© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 35/15 vom 29.08.2015

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Kritik soll erstickt werden
Politik und Medien missbrauchen die Tumulte von Heidenau

So geht Kampagne: Selbst brave Bürger sehen sich von Politikern plötzlich mit dem „Pack“ in eine Reihe gestellt.

Die hässlichen Tumulte in Heidenau werden von Politik und Medien auf durchsichtige Weise ausgekostet. Dabei geht es nur vordergründig darum, zu verurteilen, was jedem anständigen Staatsbürger zuwider sein muss: Pöbelnde und prügelnde Banden, die ihren Hass auf Ausländer hinaus brüllen und daneben ein ebenso pöbelnder Mob, der bei dem Anlass seinem Deutschenhass freien Lauf lässt.

Der „Fall Heidenau“ soll dazu missbraucht werden, jede Kritik an der Asyl- und Zuwanderungspolitik zu ersticken. So verurteilte Vizekanzler Gabriel auch jene Bürger der sächsischen Stadt, die ihre Sätze angefangen hätten mit „Schlimm, was die Neonazis da machen, aber ...“ Was der SPD-Chef hinter dem „Aber“ hören musste, ist unschwer zu erraten: Deutliche Kritik am Versagen der Politik in der Asyl- und Zuwanderungsfrage. Kanzlerin Merkel erklärte jene Heidenauer, die mit den Pöblern nichts zu tun haben möchten, aber dennoch gegen das Asylheim sind, dreist zu Mitläufern, die die Neonazis „noch einmal unterstützen“.

Hier soll ein Volk mit der moralischen Brechstange diszipliniert werden. Wer der Führung nicht folgt, ist unanständig, wer auch nur „Aber“ zu sagen wagt, begibt sich in die Komplizenschaft mit gewalttätigem, hasserfülltem „Pack“ und hat von der Gemeinschaft der „Anständigen“ nur Verachtung verdient.

Politiker und Medien bestehen in ihrem Feldzug darauf, für die Mehrheit zu sprechen, und stützen sich dabei auf eigentümliche Umfrageresultate. Laut ZDF-„Politbarometer“ halten 60 Prozent der Deutschen die für dieses Jahr vorausgesagten 800000 Asylbewerber, Flüchtlinge und illegal Eingereiste für „verkraftbar“.

In der öffentlichen Verarbeitung wird dieses Ergebnis dargestellt wie der Beweis, dass die Mehrheit der Deutschen hinter der Zuwanderungspolitik der Regierung stehe. Das aber ist eine grobe Täuschung: Den Ansturm für „verkraftbar“ halten kann angesichts der deutschen Wirtschaftsstärke auch derjenige, der die derzeitige Asylpolitik ganz und gar ablehnt.

Solche Umfragen dienen nicht der Ermittlung des Volkswillens, sondern der Manipulation: Den Kritikern soll vorgemacht werden, dass sie in der Minderheit seien, um sie zu demoralisieren.

Der blinde Fleck dieser Kampagne ist der Graben zwischen öffentlicher Darstellung und der Alltagserfahrung der Bürger. Verblüfft stellen viele Deutsche fest, dass die „Mehrheit“, die da angeblich hinter den Regierenden steht, in ihrem persönlichen Umfeld so gut wie nicht vertreten ist, wo der Groll quer durch die Anhängerschaften aller Parteien geht. Noch kann die Politik diesen Graben ignorieren. Doch sobald die Unzufriedenheit massenhaft und in demokratisch angemessener Form an die Öffentlichkeit dringt, wird es ernst. Hans Heckel


Ukraine rüstet auf
Minsker Abkommen verletzt – Bereitet Kiew neuen Angriff vor?

An der Trennlinie zwischen der Urkaine und den Separatistengebieten nehmen die Kämpfe wieder zu. Vor diesem Hintergrund verlegen die USA F-22 Kampfjets nach Europa, als Abschreckungsmittel gegen die „russische Aggression“, wie es heißt. Das als „Pannen-Jet“ bekannte Flugzeug von Lockheed Martin ist mit einer Tarnkappentechnik ausgerüstet und kann nur schwer vom Radar erfasst werden.

Dass die Ukraine aufrüstet, hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko selbst verbreitet. Der diesjährige Rüstungsetat der Ukraine sei auf einem Rekordhoch. Die Truppen würden mehr als 300 Panzer, 400 Fahrzeuge und 30000 Raketen bekommen, hat er versprochen. Dafür, dass an den Gerüchten von einer ukrainischen Militäroperation etwas dran sein könnte, spricht auch Poroschenkos Berlinreise, ausgerechnet am 24. Jahrestag der Unabhängigkeit von der Sowjetunion, den er eigentlich zu Hause hätte feiern sollen. In Berlin hatte er sich stattdessen mit Angela Merkel und François Hollande getroffen. Es war ein Dreiertreffen ohne Wladimir Putin, das trotz Merkels Ankündigung, ein baldiges Vierertreffen sei denkbar, in Moskau für Verstimmung sorgte. In Deutschland mehren sich derweil Stimmen, die sich für einen Neuanfang mit Russland stark machen.

Russland sieht sich abermals in der Rolle des isolierten Bösen. Es hat nun die OSZE-Beobachter vor Ort gebeten, die Informationen, nach denen Kiew an der Trennlinie unter Verletzung der Minsker Vereinbarungen schwere Waffen in Stellung bringt, zu überprüfen. Doch die OSZE-Mitarbeiter beklagen, dass ihre Arbeit immer wieder behindert werde, und zwar von beiden Seiten. So bleibt ihnen nur die Feststellung, dass die Waffenruhe vereinzelt verletzt wird. MRK


Sucht nach der guten Tat
2015 kommen Asylbewerber in enormer Zahl, 2016 werden es mehr

Wikipedia weiß es mal wieder genau: „Sucht bezeichnet in der Medizin das unabweisbare Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet“, heißt es dort. Deutschlands Politikerprominenz treibt derzeit anscheinend die haltlose Sucht nach der guten Tat um. Verkraftbar seien die 800000 Fremden, die um Asyl ersuchen. „Pack“ seien diejenigen, die dies bezweifeln. Telegen und wortreich empört sich die Politik. Gemeinsam mit der Prominenz aus dem Boulevard schwelgt man in wonniger Mildtätigkeit. Der Verstand scheint komplett ausgeschaltet, ebenso der vorausschauende Blick in die Zukunft. Womit ist 2016 zu rechnen?

Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht, ebenso wenig sind es erfolgversprechende Aktionen, die den Zulauf stoppen könnten. Setzt sich der Trend aber fort, werden 2016 fünf Millionen Asylbewerber in Deutschland zu erwarten sein. Von einem „globalen Experiment“ in Sachen Zuwanderung spricht die „Washington Post“. US-amerikanische Politiker fragen offen, ob es dieses Land nicht auseinanderreißt angesichts des ungebremsten Zustroms an Dritte-Welt-Flüchtlingen (siehe Seite 2).

Die Kostenfrage hält mindestens ebenso viel Sprengkraft bereit. Zehn Milliarden wird die Versorgung der 800000 mindestens verschlingen. 65 Milliarden könnten es 2016 werden. Kostenfaktoren wie die Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen, unter denen angeblich 40 Prozent der Asylsuchenenden leiden, sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. FH

(Lesen Sie auf Seite 3 die Prognose der PAZ über die mögliche weitere Entwicklung der Flüchtlingszahlen)


Jan Heitmann:
Apartheid

Mit Sachsens Ministerpräsident Bodo Ramelow spricht sich nun tatsächlich ein prominenter deutscher Linker für die Völkertrennung bei der Asylbewerberunterbringung aus. Von linker Seite war derlei bis jetzt entschieden als integrationshemmend abgelehnt worden. Doch Not kennt kein Gebot und nach den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in einer Flüchtlingsunterkunft bei Suhl sieht der Regierungschef wohl keine Alternative mehr.

Doch selbst wenn es zu einer getrennten Unterbringung nach Ethnien kommen sollte, werden sich Begegnungen außerhalb der Heime wohl kaum vermeiden lassen, sollen die Asylbewerber ja schließlich nicht interniert, sondern integriert werden. Da werden dann Logik und Gewohnheit aufeinanderstoßen. Auch Linke werden keinen logischen Grund wissen, warum die von Ramelow eingeräumten ethnischen Spannung außerhalb der Heime verschwinden sollten; andererseits gilt in politisch korrekten Kreisen traditionell jeder, der vor bür­ger­kriegs-­ähnlichen Zuständen bei unkontrollierter Zuwanderung warnt, als vom Teufel.

Wenn Ramelows Forderung nach ethnischer Trennung auch zumindest Antifa-Ohren irgendwie an Rassentrennung und Apartheid erinnert, so verhielt er sich doch wenigstens insoweit politisch korrekt, als er alle an der Auseinandersetzung beteiligten Asylbewerber als „Opfer“ bezeichnete. Er zeigte in diesem Zusammenhang Verständnis dafür, dass die Emotionen hochkochen, wenn verschiedene Ethnien und religiöse Gruppen aufeinandertreffen. Das nun aber keiner auf die Idee kommt, diese Entschuldigung gelte auch für die Deutschen bei den Auseinandersetzungen in Heidenau.


S. 2 Aktuell

Zehntausende tatverdächtig
Bundeskriminalamt legt aussagekräftige Zahlen zur Kriminalität von Asylbewerbern im Jahr 2014 vor

Das Ausmaß der Kriminalität unter Asylbewerbern ist weitgehend tabuisiert. Berichte finden sich meist nur in der Lokalpresse, wodurch kein bundesweit repräsentatives Bild entsteht. Bundespolitiker und der öffentlich-rechtliche Rundfunk meiden das Thema nahezu völlig oder spielen die Problematik herunter. Auch vorhandene Daten des Bundeskriminalamts (BKA) sind der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.

Das BKA hat in seiner polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2014 auch tatverdächtige Asylbewerber gesondert erfasst. Das BKA weist darauf hin, dass die PKS nicht mit der Strafverfolgungsstatistik der Justiz (Verurteiltenstatistik) vergleichbar ist, da sich der Erfassungszeitraum verschiebt, die Erfassungsgrundsätze und -daten sich unterscheiden und der einzelne Fall im Justizbereich eine andere strafrechtliche Beurteilung erfahren kann.

Als tatverdächtig im Sinne der PKS gilt jeder, der nach dem polizeilichen Ermittlungsergebnis aufgrund zureichender tatsächlicher Anhaltspunkte verdächtig ist, rechtswidrig eine (Straf-)Tat begangen zu haben. Ein Tatverdächtiger, für den im Berichtszeit-raum mehrere Fälle der gleichen Straftat festgestellt wurden, wird laut PKS in demselben Bundesland nur einmal gezählt. Wie das BKA selbst hervorhebt, wird die Aussagekraft der PKS besonders dadurch eingeschränkt, dass der Polizei ein Teil der Straftaten gar nicht bekannt wird.

Im Jahr 2014 hat die Polizei bei „Straftaten insgesamt“ die Zahl von 53890 tatverdächtigen Asylbewerbern ermittelt. Ohne die ausländerspezifischen Delikte – also Verstöße gegen das Aufenthalts- und das Asylverfahrensgesetz sowie das allgemeine Freizügigkeitsgesetz von Unionsbürgern – nennt die PKS 38119 tatverdächtige Asylbewerber. Die Zahl der sich in Deutschland zum Stichtag 31. Dezember 2014 aufhaltenden Asylbewerber betrug laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt 226191 Personen.

Die BKA-Auswertung führt zusätzlich in einer getrennten Rubrik die Tatverdächtigenzahl „geduldeter“ Ausländer (zum Beispiel abgelehnte Asylbewerber) auf. Von diesen wird bei „Straftaten insgesamt“ die Zahl von 11962 Tatverdächtigen genannt. Bei den ebenfalls gesondert aufgeführten Kontingent- und Bürgerkriegsflüchtlingen werden hierzu außerdem zusätzlich 957 Personen als tatverdächtig verzeichnet. Auch wenn man bei den beiden letztgenannten Gruppen die Verstöße gegen das Aufenthalts- und das Asylverfahrensgesetz sowie das allgemeine Freizügigkeitsgesetz von Unionsbürgern abzieht, verbleiben bei den Geduldeten noch 10097 Tatverdächtige und unter den Kontingent- und Bürgerkriegsflüchtlingen 900 tatverdächtige Personen.

Der Anteil der tatverdächtigen Asylbewerber unter den sich im Vorjahr erlaubt in Deutschland aufhaltenden Nichtdeutschen (darunter versteht die Kriminalstatistik unter anderem die Stationierungsstreitkräfte und deren Angehörige, Touristen/Durchreisende, Studenten/Schüler, Arbeitnehmer und Gewerbetreibende) betrug unter anderem bei vorsätzlicher einfacher Körperverletzung 10,3 Prozent, bei „Diebstahl ohne erschwerende Umstände“ 29,8 Prozent, bei Betrug 19,3 Prozent, bei Mord 8,9 Prozent und bei „Totschlag und Tötung auf Verlangen“ 13 Prozent.

Im Folgenden werden exemplarisch Tatverdächtigenzahlen zu Asylbewerbern genannt, bezogen auf Delikte im Strafgesetzbuch (StGB) oder in der PKS zusammengefasste Gruppen von Straftaten. Diese sind in der PKS noch weiter aufgeschlüsselt. Mit diesen Angaben sollen keineswegs Asylbewerber unter einen „Generalverdacht“ gestellt werden. Die Öffentlichkeit hat jedoch ein berechtigtes Interesse daran, über polizeiliche Ermittlungsergebnisse und die auch durch Asylbewerber noch weiter steigende Kriminalitätsbelastung informiert zu werden.

So nennt die BKA-Auswertung zum Beispiel unter „Roheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit“ die Zahl von 11134 tatverdächtigen Asylbewerbern. Unter „Gewaltkriminalität“ sind 5377 Tatverdächtige (TV) verzeichnet. Unter „Mord und Totschlag“ 101 TV. Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung 599 TV. Bei Vergewaltigung und sexuelle Nötigung (Paragrafen 177 und 178 StGB): 217 TV. Bei Raub, räuberische Erpressung und räuberischem Angriff auf Kraftfahrer zusammen 1247 TV. Körperverletzung: 8994 TV. Vorsätzliche einfache Körperverletzung: 5527 TV.

Unter „Gefährliche und schwere Körperverletzung, Verstümmelung weiblicher Genitalien“ werden 4128 TV genannt. Bei „Straftaten gegen die persönliche Freiheit“ 2125 TV. Zusammengefasst unter „Zwangsheirat, Nachstellung (Stalking), Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung“ steht die Zahl von 2082 TV. Unter „Straßenkriminalität“ sind 4797 TV subsummiert. Bei Wohnungseinbruchsdiebstahl: 571 TV. Hausfriedensbruch: 1381 TV. Landfriedensbruch: 155 TV. Raubüberfälle in Wohnungen: 89 TV. Räuberischer Diebstahl (Paragraf 252 StGB): 545 TV. „Sonstige Raubüberfälle auf Straßen, Wegen oder Plätzen“: 442 TV. Sachbeschädigung: 1622 TV.

Diebstahl insgesamt: 18036 TV. Diebstahl ohne erschwerende Umstände: 16066 TV. Diebstahl unter erschwerenden Umständen (Paragraf 243 bis Paragraf 244a StGB): 4594 TV. Diebstahl insgesamt an/aus Kraftfahrzeugen (Kfz): 741 TV. Schwerer Diebstahl an/aus Kfz: 464 TV. Rauschgiftkriminalität: 3262 TV. Ladendiebstahl insgesamt: 13894 TV. Schwerer Ladendiebstahl: 2104 TV. Besonders schwerer Ladendiebstahl: 1451 TV. Diebstahl insgesamt aus Kiosken, Warenhäusern, Verkaufsräumen, Selbstbedienungsläden, Schaufenstern, Schaukästen und Vitrinen: 14217 TV. Betrug (Paragraf 263 bis Paragraf 265b StGB): 10418 TV. Unter Widerstand gegen die Staatsgewalt und Straftaten gegen die öffentliche Ordnung werden 2199 Asylbewerber als tatverdächtig aufgeführt.

Das Bundesinnenministerium rechnet damit, dass 2015 bis zu 800000 Asylbewerber beziehungsweise Flüchtlinge nach Deutschland kommen werden, das ist etwa die vierfache Zahl des Vorjahres. Michael Leh


»Langfristig ist es nicht tragbar«
Selbst der Hohe Flüchtlingskommissar der UN kritisiert die einseitige Belastung Deutschlands und Schwedens

Eine gehörige Portion Verwunderung ist oftmals mit im Spiel, wenn im Ausland auf die derzeit nach Deutschland strömende Flut von Asylbewerbern geblickt wird. Während hierzulande von den etablierten Parteien und Medien der Eindruck erweckt wird, es sei abermals eine alternativlose Angelegenheit, dass Deutschland Hunderttausende Asylbewerber ins Land lässt, schärft ein Blick von außen das Bewusstsein für die ungeheure Dimension und Maßlosigkeit der hierzulande ablaufenden Vorgänge. So warnte unlängst der Hohe Flüchtlingskommissar der UN, Antonio Guterres, davor, dass Deutschland zu viele Flüchtlinge aufnimmt: „Wir müssen die Verantwortung auf mehr Schultern in Europa verteilen. Langfristig ist es nicht tragbar, dass nur zwei EU-Länder – Deutschland und Schweden – mit leistungsfähigen Asylstrukturen die Mehrheit der Flüchtlinge aufnehmen.“

Die Warnung, dass sich Deutschland übernimmt, scheint berechtigt. Momentan etwas aus dem Blick geraten ist nämlich, dass Deutschland auch hohe Zuwanderungszahlen aus den übrigen EU-Ländern zu verkraften hat. So machte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bereits letztes Jahr darauf aufmerksam, dass Deutschland mit seinen Zuwanderungszahlen mittlerweile klassische Einwanderungsländer wie Kanada überholt hat und nach den USA zum zweitwichtigsten Zuwanderungsziel unter den Industrieländern geworden ist.

Insgesamt hat der Zuwanderungsdruck nach Ansicht der „Washington Post“ dazu geführt, dass sich Deutschland in hohem Tempo sogar zum „globalen Experiment“ in Sachen Zuwanderung entwickelt hat. Noch auf einer inzwischen überholten Prognose beruhend, unternahm der Publizist Pat Buchanan, der unter Präsident Ronald Reagan Kommunkationsdirektor des Weißen Hauses war, einen eindrucksvollen Vergleich: „Deutschland, das im letzten Jahr 174000 Asylsuchende aufnahm, richtet sich darauf ein, in diesem Jahr 500000 aufzunehmen. Dabei ist Deutschland kleiner als Montana.“ Abgerundet hätte sich für die US-amerikanischen Leser das Gesamtbild mit einem Hinweis auf die Besiedlungsdichte: Als viertgrößter Bundesstaat der USA hat Montana lediglich eine Million Einwohner – das dicht besiedelte Deutschland wird von 82 Millionen Menschen bewohnt.

Aufgeworfen wurde von Bu-chanan auch eine Frage, die hierzulande umgehend den Vorwurf von Panikmache und Deutschtümelei nach sich gezogen hätte: Wie kann ein durch die Geografie eingeengtes, dicht bevölkertes und bereits mit fremdenfeindlichen Konflikten konfrontiertes Deutschland es verkraften, jedes Jahr eine halbe Million Einwanderer aus Dritte-Welt-Ländern aufzunehmen, ohne dass es das Land auseinanderreißt und der Charakter der Nation für immer verändert wird?

Angesprochen ist damit eine Tatsache, zu der hierzulande noch völliges Schweigen in der öffentlichen Diskussion herrscht: Untermalt vom Mantra „Alle Menschen sind gleich“, wird von Zuwanderungsbefürwortern gern der Eindruck verbreitet, als würden sich die ins Land strömenden Menschen nur durch exotische Kochrezepte und ein wenig Folklore von der ansässigen Bevölkerung unterscheiden. Realistischerweise ist allerdings damit zu rechnen, dass die Erfahrungen und Gewohnheitsmuster aus oftmals archaischen Gesellschaften, Krieg und Bürgerkriegen nicht abgelegt werden, wenn die Herkunftsländer verlassen werden. So scheinen Augenzeugenberichte aus Ungarn und Mazedonien nicht ganz zu dem Bild zu passen, das hiesige Medien oftmals von der „Flüchtlingskatastrophe“ zeichnen. Berichtet wird etwa aus Mazedonien, dass auf dem Weg in die eigentlichen Zielländer wie Deutschland und Schweden kleine Bauerndörfer regelrecht überfallen worden sind und heuschreckenartig alles gestohlen wurde, „was nicht niet- und nagelfest“ war. Tatsächlich könnte sich Deutschland nicht nur mit der Frage konfrontiert sehen, wie es seine Asylbewerber unterbringt, sondern auch, ob sich der faktische Status als Einwanderungsland noch mit einem sehr liberalen Strafrecht vereinbaren lässt. Findet die deutsche Gesellschaft auf solche Herausforderungen nicht schnell Antworten, dann könnte es bereits in wenigen Jahren in Deutschland so aussehen, wie in den Herkunftsländern der Asylbewerber. Norman Hanert


MELDUNGEN

Briten lieben »Mohammed«

London – Offiziell rangieren Oliver, Jack und Harry noch auf den ersten drei Plätzen der beliebtesten männlichen Babynamen in England und Wales. Addiert man aber die vielen Schreibweisen von Mohammed, Muhamad oder Muhamed zusammen, dann liegt der Name des islamischen Religionsstifters auf Platz 1. Laut BBC erhielten 2014 insgesamt 7240 Kinder diesen Vornamen. In London führt „Muhammad“ bereits amtlich die Namensstatistik an. Auch in Deutschland schiebt sich der arabische Name immer dichter an die beliebten Vornamen Maximilian, Alexander oder Paul heran. Eine Essener Geburtsklinik, die in einem Stadtteil mit hohem Ausländeranteil liegt, gab Ende 2014 bekannt, dass dort „Mohammed“ bereits unangefochten die Statistik anführt. tws

 

Lukaschenko sichert Grenze

Minsk – Seit der „Rechte Sektor“ im Juli im westukrainischen Grenzort Mukatschewe für Unruhen sorgte, hat Ungarn die Grenze zur Ukraine verstärkt.  Nun will auch der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko die Südgrenze des Landes sichern. Nicht, dass man einen Überfall aus der Ukraine befürchte, aber man wolle verhindern, dass Militante und Waffen aus dem unruhigen Nachbarland nach Weißrussland durchsickerten, heißt es. Hintergrund ist wohl, dass am 11. Oktober Parlamentswahlen stattfinden und sowohl Lukaschenko als auch die Opposition ein ukrainisches Szenario in ihrem Land befürchten. Beide Seiten haben einen Annäherungskurs eingeschlagen. Lukaschenko begnadigte kürzlich politische Häftlinge, die Opposition setzt statt auf Konfrontation auf soziale Themen. MRK


S. 3 Deutschland

Kommen 2016 fünf Millionen?
Die Politik scheint wie erstarrt angesichts der Asylbwerberflut – Dabei bringt 2015 nur eine erste Welle

Ausgehend von den jetztigen Zahlen lässt sich hochrechnen, wie viele Asylbewerber Deutschland im nächsten Jahr zu erwarten hat – eine ebenso realistische wie düstere Prognose.

Ein Land im Barmherzigkeitswahn: Vernunft und Vorausschau scheinen derzeit tief unter der rosafarbenen Blumenwiese der Mildtätigkeit begraben. Schauspieler Til Schwaiger möchte die Flüchtlingsheime mit Fahrradwerkstätten und kabellosem Internetzugang aufwerten. Landesbischoff Heinrich Bedford-Strohm verbittet sich – anscheinend vollkommen in himmlische Sphären entrückt – die Bezeichnung „massenhafter Asylmissbrauch“ und Grünen-Chefin Kat-rin Göring Eckardt sorgt sich im Deutschlandradio vor allem um die „neuen Bürger in den Flüchtlingsheimen“. Deren Ängste seien ihr wichtig, nicht die der besorgten Anwohner.

Der suchthafte Drang zur guten Tat verdeckt, dass die Politik ihren Bürgern Antworten auf wichtige Fragen schuldet: Warum kommen die Asylbewerber jetzt und warum sind es so unsagbar viele? Im Jahr 2015 gibt es keinen großen Konfliktherd, den es nicht auch schon in den Jahren zuvor gegeben hätte. Keine plötzlich ausgebrochene Wirtschaftskrise, Naturkatastrophe oder Hungersnot vertreibt die Menschen aus Eritrea, dem Sudan, Albanien oder Afghanistan. Ihre Lebensumstände dürften dort im Wesentlichen genauso sein, wie in den Jahren zuvor. Dennoch brechen sie zu Tausenden und Zehntausenden auf, den Segnungen eines – bislang noch – funktionierenden Sozialstaats entgegen.

Da anscheinend niemand sonst angesichts dieser Entwicklung in die Zukunft blickt, darf spekuliert werden. Etwa 7,3 Milliarden Menschen leben auf der Erde. Wie vielen von ihnen mag es in einem deutschen Asylbewohnerheim besser gehen, als in einem südafrikanischen Township, einer brasilianischen Favela oder einem Slum in Bangladesh? Sind es 500 Millionen oder doch eher eine Milliarde?

Aber soweit ist es ja noch nicht. Innenminister Thomas de Mazière schätzt die Zahl der Asylsuchenden für 2015 auf 800000. Wahrscheinlich werden es am Ende rund eine Million sein. Damit hätte sich die Zahl gegenüber 2014, als 200000 Asylanträge gestellt wurden, verfünffacht. Da bislang nichts darauf hindeutet, dass sich der Trend abschwächt, müsste man bei dieser Steigerungsrate für 2016 mit fünf Millionen Asylbewerbern rechnen.

Ein Blick auf die Finanzierung: Mindestens zehn Milliarden Euro werden die Asylbewerber in diesem Jahr den Staat kosten. Die Zahl ergibt sich, wenn man pro Kopf 13000 Euro als halbwegs kostendeckende Pauschale rechnet. 2016 hätte Deutschland dann eine Summe von 65 Milliarden zu schultern. Zum Vergleich: Der geplante deutsche Verteidigungsetat für 2016 liegt bei 34,2 Milliarden Euro, der Verkehrsetat bei 24,4 Milliarden.

Ob 13000 Euro pro Asylbwerber und Jahr tatsächlich reichen, darf allerdings bezweifelt werden. Bei der BAFF, der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer, beruft man sich auf eine Studie, der zufolge 40 Prozent der Asylantragsteller unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Die entsprechende Behandlung beläuft sich schnell auf 100000 Euro im Jahr. Bei schwersttraumatisierten Bürgerkriegsflüchtlingen liegt sie um ein Vielfaches höher. Auch minderjährige Asylbewerber kommen teuer. 60000 Euro im Jahr kostet ein Heimplatz. Nicht alle, die ihn in Anspruch nehmen, sind dabei tatsächlich unter 18. In Bayern ergab eine Überprüfung, dass sich 40 Prozent der angeblichen Teenager nur jünger ausgegeben hatten, um in den Genuss der Vorzugsbehandlung zu kommen.

So wundert es auch nicht, dass Bund und Länder anscheinend schon jetzt den Überblick über die Kosten der Asylbewerberflut verloren haben. Eine Journalistin der „Welt“ ging bereits veröffentlichten Zahlen nach und stieß in den jeweiligen Ministerien von Berlin bis Bayern auf chaotische Zustände. Jedes Bundesland rechnet unterschiedlich. Oft werden Zahlen veröffentlicht, die zwar solide klingen, aber mit der Wirklichkeit etwa so viel zu tun haben, wie die Altersangaben der Asylbewerber auf der Suche nach einem komfortablen Platz im Jugendheim. Frank Horns


Deutlich mehr Geburten
Statistisches Bundesamt legt Zahlen für 2014 vor

Drei ist die neue Zwei“, erklärt die Hebamme einer Mutter, nachdem diese gerade ihr zweites Kind zur Welt gebracht hatte. Will heißen, galt bis vor Kurzem noch eine Familie mit zwei Kindern als Standard, geht der Trend bei Besserverdienern zur Mehrkindfamilie. Es sind vor allem Doppelverdiener-Paare, die sich bewusst für drei oder mehr Kinder entscheiden. Das Klischee, Deutschland habe zwar „Business“ oder „Power-Frauen“, aber keine Mütter mehr, ist dem einer im Wohlstand lebenden Familie gewichen, die sich dank eines höheren Einkommens mehr Nachwuchs leisten kann.

Die jüngst veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Thema Familie scheinen diesen Trend zu bestätigen. 2014 kamen in Deutschland 715000 Kinder zur Welt, das sind 4,8 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Todesfälle hat sich verringert. Im Jahr 2014 starben 868000 Menschen. Das sind 2,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Statistiken zeigen aber auch, dass diese Zahlen stark schwanken, das sie unter anderem abhängig sind von der Zahl der älteren Jahrgänge. Zwar sind nach wie vor mehr Todesfälle als neue Erdenbürger zu verzeichnen, aber die Differenz hat sich erheblich verringert.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig triumphiert angesichts der positiven Entwicklung. Sie sieht darin „ein schönes Signal“ und fühlt sich in ihren politischen Maßnahmen bestätigt. „Wir müssen uns weiterhin anstrengen, Familien in Deutschland gut zu unterstützen.“

Richtig ist, dass es Fortschritte bei der Kinderbetreuung gibt und immer mehr Arbeitgeber angesichts des demografischen Wandels flexibler als früher geworden sind, eine Voraussetzung für die meisten Frauen, die gut qualifiziert sind.

Von einer Trendwende wollen Experten aber noch nicht sprechen. Der Bielefelder Bevölkerungsforscher Herwig Birg sieht noch keine entscheidende Wende. Die Geburtenrate je Frau sei zwar leicht angestiegen auf 1,41 Kinder, aber das gegenwärtige Geburtenhoch liege vor allem an der Veränderung der Altersstruktur. Die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 26 und 35 Jahre habe sich seit 2008 stabilisiert und nehme noch kontinuierlich zu. Das präge die Geburtenrate in den kommenden Jahren positiv, doch ab 2020 werde die Zahl der Mütter in diesem Alter wieder deutlich abnehmen.

Die Bevölkerungsstatistikerin Olga Pötzsch sagt, die Veränderung werde von Faktoren wie der guten Wirtschaftslage, günstigen Arbeitsmarktbedingungen sowie familienpolitischen Maßnahmen des Staates zwar positiv beeinflusst, will aber ebenfalls nicht von einer Trendwende sprechen. „Wir beobachten diese positive Geburtenentwicklung nämlich erst seit drei Jahren.“

Ein Grund für den Anstieg der Geburtenrate ist auch der Zugang durch Immigrantenfamilien. Der Anteil dieser Gruppe macht inzwischen rund ein Fünftel aus. Knapp 22 Prozent der im Land neu Geborenen haben laut „Stuttgarter Zeitung“ eine ausländische Mutter. Auch unter den hier bleibenden Flüchtlingen sind viele Frauen im gebärfähigen Alter.

Ein endgültiges Ergebnis und eine Analyse der Gründe für den Geburtenanstieg will das Statistische Bundesamt erst im September vorlegen. M. Rosenthal-Kappi


MELDUNGEN

Mehrheit für Grenzkontrollen

München – Eine im Auftrag des Nachrichtenportals „Focus-Online“ erstellte Umfrage hat ergeben, dass eine Mehrheit von 58 Prozent der Deutschen ansgesichts der steigenden Asylbewerberzahlen für eine Wiedereinführung von Grenzkontrollen ist. 31 Prozent der Befragten lehnen eine Aussetzung des Schengen-Abkommens ab, elf Prozent enthielten sich. Interessant ist die Aufschlüsselung nach Parteianhängern. Selbst Wähler von Linkspartei (50 Prozent) und SPD (49 Prozent) sprechen sich für Grenzkontrollen aus. Bei Befürwortern der AfD wünschen sich 96 Prozent Kontrollen, bei der FDP sind es 67 Prozent. Lediglich Wähler der Grünen sind mehrheitlich gegen Grenzkontrollen (56 Prozent), doch auch unter ihnen sprechen sich 30 Prozent für geschützte Grenzen aus. MRK

 

Abschiebungen gestoppt

Berlin – Während Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande angesichts der Flüchtlingsflut in Deutschland die umgehende Einrichtung von Zentren in Italien und Griechenland forderten, in denen Asylsuchende sich gemäß den Dublin-Vorschriften registrieren lassen können, machte die Dachorganistaion europäischer Flüchtlingshiflsorganisationen „Ecre“ öffentlich, dass das „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ am 21. August die obligatorische Prüfung, ob Asylsuchende in einem anderen EU-Land zuerst europäischen Boden betreten haben und dorthin zurückgeschickt werden müssten, für Flüchtlinge aus Syrien ausgesetzt hatte. Darüber hinaus wurden sämtliche Abschiebungen ins europäische Ausland, meist nach Italien und Griechenland, die bereits in Gang gebracht worden waren, gestoppt. MRK


S. 4 Al-Kaida

Sie sind schon in Europa
Während des Bosnienkrieges kamen auch al-Kaida-Kämpfer nach Ex-Jugoslawien

Der Umstand, dass der Islamische Staat (IS) in den bosnischen Dörfern Gornja Maoca, Ošve, Dubnica und Bosanska Bojna Stützpunkte betreibt, erregte in den vergangenen Wochen erhebliches Aufsehen. Dabei ist schon seit Jahrzehnten eine dschihadistische Kampftruppe in Bosnien-Herzegowina präsent: die al-Kaida.

Während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995, in dem die Frontlinie vor allem zwischen den christlich-orthodoxen bosnischen Serben und den muslimischen Bewohnern der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik lag, strömten bis zu 20000 Söldner aus Ländern wie Jordanien, Ägypten, Pakistan, Algerien und dem Iran nach Bosnien, um ihre Glaubensgenossen im Kampf gegen die „Kreuzritter“ zu unterstützen. Initiiert wurde diese Massenbewegung dabei von der al-Kaida, die damals noch Osama bin Laden unterstand.

Die ausländischen Legionäre erhielten von den Behörden in Sarajewo Pässe beziehungsweise neue Identitäten und bildeten dann Sondereinheiten innerhalb der bosnischen Armee nach Art der Kampfgruppe „El Mudžahid“, die zahlreiche schwere Verbrechen an der serbischen Zivilbevölkerung beging. Wie aus einem Bericht des niederländischen Instituts für Kriegsdokumentation hervorgeht, erhielten die „Heiligen Krieger“ ihre Waffen aus dem Iran, wobei der al-Kaida-Chef die hierfür nötigen Geldmittel organisierte, während türkische und US-amerikanische Geheimdienste sowie die libanesische Hisbollah heimlich den Transport besorgten. Außerdem rekrutierte das Terrornetzwerk um die 800 gebürtige Bosnier, die fortan die sogenannte Weiße al-Kaida bildeten – der Name war eine Anspielung darauf, dass sich die Neuen in nichts von der ortsansässigen Bevölkerung unterschieden, was ein besonders konspiratives Agieren erlaubte.

Nach dem Ende des Krieges verblieben die Mitglieder dieser Truppe sowie auch viele ausländische al-Kaida-Kämpfer als „Schläfer“ im Lande, obwohl die Regierung von Bosnien und Herzegowina einige Anläufe unternahm, den Legionären die einstmals so freizügig verliehene Staatsbürgerschaft wieder zu entziehen. Grund hierfür war nicht zuletzt das Bekanntwerden des Planes der al-Kaida-Führung, dauerhafte Brückenköpfe auf dem Balkan zu errichten.

Meist tauchten die „weißen“ und nichtbosnischen Angehörigen der Terrororganisation in abgelegenen Dörfern unter, wo sie seither nach ihren archaischen religiösen Vorstellungen leben, die denen der Salafisten entsprechen. Der bosnische Staatsschutzdienst SIPA zeigte sich hiergegen bisher weitgehend machtlos, auch wenn es nicht an wohlklingenden Absichtserklärungen fehlt und gelegentlich ein paar Alibi-Razzien stattfinden, bei denen eine Handvoll Islamisten verhaftet wird.

Mit der Entdeckung der Präsenz des Islamischen Staates in einigen bosnischen Ortschaften stellt sich nun die Frage, ob jetzt die al-Kaida-Veteranen beziehungsweise – „Schläfer“ beginnen, sukzessive auf die Seite des selbsternanntenm IS-Chefs und Kalifen Ibrahim alias Abu Bakr al-Baghdadi zu wechseln oder ob vielleicht noch eine zweite islamische Untergrundarmee in Bosnien entsteht. Für die letztere Variante spricht, dass die al-Kaida und der Islamische Staat zutiefst verfeindet sind und sich im Irak und Syrien auf jede erdenkliche Weise bekämpfen, weil beide Organisationen die Führungsrolle im „Heiligen Krieg“ beanspruchen. Und das wiederum würde die Gefahr für Europa dann noch größer machen, weil es zu einem Wettbewerb zwischen den Terrormilizen käme, der spektakuläre Aktionen zur Folge hätte.

Wolfgang Kaufmann


Stärke und Schwäche
Die al-Kaida ist föderalistischer organisiert als der Islamische Staat

Bereits kurz nach ihrer Gründung, die wahrscheinlich im Jahre 1988 erfolgte, versuchte die Tanzim Ka’idat al-Dschihad (Basisgruppe des Heiligen Krieges), besser bekannt als al-Kaida, sich weltweit auszubreiten und geheime Stützpunkte in aller Welt einzurichten, darunter auch auf dem Balkan. Diese Strategie war eine direkte Folge des extremen Geltungsanspruchs von Osama bin Laden und seinen engsten Mitstreitern, die sich für die Vorreiter des globalen Dschihad gegen die gesamte nichtmuslimische Welt hielten.

Dabei handelte die Führung des Terrornetzwerkes nach einem Konzept, das auf Abu Musaf al-Suri alias Mustafa ibn Abd al-Kadir Sethmariam Nasar zurückging. Dieser Vordenker der al-Kaida entwickelte die Idee des bewaffneten „Heiligen Krieges“ mittels zahlreicher autonomer und konspirativ organisierter Gruppierungen und Zellen, die in ein System von drei konzentrischen Kreisen eingebettet sind. Der innerste dieser Kreise umfasst die al-Kaida-Kerngruppe, die derzeit von Aiman az-Zawahiri geleitet wird. Der zweite Kreis schließt die regionalen Tochterorganisationen der al-Kaida in Afrika sowie dem Nahen und Mittleren Osten ein, wie beispielsweise die al-Kaida im Islamischen Maghreb. Und zum dritten Kreis wiederum gehören dann alle sonstigen Teile des Netzwerks, darunter auch die Zellen in Bosnien und weiteren europäischen Staaten.

Diese dezentrale Struktur der al-Kaida ist Stärke und Schwäche zugleich. Einerseits wird es den Sicherheitsorganen der „infizierten“ Länder niemals gelingen, alle lokalen Dschihadistennester zu liquidieren, wie man am Beispiel Bosniens sehr gut ersehen kann; andererseits ist der Kontakt zur Führung nur ein sehr loser. Das wiederum führt zu Loyalitätsproblemen, welche die al-Kaida momentan teilweise an die Grenze des Zerreißens bringen. So ist aus dem Irak und Syrien bekannt, dass schon zahlreiche Gefolgsleute az-Zawahiris auf die Seite des Islamischen Staates wechselten, weil dessen zentralistische Struktur den Gotteskriegern offenbar mehr zusagt – ganz abgesehen davon natürlich, dass der IS ja auch ein eigenes Hoheitsgebiet kontrolliert und veritable militärische Erfolge erzielt, wozu die al-Kaida derzeit nicht einmal ansatzweise in der Lage ist.

Ebenso konnte der IS mindestens 350 „Zugänge“ aus Bosnien verbuchen, bei unbekannter Dunkelziffer. Dies wird nun von einigen Beobachtern als Indiz für eine Erosion des Einflusses der al-Kaida auf dem Balkan gewertet. Allerdings ist es für solche Annahmen noch zu früh. Zum einen kann es sich bei den bosnischen IS-Kämpfern um neurekrutierte Jugendliche handeln, die den Bosnienkrieg und die al-Kaida nur vom Hörensagen kennen. Zum anderen würde das Terrornetzwerk durch einige hundert Deserteure auch nicht ernsthaft geschwächt. Die Zahl seiner Anhänger in Bosnien-Herzegowina läge dann nämlich immer noch bei mehreren tausend. Deshalb besteht sogar die Möglichkeit, dass sich das Zentrum der al-Kaida jetzt in Richtung Balkan verlagert, wo der Islamische Staat noch relativ wenig Einfluss hat. W.K.


Grausamkeiten schon im Bosnienkrieg

Am 21. Juli 1995 versuchte die El-Mudžahid-Brigade der Armee Bosnien-Herzegowinas (ARBiH) im Rahmen der Operation Proljece II, die von den Serben kontrollierten Ortschaften Krcevine, Malovan und Malije Gaj zu erobern. Daraus erwuchs ein Gefecht, wie es seinerzeit typisch für den Bosnienkrieg war – und zwar sowohl in seinem Verlauf als auch hinsichtlich der Folgen.

Zuerst verloren die blindwütig vorrückenden ausländischen Legionäre der ARBiH, die von der al-Kaida rekrutiert worden waren, zwei ihrer Anführer. Außerdem fiel auch noch ein früherer jemenitischer Offizier, als er versuchte, einen Panzer der Streitkräfte der Republika Srpska (VRS) zu kapern. Trotzdem gelang es den „Heiligen Kriegern“ am Ende des Tages, Krcevine einzunehmen und 15 serbische Soldaten gefangenzunehmen.

Zwei wurden sofort enthauptet. Die restlichen 13 Gefangenen wurden zunächst in das Dorf Livade und dann in das ARBiH-Lager Kamenica im Gostovic-Tal verbracht. Dabei erschossen die Dschihadisten auf dem Transport einen weiteren Gefangenen. In Kamenica wiederum erfolgte dann die Ermordung des vierten. Im Anschluss hieran zwangen die Mudschahedin die übrigen serbischen Gefangenen, den abgetrennten Kopf des Kameraden zu küssen.

Einen Monat später gelangten die noch lebenden VRS-Soldaten nach diversen schweren Folterungen mittels Elektroschocks und Hochdruckschläuchen in das Gefängnis von Zenica Kažneno, wo weitere „Befragungen“ stattfanden. Allerdings hatten sie das Glück, dann Ende 1995 bei einem Häftlingsaustausch freizukommen, wodurch ihr Schicksal international bekannt wurde. W.K.


Zeitzeugen

Rasim Delic – Weil er es zugelassen hatte, dass die von der al-Kaida rekrutierten Legionäre der Armee von Bosnien-Herzegowina serbische Gefangene folterten und enthaupteten, wurde der frühere Oberkommandierende der ARBiH 2008 vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt.

Sahid Emir Musa Ajzi – Nach Recherchen des russischen Journalisten Konstantin Katschalin versucht der ehemalige Afghanistan-Kämpfer seit 2003 im Auftrag der al-Kaida-Führung, in Bosnien und anderswo auf dem Balkan weitere Glaubenskrieger mit europäischem beziehungsweise slawischem Aussehen zu rekrutieren. Diese sogenannten weißen Teufel sollen den Dschihad nach Mitteleuropa und Russland tragen.

Cees Wiebes – Der Mitarbeiter des Nederlands Instituut voor Oorlogsdocumentatie (NIOD) deckte im April 2002 auf, in welch starkem Maße die Clinton-Administration die al-Kaida-Kämpfer in Bosnien trotz des UN-Waffenembargos unterstützt hatte. Laut Wiebes sind die deutschen Geheimdienste über alle Aktionen der US-Amerikaner informiert gewesen. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er 2003 in dem Buch „Intelligence and the War in Bosnia 1992–1995.“

Abu el-Ma’ali alias Abdelkader Mokhtari – Während des Bosnienkrieges kommandierte der algerische Dschihadist mehrere Mudschahedin-Verbände der Armee von Bosnien-Herzegowina. Danach wurde er des Landes verwiesen. Der heutige Aufenthaltsort Mokhtaris ist unbekannt. Gerüchten zufolge kehrte der Glaubenskrieger mit engen Verbindungen zur al-Kaida vor einiger Zeit inkognito nach Bosnien zurück. Andere Quellen vermelden hingegen, er weile in Afghanistan oder werde in Guantánamo festgehalten.

Alija Izetbegovic – Als Präsident der Republik Bosnien und Herzegowina betrieb Izetbegovic eine Politik der Islamisierung der Streitkräfte seines Landes. Dabei kooperierte er auch mit dem al-Kaida-Chef Osama bin Laden, den er vermutlich 1993 in Sarajevo traf. Im Gegensatz zu anderen Protagonisten des Bosnien-Krieges musste Izetbegovic sich jedoch niemals vor Gericht verantworten.


S. 5 Preussen/Berlin

Die Geister, die sie riefen
Bloß nicht beim Namen nennen: Immigrantengewalt verunsichert linke Szene in Berlin

Während Araber-Banden, afrikanische Drogenhändler und südosteuropäische Taschendiebe eine der bekanntesten Party-Meilen Berlins in einen großflächigen Kriminalitätsschwerpunkt verwandeln, herrscht in der ansässigen links-alternativen Szene das große Schweigen.

Zwei brutale Gewalttaten innerhalb weniger Stunden haben dafür gesorgt, dass das sogenannte RAW-Gelände im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bundesweit in die Schlagzeilen geriet. Bereits Mitte August waren in der Gegend zwei Touristen aus den Niederlanden angegriffen worden. Vorangegangen war der Versuch, einem der beiden Berlin-Besucher das Portemonnaie zu stehlen.

Ertappt, rief einer der Taschendiebe Verstärkung: Am Ende schlug ein Mob von 15 Tätern die Holländer krankenhausreif und verschwand. Nur anderthalb Stunden später wurde ein Begleiter von Jennifer Weist, der Sängerin der Rockband „Jennifer Rostock“, zum Opfer eines gefährlichen Messerangriffs auf dem Gelände. Wie von Weist über Facebook publik gemacht wurde, hat es sich offenbar auch hierbei um den missglückten Versuch eines Taschendiebstahls gehandelt, der gefährlich eskalierte.

„Zwei kleine Jungs“ sollen zunächst versucht haben, die Brieftasche der jungen Sängerin zu entwenden. Auch hier bekamen die ertappten Täter schnell Verstärkung. Plötzlich umringt von fünf Angreifern, wurde dem Begleiter von Jennifer Weist mit einem Messer oder einer Rasierklinge eine Wunde nahe der Halsschlagader zugefügt. „Es fehlten nur ein paar Millimeter, und er wäre direkt auf der Straße in meinen Armen gestorben“, schilderte die Sängerin die Folgen der Attacke.

Vor allem im Internet war nach dem brutalen Angriff sogar Schadenfreude aufgekommen, dass in dem konkreten Fall ein „Gutmensch mit den Konsequenzen seines Handelns konfrontiert worden ist“. Angespielt wurde damit auf die Tatsache, dass sich die Musikgruppe „Jennifer Rostock“ in der Vergangenheit stark in der Pro-Asyl-Bewegung engagiert hat. „Jennifer Rostock treten ein für Flüchtlingsschutz und gegen Abschiebungen in Haft und Obdachlosigkeit“, so ein Eintrag auf der Facebook-Seite der Musikgruppe.

Kritisch bemerkt wurde von Internetnutzern zudem, dass auch die in ersten Medienmeldungen bekannt gewordene Täterbeschreibung merkwürdig nichtssagend wirkte. Geht man von dem aus, was an Erfahrungen der Polizei zur Kriminalität auf dem RAW-Gelände vorliegt, dann hat es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nämlich um nicht-deutsche Täter gehandelt.

So gehen aus Sicht eines Zivilfahnders die Raubtaten und Körperverletzungen auf dem RAW-Gelände häufig auf das Konto von Jugendbanden aus Neukölln, Wedding und Kreuzberg. Dabei seien diejenigen, die rauben, prügeln und zustechen, eher Männer aus arabischen Familien, bei den Kleindealern von Drogen handele es sich wiederum um Schwarzafrikaner.

In Berliner Medien werden zudem Gewerbetreibende zitiert die auf dem Gelände ansässig sind, und die auch von einer Roma-Sippen sprechen, die durch Kriminalität auffalle. Zugute kommt den Tätern, dass das Gelände mit seinen Bars und Clubs über 70000 Quadratmeter groß, unübersichtlich und nachts schlecht beleuchtet ist. Ihre Aggressivität und Hemmungslosigkeit entfaltet diese Klientel vor einem sehr speziellen Hintergrund: Die Erschließung des RAW-Geländes – benannt nach dem einst hier ansässigen Reichsbahnausbesserungswerk – ist von alternativen, linken Kulturmachern angestoßen worden. Bis heute hängen auf dem Areal gut sichtbar Plakate linker Gruppen und sogenannter Flüchtlingsinitiativen.

Dass nun ausgerechnet Angehörige jener ethnischen Gruppen, die hier stets in der Opferrolle gesehen werden, sich als schwerkriminell entpuppen, hat zu einer sonderbaren Situation geführt: „Die meisten Frauen und Männer, die auf dem Gelände arbeiten, bezeichnen sich als links, antirassistisch, sozialkritisch. Dass die Halbstarken aus Familien stammen, die einst aus dem Nahen Osten und Nordafrika gekommen sind, sagen zwar alle. Nur tun sie das eben anonym. Sie wollen nicht ris­kieren, dass ihnen einer Rassismus vorwirft“, so eine Einschätzung, die im Berliner „Tagesspiegel“ nach dem Bekanntwerden der brutalen Überfälle zu lesen war. Unübersehbar ist mit der Entwicklung, dass dem Bezirk Fried­richshain-Kreuzberg nach dem Görlitzer Park nun einen zweiten großflächigen Kriminalitätsschwerpunkt erwachsen ist. Entlang der Revaler Straße, die an das frühere Bahngelände angrenzt, werden nach Beobachtungen eines szenekundigen Polizeibeamten inzwischen sogar deutlich mehr Drogen verkauft als im einschlägig bekannten „Görli“.

Die Gründe, warum bei der Polizei trotz der gesammelten Erkenntnisse beim RAW-Gelände nachhaltige Erfolge ausbleiben, sind bereits vom Görlitzer Park bekannt: Selbst Serien- und Wiederholungstäter werden von der Justiz innerhalb kürzester Zeit wieder laufen gelassen. Als Folge müssen die Beamten regelmäßig erleben, dass Drogenhändler, Taschendiebe oder Schläger nach der Feststellung ihrer Personalien nach wenigen Stunden wieder vor Ort auftauchen.

Nicht sonderlich ermutigend auch die Erfahrungen, welche die Beamten mit einem Teil der Anwohner machen müssen. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gehört zu den Gegenden Berlins, in der Festnahmen mutmaßlicher Täter mit Regelmäßigkeit zu einem Menschenauflauf führen, aus dem die Polizisten beschimpft und bedrängt werden. Norman Hanert


Man fühlt Absicht, und ist verstimmt
von Theo Maass

Im Berliner Abgeordnetenhaus geht dieser Tage eine Ausstellung über die sowjetische Besatzung von 1945 bis 1994 in Ost-Berlin und der ehemaligen DDR zu Ende. Zeitzeugen, denen es vergönnt war, die „Befreiung“ durch die Rote Armee mitzuerleben, hatten zeitlebens von der deutsch-sowjetischen Freundschaft genug.

Das schwarze Schaf in meiner Familie, altes KPD-Mitglied und 1919 Spartakusbundkämpfer, wurde durch den Einmarsch der Sowjets 1945 in Potsdam zum Antikommunisten. Als „DDR-Rentner“ konnte er reisen, so viel er wollte, und beichtete mir seinen Gesinnungswandel bei einem Familienbesuch in den 60er Jahren im freien Teil Berlins. Da war ich vielleicht zehn oder zwölf Jahre alt und verstand die Gesamtzusammenhänge nur unvollständig. Mein Vater – nie ein Roter, sondern immer schwarz gesinnt – hielt sonst nicht viel von „Onkel Otto aus Werder“, aber bei seinen Erzählungen über das Jahr 1945 und die „Befreiung“ hörte er immer andächtig zu.

Die Filmemacherin und DDR-Regimekritikerin Freya Klier hat in 20 Tafeln mit Bildern und Texten die Geschichte der „Freunde“ chronologisch von der deutschen Kapitulation 1945 bis zum Abzug dargestellt. Sie hat das Material 15 Monate lang zusammengetragen. Besonders beeindruckend: Aus einem Lautsprecher verkündet eine Stimme den Abschied vom „geliebten großen Führer Josef Wissarionowitsch Stalin“, dem angeblich Milliarden Menschen nachtrauern und so weiter und so weiter und so fort. In der DDR waren 362680 Sowjetsoldaten, mehr als 100000 russische Zivilisten, rund 6000 Kampfpanzer und 10000 Schützenpanzerwagen sowie 4600 Geschütze stationiert.

Es ist lobenswert, an diese Zeit und ihre Opfer zu erinnern. Aber nachdenklich stimmt der Zeitpunkt. In einer Zeit, in der immer mehr versucht wird, den Blick allein auf deutsche Kriegsverbrechen zu verengen, sodass Altbundeskanzler Helmut Schmidt das mit den Worten kommentierte: „Sie haben unsere Geschichte in ein Verbrecheralbum verfälscht“, ist es schwer, arglos zu glauben, dass heute, wo die USA versuchen, kriegerische Verhältnisse in der Ukraine gegen Russland anzubahnen, es nur um die Aufarbeitung der Geschichte geht.

Da fällt mir Goethes Drama „Torquato Tasso“ ein: „Und wenn sie auch die Absicht hat, den Freunden wohl zu tun, so fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.“ Antideutsche stört die Schau erwartungsgemäß aus anderen Gründen. Das frühere FDJ-Blatt „Junge Welt“ – heute Kampfblatt der linksextremen Szene – zetert: „Um diese Ausstellung auszuhalten, hilft es allerdings nicht, sie sich schön zu saufen.“ Das hätte Karl-Eduard von Schnitzler auch nicht schöner sagen können.


Die Randgebiete veröden
Bevölkerungsschwund: Brandenburg wächst nur um Berlin herum

Einen teilweise massiven Rückgang der Bevölkerungszahlen in Teilen Brandenburgs prognostiziert eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung. Demzufolge ist damit zu rechnen, dass es in einigen Gemeinden einen Bevölkerungsrück­gang von fast 50 Prozent geben könnte.

Nach Ansicht der Bevölkerungsstatistiker werden die Auswirkungen des demografischen Wandels umso besorgniserregender, je weiter die betroffenen Regionen von Berlin entfernt liegen. So rechnen sie damit, dass bis 2030 die Bevölkerungszahl in der Gemeinde Barnim-Oderbruch um 43 Prozent, in Seelow-Land um 50 Prozent und in der Märkischen Schweiz um 48 Prozent zurückgehen wird. Negativ auch die Prognose für einige Städte entlang von Oder und Neiße: So könnte Guben um ein Drittel schrumpfen, Schwedt um ein Viertel und Eisenhüttenstadt um gut 30 Prozent.

Schon zwischen 1990 und 2010 hat Brandenburg rund 100000 Einwohner verloren. Dass diese Zahl im Vergleich zu anderen Ländern noch vergleichsweise gering ausfällt, ist ausschließlich der Entwicklung im Großraum Berlin zu danken. Auch in Zukunft werden einzelne Gemeinden im sogenannten Speckgürtel für einen Ausnahmeeffekt in der brandenburgischen Statistik sorgen: Nicht zuletzt wegen der Nähe zum neuen Großflughafen gehen amtliche Prognosen davon aus, dass in der Gemeinde Schönefeld die Bevölkerungszahl bis 2030 um 55,3 Prozent steigen wird.

Auch für die Landeshauptstadt Potsdam ist ein Wachstum von fast 20 Prozent vorausgesagt. Bislang nicht erkennbar ist, wie die rot-rote Landesregierung verhindern will, dass sich die Randregionen Brandenburgs zunehmend entvölkern und veröden.

Dass es Möglichkeiten zum Gegensteuern gibt, macht die Erfahrung deutlich, die bereis anderswo gesammelt wurde: So hat Bayern durch die gezielte Verlagerung von Behörden und Institutionen für eine gezielte Stärkung von einzelnen Regionen gesorgt. Nachahmenswert ebenso der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrssystems, der den Rändern des Schweizer Kantons Zürich in den letzten Jahrzehnten zu einem demografischen Aufschwung verholfen hat. Zumindest bisher lässt nichts darauf schließen, dass in Potsdam über ein effektives Gesamtkonzept zur Förderung der Randregionen nachgedacht wird. So dürfte der Aderlass hier bis auf Weiteres weitergehen.

Norman Hanert


Gerichte blockiert
Asylverfahren überschwemmen Richter

Personen vom Balkan sind selbst nach den sehr großzügigen Maßstäben der Bundesrepublik fast nie asylberechtigt. Werden sie abgelehnt, reisen sie indes trotzdem fast nie aus. Stattdessen bemühen viele die Verwaltungsgerichte und verschaffen sich damit weitere Zeit, in der sie in Deutschland alimentiert werden, Gerichts- und Anwaltskosten inklusive. Den Ausgang des Verfahrens darf der Kläger nämlich in Deutschland abwarten.

Nun drohen die Gerichte blockiert zu werden. 2013 gab es 399 Klagen von abgelehnten Asylanten. In Potsdam gingen im gesamten vergangenen Jahr 1310 solcher Klagen ein, im ersten Halbjahr 2015 waren es bereits 1218. Es ist jedoch davon auszugehen, dass durch die steigenden Eingänge im Asylbereich Entscheidungen in anderen Sachgebieten später erfolgen als ursprünglich beabsichtigt. Es hakt wegen der Asylverfahren also bei den Eingaben normaler Bürger.

Der Berliner Verwaltungsrichter Robert Seegmüller: „Ganz häufig werden wirtschaftliche Nöte angegeben … Es fällt uns angesichts der Menge der Verfahren immer schwerer, den Kopf über Wasser zu halten“, die Aussichten auf Erfolg einer Klage seien bei Balkanstaaten „nahezu Null“, sagte der Verwaltungsrichter. Dennoch müsse jeder Einzelfall geprüft werden, um eine gerechte Entscheidung zu treffen. Immerhin fordert der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) fordert eigene Abschiebezentren für Immigranten aus sicheren Ländern an der bayerischen Grenze. Martina Mauer vom „Flüchtlingsrat Berlin“ hält das für „brandgefährlich“. T.M.


Hotel ist Nazi- und Kinder-frei

Das Hotel Esplanade in Bad Saarow will ab November keine Gäste unter 16 Jahren mehr annehmen. Einen Konflikt mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) scheint das Management nicht zu fürchten. Kinderschutzverbände sehen in der Entscheidung des Vier-Sterne-Hauses eine Diskriminierung von Familien. Eine repräsentative Umfrage unter Hotelgästen habe dafür den Ausschlag gegeben, erklärte der Betreiber. Die Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB) unterstützt die Hotelentscheidung: „Es ist nicht das erste seiner Art. Außerdem ist ein klares Profil sehr hilfreich für den Gast“, so das TMB. Dasselbe Hotel hatte 2012 den NPD-Vorsitzenden Udo Voigt vor die Tür gesetzt, weil seine bloße Anwesenheit angeblich die Erholung anderer Gäste beeinträchtige. Im Urlaub darf nichts stören. Kein Streik, kein Lärm – und bitte auch keine Extremisten am Nebentisch. Damals war die NPD der Erholungsstörer, nun sind es Kinder. H.L.


S. 6 Ausland

Die Bodenoffensive hat begonnen
Saudi-Arabien ist mit mehr als 100 Panzern und einem starken Truppenkontingent in den Jemen eingefallen

Strategisch vorbereitet wurde der Feldzug schon vor Wochen, nun ist der Befehl zum Angriff erteilt worden. Saudi-Arabien hat mehr als 100 Kampfpanzer und ein starkes Truppenkontingent in den Jemen entsandt. Die Monate andauernden Angriffe der saudischen Luftwaffe gegen die schiitischen Huthi haben nicht den erhofften Erfolg gebracht. Jetzt soll es die Bodenoffensive richten.

Unversöhnlich stehen die Regierungstruppen, die von den USA und den Saudis unterstützt werden, den schiitischen Huthi, Anhängern des gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Salih, gegenüber. Diese werden von den Iranern unterstützt. Was als eskalierender Streit um die Regierungsmacht in Sanaa begonnen hatte, wurde dadurch zum internationalen Konflikt, dass sich die USA mit Drohnen-Angriffen einmischten, dem System des Tötens durch Mausklick. Die bald darauf eingerichtete Seeblockade, welche die Huthis buchstäblich aushungern sollte, und zwar Kämpfer wie Zivilisten, bedeutete eine weitere Steigerung der Feinseligkeiten. Jetzt rollen also die Panzer.

Nicht überraschen kann, dass in den westlichen Mainstream-Medien von der neuen Phase des Krieges nichts zu sehen und zu hören ist. Doch im Internet kursieren reichlich Videos, sodass der Angriff gerichtsfest dokumentiert werden kann. Nach Augenzeugenberichten sollen allein in zwei Tagen an die 100 saudische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge den saudisch-jemenitischen Grenzposten Wadia im Norden des Landes überquert haben. Dafür gibt sogar das jemenitische Militär gegen­über der Nachrichtenagentur AFP Zeugenschaft ab: „Dutzende Panzer, bewaffnete Fahrzeuge, Militärtransporter und hunderte von Saudi-Arabien ausgebildete jemenitische Soldaten kamen über Nacht in den Jemen.“

Eine andere Militärquelle führte an, dass es sich um Lieferungen für den „Volkswiderstand und die National-Armee“ handle, Truppen, die ankamen, seien zunächst zu Anfang des Jahres geflohen, nur um jetzt zurückzukehren und für den im saudischen Exil lebenden Präsidenten Abed Rabbo Mansour Hadi zu kämpfen. Noch vor dem Panzer-Überfall sollen rund 2800 Soldaten hauptsächlich aus den Emiraten in den Jemen einmarschiert sein, um die Regierungs-Kräfte zu unterstützen. Dazu kommen saudische Spezialeinheiten, Geheimdienstler und logistisches Personal.

Für Riad entwickelt sich der Jemen-Krieg mehr und mehr zu einem finanziellen Problem. Für den größten Erdölexporteur der Welt bedeutet der niedrige Preis für Petroleum erhebliche Einbußen. Vor diesem Hintergrund sollen neue Staatsanleihen in einer Höhe von 27 Milliarden US-Dollar aufgelegt werden.

Die USA, die hinter dem Jemen-Krieg ebenso stecken wie hinter dem niedrigen Ölpreis, bestätigten unterdessen ein 5,4 Milliarden US-Dollar schweres Rüstungsabkommen mit Saudi-Arabien. In dessen Rahmen kaufen die Saudis in den USA 600 „Patriot“-Flugabwehr-Raketen, welche die USA gerne entbehren, weil sie längst nicht mehr dem modernen Standard entsprechen. Außerdem scheint den Saudis im Jemen-Krieg die Munition knapp zu werden, weshalb auch davon eine entsprechende Menge auf der US-Einkaufsliste steht. So ist auch schon klar, wie die 27-Milliarden-Dollar-Staatsanleihe verwendet werden wird.

Erst im Juni dieses Jahres hatte Riad eine Kommunalanleihe von vier Milliarden Dollar platziert. Diese Häufung ist ungewöhnlich, das letzte Placement einer Anleihe davor geschah im Jahr 2007. Seither scheint sich die Wirklichkeit auch in den gold-plattierten Palästen der Wahabiten bemerkbar zu machen. Florian Stumfall


Aufmischung der Lager
Europas Protestbewegungen sind auffallend undoktrinär

Umfragen lassen darauf schließen, dass in Großbritannien eine politische Sensation bevorsteht. Bei der kürzlich angelaufenen Abstimmung, wer Parteichef der Labour-Party werden soll, liegt der Linksaußen Jeremy Corbyn klar vor seinen drei Mitbewerbern. Im Programm hat Corbyn Forderungen, die im Vereinigten Königreich lange nicht mehr von einem Labour-Politiker in einem Spitzenamt zu hören waren. Neben der Verstaatlichung der Bahn und der Energieversorger soll es nach Ansicht des Sozialisten möglicherweise auch wieder staatliche Banken geben. Dazu soll nach Ansicht Corbyns eine öffentliche Investitionsbank die Konjunktur in Großbritannien ankurbeln. Der Staat soll im Wohnungsbau aktiv werden und sogar die Mieten regulieren. Die vorgebrachten Positionen sind weit von dem entfernt, wohin sich Labour unter Tony Blair und Gordon Brown entwickelt hat.

Da neben Parteimitgliedern auch registrierte Unterstützer mitbestimmen dürfen, wer den Vorsitz bei Labour übernimmt, treibt Corbyns Gegner in der Partei inzwischen eine erstaunliche Sorge um: Unter den auffällig vielen neu registrierten Wahlberechtigten könnten sich insgeheim Anhänger der Konservativen befinden. Das dabei unterstellte Kalkül lautet wie folgt: Der Aufstieg Corbyns sorgt dafür, dass Labour bei der breiten Masse der Briten auf Jahre unwählbar wird.

Ob es beim politischen Gegner tatsächlich solche Hintergedanken gibt oder nicht – der Linksaußen Corbyn trifft oftmals genau den Ton, den viele Genossen hören wollen, die von Blairs „New Labour“ enttäuscht wurden. Unverkennbar ist ebenso, dass es vor allem in den südeuropäischen Krisenländern einen generellen Trend zum Linkspopulismus gibt.

Wohl am bekanntesten ist das in Griechenland amtierende Linksbündnis Syriza, in Spanien werden der Partei „Podemos“ gute Chancen bei den Parlamentswahlen im Herbst zugeschrieben. Im Vergleich zu diesen Bewegungen muss der Labour-Politiker Corbyn, der für eine Rückkehr zur sozialistischen Doktrin steht, fast als politischer Dinosaurier gelten. Sowohl Syriza als auch Podemos haben erkannt, dass ein starres Festhalten an den Parolen vergangener Jahrzehnte keine Zukunft hat. Die Folge ist das Aufgeben linker Tabus und ein Aufweichen der klassischen Lager-Grenzen. Gerade von hiesigen Linken gern mit Schweigen übergangen, koaliert die Syriza-Bewegung in Griechenland mit der dezidiert rechten Partei „Anel“. An der Spitze der spanischen Podemos-Partei steht mit Pablo Iglesias ein bekennender Marxist, der immer wieder betont, dass sich seine Partei nicht innerhalb des bisherigen Rechts-links-Schemas verorten ließe. So spielt für Podemos der Patriotismus durchaus eine wichtige Rolle. Ob dies in Zeiten der Massenzuwanderung nach Europa und der Islamisierung insgesamt reicht, um bei breiten Wählerschichten zu punkten, darf bezweifelt werden.

Als langfristig erfolgreicher könnte sich eine andere Entwick­lung erweisen: Auch bei Parteien, die gemeinhin als „rechtspopulistisch“ eingestuft werden, hat es nämlich eine ideologische Öffnungsbewegung gegeben. So hat in Frankreich der Front National recht erfolgreich den Versuch gewagt, auch für die bislang gewerkschaftlich gebundene Arbeiterschaft wählbar zu werden. Auch die Freiheitliche Partei Österreichs und die Dänische Volkspartei betonen ganz bewusst ihre sozialpolitischen Kompetenzen.

Norman Hanert


Lässt Moskau Assad fallen?
USA, Türkei und Saudis mischen neben Russland in Syrien mit

Es war ein seltener Moment der Einigkeit in New York: Weder Russland noch China legten ein Veto gegen den harschen Text der neuen UN-Resolution ein, mit dem die Fassbombenangriffe des Regimes von Präsident Baschar al-Assad auf die Zivilbevölkerung in einer von Rebellen besetzten Stadt bei Damaskus verurteilt wird, bei denen 100 Zivilisten starben und Hunderte verletzt wurden.

Zwar hat der Assad-Verbündeter Russland über 20 Tonnen Hilfsgüter nach Syrien geschickt, doch sollen sich die Anzeichen dafür mehren, dass der Kreml von Assad abrücke. Noch versuchen Moskaus Diplomaten, die Assad-Gegner Türkei und Saudi-Arabien davon zu überzeugen, dass der Kampf gegen den IS wichtiger sei als der Sturz Assads, aber Russland fürchtet auch die Heerscharen von IS-Dschihadisten aus Zentralasien und dem Kaukasus, die eines Tages aus Syrien und dem Irak in ihre Heimat zurückkehren könnten. Eine Delegation der syrischen Opposition verkündete nach ihrem Besuch in Moskau, der Kreml sei bereit, Assad für eine Friedenslösung fallen zu lassen. Außenminister Sergej Law-row dementierte verärgert, aber amerikanische und türkische Diplomaten kolportieren diese Meldung weiter. Assads Regime steht auf wackligen Füßen, eine Situation, die den Gegnern in die Hände spielt. Die syrische Armee ist inzwischen in die Defensive geraten, weil ihr die Rekruten ausgehen. Von Norden greift die islamistische „Eroberungsarmee“ an, deren militärisches Rückgrat Al-Kaida ist. Von Osten rückt der IS vor, im Süden wirken gemäßigte Rebellenverbände an der Grenze zu Jordanien.

Die Syrienfrage belastet derweil die Beziehungen zwischen Russland und Saudi-Arabien. Der zweite Russlandbesuch eines saudischen Regierungsvertreters sollte ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Ländern sein, aber am künftigen Schicksal Assads scheiden sich die Geister. Der saudische Außenminister signalisierte, dass er für Assad keinen Platz in der Zukunft Syriens sehe, weil Riad in Assad den Verantwortlichen für den Vormarsch des IS vermutet. Moskau hingegen ist überzeugt, dass nur Assad den IS-Vormarsch stoppen könne.

Während Lawrow betonte, Russland und Saudi-Arabien stimmten in vielen Fragen überein, droht die Syrien-Frage die erst jüngst angekündigten gemeinsamen Projekte zum Scheitern zu bringen. Riad will zehn Milliarden Dollar in diverse russische Branchen wie Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Einzelhandel, Verkehr und Immobilien investieren. Auch im Bereich der friedlichen Nutzung der Atomenergie wollten Russland und Saudi-Arabien zusammenarbeiten. Bislang verlief die Entwicklung der Beziehungen im militärtechnischen Bereich seit 2008 schleppend. Trotz Verhandlungen kauften die Saudis Militärerzeugnisse bei den US-Amerikanern, die nun verstärkt auf die Türkei als Partner im Kampf gegen den IS setzen.

Manuela Rosenthal-Kappi


MELDUNGEN

IS wettert gegen Erdogan

Ankara – In einer Videobotschaft, die über das Internet verbreitet wurde, fordern drei Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) die Türken dazu auf, sich gegen Präsident Erdogan zu erheben, weil dieser den Islam verraten habe. Der „Teufel Erdogan“ habe die Türkei an die Kurdenorganisation PKK und an die Vereinigten Staaten von Amerika verkauft, heißt es in dem siebenminütigen Film. In türkischer Sprache spricht einer der Dschihadisten von der Eroberung Istanbuls und fordert die Türken auf, um ihres eigenen Seelenheils willen dem IS-Kalifat zu helfen. Hintergrund der Drohung ist, dass die Türkei verstärkt mit den USA im Kampf gegen den IS zusammenarbeitet und vor wenigen Wochen die Nutzung türkischer Luftwaffenstützpunkte für Angriffe auf den IS erlaubt hat. Seit dem 24. Juli unternimmt das türkische Militär auch selbst Luftangriffe auf die von den Extremisten des IS kontrollierten Gebiete in Syrien. MRK

 

Unterstützung für IS-Öl-Export

Ceyhan – Recherchen des Investigativ-Journalisten Nafeez Ahmed lassen darauf schließen, dass die Regierung der Autonomen Region Kurdistan (ARK) im Norden des Irak und der türkische Militärgeheimdienst den verdeck­ten Ölschmuggel des Islamischen Staates (IS) unterstützt haben. Dem Bericht zufolge hat der ehemalige Chef-Stratege des Unternehmens Shell den türkische Tankerhafen Ceyhan als Endpunkt der Schmuggel-Routen für die Ölverkäufe des Islamischen Staates identifiziert. Nach Darstellung Ahmeds ist der Ölschmuggel sowohl von der türkischen Regierung als auch von US-Geheimdiensten bislang stillschweigend geduldet worden. N.H.


S. 7 Wirtschaft

Chinesen greifen nach Namibia
Im ehemaligen Deutsch-Südwest sollen schon rund 40000 Menschen aus dem Reich der Mitte leben

Während in Namibia, dem ehemaligen Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika, die weißen Farmer sukzessive enteignet und verdrängt werden, strömen immer mehr Chinesen ins Land. Deren Zahl soll mittlerweile bei 40000 liegen, während noch 22000 Deutschstämmige in Namibia leben.

Das chinesische Interesse an Namibia resultiert zum ersten aus dem ungeheuren Ressourcenreichtum des Wüstenstaates. Hier finden sich beispielsweise Diamanten, Gold, Kupfer, Blei, Zinn und vor allem auch Uran, das für die Entwicklung der Atomindustrie im Reich der Mitte unabdingbar ist. Deshalb hat die Guangdong Nuclear Power Company bereits eine Milliarde US-Dollar in die Husab-Uranmine investiert, die dann ab 2016 zu den weltweit größten ihrer Art gehören und 15 Millionen Tonnen Uranerz pro Jahr liefern soll.

Zum zweiten dient Namibia als Absatzmarkt für chinesische Produkte. Besonders gern greifen die Konsumenten nach den günstigen elektronischen Geräten aus China, deren Marktanteil inzwischen bei rund 90 Prozent liegt. Deshalb stieg das Handelsvolumen zwischen Namibia und der Volksrepublik von 120000 US-Dollar im Jahre 1992 auf zuletzt über 500 Millionen Dollar. Zugleich mehren sich allerdings in letzter Zeit Klagen über die schlechte Qualität der chinesischen Waren sowie die massenhafte Verbreitung von gefälschten Markenartikeln.

Und zum dritten ist Namibia mit seiner noch wenig entwickelten Infrastruktur ein hoch lukratives Betätigungsfeld für die chinesische Bauindustrie. Diese muss hier freilich in permanenter Konkurrenz zu dem nordkoreanischen Staatskonzern Mansudae Overseas Projects agieren, der unter anderem den neuen protzigen Präsidentenpalast in Namibias Hauptstadt Windhuk errichtet hat. Auf jeden Fall aber gehen zwei Drittel aller öffentlichen Bauaufträge an die Chinesen und Nordkoreaner – mit ruinösen Folgen für die einheimische Wirtschaft.

Grund für diese einseitige und im Übrigen komplett illegale Vergabepolitik sind die diversen Wohltaten, die Peking den Vertretern der namibischen Führung zu erweisen pflegt. So erhielten die Kinder der früheren Präsidenten Samuel Nujoma und Hifikepunye Pohamba Stipendien der chinesischen Regierung für ein Studium im Ausland.

Korruption ist ebenso dafür verantwortlich, dass die Staatsorgane schamhaft beiseite sehen, wenn chinesische Arbeitgeber in Namibia die ohnehin schon nicht sonderlich hohen sozialen Standards verletzen. Das bringt jetzt sogar den Gewerkschaftsdachverband National Union of Namibian Workers auf die Palme, der sonst eigentlich voll hinter der seit 25 Jahren an der Macht befindlichen Swapo-Regierung steht: Die Behandlung der schwarzen Beschäftigten sei schlicht und einfach inakzeptabel. Vor diesem Hintergrund können sich die meisten Namibier dann auch kaum daran erfreuen, dass chinesische Firmen bereits 4000 Arbeitsplätze in dem dünn besiedelten Land schufen, das gerade einmal 2,2 Millionen Einwohner hat.

Ein weiterer Reizpunkt ist die Vergabe von Land an chinesische Investoren. Während die Behörden unerbittlich gegen junge Aktivisten vorgehen, welche die Bereitstellung von Flächen für den Hausbau sowie die Produktion von Nahrungsmitteln fordern, erteilte der Gouverneur der nordostnamibischen Provinz Sambesi (die bis 2013 noch Caprivi hieß) einem chinesischen Konsortium die Genehmigung, auf 10000 Hektar des wertvollen und seltenen Ackerbodens Tabak für den Export nach China anzubauen.

Ebenso registriert man in Namibia mit wachsender Empörung, dass die Chinesen auch keinen Respekt vor der heimischen Tierwelt zeigen. Deren besonderes Interesse gilt den Nashörnern, aus deren Kopfschmuck in Fernost Potenzmittel hergestellt werden. Beweis hierfür sind die wiederholten Festnahmen chinesischer Wilderer auf dem Flughafen von Windhuk, wo sie dreist mit Koffern voller Horn ausreisen wollten.

Und dann wäre da noch der forcierte Ausbau des Großhafens von Walfischbucht durch chinesische Firmen. Angeblich soll er den Handel zwischen Namibia und der Volksrepublik erleichtern, aber ganz offensichtlich dient er auch dem Zweck, der chinesischen Kriegsmarine einen Überseestützpunkt zu verschaffen, dessen strategische Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Immerhin lassen sich von hier aus sämtliche Schifffahrtsrouten im Südatlantik kontrollieren.

Aufgrund all dieser Gegebenheiten befürchten inzwischen viele Namibier, dass ihr Land über kurz oder lang zu einer chinesischen Kolonie mutiert. Deshalb machen sich jetzt allerlei Ressentiments gegen „die Gelben“ breit, die zeigen, wie absurd die Theorie vom Rassismus ist, der nur von Weißen ausgehen könne. Dabei leisten einige Chinesen ihren ganz persönlichen Beitrag zur Verstärkung der Vorurteile gegenüber Asiaten – beispielsweise durch das ungenierte Schlachten und Verzehren von Hunden vor den Augen der entsetzten namibischen Nachbarn.

Wolfgang Kaufmann


Der ESM soll es richten
Das IW schlägt eine Übertragung der griechischen Schulden vor

In einer Studie hat das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vorgeschlagen, die Staatsschulden Griechenlands in Höhe von rund 300 Milliarden Euro weitgehend auf den Euro-Rettungsschirm ESM zu übertragen. Zusätzlich sollen die Rück­zahlung der Schulden um 20 Jahre verschoben und auch die Zinsen weiter gestundet werden. Zusammen mit einer Sanierung des Staatshaushaltes und Reformen könnte nach Ansicht des Instituts die Schuldenquote von 200 Prozent auf rund 100 Prozent im Jahr 2040 gesenkt werden.

Als Ziel des vorgeschlagenen Weges nennt das IW, die griechischen Staatsschulden von 300 Milliarden Euro für das Land langfristig tragfähig zu gestalten. Eingeräumt wird allerdings, dass das vorgeschlagene Szenario Griechenland erst ab dem Jahr 2040 wieder kapitalmarktfähig machen würde.

Argumentiert wird, dass eine Übernahme griechischer Schulden durch den Euro-Rettungsfonds ESM die Möglichkeit eröffne, die Kreditbedingungen für Griechenland flexibler zu gestalten. So könnte der ESM für länger laufenden Staatsanleihen Griechenland Kredite geben, damit das Land diese vorzeitig zurück­kauft. Auch Darlehen, die ein anderer Staat Griechenland gewährt habe, könnten auf den ESM überführt werden, um so leichter Zinsen, Laufzeiten und tilgungsfreie Zeiten gestalten zu können. Einhergehen soll die Schuldenübertragung nach Ansicht des IW mit einer strikten Überwachung von Reformen in Griechenland.

Nach den bisherigen Erfahrungen ist dieses Vorhaben skeptisch zu sehen. Zu befürchten ist, dass Reformvereinbarungen erneut nicht eingehalten werden, während die Staatsschulden Griechenlands beim Euro-Rettungsfonds abgeladen werden. Auch sonst wirft der Vorschlag Fragen auf. Faktisch hat Griechenland nämlich bereits äußerst vorteilhafte Bedingungen hinsichtlich seiner Staatsschulden erhalten. Zu Recht kommentiert etwa der Wirtschaftsjournalist Roland Tichy, es sei „an den Haaren herbeigezogen, wenn jetzt so getan wird, als würden die Schulden Griechenland erdrücken“. So ist mit den Kreditgebern der „Troika“ (EU, EZB, IWF) im Zuge der Rettungspakete ausgehandelt worden, dass Athen nur 2,2 Prozent Zinsen zahlen muss. Zudem ist bis zum Jahr 2020 eine tilgungsfreie Übergangsfrist vereinbart. Vor diesem Hintergrund wirkt erstaunlich, dass nun Gedankenspiele auftauchen, solche Bedingungen noch bis zum Jahr 2040 zu verlängern.

Eine treibende Kraft dürfte dabei der Internationale Währungsfonds (IWF) mit seiner französischen geschäftsführenden Direktorin Christine Lagarde darstellen, der auf einem Schuldenschnitt für Griechenland besteht. Faktisch kommt die angedachte Streckung der griechischen Verbindlichkeiten auf Jahrzehnte nämlich einem Schuldenschnitt gleich, der nicht zuletzt aus Rücksicht auf die deutschen Steuerzahler nicht als solcher offen benannt wird.

Norman Hanert


Sturmwarnung
Globale Wirtschaftskrise noch für dieses Jahr vorausgesagt

Als der Finanzanalyst Martin Armstrong vor einigen Monaten den Beginn einer schweren weltweiten Wirtschaftskrise auf den 1. Oktober dieses Jahres datierte, sorgte dies für ein entsprechend großes Medienecho. Mittlerweile steht Armstrong mit seiner düsteren Prognose nicht mehr allein. Wohl am dramatischsten fällt die Warnung des Analysten Larry Edelson aus, der für den Oktober das Ende eines ökonomische Super-Kreislaufs und eine globale finanzielle Krise epischen Ausmaßes kommen sieht. „Diese wird Europa, Japan und die Vereinigten Staaten in die Knie zwingen und für die nächsten fünf Jahre rund eine Milliarde Menschen auf eine Achterbahnfahrt durch die Hölle schicken. Ein Höllenritt, wie ihn keine Generation zuvor je erlebt hat“, so Edelson.

Ebenfalls unter Berufung auf einen wirtschaftlichen Zyklus, im Ton aber moderater, kommt die Warnung von Fred Goodwin von der Londoner State Street Bank daher. Goodwin zufolge tritt alle sieben Jahre ein Schlüsselereignis ein, das Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hat. Zur Untermauerung der These angeführt werden der Börsenkrach von 1987, der Anleihen-Crash von 1994, das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001 sowie der Ausbruch der Subprime-Krise im Jahr 2008. Gemäß diesem zyklischen Modell hält es Goodwin für möglich, dass es noch in den verbleibenden Monaten des Jahres zum Ausbruch einer schweren Wirtschaftskrise kommt.

Tatsächlich herrscht an Warnindikatoren zur Untermauerung solch pessimistischer Prognosen derzeit kein Mangel. Fortgesetzt hat sich der Börsenkrach in China. Ausgelöst von Zahlungsschwierigkeiten bei einem chinesischen Fonds und einem großen chinesischen Makler, sind nun auch noch Ängste vor Pleiten im chinesischen Schattenbank-System laut geworden. Der drastische Fall der Frachtpreise für Schiffscontainer von China nach Europa um 60 Prozent innerhalb von drei Wochen wird inzwischen als Vorbote einer Krise der chinesischen Exportwirtschaft gedeutet. Zur Stützung der Wirtschaft hat Peking inzwischen auch eine Abwertung der chinesischen Währung zugelassen. Der sinkende Wechselkurs mag zwar viele Verbraucher in den USA oder Europa erfreuen, angeschlagene Unternehmen etwa in Italien oder Frankreich drohen aber endgültig in die Bredouille zu geraten, wenn die chinesischen Konkurrenten noch preiswerter anbieten können. Deflationsgefahren gehen genauso von den auf breiter Front gesunkenen Rohstoffpreisen aus. Als drohende Folge der anhaltend niedrigen Ölpreise wird zum Beispiel eine Insolvenz­welle unter den Ölschieferförderern in den USA immer wahrscheinlicher.

Auch Schwellenländer wie Brasilien und Russland werden für Investoren offenbar immer unattraktiver. Wie die „Financial Times“ berichtet, sind in den 13 Monaten von Ende Juni 2014 bis Ende Juli 2015 rund 940 Milliarden Dollar aus den größten 19 Schwellenländern abgeflossen. Der Kapitalabzug ist damit sogar umfangreicher als während der globalen Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009. Auch die Börsen in zahlreichen Schwellenländern befinden sich mittlerweile in einer Baisse. Insgesamt zählen Finanzanalysten nun schon 23 Länder, in denen die Börsenkurse im Sinkflug sind – mit dabei wichtige Volkswirtschaften wie China, Brasilien und Indonesien. N.H.


MELDUNGEN

Polen auf Ungarns Spuren

Warschau – Nach dem Vorbild Ungarns hat der polnische Sejm einem Gesetzentwurf zur Konvertierung von Franken-Krediten zugestimmt. Demnach soll Kreditnehmern ermöglicht werden, ihre Kredite in Schweizer Franken zu günstigen Konditionen in Zloty umzuwandeln. Stimmt auch der Senat dem Gesetzentwurf zu, dann drohen nach Berechnungen der Nationalbank den betroffenen Banken Belastungen von 21 Milliarden Zloty (5,4 Milliarden Schweizer Franken, fünf Milliarden Euro). Rund 60 Prozent des polnischen Bankensystems sind in ausländischer Hand, und die Verluste würden großteils Kreditinstitute wie die österreichische Raiffeisen Bank International treffen. N.H.

 

Die Deutschen werden ärmer

Berlin – Die Deutschen verlieren massiv an Vermögen. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin schrumpfte das Realvermögen der deutschen Haushalte von 2003 bis 2013 im Schnitt um 15 Prozent oder 20000 Euro. Schuld daran seien unter anderem die niedrigen Zinsen und der Verfall der Immobilienpreise in ländlichen Regionen. H.H.


S. 8 Forum

Europas Schande
von Wolf Oschlies

Gevgelija, cvetna gradina“, singen die Mazedonen: Gevgelija, du Blumengarten. Derzeit ist die Grenzstadt zu Griechenland ein Chaos, verdreckt und vermüllt von zirka 8000 „Migranten“, die nach wochenlanger Odyssee durch Griechenland hierher kamen. Dahinter steckt System: Die Republik Mazedonien müsste seit 13 Jahren Mitglied der Europäischen Union, seit zehn der Nato sein, ist es aber nicht, weil Griechenland in Verletzung internationaler Abkommen Mazedonien blockiert und die EU und Nato in seinem Sinne erpresst.

Athens letztes „Foul“ sind die Zehntausende „Flüchtlinge“, die es nach Mazedonien schleust. Im besten Fall werden diese durch das Vardar-Tal nach Tabanovce an der Grenze zu Serbien gebracht, über Straßen und Gleise, die griechische Firmen mit EU-Geld in Mazedonien bauten. Am 22. und 23. August wurden 4000 „Migranten“ mit drei regulären und zwei Extra-Zügen und zahlreichen Taxen und Bussen nach Norden gebracht. Die Lage in Mazedonien hat sich etwas beruhigt, aber wird Serbien diese „Gäste“ aufnehmen? Gewiss nicht, denn diese Araber wären eine Verstärkung der albanischen Aufrührer, die jenseits der Grenze im Presevo-Tal für Unruhe sorgen. Anfang Mai haben sie im nordmazedonischen Kumanovo in der Siedlung „Diva Naselba“ eine Schießerei veranstaltet, die allgemein den Mazedonen angelastet wurde, obwohl in dieser Region keine Mazedonen leben.

Jetzt soll Mazedonien laut Amnesty International „Flüchtlingslager“ einrichten. Das erinnert an den Mai 1999, als 400000 Kosovaren vor Nato-Bomben flohen, von der internationalen Gemeinschaft nach Mazedonien gepresst und dort in Blace und anderen Lagern untergebracht wurden. Dafür bekam Mazedonien keinen Pfennig Entschädigung, fand vielmehr nach dem Abzug der Kosovaren zahlreiche „vergessene“ Greise und Kranke in den Zelten von Blace. Derweil überhäuften die Kosovaren die internationale Presse mit Klagen, wie „brutal“ die Mazedonen mit ihnen umgegangen seien.

Dieselben Lügen verbreiten derzeit die „Flüchtlinge“, die Mazedonien „stürmen“, was sie nur können, weil diese einstige „Oase des Friedens“ im jugoslawischen Bürgerkrieg von Westeuropa erneut im Stich gelassen wird, sehr zur Freude griechischer Chauvinisten.


Egon Bahrs Wechselfälle
von Hans Heckel

Mit Egon Bahr ist einer der wichtigsten Gestalter der bundesdeutschen Politik, der Ostpolitik zumal, seit den 1960er Jahren gestorben. Die Nachrufe sind durchweg positiv. Vor allem als „Architekt der neuen Ostpolitik“ Willy Brandts wird der Verstorbene geehrt.

Vielen Opfern der Vertreibung stockt angesichts dessen noch heute der Atem. Ihr Schicksal, ihre Rechte wurden seinerzeit mit einem Mal vom Tisch gewischt. Sie standen plötzlich ohne die Rückendeckung ihrer Regierung da, ein international einmaliger Vorgang. Keine andere Regierung der Welt hätte es sich herausgenommen, einen der am schwersten von einer nationalen Ka­tastrophe getroffenen Teil des eigenen Volkes derart an den Rand zu drängen. Mit diesem Schritt begann eine beschämende Dauerkampagne gegen die deutschen Heimatvertriebenen, auf deren Höhepunkt sogar das stalinistische Schmähwort von den „Revanchisten“ Eingang fand ins Vokabular westdeutscher Politiker und Medienmacher.

Nach dem Vollzug der Vereinigung von Bundesrepublik und DDR wollte Bahr seine „neue Ostpolitik“ verstanden wissen als Strategie auf dem Weg zur Einheit Restdeutschlands. Was 1989/90 geschehen sei, das sei von Anfang an sein Ziel gewesen, und er habe Erfolg gehabt.

Das mag man ihm glauben oder nicht. In jedem Falle ist diese Art der Rückschau auf das eigene Tun zur Brücke geworden für all jene, welche die deutsche Einheit seit spätestens 1970 verbissen bekämpft haben und nun ab 1990 eine Notlüge benötigten für ihr mittlerweile ebenso peinliches wie historisch widerlegtes Treiben. Sie können, mit Berufung auf Bahr, behaupten, dass alles ganz anders gemeint gewesen sei. Ja, dass sie in Wahrheit den Weg bereitet hätten für die Einheit.

Noch 1988 polterte Bahr aber in scharfen Worten, die deutsche Frage störe Europa, das Gerede von der Wiedervereinigung sei „objektiv und subjektiv Lüge, Heuchelei, politische Umweltverschmutzung“. Im Interview mit der „Jungen Freiheit“ 15 Jahre später erklärte er diesen Ausfall mit seinem Ärger über „Sonntagsredner“, die zwar immer von der Einheit geredet, sie aber gar nicht mehr gewollt hätten.

Diese „Sonntagsredner“ hat es gewiss gegeben. Doch auch sie wurden von den Deutschen selbst überwunden. Weder diese Redner noch Egon Bahr waren es schließlich, welche die Einheit erzwangen. Es waren die Deutschen in der DDR, die Hunderttausenden Übersiedler und die tapferen Demonstranten, die das Rad der Geschichte in Schwung brachten. So bleibt zum Tode des bedeutenden Sozialdemokraten die ermutigende Botschaft, dass ein Volk, das es ernst meint, am Ende durch keinen Winkelzug ausmanövriert werden kann.


Frei gedacht
Was heißt hier Verschwörung?
von Eva Herman

Es formiert sich mehr und mehr zur Tatsache: Die kranken Strukturen unserer Zeit brechen zusammen, das System zerlegt sich selbst. Zwar kann erst das Neue und Gesunde erstehen, wenn alles Falsche endlich brachliegt. Aber allzu lange wird es nicht mehr dauern, nur noch eine verhältnismäßig kurze Zeit müssen wir durchhalten, der helle Streif am Himmel zeigt sich schon. Nehmen wir die Massenmedien, zu denen öffentlich-rechtliche Anstalten ebenso gehören wie kommerzielle Sender, auch große Tageszeitungen wie angeblich seriöse Wochenzeitschriften: Was immer im Supermarkt der Informationen angeboten wird, es unterliegt mehr und mehr der kritischen Kontrolle aufmerksamer Nutzer, Leser, Zuschauer. Sie sind nicht mehr bereit, die zahlreichen Lügen der Journalisten noch hinzunehmen.

Als man im Internet noch eigene Kommentare abgeben durfte, da war es schon nicht schwer, diese massiven Veränderungen der Verbraucherreaktionen zu messen. Doch auch wenn die meisten Medien inzwischen (aus Angst vor unliebsamen Überraschungen) keine Kommentarfunktion mehr zulassen, so ändert dies doch keinen Deut daran, dass ihre Tage von Herrschaft und Monopol gezählt sind. Sinkende Auflagen, abstürzende Einschaltquoten, wachsende Shitstorms gegen Top-Moderatoren, ebenso scharfe Angriffe auf sogenannte Edelfedern oder auf die bekannten, politisch korrekten Ukraine-Russland-Berichtverfälscher sind nur einige Seismographen-Ausschläge für den fortschreitenden Wandel unserer Zeit.

Oder sehen wir uns den fehlenden Sinn unserer „Idealwährung“, des Euro, genauer an: Die Deutschen sind ausgewiesene Euroskeptiker, weit mehr als die Hälfte vertrauen der Währung nicht, trotz jahrelanger Gehirnverschmutzung durch Medien und Politiker. Da das ganze Griechenlandtheater, ebenso die angebliche Staatsschuldenkrise, die in Wahrheit eine ausgemachte Bankenkrise ist, die vielen „Rettungsschirme“, das verquaste Gender-Wirrwarr mit krudesten Studien zur „Geschlechtergleichheit“ und weiß der Himmel, was noch alles, täglich deutlicheres Zeugnis absoluten Unvermögens unserer Geldverwalter darstellen, wenden sich zunehmend mehr Menschen kopfschüttelnd ab. Zwar schweigen die meisten noch, doch es brodelt.

Noch schlimmer steht es um die Akzeptanz unserer Politiker: Jedes Jahr sinkt sie weiter in den Keller, was nicht nur die drastisch schrumpfende Wahlbereitschaft der Deutschen zeigt, sondern wachsender Widerspruch auf allen Ebenen. Dabei ist gerade die Glaubwürdigkeit für jeden Berufspolitiker doch sein wichtigstes Mess-instrument für Erfolg, da diese, zu Recht, in engen Zusammenhang mit seiner eigenen Ehrlichkeit gestellt wird. Den letzten Stoß geben sich Medienvertreter und Politiker jedoch jetzt! In den nun immer bewegteren Zeiten von Flüchtlingsströmen, Platznot und Geldmangel erscheinen sie nur noch widersinnig in ihrer Haltung. Nahezu alles, was sie in diesem Zusammenhang sagen, lässt aufhorchen, lässt viele Bürger stutzen. Denn es entspringt keinem gesunden Menschenverstand mehr, was entschieden wird, weil es Sorge, Elend und Angst schürt. Die als Lösungen verkauften Bandagen, die sich drückend auswirken müssen sowohl auf Einheimische als auch auf die sogenannten Flüchtlinge, werden dabei täglich noch fester gezogen. Ungläubig stehen die Menschen jetzt vor dem wachsenden Schutthaufen, der ihre einstigen Lebensstrukturen gewesen, der nun jedoch gänzlich unbrauchbar für die Zukunft ist. Verzweifelt fragt sich so mancher Zeitgenosse, ob „die da oben“ nicht richtig hören und sehen können, oder ob sie es nicht wollen? Oder dürfen? Die Glaubwürdigkeit dieser einst gewürdigten Leute versiegt vollends, denn sie entscheiden sich offen für die Zerstörung unserer abendländischen Welt. Verzweifelt will man ihnen entgegenrufen, dass sie endlich alles dafür tun mögen, die (von uns) zerstörten Flüchtlingsländer zu befestigen, doch es entspricht offenbar nicht dem Plan.

Damit niemand merken möge, wie falsch die umgedrehte Welt geworden ist, lassen die jetzt schon sinkenden, politischen und medialen „Verantwortungsträger“ Studie um Studie erstellen, um dem Volke klarzumachen, was es gut zu finden hat und was auf keinen Fall. So erfährt der erstaunte Bürger, dass seine ureigene Empfindung, die Heimat retten zu wollen, rechtsextrem sei – nun ist es auch amtlich belegt. Eine andere Posse: Die neue Arbeit der Otto-Brenner-Stiftung über sogenannte Verschwörungstheoretiker. Die zur IG Metall gehörende Einrichtung hat diese Untersuchung mit dem schlagkräftigen Namen „Querfront“ betitelt. Zu den angeklagten Verschwörungstheoretikern gehören demnach unter anderem neben Montagsmahnwachen-Chef Lars Mährholz, Ex-RBB-Moderator Ken Jebsen, auch „Compact“-Chef Jürgen Elsässer, der Wissensmanufaktur-Gründer Andreas Popp, sowie einige erfolgreiche Medienunternehmen wie der Kopp-Verlag oder die Preußische Allgemeine Zeitung. Man scheint sich, angesichts des wachsenden Erfolges der alternativen Bewegung, massiv zu sorgen um seine Pfründe, wenn es wörtlich heißt: „Die Akteure handeln für sich, sind jedoch auch als ein publizistisch-politisches Netzwerk anzusehen.“

Jenen „Verschwörungstheoretikern“ wirft man vor, sich im Kern mit „grundsätzlichen Fragen der nationalen Identität, Homogenität und Eigenständigkeit Deutschlands und Europas“ zu beschäftigen. Dies scheint offenbar verwerflich zu sein. Den Mainstream-Meinungsmachern gefallen vor allem folgende Ziele der „Verschwörungsarbeiter“ nicht: Die Ablehnung von Euro und EU-Bürokratie, die Sorge um die Stabilität des Geldsystems, die Souveränität Deutschlands (vor allem gegenüber der US-Administration) sichern, Frieden mit Russland schaffen, den Nationalstaat stärken, sich auf das „christliche Abendland“ besinnen, die Familie stärken, sich für ein Europa der Vaterländer einsetzen und so weiter. Das zum „Handelsblatt“ gehörende Medienportal „Meedia“ fasst zusammen: „Was die in dem Otto-Brenner-Papier organisierten Personen und Organisationen eint, ist ein destruktiver Geist, der sich gegen liberales Gedankengut, eine freie Gesellschaft und die repräsentative Demokratie richtet.“

Wir wollen jetzt im Zusammenhang mit dem Otto-Brenner-Verschwörungsbericht und der aktuellen Flüchtlingsdebatte frühere Aussagen deutscher Top-Politiker mit unserer heutigen Führungskaste vergleichen. So warnte der ehemalige SPD-Kanzler Willy Brandt 1973: „In unserer Mitte arbeiten fast 2,5 Millionen Menschen anderer Nationen. Es ist aber notwendig geworden, dass wir sehr sorgsam überlegen, wo die Aufnahmefähigkeit unserer Gesellschaft erschöpft ist und wo soziale Vernunft und Verantwortung Halt gebieten!“ Oder Kanzler Helmut Schmidt mahnte: „Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag!“ Zwar sagte Kanzlerkandidatin Angela Merkel noch im November 2004: „Die multikulturelle Gesellschaft ist gescheitert.“ Doch vor nur wenigen Wochen klang in Berlin alles ganz anders, als Merkel wörtlich verkündete: „Es ist offenkundig, dass der Islam inzwischen unzweifelhaft zu Deutschland gehört.“ Jetzt mal ehrlich? Wer sind eigentlich die Verschwörer? Die Antwort wird schneller kommen, als diese es erwarten. Ich möchte dann nicht in ihrer Haut stecken.


S. 9 Kultur

Moderne Fabrikware
NordArt in Büdelsdorf − Zwischen Nord- und Ostsee findet eine der größten Kunstschauen Europas statt

Was für Kassel die Documenta, ist für Büdelsdorf die NordArt. In dem kleinen am Nord-Ostsee Kanal gelegenen Ort in Schleswig-Holstein findet seit 1999 alljährlich im Sommer auf einem stillgelegten Industriegelände eine be­achtliche Ausstellung internationaler moderner Kunst statt. Diesjähriger Länderschwerpunkt ist die Mongolei.

Ein Festmahl gibt es – jedoch am Tisch sitzen nur Schweine: Eine recht blasphemische Ähnlichkeit mit dem bekannten Bild, das Jesus mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl zeigt, ist vorhanden. Die zehn Meter breite Eisenskulptur des Chinesen Lv Shun ist ein Blickfang in der Ausstellung „NordArt 2015“ und empfängt den Besucher in der riesigen Halle der Carlshütte in Büdelsdorf, ohne ihn einzuengen. Immerhin gibt es für die Bilder und Skulpturen, Fotografien und Installationen der rund 250 eingeladenen Künstler aus aller Welt in der ehemaligen Eisengießerei eine Ausstellungsfläche von 22000 Quadratmetern, dazu kommt noch die teilweise Dauerausstellung im Freigelände mit 88000 Quadratmetern.

Der diesjährige Länderfokus liegt auf der Mongolei, für die ein eigener Pavillon mit rund 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche für mongolische bildende Kunst bereitgestellt wurde. Die wechselvolle Geschichte und die kulturelle Tradition aus Naturverbundenheit und der bis heute erhaltenen Nomadenkultur der Mongolen, die von Dschingis Khan im 13. Jahrhundert geeint wurden und deren religiöse Wurzeln sowohl im Schamanismus als auch im Buddhismus liegen, spiegeln sich auch in den rund 100 Arbeiten von 34 Künstlern überwiegend der jüngeren Generation wider. Westliche und östliche Traditionen vereinen sich zu überraschend modernen Erzählungen, die als Weltkunst bezeichnet werden können.

Das Team der Kulturmanager Oyuntuya Oyunjargal und Elisabeth Friedrich, unterstützt von der Botschaft der Mongolei in der Bundesrepublik Deutschland und „Arts & Media Project Management & Consulting” aus Berlin, koordinierten den mongolischen Pavillon in enger Zusammenarbeit mit dem NordArt-Kurator Wolfgang Gramm.

So ist im Pavillon Otgo Otgonbayars Riesenbild „Mensch“, an dem er über zwei Jahre gearbeitet hat, zu sehen. Auf etwa zwei mal sieben Metern hat der 34-jährige Otgo tausende farbige Figuren mit Acryl auf die Leinwand ge­malt, Menschen und Tiere, alle miteinander verbunden. Mit expressionistischer Ausdruckskraft berührt den Betrachter die von Badral Boldyin aus Pferdehaaren und Lack gestaltete Porträt-Skulptur „Innovation“, die einen vor Leid oder Schmerz schreienden Menschenkopf zeigt. Malerei, Grafiken und Zeichnungen, Skulpturen und Video-Kunst zeugen vom Facettenreichtum der mongolischen Gegenwartskunst. Ko-Kuratorin Inga Aru sieht drei Themen besonders herausgear­beitet − die Auseinandersetzung mit traditioneller mongolischer Malkunst, Sozialkritik zu Armut und Identitätsbrüche durch die Moderne sowie das Ausprobieren moderner Stilrichtungen westlicher Kunst. „Dabei taucht das Eigenständige, das den Alltag des Nomadenvolkes geprägt hat, in der Symbolik immer wieder auf, so bei der Installation ‚Stürmische Hufe‘ von Sereeter Dagvadorj“, erklärt Aru.

Aber auch europäische Künstler zeigen beeindruckende Werke ihres Schaffens. Ein neunteiliges, aus Stahl geschweißtes Kunstwerk stammt von Ute Lehner und Hans Thurner aus Deutschland und besagt: „Die Erde ist keine vollkommene Kugel.“ Die Installation „Halfway to Heaven“ von Beate Schubert und Stefan Hulbe (Deutschland/Spanien) ist 7,5 Meter hoch. Und Stefan Birche­n­eder stellt Bilder von Sicherungskästen und Schaltpulten aus, alle in Öl gemalt.

Für die zum 17. Mal durchgeführte „NordArt“, die im „Kunstwerk Carlshütte“ in Büdelsdorf, einer ehemaligen Ei­sengießerei, bis zum 4. Oktober stattfindet, hatten sich 2950 Künstler aus 99 Ländern beworben. Das heutige Ausstellungsgelände diente ab dem 14. Jahrhundert dem Schloss Rendsburg als Versorgungsgut. Mit Gründung der Eisengießerei Carlshütte fand hier ab 1827 die erste Industrieansiedlung der Herzogtümer Schleswig und Holstein statt. Nach der endgültigen Stilllegung des Industriebetriebes 1997 wur­de das Gelände mit seinen gewaltigen Gießereihallen und den historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden durch Hans-Julius Ahlmann, den Ge­sellschafter der international tätigen ACO Gruppe, der Stiftung „Kunstwerk Carlshütte“ übertragen.

Manfred E. Fritsche

„NordArt 2015“ bis 4. Oktober im „Kunstwerk Carlshütte“ in der Vorwerksallee, 24782 Büdelsdorf, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr, Telefon (04331) 354695, Internet: www.nordart.de


Diese Beine, diese Zähne ...
Schwedischer Exportschlager mit deutscher Wurzel: Ingrid Bergman

Die Schweden haben mit Greta Garbo, Zarah Leander oder Anita Ekberg seit jeher die internationale Filmindustrie mit bekannten Schauspielerinnen beglückt. Nimmt man die Filmpreise als Maßstab, dann ist Ingrid Bergman (1915−1982) der erfolgreichste Exportschlager der Skandinavier. Dreimal gewann sie den Oscar, nur Katharine Hepburn erhielt ei­nen mehr.

In diesen Tagen werden wieder reihenweise Filme wie „Casablanca“, „Die Kaktusblüte“ oder „Herbstsonate“ mit Bergman im Fernsehen abgespult. Denn am 29. August vor 100 Jahren wurde sie in Stockholm geboren. Was viele nicht wissen: Sie hatte deutsche Wurzeln und sprach auch fließend Deutsch. Denn ihre Mutter Friedel Adler stammte aus einer großbürgerlichen Hamburger Familie. Einige Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs verliebte sie sich in den schwedischen Bohemien und Kunstmaler Justus Bergman. Die Familie Adler wehrte sich anfangs nach Kräften gegen eine Liaison mit diesem Lebenskünstler, gab aber den Widerstand auf, als er sich eine bürgerliche Existenz als Berufsfotograf aufbaute.

Doch die Mutter starb, als Ingrid kaum drei Jahre alt war. Erinnerungen an sie dürfte sie da­her kaum gehabt haben. Nur von ihrem Vater großgezogen, füllte sie viele Stunden der Einsamkeit mit kindlichen Rollenspielen aus. Ihre Verkleidungen und Maskeraden hielt der Vater mit der Kamera fest. Sie war daran gewöhnt. Eine Scheu vor der Kamera hatte sie nie. So wird ein Star geboren.

Die Idylle hielt nicht lange. Als sie zwölf Jahre alt war, starb auch der Vater. Der Onkel, der sie nun erzog, war von ihren Schauspiel­ambitionen wenig an­getan. Trotzdem ermöglichte er es ihr, die Königliche Schauspielschule von Stockholm zu besuchen. Von da an lief alles wie am Schnürchen. Nach ersten schwedischen Filmen und Heirat ihres ersten Mannes in Hamburg stand sie dank ihrer guten Deutschkenntnisse an der Seite von Hans Söhnker 1938 in Berlin im Ufa-Film „Die 4 Gesellen“. Dann folgte sie dem Ruf aus Hollywood. Als ihr Filmpartner Humphrey Bogart in der Schlussszene von „Casablanca“ den berühmten Satz zu ihr sagt, „Ich seh dir in die Augen, Kleines“, stand er auf einer Kiste. Die melodramatische Szene wäre zur Lachnummer geworden, wenn da­bei die 1,75 Meter große Bergman den kleinen Mann überragt hätte.

Als der große Curd Jürgens sie in Berlin sah, schwärmte er: „Ein blühendes junges Mädchen mit verführerisch-kehligem schwedischem Akzent, endlosen Beinen, klaren, graublau blitzenden Au­gen … Beim Lachen öffnete sich ihr großer, voller Mund und zeigte Zähne … Zähne.“ Harald Tews

Zum 100. Geburtstag hat die Bergman-Tochter und Schauspielerin Isabella Rossellini einen prächtigen Bildband über ihre Mutter herausgebracht. Die Sonderausgabe gibt Auskunft über ihre Filme, ihre Romanzen und ihr Privatleben: „Ingrid Bergman – Ein Leben in Bildern“, Schirmer/Mosel 2015, 528 Seiten mit 385 Abbildungen, 49,80 Euro.


Aufpolierter Wagner
Bayreuther Haus des Komponisten nach Sanierung wiedereröffnet

Fünf Jahre war das Richard Wagner Museum Bayreuth zwecks Sanierung geschlossen. Um dem Rang als weltweit führende Gedenk- und Forschungsstätte für den Komponisten gerecht zu werden, haben die Stadt Bayreuth und Zuschussgeber 20 Millionen Euro investiert.

In der Stadt seiner seit 1876 aufgeführten Festspiele ließ sich Wagner einen Wohnsitz erbauen, den er 1874 mit Gattin Cosima und den Kindern bezog. Den Namen des Hauses ließ er an der Fassade anbringen: „Hier wo mein Wähnen Frieden fand − Wahnfried − sei dieses Haus von mir benannt.“ Es wurde 1945 durch eine Bombe zu 60 Prozent zerstört. Später wurde es äußerlich getreu rekonstruiert. Nun weisen auch die Repräsentationsräume im Erdgeschoss wieder das alte Erscheinungsbild auf. Im Obergeschoss wird die mit wertvollen Archivalien und Objekten wie Wagners Sterbesofa neu gestaltete Dokumentation zu Leben und Schaffen des Musikdramatikers gezeigt. Im Untergeschoss werden Urschriften der Werke des Komponisten präsentiert. Sie demonstrieren am Beispiel von „Tristan und Isolde“ den Arbeitsprozess des Künstlers vom ersten Prosaentwurf bis zur Partitur. Wer nicht nur sehen, sondern auch hören will, kann mit Hilfe einer „Interaktiven Partitur“ für reale Klänge sorgen.

Museumsdirektor Sven Fried­rich macht aber auch kein Geheimnis um Wagners hoch problematische ideologische Schlagseite, die sich in antisemitischen Ausfällen äußerte. Das Museum widmet sich dieser Ideologiegeschichte nun in einer Dauerausstellung im östlich von „Wahnfried“ erbauten Siegfried-Wagner-Haus. Damit steht erstmals das gesamte Erdgeschoss des von Wagners Sohn Siegfried 1894 errichteten Gebäudes dem Publikum offen.

Das Speisezimmer ist noch so erhalten, wie es sich Siegfrieds Gattin Winifred um 1930 einrichten ließ. Sie war als Anhängerin Adolf Hitlers ebenso bekannt wie berüchtigt. Regelmäßig war der „Führer“ Besucher der Bayreuther Festspiele und logierte im Siegfried-Wagner-Haus. Der Do­kumentation der Ideologiegeschichte dienen auf den Fußboden montierte Monitore, auf denen Dokumente, Fotos und Filme gezeigt werden. Sie werden begleitet von gesprochenen Kommentaren.

Den pavillonartigen Neubau westlich von „Wahnfried“ hat der Berliner Architekt Volker Staab entworfen. In der Glasfassade spiegelt sich der Garten mit dem Grab Richard und Cosima Wagners. Die Dauerschau im Untergeschoss erzählt anhand von Kostümen wie dem Schuppenpanzer einer Walküre (1896), Bühnenbildmodellen wie der Liebesgrotte aus dem „Tannhäuser“ (1930) und bühnentechnischen Apparaturen die Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele.

An zwei Hörstationen mit Audiothek kann der Besucher historische und moderne Aufnahmen der großen Musikdramen Wag­ners aufrufen. Im Erdgeschoss läuft noch bis zum 31. Januar 2016 die sehenswerte Sonderausstellung „Wahnfried oder Aergersheim“. Sie berichtet von der wechselvollen Geschichte der Komponisten-Villa, die der Bauherr „Aergersheim“ nannte, als es während der Errichtung zu immer neuen Problemen kam. Veit-Mario Thiede

Richard Wagner Museum, Richard-Wagner-Straße 48, Bayreuth. Im August täglich 10 bis 18 Uhr, ab September Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 8 Euro. Telefon (0921) 757280, www.wagnermuseum.de


Stürmischer Sprachakrobat

Der Erste Weltkrieg fraß eine ganze Künstlergeneration. Bis August 1915 sind bereits gefallen: der Maler August Macke, die Lyriker Alfred Lichtenstein, Ernst Wilhelm Lotz, Ernst Stadler und Georg Trakl sowie der Heidedichter Hermann Löns. Vor 100 Jahren traf es am 1. September auch den expressionistischen Dichter und Dramatiker August Stramm. An der Ostfront bei Brest-Litowsk hätte er die Möglichkeit gehabt, sich aus umkämpften Stellungen zurück­zuziehen. Um seine Bataillonskameraden nicht im Stich zu lassen, stürzte sich der Hauptmann in sein allerletztes Gefecht.

„Grausig! Gewaltig! Groß!“, so beschrieb der vom Krieg ebenso faszinierte wie angeekelte Stramm seine Fronterlebnisse. Solche Stakkato-Aussprüche kennzeichnen auch seine ekstatische Dichtung, die für ihre Zeit so experimentell erschien, dass er lange Zeit keinen Verleger dafür fand.

Um finanziell über die Runden zu kommen, trat der 1874 in Münster geborene Stramm in die Fußstapfen seines Vaters und arbeitete nach einem Philosophiestudium in Halle als Postinspektor in Berlin. Dort kam er in Kontakt mit dem Verleger Herwarth Walden, der mit der Zeitschrift „Der Sturm“ die wichtigste Publikation des literarischen Expressionismus herausgab. Endlich, als 40-Jähriger, debütierte auch Stramm im „Sturm“. Geradezu stürmisch präsentiert sich auch seine Lyrik mit ihren Neologismen, abgehackten Sätzen und ihrer unkonventionellen Orthografie. Sein bekanntestes Gedicht, der Sechszeiler „Pa­trouille“, liest sich so: „Die Steine feinden / Fenster grinst Verrat / Äste würgen / Berge Sträucher blättern raschlig / Gellen / Tod.“

Den Dadaisten um Kurt Schwitters oder Wortkünstlern wie Arno Schmidt sollte der Sprachakrobat Stramm später als literarisches Vorbild dienen. H. Tews


S. 10 Geschichte

Das endgültige Ende
Nach Deutschland in Europa musste auch dessen pazifischer Verbündeter Japan vor 70 Jahren kapitulieren

Der Krieg im Pazifik endete mit der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch Japan am 2. September 1945 auf dem US-Schlachtschiff „Missouri“ in der Bucht von Tokio. Nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki Anfang des Monats sowie der sowjetischen Kriegserklärung am 8. August hatten Kaiser Hirohito und der Premier Suzuki Kantaro Mitte des Monats der alliierten Forderung nach bedingungsloser Kapitulation zugestimmt, nachdem diese am 9. Juni noch vehement abgelehnt worden war.

Für die meisten Historiker hatte der Konflikt am 7. Dezember 1941 mit dem japanischen Angriff auf den US-amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbor auf der Insel Hawaii begonnen. Präsident Franklin D. Roosevelt prägte damals als Bezeichnung für dieses Datum den Begriff „Tag der Schande“. Dabei ist durchaus umstritten, wie viel man in Washington im Voraus von dieser Aktion wusste, da der japanische Code anscheinend bereits Monate vorher entschlüsselt worden war.

Andere Geschichtswissenschaftler sehen das Völkerringen in Asien als eine Fortsetzung des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges, der am 7. Juli 1937 durch den Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke in der Nähe von Peking formell begann. Doch japanische Truppen waren bereits 1931 in die Mandschurei im Nordosten Chinas einmarschiert und hatten dort den ihnen freundlich gesinnten Staat Mandschu mit dem vormaligen chinesischen Kaiser Puyi an der Spitze installiert. Dadurch war die nationalchinesische Regierung in Nanking in die Defensive geraten und erhielt als Folge Unterstützung durch die USA, was Japan missfiel.

Das Reich der aufgehenden Sonne beanspruchte außerdem große Teile des Südwestpazifiks für sich, um sich dort die dringend benötigten Rohstoffe zu sichern, über die man selber nicht verfügte. Gleichzeitig hatte eine Neuordnung der Pazifikregion zum Ziel, die teilweise jahrhundertealte Hegemonie europäischer Staaten wie Großbritannien, die Niederlande oder Frankreich in ihren asiatischen Kolonien zu beenden. Man konnte daher von einer panasiatischen Idee sprechen.

Am 1. August 1940 verkündete der im Westen ausgebildete japanische Außenminister Matsuoka Yosuke dementsprechend den Aufbau einer sogenannten Großostasiatischen Wohlstandssphäre. Diese Wirtschafts- und Verteidigungsgemeinschaft asiatischer Länder sollte weitestgehend frei von westlichem Einfluss sein und richtete sich somit auch gegen den halbkolonialen Status der Philippinen unter US-amerikanischer Regie nach dem Ende der spanischen Herrschaft 1898.

Der Abschluss des Dreimächtepaktes am 27. September 1940 durch Japaner, Deutsche und Italiener verstärkte die Gegensätze mit den USA noch zusätzlich.

Die Vereinigten Staaten hatten bereits umgehend mit einem Ölembargo reagiert, nachdem die Japaner im gleichen Monat in Französisch-Indochina Truppen stationiert hatten. Im Juli 1941 folgte ein zweites, noch umfangreicheres Embargo. Dies stärkte jene Kräfte, die immer offener dafür eintraten, das japanische Einflussgebiet durch einen Krieg auszuweiten, was im Schlag gegen Pearl Harbor mündete. Dabei sollte es sich jedoch als schwerwiegender Fehler erweisen, dass die dortigen Werften und Infrastruktur weitgehend intakt blieben.

Nachdem die japanischen Streitkräfte zeitweilig die See- und Lufthoheit erlangt hatten, rückten sie zügig gegen die alliierten Kolonialbesitzungen vor, um sich unter anderem Öl, Kautschuk, Eisen, Zinn und Reis zu sichern. In den folgenden Monaten eroberten sie Hongkong, Malaya, Guam, Singapur (auf dem Fahrrad), Burma, Niederländisch-Indien, die Philippinen und große Teile Neu-Guineas. Auch Australien rückte ins Blickfeld Tokios.

Deshalb kam es vom 4. bis zum 8. Mai 1942 zwischen US-Amerikanern und Australiern auf der einen Seite und Japanern auf der anderen zur Schlacht um das Korallenmeer, das an den östlichen australischen Bundesstaat Queensland grenzt. Diese Konfrontation endete lediglich mit einem strategischen Sieg der Alliierten, doch erlitten die Japaner im darauffolgenden Kalendermonat in der Nähe des unbesiedelten Midway-Atolls eine schwere Niederlage und verloren gleich vier Flugzeugträger.

Das Kriegsglück wandte sich nun zugunsten der US-Amerikaner, die ihrerseits zur Offensive übergingen. Sie landeten am 7. August 1942 auf der Salomonen-Insel Guadalcanal, um die Bedrohung des Seeweges zwischen Australien und den USA zu beenden. Nach verlustreichen Kämpfen mussten sich die Japaner im Februar 1943 zurückziehen. Die Alliierten begannen mit der Rückeroberung des Pazifiks.

Der 15. Juni 1944 markiert den Beginn des Angriffs auf die zu den Marianen gehörende Insel Saipan, um einen Stützpunkt für direkte Angriffe auf die japanischen Hauptinseln zu erobern. Als am 9. Juli die US-amerikanischen Truppen den Sieg verkündeten, waren 30000 Japaner gefallen oder hatten sich das Leben genommen, einschließlich der vier Kommandeure. Fast gleichzeitig fand im Philippinischen Meer eine kurze Seeschlacht statt, welche die Marine Japans entscheidend schwächte und praktisch das Ende seiner Luftwaffe bedeutete.

Ende Oktober 1944, während der Schlacht um die philippinische Insel Leyte, fand der erste Einsatz von Kamikaze-Fliegern statt. Er spiegelte die japanische Verzweiflung über die immer erdrückender werdende US-amerikanische Übermacht wider.

Von der kleinen rund 1200 Kilometer südlich vor Tokio gelegenen Insel Iwo Jima glaubten die US-Amerikaner die Bomberflotten sicherer nach Japan eskortieren zu können. Nach fünf Wochen war diese Schlacht am 25. März 1945 beendet. Es folgte vom 1. April bis zum 22. Juni eine der mit rund 250000 Toten blutigsten des Zweiten Weltkrieges: die um Okinawa, der japanischen Ryukyu-Inselgruppe zugehörig. Mit deren Ausgang war das Schicksal Nippons endgültig besiegelt.

Während Japans Großmachtträume durch die totale Niederlage 1945 jäh zerplatzten und diese Stimmung in einer pazifistischen Nachkriegsverfassung ihren Ausdruck fand, hatten sich die USA endgültig vom Isolationismus verabschiedet und stiegen zur Weltmacht auf, die sich aber bald mit einem vormaligen Verbündeten, der Sowjetunion, im Kalten Krieg messen musste.

Markus Matthes


Ho Tschi Minh nutzt das Machtvakuum
Am Tage von Japans Kapitulation rief der Vietnamese auf Hanois Ba-Dinh-Platz die Unabhängigkeit seines Heimatlandes aus

Die Niederlage der Französischen Republik gegen das Deutsche Reich im Zweiten Weltkrieg eröffnete dem antikolonialen Widerstand in Französisch-Indochina neue Möglichkeiten. Im Mai 1941 gründeten Vietnamesen auf einem Kongress im chinesischen Grenzstädtchen Tien Tsi die „Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“ (Vietminh). Mit ihr gelang es den vietnamesischen Kommunisten wie kaum einer anderen kommunistischen Partei, nationalgesinnte Nicht-Kommunisten zur Unterstützung zu bewegen. Nach der „Niederwerfung der japanischen Faschisten und der französischen Imperialisten“ sollte eine „Revolutionsregierung der Demokratischen Republik Vietnams“ gebildet werden. Zum Präsidenten der Vietminh wurde Ho Tschi Minh gewählt.

Nachdem Ho Tschi Minh zugesagt hatte, mit der später gegründeten und der Kuomintang nahestehenden „Revolutionären Liga Vietnams“ zusammenzuarbeiten, erhielten die Vietminh finanzielle Unterstützung seitens der Nationalchinesen. Auch die USA hielten den antijapanischen Kampf der Vietminh für unterstützungswürdig. So erhielten die Vietminh US-amerikanische Militärhilfe, nachdem Ho Tschi Minh Verbindung zu dem US-amerikanischen Oberbefehlshaber in Südchina, dem Chef des Nachrichtendienstes der US-Marine in Tonking und dem Chef der in Kunming befindlichen Abteilung des Office of Strategic Services aufgenommen hatte.

So militärisch gestärkt verkündete Ho Tschi Minh im Sommer 1944, dass die Phase der friedlichen Revolution nun vorbei sei, warnte aber seine ungeduldigen Kampfgefährten vor einem zu starken militärischen Engagement, erkennend, dass sich die Erfolgs­chancen für eine allgemeine Erhebung noch verbessern würden. Anfang Dezember 1944 sah Ho Tschi Minh die Zeit gekommen, die „Propagandabrigade der Befreiungsarmee Vietnams“ ins Leben zu rufen. Am 22. des Monats wurde dann der Keim der einige Monate später auf einen Befehl Ho Tschi Minhs vom 4. Juni 1945 hin geschaffenen Befreiungsarmee aus 34 Guerillakämpfern gebildet und dem Befehl Vo Nguyen Giaps unterstellt. Der militärisch äußerst begabte Geschichtslehrer und Held der späteren beiden Vietnamkriege vergrößerte in den folgenden Monaten erfolgreich die Streitmacht und den Einflussbereich der Vietminh. In den Instruktionen zum Aufbau dieser Propaganda-Einheit machte Ho Tschi Minh jedoch deutlich, dass zurzeit noch der politischen Aktion größere Bedeutung beizumessen sei als der militärischen.

Die französische Kolonialmacht nahm den zunehmenden Einflussgewinn der Vietminh sehr wohl wahr und blieb nicht untätig. Für den 12. März 1945 plante sie einen vernichtenden militärischen Schlag gegen die Vietminh. Dass es dazu nicht kam, verdankten die Vietminh Deutschlands Verbündetem Japan. Dessen Militär entwaffnete nämlich am 9. März 1945 die französischen Kolonialtruppen und inhaftierte die Kolonialbeamten. Im Kaiserpalast von Hie verkündete am 11. März 1945 der Kaiser von Annam, Bao Dai, die Aufhebung des französischen Protektorats und rief einen vietnamesischen Staat aus mit seiner Person als Oberhaupt.

Die Militärs Japans, dessen militärische Lage immer ungünstiger wurde, hatten mit der Befreiung Vietnams von der französischen Herrschaft die Hoffnung verbunden, dadurch in Vietnam Sympathien zu erwecken und Verbündete zu finden. Hinsichtlich der Vietminh traf dieses jedoch nicht zu. Diese kamen nach der Entmachtung der Franzosen vielmehr zu dem Schluss, dass es nunmehr nur noch einen Feind gäbe: Japan. Dieser nunmehr einzige Feind der Vietminh und Besitzer der entscheidenden militärischen Macht in Vietnam musste am 15. August um Waffenstillstand bitten.

Ho Tschi Minh erkannte die günstige Situation, die damit für die Vietminh entstanden war, und reagierte. Einen Tag später, am 16. August, trat auf Initiative der Vietminh ein Nationaler Kongress, an dem 60 Vertreter unterschiedlicher Richtungen teilnahmen, in Tan Trao in der Provinz Tuyen Quang zusammen und setzte ein 14-köpfiges Nationales Befreiungskomitee, von dem elf Mitglieder als Kommunisten oder Vietminh bekannt waren, als Provisorische Regierung ein. Dessen Vorsitzender wurde der Kongressvorsitzende Ho Tschi Minh. Noch am selben Tag erließ Ho Tschi Minh im Namen der Provisorischen Regierung den „Aufruf zum Allgemeinen Aufstand“. Der Aufruf verfehlte nicht seine Wirkung. Am 19. August fiel Hanoi, am 23. August Hue und am 25. August Saigon in die Hände der Vietminh. An jenem 25. August dankte auch Kaiser Bao Dai ab. Am 29. August wurde die Provisorische Regierung mit Ho Tschi Minh als ihrem Präsidenten offiziell eingesetzt.

Am 2. September dann, dem Tag der Unterzeichnung der japanischen Kapitulationsurkunde, verlas Ho Tschi Minh auf dem Ba-Dinh-Platz in Hanoi die von ihm verfasste Unabhängigkeitserklärung der Demokratischen Republik Vietnam, die in vielem vor der amerikanischen inspiriert war. Zum ersten Präsidenten der neuen Republik wählte ein halbes später die aus den allgemeinen Wahlen vom 6. Januar 1946 hervorgegangene Nationalversammlung auf ihrer ersten Sitzung Ho Tschi Minh.

Schon bald endete zwar das von Ho Tschi Minh ausgenutzte Machtvakuum, doch konnten sich die Vietnamesen ihre vor 70 Jahren proklamierte Unabhängigkeit bis in die Gegenwart bewahren

Manuel Ruoff


S. 11 Preussen

»Ältervater« und »Kodex«
Johann Georg Hamann gilt als Wegbereiter des Geniekults im Sturm und Drang

Als „Ältervater“ und „Kodex“ der Deutschen, also als einen Patriarchen von richtunggebender Autorität, wurde Johann Georg Hamann von keinem Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe bezeichnet. Der 1730 in Königsberg geborene Philosoph und Schriftsteller war für den „Dichterfürsten“ ein Schatz an „sybillinischen Vorahnungen des Guten und Rechten, das einst kommen soll oder sollte, gegründet auf ernste Betrachtungen des Überlieferten und des Lebens“.

Diese Würdigung dürfte heute vielen unverständlich erscheinen. Man kennt Hamann kaum noch, und seine Werke werden wohl nur selten und dann meist von Literaturwissenschaftlern gelesen. Auch seine Zeitgenossen hatten bereits Schwierigkeiten, seine Texte zu verstehen, deren verschlüsselter Inhalt sich schon in den Titeln andeutet. So heißt ein Werk: „Sokratische Denkwürdigkeiten für die Langeweile des Publikums, zusammengetragen von einem Liebhaber der langen Weile“. Derart betitelte Bücher brachten Hamann wegen ihrer Rätselhaftigkeit schon zu Lebzeiten den Beinamen „Magus im Norden“ ein, ein großer Leserkreis war ihm aber auch damals nicht vergönnt. Seine Wirkung auf die deutsche Geistesgeschichte erfolgte denn auch eher auf indirektem Wege über andere große Dichter und Denker: Goethe, Johann Gottfried Herder, Jean Paul, Achim von Arnim, Joseph von Eichendorff, Georg Wilhelm Fried­rich Hegel, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Friedrich Nietzsche, Ernst Jünger und Sören Kierkegaard haben sich unter anderem intensiv mit seinen Werken auseinandergesetzt.

Hamann versuchte in seinem Werk, Philosophie, Theologie und Philologie zu verschmelzen. Es spiegeln sich darin die wichtigsten Geistesströmungen des 18. Jahrhunderts, die Aufklärung, der Pietismus, die Empfindsamkeit, mit denen er sich auf seine ganz besondere eigenwillige Art auseinandergesetzt hat.

Der Königsberger Denker lehnte das Menschenbild der Aufklärung ab, das die Vernunft an die erste Stelle setzte. Ihm ging es darum, den Menschen in seiner lebendigen Ganzheit zu sehen, nicht nur als vernunftbegabtes, sondern auch als leidenschaftliches Wesen, das fähig ist zu Spiel, Tanz und Feier, zu Dichtung, Rausch und Entzückung. Ahnung und Intuition sind für ihn die wesentlichen Elemente menschlicher Erkenntnis, und zum Schöpfer werden kann der Mensch überdies nur mit Leidenschaft und durch die gemeinsame Anstrengung von Leib, Seele, Geist und Sinnlichkeit.

Goethe hat später diese Grundideen Hamanns zum Menschenbild, die den Königsberger zum Wegbereiter des Geniekults im Sturm und Drang werden ließen, in „Dichtung und Wahrheit“ sehr prägnant zusam­men­gefasst. Es heißt dort: „Alles, was der Mensch zu leisten unternimmt, muss aus sämtlichen vereinigten Kräften entspringen; alles Vereinzelte ist verwerflich.“

Das Leben Hamanns, der am 27. August 1730 geboren wurde, verlief nicht gerade in geordneten Bahnen. Nach einem fünfjährigen Studium an fast allen Fakultäten der Universität seiner Heimatstadt, das er, ohne ein Examen abgelegt zu haben, beendete, versuchte er sich bis zu seinem Tod am 21. Juni 1788 in Münster in den verschiedensten Berufen. So war er unter anderem Hofmeister auf baltischen Gütern und Packhofverwalter. Seiner Lebensführung scheint es dabei ebenso sehr an Methodik gemangelt zu haben, wie seinen Werken, zu denen man deshalb nur schwer Zugang finden kann. Trotzdem ist es wohl der Anstrengung wert, sich wieder mehr mit dieser ebenso seltsamen wie fesselnden Gestalt der deutschen Geistesgeschichte auseinanderzusetzen.

Es könnte einem dann ähnlich ergehen wie Matthias Claudius, der einmal über Hamann gesagt hat: „Übrigens hat er sich in ein mitternächtliches Gewand gewickelt, aber die goldenen Sternlein hin und her im Gewände verraten ihn und reizen, dass man sich keine Mühe verdrießen lässt.“ E.B.


Nicht nur ein Sprungbrett
Der Musiker Peter Wilhelm Wolff blieb Tilsit ein Leben lang treu

Eine der großen musikalischen Begabungen, die Tilsit zeitweilig zu einem Mittelpunkt des ostpreußischen Musiklebens machten, war Peter Wilhelm Wolff, ein Kind des Rheinlandes aus Bonn. Am 30. April 1853 als Sohn des Organisten an der dortigen Stiftskirche geboren, erhielt er den ersten Musikunterricht von seinem Vater. Bereits im Alter von 14 Jahren übernahm der außergewöhnlich begabte junge Mann einen Orgelpart anlässlich eines Kirchenkonzertes, das sein Vater leitete. Seine Klavierlehrerin riet dem jungen Künstler zum Musikstudium, und so bezog er nach dem Abitur das Konservatorium des Professors Julius Stern an der Hochschule für Musik in Berlin. Unter anderem hatte er auch Hans von Bülow zum Lehrer. Im Abschlusszeugnis seines Studiums hieß es: „Er war einer der besten Vomblattspieler, in der Theorie und Kompositionslehre leistete er Vorzügliches. Seine größte Begabung liegt jedoch auf dem Gebiet des Dirigierens großer Orchester- und Chorwerke, so dass er mit den größten Hoffnungen für seine Zukunft entlassen wird.“

Stern vermittelte Wolff selbst an seinen künftigen Wirkungsbereich nach Tilsit, wobei er meinte, dass diese Stadt für seinen Schüler, „nur ein Sprungbrett“ für ein späteres Wirken in einer Großstadt sein sollte.

So kam der junge Musiker 1874, im Alter von 21 Jahren, in die Stadt an der Memel und trat sein vielseitiges Amt an. Er wurde Organist an der Stadtkirche, der späteren Deutsch-Ordens-Kirche, Dirigent des Sängervereins, des Oratorienvereins und des später von ihm gegründeten Kirchenchores. Aber Wolff wollte auch etwas für den Nachwuchs tun. Daher gründete er 1898 das Konservatorium für Musik und wenig später das staatlich konzessionierte Musiklehrer-Seminar.

Um die Jahrhundertwende schuf er auch die nach der litauischen Landschaft im nördlichen Ostpreußen benannten Litauischen Musikfeste, die regelmäßig im Zeitraum von vier Jahren in den fünf Städten Tilsit, Memel, Insterburg, Gumbinnen und Stallupönen (Ebenrode) stattfanden. Zu den Konzerten verpflichtete er bekannte Künstler jener Zeit – wie Joseph Joachim, Bronisław Hubermann, Alexander Petschnikoff und Alfred Reisenauer – als Solisten. In den Tilsiter Wintermonaten erlebten die Zuhörer die bedeutendsten Oratorien von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Joseph Haydn unter Wolffs Leitung. Als Meister der Orgel, die ihm sein liebstes Instrument geblieben war, legte er sein tiefstes Empfinden – technisch völlig frei – in seine Fantasien auf den Tasten.

Anlässlich eines Besuches der Thomaskirche in Leipzig spielte er auf der Bachorgel, wonach ihm der Thomaskantor Karl Straube in herzlichen Worten für den musikalischen Genuss dankte.

Wolffs kompositorisches Schaffen bewegte sich zwischen Chorkompositionen, Liedern für Solostimmen sowie Klavier- und Orgelwerken. Als seine größte musikalische Schöpfung ist das „Stabat Mater“ noch erhalten. Den „Charfreitagsgesang“ aus diesem Werk für drei Altstimmen, drei Celli und obligater Violine widmete er seinem Freund, dem Professor Arnold Krug. Das 1889 erschienene Werk wurde vom Tilsiter Verlag Schubert & Seidel (M. Bergens) herausgegeben. Dieser Komposition verdankte Wolff den Titel „Königlicher Musikdirektor“. Vor 115 Jahren, im September 1900, erhielt er auf persönliche Anordnung Kaiser Wilhelms II. den Kronen-Orden. Anlass war ein Chorkonzert unter der Leitung von Wolff bei der Einweihung des Königin-Luise-Denkmals in Tilsit. Im Luisenhaus, wo Wolff mit seiner Familie jahrelang gewohnt hatte, unterhielt sich der Kaiser mit ihm sehr angeregt über musikalische Fragen.

Die damalige Andeutung von Stern, Tilsit solle nur als Sprungbrett für eine größere Stadt dienen, hat Peter Wilhelm Wolff nicht wahr gemacht. Er hätte mehrmals die Gelegenheit dazu gehabt. Königsberg, Düsseldorf und andere Städte boten ihm leitende musikalische Funktionen an. Doch der Stadt Tilsit hielt er – nicht zuletzt wegen seiner Familie – bis zu seinem Tod am 12. März 1918 die Treue. E.B.


Waffe als Taktstock
Vor 200 Jahren wurde Piefke geboren

Piefke ist in Österreich ein eher abwertend gemeinter Begriff für Reichs- beziehungsweise Bundesdeutsche im Allgemeinen und jene nördlich des sogenannten Weißwurstäquators im Besonderen. Doch nicht nur die Österreicher, auch die Dänen lässt Johann Gottfried Piefke, auf dessen Nachnamen der österreichische Sammelbergriff wohl zurück geht, nicht kalt. Während der Preuße in seiner einstigen Heimat weitgehend vergessen ist, kommt er in Dänemarks jüngster Prestigefernsehserie „1864“ über den Deutsch-Dänischen Krieg sogar als von Rainer Reiners dargestellte Figur vor. Was macht diesen musikalischen Soldaten für Preußen wie Dänen so bedeutungsvoll?

Wie unzählige andere Menschen trat der vor 200 Jahren, am 9. September 1815, in Schwerin an der Warthe geborene Johann Gottfried Piefke in die Fußstapfen seines Vaters. Wie Johann Piefke machte er Musik. Während sein Altvorderer Organist und Stadtmusiker war, musizierte dessen Spross jedoch in Uniform. Ab 1835 leistete er seinen Wehrdienst als Hoboist „Militärmusiker) beim Leibgrenadierregiment Nr. 8 in Frankfurt an der Oder ab. Nach einem Studium an der Berliner Hochschule für Musik kehrte er als Stabshoboist zu seinem Regiment zurück. 1852 wurde er mit seinen Kameraden nach Berlin versetzt, wo er nun bis zu seiner Rückversetzung nach Frankfurt im Jahre 1860 wirkte. In der Hauptstadt wurden Fachwelt wie Öffentlichkeit auf den talentierten Musiker aufmerksam. Nach sieben Jahren Wirken in der Residenzstadt wurde er 1859 mit dem Titel „Königlicher Musikdirektor“ ausgezeichnet.

Nach dem Ausbruch des Deutsch-Dänischen Krieges gehörte auch er zum preußischen Kontingent. Die legendäre Erstürmung der Düppeler Schanzen begleitete er musikalisch mit Ludwig van Beethovens Yorck­schem Marsch und dem von ihm zu diesem Zecke komponierten Düppeler Schanzen-Marsch. Mit der Waffe in der Hand dirigierte er ein aus den Kapellen des 8., 18., 35. und 60. Infanterieregiments zusammengesetztes Musikkorps. Das musikalische Eingreifen des Dirigenten mit seinen 300 Musikern ins Kriegsgeschehen machte zwar nicht Schule, doch soll es die angreifenden Landsleute erfolgreich angefeuert und damit maßgeblich zum Sieg beigetragen haben. Sein König dankte es ihm nach dem Krieg mit dem eigens für ihn geschaffenen Titel eines „Director der gesamten Musikchöre des III. Armeekorps“. Und Theodor Fontane verewigte seine Tat in dem Gedicht „Der Tag von Düppel“.

Doch auch dem österreichischen Verbündeten blieb die Tat des Preußen nicht unbemerkt. So zeichnete ihn Kaiser Franz Joseph I. mit einer goldenen Medaille aus. Möglicherweise resultiert bereits aus dieser Zeit das Verständnis Piefkes als Prototyp des Preußen. Möglicherweise stammt diese Gleichsetzung aber auch erst aus dem zweiten der Einigungskriege. Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck bemühte sich zwar darum, den österreichischen Verlierer nicht unnötig zu demütigen, doch veranstalteten die Preußen nach ihrem Sieg in der Entscheidungsschlacht von Königgrätz und dem Abschluss des Vorfriedens von Nikolsburg eine große Parade in Anwesenheit des Königs, an der 50000 Mann des III, IV. und II. Armeekorps teilnahmen. Johann Gottfried und sein Bruder Rudolf Piefke dirigierten dabei ein Musikkorps. Veranstaltungsort war das Marchfeld bei Gänserndorf. Aus dem 20 Kilometer entfernten Wien strömten die Schaulustigen in Scharen herbei. Beim Auftritt der beiden Piefke-Brüder riefen sie: „Die Piefkes kommen!“

Wie an den beiden ersten nahm Johann Gottfried Piefke auch am dritten Einigungskrieg teil. Bei der Belagerung von Metz im Oktober 1870 erkrankte er jedoch so schwer, dass der Krieg schon vorbei war, als er sich wieder erholte. In seiner letzten Lebensphase wandte Piefke sich vermehrt der klassischen Musik zu. In Frankfurt an der Oder, seinem letzten Stationierungsort, gab er zahlreiche Konzerte und führte von dort aus viele Konzertreisen durch.

Über dem Dirigenten Piefke darf man den bislang nur beiläufig erwähnten Komponisten auf keinen Fall vergessen. Etwa 60 Märsche hat er komponiert, darunter der „Pochhammer-Marsch“, der „Siegesmarsch“, der „Gitana-Marsch“, der „Margarethen-Marsch“, der „Kaiser-Wilhelm-Siegesmarsch“ und „Der Alsenströmer“.

Mit den Märschen „Düppeler-Sturmmarsch“ und „Königgrätzer Marsch“ setzte er den entscheidenden Schlachten der beiden ersten Einigungskriege musikalische Denkmäler. Dass Piefke bei dem Sturm auf die Düppeler Schanzen mit der Waffe dirigiert hat, soll der Legende nach daran gelegen haben, dass ihm vorher eine Kanonenkugel den Taktstock aus der Hand gerissen hatte. Im Düppeler Sturmmarsch verarbeitete Piefke das in der Weise, dass in dessen Anfangsteil die Musik mitten im Spiel auf einen Paukenschlag hin, der für den Kanonentreffer steht, aussetzt. Erst nach dem von einer Querflöte intonierten preußischen Signal zum Vorrücken setzt die Musik wieder ein.

Auch beim Königgrätzer Marsch, dessen erste Niederschrift Piefke schon auf dem Schlachtfeld angefertigt haben soll, scheint der Komponist sich nicht darauf beschränkt zu haben, ihn einfach nur einer Schlacht zu widmen. Vielmehr werden die beiden Motive des Marsches den beiden Phasen der Schlacht zugeordnet, der ersten unentschiedenen und der zweiten entscheidenden nach dem Erscheinen und Eingreifen der 2. Armee unter Kronprinz Fried­rich Wilhelm.

Sein Meisterstück lieferte Piefke mit „Preußens Gloria“ ab. Der Marsch glorifiziert den Sieg Preußens und seiner deutschen Verbündeten über die damals erste Macht auf dem Kontinent im Deutsch-Französischen Krieg, welche die Reichsgründung unter preußischer Führung möglich machte. Uraufgeführt wurde der Marsch zur Siegesparade der zurückgekehrten Truppen in Piefkes Stationierungsort Frankfurt am Main. Da Piefke ihn jedoch besonderen Anlässen vorbehielt, blieb der Marsch lange Zeit relativ unbekannt. Seinen Durchbruch erlebte er erst nach Piefkes Tod im 20. Jahrhundert. 1911 wurde der Marsch in die preußische Armeemarschsammlung aufgenommen. In den beiden nachfolgenden Weltkriegen gehörte er ebenso zum Standardrepertoir wie heute bei der Bundeswehr. Manuel Ruoff


S. 12 Leserforum

Leserforum

Englisch auf dem Rückzug

Zu: Blutiger Wahnsinn (Nr. 31)

Anlässlich eines gerade been­deten Familienurlaubes in England kann ich bestätigen, dass die Kontrollen der britischen Zollbehörden sehr genau sind. Jede einreisende Person, auch Kinder und Säuglinge, wird bereits vor der Überfahrt auf französischem Boden genau überprüft.

Andererseits hätte die restriktive englische Einwanderungspolitik schon vor Jahrzehnten gelebt werden müssen, denn zumindest in den Großstädten Englands stellt die weiße „Ur-Bevölkerung“ nur noch eine Minderheit dar. Doch erst jetzt scheint man sich über die eigentlich schon seit Langem absehbaren Folgen bewusst zu werden.

Es gibt bereits Dutzende von Schulen, auf denen es fast keinen Schüler mehr gibt, der in seiner Kindheit mit Englisch als erster Sprache aufgewachsen ist. Als Extrembeispiel dient die Burnley Brow Community School in Oldham, an der 98 Prozent der Schüler Bengalisch als ihre Muttersprache bezeichnen. Nur acht Schüler sind mit Englisch großgezogen worden. Weitere Beispiele gibt es zuhauf: An der Khalsa Primary School in Slough dominiert Pandschabisch (342 von 360 Schülern), und an der Valley Community Primary School in Bolton dominiert Urdu, die Nationalsprache Pakistans (zirka zwei Drittel aller Schüler, bei nur noch 20 englischen Muttersprachlern). Die Anzahl der Schulen, in denen mehr als die Hälfte der Schüler nicht mehr Englisch als Muttersprache angibt, liegt heute bei 7,4 Prozent aller Schulen.

Doch anstatt die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, verspricht die Politik mehr Geld dafür bereitzustellen, dass auch den ausländischen Schülern eine gute Ausbildung ermöglicht wird. In Deutschland dürften sich bald ähnliche Zustände einstellen, denn auch hier ist man blind für die Folgen einer zügellosen Einwanderungspolitik.

Sylvie Becker, Bad Homburg

 

 

Statt Neuorientierung nur politische Kosmetik

Zu: Der Scheidung folgt der Rosenkrieg (Nr. 31)

Nach dem Abgang Bernd Luckes hat sich die Alternative für Deutschland (AfD) nicht gespalten, doch sind viele gegangen, denen die Themen Einwanderung, EU-Fundamentalkritik, Patriotismus, Wi­derstand gegen links-grüne Medienhegemonie zu heiß sind. Jene haben sich verabschiedet, die auf keinen Fall als „rechtskonservativ“ abgestempelt werden wollen und welche die AfD nicht als Mitte-Rechts-Volkspartei wollen, sondern als Kleinpartei in einer Regierungskoalition mit der CDU/CSU. Diese beflissene Anpasserei hat mit den Gründungsmotiven der AfD, die eben Alternative zum Bestehenden sein will, nichts mehr gemeinsam.

Luckes neue Partei Alfa erinnert an jene bürgerlich-ängstliche Partei, denen der tschechische Schriftsteller Jaroslav Hašek den satirischen Namen gab: Partei für den gemäßigten Fortschritt im Rahmen der Gesetze der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie. Solch eine Karikatur von Opposition wollte die große Mehrheit in der AfD nie, und sie empfindet die jüngsten Ereignisse als befreiende Klärung, die endlich mehr den Weg zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit den politischen Gegnern frei macht. Dafür stehen die neue Vorsitzende und Landeschefs wie Alexander Gauland, Marcus Pretzell, Björn Höcke und andere.

Der Aderlass ist schmerzlich, doch es ist noch genug Substanz geblieben. Anders als die AfD hat Alfa kein Alleinstellungsmerkmal, sodass sie zwischen der AfD ei­nerseits sowie CDU/CSU und FDP andererseits zerrieben werden dürfte. Gewiss profitieren derzeit die etablierten bürgerlichen Parteien von der Neusortierung der AfD, doch langfristig kann das schon ganz anders aussehen. Viele Wähler verstehen, dass es mit Kosmetik nicht mehr getan ist, eine Neuorientierung tut not.

Roland Kraft, Lahnstein

 

 

Viel Verwirrung

Zu: Die Gefahren der letzten Tage (Nr. 33)

Dieser Artikel war richtig erfrischend zu lesen, weil Eva Herman sich mit den „Gefahren der letzten Tage“ auf das Wort des lebendigen Gottes bezieht. Dieses sagt für unsere Zeit nichts Gutes voraus, sondern Abfall vom Glauben und Verführung und Verwirrung.

Es beginnt ja schon mit der Zunahme der Gesamtverschuldung in unserem Staat, siehe Schuldenuhr, Verschuldung pro Kopf gleich 25437 Euro bei einer Gesamtverschuldung von über zwei Billionen. Wen interessiert das noch?

Unser Staat macht Schulden, die Europäer mit den Hilfsaktionen für die braven Griechen, dann vor allem auch die USA. Unvorstellbare Schulden liegen auf vielen Staaten. Das ist das Normale. Gibt es das Unnormale eigentlich noch, nämlich ein Staatshaushalt ohne Schulden? Die Werte werden heute auf den Kopf gestellt.

Friedrich Rischmüller, Aerzen

 

 

Europa wird ruiniert durch ein Masseneindringen fremder Kulturen

Zu: „Schengen ist gescheitert“ (Nr. 33)

Bei dem Masseneindringen von Ausländern sollte man einmal klarstellen, dass es sich dabei mehrheitlich nicht um „Flüchtlinge“, „Einwanderer“ oder gar „Asylanten“ handelt.

„Arme Flüchtlinge“ aus Kriegsgebieten „flüchten“ nicht durch fünf friedliche und sichere Länder, um genau dort hinzukommen, wo es die höchsten Sozialleistungen gibt. Sie zahlen auch den kriminellen Schleusern nicht tausende Euro, haben nicht zwei Handys, um mit ihnen dauernd im Kontakt zu stehen, vernichten nicht ihre Papiere und verweigern nicht jede wahrheitsgemäße Auskunft über ihre Identität.

Es „wandern“ auch keine Massen „zu“ und integrieren oder assimilieren sich, sondern bilden selbstgewählte Gettos, Neben- und Gegengesellschaften (siehe England und Frankreich). Es sind auch keine Gäste, die eine „Willkommenskultur“ brauchen, denn niemand hat sie eingeladen. Es sind auch keine „Einwanderer“, denn Einwanderung findet nur geordnet über die Botschaften, nach den Regeln des Bestimmungs-Landes und nur und über die offiziellen Einreisestellen statt. Es sind auch keine „Asylanten“. Asyl ist ausschließlich ein Individualrecht. Es setzt nachgewiesene persönliche Verfolgung voraus.

Wie soll aber ein deutscher Beamter feststellen können, dass jemand, der seine Identität auch noch verschweigt, in irgendeinem afrikanischen Staat wirklich persönlich verfolgt wird? Die Asyl-Anerkennungsquote ist 0,1 Prozent. Wie viele von den Abgelehnten wurden und werden aber wirklich zurückgeführt?

Es handelt sich nachweislich und mehrheitlich um keine „Flüchtlinge“, „Einwanderer“ oder „Asylanten“, sondern schlicht um Grenzverletzer und Eindringlinge aus rein wirtschaftlichen Motiven. De facto um ein Masseneindringen, also eine Aggression, vor der ein Staat seine einheimische Bevölkerung zu schützen hat. Denn was ist das für ein Staat, der nicht einmal seine Grenzen kontrollieren kann? Was ist das für eine „Demokratie“, in der seit Jahrzehnten die Volksbefragungen ergeben, dass die weit überwiegende Mehrheit die Masseneinwanderung ablehnt und kein Einwanderungsstaat sein will, dies aber missachtet wird, und die gegenteilige Politik betrieben wird?

Was ist das für ein „Rechtsstaat“, in der Grenzverletzung und illegales Eindringen keine verfolgte Straftat ist? In dem akzeptiert wird, dass man in das Land, folglich auch Grundstück, Haus oder Wohnung eines anderen gegen dessen Willen eindringt? Das ist die praktische Aufhebung des Eigentums- und Selbstbestimmungsrechts. Vom Einschleppen von Krankheiten, Unordnung, Korruption, Drogenhandel, Kriminalität, Gewalt und Terror gar nicht zu reden.

Ratlosigkeit, Nichtstun und Passivität ist keine Politik, sondern das Gegenteil. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: „Über die Einwanderung habe ich mir noch kein abschließendes Urteil gebildet.“ Will man also noch länger warten, bis Frau Merkel endlich zu einem Urteil kommt, bis es zu spät ist? Es geht nicht um Sentimentalitäten, sondern um Realitäten. Es handelt sich um einen

Realvorgang, und dieser bedarf einer realpolitischen Lösung. Es handelt sich um eine neuzeitliche Völkerwanderung, die auch nur mit den geschichtlich bekannten Mitteln zu stoppen ist. Man muss dazu die Dinge auch beim richtigen Namen nennen.

Es handelt sich real um die Masseneindringung von Afrikanern und Muslimen nach Europa, mit dem zu erwartenden Ergebnis, dass es damit auch zu immer stärkeren Angriffen auf die weltanschauliche Meinungsfreiheit der Einheimischen durch eingedrungene Fanatiker aus dem Orient kommt. Zu welchen Absurditäten das totalisierte, formalisierte und undifferenzierte Gleichheitsdogma führt, zeigt, dass man Europäer (Bosnier, Albaner, Osteuropäer) abschiebt, aber Nichteuropäer (Afrikaner, Araber) aufnimmt. Europa sollte doch die politische Einigkeit der europäischen Völker sein und nicht die Vereinigung der Afrikaner und Muslime in Europa?

Aber die Politik und die Medien vollführen weiter nur die bekannten Verschleierungs- und Traumtänze sowie ihre ideologischen Dogmen, Lebenslügen und Denkblockaden in ihrem universalistischen Wolkenkuckucksheim. Europa wird ruiniert durch die falschen Prinzipien irrealer Ideologien.

Franz A. Sandor, Feldafing

 

 

Linke Lufthoheit

Zu: Deutschland und seine Richter (Nr. 31)

Die Kitas sind wieder in aller Munde. Abgesehen von den Tarifstreitigkeiten hat die Sache noch eine andere Dimension. Als das Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen wollen, vom Bundesverfassungsgericht aus formalrechtlichen Gründen abgelehnt wurde, weil der Bund dafür nicht zuständig ist, triumphierten die Linksideologen und deuteten die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes in einen ideologischen Sieg um.

Man wähnt, damit hätten die Kitas höhere Weihen erhalten und will deren Ausbau verstärken, um noch mehr Kinder linksideologisch verderben zu können. Bemerkenswert ist, dass die Klage von Hamburg ausging. Es war nämlich Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, der 2002 als Generalsekretär der SPD die „Lufthoheit über die Kinderbetten“ eingefordert hatte.

Gerhard Synowzik, Stadtoldendorf

 

 

Juristisch geklärt

Zu: Reparationen für Griechenland (Nr. 33)

Der PAZ sei Dank, dass sie den Mut hatte, auf einer ganzen Hintergrundseite die historischen Tatsachen zu dieser Thematik über griechische Reparationsforderungen an Deutschland ausführlich darzulegen und damit die Wahrheit zurechtzurücken. Denn selbst unser Bundespräsident brachte ja vor einigen Monaten Gedanken an eine Wiedergutmachung für Griechenland ins Spiel, wo doch die juristische Seite eindeutig geklärt wurde.

Und wenn schon überhaupt Reparationen, warum dann gerade im Fall Griechenlands nur von Deutschland? Leider lässt allerdings auch Ihre Berichterstattung zwischen den Zeilen den Schluss zu, als sei Griechenland weitgehend von der Wehrmacht besetzt gewesen. Doch genau das war eben nicht der Fall. Deshalb hier zur Erinnerung die Fakten:

Im Oktober 1940 begann Hitlers italienischer Bündnispartner Mussolini mit seinem Angriff auf Griechenland. Die Deutschen waren dabei nicht eingebunden, denn Hitler wollte keine Südostfront. Als die Offensive der Italiener im folgenden Winter steckenblieb, versuchte Hitler durch Vermittlungsversuche den Konflikt beizulegen. Erst als dies misslang, sandte er die Wehrmacht nach Griechenland, um die Italiener zu entlasten. Nach gut einem Monat musste Griechenland im April 1941 kapitulieren und wurde der italienischen Militärverwaltung unterstellt.

Außerdem besetzte Bulgarien, das kurz zuvor Bündnispartner der Achsenmächte Deutschland und Italien geworden war, den gesamten Nordosten Griechenlands sowie Griechisch-Thrazien und richtete dort eine Militärverwaltung ein, die nicht gerade zimperlich gegen die einheimische Bevölkerung vorging. Erst nachdem Mussolini gestürzt worden war und damit Italien als Bündnispartner ausschied, übernahmen die Deutschen im September 1943 die Verwaltung von den Italienern. Sie blieben es gerade mal ein Jahr, dann eroberten alliierte Verbände Griechenland.

Wenn also heute von der griechischen Regierung Reparationen gefordert werden, dann möge man sich zunächst mal an Italien und Bulgarien wenden, und erst danach käme Deutschland in Betracht. Aber historische Fakten scheinen da nicht zu interessieren, sie sollten jedoch wenigstens unseren Politikern bekannt sein, und dazu stellten die PAZ-Beiträge erfreulicherweise eine fundierte Grundlage dar.

Wolfgang Reith, Neuss

 

 

Kein Gedenken

Zu: Westbindung auch bei der Erinnerungskultur (Nr. 31)

Unfasslich, dass das deutsche Außenministerium für die Kosten der vom American Jewish Committee geplanten Gedenkstätten für Holocaustopfer in der Ukraine aufkommt, aber keinen Finger gerührt hat, als weit über 2000 deutsche Opfer im heutigen Polen (Marienburg) ausgebaggert wurden. Es fand offenbar weder der Versuch einer Identifizierung der Opfer statt, noch wurden diesen Ende des Krieges mutmaßlich von Polen Ermordeten von deutsch-polnischer Seite ein Denkmal errichtet.

Brigitte Bean-Keiffenheim, Frankfurt am Main

 

 

Beim Klima spielt der Mensch keine Rolle

Zu: Die Lügenpresse – es gibt sie! (Nr. 32)

Beim angeblich menschengemachten Klimawandel ist es leicht, man braucht nur über die Physik des Wärmehaushalts der Erdatmosphäre nachzuschlagen und findet: Das wichtigste, alles dominierende Treibhausgas ist Wasserdampf. Davon war in den Medien nie etwas zu hören. Ohne Wasserdampf hätten wir Tag- und Nachttemperaturunterschiede wie in Trockenwüsten. Sein reichlicheres Vorhandensein über Gewässertälern führt zu deren milderem Klima. Sein physikalischer Treibhausfaktor ist 200 und er kommt in der unteren, wetterbestimmenden Erdatmosphäre im Mittel zu einem Prozent vor.

Zum CO2: Es ist pure Verdummung zu publizieren, irgendwer oder -was stoße Millionen Tonnen CO2 aus, ohne den Bezug zur Gesamtmenge anzugeben. Diese lag 1930 bei 0,03 Prozent der Erdatmosphäre und heute bei zirka 0,04 Prozent. Der Treibhausfaktor von Kohlendioxyd ist 1. Erinnert sei noch: Mit dieser geringen Menge muss die Pflanzenwelt auskommen, ohne die wir nichts zu essen hätten. Die Mengen weiterer Treibhausgase mit teils hohem Wirkfaktor sind so gering, dass sie nicht ins Gewicht fallen.

Ermittelt man nun den Quotienten aus Wirkfaktor und Menge von Wasserdampf und menschengemachtem 0,01 Prozent CO2, so ergibt sich ein Mitwirken am Klimawandel von einem 20-tausendstel. Das ist die physikalische Realität. Nur politisch hat diese Winzigkeit einen höheren Wirkfaktor. Jetzt wird klar, warum Wasserdampf ignoriert wird. Gibt es aber eine Erderwärmung?

Als das Magazin „Bild der Wissenschaft“ vor etwa 15 Jahren sich noch traute, Klartext zu publizieren, gab es Beiträge über Bohrungen im Grönland- und Südpoleis sowie im Meeresboden, die Erkenntnisse des Klimaverlaufs der Erde der vergangenen 250000 Jahre lieferten. Danach erfolgten in dieser Zeit unperiodische Folgen von Warm- und Kaltzeiten. Die letzte Kaltzeit liegt die erdgeschichtlich kurze Zeit von 10000 Jahren zurück. Wir stehen also am Beginn einer Warmzeit − ohne menschliches Zutun. Nach „Bild der Wissenschaft“ kann diese 15000 bis 25000 Jahre dauern. Auf die Konsequenzen daraus sollte die Politik ihr Augenmerk richten.

Volkmar Petzsch, Kamenz


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Kreuzfahrerboom in Memel
Immer größere Schiffe steuern Ostseehäfen an – Besonders beliebt bei deutschen Touristen

Immer mehr Deutsche zieht es als Kreuzfahrer auch nach Memel, die Hunderttausender Marke ist im Visier.

Der Hafen von Memel hatte im Jahr 2014 mit 73 eingelaufenen Kreuzfahrtschiffen und etwa 100000 Tages-Touristen einen neuen historischen Rekord verzeichnet. In der Saison, die von Mai bis Oktober andauert, fährt fast jeden dritten Tag ein Kreuzfahrtschiff in den Hafen ein. Diesen Rekord wird die litauische Stadt zwar im Jahre 2015 mit bislang 31 eingefahrenen Kreuzfahrtschiffen nicht halten können, obwohl bis zum Saisonende noch über 20 Schiffe erwartet werden. Die Tendenz geht allerdings zu immer größeren Schiffen, das größte in Memel anlegende Kreuzfahrtschiff ist derzeit die „Costa Pacifica“ mit einer Länge von 290 Metern. Das Schiff, das im Jahre 2009 gebaut wurde und unter italienischer Flagge fährt, hat der Stadt an der Dange von Anfang an die Treue gehalten.

Sieben bis acht Anfahrten macht die „Costa“ pro Jahr in Memel. Durchschnittlich 70 bis 80 Prozent ihrer 2000 bis 3000 Passagiere sind deutschsprachig. Bei gutem Wetter findet über die Hälfte dieser Passagiere den Weg mit der dann stark überfüllten Fähre über das Haff nach Sandkrug und an den Nehrungsstrand, der zu dieser Zeit für Stunden fest in deutscher Hand ist.

Der Boom im baltischen Kreuzfahrttourismus ist in erster Linie dem Magnet St. Petersburg zu verdanken. Dort legten 2012 insgesamt 307 Kreuzfahrtschiffe an mit 456000 Passagieren. Das war eine 15-prozentige Steigerung gegen-über 2010. Damals hatte in St. Petersburg ein neues Kreuzfahrtterminal mit dem Namen Morskoj Fasad aufgemacht, für bis 1,5 Millionen Passagiere ausgelegt ist.

St. Petersburg ist jedoch auch wegen des billigen Treibstoffs für die Kreuzfahrtunternehmer interessant und wegen der Visumspflicht für EU-Bürger. Denn so sind die Kreuzfahrtpassagiere verpflichtet, an einem von einem anerkannten Reiseunternehmer organisierten Landausflug teilzunehmen, für die die Visumspflicht entfällt. Da die Schiffe die meisten dieser Landausflüge selber organisieren, zu oft überteuerten Preisen, machen sie so ein gutes Zusatzgeschäft auf dem hart umkämpften Kreuzfahrtmarkt. Durch die EU-Sanktionen hat zwar auch der Tourismus mit Russland etwas gelitten, aber die Touristenzahlen sind weiterhin auf einem hohen Niveau.

Hinter St. Petersburg rangieren die Häfen von Reval, Kopenhagen, Stockholm und Helsinki, allesamt Landeshauptstädte, in der Beliebtheitsskala noch vor Memel. Die Hauptkonkurrenten für Memel im Kreuzfahrtgeschäft sind die Häfen von Riga und Danzig- Gdingen, die in etwa ein ähnliches Kreuzfahrtaufkommen haben. In Riga wird das Wendemanöver auf der Düna für große Schiffe zu einem schwierigen Unterfangen und in Danzig-Gdingen stößt der unansehnliche Hafen in Sichtweite riesiger Metall-Schrotthaufen viele Besucher von einem Landgang ab. Ein Vorteil Memels ist die Nähe des Kreuzfahrtterminals an der alten Memelburg zur Altstadt, die in kaum fünf Minuten Gehzeit erreicht werden kann. Ein weiterer Vorteil von Memel ist neben der Freundlichkeit seiner Einwohner auch – was den deutschsprachigen Kreuzfahrttourismus betrifft –, die weite Verbreitung der deutschen Sprache.

Seit 2004 hat sich die Zahl der Kreuzfahrer aus der Bundesrepublik Deutschland verdreifacht – auf 1,77 Millionen Passagiere im vergangenen Jahr. Die Branche will bis 2016 die Zwei-Millionen-Marke knacken, bis 2020 peilt sie eine Steigerung um eine weitere Million Passagiere an, so der Deutschland-Chef des Kreuzfahrtverbandes CLIA, Michael Ungerer. Zum Vergleich: 1993 gingen nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) gerade einmal rund 183000 Bundesbürger auf große Fahrt. Kreuzfahrten sind das touristische Segment, das derzeit am stärksten wächst. Angesichts von 70 Millionen Urlaubsreisen ist der Anteil der Kreuzfahrer jedoch immer noch ausbaufähig.

Weltweit waren im vergangenen Jahr nach Angaben von CLIA 293 schwimmende Hotels mit einer Kapazität von 450000 Betten auf hoher See unterwegs. Besonders beliebt ist der Rund-um-Sorglos-Urlaub mit Unterhaltung an Bord und Besichtigungen an Land bei den Deutschen. Sie haben mittlerweile die Briten von Platz zwei als Kreuzfahrernation verdrängt. Nur die Amerikaner liegen weltweit noch davor. Aida, Costa, TUI-Cruises und Co. haben es auch geschafft, Kreuzfahrten aus dem Senioreneck herauszuholen. Der Urlaub auf hoher See bei entsprechenden Kinderbetreuungsangeboten wird für manche Familien zu einer echten Alternative zu den klassischen Badeferien. Oft fahren Kinder kostenlos oder zahlen nur einen kleinen Teil, was es bei Fluggesellschaften nicht gibt. Allerdings ist die Kinderzahl in doch recht engen Kreuzfahrtkabinen auf zwei begrenzt.

Bodo Bost


Eisenbahnchef wird Senator für Königsberg
Wladimir Jakunin gilt als erfahrener Kremlstratege und enger Putinvertrauter – Auf Sanktionsliste der USA

Der russische Eisenbahnchef Wladimir Jakunin, einer der mächtigsten Männer im Kreml und engsten Vertrauten des Präsidenten Wladimir Putin, will sein Amt aufgeben und in die Staatsduma einziehen. Er soll einen „Alterssitz“ als Senator im Föderationsrat, dem Oberhaus der Staatsduma, erhalten und zwar für das Königsberger Gebiet. Der Gouverneur des Königsberger Gebiets, Nikolaj Zukanow, hat Jakunin als einen von drei Kandidaten für das Amt vorgeschlagen. Ein Kandidat hat zugunsten Jakunins bereits aufgegeben. Die beiden anderen sind der amtierende Senator Oleg Tkatsch und der Bürgermeister Alexander Jaroschuk.

Es wird vermutet, dass Jakunins Ablösung ein Indiz für Machtkämpfe im Kreml und Teil größerer Personaländerungen sein könnte. Seit 2005 war Jakunin Leiter der Russischen Eisenbahnen, ein Unternehmen mit 835000 Mitarbeitern und 86000 Kilometer Bahnstrecken, das unter den ersten Drei in der Welt rangiert. Als Senator – ein eher repräsentatives Amt – muss Jakunin auf jegliche unternehmerische Betätigung verzichten. Kritiker, darunter der Korruptionsbekämpfer Alexej Nawalny, werfen Jakunin vor, einen aufwendigen Lebensstil zu führen und sich durch seine Nähe zu Putin und in seinem Amt enorm bereichert zu haben, was er bestreitet.

Die USA und Kanada setzten ihn in Reaktion auf Russlands Annexion der Krim und die Ukrainekrise mit anderen russischen Offiziellen auf die Sanktionsliste, was ein Einreiseverbot und finanzielle Sperren bedeutet. Die EU hat ihn und die Russischen Eisenbahnen auf Einspruch Lettlands nicht auf die Sanktionsliste gesetzt.

Der 67-jährige Jakunin diente wie Putin im KGB und dessen russischen Nachfolgeorganisationen, dabei vorwiegend in den Außenhandelsstrukturen. In der Sowjetära war er zuletzt 1985 bis 1991 als Diplomat bei den Vereinten Nationen in New York tätig. Nach der „Wende“ wurde Jakunin in St. Petersburg, wo Putin Vizebürgermeister war, Leiter eines Internationalen Handelszentrums. Zusammen mit Putin und anderen Prominenten gründete er 1996 an einem See in der Nähe der Metropole eine Datschenkooperative namens „Osero“ (See). In einem Interview erklärte Jakunin, die Kooperative sei eine Gruppe von Freunden, „die gemeinsame Interessen und das Wohl Russlands im Blick haben“. Alle haben in der Wirtschaft oder Politik Karriere gemacht und bilden bis heute eine wichtige Stütze Putins.

Jakunin wird zu den führenden Konservativen im Kreml gerechnet. In Schriften und Stellungnahmen trat er im Hinblick auf das Dominanzstreben der USA wiederholt für eine engere Verbindung Russlands mit Zentralasien und China ein, ein Konzept, das heute in Form der Eurasischen Wirtschaftsunion und der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit verwirklicht wird. Jakunin lehrt Politik an der Moskauer Staatsuniversität und nimmt wiederholt Stellung zu aktuellen Fragen der Außenpolitik und der Wirtschaft. Er gibt sich außerdem als treues Mitglied der Russisch-Orthodoxen Kirche und ist Vorsitzender des Kuratoriums der St.-Andreas-Stiftung, die Russlands drei Säulen „Staat, Kirche und Armee“ verehrt und das Weltforum „Dialog der Zivilisationen“ initiierte.

Im Rahmen des Weltforums und des „Deutsch-Russischen Forums“ traf sich Jakunin in Berlin zu Gesprächen, die er zu scharfer Kritik an der Politik des Westens nutzte. Seiner pathetischen Rhetorik widerspricht, dass sein älterer Sohn Andrej einen anderen Weg vorzieht, in London lebt und sich dort als Investor betätigt.

Es bleibt abzuwarten, was Jaku-nin für das Königsberger Gebiet und seinen Gouverneur Zukanow bewirken kann. Letzterer erwartet in einer ersten Stellungnahme, dass Jakunin zu einer schnelleren Lösung der Verkehrsprobleme der Region beitragen wird. Zumindest dürfte Zukanow mit Jakunins Kandidatur seine eigene Wiederwahl absichern und sich eine einflussreiche Stütze im Föderationsrat und letztlich im Kreml verschafft haben. Dass Jakunin für Königsberg ausgewählt wurde, ist kein Zufall: Der russische Premier Dmitrij Medwedjew hatte schon im März dieses Jahres die Weichen für ihn gestellt, als er den Leiter der Sberbank, German Gref, Gazprom-Chef Alexej Miller und Eisenbahnchef Wladimir Jakunin in einer Spezialkommission eigens mit der Förderung des Königsberger Gebietes betraute.

Hans-Joachim Hoppe


MELDUNGEN

Japaner zeigen Interesse

Königsberg – Der Japanische Wirtschaftsverein in Moskau hat das Königsberger Gebiet eingeladen, sich auf seiner nächsten Sitzung als Investitionsregion vorzustellen. Schon im Februar besuchte eine japanische Wirtschaftsdelegation Königsberg und bereitete eine weitergehende Zusammenarbeit vor. Japan hat am westlichen Vorposten der Russischen Föderation ein strategisches Interesse, was aber bisher nicht zu größeren Investitionen führte. T.W.W.

 

Rückgabe von Wolfsschanze

Rastenburg – Die Oberförsterei Drengfurt will die Wolfsschanze in Görlitz (Ostpreußen) anderweitig verpachten, da der jetzige Pächter nicht zahlt und die versprochenen Investitionen wie die Eröffnung eines Restaurants, das Aufstellen von Bänken und die Ausbesserung der Wege nicht durchführt. Das frühere Hauptquartier Hitlers hat seit mehr als 20 Jahren die Gesellschaft „Wilcze Gniazdo“ („Wolfsnest“) von der Oberförsterei Drengfurt gepachtet. Wie Oberförster Zenon Piotrowicz sagte, bewirtschaftet die Gesellschaft das Gelände seit März ohne Vertrags-Grundlage. Er sagte, dass es noch keinen Termin für ein Verfahren beim Allensteiner Gericht gebe, er hoffe aber, dass das Forstamt das Geld, gut 95000 Euro, erhalten werde. Die Wolfsschanze ist eine der größten Touristenattraktionen in Masuren. Jährlich wird sie von etwa 200000 Touristen aus Polen und dem Ausland besucht. PAZ

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7: Liebemühl [Miłomłyn], Baustelle. Straße Nr. 7: Liebemühl [Miło-młyn] – Osterode [Ostróda], Baustelle; Osterode [Ostróda] – Hohenstein [Olsztynek], Baustelle; Berghof [Tatary] – Candien [Kanigowo], Baustelle; Palicken [Pawliki] – Powiersen [Powierz], Baustelle; Powiersen [Powierz] – Napierken [Napierki], Baustelle. Straße Nr. 15: Löbau [Lubawa], Randstreifenarbeiten. Straße Nr. 16: Verkehrsknoten Bergheim [Wezeł Górka], Baustelle; Osterode [Ostróda] – Martenshöh [Marciniaki], Baustelle. Straße Nr. 51: Bartenstein [Bartoszyce], Renovierung der Fußgängerzonen; Heilsberg [Lidzbark Warminski], Baustelle; Allenstein [Olsztyn] – Pagelshof [Ameryka], Baustelle. Straße Nr. 57: Gr. Schiemanen [Szymany], Baustelle. Straße Nr. 58: Johannisthal [Janowo], Renovierung der Brücke. Straße Nr. 59: Sensburg [Mragowo) – Peitschendorf [Piecki], Baustelle. Straße Nr. 63: Angerburg [Wegorzewo], Renovierung der Fußgängerzonen; Gehsen [Jeze] – Staatsgrenze, Baustelle. Straße Nr. 65: Herzogskirchen [Gaski] – Przytullen [Przytuły], Baustelle; Prostken [Prostki], Baustelle. E.G.


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

meine kurze Atempause ist beendet, und ich danke allen Anrufern, die besorgt bei mir anfragten, ob sich die drohende 100 schon sehr schmerzvoll bemerkbar mache. Das entnahmen sie jedenfalls der Notiz auf unserer Familienseite, die auf den Ausfall unserer Kolumne aufmerksam machte. Nun hatten allerdings meine akuten körperlichen Beschwerden weniger mit dem – zugegeben: nicht immer schmerzfreien – hohen Alter zu tun, denn es war ein Hexenschuss, so einer von der allerfeinsten Sorte, der mich lahmlegte. Deshalb sehe ich auf dem Foto in Folge 29, auf dem Herr Lorenz Grimoni mir die Königsberger Bürgermedaille überreicht, so emotionslos aus, denn ich saß mit drei Kissen im Rücken in der Sofaecke und wagte mich nicht zu rühren, weil der Hexenschuss noch taufrisch war, genau zwei Stunden vorher war es passiert. Natürlich habe ich mich über die unerwartete Ehrung gefreut und auch über jede Gratulation, die mich dazu aus unserem Leserkreis erreichte. Wie die von Frau Gisela Brauer aus Bad Oldesloe, die mir als Landesobfrau im Namen der Landsmannschaft Westpreußen, Landesgruppe Schleswig-Holstein, gratulierte und mir noch eine möglichst lange Fortsetzung meines Lebenswerkes wünschte. „Viel zu spät fragen Kinder, besonders aber Enkel, nach den Wurzeln ihrer Familie und deren Heimat. Und denen stehen Sie mit Ihrer Ostpreußischen Familie immer hilfreich zur Seite.“ Frau Brauer spricht da aus eigenen Erkenntnissen, denn sie stellt immer wieder fest, dass in den Vertriebenenfamilien über Flucht und Vertreibung wenig oder gar nicht gesprochen wird.

Das spüren wir ja in vielen Anfragen, die uns erreichten und die oft ein erschreckendes Defizit an Wissen über die Heimat der Vorfahren erkennen lassen. So erreichte mich gerade ein Suchwunsch, der mit der Frage beginnt, ob mir eine Stadt Tilsit bekannt sei. „Ach Tilse, mein Tilschen, wie bist du so schön …“ lässt Hermann Sudermann in seinen Litauischen Geschichten die Stadt am Memelstrom besingen, und das war sie auch, schön, lebens- und liebenswert. Natürlich werde ich den Fragesteller über Tilsit informieren und auch seinen Suchwunsch aufbereiten und weiterleiten, aber da wir gerade bei Tilsit sind, kann ich etwas sehr Erfreuliches mitteilen: Der Schauspieler Herbert Tennigkeit, über dessen künstlerische Mitgestaltung an der Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) in Esbjerg wir ausführlich in Wort und Bild berichteten, wurde bereits bei der Veranstaltung gefragt, ob er im nächsten Sommer an einer großen Feier des VDK mitwirken würde – in Tilsit und in Insterburg! Natürlich sagte er spontan zu, denn für ihn hat die Veranstaltung noch eine besondere Bedeutung: Sein Elternhaus steht nur 30 Kilometer von Tilsit entfernt auf der anderen Memelseite bei Pogegen. Ja, es steht tatsächlich noch, und so wird für Herbert Tennigkeit diese Großveranstaltung des VDK auch eine Zeitreise werden, die zurück in Kindheit und Heimat führt. Wir freuen uns mit ihm.

Trotz des Poststreiks mit seinen unliebsamen Verzögerungen, trotz der Sommerferien, trotz einiger Einschränkungen, die ich in Bezug auf eine möglichst vielseitige, unsere Leserschaft einbeziehende Themenwahl leider machen muss, ist die Reaktion auf Veröffentlichungen auf unserer Familienseite Ostpreußische Familie sehr lebhaft. Das betrifft vor allem Herrn Reinhold Kalisch, einen unserer Diskussionsteilnehmer zum Thema „Wie stehen unsere Kinder und Enkel zur Heimat ihrer Vorfahren?“, das wir in Folge 30 mit der Veröffentlichung von drei sehr unterschiedlichen uns unaufgefordert zugesandten Berichten behandelten. Herr Kalisch hatte seine Eindrücke von einer Ostpreußenreise und die damit verbundenen Fragen seiner persönlichen Beziehung zu der Heimat seiner Mutter beschrieben, aus denen die Problematik erkennbar wird, die viele Nachkommen von Vertriebenen haben. Ich hatte dabei den von ihm verwendeten Ausdruck „Heimwehtourist“ zur Diskussion gestellt und unsere Leserinnen und Leser haben darauf reagiert. Es ist schwer, einem nicht Betroffenen zu erklären, warum viele Vertriebene – und dazu zähle ich mich auch – diese Bezeichnung so vehement ablehnen. Das merke ich auch an der Reaktion von Herrn Kalisch, der nun in seinem jüngsten Schreiben erklärt, dass er diese Bezeichnung nicht als abwegig betrachte: „Sollte ich mit dem Ausdruck Heimwehtouristen Gefühle verletzt haben, so tut es mir Leid, das war keineswegs meine Absicht. Aber verstehen Sie mich auch, wie soll ich es nennen? Es waren doch Touristen, die ihre Heimat besuchten, und das macht man doch nicht aus Neugierde. Deklinieren Sie das Wort mal positiv: Touristen, meinetwegen auch Gäste, die ihre Heimat besuchen“. Lieber Herr Kalisch, Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, denn Sie haben ja nicht wissentlich unsere Gefühle verletzt – wie sollten Sie diese auch nachempfinden können! Ganz spurlos ist die Vertreibung seiner Familie aber auch für Herrn Kalisch nicht geblieben, sonst wäre er nicht nach Ostpreußen gefahren und hätte die Wege zu den Stätten gesucht, die Bezug zu seinen Vorfahren haben. Seine Mutter hat er nie kennengelernt, den restlichen Teil seiner Familie erst Jahrzehnte nach der Flucht gefunden, und da war er leider mit seinen Fragen nicht immer willkommen. In Königsberg hat er das Taufbecken gesehen, in dem einige seiner Angehörigen wohl getauft wurden – aber das war auch nur eine vage Spur. Er hat Soldatenfriedhöfe aufgesucht und hat auch das Grab eines Gefallenen mit Namen Kalisch gefunden – die Frage, ob es vielleicht das seines Vaters sein könnte, steht noch ungelöst im Raum. „So ist es nun mal gewesen, ich kann es nicht ändern, und musste mich damit engagieren“, schreibt Herr Kalisch, der mich bittet, seinen Dank an die Leserinnen und Leser weiterzugeben, die ihn angerufen haben, denn die Telefonate seien alle sehr freundschaftlich gewesen. Vielleicht tragen sie dazu bei, dass Reinhold Kalisch wieder nach Ostpreußen reisen wird, die schöne Landschaft hat ihn nun einmal in seinen Bann gezogen, und wir wünschen ihm für diese Reise viel Erfreuliches und Erlebnisreiches, das ihm die Heimat seiner Vorfahren vertrauter macht.

Auch wenn man überhaupt keine Verbindung zu Ostpreußen hat und sich nicht auf familiäre Überlieferungen stützen kann, zieht das nun dreigeteilte Land viele Menschen in seinen Bann. So ergeht es auch Herrn Karl Höffkes, der bekennt: „Obwohl ich keine familiären Wurzeln in Ostpreußen besitze, empfinde ich für das Land mit seiner ganz besonderen Atmosphäre eine geradezu magische Seelenverwandtschaft. Gerade war ich im Memelland. Als ich in Ihrer aktuellen Rubrik über Plaschken las, dachte ich, dass aktuelle Fotos über diese Kirche auch andere Leser interessieren könnten, und so übersende ich Ihnen einige Aufnahmen.“ Über diese wird sich Herr Bernd Daus­kardt freuen, der in einem in Folge 30 veröffentlichten Beitrag seine besonderen Verbindungen zu diesem Gotteshaus beschreibt, dessen Geschichte er bereits vor drei Jahren in einem Sonderartikel behandelt hat. Nun meinte Bernd Dauskardt, dass er vermutlich der letzte Nachfahre sei, der bis heute zu diesem Fleckchen Erde im Memelland Kontakt habe. Dass auch andere Besucher, die keine persönliche Verbindung zu diesem Gotteshaus haben, von der Ruine beeindruckt sind, beweisen nun die von Herrn Höffkes gemachten Fotos, von denen wir die Außenaufnahme bringen, weil sie noch die alte Bausubstanz des stattlichen, nun zur Ruine gewordenen Gotteshauses erkennen lässt.

Aber es gibt noch eine andere Kirche im Memelland, die für Bernd Daus­kardt ein tröstliches Beispiel dafür ist, dass sakrale Bauwerke aus deutschen Tagen erhalten bleiben und gepflegt werden können: Es ist die Patronatskirche von Coadjuthen. Wir haben in unserer Kolumne diese wohl einmalige, von ehemaligen deutschen Einwohnern getragene Aktion verfolgt und deshalb wollte ich, als Herr Dauskardt jetzt wieder auf dieses Gotteshaus hinwies, noch mit einer erneuten Veröffentlichung warten – aber da kam aus der Gruppe der Coadjuther die Bitte, anlässlich ihres Heimattreffens im Juli in Hannover auf das unermüdliche Wirken des Initiators der Aktion, Herrn Günter Uschtrin, hinzuweisen. Als der heute 78-Jährige vor zehn Jahren der Gruppe seine Idee unterbreitete, ein Buch über die Geschichte des Kirchspiels Coadjuthen zu schreiben und herauszugeben, fand er rege Zustimmung und bereitwillige Spender, die es ermöglichten, dass vor vier Jahren die Kirchspielchronik im Berliner Wissenschaftsverlag erscheinen konnte, die in Umfang und Inhalt alle Vorstellungen übertraf: Auf 350 Seiten wird das Schicksal dieses Grenzdorfes und seiner Bewohner im Wechsel der 500-jährigen Geschichte dokumentiert, wobei sich der Autor auf Dokumente und Urkunden stützte, die vorher nicht bekannt waren. Diese einmalige Kirchspielchronik trug dazu bei, dass sich die ehemaligen Coadjuther noch enger zusammenschlossen und sich ihre Hilfsbereitschaft auch auf die Erhaltung der Patronatskirche auswirkte, die durch die Initiative von Günter Uschtrin im vergangenen Sommer sogar eine neue Orgel erhielt. Dies und noch weitere Aktionen haben eine engagierte Coadjuterin, Frau Ruth Schöntag aus Königs Wusterhausen, bewogen, eine Laudatio auf Günter Uschtrin in Versform zu verfassen, mit der sie vor fünf Jahren begann, und die immer wieder verlängert wurde. So entstand ein Epos, das all das von dem Chronisten und seiner Coadjuther Gruppe bewirkte Geschehen in launigen Reimen beschreibt, und das mit den – vorerst – letzten Zeilen endet: „Ein großes Dankeschön möchten wir dir sagen, und bleibe gesund an allen Tagen.“ Diesen Wünschen schließen wir uns an, lieber Günter Uschtrin.

Sein Freund und Mithelfer Bernd Dauskardt weilt gerne in Coadjuthen, wo die alte deutsche Bausubstanz noch weitgehend erhalten geblieben ist. Wenn er auf der Bank am Marktplatz sitzt, scheint die Zeitenuhr zurückgestellt zu sein. Man wartet vergebens auf ein vorbeifahrendes Auto, es herrscht eine für den gestressten Besucher aus dem We­sten wohltuende Ruhe. Auch Menschen sieht man kaum. Nur noch zwei alte Memelländer leben dort, Werner Petereit und Bruno Kausch. Man sollte sie nicht vergessen – meint Bernd Dauskardt. Und so wollen wir den beiden betagten Landsleuten herzliche Familiengrüße senden, jemand wird sie ihnen schon übermitteln.

Da wir nun einmal bei unseren ostpreußischen Gotteshäusern sind, die für uns – ob erhalten, ob als Ruine – immer als Fixpunkte auf unseren Reisen in die Vergangenheit gelten, wollen wir der Bitte unseres Landsmanns Werner Mai aus Malching gerne nachkommen und eine Berichtigung des kleinen Fehlers bringen, der sich in unseren Bericht über die Glockenweihe in Oberschleißheim in Folge 26 eingeschlichen hatte: Es sind nicht drei, sondern zwei Glocken aus der Kirche von Kiwitten, die im neuen Glockenstuhl hängen. Die größere war gestohlen und wieder gefunden worden, hatte aber einen Riss bekommen und musste in einer Glockenklinik „geheilt“ werden. Am 8. Mai wurde sie feierlich eingeweiht, Herr Werner Mai durfte sie läuten. Er hat eine ganz besondere Beziehung zu den Glocken der Kirche von Kiwitten, denn als er 1989 auf einer Ostpreußenreise das noch bestehende Gotteshaus aufsuchte, wollte er unbedingt feststellen, ob sich in dem Turm noch Glocken befänden. Es gelang ihm, die Erlaubnis zur Turmbesteigung zu erhalten, und was entdeckte er in dem verwitterten Gebälk? Drei kleine Glocken hingen an einem nicht gerade sicher aussehenden Glockenstuhl! Es gelang ihm, eine Aufnahme zu machen, die er bis heute bewahrt hat und uns nun zum Beweis übersendet. Ja, die Glocken von Kiwitten haben schon ihre eigene Geschichte!

Auf der Suche nach der „Perle von Königsberg“, nach der Herr Gerd Birth fragt, sind wir auch schon ein kleines Stück weiter gekommen. Jedenfalls wissen wir nun genau, wo die Ortschaft Neuendorf liegt, die als solche bekannt gewesen sein soll – aber niemand weiß darüber Genaues. Herr Knut Walter Perkuhn gibt nun den Wegweiser: „Wenn Sie von Landsberg etwas östlich nach Peisten gehen und dann nördlich über Gut Müggen kommen Sie nach Neuendorf. Linker Hand liegt Worienen.“ Der Ort existiert noch heute, wie wir aus der Anfrage von Herrn Birth wissen, er ist auf polnischen Karten vom südlichen Ostpreußen eingezeichnet. Er liegt mitten in einem ausgedehnten Waldgebiet. In der Kreiskarte von Preußisch Eylau von 1939 ist südlich von Neuendorf zwischen Worienen und Gut Müggen das Polasser Bruch eingezeichnet. Von dort dürfte früher der Landwirt

Richard Sohn das Material für die Moorpackungen geholt haben, die den Patienten in seinem zu einer Lungenheilstätte umgebauten Wohnhaus verordnet wurden. Diese therapeutischen Möglichkeiten will nun die tüchtige Landrätin von Landsburg wieder beleben, denn sie hat den Ehrgeiz, den Ort zu einem modernen Luftkurort zu machen. Vielleicht helfen nun die Hinweise von Herrn Perkuhn weiter, dass sich jemand von unseren älteren Leserinnen und Lesern an die „Perle von Königsberg“ erinnert?

So das wäre zuerst einmal ein Überblick über die jüngsten Reaktionen aus unserem Leserkreis, aber das sind noch nicht alle. Besonders gefreut habe ich mich über die Zuschriften zu meiner kleinen Sprachkunde in Folge 27, denn es wird tüchtig weiter geschabbert, da gibt es was zum Lachen – in der nächsten Folge.

Eure Ruth Geede


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 99. GEBURTSTAG

Gerlach, Elfriede, geb. Jortzik, aus Neuendorf, Kreis Treuburg, am 4. September

ZUM 97. GEBURTSTAG

Bosniakowski, Edith, aus Bergenau, Kreis Treuburg, am 4. September

Klimoßek, Guste, geb. Meyer, aus Roggen, Kreis Neidenburg, am 4. September

ZUM 96. GEBURTSTAG

Homann, Johanna, geb. Rehberg, aus Balga, Kreis Heiligenbeil, am 1. September

Napp, Eva, geb. Noetzel, aus Neufrost, Kreis Elchniederung, am 29. August

ZUM 95. GEBURTSTAG

Ehlers, Paula, geb. Braun, aus Brandenburg, Kreis Elchniederung, am 29. August

Hildebrandt, Frieda, geb. Specht, aus Rauschen, Kreis Samland, am 4. September

Hüttig-Langer, Hanna, geb. Matzick, aus Kleinsommershöfen, Kreis Elchniederung, am 31. August

ZUM 94. GEBURTSTAG

Hetke, Anneliese, geb. Gieske, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 1. September

Kibbat, Erich, aus Hohenfried, Kreis Ebenrode, am 3. September

Sokoll, Wanda, geb. Gedak, aus Wehlau, am 2. September

Struck, Else, geb. Zalenga, aus Klein Koslau, Kreis Neidenburg, am 2. September

Wandke, Lydia, geb. Nezhokat, aus Nassawen, Kreis Ebenrode, am 29. August

Warda, Elisabeth, geb. Wascheszio, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 1. September

ZUM 93. GEBURTSTAG

Brügmann, Erna, geb. Orlowski, aus Prostken, Kreis Lyck, am 3. September

Dibowski, Martha, geb. Jestremski, aus Paterschobensee, Kreis Ortelsburg, am 29. August

Jakubietz, Hildegard, geb. Romanski, aus Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 3. September

Jannsen, Erna, aus Lyck, am 29. August

Konrad, Lieselotte, geb. Galonska, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 4. September

Nowatzki, Elisabeth, geb. Kobus, aus Klein Stürlach, Kreis Neiden-burg, am 31. August

Palfner, Hildegard, aus Ebenrode, am 29. August

Scheffler, Edith, aus Lyck, Falkstraße 3, am 2. September

Walleit, Erich, aus Tiefenthamm, Kreis Wehlau, am 31. August

Walleneit, Christel, aus Klein Rauschen, Kreis Lyck, am 4. September

Weiss, Erna, geb. Liedtke, aus Hohenwalde, Kreis Heiligenbeil, am 29. August

Zabel, Luise, aus Neidenburg, am 30. August

ZUM 92. GEBURTSTAG

Funk, Ilse, geb. Jewan, aus Layß, Kreis Neidenburg, am 2. September

Gold-Schmidt, Ella, geb. Will, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 30. August

Hein, Hedwig, geb. Gebert, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 1. September

Hensel, Emil, aus Gedwangen, Kreis Neidenburg, am 30. August

Krause, Kurt, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 2. September

Prengel-Neumann, Elsbeth, geb. Prengel, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 1. September

Rosan, Horst, aus Neidenburg, am 30. August

Zielasko, Kurt, aus Lindenfließ, Kreis Lyck, am 31. August

ZUM 91. GEBURTSTAG

Emde, Karl-Heinz, aus Schallen, Kreis Wehlau, am 31. August

Friedrich, Käthe, geb. Pilzecker, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 31. August

Frotscher, Hilde, geb. Wiechert, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 1. September

Kattanek, Helmut, aus Sam-platten, Kreis Ortelsburg, am 31. August

Rembitzki, Helmut, aus Gusken, Kreis Lyck, am 1. September

Riedel, Herta, geb. Rohmann, aus Neumalken, Kreis Lyck, am 30. August

Ruch, Heinz, aus Röblau, Kreis Ortelsburg, am 30. August

Sander, Hildegard, geb. Goerke, aus Jagsten, Kreis Elchniederung, am 29. August

Schellmat, Helga, aus Ibenberg, Kreis Elchniederung, am 31. August

Simmat, Alfred, aus Ebenrode, am 1. September

ZUM 90. GEBURTSTAG

Broszeit, Leo, aus Rokitten, Kreis Elchniederung, am 30. August

Diekert, Lilli, geb. Will, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 29. August

Grüner, Ruth, geb. Watteler, aus Wehlau, am 29. August

Hanstein, Donata von, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 29. August

Jüncke, Erika, geb. Radtke, aus Pillau, Kreis Samland, am 4. September

Kaminski, Magdalena, aus Millau, Kreis Lyck, am 2. September

Kowitz, Emilie, geb. Miszick, aus Kreuzfeld, Kreis Lyck, am 30. August

Lange-Birkenhof, Lucia, geb. Böhnke, aus Windau, Kreis Neidenburg, am 1. September

Reimer, Lore, aus Sköpen, Kreis Elchniederung, am 1. September

Ruddigkeit, Bruno, aus Kastaunen, Kreis Elchniederung, am 29. August

Schuchna, Heinrich, aus Ortelsburg, am 3. September

Voigt, Hildegard, geb. Lichtenstein, aus Grünlanden, Kreis Ortelsburg, am 31. August

ZUM 85. GEBURTSTAG

Blank, Werner, aus Ortelsburg, am 29. August

Bolz, Helmut, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 29. August

Fandrey, Helmut, aus Lindendorf, Kreis Elchniederung, am 30. August

Fleisch, Brigitte, geb. Pucks, aus Watzum, Kreis Samland, am 30. August

Florian, Lieselotte, geb. Braun, aus Klein Warnau, Kreis Lötzen, am 31. August

Friese, Erika, geb. Wölk, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 2. September

Grabosch, Charlotte, aus Ortelsburg, am 29. August

Heinrich, Günter, aus Schloßbach, Kreis Ebenrode, am 31. August

Hemforth, Anni, geb. Kahsnitz, aus Gartenau, Kreis Neidenburg, am 1. September

Hunsicker, Edith, geb. Koriath, aus Skottau, Kreis Neidenburg, am 29. August

Jahnke, Fritz, aus Sangnitten, Kreis Preußisch Eylau, am 1. September

Keesen, Hannelore, geb. Heyduck, aus Treuburg, am 1. September

Kohler, Edith, geb. Stürmer, aus Pottlitten, Kreis Heiligenbeil, am 4. September

Mahnke, Kurt, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 1. September

Marenski, Ortulf, aus Ortelsburg, am 29. August

Meininger, Gertrud, geb. Schuran, aus Saiden, Kreis Treuburg, am 31. August

Pillath, Fritz, aus Waldburg, Kreis Ortelsburg, am 31. August

Rabe, Edith, geb. Schönberg, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 30. August

Richter, Elfriede, geb. Torkler, aus Kobilinnen, Kreis Lyck, am 30. August

Röpnack, Elfriede, geb. Schönhoff, aus Grunau, Kreis Heiligenbeil, am 29. August

Rudat, Ilse, geb. Gritzuhn, aus Groß Ponnau, Kreis Wehlau, und aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 128, am 3. September

Sabrowsky, Kurt, aus Mühlengarten, Kreis Ebenrode, am 31. August

Scharnowski, Reinhold, aus Erlental, Kreis Treuburg, am 1. September

Schendel, Elisabeth, geb. Zitzmann, aus Groß Birkenfelde, Kreis Wehlau, am 2. September

Schunke, Emmy, geb. Weiß, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 4. September

Strick, Gertrud, geb. Jelinski, aus Narzym, Kreis Neidenburg, am 31. August

Terzi, Wolfgang von, aus Lyck, Falkstraße 11, am 3. September

Weidl, Christel, geb. Jurkutat, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 4. September

Wetzel, Ursula, geb. Dzugga, aus Duneiken, Kreis Treuburg, am 31. August

Wolter, Liesbeth, geb. Peter, aus Metgethen, Kreis Samland, am 30. August

ZUM 80. GEBURTSTAG

Ballheimer, Irmgard, geb. Losch, aus Wilhelmsthal, Kreis Ortelsburg, am 1. September

Barzik, Helmut, aus Rotbach, Kreis Lyck, am 31. August

Brandstäter, Winfried, aus Großgarten, Kreis Angerburg, am 29. August

Czytrich, Anna Grete, geb. Behrens, aus Kalgendorf, Kreis Lyck, am 2. September

Ehmer, Gert-Manfred, aus Ebenrode, am 4. September

Fuhse, Doris, geb. Rohde, aus Holländerei, Kreis Wehlau, am 2. September

Hanke, Erika, geb. Stannies, aus Groß Allendorf, Kreis Wehlau, am 4. September

Hehling, Ursel, geb. Chitralla, aus Moschnen, Kreis Treuburg, am 4. September

Jandt, Heinz, aus Windberge, Kreis Ebenrode, am 1. September

Kallauch, Klaus, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 3. September

Kargoll, Leni, geb. Ollerich, am 2. September

Kerling, Alfred, aus Lyck, am 31. August

Kerstan, Walter, aus Lehlesken, Kreis Ortelsburg, am 29. August

Krostek, Heinz, aus Mensguth-Vorwerk, Kreis Ortelsburg, am 30. August

Kuklik, Gerhard, aus Seedorf, Kreis Lyck, am 2. September

Kurbjuweit, Helmut, aus Grünhausen, Kreis Elchniederung, am 30. August

Lange, Günter, aus Preußisch Battau, Kreis Samland, am 2. September

Neumann-Holbeck, Erika, geb. Holbeck, am 30. August

Pahl, Irmgard, geb. Weiß, aus Schirrau, Kreis Wehlau, am 29. August

Paulsen, Ingeborg, geb. Szuks, aus Polennen, Kreis Samland, am 4. September

Pietrzyk, Gerhard, aus Goldenau, Kreis Lyck, am 30. August

Riemann, Hildegard, geb. Fischer, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 29. August

Rösler, Gerda, geb. Krause, aus Sielacken, Kreis Wehlau, am 30. August

Salomon, Heinrich, aus Tranaten-berg, Kreis Elchniederung, am 31. August

Schaper-Rinkel, Eva, geb. Albien, aus Gauleden, Kreis Wehlau, am 4. September

Schustakowski, Günter, aus Wittenwalde, Kreis Lyck, am 31. August

Steinhorst, Hans, aus Flammberg, Kreis Ortelsburg, am 2. September

Venohr, Walter, aus Klein Rödersdorf, Kreis Heiligenbeil, am 2. September

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bertus, Waltraud, geb. Marolat, aus Dammerau, Kreis Ebenrode, am 30. August

Boguschewski, Siegfried, aus Legenquell, Kreis Treuburg, am 2. September

Hamann, Wolfgang, aus Lopsienen, Kreis Samland, am 2. September

Hatt, Brigitte, geb. Graßat, aus Schenkenhagen, Kreis Ebenrode, am 2. September

Kotzur, Karl-Heinz, aus Pillau, Kreis Samland, am 1. September

Konietzko, Dr. med. Dietmar, aus Treuburg, am 30. August

Kupke, Ingrid, geb. Budweg, aus Kreuzingen, Kreis Elchniederung, am 1. September

Laurinat, Dieter, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 1. September

Zornig, Erika, geb. Hill, aus Kahlholz, Kreis Heiligenbeil, am 29. August

Diamantene Hochzeit

Wielk, Gustav, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, und Ehefrau Ruth, geb. Mank, aus Schönhöhe, Kreis Ortelsburg, am 31. August


Erholsamer Urlaub
Die letzte Herbstfreizeit im Ostheim

Vom 28. September bis 8. Okto-ber bietet das Ostheim zum letzten Mal eine Herbstfreizeit für Senioren an, da das Haus zum 31. Dezember geschlossen wird. Freizeiten im Ostheim, das sind abwechslungsreiche und erholsame Urlaubstage in Bad Pyrmont. Die Teilnehmer fühlen sich stets wohl in einer Gemeinschaft mit ostpreußischen und ostdeutschen Landsleuten. Die Angebote reichen vom morgendlichen Singen, der Seniorengymnastik, Dia- und Videoabenden, Lesungen aus Werken ostpreußischer Dichter und Schriftsteller, Spaziergängen, Museumsbesuchen bis zur heimatlichen Speisekarte am Mittag und Abend.

Der herbstlich gefärbte Kurpark lädt zu Kurkonzerten, einem Bummel durch den größten Palmengarten nördlich der Alpen oder zum Ausprobieren des Wassertretbeckens und des Barfuß-Pfades ein. In der Hufeland-Therme können Sie die Meersalzgrotte genießen, in unterschiedlichen Saunen schwitzen oder das Wasser in verschiedenen Formen auf den Körper wirken lassen, auch ambulantes Kuren ist möglich. Bad Pyrmont selbst lädt mit seinen Sehenswürdigkeiten, Einkaufsmöglichkeiten, Cafés und Kulturangeboten ein. Ab dem 25. September ist zum Beispiel die neue Licht- und Klanginszenierung „Ilumina“ im Kurpark zu bewundern. Am 3. Oktober präsentiert die Pianistin Gesa Lücker „Weltklassik am Klavier“. Sie spielt Werke von Bach, Mozart, Liszt und Schumann. Zwei Tage später, am 5. Oktober, bringt die Lemberger Philharmonie die Werke von Tschaikowsky, Glasunow und Rimsky-Korsakow zur Aufführung. Ein weiterer Höhepunkt: Am letzten Abend feiern wir gemeinsam Abschied, bei dem jeder nach seinen Möglichkeiten besinnliche und lustige Beiträge beisteuern kann.

Diese zehntägige Freizeit kostet im Einzelzimmer 490 Euro und im Doppelzimmer pro Person 430 Euro. Die Inklusivpreise beinhalten Vollpension und die Gästebetreuung (Programm). Die Kurtaxe wird vom Staatsbad Bad Pyrmont separat erhoben. Anfragen und Anmeldungen, bitte nur schriftlich, an: Ostheim – Jugendbildungs- und Tagungsstätte, Parkstraße 14, 31812 Bad Pyrmont, Telefon (05281) 93610, Fax (05281) 936111, E-Mail: info@ostheim-pyrmont.de


S. 16-17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BUND JUNGES OSTPREUSSEN

Vorsitzender: Stefan Hein, Gst.: Buchtstr. 4, 22087 Hamburg, Tel.: (040) 4140080, E-Post: kontakt@junge-ostpreussen.de, www.junge-ostpreu­ssen.de.

Breslau – 26. September: In der niederschlesischen Stadt Breslau findet dieses Jahr das Kulturfestival der Deutschen Minderheit in der Jahrhunderthalle statt. Es wird nur alle drei Jahre veranstaltet und ist durchaus etwas Besonderes. Die Stadtfahrt dient dazu, sich gemeinsam einen Eindruck von der Veranstaltung zu verschaffen, und bietet Gelegenheit, die schöne Stadt zu erkunden, und das natürlich nicht nur am Tage. Die Teilnehmer treffen sich in Breslau am Abend des 24. Septembers und reisen am 27. September wieder ab. Die Einladung mit weiteren Einzelheiten findet sich auf www.junge-ostpreussen.de.

Düsseldorf – Freitag, 9. bis Sonntag 11. Oktober, Düsseldorf: Bun-destreffen. Am 11. Oktober 2015 steht in diesem Rahmen eine Führung durch das Museum Stadt Königsberg in Duisburg auf dem Programm, das Ende 2015 seine Tore schließen wird.

 

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Sonnabend, 12. September, 10 Uhr, Hotel Wartburg, Langestraße 49, Stuttgart: Landesdeligiertentagung mit Berichten aus der Arbeit des Landesvorstands, Kassenbericht und Entlastung.

– Landeskulturtagung –

Vom Sonnabend, 12., bis Sonntag, 13. September findet im Stuttgarter Hotel Wartburg die Landeskulturtagung statt.

Das Programm am Sonnabend 14 Uhr: 70 Jahre nach Kriegsende haben die Vorträge der diesjährigen Kulturtagung als Schwerpunktthema „Königsberger Waisenkinder“. Zwei Zeitzeugen berichten. Gerhard Schröder war „1945 bis 47 – Als Königsberger Waisenkind in Ostpreußen“. Hannelore Neumanns Erinnerungen stehen unter dem Vortragstitel: „Ab 1947 – Die ungewisse Herkunft – Wer bin ich eigentlich? Die Suche nach den Wurzeln“.

19 Uhr: Kultureller Heimatabend mit Sketchen und Vertellchen der Teilnehmer. Am Klavier: Ralph Demski Das Programm am Sonntag

9 Uhr: Fortsetzung der Kulturtagung mit zwei Vorträgen. „Frieda Jung – zum 150 Geburtstag“ ist der erste gewidmet. Der zweite heißt „Ihre Spuren verwehen nie – Leben und Werk bedeutender ostpreußischer Männer und Frauen“. Nach dem gemeinsamen Mittagessen endet die Tagung zirka um 13.30 Uhr. Delegierte und Gäste sind an beiden Tagen herzlich eingeladen. Übernachtung im Hotel Wartburg. Anmeldungen an Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart.

Göppingen – Jeweils am ersten Mittwoch im Monat trifft sich um 14 Uhr im Lokal Glashaus, Weberstraße 15, 73084 Salach die Kreisfrauengruppe zu ihren Kulturnachmittagen. Ansprechpartner ist Vera Pallas, Telefon (07162) 5870.

Stuttgart – Sonnabend, 29. August, 14,30 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat: Die Westpreußen der Stuttgarter Gruppe treffen sich zum interessanten Kulturnachmittag unter Leitung von Herrn Schwalke. Alle Ostpreußen sind herzlich eingeladen.

Ulm/Neu Ulm – Sonnabend, 5. September, 14.30 Uhr, Ulmer Stuben, Adolph-Kolping-Platz 11: Monatliches Treffen. – Freitag, 11. September, 18.30 Uhr, Mahnmal in Schelklingen-Aachtal: Gemeinsames Gedenken der Landsmannschaften. – Sonnabend, 12. September, 15 Uhr, Landratsamt Ulm: Der BdV Ulm führt zum letzten Mal eine Feier zum Tag der Heimat durch.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Landshut – Dienstag, 1. September: Ausflug mit privaten Pkw zum Arber im Bayerischen Wald. Dienstag, 15. August, 12 Uhr, Gasthof Zur Insel: Königsberger- Klopse-Essen.

München – Freitag, 11. September, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5: Zusammenkunft der Frauengruppe.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Frauengruppe – Mittwoch, 9. September, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstr. 116–117, 10963 Berlin: Treffen der Frauengruppe zum Thema „Erinnerung an Ostpreußen 70 Jahre nach Flucht und Vertreibung“. Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Landesgruppe – Am Mittwoch, dem 12. August, begrüßte Helmut Gutzeit, der Vorsitzende der Bremer Landsmannschaft Ostpreußen, im Hotel Landgut Horn in Bremen-Horn zahlreiche Verwandte, Freunde und Weggefährten, die mit ihm seinen 75. Geburtstag feiern wollten. Die Gästeliste war lang: Vom ehemaligen Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Wilhelm von Gottberg über den Bremer Ex-Senator Nölle und zahlreiche Bremer Funktionäre der Landsmannschaft ging es bis zum bekannten Rezitator Herbert Tennigkeit. Alle waren gekommen, um ihm zu gratulieren und ihm vor allem noch viele gesunde und arbeitsreiche Jahre zu wünschen.

In vielen teilweise launigen Reden wurde die jahrzehntelange ehrenamtliche Arbeit des Jubilars gewürdigt. Längst vergessene Episoden wurden hervorgekramt und dabei auch immer wieder der viel zu früh verstorbenen Ehefrau Irmchen gedacht. Und alle Redner schlossen mit dem Wunsch „Helmut, die Ostpreußen brauchen Dich, bleib uns noch lange erhalten!“ Barbara Sandmann

Bremen – In der Geschäftsstelle läuft der Vorverkauf für unseren diesjährigen „Sommerausklang mit Beetenbartsch und Schmandschinken“ im Flughafenhotel Airport Bremen, Flughafenallee 26, am Sonnabend, 5. September. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr. Einlass ist ab 14.15 Uhr.

Im Vorprogramm wird wieder die „Musikgruppe Burg“ mit Gesang und instrumental alle Gäste einstimmen und zum Mitsingen jahreszeitlich passender Lieder einladen. Daneben ist Zeit zum Plachandern und Einkaufen am Büchertisch. Die Preise der Veranstaltung sollen wieder aus den Erlösen des Verkaufs antiquarischer Bücher gesponsert werden. Wegen der Einführung des Mindestlohns sind sie gegenüber dem Vorjahr etwas erhöht und betragen nun: 16 Euro (Schmandschinken), 10 Euro (Beetenbartsch) oder 12,50 Euro (fleischloser Gemüseteller). Der Eintritt ohne Essen beträgt 5 Euro. Im Preis inbegriffen ist der in alter Tradition vor dem Essen genossene „Stobbe-Machandel“ enthalten. Eine Anmeldung ist erforderlich: Donnerstags von 15 bis 17 Uhr oder auf dem Anrufbeantworter, Telefon (0421) 3469718.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Landesgruppe – Sonnabend, 5. September, 15 Uhr, Finnische Seemannskirche, Ditmar-Koel-Straße 6: Ökumenischer Gottesdienst des Landesverbandes der vertriebenen Deutschen in Hamburg (L.v.D.) zum Tag der Heimat. – Sonnabend, 12. September, 10.30 Uhr, Schützenhaus Winsen, Luhdorfer Straße 29c, 21423 Winsen (Luhe): Ostpreußentreffen. Weitere Informationen: Telefon (04171) 89261. – Sonntag, 13. September, 15 Uhr, Bachsaal, Gemeindehaus, Hauptkirche St. Michaelis, Krayenkamp 4, 20459 Hamburg (Verkehrsanbindung: S1, S2, S3 bis Stadthausbrücke, U3 bis Rödingsmarkt, Buslinie 37 bis Haltestelle Michaeliskirche): Tag der Heimat des LvD. Einlass ab 14.30 Uhr.

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und zu einem kulturellem Programm um 12 Uhr im Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125, 22459 Hamburg. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612.

Darmstadt/Dieburg – Am 12. August konnten unsere langjährigen Mitglieder, Ruth und Karl Lask, ihre Diamantene Hochzeit begehen. Ruth Lask, im 89. Lebensjahr, wurde in Großrosen bei Johannesburg und Karl Lask, im 93. Lebensjahr, in Kleschen im Kreis Treuburg geboren.

Die beiden Masuren haben sich in dem weithin bekannten „Haus Bethel“ kennengelernt. Die als Sekretärin bei der evangelischen Kirche der DDR tätige Ruth Skresny machte dort einen Besuch und lernte dabei ihren späteren Ehemann, den dort in Ausbildung zum Diakon weilenden Karl Lask kennen.

Mehr als drei Jahrzehnte haben dann Ruth und Karl Lask die therapeutische Einrichtung „Haus Burgwald“ in Mühltal, Fachklinik für Alkoholkranke, er als Leiter und Therapeut, sie als Hausmutter und hauswirtschaftliche Leiterin geprägt. Dabei leitete sie stets ihr christlicher Glaube. Auch heute noch pflegen sie freundschaftliche Kontakte zu ihren ehemaligen Patienten. Einige von ihnen waren auch zur Jubelfeier auf die Burg Frankenstein gekommen.

Beide haben auch bei unserer Kreisgruppe schon mehrere Vorträge, Karl Lask zum Beispiel über sein „kleines Dörfchen in Masuren“. Ruth hat Lesungen aus ihrem Buch „Mein Lebensweg“ gehalten.

Bei der sehr gelungenen Feier auf der Burg, die nach der Begrüßung mit einem Gottesdienst begann, konnten außer der großen Familie – fünf Kinder, elf Enkel und eine Urenkelin – viele Freunde, Bekannte und Landsleute gratulieren. Gerhard Schröder

– Monatsbericht –

Liebe Mitglieder und Gäste unseres monatlichen in Kranichstein. Leider mussten wir unser mehrfach angekündigtes Treffen am 15. August kurzfristig absagen. Wir bedauern dies sehr! Den für diesen Tag vorgesehene Vortag „auf unsere Wiese gehet was“ wollen wir mit Karla Weyland am 10. Oktober beim Erntedankfest nachholen. Unsere Sommerpause verlängert sich somit um einen Monat bis zum 19. September. An diesem Tag berichten Hannelore Neumann und Gerhard Schröder von ihrer Reise durch Ostpreußen, die sie zusammen mit den Insterburgern in diesen Sommer unternommen haben. Auch wollen wir nicht vergessen, unserem Jubilar Dieter W. Leitner, der am 2. August 80 Jahre alt wurde, unsere herzlichsten Glückwünsche auszusprechen und gute Gesundheit zu wünschen, damit wir ihn noch lange in unserer Mitte begrüßen können. Wir hoffen, dass wir uns alle am 19. September 2015 bei bester Gesundheit wieder treffen können, um ein paar schöne Stunden zu verbringen.

Kassel – Donnerstag, 3. September, 14.30 Uhr. AWO-Heim, Am Wehrturm 3: Vortrag von Hannelore Neumann zum Thema „Erinnerungen eines Königsberger Waisenkindes an die Zeit in Mitteldeutschland nach 1947“.

Wiesbaden – Sonnabend, 5. September, 11 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Feststunde des BdV zum Tag der Heimat. Die Ansprache hält der hessische Kultusminister Alexander Lorz. Ab 15 Uhr Kinderfest – Dienstag, 8. September, 15 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat: Treffen der Frauengruppe. Informationsgespräch mit Herrn Steinbauer vom Arbeiter Samariter Bund (ASB) zum Thema „Die Generation Notruf“. Freunde und Bekannte sind herzlich willkommen. – Sonntag, 13. September, 11 Uhr, Schloss Biebrich, Wiesbaden-Biebrich: Zentraler Tag der Heimat und hessischer Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation. Festredner ist unter anderem der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. Weitere Ansprachen halten Stefan Grüttner, hessischer Minister für Soziales und Integration sowie Siegbert Ortmann, Vorsitzender des BdV-Landesverbandes. Ab 10.30 Platzkonzert.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Helmstedt – Donnerstag, 10. September, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Gemeinsames Treffen.

Oldenburg – Die Landsmannschaft Ostpreußen und Westpreußen trifft sich nach der Sommerpause am 9. September um 15 Uhr im Stadthotel Eversten, Hauptstraße 38, Oldenburg. Unter dem Thema „Ostpreußen – so schabberten we tohus. Ein Nachmittag mit ostpreußischem Humor“ tragen Mitglieder der Gruppe vor. Freunde und Gäste sind herzlich willkommen.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bonn – Dienstag, 8. September, 18 Uhr, Stadthalle Bonn-Bad Godesberg: Auftaktveranstaltung des BdV-Kreisverbandes und der Landsmannschaft für den Tag der Heimat. Rudolf Landrock zum Thema „70 Jahre Brünner Todesmarsch“.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr, Eichendorff-Saal, Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Chorprobe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft „Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland“ unter Leitung von Radostina Hristova. – Dienstag, 1. September, 19 Uhr, GHH: Bernd Fabritius, Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), spricht zum Thema „der BdV auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. – Mittwoch, 2. September,

15 Uhr, Raum 311, GHH: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt. – Donnerstag, 3. September, 19.30 Uhr, Raum 412, GHH: Offenes Singen mit Barbara Schoch. – Mittwoch, 9. September, 19 Uhr, Konferenzraum, GHH: „Das Sudetendeutsche Museum in München. Konzept und Stand der Vorbereitungen“ – Vortrag von Dr. Elisabeth Fendl. – Freitag, 11. September, 18 Uhr, Restaurant Lauren’s, Bismarckstraße 62: Stammtisch. – Sonnabend, 12, September,

11 Uhr, Konferenzraum, GHH: Tag der Heimat unter dem Leitwort „Vertreibungen sind Unrecht – gestern wie heute“.

Ennepetal – Sonnabend, 12. September, 15 Uhr, Restaurant Rosine: Tag der Heimat.

Köln – Die Versammlung der Ostpreußenrunde, die jeden dritten Dienstag des laufenden Monats stattfindet, fällt im August wegen Urlaub vieler Mitglieder aus. Der Vorstand wünscht allen eine erholsame Zeit. Wir treffen uns wieder am 15. September um 14.30 Uhr im Bürgerzentrum Köln-Deutz, Tempelstraße 41–43, das mit den Linien der KVB 3 und 4 von der Haltestelle Suevenstraße, und den Linien 1 und 7 von Deutzer Freiheit in wenigen Minuten erreicht werden kann.

Neuss – Sonnabend, 12. September, 14 Uhr, Ostdeutscher Gedenkstein, Oberstraße: Gedenkfeier zum Tag der Heimat. Im Anschluss Feierstunde im Marienhaus, Kapitelstraße 36. Ein Bustransfer vom Gedenkstein zum Marienhaus steht zur Verfügung.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle, Telefon privat (0345) 2080680.

Dessau – Montag, 14. September, 14 Uhr, Seniorenfreizeitzentrum Krötenhof: Gemeinsames Treffen zum Thema „Erinnerungen an unsere Heimat“.

Gardelegen – Donnerstag, 10. September. 12.30 Uhr, Gaststätte Wieseneck: Pellkartoffelessen.

Magdeburg – Dienstag, 1. September, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen. – Freitag, 4. September, TuS Fortschritt, Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises. – Sonntag, 13. September, 14 Uhr, Sportgaststätte, Spielhagenstraße: Tag der Heimat,

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Landesgruppe – Margarete Beyer erhielt jüngst das Goldene Ehrenzeichen. Die Laudatio hielt der schleswig-holsteinische Landesgruppenvorsitzende Edmund Ferner. Hier ist sie im Wortlaut: Margarete Beyer wurde am 23. September 1928 in Calsen in Westpreußen geboren und kam im Zuge der Familienzusammenführung nach Westdeutschland. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie im ostpreußischen Rastenburg in einem Kombinat als Buchhalterin gearbeitet. Ihren Berufsabschluss und die Reifeprüfung erlangte sie in Abendkursen.

In Westdeutschland fand Margarete Beyer Arbeit in einem Bauunternehmen und machte eine Umschulung zur Bürokauffrau. Dank dieser Ausbildung wurde sie 1985 vom „Landesverband der vertriebenen Deutschen“ in Kiel (damals noch LvD) eingestellt. Im Zuge ihrer dortigen Tätigkeit stellte sich heraus, dass ihre Sprachkenntnisse in Russisch und Polnisch als Dolmetscherin und Übersetzerin sehr wertvoll waren. Margarete Beyer half daraufhin den Aussiedlern im Durchgangslager Jägerlust wirkungsvoll bei der Arbeitssuche und bei Behördengängen.

Als offiziell anerkannte „Beraterin für Spätaussiedler“ wirkt Frau Beyer seit dem 1. August 1985 im Kieler „Haus der Heimat“ (HdH) des Verbandes der Heimatvertriebenen und erteilte dort jahrelang viermal wöchentlich Deutschunterricht. Hunderte Hilfesuchende hat sie seitdem beraten und unterstützt, unter diesen waren sehr viele ost- und westpreußische Landsleute. Bald kam bei vielen Vertriebenen der Wunsch nach geselligen Treffen im Haus der Heimat auf, die Margarete Beyer nicht nur für ihre ost- und westpreußischen Landsleute, sondern auch für andere Landsmannschaften organisierte.

Ohne Frau Beyer wäre das „Haus der Heimat“ ein „totes Haus“. Sie kontrolliert fast täglich die Räumlichkeiten im Hause, sorgt für Ordnung und Beseitigung von Mängeln. Planung und Koordination der Raumbelegung, Dekoration und Ausschmückung des großen Saales für alle Veranstaltungen der Heimatvertriebenen sind ihr ein großes Anliegen.

Seit dem 26. Mai 1999 fungierte Margarete Beyer als Schatzmeisterin und Geschäftsführerin des VdH in Kiel. Vom August 1998 bis Juni 2011 war sie zudem als Geschäftsführerin und Schatzmeisterin für die Ostpreußen-Hilfsgemeinschaft in Kiel tätig. Zusätzlich leitet sie nach dem Tode von Hannelotte Berg seit 2011 den Ortsverband der Ostpreußen in Kiel.

Auch auf Landesebene ist Margarete Beyer seit vielen Jahren für die Ostpreußen tätig. Seit dem 1. August 1993 ist sie die Geschäftsführerin und äußerst zuverlässige Schatzmeisterin der Landesgruppe der Ostpreußen in Schleswig-Holstein.

Margarete Beyer ist für ihre vielfältige ehrenamtliche Arbeit im Jahre 2008 mit dem Ehrenzeichen in Gold des BdV ausgezeichnet worden. Von den Sudetendeutschen erhielt sie deren außergewöhnlichen Kulturpreis im Jahre 2012. Das Ehrenzeichen in Silber der Landsmannschaft Ostpreußen wurde ihr im Jahre 1996 verliehen.

In Würdigung ihrer außergewöhnlichen Leistungen und ihres unermüdlichen Einsatzes für Ostpreußen verlieh die Landsmannschaft Ostpreußen Frau Margarete Beyer im Februar 2014 das Goldene Ehrenzeichen. Somit hat unsere Margarete Beyer sowohl vom BdV als auch von der Landsmannschaft Ostpreußen die höchste Auszeichnung, nämlich die goldenen Ehrennadel.

Margarete Beyer hat immer mehr als ihre Pflicht getan. Sie war und ist die Seele unseres Hauses der Heimat. Wie gesagt, mit viel Herzblut hat sie hier gewirkt. Nun wünschen wir ihr Langlebigkeit bei besserer Gesundheit als bisher.

Wir alle verneigen uns vor ihrer Lebensleistung im Namen der Flüchtlinge und Vertriebenen und unserer Landsleute.

Bad Oldesloe – Thema der Augustrunde der Ost-und Westpreußen war das Erinnern an alte Geschäfte und Unternehmen. Solche, die sehr bekannt und beliebt waren, die es aber in Bad Oldesloe schon lange nicht mehr gibt. Dazu hatte die Vorsitzende eine Auswahl getroffen. Sie begann mit dem Textil-Geschäft Hermann Stegemann in der Hindenburgstraße. Der Inhaber war aus Al-tentreptow in Pommern nach Bad Oldesloe gekommen und begann seinen Handel mit Kurzwaren und Textilien per Fahrrad. Die Buchhandlung L. H. Meyer geht bis ins Jahr 1885 zurück, als Lorens Heinrich Meyer am 8. Juli 1885 mit einer Anzeige im Oldesloer Landboten die Eröffnung seiner Buchhandlung im Hause Bahnhofstraße 1b verkündete.

Den „Oldesloer Landboten“ – das Stormarner Tageblatt – gibt es noch, aber die Zeitung wird schon seit längerer Zeit nicht mehr in Bad Oldesloe gedruckt.

Die Teilnehmer ergänzten mit eigenen Erinnerungen und Erfahrungen die Berichte. Das älteste Unternehmen dürfte die Spedition Heinrich Harms gewesen sein. Sie bestand seit 1648. Der Gründer war Fuhrmann und Landmann Heinrich Harms, der seit dieser Zeit das Bürgerrecht besaß. Vielleicht bestand sein Fuhr­geschäft aber auch schon länger.

Weiter ging es mit den ehemaligen Tankstellen, Hotels und Gaststätten. Dann tauchte dieses oder jenes Geschäft in der Erinnerung auf, und man wusste noch genau, was man wann dort gekauft hatte. So ging ein etwas anderer, sehr lebhafter Nachmittag zu Ende.

Gisela Brauer

Burg auf Fehmarn – Dienstag, 8. September, 15 Uhr, Haus am Stadtpark: Die Landsmannschaft „Ost-, Westpreußen und Danzig“ trifft sich erstmalig wieder nach der Sommerpause. An diesem Nachmittag kommt Ekkehard Schmidt aus Rendsburg, der humorvolle und besinnliche Geschichten aus Ost-,und Westpreußen zum Besten geben wird. Gäste sind herzlich willkommen.

Malente – Freitag, 11. September, 15 Uhr, Lenter Kate, Bahnhofstraße 13 A: Rechtsanwalt Thomas Menzel wird in seinem Vortrag „Erben und Vererben“ über die neue, seit 2015 gültige Erbrechtsverordnung und die damit verbundenen Erbschaftssteuern informieren. Für die Teilnehmer gibt es ein Stück Kuchen und Kaffee satt. Die Kostenbeteiligung beträgt zwei Euro. Anmeldungen bitte bis Sonnabend, 5. September, im Blumenhaus Franck (Inhaber St. Munkelt, Bahnhofstraße 26). Telefonische Anmeldung, (04523) 2659, nur in dringenden Fällen.

Neumünster – Mittwoch, 9. September, 12 Uhr, Restaurant am Kantplatz: gemeinsames Mittagessen. Zwei Gerichte, entweder mit Fisch oder Fleisch, werden angeboten. Anmeldung bitte bis zum 31. August unter Telefon (04321) 82314. Gäste sind willkommen.

– Bericht –

Am 5. August unternahm die Kreisgruppe Neumünster der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen ihren Jahresausflug. Die Fahrt führte an den Kanal nach Schafstedt ins Biergartenlokal „Kanal 33“ und sie hatte einiges zu bieten: Herrliches Wetter zum Kaffee trinken mit leckeren Torten, Fischbrötchen und Eis; Ausblick auf den Kanal mit großen und kleinen Schiffen; plaudern und einen kleinen Spaziergang am Kanal – wer wollte und konnte. Es war eine gemütliche Fahrt ohne Hindernisse durch die schöne grüne Landschaft und durch gepflegte Dörfer. Solche Ausflüge können wiederholt werden, war die allgemeine Meinung.

Pinneberg – Sonntag, 13. September, 15 Uhr: Nachmittag mit Überraschungen. Wegen der Kaffeetafel bitte spätestens vier Tage vorher anmelden, Telefon (04101) 62667.


Auf nach Schwerin!
Sieben Ostpreußen-Chöre beim Landestreffen

Die Ostpreußen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern haben ein Jubiläum: das 20. Landestreffen der Ostpreußen in Folge! Am Sonnabend, dem 26. September, werden von 10 bis 17 Uhr in der Sport- und Kongresshalle Schwerin, Wittenburger Straße 118, mehr als 2000 Besucher erwartet. Angehörige und Interessenten von nah und fern sind ebenfalls herzlich eingeladen zu kommen.

Alle 40 ostpreußischen Heimatkreise sind wie immer an Extra-Tischen ausgeschildert. Für die Gäste ist ein reiches Informations- und Kulturprogramm vorbereitet. Angesagt haben sich sieben Chöre aus Ostpreußen (Masuren, Königsberg, Memelland), der Shanty-Chor „De Klaashahns“ aus Rostock-Warnemünde und das Landespolizeiorchester Mecklenburg-Vorpommern. Ehrengäste sind der Botschafter der Republik Litauen in Deutschland, Deividas Matulionis, die Justizministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Uta-Maria Kuder, und der Bundessprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat.

Für das leibliche Wohl, eine große Auswahl an Heimatliteratur, ostpreußischen Bärenfang und genügend Parkplätze ist gesorgt. Busse und Fahrgemeinschaften werden durch die örtlichen Ostpreußen-Gruppen organisiert – bitte dort erkundigen. Hotelplätze vermittelt die Tourist-Information Schwerin, Telefon (0385) 5925212.

Die Sport- und Kongresshalle ist mit der Stadtbuslinie 11 sehr gut vom Hauptbahnhof aus erreichbar.


S. 18-20 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ALLENSTEIN STADT

Kreisvertreter: Gottfried Hufenbach, Danziger Str. 12, 53340 Meckenheim. Geschäftsstelle: Stadtgemeinschaft Allenstein, Vattmannstraße 11, 45879 Gelsenkirchen, Telefon (0209) 29131 und Fax (0209) 4084891, E-Mail: Stadt-Allenstein@t-online.de

Das 60. Gelsenkirchener Jahrestreffen der Stadtgemeinschaft Allenstein findet vom 11. bis 13. September statt und steht unter dem Motto „60 Jahre Stadtgemeinschaft Allenstein“. Eröffnet wird das Treffen am Freitagnachmittag mit der Versammlung der neu gewählten Stadtvertreter, die die Berichte des alten Vorstandes entgegennehmen und den neuen Vorstand wählen. Am Abend treffen sich ehemalige und heutige Bewohner unserer Heimatstadt zu einem gemütlichen Beisammensein im Restaurant Dubrovnik neben dem Hans-Sachs-Haus.

Der Sonnabend beginnt um 10.45 Uhr in der Propsteikirche mit einer ökumenischen Andacht und der Kranzniederlegung an der Gedenktafel für alle verstorbenen Allensteiner. Die Andacht wird von dem ehemaligen Visitator Ermland, Monsignore Lothar Schlegel und Domherr André Schmeier aus Allenstein gehalten. Anschließend besteht Gelegenheit, den Treudank, das Allensteiner Heimatmuseum in der Vattmannstraße, zu besuchen.

Ab 13 Uhr trifft man sich gemeinsam mit der Kreisgemeinschaft Allenstein im Schloss Horst. Neben einem reichhaltigen Angebot an Büchern und Informationen über Allenstein und Ostpreußen ist auch eine Ausstellung alter Postkarten aus Ostpreußen zu sehen.

Um 15 Uhr findet in der Glashalle des Schlosses die Feierstunde statt, die von der Trinity Brass, dem Bläser und Posaunenchor Gelsenkirchen-Erle unter der Leitung von Hans-Günter Nowotka musikalisch umrahmt wird. Neben Vertretern der Partnerstädte Gelsenkirchen und Allenstein erwarten wir auch zahlreiche Angehörige der deutschen Minderheit aus Allenstein.

Anschließend spielt Andreas Kokosch beliebte Oldies zum Tanz und zur Unterhaltung. Wer es ruhiger mag, kann sich auch zum Schabbern in den Rittersaal oder den Garten zurückziehen.

Mit dem Besuch der Gottesdienste am Sonntagvormittag geht das Treffen zu Ende.

 

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101.

Auch in der Urlaubszeit gehen die Vorbereitungen für die 61. Angerburger Tage am 12. und 13. September in Rotenburg (Wümme) weiter. Der Landkreis Rotenburg (Wümme) als Patenschaftsträger und der Vorstand der Kreisgemeinschaft Angerburg laden dazu recht herzlich in die liebenswerte Kreisstadt an der Wümme ein. Die Angerburger aus nah und fern sowie deren Nachkommen und Freunde treffen sich in der Theodor-Heuss-Schule in der Gerberstraße 16 (neben dem Ratsgymnasium).

Eingeleitet werden die 61. Angerburger Tage am Sonnabend, den 12. September, um 9 Uhr mit einer Kranzniederlegung am Patenschaftsstein neben der Angerburger Eiche beim Rotenburger Kreishaus. Anschließend tagt ab 9.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Kreishauses in öffentlicher Sitzung die Angerburger Kreisvertretung (Delegiertenversammlung). Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Ehrungen und Berichte des Vorstandes sowie die Verabschiedung des Haushaltsvoranschlages für das Geschäftsjahr 2016.

Im Mittelpunkt der Sitzung dürfte jedoch die Neuwahl des Kreisvertreters und zweier Stellvertreter sowie von vier weiteren Vorstandsmitgliedern stehen. Für die Zukunft der Kreisgemeinschaft durfte auch der Tagesordnungspunkt 18 wichtig sein: Beschlussfassung über Satzungsneufassung. Mit der Neufassung soll den heutigen organisatorischen und rechtlichen Erfordernissen Rechnung getragen werden. Nutzen Sie also die Gelegenheit sich zu informieren.

Um 13.30 Uhr starten wir vom „Hotel am Pferdemarkt“ zu einer Kreisrundfahrt, die uns nach Scheeßel führen wird, wo wir Kaffee/Tee und Kuchen erhalten. Es ist ein Kostenbeitrag von unverändert 10 Euro pro Person einschließlich Busfahrt zu entrichten. Aus organisatorischen Gründen ist eine vorherige schriftliche Anmeldung unter Angabe der Personenzahl an Brigitte Junker, Sachsenweg 15, 22455 Hamburg, bis spätestens 31. August nötig.

Ab 15 Uhr ist die Theodor-Heuss-Schule geöffnet für alle, die nicht an der Busfahrt teilnehmen und sich mit Bekannten treffen wollen. Zum Abendessen (ab 18 Uhr) werden Speisen und Getränke (kleine Karte) angeboten. Ab 20 Uhr wird Wolfgang Brandes auf unterhaltsame und informative Art die einzigartige Geschichte des Liedes „Ännchen von Tharau“ erzählen. In geselliger Runde lassen wir danach den Tag ausklingen.

Die Angerburger Tage werden am Sonntag, den 13. September, fortgesetzt. Ab 9.30 Uhr ist die Theodor-Heuss-Schule für die Angerburger geöffnet. In der Aula der Schule findet um 11 Uhr eine Feierstunde statt. Die Gastrede wird Barbara Loeffke aus Lüneburg, Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen, halten. Nach der Feierstunde treffen sich die Angerburger aus Stadt und Kreis mit alten und neuen Freunden in der Mensa der Schule. Dort besteht auch Gelegenheit zum Mittagessen, außerdem werden Kuchen, Kaffee, Tee oder andere Getränke angeboten.

Am Sonnabend und Sonntag sind das Angerburger Zimmer (Heimatstube) mit Archiv und die Geschäftsstelle am Standort, Weicheler Damm 11, von 12 bis 16 Uhr geöffnet. An anderen Tagen ist ein Besuch nach vorheriger Absprache möglich. In der Theodor-Heuss-Schule werden Bücher, Karten, Landkarten sowie Angerburger Heimatbriefe verschiedener Jahrgänge angeboten. Das vollständige Programm ist im Angerburger Heimatbrief Nr. 155 (Juni 2015) auf den Seiten 46/47 abgedruckt. Die auf der Seite 48 angebotene Busfahrt findet natürlich am 12. September statt. Auf Seite 47 des Angerburger Heimatbriefes Nr. 155 sind die Übernachtungsmöglichkeiten aufgeführt. Im Helmut Tietje-Haus, Verdener Straße 104, Telefon (04261) 83041, sind für die Angerburger einige Zimmer reserviert. Bitte geben Sie bei der Bestellung an, dass Sie die Angerburger Tage besuchen wollen. Es empfiehlt sich, die Zimmerbestellung möglichst umgehend vorzunehmen.

Es ist wichtig, dass die Angerburger in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Durch Ihren Besuch der 61. Angerburger Tage am 12. und 13. September stärken Sie auch die Arbeit des Vorstandes der Kreisgemeinschaft Angerburg. Auch einige Tage Urlaub im Patenkreis würden sich lohnen. Der Vorstand würde sich über viele Besucher freuen und wünscht Ihnen eine gute Zeit, wo immer Sie die auch verbringen.

Kurt-Werner Sadowski,

Kreisvertreter

 

BARTENSTEIN

Kreisvertreter: Christian v. der Groeben, Ringstraße 45, 97950 Großrinderfeld, Telefon (09349) 929252, Fax (09349) 929253, E-Mail: csgroeben@gmx.de.

Die Sommerausgabe von „Unser Bartenstein“ ist bei den Lesern angekommen. Sie enthält eine Fülle von Informationen aus dem Kreis, Erinnerungen, Bilder, Anregungen, Vorschläge und Berichte. Wie immer sind die Familiennachrichten eine willkommene Brücke zwischen den weit verstreut lebenden Mitgliedern der Kreisgemeinschaft.

Der Vorsitzende stellt zum Beispiel ein Projekt vor, mit dem er noch ein paar Pflöcke einschlagen will, ehe es zu spät ist. Er möchte dazu kurze Beschreibungen mit Bildern und Inventarzusammenstellungen der landwirtschaftlichen Betriebe über 200 Hektar im Kreisgebiet Bartenstein sammeln, die dann zu einem „Ortsarchiv vor 1945“ zusammengefasst und den jetzt zuständigen polnischen und russischen Gemeinden überlassen werden sollen. Natürlich werden solche Dokumente auch die Heimatstube bereichern. Zu seiner großen Enttäuschung hat sich bisher von zirka 90 aufgelisteten Betrieben nur ein Nachkomme dazu bereit und in der Lage gefunden, entsprechende Beiträge zu liefern. Offensichtlich sind die dazu hilfreichen Lastenausgleichsunterlagen dem Altpapier überlassen worden.

Die Patenstadt Nienburg stellt sich mit ihrer Geschichte vor, die württembergische Namenspartnerin steuert eine kurze Geschichte des barock-geprägten ehemaligen Residenzstädtchens bei.

Unser Kreistreffen 2015 in Nienburg soll wieder eine möglichst große Schar unserer Heimatfreunde vereinen. Wir werden uns am Sonnabend, den 5. September, im Hotel Zur Krone, Verdener Landstraße 245, einfinden. Beim Programm werden wir uns an die Erfahrungen der letzten Jahre halten und überwiegend Zeit und Gelegenheit zum Austausch von Erinnerungen und Erfahrungen geben. Wie üblich legen wir um 9.30 Uhr an den Gedenksteinen bei den Berufsbildenden Schulen, Berliner Ring 45, in einer kurzen Feier einen Kranz nieder. Von 10 bis 12 Uhr besteht Gelegenheit zum Stöbern in der Heimatstube, Verdener Straße 24, betreut von Manfred Eckert.

Am Vortag wird ab 16 Uhr im Hotel Zur Krone wieder unsere jährliche Vorstandsitzung stattfinden. Interessenten können daran teilnehmen, da diese Sitzungen öffentlich sind und wir unsere Sorgen gern auch an einen größeren Personenkreis weitergeben.

 

BRAUNSBERG

Kreisvertreter: Manfred Ruhnau, Tel.: (02241) 311395, Fax (02241) 311080, Bahnhofstraße 35 b, 53757 Sankt Augustin. Geschäftsstelle: Stadtverwaltung Münster, Patenstelle Braunsberg, Frau Jostenmeier, 48127 Münster, Tel.: (0251) 4926051.

Unser 61. Braunsberger Kreistreffen findet am 3. und 4. Okto-ber in unserer Patenstadt Münster statt. Ort ist die Johanniter Akademie in der Weißenburg-Straße 60–64.

Das Programm am Sonnabend 15 Uhr: Mitgliederversammlung mit Berichten und Neuwahlen des Vorstandes.

19.00 Uhr: Gemütliches Beisammensein, Gespräch mit Dr. Jürgen Schmidt zu Thema „Braunsberg mit den Augen eines russischen Panzersoldaten“

Das Programm am Sonntag

8.30 Uhr: Katholischer Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche, Metzer Straße. Zelebrant ist Konsistorialrat Claus Fischer. Unsere evangelischen Landsleute sing ebenfalls herzlich eingeladen.

10.30 Uhr: Festliche Stunde im Vortragssaal der Johanniter Akademie.

- Musikkapelle: Reinhold Kollenberg

- Begrüßung: Kreisvertreterin Manuela Begett

- Totenehrung

- Grußworte: Patenstadt Münster und andere

- Musikstück

- Festvortrag Jürgen Schmidt über die „Die deutsch polnischen Beziehungen zwischen beiden Weltkriegen“

- Musikstück

- Gemeinsamer Gesang: Ostpreußenlied

- Deutschlandlied: 3. Strophe

- Empfang durch unsere Patenstadt Münster

- Gemeinsames Mittagessen in der Kantine der Akademie

14 Uhr: gemeinsames Kaffeetrinken. Der Vorstand gibt Auskunft über die weitere Arbeit derKreisgemeinschaft.

 

EBENRODE (STALLUPÖNEN)

Kreisvertreter: Dr. Gerhard Kuebart, Schiefe Breite 12a, 632657 Lemgo, Telefon (05261) 8 81 39, E-Mail: gerhard.kuebart@ googlemail.com.

Liebe Mitglieder und Freunde, Sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem wir Ende Mai in Kassel 100 Jahre Patenschaft gefeiert und die jährliche Mitgliederversammlung durchgeführt haben, wobei wir eine engere Zusammenarbeit mit der Kreisgemeinschaft Schloßberg beschlossen, den Vorstand bestätigten beziehungsweise Daniela Wiemer zur Ersten Stellvertreterin des Kreisverbandes wählten, darf ich Sie heute im Namen des Vorstands herzlichst zum Ostpreußentreffen am 12. September im Schützenhaus Luhdorfer Straße 29c (hinter der Stadthalle) in 21423 Winsen einladen.

Wir hoffen, auch wieder zahlreiche Mitglieder der Landesgruppen Hamburg und Niedersachsen als Gäste begrüßen zu dürfen. Um 9.30 Uhr findet die Kranzniederlegung am Ehrenmal statt. Um 10.30 Uhr beginnt die Feierstunde, die vom Singzirkel und Männerchor Winsen eingeleitet wird. Barbara Loeffke aus Lüneburg wird den Festvortrag zum Thema „70 Jahre fern der Heimat“ halten.

Nach dem Mittagessen beginnt um 14 Uhr der Unterhaltungsteil mit Drehorgelspieler Hans-Uwe Neuwald. Um 15 Uhr ertönt die Jagdhornbläsergruppe des Hegerings Winsen/Luhe, gefolgt von Darbietungen auf Trakehner Pferden von Fenja Wiemer und Johanna Schley. Zwischen 16.30 und 18.30 Uhr sind dann die Heimatstuben Rote-Kreuz -Straße 6 geöffnet.

Auf Wiedersehen in Winsen an der Luhe! G. Kuebart

 

GERDAUEN

Kreisvertreter: Walter Mogk, Am Eichengrund 1f, , 39629 Bismark (Altmark), Telefon (0151) 12 30 53 77, Fax (03 90 00) 5 13 17. Gst.: Doris Biewald, Blümnerstraße 32, 04229 Leipzig, Telefon (0341) 9600987, E-Mail: geschaeftsstelle@ kreis-gerdauen.de.

Am 3. und 4. Oktober findet unser diesjähriges Hauptkreistreffen im Hotel Esplanade, Bahnhofstraße 8, in 31542 Bad Nenndorf statt, zu dem wir alle Landsleute und Freunde des Kreises Gerdauen herzlich einladen. Bringen Sie bitte auch Ihre Verwandten, Bekannten und Freunde mit.

Für den Sonnabendnachmittag ist als Höhepunkt der Vortrag von Annette Jacobsen geplant. Sie lebt in Gammel Ry in Dänemark. Ihr Vortrag spannt den Bogen von der Flucht aus Ostpreußen bis hin zur Repatriierung aus Dänemark und zeigt anhand des Lagers Rye, wie sich der Aufenthalt der deutschen Flüchtlinge in Dänemark gestaltete; angefangen bei überfüllten Erstlagern bis hin zu durchorganisierten Großlagern. Mit Hilfe einer Vielzahl von Fotos versucht sie, ein Bild vom Lager Rye zu vermitteln, indem sie die Geschichte einzelner Flüchtlinge und Dänen miteinander verwebt. Der dänische Polizist, der deutsche Pastor, die deutsche Flüchtlingsfrau mit ihrem dänischen Verlobten außerhalb des Lagers, das Kulturleben im Lager und vieles mehr bilden die Grundlage für den Vortrag. 2015 ist schließlich das Jahr, das nicht nur das Kriegsende in Europa, sondern auch die Ankunft der deutschen Flüchtlinge in Dänemark vor 70 Jahren markiert.

Der Sonnabendabend beginnt mit einem gemeinsamen Essen á la carte. Ein Bon, der für das Abendessen eingelöst werden kann, wird an der Kasse beim Eintritt ausgegeben. Mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein, umrahmt von Musik und kleinen Beiträgen, von uns selbst gestaltet, soll der Abend ausklingen. Hier bitten wir um Ihre Mithilfe: Wenn Sie ein kleines Gedicht, eine Geschichte oder einen Sketch kennen, bringen Sie diese mit, tragen Sie sie selbst vor oder lassen Sie diese von anderen zum Besten geben.

Unterkünfte stehen im Hotel Esplanade, Bahnhofstraße 8, Telefon (05723) 798110 zum Sonderpreis von 58 Euro pro Nacht (Einzelzimmer mit Frühstück) und 80 Euro pro Nacht (Doppelzimmer mit Frühstück) sowie im Parkhotel Deutsches Haus (200 Meter entfernt, Bahnhofstraße 22), Telefon (05723) 94370 zum Sonderpreis von 52 Euro pro Nacht (Einzelzimmer mit Frühstück) und 75 Euro pro Nacht (Doppelzimmer mit Frühstück) zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich mit Ihrer Reservierung direkt an das Hotel und geben Sie bei der Zimmerbuchung an: Sonderpreis für das Hauptkreistreffen Gerdauen.

Walter Mogk, Kreisvertreter

Am Sonnabend 9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungsraums im Hotel Esplanade (ab 9.30 Uhr Infostand mit Büchern, Heimatandenken und Marzipan, ab 12 Uhr Infostand Familienforschung GIRDAWE);

9.25 Uhr: Begrüßung;

9.30–11.30 Uhr: Kreistagssitzung;

10–12 Uhr: Filmvorführungen über Ostpreußen vor 1945 und den Kreis Gerdauen nach 1945;

Im Laufe des Tages: Gelegenheit zum Kennenlernen und Wiedersehen von Landsleuten und zum direkten Kontakt mit Ihren Kirchspielvertretern (nach der Kreistagssitzung);

Am Nachmittag Gelegenheit zum Kaffeetrinken im Veranstaltungsraum (das Hotel bietet selbstgebackenen Kuchen an);

14–16 Uhr: Filmvorführungen über Ostpreußen vor 1945 und den Kreis Gerdauen nach 1945;

16.30–18 Uhr: „... in fremdes Land verbannt“ – Deutsche Flüchtlinge in Dänemark 1945-1949 (Vortrag von Annette Jacobsen, Gammel Ry/Dänemark);

18.30 Uhr: Begrüßung und gemeinsames Abendessen;

Anschließend Gemütliches Beisammensein mit Musik und kleinen Einlagen (eigene Beiträge der Landsleute sind herzlich willkommen); Musikalische Begleitung: Kasimir Tarnowski;

Am Sonntag 9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungsraums im Hotel Esplanade (ab 9.30 Uhr Infostand mit Büchern, Heimatandenken und Marzipan, Infostand Familienforschung GIRDAWE);

11 Uhr: Feierstunde im Veranstaltungsraum des Hotels Esplanade (Musikalischer Rahmen: Kasimir Tarnowski, Geistliches Wort und Totengedenken: Pastor i.R. Wilhelm Knackstedt, Grußworte, Ansprache des Kreisvertreters, Gemeinsamer Gesang des Ostpreußenliedes);

14–16 Uhr: Filmvorführungen über Ostpreußen vor 1945 und den Kreis Gerdauen nach 1945;

Im Laufe des Tages Gelegenheit zum Kennenlernen und Wiedersehen von Landsleuten aus dem Heimatkreis und zum direkten Kontakt mit Ihren Kirchspielvertretern.

Änderungen sind vorbehalten!

 

GUMBINNEN

Kreisvertreterin: Karin Banse, Wiesengrund 9, 29559 Wrestedt, OT Wieren, Telefon (05825) 642, E-Mail: karin.banse@t-online.de, Internet: www.kreis-gumbinnen.de.

In diesem Jahr begeht die Kreisgemeinschaft Gumbinnen den 60. Jahrestag ihres Bestehens. Gefeiert wird am 12. und 13. September im „Brenner Hotel“, Otto-Brenner-Straße 135, in der Patenschaft Bielefeld. Gumbinner, ihre Nachkommen, Freunde und Gäste von fern und nah sind herzlich willkommen.

Um 10 Uhr am Sonnabend, dem 12. September, beginnt das Treffen mit der Kreisversammlung, in der vom Vorstand turnusgemäß Tätigkeits- und Rechenschaftsberichte abgeben werden, ebenso Berichte von der „Stiftung Gumbinnen“ und der Arbeitsgruppe „Ostpreußisch Platt“. Es bleibt aber auch noch genügend Zeit zum Beisammensein, Kaffeetrinken und „Plachandern“. Eine Ausstellung mit Exponaten aus Archivunterlagen und Filmen von früher und heute wird von Gerhard Thies vorbereitet. In der umfangreichen Adress- und Namensdatei von Klaus Stephan kann mancher seine Familiendaten finden oder vervollständigen.

Auch in diesem Jahr gibt der Kammerchor Kant aus Gumbinnen [Gusew] am Sonnabend um 19 Uhr in der Lutherkirche ein Konzert. Die Kirche ist ganz in der Nähe vom Tagungsort gelegen. Auch Gäste aus Bielefeld sind herzlich dazu eingeladen. Der Abend im Brenner Hotel lässt dann anschließend noch Zeit für ein gemütliches Beisammensein.

Am Sonntag, dem 13. September, beginnt um 10 Uhr im Brenner Hotel eine öffentliche Gemeinschaftsstunde, zu der auch Vertreter der Stadt Bielefeld eingeladen sind. Traditionsgemäß wird nach einer Andacht das Totengedenken gesprochen. Neben den Grußworten der Ehrengäste und dem Bericht der Vorsitzenden über die Arbeit der Kreisgemeinschaft wird ein Rückblick auf 60 Jahre Wirken in der Kreisgemeinschaft stehen. Beginnend mit den Zielen der Gründer nach dem Verlust der Heimat, von Haus und Hof, der Nachbarschaft, Freunden und vielen Familienangehörigen sowie der Hoffnung auf eine Rückkehr, über die Neufindung im fremden Land und die zunehmende Fügung in ein neues Leben.

Aber auch die Entfremdung der nachfolgenden Generationen soll angesprochen werden bis hin zur schmerzlichen Akzeptanz und der realen Situation, die besonders nach der Öffnung des lange Jahre unzugänglichen Landes entstand. Heute steht die Verpflichtung zur Bewahrung des kulturellen Erbes im Mittelpunkt der Arbeit der Kreisgemeinschaft Gumbinnen. Dazu gehört die Pflege der Kontakte unter den Gumbinnern durch den „Gumbinner Heimatbrief“ und die Homepage, die Wahrung des Archivgutes in Bielefeld. Aber auch ein guter Kontakt zur ehemaligen Heimatstadt wird gepflegt, dem heutigen Gusew, zu den Menschen, die dort ihre Heimat gefunden haben, zur Verwaltung und zum Museum, das in drei Räumen Gumbinner Kulturgut präsentiert. Auf eine Delegation aus Gusev wird man in diesem Jahr verzichten müssen, denn dort finden Kommunalwahlen statt. Karin Banse,

Kreisvorsitzende

 

HEILIGENBEIL

Kreisvertreterin: Elke Ruhnke, Im Bökel 76, 42369 Wuppertal, Tel.: (0202) 46 16 13. E-Mail: ruhnke@kreis-gemeinschaft-heiligenbeil.de. Stellvertreter: Christian Perbandt, Im Stegfeld 1, 31275 Lehrte, Tel.: (05132) 57052. E-Mail: perbandt@kreisge­meinschaft-heiligenbeil.de. 2. stellvertretender Kreisvertreter: Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821) 8 42 24. E-Mail: Schmidt.ploessen@gmx.de. 2. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www. kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de

Erneut hat ein treuer Landsmann unsere Kreisgemeinschaft verlassen müssen. Horst Wollermann wurde am 18. Mai 1922 in Balga geboren und verstarb am 27. Juli 2015 in Eckernförde. Nach dem Schulbesuch in Heiligenbeil folgte bald die Einberufung zur Wehrmacht. Wie sehr viele seiner Generation erlebte Horst Wollermann jahrelangen Kriegsdienst mit anschließender Gefangenschaft. Danach wurde für den heimatlosen Ostpreußen für Jahrzehnte das Bundesland Niedersachsen seine neue Heimat. Horst Wollermann studierte Jura. Seine endgültige Berufsentscheidung wurde der Richterstand. In Lüneburg begann seine Laufbahn. Hildesheim folgte über Jahrzehnte als Wirkungsstätte und Wohnort. Aufgrund seiner hervorragenden beruflichen Leistungen entwickelte sich eine Karriere, die später mit der Pensionierung als Gerichtspräsident endete.

Landsmann Horst Wollermann hat seit der Flucht Ostpreußen nie vergessen, ihr stets die Treue gehalten. Der Kreisgemeinschaft hat er gerne seine tätige Mitarbeit angeboten. Als sachkundiger Jurist begann er 1985/1986 federführend – gemeinsam mit Kreisvertreter Dr. jur. Siegfried Pelz – an der Ausarbeitung einer neuen Satzung für die Kreisgemeinschaft. Nach dem Beschluß durch die Mitgliederversammlung und Akzeptanz des Vereinsgerichts in Burgdorf 1986 wurde unsere Gemeinschaft als „gemeinnütziger, eingetragener Verein“ geführt. Drei Jahre später wählten die Mitglieder beim Kreistreffen in Burgdorf im September 1989 Horst Wollermann zu einem der drei Stadtvertreter seiner Heimatstadt Heiligenbeil. Er hat dieses Ehrenamt aktiv bis Januar 1995 inne gehabt.

Ein ostpreußisches Herz hat nun für immer aufgehört zu schlagen. Im Namen der Heiligenbeiler, des Vorstandes sowie der gesamten Kreisgemeinschaft sage ich danke. Wir gedenken seiner in Ehren. Persönlich habe ich einen väterlichen Freund verloren.

Siegfried Dreher, Ehrenvorsitzender

 

JOHANNISBURG

Kreisvertreter: Dr. Manfred Solenski, Fichtenstraße 14, 26316 Varel, Telefon (04451) 4581, Fax (04451) 9189298, E-Mail: solenski@kreisgemeinschaft-johannisburg.de. Internet: www.kreisge-meinschaft-johannisburg.de

Die Kreisgemeinschaft Johannisburg trauert um Edeltraut Ziegelowski. Sie war jahrzehntelang in der Berliner Gruppe sehr aktiv und erhielt als zweite Vorsitzende zusammen mit Christel Koslowski aus der Hand von Gerhard Bosk am 1. April 1990 die Ehrennadel der Landsmannschaft Ostpreußen. Ein Artikel im Johannisburger Heimatbrief aus dem Jahr 2000 trägt den Titel: „Die Johannisburger Gruppe wie eh und je in der Masurenhilfe aktiv“. In ihm ist zu lesen:

„Nach wie vor besteht zwischen der Johannisburger Gruppe in Berlin und dem Deutschen Freundeskreis Rosch in Johannisburg ein enges Verhältnis, besonders was die Hilfe für die Landsleute in der Heimat betrifft. Kreisbetreuerin Christel Koslowski und Kassenverwalterin Traute Ziegelowski werden nicht müde, in dieser hilfreichen Aktion tätig zu sein.

48 Pakete, zwischen 12 und 18 kg schwer, werden an die Kleiderkammer in Johannisburg vom deutsch-polnischen Paketdienst befördert oder persönlich überbracht. Wertvolle, z. T. fast neue Kleidungsstücke, Medikamente jeder Art, Wäsche und Schuhe sind auch heute noch in der Heimat, besonders bei unseren alten Landsleuten, gefragt.

Eine besondere Kontaktpflege stellt die Einladung von Mitarbeitern aus dem Deutschen Verein Rosch nach Berlin dar. Hervorragende Leistungen der Berliner, besonders von Frau Ziegelowski und Frau Koslowski.

Im August besuchte Frau Kos-lowski anlässlich einer Busreise Frau Mira Kreska und andere Landsleute im Heimatkreis und überreichte Berliner Spenden! Der rege Brief- und Telefonverkehr darf dabei nicht unerwähnt bleiben. Dank den rührigsten Berlinern von allen, besonders aber von den Menschen und Mitchristen in der Heimat!“

Noch im Jahre 2010 wird sie im Gruß- und Dankschreiben aus Johannisburg als eine auch im hohen Alter noch eifrige Absenderin von Hilfssendungen genannt. In Dankbarkeit ehren wir Frau Edeltraut Ziegelowski für ihre jahrzehntelange Fürsorge für die Landsleute in Berlin und in der Heimat.

 

KÖNIGSBERG LAND

Kreisvertreterin: Gisela Broschei, Bleichgrabenstraße 91, 41063 Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, Fax (02161) 87724. Geschäftsstelle: Im Preußen-Museum, Simeonsplatz 12, 32427 Minden, Telefon (0571) 46297, Mi. Sa. u. So. 18-20 Uhr.

Liebe ostpreußische Landsleute, liebe Freunde Ostpreußens, wahrscheinlich haben Sie schon die Ankündigung unseres Kreistreffens dem Samlandbrief oder dem Ostpreußenblatt entnommen. Wir möchten Sie trotzdem noch einmal an das bevorstehende Kreistreffen am 5. und 6. September in Minden erinnern, weil es uns sehr am Herzen liegt, dort möglichst viele unserer Landsleute begrüßen zu dürfen. Mit unserer Veranstaltung vor zwei Jahren haben wir viel Anklang gefunden. Das hat uns bewogen, wieder ein heimatliches feierlich-besinnliches und heiteres Programm zusammenzustellen. Das Wochenende soll zu einem schönen Erlebnis werden.

Im Hotel Holiday Inn haben wir ein günstiges Angebot vereinbart. Unter der Reservierungsnummer 313 957 können Sie Zimmer buchen. Kostenlose Parkmöglichkeit besteht hinter dem Preußen-Museum. Vor dem Parkplatz befindet sich eine Schranke, die man passieren kann. Zu allen Veranstaltungen laden wir Sie, liebe Landsleute, Ihre Verwandten, Bekannten und Freunde herzlich ein. Wir freuen uns auf ein gesundes Wiedersehen und verbleiben mit heimatlichen Grüßen.

Gisela Broschei,

Kreisvertreterin

 

LABIAU

Kreisvertreterin: Brigitte Stramm, Hoper Straße 16, 25693 St. Michaelisdonn/Holstein, Telefon (04853) 562. info­@stramm­verlag. de, Internet: www.labiau.de.

Herzlich willkommen zu unserem Hauptkreistreffen am 12. September in der Stadthalle im Fröbelweg in 21762 Otterndorf an der Niederelbe, im Patenkreis Cuxhaven.

Das Programm (Änderungen sind an allen drei Tagen vorbehalten) am Freitag, 11. September:

Für alle, die heute schon angereist sind, ab 19.30 Uhr: Begrüßungsabend in der Stadthalle Otterndorf (Verzehr bezahlt bitte jeder selbst). Wir wollen gemeinsam einen gemütlichen Abend verbringen. Wer etwas Interessantes dazu beitragen kann – bitte sehr! Unter anderem werden der auf der Reise 2014 gedrehte Film „Wo die Wolken anders ziehen“ und Filme aus der Zeit vor 1945 gezeigt. Eine Bildershow mit wunderbaren Fotos aus der Jetztzeit soll unsere Veranstaltung umrahmen.

Das Programm am Sonnabend, 12. September:

9.30 Uhr: Kranzniederlegung am Gedenkstein „Am Großen Specken“.

10 Uhr: Offizielle Eröffnung des Kreistreffens.

11 Uhr: Feierstunde in der Stadthalle.

19 bis 22 Uhr: Gemütlicher Abend bei Musik und Tanz mit den vier Elbemusikanten aus Otterndorf.

Was sonst noch geplant ist:

Alfred Erdmann steht mit seinem „Familienforschungs-Terminal“ zur Verfügung. Manfred Zink zeigt nur Sonnabend die Ausstellung „Labiauer Firmengeschichten“. Die Bildausstellung „Labiau – Stadt und Land – wie es einmal war“ wird am Freitag und Sonnabend in der Veranstaltungshalle gezeigt. Herr Dieckmann und das Otterndorfer Team haben an beiden Tagen das Museum im Torhaus geöffnet.

Es gibt einen Informationsstand der Geschäftsstelle. Verkauft werden dort unter anderem Postkarten und Heimatbriefe. Weitere Stände bieten unter anderem Bücher, Marzipan, Labiauer Korporal, und Meschkinnes.

Am Sonnabend gibt es Mittag- und Abendessen nach kleiner Karte, nachmittags ein Kuchenbüfett.

Das Programm am Sonntag, 13. September:

Schiffsfahrt auf der Medem. Anschließend Ausklang am Torhaus bei einem kleinen Imbiss.

Allen Labiauern aus Stadt und Land sowie allen Gästen ein herzliches Willkommen!

Brigitte Stramm

 

LÖTZEN

Kreisvertreter: Dieter Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, Fax: (040) 60890478, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Im Zusammenhang mit der im Lötzener Museum gezeigten Ausstellung „Lieselotte Plangger-Popp. Eine Grafikerin aus Ostpreußen“ wurde es dank der Zusammenarbeit mit dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg und der großzügigen, zweckgebundenen Spende einer Ostpreußin in Lübeck möglich, eine Postkartenserie mit zehn Motiven von ausdrucksstarken Arbeiten der Künstlerin drucken zu lassen. Sie zeigen, neben einem Selbstbildnis der Künstlerin und zwei Darstellungen zum Thema Flucht, ausschließlich Motive aus Ostpreußen. Die Kartenserie wird mit beigefügter Kurzbiographie der Künstlerin zum Preis von fünf Euro (Versandkosten 1,45 Euro) angeboten. Sie kann direkt im Lötzener Museum in Neumünster oder über die Geschäftsstelle der Kreisgemeinschaft Lötzen erworben werden.

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

Es war eine stattliche Runde von 24 Personen, die Schulsprecher Eitel Hölzler zum viertägigen Schultreffen im Ostheim in Bad Pyrmont begrüßen konnte. Bei der Auftaktveranstaltung am Donnerstag im Preußensaal zog man Bilanz der bisherigen 15 Treffen, bei denen zwölf Jahre lang das Ostheim beliebter Wiedersehensort war. Mit Bedauern wurde die Schließung des Ostheims zur Kenntnis genommen und die Suche nach einem neuen Austragungsort spielte eine wichtige Rolle. In vier Alben sind alle bisherigen Treffen in Bild und Schrift festgehalten. Die Vielseitigkeit der Treffen und die familiäre Atmosphäre werden dabei anschaulich verdeutlicht. Einige Senteiner und Bendigsfelder waren gekommen, die schon beim ersten Treffen in Schwenda dabei waren und die auch diesmal beim 15. Treffen nicht fehlten. Leider haben einige die Schulgemeinschaft für immer verlassen müssen und man gedachte ihrer mit einer Schweigeminute.

Der Freitag stand im Zeichen vieler interessanter Beiträge. Dazu gehörte die Einweihung des Königin-Luisen-Denkmals in Tilsit, wo Teilnehmer ihre Eindrücke schilderten und mit Bildern ergänzten. Auch die Vorführung einer DVD „Reise durch Ostpreußen“ fand den Beifall der Anwesenden. Höhepunkt war der von allen Teilnehmern gestaltete heitere „Ostpreußen-Abend“ mit vielen Geschichten von Agnes Miegel, Sketchen, humorigen Begebenheiten und viel Gesang, bei dem auch der Bärenfang und der Pillkaller eine Rolle spielten.

Auch der Sonnabend und Sonntag verliefen in geselliger Runde und mit vielen interessanten Gesprächen. Der Termin des nächsten Schultreffens wird der 19 bis 22. Mai 2016 sein.


Wertvoll und Unvergleichlich
100 Jahre Patenschaft zwischen Mannheim und Memel – Anlass für eine große Feier

Von einem „herausragenden Jubiläum“ sprach Jutta Schmitz, deutsche Botschafterin im litauischen Wilna. In mehr als 26 Jahren im diplomatischen Dienst der Bun-desrepublik habe sie etwas vergleichbares noch nicht erlebt.

Die Botschafterin war eine der Festrednerinnen bei der Feier zum 100. Jubiläum der Patenschaft zwischen Mannheim und Memel [Klaipeda]. Am 31. Juli fand die Veranstaltung in Memel statt. Organisiert wurde sie von der Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise. Ihr Vorsitzender, Uwe Jurgsties, ging in seiner Rede im Konzertsaal der Stadt, dem früheren Schützenhaus, auf die Geschichte der „unvergleichlichen“ Patenschaft ein:

Nachdem Mannheim durch den Badischen Kriegshilfsverein 1915 die Patenschaft für Memel übernommen hatte und die Stadt und deren Bürger finanziell unterstützte, flossen in den folgenden Jahren über 500000 Mark für verschiedene Projekte nach Memel, so zum Beispiel 100000 Mark für die Straßenpflasterung, 130000 Mark für die Einrichtung eine Säuglingsheimes und 3000 Mark für das Ausmalen der katholischen Kirche. Anfang August 1916 besuchte Mannheims Oberbürgermeister Dr. Kutzer mit einer Delegation Ostpreußen und führte in Memel Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister Altenberg.

Ab 1923 ruhte die Verbindung mit einigen kleinen Ausnahmen, ebenso nach 1945, als das Gebiet der Sowjetrepublik Litauen einverleibt wurde.

Bereits am 1. November 1945 trafen sich erstmals Memelländer in Hamburg und dort wurde dann am 24. August 1945 auch die Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise gegründet. Im Januar 1952 war der Vorstand der AdM erstmals an Mannheim bezüglich einer Erneuerung der Patenschaft herangetreten und im Frühjahr 1953 begannen der Herausgeber des Memeler Dampfboots, F.W. Siebert und sein Redakteur Kurschat, weitere Verbindungen zur Stadt Mannheim zu knüpfen.

Im März 1953 unterbreitete der damalige Mannheimer Oberbürgermeister Dr. Heimerich dem Gemeinderat den Vorschlag zur Patenschaftserneuerung, den dieser einstimmig beschloss und auf alle vier Kreise, Memel-Stadt, Memel-Land, Heydekrug und Pogegen erweiterte.

Von nun an war Mannheim der kulturelle Mittel- und Sammelpunkt aller Memelländer, die sich fortan alle zwei Jahre zum großen Deutschlandtreffen im Rosengarten trafen.

Bereits 1989 ermöglichten die Memelländer durch Spenden die Errichtung des Ännchen von Tharau auf dem Simon-Dach-Brunnen vor dem Memeler Theater. Dem folgten in den Jahren weitere Erinnerungstafeln und unter anderem zum 750. Stadtgeburtstag 2002 die Bronzestatue „Abschied“ am Bahnhof.

Schon kurz vor der Selbstständigkeit Litauens begann die AdM durch die Memellandgruppe in der Patenstadt Mannheim bis zum Jahr 2007 mit 130 großen Hilfstransporten die Bevölkerung, Krankenhäuser, Alten- und Kinderheime mit Lebensmittel, Kleidung, Medikamenten und medizinischem Gerät zu unterstützen, wodurch ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen der AdM und der Stadtverwaltung von Klaipeda entstand, wodurch auch die gegründeten Deutschen Vereine in Klaipeda und Heydekrug sowie die Errichtung des Hermann-Sudermann-Gymnasiums eine besondere Bedeutung bekamen.

Benediktas Petrauskas war der erste Bürgermeister von Klaipeda, der bereits im Jahr 1993 am Deutschlandtreffen der Memelländer in Mannheim teilnahm. In den Jahren danach konnten wir immer wieder Vertreter der Stadtverwaltung von Klaipeda in Mannheim und bei den Veranstaltungen der AdM begrüßen, so unter anderem Herrn Jurgis Ausra, den damaligen Bürgermeister Rimantas Taraskevicius und den heutigen stellvertretenden Bürgermeister Arturas Sulcas.

Die kontinuierlichen Beziehungen und der Einsatz der AdM zu Klaipeda über die Jahrzehnte hinweg, die auch bei der Stadt Mannheim Beachtung fanden, führten auf Antrag dazu, dass am 29. November 2002 in Klaipeda durch Bürgermeister Taraskevicius und Mannheims Bürgermeister Gerhard Widder mit der Vertragsunterzeichnung eine Städtepartnerschaft beider Städte besiegelt wurde.

Seitdem gibt es von beiden Seiten einen regen Austausch in allen wichtigen Bereichen des gesellschaftlichen und kommunalen Lebens.

Wir freuen uns, dass wir heute gemeinsam die nun 100 Jahre währenden freundschaftlichen Beziehungen unter dem Dach Europas feiern können, und ich wünsche für die Zukunft weiterhin erfolgreiches Gedeihen auf allen Ebenen.


S. 21 Fernreisen

Gelandet im Schlemmerparadies
Rätsel-, aber zauberhafte Speisen − Eine Gourmetreise durch Thailands beste Kochschulen, Marktbesuch inklusive

Bangkok ist sicher! Das betonen die Bewohner der thailändischen Hauptstadt auch nach dem kürzlich vor einem heiligen Schrein verübten Terroranschlag mit 20 Toten immer wieder. Den Appetit lassen sie sich dadurch ohnehin nicht verderben. In den Garküchen und auf den Märkten des Landes tobt das Leben wie eh und je.

Man weiß nicht so genau, was das sein könnte: Ein Gemüse, ein Obst oder doch ein Tier? Es bewegt sich jedenfalls nicht. Vielleicht ein gutes Zeichen. Charles greift nach dem Etwas, drückt es, dreht es und steckt es schließlich in die Plastiktüte. Gekauft!

Wir sind auf dem Bangrak- Frischmarkt am Chao-Phraya-Fluss, es ist Dienstagmorgen in Bangkok und schon ziemlich schwül. Charles ist ein charmanter, rundlicher Thai, dessen Knopf­leiste sich dezent über dem Bauch spannt. Er kocht für sein Leben gern und zwar sehr gut. Charles ist Lehrer im „Blue Elephant“, und das ist so ziemlich die renommierteste Kochschule von Thailand.

Vor einer halben Stunde haben wir uns an der U-Bahn-Station Saphan Taksin getroffen. Nun zieht die kleine Gruppe zum lokalen Markt auf der Suche nach den Zutaten, die sie gleich in gebratene, gedämpfte, gerührte Köstlichkeiten verwandeln will. Das dauert lange, denn es gibt schon hier die erste Lektion in thailändischer Küche: Viele der typischen Ingredienzien sind nämlich für fast alle Menschen außerhalb der asiatischen Zone gänzlich unbekannt. Und so gerät der Marktbesuch unversehens zu einem Lehrgang in Lebensmittelkunde. Was ist das für ein Fisch? Ist das eine Frucht oder ein Gemüse? Muss man das vor dem Verzehr schälen? Kann man das roh essen?

Es wird viel gelacht in den nächsten zwei Stunden, ungläubig gestaunt und neugierig probiert. Die Marktfrauen und Männer hinter den hoch gestapelten Ständen und prall gefüllten Körben und Säcken sind das gewöhnt: Wenn Charles mit seinen Schülern auftaucht, sind sie freigiebig. Jeder darf von ihren bunten Schätzen kosten. Und sie lächeln auch nachsichtig, wenn der eine oder andere dankend ablehnt. Nach zwei Stunden in stickiger Luft, die sich unter der Sonne Bangkoks mit Aromen und Gerüchen unterschiedlichster Art an­gereichert hat, hält die Gruppe in ihren Händen prall gefüllte, kleine Plastikbeutel mit einer milchigen Flüssigkeit. „Das könnt ihr ruhig trinken“, sagt Charles, „es wird euch gut tun!“ Etwas ermattet lassen sich die Kochschüler auf kleinen Plastikstühlchen in einer ruhigen Ecke des überdachten Marktes nieder und nuckeln am Strohhalm, der in der Tüte steckt. „Könnte irgendetwas mit Kokosmilch sein“, mutmaßt ein Schüler. „Ist jedenfalls süß“, ergänzt ein Kollege.

Szenenwechsel: Im Unterrichtsraum des „Blue Elephant“, einem über 100 Jahre alten, dreigeschossigen Bau im Kolonialstil, liegen jetzt unterschiedliche Zutaten, frisch gewaschen, geputzt und in mundgerechte Stücke geschnitten auf dem großen Tisch mit eingelassenen Gaskochern. Vorne steht Charles in weißer Kochjacke, auf den aufgereihten Stühlen davor sitzen seine Schüler. Es herrscht Klassenatmosphäre. Die Klimaanlage brummt im Hintergrund, der Ventilator surrt leise über den Köpfen. Charles kocht vor, die Schüler nach.

Heute stehen drei typische Thai-Gerichte auf dem Speiseplan – was sonst: Eine „Tom Kha Gai“, eine Hühnersuppe mit Kokosmilch, sodann Rindfleisch mit Thaibasilikum und Chili so­wie ein Curry mit Gemüse und Ananas. Es geht alles ziemlich schnell und sieht einfach aus. Aber das Ganze hat Tücken: Die Thaiküche kennt unzählige verschiedene Arten von Knoblauch und statt Ingwer wird Galgant verwendet. „Die Wurzel ist weniger scharf, dafür fruchtiger“, erklärt Charles. „Dafür müsst ihr bei den Chilis aufpassen!“ Bei den Schoten gibt es eine einfache Faustregel: „Je kleiner, desto schärfer.“

Der Chef hält eine fast winzige Rote hoch: „Wenn ihr darauf beißt, steht euer Mund in Flammen.“ Die gefährlichen Dinger sind leider unentbehrlich, soll es ty­pisch thailändisch schmecken. Sie dürfen in keiner Currypaste fehlen, und die ist die Basis fast aller Ge­richte. Jede Familie hat ein eigenes Rezept, das wie ein Schatz gehütet wird. Und das „Blue Elephant“ verrät seins natürlich auch nicht. Aber man kann die unentbehrliche, weil hocharomatische rote Paste hier, in kleine Plastikbeutelchen gefüllt, kaufen. Das rettet später so manches Gericht am heimischen Herd.

Thailand ist ein einziges Schlemmerparadies. An jeder Straßenkreuzung, in jeder Gasse zischt und brodelt es. Köstliche Gerüche steigen auf, es duftet nach gebratenem Hühnchen, Knoblauch und vielen Gewürzen. Und jede Region des Landes hat ihre eigenen Spezialitäten. Die lernt man in den unzähligen mobilen Garküchen am Straßenrand kennen, in den kleinen Restaurants oder in einer der vielen guten Kochschulen. Die im Mandarin Oriental in Chiang Mai, einem märchenhaften Prachthotel im Norden Thailands, besteht aus nur einem einzigen Raum: Einem luftigen Teakholzpavillon, dessen Türen alle offen stehen. Von draußen kommen exotische Geräusche ins Innere – das Rascheln von Palmenwedel, Vogelrufe. Drinnen warten Sojawürfel, Fischsoße, Rinderfilet, Zitronengras, Korianderwurzeln und ein Haufen weiterer Zutaten auf den Wok.

Noppakorn Goonthamrongrat heißt der smarte Koch des Nobelhotels, der ge­konnt mit scharfen Messern wirbelt und in seiner superweißen Kochschürze wie ein Honigkuchenpferd strahlt.

Und dann sind wir dran: Im Koordinatensystem von sauer, salzig, scharf und süß – diese Ge­schmacksrichtungen kommen in jedem thailändischen Gericht vor – entstehen Gerichte von himmlischer Aromenfülle. Schritt eins: fast alles wird sehr, sehr fein geschnitten. Schritt zwei: Korianderwurzeln, Minzstängel, Knob­lauch und Chilis werden so lange in einem Möser zerstoßen, bis keine Pflanzenfasern mehr zu sehen sind. Was dann kommt, ist ein Kinderspiel und dauert pro Gericht höchstens drei bis vier Minuten: das Braten im Wok.

Thailänder lieben es, ihr Essen zu teilen. Die Tische biegen sich unter der Last der Teller und Schüsseln. Das ist an den Plastiktischen der mobilen Garküchen an den Straßen Bangkoks nicht anders als in den Luxusresorts auf den Inseln im Süden. Auf Koh Kood, einem grünen, fast unberührten Eiland an der Ostküste, wird der Reichtum der Thaiküche sogar am Pool der Privatvillen des Soneva-Kiri-Resort serviert und mit großer Geste – dank Kellnern und Köchen in weißer Montur – stilvoll zelebriert.

Wer es etwas einfacher, dafür sehr authentisch will, muss zu Khun Benz. Nach zehn Jahren im Ausland ist die kleine rundliche Thailänderin wieder in ihre Heimat zurück­gekehrt und kocht nun in einem traditionellen Pfahlbau in den Mangroven rund um Klong Yai Kee. „Einen Kochunterricht?“, die Frau mit den lächelnden Knopfaugen wiegt der Kopf: „Na, dann kommt mal in einer halben Stunde wieder.“ Die Satay-Spießchen mit Erdnuss-Soße, die wir später zusammen mit ihr zubereiten, werden wir so schnell nicht vergessen. Es sind die besten der Welt! Marthe Schellenberg


Unter der Sonne Südafrikas
Auf Safari im Buschgebiet − Wo sich Leopard, Löwe, Elefant, Nashorn und Büffel Gute Nacht sagen

Knapp 90 Minuten dauert der Flug von Johannesburg nach Palamborwa, einem winzigen Flughafen inmitten der südafrikanischen Buschlandschaft. Von hier aus geht es auf direktem Weg zur Unterkunft. „Herzlich willkommen auf Ma­kutsi!“ Mitarbeiterin Susi reicht den Neuankömmlingen einen kühlen fruchtigen Begrüßungstrunk, der allen wohlig durch die Kehle rinnt.

Auf der Fahrt über staubige Landstraßen ist der achtköpfigen Gruppe bereits eine Rei­he exotischer Tiere begegnet, darunter zwei Giraffen, die sich an den Blättern eines Baumes gütlich taten, während eine Herde Affen sich kreischend von Ast zu Ast schwang. Auch ein Gepard, eine der scheuen langbeinigen Raubkatzen, wurde bereits gesichtet. Ein toller Einstieg in das afrikanische Abenteuer mit seiner faszinierenden Fauna und Flora.

Makutsi, dem biblischen Garten Eden nicht unähnlich, erstreckt sich auf einer Fläche von mehr als 13000 Hektar. Die „Rondavels“, jene im traditionellen Rundbaustil errichteten Gästeunterkünfte, liegen weit voneinander entfernt auf einem grünen Rasenteppich. Große Bäume spenden Schatten. Privatsphäre garantiert. Nur gelegentlich lugt eine der „hauseigenen“ Meerkatzen oder ein exotischer Vogel durch eines der Fenster der komfortabel mit Klimaanlage und Kühlschrank ausgestatteten Hütten.

„Das Beste an diesem paradiesischen Fleckchen Erde ist die Thermalquelle“, schwärmt einer der zahleichen „Wiederholungstäter“, der nun schon zum fünften Mal auf der Gästeanlage totale Ruhe und Entspannung genießt. Und das sei bestimmt nicht das letzte Mal, betont er, bevor er ins wohltemperierte Heilwasser steigt. Die Quelle schießt mit

35 Grad Celsius aus dem Boden und ergießt sich in ein 30 Meter langes, von groben Steinen eingefasstes Becken. Nomen est omen: Im „Roma“ gleich nebenan, dem kleinen, mit Massagedüsen ausgestatteten überdachten Bassin, fühlt sich der Gast wie in einem antiken Badetempel.

Das mit Natriumhydrocarbonat angereicherte Thermalwasser ist Balsam für Menschen mit Ge­lenkschmerzen. Aber auch Ge­sunde genießen das Bad in der Therme. „Einmal habe sich auch ein Krokodilbaby aus einem der nahen Tümpel eine Kurzkur im großen Pool gegönnt“, schmunzelt Heike Weber, eine der Töchter des Makutsi-Gründers Erhard Weber, der die Anlage mit seiner Familie seit 1976 betreibt. Die Anfänge Makutsis, das seinen Namen dem nahe gelegenen Ma­kutsi Fluss entlehnt, müssen wild-romantisch gewesen sein. „Wir hatten keinerlei Infrastruktur“, erzählt die Seniorchefin. Elektrisches Licht war seinerzeit so was wie ein Fremdwort. Und befestigte Wege gab es natürlich auch noch nicht. Aber viele fleißige Hände schufen in relativ kurzer Zeit den Campus, auf dem Gnus und Gazellen friedlich ne­beneinander grasen und sich hier und da in respektvoller Entfernung ein Schakal zeigt. Gelegentlich schaut auch Barbarossa, eine zum Inventar Makutsis zählende alte Giraffe, vorbei.

Heute ist ein Ausflug im offenen Geländewagen in die Buschlandschaft rund um Makutsi angesagt. Parkhüter Derek kennt die Ge­gend wie seine Westentasche und weiß um den Lieblingsaufenthalt von Löwen, Nashörnern und Elefanten. Wir haben Glück. Ein sechsköpfiges Löwenrudel lagert in einem ausgetrockneten Flussbett. Der König der Tiere rekelt sich, bewegt sich einige Schritte auf uns zu und macht es sich inmitten seines Harems bequem.

Zurzeit sind die Raubkatzen satt und unaggressiv, erklärt Derek. Bevor sie angreifen, senden sie unmissverständliche Warnsignale aus, indem sie ihre Reißzähne blecken. Dann heißt es: schnell weg. Doch heute können wir das Rudel, das miteinander spielt, lange aus nächster Nähe betrachten. Auf dem Rückweg in die Anlage kreuzt eine Elefantenherde mit zwei erst einige Monate alten Jungtieren unseren Weg, während die zierlichen Impalas neben Zebras und Antilopen am Wegesrand stehen und in aller Seelenruhe äsen.

Etwas später rückt eine große Nashornfamilie in unser Blick­feld. „Bitte ganz leise“, sagt Derek, „wir wollen diese Riesen doch nicht verschrecken.“ Das Leittier kommt auf den Jeep zu, kehrt dann aber gemächlich zu seinen Artgenossen zurück. In einiger Entfernung entdecken wir eine Büffelherde. Was für ein ereignisreicher Tag!

Beim Essen im Makutsi-Restaurant – heute gibt es Bobotie, ein leckeres traditionelles Hack­fleisch-Gericht mit Gelbwurz-Reis – geht es hoch her. „Wie bitte, ihr habt Simba gesehen, und das auch noch im Sechserpack!“ Na so was. Manche haben bislang weder Löwen noch Leoparden oder Nashörner zu Gesicht be­kommen. Die Tiere marschieren nicht auf Kommando auf.

Der größte Traum eines jeden auf Makutsi sind natürlich die „großen Fünf“ – Leopard, Löwe, Elefant, Nashorn und Büffel. Martin, unser Tischnachbar aus Neuseeland, hat sie alle an einem Tag gesehen. Das kommt schon einem Sechser im Lotto gleich. Die zauberhaften schwarzen Küchenfeen, die die Makutsi-Gäste mit allerlei Leckereien der afrikanischen Kü­che verwöhnen – allen voran Shuwetta, die Dienstälteste des Teams – können sich gelegentlich vor Lachen nicht halten, wenn ihnen beim Servieren allzu dick aufgetragenes Jägerlatein an die Ohren dringt. Da will doch mancher auf einem Kurztrip in den Kruger Nationalpark 1000 Büffel gesichtet und gezählt haben. Rund um ein wärmendes Lagerfeuer am späten Abend hört man solche Legenden. Hier mitten im afrikanischen Busch zählt man vor dem Schlafengehen nicht wie bei uns im Norden Schafe, sondern – erraten – Büffel!

„Kommt mal alle her“, ruft einer aus der Runde beim abendlichen Absacker an der Bar. „Da drüben ruft Simba gerade seinen Clan zu sich.“ Und in der Tat taucht aus dem dichten Buschwerk auf der anderen Seite des Flussbettes ein Kopf mit einer beeindruckenden Mähne auf und brüllt in die laue Nacht hinaus. Sofort ist das aufgeregte Geflatter im Schlaf aufgescheuchter Vögel zu hören. Nach und nach sammelt sich die Familie um ihren Clan-Chef. Dann herrscht Ruhe. „Gut gebrüllt, Löwe“, gähnt einer. „Und vergesst nicht, den Wecker auf fünf zu stellen.“ Richtig, morgen geht es in aller Frühe zum Blyde River Canyon, einem weiteren Highlight im Herzen Südafrikas. Uta Buhr


S. 22 Neue Bücher

Wien im Weltenbrand
Die Stadt im Frühjahr ‘45

Mit „Angriff auf Wien – Das Kriegsende 1945“ legen der Historiker Johannes Sachslehner und der Heimatforscher Robert Bouchal ein vielfältiges Buch vor. Das liegt sicherlich nicht zuletzt an den ungewöhnlichen Betätigungsfeldern Bouchals. „Der Höhlenforscher und Kameramann ist Experte für die Unterwelt von Wien. Die Beschäftigung mit geschichtsträchtigen Orten und deren wissenschaftliche Dokumentation sind ihm ein besonderes Anliegen“, heißt es beim Verlag.

So ist das vorliegende Buch eine Fotochronik des Kriegsendes. Die Erlebnisse halbwüchsiger „Kindersoldaten“, darunter der damals noch zaundürre Helmut Qualtinger, sind ebenso nachzulesen. Von Bouchal akribisch verfertigt, lassen sich die Grundrisse von Bunkern und Luftschutzräumen studieren. Es gibt Analysen der sowjetischen Angriffspläne auf den Südostwall und andere allzu schwache Schutzstellungen. Bilanziert werden die Verluste an Menschen und Material ebenso wie der Niedergang ganzer Divisionen. Auch bittere Anklagen gegen NS-Führer, die „abgehalfterten Goldfasane“, fehlen nicht.

Sicherlich las man manches auch schon anderswo, aber diese Autoren warten mit Überraschungen auf: Sie stellen eine kollektive Abkehr von der „großdeutschen“ Reichsmentalität fest. Jeder sei plötzlich wieder Österreicher gewesen, und weil die Sowjets schon im Oktober 1943 die Restitution eines freien und unabhängigen Österreichs verkündet hatten, machte es beiderseits keine Schwierigkeiten, „zwischen friedlichen Österreichern und deutschen Faschisten“ zu unterscheiden. Dass die Wiener eher als die Russen zu plündern anfingen, dokumentieren die Autoren ebenfalls in Wort und Bild.

Interessanter noch ist die Verweigerung der Militärs gegenüber Berliner Befehlen: Himmler überbringt Hitlers brutalen Maßnahmenkatalog gegen „Auflösungserscheinungen“. SS-General Sepp Dietrich verwirft ihn wütend: „Wenn ich das meinen Leuten sage, dann scheißen die uns was und marschieren nach Hause.“ Wien müsse mit allen Mitteln verteidigt werden, will Hitler, während vor Ort General Lothar Rendulic bereit ist, Wien so bald wie möglich aufzugeben. Alles andere erschiene ihm „mehr als grotesk.“

Unterdessen machen Curd Jürgens und andere Filmgrößen die Wiener Studios zu „Drückebergers Traumfabrik“. „Mit Alkohol und sexueller Ausschweifung trugen wir unseren Teil zur Zersetzung der Wehrkraft bei“, wird Jürgens im Buch zitiert. Eine weitere schillernde Facette im Wien des Frühjahrs 1945: die vier mutigen Akteure der „Operation Radetzky“. Sie nehmen Kontakt zu den Russen auf, um die Zerstörung Wiens zu verhindern. Man verrät sie. Drei werden hingerichtet, der vierte „Held von Wien“, Major Carl Szokoll, wird wenig später von Stalins Terrortruppe Smersch als angeblicher amerikanischer Spion drangsaliert.

Andere Heldentaten versacken im Chaos: Weil jemand auf dem Stefans-Dom eine weiße Fahne gehisst hat, soll dieses Wahrzeichen Wiens zerstört werden, was der zuständige Flakoffizier Gerhard Klinkicht verweigert. Die mutige Eigenmächtigkeit bringt dem Baudenkmal nur kurzen Aufschub. Am 13. April steht der Dom lichterloh im Flammen. Brände aus der Nachbarschaft sind übergesprungen. Sie wüten ungehindert drei Tage lang.

Eine Stadt im Weltenbrand des zweiten großen Krieges im 20. Jahrhunderts – Bouchal und Sachslehner haben die Ereignisse eindringlich eingefangen.

Wolf Oschlies

Robert Bouchal, Johannes Sachslehner: „Angriff auf Wien – Das Kriegsende 1945“, Pichler Verlag, Wien 2015, gebunden, 207 Seiten, 26,99 Euro


Subtile Beobachtungen
Victor Klemperers Tagebücher aus dem Schicksalsjahr 1919

Der Autor ist ein ganz seltenes Phänomen. Auf Tausenden von Seiten schildert er äußerst subtil seine tagtäglichen Beobachtungen. Allein die Jahre 1933 bis 1945 füllen acht Bände. Klemperer, der deutsche Jude, gilt somit als einer der wichtigsten Chronisten, wenn es um die Sicht eines Überlebenden des Nationalsozialismus geht. Daneben ist der Professor für Romanistik Zeitzeuge der Jahre vor 1933 und nach 1945.

Die hier zu besprechende Neuerscheinung bietet seine Aufzeichnungen aus dem Jahre 1919 in München und einen Rückblick auf dieses Jahr, den Klemperer 1942 verfasste. In München wurde die Nachkriegsrevolution zuerst ausgerufen, und zwar schon am 7. November (in Berlin am 9.). Was in München dann geschah, hat nicht nur das Geschick Deutschlands mitbestimmt, sondern wohl der weiten Welt, und zwar bis heute. Das politische Chaos nach dem Sturz der Dynastie hat nicht nur einen blutigen Bürgerkrieg ausgelöst, es wird als Nährboden für Antisemitismus und Nationalsozialismus gewertet. Damals wurde Hitler, so sieht man es heute, zum Judenhasser.

Klemperer bietet keine nüchterne Schilderung der Ereignisse, sondern, den Umständen entsprechend, lockere Impressionen. In der Nacht zum 8. November proklamierte der Literat Kurt Eisner auf einer Sitzung der Münchner Arbeiter- und Soldatenräte den Freistaat Bayern, also das Ende der Monarchie, und wurde dann von der Versammlung zum Ministerpräsidenten gewählt. Die Mehrheit der Bevölkerung hatte zwar während des Krieges ihr Vertrauen zum Monarchen verloren, dass nun aber ein Berliner Jude an seine Stelle trat, „Preiß und Jud“, war nicht nach ihrem Geschmack, zumal Eisners Erscheinung der einer Schießbudenfigur nahekam. Klemperer: „Eisner kommt dicht an mir vorbei … Ein zartes gebrechliches winziges gebeugtes Männchen. In den Backen hängen ihm schmutziggraue Haare. Der Vollbart ist rötlich, schmutziggrau … nichts Geniales, nichts Ehrwürdiges … Eisner ist mir rätselhaft: wie kann dieser Feuilletonist, ohne heroische, ohne dictatorische Geste auf das Volk u. nun gar auf die Bayern wirken?“

Eisner und seine USPD waren unbeliebt, wie spätestens die Wahlen vom 12. Januar 1919 zeigten, bei denen nur 2,5 Prozent von Hundert der abgegebenen Stimmen auf sie entfielen. Die Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) erzielten 33, die Bayerische Volkspartei (BVP) 35 von Hundert.

Auf dem Weg ins Parlament, wo er seinen Rücktritt erklären wollte, wurde Eisner am 21. Februar 1919 von Anton Arco auf Valley erschossen. Was Klemperer wohl nicht wusste und was der Herausgeber verschweigt: Nicht nur das Opfer, auch der Täter war Jude. Wegen dieser Ignoranz schwor die äußerste Linke allen „Rechten“ Rache, stürzte die neue Regierung und wollte eine „Diktatur des Proletariats“ nach sowjetischem Vorbild errichten. Das geschah Anfang April 1919. Schon am 1. Mai fand der hemmungslose Spuk ein sehr blutiges Ende: „Bayerische schwere Reiter kamen und württembergische Dragoner mit schwarz-roten Fähnchen und das Eppsche Freikorps … und Preußen mit dem weißen Totenkopf der Potsdamer Husaren an der Mütze. Und alle wurden mit Zurufen und Schwenken der Taschentücher begrüßt.“

Wie geht es wohl weiter? Klemperer orakelte: „Ich will nicht prophezeien, ich glaube aber: der kommende Mann heißt Levien, der gegenwärtige Landauer, der übernächste Epp.“ Franz Ritter von Epp kam tatsächlich Anfang Mai 1919, wie erwähnt, als einer der Befreier nach München, im März 1933 für kurze Zeit als Hitlers Statthalter.

Was Sigmund Fraenkel, Sprecher der jüdischen Orthodoxie Bayerns, in einem Offenen Brief an fünf namentlich genannte Führer der roten Machthaber schrieb, war jedoch weit aufschlussreicher und hellsichtiger: „Der heutige Tag, an dem Tausende und aber Tausende von aufreizenden antisemitischen Flugblättern in Münchens Straßen verteilt wurden, zeigt mir mit aller Deutlichkeit die Größe der Gefahr, die … das Judentum selbst bedroht, wenn die große Masse von Münchens werktätiger Bevölkerung die erhabenen Lehren und Dogmen der jüdischen Religion in ideellen Zusammenhang mit den bolschewistischen und kommunistischen Irrlehren bringt, die Sie seit Wochen den durch die viereinhalbjährige Kriegsdauer zermürbten und verwirrten Volksmassen predigen.“

Nun, damals konnte das Schlimmste abgewendet werden. Lenin hatte zu früh gejubelt. Bayern war nur wenige Tage die dritte Sowjetrepublik – neben Russland und Ungarn. Konrad Löw

Victor Klemperer: „Man möchte immer weinen und lachen in einem. Revolutionstagebuch 1919“, Berlin 2015, gebunden, 264 Seiten, 19,95 Euro


Regentropfen im Hurrikan
Warum die Atombomben auf Japan ein Verbrechen waren

Eine Zahl bleibt nach der Lektüre von „Nagasaki. Der Mythos der entscheidenden Bombe“ besonders haften: 120000. So viele Leben kostete allein der US-amerikanische Luftangriff auf Tokio im März 1945. Konventionelle Sprengkörper, abgeworfen aus Hunderten von Flugzeugen, verursachten ein Massensterben, das dem der beiden folgenden Atombomben ebenbürtig war. Rechnet man die Langzeitfolgen der radioaktiven Verseuchung nicht ein, tötete „Little Boy“ in Hiroshima am 6. August etwa 100000 Menschen, „Fat Boy“ in Nagasaki am 9. August 1945 ebenso viele.

Der Buchautor und ARD-Fernsehkorrespondent Klaus Scherer (54) schließt sich daher der Meinung des US-amerikanischen Friedensforschers Ward Wilson an: „Aus der Perspektive der Japaner müssen die beiden Atombomben eher wie ein Regentropfen inmitten eines Hurrikans gewirkt haben.“

Mit seinem Buch möchte Scherer darlegen, dass der doppelte Einsatz der schlimmsten Waffe der Menschheitsgeschichte alles andere als notwendig war. Sie habe nicht dazu beigetragen, den Krieg im Pazifik zu beenden, ist er überzeugt. Entscheidend sei vielmehr die sowjetische Kriegserklärung gegen Japan gewesen. Diese vor allem hätte der dortigen Führung die unabwendbare Niederlage deutlich gemacht. Friedensfühler hatte der japanische Außenminister Shigenoro Togo ohnehin schon viel früher ausgestreckt. Sie wurden von den US-Amerikanern ignoriert. Dort suchte man geradezu gierig nach Gründen, die monströse Vernichtungswaffe zu erproben. Für Scherer ist klar: Besonders die Bombe auf Nagasaki fiel aus bösartigem Kalkül. Es ging darum, die neue Waffe zu testen und der Welt vorzuführen. Ihr Einsatz war ein –heutzutage verklärtes – Kriegsverbrechen.

Ob der Leser diese These anhand des Buches nachvollziehen kann? Wie es sich für einen Journalisten gehört, schreibt Scherer gut und leicht lesbar. Dennoch bleibt es schwierig, der Argumentation zu folgen. Der Text springt immer wieder zwischen Zeiten und Orten hin und her. Vielleicht schimmert hier der Fernsehmann durch, der die Erzählform des einen Mediums allzu unbekümmert auf das andere Medium überträgt. Das ist schade, denn es ist an der Zeit, den Mythos über die „wohltätige“ Wirkung der Nagasaki-Bombe zu zerstören. Schon kurz nach der japanischen Kapitulation war vielen die Wahrheit klar. „Von fast allen Generälen und Admirälen, die im Zweiten Weltkrieg ihren fünften Stern erhielten, ist aktenkundig, dass sie den Abwurf der Atombombe für unnötig und moralisch nicht vertretbar hielten“, zitiert Scherer einen amerikanischen Historiker.

Noch ein zweites Detail prägt sich übrigens in Scherers Buch besonders ein: Im historischen Museum von Los Alamos, dem Ort, an dem die entsetzliche Waffe entwickelt wurde, erinnert nicht ein einziges Foto an die Leiden der Opfer.

Frank Horns

Klaus Scherer: „Nagasaki. Der Mythos der entscheidenden Bombe“, Carl Hanser Verlag, München 2015, gebunden, 252 Seiten, 19,90 Euro


Von Richard Löwenherz bis Elisabeth II.
23 „Spiegel“-Autoren auf den Spuren der englischen Monarchie – Eine faszinierende Geschichte, lückenhaft erzählt

Englands Monarchie gilt als die älteste Europas und ist unangefochten die populärste. In ihrer über tausendjährigen Geschichte überstand sie sämtliche gesellschaftlichen und politischen Unruhen. In dem neuen Sammelband des Spiegel-Buchverlags mit dem Titel „Englands Krone. Die britische Monarchie im Wandel der Zeit“ ist die faszinierende Geschichte der englischen Monarchie auf 300 Seiten anschaulich und leicht verständlich dargestellt.

Am Projekt beteiligt waren 23 „Spiegel“-Journalisten, freie Autoren sowie zwei Historiker. Ihre Beiträge decken den Zeitraum vom 9. Jahrhundert bis heute ab. Vorangestellt ist ein Gespräch, das Eva-Maria Schnurr und Annette Großbongardt mit der Historikerin Katarina Urbach führten. Urbach ist auf die deutsch-britischen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert spezialisiert. Gefragt, wer ihrer Meinung nach aus Sicht der Engländer der wichtigste Monarch in ihrer Geschichte sei, antwortet sie: Elisabeth I. Sie habe 1588 die spanische Armada besiegt und galt als Mutter ihres Landes. Ihr und anderen berühmten englischen Herrschern sind jeweils Einzelkapitel gewidmet, darunter Richard Löwenherz, Heinrich VIII, Viktoria und Elisabeth II. sowie auch dem protestantischen Rebellen Oliver Cromwell. Der Einfachheit halber werden die drei aus dem Kurfürstentum Hannover stammenden Könige Georg I., II. und III. „im Dreierpack“ behandelt.

Im Blickfeld der Autoren steht vorrangig die sich wandelnde Rolle der Monarchie im Zusammenspiel mit dem englischen Parlament. Peter Wende, der ehemalige Direktor des Deutschen Historischen Instituts in London, beschreibt die religiösen Gegensätze und Kompetenzstreitigkeiten zwischen König und Parlament im 17. Jahrhundert bis zur sogenannten Glorreichen Revolution von 1688. In dem Jahr wurde das Parlament zum eigentlichen Souverän des Inselreichs, während der Monarch seitdem lediglich als nominelles Oberhaupt des britischen Empire fungierte, aus welchem1931 das Commonwealth of Nations hervorging.

Ebenfalls in chronologischer Abfolge sind einzelne Kapitel kulturellen Glanzlichtern und „typisch britischen“ Phänomenen gewidmet. Der rätselhafte Shakespeare wird wieder einmal gefeiert, und man wird als Leser mitgenommen auf einen Streifzug durch das frühneuzeitliche London mit seinem berüchtigten Tower. Die Stadt galt im 18. Jahrhundert als die „brutalste Metropole Europas“.

Dank seiner starken Kriegsflotte eroberte Großbritannien im 18. Jahrhundert aber auch weitere Kolonien in Übersee und wurde ein Weltreich, das im 19. Jahrhundert ein Viertel der Erdoberfläche umfasste. Dieser wichtige Aspekt verliert sich im vorliegenden Band aber geradezu, wenn man von ein paar eingestreuten Sätzen absieht. Auch über die religiösen Dissidenten, die vor 325 Jahren auf der „Mayflower“ ihr Mutterland England verließen, um „auf der anderen Seite des Atlantik das Königreich des Himmels“ zu finden, und über das Verhältnis Großbritanniens zur USA hätte man gern mehr gelesen. Edward VIII. und sein Verzicht auf die Krone wegen seiner Liebe zur Amerikanerin Wallis Simpson gehören zugegebenermaßen zur Geschichte der englischen Krone im 20. Jahrhundert – ebenso jedoch die royale Haltung im Nordirlandkonflikt, die ebenfalls ausgespart wurde.

Trotz der Kürze der einzelnen Beiträge ist jeder Essay dennoch aufschlussreich aufgrund des Konzepts, jeweils eine in sich geschlossene, mit einer Fülle wichtiger Details angereicherte Geschichte zu erzählen. Überschneidungen waren unvermeidbar, doch sollte man sie hier als Wegkreuzungen auffassen, von wo aus der Gang der Ereignisse in eine neue Richtung führt.

Dagmar Jestrzemski

Bettina Musall, Eva-Maria Schnurr (Hg.): „Englands Krone. Die britische Monarchie im Wandel der Zeit“, Deutsche Verlags-Anstalt, München/Hamburg 2015, gebunden, 299 Seiten, 19,99 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Vollkommen deppert / Warum ein Linker die Asylanten »völkisch« trennen will, was man uns besser nicht zeigt, und wieso wir jetzt Geld statt Essen verteilen

Von immer mehr Leuten hört man, dass sie sich nicht mehr vor ihren Fernseher setzen mögen. Unentwegt werde ihnen aus der Glotze das Gleiche zugerufen, ja regelrecht eingetrichtert: Seid willkommen, Zuwanderer, seid verdammt, Deutsche, die etwas gegen die derzeitige Asylpolitik haben. In den Auslandsnachrichten kommt dann noch manchmal das rituelle Russen verprügeln, dann Börse, Sport, Wetter – aus.

Och nö, irgendwann nervt das dann doch. Gelernte DDR-Bewohner erinnern sich wehmütig an die alte Zeit, als man wenigstens noch zum Westfernsehen umschalten konnte, wenn man das aufdringlich eintönige Gedröhn des „eigenen“ Senders nicht mehr ertragen wollte.

Heute gibt es so eine Fluchtmöglichkeit nicht mehr. Entweder man frisst die monotone Kost oder der Kasten muss eben ausbleiben. Zumindest, solange dort „Nachrichten“ oder, aufdringlicher noch, die sogenannten „Kultur“-Sendungen laufen, die sich besonders eifrig aufs Propagandafach verlegt haben.

Schade, denn wer gar nicht mehr hinguckt, der verpasst auch manch wirklich hübsche Geschichte. Gold findet man schließlich im Dreck, so wie diese Meldung in den Fernsehnachrichten: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat nach der Gewaltexplosion im Asylheim von Suhl vorgeschlagen, die Asylanten künftig nach „ethnischen Gruppen“ zu trennen. Dort hatte einer einen Koran zerrissen, woraufhin eine Horde von etwa 50 anderen Asylanten Jagd auf ihn machte, wobei sie sechs Polizeiautos beschädigt, zahlreiche Fensterscheiben und Möbel demoliert und die Zentrale des Wachdienstes komplett in Schutt gelegt haben.

Das haben sie gemacht, weil sie traumatisiert sind und, jetzt kommt’s, weil sie unterschiedlichen Religionen und Völkern angehören, erklärt uns Ramelow. Daher sollen Leute also nach Kriterien getrennt werden, welche Ramelows Partei, die „Linke“, unseres Wissens bislang stets als „völkisch“ gegeißelt und als untrüglichen Ausweis für rechtsradikales Gedankengut entlarvt hat.

Nanu? Haben uns Ramelow und seine Freunde nicht immer gepredigt, dass ein gutes Deutschland nur ein „buntes“ Deutschland sein könne? Dass die Zahl der verschiedenen Völkerschaften, die bei uns leben, gar nicht groß genug sein könne? Dass ethnische, kulturelle und religiöse Unterschiede, die auf engstem Raum zusammentreffen, uns alle nur bereichern, weil sie unser Leben „bunter“ machen?

Die hauptamtliche Chefin der staatlich bezuschussten Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane, hatte erst jüngst scharf gerügt, dass es in den neuen Bundesländern „noch immer zu wenig Menschen (gibt), die sichtbar Minderheiten angehören, die zum Beispiel schwarz sind“. Es sei die „größte Bank­rotterklärung“ der deutschen Politik seit der Vereinigung 1990, „dass ein Drittel des Staatsgebiets weiß“ geblieben sei.

Irgendwie erinnert uns das an die Umvolkungs-Strategien früherer Eroberer, die sich die Bevölkerungen besetzter Länder gezielt umgestrickt haben per Verdrängung und Neubesiedlung. Sicher gingen die viel brutaler vor als Frau Kahane, doch das Ziel ist im Grunde das gleiche: Ein neues Volk soll durch gezielte Maßnahmen angerührt werden, weil ihnen das alte nicht in dem Kram passt.

Auf jeden Fall soll alles „bunt“ vermischt werden, weil „bunt“ und vermischt besser ist als „weiß“ und deutsch, so viel haben wir gelernt. Da kommt nun dieser Ramelow, dem die Frau Kahane weltanschaulich gewiss nicht allzu fern steht, und redet was von „Trennung“, weil sich nur so „Gewaltausbrüche wie in Suhl vermeiden“ ließen.

Hat der sie noch alle? Oder ist da etwa jemandem die böse Wirklichkeit ums Ideologie-triefende Haupt geflogen? Oder hat er sich verplappert? Letzteres hieße, dass er den Deutschen zu früh verraten hat, was auf ihr Land bei anhaltender Zuwanderung aus fernsten Kulturen an „Ausbrüchen“ zukommen könnte. Das allerdings sollen sie doch erst erfahren, wenn es zu spät ist! So weit sind wir aber noch nicht. Herr Ramelow sollte seine Zunge besser im Zaum halten.

Glücklicherweise sind die Staats- und Konzernmedien da weitaus professioneller. Täglich sehen wir erschreckende Bilder aus Mazedoniens Grenze zu Griechenland, wo Tausende auf eine Möglichkeit warten, weiter nach Deutschland ziehen zu können. Bei den Sendungen wird fein darauf geachtet, dass die Botschaft immer die gleiche bleibt und sich nichts Irritierendes in die Bilderflut mischt.

Deshalb verschonen uns ARD und ZDF von Bildern wie diesen: Auf einem Film im Netz sind mazedonische Polizisten zu sehen, die sich mit Hilfspaketen einer großen Menge von Flüchtlingen nähern, denen es bekanntlich an allem mangelt. Statt indes die Hilfen willkommen zu heißen, schreien die Flüchtlinge wild herum und machen Gesten, die offenkundig aussagen sollen: Haut ab mit eurem Zeug! Als die Polizisten entnervt mit den Paketen abziehen, klatscht und johlt die Menge triumphierend.

Was da wohl drin war in den Kartons? Gift? Kaum. Zumal der Inhalt von außen sowieso nicht zu sehen war, weshalb der auch keinen Anstoß erregen konnte. Allem Anschein nach war es also nicht der Inhalt, der die Gemüter in Rage versetzte, sondern die Verpackung. Das einzig Auffällige daran war ein Zeichen an der Seite: das Rote Kreuz.

War es das, was die muslimischen Flüchtlinge, denen es an allem mangelt, so in Wut versetzt hat? Das Zeichen der „Ungläubigen“? Dann können wir uns in Sachen „religiöse Toleranz“ ja schon mal auf einiges gefasst machen bei unseren neuen Nachbarn.

Nun, wir haben diese Mazedonier ja schon seit Tagen im Verdacht, üble Rassisten zu sein. Dieser neueste Übergriff mit dem Kreuz entlarvt nur abermals den himmelschreienden Mangel an Kultursensibilität. Uns wäre das nicht passiert! Wir hätten das Kreuz vorher herausgeschnitten.

Dafür machen wir allerdings andere, ebenfalls schwerwiegende Fehler, die uns die Flüchtlinge, denen es an allem mangelt, nur schwer oder gar nicht verzeihen können. Ein Schwarzafrikaner wirft vor laufender Kamera demonstrativ eine Tüte Apfelsinensaft in den Müllcontainer und schimpft dabei heftig. Laut Übersetzung ist ihm der Saft viel zu süß, so etwas trinkt er nicht. 15 Prozent Zucker! Die Rück­sichtslosigkeit der Deutschen gegenüber dem Mann ist menschenverachtend, man muss es so deutlich sagen.

Überhaupt, die Ernährung: Die Regierung von Niederbayern hat beschlossen, die Ausgabe von Nahrungsmittelpaketen an die Asylbewerber ganz zu beenden und stattdessen Geld auszuteilen, damit sie sich selber was kaufen können. Zwar habe man, so Regierungspräsident Heinz Grunwald, bei der Bestückung der Pakete alles getan, um den „individuellen Wünschen“ der Asylbewerber, Flüchtlinge und illegal Eingereisten nachzukommen. Dennoch hätten sich immer wieder Zuwanderer und vor allem deren bekanntermaßen allgegenwärtige „Unterstützer“ über die nicht angemessene Auswahl der Nahrungsmittel beschwert.

Durch die vielen „individuellen“ Sonderwünsche sei der Aufwand für die Bepackung à la Carte schließlich dermaßen aufwendig geworden, dass die Kosten für die Bezahlung der vielen fleißigen Packerhände nicht mehr zu vertreten gewesen sei. Daher werde nun Bargeld ausgegeben.

Interessant ist es, das Mienenspiel von Heinz Grunwald zu studieren, während er all das in professionell-seriösem Tonfall verkündet. Ich kenne den Mann nicht, weiß also nicht, wie er sonst guckt. Allerdings scheint in den Augen und sogar im Tonfall ein Funken von Sarkasmus aufzublitzen. Es hat den Eindruck, als schieße hinter den wohlgesetzten Worten ein zweiter Text durch Grunwalds Kopf, der da lautet: „Ja sammer denn VOLLKOMMEN DEPPERT?“


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Furcht vor »Entheimatung«

Dresden – Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt warnt davor, dass die Flut von Zuwanderern zu mehr Fremdenhass führen könne. Viele Einheimische erlebten den Zustrom als „Entheimatung“. Durch die abrupte Veränderung ihrer Umgebung per Massenzuwanderung fühlten sich viele Deutsche heimatlos im eigenen Land. „Das empört“, so Patzelt, „zumal die Leute ja nie in einer Wahl oder Volksabstimmung gefragt wurden, ob sie diesen Wandel auch wollen.“ H.H.

 

Zu dunkle Hautfarbe

Mainz – Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ wird nun doch am 2. September den Fall eines mutmaßlichen Vergewaltigers präsentieren. Ursprünglich wollte Chefredakteurin Ina-Maria Reize-Wildemann den Beitrag verschieben, weil der Gesuchte eine dunk­le Hautfarbe hat. Man wolle keine schlechte Stimmung verbreiten, so die Begründung. Nach Protesten ist der Sender von dem Plan aber abgerückt. H.H.

 

Pöbelnder Gutmensch

Politiker sind es gewohnt, angepöbelt zu werden. So perlte an CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer ungerührt die Verbalinjurie ab, mit der Til Schweiger ihn in der Talkshow „Menschen bei Maischberger“ während einer Flüchtlingsdiskussion anfuhr: „Sie gehen mir auf den Sack, echt.“

Wer sich mit dem Schauspieler anlegt, muss damit rechnen, mit nicht zitierfähigen Ausdrücken belegt zu werden. Wenn ihm die Argumente ausgehen, geht er mit emotionalen Ausfällen in die Offensive. Die einen bewundern, die anderen hassen ihn dafür. Angriffe erfährt er von rechts wie von links. Jüngst wurde seine Hamburger Villa Ziel einer nächtlichen Brand-Attacke. Vermutet wird Rache Rechtsextremer wegen seiner Flüchtlingshilfe, die er mit anderen Prominenten gründen und die in Osnabrück eine Vorzeigeunterkunft für Asylbewerber errichten will. Vor zwei Jahren haben vermutlich linke Aktivisten seine Villa mit Farbbeuteln beworfen und ein Fahrzeug angezündet, weil er sich im Film „Schutzengel“ für deutsche Afghanistan-Soldaten eingesetzt hatte.

Auch mit seinen Filmen polarisiert der 1963 in Freiburg geborene Schauspieler. Die Kritiker fällen regelmäßig vernichtende Urteile über die von ihm produzierten Kinofilme wie „Zweiohrküken“ oder „Kokowääh“. Trotzdem stürmen hauptsächlich Frauen seinetwegen in die Kinos. Sein gutes Aussehen und sein selbstgefälliges Nuscheln haben ihn bis nach Hollywood gebracht, wo er aber meist wie in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ den frühen Filmtod als Nazi oder Fiesling erleidet.

Das „Gutmenschentum“ würde ihn „ankotzen“ hat Schweiger einmal bekannt. Inzwischen ist dieser Proll selbst ein Gutmensch, und nicht wenige denken schon lange heimlich über ihn: „Er geht uns auf den Sack, echt.“ H. Tews


MEINUNGEN

Sofia Taxidis, Autorin mit türkisch-arabischem Migrationshintergrund, geißelt im Portal „Tichys Einblick“ (13. August) den Selbsthass der Deutschen:

„Das einzig Befremdliche an den Deutschen aus dieser Perspektive ist: Dass sie sich selbst so sehr hassen und oftmals die am liebsten haben, die sie auch hassen. Das ist eine Art Verdopplung des Selbsthasses. Während Türken und Griechen gerne Einheimische werden wollen, desertieren die Deutschen vor sich selbst.“

 

 

Michael Paulwitz wirft den Bundestagsparteien vor, mit dem Beschluss für das dritte Griechenland-Paket das Volk zu verhöhnen. In der „Jungen Freiheit“ (online, 19. August) warnt er jedoch:

„Die Schäubles und Kauders, Oppermanns und Kahrs’ und wie sie alle heißen, sollten sich ... nicht zu früh darüber freuen, wie reibungslos der Bundestag als Akklamationsapparat funktioniert, in dem das wachsende Unbehagen im Volk nur noch als Folklore am Rande vorkommt. Wenn Erich Honecker noch lebte, könnten sie ihn ja mal fragen, wie das so ist, wenn man bis zum Schluss glaubt, man hätte alles im Griff und könnte sogar ökonomische Gesetzmäßigkeiten durch die eigenen ideologischen Glaubensbekenntnisse außer Kraft setzen.“

 

 

In der Wiener Zeitung „Die Presse“ (20. August) zitiert Christian Ortner den US-Ökonomen Milton Friedman, der im August 1997, also noch vor der Einführung des Euro, prophezeit hat:

„Ich glaube, dass die Einführung des Euro den gegenteiligen Effekt haben wird. Sie wird politische Spannungen verschärfen, indem sie divergente Schocks, die durch Änderung der Wechselkurse leicht hätten gemildert werden können, zu umstrittenen politischen Themen macht [. . .]. Monetäre Einheit, die unter ungünstigen Bedingungen eingeführt wird, wird sich als Hindernis für die politische Einheit erweisen.“

 

 

Im Wissenschaftsportal „sciencefiles.org“ (24. August) beschriebt Michael Klein den Auftritt von Vizekanzler Gabriel (SPD) in Heidenau, wo es zu Ausschreitungen um ein Asylantenheim gekommen war:

„,Keinen Millimeter dem rechtsradikalen Pack‘, so Vizekanzler Gabriel, der sich offensichtlich bemüht, noch Öl ins Feuer zu gießen, denn die Bezeichnung ,rechtsradikales Pack‘ ist kaum dazu geeignet, Wogen zu glätten. An die Stelle der Staatsmänner von früher sind Personen getreten, die in ihrer Fähigkeit zum Pöbeln denen, die sie anpöbeln, in nichts nachstehen.“

 

 

Henryk M. Broder bezweifelt in der „Welt“ (25. August) die pauschale Behauptung, dass Zuwanderung uns bereichert:

„Wir brauchen Einwanderung, so tönt es von allen Seiten, weil wir nicht genug Facharbeiter haben. Und weil die demografische Entwicklung nichts Gutes verheißt. Was aber verheißt eine demografische Entwicklung, deren Folgen wir heute schon in den ,sozialen Brennpunkten‘ und No-go-Vierteln der Städte studieren können? Leider hat das Argument, die Einwanderer würden uns ,bereichern‘, inzwischen ausgedient.“