff Pirat (vom griechischem peiratés für Angreifer) wurde im dritten vorchristlichen Jahrhundert gebräuchlich, nachdem sich die Rechtsauffassung durchgesetzt hatte, dass Piraterie generell ein Verbrechen ist. Recht und Unrecht waren allerdings oft kaum voneinander zu unterscheiden: Die Piraten nutzten meist kriegerische Wirren aus, um unerkannt ihre Verbrechen als Trittbrettfahrer der zahllosen Seekrieger zu begehen. Als angeheuerte Kaperfahrer und Bündnispartner von Klein- oder Großtyrannen überfielen sie Küstenorte verfeindeter Staaten, brachten Schiffe auf und begingen Menschenraub, um Lösegeld zu erpressen. Ohne Auftrag taten sie ebendasselbe. Dementsprechend rechtfertigte sich laut legendärer Überlieferung ein Pirat gegenüber Alexander dem Großen: „Freilich, weil ich mit einem kleinen Fahrzeug das Meer unsicher mache, heiße ich Räuber. Du tust’s mit einer großen Flotte und heißt Imperator.“

Zum Schluss wendet sich Felkel der seit Anfang der 1980er Jahre wieder aufgelebten Piraterie auf den Meeren der Südhalbkugel zu. Die Piratenbekämpfung, erläutert er, findet gegenwärtig im Dickicht von Korruption und organisiertem Verbrechen statt. Daher sei den Tätern meist nur mit passiven Abwehrmaßnahmen beizukommen.

Dagmar Jestrzemski

Alain Felkel: „Operation Piratenjagd. Von der Antike bis zur Gegenwart“, Osburg Verlag, Hamburg 2014, gebunden, 408 Seiten, 24,99 Euro


Schönsein zur Selbsterhaltung
Weiblichkeit in Gefahr und Gefangenschaft – 23 persönliche Berichte

Es scheint zunächst wenig verständlich, dass Frauen, die sich in lebensbedrohlichen Situationen befinden, dennoch Wert auf ihr Äußeres legen. Doch gerade diese Einstellung stärkt ihren Überlebenswillen und verleiht ihnen neue Kräfte. Es ist wohl Teil der weiblichen Überlebensstrategie, dem Feind nicht als graue Maus begegnen zu wollen.

Die Neuerscheinung „Ein Hauch von Lippenstift für die Würde. Weiblichkeit in Zeiten großer Not“ bestätigt dieses Phänomen anhand zahlreicher Beispiele. Da erzählt Nobelpreisträgerin Herta Müller von ihren im Rumänien Ceausescus erlittenen Schikanen, die sie nur adrett ausstaffiert hatte überstehen können oder Edda Schönherz von ihren Erniedrigungen durch die Stasi. Auch die DDR-TV-Moderatorin legte Wert auf ansehnliche Kleidung. Viele weitere Erfahrungsberichte aus zahlreichen Ländern bestätigen die Tatsache, dass aller Armut und existenziellen Not zum Trotz das Bedürfnis nach äußerlicher Attraktivität die Frauen in Krisensituationen bedrängte.

Die 43 Jahre alte Autorin Henriette Schröder befragte 23 Frauen, und obwohl diese unterschiedlichen Nationen angehören, gibt es in ihren Erinnerungen und ihrer Einstellung erstaunliche Übereinstimmungen, sei es bei den Überlebenden im eingekesselten Sarajevo oder ihren Geschlechtsgenossinnen im Kosovo, die sich über jede Boutique freuten, die nach dem Krieg eröffnet wurde. Für manchen Leser erschließt die Lektüre des in vielerlei Hinsicht aufschlussreichen Bandes ganz neue Erkenntnisse. Die hier zusammengetragenen Erfahrungen gleichen den Berichten der um Jahrzehnte älteren Frauen, die in den Konzentrationslagern der NS-Zeit oder auch im russischen Gulag inhaftiert waren, und der Leser erkennt, dass sich an der weiblichen Einstellung gegenüber der Pflege des eigenen Körpers im Laufe der Zeiten wenig geändert hat.

Es geht in diesem historisch wie psychologisch hochinteressanten Buch demnach um eine besondere Variante des Selbsterhaltungstriebs, der vielleicht geschlechtsspezifisch ist, denn selbst wenn die existenzielle Situation unerträglich und lebensbedrohend erschien, war den oftmals auch inhaftierten Frauen ihr Äußeres keineswegs gleichgültig. Das beweisen viele Beispiele aus Grosny, aus Russland oder der DDR, aus China, dem Iran oder Bukarest. Lebensverachtende Praktiken gegenüber weiblichen Häftlingen waren in all diesen Ländern üblich und sind es – man denke nur an den Iran oder China – teilweise noch heute.

Frauen vegetierten in der Verbannung, wurden gedemütigt und gequält, ganz gleich wie alt sie waren oder welcher Nationalität sie angehörten. Hunger, Not und drohender Tod hielten sie nicht davon ab, möglichst vorteilhaft aussehen zu wollen. Dass die Stasi in der Untersuchungsanstalt in Hohenschönhausen den Frauen Spiegel vorenthielt, auch wenn diese nur noch aus Splittern bestanden, spricht da eine deutliche Sprache. Heide Seele

Henriette Schroeder: „Ein Hauch von Lippenstift für die Würde. Weiblichkeit in Zeiten großer Not“, Elisabeth Sandmann Verlag, München 2014, geb., 304 Seiten, 24,95 Euro


Kontinent in der Balance der Mächte
Der Wiener Kongress brachte jahrzehntelangen Frieden – anders als viele nachfolgende Neuordnungsversuche

„Nur aus der höchsten Kraft der Gegenwart dürft ihr das Vergangene deuten“, hat Friedrich Nietzsche in seiner Schrift über „Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ gefordert.

Der habilitierte Historiker und ehemalige „FAZ“-Redakteur Eberhard Straub (64) dagegen kommt von der Vergangenheit des Wiener Kongresses ausgehend direkt auf die Gegenwart zu sprechen: „Der Friede, den die Welt nach 1945 genoss, bedeutete lediglich die Abwesenheit des Krieges.“ Das Buch über „Das große Fest und die Neuordnung Europas“, wie es im Untertitel heißt, zeigt den verhängnisvollen Wandel in der Außenpolitik. Den Ursprung des Geschehens resümiert das erste Kapitel „Die Französische Revolution gegen die Vernunft der Staaten“. Das letzte Kapitel ist überschrieben: „Der große Krieg und die Unfähigkeit zum Frieden“. Die Zeittafel im Anhang beginnt mit dem Bastille-Sturm 1789 und endet 1920 mit dem Vertrag von Trianon.

Als Ausdruck höchster Kraftlosigkeit wird die Pariser Konferenz nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Kongress von 1814/15 verglichen. Damals kam der Erdteil in einer Balance der Mächte für 100 Jahre zur Ruhe. Die Folgen des Bruchs von 1914 dagegen machen uns immer noch benommen. Alle Versuche ihn auszuheilen führen zu Fragestellungen, welche die Diplomaten bereits vor 200 Jahren beschäftigten. Für Straub sind sie keine rückschrittlichen Restauratoren. Metternichs Bewunderung für die Gestaltungskraft Napoleons wird hervorgehoben. Schließlich war es Napoleon, der 1799 die Revolution beendete. Der österreichische Staatskanzler hätte lieber einen maßvollen Imperator auf Frankreichs Thron gesehen, als die gescheiterten Bourbonen, in denen er die eigentliche Ursache der Revolution sah. In Wien wurde der überwundene Gegner als Ordnungskraft erhalten. Ein starkes Frankreich war für die Stabilität unentbehrlich. Zugleich sollte dessen Einfluss berechenbar bleiben. Den kleineren Siegern im antinapoleonischen Kampf wurde kaum Mitsprache gestattet. Damit wurde verhindert, dass sich Frankreich deren Gunst versichert und diese sich darum erkenntlich zeigen. Die spätere Phrase von der Selbstbestimmung der Völker ist das Gegenteil davon.

Die ausschlaggebende Bedeutung der preußischen Truppen für den Sieg über Napoleon wird angesprochen. Bismarck tritt später das Erbe von Metternichs maßvoller Diplomatie an. Die bornierte Interessenpolitik Englands steht im Gegensatz zu den weitsichtigen Ausgleichsbemühungen der Kontinentalmächte. Die zunehmende Verteufelung Russlands und die Blindheit in den orientalischen Fragen gefährdeten immer mehr das Friedenswerk von Wien.

Im vorletzten Kapitel sind wir dann bei der Julikrise 1914 angelangt. Bis dahin hat das Buch auf kurzweilige Art einen weiten Weg beschrieben und dabei keine Perspektive vernachlässigt. Nebenbei werden bunte Sittengemälde vom Paris von 1814 und der großen Wiener Festgemeinschaft ausgemalt. Im Verlauf seiner Betrachtungen betont der Autor immer wieder, dass die Verwirrung der Gegenwart aus den missachteten Gelegenheiten der Vergangenheit herrührt.

Straub hebt unser Verständnis hinauf zur versöhnenden Botschaft des Wiener Kongresses. Damals wurde die Welt noch nicht nach Wunschvorstellungen frisiert, der Feind nicht dämonisiert. Es wurden vorgefundene Verhältnissen geregelt. Statt über Strafsachen zu verhandeln, wurde Politik gemacht. Sebastian Hennig

Eberhard Straub: „Der Wiener Kongress. Das große Fest und die Neuordnung Europas“, Klett-Cotta, Stuttgart 2014, geb., 255 Seiten, 21,95 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Der verdächtige Bürger / Wie Sie das Mindestlohngesetz auf die Fahndungsliste bringt, wie Straftaten bejubelt werden, und was Türkenchef Safter Cinar logisch findet

Nun können wir schon die Tage zählen, bis die soziale Gerechtigkeit auch in den letzten Winkel unserer Arbeitswelt vordringen wird. Ab dem 1. Januar gilt der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro. Die Deutschen sind begeistert: Als die Debatte im Herbst 2013 hochkochte, sprachen sich laut ZDF-„Politbarometer“ übersatte 83 der Bundesbürger für die strafbewehrte Lohnuntergrenze aus. So einig sind wir uns fast nie.

Moment, wieso „strafbewehrt“? Ist doch logisch: Weil’s ein Gesetz ist, und wer Gesetze bricht, der kriegt eins hinten drauf. Damit man die Verbrecher auch findet, muss die Einhaltung der Gesetze natürlich überprüft werden. Dafür stellt der Bund mindestens 1700 neue Zollbeamte ein, berichtet der ehemalige Chef der „Wirtschaftswoche“, Roland Tichy, der gleich noch einige weitere Neuigkeiten erzählt, die den einen oder anderen überraschen dürften.

So muss laut Mindestlohngesetz jeder, der einen „Minijobber“ als Putzhilfe, Babysitter oder Unterstützer beim Rasenmähen anstellt, über jede Arbeitsstunde genau buchführen, Beginn und Ende müssen penibel protokolliert und abgezeichnet werden. Inklusive Pausen, die mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von sechs sowie 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von neun Stunden umfassen müssen. Babysitter und Co. müssen zudem stets ihre Ausweise dabeihaben.

Ach, und wie soll das überprüft werden? Geht doch gar nicht, oder? Und ob: Die mindestens 1700 zusätzlichen Zollbeamten dürfen ohne Ankündigung und ohne konkreten Verdacht Grundstücke, Geschäftsräume und Wohnungen betreten, berichtet Tichy. Dort muss man ihnen dann die von der Haushaltshilfe abgezeichneten Stundenpläne vorlegen. Wenn etwas nicht stimmen sollte, drohen Bußgelder von bis zu dreißigtausend Euro.

Betroffen seien sieben Millionen Haushalte, die solche Hilfskräfte beschäftigen. Die stehen jetzt alle unter Verdacht, so will es Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Peter Ramsauer von der CSU gibt sich „fassungslos“, so sei das im Bundestag gar nicht diskutiert worden. Ja, zu dumm, wenn man da Gesetze abnickt, ohne einmal hineingeguckt zu haben. Dann kommt eben so etwas heraus: Ein Bürokratiemonster, das sieben Millionen Haushalte unter Generalverdacht stellt.

Die Symbolkraft ist durchaus reizvoll. Zollbeamte waren mal dafür da, unsere Grenzen vor Schmugglern und illegalem Handel zu schützen. Aber die Außengrenzen sind offen, von dort fürchtet der deutsche Staat keine Gefahr mehr. Stattdessen ist der Feind jetzt der eigene Bürger, der eine Putzfrau beschäftigen könnte. Die eigenen Bürger sind alle verdächtig, derweil dem merkwürdigen Transporter an der Oderbrücke niemand mehr etwas unterstellen will. Das wäre Diskriminierung. Eine erstaunliche Umkehrung, die einiges aussagt.

Gut, wir wollen aber nicht mosern, Hauptsache, die Einhaltung der Gesetze wird durchgesetzt, egal, wie man die Regeln findet. „Gesetz ist Gesetz“ lautet schließlich die Grundlage jedes Rechtsstaats.

Nur in Scheindemokratien und Bananenrepubliken können die Mächtigen das Gesetz einfach aushebeln, um die Ihren vor dem Zugriff der Justiz zu schützen. Soweit kommt’s noch in unserer blitzblanken Bundesrepublik!

Soweit kommt’s noch? So weit ist es schon unzählige Male gekommen. Nicht etwa irgendwo in düsteren Hinterzimmern, sondern auf offener Straße, und zwar gerade eben erst wieder. Im deutschem Versammlungsgesetz heißt es in Paragraf 21: „Wer in der Absicht, nicht verbotene Versammlungen oder Aufzüge zu verhindern oder zu sprengen oder sonst ihre Durchführung zu vereiteln, Gewalttätigkeiten vornimmt oder androht oder grobe Störungen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

In Dresden haben Hunderte „Antifaschisten“ die Pegida-Demo blockiert, in Würzburg ebenso. In der Frankenstadt gesellten sich sogar der DGB-Regionssekretär Norbert Zirnsak und der katholische Studentenpfarrer Burkhard Hose unter die Kandidaten für Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Knast.

Müssen die jetzt ins Gefängnis? Aber niemals, aufs Podest kommen die! Mediendeutschland ist begeistert von ihnen und ihrer Tat. Die Würzburger „Mainpost“ geißelt die dortigen Pegida-Demonstranten als „Marschierer“, die mit Deutschlandfahnen und einem Transparent „bewaffnet“ gewesen seien, während sie die Demonstrations-Blockierer zu „Demonstranten“ umtauft. Wo das wohl mal endet? Vielleicht hier: Demnächst ist jemand, der nur seine Meinung sagt, ein „geistiger“ Gewalttäter, während der, der ihm wegen der Meinung auf die Fresse haut, mit dem Faustschlag eben nur seine „Meinung geäußert hat“, was ja sein gutes Recht ist: Meinungsfreiheit!

Gewaltaufrufe fallen bekanntlich nicht unter diese Freiheit. Wenn dazu noch Volksverhetzung kommt, wird mit aller Härte des Gesetzes zugeschlagen. Ohne Ausnahme. Nun, fast ohne Ausnahme. Wir erinnern uns mit Schaudern an die Anti-Israel-Demo in Essen vergangenen Sommer, als ein hysterischer Mob „Juden ins Gas!“ brüllte, was Mordaufruf und Volksverhetzung in einem sein dürfte.

Nun erfahren wir, dass 45 von 49 Strafverfahren gegen die schreienden Judenhasser eingestellt wurden. Irgendwie hätten die ausgeklügelten Ermittlungsmethoden nicht so gefruchtet wie erwartet, teilt man uns zur Begründung mit. Die Beweisführung sei ja sowas von kompliziert, herrjeh!

Das glauben wir doch gern. Außerdem müssen wir uns fremden Kulturen öffnen und Rück­sicht nehmen auf deren etwas andere Gepflogenheiten. Die Beschuldigten stammen schließlich aus Weltgegenden, in denen Judenhass eine weiterhin anerkannte Haltung ist.

Auch darf man nicht vergessen, dass deren Hass immer auch eine Folge der schrecklichen Diskriminierungserfahrungen ist, die wir Deutsche ihnen antun.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Safter Cinar, übt scharfe Kritik an der deutschen Bildungspolitik. Die benachteilige Immigranten, weshalb sie viel seltener einen Schulabschluss hinbekämen als deutsche Kinder, so Cinar. Das sei „kein ethnisches, sondern ein soziales Problem“.

Mit anderen Worten: Dass Ausländerkinder im Durchschnitt schlechter abschneiden als deutscher Nachwuchs, hat nichts damit zu tun, dass in gewissen Kulturkreisen nicht so auf Bildung geachtet wird wie hierzulande, sondern liegt ausschließlich an unserer deutschen Ausländerfeindlichkeit.

Merkwürdig nur, dass Kinder aus vietnamesischen, kanadischen oder koreanischen Familien von diesem himmelschreienden deutschen Unrecht gar nichts mitbekommen. Es sind irgendwie immer dieselben Immigrantengruppen, die etwas zu meckern haben, während andere ganz still und dankbar ihren Weg machen im angeblich so rassistischen Germanien.

Ein erster Schritt zum Bildungserfolg ist das Deutschlernen, oder? Aber nein, damit beginnt doch schon die Diskriminierung! Laut Safter Cinar herrscht in der türkischen Gemeinschaft große Enttäuschung darüber, dass Deutschland von aus der Türkei nachziehenden Ehegatten immer noch ein Minimum an Deutschkenntnissen verlange. Dagegen habe man jetzt Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. Da sollen die Deutschen mal sehen, was sie davon haben!

Fassen wir zusammen: Deutschland benachteiligt Türken, weil es sich erstens nicht hinreichend für deren Bildung, Integration und Berufschancen interessiert und weil es sich zweitens in unerträglicher Penetranz für deren Bildung, Integration und Berufs­chancen interessiert. Wir müssen wohl noch viele Kurse in „Willkommenskultur“ absolvieren, bis wir diese Logik aus dem Morgenlande begreifen werden.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Mädchen wieder konservativer

Zürich – Laut einer Studie streben immer mehr Mädchen in der Schweiz wieder in traditionelle Frauenberufe wie Hausfrau, Verkäuferin oder Friseurin. Dies ergab eine Studie, deren Auftraggeber nun Maßnahmen gegen die Ausbreitung konservativer Rollenbilder verlangen. So solle die Spielzeugindustrie „auf Geschlechterstereotypen sensibilisiert“ werden. Außerdem wird die Einführung eines Gesetzes gegen „Sexismus“ gefordert. H.H.

 

Kreuz getilgt wegen Scheichs

Madrid – Der renommierte Fußballklub Real Madrid hat das Kreuz aus seinem Wappen entfernt. Beobachter vermuten, dass dies aus Rücksicht auf einen neuen, muslimischen Sponsor geschehen sei, die National Bank of Abu Dhabi. Bislang zierte ein kleines Kreuz die Krone auf dem Wappen des Champions-League-Siegers. Auf einer nun von der Bank vorgestellten Real-Madrid-Kreditkarte war das christliche Symbol getilgt. H.H.

 

Rosarotes Vermächtnis

Außer bei der letzten Weltmeisterschaft, als ein uruguayischer Fußballer seinen Gegenspieler in die Schulter gebissen hat, war von Uruguay in letzter Zeit wenig zu hören. Selbst die Präsidentschaftswahlen vom vergangenen Wochenende hat im Westen kaum jemand wahrgenommen. Dass mit Tabaré Vázquez ein Krebsforscher die Geschicke des kleinen Landes lenkt, das mit 3,2 Millionen Menschen weniger Einwohner als Berlin hat, stößt kaum auf Interesse.

Dabei hat sich Uruguay unter der Herrschaft des linken Parteienbündnisses FA zum Musterländle in Südamerika entwickelt. Von einem jährlichen Wachstum von im Schnitt 5,5 Prozent können die sozial und wirtschaftlich angeschlagenen Nachbarländer wie Brasilien und Argentinien nur träumen.

Und der 74-jährige Vázquez hat ein gutes Stück Anteil an diesem Erfolg. Der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Montevideo war schon von 2005 bis 2010 Präsident des Landes. Da die Verfassung eine unmittelbare Wiederwahl verbietet, folgte ihm damals sein fünf Jahre älterer Parteifreund José Mujica, der mit seinen Marotten der Bescheidenheit auch international populär wurde. Der frühere Guerillakämpfer, der während der von 1972 bis 1985 währenden Militärdiktatur lange im Gefängnis saß, trat selbst bei Staatsempfängen im Ausland nie mit Krawatte und meist mit Strickjacke auf. Legendär war sein „Dienstwagen“: ein alter VW-Käfer, den er selbst fuhr.

Vázquez gibt sich dagegen staatsmännischer, ist keiner dieser lateinamerikanischen Krawallmacher an der Staatsspitze, die wie in Bolivien, Venezuela oder Kuba die Konfrontation mit den USA suchen. Die Erfolge der gemäßigten Linken in der Wirtschaft und bei der Bekämpfung der Armut werden bereits im Ausland anerkennend als Vermächtnis der „rosa Flutwelle“ bezeichnet. H. Tews


MEINUNGEN

Der Ökonom Marc Friedrich prophezeit den Zusammenbruch des Welt-Finanzsystems und des Euro. Dem „Handelsblatt“ (27. November) sagte er:

„Wir sagen als überzeugte Demokraten und Europäer: Der Euro einigt nicht Europa. Der Euro zerstört Europa. Deutschland ist Exportweltmeister, hat Rekordsteuereinnahmen aber 7,5 Millionen Menschen arbeiten im Niedriglohnsektor, einem der größten in ganz Europa ... Die Lage spitzt sich immer mehr zu: Wenn es noch nicht einmal Deutschland als Exportweltmeister mit Rekordsteuereinnahmen wirklich ohne neue Schulden schafft, wie sollen es andere schaffen? Das Spiel ist aus, das System am Ende. Wir befinden uns in der Endphase.“

 

 

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt warnt laut „Freie Presse“ (2. Dezember) vor der Verteufelung der Bürgerdemos wie Pegida:

„Der wortlose Protest der Pegida-Demonstrationen ist die Antwort der Bürger auf die Sprachlosigkeit der Politik.“

 

 

Mit US-Ökonom Kenneth Rogoff hat erneut ein Prominenter die Abschaffung des Bargeldes gefordert. Im Portal „mises.org“ (1. Dezember) warnt der Unternehmer Andreas Trögel:

„In einer bargeldlosen Welt wäre der faktisch letzte (wenigstens einigermaßen) ,sichere Hafen‘ für rechtmäßig erworbene, private Vermögen dahin. Ein, im Falle der Abschaffung des Bargeldes, rein virtuelles Guthaben, ist dem Zugriff des Fiskus ... schutzlos ausgeliefert. Man braucht nicht allzu viel Phantasie, um sich auszumalen, wozu die stets raublustigen Obertanen diese neu gewonnene Macht nutzen würden.“

 

 

Ein Berliner Drogenfahnder gab dem „Tagesspiegel“ (28. November) Einblick in die Lage im politisch grün-roten Kreuzberg:

„Sie müssen wissen, in Kreuzberg gibt es keine Solidarität mit der Polizei. Wir sind der Feind ... Viele Einwohner haben uns vor einem Jahr noch frei heraus gesagt, die Dealer gehörten halt irgendwie dazu. Folklore. Kreuzberger Flair. Die fanden das schick!“

 

 

Die Niederländer holen ihr Gold aus den USA zurück, die Rücklieferungen nach Deutschland liegen nahe Null. Der Währungsexperte Prof. Max Otte liefert in „wallstreet-online“ vom 1. Dezember eine Erklärung für diese Diskrepanz:

„Die Bundesbank wurde politisch unter Druck gesetzt. Das Gold liegt größtenteils bei der Federal Reserve Bank in New York. Deutschland ist einer der Stützpfeiler des amerikanischen Dollar. Man wird der Bundesrepublik nicht erlauben, eine souveräne Währungspolitik zu betreiben ... Der politische Druck und die völlige Unterwürfigkeit der Bundesregierung sind das Problem.“

 

 

Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU) übt in der „Saarbrücker Zeitung“ (2. Dezember) scharfe Kritik am Absinken der gesetzlichen Rente:

„Ein System, aus dem man mit Beiträgen nicht mehr bekommt als jemand, der ohne Arbeit war und folglich auch keine Beiträge gezahlt hat, erledigt sich von selbst.“