© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 04/15 vom 24.01.2015

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Die Saat des Hasses
Versammlungsverbot in Dresden: Die Gewalt suspendiert den Rechtsstaat

Der Hass, der gegen Pegida geschürt wurde, wendet sich nun gegen die Grundfesten des demokratischen Rechtsstaates.

Verbot und Absage der jüngsten Pegida-Kundgebung in Dresden senden ein verheerendes Signal aus. Egal, wie ernst die Terrorgefahr wirklich war: Die Androhung von Gewalt hat ausgereicht, um das Bürgerrecht auf Demonstrationsfreiheit auszusetzen. Der deutsche Staat hat sich außer Stande gezeigt, seine essenzielle Grundpflicht zu erfüllen: den Schutz seiner Bürger und ihrer Rechte. Ein Staat, der dies nicht gewährleisten kann, unterhöhlt seine eigene Legitimation.

Zweifel, ob es wirklich Attentatspläne von radikal-islamischer Seite waren, welche die Sicherheitskräfte zu dem Versammlungsverbot bewogen haben, wurden noch am Montag gestreut, und zwar von höchster Stelle. Mehrere große Medien berichten von einer Telefonkonferenz der Innenminister, auf der gesagt worden sei, Sachsen habe „das ein bisschen hochgejazzt“ (hochgejubelt). In Wahrheit, so wurde gemutmaßt, sei die sächsische Polizei nach einem Dutzend Pegida-Demonstrationen einfach an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt.

Festzuhalten ist, dass die „Belastung“ der Polizei kaum von Pegida-Aushängern ausging, die ihren Protest stets friedlich vorgetragen haben. Es waren die Gegendemonstranten, aus deren Reihen immer wieder hasserfüllte Gewalt hervorging, welche die Polizeibeamten in Atem hielt.

Woraus ist dieser Hass erwachsen? Aus den in der Substanz überaus moderaten Forderungen der Pegida gewiss nicht. Dieser Hass ist gezielt geschürt worden, von Politikern aller etablierten Parteien, von Medien, Verbandsfunktionären, ja selbst von den Kirchen. Und sogar die Kanzlerin fachte ihn mit ihrer „Hass“-Rede zum Jahreswechsel selbst an. Auch wenn das gewiss nicht in Merkels Absicht lag, aber gewaltgierige Extremisten werden sich von ihr noch ermutigt fühlen.

In der Union zeigen sich erste Anzeichen für Einkehr. Nicht so bei SPD und Grünen, bei der Linkspartei schon gar nicht, was allerdings auch nicht zu hoffen war. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi lehnt jeden Dialog mit Pegida weiter kategorisch ab. Sie steht damit für eine politische Elite, die sich gern mit obskuren Islamverbänden vor dem Brandenburger Tor versammelt, besorgten Bürgern aber nur mit Arroganz und Diffamierung begegnet. Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad wirft namentlich der SPD vor, sehr wohl den Dialog mit Muslimbrüdern, der Hamas oder anderen radikalen Moslems zu suchen, während sie sich gegenüber Pegida verweigere.

Durch Deutschland geht ein Riss. Es sind die Repräsentanten großer Verbände und Gewerkschaften, etablierter Parteien und Kirchen, und es sind von Voreingenommenheit strotzende Medien, die diesen Riss täglich tiefer schaufeln. Alle fühlen sich dabei als musterhafte Demokraten. Sie sind es nicht. Hans Heckel


Runter vom sinkenden Schiff
Warum die Schweiz die Koppelung an den Euro beendet hat

Nach dem plötzlichen Abschied der Schweiz von der Koppelung des Franken-Kurses an den Euro wird in Deutschland hauptsächlich diskutiert, welche Folgen der Schritt für die Schweizer Wirtschaft hat. Diese könnten kurzfristig gravierend sein, Exporte werden teurer, der Tourismus leidet wegen des sofort sprunghaft gestiegen Franken.

Langfristig sehen Fachleute den Schritt jedoch eher als Alarmsignal für den Euro denn für die Schweiz. Die Eidgenossen seien nach drei Jahren fester Wechselkursbindung abgesprungen, weil sie den Euro zunehmend auf der schiefen Bahn zur Weichwährung sehen, so die verbreitete Auffassung.

„Der Euro wird zur neuen Lira, die ständig abwerten wird“, warnt Ex-„Wirtschaftswoche“-Chef Roland Tichy. Den letzten Anstoß für den Schweizer Schritt dürfte die Furcht gewesen sein, dass EZB-Chef Mario Draghi demnächst im großen Stil wertlose Griechen-Anleihen und andere wackelige Papiere aufkaufen will. Damit pumpt er weitere Milliarden in den Umlauf, für die es keine realwirtschaftliche Deckung gibt. Im Stile aller Weichwährungsländer will er so versuchen, strukturelle Probleme und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit durch Maßnahmen zur Schwächung der Währung unschädlich zu machen.

Die Geschichte ausnahmslos aller Weichwährungsländer zeigt indes, dass dies langfristig schiefgeht. Der Vergleich D-Mark-Deutschlands mit Lira-Italien ist hier beispielhaft.

Die Schweiz wollte nicht in diesen Strudel hineingezogen werden, diagnostizieren Analysten. Einen Strudel, der für Deutschland kurzfristig Exportvorteile schafft, es aber mit gigantischen Ausfallrisiken südlicher Länder belastet und seine Wettbewerbsfähigkeit schwächen wird. H.H.


Retourkutsche der NSA
Erst Täter, dann selber Opfer? USA infiltrieren Nordkoreas Internet

Laut „New York Times“ spioniert der US-Geheimdienst NSA schon seit 2010 nordkoreanische Netzwerke aus. Mit dieser Meldung geht der Cyberkrieg zwischen den USA und Nordkorea in eine neue Runde, die kurz vor Weihnachten mit der Hacker-Attacke auf das Filmstudio Sony Pictures ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Damals beschuldigte Präsident Barack Obama die Nordkoreaner, we­gen des Films „Das Interview“, in dem Diktator Kim Jong-un persifliert wird, aus Rache Datendiebstahl begangen zu haben. Danach hatte das ganze Land die Sorge vor Vergeltungsaktionen, wenn der Film in den Kinos startet. Doch Anschläge blieben – wie zu erwarten war – aus.

Im neuen Enthüllungsfall beruft sich die New Yorker Zeitung auf

ano­nyme Regierungsmitarbeiter, welche auf unter anderem beim „Spie­gel“ veröffentlichte NSA-Dokumente des Überläufers Edward Snowden reagieren. Darin ist zu le­sen, wie die USA systematisch in die Netzwerke ausländischer Geheimdienste eindringen. Dass man es im Falle Nordkoreas zugibt, um Kenntnisse über das dortige Atomwaffenprogramm zu erlangen, soll der NSA den Glorienschein verleihen. Angeblich habe man sogar von der Attacke auf das Sony-Netzwerk gewusst, aber diese als so unbedeutend eingestuft, dass man den Konzern nicht warnte.

Um Nordkorea herauszufordern, wird hier offenbar eine Propagandaschlacht betrieben, bei der die Wahrheit auf der Strecke bleibt. So kam jetzt heraus, dass viele Details des nordkoreanischen Folteropfers Shin Dong-hyuk, die er in seinem Buch „Flucht aus Lager 14“ beschrieben hatte, falsch sind. Wahr ist, dass er ein Leidtragender des nordkoreanischen Terrors war. Doch die bewusst veränderte Geschichte stellt seine Glaubwürdigkeit ebenso in Frage, wie die US-Vorwürfe hinsichtlich ei­nes nordkoreanischen Cyberangriffs fadenscheinig sind. H. Tews


Jan Heitmann:
Widersinnig

Offensichtlich beunruhigen die islamistischen Terrorakte die Deutschen. Laut einer repräsentativen Umfrage von „infratest dimap“ fürchtet sich die Hälfte vor Anschlägen auch in Deutschland. Gut zwei Drittel sind der Meinung, dass mehr getan werden müsse, um Sicherheitslücken zu erkennen und zu schließen. Dieses Meinungsbild ist nachvollziehbar. Geradezu widersinnig ist vor diesem Hintergrund allerdings die Haltung der Deutschen, wenn es um den Kern des Problems, nämlich die schleichende Islamisierung der westlichen Welt geht. Denn knapp 60 Prozent der von „infratest dimap“ Befragten machen sich „wenig oder gar keine Sorgen“, dass sich der Islam in unserer Gesellschaft zu stark ausbreitet. Das ist umso widersinniger, als zugleich eine deutliche Mehrheit die Behauptung von muslimischen Organisationen, dass der Islam eine friedliche Religion sei und die Mordtaten des IS nichts mit dem Islam zu tun hätten, für „eher nicht überzeugend“ hält. Immerhin das ist eine weise Erkenntnis, denn der Islam ist auf Gewalt fixiert und mit der Moderne nicht in Einklang zu bringen. Dort, wo es die meisten Konflikte und Terrorakte gibt, herrscht der Islam. Ein guter Grund also, ihn nicht zu importieren.

Die überwiegende Mehrheit der Muslime hierzulande verhält sich friedlich. Das verspricht jedoch keine Sicherheit, denn in ihrer Masse verstecken sich die Fanatiker und bereiten ihre Taten vor. Sie mit „Willkommenskultur“ und Integrationsangeboten neutralisieren zu wollen ist weltfremd. Die Gefahr des Islam erwächst nicht aus Bildungsdefiziten und Armut, sondern aus seiner politischen Komponente. Das sollte jeder Deutsche erkennen.


S. 2 Aktuell

Entscheidung in Bremen
Im Machtkampf um die AfD-Spitze scheint sich Bernd Lucke durchzusetzen – Der Parteitag wird es zeigen

AfD am Scheideweg: Ob sich Deutschlands Parteienlandschaft um eine ernstzunehmende und stabile Kraft rechts von der Union erweitert, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Sturm tost über Hamburg. Or-kantief Felix knickt Bäume im Stadtpark, fegt Boote von der Alster und zerfetzt ganze Plakatwände in der Innenstadt. Nur im großen Saal des Emporio-Hochhauses am Dammtorwall ist man um Windstille bemüht. Die Alternative für Deutschland begeht vor 500 Anhängern und Neugierigen ihre Auftaktveranstaltung zur Bürgermeisterwahl in Hamburg. Neben dem hiesigen AfD-Spitzenkandidaten Jörn Kruse ergreifen der stellvertretende Sprecher Hans-Olaf-Henkel und Parteisprecher Bernd Lucke das Wort. Den Sprechchören der linken Störertruppe begegnet man mit

sturmerprobter Gelassenheit, ansonsten herrscht eitel Sonnenschein. Viel wird über Griechenland, die EU, die Sozialversicherungen und die Rente geredet, nichts über die heftigen innerparteilichen Streitigkeiten zu Richtung und Struktur der AfD.

„Die AfD ist eine problembewusste, konstruktive Kraft“ – mit diesen Schlussworten schwört Lucke seine Anhänger auf den kommenden Wahlkampf ein. Besonders betont er das Wörtchen „konstruktiv“, Jeder weiß: Eine zerstrittene Partei kommt nicht gut an in der Wählerschaft. Der Politkonkurrenz liefert sie zudem eine Steilvorlage nach der anderen um den bedrohlichen Mitbewerber ins Zwielicht zu stellen.

Dabei sind heftige Auseinandersetzungen um Kurs und Machtpositionen in einer jungen Partei nichts Ungewöhnliches. Das war 1980 so, als sich bei den Grünen die „Fundis“ und die „Realos“ zusammenraufen mussten, und ebenso fast 30 Jahre später, als sich 2007 die westdeutsche WASG und die SED-Nachfolgepartei PDS zur „Linken“ verbündeten. Die Piratenpartei hat sich einige Jahre später über ihre inneren Zerwürfnisse in die Bedeutungslosigkeit katapultiert. Der Weg ist lang zum reibungslos funktionierenden „Kanzlerwahlverein“ nach bewährtem CDU-Muster.

Ob dieses Modell von der AFD überhaupt angestrebt wird, darf natürlich bezweifelt werden. Konturlos, grundsatzlos, allein auf den Machterhalt konzentriert erscheint vielen die jetzige Christliche Demokratische Union. Genau davon möchte man sich ja abheben.

Aber wie? Wie gut soll man sich zum Beispiel mit Pegida stellen? Gibt es wirklich nennenswerte Schnittmengen, wie sie Parteisprecherin Frauke Petry entdeckt hat? Oder sind die demonstrierenden Islam-Skeptiker eher die ungeliebten Schmuddellkinder von der Straße? Hans-Olaf Henkel und Bernd Lucke dürften die „Pegidisten“ wohl so sehen. Neben der Marschrichtung stellt sich aber auch die Frage, wer vorangeht. Bernd Lucke hat seinen Machtanspruch gegen seine parteiinternen Kontrahenten Frauke Petry, Konrad Adam und Alexander Gauland mehr oder weniger klar formuliert. Nur noch einen Sprecher statt derer drei soll es geben. Dass dieser dann ein gewisser Hamburger Ökonomieprofessor sein wird, dürfte außer Zweifel stehen. Lucke ist als Gesicht der AfD unverzichtbar.

Derzeit deutet vieles darauf hin, dass er sich in der Machtfrage durchsetzt. Jüngst wurde bei einer Bundesvorstandssitzung entschieden, dass die Partei nicht mehr von drei Sprechern, sondern zunächst nur noch von einem Führungsduo geleitet werden soll. Die Satzungsänderung dafür soll am 31. Januar auf dem Bundesparteitag in Bremen beschlossen werden. Voraussichtlich im April könnten dann auf einem weiteren Parteitag Lucke und Frauke Petry gewählt werden. Sobald sich die AfD im November ein Programm gegeben hat, soll dann – voraussichtlich ab 1. Dezember – nur noch ein Vorsitzender die Partei leiten. Er wird auch das Recht haben, einen Generalsekretär vorzuschlagen. Er soll als eine Art Parteimanager seine Arbeit unterstützten.

Auf der anderen Seite scheint sich Lucke inhaltlich den parteiinternen Kontrahenten anzunähern. „Der Islam ist Deutschland fremd“, erklärte Lucke jüngst dem „Handelsblatt“ und kritisierte damit Angela Merkels Bekenntnis, dass der Islam zu Deutschland gehöre.

Ob das parteiinterne Unwetter tatsächlich abflaut, dürfte sich spätestens am 31. Januar in Bremen zeigen. Rund 3000 der insgesamt 22000 Parteimitglieder haben ihre Teilnahme angemeldet – deutlich mehr, als von der Parteiführung erwartet, und viel zu viele für den angemieteten Tagungssaal. Derzeit wird hektisch nach weiteren Räumlichkeiten gesucht (siehe auch Meldung links). Ob dort dann Primaklima oder rauer Sturmwind herrschen wird, können auch die besten Wetterpropheten nicht vorhersagen. Frank Horns


Parteien verlieren Boden
Zukunftsforscher: Bürgerbewegungen gewinnen an Bedeutung

Pegida scheint einen Blick in die politische Zukunft der Bundesrepublik zu erlauben. Wie die Entwicklung ihrer Mitgliederzahlen und der Wahlbeteiligung zeigt, nimmt die Bindewirkung der Parteien unübersehbar ab. Hingegen hat sich bei den Stuttgart-21-Protesten oder der Flugroutendiskussion für den neuen Berliner Flughafen gezeigt, dass Bürgerbewegungen beim Vorliegen ganz konkreter Probleme erhebliches Mobilisierungspotenzial entfalten können.

Bereits im Jahr 2011 wurde in einem Artikel des „Spiegel“ für die im Zuge solcher Bürgerbewegungen neu auf den Plan getretenen politischen Akteure der Begriff „Wutbürger“ geprägt. Attestiert wurde damals zwar, dass es sich bei den so Etikettierten um gutsituierte und gebildete Menschen handeln würde, weniger vorteilhaft klangen jedoch die anderen vergebenen Attribute, als da wären alt, stur und egoistisch. So wurde diagnostiziert, den „Wutbürgern“ gehe es bei ihrem politischen Einsatz abseits der Parteien neben Kritik vor allem um Eigennutz. Prognostiziert wurde allerdings ebenso, dass die „Wutbürger“ im alternden Deutschland in den nächsten Jahrzehnten vermutlich eine starke Rolle spielen würden.

Deutlich freundlicher fällt hingegen die Prognose aus, die der Zukunftsforscher Horst Opaschowski aufgestellt hat: „Ob es der Politik gefällt oder nicht: Eine neue politische Trias aus Initiativen, Bürgerforen und Volksentscheiden werden die Demokratie beleben und verändern. Weil Politiker fast nur noch auf Zuruf oder mediale Reizthemen reagieren und Zukunftsfragen wie Gesundheitsvorsorge, Rente, Mietpreisbremse und Schutz der Privat­sphäre weitgehend ausblenden, müssen die Bürger selbst in die Offensive gehen.“ Als Folge sieht Opaschowski die Tendenz, dass die Parteien in die zweite Reihe zurückgedrängt würden, während die Weichen hin zu einer Bürgergesellschaft neu gestellt würden.

Blickt man auf den Forderungskatalog von Pegida, dann muss man der Bürgerbewegung attestieren, dass dort zahlreiche Probleme angesprochen werden, die von den etablierten Parteien in den letzten Jahren einfach ignoriert wurden. Als ein erster Erfolg ist bereits zu konstatieren, dass sie das lange verdrängte Thema Einwanderungsgesetz zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion gemacht hat. Sei es auch nur zur Zurückweisung von Pegida – die etablierten Parteien sehen sich unter Zugzwang, zu Themen wie Zuwanderung oder Islam Farbe zu bekennen.

In die Defensive geraten könnte der etablierte Politikbetrieb auch bei dem Thema direkte Demokratie. Die schon länger erhobene Forderung nach Volksentscheiden, etwa nach Schweizer Vorbild, dürfte langfristig nicht zu ignorieren sein. Bei der Abkehr vom gewohnten Parteienstaat nicht zu unterschätzen ist die demokratisierende Wirkung des Internets. So ist es erheblich einfacher geworden, Gleichgesinnte zu organisieren und Möglichkeiten der Schwarmintelligenz zu nutzen. Zudem untergraben die umfassenden Informationsmöglichkeiten des Internets zunehmend auch die Glaubwürdigkeit der etablierten Politik und der ihr nahestehenden klassischen Medien. Norman Hanert


»Rein gefühlt«
50 Vermummte überfielen Polizeirevier

Die 36-jährige „Linke“-Politikerin Juliane Nagel, Abgeordnete des Leipziger Stadtteils Connewitz im sächsischen Landtag, Mitglied des Leipziger Stadtrats, Dauerstudentin und Sprecherin des neugegründeten Anti-Legida-Netzwerkes, bläst zum Kampf gegen das neue Polizeirevier von Connewitz. Dieses ist den Linksradikalen ein Dorn im Auge, weil es ihre Bemühungen um rechtsfreie Räume konterkariert.

Deshalb wurden seit der Eröffnung im Februar des vergangenen Jahres bereits 17 Anschläge auf die Dienststelle in der Biedermannstraße verübt, wobei der Angriff vom 7. Januar der mit Abstand schwerste war: 50 schwarzvermummte Gestalten „entglasten“ das Gebäude, in dem sich nur zwei Beamte befanden, mit Pflastersteinen und zündeten zudem einen Streifenwagen an. Anschließend erschien auf der linksradikalen Internetplattform Indymedia ein Bekennerschreiben, in dem es hieß: „Bulle dein Duldungsstatus ist aufgehoben und deine Aufenthaltserlaubnis erloschen. Auch wenn du deine Uniform ablegst, so bleibst du immer noch das gleiche Schwein von Mensch und wirst weiterhin Ziel unserer Interventionen sein wann immer wir es wollen.“

Nagel, die wiederholt davon gesprochen hatte, dass der neue Polizeiposten schon durch seine bloße Existenz provoziere, und im Übrigen auch selbst als Organisatorin von „Spontandemos“ vor dem Connewitzer Revier auftrat, geriet durch die Aktion in Erklärungsnot und veröffentlichte daraufhin einige Tage später eine Stellungnahme. In der schrieb sie die Tat „weißen testosterongesteuerten Typen“ zu, die ihren legitimen politischen Kampf gegen die Dienststelle zu diskreditieren suchten. Danach folgte die Ankündigung neuer Anfragen im Stadtrat nach dem Nutzen der Wache, denn die Lage in Connewitz sei doch „eigentlich recht entspannt“ und der „Unsicherheitszustand“, von dem die Presse berichte, „rein gefühlt“.

Wolfgang Kaufmann


MELDUNGEN

Attacken auf Parteitag

Bremen – Der Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) Ende Januar in Bremen könnte in Schwierigkeiten geraten. Sattsam bekannte linksextreme Schlägertruppen mobilisieren bereits. Mit diesen haben sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sowie linke Parteien wie die SPD und die Grünen verbündet. Diese haben kein Problem damit, sich an voraussehbar gewalttätigen Aktionen zu beteiligen. Tobias Helfst vom „Bündnis gegen Nationalismus“ will es nicht bei einer Demonstration belassen, man wolle mit den Sympathisanten und Wählern der AfD „unbedingt“ ins Gespräch kommen, heißt es. Die Partei hat darüber hinaus ein weiteres Problem. Statt der erwarteten gut 1000 Parteimitglieder haben sich bereits 3000 Mitglieder zum Parteitag angemeldet. Die Parteiführung versucht nun weitere Nebensäle in dem Hotel anzumieten. Das Parteitagsgeschehen soll dorthin per Video übertragen werden. H.L.

 

Prämie für Auslandstürken

Berlin – Ahmet Davutoglu, Ministerpräsident der Türkei, hat im Rahmen seines ersten Deutschlandbesuchs seit der Amtsübernahme im vergangenen Jahr in einer mit Spannung erwarteten Rede vor 3000 Landsleuten im Berliner Temodrom angekündigt, dass sein Land bis zum Jahr 2023 wie einst das Osmanische Reich eine Weltmacht sein werde. Als Überraschung für die aus allen Teilen Deutschlands angereisten Zuhörer gab der AKP-Politiker zudem bekannt, dass auch im Ausland lebende Türken in den Genuss eines geplanten Programmes zur Steigerung der Geburtenraten kommen sollen. Gemäß dem vor Kurzem vorgestellten Programm will der türkische Staat für das erstes Kind 300 türkische Lira (umgerechnet rund 110 Euro), für das zweite 400 Lira und für das dritte Baby 600 Lira auszahlen. N.H.

 

Krieg wieder weltweites Risiko

Genf – Zwischenstaatliche Kriege stehen wieder an erster Stelle der globalen Risiken. Das geht aus dem zehnten Forschungsbericht (Global Risk Report) des in der Schweiz ansässigen World Economic Forum hervor. Dafür wurden 28 Gefahren in fünf Kategorien aufgeteilt und analysiert – wirtschaftliche, ökologische, geopolitische, soziale und technische. Nach Ansicht der Experten des Weltwirtschaftsforums droht die Welt in Folge von Machtstürzen und der Auflösung von Staaten auseinanderzubrechen. Als Beispiele nennen die Experten die Ukraine, Syrien und den Irak. Letztere seien kaum in der Lage, den Vormarsch der radikalen Terrorgruppe IS aufzuhalten oder wenigstens zu bremsen. Seit der Zeit des Kalten Krieges habe die Geopolitik noch nie einen so großen Einfluss auf das Weltgeschehen ausgeübt wie gegenwärtig. Der zwischenstaatliche Konflikt führt die Liste der wahrscheinlichsten Risiken an, auf der Liste der Risiken mit den gravierendsten Auswirkungen steht er an vierter Stelle. In den Berichten vorangegangener Jahre hingegen war der zwischenstaatliche Krieg noch nicht einmal unter den zehn wahrscheinlichsten Risiken aufgeführt. J.H.


S. 3 Deutschland

Zustandsbeschreibung statt Unwort
Mit vielen Beispielen lässt sich belegen, warum zornige Bürger das Wort Lügenpresse zu Recht gebrauchen

„Lügenpresse“, lautet das Unwort des Jahres 2014. Eine Jury aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten wählte es aus. Ein Unwort sei ein Begriff, der diskriminiert, der gegen die Menschenwürde gerichtet ist, der gegen demokratische Prinzipien verstößt und der verschleiert. Mindestens ein Kriterium muss erfüllt sein, heißt es von der Jury-Präsidentin, der Germanistin Nina Janich. Das Wort „Lügenpresse“ ist nichts dergleichen. Es ist eine – wenn auch drastische – Zustandsbeschreibung.

Als die bekannte Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann 2010 starb, hinterließ sie nicht nur ein einflussreiches Meinungsforschungs-Unternehmen namens Institut für Demoskopie Allensbach (IfD), sondern auch eine Reihe bemerkenswerter Erkenntnisse zu Politik und Gesellschaft. Eine davon lautet: „Was Sie heute in den Köpfen der Menschen finden, ist oft gar nicht mehr die Realität, sondern eine von den Medien konstruierte, hergestellte Wirklichkeit.“

Was die Kommunikationswissenschaftlerin nicht berücksichtigte: Dass mündige, aufgeklärte Bürger irgendwann anfangen, (Medien-)Schein und Wirklichkeit kritisch zu vergleichen. Es sind diese mündigen Bürger, die beispielsweise das Buch „Gekaufte Journalisten“ von Udo Ulfkotte begierig lesen und in die Bestsellerliste befördern. Es sind diese Bürger, die auf Demonstrationen allen anwesenden Journalisten den zornigen Ruf „Lügenpresse“ entgegenschmettern. Sie skandieren kein Unwort. Sie haben Gründe, den Sachverhalt so und nicht anders zu bezeichnen. Journalisten in Funk, Fernsehen, Internet und Print-Medien verfälschen, verschweigen und verdrehen immer wieder die Wahrheit. Warum sie es tun?

…weil nachrecherchieren zu Ergebnissen führt, die möglicherweise nicht ins eigene Weltbild passen: Am 20. März, zum sogenannten „Equal Pay Day“, werden Radio, TV und Zeitung wieder vermelden. dass Frauen für die gleiche Arbeit immer noch deutlich schlechter bezahlt würden als Männer. Die Differenz liege bei 22 Prozent, melden feministische Organisationen zum „Tag der Entgeltgleichheit“. Die Wahrheit ist: Seit 1972 existiert in Deutschland kein Tarifvertrag mehr, der eine geringere Entlohnung von Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Tätigkeit vorsieht. Fragt man bei Gewerkschaften und anderen Institutionen nach echten Fällen von Lohndiskriminierung, herrscht großes Schweigen. Kein Wunder: Gegen die Behauptung, Frauen bekämen für gleiche Arbeit weniger Geld, sprechen schlicht und einfach die Gesetze der Marktwirtschaft. Wäre die Behauptung wahr, würden Arbeitgeber nur noch Frauen beschäftigen, was nicht der Fall ist. Zu einem generellen Lohngefälle zwischen Mann und Frau kommt es unter anderem durch unterschiedliche Vorlieben für Ausbildung und Beruf. Frauen studieren zum Beispiel lieber Geisteswissenschaften, Männer entscheiden sich eher für den naturwissenschaftlichen Bereich. Ingenieure aber werden besser bezahlt als Bibliothekarinnen.

…weil sich ein einfacher Versprecher herrlich gut eignet, eine ungeliebte Partei zu verleumden: Die linken Störer in der Auftaktveranstaltung der AfD zum Wahlkampf in Hamburg schreien „Faschisten“ und andere Schimpfwörter in den Raum. Für einen Augenblick verliert der Redner, Spitzenkandidat Jörn Kruse, den Faden und verhaspelt sich. Zu den Terroranschlägen in Paris sagt er: „Ich habe die große Befürchtung immer gehabt, dass etwas Furchtbares … passieren würde. Und leider ist es viel früher passiert, als ich gehofft habe.“ Die Störer johlen. Als Kruse den Versprecher bemerkt, korrigiert er sich, erklärt, es sei viel früher passiert, als er erwartet habe. Kruse hat keine Chance. Auf „Stern.de“ ist von einer schlimmen Entgleisung die Rede. „Spiegel Online“ spricht von einem Eklat. Immer wieder wird betont, dass die Besucher der Veranstaltung die Formulierung vom „erhofften Anschlag“ begeistert bejubelten. Tatsächlich kam der Jubel von den Störern der Veranstaltung.

…weil Katastrophenmeldungen die Auflage steigern: Wer erinnert sich noch an das sogenannte Waldsterben in den 80er Jahren? Der „Stern“ sprach vom „sauren Tod“. Die „Zeit“ gab dem deutschen Wald noch 20 Jahre. Da Fotos des Unheils seltsamerweise schwer aufzutreiben waren, wurden teilweise einfach gesunde Laubbäume gezeigt, die des Winters wegen ihre Blätter abgeworfen hatten. Wie viel wirklich dran war, an den „Eichenleichen“ und „Fichtenskeletten“ („Die Zeit“) weiß jeder, der einen Waldspaziergang unternimmt. Heutzutage auf der Katastrophenagenda: der Klimawandel. Auch hier gibt es viele Wissenschaftler, die ihn anzweifeln. In den Medien kommen sie nicht vor.

...weil es die Mächtigen so wollen: Zum Trauermarsch für die Opfer der Terroranschläge in Paris erklärt Nachrichtensprecherin Susanne Freitag in der nachrichtensendung des ZDF „heute“: „Die politische Weltelite auf der Straße – Seite an Seite mit dem Volk.“ Anschließend werden Filmaufnahmen gezeigt, die diese Behauptung belegen sollen. Sie suggerieren, dass die Polit-Prominenz den Zug der Trauernden anführt. Fast im gleichen Wortlaut berichtet die ARD-„Tagesschau“. Die „Bild“zeitung folgt am nächsten Tag und titelt „Schulter an Schulter marschiert“. Die französische Tageszeitung „Le Monde“ veröffentlicht später eine Aufnahme, die zeigt, wie es wirklich war. Die Staatschefs posieren in einer abgesperrten Straße. Dahinter sorgen Statisten für den Eindruck von Masse (siehe Kommentar, Seite 8).

Diesen Beispielen könnten viele weitere hinzugefügt werden: Medien verschweigen bewusst den Migrationshintergrund von Straftätern. Das ZDF unterlegt einen Bericht über das afghanische Kabul mit Bildern aus dem syrischen Homs. Die Kollegen von der ARD werden wegen ihrer tendenziösen Ukraine-Berichterstattung vom eigenen Programmbeirat gerügt. Das Fazit: Wenn „Lügenpresse“ ein Unwort sein sollte, dann haben es nicht die Mediennutzer, sondern die Journalisten selber erschaffen.

Frank Horns


Sunniten ziehen die Fäden
So manche Spur des Kampfes gegen Pegida führt ins Morgenland

Im Kampf gegen Pegida steht das Management des Dresdner Halbleiterherstellers Globalfoundries mit an vorderster Stelle. So trug die ganzseitige Anzeige, die am 12. Dezember in der „Sächsischen Zeitung“ erschien und in der gegen die „Fremdenfeindlichkeit“ und „Intoleranz“ der Montagsdemonstranten polemisiert wurde, auch die Unterschriften des Geschäftsführers des Globalfoundries-Werkes sowie der Direktoren für Finanzen und „Government Relations“, sprich Lobbyismus. Darüber hinaus gehörte der Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens zu den Hauptrednern der großen, staatlich organisierten Anti-Pegida-Demonstration vom 10. Januar. Das wirft die Frage auf, wieso sich gerade Globalfoundries derart intensiv gegen die systemkritische und angeblich islamfeindliche Bürgerbewegung engagiert. Die Antwort hierauf ergibt sich aus den Eigentumsverhältnissen.

Zunächst gehörten die Reinst­raum-Produktionsstätten am nördlichen Rand von Dresden, in denen sogenannte Silizium-Wafer, also Grundplatten für elektronische Bauelemente, hergestellt werden, dem US-Konzern Advanced Micro Devices (AMD). Der fusionierte dann 2008 mit der Advanced Technology Investment Company (ATIC), wodurch die Globalfoundries Inc. entstand, die nunmehr die Auftragsfertigung für Mikrochipfirmen in aller Welt übernahm. Anschließend kam es zu einem deutlichen Ausbau der Anlage in der Elbestadt, so dass hier das größte Halbleiterwerk Europas entstand. In ihm sind heute 3700 Menschen beschäftigt. Allerdings zog sich AMD im März 2012 als Miteigentümer zurück, wodurch Globalfoundries nun zu 100 Prozent der ATIC gehört. Und dies ist der springende Punkt, denn die ATIC gehört über die Mubadala Development Company (MDC) der Regierung des Emirates Abu Dhabi, das seinerseits zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gehört. Die Bedeutung der MDC als Staatsfonds wird schon daraus ersichtlich, dass an ihrer Spitze kein Geringerer als die derzeitige Nummer Eins in der Thronfolge von Abu Dhabi, Prinz Muhammad bin Zayid Al Nahyan, steht. Damit befindet sich Globalfoundries ganz offenkundig in einem Abhängigkeitsverhältnis zum sunnitischen Führungsclan des Emirates, das dann naheliegenderweise bestimmte Verhaltensweisen bedingt, wenn es um den Islam beziehungsweise um Kritik an diesem geht.

Aber damit nicht genug: Parallel hierzu existiert auch noch eine Querverbindung zwischen Globalfoundries und der Technischen Universität in Dresden, deren Leitung ebenfalls besonders intensiv gegen die islamkritischen Demonstranten agitiert – man denke da nur an die rund 60 Unterschriften von führenden TU-Mitarbeitern unter der erwähnten Zeitungsanzeige sowie die permanenten Aufrufe des Rektors Hans Müller-Steinhagen an seine Unterstellten, keinesfalls an den „Spaziergängen“ von Pegida teilzunehmen. Wie aus Pressemeldungen hervorgeht, hat Globalfoundries der Hochschule kürzlich ein „hochspezialisiertes“ und damit sehr teures Elektronen- und Ionenmikroskop geschenkt; darüber hinaus laufen diverse Kooperationsvorhaben, die sich für die Universität bestimmt ebenfalls auszahlen.

Wolfgang Kaufmann


Nicht mehr nur eine Gefahr
An deutschen Gerichten wird nach islamischem Recht geurteilt

In der vergangenen Woche war Jochen Hartloff noch einmal in aller Munde. Zum Ende des vergangenen Jahres war das Urgestein der rheinlandpfälzischen SPD als Justizminister ausgeschieden, doch unter dem Eindruck der Pariser Attentate muss sich der 60-Jährige wieder rechtfertigen. Schließlich ist der Jurist der erste deutsche Politiker, der die Einführung sogenannter Scharia-Gerichte in Deutschland erklärtermaßen befürwortet hat. „Das war ein absolutes Missverständnis, eine falsche Interpretation. Das Wort Scharia habe ich nicht einmal gebraucht. In der Sache habe ich aber richtig gelegen. Es ist einfach die Realität“, sagt der Rechtsanwalt.

„Wir praktizieren islamisches Recht seit Jahren. Und das ist auch gut so“, erklärte Hilmar Krüger, Professor für ausländisches Privatrecht an der Universität Köln, gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Vor allem im Familien- und Erbrecht fänden Normen der Scharia Anwendung. So würden etwa Jordanier in Deutschland nach jordanischem Recht verheiratet – und geschieden. In den meisten Fällen, welche die Gerichte zu behandeln hätten, gehe es um die Bereiche des Familien- oder des Erbrechts. „Es geht um die Frage, wie zu bewerten ist, unter welchen Umständen beispielsweise eine Ehe im Iran geschlossen wurde“, so Krüger.

Schon seit etlichen Jahren berufen sich deutsche Richter auf die Scharia. Das Bundessozialgericht in Kassel lehnte bereits 2000 die Klage einer Marokkanerin mit dem Verweis auf islamisches Recht ab. Die Witwe hatte sich geweigert, die Rente ihres Mannes mit der Zweitfrau zu teilen. Beiden Gattinnen stehe der gleiche Rentenanteil zu, befanden die Richter. In einem anderen Fall erkannte ein Gericht eine Ehe an, die in Tunesien durch zwei Stellvertreter per Handschlag geschlossen worden war.

Für Aufsehen sorgte auch eine Erbrechtsentscheidung im Jahr 2012. Das Amtsgericht in München entschied, dass einer Deutschen nach dem Tod ihres aus dem Iran stammenden Mannes anstelle des Alleinerbes nur ein Viertel des Erbes zustehe. Die übrigen drei Viertel gingen an Verwandte des Mannes in Teheran. Auch hier wurde ausländisches Recht angewandt. Stirbt ein Ehepartner, der keinen deutschen Pass besitzt, gilt das Erbrecht seines Herkunftslandes, in diesem Fall das iranisch-islamische Recht.

Krügers Erlanger Kollege Mathias Rohe, der als Experte für derartige Fragen gilt, sieht darin erst einmal kein Problem. Die Scharia könne angewandt werden, wenn das Ergebnis für den deutschen Staat erträglich sei, meint der Hochschullehrer. Die deutsche Rechtsordnung billige grundsätzlich Eheverträge, in denen Ehefrauen nach islam-rechtlichen Vorstellungen eine Brautgabe versprochen wird, sagte er der Tageszeitung „Die Welt.“

Rohe betont aber, dass alle Arten von Straftaten wie Fälle häuslicher Gewalt ausschließlich nach deutschem Recht behandelt würden. Schon seit geraumer Zeit warnt der Jurist und Islamwissenschaftler vor der Gefahr, „dass in Deutschland eine Paralleljustiz entstehen könnte“. Die Scharia bezeichnete er in diesem Zusammenhang als „ein hochkomplexes System religiöser und rechtlicher Normen des Islam“. Rohe beschäftigt sich beruflich mit den Gefahren des Islamismus und berät als Experte den Verfassungsschutz. Peter Entinger


MELDUNGEN

Mehr Flüchtlinge aus Syrien

Berlin – Bund und Länder haben bisher rund 31000 Aufnahmeplätze für Flüchtlinge aus Syrien bereitgestellt. Davon hat allein der Bund 20000 Plätze geschaffen. Derzeit leben knapp 78000 syrische Flüchtlinge in Deutschland, die nach dem Beginn des Bürgerkrieges vor vier Jahren eingereist sind. Davon sind rund 24000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die weitaus meisten Flüchtlinge, nämlich 46700, kamen im vergangenen Jahr nach Deutschland. Im Vergleich zu 2013 (18000) hat sich damit die Zahl der eingereisten Flüchtlinge aus Syrien mehr als verdoppelt. Nach Angaben der Bundesregierung ist die Aufnahme der Flüchtlinge so zügig verlaufen, dass das deutsche Aufnahmeverfahren mittlerweile von anderen Staaten kopiert wird. J.H.

 

Visapflicht für Transitreisende

Berlin – Die Bundesregierung hält an der nationalen Visapflicht für Transitreisende fest. Reisende bestimmter Nationalitäten müssen für Flüge von einem Nicht-Schengen-Staat in einen weiteren Nicht-Schengen-Staat mit Zwischenaufenthalt auf einem Flughafen in der EU ein Transitvisum erwerben. Allerdings wird die Pflicht zu dessen Erwerb in den EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich gehandhabt. Die Bundesregierung betrachtet die nationale Flughafentransitvisumpflicht als ein „migrationspolitisches Steuerungsinstrument“ und strebt daher keine EU-weite Harmonisierung der Transitvisumpflicht an. Zur Begründung führt sie in der Antwort auf eine Anfrage der Fraktion der Linkspartei aus, die „migrationspolitische Situation“ in den Mitgliedstaaten stelle sich unterschiedlich dar beziehungsweise sei nicht vergleichbar. Darüber hinaus sei deren Anbindung an den weltweiten Flugverkehr nicht vergleichbar. U.M.


S. 4 Hintergrund: »Gustloff«-Untergang

Die größte Schiffskatastrophe
Vor 70 Jahren wurde die »Wilhelm Gustloff« vom sowjetischen U-Boot S 13 versenkt

Vor 70 Jahren starben 9343 Menschen beim Untergang der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar 1945. Während jedoch der Untergang der „Titanic“ noch heute Massen bewegt, werden diese Opfer der größten Schiffskatastrophe der Geschichte immer noch als bedauerliche Kriegsverluste angesehen.

Die „Wilhelm Gustloff“, in Friedenszeiten einst Flaggschiff und Stolz der „Kraft durch Freude“-Flotte, wurde während des Zweiten Weltkrieges erst als Hilfsschiff der Kriegsmarine, dann als Lazarettschiff und schließlich als Wohnschiff der 2. Unterseebootslehrdivision (2. ULD) in Gotenhafen eingesetzt. Nachdem Großadmiral Karl Dönitz am 21. Januar 1945 die Evakuierung von Ostpreußen befohlen hatte, sollte die 2. ULD in einen westlicheren Ostseehafen verlegt werden. Bedeutsam bei dem Befehl war aber, dass freie Schiffskapazitäten zum Abtransport der „nicht kampffähigen Bevölkerung“ genutzt werden durften.

Innerhalb von 48 Stunden wurde die „Wilhelm Gustloff“ zum Transportschiff umgerüstet, um Platz für mehr als 5000 Menschen zu schaffen. Neben den jungen U-Boot-Soldaten waren Marinehelferinnen, Schwerverwundete, die Handelsschiffsbesatzung und tausende Flüchtlinge an Bord. Tatsächlich waren es über 10000 Menschen, denn auch nachdem die Anbordnahme von 7956 gezählten Flüchtlingen offiziell abgeschlossen war, kamen weitere an Bord. Noch beim Auslaufen wurden von einem kleinen ankommenden Dampfer einige hundert Flüchtlinge übernommen.

Den Geleitschutz stellte eigentlich die 9. Sicherungsdivision. Als die „Wilhelm Gustloff“ auslaufbereit war, stand jedoch nur das Torpedoboot „Löwe“ der 2. ULD zur Verfügung. Als drittes Schiff gehörte der ebenfalls voll beladene Dampfer „Hansa“ zum Konvoi, der allerdings wegen eines Maschinenschadens an der Halbinsel Hela zurückblieb. Wegen der Gefahr von sowjetischen Luftangriffen entschieden der Handelsschiffskapitän Friedrich Petersen und Korvettenkapitän Wilhelm Zahn, der militärisch verantwortlich war, die Reise allein fortzusetzen. Es gab zwei Routen, den minenfreien Tiefwasserweg, auf dem U-Boote lauerten oder den verminten Küstenweg, wo aufgrund der geringen Wassertiefe keine U-Boote drohten. Ein Minentreffer hätte das Schiff zwar beschädigt, aber im flachen Küstenwasser nicht versenkt. Schließlich wurde der Tiefwasserweg gewählt, allerdings nicht mit der Höchstgeschwindigkeit von 15 Knoten befahren, sondern nur mit zwölf. Kapitän Petersen befürchtete, dass das Schiff, das seit über vier Jahren nicht in Fahrt gewesen und 1943 außerdem bei einem Luftangriff beschädigt worden war, die höhere Geschwindigkeit in dem überladenen Zustand nicht aushalten würde. Aufgrund einer Funkmeldung, dass ein Minenverband auf Gegenkurs sei, wurden kurz Positionslichter gesetzt, um eine Kollision zu verhindern, wohl wissend, dass die Gefahr der Entdeckung durch feindliche U-Boote sehr groß war.

Als der Ausguck des sowjetischen U-Boots S 13 die Lichter des großen Schiffs entdeckte, war das Todesurteil der „Wilhelm Gustloff“ gefällt. Kapitän Alexander Mari­nes­­ko ließ drei Bugtorpedos abfeuern, die backbords trafen. Das Licht verlöschte, und für die Menschen begann in der Dunkelheit ein Todeskampf, um aus dem sinkenden Schiff herauszukommen. Kurz vor dem Untergang ging die gesamte Beleuchtung noch einmal an, bevor die „Wilhelm Gustloff“ mit hochaufragendem Heck am Abend des 30. Januar 1945 endgültig versank. Tausende fanden in der „Wilhelm Gustloff“ ihr Grab, aber auch in der eiskalten Ostsee gab es nur wenige Überlebenschancen. Nur 1252 Menschen wurden gerettet. Britta Heitmann


Eines von 250 Schiffen
Bei der Rettung über die Ostsee ging nicht nur die »Gustloff« unter

Kurz nach dem Untergang der „Wilhelm Gustloff“ war die Anzahl der bei eisiger Kälte ausharrenden Menschen in der ostpreußischen Hafenstadt Pillau auf über 30000 gestiegen. Da die Fluchtwege über Land durch die Rote Armee abgeschnitten waren, blieb der Seeweg die einzige Hoffnung, trotz des Wissens um seine Gefährlichkeit. Am 8. Februar 1945 kehrte die „Steuben“ nach der 20. erfolgreichen Transportfahrt gen Westen wieder nach Pillau zurück.

Die „Steuben“, ein vormaliges großes Passagierschiff, war nun ein Verwundetentransportschiff, das speziell für die sachgemäße Lagerung und Versorgung von Verwundeten ausgerüstet und mit Flakgeschützen gegen Luftangriffe bewaffnet war. Bei dieser Fahrt wurden vorrangig Verwundete mit medizinischem Versorgungspersonal an Bord genommen, aber auch einige hundert Flüchtlinge waren dabei. Es gab keine namentliche Erfassung mehr, an Bord waren mindestens 4500 Menschen. Die Geleitsicherung bestand aus dem alten Torpedofangboot TF 1 und Torpedoboot T 196, das selbst 200 Flüchtlinge auf dem Oberdeck transportierte.

Bei der Abfahrt wurden die Schiffe von zwei sowjetischen Flugzeugen erfolglos bombardiert. Um weiteren Luftangriffen zu entgehen, wurde entschieden, mit Höchstgeschwindigkeit im Zick-Zack-Kurs den schnellen minenfreien Weg zu nehmen. Auf diesem Weg lauerte jedoch wieder das sowjetische U-Boot S 13 von Kapitän Alexander Marines­ko. Die „Steuben“ sank am 10. Februar 1945 nach zwei Torpedotreffern. Nur 659 Menschen überlebten, über 3800 starben in den eiskalten Fluten der Ostsee.

Am 16. April 1945 gab die Ankunft des Frachters „Goya“ auf der Halbinsel Hela vielen Menschen die Hoffnung auf Rettung. Die „Goya“ war ein großes schnelles Schiff, das für den Transport von 5000 Menschen umgerüstet worden war. Beim morgendlichen sowjetischen Luftangriff wurde auch die „Goya“ beschädigt und wurden das so wichtige U-Boot-Peilgerät und die Minen-Eigenschutz-Anlage zerstört. Das Schiff war zwar fahrbereit, aber jetzt wie jedes andere Schiff voll auf den Geleitschutz angewiesen. Die Beladung erfolgte während eines weiteren Luftangriffs, bis das Schiff mit über 7000 Menschen völlig überfüllt war. Mit einem Geleitzug ging die Fahrt Richtung Westen, anfangs noch mit elf Knoten, dann, nach dem Motorausfall eines anderen Dampfers, nur noch mit sieben Knoten. Die „Goya“ fuhr am Schluss des Geleitzugs und wurde dort von zwei Torpedos des sowjetischen U-Boots L 3 getroffen. Sie sank nach nur vier Minuten am 17. April 1945 in dem Seegebiet, wo auch schon die „Wilhelm Gustloff“ und die „Steuben“ russischen Torpedos zum Opfer gefallen waren. Nur 147 Menschen überlebten den Untergang.

Bei der Flucht über die Ostsee kamen über 40000 Menschen bei 250 Schiffsuntergängen ums Leben. Für über zwei Millionen Menschen war sie jedoch die Rettung B.H.


Verbrechen oder rechtmäßig?

Die Sowjetunion hatte das Genfer Abkommen von 1929 nicht ratifiziert und in einer Note gegenüber der Reichsregierung 1941 noch einmal bestätigt, dass deutsche Lazarettschiffe grundsätzlich nicht anerkannt werden würden. Daher wurden in der Ostsee keine unbewaffneten weißen Lazarettschiffe mit Rot-Kreuz-Flagge eingesetzt, die bei Dunkelheit soweit beleuchtet sein mussten, dass der Anstrich erkennbar war und so eine perfekte Zielscheibe für sowjetische U-Boote waren.

Nachdem Großadmiral Karl Dönitz am 21. Januar 1945 die Evakuierung von Ost- und Westpreußen eingeleitet hatte, begann der Massenabtransport Richtung Westen über die Ostsee. Es gab weder für Verwundete noch für Zivilisten eine Chance, mit einem sicheren, von sowjetischer Seite anerkannten Transportmittel zu entkommen. Sie konnten nur auf Schiffen fliehen, die teilweise selbst armselig bewaffnet waren oder von bewaffneten Geleitschiffen eskortiert wurden.

Daraus abzuleiten, dass ein gegen U-Boot-Angriffe ungeschütztes Passagierschiff wie die „Wilhelm Gustloff“ oder das Verwundetentransportschiff „Steuben“ abgeschossen werden durften, ist zynisch. Der Tod von über 10000 Menschen wurde nicht durch ein tragisches Unglück ausgelöst, sondern durch die gezielten Torpedo-Abschüsse auf Schiffe mit einer wehrlosen Menschenfracht, deren Tod beabsichtigt war. Die damalige Abspeisung von Kapitän Alexander Marines­ko mit einem Standardorden zeigt, dass diese Abschüsse nicht als „heldenhaft“ galten. Umso unverständlicher ist die posthume Ehrung 1990 ausgerechnet durch Präsident Michail Gorbatschow, der das Ende des Kalten Krieges eingeleitet hatte. B.H.

Sowjetische Kampfeinsätze gegen „Lazarett- und Flüchtlingsschiffe“: Kriegsverbrechen oder rechtmäßige Angriffe?


Zeitzeugen

Alexander Marinesko – Der Kommandant des sowjetischen U-Bootes S-13 versenkte am 30. Januar 1945 die „Wilhelm Gustloff“ und am 10. Februar 1945 die „Steuben“. Er galt als unzuverlässig und wurde später unehrenhaft aus der Marine entlassen. 1990 ernannte ihn Präsident Michail Gorbatschow posthum zum „Helden der Sowjetunion“, und in Königsberg wurde ein Teil des Pregelufers nach ihm benannt. Auch setzten ihm alte Marinekameraden mit einer überlebensgroßen Bronzebüste auf einer Granitsäule auf seinem Grab in St. Petersburg ein Denkmal.

Wilhelm Gustloff – Der Leiter der NSDAP-Landesgruppe Schweiz wurde 1936 von einem jüdischen Studenten erschossen. Adolf Hitler entschied nach seiner Beerdigung, dass der erste Schiffsneubau der KdF-Flotte den Namen „Wilhelm Gustloff“ erhalten sollte. Seine Witwe taufte das Schiff beim Stapellauf am 5. Mai 1937.

Friedrich Petersen – Der Kapitän brachte die „Wilhelm Gustloff“ schon 1938 auf der Jungfernreise zurück nach Hamburg, nachdem der damalige Kapitän plötzlich verstorben war. 1944 kam er dann im Alter von 62 Jahren wieder als „Wohnschiff-Kapitän“ an Bord. Als im Januar 1945 die „Wilhelm Gustloff“ wieder in Fahrt gehen sollte, kamen zur Unterstützung noch zwei junge aktive Kapitäne an Bord. Er überlebte den Untergang.

Heinz Schön – Der Zahlmeister-Assistent überlebte den Untergang der „Wilhelm Gustloff“. Er wechselte auf die „General San Martin“ und nahm an weiteren Rettungsfahrten über die Ostsee teil. Nach Kriegsende wurde die Dokumentation des Unternehmens „Rettung über die Ostsee“ sein Lebenswerk.

Karl Dönitz – Der Großadmiral und Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine gab am 21. Januar 1945 den Befehl zum „Unternehmen Hannibal“, der Evakuierung von Soldaten, Verwundeten und Flüchtlingen aus Ost- und Westpreußen, insgesamt etwa 2,5 Millionen Menschen. Vorrangig dabei war das Wehrmachtspersonal, allerdings durften frei gebliebene Kapazitäten zum Abtransport von Zivilisten genutzt werden.


S. 5 Preussen/Berlin

Drogenfreie Zone geplant
In genau bestimmten Gebieten will der Senat keine Cannabis-Freimenge mehr erlauben

In Gebieten wie dem Görlitzer Park oder im Umfeld von Schulen, Kindertagesstätten und Bahnhöfen soll voraussichtlich ab dem 1. April keine Toleranzgrenze von bis zu 15 Gramm Cannabis für den Eigenbedarf mehr gelten. Das erklärten Innensenator Frank Henkel und Justizsenator Thomas Heilmann (beide CDU) auf einer Pressekonferenz im Roten Rathaus.

Auch die seit Monaten verstärkten Maßnahmen der Polizei reichten nicht aus, um die Drogen- und Gewaltkriminalität im Görlitzer Park in Kreuzberg ausreichend einzudämmen. Dabei hat die Polizei, wie Innensenator Henkel erklärte, allein im Zusammenhang mit dem Görlitzer Park vergangenes Jahr 511 Polizeieinsätze mit 30079 Einsatzkräftestunden geleistet. Es gab 4700 Personenüberprüfungen, 1774 Platzverweise und 474 Freiheitsentziehungen. 1956 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet, davon 910 gemäß dem Betäubungsmittelgesetz und 745 nach dem Aufenthalts- und Asylgesetz. „Uns geht es darum, die polizeilichen Maßnahmen jetzt so zu organisieren, dass sie nachhaltig wirken“, so Henkel.

Die Polizeidirektion 5 habe ein neues Konzept erarbeitet, das seit dem 5. Januar greife. Demnach sollen neue „Brennpunktstreifen“ in einem Vier-Schicht-System dafür sorgen, dass die Polizei – unabhängig von sonstigen Schwerpunkteinsätzen – nahezu permanent rund um den Park präsent sei mit zwischen acht und 20 Einsatzkräften, von den frühen Morgenstunden bis in die Nacht. Zudem werde eine „Sonderermittlungsgruppe Brennpunkte“ tätig.

Es würden insgesamt etwa 50 Polizeikräfte über den ganzen Tag eingesetzt. „Das ist ein hoher Aufwand“, sagte Henkel, „aber er verdeutlicht, dass wir eine dauerhafte Verbesserung wollen und nicht nur eine temporäre.“ Die Brennpunktstreife werde schwerpunktmäßig im Görlitzer Park präsent sein, sei aber flexibel genug, um auch auf Verdrängungseffekte – einem Ausweichen von Dealern in die nähere Umgebung – zu reagieren.

Das größte Novum ist jedoch die geplante Deklaration „drogenfreier Bereiche“. In genau bestimmten Gebieten – wie etwa dem Görlitzer Park, aber auch vor oder in Kindergärten, Schulen, Jugendheimen, Bahnhöfen oder Spielplätzen –sollen künftig Handel, Konsum und Besitz von Cannabis nicht mehr unter die „Freimengen-Grenze“ fallen. Damit wird eine Strafverfolgung bereits beim ersten Gramm Cannabis möglich.

Die Strafverfolgungsbehörden sollen auch zeitweilig weitere „drogenfreie Zonen“ deklarieren können, sofern erforderlich. „Das ist für uns ein wichtiger Schritt“, betonte Innensenator Henkel, „denn oft genug tragen Dealer nur eine geringe Menge am Körper und berufen sich dann auf Eigenbedarf. Diese Ausrede wollen wir ihnen jetzt nehmen.“

Die Polizei nahm zwar Dealer fest, doch waren diese meist bald wieder auf freiem Fuß. Die meisten Ermittlungsverfahren wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Dies führte auch zu erheblicher Frustration bei der Polizei. Bislang gilt die „Gemeinsame Allgemeine Verfügung zur Umsetzung von Paragraph 31 a Betäubungsmittelgesetz“ (AV) von Innen- und Justizsenat aus dem Jahr 2010. Ihr zufolge sind Verfahren bei einer Cannabis-Menge von bis zu zehn Gramm „grundsätzlich einzustellen“. Nach den Umständen des Einzelfalles kann die Staatsanwaltschaft auch bei einer Menge bis zu 15 Gramm von der Strafverfolgung absehen.

Zwar sieht die AV bereits Ausnahmen von dieser Regelung vor – etwa zum Jugendschutz und bei anderen Fällen, in denen das öffentliche Interesse die Strafverfolgung gebietet. Doch ist die Verfügung hier laut Justizsenator Heilmann „zu unscharf“ und wird präzisiert.

So hohe „Freimengen“ wie in Berlin sind nirgendwo sonst erlaubt. In den meisten Bundesländern liegt die Grenze bei sechs Gramm. Henkel wollte für Berlin ebenfalls eine Sechs-Gramm-Grenze. Doch der Koalitionspartner SPD – der immerhin die Deklaration drogenfreier Zonen mitträgt – war dazu nicht bereit. Außerhalb der künftig deklarierten „drogenfreien Bereiche“ –also im größten Teil der Stadt – wird somit weiterhin die hohe Freimengen-Grenze gelten. Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sven Kohlmeier, erklärte: „Uns war es wichtig, dass die liberale Berliner Regelung des Besitzes zum Eigenverbrauch weiterhin gilt.“ Dabei werden Wirkstoffe in Cannabis-Produkten immer stärker. Neue wissenschaftliche Untersuchungen bewerten die Gefahren durch Cannabis weit höher, als viele vermuten.

Wie Henkel erklärte, soll über die „drogenfreien Bereiche“ eine Aufklärungs- und Informationskampagne gestartet werden. Für diese soll die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales jährlich 500000 Euro bereitstellen.

Die grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, kritisierte erwartungsgemäß die Deklaration drogenfreier Zonen. Die Drogenszene würde sich dann nur verlagern. Wie andere Grüne propagiert Herrmann die Legalisierung von Cannabis.

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, begrüßte den neuen „Null-Toleranz-Ansatz“: „Diese Entscheidung war längst notwendig. Es macht überhaupt keinen Sinn, Hundertschaften durch den Görli zu schicken und anschließend zwei Drittel der Verfahren einzustellen.“ Pfalzgraf fügte hinzu: „Wir sollten diesen Bekämpfungsansatz jetzt erst einmal mindestens ein Jahr ausprobieren und nicht gleich wieder von interessierter Seite kaputt reden lassen.“ Michael Leh


25 Jahre Ende der Stasi
von Vera Lengsfeld

Niemand hatte mit einem solchen Andrang gerechnet: Als am letzten Sonnabend um 11 Uhr der „Bürgertag“ anlässlich des 25. Jahrestages der Erstürmung der Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße begann, befanden sich schon Hunderte Interessierte auf dem weitläufigen Gelände, die ungeduldig auf den Beginn der Veranstaltung warteten.

Ich selbst nahm an der ersten Podiumsdis­kussion teil, die gleich nach den Eröffnungsreden begann. Der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde (BStU), Roland Jahn, glaubte noch, die Dis­kussionsteilnehmer darauf vorbereiten zu müssen, dass der Saal vielleicht noch ziemlich leer sein würde, weil sich die meisten Besucher erst noch einfinden würden.

Das war unnötig. Die meisten Plätze waren besetzt, als diskutiert wurde, ob sich der Sturm auf die Zentrale des verhassten Geheimdienstes gelohnt habe, ob die Aufarbeitung geglückt sei und wie es mit den Stasi-Akten weitergehen solle.

Es wurde noch einmal klar, wie wichtig die Aktenöffnung für die Verfolgten gewesen ist. Jeder Betroffene konnte nicht nur herausfinden, wer ihn bespitzelt hatte, sondern wo, zum Beispiel bei Berufsverboten, die Stasi tief in sein Leben eingegriffen hat. Die anderen osteuropäischen Staaten, die eine Öffnung ihrer Akten zunächst abgelehnt hatten, folgten früher oder später dem Beispiel Deutschlands. In anderen Diskussionen wurden Bezüge zu heutigen Problemen hergestellt: „Stasi und NSA – gibt es Lehren aus der Vergangenheit?“

Neben den Diskussionen und Vorträgen gab es jede Menge zu sehen, etwa die neue Dauerausstellung, die eine Übersicht über die Tätigkeit des Sicherheitsapparates gibt. Zeitweise konnte man die Ausstellung vor lauter Menschen nicht erkennen. Man konnte den Menschen zusehen, die per Hand die zerrissenen Akten zusammensetzen. Man konnte bereits einen Blick auf den vom Fraunhofer-Institut entwickelten Prototyp werfen, der in Zukunft die Zusammensetzung maschinell betreiben und ermöglichen wird, dass alle Akten innerhalb der nächsten Jahre, statt in drei Jahrhunderten rekonstruiert werden können.

Man konnte sich über die neuen Forschungsprojekte der BStU informieren wie über den heimlichen Wettlauf zwischen der Hauptverwaltung Aufklärung, der Auslandsspionageabteilung der Stasi, und dem Bundesnachrichtendienst, was die Zahl und die Effektivität ihrer jeweiligen Spione betraf, oder über die Rolle der Stasi-Propaganda im Kalten Krieg.

Dabei kamen auch alte Filmausschnitte zum Einsatz. Armin Müller-Stahl in der DDR-Antwort auf den James-Bond-Film „For your Eyes only“ („In tödlicher Mission“, 1981), damals ein Straßenfeger. Das Schönste war dabei: Am Ende hat der Stasi alles nichts genutzt.


Kältehilfe meldet Notstand
Illegal Eingereiste besetzen immer mehr Plätze für Obdachlose

Von der Öffentlichkeit wenig beachtet, hat sich die Situation vieler Obdachloser in Berlin diesen Winter erheblich verschärft: Im Kampf um die begrenzte Zahl von Unterkünften geraten Notleidende immer stärker in Konkurrenz zueinander.

So hatte schon im vergangenen Oktober Ulrike Kostka, Direktorin des Berliner Caritasverbandes, gewarnt, dass die Kältehilfe – ein Zusammenschluss von Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Senat und Bezirken – „immer stärker zum Auffangbecken für soziale Nöte aller Art“ werde. Kamen vor 25 Jahren noch überwiegend Berliner in die Notunterkünfte, mit denen Obdachlose im Winter vor dem Erfrieren bewahrt werden sollen, so seien inzwischen „knapp 40 Prozent unserer Gäste Ausländer“, so der Leiter einer Notunterkunft. Die Herkunftsländer – unter anderem Syrien, Afghanistan, Iran und Irak – deuten auf eine massive Fehlentwicklung in der Asylpolitik der EU hin: Trotz drastisch angestiegener Zahlen ist bei den hierzulande gestellten Asylanträgen nämlich eine Unterbringung nahezu garantiert. Dass in den Obdachlosenunterkünften dennoch verstärkt Asylbewerber um Hilfe bitten, spricht dafür, dass die Betroffenen in anderen EU-Ländern wie etwa Italien Asyl-Erstanträge gestellt haben, bevor sie sich illegal auf den Weg nach Berlin machten.

Inzwischen hat die Kältehilfe noch auf eine andere Entwick-lung aufmerksam gemacht. Immer öfter seien Familien mit Kindern auf die Notunterkünfte angewiesen. Medienberichten zufolge handelt es sich vor allem um Bürger anderer EU-Staaten, die wegen eines Jobs nach Deutschland gekommen sind. Der Verlust des Arbeitsplatzes scheint relativ häufig zur Folge zu haben, plötzlich ohne Unterkunft mit den Kindern auf der Straße zu stehen.

Aus Sicht der Kältehilfe besteht akuter Handlungsbedarf: Erfahrungsgemäß sind die Notunterkünfte mit Menschen, die oftmals Alkohol- und Drogenprobleme haben, kein geeigneter Ort für Kinder. Wie schon beim Problem der Asylbewerber, für die eigentlich andere EU-Staaten zuständig sind, wäre Brüssel eigentlich auch bei den wohnungslosen EU-Bürgern gefragt, eine Lösung zu finden.

Denkbar wäre die Einführung eines Herkunftsprinzips bei der Sozialhilfe innerhalb der EU. Egal an welchem Aufenthaltsort wegen einer Notlage ein Sozialhilfeantrag gestellt würde, müsste dabei das jeweilige Heimatland für seine Staatsbürger aufkommen. N.H.


Medien-Show
Kaum Muslime auf der »Mahnwache«

Zumindest hinsichtlich der Medienresonanz kann die Mahnwache für Frieden und Toleranz, die am 13. Januar vor dem Brandenburger Tor stattgefunden hat, als voller Erfolg für die Initiatoren bezeichnet werden. Aus Anlass der Terroranschläge in Paris war zu der Veranstaltung aufgerufen worden.

Nach Polizeiangaben folgten dem Aufruf 10000 Menschen. Präsenz zeigten zudem die Spitzen von Staat und Gesellschaft: von Bundespräsident Gauck, Kanzlerin Merkel, Vize-Kanzler Gabriel bis zu Politikern der Opposition und Kirchenvertretern. Der ARD war die Mahnwache sogar eine Programmänderung wert, so dass die Veranstaltung live übertragen wurde.

Tatsächlich erhoben sich vor Ort bald Zweifel, ob der Medienrummel angemessen war: Hauptinitiator der Veranstaltung waren neben der „Türkische Gemeinde zu Berlin“ mit ihrer eher lokalen Bedeutung, der „Zentralrat der Muslime in Deutschland“. Trotz des anspruchsvollen Namens gilt der Rat als ausgesprochen kleiner Verband. Er vertritt deutschlandweit Schätzungen zufolge kaum 20000 Muslime.

Nicht weniger interessant ist, dass die wirklich großen Verbände – etwa die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Verband der Islamischen Kulturzentren oder die Alevitischen Gemeinde Deutschland e. V. – nicht zu den Initiatoren der Veranstaltung gehörten. Ernüchternd ist ebenso eine andere Tatsache: Wie einem Bericht der „Berliner Zeitung“ zu entnehmen war, befanden sich unter den 10000 Teilnehmern der Mahnwache nur wenige Muslime. N.H.


Wittenberges Hafen enttäuscht

Obwohl in den vergangenen Jahren in den Hafen im brandenburgischen Wittenberge sechs Millionen Euro an Fördermitteln geflossen sind, haben nach Angaben der Betreibergesellschaft Elbeport Wittenberge GmbH im Jahr 2014 nur acht Schiffe in der Prignitzstadt festgemacht. Eine herbe Enttäuschung: Eigentlich wurde damit gerechnet, dass der Hafen von zwei bis drei Schiffen pro Woche genutzt wird, ein Wert, der nicht einmal ansatzweise erreicht wurde. Als Grund für die niederschmetternden Zahlen gibt die Geschäftsführung den niedrigen Wasserstand der Elbe im Vorjahr an. Von Mitte März bis Mitte November habe der Fluss Niedrigwasser geführt, so Elbeport-Geschäftsführer Michael Beyer. Mit Fördermitteln von EU, Bund und Land Brandenburg ist in dem Prignitz-Hafen bis Ende 2009 ein Anleger für Flüssiggüter und im Sommer 2011 ein zweiter Anleger für Container, Massen- und Stückgüter entstanden. N.H.


S. 6 Ausland

Eine halbe Milliarde für die Ukraine
Wofür Jazenjuk die ihm von Kanzlerin Merkel zugesagten deutschen Steuergelder verwenden will

Dass der ukrainische Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk bei seinem Besuch in Berlin Geld sehen wollte, ist nicht überraschend, das tun andre auch. Überraschend ist der vorgebliche Verwendungs­zweck für die 500 Millionen, die ihm seine Gastgeberin Angela Merkel in die Hand gedrückt hat.

Er brauche sie, so der von den USA eingesetzte Regierungschef, für den Wiederaufbau des Donbass. Das erstaunt umso mehr, als es doch Jazenjuks Regierung im Verein mit dem Staatspräsidenten Petro Poroschenko ist, die den Südosten der Ukraine mit Bomben und Granaten in Schutt und Asche legt.

Tatsächlich geht es ihnen nicht um die Heilung der Wunden, weder im Sinne der Menschen und ihres Miteinanders noch in dem Sinne, dass die Region wieder gerichtet werden solle, ganz im Gegenteil. Poroschenko setzt auf einen neuen Feldzug und erklärt: „Ich bin überzeugt, dass 2015 das Jahr unseres Sieges wird. Dazu brauchen wir eine starke, patriotische und gut ausgerüstete Armee.“

Ganz in diesem Sinne hat Poroschenko zu Jahresbeginn der Armee neue Waffen übergeben, mit viel Tamtam und Geklirr. Es handelte sich hauptsächlich um selbstfahrende 203-Millimeter-Haubitzen,

T-64BW-Panzer und vier Kampfjets sowie Sturmgewehre. Der Staatspräsident bedankte sich bei der Nato, namentlich bei Kanada, Litauen und Polen. Aus seinem eigenen Fluggeräte-Park spendierte das Staatsoberhaupt zwei Hubschrauber. Als Waffenproduzent ist er ja dem kriegerischen Geschehen in seinem Land innerlich eng verbunden. Wie viel er allerdings privat an dem Blutvergießen verdient, dürfte nur er allein wissen.

Im vergangenen Jahr hat Kiew drei Teilmobilmachungen durchgeführt, in diesem Jahr werden es wieder so viele sein. In diesem Rahmen sollen 100000 Mann eingezogen werden, die, so der erste Parlamentspräsident nach dem Putsch und jetzige Sekretär des Sicherheits- und Verteidigungsrates Alexander Turtschinow, „bei einem Kriegszustand“ sofort eingezogen werden. Die erste Teilmobilisierung in diesem Jahr war für den 20. Januar geplant. Für den April und Juni sollen zwei weitere folgen. „Ab 2015 wird die Wehrpflicht wieder eingeführt“, kündigte Turtschinow an. Wehrpflichtig sind Männer im Alter zwischen 20 und 57 Jahren, die Dienstzeit beträgt 18 Monate.

Poroschenko begründete die Mobilmachungen damit, dass die Soldaten im Kriegseinsatz im Osten des Landes ausgetauscht werden müssten. Dabei gestand er notgedrungen den fatalen Zustand der dortigen Armeeteile ein. Neben den massenhaften Desertionen zu Beginn des Bürgerkrieges hat es die Armeeführung mit vielen Soldaten zu tun, die körperlich krank sind oder unter psychischen Störungen leiden.

Doch auch die Einführung der Wehrpflicht löst nicht alle Probleme. Viele Einberufene weigern sich, in den Krieg zu ziehen. Die Generalstaatsanwaltschaft hat mehr als 1000 Ermittlungsverfahren wegen Dienstverweigerung eingeleitet. Am 20. Juli des vergangenen Jahres versperrten Frauen in der Ortschaft Gamalijewka unweit von Lemberg in der Westukraine eine Autobahn nach Kiew, um die Entsendung ihrer Söhne in den Krieg zu verhindern. Im Westen des Landes gab es Demonstrationen gegen Mobilmachungen. Im Oktober protestierten hunderte Nationalgardisten in Kiew gegen eine erneute Verlängerung ihres Wehrdienstes. Doch das alles hindert Turtschinow nicht an seinem Bekenntnis: „Wir müssen eine der mächtigsten Armeen Europas aufstellen. Unser Krieg geht erst dann zu Ende, wenn das ganze Territorium, einschließlich der Krim, befreit worden ist.“ Und der deutsche Steuerzahler ist mit einer halben Milliarde dabei.

Das tut auch not, denn mit den Finanzen ist das in der Ukraine so eine Sache. Wie der russische Sender „Russia Today“ mitteilt, ist aus dem ukrainischen Militärbudget eine Summe abhanden gekommen, die sich auf den Gegenwert von rund 400 Millionen US-Dollar beläuft. Das entspricht einem Viertel dessen, was sich Poroschenko, Jazenjuk und ihre Freunde für den Krieg zur Seite gelegt haben.

Jurij Birjukow, ein hochrangiger Berater des Präsidenten, brach das sonst in diesen Fällen übliche Schweigen und gab dem ukrainischen Fernsehsender Kanal 5 ein Interview: „Schätzungen zufolge wurden etwa 20 bis 25 Prozent des Verteidigungsetats gestohlen.“ In absoluten Zahlen betrug das Kriegsbudget der Ukraine für das Jahr 2014 rund 1,8 Milliarden US-Dollar. Es müsse mit einer Summe zwischen 360 und 450 Millionen US-Dollar gerechnet werden, die über mysteriöse Kanäle veruntreut worden seien, so Birjukow weiter.

Dabei verfügt die Ukraine schon seit einiger Zeit über eine Korruptionsbeauftragte, eine Dame namens Tatjana Schornowill. Doch die ist im September 2014 zurückgetreten, enttäuscht von dem Missverhältnis zwischen den Gegebenheiten und ihren Mitteln, diesen abzuhelfen. Gegenüber der Presse sagte sie: „Es gibt keinen politischen Willen in der Ukraine für einen kompromisslosen, breit angelegten Kampf gegen Korruption.“ Die Arbeit in der aktuellen Regierung sei schlichtweg „nutzlos“ gewesen.

Ein Hauptproblem dürfte in der Person des Regierungschefs Jazenjuk selbst liegen. Er sei, so Schornowill, nicht daran interessiert, Geschäftsinteressen der Oligarchen zu gefährden oder gar zu unterminieren, vor allem nicht jener, die das Herrschaftssystem Poroschenkos und Jazenjuks maßgeblich stützen. Dies kommt einer Schuldzuweisung für den Diebstahl gleich. Umso dankbarer dürften die Herren für die halbe Milliarde aus Berlin sein, zumal der Internationale Währungsfonds noch 1,8 Milliarden drauflegt. Es ist ja für eine gute Sache. Florian Stumfall


Handel statt Kriminalität
Mexikos Präsident wünscht seinem Land ein besseres Image

Am 6. Januar ist Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto zu seinem ersten offiziellen Besuch im Weißen Haus angetreten. Sein US-amerikanischer Amtskollege Barack Obama hatte im letzten Jahr Mexiko besucht und dabei auf eine neue intensive Zusammenarbeit hoffen lassen. Die US-Amerikaner sind dabei vornehmlich an den Themen Immigration und Drogenhandel interessiert, Peña Nieto hingegen an Handel. Sein wichtigstes Ziel seit seiner Amtsübernahme 2011 ist es, dass Mexiko nicht mehr vornehmlich mit Mord und Totschlag, Korruption sowie allmächtigen Drogenkartellen international Schlagzeilen macht, sondern als begehrter, weltoffener Wirtschaftspartner sowie Magnet für Investoren und Touristen wahrgenommen wird.

Doch dann schlugen die Drogenkartelle wieder zu. Spektakuläre Erfolge wie die Verhaftung einiger der meistgesuchten Drogenbosse wie Joaquin Guzman und der Häupter des Kartells „Knights Templar“ (Tempelritter) im Bundesstaat Michoacán brachten den Rauschgiftschmuggel keineswegs zum Erliegen. Ein Nachfolger steht jederzeit bereit. Die verhängnisvolle Verflechtung von schlecht bezahlter Polizei und korrupten Politikern in die schmutzige, doch höchst lukrative Arbeit der Gangs ist so weitverbreitet, dass kein Ende abzusehen ist. Dies eskalierte im letzten September, als 43 studentische Aktivisten im Bundesstaat Guerrero offensichtlich vom Gouverneur an das Kartell „Guerreros Unidas“ (vereinigte Krieger) ausgeliefert und auf grausamste Weise ermordet wurden. Ihre Leichen wurden verbrannt und in Plastiksäcke gestopft. Der Gouverneur und seine Ehefrau, die der Boss des Kartells gewesen sein soll, traten die Flucht an. Die mit wenig Nachdruck, Interesse und Engagement betriebenen Untersuchungen der Regierung, die noch nicht beendet sind, führten erstmals zu riesigen Demonstrationen in ganz Mexiko. Sie verfolgen Peña Nieto bis heute. Vor dem Weißen Haus hatte sich zur Ankunft des mexikanischen Politikers ebenfalls eine Menschenmenge versammelt. Sie forderte für die 43 Studenten und deren Familien eine Aufklärung der Tat sowie ein Ende der brutalen Gewalt und Korruption.

Doch das ist leichter gefordert als getan. Es scheint, als wenn alle Schritte, welche die mexikanische Regierung unternimmt, zu nichts führen als zu immer mehr Gewalt. Am 10. Januar gab es fünf tödliche Überfälle auf Mitglieder der sogenannten Vigilantes, die 2012 in Michoacán eine mächtige Bürgerwehr begründet hatten. Und im Dezember, mitten in den Feiertagen, verloren 25 Personen dort ihr Leben in Schießereien zwischen Vigilantes, Drogenhändlern, Zivilisten, Armee und Polizei. Am Ende wusste keiner, wer wen und warum erschossen hatte. Das war besonders bitter für Peña Nieto, der gerade erklärt hatte, dass Michoacán nach der Zerschlagung des extrem gewalttätigen „Knights Templar“-Kartells zu einem Musterbeispiel von neuer Sicherheit geworden sei, Doch schon hat sich eine Nachfolge gebildet, die „Viagras“. Diese sind nun zum Kampf gegen die Vigilantes angetreten. Einer der fünf Toten vom 10. Januar war der Sohn des Vigilante-Bosses. Die paramilitärische Bürgerwehr ist mittlerweise so mächtig geworden, dass sie es ablehnt, mit der Regierung gemeinsam vorzugehen, und auf eigene Faust mit Schießereien, Verhaftungen und sogar Lagern für Entführte und Verhaftete den Kampf gegen die Kartelle und deren Mitläufer betreibt. Das ist eine gefährliche zweite Front für die Regierung. Liselotte Millauer


Chance zur Profilierung
Wie Frankreichs politische Führung auf den Terror reagiert

Auf zwei Personen des politischen Lebens Frankreichs konzentrierte sich das öffentliche Interesse nach den Terroranschlägen von Paris. Würde der im Land höchst unbeliebte Staatspräsident François Hollande unter der Last der Aufgabe zerbrechen? Und wie würde Marine Le Pen, Vorsitzende des Front National, reagieren? Rund zwei Wochen nach den von Islamisten begangenen Terrorakten sind sich die Beobachter einig: François Hollande, so schreibt es „Le Figaro“, habe „es ganz gut gemacht. Er war gezeichnet, aber er hat auch Entschlossenheit vorgelebt.“ Le Pen habe sich „auffallend staatsmännisch“ präsentiert, heißt es weiter.

In Kürze dürfte in Frankreich der Alltag wieder eingekehrt sein. Und der sieht düster aus. Die Jugendarbeitslosigkeit ist erschreckend hoch, die Wirtschaftslage mau. In den Vorstädten regieren Banden aus den Einwanderer-Ghettos, es herrscht politischer Konsens, dass bei der Integration sehr viel schief gelaufen ist.

Der Präsident und sein Premierminister Manuel Valls versuchen nun, sich als entschlossene Politiker in Szene zu setzen. In der vergangenen Woche mobilisierte die Regierung nicht weniger als 10000 Soldaten. Sie sollen „sensible Punkte“ schützen. Zu denen zählen auch jüdische Einrichtungen.

Von bundesdeutschen Medien weitgehend verschwiegen, grassiert in Frankreich Angst unter den Juden. Ihre Gemeinden haben Auswanderungsstellen eingerichtet. 3000 von ihnen zogen im vergangenen Jahr nach Israel, mehr als doppelt so viele sollen es 2015 sein. 4700 Polizisten sollen insgesamt 717 jüdische Schulen und Synagogen schützen.

Nur hinter vorgehaltener Hand diskutieren Politiker, wer die „Politik der neuen Sicherheit“ bezahlen soll. Premierminister Valls will Fehler der Vergangenheit in der inneren Sicherheit korrigieren, das Abhörsystem für Verdächtige ausbauen, verurteilte Islamisten in den Gefängnissen isolieren, damit sie nichts aushecken können.

Le Pen geht unterdessen weiter. „Diese Tat hat nichts mit unseren friedlichen muslimischen Landsleuten zu tun“, sagte sie zwar nach den Anschlägen, forderte aber auch die Todesstrafe für Terroristen. Ihre Partei sollte durch die neue Lage weiteren Zulauf bekommen. Immerhin lud sie der Staatspräsident zu einem Meinungsaustausch in den Elysée-Palast ein. Die Forderung nach der Todesstrafe gewinnt in Frankreich mehr und mehr an Attraktivität. 1977 wurde sie zuletzt angewendet, 1981 dann abgeschafft. Zuletzt sprachen sich in einer Umfrage 45 Prozent der Franzosen für eine Wiedereinführung aus. Während sich Hollande als Wahrer der Einheit der Grande Nation ausgibt, versucht Le Pen eine Gratwanderung. Unter keinen Umständen möchte sie den Eindruck erwecken, sie wolle Profit aus den Anschlägen ziehen. Dennoch erklärte sie, „dass alle Konzepte der Einwanderung gescheitert sind“.

Unterstützung erhielt sie kürzlich von einem alten Bekannten. Nicolas Sarkozy, bürgerlicher Präsident vor Hollande, mischt wieder mit, seit er die Parteiführung der zerstrittenen UMP (Union pour un mouvement populaire, Union für eine Volksbewegung) übernommen hat. „Wir müssen im Umgang mit den Arabern andere Wege gehen“, sagte er deutlich. Die Zeiten in Frankreich dürften unruhig bleiben.

Peter Entinger


MELDUNGEN

Interpol sucht Janukowitsch

Lyon – Interpol hat den ukrainischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch auf die Fahndungsliste gesetzt. Ihm werden Veruntreuung und Unterschlagung von Staatsgeldern vorgeworfen. Die 190 Mitgliedsstaaten der internationalen Polizeiorganisation sind angehalten, Janukowitsch an die Ukraine auszuliefern, egal in welchem Land er festgesetzt wird. Der 64-Jährige soll nach den monatelangen Protesten in Kiew gegen dessen pro-russischen Kurs im vergangenen Februar nach Russland geflohen sein. Obwohl Interpol-Mitglied, wird Russland vermutlich eine Auslieferung Janukowitschs ablehnen, weil er in Moskau als Opfer eines faschistischen Staatsstreiches angesehen wird. MRK

 

Gastarbeiter müssen gehen

Moskau – Millionen von Gastarbeitern, die sich länger als 90 Tage im Land aufhalten, droht die rigorose Ausweisung aus Russland. Mit Inkrafttreten des neuen Aufenthaltsgesetzes am 10. Januar führt eine Fristüberschreitung automatisch zur Ausweisung. Allen Ausländern, die ohne Registrierung mehr als 120 Tage in Russland verbracht haben, droht ein dreijähriges Wiedereinreiseverbot, bei 270 Tagen erhöht es sich auf fünf Jahre, bei mehr als 360 Tagen auf zehn Jahre. Einem UN-Bericht zufolge leben rund elf Millionen Ausländer in Russland, davon gut vier Millionen illegal. Die meisten kommen aus den GUS-Ländern Zentralasiens. Seit Jahresbeginn ist die Einreise für viele Gastarbeiter schwerer geworden, weil an der russischen Grenze von den Zentralasiaten ein Reisepass vorgelegt werden muss, während zuvor der Personalausweis ausreichte. Zudem muss für 12000 Rubel (170 Euro) ein „Arbeitspatent“ erworben werden, um in Russland tätig zu sein. J.H.


S. 7 Wirtschaft

Russlands fette Jahre sind vorüber
Nach Sanktionen sowie Ölpreis- und Rubelverfall: Minister beziffert erstmals öffentlich die Verluste

Russlands Wohlstand steht und fällt mit den Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport. Dramatisch sinkende Ölpreise, die Sanktionen des Westens, Kapitalflucht und Inflation treiben Russland in eine Rezession. Während Präsident Putin in seiner Neujahrsansprache noch einen optimistischen Ausblick vermittelte, bereitet Finanzminister Anton Silua-now die Bürger auf harte Einschnitte vor.

Es ist noch nicht lange her, als in Unterhaltungsshows des Staatsfernsehens zum Jahresende vergnügte reiche Russen zu sehen waren, jubelnd Beifall klatschend, als ein Sängertrio die Sanktionen des Westens als unsinnige Maßnahme besang und sich am Ende des Lieds eine Schranke öffnete. Die Sendung traf den Nerv der Zuschauer, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Ende des Kriegs in der Ukraine und der Unstimmigkeiten mit dem Wes-ten.

Dass die Realität eine andere ist, bekommen nun auch die wohlhabenden Bürger der Millionenmetropolen Moskau und St. Petersburg zu spüren. Eine Inflationsrate von durchschnittlich 11,8 Prozent im vergangenen Jahr und eine zu erwartende von 15 bis 17 Prozent bis April hat bereits zahlreiche Kleinunternehmen in die Knie gezwungen. Besonders in

St. Petersburg haben einige Franchise-Ketten schließen müssen. Aufgrund des dramatischen Wertverfalls des Rubels schwindet die Kaufkraft der Russen. Sie verzichten auf den Besuch von Cafés, Restaurants und Bars. Statt den Geburtstag in einem Restaurant zu feiern, stellen sie sich wieder selber an den  Herd und laden zum Toast in den eigenen vier Wänden ein. Auch Friseure und Kosmetikstudios verlieren immer mehr Kundschaft.

Die Rubelkrise trifft vor allem die Hauptstädter hart. In den vergangenen 15 Jahren haben sie teure Gewohnheiten lieb gewonnen, von denen sie sich trennen müssen, wenn der Ölpreis dauerhaft auf niedrigem Niveau bleibt. Denn so, wie die Einkommenssprünge seit der letzten Krise 2008 in Moskau am höchsten waren, dürften dort auch die Einkommenseinbußen deutlicher ausfallen als in der Provinz

Besonders hart trifft es diejenigen, die den Traum von den eigenen vier Wänden – in Moskau sind das in der Regel Eigentumswohnungen – mit Krediten in harter Währung wie Dollar oder Euro finanziert haben. Devisenhypotheken können durch den Rubelverfall leicht um 30 Prozent teurer werden. Vor allem Familien mit durchschnittlichem Einkommen droht der Verlust des Eigenheims.

Bei anhaltend niedrigem Ölpreis wird das Einkommen der Bevölkerung insgesamt um 15 bis 20 Prozent schrumpfen. Viele werden ihre gut bezahlten Arbeitsplätze verlieren. Bedroht sind in erster Linie Verkäufer, Journalisten, Banker und Werbefachleute.

In seiner Neujahrsansprache hat Wladimir Putin den Bürgern positive Zukunftsaussichten suggeriert, aber Hamsterkäufe in Elektronik- und Möbelmärkten zeugen davon, dass die Russen den Beschwörungen des Präsidenten nicht trauen. Bei Ikea und Mediamarkt kam es vor Weih-nachten zu Hamsterkäufen aus Angst, dass Importwaren bald nicht mehr bezahlbar sein werden. Um ihr Geld zu retten, flüchten Anleger ins Betongold. Im Dezember verzeichnete die Immobilienbranche eine Verdopplung des Umsatzes. Aber auch Wohnungsbesitzer müssen einen Wer-mutstropfen schlucken: Nicht nur die Immobilienpreise drohen zu sinken, sondern auch Mieteinnahmen werden rückläufig sein. Zudem wird 2016 eine Grundsteuer eingeführt.

Bis jetzt ist die Bevölkerung moralisch noch nicht auf eine länger anhaltende Krise eingestellt. Finanzminister Anton Siluanow sprach die bislang geleugnete Wahrheit aus, indem er darauf hinwies, dass die Russen sich auf einige Jahre der Entbehrungen einstellen müssten. Die Wirtschaftsprognosen für 2015 korrigierte er deutlich nach unten und bezifferte die Einnahmeausfälle wegen des nied-rigen Ölpreises auf 45 Milliarden Dollar. Bei der Planung des Haushalts war man von einem Ölpreis von 100 Dollar pro Barrel ausgegangen. Siluanow fordert eine Ausgabenkürzung in allen Bereichen – außer dem Militär – um zehn Prozent.

Alexej Uljukajew, Minister für wirtschaftliche Entwicklung, versucht die Masse zu beruhigen: „Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren, einen starken Rückhalt in der Familie zu haben, und vor allem an die eigene Gesundheit und die Ihrer Lieben zu denken. Barrel, Sanktionen – das ist alles nur vorübergehend.“

Die russische Wirtschaft, deren Kreditwürdigkeit führende Rating-agenturen knapp über Ramschniveau herabgestuft haben, wird durch Kapitalflucht – 2014 waren es 151,5 Milliarden US-Dollar, 2015 wird mit dem Abzug weiterer 118 Milliarden Dollar gerechnet – weiter unter Druck stehen. Geld für Investitionen und Importe wird fehlen. Gegenmaßnahmen der Regierung sind bislang kaum erkennbar. Im Wesentlichen greifen Politiker auf den Antikrisenplan von 2008/2009 zurück. Sberbank-Chef German Gref warnt vor einer Verstaatlichungswelle großer Konzerne infolge staatlicher Hilfsprogramme.

Gleitet Russland in die Rezession ab, hat dies Folgen für die gesamte Finanzwelt. Es ist aber auch zu fürchten, dass gut ausgebildete junge Menschen Russland verlassen werden. Weniger qualifizierte Russen aus der Provinz könnten ihre Stellen einnehmen. Es wird aber auch ein verstärkter Zuzug aus dem Kaukasus und eine damit einhergehende Islamisierung Mos-kaus sowie ein Anstieg der Kriminalität befürchtet.

Manuela Rosenthal-Kappi


Tödliches Duell am Ölmarkt
Blase platzt: Fracking könnte nächste Weltfinanzkrise auslösen

Es ist wie beim tödlichen Duell zweier aufeinander zu rasender Autos: Jeder Fahrer hofft, dass der andere als erster die Nerven verliert und ausweicht. Bleiben beide stur, gibt es einen fürchterlichen Zusammenprall.

Was sich seit Monaten auf dem Markt für Rohöl abspielt, gleicht jenem Duell der Straßen-Hasardeure. Hauptspieler sind die USA, die Ölstaaten am Persischen Golf und Russland.

Wer hat angefangen? Saudi-Arabien gibt den Amerikanern die Schuld. Seit 2010 haben US-Energiefirmen 550 Milliarden US-Dollar an Schulden angehäuft, bei Banken wie bei privaten Anlegern. Damit forcierten sie die neue Fördermethode des „Fracking“, mit der bislang unwirtschaftliche Lagerstätten profitabel ausgebeutet werden sollen.

Ziel: Die USA sollten von ausländischen fossilen Brennstoffen unabhängig werden. Damit sollte auch die „Re-Industrialisierung“ des Landes angeschoben werden, das sich nach Meinung von Experten in der Vergangenheit viel zu sehr aus Handel und Dienstleistungen konzentriert hatte, derweil die heimische Industrieproduktion zurückfiel. So brachten die Amerikaner den globalen Ölmarkt gehörig durcheinander, es gab nun viel zu viel Öl. Früher hatte das Opec-Führungsland Saudi-Arabien auf Überkapazitäten am Markt mit der Reduzierung der eigenen Förderung reagiert, um den Preis zu stützen. Diesmal nicht: Man lässt sich auf einen ruinösen Preiskampf ein, um die neue amerikanische Konkurrenz wieder vom Markt zu fegen.

Dies bringt die US-Firmen in arge Bedrängnis. Schon bei einem Rohöl-Preis von unter 75 US-Dollar pro Fass (159 Liter) sehen Fachleute zahlreiche Fracking-Firmen an der Rentabilitätsgrenze. Von 100 Dollar vor sechs Monaten ist der Preis Anfang des Jahres aber sogar unter 50 Dollar gerutscht. Es werden etliche Pleiten befürchtet. Privaten Anlegern wie Banken drohen beträchtliche Ausfälle ihrer Fracking-Investitionen.

Schon werden Vergleiche mit der Immobilienkrise gezogen. Damals hatten sich besonders US-Investoren ohne Rücksicht auf Gefahren in einen völlig überhitzten Markt gestürzt. Dabei wirkten die niedrigen Zinsen wie Brandbeschleuniger. Auch der Fracking-Boom wurde maßgeblich von den billigen Kreditzinsen befeuert. Seinerzeit führte das Platzen der US-Immobilienblase das gesamte Weltfinanzsystem an den Rand des Kollaps.

Leidtragende sind indes auch Länder wie Russland oder Venezuela. Moskau ist dringend auf die Erlöse aus dem Ölexport angewiesen. Die Gewinne, die fest in die Finanzplanung des Kreml eingestellt waren, bleiben aber nun zum Großteil aus.

Noch dramatischer, wenn auch weltpolitisch weit weniger bedeutend, ist die Entwicklung im Ölexportland Venezuela, das fast nichts anderes verkauft als Öl. Geschwächt durch die himmelschreiende Misswirtschaft seines sozialistischen Regimes ist das Land zudem besonders anfällig.

Flehentlich baten Emissäre des südamerikanischen Staates ihre Opec-Partner um eine Drosselung der Förderung, um den Preis zu festigen. Außer netten Worten aber bekamen sie nichts.

Nun bricht bereits die Lebensmittelversorgung zusammen. In der Hauptstadt Caracas machen Gerüchte um einen drohenden Putsch die Runde. Hans Heckel


Schäubles schwarze Null
Was hinter dem ersten ausgeglichenen Haushalt seit 1969 steckt

Im Trubel um Pegida und Paris ist eine spektakuläre Nachricht zum Jahreswechsel beinahe untergegangen. Zum ersten Mal seit 45 Jahren ist es einem Bundesfinanzminister gelungen, einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren. Zuletzt war dies Finanzminister Franz Josef Strauß (CSU) im Jahr 1969 gelungen, damals regierte ebenfalls eine Große Koalition

Wolfgang Schäuble (CDU) habe mit der „schwarzen Null“ sogar Kabinettsmitglieder überrascht, heißt es in Berlin. Die Haushaltsexperten in Berlin hatten für das Jahr 2014 ursprünglich ein Minus von fünf bis sechs Milliarden Euro ausgerechnet.

Möglich wurde die Überraschung durch einen unverhofften Geldsegen. Seit Monaten ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt stabil und die Steuereinnahme stiegen auf Rekordhöhe. Die extrem nied-rigen Zinsen für Kredite wiederum senkten die Ausgaben. Zuletzt hatte Schäuble die Erwartungen auf ein Defizit „zwischen zwei und drei Millionen“ gesenkt, doch kurz vor Weihnachten entschied der Bundesfinanzhof, dass die großen Energiekonzerne weit über zwei Milliarden Euro aus der Atomsteuer an den Bund überweisen müssen. Die Betreiber der Atomkraftwerke zahlten prompt, Branchenführer Eon machte mal eben 1,7 Milliarden Euro locker. Dieser unverhoffte Geldsegen zeigt aber auch, dass die „schwarze Null“ eine Ausnahme gewesen sein könnte. Immerhin hat Schäuble ein zentrales Wahlversprechen nun erfüllt.

Ein ausgeglichener Haushalt bedeutet übrigens nur, dass keine neuen Schulden angehäuft werden, von einer Tilgung ist man nach wie vor weit entfernt. Und angesichts der noch nicht ausgestandenen Euro-Krise könnte schon 2015 wieder zum Schulden-Jahr werden, wobei der Finanzminister sich dann wohl mit der internationalen Lage herausreden würde. Nichtsdestotrotz sind in Berlin bereits die ersten Verteilungskämpfe ausgebrochen. SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider forderte, den Spielraum zügig zu nutzen, Steuerentlastungen auf den Weg zu bringen und mehr zu investieren. Er sagte, das Kabinett solle umgehend Pläne zur Anpassung der Steuerfreibeträge und des Kindergeldes sowie zum Abbau der Kalten Progression vorlegen. Schäuble dämpfte dagegen die Erwartungen: „Wenn wir diese Finanzpolitik fortsetzen können, dann werden wir auch Spielraum für zusätzliche Investitionen gewinnen.“ Die Spielräume seien eben nur so groß wie die wirtschaftliche Entwicklung sei.

Wasser in den Wein goss erwartungsgemäß die Opposition. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter kritisierte „die Jubelarien“ angesichts der 1,3 Billionen Euro Schulden, die der Bund in den vergangenen Jahrzehnten angehäuft hat, als unpassend. „Viel Show, wenig Substanz. Im Endeffekt hat Schäuble günstige Rahmenbedingungen und jede Menge Glück gehabt“, lautet seine wenig euphorische Bilanz. Kritische Töne gab es auch von den Wirtschaftsverbänden. Lutz Goebel, Präsident von „Die Familienunternehmer – ASU“, stellte fest, der Haushalt sei nach wie vor „auf Kante genäht“. Der Finanzminister habe vom niedrigen Zinsniveau profitiert. „Ausgabenkürzungen hat Herr Schäuble jedoch nicht vorgenommen. Es herrscht insgesamt wenig Motivation zum Sparen.“ Peter Entinger


MELDUNGEN

EU-Gelder nicht abgerufen

Brüssel/Berlin – Obwohl in den südlichen EU-Krisenländern fast jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist, werden Fördermittel der EU von diesen Staaten kaum abgerufen. Wie der Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium Jörg Asmussen (SPD) gegenüber dem Sender RBB angab, ist von den sechs Milliarden Euro, die Brüssel vor über einem Jahr zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bereitgestellt hat, bisher nur ein zweistelliger Millionenbetrag abgerufen worden. N.H.

 

Sturm erhöhte Stromkosten

Berlin – Die Sturmtiefs „Elon“ und „Felix“, die in der ersten Januarhälfte über Deutschland hinweggezogen sind, haben die Stromrechnung für die deutschen Verbraucher um rund 13 Millionen Euro erhöht. Mit dieser Summe bezifferten die Stromnetzbetreiber Tennet und 50 Hertz die Kosten für Kraftwerkseingriffe, die wegen des norddeutschen Windkraftüberschusses nötig geworden sind. Um eine Überlastung der Nord-Süd-Trassen zu verhindern, mussten in Süddeutschland Kraftwerke zwangsweise hochgefahren und gleichzeitig konventionelle Kraftwerke in Norddeutschland gedrosselt werden. N.H.


S. 8 Forum

Gut gegeben!
von Jan Heitmann

Das ist schon starker Tobak, den der in vielerlei Hinsicht schillernde Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) über die Dresdner Ermittlungsbehörden verbreitet. Er spricht von Ermittlungspannen, dilettantischem und nachlässigem Vorgehen, weil Polizei und Staatsanwalt im Fall des getöteten Asylbewerbers nicht gleich von Fremdverschulden ausgegangen waren. Somit schließt der eifrige Volksvertreter messerscharf, dass es sich um eine (versuchte) Strafvereitelung im Amt gehandelt haben muss, und erstattet Strafanzeige.

Von Beamten darf man Zurück­haltung bei öffentlichen Äußerungen erwarten, für die heftige Reaktion des Bundes deutscher Kriminalbeamter kann man aber nur volles Verständnis haben. Nach der sachlichen Darlegung der Ereignisse wird dessen Vorsitzender André Schulz in einer Presseerklärung deutlich: Die Anzeige sei „selbstverliebt und populistisch“. Die „haltlosen Mutmaßungen eines Bundestagsabgeordneten aus seinem Elfenbeinturm“ seien unverschämt und eine Beleidigung für jeden Ermittler. Beck agiere als „geistiger Brandstifter“. Gegen den laufen nun Ermittlungen wegen falscher Verdächtigung, übler Nachrede und Beleidigung. Gut gegeben!


An die Leine legen
von Hans Heckel

Auf den ersten Blick haben die Schweizer Abkoppelung vom Euro-Kurs und die Krise am Rohölmarkt wenig miteinander zu tun. Auf den zweiten schon sehr viel mehr: Die Investitionsblase um den US-Fracking-Boom und die Erweichung des Euro basieren beide auf billigem Papiergeld, das die Zentralbanken zu realitätsfernen Minimalzinsen in die Welt schleudern.

Damit provozieren sie gigantische Fehlinvestitionen, geben Unternehmen und Politik die Chance, überfällige Maßnahmen zu verschleppen, was Wettbewerbsfähigkeit kostet, und schließlich enteignen sie so schleichend die Sparer.

Um diese Misere zu stoppen, muss endlich über unser Geldsystem an sich gesprochen werden. Offensichtlich verführt die Möglichkeit, ungedecktes Geld in beliebiger Menge zu produzieren, zum Missbrauch. Der geht nicht bloß zu Lasten der Bürger, sondern langfristig auch der Konkurrenzfähigkeit der ganzen Wirtschaft. Die Vorteile wirken höchstens kurzfristig und sind mit dem langfristig zu erwartenden Niedergang viel zu teuer erkauft.

Es muss also eine natürliche Grenze bei der Geldschöpfung her. Ob eine neue, modernisierte und modifizierte Goldbindung oder etwas, das sich die Experten (die den Namen verdienen) noch erst ausdenken mögen. Die Erfahrung, die wir gerade machen und erst recht das, was uns mit hoher Sicherheit noch bevorsteht, lässt keinen anderen Schluss zu: Die „Herren des Geldes“ müssen an die Leine, sonst opfern sie für kurzfristige Interessen von Politik und Banken unser aller Zukunft.


Gipfeltreffen der Heuchler
von Norman Hanert

Mit einigem Recht ist ein offensichtlich für die Medien inszeniertes Foto von Staats- und Regierungschefs anlässlich des Pariser Charlie-Hebdo-Marsches stark in die Kritik geraten (siehe Seite 3). Nicht weniger kritisch als diese Simulation von Wirklichkeit muss beurteilt werden, wer sich da alles medienwirksam in Szene setzte, um seinen Einsatz für die Redefreiheit und gegen den Terror zu bekunden.

Saudi-Arabien, in dem erst vor Kurzem ein islamkritischer Internet-Blogger zu 1000 Peitschenhieben verurteilt wurde, war zum Beispiel durch seinen Botschafter vertreten. Für Ägypten war es der Minister Sameh Shoukry, der seine Solidarität mit der „Je suis Charlie“-Bewegung bekundete. Dessen ungeachtet sitzen gleich mehrere Journalisten derzeit in ägyptischen Gefängnissen. So wurden ein Reporter aus Australien und zwei Kollegen vom TV-Sender Al-Jazeera nach einer Reportage zu sieben beziehungsweise sogar zehn Jahren Haft verurteilt.

Ranghoch vertreten war Jordanien, für das König Abdullah angereist war. Einem Bericht der „Jerusalem Post“ zufolge, hat das jordanische Staatsoberhaupt erst im Februar 2014 einen Journalisten zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt, nachdem dieser Vorwürfe gegen den König erhoben hatte.

Auch Algerien kann schwerlich als Hort der Pressefreiheit gelten. Das arabische Land war durch Außenminister Ramtane Lamamra vertreten. Nach Angaben von „Reporter ohne Grenzen“, einer Organisation zum Schutz von Journalisten, sitzt in Algerien bereits seit August 2013 der Journalist Abdessami Abdelhai in Haft, ohne dass gegen ihn überhaupt eine Anklage erhoben wurde.

Auch die Türkei, die von „Reporter ohne Grenzen“ in der Jahresbilanz 2012 sogar als „größtes Journalisten-Gefängnis der Welt“ bezeichnet wurde, war hochkarätig vertreten. Während in der Türkei nach Erkenntnissen von „Reporter ohne Grenzen“ mehr Journalisten inhaftiert sind als in China, demonstrierte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu in Paris für die Pressefreiheit. Der türkischen Solidaritätsbekundung in der französischen Hauptstadt zum Trotz sind in der Türkei inzwischen Ermittlungen gegen Journalisten der als links-kemalistisch geltenden Zeitung „Cumhuriyet“ aufgenommen worden, weil sie die aktuelle „Charlie Hebdo“-Ausgabe nachgedruckt hat. Nach Ansicht der türkischen Regierung und der Staatsanwaltschaft hat das Blatt damit religiöse Werte beleidigt.

Die Freiheit für die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, mit der sich die Staats- und Regierungschefs so solidarisch zeigten, hat es in der Vergangenheit allerdings nicht einmal in Frankreich gegeben. So war im Jahr 1970 der damalige Vorläufer von „Charlie Hebdo“, „Harakiri Hebdo“, schon einmal von einem Verbot betroffen.


Moment mal!
Was bedeutet das »P« in Pegida?
von Klaus Rainer Röhl

Die Liebe zu seinem Land – je nach Standort Vaterland oder Mutterland genannt – ist etwas so Selbstverständliches und weit Verbreitetes, dass sie in der Geschichte der Menschheit nie weiter hervorgehoben werden musste. Sie war für jeden so selbstverständlich wie die Liebe zu seiner Mutter, seinem Vater, seinen Geschwistern, zu seiner Heimat, einem vertrauten Dorf oder der einen, nur ihm vertrauten Straßenecke in einer sonst unübersichtlichen Großstadt.

Meinetwegen ist diese Liebe nicht viel mehr als eine Art dauerhafter Anhänglichkeit an das Gewohnte – sei es auch eine schroffe, felsige Küste, eine menschenleere Wüste oder ein vor Leben brodelnder unübersichtlicher Urwald. Ein immerfort heißes Klima oder eine fast nicht zu ertragende Kälte – die Menschen machen beides zu ihrer Heimstatt und sie gewöhnen sich daran, das Gewohnte zu lieben, seine Abwesenheit zu fürchten. Das Gewohnte, Bekannte, Vertraute, das sind vor allem anderen die Menschen, mit denen sie die raue oder milde Luft ihrer Kindheit teilten, die Mutter, in deren Schoß sie Wärme und einzigartige Geborgenheit fanden, der Vater, der ihnen immer ein bisschen fremd vorkam und ihnen trotzdem eine nicht zu bestimmende, seltsame Sicherheit gab, die Geschwister, mit denen sie groß wurden, in enger Nähe, in Zank und Streit und Versöhnung und Umarmung.

Die Sprache, die sie von der Mutter lernten, mit der sie ihre ersten Wünsche äußerten und ihre tiefsten Gefühle ausdrückten und ihren ersten Protest auch und unter Tränen und Schmerzen das bitter erkämpfte Kinderrecht, das Nein. Das alles ist Heimat. Die Liebe zur Heimat – meinetwegen ist es eine Gewohnheit – ich würde sagen: ein Gewohnheitsrecht. Ein Grundrecht von Urzeiten her. Ausgedrückt durch die gemeinsam erlernte Sprache, die uns wie ein größeres, breiteres Band mit den Nachbarn in einer fest umrissenen Landschaft verbindet.

Liebe zu seinem Land ist ein Grundrecht. Wird dieses Grundrecht bedroht, entsteht Widerstand. Wenn man die Vorbewohner Deutschlands, die Mittelgermanen, die meisten wohl die genetischen Vorfahren der heutigen Deutschen, großzügigerweise dazurechnen will, waren die Aufstände gegen die römischen Besatzungstruppen, gipfelnd in der von Tacitus ausführlich geschilderten Schlacht im Teutoburger Wald unter Führung des Cheruskers Armin, Reaktionen auf die Verweigerung dieses Grundrechts.

Erste Heimat der Deutschen war die gemeinsame Sprache. Die deutsche Sprache ist älter als das erste Reich unter Heinrich I. Die Vorfahren der Deutschen benannten sich nach der gemeinsam gesprochenen Sprache, dem „tiudisk“, der von der Kirche missbilligten „Volkssprache“, einer Weiterentwicklung mittelgermanischer Dialekte in Franken, Sachsen, Thüringen, Bayern und Böhmen. Der erste große Dichter der Deutschen, Walther von der Vogelweide, benennt seine Landsleute nach der Sprache, die sie sprechen, „tiutsche zunge“ und preist das Land zwischen Elbe und Rhein, vom Meer bis nach Ungarn als besser und schöner als alle anderen Länder. Allerdings hatte er damals schon Sorgen um seine Landsleute ausgedrückt – nicht anders, als wir heute schreiben würden „o weh dir tiutsche zunge – wie stet din ordenunge?“

Müssen wir das übersetzen? Klingt so, als hätte er die letzte Rede der Frau Merkel gehört oder gelesen. Ja, wo steht sie, die „Ordenunge“, die deutsche Regierung? Ja, wo? Regiert sie aus Liebe zu ihrem Land? Liebe zum Vaterland kann man nicht in den Pass schreiben, die hat man nicht oder man hat sie. Wie sie allen Franzosen, Griechen, Spaniern und Portugiesen, Polen und Engländern gemeinsam ist. Diese Liebe kann man nicht verordnen, und zum Glück ist Patriotismus bei uns, sicher zum Ärger aller Linken, noch nicht verboten. Deutschsein auch nicht.

Die Liebe zu seinem Volk, seiner Sprache und seiner Geschichte ist nicht im Schnellkurs zu erwerben. Patriotismus steht nicht als Bedingung im Einbürgerungsgesetz. Aber: Der Trend geht zum Patriotismus. Überall in Europa. Das neue Europa sollte, wie de Gaulle es einmal gefordert hat, ein „Europa der Vaterländer“ sein. Lange ist das her, und die Anzahl derer, die sich für ein vereintes Europa aussprechen, hat sich verhundertfacht. Vom Europa der Vaterländer redete jedoch seit vielen Jahren niemand mehr. Bis das Wort Patriot ganz überraschend wieder auftaucht, im Titel einer neuen, gewaltfreien Bewegung: Pegida = „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Die Erfinder dieses Begriffs nennen sich bewusst Europäer, stellen uns in einen neuen, kämpferischen Zusammenhang mit den übrigen Europäern, die für ein so abstraktes, wenig konkretes Ideal wie das „Abendland“ eintreten. Zu Zeiten Konrad Adenauers stets das „christliche Abendland“ genannt und sogleich Zielscheibe aller linken Polemiker und Kabarettisten. „Abendlandsverteidiger“, das war ein Schimpfwort wie „Kalte Krieger“ oder „Ewiggestrige“ – alte Leute, die nichts dazugelernt haben.

Plötzlich, nach 60 Jahren taucht der Begriff Abendland wieder auf, von Vertretern aller Schichten und jeden Alters skandiert. Warum wohl? Gefahr für die christlich-abendländische, in vielen Jahrhunderten gewachsenen Kultur und – Zivilisation. Seit der Eroberung von Konstantinopel durch die Türken 1453 zu leicht genommen im übrigen Abendland. Als Gefahr wahrgenommen erst durch das weitere Vordringen der Türken auf dem Balkan. Bis Prinz Eugen „der edle Ritter“ kam, um „alle Türken zu verjagen“. Alle Türken? Erst Jahrhunderte später wurden die meisten von den griechischen Freiheitskämpfern tatsächlich verjagt, leider nicht über den Bosporus hinaus.

Wo Gefahr ist, sagt man, wächst der Widerstand auch. Doch die ihn leisten, werden vorerst noch nicht verstanden, sie werden beschimpft und behindert wie Pegida.

Geben wir der Tochter des aus dem Westen freiwillig in die DDR übergesiedelten Pfarrers, unserer Kanzlerin Angela Merkel, einen kleinen Privat-Hinweis: Das „P“ in Pegida bedeutet „patriotisch“. Es deutet weder auf Bomben hin noch auf Panzerfäuste, Kalaschnikows oder Sprengsätze, sondern will durch abendliche Demonstrationen warnen vor islamistischem Terror. Jeden Montag werden es mehr und nun sind sie verboten. Waren diese Warnungen denn übertrieben? Der islamistische Krieg weitet sich täglich aus. Neue Anschläge, neue Waffenfunde, neue Terrorzellen. Militante Islamisten für den „Dschihad“ treten bei uns auf und werben offen für den „Islamischen Staat“ in Syrien und im Irak. Von Wolfenbüttel bis Berlin. Andere, die schon weiter sind mit der Durchsetzung der islamistischen Ziele wie Boko Haram in Nigeria, ermorden Tausende, die Bewohner ganzer Dörfer. Verstümmeln sie oder köpfen sie. Kopf ab für Allah: Mit dem Schlachtruf „Allahu akbar“, einem Spruch, den man täglich in jeder Moschee hört. Wann distanzieren sich die Imame und Mullahs von der Gewalt im Namen Allahs, indem sie diese in ihren Freitags-Predigten als Verstoß gegen die Menschenrechte verurteilen? Wann bekennt sich unsere Regierung zu Deutschland? Die Wähler haben ein langes Gedächtnis. Und eine Alternative.


S. 9 Kultur

Helden der Kindheit
Wer kennt noch Hobble Frank, Tante Droll oder Nscho-tschi? Die Roman-Figuren Karl Mays will man in Radebeul wiederbeleben

Was die „Harry Potter“-Romane heutzutage sind, das waren die Karl-May-Western vor 100 Jahren: süchtig machendes Lesefutter. Um dem Zeitgeist zu entsprechen, muss sich das Radebeuler Karl-May-Museum stets neu erfinden.

Unter besonderen Voraussetzungen sind selbst lesefaule Jugendliche dahin zu bringen, umfangreiche Wälzer zu verschlingen. Die vorgetäuschten Erlebnisse des sächsischen Abenteurers Karl May alias Old Shatterhand mit seinem indianischen Blutsbruder Winnetou vermochten das einst zu bewirken. Mit fieberhafter Leselust infiziert sich die Jugend inzwischen anderswo.

Die exotischen Indianersteppen bei Karl May sind inzwischen zu gewöhnlichen Urlaubsgebieten entzaubert. Die Aufmerksamkeit wird jetzt in reine Phantasiewelten gelenkt. Nach Hogwarts oder Askaban zum Beispiel wie einige der Orte in den „Harry Potter“-Romanen heißen.

Das Karl-May-Museum in Radebeul trotzt diesen Modeerscheinungen. Das zeigen die vielen Besucher, die sich hier täglich einstellen. Aber immer öfter äußert sich die Begeisterung dort retrospektiv: Eine ältere Generation blickt zurück auf die Helden ihrer Kindertage.

Dabei sind Winnetou und Old Shatterhand in Radebeul erst vor gut 30 Jahren wieder zu Ansehen gelangt. Der Kulturpolitik der DDR galten Karl Mays Romane lange Zeit als Schundliteratur. In seiner „Villa Shatterhand“ war ein Schulhort untergebracht. Das Hauptinteresse des dahinter liegenden „Indianermuseums“ galt der antiimperialistischen Solidarität mit dem Kampf der Eingeborenen Nordamerikas um die Bewahrung ihrer Identität. Als Lockspeise diente dennoch die alte Indianerromantik. Bis 1985 fand Karl May nur am Rande Erwähnung. Aus der umgekehrten Situation war das Museum entstanden. Es gab zu viel May und zu wenig indianische Aura.

Der unkriegerische Schriftsteller hatte sich von einem Dresdner Büchsenmacher den „Bärentöter“ und die „Silberbüchse“ anfertigen und den „Henry-Stutzen“ im Handel besorgen lassen. Alle drei Gewehre sind heute wieder in den Wohnräumen des Schriftstellers in der „Villa Shatterhand“ zu sehen, zusammen mit der Wohnungseinrichtung und der Bibliothek Karl Mays, welche die Stiftung 1994 vom Karl May Verlag Bamberg erwarb.

An pittoresken Stücken zur Beglaubigung der vermeintlichen Wildwestabenteuer des Schriftstellers mangelte es so lange, bis sich die Witwe des 1912 verstorbenen Schriftstellers mit dem Zirkusartisten Patty Frank einigte. Für die Überlassung seiner Sammlung wurde dem durch die Inflation ruinierten Mann 1928 ein Blockhaus nach nordamerikanischem Vorbild errichtet. Der als Ernst Tobis 1876 in Wien geborene Patty Frank erhielt in diesem ersten Karl-May-Museum Wohnrecht und eine Leibrente dazu. 30 Jahre lang, bis zu seinem Tod, betreute er die völkerkundliche Sammlung. Ältere Radebeuler können sich noch an die Erzählrunden am Kamin der „Villa Bärenfett“ erinnern.

Die phantasiereichen Ausführungen des ethnologischen Laien Patty Frank fanden unlängst ein kurioses Nachspiel. 1929 hatte er im Karl-May-Jahrbuch einen Aufsatz unter dem Titel verfasst: „Wie ich meinen ersten Skalp erwarb.“ Im Frühjahr 2014 wurde das Ra­debeuler Museum mit der Rück­forderung dieser Trophäe konfrontiert. In der Vitrine ist inzwischen zu lesen: „Aus politischen und ethischen Gründen zeigen wir nur noch Skalp-Attrappen.“ Daneben ist ein Foto mit dem „Skalp-Schrank“ von 1928 zu sehen. Eine Aufnahme aus dem gleichen Jahr zeigt Klara May, wie sie den Sioux-Häuptling Big Snake begrüßt. Der hatte offenbar an der Schaustellung keinen Anstoß genommen. Vielleicht weil es nicht sein Volk war.

Während des Radebeuler Karl-May-Fests im vergangenen Mai diskutierte der Ojibwa-Indianer Cecil E. Pavlat öffentlich mit der Muse­umsleiterin Claudia Kaulfuß. Er beansprucht den Skalp nicht als Kulturgut, sondern als Leichenteil eines Volksangehörigen.

Der Fall brachte dem Museum jene öffentliche Aufmerksamkeit, die es derzeit gut ge­brauchen kann. Man be­müht sich, dem veränderten Interesse des Publikums entgegenzukommen. In Zusammenarbeit mit der Sächsischen Landesstelle für Mu­seumswesen wurde ein Konzept zur Neugestaltung der Indianerausstellung in Auftrag gegeben.

Was Juliane Stückrad und Anja Mede-Schelenz von der Universität Jena vorschlagen, überrascht zunächst einmal wenig. Da ist die Rede von „Interaktion, Mitmachelementen in wiedererkennbarer Form sowie Entdeckerschubladen“. Es klingt also nach der üblichen Umwidmung des kontemplativen Schauraums Mu­seum in einen Spielplatz der visuellen Unruhe. Ohne moderne Handy-App und Audio-Führung geht dann auch hier nichts mehr.

Doch die Kulturstätte soll dann doch nicht ganz zum Lunapark für hyperaktive Zappelphilippe werden. Die vertrauten Schaubilder mit den lebensgroßen Puppen in Indianerkostümen sollen ihren Platz in der Neuordnung erhalten. Die Räume der „Villa Bärenfett“ wird weiter der Geist von Patty Franks durchwehen, während für die Indianerausstellung bis 2019 die Errichtung eines neuen Ge­bäudes geplant ist. Dieses soll als „Schaufenster“ zur verkehrsreichen Meißner Straße nach außen wirken.

In Radebeul weiß man, dass der kulturhistorische Wert des Sammlungszusammenhanges die ethnologische Bedeutung der Summe der Einzelstücke bei weitem überwiegt. Darum soll auch in der Indianerausstellung der Bezug auf Karl May stärker herausgestellt werden. Es wird heute schon um den Nachwuchs geworben, dem Winnetou und Old Shatterhand inzwischen weit weniger bedeuten als Außerirdische oder Dinosaurier. So entstand die „Villa Nscho-Tschi“ für museumspädagogische Angebote sowie eine „Goldwaschanlage“. Die Popularität der Trickfilmserie um den Indianerjungen Yakari und das gleichnamige Kindermusical liefert das Stichwort für die aktuelle Sonderausstellung, welche die er­mattete kindliche Indianerbegeisterung wieder anfachen möchte. Dort ist ein Indianerkostüm zu se­hen, das ein Dresdner Weltkriegssoldat seinem Sohn 1916 aus Belgien mitbrachte. Noch Enkel und Ur­enkel haben sich darin in den Wilden Westen entrückt.

Vor Kurzem wurde die Sanierung des prunkvollen marmornen Grabmausoleums von Karl May auf dem Radebeuler Friedhof abgeschlossen. Zum 70. Todestag von Klara May am 31. Dezember 2014 legte die Geschäftsführerin von Museum und Stiftung einen Kranz nieder. Schweigend wurde damit einer der drei Gründungspersönlichkeiten des Museums gedacht. Neben Klara May und Patty Frank war Karl Mays letzter Verleger Euchar Albrecht Schmid beteiligt. Sebastian Hennig

Karl-May-Museum Radebeul, Karl-May-Straße 5. Sonderausstellung: „Yakari, Winnetou & Co. – Indianerbegeisterung gestern und heute“ bis voraussichtlich 31. März, geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr. Nächste Veranstaltung: Vortrag von Jürgen Wüsteney (München) „Cherokee – heute größtes Indianervolk Nordamerikas“ am 24. Januar um 18.30 Uhr. Infos im Internet: www.karl-may-museum.de.


Bild des Jammers
Albrecht Altdorfer und die »Donaumaler« − Expressive Ausstellung in Frankfurt am Main

Um 1500 kam eine gefühlsbetonte Kunst auf, die mit verzerrten Körpern und exaltierten Gesten unsere Anteilnahme einfordert. Einer ihrer ersten Vertreter war Lucas Cranach der Ältere in seinen frühen Werken, wie der lautstark expressive „Kalvarienberg“ (um 1500) veranschaulicht. Die zentralen Persönlichkeiten derart gefühlsbetonter Kunst aber sind die Maler Albrecht Altdorfer und Wolf Huber sowie die Bildhauer Hans Leinberger und „Meister IP“. Bekannt ist ihr Schaffen unter dem Etikett „Donauschule“. Doch diese in der NS-Zeit in Misskredit gebrachte Bezeichnung wird heute nicht mehr gern benutzt. Außerdem gab es nicht nur im Donauraum, sondern zeitgleich in ganz Europa Kunst mit expressiven Tendenzen. Das belegt die einnehmende Schau „Fantastische Welten“ im Frankfurter Städel Museum mit mehr als 100 Ge­mälden, Grafiken und Skulpturen.

Glücklichen Momenten wie der Geburt Christi gibt Wolf Huber auf den farbenfrohen Bildtafeln des „Annenaltars“ (1521) anrührenden Ausdruck. Hoch her geht es hingegen auf Hubers Gemälde „Gefangennahme Christi“ (nach 1522). Christus nimmt mit stoischer Ruhe den Judaskuss hin, während die Aufregung der sich dicht herandrängenden anderen Figuren groß ist. Petrus holt mit dem Schwert aus. Doch das Ohr des Malmus ist offenbar schon abgeschlagen. Er sitzt brüllend am Boden und sucht unter dem Gewand Jesu Schutz.

Ein Bild des Jammers beschwört Hans Leinbergers Holzrelief der „Kreuzabnahme Christ“ (um 1515). Links vorn wird Christus vom in Schrägansicht dargestellten Kreuz ge­nommen. Das ist Schwerstarbeit, wie man dem übers Kreuz gebeugten Ni­kodemus ansieht. Noch sind die Füße des Herrn festgenagelt, aber sein Körper, den Nikodemus mit einem um Jesu Bauch geschlungenen Tuch mühsam hält, kippt bereits dem stehenden Josef von Arimathäa und der mit ausgebreiteten Armen am Boden sitzenden Muttergottes entgegen.

Altdorfer gilt als erster Maler, der die Landschaftsdarstellung zum Hauptmotiv von Gemälden erhob. Überdies war er einer der ersten Künstler, der Nachtstücke malte. Seine „Geburt Christi“ (um 1511) fasziniert mit übernatürlichen Lichterscheinungen. Göttlicher Lichtglanz geht vom Jesuskind aus. Am Nachthimmel über ihm führen drei Engel einen Schwebetanz auf, angestrahlt von einem Himmelskörper links oben, der sich als Gottvater in imposanter Gloriole zu erkennen gibt. Schräg darunter vollzieht sich in einer majestätischen Lichtwolke die Verkündigung an die Hirten.

Mit fesselnden Werken ist auch der „Meister IP“ vertreten. Eines seiner Porträtreliefs (um 1525) zeigt einen Humanisten. Der macht sich Gedanken über die Endlichkeit des Lebens, wie der Totenschädel in seinen Händen verdeutlicht. Auf einem Epitaph-Retabel (nach 1526), womöglich zum Andenken an Stefan Schlick geschnitzt, tritt Christus als sanftmütiger, fast lässiger Triumphator über den Tod auf. Der schrecklich anzusehende Geselle hat einen Todgeweihten, der aufs ewige Leben hofft, an der Hand gepackt. Doch Christus tritt dazwischen und befreit den Gläubigen vom Todesgriff. Veit-Mario Thiede

Bis 8. Februar im Städel Museum, Schaumainkai 63, Frankfurt am Main. Dienstag, Mittwoch, Sonnabend, Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag und Freitag bis 21 Uhr. Telefon (069) 6050980, www.staedelmuseum.de. Eintritt: 12 Euro. Der Katalog (Hirmer Verlag) kostet im Museum 39,80 Euro, im Buchhandel 45 Euro.


Lübeck feiert Doppeljubiläum

Das St.-Annen-Kloster in Lü­beck ist eines der bedeutendsten spätgotischen Kulturdenkmäler der Hansestadt. Es feiert in diesem Jahr sein 500-jähriges Bestehen. Weil das Gebäude seit 100 Jahren auch als Museum dient, nutzt man das Doppeljubiläum, um mit zahlreichen Veranstaltungen auch an dieses über die Stadt hinaus kulturhistorisch bedeutende Bauwerk zu erinnern.

Das St.-Annen-Festjahr startet am 15. Februar mit dem Konzert „Vor hundert Jahren“ mit Musik aus der Gründungszeit des Mu­seums. Ab dem 29. März beschäftigt sich dann die Sonderausstellung „Alles unter einem Dach – 500 Jahre Kloster, 100 Jahre St. Annen“ mit der wechselvollen Geschichte des Hauses. Im Jahr 1515 zogen unverheiratete Töchter reicher Lübecker Kaufleute in das neu erbaute Augustinerinnen-Kloster ein. Doch im Zuge der Reformation verließen schon 1532 die letzten Nonnen das Kloster. Es folgte eine Nutzung als Armenhaus und Gefängnis, ehe 1843 große Teile von Kloster und Kirche abbrannten. Doch das meiste, wie der Kreuzgang oder das Refektorium, blieb im Originalzustand erhalten, weshalb das Gebäude seit 1915 als Museum genutzt wird. Höhepunkt des Jahres ist die Ausstellung „Lübeck 1500. Kunstmetropole im Ostseeraum“, die am 19. September eröffnet wird (www.luebeck1500.de). tws


MELDUNG

Raubkunst ist zurück

Potsdam − Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg erhält vier kostbare Gemälde zurück. Darunter ist auch das in der Nachfolge Tizians entstandene Bild „Madonna mit Johannisknaben“, das früher im Privatbesitz Stalins gewesen sein soll und das wahrscheinlich ein Werk des italienischen Renaissance-Künstlers Benedetto Caliari (1538–1598) ist. Nach einer 70-jährigen Irrfahrt hängt es jetzt wieder an seinem alten Platz im Schloss Sanssouci. Das 1945 von einer russischen Spezialeinheit geraubte Kunstwerk hat erst vor wenigen Jahren ein im holländischen Maastricht ansässiger deutschstämmiger Fabrikant als „Bezahlung“ für an den russischen Gasriesen Gazprom gelieferte Leitungen und Gasmessgeräte erhalten. Er nahm schon 2009 Kontakt zu einem Kunstdetektiv auf, der das Werk verkaufen sollte. Dieses gelang aber erst nach dem Tod des Fabrikanten. Für 15000 Euro konnte das Gemälde nun erworben werden. Zwei weitere Kunstwerke kamen durch die Vermittlung von Sotheby’s New York und eines Münchner Auktionshauses zurück. Ein drittes Raubkunstwerk wurde von der Republik Litauen restituiert. tws


S. 10 Geschichte

Er gewann den Krieg, aber verlor das Empire
Vor 50 Jahren starb Winston Churchill – Im Zweiten Weltkrieg sowie 1951 bis 1955 war er Großbritanniens Premier

Vor 50 Jahren starb Sir Winston Leonard Spencer-Churchill, der bedeutendste britische Staatsmann des 20. Jahrhunderts, der sein Land im Zweiten Weltkrieg zum Sieg geführt, aber damit zugleich den Niedergang des Empire sowie den Kalten Krieg eingeläutet hatte.

Winston Churchill, der am 30. November 1874 auf Schloss Blenheim Palace im englischen Woodstock unmittelbar während einer Tanzveranstaltung geboren wurde, war ein talentfreier Versager und Taugenichts – das jedenfalls glaubte sein Vater Randolph Henry Churchill (1849–1895), der es bis zum Schatzkanzler im Kabinett von Lord Robert Cecil (1830–1903) gebracht hatte. Und tatsächlich gestaltete sich die schulische Laufbahn des späteren Premierministers als eine einzige Kette von Katastrophen.

Ebenso gelang es dem jungen Churchill zunächst nur mit Mühe, im angestrebten Soldatenberuf Fuß zu fassen: Die Aufnahmeprüfung an der Militärakademie in Sandhurst bestand er erst im dritten Anlauf 1893. Danach freilich platzte der Knoten. Mit 21 Jahren wurde der frühere Albtraum aller Lehrer Leutnant und schaffte es anschließend, innerhalb von fünf Jahren an fünf Feldzügen teilzunehmen, darunter der Niederschlagung des Mahdi-Aufstandes im Sudan. Dabei bestritt er in der Schlacht von Omdurman auch verbissene Nahkämpfe mit den islamischen Rebellen.

Parallel hierzu schrieb Churchill packende Reportagen und Bücher über die erlebten Abenteuer, die ihm beträchtliche Honorare eintrugen, so dass er nicht mehr länger auf das Geld seiner Mutter, der amerikanischen Millionärstochter Jennie Jerome (1854–1921), angewiesen war. Im Laufe der Jahre entstanden dann zudem auch größere historische Werke, darunter zwei monumentale Abhandlungen über die beiden Weltkriege und mehrere umfangreiche Biographien, für die Churchill am 10. Dezember 1953 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt wurde.

Darüber hinaus begann der nunmehr schon recht populäre Kavallerieoffizier im März 1901 auch noch eine politische Karriere, indem er für die Konservativen ins Unterhaus einzog. Dort machte Churchill durch mehrere abrupte politische Richtungswechsel von sich reden. Trotzdem aber avancierte er 1905 zum Unterstaatssekretär für die Kolonien und bewährte sich in dieser Position derart, dass er 1908 zum Handelsminister in der Regierung von Herbert Henry Asquith (1852–1928) ernannt wurde. Dem sollten bis 1929 noch sieben weitere Ministerämter folgen: Innenminister, Erster Lord der Admiralität, das heißt Marineminister, Munitionsminister, Luftfahrtminister, Kriegsminister, Kolonialminister und Schatzkanzler beziehungsweise Finanz- und Wirtschaftsminister. Aus diesem Grunde spotteten die Zeitgenossen nicht zu Unrecht, Churchill sammle Kabinettsposten wie andere Leute Briefmarken.

Dabei erlebte er in seinen diversen Regierungsfunktionen sowohl grandiose Erfolge als auch bittere Niederlagen. So gehörte er zu den Vätern der britischen Sozialgesetzgebung und förderte auch frühzeitig den Bau von Panzern und Flugzeugen, was sich später als kriegsentscheidend erweisen sollte. Andererseits scheiterte sein Plan, auf der türkischen Halbinsel Gallipoli zu landen, um das Osmanische Reich aus der Front der Kriegsgegner des Empire zu brechen, 1915 unter schwersten Verlusten. Deshalb musste er schließlich als Marineminister zurücktreten, worauf ein mehrmonatiges Front-Intermezzo als Kommandeur eines Bataillons der Royal Scotch Fusiliers in Nordfrankreich folgte.

Ansonsten war Churchill auch stets ein ausgemachter Falke. Hiervon zeugten beispielsweise seine unnachgiebige Haltung gegenüber der indischen Unabhängigkeitsbewegung oder die Anweisung an die britische Luftwaffe im Irak, aufständische Stämme zu bombardieren. Am meisten hasste er allerdings den aufkommenden Bolschewismus. Der sollte seiner Meinung nach „bereits in der Wiege erwürgt werden“. Jedenfalls geriet Churchill 1931 ins politische Aus, weshalb er sich auf seinen Landsitz Chartwell zurückzog, wo er neben dem Schreiben nun auch der Malerei frönte.

Zehn Jahre später bescherte der Zweite Weltkrieg dem bekennenden Hitlergegner dann aber unversehens ein phänomenales Comeback. Am 10. Mai 1940 wurde Churchill sowohl zum Premier- als auch zum Verteidigungsminister ernannt. Dafür versprach er den Briten einen „Sieg um jeden Preis“. Und dieser Preis war tatsächlich hoch. Zum einen verlor das Empire infolge der Kriegsereignisse einen Großteil seiner Kolonien, zum anderen führte das taktisch bedingte Zusammengehen mit der UdSSR dazu, dass die Hälfte Europas unter das Joch des Kommunismus geriet.

Des Weiteren traf Churchill während des Krieges immer wieder Entscheidungen, die dem geltenden internationalen Recht zuwiderliefen. Besonders hervorzuheben ist dabei der Befehl vom 25. August 1940 an die Royal Air Force, mit gezielten Angriffen auf die Wohngebiete deutscher Städte zu beginnen – diese bezeichnete der Premier dann später übrigens auch selbst als „reine Akte des Terrors und der mutwilligen Zerstörung“!

Im Anschluss an den Sieg über das Dritte Reich reiste Churchill im Juli 1945 nach Potsdam, wo über die Nachkriegsordnung beraten werden sollte. Dort erreichte ihn die unerwartete Nachricht, dass er die Unterhauswahlen verloren hatte. Damit fand sich der Bezwinger Adolf Hitlers plötzlich in der Opposition wieder, was ihn nun freilich der Pflicht enthob, außenpolitische Rücksicht üben zu müssen. Und so wurde Churchill in der Folgezeit zum größten Mahner vor den Konsequenzen der Gewaltpolitik Josef Stalins und seiner osteuropäischen Satelliten. Dabei kritisierte er auch immer wieder die brutalen Exzesse bei der Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten; hinzu kam die Infragestellung der Oder-Neiße-Linie als Grenze.

Dies wiederum kam im nunmehr entbrannten Kalten Krieg so gut an, dass Churchill nach den Parlamentswahlen des Jahres 1951 erneut an die Spitze der Regierung gelangte. Allerdings erlitt er schon zwei Jahre später einen schweren Schlaganfall, woraufhin ihn seine „Parteifreunde“ zur Demission nötigten, die er dann auch nach längerem Zögern im April 1955 erklärte. Anschließend trat Churchill nur noch sporadisch politisch in Erscheinung, so zum Beispiel als er sich 1955 und 1959 nochmals ins Unterhaus wählen ließ.

Der in den Adelsstand erhobene Nationalheld starb am 24. Januar 1965, erreichte also trotz seines legendären Alkohol- und Nikotinkonsums das bemerkenswert hohe Alter von 90 Jahren.

Wolfgang Kaufmann


Ex-Russisch-Amerika soll wieder russisch werden
Nach der Krim möchte mancher Russe auch den 1867 verkauften 49. Bundesstaat der USA zurück

Ice cream“ ist zwar das englische und nicht das russische Wort für Speiseeis, aber dennoch ist es in Russland seit der Krim-Krise in zwar nicht aller, aber vieler Munde. Krim wird im Russischen ähnlich ausgesprochen wie „cream“ und mit „Ice cream“ ist in Russland denn auch weniger die kühle Leckerei als der nicht weniger kühle US-Bundesstaat Alas­ka gemeint, der im Gegensatz zur weniger eisigen Krim von Russland nicht zurück­geholt wurde. Es gibt allerdings Russen, die das ändern wollen.

Bereits im April erkundigte sich die russische Rentnerin Faina Iwanowna bei ihrem Präsidenten Wladimir Putin in dessen Bürgerdebatte „Direktübertragung“ nach der „Wahrscheinlichkeit, das verlorene Alas­­ka wieder Russland anzuschließen“. Putin winkte nur ab: „Liebe Faina, was wollen Sie mit Alas­­ka? Wir haben doch genug kalte Nordländer, und Alas­ka wurde im 19. Jahrhundert verkauft. Erhitzen wir uns nicht weiter darum!“

Seitdem erhitzen sich immer mehr Russen entgegen Putins Mahnung über die „Eis-Krim“: Krim und Alas­ka seien einst russisch gewesen, die Krim sei es bereits wieder, nun müsse es auch Alas­ka werden. Iwanowna hatte diese Forderung bereits im April begründet: „Damit unsere Enkel und Urenkel über größeren Lebensraum und mehr Ressourcen gebieten.“

Tatsächlich ist Alas­ka verlockend ressourcenreich. Der mit 1,7 Millionen Quadratkilometern flächenmäßig größte der 50 US-Bundesstaaten hat zwar nur 740000 menschliche Bewohner, aber seine Fisch- und Pelztierbestände sind umso größer, seine Öl-Förderung betrug 2014 520000 Fass pro Tag. Die großen Waldgebiete sind für die Holz- und Papierindustrie interessant, in den Bergen werden Gold, Kupfer, Silber, Blei, Zinn und Eisen abgebaut und Erdgas ist auch vorhanden. Bei einem derartigen Reichtum an Bodenschätzen verwundert es nicht, dass in Alas­ka das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf mit 43748 Dollar selbst für US-amerikanische Verhältnisse mehr als überdurchschnittlich ist. Russlands Vizepremier Dmitrij Rogosin geht sogar so weit, alle späteren „Einbußen“ Russlands bis hin zu seinem „Niedergang als Großmacht“ auf den „unglücklichen Verkauf“ Alas­kas zurückzuführen. Nicht zufällig steht Rogosin seit letztem März auf der westlichen Schwarzen Liste persönlicher Sanktionen.

Zu einer Zeit, als es den heutigen Besitzer USA noch gar nicht gab, nämlich bereits 1648, umschiffte Semjon Iwanowitsch Deschnjow die Tschuktschen-Halbinsel/Tschukottka, das nordostrussische Pendant des benachbarten Alas­ka, wobei hüben wie drüben Eskimos leben, Tschuktschen in Asien und Aleuten in Amerika. Der russische Kosak und Entdecker widerlegte dadurch nicht nur die These, dass Amerika und Asien miteinander verbunden seien, sondern sichtete möglicherweise auch als erster Europäer Alas­ka. Sein Bericht wurde allerdings erst 1736 in den Archiven von Jakutsk wiederentdeckt.

Zar Peter der Große ließ eine eigene Expedition unter dem Dänen Vitus Bering nach einer Landverbindung zwischen Russland und Amerika suchen. Die konnte der „Kolumbus des Zaren“ nicht finden, doch entdeckte er neben dem trennenden Seeweg, der seither „Beringstraße“ heißt, auch 1741 Alas­ka. Der Russe Alexei Tschirikow, Kapitän der „St. Paul“, des zweiten Schiffs von Berings Expedition, unternahm am 15. Juli jenes Jahres den ersten Landgang. Drei Jahre später wurde Alas­ka, in der Sprache der aleutischen Ureinwohner „Großes Land“, als „Russländisch-Amerika“ beziehungsweise „Russisch-Amerika“ russische Kolonie. Zar Paul I. nannte Alas­ka zwar „Quatsch“, doch begann in seiner Regierungszeit der Versuch, mit der 1799 von ihm per Ukas gegründeten „Russisch-Amerikanischen Kompanie“, von der auch die Zarenfamilie Aktien hielt, Alas­ka so geordnet wie die Ostindische Kompanie der Briten zu machen. Aber das Gros jener, die als Gouverneur, Kaufmann oder Geistlicher nach Alas­ka geschickt wurden, erwies sich als korrupte Raffer, die ihr Vermögen ver­viel­fach­ten, aber das Land verfallen und die Urbevölkerung an Seuchen und Suff verenden ließen. Als 1808 Nowo-Archangelsk, das heutige Sitka, Hauptstadt Alas­kas wurde, lebten dort noch rund 20000 Aleuten, bis 1834 hatte sich ihre Zahl mit 2247 auf ein Neuntel reduziert.

Vier Jahre später versuchte Zar Nikolaus I. die Region den mittlerweile gegründeten USA zu verkaufen. Das gelang dann seinem ältesten Sohn und Nachfolger, dem sogenannten Befreier-Zaren Alexander II., im März 1867. Monate zuvor hatte er mit seinem jüngeren Bruder Konstantin verabredet, „irgendetwas Unnützes“ zu verkaufen, um die Folgekosten der Aufhebung der Leibeigenschaft von 1861 zu mildern. „Unnütz“ erschien Alas­ka, das Baron Eduard Stoeckle, Russlands Botschafter in Washington, den USA für 7,2 Millionen Golddollar anbot. Am 28. Mai 1867 billigte der US-Senat den Kauf Alas­kas, am 30. November 1868 verließen die letzten 309 Russen Nowo-Archangelsk.

„Am 4. April 1866 wurde ein Attentat auf Alexander II. versucht. Hätte der Schütze besser getroffen, dann wäre Russisch-Amerika ewig russisch geblieben“, trauert der russische Schriftsteller und Publizist Alexander Buschkow. Zur Verteidigung Alexanders ließe sich anführen, dass 7,2 Millionen Dollar, umgerechnet 11,4 Millionen Rubel, eine durchaus stolze Summe waren, wenn man bedenkt, dass man damals in Russland für 50 Rubel einen Hektar Land und für die Hälfte ein Haus bekam. Zudem hatte Russland im Sezessionskrieg die Vereinigten Staaten aktiv unterstützt und fürchtete nun, dass die eher mit den Konföderierten sympathisierenden Briten Kanadas Nachbarn Alas­ka gewaltsam einstreichen, auch wenn diese 1824 in einem Grenzvertrag Wohlverhalten gelobt hatten. Durch den Verkauf war der Zar diese Sorge los und kassierte stattdessen einen Goldschatz. Dass dieser im Juli 1868 auf dem Seeweg nach Sankt Petersburg verloren ging – wo ihn noch 1975 eine finnisch-sowjetische Expedition suchte –, konnte Alexander nicht ahnen. Zusätzlich lässt sich zur Verteidigung des russischen Verkäufers anführen, dass auch auf Seiten des Käufers der Wert Alas­kas verkannt wurde. So wurde dem US-amerikanischen Unterhändler William Seward in der Presse seines Landes vorgeworfen, „einen russischen Eiskasten gekauft“ zu haben.

Heute hätte mancher Russe diesen „Eiskasten“ gerne wieder zurück. Aber die USA werden ihn kaum freiwillig herausrücken, auch wenn vergangenes Jahr 42000 Diaspora-Russen dem Weißen Haus eine Petition „Alas­­ka back to Russia“ zustellten.

Wolf Oschlies/PAZ


S. 11 Preussen

Dem Sujet Ostpreußen ein Leben lang treu
Am 25. Januar 1890 wurde der freie Künstler und Professor an der Kunstakademie in Königsberg Eduard Bischoff geboren

Malerei, Bildhauerei sowie Arbeiten auf den Gebieten der Keramik, Glasmalerei und der Graphik inklusive Gebrauchsgrafik um­fass­­te das künstlerische Schaffen Eduard Bischoffs. Hinsichtlich der Mittel, des bearbeiteten Materials durchaus vielseitig, ist der Kulturpreisträger der Landsmannschaft Ostpreußen des Jahres 1959 bezüglich des Themas seiner Kunst, des Sujets seiner ostpreußischen Heimat zeitlebens treu geblieben.

Ursprünglich sollte der Kaufmannssohn Lehrer werden, aber Eduard Bischoffs Drang zum Malen und Zeichnen war stärker. Der gebürtige Königsberger empfing 1908/09 im Kreis um Fritz Boehle in Frankfurt am Main die ersten Anregungen zum eigenen künstlerischen Studium. Von 1910 bis 1914 studierte er an der Kunstakademie in Königsberg bei Ludwig Dettmann. Mit seinem Lehrer, der ihn auch zur Mitarbeit an einem Monumental-Triptychon zur Hundertjahrfeier 1813/1913 heranzog, durchstand Bischoff den Ersten Weltkrieg als Kriegsmaler. Später nahm er sein Studium in seiner Heimatstadt wieder auf und blieb dort bis zum Jahre 1920 als Meisterschüler.

In der folgenden Zeit lebte Bischoff in Königsberg – er hatte 1919 geheiratet – als freischaffender Maler. Um seinen Horizont zu erweitern, unternahm er Studienreisen nach Frankreich, Italien, Belgien, Holland und Schweden. 1936 wurde der Künstler als Professor an die Staatlichen Meisterateliers in Königsberg berufen und übernahm die Klasse für figürliches Zeichnen und Malen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte ihn die Flucht mit seinem Freund und Kollegen Alfred Partikel in die Lüneburger Heide. 1948 zog Bischoff dann nach Gelsenkirchen, wurde Mitglied der Künstlersiedlung Halfmannshof und arbeitete wieder als freischaffender Künstler.

In allen seinen Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen spürt man die tiefe Bindung an seine Heimat Ostpreußen und die Erinnerung an die Küste der Ostsee. Werke des Künstlers kann man im ganzen Bundesgebiet bewundern, vor allem aber in Nordrhein-Westfalen, wo das Leben von Eduard Bischoff seinem Ende zuging.

Sein Einfühlungsvermögen, seine innere Beziehung zur Kunst, die sich in Bischoffs Arbeiten widerspiegeln, ließ den Maler auch zu einem begnadeten Lehrer seiner Kunst werden. Viele seiner Schüler sind heute fast ebenso bekannt wie ihr Meister. Einer unter ihnen, Norbert E. Dolezich, würdigte anlässlich einer Ausstellung in Wolfsburg im Jahre 1966 das Schaffen seines Lehrers:

„Seine zusammengefassten Tagebuchnotizen auf der Jacht ,Marianne‘ stellen ein so vorzügliches Stück deutscher Prosa dar, dass ich nicht umhin kann, sie mit einem Sonderapplaus zu bedenken … In all diesen Reisen zeigt sich eine seiner wichtigsten Eigenschaften, nämlich die Welt in ihrer Fülle der Erscheinungen gierig und dankbar aufzunehmen, eine Eigenschaft, die wesentlich mit der Thematik seines Gesamtwerkes zu tun hat.“

Der Krieg und die Flucht in den Westen hätten alles zu zerstören gedroht, doch „dank der unermüdlichen Tatkraft seiner Frau, die ihr ganzes Leben … mit ihm geteilt hat und die empfindliche Welt des künstlerischen Schaffens in vorbildlicher Weise beschützt hat, gelingt es, eine Fülle von Zeichnungen und Skizzenbüchern zu retten, in denen sein Ostpreußen, seine Landsleute, Männer und Frauen, Kinder und Bäume, Pferde und Tiere, die Nehrung und das weite Land zeichnerisch gebannt sind, einen Schatz zu retten, der ihm auch in der Ferne das Antlitz der Heimat immer wieder lebendig zurückrufen konnte und der ihn zu neuen Werken angeregt hat, wie sein Nachkriegsschaffen beweist.“

Über seine Arbeit mit seinem eigenen Lehrer hat Eduard Bischoff einmal geschrieben:

„Professor Dettmann kam ich durch die Zentenarfeier 1813/1913 sehr nahe und verblieb es dann für viele Jahre. Er plante zum Empfang Kaiser Wilhelms II., der zu der Feier nach Königsberg kommen wollte, für die durch Pilaster und drei große Atelierfenster gut gegliederte Akademiefassade ein historisches Triptychon zu malen: ,Frisch auf, mein Volk, die Flammenzeichen rauchen.‘ Die drei Monumentalbilder sollten zeigen: den Yorck­schen Aufruf an die preußischen Stände; links: Aufbruch zu den Waffen und Abschiednehmen; rechts: ein Reitergefecht 1813. Auf diesen Seitenbildern waren Pferde zu malen, zumal er unter meinen Prüfungsarbeiten zur Aufnahme in die Akademie gute Pferdestudien bemerkt hatte. Dettmann verwirklichte seine Planung des großen Triptychons 1912 in der Rollschuhhalle des Tiergartens, die heizbar war, unter Mithilfe einiger Schüler und wahrer Berge herrlichster Mussiniölfarben, die sehr teuren Kadmiums waren ihm gerade gut genug. Wir Schüler erbten zur Belohnung noch einen ansehnlichen Rest dieser Farben.

Was hatten Dettmann und wir alle vom kaiserlichen Besuch für einen großen Erfolg erhofft! Da war nun die Königstraße am 18. Januar 1913 vor der Kunstakademie von einem blauen Polizeikordon abgesperrt. Ludwig Dettmann erwartete am Portal Seine Majestät So war es nun eine große Enttäuschung, dass der Kaiser aus dem geschlossenen Wagen nur kurz und uninteressiert zur Akademiefassade hinaufblickte, obwohl Landeshauptmann von Berg, der den Kaiser begleitete, ihn auf das Triptychon aufmerksam machte. Ich stand an der Ecke Landhofmeisterstraße und konnte dies genau beobachten.

Wer hätte an diesem glanzvollen 18. Januar 1913 an einen uns so nahe bevorstehenden Weltkrieg denken können! Professor Dettmann, ein 50-Jähriger, nicht mehr militärdienstpflichtig, ging als Kriegsmaler ins Feld zum Stab der 38. Infanterie-Division. Ich kam nach kurzer Ausbildung schon im September 1914 nach Wilkowischki in Russland an die Front und erhielt bei Rückzugskämpfen nahe Darkehmen am 14. November einen Heimatschuss. Bei Dettmann war nichts unmöglich. Noch garnisondienstfähig, bekam er mich als seinen Begleiter bis auf Weiteres unmittelbar vom Oberbefehlshaber Ost frei; erst im Winter 1915/16 kam ich wieder an die Front nach Frankreich.

Mein Meister hatte sich eine Phantasieuniform zugelegt, obwohl im Armeeblatt diese Uniform des Herrn Professors immer wieder beanstandet wurde. Dettmann trug sie trotzdem während des ganzen Feldzuges; so war es für ihn ja leichter, in die vordersten Stellungen zu kommen, bis in die Sappen zu den Horchposten. Als Zivilist hätte er unendliche Schwierigkeiten gehabt. Im Feld lernte ich ihn als mutigen Mann und harten Arbeiter kennen. Seine Begegnungen waren nun auch die meinen, ob es der Kommandeur des elften Armeekorps, zu dem die 38. I.-D. gehörte, Exzellenz von Plüskow, oder gar die drei Großen der Obersten Heeresleitung: Von Hindenburg, Ludendorff oder General Hoffmann waren. Plüskow malte ich zu Pferde in Frankreich, Hindenburg zeichnete ich im Hauptquartier in Lötzen, während Dettmann die drei Generale malte.

Von seinem Fleiß angesteckt, füllten sich auch meine Mappen mit Skizzen der oft schrecklichen Kriegserlebnisse.“

Auch als Mensch war Bischoff eine Persönlichkeit, die man nicht vergisst. Viele nahmen nach seinem Tod Abschied von einem lieben Freund. Margarete Kudnig schrieb: „Es war so, als fühlte sich ein jeder in seinem Innersten auf eine ganz besondere Weise durch ihn angesprochen. Ob es sich nun um Kutscher und Kämmerer des Gutshofes in Friedrichswalde, dem ersten Domizil des jungen Ehepaares, handelte, um die Fischer der Nehrung, um die Seg­lerkameraden und Berufskollegen, um Musiker, Wissenschaftler oder um die vielen, deren Wesenskern er in seinen meisterhaften Porträts zu offenbaren wusste – immer war da die Bereitschaft zum gegenseitigen Geben und Nehmen, zum Helfen und Sich-helfen-Lassen und nicht zuletzt die Bereitschaft, sich mit den anderen zu freuen!“

Am 4. Januar 1974 ist Eduard Bischoff in Soest gestorben. Ein Zyklus von großformatigen Holzschnitten mit Motiven aus Ostpreußen gehörte zu seinen letzten Arbeiten. E.B.


Mit einer Zeitschrift eine Brücke zum Osten schlagen
Vor 130 Jahren kam der Gründer der »Ostdeutschen Monatshefte«, der Dichter, Organisator, Offizier und Sportsmann Carl Lange, zur Welt

Wer und was war Carl Lange, der am 27. Januar 130 Jahre alt geworden wäre? Am treffendsten fasste das einmal sein Freund Wilhelm Scharrelmann so zusammen: „Mit einem Satz kann man Carl Langes Wesen auf die kürzeste Formel bringen: Seine Glut ist sanft, seine Begeisterung rein, seine Ehrfurcht groß, seine Liebe weit und groß wie das Meer!“ Carl Lange, ein gebürtiger Berliner, der sich später Ostdeutschland zur Heimat wählte, war Offizier, Sportsmann und Künstler in einer Person, wobei jedoch der Dichter, Künstler und Organisator dominierte.

Schon als Schüler verschrieb er sich begeistert dem Tennissport, wurde mit 17 Jahren deutscher Tennismeister, bestritt im Laufe seines Lebens über 100 Meisterschaften und gewann mehr als 800 Preise. Auf den Rat des ältesten Bruders hin wurde Lange Offizier und trat 1904 als Fahnenjunker in ein Regiment der Fußartillerie in Danzig-Langfuhr ein. Seine Neigung jedoch gehörte der Kunstgeschichte und Literatur, in denen er sich durch Vorlesungen an der Technischen Hochschule Langfuhr weiterbildete. Den Ersten Weltkrieg erlebte Lange zunächst im Westen. Nachdem in den ersten Kriegsjahren seine vier Brüder gefallen waren, wurde er Batterieführer auf der Insel Borkum, ein Ort, zu dem es ihn Zeit seines Lebens hingezogen hat. Dort brachte er die „Borkumer Kriegszeitung“ heraus, in der weniger vom Krieg als von Dichtung und Liebe zur Heimat die Rede war. Im Verlag Otto Stielke erschien 1919 sein „Harzbuch“, bebildert von Berthold Hellingrath. In jenem Jahr erschien auch sein Lyrikband „Strom aus der Tiefe“, im Furche Verlag Berlin. Dieser Band erregte die Aufmerksamkeit der Kronprinzessin, die ihm freundschaftlich verbunden war.

In Danzig-Oliva, wo er mit seiner jungen Frau lebte, begründete er im Jahr 1920 die „Ostdeutschen Monatshefte“. Diese Zeitschrift wurde im Laufe der Jahrzehnte ihres Bestehens zu einem kulturellen Forum, in dem die meisten schöpferischen Kräfte der Deutschen zu Wort kamen. Die Schwierigkeiten, die sich Lange bei der Gründung entgegenstellten, überwand er mit Hingabe und der Gewissheit, einem notwendigen, wichtigen, kulturellen Auftrag zu dienen. Mit unerhörtem Arbeitseinsatz, Energie und geistiger Spannkraft ging er ans Werk, und es gelang ihm, jedem neuen Heft den Charakter eines eigenständigen, abgeschlossenen Ganzen zu geben. Die „Ostdeutschen Monatshefte“ wollte er verstanden wissen als Brücke zum Osten. Die reichbebilderten Hefte über die Städte der baltischen Provinzen, über Polen und Galizien, über Siebenbürgen und das Burgenland, die Deutschen in Wolhynien, im Kaukasus und an der Wolga sowie Finnland übermittelten den Lesern das deutsche Kulturgut, das dort beheimatet war. Seine sachlichen Darstellungen, sein Wissen um viele Zusammenhänge machten Lange im ganzen ost- und südosteuropäischen Raum bekannt und trugen durch ihre über den Dingen stehende Sachlichkeit dazu bei, dass es zu einem gewissen Verständnis zwischen Deutschland und den östlichen Nachbarn kommen konnte.

Im Jahre 1924 gründete Lange zusammen mit Wilhelm Scharrelmann und anderen Dichtern die niederdeutsche Dichter- und Autorenvereinigung „Die Kogge“. 1939 sah Lange sich gezwungen, die „Ostdeutschen Monatshefte“ eingehen zu lassen, ohne jedoch den Glauben an ihr Wiedererscheinen zu verlieren. Lange wurde wieder Soldat. Trotzdem erlebte er das Ende des Krieges in seinem Haus in Oliva.

Als erster Russe betrat ein Offizier das Haus. Die über 10000 Bände zählende Bibliothek erregte sofort sein Interesse, insbesondere die zahlreichen russischen Klassiker in deutscher Ausgabe. Nach einem Gespräch über diese und der Wahrnehmung der großen Wertschätzung derselben bei dem Hausherrn stellte der Offizier das Haus, in dem viele Menschen eine Zuflucht gefunden hatten, unter militärischen Schutz. Als die Polen dann im Juli 1945 die Herrschaft übernahmen, wurden Lange und seine Familie jedoch innerhalb von 20 Minuten aus dem Haus gewiesen.

1950 verließ Lange die zweite Heimat Wernigerode; ein halbes Jahr hat er in Gefängnissen der DDR verbringen müssen – aufgrund einer Denunziation. Anschließend begann er einen neuen Lebensabschnitt in Bremen. Landsmannschaften, Freunde und Volkshochschulen holten ihn zu Vorträgen in viele westdeutsche Städte. Im Jahre 1963 erlebte er die Freude, dass in Minden die „Kogge“ wieder neubegründet wurde. Hier sah er viele seiner Freunde und einstigen Mitarbeiter der „Ostdeutschen Monatshefte“ wieder. Der Verleger Helmut Rauschenbusch erkannte in weitschauender Voraussicht die Bedeutung des ostdeutschen Kulturgutes. Er war bereit, die „Ostdeutschen Monatshefte“ wieder ins Leben zu rufen.

In Wort und Schrift und in Rundfunkvorträgen hat Lange von der Schönheit der deutschen Landschaft und von den großen Leistungen der deutschen Menschen im Osten erzählt. Als sein Leben sich dem Ende zuneigte, hatte er die große Freude, dass ihm durch den Bundespräsidenten das Verdienstkreuz erster Klasse überreicht wurde als Würdigung und Auszeichnung für seinen unermüdlichen Einsatz um die kulturellen und menschlichen Leistungen der Deutschen im Osten. Die Mitteilung, dass ihm der Westpreußische Kulturpreis verliehen werden sollte, erreichte ihn noch kurze Zeit vor seinem Tode. Beide Ehrungen waren ihm Freude und Genugtuung zugleich, dass sein Werk und der unermüdliche Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit für diese Lebensaufgabe Anerkennung und Bestätigung gefunden hatten. Am 29. Mai 1959 starb dieser außergewöhnliche Mensch. E.B.


S. 12 Leserforum

Leserforum

Die Meinung der Andersdenkenden

Zu: Die Nervosität wächst (Nr. 51/52)

Als Dresdener Bürger, Familienvater, Offizier und studierter Diplom-Pädagoge macht es mich betroffen zu sehen, wie die etablierten Eliten auf die Sorgen und Nöte der Bürger reagieren. Anstatt als gewählter Volksvertreter oder als verantwortlicher Politiker auf die durchaus berechtigten Ängste und Unsicherheiten der Menschen vor dem Hintergrund der stark zunehmenden Einwanderungswellen aufgrund von weltweiten Kriegen und instabilen Regionen einzugehen und das Thema Asylpolitik ernsthaft anzunehmen, erfolgt der übliche Reflex: Die demonstrierenden Menschen werden „in die rechte Ecke gestellt“ und zu „Nazis“ gestempelt.

Das ist hierzulande das bewährte Mittel, um Andersdenkende ins moralische Abseits zu schieben. Es verbindet sich damit auch der charmante Vorteil, dass man sich der inhaltlichen Auseinandersetzung dann nicht mehr zu stellen braucht. Wer die Wortführer der Pegida-Bewegung in Dresden als „Nazis in Nadelstreifen“ beleidigt, wie dies der SPD-Innenminister von Nordrhein-Westfalen Ralf Jäger tat, zeigt ein fragwürdiges Demokratieverständnis. Auch durch die Medien erfahren wir zumeist eine einseitige Anti-Pegida-Berichterstattung. Ist es etwa nur linksorientierten Gruppen in unserem Lande gestattet, für ihre Meinung auf die Straße zu gehen.

War es nicht Rosa Luxemburg, die die Meinungen der Andersdenkenden so wertschätzte? Und welche Zeitung außer der PAZ hat denn bisher das Positionspapier mit den 19 Punkten der Pegida sachlich analysiert? Was wir erleben, ist leider zumeist oberflächliche Meinungsmache.

Meines Erachtens geht es den immer mehr werdenden Pegida-Demonstranten in erster Linie nicht um Veränderung der deutschen Asylpolitik, sondern es empört die Bürger, dass sich die meisten Politiker nur der unsäglichen „Political Correctness“ verpflichtet fühlen und Fragestellungen einschränken oder bestimmte Themen unter ein Tabu stellen. Eine offene, ergebnisorientierte Dis­kussion ist nicht erwünscht.

Die Eliten unseres Landes tun gut daran, das Volk wieder ernst zu nehmen, sonst tragen sie selbst die Verantwortung für Politikverdrossenheit und zunehmende Radikalität.

Olaf Rönnau, Dresden

 

 

»Tucho« ruht in Schweden

Zu: Schärfste Zunge der Weimarer Republik (Nr. 1)

Den Artikel zum 125. Geburtstag von Kurt Tucholsky habe ich gerne gelesen. Man liest ja nicht mehr viel über diesen herausragenden Schriftsteller. Allerdings muss ich auch etwas Kritik üben an fehlenden Informationen am Schluss. Hier fehlt als Abschluss der Hinweis, dass der am 21. De­zember 1935 gestorbene Tucholsky im schwedischen Mariefred ganz in der Nähe von Schloss Gripsholm beerdigt wurde. Von dort hat man einen direkten Blick auf das Schloss. Gerade weil die Autorin auch auf sein Buch „Schloss Gripsholm“ eingegangen ist, ist es verwunderlich, dies nicht zu erwähnen. Zu ergänzen ist auch die Inschrift auf seinem Grabstein: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.“

Trotzdem, gerade solche Artikel über interessante, aber weitgehend vergessene Persönlichkeiten früherer Zeitgeschichte, egal ob politischer, militärischer oder kultureller Art, sind für mich Grund, die Preußische Allgemeine Zeitung weiter zu lesen und damit das Erbe meines Vaters weiterzuführen.

Dieter Holz, Aspach

 

 

Reim auf Pegida

Zu: Oben gegen unten (Nr. 2)

Meinungsfreiheit gilt für alle / − prinzipiell − , aber im Falle / der Pegida-Demonstranten, / dieser Wohlstands-Ignoranten, / muss man klare Kante zeigen / und sie schnell bringen zum Schweigen. / Kanzlerin und Präsident / fordern das ganz vehement. / Denn nur sie hab’n hier das Sagen, / könn’n sich übers Volk beklagen. / Denen, die Kritik anbringen, / und noch Weihnachtslieder singen, / soll gesundes Volksempfinden / das Marschieren unterbinden. / Fürs Journal sind’s nicht „viel Leute“, / sondern „eine braune Meute“. / Dort kann Charlie man ertragen. / Hier: Pegida darf nichts sagen. / Meinungsvielfalt hat hier Pause / unterm Druck der Gut-Mensch-Brause. / Klar: Die deutschen Arbeitsstätten / könn’n nur Immigranten retten; / ohne IS-Terroristen / brauchten wir auch Polizisten … / Diese Meinungen sind richtig, / andre Ansicht null und nichtig. / Freie Meinung? Nicht allein! / Die richt’ge Meinung soll’s schon sein.

Raimund Pradel, Dinklage

 

 

Wie der Herr, so’s Gescherr

Zu: Jedes Maß verloren (Nr. 3)

Seit Kindestagen war ich bis zum Studium während meiner Schulferien in Frankreich. Später verbrachte ich einige Semester meines Theologiestudiums in Paris. Bis heute habe ich Kontakte dorthin und verfolge nun die Morde von Paris mit besonderem Herzensschmerz. Wie jeder von uns saß auch ich vor dem Fernseher oder las die Berichte in den Zeitungen. Sehr nachdenklich wurde ich durch die Überschrift eines mit „Mit ihrer Gewalt verleumden sie Mohammed“ betitelten Presseartikels.

Dieser Satz ließ mir keine Ruhe, da meine jahrelange Beschäftigung mit der Biografie Mohammeds mir einen anderen Gesandten Allahs vermittelte. So blätterte ich erneut in den Dokumenten muslimischer Theologen und Historiker und wurde in meiner Erinnerung bestätigt, dass Mohammed insbesondere Künstler wie zum Beispiel Dichter und Sängerinnen, die ihn kritisierten und auch teilweise verspotteten, grausam töten ließ. Er lobte die von ihm gedungenen Mörder ausdrücklich. Die Namen der Mörder und der Ermordeten sowie die Begründung des Mordauftrages durch Mohammed werden in muslimischen Geschichtsbüchern genannt.

Ich möchte die Mörder von Paris nicht in Schutz nehmen oder gar rechtfertigen. Nein! Ich frage jedoch: Welche muslimische Institution kann darüber entscheiden, ob die Mörder von Paris sich an Mohammed von Medina ein Beispiel nehmen durften? Es kam mir mehr als ein Zufall vor, dass ich bei meinen weiteren Recherchen auf aktuelle islamtheologische Gutachten (Fatwa) stieß, welche sehr deutlich betonen, dass die Nichtachtung Mohammeds gleichzusetzen sei mit Apostasie, also der Abwendung von einer Religion, und somit mit dem Tod bestraft werden müsse.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es für den Dialog der Religionen und Kulturen wesentlich ist, kritische Fragen zu stellen, auch wenn sie nicht dem Zeitgeist entsprechen.

Wilfried Puhl-Schmidt, Kehl

 

 

Flüchtlingsstrom nach Europa nimmt industrielle Formen an

Zu: Zuwanderung verdoppeln (Nr. 50)

Was befürchtet wurde, ist nun Realität. Die Flüchtlinge kommen seit Dezember 2014 zu Hunderten in Frachtschiffen aus der Türkei über das Meer und „steuern“ Häfen auf dem italienischen Festland an – und nicht mehr die Inseln Lampedusa oder Sizilien, wo sie relativ isoliert waren.

„Steuern“ ist nicht das richtige Wort: Die Schlepper-Besatzung verlässt rechtzeitig das Schiff und sucht das Weite, das nun dem Autopiloten ausgeliefert ist. Sind die Menschen in irgendeinem kleineren italienischen Hafen von Bord, dann können sie leicht verschwinden und fahren mit Bus und Bahn in wenigen Stunden gen Norden – nach Rosenheim, Zürich oder Innsbruck. Der Flüchtlingsstrom nach Europa wird industrialisiert: Sind 800 Menschen auf einem Schiff, so verdienen die Schlepper gut fünf Millionen US-Dollar. Die Menschen, die nach Europa wollen, zahlen zwischen 5000 und 7000 Dollar bei einer Firma ein, die nach Eingang der Landungsmeldung das Geld den Schlepper-Unternehmen auszahlt. 2014 haben rund 200000 Menschen das Mittelmeer überquert. 2015 werden es infolge der neuen Schleppermethode deutlich mehr sein – eine halbe Million Menschen sind durchaus möglich.

2015 werden Deutschland, Schweden, die Schweiz und andere Länder von Menschen aus Nahost und Afrika überrannt werden. Es ist billig, den Italienern Vorwürfe zu machen; sie können diese Menschenwellen weder registrieren noch lenken. Das haben die Schlepper klar erkannt. Italien hat keine andere Wahl, als die vielen Menschen, die gar nicht im „armen“ Italien bleiben wollen, an der Weiterreise möglichst nicht zu hindern. Es ist eine Illusion der EU-Staaten zu meinen, sie könnten die Menschenströme lenken. Diese Menschen, die für ihre Verhältnisse sehr viel Geld investiert haben, wollen in den Ländern bleiben, die ihnen und den Familien, die nachziehen werden, gute Chancen fürs weitere Leben bieten: an erster Stelle Deutschland.

Trotz aller Beschwichtigungsversuche werden die Spannungen in Europa zunehmen – Spannungen zwischen der ansässigen Bevölkerung und Neuankömmlingen, aber auch solche innerhalb der Bevölkerung – religiöse, soziale und nationale Spannungen.

Es gibt eine Möglichkeit, diesen Problemen, die die einzelnen Staaten und die EU als Ganzes durchschütteln und überfordern werden, gegenzusteuern: Eine zeitverzugslose und massive Hilfe vor Ort, Flüchtlingsstädte sind zu errichten, in der Türkei, im Libanon, im Irak, in Jordanien und den Nachbarländern zu Eritrea. Europa stellt die Leitung und die Spezialisten und das Geld für Geräte und Material, das möglichst in den Ländern selbst einzukaufen ist. Es braucht Energiefarmen, Wasserentsalzungsanlagen, Bewässerungssysteme, es braucht auch „Beamte“, Lehrer, Pflegepersonal, Handwerker aller Art, Bauern: Die Menschen sind gerne bereit, das Ihrige beizutragen.

Das kostet viele Millionen, wenn nicht sogar Milliarden Euro – doch das ist immer noch billiger im Vergleich zu dem, was in Europa über Jahre und Jahrzehnte an verdeckten Kosten anfallen wird, wenn nicht jetzt gegengesteuert wird. Zudem − die Menschen werden nicht entwurzelt. Sie können etwas tun; sie müssen nicht warten und warten und warten. Sie finden wieder nach Hause, wenn der Krieg vorbei ist. Die Finanzierung könnte eine Aufgabe der Europäischen Zentralbank sein.

Das Schweizer Fernsehen musste Mitte Dezember 2014 melden, dass in den Flüchtlingslagern vor Ort die Verpflegung nicht mehr gesichert sei, da viele Länder die zugesicherten Beiträge nicht bezahlen. Aber die Nato-Länder müssen aufrüsten. Das Problem heißt nicht Ukraine sondern Nahost und Afrika.

Jürg Walter Meyer, Leimen

 

 

Nicht klar im Kopf

Zu: 465000 kamen nach Deutschland (Nr. 49)

Als ein in Kanada lebender Bürger lese wohl seit mehr als 30 Jahren die Preußische Allgemeine und denke doch, in Allgemeinfragen gut unterrichtet zu sein. Ich denke, dass dieser Artikel über das Zuwandererproblem etwas tiefer ins Bewusstsein greift. Noch mehr Zuwanderern den Aufenthalt zu erlauben, kann doch nur jemand befürworten, der nicht mehr ganz klar bei Verstand ist. Von der Sorte laufen bei Ihnen im Lande bereits so viele herum, dass man schon für die nahe Zukunft höchst besorgt sein muss.

Ich wünsche der Preußischen Allgemeinen daher weiterhin gute Erfolge im neuen Jahr.

Gerhard Mittelstaedt, Sutton/Quebec Kanada

 

 

Saugende »Willkommenskultur«

Zu: Oben gegen unten (Nr. 2)

Sechs Thesen zum Umgang mit dem Problem „Flüchtlinge“:

Erstens: Der Oberbegriff muss „Einwanderer“ heißen, denn die meisten sind Glückssuchende, die wenigsten wirkliche Flüchtlinge oder Asylberechtigte, denen wir helfen müssen und wollen.

Zweitens: Sowenig man Menschen verübeln kann, ein besseres Leben zu suchen, sowenig kann Deutschland Hort für alle Glückssuchenden der Welt sein und der deutsche Steuerzahler ihr Zahlmeister.

Drittens: Die meisten Glückssuchenden sind nicht die Ärmsten, sondern die, welche sich die Schleuser- und Transportkosten leisten können.

Viertens: Die vielbeschworene deutsche „Willkommenskultur“ macht die „Mafia“ der Schleuser und Transporteure reich und bedient vor allem unsere „Asyl“-Industrie.

Fünftens: Die deutsche „Willkommenskultur“ saugt die relativ wohlhabendsten und aktivsten Menschen aus ihren Heimatländern, wo sie dringend gebraucht werden, damit es dort irgendwann besser wird. Sie ist also das genaue Gegenteil der vielbeschworenen „Solidarität mit den armen Ländern“.

Sechstens: Wirklichen Flüchtlingen aus Konfliktländern, die in den Nachbarstaaten kampieren und in ihr Land zurückkehren wollen, muss Deutschland deshalb vor Ort helfen, statt sie hierher zu holen, ihrem Land zu entfremden und schließlich zu entziehen.

Manfred Backerra, Hamburg

 

 

Volkes Wille interessiert nicht mehr

Zu: Was Pegida wirklich will (Nr. 51/52) und: Was Pegida mit 1989 verbindet (Nr. 1)

Der Feind ist ausgemacht: Pegida. In den linkslastigen Medien sowie der Politik richtet man den Fokus in übelster Form gegen die Bürgerbewegung Pegida. Wenn man sich das Positionspapier mit 19 Punkten verinnerlicht, kann man nur zu dem Ergebnis kommen: Die Unterstützer dieser Bewegung haben recht. Der Inhalt dieses Positionspapiers ist human gehalten und eher untertrieben. Wenn sich die Politik darüber künstlich aufregt, ist das eher auf Unverständnis zurückzuführen.

Wer die Ängste der Bevölkerung verhöhnt und als rechtsradikal bezeichnet, hat den ernst der Lage nicht erkannt. Die Parteien, allen voran Bündnis 90/Die Grünen, SPD und auch die CDU haben doch nur Angst davor, weil diese zugeben müssen, das sie in der Asylpolitik versagt haben. Die etablierten Parteien fürchten Machtverlust und dulden keinerlei Widerstand. Das Verhalten der Regierung gegenüber Putin und den damit verhängten Sanktionen ist politischer Unsinn. Wer die irrsinnige Geldpolitik der EZB unterstützt, sich Putin zum Feind macht und die Pegida verteufelt, stellt damit unter Beweis, dass des Volkes Wille nicht interessiert. Man regiert gegen die Mehrheit der Bevölkerung.

Wenn Kanzlerin Merkel in ihrer Neujahrsansprache zur Pegida äußert, „es ist Hass in den Herzen“, so ist das ein politischer Irrläufer und Verdrehung der Fakten. Merkel ist desinformiert und hat keine Ahnung, was in Deutschland wirklich abläuft. Je mehr von staatlicher Seite und den Medien gegen die Pegida gehetzt wird, umso mehr Zulauf wird diese Bewegung bekommen. Wenn die Politik hier keine Kehrtwende einläutet, wird es in Deutschland zu einem Flächenbrand kommen.

Die Politik hat die Zeichen der Zeit einfach nicht erkannt und negiert Tatsachen und Kosten der Zuwanderung. Die politisch Verantwortlichen in Deutschland sollen weniger auf Jean-Claude

Juncker und Barack Obama hören, aber dafür eine Politik für Deutschland betreiben und durchsetzen. Dafür wurden sie als Mandatsträger und Volksvertreter gewählt. Nach der Wahl ist auch vor der Wahl. Die Quittung für die teils total verfehlte Politik werden Kanzlerin Merkel und diese Regierung erhalten.

Die AfD wie auch die Pegida werden an Stärke gewinnen. Bei dem deutschen Michel dauert es lange, bis es zum Überlaufen kommt, aber wenn es soweit ist, gibt es kein Halten mehr. Die politische Wende von 1989 sollte eine Warnung sein.

Wolfgang Rohde, Sigmaringen


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Allensteiner Beispiel macht Schule
Erste Absolventen der medizinischen Fakultät schlossen wider Erwarten hervorragend ab

Die ersten Absolventen der medizinischen Fakultät der Allensteiner Universität erzielten polenweit das zweitbeste Ergebnis. Bei ihrer Einrichtung hatte niemand damit gerechnet, dass die Medizinabteilung ein solch hohes Niveau erreichen würde. Das gute Abschneiden lässt die Universitäten anderer Städte aufhorchen.

Vor sechs Jahren wurde an der Allensteiner Universität der Studiengang Humanmedizin eingerichtet. Die Einrichtung dieses hoch angesehenen Fachs war vor allem durch das Bemühen des damaligen und jetzigen Hochschulrektors, Ryszard Górecki, und des ehemaligen Gesundheitsministers Polens, Wojciech Maksymowicz, möglich. Letzterer übte von Anfang an das Amt des Dekans der neu gegründeten Fakultät aus.

Górecki begab sich persönlich zur damaligen Ministerin für Gesundheit, der heutigen Premierministerin Polens, Ewa Kopacz, mit dem Wunsch, einen medizinischen Studiengang, der diesem Ministerium obliegt, in Alleinstein einzurichten. Sein Ersuchen erwies sich als so erfolgreich, dass 80 Studentinnen und Studenten für das erste akademische Jahr 2008/2009 aufgenommen werden konnten, die dann binnen zehn Semestern in den alten Unigebäuden sowie dem zur Uniklinik umgewandelten Krankenhaus in der Hohensteiner Straße [ul. Warszawska] ausgebildet wurden.

In ihrem Studium absolvieren künftige Ärzte seitdem auch Praktika in den anderen Krankenhäusern Allensteins, die mit der Humanmedizinischen Fakultät zusammenarbeiten. Denn außer den bisherigen Hochschullehrern wurden an der neuen Fakultät mehrere ärztliche Hochschullehrer angestellt, die entweder schon einen wissenschaftlichen Ruf besaßen oder erst dazu verpflichtet wurden.

Ende 2014 verließen nun die ersten Absolventen die Gemäuer der Hochschule. Sie wurden nach einem feierlichen Umzug zum Innenhof des Schlosses in einem feierlichen und viel beachteten Akt von ihren Hochschullehrern und den Lokalpolitikern verabschiedet. Ihnen wurden zugleich die Diplome verliehen. Zuvor hatten die angehenden Mediziner eine allgemeinpolnische Staatsprüfung in Lodz ablegen müssen. Trotz anfänglicher Befürchtungen, die in Allenstein ausgebildeten Ärzte könnten nur ein mittelmäßiges oder gar sehr schlechtes Niveau aufweisen, schnitten sie bei diesem Staatsexamen sehr gut ab. Mehr noch, ihre Kenntnisse wurden als die zweitbesten polenweit beurteilt.

Das Beispiel Allenstein macht Schule, so dass auch die anderen Unis, zum Beispiel im mittelpolnischen Kielce oder in Grünberg nun vorhaben, eigene Fakultäten für Humanmedizin zu gründen. Bis vor Kurzem konnte man dieses Fach nur an den sogenannten Akademien für Medizin studieren. Nach der sogenannten Wende 1989 beschloss man, die Krakauer Akademie für Medizin in die Jagiellonen-Universität einzugliedern. Dann folgte Bromberg, wo die Hochschule seit einiger Zeit als Collegium Medicum der Nicolaus-Copernicus-Universität (UMK) im benachbarten Thorn fungiert.

Die Allensteiner sind derzeit bestrebt, eine ähnliche Hochschul-einheit zu gründen, wo auch Zahnärzte studieren könnten. Die Allensteiner Hochschule bietet auch Studienplätze für Bewerber von außerhalb der Republik Polen. Daher wurde bereits eine Werbeaktion in Westdeutschland und Skandinavien organisiert. Das Interesse ist groß, die ersten Nicht-Polen konnten schon ihr Studium aufnehmen.

Die örtlichen Akademiker und Forscher haben noch einen weiteren Grund, sich über die langjährigen Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu freuen. Kurz vor dem Jahresende wurde in Allenstein eine eigenständige Abteilung der Polnischen Akademie für Wissenschaften (PAN) ins Leben gerufen. Sie wird die Forschungsarbeit der Wissenschaftler im ganzen Nordosten der Repbulik Polen, darunter in Podlachien, koordinieren. Ähnliche Abteilungen gibt es zurzeit lediglich in sieben Zentren: Warschau, Krakau, Lodz, Breslau, Posen, Danzig und Lublin. Grzegorz Supady


Altbauten werden saniert
Allensteiner Häuser endlich von dem Verfall verschont

In Allenstein gibt es noch viele Häuser aus der Vorkriegszeit, doch leider befinden sie sich oft in einem schlechten Zustand. Das ändert sich zum Glück allmählich dank finanzieller Unterstützung der Stadt, privater Investoren und EU-Mitteln.

Viele Emotionen erweckten in der letzten Zeit die Gebäude am Kopernikus-Platz [Pl. Bema]. Die dortigen Häuser zählen auch heute noch zu den schönsten der Stadt, aber ohne die nötige Renovierung hatten sie ihren Glanz verloren und drohten zu zerfallen.

Ein positives Beispiel zeigen die Häuser Nr. 3 und 4 am Kopernikus-Platz. Als erster hat das ermländisch-masurische Büro für die regionale Entwicklung seinen Teil des Hauses mit EU-Mitteln renoviert und später andere Bewohner davon überzeugt, das ganze Gebäude zu sanieren. Nun kann man das ehemalige Regierungsgebäude, das 1902/03 vom Bauunternehmer, Pflastermeister und Ratsherrn Robert Mrzyk erbaut wurde und auf eine reiche Geschichte zurückblicken kann, wieder in neuem Glanz bewundern.

Eine ebensolche interessante Geschichte hat das eingangs erwähnte Haus Nr. 2 am Kopernikus-Platz. Die Parzelle gehörte dem Eigentümer der Zementfabrik, Max Hesse. 1905 ließ er ein stattliches, neubarockes Mietshaus gehobenen Standards bauen. Seine Initialen – verflochtene Buchstaben M.H. – zieren weiterhin die Eckkartusche am Gebäude.

Das Haus war jahrelang nicht renoviert worden. Hunderte Allensteiner unterschrieben eine Petition für den Erhalt des Gebäudes. 2012 wurde das Haus endlich vom Unternehmen Fortloty gekauft, das spezialisiert ist auf die Renovierung und Nutzung alter Gebäude. Die Arbeiten begannen 2013 und sollen bis Mitte 2015 beendet sein. Erste Ergebnisse kann man schon sehen. Edyta Gladkowska


Ungewöhnlicher Kater Murr
Katzenskulptur in Cranz dient gleichzeitig als Karussell

Eine ungewöhnliche Skulptur wurde in Cranz der Öffentlichkeit übergeben. Es handelt sich um einen Kater. Seit der Märchenerzähler E.T.A. Hoffmann seinen berühmten Roman „Die Lebensansichten des Katers Murr“ geschrieben hat, ist die Beziehung zu Katzen in Ostpreußen eine besondere, und diese Liebe und das Interesse an der Märchenfigur des Katers hat sich auch auf die heutigen Bewohner des Königsberger Gebiets übertragen. Abbildungen von Katzen kann man in verschiedener Form finden, und Katzenskulpturen zählen zu den gängigsten Souvenirs. Jedes Jahr im März findet im Königstor eine Woche des preußischen Katers statt.

Die neue Katzenskulptur in Cranz erfreut vor allem Kinder. Sie ist eine echte Attraktion, auf der man herumklettern kann. Die Komposition zeigt einen Kater in einem Fensterrahmen. Die Skulptur dreht sich um ihre eigene Achse, so dass die Kinder sie als Karussell nutzen. Das lustige Tier aus Edelstahl wurde in Simferopol hergestellt und von der Krim direkt nach Cranz gebracht. Um sie dort zu installieren, besuchte der in Russland bekannte Schmiedemeister Igor Romaschenko die Stadt.

Es besteht kein Zweifel, dass der fröhlich lächelnde Kater bald die Zuneigung der Bewohner und Gäste gewinnen wird. Dazu muss gesagt werden, dass es in Cranz seit einiger Zeit ein Katzenmuseum gibt. Es nennt sich „Murrarium“ und befindet sich in dem vor Kurzem restaurierten Wasserturm. Es beherbergt eine Sammlung von zirka 4000 Katzen aus verschiedenen Materialien – Porzellan, Metall, Glas und Plüsch. Es gibt Katzen-Sparschweine, Schlüsselanhänger und musikalische Katzen.

Jetzt hat Cranz zwei neue Skulpturen, die Tiere darstellen. Die eine zeigt eine Robbe, weil einige Zeit eine am Strand von Cranz lebte und die bei den Bewohnern sehr beliebt war. Sie wurde im August 2013 aufgestellt. Und nun wird Cranz von der sympathischen Katzenskulptur verschönert. Jurij Tschernyschew


MELDUNGEN

Tote bei Brückenabriss

Königsberg – Bei Abrissarbeiten an den Stützen der ehemaligen Palmburger Brücke ist es zu einem tödlichen Unfall gekommen. Gerade als Bauarbeiter mit dem Abtragen der Stützen beschäftigt waren, stürzte eine von diesen ein und riss vier Arbeiter in den Tod, zwei weitere wurden verletzt. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, wird zurzeit noch untersucht. Der für den Abriss vorgesehene Teil der deutschen Brücke ist seit 20 Jahren einsturzgefährdet und sollte für den zweiten Bauabschnitt der neuen Pregelquerung entfernt werden (siehe auch PAZ Nr. 16/2014). MRK

 

Heilsberg erhält Sportzentrum

Heilsberg – An der Bartensteiner Straße soll eine Mehrzweckhalle mit Gemeinschaftsräumen entstehen. Daneben werden vier Tennisplätze gebaut und innen ein Kraftsport-Raum. Heilsberg zahlt für diese Investition 1,6 Millionen Euro. 65 Prozent finanziert die Europäische Union. PAZ

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. 7: Umgehungsstraße von Osterode [Ostóda], Baustelle. Straße Nr. 16: Sensburg [Mragowo], Olsztynska Straße, Baustelle. Straße Nr. 51: Guttstadt [Dobre Miasto], Baustelle. Straße Nr. 58: Kurken [Kurki], Brückenbau, einspurig. PAZ


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

die Arbeit für unsere Ostpreußische Familie ist nicht einfacher geworden, im Gegenteil. Je weiter die Zeit fortschreitet, desto mehr machen sich die Lücken bemerkbar, die in unserem Informationskreis entstanden sind. Denn wir sind noch stärker als je zuvor auf die Aussagen unserer treuen Leserinnen und Leser angewiesen, die auf eigenen Erlebnissen und Erfahrungen beruhen. Vor allem auf den Kreis der Mitdenker, die immer bereit sind, auf Fragen und Wünsche einzugehen, auch wenn diese sie persönlich nicht berühren, die nur ganz einfach helfen wollen. Deshalb sind ihre Namen auch oft auf unserer Familienseite vertreten. Sie sind eben die große Stütze unserer Ostpreußischen Familie, weil sie zu vielen Themen Stellung nehmen, die von anderen Lesern nicht behandelt werden können. Dabei ist es unvermeidlich, dass auf manchen Beitrag nicht sofort eingegangen werden kann. Zumeist liegt es daran, dass es sich nicht um aktuelle Probleme handelt, die gerade bei Suchfragen Vorrang haben müssen. Oft sind die Manuskripte auch viel zu lang für eine Veröffentlichung, und es ist schwer, einen geeigneten Ausschnitt zu finden, der dann mit dem Urheber abgestimmt werden muss. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Ich greife gerne auf diese Zuschriften zurück, wenn sie in unsere Kolumne eingefügt werden können.

Und das ist nun bei einem Beitrag von Herrn Bernd Dauskardt aus Hollenstedt der Fall, dem wir schon so viele Entdeckungen verdanken, die er in unserer Heimat getätigt hat. Es sind die Spuren deutscher Geschichte, der Zeit und Zerstörungswut nichts anhaben konnten. Bernd Dauskardt findet sie abseits der großen Wege, er besucht vor allem alte Kirchhöfe, auf denen die Vergangenheit in Grabstein und Eisenkreuz sichtbar wird. So hat er uns schon viele Aufnahmen von alten deutschen Grabstätten zur Veröffentlichung überlassen, und eine ganz besondere sandte er mir im vergangenen November zu, aber da waren die Totengedenktage schon vorüber. Hier möchte ich eine kleine Bitte an alle Leserinnen und Leser, die uns schreiben wollen, einfügen: Wenn Sie uns einen Beitrag zu einem bestimmten Anlass senden wollen, bitte mindestens zwei Wochen vor dem feststehenden Termin. Zum Beispiel: Beiträge zum Osterfest nicht erst in der Karwoche absenden!

Bernd Dauskardt berichtet von einem ganz besonderen Fund, den er auf seiner letzten Ostpreußenreise im August des vergangenen Jahres machte:

„Mich zieht es immer wieder, wenn ich im Memelland bin, zu den alten deutschen Friedhöfen hin. Entweder sind sie zugewachsen, so dass man sich zuerst einmal mit der Sense Bahn machen muss, oder man findet viele liebevoll gepflegte Grabstätten vor. Zu Allerheiligen sieht man dort ein einziges Lichtermeer. Es sind wohl 50 Friedhöfe, die ich in den letzten 20 Jahren aufgesucht habe. So bin ich wieder mit Frau Eva Schultze, einer ,Eingeborenen‘ und Dolmetscherin, und der litauischen Oberförsterin Irena P. auf Spurensuche gegangen. Sie wusste von alten deutschen Gräbern und einem ganz besonderen Gedenkstein im Jura-Forst. Normalerweise kommt hier kein Mensch hin, aber der von Irena gesteuerte Geländewagen brachte uns durch eine Wildnis ans Ziel.“

Und da sah Bernd Dauskardt einen gut erhaltenen Grabstein, dessen klar leserliche Inschrift mehr als ein Nachruf auf den Verstorbenen war, sie mutet wie eine memelländische Familiensaga an, die er in voller Länge für uns aufschrieb:

„Den Heldentod fürs Vaterland starb in den erbitterten Kämpfen bei Fuganey, Arras-Front, am 3. Mai 1917 im blühenden Alter von 40 Jahren der Landsturmmann Otto Abromeit RInfReg 68, 9. Comp. Er ist bestattet in Frankreichs Erde. Unser geliebter Sohn und Bruder ist nicht mehr. Die Feindeskugel traf ihn schwer. Nur eins zu trösten uns vermag: Es gibt ein Wiedersehn! Du starbst uns ja viel zu früh. Vergessen werden wir Dich nie! Ei, wie selig schläfst Du nach manch schwerem Stand in friedlich süßer Ruh, in Deines Heilands Hand. Gewidmet von Deinen Eltern.“

Bernd Dauskardt musste sich zuerst einmal auf eine Grabumrandung setzen, er war erschüttert von diesem in Stein gemeißelten Nachruf, der für die Ewigkeit steht. Das Schicksal der Familie Abromeit ließ ihm keine Ruhe, er forschte nach und fand heraus, dass sie aus dem nahe gelegenen Dorf stammte und dort eine kleine Landwirtschaft besessen hatte, die der Sohn übernehmen sollte. Sein Tod nahm den Eltern trotz der tröstlichen Worte auf dem Grabstein wohl allen Lebensmut. Ob es noch Verwandte gibt? Der Grabstein ist ja sehr gepflegt, wie das Foto beweist. Etwas von ihm entfernt fand Herr Dauskardt noch ein altes, eisernes Kreuz, das fast vollkommen verrostet war, so dass er gerade noch die Namen „Pichler geborene Sennhuber 1816/1849“ entziffern konnte. Auch diese Frau war jung verstorben. Ihr Name weist auf Salzburger Abstammung hin. Ja, Ahnenforschung an alten Gräbern mit deutschen Namen – wer sie mit solch einer Hingabe betreibt wie Berndt Dauskardt, kommt zu immer neuen Erfahrungen und Erkenntnissen. Die er weitergeben kann – wie an unsere Ostpreußische Familie.

Mir war der Name Lardong als in Ostpreußen vorkommender Familienname unbekannt, jedenfalls war er mir in meiner nunmehr 30-jährigen Tätigkeit für die Ostpreußische Familie noch nie begegnet, und deshalb meinte ich, er sei selten – aber da hatte ich mich ganz schön geirrt. Als ich ihn nämlich in den Folgen 46/14 und 47/14 in unsere Kolumne einbrachte, bekam ich schnell Zuschriften, in denen mir Träger dieses Namens aufgelistet wurden. Immer bereit zur Mithilfe zeigte sich auch diesmal Herr Dietmar Wrage aus Bargteheide, der mir nach einem ersten Bescheid, dass der Name im Samland häufig vertreten sei, noch eine Liste mit Namensträgern zukommen ließ. Allerdings waren die gesuchten Waldemar und Albert Lardong nicht darunter, sie sind auch nicht im Königsberger Adressbuch verzeichnet. Auch Herr Dr. Wolfgang Klein aus Schwörstadt bemühte sich, Hinweise für eine gezielte Suche zu geben, wobei er meine Vermutung, dass dieser Zweig der Familie Lardong aus dem nördlichen Ostpreußen stammte, bestätigte. Kurzer Rückblick: Es handelt sich bei dieser Suchfrage um den Vater einer jungen Frau aus Litauen, die als Pflegerin Frau Ulrike Beer in Erlangen betreut. Weil Edita, eine geborene Lardong, der Seniorin von ihrem Wunsch erzählte, endlich konkrete Hinweise auf ihre väterliche Familie zu erhalten – was von Litauen aus sehr schwierig ist, zumal Edita die deutsche Sprache nur ungenügend beherrscht –, wandte sich Frau Beer an uns mit der Bitte, ihr bei der Suche zu helfen. Editas Vater Waldemar Lardong war als zehnjähriger Junge mit seiner Mutter nach Kaunas geflüchtet und wuchs dort als Halbwaise auf, sein Vater Albert Lardong fiel als Offizier im Zweiten Weltkrieg. Waldemar wurde am 8. August 1934 geboren – aber wo? Aufgrund der Fluchtgeschichte ist anzunehmen, dass die Familie im nördlichen Ostpreußen gelebt hat, was Herr Dr. Klein mit seinen Ausführungen wie folgt bekräftigt:

„Ich hatte bereits Frau Beer im November zwei wichtige Literaturhinweise auf das Vorkommen des Namens Lardong mit vielen Namen zugesandt. Nach diesen Zusammenstellungen sind eindeutig die Orte zu erkennen, in denen dieser Name aufgetreten ist, sie liegen in den Kreisen Gumbinnen, Insterburg, Darkehmen (Angerapp) und Pillkallen (Schlossberg). Es handelt sich um Schweizer Einwanderer, und das kann Herr Dr. Klein mit seiner eigenen Familiengeschichte belegen, denn auch in seiner Ahnenliste gibt es eine Vorfahrin mit Namen Lardong, die aus Court, Gebiet Porentry in der Nordwest-Schweiz stammt. Frau Beer wird diese Zuschrift sehr interessiert haben, sie dürfte nicht die einzige gewesen sein. Ich hoffe, bald etwas über ihre Nachforschungen zu erfahren, die dadurch erschwert werden, dass Edita nur zeitlich begrenzt in Deutschland weilt und die nach einem Schlaganfall behinderte Seniorin als Fränkin es nicht leicht haben wird, sich in den ostpreußischen Unterlagen zurechtzufinden. Zuerst einmal allen Mithelfenden herzlichen Dank für ihre Mühe.“

Eigentlich hatte ich nicht erwartet, dass Frau Angelika Hofmann aus Norderstedt so schnell eine Antwort auf ihre Suchfrage, die wir in Nummer 50/14 veröffentlichten, erhalten würde, denn diese war doch recht schwierig. Frau Hofmann ist dabei, die Lebensgeschichte ihres verstorbenen Vaters aufzuarbeiten und stieß dabei auf das Bild eines jungen Mädchens, das als gerahmtes Porträt im Jahr 1940 in der Studentenbude ihres Vaters Helmut Knoch hing. Der stammte zwar aus Ostpreußen – *1921 in Mosteiten, Elchniederung –, studierte aber zu jener Zeit im thüringischen Ilmenau, und so war es durchaus möglich, dass die Abgebildete auch von dort stammte. Wie sollte man da nach 75 Jahren noch Spuren finden! Wie gesagt, ich war skeptisch – aber dann kam bereits Ende Dezember eine Nachricht von Frau Hofmann, dass sie einen vielversprechenden Anruf aus München bekommen habe. „Auch eine einzige Antwort kann schließlich die entscheidende sein“, meinte Frau Hofmann. Wenn es wirklich ein Erfolg ist, wird Frau Hofmann uns informieren.

Für seinen Stammbaum benötigt Herr Manfred Goroncy einige Angaben, von denen er hofft, dass sie unsere Leserschaft erbringen kann. Sie betreffen den am 15. Dezember 1909 in Sophienthal, Kreis Osterode geborenen Adolf Goroncy, der seit der Monte-Cassino-Schlacht 1944 vermisst wird. Herr Goroncy weiß bisher nichts über seinen Tod und wo er begraben wurde. Manfred Goroncy war mit Lisbeth (Elisabeth) geborene Papke, *27. Mai 1910 in Wildenau, Kreis Ortelsburg, verheiratet. Dort soll das Paar auch getraut worden sein. Nach der Flucht lebte Lisbeth bei ihrem Schwager Adolf Karl Straschewski in Bad Oeynhausen und arbeitete als Schneiderin. Sie soll in zweiter Ehe den ehemaligen Bürgermeister von Wildenau, Wilhelm Ober, geheiratet haben und 1970 in Pappenburg verstorben sein. Wer kann genaue Informationen über Manfred und Lisbeth Goroncy geben? (E-Mail: m.goroncy@gmx.net)

Eure Ruth Geede


»Der 30. Januar ist seit 1945 mein neuer Geburtstag«
Klaus Scheffler schrieb sich die Fluchterinnerungen von der Seele

Einen der Berichte über das letzte Weihnachtsfest in der ostpreußischen Heimat, die aus unserem Leserkreis kamen, haben wir nicht zu den anderen gelegt, denn er beschränkt sich nicht nur auf die Feiertage. Für Herrn Klaus Scheffler aus Dresden boten diese nur den Anlass, um auf den Beginn des Schicksalsjahres 1945 überzuleiten, in denen er als sechsjähriger Junge mit seiner Familie auf die Flucht ging. Seine Erinnerungen fügen sich in unser Fluchtmosaik, mit dem wir in der letzten Ausgabe begannen und das wir weiter terminkonform zusammensetzen wollen, um die Ereignisse jener Tage vor nunmehr 70 Jahren so authentisch wie möglich festzuhalten. Und da fügen sich die Schilderungen von Klaus Scheffler von den letzten Tagen in seinem Heimatort nahtlos ein. Er schreibt dazu: „Jetzt ist es so weit. 70 Jahre hat es gedauert mir die Erinnerungen an die Flucht aus der Heimat von der Seele zu schreiben. Jedes Jahr im Januar bedrückt es mich besonders.“ Und in diesem Gedenkjahr wiegt die Erinnerung noch schwerer.

Obgleich sie in Herrn Schefflers Aufzeichnungen zuerst recht heiter anmutet. Frau Viola Kleppe hatte die hübsche Geschichte von dem Weihnachtsmann, der seine Mutter geküsst hatte, in ihren Bericht über die ihr zugesandten Weihnachtserinnerungen mit eingebracht (Nummer 1). Dass im Weihnachtsmannhabit der Vater steckte, hatten Klaus und seine Geschwister Manfred (8), Brigitte (5) und Doris (3) nicht mitbekommen. Aber als dieser dann nach dem Abgang des Weihnachtsmannes erschien, informierten sie ihn sofort über den Vorfall. Es waren wohl die letzten fröhlichen Stunden, die die Familie Scheffler in Liebenfelde (Mehlauken), Kreis Labiau verbrachte. Die Eltern Franz Scheffler, Unterfeldmeister beim Reichsarbeitsdienst (RAD), und Erna Scheffler geborene Meyruhn stammten aus der Elchniederung. Und die dort lebenden Verwandten waren die ersten Flüchtlinge, mit denen die beiden älteren Kinder, Klaus und Manfred, in Berührung kamen, wie er schreibt:

„Die folgenden Tage und Wochen verliefen für uns Jungen sehr abwechslungsreich. Wir bekamen Besuch von Verwandten aus der Elchniederung mit Pferd und Wagen! Sie alle waren schon auf der Flucht. Da kein Stall vorhanden war, wurden die Pferde auf dem Hof mit Decken und Futtersäcken versorgt. Am 20. oder 21. Januar kamen Oma Meyruhn und Sohn Adolf aus Skirwieth bei uns an. Vor unserem Haus standen auf der Straße Wehrmachtseinheiten. Manfred und ich fanden das sehr aufregend, und wir verbrachten viel Zeit bei den Soldaten. An einem Abend liefen wir mit Wachsoldaten auf die Straße und mussten uns plötzlich auf deren Geheiß in den Schnee werfen. Über uns ein Geräusch – die Soldaten sprachen von einer ,russischen Großmutter‘. Am nächsten Morgen fand man in Nachbars Garten eine Bombe! Sie wurde von der Wehrmacht gesprengt. Nur ein paar Scheiben waren kaputt gegangen – auch die von Mutters Hühnerstall. Ich stand am nächsten Tag dabei, als mein Onkel Adolf, den wir Aldi nannten, unsere Hühner mit einer Axt auf dem Hackklotz tötete und in den Schnee warf. Onkel Aldi fuhr am 25. Januar allein weiter Richtung Westen und wurde irgendwo und irgendwann von den Russen von seinem Wagen geholt und nach Russland verschleppt.

Seine Mutter, Oma Meyruhn, blieb bei uns. Die Soldaten fragten meinen Bruder und mich, warum wir noch immer hier blieben, obgleich doch fast alle Häuser leer stünden. Mit dieser Frage gingen wir zu unserer Mutter, die uns erklärte: Wir fahren am 27. Januar zusammen mit Tante Tuta und ihren beiden Kindern aus Königsberg mit einem Lkw des RAD nach Gotenhafen. Tante Gertrud, die wir ,Tuta‘ nannten, war eine Schwester unserer Mutter. Ihr Mann Kurt Tietz war wie mein Vater beim RAD und hatte Berechtigungsscheine für die Fahrt mit der ,Wilhelm Gustloff‘ besorgt. So fuhren wir am 27. Januar los und gingen am 28. Januar in Gotenhafen an Bord des Schiffes. Alles ging gut.“

Und dann geschah etwas Unerwartetes, was entscheidend für das Schicksal aller Angehörigen der Familie Scheffler wurde: ,Oma durfte nicht mit an Bord. Die Berechtigungskarten galten nur für Frauen mit mehreren Kindern. Davon wussten wir nichts. Oma soll dann zu ihren Töchtern gesagt haben: Mädels, wenn ich nicht mit darf, bleibt ihr auch da! Der Lkw war noch da, und mit ihm begann dann die Fahrt über das Eis des Frischen Haffes mit Ziel Pillau.

Am Abend des 28. Januar setzten uns die Männer an einem RAD-Lager ab, weil sie noch einen Auftrag in Friedland zu erfüllen hatten, und holten uns von dort am nächsten Tag ab. In der frühen Dunkelheit des 29. Januar fuhren wir in den Pillauer Hafen ein, dort waren sehr viele Menschen. Hier wurden wir getrennt: Tante Tuta und ihre beiden Kinder kamen auf ein Schiff der Kriegsmarine – Oma, Mutti und wir vier Kinder auf den Verwundetentransporter ,Esberg‘. Auf der Fahrt nach Swinemünde gingen mein Bruder und ich oft an Deck. Dabei erfuhren wir bei Gesprächen mit der Besatzung, dass die ,Wilhelm Gustloff‘ versenkt worden war!“

Ob Klaus und seinen Angehörigen in jenen Augenblicken bewusst wurde, welchem Schicksal sie entgangen waren? Wer die Flucht in ähnlicher Weise erlebt hat, weiß, dass man Überlegungen über ein Wenn und Aber abblock­te, weil es galt, die augenblickliche Lage zu übersehen und zu bewältigen. Diese war auch nach der Ankunft in Swinemünde voller Gefahr, denn auf der Weiterfahrt in Viehwagen nach Wismar wurde der Zug wiederholt von Tieffliegern beschossen. Die Odyssee endete im mecklenburgischen Wendorf bei Parchim, wo im Sommer 1945 der aus der Gefangenschaft entlassene Vater seine Familie fand. Vergessen wurde jedenfalls diese Schicksalsfügung nie, im Gegenteil, denn Klaus Scheffler beendet seinen Bericht mit den Worten: „Seit dem 30. Januar 1945 habe an diesem Tag in Gedanken einen neuen Geburtstag.“ R.G.


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 100. GEBURTSTAG

Polenz, Martha, geb. Pötzsch, aus Schatzberg, Kreis Preußisch Eylau, am 29. Dezember

ZUM 97. GEBURTSTAG

Urban, Heinrich, aus Wappendorf, Kreis Ortelsburg, am 29. Januar

ZUM 95. GEBURTSTAG

Grossmann, Erika, geb. Piwko, aus Prostken, Kreis Lyck, am 27. Januar

Hermecke, Erna, geb. Jeremias, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 24. Januar

Kondritz, Hedwig, geb. Falkus, aus Kleinkosel, Kreis Neidenburg, am 24. Januar

Lengtat, Eva, geb. Oschlies, aus Petersdorf, Kreis Wehlau, am 29. Januar

Nolting, Helene, geb. Hempel, aus Wehlau, am 27. Januar

Perschel, Elly, aus Palmnicken, am 25. Januar

Uhlig, Ursula, geb. Burger, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 28. Januar

ZUM 94. GEBURTSTAG

Grottschreiber, Geesche, geb. Walter, aus Lyck, am 28. Januar

Höhne, Gerda, geb. Schwermer, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 28. Januar

Koss, Waltraut, geb. Zacharias, aus Walden, Kreis Lyck, am 30. Januar

Laborge, Erich, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 24. Januar

Palm, Gertrud, geb. Kyewski, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 27. Januar

Pehl, Kurt, aus Schönfließ/Leunenburg, Kreis Rastenburg, am 21. Januar

Potschien, Gisela, geb. Daniel, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 24. Januar

Renken, Ursula, geb. Perschke, aus Warten, Kreis Elchniederung, am 30. Januar

ZUM 93. GEBURTSTAG

Baudzus, Artur, aus Lyck, am 25. Januar

Bauer, Irmgard, geb. Egert, aus Hornheim, Kreis Neidenburg, am 30. Januar

Bercz, Gerda, aus Königsruh, Kreis Treuburg, am 25. Januar

Dombrowski, Anneliese, geb. Kabey, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 27. Januar

Fröhlich, Gertrud, geb. Wedler, aus Motzfelde, Kreis Elchniederung, am 26. Januar

Gerdes, Ernst, Gartenau, Kreis Neidenburg, am 27. Januar

Häring, Martha, geb. Weissenberg, aus Hochmühlen, Kreis Ebenrode, am 26. Januar

Harnedy, Charlotte, geb. Abrosat, aus Preußenwall, Kreis Ebenrode, am 30. Januar

Hartmann, Hugo, aus Dorschen, Kreis Lyck, am 30. Januar

Hübner, Kurt, aus Tiefen, Kreis Lötzen, am 27. Januar

Kunter, Charlotte, geb. Drossmann, aus Ebenrode, am 26. Januar

Melenk, Siegfried, aus Ossafelde, Kreis Elchniederung, am 25. Januar

Paukstat, Edith, aus Gutsfelde, Kreis Elchniederung, am 28. Januar

Rittweger, Helga, geb. Mallek, aus Neidenburg, am 30. Januar

Sareyko, Lieselotte, geb. Clemens, aus Metgethen, Kreis Samland, am 28. Januar

Sattler, Getrud, geb. Philipp, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 27. Januar

Schloemp, Edith-Vera, geb. Kasprzyk, aus Neidenburg, am 29. Januar

Schwerin, Ilse, geb. Lücke, aus Prostken, Kreis Lyck, am 27. Januar

ZUM 92. GEBURTSTAG

Deimer, Ellinor, geb. Schoen, aus Lyck, Hindenburgstraße 65, am 24. Januar

Ganseleiter, Horst, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Str. 141, am 28. Januar

Kuplin, Hermann, aus Sodargen, Kreis Ebenrode, am 25. Januar

Liß, Emma, geb. Koyro, aus Lyck, Sentker, Chaussee, am 27. Januar

Marianowski, Gerda, geb. Engelbrecht, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 28. Januar

Metschulat, Ernst, aus Klein Friedrichsgraben, Kreis Elchniederung, am 27. Januar

Schimkaese, Horst, aus Markgrafsfelde, Kreis Treuburg, am 28. Januar

ZUM 91. GEBURTSTAG

Barten, Anna, geb. Schulz, aus Kahlholz, Kreis Heiligenbeil, am 29. Januar

Georgesohn, Annemarie, geb. Krüger, aus Ortelsburg, am 27. Januar

Goetz, Werner, aus Grünau, Kreis Elchniederung, am 29. Januar

Hirseland, Anni, geb. Mikeß, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 27. Januar

Kischkewitz, Lothar, aus Widminnen, Kreis Lötzen, am 27. Januar

Matrisch, Wilhelm, aus Malshöfen, Kreis Neidenburg, am 30. Januar

Roschoszew, Ilse, geb. Bardischews, aus Pillau, Kreis Samland, am 26. Januar

Weiner, Hildegard, geb. Schönfeld, aus Hohenwalde, Kreis Heiligenbeil, am 27. Januar

ZUM 90. GEBURTSTAG

Amenda, Erich, aus Pomedien und Hartigswalde, Kreis Wehlau und Kreis Neidenburg, am 25. Januar

Beckmann, Harry, aus Schwanensee, Kreis Elchniederung, am 24. Januar

Berger, Gerhard, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 24. Januar

Bruhn, Waltraut, geb. Hanke, aus Nautzwinkel, Kreis Samland, am 30. Januar

Degenhardt, Klara, geb. Hömke, aus Germau, Kreis Samland, am 24. Januar

Friebe, Ilse, geb. Mehr, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 25. Januar

Fröhlian, Else, aus Lyck, am 30. Januar

Fürst, Margarete, geb. Petrick, aus Altengilge, Kreis Elchniederung, am 29. Januar

Gulyn, Margot, geb. Ewert, aus Lötzen, am 27. Januar

Hagemann, Paula, geb. Niedzwetzki, aus Scharfenrade, Kreis Lyck, am 26. Januar

König, Willi, aus Millau, Kreis Lyck, am 28. Januar

Krummel, Hildegard, geb. Seyda, aus Rodefeld, Kreis Ortelsburg, am 28. Januar

Kullik, Herbert, aus Gimmendorf, Kreis Neidenburg, am 25. Januar

Lippek, Fritz, aus Waldpusch, Kreis Ortelsburg, am 26. Januar

Marholz, Erika, geb. Skerswetat, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 26. Januar

Meike, Erika, aus Lyck, am 27. Januar

Müller, Gertrud, geb. Blask, aus Keipern, Kreis Lyck, am 24. Januar

Neumann, Agnes, aus Marienburg, am 30. Januar

Paetzold, Hannelore, aus Hansbruch, Kreis Lyck, am 25. Januar

Peitsch, Helmut, aus Groß Sausgarten, Kreis Preussisch Eylau, am 24. Januar

Reininger, Gerda, geb, Linkner, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 25. Januar

Rosenfeld, Irmgard, geb. Kloß, aus Fuchshügel, Kreis Wehlau, am 25. Januar

Scheffel, Friedel, geb. Werner, aus Ragnit, Kreis Samland, am 25. Januar

Scheiba, Renate, aus Georgenburg, am 25. Januar

Schulz, Waltraut, geb. Knebel, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 26. Januar

Sienkiewicz, Marta, geb. Mack, aus Malga, Kreis Neidenburg, am 26. Januar

Skau, Ruth, geb. Raabe, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 27. Januar

Weiss, Herta, geb. Ligowski, aus Gerswalde, Kreis Mohrungen, am 30. Januar

Zindler, Margot, geb. Grommek, aus Mohrungen, und Himmelforth, Kreis Mohrungen, am 29. Januar

ZUM 85. GEBURTSTAG

Baumgart, Paul, aus Baitenberg, Kreis Lyck, am 30. Januar

Carstensen, Dorit, geb. Schulz, aus Ebenrode, am 26. Januar

Czycholl, Ruth, geb. Fischer, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 26. Januar

Ginnow, Brunhilde, geb. Baering, aus Rauschen, Kreis Samland, am 29. Januar

Grünberg, Ursula, geb. Holl, aus Ebenrode, am 27. Januar

Hellwig, Gisela, geb. Pilleschewski, aus Treuburg, am 28. Januar

Mahler, Günther, aus Wehlau, am 28. Januar

Mallasch, Gerhard, aus Wehlau, am 26. Januar

Neuber, Irene, geb. Wronna, aus Bottau, Kreis Ortelsburg, am 24. Januar

Neumann, Franz, aus Deschen, Kreis Elchniederung, am 26. Januar

Neumann, Irmtraut, geb. Chylek, aus Ebenfelde, Kreis Lyck, am 30. Januar

Pallentin, Ursula, aus Dösenbruch, Kreis Heiligenbeil, am 25. Januar

Schramm, Irmgard, geb. Bittrich, aus Grünweide, Kreis Ebenrode, am 28. Januar

Schreiber, Ursula, geb. Bach, aus Kattenau, Kreis Ebenrode, am 30. Januar

Schütz, Heinz, aus Danzig/Ohra, am 26. Januar

Schuran, Irmgard, geb. Schütze, aus Klein Krösten, Kreis Lötzen, am 26. Januar

Tornowski, Gerhard, aus Kalkhof, Kreis Treuburg, am 27. Januar

Werkschkull, Klaus, aus Königsberg, am 21. Januar

Weytkenat, Reinhold, aus Duneiken, Kreis Treuburg, am 27. Januar

Zilz, Edgar, aus Schleusen, Kreis Ebenrode, am 29. Januar

ZUM 80. GEBURTSTAG

Adamzyk, Ehrenfried, aus Albrechtsfelde, Kreis Treuburg, am 27. Januar

Brzoska, Gerhard, aus Frankenau, Kreis Neidenburg, am 30. Januar

Chittka, Helmut, aus Samplatten, Kreis Ortelsburg, am 26. Januar

Czychi, Helmut, aus Rogonnen, Kreis Treuburg, am 30. Januar

Falkenau, Eva, geb. Falkenau, aus Wehlau, am 26. Januar

Friedrich, Dieter, aus Knäblacken, Kreis Wehlau, am 26. Januar

Gattautt, Lothar, aus Königsberg-Ponarth, Speichersdorferstraße 158a, am 21. Januar

Goetze, Ingeborg, geb. Gomm, aus Wehlau, am 25. Januar

Hakelberg, Ilse, geb. Gosdzinski, aus Ittau, Kreis Neidenburg, am 30. Januar

Harder, Gisela, geb. Jeimke-Karge, aus Lodehnen, Kreis Mohrungen, am 29. Januar

Kalender, Edith, geb. Till, aus Wehlau, am 25. Januar

Karge, aus Lodehnen, Kreis Mohrungen, am 29. Januar

Korinth, Siegmund, aus Klein Nuhr, am 27. Januar

Kumutat, Johanna, geb. Schirrmacher, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 28. Januar

Kunz, Eitel, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 26. Januar

Kurzbach, Ernst-Wilh. aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 24. Januar

Lemke, Erwin, aus Kastaunen, Kreis Elchniederung, am 24. Januar

Leyk, Wilhelm, aus Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 27. Januar

Modler, Gabriele, geb. Mirwaldt, aus Dünen, Kreis Elchniederung, am 24. Januar

Müller, Walter, aus Theerwisch, Kreis Ortelsburg, am 26. Januar

Okon, Erich, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 24. Januar

Petzold, Lilli, geb. Lörchner, aus Grenzberg, Kreis Elchniederung, am 29. Januar

Predel, Hildegard, geb. Bojahr, aus Farienen, Kreis Ortelsburg, am 28. Januar

Schaak, Herbert, aus Rotwalde, Kreis Lötzen, am 27. Januar

Schuster, Helga, geb. Joschko, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 28. Januar

Sobiech, Ilse, geb. Makowka, aus Ortelsburg, am 27. Januar

Stern, Edith, geb. Donder, aus Stettenbach, Kreis Lyck, am 26. Januar

Stetzka, Margot, geb. Röhrig, aus Omulefofen, Kreis Neidenburg, am 26. Januar

Thiel, Marianne, aus Königsberg, am 24. Januar

Todtenhaupt, Sieglinde, geb. Jentschura, aus Wehlau, am 25. Januar

Weiß, Kurt, aus Reinlacken, Kreis Wehlau, am 24. Januar

Wiemer, Otto, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 27. Januar

Zielke, Herbert, aus Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 27. Januar

Zölius, Heinz, aus Loppöhnen, Kreis Samland, am 24. Januar

ZUM 75. GEBURTSTAG

Christochowitz, Horst, aus Bärengrund, Kreis Treuburg, am 30. Januar

Geisendorf, Werner, aus Weißensee, Kreis Wehlau, am 25. Januar

Gerecke, Gundula, geb. Ogureck, aus Wehlau, am 28. Januar

Hannemann, Hannelore, geb. Kunz, aus Groß Schöndamerau, Kreis Ortelsburg, am 26. Januar

Faust, Iris-Lore, geb. Findeisen, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 26. Januar

Hirth, Hans, aus Eichhagen, Kreis Ebenrode, am 27. Januar

Kretschmann, Udo, aus Wehlau, am 27. Januar

Lenkeit, Hans-Georg, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 25. Januar

Neumann, Dietrich, aus Lindendorf, Kreis Wehlau, am 27. Januar

Peldszus, Dietmar, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 28. Januar

Puchert, Gerd, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 24. Januar

Rabe, Gretel, geb. Schirmacher, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 28. Januar

Rupperstein, Toni, geb. Jüngst, aus Lehmanen, Kreis Ortelsburg, am 28. Januar

Schmidt, Friedel, geb. Schirmacher, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 28. Januar

Sontowski, Dieter, aus Kukers, Kreis Wehlau, am 26. Januar

Torka, Helga, geb. Blumenstein, aus Georgsheide, Kreis Ortelsburg, am 29. Januar

Wasserfuhr, Marianne, geb. Büttner, aus Lakendorf, Kreis Elchniederung, am 26. Januar

Zahn, Alfred, aus Herzogshöhe, Kreis Treuburg, am 26. Januar


S. 16-17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BUND JUNGES OSTPREUSSEN

Vorsitzender: Stefan Hein, Gst.: Buchtstr. 4, 22087 Hamburg, Tel.: (040) 4140080, E-Post: kontakt@junge-ostpreussen.de, www.junge-ostpreu­ssen.de.

Bad Pyrmont – Freitag, 20. bis Sonntag, 22. Februar, Ostheim: BJO-Frühjahrsseminar mit den Themen „2015 – Jahr der Jahrestage: Deutschland und (die) Ostpreußen im 20. Jahrhundert“. Die bekannte DDR-Bürgerrechtlerin und ehemalige Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld zieht eine Bilanz zur Aufarbeitung des SED-Unrechts im Jahr 2015, während Dr. Heike Amos vom Institut für Zeitgeschichte auf die Aktivitäten der Staatssicherheit der DDR in Bezug auf die Vertriebenen eingeht. Der Altsprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm von Gottberg, und der LO-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Manfred F. Schukat, können uns aus erster Hand über die Bedeutung des Mauerfalls für die Vertriebenen informieren. Dabei werden persönliche Erfahrungen aus der Zeit der DDR ebenso in den Fokus genommen wie die Herausforderungen diesseits und jenseits von Oder und Neiße nach 1990. Dr. Walter T. Rix teilt seine Erkenntnisse zum Ersten Weltkrieg in Ostpreußen mit uns, während wir zu den Geschehnissen im Frühjahr 1945 noch einmal Zeitzeugen zu Wort kommen lassen möchten. Auskünfte und und Anmeldung bei Jochen Zauner unter Presse@Ostpreussen-NRW.de.

 

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Lahr – Donnerstag, 5. Februar, 18 Uhr, Gasthaus Zarko: Stammtisch – Samstag 14. Februar,

12 Uhr, Gasthaus Zarko: Eisbeinessen.

Ulm – Donnerstag, 5, Februar, 13 Uhr, Ulmer Stuben: Traditionelles Fischessen der Frauengruppen. Anmeldungen bitte bei Frau Mater.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Hof – Sonnabend, 14. Februar, 14 Uhr, Altdeutsche Bierstube: Grützwurstessen. Gäste sind herzlich willkommen.

Kitzingen – Freitag, 6 Februar, 15 Uhr, Hotel Würzburger Hof: Fröhlicher Faschingsnachmittag mit Beiträgen der einzelnen Mitglieder und musikalischer Umrahmung durch den Landsmann Günter Schmidt.

München – Sonnabend, 24. Januar, 14.30 Uhr, Haus des deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: „Danzig meine Heimatstadt“ – Vortrag mit Bildpräsentation von Rafael Brutzki, dem stellvertretenden BJO-Bundesvorsitzenden. Zu Beginn gemeinsame Kaffetafel.

Nürnberg – Dienstag, 27. Januar, 14.30 Uhr, Haus der Heimat, Imbuschstraße 1, (gegenüber der Endstation der U1): Mitgliederversammlung mit Akkordeonmusik. Der Vorstand wünscht allen Mitgliedern und Freunden unserer Heimat Ostpreußen ein gesundes und glückliches neues Jahr. – Veranstaltungshinweis: Noch bis Sonntag, 22. Februar, wird im Kulturzentrum Ostpreußen im Deutschordensschloss Ellingen (Bahnstation) bei Weißenburg in Mittelfranken die Sonderausstellung „August 14 – Der Erste Weltkrieg in Ostpreußen“ – gezeigt. Dazu gibt es ein Sonderheft mit 366 Seiten, das zum Preis von sechs Euro zuzüglich Porto im Kulturzentrum bestellt werden kann.

Weiden – Sonntag, 1. Februar, 14.30 Uhr, Café Mitte, Am Stockerhutpark 1, 92637 Weiden: Nächstes Treffen.

Würzburg – Der Vorsitzende Klaus Philipowski berichtet über die letzte Generalversammlung:

„Heimat – Erinnerung“, unter diesem Leitwort eröffnete der Vorsitzende der Landsmannschaft die traditionelle Generalversammlung. Für unsere Verhältnisse war die Versammlung gut besucht. Sicher ist im Gegensatz zu vergangenen Jahren manches anders geworden. Die Reihen haben sich gelichtet. Trotzdem bleibt die Liebe und Treue zu unserer verlorenen Heimat aufrecht erhalten. Wir werden aus verschiedenen Richtungen als Erinnerungsverein betrachtet und mitleidig angesehen. Dies sind wir nicht. Unsere Landsmannschaft wurde vor über sechs Jahrzehnten in Würzburg gegründet. Wir sind somit die älteste heimatbezogene Vereinigung in dieser Stadt. Als ich die Ortsgruppe vor etlichen Jahren übernahm, hatten wir noch sieben Gründungsmitglieder. Leider ist aus diesem Kreis niemand mehr da. Der Tod hielt reichliche Ernte.

Trotz aller Widersprüche kann man die Erinnerung an die Heimat in unseren Kreisen nicht eliminieren. Das soeben begonnene neue Jahr hat für uns als Ost- und Westpreußen schicksalhafte Bedeutung. In den Januartagen vor 70 Jahren brach die deutsche Ostfront zusammen. Die Sowjets riegelten mit gewaltigen Zangenbewegungen unsere Heimat ab und drängten die deutschen Truppen mit der Zivil­bevölkerung zurück.

Ich selber gehöre der Erlebnisgeneration an. Den Russeneinfall in meiner Heimatstadt Elbing wird niemand vergessen, der diese Tragödie mitgemacht hat. Die Stadt brannte an allen Ecken und Enden. Der Dunst schwelender Brände breitete sich überall aus. Wir mussten die Stadt verlassen. Es hieß Frontbereich. Das russische Militär zeigte wenig Verständnis für die Belange der Flüchtlinge. In dieser ausweglosen Situation versuchten Trecks und Fußgruppen, Frauen, Kinder und alte Leute, bei minus 20 Grad über die Weichselbrücken oder das Frische Haff den russischen Truppen zu entkommen. Es gelang oft nicht. Auf den hochbeladenen Wagen saßen kleine Kinder und alte Leute, die zum Schutz gegen die grimmige Kälte in Decken gehüllt waren. Es war ein Bild des Jammers und des Elends. Diese Bilder sind auch heute nach Jahrzehnten in meinem Gedächtnis geblieben.

Nach den Russen kamen die Polen, die keinesfalls besser waren. Die Vertreibung wurde vorbereitet. Mit Handgepäck, Proviant und Gepäck zogen wir zum Bahnhof: Frauen, Kinder, alte Leute. Es wurde geplündert und das Wenige, das man noch besaß, gestohlen.

Seit Flucht und Vertreibung sind Jahrzehnte vergangen. Die Weltöffentlichkeit schweigt zu diesen Verbrechen. Niemand hat dazu seine Stimme erhoben. Meine Erlebnisse unter Russen und Polen haben keinen historischen Wert. Dafür ist es zu lange her. Trotzdem lebt die Erinnerung weiter, denn Heimat ist eben Heimat.

Der Neuanfang begann. Wir haben uns längst integriert. Die Landsmannschaften werden trotz allem ein Stück unserer Heimat bleiben. In meinem Rechenschaftsbericht habe ich all dies Revue passieren lassen. Es war nicht alles Gold, was glänzt. Unsere Mitglieder gehören überwiegend der Erlebnisgeneration an. Einige wohnen in Seniorenheimen. Andere wiederum können aus Gesundheitsgründen nicht mehr an den Monatsversammlungen teilnehmen. Es gab Widersprüche und Rückschläge, die wir einstecken mussten. Die Landsmannschaft aber wird für uns immer Heimat bleiben.

Unsere Vermögensverhältnisse sind geordnet. Die Kassiererin – Gertrud Philipowski – konnte einen detaillierten Bericht vorlegen. Die Belege wurden von Frau Zerrath geprüft. Es gab keine Beanstandungen. Die Kassiererin wurde entlastet. Eine Tagesordnung lag vor. Die Generalversammlung verlief sachlich. Bei der freien Aussprache gab es Wortmeldungen, die vernünftig abgeklärt werden konnten. Mit unseren Heimathymnen „Land der dunklen Wälder“ und „Westpreußen mein lieb Heimatland“ endete die Versammlung. Klaus Philipowski

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Heilsberg, Rößel – Sonnabend, 7. Februar, 15 Uhr, Seniorenfreizeitstätte „Maria Rimkus Haus“, Gallwitzallee 53, 12249 Berlin: Faschingsfeier, Anfragen Heilsberg: Benno Boese, Telefon (030) 7215570, Rößel: Ernst Michutta, Telefon (05624) 66 00.

Tilsit-Ragnit, Tilsit-Stadt – Sonnabend, 7. Februar, 15 Uhr, „Ratskeller Charlottenburg“, Otto-Suhr-Allee 102, 10585 Berlin: Treffen. Anfragen: Hermann Trilus, Telefon (03303) 403881.

Rastenburg – Sonntag, 8. Februar, 15: Uhr, Restaurant Stammhaus Rohrdamm 24 B, 13629 Berlin: Treffen. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.

Frauengruppe – Mittwoch, 11. Februar, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116-117, 10963 Berlin: Treffen der Frauengruppe (Bis April fällt das Treffen aus, wegen der Sperrung des Nordsüd-S-Bahntunnels). Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030/771) 23 54

Gumbinnen, Johannisburg, Lötzen, Sensburg – Diens-tag, 17. Februar, 13 Uhr, Restaurant Dalmata, lbrechtstraße 52, 12167 Berlin: Start in das Jahr 2015 mit Essen. Anfragen Gumbinnen: Joseph Lirche, Telefon (030) 4032681, Johannisburg und Sensburg: Andreas Maziul, Telefon (030) 5429917, Lötzen: Gabriele Reiß, Telefon (030) 75635633.

Angerburg, Darkehmen, Goldap – Donnerstag, 19. Februar, 14 Uhr, Restaurant „Oase Amera“, Borussiastraße 62 , 12102 Berlin: Erinnerung, wie es vor 70 Jahren war, als wir Ostpreußen verlassen mussten. Anfragen: Marianne Becker (030) 7712354.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremen – Sonnabend, 14. Februar, 15 Uhr (Einlass ab 14.15 Uhr), Hotel Airport Bremen, Flughafenallee 26, Bremen: Bremer West- und Ostpreußentag mit Fleck und Klopsen. Zur Unterhaltung wird ein Chorprogramm mit Volksliedern und volkstümlichen Melodien geboten. Das Essen beginnt etwa um 17.30 Uhr mit dem traditionellen Pillkaller. Anschließend gibt es je nach Wahl Königsberger Fleck oder Königsberger Klopse (oder Gemüseteller). Die Veranstaltung soll wieder durch Einnahmen aus dem antiquarischen Bücherverkauf gesponsert werden. Daher gelten folgende ermäßigte Preise: Eintritt und Essen (Königsberger Fleck): Zehn Euro, Eintritt und Essen (Königsberger Klops oder Gemüseteller): 15 Euro. Eintritt ohne Essen. Fünf Euro. Anmeldungen sind erforderlich. Bitte unter Benennung des Speisewunsches in unserer Geschäftsstelle, Telefon (0421) 3469718 (auch auf den Anrufbeantworter). Mitglieder aus Borgfeld und Lilienthal können sich auch bei Frau Reiter, Kiebitzbrink 89, Telefon (0421) 271012 anmelden.

Frauengruppe – Jeder 3. Donnerstag im Monat, 15 Uhr, Hotel zur Post, Bahnhofsplatz 11, 28195 Bremen: Gemeinsames Treffen.

Bremerhaven (Heimatkreis Elbing) – Freitag, 30. Januar, 13 Uhr, Barlachhaus: Gemeinsames Kohl- und Pinkel-Essen. Die Wanderer treffen sich um 12 Uhr am Eingang zum Bürgerpark (Bismarck-straße) zu einem kleinen Fußmarsch zum Holzhafen. Alle anderen treffen sich um 12.45 Uhr im Barlachhaus. Anmeldung bitte bis zum 22. Januar bei Familie Jachens-Paul, Telefon (0471) 86176. Kosten: 10 Euro pro Person.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Kippingstr. 13, 20144 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

KREISGRUPPEN

Insterburg – Die Gruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum gemeinsamen Singen und einem kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Elchniederung – Mittwoch, 18. Februar, 14 Uhr, Haus Lackemann, Litzowstieg 8, Wandsbek: Treffen der Gruppe zum gemütlichen Beisammensein mit Kaffetrinken und Erinnerungen an die Winterzeit in Ostpreußen. Gäste sind herzlich willkommen

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612.

Kassel – Donnerstag, 2. Februar, 14.30 Uhr, AWO-Altenzentrum, Niederzwehren: Jahreshauptversammlung. Anschließend führt Dorothea Deyß durch den Nachmittag mit dem Wahlspruch: „Heimatlieder – immer wieder schön“.

Wiesbaden – Sonnabend, 7. Februar, 15.11 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35, Wiesbaden: Närrischer Nachmittag mit Kreppel–Kaffee. Unter dem Motto „Spaß an der Freud“ sollen alle Anwesenden eine fröhliche Zeit verbringen mit lustigen Beiträgen und viel Gesang. Mit von der Partie ist das Stimmungs-Duo Mathias Budau und Markus Hübenthal. Wer zu dem Programm mit Lustigem beitragen möchte, melde sich bitte bei Dieter Schetat oder einem anderen Vorstandsmitglied – Dienstag, 10. Februar,

15 Uhr, Haus der Heimat, Wappensaal, Friedrichstraße 35, Wiesbaden: Treffen der Frauengruppe unter dem Motto „Allerlei zur Fassenacht – Ein närrischer Nachmittag mit Spaß an der Freud“.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Braunschweig – Mittwoch, 28. Januar, 15 Uhr, Stadtparkrestaurant (Eingang Sozialverband), Jasperallee 42: Fröhlicher Faschingsnachmittag mit gemeinsamer Kaffeetafel.

Oldenburg – Die „Frauengruppe der Ostpreußen und Westpreußen Oldenburg“ nennt sich seit Jahresanfang 2015 „Landsmannschaft Ostpreußen und Westpreußen Oldenburg“, weil sie die einzige Gruppe in Oldenburg ist, die noch Kulturarbeit für Ost- und Westpreußen einschließlich Danzigs macht und sie Herren nicht abschrecken möchte, an Kulturnachmittagen teilzunehmen. Das nächste Treffen ist am 11. Februar im „Stadthotel“ in Eversten, Hauptstraße 38 um 15 Uhr. Jürgen Neumann und andere werden dann anhand von Kartenmaterial von ihrer „Flucht und Vertreibung aus unserer Heimat Ostpreußen und Westpreußen“ berichten und die Wege von damals nachvollziehen. Freunde und Bekannte sind herzlich eingeladen.

Osnabrück – Donnerstag, 29. Januar, 14 Uhr, Gaststätte Bürgerbräu, Blumenthaller Weg 43: Literaturkreis. – Dienstag, 10. Februar, 16.30 Uhr, Hotel Ibis, Blumenthaller Weg 43: Kegeln.

Rinteln – Donnerstag, 12. Februar, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Monatstreffen mit Vortrag „Ohne Thesen nichts gewesen: Martin Luther“ von Dr. Hans-Walter Butschke, Lemgo. Gäste aus Nah und Fern sind ebenfalls herzlich willkommen.

– Bericht –

Bei der Jahreshauptversammlung der Gruppe im Januar wurden Joachim Rebuschat zum Vorsitzenden und Martin Rötter zum Stellvertreter gewählt. Kassenführerein bleibt Ursula Niewelt-Riechert. Weitere Auskünfte und Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit in Rinteln gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat unter Telefon (05751) 53 86 oder über: rebuschat@web.de

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bad Godesberg – Jeder erste Mittwoch des Monats, Stadthalle Bad Go

desberg: Treffen der Frauengruppe – jeder dritte Mittwoch des Monats, 15 Uhr, Erkerzimmer, Stadthalle Bad Godesberg: Stammtisch – Sonntag, 25. Januar, 15 Uhr, Stadthalle Bad Godesberg: Jahreshauptversammlung. Nach dem offiziellen Teil heißt es: „Karneval und Fastnacht – vom Rhein bis an die Memel“.

Die Tagesordnung des offiziellen Teils lautet: 1) Begrüßung durch die Vorsitzende Gisela Noll, 2) Wahl des Protokollführers, 3) Totenehrung, 4) Verlesung und Genehmigung der Niederschrift der letzten Jahreshauptversammlung, 5) Tätigkeitsbericht über die Arbeit des Vorstands, 6) Tätigkeitsbericht über die Arbeit der Frauengruppe, 7) Kassenbericht,

8) Bericht der Kassenprüfer,

9) Entlastung des Vorstands,

10) Wahl eines Versammlungsleiters, 11) Neuwahl des Vorstands. 12) Anträge, 13) Verschiedenes.

Dazu einige Worte der Vorsitzenden Gisela Noll: „Im Hinblick darauf, dass in diesem Jahr Neuwahlen anstehen, bitte ich ganz dringend um ihr Erscheinen. Gäste sind herzlich willkommen.

Betonen möchte ich ferner, dass wir für Anregungen stets dankbar sind. Auch sind wir über Kritik – wenn sie objektiv geschieht – niemals verärgert oder gar verbittert. Nur dann können wir eventuelle Ärgernisse abstellen, wenn wir sie kennen. Zum Schluss möchte ich ihnen allen danken für Ihre Treue, die sie uns im letzten Jahr gehalten haben.

Auch ein herzliches Dankeschön allen Spendern, die uns mit Geld oder auch „Naturspenden“ wie Maibäume, Getreide und Tannengrün tatkräftig unterstützen. Nur so war und ist es möglich unsere Nachmittage im derzeitigen Rahmen durchzuführen.

Ebenfalls sei meinen Vorstandskolleginnen und Vorstandskollegen und deren Angehörigen ein kräftiger Dank für die letzten beiden Jahre gesagt. Einschließen in diesen Dank möchte ich ebenfalls die „Bücherwürmer“ und diejenigen, die bei uns im „Untergrund“ tätig sind. In der Hoffnung, dass auch sie uns im Jahr 2015 die Treue halten, verbleibe ich mit guten Wünschen, lieben Grüßen und in heimatlicher Verbundenheit, stets Ihre Gisela Noll.

Bonn – Samstag, 28. Februar, 19.30 Uhr, kleiner Saal, Stadthalle Bad Godesberg: Winterball der „Ostdeutschen Landsmannschaften“ mit buntem, kulturellen Programm und einer großen Tombola. Eintritt: 15 Euro, Jugend und Studenten: 10 Euro.

Düsseldorf – Mittwoch, 28. Januar, 15 Uhr, Eichendorff-Saal, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Film „Der Streit um den Sergeanten Grischa (DDR 1967) – Sonnabend, 31. Januar, 14 Uhr, Eichendorff-Saal, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Ostdeutscher Karnevalsnachmittag für alle Landsmannschaften (Eintritt sieben Euro) – Mittwoch, 4. Februar,

15 Uhr, Raum 311, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarck-straße 90: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt – Mittwoch, 4. Februar, 15 Uhr, Eichendorff-Saal, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Film „Im Herzen von Ostpreußen. – Donnerstag, 5. Februar, 19.30 Uhr, Raum 412, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH): Offenes Singen mit Barbara Schoch – Freitag, 6. Februar, 19 Uhr, Konferenzraum, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH): „Kriegerdenkmal 1914 – Hundert Jahre später“, Lesung mit Franz Heinz – Mittwoch, 11. Februar, 19 Uhr, Saal 1, VHS Düsseldorf, Bertha-von-Suttner-Platz 1: „Wir Angepassten. Überleben in der DDR“. Buchpräsentation mit Roland Jahn. Kartenreservierungen unter Telefon (0211) 92427. Entgelt: Sechs Euro.

Neuss – Donnerstag, 5. Februar, 15 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube Neuss, Oberstraße 17: „Tag der offenen Tür“ mit Kaffee und Kuchen.

Remscheid – Jeder zweite Donnerstag im Monat, 14.30 Uhr, Gemeindehaus der evangelischen Johannes-Kirchengemeinde in der Eschenstraße: Treffen der Frauengruppe. – Jeder dritte Donnerstag im Monat, 14.30 Uhr, ,,Zunftstuben”, Palmstraße 10: Treffen der Ostpreußenrunde.

 

RHEINLAND-PFALZ

Vors.: Dr. Wolfgang Thüne, Wormser Straße 22, 55276 Oppenheim.

Neuwied – Brigitte Schüller-Kreuer aus Königsberg und ihr Ehemann Wilhelm Kreuer laden alle Heimatvertriebenen der Erlebens-, aber auch der nachfolgenden Generationen zur Neugründung einer Gruppe ein. Heimatvertriebene, die im Kreis Neuwied wohnen, sind eingeladen, bei uns und mit uns in einen Gedankenaustausch über die ehemalige ostdeutsche Heimat zu treten. Mit anderen möchten wir über das im Land zwischen Weichsel und Memel in über sieben Jahrhunderten gewachsene ostpreußische Kultur-erbe sprechen und erhoffen uns neben anregenden Gesprächen auch Geselligkeit. Selbstverständlich sind Vertriebene aus anderen Gebieten als Ostpreußen – Westpreußen, Pommern, Ost-Brandenburg, Schlesien, das Baltikum oder aus südost- und osteuropäischen Gebieten – herzlich willkommen. Kontakt: Brigitte Schüller-Kreuer, Wilhelm Kreuer. Backesweg 37, 53572 Unkel. Telefon (02224) 9873767 oder per Email:

w.kreuer@gmail.com

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle, Telefon privat (0345) 2080680.

Magdeburg – Sonntag, 8. Februar, 14 Uhr, Sportgaststätte Post, Spielhagenstraße: Faschingsmonat, worüber Ostpreußen lachen. können – Dienstag, 3. Februar, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen – Freitag, 6. Februar, 15 Uhr, Sportgaststätte TuS Fortschritt, Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Bad Oldesloe – Nach der begrüßung der Januar-Runde mit mit vielen guten Wünschen für das Jahr 2015 sprach Gisela Bauer über den Fluchtbericht einer ostpreußischen Bäuerin zu Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914.

Die Familie hatte bei Verwandten nahe Preußisch Holland Unterschlupf gefunden. Der Bauer und seine Tochter konnten zwischendurch nach Hause fahren zum Melken und zur Versorgung der Tiere. Nachdem die Front zurückgeschlagen werden konnte, kehrten sie auf ihren Bauernhof zurück. Es war nichts beschädigt. Sie konnten ihre Arbeit fortsetzen, Damals dachte niemand, dass es 20 Jahre später zu einem endgültigen Abschied vom geliebten Hof und der geliebten Heimat kommen würde.

Katharina Makarowski stellte den Bildband „Wo die Möwen schreien ... Flug über Norddeutschlands Küsten und Länder“ von Siegried Lenz und Dieter Seelmann vor. Zu den Aufnahmen von Dieter Seelmann hat Siegfried Lenz die wunderbaren Texte geschrieben. Für den Nachmittag hatte sie die Wesermündung mit Bremen und Bremerhaven ausgesucht. Gisela Beuer

Flensburg – Freitag, 30. Januar, 12 Uhr, AWO Stadtteilcafé, Mathildenstraße 22, Flensburg: Gemeinsames Grünkohlessen mit anschließender Jahreshauptversammlung.


S. 18-19 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ALLENSTEIN LAND

Kreisvertreter: Hans-Peter Blasche, Lankerstraße 40, 40545 Düsseldorf, Telefon (0211) 17181290; (02131) 902700 (dienstl.), Telefax (02131) 902430 (dienstl.) Geschäftsstelle: Gemeindeverwaltung Hagen, Postfach 1209, 49170 Hagen, Telefon (05401) 9770. www.allenstein-landkreis.de

Die zweite Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft findet am Sonnabend, 11. April, im Sitzungsaal des Rathauses der Gemeinde Hagen a.T.W, Schulstraße 7, statt. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr. Die Tagesordnung:

– Eröffnung, Begrüßung, Beschlussfähigkeit

– Wahl eines Protokollführers

– Genehmigung des Protokolls vom 14.06.2014

– Bericht des Kreisvertreters

– Jahresabschluss 2014

– Bericht des Schatzmeisters

– Bericht der Kassenprüfer

– Entlastung des Kreisausschusses / Vorstandes

– Haushalt 2015

– Verschiedenes

Anträge zur Tagesordnung müssen eine Woche vor Sitzungsbeginn schriftlich beim Vorstand vorgelegt werden. Ihr aktives/passives Wahlrecht sowie das Stimmrecht setzen zwingend die Mitgliedschaft in der Kreisgemeinschaft voraus. Schriftliche Mitgliedsanträge können bis zur Sitzung beim Vorstand nachgereicht werden. Ich wünsche eine gute Anfahrt. Hans-Peter Blasche, Kreisvertreter

 

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101.

Es ist zur Tradition geworden, dass wir das neue Jahr mit einer heimatpolitischen Tagung einleiten. Die Tagung findet vom Sonnabend, 21., bis zum Sonntag, 22. Februar in 27356 Rotenburg (Wümme), Gerberstraße 16, Theodor-Heuss-Schule, statt. Die Theodor-Heuss-Schule befindet sich neben dem Ratsgymnasium. Zu der Auftaktveranstaltung laden der Landkreis Rotenburg (Wümme) als Patenschaftsträger der Angerburger und die Kreisgemeinschaft Angerburg geschichtlich und kulturell interessierte Ost- und Westpreußen und deren Nachkommen sowie die Freunde der Angerburger aus nah und fern sehr herzlich ein.

Für die Tagung konnten wir wieder kompetente Referenten gewinnen. Am 21. Februar 2015 ist die Mensa der Theodor-Heuss-Schule ab 14 Uhr geöffnet und es wird Kaffee/Tee und Kuchen angeboten. Nach der Begrüßung der Teilnehmer in der Aula der Theodor-Heuss-Schule wird Dr. Dr. Wolfgang Dörfler mit seinem Referat „Das junge Land Niedersachsen und die Heimatbewegung“ die Tagung einleiten. Nach einer kurzen Pause hören wir einen Vortrag von Hartmut Vollmer „Die Ablösung der Grundherrschaft in der Börde Sittensen“. Nach den Vorträgen ist eine kurze Aussprache vorgesehen. Mit einem gemeinsamen Abendessen (Elchbraten) gegen 19 Uhr und guten Gesprächen in angenehmer Atmosphäre mit interessanten Gesprächspartnern lassen wir bei einem Glas Wein den Tag ausklingen. Am folgenden Tag, Sonntag, 22. Februar, wird die Tagung um 9.30 Uhr mit einem Vortrag von Archäologieoberrat Dr. Stefan Hesse „Moorleichen – Germanen – Burgen. Aktuelle archäologische Projekte im Landkreis Rotenburg“ fortgesetzt.

Mit dem Gesang des Ostpreußenliedes „Land der dunklen Wälder» wird die Tagung gegen 12 Uhr beendet sein. Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldungen, für das Elchbratenessen zum Preis von 25 Euro pro Person und für eventuelle Übernachtungswünsche, bis spätestens 15. Februar (Posteingang) an Brigitte Junker, Sachsenweg 15, 22455 Hamburg.

 

GERDAUEN

Kreisvertreter: Walter Mogk, Am Eichengrund 1f, , 39629 Bismark (Altmark), Telefon (0151) 12 30 53 77, Fax (03 90 00) 5 13 17. Gst.: Doris Biewald, Blümnerstraße 32, 04229 Leipzig, Telefon (0341) 9600987, E-Mail: geschaeftsstelle@ kreis-gerdauen.de.

Zur außerordentlichen Mitgliederversammlung lädt die Heimatkreisgemeinschaft am Mittwoch, 4. Februar, in den Raum des Heimatvereins Wunstorf im Alten Rathaus, Südstraße 1, in 31515 Wunstorf ein. Tagungsbeginn ist um 16.30 Uhr. Das Sitzungsende ist gegen 19 Uhr vorgesehen. Wir möchten darauf hinweisen, dass gemäß unserer geltenden Reisekostenrichtlinie keinerlei Reisekosten der Teilnehmer im Zusammenhang mit der Mitgliederversammlung durch die Heimatkreisgemeinschaft übernommen werden.

Die Tagesordnung:

1) Eröffnung der Sitzung

2) Feststellung der ordnungsgemäßen Einberufung

3) Feststellung der Zahl der stimmberechtigten Mitglieder

4) Genehmigung der Tagesordnung

5) Beschlüsse

5.1. Beschluss über das Stiftungsgeschäft der Stiftung Kreis Gerdauen

5.2. Beschluss über die Satzung der Stiftung Kreis Gerdauen

6) Anfragen und Anregungen

7) Schließung der Sitzung

Die Entwürfe von Stiftungsgeschäft und Stiftungssatzung, wie sie der Mitgliederversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt werden, wurden im Heimatbrief Kreis Gerdauen Nr. 54 (Dezember 2014) abgedruckt. Teilnahme- und stimmberechtigt sind alle Mitglieder der Kreisgemeinschaft Gerdauen e.V. gemäß Paragraph 2 der Satzung in der Fassung vom 29. September 2012.

 

INSTERBURG −Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, Fax (03222) 3721953, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V., Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Postfach 111 208, 47813 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, Fax (02151) 491141, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Die Heimatgruppe führt seit 1992 Gruppenreisen nach Ostpreußen in ihre Heimat beziehungsweise die Heimat Ihrer Vorfahren in Zusammenarbeit mit der Firma Greif-Reisen, 58455 Witten, durch. Bisher waren es insgesamt 26 Flug- und Busreisen. Auch im Jahr 2015 ist eine Busreise nach Königsberg und Insterburg vom 27. Juni bis zum 8. Juli vorgesehen (12 Tage/11 Übernachtungen/HP/DZ).

Von Darmstadt geht es über über die BAB 5/7 nach Kassel und Braunschweig, über die BAB 2 nach Magdeburg und Berlin und zu den vereinbarten Zustiegsmöglichkeiten an den Autobahn-Raststätten. Weiter führt die Reise nach Posen, Königsberg und Insterburg. (Übernachtungen: Posen 1 x, Königsberg 3 x, Insterburg, 6 x, Posen 1 x).

Die Unterbringung unterwegs und am Zielort erfolgt in guten bis sehr guten Hotels im Doppelzimmer mit Bad oder Dusche/WC. Für die Busreise steht ein komfortabler Fernreisebus mit gastronomischer Betreuung zur Verfügung

Auf der Reise sind interessante Ausflüge unter anderem nach Palmnicken, Rauschen und auf den russischen Teil der Kurischen Nehrung, Gumbinnen, Rominter Heide und Trakehnen vorgesehen. Diese Kosten sind im Reisepreis enthalten. Programmänderungen, die sich aufgrund der jeweiligen Situation vor Ort ergeben können, sind nicht auszuschließen.

Der Reisepreis ist gestaffelt und richtet sich nach der Anzahl der Reiseteilnehmer. Der Grundpreis beträgt 1151 Euro bei 25 bis 29 Reiseteilnehmern (ohne Visa-Kosten, Gebühren und so weiter). Die Mindestreiseteilnehmer liegt bei 25 Personen. Anmeldeschluss ist der 30. März.

Reisepass und Visum sind erforderlich. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate über das Reiseende hinaus gültig sein. Wir weisen darauf hin, dass bei Reisen nach Russland eine Auslands-Reisekrankenversicherung, die Osteuropa einschließt, abgeschlossen werden muss. Die Visa-Beantragung erfolgt für alle durch den Reiseveranstalter. Bei ihm ist auch der Abschluss der vorgenannten Krankenversicherung möglich. Weitere Auskünfte und Informationen erhalten Sie bei der Heimatgruppe Darmstadt, Reiner Buslaps, Am Berg. 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Telefon (06033) 66228, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de oder bei Jürgen Pantel, Sudetenstraße 6, 63329 Egelsbach, Telefon (06103) 42744, Fax 486884.

 

KÖNIGSBERG–STADT

Stadtvorsitzender: Klaus Weigelt. Patenschaftsbüro: Karmelplatz 5, 47049 Duisburg, Telefon (0203) 2832151.

Hinweis auf eine eine zehntägige Busreise nach Königsberg vom Freitag, 5. Juni, bis Sonntag, 14. Juni: Abfahrt ist in Duisburg um

6 Uhr mit Zwischenübernachtung in Schneidemühl im Hotel Rodlo. Weiterfahrt nach Marienburg, Braunsberg zur Grenze Richtung Königsberg, Hotel Kaliningrad, sieben Übernachtungen. Tagesfahrt am 7. Juni: Richtung Tilsit über Labiau. 8. Juni: Waldau, Heiligenwalde. 9. Juni: Richtung Kurische-Nehrung über Cranz. 10. Juni: Zur freien Verfügung. 11. Juni: Palmnicken-Rauschen. 12. Juni: Letzter Tag in Königsberg noch mal zur freien Verfügung. 13. Juni: Richtung Stettin, Hotel Panorama. 14. Juni: Richtung Deutschland. Änderungen vorbehalten. Weitere Informationen und das komplette Programm sowie Anmeldungen erhalten Sie bei, Willi Skulimma Aakerfährstraße 59, 47058 Duisburg, Telefon (0203) 335746. Oder; Greif Reisen, Rübezahlstraße 7, 58455 Witten-Heven, Telefon (02302) 24044.

 

LABIAU

Kreisvertreterin: Brigitte Stramm, Hoper Straße 16, 25693 St. Michaelisdonn/Holstein, Telefon (04853) 562. info­@stramm­verlag. de, Internet: www.labiau.de.

Auch im Jahr 2015 fahren wir in die Heimat. Wenn wir in Ostpreußen ankommen, erstrahlt die Natur gerade in frischem Grün. Bei der elftätigen Bus- und Schiffsreise „Maiglöckchenfahrt“ vom 24. Mai bis 3. Juni werden wir Königsberg, das Samland, die Kurische Nehrung und natürlich unseren Heimatkreis besuchen. Übernachtet wird in schönen Hotels, damit man sich abends nach erlebnisreichen Tagen gut erholen kann. Zu den Übernachtungsorten gehören auf der Hinfahrt Kolberg und Danzig, damit wir diese schönen Städte während der Reise auch genießen können.

Im Samland wohnen wir wie im letzten Jahr in dem ehemaligen, liebevoll restaurierten Gutshof, jetzt Hotel Usadba in Nesselbeck, jetzt Orlowka. In Nidden auf der Kurischen Nehrung im Hotel Nidos Banga, das ist das frühere bekannte Künstler-Hotel Hermann Blode, direkt am Kurischen Haff. Dieses Mal wieder als entspannenden Abschluss geplant ist die Rückfahrt mit einer Fähre der DFDS-Seaways von Memel aus nach Kiel. Für die Teilnehmer endet die Fahrt dann in Hamburg beziehungsweise am Betriebshof Sarzbüttel. 

Wir fahren, wie gewohnt, mit einem bequemen Reisebus der Firma Schwarz aus Sarzbüttel (www.erich-schwarz.de) und mit unserem bewährten Fahrer Detlef Tritschler. Übernachtet wird im Fünf-Sterne-Hotel Aquarius in Kolberg (www.AquariusSPA.pl), im Fünf-Sterne-Hotel Qubus in Danzig (www.qubushotel.com /hotel-gdansk), im Drei-Sterne-Hotel Usadba in Nesselbeck (www.hotelusadba.ru) und im Drei-Sterne-Hotel Nidos Banga in Nidden (www.hotelbanga.lt ). Zur Rückfahrt zählt eine Übernachtung auf dem Fährschiff.

Änderungen bleiben vorbehalten. Die Reise kann nur bei ausreichender Beteiligung stattfinden. Erforderlich ist ein Reisepass. Sollte Ihr Partner ausfallen, erfolgt Einzelzimmerberechnung. Empfehlenswert ist auf jeden Fall eine Reiserücktrittversicherung. Bitte überprüfen Sie, ob Sie eine Auslandskrankenversicherung haben, da diese in Russland vorgeschrieben ist. Gegebenenfalls gleich mit buchen.

Über eine rege Teilnahme würden wir uns freuen, Das detailliertes Programm können Sie bei Brigitte Stramm, Telefon (04853) 562, E-Mail: brigitte.stramm@t-online.de, anfordern. Außerdem ist die Reise ausführlich im Internet beschrieben: www.labiau.de

 

LÖTZEN

Kreisvertreter: Dieter Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, Fax: (040) 60890478, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Der Lötzener Heimatbrief Nr. 116/Nov. 2014 wurde vom 18. November 2014 an ausgeliefert. Doch haben – wie sich in den Wochen danach herausstellte – nicht alle Heimatbriefe ihre Empfänger erreicht. Ungeachtet richtig und vollständig angegebener Adresse haben sich Heimatbriefe „in Luft aufgelöst“, und dieses Phänomen betrifft vor allem Orte in Mittel- und Westdeutschland. Wer seinen Heimatbrief vermisst, melde das bitte in der Geschäftsstelle. Noch können Ersatzexemplare zugeschickt werden. Es ist niemand aus der Liste der Bezieher des Lötzener Heimatbriefes herausgenommen worden – es sei denn, auf eigenen Wunsch oder durch Todesfall. Sehr willkommen sind die Adressen von neuen Beziehern des Lötzener Heimatbriefs. Auch ein Bezug „auf Probe“ (drei Exemplare) ist möglich.

 

LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Unser Frühjahrstreffen der mittleren Generation findet vom 28. bis 29. März im Ostheim in Bad Pyrmont statt. Beginn ist am Samstag ab 14 Uhr: Die Programmpunkte:

– Begrüßung

– Vortrag von Dr. Manuel Ruoff: „5. Besatzungsmacht im Emsland von 1945–1948“

– Kaffeepause

– Besprechung und Beschluss neuer Frühjahrstreffpunkt

– Herbsttreffen 2016

– Lyckreise 2015

– Herbstfahrt Ellingen vom 23. Oktober bis 25. Oktober 2015

Ab 18 Uhr: Abendessen mit anschließendem gemütlichem Beisammensein. Der Sonntag beginnt um 8 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück. Dann folgen:

– 9 Uhr: Zeitzeuge Heinz Bartschies berichtet von seinem früherem Leben in Lyck

– Kaffeepause

– Verschiedenes und Verabschiedung

– 12Uhr: Mittagessen

Das Ostheim schließt Ende 2015, dies wird also unser letztes Treffen hier sein. Die Fahrkosten werden von der Kreisgemeinschaft bezahlt. Die Übernachtung und Verpflegung muss jeder selbst bezahlen. Der Preis beinhaltet Vollpension. Er beträgt 47 Euro pro Person im Doppelzimmer und 53 Euro im Einzelzimmer. Außerdem sind alle Gäste kurtaxenpflichtig.

Die Kurtaxe beträgt pro Person und Tag 3 Euro, mitreisende Ehepartner zahlen 2,30 Euro. Bei nachgewiesener Behinderung ab 50 Prozent (Schwerbehindertenausweis ) beträgt die Kurtaxe 2,80 Euro. Sie ist bar vor Ort zu entrichten. Bitte meldet Euch bis zum 28. Februar 2015 bei Heidi Mader, Richard-Taylor-Straße 6, E-Mail: heidi-mader@gmx.de, Telefon (0421) 67329026. Ich freue mich auf eine schöne Zeit mit Euch in Bad Pyrmont. An dieser Veranstaltung kann jeder Interessierte teilnehmen!

Bärbel Wiesensee

Vom 11. bis 18. Juni.2015 findet die Fahrt der mittleren Generation nach Lyck statt. Jeder kann teilnehmen. Wir treffen uns in Warschau am Hotel Novotel Warszawa Airport, von dort starten wir gemeinsam mit dem Bus nach Lyck und werden im Hotel Rydzewski wohnen. Geplante Aktivitäten sind:

– Stadtrundgang in Lyck

– Besuch der Deutschen Minderheit am Wasserturm

– Kleinbahnfahrt mit Picknick

– Fahrt nach Nikolaiken

– Schiffsfahrt

– Besichtigung des historischen Museums

– Fahrt durch den Kreis Lyck mit Bunelka

– Besuch des Soldatenfriedhofs in Bartossen

– Bootsfahrt auf dem Lyck-See

Die Unkosten für Übernachtung und alle aufgeführten Aktivitäten betragen circa 450 Euro pro Person. Der Einzelzimmerzuschlag liegt bei 70 Euro (Die Anreise bis Warschau und die Rückreise ab Warschau sind nicht im Preis inbegriffen). Anmeldefrist: 15. Februar. Nähere Informationen finden Sie auf unserer Website www.kreis-lyck.de unter Mittlere Generation. Ansprechpartner per Mail: heidi-mader@gmx.de oder Telefon: (0421) 67329026. Auf eine interessante Fahrt freue ich mich und hoffe auf rege Beteiligung. Heidi Mader. Sprecherin der Mittleren Generation

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

Das nächste SRT-Schultreffen wird im Mai wieder im Altstadthotel, Dortusstrasse 9-10, 14467 Potsdam stattfinden. Telefon (0331) 284990, Fax: (0331) 284 99-30 E-Mail Altstadthotel@tnp-online.de. Anmeldungen sollten bis zum 30. Januar unter dem Stichwort „SRT-Schultreffen 2015“ erfolgen. Die Übernachtungspreise haben sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Das Treffen beginnt am Sonnabend, 16. Mai, um 15.30 Uhr mit der Kaffeetafel. Für die nächsten Tage sind Dampferausflug, Busrundfahrt und Besichtigung des Neuen Palais Sanssouci vorgesehen. Abreisetag ist Dienstag, 19. Mai. Auf ein Wiedersehen freut sich Gerhard Pfiel, stellvertretender Schulsprecher


»Einblick und Besinnung«
Die Heimatstube Neidenburg ist im Bochumer Amtshaus Werne untergebracht

„In der Fremde erfährt man erst, was die Heimat Wert ist“, hat der ostpreußische Schriftsteller Ernst Wiechert gesagt. Wer die liebevoll hergerichteten Heimatstuben der Ostpreußen besichtigt, weiß, wie kostbar sie in der Tat ist. In loser Folge stellt die PAZ sie vor. Diesmal beschreibt Kreisvertreter Jürgen Szepanek die Neidenburger Heimatstube in Bochum.

Bereits im Jahre 1961, als der ehemalige Heimatpfleger für Vorgeschichte, Gerhard Knieß, das Amt des Leiters der Heimatstelle „Schrift und Bild“ übernommen hatte, entstand unsere Heimatstube. Schon in der Heimat hatte Landsmann Knieß das „Grenzlandmuseum“ aufgebaut.

Die erste Heimatstube der Kreisgemeinschaft war in der Wasserburg Kemnade untergebracht. Nach verschiedenen anderen Domizilen ist die heutige Heimatstube im Bochumer Amtshaus Werne zu finden. Hier gibt es auf rund 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche viel Historisches zu betrachten. Beim Betreten des großzügigen Eingangsbereiches geht der Blick des Besuchers geradeaus auf das Modell der Neidenburg, sowie auf das an der rechten Wand aus Holz gefertigte Kreisgebiet. In Vitrinen ausgelegt sind unter anderem ein Zeitungsausschnitt der Königsberger Woche vom 23. September 1915 (Köln als Patenstadt von Neidenburg).

Ein weiterer Raum ist mit reichhaltiger Literatur zu bedeutenden Neidenburgern wie Barthel Heinrich Straußberg aber auch Nikolaus Copernicus, ausgestattet. In einem anderen Zimmer sticht dem Besucher die Büste von Neidenburgs berühmtestem Sohn Ferdinand Gregorovius ins Auge (1821–1891). Er hat die Geschichten der Städte Rom und Athen geschrieben. Als erster Deutscher und erster Protestant wurde er Ehrenbürger der Stadt Rom. Hier wird auch weiteren bedeutenden Neidenburgern gedacht. Operettenkomponist Walter Kollo (1878– 1940). Sein Enkel Rene Kollo hat zum 40jährigen Patenschaftsjubiläums Bochum-Neidenburg 1993 herrliche Lieder vorgetragen. Barthel Heinrich Straußberg (1827–1884) baute die Tilsit-Insterburger und die Ostpreußische Südbahn sowie mehrere Eisenbahnen im Ausland. Er gehörte zu den berühmtesten Unternehmern der Gründerzeit, was ihm den Namen des „Eisenbahnkönigs“ einbrachte.

In Vitrinen liegen Kopien der Gründungsurkunden von den Städten Neidenburg anno 1381 und Soldau anno 1344 aus. Dicht umlagert bei jedem Heimatstubenbesuch ist das Stadtmodell von Neidenburg, seinerzeit erstellt nach Messtischblättern vom Planungsamt der Stadt Bochum.

Im vierten Raum sind beidseitig Großaufnahmen von Neidenburg aus der Zeit vor und nach dem Krieg ausgestellt. Aus der Zeit vor dem Krieg sind sie „Deutsch“ beschriftet, danach „Polnisch“. Diese Bilder wurden vor vielen Jahren auch bei einem Heimattreffen in Neidenburg [Nidzica] präsentiert.

Des Weiteren sind Fotos von alten und nachgebildeten Kacheln der bekannten Neidenburger Kachelfabrik Kaehler zum 100-jährigen Bestehen im Jahre 1937 zu betrachten. Das letzte Zimmer bietet nun nach einigen Heimatstuben-Umzügen innerhalb der Jahrzehnte zum ersten Mal auch Platz für Sitzungen des Vorstandes beziehungsweise dient als Aufenthaltsraum für unsere Betreuer und Besucher der Heimatstube.

Abschließend noch einige Worte aus dem Gästebuch: „Die Kreisgemeinschaft hat mit tatkräftiger Unterstützung der Patenstadt Bochum eine Stätte heimatlicher Besinnung geschaffen, in der Geschichte und kulturelles Leben des Kreises Neidenburg dargestellt werden. Darüber hinaus soll sie das Bewusstsein der Bedeutung der Heimat ihrer Vorfahren auch bei den nachfolgenden Generationen wach halten. Gleichzeitig soll sie aber auch den Bürgern der Stadt Bochum einen Einblick in die geschichtlichen und kulturellen Leistungen ihres Patenkreises vermitteln.“ Die Heimatstube der Kreisgemeinschaft Neidenburg, Kreyenfeldstraße 31 (Amtshaus), 44894 Bochum-Werne, ist an jedem ersten Donnerstag im Monat von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Fällt der Tag auf einen Feiertag, ist sie am nächstfolgenden Donnerstag geöffnet. Außerhalb dieser Zeit kann sie nach Absprache mit unserem Kreisältesten Gerhard Toffel, Telefon (02305) 72309 besichtigt werden. Es lohnt sich bestimmt, hier einmal hereinzuschauen.


Die Reise des Schwanenwärters
Warum die berühmten Hamburger Alsterschwäne ostpreußische Vorfahren haben

Die weißen Zaubervögel von Nikolaiken“, hieß unser Artikel über Ostpreußens Schwäne in der PAZ Nummer 47 (Seite 20). Der bekannte Tierfotograph Wolfgang Alexander Bajohr berichtete über seine Erlebnisse mit den Charaktervögeln der Seenlandschaft in Masuren.

Eine Leserin teilte uns daraufhin mit, dass sogar die Schwäne auf der Hamburger Alster teilweise von ostpreußischen Tieren abstammen würden. Die majestätischen weißen Vögel auf dem Binnensee mitten in der Stadt sind ein bekanntes Wahrzeichen Hamburgs. Sogar einen eigenen Internetauftritt haben sie (www.alsterschwaene.de). Über ostpreußisches Blut in ihren Adern war dort allerdings nichts zu lesen. Wir recherchierten weiter nach. Ein Gespräch mit Christoph Hinkelmann, im Ostpreußischen Landesmuseum unter anderem für Naturkunde zuständig, führte schließlich auf die richtige Spur. Hinkelmann verwies auf den Schriftsteller und Naturforscher Walter von Sanden-Guja (1888–1972). Der in Marienwalde im Kreis Darkehmen geborenen Gutsbesitzer hätte seines Wissen nach, den Hamburgern Anfang des 20. Jahrhunderts Schwaneneier überlassen.

Mit diesem Hintergrundwissen wurden wir dann sogar im eigenen PAZ-Archiv fündig! 1971 berichtet von Sanden-Gujat selber darüber. Hier sind Auszüge des Artikels, der unter der Überschrift „Der Nordenburger See und die Alsterschwäne“ veröffentlicht wurde. Er erzählt von der schweren Zeit direkt nach dem Ersten Weltkrieg:

Schlecht war es auch den Hamburger Alsterschwänen während des Krieges und in der Zeit danach ergangen. Viele von ihnen hatten heimlich in Kochtöpfe wandern müssen. Außerdem litten sie als halbzahme Schwäne an Inzucht und ihren Folgen. Eine Blutauffrischung erschien nötig, und so trat an mich der Wunsch heran, zwölf Eier von unseren gesunden und starken Schwänen nach Hamburg zu vermitteln.

Seit dem Kriegsende waren schon Jahre vergangen. Unsere Schwäne hatten sich gut vermehrt. Fast dreißig Paare brüteten wieder, und die Jungschwäne, die erst mit dem dritten und vierten Jahr brutfähig werden, nahmen ständig zu. So konnte ich die Fortnahme von zwölf Eiern verantworten und sagte mit Einverständnis der Naturschutzbehörde und des Grafen Albrecht zu Stolberg-Wernigerode-Dönhofstädt, dem der größte Teil des Sees gehört, dem Hamburger Magistrat zu. Dieser sandte seinen alten Schwanenwärter nach Guja. Am späten Abend kam er an.

Am nächsten Morgen breitete sich ein stiller, strahlender Frühlingstag über Land und See. Ich stand mit dem alten Mann auf unserer Terrasse. Uber das kleine Rawdatal, in dem der neugepflanzte Garten die ersten schüchternen Versuche machte, zu wachsen, einen welligen Ackerschlag und grüne Wiesen sahen wir den im Südwind tiefblauen See, die fernen roten Dächer und weißen Giebel von Nordenburg und sahen eine Flotte von über zweihundert Jungschwänen blendend weiß auf dem Wasser liegen. Die Brutschwäne hatten sich über den ganzen See verteilt, überall bis zum Heuwerder, zur engen Durchfahrt bei Wesselowen, zum Kosenhewel und der Räude vor Waldhof und Truntlack hin leuchteten die alten schneeweißen Männchen, die vor ihren Nestern auf dem freien Wasser Wache hielten.

Das weite, gewaltige Panorama, in dem seine Lieblingstiere so zahlreich und in so vollkommener Freiheit lebten, machte dem alten Schwanenwärter tiefen Eindruck. Er war früher zur See gefahren und hatte genug von der Welt gesehen. Aber bei diesem Anblick sagte er bewundernd: „Das ist herrlich! Das ist wirkliche Freiheit!"

… Am nächsten Morgen in aller Frühe sammelte der Nordenburger Fischer Rudolf Marowski auf seiner Fahrt von der Aschwöne bis zur Rawda mündung am Gujaer Ufer aus zwölf Nestern je ein Ei, und am gleichen Tage reiste der Schwanenwärter mit ihnen nach Hamburg.


S. 20 Heimatarbeit

Ein Fischkönig wird an die Kette gelegt
In Nikolaiken, dem »Venedig Masurens«, war das alljährliche zu Wasser lassen des Stinthengstes eine Riesen-Attraktion

Durch ihre Lage am Talter Gewässer und Spirdingsee ist Nikolaiken [Mikołajki], heute mehr denn je einer der beliebtesten Ferienorte in Masuren. Weitere Seen um Nikolaiken, das 3800 Einwohner zählt, sind der mit dem Spirdingsee verbundene Lucknainer See sowie der Beldahn- und der Zungensee. Schon um 1900 waren die Seen in der Sommersaison sehr beliebt. Von nah und fern kamen Ausflügler und Feriengäste, um Dampfer-, Segel- und Bootsfahrten zu unternehmen. Etwas hochtönend rühmte man den im Kreis Sensburg gelegenen Fischerort Nikolaiken als „Venedig Masurens“. 1888 hatte dort das erste Hotel der Region eröffnet. Mit der originellen Tradition, jährlich am 1. Mai den Stinthengst zu wassern, das Wahrzeichen von Nikolaiken, verfügten die Bürger des Städtchens über eine Attraktion, die schon im Frühjahr Touristen und Schaulustige anzog.

Im Spritzenhaus hatte der Stint-hengst überwintert: ein drei Meter langer, mit einer goldenen Krone geschmückter hölzerner Fisch. Man trug ihn durch die Straßen der Stadt zum Seeufer, wo ihn die Fischer feierlich in Empfang nahmen. Mit zwei Ruderbooten brachten sie den Riesenfisch zur Fußgängerbrücke über der Wasserenge zwischen Talter Gewässer und Spirdingsee, wo er mit einer schweren Ankerkette an einem Brückenpfeiler befestigt wurde. Dort schwamm der Stinthengst während der Sommermonate und weckte die Neugier der kleinen Kinder und Sommerfrischler. Nach dem Vorbild der Volkssage stellt das Fabelwesen den überlisteten und an die Kette gelegten König der Maränen dar. Manchmal wird er auch König der Stinte genannt. Maränen und Stinte sind Fischarten, die in den Seen um Nikolaiken häufig vorkommen. Früher einmal waren diese Fische die Hauptnahrungs- und Einkommensquelle der hier ansässigen Bewohner. 1922 erstritten sich die Nikolaiker in Berlin den Stinthengst als Wappenfigur im Wettbewerb gegen die Stadt Labiau.

Auch im heutigen Mikołajki findet jedes Jahr zum Auftakt der Sommersaison ein buntes Fest statt. Es beginnt, wenn der Stint-hengst gewassert und unter der Brücke angekettet wird, nachdem der Bürgermeister ihn zuvor mit einer Flasche Sekt gesegnet und sein Krönchen mit einem Blumenstrauß verziert hat.

Auf dem Marktplatz trifft man erneut auf den Stinthengst. Die steinerne Figur thront auf einem Podest im Springbrunnen. Mit ihrem wild peitschenden Schwanz gemahnt die gekrümmte Fischgestalt an die ursprünglich bösartige Gesinnung des Fischkönigs, welcher der Sage nach vor langer Zeit im Spirding herrschte und die Stadtfischer das Fürchten lehrte. Oftmals zerriss er ihre Netze und brachte ihre Boote zum Kentern. Als niemand mehr auf den See hinausfahren mochte, begann eine Hungersnot. Schließlich gelang es einigen Fischern, den Stinthengst mit einem metallenen Netz zu fangen und im Triumph heimzuführen. Es heißt, eine alte Fischersfrau hätte die Eisenringe, aus denen das Netz geschmiedet war, bei einem Opferstein aus heidnischer Zeit gefunden. Da der Rat der Stadt beschloss, den Stinthengst zu töten, drohte dieser, dann würden alle Fische im See sterben. Wenn sie ihn aber freiließen, so versprach er, sollten alle Fischer stets mit vollen Fangnetzen heimkehren. Daraufhin sah der Rat der Stadt davon ab, ihn zu töten, doch man ließ ihn vorsichtshalber an einem Pfeiler der Stadtbrücke anketten. Der Stinthengst erfüllte sein Versprechen und verschaffte den Fischern fortan einen reichen Tribut an Stinten und Maränen.

Die Sage beruht wohl auf dem Brückenzoll, der in Nikolaiken früher von durchfahrenden Fischern erhoben wurde. Da die fremden Fischer gern mit voller Fahrt durchsegelten, legte der Rat der Stadt starke Querbalken an eisernen Ketten vor die Durchgänge der Brückenbögen. Erst wenn sie den Zoll entrichtet hatten, durften die Fischer ihren Weg fortsetzen. Für die verhasste Sperre fand der Volksmund die höhnische Bezeichnung Stinthengst.

1444 wird die Fischersiedlung Nikolsdorf (Nickelsdorf) erstmalig erwähnt. Den Namen verdankte der Ort seiner Pfarrkirche, die dem heiligen Nikolaus, Patron der Schiffer und Fischer, geweiht war. Auf der anderen Uferseite des Rinnensees lag das Dorf Koslau. Wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage an der Ost-Westachse quer durch die masurische Seenplatte und am Wasserweg zwischen den Ordensburgen Rhein und Eckersberg wuchsen beide Siedlungen zusammen, nachdem eine Holzbrücke gebaut war, die 1516 erstmals erwähnt wird. 1610 hieß der Ort dann beidseitig des Sees Nikolaiken.

Stinte wurden in den Seen um Nikolaiken in sehr großen Mengen gefangen. Außer im Nordatlantik und Pazifik sind die zur Familie der lachsartigen Fische gehörenden Stinte auch in tiefen Binnenseen Nordeuropas heimisch. In den masurischen Seen erreichen sie nur eine Größe von zehn Zentimetern. Manchmal fuhren die Fischfrauen mit dem Pferdewagen durch die Dörfer und verkauften den Stint pfundweise. Mit reichlich Zwiebeln und Speck gebraten, galt er als Delikatesse. Noch wesentlich beliebter als Stinte waren die Maränen, ein etwas größerer Süßwasserfisch aus der Familie der Lachsfische, der wegen seines wohlschmeckenden Fleisches und der wenigen Gräten überaus geschätzt war. Die Fischer fingen die in großen Schwärmen lebenden Maränen mit Stand- und Schleppnetzen und verkauften sie schon vom Boot aus an die Besitzer von Räuchereien. Nach dem Räuchern wurden die durch die Raucheinwirkung glänzenden Maränen in Spankörbe verpackt und per Express in etliche deutsche Großstädte versandt, vorwiegend nach Königsberg und Berlin.

Dagmar Jestrzemski


S. 21 Lebensstil

Für eine Handvoll Rubel
Wo kam er her, wo rollt er hin? Russlands Währung erlebte im Laufe der Jahrhunderte schon viele Finanz-Kapriolen

Mitte Januar war der Rubel gerade mal gut einen Cent wert. Seit einem Jahr verliert die russische Währung rapide an Wert. Dabei war der Rubel einst stolzes Zahlungsmittel der Zaren. Numismatiker wissen: Er „schlug“ schon „ab“, als er im 14. Jahrhundert als Zahlungsmittel erfunden wurde.

Rollt Russlands Rubel noch, oder rutscht er schon in den Ruin? Laut Umfragen sind knapp 60 Prozent der Russen überzeugt, dass Russland in eine schwere Wirtschaftskrise geraten ist. Und die wird noch Jahre anhalten, sagt Aleksej Kudrin, 2000 bis 2011 russischer Finanzminister, und nennt drei Ursachen: die westlichen Sanktionen, den abstürzenden Ölpreis und den Verfall des Rubels. Abgesehen von den Russen empfinden Osteuropäer darüber Schadenfreude, zum Beispiel die Polen, mehr noch die Ungarn, die seit jeher hinter al­lem Ungemach der Welt Moskauer Subversion vermuten, die sie bündig „rollender Rubel“ nennen.

Im kaum interessierten Westeuropa registrieren allein Deutsche die Nöte der Russen, mit denen sie seit rund 900 Jahren guten Handel treiben, anfänglich mit ritueller „Kreuzküssung“, ab 1229 mit solidem Vertrag „validitiert“, aber bis ins 14. Jahrhundert als bargeldloser Warentausch betrieben – deutsche Stoffe gegen russische Pelze und so weiter –, da russische Partner wie selbst die stolze Republik Nowgorod kein eigenes Geld kannten. Es gab geldähnliche Usancen, in Hanse-Akten akribisch notiert, die bis heute begrifflich leben: Die kroatische Währung „Kuna“ (Marderfell) geht auf den Nowgoroder Brauch zurück, genau wie die „Gridna“ oder „Griwna“, die Gewichtseinheit für Edelmetalle (205 Gramm), die in der ukrainischen Währung Hrywnja überdauert hat.

In Nowgorod wurden alljährlich 300 „Gridnen“ Schutzgeld an die kriegerischen Waräger ge­zahlt. Als an deren Stelle friedliche Hanseaten traten, von denen man eine erste Anschauung von Geldverkehr erhielt (für Lagermiete oder Dolmetscherlohn), schlug man die „Griwna“ in handlichere Stücke, die variierenden Warenwerten entsprachen. „Ab­schlagen“ heißt russisch „rubitj“, woher laut dem deutschen Slawisten Max Vasmer der „Rubel“ seinen Namen bezog. 1321 wurde er als Untereinheit der „Griwna“ in Nowgorod erstmals erwähnt.

Bereits 1361 wurde in Nowgorod die „Den’ga“ geprägt, eine kleine Münze (0,93 Gramm), an die bis heute der russische Begriff für Geld, „Den’gi“, erinnert. Die Republik fiel 1478 ans Großfürstentum Moskau, in dem im 16. Jahrhundert Zar Iwan IV. regierte, fälschlich „der Schreckliche“ genannt, in Wahrheit ein machtbewusster Reformer, dessen kluge Mutter Jelena Glinskaja monetäre Ordnung schuf.

Russisches Pendant der deutschen „Kipper und Wipper“, die durch Beschneiden den Münzen Gewicht, Wert und Vertrauenswürdigkeit nahmen, waren die „Obresateli“. Die vertrieb Zaren-Mutter Jelena 1535 durch Prägung der „Kopeke“, von der 100 auf einen Rubel kamen, was Russland zum ersten Land der Welt mit dezimalem Münzsystem machte. Woher ihr Name stammt, wurde nie geklärt – von „Kopjo“ (Lanze), dem Abbild des Zaren mit Lanze auf der Münze, oder von „kopitj“ (ansammeln) als Verweis auf russische Sparsamkeit. Europäische „Leitwährung“ wurde ab 1518 der „Guldengroschen“, nach seinem böhmischen Prägeort Joachimstal „Taler“ genannt und Namensgeber von Dollar, Tolar und partiell Rubel. Der deutsche Joachim ist der russische Jefim, und als „Jefimok“ diente die Münze bis 1655 im russischen Valutaverkehr.

Dengi, Rubel und Kopeke bilden die klassische Basis russischen Geldwesens, wo der „Groschen“ nur eine Nebenrolle spielte. In Böhmen, Österreich oder Polen im Umlauf, fand er auch den Weg nach Russland, wo er bis 1917 den Wert einer halben Kopeke besaß. Das war nichts, und „Grosch Zena“ (Groschenwert) ist im Russischen ein Synonym für Wertlosigkeit, in dieser Form aber ein Lieblingswort von Politikern, Literaten, Chansonniers und dem Volkswitz – selbst Stalin-Erlasse wurden oft als Groschenwert verspottet.

Die Rubel klimpern auch in russischen Sprichwörtern: „mit dem Rubel schlagen“ (bestrafen) oder „nicht mit dem Rubel, mit dem Knüppel“ schlagen. Münzen tragen sprichwörtliche Spitznamen: Zu Sowjetzeiten hieß Geld übersetzt Kohl oder Bündel, später Mütterchen. Der nicht konvertierbare Rubel firmierte als Hölzerner. Als ab 1991 Russen fremde Valuta haben durften, worauf zuvor Haftstrafen standen, kamen sofort vertraute Begriffe ins Russische: „Kesch“ (Cash), „Mani“ (Money), speziell für den begehrten Dollar als „Griny“ (Greens) beziehungsweise russisch als „Selenyj“ (Grüner) oder „Baksy“ (Bucks, der umgangssprachliche Ausdruck für den Dollar).

Witziger sind westliche Wortspiele mit russischer Währung. Als am 7. November 2014 Wolf Biermann im Bundestag die „Linke“ auf die Hörner nahm („elender Rest des Überwundenen“), da gab es Beifall von Liedermachern: „Die allzu links sind, jubeln, / schon zählen sie die Rubeln.“ Das war eine Reminis­zenz an Praktiken der SED, die ihren westdeutschen Wurmfortsatz DKP mit D-Mark-Millionen fütterte. Sie liefen über den Kölner Verlag Pahl-Rugenstein, der bei den Genossen nur als „Pahl Rubelschein“ firmierte.

1916 führten deutsche Besatzungsbehörden in „Ober Ost“ – Kurland, Litauen, Bialystok – den „Ostrubel“ als Währung ein, an welchen 50 und mehr Jahre später der „Clearing-“ beziehungsweise „Transfer-Rubel“ erinnerte, der vergebliche Versuch, im „sozialistischen Lager“ einen dreifachen Betrug zu beheben: Sowjets betrogen ihre Satelliten, diese betrogen die Sowjets, indem sie billiges Erdöl raffinierten und im Westen teuer verscherbelten, und sie betrogen sich untereinander. „Der Transfer-Rubel war ökonomisch nicht begründbar, selbst als multilaterale Verrechnungseinheit funktionierte er höchst unvollkommen“, erinnerte sich 1999 Harry Nick, vormals Chef­ökonom der SED.

Er funktionierte nur in Betrugsmanövern, als nach der Wende 1989/90 Millionensummen „um­gerubelt“ wurden – was Deutschlandradio Kultur später zum „Wort der Wende“ kürte: Man tauschte billig Ostmark-Beträge ein oder schloss rasch einen Transferrubel-Deal ab und machte den Reibach, als die „Währungsunion“ vom Juli 1990 einen Umtausch 2:1 verfügte. 20 Jahre später kam die Neuauflage, als Länder wie Griechenland inflationäre Kredite und Kapitalimporte aufnahmen, was laut Währungsexperte Wilhelm Hankel den Euro zum neuen „Transfer-Rubel“ machte. Wolf Oschlies


Vogel in der Suppe
Tradition der Taubenzucht im Ruhrgebiet hat Nachwuchssorgen

Sie galten in früheren Zeiten als die Rennpferde der Bergleute: Die Haustauben waren lange Zeit sehr beliebt im Ruhrgebiet. Heute ist es etwas ruhiger um sie geworden.

Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts führte zu gewaltigen Veränderungen auch und gerade im Ruhrgebiet. Kohle und Stahl ersetzten an vielen Stellen die Landwirtschaft; die vielen neuen Arbeitskräfte aus den Ostprovinzen brachten nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch ihre Kultur, Ge­bräuche und Sitten mit an ihre neuen Arbeitsstätten.

In den Kolonien, wie die vielen neu entstandenen Werkssiedlungen genannt wurden, gab es nun nicht nur Wohnbebauung. Ein Garten mit Kartoffel- und Gemüseanbau war bei fast jeder Wohnung vorhanden, Ställe für Kühe, Tauben und anderes Kleinvieh oft auch. Schon Ende des 19. Jahrhunderts be­gannen die Bergleute, sich in Taubenzüchtervereinigungen zu or­ganisieren. Ihre Glanzzeit dauerte bis in die 1960er Jahre hinein.

Der Reisetaubenzuchtverein „Cypria“ aus Bottrop wurde 1928 gegründet. Ihm gehören heute noch 17 Mitglieder an. Sie stammen nicht nur aus Bottrop selbst, sondern auch aus Moers, Essen oder Gelsenkirchen.

„Wir haben in den vergangenen Jahren schon einen erheblichen Mitgliederschwund hinnehmen müssen“, sagt der Vereinsvorsitzende Siegfried Küper, „Taubenzucht ist im städtischen Umfeld kaum noch möglich. Wo haben denn die Leute noch einen Garten, wo sie die Volieren für die Vögel aufbauen können? Außerdem fühlen sich Nachbarn viel zu leicht gestört und beschweren sich.“

Einmal im Jahr führt der Verein eine Rassetaubenschau in seiner Brieftauben-Einsatzhalle durch, und zwar immer am zweiten Ja­nuar-Wochenende. 23 Aussteller sind in diesem Jahr gekommen. Sie zeigen insgesamt 387 Tiere.

Sehr familiär geht es bei dem Treffen zu. Sind die Tauben mit ihren Boxen erst einmal in einem separaten Raum untergebracht, treffen sich Züchter in einem benachbarten Raum, der wie ein kleines Vereinsheim eingerichtet ist. Kaffee gibt es und belegte Brötchen. Und Lokalpolitiker. „Die Tauben sind gut in Form. Sie glänzen wie Speckschwarten“, befindet der örtliche Bezirksbürgermeister Klaus Kalthoff (SPD) bei seiner kurzen Ansprache.

Auch Küper ist an diesem Vormittag anwesend. Was nicht nur daran liegt, dass er mit etwa 40 Tauben selbst bei der Veranstaltung vertreten ist. Er ist Preisrichter für Hühner und Tauben für Westfalen und sagt: „Es gibt einen Rassetaubenstandard, in dem alle Haustaubenrassen beschrieben werden. Eigenschaften wie Schnabel, Kopfprofil, Flügelstellung oder Krallenfärbung fließen in die Beurteilung mit ein.“ Dass jede Taubenrasse unterschiedlich beurteilt wird, ist selbstverständlich.

Ein Publikumsmagnet ist die Veranstaltung nicht. Eine junge Dame von der örtlichen Presse erscheint. Ansonsten bleiben die Züchter unter sich. Es gebe natürlich Zeiten, die er auf der Arbeit sei oder mit der Familie verbringe, betont Küper; „wenn ich aber bei meinen Tauben bin, dann habe ich keinen Stress. Dann gebe ich die Taktzahl vor.“

Die Taubenzucht stammt aus einer Zeit, in der es für die Bergleute noch selbstverständlich war, sich selbst zu versorgen. „Auch wenn es eigentlich nichts Gesünderes gibt als Gemüse und Fleisch aus dem eigenen Garten, brauche ich meinen Kindern heute gar nicht erst mit Taubensuppe zu kommen“, sagt Küper. Taube zu Mittag? Igitt, denkt die Jugend. Dann schon lieber der Gang zum Schnellrestaurant. Andreas Rüdig


Schwarzkittels Liebeschance
Jagdverbot verändert Sozialverhalten bei Wildschweinen

Wildschwein-Keiler sind Einzelgänger, die nur zur Paarungszeit vom Spätherbst an zu den Mutterfamilien stoßen und sich den Rest des Jahres meist allein durch den Wald schlagen − soweit die bisherige Lehrmeinung. Anders aber setzen sich Rotten zusammen, wenn die Jagd eingeschränkt wird. In den Wildschwein-Gruppen laufen dann reihenweise ausgewachsene Keiler mit. Das fanden Forscher des polnischen Instituts für Säugetierforschung in Białowieza und der italienischen Universität von Sassari in Polen und Weißrussland heraus.

Das Team um Tomasz Podgórski hatte in den Wäldern des Nationalparks von Białowieza an der polnisch-weißrussischen Grenze das Sozialleben von Wildschweinen und deren Verwandtschaftslinien erforscht. Dazu fingen die Forscher zunächst die Tiere mit Käfigen und Netzen ein, betäubten sie, entnahmen Haar- und Gewebeproben, bestimmten anhand der Zähne das Alter und statteten sie mit Radiosendern aus, um ihren Bewegungsradius zu ermitteln. In dem letzten Tiefland-Urwald Europas ist die Jagd auf weibliche Wildschweine verboten. Die Forscher stellten fest, dass 36 Prozent der erwachsenen Tiere in den Rotten männlich sind − ein erstaunlicher Befund, der nicht nur für die Rauschzeit von Oktober bis Januar zutraf.

Als Erklärung liefern die Wissenschaftler, dass es wegen des fehlenden Jagddrucks auf Muttertiere in den Rotten reichlich fortpflanzungsfähige Bachen gibt. Und die sind alle polygam. Für dazustoßende Keiler sei die Konkurrenz bei der Partnersuche in dem Harem daher eher gering. Das Zusammenleben im Verbund fällt so leichter.

Die Rolle der Jäger übernehmen in Białowieza vor allem Wölfe, die eher schwache, kranke und junge Tiere ins Visier nehmen. In der Rotte sind die Wildschweine besser geschützt, haben gemeinsam besseren Zugang zu Nahrung und Informationen. Wildschweinrotten sind wie Matriarchate organisiert. Meist ist die Leitbache mit einer Gruppe von Frischlingen, Einjährigen und anderen Bachen unterwegs. Während der weibliche Nachwuchs dazu neigt, auf Dauer bei der Mutter zu bleiben oder eigene Rotten zu gründen, lösen sich die meisten Männchen im zweiten Lebensjahr von der Rotte und sind als Keiler in der Regel allein unterwegs. Das vermeidet Inzucht.

Die genetischen Untersuchungen der Forscher zeigten: Je näher die Tiere räumlich beieinander waren, desto stärker waren sie miteinander verwandt. Auffällig auch: Der Abstand, den die meisten Keiler zu den Rotten halten, ist in Białowieza im Durchschnitt relativ gering − im Vergleich zu Ergebnissen anderer Studien. Wo sich Keiler den Rotten zugesellen, erhöht das aber noch nicht zwingend das Inzucht-Risiko. Laut der Studie waren die Wildschweine einer Rotte außerdem umso weniger nah miteinander verwandt, je größer die Rotte war. Der Gen-Austausch funktioniert also auch dann, wenn die Tiere sich sozial neu organisieren und vermehrt einige Keiler in die Rotte aufnehmen. Kai Althoetmar


S. 22 Neue Bücher

Wie Kain und Abel
Zwei jüdische Schicksale

Wer kennt sie nicht, die biblische Geschichte von Kain und Abel? Aus Missgunst erschlägt der eine seinen harmlosen Bruder. Daran wird erinnert, wer „Verhängnisvoll verstrickt“ liest. Es geht, so der Untertitel des Buches, um „zwei jüdische Funktionäre und ihre Lebenswege in zwei Diktaturen“.

Zwar sind Richard Hesse und Leo Hirsch keine Brüder. Aber sie haben vieles gemeinsam. Als Richard 1896 zur Welt kommt, ist Leo gerade ein Jahr alt. Beide werden Soldaten, beide verschlägt es später nach Halle, ins Herz Deutschlands. Beide betätigen sich ab 1933 in der jüdischen Gemeinde Halle. Als Juden zählen beide zu den ab 1933 Stigmatisierten. Beide werden ins Ghetto Theresienstadt deportiert, Leo schon 1943, Richard ein Jahr später. Von dort kehren beide am 15. Juni 1945 nach Halle zurück, wo sie wieder für die jüdische Gemeinde arbeiten. Beide beenden eigenhändig ihr Leben, Leo schon 1949, Richard erst 1984.

Die Motive für die Selbsttötung könnten jedoch unterschiedlicher kaum sein. Leo befürchtete seine Verhaftung durch den DDR-Staatssicherheitsdienst, Richard hatte acht Jahre Freiheitsentzug durch die neuen Machthaber hinter sich, zuerst die Sowjets, dann die Stasi. Nun ist er als einsamer alter Mann des Lebens überdrüssig.

Aber warum wurden diese jüdischen Opfer des Dritten Reiches zu Verfolgten der nun herrschenden Kommunisten? Die Antwort muss auch mit Mutmaßungen arbeiten. Am 9. November 1938 war Leo einer von den rund 30000 Juden, die arretiert wurden. Während aber die meisten von ihnen Wochen, wenn nicht sogar Monate im Konzentrationslager zubringen mussten, kam er nach wenigen Tagen wieder frei, wurde von da ab seitens der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in der jüdischen Gemeinde favorisiert und zum Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde bestimmt. Nach der Befreiung trat Leo in die SPD ein, ab April 1946 SED, Richard in die LDPD. Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde wählten Richard zudem als Vorsitzenden, während Leo auf deren Ablehnung stieß. So entwickelte sich eine Aversion, die mit Denunziationen ausgetragen wurde. Am 16. Januar 1946 verhaftete der sowjetische Geheimdienst NKWD Richard, und er verschwand, zunächst spurlos, im Speziallager Nr. 8 Torgau. Später kam er in das Zuchthaus Waldheim. Dort wurde Richard erstmals einem Gericht vorgeführt, das ihn zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilte. Begründung: Zusammenarbeit mit der Gestapo. Alle entlastenden Bekundungen, die seine Frau gesammelt hatte, blieben unberücksichtigt. 1954 folgte die Begnadigung, nach der friedlichen Revolution die Rehabilitierung.

Um nicht in die Grube zu stürzen, die er sich selbst gegraben hatte, nahm sich Leo 1949 das Leben. Denn die Zeugen, die zur Entlastung Richards ausfindig gemacht worden waren, bezichtigten wiederum Leo, der nun seine eigene Anklage befürchten musste.

Auf beide trifft zu, dass sie als Mitarbeiter der Jüdischen Gemeinde Weisungen der Gestapo befolgen mussten. „Unheilvoll verstrickt“: Richard tat dies tunlichst schonend, Leo tunlichst auf den eigenen Vorteil bedacht.

Eine fleißig recherchierte Untersuchung, die dem Leser verdeutlicht, dass sowohl die Sowjetunion als auch die DDR Unrechtsstaaten gewesen sind und mit dem Dritten Reich schlimme Gemeinsamkeiten aufgewiesen haben. Konrad Löw

Uta Frank u. a.: „Verhängnisvoll verstrickt. Richard Hesse und Leo Hirsch – zwei jüdische Funktionäre und ihre Lebenswege in zwei Diktaturen“, Edition Zeitgeschichte(n) Band 5, Halle 2014, broschiert 184 Seiten, 15 Euro


Anregend und elegant
Kompaktes Wissen über Ostpreußen von einem Kenner

Ostpreußen ging bei Kriegsende 1945 unter. Als deutscher Sehnsuchtsort, der Emotionen und Erinnerungen weckt, ist Ostpreußen, „das ferne nahe Land“ (Klaus Bednarz), aber nach wie vor präsent.

Seit Ende des Kalten Krieges ist die östlichste deutsche Provinz in ihren drei Teilen wieder zugänglich. Dennoch kennen viele Zeitgenossen Ostpreußen nur vom Hörensagen. Leider gehören geschichtliche Basiskenntnisse, zumal über die deutschen Ostgebiete, bei der jüngeren Generation nicht mehr unbedingt zum Allgemeinwissen. Bislang war es zugebenermaßen aber auch nicht leicht, sich in kompakter Form einen guten Überblick über Ostpreußens Geschichte zu verschaffen oder historische Kenntnisse aufzufrischen.

Von den aus gegenwärtiger Sicht oft hölzernen und weitschweifigen Publikationen älteren Datums hob sich Andreas Kosserts 2005 erschienenes brillantes Buch „Ostpreußen. Geschichte und Mythos“ (2005) daher wohltuend ab. Mit 447 Seiten jedoch war es immer noch recht umfangreich. Nun hat der 1970 geborene Osteuropa-Historiker und Leiter der Abteilung Dokumentation /Forschung der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Berlin eine Kurzversion seines Werkes vorgelegt. Möglich ist jetzt ein schneller Zugriff sowohl zu den wichtigsten Fakten als auch zu den wesentlichen Hintergründen ostpreußischer Geschichte.

In dem schmalen Band mit dem Titel „Ostpreußen. Geschichte einer historischen Landschaft“ kommt zudem all das vor, was gemeinhin mit Ostpreußen assoziiert wird, von Königsberger Klopsen, Elchen und Bernstein bis zu Ännchen von Tharau und Immanuel Kant. Häufig stößt man auf weitgehend Unbekanntes. Beispielsweise ist zu lesen, dass der Ortsname Eylau im Pariser Triumphbogen verewigt ist.

Ab Kapitel 6 mit der Überschrift „Ostpreußen im Deutschen Reich“ ist diese komprimierte Darstellung der politischen, sozio-kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der historischen Landschaft Ostpreußens zunehmend mit Zahlen und Statistiken angereichert. Dass die Lektüre dennoch stets anregend wirkt, ohne dabei zu ermüden, ist dem eleganten Stil des Autors geschuldet und insbesondere seiner Vorgehensweise Zeitgeschichte mit persönlichem Schicksal zu verknüpfen.

Es handelt sich um Andreas Kosserts nunmehr sechstes Werk zur Geschichte Ostpreußens. Am bekanntesten ist wohl sein Bestseller „Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945“.

Im neuen Buch hebt Kossert die Vielfalt der historischen Kulturlandschaft Ostpreußens hervor. Deutsche, Polen und Litauer siedelten seit dem Mittelalter neben- und miteinander, was zur unterschiedlichen sprachlichen, religiösen und kulturellen Prägung der Regionen beitrug, wovon die Ortsnamen zeugen. Desgleichen wirkte sich die Nähe zu den baltischen, polnischen und russischen Nachbarn aus. Abgesehen vom Ermland, das von 1466 bis 1772 dem polnischen König unterstellt war, war Preußen – so der Name Ostpreußens bis 1772 – seit 1525 ein evangelisches Land.

König Friedrich Wilhelm I siedelte aufgrund der Entvölkerung durch Krieg und Pest ab 1732 Protestanten aus Salzburg an, außerdem Reformierte aus Mitteldeutschland, England und Schottland. Kossert betont, dass ein Zusammenleben der überwiegend deutschsprachigen, in den Randgebieten jedoch multilingualen Bevölkerung dank der preußischen Liberalität gelang. Erst im Deutschen Reich „dominierte ein Kulturnationalismus, der allein gemeinsame Sprache, Kultur und Herkunft in den Mittelpunkt

rückte. Damit begann der Anfang vom Ende dessen, was einst Ostpreußens kulturellen Reichtum ausmachte. Seine einzigartige ethnische Komposition war dem Untergang geweiht“.

Ein anderes, mehrfach berührtes Thema ist die Unterdrückung der Bauern durch den Adel ab dem 16. Jahrhundert, ein weiteres die kosmopolitische Denktradition der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg im 18. und 19. Jahrhundert. Auch jüdisches Leben in Ostpreußen wird ins Gedächtnis gerufen.

Über das unermessliche Leid und die Not der Menschen, denen 1945 nicht die Flucht in den Wes-ten gelungen war, wird für die drei nach dem Krieg entstandenen Verwaltungsgbeiete in Litauen, Polen und Russland getrennt berichtet: „Auf die alliierten Bomben folgte die Willkür eines auf Rache sinnenden Feindes. Rechtlosigkeit und Anarchie bestimmten den Alltag.“ Ein besonderes Kapitel ist dem Neubeginn der Flüchtlinge in West- und Mitteldeutschland gewidmet, eine kurze Übersicht schließlich noch „Ostpreußen und seinem Nachleben nach 1945“.

Allen, die sich für Ostpreußen interessieren, sei dieses Buch von einem der besten Kenner ostpreußischer Historie wärmstens empfohlen. Dagmar Jestrzemski

Andreas Kossert: „Ostpreußen. Geschichte einer historischen Landschaft“, C.H. Beck, München 2014, broschiert, 129 Seiten, 8,95 Euro


Kaffee und abschätzige Blicke
Familienfeiern überstehen – Ein Buch erklärt jetzt, wie es geht

Man liebt ihn oder kann ihn nicht ausstehen. Kommt ganz drauf an, ob man seinen Humor teilt. Die Rede ist von Falko Löffler, dem Autor von Romanen und Drehbüchern. Schon mit seinem letzten Werk „Bin ich blöd und fahr in Urlaub“ machte er vielen die Ferien madig und teilte die Leserschaft in zwei Lager. Die, die ihn rigoros ablehnen, und die, die ihn vergöttern.

Bleiben wir bei Letzteren. Die nämlich finden seinen Humor so beißend, satirisch und treffend, dass man sich gerne noch ein zweites seiner Bücher vornimmt. Immerhin: Das, was der Autor beschreibt, kennt jeder. Daraus speist sich die Komik. Auch im neuen Werk „Ich kann da nicht nüchtern hin“ beschreibt Löffler allgemein bekannte Wahrheiten, die vielleicht bisher niemand so recht auszusprechen wagte. Gemeint sind Familienfeiern.

Wir alle haben soeben das Weihnachtsfest und die Silvesterfeierlichkeiten hinter uns gebracht. Geschah dieses im Familienkreise, dürfte so mancher fündig werden bei dieser Lektüre. Mit dem Untertitel „Familienfeiern und wie man sie überlebt“ weist der studierte Medienwissenschaftler den Weg: „Mehrfach im Jahr“, so Löffler „schallt ein Ruf durchs Land, dem sich niemand entziehen kann. Er geht einher mit dem Geruch von Kaffee und Kuchen und schmeckt nach Nostalgie, Ritualen und abschätzigen Blicken.“

Schon bei dieser Einführung kann man allein aus der Erinnerung an eigene Familienfeiern nur zustimmend nicken. Auch als nicht ganz ernst zu nehmender Ratgeber ist das Buch zu verwenden. Was erkennt man schon an der Form der Einladung, am Veranstaltungsort oder der Art des Händedrucks bei der Begrüßung? Welche Kleidung oder Verhaltensweise sollte man bewusst vermeiden? Wie entkommt man der aufdringlichen Verwandtschaft und deren Fragen nach der eigenen, nicht gebilligten Lebensführung? Das Beste an Löfflers Bücher aber ist der Witz darin. Es macht einfach Spaß, die gut bekannten, oft sehr nervigen Begegnungen im Verwandtenkreise wiederzuerkennen. Und zu entdecken, dass es doch alles eigentlich sehr komisch ist. Ganz versöhnlich wird Löffler dann beim Nachwort, in dem er darauf hinweist, dass Familienfeiern ja nur Momentaufnahmen seien und kein Dauerzustand. Irgendwann gingen sie schließlich ja auch mal vorbei.

Silvia Friedrich

Falko Löffler: „Ich kann da nicht nüchtern hin. Familienfeiern und wie man sie überlebt“, Goldmann, München 2014, broschiert, 256 Seiten, 8,99 Euro


Geschichte spannend wie bei Karl May
Ein Bucht beschreibt die abenteuerlichen Erlebnisse des Offiziers Fritz Klein im Orient während des Ersten Weltkrieges

Sein Name war bislang nur Eingeweihten ein Begriff. Nun hat eine Ausstellung im nordrhein-westfälischen Wesel (PAZ Nr. 1) den Namen Fritz Klein bekannt gemacht. Das Buch des Direktors des Weseler Preußen-Museums, Veit Veltzke, „Unter Wüstensöhnen. Die deutsche Expedition Klein im Ersten Weltkrieg“ sorgt vielleicht für einen noch größeren Bekanntheitsgrad des deutschen „Lawrence von Arabien“.

Der Offizier Fritz Klein operierte 1914 bis 1916 im Nahen und Mittleren Osten. Dabei war er genauso erfolgreich wie der als „Lawrence von Arabien“ bekanntgewordene britische Geheimdienstoffizier. In Vorbereitung seiner Ausstellung erforschte Veltzke eingehend das bislang völlig unbekannte Leben jenes preußischen Offiziers. Grundlage dafür war dessen Nachlass und eine Vielzahl archivalischer Quellen.

Der aus einer Industriellenfamilie des Siegerlandes stammende Klein war mit Leib und Seele Offizier, doch zeichnete ihn zeitlebens ein großer Hang zum Eigensinn und zu selbstständigen Handlungen aus. Finanziell gut gestellt, reiste der junge Offizier in der Welt herum und war jahrelang in Ägypten und im Iran als deutscher Militärattaché tätig. Hier erwarb er sich beträchtliche Sprachkenntnisse und Einfühlungsvermögen in die Mentalität und religiösen Anschauungen der Araber und Perser. Bei Ausbruch des Krieges 1914 bat der Hauptmann um seinen Einsatz in der Türkei. Von dort aus nahm er im selben Jahr enge Verbindungen zu den führenden schiitischen Geistlichen in Persien auf mit dem Ziel das Land auf die Seite der Verbündeten Deutschlands zu führen und die russischen und englischen Besatzungstruppen herauszuwerfen.

Außerdem sabotierte Klein durch von ihm initiierte Sprengungen englischer Ölpipelines erheblich die Ölförderung im Nahen Osten. Das hatte Auswirkungen auf England, denn die britische Flotte war bereits auf Ölfeuerung umgestellt, und man musste nun zur Sicherung des Nachschubs erhebliche Truppenmengen im Nahen Osten stationieren, die in Europa fehlten. Doch der durchschlagende Erfolg, das Eintreten Persiens und Afghanistans auf deutscher Seite in den Krieg nebst der nachfolgenden Revolutionierung Indiens, war weder Fritz Klein noch seinen deutschen, türkischen, persischen und indischen Mitstreitern vergönnt.

Der eigensinnige Klein rieb sich im Kompetenzgerangel mit unwissenden deutschen Vorgesetzten und „indolenten“, korrupten türkischen Behörden auf. Gerade letztere blickten eifersüchtig auf das geheime Wirken des deutschen Offiziers in Persien, weil das osmanische Reich hier auch eigene Ziele verfolgte. Entnervt kehrte Klein schließlich 1916 dem Nahen Osten den Rücken, um an der Westfront, zuletzt als Kommandeur eines elitären „Sturm-Bataillons“ für Deutschland zu kämpfen.

Ende 1918 mit dem „Charakter als Major“ aus der Armee entlassen, betätigte sich Klein zunächst in der Wirtschaft, um später als philosophischer Schriftsteller und Denker zu wirken. Unkonventionell wie immer suchte er unter Nutzung seiner Lebenserfahrung auf eine Synthese von Okzident und Orient hinzuarbeiten. Leider trafen seine einschlägigen Werke nur auf geringen Zuspruch, so dass Klein von der Veröffentlichung seiner umfassenden Lebenserinnerungen absah.

Diese Lebenserinnerungen bilden die Grundlage für das vorliegende Buch. Veltzke hat in einer umfassenden Forscherleistung das Leben und Wirken von Klein in das historische Umfeld eingebettet und damit auch einige neue Seiten zur Geschichte des Ersten Weltkriegs geschrieben.

Kulturgeschichtlich bietet das Buch gleichfalls manches Ungewohnte, mag es nun um das odolgeflegte, blendendweiße Gebiss des Schahs von Persien oder den erotischen Obszönitätenmarkt für Touristen in Ägypten gehen.

Trotz seines wissenschaftlichen Anspruchs ist das Buch auch für den interessierten Laien gut und spannend lesbar, zumal die erzählten Geschichten im Gegensatz zu denen von Karl May alle wahr sind. Jürgen W. Schmidt

Veit Veltzke: „Unter Wüstensöhnen. Die deutsche Expedition Klein im Ersten Weltkrieg“. Nicolai-Verlag Berlin 2014, gebunden, 400 Seiten, 34,95 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Infernalischer Gestank / Wieso die Euro-Krise wieder erwacht ist, wie sie uns den Raum vollbläht, und wie sich Mario Draghi bei allen anderen rächen will

Herrje, damit hatten wir gar nicht mehr gerechnet. Die Euro-Krise ist wieder aufgewacht! Wirklich tief geschlafen hatte sie ohnehin nicht, mehr so vor sich hin gedöst. Wer hingucken wollte, konnte die ganze Zeit sehen, wie sie sich räkelte in ihrer zweieinhalbjährigen Siesta vom Sommer 2012 bis eben gerade. Wenn wir sie wohlig schnurren hörten, fuhren Politiker und Zentralbanker immer schnell dazwischen und beruhigten uns: Das ist nichts, das ist bloß der Wind, den die Euro-Gegner machen.

Aber man kann ja nicht ewig im Bett bleiben. Eine erfrischende Dusche eiskalten Schweizer Gebirgswassers hat die Euro-Krise wieder hellwach gemacht. Um auf Touren zu kommen, nimmt sie diesen Sonntag noch einen starken griechischen Kaffee.

Das ist aber erst der Anfang. Im Salon warten französische und italienische Köche mit einem geradezu überbordenden Buffet aus allen Leckereien, die eine Krise benötigt, um zu titanischen Zerstörungskräften zu kommen. Und Küchenchef Mario Draghi schleppt immer noch mehr heran. Gut erholt wie sie ist, wird die Euro-Krise alle Teller ratzekahl leer essen.

Nun wissen wir, dass allzu viel und dazu schweres Essen unangenehme Nebenwirkungen zeitigt. Es sind diese peinlichen Darmwinde, die nach und nach den ganzen Raum erfüllen. Irgendwann werden nervöse Bankkunden, Investoren oder wer auch immer wissen wollen, woher bloß dieser infernalische Gestank kommt und zwecks Nachsuche einen Streichholz entzünden. Was dann passiert, ist aus dem Physikunterricht bekannt.

Aus eben jenem Unterricht wissen wir auch, dass man wagemutige Dilettanten nicht ohne gestrenge Aufsicht ins Labor lassen darf, wenn man vermeiden will, dass einem alles um die Ohren fliegt. Die fingern da nämlich gern mit allerlei hochexplosiven Substanzen herum, von deren Beschaffenheit und Gefährlichkeit sie keinen Schimmer haben.

Etliche Gemeinde-Kämmerer aus dem (ohnehin problembeladenen) Ruhrgebiet und zahllose Gemeinden in Frankreich haben sich vor Jahren ins Labor der Geldwirtschaft geschlichen und dort mit Schweizer Franken gespielt, um sich Kredite in jener Währung zu verschaffen. Das hielten sie für eine fabelhafte Idee: Beim Fränkli waren die Zinsen deutlich geringer als beim Euro.

Zudem hatten doch „alle ernstzunehmenden Experten“ versichert, dass der Euro eine granit­harte Währung sei. Denn nur gemeinsam sind wir stark, viel stärker jedenfalls, als es jeder für sich allein jemals werden könnte. Aus dieser bestechend einfachen Logik heraus war ja wohl klar, dass der Euro gegenüber diesem mick­rigen Hochlandtaler auf lange Sicht nur aufwerten konnte. Dann wür­­den auch noch die Schulden sinken, ganz von allein – die Welt ist ein Schlaraffenland, man muss nur zugreifen.

Leider kam es zunächst anders, als es sich die Stümper im Labor des Geldwesens nach Anraten ihrer „Fachleute“ auf den Spickzettel geschmiert hatten. Der Franken stieg.

Das machte aber auch nichts. Denn 2012 hat EZB-Präsident Mario Draghi festgestellt, dass er allmächtig ist, weil er auf dem Chefsessel der Notenbank sitzt. Und was für den gilt, müsste doch auch auf seinen Schweizer Kollegen zutreffen! Der hat vor drei Jahren beschlossen, dass der Euro fest und unverrückbar 1,20 Franken kostet, jetzt und immerdar. Schluss war’s mit der Franken-Aufwertung. Devisenmarkt? Angebot und Nachfrage? Alles Vergangenheit. Ab sofort wurde per staatliche Verordnung festgesetzt, was ein Franken in Euro kostet.

Um das sicherzustellen, musste der Schweizer allerdings immerzu Euros kaufen und dafür immense Mengen Franken in den Markt spülen. Zum Schluss hatte die kleine Schweiz Devisenreserven im Wert von mehr als 500 Milliarden Franken im Keller. Die bestanden aus lauter wackeligem Zeug wie Staatsanleihen aus den Euro-Ländern. Jetzt bog zu allem Überfluss Mario Draghi um die Ecke mit der Botschaft, für den Ankauf riesiger Berge schrottiger Anleihen noch mehr Euros rauszuhauen. Da hätten die Eidgenossen wieder mitziehen müssen, um den Franken unten zu halten.

Da blieb ihnen schließlich die Luft weg. Sollen doch die Deutschen für den ganzen Mist geradestehen! Die Schweizer sind lieber ins kalte Wasser gesprungen, als mit dem Tanker noch tiefer ins Packeis zu fahren, um dort von anderer Leute Schuldenbergen zerquetscht zu werden.

Sollen sie doch. Wir bleiben an Bord und geben uns alle Mühe, die Aussicht zu genießen. Im Übrigen belehren uns die Chefs auf der Brücke, dass alles wunderbar läuft, was man ja schon daran sehen könne, dass schon wieder jemand Neues aufs Schiff kommen will: Bulgarien hat bekannt gegeben, dass es möglichst bald in die Euro-Zone einheiraten möchte. Na also! Was ist schon eine Anbindung der Schweiz gegen die Mitgliedschaft eines Landes wie Bulgarien. Für Bulgaren ist Korruption bekanntlich ein Fremdwort (weil die Vokabel dort auch ohne Übersetzung jeder versteht).

Was Draghi mit der demnächst noch uferloseren Gelddruckerei eigentlich erreichen will, sagt er auch. Er wolle die Kreditnachfrage beleben, indem er das Geld noch billiger macht, also die Kreditzinsen noch weiter drückt.  Dafür müsse eben mehr Geld auf den Tisch. Aber sind die Zinsen nicht schon im negativen Bereich, wo der Kreditnehmer sozusagen Zinsen vom Kreditgeber bekommt? Das gilt natürlich nicht für Sie und mich, aber für die großen Banken. Und die Banken sollen dermaßen mit Geld vollgestopft werden, dass sie gar nicht anders können, als mit Billigkrediten nur so um sich zu schmeißen, woraufhin dann die Wirtschaft loslegt.

So der Plan. Bislang hat der nur leider nicht funktioniert, und es spricht wenig dafür, dass eine Therapie, die seit Jahren scheitert, nun plötzlich anschlägt, weil man die Dosis erhöht. Schlechte Medizin bleibt schlechte Medizin, auch wenn man das Dreifache davon verabreicht.

Folgenlos ist die Dosis-Erhöhung dennoch nicht, sie macht den Maladen erst richtig krank. Kranke Währung heißt: Inflation.

Die ist jedoch nur für die schlecht, die was gespart haben. Die Verschuldeten finden Inflation klasse, so etwa die Staaten und verschuldeten Banken. Mit anderen Worten: Pfeif auf die „Konjunkturbelebung“, von der redet der Draghi bloß, um uns abzulenken.

Wenn die Inflation kräftig Fahrt aufnimmt, sind die Regierungen und Banken ihre Schulden los und wir unsere Ersparnisse, privaten Renten und Lebensversicherungen. Zur Erinnerung: Im November 1918 war das Deutsche Reich mit 160 Milliarden Mark beim eigenen Volk per Kriegsanleihen verschuldet. Genau fünf Jahre später waren die noch 16 Pfennige wert. So geht das!

Aber so schlimm wird es ja gar nicht, verspricht der EZB-Chef und belustigt sich ein ums andere Mal über die hysterischen Deutschen mit ihrem Fimmel wegen 1923. Da hat er sicher recht, denn so schlimm muss es ja auch gar nicht werden. Mit läppischen acht Prozent jährlicher Geldentwertung halbiert sich das Vermögen in nur zehn Jahren.

Auf knapp acht Prozent war die Inflation sogar mit der D-Mark schon mal, in den 70er Jahren nämlich, kontert Draghi gern. Das war doch eine schöne Zeit, sollen die Deutschen denken und sich entspannt zurücklehnen.

Schlau, der Mann, er lässt nämlich ein klitzekleines Detail weg: die Zinsen. Die waren damals viel höher und glichen das meiste wieder aus. Heute hält Draghi die Zinsen im Keller.

In einem Interview gesteht der EZB-Chef übrigens dieser Tage, dass er in jenen 70ern bei der (viel höheren) italienischen Inflation das gesamte väterliche Erbe verloren habe. Aha! Möglicherweise will er sich also nur an denen rächen, denen das noch nicht passiert ist: Wenn ich alles verloren habe, sollen die anderen auch baden gehen. Diese Neid-Logik würde jedenfalls perfekt in unsere Zeit passen.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Ein Prozent hat die halbe Welt

London – Im Jahre 2016 werde das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr Vermögen besitzen als der gesamte Rest. Dies will die Londoner Entwicklungsorganisation „Oxfam“ errechnet haben. 2009 besaß demnach das reichste Hundertstel 44, 2014 schon 48 Prozent des Weltprivatvermögens. Sehr Wohlhabende sind von Geldentwertung und Niedrigzinsen kaum betroffen, da sie ihr Vermögen hauptsächlich in Sachwerten halten. H.H.

 

Schweinebilder werden verbannt

London – Der britische Verlag „Oxford University Press“ will Schweinebilder weitgehend aus seinen Kinderbüchern verbannen, um Juden und Muslime nicht zu verärgern. Ein muslimischer Parlamentarier bezeichnete den Schritt als „absoluten Quatsch“. Auch der Sprecher des Rates jüdischer Institutionen in Großbritannien lehnte das Vorhaben ab. Zwar sei Juden das Essen von Schweinefleisch untersagt, nicht aber die Darstellung des Tieres. H.H.

 

Integer und überparteilich

Ganze Wellen der Kritik rollen in diesen Tagen auf Frank Richter zu. Erst musste sich der Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung rechtfertigen, weil er als Gesprächsgast in einer Talksendung von Günther Jauch zum Thema Pegida „einen tiefgreifenden Vertrauensverlust gegenüber staatlichen Institutionen“ festgestellt hatte und dringend zur Kommunikation riet. Und nur einen Tag später stand er unter Beschuss, weil er den Pegida-Veranstaltern in seinem Hause Räumlichkeiten für eine Pressekonferenz zur Verfügung stellte.

Die „Linke“-Landespolitikerin Juliane Nagel kritisierte die Raumzusage: „Für die ausgefallene Demo wird Pegida also geadelt.“ Volkmar Zschocke, Grünen-Fraktionschef im Dresdner Landtag, sprach von einer „bitteren Ironie“, dass Richter „mit Pegida eine Organisation unterstützt, die seinen ureigensten Aufgaben entgegenwirkt“. Auch die SPD-Politikerin Daniela Kolbe fügte sich pflichtbewusst in den Kritiker-Chor ein: „unprofessionell und inakzeptabel“.

Die Landeszentrale identifiziere sich nicht mit Pegida, sagte Richter, aber als Leiter einer überpolitischen Einrichtung sah er sich in der Pflicht zu helfen: „Wir sind Gastgeber, nicht Veranstalter.“ Rückendeckung bekam er vom Kuratorium, das Richter als integere Persönlichkeit lobte: „Sein Wirken ist immer auf das konkrete Anliegen von Menschen gerichtet und niemals parteipolitisch.“

Das passt zu dem 1960 in Meißen geborenen Theologen, der als Priester immer den Dialog mit den Menschen gesucht hat. Als Kaplan der Dresdner Hofkirche gehörte er im Herbst 1989 zur „Gruppe der 20“, die mit der DDR-Staatsmacht als erste über die Forderungen der Bürgerrechtler sprach. Im Jahr 2005 ließ sich der Katholik laisieren, um zu heiraten. Nach einem Zwischenspiel als Lehrer in Hessen, ist er seit sechs Jahren Direktor der Landeszentrale für politische Bildung. Harald Tews


MEINUNGEN

Der langjährige Journalist Klaus Kelle („Bild“, „Hamburger Morgenpost“, „Westfalen-Blatt“) erklärt auf „FreieWelt.net“ (14. Januar), warum viele Journalisten so gereizt auf den Vorwurf „Lügenpresse“ reagieren:

„Was sie nicht begreifen, ist, dass sie und ihre glattgebürsteten Beiträge die Ursache dafür sind, dass die Ablehnung gegenüber den etablierten Medien in Deutschland immer größer wird. Das Vertrauen in die Medien sinkt dramatisch und ebenso das Vertrauen in die etablierte Politik.“

 

 

Ahmed Aboutaleb, Bürgermeister von Rotterdam und Muslim marokkanischer Herkunft, fand in der Nachrichtensendung „Nieuwsuur“ am Abend des Pariser Massenmords vom 7. Januar klare Worte an die Adresse von Islamisten:

„Wenn ihr die Freiheit nicht wollt, packt um Himmels willen eure Koffer und geht. Vielleicht gibt es einen Ort, an dem ihr ihr selbst sein könnt. Seid dann auch ehrlich zu euch selbst und bringt keine unschuldigen Journalisten um. Das ist so rückständig, das ist unbegreiflich. Verschwindet, wenn ihr in den Niederlanden mit der Art, wie wir unsere Gesellschaft leben wollen, euren Platz nicht finden könnt ... Wenn es euch hier nicht gefällt, wenn euch Karikaturisten nicht passen, die eine Zeitung machen, dann lasst es mich so sagen: Haut doch ab!“

 

 

Fritz Goergen kritisiert im Internetportal „rolandtichy.de“ (13. Januar) die Haltung der europäischen Staaten zu Saudi-Arabien:

„Ich habe da eine Frage zu den Feldern Terror, Islamismus, EU und Außenpolitik: In ihrem Schnittpunkt liegt das saudische Regime – im Moment mit der Auspeitschung als Todesstrafe für Meinungsfreiheit in Raten unübersehbar im Blick. Wie lange noch kann und will die Politik demokratischer Staaten und Bündnisse die Zusammenarbeit mit einem System fortsetzen, das die ideologische und finanzielle Basis von Salafismus, Islamismus und Terror bereitstellt?“

 

 

Michael Klonovsky erklärt in seinem Internet-Tagebuch „acta diurna“ (15. Januar), wie Mainstream-Medien in Deutschland Vorgänge zu bewerten pflegen:

„Wenn sich ein Deutscher und ein Immigrant prügeln und der Immigrant gewinnt, handelt es sich um ein Integrationsproblem; gewinnt der Deutsche, ist es Rechtsextremismus.“

 

 

In der „FAZ“ (19. Januar) zitiert Samuel Schirmbeck den früheren Großmufti von Mar­seille, Soheib Bencheikh, der vor einem Islam gewarnt habe, der sich aufs „Nachäffen einer Person“, nämlich Mohammeds, beschränke, was zu einem „geistig ausgetrockneten“ Radikalismus führe, vor dem die Welt zu Recht Angst habe:

„Die Angst vor dem Islam ist vollkommen berechtigt. Im Namen dieser Religion werden die schrecklichsten Verbrechen begangen. Im Namen dieser Religion geschieht derzeit eine ungeheure Barbarei. Wenn die Menschen Angst vor dem Islam haben, so ist das völlig normal. Auch wenn ich kein Muslim wäre, würde ich mich fragen, was das für eine Religion ist, auf die sich Verbrecher berufen.“