© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 49/15 vom 05.12.2015

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Sie müssen wieder gehen
Wo Integration aussichtslos ist, bleibt Rückwanderung die einzige Lösung

CDU-Vizechefin Julia Klöckner fordert „Integrationspflicht“ und Burka-Verbot. Das ist lobenswert, wird aber nicht viel helfen.

Äußerungen hochrangiger Politiker zur Asylfrage zeigen deutliche Zeichen einer wachsenden Verunsicherung. Selbst in den Medien, die noch vor Monaten beinahe einhellig den „Willkommens“-Kurs der Kanzlerin unterstützten, nehmen kritische Stimmen immer breiteren Raum ein.

Das hat seinen Grund: Bisher abgestrittene Wahrheiten können angesichts ihrer Offensichtlichkeit kaum mehr geleugnet werden, wie dies unlängst noch möglich schien. Wer seinerzeit angesichts der Asylflut von „Invasion“ sprach, die Massen gar als „strategische Waffe“ gegen Deutschland und Europa deutete, wurde rabiat in die Rechtsaußen-Ecke verbannt.

Nachdem die Türkei die EU erfolgreich mit weiterer Zuwanderung erpresst hat, ist die strategische Rolle der Asylmassen offenkundig geworden. Erdogan wird Milliarden und Visa-Erleichterung bekommen und sogar die Perspektive einer EU-Mitgliedschaft der Türkei tritt wieder auf die Tagesordnung. Ankara feiert die Demütigung der Europäer, der Deutschen zumal,  als Triumph, der erst durch Merkels Politik des Hereinlassens „ohne Obergrenze“ möglich wurde.

Auch hinsichtlich der Spätfolgen dieser Politik wächst die Nervosität in dem Maße, wie die Verantwortlichen ahnen, dass sie eine soziale und kulturelle Zeitbombe ins Land gelassen haben.

CDU-Vizechefin Julia Klöckner fordert eine schriftliche Verpflichtung der Zuwanderer zur Integration, zum Vorrang des Grundgesetzes vor der Scharia, zur Gleichberechtigung der Frau und zum Respekt vor Homosexuellen und ähnlichem. Gleichzeitig verlangt Klöckner ein Burka-Verbot.

Aus diesen Forderungen spricht die realistische Sorge, dass ein weiteres Anwachsen abgeschotteter muslimisch-orientalischer Gegengesellschaften das Land zerreißen könnte. Dennoch ist die dahinterstehende Hilflosigkeit nicht zu übersehen. Auch Klöckner wird kaum glauben, dass man eine in Jahrhunderten gewachsene kulturell-religiöse Kluft per Dekret unschädlich machen kann. Das begrüßenswerte Burka-Verbot ist in Belgien und Frankreich längst gültig, und doch hat es dort das Aufkeimen abgekoppelter, explosiver Gegengesellschaften offensichtlich nicht verhindern können.

Das Resümee ist so einfach wie hart: Wenn nicht integrierbare Träger von Kulturen und Wertvorstellungen, die mit unseren nicht vereinbar sind, in zu großer Zahl einwandern, ist Ghettobildung unvermeidlich, mit allen riskanten Folgen. Da helfen auch gutgemeinte Vorschläge wie die Klöckners nicht viel. Stattdessen müssen der Zustrom massiv reduziert, Wege der Rückwanderung für nicht Integrierbare geöffnet und deren Rückwanderung nachhaltig gefördert werden. Eine Bleibe-Perspektive darf es nur für Zuwanderer geben, die integrationsfähig und -willig sind, um eines Tages Deutsche zu werden.   Hans Heckel


Was treibt Juncker?
EU-weite Kontensicherung soll plötzlich über Nacht kommen

Bundesbank und Bundesregierung wehren sich entschieden gegen den überraschenden Vorschlag von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, so schnell wie möglich ein EU-weites Einheitssystem zur Sicherung von Sparkonten einzuführen. Damit würden deutsche Steuerbürger die Mithaftung für alle Sparkonten in der EU im Falle eines Banken-Zusammenbruchs in irgendeinem Mitgliedstaat übernehmen.

Für die Deutschen ein in jeder Hinsicht schlechtes Geschäft. Sparkonten in Deutschland sind schon heute so gut abgesichert wie in kaum einem anderen EU-Land. Seit der Einführung des Einlagensicherungsfonds Mitte der 70er Jahre kam es zu 30 Schadensfällen. In keinem haben Sparer Geld verloren. Die Hälfte der EU-Staaten verfügt bislang hingegen über gar keinen auch nur annähernd vergleichbaren Schutzschirm. In der Praxis wären die Deutschen also ausschließlich Zahler.

Ursprünglich war vorgesehen, einen EU-Sicherungsfonds erst einzurichten, wenn alle Mitgliedstaaten einen nationalen Fonds nach einheitlichen Mindeststandards aufgebaut haben. Zudem sollten deutsche Sparkassen und Volksbanken wegen ihrer guten Eigensicherung vom europäischen Fonds ausgenommen bleiben.

Dies soll laut Juncker nun nicht mehr gelten. Beides, der Wegfall der Ausnahmeregelung und die plötzliche Hast in Brüssel, lassen düstere Ahnungen sprießen. Als früherer luxemburgischer Ministerpräsident ist Juncker gut mit dem Bankenwesen vernetzt. Weiß der EU-Kommissionschef von akuten Gefahren im europäischen Bankensystem, von denen die Öffentlichkeit noch nichts mitbekommen hat? Die plötzliche Eile des Luxemburgers lässt jedenfalls auf nichts Gutes schließen.                H.H.


Mit oder ohne Assad
Anti-IS-Koalition uneinig über Schicksal des syrischen Präsidenten

Nach den Anschlägen in Paris ist sich die westliche Welt einig darüber, dass der „Islamische Staat“ bekämpft werden muss, um das heimtückische Morden und eine Ausbreitung der Terrormiliz zu beenden. Sie ist sich auch einig darüber, dass dies nicht ohne Russland geht.

Während Frankreich sich aktiv an den Luftattacken beteiligen will und dabei eine Koalition mit Russland im Blick hat, zögern die Nato-Partner noch, das Feindbild Putin zu revidieren und den russischen Präsidenten wieder als Gesprächspartner zu akzeptieren. Seit dem Abschuss des russischen Kampfjets durch den Bündnispartner Türkei über syrischem Territorium steht die Nato unter Zugzwang. Einerseits ist sie verpflichtet, ihrem Mitglied Türkei beizustehen, andererseits wurde schnell klar, dass die Darstellung der Ereignisse seitens der türkischen Regierung erhebliche Zweifel zulässt und eher dazu geeignet ist, zu vermuten, dass die Türken aus politischem Kalkül bewusst ein Störfeuer gegen eine französisch-russische Anit-IS-Allianz legen wollten.

Wladimir Putin wirft Recep Tayyip Erdogan vor, den IS, der sich mit Ölverkäufen finanziert, aktiv zu unterstützen, Erdogan kündigte seinen Rücktritt an, falls die Russen Beweise für ihre Anschuldigungen vorlegen könnten. Erdogan stellt die Türkei vor eine Zerreißprobe.

Eine Frage, die alle umtreibt, lautet: IS-Bekämpfung mit oder ohne Assad? Dem IS ist ohne den Einsatz von Bodentruppen kaum beizukommen. Diese Erkenntnis teilen nach den erfolglosen Einsätzen der USA viele Militärkundige. Da aber alle am Konflikt beteiligten Parteien erklärt haben, keine Bodentruppen entsenden zu wollen, bleibt nur, Assads Armee zu unterstützen, um die Terroristen zurückzudrängen.          M. Rosenthal-Kappi

                (siehe auch Seite 6)


Hans Heckel:
Demokraten

Schon wieder eine kleine Meldung, die den Niedergang des freiheitlich-demokratischen Gemeinwesens anschaulicher beschreibt als jeder Bericht über gewalttätige Krawalle von Extremisten auf unseren Straßen: Das Hannoveraner „Congress Hotel“ hat mehreren Delegierten des AfD-Bundesparteitags am vergangenen Wochenende die Zimmerbuchungen storniert. Begründung: Bei linken Anti-AfD-Demonstrationen vor dem angeschlossenen Kongresszentrum könne es zu Ausschreitungen kommen. Die möchte man vom Hotel weitestmöglich fernhalten.

Vor zwei Jahrhunderten klärte der Franzose Alexis de Tocqueville in seinem Buch über die Demokratie auf, dass gesetzlich garantierte Freiheitsrechte auch in einer Demokratie wenig wert seien, wenn sie einem von den Mitbürgern in der Praxis streitig gemacht würden. Dies bedeutet, dass unsere Freiheit trotz Grundgesetz zum Teufel geht, wenn die Bürger sie nicht selbst verinnerlicht haben, gegenseitig achten und verteidigen.

Immer öfter aber erleben wir, wie – sei es aus Intoleranz, sei es aus Feigheit – die Bürger selbst die Freiheitsrechte mit Füßen treten. Sie scheinen dabei nicht einmal zu merken, welche Tragweite ihr Fehlverhalten hat, dass es die Wurzel unserer Ordnung unterminiert. Ihnen ist auch nicht bewusst, dass das, was sie beim anderen zerstören, auch ihnen selbst verlorengeht. Denn irgendwann schlägt die Zerstörung der Freiheit auf sie zurück.

So könnten wir dereinst auf die bittere Erkenntnis zurückgeworfen werden, die am Ende von Weimar stand: „Demokratie ohne Demokraten“ – das geht nicht lange gut.


S. 2 Aktuell

Zu alt und zu männlich
Chinas KP hat reagiert: Schwenk und von der Ein- zur Zwei-Kind-Politik

Wenn nach dem kürzlich erfolgten Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas  jetzt Ehepaare zwei Kinder bekommen dürfen, so sollte man diesen Schritt nicht als allgemeine Liberalisierung des Regimes werten, sondern als ein dringend erforderliches Ende der bisherigen Ein-Kind-Politik Pekings sehen; westliche China-Experten prognostizierten dies bereits vor etlichen Jahren.

Der einst von Mao Tse-tung überaus geförderte Bevölkerungszuwachs ließ die Zahl der Chinesen von 582 Millionen Menschen bis auf heute 1,4 Milliarden ansteigen. Bereits 1979 hatte die chinesische Führung befohlen, dass Familien nicht mehr als ein Kind haben dürften. Zwangssterilisierungen, extrem hohe Geldstrafen bis zur Beschlagnahme allen Eigentums waren in jenen Jahren an der Tagesordnung.

Zur Begründung hieß es später offiziell, nur auf diese Weise habe die Bevölkerung um 400 Millionen abgenommen und sei der Wirtschaftsaufschwung der Volksrepublik überhaupt erst ermöglicht worden. Seitdem jedenfalls wurden lediglich rund 218 Millionen Kinder geboren. Betrug der Anteil der Kinder (bis 14 Jahren) an der Gesamtbevölkerung 1982 noch knapp 34 Prozent, so fiel er inzwischen auf jetzt rund 15. Mu Guangzong, Professor am Institut für Bevölkerungs-Forschung an der Universität Peking, meinte vor einiger Zeit  sehr offen, in den vergangenen 13 Jahren hätte die Geburtenrate in China offiziell 2,1 betragen, tatsächlich aber habe sie unter 1,6 gelegen. Seine wissenschaftliche Schlussfolgerung ist düster: „Der Rückgang der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter stellt eine Bedrohung für Chinas Wirtschaft wie für die nationale Verteidigung dar.“

Zugleich aber sind heute über 221 Millionen Menschen im Rentenalter. Das ist fast jeder sechste Chinese. In den nächsten zehn Jahren kommen knapp 100 Millionen dazu. In rund 30 Jahren dürften 430 Millionen über 60 Jahre alt sein, also jeder Dritte.

Ein weitaus größeres Problem besteht in dem krassen, in der Welt einzigartigen Missverhältnis zwischen den Geschlechtern: War während jener Ein-Kind-Politik das Neugeborene ein Mädchen,  wurde es zumeist abgetrieben oder getötet, sehen die schätzungsweise 700 Millionen chinesischen Bauern doch in einem Sohn ihre Altersversorgung. Das angeblich sozialistische China wird sich angesichts dieser Dimension selbst bei stärkerem Wirtschaftswachstum keine allgemeine Altersversorgung leisten können.  Gegenwärtig kommen in dem Riesenreich auf knapp 120 Jungen lediglich 100 Mädchen. Es gibt heute 33 Millionen mehr Männer als Frauen; bereits in fünf Jahren werden bis zu 40 Millionen Heiratsfähige keine Ehefrau finden und keine Familie gründen können. Heiraten mit den Uiguren im chinesischen Sinkiang-Gebiet sind aus religiösen, neuerdings ebenfalls aus politischen Gründen äußerst schwierig. Eheschließungen mit indischen Mädchen wird es geben, sie sind indes problematisch. Wiederholt wurden Vietnamesinnen entführt und dann in China regelrecht an Heiratswillige verkauft.

Offensichtlich ist Pekings Führung Opfer ihrer eigenen Propaganda geworden. Denn inzwischen ist es in China Mode geworden, dass die Menschen später als in früheren Jahren heiraten und später Kinder bekommen; für ein zweites Kind ist man dann nicht selten zu alt. Vor drei Jahren sah sich die Volksrepublik erstmals einer Abnahme der berufstätigen Jahrgänge gegenüber, als die Zahl der Menschen im Alter zwischen 15 und 59 Jahren um 3,45 Millionen fiel. Dass Daten aus neueren Jahren nicht bekannt wurden, ist gewiss kein Zufall.

Dass diese Problematik in all ihrer Vielschichtigkeit ohne tiefgreifende Spannungen innerhalb Chinas bleiben wird, muss bezweifelt werden.          

                Friedrich-Wilhelm Schlomann


Afrikas Staaten machen Front gegen die Burka
Der Vollschleier gilt als unafrikanisch und wurde von Terroristen zur Tarnung genutzt

In einigen Ländern Westafrikas wurden islamische Frauenkleider genutzt, um Terror­akte auszuführen. Jetzt werden in immer mehr Staaten Burkas als unafrikanisch gesetzlich verboten.

So wie fundamentalistische Eiferer den Vollschleier zum religiösen Symbol missbraucht haben (siehe Kasten), so wurden in diesem Jahr mehr und mehr Burkas zur Ausübung von Terrorakten missbraucht. In verschiedenen afrikanischen Ländern haben sich Boko-Haram-Terroristen in Burka-Umhängen in die Luft gesprengt oder versucht, in einer solchen Aufmachung Sprengmittel zu transportieren. Die Burka ist in vielen afrikanischen Ländern, in denen sie bislang gar nicht bekannt war, zur gefährlichen Terrorwaffe geworden.

Als erster Staat hat am 17. Juni, einen Tag vor Beginn des Ramadan, der vorwiegend muslimische Tschad Burkas und andere das Gesicht bedeckende Kleidungsstücke landesweit verboten. Der Gesetzesvorschlag droht bei Zuwiderhandlung mit unverzüglicher Haft. Kamerun und Gabun sind dem Beispiel des Tschad gefolgt, nachdem auch dort Burkas zur Vorbereitung oder Durchführung von Terroranschlägen missbraucht wurden. Wütende Reaktionen blieben weitgehend aus, weil die meisten Menschen dort wirksame Maßnahmen gegen den Terror von Boko Haram befürworten.

Es ist wie eine Ironie der Geschichte; Boko-Haram-Kämpfer wollten eigentlich die Mehrheit der Muslime zu einem strengeren Islam bekehren. Aber ihre Brutalität und Gottlosigkeit hat jetzt dazu geführt, dass sie immer mehr Staaten mit muslimischen Mehrheiten dazu bringen, ein striktes Schleierverbot zu verhängen, ohne dass sich jemand beschwert.

Als vorerst letztes westafrikanisches Land hat Senegal die muslimische Vollverschleierung für Frauen verboten. Der Senegal ist zu 95 Prozent von gemäßigten Muslimen bewohnt und vom Terror der Boko Haram bislang verschont geblieben. „Wir können nicht akzeptieren, dass man uns fremde Bekleidungsvorschriften auferlegt“, sagte Staatschef Macky Sall. Burkaverbote aus Sicherheitsgründen gab es bereits in Ägypten, Tunesien und Syrien, allesamt Länder mit langjähriger Terrorbedrohung.

Das erste Land in der Europäischen Union, das ein Burkaverbot verabschiedete, war im April 2010 Belgien. Spanien zog im Juni 2010 nach. Ab April 2011 trat auch in Frankreich und ab Januar 2012 in den Niederlanden ein entsprechendes Gesetz in Kraft. Im Schweizer Kanton Tessin stimmte die Bevölkerung bei einer Volksabstimmung 2013 für ein Verhüllungsverbot. Betroffen von den Regelungen sind auch Sportfans, Demonstranten und Karnevalisten, die ihr Gesicht verhüllen. Gesetzesverstöße werden künftig mit Geldstrafen von 100 bis 10000 Franken bestraft. Der französisch-muslimische Immobilienunternehmer Rachid Neqqaz kündigte danach an, er werde alle Geldstrafen, die wegen des Tragens von Burka und Niqab verhängt werden, erstatten. In Frankreich soll Neqqaz bereits fast 1000 Bußzahlungen übernommen haben. In Deutschland ist das Tragen des Gesichtsschleiers nur in Bayern, und dort auch nur in Schulen, verboten.

Diskutiert werden Burkaverbote infolge der Terroranschläge von Paris in Luxemburg und im Baltikum. Obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte vergangenes Jahr das in Frankreich bestehende gesetzliche Verbot der Vollverschleierung in der Öffentlichkeit gebilligt hat, scheiterte eine Initiative in Österreich, es Frankreich gleichzutun. Dabei erlaubt Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention, die Religionsfreiheit „im Interesse der öffentlichen Moral“ gesetzlich zu beschränken. Bislang ist nicht bekannt, ob auch in Europa Burkaträger zur Verübung von Terrorakten genutzt wurden.   

                Bodo Bost


MELDUNGEN

Gemeinden an Belastungsgrenze

Düsseldorf – Rund 40 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen haben ihren jeweiligen Bezirksverwaltungen mitgeteilt, dass sie vorerst keine weiteren Asylbewerber mehr aufnehmen könnten. Dies berichtet die „Welt“ unter Berufung auf den Landes-Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Bernd Schneider. Die Gemeinden fordern mehr Zeit, um Unterbringungseinrichtungen bereit zu stellen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat derweil gegenüber dem Wiener „Standard“ beklagt, dass immer mehr Asylsucher selbst entscheiden wollten, wo sie wohnen, statt der staatlichen Zuweisung Folge zu leisten. Anfangs seien die „Flüchtlinge“ noch glücklich gewesen, in Sicherheit zu sein, und seien dorthin gegangen, wohin man sie geschickt habe. Heute wollten mehr und mehr in attraktiven Ballungsräumen wohnen, die sie sich selbst aussuchen.    H.H.

 

Neumärker ist Interimsdirektor

Berlin – Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung hat auf der Sitzung des Stiftungsrats am 30. November den 35-jährigen Historiker und Publizisten Uwe Neumärker, der bisher Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas war, zum Interims-Leiter der Stiftung ernannt. Damit ist die lange vakant gebliebene Leitung der Stiftung nach dem Ausscheiden des ersten Direktors Manfred Kittel bis zur Wahl eines neuen Direktors gesichert. Die Stiftungsratsvorsitzende, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), teilte der Presse mit, dass Einigkeit darüber bestanden habe, zügig eine Lösung für den Direktorenposten zu finden. Der Stiftungsrat beschloss, eine Findungskommission unter ihrer Führung einzusetzen. Neumärker hat die Aufgabe, die Stiftung konzeptionell breiter aufzustellen.      MRK


S. 3 Deutschland

Die Stunde der Tastatur-Generäle
Wie deutsche Meinungsbildner versuchen, die Bundeswehr in den Syrienkonflikt zu verwickeln

Die passende Antwort auf die Anschläge in Paris ist, jetzt die Ermittler und Strafrichter ihre Arbeit machen zu lassen. Wir benötigen keine neuen Gesetze, keine Verfassungsänderungen, und auch keine schlauen Ideen aus dem Kreis der Tastatur-Generäle.

Eigentlich müsste man mit führenden Politikern und profilierten Meinungsbildnern Mitgefühl haben. Wenn eine Katastrophe wie die in Paris passiert, können sie auch nicht viel mehr tun als die Normalbürger. Ihr Arbeitsalltag eignet sich überwiegend nicht für spektakuläre Bilder. Wenn man wie der französische Präsident einen Flugzeugträger in den Einsatz schicken kann, ist das schon viel wert – es sieht nämlich gut und wuchtig aus.

Aber auch der Regierungschef eines Landes ohne Flugzeugträger oder ohne interventionistische Tradition muss den Eindruck vermitteln, die Lage überblickt und verstanden zu haben. Die Nähe zum Leitartikler, der mit seiner Meinung Geld verdient und sonst so gar nichts anstoßen kann, ist daher groß. Mit dabei sind alle, die Experten für Außen- oder Verteidigungspolitik sind oder einfach nur durch ihr Amt eine hoffentlich fundierte Meinung vertreten müssen.

Es ist die Stunde der Tastatur-Generäle. Sie haben alle eines gemeinsam: Sie werden laut und vergesslich. So schrieb kurz nach den Anschlägen Jan Fleischhauer auf „Spiegel online“, es sei kein Problem, mit dem deutschen Kommando Spezialkräfte (KSK) oder der französischen Fremdenlegion gegen die „bärtigen Zausel“ vom IS vorzugehen. Und er meinte, die deutsche Bevölkerung sei durch die Erfahrung der Niederlage im Zweiten Weltkrieg zu verschüchtert. Mathias Döpfner sah in der „Welt“ Staat, Ordnung und Sicherheit im Kern getroffen und den Westen als Verlierer in einem Kulturkampf gegen die virilen und entschlossenen, nichtdemokratischen Regimes dieser Welt. Döpfner bezeichnete den Dialog und die Suche nach Kompromissen als Schwäche und forderte die aktive Verteidigung abendländischer Werte.

Starker Tobak. Es gibt noch mehr solche Stimmen. Viele, nicht nur Jan Fleischhauer, sind für die deutschen Beteiligung an einem internationalen Feldzug. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes will, wenig überraschend, die Wehrpflicht wieder einführen. Und wieder einmal sollen Polizei und Geheimdienste mehr Kompetenzen bekommen. Jeder hat halt so seine Ideen. Da ist Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer überwiegend ruhigen Art sogar eine rühmliche Ausnahme.

Aber offenbar haben alle vergessen, dass die Blitzkriege des Westens im Krisenbogen von Nordafrika bis Mittelasien Fehlschläge waren. Irak, Libyen und Afghanistan sind faktisch ohne staatliche Ordnung. Eine internationale Intervention in den syrischen Bürgerkrieg stünde mehr als einer großen Kriegspartei gegenüber. Der IS besteht nicht aus „bärtigen Zauseln“, sondern aus Veteranen anderer Kriege und von Saddam Husseins alter Armee. Das Assad-Regime kämpft gegen den IS, die Kurden und andere Oppositionsgruppen. Die syrische Opposition besteht aus elf verschiedenen Gruppierungen, die auch untereinander Krieg führen. Auch die Kurden haben keine einheitliche Organisation bilden können. Die Menschenrechte spielen keine große Rolle. Mit anderen Worten: Jeder gegen Jeden. Es gibt keine Guten.

Und die Interventionsmächte? Die Türkei toleriert den illegalen Ölhandel des IS und bekämpft die Kurden. Sie unterstützt auch die syrische Opposition und speziell die turkmenische Minderheit. Saudi-Arabien hat wahrscheinlich erst den IS gefördert und steht nun aufseiten von Kurden und syrischer Opposition. Russland unterstützt den eigentlichen Verursacher Baschar al-Assad und ist im Konflikt mit der Türkei. Die USA schicken Geld und werfen Bomben, während sich Saudis und die Golfstaaten weitgehend zurück­gezogen haben. Die Saudis scheinen eher darauf zu spekulieren, dass ihnen der Westen abermals lästige Konkurrenten vom Leib hält. Mit den Menschenrechten tun sich gerade die Akteure in der Region schwer.

Nein, eine sinnvolle Antwort auf die Attentate von Paris sieht anders aus. Mathias Döpfner hat vergessen, was unsere Werte ausmacht. Diese Werte vertritt man nicht dadurch, dass man sie einzäunt und Posten aufstellt. Sie sind ein dauerndes Versprechen, dass gerade in Krisenzeiten immer wieder neu eingelöst werden muss. Das zu tun ist kein Zeichen von Feigheit, sondern von Mut und Rückgrat. Die meisten Menschen verstehen das. Daher gibt es in der kurzen Geschichte der Bundesrepublik mittlerweile genug Beispiele für dieses besonnene Verhalten. Auch die Bundeswehr hat bewiesen, dass sie kämpfen kann, auch dann, wenn ihr eigentlich die richtigen Mittel fehlen.                Friedrich List


Zweierlei Maß
Was bei Rechten als Hetze gilt, wird bei Linken toleriert

Bereits seit Längerem sehen sich soziale Internetdienste wie Facebook von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) dem Vorwurf ausgesetzt, nur halbherzig gegen ausländerfeindliche Hetz- und Hasskommentare von Nutzern vorzugehen. Bekanntgewordene Beispiele von Kommentaren auf Facebook, aber auch die Be­richt­erstattung der etablierten Medien über die islamkritische Pegida-Bewegung oder die AfD, den Neuling im bundesdeutschen Parteiensystem, scheinen die Sichtweise von Justizminister Maas zu bestätigen. Neben Anhängern, die sich ganz offenkundig nur schlecht artikulieren können, wird in der Darstellung vieler Medien auch gern auf grenzwertige Äußerung oder ganz offenkundig fremdenfeindliche Hetze zurückgegriffen.

Umso kritikloser und leiser reagieren Leitmedien wie etab­lierte Parteien, wenn menschenverachtende oder demokratiefeindliche Äußerungen aus dem eigenen politischen Lager laut werden. So war im öffentlich-rechtlichen Südwestrundfunk (SWR) unlängst vom Mainzer Politikwissenschaftler Gerd Mielke in einem Interview folgende Äußerung zu hören: „These: Wenn sich die Mengen von rechtsaffinen Kleinbürgern in Dresden in einem dreistündigen Polizeikessel erst alle mal in die Hose gepinkelt haben und abschließend mit Wasserwerfern traktiert wurden, dann haben sie für eine geraume Weile genug vom Demonstrieren“, so die Antwort auf die ebenfalls kritisch zu sehende Frage von Seiten des SWR, ob nicht „Staat, Polizei und Justiz stärker repressiv gegen Rechtspopulisten und ihr Umfeld vorgehen“ sollten. Das Problem dabei ist nicht nur, dass hier ein Politikwissenschaftler mit dem Demonstrationsrecht ein Grundrecht jeder demokratischen Ordnung in Frage stellt. Vom Moderator weitgehend unkommentiert wurde auch ein Plädoyer für eine gezielte Kriminalisierung einer politischen Bewegung und den Missbrauch des staatlichen Gewaltmonopols gehalten.

Mit welchem Doppelmaß gerade die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten agieren, wird auch im Umgang mit Kommentaren von Mediennutzern deutlich. Wie mittlerweile in vielen Zeitungen, Zeitschriften und Sendern üblich, werden die Möglichkeit zum Kommentieren immer öfter von vornherein einschränkt. Besteht die Möglichkeit zum Kommentieren, sehen sich Nutzer mit kritischen Kommentaren schnell einmal gesperrt und wegzensiert, wenn die Verantwortlichen glauben, einen Fall von fremdenfeindlicher Hetze ausgemacht zu haben.

Ganz offensichtlich demokratiefeindliche Äußerungen unter anderen Vorzeichen werden allerdings toleriert, wie etwa ein Nutzerkommentar beim Internetauftritt der ARD-„Tagesschau“: „man sollte das system der geheimen wahlen insofern aussetzen das menschen welche in ihrer verblendung afd, npd und andere rechte parteien wählen dieses veröffentlicht wird! sei es im internet oder lokale tageszeitungen.“ Zu befürchten ist, dass eine derartige Doppelmoral von Medien und Politik langfristig eine stillschweigende Akzeptanz für linksextreme Gewalt den Weg bereitet.             Norman Hanert


MELDUNGEN

Grün-Rot ohne Mehrheit

Stuttgart – Gut drei Monate vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg muss die bisher regierende Koalition aus Grünen und SPD um ihre Mehrheit bangen. Die Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann erreichen in einer aktuellen Umfrage der Forschungsgrupe Wahlen 27, die SPD 18 Prozent. Für die CDU wollen demnach 37 Prozent votieren, sechs Prozent für die AfD und fünf Prozent für die FDP, die Linkspartei wäre mit drei Prozent nicht im Landtag vertreten. Danach ergibt sich weder für Grün-Rot noch für eine bürgerliche Regierung eine parlamentarische Mehrheit, solange die CDU, was recht sicher scheint, eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt. Schwarz-Grün oder eine Große Koalition wären die einzigen Möglichkeiten.          H.H. 

 

Migranten gegen Asylsuchende

Berlin – Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitust YouGov im Auftrag der „Welt am Sonntag“ sind 40 Prozent der Deutschen mit Migrationshintergrund der Meinung, dass Deutschland weniger „Flüchtlinge“ aufnehmen solle als bisher.

24 Prozent sind sogar der Auffassung, es sollten gar keine „Flüchtlinge“ ins Land gelassen werden. Die Zahlen unterscheiden sich kaum von denen der übrigen Bevölkerung, von der 45 Prozent die Zuwanderung begrenzen und 25 Prozent gar keine Flüchtlinge ins Land lassen wollen. Lediglich acht Prozent der Immigranten und sechs Prozent derjenigen ohne Migrationshintergrund sind dafür, mehr Asylsuchende aufzunehmen. Als Grund für ihre Skepsis gaben die Befragten ähnlich wie die Mehrheit der Deutschen an, dass sie nicht unbedingt teilen wollten, was sie sich in Jahrzehnten erarbeitet haben.           MRK


S. 4 Wölfe

Schurkentier und Öko-Ikone
Seit 15 Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschland ­– Jetzt häufen sich die Probleme

Diese Augen! Bernsteinfarben sind sie zumeist – und auf jeden Fall magisch. Wolfsaugen scheinen einem direkt in die Seele zu blicken und vielleicht sogar ein kleines Stück-chen weiter. Dorthin, wo das Urgründige lauert, wo steinzeitliche Ängste und Triebe schlummern.

Wölfe sind faszinierend. Für Esoteriker sind es „Krafttiere, lautlose Jäger der Mondnächte“. Die Germanen verehrten sie als streitbare Begleiter ihres Kriegsgottes Odin. Die antiken Römer verdanken einer Wölfin laut Sage die Gründung ihrer Stadt. Das Tier säugte die ausgesetzten Götterkinder Romulus und Remus, die später die grandiose Metropole am Tiber gründeten.

Nicht an den Tiber, sondern an die Neiße, die Spree, die Elbe und die Weser hat es die Wölfe nun zurückgeführt. Vor 15 Jahren siedelten sich die ersten Tiere auf einem Truppenübungsplatz in der Oberlausitz an. Heute sollen nach Schätzungen 35 Rudel und insgesamt 300 Tiere in Deutschland leben. Die Fraktion der Wolfsskeptiker geht eher von 600 aus. Aber wer mag denen schon glauben? Deutschland ist im Wolfstaumel. „Ahuuu – willkommen Wolf“, jubelt der Nabu, der Naturschutzbund Deutschland, auf seiner Internetseite. Weiter heißt es: „Der Wolf kommt nach Hause. Kümmern wir uns gemeinsam darum, dass er in Deutschland eine sichere Heimat findet.“

Der Nabu hat besonders gut jubeln, denn er hat eine potenten Geldgeber im Hintergrund. Der Volkswagenkonzern unterstützt die „Wolfs-Willkommenkultur“ der Naturschutzbündler. Der Autohersteller mit – nomen est omen – Sitz in Wolfsburg hat erkannt, was für ein prächtiger Image-Botschafter der vierbeinige Zuwanderer ist.

Der Mythos vom Schurkentier, das alleinstehende Seniorinnen verspeist und käppchentragenden, weiblichen Heranwachsenden auflauert, ist nahtlos in einen anderen übergegangen. Der Wolf ist zur Öko-Ikone geworden, ein edler Jäger, der die heimische Natur mit seiner Anwesenheit adelt und auf geheimnisvolle Weise den Menschen gegenüber freundlich gesonnen ist. Im Gegensatz zu allen anderen Säugern, die seinen Weg kreuzen.

Dabei ist Canis Lupus, so der lateinische Name, natürlich weder das eine noch das andere. Er ist laut Systematik ein bis zu 80 Kilo schwerer Beutegreifer aus der Familie der Hunde. Er ist ein Tier, das seinen Instinkten folgt. Ist er müde, schläft er. Hat er Durst, sucht er eine Wasserstelle und wenn ihn der Hunger quält, schaut er nach Beute aus. Immer öfter fällt sein Blick dabei auf Schafe, Rinder und sogar Pferde. Mittlerweile haben Wölfe nachgewiesenermaßen hunderte von Haustieren gerissen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Einen Wolfsriss nachzuweisen ist nicht leicht. In der Regel muss am getöteten Tier Wolfs-DNA machgewiesen werden, aber die zersetzt sich schnell. Die sogenannten Wolfsberater, die für die Proben zuständig sind, lassen sich oft viel Zeit, bis sie vor Ort erscheinen. Als eine Art Wolfs-Anwälte haben sie natürlich wenig Interesse daran, ihre Klienten einer Bluttat zu überführen. So kommt es seit Auftauchen der Wölfe zu einem seltsamen Phänomen: Es wimmelt in Deutschland plötzlich anscheinend nur so von wildernden Hunden, die über Nutztiere herfallen.

Der Wolf nimmt unterdessen auch eine mögliche zweibeinige Beute immer stärker ins Visier. Die Tiere verfolgen Reiter und Jogger, sie umringen Jugendliche, die mit ihrem Hund spazieren gehen oder ziehen mitten durch die Dörfer. Das sind alarmierende Zeichen: Der kanadische Verhaltensforscher Valerius Geist, ein emeritierter Professor der Universität in Calgary, nennt sieben Phasen der Annäherung an den Menschen, bis es zu einem ernsten Angriff kommt. In Phase fünf werden Haustiere in unmittelbarer Nähe von menschlichen Behausungen getötet. Außerdem werden, – wie bereits in Deutschland – Reiter, Radfahrer und Joggern verfolgt. Als nächstes gibt es zögernde, fast spielerische Angriffe, die meist eher ungeschickt verlaufen.

Wenn die Wölfe dann Ernst machen, tun sie es mit dem ganzen Wissen, das sie vorher erworben haben. Ihr Opfer wird wenig Chancen haben.      Frank Horns


Möderischer Rausch
Wölfe sind erstaunliche Tiere – und furchterregende Räuber

Oben sind es 20 Stück, unten 22. Mit 42 bis zu sechseinhalb Zentimeter langen Zähnen reißt ein Wolf seine Beute. Dabei entwickelt er zweimal so viel Beißkraft wie jeder Hund. Diese Kraft reicht aus, einem lebenden Reh mit einem einzigem Biss das Bein abzutrennen. Eine effektive Methode, um es am Fortrennen zu hindern. Schmerzlos ist der Tod, den der Wolf bringt, meist nicht.

Der sogenannte Drosselbiss, der gezielte und sekundenschnelle Tötungsbiss in die Kehle, ist ein Mythos. Wölfe haben kein Anatomiebuch dabei, wenn sie auf die Jagd gehen. Ethische Gesichtspunkte leiten sie ebenso wenig. Einzig der Hunger ist es, der sie treibt und der Wunsch bei der Jagd nicht verletzt zu werden. Ist ein großes  Beutetier gestellt, reißen sie ihm zuweilen auch einfach nur große Fleischstücke aus dem Körper. Der Blutverlust lässt es dann schwächer und schwächer werden. 

Hirsche, Elche und in den USA Bisons werden so erlegt. Der Wolf ist einer der wenigen Säuger, die bis zu 15-mal größere Beutetiere zur Strecke bringen. Die Jagd im Rudel macht dies möglich. Beim europäischen Wolf besteht so ein Verband meist aus fünf bis zehn Tieren. Ein komplexes Sozialverhalten regelt das Miteinander. Wölfe sind schlau. Von allen Arten aus der Familie der Canidae, der Hunde, haben sie das am höchsten entwickelte Gehirn. Füchse, Schakale, Koyoten und Haushunde gehören zu den Canidae. Die Wölfe sind ihre größten Vertreter. Der europäische Wolf erreicht eine Schulterhöhe von bis zu 90 Zentimetern. Das macht ihn zu einer imposanten Erscheinung. Zum Vergleich: Ein Schäferhund erreicht nur eine Schulterhöhe von bis zu 65 Zentimetern, die Deutsche Dogge eine von 86 Zentimetern.

Wölfe sind dabei echte Muskelpakete, die bis zu 65 Stundenkilometer schnell werden können. Ausdauernd sind sie zudem. Bei jungen Tieren, die mit einem Halsband versehen wurden, stellten Biologen fest, dass sie in wenigen Wochen eine mehr als 1000 Kilometer lange Strecke zurücklegten. In der Regel aber sind Wölfe ortstreu. Jedes Rudel beansprucht ein eigenes Territorium, Es muss über eine Wasserquelle verfügen, ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bieten und natürlich über eine geeignete Nahrungsgrundlage verfügen. Etwa zwei Kilo Nahrung braucht ein Wolf täglich. Wählerisch ist er nicht. Er frisst auch Aas, Kleinsäuger, Insekten und sogar reife Beeren und Früchte (siehe PAZ 45, Seite 21). Seine Tötungsinstinkte dürften Brombeeren, Äpfel und Pflaumen allerdings kaum befriedigen.

Rätselhaft ist nach wie vor das sogenannte „Surplus Killing“, das übermäßige Töten. Wenn Wölfe beispielsweise über eine Herde Schafe herfallen, richten sie oft ein regelrechtes Blutbad an. Sie bringen viel mehr Tiere um, als sie eigentlich fressen können. Manche Forscher wähnen sie dann sozusagen in einer Endlosschleife im Tötungsmodus gefangen. Wolfsfans bejubeln den mörderischen Rausch. Da Tierkadaver als Eiablageplätze für verschiedene Insekten wichtig sind, sei auch das Surplus Killing von großer ökologischer Bedeutung, schwärmen sie. Schäfer dürften da anderer Meinung sein.         FH


Angriffe auf Menschen

Kenton Joel Carnegie hat sich tapfer gewehrt, stellte die Untersuchungsbeamtin am Tatort später fest. Die blutgetränkten Spuren – über mehrere Quadratmeter verteilt – zeugen von seinem Kampf gegen die vier Wölfe, die den 22-jährigen Geologie-Studenten im Februar 2005 am Wollaston Lake im kanadischen Sas-katchewan töteten. Zuerst hatten sie den einsamen Spaziergänger trickreich vom Camp der Minenarbeiter, in dem er wohnte, getrennt und dann immer weiter in die Enge getrieben. Als der Suchtrupp die Leiche fand, war sie halb aufgefressen.

Bei Candice Berner ging es schnell. Die 32-jährige Lehrerin wurde im März 2010 beim Joggen knapp drei Kilometer außerhalb von Chignik Lake auf dem südlichen Teil der Alaska-Halbinsel  getötet. Dreimal wurde sie von dem Rudel zu Boden gerissen. Zweimal kam sie wieder hoch, beim dritten Mal blieb sie unten, verrieten die Spuren. „Hier in Alaska ist alles größer und gefährlicher als anderswo. Man muss immer wachsam sein, was um einen passiert“, hatte sie einem Freund kurz vorher noch erzählt.

Wachsamkeit vor Wölfen ist tatsächlich noch in vielen anderen Weltgegenden angebracht. Aus Indien, Israel, Russland, Spanien, der Türkei und anderen Ländern liegen beispielsweise glaubwürdige Berichte von Attacken gegen Menschen vor. Und was ist eigentlich so ungewöhnlich daran? Die Wölfe folgen nur ihrer Natur. Als Beutegreifer testen sie instinktiv Nahrungsalternativen oder folgen einfach ihrem Jagdtrieb, wenn ein Säugetier in Beutegröße ihren Weg kreuzt. Das wusste niemand besser als unsere Vorfahren. „Allzu zahlreich sind die Berichte, allzu stark ist die Angst vor dem Wolf und dem Wald, allzu dominant der Wolf in der Mythologie, als dass die Vorstellung vom menschenfressenden Wolf einer realen Grundlage entbehren kann“, hat schon Erik Zimen erkannt. Der deutsche Verhaltensforscher gilt auch zwölf Jahre nach seinem Tod immer noch als einer der bedeutendsten Wolfsexperten.               FH


Zeitzeugen

Centon Joel Carnegie – Der 22-jährige Geologie-Student wurde im Februar 2005 in Kanada von Wölfen getötet. Aus vielen anderen Ländern werden ebenfalls Angriffe auf Menschen gemeldet. Besonders oft sind Kinder betroffen. Wölfe sind schlau und erkennen zum Beispiel, ob eine potenzielle menschliche Beute ein Gewehr bei sich trägt oder nicht.

Eric Zimen – Der deutsche Verhaltensforscher (1941–2003) und Schüler von Konrad Lorenz gilt  als einer der bedeutensten Wolfsexperten. Sein Buch „Der Wolf – Verhalten, Ökologie und Mythos“ zählt auch heute noch zu den Standardwerken. Im Nationalpark Bayerischer Wald und in den Abruzzen betreute er Forschungsprojekte mit Wölfen. Eine von Ziemens Aussagen ist, dass extensive Weidehaltung und freilebende Wölfe auf Dauer nicht zusammen passen.

Farley McGill Mowat – 1963 erschien sein Buch „Ein Sommer mit Wölfen“. Es wurde – vor allem, als es von den Disney-Studios verfilmt wurde – ein internationaler Erfolg und prägte bei Tausenden das Bild vom noblen, liebenswerten Tier, das in der Natur eine Art Polizeifunktion übernimmt. Von Wissenschaftlern wurde Mowat (1921–2014) für sein Buch stark kritisiert. Sie warfen ihm Wunschdenken und Unwahrheiten vor. Es ist wahrscheinlich, das Centon Joel Carnegie (siehe oben) das Buch kannte. In Kanada gehört es zur allgemeinen Schullektüre

Johann Friedrich von Flemming – Der kursächsische „Oberförst- und Wildmeister“ (1670–1733) verfass-te das zweibändige enzyklopädische Werk „Der Vollkommene Teutsche Jäger“. Flemming war ein weitgereister Jäger und Gutsverwalter. Seine sachlichen und genauen Beobachtungen gelten auch nach modernen Standards als besonders glaubwürdig. Auf Wölfe geht er besonders detailliert ein. Für ihn sind sie eine „von Gott gesendete Strafe“. Er beschreibt, wie scheu sie sind, aber auch, wie es trotzdem immer wieder zu Angriffen auf Menschen, vor allem Kinder, kommt. Flemmings Buch gilt Volkskundlern auch als realer Hintergrund für das Rotkäppchen-Märchen.


S. 5 Preussen/Berlin

»MuFl« überfordern Berlin
Allein ziehende »Flüchtlingskinder« kommen als Quartiermacher – andere tauchen unter

Das drohende Scheitern des zweiten Asylpakets droht das Land Berlin vor unlösbare Probleme zu stellen. Von der Bundesregierung ursprünglich geplant war nämlich, den Familiennachzug für „Minderjährige unbegleitete Flüchtlingskinder“ – im Behördendeutsch „MuFl“ genannt – zu unterbinden. Während eine Umsetzung der in der Regierungskoalition vereinbarten Maßnahmen auf sich warten lässt, wächst die Zahl der unbegleiteten Kinder, die nach Berlin kommen, immer mehr an.

Derzeit kommen in einem einzigen Monat beinahe genauso viele wie im Gesamtjahr 2014. Hält die bisherige Entwicklung an, könnten in diesem Jahr mehr als 4000 „Minderjährige unbegleitete Flüchtlingskinder“ nach Berlin kommen, so eine Einschätzung des Sprechers der Senatsjugendverwaltung, Ilja Koschembar.

Zu befürchten ist inzwischen, dass sich Deutschlands „Hartz-IV-Hauptstadt“ an der drohenden Belastung durch den Zustrom von „Flüchtlingskindern“ verhebt. Die Probleme um die unbegleiteten Minderjährigen haben sich nämlich schon in der Vergangenheit, bei weit niedrigeren Zahlen, als nahezu unlösbar erwiesen.

Extrem sind zum einen die Kosten. So wird eine Summe von 25000 Euro genannt, die allein für die Betreuung eines einzelnen Jugendlichen pro Jahr anfällt. Eine Ursache dafür ist der Umstand, dass die Betreuung eine extrem personalintensive Angelegenheit ist. Pro Fall sind über Sozialarbeiter, Therapeuten und Juristen bis zu sieben Fachleute involviert.

Auf der anderen Seite wird in Berlin aber auch ein Mangel deutlich: Laut Gesetz haben die Jugendlichen nämlich einen Anspruch auf einen Vormund, der sich beispielsweise um Behördentermine, den Schulbesuch oder andere Angelegenheiten des Kindes kümmert. Aufgrund der massiv gestiegenen Zahlen lassen sich allerdings in Berlin mittlerweile für die Vormundschaft gar nicht mehr genug geeignete Menschen finden.

Ein weiteres Problem: Nach den bisherigen Erfahrungen taucht ein Teil der Kinder und Jugendlichen nach ihrer Ankunft in Deutschland einfach unter. Sie lassen sich weder bei den Behörden registrieren, noch erhalten sie eine Betreuung oder Sozialhilfe.

Die Folgen sind mittlerweile immer deutlicher an der Kriminalitätsstatistik ablesbar. So war beispielsweise bereits im vergangenen Jahr bekannt geworden, dass es sich bei rund einem Viertel der 115 schwerkriminellen jugendlichen Intensivtäter in Hamburg um sogenannte minderjährige unbegleitete Flüchtlinge handelt. Nach den bisherigen Erfahrungen ist damit für einen beachtlichen Teil der „Flüchtlingskinder“ eine weitere kriminelle Karriere beinahe programmiert.

Da sie vom Alter her strafunmündig sind, fehlen wirksame Sanktionsmöglichkeiten. Eine Rückführung zu ihren Familien in die jeweiligen Heimatländer gilt nach bisheriger Rechtslage faktisch als unmöglich.

Als Problem erwiesen haben sich allerdings auch diejenigen Minderjährigen, die sich bei den Behörden offiziell registrieren lassen. Deren Motivation ist oftmals die Erwartung, über eine Familienzusammenführung Angehörige nachkommen zu lassen. Gerade in Berlin müssen einem Medienbericht zufolge Rechtsexperten und der Berliner Senat die Erfahrung machen, dass von den Familien mittlerweile immer jüngere Kinder gezielt als Vorhut für eine erhoffte Familienzusammenführung nach Deutschland geschickt werden.

Gerade dieses Phänomen zeigt, wie fragwürdig das Vorgehen der deutschen Behörden in Sachen der auf die Reise geschickten Kinder ist: Offenkundig ist etwa, dass es sich bei den Jugendlichen nicht um politisch Verfolgte handelt, für die das Asylrecht eigentlich gedacht war.

Naheliegend ist ebenso die Frage, ob nicht letztlich eine massive Verletzung der Fürsorgepflicht vonseiten der jeweilige Familien vorliegt, wenn sie ihre Kinder quasi als „Quartiermacher“ über weite Entfernungen hinweg unbetreut und ungeschützt Richtung Deutschland losschicken.

Eine Familienzusammenführung auf deutschem Boden ist noch aus einem anderen Grund kritisch zu sehen: Bei den „Flüchtlingskindern“ greift erneut eine Art Sonderrecht. Wie bei Kindern aus EU-Ländern üblich, könnte nämlich auch bei den unbegleiteten „Flüchtlingskindern“ durchaus über eine Familienzusammenführung auf dem Boden ihres jeweiligen Heimatlandes nachgedacht werden.

Betroffen von den steigenden Belastungen durch die unbegleiteten Kinder ist indessen nicht nur das Land Berlin. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf eine Aufstellung der Bundesländer berichtet, sind bis zum 19. November 57376 unbegleitete Jugendliche nach Deutschland gekommen. Seit Ende August hat sich demzufolge ihre Zahl mehr als verdoppelt.

Unklar ist bislang, wie die Politik auf die immer größere Herausforderung durch die „unbegleiteten Flüchtlingskinder“ reagieren wird. Eigentlich vorgesehen war, im Zuge des zweiten Asylpakets der Bundesregierung, unter anderem eine „Wartezeit“ für den Familiennachzug einzuführen. Sowohl diesen Vorhaben als auch der Einführung von Asylschnellverfahren für Antragsteller aus sicheren Drittstaaten droht Medienberichten zufolge das Scheitern durch eine faktische Blockadehaltung der SPD innerhalb der Regierungskoalition.    Norman Hanert


Wird Henkel zum Hemmschuh?
von Theo Maass

Schon seit einem halben Jahr stagniert der Umfragewert der Berliner CDU um den Prozentsatz, den die Partei bei den letzten Wahlen zum Abgeordnetenhaus erzielt hat. Am 18. Sep­tem­ber 2011 schaffte sie ein Ergebnis von 23,4 Prozent.

Seither regiert die Partei als Juniorpartner der SPD mit. Anfangs schien es, als würde diese Konstellation ihrer Popularität guttun. Umfrageergebnisse, die an die 30-Prozent-Marke reichten, ließen bei den Hauptstadt-Christdemokraten Phantasien keimen von der Wieder-Übernahme des Bürgermeisteramtes. Schwarz-Grün lautete die unausgesprochene Zauberformel auf dem Weg zu diesem Ziel.

Um sich für dieses neue Bündnis zu schmücken, wollten sich die amtierenden Funktionäre sogar für die Homo-Ehe engagieren. Allerdings scheiterte das Bemühen dann krachend am Widerstand der (unvorsichtigerweise) befragten Parteibasis.

Der Landesvorsitzende und Innensenator Frank Henkel folgte dennoch weiter dem Kurs nach links Richtung Schwarz-Grün. Angesichts der Besetzung des Kreuzberger Oranienplatzes durch Asylbewerber brachte er nichts Verwertbares zustande. Beim Reizthema Asylflut versagt er vollständig, denn abgelehnte Asylbewerber in der Stadt müssen schon sehr viel Pech haben, wenn sie doch außer Landes geschafft werden. Haben dafür 23,4 Prozent der Berliner CDU gewählt, dass sie nun einen Innensenator haben, der genauso gut von den Grünen kommen könnte?

Henkels Problem (und das seines Generalsekretärs Kai Wegner) ist, dass die Partei zur Erlangung des Postens des Regierenden Bürgermeisters keinen „B-Plan“ zu Schwarz-Grün hat. Mit ohnmächtiger Wut beobachtet die Berliner CDU daher den Aufstieg der AfD. Statt (wie es die SPD mit ihren Konkurrenten von links, den Grünen und den „Linken“ tat) die neue Partei als Chance zur bürgerlichen Mehrheitsbildung zu begreifen, attackiert der Generalsekretär die AfD lieber auf einer Demonstration und stört sich offenbar auch nicht daran, dass er sich damit mit den linksextremen Antifa-Schlägern gemein macht.

Doch es rumort: Die CDU-Landtagsparlamentarier Stefan Schlede und Kurt Wansner haben öffentlich Zweifel bekundet, ob Henkel noch der richtige Spitzenkandidat für 2016 ist. Das ist sicherlich noch keine offene Revolte. Wenn der Innensenator jetzt aber nicht reagiert, kann es eine werden. Die Partei verzeiht fast alles – auch das Aufgeben von inhaltlichen Positionen –, nur Erfolglosigkeit kann die CDU nicht vertragen. Wenn sich die Regierungsbeteiligung und die weichgespülte Übernahme rot-grüner Positionen als Verhinderung eines Wahlerfolgs herausstellen sollten, dann wird sich die Berliner CDU  wohl anders positionieren als derzeit.


Schlösser werden saniert
Potsdam: Einige Sehenswürdigkeiten müssen zeitweise schließen

Touristen, welche die preußischen Gärten und Schlösser in Potsdam besuchen wollen, könnten 2016 enttäuscht werden. Ab Ostern werden der Damenflügel im Schloss Sanssouci, der Normannische Turm am Ruinenberg, das Belvedere auf dem Klausberg, die Moschee in der Breiten Straße (Dampfmaschinenhaus), das Casino Glienicke auf der Berliner Seite des Jungfernsees sowie die Pesne-Galerie im Neuen Palais geschlossen.

Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, erklärt den harten Schritt: „Wir müssen kürzer treten.“ So will die Stiftung insgesamt eine Million Euro einsparen, um 2016 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.

„Die Besucherzahlen sind dort so gering, dass die Öffnung ohnehin an der Grenze der Wirtschaftlichkeit liegt“, erklärt Dorgerloh. Außerdem sind zurzeit nicht alle Sehenswürdigkeiten zugänglich. Das Schloss Cecilienhof in Potsdam ist seit Mai 2014 eine Baustelle und wird erst 2017 wieder öffnen.

Auswirkungen auf den Touristenzuspruch soll es (angeblich) nicht geben. „Die Leute besuchen Brandenburg nicht wegen einzelner Gebäude, sondern vor allem wegen Sanssouci insgesamt“, glaubt Birgit Kunkel von Tourismus Mark Brandenburg und weiß sich mit dem brandenburgischen Wirtschaftsministerium einig. „Das ist bedauerlich, wird dem Tourismusmagnet Potsdam aber keinen Abbruch tun“, hofft Ministeriumssprecherin Andrea Beyerlein.

Auch Berlin ist betroffen. Die Orangerie und der Theatersaal des Schlosses Charlottenburg werden 2016 saniert und bleiben daher dicht. So fällt in jenem Jahr dort auch die Möglichkeit weg, durch Vermietung der Objekte zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Das gleiche Problem hat die Stiftung mit der Baustelle Cecilienhof, weil das dortige Hotel zurzeit keine Gäste beherbergen kann. Diese Defizite sollen durch die vorübergehende Schließung weiterer Sehenswürdigkeiten ausgeglichen werden.

2016/17 sollen 160 Millionen Euro und ab 2019 400 Millionen Euro aus dem Landes- und Bundeshaushalt der Stiftung für Renovierungsarbeiten zufließen. Im Rahmen des ersten Programms erfolgt zurzeit die Erneuerung des maroden Dachs des Neuen Palais und der Fassade des Schlosses Babelsberg. Babelsberg soll laut Plan schon Ende 2015 wieder für Besucher geöffnet werden.               H.L.


KaDeWe gibt nach
Israelische Kritik zeigt Wirkung

Nach heftiger Kritik von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) angekündigt, aus dem Verkauf genommene Siedlerprodukte wieder anzubieten. Im Einklang mit einem Beschluss der  EU-Kommission vom 11. November hatte das  Berliner Nobelkaufhaus zunächst acht israelische Weine aus dem Verkauf genommen, die von israelischen Siedlern im von Israel nach EU-Sicht bloß annektierten Westjordanland stammen, aber als israelische Produkte ausgewiesen waren.

Für Netanjahu war die Entscheidung Anlass, die Bundesregierung zum Eingreifen „in dieser schwerwiegenden Sache“ aufzufordern. Unter anderem auch mit Hinweis darauf, dass sich das Kaufhaus in jüdischem Besitz befunden hat, bevor die Besitzer von den Nationalsozialisten enteignet worden waren, hatte Netanjahu sogar von einem „echten Boykott“ israelischer Waren gesprochen.

Beobachter in Berlin halten den Boykott-Vorwurf im vorliegenden Fall für übertrieben. So hatte das Kaufhaus darauf hingewiesen, dass die Produkte selbstverständlich wieder ins Sortiment aufgenommen würden, sobald der Importeur der Weine deren Herkunft gemäß dem Beschluss der EU-Kommission kennzeichne.

Wie das KaDeWe auf seiner    Facebook-Seite unterdessen mitgeteilt hat, wurden die acht israelischen Weine wieder ins Sortiment übernommen. „In diesem Fall – es ging um eine Empfehlung der Europäischen Union – ist hausintern zu rasch und unsensibel gehandelt worden.“, bittet das KaDeWe um Entschuldigung für die Entfernung.                N.H.


Volkswille wird übergangen

Berlins Senat will auf dem Flugfeld des früheren Flughafens Tempelhof mehrere tausend Asylbewerber unterbringen. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) beabsichtigt, am Rand der riesigen Freifläche Traglufthallen aufzubauen. „Wir wollen Tempelhof zu einem Willkommenszentrum ausbauen: Wir brauchen Beschulung, Gemeinschaftsräume, professionelle Betreuung.“ Die Grünen sträuben sich, Fraktionschefin Antje Kapek schimpft: „Mit dem Volk und mit einem Gesetz kann man so nicht umgehen.“ Piraten-Fraktionschef Martin Delius fürchtet, Massenunterkünfte führten unweigerlich zu Sicherheitsrisiken für die Insassen. Der eigentliche Knack­punkt ist, dass eine Mehrheit der Berliner dem Senat in einer Volksabstimmung eine Bebauung des Flugfeldes untersagt hatte. „Wozu soll man noch wählen gehen, wenn sich der Senat über alles hinwegsetzt?", fragt daher Mareike Witt von der Initiative Tempelhofer Feld.            H.L.


S.6 Ausland

Störfeuer gegen Anti-IS-Koalition
Spannungen zwischen der Türkei und Russland mit weitreichenden Folgen – Hollande setzt auf Putin

Der Abschuss eines russischen Kampfjets über syrischem Territorium hat nicht nur für ernstzunehmende Spannungen zwischen Russland und der Türkei gesorgt, er setzt auch die Nato unter Zugzwang und legt tiefsitzende geopolitische Konflikte frei.

Nach eigenen Angaben waren die Russen dabei, die Öltransitroute des IS zu zerstören, als ihr Kampfjet von türkischem Militär abgeschossen wurde. Schon lange ist bekannt, dass die Hauptfinanzquelle des IS im Ölexport liegt und dass er seine Geschäfte mit Lkws über türkisches Territorium abwickelt. Wladimir Putin wirft seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan vor, mit dem IS Geschäfte zu machen, anstatt ihn zu bekämpfen, und eine radikale Islamisierung der Türkei zu betreiben. Damit spricht Putin als erster Staatschef aus, was auch westliche Partner der Türkei wohl denken, aber aus Rücksicht auf bestehende Bündnisse nicht offen auszusprechen wagen. Auffällig ist, dass der nach dem Vorfall einberufene Nato-Rat nur zögerlich Stellung zu der türkischen Darstellung der Ereignisse nehmen wollte und Obama erstaunlich schnell zugab, dass die Türken die Unwahrheit gesagt hatten.

Wenn Erdogan beabsichtigte, den Bündnisfall zu provozieren, ist sein Vorhaben danebengegangen. An einem militärischen Konflikt mit Russland hat die Nato trotz Säbelrasselns keinen Bedarf. Die Erfahrung, dass geopolitische Interessen über denen eines Einzelstaates liegen, durfte der damalige georgische Staatschef Michail Saakaschwili 2008 machen, als er sich im Alleingang auf einen Krieg mit Russland einließ und die ihm vermeintlich  wohlgesonnene Nato ihn im Regen stehen ließ.

Offenbar hat Erdogan die Folgen des Abschusses unterschätzt. Selbst wenn er die EU und insbesondere Deutschland zu Zugeständnissen wegen des Asylproblems erpressen kann, so ist er für die Nato zu einem unsicheren Partner geworden. Die jüngsten Verhandlungen zwischen Frankreich und Russland über eine gemeinsame Bekämpfung des IS machen deutlich, dass François Hollande eher auf Putin als Partner setzt.

Putin zeigt Erdogan auch nach dessen Beteuerung, den Vorfall zu bedauern, die kalte Schulter. Die angekündigten Sanktionen dürften die Türkei schmerzlich treffen. Russland erwägt Strafmaßnahmen beim Handel, Einschränkungen für türkische Unternehmen und Arbeitnehmer sowie für den Tourismus.

Russland ist nach Deutschland der wichtigste Handelspartner der Türkei, die von den EU-Sanktionen deutlich profitieren konnte. 2014 reisten vier Millionen Russen an türkische Strände, was Einnahmen in Höhe von zirka 9,4 Milliarden Euro einbrachte. Mehr als 67000 Türken arbeiten 2015 in Russland, vor allem auf Baustellen. Russische Reiseagenturen haben auf Rat ihrer Regierung Türkeireisen aus ihrem Angebot genommen. Investitionsprojekte wie der Bau des ersten türkischen Kernkraftwerks könnten auf Eis gelegt werden. In der russischen Öffentlichkeit werden Feindbilder, die aus der Zeit der Kriege auf der Krim, dem Kaukasus und dem Balkan zwischen Russischem und Osmanischem Reich seit dem 16. Jahrhundert bestanden, wieder bemüht.

Was Ankara noch härter treffen dürfte, wäre ein Stopp der russischen Gaslieferungen. Im vergangenen Jahr hat die Türkei 54 Prozent ihrer Gasimporte aus Russland bezogen. Ob die gerade erst auf dem G20-Gipfel zwischen Erdogan und Putin bekräftigte Partnerschaft beim Bau der Turkstream Pipeline in Gefahr ist, wollte Mos-kau bislang nicht kommentieren. Da das Gasgeschäft für beide Seiten lukrativ ist, wäre ein Stopp auch für die Russen von Nachteil.

Arbeiten beide Länder wirtschaftlich bereits länger zusammen, so trennt Russland und die Türkei in ihrer Nahostpolitik mehr als sie eint. Baschar al-Assad, den Putin als Verbündeten an der Macht halten will, betrachtet Erdogan als Erzfeind, was vor allem religiöse Gründe hat. Der Alawit Assad – eine der schiitischen Auslegung des Islam nahestehende Glaubensrichtung – steht Erdogans Allmachtstraum von einem sunnitischen Reich unter türkischer Vormacht ebenso im Wege wie die Unterstützung Assads durch den schiitischen Iran.

Im Grenzland zu Syrien leben neben den Kurden, die Syrien im Kampf gegen den IS unterstützen, auch Turkmenen, die Erdogan als „Brüder“ und „Verwandte“ bezeichnet. Diese wiederum bekämpfen Assads Armee. Sie leben südlich der Provinz Hatai, einem Landstrich, den sowohl Syrien als auch die Türkei beanspruchen. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches erhielt Frankreich nach dem Sykes-Picot-Abkommen von 1916 (siehe Seite 10) 1922 ein Völkerbundmandat für den Libanon, Syrien und Hatai. Die Herrschaft der Franzosen dauerte bis 1946, als Syrien unabhängig wurde. Obwohl Hatai als selbstständiges Gebiet verwaltet wurde und die Türkei 1923 im Vertrag von Lausanne anerkannt hatte, dass Hatai syrisches Gebiet ist, erhob sie Ansprüche darauf.

Da Russland die Kurden aus taktischen Gründen militärisch ausrüsten und sie in ihrem Bestreben, einen Kurdenstaat zu errichten, stärken könnte, darf der Abschuss der Su-24 als gezieltes Störfeuer sowohl gegen Russland als auch gegen die Anti-IS-Koalition mit Frankreich verstanden werden. Der russische Turkologe Wladimir Awatow vermutet einen Machtkampf zwischen Erdogan und seinem Premierminister Achmed Davutoglu. Möglicherweise stecke Letzterer, der für eng-ere Beziehungen mit den USA stehe, hinter dem Abschuss. Erdogan habe entweder nichts davon gewusst oder ihn nicht verhindern können.

Wie dem auch sei: Es zeichnet sich ab, dass der Vorfall Putin mehr genützt hat als Erdogan. Der russische Präsident ist als Verhandlungspartner von Nato und EU wieder gefragt. Der Westen muss erkennen, dass die Syrien- und damit auch die Asylkrise weder ohne Putin noch ohne Assad in den Griff zu bekommen ist.

                Manuela Rosenthal-Kappi


Ende des Kichnerismus
Argentinien wählte mit Macri einen erfolgreichen Unternehmer

Am 22. November vollzog sich bei den Präsidentschaftswahlen in Argentinien mit dem noch vor Monaten undenkbaren Triumph von Mauricio Macri, dem amtierenden Bürgermeister von Buenos Aires und Bewerber des als konservativ eingestuften Oppositionsbündnisses „Lasst uns wechseln“, ein historischer Machtwechsel im zweitgrößten Staat Lateinamerikas.

Daniel Scioli, Gouverneur der Provinz Buenos Aires, Mitglied der Rechtschaffenheitspartei und Kandidat der regierenden linksliberalen Parteienallianz „Siegesfront“, verlor die erste Stichwahl in der Geschichte des Landes mit 48,6 zu 51,4 Prozent.

Damit endete ziemlich abrupt das sozialistisch angehauchte Gesellschaftsprojekt des sogenannten Kirchnerismus, benannt nach dem von 2003 bis 2007 regierenden und 2010 verstorbenen Präsidenten Néstor Kirchner. Dessen Frau Cristina beerbte ihn in diesem Amt, durfte diesmal aber nicht mehr kandidieren.

Ihr schweres Erbe sind riesige wirtschaftliche Probleme: Die dramatische Inflation der letzten zwölf Jahre hat Waren des täglichen Gebrauchs wie Mate-Tee und Rindfleisch um rund 2000 Prozent verteuert. Zwar wurde diese Teuerungsrate durch eine staatliche Anhebung des Mindesteinkommens und die Einführung einer Rente auch für Nichtbeitragszahler mehr als ausgeglichen. Doch die Erhöhung der Geldmenge führte gleichzeitig zu einem riesigen Haushaltsdefizit, weshalb Macri bereits eine Reduktion der öffentlichen Ausgaben und Subventionen ankündigte, insbesondere im Energiebereich.

Die Wirtschaft stagniert seit Jahren, und für 2015 geht man von einem Wachstum von nur 0,5 Prozent aus. Daher sollen die seit 2011 geltenden Devisenbeschränkungen aufgehoben und die Exportsteuern gesenkt werden, um nach vier Jahren endlich wieder Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft zu schaffen und ausländische Investoren anzulocken.

Der Stand der Devisenreserven ist extrem niedrig. Die neue Regierung will Vertrauen schaffen, um die privat gehorteten US-Dollar wieder in den Geldkreislauf zu integrieren. Die hohen Auslandsschulden konnte man zwar zwischen 2005 und 2010 erfolgreich umstrukturieren, doch der Konflikt mit sogenannten Hedgefonds brachte 2014 den erneuten Staatsbankrott und einen Ausschluss vom internationalen Finanzmarkt mit sich. Ohne sich mit den Fonds zu einigen, wird man nicht wieder kreditwürdig sein.

Außenpolitisch ist von einer Wiederannäherung an die Verei­nig­ten Staaten und die Europäische Union sowie einer strategischen Allianz mit Brasilien auszugehen. Abrücken möchte man von Venezuela und unterstützt vor den dortigen Parlamentswahlen in diesem Monat offen die Opposition. Auch die Beziehungen zu Bolivien dürften sich abkühlen, nachdem sich Präsident Evo Morales in den argentinischen Wahlkampf eingemischt hatte. Die Annäherung an den Iran wird unter Macri ebenfalls keinen Bestand haben.

Ob sich dieser „Rechtsruck“, wie von manchen vorhergesagt, in anderen Ländern des Subkontinents wie Brasilien, Ecuador und Uruguay fortsetzt, bleibt abzuwarten. Für Argentinien jedenfalls ist es der Beginn einer neuen Ära jenseits der beiden traditionellen politischen Kräfte, der Peronisten und der Radikalen. Als erfolgreicher Unternehmer muss Macri nun beweisen, dass er auch einen Staat solide führen kann.             

                Markus Matthes


Transparenz und Öffnung
Rumäniens neue Regierung hat der Korruption den Kampf angesagt

Fast genau ein Jahr nach seinem überraschenden Wahlsieg konnte Rumäniens deutschstämmiger Präsident Klaus Johannis am 17. November mit der Regierung des Agrarspezialisten und Parteilosen Dacian Ciolos (46) erstmals eine Regierung vereidigen, die sein Vertrauen genießt. Das von Ciolos aufgestellte Expertenkabinett war vom Parlament mit breiter Mehrheit bestätigt worden. Insgesamt sprachen 389 Abgeordnete der neuen Exekutive ihr Vertrauen aus, 115 stimmten dagegen.

Als Leitideen seiner Regierung erklärte Ciolos Transparenz und Öffnung. Er wolle sich bemühen, das durch jahrzehntelange Korruption vor allem auch unter seinem Vorgänger Victor Ponta verspielte Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen. Eine Demokratie, „der die Bürger nicht vertrauen“, habe keine Zukunft, sagte Ciolos, mit den alten Parteien wolle er aber einen „stetigen Dialog“ aufrechterhalten.

 Zu den Prioritäten von Ciolos’ Regierungsprogramm gehört die Organisation fairer Wahlen im kommenden Jahr. Dazu möchte der neue Premierminister die Wahlgesetzgebung ändern, er möchte eine Wiedereinführung zweier Wahlgänge bei den Lokalwahlen. Das wird weder der sozialdemokratischen PSD noch der liberaldemokratischen PNL schmecken, die nach dem Verlust ihrer Macht in Bukarest zumindest auf lokaler Ebene ihre Macht verteidigen wollen. Mit einem neuen Wahlgesetz könnten andere Parteien oder Bewegungen die Möglichkeit erhalten, die Bürgermeister zu stellen, welche die Reformer brauchen, um auch auf lokaler Ebene an die Macht zu kommen. Auch Präsident Johannis war als Vertreter der Minipartei der deutschen Minderheit viele Jahre Bürgermeister, bevor er Präsident wurde.

Weitere Prioritäten der neuen Regierung sind „die bedingungslose Stützung einer unabhängigen Justiz und die Korruptionsbekämpfung“. Dutzende ehemaliger Minister, hohe Staatsbeamte und Geschäftsleute sitzen in Rumänien wegen Korruption in Haft. Auch gegen den vorherigen Regierungschef Ponta und gegen Ex-Staatschef Traian Basescu wird derzeit ermittelt.

Fast die Hälfte der neuen Minister hatte bis zu ihrer Berufung ins rumänische Kabinett bei europäischen Institutionen gearbeitet, wie auch der neue Premier, der EU-Kommissar für Landwirtschaft war. Die neue Finanzministerin, Anca Dragu Paliu, hatte vorher bei der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der EU-Kommission gearbeitet und war davor für den Internationalen Währungsfonds (IWF) tätig gewesen. Die Ministerin für Europäische Fonds, Aura Raducu, bringt jahrelange Erfahrung als Expertin bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie bei der Generaldirektion Regio der EU-Kommission mit. Raluca Pruna, die neue Justizministerin, war seit 2007 in unterschiedlichen Funktionen im Apparat der EU-Kommission tätig und zwischen 2000 und 2004 für Justiz, Inneres und Korruptionsbekämpfung bei der EU-Delegation in Bukarest zuständig.

Rumäniens ehemaliger Botschafter in London, Mihnea Motoc, wird Verteidigungsminister. Zum Außenminister wurde Lazar Comanescu, der bisherige Präsidialberater für Außenpolitik und vormaliger Botschafter von Rumänien in Deutschland ernannt. Sieben der 22 Kabinettsposten gehen an Frauen. Die meisten Kandidaten sind vergleichsweise jung. Außenminister Comanescu ist mit 66 Jahren der älteste im Kabinett.      Bodo Bost


MELDUNGEN

Kein Gas ohne Geld

Moskau/Kiew – Weil die Ukraine seit  Anfang November die laut Vereinbarung fälligen Vorauszahlungen für russisches Gas nicht geleistet hat und Kiew die von Moskau geforderten Gaspreise nicht akzeptieren will, hat Gazprom vorerst seine Lieferungen in die Ukraine gestoppt. Dies soll laut Gazprom-Chef Alexej Miller so lange so bleiben, bis neue Zahlungen eingehen. Die ukrainische Regierung sieht den Gaslieferstopp jedoch als eine Reaktion auf die Enstellung der Warenlieferungen von der Ukraine auf die Krim. Da zur Zeit die Gaslager noch gut gefüllt sind, befürchtet Kiew keinen Engpass. Im Dezember werde wieder russisches Gas strömen.             MRK

 

Kein US-Visum nach Irak-Reise

Washington – Nach der Anschlagserie von Paris wollen die USA ihre ohnehin strengen Einreisebestimmungen verschärfen. Galt bisher nach den Regeln des „Visa Waiver“-Programms (VWP), an dem neben Deutschland 37 weitere Länder teilnehmen, eine visumfreise Einreise bis zu 90 Tagen für Besucher der teilnehmenden Länder, so fordern einige Kongressmitglieder jetzt, Länder auszuschließen, die nicht eng genug mit US-Behörden kooperieren. Der Grund: Weißes Haus und Kongress befürchten, dass Terroristen Schlupf­löcher in den Einreisebestimmungen nutzen könnten. Künftig muss eine elektronische Einreiseerlaubnis Angaben zu Reisen in Länder enthalten, die Terroristen Unterschlupf gewähren. Wer in den vergangenen fünf Jahren Reisen nach Syrien oder in den Irak unternommen hat, muss damit rechnen, vom VWP ausgeschlossen zu werden. Die Tourismusindustrie befürchtet, dass das ohnehin aufwendige Einreiseverfahren der USA zu kompliziert wird. MRK


S. 7 Wirtschaft

Das Finanzmonstrum wankt
Die Weltwirtschaft zeigt Anzeichen eines bevorstehenden Absturzes – Jetzt wird die Geldblase gefährlich

Frankreich schwächelt weiter, selbst China zeigt bedenkliche Wirtschaftsdaten, jüngste Zahlen zeigen einen dramatischen Einbruch des Welthandels. Wird 2016 zum Jahr des Schreckens für die Weltwirtschaft?

Wer nur einmal hinblickt, versteht die Welt nicht. Seit Monaten raunen Experten von immer dunkleren Wolken am Horizont der Weltwirtschaft. Chinas Industrieproduktion breche ein, der Welthandel schrumpfe dramatisch, die verzweifelten Versuche der Notenbanken, mit immer neuen, aus dem Nichts geschaffenen Milliardensummen die Konjunktur in Schwung zu bringen, verpufften allesamt.

Finsternis allüberall, doch dann das: Die 30 größten Unternehmen an der deutschen Börse, die Dax-Konzerne, verzeichnen für das Sommerquartal (Juli bis September) Rekordumsätze. Die robuste Konjunktur und entsprechend steigende Gehälter ermöglichen 2016 vermutlich eine Erhöhung der gesetzlichen Renten um im Schnitt mehr als 4,5 Prozent, so viel wie seit Jahrzehnten nicht.

Wie passt das zusammen? Ist Deutschland abermals die „Insel der Stabilität“, als die es sich schon während des vorerst letzten Höhepunkts der Euro-Krise 2012 vorkam?

Im Euro steckt zumindest ein Teil der Erklärung für den deutschen Sonderweg. Allerdings ist es eine, die für die weitere Zukunft nicht Gutes erwarten lässt. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young wollen errechnet haben, dass in jenem Sommerquartal mehr als die Hälfte des deutschen Umsatzzuwachses im Ausland allein auf den eingebrochenen Euro-Kurs zurückzuführen ist. So notierte die Einheitswährung im Sommer 2014 noch bei rund 1,25 US-Dollar, ein Jahr später waren es nur noch 1,10 Dollar. Kein Wunder also, dass über 50 Prozent des Umsatzzuwachses per Export in Nordamerika erzielt wurden, vermutlich aufgrund des günstigen Wechselkurses also, nicht originärer deutscher Stärke.  In Asien seien die deutschen Umsätze denn auch gar nicht gestiegen, sondern sogar um drei Prozent zurückgegangen.

An diesen Zahlen entzünden sich ernsthafte Zweifel, wie tragfähig das deutsche „Exportwunder“ überhaupt ist. Das Beispiel Frankreichs erlaubt einen Blick in die Zukunft. Der Nachbar hat stets darauf gesetzt, mit einer schwachen Währung seinen Export zu beflügeln. Was auf kurze Sicht durchaus Vorteile brachte, ließ die französische Wirtschaft, die Industrie vor allem, aber immer weiter zurückfallen. Verführt von leichten Gewinnen durch die billige Währung, die beim Export Preisvorteile bescherte, fiel die tatsächliche Wettbewerbsfähigkeit stetig zurück.

Daher kann Frankreich jetzt auch nicht mehr vom billigen Euro profitieren: Es hat die Vorteile der Weichwährung längst über Gebühr ausgekostet. Dies dürfte Deutschland eines Tages auch bevorstehen. Die seit Jahren sinkenden Investitionsausgaben der deutschen Industrie lassen befürchten, dass viele Unternehmen bequem werden von dem per Billigwährung leicht verdienten Geld im Euro-Ausland.

Derweil arbeitet die Europäische Zentralbank (EZB) emsig an einer weiteren Schwächung des Euro. Sie pumpt per Anleihekauf Monat für Monat Milliarden an Inflationsgeld in den Markt. Wo so viel Geld hereinfließt, sinkt sein Marktwert, also der Zins. Er ist für Sparer bei nahe Null angelangt und auch Firmenkredite sind günstig wie nie. Das billige Geld verleitet Unternehmen nicht bloß zur Nachlässigkeit bei der Wettbewerbsfähigkeit.

Es verlockt Investoren überdies zu leichtsinnigen Entscheidungen auf Kredit. Da es auch die anderen großen Notenbanken der EZB gleichtun in einem perversen Abwertungswettlauf, warnen Experten vor einer globalen Pleitewelle, denn selbst bei niedrigsten Zinsen muss sich jede Investition irgendwann rechnen.

Diese Pleitewelle scheint nun anzurollen: Zahllosen Rohstoffunternehmen, etwa Förderern von Öl oder Industriemetallen wie Kupfer, Eisen oder Nickel, steht das Wasser schon bis zum Hals. Hier wird ein Massensterben erwartet. Insbesondere die schwächelnde chinesische Industrie gilt als Auslöser der Probleme, die ohne das viele billige Notenbankgeld jedoch nie diese Dimensionen erreicht hätten. Die Profite der Handelsschifffahrt befinden sich, wie Kennziffern belegen, teilweise auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Das ist auch ein Anzeichen dafür, dass China immer weniger ausführt, weil seine Industrie die Produktion zurückfahren muss, und daher auch immer weniger Industrierohstoffe einführt.

Eine solche Pleitewelle besonders schwacher Marktteilnehmer dürfte sich schnell auf weitere Bereiche ausdehnen. Durch die Zinsen nahe Null haben sich Anleger, darunter vor allem Banken und Versicherer, gezwungen gesehen, in riskante Anlagen zu investieren, weil sichere Investitionen, etwa in stabile Zinspapiere, nichts mehr abwerfen. Damit steckt ihr Geld nun in Firmen, die mit maximalem Risiko belastet sind und so bei jeder konjunkturellen Delle kollabieren können.

So provoziert die „lockere Geldpolitik“ der Notenbanken am Ende das Gegenteil dessen, was sie angeblich erreichen sollte. Ziel sei es gewesen, der Weltwirtschaft nach der Weltfinanzkrise per Geldspritzen wieder auf die Beine zu helfen.

Stattdessen haben die Notenbanken ein Monstrum aus wackeligen Krediten für windige Investitionen geschaffen, in das bislang vorsichtige Anleger ihr Geld stecken mussten, weil es sonst überhaupt keine Rendite mehr gegeben hätte – wegen der Zinspolitik der Notenbanken.

Nun, da sich die Konjunkturdaten rund um den Erdball einzutrüben beginnen, könnte der gesamte faule Zauber in die Luft gehen – womit das Geld von Abermillionen von Sparern in Gefahr geriete.      Hans Heckel


Ärmer als ihr Ruf
Neue Untersuchung zur finanziellen Situation der Deutschen

Ein ernüchterndes Bild der finanziellen Situation vieler Deutscher liefert der kürzlich vorgelegte „European Consumer Payment Report 2015“. Laut dieser Untersuchung des Credit-Management- und Inkassodienstleistungen in ganz Europa anbietenden Unternehmens „Intrum Justitia“ mit Sitz in Stockholm beschreiben zwar 25 Prozent von 1200 Befragten ihre wirtschaftliche Situation als gut, vier Prozent sogar als sehr gut, nur 18 Prozent sagen, dass es ihnen wirtschaftlich schlecht gehe. Nicht ganz zu dieser Selbsteinschätzung passt allerdings eine weitere ermittelte Zahl: 28 Prozent der Deutschen sind nicht in der finanziellen Lage, unvorhergesehene Ausgaben wie etwa eine Waschmaschinenreparatur oder Ähnliches zu bezahlen.

Alarmierend ist auch ein anderer Befund. Demnach befürchten 23 Prozent der Menschen in Deutschland, dass ihr Geld bis zum Monatsende nicht reiche, wenn alle Rechnungen bezahlt seien. Laut Jürgen Sonder, Geschäftsführer von „Intrum Justitia“, kämpfen viele Haushalte jeden Monat darum, ihr Konto nicht weiter zu überziehen. Die Hauptursache für finanzielle Schwierigkeiten sind nach Ansicht der Befragten vor allem die Benzin- und Energiepreise in Deutschland. Da sich diese wegen der gesunkenen Rohölpreise derzeit auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau bewegen, ist bei einer Normalisierung des Ölpreises mit einer ganz massiven Verschlechterung der Zahlungsfähigkeit in Deutschland zu rechnen.

Wie dramatisch die Lage für Deutschlands Arme bereits heute ist, zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Im vergangenen Jahr hatten rund 35 Prozent der Erwerbslosen hierzulande Schwierigkeiten, sich mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten zu können, so Berichte der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Daten des Bundesamtes. Gut jeder fünfte Erwerbslose hatte demnach Probleme, die Miete oder Rechnungen für Versorgungsleistungen rechtzeitig zu zahlen. Von 2013 bis 2014 habe sich die Zahl der Betroffenen um 62000 auf 590000 erhöht.

Nach Angaben des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands hat auch die Zahl der Stromabschaltungen in deutschen Haushalten ein neues Rekordniveau erreicht. So seien wegen unbezahlter Rechnungen gut 352000 Haushalte 2014 von Stromabschaltungen betroffen gewesen. Der Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege Deutschlands sieht die Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) in der Pflicht, umgehend in den Haushalten, die von Hartz IV oder einer Altersgrundsicherung leben, für die Übernahme der tatsächlich anfallenden Stromkosten zu sorgen.

Für viele Bedürftige waren bislang die sogenannten Tafeln, die Lebensmittel an Bedürftige abgeben, ein Rettungsanker, der wenigsten vor dem Hungern bewahrte. Der massive Zustrom von Asylbewerbern stellt die Tafeln nun allerdings vor beinahe unlösbare Probleme. Bisher haben die Lebensmitteltafeln eine Million Bedürftige in Deutschland versorgt. Die Asylkrise hat nun dafür gesorgt, dass innerhalb weniger Monate die Zahl der Bedürftigen um 150000 nach oben geschnellt ist. Jochen Brühl, der Chef des Bundesverbands der „Tafeln“, macht darauf aufmerksam, dass die 60000 Helfer der Organisation immer öfter Hungrige wegschicken müssen.        

                Norman Hanert


Allianz knickt ein
Die Versicherung zieht sich aus der Braunkohleförderung zurück

Bei der 21. UN-Weltklimakonferenz in Paris haben sich die deutschen Vertreter einige peinliche Fragen gefallen lassen müssen. Zwar hat weltweit kaum ein Land derart emotional über den Klimawandel und seine Konsequenzen diskutiert und eine derartige Unmenge an Geld in die Entwick­lung Erneuerbarer Energien gesteckt. Auf der anderen Seite gilt die Bundesrepublik aber immer noch als Subventionsweltmeister, was die Förderung von Braunkohle angeht, die seit Jahren als Klimasünder Nummer eins gilt.

„Deutschland ist Weltmeister beim Ausbaggern und Verbrennen von Braunkohle, wenn man die Mengen betrachtet. Noch deutlich vor China und Russland“, kritisierte die frühere grüne nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn ge­genüber der Deutschen Presse-Agentur: „Wenn man die deutschen Klimaschutzziele erreichen will, muss die Braunkohlenutzung in den nächsten 20 Jahren auslaufen.“

Unter dem Motto „Ist meine Bank ein Klima-Killer?“ hat „Urgewald“, ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Sassenberg, der sich seit 1992 für Umweltschutz und Menschenrechte einsetzt, kürzlich eine Studie zu den Braunkohle-Investments unter anderem der Deutschen Bank und der Commerzbank präsentiert. Darin weist die Umweltschutzorganisation darauf hin, dass deutsche Banken in großem Stil die Braunkohleförderung finanzieren. Die Deutsche Bank hat demnach in den vergangenen fünf Jahren mehr als 3,3 Milliarden Euro in die europäische Braunkohleindustrie gesteckt. Und mit rund 3,1 Millionen Euro an Investitionen war auch die Commerzbank vorne dabei. „Urgewald“ hat von den Finanzinstituten einen Strategiewechsel gefordert: „Die Abkehr von fossilen Energien kann nicht allein von der Politik kommen.“

Aber noch immer gilt die Förderung als lukratives Geschäft. Die 200 größten Energiekonzerne verfügen über Reserven, deren Ausbeutung zum Ausstoß von 555 Gigatonnen Kohlendioxid führen würde und das, wo in Paris noch einmal festgestellt wurde, dass bis zur Jahrhundertmitte gerade einmal zehn Gigatonnen verbrannt werden dürften, wenn die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzt bleiben soll.

Der Bundesverband Braunkohle, der Branchenverband der deutschen Braunkohlenwirtschaft, beklagt eine Hetzkampagne gegen die Branche und verweist auf mehr als 21000 Arbeitsplätze und 1400 qualifizierten Ausbildungsplätze in der Bundesrepublik. „Außerdem bleibe die Braunkohle Deutschlands letzte subventionsfreie heimische Energiequelle, wenn das Land aus der Atomkraft ausgestiegen ist und Ende 2018 die letzten Steinkohlekraftwerke schließen“, heißt es in einer Mitteilung.

Doch die Umweltlobbyisten erhöhen den Druck und die Lobby-Arbeit der Ökologen scheint Früchte zu tragen. Der Versicherungskonzern Allianz hat in der vergangenen Woche seinen Ausstieg aus der Braunkohleförderung bekannt gegeben. Man werde nicht mehr in Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes durch Kohleabbau oder mehr als 30 Prozent ihrer Energie aus Kohle gewinnen, erklärte der Vorstandsvorsitzende Oliver Bäte.     Peter Entinger


MELDUNGEN

Hilfsarbeiter statt Fachkräfte

München – Laut einer Untersuchung des Münchener ifo-Instituts können sich 41 Prozent der deutschen Firmen „Flüchtlinge“ derzeit nur als Hilfsarbeiter vorstellen, 59 Prozent nicht einmal das. Nur 37 Prozent glauben, dass die Asylsucher das Potenzial für eine Ausbildung in ihrem Betrieb hätten, 63 Prozent meinen das nicht. „Flüchtlinge“ als Facharbeiter in ihrer Branche können sich von den befragten Unternehmen nur 22 Prozent vorstellen, 78 Prozent nicht. 92 Prozent führen mangelnde Sprachgrenze als Hürde an, 71 Prozent attestieren den Asylsuchern mangelnde Qualifikation.    H.H.

 

Verarmte Briten treibt’s zu Aldi

London – Aldi und Lidl sind in England erfolgreich wie nie zuvor. Lidl steigerte seinen Umsatz in den letzten zwölf Wochen um 19 Prozent, Aldi um 17 Prozent. Beide Supermarktketten gewannen im letzten Jahr eine Million englischer Kunden hinzu. Experten machen die zunehmende Verarmung des britischen Mittelstandes dafür verantwortlich. Die „Aldi-Mum“, die Mutter, die aus finanzieller Not nur noch bei Aldi einkaufen kann, gilt vielen als Sinnbild dieser Krise.     FH


S. 8 Forum

Vertrauensverlust
von Harald Tews

Das Abstimmungsfiasko um die Olympia-Bewerbung Hamburgs hat deutlich gemacht, dass die Bürger fast niemandem mehr trauen können: nicht den Lokalpolitikern, die eine breite Koalition für Olympia geschmiedet hatten; nicht den Medien, die beinahe schon eine Kampagne für die Spiele gefahren haben; nicht einmal den Prognosen, die noch kurz vor Abstimmungsschluss eine knappe Mehrheit für die Bewerbung vorhergesagt hatten. Umso mehr muss es allen Olympia-Befürwortern wie ein Genickschuss vorgekommen sein, als am Ende eine Mehrheit von 51,6 Prozent gegen die Bewerbung votierte und damit den Traum von Olympia in Hamburg jäh und unerwartet platzen ließ.

Das Ergebnis zeigt, wie groß die Diskrepanz von Bürger- und Politiker-Meinung sowie von öffentlicher und veröffentlichter Meinung inzwischen geworden ist. Die Realität scheint sich nicht mehr in den Parlamenten, in den Schlagzeilen der Zeitungen oder in den Umfragen widerzuspiegeln. Wäre die Hamburger Bürgerschaft ein Abbild ihrer Stadtbevölkerung, dann hätte es eigentlich eine Zustimmung von fast 90 Prozent geben müssen. Denn außer den „Linken“, die bei den Wahlen im Februar dieses Jahres im Stadtparlament elf der 121 Sitze erlangten, haben alle übrigen in der Bürgerschaft vertretenen Parteien kräftig für Olympia getrommelt – auch die Grünen und die AfD. Sie alle haben eine Politik an der Meinung der meisten ihrer Wähler vorbei betrieben.

Und auch die führenden lokalen Medien müssen sich fragen, warum sie sich zum Erfüllungsgehilfen der Politik gemacht haben. Statt kritisch und distanziert zu berichten, wie es sich für eine unabhängige Presse gehört (siehe PAZ vom 20. November), machten das „Hamburger Abendblatt“, die „Bild“-Zeitung oder der NDR seitenlange beziehungsweise abendfüllende Werbung für Olympia, die man als redaktionelle Beiträge kaschierte. Wenn sich die Medienwelt weiterhin auf diese Weise mit der Politik gemein macht, ist es kein Wunder, dass viele Menschen  das Vertrauen in die vierte Macht im Staat verlieren.

Blamiert haben sich auch die Meinungsforschungsinstitute mit ihren falschen Umfragen zu Olympia. Wenn sie dabei schon versagen, kann man dann ihren mageren bundesweiten Umfragewerten zur AfD noch trauen?

Das Hamburger Fiasko zeigt im Kleinen, was sich im Großen unmerklich schon vollzogen hat: Die Parlamente und die Medien decken nicht mehr die Wahrheit im Land ab. Hätte es zu den EU-Hilfen für Griechenland oder zur Asylpolitik ähnliche Volksbefragungen gegeben, dann würde heute vieles anders laufen – vielleicht nicht besser, aber wenigstens nicht so teuer erkauft.

In Hamburg ist man inzwischen froh, dass es kein Referendum zum Bau der Elbphilharmonie gab. Wie das ausgegangen wäre, kann man sich ausmalen, nachdem sich damals lokale Politiker und Medien darum ebenso verschworen hatten wie jüngst bei Olympia. Wäre dieser Prestigebau der Politiker für Hamburg ein großer Verlust geworden, wenn er nicht gebaut worden wäre? Wer weiß. Auf jeden Fall hätte es nicht zu einem solchen Autoritäts- und Vertrauensverlust geführt, wie ihn jetzt nach dem Olympia-Debakel das Parlament, die Redaktionen und die Umfrageinstitute erleben müssen.


Fortschritt in den Rückschritt
von Wolfgang Thüne

Paris gleicht derzeit einer Wallfahrtsstätte. Etwa 50000 Klimajünger, darunter 150 Regierungschefs, sind zum 21. Weltklimagipfel gereist, um dem Klimagott zu huldigen und ihn um Gnade anzuflehen. Er möge uns unsere Klimasünden verzeihen und die Klimakatastrophe noch abwenden. Wir bereuen unseren Konsumrausch, wollen Buße tun und künftig auf die Nutzung von fossilen Rohstoffen zwecks Gewinnung von Strom und Wärme verzichten. Es soll die Wirtschaft, unser ganzes Leben dekarbonisiert werden, um das Treibhaus Erde nicht weiter aufzuheizen und zur Hölle zu machen. Zudem soll die Sintflut abgewendet werden. Als Mittel aus der Klimamisere wird die „Große Transformation“ propagiert.

Nach 20 erfolglosen Weltklimagipfeln wurde als letzter Ausweg Paris gewählt. Hier fand 1789 die Französische Revolution statt, die den sozialistischen Gleichheitswahn brachte, der den Sozialismus gebar und die kommunistischen Revolutionen beförderte. Die „Große Transformation“ wird, weil global, um Größenordnungen schlimmer sein. Das ist kein Schritt vor in eine post-industrielle, sondern in eine prä-industrielle Gesellschaft, ein Rück­schritt vor den Beginn der „Industriellen Revolution“.

Die Wahrheit ist: Vom Weltklima geht nicht die geringste Gefahr aus, da es nur fiktiver Natur ist. Klima ist ein vom Menschen erfundenes und vom Wetter abgeleitetes Konstrukt, ein Abstraktum, nach Immanuel Kant ein „Ding an sich“, ohne Existenz.

Über den Wettergöttern steht kein Klimapapst! Das Wetter empfängt seine Energie von der Sonne. Es handelt autark und autonom, über unsere Köpfe hinweg. Der Wettervielfalt auf der Erde verdanken wir die Klimavielfalt und die Artenvielfalt. „Das Wetter ist ungerecht, aber darin liegt seine größte Gerechtigkeit“, sagen die Chinesen. Wer als Politiker „Klimagerechtigkeit“ anstrebt, den hat die Machtsucht blind für die Wirklichkeit gemacht. Das ewige Wechselspiel von Sommer zu Winter auf den beiden Erdhalbkugeln ist Ausdruck des Sinnes für Gerechtigkeit wie der Weisheit des Schöpfers.

Gleich was in Paris beschworen, beschlossen und unterschrieben wird, das Wetter wird davon absolut keine Kenntnis nehmen. Der Wetterwandel wird wie seit Urzeiten weitergehen. Ihm müssen wir uns anpassen. Der Klimawandel wird als statistisches Hündchen brav dem Wetterwandel folgen. Es ist allerhöchste Zeit zu rebellieren. Wenn die „hohe Politik“ das CO2 zuerst reduzieren und dann aus der Luft eliminieren will, dann legt sie die Axt an die Existenz allen Lebens. Wer den „grünen Pflanzen“ ihr Grundnahrungsmittel CO2 entzieht, beraubt auch dem Mensch die Existenzbasis. Da ist Notwehr angesagt, zum Selbsterhalt und zum Erhalt der Schöpfung!


Frei gedacht
Deutschland wird ausgewechselt
von Eva Herman

Als ich vor fast 20 Jahren zum ersten Mal öffentlich über die Ursachen des Geburtenrückgangs in Deutschland diskutierte, ahnte ich nicht, um welch bedeutungsvolles Thema es sich für die zukünftige Weltlage handelte. Zu jener Zeit war ich noch der Ansicht, dass wir mit einem vernünftigen, politischen Programm diese nicht unbedeutende Humankrise wohl in den Griff bekommen müssten. Doch weit gefehlt. Denn was mir nicht bekannt war: Ein Anstieg der Geburten in Deutschland und Europa war offenbar weder vorgesehen noch beabsichtigt. Der Geburtenschwund, eingeleitet durch einen aggressiven Feminismus schon Ende der 60er Jahre in ganz Europa, dürfte vielmehr, wie jetzt bekannt wurde, Teil eines weltweiten Bevölkerungsaustauschprogramms der Vereinten Nationen sein. Den anderen Teil stellt der beeindruckende Einwanderungsstrom dar, der seit Monaten in die europäischen Länder quillt. Wie dies zusammen gehört? Ganz einfach: „Bevölkerungsaustausch“ heißt das Zauberwort. Es ist dem Journalistenkollegen Udo Ulfkotte zu danken, dass er für den Kopp-Verlag ein UN-Papier von 2001 ausfindig gemacht hat, in dem das sogenannte Flüchtlingschaos, das derzeit zunehmend Recht und Gesetz hierzulande aushebelt, durchaus vorsätzlich geplant, angekündigt wird. Im Lichte dieses Szenarios wundert es dann auch nicht mehr, dass es die UN selbst war, die vielen Millionen Flüchtlingen im Libanon, in Jordanien, der Türkei und so weiter im letzten Sommer die finanziellen Hilfszuwendungen um mehr als die Hälfte gekürzt hatten, sodass die Massen von Menschen, deren Überleben damit plötzlich aufs Äußerste gefährdet wurde, aufbrachen, um sich auf den Weg in eine bessere Welt zu machen.

Doch zunächst zurück zu Deutschlands Geburtenschwund. Es ist nicht sonderlich schwierig, die Zusammenhänge her-zustellen zwischen der feministischen Ideologie, dass eine jede Frau sich unabhängig vom Mann durch eigene Erwerbstätigkeit machen solle, und dem grassierenden Geburtenrück-gang. In zahllosen Fernseh-Diskussionssendungen hatte ich dazu Stellung genommen, nachdem ich über Jahre die Ursachen mit Experten und Wissenschaftlern geprüft hatte. Es war doch alles so leicht zu verstehen: Wenn eine Gesellschaft durch ihre politischen Programme die Arbeit einer Mutter nicht mehr würdigen und wertschätzen will, stattdessen die Erwerbstätigkeit der Frau glorifiziert, stattdessen auch die kleinen Kinder, manchmal noch Säuglinge, in die Fremdbetreuung gibt, entgegen jeglichem besseren Wissen über die Natur des Menschen, dann verschieben sich die Wertvorstellungen; außerdem wird eine ganze Gesellschaft durch derartige Programme umerzogen. Der Wunsch nach eigenen Kindern tritt bei der von Politik und Medien im öffentlichen Bild neu gezimmerten „Karrierefrau“ zunehmend in den Hintergrund, da nur in der bezahlten Erwerbstätigkeit die Frau überhaupt noch gewertschätzt wird, sowohl gesellschaftlich als eben auch monetär. Dem durch den Feminismus zudem tief gedemütigten Mann vergeht seit Langem schon jeglicher Familiensinn, da zahlreiche Paarbeziehungen eher zu Konkurrenz-Schlachtfeldern denn zu einer harmonischen Einheit sich verbildet haben. Das fortdauernde Sichentfernen moralischer Grundwerte, hervorgerufen durch Hedonismus und Ichbezogenheit der Agierenden, tut sein Letztes, um die Geburtenrate nachhaltig zu schwächen. Mit anderen Worten: Ein Volk schafft sich ab! Meine Beobachtungen waren erschütternd: Während die Bürger im Land zunehmend unter dieser Umerziehung litten, Frauen wie Männer verzweifelten, Kinder bindungslos dahinwuchsen, posaunten dressierte Politik- und Medienvertreter nahezu unisono das Bild der neuen Weltordnung in den Äther, und das über Jahrzehnte. Andersdenkende, die ihren Widerspruch öffentlich machten, wurden zunehmend diffamiert, ausgegrenzt. Zur rechtlichen Verpflichtung nahezu weltweit wurde der Wahnsinn gemacht, als die Vereinten Nationen 1995 bei der Weltfrauenkonferenz in Peking das größte Umerziehungsprogramm der Menschheit, namentlich als Gender Mainstreaming bekannt, ausriefen. Über 120 Länder übernahmen das Programm, viele als rechtlich verpflichtend, in ihre Verfassungen. Darunter auch Deutschland. Die Gender-Ideologie: Nach Aussage hochbezahlter „Experten“ existieren unter anderem die beiden Geschlechter von Mann und Frau zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen gar nicht, lediglich das soziale Umfeld wie Mutter, Vater et cetera „ernennt“ das Geschlecht des Neugeborenen und erzieht das Kind in diesem Sinne. Ziel von Gender ist es, dass jeder Mensch sein Geschlecht, das jetzt Gender heißt, mehrmals im Laufe seines Lebens wechseln können soll. Allerdings sind es nicht zwei, sondern gleich mehrere Dutzend Arten von Geschlechtern beziehungsweise sexuellen Orientierungen, zwischen denen der Mensch wählen kann, darunter auch Sodomie, Nekrophilie und Pädophilie. Auf diese Weise wird übrigens der alte Traum der Grünen Wirklichkeit: Die Pädophilie wird über diese Hintertür straffrei. Alle diese Faktoren dienen letztlich dem einen Ziel: Verwirrung zu stiften, und möglichst wenige Kinder in die Welt zu setzen.

Zurück zum derzeitigen „Flüchtlingschaos“: Die offiziellen Erklärungen vonseiten der Politik und Medien über die Notwendigkeit der Einwanderungsströme nach Europa gehen seit geraumer Zeit auffällig in Richtung des Geburten-schwundes und der damit verbundenen Schwächung der Wirtschaftskraft. Nur durch die „Flüchtlinge“ sei der Bevölkerungsniedergang Europas noch aufzuhalten, heißt es immer öfter aus den Mündern eilfertiger Ergebener der Politischen Korrektheit sowie aus höchsten Ämtern der UN- und EU-Gremien. Wer hingegen warnt, dass damit eine Auflösung der eigenen Nation und Kultur, auch des Wertegerüstes des christlichen Abendlandes, einhergehe, wird scharf angegriffen und als „rechtsextrem“ gebrandmarkt. Warum diese Heftigkeit? Nun, man hat im Laufe der letzten 70 Jahre mit diesem Hebel noch jeden zum Schweigen gebracht, um die bei der Bevölkerung oft unbeliebten, unnatürlichen Politikprogramme durchzusetzen. Es ist eine Form von schmerzender, unsichtbarer Gewalt, die von den Menschen nun erkannt wird, die diese jedoch zu paralysieren scheint.

Udo Ulfkotte schreibt: „In dem erst jetzt bekannt gewordenen Bericht der Bevölkerungsabteilung der UN aus dem Jahr 2001 wird die Öffnung Deutschlands für 11,4 Millionen Migranten gefordert, auch wenn das innerhalb Deutschlands zu sozialen Spannungen („rise to social tensions“) führen werde.“ Weiter heißt es: „Auch Jim Yong Kim, Präsident der zur UN gehörenden Weltbank, hat im Ok­tober 2015 verkündet, dass der ,Bevölkerungsaustausch‘ in Europa ein ,Motor des Wirtschaftswachstums‘ werde, um mit allen Mitteln im Sinne der Weltwirtschaft den demografischen Wandel zu bekämpfen.“ Die Bundesregierung habe vor wenigen Tagen bei einem vertraulichen Treffen in St. Augustin bei Bonn intern klargemacht, worauf sich die Ministerien künftig einstellen müssten: „Man erwartet bis Ende 2016 in Deutschland bis zu zehn (!) Millionen Asylanten.“ Wer die Einwanderungsströme betrachtet, kann sich schon mal daran gewöhnen: So sieht Deutschland demnächst aus. Die alte Zeit ist vorbei!


S. 9 Kultur

Preußens Aushängeschild in der Malerei
Vor 200 Jahren kam Friedrich von Menzel zur Welt − Seine Historiengemälde prägen das Bild Friedrichs des Großen bis heute

Er war Chronist eines Dreivierteljahrhunderts preußischer Ge­schichte. Zeuge des aufstrebenden Berlins und wirkte als nahezu besessener Maler: Adolph von Menzel. Am 8. Dezember jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal.

Nein, freundlich schaute er nicht in die Kamera. Eher verbittert. Frühe Fotoaufnahmen des in die Jahre gekommenen Malers zeigen ihn mit zusammengepressten Lippen und ernstem Ge­sichtsausdruck wie ein vom Le­ben Enttäuschter. Als frauenfeindlich und abweisend wird er be-schrieben und als Einsamer Zeit seines Lebens. Häufig entdeckt man in der Literatur Hinweise darauf, dass Menzel den körperlichen Mangel der Kleinwüchsigkeit durch Fleiß und Erfolg auszugleichen versuchte. Dass der Hofnarr, als der er sich selber sah, durch unermüdliche Selbstbehauptung der Welt be­weisen wollte, was in ihm steckte.

Geboren in Schlesiens Hauptstadt Breslau am 8. De­zember 1815, machte die Gestalt des Heranwachsenden den Eltern Sorgen. Mit sehr großem Kopf, zeitweilig unter epileptischen Anfällen leidend, erreichte der Junge nur eine Körpergröße von 1,40 Meter. Was ihm an Körperlänge fehlte, zeigte sich früh an anderer Stelle überreich. In ihm schlummerte großes Zeichentalent. Schon mit 13 Jahren wurde eine seiner Zeichnungen in der Breslauer Alten Börse ausgestellt. In einer autobiografischen Notiz von 1865 schrieb er: „Zur Zeit meiner frühesten Kindheit war mein Vater Vorsteher einer Mädchenschule, welchen Beruf er nachmals aufgab, um eine lithographische Anstalt zu begründen“.

So folgten Lehrjahre in der Werkstatt des Vaters. Um dem Sohn eine bessere Ausbildung zu ermöglichen, zog die Familie 1830 nach Berlin. Mit dabei die beiden jüngeren Geschwister. Zwei Jahre lang bearbeitete er mit dem Vater, auch Autodidakt, unzählige Aufträge von Kunstverlegern. Oft durchstreifte der Junge die Stadt und zeichnete mit gespitztem Bleistift die prächtigen Gebäude.

1832 starb überraschend der Vater. Menzel war 16 Jahre alt, musste die Werkstatt alleine weiterführen und die Familie ernähren. 1833 besuchte er kurz die Gipsklasse der Akademie, meldete sich aber enttäuscht wieder ab. Er blieb Autodidakt. Der Verlag Sachse trug ihm den Auftrag zu, elf Lithografien zu „Goethes Erdenwallen“ anzufertigen. Ob­wohl Menzel keinen Hang zu Goethes Gedichten ver­spürte, führte er den Auftrag bestens aus. Akademiedirektor Johann Gottfried Schadow wurde auf ihn aufmerksam und lobte die Illustrationen. Menzel wurde 1834 in den „Verein der jüngeren Künstler Berlins“ aufgenommen, ar­beitete unermüdlich. Von der Glück­wunschkarte über Briefköpfe, Ti­telblätter bis zur Buchillustration reichte sein Repertoire. Nebenher studierte er noch Malereien vergangener Jahrhunderte.

1836 entstand sein erstes Ölbild „Schachpartie“. Noch war es für ihn ungewöhnlich, mit Ölfarben zu hantieren. Er wohnte mit seinen Geschwistern und der Mutter zusammen. Als diese 1839 starb, erteilte ihm der Leipziger Verleger Johann Jakob Weber einen für Menzels weiteres Schaffen weitreichenden Auftrag. Er sollte Franz Kuglers „Geschichte Friedrich des Großen“ illustrieren. Bis 1842 entstanden 400 Ar­beiten. In gründlichster Recherche vertiefte er sich in die Zeit Fried­richs des Großen. Sein Ruf als Vertreter des „Berlinischen Realismus“ lag hierin be­gründet. 436 Federlithografien für „Die Armee Fried­richs des Großen in ihrer Uniformierung“ folgten. Es entstanden  Kontakte zum Preußischen Hof Friedrich Wilhelms IV.

In Ölskizzen, die Menzel im Atelier vor der Öf­fentlichkeit verborgen hielt, ließ er wahre Meisterwerke entstehen. Wie zum Beispiel das „Balkonzimmer“. Alles Studien, Bildnisse der Familie, Blicke aus dem Fenster, nicht für fremde Augen gedacht und viele erst nach seinem Tod im Nachlass entdeckt. Darunter zündende Ideen für ei­nen deutschen Impressionismus. Er selber war sich dessen we­nig be­wusst.

1849 be­gann er ohne Auftrag mit den Gemälden „Tafelrunde in Sanssouci“ und dem be­rühmten „Flötenkonzert Fried­richs des Großen in Sanssouci“. Bis heute stellt sich der Be­trachter ein Konzert am Hofe des Preußenkönigs ge­nau so vor und vergisst dabei, dass er die Ära Fried­richs durch die Au­gen Menzels be­trachtet. Dass diese Darstellung eines Flötenkonzertes in Sanssouci nur der Phantasie eines genialen Malers entsprang. 1853 wählte man ihn zum Mitglied der Königlichen Akademie der Künste in Berlin, später sogar zum Professor.

Eine Partnerschaft schien sich für Menzel nicht zu ergeben. Vielleicht als Ausgleich, reiste er jährlich im Sommer in den deutschsprachigen Süden. Oft begleitet von seiner Schwester und ihrer Familie. 1861 erhielt er den Auftrag, die „Krönung Wilhelms I.“ in Königsberg zu malen und bezog dafür ein Atelier im Schloss. Vier Jahre sollte es dauern, alle Porträts zu malen. Der Künstler zeichnete ohne Unterlass, hatte stets in acht Jackentaschen Stifte und Papier dabei und hielt alles fest, was ihm vors Auge kam. Sogar sterbende Soldaten, die er während des Deutschen Krieges in Königgrätz im Lazarett aufsuchte.

Als einer der ersten Künstler stellte er 1875 im Gemälde „Das Eisenwalzwerk“ die aufkommende Industriearbeit in Oberschlesien dar. Zahlreiche Ausstellungen, darunter 1885 in Paris, bestätigen ihn als einen der international anerkanntesten Künstler. Seine Kunstauffassung deckte sich mit der Wilhelms II. Den Impressionismus lehnten beide als „Kunst der Faulheit“ ab. 1898 wurde Menzel von Wilhelm zum Ritter des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler und in den erblichen Adelsstand erhoben.

Als Menzel am 9. Februar 1905 starb, ordnete Wilhelm II. ein Staatsbegräbnis an. Die Trauerfeier fand in der Rotunde des Alten Museums statt. Der Kaiser be­gleitete den Sarg zu Fuß bis auf den Dreifaltigkeitsfriedhof. Noch im selben Jahr eröffnete die Na­tionalgalerie eine Gedenkausstellung mit Menzels Nachlass. Erstmals waren auch viele Skizzen der Öffentlichkeit zugänglich.

Wer war dieser von den Berlinern ehrfürchtig als „Kleine Exzellenz“ bezeichnete Mensch eigentlich? Historienmaler, Wegbereiter des Impressionismus, Realist, Zeichner, Graphiker, Menschenfeind? „Menzel ist sehr vieles. Um nicht zu sagen alles“, schrieb Theodor Fontane in einem Gedicht zu des Malers 70. Ge­burtstag.      Silvia Friedrich


Musikalischer Weckrufer
Zum 150. Geburtstag von Jean Sibelius − Seine »Finlandia« ist heimliche Nationalhymne

Finnland erlebte 1899 einen musikalischen Aufstand. Im Schwedischen Theater von Helsinki kam eine sechsteilige Suite des jungen Komponisten Jean Sibelius zur Aufführung, deren letzter Teil „Finnland erwacht“ ein ebenso program­matischer wie hymnischer nationalistischer Weckruf bedeutete.

Sibelius ließ seine Komposition im Rahmen einer „Pressefeier“ aufführen, die sich gegen die Zensur und Russifizierung im Land richtete. 1899 wurde in Finnland, das seit 1809 unter der Knute Russlands stand, mit dem sogenannten Februarmanifest des Zaren nicht nur die Pressefreiheit und Autonomiebestrebung eingeschränkt, sondern auch Russisch als offizielle Landessprache eingeführt. Daraufhin formierte sich ein Protest, der seinen musikalischen Ausdruck in „Finnland erwacht“ fand. Von der Begeisterung bei der Uraufführung angespornt, schrieb Sibelius das Stück um und ließ es als separate, etwa neunminütige Fassung 1900 auch bei der Weltausstellung in Paris aufführen. Als „Finlandia“ wurde es zu Sibelius’ bekanntester Komposition, die bis heute weltweit auf den Konzertbühnen zu hören ist. Nach den heftigen Crescendi und Fanfaren zu Beginn endet das Stück in einer Apotheose an die Heimat mit einer hymnenartigen Melodie, die viele Finnen als heimliche Hymne ihres Landes feiern. Offiziell ist aber das 1848 komponierte „Maamme“ („Vaterland“) die finnische Nationalhymne.

Von Haus aus war der am 8. Dezember 1865 als Johan Julius Christian Si­belius geborene Kom­ponist kein Parteigänger der Nationalisten. Er gehörte der Oberschicht an, deren Muttersprache Schwedisch war, da Finnland bis zum Schwedisch-Russischen Krieg von 1808/09 zur schwedischen Krone gehört hatte, ehe es Teil Russlands wurde. Erst die Ehe mit der Tochter eines finnischen Generals ließ Siebelius’ Nationalgefühl erwachen. So be­diente er sich in seinen frühen Werken wie „Kul­lervo“, „En Sa­ga“, „Karelia Suite“ oder dem schwermütigen „Schwan von Tuonela“ folkloristischer Themen so­wie Motiven aus dem großen finnischen Na­tionalepos „Kalevala“.

Ausgebildet unter anderem in Berlin stand Sibelius an der Schwelle zwischen Spätromantik und Moderne. Brahms prophezeite: „Sibelius, aus dem wird mal was!“, und der fast  gleichaltrige Richard Strauss ließ wissen: „Ich kann zwar mehr, aber er ist der Größere von uns beiden.“

Während Strauss schon zu Lebzeiten eine Legende war, entdeck­te man Sibelius als Sinfoniker erst ab den 1960er Jahren. Sein Violinkonzert zählt heute neben denen von Beethoven, Mendelssohn oder Tschaikowski zu den am meisten aufgeführten Konzerten. Seine sieben Sinfonien finden regelmäßig Eingang in die Konzertprogramme. An einer achten Sinfonie soll er bis zum Lebensende gefeilt haben. Tatsächlich vollendete er seit der Tondichtung „Tapiola“ von 1926 bis zu seinem Tod am 20. September 1957 keine Komposition mehr. Mit der Unabhängigkeit Finnlands, die 1917 errungen war, schien sein Lebenswerk erreicht zu sein. Nach „Finlandia“ hätte nicht Größeres mehr folgen können.    Harald Tews

Zum 150. Geburtstag von Sibelius haben die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle die Sinfonien 1 bis 7 eingespielt: Berliner-Philharmoniker-Recordings, 4-CD-Box und ein Video Blu-ray, ca. 70 Euro, EAN 4260306180714


Kinotipp

Seit ihren Komödienerfolgen „Greenberg“ und „Francis Ha“ wird Greta Gerwig als „weiblicher Woody Allen“ bezeichnet. Als Stadtneurotikerin, die sich mit Witz und Charme durch New York schlägt, ist die Schauspielerin mit deutschen Wurzeln vom 10. Dezember an mit „Mistress America“ in den Kinos zu sehen. Sie spielt eine unreife Frau in den Dreißigern, die sich recht planlos den amerikanischen Traum von Erfolg und Freiheit erfüllen will. Tatsächlich bringt erst ihre von Lola Kirke gespielte jüngere Stiefschwester in spe Ordnung in ihr chaotisches Leben. Wie in den früheren Filmen führte Noah Baumbach Regie in dieser beschwingten Komödie über das Erwachsenwerden.                tws


Meldung

So leben wir in der Zukunft

Ludwigshafen am Rhein − Mit über 300 Werken von mehr als 100 Kunstschaffenden aus den Bereichen bildende Kunst, Architektur und Design eröffnet das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen am 5. Dezember die ambitionierte Ausstellung „Wie leben? Zukunftsbilder von Malewitsch bis Fujimoto“. Gezeigt werden bedeutende Lebensentwürfe und Visionen des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Anhand von 20 thematischen Schwerpunkten werden bedeutende Beispiele aus der Kunst-, Kultur- und Industriegeschichte zusammengeführt. Das Wilhelm-Hack-Museum in der Berliner Straße 23 in 67059 Ludwigshafen ist dienstags, mittwochs und freitags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis 20 Uhr, sonn­abends und sonntags 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen. Eintritt: 7 Euro. Internet: www.wieleben-ludwigshafen.de        tws


S. 10 Geschichte

Ein Meister der Heiratspolitik
Belgiens erster König Leopold I. – Der Metternich-Verehrer regierte einen der modernsten Staaten Europas

Fast wäre Leopold I. Prinzgemahl des Vereinigten Königreiches geworden. Aber ein Unglück verhinderte dies. Er wurde dafür aber immerhin Belgiens erster König. Vor 225 Jahren, am 16. Dezember 1790, kam er auf Schloss Ehrenburg in Coburg zur Welt. Er starb vor 150 Jahren, am 10. Dezember 1865, in Laken.

Leopold Georg Christian Fried­r­ich war der jüngste Sohn des Herzogs Franz Friedrich von Sachsen-Coburg-Saalfeld und dessen Ehefrau Auguste. Obwohl das Herzogtum dem von Napoleon gegründeten Rheinbund beitrat und im Vierten Koalitionskrieg neutral blieb, wurde es in eben diesem Krieg von französischen Truppen besetzt. Zusammen mit seinem älteren Bruder Ernst, der nach dem Tod des Vaters 1806 im Herzogtum die Regierung übernommen hatte, bemühte er sich 1807 bei Napoleon um eine Entschädigung. Das taten die beiden vergebens. Stattdessen bot Bonaparte Leopold dem Posten eines Adjutanten an, was dieser ablehnte.

Stattdessen trat Leopold nach dem Scheitern von Napoleons Russlandfeldzug Ende 1812 in die Dienste des Zaren. Erleichtert wurde ihm dieses dadurch, dass seine Schwester Juliane mit einem russischen Großfürsten verheiratet war und er deshalb bereits seit 1801 den Rang eines Obersten der russischen Armee bekleidete.

Die Entscheidung Leopolds gegen Frankreich und für Russland war insofern bezeichnend, als ihm die Ideale der Französischen Revolution fremd blieben. Er war kein Liberaler, sondern ein Konservativer. Sein Vorbild war der österreichische Staatskanzler Clemens von Metternich, wie er ein Konservativer mit großem diplomatischen Geschick.

Im Gefolge des Zaren besuchte Leopold 1814 London. Dort lernte er die Prinzessin Charlotte Augusta kennen. 1816 heirateten die beiden. Da sie die älteste Tochter des britischen Kronprinzen und Prinzregenten Georg war, schien es mehr als wahrscheinlich, dass sie nach dem Tod des Königs und ihres Vaters Königin und er Prinzgemahl würde. Doch es kam anders. Charlotte Augusta von Wales, die er wohl wirklich liebte, starb bereits 1817 nach der Geburt ihres ersten Kindes, das tot zur Welt kam. Der Traum vom Prinzgemahl war damit geplatzt.

Es spricht für Leopolds politische Fähigkeiten, dass er weiterhin ein wichtiges Mitglied des Hofes und gefragter Berater blieb. Seine und die Position seiner Familie stärkte er zusätzlich dadurch, dass er die Hochzeit seiner Schwester Victoire mit dem Duke of Kent and Strathearn, Georgs Bruder Edward Augustus, arrangierte. Aus dieser 1818 geschlossenen Ehe ging als einziges Kind 1819 Victoria hervor.

Außer Georg hatte Edward Augustus mit Friedrich August und Wilhelm noch zwei weitere ältere Brüder, da diese aber wie Georg keine legitimen Nachkommen zeugten, schien absehbar, dass die Krone irgendwann Victoria zufallen würde. Nach dem frühen Tode von Edward Augustus im Jahre 1820 unterstützte Leopold seine Schwester bei der Erziehung seiner Nichte und wurde ihr väterlicher Freund.

Nach dem Tode von Georg, Friedrich August und Wilhelm wurde Leopolds Nichte 1837 tatsächlich Königin. Hinter ihrer 1840 geschlossene Ehe mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, einem Sohn von Leopolds Bruder Ernst, steckte Leopold ebenso wie hinter der 1836 geschlossenen Ehe seines Neffen Ferdinand von Sachsen-Coburg und Gotha mit der por­tu­gie­sischen Königin Maria II. Da war Leopold übrigens schon seit einigen Jahren selber König.

Nach der Niederlage Napoleons hatte Frankreich seine sogenannten alten Grenzen zurückerhalten, die weitgehend mit den heutigen übereinstimmen. In Frankreich wird jedoch traditionell neben den Pyrenäen auch der Rhein als sogenannte natürliche Grenze beansprucht. Von daher war das linksrheinische Gebiet zwischen Frankreichs „alten“ und seinen „natürlichen“ Grenzen besonders vom französischen Expansionsdrang bedroht und deren Sicherung den Siegern über Napoleon ein besonderes Anliegen. Aus diesem Grunde wurde auf dem Wiener Kongress der deutsche Teil des umstrittenen Gebietes dem neugeschaffenen Deutschen Bund und der andere dem neugeschaffenen Königreich der Vereinigten Niederlande zugeschlagen. Die Gefahr, dass dieses Königreich unter französischen Einfluss geriet, schien gering, denn es war durch die Zusammenlegung der vormaligen Generalstaaten mit den vormaligen Österreichischen Niederlande relativ groß, seine politische Elite sprach nicht Französisch, sondern Niederländisch und der vorherrschende Glauben war nicht wie in Frankreich der Katholizismus, sondern der Protestantismus.

Das Königreich hatte allerdings ein Sicherheitsproblem: eine französischsprachige, katholische, frankreichfreundliche Minderheit im Süden an der Grenze zu Frankreich. In das Siedlungsgebiet dieser Minderheit sprang 1830 der Funke der Julirevolution des Nachbarlandes Frankreich über. Welche Rolle möglicherweise französische Agenten bei der Belgischen Revolution gespielt haben, ist umstritten, doch war sie definitiv frankreichfreundlich. Ihr Ziel war ein eigener Staat der Südprovinzen der Vereinigten Niederlande nach dem Vorbild der aus der französischen Julirevolution hervorgegangenen Julimonarchie des „Bürgerkönigs“ Louis-Philippe I. Nach französischem Vorbild bestand die Flagge des neuen Staates, der in Anlehnung an eine römische Provinzbezeichnung „Belgien“ genannt wurde, aus drei senkrechten Streifen und erhielt das Staatsoberhaupt nicht den Titel „König von Belgien“, sondern „König der Belgier“. Als König ihres neuen Staates hatten die Revolutionäre an den zweiten Sohn des Königs der Franzosen gedacht.

Aber das war nun den Briten zu viel der Provokation. Der Zerschlagung des als Bollwerk an Frankreichs Grenze geschaffenen Königreiches der Vereinigten Niederlande waren sie noch bereit gewesen zuzustimmen, aber ein französischer Prinz auf dem Thron der Abspaltung war ihnen dann doch zu viel französischer Einfluss auf die der Themsemündung gegenüberliegende Küste Kontinentaleuropas. Die belgischen Revolutionäre lenkten ob der britischen Kriegsdrohung ein und der aus der Revolution hervorgegangene Nationalkongress trug nun einem Prinzen die belgische Krone an, bei dem kein britischer Widerstand zu erwarten war: Leopold.

Dass die Entscheidung für Leopold nicht abwegig war, zeigt die Tatsache, dass ihm vorher bereits ein anderer junger, aus einer Revolution hervorgegangener Staat die Krone angetragen hatte. Das war Griechenland gewesen. Doch die Griechen waren Leopold zu republikanisch und nur auf die Bajonette der Großmächte, die auf einer Monarchie bestanden, wollte er sich nicht stützen. Statt seiner wurde dann Prinz Otto von Bayern griechischer König, von dessen Heimatland die Griechen ihre Nationalfarben Weiß und Blau übernommen haben. Ottos weiteres Schicksal – seine Regentschaft wurde bereits wenige Jahre später durch einen Aufstand beendet – spricht für Leopolds Entscheidung gegen die Annahme des Angebotes.

Anders als die griechische lehnte Leopold die belgische Krone nicht ab. Am 17. Juli 1831 betrat Leopold sein künftiges Königreich. Dort in De Panne erinnert heute noch ein Denkmal an dieses Ereignis. Vier Tage später legte er den Eid auf die Verfassung ab. Anders als in anderen Monarchien beginnt in Belgien die Regentschaft eines Königs nicht mit dem Tod des Vorgängers, sondern mit dem Eid auf die Verfassung. Dieses ist nur ein Symptom für den ausgesprochen liberalen Charakter des aus einer Revolution nach französischem Vorbild hervorgegangenen Königreiches. Leopold hatte damit als Konservativer seine Probleme. Ein weiteres Problem war, dass der König der Belgier, die sich ja nicht zuletzt über den katholischen Glauben von den protestantischen Niederlanden abgrenzen, Protestant war. Und Volkstümlichkeit ging ihm auch ab.

Dafür kam Leopold sein diplomatisches Geschick zupass. Abermals setzte er auf Heiratspolitik. Erst einige Monate auf dem Thron heiratete er 1832 die katholische älteste Tochter des Königs der Franzosen. Damit kam er innenpolitisch seinen katholischen und frankophilen Mitbürgern entgegen und verminderte zumindest bis zum Sturz seines Schwiegervaters 1848 in der Feb­ruarrevolution die Gefahr eines Angriffs durch den großen Nachbarn im Süden.

1839 gab endlich der Nachbar im Norden den Versuch auf, die Abspaltung Belgiens mit Waffengewalt zu revidieren. Die Niederlande hatten dieses nicht zuletzt auf internationalen Druck hin getan.

Leopold wusste sehr wohl um die Bedeutung des Konzerts der Mächte, der Pentarchie, der internationalen Gemeinschaft für die Sicherheit und Integrität seiner kleinen sowie durch die Teilung in Flandern und Wallonen zudem heterogenen Neuschöpfung von 1830. Bei der Gründung hatten sich die fünf Großmächte auf ein unabhängiges, neutrales Königreich geeinigt. Peinlich achtete Leopold auf die Wahrung der Neutralität, um keiner Großmacht einen Vorwand zu liefern, von der Einigung abzurücken. Leopold wusste, dass der Wert der Einigung von der Einigkeit unter den Großmächten abhing, und versuchte deshalb zwischen ihnen zu vermitteln. So versuchte er engere Bande zwischen Großbritannien und Belgiens östlichem Nachbarn Preußen zu knüpfen, indem er die Beziehung zwischen der ältesten Tochter von Victoria und dem ältesten Sohn von Wilhelm, dem späteren zweiten deutschen Kaiserpaar, förderte. Ebenso wie zwischen Großbritannien und Preußen versuchte er auch zwischen Österreich und Preußen zu vermitteln. Er wusste, dass von einer deutschen Selbstzerfleischung der Kaiser der Franzosen Napoleon III. profitieren würde und dieser ein Auge auf Belgien geworfen hatte. Und tatsächlich brach der deutsche Bruderkrieg von 1866 erst nach Leopolds Tod aus.

Wenn Leopold auch nicht populär war, so gelang es ihm doch, eine Staatsnation zu schaffen, zum Vater des Vaterlandes zu werden. Und wenn es heutzutage heißt, der König sei für die Belgier identitätsstiftend, ja unter lauter Flamen und Wallonen (und seit Versailles auch Deutschen) der einzige Belgier, dann ist das auch Leopolds Verdienst.          Manuel Ruoff


Rückkehr einer Kolonialmacht

Wenn Frankreich jetzt den „Islamischen Staat“ auch auf syrischem Boden bekämpft, kann es für das Verständnis der französischen Politik und möglicher syrischer Reaktionen nicht schaden zu wissen, dass Syrien einst eine französische Kolonie war.

Nach dem Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg aufseiten der Mittelmächte riefen die Briten die im Reich lebenden Araber zum bewaffneten Widerstand gegen die Osmanen auf. Als Lohn für ihren Widerstand versprachen sie den „von den Türken unterdrückten Völkern“ die Unabhängigkeit. Dieses Versprechen hinderte London jedoch nicht daran, 1916 im geheimen Sykes-Picot-Abkommen den Nahen Osten für die Zeit nach dem Krieg mit Paris unter sich aufzuteilen. Nach der Oktoberrevolution wurde es für den Westen brenzlig, weil die Bolschewisten das Abkommen veröffentlichten, um die Kolonialmächte zu desavouieren. Doch die Araber waren damals noch derart naiv und gutgläubig, dass sie den Worten der Zusage der Briten trotzdem weiterhin Glauben schenkten. Nach dem Krieg wurden sie eines Besseren belehrt. So sollte sich niemand wundern, dass sich die Glaubwürdigkeit des Westens in Arabien ebenso in Grenzen hält wie die Attraktivität seiner angeb­lichen Werte.

Nachdem die Araber das Ihre zur Niederlage des Osmanischen Reiches und der anderen Mittelmächte beigetragen hatten, wurde 1920 auf der Konferenz von Sanremo der Nahe Osten auf der Basis des Sykes-Picot-Abkommens aufgeteilt. Während Großbritannien das Territorium der heutigen Staaten Israel, Jordanien und Irak erhielt, bekam Frankreich das Gebiet der heutigen Republiken Syrien und Libanon. Der Völkerbund hat der britisch-französischen Verständigung dann die Weihen der internationalen Gemeinschaft gegeben, indem er die Westmächte 1922 mit den entsprechenden Völkerbundsmandaten versah. Widerstand seitens der einheimischen Bevölkerung wurde von den französischen Kolonialherren blutig niedergeschlagen.

Anders als der Erste brachte der Zweite Weltkrieg den Arabern in Syrien dann tatsächlich die Unabhängigkeit. Nach dem Untergang der Dritten Republik wurde Syrien von Vichy aus regiert. 1941 besetzten Briten und Franzosen Charles de Gaulles das Mandatsgebiet. Nach dem Krieg versuchte die Grande Nation, die so stolz ist auf ihre Résistance gegen die deutschen Besatzer, ihre eigene Fremdherrschaft in den während des Weltkrieges verlorenen Kolonien wiederherzustellen. Dieser Versuch scheiterte auch in Syrien. Unter dem Druck der einheimischen Bevölkerung, aber auch der verbündeten Briten, musste die Vierte Republik am 17. April 1946 ihre letzten Truppen abziehen.

Die Zukunft wird zeigen, inwieweit die Fünfte Republik der Versuchung widersteht, die Anschläge von Paris zu missbrauchen, um mithilfe der Bundesrepublik und anderer Partner die Dekolonisation zumindest ein Stück weit zu revidieren und in der Exkolonie wieder einen Fuß in die Tür zu bekommen.     M.R.


S. 11 Preussen

Der »rote Zar von Preußen«
Der sozialdemokratische Ostpreuße Otto Braun regierte fast die gesamte Weimarer Zeit über den Freistaat

Wegen der insbesondere für Weimarer Verhältnisse auffallend langen Amtszeit seines sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun wird das Reichsland Preußen gerne als „republikanisches Bollwerk“ oder „demokratische Ordnungszelle“ gelobt. Vor 60 Jahren starb der am 28. Januar 1872 in Königsberg geborene Weimarer Ausnahmeregierungschef im schweizerischen Ascona.

Otto Braun war kein Salonsozialist. Ideologische Fragen waren ihm zweitrangig, rhetorisch war er schwach, seine Bildung war gering, die Familienverhältnisse, in denen er aufwuchs, waren bedrückend. Kindheit und Jugend waren überschattet vom beruflichen und sozialen Abstieg seines Vaters vom selbstständigen Schuhmachermeister zum Bahnwärter. Seine Schulausbildung war entsprechend kurz. Nach der Volksschule erlernte er das Steindrucker- und Buchdruckerhandwerk.

1888 trat Braun der SPD ein und wurde schnell Parteifunktionär. 1897 wurde er Vorsitzender des für den Wahlkampf zuständigen Arbeiter-Wahlvereins Königsberg, im darauffolgenden Jahr Vorsitzender des SPD-Bezirks Ostpreußen. 1905 hatte er mit der Wahl in die Kontrollkommission die Reichsebene der Partei erreicht. 1911 wurde er Hauptkassierer und Mitglied des Parteivorstandes. Parallel dazu verlief die parlamentarische Karriere. 1902 wurde er Stadtverordneter in Königsberg, 1913 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses.

Im Ersten Weltkrieg unterstützte Braun die Burgfriedenspolitik der Mehrheitssozialdemokraten. Sein einziges Kind meldete sich als Freiwilliger zu den Waffen und starb 1915 an Diphterie. Nach der Novemberrevolution wurde er zwar in die Weimarer Nationalversammlung gewählt, gehörte auch anschließend dem Reichstag an, doch sein politisches Betätigungsfeld blieb Preußen. Er wurde Mitglied des paritätisch von Mehrheits- und Unabhängigen Sozialdemokraten besetzten preußischen Rates der Volksbeauftragten. Dort übernahm er mit Adolf Hofer von den Unabhängigen Sozialdemokraten sein Leib- und Magenressort. Der begeisterte Jäger und Naturfreund aus dem Land der dunklen Wälder und der tausend Seen hatte sich frühzeitig auf die Landwirtschaft spezialisiert und als Gegenspieler der ostelbischen Großgrundbesitzer profiliert.

Braun, zu dessen größten Stärken das Organisieren gehörte, missfielen die stellenweise anarchischen beziehungsweise chaotischen Zustände, welche die Revolution mit sich brachte. Er sprach vom „Räteunwesen“.

Schließlich trat an die Stelle des Rates der Volksbeauftragten eine reguläre preußische Landesregierung, die wie die Reichsregierung von den Parteien der Weimarer Koalition getragen wurde. Nach dem Lüttwitz-Kapp-Putsch vom 13. März 1920 wurde dem Ministerpräsidenten Paul Hirsch (siehe PAZ Nr. 31) mangelnde Energie und Wachsamkeit vorgeworfen, und er trat mit seiner Regierung zurück. Hirschs Nachfolger wurde Braun. Angeblich wurde er weggelobt. Den Großagrariern, die über die bürgerlichen Parteien einen gewissen Einfluss auf die Weimarer Koalition hatten, soll Braun als Regierungschef lieber gewesen sein denn als Ressortleiter für die Landwirtschaft.

Getragen von den Parteien der Weimarer Koalition und zeitweise auch von der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) regierten Braun und sein Kabinett das nächste Dutzend Jahre. Dabei gab es zwei Unterbrechungen, die beide mit der DVP zusammenhingen.

Nach der Landtagswahl vom Februar 1921 wünschten die beiden bürgerlichen Koalitionspartner der SPD die Erweiterung der Weimarer Koalition nach rechts um die DVP. Deshalb wurde statt des So­zial­de­mo­kra­ten Braun am 21. April der christliche Gewerkschaftler Adam Stegerwald zum Ministerpräsidenten gewählt. Nachdem die DVP für eine Große Koalition gewonnen war, übernahm im November wieder Braun.

1925 platzte die Große Koalition. Die DVP hatte eine weitere Erweiterung der Koalition nach rechts, diesmal um die Deutschnationale Volkspartei (DNVP), gefordert. Als die Rechtsliberalen mit dieser Forderung nicht durchkamen, zogen sie im Januar 1925 ihre Minister ab, wechselten in die Opposition und nahmen Brauns Regierung damit die Mehrheit im Landtag. Braun trat daraufhin noch im selben Monat mit seiner Regierung zurück. Wohl in der Hoffnung, damit im Lager der bürgerlichen Opposition wildern zu können, versuchte es die Weimarer Koalition nun mit einer durchgehend bürgerlichen Regierung unter dem vormaligen Reichskanzler Wilhelm Marx vom Zentrum. Der Versuch scheiterte, und im April 1925 übernahm wieder Braun die Regierungsführung. Es gelang ihm tatsächlich, mit seiner Minderheitsregierung bis zu den Landtagswahlen von 1928 durchzuhalten. Dann erlangte die Weimarer Koalition wieder eine, wenn auch denkbar knappe, Mehrheit der Parlamentssitze.

Diese ging bei der folgenden Parlamentswahl vom April 1932 wieder verloren. Die Regierung blieb jedoch vorerst geschäftsführend im Amt. Für Braun war der Wahlkampf zu viel gewesen. Er erlitt einen körperlichen Zusammenbruch. Mit der Führung der Amtsgeschäfte beauftragte er seinen Kabinettskollegen Heinrich Hirtsiefer vom Zentrum. Dieser führte auch die Geschäfte, als im Juli 1932 der sogenannte Preußenschlag erfolgte. Per Notverordnung des Reichspräsidenten ging die Macht von Brauns Kabinett auf ein Reichskommissariat über. Parteifreunde werfen Braun vor, keinen gewaltsamen Widerstand geleistet, sondern den Rechtsweg beschritten zu haben, indem seine Landesregierung beim Staatsgerichtshof des Reichsgerichts eine Verfassungsklage einreichte.

Auf Kritik aus den eigenen Reihen stieß auch seine Reaktion auf die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im darauffolgenden Jahr. Noch vor der Neuwahl des preußischen Landtags und des Reichstags setzte er sich im März 1933 mit dem Auto in die Schweiz ab, das er von vorausgegangenen Ferienaufenthalten her kannte. Viele Parteifreunde nahmen ihm seine Reaktion auf den „Preußenschlag“ und die „Machtergreifung“ als Resignation übel, und so konnte er weder auf die Politik der Exil- noch der Nachkriegs-SPD einen nennenswerten Einfluss nehmen.                Manuel Ruoff


»Besser das erste Landheer als die schlechteste Flotte«
Im Kurfürstentum Brandenburg standen die Seestreitkräfte traditionell im Schatten der Armee

Während das brandenburgisch-preußische Heer zwischen 1644 und 1786 nahezu kontinuierlich wuchs, unterblieb der parallele Aufbau einer schlagkräftigen Flotte. Schuld daran waren die begrenzten Ressourcen, aber auch das mangelnde Bewusstsein für die strategische Bedeutung von Seemacht.

Die Anfänge der kurbrandenburgischen beziehungsweise preußischen Marine liegen im Jahre 1618. Ab diesem Zeitpunkt gehörten die Markgrafen von Brandenburg zu den Lehnsmännern des polnischen Königs Sigismund III., was unter anderem die Verpflichtung nach sich zog, im Polnisch-Schwedischen Krieg Schiffe zu stellen. Allerdings führte das nicht zur Schaffung einer eigenen Flotte, weil kaum Zugänge zum offenen Meer existierten. Die Schweden kontrollierten nämlich sowohl die Odermündung als auch die Häfen an der hinterpommerschen Küste. Damit kamen faktisch nur Memel und Pillau als Stützpunkte in Frage.

Und genau dort entstand um 1657 während des Zweiten Nordischen Krieges eine erste kurbrandenburgische Flottille, die zum Kriegsende sieben große und 23 weniger beeindruckende Schiffe umfasste. Diese wurde aber sofort nach Friedensschluss wieder drastisch verkleinert, um Geld zu sparen, das in den Aufbau des stehenden Heeres floss, dessen Aufstellung der Große Kurfürst Fried­rich Wilhelm im Juni 1644 beschlossen hatte.

Allerdings erkannte derselbe Landesherr einige Zeit später, dass Brandenburg-Preußen eine richtige Marine brauchte, um den schwedischen Hegemonialbestrebungen im Ostseeraum entgegenzutreten – obgleich es mit Seemächten wie Dänemark verbündet war: „Alliancen seindt zwahr gutt, aber eigene Krefte noch besser, darauff kan man Sich sicherer verlassen.“

Deshalb befahl der Große Kurfürst im Juni 1675 im Hochgefühl des Triumphes nach der siegreichen Schlacht bei Fehrbellin, die dem nunmehrigen Schwedisch-Brandenburgischen Krieg die entscheidende Wendung gegeben hatte, den Bau von hochseetüchtigen Kriegsschiffen auf den Werften von Königsberg, Pillau, Kolberg und Havelberg. Außerdem mietete er einige Fregatten und Schaluppen aus dem Besitz des holländischen Reeders und Kaufmanns Benjamin Raule. Diese kamen dann 1677/78 bei der Belagerung von Stettin und Stralsund sowie der Eroberung Rügens und der Einnahme Greifswalds zum Einsatz.

Seine Feuertaufe im Rahmen eines reinen Seegefechts erlebte das Flottenkontingent des Kurfürsten dahingegen erst 1680/81 im Kaperkrieg gegen Spanien. Die Krone in Madrid schuldete Friedrich Wilhelm noch 1,8 Millionen Taler an zugesagten Hilfsgeldern für den Krieg gegen Schweden. Diese sollten nun eingetrieben werden, indem spanische Schiffe aufgebracht und deren Ladung veräußert wurde. Und tatsächlich gelang es, vier vollbeladene Galeonen zu kapern und sich auf diese Weise schadlos zu halten. Dann freilich stellte ein deutlich überlegener Schiffsverband des Gegners die sechs Schiffe unter dem Kommando des brandenburgischen Geschwaderkommodore Thomas Alders. Hieraufhin kam es am 30. September 1681 zu einem zweistündigen Kanonenduell im Seegebiet vor Kap St. Vincent. Es endete damit, dass Alders wegen diverser Schäden an seinen Fregatten im neutralen portugiesischen Hafen Lagos Schutz suchen musste – außerdem gab es einige Tote zu beklagen.

Drei Jahre später kaufte der Große Kurfürst alle neun Schiffe Raules, was ihn genau 109340 Taler kostete. Das Geld stammte zum Teil aus dem Erlös vom Losschlagen des spanischen Kapergutes, von dem Friedrich Wilhelm sechs Prozent erhalten hatte. Damit verfügte Brandenburg-Preußen nun über insgesamt 34 Kriegs- und Handelsschiffe, was allerdings immer noch relativ wenig war. Zum Vergleich: Die holländische Marine, die allgemein als das große Vorbild galt, besaß zu dieser Zeit bereits über 16000 schwimmende Einheiten.

Und selbst die wenig beeindruckende Miniaturflotte des Großen Kurfürsten sollte bald schon wieder Geschichte sein, denn mit dem Tode Friedrich Wilhelms gelangte dessen Sohn Friedrich auf den Thron, der dem Bau von „Lustschiffen“, das heißt Prachtgaleeren fürs höfische Zeremoniell, den Vorrang gab. Deshalb bestand die nunmehrige königlich-preußische Marine nach der Selbstkrönung von Friedrich I. nur noch aus elf Kriegsschiffen und wurde dann 1711 endgültig aufgelöst. Ebenso führte der luxuriöse Lebensstil des Monarchen zum Personalabbau beim Heer von 30000 auf 22000 Mann. Das war dann freilich die letzte derartige Heeresreduktion, denn unter der Ägide des ab 1713 regierenden Soldatenkönigs wuchs die preußische Armee kontinuierlich an, bis schließlich 1739 um die 80000 Soldaten unter Waffen standen, deren Unterhalt 85 Prozent der Staatsausgaben ausmachte. Da blieb dann kein Geld mehr für „Seesachen“.

Und auch das Interesse Fried­richs des Großen galt fast ausschließlich dem Ausbau seines Heeres, das bis zu seinem Tode 1786 auf 193000 Mann anwuchs. Sein Credo lautete ganz klar: Mit Seeschlachten gewinne man keine Kriege und man tue besser daran, „das erste Landheer in Europa zu halten als die schlechteste Flotte unter den Seemächten“. Allerdings kamen während des Siebenjährigen Krieges dann doch einige kleinere preußische Marineverbände zum Einsatz. So entstand 1758 die Stettiner Flottille zum Schutz der Odermündung, die indes schon bald von den Schweden auf den Grund der Ostsee geschickt wurde. Außerdem operierten auch wieder zwei Kaperschiffe, die „Prinz Ferdinand“ und die „Lissa“, im Mittelmeer sowie der Nordsee und brachten dort im­merhin 17 feindliche Transporter auf.

Der Nachfolger des Alten Fritz, Friedrich Wilhelm II., hatte ebenfalls kein Interesse an der Marinerüstung und verwarf deshalb den Flottenbauplan von Generalmajor Ernst von Rüchel, den dieser Militärreformer und Blücher-Vertraute nach dem Ende des Ersten Koalitionskrieges ausgearbeitet hatte. Deshalb konnten in den späteren militärischen Auseinandersetzungen mit Frankreich erneut keine größeren Kriegsschiffsverbände aufgeboten werden. Es blieb, wie schon im Siebenjährigen Krieg, bei der Aufstellung einer winzigen „Königlichen Flottille“, die vor Danzig und der Küste Ostpreußens Flagge zeigte, aber nur ganz kurz bestand. Dafür sorgten die Bestimmungen des Friedens von Tilsit nach der preußischen Totalniederlage von 1806.              Wolfgang Kaufmann


S. 12 Leserforum

Leserforum

Südamerikanische Verhältnisse

Zu: CDU vor Schicksalsfrage (Nr. 46)

Die derzeitige Lage Deutschlands erinnert mich fatal an das berühmte Bismarck-Zitat von um 1894: Er sehe schwere Gefahren auf Deutschland und auch auf Europa zukommen; je später alles eintreten würde, desto furchtbarer werde es enden.

Kanzlerin Merkels Aussage, „Wir schaffen das!“, ist schon deshalb fragewürdig, weil weder sie noch irgendjemand sonst im Moment sagen kann, was denn genau bewältigt werden muss. Wenn wir jetzt vor einem Berg von Problemen stehen, dessen Spitze noch gar nicht erkennbar ist, dann ist die Merkelsche Zuversicht zumindest leichtfertig, wenn nicht gar fahrlässig.

Es wird eines Tages nicht mehr die erlebte Lebensqualität meiner Generation sein, wenn man auf Schritt und Tritt Sicherheitsüberlegungen anstellen muss, wenn drei junge Frauen nicht mehr alleine spazieren gehen können oder wenn hohe Sicherheitsinvestitionen selbst bei einem bescheidenen Eigenheim notwendig sind. Diese Lage haben wir in Teilen Brasiliens heute schon, wo sich die Mittelschicht in einer veritablen Verteidigungshaltung gegenüber Minderheiten befindet.

Hermann-Josef Kromer, Bad Urach

 

 

Endlich wird mal hinterfragt

Zu: Waren’s die Nazis? (Nr. 47)

Wie immer ein sehr gut geschriebener Artikel, der den Leser zumindest zum Nachdenken anregen sollte. Es fällt ja im heutigen Medienalltag oft schwer, bei bestimmten Themen auch mal quer zu denken und die Dinge einfach mal von einer anderen Seite zu betrachten. Täglich versucht man, unsere Gedanken in eine politisch gewollte Richtung zu lenken. Das Spiel der Politik und vieler Medien ist nicht neu. Jemand begeht eine Tat, sei es aus der linken Szene oder durch Asylbewerber selber, und schon steht nach kurzer Zeit der erste Politiker vor der Kamera und fordert einen stärkeren Kampf gegen alles, was sich rechts vom linken Mainstream bewegt. Dabei werden bewusst AfD und Pegida mit der NPD in einen Topf geworfen.

Politiker wie Stegner, Gabriel und Fahimi sind dabei durch ihre Hetze und verbalen Ergüsse allen Kritikern gegenüber besonders aufgefallen. Meine Hoffnung ist, dass die Menschen anfangen, die Dinge zu hinterfragen und nicht alles ungefiltert glauben, was uns jeden Abend in den Nachrichtensendungen eingetrichtert wird.

Artikel wie der obige können dazu beitragen, den Leser zu sensibilisieren und kritischer mit den Medien zu sein.

Claus Reber, Arnsberg

 

 

Einladung für falsche Götter

Zu: Was uns jetzt noch helfen kann (Nr. 47)

Ja, was kann uns jetzt noch helfen? Gegen Sprengstoffgürtel und Selbstmordattentäter kann uns nicht viel helfen. Autorin Eva Herman ist auf der richtigen Spur. Sie schaut nach oben und kommt auf den Schöpfer zu sprechen.

Deshalb sollte jeder in dieser gefährlichen Weltlage klug sein und sich an seinem Vermächtnis, dem Neuen Testament orientieren. Hier werden zwei Wege aufgezeigt, nämlich Rettung oder Verlorenheit. Und wenn jetzt die Öffentlichkeit dazu aufruft, wir sollten ein Zeichen gegen den Terror setzen, so sollte das doch ein Zeichen zur Umkehr und ein Vertrauen zu dem lebendigen dreieinigen Gott sein. Eigene Macht-Demonstrationen auf der Straße oder in großen Stadien sind gefährlich und nur ein Tropfen auf einem heißen Stein.

Es ist hoch-naiv, wenn die Mehrheit der Politiker und der Kirchenführer sich falsche Götter einladen – wie zum Beispiel mit dem Spruch, der Islam gehöre zu Deutschland – und dann nicht mehr wissen, wo es langgeht. Sie verführen damit ein ganzes Volk. So müssen Pegida-Leute noch in die Bresche springen, um die Verirrung den Leuten bewusst zu machen.

Friedrich Rischmüller, Aerzen

 

 

Forscher-Unsinn

Zu: Alles das Gleiche (Nr. 46)

Ihrem Autor ist zu danken, die Skandal-Äußerung des Direktors des Berliner „Instituts für empirische Migrations- und Integrationsforschung“, Wolfgang Kaschuba, zum Flüchtlingsthema publik gemacht zu haben. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals einen solchen Schwachsinn gelesen oder jemals erkannt zu haben. Es gibt immerhin reichlich Literatur aus dem vorigen Jahrhundert, die das Gegenteil belegt.

Überdies wird die damals „gelungene Integration“ heute als Ermutigung dafür gewertet, dass das heute wieder gelingen könne, was natürlich nicht zutrifft, weil die Randbedingungen gänzlich andere sind – die bereits bestehenden Parallelgesellschaften sind ein Beleg dafür. Für mich waren gerade im Westen unseres Landes die nur über das Treppenhaus zu erreichenden Primitivtoiletten und die Fäkalienentsorgungskutschen – lange, von Pferden gezogene Behälterwagen – in der Innenstadt von Kiel eine Art Zivilisationsschock; so etwas hatte ich, obwohl schon viel herumgekommen, noch nicht erlebt.

Die Äußerung Kaschubas ist an Groteske nicht mehr steigerbar und geeignet, die Wissenschaft in Verruf zu bringen. Es lohnt sich auch nicht, auf den Unsinn einzugehen. Das ist nicht Wissenschaft, sondern Hetze pur. Allenthalben wird heute gegen Diskriminierung, was immer man darunter versteht, angegangen – warum nicht hier? Die Erkenntnis, dass „manche“ Qualifikation in einem Land höher ist als die durchschnittliche in einem anderen, ist wirklich umwerfend. Darauf, dass ein solcher Äpfel-Birnen-Vergleich wissenschaftlich redlich sein und deren Ansprüchen standhalten kann, muss man erst mal kommen.

Mir sind zudem bislang Formulierungsschwierigkeiten bei mir nicht aufgefallen. Hier fehlen mir aber die Worte. Den derzeitigen, von irgendwoher einwandernden Flüchtlingen – die von 1945 kamen aus ihrem eigenen und in ihr eigenes Land und bleiben damit in dem, in dem sie schon vorher waren – und der in diesem Zusammenhang erwarteten „Willkommenskultur“ hat dieser „Wissenschaftsschwachsinn“ einen Bärendienst erwiesen.

Während fast meines ganzen Berufslebens war ich, damals noch in Duisburg wohnend, Leser der „Rheinischen Post“. Mülheim gehört nicht mehr zu ihrem Verbreitungsgebiet. Der zitierte Erguss wäre spontaner Anlass gewesen, das Abonnement mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Es war ganz schön mutig, ihrer wohl treuesten Leserklientel so vors Schienbein zu treten. Hat die „Rheinische Post“ etwa zu viele Leser? Diese Frage ist naheliegend, wenn sie offensichtlich glaubt, sich das leisten zu können.

Dr. Hans-Joachim Kucharski, Mülheim

 

 

Eine »Lebenslüge«

Zu: Phrasen statt Taten (Nr. 48)

Selbstverständlich soll in Not geratenen Menschen geholfen werden. Die proklamierte „Willkommenskultur“ kann man jedoch nur als ein induziertes Irresein bezeichnen. Dabei vertraut man auf das Zauberwort „Integration“, obwohl diese doch schon seit Langem gescheitert ist, wie die Parallelgesellschaften in unseren Großstädten demonstrieren. Daher stellte schon 2002 der aus Syrien stammende Politikwissenschaftler Bassam Tibi in seinem Buch „Islamische Zuwanderung“ fest: „Integration ist in Deutschland eine Lebenslüge!“

Was soll aber auch eine Integration, wenn kürzlich bei einer Umfrage unter 900 Syrern 92 Prozent angaben, dass sie nach einer Beruhigung der Lage wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen. Dies entspricht unserem Asylrecht, das nur so lange Aufenthalt gewährt, wie die Flucht auslösende Ursache besteht. Unsere politisch-mediale Klasse schert sich jedoch ebenso wenig darum wie um das Dublin-III-Abkommen, das Grundgesetz (Art. 16a, Abs. 2 „Drittstaatenregelung“) und die Forderung des Bundesverfassungsgerichtes von 1987, dass die Identität des deutschen Volkes gewahrt werden muss.

Oberschleuserin Merkel sagt vielmehr voraus, dass sich das Land durch Zuwanderung verändern wird. Mit Schaudern beobachten „unsere Freunde“, von denen wir umzingelt sind, den von der „Schuldkultur“ in Gang gesetzten Auflösungsprozess in Deutschland und lehnen eine Quotenregelung ab, mit der dieser auf ganz Europa ausgedehnt würde.

Dr. Bonifaz Ullrich, Blieskastel

 

 

Mit dem Koran kann alles Mögliche gerechtfertigt werden

Zu: Der Etikettenschwindel der Terroristen (Nr. 46)

Ich erlaube mir drei kurze Anmerkungen zu dem Gastbeitrag von Tahir Chaudhry.

Erstens: Der Gastbeitrag behauptet, der Islamische Staat (IS) kenne keine Regeln. Dagegen habe zum Beispiel ein Anhänger Mohammeds das Fällen von Bäumen verboten. Die Wahrheit ist jedoch, dass Mohammed von Allah in Sure 59,5 den Auftrag erhielt, die Palmen des jüdischen Stammes der Nadir zu fällen. Allahs Offenbarungsauftrag setzte somit sogar eine uralte Beduinentradition außer Kraft. Kann man nun die Muslime des heutigen IS beschimpfen, wenn sie doch Allahs Regel befolgen und den „Feinden“ die Lebensgrundlagen vernichten?

Zweitens: Chaudhry beginnt seinen Beitrag mit dem Satz, dass „die Barbaren des IS Terror im Nahen Osten verbreiten“. In der Tat geben uns die Medien allen Grund zu dieser Annahme. So konnten wir im Internet verfolgen, dass Mitglieder des IS nicht nur Christen den Hals durchschnitten, sondern auch Andersdenkende kreuzigten. Ich werde diese Bilder niemals vergessen! Doch auch hier sollten wir vorsichtig sein in der Verurteilung des IS. Warum? Die blutigen Täter konnten und können sich nämlich nach wie vor auf Allahs Offenbarungsauftrag in Sure 5,33 berufen. Dort steht in der deutschen Übersetzung durch muslimische Ko­ranwissenschaftler: „Der Lohn derer, die Krieg führen gegen Allah und seinen Gesandten und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, dass sie gekreuzigt werden oder dass ihnen Hände und Füße wechselseitig abgeschlagen werden.“

Wer sucht, findet leicht Gründe, Allahs Worte in die Tat umzusetzen. Ich möchte nun wahrhaftig nicht den IS entschuldigen. Dem kritischen Leser meiner Zeilen möchte ich vielmehr ausdrück­lich empfehlen, auch einen Blick in das aktuelle Strafgesetzbuch des demokratischen islamischen Staates Iran zu werfen. Siehe auch bei Google unter „Islam Kreuzigung IGFM“. Im Iran wird dem Richter und Staatsanwalt neben dem Auspeitschen und Steinigen ausdrücklich die Kreuzigung als Strafmaß gegeben. Offensichtlich haben die schiitischen Großayatollahs und andere hohe muslimische Universitätstheologen und Juristen des Iran den Auftrag Allahs in Sure 5,33 in ihre Strafgesetzgebung hinein verinnerlicht, wie es auch die Theologen und Juristen des IS taten und tun. Wieso spricht man von den sunnitischen Theologen und Strafrechtlern des IS als Fundamentalisten und Barbaren, während dagegen ihre schiitischen Kollegen im Iran als koranorientierte Juristen gelten können, welche Allahs Gesetz (Scharia) für ihre blutige Rechtsprechung ernst nehmen? Dürfen wir aus lukrativen wirtschaftlichen Gründen nicht fragen?

Drittens: Chaudhry bezeichnet den Kalifen des Islamischen Staats, Abu Bakr Al-Bagdadi, als „Terrorchef“. Er verschweigt, dass der Kalif nach ungebildeter Jugend ein Studium zum Magister (1999) absolvierte. Für seine spätere theologische Doktorarbeit und die anschließenden mündlichen Prüfungen (Rigorosum) erhielt er eine hohe Auszeichnung (2007). Seine Antrittsrede zur Ausrufung des Kalifats im Jahr 2014 ist aus islamtheologischer Sicht von hoher Qualität.

Mir ist klar, dass auch hochintelligente Menschen große Verbrecher sein können. KZ-Ärzte seien als furchtbare Beispiele genannt. Wenn allerdings das entscheidende Buch einer Religion sowie die Biografie ihres Stifters für die dunklen Seiten der eigenen Seele gebraucht beziehungsweise missbraucht werden können, dann seien Grundfragen an diese Religion selbst erlaubt.

Wilfried Puhl-Schmidt, Kehl

 

 

Das morsche Gebäude bröckelt

Zu: Spiel mit dem Feuer (Nr. 47)

Jawohl, die Politik spielt mit dem Feuer! Die Polit-Prominenz – fest im Bunde mit Funk und Monopolpresse – hofft mit ihrem untauglichen politischen Pannenwerkzeug auf die Ruhigstellung der Bürger. Doch die Ruhe im Lande ist trügerisch. Noch interessiert sich die Masse des Volkes nicht, wer wen im Vokabular mit Nazi-Kot besudelt. Die das tun, können selbst nur aus der politischen Jauche kommen. Meine Generation erinnert sich an die Weimarer Zeit, wo das Wort vom Lumpenproletariat die Runde machte. Man stürmte damals schon die Parteilokale der Mittelschicht wie heute die sogenannte „Antifa“. Damit erst erfuhr Hitler die Kraft zur Machtergreifung.

Heute können Pegida und ähnlich orientierte Menschenaufläufe für den Staatsschutz nur noch willkommen sein, weil die Wutbürgerschaft damit Luft ablässt. Doch es braucht diese Versammlungen gar nicht, denn die Zeit richtet die Dinge schon trefflich von selbst. Das morsche EU-Gebilde bröckelt zusehends von den Rändern her.

Adenauer und de Gaulle wollten ein stabiles, geeintes Europa der Vaterländer. Heute stellt sich die EU als ein Monstrum nationalstaatlich entmachteter Länder dar – zu schwach und zu korrupt, um den politischen Forderungen der Zeit mit einer Stimme zu entsprechen. Die Gesellschaftsphilosophie lehrt: Eine Ansammlung von Quantitäten führt auf Dauer zu einer neuen, das System verändernden Qualität. „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!“ 1813 und 1989 sind in die deutsche Geschichte eingegangen. Stehen wir bald vor einer dritten sozialen Umwälzung, hin zu echter Demokratie, die vom Souverän und sonst niemandem bestimmt und getragen wird?

Dieter Bock, Burgstall

 

 

Ziemlich einseitig

Zu: PAZ Nr. 46

Seit Langem lese ich immer wieder in der PAZ Artikel über Zuwanderer. Die Einseitigkeit und Undifferenziertheit dieser Artikel ist erstens unpreußisch, steht zweitens nicht im Einklang mit der Geschichte Preußens, das auch durch Zuwanderer groß geworden ist, und unterschlägt drittens, dass aus Ostmitteleuropa nicht nur tüchtige Deutsche, sondern auch weniger tüchtige vertrieben wurden und in Westdeutschland das Erscheinungsbild Vertriebener mitprägten. Oder glauben Sie, dass alle untüchtigen Deutschen bei der Vertreibung ihre slawische Seele entdeckt haben und zu anderen Nationen konvertiert sind?       

Friedrich Zempel, Pesterwitz


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Kirchenrettung aus Liebe zur Heimat
Bürger gaben den Anstoß zum Erhalt der Kirche Groß Rominten – Staat unterstützt die Maßnahmen

Die Kirche von Groß Rominten genießt den Status eines Denkmals der Geschichte und Kultur. Dieser Status allein ist noch keine Garantie für den Erhalt eines Gebäudes, doch im Falle der Rominter Kirche hat er sich als wirksam erwiesen. Das wiedererrichtete Gotteshaus rundet das lebendige Dorfbild mit  renovierten Wohnhäusern, Dorfläden, Kulturhaus und Museum ab.

Woher kommen diese Ruinen? Wer hat hier gelebt? Diese und ähnliche Fragen von Kindern und Erwachsenen hat eine Gruppe von Freunden aus Groß Rominten [Krasnolesje] im Kreis Stallupönen 2001 auf die Idee gebracht, ein Museum in ihrem Dorf einzurichten, das Antworten auf genau diese Fragen gibt und darüber hinaus die Liebe zur Natur und Heimat fördern soll.

Die Wystiter Höhen gaben dem „Naturkundlich historischen Museum Wystiter Höhe“ seinen Namen. Alles begann mit Fotoausstellungen über die Wystiter Höhe und die Rominter Heide sowie Informationsveranstaltungen für Kinder und Erwachsene. Da das Museum zunächst über keine eigenen Räume verfügte, wurden die Ausstellungen des jungen Museums in anderen Museen des Gebiets gezeigt. 2005 zog das Museum in ein ehemaliges Schulgebäude in Rominten ein. Von 2005 bis 2010 gab es zwischen dem Museum und der Agentur für Staatseigentum im Königsberger Gebiet auch einen Vertrag über die kostenlose und unbefristete Nutzung der Rominter Kirche.

In dieser Zeit wurden erste Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt, der Innenraum der Ruine gesäubert, das Gestrüpp von Bäumen und Sträuchern entfernt sowie der Ziegeldiebstahl verhindert. Viele Dorfbewohner und Freiwillige aus dem Königsberger Gebiet, aber auch Helfer aus der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen wirkten tatkräftig mit. 2010 hat das Museum erstmals eine Museumsnacht in der Kirchenruine durchgeführt mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für dieses Architekturdenkmal zu wecken.

Im gleichen Jahr kündigte die Agentur für Staatseigentum den Vertrag mit dem Museum einseitig und übergab im Rahmen einer Gesetzesänderung die Kirchenruine der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) mit den gleichen Vertragsinhalten. Die Übertragung sämtlicher Gotteshäuser an die ROK war im Gebiet umstritten und führte in vielen Fällen, unter anderem bei der Kirche Arnau, dazu, dass begonnene Restaurierungsmaßnahmen teilweise behindert wurden.

Die Kirche in Groß Rominten hatte das Glück, als Denkmal „Kirchenruine von 1873“ in das staatliche Programm zur Wiederherstellung von Architekturdenkmälern aufgenommen zu werden.

Ab 2013 führten Moskauer Architekten Planungsarbeiten durch, und im Herbst 2014 begann die Restaurierung des Kirchengebäudes. Die Arbeiten gingen zügig voran, und nach einem Jahr war die Kirche praktisch wiedererrichtet. Der zerstörte Altarraum wurde wieder aufgebaut, das Dach und der Turm wurden erneuert, Sanierungsarbeiten an den Wänden durchgeführt und Fenster eingesetzt. Die Kirche erhielt ihre ursprüngliche Gestalt von 1873 bis 1880 nach Plänen des Pastors Huebner zurück.

Das Wystiter Museum hat seit 2002 zahlreiche Exponate gesammelt und dient auch als Informationszentrum für Touristen. Es bietet Besuchern der Rominter Heide verschiedene Dienste an, wie Exkursionen in die Umgebung, Kurse zu verschiedenen Themen, die sich der Natur, Geschichte und Kultur eines besonders schönen Landstrichs Ostpreußens widmen.

                Manuela Rosenthal-Kappi

Naturkundlich historisches Museum Wystiter Höhe, Direktor Alexej Sokolow, Mobil 007 (906) 2126823, Telefon 007 (40144) 93340. E-Mail: wystynez@bk.ru, www.wyzstynez.ru. Öffnungszeiten täglich außer montags 10 bis 18 Uhr


»Im Tode keine Feinde mehr«
AGDM gedachte am Volkstrauertag der Opfer beider Weltkriege

Jeweils zwei Wochen vor dem ersten Advent wird am Volkstrauertag den Toten der beiden Weltkriege gedacht. So auch in Allenstein. Dort hatte am 15. November um 14 Uhr die Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit (AGDM) zu einer Gedenkfeier auf den Ehrenfriedhof am Jakobsberg eingeladen.

Alexander Bauknecht, der Vizevorsitzende der AGDM, wies in seiner Ansprache auf die zivilen Opfer der Kriege hin – wie auch  auf jene der anderen Seite: „Wir gedenken der gegnerischen Soldaten, die erbittert gegen die unseren gekämpft haben. Im Tode sind sie keine Feinde mehr.“

Der Schatten der Anschläge von Paris war im geistlichen Wort von Domherr Andre Schmeier zu spüren, der darin den Bogen vom Leiden der Menschen nach dem Krieg zu heute schlug: „Wir stellen uns die Frage, welchen Sinn ihr Tod hatte; für uns als Christen liegt die Hoffnung in Gott. Aus seiner Hand fällt niemand heraus.“ Dann legten Alexander Bauknecht und Otto Tuschinski vom Vorstand der AGDM Blumen am Fuße des großen Kreuzes auf dem Ehrenfriedhof nieder. Musikalisch umrahmt wurde die kurze Feierstunde durch den Chor „Vaterhaus“ der AGDM und den Trompeter Dariusz Gendzierski, der wie in den Jahren zuvor den Zapfenstreich blies sowie das Lied „Ich hatt’´ einen Kameraden“ und zum Abschluss der Veranstaltung die ostpreußische Hymne „Land der dunklen Wälder“ begleitete.       Uwe Hahnkamp


Kulturjahr 2015/16
Hohe Auszeichnungen bei Gala in Osterode

Ein neues Jahr der Kultur wurde kürzlich offiziell eingeläutet. In der Burg in Osterode fand die offizielle Gala für das Kulturjahr 2015/16 statt, die den Beginn einer weiteren künstlerischen Saison im südlichen Ostpreußen eröffnete.

Während der Gala wurden die Ehrenzeichen für den kulturellen Beitrag zur Woiwodschaft Ermland-Masurenzur polnischen Kultur, der Pflege von Denkmälern und auch die humanistische Auszeichnung der Woiwodschaft Ermland-Masuren namens „Wojciech Ketrzynski“ verliehen.

Bischof Julian Wojtkowski erhielt den humanistischen Preis. Er wurde unter anderem für die Untersuchung der Mariendogmengeschichte im mittelalterlichen Polen, die Geschichte des Ermlands und die Übersetzung von Inkunabeln (Wiegendrucke) gewürdigt.

Edmund Kajetanek, Bildhauer und Mitbegründer des Verbandes „Plastiker – Amateur“ in Osterode, erhielt das Hauptehrenabzeichen für die Verdienste um die Region.

Pfarrer Roman Chodzik, Dobromira und Zygmunt Czarneccy sowie Pfarrer Jan Sztygiel erhielten das goldene Abzeichen für die Denkmalpflege.

Chodzik trug unter anderem zur Renovierung des Inneren der Kirche in Klaukendorf [Klewkach] bei. Dobromira und Zygmunt Czarneccy sind die Besitzer des Wasserturms aus dem 15. Jahrhundert in Frauenburg [Frombork]. Sztygiel beaufsichtigte die Renovierungsarbeiten am kathedralen Hügel in Frauenburg.

Während der Gala in Osterode wurden auch zehn SilberneAbzeichen in dieser Kategorie und neun für verdiente Personen um die polnische Kultur überreicht. Leszek Chaburski


MELDUNGEN

7000 Ukrainer im Gebiet

Königsberg – Seit Jahresbeginn sind über 7000 Ukrainer ins Königsberger Gebiet übergesiedelt. Etwa die Hälfte von ihnen stammt aus den Kriegsgebieten der Ostukraine und wird im Königsberger Gebiet formlos geduldet. Die übrigen sind vor allem Gastarbeiter aus den mittleren und westlichen Landesteilen sowie Händler aus der Westukraine. Knapp 800 von ihnen nahmen bisher die russische Staatsbürgerschaft an. T.W.W.

 

Deutsche Panzer üben in Arys

Arys – Auf dem Truppenübungsplatz in Arys üben seit Anfang Oktober 350 Panzer aus Polen und Deutschland. Die Übung soll drei Monate dauern. An ihr nehmen Panzer-Kompanien der 21. Panzerbrigade aus Augustdorf (Westfalen) und der 15. Lötzener mechanisierten Brigade teil. Oberst Jan Rydz, der Führer der Lötzener Einheit, sagt, dass dies eine Möglichkeit zur Anknüpfung einer näheren Zusammenarbeit zwischen befreundetem Nato-Militär sei.          PAZ

 

Denkmal für Mickiewicz

Cranz – In Cranz wurde ein Gedenkstein für den polnischen Nationalschriftsteller Adam Mickiewicz aufgestellt. Mickiewicz hatte sich hier 1824 auf einer Reise nach St. Petersburg für einige Tage erholt.        T.W.W.

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7: Liebemühl [Miłomłyn], Baustelle. Straße Nr. 7: Liebemühl – Osterode [Ostróda], Baustelle; Zalusken [Załuski] – Napierken [Napierki], Baustelle. Straße Nr. 7j: Zalusken – Neidenburg [Nidzica], Baustelle. Straße Nr. 15: Balzen [Bałcyny], Baustelle. Straße Nr. 16: Osterode – Martenshöh [Marciniaki], Baustelle. Straße Nr. 22: Elbing [Elblag] – Fichthorst [Jegłownik], Baustelle. Straße Nr. 51: Markeim [Markajmy] – Heilsberg [Lidzbark Warminski], Baustelle; Allenstein – Pagelshof [Ameryka], Baustelle. Straße Nr. 54: Braunsberg [Braniewo] – Grunau [Gronowo], Baustelle. Straße Nr. 57: Dietrichswalde [Ciemna Wola] – Gallingen [Galiny], Randstreifenarbeiten. Straße Nr. 58: Alt Keykuth [Stare Kiejkuty], Baustelle; Niedersee [Ruciane] – Johannisburg [Pisz] – Bialla [Biała Piska] – Woiwodschaftsgrenze, Randstreifenarbeiten. Straße Nr.  59: Sensburg [Mragowo] – Wiersbau [Wierzbowo], Randstreifenarbeiten; Brödienem [Brejdyny] – Aweyden [Nawiady], Fällarbeiten. Straße Nr. 63: Biestern [Bystry] – Kampen [Kap], Baustelle. Straße Nr. 65: Lyck – Herzogskirchen [Gaski], Baustelle; Stradaunen [Straduny], Erneuerung der Brücke. Straße Nr. 65c: Umgehungsstraße von Treuburg [Olecko], Baustelle.                 E.G.


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,              
liebe Familienfreunde,

es weihnachtet, und ich brauche nicht den Adventskalender zu bemühen, um mich darauf einzustimmen – das machen schon unsere Leserinnen und Leser mit ihren Erinnerungen an die Weih­nachtsfeste ihrer Kindheit, die sie noch in der Heimat verlebten, und die noch so ganz von dem Zauber einer ostpreußischen Weihnacht erfüllt waren, selbst als die große Flucht schon ihre Vorboten schickte. Über diese Feiern haben wir vor einem Jahr berichtet. Deshalb wollen wir uns heute von einer Leserin auf das Fest einstimmen lassen, die als Kind eine ostpreußische Weihnacht erst nach der Vertreibung erlebte, weil ihre Großmutter die in ihrer Familie überlieferten Bräuche bewahrt hatte und sie lebendig hielt. So gehört für Frau Angelika Eybe aus Wuppertal seit ihrer frühesten Kindheit eine Tätigkeit ihrer Großmutter untrennbar zu Weihnachten: die Herstellung von Königsberger Marzipan. Noch heute – und deshalb schrieb sie nicht nur ihre Erinnerungen an diese nach strengen Regeln produzierte süße Köstlichkeit auf, sondern stellte auch zugleich eine nicht minder komplizierte Suchfrage, von der sie meint, dass nur die Ostpreußische Familie sie lösen könne. Denn sie möchte diese alte Marzipanherstellung so weiterführen, wie sie ihre Großmutter, die vor sechs Jahren im 100. Lebensjahr verstarb, Zeit ihres Lebens ausgeübt hatte. Von klein auf durfte die Enkelin ihr dabei helfen, und Angelika Eybe erinnert sich noch heute an alle Einzelheiten:

„Anfangs durfte ich nur kindgerechte kleine Arbeiten verrichten wie Mandelpuhlen oder die kleinen Geleestückchen – rot, gelb und grün – in die noch feuchte Füllmasse drücken – und wehe, es landeten zwei von der gleichen Farbe auf einer Füllung! Mit zunehmendem Alter, meinem und dem meiner Großmutter – durfte ich mehr und mehr Aufgaben übernehmen und die ausgestanzten und gebrannten Kreis-Vierecks- und Herzformen füllen. Irgendwann durfte ich dann auch das ausgerollte Marzipan stanzen, und ich merkte sehr schnell, welch eine anstrengende Arbeit das ist und welche Mühe meine Großmutter die ganzen Jahre auf sich genommen hat, um ihren Lieben eine Freude zu Weihnachten zu machen. Die Stanzen liehen wir uns immer von Bekannten meiner Großmutter aus dem „Ostpreußischen Kaffeekränzchen“, die sich zeitlebens einmal im Monat trafen. Sie waren aus Messing und sehr schwer und mit einer ausgeklügelten Stanzmechanik, die ich erst mit zunehmendem Alter verstand. Da die Stanzen nicht unsere eigenen waren und man sie nach der Marzipanproduktion wieder zurückgeben musste, wurde mir auch bewusst, welche Verantwortung mir meine Großmutter übertrug, wenn sie mir das Stanzen überließ. Aber sie kontrollierte dennoch die einzelnen Arbeitsabläufe, und wenn der pitterige Schnups in der Mitte der inneren Stanze nicht richtig bemehlt war und beim Auslösen der Form kleben blieb, gab es schon einen liebevollen Rüffel. So produzierten wir im Laufe von zwei Wochen bergeweise Königsberger Marzipan, das dann in Dosen gut verpackt an alle Haushalte der Familie verteilt wurde.“

Warum Frau Eybe diese Geschichte überhaupt erzählt und wir sie so genau wiedergeben? Weil sie noch einmal Marzipan auf diese Art herstellen möchte, aber nirgends diesen seltsamen Gegenstand auftreiben kann, den sie als „Stanze“ bezeichnet. Nun ist mir als alte Königsbergerin die Marzipanbäckerei von Kindheit an vertraut, auch in unserer Familie wurde für die ganze Sippe Marzipan fabriziert, aber das Ausstechen der Monde, Halbmonde und Herzen erfolgte mit einfachen Blechformen. Auch in Doennigs Kochbuch, nach dem in Ostpreußen Generationen von Hausfrauen kochten, brieten und backten, finde ich nichts von einer Messing­stanze, und selbst ein Patesserie-Fachbuch aus dem 19. Jahrhundert empfiehlt für die Herstellung von echtem Königsberger Marzipan nur Ausstechformen. Nichts von „Stanzen“ also. Es könnte sich um ein Spezialgerät gehandelt haben, das für größere Produktionen bestimmt war wie für Konditoreien und Marzipanbäckereien, aber vielleicht auch für große Haushalte. Ich glaube zwar nicht, dass wir in unserem Leserkreis fündig werden, aber lassen wir uns überraschen. Als wir vor vielen Jahren nach den typischen rundeckigen Ausstechformen für Katharinchen suchten, hatten wir ja Erfolg gehabt, ebenso bei der Suche nach einem „Kneifer“, dieser gezackten Zange zum Bemustern des Randmarzipans. Frau Eybe wird, selbst wenn sich keine „Stanze“ findet, sicher Kontakt zu anderen Marzipanbäckerinnen erhalten und kann dann mit ihnen Erinnerungen austauschen. (Angelika Eybe, Wupptertal, E-Mail: angelikaeybe@gmx.de)

Großmütter haben nun einmal für viele ältere Menschen einen hohen Erinnerungswert, selbst wenn sie selber längst Großeltern geworden sind. So auch bei Herrn Henning Raffel aus Lübeck, für den der Besuch bei seiner Großmutter in Elbing unvergessen blieb. Der 1938 in Königsberg Geborene war sechs Jahre alt, als er mit seinem während der Kriegsjahre nach Danzig verzogenen Vater dessen Mutter in Elbing besuchte. Es war ein schönes, gepflegtes Haus, in dem Ida Raffel geborene Kallien wohnte, auch der Name der Straße, in der es lag, hatte einen guten Klang: Herrenstraße 32. In seinen Memoiren schrieb sein Vater über das Haus: „Es war ein ruhiges, ja vornehmes Mehrfamilienhaus. Wer die Hausnummer vergessen hatte, schrieb einfach ,Am Kastanienbaum‘, weil eine hohe Rosskastanie vorne im Garten stand, die mit ihren Ästen weit über die Straße reichte.“ Auf einem damals gemachten Foto, das Herr Raffel jetzt entdeckte, ist der sechsjährige Henning mit seiner Oma und einer Spielkameradin zu sehen. Da es in dem großen Mietshaus sechs Familien gab, ist anzunehmen, dass auch das abgebildete Mädchen in dem Haus wohnte. „Vielleicht gibt es ja Nachgeborene der damaligen Mieter, die bis zum Zusammenbruch in Elbing blieben und dort noch das Ende erlebt haben und dies ihren Kindern und Enkeln mitteilten“, hofft Herr Raffel. Aber es könnte ja durchaus sein, dass sich auch noch frühere Bewohner melden, die damals – wie der sechsjährige Henning und das Mädchen auf dem Foto – im Kindesalter waren und sich noch an das Haus und seine Bewohner erinnern können. Einen Fixpunkt für die Erinnerungen könnte der große Kastanienbaum sein, denn welches Kind hat nicht gerne Kastanien gesammelt? Herr Raffel würde sich über jede Zuschrift freuen, mit der er seine Erinnerungen an das Haus in Elbing, das auf ihn großen Eindruck gemacht haben muss, untermauern kann. (Henning Raffel, Moislinger Allee 61g in 23558 Lübeck, Telefon 0451/74115, E-Mail: Henning.raffel@t-online.de)

Das alte Gesangbuch aus Budweitschen hat ja nun seinen endgültigen Platz im Patenschaftsmuseum Goldap in Stade gefunden, und da gehört es ja auch hin, aber wir haben ja noch ein weiteres Gesangbuch zu vergeben, für das sich bisher kein Interessent gefunden hat. Was erklärbar ist, denn es hat nichts mit Ostpreußen oder einem anderen Vertriebenengebiet zu tun, sondern mit Amerika, denn dort wurde es im Jahr 1931 von der Evangelisch-Lutherischen Synode von Wisconsin herausgegeben. Es war nicht nur für häusliche und kirchliche Andachten bestimmt, sondern sollte anscheinend auch dem Religionsunterricht in Gemeinden und kleinen Schulen dienen, denn es beschränkt sich nicht nur auf die Texte von fast 700 Liedern, sondern erweist sich auch als Lehrbuch für evangelisch-lutherische Religionsgeschichte. Der ausschließlich in deutscher Sprache gehaltene Text zeugt von einer tiefen Gläubigkeit der deutschen Siedler, für die es bestimmt war. Dass keine Eintragungen über die früheren Besitzer in dem Buch enthalten sind – es gibt weder Namens- noch Ortsangaben, auch keine Widmung –, erschwert die Suche nach möglichen Interessenten. Wie und wann es in den Besitz der Ostpreußischen Familie kam, ist rätselhaft, es muss jedenfalls schon Jahrzehnte her sein. Es ist nun wirklich an der Zeit, dass auch dieses sehr seltene Gesangbuch seinen endgültigen Platz findet, vielleicht in einer kirchlichen Institution, es würde mich freuen.

Auch bei dem nächsten Objekt hoffen wir auf den zweiten „Aufguss“, wobei es sich um ein ganz besonderes Stück aus unserer „Asservatenkammer“ handelt, das ebenfalls bisher keinen adäquaten Abnehmer gefunden hat. Was erstaunlich ist, denn ich hatte gehofft, als wir vor einigen Jahren nach interessierten Landsleuten suchten, dass sich sofort jemand melden würde. Denn der ehemalige Besitzer blieb nicht anonym, sondern hat sich mit vollem Namen und Wohnort buchstäblich eingeprägt – in ein Stück Metall, das wahrscheinlich einmal zu einem landwirtschaftlichen Gerät gehörte, das im nördlichen Ostpreußen im Einsatz war. Es handelt sich um eine Art Verschlusskappe, deren Schwere verrät, dass es sich schon um eine größere Maschine gehandelt haben muss. Sie wurde vor dem Ersten Weltkrieg hergestellt, denn in der Mitte der Oberseite des Deckels ist – nicht ganz einwandfrei zu erkennen – ein Doppeladler mit Wappen eingeprägt. Klar lesbar aber der Name des Herstellers oder Händlers: Carl Petschull, Friedrichsdorf Ostpr.

Dieser Gegenstand wurde uns übersandt mit der Bitte, ihn den Leserinnen und Lesern vorzustellen, unter dem sich vielleicht Nachkommen der Familie Petschull befinden, die Interesse an diesem Relikt aus ihrer Familien- oder Firmengeschichte haben könnten. Aber es gab leider kein Echo, so dass wir jetzt – angeregt durch den Erfolg mit dem Gesangbuch – einen zweiten Versuch starten. Aber da taucht die Frage auf: Um welches Friedrichsdorf handelt es sich? Es gab mehrere Ortschaften dieses Namens in Ostpreußen. Da es aber ein Ort sein muss, der bereits vor dem Ersten Weltkrieg den Namen trug, müsste es das im Kreis Wehlau gelegene Friedrichsdorf sein, eine südlich des Pregels gelegene Ortschaft, die vor der sowjetischen Eroberung nur 350 Einwohner hatte und schon 1690 namentlich erwähnt wurde. Vielleicht helfen diese Angaben jetzt weiter. Falls sich wieder niemand meldet, wollen wir dieses gut erhaltene Relikt einem Museum oder einer Heimatstube überlassen. Jedes Ding sollte eben nicht nur seine Zeit, sondern auch seinen Platz haben.

Eure Ruth Geede


Angriff auf deutsche Kommunen
Oppelns Stadtpräsident Arkadiusz Wisnewski von der Bürgerplattform will Stadtrandgemeinden schlucken

Der Oppelner Stadtpräsident Arkadiusz Wisniewski hat dieser Tage ganz unverhohlen eine massive Eingemeindung zu Oppeln gefordert, womit der 37-Jährige besonders auf stark deutsch geprägte Dörfer am Stadtrand zielt.

Kaum liegt die Parlamentswahl in Polen wenige Wochen zurück, sieht es bereits mit der Rücksicht auf die deutsche Volksgruppe im Lande schlecht aus. Dabei kommt die aktuelle Bedrohung gar nicht aus der siegreichen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Wisnewski ist nämlich in der Bürgerplattform (PO) groß geworden, die ja eigentlich als westlich-liberal gilt. Doch ausgerechnet um Oppeln, wo die mit Abstand meisten Deutschen in der Republik Polen leben, leistet sich die PO gerne antideutsche Attitüden. Dabei ist nach allgemeinen europäischen Standards ein Angriff auf Verwaltungsstrukturen, die Minderheiten schützen, besonders pikant.

Wisniewskis begehrlicher Blick richtet sich besonders auf die nördliche Anrainergemeinde Groß Döbern [Dobrzen Wielki], in der das Kraftwerk ein potenter Steuerzahler ist. So weit so gut. Doch von den 19 Dörfern oder Gemeindeteilen, die Wisniewski zu Oppeln eingemeinden möchte, gehören gleich 15 Dörfer zu Gemeinden, in denen Deutsch offizielle Hilfssprache ist. So richtet sich Wisnewskis Blick auch auf westlich der oberschlesischen Hauptstadt gelegene Dörfer aus der Gemeinde Proskau sowie östlich von Oppeln gelegene Dörfer der Gemeinde Chronstau. Beide Gebietskörperschaften sind absolute Hochburgen der deutschen Volksgruppe. Aus Chronstau stammt der Vorsitzende des Bezirksverbandes der Deutschen Minderheit, Rafal Bartek; aus Proskau stammt sein Vorgänger Norbert Rasch. Proskaus deutsche Bürgermeisterin Roza Malik zeigte sich bereits empört, dass anscheinend prosperierende Dörfer an Oppeln angeschlossen werden sollen. Dabei hat die Woi­wodschaftshauptstadt in den letzten Jahren zunehmend wirtschaftlich den Anschluss verloren. Besonders Wisniewskis Ziehvater Ryszard Zembaczynski hatte manchen deutschen Investor vordergründig hofiert, faktisch hinter den Kulissen aber von Oppeln ferngehalten. Westliche Investoren der Oppelner Woiwodschaft sind so mehrheitlich zurückkehrende deutsch-schlesische Mittelständler geblieben.

Mit der Gebietsreform von 1999 hatte Polen die 1975 aufgelösten Kreise neu gebildet, in Oberschlesien oft in ähnlichem oder gar identischem Zuschnitt wie vor 1945. Da in der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche Gebietsreformen erfolgten, sind die Kreise Polens häufig vom Einzugsbereich her gar nicht mehr mit Kreisen in der Bundesrepublik vergleichbar, sondern ähneln nach der Einwohnerzahl eher größeren kreisangehörigen Gemeinden. Eine Staatsmodernisierung wird in Polen in den nächsten Jahren vor Kommunalreformen gar nicht halt machen können. Anders als in Bundesrepublik spielen Aspekte der Strukturförderung in der entsprechenden politischen Debatte kaum eine Rolle. Im Grunde ist in jedem polnischen Kreis stets die einwohnerstärkste Gemeinde auch Kreissitz. Polen könnte hier durchaus von bundesdeutschen Erfahrungen zehren. Östlich von Oppeln gibt es mit den Kreisen Krappitz, Groß Strehlitz und Kandrzin-Cosel gleich drei Kreise, in denen die deutsche Volksgruppe seit 1999 meist regierte oder mitregierte. Ein Zusammenschluss ohne ein echtes Zentrum zu einem „Kreis Annaberg“ etwa mit dezentralen Behörden könnte der deutschen Volksgruppe dauerhaft politischen Einfluss garantieren und in der Republik Polen einen ganz neuen Weg weisen. Bislang ist aus der deutschen Volksgruppe aber auch nur ein Widerstand der Dorffürsten im Kampf um eigene Ämter zu erkennen. Eine großflächige Kommunalstrategie für die gesamte Region haben die Deutschen bislang nicht erarbeitet. Vielleicht zwingt Wisniewski die Deutschen nun zu einer solchen Debatte.               

                Edmund Pander


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 102. GEBURTSTAG

Sagon, Liesbeth, geb. Rebinski, aus Ittau, Kreis Neidenburg, am 6. Dezember

ZUM 101. GEBURTSTAG

Rieck, Hildegard, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 8. Dezember

ZUM 100. GEBURTSTAG

Welz, Elise, aus Pillau, Kreis Samland, am 11. Dezember

ZUM 97. GEBURTSTAG

Krefting, Maria, geb. Hoffmann, aus Bärwalde, Kreis Samland, am 6. Dezember

ZUM 96. GEBURTSTAG

Brozio, Gertrud, aus Wittingen, Kreis Lyck, am 7. Dezember

Fritz, Marta, geb. Klimmek, aus Herzogsmühle, Kreis Treuburg, am 10. Dezember

Kaukel, Frieda, geb. Kullik, aus Schönhorst, Kreis Lyck, am 6. Dezember

Kosubek, Ruth, geb. Reimann, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 7. Dezember

Radke, Ilse, geb. Knischewski, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 7. Dezember

ZUM 95. GEBURTSTAG

Brozio, Ilse, geb. Kottowski, aus Keipern, Kreis Lyck, am 5. Dezember

Gruhn, Gerda, geb. Keiluweit, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 7. Dezember

Meinhold, Hildegard, geb. Schröder, aus Treuburg, am 11. Dezember

Palluch, Helmut, aus Bartendorf, Kreis Lyck, am 6. Dezember

Renicke, Frieda, geb. Bogdahn, aus Groß Degesen, Kreis Ebenrode, am 8. Dezember

Wilhelm, Liesbeth, geb. Schellong, aus Kobulten, Kreis Ortelsburg, am 9. Dezember

Zech, Betty, geb. Worat, aus Schwentainen, Kreis Treuburg, am 9. Dezember

ZUM 94. GEBURTSTAG

Breuer, Emma, geb. Usko, aus Lindenfließ, Kreis Lyck, am 6. Dezember

Dlugokinski, Käthe, aus Schönwiese, Kreis Neidenburg, am 9. Dezember

Olschewski, Günter, aus Steinkendorf, Kreis Lyck, am 8. Dezember

Suhr, Paul, aus Groß Kuhren, Kreis Samland, am 9. Dezember

Walpuski, Heinrich, aus Roggen, Kreis Neidenburg, am 6. Dezember

ZUM 93. GEBURTSTAG

Böhm, Ilsegret, geb. Neumann, aus Insterburg und Lötzen, am 7. Dezember

Olk, Edith, aus Klein Jerutten, Kreis Ortelsburg, am 5. Dezember

Pauleit, Erika, geb. Tomoschat, aus Schnecken, Kreis Elchniederung, am 11. Dezember

Podehl, Elisabeth, geb. Bandilla, aus Milussen, Kreis Lyck, am 10. Dezember

Seifert, Elisabeth, geb. Birnbacher, aus Bredauen, Kreis Ebenrode, am 10. Dezember

Stumpf, Charlotte, geb. Conrad, aus Mandtkeim, Kreis Samland, am 7. Dezember

Tennert, Herta, geb. Kullack, aus Mertenheim, Kreis Lötzen, am 10. Dezember

Wolff-Olk, Christel, geb. Olk, aus Klein Jerutten, Kreis Ortelsburg, am 5. Dezember

Zarbock, Charlotte, geb. Wengel, aus Grunau Behlenhof, Kreis Heiligenbeil, am 9. Dezember

ZUM 92. GEBURTSTAG

Adomeit, Heinz, aus Schalteck, Kreis Elchniederung, am 5. Dezember

Blumenstein, Margarete, geb. Polixa, aus Roggenfelde, Kreis Treuburg, am 6. Dezember

Borbe, Erna, geb. Neumann, aus Tykrehnen, Kreis Samland, am 10. Dezember

Ebert, Christel, geb. Koriat, aus Wallendorf, Kreis Neidenburg, am 7. Dezember

Gollnow, Hedwig, geb. Stach, aus Ulleschen, Kreis Neidenburg, am 11. Dezember

Gruber, Edeltraud, geb. Klipp, aus Bieberswalde, Kreis Wehlau, am 7. Dezember

Kiesling, Erna, geb. Barkus, aus Tawe, Kreis Elchniederung, am 6. Dezember

Lausat, Irmgard, geb. Rosenthal, aus Mühlen, Kreis Osterode, am 6. Dezember

Lipke, Willi, aus Rauschen, Kreis Samland, am 7. Dezember

Maifeld, Else, geb. Malinowski, aus Nußdorf, Kreis Treuburg, am 11. Dezember

Nehmke, Erwin, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 6. Dezember

Nissen, Ingrid, geb. Liedtke, aus Tawe, Kreis Elchniederung, am 10. Dezember

Petrick, Gertrud, geb. Witt, aus Ebenfelde, Kreis Lyck, am 5. Dezember

Roeder, Helmuth, aus Neidenburg, am 11. Dezember

Voigt, Helmut, aus Gilgetal, Kreis Elchniederung, am 8. Dezember

Wedewardt, Gertrud, geb. Neumann, aus Lyck, Danziger Straße 15, am 5. Dezember

Werner, Erika, geb. Böhm, aus Grünwalde und Jürkendorf, Kreis Heiligenbeil, am 11. Dezember

Westermann, Gertrud, geb. Walendy, aus Nußdorf, Kreis Treuburg, am 10. Dezember

ZUM 91. GEBURTSTAG

Bielak, Hildegard, geb. Frank, aus Schareiken, Kreis Treuburg, am 8. Dezember

Kummetz, Rudolf, aus Kischen, Kreis Elchniederung, am 6. Dezember

Pabsch, Gertrud, geb. Rinka, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 6. Dezember

Schäfer, Johanna, geb. Czernitzki, aus Prostken, Kreis Lyck, am 11. Dezember

Klein, Gertrud, geb. Winkler, aus Trenk, Kreis Samland, am 5. Dezember

Schwill, Horst, aus Königsberg, am 6. Dezember

Spangehl, Erhardt, aus Herrendorf, Kreis Elchniederung, am 9. Dezember

Turtschin, Elsbeth, geb. Jeromin, aus Lyck, am 6. Dezember

Wandrei, Else, aus Peyse, Kreis Samland, am 5. Dezember

Weber, Erika, geb. Bondzio, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 8. Dezember

ZUM 90. GEBURTSTAG

Bardon, Marga, geb. Glitza, aus Heinrichsdorf, Kreis Neidenburg, am 6. Dezember

Ebnöther, Rudolf, aus Bolzhagen, Kreis Elchniederung, am 6. Dezember

Felgendreher, Gerhard, aus Ebenrode, am 6. Dezember

Fricke, Christel, aus Lyck, am 10. Dezember

Geisselseder, Waltraud, geb. Baumgardt, aus Pillau, Kreis Samland, am 8. Dezember

Joseph, Eva, geb. Stein, aus Neufelde, Kreis Elchniederung, am 7. Dezember

Kairies, Kurt, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 6. Dezember

Mildt, Ingeborg, geb. Stapelfeldt, aus Poppendorf, Kreis Wehlau, am 10. Dezember

Müller, Elfriede, geb. Manteuffel, aus Waiselhöhe, Kreis Neidenburg, am 10. Dezember

Noack, Margarete, geb. Janowski, aus Arlen, Kreis Lötzen, am 7. Dezember

Panneck, Willy, aus Goldenau, Kreis Lyck, am 7. Dezember

Skierlo, Christel, geb. Neumann, aus Gedwangen, Kreis Neidenburg, am 10. Dezember

Umlauff, Ilse, aus Mulden, Kreis Lyck, am 7. Dezember

ZUM 85. GEBURTSTAG

Behrendt, Hildegard, geb. Stamm, aus Wappendorf, Kreis Ortelsburg, am 8. Dezember

Dietz, Helga, geb. Tolksdorf, aus Rauterskirch, Kreis Elchniederung, am 10. Dezember

Girth, Helga geb. Purwien aus Ibenhorst, Forst, Kreis Elchniederung, am 7. Dezember

Gottowski, Horst, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 11. Dezember

Gubernatis, Marianne, geb. Karau, aus Wilhelmsthal, Kreis Ortelsburg, am 7. Dezember

Gutt, Erwin, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 6. Dezember

Kerstan, Erna, aus Hellengrund, Kreis Ortelsburg, am 10. Dezember

Kruska, Horst, aus Gellen, Kreis Ortelsburg, am 10. Dezember

Langhals, Christel, geb. Lork, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 8. Dezember

Leng, Manfred, aus Warschkeiten, Kreis Preußisch Eylau, am 8. Dezember

Möhrstedt, Helene, geb. Biallas, aus Nußdorf, Kreis Treuburg, am 7. Dezember

Nötzel, Ruth, geb. Kerlies, aus Heinrichstal, Kreis Treuburg, am 7. Dezember

Oppermann, Edith, geb. Bahlo, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 6. Dezember

Pollex, Jost, aus Oranienburg, am 10. Dezember

Prasse, Dieter, aus Schuchten, Kreis Treuburg, am 7. Dezember

Reiß, Willi, aus Ebenrode, am 10. Dezember

Rogowski, Anneliese, geb. Dölle, aus Lindenfließ, Kreis Lyck, am 5. Dezember

Salk, Eitel, aus Siemienau, Kreis Neidenburg, am 5. Dezember

Schaack, Rudi, aus Rothenen, Kreis Samland, am 9. Dezember

Schönherr, Hans-Georg, aus Lötzen, am 8. Dezember

Weldt, Heinz, aus Groß Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 7. Dezember

Ziegner, Elfriede, geb. Dwojakowski, aus Deutscheck, Kreis Treuburg, am 11. Dezember

ZUM 80. GEBURTSTAG

Bauer, Christel, geb. Skambracks, aus Doblienen, Kreis Elchniederung, am 10. Dezember

Baumgart, Christel, geb. Schemin, aus Grabnick, Kreis Lyck, am 8. Dezember

Egebrecht, Christa, geb. Kaminski, aus Stobingen, Kreis Wehlau, am 6. Dezember

Hildebrandt, Brigitte, geb. Torkler, aus Kobilinnen, Kreis Lyck, am 7. Dezember

Kadereit, Hans, aus Stobingen, Kreis Wehlau, am 10. Dezember

Kassat, Erwin, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 8. Dezember

Lütz, Lieselotte, geb. Fehlau, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 8. Dezember

Mallwitz, Siegmar, aus Lindicken, Kreis Tilsit-Ragnit, am 8. Dezember

Molitor, Horst, aus Ulleschen, Kreis Neidenburg, am 10. Dezember

Reichelt, Manfred, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 8. Dezember

Rohde, Erika, geb. Schadwinkel, aus Poppendorf, Kreis Wehlau, am 9. Dezember

Schlüter, Luzie, geb. Schwarz, aus Groß Allendorf, Kreis Wehlau, am 10. Dezember

Spangenberg, Ruth, geb. Pilath, aus Ortelsburg, am 10. Dezember

Stappenbeck, Christa, geb. Neufeld, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 10. Dezember

Steding, Ingrid, geb. Schemmert, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 11. Dezember

Suchalla, Ingeborg, geb. Grünke, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, und Ittau, Kreis Neidenburg, am 8. Dezember

Theiling, Christa, geb. Moritz, aus Königsberg, am 5. Dezember

Trzaska, Reinhard, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 6. Dezember

Wehrheim, Christel, geb. Luft, aus Birkenmühle, Kreis Ebenrode, am 6. Dezember

Zacher, Aloysius, aus Lyck, am 6. Dezember

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bauer, Sigrid, geb. Kulessa, aus Groß Warnau, Kreis Lötzen, am 10. Dezember

Bogdal, Brigitte, geb. Skorloff, aus Erlenrode, Kreis Elchniederung, am 10. Dezember

Boos, Michael, aus Schirrau, Kreis Wehlau, am 9. Dezember

Friedrich, Albrecht, aus Neusiedel, Kreis Tilsit-Ragnit, am 10. Dezember

Moritz, Manfred, aus Treuburg, am 8. Dezember

Müller, Dietrich, aus Soldau, Kreis Neidenburg, am 8. Dezember

Posdziech, Werner, aus Schützendorf, Kreis Ortelsburg, am 11. Dezember

Störp, Erika, geb. Alsdorf, aus Biothen, Kreis Wehlau, am 8. Dezember

Walka, Siegfried, aus Sköpen, Kreis Elchniederung, am 6. Dezember

Weischnur, Günter, aus Strowe, Kreis Preußisch-Eylau, am 9. Dezember

Diamantene Hochzeit

Rieck, Otto, aus Schloßberg, und Ehefrau Gerda, geb. Kurzweg, am 3. Dezember


Berühmtes Gemälde
Oscar Begas und die Salzburger – ein Vortrag

Am Mittwoch, 16. Dezember, um 15 Uhr geht es im nord-rhein-westfälischen Heinsberg um ein Gemälde, das sicherlich besonders viele Menschen mit ostpreußischem Hintergrund anspricht. Im Begas-Haus, Hochstraße 21, bietet der Referent Heiner J. Coenen eine spezielle Themenführung an. „Der Empfang der Salzburger Protestanten durch König Friedrich Wilhelm I. und den Kronprinzen Friedrich zu Potsdam im Jahre 1732“ heißt das berühmte Gemälde von Oscar Begas, dass Coenen vorstellen wird.

Das Sujet dürfte vielen bekannt sein: Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, begrüßt in Potsdam vor dem Schloss am 29. April 1732 die der Salzburger Lande verwiesenen Protestanten mit dem berühmten Satz: „Ihr sollt es gut haben, Kinder, ihr sollt es gut bei mir haben.“ Diese Äußerung wird auch von Theodor Fontane zitiert, dessen Rezension des Gemäldes aus dem Jahre 1862 in die Themenführung einfließen soll.

Der Referent Heiner J. Coenen, ist Schriftleiter von „Land an der Memel – Tilsiter Rundbrief“. Der Ökonom befasst sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte Ostpreußens und hat das Gebiet seit 2009 sechsmal bereist. Er analysiert das hochwertige Gemälde formal und inhaltlich, indem er drei weitere Realisierungen des Sujets multimedial einbindet. Anmeldungen sind erforderlich. Bitte per E-Mail unter muellejans-dickmann@begas-haus.de oder jacobs@begas-haus.de oder info@schreibkontor-heinerjcoenen.de. Telefonisch unter (02452) 9776912. Eine weitere Führung ist für den 4. Juni 2016 geplant.


S. 16 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

BARTENSTEIN

Kreisvertreter: Christian v. der Groeben, Ringstraße 45, 97950 Großrinderfeld, Telefon (09349) 929252, Fax (09349) 929253, E-Mail: csgroeben@gmx.de.

Der letzte Groß Schwansfelder Graf hat uns am 18. November im 92. Lebensjahr verlassen.

Geboren am 24. Februar 1924 in Sporwienen (Vorwerk von Groß Schwansfeld) hat er als Soldat den Krieg vor Leningrad, in der Ukraine und um Königsberg überlebt, kam kurz vor Kriegsende als verwundeter Leutnant nach Dänemark und übernahm später einen kleinen Bauernhof mit Tabakanbau in Schleswig-Holstein. In der neu aufgestellten Bundeswehr wurde der Artillerist Hans v. d. Groeben in verschiedenen Truppen-Verwendungen 1980 aus dem BND in den Ruhestand verabschiedet.

In schweren Zeiten unserer Heimatkreisgemeinschaft stand er von 1992 bis 1998 als Stellvertreter dem Vorsitzenden Arnold Schulz zur Seite. Immer wieder war er gerngesehener Gast bei unseren Heimattreffen und den Deutschlandtreffen der LO. Natürlich nutzte er jede sich bietende Möglichkeit, in die Heimat zu fahren und den Mitreisenden über seine Jugenderlebnisse vor Ort bis 1945 zu berichten.

Sein bescheidenes Auftreten im Leben fand den Abschluss in der Urnenbestattung am 27. Nov. im engsten Familienkreis. Statt Blumen und Kränzen erbat er Zuwendungen an das Spendenkonto von „Unser Bartenstein“, IBAN: DE78251900010176773900. Verw.-Zweck: H. v. d. Groeben.

Eine ausführliche Würdigung wird in der Osterausgabe von „UB“ erscheinen.

 

ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Mit Peter Westphal von der Kreisgemeinschaft Elchniederung geht es im Frühjahr wieder auf Ostpreußentour. Eine neuntägige Busreise führt vom 20. bis 28. Mai in die Elchniederung und nach Masuren. Zu den Reisezielen gehören unter anderem Danzig, Nikolaiken und der Oberländer Kanal. Hier das Programm im Einzelnen (Änderungen vorbehalten):

1. Tag: Fahrt ab Hannover mit Zustiegsmöglichkeiten entlang der Fahrtroute bis nach Polen, Zwischenübernachtung in Danzig. Da Ihr Hotel unmittelbar an der Altstadt liegt, bleibt am Abend noch Gelegenheit, für einen ersten Erkundungsspaziergang.

2. Tag: Nach dem Frühstück unternehmen Sie einen geführten Rundgang durch die  sehr schön restaurierte Danziger Altstadt. Beim Bummel über den langen Markt sehen Sie den Artushof, den einstigen Treffpunkt der hanseatischen Kaufleute, und den Neptunbrunnen. Sie spazieren am Ufer der Mottlau zum imposanten Krantor und erreichen die Marienkirche, eine der größten Back-steinkirchen der Welt. Nach dem geführten Altstadtrundgang bleibt noch etwas Zeit für eine individuelle Mittagspause, bevor die Reise weiter zum polnisch-russischen Grenzübergang geht. Dort erwartet Sie Ihr russischer Reiseleiter, der Sie während Ihres gesamten Aufenthaltes im nördlichen Ostpreußen begleiten wird. Anschließend Weiterreise bis nach Tilsit, wo Sie Ihre Zimmer im Hotel „Rossija“ beziehen.

3. Tag: Am Vormittag Möglichkeit zur Teilnahme am Gottesdienst gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde in Heinrichswalde. Anschließend Weiterfahrt über Neukirch nach Rauterskirch. Dort Empfang durch die örtliche Bevölkerung und Besichtigung der historischen Kirche. In der auch mit deutschen Mitteln unterstützten  Sanitätsstation ist der Tisch zu einem kleinen Imbiss gedeckt. Rückfahrt über Seckenburg, Groß Friedrichsdorf und Kreuzingen nach Tilsit. Nach dem Abendessen geführter Rundgang durch Tilsit. Natürlich besteht an diesem Reisetag auch die Möglichkeit zu eigenen Unternehmungen. Unser bewährter Taxiservice steht Ihnen dazu zur Verfügung. Übernachtung in Tilsit.

4. Tag: Nach dem Frühstück Rundfahrt durch die Elchniederung, insbesondere in die Gebiete nördlich der Gilge mit Besuch von Sköpen, Kuckerneese, Herdenau, Karkeln, Inse, zum Jagdschloss Pait, weiter über Milchhof, Alt-Dümpelkrug, Rautersdorf, Bretterhof, Rautenburg und zurück nach Tilsit. Auch an diesem Reisetag besteht wieder die Möglichkeit zu eigenen Unternehmungen. 

5. Tag: Heute verlassen Sie Tilsit und erreichen im südlichen Ostpreußen das Land der großen Seen – Masuren. Bei einer Rundfahrt erleben Sie von der Jägerhöhe bei Angerburg einen besonders schönen Ausblick über das Naturparadies der Seenlandschaft. Anschließend erreichen Sie Rastenburg und Lötzen, die „Sommerhauptstadt“ Masurens. In Heilige Linde besuchen Sie die barocke Klosterkirche mit ihrer sehens- und hörenswerten Orgel. Abendessen und Übernachtung in Nikolaiken.

6. Tag: Nach dem Frühstück beginnt Ihre heutige Masurenrundfahrt mit einer Schiffsfahrt über die Masurischen Seen von Nikolaiken nach Niedersee. Anschließend Weiterfahrt in Richtung Eckertsdorf mit Besuch des Philliponenklosters. Danach erreichen Sie den wohl romantischsten Fluss Masurens die Kruttinna. Bei einer Stakenkahnfahrt genießen Sie Natur pur. Zum heutigen Abendessen erwartet Sie der Küchenchef zum rustikalen Grillabend am Seeufer. Übernachtung in Nikolaiken.

7. Tag: Nach dem Frühstück Weiterreise nach Westen in das Ermland. Zunächst besuchen Sie die Hauptstadt Ermland-Masurens: Allenstein. Bei einer Führung sehen Sie unter anderem die Burg des ermländischen Domkapitels. Hier residierte auch Nikolaus Kopernikus als Verwalter des Kapitels. Am Nachmittag steht südlich von Elbing ein besonderes Erlebnis Ihrer Reise auf dem Programm: Eine Fahrt auf dem Oberländer Kanal. Die einzigartige technische Anlage, bei der die Schiffe den Höhenunterschied des Geländes durch das Aufschleppen über die geneigten Ebenen überwinden, wurde in den vergangenen Jahren aufwendig restauriert und kann nun nach langer Pause wieder befahren werden. Ihr heutiges Übernachtungshotel „Anders“ liegt in Stare Jablonki bei Osterode malerisch hoch über einem See.

8. Tag: Nach dem Frühstück fahren Sie zunächst nach Hohenstein. Hier erleben Sie in einem Freilichtmuseum ein traditionelles ostpreußisches Dorf mit Gehöften, Windmühlen und Kirchen. Am Nachmittag Weiterreise nach Westen vorbei an Deutsch Eylau und Graudenz bis nach Schneidemühl zur letzten Zwischenübernachtung.

9. Tag:  Rückreise nach Deutschland. Unterwegs Mittagspause auf einem polnischen Markt an der Grenze.

 Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 25 Personen. Gefahren wird im modernen Fernreisebus mit Klimaanlage, WC, Kaffeeküche und Getränkeservice. Alle Steuern und Gebühren sind im Preis enthalten, ebenso die Straßengebühren in Polen Anmeldungen und weitere Informationen bei Peter Westphal, Obere Wiesenbergstraße 26, 38690 Goslar, Telefon und Fax (05324) 798228.

 

GUMBINNEN

Kreisvertreterin: Karin Banse, Wiesengrund 9, 29559 Wrestedt, OT Wieren, Telefon (05825) 642, E-Mail: karin.banse@t-online.de, Internet: www.kreis-gumbinnen.de.

Der Einladung zum mittlerweile 46. Gesamtdeutschen Heimattreffen des ehemaligen ostpreußischen Regierungsbezirks Gumbinnen folgten 89 Landsleute – eine beträchtliche Anzahl. Ihr hohes Alter – der älteste Teilnehmer wurde am 10. November 93 Jahre alt – hielt sie nicht davon ab, an diesem Treffen teilzunehmen. Danach gefragt, weshalb sie kamen, gaben sie zur Antwort, dass sie die Heimat nie vergessen werden, mit ihr sich auf ewig verbunden fühlen.

Sie kamen nicht nur aus den verschiedenen Kreisen des Gumbinner Regierungsbezirkes, sondern darüber hinaus auch aus Gesamtostpreußen, ja sogar aus Westpreußen, Pommern, Schlesien und Danzig. Letztere waren in der Regel die begleitenden Eheleute der Gumbinner. Auch einige an Ostpreußen interessierte

Mecklenburger waren erschienen. Die Veranstaltung stand aus aktuellem Anlass unter dem Motto „Flüchlingsschicksal damals 1945 und heutzutage“.

Das Ehepaar Mielenz der „Jagdhornbläsergruppe Weidmannsheil Eldenburg/Lübz“ stimmte in Anbetracht des bevorstehenden Totensonntags mit dem Musikstück „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“ auf das nachfolgende Programm ein.

Herr Hahn begrüßte die Angereisten, unter ihnen als Ehrengast Herr Spies aus Hagenow. Es wurden Grüße Verhinderter übermittelt und der im letzten Jahr Verstorbenen mit einer Gedenkminute gedacht. Anschließend sangen die Anwesenden stehend das Ostpreußen- und Deutschlandlied. Das Bläserehepaar begleitete hierbei musikalisch. Freundlicher Weise hielt der Propst Herr Labesius eine auf den Totensonntag ausgerichtete Kurzandacht.

Herr Hahn gab dann den Programmablauf bekannt. So wurde unter anderem darauf aufmerksam gemacht, sich in die ausgelegten Teilnehmerlisten einzutragen, um so im Sinne einer Suchfunktion zu fungieren. Er hielt dann einen Rückblick auf die Ereignisse dieses Jahr, aber auch auf das winterliche Ostpreußen jener Zeit sowie die zu Weihnachten 1944 um Gumbinnen herum tobende Schlacht, während der die Gegner dennoch kurzfristig eine Gefechtspause einlegten, brennende Kerzen aufstellten und mit dem gemeinsamen Singen von „Stille Nacht, heilige Nacht“ Weihnachten begingen.

Gerne nahmen die Anwesenden von den ausgelegten Freiexemplare der „Preußischen Allgemeinen Zeitung“, aber auch einen Sonderdruck über die Flucht von 1945 fand viel Zuspruch.

Die kulturelle Gestaltung des gegen 12 Uhr endenden Vormittagsprogramms lag, wie bisher, in den Händen der Teilnehmer selbst. Beiträge von H. Jonuscheit, N. Erbe, I. Grandt, S. Wicht, P. Wohlgemuth, H. Spies und E. Hahn unterschiedlicher Thematik erhielten großen Beifall.

Ihnen allen lag auf ihre Art die Erinnerung an die geliebte Heimat zu Grunde. Vom Bläserehepaar zwischendurch gespielte Heimatlieder trugen dazu bei, die Erinnerung an die Heimat noch mehr zu vertiefen und zur Gegenwart werden zu lassen. Mit dem von allen Anwesenden angestimmten Lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ unter der musikalischen Begleitung des Bläserehepaars lief schließlich das Programm aus. Es wurde Mittag gegessen. Gegen 13 Uhr wurde der sehr interessante und wissenswerte Film „Ostpreußenflieger“ gezeigt.

Mit dem Wunsch für ein gesegnete Weihnacht 2015 sowie ein gesundes Neues Jahr 2016 verabschiedete man sich. Für das Jahr 2016 sind die nachfolgenden Veranstaltungen im gleichen Hotel am 12. März und am 12. November vorgesehen.      Friedel Hahn

 

KÖNIGSBERG LAND

Kreisvertreterin: Gisela Broschei, Bleichgrabenstraße 91, 41063 Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, Fax (02161) 87724. Geschäftsstelle: Im Preußen-Museum, Simeonsplatz 12, 32427 Minden, Telefon (0571) 46297, Mi. Sa. u. So. 18-20 Uhr.

Liebe Landsleute, das obenstehende Foto ist das Dezemberblatt 2016 unseres Ostpreußenkalenders. Es stellt die Bernsteinkrippe des erst kürzlich verstorbenen wohl letzten Bernsteinschleifers aus Königsberg dar. Da der Kalender großen Anklang fand, haben wir weitere Exemplare drucken lassen, sodass wieder Bestellungen aufgegeben werden können.

Noch eine kleine Anmerkung: Bald ist Weihnachten, und viele Ostpreußen und Freunde unserer Heimat würden sich sicher über den schönen Kalender freuen. Die Bestellungen sind zu richten an Gisela Broschei, Bleichgrabenstraße 91, 41063 Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677.

 

MOHRUNGEN

Kreisvertreterin:  Ingrid Tkacz, Knicktwiete 2, 25436 Tornesch, Telefon/Fax (04122) 55079. Stellv. Kreisvertreterin; Luise-Marlene Wölk, Schwalbenweg 12, 38820 Halberstadt, Telefon (03941) 623305. Stellv. Kreisvertreterin Monika Buddych, Op de Dümmer 32, 45772 Marl/Westf., Telefon (02365) 691690. Geschäftsstelle Horst Sommerfeld, Lübecker Straße 4, 50858 Köln, Telefon (02234) 498365.

Wenige Tage nach seinem 85. Geburtstag, den er am 5. November 2015 im Kreise seiner Familie begangen hat, haben wir die traurige Nachricht erhalten, dass unser Landsmann und langjähriges Kreistags-Mitglied Martin Haese am 16. November  verstorben ist.

Martin Haese hat sich um die Kreisgemeinschaft verdient gemacht. Er hielt ständige Kontakte zu unseren Landsleuten. Seit 1998 war er Kreistags-Mitglied und stellvertretender Kassenprüfer. Martin Haese ist Autor des Buches „Tagebuch und Erinnerungen an 1945“. Mit gerade 15 Jahren hat er damals seine Flucht-Erinnerungen und die folgende Nachkriegszeit zusammen mit seinem Bruder Johannes Haese, festgehalten.

Die Eindrücke, welche er damals 1945 hatte, haben ihn so bewegt, dass er das ganze Geschehen täglich notiert hat. Seine Tagebuch-Aufzeichnungen zeigen, dass er auch noch eine andere Seite hat; er geht den Dingen auf den Grund und denkt weiter. Hinter ihm liegen viele beschwerliche Zeiten – die Flucht und vieles mehr. Aber auch Zeiten der Freude – Kindheit, Eltern, Geschwister und Familie. Wir alle schätzten sehr seine humorvolle Art. Er stand voll zum Kreis Mohrungen und zu Ostpreußen!

Für seine ehrenamtlich geleistete Arbeit sprechen wir ihm im Namen der Kreisgemeinschaft  Mohrungen unseren Dank und Anerkennung aus. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren, wann immer wir uns treffen, wird er in Gedanken mitten unter uns sein.                 Ingrid Tkacz,      Kreisvertreterin


Klar, kraftvoll, bewegend
Gertrud Braumanns Bericht über ihre Flucht aus Goldap 

Mai 1945 in einem Ort bei Hamburg: Die 23-jährige Getrud Braumann, die vor einem halben Jahr noch tief und fest in Ostpreußen verwurzelt war, schreibt: „Die Gedanken lassen sich nicht zwingen. Immer und immer wieder denkt man an all das, was man in diesen letzten wenigen Monaten erlebt hat und daran, was uns verloren gegangen ist. Es verlangt mich das alles aufzuschreiben, so gut ich es kann und soweit ich es noch in Erinnerung habe.“

Gertrud Braumanns Erinnerungen sind zu diesem Zeitpunkt keineswegs verblasst, sondern stark und detailreich. So entsteht ein berührendes und beindruckendes Dokument jener schrecklichen Ereignisse, die nunmehr 70 Jahre zurückliegen. Zusammen mit ihren Eltern, Emma und Karl Dadrat, sowie dem 16-jährigen Bruder Bruno, einem von insgesamt neun Geschwistern, flieht sie am 19. Oktober 1944 vom heimischen Bauernhof in Thewelkehmen bei Goldap vor der heranbrausenden Kriegsmaschinerie der Roten Armee.

Getrud Braumann beschreibt die gefahrvolle Flucht durch Ostpreußen inmitten Millionen anderer Verzweifelter. Es geht über das Eis des Frischens Haffs zur Nehrung. Von dort weiter über die Ostsee nach Rügen bis zum Landkreis Stade. Das Glück, der Zufall aber auch eigene Kraft und Stärke helfen Familie Dadrat zu überleben. Auch Gertruds Ehemann Erwin Braumann kann ihnen zeitweise beistehen. Er ist Soldat und seine Kompanie nimmt ganz in der Nähe am Endkampf um Ostpreußen teil.

Die Aufzeichnungen enden um die Pfingstzeit. Getrud Braumann fährt täglich zur Elbe, in der Hoffnung unter den entlassenen Soldaten, die dort übersetzen. ihren Ehemann und die Brüder zu finden. Ihr Vater kann unterdessen nur mühsam davon abgebracht werden, zu Fuß in die ostpreußische Heimat zurückzumarschieren. Das Heimweh ist zu groß. 

Der Leser ist froh, dass sich noch ein Nachtrag anschließt. Hier berichtet Getrud Braumann, die heute in einer Seniorenresidenz in Stade lebt, wie es weitergeht. Erstaunlicherweise findet die Autorin auch so viele Jahre später noch genau den einfachen, klaren und kraftvollen Stil, der auch die vorangegangenen Seiten auszeichnet.

Was das Büchlein zudem besonders empfehlenswert macht, ist die sorgfältige Bearbeitung des Textes durch Beate-Christine Fiedler vom Staatsarchiv Stade. Ihre erklärenden Anmerkungen lassen kaum eine Frage unbeantwortet. Fotos der Familien Dadrat und Braumann, verschiedene historische Dokumente, eine Karte des Fluchtweges und eine Orts-skizze von Thewelkehmen runden den Bericht ab. Im Jahr 2013 erschien zudem bereits eine gutgemachte DVD, in der Gertrud Braumanns Fluchtbericht für den Bildschirm aufbereitet wurde.                  Frank Horns

Gertrud Braumann: „Flucht aus Goldap. Das Schicksal einer Ostpreußischen Familie“, Eigenverlag der Kreisgemeinschaft Goldap, Stade 2015, broschiert, 190 Seiten, 11.90 Euro. Zusammen mit der gleichnamigen DVD (Einzelpreis 20 Euro) liegt der Preis bei 27.50 Euro. Zu bestellen sind Buch und DVD bei: Patenschaftsmuseum Goldap in Ostpreußen, Harsefelder Straße 44a, 21680 Stade, E-Mail: verkauf@goldap.de, Telefon (04141) 7977537, mittwochs von 13 bis 16.30 Uhr.


S. 17-20 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Sonnabend, 19. Dezember, 14.30 Uhr, Großer Saal, Haus d. Heimat, Stuttgart: Gemeinsame Weihnachtsfeier der LM Ostpreußen und Westpreußen. Wir wollen auf eine eigene Feier in diesem Jahr verzichten und bitten unsere Mitglieder an dieser gemeinsamen Feier recht zahlreich teilzunehmen! Gäste sind herzlich eingeladen.

Kitzingen – Sonnabend, 12. Dezember, 15 Uhr, Hotel Würzburger Hof: Vorweihnachtliche Feier mit Beiträgen von Mitgliedern und musikalischer Umrahmung durch den Landsmann Günter Schmidt.

Ludwigsburg – Donnerstag, 17. Dezember, 15 Uhr, Krauthof, Beihinger Straße 27: Vorweihnachtsfeier.

Reutlingen – Sonnabend, 12. Dezember, 14 Uhr, Treffpunkt für Ältere, Gustav-Werner-Straße 6a:  Weihnachtsfest mit Kaffee und Kuchen. Es gibt Vorträge zum Thema „Weihnacht zu Hause in der verlassenen Heimat“, außerdem wird jedem Gast ein kleines weihnachtliches Geschenk überreicht. Mit dabei: der Posaunenchor Wannweil unter Leitung von Herrn Raiser. – Donnerstag, 16. Dezember, 14 Uhr, Gasthaus Edelweiß, Sickenhäuserstraße: Treffen der Frauengruppe. Zur gemütlichen Kaffeetafel stehen Weihnachtslieder und Heimatarbeit auf dem Programm. Für den Grabbelsack bitte Päckchen mitbringen.

– Bericht –

„Verlassen, verloren, vertrieben. Einfach so. Nur die Erinnerungen sind geblieben. Aber die Liebe zur Heimat nie vergessen.“ – Dies sind nur ein paar wenige Worte aus einem Gedicht von Waltraud Abraham, einer „Schicksalsgefährtin“, wie Ilse Hunger beim Festakt zum 65-jährigen Bestehen der Kreisgruppe Reutlingen betonte. „Wir haben unsere Heimat auf so grausame Weise verloren, und auch nach nun schon 70 Jahren darf unser Erbe Ost- und Westpreußen nicht in Vergessenheit geraten“, beteuerte die Vorsitzende.

Rund zwölf Millionen Menschen sind nach den Ausführungen von Uta Lüttich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor der Roten Armee in Richtung Westen geflohen. Über das ganze Bundesgebiet verteilten sich die einstigen Ost- und Westpreußen, unzählige bald darauf gegründete Ortsvereine zeugen noch heute davon, betonte die Landesvorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen in ihrem Festvortrag.

„Wer konnte damals verstehen, wie es in uns Heimatvertriebenen aussah“, hatte Ilse Hunger in ihrer Begrüßung gefragt. Willkommen seien sie im Westen der neuen Republik nicht gewesen. „Es gab damals keine Willkommenskultur. Niemand wurde mit Kuscheltieren empfangen, geschweige denn mit warmen Mahlzeiten versorgt. Nicht einmal Kartoffeln wurden angeboten, nur mit den Kartoffelschalen musste man zufrieden sein. „Die Flüchtlinge von damals waren Fremde im eigenen Land“, sagte Andreas Praß von der LOW Reutlingen während der Totenehrung.

Ein weiterer Unterschied zwischen der damaligen Flüchtlingsbewegung und der heutigen: 1945 waren es vor allem Frauen, Kinder und Greise, heute zu zwei Drittel Männer, so Praß. Aber: „So unverständlich es für einige klingen mag, die Flüchtlinge und Toten von damals mahnen uns, die Flüchtlinge von heute nicht gleich zu verurteilen. Man kann nicht so einfach aufteilen zwischen echten Kriegsflüchtlingen oder „ich suche doch nur ein besseres Leben“-Flüchtlingen“. Schließlich so Andreas Praß weiter, „ist Menschlichkeit unteilbar“.

Uta Lüttich erinnerte in ihrer Festansprache an die 750-jährige deutsche Geschichte Ostpreußens, das Wissen um die großen Männer und Frauen der Geisteswissenschaften, Dichtern, Denkern und Künstlern Ost- und Westpreußens von der Christianisierung des Deutschen Ordens bis heute. Ihr Fazit: „Ost- und Westpreußen gehören ebenso wie Schlesien zur deutschen Identität.“

Thomas Keck, Bezirksbürgermeister von Betzingen und SPD-Stadt-rat, gratulierte in seinem Grußwort der LOW-Kreisgruppe zum 65-jährigen Bestehen und lobte die Bemühungen, das kulturelle Erbe dieser Region zu bewahren. Helga Ruhnke sagte als Bezirksvorsitzende der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge der CDU Nordwürttemberg: „Unser Schicksal wiegt schwerer als das der Nicht-Vertriebenen, denn wir haben die Heimat nicht verloren, sie wurde geopfert.“ Ganz wichtig sei aber, dass auf deutschem Boden seit 70 Jahren Frieden herrsche.

Ehrungen gab es am Sonnabend auch noch. Marianne Praß, Helene Stoller und Waltraud Neudahm erhielten jeweils Urkunden, Blumenstrauß und das Dankabzeichen der Landesgruppe, in besonderer Würdigung der Arbeit und Verdienste für die Heimat.

Ebenso bemerkenswert und hervorzuheben waren die fleißigen Helfer rund um diesen Ehrentag. So wurden, um nur ein Beispiel zu nennen, fast alle Kuchen für die knapp 90 Anwesenden selbst gebacken.

Dank gilt auch der Professoren-Band der Hochschule Reutlingen unter der Leitung von Dieter Mayer. Ihre musikalische Begleitung sorgte unter anderem für die außergewöhnlich herzliche Atmosphäre während des Festaktes.          apo

Ulm/ Neu Ulm – Montag, 7. Dezember, 14.30 Uhr, Auferstehungskirche Böfingen: Heimatgottesdienst. – Sonntag, 13. Dezember, 14 Uhr, Ulmer Stuben: Weih-nachtsfeier. Es werden weihnachtliche Gedichte und Texte vorgetragen. Der BdV-Chor tritt auf. Jeder Gast erhält eine weihnachtliche Leckerei. Wir freuen uns über zahlreichen Besuch. – Donnerstag, 17. Dezember, 14 Uhr, Ulmer Stuben: Weihnachtsfeier der Frauengruppe.

Weinheim/Bergstraße – Mittwoch, 9. Dezember, 14.30 Uhr, Café Wolf: Treffen der Frauengruppe. „Nun kommt ins Land die stille Zeit“ – Unter diesem Motto wollen wir an diesem Nachmittag eine besinnliche und festliche Adventsfeier mit schönen Geschichten, Gedichten und Liedern feiern. Besonders aber unserer geliebten Heimat mit ihren schönen Gebräuchen gedenken.

Wendlingen – Sonntag, 13. Dezember, 14.30 Uhr, Gasthaus Zum Lamm, Kirchheimerstraße 26: Vorweihnachtliche Feier. Mit einer Kaffeetafel und heimatlichem Gebäck wird begonnen. Worte, Singen und Musizieren umrahmen die Feier und wecken heimatliche Erinnerungen. Gäste sind wie immer herzlich willkommen.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Altmühlfranken – Sonntag, 13. Dezember, 15.30 Uhr, Gasthof Krone, Gunzenhausen: Weih-nachtsnachmittag mit Kaffee und Kuchen, Gedichten und Geschichten aus dem historischen Nordosten Deutschlands.

Ansbach – Sonnabend, 19. Dezember, 15 Uhr, Orangerie: Schöne und heimatliche Weihnachtsfeier. Auf dem Gabentisch finden sich heimatliche Bücher, Kalender, Marzipan und Getränke.

Bamberg – Mittwoch, 16. Dezember, 15 Uhr, Hotel Wilde Rose, Keßlerstraße: Weihnachtsfeier.

Kitzingen – Sonnabend, 12. Dezember, 15 Uhr, Hotel „Würzburger Hof“: Vorweihnachtliche Feier mit Beiträgen von Mitgliedern und musikalischer Umrahmung durch Landsmann Günter Schmidt. 

Landshut – Dienstag, 15. Dezember, Gasthaus Zur Insel: Weihnachtsfeier.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Bartenstein – Sonnabend, 5. Dezember, 14 Uhr, Zimmer 21, Rathaus Zehlendorf,  Kirchstraße 1–3, 14163 Berlin: Gemeinsames Treffen. Anfragen: Elfriede Fortange, Telefon (030) 4944404.

Tilsit-Ragnit, Tilsit-Stadt – Sonnabend, 5. Dezember, 15 Uhr, Ratskeller Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 102, 10585 Berlin: Gemeinsames Treffen. Anfragen: Hermann Trilus, Telefon (03303) 403881.

Frauengruppe – Mittwoch, 9. Dezember, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: Weihnachtsfeier. Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Rastenburg – Sonntag, 13. Dezember, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus, Rohrdamm 24 B, 13629 Berlin: Weihnachtsfeier. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.

Gumbinnen, Johannisburg, Lötzen, Sensburg – Diens-tag, 15. Dezember, 13 Uhr, Restaurant Muna, Albrechtstraße 52, 12167 Berlin: Gemeinsames Treffen. Anfragen: Gumbinnen Joseph Lirche, Telefon (030) 4032681, Johannisburg und Sensburg: Andreas Maziul, Telefon (030) 5429917, Lötzen: Gabriele Reiß, Telefon (030) 75635633.

Königsberg – 18. Dezember, 14 Uhr, Johann–Georg–Stuben, Johann-Georg-Straße 10, 10709 Berlin-Hallensee: Weihnachtsfeier. Anfragen: Elfi Fortange, Telefon 4944404.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremen – Am Mittwoch, 9. Dezember 2015, findet unsere Tagesfahrt zum neu eröffneten Westpreußischen Landesmuseum in Warendorf statt. Hier das Programm: Abfahrt in Bremen – ZOB (vor dem Cinemaxx) um 8 Uhr, Ankunft in Warendorf 10.45 Uhr. Von 11 Uhr bis 12.30 Uhr Führung durch das Westpreußische Landesmuseum. Um 12.30 Uhr Spaziergang zum Mittagessen (zirka 500 Meter), kein Bustransfer möglich. Von 13 bis 14.30 Uhr Mittagessen (Büfett). Danach bis 16 Uhr: Zeit zur freien Verfügung im Warendorfer Weihnachtswäldchen. Um 16 Uhr Rückfahrt nach Bremen. Ankunft gegen 19 Uhr. Der Preis pro Person beträgt 42 Euro (ermäßigter Preis für Mitglieder: 22 Euro). Leistungen: Fahrt, Eintritt und Führung im Museum, Mittagsbüfett. Anmeldungen direkt bei JWD-Busreisen (Frau Venderbosch, Telefon 0421/4854633).

Bremen-Nord – Freitag, 11. Dezember, 14.30 Uhr, Waldschmiede, Beckedorf: Weihnachtsfeier der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen. Es gibt Kaffee und Kuchen. Ein Chor wird für Weih-nachtliche Stimmung sorgen. Auch die ostpreußische Mundart wird nicht zu kurz kommen. Gäste sind herzlich willkommen.

Bremerhaven – Freitag, 18. Dezember, 14.30 Uhr: Adventsfeier im Barlachhaus. – Freitag, 29. Januar, 12 Uhr:  Wanderung mit anschließendem Grünkohlessen.

– Kulturnachmittag –

Der Kulturnachmittag im Barlach-Haus der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen sowie des Heimatkreises Elbing am 20. November stand unter dem Motto „Gedenken“. Zunächst an die am 5. November Verstorbene Stefanie Flotow geboren am 26. Dezember 1940 in Königsberg.  Sie war langjähriges Vorstandsmitglied der Bremerhavener Gruppe. Die Vorsitzende Marita Jachens-Paul würdigte Ihr Wirken in einem kurzen Lebenslauf. Ihr zu Ehren, aber auch für die verstorbenen Vorsitzenden Heinrich Jachens und Hildegard Jachens geborene Parakenings aus dem Kreis Labiau, wurde das Ostpreußenlied gesungen.

Im Laufe der Veranstaltung wurden abwechselnd Gedichte und Geschichten von verschiedenen Ostpreußischen Autoren vorgetragen. Es wurde auf die gemeinsame Gedenkfeier am Totensonntag von allen ostdeutschen Gruppen aus Bremerhaven hingewiesen. Für unsere Adventfeier am 18. Dezember um 14.30 Uhr im Barlach-Haus wird um Anmeldung bis zum 10. Dezember unter Telefon (0471) 86176 gebeten. Die Kosten betragen für Mitglieder vier Euro und für Gäste fünf Euro.

Unser „Landesvater“ aus Bremen Helmut Gutzeit und der Hamburger Schauspieler und Rezitator Herbert Tennigkeit haben Ihr Kommen zugesagt. Für stimmungsvolle musikalische Umrahmung ist gesorgt.

– Heimatnachmittag –

Die Vorsitzende Marita Jachens-Paul begrüßte die Versammelten zum 89.  Stiftungsfest der Landsmannschaft Ost- /Westpreußen und des Heimatkreises Elbing im Barlachhaus am Holzhafen. 32 Teilnehmer waren gekommen darunter eine Dame, die durch einen Hinweis im „Sonntags-Journal“ auf diese Ostpreußen-Veranstaltung aufmerksam geworden ist. Es hat ihr gut bei uns gefallen, bekannte sie im Nachhinein. Diese kostenlose Werbung im „Sonntagsjournal“ soll beibehalten werden.

Den Helfern bei der herbstlichen Ausschmückung der Tische sei gedankt. Horst Till gebührt besonderer Dank für die jedes Jahr zu ändernde Jahreszahl auf dem großen Wandplakat bei Gründungsfesten. Nach dem obligatorischen Kaffeetrinken mit gedecktem Apfelkuchen hielt die Vorsitzende einen Vortrag über die Geschichte der Landsmannschaft in den Unterweserorten. Gegründet wurde sie am 13. Ok-tober von 13 Männern aus Orten östlich des 1919 geschaffenen polnischen Korridors als „Verein heimattreuer Ostpreußen“. Nach einigen Jahren folgte die Umbenennung in „Verein der heimattreuen Ost- und Westpreußen“, 1948 dann die Wiedergründung. Nach der Aufhebung des Versammlungsverbots durch die Alliierten gibt es die monatlichen Treffen der Gruppe.

Der Zulauf durch Flüchtlinge und Vertriebene infolge des Zweiten Weltkriegs war groß, dann folgte ein behördliches Zuzugsverbot ins teilweise bis zu 95 Prozent zerstörten Wesermünde (1947 wurde es in „Bremerhaven“ umbenannt). Trotzdem blieben 22 Prozent der Wohnungen auch im darauffolgenden Bauboom den Ostdeutschen reserviert. Arbeit fanden die Flüchtlinge überwiegend auf Schiffbaubetrieben (zum Beispiel bei der Schichau-Werft, die nach der Verlegung aus Elbing und Danzig 1944 nach Wesermünde hier wieder aufgebaut wurde) sowie in der Fischindustrie und in der Hochseefischerei.

Am 17. April 1950 erfolgte die Weihung eines Holzkreuzes auf dem Geestemünder Friedhof (inzwischen durch einen Granitblock aus Oberschlesien ersetzt). Am Totensonntag im November eines jeden Jahres treffen  sich die Mitglieder aller vier ostdeutschen Landsmannschaften in Bremerhaven dort auf dem Friedhof zum Gedenken an die Toten in der Heimat und in hiesiger Erde sowie an die zwei Millionen Opfer der Trecks aus dem Osten nach dem Zweiten Weltkrieg.

                 Barbara Sandmann

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Landesgruppe – Sonnabend, 5. Dezember, 14 Uhr, (Einlass ab 13 Uhr), Traditionshaus Lackemann, Litzowstieg 8, 22041 Hamburg-Wandsbek: Vorweih-nachtsfeier. Verse, Gedichte und kleine Vorträge in Bild und Ton sollen verzaubern und alle Teilnehmer auf die schöne Adventszeit einstimmen. Der Chor „Abendklang“ unter der Leitung von Lilia Berschin lädt mit weihnachtlichen Liedern zum Zuhören und Mitsingen ein. Durch die Veranstaltung führt Siegfried Grawitter vom Kulturreferat. Die Begrüßung wird der 1. Vorsitzende der Landesgruppe, Hartmut Klingbeutel, übernehmen.

Mit U1 und Bussen ist das Traditionshaus Lackemann gut zu erreichen. Von U1 und Busbahnhof Wandsbek-Markt sind es nur wenige Gehminuten. Wenn Sie von der Wandsbeker Marktstraße den Durchgang „Hinterm Stern“ zwischen Quarree und Hotel Tiefenthal durchgehen, sehen Sie das Restaurant Lackemann. Parkmöglichkeit: Parkplatz Quarree, Parkhaus P2. Bei Rückfragen: Siegfried Grawitter, Evastraße 3b, 22089 Hamburg, Telefon (040) 205784.

HEIMATKREISE

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und zu einem kulturellen Programm um 12 Uhr im Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125, 22459 Hamburg. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon und Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Salzburger – Sonnabend, 5. Dezember, 13 Uhr, Hotel „St. Raphael“, Adenauerallee 41: Treffen der Landesgruppe Hamburg /Schleswig-Holstein/Nordniedersachsen des Salzburger Vereins (SV). Auf dem Programm steht die Lesung eines Sprechstückes von Siegfried Lenz. Außerdem wird es Texte und Lieder zur Weihnachtszeit im Salzburger Land und in Ostpreußen geben. Mitglieder des SV und Gäste sind herzlich willkommen.

Frauengruppe – Freitag, 11. Dezember, 15 Uhr, Haus des Begleiters, Harders Kamp 1: „Wiehnachte is bald“ – Advents- und Weihnachtsgeschichten mit selbstgebackenem Kuchen.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612. Stellvertretender Vorsitzender Ulrich Bonk, Voltastraße 41, 60486 Frankfurt/M., Telefon (069) 77039652, E-Mail: bonk.ulrich@gmail.com 

 Darmstadt/Dieburg – 6. Dezember, 15 Uhr, Luise-Büchner-Haus, Neu-Kranichstein: Frohe und besinnliche Stunden bei einer vorweihnachtlichen Feier mit dem Jahrgangschor von Christian Keller aus Ober-Roden. Auch Gedichte und Geschichtchen kommen zu Gehör. Ein besonderer Gruß gilt den Mitgliedern, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen können.

Wiesbaden – Sonnabend, 12. Dezember, 15 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Vorweihnachtliche Feier mit Kaffee und Kuchen, Königsberger Marzipan und Kerzenschein. Geschichten, Gedichten, Gesang und Oboespiel sowie einer Ansprache von Pfarrer Holger Saal gehören zum besinnlichen Programm. Zur Kostendeckung der Feier ist der Kreisverband für Geldspenden dankbar.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Hannover – Sonnabend, 5. Dezember, 12 Uhr, Bootshaus 84 (ehemals Ihme-Blick), Roesebeck-straße 1: Adventsfeier mit gemeinsamen Essen. Es gibt wahlweise Ente mit Rotkohl und Klößen oder Schnitzel oder Kartoffelsalat mit Würstchen. Weitere Informationen: Kulikopski, Telefon (05101) 2530 oder Rueß, Telefon (0511) 332724.

Helmstedt – Donnerstag, 10. Dezember, 15 Uhr, Begegnungsstätte Schützenwall 4: Adventsfeier. Weitere Informationen: Helga Anders, Telefon (05351) 9111.

Osnabrück – Dienstag, 15. Dezember, 16.30 Uhr, Hotel Ibis, Blumenhaller Weg 152: Kegeln – Freitag, 18. Dezember, 15 Uhr, Gaststätte Bürgerbräu, Blumenhaller Weg 43: Treffen der Frauengruppe.

Rinteln – Donnerstag, 10. Dezember, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Das Monatstreffen der Rintelner Gruppe im Dezember wird als „Adventliche Feierstunde“ stattfinden. Angehörige und Freunde sowie interessierte Gäste aus Nah und Fern sind ebenfalls herzlich willkommen. Um Anmeldung wird gebeten.

– Vorankündigung –

Im Januar ist für die Mitglieder am Donnerstag, den 14., um 15 Uhr, die Jahreshauptversammlung vorgesehen. Da Vorstandswahlen nicht anstehen, wird es neben dem Rechenschaftsbericht und weiteren Regularien hauptsächlich auch um Planungen für 2016 gehen. Auskünfte und Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit in Rinteln gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat unter Telefon (05751) 5386 oder über: rebuschat@web.de

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bad Godesberg – Der Stammtisch findet jeweils am dritten Mittwoch des Monats im Erkerzimmer der Stadthalle statt. – Die Frauengruppe trifft sich jeweils am ersten Mittwoch eines jeden Monats um 15 Uhr im Erkerzimmer.

Bielefeld – Donnerstag, 10. Dezember, 15 Uhr, Kreisvereinigung: Weihnachtsfeier des Literaturkreises und vom Plattdeutschen Gesprächskreis.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr, Eichendorff-Saal, Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Chorprobe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft „Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland“ unter Leitung von Radostina Hristova.  –  Sonntag, 6. Dezember, 10 Uhr, GHH: Weihnachtsmarkt der Landsmannschaften. Dienstag, 8. Dezember, 19 Uhr, Konferenzraum, GHH: Vorweihnachtliche Lesung mit Hajo Buch. – Mittwoch, 9. Dezember, 15 Uhr, Eichendorff-Saal, GHH: Filmvorführung von „Schloss Lekow – Renaissance eines Gutes in Pommern“. – Donnerstag, 10. Dezember, 19.30 Uhr, Raum 412, GHH: Offenes Singen mit Barbara Schoch. – Freitag, 11. Dezember, 18 Uhr, Restaurant Lauren’s, Bismarckstraße 62: Stammtisch. Sonnabend, 12. Dezember, 18.30 Uhr, Herz-Jesu-Kirche, Roßstraße, Derendorf: Gottesdienst mit der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland. – Sonntag, 13. Dezember, 13 Uhr: Busbahnhof Worringer Straße: Abfahrt zur ostdeutschen Weihnacht auf Schloss Burg. – Sonnabend, 19. Dezember, 15 Uhr, Eichendorff-Saal, GHH: Weihnachtsfeier der Ostpreußen.

Ennepetal – Sonntag, 13. Dezember, 15 Uhr, Restaurant Rosine: Weihnachtsfeier der Landsmannschaft Ostpreußen. – Donnerstag, 17. Dezember, 16 Uhr, Heimatstube, Kirchstraße 52: Monatsversammlung im weihnachtlichen Rahmen.

Essen – Freitag, 11. Dezember, 15 Uhr, Gastronomie St. Elisabeth, Dollendorfstraße 51, 45144 Essen: Advents- und Weihnachtsfeier.

Gütersloh – Sonnabend, 5. Dezember, 15 bis 22 Uhr, Spexarder Weihnachtsmarkt: Am Stand der Landsmannschaft Ostpreußen können verschiedene selbstgemachte Spezialitäten aus Ostpreußen probiert werden: Grütz-wurst (Graupenspeise), Bigos (Sauerkrauteintopf), Barschtsch (Rote-Beete-Süppchen), Bärenfang (Honigschnaps) und Schmalz. Nähere Informationen unter Telefon (05241) 29211.

Lippe – Mittwoch, 9. Dezember, 15 Uhr, Kleiner Festsaal, Stadthalle Detmold: Adventsveranstaltung  mit Gedanken zum Advent vom Pfarrer im Ruhestand Gerhard Mörchel, mit weihnachtlichen Geschichten von Christel Schrei, Dietlind Silz und Elvira Schreiber. Edeltraut und Hans-Dieter Schlingmann werden musizieren.

Wesel – Sonntag, 13. Dezember, 15 Uhr, Heimatstube, Kaiserring 4: Weihnachtsfeier. Kaffee und Kuchen werden für ein gemütliches Beisammensein bereitstehen. Das Programm soll allen Gästen besinnliche Stunden zur Vorweihnachtszeit bereiten. Anmeldungen bitte bei Paul Sobotta, Telefon (0281) 45657.

Witten – Montag, 21. Dezember, 14.30 Uhr, Versammlungsraum, Evangelisch-Lutherische Kreisgemeinde Witten, Lutherstraße 6–10: „Weihnachtsfeier im Wandel der Zeit“.

Wuppertal – Sonntag, 13. Dezember, 14 Uhr, Alte Feuerwache (Eingang große Wagenhalle). Gathe 6, Wuppertal-Elberfeld: Adventsfeier. Die Feier wird gestaltet von den Chorfreunden Wuppertal mit ihrer Dirigentin Marharyta, der Tanzgruppe Ursula Knocks, dem Mundharmonika-Duo Ulla Busch und Waltraut Bombe, Ritas Rasselbande sowie einem Duo Klavier und Geige. Für Kaffee und Kuchen ist gesorgt. Gäste sind herzlich willkommen.

Der Veranstaltungsort ist mit den Linien 607, 620, 625, 635 und 645 zu erreichen. Die Haltestelle heißt Ludwigstraße.

 

SACHSEN

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

Limbach–Oberfrohna – Sonnabend, 12. Dezember, 14 Uhr, Eschemuseum: Weihnachtsfeier. Dazu lädt die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen alle Landsleute und Gäste auf das Herzlichste ein. Der Weihnachtsmann bereitet für alle eine kleine Überraschung vor. Alte Sitten und Bräuche zur Weihnachtszeit in Ostpreußen werden an die Kindheit erinnern. Die Kinder der Gerhart-Hauptmann-Oberschule werden die Teilnehmer mit ihren Beiträgen erfreuen. Für musikalische Unterstützung sorgt Herr Weihe. Ein weiterer Programmpunkt: Es werden wichtige Informationen für das neue Jahr bekannt gegeben.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle,  Telefon privat (0345) 2080680.

Dessau – Montag, 14. Dezember. 14 Uhr, Krötenhof; Weih-nachtsfeier.

Gardelegen – Mittwoch, 16. Dezember, 12 Uhr, Waldgaststätte Lindenthal: Weihnachtsfeier, Magdeburg – Freitag, 11. Dezember, 15 Uhr, TuS Fortschritt, Zielitzer Straße: Treffen des Singkreises. – Sonntag, 13. Dezember, 14 Uhr, Sportgaststätte Post, Spielhagenstraße: Gemeinsames Treffen unter dem Motto „Weih-nachten in der Heimat und jetzt“. – Dienstag, 15. Dezember, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Bad Oldesloe – Nach Begrüßung der November-Runde der Ost- und Westpreußen ging die Vorsitzende auf die Gedenktage des Monats ein: Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und den Ewigkeitssonntag. Dabei sollte der Reformationstag der protestantischen Kirche nicht vergessen werden. Sie schilderte auch wie sich „Halloween-Bräuche rund um diesen Tag verbreitet haben. Dann reichte sie die Einladung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge zur Gedenkfeier am 15. November herum.

Katharina Makarowski hatte etwas über ostpreußische Spezialitäten mitgebracht. Es ging um Königsberger Fleck, Königsberger Klopse, Klunkermus und Keilchen, um Streuselkuchen, Butter-fladen, Gründonnerstagskringeln und Raderkuchen, die in Schweineschmalz ausgebacken und mit Puderzucker bestreut wurden.

Die Rezepte waren von Dorf zu Dorf und von Haus zu Haus verschieden. Anlass für viele, sich an ihre Kinder- und Jugendzeit zu erinnern und von eigenen kulinarischen Erlebnissen zu berichten, zum Beispiel über die kleinen Lokale in Königsberg, in denen „Fleck“ angeboten wurde. Dazu gab es ein Bier und einen Klaren (einen Kornus).

Gesprochen wurde auch wieder über die eigene Flucht und das Ankommen im Westen Deutschlands. Geburtstagskinder des Monats waren Katharina Makarowski und Elfriede Storjohann, denen mit der Gratulation auch für die Ausgestaltung unserer Zusammenkünfte gedankt wurde.

                Gisela Brauer

Burg auf Fehmarn – Dienstag,

8. Dezember, 15 Uhr, Haus im Stadtpark: Ostdeutsche Adventsfeier. Pastor Bertholt Kark-Carlson wird besinnliche Worte zum bevorstehenden Weihnachtsfest sprechen. Für die musikalische Umrahmung sorgt Kathrin Kark aus Landkirchen mit ihrer Flötengruppe. Eine festlich geschmückte Kaffeetafel, weihnachtliche Geschichten sowie Lieder, begleitet von Brigitte Asbahr und Ina Naujok auf dem Akkordeon, werden außerdem die Mitglieder und Gäste unterhalten.

– Bericht –

Das traditionelle Königsberger-Klopse-Essen der Landsmannschaft Ost- Westpreußen und Danzig war auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg. Vor 30 Jahren wurde es von Ilse Meiske ins Leben gerufen, davon fand es 27 Mal im Hotel Wisser statt. 70 Mitglieder und Gäste waren erschienen, um ein paar schöne Stunden im Kreise der Gruppe zu verbringen. Als Gäste begrüßte der Vorsitzende Jochen Gawehns unter anderem den 1. stellvertretenden Bürgermeister Werner Ehlers, den Landesvorsitzenden und Kulturreferenten der LO Edmund Ferner, den Vorsitzenden der Pommern und Schlesier Manfred Harländer und den Vorsitzenden des Heimat- und Museumsvereins Uwe Erich. Zur Unterhaltung des Abends spielte Burkhard Donath auf dem Keyboard. Dafür, dass er bereits seit zehn Jahren dabei ist, erhielt er ein Präsent vom Vorsitzenden.

Zur Erheiterung der Gäste trug eine Abordnung der Großenbroder Theatergruppe bei, die einen Sketch zum Besten gaben. Diese Art der Veranstaltungen zeigt doch immer wieder, wie wichtig die Beibehaltung von Tradition und Lebensgewohnheiten sind. Schon Immanuel Kant aus Königsberg hatte dieses 1798 erkannt, indem er eine preußische Tafelrunde ins Leben rief, die vielfach heute noch in Vereinen praktiziert wird. – Mit dem Fehmarn- und Ostpreußenlied endete dieser so stimmungsvolle Abend.

                Brigitte Christensen

Flensburg – Mittwoch, 9. Dezember, 15 Uhr, Gemeinschaftsraum AWO-Servicehaus, Mathildenstraße 22, 24937 Flensburg: Adventsfeier mit Kaffee und Kuchen, Liedern, ernsten und heiteren Geschichten und Gedichten zum Advent aus Ostpreußen. Eigene Vorträge bitte mitbringen. Anmeldungen bei Winfried Brandes Telefon (0461) 74816.

Malente – Sonntag, 6. Dezember, 15 Uhr, Lenter Kate, Bahnhofstraße 13A: Besinnliche Feierstunde bei Kaffee und Kuchen zum Abschluss der Jahresarbeit. Jeder kann mit Beiträgen auf die Weih-nachtszeit einstimmen. Angehörige sind herzlich eingeladen. Für Mitglieder liegt der Kostenbeitrag bei drei Euro. Anmeldungen bis Montag, den 30. November, im Blumenhaus Franck, Bahnhofstraße 26. Telefonische Anmeldungen unter (04523) 2659 nur in dringenden Fällen. Allen Mitgliedern, die aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen können, wünscht der Vorstand eine friedliche Weihnachtszeit und ein gesundes neue Jahr.

Neumünster – Sonnabend, 5. Dezember, 15 Uhr, Stadthalle/Galerie – am Kleinflecken: Vorweih-nachtsfeier. Im festlichen Rahmen werden wir zwölf Mitglieder ehren und für ihre langjährige Mitgliedschaft danken. Wir wollen besinnliche und gemütliche Stunden verbringen und laden dazu Gäste auch herzlich ein. Anmeldungen bitte bis zum 29. November unter Telefon (04321) 82314.

Pinneberg – Sonntag, 13. Dezember, 15 Uhr: Adventsfeier mit Liedern und Gedichten. Gäste sind herzlich willkommen. Wegen der Kaffeetafel bitte vier Tage vorher anmelden. Telefon (04101) 62667 oder (04101) 73473.


Beim Benefizkonzert
Landesgruppe Brandenburg übergibt Einladung an Botschafter

Zukunft braucht Vergangenheit“– unter diesem Motto wird das 8. Deutsch-Russische Forum der Ostpreußischen Landsmannschaft im Herbst 2016 in Berlin stattfinden. Monika Schulz-Fieguth, Beisitzerin der LO Landesgruppe Brandenburg, übergab die Einladung jetzt an Wladimir M. Grinin, den russischen Botschafter in Deutschland. Anlass war ein Benefizkonzert in der Russischen Botschaft in Berlin: Mit Musik von Glinka, Tschaikowski und anderen russischen Komponisten gestalteten die Kammersänger Jochen Kowalski, das Vogler Quartett und der Pianist Uwe Hilprecht einen Abend für rund 500 Unterstützer des Wiederaufbaues der Garnisonkirche in Potsdam. Unter den Gästen war unter anderem Prinz Georg Friedrich von Preußen. Eingeladen hatten der russische Botschafter Wladimir M. Grinin und die Stiftung Garnisonkirche zusammen mit den ehemaligen Ministerpräsidenten Brandenburgs, Manfred Stolpe und Mathias Platzek.

 Dieser Abend war zudem eine gute Gelegenheit, dem Russischen Botschafter den von der PRUSSIA-Gesellschaft herausgegebenen Bildband über die Kurische Nehrung mit dem Titel „Melancholie einer Landschaft“ von der Mitautorin Monika Schulz-Fieguth zu übergeben (siehe PAZ Nr. 23, Seite 20).


Deutscher Orden
Jörg Arnold hält Vortrag in Lüneburg

Vor 40 Jahren wurde die Stiftung Nordostdeutsches Kulturwerk in Lüneburg gegründet. Mit einer öffentlichen Vortragsveranstaltung im Stadtarchiv soll dieses Jubiläum nun gewürdigt werden. Über „Die Bedeutung des Deutschen Ordens für die Entwicklung des Ostseeraumes“ wird der Bonner Historiker Udo Arnold am Donnerstag, den 10. Dezember, im Lüneburger Stadtarchiv sprechen.

Arnold, 1940 in Nordböhmen geboren, ist Präsident der Internationalen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens. Er war viele Jahre Vorsitzender der Historisch-landeskundlichen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung.

Der Vortrag im Stadtarchiv, Wallstraße 4, beginnt um 17 Uhr. Weitere Informationen unter Telefon (0251) 1623111.


Nach 57 Jahren
Die letzte Adventsfreizeit im Ostheim

Nun heißt es Abschied nehmen. Die endgültig letzte Seniorenfreizeit im Ostheim in Bad Pyrmont, die Abschieds-Adventsfreizeit vom 7. bis 14. Dezember, wirft ihre Schatten voraus. In adventlicher Stimmung wird sich die Belegschaft des Ostheims von ihren jahrzehntelang treuen Freizeitgästen in gewohnt umsorgender Weise verabschieden. Nach über 57 Jahren wird ab 1. Januar 2016 auch dieses „Stück Ostpreußen“, wie die Gäste des Hauses oft zu sagen pflegten, fehlen.

Gemeinsam wollen wir in der Adventsfreizeit ein Stück auf die Weihnachtszeit zugehen. Die Angebote reichen vom morgendlichen Singen, der Seniorengymnastik, Dia- und Videoabenden, Lesungen aus Werken ostpreußischer Dichter, Spaziergängen, Museumsbesuchen, bis zur heimatlichen Speisekarte am Mittag und Abend. Bei den täglichen Kurkonzerten finden Sie angenehme Entspannung und Unterhaltung. In der Hufeland-Therme können Sie die Meersalzgrotte genießen, in verschiedenen Saunen schwitzen oder das Wasser in unterschiedlichen Formen auf den Körper wirken lassen. Bad Pyrmont selbst lädt mit seinen Sehenswürdigkeiten, Einkaufsmöglichkeiten, Cafés, Kulturangeboten und dem Weih-nachtsmarkt zum Bummeln und genießen ein. So gastiert am 10. Dezember der Don-Kosaken Chor im Konzerthaus, und vom 11. bis 13. Dezember findet wieder das Zar-Peter-Weihnachtswochen-ende, mit einem großen Festumzug vieler gekrönter Häupter der damaligen Zeit, statt. Am letzten Abend stimmen wir uns mit einem „Adventsabend“ auf das kommende Weihnachtsfest ein und werden Abschied nehmen.

Für diese siebentägige Adventsfreizeit stehen noch Einzelzimmer zum Preis von 345 Euro und Doppelzimmer zum Preis von 300 Euro pro Person zur Verfügung. Die Inklusivpreise beinhalten Vollpension und die Gästebetreuung. Die Kurtaxe wird vom Staatsbad Bad Pyrmont separat erhoben. Anfragen und Anmeldungen, diese bitte nur schriftlich, richten Sie an:

Ostheim – Jugendbildungs- und Tagungsstätte, Parkstraße 14, 31812 Bad Pyrmont, Telefon: (05281) 9361-0, Fax: (05281) 936111, E-Mail: info@ostheim-pyrmont.de


»Wer beschützt und erhält ...«
Die Lötzener Heimatsammlung feierte ihr 60-jähriges Jubiläum

Es sollte nicht unbeachtet vorübergehen – das Jubiläum „60 Jahre Lötzener Heimatsammlung in der Patenstadt Neumünster“. Welche ostpreußische Heimatstube in Deutschland kann  schon auf so vielfältige Aktivitäten und kulturelle Angebote in ihren Räumen verweisen wie die der Lötzener heute?

Vorab wurde die Lokalpresse informiert, um in ihrer Berichterstattung den Lesern der Regionalzeitungen in Schleswig-Holstein die jahrzehntelange Existenz des Lötzener Kreisarchivs bewusst zu machen. Der eigentliche Jubiläumstag am Sonnabend, dem 17. Oktober, wurde dann zweigeteilt begangen. Zuerst trafen sich 32 Gäste im „Restaurant am Kantplatz“. Mit großer Dankbarkeit hatten die Verantwortlichen in der Betreuung von Kreisarchiv und Heimatsammlung im Namen der Kreisgemeinschaft Lötzen diesen Kreis von Menschen eingeladen zu einem ostpreußischen Mittagessen.

Der Vortrag über Geschichte und Gegenwart der Lötzener Heimatsammlung, gehalten von Ute Eichler, war dann öffentlich. Die 45 Sitzgelegenheiten reichten gerade aus. Exakt in der Zeitspanne einer Schulstunde handelte die seit acht Jahren verantwortliche Betreuerin von Kreisarchiv und Heimatsammlung die wichtigsten Stationen in der Geschichte dieser Einrichtung ab.

Sie erinnerte an Curt Diesing (1893–1969), den ersten Geschäftsführer der Kreisgemeinschaft, Vater der späteren langjährigen Geschäftsführerin Nora Kawlath. Er begann 1954/55 Archivalien und Erinnerungsstücke in seiner Privatwohnung in der Königsberger Straße in Neumünster zu sammeln.

Sie würdigte die Tätigkeit von Kurt Gerber (1909–1992), der ab 1970 die sechs kleinen Heimatstuben und das Lötzener Archiv unter dem Dach des Volkshauses Tungendorf betreute. Ihm sind Ideen und Weichenstellungen zu verdanken, die sich bis heute auswirken. Unvergessen der Brand am 17. Februar 1978 im Mitteltrakt des Volkshauses, durch den die damals bewahrte Sammlung eingelagert werden mußte.

Ein Jahr später konnte ein Provisorium bezogen werden; noch einmal aber musste wegen Abbruch des Hauses der Sammlungsbestand eingelagert werden. Ab 1982 konnten Archiv und Heimatsammlung Räumlichkeiten des Caspar-von-Saldern-Hauses beziehen. Drei Männer (Erich Böhm, Erwin Horn, Paul Trinker) teilten sich die Aufgabenbereiche, die zuvor mehr als ein Dutzend Jahre Kurt Gerber allein innehatte. Anschaffungen wie Modelle vom „Lötzener Schloss“ oder von der Burg Rhein wurden möglich, die heute noch im Sammlungsbestand zu bewundern sind. Publikationen wie der Bildband „Stadt und Kreis Lötzen“ (1990) und „Schöne Heimat rund um Lötzen“ (1994) entstanden, thematische Ausstellungen wurden alle zwei Jahre anlässlich der Kreistreffen gezeigt.

Unter Paul Trinkers Leitung mussten 1999 Archiv und Sammlungsbestand in die Schleswiger Straße umziehen. Die ehemalige Stadtteilbücherei Faldera bot 120 Quadratmeter Fläche mit einer Empore im Raum. Doch 2005 erfolgte der nächste Umzug. Die neue Adresse lautete Brachenfelder Straße 23, unweit vom Rathaus. In einem alten Schulgebäude standen fast 200 Quadratmeter zur Verfügung, sechs Räume im zweiten Stock, 51 Treppenstufen führten hinauf.

2007, nach 25 Jahren, legte Paul Trinker die Verantwortung in jüngere Hände. Monatlich (von März bis einschließlich November) wird seitdem ein Öffnungstag angeboten, in der Regel in Kombination mit einer Veranstaltung (jeweils der dritte Sonnabend im Monat). Dazu gibt es mindestens zwei Sonderausstellungen pro Jahr. Nach Absprache sind Archivbesuche fast jederzeit möglich. So wurden in den zurückliegenden acht Jahren 65 Veranstaltungen durchgeführt und ein Dutzend Sonderausstellungen gezeigt. Die Zahl der Besucher pro Jahr hat sich kontinuierlich erhöht. Ohne getreue Helfer und Zuarbeiter im Hintergrund wäre dies kaum zu leisten.

Bereichernd hat sich ebenfalls die gute Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg oder dem Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen ausgewirkt. So entstand 2012 die Tafelausstellung „Lötzen – die Perle Masurens. Eine illustrierte Stadtgeschichte“.

Leider hat die Kreisgemeinschaft seit 2013 monatlich nicht unerhebliche Kosten für die Existenz von Kreisarchiv und Museum aufzubringen. Die Patenstadt hat sich aus der Jahrzehnte praktizierten materiellen Unterstützung weitestgehend zurückgezogen.

Ob der in 2013 erfolgte Umzug in das Gebäude Sudetenlandstraße 18H der letzte in der Geschichte der Heimatsammlung war? Es bleibt zu hoffen. Kreisarchiv und Heimatsammlung befinden sich heute in dem Stadtteil Neumünsters, in dem vor sechs Jahrzehnten alles begonnen hat. Gleicher Ort, ganz unterschiedliche Gegebenheiten: Heute verfügt man über ein Archiv, das vielen nützt, eine Heimatsammlung, die manches bietet und eine Einrichtung, die darauf wartet, von etlichen Menschen erst noch entdeckt zu werden.

Die Vortragende endete mit dem Goethe-Zitat: „Manches Herrliche der Welt ist in Krieg und Streit zerronnen. Wer beschützet und erhält, hat das schönste Los gewonnen.“ 

                Ute Eichler

Im Lötzener Heimatbrief Nummer 118 wird eine Vorschau auf Planungen des ersten Halbjahres 2016 zu lesen sein. Weitere Informationen: Heimatmuseum der Kreisgemeinschaft Lötzen, Sudetenlandstraße 18 H (Böcklersiedlung). Der Besuch ist fast zu jeder Zeit nach Vorabsprache mit Ute oder Dieter Eichler, Telefon (040) 6083003 möglich. Von März bis einschließlich November findet stets an einem Sonnabend des Monats „Der besondere Tag“ statt, mit der Öffnungszeit von 10 bis 15.30 Uhr. Veranstaltungen beginnen – wenn nicht anders angegeben – um 15.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.


S. 21 Lebensstil

Modeschöpfer der Christbäume
Die Adventszeit ist Hochsaison bei Johann Wanner − Keiner kreiert originelleren Weihnachtsschmuck als der Basler Unternehmer

Johann Wanner ist der weltgrößte Hersteller von handgefertigtem Weihnachtsschmuck. Zu seinen Kunden gehören die Windsors, der Vatikan und das Weiße Haus. Momentan ist wieder Hochsaison in seinem Geschäft in der Basler Altstadt.

Was Davidoff für Zigarren und Tiffany für Juwelen, ist Johann Wanner für Weihnachtsschmuck: Der 76-jährige Basler entwirft und verkauft den schönsten Zierrat. In der Schweiz gilt er als „Meister der Effekte und Novitäten“, als „Chanel de la boule“, als Modeschöpfer für Bäume. In Frankreich wird er hofiert, für die „New York Times“ ist er „Father Christmas“ und in der Dekobranche gilt er als weltweit wichtigster Trendsetter im „Marktsegment mundgeblasener Weihnachtsschmuck“. In verschiedenen Glasbläsereien werden die Stücke nach seinen Vorgaben hergestellt. Sei es nach alten nostalgischen Blasformen oder nach einem neuen Design von ihm persönlich.

Alle Jahre wieder pilgern Weihnachtssüchtige nach Basel, wandern vom Rathausplatz hoch zum Spalenberg, wo sich in der schmalbrüstigen Nummer 14 „Wanners Weihnachtshaus“ verbirgt. Die Keimzelle des Firmen­imperiums wirkt bescheiden. Doch öffnet sich die Ladentür − im Dezember nimmt ein livrierter Portier Mäntel und Taschen ab –, dann wähnt sich der Besucher in Ali Babas Zauberhöhle. Draußen ist es nass und kalt, drinnen glitzert und glänzt es von Wand zu Wand. Überall stapeln sich kleine weiße Schachteln, voll mit Christbaumkugeln, Zapfen, Herzen, Monden und Sternen. Die Schalen und Etageren sind übervoll mit Girlanden, Schleifen, Seidenbändern und Engeln in den aberwitzigsten Formen und Farben.

Hier Kugeln im Stars & Stripes-Dekor, dort Orchester mit winzigen Geigen. Es gibt Menagerien von Fabelwesen, ganze Schalen voll winziger Erdbeeren aus mundgeblasenem Glas, in einer Abteilung sind Muscheln, Seepferde, Seesterne und die schillerndsten Fische zu finden, ne­benan sitzen Engel auf zuckrigen Wolken, bewacht von kunterbunten Vögeln mit Seidenschwänzen. Fast 100 verschiedene Arten hat Wanner im Sortiment.

In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Am immergrünen Tannenbaum hängen daumengroße Eulen und Enten, Pantöffelchen und Paillettenkissen, da guckt ein vorwitziges Krokodil, dort eine kleine Ballerina und ein „Negerli-Engel“ hervor. Kugeln in 980 Farben hat Johann Wanner im Sortiment. Die Formen kann keiner mehr zählen. Kitsch ist für das Basler Unikum kein Schimpfwort. Wenn einer gern Geige spielt, soll er sich Geigen an den Christbaum hängen, mag jemand Würstchen, hängen halt die am Baum. „Ich hänge in jeden Baum ein Teufelsgesicht“, sagt Wanner. Trotz all dem Schönen und Guten zur Weihnachtszeit solle man das Böse nie vergessen. Er sehe dem Bösen lieber in die Augen, als dass es ihn von hinten anspringe. Nur Krippenfiguren sind in seiner Weihnachtswelt nicht zu finden. Das Christkind will der „gottgläubige Christ“ nicht als Dekorationsartikel benutzen.

Natürlich hat sich längst herumgesprochen, dass Wanner den fürstlichen Grimaldis in Monaco die Weihnachtskugeln liefert und den großen Weihnachtsbaum im Weißen Haus gestaltet. Zu seinen Stammkunden gehören die Windsors und die Hohenzollern, Michael Jackson liebte den Glitter und Tand aus Basel. Für den Heiligen Vater, erzählt Wanner, schmückte er einst den größten Baum: 25 Meter hoch, 753 Kugeln, die größte hatte einen Durchmesser von 60 Zentimetern. Und den schönsten? Wanner gibt sich diplomatisch: „Das ist wie bei den eigenen Kindern. Jedes ist schön.“

Als Wanner in die Weihnachtsbranche einstieg, war der skandinavische Stil en vogue: Bienenwachskerzen, Transparentkugeln, Strohsterne, rote Äpfelchen. Den handgemachten Weih­nachtsschmuck aus seiner Kindheit gab es nicht mehr. Bis ein Bankdirektor, der aus dem thüringischen Lauscha stammte, mit einem Karton voll altem Glasschmuck im Antiquitätenladen der Wanners auftauchte. Die Kugeln waren sofort weg, und in Wanner war die Leidenschaft entfacht.

Er machte sich in Thüringen, im Böhmerwald und in Polen auf die Suche nach Menschen, die noch die Handwerkskunst des Glasblasens beherrschten, kaufte alte Bestände von Glaskugeln sowie Gussformen auf und ließ das Material in die DDR zur Endverarbeitung bringen. Mit einem Auftrag von einer halben Million Kugeln verhalf er der dort am Boden liegenden Branche zu einer Renaissance.

Damit der mundgeblasene Schmuck überhaupt aus der DDR ausgeführt werden durfte, wurde er als Kulturgut deklariert. Nach der „Wende“ konnte Wanner sogar einen richtigen Schatz heben: Die russische Handelsgesellschaft, über die die Geschäfte mit der DDR abgewickelt worden waren, wollte ihr Archiv mit den schönsten Weihnachtskugeln aus fast 50 Jahren wegwerfen. Für einen Schleuderpreis kaufte Wanner alles auf, orderte zwei Güterwagen und schickte die Schätze ans Rheinknie.

Die Preise für einen von Wanner fürstlich aufgeputzten Christbaum können schnell die Höhe von 4000 bis 5000 Franken erreichen. Wer sich aber mit ganz Solitärem und sogar limitierten Editionen ausstattet, kann für einen einzigen extravaganten Baum auch gut und gern den Preis eines Mittelklassewagens ausgeben. Aber eines gilt bei Wanner als goldene Regel: „Es muss immer möglich sein, dass bei mir auch ein Kind sich etwas von seinem Taschengeld kaufen kann.“

Wanner mag ein knallharter Unternehmer sein. Aber er ist auch Romantiker, der vom Weih­nachten seiner Kindheit schwärmt und behauptet, er könne sich jederzeit in Weih­nachtsstimmung versetzen. Deshalb stehen in seinen Wohnungen über den Dächern der Basler Altstadt das ganze Jahr über Christbäume. Sein Geheimnis? „Ich mache nur das, was ich will. Und ich stehe hinter dem, was ich mache“, sagt „Weihnachtsmann“ Wanner. „Ich habe immer noch eine Freude daran.“           Andreas Guballa

Johann Wanner Weihnachtshaus, Spalenberg 14, CH-4051 Basel, Telefon (0041) 612614826, Internet: www.johannwanner.ch sowie: www.basel.com


Ab in die Post
Die Weihnachtspostfiliale von Himmelpfort hat ihre Pforten geöffnet

Auf der Fahrt durch den dunklen Wald im Norden Brandenburgs erreicht man ein kleines Dorf namens Himmelpfort. Schon am Dorfeingang fällt eine bunt geschmückte Tanne auf. Lichtersterne hängen an den Straßenlampen. Schnell ist die kleine Post erreicht. Bunte Tannenbäume säumen den Eingang, und viele Kinder mit roten Wangen halten ihre Wunschzettel in den Händen. Wie jedes Jahr erwartete man hier ab Anfang November den Weih­nachtsmann, damit er die Weihnachtspostfiliale be­zieht. Weil es recht warm war, brauchte er keinen Schlitten, sondern kam im Elektroauto, dem „Street Scooter“, vorgefahren.

27 Kinder der Fürstenberger Drei Seen Grundschule freuten sich in der Vor-Adventszeit auf ihn.

Um die Zeit zu verkürzen, sangen sie alle Weihnachtslieder, die sie mit ihrer Lehrerin eingeübt hatten. So tönte ein fröhliches „Lasst uns froh und munter sein“ durch den nieseligen Herbstmorgen. Schon bald kam auf leisen Reifen der Weihnachtsmann herbei. Man konnte ihn von weit her an seiner Glocke hören. Prächtig war er anzuschauen in seinem roten Mantel und mit weißem Rauschebart. Natürlich hatte er auch einen großen Sack dabei mit Geschenken für alle. Bis heute sind bereits 23255 Briefe in der Weihnachtspost eingetroffen. Kinder aus aller Welt senden ihre Weihnachtswünsche nach Himmelpfort. Neben Deutsch werden die Briefe auch in 17 Fremdsprachen beantwortet.

Vor 31 Jahren schrieben zwei Kinder aus Sachsen und Berlin einen Wunschzettel und schickten ihn an den Weihnachtsmann in Himmelpfort. Die Briefe wurden von netten Postmitarbeiterinnen beantwortet. Nach 1990 kamen in der Weihnachtszeit 1000 bis 2000 Briefe täglich hier an. Das konnten die netten Postmitarbeiterinnen nicht mehr bewältigen. So stellte die Deutsche Post 1995 erstmals zwei Weihnachtsmannhelfer ein. Heute wird der Weih­nachtsmann von 20 Engeln unterstützt, die jeden Brief handschriftlich beantworten.

Im letzten Jahr gab es einen Rekord: 312000 Briefe erreichten das kleine Postamt in Himmelpfort. Davon ka­men 38000 Briefe aus dem Ausland, sogar aus Japan. Denn auch dort hat es sich herumgesprochen, dass man seinen Wunschzettel hierher an den Weihnachtsmann senden kann. Rund 30200 Gäste überreichten dabei ihren Wunschzettel dem Weih­nachtsmann auch persönlich. Denn der sitzt nun bis zum Heiligen Abend in der Post in Himmelpfort und empfängt seine Gäste von Dienstag bis Sonntag.

Wer bis zum dritten Advent „An den Weih­nachtsmann“, Weihnachts­postfiliale, 16798 Himmelpfort schreibt, be­kommt garantiert eine Antwort. Bitte Absender nicht vergessen. Die drei schönsten Wunschzettel werden in diesem Jahr ausgezeichnet.       Silvia Friedrich


Aussterbende Spezies
Mädchen wünschen sich zum Fest lieber Kuscheltiere als Puppen

Sozialwissenschaftler und Pädagogen haben ein Phänomen ausgemacht, das sich immer deutlicher darstellt: die puppenlose Kindheit. Nach übereinstimmenden Beobachtungen ist die Puppe als Spielzeug in ihrer klassischen Ausprägung eine aussterbende Spezies, sieht man einmal von der Barbie-Puppe ab. Dafür sprechen auch Umfrageergebnisse.

Dafür hat das Kuscheltier enorm an Bedeutung gewonnen. Die Kinderzimmer und Auslagen in den Kaufhäusern quellen über von Kuscheltieren aller denkbaren Variationen. Diese sehen aber nicht mehr tierisch aus, sondern ähneln Babys mit ihrem Kindchenschema-Gesicht. Plüschtiere vermitteln Geborgenheit durch Ankuscheln, verringern Ängste. Im Säug­lingsalter bieten sie zu gegebener Zeit Ersatz für die Nähe zur Mutter. Kommen später keine Puppen hinzu, bleiben Kuscheltiere oft die wichtigsten Spielfiguren des Kindes. Fachleute finden das besorgniserregend.

Auch die Mannheimer Kinder- und Familientherapeutin Gabriele Pohl betont, dass die Puppe das wichtigste Spielzeug für Mädchen und Jungen sei, wenn auch Jungen dazu neigen, sich im frühen Kindesalter von der Puppe als Mädchenspielzeug abzugrenzen. Pohl gründete 2001 in Mannheim das Kaspar Hauser Institut für heilende Pädagogik, Kunst und Psychotherapie. Die Puppe sei ein Spiegelbild des Kindes, erläuterte sie in einem Interview. Sie durchlebt und erleidet alles, was das Kind beschäftigt. Beim Spiel mit Puppen erproben Kinder Verhaltensmuster auf eine Art und Weise, wie es mit Stofftieren kaum möglich sei und im Hinblick auf psychische Reifungsprozesse auch weniger förderlich. Leider hätten viele Eltern heute aber andere Vorstellungen. Ge­mäß ihrer eigenen Vorlieben versorgen sie ihre Kinder eher mit Kuscheltieren. Denn auch viele Erwachsene besitzen Stoff- und Plüschtiere, zum Beispiel in Miniaturformat als Schlüsselanhänger, als Glücksbringer, Maskottchen oder Sammlungsobjekte.

Puppen sind ein jahrtausendealtes Kulturgut. Sie wurden für unterschiedliche Zwecke hergestellt, vom religiösen Bildnis bis hin zum Spielzeug. Stofftiere dagegen sind gerade einmal gut 100 Jahre alt. Ihr Siegeszug be­gann in den 1950er Jahren. Die Siegener Psychologie-Professorin Insa Fooken stellt in ihrem Buch „Puppen – heimliche Menschenflüsterer“ die These auf, dass das Kuscheltier für eine verstärkte Orientierung am Lustprinzip stehe und damit für eine verstärkte Neigung zu Weinerlichkeit, Trotzverhalten und Fresslust. Demgegenüber würden Puppen als Träger gesellschaftlicher Normen und Werte fungieren. Weshalb wohl auch nicht mit einer baldigen Umkehr dieses Trends zu rechnen ist.

Parallel dazu schwindet in der Welt der Erwachsenen das Interesse am Sammeln antiker Puppen. Diese Sammlungen haben massiv an Wert verloren. In den zahlreichen Puppen- und Spielzeugmuseen und dazugehörigen Magazinen finden die einst so begehrten Puppen dafür einen Rück­zugsort.   Dagmar Jestrzemski


S. 22 Neue Bücher

Die EU am Abgrund
Finanzwirtschaft

„Wehrt Euch, Bürger“, fordert Markus C. Kerber, Professor für öffentliche Finanzwirtschaft und Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität Berlin, in seinem gleichnamigen kritischen Buch über das Treiben der Europäischen Zentralbank. Das lässt sich allerdings leichter empfehlen, als in die Tat umsetzen, mögen die Fakten auch eindeutig dafür sprechen. Unsere Art repräsentativer Demokratie erschöpft sich in der Abgabe von Wahlstimmen und sieht  Volksabstimmungen praktisch nicht vor. Für uns entscheiden nach der Wahl nur noch die Abgeordneten, die wiederum in Parteien eingebunden und auch nicht ganz frei in ihren Entscheidungen sind.

Dennoch hat es dieses Buch in sich, ist doch der Autor nicht nur ein ausgewiesener Experte für Finanzwirtschaft, sondern auch Verfahrensbevollmächtigter in der Verfassungsbeschwerde gegen die Bankenunion vor dem Bundesverfassungsgericht. Der Leser muss sich auf einen Text einstellen, der nicht leicht zu lesen ist. Man muss sich durch das Büchlein durcharbeiten, um es voll genießen und die Tragweite ermessen zu können.

Das Buch ist in fünf Kapitel eingeteilt. Das erste heißt „Der Aprilscherz“, das letzte stellt die Frage „Schafft die EZB die Marktwirtschaft ab?“ Es endet mit dem Epilog: „Ohnmächtig in Richtung Kollaps oder offensiv für die Abwicklung der EZB?“ Zur Erinnerung: Vor 20 Jahren hatten in Maastricht die Staatschefs der EU-Staaten eine Vision. Sie wollten eine Währungsunion souveräner Staaten schaffen und zwar mit klaren Regeln: Koordinierte, aber selbstständige Wirtschaftspolitik und keine kollektive Haftung! Doch genau dies ist nicht eingetroffen, so dass der deutsche Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe Gunnar Heinsohn in seinem Vorwort schreibt: „Gewiss ahnungslos, aber doch mit unheimlicher Stetigkeit arbeiten die Schnürer all der Pakete mit den nördlichen Rettungs-Billionen am Untergang der Europäischen Union.“

So kommt auch Autor Kerber zu einem klaren Urteil, wie einige Textpassagen zeigen: „Europa steht am Scheideweg. Soll das Einigungswerk nicht scheitern, muss der Euro schnellstens begraben und die EZB (Europäische Zentralbank) liquidiert werden. Denn die Europäische Union endet im Abgrund, wenn sie für den Euro die Demokratie opfert und damit die Bürger verliert.“ An anderer Stelle ist zu lesen: „Die EZB ist insbesondere durch ihre dauerhafte Nullzinspolitik zu einer Quelle der Fi-

nanzinstabilität geworden. Die EZB-Politik trifft also – bestens verschleiert – die Kleinen und Schwachen.“ Weiter schreibt er: „Im Niemandsland von Gleichungen wird der gesunde Menschenverstand aufgelöst. Es findet eine Diskussion anhand von Modellen statt, die sich sowohl von der Erd-oberfläche als auch von der Real-ökonomie gelöst hat.“ 

Kerber empfiehlt,  eine Volksabstimmung über das Euro-Projekt, das sich zum Finanzabenteuer entwickelt hat, zu initiieren. „Jeder Tag, der ohne Bürgerentscheid vergeht, ob Griechenland wieder Geld bekommt, ob die EZB weiter Anleihen zweifelhafter Bonität kauft und ob Herr Junker Eurobonds durch die Hintertür einführen darf, sei eine Niederlage für die Demokratie. Klarer und unmissverständlicher geht es wohl nicht. Ich wünsche dem Büchlein weite Verbreitung, insbesondere unter Politikern!

                Wolfgang Thüne

Markus C. Kerber: „Wehrt Euch, Bürger! – Wie die Europäische Zentralbank unser Geld zerstört“, FinanzBuch Verlag, München 2015, broschiert, 100 Seiten, 9,99 Euro


Von Mord und Totschlag
Eine bedrückende Lektüre und dennoch ein lesenswertes Buch über die Gewalt

Nein, eine Gute-Nacht-Lektüre ist dieses Buch nicht. Es zeigt ziemlich überzeugend, wie wenig man der Gewalt entkommen kann, einfach weil sie von Natur aus zum menschlichen „Inventar“ gehört. Der an der Berliner Humboldt-Universität lehrende Historiker Jörg Baberowski hat sich seit Längerem mit dem Thema Gewalt befasst. Sein Buch „Verbrannte Erde“, in dem er eine erschreckende Analyse der Stalinschen Gewaltherrschaft geliefert hatte, wurde vor drei Jahren mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

Nach der Lektüre seines jüngsten Buches „Räume der Gewalt“ hat man den Eindruck, er habe sich einmal generell das Thema von der Seele schreiben wollen, geht er doch hier weit über den Stalinismus hinaus. Baberowski analysiert die Gewalt nach einem kurzen Rückblick auf das Mittelalter in großer Ausführlichkeit an allen nur denkbaren Erscheinungsformen im 20. Jahrhundert. Das reicht von den Massenvernichtungen an den Fronten im Ersten Weltkrieg über die Gewaltherrschaft und Massentötungen des Kommunismus und Nationalsozialismus bis zu Bürgerkriegen nach dem Zweiten Weltkrieg etwa im Kongo, im ehemaligen Jugoslawien, in Ruanda und heute zum Terror von al-Kaida und Islamischem Staat. 

Baberowskis Fazit ist ebenso eindeutig wie deprimierend: Allen Gutmeinenden zum Trotz wird Gewalt niemals aus der Geschichte der Menschheit eliminiert werden können. Es gibt keinen Menschen ohne Aggressionen: „Gewalt ist ein Vermögen, mit dem wir zur Welt gekommen sind. Sie gehört zur Grundausstattung des Menschen.“ Was einmal gedacht werde, bleibe im Gedächtnis und dränge – sind nur die äußeren Voraussetzungen dafür gegeben – auch zur Tat.

Die logische Folgerung ist, dass Gewalt sogar in Friedenszeiten immer latent vorhanden ist. Baberowski zitiert mehrmals den britischen Denker des 17. Jahrhunderts Thomas Hobbes, der in seinem berühmten „Leviathan“ das friedliche Zusammenleben der Menschen gerade in ihrer Angst vor Gewalt und damit in freiwilliger Unterordnung unter eine notfalls auch autoritäre Macht begründet sieht.

Ziemlich drastisch erteilt er denn auch allen pädagogischen Bemühungen, Gewalt zu eliminieren, eine Abfuhr. Gewalt könne nicht überwunden werden; es komme aber darauf an, sie zu beherrschen, um sie in ihren Auswüchsen nicht zur lebensbedrohenden Gefahr für den Einzelnen als auch für das gesellschaftliche Zusammenleben werden zu lassen. Gerade das 20. Jahrhundert biete mit seinen planmäßig betriebenen Massenmorden und Gewaltexzessen viele Beispiele.

Die Beispiele, die Baberowski bringt und denen man gar nicht widersprechen kann, machen das Buch mit seiner deutlich pessimistischen Grundhaltung zu einer bedrückenden Lektüre. Gleichwohl sollte man sich ihr nicht verweigern, will man illusionslos vergangenes und aktuelles Geschehen verstehen. Gerade die Erfahrung von Gewalt stifte Ordnung; sie komme aus der Einsicht, dass Gewalt niemals verschwinden wird – „für den Träumer, der den ewigen Frieden herbeisehnt, ist diese Erkenntnis enttäuschend“.

Aber man möchte ihm die historische Erfahrung entgegenhalten, dass es in der Geschichte auf extremes Verhalten immer auch Gegenreaktionen gegeben hat. Friedliches Zusammenleben muss nicht gleichbedeutend mit der Hobbes’schen Unterordnung sein; das Ideal der westlichen Demokratien zumindest kennt die Ächtung der Gewalt und sieht im Gewaltmonopol des Staates nicht von vorneherein eine latente Bedrohung. Man muss auch kein „Träumer“ sein, um zu wissen, dass dieses Ideal immer wieder gefährdet ist und ständiger Bemühungen letztlich aller Bürger zu seiner Sicherung bedarf.

                Dirk Klose

Jörg Baberowski: „Räume der Gewalt“, S. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2015, gebunden, 264 Seiten, 19,99 Euro


Schöne Buchstaben
Ein Buch zeigt, wie spannend die Geschichte des kyrillischen Alphabetes ist

Jeder von uns hat jeden Tag Umgang mit kyrillischen Buchstaben“, sagt PAZ-Mitarbeiter Wolf Oschlies und zückt zum Beweis einen Zehn-Euroschein. Unten rechts weist er sich dreisprachig aus: „EURO“ ist dort in lateinischer Schrift zu lesen, darunter „EYPΩ“ in griechischen Buchstaben und darunter wiederum steht slawisch-kyrillisch „EBPO“. Seit Frühjahr 2013 sind die Euro-Scheine mit den drei Schriften im Umlauf, denn im EU-Mitgliedsland Bulgarien – seit 2007 in der Europäischen Union – wird die Kyrilliza, das kyrillische Alphabet, verwendet. Das gilt ebenso bei fünf anderen slawischen Völkern.

Dies und mehr ist in Oschlies neuem Buch zu erfahren. „Das europäische Alphabet Kyrilliza – 1100 Jahre Abenteuer einer Schrift“ heißt es, und es gibt tatsächlich erstaunlich Spannendes über die 38 aus mitteleuropäischer Sicht so fremdartigen Buchstaben zu berichten. Da wäre zum Beispiel Putins Propaganda-Coup, sich ein „höfliches Alphabet“ auszudenken, mit dem russische Erstklässler nun den Buchstaben P sofort mit ihrem Staatsoberhaupt verbinden. Der Politikwissenschaftler, Publizist („Der Kosovo-Konflikt“) und Osteuropa-Experte Oschlies (74) beschreibt aber auch den nunmehr schon jahrhundertelangen Kampf der Slavisten und Osteuropahistoriker gegen das unausrottbare Vorurteil „Slavica non legunter“: Slawisches werde nicht gelesen. Dabei könne von einem „schweren“ kyrillischen Alphabet keine Rede sein, meint Oschlies. Sieben kyrillische Lettern sind dem Lateinischen entnommen, die anderen seien „nicht nur schön und dekorativ, sondern kinderleicht zu lernen“.

Dennoch geriet die Kyrilliza mehrfach in Gefahr abgeschafft zu werden, zum Beispiel durch Gegner in der frühen Sowjetzeit oder heutzutage durch lateinisch codierte PC. Dabei schwärmte schon der Mönch und spätere Heilige Naum von Ohrid 893 in seinem Traktat „Über die Buchstaben“: Weil man mit griechischen Lettern nicht slawisch schreiben kann, erbarmte sich Gott der Slawen und schickte ihnen Kyrill, der 38 Buchstaben für das Slawische ersann.“ Warum der „Slawenapostel“ Kyrill (um 827–869) mit der Kyrilliza tatsächlich wenig zu tun hat, ist ebenfalls bei Oschlies nachzulesen. Alles in allem vom A (auf russisch ebenfalls „a“) bis Z (džЦauf russisch) ein empfehlenswertes Buch.           Frank Horns

Wolf Oschlies: „Das europäische Alphabet Kyrilliza – 1100 Jahre Abenteuer einer Schrift“, Wieser Verlag, Klagenfurt 2015, gebunden, 238 Seiten, 18,80 Euro


Höchst bedenkliche Verhältnisse
Für die DDR-Oberen waren die Transitwege von und nach Berlin ein Graus. Mit enormem Aufwand wurden sie überwacht 

Wenn Westdeutsche und Westberliner auf den Transitstrecken durch die DDR unterwegs waren, bemächtigte sich ihrer zumeist ein unbestimmtes Unwohlsein. Man fühlte sich immer irgendwie beobachtet, verfolgt und bedroht. Und wenn man dann wieder bundesdeutschen Boden erreicht hatte, hatte das schon etwas Befreiendes. Dass das ungute Gefühl die Transitreisenden nicht trog, beschreibt Peter Joachim Lapp in seinem Buch „Rollbahnen des Klassenfeindes“. Gemeint sind damit die Transitwege von und nach Berlin (West), die über das Territorium der DDR führten. Diese waren keine Korridore, auf denen die Transitreisenden unter sich und dem Zugriff der DDR-Staatsorgane entzogen waren, sondern Bestandteil des normalen Verkehrsnetzes der DDR.

Für die Sicherheitsorgane waren diese Verhältnisse höchst bedenklich, bargen sie doch vielerlei Möglichkeiten zur „politisch-ideologischen Diversion“, zur „feindlichen Kontakttätigkeit“ und ganz allgemein zu „feindlich-negativen Handlungen“. Diesem vollkommen überzogenen Sicherheitsdenken entsprechend stuften sie die Transitwege wie das Grenzgebiet ein, was zu einer sehr personalintensiven Überwachung einschließlich einer „5-Km-Tiefensicherung“ führte. Auf diese Weise wurde das Grenzregime in das Landesinnere hinein ausgedehnt, ein Aufwand, der in keinem Verhältnis zum Ertrag stand, wie der Autor feststellt. Unter Federführung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) waren viele tausend Bedienstete der Stasi, der Volkspolizei und des Zolls Tag und Nach damit beschäftigt, aus DDR-Sicht verbotene Vorgänge wie „Republikfluchten“, Kontaktaufnahmen und Warenübergaben zwischen Bundes- und DDR-Bürgern sowie das Verlassen der Transitstrecken zu verhindern, aufzuklären, zu dokumentieren und zu ahnden.

Der Autor, ein ehemaliger Re-dakteur beim Deutschlandfunk und ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der bewaffneten Organe der DDR, beschreibt in seiner Studie erstmals diese ebenso breite wie dichte Überwachung im Zeitraum von der Gründung der DDR bis zu deren Untergang. Dabei stützt er sich hauptsächlich auf Dokumente aus dem Bestand des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen, Studienmaterial des MfS sowie Abschluss- und Diplomarbeiten der Stasi-Hochschule zum Thema Transit.

Nach der Einführung in das Thema beschreibt  Lapp die historische Rahmenlage des Berlin-Transits. Diese lässt sich im Wesentlichen in zwei Teile gliedern, nämlich den nicht vertragsgebundenen Interzonenverkehr und den seit Juni 1972 durch das Transitabkommen geregelten „spezifischen Transit von und nach Westberlin“ auf der Straße, der Schiene und zu Wasser. Den Hauptteil der Arbeit bilden die Kapitel, in denen Aufgaben und Tätigkeit der drei an dem Transit-Grenzregime beteiligten Sicherheitsorgane dargestellt werden. Eine Chronologie des Berlin-Transits, ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Fotoanhang runden die Darstellung ab.

Die Studie ist sehr nüchtern gehalten, detailreich und informativ. Zahlreiche Tabellen, Pläne und Skizzen ergänzen den Text auf hilfreiche Weise. Auch wenn das Buch am Ende ein Abkürzungsverzeichnis enthält, erschwert die häufige Verwendung von Abkürzungen dem weniger informierten Leser die Lektüre. Überhaupt ist das Buch weniger als Überblicks- oder Einstiegswerk geeignet, sondern eher etwas für denjenigen, der sein Wissen über den Überwachungs- und Sicherheitsapparat der DDR um diesen speziellen Aspekt erweitern oder vertiefen möchte. In dieser Hinsicht hat Lapp seinen vielen Standardwerken ein weiteres hinzugefügt.

                Jan Heitmann

Peter Joachim Lapp: „Rollbahnen des Klassenfeindes. Die DDR-Überwachung des Berlin-Transits 1949–1990“, Helios Verlag, Aachen 2015, gebunden, 162 Seiten, 22,80 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Überzüchtet / Wie die EU zum fetten, gierigen Scheusal wurde, warum das niemanden schert, und wie Antirassisten ganze Völker auslöschen

Früher gab es nur Wölfe. Doch der Mensch hat aus dieser einen grauen Rasse eine unübersehbare Vielzahl von Hunderassen gezüchtet. Manche niedlich, manche elegant, manche bedrohlich und andere einfach nur ulkig. Die Züchter können stolz sein.

Unter ihnen gibt es aber auch schwarze Schafe, die bestimmte Eigenschaften so sehr heraufzüchten, dass am Ende ein elendes Geschöpf herauskommt, das entweder schon als Welpe dahinsiecht oder sein Leben lang leiden muss unter kaputten Gelenken, quälender Atemnot oder anfälligen Organen. Diese armen Wesen sind im Grunde lebensuntauglich. Verantwortungsbewusste Züchter sind auf der Hut, um den Fanatikern ihrer Zunft Einhalt zu gebieten, oder, wenn es noch geht, deren Fehler zu korrigieren.

Solche Verantwortungsträger wünschte man sich im Felde von Politik und Weltanschauungen. Denn auch hier gibt es absurde Überzüchtungen, die sich nicht weniger grotesk ausnehmen als die bemitleidenswerten Kreaturen durchgeknallter Hundezüchter. Die Resultate der fanatischen Politik- und Weltanschauungszüchter sind nicht weniger lebensuntauglich als diejenigen ihrer Gleichgesinnten aus der Tierzucht.

Ein besonders bizarres Beispiel liefert uns die Europäische Union. Die Geschichte ihrer Ahnen reicht zurück bis in die Zeit zwischen den Weltkriegen. Damals legten die Politiker Gustav Stresemann (Deutschland) und Aristide Briand (Frankreich) die Gene der Gemeinschaft. Sie bestanden aus der Erkenntnis, dass Frieden in Europa nur dauerhaft möglich sei, wenn die Völker, Deutsche und Franzosen voran, ein gemeinsames Ganzes heranbilden.

Daran wurde seither weitergezüchtet, leider nicht immer mit den besten Absichten und mit immer merkwürdigeren Ergebnissen. So kam nach dem Zweiten Weltkrieg die Dreingabe hinzu, dass die Gemeinschaft in aller Heimlichkeit auch den Zweck verfolgen solle, Deutschland an die Kette zu legen. Unter dem glänzenden Fell der Eintracht verbarg sich seitdem das Gift des historischen Betruges wie eine bösartige Geschwulst. Die Züchter machten eifrig weiter, von Generation zu Generation wurden ihre Geschöpfe größer und größer, bis sich zuletzt ein fettes, gieriges Scheusal aus dem Brutkasten wälzte, das sich kaum noch bewegen konnte wegen der alles durchwuchernden Sklerose. Das ist die EU, die 1992 geboren wurde als Erbin der alten EG.

So schob sich das Monstrum durch die Zeit, fraß an Ländern, Geld und Kompetenzen in sich hinein, was es es in die Klauen bekam. Es konnte nicht anders, die Züchter hatten seine Gene schon vor der Niederkunft in Maastricht so kreiert.

Nun aber wankt und schwächelt das arme Tier, als wollte es jeden Moment in den Morast der Geschichte kippen. Was machen die Züchter? Eine strenge Diät wäre angesagt, um ordentlich zu entschlacken, sagen kluge Ärzte. Doch die wurden von den durchgeknallten Züchtern längst des Hofes verwiesen als „Feinde Europas“.

Nächstes Jahr schon könnte eines der größten Organe einfach abfaulen. Großbritannien, die zweitstärkste Wirtschaftsmacht der EU, steht vor einer Volksabstimmung über den Austritt aus der Union, die nach Lage der Dinge den Abschied der Briten einleiten wird. Gleichzeitg hören wir, dass Brüssel den Beitrittsprozess der vorderasiatischen Türkei wieder in Schwung bringen will.

Es ist, als säge man dem ohnehin geschwächten, weil genetisch kranken Tier ein Bein ab, um ihm bald darauf einen schweren Plumpsack auf den Rücken zu schnallen. Im Zivilleben würden Perverslinge, die sowas machen, vor Gericht landen. Stattdessen bekommen sie für diesen Akt des Grauens vermutlich irgendwann den Karlspreis.

Die Deutschen stört das alles wenig, weil sie es kaum noch zur Kenntnis nehmen. Vor zehn oder 20 Jahren hätte das Drama um Britanniens tödlich bedrohte EU-Mitgliedschaft hierzulande Panikschübe ausgelöst, die Gazetten und Sender wären Woche für Woche voll von den neuesten Umfragewerten von der Insel und jeder Hans und Franz hätte seinen Senf dazugegeben in der Debatte zur brandheißen Frage „Zerfällt die EU?“ Die Nachricht, dass in Finnland das Referendum zum Austritt aus dem Euro gerade die zweite Hürde genommen hat, schert auch niemanden mehr. Wie von Leuten mit „Nahtod-Erfahrung“ überliefert, lässt die EU im Todesdämmern stattdessen das eigene Leben an ihrem inneren Auge vorüberziehen: Die „große Friedensleistung“ wird beschworen, der längst verwitterte Jugendrausch der „Europabewegung“ bestaunt, und die Deutschen staunen seelig mit, statt sich endlich Sorgen zu machen über den Zustand der EU.

Vielleicht rührt unser dösender Gleichmut daher, dass unsere Gedanken nicht minder überzüchtet sind als die beklagenswerte EU. Denn, wie oben erwähnt, auch im Bereich der Weltanschauungen greifen groteske Überzüchtungen um sich.

Es gab Zeiten, da sollen die Gedanken der Leute voll gewesen sein von rassistischem Unrat. Den hat man ihnen rausgezüchtet. Leider aber wurde versäumt, rechtzeitig aufzuhören mit der Weiterzüchterei. Heute sind wir daher soweit ausgeartet, dass selbst die Erwähnung von Unterschieden und Eigenarten bestimmter Völker und Kulturen Herzflattern bei den sogenannten „Antirassisten“ auslöst.

Der Autor Rolf Bauerdick hat das anhand der „Antiziganismus-Forschung“ schön herausgearbeitet. „Antiziganismus-Forscher“ sind Leute, die vorgeben, den Rassismus gegen Zigeuner „wissenschaftlich“ zu ergründen.

Dabei sind sie immer weiter und weiter gegangen. Schließlich haben sie sogar auch alle positiven Betrachtungen über Zigeuner, etwa die vielbesungene Zigeuner-Romantik, als Spielart des Rassismus entlarvt. Am Ende blieb, wie Bauerdick ernüchtert feststellt, ein „Volk ohne Eigenschaften“. Nur dass sie „diskriminiert“ würden, das ließen die Antiziganismus-Forscher als kollektive Eigenschaft der Zigeuner noch gelten, alles andere aber nicht, weil es rassistische Verallgemeinerung sei, ob im („scheinbar!“) Guten oder im (offen) Bösen.

Ein klassischer Fall weltanschaulicher Überzüchtung: In ihrem Reinheitswahn haben die Kämpfer gegen die Zigeunerfeindlichkeit die Zigeuner als erkennbare Gruppe gleich mit ausgelöscht. Gut, so kann man das natürlich auch machen, denn wo es keine Zigeuner mehr gibt, da hat auch der Antiziganismus seinen Gegenstand verloren. Aber ein bisschen krank ist das schon, oder?

Bei der Massenzuwanderung unserer Tage fallen wir selbst auf unsere überzüchtete Weltanschauung herein. Um keine Rassisten zu sein, glauben wir weder, was wir täglich sehen können noch, was wir eigentlich wissen. Die große Mehrheit des weiblichen Teils der Asylantenflut gibt durch ihre Kopftracht zu erkennen, was sie von der Rolle der Frau als weltlich orientiertes, selbstbestimmtes Wesen halten dürfte. Wir ahnen das zumindest, wollen das aber ums Verrecken nicht in unsere Gedanken lassen. Stattdessen reden wir uns ein, dass unter den Kopftüchern bereits die durchsetzungsstarke Chefärztin, die Erfolgsunternehmerin oder feministische Journalistin ausgebrütet wird.

Wer etwas anderes erkennen will, der ist eben ein Rassist und „schürt Ängste“. Ängste – wovor? Vermutlich davor, dass sich unser unverstellter Verstand wieder nach oben gräbt und uns die Augen öffnet. Dann in der Tat droht uns ein böses Erwachen.

Schrecklich. Da dösen wir doch lieber weiter und genießen die schrägen Windungen unseres überzüchteten Antirassismus, der es uns verbietet, von „fremden, mit unserer Kultur nur schwer verträglichen Kulturen“ zu reden. Zumindest solange noch, bis uns Dösköppe jemand brutal ins Hier und Jetzt holt. Dieser Jemand hört auf den Namen Wirklichkeit.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Einbruchschutz als Pflicht

Hannover – Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) will einen besonderen Einbruchschutz bei Neubauten zur gesetzlichen Pflicht machen. Hintergrund sind zum einen die ständig steigenden Fallzahlen. Binnen fünf Jahren ist die Schadenssumme laut Versicherungswirtschaft um 35 Prozent gestiegen. Zudem ist die Aufklärungsquote mit 16 Prozent gering, auch weil die Polizei immer weiter ausgedünnt wurde.           H.H.

 

Polizisten fühlen sich machtlos

Stuttgart – Laut einem Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“ beklagen sich Polizeibeamte in großer Zahl darüber, dass sie Straftätern, die im Asylverfahren stecken, „fast machtlos“ gegenüberständen. Geldstrafen könnten ohnehin nicht bezahlt werden. Außerdem habe eine Verurteilung fast nie Auswirkungen auf den Verlauf des Asylverfahrens. Dies locke Täter ins Land, die ausschließlich kämen, um Straftaten zu begehen, so die frustrierten Beamten.           H.H.

 

Hilfloser erster Flüchtlingshelfer

Zum Jahresende ist er erlöst. Dann tritt der Portugiese António Guterres nach elf Jahren als Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen ab und überlässt das Krisenmanagement dem italienischen UN-Diplomaten Filippo Grandi. Eigentlich wollte Guterres seinen Posten schon im Juni räumen, verlängerte aber wegen der Flüchtlingskrise seine Amtszeit bis Ende dieses Monats.

Ob er damit groß etwas hat bewirken können, darf bezweifelt werden. Guterres fiel vor allem mit der Klage auf, dass das Flüchtlingskommissariat notorisch unterfinanziert sei. Immerhin verfügte es 2015 über ein Budget von sieben Milliarden Dollar, was aber nach seinen Angaben gerade einmal ausreichte, um etwa das Syrien-Programm zu 54 Prozent zu finanzieren.

Obwohl Deutschland nicht zu den zehn Ländern mit den höchsten Zuwendungen für seine Behörde zählt, schlug sich Guterres auf die Seite der Kanzlerin. „Es ist inakzeptabel, dass die meisten Flüchtlinge nach Deutschland, Österreich und Schweden kommen. Die Verteilung ist eine europäische Verantwortung“, sagte der 66-Jährige in der „Tagesschau“.

Der frühere sozialistische Regierungschef Portugals, der 2001 we­gen der politischen Folgen nach einem verheerenden Brückeneinsturz abtrat, sieht sich als Spendeneintreiber für seine Organisation – mit mäßigem Erfolg. So sah er als Auslöser der Flüchtlingskrise, dass das UN-Welternährungsprogramm we­gen des weltweiten Flüchtlingsanstiegs 2014 seine humanitäre Hilfe in Syrien um 30 Prozent reduzieren musste. Deshalb zogen die hungernden Flüchtlinge aus ihren Lagern ins reiche Europa. Und es werden mehr, prophezeite Guterres in der „Frankfurter Allgemeinen“: „Wir leben in einer viel gefährlicheren Welt. Als ich mein Amt antrat, hatten wir 38 Millionen Flüchtlinge auf der Welt. Heute sind es 60 Millionen.“              H. Tews


MEINUNGEN

CSU-Chef Seehofer rede angesichts der Asylflut von einer „Obergrenze“, nenne aber keine. Er fordere Maßnahmen, schlage aber keine wirkungsvollen Maßnahmen vor. Das hat Methode, vermutet der Sozialwissenschaftler Manfred Kleine-Hartlage im Portal „korrektheiten.com“ (19. November):

„Seehofer setzt sich als ,Alternative‘ zur Kanzlerin in Szene, ohne eine zu sein. Das seine Manöver begleitende und verstärkende Medienecho einschließlich der Kritik von links gehört zur Inszenierung und soll ihm das sichern, was man neudeutsch street credibility nennt: Die etwas begriffsstutzige Basis der Unionsparteien soll glauben, wer so drastisch von rot-grüner Seite kritisiert werde, müsse wohl ein Bannerträger ihrer Anliegen sein.“

 

 

Kommentator Alexander Meschnig räumt im Portal „Journalistenwatch“ (27. November) mit der Theorie auf, westliche Unterdrückung, Ausbeutung und daraus resultierende Armut hätten den radikalislamischen Terror hervorgebracht:

„Immer sind es Armut, Unterdrückung und Ausgrenzung, die den islamistischen Terrorismus erklären sollen. Es ist geradezu von rührender Naivität, einen saudischen Multimillionär wie Osama bin Laden oder den angehenden Architekten Mohammed Atta als Benachteiligte sehen zu wollen ... Die obligaten Erklärungen für die Massenmorde, die auch jetzt wieder zu hören sind, zeigen nur den hilflosen Versuch, einen rationalen Kern für die exzessive Gewalt, einen tieferen Sinn dahinter zu finden. Es gibt aber keinen ...  Was zählt, ist einzig und allein Gewalt, die Verbreitung von Angst und Schrecken.“

 

 

Und doch, erinnert Gunnar Heinsohn, gibt es einen Zusammenhang zwischen Perspektivlosigkeit und Terror bei manchen anderen Tätern. Das treffe aber vor allem bei jenen zu, die bei uns mit Sozialhilfe aufgewachsen seien, weshalb er im „Cicero“ (27. November) mahnt:

„Wer tödlichen Islamismus vermeiden will, lässt entweder nur hochqualifizierte Muslime ins Land oder setzt – wie etwa in Osteuropa – die Sozialhilfe so minimal an, dass niemand kommt. Wer jedoch die Kombination aus ungebildeter Einwanderung und ihrer Versorgung fortsetzt, kann beim nächsten Anschlag seine Hände nicht in Unschuld waschen.“

 

 

Mark Rutte, Ministerpräsident der Niederlande, die am 1. Januar die EU-Präsidentschaft übernehmen, warnt in der „Financial Times“ die Europäer (27. November):

„Wie wir alle vom Römischen Reich wissen, gehen große Imperien unter, wenn ihre Grenzen nicht gut geschützt sind.“

 

 

Der libanesische Patriarch Beschara Rai spricht sich in der „Welt“ (30. November) strikt gegen eine Integration der Syrer in Deutschland aus:

„Es ist nicht akzeptabel, zu sagen, die Leute könnten woanders ein neues Zuhause finden. Niemand hat das Recht, Menschen von ihrer Heimat, ihrer Geschichte, ihrer Kultur zu entfremden. Das Leben besteht nicht nur aus Essen und Trinken.“