© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 34/15 vom 22.08.2015

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Europas Albtraum
Das dritte Griechen-Paket zeigt, wie sehr die Euro-Gegner recht hatten

Dass auch das dritte Hellas-Paket scheitern wird, wissen alle Beteiligten. Warum also bleiben sie so verbissen auf dem falschen Kurs?

Worum geht es in Wahrheit beim sogenannten „dritten Hilfspaket für Griechenland“? Die offiziellen Begründungen erweisen sich schon beim ersten Hinsehen als Unsinn, den niemand glaubt, auch die Verfechter des Pakets nicht. Nein, natürlich wird Hellas auch mit dem dritten Paket ebenso wenig auf die Beine kommen wie mit dem ersten und dem zweiten.

Bei der versprochenen Rentenreform tritt Athen bereits auf die Bremse, auch andere Reformvorhaben werden verzögert. Der Rest versickert in der chaotischen Verwaltung des Landes, die auf Drittwelt-Niveau verharrt. Zudem steuert Griechen-Premier Alexis Tsipras auf Neuwahlen zu, die das Land wochenlang blockieren und damit alle Zusagen vollends zur Farce werden lassen.

Die Bundesregierung trickst ebenso. Voraussetzung für die deutsche Zustimmung für ein drittes „Hilfspaket“ sei, dass sich der Internationale Währungsfonds (IWF) beteilige, hat die Kanzlerin versprochen. Der Fonds aber fordert einen De-facto-Schuldenschnitt, den Merkel und ihr Finanzminister Schäuble ausschließen. Zudem will der IWF erst im Oktober über seine Beteiligung entscheiden. Die Bundesregierung baut also sehenden Auges auf Sand.

Was also wird hier eigentlich gespielt?, will der verwirrte und schamlos ausgeplünderte deutsche Steuerzahler wissen.

Martin Schulz, Präsident des EU-Parlaments, hat vor Wochen einen verräterischen Satz gesagt. Er wolle, so der Sozialdemokrat, „nicht schuld sein“ daran, dass Griechenland aus der Euro-Zone fliege. Damit hat er die Katze aus dem Sack gelassen.

Kein einziger der Akteure glaubt mehr an einen Erfolg seiner verheerenden „Rettungspolitik“. Es geht ihnen nur noch darum, nicht als der „Schuldige“ dazustehen an dem unvermeidlichen Scheitern. Davon getrieben verbrennen die „verantwortlichen“ Politiker von Brüssel über Berlin bis Athen Abermilliarden (vor allem deutscher) Steuergelder.

Und Tsipras? Der will den Euro vermutlich ohnehin verlassen, darf dies aber nicht offen sagen, weil der „Grexit“ den Griechen als Schreckgespenst gilt. Also sollen die Partner daran „schuld“ sein, indem sie Hellas hinauswerfen.

Dieses erbärmliche Spiel offenbart, wie sehr die Euro-Gegner von Anfang an recht hatten. Schon werden Gedankenspiele über einen Austritt Deutschlands aus dem Euro gestreut („Dexit“), denn auch Frankreich und Italien siechen dahin, weil sie ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber Deutschland immer mehr einbüßen. Grund: Die gemeinsame Währung, denn nur ihretwegen können sie nicht gegenüber Deutschland abwerten wie früher. Kehrte Berlin zur Mark zurück, hätten sie wieder Luft.

Fazit: Der Euro erweist sich mehr und mehr als Europas Albtraum, dem alle nur noch entfliehen wollen. Sie wissen nur noch nicht, wie. Hans Heckel


Neuer Kalter Krieg trotz Wirtschaftskrise
Russland gibt Milliarden für die Modernisierung seines Militärs aus – Lebensmittelembargo führt zu Engpässen

Russland hat in den vergangenen Jahren seine Militärausgaben drastisch erhöht. Während die Verteidigungsausgaben der USA im Vorjahr zurückgingen, erhöhten sich die russischen um 8,1 Prozent gegenüber 2013. Damit rangiert Russland hinter den USA und China auf Platz drei der Länder mit den höchsten Militärausgaben weltweit, eine Folge sowohl der Ukraine-Krise als auch längerfristiger Modernisierungspläne.

Zuletzt beunruhigte den Westen die verstärkte russische Militärpräsenz in der Arktis. Mit Manövern in der Barentssee will Russland seinen Anspruch auf die im Festlandsockel am Meeresboden ruhenden Bodenschätze manifestieren. Während Russland in einigen Bereichen führend ist, vor allem, was den Einsatz atomarer Eisbrecher angeht, türmen sich in anderen die Probleme auf. Moskau lässt sich offenbar auf einen neuen Kalten Krieg mit Wettrüsten ein, den es sich eigentlich gar nicht leisten kann.

Wegen der Sanktionen des Westens können russische Ölkonzerne neue Bohranlagen nicht installieren, weil sie auf wichtige technische Komponenten aus Europa verzichten müssen, ein Ersatz aber nicht verfügbar ist. Laut dem analytischen Zentrum der russischen Regierung werden die Ölfirmen tausende Bohranlagen abschreiben müssen. Teure Büros im ehrgeizigen Bürokomplex Moskau City werden sie dann nicht mehr benötigen. Selbst wenn Produzenten aus dem asiatisch-pazifischen Raum, vor allem aus China, die entstandene Lücke füllen würden, werde das Problem nur zum Teil gelöst. „Ein schneller und adäquater Ersatz kritisch wichtiger ausländischer Technologien durch heimische ist nicht in Sicht“, so das Urteil der Experten.

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri erwartet einen Anstieg der russischen Militärausgaben in diesem Jahr um rund 15 Prozent. Nur die schwere Wirtschafts- und Währungskrise im Land könne dem entgegenwirken.

Die Folgen der Krise werden im Alltag der Russen immer deutlicher. Drastische Preiserhöhungen und Engpässe bei Lebensmitteln sind an der Tagesordnung. Die Medien lenken die Leser ab mit dem Hinweis auf die Unzufriedenheit europäischer Unternehmer. Trotz deren Umsatzrückgänge haben die EU-Regierungen die Sanktionen verlängert, worin russische Medien ein Beispiel für den undemokratischen Umgang der Herrschenden im Westen mit ihren Bürgern sehen.

Manuela Rosenthal-Kappi (siehe auch Seite 4 und Seite 7)


Manuel Ruoff:
Parole Europa

Ich habe das Wort ,Europa‘ immer im Munde derjenigen Politiker gefunden, die von anderen Mächten etwas verlangten, was sie im eigenen Namen nicht zu fordern verlangten.“ Ob der weise Otto von Bismarck wohl wusste, dass seine Worte zwei Jahrhunderte nach seiner Geburt aktueller denn je sein würden?

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die westeuropäischen Sieger wenigstens so ehrlich, mit dem Versailler Diktat dem deutschen Kriegsverlierer offen in die Tasche zu greifen. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte man es subtiler über den Verschiebebahnhof „Europa“. Hinlänglich dürfte bekannt sein, dass der EU-Vorläufer Montanunion geschaffen wurde, um den Deutschen den Zugriff auf ihre Ruhrkohle vorzuenthalten, und der gemeinsame Agrarmarkt, um mit deutschen Steuergeldern französische Landwirte zu subventionieren. Derartige Opfer sollen die Deutschen für „Europa“ bringen.

Wie verlogen dieses für „Europa“ ist, zeigt sich, wenn einmal die europäischen „Partner“ dran wären. Bei der kleinen Wiedervereinigung kamen – abgesehen vielleicht von Israel – die maßgeblichen Widerstände nicht von fremden Kontinenten, sondern aus Europa, und auf eine europäische Lastenteilung bei den Immigranten werden die Deutschen noch lange warten können. Doch der vom Idealismus geprägte einfältige, gutmütige deutsche Michel wird wohl auch weiter Opfer für „Europa“ bringen. Zu was allem die Deutschen um einer Parole willen bereit sind, erkannte schon Napoleon: „Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“


S. 2 Aktuell

Gemeinsam gegen den Terror
Xi Jinping und Wladimir Putin sprachen beim Gipfeltreffen im russischen Ufa über das Vordringen des IS

Mit nachhaltigen Ergebnissen endete das Gipfeltreffen von Chinas Präsident Xi Jinping und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in der russischen Stadt Ufa. Wichtigster Punkt ihrer Gespräche war das Vordringen des Islamischen Staates (IS) mit seinen Terrorgruppen.

Afghanistan stehe „jetzt einer schrecklichen Situation hinsichtlich seiner inneren Sicherheit gegenüber“, erklärte beim Treffen der Brics-Staaten Chinas stellvertretender Außenminister Cheng Guoping vor Journalisten. Der tiefere Grund für Chinas Interesse an Afghanistan sind neben seinem Wunsch, die bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen, die die innere Sicherheit der Volksrepublik gefährdenden moslem-gläubigen Uiguren in der westlichsten chinesischen Provinz Sinkiang. Diese verteidigen ihre Sprache, Sitten und Gebräuche gegen den wachsenden Einfluss der dort angesiedelten Han-Chinesen und streben einen eigenen Ost-Turkestan-Staat an.

In steigendem Maße kommt es dort zu Aufständen und Überfällen. Allein im Südwesten der Provinz dürften während des letzten Jahres über 200 chinesische Soldaten und KP-Funktionäre getötet worden sein. Hier ist auch der Einfluss der islamischen „Heiligen Krieger“ deutlich zu spüren. Die Waffen der Uiguren dürften über die schmale Grenze zu Afghanistan in das Land eingeschleust werden. Diesen Gebietsabschnitt zu beherrschen, dürfte gegenwärtig das wichtigste Nahziel Pekings darstellen.

Auch Russland kann Afghanistan nicht egal sein. Trotz der sowjetischen Okkupation seines afghanischen Nachbarn erwies sich die Südflanke der UdSSR insofern als unsicher, als damals manches islamische Gedankengut in die ohnehin nicht sehr sowjetfreundlichen Gebiete Turkmenien, Tadschikistan und Usbekistan einsickerte. Kenner der Szene glauben, dass sich während der vergangenen Jahre hier 2000 bis 4000 Menschen den „Gotteskriegern“ angeschlossen haben. Insgesamt wird die Zahl russischer Staatsbürger, die heute in Syrien kämpfen, von Moskau offiziell mit 5000 angegeben; Zweifel scheinen angebracht zu sein.

Ende Juni rief der Islamische Staat großspurig das „Emirat Kaukasus“ aus, was die Eingliederung bedeutet. Im Kaukasus war der Widerstand gegen den Sowjetkommunismus schon von jeher sehr groß. Die Fanatischsten sind die „Heiligen Krieger“ aus Tschetschenien, die sich noch deutlich an das brutale Vorgehen der Russen in dem Bürgerkrieg vor etlichen Jahren erinnern und sich als Nachfolger der damaligen Rebellen sehen. Völlig zu Recht verwies vor wenigen Wochen der stellvertretende Leiter des russischen Sicherheitsrates auf das schwierige Problem der zurückgekehrten „Gotteskrieger“.

Viele würden sich als harmlose Touristen in der Türkei ausgeben, die ihre Identitätspapiere verloren haben, um dann bei der russischen Botschaft neue zu erbitten, wobei sie zumeist falsche Namen angeben, mit denen sie dann irgendwo in Russland untertauchen. Ganz offenbar war diese Methode bisher recht erfolgreich, denn die Zahl der letztes Jahr in dem Land verurteilten Rückkehrer blieb weit unter 100, obwohl die Anzahl der zurückgekommenen „Heiligen Krieger“ ungleich höher zu vermuten ist.

Friedrich-Wilhelm Schlomann


Wie Ankara den Anti-IS-Kampf missbraucht
Für die Türkei ist nicht der Islamische Staat der größte Feind – es sind die Kurden und Baschar al-Assad

Nach dem Beginn der türkischen Militäroffensive gegen den Islamischen Staat (IS) und die Kurden, die ärgsten Feinde des IS, hatte die Nato ihre Solidarität mit der Türkei bekundet. Die USA wollen gar mit der Türkei zusammen eine IS-freie sogenannte Schutzzone in Nordsyrien errichten. Diese Schutzzone soll offenbar an dem 100 Kilometer langen Teilstück der türkisch-syrischen Grenze zwischen Jara­bulus und Dabiq errichtet werden, das noch auf syrischer Seite vom IS beherrscht wird. Ankara will dort nach Presseberichten hunderttausende syrisch-arabische Flüchtlinge aus dem eigenen Land ansiedeln, mitten im kurdischen Siedlungsgebiet.

Ankara könnte dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen könnte es sich seiner Flüchtlinge entledigen. Zum anderen könnte es durch die ethnische Siedlungspolitik einen Keil in das geschlossene kurdische Siedlungsgebiet entlang der Grenze schlagen und dabei verhindern dass die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (Yekîneyên Parastina Gel, YPG) das gesamte syrische Grenzgebiet zur Türkei unter ihre Kontrolle bringen und dort einen zusammenhängenden kurdischen Quasi-Staat errichten.

Das plötzliche militärische Eingreifen der Türkei Mitte Juli nach dem verheerenden Selbstmordattentat in Suruc hatte viele überrascht, zumal die Türkei fast zwei Jahre lang dem Terror des IS im Grenzgebiet tatenlos zugeschaut hatte. Im Juni hatte es jedoch eine kaum beachtete Änderung im Kräftegleichgewicht gegeben. Nach der zweimaligen Niederlage des IS gegen die Kurden in Kobane hatte der IS im Juni auch die Kontrolle über den östlich von Kobane gelegenen syrischen Grenzort Tal Abyad an die YPG verloren. Mit Tal Abyad nahmen die Kurden dem IS eine wichtige Nachschublinie von der Türkei zur syrischen IS-Hauptstadt Raqqa ab. Wenn es den syrischen Kurden nun noch gelänge, den IS vom letzten, etwa 100 Kilometer langen Stück zwischen Kobane und dem Kurden-Kanton Efrin zu vertreiben, dann hätte die Türkei im Süden neben dem alawitischen Nachbarn in der Provinz Lataqia nur noch einen kurdischen entlang von fast 1000 Kilometern Grenze. Doch einen zusammenhängenden kurdischen Teilstaat aus der Konkursmasse Syriens möchte die Türkei unter allen Umständen verhindern, dies hat Präsident Recep Tayyip Erdogan mehrmals klargestellt.

Deshalb soll genau an dieser strategisch wichtigen Grenzzone nördlich von Aleppo eine etwa 100 Kilometer lange Schutzzone entstehen. Allerdings sind sich Washington und Ankara über die genauen Modalitäten dieser Zone noch nicht einig. Washington bleibt vorsichtig. Von einer Flugverbotszone wollen die US-Amerikaner nach dem Desaster in Libyen nichts wissen. Die US-Amerikaner sprechen auch nicht von einer Pufferzone oder Schutzzone, für deren Schutz dann ja irgendjemand militärisch zuständig sein müsste, sondern nur von einer „IS-freien Zone“. Die US-Amerikaner wollen auch die syrischen Kurden als Verbündete gegen den IS nicht fallen lassen. Obwohl die USA und die Türkei behaupten, sie seien jetzt im gemeinsamen Kampf gegen den IS vereint, zeigt das Vorgehen der Türkei gegen die Kurden eindeutig, dass die Zerstörung des IS nicht ihr Hauptziel ist.

Ankara möchte auch in die Schutzzone keine eigenen Truppen schicken. Stattdessen sollen sogenannte moderate Anti-Assad-Rebellen in der Schutzzone „parastaatliche Funktionen“ übernehmen. Diese spielen allerdings in Syrien militärisch keine Rolle mehr. Vor knapp einem Jahr hatte die Obama-Regierung diesen 500 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt, um eine 15000 Mann starke Armee aufzustellen. Anfang des Monats musste US-Verteidigungsminister Ashton Carter jedoch einräumen, dass bisher nur 60 Kämpfer ausgebildet wurden. Von diesen sind bei einem Einsatz in Syrien bereits zwölf Geiseln der al-Nusra-Front geworden.

Selahattin Demirtas, der Vorsitzende der pro-kurdischen Halk­ların Demokratik Partisi (HDP, Demokratische Partei der Völker), die in der letzten Parlamentswahl 13 Prozent der Stimmen ge­wonnen und Erdogans Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP) die absolute Mehrheit genommen hatte, bezeichnete den Vorschlag einer „sicheren Zone“ als Trick. Demirtas soll sogar der türkischen Regierung unterstellt haben, den Terroranschlag in Suruc verübt zu haben, um einen Vorwand für eine Militäraktion zu schaffen.

Auch innenpolitische Gründe könnten eine Rolle gespielt haben, denn die AKP ist an einer Koalitionsregierung nicht interessiert, spekuliert vielmehr auf Neuwahlen. Bei einer Schwächung der Position der Kurden und damit auch der ihnen nahestehenden HDP könnte sie diese nämlich gewinnen. Bodo Bost


MELDUNGEN

Nordkorea unter Druck

Seoul – Nach der im letzten Monat erfolgten Einigung im langjährigen Atomstreit mit Teheran deutet vieles auf bevorstehende verschärfte Maßnahmen der USA gegen Nordkorea hin. Ziel ist es, nach dem Vorbild der Gespräche mit dem Iran nunmehr auch Pjöngjang zur Denuklearisierung zu bewegen. Die Sechser-Gespräche, welche die USA, China, Russland sowie die beiden Koreas umfassen, fanden zuletzt im Dezember 2008 statt. Nachdem Pjöngjang die dringend benötigten Lebensmittel- und Energiehilfen erhalten hatte, zog es sich vom Verhandlungstisch über seine atomare Abrüstung zurück. Kürzlich traf Sydney Seiler, der Sondergesandte der USA für die Sechs-Parteien-Verhandlungen, mit seinem südkoreanischen Gesprächspartner Kim Gunn, Generaldirektor im dortigen Außenministerium, zusammen. Von Seoul flog er nach Peking und weiter nach Tokio. Nordkorea reagierte auf diesen Vorstoß negativ und erklärte, seine Atom­entwicklung stelle keinen Verhandlungsgegenstand dar. F.W.S.

 

Raketengeschäft trotz Sanktionen

Washington/Moskau – Ungeachtet der Sanktionen, welche die USA gegen Russland verhängt haben, hat die US-amerikanische Corporation Orbital Sciences (OSC) bei der russischen Korporation Energija einen Großauftrag platziert. Es handelt sich um 60 Raketentriebwerke, von denen schon zwei in den USA eingetroffen sind. Insgesamt geht es um ein Geschäft in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Der Hintergrund: Derzeit verfügen die USA über keine eigenen Raketenmotoren dieser Art, sodass ihre Weltraum-Aktivitäten ohne russische Hilfe weitgehend zum Erliegen kämen. Die Versorgungflüge zur internationalen Raumstation ISS haben derzeit ohnehin die Russen allein übernommen, weil sich nach dem Auslaufen des Space-Shuttle-Programms die Nasa derzeit außer Stande sieht, aus eigener Kraft zur ISS zu fliegen. F.S.


S. 3 Deutschland

Gewaltmonopol in NRW gefährdet
Die Polizei ist immer weniger in der Lage, der Ausländer- und Massenkriminalität Herr zu werden

Geht es um sogenannte „Failed States“, also gescheiterte Staatswesen, dann werden meist Beispiele wie Somalia, Libyen und Jemen aufgezählt. Längst gibt es allerdings auch Anzeichen dafür, dass in Teilen Deutschlands dem Staat die vollständige Kontrolle über sein Staatsgebiet entgleitet und grundlegende Funktionen nicht mehr sichergestellt werden können.

Wie weit diese Entwicklung mittlerweile schon fortgeschritten ist, macht ein Blick nach Nord­rhein-Westfalen deutlich. Dort ist die Polizei immer weniger in der Lage, sich gegen Massenkriminalität durchzusetzen.

Vor allem große arabische Familienklans legen sich inzwischen ganz demonstrativ mit den Sicherheitskräften an. Wie offen das Gewaltmonopol des deutschen Staates von bestimmten Zuwanderergruppen in Frage gestellt wird, wurde eindrucksvoll am zweiten Augustwochenende sichtbar. Bei gleich drei Massenschlägereien in Düsseldorf, Grevenbroich und Essen gingen insgesamt 150 Beteiligte aufeinander los.

Trauriger Höhepunkt des Wochenendes war zweifellos das Treffen einer Großfamilie in Essen, das sich zu einer stundenlangen Massenschlägerei mit rund 100 Beteiligten entwickelte. Die Auseinandersetzungen hatten die Polizei, die mit mehr als 50 Beamten im Einsatz war, vom späten Sonntagnachmittag bis in die Nacht hinein beschäftigt. Selbst Hubschrauber mussten angefordert werden, um den kollektiven Gewaltausbruch zu beobachten.

Ein Wochenende mit gleich drei Massenschlägereien mag noch eine Ausnahmeerscheinung sein – der Trend, dass dem Staat in Gegenden wie Duisburg-Marxloh, Meiderich, Hamborn oder Hochfeld zusehends das Gewaltmonopol entgleitet, ist schon länger klar erkennbar. Fast mit Regelmäßigkeit rückt in bestimmten Gegenden inzwischen ein Mob an, sobald sich die Polizei um einen Ruhestörer kümmert oder einen Autofahrer gestoppt hat. „Wir werden von den Gangs dieser Viertel nicht mehr ernst genommen und schon bei einfachen Unfallaufnahmen regelmäßig verbal attackiert und von 30 bis 40 Leuten umstellt“, so der Bericht eines Polizisten gegenüber dem Magazin „Focus“. Folge des Respektverlustes ist, dass die Polizei in bestimmte Regionen des Ruhrgebiets vorsorglich gleich mit zwei Fahrzeugen zu Einsätzen anrückt. Ein Teil der Polizisten kümmert sich dann um den eigentlichen Auftrag – der andere Teil schützt die Kollegen vor dem sich versammelnden Mob. Doch nicht nur Angehörige der einschlägigen arabischen Großklans versuchen Polizeieinsätze zu vereiteln, sondern neuerdings auch Staatsangehörige südöstlicher EU-Länder. „Vor allem EU-Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien beschränken sich nicht mehr auf einfache Eigentumsdelikte, sondern begehen Raube und zeigen Widerstand gegen die Staatsgewalt“, so ein Beamter. Verschärfend kommt hinzu, dass die Belastungen für die Polizei durch die grassierende Alltagskriminalität immer größer werden.

Im Auftrag des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger hat inzwischen eine Expertenkommission untersucht, wie sich die Leistungsfähigkeit der Polizei in NRW in Zeiten knapper Kassen überhaupt noch aufrechterhalten lässt. Das Ergebnis der Prüfung ist ein 314 Seiten starker Abschlussbericht mit dem Titel „Bürgernahe Polizei – Den demografischen Wandel gestalten“, der die politisch brisante Empfehlung enthält, die Aufgaben der Polizei zu reduzieren. So sollen die Ordnungshüter künftig unter anderem nicht mehr bei Ruhestörungen oder bei Bagatellunfällen anrücken. Welche Auswirkungen derartige Überlegungen in Problemvierteln des Ruhrgebiets haben, in denen das Gewaltmonopol des Staates ohnehin auf der Kippe steht, ist bei nüchterner Betrachtungsweise leicht absehbar. Wenn sich selbst die Polizei nur noch mit größter Mühe bei Einsätzen behaupten kann, werden Mitarbeiter der Ordnungsämter, die sich künftig um Ruhestörungen und Bagatellunfälle kümmern sollen, den Rückzug antreten müssen. Als Konsequenz droht langfristig, dass der Staat als Ordnungsfaktor in Problemvierteln weiter an Einfluss verliert und Kriminelle oder islamische Scharia-Gerichte das Machtvakuum füllen.

Endgültig kippen könnte die ohnehin brisante Situation in Teilen Nordrhein-Westfalens nun durch den Zustrom von Asylbewerbern und illegalen Zuwanderern. Momentan kommen täglich rund 1000 neue Asylbewerber nach NRW. Der Zustrom trifft auf hoffnungslos überschuldete Ruhrgebietskommunen, die in wachsendem Umfang Unterkünfte und Sozialleistungen bereitstellen müssen, sich dies aber eigentlich nicht leisten können. Wie brenzlig die Lage ist, macht eine Warnung des Städtetags von NRW deutlich, wonach der bisherige Zuzug nach Nordrhein-Westfalen nicht mehr durchzuhalten ist. Völlig unideologisch wird vom Städtetag sogar gefordert, was unter den etablierten Parteien bislang noch als Tabu gilt: die Einführung von Grenzkontrollen, um die Flut der als chancenlos geltenden Asylanträge aus den Balkanstaaten zu stoppen. Norman Hanert


Angst vor Ansteckung
Der beispielhafte Fall eines flüchtigen Bulgaren mit Tuberkulose

Gefasst ist der Mann immer noch nicht. Der 33-jährige Bulgare Angel A. verschwand am Abend des 2. August aus der Seuchen-Station des Frankfurter St.-Katharinen-Krankenhauses. Der hochaggressive Mann war zwar mit Gurten an sein Bett fixiert, aber es gelang ihm offenbar, mit einem Feuerzeug die Fesseln an seinen Händen durchzubrennen. Andere Stränge hat er zerbissen. Angel A. flüchtete aus dem Fenster im ersten Obergeschoss der Klinik und tauchte unauffindbar ab. In sich trägt er einen tödlichen Erreger. Der Bulgare ist an Offener Tuberkulose (TBC) erkrankt. Das heißt, seine Lunge ist von Tuberkelbakterien befallen. Über die Luftwege können sie nach außen dringen. Der Flüchtige kann leicht andere Menschen anstecken.

Die Schwindsucht, wie die Krankheit früher auch genannt wurde, gilt als die gefährlichste Infektionskrankheit weltweit. Jährlich sterben nach Angabe der Weltgesundheitsorganisation etwa 1,5 Millionen Menschen daran – mit steigender Tendenz. In Afrika, Osteuropa und Zentralasien ist TBC zu einem der größten medizinischen Probleme geworden. Besonders dramatisch ist die Tatsache, dass sich zunehmend Bakterienstämme ausbreiten, die gegen die meisten Antibiotika und Tuberkulose-Medikamente resistent sind.

Übertragen wird die Krankheit durch die sogenannte Tröpfchen-Infektion. Um sich anzustecken, genügt es, nur wenige Mikrotröpfchen aus dem Atem eines Erkrankten einzuatmen. Zwar gilt der TBC-Erreger als nicht so aggressiv, wie es beispielsweise Grippeviren sind, trotzdem könnte Angel A. längst etliche andere Menschen infiziert haben. Die Polizei vermutet, dass er im osteuropäischen Bettler-Milieu abgetaucht ist.

Sein Fall wirft ein Schlaglicht auf mögliche Gefahren, die der ungebremste Zuwandererstrom neben vielen anderen Problemen mit sich bringt. Das Thema ist allerdings heikel. Zu allen Zeiten wurde den Menschen aus der Fremde Übles angedichtet. Als Brunnenvergifter, finstere Charaktere und eben auch als Reisende mit tödlichen Krankheitserregern im Gepäck mussten sie sich – oft genug zu Unrecht – verantworten. Dennoch ist die jetzige Gefahr sehr konkret. Darauf weisen nicht nur die Atemmasken, Latexhandschuhe, Schutzbrillen und Schutzanzüge hin, die zum Beispiel die Soldaten der deutschen Marine tragen, wenn sie im Mittelmeer Boots-Zuwanderer übernehmen.

In Deutschland ist von Gesetzes wegen (AsylVfG Paragraf 62) eine Eingangsuntersuchung bei Asylbewerbern vorgesehen. Dazu gehören unter anderem Röntgenaufnahmen der Lunge, die eine eventuelle TBC-Erkrankung aufdecken sollen, ebenso eine Blutuntersuchung auf Hepatitis A und B. Ein Test auf das Ebola-Virus wurde bislang verworfen. Konkrete Verdachtsfälle in Hamburg und Berlin bestätigten sich nicht. Andere ansteckende und gefährliche Krankheiten wurden dafür durchaus diagnostiziert. Allein in Hamburg litten im ersten Halbjahr 2015 119 Menschen in Flüchtlingscamps an meldepflichtigen Krankheiten, darunter Hepatitis, Masern und Tuberkulose.

Möglicherweise sind es aber auch noch viel mehr. Denn längst ist es ein offenes Geheimnis, dass ankommende Asylbewerber in Hamburg und auch anderswo immer flüchtiger untersucht werden. Ihre Zahl ist mittlerweile einfach zu groß. Frank Horns


»Bizarre Phantasien«?
Pfarrer spricht denkbare Folgen der »Ehe für alle« offen aus

Ungewöhnlich heftige Reaktionen hat ein Artikel des evangelischen Pfarrers Günter Weigel in einem Gemeindebrief hervorgerufen. Im „Nemmersdorfer Kirchenboten“ hatte der promovierte Theologe dazu angeregt, über die denkbaren Folgen einer „Ehe für Alle“ nachzudenken. „Die Forderung nach einer ,Ehe für alle‘ könnte dem Wortsinn nach in letzter Konsequenz auch irgendwann einmal dazu führen, dass jemand eine Verwandtenehe, eine Mehr­ehe oder eben auch eine ,Ehe‘ mit Tieren fordert“, so der Theologe aus dem bayerischen Landkreis Bayreuth.

Während einige Medien so gleich von einem „Sodomie-Vergleich“ berichteten, sprach ein Vertreter der Landeskirche von „bizarren Phantasien“ des Theologen. Die aufgeregten Reaktionen lassen allerdings vermuten, dass der Pfarrer mit seinen Überlegungen einen sehr empfindlichen Nerv getroffen hat. Tatsächlich spricht nämlich einiges dafür, dass die Dekonstruktion des klassischen Ehebegriffs einen folgenschweren gesellschaftlichen Dammbruch darstellt. So ist bereits jetzt absehbar, dass es nach der Legalisierung der Homo-Ehe schwerfallen wird, noch überzeugende Argumente gegen eine Zulassung der Polygamie zu finden: Wenn zwei Männer eine Ehe eingehen dürfen, warum dann nicht auch ein Mann und zwei Frauen?

Sehr weit gediehen ist eine entsprechende Diskussion bereits in der Schweiz. Für Adriano Mannino, Co-Präsident der Denkfabrik GBS Schweiz, sind die Argumente für das Verbot entsprechender Beziehungen zwischen mehreren Personen oft irrational: „Es fühlt sich einfach falsch an“, sei die häufigste Antwort, die wohl in der christlichen Sexualmoral gründe, so der liberale Vordenker. Universitäten der Eidgenossenschaft bereiten sogar schon seit einigen Jahren Konzepte vor, um das islamische Eherecht in die Rechtsordnung Helvetias zu integrieren. Das Schweizer Familienrecht müsse „mit Blick auf kulturell und religiös plurale Gesellschaften“ überprüft werden, so die Züricher Rechtsprofessorin Andrea Büchler bereits im Jahr 2011 gegenüber der „NZZ am Sonntag“.

Und tatsächlich stellt das Recht zur freien Religionsausübung den idealen Hebel dar, um polygame Lebensformen durchzusetzen. So hat in den Vereinigten Staaten eine einvernehmlich polygam lebende Familie ihr Recht auf ein polygames Zusammenleben vor Gericht erkämpft. Die Familie lebte ursprünglich im Bundesstaat Utah und musste dann vor den Strafverfolgungsbehörden nach Nevada fliehen. Von dort klagte sie vor dem Bundesgericht in Utah erfolgreich gegen das dort geltende Bigamie-Gesetz. Das Verbot, mit mehr als zwei Partnern in eheähnlicher Gemeinschaft zusammenzuleben, sei ein Verstoß gegen das Recht auf freie Religionsausübung, so der zuständige Bundesrichter. N.H.


MELDUNGEN

Endlich eine realistische Zahl

Berlin – Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat seine Prognose zu den jährlichen Flüchtlingszahlen stark nach oben korrigiert. Ging die Bundesregierung zuletzt davon aus, dass in diesem Jahr etwa 450000 Personen nach Deutschland zuwandern werden, so rechnet man jetzt mit mindestens 650000 Asylbewerbern. Im schlimmsten Fall müssten sich die Aufnahmelager sogar auf 750000 Flüchtlinge gefasst machen. Das ist weit mehr als doppelt so viel wie die Zahl von 300000, die man noch zu Beginn des Jahres vorhergesagt hatte. Das derzeitige Chaos in den Notaufnahmeunterkünften und überforderte Helfer vor Ort resultierten auch daraus, dass der Bund angesichts der Flüchtlingszahlen lange Zeit auf die rosarote Brille vertraute und die Augen vor den von vielen unabhängigen Beobachtern vorhergesagten realistischen Zahlen verschloss. tws

 

Soko gegen Asylbewerber

Braunschweig – Die Braunschweiger Polizei hat eine Sonderkommision (Soko) gegründet, die laut Kripo-Sprecher Ulrich Küch eigens gegen kriminelle Asylbewerber ermitteln soll. Dies meldet die „Braunschweiger Zeitung“. Es habe einen drastischen Anstieg von Körperverletzungen, Wohnungseinbrüchen, Ladendiebstählen und Drogenhandel gegeben. Die Spur führe in die Landeserstaufnahmestelle für Asylbewerber, so Küch. Von den rund 2000 dort zurzeit wohnenden Asylbewerbern sind demnach „mindestens“ 100 kriminell. Dabei handele es sich fast ausschließlich um junge Männer aus dem Kaukasus sowie Nord- und Westafrika. Laut Küch zeigen Ermittlungen, dass die meisten Männer organisiert vorgehen. Der Politik wirft er schwere Versäumnisse vor. H.H.


S. 4 Kampf um die Arktis

Der Wettlauf beginnt
Die Anrainer der Arktis bereiten sich auf die Aufteilung des Kuchens vor

Umweltschützer, aber auch Wirtschaftsführer, Politiker und Militärs der Anrainerstaaten haben die Arktis schon länger im Blick. Denn der globale Klimawandel lässt mit den Temperaturen auch die nationale Gier nach Rohstoffen langsam anwachsen.

Ölmultis wie Shell rüsten spezielle Flotten aus, um von mobilen Plattformen aus in der amerikanischen Arktis nach Öl und Gas zu suchen. Früher verschlossene Seewege sind heute im arktischen Sommer schiffbar. Denn seit den 1970er Jahren nimmt die Dicke des nordpolaren Eisschilds kontinuierlich ab. Neben Russland beanspruchen auch Dänemark, das Grönland außenpolitisch vertritt, und Kanada den Nordpol für sich.

Die drei Länder stützen ihre Forderungen auf die Ausdehnung der Kontinentalschelfe. Wo die enden, fällt der Meeresboden rapide in die Tiefsee ab. Die USA sind zwar Arktisanrainer, aber der Schelf vor Alaska reicht nur ein kurzes Stück ins Arktische Meer hinein. Außerdem haben die USA die Seerechtskonvention nie ratifiziert, mithin auch keinen Sitz in der laut der Konvention zuständigen UN-Kommission über die Grenzen des Kontinentalschelfs.

Kanada und Russland wären die größten Profiteure. Kanada könnte neben dem Meeresboden auch die bisher weitgehend unzugängliche Inselwelt zwischen Festland und Grönland erschließen. Russland bekäme Zugriff auf fast die Hälfte des arktischen Meeresbodens – rund 1,2 Millionen Quadratkilometer. Wissenschaftler vermuten dort 594 Ölfelder, 159 Gasfelder, zwei große Nickelvorkommen sowie 350 Lagerstätten mit Gold. Etwa 60 Prozent der russischen Brennstoffreserven lägen im Arktischen Ozean.

Russland unternimmt seit den letzten Jahren große Anstrengungen, um seine militärische Präsenz im hohen Norden auszubauen. Militärflugplätze und andere Stützpunkte aus Sowjetzeiten werden wieder instand gesetzt. Gerade für die Arktis sieht die von Präsident Wladimir Putin im Juli verkündete neue maritime Doktrin eine stärkere russische Präsenz vor. Jüngst schickte er einen Marineverband für ein Übungsmanöver in die Barentssee.

In der Arktis sind selbst die USA schlechter aufgestellt. Ihre Flotte ist durch die Budgetkürzungen der letzten Jahre weiter verkleinert worden und tut sich schon mit den bestehenden Aufgaben schwer. Nur die US-Küstenwache verfügt überhaupt über Hochsee-Eisbrecher – nämlich zwei. Die Marinen Kanadas und Dänemarks sind faktisch unbedeutend.

Interessenkonflikte sind schon jetzt nicht nur im Streit um den Nordpol erkennbar. Kanada betrachtet die Nordwestpassage als Binnengewässer, die USA sehen sie als internationales Seegebiet und können sich dabei ausgerechnet chinesischer Unterstützung sicher sein. China baut nämlich selbst Eisbrecher und Polarforschungsschiffe, um die Arktis zu erkunden. Russland setzt auf bilaterale Vereinbarungen und hat sich mit Norwegen über strittige Territorialfragen bereits geeinigt und wird mit Dänemark unter anderem über die Nordpolfrage verhandeln. Die USA dagegen halten sich dem Regelwerk der Seerechtskonvention weiterhin fern, versuchen aber über den sogenannten Arktischen Rat, in dem alle Anrainer vertreten sind, ihre Agenda voranzubringen. Das Räderwerk von Politik und Wirtschaft ist also bereits am Arbeiten.

Es muss nachdenklich stimmen, dass die Mächtigen dieser Welt an nichts anderes denken, als neues Territorium unter sich aufzuteilen. Für das globale Ökosystem wie für die Menschen, die dort leben, wäre es besser, man überließe die Arktis sich selbst. Friedrich List


Eine unwirtliche Region
Erst allmählich wuchs das Interesse der Anrainer

Bis in die Gegenwart siedeln Menschen nur in den Randgebieten der Nordpolarregion. Die eigentliche Packeiszone im Polarmeer ist so gut wie menschenleer. Die extremen klimatischen Bedingungen sorgten dafür, dass sich nur wenige Menschen dort niederließen. Die ersten kamen vor rund 15000 Jahren über die damals existierende Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska. Sie wurden die Vorfahren der heutigen Inuit oder Eskimos sowie verschiedener Naturvölker, die in Alaska und der kanadischen Arktis leben. Auf der eurasischen Seite zogen vorzeitliche Nomaden nach Nordskandinavien und in die sibirischen Weiten.

In der Neuzeit folgten dann Walfänger, Fischer, Pelztierhändler, Bergleute und Forscher, die nach Rohstoffen und schiffbaren Seewegen suchten. Seit dem späten 19. Jahrhundert wird in Alaska und Nordkanada Erz abgebaut. In Russland begann der Bergbau dagegen deutlich früher. Insgesamt leben heute etwa vier Millionen Menschen am Rande der Arktis. Die großen Ereignisse der Weltgeschichte fanden in wärmeren Breiten statt.

Erst mit dem Zweiten Weltkrieg wurde die Arktis zur Konfliktarena. 1940 brachte ein sowjetischer Eisbrecher den deutschen Hilfskreuzer „Komet“ vom Weißen Meer um Sibirien herum durch die Beringstraße in den Pazifik. Nach dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion drangen deutsche Bodentruppen von Nordnorwegen und aus Lapp­land vor, um die sowjetischen Häfen Murmansk und Archangelsk am Nordmeer von ihren Bahnverbindungen abzuschneiden. Gleichzeitig operierten deutsche See- und Luftstreitkräfte gegen westalliierte Konvois, die sich bei Island sammelten, um Versorgungsgüter in die bedrängte Sowjetunion zu bringen.

Während des Kalten Krieges nutzten dann beide Supermächte die Arktis als Aufmarsch- und Patrouillengebiet. Die kürzesten Flugrouten für Bomber und Atomraketen führen in beiden Richtungen über den Pol; also bauten sowohl die Sowjetunion als auch die USA und Kanada ein dichtes Netz aus Radarposten, Stellungen für Flugabwehrraketen und Basen für Jagdflugzeuge auf. Die Barentssee und das Weiße Meer wurden zum Aufmarschgebiet für die sowjetische strategische U-Bootflotte, und auf der Halbinsel Kola entstanden zahlreiche Flugplätze für Bomberstaffeln, welche die Versorgungswege der Nato im Atlantik angreifen sollten. Beide Seiten schickten elektronische Aufklärer aus, um die Abwehr der anderen Seite auszukundschaften, Atom-U-Boote kreuzten unter der polaren Eiskappe.

Es kam zu Zwischenfällen wie 1957, als sowjetische MiG-Flugzeuge einen Aufklärer der US Air Force über der Barentssee abschossen. Die US-Maschine hatte die Reaktionszeiten der sowjetischen Abwehr testen sollen und war dabei in sowjetischen Luftraum eingedrungen. In den 80er Jahren stießen US-Trägerverbände wiederholt bis in die Barentssee vor, um ihre offensiven Fähigkeiten zu demonstrieren. F.L.


Eine breite Palette von Rohstoffen

In der Arktis findet sich eine breite Palette von Rohstoffen. Im nordschwedischen Kiruna wird seit 1898 Eisenerz abgebaut und primär nach Europa verschifft. Russland verfügt auf der Halbinsel Kola und in Sibirien über rund 20 aktive Bergbaubetriebe. Die liefern unter anderem Erz, Minerale, Seltene Erden und Nickel. In der US-amerikanischen und kanadischen Arktis werden seit dem späten 19. Jahrhundert Gold, Zink und Blei abgebaut, mittlerweile auch Öl und Ölschiefer. Das bisher kaum erschlossene Grönland ist besonders reich an Seltenen Erden, ohne die viele Hochtechnologie-Produkte nicht hergestellt werden könnten. Die bekannten grönländischen Reserven allein würden reichen, um den weltweiten Bedarf für die nächsten 150 Jahre zu decken. Klimatische Veränderungen würden den Zugang zu den grönländischen Reserven erlauben. F.L.


Zeitzeugen

Wladimir Putin – Um die russischen Ansprüche in der Arktis zu untermauern, ließ er 2007 von U-Booten eine russische Flagge auf dem Meeresboden am Nordpol aufpflanzen. Seine Regierung sieht keinen Grund für eine arktische Nato-Präsenz. Russland beansprucht die Kontrolle über die Nordostpassage und verhandelt mit den skandinavischen König­reichen Norwegen und Dänemark über strittige Ansprüche auf unterseeische Territorien.

Barack Obama – Der US-Präsident setzt öffentlichkeitswirksam auf Verbesserungen für die indigene Bevölkerung, mehr Umweltschutz und einen arktischen Wirtschaftsrat. Die Ökonomie segelt unter der Flagge von Ökologie und Kooperation. Außerdem hat er in einer Direktive vom Januar 2015 ein eigenes Arktis-Komitee zur Koordination amerikanischer Initiativen geschaffen.

Ann Pickard – Pickard verantwortet die Arktis-Projekte des Ölkonzerns Shell. Shell spielt eine Vorreiterrolle bei der Suche nach Öl in arktischen Gewässern. Im Juni sammelte sich eine Flotte aus 30 Schiffen bei den Alëuten, um dann in der Chukchi-See vor Alas­ka nach Öl zu suchen. Bisher hat Shell rund sieben Milliarden Dollar investiert, um das Versiegen der Ölquellen an Land auszugleichen.

Harry Bower – Bower ist ein Inuit-Walfänger aus Point Barrow und Präsident der Alaska-Eskimo-Walfang-Kommission. Er und seine Kollegen befürchten drastische ökologische Folgen, sollten Shell und andere Konzerne Öl finden und Unfälle passieren. Nach seiner Einschätzung ist die heutige Bohrtechnik den Härten der arktischen See nicht gewachsen.

Stephen Harper – Der Premierminister Kanadas gebietet zwar über ein großes Stück Arktis, nicht aber über die Mittel, die kanadische Kontrolle durchzusetzen. Über die Hans-Insel zwischen Grönland und den kanadischen Inseln wäre es 2005 beinahe zur Konfrontation mit Dänemark gekommen. Inzwischen weht dort die kanadische Flagge. Kanada betrachtet die Nordwestpassage als nationales Gewässer und ist damit in Konfrontation mit den Vereinigten Staaten.


S. 5 Preussen/Berlin

Kein Mut zur Wahrheit
Das »Flüchtlingskonzept« des Senats bewegt sich fernab der Wirklichkeit

Nachdem die Zustände bei der Betreuung von Asylbewerbern immer chaotischer wurden, hat der Berliner Senat nun ein „Flüchtlingskonzept“ vorgelegt. Zu befürchten ist, dass der Berliner Bevölkerung damit nur ein kleiner Teil der wirklich drohenden Belastungen mitgeteilt wurde.

Unrealistisch niedrig erscheinen unter anderem die Kosten von insgesamt 450 Millionen Euro im Jahr, die der Senat für sein „Flüchtlingskonzept“ in den Haushalt einstellt. Ein Vergleich mit der Hansestadt Hamburg lässt Skepsis aufkommen, ob die eingeplanten Mittel auch nur annähernd den tatsächlichen Bedarf abdecken werden.

Wie durch Medienberichte bekannt wurde, geht die Hamburger Sozialbehörde nämlich davon aus, dass dieses Jahr die Mittel für Asylanten von rund 300 Millionen Euro auf bis zu 600 Millionen Euro aufgestockt werden müssen. Gemäß dem „Königssteiner Schlüssel“ – einer Vereinbarung der Länder, welche die Aufnahmequoten regelt – muss Hamburg allerdings nur 2,5 Prozent aller Asylsuchenden aufnehmen, Berlin das Doppelte. Wenn Berlin mit einer deutlich höheren Aufnahmequote nun erheblich weniger als Hamburg einplant, dann ist dies nicht sonderlich glaubwürdig.

Zu vermuten ist vielmehr, dass auf Berlin mindestens Belastungen in doppelter Höhe der Hamburger Schätzungen zukommen – also 1,2 Milliarden Euro. Auf lange Sicht werden sich die Berliner allerdings noch auf Kosten in völlig anderen Dimensionen gefasst machen müssen. Erfahrungsgemäß handelt es sich bei den jetzigen Belastungen für das Sozialsystem durch die Asylbewerber nur um Anfangswerte, die im Laufe der Jahre regelrecht explodieren. So steigt durch die Möglichkeit des Familiennachzugs die Zahl der Empfänger von Transferleistungen aus den Sozialkassen weiter rapide an, gleichzeitig müssen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt von Industrieländern als gering angesehen werden, so Erfahrungen, die in den Schweizer Medien ganz offen ausgesprochen werden.

Berichtet wird dort unter anderem, dass einige Asylantengruppen „in der ersten Generation kaum integrierbar“ seien. So liege die Arbeitslosenquote von Asylbewerbern aus Eritrea in der Schweiz bei rund 90 Prozent. Interessant ist ebenso der Hinweis, dass die Familien in der Regel kinderreich seien und ihr Gesundheitszustand oftmals so schlecht sei, dass Fachleute darauf hinwiesen, Asylanten seien für das Gesundheitswesen längst ein Wirtschaftsfaktor geworden, sprich: ein gewaltiger Kostenfaktor für die Beitragszahler der Krankenkassen oder die Steuerzahler – je nachdem, wer die Kosten übernimmt.

Die Verhältnisse dürften in Deutschland nicht grundlegend anders sein. Angesichts solcher Herausforderungen wäre eigentlich zu erwarten, dass die im Land Berlin amtierende rot-schwarze Koalition alles unternimmt, um unnötige Belastungen zu vermeiden. Tatsächlich hält sich der Senat aber bislang bedeckt, wenn es darum geht, die Liste der sicheren Drittstaaten um Länder wie Albanien, Montenegro und den Kosovo zu erweitern. Möglich wäre damit, das gesamte deutsche Asylsystem schlagartig zu entlasten und Ressourcen für wirklich schutzbedürftige Flüchtlinge frei zu machen. Farbe bekennen muss der Senat vermutlich bereits beim nächsten Bund-Länder-Asylgipfel, der angesichts der angespannten Lage von November auf Anfang September vorgezogen wurde.

Der bislang fehlende politische Mut droht für die Berliner Bevölkerung in den kommenden Jahren massive Konsequenzen zu haben: Geplant ist mit dem „Flüchtlingskonzept“ des Senats unter anderem, über das gesamte Stadtgebiet verteilt 65 Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber zu errichten.

Noch mehr sozialer Sprengkraft steckt in dem Vorhaben, an Asylbewerber künftig auch verstärkt Mietwohnungen zu vermitteln. Geht man davon aus, dass es sich vorrangig um Wohnungen des unteren Preissegments handelt, dann ist künftig mit einem erheblichen Verdrängungseffekt zu rechnen, von dem ausgerechnet die sozial schwachen Einheimischen betroffen sein werden.

Dieser Ausblick und negative Erfahrungen der Berliner damit, wie der Senat an anderen Aufgaben gescheitert ist, scheinen für eine gehörige Portion Skepsis in der Bevölkerung gesorgt zu haben. So lässt ein Blick auf die Leserkommentare in der regionalen Presse vermuten, dass sich in der Stadt ein erhebliches Frustrationspotenzial gegenüber der Senatspolitik aufgestaut hat.

Faktisch bedeuten die zu erwartenden Asylbewerberströme, dass Berlin jedes Jahr aufs Neue die Einwohnerzahl einer Kleinstadt mit Wohnraum versorgen muss – zusätzlich zu denjenigen, die in Berlin bereits heute auf Wohnungssuche sind oder aus dem übrigen Deutschland oder der EU zuziehen. Mit Verdruss merken Kritiker an, wie zügig Geld zur Verfügung steht, sobald es um das Asylsystem und nicht um die einheimische Bevölkerung geht. Geht es um die Betreuung entlaufener Kinder, um Obdachlose, Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei, Schulen, Kindergärten, Parks und Straßen, heißt es sonst regelmäßig von Seiten des Senats: kein Geld vorhanden.

Auf der anderen Seite des Meinungsspektrums steht der Berliner „Flüchtlingsrat“, dem das vorgelegte Konzept des Senats noch nicht weit genug geht. Unter anderem kritisiert der „Flüchtlingsrat“, dass die Frage, wie Asylbewerber konkret stärker in Wohnungen untergebracht werden könnten, nicht berücksichtigt werde.

Norman Hanert


Chaos in der Turmstraße
von Vera Lengsfeld

Wenn ich zweimal hintereinander über die Situation der Neuankömmlinge, offiziell Flüchtlinge genannt, schreibe, heißt das nicht, dass mir nichts anderes einfällt sondern, dass dieses Problem Berlin so fest im Griff hat, dass es schmerzt.

Seit Wochen kann man vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge, beobachten, wie sehr Deutschland mit dem Zustrom von immer mehr Menschen überfordert ist. Zeitweise warteten bis zu 2000 Menschen im und vor dem Lageso, um eine Bearbeitungsnummer zu bekommen. Ab 5 Uhr morgens beginnt sich die Warteschlange zu formieren. Wer hierher kommt, hat meist im nahegelegenen Park übernachtet.

Obdachlose Flüchtlinge prägen seit Wochen das Bild der Turmstraße. Nachdem in einer Berliner Zeitung kritisiert wurde, dass sich die islamischen Gemeinden nicht um ihre Glaubensgenossen kümmern, bietet eine nahegelegene Moschee Schlafplätze an. Die reichen aber längst nicht aus. Der Senat stellt Unterkünfte am Stadtrand, die aber kaum angenommen werden, weil man am nächsten Tag einen günstigen Platz in der Warteschlange erobern will.

Statt sich einzugestehen, dass die chaotische Masseneinwanderung unsere Gesellschaft überfordert, kaprizieren sich die Berliner Medien darauf, bewegende Geschichten über das Schicksal syrischer Familien zu veröffentlichen, die hier in der Minderheit sind. Die Mehrzahl der Asylbewerber stammt aus Ländern, in denen Deutsche unbesorgt Urlaub machen, weil sie vom Auswärtigen Amt als sicher eingestuft werden.

Der „Tagesspiegel“ berichtete unlängst von einer syrischen Familie, die ihr Haus an eine Firma verkauft hat, die auswärtigen IS-Kämpfern Unterkünfte vermietet. Mit dem Geld ist sie nach Deutschland gekommen. Von den Verhältnissen, die sie vorfindet, ist die Familie entsetzt. Im Irakkrieg, berichten sie den Journalisten, hätten sie eine Flüchtlingsfamilie bei sich aufgenommen. „Wir haben halt eine andere Willkommenskultur.“

Wenigstens ließ sich die Familie nicht dazu verführen, Anklagen gegen die Deutschen zu erheben. Im Gegenteil: Sie ist angetan von den freiwilligen Helfern, die Schokolade und Kekse an die Kinder verteilen. Da muss der „Tagesspiegel“ wenigstens einfließen lassen, dass die Angestellten des Sicherheitsdienstes die Wartenden angeblich „herumschubsen“ und die Polizei den Syrern nur die Adresse der Erstaufnahmeeinrichtung in die Hand gedrückt hat, ohne sie, unter Vernachlässigung ihrer eigentlichen Pflichten, gleich dorthin zu fahren. Diese Stimmungsmache ist noch unangenehmer und gefährlicher als das Chaos vor der Lageso.


Grüne wollen ans Ruder
Berlins Fraktionschefin Pop macht Avancen in Richtung SPD

Die Fraktionschefin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Pop, nutzt das Sommerloch, um ihre Partei und deren Machtoptionen für die Landtagswahl im Herbst 2016 ins Gespräch zu bringen. Dass Pop nicht noch einmal eine eigene grüne Bürgermeisterkandidatin aufstellen will, ist nach der peinlichen Pleite mit Renate Künast nicht überraschend: „Wir sind das letzte Mal mit Renate Künast als eigene Bürgermeisterkandidatin angetreten. Das machen wir dieses Mal nicht so, sondern werden mit einem breiteren Team antreten.“

Aus ihrer Sicht hat es 2011 vor allem wegen des abgetretenen SPD-Bürgermeisters Klaus Wowereit keine rot-grüne Regierung gegeben, der einmal die Linkspartei und dann die CDU als Partner vorgezogen hatte. 2011 waren die Koalitionsverhandlungen an der Haltung der Grünen zum Weiterbau der Autobahn A 100 gescheitert. Die Grünen waren strikt dagegen, die SPD aber wollte bauen. Das ging nur mit der CDU.

Pikant: Heute ist der damalige Bausenator Michael Müller (SPD) Regierender Bürgermeister. Pop ist daher klug genug, im Vorfeld der Wahl keine inhaltlichen Hürden aufzubauen, die eine Regierungsbeteiligung am Ende scheitern lassen könnten.

So arbeitet sie sich im Interview an dem Thema „Ehe für alle“ ab und kritisiert die Basis der Berliner CDU, die im Gegensatz zu ihrer Führung die völlige Gleichstellung der Homo-Ehe ablehnt. Pop vermeidet dennoch den Ausschluss eines schwarz-grünen Bündnisses.

Welche Koalitionen in Berlin möglich sind, lässt sich zurzeit noch nicht sagen. Nach der letzten – von Forsa vorgenommenen – Umfrage käme die AfD auf nur noch drei Prozent.

Sollte die AfD im Herbst 2016 dennoch ins Berliner Abgeordnetenhaus einziehen, wären Zweierkoalitionen in der Stadt rechnerisch nur noch unter Führung der SPD denkbar. Doch selbst „rot-rot“ wäre dann wohl nicht mehrheitsfähig. Um die CDU-Parteiführung von schwarz-grünen Experimenten abzuhalten, könnte mancher treue CDU-Wähler versucht sein, das Kreuz bei der AfD zu machen. So wird Pop selbst am besten wissen, dass sie bei Michael Müller gut Wetter machen muss, um in den Senat zu gelangen. „Ich habe den Eindruck, dass für den Regierenden Bürgermeister Michael Müller grüne Themen wichtiger sind als noch für Klaus Wowereit“, macht sie sich selbst Mut. Theo Maass


Schleuser »geehrt«
Gruppe »Peng!« feiert illegale Einreisen

Immer neue „Nichtregierungsorganisationen“ (NRO) erblicken in jüngster Zeit das Licht der Öffentlichkeit, welche die illegale Einreise nach Deutschland fördern wollen. War es zunächst das „Zentrum für politische Schönheit“ (Gestohlene Mauerkreuze und Asylantenhappening vorm Reichstag), macht nun die Berliner Gruppe „Peng!“ von sich reden.

„Peng!“ veranstaltete vor dem Brandenburger Tor die Verleihung eines selbstgebastelten „EU-Verdienstkreuzes“. „Geehrt“ wurden Leute, die unter dem Bruch der Gesetze Personen nach Deutschland eingeschleust hätten. Neben je einer abwesenden Bulgarin und Griechin, die in ihrer Heimat zu Haftstrafen verurteilt wurden, hielt „Peng!“ die übrigen sechs „Preisträger“ anonym.

Wer steckt hinter „Peng!“? Anders als in Russland müssen in Deutschland NRO nicht offenlegen, welche Gelder ihnen aus dem Ausland zufließen. Im Hintergrund der Rednerbühne war ein Porträt vom Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker aufgehängt. Juncker hat die europäischen Regierungen aufgefordert, „populistischen Forderungen“ gegen die Aufnahme weiterer Immigranten nicht nachzugeben.

„Peng!“ ruft allem Anschein nach offen zu Straftaten auf. Ob Staatsschutz, Staatsanwaltschaft und Polizei deshalb Ermittlungen aufgenommen haben, ist bislang nicht bekannt. In der „Laudatio“ behauptet die Gruppe, die illegalen Schleuser hätten mit einem „nötigen und wichtigen Akt des zivilen Ungehorsams“ dazu beigetragen, die europäischen Grundwerte und die Menschenwürde zu verteidigen. Theo Maass


Wieder Fernzüge vom Zoo?

Seit Mai 2006 halten keine Fernzüge der Deutschen Bahn mehr am Bahnhof Zoo im Berliner Westen. Der Verkehrskonzern wollte den Verkehr am neuen Hauptbahnhof bündeln, obwohl dieser schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen ist. Der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) fordert daher eine Rücknahme der damaligen Entscheidung. „Ein Blick auf die Bahnsteige für den Regional- und Fernverkehr und den einen S-Bahnsteig im Hauptbahnhof macht eines deutlich: Sie sind tagsüber an ihren Belastungsgrenzen angekommen“, erklärte der Verband. Der Bahnhof Zoo war bis 1989 der Ausgangspunkt für alle Fernbahnreisenden, aus dem Westteil Berlins. Seine Schließung hatte damals viel Unmut ausgelöst. Zudem weist der Hauptbahnhof in den Augen des DBV Nachteile auf. So seien etwa die Bahnsteige am Hauptbahnhof viel zu schmal für die vielen Besucher mit ihrem umfangreichen Gepäck, findet der Verband. H.L.


S. 6 Ausland

Schauprozess oder Wahrheitssuche?
Warum Moskau die Einrichtung eines UN-Tribunals zum Ende des Fluges MH17 abgelehnt hat

Der rätselhafte Fund des Bauteils einer Boeing 777 auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean konnte das konkurrierende Dauerthema des Fluges von MH 17, das über der Ukraine abgeschossen worden ist, nur für kurze Zeit verdrängen. Allein schon das russische Veto gegen die Einrichtung eines UN-Tribunals zur Schuldfrage sorgte für heftige Debatten.

Dass sich Russland gegen ein Instrument der internationalen Vorverurteilung gewandt hat, ist nur zu verständlich. Bei anderen Abschüssen von Linienmaschinen, mögen sie nun versehentlich oder mit Absicht geschehen sein, wurde niemals ein UN-Tribunal installiert. Warum also diesmal? Es gibt keinen Grund dafür, denn zu dem ganzen Fall kann man jedenfalls eines mit Sicherheit sagen: Hätten die USA oder die Ukraine auch nur den Schein eines Beweises gegen Russland, so wäre dieser längst Ge­genstand weltweiter Erörterung.

Doch Belege für den Ablauf des Ereignisses werden weniger vorgelegt als zurückgehalten. So erklärte Earl Rasmussen, Vizepräsident des Wa­shingtoner Think Tanks Eurasia Centre: „Die in­ternationalen Ermittlungen gehen zwar weiter, sie sind aber nicht transparent, nicht abgeschlossen und wirken äußerst politisiert. Außerdem lassen die Ermittlungen wichtige Daten vermissen, die die USA und die Ukraine nicht bereitgestellt haben.“ Und der US-Experte fährt fort: „Momentan ist zweifellos nicht die richtige Zeit für die Bildung eines internationalen Tribunals, das parallel zu den jetzigen Ermittlungen stattfinden würde.“

Ganz anderer Meinung ist der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, der sich an den niederländischen Regierungschef Mark Rutte gewandt und ihm geschrieben hat: „Wir haben einen umfassenden völkerrechtlichen Mechanismus entwickelt, mit denen die Personen, die an diesem Verbrechen schuld sind, zur Verantwortung gezogen werden können.“ Die Diktion zeigt eindeutig, dass sich Poroschenko in der Rolle des Richters sieht, nicht in der Reihe der Verdächtigen. Da es sich aber so verhält, dass der Schuldige schon vor der Beweiserhebung benannt wird, ist ein Tribunal umso überflüssiger.

Dass es an Beweisen mangelt, ist indes keineswegs die Schuld der Russen, im Gegenteil. Der russische Hersteller der BUK-Abwehr-Raketen, von denen eine angeblich die Boeing MH 17 vom Territorium der Milizen aus abgeschossen haben soll, hat ein Experiment vorgeschlagen, in dem der Ablauf nachgestellt werden könnte: „Die Leitung des Konzerns bekräftigt erneut die Bereitschaft, einen Gefechtskopf der BUK-Rakete am Rumpf einer ausgedienten Boeing- Maschine des gleichen Typs zu sprengen. Wir sind sicher, dass die Ergebnisse eines solchen Experiments die Richtigkeit der Schlüsse von Fachleuten unseres Konzerns bestätigen und die letzten Fragen hinsichtlich des Typs der Rakete und der Ortslage beseitigen würden, von der aus sie abgeschossen wurde.“

Der russische Ermittlungsausschuss hat festgestellt, dass die MH 17 von einer Luft-Luft-Rakete nichtrussischer Bauart abgeschossen worden ist. Das entspricht den Aussagen des ukrainischen Zeugen Jewgeni Agapow, der an dem Unglückstag Dienst als Mechaniker der ersten Staffel einer Brigade der taktischen Flieger der Ukraine auf der Luftwaffenbasis Awiatorskoje hatte. Er hat nach eigener Aussage gesehen, dass ein Kampfjet von dem Horst zwar mit voller Bewaffnung gestartet, aber ohne Raketen zurückgekommen ist. Als der Pilot, Hauptmann Wladislaw Woloschin, seine Maschine verließ, sagte er anderen Zeugen zufolge zu einem Kameraden: „Es war ein anderes Flugzeug“, und kurz darauf: „Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Dazu fügen sich nahtlos die Radar-Daten des russischen Generalstabs. Danach wurde kurz vor der Katastrophe ein ukrainischer Kampfjet, wahrscheinlich eine Suchoi Su-25, in der Nähe der Boeing geortet. Dies wurde bereits kurz nach der Katastrophe veröffentlicht. Doch die Ermittler richteten zwar ein Informations- und Rechtshilfe-Gesuch an Moskau und bekamen auch sofort ein dickes Dossier, doch davon floss bislang nichts in die Ermittlungen ein. Es wird immer noch geprüft.

Auch die selbsternannte Volksrepublik Donezk hat eigene Untersuchungen angestellt. Die Generalstaatsanwaltschaft hat sich bereiterklärt, das gesamte Material den internationalen Ermittlern zu übergeben, in Auszügen wurde es im Internet veröffentlicht. Es umfasst Bilder, gerichtsmedizinische Gutachten, Untersuchungsprotokolle und Aussagen von Augenzeugen. Diese sprechen von einem zweiten Flugzeug am Himmel. Eine Zeugin sagte: „Nachdem das Flugzeug abgestürzt war, hörte ich am Himmel weiter Düsen dröhnen.“

Auch wenn sich die westlichen Ermittler nach eigenem Bekunden um Objektivität bemühen, werden offensichtlich Moskauer oder Donezker Unterlagen nachrangig behandelt. Das verwundert nicht. Allerdings ist erstaunlich, dass – wie auch Russlands Außenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow beklagt hat – Unterlagen aus den USA und der Ukraine nicht veröffentlicht werden. So behalten die US-Amerikaner ihre Satelliten-Auf­nahmen für sich, anhand derer sehr schnell das Vorhandensein eines zweiten Flugzeugs bewiesen oder widerlegt werden könnte. Ebenso unter Verschluss sind bislang die Gespräche der ukrainischen Fluglotsen, die ebenfalls Aufschluss geben könnten. Dass man von Flugschreiber und Blackbox seit Monaten nichts mehr hört, passt in dieses Bild, das in Teilen mehr nach Vertuschen als nach Ermitteln aussieht.

Das unterstreicht auch die ukrainische stellvertretende Außenministerin Jelena Serkal in Kiew. Sie sagte: „Was die kriminalistischen Untersuchungen angeht, so ermittelt das gemeinsame Team weiter. Die Ermittlungen laufen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und sind vertraulich. Die Ergebnisse werden nicht an die Öffentlichkeit gelangen.“

Florian Stumfall


Erste Verurteilung
Rumänien tut sich schwer mit seiner Vergangenheitsbewältigung

Erstmals wurde in Rumänien ein Folterer und Mörder aus der Zeit der kom­mu­ni­sti­schen Diktatur verurteilt. Der 89-jährige Alexandru Visinescu wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er als Direktor des berüchtigten Gefängnisses von Ramnicu Sarat für den Tod von mindestens 14 Gefangenen verantwortlich gewesen sein soll. Die Haftanstalt hatte den Ruf eines Vernichtungslagers und war auch als „Gefängnis der Stille“ bekannt, weil den Gefangenen das Sprechen verboten war.

Visinescu ist der erste frühere Gefängnisleiter, der wegen Verbrechen während der kommunistischen Herrschaft vor Gericht gestellt wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft Visinescu, der von 1956 bis 1963 Direktor der besonders gefürchteten Haftanstalt war, vor, hier ein „Vernichtungsregime“ geführt zu haben. Visinescu bezeichnet sich selbst als unschuldig und argumentiert, er habe lediglich Anweisungen der Strafvollzugsdirektion durchgeführt. Zur Urteilsverkündung erschien er nicht vor Gericht, er muss vorerst auch nicht ins Gefängnis, weil er gegen das Urteil Berufung eingelegt hat. Während der gesamten Verhandlungsdauer hatte sich Visinescu geweigert, auf Fragen zu antworten. Dies hatte den Prozess erheblich erschwert. Nur ein überlebender Zeuge hatte sich überhaupt bereit erklärt, vor Gericht auszusagen, ein Indiz dafür, dass sich selbst heute die Opfer der kommunistischen Verfolgung noch nicht sicher fühlen.

Gegen 30 weitere mutmaßliche Folterer aus der kommunistischen Ära laufen derzeit Ermittlungsverfahren. Ein zweiter Prozess gegen einen früheren Kommandanten eines Arbeitslagers in Periprava im Südosten Rumäniens, der für den Tod von mehr als 100 Häftlingen verantwortlich gemacht wird, läuft seit April dieses Jahres.

In der Hauptstadt Bukarest gibt es seit einigen Jahren ein Institut für die Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus und des Gedenkens an das Rumänische Exil (Institutului de Investigare a Crimelor Comunismului si Memoria Exilului Romanesc). Im Juli 2013 wurde eine Online-Tour durch das Gefängnis Ramnicu Sarat freigeschaltet. In den nächsten Jahren ist dessen Umwandlung in eine Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus geplant. Bereits 2014 wurde in den Räumen eine Sommeruniversität unter dem Titel „Gefängnis des Schweigens, eine Erfahrung im Kommunismus“ durchgeführt.

Nachkriegsrumänien war besonders in der Stalin-Ära dafür bekannt, dass es den Methoden des sowjetischen Diktators nacheiferte. Viele Oppositionspolitiker sowie Angehörige religiöser und nationaler Minderheiten wanderten damals in Gefängnisse, viele wurden ermordet. Insgesamt wurden in Rumänien in den Jahren 1945 bis 1989 etwa 600000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert, viele von ihnen überlebten die schlimmen Haftbedingungen nicht. Nur wenige Verantwortliche wurden bisher zur Rechenschaft gezogen, darunter der Diktator Nicolae Ceausescu und seine Frau Elena, die nach dem blutigen Umsturz 1989 in einem Schnellprozess von den eigenen Kommunisten verurteilt und hingerichtet wurden. Bodo Bost


Politischer Familienkonflikt
Streit der FN-Vorsitzenden mit ihrem Vorgänger und Vater eskaliert

Jean-Marie Le Pen ließ wissen, er beabsichtige, 100 Jahre alt zu werden. Er erfreue sich bester Gesundheit und habe noch politische Pläne. Was normalerweise innerhalb einer Familie Freude auslösen würde, dürfte bei Marine, der Tochter des 86-Jährigen, eher Unbehagen verursacht haben. Denn die beiden bekanntesten Köpfe des Front National (FN) haben sich nichts mehr zu sagen. Dabei war die Tochter die ausdrückliche Wunschkandidatin des 2011 zurückgetretenen FN-Vorsitzenden für seine eigene Nachfolge. Doch seit „der Alte“, wie er im Parteijargon heißt, sich mit der Rolle des Ehrenvorsitzenden begnügen muss, hat sich das Klima zwischen beiden zunehmend verschlechtert.

Vorläufiger Höhepunkt war der Bruch im Frühjahr, nachdem Le Pen senior erneut den Holocaust relativiert und die mit den deutschen Besatzern in Frankreich zusammenarbeitende Regierung des Französischen Staates in Vichy verteidigt hatte. Seitdem bemüht sich die Tochter vergeblich, ihren Vater aus der Partei auszuschließen. Die vom Präsidium verhängten Ordnungsmaßnahmen kippte ein Gericht. Daraufhin versuchte die Parteispitze mit einer Mitgliederbefragung die Satzung zu ändern und die Funktion des Ehrenvorsitzenden zu streichen. Doch auch dies wurde auf juristischem Wege zum Scheitern gebracht. Das Gericht ordnete stattdessen an, der FN müsse auf einem außerordentlichen Partei­tag darüber befinden − was den Senior geradezu in Verzückung versetzte. „Die Stunde der Wahrheit ist gekommen und dann werde ich ihnen die Augen über diese angehende Präsidentin der Franzosen öffnen“, ätzt der Vater in Richtung seiner Tochter.

Marine und ihre Mitstreiter fürchten nichts mehr, als eine öffentliche Schlammschlacht. Die 47-Jährige hat sich bemüht, der Partei ein anderes Image zu verpassen, weg von den harten Tönen der 80er Jahre, weg von dem rigiden Anti-Ausländer-Kurs des Vaters. Der FN solle eine Partei aller Franzosen sein, „nicht rechts und nicht links“. Gut integrierte Einwanderer seien ihr als Wähler ebenso willkommen wie bekennende Homosexuelle oder Abtreibungsbefürworter. „Mich interessiert nur: Bist Du für oder gegen Frankreich“, lautet die Parole der Juristin, die auch Gespräche mit Vertretern von jüdischen Institutionen geführt hat.

Als vor einigen Monaten herauskam, dass mehrere Spitzenfunktionäre des FN homosexuell sind, höhnte der Senior, seiner Tochter falle es „offenbar schwer, sich mit echten Männern zu umgeben“. Auch die wirtschaftspolitische Ausrichtung, die sich Marine von der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) abgeschaut hat, beeindruckt den Vater wenig. Seine Tochter umgebe sich mit „Marxisten, Juden und Schwulen“, giftete der 86-Jährige.

Eine Kommunikation findet zwischen den beiden nicht mehr statt. „Ich spreche nicht mehr mit diesem Herrn“, teilte die Tochter kürzlich in einem Interview mit dem „Focus“ mit: „Er ist bösartig und niederträchtig. Er möchte alles zerstören.“

Die nächste Gelegenheit könnte sich im Spätherbst anbieten. Dann finden Regionalwahlen statt. Jean-Marie Le Pen hat bereits angedeutet, er könne in FN-Hochburgen konkurrierende Listen aufstellen, um einen Sieg seiner Tochter zu verhindern. Diese wirkt angesichts der erneuten Eskalation fast schon erleichtert: „Dann hätten wir endlich einen Grund, ihn rauszuschmeißen.“

Peter Entinger


MELDUNGEN

Orden für einen Straftäter

Kiew – Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat den Oberleutnant Marian Rak mit einem hohen Orden ausgezeichnet. Er erhielt die Auszeichnung für „hervorragende Führung, Organisationsfähigkeit und Durchhaltevermögen, die zum entscheidenden Sieg in der Schlacht beitrugen“. Um welche Schlacht es sich handelte und wie der Sieg errungen wurde, wurde nicht weiter erläutert. Hingegen ist bekannt, wodurch Rak schon einmal öffentliches Aufsehen erregt hat. Im März dieses Jahres hatte er sich heftig betrunken und dann in der Stadt Konstantinowka in der Region Donezk mit seinem Schützenpanzer ein achtjähriges Mädchen überfahren und getötet sowie die Mutter der Kleinen samt der fünfjährigen Schwester des Mädchens schwer verletzt. Danach beging der „Kriegsheld“ Fahrerflucht. F.S.

 

Reparationen vom UK verlangt

Oxford – Shashi Tharoor hat sich in einer Rede in der Universitätsstadt Oxford für die Zahlung von Reparationen durch das Vereinigte Königreich an sein Heimatland Indien und andere ehemalige britische Kolonien ausgesprochen. Der Schriftsteller, Politiker und ehemalige UN-Untergeneralsekretär für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit machte in seiner Rede darauf aufmerksam, dass Indien zu Beginn der britischen Kolonialherrschaft einen Anteil von 23 Prozent an der Weltökonomie hatte, nach dem Abzug der Briten aber nur noch von vier. Aus Sicht Tharoors ist der Aufstieg Großbritanniens 200 Jahre lang durch die Ausplünderung Indiens finanziert worden. Wie der britische „Independent“ berichtet, ist ein über das Internet verbreiteter Videomitschnitt der Rede in Indien auf starke Beachtung gestoßen. N.H.


S. 7 Wirtschaft

Moskaus selbst verordneter Mangel
Lebensmittelpreise in Russland steigen rapide – Heimische Produktion kann den Bedarf nicht decken

Außenpolitisch sendet Moskau Signale, die dem Westen suggerieren sollen, dass dessen Sanktionen dem Land nichts anhaben könnten. Ein Blick hinter die Kulissen offenbart jedoch, dass Putins Umfragewerte zwar beständig hoch sind, das Volk aber zunehmend unter einer Mangelwirtschaft leidet.

Außenpolitisch setzt Russlands Präsident Wladimir Putin auf die Demonstration von Stärke. Die Reform und Modernisierung des Militärs zeugt ebenso davon wie der leichte Vorsprung der Russen in der Arktis oder bei Weltraummissionen. Dafür lieben die Russen ihren Putin, der es sichtlich genießt, die Fassade vom prinzipientreuen starken Mann aufrechtzuerhalten. Die russischen Staatsmedien steuern das Ihre bei, um den Mythos Putin auch in die entlegendsten Gegenden Russlands zu transportieren.

Im Inneren zeigt sich inzwischen jedoch eine Entwicklung, welche die schöne Fassade bald zum Einsturz bringen könnte. Seit einem Jahr dürfen Fleisch, Fisch, Geflügel, Milchprodukte, Gemüse und Früchte aus EU-Ländern und den USA als Antwort auf die wegen der Ukrainekrise vom Westen verhängten Sanktionen nicht mehr eingeführt werden. Euphorisch prophezeiten russische Politiker, dass man innerhalb eines Jahres die Importe durch Produkte aus eigener Herstellung ersetzen könne. Schon damals warnten Experten, besonders des Agrarsektors, vor überzogenen Erwartungen. Allmählich entblößt sich die Mär von der russischen Fähigkeit zur Autarkie immer deutlicher als gesichtswahrende Propaganda der Kremlstrategen.

Die Realität zeigt eine Mangelwirtschaft, die an die Zustände in der Sowjetunion erinnert. Es offenbart sich, dass staatliche Agrarbetriebe den Eigenbedarf nur zu einem Drittel decken können, private Kleinbetriebe scheitern an der Bürokratie ebenso wie an Geldmangel. Für Kredite sind bis zu 25 Prozent Zinsen zu berappen. Von denen zahlt der Staat zwar 15 Prozent als Förderung, dennoch sind aber die Investitionskosten für einen Kleinunternehmer zu hoch . Das lässt jede Eigeninitiative bereits im Keim ersticken. Die statistischen Angaben über den Kapitalabfluss zeigen, dass das Geld, das laut den Regierungsbeamten in die Entwicklung der eigenen Produktion fließen sollte, in Wirklichkeit ins Ausland transferiert wurde.

Was folgt, ist Mangel. Statt die Lücken mit mehr Eigenproduktion zu füllen und der Wirtschaft den erhofften Aufschwung zu bringen, tritt das Gegenteil ein. Der anhaltende Ölpreisverfall und die Rubelschwäche tragen dazu bei, dass Russland immer tiefer in die Rezession abrutscht. Nach vorläufigen Daten brach das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2015 um 4,6 Prozent im Vergleich zu dem des Vorjahres ein.

Die Konfrontation des Westens mit Russland hat sich kaum negativ auf die Außenpolitik ausgewirkt als gedacht, aber auch keine Steigerung der Produktion gebracht, sondern in erster Linie sind die Verbraucher von den negativen Folgen der Sanktionspolitik betroffen.

Noch sind die Regale in russischen Läden gut gefüllt, aber die Lebensmittelpreise haben sich teilweise um bis zu 30 Prozent erhöht. Dafür ist die Qualität schlechter geworden. „Echter Maasdamer“ ist an der Käsetheke zu bekommen, frisch aus der Türkei importiert und mit eigenem Geschmack. Schweizer Käse fällt zwar nicht unter das Importverbot, aber den dreifachen Preis können sich nur noch Reiche leisten. Daneben finden sich viele Fälschungen und schlechte Waren in den Regalen. Heimische Milchprodukte werden beispielsweise mit Palmöl versetzt, dessen gesundheitsschädliche Wirkung die Regierung nun untersuchen will.

Bislang konnten russische Supermärkte europäische Produkte über Weißrussland beziehen. Lange schon war bekannt, dass Minsk die Sanktionen durch Umetikettierungen unterläuft. Waren aus dem Westen wurden so zu weißrussischen und durften in Russland verkauft werden. Damit waren alle zufrieden. Die Weißrussen hatten ihren Gewinn, die Russen Käse, Fleisch und Gemüse von gleichbleibender Qualität. Lange hatte der Kreml dem tatenlos zugesehen, doch vor Kurzem beschloss Putin, dem einen Riegel vorzuschieben. Um ein Exempel zu statuieren, wurden 500 Tonnen Lebensmittel in verschiedenen russischen Regionen, darunter im Mos-kauer, St. Petersburger und Königsberger Gebiet, verbrannt. Das hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Innerhalb weniger Stunden nach Bekanntwerden hatten 350000 Russen in sozialen Netzwerken protestiert. Wo Mangel herrscht, treibt die Schattenwirtschaft Blüten. Es gibt Gerüchte, dass diejenigen, die mit der Vernichtung der Lebensmittel beauftragt wurden, einen Teil zurückbehalten haben sollen, um ihn gewinnbringend zu verkaufen.

Steigende Preise und schrumpfende Einkommen treffen vor allem Menschen mit geringem Einkommen und Rentner. Doch dem scheint die Regierung bislang wenig Rechnung zu tragen. Premier Dmitrij Medwedjew will neuerdings sogar medizinische Geräte aus der EU unter das Importverbot stellen. Russische, armenische, kasachische und weißrussische medizinische Geräte sollen bevorzugt verwendet werden. Ärzte protestieren, weil sie sich nicht auf eine Technik verlassen wollen, die entweder schwerer zu bedienen ist oder im Zweifelsfall gar nicht funktioniert.

Viele Russen arrangieren sich mit der Situation, indem sie Verzicht üben. Bei Gütern des täglichen Bedarfs achten sie auf den Preis, bei Kleidung, Kosmetik und Freizeitaktivitäten sparen sie kräftig ein. Auslandsreisen und größere Anschaffungen werden verschoben. Restaurants, aber auch die Autoindustrie bekommen das zu spüren. Zwar kennen ältere Russen solche Zustände noch, doch in 25 Jahren hat sich vor allem die jüngere Bevölkerung an die Vorzüge des Luxus gewöhnt. Deren Leidensfähigkeit und

-willen steht nun auf dem Prüfstand. Manuela Rosenthal-Kappi


Einblick in die US-Praxis
Ex-Staatsschutzchef Österreichs plauderte aus dem Nähkästchen

Gert-René Polli, von 2002 bis 2008 Direktor des österreichischen Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), hat in einem Interview mit den „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“ („DWN“) einen Einblick in die Aktivitäten der US-Geheimdienste in Europa geliefert. Er machte darauf aufmerksam, dass das Sammeln von Daten durch den US-Nachrichtendienst NSA nur einen kleinen Teil der Aufgaben der US-Geheimdienste darstelle. Deren Kerngeschäft bestehe darin, Politiker und Manager in Europa zur Durchsetzung von US-Interessen zu bewegen, so Polli.

Ernüchternd mag auch auf manchen seine Einschätzung zur Wirtschaftsspionage der USA gegen europäische Unternehmen wirken: Dax-Konzerne wie Daimler, die Deutsche Telekom, Allianz, BASF, Bayer, Infineon und E.ON haben sich nach Ansicht des Ex-Verfassungsschützers von der US-Börse zurückgezogen, weil sogenannte Compliance-Ermittlungen der Bundespolizei FBI und der US-Börsenaufsicht SEC gegen ausländische Unternehmen, die an der US-Börse gelistet sind, „unter den europäischen Nachrichtendiensten als klassisches Schulungsbeispiel für die Anwendung nachrichtendienstlich gewonnener Erkenntnisse zum Nachteil europäischer und deutscher Unternehmen“ gelten.

Grundsätzlich versuchten die US-Dienste, Informationen zur strategischen Ausrichtung, Absatzmärkten, Projekten und Geschäftspartnern wichtiger Unternehmen zu sammeln. Gerate ein Unternehmen jedoch in den operativen Fokus oder spiele es eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung einer politischen Absicht, so ändere sich die Methodik der Dienste. „Nunmehr geht es um Nutzung interner Informationen, Manipulierbarkeit von Personen, bis hin zum Ausloten wirtschaftlicher Schmerzgrenzen“, so Polli.

Auf den ersten Blick mag es erstaunlich sein, dass ausgerechnet die Spionageabwehr Österreichs derartig tiefe Einblicke in die Aktivitäten der US-Dienste gewonnen hat. Allerdings gibt es kaum einen besseren Ort als Wien, um die Interessen und Vorgehensweisen von Geheimdiensten zu beobachten. Auch nach dem Ende des Kalten Krieges steht die Hauptstadt der Alpenrepublik im Ruf, die „Welthauptstadt der Spionage“ zu sein. So vermutet der Grazer Spionageforscher Siegfried Beer, dass in Österreichs Hauptstadt mindestens 7000 Geheimdienstler diverser Länder aktiv sind. Im Visier sind dabei oftmals die internationalen Organisationen, die ihren Sitz in Wien haben.

Aus Sicht der Geheimdienste ist Österreich allerdings noch aus einem anderen Grund attraktiv. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshof aus dem Jahr 1956 ist Spionage in Osterreich nur dann strafbar, wenn sie sich direkt gegen Österreich richtet. Wenn in Wien ausländische Staaten andere ausländische Staaten ausspionieren, ist das nach Sichtweise der österreichischen Justiz bislang völlig legal. Norman Hanert


Keinen goldenen Boden
Im Bauhandwerk häufen sich die Unternehmensinsolvenzen

Die Pleite des Unternehmens Imtech hat nicht nur den Skandalflughafen BER erneut in die Schlagzeilen gebracht, sondern auch auf ein generelles Problem aufmerksam gemacht. Unternehmensinsolvenzen treten schwerpunktmäßig in der Baubranche auf. Die Ursachen sind vielfältig und auch die Politik ist nicht ganz unschuldig.

Da ist zum einen eine schlechte Zahlungsmoral vieler Kunden. So begleichen im Durchschnitt nur 8,2 Prozent der privaten Auftraggeber innerhalb der üblichen Monatsfrist ihre Rechnungen bei Baufirmen. Selbst der Staat zeigt kein sonderlich vorbildliches Zahlungsverhalten. So zahlt zwar die überwiegende Mehrheit der öffentlichen Auftraggeber innerhalb eines Monats, doch immerhin 32 Prozent verzögern die Zahlung.

Ein weiteres Problem ist Pfusch am Bau und gezielter Betrug durch unseriöse Anbieter. Vor allem seit der EU-Osterweiterung und dem damit gestiegenen Konkurrenzdruck haben sie massiv zugenommen.

Als Flopp erwiesen hat sich ebenso die Abschaffung der Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen vor gut zehn Jahren. Im Januar 2004 war die Meisterpflicht für über die Hälfte aller Gewerke im Handwerk aufgehoben worden. Betroffen waren unter anderem Fliesenleger und Estrichleger. Aus Sicht des Bauhandwerks hat die damalige Reform kaum positive Effekte gehabt. Beklagt wird vielmehr, dass die Aufhebung des Meisterzwangs zu einer extremen Vervielfachung der Zahl der Betriebe bei deutlicher Verkleinerung der durchschnittlichen Betriebsgröße geführt hat. Tausende Kleinstbetrieben, die oftmals nicht vom Fach sind, stehen unter harten Konkurrenzdruck. Die Folgen sind Dumpingpreise und weitverbreiteter Pfusch am Bau. Damit nicht genug: Viele der Ein- oder Zwei-Mann-Firmen können sich unter diesen Bedingungen nur kurze Zeit am Markt behaupten. „Wenn dann Mängel offenbar werden, ist niemand mehr greifbar, der dafür haften könnte“, so der Hauptgeschäftsführer der Baugewerblichen Verbände, Lutz Pollmann.

Der drastische Rückgang der Ausbildungszahlen und die vermehrt auftretenden Qualitätsmängel bei Anbietern ohne Meisterprüfung haben in Teilen der Politik inzwischen ein Nachdenken ausgelöst. Von der Mittelstandsvereinigung von CDU und CSU wird mittlerweile die Forderung erhoben, die Meisterpflicht in allen Handwerksberufen wieder einzuführen.

Die Bereitschaft, Fehler einzugestehen, ist von der Politik auch hinsichtlich des neuen Insolvenzrechts gefordert. Teil der Neuregelung ist nämlich die Möglichkeit, dass Insolvenzverwalter unter bestimmten Umständen Geschäfte der letzten zehn Jahre anfechten und bereits gezahlte Gelder zurückfordern. Betroffen sind hiervon Lieferanten, die Teilzahlungsvereinbarungen und Zahlungsaufschübe eingeräumt haben. Argumentiert wird in diesen Fällen, dass sie von der drohenden Zahlungsunfähigkeit des Kunden gewusst hätten. Diese Regelung droht speziell für den Baustoff-Fachhandel drastische Konsequenzen zu haben. Er wird sich künftig bei Baufirmen, die etwa durch lange Winterperioden Probleme haben, weniger kulant zeigen und auf Warenkredite vorsichtshalber verzichten. Inzwischen steht die sogenannte Insolvenzanfechtung als „Killer für den Mittelstand“ unter scharfer Kritik des Baustoff-Fachhandels, aber auch elf weiterer Unternehmerverbände. N.H.


MELDUNGEN

Deutschland soll Euro verlassen

New York – Erneut hat ein renommierter Wissenschaftler gefordert, nicht Hellas, sondern Deutschland solle den Euro verlassen. Da die Euro-Länder untereinander nicht abwerten könnten, erdrücke Deutschland seine Partner mit seiner starken Wettbewerbsfähig, so US-Ökonom Patrick Chovanec. Deutschlands Handelsüberschüsse aber flössen nicht als Investition in die deutsche Wirtschaft, sondern seien als Kredite an die Handelspartner in der Euro-Zone verliehen worden. Von dort würden sie womöglich nie zurückgezahlt werden. So produziere der Euro nur Verlierer. Ein „geordneter Austritt“ Deutschlands würde die Ungleichgewichte überwinden helfen, so Chovanec. H.H.

 

Spitzenreiter beim Goldkauf

Berlin– Nirgends in der westlichen Welt kaufen Privatinvestoren so viel Gold wie in Deutschland. Im zweiten Quartal 2015 erwarben sie 24,1 Tonnen des Metalls, die US-Bürger nur 12,5 Tonnen. Pro Kopf führen die Schweizer. Mit nur einem Zehntel der deutschen Einwohnerzahl kauften sie elf Tonnen, pro Kopf liegen die Österreicher mit insgesamt 2,5 Tonnen gekauften Goldes gleichauf mit den Deutschen. H.H.


S. 8 Forum

Trendy oder weise
von Frank Horns

Die Kommentatorin beim Rundfunksender NDRinfo spuckt das Wort aus, als wäre es etwas Schimmeliges, durch und durch Ungenießbares: ALTHERRENPARTEI. Endlich wolle sich die CDU reformieren. Das vom Generalsekretär Peter Tauber vorgestellte Modernisierungsprogramm solle die Partei jünger, bunter und weiblicher machen – weg vom Image der Altherrenpartei.

Nur: Was ist eigentlich schlecht daran, wenn sich alterskluge Menschen verstärkt in der Politik engagieren? Kann es falsch sein, wenn Entscheidungen aufgrund von Weisheit und Lebenserfahrung getroffen werden und nicht weil jugendliche Unbekümmertheit oder der trendige Zeitgeist eine bestimmte Richtung nahelegen.

Sicherlich ist es gut, wenn sich in einer großen Partei unterschiedliche Stimmen zu Wort melden. Der CDU beitreten kann aber schon jetzt jeder, der sich dazu berufen fühlt. Zudem sind nicht wenige Spitzenämter auch heute schon mit Personen besetzt, die absolut nicht dem Image einer Altherrenpartei entsprechen.

Letztendlich hat die Fixiertheit auf „weiblich“, „jung“ beziehungsweise „Migrationshintergrund“ auch etwas Undemokratisches. Wer diese Attribute vorweisen kann, darf sich hochwillkommen fühlen. Der ersehnte Neuzugang muss nicht einmal mehr Geduld für allzu langwierige Diskussionen aufbringen. Sitzungstermine sollen fortan zu einer festgelegten Zeit enden. Um die Partei familienfreundlicher zu gestalten, heißt es. Tatsächlich ist es wohl eher ein willkommener Vorwand, um die Parteiarbeit auch weniger motivierten Leuten bekömmlicher zu machen.

Wer ins Schema „alter Herr“ passt, wird dagegen, so scheint es, nurmehr geduldet. Er wird zum „unappetitlichen“ Vokabular zeitgeisthöriger Medien-Kommentatorinnen. Wie gut, dass es am Ende doch die politischen Inhalte sind, die Leute in eine Partei locken. Daran sollte die CDU arbeiten.


Ohne die Kinder?
von Hans Heckel

Wenn von der Pflicht der Deutschen die Rede ist, Flüchtlinge aufzunehmen, wird stets auf die NS-Zeit verwiesen. Damals mussten viele Deutsche aus dem Lande fliehen, um ihr Leben und das ihrer Familien zu retten. Später mussten die Ostvertriebenen in anderen Teilen Deutschlands Schutz suchen, um dem Tode zu entgehen. Also sollten wir auch heute Flüchtlinge aufnehmen.

Angesichts solcher Vergleiche irritiert es, dass unter den derzeitigen „Flüchtlingen“ so auffallend viele Männer sind, die ihren Anhang offenbar allein zurückgelassen haben. Zur Begründung führt ein Nachrichtenmagazin den Fall eines

40-Jährigen an, der angibt, für die Mitnahme seiner Frau und der Kinder habe das Geld nicht gereicht, daher sei er zunächst allein gekommen.

Wie glaubhaft ist so eine „Flucht“-Geschichte? Es sind unsagbar tragische Fälle aus der NS-Zeit dokumentiert, in denen jüdische Eltern nur ihre Kinder nach England schmuggeln konnten, weil für alle das Geld nicht reichte. Der Abschied war oftmals ein Lebewohl für immer, denn viele dieser Eltern wurden später im KZ ermordet.

Doch Väter, die allein aufgebrochen sind, um ihre Frau oder gar ihre Kinder „zunächst“ allein in der tödlichen Gefahr zurückzulassen? Ein solcher Fall ist nicht bekannt. Wenn, dann wurden Familien gewaltsam oder während der Ostvertreibung durch das Chaos getrennt.

Es ist nicht herzlos, gewissen „Flüchtlingen“ von heute genauer auf den Zahn zu fühlen. Denn wer mit der Barmherzigkeit anderer Schindluder treibt, versündigt sich schwer.


Blinde Flecken
von Michael Leh

In der „Neuen Zürcher Zeitung“ hat Heribert Seifert scharfsichtig die deutsche Medienberichterstattung über die Massenmigration nach Deutschland beschrieben. Die Berichterstattung sei von einem wohlmeinenden Paternalismus geprägt und weise blinde Flecken auf. Der Streit um die Einrichtung von Heimen für Asylbewerber und die Aufregung über kriminelles Verhalten seien publizistisch „in den Lokalteilen eingehegt“. Die Medien in Deutschland informierten zwar insgesamt breit und vielfältig über Ereignisse und Hintergründe der „großen Wanderung“, aber sie täten dies mit erkennbarer Schlagseite bei der Themensetzung und der Wahl inhaltlicher Schwerpunkte. Hinweise auf erfolgreiche Integration seien prominent platziert. Man könnte glauben, so Seifert, dass Masseneinwanderung kein Problem sei, sondern nur von Anhängern einer „Festung Europa“ zu einem gemacht werde. Nachsicht und Verständnis seien fast grenzenlos. Lügen und Täuschung der Behörden im Asylverfahren gälten als hinzunehmender Standard.

Seifert zitiert auch aus einer Analyse der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft „Rückführung“ vom April: „Die Experten halten an ihrer Einschätzung fest, dass Abschiebungen seit vielen Jahren in einem gesellschaftlichen Klima der Ächtung und Ablehnung stattfänden. Wenn in Medien und öffentlichen Diskussionen die Rückführung von Ausreisepflichtigen thematisiert werde, geschehe dies stets mit dem Tenor des Skandalisierens des behördlichen Handelns.“ Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich gerade als Sprachpolizist betätigt und davor gewarnt, von „Flüchtlingsströmen und Masseneinwanderung“ zu reden; Deutschland könne noch mehr Menschen aufnehmen.

Besonders der öffentlich-rechtliche Rundfunk betreibt fortwährend und nahezu kritiklos eine Propaganda der „Willkommenskultur“. Als Claus Kleber im ZDF von einem fränkischen Busfahrer berichtete, der in seinem Bus 15 Flüchtlinge beförderte und diese netterweise ausdrücklich willkommen hieß, soll Kleber angeblich mit den Tränen gekämpft haben. „Es kann manchmal so einfach sein“, erklärte Kleber gerührt und moralisierend – als würden nicht täglich unzählige Deutsche tatkräftig Neuankömmlingen helfen. Dass ein Großteil von diesen weder einen Asylgrund hat noch ein sonstiges Bleiberecht, erwähnte Kleber nicht. Es kann ja manchmal so einfach sein. Praktische Verantwortung trägt der ZDF-Mann, der Millionen Euro Zwangsgebühren ungerührt einsteckt, sowieso nicht. Der SPD-Fraktionsvorsitzende in München, Albert Reisser, hingegen erklärte vor Kurzem: „Jedem zu signalisieren, er sei willkommen, ist falsch. Nicht jeder ist hier willkommen.“


Moment mal!
Gleichschaltung – es gibt sie
von Klaus Rainer Röhl

Heute nennen wir es nicht Gleichschaltung. Das wäre ja noch schöner. Heute heißt es: einheitliche Meinungsbildung der deutschen Massenmedien. Mit dem am Sonnabend erscheinenden Leitmedium „Spiegel“ ist für die meisten kleinen und großen Tageszeitungen, die Funksender und einen meinungsbildenden Teil des Fernsehens ganz offen vor allem das verbunden, was in der Nazi-Zeit „Gleichschaltung“ genannt wurde – ein Begriff, der aus dem Bereich des Hörfunks stammt und ab 1933 für Maßnahmen des NS-Regimes stand, das diesen Begriff keineswegs scheute, sondern ihn in Bezug auf die „noch nicht Gleichgeschalteten“ vielmehr aggressiv anwandte. „Gleichschaltung“ ist ein Begriff, welcher der Sprache des Nationalsozialismus entstammt. Das Wort entstand 1933, als der Prozess der Vereinheitlichung des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens bei der Machtergreifung in Deutschland eingeleitet wurde. Ziel war es, bis 1934 den als „Zerrissenheit“ verstandenen Pluralismus in Staat und Gesellschaft aufzuheben.

Mit der Gleichschaltung strebte man an, alle Bereiche von Politik, Gesellschaft und Kultur gemäß den nationalsozialistischen Vorstellungen zu reorganisieren. Dies hatte oftmals die Eingliederung bestehender Organisationen in die NS-Verbände zur Folge. Für Organisationen und Institutionen, deren Existenz nicht infrage gestellt wurde, bedeutete „Gleichschaltung“ im Wesentlichen: Beseitigung demokratischer Strukturen zugunsten des „Führerprinzips“, somit die Einschränkung oder der Verlust der Individualität beziehungsweise der Unabhängigkeit, Mündigkeit und Freiheit eines Menschen durch Regeln und Gesetze sowie sonstige Maßnahmen der Gleichsetzung und Vereinheitlichung der Massen.

Das war die Vergangenheit, doch wie sieht es heute, 70 Jahre nach der Nazi-Zeit, 50 Jahre nach dem neuen großen Versuch der 68- Bewegung, alle Lebensbereiche der deutschen Gesellschaft durch einen „langen Marsch durch die Institutionen“ gleichzustellen, aus? Hat der „Lange Marsch“, zu dem Rudi Dutschke aufgerufen hatte, stattgefunden und hat er Erfolg gehabt? Ich glaube, leider ja. Weitgehend ja.

Nennen wir als jüngstes Beispiel die Berichterstattung über eine wirklich demokratische, meist spontan entstandene Massenbewegung gegen ungezielte und als Fluchtbewegung bedauernswerter Asylanten missverstandene unbeschränkte Einwanderung (Pegida). Die massenhafte Einwanderung ganzer Völkerscharen aus dem Balkan und Afrika aus ausschließlich wirtschaftlichen Gründen ist offenkundig und auch keinesfalls getarnt. Doch wer das offen aussprach wie einige wenige Medien oder Einzelgänger unter den Kabarettisten und andere Publizisten wie Dieter Nuhr, wurde sofort als rechts, rechtspopulistisch oder fremdenfeindlich, als Verzerrung sogar rassistisch verteufelt und gebrandmarkt. Im Allgemeinen zieht auch nur eine einzige solche Diffamierung in der großen Öffentlichkeit eine Ausschaltung und ein bei nächster Gelegenheit folgendes Berufsverbot nach sich: Den wollen wir hier nicht noch einmal sehen. Dabei wird die Gleichheit und sogar die Wortwahl der Leitmedien „Spiegel“ und – meist mit dabei – „Süddeutsche Zeitung“ so offensichtlich und einheitlich, dass man ohne Zögern von einer Gleichschaltung sprechen kann.

So kam bei den Betroffenen solcher Berichterstattung spontan das Wort von der „Lügenpresse“ auf, und gerade diese, so zwar etwas übertriebene, aber in der Sache nicht falsche Bezeichnung tat ein Übriges, um die in für sie lebenswichtigen Fragen eben doch sehr gleichgeschalten Massenmedien aus ihrer Reserve zu locken. Ja, hieß die Antwort der Massenmedien, die sich selbst als „entschlossene Reaktion der demokratischen Öffentlichkeit“ selbst definierte und fortan ausgab, wir werden die rechtsstehende Bewegung und ihre Sympathisanten und Befürworter, als die man sogleich die Pegida, die AfD, führende Persönlichkeiten wie Frauke Petry oder Alexander Gauland ohne langes Zögern in einen Topf mit den stets namentlich nicht genannten „rechten Rattenfängern“ warf, entlarven und aus dem Dialog der Demokraten ausschließen. Ausschalten – man kann sagen – ausschalten. Gleichschalten oder ausschalten, das ist im Ernstfall die Frage, und den „kämpferischen Demokraten“ ist es sehr ernst – es geht ja um ihren Job – im Großen und im Kleinen – sprich vom kleinen, soeben eingestellten Lokalredakteur des „Kölner Stadtanzeigers“ bis zum Vizechef der „Bild“-Zeitung – auch er arbeitet nach dem Erfolgs-Prinzip und wird nach langer Mitarbeit, selbst bei mäßigem Erfolg als Vizechef der dpa belohnt und für sein Leben sicher gestellt, wie Sven Gösmann.

Dazu passt, neueste Meldung, die Ausladung Frauke Petrys aus einer Talkshow. Sie ist eine der üblichen Mittel. Ich selber bin zweimal zu Talkshows eingeladen worden und einen Tag vorher ohne Begründung ausgeladen worden.


S. 9 Kultur

Sommerliche Maskeraden
Korsett und Schnürstiefel statt Bikini und Flipflops − Auf Barockfesten feiern die Menschen in historischen Kostümen

Nicht nur im Karneval, auch zur Festivalzeit im Sommer rollt die Kostümwelle heran. In die gute alte Vergangenheit des Barock zu schlüpfen, wird immer beliebter.

Kleider machen nicht nur Leute, sie lassen auch Geschichte lebendig werden. Allein im Au­gust stehen alljährlich mit Ei­chenzell, Berlin und Gotha drei herausragende Treffpunkte des militärischen und höfischen Ba­rock auf dem Veranstaltungskalender der Kostümfreunde.

Die beliebteste Epoche ist das Mittelalter. Wohlbekannt sind Mittelaltermärkte. Mit der zunehmenden Sanierung der Burgen besonders im Osten der Republik ist daneben ein neues Angebot entstanden: Ritteressen, Hochzeiten und andere Feste. Längst begnügt man sich dabei nicht mehr mit dem historischen Gemäuer, sondern kleidet sich immer öfter auch im Stil der damaligen Zeit.

Der Spaß an der Zeitreise wird europaweit von vielen Vereinen gepflegt. Engagierte Kostüm­schneider gehören dazu. Die Königliche Hofschneiderei von Merseburg, untergebracht im Souterrain des von Preußen erbauten Ständehauses neben dem Dom-Schloss-Ensemble, ist dafür nur ein Beispiel, aber ein eindrucksvolles. Über dreitausend Kostüme hängen hier im Depot fein säuberlich nebeneinander. Geordnet nach Epochen, nach Frauen, Männern, Kindern, nach bürgerlicher, höfischer, militärischer, klerikaler Ausrichtung.

An einem Ständer ist „Schlossfest Weißenfels“ zu lesen. Denn hier werden Kostüme nicht nur nach historischen Vorlagen neu angefertigt, sie werden auch verliehen. Daneben lagern zu Hauf Perücken, Hüte, Pompadoure in Kartons und auf Regalen. Auch die Accessoires dürfen selbstverständlich nicht fehlen.

Träger der Königlichen Hofschneiderei mit einer fest angestellten Leiterin, zwei Näherinnen und einer Fachfrau für die Reinigung ist die Tanzgruppe Merseburg-Meuschau. Allein für das Merseburger Schlossfest wurden im Juni über 850 Kostüme benötigt, von denen im Anschluss jedes einzelne überprüft, bei Bedarf gereinigt und wieder einsortiert werden musste. Nach dem Stadtfest blieb kaum Zeit zum Atemholen, denn schon standen die Raßnitzer vor der Tür, um ihre 1000 Jahre zu feiern, und in Bad Dürrenberg war Brunnenfest. Die Kostümwelle, so möchte man meinen, rollt bis in den letzten Winkel der Republik. Denn auch – oder gerade – im Osten hat man nach der friedlichen Revolution die Geschichte wiederentdeckt.

Dabei hat sich „manche Dame beim Anblick der barocken Kleider umentschieden und vom Mittelalter Abstand genommen“, erklärt Chefin Kerstin Knobloch nicht ohne Stolz. Marco Karthe von Schloss Friedenstein in Gotha präzisiert jedoch: „Im Vergleich zum Mittelalter ist die Barockszene überschaubar, besonders die höfische, denn die militärische ist wesentlich größer.“

An Bühnen fehlt es nicht. Besonders im August finden alljährlich gleich drei herausragende Barockfeste statt. Den Anfang machte am zweiten August­wochen­ende (nächstes 13./14. August 2016) nach den Worten des Veranstalters, der Gesellschaft für hessische Militär- und Zivilgeschichte, Europas größte jährliche authentische, „Reenactment“ ge­nannte Geschichts-Schau des 18. Jahrhunderts auf Schloss Fasanerie in Eichenzell bei Fulda. Dabei verwandelten wieder rund 500 Historiendarsteller das Areal um die ehemalige Sommerresidenz der Fürst-Äbte von Fulda in ein lebendiges Museum aus der Zeit von 1740 bis 1785.

Neben dem Hochfürstlichen Füsilier-Regiment von Dithfurth, den Hessischen Feldjägern, dem Leibgrenadiergarde-Regiment No. 12 „Erbprinz v. Hessen-Darmstadt“, dem Infanterieregiment No. 3 Oranien Nassau, dem Cour de Cassel, der Großherzoglichen Leibgarde 1810 und dem Lazarett 1756 vervollständigten Händler, Handwerker oder Bettler das Bild der Gesellschaft vor 250 Jahren.

Authentizität wird dabei großgeschrieben. Wer als Darsteller oder Zuschauer im Kostüm teilnehmen will, muss strenge Anforderungen er­füllen. Schnitte und Materialien müssen für den genannten Zeit­raum his­torisch verbürgt sein; Farben, Stoffmuster, Frisuren, Kopfbedeckungen, Schuhe, Accessoires und so weiter der Zeit entsprechen. Im Umkehrschluss heißt das: kein Po­lyester, keine Perlonperücken, Gummizüge, Reißverschlüsse oder Gardinenspitzen.

Ein Kostümfest der Extraklasse versprechen die Veranstalter auch für das 6. Gro­ße Rokoko-Fest von Schloss Friedrichsfelde im Tierpark Berlin am 22. und 23. August, jeweils von 10 bis 17 Uhr. Eher unterhaltsam entführt man hier den Besucher in die Zeit von Friedrich dem Großen, der mehrfach in dem Schloss zu Gast war. Neben Schlossmarkt und Konzerten, Kutschfahrten, barocken Spielen, barocker Reitkunst und Fechtshows runden rund 250 Tänzer und Akteure in historischen Kostümen das Programm ab. Höhepunkt ist der Rokoko-Ball, wo man am Sonnabend erleben darf, wie sich ein Schlossfest im Rokoko anfühlte.

Erstmalig krönt auch Gotha Mitteldeutschlands größtes Ba­rockfest auf Schloss Friedenstein am letzten August-Wochenende mit einem historischen Ball. Die 90 Plätze im Marstall sind seit Langem ausverkauft. Das in seinen Abmessungen von 86 mal 65 Metern besonders große Schloss mit dem ältesten barocken Theater weltweit, seinen zahllosen Räumen und kostbaren Sammlungen, die seit 2009 neu geordnet auf mehrere Museen verteilt sind, bildet als barockes Universum den perfekten Rahmen, um die Zeit von Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg (reg. 1732−1772) und seiner Ge­mahlin Luise Dorothea wieder zum Leben zu erwecken.

Schon Friedrich der Große, der Gotha zweimal besuchte, war so angetan, dass er annähernd 27 Jahre im Briefwechsel mit der Herzogin stand. 70 seiner Briefe sind im Thüringischen Landesarchiv Gotha erhalten. Das Barock­fest will auch er sich nicht entgehen lassen. An die 600 Personen in Kostümen bevölkerten im letzten Jahr das Schlossareal, rund 7000 stürzten sich insgesamt in das bunte Treiben aus historischem Markt und kulinarischen Genüssen, höfischem Tanz und hochkarätiger Musik, barockem Theater und barocker Reitkunst, Karussell- und Kutschfahrten sowie großem Feuerwerk. Ein Wochenende lang wird Gothas barockes Universum fast rund um die Uhr an jeder Ecke bespielt, sind alle Museen geöffnet. Wer sich noch kurzfristig „barockisieren“ möchte, findet im Schlosshof unter den Arkaden einen Ko­stümverleih. Helga Schnehagen


Gelübde erfüllt
Als Franz Werfel in den USA ein Lied über eine Heilige sang

Franz Werfel gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter des 20. Jahrhunderts. Seine Romane wie „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ oder „Der veruntreute Himmel“ waren Bestseller. In diesen Tagen fallen gleich zwei Jahrestage zusammen: 125 Jahre ist es her, dass er am 10. September 1890 in Prag geboren wurde, und vor 70 Jahren starb er am 26. August 1945 in Kalifornien.

Der liberal ausgerichtete Glaube der jüdischen Eltern übte auf das Kind nur wenig Einfluss aus. Hingegen weckte die von ihm über alles geliebte katholische Hausmagd Barbara Simunkova in dem sensiblen Jungen schon früh eine Empfänglichkeit für die katholische Glaubenswelt. Bereits in jungen Jahren gelang es Werfel, sich als Schriftsteller zu etablieren. Un­terstützt wurde er da­bei von Alma Mahler, der einflussreichen Witwe des Komponisten Gustav Mahler, die er 1929 heiratete.

Nach dem erzwungenen „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 floh Werfel mit seiner Frau nach Frankreich. Nachdem das Land jedoch im Sommer 1940 von deutschen Truppen überrollt worden war und vor dem Gegner kapitulierte, waren die Werfels auch hier ihres Lebens nicht mehr sicher. Die beiden versuchten aus Frankreich herauszukommen und in die USA zu emigrieren. Doch die Flucht erwies sich schwieriger als gedacht. Wochenlang mussten sie sich in dem Wallfahrtsort Lourdes verbergen. In dieser Zeit befasste sich Werfel intensiv mit den Geschehnissen um die junge Bernadette Soubirous, der nach ihren eigenen Angaben mehrmals Maria an einer bestimmten Quelle jenes Ortes erschienen war, und wo in der Folgezeit eine Reihe von Krankenheilungen geschehen sind.

Werfel gelobte, dass er im Falle einer geglückten Emigration „vor jeder andern Arbeit das Lied von Bernadette singen (will), so gut ich es kann“.

Schließlich gelang es Werfel und seiner Frau, unter abenteuerlichen Umständen zu Fuß über die Pyrenäen nach Spanien zu flüchten. Von Lissabon aus erreichten sie dann auf einem griechischen Dampfer am 13. Oktober 1940 New York. Im amerikanischen Exil machte sich Werfel sofort daran, sein Gelübde zu erfüllen. Sein Roman „Das Lied von Bernadette“ wurde ein Verkaufsschlager und umgehend von Hollywood verfilmt.

Franz Werfel bekannte einmal, „ein christusgläubiger Jude“ und „trotzdem ein ungetaufter Jude“ zu sein. Nachdem jedoch nach seinem Tod in Beverly Hills auf der Trauerfeier der mit den Werfels befreundete Jesuitenpater Moenius vieldeutig davon gesprochen hatte, dass die Kirche „drei Arten von Taufen“ anerkenne: Die Wassertaufe, die Nottaufe und die Begierdetaufe, wurde darüber spekuliert, ob am Ende bei dem Verstorbenen doch eine der drei Taufarten stattgefunden habe.

Matthias Hilbert


Der Ursecessionist
Hommage an den Maler F. G. Waldmüller

Das österreichische Pendant zu Carl Spitzweg war Ferdinand Georg Waldmüller. Er gilt in seiner Heimat als bedeutendster Maler der Biedermeierzeit und des Wiener Vormärz. Zum 150. To­destag des am 23. August 1865 gestorbenen Künstlers zeigt das Wiener Museum Oberes Belvedere noch bis zum 26. Oktober mit einer großartigen Hommage an Waldmüller die vielfältigen Facetten des Malers.

Grundlage der Ausstellung bildet dabei die eigene reichhaltige Waldmüller-Sammlung. Der 1793 in Wien geborene Künstler zeigt sich da­bei als Meister sowohl der Landschafts- als auch der Porträt- und Genremalerei.

Den Anfang seines Schaffens bildeten die Porträts. Beson­ders in der Frühzeit weisen seine Bildnisse zum Teil noch stark idealisierende Züge auf. Diese Tendenzen änderten sich, als Waldmüller in der Landschaftsmalerei ab 1830 der „Naturwahrheit“ nahekommen wollte. Sein Leben lang strebte er nach der optimalen Wiedergabe des Gesehenen. Wesentliche künstlerische Eindrücke gewann er auf Reisen nach Italien und Paris. Seine landschaftlichen Motive hingegen fand er bevorzugt im Salzkammergut und in der Umgebung von Wien.

Lange Zeit war Waldmüller vor allem durch seine Genremalerei bekannt. Nach dem Vorbild der „Lebenden Bilder“ gestaltete er Szenen mit Modellen, die er einzeln oder in Gruppen in sein Atelier be­stellte, um sie abzumalen. Einen Namen machte er sich be­son­ders mit seinen prächtigen Kinderleben.

Als der Hi­storismus in der Malerei Einzug hielt, sank Waldmüllers Stern am Ende seines Lebens rasch. Nach seinem Tod im bei Wien gelegenen Hinterbrühl wurde es daher still um den Künstler. Das änderte sich erst, als ihn die Wiener Secessionisten entdeckten und er von ihnen posthum zum „Ursecessionisten“ ernannt wurde. H. Tews


Köstliche Klänge im Weinberg

Als Klingende Kulturlandschaft präsentiert sich das Sächsische Elbland in diesem Sommer. Der Landstrich zwischen Dresden und Torgau ist besonders vom kulturellen Erbe kunstsinniger Regenten aus Renaissance und Barock geprägt. Heute dienen die Jagd‐ und Lustschlösser, Burgen und Gärten ebenso wie Weingüter als Spielstätten für Künstler von Weltrang.

Seit 22 Jahren dient die Moritzburg als Spielstätte für das bedeutendste Kammermusikfestival Deutschlands. Beim Moritzburg-Festival, das noch bis zum 30. Au­gust stattfinden wird, treten einige der besten Musiker des Landes sowie ausgewählte Nachwuchstalente unter der Leitung Jan Voglers auf (www.moritzburgfestival.de).

Noch bis zum 13. September läuft in Schlössern des Meißner Umlands die Konzertreihe „Mu­sik an den Höfen des Meißnischen Landadels“. Dabei treten meisterhafte Solisten und Ensembles aus Deutschland und Europa auf. Die sonst nicht zugänglichen Schlösser können am Tag der Konzerte besichtigt werden (www.boerse-coswig.de).

Unter dem Titel „Klassik im Weinberg“ tritt die Elbland Philharmonie Sachsen auf Weingütern auf. Die nächsten Konzerte finden jeweils in Meißen am 22. August auf dem Weingut Ricco Hänsch und am 23. August auf dem Weingut Vincenz Richter statt (www.elbland-philharmonie-sachsen.de). tws


S. 10 Geschichte

»Den Interessen des Staates gebührt der Vorrang«
Vor 300 Jahren starb der »Sonnenkönig« Ludwig XIV. von Frankreich in Versailles, seinem Stein gewordenen Selbstverständnis

Nein, er war nicht der Begründer des Absolutismus und hat jenen berühmten Satz „L’état, c’est moi“ (Der Staat bin ich) niemals ausgesprochen. Tatsächlich gesagt aber hat er: „Den Interessen des Staates gebührt der Vorrang.“ Und selbiges lebte er durchaus auch vor.

Obgleich ihm sein Leibarzt Antoine Daquin zur Krankheitsvorbeugung sämtliche Zähne, darunter auch die wenigen verbliebenen guten, ziehen ließ (und unbeabsichtigt Teile des Kiefers gleich mit), war er mit einem ungeheuren Appetit gesegnet – und dieses nicht nur auf erlesene Speisen und Getränke. Er zeugte mindestens 17 Nachkommen mit vier verschiedenen adligen Damen, liebte Billard und seine drei Meter lange Badewanne pour deux, in der er im Badeanzug zu planschen pflegte. Er trug eine schulterlange Allongeperücke, die selbst den 68er-Kommunarden Rainer Langhans erblassen ließe, und hält einen Weltrekord: Kein König oder Kaiser saß je länger auf dem Thron als er. Ludwig XIV., der französische „Sonnenkönig“, brachte es auf 72 Jahre, seine Kinderjahre mit eingerechnet.

Auf etlichen Gebieten war der am 5. September 1638 geborene Bourbone erfolgreich und geschickt. „Die ganze Kunst der Politik besteht darin, sich der Zeit-umstände richtig zu bedienen“, sinnierte er einmal. An seiner schillernden Persönlichkeit scheiden sich indes die Geister. Damals wie heute.

Den einen stärkte er Frankreichs Macht, nicht zuletzt durch die schlagkräftigste Armee Europas, sowie dessen kulturelle Stellung in der Welt, förderte er doch die Künste in vorbildlicher Weise – auch durch eine überaus rege Bautätigkeit. Ähnlich wie sein bayerischer Bewunderer und Namensvetter Ludwig I. verhilft er mit Versailles bis zum heutigen Tag der französischen Volkswirtschaft zu zahlenden Besuchern aus aller Welt. Jährlich drei Millionen sind es mittlerweile. Und mit dem idyllischen „Canal du Midi“ hat er, ganz unwillentlich, eine weitere Preziose hinzugefügt.

Den anderen war er zu kriegerisch. Und den Hugenotten wurde er gar zum Inbegriff des Schreckens. Diese glaubensstarken Tapferen wurden entrechtet, entehrt, grausam gefoltert, getötet oder endeten als Galeerensträflinge auf Lebenszeit. Hunderttausende von ihnen flohen im Zuge der Aufhebung des Edikts von Nantes durch das Edikt von Fontainebleau außer Landes. Der Exodus der wohlhabenden, handwerklich wie akademisch begabten Hugenotten erwies sich für Frankreich als wirtschaftlich und militärisch ruinöser Verlust.

Für viele geschichtsbewusste Franzosen ist nicht etwa er, der „Sonnenkönig“, sondern vielmehr sein Großvater Henri IV. unumstritten der größte aller französischen Könige, „le bon roi“. Doch auch Ludwig XIV., der seines Opas friedensstiftendes Edikt von Nantes schmählich widerrief, wird bis heute mit recht wohlwollendem Respekt geehrt. Die Franzosen folgen darin Voltaire: „Er hat Mängel und Gebrechen gehabt, er hat Fehler begangen – aber würden die, die ihn verurteilen, ihn erreicht haben, wenn sie an seiner Stelle gewesen wären? Man wird seinen Namen nicht ohne Ehrfurcht aussprechen können.“

Als Ludwig XIV. vor 300 Jahren – am 1. September 1715 – starb, wurde sein Sarg vom niederen Volke noch bespuckt. Nicht nur, weil das Land am Ende seiner Regentschaft wirtschaftlich so danieder lag wie noch niemals zuvor und die Währung ruiniert war. Womöglich waren diese Hasserfüllten sogenannte Irre, Hexen und Zigeuner, Vagabunden, Straßenmädchen. Zehntausende von ihnen nämlich ließ der „Gottgegebene“ (Dieudonné) mittels königlicher Edikte wegsperren.

Da sich Frankreich naturgemäß nach Westen hin nicht mehr ausdehnen konnte, raubte Ludwig in seinen „Reunionskriegen“ eben östlich an holländischem und deutschem Terrain alles zusammen, dessen er nur habhaft werden konnte. Um die überaus fragwürdigen französischen Ansprüche zu untermauern, wurde ungeniert bis auf Urkunden aus der Merowingerzeit zurückgegriffen. Seine losgelassenen Soldaten brandschatzten und vergewaltigten namentlich in der Pfalz, an Saar und Mosel, im Hunsrück, der Eifel und den Ardennen. Beileibe nicht nur das romantische Heidelberger Renaissanceschloss wurde ein Opfer der Erbarmungslosigkeit.

„Es ist leichter, Europa zu einigen, als zwei zerstrittene Frauen miteinander auszusöhnen“, scherzte der Monarch. Und irrte epochal. Das Elsass – das seit 925 zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gehörte – wurde während seiner Regentschaft de jure französisches Terrain. Und blieb bis in die Neuzeit ein glühender Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich. In seiner „Kriegsgeschichte“ geht der britische Feldmarschall Bernard Montgomery mit dem Roi-Soleil hart ins Gericht: „Keiner der Männer, die es unternommen haben, Europa zu beherrschen, ist für die Europäer so lange zur Plage geworden wie Ludwig XIV.“

Für seinen Ruhm war dem eitlen Monarchen das Allerbeste gerade angemessen. In dem Dorf Versailles ließ er sich von 20000 Arbeitern binnen zwei Jahrzehnten eine grandiose Residenz errichten; das Hauptgebäude allein umfasst 700 Zimmer. In dem Schloss wurde Tag und Nacht gefeiert, Prunk und Ausschweifung zelebrierten ihre Hochzeit. Der „Maître de Plaisir“ (heute würde man ihn wohl „Event-Manager“ heißen) zog die Fäden und ein Zeremonienmeister kontrollierte penibel den Tagesablauf des etikettenstrengen Königs. Bei dessen „Morgenritual“ (Lever du roi) waren ab 8 Uhr in gradueller Abfolge 200 höchst beflissene Untertanen zugegen, darunter die eminenten „Nachtstuhl-Inspektoren“ und sogar der „Oberwolfsjäger“. Zum Reichen eines Nastuchs war bloß ein erlauchter Bediensteter befugt, für die Überreichung eines Glases wurden hingegen viere als geziemend erachtet. Während der Rasur saß der Dieudonné auf dem Nachttopf.

Hygiene wurde in Versailles kleingeschrieben, Parfüm wurde Wasser bei Weitem vorgezogen; die Säle wurden denn auch nach einigen Stunden gerne gewechselt, weil es dort alsbald überaus streng roch. In den Gärten wurde die Notdurft verrichtet. Oder inwendig, worüber die herzhafte Liselotte von der Pfalz heftig die Nase rümpfte: „An eine schmutzige Sach kann ich mich hier am Hof nicht gewöhnen, nämlich daß alle Leute in den Galerien vor unsern Kammern in alle Winkel p … und daß man nicht aus seinem Appartement gehen kann, ohne jemanden p … zu sehen.«

Am 7. Juli 1683 begaben sich der Monarch, seine Gattin und der Dauphin mit dem ganzen Versailler Hof ins heutige Saarland. Denn dort, auf damals noch lothringischem Gebiet und auf Sumpf wie in Versailles, ließ er zum Schutz der Außengrenzen von seinem genialen Militärbaumeister Sébastien le Prestre de Vauban eine glänzende, barocke Wasserfestung errichten, die nach ihm benannt wurde und heute noch seinen Namen trägt: Saarlouis, ursprünglich: Sarre-Louis. Damit es auch der Nachwelt klar sei, wer hier gewirkt habe, wurde sogleich eine Münze geprägt. Mit dem Bildnis Ludwigs und der Inschrift „Ludovicus Magnus Rex Christianissimus“.

Die Reunionen und der Hass auf die Hugenotten erschütterten jedoch die europäische Vormachtstellung Ludwigs. Der angesehene deutsche Historiker Veit Valentin (1885–1947) schrieb: „Er führte seine Epoche viel weniger an, als es schien. Sein ursprünglich so wacher politischer Instinkt verdunkelte sich in einer Dogmatik, von der sich loszumachen ihm Kraft und Beweglichkeit fehlten.“

Wachsende Angst vor Höllenpein ließen den alternden König, der das damals biblische Alter von fast 77 Jahren erreichen sollte, tagtäglich in einer Kapelle beten. Die Marquise de Maintenon, seine zweite, morganatische Gemahlin, ironischerweise Tochter eines Hugenotten, soll sein religiöses Erbeben unentwegt gestärkt haben. Dies blieb nicht wirkungslos. „Meine Herren, warum weinen Sie, dachten Sie denn, ich sei unsterblich? Ich für meine Person habe das nie geglaubt!“, ließ er seine Höflinge auf dem Totenbett wissen.

Was bleibt vom Leben eines nahezu vaterlos aufgewachsenen Jungen, der bei 1,63 Meter Körpergröße mit verblüffender körperlicher Robustheit seinen Gebrechen trotzte und nie eine Berufswahl hatte? Ein Prägestempel in der europäischen Geschichte: Ja. Sein Minister Jean-Baptiste Colbert erfand beispielsweise den Merkantilismus und ging damit in die Wirtschaftsgeschichte ein. Manufakturen, Vorläufer der Fabriken, erblickten das Licht der Welt. Bei seinem Amtsantritt umfasste die Kriegsflotte 20 Schiffe, 1690 waren es 270 und Frankreich zur Seemacht aufgestiegen.

Als im Zuge der Französischen Revolution am 15. Oktober 1793 auch Ludwigs Grablege in der Kathedrale von Saint-Denis Opfer von Plünderungen wurde, zeigte sich, dass sein einbalsamierter Leichnam erstaunlich gut erhalten war. Sein gedunkeltes Antlitz soll eine „majestätische Arroganz“ ausgestrahlt haben. Der Leichnam wurde barbarisch traktiert, sodann vorübergehend wie jene anderer Monarchen in eine Erdgrube geworfen und mit Löschkalk bestreut. Sein 1715 getrennt bestattetes Herz wurde späterhin in die Kathedrale von Saint-Denis übergeführt. Viel mehr an Gebeinen ist dort von ihm nicht mehr aufzufinden, zumal die nach den 157 Grabschändungen wieder zusammengetragenen sterblichen Überreste von 52 Königen mangels Identifikationsmöglichkeiten in einem Beinhaus beieinanderliegen. Norbert Breuer-Pyroth


Iwans VI. Verbrechen war es, geboren zu sein
Im Zangengriff von Günstlingen: Der russische Thron wurde ihm zum Verhängnis – Zum 275. Geburtstag des Kinderzaren

Normalerweise ist ein russischer  Zar groß und mächtig und bestimmt über die Geschicke seines Reiches. So war es zumindest, bevor Iwan VI. 1740 im zarten Babyalter von zwei Monaten inthronisiert wurde. Geschichten über das Schicksal des Kindermonarchen lesen sich wie ein Krimi. Iwan VI. musste nicht nur einen Großteil seines Lebens in Verbannung und in Einzelhaft verbringen, sein Name sollte für immer aus den Annalen verschwinden. Sein einziges Verbrechen war, jemals geboren worden zu sein.

Im Grunde ist das tragische Schicksal des Kinderzaren auf eine Entscheidung des Reformers Peter des Großen zurückzuführen. Kurz vor seinem Tod hatte dieser verfügt, dass der jeweils regierende Zar seine Nachfolger selbst ernennen solle. Das führte nicht nur dazu, dass die Romanow-Dynastie in große Schwierigkeiten geriet, da die Zaren nun ernannt und nicht mehr durch das Erstgeburtsrecht bestimmt wurden, es führte auch zu großen Intrigen am Hof. Die Thronwechsel bis zum Regierungsantritt von Peters Tochter Elisabeth waren von Machtkämpfen der jeweiligen Günstlinge begleitet. Als Peter 1725 starb, waren seine herangewachsenen Kinder Anna, Elisabeth und Alexej nicht in der Lage, die Regentschaft zu übernehmen, und er setzte seine Gemahlin Katharina, die litauische Magd des Marienburger Probstes Ernst Glück, auf den Thron. Damit war die Ära von Ausländern, die einen großen Einfluss auf russische Regierungsangelegenheiten hatten, gelegt. Diese sollte sich forstetzen, als Zarin Anna Iwanowna 1740 den minderjährigen Enkel ihrer Schwester Katharina, das erstgeborene Kind von Anton Ulrich d.J. von Braunschweig und dessen Frau Anna Leopoldowna als Regenten einsetzte. Die kinderlose Kaiserin Anna I. sah in der Vermählung ihrer Nichte mit dem Braunschweiger die einzige Möglichkeit, die Thronfolge zugunsten der Romanows zu sichern, da Elisabeth ihr nicht als Thronanwärterin galt. Als Anna I. im September einen Schlaganfall erlitt, bestimmte sie den am 23. August 1740 geborenen Säugling zu ihrem Nachfolger.

Die Regentschaft in Vertretung für den minderjährigen Zaren übertrug sie dessen Mutter und einem Zaren-Günstling, dem kurländischen Herzog Ernst Johann von Biron. Schon bald kam es zum Bruch Anna Leopoldownas mit Biron, neben dem der Bochumer Pastorensohn Heinrich Johann Fried-rich Ostermann und Feldmarschall Burkhard Christoph von Münnich die Fäden in der Hand hielten. Die Kontiunität der Regierenden beruhte jedoch auf dem Nichtregieren der Herrschenden. Der Unmut des russischen Adels gegen alles Deutsche wuchs. So kam es 1941 zum politischen Umsturz. Peters des Großen Tochter Elisabeth Petrowna (1709–1762) riss die Macht für die nächsten 20 Jahre an sich.

Den entthronten Zaren Iwan VI. und dessen Familie schickte sie in die Verbannung, zunächst ins Kloster Cholmogory bei Archangelsk. Später wurde das Kind von seinen Eltern getrennt und an geheimen Orten gefangen gehalten. Niemand sollte seinen Aufenthaltsort wissen, selbst die Wachen durften nicht erfahren, wen sie gefangen hielten. Niemand durfte mit ihm sprechen. Elisabeth befürchtete, dass ihre Gegner versuchen könnten, Iwan zu befreien und ihr den Thron streitig zu machen.

Auch Elisabeths Nachfolgerin Katharina II. (1729–1796) witterte Gefahr. Es gibt das Gerücht, dass sie in Erwägung gezogen haben soll, Iwan VI. zu heiraten, doch nachdem sie ihm in seiner Gefangenschaft einen Besuch abgestattet hatte, habe sie festgestellt, dass er durch die jahrelange Isolation schwachsinnig geworden sei. Es wird aber auch überliefert, dass Iwan sich durchaus seiner Herkunft bewusst gewesen sei und sich selbst Zar genannt habe. Da sie ihre Intrige nicht geheimhalten konnte, gab Katharina den Befehl, den „Gefangenen Nr. 1“ sofort zu töten, sollte sich ein Unbefugter in die Nähe seines Verlieses wagen. Wenig später fand sich ein Leutnant, der genau dies tat. Die Wächter befolgten den Befehl der Zarin, sodass Iwan VI. am 5. Juli 1764 nach einer 23-jährigen Haft in Schlüsselburg bei St. Petersburg, vermutlich nach den Plänen Katharinas II., ermordet wurde.

Manuela Rosenthal-Kappi


S. 11 Preussen

Auch Majestät haben herzhaft gelacht
Erinnerung an den Dialektrezitator Robert Johannes, den Schöpfer von »Tante Malchen« und »Klempnermeister Kadereit«

Im Oktober 1921 schrieb Ignaz Wrobel alias Kurt Tucholsky in der Wochenzeitschrift „Weltbühne“: „Vor Jahren durchzog der ostpreußische Humorist Robert Johannes die Lande und ergötzte mit seinen ‚bräiten Jedichten‘ die Leute. Wenn er, als Tante Malchen verkleidet, seine Abenteuer vortrug und ‚Erbarmung!‘ rief, dann lachte alles und freute sich über diesen gleichermaßen schwerfälligen wie wirklich humoristischen Dialekt.“ Seinerzeit der bekannteste ostpreußische Dialekt-rezitator, ist Robert Lutkat, wie er eigentlich hieß, heute fast vergessen.

Wer schreibt, bleibt, sagt man. Glücklicherweise gilt das auch für Robert Johannes (1846–1924), dessen köstliche Verse und Anekdoten schon zu seinen Lebzeiten gedruckt wurden. Daher erinnert man sich seiner nicht nur im Rück­blick auf seine glänzende Karriere als Rezitator ostpreußischer Mundart, sondern auch als Erfinder der ostpreußischen Originale Tante Malchen aus Königsberg und Klempnermeister Kadereit aus Insterburg, welche er in seinen hinreißenden Auftritten auf urkomische Weise verkörperte.

Von 1891 bis 1913 war Robert Johannes ein gefeierter Bühnenkünstler in Ostpreußen sowie im Reich, wie man zu sagen pflegte. Da seine Anhänger nicht nur etwas von ihm hören, sondern auch lesen wollten, erschien 1902 unter dem Titel „Deklamatorium“ ein erster schmaler Band mit seinen Versen und Texten in „Keenigsbarsch“, dem bald weitere folgten. Es wurden schließlich neun Bände mit jeweils bis zu sechs Auflagen. Insgesamt wurden 165000 Exemplare abgesetzt. Wegen der anhaltenden Nachfrage erschienen 1953 bei Gräfe und Unzer Nachdrucke unter dem Titel „Klops und Glumse aus Keenigsbarg und Ostpreußen, Erste bzw. Zweite Auslese“.

Es gilt als ausgemacht, dass die Späße aus der Feder von Robert Johannes den typisch ostpreußischen Humor zum Ausdruck gebracht haben. Indem der Künstler auf der Bühne in die Identität seiner fiktiven Figuren schlüpfte, plachanderte er mit seiner viel gerühmten wandelbaren Stimme und lebhaftem Mienenspiel genüsslich und gemütlich über Gott und die Welt. Tante Malchen und Kadereit waren seine Hauptprotagonisten, doch außer ihnen kreierte er noch einige andere „schlichte Charaktere“, um seinen Bühneninszenierungen weitere Akzente hinzuzufügen. Zwar verkörperten Tante Malchen & Co. naive Persönlichkeiten aus der östlichsten deutschen Provinz, doch sie hatten durchaus auch eine andere Seite, steckten doch in ihren wortreichen Einlassungen allerhand Anspielungen. Indem die resolute Malchen und der biedere Kadereit eine Sache, die sie aufspießen wollten, üblicherweise „hinten herum“ angingen, zogen sie auch gern einmal über ihre Mitmenschen her, aber es war ein eher gutmütiger Spott. Vor den Zuständen in Staat und Gesellschaft machten diese Possen nicht Halt, denn eine solche Klaviatur benötigt ein Kabarettist nun einmal, wenn er sein Publikum zum Lachen reizen will. Klempnermeister Kadereit rollt zum Beispiel seine Kritik an der sogenannten modernen Kunst mit der scheinheiligen Frage auf: „Wie kocht man einen delikaten Grütz?“

Mit seinen Auftritten erreichte Robert Johannes, dass die Menschen Tränen lachten, ob es sich um ein städtisches Auditorium handelte oder um weniger anspruchsvolle Besucher seiner Vorstellungen in einer stillen Landstadt. Fürstlichkeiten und Majestäten machten dabei keine Ausnahme. Dreimal wurde Robert Johannes von Kaiser Wilhelm II. eingeladen, während seiner Jagdaufenthalte in Rominten vor ihm und seiner Hofgesellschaft aufzutreten.

Robert Johannes hieß eigentlich Robert Lutkat. Seinen Künstlernamen Johannes legte er sich in Anlehnung an den Namen einer Jugendfreundin zu, wie es heißt. Er wurde am 26. September 1846 als Sohn eines Gerichtssekretärs in Insterburg geboren, wo er auch das Gymnasium besuchte. Die finanziellen Verhältnisse seiner großen Familie ließen aber kein Studium zu. So erlernte er den Uhrmacherberuf, um anschließend eine Stelle als Techniker bei der preußisch-russischen Telegrafengesellschaft anzutreten. Lange hielt er es dort nicht aus. Mit 23 Jahren hängte er den Brotberuf an den Nagel und ging zum Theater. Seine ersten Engagements erhielt er in Tilsit und Memel. Insgesamt stand er 18 Jahre auf der Bühne, davon zehn Jahre am Königsberger Stadttheater, wo er überwiegend auf das Fach des Charakterkomikers festgelegt war. Weiterhin spielte er in Hamburg und Lübeck, wo er mehrmals den Dichter Emanuel Geibel traf, sowie auf deutschen Bühnen in Lodz, St. Petersburg, Moskau, Kiew und Odessa. Seine Ehefrau Marie, geborene Krause unterstützte ihn in allen seinen künstlerischen Bestrebungen, obwohl die Gagen eines Schauspielers niedrig waren und für den Unterhalt der acht gemeinsamen Kinder kaum ausreichten.

Im Jahre 1891 wagte Johannes den Schritt in eine Karriere als Solokünstler. In Insterburg gab er seine ersten Vortragsabende mit Rezitationen und wurde daraufhin gebeten, auch andernorts in Ostpreußen aufzutreten. Unterdessen hatte er ein eigenes Programm mit eigenen Textdichtungen im Königsberger Platt ausgearbeitet. In Königsberg sprach man zwar ein gutes Hochdeutsch, doch bei den Arbeitern auf dem Bau, im Hafen und im Umland war das gemütliche, „bräite“ heimatliche Platt gang und gäbe. Johannes bediente sich einer Mischung aus Hoch- und Plattdeutsch. Mit seinen Vertellkes und den heiteren, teils auch ernsten Versen über Land und Leute traf er den Geschmack eines großen Publikums in der Kaiserzeit, als die Kleinkunst erblüht und die mundartliche Dichtung populär geworden war.

So wurde Johannes ein über Ostpreußens Grenzen hinaus bekannter und gefragter Vortragskünstler. Regelmäßig ging er auf Tournee durch Deutschland, trat unter anderem in Leipzig, Dresden, Chemnitz, Hamburg, Hannover, Köln und Frankfurt am Main auf. Sogar in Berlin konnte er große Säle füllen. In einem einzigen Jahr hatte er dort 28 Auftritte, was bei dem reichhaltigen kulturellen Angebot in der Reichshauptstadt eine erstaunliche Zahl war. Wohl um sich von der Konkurrenz abzusetzen, bezeichnete sich Johannes als „Erster ostpreußischer Dialekt-Rezitator“.

Im Jahre 1913 setzte er sich zur Ruhe. Schon einige Jahre vorher war seine Frau gestorben. Die Sommermonate verbrachte er seither im Ostseebad Rauschen in seinem Haus „Roland“ am Saßauer Weg. Er war und blieb populär. In Rauschen wurde ein Aussichtspunkt nach ihm „Ro­bert’s Ruh“ benannt. Durch die Inflation verlor der 77-Jährige sein Vermögen, doch blieben ihm die guten, treuen Freunde. Nach seinem Tod am 20. November 1924 nahm ihm der Bildhauer Stanislaus Cauer, Lehrer an der Königsberger Akademie, die Totenmaske ab. Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit wurde er im Königsberger Krematorium eingeäschert.

Gern schlachtete Johannes die bedeutende Rolle aus, die der Klops in der Ernährung der Ostpreußen spielte. So schrieb Tante Malchen in einem Brief an Jettchen Bludat aus Goldap, seinerzeit Dienstmädchen in Berlin-Charlottenburg: „Wie viele alte Freinde möchst du hier wiederfinden, wenn du mal kommst. Neilich geh ich so vor mich hin durch die Fließstraß‘, da kommen zwei Herrens an, ich seh – ist es doch wahr und wahrhaftig der Herr Robert Johannes mit dem Klempnermeister Kadereit aus Insterburg. ‚Na, nu geht die Welt unter’, sag‘ ich. ‚Ihr beide, wo ihr euch ewig und drei Tage mit Prozessen in die Haare gelegen habt – und nu wie Kastor und Phylax, zwei Seelen und ein Gedanke – zwei Kartoffeln und ein Klops!‘ ‚Ja‘, sagt Herr Johannes, ‚wenn Sie, Tante Malchen, gitigst den Klops übernehmen, dann können wir uns als ein scheenes Gericht abphotografiren lassen! Herr Kadereit weiß jetzt, was er an mir hat, ich habe ihn gewissermaßen hoffähig gemacht. Haben Sie nicht gelesen, Malchen, wie Sr. Majestet unser allergnädigster Kaiser gelacht haben, als ich ihm die herrliche Rede von meinem Freunde Kadereit vorgetragen habe – nächstens bammelt ihm der Orden für Kunst und Wisssenschaft hier im Knopfloch, das sollen Sie mal sehen!‘“

Über einen seiner Auftritte war zu lesen: „Er strömt auf die Hörer eine erquickende Gemütlichkeit aus, seine liebenswerte Persönlichkeit nimmt die Menschen sogleich gefangen, wenn er sie aus seinem charaktervollen Komikergesicht mit den hellen blauen Augen anblitzt und ein breites behagliches Lachen über seine Züge huscht, denen ein leicht trauriger Zug nicht fehlt. Und wenn dann aus diesem Mimengesicht der Schalk aus unzähligen kleinen Fältchen strahlt, aus ihm unter Lachen leiser Ernst hervorbricht und der Mund die herrlichen Bildungen ostpreußischer Mundart hervor schmettert – dann bersten schier die Wände von den schützenden Lachsalven und dem donnernden Beifall.“

Dagmar Jestrzemski


Karriereoffizier ohne Skandale
Vor 175 Jahren wurde der preußische Generalleutnant Wilhelm von Livonius geboren

Wilhelm von Livonius, dessen Geburtstag sich jetzt zum 175. Male jährt, gehörte zu den zahllosen preußischen Offizieren, die durch ihren Einsatz dafür sorgten, dass der Deutsch-Französische Krieg mit einem Sieg der Truppen des Norddeutschen Bundes und seiner Verbündeten endete. Dafür stieg er später bis zum Generalleutnant auf.

Die Familie Livonius stammte ursprünglich aus Mecklenburg. Allem Anschein nach zeigten die Männer des Geschlechts zunächst keine besondere Neigung, den Soldatenberuf zu ergreifen: Die Stammreihe weist vorwiegend königlich-preußische Amtsräte, Rektoren und Pfarrer auf. Und auch Daniel Karl Livonius brachte es nur bis zum Hauptmann, ehe er Postmeister wurde. Dafür gelang es dann aber seinen beiden Söhnen namens Otto Daniel und Carl Werner Wilhelm, die militärische Karriereleiter fast bis zur Spitze zu erklimmen: Der Erstere beendete seine Laufbahn als Vizeadmiral und Direktor der Kaiserlichen Admiralität, der andere als Generalleutnant. Dabei verlief der Lebensweg von Wilhelm, der am 28. August 1840 in Herzberg an der Elster geboren worden war, bemerkenswert geradlinig und frei von jedem Skandal.

Nach dem Besuch der Kadettenanstalt erfolgte 1860 die Beförderung zum Sekondelieutnant beim 29. Infanterie-Regiment in Trier; dem schloss sich ein mehrjähriger Dienst im 7. Rheinischen Infanterie-Regiment Nr. 69 an, mit dem Livonius dann auch 1866 in den Deutschen Krieg zog. Vier Jahre später brach der Deutsch-Französische Krieg aus, in dessen Verlauf der nunmehrige Premierleutnant Livonius an zahlreichen Kampfhandlungen mitwirkte. So beteiligte er sich unter anderem an der Belagerung von Metz, Toul und Paris sowie den Gefechten von Dreux, La Madeleine-Bouvet, Bellême, Meung, Fréteval, Morée, Connerré und Thorigné. Ebenso kämpfte Livonius in vier entscheidenden Schlachten des Krieges.

Da wäre zunächst das Treffen von Loigny und Poupry, das am 2. Dezember 1870 stattfand. In diesem attackierte die französische Loire-Armee unter General Louis Jean Baptiste d’Aurelle de Paladines, welche in Richtung Paris marschierte, um der preußischen Belagerung der Hauptstadt ein Ende zu bereiten, diverse bayerische und preußische Truppenverbände. Zu diesen gehörte die 33. Brigade von Generalmajor Hugo von Kottwitz, die aus den Hanseatischen Infanterie-Regimentern Nr. 75 und 76 bestand. Im Letzteren stand dabei auch Livonius, weshalb er Zeuge wurde, wie von Kottwitz seine Männer mit einer legendären Rede auf den Kampf einschwor, der damit endete, dass die Hanseaten den völlig überraschten Feind überrannten und aus Loigny vertrieben. Und das verhinderte dann den weiteren Vormarsch der Loire-Armee nach Paris.

Am 3. und 4. Dezember wiederum focht Livonius in der Schlacht von Orléans, in der die flüchtenden Franzosen eine weitere Niederlage gegen die zweite Armee des Kronprinzen Friedrich und die Armeeabteilung des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin erlitten und hierdurch die strategische Initiative verloren.

Doch damit nicht genug: In Verfolgung der nunmehr aufgespaltenen Loire-Armee stießen die Preußen am 8. Dezember 1870 bei Beaugency auf zahlenmäßig weit überlegene französische Truppenverbände unter General Antoine Alfred Chanzy. Diese lieferten ihrem Gegner einen äußerst erbitterten Kampf, mussten sich dann aber am 10. Dezember über Vendôme nach Le Mans zurückziehen, um nicht eingekesselt zu werden.

Einen Monat später kam es zum nächsten Zusammentreffen zwischen den Resten von Chanzys Streitmacht und den Truppen des preußischen Kronprinzen. In dieser Schlacht von Le Mans, die bis zum 12. Januar 1871 andauerte, wurden die Reste der Loire-Armee vernichtend geschlagen und stellten seitdem keinerlei Bedrohung für die preußischen Belagerer von Paris mehr dar.

Für seinen Einsatz während dieser vier Schlachten erhielt Livonius das Eiserne Kreuz und wurde mit Ende des Krieges zum Hauptmann befördert sowie zum Kompaniechef im Infanterie-Regiment 76 in Lübeck ernannt. Dem schlossen sich 1874 und 1876 Abkommandierungen zu den Generalkommandos des X. Armee-Korps in Hannover beziehungsweise des III. Armee-Korps in Berlin an, wo der Mittdreißiger jeweils als Adjutant tätig war. 1878 wiederum erfolgte die Versetzung ins Ostpreußische Füsilier-Regiment in Danzig, der sich im September 1879 die Beförderung zum Major anschloss.

Ebenso unspektakulär verliefen auch die nächsten Karriereschritte: Erst wurde er Bataillonskommandeur in 7. Rheinischen Infanterie-Regiment und anschließend Stabsoffizier im 8. Rheinischen Infanterie-Regiment in Diedenhofen. Doch dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag: Noch im gleichen Jahr erfolgte die Beförderung zum Oberstleutnant und Kommandeur der Bezirkskommandantur I in Berlin; dazu kamen 1888 die Erhebung in den Adelsstand und 1889 die Beförderung zum Oberst mit gleichzeitiger Versetzung ins Kriegsministerium, wo der Neuling sofort als Abteilungschef fungierte.

Nach dreijährigem Dienst im Ministerium wiederum stieg von Livonius am 18. Juni 1892 zum Generalmajor und Kommandeur der 4. Infanterie-Brigade in Gumbinnen auf. Und dann avancierte er noch zum Kommandanten von Posen, wobei er in dieser Stellung alsbald auch den Ehrenrang eines Generalleutnants zuerkannt bekam. Das war am 18. April 1896.

Knapp fünf Jahre später reichte von Livonius sein Abschiedsgesuch ein, woraufhin er am 7. Juli 1901 zur Disposition gestellt wurde. Die darauffolgende Zeit verbrachte der Pensionär im schlesischen Röversdorf. Der Tod ereilte ihn aber am 22. Januar 1905 während eines Aufenthaltes in Berlin.

Seine Beisetzung auf dem Invalidenfriedhof der preußischen Hauptstadt fand unter großer Beteiligung von Angehörigen all jener Regimenter statt, in denen der Verstorbene einstmals gedient hatte. Wolfgang Kaufmann


S. 12 Leserforum

Leserforum

So treibt man ein Volk in die Schizophrenie

Zu: Rote Linien (Nr. 32)

Ein recht ärgerlicher Artikel über deutsche Hilfsleistungen! Der Kommentator stellt Fragen, die andere schon längst gefragt haben und deren Beantwortung keinem gelingt, abgesehen von einem „breiten demokratischen Zusammenschluss“ von Parteien, Politikern, selbsternannten Fachleuten, Kirchen wie auch Medien. Sie produzieren eine Masse von unglaublichen, mit Lügen ge­spick­ten Vorschlägen, die im Wochentakt wieder hinfällig werden. Außerdem werden dann noch utopischere „Lösungen“ gefordert. Gegen Kritiker holt man kräftig mit der „Nazikeule“ aus, oder man geht schon seit Jahren tätlich – ohne große mediale Berichterstattung, aber mit viel Schadenfreude – gegen sie vor.

Der kritische Bürger wird als „einfach gestrickt und tumb“ bezeichnet, der die großen Probleme der ganzen Welt nicht erkennt und so nach einfachen Lösungen fragt. Das ist natürlich schon sehr verlogen. Frage: „Welche relevanten Gruppen“ haben denn diese sehr komplizierten Probleme geschaffen, na? Mal sehen: Die Ukraine schuldete Russland einen hohen Betrag für verbrauchtes Gas. Dazu gab es nur eine kurze Meldung in den Medien: Der Bund zahlte schnell mal die Rechnung von 500 Millionen Euro.

Und weiter: Immer mehr so genannte Asylanten überschwemmen (oh, darf man das noch sagen?) die EU und hier hauptsächlich Deutschland aus signifikanten Gründen. Fragen wir doch einmal wegen gerechter Verteilung dieser unserer werten europäischen Partner, Freunde, Verbündete, Demokratie-Bringer und Christen-Staaten. Nein, die wollen die Flüchtlinge nicht aufnehmen. Um Ärger zu vermeiden, behalten wir die Asylbewerber für immer.

Griechenland ist eigentlich ein Entwicklungsland auf europäischem Boden. Jedem ist klar, dass Griechenland in Zukunft dauerhaft alimentiert werden muss. Doch keiner sagt was. Bis dahin werden noch etliche Rettungspakete geschnürt, keine Bürgschaften, echtes Bargeld bitte, sozusagen mit (deutschen) Steuergeldern. So spaltet man ein Volk, und treibt es in induzierte Schizophrenie.

Heinz Kurt Täubner. Köln

 

 

Neue Sichtweise

Zu: Geschosse, die in Körper einschlagen (Nr. 31)

Ich habe das Werk „14/18. Der Weg nach Versailles“ des Historikers Jörg Friedrich gelesen und stimme dem Rezensenten in seiner Beurteilung vollinhaltlich zu. Ergänzend möchte ich nur noch auf einen besonderen Aspekt hinweisen, durch den sich dieses Werk meines Erachtens gegen­über vergleichbaren Büchern besonders auszeichnet.

Anders als andere Autoren, die zum Ersten Weltkrieg bedeutende Bücher geschrieben haben – wie etwa Christopher Clark, Herfried Münkler, Jörn Leonhard oder Walter Post – hat sich Friedrich ausführlich mit der Rolle Belgiens im Ersten Weltkrieg beschäftigt und dieser sogar ein eigenes Kapitel gewidmet. Deutschland ist ja immer wieder der Angriff auf das kleine „neutrale“ Belgien vorgeworfen worden. England hat dieses Eingreifen dann als Grund für seinen Kriegseintritt am 4. August 1914 genannt.

Friedrich führt nun den Nachweis an, dass Belgien gar kein „neutraler“, sondern vielmehr ein „neutralisierter“ Staat war. „Das ist ein Unterschied. Der Neutrale meidet die Feindseligkeiten aus eigenem Willen, er will sich heraushalten. Dem Neutralisierten ist von interessierten Mächten die Neutralität auferlegt“, erklärt Fried­rich in seinem Buch. So konnte Belgien auch nicht von sich aus entscheiden, ob es dem von Deutschland geforderten Durchmarsch seines Heeres zustimmte oder nicht.

Friedrich vermittelt dem Leser damit eine völlig neue Sichtweise auf die Rolle Belgiens im Ersten Weltkrieg. Allein das macht sein Werk besonders interessant und bedeutsam.

Rolf Bürgel, Darmstadt

 

 

Nicht übertreiben!

Zu: Am 10. Mai kam der Stacheldraht (Nr. 32)

Der Autor des rezensierten Buches „Der Weltkrieg hat meine Kindheit versaut“ nennt für das dänische Internierungslager Oksböl eine Todeszahl von etwa 6500 und kommt zu dieser Zahl, nachdem er „sorgfältig recherchiert“ hat. Er hätte es einfacher haben können, denn der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kassel besitzt genaue Zahlen.

Meine in Oksböl internierte Frau bekam 1984 vom Landesverband Schleswig-Holstein die Zahl von etwa 1400 genannt. Dazu hieß es, auch Tote aus anderen Lagern würden dort liegen und seien in dieser Zahl enthalten. Nach einem Bericht, der dem Schreiben damals beigefügt war, waren es bis zur Übernahme durch die Dänen 289 und danach bis zur Auflösung 980, also insgesamt 1279 Tote. In zwei Zeitungsabschnitten wurden 1675 beziehungsweise 1796 Todesopfer genannt. Diese Zahlen muss man schon dramatisch nennen, weil sich darunter sehr viele Kleinkinder befanden. Wir standen an ihren Gräbern. Ich meine, dass wir es nicht nötig haben – so wie es andere oft tun –, unsere Opferzahlen zu übertreiben.

Von Infektionskrankheiten, die zu hohen Todeszahlen führten, wissen weder meine Frau noch ihre ebenfalls dort internierte Schwester etwas; jedoch wurde meine Schwägerin nach ihrer Erinnerung einmal gegen Typhus geimpft. Ich frage mich, was in den Augen des Autors ein „berüchtigtes“ Lager ist? Solche gab es tatsächlich: im Westen die Rheinwiesen, im Osten Workuta, GPU-Keller und andere mehr. Aber war es auch Oksböl?

Curt Lehmann, Darmstadt

 

 

An guten Beispielen orientieren

Zu: Zwei Frauen, neun Kinder (Nr. 31)

Es gibt Länder, welche bei Einwanderung und Asyl für Deutschland beispielgebend wären. Die deutsche Politik produziert eigentlich nur noch politisches Chaos. Bundeskanzlerin Angela Merkel verhält sich in der Asylpolitik wie die berühmten drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Hier werden deutsche Steuergelder verbrannt und dies zum Nachteil der deutschen Bevölkerung.

Zum Beispiel Australien, hier wird gefordert: Arbeitsplatznachweis, Englisch-Kenntnisse, 50000 Australische Dollar Hinterlegung für Arztkosten und Rückflug. Zum Beispiel Kanada: Arbeitsplatznachweis, Englisch-Kenntnisse, 50000 Kanadische Dollar Hinterlegung. Zum Beispiel Costa Rica: 25000 US-Dollar Hinterlegung.

Nun Deutschland: Freie Unterkunft, Taschengeld, Krankenversicherung mit Behandlung wie bei Privatpatienten, Handy zahlt der Staat, Kita-Platz, freie Fahrt mit Bus und Bahn, Wohnungseinrichtung. Als Dank werden deutsche Bürger beleidigt und geschlagen. Wenn das Essen nicht dem der Herkunftsländer entspricht, wird es zum Fenster hinausgeworfen.

Ein Asylant ist in Deutschland besser gestellt als eine deutsche Frau und Mutter mit 45 Arbeitsjahren. Ein Flüchtling kostet den deutschen Steuerzahler jährlich rund 14000 Euro. Eine einheimische Frau erhält im Schnitt 700 bis 800 Euro Rente monatlich. Nach Adam Riese sind das jährlich rund 9000 Euro. Von diesem Betrag müssen alle Nebenkosten noch bestritten werde. Somit hat ein Asylant rund 5000 Euro mehr. Hinzu kommen noch die gesundheitliche Versorgung und vieles anderes mehr.

Gerade die Gutmenschen bei der SPD und vor allem den Grünen sollten sich das einmal durch den Kopf gehen lassen. Die „armselige Flüchtlingspolitik der Grünen“ ist der Untergang der Nation, zumal man erfährt, dass der Staat für dieses Jahr 25 Milliarden Euro allein für Flüchtlinge benötigt. Allein den Wunsch der Grünen, weitere Hunderttausende nach Deutschland kommen zu lassen, versteht nur ein Mensch, der unter einer Psychose leidet, welche bei den Grünen sehr verbreitet sein muss. Konkret: weitgehender Verlust des Realitätsbezugs.

Wolfgang Rohde, Sigmaringen

 

 

Kind beim Namen genannt

Zu: Blutiger Wahnsinn (Nr. 31), Der Scheidung folgt der Rosenkrieg (Nr. 31) und: Deutschland und seine Richter (Nr. 31)

Die Artikel beleuchten irgendwie den derzeitigen Alltag in Deutschland. Da kommt mir Heinrich Heine in den Sinn: „Denk ich an Deutschland …“ Auch wenn uns täglich seitens der Medien vorgegaukelt wird, in unserem Land herrsche bezüglich der Masseneinwanderung eine Willkommenskultur, bin ich davon überzeugt, dass die Mehrheit der Deutschen diesen unkontrollierten Zustrom so auf Dauer nicht hinnehmen wird.

PAZ-Redakteur Hans Heckel malt in seinem Titel-Aufmacher einen Bürgerkrieg an die Wand, und Gastkommentarin Eva Herman fragt verzweifelt: „Warum alles in der Welt, wehren sie sich immer noch nicht?“ Die notwendigen Ressourcen in dieser Hinsicht sind nicht vorhanden. Die Parole von einem „reichen“ Land scheint nicht zu stimmen. Die Kommunen ächzen unter der finanziellen Last, Zeltdörfer werden in aller Eile errichtet.

Die PAZ ist eine der wenigen Zeitungen, die das Kind beim Namen nennt. Abhilfe kann hier nur per Stimmzettel bei Wahlen erfolgen. Ich weiß, dass auch viele PAZ-Leser da auf die AfD gesetzt haben. Da macht uns der Autor Peter Entinger in seinem Beitrag allerdings wenig Hoffnung. Die Partei ist dabei, sich selbst zu zerfleischen, Bernd Lucke hat diese Partei aus der Taufe gehoben und sie gleichzeitig wieder begraben. Patriotismus scheint ihm ein Fremdwort zu sein, sein propagierter Liberalismus wird die dringenden Probleme des Landes nicht lösen. Hier ist jetzt in der Tat Patriotismus gefragt. Hoffen wir, dass Frauke Petry mit Gleichgesinnten das Boot wieder flott bekommt. Die Themen liegen auf der Straße: explodierende Kriminalität, der man nicht mehr Herr wird, Masseneinwanderung in die sozialen Netze zulasten der Bürger sowie eine verfehlte Europa/Euro-Politik, die Deutschland aus dem Gleichgewicht bringen wird.

Abschließend merke ich an, dass ich in den 90er Jahren von Amts wegen an vorderster Front für die Unterbringung und Betreuung von Asylanten/Flüchtlingen aus Ex-Jugoslawien eingesetzt war. Ich weiß, wovon ich rede.

Bernd Dauskardt, Hollenstedt

 

 

Staatskinder

Zu: Deutschland und seine Richter (Nr. 31)

Vielen Dank für diesen guten Artikel. Es ist unfassbar, was heute mit unseren Kleinkindern passiert. Selber bin ich Mutter von vier Töchtern mit 13 Enkelkindern. Ich bin froh und dankbar, dass ich meine Kinder selber erziehen durfte. Auch unsere Kinder sind mit Leib und Seele (trotz sehr guter Ausbildung) Hausfrau und Mutter.

Am schlimmsten finde ich, dass viele Kleinkinder ohne Not zehn Stunden in die Krippe gesteckt werden. Die Mutter genießt inzwischen den Erziehungsurlaub mit dem Baby. Anscheinend wirkt die Gehirnwäsche unserer Politiker sehr gut: „Alle Kinder in die Kita, um vom Staat erzogen zu werden!“

Sibylle Gutwill, Isen

 

 

Kriegsschuld verteilt sich auf viele Schultern

Zu: Deutsche Verantwortung (Nr. 31)

Schon die aus gegebenem Anlass seinerzeit von Bundespräsident Joachim Gauck vorgetragene Suggestion, die Bombardierung Dresdens als eine vertretbare Reaktion auf den Kriegsbeginn durch Deutschland zu sehen, ist ein Zeugnis dafür, dass dem Staatsoberhaupt das Rechtsbewusstsein als Fundament seiner Ansprachen zuweilen abhanden gekommen zu sein scheint. Ein Verbrechen, das die Bombardierung von Frauen, Kindern und alten Menschen darstellt, darf nie die Antwort auf welch ein Faktum auch immer sein, auch nicht auf ein vorausgegangenes Verbrechen. Einzig und allein wäre hier Mitgefühl mit der deutschen Bevölkerung angebracht und kein in Andeutungen sich windendes Verständnis für die Gräueltaten, Unmenschlichkeiten unseres damaligen Feindes.

Das deutsche Gutmenschprodukt, das sich in besonderer Weise in Kontakt mit dem Ausland offenbart, hat auch vor Gauck andere um Deutschland in bestimmten Bereichen sich verdient gemachte Politiker erfasst. So haben Alt-Kanzler Kohl und Alt-Bundespräsident von Weizsäcker durch die Preisgabe des deutschen Ostens an Polen kein Mitgefühl für die deutschen Flüchtlinge gezeigt und ihnen seelischen und − ebenso wie den übrigen Deutschen − materiellen Schaden zugefügt. Kohls mit allzu lockerer Zunge geführtes Gespräch mit Gorbatschow über den Verbleib der Ostgebiete bei Deutschland ist ein erschütternder Beweis für das Fehlverhalten eines Menschen, dem das Verantwortungsbewusstsein abhanden gekommen ist. Das Kriegsschuldbewusstsein bestimmt noch heute unser Denken und Handeln. Dabei wird außer Acht gelassen, dass sich die Kriegsschuld auf viele Schultern verteilt.

Nach Abschluss des Versailler Vertrags äußerte sich ein britischer Diplomat dahingehend, dass die Lunte für den Zweiten Weltkrieg gelegt sei. Polen hat über Jahrhunderte versucht, deutsches Territorium, von Papst und Kaiser zu „ewigem Besitz“ dem Deutschen Orden beurkundet, zu erobern (siehe die Rückeroberung durch den Großen Kurfürsten) und sah mit starken Verbündeten, England und Frankreich, in einem Krieg hierfür eine gute Möglichkeit. Frankreich und Polen fertigten eine politische Landkarte an mit Zugewinnen nach dem Krieg. Frankreich versicherte Polen, am Krieg teilzunehmen, wenn Deutschland den Krieg beginnen würde. Polen legte diplomatische Kontakte zu Deutschland lahm, unternahm zigfache Verstöße gegen den Versailler Vertrag, sorgte für Verfolgung und Ermordung von in Polen lebenden Deutschen. Nur Teile des katholischen Klerus in Polen blieben nicht indifferent. Polen wollte den Krieg gegen Deutschland im März 1939 beginnen und in 14 Tagen in Berlin sein. Frankreich erhob gegen den Kriegsbeginn aus verschiedenen Gründen Einspruch.

Der US-amerikanische Historiker Harry Elmer Barnes kam zu folgendem Resümee: „Das deutsche Kriegsschuldbewusstsein stellt einen Fall von geradezu unbegreiflicher Selbstbezichtigungssucht in der Geschichte der Menschheit dar. Ich kenne jedenfalls kein anderes Beispiel dafür, dass ein Volk diese nahezu wahnsinnige Sucht zeigt, die Schuld auf sich zu nehmen an einem politischen Verbrechen, das es nicht begangen hat, es sei denn jenes Verbrechen, sich selbst die Schuld am Zweiten Weltkrieg aufzubürden.“

Wolfgang Kollbau, Merzhausen


S. 13 Das Ostpreunßenblatt

EU-Gelder für Max-Aschmann-Park
So schön wie vor dem Krieg: Die Grünanlage im Norden Königsbergs wird neu gestaltet

Lange Zeit schien der Aschmann-Park in Königsberg in Vergessenheit geraten zu sein. Die Verwilderung schritt allmählich voran. Dank EU-Beihilfen im Rahmen eines internationalen Entwicklungsprojekts für die Förderung des Tourismus und der Freizeit-Infrastruktur erwacht die Grünzone zu neuem Leben.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Max-Aschmann-Park im Norden Königsbergs ein beliebtes Ausflugsziel. Das Restaurant „Waldschlösschen“ lud Erwachsene und Kinder zum Erholen ein. Selbst während der Sowjetzeit erfreute sich der Park noch großer Beliebtheit, vor allem die in der Nähe lebende Bevölkerung verbrachte gern ihre Freizeit dort. Doch in letzter Zeit erlangte der Park nur noch die Aufmerksamkeit derjenigen, die ihn zubauen wollten.

Der Aschmann-Park liegt unweit des Zentrums in der Nähe des historischen Stadtteils Maraunenhof. Heute erstreckt er sich auf einem zirka 68 Hektar großen Gelände. Ein Park wurde es dank des Königsberger Unternehmers Max Aschmann, der sein Gut Maraunenhof 1903 der Stadt vermachte und 100000 Mark für die Anlage und Einrichtung des Parks spendete. Zunächst war das Gelände 25 Hektar groß, doch in der Folgezeit wuchs es auf 85 Hektar.

Während des Kriegs erlitt die Grünanlage große Schäden, die Gebäude wurden zerstört. Ende der 90er Jahre wurde das Gelände für Bauherren privater Villen und Anwesen attraktiv. Das führte zu einer deutlichen Verringerung der Grünfläche, die durch eine aktive Bautätigkeit immer mehr zurück-gedrängt wurde.

In den letzten Jahren gab es viele Gespräche über die Notwendigkeit der Wiederherstellung des Parks. 2007 wurden zwar Pläne zur Entwässerung des Geländes erarbeitet, doch der Beginn der Arbeiten erfolgte erst 2013 im Rahmen des internationalen Programms zur „Förderung der Entwicklung des Tourismus und der Freizeit-Infrastruktur auf der Grundlage der Restaurierung und Erhaltung des kulturhistorischen Erbes von städtischen Parks“.

Vor Kurzem wurde der Eingang in den Park von der Straße Gajdar aus erneuert. Bürgermeister Alexander Jaroschuk zeigte sich mit der Ausführung der Arbeiten zufrieden, die 6,5 Millionen Rubel (zirka 900000 Euro) gekostet haben. Am Eingang wurden auch 54 Parkplätze eingerichtet. Für einen barrierefreien Zugang sorgt zudem eine Rampe.

In nächster Zeit sollen Wege und Beleuchtung erneuert werden, damit man dort zu jeder Tageszeit spazieren gehen kann. Für die nächste Etappe der Parkwiederherstellung sind etwa 400 Millionen Rubel (5,6 Millionen Euro) nötig. Doch im Haushalt der Stadt sind dafür keine Mittel vorhanden, deshalb versucht die Stadt Geld aus dem Gebiets- und dem Staatshaushalt zu bekommen. Darüber hinaus beteiligt sie sich an internationalen Ausschreibungen.

In den vergangenen Monaten wurden bereits Baumpflegearbeiten durchgeführt, Sträucher zurückgeschnitten und vorhandene Kanäle befestigt. Den Löwenanteil der Kosten decken Hilfsgelder der Europäischen Union. Die Summe wird zirka 1,5 Millionen Euro betragen. Am Ende aller Erneuerungsarbeiten soll wieder eine Parklandschaft wie vor dem Krieg entstehen. Weil das Drainage-System zerstört worden war, stand der Park teilweise unter Wasser. Gerade für die Trockenlegung des Parks und die Wiederherstellung des Drainage-Systems hatte die EU Geld bereitgestellt. Der See konnte so gesäubert und neue Kanäle angelegt werden. Die Finanzmittel aus der EU fließen allerdings erst, wenn die Arbeiten ausgeführt wurden. Jurij Tschernyschew


Rettung für Schloss Steinort
Neue Finanzspritze für die Wiederherstellung des einstigen Lehndorff’schen Adelssitzes

Schloss Steinort liegt malerisch auf einer Halbinsel zwischen Mauersee, Kissainsee und Dargeinensee in Masuren. Vom 15. Jahrhundert bis zum Jahr 1945 war es der Hauptsitz des Geschlechts der Lehndorffs, eines der bekanntesten preußischen Adelsgeschlechtes. Nach dem Zweiten Weltkrieg residierte im Steinorter Schloss eine LPG ähnliche Staatsguts-Verwaltung, und als diese vor mehr als 20 Jahren auszog, verfiel das Schloss in eine Ruine. Mit der Rettung des Schlosses haben sich seit Jahren viele Institutionen aus Ermland und Masuren befasst. 2009 übernahm das Schloss die Polnisch-Deutschen Stiftung für Kulturpflege und Denkmalschutz (Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytkow Kultury, PNF), die polnische Schwesterorganisation der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz.

Wojciech Wrzecionkowski, der Vorsitzende der PNF, teilte vor Kurzem mit, dass er drei Millionen Zloty (rund 734000 Euro) für die Renovierung des Schlosses erhalten habe. Ein Teil der Spende stammt von der Familie von Lehndorff, die um Unterstützung für ihre Stiftung wirbt, welche die statische Notsicherung des Baus finanzierte. 2010 wurde für die Rettung des Schlosses die Lehndorff-Gesellschaft e.V. gegründet.

Aufgrund der bisherigen Anstrengungen konnte zumindest das Hauptgebäude des Schlosses gerettet werden: Das Dach wurde abgedichtet und die statische Notsicherung umgesetzt. Zuletzt drohten die Türmchen zu kippen. Sie wurden mit Mauerankern befestigt.

Von den drei Millionen Zloty soll zunächst eine Dokumentation angefertigt werden, eine Voraussetzung, um Geld aus Fonds der Europäischen Union erhalten zu können. Diese soll in einem Jahr fertiggestellt sein. Laut Wrzecionkowski böten EU-Gelder eine realistische Chance für die zügige Fortsetzung der Arbeiten.

Zurzeit arbeiten deutsche Experten im Schloss, die sich vor allem um die Entwässerung und die Wärmedämmung kümmern. Diese Arbeiten hat die Familie Lehndorff finanziert.

Sollte das Schloss fertig restauriert sein, sollen Einrichtungsgegenstände, die sich jetzt noch in deutschen Museen befinden, in das renovierte Haus zurückkehren. Sie sollen dann den Grundstock eines „Ostpreußischen Adelsmuseums“ bilden. PAZ


MELDUNGEN

Awtotor kauft Magna-Anteile

Königsberg – Die Königsberger Automobilholding Awtotor will den Anteil ihres Miteigners Magna übernehmen. Der kanadisch-österreichische Konzern hatte sich kurz nach Beginn der aktuellen Krise aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen und bereits selber mit einem Verkauf seiner Awtotor-Anteile geliebäugelt. Der aktuelle Vorstoß ging aber von Awtotor aus und wurde inzwischen von den russischen Aufsichtsbehörden genehmigt. T.W.W.

 

Sütterlin-Brief im Metallkasten

Enzuhnen/Stallupönen – Während Aufräumarbeiten an dem Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurde ein Metallkasten gefunden, der neben einer Schachtel Zigaretten Geldscheine der Weimarer Republik – eine Banknote hatte den Wert von 50 Millionen Mark –, Münzen, Kriegsabzeichen auch einen handschriftlichen Brief, abgefasst in Sütterlin-Schrift, enthielt. Da sich im Königsberger Gebiet niemand fand, der die Sütterlin-Schrift entziffern konnte, half der Zufall. Ilse Stübling, eine gebürtige Gumbinnerin, konnte den Inhalt des Briefes entschlüsseln. Es handelt sich um einen Brief von Mitgliedern des Vorstands der Veteranenvereinigung, Mitgliedern der Kirchengemeinde, Leitern der ländlichen Gemeinden sowie Einzelpersonen, die das Geld für die Errichtung des Denkmals, das an die Not der Deutschen erinnern soll, gespendet hatten. Der Brief vom 11. August 1928 endet mit einer Mahnung an die folgende Generation, das Andenken der Gefallenen in Ehren zu halten und dafür zu sorgen, dass Deutschland wieder aufblühe. MRK

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7: Liebe-mühl [Miłomłyn] Baustelle. Straße Nr. 7: Liebemühl – Osterode [Ostróda], Baustelle; Osterode – Hohenstein [Olsztynek], Baustelle; Berghof [Tatary] – Candien [Kanigowo], Baustelle; Palicken [Pawliki] – Powiersen [Powierz], Baustelle; Powiersen – Napierken [Napierki], Baustelle. Straße Nr. 15: Löbau [Lubawa], Randstreifenarbeiten. Straße Nr. 16: Verkehrsknoten Berg-heim [Wezeł Górka], Baustelle; Osterode – Martenshöh [Marciniaki], Baustelle; Kossewen [Kosewo] – Dombrowken [Dabrówka], Randstreifenarbeiten. Straße Nr. 51: Bartenstein [Bartoszyce], Renovierung der Fußgängerzone; Heilsberg [Lidzbark Warminski], Baustelle; Allenstein – Pagelshof [Ameryka], Baustelle. Straße Nr. 57: Gr. Schiemanen [Szymany], Baustelle. Straße Nr. 58: Gedwangen [Jedwabno], Baustelle. Straße Nr. 59: Peitschendorf [Piecki] – Sensburg [Mragowo], Baustelle. Straße Nr. 63: Angerburg [Wegorzewo], Renovierung der Fußgängerzonen. Straße Nr. 65: Prostken [Prostki], Baustelle. E.G.


S. 14 Mensch und Zeit

»Ich lese alles, was er schreibt«
Interview mit Traute Surminski, Ehefrau des ostpreußischen Schriftstellers Arno Surminski

Der 1934 im Kreis Rastenburg geborene Arno Surminski hat in seinem schriftstellerischen Werk das Bild des ostdeutschen Menschen gezeichnet wie kaum ein anderer. Darüber hinaus ist es ihm gelungen, seine ostpreußische Heimat lebendig zu schildern und sie so auch im Bewusstsein nachwachsender Generationen zu erhalten. Seine Werke sind geprägt von seinem Bemühen um Verständigung zwischen den Völkern. In Anerkennung seines Wirkens hat die Landsmannschaft Ostpreußen ihm 1982 ihren Kulturpreis für Literatur verliehen. „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, die ihm den Rücken freihält“, heißt es. Im Falle von Arno Surminski ist das seine Ehefrau Traute, mit der er seit 53 Jahren den Lebensweg gemeinsam geht. Im PAZ-Interview erzählt sie vom Leben an seiner Seite, von der ostpreußischen Heimat und dem Verhältnis zu deren heutigen Bewohnern. Die Fragen stellte Anna Stasiak.

PAZ: Als Ehefrau begleiten Sie Ihren Mann auf dem Weg seiner Karriere als Schriftsteller seit den Anfängen. Haben Sie alle seine Bücher gelesen, und können Sie dabei auch kritisch sein? Welches seiner Bücher lieben Sie am meisten?

Traute Surminski: Welche Frage! Selbstverständlich lese ich alles, was Arno Surminski schreibt. Außer der Dame, die für ihn tippt, bin ich die erste „Leserin“ und auch Kritikerin. Da es sich dann um die letzte Fassung handelt, also vor dem Druck, kommt es schon mal vor, dass ich etwas als Änderung empfehle, manchmal akzeptiert mein Mann es, manchmal auch nicht.

Mein liebstes seiner Bücher ist nach wie vor „Polninken“. Diese Liebesgeschichte Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre konnte so nur in Polen spielen. Drei Welten treffen hier aufeinander: Ost- und Westdeutschland und Polen. Der alte Kazimir als verbindende Person. Und dann die Natur Masurens.

PAZ: Erzählen Sie uns von den Anfängen der Karriere des Schriftstellers Arno Surminski. Haben Sie persönlich fest an sein Talent und seine künftige Karriere geglaubt? Daran, dass er eines Tages zu den zehn meist gelesenen, zu den bekanntesten und anerkanntesten Schriftstellern in Deutschland gezählt werden würde?

Surminski: Es war und ist schwierig, als unbekannter Autor einen Verlag zu finden. Die Tageszeitung „Die Welt“ hatte damals eine literarische Beilage. Hier gab mein Mann 1973 eine Anzeige auf: „Ungewöhnliches Manuskript über Ostpreußen sucht einen Verleger.“ Er bekam daraufhin mehrere Zuschriften, unter anderem von dem renommierten Verlag „Hoffmann und Campe“. Die schickten es dann zwar zurück, aber mit einer beachtlichen Empfehlung und dem Hinweis, dass einer ihrer Autoren, nämlich Siegfried Lenz, gerade an einem solchen Thema arbeitet und sie keine Konkurrenz entstehen lassen möchten. Mit diesem Brief war es nun einfach, einen Verleger für den Roman „Jokehnen“ zu finden. Werner Gebühr aus Stuttgart hatte gerade einen eigenen Verlag gegründet und war „Feuer und Flamme“. Er hatte auch die Idee mit dem Untertitel „Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland“. Verleger und Autor sind sich nie persönlich begegnet. Kurz nach Abschluss des Vertrages kam Gebühr bei einem Autounfall ums Leben. Seine Witwe und ein Freundeskreis führten den Verlag weiter und somit „Jokehnen“ auf die Bühne der Literatur.

Dass mein Mann Talent hatte zum Schreiben, das stand für mich fest. Wie der Erfolg sein würde, das konnte man nicht wissen. Wenn mir das jemand vor 40 Jahren so klipp und klar gesagt hätte, ich hätte ihn wohl für ein bisschen verrückt gehalten.

PAZ: Wie ist der Arbeitsstil Ihres Mannes? Gilt für ihn immer noch das Motto: „Kein Tag ohne Zeile“?

Surminski: Absolut noch immer gültig: „Kein Tag ohne Zeile.“ Er setzt sich morgens an den Schreibtisch, überarbeitet einiges, dabei kommen neue Einfälle und er beginnt „zu laufen“. Vormittags ist seine kreativste Zeit. Nachmittags und abends läuft das Leben dann ganz normal, Kontakte, Telefonieren und andere Dinge erledigen.

PAZ: Sie begleiten Ihren Mann seit über 30 Jahren auf den Reisen in seine masurische Heimat, die Sie dann auch in das Dorf Jäg­lack im Kreis Rastenburg führen. Was hat Sie dabei besonders beindruckt?

Surminski: Als erstes war ich beeindruckt von der Natur. Die Seen, die vielen Mohnblumen, Kornblumen, Alleen, die Störche, die Dörfer, so wie ich sie aus meiner Kindheit in Schleswig-Holstein kenne. Dann die Gastfreundschaft der Menschen, wir kannten niemanden und wurden überall herzlich empfangen und eingeladen. Überwältigend, diese Herzlichkeit. Ich habe erst später angefangen, Polnisch zu lernen, aber man hat sich immer irgendwie verständigt.

In Jäglack haben wir dann Irena und Józef Wartacz kennengelernt, die heute nicht mehr leben. Aber zu ihrer Tochter Danuta und ihrem Mann Gienek Nikoniuk haben wir engen Kontakt. Der Józef war beispielsweise die Anregung für den Kazimir in „Polninken“, eine positive und liebenswerte Person. Sicherlich sind auch andere Personen und Begegnungen in die Bücher eingeflossen, aber nicht so konkret.

PAZ: Ihr Mann hat in Deutschland zahlreiche Literaturpreise bekommen. Könnten Sie sie nennen? Welchen davon schätzen er selbst und Sie am meisten?

Surminski: Die Preise sind unter anderem: Fiedrich-Schiedel-Literaturpreis der Stadt Bad Wurzach, Andreas-Gryphius-Preis, Hannelore-Greve-Literaturpreis, Literaturpreis der Freimaurer, Bürgerpreis der Stadt Hamburg, Preis der Harzburger Literaturtage, Kulturpreis für Literatur der Landsmannschaft Ostpreußen, Biermann-Rathjen-Medaille des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg. Von den Preisen, gibt es keinen „Lieblingspreis“, weder bei meinem Mann noch bei mir.

PAZ: Im Jahre 2011 ist Ihrem Mann etwas absolut Außergewöhnliches zugefallen. Es wurde ihm in Allenstein die Auszeichnung eines Ehrenbürgers von Ermland und Masuren „für seinen großen Beitrag zur Versöhnung zwischen Polen und Deutschen durch sein ostpreußisches Schriftstellertum“ vom Wojewoden und Marschall der Wojewodschaft Ermland und Masuren verliehen. Wie haben Sie darauf reagiert?

Surminski: Diese Auszeichnung der Wojewodschaft bedeutet meinem Mann und auch mir sehr viel. Besser kann eine europäische Verständigung gar nicht laufen.


Stirbt die Biene, stirbt der Mensch
Die fleißigen Tiere sind Teil unserer Kulturgeschichte, doch ihre Bedeutung gerät immer mehr aus unserem Blick

Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, hat Albert Einstein gewarnt. Denn: „Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr“. Sollte Einstein Recht behalten, gäbe es Grund zur Sorge, denn jedes Jahr stirbt in Deutschland jedes dritte Bienenvolk. Über die Nahrungskette ist das Überleben der Menschen an das der Bienen gekoppelt. So sind die fleißigen Tiere auch Teil der menschlichen Kulturgeschichte.

Auf einem Relief am Grabmal des ägyptischen Königs Ni-user- Re in Memphis, dessen Entstehung in der Zeit um 2500 v. Chr. von Wissenschaftlern errechnet wurde, ist ein Räucherer bei der Arbeit. Der Imker bläst Rauch aus einem Tongerät in den Bienenstock. Diese Darstellung zeigt auch, wie der Honig geschleudert, durchgeseiht und in Krüge gefüllt wird. Noch heute findet man in Ägypten solche röhrenförmigen Bienenstöcke übereinander geschichtet.

In den großen Wäldern Mitteleuropas haben vor etwa 3000 Jahren die Zeidler den Honig aus den Bienennestern in Baumhöhlen geholt. Sie wussten die Immen zum Wabenbau anzulocken, indem sie ihnen vorbereitete Höhlen in glatten, gesunden Stämmen anboten. Der Duft des frischen Harzes mochte den Königinnen gefallen. Den Bäumen wurden die Wipfel gekappt, um sie vor der Entwurzelung bei Sturm zu schützen. Als man erkannte, dass die Bienen ihre Waben auch in den Höhlungen niederer Bäume deponierten, bevorzugt in gestürzten, harzigen Kiefern und Tannen, bot man ihnen in zersägten, transportablen Stämmen solche „Klotzhöhlen“ an.

Bis dahin wurde der Honig nur in jedem Frühjahr geerntet. Dazu musste man die Bienenvölker ausräuchern, das heißt vernichten. Nun entnahm man den Klotzbehausungen nur die Hälfte der Bienentracht und bereitete neue Immenstöcke vor, deren Höhlungen über Winter mit duftenden Kräutern belegt wurden. Den Hochzeitsflug der Königinnen konnte man beobachten, und im frühen Sommer wartete man darauf, dass ein Schwarm die Klotzhöhle annahm. Als man lernte, die Bienenvölker einzufangen, bauten die Menschen ihnen Immenkiepen aus Reisig und Stroh, die sie mit einem Brei aus Lehm und Kuhmist abdichteten.

In den um die Zeit des Dreißigjährigen Krieges noch großen norddeutschen Heidegebieten, vor allem im „Armenhaus des Reiches”, auf dem Dünensand der letzten Eiszeit, dessen Wald den Salinen geopfert worden war, gedieh außer der spröden Besenheide in guten Jahren nur noch der anspruchslose Buchweizen. Die karge Vegetation zwischen Krüppelkiefern, Wacholder und Birken ermöglichte den Heidjern neben der Schafhaltung nur eine ausgeprägte Imkerei. Die Erfahrung mit den Bienen machte manchen Bauern in dieser Landschaft zwischen Geest und sumpfigem Moor zum Fachmann für Immenhaltung. Die Not erzwang über Jahrhunderte eine äußerst sparsame Methode der Honiggewinnung, die kein bares Geld kosten durfte. Vom Bienenkorb, dem Werkzeug, den Immen bis zur Schutzkleidung des Imkers aus gebleichtem Leinenstoff wurde alles selbst gefertigt.

Die Autorin erinnert sich noch recht gut an den „Erdlie“ (Bienenstand zu ebener Erde) hinter der Scheune des Gehöftes ihrer Großeltern in der Lüneburger Heide. Großvater und Vaters Bruder hatten dort Heideplacken abgehoben, gegen die Bretterwand zum nach Südosten hin offenen Halbkreis geschichtet, mit einigen Balken gestützt. Das Dach von Teerpappe darüber schützte gegen den Regen. Die Immenkiepen standen auf einem dicken Brett. Kartoffel- und Buchweizenfelder reichten bis fast an den Bienenstand heran.

Beim Schafstall in der Heide gab es einen weiteren „Erdlie“, aber der Onkel hatte auch mehrere Bienenstöcke aufgebaut. Auf seinem Anhänger hinter dem guten alten Hanomag transportierte er zur Obstblüte die meisten seiner Bienenvölker ins Alte Land, bis gleich anschließend die Rapsfelder dufteten. Nach der Kleeblüte in der Nähe der Elbmarsch bei Winsen wurden die fleißigen Immen in der Heide gebraucht, und mancher auswärtige Imker traf mit seinen Völkern zur Blütezeit ein.

Jetzt überwiegen Wald und Äcker in der naturgeschützten Lüneburger Heide, in der die Heideflächen zusammengeschrumpft sind. Dafür aber sieht man vermehrt wieder rosafarbene Buchweizenfelder in schöner Blüte. Sie stehen für die speziellen „Heidjer-Gerichte“ wie Bookweten-Pannkoken mit harbsöten Bookwetenhonnig, die die Touristen in urige „Feinschmecker-Gasthäuser” locken. In den schmucken Heidedörfern stehen zahlreiche Eichen und Linden. Schnuckenfelle, Lindenblüten-, Raps- und Heidehonig werden neben Bienenwachskerzen als „Mitbringsel“ angeboten.

Hin und wieder sieht man in dieser Landschaft noch einen Bienenzaun mit Immenkiepen der alten Art. Diese Bienenkörbe sind 100 Jahre und länger in Betrieb. Ist ein besonders guter Honigertrag zu erwarten, werden sie hochgestockt durch einige Etagen von Strohwülsten. Zum Heim- trans­port sind die dann sehr schwer. Da muss der Imker viel Kraft haben. In dieser Landschaft sammelt ein Bienenvolk in jeder Saison etwa einen Zentner Honig.

Beim Erntedankfest zeigen Jungbauern und Schüler der Landwirtschaftsschule, auch Auszubildende, die nach dreijähriger Lehrzeit Viehwirt sein möchten, im Freilichtmuseum Hösseringen, dass sie auch Stroh- und Rutenkörbe flechten können. Sie wissen natürlich, dass die neuzeitliche Imkerei die bunten, von den Bienen gut angenommenen, wirtschaftlicheren und praktischen Bienenkörbe verwendet. Auch solche können sie bauen und die Wabenrahmen basteln. Hier aber zeigen sie, dass sie auch gelernt haben, was die jungen Imker in der holzknappen Notzeit des Hungers nach dem Krieg sich von den wenigen des Bienenkorbflechtens noch kundigen Alten annahmen, als die Bienenzucht wieder großen Aufschwung bekam.

Ein Tierwirt, der sich für die Bienenhaltung besonders interessiert, kann sich der Meisterprüfung stellen und die lange Tradition der zu allen Zeiten geachteten Zeidler weiterführen. Er wird über seinen Dienst an der Umwelt informiert sein und einen wichtigen Auftrag erfüllen. Denn wo Bienen leben, ist die Natur den Menschen, sind die Menschen der Natur gut. Anne Bahrs


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 98. GEBURTSTAG

Kenze, Waltraud, aus Dirschau/Westpreußen, am 23. August

Nadobnik, Erna, geb. Kohnke, aus Medenau, Kreis Samland, am 23. August

ZUM 96. GEBURTSTAG

Bähnisch, Alwine, geb. Schindler, aus Bludau, Kreis Samland, am 24. August

Olbrisch, Sabine, geb. Sterner, aus Balga, am 25. August

Rausch, David, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 24. August

Westmeier, Karl-Heinz, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 22. August

Wirsching, Hildegard, geb. Skibba, aus Lötzen, am 25. August

ZUM 95. GEBURTSTAG

Bock, Margarete, geb. Gahmann, aus Schönrade, Kreis Wehlau, am 25. August

Jakel, Frieda, geb. Cytterich, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 26. August

Prengel, Anna, geb. Sawatzki, aus Schölen, Kreis Heiligenbeil, am 22. August

Witt, Traute, geb. Hundertmark, aus Cavern, Kreis Preußisch Eylau, am 26. August

ZUM 94. GEBURTSTAG

Bach, Liselotte, geb. Pultke, aus Balga, am 16. Juli

Hill, Gerda, aus Balga, am 1. August

Hochmann, Charlotte, geb. Teschner, aus Wolitta, am 11. Juli

Kuhn, Hedwig, geb. Bednarz, aus Groß Jerutten, Kreis Ortelsburg, am 24. August

Schergaut, Margarete, geb. Wrase, aus Schenken, Kreis Wehlau, am 22. August

Storm, Hertha, geb. Bade, aus Lyck, Yorkplatz 1, am 27. August

Walendy, Alfred, aus Mark-grafsfelde, Kreis Treuburg, am 28. August

Zawallich, Gertrud, geb. Labusch, aus Freudengrund, Kreis Ortelsburg, am 26. August

ZUM 93. GEBURTSTAG

Baldzun, Ella, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 27. August

Czerwinski, Luise, geb. Kuntsch, aus Millau, Kreis Lyck, am 26. August

Feldten, Lisbeth, aus Lyck, am 26. August

Gawehns, Gertrud, geb. Müller, aus Schellendorf, Kreis Ebenrode, am 22. August

Johnston, Eva-Maria, geb. Krause, aus Balga, am 12. Juli

Klimaschewski, Gerda, geb. Laupichler, aus Millau, Kreis Lyck, am 24. August

Seher, Elfriede, geb. Danisch, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 150, am 23. August

ZUM 92. GEBURTSTAG

Hartmann, Erika, geb. Mack, aus Grabnick, Abbau, Kreis Lyck, am 24. August

Lietz, Elisabeth, geb. Neumann, aus Groß Steegen, Kreis Preußisch Eylau, am 22. August

Napierski, Gerda, geb. Bielinski, aus Walden, Kreis Lyck, am 28. August

Rosslan, Erich, aus Schuttschenofen, Kreis Neiden-burg, am 28. August

Rutkewitz, Wolfgang, aus Ortelsburg (Försterei), am 24. August

Skowronek, Herta, aus Lyck, am 22. August

von Terzi, Hedwig, aus Lyck, Falkstraße 11, am 22. August

Willms, Gerda, geb. Nötzel, aus Ginkelsmittel, Kreis Elchniederung, am 23. August

ZUM 91. GEBURTSTAG

Albrecht, Alma, geb. Köpke, aus Sorgenau, Kreis Samland, am 27. August

Baumgardt, Werner, aus Altengilge, Kreis Elchniederung, am 25. August

Eichelkraut, Elise, geb. Hoffmann, aus Georgenswalde, Kreis Samland, am 25. August

Ginnuth, Hildegard, geb. Worgall, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 23. August

Jekutsch, Maria, geb. Stasko, aus Steintal, Kreis Lötzen, am 26. August

Moser, Christa, geb. Scheidereiter, aus Föhrenhorst, Kreis Eben-rode, am 27. August

Schulewski, Siegfried, aus Martinshöhe, Kreis Lyck, am 22. August

Springer, Brunhilde, geb. Reuß, aus Wenzbach, Kreis Ebenrode, am 22. August

Steffan, Gerda, geb. Kujus, aus Hohensprindt, Kreis Elchniederung, am 28. August

Wilimzik, Ella, geb. Grubert, aus Stradaunen, Kreis Lyck, am 27. August

ZUM 90. GEBURTSTAG

Bendfeldt, Marga, geb. Meyer, aus Wehlau, am 26. August

Blumenscheit, Horst, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 24. August

Bratumil, Herbert, aus Lyck, am 22. August

Czepluch, Margarete, aus Klein Stürlack, Kreis Lötzen, am 25. August

Faupel, Ursula, geb. Willumeit, aus Treuburg, am 23. August

Hajduk, Heinrich, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 28. August

Hellwig, Alfred, aus Wehlau, am 23. August

Kondoch, Ruth, aus Grabnick, Kreis Lyck, am 27. August

Konstanski, Ingrid, geb. Pyko, aus Wiesenhöhe, Kreis Treuburg, am 27. August

Kraaß, Hildegard, geb. Giehr, aus Pomedien, Kreis Wehlau, am 22. August

Mallien, Ilse Gertrud, geb. Link, aus Balga, am 13. August

Medler, Annette, geb. Krüger, aus Neidenburg, am 25. August

Nelius, Hans, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 26. August

Ronneberger, Marga-Marta, aus Maschen, Kreis Lyck, am 26. August

Seinwill, Gustav, aus Narwickau, Kreis Ebenrode, am 26. August

Schawert, Edith, geb. Heisel, aus Plöwken, Kreis Treuburg, am 24. August

Thomas, Karl, aus Windkeim /Adlig Pohren, Kreis Heiligenbeil, am 24. August

Zaborosch, Viktor, aus Froben, Kreis Neidenburg, am 22. August

ZUM 85. GEBURTSTAG

Buchholz, Dr. Gerhard, aus Gutweide, Kreis Ebenrode, am 28. August

Büchner, Lotte, geb. Schulz, aus Balga, am 3. August

Charpentier, Hildegard, aus Groß Stürlack, Kreis Lötzen, am 25. August

Czepluch, Margarete, aus Klein Stürlack, Kreis Lötzen, am 25. August

Cziesla, Hans, aus Lötzen, am 26. August

Gerwin, Werner, aus Halldorf, Kreis Treuburg, am 22. August

Hug, Elfriede, geb. Jedamski, aus Gimmendorf, Kreis Neidenburg, am 22. August

Kattanek, Elli, aus Kornau, Kreis Ortelsburg, am 25. August

Keßler, Sigrid, geb. Roth, aus Lötzen, am 28. August

Krüger, Heinz, aus Seckenburg, Kreis Elchniederung, am 26. August

Lemme, Hildegard, geb. Bednarzik, aus Bärengrund, Kreis Treuburg, am 24. August

Lusch, Gerda, geb. Wilks, aus Warten, Kreis Elchniederung, am 22. August

Menzel, Eva, geb. Schlobinski, aus Follendorf, am 20. Juli

Moese, Lieselotte, geb. Zeranski, aus Jägersdorf, Kreis Neidenburg, am 25. August

Müller, Waltraut, geb. Zielke, aus Wiekau, Kreis Samland, am 23. August

Noetzel, Elisabeth, geb. Zeranski, aus Grünlanden, Kreis Ortelsburg, am 24. August

Oberpichler, Hans, aus Burgkampen, Kreis Ebenrode, am 25. August

Possoch, Irmtraud, geb. Kukulies, aus Tawe, Kreis Elchniederung am 24. August

Schönfeld, Kurt, aus Follendorf, am 27. Juli

Schudy, Karl-Heinz, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 24. August

Schulz, Heinz, aus Duneiken, Kreis Treuburg, am 22. August

Segendorf, Helmut, aus Wicken-feld, Kreis Ebenrode, am 22. August

Stäblein, Erna, geb. Borchert, aus Klimmen, Kreis Ebenrode, am 22. August

Suchodolski, Karl, aus Willen-berg, Kreis Ortelsburg, am 27. August

Symanzik, Werner, aus Wiesendorf, Kreis Ortelsburg, am 22. August

Tessarek, Karl, aus Omulefofen, Kreis Neidenburg, am 23. August

Wilmering, Erika, geb. Maibaum, aus Groß Dirschkeim, Kreis Samland, am 25. August

Zengerling, Elfriede, geb. Braunsberg, aus Martinshöhe, Kreis Lyck, am 22. August

Zielenski, Eduard, aus Omulefofen, Kreis Neidenburg, am 25. August

ZUM 80. GEBURTSTAG

Brenke, Kurt, aus Altengilge, Kreis Elchniederung, am 22. August

Christoph, Lore, geb. Schmidt, aus Hansbruch, Kreis Lyck, am 25. August

Denda, Ronald, Vorfahren aus Neu Keykuth, Kreis Ortelsburg, am 27. August

Dudda, Annelene, geb. Mohr, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 22. August

Felter, Elfriede, geb. Potschew, aus Neukuhren, Kreis Samland, am 22. August

Grimm, Erika, geb. Grusdat, aus Dorf Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 27. August

Hamann, Edgar-G., aus Balga, am 13. Juli

Hollfoth, Gerhard, aus Wolittnick, Kreis Heiligenbeil, am 28. August

Jeromin, Manfred, aus Groß Konopken, Kreis Lötzen, am 23. August

Kieselbach, Ruth, geb. Sokoließ, aus Eschenwalde, Kreis Ortelsburg, am 22. August

Knips, Irmgard, geb. Komossa, aus Lyck, am 28. August

Koloska, Meinhard, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 24. August

Lojewski, Jürgen, aus Soffen, Kreis Lyck, am 24. August

Mrowka, Siegfried, aus Groß Retzken, Kreis Treuburg, am 26. August

Napierski, Horst Karl, aus Wickenau, Kreis Neidenburg, am 28. August

Neumann, Agnes, geb. Jeske, aus Jägersdorf, Kreis Neidenburg, am 24. August

Puchert, Walter, aus Noiken, Kreis Elchniederung, am 26. August

Rast, Dr. med. Ulrich, aus Passen-heim, Kreis Ortelsburg, am 26. August

Rieß, Horst, aus Warnicken, Kreis Samland, am 28. August

Schewe, Brigitte, geb. Berger, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 27. August

Schmidtke, Hans-Georg, aus Radnicken, Kreis Samland, am 27. August

Schrupkowski, Heinrich, aus Thomareinen, Kreis Osterode, am 27. August

Skibba, Richard, aus, Schwalgenort, Kreis Treuburg, am 24. August

von Glasow, Ernst, aus Part-heinen, Kreis Heiligenbeil, am 25. August

Vonhof, Inge, geb. Kayka, aus Plötzendorf, Kreis Lyck, am 24. August

Wirth, Rotraud, geb. Lange, aus Materschobensee, Kreis Ortelsburg, am 22. August

ZUM 75. GEBURTSTAG

Arndt, Hans-Joachim, aus Balga, am 9. Juli

Erzberger, Peter, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 23. August

Gräf, Manfred, aus Wehlau, am 24. August

Kamp, Anna, aus Guttschallen, Kreis Wehlau, am 27. August

Kroll, Erwin, aus Markshöfen, Kreis Ortelsburg, am 25. August

Labusch, Emil, aus Rummau, Kreis Ortelsburg, am 28. August

Lenz, Heidi, geb. Schorlepp, aus Wehlau, am 23. August

Lindemann, Helmut, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 27. August

Littfinski, Karl-Heinz, aus Neidenburg, am 28. August

Meinecke, Renate, geb. Wohlgemuth, aus Wehlau, am 22. August

Neumann, Gerd, aus Follendorf, am 22. Juli

Peuker, Heidemarie, geb. Wodzak, aus Mühlengarten, Kreis Ebenrode, am 22. August

Posingies, Sabine, geb. Erzberger, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 23. August

Rimkiene, Elena (Gislinde), geb. Luttkus, aus Klein Marienwalde, Kreis Elchniederung, am 26. August

Rode, Karl, aus Insterburg, am 24. August

Sanchez, Rosemarie, geb. Wysoczki, aus Albrechtsfelde, Kreis Treuburg, am 26. August

Warnat, Ingrid, geb. Laaser, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 27. August

Diamantene Hochzeit

Worgull, Heinz, aus Kalgendorf, Kreis Lyck, und Ehefrau Christa, geb. Müller, am 27. August


S. 16-17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BUND JUNGES OSTPREUSSEN

Vorsitzender: Stefan Hein, Gst.: Buchtstr. 4, 22087 Hamburg, Tel.: (040) 4140080, E-Post: kontakt@junge-ostpreussen.de, www.junge-ostpreu­ssen.de.

Breslau – 26. September: In der niederschlesischen Stadt Breslau findet dieses Jahr das Kulturfestival der Deutschen Minderheit in der Jahrhunderthalle statt. Es wird nur alle drei Jahre veranstaltet und ist durchaus etwas Besonderes. Die Stadtfahrt dient dazu, sich gemeinsam einen Eindruck von der Veranstaltung zu verschaffen, und bietet Gelegenheit, die schöne Stadt zu erkunden, und das natürlich nicht nur am Tage. Die Teilnehmer treffen sich in Breslau am Abend des 24. Septembers und reisen am 27. September wieder ab. Die Einladung mit weiteren Einzelheiten findet sich auf www.junge-ostpreussen.de.

Düsseldorf – Freitag, 9. bis Sonntag 11. Oktober, Düsseldorf: Bundestreffen. Am 11. Oktober 2015 steht in diesem Rahmen eine Führung durch das Museum Stadt Königsberg in Duisburg auf dem Programm, das Ende 2015 seine Tore schließen wird.

 

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Göppingen – Jeweils am ersten Mittwoch im Monat trifft sich um 14 Uhr im Lokal Glashaus, Weberstraße 15, 73084 Salach die Kreisfrauengruppe zu ihren Kulturnachmittagen. Ansprechpartner ist Vera Pallas, Telefon (07162) 5870.

Stuttgart – Sonnabend, 29. August, 14,30 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat: Die Westpreußen der Stuttgarter Gruppe treffen sich zum interessanten Kulturnachmittag unter Leitung von Herrn Schwalke. Alle Ostpreußen sind herzlich eingeladen.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Landshut – Dienstag, 1. September: Ausflug mit privaten Pkw zum Arber im Bayerischen Wald. Dienstag, 15. August, 12 Uhr, Gasthof Zur Insel: Königsberger Klopse Essen.

München – Freitag, 11. September, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5: Zusammenkunft der Frauengruppe.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Frauengruppe – Mittwoch, 9. September, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstr. 116–117, 10963 Berlin: Treffen der Frauengruppe zum Thema „Erinnerung an Ostpreußen 70 Jahre nach Flucht und Vertreibung“. Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 771 23 54

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremen – In der Geschäftsstelle läuft der Vorverkauf für unseren diesjährigen „Sommerausklang mit Beetenbartsch und Schmandschinken“ im Flughafenhotel Airport Bremen, Flughafenallee 26, am Sonnabend, 5. August. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr. Einlass ist ab 14.15 Uhr.

Im Vorprogramm wird wieder die „Musikgruppe Burg“ mit Gesang und instrumental alle Gäste einstimmen und zum Mitsingen jahreszeitlich passender Lieder einladen. Daneben ist Zeit zum Plachandern und Einkaufen am Büchertisch. Die Preise der Veranstaltung sollen wieder aus den Erlösen des Verkaufs antiquarischer Bücher gesponsert werden. Wegen der Einführung des Mindestlohns sind sie gegenüber dem Vorjahr etwas erhöht und betragen nun: 16 Euro (Schmandschinken), 10 Euro (Beetenbartsch) oder 12,50 Euro (fleischloser Gemüseteller). Der Eintritt ohne Essen beträgt 5 Euro. Im Preis inbegriffen ist der in alter Tradition vor dem Essen genossene „Stobbe-Machandel“ enthalten. Eine Anmeldung ist erforderlich: Donnerstags von 15 bis 17 Uhr oder auf dem Anrufbeantworter, Telefon (0421) 3469718.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

LANDESGRUPPE

Landesgruppe – Bei reger Beteiligung und hochsommerlichen Temperaturen feierte die Landesgruppe Hamburg das dritte Sommerfest im „Traditionshaus Lackemann“. Organisiert hatten es unter Leitung von Siegfried Grawitter die Mitglieder des Kultureferates Walter Bridszuhn, Konrad Wien, Hans-Günter Schattling und Manfred Samel. Die Begrüßungansprache hielt Hartmut Klingbeutel, der Erste Vorsitzende der Landesgruppe Hamburg. Ehrengast war Willibald Piesch, Vorstand im „Landesverband der vertriebenen Deutschen in Hamburg“ (LvD). Der Ostpreußen-Chor vom Verein „Lange Aktiv Bleiben“ (LAB) sorgte mit seinen 20 Sängern unter Leitung von Dieter Dziobaka für stimmungsvolle Unterhaltung.

Auch wenn das heiße Wetter (35 Grad!) sicherlich manchen davon abhielt mitzufeiern, waren rund 60 Personen ins Lackemann gekommen. Gemeinsam mit dem LAB-Chor stimmten alle in das Ostpreußenlied: „Land der dunklen Wälder“ ein. Eine Kaffeepause brachte für alle eine Erfrischung. Die Wirtin verwöhnte alle mit ihrem selbst gebackenen Kuchen. Manfred Samel gestaltet danach den kulturellen Teil. Er zeigte zwei DVDs, die eine zum Thema „65 Jahre Landsmannschaft Ostpreußen“, die andere zeigte die Festveranstaltung zum 65-jährigen Jubiläum der Landesgruppe Hamburg.

Es folgten unter anderem Lieder und Vorträge des LAB-Chores. Kleine Verse der Anwesenden brachten alle zum Schmunzeln. Das Schlusswort hielt Siegfried Grawitter. Er bedankte sich noch einmal bei allen Besuchern und wünschte eine gute Heimreise.

Am Ende waren sich alle einig, dass es ein schöner Nachmittag mit guter Stimmung und viel Frohsinn war. Das nächste große Wiedersehen findet am 5. Dezember bei der Vorweihnachtsfeier statt.

­– Terminankündigung –

Sonnabend, 29. August, 45. Berlinfahrt zum „Tag der Heimat“ unter dem Leitwort „Vertreibungen sind Unrecht – gestern wie heute“. Wichtige Hinweise zum Programm:

1) Bitte am Sonnabend, um 7.30 Uhr am ZOB sein, damit wir um 7.45 Uhr abfahren können. Wir bitten dringend, die 35 Euro Reisekosten zu überweisen, beziehungsweise bar in der Geschäftsstelle im Haus der Heimat einzuzahlen.

2) Auf der Hin- und Rückfahrt werden lmbisse gereicht. Im Bus erhalten Sie die Einlasskarte. Sie wird in Berlin in eine Eintritts- und Platzkarte getauscht. Dort gibt es auch ein Festprogramm und weitere Unterlagen über Aktuelles.

3) Eine Ansprache erfolgt um 12 Uhr durch Bernd Fabritius als Präsident des Bundes der Vertriebenen. Die Festrede hält der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. Das Programm wird musikalisch von den Potsdamer Turmbläsern umrahmt.

4) Nach dem Festakt erfolgt um 15 Uhr eine Kranzniederlegung am Zentralen Mahnmal. Für die „Hamburger“ beginnt eine historische Berlin-Stadtrundfahrt.

5) Den Mittagsimbiss nehmen wir am Prager Platz 1–3, 10779 Berlin, im „Ristorante San Marino“ ein. Die Reisenden erhalten einen „Bonus“. Danach geht es zum „Reiterdenkmal Friedrich des Großen“, Unter den Linden. Dort verabschieden wir uns nach einem traditionellen Sektumtrunk mit deutschem Volksliedgut von der Hauptstadt Berlin mit einem „Dankeschöngeschenk“ zum Abschied!

6) Um rechtzeitig wieder in Hamburg einzutreffen, planen wir etwa gegen 19 Uhr aus Berlin abzufahren und wollen um 22.30 Uhr in Hamburg sein.

Anmeldung unter: Telefon/Fax (040) 34 63 59, Geschäftsstelle (10–14 Uhr), oder Telefon/Fax: (040) 41924456, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg.

KREISGRUPPE

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und zu einem kulturellem Programm um 12 Uhr im Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125, 22459 Hamburg. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612.

Kassel – Donnerstag, 3. September, 14.30 Uhr. AWO-Heim, Am Wehrturm 3: Vortrag von Hannelore Neumann zum Thema „Erinnerungen eines Königsberger Waisenkindes an die Zeit in Mitteldeutschland nach 1947“.

– Bericht –

Für das Augusttreffen konnte der bekannte Kasseler Autor Jürgen Pasche gewonnen werden. Schon mehrfach trug er in unserem Kreis kurze literarische Stücke aus seiner Feder vor. Diesmal lenkte er aus gegebenem Anlass den Blick auf den vor 200 Jahren verstorbenen Dichter des „Wandsbecker Bothen“, Matthias Claudius.

Wie der Vortragende selbst, gilt der Menschenfreund aus Wandsbek als Autor der kleinen Formen. Seine zahlreichen Briefe, Rezensionen, Dialoge und Gedichte unterziehen oft Dinge des täglichen Geschehens einer wechselseitigen Betrachtung, die zum Nachdenken anregen soll. Dabei spielt oft das Familienglück und die Zuwendung zum Kind eine hervorgehobene Rolle. Auch das zerbrechliche Leben und der Tod ist für ihn ein bedeutsames Thema, gleichwohl zieht sich durch sein schriftstellerisches Werk ein Faden von Heiterkeit, Gelassenheit, Dankbarkeit und Hoffnung, getragen vom Glauben an die christliche Botschaft. Nach der ausführlichen Beschreibung des Lebensganges von Matthias Claudius in der aufregenden Zeit zwischen Spätbarock und Romantik stellte Jürgen Pasche ein Dutzend lyrische Meisterwerke vor.

Viele derselben wurden von bekannten Komponisten, allen voran Franz Schubert, vertont. Zwei von ihnen legen in besonderer Weise Zeugnis ab von Claudius Naturfrömmigkeit: „Der Mond ist aufgegangen“ sowie „Wir pflügen und wir streuen ...“. Gern kamen die Anwesenden der Einladung nach, die vorgespielten Lieder mit eigener Stimme zu verstärken. Matthias Claudius streut mit seinen zu Herzen gehenden Liedern und Texten noch heute Samenkörner aus, die fruchten, erfreuen und stärken. Jürgen Pasche als Vermittler dieses ungewöhnlichen Lebensbildes gilt unser aller Dank. Gerhard Landau

Wiesbaden – Sonnabend, 5. September, 11 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Feststunde des BdV zum Tag der Heimat. Die Ansprache hält der hessische Kultusminister Alexander Lorz. Ab 15 Uhr Kinderfest – Dienstag, 8. September, 15 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat: Treffen der Frauengruppe. Informationsgespräch mit Herrn Steinbauer vom Arbeiter Samariter Bund (ASB) zum Thema „Die Generation Notruf“. Freunde und Bekannte sind herzlich willkommen. – Sonntag, 13. September, 11 Uhr, Schloss Biebrich, Wiesbaden-Biebrich: Zentraler Tag der Heimat und hessischer Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation. Festredner ist unter anderem der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. Weitere Ansprachen halten Stefan Grüttner, hessischer Minister für Soziales und Integration sowie Siegbert Ortmann, Vorsitzender des BdV-Landesverbandes. Ab 10.30 Platzkonzert.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Landesgruppe – Noch einmal wollten sich die Mitglieder der Landesgruppe Niedersachsen zu ihrer Jahreshauptversammlung in Bad Pyrmont treffen, um Abschied zu nehmen. Das Ostheim ist für viele mit unzähligen Erinnerungen an Zusammenkünfte und Begegnungen sowie mit Gesprächen unter Landsleuten aus der Heimat verbunden.

Fast wehmütig war der Augenblick des Zusammenstehens vor dem Standbild des Trakehner-Hengtes Hessenstein. Unter den Gästen konnte Barbara Loeffke, die Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen, unter anderen den Vorsitzenden der Landesgruppe Sachsen-Anhalt und Kreisvertreter von Schloßberg, Michael Gründling, begrüßen.

Neben den Regularien standen auch bei dieser Jahreshauptversammlung die Berichte des Vorstands und der landsmannschaftlichen Gruppen auf Bezirks-, Kreis- und Ortsebene im Mittelpunkt. Zu Beginn gedachten die Delegierten der Landsleute, die im vergangenen Jahr abberufen worden waren. Der unerwartete Tod des Vorsitzenden der Gruppe Buxtehude, Wolfgang Weyer, der mit seinen, von großem Einfallsreichtum geprägten Aktivitäten für Ostpreußen vorbildlich eingetreten ist, hat eine große Lücke in der Landesgruppe hinterlassen.

Gedacht wurde auch des Schatzmeisters der Bezirksgruppe Lüneburg, Walter Osten, und der langjährigen Kulturbeauftragten der Gruppe Uelzen, Irmgard Schareina, die auch beim Aufbau der Ostpreußengruppen in Mit-teldeutschland mitgeholfen hat. Die Vorsitzende, Barbara Loeffke, erinnerte in ihrem Rückblick auf das Jahr 2014/15 an die zahlreichen Veröffentlichungen und Veranstaltungen aus Anlass der Beendigung des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren. Die Vertriebenen mussten zur Kenntnis nehmen, dass das schwere Schicksal von 15 Millionen Heimatvertriebenen und der Verlust von altem deutschen Siedlungsland nur allzu selten in seiner ganzen Tragik in Gedenkreden und in den Medien erwähnt wurde.

Mit Interesse sind die personellen Veränderungen auf Bundes- und Landesebene im Bund der Vertriebenen, der Dachorganisation aller deutschen Vertriebenen, verfolgt worden. Der BdV-Bundesverband wird nun von einem Siebenbürger Sachsen, dem Rechtsanwalt und Bundestagsmitglied Bernd Fabritius geführt. Dem BdV-Landesverband Niedersachsen steht nach dem unerwarteten Rücktritt von Oliver Dix die Landtagsabgeordnete Editha Lorberg vor. Sie ist auch in der CDU-Fraktion für Vertriebene und Aussiedler zuständig.

Das Anliegen des Vorstands, Ostpreußen und seine Menschen in der Erinnerung zu bewahren, spiegelt sich in der Mitarbeit in zahlreichen Vertriebeneneinrichtungen wider, so in der Mitwirkung im Ostpreußischen Landesmuseum, in ostdeutschen Stiftungen und Verbänden sowie in der Unterstützung der angeschlossenen Gruppen auf Bezirks-, Kreis- und Ortsebene. Sorgen bereitet den Ostpreußen die unbefriedigende Förderung der ostpreußischen Kultureinrichtungen. Auf Unverständnis stieß auch die unbefriedigende Unterstützung des Ostpreußischen Landesmuseums durch die öffentliche Hand. Während andere Kultureinrichtungen großzügig gefördert werden, besteht beim Ostpreußischen Landesmuseum die Gefahr, dass die Planungen für den Erweiterungs- und Modernisierungsbau einschließlich der deutsch-baltischen Abteilung nicht erfolgreich verwirklicht werden können.

Nicht unerwähnt blieben die Veröffentlichungen über Ostpreußen und das deutsche Schicksal von Freya Klier und Vera Lengsfeld. Unterstützt wird der Aufruf des BdV-Bundesverbandes, Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, um Erinnerungen und Erfahrungen noch lebender Zeitzeugen von Flucht und Vertreibung für die Nachwelt festzuhalten. Einzelne Gruppen sind hier schon aktiv geworden.

Die Delegierten befassten sich ferner mit dem Weltflüchtlingstag, auf dem zum ersten Mal auch der deutschen Heimatvertriebenen gedacht worden ist. Mit dieser von der Bundesregierung beschlossenen Lösung zeigte sich die Versammlung nicht einverstanden. Der Vorstand wurde beauftragt, die Unzufriedenheit mit dieser Entscheidung an den BdV-Bundesverband weiterzugeben und darauf hinzuweisen, dass das schwere Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen an einem eigenen Gedenktag in der Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden muss.

Die Kassenprüfer, Frau Pottschien und Herr Uffhausen, bescheinigten dem Schatzmeister Herrn Schulz, der nicht teilnehmen konnte, eine ordnungsgemäße Kassenführung, sodass die Delegierten einstimmig Entlastung erteilten. Im Teil II der Jahreshauptversammlung berichteten die Gruppenvorsitzenden über ihre Arbeit und ihre Aktivitäten. Dank des überaus beeindruckenden ehrenamtlichen Einsatzes auf Bezirks-, Kreis- und Ortsebene zeichnete sich auch das Veranstaltungsjahr 2014/2015 durch ein großes Engagement und eine große Vielfältigkeit aus.

In den regelmäßig stattfindenden Zusammenkünften erfreuen sich Filmbeiträge und Vorträge über Ostpreußen früher und heute immer noch großer Beliebtheit, aber der Rahmen wird weiter gespannt. Vorträge über deutsche Schriftsteller, über die Heimat hinaus bekannte Persönlichkeiten, Reiseberichte der Mitglieder und natürlich auch über politische Entwicklungen hier und in der Heimat finden Eingang in die Zusammenkünfte. Großer Beliebtheit erfreuen sich Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung, und es stehen sogar Betriebsbesichtigungen auf dem Programm. Großer Akzeptanz erfreuen sich immer die Zusammenkünfte zu den christlichen Feiertagen.

So schmerzlich der Rückgang der Mitgliederzahlen ist, Ostpreußen lebt in den angeschlossenen Gruppen fort. Immer häufiger wird darüber berichtet, dass zu den Treffen der Ostpreußen auch Mitglieder aus anderen Landsmannschaften kommen. Die Familie der Heimatvertriebenen rückt näher zusammen und hält die Erinnerung an das Land jenseits von Oder und Neiße wach. Die Jahreshauptversammlung schloss mit dem gemeinsamen Gesang des Ostpreußenliedes.

Braunschweig-Stadt – Mittwoch, 26. August, 15 Uhr, Stadtparkrestaurant (Eingang Sozialverband), Jasperallee 42: Gemeinsames Treffen mit dem Bericht über den Vortrag eines Zeitzeugen vor 60 Schülern und Schülerinnen eines Gymnasiums.

Buxtehude – Donnerstag, 27. bis Sonntag, 30 August: Berlinfahrt.

Helmstedt – Jeder zweite Donnerstag im Monat, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Treffen. Der nächste Termin findet am 10. September statt.

Helmstedt – Donnerstag, 10. September, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Gemeinsames Treffen.

Oldenburg – Die Landsmannschaft Ostpreußen und Westpreußen trifft sich nach der Sommerpause am 9. September um 15 Uhr im Stadthotel Eversten, Hauptstraße 38, Oldenburg. Unter dem Thema „Ostpreußen - so schabberten we tohus. Ein Nachmittag mit ostpreußischem Hmor“ tragen Mitglieder der Gruppe vor. Freunde und Gäste sind herzlich willkommen.

Osnabrück – Dienstag, 25. August, 16.30 Uhr, Hotel Ibis, Blumenhaller Weg 152: Kegeln.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr, Eichendorff-Saal, Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Chorprobe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft „Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland“ unter Leitung von Radostina Hristova. – Mittwoch, 2. September, 15 Uhr, Raum 311, GHH: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt. – Donnerstag, 3. September, 19.30 Uhr, Raum 412, GHH: Offenes Singen mit Barbara Schoch. – Mittwoch, 9. September, 19 Uhr, Konferenzraum, GHH: „Das Sudetendeutsche Museum in München. Konzept und Stand der Vorbereitungen“ – Vortrag von Dr. Elisabeth Fendl.

Köln – Die Versammlung der Ostpreußenrunde, die jeden dritten Dienstag des laufenden Monats stattfindet, fällt im August wegen Urlaub vieler Mitglieder aus. Der Vorstand wünscht allen eine erholsame Zeit. Wir treffen uns wieder am 15. September um 14.30 Uhr im Bürgerzentrum Köln-Deutz, Tempelstraße 41–43, das mit den Linien der KVB 3 und 4 von der Haltestelle Suevenstraße, und den Linien 1 und 7 von Deutzer Freiheit in wenigen Minuten erreicht werden kann.

Neuss – Sonnabend, 12. September, 14 Uhr, Ostdeutscher Gedenkstein, Oberstraße: Gedenkfeier zum Tag der Heimat. Im Anschluss Feierstunde im Marienhaus, Kapitelstraße 36. Ein Bustransfer vom Gedenkstein zum Marienhaus steht zur Verfügung.

Remscheid – Zu der beliebten Weinfahrt am 22. August lädt die Kreisgruppe alle Mitglieder und Gäste herzlich ein. Wir wollen den schönen Rhein diesmal ganz direkt genießen und fahren von Königswinter, wo uns der Bus zunächst zu einem Mittagessen ins Rheinhotel „Loreley“ gebracht hat, per Schiff rheinaufwärts bis Linz. Hier wendet das Schiff und bringt uns zurück nach Königswinter. Per Bus geht es dann das letzte Stück Weges heimwärts. Alles nähere bei Frau Beck, Telefon (02191) 51103 oder Frau Pokropowitz, Telefon (02191) 62070.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle, Telefon privat (0345) 2080680.

Gardelegen – Donnerstag, 10. September. 12.30 Uhr, Gaststätte Wieseneck: Pellkartoffelessen.

Magdeburg – Dienstag, 1. September, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen. – Freitag, 4. September, TuS Fortschritt, Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises. – Sonntag, 13. September, 14 Uhr, Sportgaststätte, Spielhagenstraße: Tag der Heimat.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Pinneberg – Sonntag, 13. September, 15 Uhr: Nachmittag mit Überraschungen. Wegen der Kaffeetafel bitte spätestens vier Tage vorher anmelden, Telefon (04101) 62667.


S. 18-19 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101.

Auch in der Urlaubszeit gehen die Vorbereitungen für die 61. Angerburger Tage am 12. und 13. September in Rotenburg (Wümme) weiter. Der Landkreis Rotenburg (Wümme) als Patenschaftsträger und der Vorstand der Kreisgemeinschaft Angerburg laden dazu recht herzlich in die liebenswerte Kreisstadt an der Wümme ein. Die Angerburger aus nah und fern sowie deren Nachkommen und Freunde treffen sich in der Theodor-Heuss-Schule in der Gerberstraße 16 (neben dem Ratsgymnasium).

Eingeleitet werden die 61. Angerburger Tage am Sonnabend, den 12. September um 9 Uhr mit einer Kranzniederlegung am Patenschaftsstein neben der Angerburger Eiche beim Rotenburger Kreishaus. Anschließend tagt ab 9.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Kreishauses in öffentlicher Sitzung die Angerburger Kreisvertretung (Delegiertenversammlung). Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Ehrungen und Berichte des Vorstandes sowie die Verabschiedung des Haushaltsvoranschlages für das Geschäftsjahr 2016.

Im Mittelpunkt der Sitzung dürfte jedoch die Neuwahl des Kreisvertreters und zweier Stellvertreter sowie von vier weiteren Vorstandsmitgliedern stehen. Für die Zukunft der Kreisgemeinschaft durfte auch der Tagesordnungspunkt 18 wichtig sein: Beschlussfassung über Satzungsneufassung. Mit der Neufassung soll den heutigen organisatorischen und rechtlichen Erfordernissen Rechnung getragen werden. Nutzen Sie also die Gelegenheit sich zu informieren.

Um 13.30 Uhr starten wir vom „Hotel am Pferdemarkt“ zu einer Kreisrundfahrt, die uns nach Scheeßel führen wird, wo wir Kaffee/Tee und Kuchen erhalten. Es ist ein Kostenbeitrag von unverändert 10 Euro pro Person einschließlich Busfahrt zu entrichten. Aus organisatorischen Gründen ist eine vorherige schriftliche Anmeldung unter Angabe der Personenzahl an Brigitte Junker, Sachsenweg 15, 22455 Hamburg, bis spätestens 31. August nötig.

Ab 15 Uhr ist die Theodor-Heuss-Schule geöffnet für alle, die nicht an der Busfahrt teilnehmen und sich mit Bekannten treffen wollen. Zum Abendessen (ab 18 Uhr) werden Speisen und Getränke (kleine Karte) angeboten. Ab 20 Uhr wird Wolfgang Brandes auf unterhaltsame und informative Art die einzigartige Geschichte des Liedes „Ännchen von Tharau“ erzählen. In geselliger Runde lassen wir danach den Tag ausklingen.

Die Angerburger Tage werden am Sonntag, dem 13. September, fortgesetzt. Ab 9.30 Uhr ist die Theodor-Heuss-Schule für die Angerburger geöffnet. In der Aula der Schule findet um 11 Uhr eine Feierstunde statt. Die Gastrede wird Barbara Loeffke aus Lüneburg, Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen, halten. Nach der Feierstunde treffen sich die Angerburger aus Stadt und Kreis mit alten und neuen Freunden in der Mensa der Schule. Dort besteht auch Gelegenheit zum Mittagessen, außerdem werden Kuchen, Kaffee, Tee oder andere Getränke angeboten.

Am Sonnabend und Sonntag sind das Angerburger Zimmer (Heimatstube) mit Archiv und die Geschäftsstelle am Standort, Weicheler Damm 11, von 12 bis 16 Uhr geöffnet. An anderen Tagen ist ein Besuch nach vorheriger Absprache möglich. In der Theodor-Heuss-Schule werden Bücher, Karten, Landkarten sowie Angerburger Heimatbriefe verschiedener Jahrgänge angeboten. Das vollständige Programm ist im Angerburger Heimatbrief Nr. 155 (Juni 2015) auf den Seiten 46/47 abgedruckt. Die auf der Seite 48 angebotene Busfahrt findet natürlich am 12. September statt. Auf Seite 47 des Angerburger Heimatbriefes Nr. 155 sind die Übernachtungsmöglichkeiten aufgeführt. Im Helmut Tietje-Haus, Verdener Straße 104, Telefon (04261) 83041, sind für die Angerburger einige Zimmer reserviert. Bitte geben Sie bei der Bestellung an, dass Sie die Angerburger Tage besuchen wollen. Es empfiehlt sich, die Zimmerbestellung möglichst umgehend vorzunehmen.

Es ist wichtig, dass die Angerburger in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Durch Ihren Besuch der 61. Angerburger Tage am 12. und 13. September stärken Sie auch die Arbeit des Vorstandes der Kreisgemeinschaft Angerburg. Auch einige Tage Urlaub im Patenkreis würden sich lohnen. Der Vorstand würde sich über viele Besucher freuen und wünscht Ihnen eine gute Zeit, wo immer Sie die auch verbringen.

Kurt-Werner Sadowski, Kreisvertreter

Inzwischen dürfte der Angerburger Heimatbrief Nr. 155 – Juni 2015 – bei allen Leserinnen und Lesern trotz des Poststreiks eingetroffen sein. Wer ihn noch nicht erhalten hat oder ihn künftig erhalten möchte, wende sich bitte an unsere Geschäftsstelle in Rotenburg (Wümme), die dienstags und mittwochs auch in der Urlaubszeit von 8.30 bis 12.30 Uhr besetzt ist.

 

ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Vom 10. bis 11. September findet das Kreistreffen und die Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft im Hotel Esplanade in Bad Nenndorf statt. Eingeladen sind alle ehemaligen Bewohner des Kreises, deren Nachfahren sowie alle Freunde Ostpreußens. Das Programm am Donnerstag, 10. September:

14 Uhr: Eröffnung des Tagungsbüros im Foyer/Delegiertenversammlung, Treffen im Restaurant

16 bis 18 Uhr: Film- und/oder Diavorträge.

Das Programm am Freitag, 11. September:

9 Uhr: Eröffnung des Tagungsbüros

9.30 Uhr: Treffen im Restaurant 10.15 bis 11.45 Uhr: Unser Bildarchiv/unsere Homepage, Wolfgang Nienke, Film- und/oder Diavorträge;

12 Uhr: Mittagessen im Restaurant

14 Uhr: Eröffnung des Treffens, Totenehrung, Grußwort der stellvertretenden Landrätin, Berichte 2015 von den Kirchspielvertretern, Wahlen und Ehrung.

16 Uhr: Gemütliches Beisammensein, Plachandern

Ab 18 Uhr Musikalische Unterhaltung

Weitere Informationen: Für Übernachtungsmöglichkeiten bitten wir mit dem Hotel „Esplanade“, Bahnhofstraße 8, 31542 Bad Nenndorf, Telefon (05723) 798110 oder dem „Parkhotel Deutsches Haus“, Bahnhofstraße 22, 31542 Bad Nenndorf, Telefon (05723) 94 370; Fax (05723) 9437 500 oder dem Kur- und Verkehrsverein, Kurhausstraße 4, 31542 Bad Nenndorf, Kontakt aufzunehmen.

Am Sonnabend, 12. September, beginnt um 10 Uhr das Regionaltreffen der Kreisgemeinschaften Tilsit-Ragnit, Elchniederung und der Stadtgemeinschaft Tilsit. Austragungsort ist das Hotel Esplanade, Bahnhofstraße 8, 31542 Bad Nenndorf. Das Programm: Eröffnung durch James-Herbert Lundszien. Es folgen Totenehrung und die Begrüßung durch die Kreisvertreter Manfred Romeike (Elchniederung), Hans Dzieran (Tilsit-Stadt) und Dieter Neukamm (Tilsit-Ragnit). Anschließend hält Jürgen Leiste einen Vortrag zum Thema „Naturschutzgebiet Elchwald gestern und heute“. Zwischen 11.30 Uhr und 13 Uhr: Mittagspause. Als Festredner wird dann Wilhelm von Gottberg das Wort übernehmen. Um 14 Uhr tritt der „Schaumburger Shanty-Chor“ auf. Danach gibt es ein geselliges Beisammensein. Die Schlussworte spricht Manfred Romeike. Gegen 17 Uhr wird die Veranstaltung mit dem gemeinsamen Singen des Ostpreußenliedes beendet.

 

GERDAUEN

Kreisvertreter: Walter Mogk, Am Eichengrund 1f, , 39629 Bismark (Altmark), Telefon (0151) 12 30 53 77, Fax (03 90 00) 5 13 17. Gst.: Doris Biewald, Blümnerstraße 32, 04229 Leipzig, Telefon (0341) 9600987, E-Mail: geschaeftsstelle@ kreis-gerdauen.de.

Gemäß Paragraph 5 Absatz 4 unserer Satzung vom 29. September 2012 sind wir verpflichtet, den Termin der nächsten Kreistagssitzung, die während unseres Hauptkreistreffens am Sonnabend, 3. Oktober 2015, um 9.30 Uhr im Hotel Esplanade in 31542 Bad Nenndorf, Bahnhofstraße 8, stattfinden wird, vor Beginn der Ladungsfrist in der Preußischen Allgemeinen Zeitung/Das Ostpreußenblatt bekanntzugeben. Alle Vorstands- und Kreistagsmitglieder, einschließlich der Stellvertreter und kooptierten Landsleute, sowie die Mitglieder des Ältestenrates erhalten rechtzeitig die Einladung zur Kreistagssitzung mit den aktuellen Tagesordnungspunkten zugeschickt.

Die Wahlvorschläge des Vorstandes zur Neuwahl der Mitglieder des Kreistages der Heimatkreisgemeinschaft für die Wahlperiode 2015 bis 2019 sind in der Preußischen Allgemeinen Zeitung Nummer 20 vom 20. Mai sowie im Heimatbrief „Kreis Gerdauen“ Nummer 55/2015 veröffentlicht worden. Bis zum Ablauf der Einreichungsfrist am 3. August 2015 wurde kein weiterer Wahlvorschlag seitens der Mitglieder eingereicht. Nach Paragraph 5 Absatz 3 der Wahlordnung gelten daher nachfolgende, vom Vorstand vorgeschlagene Personen, als gewählte Mitglieder des Kreistages für die Wahlperiode 2015 bis 2019.

Für das Kirchspiel Gerdauen: Jörg Beißel, Hannelore Gruschwitz, Hans Eckart Meyer, Dietmar Plaumann, Lothar Scharnowski.

Für das Kirchspiel Nordenburg: Brigitte Havertz-Krüger, Walter Mogk, Doris Biewald, Margitta Romagno.

Für das Kirchspiel Assaunen: Arnold Schumacher. Jürgen Wokulat.

Für das Kirchspiel Friedenberg: Klaus-Dietrich Rahn.

Für das Kirchspiel Groß Schönau: Karin Leon.

Für das Kirchspiel Klein Gnie: Dirk Bannick, Frauke Bannick.

Für das Kirchspiel Laggarben: Gertrud Holtermann.

Für das Kirchspiel Molthainen: Monika Weppelmann.

Für das Kirchspiel Muldszen: Dietmar Hoffmann.

Abteilung Girdawe: Wolfgang Gay.

 

GUMBINNEN

Kreisvertreterin: Karin Banse, Wiesengrund 9, 29559 Wrestedt, OT Wieren, Telefon (05825) 642, E-Mail: karin.banse@t-online.de, Internet: www.kreis-gumbinnen.de.

In diesem Jahr begeht die Kreisgemeinschaft Gumbinnen den 60. Jahrestag ihres Bestehens. Gefeiert wird am 12. und 13. September im „Brenner Hotel“, Otto-Brenner-Straße 135, in der Patenschaft Bielefeld. Gumbinner, ihre Nachkommen, Freunde und Gäste von fern und nah sind herzlich willkommen.

Um 10 Uhr am Sonnabend, dem 12. September, beginnt das Treffen mit der Kreisversammlung, in der vom Vorstand turnusgemäß Tätigkeits- und Rechenschaftsberichte abgeben werden, ebenso Berichte von der „Stiftung Gumbinnen“ und der Arbeitsgruppe „Ostpreußisch Platt“. Es bleibt aber auch noch genügend Zeit zum Beisammensein, Kaffeetrinken und „Plachandern“. Eine Ausstellung mit Exponaten aus Archivunterlagen und Filmen von früher und heute wird von Gerhard Thies vorbereitet. In der umfangreichen Adress- und Namensdatei von Klaus Stephan kann mancher seine Familiendaten finden oder vervollständigen.

Auch in diesem Jahr gibt der Kammerchor Kant aus Gumbinnen [Gusew] am Sonnabend um 19 Uhr in der Lutherkirche ein Konzert. Die Kirche ist ganz in der Nähe vom Tagungsort gelegen. Auch Gäste aus Bielefeld sind herzlich dazu eingeladen. Der Abend im Brenner Hotel lässt dann anschließend noch Zeit für ein gemütliches Beisammensein.

Am Sonntag, dem 13. September, beginnt um 10 Uhr im Brenner Hotel eine öffentliche Gemeinschaftsstunde, zu der auch Vertreter der Stadt Bielefeld eingeladen sind. Traditionsgemäß wird nach einer Andacht das Totengedenken gesprochen. Neben den Grußworten der Ehrengäste und dem Bericht der Vorsitzenden über die Arbeit der Kreisgemeinschaft wird ein Rückblick auf 60 Jahre Wirken in der Kreisgemeinschaft stehen. Beginnend mit den Zielen der Gründer nach dem Verlust der Heimat, von Haus und Hof, der Nachbarschaft, Freunden und vielen Familienangehörigen sowie der Hoffnung auf eine Rückkehr, über die Neufindung im fremden Land und die zunehmende Fügung in ein neues Leben.

Aber auch die Entfremdung der nachfolgenden Generationen soll angesprochen werden bis hin zur schmerzlichen Akzeptanz und der realen Situation, die besonders nach der Öffnung des lange Jahre unzugänglichen Landes entstand. Heute steht die Verpflichtung zur Bewahrung des kulturellen Erbes im Mittelpunkt der Arbeit der Kreisgemeinschaft Gumbinnen. Dazu gehört die Pflege der Kontakte unter den Gumbinnern durch den „Gumbinner Heimatbrief“ und die Homepage, die Wahrung des Archivgutes in Bielefeld. Aber auch ein guter Kontakt zur ehemaligen Heimatstadt wird gepflegt, dem heutigen Gusew, zu den Menschen, die dort ihre Heimat gefunden haben, zur Verwaltung und zum Museum, das in drei Räumen Gumbinner Kulturgut präsentiert. Auf eine Delegation aus Gusev wird man in diesem Jahr verzichten müssen, denn dort finden Kommunalwahlen statt. Karin Banse,

Kreisvorsitzende

Nur gut ein Jahr leitete Dieter Mau die Arbeitsgemeinschaft „Ostpreußisch Platt “, die er jedoch schon seit 2003 begleitete. Er gehörte zu den engagierten, denen die Pflege unserer ostpreußischen Mundart am Herzen lag und der sich aktiv für ihren Erhalt einsetzte. Nun ist Dieter Mau leider verstorben.

Er wurde am 24. Januar 1939 in Haldenberg im Kreis Goldap geboren und starb am 31. Juli. In Fröndenberg–Frömern hat er seine letzte Ruhestätte gefunden.

Die AG „Ostpreußisch Platt“ wurde vom damaligen Gumbinner Kreisvorsitzenden Dietrich Goldbeck gegründet. Neben Gumbinner Landsleuten gehören ihr Mitglieder aus den Kreisgemeinschaften Angerapp, Ebenrode, Goldap, Insterburg, Schlossberg Tilsit und Wehlau an. Zweimal im Jahr trifft man sich in Bielefeld.

Neben den jährlichen Treffen der Arbeitsgemeinschaft in Bielefeld und dem Austausch in der heimatlichen Mundart gehört auch die Sammlung von Erzählungen und die Zusammenarbeit mit den Archiven des Kulturzentrums Ostpreußen in Schloss Ellingen, des Forschungsinstituts Deutscher Sprachatlas Marburg und des Bundesarchivs Bayreuth dazu.

Das nächste Treffen der Arbeitsgemeinschaft hatte Dieter Mau schon terminiert und inhaltlich vorbereitet. Es findet am 30. und 31. Oktober in Bielefeld statt. Weitere Auskünfte erteilt Bruno Romeiks, Telefon (023203) 50109.

Karin Banse,

Kreisvorsitzende

 

HEILIGENBEIL

Kreisvertreterin: Elke Ruhnke, Im Bökel 76, 42369 Wuppertal, Tel.: (0202) 46 16 13. E-Mail: ruhnke@kreis-gemeinschaft-heiligenbeil.de. Stellvertreter: Christian Perbandt, Im Stegfeld 1, 31275 Lehrte, Tel.: (05132) 57052. E-Mail: perbandt@kreisge­meinschaft-heiligenbeil.de. 2. stellvertretender Kreisvertreter: Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821) 8 42 24. E-Mail: Schmidt.ploessen@gmx.de. 2. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www. kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de

Auch in diesem Jahr heißt es wieder, die Koffer zu packen. Unser Kreistreffen in Burgdorf steht vor der Tür! Kommen auch Sie am 5. und 6. September in das Veranstaltungszentrum StadtHaus Burgdorf (ehemals Veranstaltungszentrum) in Burgdorf bei Hannover. Wir freuen uns auf Sie.

Programm:

Sonnabend, 5. September

9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungszentrums StadtHaus Burgdorf, Sorgenser Straße 31.

11 Uhr: Gedenkminute und Niederlegung von Blumen am Gedenkstein im Park. Ab 10.45 Uhr fährt ein Bus vom Veranstaltungszentrum hin und zurück.

12 Uhr: Öffentliche Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil im Saal „JohnnyB.“ (ehemals „Haus der Jugend“).

14 Uhr: Öffnung der Heimatstube und des Archivs in der Wilhelmstraße 3A. Buspendelverkehr vom Veranstaltungszentrum zur Heimatstube von 13.45 bis 15.30 Uhr. 16 Uhr: Vortragsveranstaltung.

18.30 Uhr: Gemütliches Beisammensein.

Am Sonnabend wird wiederum im Foyer des Veranstaltungszen-trums ein Infostand des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge präsent sein.

Sonntag, 6. September:

9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungszentrums StadtHaus Burgdorf, Sorgenser Straße 31.

Zirka 10 Uhr: Platzkonzert der Schützenkapelle „Gehrden“.

11 Uhr: Feierstunde im Saal „JohnnyB.“ (ehemals „Haus der Jugend“). Begrüßung durch Kreisvertreterin Elke Ruhnke.

Ostpreußenlied.

Totenehrung (Christian Perbandt, stellvertretender Kreisvertreter).

Choral von Leuthen (Nun danket alle Gott …).

Ilse Thomann: „Verloren – aber was?“

Grußworte.

Festansprache: Wilhelm von Gottberg, ehemaliger Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Thema: „Ostpreußen – Heiligenbeil, gestern, heute und in Zukunft“.

Instrumentalstück.

Schlusswort Elke Ruhnke, Kreisvertreterin.

Deutschlandlied 3. Strophe.

13.30 Uhr: Öffnung der Heimat-stube bis 15 Uhr. Es ist ein Pendelverkehr hin und zurück eingerichtet. 16 Uhr: Offizielles Ende des Hauptkreistreffens.

Änderungen vorbehalten.

Sondertreffen Kirchspiel Bladiau:

Freitag, 4. September, ab 15 Uhr bis Zirca 17 Uhr im Hotel „Försterberg“ in Burgdorf in der Immenser Straße 10.

Leitung: Wolfgang Milewski.

Sondertreffen Stadtgemeinschaft Zinten:

Sonnabend, 5. September 2015, um 15.30 Uhr im Veranstaltungszentrum StadtHaus Burgdorf, Sorgenser Straße 31.

Leitung: Viola Reyentanz, geborene Schlenger.

Sondertreffen Kirchspiele Brandenburg und Pörschken

Das Sondertreffen der Kirchspiele Brandenburg und Pörschken findet in diesem Jahr während des Kreistreffens am 5. und 6. September im Veranstaltungszentrum in Burgdorf statt.

 

KÖNIGSBERG LAND

Kreisvertreterin: Gisela Broschei, Bleichgrabenstraße 91, 41063 Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, Fax (02161) 87724. Geschäftsstelle: Im Preußen-Museum, Simeonsplatz 12, 32427 Minden, Telefon (0571) 46297, Mi. Sa. u. So. 18-20 Uhr.

Liebe ostpreußische Landsleute, liebe Freunde Ostpreußens, wahrscheinlich haben Sie schon die Ankündigung unseres Kreistreffens dem Samlandbrief oder dem Ostpreußenblatt entnommen. Wir möchten Sie trotzdem noch einmal an das bevorstehende Kreistreffen am 5. und 6. September in Minden erinnern, weil es uns sehr am Herzen liegt, dort möglichst viele unserer Landsleute begrüßen zu dürfen. Mit unserer Veranstaltung vor zwei Jahren haben wir viel Anklang gefunden. Das hat uns bewogen, wieder ein heimatliches feierlich-besinnliches und heiteres Programm zusammenzustellen. Das Wochenende soll zu einem schönen Erlebnis werden.

Die einzelnen Programmpunkte entnehmen Sie bitte der beiliegenden Einladung. Im Hotel Holiday Inn haben wir ein günstiges Angebot vereinbart. Unter der Reservierungsnummer 313 957 können Sie Zimmer buchen. Kostenlose Parkmöglichkeit besteht hinter dem Preußen-Museum. Vor dem Parkplatz befindet sich eine Schranke, die man passieren kann. Zu allen Veranstaltungen laden wir Sie, liebe Landsleute, Ihre Verwandten, Bekannten und Freunde herzlich ein. Wir freuen uns auf ein gesundes Wiedersehen und verbleiben mit heimatlichen Grüßen Gisela Broschei,

Kreisvertreterin

„Liebe Landsleute, liebe Freunde Ostpreußens, Mit dem Ostpreußenkalender der Heimatkreisgemeinschaft durch das Jahr 2016! Für das Jahr 2015 beginnt bald das letzte Quartal. Deshalb ist es Zeit, unseren neuen Ostpreußenkalender für das Jahr 2016 anzubieten. Der neue Kalender steht ganz unter dem Motto „Bernstein“.

Was wäre Ostpreußen ohne Bernstein? Von Kindesbeinen war man damit vertraut. Es waren die ersten winzigen Stücke, die man am Strand von Rauschen oder Cranz fand und dann stolz präsentierte. Später waren es die erste Bernsteinkette, ein Armband oder ein Ring, die man als erste Schmuckstücke geschenkt bekam. Zu allen Zeiten waren die Menschen vom Bernstein fasziniert.

Was wurde und wird nicht alles aus Bernstein hergestellt? Nicht nur wunderbarer Schmuck, künstlerisch wertvolle Gebrauchsgegenstände, wie Zigarettenspitzen, Zigarrenkistchen, Wappen, Humpen, Wandteller, Kreuze, Krippen, sogar Möbel waren wertvolle Erzeugnisse. Das wertvollste Kleinod, das je eine Bernsteinmanufaktur verließ, aber war das berühmte Beinsteinzimmer, ausgeführt von Danziger Bernsteinmeistern. Für unseren Kalender haben wir besonders schöne Motive ausgesucht. Dazu konnten wir wieder aus dem reichen Fundus des Museums Königsberg in Duisburg auswählen. Herr Grimoni, der Leiter des Museums, hat uns dabei kenntnisreich unterstützt. Ebenso hat uns freundlicherweise Wilhelm Tuschewitzki, der zusammen mit seiner Frau den Freundeskreis zur Erhaltung und zur Pflege ostpreußischen Kulturguts gegründet hatte, seine Unterlagen zur Verfügung gestellt. Nur durch diese Hilfen war es uns möglich, einen solchen Kalender zu gestalten. Dafür danken wir ihnen herzlich. Der Kalender (Format DIN A4) kann bereits jetzt bestellt werden bei Gisela Broschei, Bleichgrabenstraße 91, 41063 Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, oder bei Karl Mückenberger, Neißestraße 13, 32425 Minden, Telefon (0571) 46297.

Die Spende einschließlich Porto sollte, wie in den letzten Jahren, mindestens 12 Euro betragen. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeit der Heimatkreisgemeinschaft Landkreis Königsberg (Pr) e.V. Deshalb danken wir allen Landsleuten und Freunden Ostpreußens, die uns durch ihre Spenden helfen, auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren.

Gisela Broschei,

Kreisvertreterin

 

LABIAU

Kreisvertreterin: Brigitte Stramm, Hoper Straße 16, 25693 St. Michaelisdonn/Holstein, Telefon (04853) 562. info­@stramm­verlag. de, Internet: www.labiau.de.

Herzlich willkommen zu unserem Hauptkreistreffen am 12. September in der Stadthalle im Fröbelweg in 21762 Otterndorf an der Niederelbe, im Patenkreis Cuxhaven.

Hier das Programm am Freitag, 11. September (Änderungen vorbehalten):

Für alle, die heute schon angereist sind, ab 19.30 Uhr: Begrüßungsabend in der Stadthalle Otterndorf (Verzehr bezahlt bitte jeder selbst). Wir wollen gemeinsam einen gemütlichen Abend verbringen. Wer etwas Interessantes dazu beitragen kann – bitte sehr! Unter anderem werden der auf der Reise 2014 gedrehte Film „Wo die Wolken anders ziehen“ und Filme aus der Zeit vor 1945 gezeigt. Eine Bildershow mit wunderbaren Fotos aus der Jetztzeit soll unsere Veranstaltung umrahmen.

Das Programm am Sonnabend, 12. September (Änderungen vorbehalten):

9.30 Uhr: Kranzniederlegung am Gedenkstein „Am Großen Specken“.

10 Uhr: Offizielle Eröffnung des Kreistreffens.

11 Uhr: Feierstunde in der Stadthalle.

19 bis 22 Uhr: Gemütlicher Abend bei Musik und Tanz mit den vier Elbemusikanten aus Otterndorf.

Was sonst noch geplant ist:

Alfred Erdmann steht mit seinem „Familienforschungs-Terminal“ zur Verfügung.

Manfred Zink zeigt nur Sonnabend die Ausstellung „Labiauer Firmengeschichten“.

Die Bildausstellung „Labiau – Stadt und Land“ – wie es einmal war, wird am Freitag und Sonnabend in der Veranstaltungshalle gezeigt.

Herr Dieckmann und das Otterndorfer Team haben an beiden Tagen das Museum im Torhaus geöffnet.

Es gibt einen Informationsstand der Geschäftsstelle. Verkauft werden dort unter anderem Postkarten und Heimatbriefe. Weitere Stände bieten unter anderem Bücher, Marzipan, Labiauer Korporal, und Meschkinnes.

Am Sonnabend gibt es Mittag- und Abendessen nach kleiner Karte, nachmittags ein Kuchenbüfett.

Das Programm am Sonntag, 13. September (Änderungen vorbehalten):

Schiffsfahrt auf der Medem. Anschließend Ausklang am Torhaus bei einem kleinen Imbiss.

Allen Labiauern aus Stadt und Land sowie allen Gästen ein herzliches Willkommen!

Brigitte Stramm

 

LÖTZEN

Kreisvertreter: Dieter Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, Fax: (040) 60890478, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Im Zusammenhang mit der seit 25. Juli im Lötzener Museum gezeigten Ausstellung „Lieselotte Plangger-Popp. Eine Grafikerin aus Ostpreußen“ wurde es dank der Zusammenarbeit mit dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg und der großzügigen, zweckgebundenen Spende einer Ostpreußin in Lübeck möglich, eine Postkartenserie mit zehn Motiven von ausdrucksstarken Arbeiten der Künstlerin drucken zu lassen. Die Kunstpostkarten zeigen, neben einem Selbstbildnis der Künstlerin und zwei Darstellungen zum Thema Flucht, ausschließlich Motive aus Ostpreußen. Die Kartenserie wird in einer Folientüte mit beigefügter Kurzbiographie der Künstlerin und mit einem Wappenaufkleber verschlossen zum Preis von fünf Euro (Versandkosten 1,45 Euro) angeboten. Sie kann direkt im Lötzener Museum in Neumünster oder über die Geschäftsstelle der Kreisgemeinschaft Lötzen erworben werden.

 

PREUSSISCH EYLAU

Kreisvertreterin: Evelyn v. Borries, Tucherweg 80, 40724 Hilden, Telefon (02103) 64759, Fax: (02103) 23068, E-Mail:

evborries@gmx.net. Kartei, Buchversand und Preußisch Eylauer-Heimatmuseum im Kreishaus Verden/Aller Lindhooper Straße 67, 27283 Verden/Aller, Telefon (04231) 15589, Bürozeiten: dienstags von 13 bis 15 Uhr,

E-Mail: preussisch-eylau@landkreis-verden.de, Internet:

www.preussisch-eylau.de.

Liebe Landsleute und Heimatfreunde, das diesjährige Heimattreffen findet in der Zeit vom

19. bis 20. September im Hotel „Niedersachsenhof“ in Verden statt. Die Kreisgemeinschaft Pr. Eylau lädt hierzu ganz herzlich ein. Der Programmablauf wird wie folgt sein:

Sonnabend, 19. September

8.30 Uhr: öffentliche Sitzung der Delegiertenversammlung der Kreisgemeinschaft Pr. Eylau im Kreishaus, Lindhooper Straße 67, Haupteingang (Kreistagssaal).

Von 9.30 bis 11.30 Uhr ist unser Heimatmuseum im Kreishaus Verden mit Führung ab

10 Uhr geöffnet.

12 Uhr: Empfang der Teilnehmer des Kreistreffens und der Gastdelegationen aus Preußisch Eylau, Landsberg und Bartenstein im Rathaus der Stadt Verden, Begrüßung durch den Bürgermeister von Verden, Lutz Brockmann.

15 Uhr: Gemeinsames Kaffetrinken im Hotel „Niedersachsenhof“ mit anschließenden Gesprächen mit Ihren Bezirksvertretern und einem Infogespräch über Familienforschung mit Frau Gegner-Sünkler.

17 Uhr: Vortrag mit Lichtbildern von Luise Wolfram über das Thema „Störche kennen keine Grenzen“.

18 Uhr: Auftritt der Big Band des Gymnasiums am Wall Verden.

19 Uhr: Gemeinsames Abendessen (freiwillig) mit einem typisch ostpreußischen Gericht.

Um 20 Uhr wird der Heimatabend mit dem Ostpreußenlied eingeleitet mit nachfolgendem interessanten Film über Ostpreußen, danach gemütliches Beisammensein mit „Schabbern“ und „Plachandern“.

Sonntag, 20. September 2015

10 Uhr: Feierstunde im Hotel „Niedersachsenhof“ in Verden mit anschließender Kranzniederlegung am Mahnmal für den deutschen Osten im Bürgerpark von Verden (Bus-Shuttle hin und zurück). Im Anschluss daran Fortsetzung des Kreistreffens im Hotel „Niedersachsenhof“.

Im Hotel „Niedersachsenhof“ werden an beiden Tagen an einem Bücherstand Ostpreußen-Literatur und Spirituosen angeboten. An einem weiteren Stand kann man sich, wie in den vergangenen Jahren auch, mit dem traditionellen Schwermer-Marzipan versorgen. Wir hoffen auf rege Teilnahme an unserem Heimattreffen und wünschen allen eine gute und sichere Anreise und freuen uns darauf, Sie in Verden zu begrüßen.

Evelyn v. Borries


S. 20 Heimatarbeit

Königberger Kabbelwasser
Der Rudersportler und Goldmedaillengewinner Frank Schepke über den letzten Teil der Wanderfahrt auf dem Pregel

Bis nach Arnau sind die Wassersportler vom RCD, dem Ruderclub der alten Meisterruderer, bei ihrer Tour von Tapiau bis Königsberg gekommen (PAZ 33, Seite 18). Im zweiten Teil seiner Reisereportage beschreibt Frank Schepke, 1960 Olympiasieger in Rom im Achter, wie es weitergeht bei der großen Ruderfahrt auf dem Pregel.

Je näher wir Königsberg kamen, desto mehr veränderte sich die Flusslandschaft. Industriebauten, Uferbefestigungen und hin und wieder Motorboote ließen die Nähe der Großstadt erkennen. Es waren nur noch etwa acht Kilometer bis zum Wassersportzentrum, die aber gerudert werden wollten und mussten, auch wenn zum Schluss rauer Gegenwind und Kabbelwellen das Rudern schwerer machte.

Am Ziel wartete bereits unser guter Gregori, Leiter des Wassersportzentrums, der uns das gesamte Bootsmaterial zur Verfügung gestellt hatte, und war beim Anlegen und Aussetzen der Boote behilflich. Wir waren einigermaßen in der Zeit. Der Bus mit den Landfahrern war natürlich schon vor uns da und wartete auf uns. Als auch wir eingestiegen waren, ging es durch unglaublichen Straßenverkehr mit Staus vor jeder Ampel zum Hotel.

Umziehen und Abendessen durfte nicht allzu lange dauern, denn es sollte im Deutsch-Russischen Haus der Vortrag über „Rudern, von der Vorzeit zum Olympiasieg“, vorbereitet und gehalten von meinem Bruder Kraft Schepke, stattfinden. Der Vortrag mit Simultanübersetzung ins Russische war ein großer Erfolg.

Am Morgen des dritten Rudertages wurden die Bootsbesetzungen nicht wie an den vorherigen Tagen durch den Fahrtenleiter bestimmt, sondern das Los sollte entscheiden, wer mit wem in den drei Booten „Samland“, „Kehrwieder“ und „S. Schmidtke“ sitzen würde. Die Doppelvierer mit Steuermann sind übrigens die für Wanderfahrten mit am besten geeignete Bootsgattung.

Nach reichhaltigem Frühstück und Beendigung des Losverfahrens trafen wir beim Ruderzentrum ein, wo uns das bereits für den vergangenen Montag angekündigte Fernsehteam Kaskade erwartete. Jede Planung wird durch das plötzlich auftauchende Fernsehen über den Haufen geworfen, aber wenigstens war es nur die Fahrtenleitung, die für ein Interview verlangt wurde.

Nach einigen eher belanglosen Fragen zum Ablauf unserer Wanderfahrt, wer die Teilnehmer seien und wie die Verbindung zum Königsberger Ruder-und Wassersportzentrum zustandegekommen wäre, kam die wohl wichtigste Frage: „Empfinden Sie Kaliningrad/Königsberg noch als Ihre Heimat?“

Unsere Antwort ließ nur kurz auf sich warten: Wie könnte es anders sein, wir sind hier geboren, haben die ersten elf und zehn Lebensjahre hier gelebt und sind seit Generationen in diesem Land verwurzelt, was auch gerade durch das Rudern zum Ausdruck kommt. Vater und Großvater waren eng mit dem Königsberger Ruderclub verbunden. Ja, Königsberg ist unsere Heimat! Die Entwicklung der Stadt haben wir durch wiederholte Besuche miterlebt. Vieles ist inzwischen erreicht worden, noch mehr könnte durch engere deutsch-russische Zusammenarbeit geschaffen werden. Gerade dieser Gedanke hatte uns bewogen, die Wanderfahrt auf ostpreußischen Gewässern zu organisieren. Wir danken für die freundliche Aufnahme, für die vielen neu gewonnenen Freunde und sind sicher, dass dies nicht das letzte Mal ist, dass wir hier sind.

Die letzte Ruderetappe führte uns dann ins Königsberger Hafengebiet und rund um die Dominsel. Wir spürten den Wind, der uns vom Frischen Haff mit beträchtlichem Wellengang entgegen kam und und uns schon bald zum Umkehren bewog. Der ruderische Teil unserer Wanderfahrt war damit beendet. Das Reinigen der Boote und ordnungsgemäße Verstauen der Skulls und Rollsitze war nur noch Formsache und schnell beendet.

Der Zeitplan erlaubte es, bevor wir zu unserem Freund Stanislaw Lauruschonis fuhren, im Dom ein Orgel-Konzert mitzuerleben – gewaltig anzuhören – und wohl Pflicht für jeden Königsberg-Besucher. Bei Stanislaw erwartete uns bereits ein vorbereitetes Picknick im Freien in frischer grüner lichter Umgebung, das wir alle genossen.

Der Donnerstag brachte dann eine Fahrt auf die Kurische Nehrung inklusive Baden in der herrlichen Ostseebrandung. Es erinnerte an Kindheitstage und Ferien vor längst vergangenen Zeiten. Natürlich besuchten wir die Vogelwarte, die tanzenden Bäume und ein Fischrestaurant. Den Abschluß des Tages bildete der Vortrag von Professor Gilmanov über „Königsberg, seine Entwicklung in Gegenwart und unsicherer Zukunft“.

Am Freitag ging es auf allgemeinen Wunsch nach Palmnicken, dem Ort der größten Bernsteinfunde an der ostpreußischen Ostseeküste. Leider gehen nicht alle Wünsche in Erfüllung: Wegen einer Bombenentschärfung im Tageabbaugebiet konnten wir leider die imposanten Bagger-und Förderanlagen dort nicht besichtigen. Dennoch höchst zufrieden gelangten wir nach anderthalb Stunden Fahrt wieder im Hotel an und bereiteten uns auf den festlichen Abschluss unserer Ruderwanderfahrt im Wassersportzentrum vor. Nach Austausch von Wimpeln und gegenseitigen Geschenken, bekam jeder Teilnehmer von Gregori eine Medaille umgehängt. Eine schöne Geste, zumal es sich für ihn um ein kleines Jubiläum handelte. Wir waren die zehnte Gruppe von deutschen Ruderern, die er in den letzten Jahren betreuen konnte. Mit dem Rückflug am Sonnabend, dem 18. Juli, endete unsere eindrucksvolle Ruderwanderfahrt.

Frank Schepke


S. 21 Lebensstil

Schöner Schreiben
Kalligrafie ist eine Kunst, die nur noch wenige beherrschen − Im digitalen Zeitalter so gefragt wie einst im Mittelalter

Die Schrift ist der Spiegel der Seele, heißt es. Kalligrafen, die mit schwungvoller Feder gemalte Buchstaben wie gedruckt zu Pa­pier bringen, müssten demnach gut lesbare Seelen haben. Ein Be­such bei einer Künstlerin, die das Schönschreiben zu ihrem Beruf gemacht hat.

Handgeschriebene Zeilen in schöner Schrift erleben eine Renaissance. Kalligrafen freuen sich über volle Auftragsbücher. Besonders Luxusmarken und Prominente setzen bei Einladungen, Danksagungen und Kuverts auf die zuverlässig und gleichmäßig geführte Handschrift. Und sind bereit, dafür viel Geld zu zahlen.

Während Finnland plant, die Schreibschrift ab 2016 aus der Grundschule zu verbannen, und ganz auf das Bedienen der Tastatur setzt, bricht sich ein neuer Trend Bahn: Briefumschläge werden wieder mit Hand adressiert, Einladungen mit einer persönlichen Anrede versehen. Schön muss die hierfür verwendete Handschrift sein − und ebenmäßig. Anschreiben Nummer 1294 muss dem ersten gleichen wie ein Ei dem anderen, und darf ihm in nichts nachstehen. Dabei meint das Wort Handschrift in diesem Fall mehr als nur den rein physischen Vorgang. Die Schrift von Kalligrafen ist Zierde, Kunst.

„Vor Kurzem habe ich 5000 Einladungen für Karl Lagerfeld erstellt“ strahlt die Hamburger Kalligrafin Jeannine Platz, „da habe ich 14 Tage am Stück geschrieben. Wenn man an einem Auftrag sitzt, ist es egal, ob es 500 oder 5000 Stück sind. Die ersten Stücke sind immer etwas aufwendiger. Da tüftelt man noch. Wenn es einmal läuft, geht es nur noch um die Konzentration. Man darf sich ja nicht verschreiben.“ Jeannine Platz setzt bei der Arbeit auf die Unterstützung von schöner Musik und Kerzenschein. „Das Schreiben ist fast meditativ. Durch die Musik wird man in gewisser Weise begleitet, aber nicht abgelenkt. Ich habe die volle Konzentration auf das Werk.“

Allein bei dem Gedanken da­ran, Stunde um Stunde die Feder im gleichen Rhythmus über das Papier zu führen, verkrampfen sich bei vielen Menschen bereits Handgelenk und Arm. Wie schafft eine Kalligrafin diesen Schreib-Marathon? „Ich kann das unendlich lange machen, ich be­komme keinen Krampf, weil meine Hand sich so daran gewöhnt hat“ so die Hamburgerin, die zudem auch Malerin ist. „Neulich habe ich aber bei einem japanischen Meister fünf Tage mit einem Pinsel kalligrafiert. Den musste ich von oben halten. Da habe ich gemerkt, dass meine Hand diese Haltung nicht gewöhnt ist und hatte Muskelkater.“

Erlernt wird die Disziplin der Kalligrafie wie eine Sprache. In Kursen sitzen die Schüler durchaus acht Stunden lang an einem einzigen Buchstaben. Neben den verschiedenen historischen Schriften wie Fraktur oder Copperplate werden auch Inhalte über die dazugehörigen Werkzeuge vermittelt. Künstlerische Freiheit kommt dabei jedoch nicht zu kurz. Jede Kalligrafin verfügt neben den klassischen Schriften auch über ein Repertoire eigener Handschriften.

„Vor kurzem habe ich eine Urkunde in gotischer Schrift angefertigt. Auch wenn die alten Schriften nicht meinen Schwerpunkt bilden, weiß ich, wie die einzelnen Serifen angefügt werden, und welches Werkzeug dafür notwendig ist“, erläutert die Künstlerin. Im Fokus steht bei ihr jedoch eine freiere Schrift. Freiheit nimmt sich die 42-jährige Künstlerin auch bei der Wahl des Werkzeugs heraus. Platz liebt es, viele Schriften mit der Spitzfeder zu erarbeiten, die eigentlich für die englische Schrift Copperplate vorgesehen ist. Und: Sie entwickelt sogar eigene Schreibwerkzeuge. Auch mit Blättern und einer Coladose hat sie schon Schriften erstellt.

Wert auf die persönliche Note, die mit der Handschrift zum Ausdruck gebracht wird, und die Vermittlung der damit verbundenen Wertschätzung des Adressaten legen besonders Unternehmen aus dem Luxussegment. Bei Platz sind dies Kunden wie Chanel, Hèrmes und Montblanc. Prominente lassen es sich ebenfalls gerne etwas kosten, edel beschriftete Post zu versenden. Aufträge werden aber auch von Privatleuten erteilt, vor allem dann, wenn Tischkarten für Hochzeiten, Einladungen oder Danksagungen bei Jubiläen benötigt werden.

Wenn eine schöne Handschrift so viel Begehrlichkeit weckt, wundert es, dass andernorts über die Abschaffung der Schreibschrift in der Grundschule nachgedacht wird, nicht nur im Pisa-Vorzeigeland Finnland. Auch in den USA wird darüber diskutiert. Zugegeben, Buchstaben formschön einen an den anderen zu fügen, ist vielen Grundschülern ein Gräuel. Doch der Kern der aktuellen Diskussion ist ein anderer: Viele Schüler haben heute große Probleme mit dem Erlernen der Schreibschrift, mit der Motorik, mit der Ausdauer, die für das Üben notwendig ist. Als Argument für die Ab­schaffung der Schreibschrift wird von den Befürwortern angeführt, dass im Zeitalter des Computers die handgeschriebene Schrift nicht mehr zwingend erforderlich sei.

Ja, Sprache und Schrift sind lebendige Kulturgüter, die einem steten Wandel unterworfen sind. Veränderungen in der Gesellschaft fordern Anpassungen. Durch derartige Entwicklungen eingeläutet, startete die Schreibschrift im Mittelalter ihren Siegeszug. Pergament wurde durch Papier ersetzt, schriftliche Notizen fanden eine zunehmende Verbreitung. Dazu trugen nicht zuletzt die ersten Universitäten maßgeblich bei. Unterschiedliche Schriften und ihre Varianten wurden ausgeprägt und weiterentwickelt. Die Gotische Kursive war einfacher anzufertigen als der gotische Minuskel, schließlich entwickelte sich die Kurrentschrift. So wurde die Handschrift auch für einfachere Bürgerschichten leichter erlernbar und an­wendbar. Anwendbarkeit und Schreibgeschwindigkeit spielten stets eine große Rolle. Die Computertastatur erscheint in diesem Hinblick folgerichtig die Nachfolge der Handschrift anzutreten. Wer die Tastatur als das Schreibinstrument der Zukunft ansieht, fokussiert den Blick auf die technische Entwicklung.

Doch es gibt Argumente, die für die Beibehaltung der Handschrift ins Feld geführt werden können: Das verbundene Schreiben mit der Hand fördert die motorischen Fähigkeiten. Dank der Wissenschaft ist heute bekannt, wie komplex die Zusammenhänge im Körper im Moment des Schreibens sind. So werden beim handschriftlichen Schreibprozess bei­de Gehirnhälften aktiviert und vernetzt. Diese erhöhte Aktivierung verbessert die Erlebnis- und Merkfähigkeit und wirkt sich also auf den Menschen als Ganzes aus. Ein Erfolg, bei dem die Tastatur keineswegs mithalten kann. Schön gestaltete Schriftzüge wie sie Kalligrafen erstellen, sind daher nicht nur eine hoch bezahlte Kunst. Sie offenbaren auch die wahre Schönheit des Schreibvorgangs – die Verbundenheit des Ganzen. Stephanie Sieckmann


Öde, aber schillernd
Ostalgie auf Balkanisch − Serben erleben den Neo-Osmanismus

Die osmanische Fremdherrschaft auf dem Balkan brachte eine „wunderbare Ruhe“ – sagte 1945 der Literaturnobelpreisträger Ivo Andric in seiner „Travniker Chronik“. 624 Jahre währte die Herrschaft, die weit weniger blutig war, als ihr nachgesagt wird. Ähnlich wie ein Teil der Deutschen die Ostalgie feiert, erlebt der Balkan derzeit den „Neo-Osmanis­mus“, wie der Belgrader Islamkundler Dar­ko Tanaskovic befand. Denn 27 Prozent der jungen Serben, deren Vorfahren 1804 den ersten Balkanaufstand gegen die Türkei wagten, sehen die Türken als „be­freundete Nati­on“ an. Neuere Umfragen be­legen, dass für 40 Prozent aller West-Balka­nesen die Türkei ein „befreundetes Land“ ist. Muslimische Albaner nannten sich bis in das frühe 20. Jahrhundert „Türken“, muslimische Bosnier heißen bis heute so.

Erol Rizaov, mazedonischer Türke und Starjournalist des Landes, kennt die Motive solcher Regungen: Die Türkei war im September 1991 eines der ersten Länder, das die Republik Mazedonien anerkannte. Türkische Firmen wie TAV bauten in Skopje und Ohrid moderne Flughäfen. Da türkische Hilfen im Kosovo noch tiefer greifen, hat Belgrad nichts mehr gegen Ankaras „waffenlose Aggression“, zumal ihm Nutzen von dem neuen russischen Gasprojekt „Türkischer Strom“ winkt, das bis an die türkisch-griechische Grenze führen soll.

Von der Osmanie profitiert auch Fatih Aksoy, TV-Produzent türkischer „Seifenopern“, die seit Jahren Riesenerfolge von Zagreb über Athen bis Asien feiern: Allein 2011 verkauften die Türken 10500 Stunden Serienprogramme an 76 Länder, wofür sie 68 Millionen Dollar kassierten. Mit steigender Tendenz, sodass jetzt Mazedonien in seinem Mediengesetz Quoten verfügte, um bis 2015 den Anteil heimischer Beiträge auf 50 Prozent zu hieven.

Ob das hilft? Experten wie Aksoy wissen, dass der Erfolg ihrer Serien im Appell an all-balkanische Sensibilität ruht: Man schätzt das angenehme „Erbe“, das die Osmanen in Musik, Küche oder Architektur hinterließen. Das unangenehme Erbe (Langsamkeit, Korruption, Bürokratie), begünstigt türkische Investoren, die dergleichen von daheim gewohnt sind.

Alle Südslawen kennen den Ausdruck „Pusto Tursko“ (öde Türkei), nutzen ihn aber als Kompliment: Die altvertraute Türkei war nicht öde, sondern bunt und anregend, wie Fotoausstellungen und Theaterstücke demonstrieren. Auch (unfreiwillig) komisch war sie, wie Darko Ristevski mit seinen Comics in der Skopjer Tageszeitung „Nova Makedonija“ belegt, die er damit vor der Pleite rettete.

Ristevski spielt gern mit türkischem Outfit und den 3000 Turzismen im Makedonischen. Im Serbischen sind es sogar 9000, und balkanische Alternative ist: Wenn uns die EU weiterhin in eine „endlose Warteschleife“ verbannt, dann probieren wir es mit der Türkei – als „Union verstoßener Verwandter“. Wolf Oschlies


Kleine Sünde zu viel
Umfrage zu Kaufsucht − Wer spart, lebt glücklicher

Schon mal Geld für etwas ausgegeben, und das dann doch wieder bereut? Das geht vielen Menschen so. Nach einer aktuellen Forsa-Studie ärgern sich 44 Prozent der Deutschen nachträglich über zu hohe und vor allem unnötige Ausgaben im vergangenen Jahr. Es wird also höchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen.

Am meisten bereut werden übermäßige Aufwendungen für Kleidung: Jeder Dritte (38 Prozent) ärgert sich darüber, dem Reiz der Bluse oder Hose nicht widerstanden zu haben. Wobei vor allem Frauen für diesen hohen Wert verantwortlich sind: Für mehr als die Hälfte von ihnen (54 Prozent) sind Kleiderkäufe schuld am Verdruss über die eigene Geldverschwendung. Bei Männern sind es nur 18 Prozent.

Den Kauf von zu teuren Lebensmitteln beklagen 35 Prozent der Befragten. Kulinarisches belegt somit Platz zwei im Ranking. Es folgt mit 29 Prozent der Kauf von Elektronikartikeln, wobei hier wesentlich mehr Männer (44 Prozent) als Frauen (18 Prozent) ein schlechtes Gewissen plagt. Schmerzfrei hingegen geben sich beide Geschlechter gleichermaßen bei den Ausgaben für den Urlaub. Nicht einmal jeder Zehnte (sieben Prozent) der Befragten ist der Meinung, es hier übertrieben zu haben. „Urlaub ist den Deutschen eben wichtig. Deshalb sparen viele extra jeden Monat einen bestimmten Betrag auf einem Tagesgeldkonto für „die schönste Zeit des Jahres“, erklärt Sabine Reinert von der RaboDirect. Die Bank hatte die Studie in Auftrag gegeben.

Doch was soll man tun, damit der Ärger über zu hohe Ausgaben künftig vermieden werden kann? Wissenschaftliche Studien haben gezeigt: Wer seine Kauflust zügelt und dafür seine Sparlust fördert, ist zufriedener mit dem Leben. Menschen sind glücklicher, wenn sie Bedürfnisse auch mal aufschieben können und stattdessen finanzielle Rücklagen bilden. So wird ein anderes, wichtigeres Ziel erreichbar.

„Doch Selbstdisziplin zu üben, ist nicht für jeden so einfach“, sagt Reinert. „Ein Tipp von mir wäre, einfach ein monatliches Budget für ,kleine Freuden‘ wie zum Beispiel Kleidung oder Restaurantbesuche festzulegen. Damit genießt man den Einkauf viel mehr und kann ohne schlechtes Ge­wissen auf Einkaufstour ge­hen, weil man dann weiß, was im Budget bleibt.“

Apropos sparen: Laut der Sparstudie nimmt der Frust über zu hohe Ausgaben ab, je mehr Geld monatlich auf die Seite gelegt wird. So ärgern sich unter denjenigen Be­fragten, die weniger als 100 Euro pro Mo­nat auf die hohe Kante legen, noch rund 55 Prozent über vergangene Kaufsünden. Unter den Sparern, die 200 Euro oder mehr „zwischenlagern“, sind es dagegen nur 37 Prozent.

Wer spart, verschafft sich also ein positives Gefühl im Umgang mit Geld. Oder anders gesagt: Sparen macht glücklich. Dieser Aussage pflichten in der Umfrage 52 Prozent der Befragten bei. PAZ


S. 22 Neue Bücher

Nicht wie die Araber
Innenansichten aus Kurdistan

Mit Bomben aus seinen Militärjets hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im Juli den Waffenstillstand seines Landes mit den Kurden beendet. Das verschafft Hans-Joachim Löwer und seinem Buch „Die Stunde der Kurden. Wie sie den Nahen Osten verändern“ besondere Aktualität. Der welterfahrene Journalist hat lange aus Afrika, Lateinamerika und Nahost unter anderem für den „Stern“ berichtet. Nun legt er eine Art Kurden-Handbuch vor.

Rund 30 Millionen von ihnen leben verstreut in Nahost. Die Länder, die sie hauptsächlich beheimaten, scheinen sich in nichts anderem einig als in der Unterdrückung der Kurden. Das gilt für den Irak, den Iran, Syrien und die Türkei.

In mindestens sieben großen Aufständen haben sich die Kurden seit 1919 dagegen gewehrt. 2005 bekamen sie auf US-Druck im Irak eine „Autonome Region Kurdistan“. Ein fragiles, provisorisches Konstrukt: Die USA brauchen die Kurden, wollen ihnen aber keinen richtigen Staat zubilligen, die Kurden brauchen die USA, wollen aber nicht auf ihre Eigenstaatlichkeit verzichten. Zudem ist Kurdistan historisch viel größer als die autonome Region. Diese weckt wiederum ob ihres Ölreichtums jede Menge Begehrlichkeiten bei ihren Nachbarn und so dürfte der nächste Bürgerkrieg nur eine Frage der Zeit sein.

Der Autor verhehlt nicht, wem seine Sympathien in dieser Gemengelage gelten. „Wie ein Leuchtturm steht die autonome Region in einem Meer voller Gewalt. Kurdistan erlebt einen Wirtschaftsboom, ist eine Insel der Toleranz und praktiziert Demokratie wie kein anderes Land im Orient“, heißt es schon auf dem Buchrücken. Löwer berichtet, dass die kurdische „Hauptstadt“ Erbil „als die älteste, ununterbrochen von Menschen bewohnte Siedlungsfläche der Welt“ gelte. Die autonome Region zählt sechs Millionen Einwohner, dazu kommen 1,5 Millionen Kurden, die seit 2014 von syrischer, irakischer und IS-Gewalt vertrieben wurden. Dabei benötigt sie als Binnenland gutwillige Nachbarn mit einem Hafen, da sie sonst Öl und Gas nicht exportieren kann, wovon es bedrohlich abhängt.

45 Milliarden Barrel Öl lagern im Boden Kurdistans. 2014 stoppte Bagdad den 17-prozentigen Anteil Kurdistans an seinen Öl- und Gasverkäufen, was die Kurden zum Bau einer Pipeline in Richtung des türkischen Ölhafens Ceyhan zwang. Inzwischen hat der Irak wieder eingelenkt.

Auch Innenansichten des jungen Beinahe-Staates sind bei Löwer nachzulesen: Man hat die früheren Untergrundkämpfer „Pesch-merga“ („die dem Tod ins Auge Sehenden“) zur halboffiziellen Schutztruppe umgebildet. Die Parteien der Peschmerga, die „Demokraten“ (DPK) und „Patrioten“ (PUK), sind allerdings eine Belastung. Sie streiten sich um die Kontrolle von Schmugglerwegen und steuern die allseitige Korruption. Seit 2009 geht Gorran (Wandel), eine Partei junger Technokraten, dagegen an. Ziel von Gorran sei es Kurdistan in eine prosperierende Moderne zu führen.

Für Löwer ist klar: Die Kurden haben „mehr drauf als nur Kämpfen und Schießen“. Wo sie mäßigend wirken, ruht sogar der Dauerkonflikt zwischen Sunniten und Schiiten. Sie wollen ihr Öl verkaufen und Erlöse investieren. Sie sind nicht so wie Araber, deren Politiker die Bevölkerung „schikanieren“ und deren Soldaten vor dem IS „einfach abhauen“.

Bei so viel Lob mag man skeptisch sein. Aber eines steht fest: Im Kampf gegen den IS sind die Kurden tatsächlich die einzigen, die den fanatisierten Islam-Kriegern standhalten. Wolf Oschlies

Hans-Joachim Löwer: „Die Stunde der Kurden. Wie sie den Nahen Osten verändern“, Styria Verlag, Wien Graz Klagenfurt 2015, gebunden, 205 Seiten, 24,99 Euro


Ignorierte Spitzenkräfte
Dieter E. Kilian über Generale und Admirale in der Bundeswehr

In diesem Jahr wird die Bundeswehr 60 Jahre alt – und keiner merkt’s, könnte man ergänzen. Denn wie der Autor Dieter E. Kilian im Resümee seines Buches „Führungseliten. Generale und Admirale der Bundeswehr 1955–2015“ feststellt, herrschten in diesen sechs Jahrzehnten durchgehend Gleichgültigkeit und Distanz der Bevölkerung zu ihren Streitkräften. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass deren Spitzenebene gemeinhin nicht zu den Eliten unseres Landes gezählt wird.

Zu Unrecht, wie Dieter E. Kilian meint, und das nicht nur, weil er pensionierter Oberst mit breiter internationaler Erfahrung ist. Wer sich durch sein monumentales Werk, das der Verlag mit voller Berechtigung als „eindrucksvolle Gesamtschau des Themas“ anpreist, gearbeitet hat, erfährt, dass die Generalität der Bundeswehr zweifellos zur Elite zählt, womit zugleich die Frage nach der Relevanz des Buches beantwortet ist. Der Autor stellt die militärische Führungselite ebenso wie die politische Führung von 1955 bis heute in ihren Handlungsfeldern und mit den entscheidenden Weichenstellungen für die Bundeswehr vor. Das wechselvolle Verhältnis zwischen politischer und militärischer Führung ist dabei ein ständiges Themenfeld, das fast alle Kapitel durchzieht. Immer wieder stellt der Autor die historischen Bezüge dar. Und immer wirft er einen kritischen Blick hinter die Kulissen.

Das Werk ist mit knapp 670 Seiten und einer beeindruckenden Informationsdichte so umfangreich, dass hier auf seinen Inhalt nur in groben Zügen eingegangen werden kann. Einleitend setzt sich der Autor mit den wesentlichen politischen und verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen für das Handeln der militärischen Führung auseinander, vom vielbeschworenen „Primat der Politik“, dem Anspruch der „zivilen Kontrolle“, der Regelung des Oberbefehls, den Bedingungen als Armee im Bündnis, der Stellung des Generalinspekteurs bis hin zur „parlamentarischen Kontrolle“ und dem vom Autor kritisch hinterfragten Begriff der „Parlamentsarmee“.

Im Hauptteil des Buches beschreibt der Autor die Führungselite der Bundeswehr unter Aspekten wie Herkunft, Bildung, Selbstverständnis und Berufsauffassung, Personalauslese, Aufstiegsmerkmale und Karriereverlauf. Dabei werden die 17 Verteidigungsminister, die Generalinspekteure sowie die deutschen Generale und Admirale in Spitzenpositionen bei der Nato mit ihren Werdegängen, den Hauptaufgaben, den Leistungen und Schwächen in ihrem jeweiligen beruflichen Umfeld und mit den wichtigen Entscheidungen für die Entwicklung der Bundeswehr mit ausführlichen Lebensläufen vorgestellt.

Besonderes Augenmerk gilt dem Verhältnis zwischen den Ministern und „ihren“ Generalinspekteuren, das nicht nur von den unterschiedlichen Persönlichkeiten, sondern oft auch von Auffassungsunterschieden in wichtigen Fragen der Bundeswehrentwick-lung geprägt war. Angesprochen werden auch Auseinandersetzungen und Konflikte innerhalb der militärischen Führung oder die bis heute andauernde Auseinandersetzung um die Traditionsfrage. Unter „Elite im Wandel“ beschreibt der Autor den Veränderungsprozess, den diese Militär-elite im Laufe der Jahrzehnte im Selbstverständnis, in wesentlichen Verhaltensnormen und in der „Unternehmenskultur“ durchlaufen hat. Auch werden – eingebettet in die jeweiligen Zusammenhänge – die zahlreichen Rücktritte und vorzeitigen Entlassungen von Generalen und Admiralen aus unterschiedlichsten, teilweise auch fragwürdigen Gründen thematisiert.

Mit Blick auf die jüngere Geschichte und die soziale Struktur des Offizierkorps geht der Autor auf die Übernahme von Teilen der NVA in die Bundeswehr und auf die aus der NVA stammenden Offiziere ein. Ferner beschreibt er den Anteil und die Leistung der Offiziere adeliger Herkunft. Abschließend schildert er das vielfältige Engagement sowie die Karieren zahlreicher Generale und Admirale nach der Bundeswehrzeit, sei es in der Politik, in der Wirtschaft oder in sicherheitspolitischen Verbänden.

Obwohl der Autor ein „Ehemaliger“ ist, fehlt ihm nie die nötige Distanz zum Gegenstand seiner Darstellung. Er bleibt stets konstruktiv-kritisch mit Mut zum Blick hinter die Kulissen. Wo es geboten ist, zeigt er unmissverständlich, aber sachlich, Fehlentwicklungen und persönliches Fehlverhalten auf. Nie verliert er sich in militärische Fachterminologie, sondern schreibt klar und allgemeinverständlich.

Das Buch lässt keine Frage zum Thema offen. Es dokumentiert die Führungspersönlichkeiten mit ihren wesentlichen Aufgaben und Leistungen in allen Facetten und ist damit wohl die umfassendste bisher vorliegende Darstellung der Geschichte der obersten Führung der Bundeswehr. Auch wenn das Werk keine wissenschaftliche Studie ist, kann ihm mit seinem Anmerkungsapparat sowie einem umfangreichen Quellen- und Literaturverzeichnis durchaus wissenschaftliche Bedeutung beigemessen werden. Wer sich für die Geschichte der Bundeswehr, militärische Führungspersönlichkeiten, das Verhältnis von Militär und Politik oder allgemein den sicherheitspolitischen Aspekt der deutschen Nachkriegsgeschichte interessiert, kommt jedenfalls nicht an ihm vorbei. Philipp Hötensleben

Dieter E. Kilian: „Führungseliten. Generale und Admirale der Bundeswehr 1955–2015“, Osning Verlag, Bielefeld 2014, gebunden, 668 Seiten, 64 Euro


Warum Toaster toasten
Einem Kinderbuch gelingt das Kunststück, schwierigste Technik zu erklären

Fleißige Ingenieure braucht das Land. In den Berufsfeldern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) fehlen seit einigen Jahren immer dringlicher Fachkräfte. Man solle doch bereits die Kinder für diese Themen begeistern, erklärte die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka jüngst bei einem MINT-Kongress in Berlin. Die zweifache Mutter über die anvisierte Zielgruppe: „Kinder wollen die Welt entdecken und sind leicht zu begeistern. Auch komplizierte Zusammenhänge verstehen sie schnell, wenn sie gut erklärt werden.“

Wenn es danach geht, dürfte „So geht Technik“ eine Menge zukünftiger MINT-Fachkräfte aus den Kinderzimmern in die Hörsäle locken. „Warum Toaster toasten, Flugzeuge fliegen und Wasser aus dem Hahn kommt“ lautet der Untertitel des Bilderbuches für Kinder ab acht Jahren. Es erklärt die cleveren Ideen und die raffinierte Technik, die in so vielen Alltagsdingen steckt.

Zwei englischsprachigen Autoren, John Farndon und Rob Beattie, haben es geschrieben. Man merkt dem Buch an, dass beide schon viele erfolgreiche Sachbücher verfasst haben. Sie können komplizierte Sachverhalte auf einfache Art vermitteln. Dabei helfen großformatige und detailreiche Illustrationen sowie zahlreiche Schritt-für-Schritt-Erklärungen. Das Buch beginnt mit einer Einführung, wie sehr das heutige Leben von der Technik bestimmt wird. Danach gewährt das Buch Einblicke ins Innere so unterschiedlicher Alltagsgegenstände wie Smartphone, Klospülung oder Kühlschrank. Ganz nebenbei geht das Buch auch auf physikalische und mechanische Zusammenhänge ein wie die Funktion eines Elektromotors oder die Aerodynamik. Ein Glossar am Ende des Werkes erklärt schwierige Begriffe.

Nur die Antwort auf die schwierigste Frage von allen bleibt auch „So geht Technik“ dem Leser schuldig: Warum gibt es eigentlich nicht viel mehr solcher Bücher?

Silvia Friedrich

John Farndon, Rob Beattie: „So geht Technik! Warum Toaster toasten, Flugzeuge fliegen und Wasser aus dem Hahn kommt“, Gerstenberg-Verlag, Hildesheim 2015, gebunden, 80 Seiten, 14,95 Euro


Folter, Haft, Todesurteile
Wie das DDR-Regime mit einer Gruppe Jugendlicher umging, die es wagten, Protest-Flugblätter zu verteilen

Anders, als der Titel „Wir liebten nur einen Sommer“ nahelegen mag, geht es nicht um eine bitter-süße Liebesgeschichte. Es handelt sich im autobiografischen Buch von Sigurd Blümcke vielmehr um einen Tatsachenbericht über die Zerschlagung einer Jugendgruppe in Werder bei Berlin. Mit selbst getippten Flugblättern suchten ihre Mitglieder gegen die Volkskammerwahl von 1950 zu protestieren, ebenso gegen den geplanten Abriss von Kirchen sowie dem Stadtschloss in Potsdam.

Zerschlagen wurde die Gruppe mittels Folter, Verhängung von langjährigen, zum Teil in Sibirien zu verbüßenden Haftstrafen, und – man mag es kaum glauben – Vollstreckung von acht Todesurteilen. Das passierte noch 1952 in Moskau in der berüchtigten Butyrka. Dem Autor Sigurd Blümcke blieb wie durch ein Wunder – in Form einer ihm auch heute noch nicht erklärlichen Haftentlassung – ein gleiches Schicksal erspart. Er hat mit diesem Buch nicht nur seiner erschossenen Freunde gedacht, sondern ein Dokument der Zeitgeschichte gegen das Vergessen geschaffen.

Blümcke erzählt, wie er als Heranwachsender zunächst nicht an den politischen Entwicklungen nach Kriegsende interessiert war. Er glaubte jedoch wie seine Freunde an einen Aufbruch in eine andere Zeit, genoss die vermeintliche neue Freiheit, hörte westliche Musik, war ein lebensfroher Jüngling und erlebte seine große Liebe, die ein kurzes Intermezzo bleiben sollte. Alsbald nämlich kamen dem Autor und seinen Freunden Zweifel an der Wahrhaftigkeit der SED und dem neuen System. Sie tauschten sich in nächtlichen Gesprächen aus und entdeckten, nachdem ihr Misstrauen einmal geweckt war, Parallelen zur NSDAP.

Die Gruppe zeigte ein für Jugendliche ungewöhnliches Gespür für politisches Geschehen und die Weichenstellung auf eine sozialistische Diktatur. Es ist bedrückend und beklemmend zugleich, die Schilderungen der Verhöre der Jugendlichen nach ihrer Festnahme durch den SSD, den Staatssicherheitsdienst der DDR, und den MGB, den Staatssicherheitsdienst der UdSSR, zu lesen. Die Foltermethoden hat der Autor erstaunlich leidenschaftslos nahezu im Sinne einer objektiven juristischen Tatbestandsermittlung beschrieben. Er illustriert sie durch Zeichnungen: Folterhokker, Einzelhaft in Block A, Fußwanne in einer Stehzelle.

Die Zeitzeugenberichte aus dem Gulag und vor allem die Wiedergabe von letzten Gesprächen aus den Todeszellen gehen ebenso unter die Haut. Der Autor hat seinen Tatsachenbericht über das Schicksal seiner Freunde und sein eigenes Erleben in die Form eines erklärenden Wechselgesprächs von Antworten auf Fragen seines Enkels gefasst. Das hat den Vorteil, dass er viele seiner Antworten so formulieren musste, dass sie auch von der nächsten Generation verstanden werden. Dennoch: Hier erzählt kein älterer Herr seinem Enkel von Abenteuern aus der längst vergangenen Jugendzeit. In einer Zeit, in der nicht wenige Zeitgenossen Schwierigkeiten haben, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen, und in der sich alte Seilschaften in Verdrängung und Verklärung üben, ist es wichtig, die junge Generation für die Geschehnisse von damals zu sensibiliseren.

Die sterblichen Überreste der in Moskau erschossenen Widerständler wurden 2008 mit Erde von Feld 3 des Donskoje-Friedhofs nach Werder überführt und dort in einer von ihren überlebenden Freunden, darunter der Autor und seine Frau, errichteten Gedenkstätte auf dem evangelischen Friedhof beigesetzt. Es wäre sicherlich nicht zu viel verlangt, wenn die dafür zuständigen Stellen in Werder nicht nur den dort lebenden Jugendlichen, sondern auch Touristen einen Besuch der bislang wenig beachteten Gedenkstätte zwecks Vervollständigung ihres Bildes von der DDR nahelegen würden.

Jens Nielsen

Sigurd Blümcke: „Wir liebten nur einen Sommer. Jugend, Widerstand und Haftzeit 1944–52“, Wagner Verlag, Gelnhausen 2014, broschiert, 709 Seiten, 26,90 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Alles zusammenkratzen / Warum man Asylkritiker deutlich härter aburteilen muss, wofür wir mehr zahlen sollen, und wann der tumbe Michel ausgedient hat

Ist das noch Nervosität oder schleicht sich schon ein dünner Hauch von Panik ein in die Herzen unserer Politiker und ihrer Trommler bei den Staats- und Konzernmedien? Die Gangart in der Aburteilung von Staatsbürgern, denen angesichts der uferlosen Zuwanderung der Kragen platzt, wird deutlich härter. Das zeugt von Angst.

Frau Maischberger lädt die AfD-Chefin Petry von ihrer Talk­show wieder aus, in TV-Kommentaren donnern Verwünschungen sondergleichen auf unbotmäßige GEZ-Beitragszahler nieder, die mit der „Flüchtlingspolitik“ unzufrieden sind. Die „Huffington Post“ stellt gar eine Art Pranger ins Netz mit Bildern von ganz gewöhnlichen Bürgern, die das Internet-Organ wörtlich als „Hassfratzen“ und „Idioten“ tituliert.

Man habe nämlich viel zu lange stillgehalten beim Kampf gegen die „rechten Parolen“. Ach ja? Ist uns gar nicht aufgefallen. Aber sei’s drum. Die „Huffington Post“ will sich jedenfalls „mit der kranken Gedankenwelt“ jener Leute auseinandersetzen, denen es gar nicht so sehr um Flüchtlinge gehe, sondern um die „Beschissenheit ihres eigenen Lebens“. „Beschissenheit“ – haben die wirklich so geschrieben.

Es folgt eine Auswahl der „schlimmsten dieser Kommentare“, die man aus den Netzbeiträgen des „Mobs“ zusammengetragen habe. Darunter sind neben tatsächlich widerlichen Ausfällen auch solche wie diese hier: „Die gehen mit dem Steuergeld um, als ob die Knete ihnen gehört“ ereifert sich ein Schreiber über Asylbewerber, ein anderer meint: „Neukölln ist überall. Macht die Tore zu. Sofort.“ Daneben dann wieder Kommentare wie „Drecksgesindel“ und ähnlicher Schund.

Gezielt werden also Ärger, Warnungen und politische Forderung vermengt mit hetzerischen Tiraden – das ist geschickt, denn so rührt man jedwede Kritik im Dreck unter und „kontaminiert“ sie gewissermaßen. Am Ende traut sich dann keiner mehr, den Mund aufzumachen, weil es dann hieße, er begebe sich „in die Gesellschaft der Hetzer“, was in der Kurzform nichts anderes bedeutet, als: Er ist selber einer. Sprich: Wer statt zu hetzen nur seine (falsche) Meinung kundtut, der ist genauso ein Nazi wie die Pöbler.

Weidlich erprobt wurde die Masche schon zur Jahreswende bei Pegida. Dass neuerdings der Druck noch einmal erhöht wird, hat einen naheliegenden Grund. Statt der Anfang des Jahres vorhergesagten 300000 Asylbewerber, die dieses Jahr erwartet werden, schätzt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge deren Zahl nun auf 750000. Fast viermal so viele wie 2014 – wenn es denn hinkommt.

Vor diesem Hintergrund muss Kritikern gegenüber äußerste Härte gezeigt werden, da darf es kein Pardon geben. Sonst entsteht noch eine offene Debatte, an deren Schluss gar jemand fragen könnte, wer uns diesen Salat eigentlich eingebrockt hat. Das wäre „nicht hilfreich“.

Wie es wohl nächstes Jahr weitergeht, wenn sich die Zahl noch einmal vervierfacht? Es stehen ja noch die zahlreichen Familienzusammenführungen aus, die sich der Anerkennung als Asylant anschließen. Dabei geht den Ländern und Kommunen bereits heute die Puste aus.

Derzeit fällt eine Hürde nach der anderen. Vor Kurzem noch wurde ein Kämmerer rundgemacht, weil er die Erhöhung der Grundsteuer mit den Kosten für Asylbewerber begründet hat, wir berichteten darüber. Diesen Zusammenhang herzustellen, wecke „Emotionen“, weil die Deutschen den „falschen Eindruck“ davontragen könnten, ihnen würde zugunsten der Zuwanderer etwas weggenommen.

Na und? Ist mir doch schnurz, sagt sich Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold von den Grünen und fordert nun ganz offen, für die Betreuung der Einwanderer Steuern anzuheben. „Ich denke da an die Erbschaft­steuer oder Transaktionsteuer“, denn „bei den Großen ist noch viel Potenzial“. Und bei den „Kleinen“ erst: „Ich bin dagegen, den Solidaritätszuschlag zu streichen“, fügt Heinold gleich hinzu. Das mit 27 Milliarden Euro hochverschuldete Schleswig-Holstein habe, so Heinold, „alles zusammengekratzt“ und ist mit seinen Penunzen am Ende.

Doch Deutschland bleibt trotzdem ein reiches Land, in das die Menschen aus den armen Ländern völlig zu Recht strömen, um mit uns unser Geld zu teilen. Afrika ist besonders arm, weshalb von dort auch fast ausschließlich „Wirtschaftsflüchtlinge“ kommen statt echter Schutzsuchender.

In das Bild vom armen Afrika passt die folgende Meldung allerdings schlecht: Auf dem schwarzen Kontinent hat sich die Zahl der Millionäre (gemessen in US-Dollar) von 2000 bis 2014 doppelt so schnell vermehrt wie im Weltdurchschnitt. Hat die Schar der Reichen global „nur“ um 73 Prozent zugelegt, so stieg ihre Zahl in Afrika um atemberaubende 145 Prozent.

Ob die wohl auch alle kräftig Erbschaft- und Transaktionsteuer zahlen? Und den Soli? Wohl eher nicht. Dafür aber helfen sie mit ihrem vielen Geld wenigstens den armen Flüchtlingen aus bedrängten afrikanischen Bruderstaaten, oder?

Na ja, Kenia, das 2014 mit 8000 Millionären 124 Prozent mehr solcherlei reiche Leute verbuchte als im Jahr 2000, hat Anfang des Jahres 350000 Flüchtlinge aus benachbarten Bürgerkriegsgebieten kurzerhand hinausgeworfen.

Insgesamt verfügen Afrikas Millionäre über ein Vermögen von 660 Milliarden US-Dollar, während Straßen, Schulen und Krankenhäuser in ihrer Heimat von Entwicklungshilfe finanziert werden und deutsche Politiker „alles zusammenkratzen“, um bedürftige Afrikaner „mit dem Nötigsten“ zu versorgen, weil wir, so Ministerin Heinold, „eine humanitäre Verantwortung“ haben.

Gut, gut, genug gehetzt! Da gibt es ja auch noch die Flüchtlinge aus Syrien. Wer, bitte schön, soll sich denn um die kümmern, wenn nicht wir? Nun, über deren Schutz und Verköstigung könnten wir ja mal mit den stinkreichen arabischen Brüdern am Persischen Golf reden, gell?

Ach, da haben wir’s wieder: Die Welt ist schlecht, alles Halunken. Zum Glück haben wir wenigstens Europa, da herrscht Solidarität, da greift man sich gegenseitig unter die Arme, wenn’s kneift. So will die EU auf die Schnelle stolze 2,4 Milliarden Euro lockermachen, um besonders belasteten Mitgliedstaaten bei der Grenzsicherung und der Flüchtlingsbetreuung beizustehen.

Gut, den Großteil zahlen wie immer die Deutschen. Dafür bekommen wir aber bestimmt auch den Löwenanteil der Hilfen, schließlich haben wir bei weitem die meisten Asylbewerber im Lande. Richtig? Falsch. Deutschland kriegt keinen lumpigen Cent. Hauptnutznießer sollen Italien, Spanien und Griechenland sein, was wegen der Mittelmeergrenze vielleicht noch einzusehen ist.

Nun aber kommt’s: Auch Großbritannien und Frankreich sollen von dem Brüsseler Segen profitieren, damit sich England, das ohnehin so gut wie niemanden hereinlässt, am Eurotunnel noch besser abschotten kann.

Nur zur Erinnerung: London und Paris waren es, die mit kräftiger Unterstützung Washingtons den libyschen Staat zu Staub zerbombt haben. Deutschland hatte sich bei der Aktion enthalten, wofür man Berlin nicht scharf genug tadeln konnte, auch in etlichen deutschen Medien.

Mit der Aktion haben unsere weisen Freunde erst das Tor aufgestoßen, durch welches nun die Masse der Zuwanderer aus dem armen Afrika gen Europa, vor allem gen Deutschland, strebt. Damit England von den Folgen dieser seiner zynischen Politik möglichst völlig verschont bleibt und Frankreich wenigstens die Kosten abwälzen kann, werden die Deutschen nun also zusätzlich zur Kasse gebeten.

Kein Zweifel: Da gilt es wirklich, solange „alles zusammenzukratzen“, bis beim tumben Michel nichts mehr zu holen ist. Danach können sie ihn ja wegwerfen und das „Europäische Projekt“ feierlich begraben.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Studieren ohne Zeugnis

Saarbrücken – Immigranten sollen – im Unterschied zu Deutschen – an der Universität des Saarlandes Fächer wie Mathematik, Informatik, im Bereich der Naturwissenschaften und der Technik auch dann studieren dürfen, wenn sie keine Zeugnisse vorlegen können. Voraussetzung sollen lediglich ein Eignungstest und ein Deutschkurs sein, fordert die Hochschulleitung. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat dem Vorschlag bereits zugestimmt. H.H.

 

»Rassistische« Wundpflaster

Stockholm – Die schwedischen Apotheken wollen künftig auch Wundpflaster in dunkler Farbe anbieten, nachdem eine aus Kolumbien einst nach Schweden adoptierte Linkspartei-Politikerin die hellen Pflaster als „Alltagsrassismus“ gegeißelt hat. Eine Sprecherin des Apothekenverbandes hat gestanden, dass es ihr „peinlich“ sei, nicht von selbst auf den rassistischen Charakter der Pflaster gekommen zu sein. H.H.

 

Kurdischer Spielverderber

Die Frist ist verstrichen. Bis Ende dieser Woche hatte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu Zeit, einen Koalitionspartner zu finden. Ernsthaft danach Ausschau gehalten, hatte er nach dem für seine Regierungspartei AKP desaströsen Ergebnis bei den Parlamentswahlen im Juni allerdings nicht. Das Ziel, eine Zweidrittelmehrheit zu erreichen, um so im Alleingang eine Verfassungsänderung durchzusetzen, die Präsident Erdogan zu noch mehr Macht verhilft, wurde klar verfehlt.

Jetzt will man unbedingt Neuwahlen, die den Spielverderber endgültig ausschalten sollen. Und der heißt Selahattin Demirtas. Der Co-Chef der Kurdenpartei HDP überwand mit 13 Prozent nicht nur die Zehn-Prozent-Klausel, die 1982 von den Militärputschisten extra eingeführt worden war, um kurdische Parteien vom Parlament fernzuhalten, sondern er machte auch einen Strich durch Erdogans Zweidrittel-Rechnung. Der rächte sich prompt. Erst warf er Demirtas vor, der politische Arm der Terror­vereinigung PKK zu sein. Und jetzt laufen gegen ihn Ermittlungen, weil er im Oktober letzten Jahres Kurden zu bewaffneten Konflikten angestachelt haben soll.

Auf juristischem Weg soll der charismatische „kurdische Oba­ma“ kaltgestellt werden, der wegen seines Kampfs für Minderheiten, für Schwule und Frauenrechte nicht nur unter den Kurden, sondern auch unter den jungen Türken viele Anhänger findet. Der 1973 in Ostanatolien aufgewachsene Demirtas gilt selbst als assimilierter Kurde, der besser Türkisch als Kurdisch spricht. Mit seinen Reden, die nie aggressiv, sondern immer beherrscht sind, weiß der Menschenrechtsanwalt die nicht-religiösen Massen zu überzeugen. Ob er das bei Neuwahlen noch tun kann oder er dann in Haft sitzt, ist die spannende Frage. Harald Tews


MEINUNGEN

Die „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“ (13. August) zitieren den US-Historiker Eric Zuesse zur Frage, was die USA mit ihren Eingriffen in Libyen, Syrien, der Ukraine und den Anti-Russland-Sanktionen bezwecken:

„Indem die europäischen Nationen geschwächt werden, und nicht nur die Nationen im Nahen Osten, führt Obamas Krieg gegen Russland dazu, dass die USA am Ende des von ihnen verursachten Chaos und der Zerstörung ,der letzte Überlebende‘ sind. Somit ist beispielsweise die Tatsache, dass die Wirtschaftssanktionen gegen Russland den europäischen Volkswirtschaften enormen Schaden zufügen, aus Sicht der US-Strategie gut und nicht schlecht.“

 

 

Roger Köppel, Chefredakteur der Schweizer „Weltwoche“, (14. August) nennt die Schuld der Politik am „Asylchaos“ beim Namen:

„Wir sollten aufhören, die Situation mit naiven und weltfremden Augen zu betrachten. Das Wohlstandsgefälle zwischen Afrika und Europa ist enorm. Millionen von jungen Afrikanern werden die Chancen vereinfachter ­Mobilität nutzen, wenn man sie nicht hindert. Die Leute kommen ... weil wir ihnen Hoffnungen machen, weil wir den Missbrauch des Asyls zulassen. Ein Rechtsstaat, der seinen Missbrauch hinnimmt, gibt sich auf.“

 

 

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kritisiert in der „Welt“ (17. August) das Verhalten der EU und südlicher EU-Länder, welche Asylbewerber unter Bruch der Verträge einfach nach Deutschland durchwinken:

„Es ist schwer erträglich, dass die EU-Kommission über ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland nachdenkt, weil wir zu sehr auf Schleierfahndungen setzen. Aber niemand in Brüssel kommt auf die Idee, die längst fälligen Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien und Griechenland einzuleiten. Diese Länder verstoßen jeden Tag tausendfach gegen europäische Regeln.“

 

 

René Pfister wundert sich im Leitartikel des „Spiegel“ (14. August) über die Klagen von Unionspolitikern, sie seien zur Abstimmung über das dritte Hellas-Paket unter Druck gesetzt worden:

„Tatsächlich wird die Demokratie nicht von finsteren Mächten getötet, sondern vom Duck­mäusertum der Parlamentarier ... Das Grundgesetz gibt dem Parlamentarier jedes Recht, frei und unabhängig zu entscheiden. Er muss sich nur trauen. Freiheit aber ist nie kostenlos.“

 

 

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn lehnt wie die meisten Ökonomen das dritte Hilfspaket für Griechenland ab. In der „Bild“-Zeitung (18. August) nennt er eine beeindruckende Zahl und empfiehlt den „Grexit“:

„Pro Privathaushalt hat Griechenland bereits 83000 Euro an öffentlichen Krediten von der Staatengemeinschaft, dem Währungsfonds IWF und der EZB erhalten. Gebracht hat es außer einem Gewöhnungseffekt nichts. Da das Geld nicht auf den Bäumen wächst, muss nun Schluss sein. Griechenland muss aus dem Euro austreten.“