© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 38/15 vom 19.09.2015

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Merkels Trümmerhaufen
Mit ihrer Asylpolitik gefährdet die Kanzlerin nun auch die Einheit der Europäer

Grenzen zu? Von wegen: Der Strom geht weiter. Und die EU-Partner wollen keinen Blankoscheck unterschreiben – zu Recht.

Angela Merkel (CDU) hat mit ihrem Lavieren in der Asylpolitik einen gigantischen Trümmerhaufen angerichtet. Mit ihrem Fanfarenstoß, dass alle Syrer und Iraker, die es wünschen, unkontrolliert nach Deutschland kommen dürfen, hat sie eine Lawine losgetreten, die kaum mehr in den Griff zu bekommen ist. Hilfsorganisationen berichten, dass die Kanzlerin im Nahen Osten „Euphorie und Aufbruchstimmung“ ausgelöst habe. Zu Hundertausenden machten sich die Menschen auf den Weg.

Dann plötzlich die – scheinbare – Kehrwende: Innenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigt Grenzkontrollen an. Damit soll der Eindruck erweckt werden, als werde der massenhafte Zuzug wenigstens eingedämmt. Ein Bluff, wie EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) zugab. Es handele sich um „einen taktischen Zug“, um Druck auf die EU-Partner auszuüben, damit sie mehr Asylbewerber aufnähmen. Die Menschen strömen unterdessen weiter über die Grenze, nunmehr bloß unter den Augen völlig überlasteter Bundespolizisten.

Merkels „taktischer Zug“ war schon einen Tag später gescheitert. Auf dem EU-Innenministertreffen am Montag zeigten sich insbesondere die Osteuropäer unbeeindruckt von den Berliner Winkelzügen. Die unterschwellige Losung lautet: Die deutsche Regierung hat diese Welle kräftig mit angeschoben, jetzt soll sie auch mit dem Resultat zurechtkommen. Diese Haltung kann man den Partnern im Osten der EU kaum übelnehmen, denn faktisch will man sie zwingen, einen Blankoscheck zu unterschreiben: Während Merkel und die Ihren per „Willkommensbotschaft“ Millionen Menschen „ohne Obergrenze“ (so die Kanzlerin) in Bewegung setzen, sollen die EU-Partner später per festem Verteilungsschlüssel die Lasten (mit-)tragen. Dem kann ein Regierungschef, der sich dem Wohl seines Volkes verpflichtet fühlt, niemals zustimmen.

So bleiben die deutschen Bürger nicht nur weitgehend allein auf den Folgen der völlig verantwortungslosen Asylpolitik ihrer Regierung sitzen. Diese Politik hat es zudem geschafft, einen tiefen Riss durch Europa zu treiben.

Dabei nehmen die Fliehkräfte in der Europäischen Union ohnehin rasant zu. In Großbritannien hat ein EU-kritischer Linkspopulist die Spitze der Sozialdemokraten erobert. In Griechenland wird, wie es scheint, bei den Wahlen am Sonntag keine regierungsfähige Mehrheit zustande kommen – es droht politisches Dauerchaos Weimarschen Zuschnitts.

Für die Deutschen wird es derweil existenziell. Unser Land wird einer ethnisch-religiösen Umwälzung unterzogen wie seit mehr als 1000 Jahren nicht, orchestriert von einer politischen Klasse, die nicht daran denkt, das Volk zu fragen, ob es diese Umwälzung überhaupt will. In Abwandlung des Spruchs von Merkel lautet die zynische Botschaft an die Deutschen: „Wir schaffen euch!“ Hans Heckel


Plötzlich ist Moskau wieder gefragt
Europäische Staatschefs scheren aus der Anti-Putin-Allianz aus – Gespräche mit dem Kreml über Syrien und Ukrainekonflikt

Mit einer Rücknahme der Sanktionen gegen Russland ist vorerst nicht zu rechnen. Gerade erst wurden sie verlängert. Gleichwohl gibt es erste Anzeichen, die auf eine baldige Annäherung zwischen der EU und Russland hindeuten. So wie François Hollande in seiner Sommeransprache andeutete, er werde sich für eine Rücknahme der Sanktionen einsetzen, wenn die im Minsker Friedensvertrag verhandelten Positionen im Osten der Ukraine umgesetzt und die nun schon seit Anfang September weitgehend eingehaltene Waffenruhe auch stabil bleibe, signalisieren auch andere EU-Politiker vermehrt Bereitschaft, auf Russland zuzugehen.

Am vergangenen Wochenende trafen sich die Außenminister Deutschlands, Russlands, Frankreichs und der Ukraine in Berlin, um die Umsetzung des Minsker Abkommens voranzutreiben. Sowohl das Militär in Kiew als auch die Separatisten in der ostukrainischen Stadt Donezk berichteten davon, dass erstmals eine vollständige Waffenruhe eingehalten worden sei. Dies bestätigten auch die Beobachter der Organisation für Zusammenarbeit und Sicherheit in Europa (OSZE). Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte nach dem Treffen, man sei in einigen Dingen entscheidend vorangekommen. Neben der Waffenruhe verpflichteten sich die Konfliktparteien, schwere Waffen aus dem Gebiet abzuziehen und Landminen zu räumen. Für die anstehenden Lokalwahlen in den Rebellengebieten sollen die Voraussetzungen und die rechtliche Grundlage geklärt werden. Die Rahmenbedingungen und der Zeitplan sollen in einer Arbeitsgruppe aus ukrainischen und russischen Beratern sowie OSZE-Mitarbeitern erarbeitet werden. Strittig bleibt hingegen die Frage nach dem Status der Ostukraine. Die Zusammenkunft in Berlin diente der Vorbereitung für den geplanten Ukraine-Gipfel am 2. Oktober in Paris, bei dem die Staats- und Regierungschefs der vier Länder zusammenkommen werden.

Sei es, weil die Flüchtlingskatastrophe Europa, allen voran Deutschland, vor schier unlösbare Aufgaben stellt oder weil die Aufrüstung Russlands in Syrien das Westbündnis nervös macht: Auf jeden Fall stehen die Zeichen in Bezug auf Syrien offensichtlich auf Kooperation und Einigung mit Russland. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte kürzlich, um den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zum Erfolg zu führen, „brauchen wir sowohl die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von Amerika, aber auch die Zusammenarbeit mit Russland, sonst wird es keine Lösung geben“. Sowohl CSU-Chef Horst Seehofer als auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sprechen plötzlich den Wunsch nach einer Kooperation mit Moskau aus. Offiziell begrüßt Deutschland nun Moskaus Bereitschaft, sich in Syrien zu engagieren. Gemeinsam mit den Franzosen will man eine Initiative zur Beendigung des Kriegs anstoßen. Die Absicht ist unver­hohlen: Die Flüchtlingswelle soll gestoppt werden, und dies kann nur gelingen, wenn der Bürgerkrieg in Syrien beendet wird.

Steinmeier hat in Berlin mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow bereits über die Entwicklung in Syrien gesprochen und zu gemeinsamem Handeln aufgerufen: „Es darf nicht mehr sein, dass jeder auf eigene Faust in Syrien herumfuhrwerkt.“ Unklar bleibt das Schicksal Assads. Während Russland und der Iran den syrischen Staatschef weiter stützen wollen, beabsichtigen die USA, ihn zu stürzen. Doch Österreich und Spanien teilen die russische Position. Sie wollen Assad als eine Art Übergangsregelung im Amt belassen. Bleibt nur die Frage, ob die US-Falken im Weißen Haus ihre Haltung angesichts der Flüchtlingskrise in Europa überdenken und zur Zusammenarbeit mit Russland bereit sein werden.

Manuela Rosenthal-Kappi


Jan Heitmann:
Es dämmert

Ein Trümmerhaufen in der Zuwanderungspolitik (siehe Aufmacher), Rechtsbruch als Politikmodell (siehe Seite 8), Griechenland-Krise ohne Ende und viele Missstände mehr – im Mittelpunkt des Desasters steht stets Angela Merkel. Sie bestimmt als Bundeskanzlerin die Richtlinien der Politik. Damit trägt in letzter Konsequenz sie allein die Verantwortung für das, was die Politik unserem Land derzeit an irreversiblem Schaden zufügt. Von einer Kanzlerdämmerung zu sprechen, wäre sicherlich zu früh, aber es dämmert. Zumindest denjenigen, die sich noch ihres Verstandes bedienen, dämmert es nämlich, dass das Prinzip „per ordre de Mutti“ fatale Folgen zeitigt.

Das haben auch viele Mitglieder der Unionsparteien erkannt, worüber sie als loyales Parteivolk aber nur hinter vorgehaltener Hand reden. Kein Blatt mehr vor den Mund nehmen hingegen die Mitglieder der CSU-Basisbewegung „Konservativer Aufbruch“. In einer Presseerklärung halten sie Merkel „vollkommenes Versagen“ in der Zuwanderungsfrage und die Alleinschuld an „der größten Staatskrise Deutschlands seit 1949“ vor. Weiter ist davon die Rede, dass „ihr eine Anbiederung an die Propagandisten der Linksmedien offenbar wichtiger ist als ihr Amtseid oder das Grundgesetz“. Und schließlich fordern die Kritiker von der Schwesterpartei nicht weniger, als „die Zusammenarbeit mit dieser Bundesregierung und mit einer unerträglich weit nach links gerückten Merkel-CDU zu beenden, wenn die CDU Frau Merkel nicht endlich selbst zum Rücktritt veranlasst“. Angesichts der kaum noch zu beherrschenden Notsituation, in die Merkel unser Land manövriert hat, fällt es schwer, dem zu widersprechen.


S. 2 Aktuell

Immigration als Waffe
Krude Strategie: Jährlich 1,5 Millionen Einwanderer aus der Dritten Welt sollen Europas Intelligenz senken

Rassismus ist das Standardargument schlechthin, wenn Kritiker einer unkontrollierten Zuwanderungspolitik mundtot gemacht werden sollen. Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass erstaunlicherweise gerade einflussreiche Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft oftmals mit einem kruden Biologismus argumentiert haben.

Mit Blick auf den europäischen Kontinent hatte Richard Nicolaus Graf von Coudenhove-Kalergi etwa im Jahr 1925 in seiner Programmschrift „Praktischer Idealismus“ die Entstehung einer „eurasisch-negroiden Zukunftsrasse“ vorausgesagt. Äußerlich der altägyptischen ähnlich, sollte diese Mischrasse nach Meinung des Gründers der Paneuropa-Union, die „Vielfalt der Völker durch eine Vielfalt der Persönlichkeiten“ ersetzen. Bis heute eine Fundgrube für antisemitische Verschwörungstheoretiker sind die Ansichten Coudenhove-Kalergis zu den Juden, die er als die „geistige Führerrasse Europas“ bezeichnete.

Rund 20 Jahre später tauchten im Zuge des Zweiten Weltkriegs dann Ideen für eine biologische Lösung des „deutschen Problems“ auf. Für Aufsehen sorgte etwa ein 1943 im Selbstverlag erschienenes Traktat von Theodore Newman Kaufman. Unter dem Titel „Germany must perish!“ plädierte Kaufman für eine Massensterilisation der Deutschen. Im Jahr 1944 war es der US-Finanzminister Henry Morgenthau, der vorschlug, Deutschland in einen Agrarstaat zu verwandeln. Zitate, die Morgenthau zugeschrieben werden, sprechen dafür, dass ihm durchaus bewusst war, dass die Umsetzung seiner Pläne Millionen Menschenleben gefordert hätten.

In der Öffentlichkeit weit weniger bekannt sind die Gedanken des US-amerikanischen Anthropologen Ernest Hooton, der die Deutschen unterschiedslos für „moralische Schwachsinnige“ hielt. In einem 1943 veröffentlichten Aufsatz hatte Hooton empfohlen, die Geburtenzahl der Deutschen zu reduzieren sowie die Einwanderung und Ansiedlung von Nicht-Deutschen, insbesondere von Männern, in Deutschland zu fördern. Um größeren Widerstand bei den Deutschen zu vermeiden, schlug Hooton vor, diese „Umzüchtung“ langsam durchzuführen. Zur Entlastung Hootons wird angeführt, dass seine Vorschläge außerhalb des Artikels nie wieder öffentlich erwähnt worden seien und auch sonst niemand die dahinterstehenden Ideen propagiert habe. Der Bedeutung Hootons wird dies allerdings kaum gerecht. Der Lehrstuhl des Wissenschaftlers war in den Vereinigten Staaten das Hauptzentrum zur Forschung und Ausbildung im Fachbereich der biologischen Anthropologie. Dazu galt Hooton seinerzeit als prägend für eine ganze Generation von Anthropologen.

Dass Ideen einer gezielten Völkervermischung bis heute ihre Anhänger haben, macht das Beispiel des 1962 in Chilton, Wisconsin, geborenen US-amerikanischen Forschers auf dem Gebiet der Militärstrategie Thomas Barnett deutlich. In Büchern wie „The Pentagon’s New Map“ und „Blueprint for Action“ nennt der als „Vordenker der Globalisierung“ bezeichnete Barnett als Endziel der US-Politik die „Gleichschaltung aller Länder der Erde“. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Immigrationswelle interessant sind Barnetts Gedanken zu Europa. Der Kontinent soll nach Ansicht des Geostrategen jährlich 1,5 Millionen Einwanderer aus der Dritten Welt aufnehmen. Ähnlich wie bei Coudenhove-Kalergi taucht der Gedanke auf, dass in Europa die Entstehung einer „hellbraunen Rasse“ gezielt herbeigeführt werden müsste. Ergebnis wäre laut Bernett eine Bevölkerung mit einem durchschnittlichen Intelligenzquotienten von 90, „zu dumm zu begreifen, aber intelligent genug, um zu arbeiten“.

Ein anderer geopolitischer Vordenker aus den USA, Zbigniew Brzezinski, prognostiziert in seinem Buch „Die einzige Weltmacht“ noch eine andere Folgewirkung, die eine multikulturelle Gesellschaft nach sich ziehe. Speziell mit Blick auf die USA gerichtet äußerte Brzezinski die Befürchtung, dass der Niedergang der Dominanz des weißen, angelsächsisch geprägten Amerika zugunsten einer multikulturellen Gesellschaft langfristig eine Schwächung der USA darstellt. Eine stark fragmentierte Gesellschaft würde es zunehmend verhindern, dass sich die USA künftig noch militärisch im Ausland engagieren würden, so die Argumentation Brzezinskis. Norman Hanert


»Wie ein Hippie-Staat von Gefühlen geleitet«
Deutschlands »Willkommenskultur« irritiert Briten – Scharfe Kritik des Politologen Anthony Glees

Die deutsche Politik gegenüber Flüchtlingen bleibe den Briten ein Rätsel. Das sagt der britische Politologe Anthony Glees und legt den Finger in die Wunde deutscher Moralpolitik: „wie ein Hippie-Staat von Gefühlen geleitet“.

Dänemarks Polizei stoppt Züge aus Deutschland. Nur so ließe sich verhindern, dass kurzfristig 3200 Menschen unter Umgehung der Behörden nach Schweden weiterreisten. Es sei eine rein polizeiliche Entscheidung, die man bei Bedarf wieder treffen werde, sagte ein Polizeisprecher selbstbewusst. Dänemark hat klare Regeln für Asylsuchende, die deshalb wider das EU-Recht unregistriert irgendwie auf eigene Faust durch das Land nach Schweden fahren wollen. Großbritannien hat sich wie Dänemark Ausnahmen zu den Schengen-Regeln der EU vorbehalten. Die deutsche Politik weiß das und kritisiert beide Staaten massiv.

Rund 57 Prozent der Briten wollen den Status quo in Sachen Zuwanderung beibehalten oder weniger Menschen aus Syrien und Libyen aufnehmen. Rund 40 Prozent wollen mehr auf die Insel lassen. Das legt eine aktuelle Telefonumfrage der Meinungsforscher von ComRes mit dem Sender BBC nahe. Ganze 31 Prozent fordern, das Vereinigte Königreich solle weniger als jetzt aufnehmen. Vor allem Jüngere und Angehörige der Mittelklasse wollen mehr aufnehmen. Allgemein überwiegt Skepsis gegenüber den Politikern in Europa. 17 Prozent meinen, die eigene Regierung handele angemessen bei der Regelung der Zuwanderung, 38 Prozent stellen der deutschen Regierung in dieser Frage ein positives Zeugnis aus. Premier David Cameron teilte nach Bekanntwerden der Umfrage mit, Großbritannien werde in den nächsten fünf Jahren 20000 Menschen direkt aus Flüchtlingslagern nahe dem syrischen Konfliktherd aufnehmen.

Der britische Politologe Anthony Glees, renommierter Professor in Birmingham, erklärt die Skepsis seiner Landsleute: Sie hätten angesichts der vielen auch auf der Insel gezeigten Medienberichte über die „Willkommenskultur“ in Deutschland durchaus Respekt vor der deutschen Hilfsbereitschaft. Der deutschen Politik indes stellen sie mehrheitlich kein gutes Urteil aus. Glees erklärt, warum: Zur Verschuldung Griechenlands habe Deutschland bis jetzt auf EU-Regeln gepocht – in der Flüchtlingsfrage wolle Deutschland von EU-Regeln nichts hören. Merkels Umgang mit Ungarn erscheine widerrechtlich, so Glees, der seit Jahren die deutsch-britischen Beziehungen verfolgt. Die Briten hätten andere historische Erfahrungen, müssten „nicht nur mit dem wirtschaftlichen Emigranten-Problem fertig werden, sondern auch mit dem humanitären Problem“. Da scheint „die deutsche Haltung einfach salopp und nicht richtig durchdacht“. Die Briten sähen ihr Deutschlandbild erschüttert: „Die tektonischen Platten bewegen sich, wenn Deutschland sich als Hippy-Staat verhält.“ Cameron fordere zu Recht, „Großbritannien muss natürlich mit dem Herzen handeln, aber muss auch mit dem Gehirn handeln.“ Das Problem für viele Briten sei, nicht mitentscheiden zu dürfen. „Diese Flüchtlinge kommen nach Deutschland, aber nach fünf Jahren bekommen sie Ausweise, mit denen sie durch die ganze Europäische Union reisen.“ Glees fordert die „undemokratische“ Masseneinwanderung nach Europa zu steuern. „Leute, die eine vernünftige humanitäre Politik haben“, müssten unterscheiden können zwischen denen, die aus Verzweiflung nach Europa kommen, und denen, die „aus wirtschaftlichem Verbesserungsgefühl kommen“.

Glees’ Äußerungen ernten in Deutschlands Politik vor allem Abwehr. Er vertrete nur die Meinung einer Minderheit, stehe Cameron zu nahe. Die Umfrage widerlegt dies. Hier sagten die Befragten zu 78 Prozent, das Bild des tot angeschwemmten Jungen Alan Kurdi gesehen zu haben, sich davon aber in ihrer Haltung nicht beeinflussen zu lassen. Auf der Insel herrsche „Angst, dass der Charakter von Europa sich jetzt grundsätzlich verändern wird durch die deutsche Haltung“, so der Forscher. Er warnt: Europa der Gesetzlosigkeit preiszugeben, könne das Ende der Union bedeuten. Glees grenzt sich scharf von den EU-Gegnern im eigenen Land ab, will funktionierende Regeln in Europa statt eines britischen EU-Austritts. Doch „viele meinen, die Deutschen haben hier ihr Gehirn verloren“. „Auch in meiner Familie sind Immigranten da. Das ist ein fürchterliches Problem. Aber es ist nur durch Gesetze und Verständigung von allen Beteiligten zu lösen.“

Die Briten wollen demnach souverän entscheiden, sich nicht von der normativen Kraft des Faktischen und von medialen Bildern treiben lassen. Empathie ja, doch allein mit Moral Politik machen, dazu sagen die Briten „No“. SV


MELDUNGEN

Zehntausende mit Asylberechtigung

Berlin – Zum Stichtag 30. Juni, also noch vor Einsetzen des unkontrollierten Zuwandererzustroms, lebten in Deutschland fast 39000 asylberechtigte Menschen. Die drei Hauptherkunftsländer waren die Türkei vor dem Iran und Syrien. Die Zahl der Personen mit Flüchtlingsschutz betrug 145000. Hauptherkunftsland war hier Syrien vor dem Irak und dem Iran. Zudem waren 35600 Menschen mit Aufenthaltserlaubnissen erfasst, die aufgrund von Abschiebungsverboten erteilt wurden. Hauptherkunftsland in diesen Fällen war Afghanistan, gefolgt von Syrien und Kosovo. Den sogenannten subsidiären Schutz genossen 14400 Menschen, davon allein über 8800 aus Syrien. Als geduldet waren knapp 130000 Personen registriert. Hauptherkunftsland war hier Serbien gefolgt von Kosovo und Mazedonien. U.M.

 

Georgien nähert sich Russland an

Tiflis – Der Krieg, den das kleine Kaukasus-Land Georgien im Jahre 2008 gegen Russland begann, ist zwar noch nicht vergessen, doch scheint sich die Haltung gegenüber dem großen Nachbarn grundlegend geändert zu haben. Das zumindest vermutet der Russland-Korrespondent der „Washington Post“, Michael Birnbaum. Der Grund dafür sei, dass der Wunsch Georgiens, sich der EU anzuschließen, bis auf Weiteres ein Wunsch bleiben werde, und die EU selbst in ihrer Entwicklung stagniere. Birnbaum schreibt: „Nur wenige hätten gedacht, dass sich das an sich pro-westliche Land, das noch im Jahr 2008 durch einen militärischen Konflikt mit Russland ging, in der Lage wäre, in Russland wieder eine Stütze zu sehen. Doch im gleichen Maße, in dem der Westen zurückrudert, wenn es darum geht, Georgien in die EU oder Nato aufzunehmen, werden pro-russische Stimmen im Land lauter.“ Russland seinerseits sucht den Dialog mit Georgien und tätigt dort umfangreiche Investitionen. FS

 

Kein Gewehr für Islamisten

Apopka (Florida) – Der mittelständische US-amerikanische Waffenhersteller Spike’s Tactical hat ein Sturmgewehr mit einer „Islamistensicherung“ auf den Markt gebracht. Das AR-15 „Crusader“ ist mit einem mit Laser gravierten Kreuz und den Worten des Psalm 144,1 versehen: „Gepriesen sei der Herr, mein Fels, der meine Hände unterweist zum Kampf, meine Finger zum Krieg.“ Zudem sind die drei Stellungen des Sicherungshebels mit „Peace“, „War“ und „God Wills It“ (Frieden, Krieg und Gott will es) bezeichnet. „Deus vult“, so der Ausspruch im spätlateinischen Original, war die Reaktion des Auditoriums, als Papst Urban II. im Jahr 1095 zur Befreiung des christlichen Jerusalem aufrief und damit den ersten Kreuzzug gegen die Muslime eröffnete. Mit dem Bibelvers und den anderen Details auf dem Gehäuse des „Kreuzritters“ will die Firma muslimische Terroristen vom Gebrauch des Sturmgewehrs abhalten. Niemals solle es von diesen dazu verwendet werden können, unschuldige Menschen zu töten oder ihre radikalen Ziele zu verfolgen, so ein Firmensprecher. Hintergrund ist die Tatsache, dass immer mehr Waffen aus US-Produktion in die Hände von Dschihadisten geraten. J.H.


S. 3 Deutschland

Angst vor der eigenen Courage
Die AfD ist bei ihrer Profilierung gehemmt durch die Sorge vor dem »Etikett einer rechten Partei«

Der Mitgliederschwund ist offenbar gestoppt und die Umfragewerte steigen wieder. Die Alternative für Deutschland (AfD) scheint sich zu erholen. Doch die Partei hat ein Problem mit der öffentlichen Wahrnehmung.

Es ist ein paar Wochen her, da wollte tatsächlich ein Medium einmal wieder ein Interview mit Frauke Petry: „Ich sehe die Aufgabe, die AfD in einem Spektrum zu verankern, in dem sie von einer wachsenden Zahl von Menschen gewählt werden kann“, sagte Petry anschließend der Deutschen Presse-Agentur und ergänzte: „Unsere Gegner versuchen permanent, uns das Etikett einer rechten Partei anzukleben. Das wird ihnen aber nicht gelingen.“ Die öffentliche Resonanz des Interviews war gering. Zu gering für den Geschmack der Parteivorsitzenden: „Die Medien versuchen, uns totzuschweigen. Wir kommen einfach nicht mehr vor“, sagte Petry in der vergangenen Woche. Da hatte die Partei selbst zu einer Pressekonferenz geladen, um ihre „Herbstoffensive“ einzuläuten.

Hinter dem politischen Senkrechtstarter liegen turbulente Wochen. Nach seiner Niederlage gegen Petry auf dem Essener Parteitag Anfang Juli hatte sich Gründer Bernd Lucke aus dem Staub gemacht und einen Großteil der vorherigen Führungsmannschaft sowie fünf von sieben Mandaten im EU-Parlament mitgenommen. Seine Neugründung Alfa steckt zwar noch in den Kinderschuhen, könnte der AfD mit Konkurrenzkandidaturen im kommenden Frühjahr allerdings noch Probleme bereiten. „Die Talsohle ist durchschritten, es geht wieder aufwärts“, freut sich Petry.

Mit Lucke hätten rund 5000 Mitglieder die Partei verlassen, unter ihnen seien auch rund 20 Prozent der kommunalen Mandatsträger gewesen. „Aber unsere Geschäftsstelle bearbeitet derzeit bereits wieder 2000 Neuanträge, es gibt nur noch ganz vereinzelte Austritte“, so die Vorsitzende. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland in diesem Jahr rund 800000 Asylsuchende erwartet, prognostizierte Petry in Berlin eine „sich abzeichnende Katastrophe“ und forderte die „Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung“ und den „Schutz der nationalen Sicherheit“. Um die Partei wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, kündigte Petry für die kommenden Wochen eine PR-Aktion mit Plakaten und Infoständen an. Im Zuge der Diskussion um den richtigen Umgang mit der neuen Einwanderungswelle sind auch die Umfragewerte der Partei wieder nach oben gegangen, das Institut INSA sah die AfD in der vergangenen Woche erstmals seit Wochen wieder genau auf der Fünf-Prozent-Marke.

Sorgen dürfte der Parteiführung aber die Tatsache bereiten, dass die Umfragen auf Landesebene deutlich schlechter ausfallen. Rund ein halbes Jahr vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz kommt die AfD dort nur auf zwei bis vier Prozent. Lediglich in Sachsen-Anhalt hätte die AfD demnach gute Chancen, ins Parlament einzuziehen, was selbst einen alten politischen Haudegen wie Alexander Gauland beunruhigt. „Es wäre schon problematisch, und wir werden auch versuchen, zu verhindern, dass wir eine reine Ostpartei werden. So stolz ich darauf bin, dass wir in Sachsen und Brandenburg besonders erfolgreich sind, ist eine Partei nicht in den Bundestag zu führen, wenn sie nur in den ostdeutschen Landesverbänden stark ist“, sagte der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Landtag von Brandenburg. Gauland steht stellvertretend für den schwierigen Spagat, den die AfD zu bewältigen hat. In dem Bewusstsein, dass die Menschen in den neuen Ländern in Sachen Einwanderung einen härteren Kurs fordern, setzt auch Gauland auf schärfere Töne. Es gebe derzeit eine „Völkerwanderung“. Aber Deutschland könne nicht eine Million Flüchtlinge integrieren, warnte er und fragte: „Wie viele Flüchtlinge kann eine Gesellschaft verkraften?“ Letztlich müsse man auch darüber nachdenken, das Grundgesetz zu ändern und das Recht auf Asyl auszusetzen. Mediale Kritiker sehen darin einen Beleg für einen Rechtsruck der Partei, andere gar einen Hinweis auf eine beginnende Verfassungsfeindlichkeit der AfD: „Nach dem Austritt des Parteigründers Lucke im Juli ist die AfD entgegen eigener Ankündigungen noch einmal deutlich nach rechts gerückt“, unkte die Wochenzeitung „Die Zeit“ nach der Pressekonferenz.

Zu den konkreten Forderungen der AfD gehören unter anderem die Einführung von Kontrollen an den deutschen Grenzen, 48-Stunden-Asylverfahren in Grenznähe und die Abschaffung des sogenannten „Taschengelds“ für Flüchtlinge. Zusätzlich sollen Personen aus Staaten, die als sichere Herkunftsländer eingestuft sind, gar keinen Asylantrag mehr stellen dürfen.

Der Deutschlandfunk attestierte daraufhin, dass das Gerede vom Rechtsruck im Zusammenhang mit der Asyldebatte keinen Bestand haben dürfte. „Das, was die AfD da fordert, findet sich zunehmend auch bei anderen Parteien. Aber das ist ihr Problem, sie muss unterscheidbar bleiben, dabei aber nicht zu extrem rüberkommen“, hieß es, und die Deutsche Presse-Agentur befand gar, dass „Frauke Petry auf einem Rasiermesser tanzt“. Die AfD müsse eigene Akzente setzen, aber verhindern, „dass man mit dem Finger auf sie zeigt, wenn Brandsätze fliegen oder Flüchtlinge in ihren Unterkünften von krakeelenden Wutbürgern terrorisiert werden“. Wohl auch deshalb hat Petry in einem parteiinternen Rundschreiben dazu aufgerufen, sich nicht an Demonstrationen vor Aufnahmestellen zu beteiligen: „Es ist wichtig, dass wir einen seriösen Ruf behalten“, sagte sie dazu in Berlin. Peter Entinger


Nur rund 40 kamen
Gedenkstein für die weiblichen Opfer des Zweiten Weltkrieges

Mussten sich schon die deutschen Heimatvertriebenen über Jahrzehnte als Opfer zweiter Klasse vorkommen, so gilt dies für eine Opfergruppe ganz besonders: Frauen und Mädchen, die während des Zweiten Weltkrieges oder in der Nachkriegszeit zur Zwangsarbeit deportiert wurden oder zu Opfern sexueller Gewalt wurden. Trotz der hohen Zahl von Opfern – die Schätzungen gehen von mehreren hunderttausend bis sogar Millionen Betroffenen aus – herrschte zum Schicksal und Leid dieser Frauen über Jahrzehnte ein weitverbreitetes Schweigen. Den Opfern selbst ging es in der unmittelbaren Nachkriegszeit oftmals einfach nur darum, nach Flucht und Vertreibung die Existenz ihrer Familien sicherzustellen. Dazu kam eine Haltung innerhalb der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die bis heute weit verbreitet ist: Wer von Deutschen als Opfer rede, wolle deutsche Schuld relativieren, so lautet oftmals der vorwurfsvolle Tenor von Politikern und Medienvertretern. Allmählich geändert hat sich die Lage erst seit den 90er Jahren: Die Berichterstattung über den Bal­kankrieg machte eindringlich deutlich, dass Kriege immer auch weibliche Opfer haben.

Wie wenig Empathie allerdings speziell die deutschen Frauen und Mädchen bis heute als Opfergruppe erfahren, wurde anlässlich einer Gedenkstunde deutlich, die am 10. September auf dem ehemaligen Garnisonsfriedhof in Berlin-Neukölln stattgefunden hat. Der auf Initiative des Frauenverbandes innerhalb des Bundes der Vertriebenen (BdV) errichtete Gedenkstein ist deutschlandweit bislang der einzige, der explizit auf das Schick­sal deportierter deutscher Frauen hinweist. Zur Veranstaltung, die gemeinschaftlich von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, dem Frauenverband im Bund der Vertriebenen sowie dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) Landesverband Berlin organisiert worden war, fanden sich nur rund 40 Teilnehmer ein.

Wie Sibylle Dreher, die Vizepräsidentin des Frauenverbandes im BdV, in ihrer Rede deutlich machte, ist unter den Angehörigen der Nachkriegsgeneration durchaus ein Interesse vorhanden, mehr über das Schicksal derjenigen Frauen zu erfahren, die Opfer von Gewalt und Zwangsarbeit wurden. Bislang sind in den entsprechenden Dokumentationen zur Vertreibung die Schicksale der Frauen jedoch immer noch unterrepräsentiert. Inzwischen sind allerdings erste Zeichen zu erkennen, dass die Bereitschaft wächst, auch Frauen und Mädchen als Opfergruppe stärker zu würdigen. So erklärte Markus Meckel, der Präsident des VDK, dass der Gedenkstein auf dem Neuköllner Friedhof künftig stärker in die Gedenkfeierlichkeiten am Volkstrauertag einbezogen werden solle.

Bewegung scheint inzwischen auch in eine Problematik zu kommen, deren bisherige Handhabung nur als skandalös bezeichnet werden kann. Für die Frauen, die vor 70 Jahren in besonderer Weise für die deutsche Kriegsniederlage zahlen mussten, existiert bis heute kein Entschädigungsfonds. Signalisiert wurde inzwischen, dass die noch wenigen überlebenden Frauen, die zur Zwangsarbeit verschleppt wurden, möglicherweise ab dem kommenden Jahr eine einmalige Zahlung erhalten. Norman Hanert


Keine »Stütze« für EU-Bürger
Europäischer Gerichtshof fällt Grundsatzurteil

Der Europäische Gerichtshof hat am Dienstag ein wichtiges Grundsatzurteil gefällt. Demnach haben Ausländer, die nach Deutschland kommen, um Sozialhilfe zu erhalten, oder deren Aufenthaltsrecht sich allein aus dem Zweck der Arbeitsuche ergibt, in Deutschland keinen Anspruch auf „beitragsunabhängige Sozialleistungen“ (Hartz IV). Dies gilt auch für EU-Bürger.

Geklagt hatte eine Bosnierin mit drei Kindern, die durch Heirat die schwedische Staatsbürgerschaft erhalten hatte. Die Familie war 1999 von Deutschland nach Schweden gezogen und 2010 nach Deutschland zurückgekehrt. Nach ihrer Rückkehr waren die Frau und ihre älteste Tochter weniger als ein Jahr in kürzeren Beschäftigungen tätig und seither arbeitslos. Der Familie wurden daraufhin zunächst Leistungen der Grundsicherung bewilligt. Im Jahre 2012 stellte die zuständige Behörde, das Jobcenter Berlin-Neukölln, die Zahlungen mit der Begründung ein, dass die Mutter und ihre älteste Tochter als ausländische Arbeitsuchende, deren Aufenthaltsrecht sich allein aus dem Zweck der Arbeitssuche ergebe, keinen Anspruch auf diese Sozialleistungen hätten. Infolgedessen schloss das Jobcenter auch die anderen Kinder vom Bezug der entsprechenden Sozialleistungen aus.

Da das Bundessozialgericht den Fall nicht in zweiter Instanz entscheiden wollte, verwies es ihn im Wege eines sogenannten Vorabentscheidungsersuchens an den Europäischen Gerichtshof. Konkret wollten die deutschen Richter von ihren Kollegen in Luxemburg wissen, ob die Leistungsverweigerung mit dem Gebot der Gleichbehandlung aller Unionsbürger vereinbar sei, da deutsche Staatsbürger, die sich in der gleichen Situation befänden, diese Leistungen erhielten. Dies hat der Europäische Gerichtshof eindeutig bejaht. Demnach kann ein Mitgliedstaat EU-Bürger, die in diesen Staat zur Arbeitsuche einreisen, von bestimmten Sozialleistungen ausschließen.

Dabei müsse der Staat in einem wie dem vorliegenden Fall noch nicht einmal eine individuelle Prüfung vornehmen, „weil das in der Unionsbürgerrichtlinie vorgesehene abgestufte System für die Aufrechterhaltung der Erwerbstätigeneigenschaft, das das Aufenthaltsrecht und den Zugang zu Sozialleistungen sichern soll, selbst verschiedene Faktoren berücksichtigt, die die persönlichen Umstände der eine Sozialleistung beantragenden Person kennzeichnen“. Der Gerichtshof stellt zudem klar, dass die Frage, ob der Bezug von Sozialleistungen eine „unangemessene Inanspruchnahme“ eines Mitgliedstaats darstelle, „nach Aufsummierung sämtlicher Einzelanträge“ zu beurteilen sei.

Die derzeitige Zuwanderungswelle verleiht diesem Grundsatz­urteil besonderes Gewicht, kommt ein großer Teil der „Migranten“ doch vom Balkan und damit auch aus der EU. Allerdings stellt es keine Entscheidung über den in Deutschland anhängigen Rechtsstreit dar. Denn im Wege eines Vorabentscheidungsersuchens können die Gerichte der Mitgliedstaaten in einem bei ihnen anhängigen Rechtsstreit dem Gerichtshof lediglich Fragen nach der Auslegung des Unionsrechts vorlegen. Dessen Entscheidung bindet jedoch alle nationalen Gerichte, die mit einem ähnlichen Problem befasst werden. Somit ist es jetzt Sache des Bundessozialgerichts, über den vorliegenden Fall in Einklang mit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu entscheiden. J.H.


MELDUNGEN

Mehr Kriminalität durch Asylanten

Berlin – „Konsequentes Handeln von Polizei und Justiz, damit Täter aus den Reihen der Asylbewerber schnell identifiziert und zur Verantwortung gezogen werden können“, fordert der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Zugleich warnt die Polizeigewerkschaft vor dem Hintergrund des Zuwandererstroms vor einem deutlichen Anstieg der Straftaten. Die bisherigen Erkenntnisse aus dem Polizeialltag zeigten, dass rund zehn Prozent der Asylbewerber strafrechtlich auffällig würden und Taten aus dem Bereich der Eigentums-, Gewalt- und Drogendelikte begehen. Etwa 15 Prozent der Täter fielen dabei mehrfach auf. Im Ergebnis würden diese Taten die Kriminalitätszahlen aller Voraussicht nach schon in diesem Jahr im sechsstelligen Bereich anwachsen lassen. U.M.

 

Banken müssen Daten melden

Berlin – Die deutschen Geldinstitute müssen künftig einmal im Jahr bestimmte Daten von Konten ins Ausland übermitteln. Dies sieht ein von der Bundesregierung eingebrachter Gesetzentwurf vor. Zur Begründung heißt es, mit diesem automatischen Austausch steuerrelevanter Informationen zwischen den Finanzverwaltungen der einzelnen Staaten solle dem grenzüberschreitenden Steuerbetrug begegnet werden. Grundlage sind unter anderem eine von 50 Staaten geschlossene Vereinbarung und die EU-Amtshilferichtlinie. Finanzinstitute müssen demnach Daten von Konten übermitteln, die sie für in anderen Vertragsstaaten beziehungsweise EU-Mitgliedstaaten steuerpflichtige Personen führen. Mitgeteilt werden müssen Name, Anschrift, Steueridentifikationsnummer sowie Geburtsdatum und -ort jeder meldepflichtigen Person, die Kontonummer, die Jahresenddaten der Konten sowie gutgeschriebene Kapitalerträge. J.H.


S. 4 Autohandel

Autokauf als Erlebnis
Neue Trends im Neuwagenhandel − Firmen wehren sich gegen Internetkonkurrenz

Im Automobilhandel scheinen die goldenen Jahre vorüber. Der Neuwagenmarkt gilt als gesättigt. Bei der Ansprache der weniger werdenden potenziellen Kunden setzen Handel und Industrie auf elektronische Plattformen und den „Erlebnis-Einkauf“ in „Flag­shipstores“ genannten Vorzeigeläden.

Nicht alle Firmengeschichten verliefen so schillernd wie die des Düsseldorfer Unternehmens Auto Becker. Doch kann zumindest der Beginn von Wilhelm Becker in der Nachkriegszeit als exemplarisch für viele Automobilhändler bezeichnet werden.

Was Jahrzehnte später unter dem Namen „Auto Becker“ zu einer festen Größe der Branche wurde, hat 1947 mit einer Bretterbude in Düsseldorf als Tauschzentrale für gebrauchte Autoteile begonnen. Aus dem später aufgezogenen kleinen Gebrauchtwagenhandel entwickelte sich über Jahrzehnte ein Vorzeigeunternehmen samt prominenter Kunden, bis die Auto Becker GmbH & Co KG 2002 ins Schlingern kam und Insolvenz anmelden musste.

Möglich wurden Karrieren wie die von Wilhelm Becker und zahlloser anderen Automobilhändler vor dem Hintergrund des deutschen „Wirtschaftswunders“. Starke Exporte und der noch geringe Motorisierungsgrad im Inland sorgten dafür, dass die deutsche Automobilindustrie in den 1950er Jahren einen rasanten Aufschwung nahm. Der Trend zum Zweitwagen sorgte später für weitere goldene Jahre im Autohandel.

Mittlerweile gilt der deutsche Neuwagenmarkt allerdings als gesättigt. Für das Jahr 2014 wies das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für den deutschen Automarkt rund drei Millionen Neufahrzeuge sowie sechs bis sieben Millionen Gebrauchtwagenumschreibungen aus. Zu beobachten ist, dass bei jungen Erwachsenen in den Großstädten die Bereitschaft zum Kauf eines Neuwagens gesunken ist. Entweder wird ganz auf ein eigenes Auto verzichtet oder Fahrzeuge werden per „Carsharing“ gemeinsam genutzt. Getrieben werden die Neuzulassungen mittlerweile vor allem durch das Geschäft mit Firmenkunden.

Nach Meinung von Experten wie dem Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen steht der Autohandel in Deutschland womöglich vor dem größten Umbruch in seiner Geschichte. Schon bald könnte es der Vergangenheit angehören, dass die Käufer von selbst ins Autohaus finden, um sich über ein konkretes Automodell oder neue Angebote der Hersteller zu informieren. So geht die Unternehmensberatung „Frost & Sullivan“ davon aus, dass bis 2020 der Impuls für einen Neuwagenkauf zu 60 bis 70 Prozent durch eine elektronische Plattform (Internetseiten, Social Media oder Apps) geweckt werden wird. Aus Sicht des Autohandels wird dann nicht mehr der Besuch im Autohaus auf der grünen Wiese der entscheidende erste Schritt zu einem Verkaufsabschluss sein, sondern der virtuelle Schauraum mit angeschlossenem Online-Konfigurator. Bislang sind viele traditionelle Autohäuser auf diese Entwicklung nur schlecht vorbereitet.

Wer sich ein eigenes Auto leisten kann und mag, will sich zum Kauf nicht mehr unbedingt zu einem Autohaus in einem Gewerbegebiet aufmachen. Der Trend geht zum „Erlebnis-Einkauf“. In bester Innenstadtlage großer Metropolen sollen „Flagshipstores“ der großen Autohersteller bei der potenziellen Kundschaft für ein „durchgängiges Markenerlebnis“ sorgen. Zunehmend abgehängt von dieser Entwicklung sind die traditionellen Autohändler auf dem Land oder in kleineren Städten. Norman Hanert


»Großes Fressen«
Der Familienbetrieb wird zum Auslaufmodell

Endspiel ums deutsche Autohaus“ – so und ähnlich lauten seit einiger Zeit Überschriften in der Fachpresse des Automobilhandels. Während Deutschlands Autobauer durch ihr Auslandsgeschäft Rekordgewinne einfahren, bleiben Autohändler immer öfter auf der Strecke. Der deutsche Markt gilt als gesättigt, dazu schwächelt zunehmend auch das Werkstattgeschäft als wichtiger Ertragsbringer. Laut einer Untersuchung des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen (IFA) ist die Profitabilität der Autohäuser seit dem Jahr 2010 stark rückläufig. Lag die Rendite im Jahr 2011 noch bei 2,1 Prozent, so wurde 2014 nur noch eine Rendite von einem Prozent erzielt. Für viele Betriebe hat diese Entwicklung drastische Konsequenzen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung „Frost & Sullivan“ hat mittlerweile rund jeder fünfte Händler seine Ladenfläche reduziert, um die Kosten zu drücken und weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. Hersteller wie Mercedes und BMW setzen inzwischen verstärkt auf den Direktvertrieb über das Internet und machen so dem klassischen Autohandel Konkurrenz.

Die Folge ist ein starker Konzentrationsprozess. Gab es Anfang dieses Jahrtausends noch rund 18000 Autohäuser, so waren es vergangenes Jahr nur noch 7800. Die Unternehmensberatung „Arthur D. Little“ kommt in einer Studie mit dem vielsagenden Titel „Der Kampf ums Überleben“ zu dem Schluss, dass bis zum Jahr 2020 nochmals jeder dritte Autohändler vom Markt verschwinden wird. Treffen wird dies vor allem Familienbetriebe, die für Jahrzehnte in Deutschland das Bild vom Kfz-Handel bestimmt haben.

Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft spricht in diesem Zusammenhang vom „großen Fressen“. Familiengeführte Betriebe sterben aus, stattdessen dominieren Mega-Händler mit Milliardenumsätzen den deutschen Autohandel, so der Befund des „Auto-Professors“. Branchengrößen wie die Emil Frey Gruppe in Stuttgart, die AVAG in Augsburg oder die Hamburger Dello-Gruppe sind längst auf Einkaufstour, um sich durch Übernahmen weiter zu vergrößern.

Rückenwind erhält dieser Konzentrationsprozess durch die Erkenntnis der Automobilhersteller, dass sie nur mit großen, absatzstarken Händlerunternehmen ein flächendeckendes Vertriebs- und Servicenetz aufrechterhalten können. Die immer größer werdende Modellpalette der Autobauer hat dazu geführt, dass viele kleine Händler die Vielfalt des Angebots kaum noch darstellen können. Weiteren Schub wird die Entwicklung hin zu großen Autohandelsketten nach dem Vorbild der USA noch durch den Rückzug einiger Autohersteller aus dem Direktvertrieb über werkseigene Niederlassungen erhalten. Vor allem bei den Niederlassungen von Mercedes-Benz zeichnet sich ab, dass sie auf längere Sicht alle von großen in- oder ausländischen Gruppen übernommen werden. So verkauft der Stuttgarter Konzern seine Niederlassungen in Mitteldeutschland an den chinesischen Vertriebspartner Lei Shing Hong (LSH). N.H.


Der Trend geht zum Kauf über das Internet

Nach dem Vorbild des US-Sportwagenbauers Tesla haben auch deutsche Autobauer wie Mercedes und BMW inzwischen damit begonnen, Fahrzeuge im Direktvertrieb über das Internet zu verkaufen. Bestärkt fühlen können sich die Hersteller durch das Ergebnis einer Befragung, dass mit steigendem Einkommen auch die Akzeptanz steigt, ein neues Fahrzeug über das Internet zu erwerben. Bislang bewegen sich hierzulande die Verkaufszahlen noch in niedrigen Dimensionen, doch aufzuhalten ist der Trend zum Onlineverkauf vermutlich nicht mehr. So ist der Autokauf über das Internet in anderen Regionen der Welt längst Normalität. In Brasilien kommen schon fast die Hälfte der Autoverkäufe über das Internet zustande. Für Deutschland geht die Unternehmensberatung „Arthur D. Little“ davon aus, dass bis zum Jahr 2020 sechs Prozent der Kaufverträge für Autos über das Internet abgeschlossen werden.

Nach Ansicht der Unternehmensberatung klafft allerdings zwischen dem Markenerlebnis im Internet und dem tatsächlichen Angebot beim Händler bislang oft noch eine gravierende Lücke: „Da können Sie zum Beispiel im Netz mit einem schicken Neuwagen-Konfigurator Ihr Traumauto zusammenstellen, doch wenn Sie zum Händler kommen, heißt es: Den haben wir gar nicht da“, so Thomas Becker, der Leiter der „Arthur D. Little“-Studie gegen­über dem Magazin „Focus“. Zudem können die klassischen Autohändler noch mit einem anderen Plus aufwarten. Für viele Kunden ist die Probefahrt nach wie vor unverzichtbar. So gab fast jeder zweite Autokäufer bei einer Befragung im Auftrag der Lease Trend AG an, dass die Möglichkeit einer Probefahrt für ihn das Alleinstellungsmerkmal des Händlers vor Ort sei. N.H.


Zeitzeugen

Max Hoffman – Der US-amerikanische Autohändler Max Hoffman begann nach dem Zweiten Weltkrieg, europäische Automobile in die Vereinigten Staaten zu importieren. Der gebürtige Österreicher brachte unter anderem im Jahr 1950 den ersten Porsche 356 in den USA auf den Markt. Der Einfluss des findigen Importeurs auf die Modellpolitik deutscher Autobauer reichte so weit, dass es ohne ihn keinen BMW 507, Mercedes 300 SL oder Porsche 356 Speedster gegeben hätte. Hoffman zugeschrieben wird ebenso, bei Ferry Porsche das noch heute gültige Wappen als Porsche-Markenzeichen angeregt zu haben, welches das Stuttgarter Wappentier, das Landeswappen des freien Volksstaates Württemberg sowie die Schriftzüge „Porsche“ und „Stuttgart“ enthält.

Willi Diez – Der Professor an der Hochschule Nürtingen-Geislingen und Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft sieht den deutschen Automarkt in einem tiefgehenden Wandel begriffen: „Wir bekommen im Automobilhandel in Deutschland zunehmend amerikanische Verhältnisse mit Mega-Dealern, die Milliarden-Umsätze tätigen und verschiedene Automobilmarken vertreten.“

Emil Frey – Mit dem Import britischer Autos legte der Schweizer Emil Frey ab 1931 den Grundstein für eine äußerst erfolgreiche Unternehmerkarriere. Bis heute befindet sich das von Frey begründet Unternehmen vollständig im Privatbesitz der Gründerfamilie. In Deutschland war die Emil Frey Gruppe im Jahr 2014 mit einem Umsatz von 1,485 Milliarden Euro und mehr als 54000 verkauften Neuwagen die größte Händlergruppe.

Burkhard Weller – Aus Sicht des Chefs der Berliner Wellergruppe ist das Internet für Autohäuser „Fluch und Segen zugleich“. Aller Euphorie um den Online-Handel und rückläufiger Besuchsfrequenzen zum Trotz sieht Weller im stationären Handel weiterhin die zentrale Vertriebsplattform für den Autohandel: „Nichts ersetzt das Original. Wenn Sie sich in ein Auto setzen, das Leder riechen und eine Probefahrt machen, springt der Funke drei Mal eher über als nach ein paar Klicks im Internet. Das Autohaus lebt“, so Weller gegenüber einer Kundenzeitung der Iffland AG.


S. 5 Preussen/Berlin

Wie viele Türme verträgt Berlin?
Streit um Wolkenkratzerpläne am Alexanderplatz: Politik hält an Hochbauten fest

In die Höhe oder in die Breite, Hochhäuser für die Reichen oder Wohnblocks für alle – das sind aktuelle Fragen des Bauwachstums von Berlin.

Berlin zählt zehn Hochhäuser mit mehr als 100 Metern Höhe. Vier weitere sind in Planung, zwei davon am Alexanderplatz. Büros und Hotels füllen die Prestigebauten. Doch die Wolkenkratzer lösen Berlins Wohnraumproblem nicht, schuld daran sind die hohen Baukosten. Das machte im Juni Senatsbaudirektorin Regula Lüscher klar und folgerte, es gebe genug Hochhäuser. Dennoch bleibt Berlins größte Turmplanung am Alexanderplatz (Alex) offiziell fast unverändert. Der Senat droht somit, stadtplanerisch der Realität hinterherzulaufen.

„Der Stellenwert wird aktuell als gering eingeschätzt“, sagte Lüscher jüngst zum Thema Hochhäuser. Sie tritt auf die Bremse, will begrenzen und antwortete so auf eine Anfrage der mitregierenden CDU. Der Streit um ein „Spreehattan“ in Anlehnung an New Yorks Manhattan hat es in sich, denn daran entzündet sich die Frage der Entwicklung der Stadt, wie sie künftig Wohnraumprobleme lösen und Infrastruktur entwickeln will. Für die Bürger kann dies ein Wachsen Berlins in die Fläche oder eine Verdichtung nach oben zugunsten weniger Privilegierter bedeuten.

Jede solche Veränderung bedarf einer langfristigen politischen Planung, doch daran hapert es. Die Politik übersieht: Wolkenkratzer sind als Investition am Standort Berlin oft zu teuer. Der vom Senat 1993 preisgekrönte Entwurf des Büros Hans Kollhoff für den Alex sieht an dem prominenten Standort aber bis heute eben solche Hochhäuser vor. Es sollten bisher 13 Bauten von je 150 Metern entstehen.

Erst seit vergangenem Jahr zeichnete sich eine Umplanung vonseiten Kollhoffs ab. Das neue Ergebnis bleibt eine „Stadtkrone“ aus elf hohen Türmen. „Grundelement des Städtebaus soll eine Gebäudetypologie werden, die Block und Hochhaus kombiniert und so dem auseinanderdriftenden Stadt­raum Halt verleiht.“ Der Entwurf wird auf der Internetseite von Lüschers Dienstherrn Senator Andreas Geisel (SPD) vorgestellt. Bei der Umplanung sei es nicht um einen völlig neuen Start gegangen, sondern um die Beseitigung von Konfliktpunkten, so Kollhoff. Das aus DDR-Zeiten stammende Forum-Hotel soll nun erhalten bleiben. Der Architekt betont den langen Atem, den er benötige, um überhaupt einzelne Bauten des Ursprungsplans entstehen zu sehen.

Indes: Von den jetzt zehn Türmen auf dem Papier wurde bislang noch kein einziger gebaut. Nur für zwei existieren überhaupt Pläne, und bloß für einen sind sie bereits konkret. Kritiker der Hochhauskrone nennen das Gesamtvorhaben daher realitätsfern. Sie verweisen auf die überschätzte wirtschaftliche Kraft zum Bau der Giganten – zu lange sei kaum etwas geschehen, und daher hätten die zu groß geratenen Pläne eher Entwicklungen gehemmt und das Gelände blockiert, statt sein Fortkommen zu beflügeln. Der Umgang mit der DDR-Architektur sei obendrein respektlos und lange nur auf Abriss fixiert gewesen. Die Chance für einen Neuanfang sei damit vertan. Der Denkmalschutz schaltete sich inzwischen ein und erzwang den Erhalt zweier DDR-Bauten. Das „Haus des Reisens“ und das Gebäude des Berliner Verlages müssen demnach bestehen bleiben, was die Möglichkeiten einer Großbebauung für Investoren mindert.

Das Abgeordnetenhaus hält dessen ungeachtet an den Kollhoff-Plänen fest. Das Landesparlament hat den politischen Willen geäußert, den Alex weiter als Hochhaus-Standort auszuweisen. Bürgermeister Michael Müller (SPD) setzt sich für die baulichen Höhenflüge persönlich ein.

Die Türme sollen Büros beherbergen, so die Politik. Rund eine Million Quadratmeter Bürofläche stehen in der Hauptstadt aktuell leer, rund sechs Prozent; die Büromieten stagnieren. Ein Grund: Berlin fehlen große Industrieunternehmen und Firmenzentralen, die als Großmieter von Hochhäusern infrage kämen. Somit wird die spätere Nutzung schwierig. Das hält Banken und Versicherungen davon ab, in die Finanzierung solcher Vorhaben einzusteigen. Dafür stehen amerikanische und russische Investoren bereit: Hines und MonArch. Die Pläne des russischen Baukonzerns sind noch nicht spruchreif, die des US-Investors Hines weichen deutlich von den Kollhoff-Ideen ab. Aus wirtschaftlichen Gründen kam es seit Anfang 2011 zu Verzögerungen. Beide Projekte investieren kaum in bezahlbaren Wohnraum – der verspricht angesichts der hohen Kosten Verluste. Rund 300 Eigentumswohnungen und ein Designhotel entstehen im Hines-Turm.

Wie also geht es nun weiter mit dem Alex? Offiziell ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Bis Mitte 2016 tagt eine Art Arbeitskreis zur Zukunft des Geländes, Kollhoff nimmt daran teil. Grüne und Linke fordern eine völlige Neuplanung. Dem hält Müller entgegen: „Es kann nicht darum gehen, den Alexanderplatz als Hochhausstandort infrage zu stellen.“ Zur Vorstellung des Hines-Turms sagte Lüscher aber: „Der Bebauungsplan definiert nicht die Architektur.“ Für sie ist es ein gewisser Triumph, dass Kollhoffs Türme im Stil der Goldenen Zwanziger New Yorks bei Hines keinen Anklang finden. Das heißt aber auch: Der offizielle Plan überzeugt nicht, der Senat steuert nicht, er opfert den langfristigen Bedarf kurzfristigen Prestigeprojekten. Der Masterplan ist keiner mehr, denn Berlins Markt, der kaum noch mehr Türme benötig, spielt darin kaum eine Rolle, ebenso wenig wie die Tragfähigkeit der U-Bahn-Tunnel unter dem Alex.

Sverre Gutschmidt


Neuer Berliner Alltag
von Vera Lengsfeld

Die Flüchtlingskrise hat Berlin fest im Griff. Es gibt kaum noch ein anderes Thema. Eine besondere Rolle spielen dabei die Medien, die mit allen Mitteln versuchen, die Situation schönzuschreiben, auch wenn dabei die Wahrheit verbogen werden muss. Ganz vorn mischen die Boulevardblätter mit.

So berichtete der „Berliner Kurier“ am vergangenen Freitag unter der Überschrift: „Irrer Streit in S-Bahn – Raucher schlägt Frau, Fahrgäste verprügeln ihn“ über einen „polizeibekannten 33-Jährigen“, der in der S-Bahn eine Frau tätlich angriff, die ihn aufgefordert hatte, das Rauchen in der Bahn zu unterlassen. Die Frau wurde nur leicht verletzt, weil zwei Fahrgäste den Täter handgreiflich hinderten, weiter auf sie einzuprügeln. Der aggressive Raucher wurde vorübergehend festgenommen, ist aber wieder auf freiem Fuß. Gegen die Helfer der Frau wird wegen „gefährlicher Körperverletzung“ ermittelt, obwohl der Täter im Gegensatz zu seinem Opfer keine Verletzungen davongetragen hat.

Wer war dieser Täter, der solche Fürsorge genießt? Ein Augenzeuge hat mir die wahre Geschichte beschrieben. Er saß in der S-Bahn der Linie 42. Der „Raucher“ – dem Aussehen nach Araber – stieg am S-Bahnhof Westhafen in den Zug. In der Nähe des Bahnhofs liegt die Berliner Ausländerbehörde. Am Bahnsteig bewarf der Täter zunächst einen Passanten mit seiner brennenden Zigarette und kommentierte: „Scheißdeutscher, Scheißdeutschland“.

In der S-Bahn pöbelte er weiter. Ein Fahrgast erwiderte spontan „... und was machst du dann hier?“ Es folgte ein Wortgefecht. Der Täter drohte: „Ich beerdige dich, ich zünde dich an.“ Der Fahrgast stieg am nächsten Bahnhof aus. Der Südländer zündete sich die nächste Zigarette an.

Eine junge Frau rief vom anderen Ende des Abteils: „Mach die Kippe aus.“ Wieder ein Wortgefecht. Südländer: „Lass dich in den A... f... , Scheiß Deutsche!“ Die Dame war couragiert. Sie versuchte tatsächlich, dem Pöbler die Zigarette aus der Hand zu nehmen. Es kam zum Handgemenge. Der Südländer nahm die Frau in den Schwitzkasten. Andere Fahrgäste gingen dazwischen. Die Bahn hielt am Bahnhof Jungfernheide, der Zeuge stieg aus und alarmierte den Lokführer.

Der Vorfall zeigt, dass man die Presse inzwischen lesen muss wie zu DDR-Zeiten, zwischen den Zeilen. Wenn alle näheren Angaben zur Person fehlen, handelt es sich um einen Vertreter der neuen Volksgruppe der Flüchtlinge. Zeitungen muss man nicht lesen. Jeder ist gut beraten, Blätter, die so berichten, nicht mehr zu kaufen. Gefährlich wird es, wenn die Polizei, auf die wir angewiesen sind, unterschiedliche Maßstäbe anwendet.


Alle gegen die AfD
Brandenburg: SPD, CDU, Linke und Grüne bilden Einheitsfront

Die etablierten Parteien des Brandenburger Landtages (SPD, CDU, Linke und Grüne) haben eine neue Linie gegen die AfD beschlossen. Künftig sollen keine offenen Debatten über Anträge der jungen Partei mehr stattfinden. Vielmehr werden die Etablierten beraten, wer von ihnen der AfD antwortet.

Dies gaben die Parlamentarischen Geschäftsführer Mike Bischoff (SPD), Jan Redmann (CDU), Thomas Domres (Die Linke) und Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) in einer gemeinsamen Erklärung bekannt: „Mit ihren fremdenfeindlichen Aussagen schürt die AfD auf dem Rücken notleidender Menschen die Ängste Einzelner und liefert menschenverachtenden Verbrechern vermeintliche Rechtfertigungen für ihre abscheulichen Taten. Wir betrachten es als unsere demokratische Pflicht, diesem Treiben der AfD in Brandenburg entschieden entgegenzutreten – im Land durch engagierte bürgerschaftliche Hilfe für diejenigen, die in ihrer Not auf unsere Unterstützung angewiesen sind, und im Parlament durch einen angemessenen Umgang mit den sich wiederholenden Ausfällen … In Brandenburg ist kein Platz für fremdenfeindlichen Populismus, wie er von der AfD aus politischem Kalkül betrieben wird. Wir sind uns in dieser Frage einig und werden uns von der AfD nicht gegeneinander ausspielen lassen.“ Ein derartiges Vorgehen hatten zuvor die etablierten Landtagsfraktionen in Mecklenburg-Vorpommern mit der NPD praktiziert.

Der Landes- und Fraktionschef der AfD, Alexander Gauland, verurteilte das Vorgehen der politischen Konkurrenz scharf: „Ein Parlament, das sich selbst auferlegt, nicht mehr zu debattieren, verliert seine Bestimmung. Die Altparteien lenken den Brandenburgischen Landtag damit in die Richtung der DDR-Volkskammer. Auch da waren Debatten unnötig.“

In Richtung CDU äußert Gauland verwundert: „Es wundert mich nicht, dass SPD, die SED-Erben von der ,Linkspartei‘ und die Splitterpartei der Grünen bei so einem absurden Plan mitmachen. Es erstaunt mich aber schon, dass die Abgeordneten der CDU das ihren Mitgliedern und Wählern zumuten. Ich muss alle CDU-Wähler fragen: Haben Sie dafür Ihr Kreuz bei den Christdemokraten gemacht? Damit Ihre Abgeordneten den Schulterschluss mit denen suchen, die einst auf Flüchtlinge schießen ließen und heute so tun, als wären die Flüchtlinge das einzige Heil unseres Landes?!“ Theo Maass


Asylkrise verschärft sich
Das Bundesland Berlin muss bereits Gebäude beschlagnahmen

Wir sind weit von einer Katastrophe entfernt“, beschwichtigt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) in einer Aktuellen Stunde des Abgeordnetenhauses zur anhaltenden Flut von Asylbewerbern. In Wirklichkeit sprechen die Maßnahmen, die inzwischen zur Unterbringung von Asylbewerbern ergriffen werden, für eine extrem angespannte Lage in der Hauptstadt.

So haben nach Angaben des Pankower Stadtrats Jens-Holger Kirchner (Grüne) die Berliner Bezirke damit begonnen, ihre Notlager auszuräumen. Versehen mit einer Grundausstattung an Feldbetten, Decken und Handtüchern sind die Lager eigentlich für Ka­tastrophenfälle gedacht, um der Berliner Bevölkerung helfen zu können. Drastisch auch die Schritte, die der Senat mittlerweile unternimmt, um die hohe Zahl von Asylbewerbern bewältigen zu können. So wurde vom Land vor Kurzem die ehemalige Zentrale der Landesbank Berlin in der Bundesallee beschlagnahmt. Als Rechtfertigung für das ungewöhnliche Vorgehen wurde angeführt, dass das Gesetz einen Zugriff erlaube, wenn Menschen Obdachlosigkeit drohe.

Entstehen soll in dem zehnstöckigen Gebäude nun ein „Landesamt für Flüchtlinge“. Gerechnet wird mit Kosten von mehr als 20 Millionen Euro, die unter anderem dadurch anfallen, dass das Land Berlin das Areal dem Bund abkaufen muss.

Von einer Beschlagnahmung überrascht wurden inzwischen auch Sportler, die im Landessportzentrum am Olympiapark trainieren. Ohne vorab informiert worden zu sein, mussten sie von einem Tag auf den anderen ihre Trainingshallen als Asylbewerberheime bereitstellen. Betroffen von der Maßnahme sind einem Medienbericht zufolge sowohl der Nachwuchssport als auch Spitzensportler. „Zu den Stoßzeiten im Winter wären hier 150 bis 300 Sportler drin“, so ein Trainer des Landessportbundes. Ein Ersatz für die weggefallenen Trainingsmöglichkeiten ist bislang nicht in Sicht.

Wie angespannt die Lage in der Stadt mittlerweile ist, macht auch das Hickhack um die Nutzung der Hangars auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof deutlich. Erst 2014 waren die Gebäude nach einer Prüfung als baulich ungeeignet eingestuft worden. Nach Plänen, die Anfang September öffentlich wurden, sollen dort dennoch 1500 Asylbewerber in den Hangars 1 und 2 untergebracht werden. Norman Hanert


S. 6 Ausland

ANC schwenkt außenpolitisch um
Südafrikas Regierungspartei fordert ein Abrücken von den USA und eine Hinwendung zu Russland

Durch das Bündnis „Brics“, ist die Kap-Republik seit über vier Jahren mit Brasilien, Russland, Indien und China verbunden. Nun fordert die südafrikanische Regierungspartei ANC, das Land müsse sich weiter von den USA lösen und vor allem mehr Russland zuwenden. Dahinter steckt neben gemeinsamen wirtschaftlichen In-teressen auch der Wille Pretorias, seine jüngste politische Vergangenheit zu korrigieren.

Im April des vergangenen Jahres schlossen Russland und Südafrika ein Abkommen über eine kerntechnische Zusammenarbeit. Damals sagte der Sprecher des russischen Konzerns Rosatom: „Das Abkommen bildet die Grundlage für ein groß angelegtes Programm zum Bau neuer Kraftwerke mit russischen Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 9,6 Gigawatt in Südafrika.“ Beim 7. Brics-Gipfel in Ufa vor einem Vierteljahr wurde diese Zusammenarbeit noch ergänzt. Danach will Russland südafrikanische Fachleute auf dem Kernenergie-Sektor ausbilden und im Lande eine breite Informationskampagne starten.

Diese Zusammenarbeit im Energiebereich, einem wirtschaftlichen Sektor, der Bedeutung für alle anderen hat, ist nur ein Aspekt des engeren Schulterschlusses. Der andere ist die politische Positionierung Südafrikas, die gegenüber den USA gerade einen grundlegenden Wandel durchmacht. Denn die bloße Mitgliedschaft des Landes bei Brics hatte zunächst keine Auswirkung auf seine Beziehungen zu Wa-shington. Das scheint nun anders zu werden.

Der ANC empfiehlt in seinem Report „A Better Africa in a Better and Just World“ der Regierung nicht nur, sich Russland zuzuwenden, sondern bezichtigt darüber hinaus die USA der Urheberschaft am Ukraine-Konflikt. Dieser sei „Teil einer umfassenden US-Strategie gegen Russland“. Außerdem wirft der ANC Wa­shington vor, die aufstrebende Macht China einzudämmen. „Im Ukraine-Krieg wird nicht um die Ukraine gekämpft. Das Ziel ist Russland“, heißt es im Papier.

Ferner wirft der ANC den USA vor, Russlands Nachbarn gegen Moskau aufzuhetzen und dafür die EU und die Nato zu nutzen. „Prowestliche Satellitenstaaten werden hochgepäppelt oder – wie im Fall Ukraine – durch Umsturz neu erschaffen, um Russland einzukreisen und Kriegsgerät der Nato gegen Russland in Stellung zu bringen.“

Es muss erstaunen, dass ausgerechnet Südafrika derart deutlich die Rolle der USA kritisiert, denn im Zuge des Endes der weißen Herrschaft und der Umwandlung des Landes spielten die USA eine entscheidende Rolle. Damals trat der ANC noch überwiegend als gewalttätige Gruppierung auf, die vom Westen wie von der Sowjet­union gestützt und hofiert wurde. Das Bekenntnis des ANC zum Marxismus und die dazugehörenden radikalen Drohungen an die Adresse der Finanzelite des Landes machte dieser keine geringen Sorgen. Doch man wusste Abhilfe zu schaffen.

Es war wie in so vielen anderen Fällen der „Council on Foreign Relations“ (CFR) in New York, der im geheimen die Fäden zog. Der Grund dafür: Zahlreiche Investoren, die um ihr Geld ebenso fürchteten wie um einen großen Markt und vor allem den Zugang zu einer Menge an Rohstoffen, sind Mitglieder beim CFR. Südafrikanisches Paradebeispiel ist die „Anglo American“, die in Südafrika überall dabei ist, wo es Geld zu verdienen gibt, angefangen bei fast allen Brauereien des Landes bis hin zu den Diamanten.

Da es sich bei den großen Konzernen durchwegs um „weiße“ Einrichtungen handelte, galt es, den Platz auch in einem schwarzen Südafrika zu behaupten. Wie in diesen Kreisen üblich, war das Mittel dazu schnell gefunden. Die Führung des ANC, kurz zuvor noch verfemt und teilweise inhaftiert, wurde mit Millionen von US-Dollar überschüttet, der Erdöl-Multi Shell etwa schenkte der Partei ein enormes Hochhaus in Johannesburg, Funktionäre bekamen lukrative Posten in der Wirtschaft. Damit hat die Hochfinanz dem ANC die Nacht der langen Messer abgekauft.

Natürlich gibt es darüber auf dem linken Flügel der Partei und hauptsächlich bei den vielen, die glaubten, sie seien zu kurz gekommen, bis zum heutigen Tage ein Gezeter, das schon derart an Bedrohlichkeit gewonnen hatte, dass der ANC eine Abspaltung und damit eine konkurrierende Partei fürchten musste, etwas, was man nirgendwo in Afrika gerne sieht. Auch außerhalb des ANC mehren sich diejenigen, die genug davon haben, 20 Jahre vergebens auf die Segnungen zu warten, die ihnen einst versprochen waren und über die nach wie vor zumeist nur die Weißen verfügen. Das Arrangement zwischen ANC und Hochfinanz stand immer auf einem etwas wackligen Boden, aber es hat trotzdem erstaunlich lange gehalten.

Dadurch aber, dass Südafrika jetzt den USA und das heißt dem CFR und damit den großen Investoren, die Freundschaft aufkündigt, könnte das ganze Gefüge ins Rutschen kommen. Für den ANC böten sich wahrscheinlich mehr Vorteile als für die Finanz-Elite. Sollte die südafrikanische Regierung sich im Zuge der geopolitischen Umorientierung dazu entschließen, die ausländischen Investoren etwas strenger anzufassen und beispielsweise bei der Besteuerung nachzujustieren, so könnte sie an verschiedenen innenpolitischen Baustellen für etwas Beruhigung sorgen.

Für die USA wäre eine solche Entwicklung eine schwere Niederlage. Sie haben ohnehin in Afrika das Feld weitgehend den Chine­sen überlassen müssen. Jetzt zieht in Afrika auch Russland an den USA vorbei. Denen bleiben in Afrika nur ihre zahlreichen und überaus kostspieligen militärpolitischen Engagements, solange sie sich diese noch leisten können.

Florian Stumfall


Erstmals in der Mehrheit
Großbritanniens EU-Gegner liegen mit 43 zu 40 Prozent vorn

In der Frage einer weiteren Mitgliedschaft in der Europäischen Union scheint die Stimmung in Großbritannien immer mehr zu kippen. In einer Umfrage, die Anfang dieses Monats durchgeführt wurde, sprach sich erstmals eine relative Mehrheit für einen Austritt ihres Landes aus der EU aus. Bei der Befragung des Instituts „Survation“ im Auftrag der „Sunday Times“ gaben 43 Prozent der Befragten an, sie seien für einen EU-Austritt. Nur noch 40 Prozent sprachen sich für ein Verbleiben in der EU aus, 17 Prozent der Befragten waren noch unentschlossen. Aus Sicht des Premierministers David Cameron, der Großbritanniens Zukunft in einer reformierten EU sieht, ist noch ein weiteres Ergebnis der Befragung alarmierend.

22 Prozent der EU-Befürworter gaben an, dass sie ihre Haltung ändern könnten, wenn sich die Immigrationskrise in Europa verschärft.

Die Umfragewerte sind nicht das einzige Anzeichen für einen Stimmungsumschwung auf der britischen Insel. Zwar stimmte mit 316 zu 53 eine klare Mehrheit der Abgeordneten im Unterhaus für Camerons Zeitplan, bis Ende 2017 eine Volksabstimmung abzuhalten. Allerdings erlitt der Premier in einer anderen europapolitisch relevanten Abstimmung die erste Niederlage im Parlament seit seiner Wiederwahl im Mai. Monatelang hatte Cameron darauf hingearbeitet, eine Regelung zu lockern, die es der Regierung im unmittelbaren Vorfeld der Volksabstimmung verbietet, etwas zu unternehmen, was den Ausgang beeinflussen könnte. Dieser Vorstoß wurde im Unterhaus von 312 Abgeordneten abgelehnt. Mit Nein votierten dabei auch 37 Abgeordnete aus Camerons eigener Partei.

Dass diese konservativen EU-Skeptiker mit Labour und den schottischen Nationalisten stimmten, hat inzwischen zu Spekulationen über völlig neue Bündnisse geführt. In der Vergangenheit war Labour nämlich entschieden gegen die Volksabstimmung aufgetreten und hatte für den Fortbestand der EU-Mitgliedschaft geworben. Dass die Partei nun dabei mitgewirkt hat, die Hürden zu einem EU-Austritt etwas abzusenken, ist nicht das einzige Signal, dass einen „Brexit“ wahrscheinlicher erscheinen lässt. Auch die Wahl von Jeremy Corbyn zum neuen Labour-Chef wird als Zeichen für einen Kurswechsel in der Europapolitik der Partei gewertet. Wie Cameron hat sich auch Corbyn für Verhandlungen mit Brüssel ausgesprochen. Allerdings zielt der Parteilinke dabei in eine völlig andere Richtung. Während der konservative Regierungschef aus dem Integrationsprozess aussteigen und stattdessen den Binnenmarkt stärken will, schwebt Corbyn ein „sozialeres“ Europa vor. Dieses Abrücken von der bisherigen Europapolitik Labours hat Corbyn inzwischen sogar politische Avancen des EU-Kritikers Nigel Farage (UKIP) eingebracht.

Schon vor der Abstimmungsniederlage des Premiers konnten EU-Gegner in der Ausschussarbeit des Unterhauses einen Punktsieg erringen. Die Wahlkommission hatte ursprünglich vorgeschlagen, dass beim EU-Referendum nur die simple Ja/Nein-Frage „Sollte das Vereinigte Königreich Mitglied der EU bleiben?“ gestellt wird. Die nun gefundene Frage „Soll das Vereinigte Königreich in der EU bleiben oder die EU verlassen?“ mit den Antwortmöglichkeiten „in der EU bleiben“ oder „die EU verlassen“ hat aus Sicht der Austrittsbefürworter den psychologischen Vorteil, dass die Entscheidung für den Austritt nicht mehr mit dem Hauch des Nein-Sagens behaftet sei. Norman Hanert


Abschreckendes Beispiel
Masseneinwanderung nach Europa ist Israel eine Lehre

Von Syrien bis nach Israel ist es nicht weit. Dennoch stellt das „gelobte Land“ für die Flüchtlinge keine Option dar. Dies hat gute Gründe, hat Israel doch gerade erst eine Asyl-Debatte hinter sich. „Wir werden Israel mit Zäunen umgeben, damit wir in der Lage sind, unsere Grenzen zu kontrollieren“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Im Bauen von Zäunen und Befestigungsanlagen haben die Israelis Übung. Bereits vor einigen Jahren wurden Abwehrmaßnahmen errichtet, um den Zustrom afrikanischer Flüchtlinge abzuwehren. Und nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs ordnete Netanjahu zusätzliche Sicherungsmaßnahmen an. „Wir sehen ja in Europa, was passiert, wenn Länder die Kontrolle über ihre Einwanderung verlieren“, sagte der Ministerpräsident. Vor drei Jahren sind rund 60000 Afrikaner aus Eritrea und dem Sudan nach Israel geflohen. Nachdem die Stimmung in der Bevölkerung umzuschlagen begann, änderte die Regierung die entsprechenden Gesetze. Seitdem dürfen die Flüchtlinge in Lagern gesammelt werden. Ende 2014 hatte das israelische Parlament beschlossen, dass die illegalen Einwanderer bis zu einem Jahr ohne Gerichtsverfahren festgehalten werden können. Dazu wurde in der Negev-Wüste das neue „offene Lager“ Cholot eingerichtet, in dem sich Insassen dreimal täglich zu einem Zählappell melden müssen. Nach Einschätzung des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sei das Wüstencamp „nicht im Einklang mit der Genfer Flüchtlingskonvention“ entstanden. Doch an solchen Einwänden stört man sich in Israel traditionell wenig und so fährt Premier Netanjahu derzeit auch den ganz harten Kurs.

Doch mit seiner Weigerung, syrische Flüchtlinge aufzunehmen, hat er den Nerv seiner Landsleute getroffen. Elazar Stern, ein hochdekorierter Ex-General und heutiger Parlamentarier der liberalen Partei „Jesch Atid“ (Es gibt eine Zukunft), forderte die Regierung auf, zumindest als symbolische Geste auch syrische Flüchtlinge aufzunehmen, wie man dies Ende der 70er Jahre auch bei den vietnamesischen „Boat People“ gemacht habe. Er erinnerte an die „Lehren des Holocaust“ und sprach von einer historischen Verantwortung des Landes. Oppositionsführer Yitzhak Herzog forderte daraufhin, Israel sollte sich unter Rückbesinnung auf das historische Los des jüdischen Volkes zur regulierten Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien bereit erklären, und appellierte an seinen Gegenspieler Netanjahu dieser „möge sein Herz öffnen“ angesichts des Leids, das sich vor den Türen Israels abspiele: „Unser eigenes Volk hat für das Schweigen der Welt bitter bezahlen müssen und kann angesichts des Mordens und der Massaker in Syrien nicht teilnahmslos zusehen“, erklärte er. Netanjahu habe wohl „vergessen, was es heißt, ein Jude zu sein, ein Flüchtling, gejagt“. Doch den Ministerpräsidenten scheinen diese Worte wenig zu beeindrucken und dabei kann er sich wohl auch auf den Rückhalt der Bevölkerungsmehrheit berufen. Israel sei schlicht zu klein, um Flüchtlinge aufzunehmen, erklärte er im Parlament: „Wir haben weder eine geografische noch eine demografische Tiefe und außerdem sind wir mit Syrien zu nah und zu verwickelt.“ Seine Aufgabe sei es, die Sicherheit des Volkes zu gewährleisten. Zäune und Schutzwall seien nötig, auch wenn sie mehr als 60 Millionen Euro kosten werden. Erfolgreich könnte die Maßnahme sein. Die Einwanderung aus Afrika tendiert seit den Baumaßnahmen gegen Null. Peter Entinger


MELDUNGEN

Mord-Vorwürfe gegen Jazenjuk

Moskau – Heutige ukrainische Amtsträger sollen Mitte der 90er Jahre gegen die russischen Regierungstruppen in Tschetschenien gekämpft haben. Laut Alexander Bastrykin, dem Leiter des für Schwerverbrechen zuständigen Ermittlungsausschusses bei der russischen Generalstaatsanwaltschaft, soll der ukrainische Premierminister Arsenij Jazenjuk an bewaffneten Zusammenstößen in Grosny teilgenommen haben. Er habe gefangen genommene russische Soldaten gefoltert und getötet. Der damalige tschetschenische Präsident Dschochar Dadajew bediente sich der Guerilla-Taktik. Unterstützt wurden die tschetschenischen Separatisten von islamischen Mudschaheddin aus verschiedenen arabischen Ländern und der „Ukrainischen Volksabwehr“, als deren Teilnehmer Jazenjuk 1995 mit der höchsten Auszeichnung Dudajews geehrt worden sein soll. MRK

 

Wechsel in Rom erwartet

Rom – Italien steht vor Neuwahlen. Ministerpräsident Matteo Renzi von der sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) hat keine Mehrheit mehr. Bislang hatte ihn Silvio Berlusconi mit seiner „Forza Italia“ toleriert. Zusammen mit den Stimmen der eurokritischen linken Fünf-Sterne-Bewegung (MoVimento 5 Stelle, M5S) von Beppe Grillo und der rechts orientierten Lega Nord von Matteo Salvini hätte „Forza Italia“ nach den Parlamentswahlen wohl eine rechnerische Mehrheit. Das besagen die Umfragen. Renzi ist nicht nur für die Asylbewerberflut in Europa mitverantwortlich, weil die italienische Marine Asylbewerber nach Italien bringt, statt sie nach Libyen zurückzubringen, sondern er verantwortet auch maßgeblich die trostlose Wirtschafts- und Finanzlage Italiens. Hans Lody


S. 7 Wirtschaft

Nippon läuft der EU voraus
Lange vor der EZB hat bereits Japans Notenbank mit einer Geldflutungsstrategie begonnen

Nachdem die bisherigen Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank nicht zum gewünschten Erfolg geführt zu haben scheinen, hat Zentralbankchef Mario Draghi nun angedeutet, dass der Geldhahn möglicherweise noch weiter aufgedreht wird. Er sehe „praktisch keine Grenzen“, die geldpolitischen Maßnahmen auszuweiten, so der EZB-Chef. Japan hat mit dieser Politik bereits seit Längerem Erfahrungen sammeln müssen.

Hintergrund der Ansage ist das faktische Scheitern der bisherigen Geldflutungsstrategie. Monat für Monat kauft die Europäische Zentralbank Wertpapiere im Volumen von bis zu 60 Milliarden Euro auf. Gleichzeitig sind die Leitzinsen auf einem historischen Tiefniveau. Das erklärte Ziel, ein Anspringen der privaten Kreditnachfrage in der Euro-Zone und ein Inflationsziel um die zwei Prozent, wollen sich dennoch nicht einstellen.

Der Chef der EZB steht mit seinem Ansatz, notfalls noch mehr Geld zu drucken, nicht allein. Wie eine Auswertung der Bank of America ergeben hat, haben in den letzten 110 Monaten die Zentralbanken weltweit 697-mal die Zinssätze abgesenkt und obendrein Wertpapiere in Höhe von 15 Billionen US-Dollar angekauft. Bei realen Zinssätzen, die bei Null liegen oder sogar darunter, sollten diese riesigen Geldspritzen unter normalen Verhältnissen eigentlich eine massive Belebung der Wirtschaftsaktivitäten erwarten lassen. Tatsächlich dümpelt die Wirtschaft in Europa, Japan, den USA und inzwischen auch in den aufstrebenden Schwellenländern aber nur vor sich hin, wächst inzwischen sogar die Angst vor einem bevorstehenden Absturz der Weltwirtschaft. Beflügelt hat die Geldflut dagegen nur neue Spekulationsblasen, etwa am Aktien- und Immobilienmarkt.

Der Grund, wegen dem die massive Gelddruckerei der Zentralbanken in der Realwirtschaft quasi wirkungslos verpufft, wird mit einem Blick auf das rasante Anwachsen der Schulden sichtbar. Laut einer Studie des McKinsey Global Institute ist der weltweite Schuldenberg von 87 Billionen Dollar im Jahr 2000 auf knapp 200 Billionen Dollar im Jahr 2014 angewachsen. Staaten, private Konsumenten, Unternehmen und Finanzinstitutionen haben damit Verbindlichkeiten angehäuft, die dem dreifachen Wert der globalen Wirtschaftsleistung entsprechen. Weltweit steht vielen Akteuren mit ihren hohen Schulden sprichwörtlich das Wasser bis zum Hals.

Die Niedrigzinsen und Anleihenkaufprogramme der Zentralbank haben bisher nur den endgültigen Untergang verhindert. Von Spielraum für neue Investitionen oder Konsum aber kann oftmals kaum noch die Rede sein. Kommen in dieser Lage fallende Warenpreise hinzu, dann ist dies für Unternehmen schnell eine existenzbedrohende Falle. Die Höhe der Kredite bleibt bestenfalls gleich hoch, gleichzeitig brechen die Erlöse weg.

In eine Bredouille geraten sind damit auch die Zentralbanken. Schon der Verdacht, dass die Zinsschraube wieder etwas nach oben gedreht werde, lässt Panik vor einem wirtschaftlichen Absturz aufkommen. Im aktuellen Fall der US-amerikanischen Fed reichten schon kursierende Gerüchte über eine Zinserhöhung, dass von einer „kontrollierten Sprengung“ des Marktes die Rede war. Als Folge der eingetretenen Zwangslage scheinen die Notenbanken weitgehend dazu verdonnert, an ihrem eingeschlagenen Weg festzuhalten. „In den sieben Jahren, in denen die Zentralbanken der Welt versucht haben, die Folgen der Finanzkrise mit Zinssenkungen zu beantworten, haben mehr als ein Dutzend Banken versucht, die Zinsen wieder zu erhöhen. Alle waren gezwungen, den Schritt wieder zurück zunehmen“, so der Befund des „Wall Street Journal“ zu der eingetretenen Zwangslage.

Wohin die Entwicklung langfristig vermutlich führt, wird am Beispiel Japans deutlich, wo die Bank of Japan bereits seit den 90er Jahren versucht, mit Gelddrucken dem Land aus der Krise zu helfen. Mittlerweile hat die Bank of Japan Probleme, überhaupt noch genug Staatsanleihen am Markt zu finden, die sie monetarisieren kann. Bloomberg News zufolge muss die Zentralbank japanische Staatsanleihen in Höhe von 45 Billionen Yen am Markt finden, um das jährlich gewünschte Geldmengenwachstum erzielen zu können.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Takuji Okubo, Chefökonom bei Japan Macro Advisors, mit einer drastischen Warnung für Aufsehen gesorgt. Unter Berufung auf die Bank of Japan selbst erklärte der Volkswirt, Japan riskiere zu einer „failed nation“, einer gescheiterten Nation zu werden, wenn das Land bis 2018 seine langfristigen Probleme nicht in den Griff bekomme. Bis dahin könnte die Bank of Japan rund die Hälfte der japanischen Staatsanleihen aufgekauft und in den eigenen Büchern haben. Norman Hanert


SUV statt E-Autos
Auf der IAA verläuft der Trend gegen die Wünsche der Politik

Seit dem vergangenen Wochenende läuft die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main. Die vor Jahren mit viel Tamtam und reichlich Subventionen begleiteten Elektro-Autos spielen erneut nur eine untergeordnete Rolle. Dabei hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2020 eine Million sogenannte E-Cars unter das Volk zu bringen. Doch von diesen Zahlen ist man weit entfernt. „Natürlich wirkt der aktuell niedrige Spritpreis an der Zapfsäule nicht wie ein Turbo für Elektroautos“, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, der Deutschen Presse-Agentur. Auf lange Sicht aber gelte: „Wir müssen unabhängiger vom Öl werden, wir brauchen die alternativen Antriebe.“

Die Probleme der E-Autos sind hinlänglich diskutiert worden. Teuer in der Anschaffung, kostspielig im Unterhalt und mit einer geringen Reichweite versehen, taugen sie noch überhaupt nicht zum Publikumsschlager. Das interessiert sich ohnehin eher für das Gegenteil von klein und sparsam. „Groß, breit, stark“, könnte das Motto des Trends sein, den der Automobilexperte Ferdinand von Duddenhöfer wie folgt kommentiert: „Sie treffen eben derzeit den Teil eines Lebensgefühls der Menschen.“ Gemeint sind die Sport Utility Vehicles (SUV, Sport- und Nutzfahrzeuge), sprich Geländewagen, die auch alltagstauglich sind. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 20 Prozent mehr SUV zugelassen als im Vorjahr und die Branche hat Blut geleckt. Denn vor allem in den USA und den asiatischen Ländern erfreuen sich die Fahrzeuge höchster Beliebtheit. Die deutschen Hersteller wollen bis 2020 ihr Angebot in diesem Segment um das Vierfache steigern. Gelten die Märkte in Europa als relativ eingefahren, so ist die Entwicklung in China oder Indien rasant. Allein im ersten Quartal 2015 kam es fast zu einer Verdoppelung der Absatzzahlen, in China wurden in einem Monat eine halbe Million SUV verkauft.

Branchenexperte Dudenhöffer rechnet in den kommenden Jahren mit bis zu einer Million neuzugelassenen SUV in Deutschland, was einen Anstieg um 50 Prozent bedeuten würde. Das stellt die Hersteller vor ein Problem. Denn die im Jahr verkauften Neuwagen stoßen im Schnitt 132,8 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Ab 2021 gilt aber eine gesetzliche Obergrenze von 95 Gramm. Wird dieser Wert dann überschritten, drohen saftige Strafgelder. Die deutschen Auto-Pioniere Mercedes, BMW oder Audi liegen mit CO²-Werten von über 200 Gramm derzeit noch weiter über der Grenze. Zusätzliche Forschungsmilliarden sollen die „Kastenwagen“ endlich sparsamer machen.

Peter Entinger


Yuan statt Dollar
China plant, Erdöleinkäufe in der eigenen Währung zu bezahlen

Bereits mit der Gründung der Asiatischen Infrastrukturinvestmentbank als Konkurrenzprojekt zum Internationalen Weltwährungsfonds hat China die USA herausgefordert. Nun hat die Volksrepublik zu erkennen gegeben, dass sie auch noch die Dollarfakturierung des Erdöls in Frage zu stellen plant. Noch dieses Jahr will sie an der Shanghai International Energy Exchange (INE) den Handel mit Ölkontrakten auf Basis der eigenen Währung Yuan anbieten. Bislang gelten „Crude Brent“ für europäisches Nordseeöl und die US-Sorte „Western Texas Intermediate“ (WTI) als Referenzmarken im Ölmarkt. Das Vorhaben ist also auch eine Herausforderung an die beiden Standards, die bisher den Weltölhandel dominieren.

Die vorausgegangenen Versuche, den US-Dollar von seiner Monopolstellung beim Handel mit Rohöl abzulösen, haben regelmäßig drastische Reaktionen der USA ausgelöst. Ende 2000 hatte Iraks Diktator Saddam Hussein angekündigt, den EU-Ländern Öl gegen Euro und nicht mehr gegen US-Dollar liefern zu wollen. Mit dem Einmarsch von US-Truppen in den Irak im März 2003 war nicht nur das Schicksal von Hussein besiegelt, sondern auch dieses Projekts „Euros gegen Öl“. Auffällig ist ebenso der zeitliche Verlauf der Ereignisse in Libyen. Dort hatte Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 angekündigt, Libyens Rohöl nur noch gegen Gold-Dinar zu verkaufen. Obendrein hatte Gaddafi die Erdölexportländer Afrikas und der islamischen Welt dazu aufgerufen, seinem Beispiel zu folgen und Erdöl nur noch gegen Gold zu liefern. Wenige Monate später spielte eine Intervention einiger Mitglieder der US-geführten Nato die entscheidende Rolle beim Sturz Gaddafis.

Diesmal erfolgt der Versuch, dem Petrodollar Konkurrenz zu machen, allerdings nicht von der Anbieter-, sondern von der Nachfrageseite. Das Reich der Mitte ist der größte Energieverbraucher der Welt und hat die USA als weltgrößten Ölimporteur abgelöst. In die Karten spielen Peking die Sanktionen der USA und ihrer europäischen Verbündeten gegen Russland. Sie haben zu einem Schulterschluss zwischen Moskau und Peking geführt. Bereits im Mai dieses Jahres wurde Saudi-Arabien als bislang größter Öllieferant Chinas durch Russland abgelöst. Dessen Energiegigant Gazprom hat sich bereits damit einverstanden erklärt, seine Lieferungen nach China nicht mehr in Dollar, sondern in chinesischen Yuan abzuwickeln.

Für die handfeste Verteidigung der Rolle des Dollar im Ölhandel hat Washington gute Gründe. So hängt der Status des Dollar als globale Leitwährung maßgeblich davon ab, dass Rohöl auf der ganzen Welt mit ihm bezahlt wird. Eine für die USA angenehme Folge der Dollarfakturierung des Erdöls ist die Praxis von Ölproduzenten wie Saudi-Arabien, ihre Dollareinnahmen aus dem Erdölexport in US-Staatsanleihen anlegen.

Inzwischen hat der niedrige Ölpreis allerdings dazu geführt, dass dieser Rückfluss von Dollar zunehmend nicht mehr funktioniert. Mehrere ölproduzierende Länder haben nämlich damit begonnen, US-Staatsanleihen abzustoßen, um fehlende Exporteinnahmen zu kompensieren. Zusätzlichen Druck auf die US-Zahlungsbilanz üben inzwischen die chinesischen Verkäufe von US-amerikanischen Staatsanleihen aus. So hat China allein im August US-Anleihen in Höhe von 93 Milliarden Dollar abgestoßen. N.H.


MELDUNGEN

Subventionen steigen weiter an

Berlin – Die Finanzhilfen und Steuervergünstigungen des Bundes werden laut Subventionsbericht der Bundesregierung bis zum kommenden Jahr auf 22,9 Milliarden Euro steigen. Den größten Anteil hätten die Unterstützung des flächendeckenden Breitbandausbaus in ländlichen Räumen sowie die Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung und zur Steigerung der Energieeffizienz. Da zugleich das Bruttoinlandsprodukt stieg, blieb die Subventionsquote mit 0,7 Prozent stabil. Die Subventionen aller staatlichen Ebenen (Bund, Länder und Gemeinden) sowie der EU werden für 2014 mit 53,5 Milliarden Euro angegeben, 2013 waren es 52,3 Milliarden. J.H.

 

Photovoltaik-Branche baut ab

Berlin – Die Zahl der Beschäftigten in der als besonders innovativ geltenden Photovoltaik-Branche ist stark zurückgegangen. Waren 2012 noch knapp über 100000 Personen in der Branche beschäftigt, davon 80000 im Bereich Investitionen und 10500 bei Wartung und Pflege, betrug die Gesamtzahl 2013 nur noch rund 56000, davon 45000 im Bereich Investitionen und knapp 11000 bei Wartung und Betrieb. Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor. U.M.


S. 8 Forum

Polizeirecht
von Jan Heitmann

Die Deutsche Bahn räumt einen Zug und bittet die Fahrgäste umzubuchen. Eigentlich ist das kein bemerkenswerter Vorgang. Doch der reguläre ICE war nicht etwa defekt, auch gab es keine Bombendrohung. Nein, die Passagiere wurden einfach rausgeworfen, um den Zug zum Transport von „Schutzsuchenden“ zu nutzen. Wehe, es hätte sich einer der Fahrgäste, die für die Fahrt gezahlt hatten, gegen diese Maßnahme aufgelehnt. Dann hätte die Polizei ganz schnell für das gesorgt, was der Quasi-Staatsbetrieb Bahn unter Ordnung versteht.

Man fragt sich, was wohl als nächstes kommt. Wohnraumbeschlagnahme? Immerhin liebäugeln einige Politiker bereits damit. Auch hier würde die Polizei, genauer, das Polizeirecht, helfen. Man müsste den Zuwandererstrom nur nicht als soziales Problem, sondern als Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sehen. Fehlt eine Unterkunft für die „Schutzsuchenden“, liegt darin nämlich polizeirechtlich eine Gefahr für Leib und Leben der Betroffenen. Und schon greift die in den Landespolizeigesetzen verankerte Generalklausel und es gibt eine Ermächtigungsgrundlage für die Beschlagnahme. Eine solche bleibt zwar dem absoluten Ausnahmefall vorbehalten. Bei einer Million Zuwanderern im Jahr dürfte der bestimmt gegeben sein.


Präzedenzfall
von Manuel Ruoff

Immer wieder wird von interessierter Seite die Sicherung der Außengrenzen der EU im Allgemeinen und Ungarns im Besonderen mit den Grenzanlagen des Ostblocks an dessen Außengrenzen gleichgesetzt. Dabei wird geflissentlich der unterschiedliche Sinn und Zweck unterschlagen: Einschluss beim Ostblock, Ausschluss bei der EU. Den ethisch-moralischen Unterschied verdeutlicht eine Übertragung ins zwischenmenschliche Leben. Wenn ich jemanden gegen seinen Willen festhalte und dafür einen Zaun um mein Grundstück ziehe, ist das Freiheitsberaubung, und wenn mein Gefangener flieht, handelt er legitim. Wenn hingegen jemand ungebeten mein Grundstück betritt, ist das Hausfriedensbruch, und wenn ich zu dessen Abwehr einen Zaun ziehe, ist das wiederum legitim.

Wenn also auch eine Gleichsetzung wahrheitswidrig ist, so bietet ein Vergleich mit der Grenzpolitik der DDR doch eine aufschlussreiche Lehre für die Gegenwart. Im Jahre 1989 ließ das DDR-Regime seine in die bundesdeutsche Botschaft in Prag geflohenen Bürger ziehen in der Hoffnung, mit dieser Ausnahme von der Regel Druck aus dem Kessel zu nehmen. Das Gegenteil war jedoch der Fall. Ein Präzedenzfall war geschaffen und viele DDR-Bürger forderten nun für sich, was ihren Mitbürgern in der Prager Botschaft gewährt worden war. Die gleiche Wirkung hat jetzt Merkels Extrawurst für die Asylsuchenden aus Ungarn. Eine Ausnahme wurde gewährt, die immer mehr andere Immigrationswillige nun auch für sich fordern. Hat Merkel um diese Konsequenz wirklich nicht gewusst?


Täglicher Rechtsbruch
von Norman Hanert

Das Klischee vom deutschen Fußgänger, der auch in tiefer Nacht an einer roten Ampel geduldig wartet, mag mittlerweile überholt sein. Als sicher kann allerdings gelten, dass der Glaube, Regeln und Vereinbarungen seien etwas Allgemeinverbindliches, hierzulande immer noch weit verbreitet ist. Insbesondere die Entwicklung in der Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt befürchten, dass dieses Urvertrauen der Deutschen an die Macht von Vereinbarungen durch die Politik massiv beschädigt wurde.

Allein die Erfahrungen im Zuge der Euro-„Rettungspolitik“ dürften so manche Illusion zerstört haben. Die Maastrichtkriterien sind ebenso Makulatur wie das Verbot der direkten Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. Die ursprüngliche Vereinbarung, nicht für die Schulden anderer Euro-Staaten haften zu müssen, hat sich ebenso als leeres Versprechen herausgestellt wie inzwischen auch der EU-Fiskalpakt. Die Desillusionierung geht allerdings noch sehr viel weiter. Zur Kenntnis nehmen mussten die Deutschen nicht nur, dass sie mit dem Maas-tricht-Vertrag massiv getäuscht wurden. Herausgestellt hat sich auch, dass die Regierung auf juristischem Weg nicht gezwungen werden kann, sich an geltendes Recht und die abgegebenen Versprechungen zu halten. Angestrengte Klagen gegen den Euro-Rettungsfonds ESM oder die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank sind bislang regelmäßig wie das Hornberger Schießen ausgegangen.

Mit dem Agieren der Bundesregierung in der Asylproblematik dürfte der Glaube an den Rechtsstaat nun vollends unter die Räder gekommen sein. Offenkundig ist zum einen, dass das Asylrecht entgegen seiner eigentlichen Bestimmung zu einem Instrument der Einwanderungspolitik umfunktioniert wurde. Eine Anerkennungsquote von weniger als zwei Prozent und eine sogenannte Schutzquote von rund einem Drittel für Flüchtlinge bedeuten im Umkehrschluss nämlich, dass fast zwei Drittel aller Asylanträge unbegründet sind. Tatsächlich zieht die Ablehnung eines Asylantrags aber nur in wenigen Fällen eine Ausreise nach sich. Allein schon das Hereinströmen von hunderttausenden Asylbewerbern kann bereits als Zeichen gelten, dass sich die Bundesregierung nicht mehr an geltendes Recht gebunden fühlt: „Wenn ein Ausländer bereits einen anderen Staat erreicht hat, in dem er gleichfalls Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention erhalten kann, ist ihm die Einreise in die Bundesrepublik Deutschland bereits an der Grenze zu verweigern. Denn wer aus einem ,sicheren Drittstaat‘ einreist, kann sich nicht mehr auf das Grundrecht auf Asyl berufen“, so eine an sich immer noch gültige Aussage des Bundesamtes für Migration und Flüchtlingsfragen unter Berufung auf den Paragrafen 26a des Asylverfahrensgesetzes.


Moment mal!
Merkels Sprachhülsen und das deutsche Pack
von Klaus Rainer Röhl

Raten Sie mal, welches Wort in Deutschland zurzeit am häufigsten benutzt wird. Richtig: Flüchtlinge. Ein Begriff, unter dem Medien und Amtsträger höchst unterschiedliche Menschengruppen pauschal zusammenfassen. Einmal Bürgerkriegsflüchtlinge, vorwiegend aus Syrien und einigen Unrechtsstaaten Afrikas, daneben andere, in erster Linie vom Westbalkan, die keine politische Verfolgung erlitten haben, aber nicht als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet werden dürften, wie jedenfalls Herr Kleber vom ZDF verlangt. Auch von „Flüchtlingsströmen“ sollte man besser nicht sprechen, es sei denn, man riskiert, von Kardinal Marx aus Trier getadelt zu werden. Das sei menschenverachtend.

Tag für Tag strömen Tausende, ja Zehntausende in unser Land und fordern hier Aufnahme. Brüssel, ein zahnloser Tiger, hat keine Handhabe, die geltenden Verträge in den EU-Mitgliedstaaten durchzusetzen. Frankreich und Großbritannien und andere Länder weigern sich, weitere Asylsuchende aufzunehmen, und schotten sich, so gut es eben geht, ab, andere haben von Anfang an ihre Grenzen dicht gemacht oder schicken die Ankömmlinge einfach weiter, vor allem nach Deutschland.

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, sieht die europäische Demokratie und deren Werte gefährdet, weil der „Nationalismus“ um sich greife. Fein beobachtet. Hat es denn diesen gemeinsamen Geist in der EU jemals gegeben außer als Wunschvorstellung in den Köpfen von Politikern oder in Propaganda-Reden? Was ist daran verwerflich, wenn die Regierungen anderer EU-Länder das Wohl ihres eigenen Volkes schützen? Dafür sind sie schließlich gewählt worden. Die offiziellen Vertreter des deutschen Volkes erweisen sich in der heutigen Krise weitgehend als hilflos, selbst wenn sie in Aktionismus verfallen.

Die Kanzlerin hat den Deutschen nach langem Schweigen in ihrer jüngsten Regierungserklärung auch nichts weiter anzubieten als die gleichen Sprachhülsen, die ihre Vorgänger bis zum Überdruss schon jahrzehntelang ohne durchschlagenden Erfolg vor sich hergetragen haben. Ein Phrasen-Lexikon: Die Asylverfahren müssten beschleunigt und die Wirtschaftsflüchtlinge schneller abgeschoben werden. Und die, die Aussicht auf Anerkennung als Asylanten hätten, dürften den Winter nicht in Zelten oder Containern verbringen. Irgendwelche praktischen, rasch umsetzbaren Vorschläge aus ihrem Mund? Fehlanzeige! Hat sie nicht geschworen, das Wohl des deutschen Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden?

Ach ja, und unser Innenminister bemühte sich, die Zahl der Ankömmlinge herunterzuspielen, bis die Realität ihn widerlegte. Hilflosigkeit an allen Ecken und Enden. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer, die Landräte und Bürgermeister wissen kaum noch, wie sie ihren Verpflichtungen nachkommen sollen und fordern sofort massive finanzielle Hilfe des Bundes. Als wenn es damit getan wäre.

Die Steuerquellen sprudeln zurzeit, wie aber soll geholfen werden, wenn sie nur noch spärlich fließen, sobald das Jobwunder endet? Die zur Verfügung stehenden öffentlichen Gebäude, die sich für Asylbewerber eignen, sind vor allem in den Ballungsgebieten hoffnungslos überfüllt. Turnhallen, Sportlerheime, Schullandheime und gelegentlich sogar Altenheime werden zweckentfremdet, die ersten leer stehenden Wohnungen beschlagnahmt. Auch weil die Situation in vielen Massenunterkünften wegen der Spannungen unter den Bewohnern verschiedenster ethnischer Herkunft und weiter bestehender Konflikte aus der Heimat immer schwieriger wird, wie die Polizei bestätigt. Müssen wir, falls nicht bald eine Lösung gefunden wird, mit Zwangs-einweisungen in Privatwohnungen rechnen wie nach dem Krieg? Viele Ältere befürchten das, vor allem, weil Politiker und Journalisten wie Thomas Roth von der ARD neulich so ganz nebenher eine Grundgesetzänderung ins Spiel bringen, über deren Inhalt geschwiegen wird. Da wird man ja hellhörig.

Dass die Steuern erhöht werden, daran zweifeln nur noch wenige Bürger. In den Medien werden dagegen Umfragen veröffentlicht, dass rund 60 Prozent die deutsche Flüchtlingspolitik unterstützen. Zweifel sind angebracht. Wer sagt denn offen, was er denkt, wenn er telefonisch befragt wird, sein Name also bekannt ist? Zu schnell ist man hierzulande bereit, jemandem Ausländerfeindlichkeit und Rassismus zu unterstellen.

Keine der etablierten Parteien, nahezu alle Medien lassen es nicht an ständigen penetranten Appellen fehlen, es müsse in Deutschland eine „Willkommenskultur“ gegenüber den Flüchtlingen gepflegt werden. Oberschüler – auch unter 18 Jahren – sind bereit, dem Ruf zu Tausenden zu folgen. Das ist ehrenwert. Doch wer sich an den Kosovo-Krieg erinnert, weiß, wie rasch die Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen verebbte, weil man sich übernommen hatte. In den meisten Fällen musste das Sozialamt, das heißt der deutsche Steuerzahler, die Versorgung übernehmen.

Eine Begründung, weshalb wir uns all diesen Zuwanderern so sehr aufgeschlossen zuwenden und sie aufzunehmen hätten, wird gleichzeitig geliefert. Schließlich hätten wir ja auch die verfolgten Hugenotten im 16. Jahrhundert aufgenommen – kein Wunder, sie waren von den Fürsten gern gesehene und unterstützte Kulturbringer. Und vor allem dürfe man die Integration der Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen aus dem Osten als Folge des Zweiten Weltkriegs nicht vergessen. Auch hier wird die Geschichte verfälscht. Sie waren Deutsche, hatten dieselbe Schulbildung und dieselbe Religion. Und trotzdem gab es nicht wenige Probleme bei ihrer Eingliederung, weil die eingesessenen Landsleute sich oft erheblich bedrängt fühlten, sie als fremd empfanden und zu schwerster körperlicher Arbeit für Kost und Logis heranzogen. Ich selbst habe das als Flüchtling erlebt und auch in meinem Buch „Mein langer Marsch durch die Illusionen“ ausführlich geschildert.

Wenn viele Deutsche den Asylbewerbern gegenüber Ängste empfinden, wird ihnen das von der Mehrzahl der Politiker und Medien trotz gegenteiliger Versicherungen nicht zugestanden. Sie werden zumindest als „rechtslastig“ oder NPD-Anhänger verdächtigt. Wie vor Kurzem in Heidenau geschehen, wo auch Familien mit Kindern ihre Sorgen in Form einer Demonstration äußerten. In den Medien war nur von den gewalttätigen NPD-Anhängern die Rede. Unterschlagen wurde auch die Beteiligung einer etwa gleich großen Anzahl von Linksradikalen an den Ausschreitungen. Der Vizekanzler und SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel verstieg sich danach zu der Behauptung, es habe sich bei den Demonstranten um „Pack“ gehandelt. Heidenau als Nazi-Hochburg! Sebnitz lässt grüßen! Und wir Deutschen, die große Mehrheit also, sind angeblich auf dem Marsch nach Dunkeldeutschland, weil ja „der Rechtsradikalismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen“ ist.


S. 9 Kultur

Das Rätsel der verschwundenen Pfalz
Seit 1000 Jahren prägt der Kaiserdom die Stadt Merseburg − Ausstellung erinnert an die bewegte Geschichte

Nach der Ausstellung „Thilo von Trotha – Merseburgs legendärer Kirchenfürst“ im vergangenen Jahr unterstreicht die Sonderausstellung „1000 Jahre Kaiserdom Merseburg“ in diesem Jahr erneut die reichs- und kirchengeschichtliche Bedeutung der Saale-Stadt.

Manchmal reicht ein Kuss, um aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen. Zwei können aber nicht schaden, zumal man sich Jubiläen und Gedenktage, wie die Grundsteinlegung des Doms 1015 durch Bischof Thietmar und den 500. Todestag des Thilo von Trota, der von 1466 bis 1514 fast 50 Jahre lang eines der kleinsten kirchlichen Territorien Deutschlands regierte und zur Hochblüte verhalf, nicht aussuchen kann. Die jetzige Sonderausstellung führt in die Zeit der Bistumsgründung zurück und hat sich zur Aufgabe gemacht, dabei auch die Bedeutung von Merseburgs weitgehend vergessener Königspfalz wieder bewusst zu machen.

Der mit dem Bischofspalast, dem sogenannten Schloss, verschmolzene Dom hat als Stadtkrone auf dem Burgberg die Zeitläufte mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Im Gegensatz zu der im Zweiten Weltkrieg zerbombten Altstadt zu seinen Füßen, die inzwischen zwar weitgehend saniert ist, deren historische Bauten aber zum Großteil nur noch auf alten Fotos zu bewundern sind. Und auch im Gegensatz zu der berühmten Pfalz, die in der Literatur zwar fest verankert ist, von der man aber bisher keine Spur gefunden hat und von der selbst die Lage unsicher ist.

Das Bistum Merseburg bestand von 968 bis 1565, wobei seine Gründung zweimal stattfand. Die erste erfolgte durch Otto I. 968 aufgrund eines Gelübdes, nachdem er die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld endgültig geschlagen hatte. Durch königliches Diplom ließ er das Erzbistum Magdeburg und die Suffraganbistümer Brandenburg, Havelberg, Merseburg, Zeitz und Meißen gründen. Erster Bischof von Merseburg war Boso (968–970), der zweite Giselher (971–981). Als dieser 981 Erzbischof von Magdeburg wur­de, wurde das Bistum Merseburg aufgehoben.

Erst Heinrich II., der seine Machtposition durch Bistümer stärkte, gründete Merseburg 1004 erneut. Der mitteldeutsche Raum zwischen Elbe, Saale und Oder ge­hörte um 1000 noch zu den Randzonen des Ottonenreiches und wurde erst langsam politisch, kirchlich und kulturell vom Westen erfasst und durchformt. Ab­lesbar an Leipzig, das kaum 30 Kilometer östlich von Merseburg gelegen 1015 überhaupt erst ins Licht der Geschichte tritt und damit ebenfalls Jubiläum feiert.

In beiden Fällen ist es Thietmar, dem wir diese Daten verdanken. Denn als Reichsbischof von Merseburg (1009–1018) verfasste er eine umfangreiche Chronik, die zu den bedeutendsten Ge­schichtsquellen der Ottonenzeit gehört. Auf zweien seiner Sätze beruht das Doppeljubiläum. Zu Leipzig schrieb er: „Dann erkrankte der wackere Bischof Eid, der eben mit großen Geschenken aus Polen zurückgekehrt war, und gab am 20. Dezember (1015) in der Burg Leipzig seine treue Seele zurück.“

Das Merseburger Domjubiläum beruht sogar nur auf einem eigenhändigen Nachtrag am Rand des Originalmanuskripts: „Ich selbst legte am 18. Mai (1015) .... die Grundsteine.“ Es gilt dennoch als gesichert. Am 1. Oktober 1021 wurde der Dom nach nur sechseinhalb Jahren Bauzeit in Gegenwart von Heinrich II., seit 1014 Kaiser, geweiht.

Bereits 1012 war die Weihe des Doms in Bamberg erfolgt, wo das Grab des Kaiserpaares steht. Das Bi­stum hatte Heinrich II. 1007 gegründet. Die Bamberger waren es auch, welche die Heiligsprechung des Kaiserpaares, Heinrich II. 1146 und Kunigunde 1200, maßgeblich be­förderten. Doch spätestens seit dieser Ausstellung dürften sich Bamberg und Merseburg um die Formulierung „Heinrichs II. liebster Aufenthaltsort“ streiten. Denn Tatsache ist, dass Merseburg eine wichtige Machtbasis darstellte, wo wichtige Hoftage zur Regelung von Angelegenheiten im europäischen Maßstab stattfanden und sich Heinrich II. nachweislich etwa 28 Mal jeweils bis zu vier Wochen aufhielt: öfter als in jeder anderen Pfalz und öfter als jeder andere König.

Die Kaisernähe blieb auch nach Aufgabe der Pfalz bestehen. Bis in die Reformationszeit galt die kaiserliche Vergangenheit als Beleg für die Reichsunmittelbarkeit des Hochstifts. Bis heute ist Heinrich II. in der Merseburger Domkirche in zahlreichen Darstellungen allgegenwärtig. Besonders markant erscheint er auf dem Heinrichsaltar, der 1536 bei Lucas Cranach d.Ä. von Bischof Sigismund von Lindenau (1535–1544) in Auftrag gegeben wurde. Zur Ausstellung fand er wieder an seinem ur­sprünglichen Ort vor dessen Grab in der Vorhalle beziehungsweise Heinrichskapelle Aufstellung. Ein neuartiges Illusionspanorama vervollständigt die da­malige Kirchensituation.

Der „geringe“ Materialwert mag den Altar gerettet haben. Denn der alte Merseburger Domschatz existiert nicht mehr. Er wurde Opfer des Schmalkaldischen Krieges 1546/47, um damit die Truppen zu bezahlen, oder vom Domkapitel in späterer Zeit verkauft. Daraus ergibt sich ein Problem: Man muss sich im Rückgriff auf die erhaltenen Inventare zum Großteil mit vergleichbarem Fremdmaterial oder auch Nachbildungen behelfen. Dazu gehören so prunkvolle Stücke wie eine Reliquienstatuette Johannes des Täufers aus Münster, ein frühes Laurentiusreliquiar aus Quedlinburg oder ein Madonnenreliquiar aus Xanten. Als merseburgisch gelten dagegen die Mitra von Bischof Friedrich II. von Hoym (1357–1382) aus Dresden, die ebenfalls Maria und die Schutzheiligen des Domstiftes zeigt, und ein Ziborium aus Berlin. Ganz besondere Preziosen sind der Kaiserkelch Heinrichs II. (um 1470/80) und das Adelheid-Kreuz (11. Jahrhundert), das größte erhaltene Reliquienkreuz des Mittelalters, beide aus St. Paul im österreichischen Lavanttal.

Eine Inschrift auf Letzterem erwähnt die Königin Adelheid von Ungarn, Tochter König Ru­dolfs, als Stifterin. Der 1080 verstorbene Gegenkönig ruht unter der ältesten Bronzegrabplatte Mitteleuropas im Hohen Chor des Merseburger Doms. Seine mumifizierte rechte Hand ist bis heute eines der merkwürdigsten Stücke des Domstiftarchivs. Neben den Ex­ponaten dienen alte Schriftstücke immer wieder als historische Belege. Dazu empfiehlt sich der Katalog als vertiefende Lektüre. Helga Schnehagen

Sonderausstellung „1000 Jahre Kaiserdom Merseburg“ bis 9. No­vember in Schloss und Dom, geöffnet täglich 9 bis 18 Uhr, Eintritt: 9 Euro. Infos im Internet unter www.merseburg2015.de


Ganz heißes Eisen
ARD-Film wagt sich an das brisante Thema »Rüstungsexporte«

Gedreht wurde unter strengster Geheimhaltung, die Schauspieler erhielten ihre Texte nur als Einzelseiten, damit der Zusammenhang verschleiert blieb. „Wir waren komplett unterm Radar“, so Filmemacher Daniel Harrich. Was der Autor und Regisseur zusammen mit einer prominenten Schauspielerriege in Mexiko in Szene setzte, behandelt eines der brisantesten Felder deutscher Politik: Waffenexporte ins Ausland und die Gefahr, dass die Waffen unkontrolliert weitergegeben werden.

Der TV-Film „Meister des Todes“, der am 23. September um 20.15 Uhr im Ersten gesendet wird, erzählt die Geschichte des jungen Mitarbeiters einer Waffenfirma, der miterlebt, wie seine Arbeitgeber Waffen unerlaubt nach Mexiko schleusen – ein von Gewalt und Drogenkrieg seit Jahren schwer gebeuteltes Land. Als demonstrierende Studenten mit Gewehren „seiner“ Firma er­schossen werden, gerät er in einen Loyalitätskonflikt und wird zum Geheimnisverräter, der sich selbst in Gefahr begibt.

Der Hintergrund für den Politthriller und die nachfolgende Doku „Tödliche Exporte – wie das G36 nach Mexiko kam“ könnte aktueller nicht sein: 2014 exportierte Deutschland Kriegswaffen und Rüstungsgüter im Gesamtwert von über sechs Milliarden Euro (Quelle: Rüstungsbericht der Bundesregierung). Das Problem: Kunden deutscher Waffenschmieden halten sich keineswegs verlässlich an die Endverbleibserklärungen, die sie abgeben müssen.

Autor Harrer zeigt in Film wie Dokumentation, wie leicht der politische Grundsatz – keine Waffen in Kriegs- und Krisengebiete, Folter- und Polizeistaaten – von Rü­stungsunternehmen und deren Kundschaft umgangen werden kann. Sein fachlicher Berater, Friedensaktivist Jürgen Grässlin von der „Aktion Aufschrei“, der die große deutsche Waffenschmiede Heckler & Koch seit Jahren mit Strafanzeigen überzieht, geht noch weiter: „Waffen wandern, sie bleiben meist Jahrzehnte im Einsatz. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis IS-Terroristen auch mit G3- und G36-Gewehren exekutieren. Rüstungspolitik ist weitaus tödlicher, als es Militäreinsätze sind.“ Durch die Flüchtlingskrise der letzten Monate fühlt er sich in seiner Behauptung bestätigt: „Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten“, so Grässlin, „diese Saat geht jetzt auf.“

Wenige Tage nach dem Themenabend le­gen Harrich und Gräss­lin nach: Ihr im Heyne-Verlag erscheinendes Buch „Netzwerk des Todes“ gibt vertrauliche Do­kumente preis, wo­nach deutsche Politiker an unsauberen Waffengeschäften beteiligt waren. Werbewirksam rät der Verlag, das Buch sofort nach Erscheinen zu kaufen, bevor es einstweilige Verfügungen hagelt. Angela Meyer-Barg


Finnischer Tango
Musikfest Usedom legt Jubilar Sibelius auf

Auf Deutschlands zweitgrößter Ostseeinsel sind vom 19. September drei Wochen lang hochkarätige Musiker und Orchester in Kirchen, Schlössern, Museen und Konzertsälen zu hören. Beim Usedomer Musikfestival, das bereits zum 22. Mal stattfindet, steht Jahr für Jahr die Musik eines der Ostseeanrainerstaaten im Mittelpunkt. In diesem Jahr ist Finnland, das Land der tausend Seen, der musikalische Schwerpunkt.

Anlass ist der 150. Geburtstag des Komponisten Jean Sibelius. „Finnland − das ist eine kleine Großmacht der Musik und Sibelius ihr erster Weltstar. Wir möchten unser Publikum für seine faszinierend reiche Musikkultur begeistern“, sagt Intendant Thomas Hummel. Die rund 20 Veranstaltungsorte warten mit ei­nem breiten Spektrum fin­nischer Musik auf − von Kammermusik und Folklore bis hin zu Tango-Klängen und Sinfonien.

Im geschichtsträchtigen Kraftwerk in Peenemünde eröffnet das Baltic Sea Youth Philharmonic unter Leitung von Kristjan Järvi den Festivalreigen mit Sibelius’ Sinfonie Nr. 3 und der „Fantasiereise zu den Färöer-Inseln“ des dänischen Komponisten Carl Nielsen, ein weiterer Ostseejubilar 2015. Jeden Tag folgen weitere kulturelle Erlebnisse: geistliche Lieder in der Kirche des kleinen Dorfes Krummin am Achterwasser, Melodien von Sibelius, ge­spielt vom preisgekrönten Boulanger Trio in der Kirche von Benz, ein Konzert des NDR-Sinfonieorchesters, dirigiert von Thomas Hengelbrock ebenfalls im Kraftwerk Peenemünde, Jazzmusik an Bord eines Ausflugsschiffes oder vieles andere mehr. Auch Vorträge, musikalische Inselrundfahrten und Le­sungen gehören ins Programm, das gut dafür ge­eignet ist, auch die versteckten kleinen Örtchen im Hinterland Usedoms mit ihren verträumten Kirchen und traditionsreichen Höfen kennenzulernen.

Zur großen Abschlussgala am 10. Oktober im ehrwürdigen Kaiserbädersaal des Maritim Hotels in Heringsdorf beweist dann das Orchester Guardia Nueva musikalische Weltgewandtheit und zeigt, dass auch Finnen etwas von Tangomusik verstehen. Eintrittskarten sind in den Touristinformationen der Insel erhältlich oder im Internet unter www.usedomer-musikfestival.de. Andreas Guballa


KINOTIPP

Für seine Naturfilme wie „Das grüne Wunder – Unser Wald“ (2012) oder „Die Nordsee – unser Meer“ (2013) grast der Dokumentarfilmer Jan Haft regelmäßig die Festival-Preise ab. Sein neuester Streich „Magie der Moore“, der am 24. September in unsere Kinos kommt, reiht sich nahtlos an die meisterhaften Vorgänger an. Wer denkt, das Moor sei ein gruseliger, toter Ort, der irrt. Es lebt! Es ist Lebensraum unzähliger Kräuter und Gräser, die nur unter diesen nährstoffarmen Be­dingungen überleben können. Auf der Suche nach Essbarem verirren sich hin und wieder sogar Elche und Bären ins Moor.

Dem Regisseur Haft und seinem Kameramann Kay Ziesenhenne sind an 800 Drehtagen in deutschen, skandinavischen und osteuropäischen Mooren faszinierende Bilder gelungen. Dabei haben sie viel Geduld aufgebracht, um etwa mit Makroaufnahmen den Sonnentau beim Einfangen von Insekten zu filmen oder um den „Tanz“ abgestorbener Bäume im Lauf eines Tages akribisch im Zeitraffer zu beobachten. Als Erzähler erklärt Schauspieler Axel Milberg viel Wissenswertes über dieses Naturjuwel, das immer häufiger der Zivilisation weichen muss, das aber als riesiger Speicher von Kohlendioxid einen wichtigen Beitrag zur Umwelt leistet. tws


MELDUNGEN

Als Lenné die Wildnis zähmte

Caputh − Peter Joseph Lenné gilt als einer der bedeutendsten preußischen Gartenkünstler. Bekannt wurde er für die Gestaltung der Berliner Pfaueninsel, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. In Schloss Caputh, dessen Park Lenné von 1828 bis 1830 ebenfalls gestaltet hat, widmet sich nun eine Ausstellung dem großen Landschaftsarchitekten. Bis zum 1. November begibt man sich mit „Gezähmte Wildnis“ auf die Spuren Lennés von Petzow über Geltow nach Caputh. Mit Fotografien, Zeichnungen und historischen Dokumenten wird die Entwicklung dieser Kulturlandschaft nachgezeichnet, die bis heute von Lennés Gestaltungskunst geprägt ist. Die Ausstellung in Schloss Caputh, Straße der Einheit in 14548 Schwielowsee, ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. tws

 

Zwei Meister, die bleiben

Lübeck − Bis zum 8. November sind im Lübecker Buddenbrookhaus zwei der größten norddeutschen Autoren vereint. Mit der Ausstellung „Bürger auf Abwegen. Thomas Mann und Theodor Storm“ feiert die Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft ihr 50-jähriges Bestehen. Sein Leben lang hat Thomas Mann die Novellen und Gedichte Storms zu den Vorbildern seines eigenen Schaffens gezählt. So pries er dessen „ewiggültige Lyrik“: „Er ist ein Meister, er bleibt.“ Und immer wieder war es auch die brüchig gewordene Bürgerlichkeit der Lebensentwürfe, in der Mann sich Storm tief verwandt fühlte. Die Ausstellung in der Mengstraße 4 ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Vom 26. No­vember an ist die Ausstellung im Theodor-Storm-Zentrum in Hu­sum zu sehen. tws


S. 10 Geschichte

Das Tor zur Freiheit
Für Millionen Menschen begann im Lager Friedland ein neues Leben

Für vier Millionen Menschen wurde das Lager Friedland in den 70 Jahren seines Bestehens zum Tor zur Freiheit, teilweise zur ersten Begegnung mit Deutschland. Für Menschen buchstäblich aus aller Welt begann an diesem Ort bei Göttingen ein neues Leben. Am 20. September 1945 öffnete das Grenzdurchgangslager erstmals seine Tore.

Scheinbar unendliche Flüchtlingsströme zogen 1945 durch das zerstörte Deutschland, aus der Heimat Vertriebene auf der Suche nach einer Bleibe. Die Menschen hungerten, wussten nicht, wo sie die Nacht verbringen konnten. Und der nächste Winter stand bevor. Den Besatzungsmächten war bewusst, dass sie handeln muss­ten, wenn sie eine noch größere Katastrophe verhindern wollten.

Der britische Militärkommandant ordnete an, ein Auffanglager zu bauen. Er wählte dazu das Gelände der ausgelagerten landwirtschaftlichen Versuchsanstalt der Universität Göttingen bei Friedland aus. Der kleine Ort im Süden des heutigen Niedersachsens lag für dieses Vorhaben günstig. Eine gut ausgebaute Straße führte hindurch, der Ort verfügte über einen Bahnhof an der Strecke Hannover–Kassel und er lag genau dort, wo der britische, der US-amerikanische und der sowjetische Sektor eine gemeinsame Grenze hatten. Vor allem aber gab es in der Versuchsanstalt leerstehende Schweine- und Pferdeställe, in denen man Flüchtlinge, Vertriebene, entlassene Kriegsgefangene und andere Heimatlose vorerst unterbringen konnte.

Deutsche Kriegsgefangene benötigen nur wenige Tage, um die Unterkünfte notdürftig herzurichten. Und dann kamen die Menschen zu Tausenden, vor allem entlassene Kriegsgefangene und Vertriebene. Sehr viele kamen zu Fuß, noch mehr mit der Eisenbahn. In den drei Monaten bis zum Ende des Jahres schleusten die Engländer eine halbe Million Menschen durch Friedland. Und es kamen mehr und mehr. Die Kapazität des Lagers reichte eigentlich niemals aus. Abermals wurden deutsche Kriegsgefangene eingesetzt, die provisorischen Unterkünfte mit zum Teil beschlagnahmtem Material auszubauen. Sie stellten britische Armeezelte auf, bauten Hütten aus Holz und errichten Wellblechbaracken, auch Nissenhütten genannt.

Wer das Lager passierte, erhielt den erforderlichen Passierschein. Nur wer den hatte, konnte neue Papiere, Arbeit, Wohnung und auch die überlebenswichtigen Lebensmittelkarten erhalten. Die Angehörigen der Wehrmacht benötigten den sogenannten D2-Schein, mit dem die Entlassung aus dem Militärdienst nachgewiesen werden musste, Wehrsold und Entlassungsgeld wurden ausgezahlt und schließlich gab es von der Caritas zivile Kleidung.

Nach den ersten Vorstellungen sollte niemand länger als 24 Stunden in dem Lager bleiben. Diese Zeit musste ausreichen für die Ausstellung der Papiere, eine ärztliche Untersuchung und eine Desinfektion.

Spätestens mit der Ankunft von Kindergruppen ohne die Begleitung der Eltern erwies sich diese Zeitplanung als deutlich zu knapp. Kinder konnte man nicht weiterschicken. Zuvor mussten – wenn möglich – Angehörige ausfindig gemacht werden. Die Suchmeldungen im Radio dienten dazu. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und der Nordwestdeutsche Rundfunk arbeiteten dabei eng zusammen. Begonnen hatte die Arbeit des Suchdienstes in Flensburg. Dort hatten die beiden ehemaligen Offiziere Kurt Wagner und Helmut Schelsky, der später als Soziologe bekannt wurde, beobachtet, wie Menschen ihre Angehörigen suchten. Sie entwickelten ein Suchsystem, das schließlich zur Zusammenarbeit mit dem DRK und dem Rundfunk führte. Der Suchdienst nahm seine Arbeit im Ok­tober 1945 auf. Bis 1952 konnten 67946 Kinder wieder in die Obhut ihrer Eltern gebracht werden.

Zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges war das Lager Friedland die erste Station in Deutschland für die Spätheimkehrer aus der Sowjetunion (PAZ Nummer 37). Bundespräsident Theodor Heuss begrüßte die Heimkehrer, man stimmte gemeinsam den „Choral von Friedland“, das Kirchenlied „Nun danket alle Gott“ an, und dann glaubten viele, das Lager habe seinen Zweck erfüllt.

Sie irrten. Friedland wurde zur Zwischenstation für Menschen mit deutschen Wurzeln, die aus den Ländern des Ostblocks nach Deutschland wollten. Dann kamen 1956 Flüchtlinge aus Ungarn, die nach der blutigen Niederschlagung des ungarischen Aufstandes durch die Sowjets das Land verlassen muss­ten. 1973 stellten Chilenen ein größeres Kontingent, Flüchtlinge vor dem Pinochet-Putsch. 1978 kamen die Bootsflüchtlinge (Boat People) aus Vietnam, 1984 Tamilen aus Sri Lanka, 1990 in großer Zahl Menschen aus Albanien. In den Jahren der sogenannten Wende 1989/90 nahm das Lager Übersiedler aus der DDR auf. Und dann kamen wieder Menschen aus Osteuropa und Asien, jüdische Emigranten aus den jungen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Das Lager Friedland blieb für alle das Tor zur Freiheit, so sein berechtigter Beiname.

Dann allerdings nahm die Zahl derer, die in dem Lager erste Aufnahme fanden, in den 90er Jahren ständig ab. 1990 waren noch 400000 Menschen in Friedland eingetroffen. Es wurden von Jahr zu Jahr weniger, bis schließlich 2012 nur noch 1800 Menschen kamen. Bundesinnenminister Otto Schily beabsichtigte 1999 vier der damals noch bestehenden sechs Aufnahmelager für Spätaussiedler zu schließen. Friedland sollte nur noch als Reservelager geführt werden. Dieser Plan löste erheblichen Unmut aus. Mit 15000 Unterschriften protestierte die Bevölkerung rund um Friedland gegen das Vorhaben. Schily musste seinen Plan aufgeben.

Gegenwärtig ist das Lager Friedland dramatisch überfüllt. Geplant für maximal 700 Bewohner sind dort zurzeit 3000 Menschen untergebracht, vor allem aus Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea, aber auch 100 Spätaussiedler. Geschlafen wird teilweise auf den Treppen und Fluren. Die Gemeinde Friedland hat 1000 Einwohner, im Lager leben 3000 Menschen. Hinzu kommen 600 Flüchtlinge in Außenstellen. Für Friedlands Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD) ist die Grenze der „Belastbarkeit der Flüchtlinge, der Mitarbeiter und der Bevölkerung erreicht“. Klaus J. Groth


Die erste deutsche Königin von England
Ein Porträt Hans Holbeins machte die gebürtige Düsseldorferin Anna von Kleve zur (vierten) Ehefrau Heinrichs VIII.

Die vierte der sechs Ehefrauen Heinrichs VIII. kam aus Deutschland: Anna von Kleve. Die protestantische Fürstentochter wurde wegen der Schaffung einer protestantischen Koalition gegen die katholische Allianz des Papstes mit dem Kaiser und dem französischen König nach London geholt. Dazu kamen zwei weitere Gründe. Sie sollte die ausschweifenden Gelüste des Königs befriedigen und einen männlichen Thronerben gebären.

Nachdem Heinrich seine zweite Ehefrau, Anna Boleyn, hatte köpfen lassen und seine dritte im Kindbett gestorben war, war die Brautsuche zunächst schwierig gewesen. Der wählerische König verlangte unbeschadet seiner eigenen Unförmigkeit eine attraktive Gemahlin. Seine Berater empfahlen dem englischen König den protestantischen jungen Herzog Wilhelm von Kleve-Jülich-Berg, der gegen den Willen des Kaisers zusätzlich das Herzogtum Geldern, das Erbe seiner Mutter, regierte und damit der mächtigste Fürst in Nordwestdeutschland war, als Bündnispartner. Herzog Wilhelm hatte drei Schwestern. Sibylle war mit Herzog Johann Fried­rich von Sachsen verheiratet, dem mächtigsten lutherischen Fürsten und Oberhaupt des Schmalkaldischen Bundes. Die Schwestern Anna und Amalie waren noch frei. Heinrich wollte die hübschere von beiden und schick­te seinen Hofmaler Hans Holbein nach Kleve, der im Städtchen Düren diverse Porträts erstellte. Nach deren Prüfung entschied sich der König für Anna. Damit nahmen die Dinge ihren Lauf.

Im 25. Lebensjahr stand Anna, als sie ihrem Auserwählten das erste Mal gegenüber stand. Am 22. September 1515 war sie in Düsseldorf zur Welt gekommen. Sie war die zweitälteste Tochter von Herzog Johann III. von Jülich- Kleve-Berg und dessen Ehefrau Maria von Geldern. Der Vater hielt für Mädchen die Unterweisung in Religion, Sticken und Nähen für ausreichend. Da war kein Platz für Literatur, Philosophie, Musik, Fremdsprachen, Musik und modische Neuheiten, wie sie am Hof der Habsburger, in Paris oder London selbstverständlich waren. Das sollte sich später in London rächen. Nach Unterzeichnung des Heiratsvertrages brachte der englische Gesandte Lord Eduard Clinton die Braut und ihr Gefolge von Düsseldorf über Calais und Dover zunächst nach Rochester, wo sich Heinrich der Deutschen am 1. Januar 1540 erst einmal inkognito näherte, unbeachtet blieb und sich dann zu erkennen gab. Man speiste zusammen und versuchte eine Konversation, die an den sprachlichen sowie Bildungsmängeln der Braut scheiterte. Der König war enttäuscht. Er bemängelte ihr Äußeres, ihre unmodische Kleidung, ihren Körpergeruch, ihre Umgangsformen, dass sie keine Fremdsprache sowie kein Musikinstrument beherrschte und nicht singen konnte. Dabei übersah er jedoch die außergewöhnliche Intelligenz und Lernfähigkeit Annas, die dann in wenigen Wochen die englische Sprache erlernte.

Heinrich VIII., der zunächst die Eheschließung verweigern wollte, heiratete auf Drängen seiner Räte, die eine Verstimmung des Schwagers in spe zu verhindern suchten, am 6. Januar 1540 Anna von Kleve. Die Räte des Königs hofften auf das Wunder der Hochzeitsnacht. Doch nach sechs Nächten mit seiner jungen Frau verkündete der König, dass „seine Manneskraft sie verabscheut“. Als sich dann Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich erneut entzweiten und ein Bündnis mit Annas Bruder weniger dringlich wurde, handelte Heinrich. Er begann eine Affäre mit Annas blutjunger Hofdame Katharina Howard, die in Liebesdingen sehr erfahren war und seine erotischen Gelüste befriedigen konnte. Der König befahl die Einleitung der Scheidung unter Vortäuschung einer „nicht vollzogenen Ehe“. Anna wollte nicht wie Anna Boleyn auf dem Schafott landen und war mit der Scheidung einverstanden. Sie bestätigte auch, dass die Ehe nicht vollzogen sei. Dieses Entgegenkommen überraschte den Engländer, der nun seinerseits großzügig wurde. Anna rettete wohl so ihr Leben und bekam nach der Scheidung vom 9. Juli 1540 königliche Rechte, Grundbesitz, eine Jahresrente und die Bezeichnung „Schwester des Königs“ zugestanden und gehörte weiterhin zur Tudorfamilie. Entsprechend ihrem Titel „Schwester des Königs“ unterhielt sie zu ihrem Ex-Mann nun ein fast freundschaftliches Verhältnis. Klugerweise verzichtete sie darauf, sich in die Politik einzumischen. So überlebte sie nicht nur ihren Ex, der 1547 verschied, sondern auch ihre diversen Nachfolgerinnen an dessen Seite. Nachdem Heinrichs einziger legitimer Sohn und direkter Nachfolger Eduard VI. 1553 gestorben war und dessen ältere Schwester Maria (Bloody Mary) den Thron bestiegen hatte, ritt Anna bei dem Festakt neben dem dritten legitimen Nachkommen ihres Ex, der späteren Königin Elisabeth I., hinter der neuen Königin als dritte Dame.

Thomas Cromwell, der Annas Ehe eingefädelt hatte, fiel in Ungnade und wurde nach Kerkerhaft hingerichtet. Hans Holbein, der von Anna in Düren ein geschöntes Porträt geschaffen und damit das Seine zur Entscheidung Heinrichs für die Deutsche beigetragen hatte, wurde vom englischen Hof verbannt und durfte nie mehr ein Mitglied der königlichen Familie malen. Katharina Howard, Annas Nachfolgerin auf dem Thron und fünfte Frau Heinrichs VIII., wurde vorgeworfen, während der Ehe nebenbei noch Liebhaber gehabt zu haben. Die liebeslustige Aufsteigerin, deren Vertraute Jane Boleyn sowie die angeblichen Liebhaber Francis Dereham und Thomas Culpeper wurden hingerichtet.

Anna von Kleve, die sich nach ihrer schnellen Scheidung geschickt anpasste und sehr mildtätig und volkstümlich auftrat, starb ohne weitere Eheschließung nach schwerer Krankheit mit 41 Jahren am 16. Juli 1557 auf Schloss Richmond House. Ihre letzte Ruhe fand sie in der Westminster Abbey. Das Bild, das Hans Holbein von Anna von Kleve in Düren schuf, wird heute zu den bekanntesten Werken des Künstlers gezählt und gehört inzwischen zum Bestand des Pariser Louvre.

Martin Stolzenau


S. 11 Preussen

Immer dort, wo die Kugeln pfiffen
Seine indifferente Haltung gegenüber dem Kapp-Putsch wurde Georg Maercker zum Verhängnis

Georg Maercker gehörte zu den preußischen Offizieren, die stets dort standen, wo die meisten Kugeln pfiffen. Das gilt für die Kämpfe in den Kolonien ebenso wie für die Fronten des Ersten Weltkrieges oder das Chaos auf den deutschen Straßen nach der Novemberrevolution. Trotzdem endete seine Karriere letztendlich mit einem Hinauswurf.

Der westpreußische Kreisrichter und Reserveoffizier Theodor Maercker war ein Mann von ausgeprägt soldatischer Gesinnung. Und diese gab er dann auch an seinen ältesten Sohn Georg Ludwig Rudolf weiter, der am 21. September 1865 in Baldenburg im Landkreis Schlochau geboren wurde.

Der junge Maercker durchlief zunächst die Kadettenanstalten von Culm und Groß-Lichterfelde und trat dann im April 1885 in das preußische Infanterieregiment Nr. 21 in Thorn ein. Drei Jahre später zog es den Sekondeleutnant nach Deutsch-Ostafrika, wo er sich der damals im Stadium des Aufbaus befindlichen Schutztruppe des Reichskommissars Hermann von Wissmann anschloss und an der Niederschlagung des Aufstands des arabischen Plantagenbesitzers und Sklavenhändlers Abu­shiri ibn Salim al-Harthi teilnahm. 1890 kehrte Maercker nach Preußen zurück und absolvierte dort die Kriegsakademie. Dem folgten weitere Auslandsaufenthalte in Anatolien und dem deutschen Pachtgebiet Kiautschou in China, wo der nunmehrige Hauptmann Vermessungsarbeiten durchführte. Danach diente Maercker im Großen Generalstab – aber nur bis 1904.

In jenem Jahr brach im Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika der Aufstand der Herero und Nama los, und wieder gehörte Maercker zu jenen, die sich den mordenden und plündernden Rebellen in den Weg stellten. Dabei wurde er am 13. September 1905 im Gefecht von Nubib in den Zaris-Bergen an der Schulter verwundet. Dennoch konnte Maercker im November die Kapitulation des Nama-Feldhauptmanns Samuel Isaak entgegennehmen, die zahlreiche andere Aufständische bewog, ebenfalls die Waffen zu strecken. Anschließend weilte Maercker, der inzwischen zum Major befördert worden war, noch bis 1910 in Deutsch-Südwest, wo er zuletzt den gesamten Nordbezirk, also das Herero-Land, kommandierte. Die hierbei gemachten Erfahrungen sorgten dafür, dass sich der preußische Offizier zu einem engagierten Vertreter des Kolonialgedankens entwickelte.

Nach seiner Zeit bei der Schutztruppe avancierte Maercker im Vorfeld des Ersten Weltkrieges zum Oberst und Kommandanten auf der Nordseeinsel Borkum. Und dort verblieb er auch bis zum August 1915. Dann erfolgte sein Debüt in den Stellungskämpfen im Osten, und zwar als Kommandeur des Kurhessischen Infanterieregiments Nr. 82. Später focht Maer­cker wechselweise an der Westfront und gegen die Russen, so zum Beispiel am Kormyn und am Styr sowie an Yser, Somme und Aisne. Hierbei erlitt er 1916 eine weitere schwere Verwundung.

Im Anschluss an seine Genesung zog Maercker erneut ins Feld, zuletzt als Chef der 214. Infanteriebrigade, mit der er ab Mitte 1917 in der Flandern-Schlacht kämpfte – und zwar so erfolgreich, dass er zunächst am 18. August zum Generalmajor befördert wurde und dann kurz darauf, am 1. Oktober, den Orden Pour le Mérite verliehen bekam.

Zu Beginn des Jahres 1918 bekam der so Dekorierte den Befehl über die 214. Infanterie-Division übertragen. Diesen Truppenverband führte er unter anderem in die Schlacht von Armentières, in der es den Deutschen gelang, die strategisch wichtige Höhe von Kemmel-Dranoutre zu nehmen. Dabei zeichnete sich Maercker ein weiteres Mal aus. Deswegen wurde er im Heeresbericht erwähnt und erhielt am 3. Mai 1918 schließlich auch noch das Eichenlaub zum Pour le Mérite verliehen.

Sechs Monate darauf war der Krieg zu Ende und es kam im gesamten Deutschen Reich zu linksrevolutionären Ausbrüchen, die chaotische Zustände zur Folge hatten. In dieser Situation beschloss Maercker am 6. Dezember 1918 auf Anregung der Obersten Heeresleitung, aus den Resten der 214. Division das regierungstreue Freikorps „Landesjäger“ zu formieren. Dieses beteiligte sich im Januar 1919 an der Niederschlagung des Spartakusaufstandes. Anschließend zog Maercker mit seinen Truppen nach Weimar, wo er die Sitzungen der neuen Nationalversammlung und die Wahl von Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten absicherte. Währenddessen versuchten radikalisierte Arbeiter und Soldaten weiterhin, eine Räterepublik zu errichten. Deshalb wurden die „Landesjäger“ Ende Februar nach Gotha und Eisenach entsandt, um dort für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Im Zuge der Auseinandersetzungen mit den dortigen Umstürzlern erhielt Maercker eine Messerverletzung am Kopf.

Das hinderte ihn aber nicht daran, im März in Halle einzurücken und der dortigen Räteherrschaft ein Ende zu bereiten. Hierbei kam es zu heftigen Straßenkämpfen mit bewaffneten Aufständischen, in deren Verlauf diese den Vertreter der Reichsregierung, Oberstleutnant Robert von Klüber, massakrierten. Nachfolgend beauftragte Ebert seinen „Städteeroberer“ Maercker damit, in Braunschweig und Magdeburg gegen die revolutionären Umtriebe vorzugehen und eine Normalisierung der dortigen Situation herbeizuführen. Und das tat der General dann auch. Daraufhin wurde sein Freikorps am 2. Mai 1919 offiziell in die vorläufige Reichswehr eingegliedert.

Kurz danach rückte die nunmehrige Reichswehrbrigade 16, die nun 15000 Soldaten umfass­te, in Leipzig ein, wo ebenfalls von Linken initiierte Unruhen tobten. Dann stabilisierte sich die Lage langsam, sodass die ehemaligen „Landesjäger“ in Gotha Quartier beziehen konnten, während Maercker selbst nach Dresden wechselte und dort am 1. November 1919 zum Befehlshaber des Wehrkreises IV aufstieg. In dieser Position verblieb er freilich nur bis zum 28. April 1920, denn dann erfolgte seine Entlassung.

Ursache hierfür war Maerckers Haltung während des Kapp-Putsches im Monat zuvor. Statt sich ohne Wenn und Aber auf die Seite der bedrohten Reichsregierung zu stellen, hatte er versucht, eine eigenständige, vermittelnde Position einzunehmen, was ihm als grobe Illoyalität angekreidet wurde.

Als Ruheständler gründete der General a. D. zuerst die Koloniale Arbeitsgemeinschaft und dann 1922 auch den Deutschen Kolonialkriegerbund, dessen erster Präsident er wurde. Außerdem schloss er sich dem „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ an.

Georg Maercker starb am 31. Dezember 1924 in Dresden und wurde auf dem dortigen Nordfriedhof beerdigt.

Wolfgang Kaufmann


»Aufbruch der Seele«
Vor 120 Jahren wurde der Insterburger Schriftsteller David Luschnat geboren

Ich bin Ostpreuße, geboren am 13. September 1895. Insterburg ist meine Heimatstadt. Im Alter von zwölf Jahren kam ich nach Berlin, wo ich seitdem ständig gewohnt habe (mit Ausnahme von drei Kriegsjahren, die ich im Schützengraben verbrachte)“, schreibt David Luschnat.

Der Sohn eines Pfarrers kommt 1918 als Leutnant mit einer Verwundung zurück in seinen Wohnsitz Berlin. Seit 1924 lebt er als freier Schriftsteller vom Abdruck seiner Gedichte und Prosa. In der „Frankfurter Zeitung“, im „Berliner Tageblatt“ und in der „Literarischen Welt“ erscheinen seine ersten Gedichte.

Nach dem ersten Lyrikband „Kristall der Ewigkeit“, Berlin 1926, und vor dem zweiten „Die Sonette der Ewigkeit“, München 1927, kommt 1927 im Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig die Novelle „Die Reise nach Insterburg“ heraus. Hier erzählt David Luschnat, weshalb er wieder in seine Heimat zurück, „in mein Kinderland“, sollte: „War jene abgetrennte Provinz, in der sich die Wölfe gute Nacht sagen, mir wirklich noch Heimat?“ Und: „… es geht in eine unbekannte, vormals bekannte Gegend.“ ... „Insterburg ist eine Stadt von etwa dreißigtausend Einwohnern. Die Straßen haben Kopfsteinpflaster. Die kleinen, altmodischen Häuser sind um die Ordensritterburg versammelt wie Hühner um eine futterstreuende Landfrau …“

Die Gleichnisse in Prosa „Abenteuer um Gott“ erschienen 1929 in München, seine Gedichte in Anthologien: „Jüngste Deutsche Lyrik“ (1926), „Die Zehnte Muse“ (1927), „Neue deutsche Lyrik“ (Reclam jun., Leipzig, 1928), „Kristall der Zeit“ (Zürich, 1929), „Wirrnis und Ewigkeit“ (1932).

1933 muss David Luschnat schon im April wegen bevorstehender Inhaftierung aus Berlin-Schöneberg fliehen. Seit 1918 Mitglied des (1909 gegründeten) Schutzverbandes deutscher Schriftsteller e.V. (Gewerkschaft deutscher Schriftsteller) und ab 1931 Schriftführer der oppositionellen Fraktion des SDS „wandert“ Luschnat „aus“ über Amsterdam nach Paris. In Frankreich ist er Mitbegründer des SDS im Ausland und im Vorstand Schriftführer. An der Sorbonne hält er 1933/34 Vorträge. Er reist auch nach Spanien und in die Schweiz.

In den ersten Kriegsjahren 1939 und 1940 erfolgt seine Verhaftung, durch Vermittlung französischer Schriftsteller wird Luschnat jedoch freigelassen. Der Lyriker lebt fortan illegal in Südfrankreich. Die Schweiz hat ihn ausgewiesen. 1945 betätigt er sich für die französische Militärregierung in Baden-Baden. Dort erscheint in der Schriftenreihe „Zwei Welten“ 1947 von ihm „Schriftsteller und Krieg“. Es ist die erste Veröffentlichung der Vorträge, die der Verfasser in seiner Emigration gehalten hat. 1949 lebt David Luschnat als Redakteur im Hotel Gretel in Baden-Baden, kehrt aber bald nach Frankreich zurück.

Nach dem im Selbstverlag in Ascona 1935 erschienenen Gedichtband „Aufbruch der Seele“ kommt ein neuer 1949 in Paris heraus: „Sonette vom Weg und Sinn“. Die in der Exilzeit geschaffenen Romane bleiben leider unveröffentlicht. „Inflation der Worte. Magie des Wortes“, Essay, wird 1957 in seinem französischen Wohnort Tourettes-sur-Loup verlegt, 1963 in Dülmen „Bleibende Zeitgestalt“ (Gedichte). Seit 1958 ist David Luschnat wieder in Deutschland, lebt in Frankfurt am Main und in Berlin-Schöneberg. Der Rundfunk bringt von ihm Hörspiele: „Die siebenfache Menschtötung am 30. November 1933 im Klingelpützgefängnis zu Köln am Rhein“, 1967, „Auf nach Innenstadt / und abwarten / und Tee trinken“, 1969, 1971.

In Ostpreußen, im Land seiner Kindheit spielt David Luschnats Erzählung „Feuerwerk in der Kneifzange“. Die Kneifzange, in der Heimat ein altes Pennal (Gymnasium), ist in einer einstigen Waffenschmiede der Ordensritter untergebracht. Eine riesige Kneifzange über dem Eingangstor erinnert daran. Aber den Schülern erscheint sie als Zeichen der in dem Haus ausgeübten Erziehungsverfahren. Doch eines Tages erfüllt sich wohl der Wunsch aller Pennäler. Ein Jubelschrei teilt mit: „Die Kneifzange brennt!“

Im 90. Lebensjahr verließ uns der Lyriker David Luschnat am 26. Oktober 1984 in Tourettes-sur-Loup, Alpes Maritimes/Frankreich und den „Ort der Bestimmung“: „… nie kannst du vergessen / den Ort deiner Herkunft / den Ort der Bestimmung / da dich die Stimme bestimmte / zu dem, was du sein sollst …“ E.B.


Der Erste aus seiner Familie

Vor 575 Jahren, am 20. Sep­tember 1440, starb mit Fried­rich I. der erste Hohenzoller an der Spitze der Mark Brandenburg. Dass der am 21. September 1371 in Nürnberg geborene Burggraf von Nürnberg brandenburgischer Kurfürst wurde, verdankte er seinen Diensten für seinen Schwager Sigismund von Luxemburg, Kurfürst von Brandenburg sowie König von Ungarn und Kroatien. Der Luxemburger wurde 1411 zum römisch-deutschen König gewählt, und das verdankte er nicht zuletzt der organisatorischen wie finanziellen Unterstützung Fried­richs. Zum Dank ernannte der frisch gewählte König den Hohenzoller zum erb­lichen obersten Hauptmann und Verweser der Mark Brandenburg. In den folgenden Jahren musste Friedrich seine Ansprüche bezüglich Brandenburg erst einmal gegen innere und äußere Widerstände durchsetzen. 1415 erfuhr er endlich die allgemeine Huldigung auf dem Landtag zu Berlin. Auf dem Konzil von Konstanz belehnte Sigismund schließlich 1417 den bisherigen Verweser mit der Mark und dem Erzkämmeramt. Manuel Ruoff


S. 12 Leserforum

Leserforum

Eine Besorgnis dämpft Willkommensbereitschaft

Zu: Der Bürger als Feind (Nr. 36)

Alle, die vor Krieg und Bedrohung fliehen müssen, haben mein vollstes Mitgefühl. Aber weder in Zeitungsartikeln und Kommentaren noch in zahlreichen Gesprächsrunden und Talkshows in Funk und Fernsehen wurde angesprochen, dass es sich bei den Flüchtlingen größtenteils um Muslime handelt. Der Zentralrat der Muslime hat ihre Anzahl auf 600000 (von insgesamt 800000) beziffert. 1993 hat die islamische Liga ein Arbeitspapier verabschiedet, wonach die Migration nach Europa und der Aufbau islamischer Zentren als Mittel der Islamisierung Europas gesehen werden soll.

Muslime stehen dem Westen aus religiösen und traditionellen Gründen ablehnend bis feindlich gegenüber. Die islamischen Herrscher und ihre etablierten Vorkämpfer und Unterstützer können sich zufrieden zurücklehnen. Ihr Anspruch auf Weltherrschaft erfüllt sich in Europa schneller als erhofft, denn die meisten muslimischen Flüchtlinge fühlen sich erfahrungsgemäß nur dem Koran verpflichtet und werden deshalb unser Grundgesetz, das mit dem Koran nicht kompatibel ist, nicht vollinhaltlich anerkennen, wie die Fakten bisher belegen. Vielleicht werden sie auch den in Deutschland fest verankerten fundamentalistischen Verbänden und Moschee-Gemeinden sowie anderen demokratiefeindlichen Gruppierungen weiteren Zulauf bescheren. Das darf bei aller Hilfsbereitschaft nicht außer Acht gelassen werden.

Es bleibt abzuwarten, ob sie ihre Ressentiments gegen uns weiter beibehalten werden oder sich bestenfalls loyal verhalten. Denjenigen Flüchtlingen, die ihre Ausweispapiere „verloren“ haben, wird es leichtfallen, ihre wahre Identität und Absichten zu verschleiern. Ich bin sicher, dass bei dem herrschenden Chaos eine schwer überschaubare Anzahl von radikalen Muslimen und IS-Terroristen einsickert. Diese große Besorgnis dämpft mein Willkommen.

Gisela Recki, Troisdorf

 

 

Flüchtlingstod in Dänemark

Zum Leserbrief: Nicht übertreiben! (Nr. 34)

Am 8. August dieses Jahres fand auf Initiative des Volksbundes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Schleswig-Holstein, im Verbund mit einer dänischen Initiative eine Gedenkfahrt nach Esbjerg in Dänemark statt. Im Andenken an meinen kleinen Sohn bin ich, trotz meines Alters, mitgefahren, denn auch er ruht auf einem der Kriegsgräberhöfe in Dänemark. In einer ehrwürdigen Veranstaltung auf dem Kriegsgräberfriedhof in Esbjerg gedachte man der Flüchtlinge aus dem deutschen Osten, die damals von 1945 bis 1949 in den Lagern verstorben sind.

Es wurden Reden sowohl von dänischen wie auch deutschen Persönlichkeiten gehalten, eine Pastorin hielt einen Gottesdienst, der Schauspieler Herbert Tennigkeit las „O Erde Dänemarks“ und „Samländers Heimweh“ von Agnes Miegel. Dänische und deutsche Soldaten sowie der Vorstand der Kriegsgräberfürsorge legten unter dem Trompetensignal: „lch hatt‘ einen Kameraden“ drei Kränze nieder.

Im Anschluss an die Gedenkfeier sind wir zu dem Kriegsgräberfriedhof Oksböl gefahren, und der große Friedhof lässt an die 36000 Menschen denken, die damals hier gelebt haben, aber auch an die, die damals hier verstorben sind. Nachstehend die neuesten Zahlen aller Flüchtlinge, die in Dänemark verstorben sind: Durch die Strapazen der Flucht und Probleme bei der Versorgung starben bereits vor der Kapitulation 6580 Flüchtlinge, davon 4132 Kinder.

Trotz der anerkannt großen Anstrengungen der Dänen, die Flüchtlinge bedarfsgerecht zu versorgen, starben in Dänemark insgesamt 17209 Flüchtlinge, darunter viele Kinder und alte Menschen.

Auf dem Friedhof Oksböl, der seinerzeit als Lagerfriedhof von den Flüchtlingen angelegt wurde, befinden sich heute die Gräber von 1675 Flüchtlingen, darunter sehr viele Kinder und alte Menschen.

Eva Droese, Kiel

 

 

Griechen-Tricks

Zu: Europas Albtraum (Nr. 34)

Als der Fraktionsvorsitzende der SPD, Thomas Oppermann, das neue Euro-Rettungspaket für Griechenland als Start für den Aufstieg des Landes rühmte, habe ich mich gefragt, wann die Griechen sich einen neuen Trick einfallen lassen, um alles Verhandelte wieder zunichtezumachen.

Der Bundestagsabgeordnete Wellmann hat bekannt gegeben, dass Griechenland 140 Millionen Euro von der EU bekommen hat, um einen Kataster aufzubauen. Die Griechen haben aber keinen Kataster aufgebaut, sondern das Geld unterschlagen. Bereits vor Jahren hat Deutschland den Griechen angeboten, ihnen beim Aufbau einer funktionsfähigen Finanzverwaltung zu helfen. Die Hellenen haben das abgelehnt. Das würde ihren Stolz verletzen. Es verletzt ihren Stolz aber nicht, andere abzuzocken.

Nun drängt auch noch der Internationale Währungsfonds auf einen Schuldenschnitt für Griechenland. Hier stellt sich die Frage, inwieweit die Sache französisch inspiriert ist, um die Transferunion in Europa durch die Hintertür durchzusetzen. Unser Land muss schon angesichts der Süd-Erpressung zurück­rudern. Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass die Südstaaten des Euro-Raums ihre Schulden auf die Nordstaaten abwälzen wollen.

Ganz abgesehen vom ersten Schuldenschnitt, bei dem Ackermann Merkel über den Tisch gezogen hat, wäre ein zweiter Schuldenschnitt ein verheerendes Signal. Denn er könnte die Südstaaten, zu denen auch Frankreich gehört, zu weiterem leichtfertigen Schuldenmachen verleiten. Die Deutschen können ja zahlen. Die Stabilitätsvorschriften des Maa­s­tricht-Vertrages werden immer mehr ausgehöhlt. Besteht hier eine Koalition von Gabriel und Hollande?

Gerhard Synowzik, Stadtoldendorf

 

 

Albert Schweitzers kluge Worte zur Vertreibung

Zu: Tag der Heimat mit Stephan Weil (Nr. 36)

Traditionell wird in Deutschland seit dem Jahr 1950 der „Tag der Heimat“ begangen. Hierbei handelt es sich um einen Gedenktag, der an die Charta der Heimatvertriebenen aus jenem Jahr erinnert, in welcher zum Gewaltverzicht und stattdessen zur Völkerverständigung aufgerufen wurde. In mehreren Bundesländern werden die öffentlichen Gebäude beflaggt, und auf den zentralen Kundgebungen sprechen stets Repräsentanten des Staates und der Politik.

In der Regel findet die Auftaktveranstaltung des Bundes der Vertriebenen (BdV) jeweils am ersten Wochenende im September statt, weitere regionale Kundgebungen gibt es in den Wochen danach, wobei insbesondere das Thema Vertreibung eine Rolle spielt, das gerade in diesem Jahr angesichts der Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen in weiten Teilen der Welt aktueller denn je ist.

Neben dem Alten Rathaus in Potsdam befindet sich eine Tafel, die der Landesverband Brandenburg des BdV dort vor einigen Jahren anbrachte und auf der mit deutlichen Worten Albert Schweitzers, dessen Todestag sich kürzlich am 5. September zum

50. Mal jährte, an das Recht auf Heimat erinnert wird (auch in englischer Übersetzung). Leider scheint es Menschen zu geben, die mit der Feststellung nicht einverstanden sind, denn die Tafel weist Spuren einer früheren Sachbeschädigung auf, die sich nur bedingt entfernen ließen. Deshalb sei der Text hier wiedergegeben: „In schlimmster Weise vergeht man sich gegen das Recht, wenn man Völkerschaften das Recht auf das Land, das sie bewohnen, in der Art nimmt, dass man sie zwingt, sich anderswo anzusiedeln.“

Wolfgang Reith, Neuss

 

 

Kooperation gefragt

Zu: Neuer Kalter Krieg trotz Wirtschaftskrise (Nr. 34) und: Mos­kaus selbst verordneter Mangel“ (Nr 34)

Die beiden Beiträge zum Lebensmittelembargo in Russland halte ich im Tenor für zu einseitig betrachtet und damit tendenziös. Sie behandeln die Wirkungen dieses Embargos auf das wieder einmal leidgeprüfte russische Volk, bringen aber die dafür ursächlich verantwortlichen Sanktionen des Westen kaum zur Sprache, was ich journalistisch für „unredlich“ halte.

Auf die mit der Ukraine-Krise verbundenen politischen Verwerfungen in den Beziehungen zu Russland, dessen Befindlichkeit auf das Gröbste verletzt wurde und einer Demütigung von Seiten des Westens gleichkommt, möchte ich hier nicht weiter eingehen. Wer aber trotzdem zum Verständnis dieser äußerst gefährlichen Situation eine aufschlussreiche Lektüre benötigt, dem empfehle ich das Buch von Gabriele Krone-Schmalz „Russland verstehen“, in dem eine ausgewiesene Russland-Expertin ihre Gedanken zur Ukraine-Krise darlegt.

Die vom Westen gegen Russland verhängten Sanktionen schaden nur und nützen niemandem. Das Wort „niemandem“ muss ich allerdings mit Einschränkung versehen, da die Sanktionspolitik vordergründig den geostrategischen angloamerikanischen Interessen dient, die auf eine Destabilisierung vieler Regionen der Welt und so auch Russlands als dem weltweit flächenmäßig größten und rohstoffreichsten Land gerichtet sind. Diese verhängnisvolle Politik hat zu einem erneuten „Kalten Krieg“ geführt mit einer beispiellosen militärischen Aufrüstung, die jeden Augenblick die Welt in einem Nuklearkrieg zu stürzen droht. Das wäre allerdings unser aller Ende.

Angesichts dieser bedrohlichen Situation und der durch Terrorismus, Kriege, Hunger und Armut bedingten Flüchtlingsströme sowie der durch Verschuldung und Bankenpleiten bedrohten Finanzmärkte und ganz zu schweigen von dem Zusammenbruch der weltweiten Ökosysteme braucht die Menschheit alles andere als ein Gerangel um politische und wirtschaftliche Interessensphären. Für ein friedliches und gedeihliches Miteinander aller Menschen sollte zum gegenseitigen Nutzen nicht mehr Konfrontation, sondern Kooperation Leitlinie unseres Denkens und Handelns sein, was ein vertrauensvolles Zusammenwirken aller Kräfte voraussetzt.

Roland Weber, Lohr am Main

 

 

Kriminalisierte Kritiker

Zu: Kritik soll erstickt werden (Nr. 35)

Ein guter Artikel über Heidenau. Jede Kritik an den unerträglichen Zuständen wird diskriminiert und am besten noch kriminalisiert. Politiker, die von „Pack“ und „Mob“ reden, stellen sich ins Abseits, weil diese Bezeichnung selbst Straftätern nicht zukommt. Ganz unpassend war die Androhung der Kanzlerin mit der Härte des Gesetzes, denn Straftaten werden immer noch in dem zu verteidigenden Rechtsstaat von unabhängigen Gerichten abgeurteilt.

Die Politik müsste sich auch einmal im Klaren sein, ob es sich jetzt um Flüchtlinge oder um wichtige Einwanderer handeln soll. Da wechselt man auch von Fall zu Fall.

Mathias Wagener, Mannheim

 

 

Bürger lassen sich nicht zum »Wahl-Pack« erniedrigen

Zu: Kritik soll erstickt werden (Nr. 35)

Auch Grünen-Chef Cem Özdemir besuchte das Fest in Heidenau. Er verteilte Kuchen und Limonade an einem Stand. Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen entschied, dass das Demonstrationsverbot für Heidenau wieder in Kraft ist. Ausgenommen von dem Verbot ist aber das Willkommensfest.

Aha, das ist also die Demokratie in der heutigen Bundesrepublik. In Wahrheit haben Yasmin Fahimi (SPD) und Özdemir weiteren Polizeieinsatz aus anderen Bundesländern angefordert, um der Bürgerinitiative von Heidenau das Maul zu stopfen und sie zum Schweigen zu bringen.

Pegida wird wieder auf die Straße gehen, da kann es keinen Zweifel geben. Die AfD wird den besorgten Bürgern zur Seite stehen, auch davon kann man unter Frauke Petry getrost ausgehen. Möge der politische Mainstream und die Political Correctness in Berlin zur Kenntnis nehmen, dass sich die Bürger Deutschlands nicht zum Wahl-Vieh und -Pack erniedrigen lassen. So schon gar nicht.

Hans-Joachim Nehring, Neubrandenburg

 

 

Ins politisch korrekte Horn geblasen

Zu: Rote Linien (Nr. 32)

Es ist schon bemerkenswert, wie ein Gutmensch an die abendländische Kultur und ihre Werte erinnert und nicht sehen will, dass diese gerade von denjenigen zunichtegemacht wird, die der Autor in diesen Artikel lobpreist. Auch scheint er die Gefahren der Einwanderung nicht zu bemerken. Stattdessen bläst er in das Horn der politisch korrekten Lügenpresse. Ebenso wenig scheint er die Tatsache zu bemerken, dass mit der Einwanderung die Kriminalität ständig steigt und in vielen Problembezirken großer Städte bereits das Chaos herrscht.

Auch Leute, die in den Netzwerken ihre Meinung sagen, als Unmenschen hinzustellen, ist genau die linksideologische Gesinnung, die keine andere Meinung zulassen will und noch von Demokratie und Pressefreiheit spricht, die es teilweise nicht mehr gibt und mit allen Mitteln bekämpft wird.

Eddi Göller, Malsfeld

 

 

Mit Absicht getan?

Zu: Kommen 2016 fünf Millionen? (Nr. 35)

Interessant ist, wie die politischen Entscheidungsträger in der EU mit dem Phänomen der Massenflucht von Menschen umgehen: Ratlosigkeit, Passivität und Nichtstun beziehungsweise eine „Kultur“ des Willkommens, was immer dies bedeuten mag.

Schnell aber konnten sich die europäischen Innen- und Verkehrsminister nach dem vereitelten Anschlag im Thalys-Zug auf stärkere Sicherheitsmaßnahmen im Bahnverkehr (Streckenkontrollen, Namensticket, Investitionsplan für bessere Nutzung von Kameras in Bahnhöfen) einigen.

Ich ahne – und mir ist nicht wohl dabei – es liegt Absicht in beidem.

Sabine Preißler, Wiesbaden

 

 

Im Prinzip nicht Neues

Zu: Ignorierte Spitzenkräfte (Nr. 34)

In der Rezension des 2014 erschienenen Buches von Dieter E. Kilian „Führungseliten, Generale und Admirale der Bundeswehr 1955–2015“ wird dem Leser ein sehr interessantes und wichtiges Werk zur deutschen Nachkriegsgeschichte vorgestellt. Leider versäumt es der Rezensent jedoch, darauf hinzuweisen, dass es sich dabei nicht um eine Neuerscheinung handelt, sondern um eine überarbeitete und erweiterte Neuauflage des Buches von Dieter E. Kilian, das 2005 mit dem Titel „Elite im Halbschatten – Generale und Admirale der Bundeswehr“ auch im Osning-Verlag erschienen ist.

Für die Besitzer der ersten Auflage ist die Anschaffung der Neuauflage wenig sinnvoll, weil zwischen den Erscheinungsterminen beider Auflagen gerade einmal neun Jahre liegen, weil die Erweiterung nur 112 Seiten beträgt (1. Auflage 556 Seiten, Neuauflage 668 Seiten) und – last but not least – weil der Preis mit 64 Euro einfach zu hoch ist, wenn man dafür nur eine Ergänzung zur ersten Auflage erhält.

Wer die erste Auflage des Buches aber nicht kennt, dem sei die Neuauflage nachdrücklich empfohlen.

Rolf Bürgel, Darmstadt


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Arbeitseinsatz mit sichtbarem Ergebnis
BJO säuberte vergessenes Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg in Eszerninken/Gutfließ

Unzählige Kriegerdenkmale und Soldatenfriedhöfe wurden in Ostpreußen nach dem Ersten Weltkrieg errichtet. Während im Königsberger Gebiet manche in Vergessenheit geraten oder verschwunden sind, wurden andere in den letzten Jahren aufwendig restauriert, wie der Soldatenfriedhof Mattischkehmen.

Es gibt private russische Initiativen, welche es sich in ihrer Freizeit mit viel Enthusiasmus zur Aufgabe gemacht haben diese Stätten zu erhalten. Nur Wenigen dürfte das Kriegerdenkmal zur Erinnerung an die Gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges in Eszerninken/Gutfließ [Krasnaja Dubrawa] bekannt sein. Es befindet sich am Rande des kleinen Ortes im Kreis Labiau, den die Russen dem Kreis Heinrichswalde zugeschlagen haben, angelehnt an den Friedhof.

Allerdings war das Denkmal bis vor Kurzem stark von Bewuchs verdeckt und daher kaum zu finden. Dazu waren die Inschrift auf dem Stein und die Namen auf der Platte nur noch schwer lesbar – Verwitterung und Natur haben das Denkmal über die Jahrzehnte beschädigt.

Auf den regelmäßigen Fahrten des Bundes Junges Ostpreußen ist es inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden, auch tatkräftig den Spaten zur Hand zu nehmen. Deshalb hat der BJO in der ersten Augustwoche im Rahmen seiner Sommerfahrt einen Arbeitseinsatz an dem Kriegerdenkmal durchgeführt. Nachdem der Friedhof mit dem versteckten Denkmal gefunden worden war, fiel zunächst der Zustand ins Auge. Dabei ist für die vielen Jahrzehnte ohne Pflege noch viel erhalten geblieben. Im Rahmen des Möglichen wurde das Denkmal von der Gruppe mit Hilfe von Kettensäge, Motorsense, Axt und Bürste von Bewuchs befreit und gesäubert.

So ist das Kriegerdenkmal nun zunächst wieder sehr gut von dem Weg aus sichtbar und die Namen der Gefallenen sind lesbar. Außerdem konnten die alten Stufen in der Erde freigelegt werden. Die Inschrift des Steins wurde schließlich noch mit Farbe nachgemalt und die großen Worte sind gut zu erkennen: „Sie starben daß wir leben! Weltkrieg 1914/1918.“

Mit diesem Einsatz wurde ein kleiner Beitrag mit symbolischem Wert für den Erhalt des Kulturerbes Ostpreußens geleistet. Um das Denkmal auch für kommende Generationen erhalten zu können, bedarf es allerdings einer professionellen Restaurierung.

In den letzten Jahren wurden bereits im Rahmen eines russischen Projekts mit beachtlichem finanziellen Aufwand im Königsberger Gebiet Soldatenfriedhöfe restauriert. Es ist zu hoffen, dass es in diesem Rahmen von der russischen Gebietsregierung Beachtung findet. Gerade in den heutigen Zeiten sollte ein Gedenken an die gefallenen Soldaten der Weltkriege, welche für ihr Vaterland das größte Opfer brachten, Ehrensache, Verpflichtung und Mahnung zugleich sein. Marius Jungk


»Bernstein Horn« – Festival in Neukuhren
Vorführung der Schmiedekunst unter freiem Himmel – Künstler schenken der Stadt ein Gemeinschaftswerk

Wenn Cranz und besonders Rauschen mit vielseitigen Kulturveranstaltungen Gäste anlocken, so hatte Neukuhren bisher nicht viele Vergnügungen dieser Art zu bieten. Das wollten in diesem Jahr Königsberger Kunstschmiede ändern. Sie beschlossen, ein erstes regionales Festival der Schmiedekunst zu organisieren.

So planten die Schmiedegilde und freie Kunstschmiede aus Königsberg gemeinsam mit der Stadtverwaltung von Neukuhren und dem Bauherrenverband diese Veranstaltung.

Das Festival, das „Bernstein Horn“ getauft wurde, hat im Spätsommer zahlreiche Bewohner und Gäste der Urlaubsregion angelockt. Ein kreatives Ereignis dieser Art gab es zum ersten Mal im Königsberger Gebiet. Die Organisatoren hatten sich bemüht, das Fest so interessant wie möglich zu gestalten. Deswegen gab es Workshops und andere attraktive Mitmach-Möglichkeiten.

Für die kleinen Gäste war ein Workshop unter dem Titel „Der geschmiedete Nagel“ und für die Damen einer für „geschmiedete Anhänger“ eingerichtet worden. Für zwei Tage erfreuten Kunsthandwerker des ganzen Gebiets die Zuschauer mit ihren Fähig- und Fertigkeiten. Es war wohl das erste Mal im Königsberger Gebiet, dass man sich hautnah mit den Traditionen des Kunstschmiedehandwerks vertraut machen konnte.

Die Leitidee des Festivals war die Herstellung eines „Baums der Kreativität“, der als Geschenk an die Stadt Neukuhren übergeben werden sollte und anschließend dort aufgestellt würde. Gemäß der Tradition, einen Baum zu pflanzen, wenn etwas Neues entsteht.

Bei der Vorbereitung zum „Bernstein Horn“ hatte die Gilde der Königsberger Kunstschmiede über ein passendes Symbol nachgedacht und der Stadt Neukuhren angeboten, ihr die Komposition „Baum des Schaffens“, angefertigt von den teilnehmenden Künstlern, zu schenken. Der „Baum der Kreativität“ ist eine künstlerische Komposition von zirka 60 Zentimetern Höhe, die auf einem großen Findlingsstein errichtet wurde. Die Baumwurzeln umranken den Findling, sie präsentieren die Plastizität des Metalls. Die Komposition soll die Kraft des Schaffens symbolisieren.

Die Kunstschmiedegilde ist eine noch junge Organisation im Königsberger Gebiet, sie wurde erst Anfang dieses Jahres gegründet. Laut dem Vorstandsmitglied Alexej Tkatschik kann man die Kunstschmiede-Handwerker im nördlichen Ostpreußen, die Gegenstände aus Metall vollständig in Handarbeit herstellen, an den Fingern einer Hand abzählen, denn die meisten schweißten bloß vorgefertigtes Material aus China zusammen.

Das nächste Festival im kommenden Jahr wollen die Gildemitglieder schon frühzeitig planen, um die notwendige Finanzierung hinzubekommen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Stadtverwaltung Neukuhren sich daran beteiligen wird. In Neukuhren gibt es so gut wie keine Skulpturen oder Kunstkompositionen im öffentlichen Raum. Deshalb wird der „Baum der Kreativität“ eine besondere Verschönerung für die Stadt sein.

Die Durchführung des ersten Kunstschmiede-Festivals im Königsberger Gebiet stieß auch in der Vereinigung der Kunstschmiede Russlands auf Interesse. Und obwohl das Festival in diesem Jahr nur regionale Enthusiasten unter den Kunstschmieden auf den Plan gerufen hat, wird in Anerkennung der Leistung der Kunstschmiede im Königsberger Gebiet schon erörtert, das Fest künftig in den russischen Kalender der Ereignisse dieser Art aufzunehmen. Jurij Tschernyschew


MELDUNGEN

Perle der Architektur

Heilsberg – Die barock-klassizistische Orangerie in Heilsberg wurde restauriert. Der Pavillon, malerisch in den bischöflichen Gärten auf einer Böschung gelegen, wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut. Während der Renovierung wurden gemalte Szenen entdeckt. Die Direktorin der „Orangerie der Kultur“ (so der neue Name dieser Institution), Anna Puszcz, erklärte, dass sich in dem erneuerten Gebäude die Städtische Pädagogische Bibliothek befinden werde. Daneben sollen in ihm unter anderem Ausstellungen, Bildungsveranstaltungen und Begegnungen sowie Konzerte organisiert werden. Auch ein Teil der Barockgärten und Springbrunnen wurde rekonstruiert. Die Heilsberger Orangerie wird von Historikern als „Perle der Architektur“ bezeichnet. Die Kosten der Gärten, der archäologischen Untersuchung, der Einrichtung der Orangerie und der Bauaufsicht betragen 4,3 Millionen Zloty (etwa eine Million Euro), wovon 3,6 Millionen (856000 Euro) aus Mitteln der Europäischen Union stammen. PAZ

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7: Liebemühl [Miłomłyn], Baustelle. Straße Nr. 7: Liebemühl [Miłomłyn] – Osterode [Ostróda], Baustelle; Osterode [Ostróda] – Hohenstein [Olsztynek], Baustelle; Zalusken [Załuski] – Napierken [Napierki], Baustelle. Straße Nr. 7j: Zalusken – Neidenburg [Nidzica], Baustelle. Straße Nr. 16: Bergfriede [Samborowo], Baustelle; Osterode – Martenshöh [Marciniaki], Baustelle; Marienhain [Rapaty] – Podleiken [Podlejki], Baustelle; Dombrowken [Dabrówka], Baustelle. Straße Nr. 16c: Bischofsburg [Biskupiec] – Gross Borken [Borki Wielkie], Reparaturen der Schutzplanken. Straße Nr. 51: Bartenstein [Bartoszyce], Renovierung der Fußgängerzonen; Allenstein [Osztyn] – Pagelshof [Ameryka], Baustelle. Straße Nr. 57: Leinau [Linowo] – Eichtal [Debowo], Arbeiten an den Randstreifen; Groß Schiemanen [Szymany], Baustelle. Straße Nr.58: Gedwangen [Jedwabno] – Narthen [Narty], Baustelle; Gedwangen [Jedwabno] – Althöhen [Dzierzki], Baustelle; Gut Eichental [Kaliszki], Baustelle. Straße Nr. 59: Gut Wolfsee [Wilkaski] – Zondern [Sadry], Randstreifenarbeiten. Straße Nr. 63: Klimken [Klimki] – Schönbrunn [Macki], Baustelle; Angerburg [Wegorzewo], Baustelle; Gehsen [Jeze] – Staatsgrenze, Baustelle. Straße Nr. 65: Löbelshof [Chojniak] – Stradaunen [Straduny], Baustelle; Prostken [Prostki], Baustelle. Straße Nr. 65a: Lyck [Ełk], Grajewska Straße, Renovierung der Kanalisation. Straße Nr. 65c Umgehungsstraße von Treuburg [Olecko], Baustelle. E.G.


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

dass die Familienforschung einen immer größeren Platz in unserer Kolumne einnimmt, ist ein Beweis dafür, dass sich viele Vertriebene erst im späten Lebensalter dazu entschließen, einen Stammbaum aufzustellen oder den bereits vorhandenen zu vervollkommnen. So auch Herr Gerhard Meyer aus Berlin, der zwar schon sehr weit mit seiner Ahnenforschung gekommen ist – manch ein wenig erfolgreicher Sucher würde ihn darum beneiden –, aber die vorhandenen Lücken mit den noch fehlenden Angaben füllen möchte. Und so legt er seinem Schreiben eine Auflistung der betreffenden Vorfahren bei. Da unsere Ostpreußische Familie ja selber keine Familienforschung betreiben kann, weil sie ja keine Institution, sondern ein redaktioneller Beitrag ist, können wir die Fragen nur an unsere Leser weitergeben, die aus dem betreffenden Umkreis stammen. Im Falle von Herrn Meyer müssten es vor allem Landsleute aus dem Kreis Heilsberg sein. Es fehlen die Sterbedaten von Herrn Meyers Ur- und Ururgroßeltern, aber auch andere Informationen über die Familie Hallmann, die lange Zeit in Rosengarth und Kalkstein ansässig war. Bei den fehlenden Sterbedaten handelt es sich um die des Hufenwirts Joseph Hallmann *1854 in Rosengarth, der 1905 nach Pupkeim (Tolnicken) verzog, und wahrscheinlich dort verstorben ist, sowie um die seiner Frau Elisabeth geborene Wichmann, *1856 in Kalkstein. Auch von dessen Eltern fehlen die Sterbedaten: Bauer Joseph Hallmann, *1819 in Rosengarth, und Anna, geborene Fromm, *1821 in Rosengarth, beide wohl dort verstorben. Als Nr. 87 (!) in Herrn Meyers langer Ahnenliste erscheint dann noch eine Katharina Klein, die etwa 1827 den Bauern Martin Kehr aus Basien heiratete, Daten und Orte sind unbekannt. Sämtliche genannten Personen waren katholischen Glaubens. Ich habe mich bemüht, den Suchwunsch von Herrn Gerhard Meyer so knapp wie nötig, aber auch so informativ wie möglich für unsere Leserschaft aufzubereiten, denn vielleicht kann sie hier weiterhelfen, vor allem bei den gewünschten Informationen über die Familie Hallmann aus Rosengarth. Der 1882 dort geborene Joseph Hallmann, Großvater von Herrn Meyer, verstarb als Gastwirt 1936 in Berlin-Neukölln. Einen besonderen Wunsch hat der Suchende aber noch, und der ist am leichtesten zu erfüllen, jedenfalls was seine Bitte nach Aufnahmen von Heilsberg und Allenstein betrifft. Etwas schwieriger dürfte es bei den gesuchten Aufnahmen von Rosengarth, Queetz und Tolnicken-Pupkeim sein. Herr Meyer möchte die Heimat seiner Vorfahren so anschaulich wie möglich in Wort und Bild in seiner Familienchronik festhalten und dazu können wir ihm ein wenig helfen. Den Tipp, sich an unsere Ostpreußische Familie zu wenden, erhielt der Berliner von unserer Leserin Frau Frahm. Unsere oft zitierte „Buschtrommel“ funktioniert nach wie vor, wie man sieht. (Gerhard Meyer, Schneeballenweg 23, in 12357 Berlin, Telefon/Fax 030/6612728.)

Einen Stammbaum möchte auch Herr Michael Burgfels aus Burg aufstellen, aber leider gibt es bei ihm im Gegensatz zu der so reich bestückten Ahnentafel von Herr Meyer fast nur Lücken, jedenfalls was die mütterliche Linie betrifft. Zwar lebt seine 85-jährige Mutter noch, aber sie hat kaum Erinnerungen an ihre Heimatstadt Tilsit – „den schönen Ort“, wie Herr Burgfels schreibt, der ihm aber gänzlich unbekannt ist. Es sind nur wenige Angaben, die er den Aussagen seiner Mutter entnehmen konnte, und die sind dazu sehr vage und damit wenig hilfreich. Fest steht lediglich, dass seine Mutter als Hedwig Frieda Komm am 12. November 1931 in Tilsit geboren wurde. Die Familie soll in einem Haus gewohnt haben – aber da kommt schon die erste Einschränkung, denn „es könnte auch ein Gehöft gewesen sein“. Ihr Vater war während des Krieges an der Front und ist in Frankreich gefallen. Mit ihrer Mutter ging die damals 15-jährige Hedwig auf die Flucht, aber auch hierüber weiß die alte Dame kaum etwas zu berichten. Anscheinend hat sich der Sohn bemüht, mehr über die mütterliche Familie zu erfahren, denn er schreibt: „Es will mir nicht in den Kopf reingehen, dass es aus Tilsit keinen mehr mit dem Namen Komm gibt.“ Hier werden die Tilsiter sicher weiterhelfen können. Ich möchte aber auch noch die Leserinnen und Leser ansprechen, die in der schönen Stadt an der Memel zur Schule gingen, und sich vielleicht an eine Mitschülerin Hedwig Komm erinnern. Auch könnten einige Angaben und Ansichten helfen, das Erinnerungsvermögen der alten Dame zu aktivieren. (Michael Burgfels, Madel 100 in 39288 Burg.)

Und wir müssen auch wieder mal ein herzliches Dankeschön sagen, denn wenn wir unsere Kolumne mit schönen alten Aufnahmen aus der Heimat versehen können, dann haben wir es unseren Lesern zu verdanken, die mit ihren Beständen dazu beitragen. So hat uns Herr Gerhard Leithaus aus Berlin eine CD mit Ansichtskarten aus seiner umfangreichen Privatsammlung übersandt in der Hoffnung, dass einige Ansichten für uns neu sein könnten. Und das sind sie auch, und wir werden diese oder jene in unsere Kolumne einfügen, wenn sie zu den betreffenden Themen passen. Herr Leithaus meint, dass die Ansichtskarten sehr viel über die Architektur und Kultur einer Stadt aussagen. Und da diese Stadt Königsberg ist, wurden die meisten der abgebildeten Bauten durch Bomben, Beschuss und mutwillige Zerstörung ausgelöscht. „Die Abbildungen auf den Ansichtskarten sind sicherlich in Ihren Gedanken an die Heimatstadt gespeichert und rufen viele Erinnerungen auf. Die jüngere Generation kann das Ausmaß der Zerstörungen im Vergleich zur heutigen Stadt auch nur annähernd begreifen“, schreibt Herr Leithaus und weist vor allem auf die gute Qualität der Ansichtskarten hin, die ja mit der Technik von vor 100 Jahren hergestellt wurden. Die CD enthält außer den Aufnahmen aus Königsberg auch zehn alte Postkarten aus Tilsit und Ragnit. Die Familie sagt „Danke“, lieber Landsmann Gerhard Leithaus.

Und ein ebenso freudiger Dank geht an Frau Regina Gronau aus Bad Schwartau, mit der mich eine jahrzehntelange Verbundenheit mit der Heimat vereint, die sich bei den Seminaren in Bad Pyrmont und auf Lesungen in ihrer Schwartauer Ortsgruppe gefestigt hat. Schon einmal hatte sie mir Auszüge aus einem Buch über den Landkreis Königsberg, das ihr Großonkel Adolf Gronau kurz vor dem Ersten Weltkrieg geschrieben hatte und von dem sie noch ein Exemplar besaß, zukommen lassen, weil sie wusste, dass ich in meiner Kinder- und Jugendzeit viele Wege gegangen war, die hier aufgeführt werden. Und nun bekam ich das Buch mit lieben Grüßen von ihr zugeschickt, denn ein Mitglied ihrer so regen Gruppe hatte es in einem Nachlass gefunden und ihr übergeben. Es soll das einzige Heimatkundebuch für den Landkreis Königsberg gewesen sein, das nach dem Anliegen des Autors Adolf Gronau, Lehrer in Conradswalde, auch dem Schulunterricht dienen sollte. Nicht als Lehrbuch oder Leitfaden, sondern als eine Sammlung von heimatlichen Stoffen, aus denen vor allem fachunkundige Lehrer ihre Auswahl treffen konnten. So leuchtet der Autor fast jeden Winkel des Königsberger Umlandes aus, und damit ist das gut erhaltene Exemplar eine verlässliche Informationsquelle für die Fragen aus dem Leserkreis, die diese ländliche Gegend betreffen. Die für mich Kinderland ist, in das ich nach fast 100 Jahren zurückkehre, wie in mein geliebtes Neuhausen, das für mich Königsberger Kind nach kurzer Kleinbahnfahrt vom Königstor zu erreichen war. Dort interessierte mich damals allerdings das Schloss und seine Geschichte weniger als die Suche nach Beeren, Pilzen, Haselnüssen, Waldmeister und Sauerampfer – sowie die Brause im Eichenkrug. Das hole ich nun beim Lesen dieses Heimatkundebuches von Adolf Gronau nach und lerne – dazu ist man ja nie zu alt!

Neuhausen – der Name kommt mir auch aus dem Kurzschreiben von Herrn Walter Schupp aus Wesseling entgegen, denn dort ging er zur Schule. Und da damals die Kinder noch viele Gedichte auswendig lernen mussten, erinnert er sich besonders an eines, das ihm so gut gefiel, dass er es noch einmal lesen möchte. Nichts leichter als das, denn es handelt sich um das Gedicht „Deutscher Rat“ von Robert Reinick, das ich Herrn Schupp zusende. Ausschlaggebend für eine Erwähnung seines Schreibens ist aber der Nachsatz: „Gibt es noch Nachkommen von Neuhausenern?“ Und ob es die gibt, lieber Herr Schupp, und ich wette, dass Sie in kürzester Zeit die ersten Zuschriften erhalten! (Walter Schupp, Dreilindenstraße 15 in 50389 Wesseling.)

Wie in Folge 37 angekündigt, bringen wir heute den Bericht von Anne Rekkaro aus Haapsalu, Estland, und Jörn Pekrul aus Frankfurt am Main über ihr Treffen in Königsberg, der Stadt ihrer Vorfahren und der Geburtsort von Frau Rekkaro. Sie haben ihn gemeinsam verfasst und ihre Eindrücke auf der Wanderung durch die Stadt weisen eine Übereinstimmung auf, die man nach den so unterschiedlichen Lebensläufen der beiden Teilnehmer nicht vermutet hätte. Für uns ist es eine Bestätigung unserer Bemühungen, Verbindungen zwischen Menschen zu bewirken, die sonst nicht zustande gekommen wären, weil die gemeinsame Basis fehlt. Und die heißt eben „Ostpreußische Familie“.

Eure Ruth Geede


Treffpunkt Hansaring bei den Wisenten, 11 Uhr
Eine »Königsberger Wanderung« von Jörn Pekrul und Anne Rekkaro durch ihre Geburtsstadt und die Stadt der Vorfahren der beiden

Treffpunkt Hansaring bei den Wisenten, 11 Uhr am Vormittag …, so lautete die Verabredung, der ein langer Weg in Raum und Zeit vorausging. Vor 68 Jahren aus Königsberg nach Estland entkommen die eine, vor 52 Jahren weit im Westen nachgeboren der andere. Und dennoch fanden sie zueinander und trafen sich erstmalig in der Stadt, die Fokus und Zentrum beider Identität ist.

Was ließe sich da nicht alles aufführen an Erlebnissen, Eindrücken sowie großen und kleinen biographischen Notizen. Wir machten das naheliegendste: eine „Königsberger Wanderung“ – diesmal zu zweit. Der Nachgeborene erhielt authentische Berichte aus den Jahren nach der Eroberung. Schilderungen, die aus berufenem Munde kamen. Da standen wir nun auf der Beethovenstraße, und plötzlich wurden diejenigen Bilder lebendig, welche die Ereignisse an eben dieser Stelle im Jahre 1947 lebendig werden ließen. Die Szenerie des friedlichen Sommertages verblich, und stattdessen sah der Nachgeborene den Pelikan, der in all dem Chaos aus dem Königsberger Tiergarten entflohen war und nun unbewegt zwischen den Ruinen auf der Beethoven-/Ecke Haydnstraße stand. Kleine Bilder vielleicht, harmlos auf den ersten Blick. Doch sie zeigen den Schrecken, der zur gleichen Zeit stattfand. Ein russischer Lastwagen fährt plötzlich vorbei und holt in die Gegenwart zurück – langsam und fast ein biss­chen behäbig geht das heutige Alltagsleben seinen Gang. Im tiefen Frieden wanderten wir im Sommer 2015 durch diese Stadt, die uns so viel zu sagen hat – auch heute noch.

Es war nicht nur eine äußere Wanderung. Die gegenseitige Übereinstimmung im Geistigen deutete auf die gemeinsamen Wurzeln hin. Manchmal half der Zufall wie ein ungeplantes Orgelspiel im Dom, das uns in emotionale Tiefenschichten führte. Wir gedachten der Verstorbenen; derjenigen, die nicht mehr bei uns sind. Ein Foto in einer russischen Ausstellung zeigt drei von ihnen, die nach den britischen Luftangriffen vor der Schlossruine stehen: ein Soldat, ein Angestellter und eine Dame – zufällig zusammen fotografiert. Eine Alltagsszene. Da schauen sie uns aus dem Foto heraus an – aus 71 Jahren Entfernung. Die Kleidung adrett und sauber, die Haltung beherrscht und ganz offensichtlich ihrem jeweiligen Dienst angemessen – trotz der Gefahr und trotz der Zukunftssorgen, die auch diese Menschen gehabt haben müssen. Ein unauffälliges Foto nur, und dennoch ein solch starkes Gleichnis.

Königsberg zeigt sich im Jahre 2015 in einer vibrierenden Atmosphäre. Die Vorbereitungen der heutigen Administration auf ein anstehendes Sportereignis haben die Stadt in lebhafte Bautätigkeit versetzt. Die Königsberger Wanderer sehen das mit Erstaunen, aber auch mit einer leisen Wehmut – die Zeit geht auch hier weiter und das vertraute Stadtbild ergänzt sich mit Neuem. Wenngleich positiv zu bemerken ist, dass sich die neue Stadt in ihren Traditionen auf die alte Stadt rückbesinnt – mehr noch als jede Stadt in der Bundesrepublik Deutschland. Da wird zum Beispiel auf der Aweider Allee, südlich des Viehhofes, eine neue Eisenbahnbrücke gebaut. Das Geländer zeigt in seinen Ornamenten den Dom, den Wrangel und das Königstor in moderner Gestalt. Und doch bleibt der Eindruck bitter. Wir bemerken leider auch, dass ein Bezug auf die Menschen, die hier lebten, in den gängigen Veröffentlichungen fehlt. Es wäre interessant, die Gründe hierfür zu erfahren. Vielleicht sind es kleine Schritte, die wir zur Annäherung an die Wahrheit gehen müssen. Im Ende reduziert es sich auf zwei Menschen, die sich gegenüberstehen. Vom Menschen, zum Menschen. Und hier erlebten wir auf dieser kleinsten Ebene einen freundlichen, manchmal verblüffenden und auch erheiternden, aber immer friedlichen Austausch mit den Menschen, denen wir auf unserer „Königsberger Wanderung“ im Jahre 2015 begegnet sind.


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 102. GEBURTSTAG

Druba, Gerda, geb. Kawald, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 20. September

ZUM 101. GEBURTSTAG

Lorenz, Rosa, geb. Guske, aus Pillau, Kreis Samland, später Königsberg/Goldschmiede, Heisterweg 15, am 15. September

ZUM 100. GEBURTSTAG

Leiskau, Ingeborg, geb. Kempas, aus Ebenrode, am 19. September

ZUM 99. GEBURTSTAG

Eggert, Bernhard, aus Ortelsburg, am 21. September

Merkert, Frieda, geb. Haase, aus Bilderwelten, Kreis Ebenrode, am 21. September

ZUM 97. GEBURTSTAG

Hattan, ,Gertrud, geb. Follmann, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 22. September

Kowalewski, Emilie, geb. Jankowski, aus Lyck, Bismarckstraße 56, am 19. September

May, Ida, geb. Krawelitzki, aus Lyck, Königin-Luisenplatz 3, am 24. September

Sieg, Herbert, aus Schlöppen, Kreis Treuburg, am 25. September

ZUM 96. GEBURTSTAG

Czerwinski, Wilhelm, aus Millau, Kreis Lyck, am 19. September

Darge, Hildegard, geb. Dannen-feldt, aus Lyck, Lycker Garten 53, am 25. September

Winderlich, Martha, geb. Dziedo, aus Schelasken, Kreis Lyck, am 22. September

ZUM 95. GEBURTSTAG

Adomat, Heinz, aus Dorf Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 25. September

Habermann, Kurt, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 21. September

Herzog, Hedwig, geb. Patz, aus Fröhlichshof, Kreis Ortelsburg, am 19. September

ZUM 94. GEBURTSTAG

Kutz, Iris, geb. Pflaumbaum, aus Schellendorf, Kreis Ebenrode, am 24. September

Marzinzig, Hildegard, geb. Effenberger, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 139/140, am 22. September

Meller, Erika, geb. Michaelis, aus Pobethen, Kreis Samland, am 22. September

Moscinski, Käte, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 24. September

Pfeffer, Alice, geb. Schimkat, aus Stobingen, Kreis Wehlau, am 23. September

Richter, Hildegard, geb. Neitz, aus Schloßbach, Kreis Ebenrode, am 24. September

Rogner, Erika, geb. Didt, aus Pillau, Kreis Samland, am 23. September

Willert, Fritz, am 24. September

ZUM 93. GEBURTSTAG

Carle, Helene, geb. Czylwik, aus Hansbruch, Kreis Lyck, am 19. September

Daumann, Friedel, geb. Neumann, aus Groß Hoppenbruch, Kreis Heiligenbeil, am 22. September

Frischkorn, Botho, aus Neukuhren, Kreis Samland, am 19. September

Heiner-Karohl, Irene, aus Allenstein, am 22. September

Ketelhake, Hildegard, geb. Bardeck, aus Groß Allendorf, Kreis Wehlau, am 23. September

Piefke, Christa, geb. Radtke, aus Ebenrode, am 24. September

Schäfer, Hilda, geb. Sprengel, aus Wehlau, am 23. September

Schilling, Gernot, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 25. September

Quaschnowitz, Helga, geb. Reimer, aus Neusorge/Heinrichs-walde, Kreis Elchniederung, am 20. September

ZUM 92. GEBURTSTAG

Banaski, Walter, aus Martinshagen, Kreis Lötzen, am 21. September

Gundlach, Ruth, aus Lyck, am 19. September

Heller, Gertrud, aus Krattlau, Kreis Samland, am 22. September

Kruska, Emma, geb. Aleoschat, aus Grünau, Kreis Tilsit-Ragnit, am 22. September

Nowak, Irmgard, geb. Rautenberg, aus Eichen, Kreis Preußisch Eylau, am 24. September

ZUM 91. GEBURTSTAG

 

Borowski, Arnold, aus Preußwalde, Kreis Tilsit-Ragnit, am 19. September

Czichy, Ulrich, aus Lyck, am 21. September

Falinski, Otto, aus Magdalenz, Kreis Neidenburg, am 20. September

Haake, Gerda, geb. Kledtke, aus Gilgetal, Kreis Elchniederung, am 19. September

Heerde, Traute, geb. Bergatt, aus Rauschen, Kreis Samland, am 21. September

Herwig, Anneliese, geb. Moyseszyk, aus Treuburg, Kreis Treuburg, am 20. September

Hinz, Lothar, aus Neufrost, Kreis Elchniederung, am 23. September

Kulschewski, Frieda, geb. Pusch, aus Eiserwagen, Kreis Wehlau, am 25. September

Nagler, Edith, geb. Szogs, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 22. September

Neumann, Magdalene, aus Rostken, Kreis Lyck, am 19. September

Philipp, Reinhold, aus Wehlau, am 21. September

Romani, Gertrud, geb. Browarzik, aus Wallenrode, Kreis Treuburg, am 21. September

Rughase, Edith, geb. Pauluhn, aus Plibischken, Kreis Wehlau, am 25. September

Schendel, Rudi, aus Groß Birkenfelde, Kreis Wehlau, am 20. September

Seidel, Edith, geb. Wassel, aus Groß Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 20. September

Spitz, Kurt, aus Neukuhren, Kreis Samland, am 21. September

Thiel, Ruth, aus Gutenborn, Kreis Lyck, am 25. September

Thurau, Lydia, geb. Niedzwetzki, aus Neundorf, Kreis Lyck, am 21. September

Wüsthoff, Gerda, geb. Hetz, aus Raging, Kreis Elchniederung, am 21. September

ZUM 90. GEBURTSTAG

Brosziewski, Siegfried, aus Lübeckfelde, Kreis Lyck, am 20. September

Dams, Helmut, aus Noiken, Kreis Elchniederung, am 24. September

Dembiany, Ella, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 23. September

Ficker, Edith, geb. Rydzewski, aus Lyck, Danziger Straße 14, am 19. September

Gräf, Lydia, geb. Holzlehner, aus Talken, Kreis Lyck, am 22. September

Grundei, Ursula, geb. Sachs, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 23. September

Harder, Christa, aus Pillau, Kreis Samland, am 21. September

Krüger, Walter, aus Reimanns-walde, Kreis Treuburg, am 21. September

Kunz, Dora, aus Kobbelbude, Kreis Samland, am 22. September

Leitis, Hertha, geb. Passarge, aus Wildenhoff, Kreis Preußisch Eylau, am 19. September

Lingat, Liesbeth, aus Rokitten, Kreis Elchniederung, am 24. September

Ludigkeit, Maria, geb. Paulien, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 23. September

Niklaus, Liselotte, geb. Pasch-kowski, aus Ortelsburg, am 19. September

Paulus, Hildegard, geb. Kutz, aus Klein Krösten, Kreis Lötzen, am 24. September

Warzecha, Käthe, aus Neumalken, Kreis Lyck, am 23. September

ZUM 85. GEBURTSTAG

Berkau, Alfred, aus Klein Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 23. September

Biedermann, Erna, geb. Waasner, aus Groß Marienwalde, Kreis Elchniederung, am 24. September

Boettcher, Herbert, aus Mägdeberg, Kreis Elchniederung, am 23. September

Cziesso, Kurt, aus Saiden, Kreis Treuburg, am 19. September

Drochner, Edith, aus Moptau, Kreis Wehlau, am 24. September

Eschment, Ingeborg, geb. Huse, aus Wehlau, am 25. September

Feser, Ilse, geb. Slembek, aus Bartzdorf, Kreis Neidenburg, am 21. September

Heinrich, Siegmar, aus Försterei Storchwiese, Kreis Ortelsburg, am 19. September

Höhle, Gerda, geb. Quednau, aus Biothen, Kreis Wehlau, am 25. September

Jorzig, Herbert, aus Treuburg, am 23. September

Just, Ruth, geb. Schwan, aus Mogaiten, Kreis Samland, am 23. September

Kaczinski, Friedrich, aus Eben-dorf, Kreis Ortelsburg, am 25. September

Katzenski, Adolf, aus Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 24. September

Kempka, Bruno, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 20. September

Konopka, Heinz, aus Rogonnen, Kreis Treuburg, am 19. September

Krause, Helmut, aus Böttchers-dorf, Kreis Wehlau, am 24. September

Kyewski, Gustav, aus Moddelkau, Kreis Neidenburg, am 24. September

Mattern, Irmgard, geb. Miszich, aus Kreuzfeld, Kreis Lyck, am 20. September

Nikschik, Richard, aus Pater-schobensee, Kreis Ortelsburg, am 25. September

Pannoscha, Meta, geb. Schattner, aus Hohenschanz, Kreis Eben-rode, am 19. September

Petrick, Paul, aus Klein Fried-richsgraben, Kreis Elchniederung, am 24. September

Rimkus, Helmut, aus Lindental, Kreis Elchniederung, am 23. September

Röhrs, Liesbeth, geb. Niewierra, aus Neidenburg, am 22. September

Schiweck, Günther, aus Prostken, Bahnhofstraße 14c, Kreis Lyck, am 22. September

Sekat, Siegfried, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 21. September

Stach, Bernhard, aus Gedwangen, Kreis Neidenburg, am 20. September

Thoms, Ruth, geb. Jorga, aus Ortelsburg, am 22. September

Wannags, Hildegard, geb. Kulessa, aus Skomanten, Kreis Lyck, am 25. September

Warstat, Alfred, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 21. September

ZUM 80. GEBURTSTAG

Antonatus, Lothar, aus Petersgrund, Kreis Lyck, am 25. September

Behnert, Burghardt, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 22. September

Brozio, Günter, aus Lyck, am 25. September

Christeleit, Klaus-Dieter, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 22. September

Dietrich, Margarete, geb. Herbst, aus Schackwiese, Kreis Elchniederung, am 22. September

Domschat, Sieglinde, geb. Küster, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 25. September

Drechsel, Betty, geb. Lasch, aus Schwentainen, Kreis Treuburg, am 19. September

Ebel, Klaus, aus Plibischken, Kreis Wehlau, am 19. September

Friedrich, Ruth, geb. Rahn, aus Stobbenort, Kreis Treuburg, am 24. September

Gentz, Max, aus Soffen, Kreis Lyck, am 21. September

Gerkau, Rudolf, aus Wildwiese, Kreis Elchniederung, am 22. September

Grabosch, Gerlinde, aus Nickels-horst, Kreis Sensburg, am 19. September

Hansen, Ilse-Marie, geb. Knaust, aus Wehlau, am 23. September

Klimmek, Erich, aus Widminnen, Kreis Lötzen, am 23. September

Krolow, Erna, geb. Kremin, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 25. September

Nowack, Käte, geb. Woldeit, aus Tawe, Kreis Elchniederung, am 24. September

Marquart, Marianne, aus Steintal, Kreis Lötzen, am 25. September

Metzner, Ruth, geb. Czerwona, aus Reinkental, Kreis Treuburg, am 23. September

Moritz, Rudolf, aus Dorf Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 23. September

Pessara, Hans, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 21. September

Petruck, Bernhardt, aus Herzogsmühle, Kreis Treuburg, am 21. September

Riemann, Werner, aus Partheinen, Kreis Heiligenbeil, am 21. September

Schnittka, Hanna, geb. Reck, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 24. September

Schubert, Ingeborg, geb. Saemann, aus Sanglienen, Kreis Samland, am 21. September

Vogelbacher, Irmtraut, geb. Ruppenstein, aus Peterswalde, Kreis Elchniederung, am 25. September

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bäsmann, Harm, aus Treuburg, am 20. September

Faulstich, Veronika, geb. Buyny, aus Reimannswalde, Kreis Treuburg, am 23. September

Hotmar, Hanni, geb. Rutkowski, aus Treudorf, Kreis Ortelsburg, am 24. September

Pinger, Ingrid, geb. Kioscha, aus Wehlau, am 21. September

Pott, Klaus-Rüdiger, aus Grünau, Kreis Lötzen, am 22. September

Reckert, Günter, aus Richau, Kreis Wehlau, und Burgkampen, Kreis Ebenrode, am 24. September

Richter, Brigitte, geb. Westphal, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 22. September

Wohlgemuth, Gerhard, aus Wilkendorf, Kreis Wehlau, am 23. September


S. 16-17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BUND JUNGES OSTPREUSSEN

Vorsitzender: Stefan Hein, Gst.: Buchtstr. 4, 22087 Hamburg, Tel.: (040) 4140080, E-Post: kontakt@junge-ostpreussen.de, www.junge-ostpreu­ssen.de.

Breslau – 26. September: In der niederschlesischen Stadt Breslau findet dieses Jahr das Kulturfestival der Deutschen Minderheit in der Jahrhunderthalle statt. Es wird nur alle drei Jahre veranstaltet und ist durchaus etwas Besonderes.

Die Stadtfahrt dient dazu, sich gemeinsam einen Eindruck von der Veranstaltung zu verschaffen, und sie bietet Gelegenheit, die schöne Stadt zu erkunden, und das natürlich nicht nur am Tage. Die Teilnehmer treffen sich in Breslau am Abend des 24. Septembers und reisen am 27. September wieder ab. Die Einladung mit weiteren Einzelheiten findet sich auf www.junge-ostpreussen.de.

Düsseldorf – Freitag, 9. bis Sonntag 11. Oktober, Düsseldorf: Bundestreffen. Am 11. Oktober steht in diesem Rahmen eine Führung durch das Museum Stadt Königsberg in Duisburg auf dem Programm, das Ende 2015 seine Tore schließen wird.

 

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Sonnabend, 3. Oktober, 14.30 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal: Herbstfest der LM Ostpreußen, KG Stuttgart, unter Mitwirkung des Trios Jurewitz mit schönem Programm, heimatlich, herbstlich abgestimmt, wie gewohnt. Gäste sind herzlich eingeladen.

Göppingen – Jeweils am ersten Mittwoch im Monat trifft sich um 14 Uhr im Lokal Glashaus, Weberstraße 15, 73084 Salach, die Kreisfrauengruppe zu ihren Kulturnachmittagen. Ansprechpartner ist Vera Pallas, Telefon (07162) 5870.

Heidelberg – Sonntag, 20. September, 15 Uhr, Marriott Hotel, Vangerowstraße 16: Tag der Heimat des BdV und der Landsmannschaften.

Ludwigsburg – Mittwoch, 23. September, 15 Uhr, Kronenstuben, Kronenstraße 2: Stammtisch.

Stuttgart – Mittwoch, 7. Oktober, 18 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal: Vortrag der Landesgruppe. Referent Dr. Wolfgang Kaufmann spricht über „Preußen und der Islam“.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Ansbach – Sonntag, 4. Oktober, 14.30 Uhr, Orangerie, Grüner Saal: Tag der Heimat (BdV Ansbach). Mit dem Männergesangverein Hennenbach (Leitung Hans Frommknecht) sowie mit der Pommerschen Speeldeel „Ihna“ aus Erlangen (Leitung Silvia Jäger) sowie mit allen, die unsere schönen Volkslieder mitsingen wollen.

Bamberg – Sonntag, 27. September, 15 Uhr: Festveranstaltung zum Tag der Heimat, Harmoniesaal.

München – Sonnabend, 19. September, 14.30 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Dia-Vortrag von Hartmut M.F. Syskowski: „Auf den Spuren des Bernsteins – Polangen, Kurische Nehrung, Samland, Palmnicken. Zu Beginn gibt es eine gemeinsame Kaffeetafel.

Nürnberg – Dienstag, 22. September, 15 Uhr, Haus der Heimat, Imbuschstraße 1, Nürnberg-Langwasser (Endstation U1): Lesung aus „Wälder und Menschen“ von Ernst Wiechert. Gäste sind willkommen.

Weiden – Heimatnachmittag –

Bericht

Der 1. Vorsitzende Norbert Uschald konnte nach der Sommerpause wieder zahlreiche Mitglieder und Gäste zum Heimatnachmittag im Cafe Mitte begrüßen.

Nach den Heimatliedern „Land der dunklen Wälder“ und „Westpreußen mein lieb Heimatland“ gratulierte die Kassiererin Ingrid Uschald den Geburtstagskindern des Monats September. Im Mittelpunkt der Zusammenkunft stand der Bericht des Vorsitzenden von seiner Reise nach Ostpreußen und Pommern, die von der CSU-Arbeitsgemeinschaft UdV (Union der Vertriebenen und Aussiedler) organisiert worden war. Uschald besuchte unter anderem Allenstein, die Heimatstadt seiner Mutter Ingrid, und konnte auch das Wohnhaus ihrer Familie fotografieren. Weitere Stationen in der ehemaligen Provinz Ostpreußen waren Marienburg, Elbing, Heilsberg, die Wallfahrtsorte Dietrichswalde, Heiligelinde, sowie Nikolaiken. Außerdem stand Danzig auf dem Reiseprogramm.

In Pommern konnten Stolp, das frühere Bismarck-Schloss in Varzin und Köslin besichtigt werden. In Allenstein und in Köslin traf man sich zu politischen Gesprächen mit Vertretern der deutschen Minderheit. In Köslin kam es außerdem zur Begegnung mit polnischen Schülern und Lehrern. Der Vorsitzende berichtete auch von seinem Interview, das er für OTV zum Thema „Flucht und Vertreibung“ gegeben hat. In diesem Fernsehbeitrag habe er sowohl die Gemeinsamkeiten, als auch die Unterschiede der Geschehnisse von 1945 und heute herausgearbeitet und besonders an die Vertreibung der Deutschen aus Ostpreußen erinnert. Frau Ilse Stark trug mit einem Herbstgedicht und einen Rückblick auf die Vertreibung aus ihrer Heimat Schlesien zum Gelingen der Versammlung bei.

Die angesprochenen Themen führten zu einer angeregten Dis-kussion bei den Landsleuten.

Uschald lud noch zum Tag der Heimat am 19. September um 19.30 Uhr in die Max-Reger-Halle ein. Die Kreisgruppe der Landsmannschaft beteiligt sich auch in diesem Jahr mit einem Wortbeitrag und Norbert Uschald wird wieder die Moderation übernehmen.

Mit einigen gemeinsam gesungenen Liedern verabschiedeten sich die Mitglieder und Gäste bis zum 4. Oktober um 14.30 zum Erntedankfest im Cafe Mitte.

Norbert Uschald

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Heilsberg/Rößel – Sonnabend, 10. Ok-tober, 15 Uhr, Seniorenfreizeitstätte „Maria Rimkus Haus“, Gallwitzallee 53, 12249 Berlin: Feier zum 65-jährigen Bestehen der Kreisgruppe und zum 50. Jubiläum der Fahnenweihe und Erntedankfeier. Anfragen bei Erika Hackbarth, Telefon (033763) 40137, für Rößel bei Ernst Michutta, Telefon (05624) 6600.

Rastenburg – Sonntag, 11. Oktober,

15 Uhr, Restaurant Stammhaus, Rohrdamm 24B, 13629 Berlin: Erntedankfest. Anfragen bei Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.

Frauengruppe – Mittwoch, 14. Okto-ber, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10694 Berlin: Gespräche zum Erntedank. Anfragen bei Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Gumbinnen/Johannisburg/Lötzen/Sensburg – Diens-tag, 20. Oktober, 13 Uhr, der Ort des Treffens wird noch bekannt gegeben: Erntedankfest mit Essen. Anfragen für Gumbinnen bei Joseph Lirche, Telefon (030) 4032681, für Johannisburg und Sensburg bei Andreas Maziul, Telefon (030) 5429917, für Lötzen bei Gabriele Reiß, Telefon (030) 75635633.

Königsberg – Freitag, 23. Oktober, 14 Uhr, Johann-Georg-Stuben-Straße 10, 10709 Berlin-Hallensee: Treffen der Gruppe. Anfragen bei Elfi Fortange, Telefon 4944404.

Tilsit-Ragnit/Tilsit-Stadt – Sonnabend, 24. Oktober, 15 Uhr, Ratskeller Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 102, 10585 Berlin: Treffen der Gruppe. Anfragen bei Hermann Trilus, Telefon (03303) 403881.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

LANDESGRUPPE

Sonnabend, 26. September, 10 bis 17 Uhr, 30. Heimatmarkt der ost- und mitteldeutschen Landsmannschaften mit vielen Angeboten heimatlicher Spezialitäten auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz, Mönckebergstraße (gegenüber Karstadt).

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und zu einem kulturellen Programm um 12 Uhr im Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125, 22459 Hamburg. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Elchniederung – Mittwoch, 30. September, 14 Uhr, Gesellschaftshaus Lackemann, Litzowstieg 8, Hamburg-Wandsbek: Gemütliches Beisammensein mit Vorträgen und Singen zur Begrüßung des goldenen Herbstes. Gäste sind herzliche willkommen.

Osterode – Wir laden ein zu unserer Erntedankfeier am Sonnabend, dem 10. Oktober, in das Restaurant Ribling, Fuhlsbüttler Straße 755, Magnolienzimmer. Das Restaurant liegt direkt am

S-/U-Bahnhof Ohlsdorf, Ausgang Fuhlsbüttler Straße. Wir beginnen mit einer gemeinsamen Kaffeetafel und singen Herbstlieder. Spenden für unseren Erntetisch nehmen wir gerne entgegen. Der Eintritt ist frei.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612.

Darmstadt/Dieburg – Nun geht die lange Sommerpause dem Ende zu, und wir freuen uns sehr auf unser Treffen am 19. September im Luise-Büchner-Haus in Darmstadt-Kranichstein, Grundweg 10.

Nach der Begrüßung und der Kaffeetafel, werden uns – wie bereits angekündigt – Hannelore Neumann und Gerhard Schröder über ihre Reise durch Ostpreußen, die sie zusammen mit den Insterburgern in diesem Sommer unternommen haben, berichten.

Viele neue Informationen und Eindrücke die sie während dieser Reise gewonnen haben, werden uns ein Bild vom heutigen Ostpreußen vermitteln. Wir hoffen, dass viele Mitglieder und auch interessierte Gäste unserer Veranstaltung besuchen und zu einem guten Gelingen beitragen.

Mit der Familie betrauern wir den Tod unseres langjährigen Mitgliedes Gustav Rupietta. Sein Engagement und seine liebenswerte Art werden wir sehr vermissen.

Dillenburg. – Die nächste Monatsversammlung findet am Mittwoch, dem 28. Oktober 2015 um 15 Uhr im Café Eckstein in Dillenburg, Königsberger Straße, statt.

Kassel – Donnerstag, 1. Okto-ber, 14.30 Uhr. AWO-Heim, Am Wehrturm 3, Kassel. Filmvorführung: „Als der Osten noch Heimat war – Pommern.“

In dem bekannten Traum-Gedicht „Spuren im Sand“ bekundet der Schutzengel seinen unerkannten Beistand auch in Zeiten der größten Not. Diesen erhellenden Text stellte die Mitvorsitzende der Kasseler Gruppe, Gertraud Nitschky, an den Beginn eines Lebensberichts von Hannelore Neumann von der LOW-Gruppe Darmstadt-Dieburg. Der Vortragstitel lautete: „Erinnerungen eines Königsberger Waisenkindes an die Zeit in Mitteldeutschland (ab 1947) bis zum Finden der Wurzeln 1978“. Was folgte, ergriff alle 34 Zuhörer über die Maßen, denn das Geschilderte war an Dramatik kaum zu übertreffen: Eine Last wurde von einer anderen übertroffen. Vor der endgültigen Kata-strophe lenkte aber stets ein Schutzengel die Geschicke.

Die Mutter der Berichterstatterin gab das Letzte für ihre Kinder, spürte ihr Ende und gab das übrig gebliebene Mädchen in ein Waisenhaus. Hunger, Verlorenheit und körperlicher Verfall begleiteten das Kind an jedem Tag. Ärzte in Sachsen-Anhalt – dorthin wurde es 1947 abgeschoben – gaben ihm keine Überlebenschance. Doch nahmen sich Pflegeeltern des Waisenkindes an; ihre Empathie hielt sich allerdings in Grenzen. Was waren das für Zeiten, in denen man im Felde nach Hamstern grub, um deren Kornkammern zu plündern und sich ihr Fleisch und Fell anzueignen? Seelische Verwundungen und gesellschaftspolitischer Druck brachten Hannelore und ihren Freund auf Fluchtgedanken. Wie das waghalsige Unternehmen ablief und schließlich gelang, beschrieb Hannelore Neumann in einem druckreifen, spannungsgeladenen Text. Der Schutzengel ging mit durch das gefährliche Sperrgebiet, über das Minenfeld und durch alle Zäune. Welcher Freiheitsjubel brach aus, als an einer Straße ein Wegweiser auf das zwei Kilometer entfernte Bad Harzburg hinwies?

Die Beschreibung des neuen Lebensumfelds mit Zentrum in Frankfurt, das endlich aufkeimende Glück im Beruf und mit der Familiengründung entbehrte zwar der vorausgehenden Dramatik, blieb aber interessant und anschaulich, bis die wieder aufgenommene Spurensuche nach den eigenen Wurzeln noch einmal eine unerwartete Steigerung erfuhr und die Herzen der Teilnehmer berührte. Dies ist eine eigene Geschichte: Sie endete glücklich, und zwar in Wien. Schutz- und Finde-Engel begleiteten Hannelore Neumann in schweren und in besseren Tagen. Gott sei Dank.

Gerhard Landau

Wiesbaden – Sonnabend, 26. September, 15 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Erntedankfest mit Kaffeetafel und Verlosung der Erntegaben. Nach dem Kaffeetrinken und dem Programmteil unter Mitwirkung des Frauenchors und der Ansprache von Pfarrer Holger Saal (Evangelische Marktkirche) folgt ein gemütliches Beisammensein in froher Runde.

Wer durch Geld- oder Sachspenden mithelfen möchte, den Erntetisch zu bereichern und zu verschönern, teile dies bitte Irmgard Steffen, Telefon (0611) 844938 oder Helga Kukwa (0611) 373521 mit. Allen Geld- und Sachspendern herzlichen Dank!

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Braunschweig-Stadt – Mittwoch, 23. September, 15 Uhr: Treffen im Stadtparkrestaurant (Eingang Sozialverband), Braunschweig, Jasperallee 42. Rückblick auf den Tag der Heimat in Braunschweig und Hannover; Blick in die Zukunft unserer Ortsgruppe.

Hannover – Sonnabend, 19. September, Freizeitheim Ricklingen: Tag der Heimat. – Freitag,

16. Oktober, 14.30 Uhr, Bootshaus 84; Zusammen mit der Pommern-Gruppe wird das Herbstfest gefeiert.

Helmstedt – Donnerstag, 8. Ok-tober, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Treffen der Gruppe.

Oldenburg – Bericht über unsere Versammlung am 9. September. Die Landsmannschaft Ostpreußen und Westpreußen Oldenburg traf sich nach der Sommerpause wieder am 9. September und ging den Rest des Jahres humorvoll an. Hintergründiger ostpreußischer Humor wurde von unseren Mitgliedern vorgetragen. Nach einer Einführung in das Wesen des ostpreußischen Humors nach Marion Lindt folgten die Lacher Schlag auf Schlag: das Flohche, noch e Rumche, das Geburtstagspaket und natürlich durfte „Nuscht Neues aus Insterburg“ nicht fehlen. Unübertroffen war wie immer Margot Zindler mit „Hanne, das Kind“ und den Lobliedern auf Ostpreußen und Oldenburg. Viele ostpreußische Lieder hoben die Stimmung, und mit dem Ostpreußenlied fand der herrliche Nachmittag einen schönen Abschluss.

Im nächsten Monat, am 14. Ok-tober, feiern wir den Erntedank-Nachmittag im Stadthotel Eversten mit einem Basar von Ernteprodukten und Lesungen. Freunde und Bekannte sind herzlich willkommen.

Osnabrück – Dienstag, 22. September, 16.30 Uhr. Hotel Ibis, Blumenhaller Weg 152: Kegeln. – Donnerstag, 24. September, 15 Uhr, Blumenhaller Weg 43, Gaststätte Bürgerbräu: Literaturkreis. – Sonntag, 27. September, 15 Uhr, Parkhotel Osnabrück: Erntedanknachmittag. Anmeldungen bis 17. September: Else Tober, Telefon 1393614, oder Barbara Kleine, Telefon 74282.

Rinteln – Donnerstag, 8. Okto-ber, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Bei diesem Monatstreffen der Rintelner Gruppe wird Dr. Hans-Walter Butschke aus Lemgo einen Vortrag zum Thema „Vom Urpferd bis zum Trakehner“ halten. Angehörige und Freunde sowie interessierte Gäste aus Nah und Fern sind ebenfalls herzlich willkommen. Auskünfte und Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit in Rinteln gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat unter Telefon (05751) 53 86 oder über: rebuschat@web.de

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bonn – Sonnabend, 19. September, 16 Uhr, Namen-Jesu-Kirche, Bonngasse: Ökumenischer Gottesdienst mit Orgelkonzert, mehreren Bischöfen, Trachtengruppe und Tempel-Herren-Orden – Sonntag, 20. September, 11 Uhr, Bonner Münsterplatz: Ostdeutscher Markttag. Los geht’s mit dem Einmarsch der ostdeutschen Fahnen. Stephan Rauhut, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien wird die Eröffnungsrede halten. Zum kulturellen Programm zählen unter anderem Auftritte von Trachtengruppen und die Blasmusik der Siebenbürger-Sachsen-Kapelle. Die Landsmannschaften bieten an ihren Ständen Bücher, Spezialitäten, Bernstein und vieles mehr.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr, Eichendorff-Saal, Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Chorprobe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft „Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland“ unter Leitung von Radostina Hristova. –Montag, 28. September, 19 Uhr, GHH: Eröffnung der Ausstellung „Fotografie in Ost- und Westdeutschland der 50er und 60er Jahre“ von Volkmar Jaeger und Walter Vogel. Die Ausstellung ist bis zum 6. November zu besichtigen. – Mittwoch, 30. September, 19 Uhr, GHH: Buchpräsentation mit Volker Dittrich, „Wem gehört das Haus in Chemnitz?“

Neuss – Sonntag, 4. Oktober, 15 Uhr (Einlass 14 Uhr), Marienhaus, Kapitelstraße 36: Erntedankfest der Ostpreußen mit Gedichten, Liedern und Tanz unter der Erntekrone.

Witten – Montag, 21. September, 15 Uhr, Evangelisch-Lutherische Kreuzgemeinde, Lutherstraße 6–10: Filmvorführung „Der Rhein – von der Quelle bis Koblenz“ (Teil 1).

 

RHEINLAND-PFALZ

Vors.: Dr. Wolfgang Thüne, Wormser Straße 22, 55276 Oppenheim.

Mainz/Stadt – Sonnabend, 26. September, 15 Uhr, Mundus Residenz, Große Bleiche 44, 55116 Mainz: Erntedankfest. Gaben für den Erntetisch werden gerne angenommen.

Ludwigshafen – Samstag, 3. Oktober: Treffen der Gruppe um 15 Uhr in Lu-Gartenstadt, Forsterstraße zu neuem Wein und Zwiebelkuchen. – Am Donnerstag, 15. Oktober, machen wir eine Fahrt mit der Nostalgiebahn in die Umgebung von Mannheim. Abfahrt um 14 Uhr ab Haltestelle Mannheim HBF.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle, Telefon privat (0345) 2080680.

Magdeburg – Dienstag, 22. September, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen. – Freitag, 25. September, TuS Fortschritt, Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Mölln – Treffen der Ost- und Westpreußen des Ortsverbandes Mölln

Am 23. September um 17 Uhr treffen sich die Ost- und Westpreußen des Ortsverbandes Mölln im Quellenhof, um gemeinsam das Erntedankfest zu feiern. Herr Probst Erwin Horning wird über die Entstehung und Bedeutung der Erntekrone, auch aus Ostpreußen, einen interessanten Vortrag halten. Der Musikpädagoge Herr Günther Marschke wird uns beim gemeinsamen Singen mit seiner Musikorgel kräftig unterstützen. Einzelne Mitglieder werden auch Geschichten und Gedichte vorlesen. Zwischen diesen Darbietungen wird das gemeinsame Erntedankessen serviert. Kassler mit Sauerkraut, Erbsenpüree und Kartoffeln. Des Weiteren gibt es einen Gabentisch mit Früchten aus dem Garten, von denen sich jeder ein bisschen nach Hause mitnehmen kann. Im Ok-tober 2015 ist eine Fahrt nach Elmshorn zur Dittchenbühne angesagt. Näheres wird bei der obigen Veranstaltung bekanntgegeben.

Bei unserer Mitgliederversammlung am 26. August 2015 hat Herr Karl-Heinz Requard einen Vortrag über Johann Fried-rich Ludwig Christoph Jahn, auch unter dem Namen Turnvater Jahn bekannt, gehalten. Dieser Vortrag wurde so interessant und Klasse vorgetragen, dass es hier noch einmal erwähnt werden muss. Aber der Wahlspruch von Turnvater Jahn: „frisch, fröhlich, frei, und fromm ist des Turners Reichtum“, hat heute noch Gültigkeit.


Letzte Gelegenheit
Auf zur Herbstfreizeit nach Bad Pyrmont

Vom 28. September bis 8. Okto-ber bietet das Ostheim zum letzten Mal eine Herbstfreizeit für Senioren an, da das Haus zum 31. Dezember geschlossen wird. Freizeiten im Ostheim – das sind abwechslungsreiche und erholsame Urlaubstage in Bad Pyrmont. Die Teilnehmer fühlen sich wohl in einer Gemeinschaft mit ostpreußischen und ostdeutschen Landsleuten. Die Angebote reichen vom morgendlichen Singen, der Seniorengymnastik, Dia- und Videoabenden, Lesungen aus Werken ostpreußischer Dichter, Museumsbesuchen bis zur heimatlichen Speisekarte am Mittag und Abend.

Der herbstlich gefärbte Kurpark lädt zu Konzerten, einem Bummel durch den größten Palmengarten nördlich der Alpen oder zum Ausprobieren des Wassertretbeckens und des Barfuß-Pfades ein. In der Hufeland-Therme können Sie die Meersalzgrotte genießen. Auch ambulantes Kuren ist möglich.

Bad Pyrmont selbst lädt mit seinen Sehenswürdigkeiten, Cafés und Kulturangeboten ein. Am 3. Oktober präsentiert die Pianistin Gesa Lücker „Weltklassik am Klavier“. Sie spielt Werke von Bach, Mozart, Liszt und Schumann. Zwei Tage später, am 5. Oktober, bringt die Lemberger Philharmonie Werke von Tschaikowsky, Glasunow und Rimsky-Korsakow zur Aufführung. Ein weiterer Höhepunkt: Am letzten Abend feiern wir gemeinsam Abschied, bei dem jeder nach seinen Möglichkeiten besinnliche und lustige Beiträge beisteuern kann.

Diese zehntägige Freizeit kostet im Einzelzimmer 490 Euro und im Doppelzimmer pro Person 430 Euro. Die Inklusivpreise beinhalten Vollpension und die Gästebetreuung (Programm). Die Kurtaxe wird vom Staatsbad Bad Pyrmont separat erhoben. Anfragen und Anmeldungen, bitte nur schriftlich, an: Ostheim – Jugendbildungs- und Tagungsstätte, Parkstraße 14, 31812 Bad Pyrmont, Telefon (05281) 93610, Fax (05281) 936111, E-Mail: info@ostheim-pyrmont.de


S. 18-20 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

BRAUNSBERG

Kreisvertreter: Manfred Ruhnau, Tel.: (02241) 311395, Fax (02241) 311080, Bahnhofstraße 35 b, 53757 Sankt Augustin. Geschäftsstelle: Stadtverwaltung Münster, Patenstelle Braunsberg, Frau Jostenmeier, 48127 Münster, Tel.: (0251) 4926051.

Unser 61. Braunsberger Kreistreffen findet am 3. und 4. Oktober in unserer Patenstadt Münster statt. Ort ist die Johanniter Akademie in der Weißenburg-Straße 60–64.

Das Programm am Sonnabend

15 Uhr: Mitgliederversammlung mit Berichten und Neuwahlen des Vorstandes.

19 Uhr: Gemütliches Beisammensein, Gespräch mit Dr. Jürgen Schmidt zu Thema „Braunsberg mit den Augen eines russischen Panzersoldaten“.

Das Programm am Sonntag

8.30 Uhr: Katholischer Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche, Metzer Straße. Zelebrant ist Konsistorialrat Claus Fischer. Unsere evangelischen Landsleute sind ebenfalls herzlich eingeladen.

10.30 Uhr: Festliche Stunde im Vortragssaal der Johanniter Akademie. Musikkapelle: Reinhold Kollenberg; Begrüßung: Kreisvertreterin Manuela Begett; Totenehrung; Grußworte: Patenstadt Münster und andere; Musikstück; Festvortrag Jürgen Schmidt über „Die deutsch polnischen Beziehungen zwischen beiden Weltkriegen“; Musikstück: Gemeinsamer Gesang: Ostpreußenlied; Deutschlandlied: 3. Strophe; Empfang durch unsere Patenstadt Münster; Gemeinsames Mittagessen in der Kantine der Akademie.

14 Uhr: gemeinsames Kaffeetrinken. Der Vorstand gibt Auskunft über die weitere Arbeit der Kreisgemeinschaft.

 

FISCHHAUSEN

Kreisvertreter: Klaus A. Lunau, Bahnhofstraße 14, 30853 Langenhagen, Stellvertreterin: Marion Gehlhaar, Telefon (040) 476070. Geschäftsstelle: Fahltskamp 30, 25421 Pinneberg, täglich erreichbar unter Telefon (04101) 22037, Postfach 17 32, 25407 Pinneberg, E-Mail:

Geschaeftsstelle@kreis-fischhausen.de. Besichtigung nach Wunsch.

Der gebürtige Ostpreuße (Jahrgang 1943) aus Georgenswal-de/Rauschen kam 1945 nach Berlin. Dem Abitur 1962 folgten Studienjahre in Berlin und Freiburg in den Fächern Germanistik, Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft, Volkskunde, Archäologie und Bibliothekswissenschaft. Seit 1964 war Schulz freier Mitarbeiter der Staatlichen Museen Berlin, unterbrochen von längeren Studienaufenthalten in den Niederlanden.

An die Promotion zum Dr. phil. 1972 in Berlin schloss sich unmittelbar die Übernahme durch die Staatlichen Museen an mit wissenschaftlichen Ordnungsarbeiten im Kupferstichkabinett und in der Gemäldegalerie Berlin-Dahlem. Nach Hinwendung zur Alten Kunst während des Studiums wurde Schulz in den folgenden Jahren zum weltweit anerkannten Spezialisten für niederländische Malerei und Zeichnung im 17. Jahrhundert.

Parallel zu den Aufgaben beim Preußischen Kulturbesitz konzipierte er 1974 eine Ausstellung „Aspekte deutscher Kultur“ im Berliner Deutschlandhaus. Dies bedeutete die erstmalige berufliche Bekanntschaft mit deutscher Kunst aus dem Osten. Mit der Ausstellung wurde die Neuorientierung ostdeutscher Kulturarbeit in Berlin eingeleitet. Zunächst führte der Lebensweg jedoch Schulz nach Den Haag, wo er 1974-1975 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kgl. Gemäldegalerie „Mauritshuis“ war.

Viele Jahre wurden zur Erstellung von Standardwerken zur niederländischen Kunst verwendet: 1974 Lambert Doomer. Sämtliche Zeichnungen; 1978 Cornelis Saftleven. Leben und Werke (mit Werkverzeichnis); 1982 Herman Saftleven. Leben und Werke (mit Werkverzeichnis).

1979 war Schulz erster hauptamtlicher Direktor der Ostdeutschen Galerie in Regensburg. Ein Jahr später wurde er Direktor des Deutschlandhauses in Berlin, eben jener Einrichtung, deren Gedeihen er seit 1974 nicht aus den Augen verloren hatte. Das Deutschlandhaus konnte zur meistbesuchten aller Institutionen ostdeutscher Kulturpflege in Deutschland entwickelt werden. Es wurde eine nicht unbedeutende Kunstsammlung sowie eine umfassende Fachbibliothek aufgebaut, und es fanden zahllose Ausstellungen, Lesungen und Konzerte im Hause und in den neuen Bundesländern statt, wie auch in den historischen deutschen Ostgebieten von Stettin bis Nidden und Schlesien.

1989 konzipierte und organisierte Schulz zusammen mit dem damaligen Generaldirektor der Berliner Museen, Stephan Waetzoldt, die Wanderausstellung „Deutsche Kunst aus dem Osten“. 1994 gehörte Schulz zum Team um Christoph Stölzl, Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums, das die umfassende Ausstellung „Die Deutschen im Osten“ organisierte.

Durch seine dienstlichen Obliegenheiten kam Schulz in Kontakt zur Künstlergilde Esslingen, eine Begegnung die sich äußerst positiv entwickelte. Er wurde Mitglied und Jurymitglied im Bereich der Bildenden Kunst, war Mitplaner 1988 der Jahresausstellung „Künstlergilde heute – Kunst der Gegenwart“ und holte die Ausstellung nach Berlin. Mit eigenen Ausstellungen der Künstlergilde ging Schulz nach Landsberg a. d. Warthe (zweimal), Stettin und Schwedt. 1988 übernahm er die Leitung der Berliner Landesgruppe. 1996 wählten ihn die Mitglieder auf Bundesebene zum Stellvertretenden Vorsitzenden. In Berlin wurden neue Wege der Kunstvermittlung beschritten mit der Etablierung einer „Kunsttankstelle“ als Ausstellungsort für Gegenwartskunst auf dem Gelände einer Tankstelle.

Zur Jahrtausendwende löste die Bundesregierung das Deutschlandhaus in Berlin nach fast

40-jährigem Bestehen auf und schickte Schulz in den vorzeitigen Ruhestand. Dies beförderte das Erscheinen des Werkverzeichnisses zu einem der großen holländischen Künstler des 17. Jahrhunderts, Aert van der Neer, nach jahrzehntelanger Forschung, im Jahre 2002. Im Mai 2005 wählten die Mitglieder der KünstlerGilde e.V. Schulz zum neuen Bundesvorsitzenden; dies bedeutet zugleich die arbeitsintensive Funktion eines Chefredakteurs und Herausgebers der Zeitschrift der KünstlerGilde.

Schulz ist verantwortlich für jährlich etwa fünf Ausstellungen in der Galerie der KünstlerGilde in Esslingen, die Jahresausstellungen und Preisverleihungen der KünstlerGilde. Im Mai 2013 konnte die KünstlerGilde ihr 65-jähriges Bestehen in Esslingen begehen, unter anderem mit einer Jubiläumsausstellung im Alten Rathaus zu Esslingen sowie in den Monaten Oktober-November in Budapest und in Fünfkirchen.

 

GERDAUEN

Kreisvertreter: Walter Mogk, Am Eichengrund 1f, , 39629 Bismark (Altmark), Telefon (0151) 12 30 53 77, Fax (03 90 00) 5 13 17. Gst.: Doris Biewald, Blümnerstraße 32, 04229 Leipzig, Telefon (0341) 9600987, E-Mail: geschaeftsstelle@ kreis-gerdauen.de.

Am 3. und 4. Oktober findet unser diesjähriges Hauptkreistreffen im Hotel Esplanade, Bahnhofstraße 8, in 31542 Bad Nenndorf statt, zu dem wir alle Landsleute und Freunde des Kreises Gerdauen herzlich einladen. Bringen Sie bitte auch Ihre Verwandten, Bekannten und Freunde mit.

Für den Sonnabendnachmittag ist als Höhepunkt der Vortrag von Annette Jacobsen geplant. Sie lebt in Gammel Ry in Dänemark. Ihr Vortrag spannt den Bogen von der Flucht aus Ostpreußen bis hin zur Repatriierung aus Dänemark und zeigt anhand des Lagers Rye, wie sich der Aufenthalt der deutschen Flüchtlinge in Dänemark gestaltete; angefangen bei überfüllten Erstlagern bis hin zu durchorganisierten Großlagern. Mit Hilfe einer Vielzahl von Fotos versucht sie, ein Bild vom Lager Rye zu vermitteln, indem sie die Geschichte einzelner Flüchtlinge und Dänen miteinander verwebt. Der dänische Polizist, der deutsche Pastor, die deutsche Flüchtlingsfrau mit ihrem dänischen Verlobten außerhalb des Lagers, das Kulturleben im Lager und vieles mehr bilden die Grundlage für den Vortrag. 2015 ist schließlich das Jahr, das nicht nur das Kriegsende in Europa, sondern auch die Ankunft der deutschen Flüchtlinge in Dänemark vor 70 Jahren markiert.

Der Sonnabendabend beginnt mit einem gemeinsamen Essen à la carte. Ein Bon, der für das Abendessen eingelöst werden kann, wird an der Kasse beim Eintritt ausgegeben. Mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein, umrahmt von Musik und kleinen Beiträgen, von uns selbst gestaltet, soll der Abend ausklingen. Hier bitten wir um Ihre Mithilfe: Wenn Sie ein kleines Gedicht, eine Geschichte oder einen Sketch kennen, bringen Sie diese mit, tragen Sie sie selbst vor oder lassen Sie diese von anderen zum Besten geben.

Unterkünfte stehen im Hotel Esplanade, Bahnhofstraße 8, Telefon (05723) 798110 zum Sonderpreis von 58 Euro pro Nacht (Einzelzimmer mit Frühstück) und 80 Euro pro Nacht (Doppelzimmer mit Frühstück) sowie im Parkhotel Deutsches Haus (200 Meter entfernt, Bahnhofstraße 22), Telefon (05723) 94370 zum Sonderpreis von 52 Euro pro Nacht (Einzelzimmer mit Frühstück) und 75 Euro pro Nacht (Doppelzimmer mit Frühstück) zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich mit Ihrer Reservierung direkt an das Hotel und geben Sie bei der Zimmerbuchung an: Sonderpreis für das Hauptkreistreffen Gerdauen.

Das Programm

Am Sonnabend

9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungsraums im Hotel Esplanade (ab 9.30 Uhr Infostand mit Büchern, Heimatandenken und Marzipan, ab 12 Uhr Infostand Familienforschung GIRDAWE);

9.25 Uhr: Begrüßung;

9.30 bis 11.30 Uhr: Kreistagssitzung;

10 bis 12 Uhr: Filmvorführungen über Ostpreußen vor 1945 und den Kreis Gerdauen nach 1945;

Im Laufe des Tages: Gelegenheit zum Kennenlernen und Wiedersehen von Landsleuten und zum direkten Kontakt mit Ihren Kirchspielvertretern (nach der Kreistagssitzung);

Am Nachmittag Gelegenheit zum Kaffeetrinken im Veranstaltungsraum (das Hotel bietet selbstgebackenen Kuchen an);

14 bis 16 Uhr: Filmvorführungen über Ostpreußen vor 1945 und den Kreis Gerdauen nach 1945;

16.30 bis 18 Uhr: „... in fremdes Land verbannt“ – Deutsche Flüchtlinge in Dänemark 1945–1949 (Vortrag von Annette Jacobsen, Gammel Ry/Dänemark);

18.30 Uhr: Begrüßung und gemeinsames Abendessen;

Anschließend gemütliches Beisammensein mit Musik und kleinen Einlagen (eigene Beiträge der Landsleute sind herzlich willkommen); Musikalische Begleitung: Kasimir Tarnowski.

Am Sonntag

9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungsraums im Hotel Esplanade (ab 9.30 Uhr Infostand mit Büchern, Heimatandenken und Marzipan, Infostand Familienforschung GIRDAWE);

11 Uhr: Feierstunde im Veranstaltungsraum des Hotels Esplanade (Musikalischer Rahmen: Kasimir Tarnowski, Geistliches Wort und Totengedenken: Pastor i.R. Wilhelm Knackstedt, Grußworte, Ansprache des Kreisvertreters, Gemeinsamer Gesang des Ostpreußenliedes);

14–16 Uhr: Filmvorführungen über Ostpreußen vor 1945 und den Kreis Gerdauen nach 1945;

Im Laufe des Tages Gelegenheit zum Kennenlernen und Wiedersehen von Landsleuten aus dem Heimatkreis und zum direkten Kontakt mit Ihren Kirchspielvertretern.

Änderungen sind vorbehalten!

 

HEILIGENBEIL

Kreisvertreterin: Elke Ruhnke, Im Bökel 76, 42369 Wuppertal, Tel.: (0202) 46 16 13. E-Mail: ruhnke@kreis-gemeinschaft-heiligenbeil.de. Stellvertreter: Christian Perbandt, Im Stegfeld 1, 31275 Lehrte, Tel.: (05132) 57052.

E-Mail: perbandt@kreisge­meinschaft-heiligenbeil.de. 2. stellvertretender Kreisvertreter: Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821) 8 42 24. E-Mail: Schmidt.ploessen@gmx.de. 2. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www. kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de

Wie in jedem Jahr fanden sich wiederum zahlreiche Heiligenbeiler Landsleute aus allen Teilen Deutschlands am 5. und 6. September 2015 im StadtHaus (ehemaliges Veranstaltungszentrum) in Burgdorf in der Sorgenser Straße 31 ein, um das 78. Hauptkreistreffen der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil zu begehen.

Traditionell traf man sich am Samstagmorgen am Heiligenbeiler Gedenkstein im Park des alten Burgdorfer Rathauses. Der Ehrenvorsitzende Siegfried Dreher hielt eine Rede und gedachte der vielen Opfer durch Flucht und Vertreibung.

Am Samstagmittag fand im JohnnyB (ehemaliges „Haus der Jugend“) die Mitgliederversammlung statt. Die Versammlung leitete Elke Ruhnke als Kreisvertreterin. Der 1. stellvertretende Kreisvertreter Christian Perbandt gedachte in einer Totenehrung der Landsleute, die seit dem letzten Kreistreffen von uns gegangen sind, aber immer in unserer Erinnerung bleiben.

Anschließend verlas die Kreisvertreterin ihren Bericht über die Aktivitäten der Kreisgemeinschaft im Jahr 2014/2015. Die Höhepunkte des vergangenen Jahres, zu denen auch das Hauptkreistreffen 2014 gehörte, können im „Jubiläums“-Heimatblatt Nr. 60 detailliert nachgelesen werden.

Es folgte der Kassenbericht für das Jahr 2014, vorgetragen von Joachim Ruhnau, der dieses Amt nach dem Rücktritt der vorherigen Kassenwartin Heidi Pomowski zunächst kommissarisch führte, und der auf der Kreistagssitzung im April 2015 in Bad Pyrmont zum neuen Kassenwart gewählt wurde. Er erläuterte die finanzielle Situation der Kreisgemeinschaft, die aufgrund der im letzten Jahr durchgeführten Sparmaßnahmen ausgeglichen ist. Da die Einnahmen aufgrund des demografischen Wandels in den nächsten Jahren immer weiter zurückgehen werden, müssen die Ausgaben aber weiter reduziert werden.

Es folgte der Bericht der Kassenprüfer, verlesen von Anja Reyentanz. Es musste ein neuer Kassenprüfer gewählt werden. Hans-Hartwig von Platen erklärte sich bereit, dieses Amt zu übernehmen; als seine Stellvertreterin wurde Sabine Dietenberger gewählt.

Die Satzungsänderung aus dem letzten Jahr, in der es um die Gemeinnützigkeit der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil (aus steuerlichen Gründen) geht, wurde inzwischen beim Registergericht eingetragen.

Mit der Silbernen Nadel der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil wurden geehrt:

Margot Kohn für ihre Treue zur Kreisgemeinschaft in ihrer Funktion als stellvertretende Kirchspielvertreterin von Tiefensee und Gemeindevertreterin für die Gemeinde Tiefensee;

Brunhilde Schulz in ihrer Funktion als Beisitzerin im Vorstand für ihr Engagement für die Kreisgemeinschaft mit Schwerpunkt Publikationen und Heimatblatt.

Des Weiteren wurden die für 2015/2016 geplanten Projekte und Veranstaltungen vorgestellt.

Das nächste Kreistreffen findet am 3. und 4. September 2016 in Burgdorf statt.

Die Heimatstube in der Wilhelmstraße 3A war am Samstag ab 14 Uhr für alle interessierten Besucher geöffnet. Auch in diesem Jahr war wieder eine kleine Ausstellung vorbereitet worden. Die Gestaltung lag, wie auch schon in den Jahren zuvor, in den Händen von Ilse Thomann (Fotoarchiv). Es stellten sich mehr als 50 Besucher ein, und jeder wurde gebeten, sich mit einer roten Nadel auf der Kreiskarte dort zu verewigen, wo er im Kreis Heiligenbeil geboren wurde oder gelebt hat. Die Besucher stellten einmal mehr fest, dass das Archiv einen sehr guten Eindruck macht, nachdem es Ende 2013 durch den Historiker Dr. Oliver Schulz neu sortiert wurde.

Ab 16 Uhr fand dann wieder eine Lesung im „JohnnyB“ statt. Ilse Thomann las zunächst zwei Berichte aus dem Fluchtbuch „Keine Zeit für Trauer – keine Zeit für Tränen“. Zur anschließenden Aufmunterung folgten noch die Geschichte der „Gans der Schwestern Schneidereit“ sowie einige kleinere Geschichtchen zum Schmunzeln zur Freude der zahlreich erschienenen Zuhörer.

Anschließend wurde die Lösung des im Heimatblatt veröffentlichten Preisrätsels bekannt gegeben. Bei der Auslosung ging Frau Hanna Lepenies aus Zinten als Gewinnerin hervor. Leider war Frau Lepenies nicht anwesend, sodass ihr das ausgelobte Buch „Keine Zeit für Trauer – keine Zeit für Tränen“ per Post zugestellt wurde.

Der Sonntagmorgen begann musikalisch mit einem Platzkonzert des Schützenmusikkorps „O.v. Reden“ Gehrden unter der Leitung von Hans-Heinrich Beier. Es folgte dann die Feierstunde mit traditionellem Ablauf: Begrüßung der Mitglieder und Gäste durch die Kreisvertreterin; gemeinsam gesungenes Ostpreußenlied; Totenehrung (Christian Perbandt); es folgte der Choral von Leuthen („Nun danket alle Gott“).

Der Vortrag von Ilse Thomann hatte den Titel „Verloren – aber was?“, in dem sie über ihre persönlichen Erfahrungen sprach, aber gleichzeitig stellvertretend auch für die meisten Flüchtlinge und Vertriebenen, die Ähnliches erlebt haben, und der bei den Anwesenden großen Anklang fand. Es folgten Grußworte von Oliver Brandt (CDU), Region Hannover, Mirko Zschoch, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion in Burgdorf, Frau Dr. Barbara Loeffke, Vorsitzende der Landesgruppe Niedersachsen. Die Festrede hielt in diesem Jahr der Altsprecher der Landsmannschaft Ostpreußen Wilhelm von Gottberg zu dem Thema „Ostpreußen – Heiligenbeil gestern, heute und in Zukunft“.

Diesem Vortrag folgte ein Instrumentalstück des Musikkorps „O.v.Reden“, und zwar „Es dunkelt schon in der Heide“, das die Kapelle extra für diese Veranstaltung einstudiert hatte. Elke Ruhnke sprach das Schlusswort, bevor die Feierstunde mit dem Absingen der dritten Strophe des Deutschlandliedes endete.

Am Nachmittag war dann noch reichlich Zeit zum Schabbern und Plachandern. Ab 13.30 Uhr war die Heimatstube dann noch einmal für eineinhalb Stunden geöffnet. Es konnten nochmals zirka 15 Besucher gezählt werden.

Der Kreis derer, die der Einladung des Vorstandes folgen und das Kreistreffen besuchen, wird von Jahr zu Jahr kleiner. Und trotzdem hofft der Vorstand, noch recht viele Kreistreffen dieser Art durchführen zu können. Wir werden uns auch weiterhin bemühen, trotz der teilweise unbesetzten Kirchspiele die Kontakte zu pflegen in Form von Telefonaten, Rundbriefen und natürlich über das Heimatblatt.

Der Vorstand, die Kirchspiel-/Stadtvertreter und die Kreisvertreterin wünschen allen Landsleuten gute Gesundheit, damit wir uns hoffentlich recht zahlreich auch im nächsten Jahr in Burgdorf wiedersehen können. Brunhilde Schulz, Beisitzerin

Herr Norbert Reich, Im Rüsken 51, 32584 Löhne, Telefon (05732) 8920128, hat sich bereit erklärt, als Gemeindevertreter für die Gemeinden Maraunen und Nonnenhausen im Kirchspiel Zinten-Land tätig zu sein und wird ab sofort die Landsleute in diesen beiden Gemeinden betreuen.

Der Vorstand der Kreisgemeinschaft freut sich darüber sehr. Wir begrüßen den neuen Gemeindevertreter ganz herzlich in unseren Reihen und wünschen ihm für seine Arbeit alles Gute und gutes Gelingen.

Laudatio zum 90. Geburtstag von Eva Droese geborene Höpfner aus Balga, Kreis Heiligenbeil:

Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.

Am 11. September 2015 feierte Eva Droese ihren 90. Geburtstag und wenn man sie so ansieht, wird es bestimmt auch zur Feier des 100. kommen.

Geboren wurde Eva in Balga als Tochter des Fischers Höpfner. Wenn sie über ihre Heimat erzählt, leuchten ihre Augen und man fühlt die tiefe Verbundenheit in ihrem Herzen. Ihr umfassendes Wissen über das Heimatdorf macht sie zu einer einmaligen Personen für die Kreisgemeinschaft Heiligenbeil. Auch für das Heimatblatt und die PAZ schrieb Eva Droese wertvolle Beiträge. Zahlreiche Reisen organisierte sie in die alte Heimat – ihr Elternhaus, welches in Balga steht und das einzige Gebäude ist, das noch erhalten ist, war stets ihre erste Anlaufstelle.

Vielen Menschen hast du dein Wissen mit auf den Weg gegeben – dafür sind wir dankbar und du erhieltest deshalb 2007 die Treueurkunde der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil verliehen.

Es ist mir eine Herzensangelegenheit, im Namen des Vorstands der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil e.V. zu diesem besonderen Geburtstag zu gratulieren.

Elke Ruhnke, Kreisvertreterin

 

LÖTZEN

Kreisvertreter: Dieter Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, Fax: (040) 60890478, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Gäste aus Polen im Lötzener Museum in Neumünster? Eigentlich gar nichts Besonderes. Und doch eine Premiere: Zum ersten Mal hielt eine Polin einen Vortrag – vor zahlreich erschienenen und konzentriert zuhörenden Besuchern. Ewa Galka war vom Ehepaar Eichler eingeladen worden, zum Thema „Deutsch in Polen – über deutsche Sprache und Deutschunterricht in Polen“ vorzutragen. Sie übertraf die Erwartungen an das Thema mit einer Fülle an Fakten und Information, wie auch mit Beispielen aus ihrer 14-jährigen Berufserfahrung als Lehrerin an einem Kolleg zur Ausbildung von Fremdsprachenlehrern in Ostrolenka. Dort hat sie deutsche Literatur, Sprachwissenschaft und Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Freiberuflich ist Ewa Galka als vereidigte Übersetzerin und Dolmetscherin tätig.

Schwerpunkte ihrer Ausführungen waren, welchen Stellenwert Deutsch als Fremdsprache in Polen hat, welche Maßnahmen zur Popularisierung dieser Sprache in der polnischen Gesellschaft von deutschen oder polnischen Kulturmittlern praktiziert werden und welche Faktoren das Erlernen der deutschen Sprache fördern oder hemmen.

Knapp fiel der Überblick über die Verbreitung und Entwicklung der deutschen Sprache beziehungsweise des Deutschunterrichts in Polen aus. Es gilt die einfache Formel: Je näher die Woi-wodschaft zu Deutschland liegt, desto größer ist die Popularität der deutschen Sprache. In der Woiwodschaft Lebus [Lubuskie] lernen 66 Prozent der Schüler Deutsch, in der Woiwodschaft Masowien [Mazowieckie] sind es nur 31,4 Prozent.

Am Beispiel der Lehrerfortbildung verdeutlichte die ausgewiesene Praktikerin, wie intensiv die deutsche Sprache in Polen gefördert wird – wenn denn die vielen Angebote genutzt werden. Im polnischen Schulwesen belegt Deutsch nach Englisch als erster Fremdsprache den zweiten Platz.

An den Beginn ihres Referats stellte Ewa Galka die Aussage: „In keinem anderen Land der Welt lernen mehr Menschen Deutsch als in Polen.“ (Nach einer Erhebung des Auswärtigen Amtes der BRD in 2015): Weltweit erlernen die deutsche Sprache 15,4 Millionen Menschen; allein in Polen gibt es 2,3 Millionen Deutschlernende, davon 2,1 Millionen an Schulen. Im Hochschulbereich lernen von 1,6 Millionen Studierenden sechs Prozent Deutsch. Davon lernen 87300 Studierende Deutsch als studienbegleitendes Fach, 9255 Hochschüler belegten Germanistik (akademisches Jahr 2014/2015).

Die Qualität der Deutschkenntnisse polnischer Schüler ist dort besonders hoch, wo Deutsch als erste Fremdsprache gelehrt wird. Die Qualität des Deutschunterrichts ist auch abhängig vom Schultyp. An Lyzeen als allgemeinbildende Oberschulen, die nach drei Jahren (ab der 10. Klasse) mit dem Abitur abschließen, ist die Motivation der Schüler höher als an technischen Oberschulen, die nach vier Jahren ebenfalls mit dem Abitur abschließen.

Nachdem in den vergangenen Jahren landesweit an Schulen auf sehr lebendige Art für Deutsch als Fremdsprache geworben wurde, soll in den kommenden Jahren die Verbesserung der Qualität der Deutschkenntnisse in den Vordergrund treten, zum Beispiel durch Lehrerfortbildungen, Stipendien und innovative Unterrichtsprojekte. Auch dafür gab Ewa Galka Beispiele. Danach stellte sie sich den Fragen der Zuhörer.

Die sie begleitende Magdalena Domurad, ebenfalls aus Ostrolenka, wurde von den Besuchern der Veranstaltung für eine Fotoreporterin gehalten und gefragt, ob sie für die „Kieler Nachrichten“ oder den „Holsteinischen Courier“ arbeite. Nein, die Polnischlehrerin dokumentierte ausschließlich für ihr privates Reisetagebuch.

 

LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Das 61. Hauptkreistreffen, dass dieses Mal im Zeichen der 60-jährigen Patenschaft mit der Stadt Hagen stand, wurde wieder einmal zum Anlass genommen, um die obligatorische Kreisausschuss-Sitzung abzuhalten.

Am Freitag, 28. August, trafen sich alle Mitglieder im Archiv, um die wichtigen Themen der Vorstandsarbeit zu behandeln und die letzten Details des bevorstehenden Treffens zu festigen. Am Sonnabend, 29. August, kamen die Orts- und Bezirksvertreter im Ratssaal der Stadt Hagen zu einem Gedankenaustausch zusammen. Einige Teilnehmer berichteten aus ihrer Sicht die individuelle Handhabung ihrer Aufgabe als OV oder BV.

Im Anschluss daran wurde die öffentliche Kreistags-Sitzung abgehalten. Nach der Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit durch die Kreisvertreterin Bärbel Wiesensee gedachte die Versammlung der verstorbenen Mitglieder. Alle anwesenden Kreisausschussmitglieder teilten in einem kurzen Beitrag dem Kreistag ihre Aktivitäten für die Kreisgemeinschaft, wie Hauptkartei, Senioren- und Glückwunschkartei, Archiv, Redaktion Hagen-Lycker-Brief, Internetauftritt, Bücherversand, Arbeitskreis Mittlere Generation, Gräberfürsorge und Familiengeschichtsforschung mit. Mit dem Goldenen Verdienstabzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen wurde Günter Donder ausgezeichnet (siehe dazu auch die nächste Ausgabe der PAZ).

Das Thema einer Satzungsänderung wurde auf die nächste Kreistags-Sitzung verschoben. Weitere Tagungsordnungspunkte waren das Verlesen des Kassenberichtes 2014, sowie die Stellungnahme der Kassenprüfer und die Vorstellung des Haushaltsplanes 2015. Zum Abschluss wurde das nächste Hauptkreistreffen auf den 27. und 28. August 2016 festgelegt.

Die Kranzniederlegung an den Gedenksteinen im Stadtgarten wurde mit einer Ansprache vom Bürgermeister der Stadt Hagen, Hans-Dieter Fischer und einem Beitrag von Pater Eduard Prawdzik gewürdigt. Die kleine mitgereiste Delegation gedachte der verstorbenen Verwandten und Landsleute mit einem gemeinsamen „Vater unser“ und dem Singen unserer Deutschlandhymne. Danach bestand für interessierte Besucher die Möglichkeit, das Lycker Archiv aufzusuchen. Dieser erlebnisreiche Tag klang bei netten Gesprächen mit dezenter musikalischer Untermalung im Sinfonium der Stadthalle aus.

In einem würdigen Rahmen wurde die Feierstunde in dem Sinfonium der Stadthalle Hagen am Sonntag, dem 30. August, mit zahlreichen Gästen abgehalten. Die diesjährige Veranstaltung stand unter dem Thema des 60. Patenschaftjubiläums.

Die Moderation hatte dankenswerter Weise wieder Herr Mook, vom Fachbereich des Oberbürgermeisters in Hagen, übernommen. Nach dem gemeinsamen Gesang des Ostpreußenliedes „Land der dunklen Wälder“ eröffnete die Kreisvertreterin Bärbel Wiesensee die Veranstaltung. In Ihrer Rede hob sie unter anderem das jahrzehntelange gute Verhältnis zwischen der Kreisgemeinschaft und der Patenstadt Hagen hervor. Im Anschluss folgte das Grußwort des Oberbürgermeisters Erik O. Schulz, der die Grüße der Stadt Hagen überbrachte und die weitere Gastfreundschaft untermauerte. Aufgelockert durch Gesangseinlagen des Ostdeutschen Heimatchores unter Leitung von Ingrid Struck folgte ein weiteres Grußwort durch Bernhard Jung, dem Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen in Hagen.

Zum besonderen Jubiläum der 60-jährigen Patenschaft hielt die diesjährige Festansprache der Kreisälteste Gerd Bandilla. Er stellte in seinen Ausführungen einen Rückblick auf die gemeinsamen Aktivitäten der Stadt Hagen und der Kreisgemeinschaft in den Mittelpunkt. Mit den Worten „Möge das Patenschaftsverhältnis zwischen Hagen und Lyck noch viele Jahrzehnte bestehen bleiben“, beendete er seinen teils amüsanten, aber auch nachdenklichen Vortrag.

Die Feierstunde klang mit der gemeinsam gesungenen Europahymne „Ode an die Freude“ aus. Die im Anschluss folgenden Stunden nutzten viele Besucher des Treffens zum Wiedersehen mit langjährigen Bekannten und zu heimatlichen Gesprächen. Der Büchertisch sowie die Stände mit der Heimatkartei und der Familiengeschichtsforschung waren zeitweise stark umlagert. Bei Kaffee und Kuchen gab es die Gelegenheit, einem auflockernden einstündigen Gesangsvortrag vom bekannten ostpreußischen Sänger BernStein zuzuhören.

Wieder einmal äußerten die zufriedenen Gäste den Wunsch, dass trotz rückläufiger Teilnehmerzahlen die jährlichen Treffen bestehen bleiben sollen. Allen daran beteiligten Personen sei hiermit gedankt. Bärbel Wiesensee

 

NEIDENBURG

Kreisvertreter: Jürgen Szepanek, Nachtigallenweg 43, 46459 Rees-Haldern, Tel. / Fax (02850) 1017.

Nach Jahrzehnten in der Bochumer Ruhrlandhalle, dem heutigen RuhrCongress, abgehaltenen Heimattreffen, wurde in diesem Jahr erstmals diese Veranstaltung im Erich-Brühmann-Haus in Bochum-Werne, durchgeführt. Zur Freude der Organisatoren empfand die inzwischen kleiner gewordene Besucherzahl die gemütliche Atmosphäre in den neuen Räumlichkeiten als sehr angenehm. Der Andrang in der genau gegenüber dem Veranstaltungslokal liegenden Neidenburger Heimatstube war groß. Ein Drittel der rund 150 Besucher hat diese einzigartige Nähe der Halle zur Heimatstube gerne genutzt.

Da die Bochumer Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz nach elf Jahren nicht mehr für dieses Amt kandidiert, verabschiedete sie der Kreisvertreter mit herzlichen Dankesworten und einem Blumenstrauß. Als Erinnerungsstück für diese Zeit der stets angenehmen Zusammenarbeit durfte natürlich ein Bernsteingeschenk als Zeichen des Deutschen Ostens nicht fehlen, worüber sich die scheidende Oberbürgermeisterin sichtlich freute. Es ist nicht selbstverständlich, dass Frau Dr. Scholz als Repräsentantin einer solch großen Stadt zu fast jedem Heimattreffen der Neidenburger persönlich anwesend war.

 

SCHLOSSBERG (PILLKALLEN)

Kreisvertreter: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle/Saale. Geschäftsstelle: Renate Wiese, Tel. (04171) 2400, Fax (04171) 24 24, Rote-Kreuz-Straße 6, 21423 Winsen (Luhe).

Wir waren vom 21. bis 23. August in Meiningen – und ein bisschen auch in Schirwindt. Am Freitag genossen wir einfach das Wiedersehen und Beisammensein, schwelgten in Erinnerungen und beschlossen das Plachandern mit einem selbstgebrauten Bärenfang von Waltraud Göbel.

Am Samstag war Herr Löwe als Abgeordneter der Kreisgemeinschaft Gast während unseres wehmütigen Vormittagsspaziergangs „Unterwegs in Schirwindt“. 71 Jahre nach dem Verlust unserer Heimat und der Flucht aus der kleinen Stadt sind die Familiennachrichten überwiegend schwarz gerändert. Durch die Grenze zwischen der Königsberger Exklave und Litauen entlang der Szeszuppe ist uns auch der Zugang zu unserem alten Territorium verwehrt. So bleibt nur noch die „Schirwindter Stube“ in Neustadt [Kudirkos Naumiestis] als einzige Erinnerung an Schirwindt, die über Jahrhunderte östlichste deutsche Siedlung und Stadt.

Angeregt von Ida Speder, der letzten Kindergärtnerin in Schirwindt, sammelten wir Spenden zur Unterstützung der Heimatstube in Neustadt, die an Antanas Spranaitis, der leider nicht hatte kommen können, mit unserem herzlichen Dank weitergeleitet werden.

Am Nachmittag waren wir „Unterwegs in Meiningen“, der schönen alten Thüringer Theaterstadt, wo Besuche des Theatermuseums, des Schlosses und des historischen Anlagen ein Muss sind – diesmal noch erweitert durch einen Besuch an Gerhard Preikschats Grabstätte. Der Abend klang aus mit den typischen Meininger Hütes (Klöße) in den Schloßstuben.

Nach dem gemeinsamen Gottesdienst am Sonntag wollten einige Kirchenbesucher mehr über Schirwindt wissen, weil sie sich plötzlich daran erinnerten, dass auch „meine Großmutter“, „mein Opa“ Ostpreuße war. Wir gaben Auskunft so gut wir es konnten. Danach verabschiedeten wir uns voneinander bis zum nächsten Jahr – hoffentlich. Hella Giesler

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

Das 17. Treffen der ehemaligen Johanna-Wolff-Schüler fand vom 20. bis 24. August in Achim bei Bremen im Gieschen’s Hotel, Obernstraße 12 statt. Wir lernten die Seniorin des Hotels kennen, sie ist auch Tilsiterin. Die Freude der Gruppe war groß über das Wiedersehen nach einem Jahr. Um 15 Uhr begrüßten wir alle mit Kaffee und Kuchen und schon ging das plachandern los. Vor dem Abendessen um 19 Uhr wurde Sekt gereicht. So gab es auch ein bisschen Stimmung, denn die Koffer waren ausgepackt. Bevor wir das Finanzielle geregelt haben, gedachten wir an Heinz Kuhlemann, der seine liebe Frau Doris am 20.11.2014 für immer verlassen hat.

Am ersten Tag brachte uns der Bus nach Bremen. Eine Gästebegleitung im Bus erklärte uns die Sehenswürdigkeiten. Nachdem wir uns an einem Bratwurststand hinter dem Rathaus gestärkt hatten fuhren wir mit dem Bus weiter nach Worpswede und verbrachten den Rest des Tages zur freien Verfügung. Im Eissalon trafen wir uns alle wieder und um 17 Uhr waren wir zurück im Hotel. Am Vormittag des zweiten Tages zeigte uns die Stadtbegleiterin Elke Gerbers das Kleinod Achim. Ihre liebevolle und geduldige Art machte die Stadtführung für uns zu einem Erlebnis. Am Nachmittag des gleichen Tages um 15 Uhr hatte uns unsere Dichterin Hannelore Patzelt-Hennig zu Kaffee und Kuchen ins Clüverhaus-Cafe eingeladen. Dieses Cafe ist etwas besonderes, denn hier erhalten behinderte Menschen zum Beispiel mit Down-Syndrom oder anderen Erkrankungen die Möglichkeit, aktiv am Leben teilzunehmen. Sie bewirtschaften das Cafè liebevoll unter Anleitung und bedienen die Gäste mit ihren täglich frisch aus eigener Herstellung gefertigten Waren. Es ist ein Ort der Begegnungen und bietet die Gelegenheit für behinderte und nichtbehinderte Menschen einander kennen zu lernen. Vielen Dank Hannelore für diese tolle Erfahrung. Hier ein passendes Gedicht von Hannelore Patzelt-Hennig: Ein kleines Lächeln auszusenden, / kostet nicht mehr als einen Blick, / und ohne etwas zu verpfänden, / stiftet es oft ein wenig Glück.

Am dritten Tag fuhren wir mit dem Zug nach Bremen. Wir erkundeten die Stadt zu Fuß und wurden von einer Bekannten unserer Anneliese Albrecht geführt unter anderem auch zum „Bremer Loch“. Die Besonderheit hier ist, das nach dem Einwurf eines Zwei- oder Fünf-Cent-Stückes jedes Mal eine andere Stimme der Bremer Stadtmusikanten ertönt. Unser Weg führte uns weiter durch das Schnoorviertel (Bremens ältestes Stadtviertel) und zur Böttcherstraße – sie zählt aufgrund ihrer Architektur zu den Kulturdenkmalen. Eine Weserrundfahrt mit dem Schiff rundete unseren Ausflug ab und bei Kaffee und Kuchen genossen wir die Schifffahrt.

In den Tagen unseres Beisammenseins hatten wir sehr viel Freude. Wir haben oft gesungen und es wurde sehr viel gelacht. Mit einem weinenden Auge haben wir uns am 24. August verabschiedet, freuen uns jedoch alle auf das Wiedersehen im kommenden Jahr. Bei unserem nächsten Treffen, dem 18. in 2016, werden wir Erfurt und Umgebung unsicher machen und unsere liebe Elfriede Satzer wiedersehen, die krankheitsbedingt leider dieses Jahr nicht dabeisein konnte. Schulsprecherin Irmgard Steffen,

geborene Hoedtke

 

WEHLAU

Kreisvertreter: Gerd Gohlke, Syker Straße 26, 27211 Bassum. Telefon (04241) 5586. 2. Vors. und Schriftleiter: Werner Schimkat, Dresdener Ring 18, 65191 Wiesbaden, Telefon (0611) 505009840. Internetseite: www.kreis-wehlau.de

Am 27. August 1955 übernahm der Landkreis Grafschaft Hoya die Patenschaft für den Kreis Wehlau. Etwa 25000 ehemalige Einwohner des Kreises Wehlau lebten zu der Zeit im Landkreis. Das waren rund 50 Prozent der insgesamt im Landkreis lebenden Bevölkerung. Anlässlich dieses Jubiläums fand am 4. September im Kreismuseum Syke ein Festakt statt. Der Vorsitzende der Kreisgemeinschaft Wehlau, Gerd Gohlke, gab einen Überblick über die Phasen der guten Zusammenarbeit und dankte für die vielseitige Unterstützung der Vertriebenen im Laufe der sechs Jahrzehnte. Er meinte, es wäre eine schmerzliche Tatsache, dass es den Landkreis Wehlau wohl nicht wieder geben werde. Das muss akzeptiert werden. Es gibt aber zu den heutigen Städten des ehemaligen Landkreises Wehlau gute Kontakte, welche die Hoffnung nähren, dass in einem friedlichen Zusammenleben mit Russland der Traum vom Leben in einem freien grenzenlosen Europa erreicht werden kann. Auf dem Festakt sprachen der Landrat Gerd Bockhop und die Bürgermeisterin Suse Laue in ihren Grußworten über die schwere Lage der Vertriebenen in der Zeit nach der Vertreibung. Ohne Heimat sein heißt leiden. Die Menschen hätten aber initiativreich an der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen gearbeitet und sich am Wiederaufbau nach dem Krieg und dem sogenannten Wirtschaftswunder sehr aktiv beteiligt. Es sei aber notwendig, den Kontakt zu der Heimatregion und den jetzt dort lebenden Menschen nicht abreißen zu lassen. Nichts soll vergessen werden. Dr. Sebastian Husen, Geschäftsführer der Landsmannschaft Ostpreußen, gab in seiner Festrede einen kurzen Überblick über das schwere Schicksal der über 14 Millionen Menschen, die nach Ende des Krieges aus ihrer Heimat flüchten mussten oder vertrieben wurden. Er sprach sich anerkennend über die Unterstützung durch den Landkreis und die Städte im Landkreis Diepholz aus.

Als Beispiel der Zusammenarbeit nannte er die attraktive Einrichtung des Heimatmuseums der Wehlauer. Die Veranstaltung wurde von Hans Bernhard Brümmer-Dahmen, Akkordeon, einfühlsam begleitet. Zur Erinnerung überreichte Landrat Bockhop dem Vorsitzenden der Kreisgemeinschaft Gerd Gohlke die Fahne des Landkreises Diepholz mit Wappen.

Helmut Fellbrich


S. 21 Lebensstil

Von Obernkirchen aus in alle Welt
Am 20. September ist Tag des Geotops − Ein Ort im Weserbergland zeigt, wo sein Sandstein überall Verwendung gefunden hat

Das Bremer Rathaus, der Kölner Dom und das Weiße Haus in Wa­shington haben eines gemeinsam: Sie wurden aus Obernkirchener Sandstein erbaut. Seit 1000 Jahren liefert ein Berg in Südniedersachsen Baustoff erster Güte.

Die kleine Bergstadt Obernkirchen am Rand des Weserberglands, Landkreis Schaumburg, ist weltbekannt durch den Obernkirchener Sandstein, der unweit der Stadt im Bückeberg abgebaut wird. Am 20. September, dem bundesweiten Tag des Geotops, lädt das hier ansässige Unternehmen Obernkirchener Sandsteinbrüche wieder zum Tag der offenen Tür ein.

Von 10 bis 16 Uhr finden im Steinbruch auf dem Bückeberg fachgeologische Führungen und Demonstrationen des Abbaubetriebs statt. Auf dem Werkplatz am Steinhauerplatz 6 in Obernkirchen werden Vorführungen der Verarbeitungsvorgänge mit mo­dernsten Steinbearbeitungsmaschinen geboten. Hergestellt werden Sandsteinplatten für die Park- und Landschaftsarchitektur, für Bodenbeläge, Treppenanlagen und Fassaden. Unterdessen werden die bei der Firma angestellten Steinmetze nach traditioneller Handwerkskunst auch vor einem Publikum arbeiten.

Was zeitgenössische Bildhauer in jüngster Zeit aus dem Sandstein geschaffen haben, ist entlang des „Skulpturenwegs Obernkirchen“ zu be­sichtigen. Fast alle der 26 ausgestellten Kunstobjekte entstanden auf dem alle drei Jahre hier stattfindenden Internationalen Bildhauersymposium. Die Arbeiten des diesjährigen Bildhauerwettbewerbs sind auf dem Kirchplatz vor der Stiftskirche St. Marien ausgestellt. Aus hunderten von Bewerbungen von Künstlern aus aller Welt wurden wieder zehn Teilnehmer ausgewählt, die ihre Skulpturen bis zum 6. September binnen zwei Wochen auf dem Kirchplatz vor Publikum erstellt haben.

Seit rund 1000 Jahren wird der Obernkirchener Sandstein aus den Kammlagen des 367 Meter hohen Bückebergs abgebaut. Damit ist der Steinbruch einer der ältesten aktiven Steinbrüche der Welt. Unter jüngeren Deck­schichten lagert der sechs bis neun Meter mächtige Sandstein. Entstanden ist er in der Unteren Kreidezeit vor 145 Millionen Jahren, als in Norddeutschland tropische Bedingungen herrschten.

Die niedersächsische Landschaft war eine riesige, flache Senke mit großen Seen und verzweigten Flusssystemen, und der heutige Bückeberg lag am Küstenstreifen eines Kreidemeeres, das zum Ur-Ozean Tethys gehörte. Vom südlichen Festland her strömten Flüsse ins Meer, die große Mengen von Sand transportierten. Die sehr feinen Sandkörner setzten sich hier ab, während die gröberen Sandkörner weiter südlich auf den Grund der Flüsse sanken. Durch diese natürliche Filtration erhielt der solchermaßen entstandene Sandstein eine einzigartige Feinkörnigkeit und Kompaktheit.

Der Obernkirchener Sandstein besteht aus feinen, rundgeschliffenen und dichtgepressten Körnern von feinstem Quarzsand und gehört zu den besten Europas. Von gelblich-grauer bis weißer Farbe und gleichmäßiger Struktur, zeichnet er sich durch besondere Härte und hohe Witterungsbeständigkeit aus. Kleine fossile Überreste von Muscheln und Knochen sowie von gewelltem Meeresboden sind ein Merkmal dieses Sandsteins. 2007 sorgte die Entdeckung zahlreicher Dinosaurierspuren für Aufsehen, be­sonders diejenigen von Raubsauriern (Raptoren), die damit erstmals in Europa nachgewiesen wurden.

Geläufig ist auch der Name Bremer Stein für den Obernkirchener Sandstein, weil er als Ballast auf Bremer Handelsschiffen mitgeführt wurde, die auf Nord- und Ostsee und bis nach Nordamerika segelten. Mit Ochsenkarren wurden die schweren Blöcke nach Minden und Petershagen transportiert und von dort über die Weser nach Bremen verschifft. Als Produkt der Hanse wurde der Obernkirchener Sandstein schon im späten Mittelalter europaweit geliefert. Damals befanden sich die Steinbrüche im Süden des Bückebergs. Mit Muskelkraft und einfachen Werkzeugen wurden der Stein abgebaut und die Rohblöcke zugerichtet. Im Zuge der In­dustriealisierung kamen im Steinbruch die Maschinen zum Einsatz. Bis zu 27 Steinmetzmeister mit ihren Gesellen waren mit dem Sandsteinabbau beschäftigt. An­fang des 20. Jahrhunderts waren es bis zu 350 Arbeiter.

Staunenswert und lang ist die Liste berühmter Bauwerke, bei denen der Obernkirchener Sandstein Verwendung fand, an­gefangen 1062 mit dem Wie­deraufbau des Mindener Doms. Seither waren die Ge­winnung und Bearbeitung des Sandsteins von größter Be­deutung für die Geschichte Obernkirchens. Heute ist leider auch diese ländlich geprägte Kleinstadt von erheblichen Strukturproblemen betroffen.

1167 begannen in Obernkirchen der Bau eines Augustinerinnen-Chorfrauenstifts und der Bau der ersten Stiftskirche im romanischen Stil. Nach der Reformation wurde das Kloster in ein evangelisches adeliges Damenstift umgewandelt. Das ist es bis heute, nur der Adelszwang besteht nicht mehr. In Antwerpen entstand 1561 bis 1566 das neue Rathaus vom flämischen Bildhauer und Architekten Cornelis Floris de Vriendt. 1400 Fuder Obernkirchener Sandstein oder rund 806 Kubikmeter wurden verbaut.

Eines der bedeutendsten Bauwerke der Gotik und der Weserrenaissance in Europa ist das Bremer Rathaus, das seit 2004 Weltkulturerbe ist. 1595 begann der Steinhändler und Architekt Lüder von Bentheim, mit dem Obernkirchener Sandstein am Bremer Rathaus zu arbeiten. Die schlichte Marktplatz-Front ersetzte er durch eine äußerst aufwendig gestaltete Fassade im Stil der Weserrenaissance. In Washington D.C. wurde bis 1800 das von Präsident George Washington in Auftrag gegebene Weiße Haus zu großen Teilen aus Obernkirchener Sandstein errichtet. Aus demselben Material baute man 1873 in Berlin die Siegessäule im Großen Tiergarten und von 1870 bis 1875 die Börse von Königsberg im oberitalienischen Neo-Renaissance-Stil. Die Börse befand sich in der Unterstadt gegenüber dem Kneiphof an der Grünen Brücke. Als eines von nur wenigen zerstörten Gebäuden im ehemaligen Königsberger Stadtzentrum wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg 1967 wiederaufgebaut.

Weiterhin wurden ganz oder zum Teil aus Obernkirchener Sandstein gebaut: das Rathaus in Antwerpen/Belgien, die Kathedrale in Baltimore/USA, die Elisa­bethkirche in Basel/Schweiz, das Ulmer Münster und der Kölner Dom, das Nationaldenkmal in Belem do Para/Brasilien, die Börse in Bergen/Norwegen, das Hauptpostgebäude in Kopenhagen, der Friedenspalast in Den Haag/Niederlande, Villa Hügel in Essen, Hamburger Börse, Schloss Rosenberg in Kopenhagen/Dänemark, das Schloss Zarskoje Selo bei St. Petersburg, das Schloss in Oldenburg sowie die Schlosskirche zu Wittenberg. Und vieles wird noch folgen. D. Jestrzemski


Ein Segen für Philadelphia
Zum Weltfamilientreffen besucht Papst Franziskus erstmals die USA

Auf den Philippinen war Papst Franziskus in diesem Jahr bereits. Jetzt besucht er eine namensähnliche Stadt. Bei seinem Besuch in Phila­delphia ist das Oberhaupt der Katholiken vom 22. bis zum 27. September zum ersten Mal zu Gast in den USA. Die Stadt der Unabhängigkeit, der religiösen Freiheit und der brüderlichen Liebe − so fanden die Organisatoren – passe optimal zu den Werten und Zielen des achten Welttreffens der Familien.

Die Veranstaltung wurde 1994, dem internationalen Jahr der Familie, erstmals von Papst Johannes Paul II. ins Leben gerufen. Alle drei Jahre treffen sich seit diesem Zeitpunkt Familien aus der ganzen Welt, um ihre Gedanken auszutauschen, zusammen zu beten und gemeinsam eine unvergessliche Zeit zu verbringen.

Traditionell besucht der amtierende Papst dieses riesige Familientreffen, bei dem die Veranstalter laut dem Erzbischof der US-Diözese, Charles Chaput, mit insgesamt zwei Millionen Besuchern rechnen. Der Papst wird am Vor­abend bei dem Welttreffen erwartet, um dann mit einer Million Menschen bei einem Familienfestival zu feiern. Auf dem Benjamin Franklin Parkway wird Papst Franziskus I. am letzten Tag die päpstliche Messe halten. Gläubige, die jetzt noch daran teilnehmen wollen, werden in die Röhre schauen. Als die 10000 − kostenlosen − Eintrittskarten jetzt im Internet angeboten wurden, fanden sie innerhalb von nur zehn Sekunden einen Abnehmer.

Um allen Besuchern des Familientreffens eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten, gibt es neben einer Vielzahl an Hotels auch die Option, bei einer Familie direkt vor Ort zu wohnen. Mehr als 1600 US-Bürger wollen Familien bei sich aufnehmen und stehen auch außerhalb der zahlreichen Veranstaltungen für einen Kulturaustausch mit Menschen aus aller Welt bereit.

Das katholische Weltfamilientreffen, für das den Veranstaltern ein Budget von 45 Millionen Dollar zur Verfügung steht, beginnt am Dienstag, dem 22. September mit der Eröffnungsfeier und einer Abendmesse. Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag kann jeder seinen Tag jeweils mit einer Messe starten. Viele der Aktivitäten und Veranstaltungen werden im Philadelphia Convention Center stattfinden. Dieses befindet sich im Herzen der Stadt und ist schnell und einfach von Hotels und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Philadelphia ist die zweitgrößte Metropole an der Ostküste der USA und vor allem bekannt als die Stadt, in der die Vereinigten Staaten gegründet wurden. Die vorübergehende Hauptstadt der damals jungen Nation bietet mehr historische Stätten zur US-amerikanischen Geschichte als jede andere Stadt der USA, darunter die Freiheitsglocke und die „Independence Hall“.

Philadelphia beheimatet zudem eine Vielzahl an Museen und bietet ein großartiges Kulturprogramm. Der neoklassische Kolossalbau des „Museum of Art“, dessen Freitreppe einst Sylvester Stallone als Rocky im gleichnamigen Film hinaufstürmte, sowie zahlreiche weitere Kunstmuseen und diverse Kunstobjekte an Straßen und Plätzen haben Philadelphia den Ruf einer modernen Kulturmetropole eingebracht. „The City of Brotherly Love“, die Stadt der brüderlichen Liebe“, ist zugleich Wiege der Nation und moderne Metropole und verbindet das Flair einer Großstadt mit dem Charme einer geschichts­trächtigen Kleinstadt.

„Philadelphia wird in diesen Tagen eine globale Stadt sein“, sagte Erzbischof Chaput. Neben Amerikanern werden auch Besucher aus aller Welt erwartet. tws


Diese Schlawiner
Slowakei, Slowenien? − Wohin geht die Post?

So etwas kann man nicht erfinden: 1993 landete in einem Kölner Funkhaus ein Korrespon­dentenbericht aus „Osijek Slawonien“ und wurde verworfen. Denn „Slawonien gibt es nicht, das heißt Slowenien“. O weh! Bis etwa 1918 war „Slowenien“ fiktiver Sammelname der Habsburger Provinzen Krain und Steiermark, in deren Süden das „Dreieinige Königreich Slawonien, Kroatien und Dalmatien“ lag.

1000 Jahre zuvor war laut dem Prager Sprachhistoriker Vaclav Flajshans „Serben der gemeinsame Name aller Slawen“, wovon noch die balkanischen Serben und die Lausitzer Sorben zeugen. Dass ihr Volksname von „s(e)rp“ (Sichel) herkommt, ist möglich, aber nicht beweisbar. Und vor 150 Jahren kam die slawonisch-slowenische Wiedervereinigung als „Schlawiner“, wie Georg Queri in seinem „Kraftbayrisch“ erklärte.

Seit einem Jahrzehnt sollten dank Nato- und EU-Erweiterung östliche Volksnamen Allgemeinbildung sein, wenigstens in Um­rissen: Sind Slowenen, Slowaken, Slawonier und pommersche Slowinzen sprachliche Abkömmlinge von „slovo“ (Wort) oder „slava“ (Ruhm)? Stammen Polen vom „Feld“ (pole) oder vom „Norden“ (polnoc), Ukrainer aus einer „Randregion“ (okraina)? Wurzelt die Ukraine im russischen Verb „ukrastj“ (stehlen), weil sie stets Objekt russischer Begierde war? Benennen sich Kroaten nach der „Krawatte“? Sind Rumänen Nachfahren der Römer und schreiben darum die Roma „Rromi“, um nicht mit ihnen verwechselt zu werden? Haben die karpatenslawischen „Russinen“ (oder Ruthenen) nichts mit „Russen“ zu tun?

Ethnien (Völker) und Ethnonymika (Volksnamen) sind im Osten oft grundverschieden, wie schon die russische Nestorchronik aus dem frühen 12. Jahrhundert vermerkte, „dass der Name Rus kein einheimisch-slawischer, sondern ein fremder normannischer ist“. Die Ostsee-Finnen bezeichneten die Schweden einst als „Ruossi oder Ruotsi“. Auch die Bulgaren, deren Slawentum die „Bolgarität des Kyrillischen Alphabets“ bezeugt, heißen nach einem Turkvolk von der unteren Wolga. Ähnlich bei „Cech, Sereb, Wolyn, oder Lech“.

Das als Trost für die slowakische Postdirektion in Banska Bystrica, die pro Jahr zirka 5300 Irrläufer nach Slowenien umdirigiert und staunt, dass beide Länder von Europäern häufiger als von Amerikanern verwechselt werden. Wolf Oschlies


Schwitzen am 24. September

Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr gibt es am 24. September wieder einen bundesweiten „Tag der Sauna“. Das Motto lautet diesmal „Sauna – Neuerleben!“. Viele öffentliche Saunabäder werden sich wieder mit Veranstaltungen daran beteiligen und kreative Aktionen für das gesunde Saunaerlebnis präsentieren. Ziel ist es, das Image der Sauna weiter zu steigern, neue Gäste zum Saunabaden zu animieren und bestehende Bindungen zu vertiefen.

In diesem Jahr soll das Wechselbad Sauna in ungewöhnlichen Per­spektiven gezeigt werden: Infrage kommen neuartige Formen der Inszenierung, Rituale und Zeremonien, showartige und musikalisch begleitete Aufgüsse, sowie kulturelle Aktivitäten. Vieles ist heute möglich, um die klassische finnische Sauna als „Raum aus Holz“ einmal anders zu erleben. Das Motto ermöglicht es an diesem Tag, gekonnt aus der Reihe zu tanzen, ohne den Bezug zur Saunaidee zu verlieren.

Über 31 Millionen Saunabesucher wissen bereits aus eigener Erfahrung, wie sehr Saunabaden das persönliche Wohlbefinden fördert und zur Lebensqualität beiträgt. Zahlreiche Saunabetreiber bieten am Aktionstag Schnupperprogramme, Aufgussaktionen und andere Ideen rund ums Schwitzen an. Infos, Adressen und Termine finden sich unter www.tagdersauna.de. PAZ


S. 22 Neue Bücher

Gott schweigt zu alldem
Große Naturkatastrophen

Warum lässt Gott das zu, haben sich die Menschen immer wieder bei verheerenden Naturkatastrophen gefragt. Warum müssen Hunderttausende sterben – gibt es denn keinen Himmel über uns? Inzwischen leben wir fast schon mit Katastrophen, in jüngster Zeit zum Beispiel die Verwüstung von New Orleans durch den Hurrikan „Katrina“, der verheerende Tsunami in Südostasien oder der Super-Gau im japanischen Fukushima. Zerstörerische Naturkatastrophen werden nicht mehr als singuläres Ereignis empfunden, sondern fast schon fatalistisch als gegeben akzeptiert.

In Europa werden Naturka­tastrophen wie jüngst das Beben in Nepal schnell wieder vergessen. Wo die Menschen unmittelbar betroffen sind, entwickelt sich eine Mischung aus Verzweiflung und dem zähen Wil­len, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Der in Berlin arbeitende Publizist und Zeithistoriker Hans-Dieter Otto informiert in seinem Buch über Naturkatastrophen von der Antike bis in unsere Tage. Zu Beginn erörtert er den heutigen Wissensstand um das sagenhafte Atlantis, um den im Alten Testament beschriebenen Untergang von Sodom und Gomorrha und zu mehreren schweren Erdbeben im antiken Griechenland. Zwangsläufig ist hier die Quellenlage dürftig, aber es beeindruckt doch, wie viel Detailwissen eine akribische Wissenschaft bis heute zusammengetragen hat.

Sicherer ist die Quellenlage zu Mittelalter und Neuzeit. Otto beginnt mit dem Untergang von Pompeji, nennt die bis heute im Gedächtnis gebliebenen Sturmfluten an der Nordsee zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert („Mandränken“) und beschreibt das Wüten der Pest („Schwarzer Tod“) Mitte des 14. Jahrhunderts. Das schwere Erdbeben von Lissabon im November 1755 mit hunderttausenden von Toten führte zu einer tiefen Bewusstseins- und Glaubenskrise in ganz Europa. Auf die bohrende Frage, wie Gott so etwas zulassen könne, fanden die Kirchen naturgemäß keine überzeugende Antwort.

Weniger bekannt sind in Europa die schweren Katastrophen in Asien, besonders viele Erdbeben in China und zerstörerische Wirbelstürme – und dies bis heute –im Golf von Bengalen. Überhaupt lässt sich, so der Autor, zeigen, dass Europa durch die Jahrhunderte noch vergleichsweise glimpflich davongekommen ist. Für die neueste Zeit listet Otto „nur“ die verheerenden Smog-Tage in London Ende 1952 und die Sturmflut von 1962 auf, die Hamburg besonders traf.

Die immer wiederkehrende Aufzählung der Beben, Stürme, Vulkanausbrüche, Fluten und Epidemien führt zwangsläufig zu einer gewissen Monotonie in der Darstellung, der man vielleicht durch noch mehr persönliche Berichte hätte begegnen können – entsetzte Zeitgenossen haben sich ja oft den Schrecken von der Seele geschrieben. Doch das wird letztlich aufgewogen durch das anschauliche Erzählen und das beeindruckende Wissen, das der Autor dabei zu­sam­men­ge­tra­gen hat.

Wer mehr zu den Ursachen vieler Katastrophen wissen möchte, hätte sich wohl ausführlicher die Passagen über die Bewegungen der gewaltigen Erdplatten zwischen Europa, Afrika und Asien gewünscht – bezeichnenderweise listet das Buch für Nord- und Mittelamerika nur ein einziges schweres Beben auf, nämlich das von San Francisco im April 1906.

Otto schließt sein Buch mit einem Ausblick auf „Katastrophen der Zukunft“. Umweltbelastungen, Ozonloch und Klimaveränderungen sind heute in der Tat Menetekel für mögliche schwerwiegende Veränderungen. Den beiden letzten Abschnitten über kosmische Katastrophen und Schwarze Löcher folgt der Leser hingegen relativ gelassen; mögliche Katastrophen in unvorstellbar ferner Zeit mag man einfach (noch) nicht als Bedrohung erkennen. Dirk Klose

Hans-Dieter Otto: „Über uns kein Himmel? Die größten Naturka­tastrophen der Menschheitsgeschichte“, Residenz Verlag, Salzburg 2015, gebunden, 208 Seiten, 19,90 Euro


Trostfrauen für die GI
Kein Meisterwerk, aber trotzdem lesenswert − Buch über WK II

Die meisten Historiker datieren den Beginn des Zweiten Weltkriegs auf den 1. September 1939, also jenen Tag, an dem die Wehrmacht in Polen einmarschierte. Dabei wurde zu diesem Zeitpunkt aber schon längst anderswo gekämpft und auch bis 1945 weitergeschossen, so zum Beispiel in China, wo Japan den „Zwischenfall“ an der Marco-Polo-Brücke vom 7. Juli 1937 zum Anlass nahm, das „Reich der Mitte“ zu überfallen.

Das Gleiche gilt für das Kriegs­ende: dieses fällt eben nicht auf den 8. Mai 1945, den angeblichen „Tag der Befreiung“, sondern auf den 9. September desselben Jahres – erst dann nämlich kapitulierte mit der japanischen China-Armee der letzte große Truppenverband der unterlegenen Achsenmächte. Insofern bricht der Brite Antony Beevor in seinem Werk „Der Zweite Weltkrieg“ mit festgefahrenen Gewohnheiten, wenn er genau diesen Zeitrahmen für seine monumentale Gesamtdarstellung wählt.

Ebenso fällt positiv auf, dass der Historiker und Ex-Offizier, welcher sich bisher vor allem durch Spezialstudien über Stalingrad, den D-Day und den Endkampf um Berlin ausgewiesen hat, höchst differenziert berichtet, wenn es um Kriegsverbrechen geht. So hat er kein Problem damit, den Japanern eine deutlich größere Unmenschlichkeit im Umgang mit Kriegsgefangenen und gegnerischen Zivilisten zu attestieren als der deutschen Seite. Desgleichen schildert Beevor die Übergriffe durch die Sowjets und westalliierte Soldaten in aller Deutlichkeit und Drastik. Das würde man einem deutschen Geschichtswissenschaftler sicher schon als „Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialis­mus“ ankreiden.

Ein weiteres Plus des Buches ist es, dass die Kampfhandlungen in Asien nicht nur beschrieben, sondern auch in den Gesamtkontext des Krieges gestellt werden: Dieser ist bei Beevor ein Knäuel von Konflikten, welche alle miteinander in Verbindung standen. Dabei kontrastiert die bemüht ganzheitliche Sicht des Autors – welche freilich nicht verwirrt, weil er straff chronologisch vorgeht – mit einer ausgeprägten Liebe zum Detail, die oft Bemerkenswertes zutage fördert. Wer hat denn bisher schon gewusst, dass die japanische Regierung am 21. August 1945 eine „Vereinigung für Erholung und Unterhaltung“ gründete, deren Aufgabe darin bestand, ein landesweites Netz von Spezialbordellen mit „Trostfrauen“ für die bald eintreffenden US-amerikanischen Besatzungstruppen zu schaffen?

Andererseits stimmt aber auch nicht jede Einzelheit. So taucht der erste Fehler schon auf der allerersten Seite der Einführung auf. Hier verweist Beevor auf das Schicksal des Koreaners Yang Kyungjong, welcher zunächst in die japanische Kwantung-Armee und dann in die Rote Armee gepresst wurde. Der soll nach seiner Gefangennahme durch die Wehrmacht flugs in eine deutsche Uniform „gesteckt“ worden sein – da kennt Beevor wohl die Rekrutierungspraxis für die „Ostlegionen“ nicht. In diesen dienten nämlich nur Freiwillige.

Weitere ärgerliche Fehler hat der Übersetzer zu verantworten, der wenig Ahnung von Militärgeschichte zu besitzen scheint. Sonst wäre er sicher kaum auf die kuriose Idee gekommen, die Walzen der deutschen Enigma-Schlüsselmaschine als „Rotoren“ zu bezeichnen und aus einem Lieutenant Commander der britischen Royal Navy einen „Hauptmann“ zu machen.

Gleiches gilt für das Kartenmaterial, das ebenfalls peinliche Unrichtigkeiten enthält, die von Schwächen des Lektorats zeugen. Unter anderem findet sich auf einer Karte, die den Kriegsschauplatz Ostpreußen zeigt, der Ort „Heligenberg“, womit natürlich Heiligenbeil gemeint sein soll, wo Anfang 1945 eine große Kesselschlacht stattfand.

Weiterhin wäre an dem Werk noch zu kritisieren, dass es wesentliche Regionen und Themen ausblendet. Zwar schreibt Beevor einiges über den deutschen Afrikafeldzug, ignoriert aber die Entwicklungen im Raum zwischen der Levante und Afghanistan. Und die Kämpfe um Italienisch-Ostafrika hätten auch Erwähnung finden müssen – schließlich zeigte der Zweite Weltkrieg hier ebenfalls sein hässliches Gesicht. Gleichermaßen unbehandelt bleiben ökonomische Aspekte und die Situation an den jeweiligen „Heimatfronten“.

Stattdessen liefert Beevor lieber Psychogramme der bekanntesten Generale aller Kriegsparteien, welche zwar durchaus interessant sind, aber eben auf Kosten anderer, deutlich wichtigerer Dinge gehen. Dazu kommen der oftmals sehr unkritische Umgang mit Quellen sowie die auffallende Unentschlossenheit, was Stellungnahmen zu immer noch bestehenden fachwissenschaftlich geführten Kontroversen über den Zweiten Weltkrieg betrifft. Das alles sind Gründe, das Buch zwar als lesenswert, aber nicht unbedingt als großes Meisterwerk einzustufen. Wolfgang Kaufmann

Antony Beevor: „Der Zweite Weltkrieg“, Bertelsmann Verlag, München 2014, 976 Seiten, gebunden, 39,99 Euro


Nu is futsch un vorbai
Vertriebene, »Mutti« Merkel und Danziger Mundart – Grass sagt leise Servus

Der neue Grass ist da! Im selben Atemzug muss hinzugefügt werden: Es ist auch der letzte. Denn von dem am 13. April gestorbenen Literaturnobelpreisträger wird es kein weiteres Werk mehr geben, abgesehen vielleicht von Nachlassveröffentlichungen, mit denen der Steidl-Verlag nicht zuletzt auch aus kommerziellen Gründen in Zukunft die Erinnerung an seinen Vorzeige-Autor hochhalten wird.

Nun ist also posthum ein Band erschienen, mit dem sich Günter Grass von seinen Lesern noch sehr bewusst verabschieden wollte. „Vonne Endlichkait“ heißt die Sammlung aus Gedichten, kurzen Prosaskizzen und Grafiken, die sich metaphernreich um Zerfall, Moder, Fäulnis, Auflösung und den eigenen Niedergang drehen (siehe auch PAZ Nr. 36).

Als Grass an dem Buch arbeitete, war er sich wohl bewusst, dass sein Ende nahte. Dabei schlägt er keineswegs einen wehmütigen Ton an, sondern sorgt mit humorvollen Geschichten wie der über ein vergnügliches Probesitzen im Sarg dafür, dass es kein tränenreiches Adieu geworden ist. Hin und wieder bricht der alte kämpferische Lautsprecher in ihm zur aktuellen Weltlage durch. Im Gedicht „Fremdenfeindlichkeit“ vergleicht er das Schicksal Vertriebener mit dem von später Zugezogenen. Die Heimischen, die früher zu den Fremden riefen, „geht hin, wo ihr hergekommen seid!“, hätten jetzt gelernt, „mit ihnen zu leben“. Dass auch Kanzlerin Merkel in dem – peinlichen – Gedicht „Mutti“ ihr Fett wegkriegt, mag dem Altersstarrsinn des gekränkten Alt-Linken geschuldet sein, der sich dann auch beklagt: „Jetzt sind sogar die Sozis mit ihr ins Bett gekrochen, / entlohnt mit trockenem Gnadenbrot.“

Seinen Drang, sich politisch einzumischen, konnte er nie unterdrücken. So ließ sich das schmale Buch wenigstens um ein paar echte Grass-Töne auffüllen, um dann doch wehmütig zu enden: Grass vermisst seinen Nachbarn am Deich, der ihn in ostpreußischer Mundart mit „Liebärchen“ ansprach. „Heimatvertriebene nannte man sie. Mit ihnen starb eine Sprache, die mich von jung an gewärmt hatte, deren Reste ich retten wollte, vergeblich.“ Harald Tews

Günter Grass: „Vonne Endlichkait“, Steidl Verlag, Göttingen 2015, geb, 176 Seiten, 28 Euro


Blabla auf humorvolle Art
Ein Sprachwegweiser, dem man vertrauen darf − Neues Werk des populären britischen Linguisten David Crystal

Sprache ist zweifellos das wichtigste Kulturmerkmal. Einer der bedeutendsten Linguisten unserer Zeit, David Crystal, ist davon überzeugt, dass verbale Kommunikation uns erst zum Menschen macht. Die aus Nordirland stammende Forscher­ikone hat nicht weniger als 60 Bücher veröffentlicht, davon mehrere als populäre Veröffentlichungen. Unter dem Titel „Das kleine Buch der Sprache“ ist nun von ihm in deutscher Übersetzung gleichsam eine Art von Handbuch über die Sprache erschienen, das alle wichtigen Aspekte rund um dieses Thema zusammenfasst.

In 48 kurzen Kapiteln erklärt uns Crystal, warum sich unsere Sprache ständig verändert sowie einige hochkomplexe Zusammenhänge, etwa die Funktionsweise des Sprachapparats des Menschen oder die Stufen des frühkindlichen Spracherwerbs. Häufig präsentiert er Beispiele aus seiner Muttersprache Englisch, doch wurde bei der deutschen Ausgabe seines Werks dafür gesorgt, auch diese Zielgruppe hinreichend zu berücksichtigen. Darüber hinaus bezieht sich der hochkarätige Autor auf Sprachzeugnisse aus aller Welt, einschließlich frühgeschichtlicher Epochen, und greift damit inhaltlich denkbar weit aus. Zahlreiche Kästen mit weiteren Fallbeispielen steigern die anschauliche Präsentation sämtlicher Sachverhalte.

Mit spürbarer Begeisterung für sein Fachgebiet befasst sich Crystal auch mit modernen Entwick­lungen wie den Auslassungen in den SMS-Nachrichten. Dass er ein humorvoller Mensch ist, steht außer Frage, da man bei dieser Lektüre immer wieder Anlass zum Schmunzeln hat. Es handelt sich um ein sogenanntes niedrigschwelliges Angebot, das möglichst alle interessierten Leser erreichen möchte.

Die Tonlage erinnert am ehesten an einen Volkshochschulvortrag, was aber keinesfalls als eine herabsetzende Bemerkung gemeint ist. Eine zufällig ausgewählte Textprobe mag dies verdeutlichen: „Wir merken es sofort. Wir begegnen einem Sprecher unserer Muttersprache … und hören, dass er nicht so spricht wie wir selbst… Wie kommt das? Die Antwort lautet: Es liegt an den Akzenten und Dialekten. Diese beiden Begriffe muss man gut auseinanderhalten, daher erkläre ich sie nacheinander.“

Aufgrund von Entwicklungen, auf die hier nicht näher eingegangen wird, ist es wahrscheinlich, dass weltweit rund die Hälfte der heute gesprochenen Sprachen im laufenden Jahrhundert aussterben wird. Der Autor wünscht und hofft, dass sich überall Menschen in ihrer Heimatgegend für den Erhalt der Sprache einer ethnischen Minderheit einsetzen. Man hätte darauf hinweisen können, dass dies in Deutschland die sorbische Sprache in der Ober- und der Niederlausitz betrifft.

So weitgehend hat man sich aber bei der Bearbeitung der eng­lischen Ausgabe von 2010 – deren Titel ungenannt bleibt – nicht auf deutsche Besonderheiten eingelassen. Das ist wegen der gebotenen Kürze des Textes auch nachvollziehbar. Allerdings werden einige spannende Forschungsfelder denn doch entschieden zu kurz abgehandelt. So äußert sich Crystal nur vage über den Ursprung und die früheste Entwicklung der menschlichen Sprache, obwohl es hierzu in Verknüpfung mit Archäologie und Paläontologie neue, aufsehenerregende Theorien gibt.

Generell scheint in diesem Werk die Verknüpfung von Wissenschaftsdisziplinen nicht durch. Dementsprechend hält man vergeblich Ausschau nach den Namen berühmter Forscher, die sich auf den mit der Linguistik vernetzten Feldern (Biologie, Anthropologie, Psychologie oder Neurologie) hervorgetan haben so­wie übrigens auch nach den Namen anderer Sprachwissenschaftler. Häufig begegnet uns hingegen der Name David Crystal in dessen eigenem Buch, nämlich wenn es etwas zu erklären gibt. Dann wird es wieder einmal lustig: „Für viele Japaner ist es schwierig, meinen Nachnamen auszusprechen. Sie sprechen ihn etwa so aus: kur i su ta ru (C ry s ta l).“

Desgleichen fehlen in dem Sprachwegweiser Literaturangaben und selbst eine Literaturliste als Beigabe, was sonst auch bei populärwissenschaftlichen Büchern eine Selbstverständlichkeit ist. Weiterhin hat man offenbar vergessen, den Namen des Künstlers bekannt zu geben, dessen wunderhübsche Grafiken diesen Band schmücken. Alles in allem gibt es daher bedauerlicherweise nur eine Empfehlung mit Einschränkung. D. Jestrzemski

David Crystal: „Das kleine Buch der Sprache“, aus dem Englischen von Dagmar Mallett, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2015, gebunden, 304 Seiten, 22 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Schmierfinken / Warum der Krieg in Syrien wirklich ausbrach, wie dumme Leute Fernsehen machen, und wieso die »Qualitätspresse« ans Steuergeld will

Was sind das eigentlich für Leute, die da aus Syrien zu uns kommen? Das ARD-„Mittagsmagazin“ klärt auf. Moderatorin Hannelore Fischer versprach in der Sendung Ende vergangener Woche, uns einmal die „Geschichten dahinter“, hinter den nackten Zahlen und anonymen Zuwandererkolonnen zu erzählen.

So stellten uns die Kollegen vom Staatsfunk in kurzen Beiträgen ein knappes halbes Dutzend Syrer vor, die ihre „Geschichte dahinter“ preisgaben, damit wir den durchschnittlichen syrischen Flüchtling näher kennen- und einschätzen lernen.

Die äußerst sympathischen jungen Leute hatten erstaunlicherweise alle eines gemeinsam: Es handelte sich durchweg um Studenten oder frischgebackene Akademiker. Kein Tagelöhner, kein Bauarbeiter, kein ungelernter Arbeitsloser war dabei und schon gar nicht der „analphabetische Ziegenhirte“, der sowieso nur in den finsteren Vorurteilen europäischer Rassisten existiert.

Dieser repräsentative Querschnitt der syrischen Gesellschaft gibt uns endlich Aufschluss darüber, warum der scheußliche Bürgerkrieg überhaupt ausgebrochen ist. Nein, es war nicht der Disput zwischen einem Diktator und aufmüpfigen Oppositionellen, nicht das Auftauchen der Kopfabschneider unter ihren schwarzen Fahnen mit ihren noch schwärzeren Ideen, was diesen Konflikt vom Zaun brach.

Es war ganz anders. Weil das gesamte syrische Volk bis auf den letzten Mann und die letzte Frau mittlerweile aus Studenten oder Akademikern bestand, gab es niemanden mehr, der den Müll abholte, die Straßen teerte, den Bus fuhr oder all die anderen Sachen machte, die manch einer arrogant als „einfache Tätigkeiten“ abtut. Selbst in den Mensaküchen, von denen es in dem Land der Studenten und Akademiker Zigtausende gegeben haben muss, tat sich nichts mehr.

Eine Katastrophe! Als alles zusammengebrochen war, drehten die Hochgebildeten verständlicherweise durch und begannen, wild auf einander zu schießen. So kam der Krieg.

Bin ich zynisch? Ja, bin ich wohl, gebe ich zu, entschuldigen Sie. Aber an den Zynismus solcher Programm-Macher komme ich bei Weitem nicht heran. Die versprechen „Hintergründe“, also ein realistisches Bild von den Neuankömmlingen, und versuchen dann, uns mit dieser sagenhaft einseitigen Zusammenstellung von Fallbeispielen („alles Fachkräfte“) aufs Kreuz zu legen. Man muss seine Zuschauer schon maßlos verachten, wenn man sie für so leicht manipulierbar hält.

Oder? Wer weiß, vielleicht tun wir den armen Menschen in der TV-Redaktion auch furchtbar unrecht. Johannes Gross war in den 70er und 80er Jahren einer der bekanntesten deutschen Journalisten. Völlig verdient, denn der 1999 verstorbene Autor war einer der brillantesten Köpfe seiner Zeit.

Gross teilte die Geschichte des deutschen Fernsehens in drei Phasen ein: In der ersten Phase machten kluge Leute Fernsehen für kluge Leute, in der zweiten machten kluge Leute Fernsehen für dumme Leute und in der dritten Phase machten dumme Leute Fernsehen für Dumme. Wir, so Gross, befänden uns im Übergang von Phase zwei auf Phase drei. Das sagte er vor 30 Jahren, weswegen uns klar sein sollte, in welchem Abschnitt seiner TV-Historie der gute Gross uns heutige Zeitgenossen wähnen würde.

Daher sollten wir mit dem Schimpfwort von den „Lügenmedien“ vorsichtig umgehen. Es ist nie auszuschließen, dass die den Quatsch tatsächlich selber glauben, den sie uns vorsetzen. In diesem Falle sind sie keine Lügner, sondern bloß ein bisschen unterbelichtet.

Das ist an sich ja keine Schande, Dummheit ist menschlich. Allerdings haben die geistig benachteiligten TV-Macher das Pech, in einer vierten Phase der Fernsehgeschichte zu leben, die selbst der geniale Gross nicht vorhersehen konnte. In einer Phase nämlich, wo dumme Leute Fernsehen machen für Zuschauer, unter denen sich auch viele kluge Menschen finden, welche den Blödsinn bemerken und sehr, sehr ungehalten reagieren.

Erschüttert und zutiefst beleidigt berichten Fernsehmacher davon, wie ihnen in Zuschauerbriefen die Hucke voll gehauen wird. Ihrem Horizont geschuldet begreifen die TV-Leute gar nicht, warum das passiert und beklagen ein „gesellschaftliches Klima, in dem Hass und Hetze“ sich immer mehr ausbreiteten.

Dem will Justizminister Heiko Maas einen Riegel vorschieben, und anfangen will er beim Kampf gegen Hass und Hetze im Internet, genauer: beim Portal „Facebook“, wo im Grunde jeder reinschreiben darf, was ihm durch den Kopf geht. Die „Facebook“-Betreiber sollen gezwungen werden, „Hass“-Äußerungen zu löschen und bei der Auffindung der Urheber behilflich zu sein, damit diese bestraft werden können.

Was nun genau zum „Hass“ aufstachelt und was bloß eine derbe Meinungsäußerung darstellt, da gehen die Meinungen vermutlich auseinander. In einem vielbeachteten linksextremen Internetportal las ich dieser Tage den denkwürdigen Ausruf: „Deutschland, du mieses Stück Sch...!“ Mir ist nicht zu Ohren gekommen, dass Herr Maas oder sonst wer gegen diese offenkundige Hass-Äußerung vorgegangen wäre. Ob die wohl genauso gleichgültig (also gar nicht) reagiert hätten, wenn da beispielsweise „Afrika, du mieses ...“ gestanden hätte?

Ach, das Internet! Ein gefährlicher Ort. Jenes Netz haben die großen Verlagskonzerne als tödliche Gefahr für ihre Blätter ausgemacht. Dorthin, so heißt es im Klageton, entschwänden ihre Leser. Warum? Vielleicht wegen Beiträgen wie diesem: Ein großes Nachrichtenmagazin donnerte gerade „Schluss mit den Vorurteilen. Sechs Fakten: Das bringen Flüchtlinge Deutschland wirklich.“ Hier eine Auswahl jener „Fakten“: Es sei ein Vorurteil, dass Asylbewerber Einheimischen die Arbeitsplätze wegnähmen, weil von den Asylbewerbern sowieso fast keiner arbeiten geht. Aha, und das „bringt“ Deutschland konkret – was? Dann lesen wir, dass der Staat von Januar bis Juli 21,1 Milliarden Euro Überschuss aus unseren Steuern erzielt hätte, während die Flüchtlinge nur zehn Milliarden kosteten, „bleiben also noch mehr als elf Milliarden Euro übrig“. Es „bringt“ Deutschland demnach etwas, dass nicht der ganze Überschuss futsch ist? Sind wir reicher, weil die Flüchtlinge nur die Hälfte des Überschusses kosten? Wenn Ihnen der Nachbar nur den halben Apfelbaum plündert, sollten Sie ihm dankbar sein für Ihren „Gewinn“, weil die andere Hälfte ja noch da ist.

Von ähnlicher Machart sind auch die übrigen „Fakten“. Mag man es Lesern verdenken, dass sie sich von solchem Unsinn aus der Abonnentenliste treiben lassen und am Kiosk zu anderen Zeitungen greifen? Kaum, doch auf Dauer kann der Leserschwund die Existenz der Konzernmedien gefährden, weshalb die großen Verlage händeringend nach einer Lösung suchen, die sie von der lästigen Abhängigkeit von zahlenden Lesern befreit.

Neidisch blicken die Konzerne dabei auf die Staatssender. Denen kann es bekanntlich egal sein, ob sie bei ihrer Kundschaft ankommen oder nicht, sie werden per Zwangsbeitrag finanziert, in Milliardenhöhe. So schön wollen es die Zeitungskonzerne auch haben und lassen durch ihre Redakteure entsprechende Ideen in Umlauf bringen. Am besten wäre es, so lesen wir, wenn der Steuerzahler zwangsweise zur Kasse gebeten würde, um auch die großen „Qualitätszeitungen“ zu päppeln. Wer wie viel von dem Geldsegen abbekommt, soll eine Art Gremium aus „unabhängigen Fachleuten“ bestimmen.

Es bedarf keiner großen Phantasie, um sich vorzustellen, wie diese „Fachleute“ ausgewählt würden und wie „unabhängig“ eine solchermaßen geschmierte Presselandschaft noch wäre: „Wes Lied ich sing’ ...“ Das für Journalisten gelegentlich gebrauchte Schmähwort vom „Schmierfinken“ bekäme jedenfalls einen völlig neuen Gehalt.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Asylanten gegen Asylheim

Berlin – Die 24 überwiegend schwarzafrikanischen Besetzer der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wehren sich entschieden dagegen, dass in dem Gebäude ein Asylheim eingerichtet wird. Der grün regierte Bezirk will hier Platz für 100 bis 150 Asylbewerber schaffen. Die ebenfalls als Asylbewerber ins Land gekommenen Männer wollen in dem seit drei Jahren besetzten Haus „eigene Projekte“ realisieren und fordern ein garantiertes, dauerhaftes Bleiberecht. H.H.

 

Schweden in Finanznot

Stockholm – Schweden muss sich laut Finanzministerin Magdalena Andersson eine große Summe bei der „Europäischen Investitionsbank“ (EIB) leihen, um rapide steigende Asylkosten zu stemmen. Dies berichtet das „Schweizmagazin“. Demnach ist durch die Asylkosten eine riesige Finanzierungslücke entstanden, obwohl das Land im Sommer schon etliche Steuern angehoben hat. H.H.

 

Friedlich ins Amt geputscht

Vor allem Italien schien früher von Goldman Sachs „regiert“ zu sein. Mit Romano Prodi und Mario Monti gab es gleich zwei Premierminister, die einst bei dem US-Investmentunternehmen beschäftigt waren. Ähnliches gilt für den Italiener Mario Draghi, der gegenwärtig der EZB vorsteht. Jetzt kann sich Goldman Sachs auch auf die Fahne schreiben, früher jemanden beschäftigt zu haben, der Regierungschef von Australien ist.

Malcolm Turnbull war von 1997 bis 2001 der Leiter von Goldman Sachs in Australien. Nach seinem Ausstieg aus der Finanzwelt investierte er Millionen australische Dollar in seine politische Karriere, die jetzt nach einem parteiinternen Putsch gegen den bisherigen Premier Tony Abbott in der Ernennung zum Regierungschef gipfelte. Damit ist der 60-jährige Jurist, der mit einem geschätzten Vermögen von umgerechnet 126 Millionen Euro zu den 200 reichsten Australiern zählt, der vierte Premier in nur zweieinhalb Jahren.

Den Australiern macht es zu schaffen, dass keine der bisherigen Regierungen die Wirtschaftsprobleme in den Griff bekam. Als Rohstofflieferant leidet das Land unter der Wirtschaftskrise in China. Die Arbeitslosigkeit von 6,3 Prozent ist für australische Verhältnisse gewaltig groß. Als der erzkonservative Abbott auch noch Prinz Philip, dem Gemahl von Australiens Staatsoberhaupt Queen Elisabeth, eine Ritterwürde verlieh, fing die antimonarchistische Front um den in Oxford ausgebildeten Turnbull an, innerhalb der liberalen Partei erfolgreich zu rebellieren. Mit seinem Kampf gegen die Klimaerwärmung und für die gleichgeschlechtliche Ehe machte sich der mit der Leiterin der Deutsch-Australischen Handelskammer verheiratete Turnbull bei seinen Landsleuten beliebt, die solche Träume mehrheitlich gern als weltoffen betrachten. H. Tews


MEINUNGEN

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán fordert im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung (12. September), dass die Europäer endlich einsehen mögen, was eine ungezügelte Einwanderung von Muslimen für ihren Kontinent bedeutet:

„Auch hier dürfen wir uns nichts vormachen: Durch Zuwanderung werden Muslime in absehbarer Zeit in Europa in der Mehrheit sein. Wenn Europa einen Wettkampf der Kulturen zulässt, dann werden die Christen verlieren ... Der einzige Ausweg für diejenigen, die Europa als christlichen Kulturkreis erhalten wollen, ist: Nicht immer mehr Muslime hereinlassen! Aber darüber reden Europas Spitzenpolitiker nicht gern.“

 

 

Der Berliner Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski geht Merkels Einwanderungs-Politik in der „FAZ“ (14. September) ebenfalls scharf an:

„Der Bundeskanzlerin fällt nur eine Wahlkampffloskel ein: ,Wir schaffen das.‘ Und sie fügt hinzu, dass Deutschland sich in den nächsten Jahren bis zur Unkenntlichkeit verändern werde. Als ob es die Aufgabe der Politik wäre, die Krise nur zu verwalten. Und als ob es einerlei wäre, was die Bürger dieses Landes darüber denken ... Die Politik hat entschieden, dass Deutschland ein Vielvölkerstaat werden soll.“

 

 

Hans-Peter Friedrich (CSU), Vizechef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und früherer Bundesinnenminister, hat auf einer Diskussion des Lebensmittel-Verbands BLL am 8. September das Verhalten der Medien in der Asyldebatte kritisiert:

„Die Medien machen auf Willkommenskultur. Die veröffentlichte Meinung und die öffentlichen Meinungen sind 180 Grad auseinander. Die Presse ist dabei, bestimmte Fakten auszublenden. Die Leute wollen informiert werden. Sie wollen nicht die politische Meinung eines Redakteurs, der Stimmung macht – zum Beispiel in der aktuellen Diskussion.“

 

 

Auch Wolfgang Röhl attackiert im Autorenportal „Achse des Guten“ (7. September) das Verhalten deutscher Medien:

„Die Propagandakampagne bekommt langsam totalitäre Züge. Beim Thema Flüchtlinge machen viele Medienportale immer öfter die Schotten dicht. Sie deaktivieren ihre Kommentarfunktionen, wie schon beim Ukraine-Konflikt. Als hätten Leser, welche die verordnete Willkommensfreude verweigern, sich plötzlich in eine Bande von rechtsradikalen Trollen verwandelt.“

 

 

Im „Spiegel“ (online, 14. September) erklärt die kurdische Syrerin Evrim, die es aus der Türkei bis Wien geschafft hat, warum sie nach Deutschland möchte und wie sie die deutschen Grenzkontrollen überwinden will:

„Deutschland kann doch jetzt nicht zumachen. Wohin sollen wir dann gehen? Was soll ich in Österreich? Ich weiß nichts über Österreich. Wir sind dort Fremde. Ich will nach Deutschland. In Deutschland sind so viele Syrer. Da sind wir keine Fremden ... Wenn wir irgendwie bis in die Nähe der Grenze kommen, dann marschieren wir einfach zu Fuß nach Deutschland.“