© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 51/15 vom 19.12.2015

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Der Rausch der Maßlosen
Die CDU kettet ihr Schicksal ganz und gar an das von Parteichefin Merkel

Alles Murren war nur Spiegelfechterei: Die CDU hat den Warnschuss aus Frankreich nicht gehört.

Nur zwei Gegenstimmen bei rund 1000 Delegierten, danach minutenlanger, rauschhafter Applaus für Angela Merkel: Mit dem Parteitag von Karlsruhe hat die CDU ihr Schicksal ganz und gar an das ihrer Parteichefin und deren Asylpolitik gekettet. Merkel verweigert sich nach wie vor nationalen Grenzkontrollen, will weiter keine Obergrenze bei der bislang völlig unkontrolliert hereinschwappenden Zuwanderung.

Und die CDU folgt ihr geschlossen. Alles Murren hat sich als folgenlose Spiegelfechterei entpuppt; die in den Parteitagsbeschluss zur „Flüchtlings“-Frage eingeflochtene Binsenweisheit, dass Deutschlands Aufnahmefähigkeit nicht endlos sei, kann das nicht verdecken. Denn sobald es um die Frage ging, was denn aus dieser Einsicht zu folgern sei, wich Merkel wie immer auf die „europäische Solidarität“ aus, die es in der Zuwanderungsfrage nicht gibt. Das war vor dem CDU-Parteitag klar und wird es auch danach bleiben.

Regierungsnahe Kommentatoren  feiern Merkels Sieg, und sie feiern Deutschland für seine einsame Politik. Selbst die „erfahrenen Demokratien“ wie Großbritannien rängen um ihre „Politikfähigkeit“, schreibt die „Welt“, derweil Deutschland eine „bemerkenswerte Ausnahme“ bilde, weil bei uns die „Mitte standhält“.

Gröber kann man die Lage kaum verkennen. Die bittere Wahrheit scheint in der Rhetorik der Kanzlerin selbst durch: „Deutsche Identität ist, Größtes zu leisten“, lautete ihr pathetischer Ausruf. Groß ist nicht genug, es muss das „Größte“ sein. Genau dieser Größenwahn aber hat mit „Mitte“, also mit Augenmaß und Pragmatismus, nun eben gar nichts zu tun. Es ist das Banner der besinnungslosen Maßlosigkeit, hinter der die Parteitagskolonnen der CDU in Karlsruhe her marschiert sind. Und es ist nur folgerichtig, dass sich insbesondere die „erfahrenen Demokratien“ diesem Marsch der Maßlosen verweigern.

Mit Erleichterung haben die allermeisten Medien nicht nur das CDU-Votum gefeiert, sondern gleichzeitig auch die vermeintliche Niederlage des Front National (FN) in Frankreich (siehe S. 6). Diese Erleichterung aber ist allein der Tatsache geschuldet, dass zuvor ein weit besseres FN-Ergebnis erwartet worden war. Fakt ist, dass der FN nochmals zulegen konnte gegenüber der ersten Runde der Regionalwahlen. Im Norden, wo Parteichefin Marine Le Pen selbst antrat, erreichte er 42 Prozent, im Südosten gar 46. Die FN-Sitze in den 13 Regionalparlamenten haben sich verdreifacht.

Daran sollten die CDU-Delegierten denken, wenn sie in ihre Heimatgemeinden zurückkehren. Bekanntermaßen stößt Merkels Asylpolitik gerade unter bürgerlichen Wählern auf entschiedene Kritiker. Diese stehen nun vor der ernüchternden Erkenntnis, dass sie in der „Volkspartei“ CDU keine relevanten Fürsprecher mehr haben.        Hans Heckel


Zschäpes Geheimnis
NSU-Prozess: Angeklagte komplettiert das offiziöse Konstrukt

Mit großer Spannung war die Erklärung von Beate Zschäpe erwartet worden, die sie vor dem Münchener Gericht verlesen ließ. Erwartet worden war, dass die Angeklagte und einzig Überlebende des „NSU-Trios“ nun endlich Licht in einen Fall bringen würde, der von Widersprüchen nur so strotzt (die PAZ berichtete mehrfach).

Doch die Erwartungen wurden gründlich enttäuscht. Letztlich ist sogar das Gegenteil eingetreten. Die im Namen von Zschäpe verlesene Erklärung flickt die bislang mehr als notdürftig verdeckten Lücken in der Darstellung der Staatsanwaltschaft. Die Widersprüche bleiben.

Mehr noch: Nach der Erklärung ist die Affäre sogar noch um ein Mysterium reicher geworden. Denn Zschäpe hat sich letztlich nur selbst belastet, was sie im eigenen Interesse eigentlich hätte lassen können.

Was also hat die Angeklagte, der die Komplizenschaft in einer Mordserie vorgeworfen wird und die sich daher auf eine vieljährige Haftstrafe gefasst machen muss, dazu getrieben, ihren Anklägern aus der Bredouille zu helfen?

Die Zschäpe-Erklärung kann die Zweifel an der Stichhaltigkeit der etablierten Darstellung der Hintergründe des NSU und der „Döner-Morde“ nur noch verstärken. Sie hat den bohrenden Verdacht erhärtet, dass sich dahinter etwas ganz anderes verbergen könnte, das aus staatlichem oder geheimdienstlichem Interesse um keinen Preis ans Licht kommen soll. Allerdings ist die Hoffnung gemindert worden, dass die Wahrheit hinter dem geradezu aufreizend lückenhaften NSU-Konstrukt jemals ans Licht gelangen wird, weshalb Zweifel noch leichter als „Verschwörungstheorie“ abgetan werden können.      H.H.

                (siehe Seite 3)


»Tornados« ein PR-Gag
Maschinen für Aufklärungseinsätze nicht zu gebrauchen 

Von großem öffentlichen Interesse und ministeriellem Stolz begleitet, wurden in der vergangenen Woche die ersten beiden „Tornado“-Kampfflugzeuge in den Anti-Terror-Einsatz verabschiedet. Nur hat die Sache einen Haken: Die beiden auf dem südtürkischen Flugplatz Incirlik stationierten Maschinen sind für die der deutschen Luftwaffe zugedachte Aufklärungsmission nicht zu gebrauchen. Sie sind nämlich technisch nicht dafür ausgerüstet, die zur Erfüllung des Auftrags erforderliche elektronische Kamera zu tragen.

Zwar handelt es sich bei beiden Maschinen um solche der für Aufklärungsflüge tauglichen ECR-Variante (Electronic Combat and Reconnaissance), doch muss ihre Elektronik nachgerüstet werden. Denn dieser Typ kann die moderne Kameraausrüstung nur verwenden, wenn Hard- und Software auf den neuesten Stand gebracht werden. Was einfach klingt, bedeutet indes nicht weniger, als dass durch den Austausch der gesamten Elektronik „innen im Grunde ein neues Flugzeug entsteht“, so das Bundesverteidigungsministerium.

Diese elektronische Runderneuerung der ECR-„Tornados“ erfolgt schrittweise, so dass erst ein Teil der Flotte nachgerüstet wurde. Die beiden in die Türkei verlegten Maschinen gehören nicht dazu. Nach Aussage eines Luftwaffensprechers ist das aber kein Problem, denn es gehe zunächst darum, „die fliegerischen Verfahren abzustimmen und zu erproben“. Dafür sei es unerheblich, ob die Maschinen bereits die für den Einsatz nötigen Eigenschaften hätten. Die beiden Maschinen sollen noch vor Beginn der Aufklärungsflüge Mitte Januar 2016 durch entsprechend ausgerüstete Maschinen ersetzt werden.

Was aber bleiben wird, sind für die Öffentlichkeit inszenierte PR-Bilder von einsatztauglichen Flugzeugen, die tatsächlich keine sind.   J.H.


Jan Heitmann:
Wortunsinn

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat „Flüchtlinge“ zum Wort des Jahres 2015 gewählt. Zur Begründung heißt es, das Substantiv stehe nicht nur für das beherrschende Thema des Jahres, sondern sei auch sprachlich interessant: „Gebildet aus dem Verb flüchten und dem Ableitungssuffix -ling“, klinge es nämlich „für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig“, seien doch analoge Bildungen wie Eindringling, Emporkömmling oder Schreiberling negativ belegt. Ach, und was ist mit Liebling? Neuerdings sei öfters alternativ von „Geflüchteten“ die Rede. Nun bleibe abzuwarten, ob sich das durchsetzen werde.

Dafür wird schon der „Duden“ sorgen, denn dessen Redaktionsleiterin Kathrin Kunkel-Razum findet „Geflüchtete“ auch viel besser. Das sei nämlich „weniger wertend“ und zudem geschlechtsneutral. Sie kann sich auch denken, warum die GfdS den Plural von Flüchtling gewählt hat: „Wohl auch, um durch diese Form deutlich zu machen, dass es sich um eine Massenbewegung handelt und nicht um das Eintreffen einzelner Menschen in Europa und Deutschland. Um eine Massen- bewegung, die Deutschland und Europa für eine lange Zeit vor große Herausforderungen stellen wird, in der sich zeigen wird, ob das Wort überwiegend positiv oder negativ konnotiert verwendet wird, und in der es gilt, jeden Flüchtling sichtbar werden und ihn nicht in der Masse des Stroms untergehen zu lassen.“

Wenn diese Herausforderung mit unsinnigen Wortspielereien  zu bewältigen ist, dann keine Sorge, das schaffen wir. Und so erfüllen die Wahl des Wortes des Jahres und die sie begleitenden spachwissenschaftlichen Exkurse den gewünschten volkspädagogischen Zweck.


S. 2 Aktuell

Geschwätz von gestern
Schrill, sinnfrei, arrogant – wie Politiker 2015 den Bürgern die selbstverschuldete Asylkatastrophe erklärten

Das Jahr 2015 hat Deutschland als eine Nation zurück-gelassen, in der wenig so ist, wie es vordem einmal war. Angesichts Millionen Asylsuchender waren die Politiker als Krisenmanager gefragt. Sie versagten zumeist ebenso redselig wie kläglich. – Eine Auswahl der schlimmsten Sprüche und Stellungnahmen.

Die Asylkrise? Wo ist eigentlich das Problem? Der Steuerzahler müsse ja gar nicht für die Kosten aufkommen. „Der Bund hat gut gewirtschaftet“, verkündete Julia Klöckner am 27. Oktober via Internet-Nachrichtendienst. Der Landesvorsitzenden der CDU in Rheinland-Pfalz und ehemaligen Weinkönigin ist dabei möglicherweise entgangen, dass der Staat ausschließlich mit dem Geld seiner steuerzahlenden Bürger wirtschaftet. Praktisch jeden Cent, den er ausgibt, haben diese irgendwann einbezahlt.

Aber wer schert sich schon um solche Kleinigkeiten. „Wir schaffen das“, lautet die Parole. Kanzlerin Angela Merkel hat sie erstmals auf ihrer Sommerpressekonferenz am 31. August ausgegeben. Seitdem ist sie in vieler Munde. Bestürzend wenigen scheint dabei aufgegangen zu sein, wie sinnfrei sie ist. Mit einem markigen „Wir schaffen das“ auf den Lippen könnte auch eine Staffel Kamikazepiloten ihre Bomben ins Ziel lenken.

Sinnfrei war vieles, was Politiker im Jahr 2015 zum Besten gaben. Wie Julia Klöckner formulierten manche im Zickzackkurs zwischen Entsetzen und Komik. Lachkrampf und Weinkrampf lagen nah beieinander. Anderes erinnerte an absurdes Theater. Das Thema waren ausländische Zuwanderer in Millionenhöhe, und die Politiker redeten selbst als wären sie Fremde – nicht aus Syrien oder Afghanistan, sondern aus einer fernen Galaxie. Lichtjahre von den wirklichen Problemen der Deutschen entfernt. Sie redeten und verschwiegen doch das Wichtigste: Wie stellen sie sich Deutschlands Zukunft vor? Wie wollen sie die Bewohner dieses Landes schützen? Wie dessen kulturelle Identität bewahren und seine Sozialsysteme stabil halten?

Den richtigen Ton trafen sie bei all dem, was sie sagten, eigentlich nie. Schlimmer noch: Aus manchem ihren Sätze schien der Irrsinn schrill hervor zu lachen. Etwa, wenn Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, am 10. Oktober im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF verkündete, dass Deutschland unbedingt mehr Menschen brauche, die in unseren Sozialsystemen zuhause sind. Am 8 November, bei einem Kirchentreffen in Bremen verstieg sie sich zu der Aussage: „Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt!“

Unvergessen auch die Aktion von Bodo Ramelow am 7. September in Saalfeld. Der linke Ministerpräsident des Freistaates Thüringen eilte zum Bahnhof, um 570 ankommende Asylbewerber mit „Inschallah“ zu begrüßen. „Ich könnte weinen vor Freude“, sprach er danach sichtlich von sich selbst gerührt in die Mikrofone. Ob er auch nur einen Gedanken daran verschwendet hat, wie viele weitere Immigranten seine öffentlichkeitswirksame PR-Aktion nach Deutschland locken würde, nachdem sie sich weltweit über digitale Medien verbreitet hatte?

Aber, nun ja, Deutschland ist reich. Dann muss man eben etwas von seinem Wohlstand abgeben. Vom Verzicht sprachen viele. Besonders, wenn sie sich um den eigenen Besitzstand wenig Sorgen zu machen brauchten. „Deutschland und Europa müssen sich auf eine ganz neue Zeit einstellen. Unser Wohlstand und die Weise, in Frieden zu leben, werden sich ändern. So wie die Flüchtlinge ihre Lebensgewohnheiten ändern müssen, werden auch wir es tun müssen“, verkündete Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen, in einer Predigt im September. Ob der hohe geistliche Würdenträger, der in einem geleasten VW „Phaeton“ unterwegs ist und mit 11125 Euro brutto im Monat besoldet wird, selbst schon Asylbewerber bei sich aufgenommen hat, ist bislang unbekannt. Platz genug hätte er. Das Pfarrhaus, in dem er mietfrei wohnt, umfasst 220 Quadratmeter.

Wer sich an solchen Widersprüchen störte, dem wurde auch schon mal nahegelegt, das Weite zu suchen. Als sich der Präsident des hessischen Regierungsbezirks Kassel, Walter Lübcke (CDU), bei einer Bürgerversammlung in Lohfelden am 10. Oktober von allzu kritischen Fragern bedrängt sah – es ging um eine geplante Asylunterkünft – erklärte er: „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen – das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“

Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit und neuer Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, möchte man empfehlen, diesen Rat zu beherzigen. Für deutsche Staatsbürger jedenfalls hat er nur arrogante Verachtung übrig. Zur Masseneinwanderung von Asylsuchenden war sein Kommentar in einer Pressekonferenz im Oktober: „Das ist eine gute Bereicherung unserer Arbeitswelt und unserer Gesellschaft, dass da nicht überall ältere graue Herren durch die Gegend laufen und langsam mit dem Auto auf der Autobahn rumfahren, sondern das wird eine lebendige Gesellschaft.“

Vor allem droht eine zunehmend islamische Gesellschaft. Aber, wie gesagt, wo ist eigentlich das Problem? Die Kanzlerin jedenfalls hat wieder einmal mütterlichen Rat parat. Einer deutschen Frau, die sich bei einer Diskussionsrunde im schweizerischen Bern wegen der zunehmenden Islamisierung sorgte, empfahl sie, häufiger in die Kirche zu gehen.

Hilft wirklich nur noch beten? Armes Deutschland!

                Frank Horns


Pariser Attentäter kamen über die Balkanroute
Salah Abdeslam hat unter den Asylsuchern im Budapester Ostbahnhof Terrorhelfer geworben

Schon gleich nach den Pariser Attentaten waren den Ermittlern bei zwei bis drei Attentätern syrische Reisepässe aufgefallen, die über die Balkanroute der Asylsucher in die EU gekommen waren. Inzwischen steht für die französischen und deutschen Nachrichtendienste fest, dass zwei oder womöglich sogar drei Mittäter der Anschläge von Paris am 3. Ok­tober auf der der türkischen Sadt Bodrum gegenüberliegenden griechischen Insel Leros registriert wurden. Nach Ermittlungen der Sicherheitsbehörden kamen mit Ahmad Almohammad und Mohammed al-Mahmud, die sich am 13. November vor dem Fußballstadion Stade de France in die Luft sprengten, insgesamt 198 Asylsucher am 3. Oktober auf der eher kleinen Insel Leros an. Viele von ihnen sollen sich mittlerweile in Deutschland aufhalten, heißt es aus Sicherheitskreisen.

Bisher hatte man nicht mit letzter Sicherheit ausschließen können, dass es sich nicht vielleicht um gefälschte Ausweise handelt oder die Attentäter gar nicht mit den in Griechenland registrierten Personen identisch sind, so unkontrolliert und chaotisch, wie die Massenimmigration verlaufen ist.

Von dem die belgische Staatsangehhörigkeit besitzenden noch flüchtigen Pariser Attentäter Salah Abdeslam heißt es mittlerweile, dass er bereits im September, als sich in Budapest die Immigrationsströme sammelten und stauten, mehrmals die österreichisch-ungarische Grenze passiert habe, um in Budapest unter den dort wartenden Syrienflüchtlingen eine ganze Equipe von Terrorhelfern zu sammeln. Mit diesen sei er dann mit gefälschten Pässen gen Westen aufgebrochen. Die Asylsucher im Budapester Ostbahnhof, den bis zur Schließung der serbisch-ungarischen Grenze am 15. September Zehntausende Immigranten unkontrolliert passierten, hatten sich beharrlich geweigert, sich registrieren zu lassen, bevor sie nach Deutschland weiterreisen durften.

Bei einem der Grenzübertritte nach Österreich wurde Salah Abdeslam in Begleitung zweier wei­terer Personen am 9. September sogar an der österreichischen Grenze gestoppt, als er mit einem in Belgien angemeldeten Auto nach Österreich einreisen wollte. Er gab bei der Gelegenheit an, in der Alpenrepublik Urlaub machen zu wollen. Salah Abdeslam gilt bis heute als der wichtigste der nach den Anschlägen von Paris gesuchten Tatverdächtigen.

Syrische und irakische Reisepässe galten bisher als verlässliche Dokumente im Registrierungs- und anschließenden Asylverfahren. Mit solchen Pässen kann ein Asylsucher heute ganz Europa ungehindert und unkontrolliert durchreisen sowie ohne Einzelfallprüfung Asyl und Bleiberecht genießen. Jetzt wurde bekannt, dass dem „Islamischen Staat“ (IS) bei seinen Eroberungszügen in Syrien und dem Irak ganze Einwohnermeldeämter mit Passabteilungen und Blankopässen in die Hände gefallen sind, so dass der IS problemlos seinen Kämpfern echte Reisepässe ausstellen kann, bevor er sie zum Kampf nach Westeuropa schickt.

Ungarn war nicht nur für DDR-Flüchtlinge der beliebteste Fluchtweg nach Westdeutschland. Auch unter Schleppern und Flüchtlingen aus dem Nahen Osten war Budapest schon seit den 1990er Jahren eine bevorzugte Adresse. Die ungarische Regierung wusste dies, als sie Anfang September im Eilverfahren die Grenze abriegeln ließ, wofür sie die Kritik fast aller europäischer Partner in Kauf nahm.        Bodo Bost


MELDUNGEN

Militärhilfe für Kiew geplant

Kiew/Ankara – Nach dem Konflikt mit Russland strebt die Türkei eine Militärpartnerschaft mit der Ukraine an. Der türkische Rüstungskonzern „Aselsan“ will gemeinsam mit dem ukrainischen Unternehmen „Ukroboronprom“ Schutzsysteme für Panzer bauen und ukrainische Schützenpanzer mit modernen Zielgeräten ausstatten. Ukroboronprom, ein Unternehmen mit 60000 Mitarbeitern, hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,9 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Als Antwort auf den Abschuss eines russischen Kampfjets an der syrisch-türkischen Grenze durch die Türkei hatte Moskau alle Kooperationsvertrage für militärische Rüstung gekündigt und zudem das Flugabwehr-Raketensystem S-400 im nordsyrischen Latakia stationiert. Aselsan baut zurzeit einen Störsender, der die S-400 „blind“ machen könnte. Für die Ukraine bedeutet die militärische Zusammenarbeit mit der Türkei nicht nur ein willkommenes Geschäft, sondern sie stärkt auch ihre Position gegenüber Russland.           MRK

 

PiS will Medien gleichschalten

Warschau – Die polnischen Zeitungsverlage sind ins Blickfeld der neuen Machthaber von der PiS-Partei geraten. Über 70 Prozent der regionalen und lokalen Zeitungen Polens befinden sich nämlich mittlerweile im Besitz bundesdeutscher Eigentümer. Dies soll nach dem Wunsch der neuen Regierung nun ein Ende haben. Der frisch bestallte Kulturminister Piotr Glinski will die Medienhäuser wieder „in polnisches Eigentum“ überführen, indem der Staat Verlage in ausländischem Besitz zurückkauft, eigene Zeitungen gründet oder bestehende „polnische“ Organe finanziell unterstützt – und damit faktisch auf PiS-Linie bringt. Eine solche Gleichschaltung der Medien hat es in Polen seit dem Fall des Kommunismus nicht mehr gegeben.    T.W.W.


S. 3 Deutschland

Beate Zschäpe belastet sich selbst
Da, wo die Anklage widersprüchlich ist, hat die Angeklagte mit ihrer Erklärung ausgeholfen

Zweieinhalb Jahre hat die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess Beate Zschäpe beharrlich geschwiegen. Ihre nun erfolgte Aussage vor Gericht wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Sollte die 53-seitige Erklärung, die Zschäpes Anwalt Mathias Grasel vor dem Oberlandesgericht verlesen hat, der Versuch einer Entlastung gewesen sein, dann kann er als gescheitert angesehen werden. Faktisch hat Zschäpe nämlich das Konstrukt der Anklage übernommen.

Trotz 500 Seiten Anklageschrift und rund 600 geladenen Zeugen sind wichtige Punkte im NSU-Komplex immer noch ungeklärt sind und gravierende Widersprüche in der etablierten Darstellung nicht ausgeräumt. Wie aus den mittlerweile öffentlich gewordenen Ermittlungsakten hervorgeht, finden sich etwa 60 Spuren mit Fremd-DNA an Mordwaffen und den zu den Bankrauben verwendeten Waffen. Was völlig fehlt, sind indessen Fingerabdrücke der beiden NSU-Mitglieder Uwe Böhnhard und Uwe Mundlos an Tatwaffen und Munition. Vor dem Hintergrund dieser Indizienlage wirkt die bislang verfolgte Verteidigungsstrategie der Anwälte Zschäpes mehr als zurückhaltend. Es sind dermaßen viele Widersprüche in der Darstellung der Anklage vorhanden, dass sie geradezu darauf zu warten scheinen, von der Verteidigung zerpflückt zu werden.

Mit ihrer nun erfolgten Aussage untermauert die Angeklagte Zschäpe die Darstellung der Bundesanwaltschaft an Punkten, wo diese bislang nicht sonderlich überzeugend wirkte. Deutlich wird dies etwa am Fall der am 25. April 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michele Kiesewetter. So war bislang kein plausibles Motiv erkennbar, warum der NSU zusätzlich zu der ihm zur Last gelegten Mordserie an neun türkisch- und griechischstämmigen Männern in Heilbronn eine deutsche Polizistin ermordet haben soll. Keines der mit Hilfe von Zeugen entstandenen zwölf Phantombilder der Täter ähnelte auch nur im Entferntesten den beiden NSU-Mitgliedern.

Die durch zahlreiche Medien wiedergegebene Behauptung, das Kennzeichen eines von Böhnhard und Mundlos angemieteten Wohnmobils sei kurz nach der Tat bei einer Ringfahndung unweit von Heilbronn erfasst wurde, ist ebenso wenig stichhaltig. Wie aus den Unterlagen des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages hervorgeht, wurde das entsprechende Kennzeichen nicht erfasst.

Verdächtig ist auch, dass sich die Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg auf Täter aus der Organisierten Kriminalität der Balkanregion konzentrierten, bis mit dem Auffliegen des NSU derartige Spuren nicht mehr verfolgt wurden. Nicht weiterverfolgt wurde auch eine weitere, womöglich noch brisanterer Ermittlungsrichtung. Wie aus den Ermittlungsakten hervorgeht, ging man im Spätsommer 2011 aufgrund sichergestellter DNA-Spuren der Frage nach, ob möglicherweise Polizeibeamte in den Fall verwickelt waren. Auch diese Ermittlungsrichtung war vom Tisch, als man mit den toten Mundlos und Böhnhard der Öffentlichkeit die angeblichen Täter präsentieren konnte.

Gemäß der nun vorliegenden Darstellung Zschäpes zum Heilbronner Mord ist es Böhnhardt und Mundlos bei der Tat um die Pistolen der beiden Polizisten gegangen. Die bis zu diesem Zeitpunkt verwendete Tatwaffe der sogenannten Dönermord-Serie habe Ladehemmungen aufgewiesen. Laut der Asservatenlisten konnten Mundlos und Böhnhardt aus einem ganzen Arsenal von Pistolen und Gewehren auswählen, hätten die beiden zusätzlichen Polizistenpistolen also gar nicht gebraucht. Die Beute aus einer Bankraubserie hätte zudem die Möglichkeit geboten, mit deutlich weniger Risiko und ohne einen Polizistenmord an zusätzliche Waffen zu gelangen.

Fragen werfen auch weitere Details aus der Erklärung Zschäpes auf. So will sie vom Tod Böhnhardts und Mundlos durch eine Radiomeldung erfahren haben und daraufhin ihr Versprechen eingelöst haben, die gemeinsame Wohnung anzuzünden. Die Auswertung ihres Computers ergeben, dass sie sich im Internet noch über Belanglosigkeiten informierte, als ihre Kompagnons längst tot in Eisenach in einem Wohnmobil lagen.

Noch mehr Fragen werfen Anrufe an Zschäpe auf, die am 4. November 2011 von einer Telefonnummer erfolgten, die auf das sächsische Innenministerium zugelassen war. Nicht nur im Zusammenhang mit diesen Telefonaten ist die Frage aufgetaucht, ob es sich bei Zschäpe möglicherweise um eine sogenannte Vertrauensperson einer staatlichen Sicherheitsbehörde gehandelt haben könnte. So hat der Blogger „Fatalist“, einer der profundesten Kenner der NSU-Ermittlungsakten, den Verdacht geäußert, bei dem NSU-Trio könnte es sich um eine „Spitzelzelle“ gehandelt haben, die zuerst auf rechtsradikale Gruppierungen wie „Blood & Honour“ und „Combat 18“, später dann auf die Rockerszene angesetzt gewesen sei.   

                Norman Hanert


Mannke wirft hin
Druck auf islamkritischen Lehrerfunktionär war zu groß

Alle Distanzierungen und Entschuldigungen halfen nichts, der Vorsitzende des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt, Jürgen Mannke, ist nach „intensiven verbandsinternen Diskussionen“ von seinem Amt zurückgetreten. Damit zog er die Konsequenzen aus einer Veröffentlichung zur Asyldebatte in der Mitgliederzeitschrift des Gymnasiallehrerverbandes, die bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. In dem von Mannke und seiner Stellvertreterin Iris Seltmann-Kuke verfassten Artikel ist von einer „Immigranteninvasion“ die Rede. Weiter heißt es, die „vielen jungen, kräftigen, meist muslimischen“ und „oft auch ungebildeten“ Männer kämen „nicht immer mit den ehrlichsten Absichten“ ins Land. Auch sie hätten ein Bedürfnis nach Sexualität. Angesichts von deren Vorstellungen von der Rolle der Frau bleibe die Frage, wie sie, „ohne mit den Normen unserer Gesellschaft in Konflikt zu geraten, ihre Sexualität ausleben oder Partnerschaften anstreben können“.  Schon jetzt höre man „aus vielen Orten, dass es zu sexuellen Belästigungen“ komme. Deshalb müssten sich „verantwortungsvolle Pädagogen“ nun fragen, wie man Mädchen so aufklären könne, dass sie sich nicht „auf ein oberflächliches sexuelles Abenteuer mit sicher oft attraktiven muslimischen Männern“ einließen. Weiter schreiben die Autoren: „Es kann nicht sein, dass muslimische Familien verlangen, dass in deutschen Schulen ihre Wertevorstellungen vermittelt und ausgelebt werden können. Wir müssen unmissverständlich klarmachen, dass diejenigen, die zu uns kommen, sich unseren Grundwerten anzupassen haben und nicht umgekehrt.“

Die Folge war ein Sturm der Entrüstung, in dem von „kulturrassistischen Ressentiments“, Hasspropaganda und rassistischer Hetze die Rede war. Mannkes Widerstand gegen diese Kritik währte indes nur kurz. Hatte er zunächst noch erklärt, was in dem Artikel stehe, sei die Wahrheit, er mache sich einfach Sorgen und lasse sich ebenso wenig wie „vor 1989 den Mund verbieten“, ging er, nachdem er von Kultus-Staatssekretär Jan Hofmann zum Rapport bestellt worden war, zu seinen eigenen Worten auf Distanz: „Ich erkläre hiermit, dass ich niemals die Absicht gehabt habe, Menschen anderer Religionen, Nationen und Kulturen zu diffamieren, Ängste zu schüren, nationalistische Klischees zu bedienen oder zu pauschalisieren. Die Wortwahl einiger Passagen sehe ich im Nachhinein als unglücklich und missverständlich gewählt. Dafür möchte ich mich entschuldigen.“ Weiter hätten die Äußerungen „unter anderem auch dafür gesorgt, dass wir von Leuten instrumentalisiert werden, deren ausländerfeindliche und undemokratische Haltung in keiner Weise unseren Überzeugungen entspricht“. Davon distanziere er sich entschieden. „Aus Scham“ will er sein Gothegymnasium in Weißenfels nun sogar zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ machen. Dessen Schüler und die Elternvertretung haben ihm übrigens von Anfang an „vollständige Unterstützung“ zugesichert und sprechen von einer Hetzjagd auf ihren Direktor. Sie könnten nicht verstehen, dass „sein als Denkanstoß gedachter Leitartikel“ zu „solch einem Aufschrei geführt hat“.

Disziplinarrechtliche Konsequenzen hat Mannke nicht zu befürchten, weil er den Beitrag nicht als Schulleiter verfasst hat, sondern als Verbandsfunktionär. Allerdings hat Hofmann ihn zur Teilnahme an Weiterbildungskursen zur interkulturellen Bildung und „zur persönlichen Professionalisierung“ verdonnert.         Jan Heitmann


MELDUNGEN

Höcke bleibt ungeschoren

Berlin – Der thüringische AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke hat wegen seiner Äußerungen über Afrikaner keine Ordnungsmaßnahmen zu befürchten. Wie das Bundesvorstandsmitglied André Poggenburg erklärte, sei der Vorstand allerdings „nicht glücklich“ über Äußerungen Höckes und habe diesen zu einem Gespräch geladen. Höcke hatte in einem Vortrag erklärt, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Der AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen bezeichnete diese Äußerungen als „sachlich unsinnig“. Sie entbehrten „wissenschaftlicher Substanz und laden zu Fehldeutungen als rassistische Aussagen geradezu ein.“ Sie seien eine „politische Torheit“. Vom ultrakonservativen Parteiflügel hingegen erhält Höcke Zuspruch.            U.M.

 

»Gida« nicht gewaltbereit

Berlin – Laut Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Linkspartei liegen keine Erkenntnisse vor, die einen konkreten Zusammenhang zwischen Aktivitäten der „Gida“-Bewegung und der Bereitschaft zur Begehung von Straftaten belegen könnten. Politisch motivierte Straftaten im Kontext dieser Bewegung seien bisher in Anbetracht der teilweise hohen Teilnehmerzahlen und der Vielzahl an wöchentlichen Veranstaltungen relativ gesehen eher selten verübt worden. Mit Pegida und deren Ablegern habe sich jedoch eine Bewegung entwickelt, deren Zusammenhalt unter anderem auf Ressentiments gegenüber Asylbewerbern, Ausländern und Muslimen beruhe. Darauf aufbauende Hasspropaganda könne „Einfluss auf eine Radikalisierung rechter Gruppierungen, aber auch auf nicht in der Szene verankerte Einzeltäter und Kleinstgruppen nehmen“, schreibt die Bundesregierung weiter. J.H.


S. 4 Meinungsdiktatur

Sprache statt Kalaschnikow
Die Kulturrevolution der neomarxistischen Frankfurter Schule triumphiert

Fällt der Begriff „Kulturrevolution“, assoziiert man damit in der Regel zuerst einmal die von Mao Zedong im Jahr 1966 inszenierte „Große Proletarische Kulturrevolution“. Wenig beachtet wird dagegen, dass – angestoßen von der neomarxistischen „Frankfurter Schule“ – in Deutschland ein ähnliches Experiment in Angriff genommen wurde.

Anders als der klassische Marxismus gingen die Protagonisten dieser Entwicklung, wie Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse und Jürgen Habermas davon aus, dass der entscheidende Hebel zur Veränderung einer Gesellschaft nicht die Veränderung der Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln ist, sondern das Verändern und Setzen von Werten.

Die Geschichte scheint dieses Konzept mittlerweile vollauf bestätigt zu haben. Während der real existierende Sozialismus vor einem Vierteljahrhundert gescheitert ist, hat die neomarxistische Theorie der Kulturrevolution in der bundesdeutschen Gesellschaft einen durchschlagenden Siegeszug angetreten. Während bürgerlich-konservative Positionen im Bereich der Politik nur noch in homöopathischen Dosen wahrnehmbar sind, stoßen linke Konzepte wie die von einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft, Gender-Mainstreaming oder die Idee von der Auflösung der bürgerlichen Familie mittlerweile bis in die Unionsparteien auf breite Akzeptanz. Grundlage dieses umfassenden Erfolges ist die Idee, über Institutionen der Bewusstseinsbildung wie Schulen, Universitäten und Medien mit Hilfe der Sprache neue Normen und Werte zu setzen.

Wie stark solche Mechanismen hierzulande die öffentliche Dis-kussion prägen, lässt sich aktuell am Beispiel des generalisierend gebrauchten Begriffs „Flüchtlinge“ erkennen. Beim Blick auf die Fakten wird schnell klar, dass Begriffe wie „Asylbewerber“, „Immigranten“, ja selbst „illegale Einwanderer“ der Realität weitaus gerechter werden würden, als das Wort „Flüchtlinge“. So liegt die offizielle Anerkennungsquote als politisch Verfolgter regelmäßig unter zwei Prozent, nur rund ein Viertel der Betreffenden erhält einen Schutzstatus gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention zuerkannt. Im Umkehrschluss handelt es sich bei gut Zweidritteln der über Asylrecht ins Land strömenden Zuwanderer eben nicht um „Flüchtlinge“. Dass sich der Begriff dennoch in den etablierten Medien durchgesetzt und das noch in den 90er Jahren überwiegend verwendete Wort „Asylbewerber“ verdrängt hat, prägt die öffentliche Diskussion mehr, als es vielen Bürgern bewusst ist. Ist von „Flüchtlingen“ die Rede, scheint jede Kritik an der Praxis offener Grenzen oder die Möglichkeit von Abschiebungen von vornherein moralisch diskreditiert.

Über das Verankern von Begriffen wie etwa das inflationär gebrauchte „sozial“ in der öffentlichen Diskussion sind mittlerweile zahlreiche andere Politikfelder von vornherein ein „vermintes Gelände“ und einer echten öffentlichen Diskussion faktisch entzogen. Kommt es in der öffentlichen Diskussion zu einem abweichenden Sprachgebrauch, dann können die Folgen für die Betroffenen existenzbedrohend sein, wie inzwischen unzählige Beispiele belegen. Eine hohe Konzentration von Medienmacht, Instrumente wie die Politische Korrektheit und das psychologische Phänomen der kognitiven Dissonanz haben dem kulturrevolutionären Prozess weitere Durchschlagskraft verliehen. Nach mehr als vier Jahrzehnten kann damit von einem umfassenden Triumph der Frankfurter Schule ausgegangen werden.             

                Norman Hanert


Von wegen »herrschaftsfrei«
Der Einfluss der Frankfurter Schule auf die Debattenkultur

Ausgehend von der Diagnose, dass der orthodoxe Marxismus auf die moderne Industriegesellschaft nicht mehr anwendbar ist, entwickelte die aus dem Institut für Sozialforschung hervorgegange Frankfurter Schule in der Nachkriegszeit eine umfassende Theorie zur Veränderung der Gesellschaft über eine Kulturrevolution. Über die Institutionen der Bewusstseinsbildung wie Medien sowie Bildungs- und Kultursystem sollte der Mensch in einem radikalen Prozess der Emanzipation von allen Formen von Herrschaft befreit werden, so zumindest der von Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse formulierte Anspruch. Auch die Diskurstheorie von Jürgen Habermas, eine wichtige Grundlage des bundesdeutschen Neomarxismus, geht von der Annahme aus, dass sich eine ganze Gesellschaft durch die Änderung des Sprachgebrauchs, also über das Bewusstsein, verändern lässt. Diese kulturrevolutionäre Konzeption der Frankfurter Schule hat im Gegensatz zum klassischen Marxismus eine enorme Durchsetzungskraft entwickelt, die bis heute andauert.

Anteil am Erfolg der sogenannten Kritischen Theorie hatten zwei Faktoren, die Teil der Kulturrevolution waren und sich bereits in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre ankündigten. Eine permanente Ideologiekritik zertrümmerte über Jahrzehnte die bis dahin geltenden Werte und Traditionen der bürgerlichen Kultur. Ein „Marsch durch die Institutionen“ sicherte zudem in Politik, Medien, und Führungspositionen des Staates auch ganz praktisch eine Interpretations- und Gestaltungsmacht über die bundesdeutsche Gesellschaft.

Nach Ablauf von Jahrzehnten kann von dem einst durch Jürgen Habermas ausgerufenen „herrschaftsfreien Diskurs“ keine Rede mehr sein. Nach Habermas verläuft eine Diskussion dann herrschaftsfrei und kann zu einem Wahrheitskonsens gelangen, wenn kein äußerer Zwang das Gespräch behindert und jeder die gleiche Chance zur Beteiligung hat. Stattdessen ist die öffentliche Diskussion der bundesdeutschen Gesellschaft geprägt durch eine Vielzahl von Tabus, sprachlichen Vorgaben sowie einer starken Monopolisierung und Gleichförmigkeit gerade im Mediensektor. Geht es um wichtige Fragen wie etwa die europäische Integration, Zuwanderung nach Deutschland, die Nato oder das Verhältnis zu den USA und Russland, spielt es mittlerweile kaum noch eine Rolle, ob der Medienkonsument den „linken“ „Spiegel“ oder die vermeintlich konservative „Welt“ aufschlägt. In grundlegenden Punkten besteht ein breiter Konsens der sich mittlerweile über alle Leitmedien erstreckt und sich bestenfalls im Tonfall und in Details unterscheidet. Entstanden ist ein Kodex von Begriffen und Themen, der als zugelassen gilt und der große Teile des politischen Meinungsspektrums dominiert. Verstärkt durch das Instrument der „Politischen Korrektheit“ hat sich eine Ausgrenzung aller abweichenden Meinungsäußerung als gängige Praxis etabliert.  N.H.


Informationen versus Vorurteile

Bereits im Jahr 1957 legte der US-amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger seine Theorie der kognitiven Dissonanz vor. Im Kern ging es dem Sohn russischer Einwanderer darum zu klären, wie Menschen mit der Aufnahme von Informationen umgehen, die im Widerspruch zu ihren bisherigen Einstellungen stehen. Nicht zuletzt wegen ihrer Bedeutung für Politik, Medien und Werbewirtschaft gehört die Theorie der kognitiven Dissonanz zu jenen der Sozialpsychologie, die in den letzten Jahrzehnten am intensivsten erforscht wurde.

Bestätigt hat sich Festingers These, dass zur Vermeidung innerer Spannungszustände Menschen Informationen ganz einfach verdrängen, wenn sie nicht in das bestehende Weltbild passen. Mehr noch: Die menschliche Psyche neigt dazu, Informationen, die Unbehagen verursachen, von Anfang an zu vermeiden. Stattdessen wird aktiv nach Informationen gesucht, welche die schon bestehenden Meinungen und Einstellungen bestätigen. Eine Begleiterscheinung dieses psychologischen Schutzmechanismus ist, dass die Informationsquelle, von der die widersprüchliche Information stammt, generell für unglaubwürdig erklärt oder als nicht relevant eingestuft wird. Mittlerweile ebenfalls erforscht ist, wie extrem hoch die Hürde liegt, dass ein Mediennutzer eine Information als glaubhaft einstuft, wenn sie im Widerspruch zu seinem Weltbild steht. Chancen, als „wahr“ eingestuft zu werden, haben solche Informationen nur, wenn sie parallel gleich von einer Reihe von Medienquellen verbreitet werden, die der Betreffende als glaubwürdig eingestuft hat.             N.H.


Zeitzeugen

George Orwell (1903–1950) – Bereits in dem 1949 erschienenen Roman „1984“ entwarf der englische Schriftsteller, Essayist und Journalist eine düstere Zukunftsversion einer totalitären Gesellschaft, in der per „Neusprech“ Sprache aus politischen Gründen künstlich modifiziert worden ist. Immer wieder zitiert werden aus dem Roman die politischen Parolen „Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“, „Unwissenheit ist Stärke“.

Friedrich Nietzsche (1844–1900) – Schon der  im preußischen Röcken geborene Philosoph und klassische Philologe wagte die Prognose, dass in künftigen Gesellschaften derjenige die eigentliche Macht ausüben werde, der den Sprachgebrauch regele.

Rudi Dutschke (1940–1979) – Der linke Studentenführer „Revolution ist nicht ein kurzer Akt, wo mal irgendwas geschieht und dann ist alles anders. Revolution ist ein langer komplizierter Prozess, wo der Mensch anders werden muss.“

Günter Rohrmoser (1927–2008) – Der Philosoph diagnostizierte bereits in den 90er Jahren: „Die Lage unserer Kultur ist heute nicht mehr geprägt durch die geistigen Väter unserer Verfassung, sondern durch die der Kulturrevolution von 1968.“

Thilo Sarrazin (geboren 1945) – In seinem Buch „Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“ machte der Volkswirt, Autor und ehemalige Politiker der SPD auf eine informelle Meinungskontrolle aufmerksam, die bestimmte Fragen und mit ihnen verbundene Antworten unter ein Tabu stellt: „Wer solche Grenzen zu überschreiten scheint, muss zwar heute nicht mehr den Schierlingsbecher trinken oder in die Verbannung gehen. Aber er darf sicher sein, dass bestimmte Medien versuchen, ihn und seinesgleichen öffentlich an den Pranger zu stellen.“


S. 5 Preussen/Berlin

Bei den Beamten brodelt es
Berlins Landesbedienstete rebellieren: »Nur noch Monate bis zum Kollaps des Systems«

Notfalls ließe sich bei schlechten Gesetzen immer noch mit guten Beamten regieren, so ein Bonmot, das Kanzler Otto v. Bismarck zugeschrieben wird. Doch zumindest die aktuelle Entwick­lung im Land Berlin lässt befürchten, dass die Bundesrepublik gerade dabei ist, den Rückhalt ihrer Staatsdiener zu verlieren.

Es war schon starker Tobak, was sich die Abgeordneten am 7. Dezember im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses anhören mussten: „Mehr Lohn oder wir wählen eine Protestpartei.“ Allen Anwesenden war eigentlich klar, womit die aufgebrachten Beamten den Vertretern der etablierten Parteien gedroht hatten: mit der Wahl der AfD.

Anlass für die Ankündigung, notfalls zum Protestwähler zu werden, war die Übergabe einer Petition, in der vom „Verdacht einer verfassungswidrigen Besoldung“ der Berliner Beamten die Rede war. Von den Initiatoren der Aktion um den Kriminalbeamten André Grashof wird angeführt, es habe seit dem Jahr 2003 im öffentlichen Dienst Berlins nur ein Gehaltsplus von insgesamt 12,5 Prozent gegeben. Da der Senat im Jahr 2003 zehn Prozent gestrichen habe, seien letztlich sogar nur 2,5 Prozent übriggeblieben.

Diese klägliche Gehaltserhöhung sei eine „Geringschätzung“ der Polizeibeamten, so Grashof: „Möglicherweise ist es noch nicht allen Abgeordneten aufgefallen, dass hier ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch steht.“ Grashof scheint mit seiner ungewohnt harschen Kritik breiten Rückhalt im Kollegenkreis zu genießen. Die notwendigen 20000 Unterschriften für eine mit der Petition in Gang gebrachte Volksinitiative kamen innerhalb von nur vier Wochen zusammen, und dies obendrein in den Sommerferien.

An weiteren Zeichen, dass die Stimmung innerhalb des öffentlichen Dienstes der deutschen Hauptstadt bedenklich brodelt, herrscht kein Mangel: Aus Sicht des Senats kann auch als Alarmsignal gelten, dass zahlreiche Interna aus der Berliner Skandalbehörde Lageso (Landesamt für Gesundheit und Soziales) nach außen gedrungen sind. So ließen sich Beamte unlängst anonym über die Medien etwa über Organisationsmängel der „Flüchtlings“-Behörde aus: „Ein Ordnungssystem gibt es nicht. Deswegen gibt es bei uns auch den Job des ,Suchers‘ – das sind Kollegen, die nur damit beschäftigt sind, die passende Akte zu suchen“, so eine der aufgetauchten Zustandsbeschreibungen. Lageso-Mitarbeiter berichten, dass die Führungsebene völlig überfordert sei.

Obendrein braut sich anscheinend nicht nur beim Lageso-Personal eine brisante Mischung zusammen. Wer das persönliche Gespräch mit Berliner Beamten sucht, der trifft entweder auf eine offensiv vorgetragene Proteststimmung, wie sie im Innenausschuss des Parlaments laut wurde, noch öfter allerdings auf stillen Protest, der durch ganz offensichtlich ausgeführtem „Dienst nach Vorschrift“ oder einen hohen Krankenstand sichtbar wird.

Ursache der Frustration bei den Beamten ist ein ganzer Mix an Missständen: Ein spezielles Berliner Problem ist die dürftige Bezahlung, die immer öfter dazu führt, dass qualifiziertes Personal versucht, entweder nach Brandenburg oder zu einer Bundesbehörde zu flüchten. Immer wieder vorgebracht wird auch die Klage über die Personalpolitik. Mitarbeiter bezweifeln zum einen oftmals die fachliche Eignung einer ganzen Reihe von ranghohen Vorgesetzten; bemängelt wird aber auch der immer akuter werdende Mangel an tauglichem Nachwuchs.

Polizei, Feuerwehr und Verwaltung bekommen immer öfter zu spüren, dass Deutschlands Bildungssystem anscheinend nicht in der Lage ist, ausbildungsfähige Bewerber für den öffentlichen Dienst hervorzubringen.

Vor dem Hintergrund dieser ohnehin angespannten Lage im öffentlichen Dienst Berlins entwickelt sich der massenweise Zustrom von Asylbewerbern nun zu einem Katalysator, der die Situation an den Rand der Eskalation treibt. Absurde Ausmaße haben aufgrund zu leistender Amtshilfe in Sachen „Flüchtlingskrise“ beispielweise die Wartezeiten auf den Bürgerämtern angenommen. Selbst wenn es um eine so simple Amtshandlung wie eine Ausweisverlängerungen geht, müssen sich die Berliner mittlerweile mitunter auf Termine in einem Vierteljahr einrichten. Entsprechend sind die Auswirkungen im Alltag. Bürger, die sich fürchten, mit einem abgelaufenen Personaldokument in eine Polizeikontrolle zu geraten und ein Bußgeld zu riskieren, beruhigen die Bürgerbüro-Mitarbeiter salopp mit einem „Machen Sie sich keine Sorgen, die Polizei kennt die Wartezeiten“. Im Ausmaß noch nicht einmal abzusehen sind die langfristigen Folgen des Massenansturms von Asylbewerbern.

Zumindest unter vier Augen geben erstaunlich viele Beamte überdies zu erkennen, dass ihnen durchaus bewusst ist, in welchem Umfang von staatlicher Seite im Zuge der „Flüchtlingskrise“ Gesetze bis zum äußersten gedehnt oder gar gebrochen werden. Die pflichtbewussten Staatsdiener leiden sichtlich darunter, quasi zur Komplizenschaft bei den Rechtsbrüchen genötigt zu werden. Genauso verheerend für die Motivation der Beamten ist es, wenn sie im Dienst mit den teilweise horrenden Kosten der Massenzuwanderung konfrontiert werden. Angesichts der Steuergelder, die im Rekordtempo ausgereicht werden, macht sich bei so manchem Beamten tiefe Resignation hinsichtlich der eigenen Pensionsaussichten breit. Mehr noch: Zu hören ist inzwischen sogar die Warnung vor einem Kollaps des staatlichen Systems, und zwar „nicht in Jahren, sondern innerhalb von Monaten“, so das Fazit eines Berliner Beamten in Leitungsfunktion. Norman Hanert


Sie verstecken sich lieber
von Theo Maass

Der Präsident des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso), Franz Allert, hat am Mittwochabend seinen Rücktritt erklärt. Sein Chef, Sozialsenator Mario Czaja (CDU), hatte sich nicht schützend vor ihn gestellt. Eine linksextreme Jagdgesellschaft hatte zunächst Czajas Kopf gefordert. Mitglieder des linken „Republikanischen Anwaltsvereins“ hatten sogar eine    Strafanzeige gegen den Senator angekündigt. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte zuvor einen (personellen) Neustart am Lageso verlangt. Der Senator scheint darüber froh gewesen zu sein: „Ich teile die Auffassung des Regierenden Bürgermeisters, dass die aktuellen Herausforderungen in der Flüchtlingsfrage auch einer personellen Erneuerung bedürfen.“

Doch Allert ist kaum der Hauptverantwortliche für Chaos am Lageso. Senator Czaja hat weggeschaut und wollte vor allem ein „guter Mensch“ sein. Vielleicht mit dem Hintergedanken, Regierender Bürgermeister einer (nun mehrheitsmäßig nicht mehr möglichen) schwarz-grünen Landeskoalition zu werden.

Loyalität scheint sowieso nicht zu Czajas Charaktereigenschaften zu gehören. Als sein Staatssekretär Michael Büge von der gleichen linken Jagdgesellschaft wegen seiner Mitgliedschaft in einer Burschenschaft 2012 angemistet wurde, warf er den Parteifreund bedenkenlos aus dem Amt.

Für die Zustände am Lageso ist zunächst der Senator verantwortlich. Er hätte das Amt personell angemessen ausstatten müssen. Dann ist sein Parteichef Frank Henkel verantwortlich. Er wäre als Innensenator für die überfällige Abschiebung abgelehnter Asylbewerber zuständig gewesen. Na ja, und dann bestimmt ja Bürgermeister Müller von der SPD die „Richtlinien der Politik“. Er hätte den Innensenator dazu anhalten müssen, das Recht anzuwenden, also unberechtigte Ausländer abzuschieben und natürlich hätte er auch Czajas Amtsführung beaufsichtigen müssen.

Alle diese Herren, deren Amtszeit im Ok­tober 2016 bei den Neuwahlen ausläuft, haben sich stattdessen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt und einen höheren Beamten gefeuert. Das ist nicht nur widerlich, sondern auch verantwortungslos.

Jeder Landesbeamte kann jetzt miterleben, wie es um die Fürsorgepflicht des Dienstherren bestellt ist. Die „Flüchtlingskrise“ zerstört nicht nur unseren Staatshaushalt und stellt die innere Sicherheit in Frage, sondern scheint in Berlin auch den Glauben in die  Zuverlässigkeit der öffentlichen Verwaltung nachhaltig zu untergraben. Eines nicht zu fernen Tages, wenn das angerichtete Chaos aufgeräumt werden muss, sollten die dann  zuständigen Autoritäten den Namen Mario Czaja nicht vergessen.


Senat wirkt überfordert
Beispiel S-Bahn-Ausschreibung: Politik schafft ihre Aufgaben nicht

Erst ein Jahr im Amt, sieht sich Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD) zunehmenden Zweifeln ausgesetzt. Müller, aber auch sein Stellvertreter, Innensenator Frank Henkel (CDU), hinterlassen immer öfter den Eindruck, den Aufgaben in der Stadt nicht gewachsen zu sein.

Fragwürdig wirkte unter anderem der Umgang mit dem Chef der Berliner Asylbewerberbehörde Lageso. Statt sich mit dem Koalitionspartner CDU zu verständigen, forderte Müller über die Medien die Ablösung des Behördenchefs, der wegen chaotischer Zustände bereits wochenlang in der Kritik gestanden hatte.

Die Forderung war nur Schluss­punkt einer langen Auseinandersetzung innerhalb der Koalition, die Müller mehrmals über die Öffentlichkeit ausgetragen hat. Die Ablösung des Behördenchefs war von einer Art, dass in der Hauptstadtpresse spekuliert wird, Müller beabsichtige die SPD-CDU-Koalition zu sprengen. Inzwischen ist auch noch herbe Kritik an dem Ergebnis der bis 21. Dezember laufenden Auftragsausschreibung für die Berliner Ringbahn lautgeworden.

Bereits absehbares Ergebnis des Verfahrens ist, dass der bisherige Betreiber, das DB-Unternehmen S-Bahn Berlin GmbH, auch künftig die S-Bahnen auf dem Ring betreiben wird. Zum Zuge kommt damit ausgerechnet der Anbieter, der 2009 eine ausgemachte „S-Bahn-Krise“ verursacht hat. Mehr noch: Aus Sicht der Opposition hat das Land Berlin eine große Chance vertan, den S-Bahn-Verkehr preisgünstiger zu gestalten. Stattdessen ist sogar mit Mehrkosten zu rechnen. Zwar wies Stadtentwick­lungssenator Andreas Geisel (SPD) Berichte über drohende Mehrkosten von bis zu 1,5 Milliarden Euro für den 15 Jahre laufenden Vertrag zurück, eingeräumt wurden allerdings Zusatzkosten von 370 Millionen Euro gegenüber dem bisherigen Vertrag mit der Deutschen Bahn.

Aus Sicht des Unternehmens National Express ist das Ergebnis der Ausschreibung „peinlich für Berlin“. „An einem wichtigen Wettbewerb für ein hochattraktives S-Bahn-Netz in der wachsenden Hauptstadt Deutschlands nahm am Ende nur noch ein Bieter teil, weil alle anderen abgesprungen waren – das sagt einiges über die Qualität dieses Verfahrens aus“, so die Kritik von Seiten des Konkurrenten der DB. Kritisiert wird unter anderem, dass allein die Anforderungen für die zu beschaffenden S-Bahnwagen durch den Senat rund 1100 Mal geändert worden seien.                N.H.


Tegel offenhalten
FDP will zwei Flughäfen für Berlin

Mit den Worten „Was muss, geht auch“ macht sich Sebastian Czaja, der Generalsekretär der Berliner FDP und Bruder des CDU-Sozialsenators, für den dauerhaften Erhalt des Flughafens Tegel stark. Zusammen mit dem Verein Pro Tegel hat die Berliner FDP ein Volksbegehren „Berlin braucht Tegel“ gestartet.

Aus Sicht der Initiatoren benötigt Berlin neben dem im Bau befindlichen BER einen zweiten Flughafen, da der BER mit einer Kapazität von 27 Millionen Passagieren pro Jahr zu klein konzipiert sei. Aufgefordert wird der Senat unter anderem dazu, „sofort die Schließungsabsichten aufzugeben und alle Maßnahmen einzuleiten, die erforderlich sind, um den unbefristeten Fortbetrieb des Flughafen Tegels ... zu sichern“. Aus juristischer Sicht gelten die Hürden zur Offenhaltung des Flughafens allerdings als hoch: Ein richterlich festgelegter Planfeststellungsbeschluss sieht die Konzentration des Linien-Flugverkehrs auf den neuen Flughafen BER vor. Festgelegt ist, dass nach dessen Eröffnung Tegel für den zivilen Flugverkehr geschlossen wird.

Ändern könnten die Rechtslage nur die Landesparlamente Berlins und Brandenburgs durch einen neuen Flächennutzungsplan, gegen den mit hoher Wahrscheinlichkeit geklagt werden würde. Wegen einer mittlerweile verschärften Gesetzeslage müss­ten zudem Milliarden Euro für den Schallschutz rund um den in die Jahre gekommenen Flughafen Tegel investiert werden. Die Initiative „Berlin braucht Tegel“ muss innerhalb von sechs Monaten 20000 Unterschriften sammeln, damit es zu einem Volksentscheid kommen kann.   N.H.


Zoo will NS-Zeit »aufarbeiten«

Bernhard Blaszkiewitz war bis 2014 Direktor des Berliner Zoos. Der als konservativ geltende Mann stand immer wieder in der Kritik linker Medien und einiger Abgeordneter der Grünen. Vom Nachfolger Andreas Knieriem war bislang wenig zu hören. Nun hat er sich ein Betätigungsfeld ausgesucht, das ihm sofort die Aufmerksamkeit der Hauptstadtmedien sicherte. Der Zoo will mit einer Dauerausstellung seine NS-Vergangenheit „aufarbeiten“: „Wir wollen eine versöhnliche Geste schaffen, dass wir zu dieser Geschichte stehen.“ Der Zweite Weltkrieg hatte kaum etwas vom alten Zoo übriggelassen. In der Folge mussten Blaszkiewitz und seine Vorgänger etwas nahezu völlig Neues aufbauen, um den Zoo wieder zum Publikumsmagneten zu machen. Indes: Durch fachlich Herausragendes ist Knieriem bislang kaum in Erscheinung getreten, nun aber hat er endlich etwas gefunden, mit er die wohlwollenden Blicke der veröffentlichten Meinung auf sich ziehen kann.         H.L.


S. 6 Ausland

Noch ist das Establishment stärker
Warum der FN in der zweiten Runde der französischen Regionalwahlen trotz Zugewinnen scheiterte

Der strahlende Sieger der ersten Runde der Regionalwahlen in Frankreich, der Front National (FN), ist trotz Stimmgewinnen in absoluten Zahlen der tragische Verlierer der zweiten Runde.

Obwohl der FN in sechs von 13 Regionen in Führung lag und zwei seiner Spitzenkandidaten, Marine Le Pen und Marion Maréchal-Le Pen, die besten Ergebnisse von allen Kandidaten erzielt hatten, scheiterten die Frontisten in der zweiten Runde an der „republikanischen Front“ aus Republikanern (Les Républicains, LR, Ex-UMP), Zentristen (Union des démocrates et indépendants, UDI und Mouvement démocrate, MoDem), Sozialisten (Parti socialiste, PS) und linksextremen Splitterparteien im Norden und Süden sowie an einer fast zehn Prozent höheren Wahlbeteiligung als in der ersten Runde. Dem FN den Weg zur Macht zu versperren, war das einzige Wahlziel der etablierten Parteien von der traditionellen Rechten bis hin zu den linksextremen Splitterparteien. In der Woche zwischen den beiden Wahlgängen dominierte die anti-frontistische Propaganda in den Mainstreammedien. Im Norden, wo Marine Le Pen mit über 40 Prozent der Stimmen vorne lag und der sozialistische Kandidat Pierre de Saintignon mit nur 18 Prozent in der Vorrunde aus dem Rennen ausstieg, klebten die Grünen Wahlplakate für Xavier Bertrand, den republikanischen Kandidaten, während die Sozialisten in den Fußgängerzonen Handzettel für diesen verteilten. Der Geschäftsführer eines börsenorientierten Metall-Unternehmens in Lothringen warnte anonym in der Zeitung „Les Echos“ vor einem Sieg des FN: „Meine deutschen Aktionäre sind beunruhigt. Es ist nicht mehr sicher, dass sie ihre Investitionen hier tätigen werden.“ Sämtliche Künstler und Vertreter von staatlich alimentierten „Bürgervereinigungen“ riefen ebenfalls über die Medien zur Wahl gegen den FN auf, und Premierminister Manuel Valls erklärte sogar, dass Frankreich „der Bürgerkrieg drohe“, falls der FN die Wahlen gewinne.

Diese Propaganda mobilisierte die vereinigte Linke weit stärker als die traditionelle Rechte, denn trotz ihrer schlechten Ausgangslage behielten die Sozialisten fünf Regionen. Die Allianz aus Republikanern und Zentristen gewann zwar sieben, doch vor ein paar Monaten schien noch die Machtübernahme in allen Regionen möglich. Ausschlaggebend für das bescheidene Ergebnis der traditionellen Rechten war möglicherweise die Absetzung von Nadine Morano als Spitzenkandidatin der Republikaner im Osten, nachdem diese in einer Talkshow in freier Form General Charles de Gaulle mit folgenden Worten zitiert hatte : „Wir sind ein jüdisch-christliches Land von weißer Rasse“. Darauf lautete die Antwort des Vorsitzenden der Republikaner, Nicolas Sarkozy: „Keiner, der vorgibt, dass Frankreich eine Rasse ist, kann die Fahne unserer politischen Familie tragen.“

Viele rechte Wähler sind heute resigniert und heimatlos. 2007 erweckte Sarkozy im rechten Lager große Hoffnungen, als er mit dem Versprechen, der 68er Kultur abzuschwören, zum Präsidenten gewählt wurde. Der FN erreichte damals historisch schlechte Ergebnisse. Doch Sarkozy hielt keines seiner Wahlkampfversprechen: Er belohnte einzelne Sozialisten mit Ministerposten, ignorierte durch den Vertrag von Lissabon das französische Nein zur Europäischen Verfassung, verfolgte weiterhin eine libertinäre Gesellschaftspolitik und begrenzte weder die jährliche Masseneinwanderung von zirka 200000 Personen noch kämpfte er effizient gegen Islamismus und Kriminalität in den Ghettos.

Unter Sarkozy verkam die Politik zu einem Kommunikationsspektakel, dessen bald die gesamte Bevölkerung überdrüssig war. Aus Ablehnung von Sarkozy wurde François Hollande 2012 zum Präsidenten gewählt. Doch durch ideologische Verbohrtheit und Inkompetenz verloren auch die regierenden Sozialisten ein Gros ihrer Anhänger. Der FN wird heute im Bereich innere und äußere Sicherheit sowie in der Gesellschaftspolitik als einzige echte Alternative wahrgenommen. Ihr frankreichweit bestes Wahlergebnis erzielte die Le-Pen-Partei mit 64 Prozent deshalb in der ersten Runde in Versailles-Sartory, der größten Armeesiedlung des Landes mit mehr als 5000 Gendarmen und Soldaten. „Sicherheit ist das einzige, was im Moment zählt“, sagt Thomas, ein Oberst, der unter anderem in Afghanistan und im Kosovo gedient hat. Laurent, ein Reserve-Gendarme, erklärt die Lage so: „Unter den Sozialisten schreiten wir gar nicht erst ein gegen Randalierer, unter der Rechten müssen wir unsere Haut zwar hinhalten, aber zwei Stunden später sind die Täter eh wieder frei wegen fehlender Beweise.“              

                Eva-Maria Michels


Denkzettel für die Roten
Die Wirtschaftsmisere ließ viele Venezolaner bürgerlich wählen

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und die Anhänger des nach seinem verstorbenen Vorgänger Hugo Chávez benannten Chavismus muss­ten am 6. Dezember eine historische Niederlage einstecken: Sie verloren zum ersten Mal seit Ende 1998 eine Parlamentswahl und das bürgerliche Oppositionsbündnis „Vereinigte Demokraten“ unter Jesús Torreabla gewann überraschend zwei Drittel der Stimmen. Laut Maduro sei dafür neben dem gesunkenen Ölpreis vor allem ein von „entfesselten Kapitalisten angezettelter Wirtschaftskrieg“ verantwortlich.

Eine deutliche Mehrheit der Venezolaner schenkte jedoch der offiziellen Propaganda keinen Glauben und gab einer unfähigen Regierung und dem eher blassen Machthaber die Schuld an der wirtschaftlichen Misere, die sich durch hohe Inflation, Rezession und Verknappung auszeichnet. Eine Wiederbelebung der völlig darniederliegenden Industrieproduktion ist unumgänglich.

Doch viele Menschen können aufgrund der aktuellen misslichen Lage als Protestwähler gelten, die gleichzeitig auf die vermeintlichen sozialen Errungenschaften nicht verzichten wollen. Maduro erscheint verbraucht, aber die Legende von Chávez lebt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat auch drei Jahre nach seinem Tode immer noch einen positiven Eindruck von ihm.

Dementsprechend gibt sich Maduro nach dieser „Backpfeife“ weiterhin kämpferisch, denn „nun müsse eine neue Etappe der (nach dem Unabhängigkeitshelden Simón Bolívar) benannten Revolution beginnen“, seien „Rückzug und Neugliederung“ nötig. Dies erscheint in der Tat angebracht, da selbst in der in Caracas gelegenen Gemeinde „23. Januar“, wo die Überreste von Chávez ruhen, seine politischen Gegner triumphierten.

Zwar gibt es durchaus Stimmen, die einen Rücktritt Maduros fordern, weil dieser seit seinem Amtsantritt 2012 keine entscheidenden Akzente gesetzt habe. Da aber die Personaldecke bei der Regierungspartei recht dünn ist und dort Dissidenten „Verräter an der Revolution“ sind, wird der Vertreter einer harten Linie und jetzige Vorsitzende der Nationalversammlung, Diosdado Cabello, als neuer starker Mann gehandelt, dem man einen Posten im zukünftigen Kabinett oder sogar die Vizepräsidentschaft zutraut.

Die Wahlsieger ihrerseits möchten schnellstmöglich politische Häftlinge freilassen, darunter den früheren Oppositionsführer und den abgesetzten Bürgermeister der Hauptstadt. Gegen ein Amnestiegesetz will Maduro sein Veto einlegen, doch die klare Parlamentsmehrheit seiner politischen Gegner berechtigt diese dazu, die stark politisierte Judikative zu erneuern und somit hätte der Oberste Gerichtshof das letzte Wort in dieser Frage.

Die Bürgerlichen könnten außerdem mit Hilfe eines Misstrauensvotums Minister oder den Vizepräsidenten absetzen, alle hohen Posten in der Legislative bestimmen, Preiskontrollen und Devisenbestimmungen abschaffen sowie internationale Abkommen überprüfen.

Obwohl die letzten 16 Jahre Venezuela tief geprägt haben, so gibt dieses eindeutige Wahlergebnis Anlass zur Hoffnung. Eine jetzt mögliche Verfassungsreform dürfte weitere Veränderungen ermöglichen, die dieses geschundene Land dringend benötigt.

                Markus Matthes


Zwischen den Fronten
Südkaukasus fürchtet Ungemach durch türkisch-russischen Konflikt

Der russisch-türkische Konflikt könnte sich auf die südkaukasischen Länder Armenien, Aserbaidschan und Georgien ausweiten, gelingt es nicht,  eine friedliche Lösung zu finden.

Besonders in der Schusslinie sieht sich Armenien, das an die Türkei angrenzt und dessen Beziehungen zu Ankara wegen des Bergkarabach-Konflikts seit Jahren eingefroren sind. Eriwan befürchtet, dass Armenien wegen der Stationierung russischen Militärs in Gjumri und auf dem Flughafen Erebuni zur Zielscheibe der Türkei werden könnte. Gegner des armenischen Präsidenten Sersch Sargsjan kritisieren den Beitritt Armeniens in die Eurasische Wirtschaftsunion, mit der Russland die Länder des Kaukasus unter seine Kontrolle bringen wolle.

Der Konflikt um die umstrittene Region Bergkarabach, das Armenien und Aserbaidschan als ihr Staatsgebiet beanspruchen, droht wieder aufzuflackern. Zumal Bako Sahakjan, Präsident der nicht anerkannten Republik Bergkarabach, Moskau angeboten hat, den Flughafen von Stepanakert für dessen Anti-Terror-Kampf in Syrien zu nutzen. Dies würde, sehr zum Ärger der Türkei, die militärische Präsenz Russlands im Südkaukasus ausweiten.

Um Einfluss in der Region ringt die Türkei ebenso.  Bei seinem Besuch in Aserbaidschan erklärte der türkische Außenminister Achmed Davutoglu, alles zu unternehmen, damit die besetzten aserbaidschanischen Gebiete befreit würden. Ob Bergkarabach wieder ein Thema wird, hängt vom Verhalten Aserbaidschans ab. Präsident Ilham Alijew steht zwischen den Fronten, denn sein Land ist auf eine enge Zusammenarbeit sowohl mit Moskau als auch Ankara angewiesen.

Trotz der traditionell guten Beziehungen zwischen Aserbai-dschan und der Türkei gelang es Davutoglu bei seinem Besuch nicht, Baku auf seine Seite zu ziehen. Alijew bezog weder Stellung zu Syrien noch ging er auf den Abschuss des russischen Kampfjets ein. Möglicherweise bewegt das Wissen um die Druckmittel Russlands ihn dazu, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Moskau hat Aserbaidschan und Georgien in Aussicht gestellt, die wegen der Sanktionen gegen türkische Lebensmittel entstandene Lücke auf dem russischen Markt mit deren Produkten zu schließen.

Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Aserbaidschan sind die in Russland lebenden Landsleute. Sie verdienen dort meist gut und steuern jährlich etwa drei Milliarden US-Dollar an Transferleistungen zum Haushalt bei.

Auch Georgien sieht sich in der Schusslinie und ist daher an einer friedlichen Regelung des Konflikts interessiert. Das Land hat nicht nur gemeinsame Grenzen mit Russland und der Türkei, es befindet sich auch ein Trainingszentrum der Nato auf seinem Territorium. Die Türkei hat strategische Beziehungen mit Georgien und ist ihr wichtigster Außenhandelspartner. Georgien verliert durch die russischen Sanktionen Einnahmen als Transitland. Georgien verhält sich nicht zuletzt deshalb neutral, weil der Konflikt um Abchasien und Südossetien zu einem neuen Krieg im eignen Land führen und die gerade erst wieder geknüpften Bande mit Moskau zunichte machen könnte.

                Manuela Rosenthal-Kappi


MELDUNGEN

Wettern gegen Krimtataren

Krim/Moskau – Nach dem Anschlag auf Stromleitungen auf der Krim verschärft Russland den Ton gegenüber Krimtataren. Der Medschlis (die in der Ukraine anerkannte Vertretung der Volksgruppe) werde von der Türkei und der Nato gesponsert, behauptete Olga Kowitidi, Senatorin des russsichen  Krim-Parlaments, kürzlich im staatlichen Fernsehen. Den Medschlis stuft Kowitidi als terroristische Gruppierung ein. Die Führer der Krimtataren, die wegen ihrer Turksprache von der Türkei auch als „Krimtürken“ bezeichnet werden, dürfen seit 2014 nicht mehr in Russland einreisen. Sie hatten das Krimreferendum boykottiert.       MRK

 

US-Stützpunkt in Singapur

Washington – Singapur hat im Pentagon einen Pakt abgeschlossen, der die Stationierung von Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeugen des Typs Boeing P-8 „Poseidon“ der United States Navy auf seinem Staatsgebiet vorsieht. Die Erlaubnis zur Stationierung der zweistrahligen Flugzeuge, die auf dem Kurz- und Mittelstreckenflugzeug Boeing 737-800 beruhen, dürfte die Einsätze der US-Amerikaner im Südchinesischen Meer sehr erleichtern. Gemäß einer Erklärung des singapurischen Verteidigungsminister Ng Eng Hen und seines US-amerikanischen Amtskollegen Ashton Carter kooperiert man nun zum ersten Mal in den Bereichen Cyberabwehr, Biosicherheit und Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Intensiviert werden sollen die maritimen Sicherheitsanstrengungen mit regionalen Partnern, um humanitäre Hilfe effizient leisten zu können. Beide Gesprächspartner beteuerten dabei die Wichtigkeit einer starken US-Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum.                M.M./PAZ


S. 7 Wirtschaft

Bekenntnis zur Entwicklungshilfe
Neue Strategie − Peking will nicht bloß Rohstoffe aus Afrika importieren und Produkte dorthin exportieren

Bislang beschränkte sich das chinesische Engagement in Afrika vor allem auf die Ausbeutung der dortigen Rohstoffvorkommen und große Infrastrukturprojekte, die dem Abbau der chinesischen Überkapazitäten in der Baubranche dienten, aber kaum Arbeitsplätze für Einheimische schufen. Außerdem überschwemmte China den afrikanischen Markt mit Billigwaren aus eigener Produktion, was der Wirtschaft vor Ort schadete. Das soll nun anders werden.

In dem nun zu Ende gehenden Jahr stieg der Handelsbilanzüberschuss Chinas gegenüber Afrika auf 40 Milliarden US-Dollar. Die chinesischen Importe aus Afrika schrumpften in den letzten zwölf Monaten um 31 Prozent. Das lag vor allem an Chinas sinkender Nachfrage nach Rohstoffen, was einige Rohstoffe exportierende Länder wie Angola, Kongo und Sambia in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten stürzte.

Das hinderte den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping allerdings nicht daran, ein überaus optimistisches Bild von der Zukunft zu zeichnen, als ihn Anfang dieses Monats eine ausgedehnte Reise durch den Süden des Schwarzen Kontinents führte. So verkündete er im Verlaufe des Gipfeltreffens des Chinesisch-Afrikanischen Kooperationsforums (FOCAC) in Johannesburg vor 49 afrikanischen Staatsoberhäuptern und deren Entourage, dass zwischen China und Afrika eine historisch bedingte „Schicksalsgemeinschaft“ bestehe und die „Süd-Süd-Kooperation“ zwischen der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt und dem dynamischsten Kontinent der Erde für beide Seiten zu einer „Win-win-Situation“ führen werde.

Dem folgte das Versprechen, die eigenständige wirtschaftliche Entwicklung Afrikas in den kommenden drei Jahren mit 60 Milliarden Dollar zu unterstützen – sei es in Form von zinslosen oder zinsgünstigen Krediten oder durch direkte Entwicklungshilfeleistungen. Zu den letzteren zählen der Aufbau einer militärischen Krisentruppe der Afrikanischen Union, die Finanzierung von Umweltschutz- und Gesundheitsmaßnahmen, die Förderung von Projekten zum Studentenaustausch sowie Lebensmittellieferungen in die Dürre-Regionen des Kontinents. Außerdem ließ der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang im Vorfeld der Reise von Xi wissen, dass die Investitionen in Afrika bis zum Jahr 2020 um 100 Milliarden Dollar wachsen sollen.

Diese Ankündigungen sind Teil einer neuen Strategie Chinas gegenüber den afrikanischen Staaten. Nunmehr signalisiert das Reich der Mitte seinen Willen zu einer echten Kooperation, welche die Hemmnisse beseitigen soll, die die Entwicklung Afrikas bremsen: Armut und Hunger, islamischer Terror, Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, zu geringe Finanzmittel und ungenügende Industrialisierung. Das heißt, Peking plant jetzt offenbar tatsächlich auch die Förderung des Aufbaus einer eigenständigen afrikanischen Industrie, die konkurrenzfähige Produkte herstellen kann. Das würde zwar dem chinesischen Export schaden, aber die politischen Bindungen zwischen den beiden ungleichen Partnern vertiefen.

Und tatsächlich bedankten sich die in Johannesburg versammelten Staatschefs für Xis Beteuerungen, China wolle nun seine „Industrialisierungserfahrungen mit den afrikanischen Ländern teilen“, sogleich mit allerlei Artigkeiten. So meinte der stellvertretende Handels- und Industrieminister Südafrikas, Mzwandile Masina: „China ist die Hoffnung des afrikanischen Kontinents.“ Und Namibias neuer Präsident Hage Geingob fügte hinzu, wenn Afrika noch enger mit China kooperiere, mache es „das beste Geschäft“, das denkbar sei – damit nämlich würde der „Großverkauf-Export unserer Ressourcen ... durch den Fokus auf Wertsteigerung, Wissensentwicklung und Technologietransfer abgelöst“. Anschließend verteilte Geingob noch Seitenhiebe gegen „gewisse Nationen, die uns belehren und vor der sogenannten chinesischen Kolonialisierung von Afrika warnen“. Diese sollten sich daran gewöhnen, dass „unsere Investitionstüren“ vor allem jenen offenstehen, „die uns respektieren und gleichwertig behandeln“.

Starke Worte aus dem Munde eines Mannes, der ein Land regiert, welches seit Anbeginn seiner Existenz vor 25 Jahren am Tropf der westlichen beziehungsweise deutschen Entwicklungshilfe hängt. Aber andererseits sind sie auch typisch für all die Potentaten südlich der Sahara, die nur zu gern registrieren, mit welchem Aufwand China die Wirtschaft in Schwarzafrika aufpäppeln will, ohne zugleich die Reizthemen Menschenrechte und Demokratie zur Sprache zu bringen.      

                Wolfgang Kaufmann


Nicaraguas alter Traum
Sandinisten und Chinesen planen Alternative zum Panamakanal

Nicaragua, das zweitärmste Land Lateinamerikas, will endlich seinen alten Traum realisieren und ebenso wie Panama vom Welthandel profitieren. Geplant ist ein „großer transozeanischer“ Schifffahrtskanal quer durch den mittelamerikanischen Staat. Am 14. Juni 2013 billigte die Nationalversammlung Nicaraguas die Erteilung der Konzession für den Bau und Betrieb eines Kanals zwischen Atlantik und Pazifik an das Konsortium Hong Kong Nicaragua Canal Development Group (HKND).

Kürzlich nahm Präsident Daniel Ortega eine Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudie zu dem gigantischen Bauvorhaben entgegen, das die HKND-Gruppe in Auftrag gegeben hatte. Deren Vorsitzender Wang Jing versprach, das Bauwerk demgemäß bis 2019 durchführen zu wollen. Wichtige Veränderungen am Verlauf des Kanals seien bereits vorgenommen worden, dadurch verteuerte sich das Projekt um zehn auf 50 Milliarden US-Dollar. Zusammen mit der Konzession erwarb HKND auch die Rechte zum Bau einer Eisenbahnverbindung, einer Pipeline, eines Flughafens, zweier Tiefseehäfen sowie einer Freihandelszone.

Anfang Oktober gab das US-amerikanische Medienunternehmen Bloomberg allerdings bekannt, dass Wang Jing vor dem Hintergrund des chinesischen Börsensturzes Rekordverluste hinnehmen musste. Noch im Juni rangierte er mit 10,2 Milliarden Dollar unter den 200 reichsten Menschen der Welt, danach schmolz sein Vermögen auf 1,1 Milliarden Dollar zusammen. Während Beobachter vermuteten, dass sein Konsortium jetzt außer Stande sei, den Bau des ebenso kostspieligen wie umstrittenen Kanals durchzuführen, gab die HKND-Gruppe bekannt, man werde die benötigten Gelder einsammeln und im Frühjahr 2016 mit dem Kanalbau beginnen.

Unermüdlich verspricht der sandinistische Präsident Ortega der Bevölkerung einen Wirtschaftsboom und mehr Umweltschutz durch die Einnahmen über den Kanal. Doch für das Bauwerk würden 400000 Hektar Regenwald und Feuchtgebiete vernichtet werden. 100000 Menschen, überwiegend aus indigenen Gemeinschaften, droht die Enteignung. Der Kanal soll auf 105 Kilometern Länge durch den Nicaragua-See führen, das größte Süßwasserreservoir Mittelamerikas. Insgesamt soll der künstliche Wasserweg 278 Kilometer lang, bis zu 530 Meter breit und 27,6 Meter tief ausgebaut werden, damit er für Schiffe bis zu 400 Metern Länge und einem Raummaß von 400000 Tonnen passierbar ist.

Dafür müsste der teilweise nur fünf Meter tiefe See umfangreich ausgebaggert werden. Wissenschaftler aus aller Welt sind deswegen äußerst beunruhigt und warnen vor einem ökologischen Desaster. Schon durch die umfangreiche Ausbaggerung könnte der See umkippen. Für die Fischer der Region wären die Folgen ka­tastrophal. Die Tier- und Pflanzenwelt des Nicaraguasees lockt viele Touristen nach Nicaragua, diese Einnahmequelle würde komplett ausfallen.

Bislang ist der wesentlich kürzere Panamakanal die einzige schiffbare Querverbindung durch die Landbrücke Mittelamerikas. Doch selbst nach seinem Ausbau wird der Panamakanal, einer der bedeutendsten Handelswege der Welt, ab Frühjahr 2016 nur für Frachter bis 366 Meter Länge schiffbar sein. Daher setzt man in Nicaragua große Hoffnungen auf den Wettbewerbsvorteil des projektierten Kanals.     D. Jestrzemski


Geldschöpfung per »Anfa«
EZB erlaubt Notenbanken Staatsanleihenkäufe in Eigenregie

Nachdem es schon ein Instrument wie Target2, das Verrechnungssystem der Euro-Zone, heftige Diskussionen gegeben hat, ist nun erneut der Verdacht aufgetaucht, nationale Zentralbanken könnten vertragliche Grauzonen missbrauchen. Anlässlich einer ausweichenden Reaktion des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi ist eine Vereinbarung namens Anfa (Agreement on Net Financial Assets) in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Nachdem, was inzwischen über dieses bislang geheim gehaltene Abkommen bekannt wurde, erlaubt Anfa den nationalen Zentralbanken der Euro-Länder, in Eigenregie und großem Stil Anleihen anzukaufen und faktisch damit unabhängig von der EZB-Zentrale Geld zu drucken. Nach den bisher vorliegenden Informationen ließen sich die nationalen Notenbanken bei der Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB) Sonderrechte zum Kauf nationaler Anleihen einräumen, um auch nach der Gründung der EZB Aufgaben wie etwa die Verwaltung nationaler Währungsreserven in Eigenregie wahrnehmen zu können.

Wie sich nun zeigt, bergen diese Sonderrechte erhebliches Missbrauchspotenzial. Im Raum steht der Vorwurf, einige Notenbanken der Euro-Zone hätten in erheblichem Umfang Anleihen des eigenen Staates aufgekauft und damit eine illegale Staatsfinanzierung betrieben. So kommt eine Studie des Berliner Finanzwissenschaftlers Daniel Hoffmann zu dem Schluss, die italienische Notenbank könnte für bis zu 108 Milliarden Euro Staatsanleihen Italiens gekauft haben. Frankreich könnte der Untersuchung zufolge in ähnlichen Dimensionen Papiere des Staates gegen frische Euro gewechselt haben. Wie Hoffmann in seiner Dissertation „Die EZB in der Krise“ anführt, haben auch die Zentralbanken Belgiens, Griechenlands und Irlands auffällig hohe Positionen von angekauften Anleihen im Laufe der Euro-Krise angehäuft. Da die Positionen in den Geschäftsberichten der meisten Notenbanken unter Sammelpositionen aufgeführt werden, ist ein Nachvollziehen der Anleihenkäufe nicht einfach. Medienberichten zufolge könnte es sich bei den betreffenden Geschäften der nationalen Zentralbanken um eine gewaltige Summe handeln. So sollen zwischen 2006 und 2012 für mehr als

500 Milliarden Euro Wertpapiere aufgekauft worden sein. Bis Ende 2014 soll der Bestand sogar auf mehr als 720 Milliarden Euro gestiegen sein, so ein Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Das Bekanntwerden der Geschäfte hat inzwischen scharfe Reaktionen hervorgerufen. Hans Michelbach (CSU), der Obmann der Unions-Fraktion im Bundestagsfinanzausschuss, hat den EZB-Präsidenten aufgefordert, „umfassende Auskunft über die merkwürdigen Geldvermehrungen mehrerer nationaler Notenbanken“ zu geben. Noch schärfer fällt die Reaktion des Professors Werner Sinn vom Münchner ifo-Institut aus, der schon andere umstrittene Praktiken im Rahmen der Europäischen Währungsunion kritisiert hat: „Das Schöne am Euro ist, dass man sich im eigenen Keller Geld drucken kann, das in anderen Ländern als Zahlungsmittel anerkannt ist.“ N. Hanert


MELDUNGEN

19,2 Milliarden für Erneuerbare

Berlin – Für die Förderung der Erneuerbaren Energien sind im vergangenen Jahr 19,2 Milliarden Euro ausgegeben worden. Laut Bundesregierung stehen diesen Kosten „positive Wirkungen gegenüber, zum Beispiel vermiedene Treibhausgase und Luftschadstoffe und daraus resultierend verringerte Umweltschäden sowie gesamtwirtschaftliche Impulse“. Mit einem auf 161,4 Terawattstunden gestiegenen Anteil sind die Erneuerbaren Energien inzwischen die wichtigste Stromquelle. Aus Windenergie wurden 57,4 Terawattstunden Strom erzeugt, aus Biomasse 49,2, aus Photovoltaik 35,1, aus Wasserkraft 19,6 und aus Geothermie 0,1 Terawattstunden.             J.H.

 

ÖPP ein Erfolgsmodell

Berlin – Der Bund hat mit den bisherigen Projekten der Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP) überwiegend gute Erfahrungen gemacht. Die Projekterwartungen seien erfüllt, schreibt die Bundesregierung in ihrem ÖPP-Bericht. Die Projekte würden sich durch eine hohe Termin- und Kostentreue auszeichnen. Die bauliche Qualität befinde sich auf einem hohen Niveau. Die erwarteten Wirtschaftlichkeitsvorteile hätten sich weitgehend bestätigt.                J.H.


S. 8 Forum

Klima-Luftnummer
von Harald Tews

Gar nichts wird sich ändern: das Klima erst recht nicht. Der Klimagipfel von Paris, dessen Abkommen von Politikern als größtes Zukunfts-Ergebnis bejubelt wird, geht höchstens als größte Luftnummer in die Geschichte ein. Absurd die Vorstellung, als könnten die Menschen einfach am Schalter drehen und so die weltweite Temperatur um 1,5 bis zwei Grad verringern. Gut möglich, dass die pflichteifrigen Europäer die CO2-Belastung auf Kosten der Wirtschaft senken werden. Vor allem die USA und die Schwellenländer werden nicht daran denken, ihre Industrie wegen ein paar Grad zurückzufahren. Die wachsende Menschheit will umsorgt sein, und das geht nur mit florierender Wirtschaft und ungebremstem Verkehrsabgasen zu Lande, zur See und in der Luft.

Die 196 Staaten, die in Paris das Abkommen unterzeichneten, haben sich verpflichtet, alle fünf Jahre ihre Klimaziele überprüfen zu lassen. Aber keiner denkt daran, was passiert, wenn die Regierung eines Landes wechselt und aus dem Abkommen ausschert. Schon jetzt wird spekuliert, dass sich ein möglicher US-Präsident Donald Trump einen Dreck darum kümmern wird. Vor allem beim Klima kann man vorhersagen: Es bleibt mit Sicherheit alles beim Alten.


Kein Vorbild
von Manuel Ruoff

Wo jetzt Gauck in Jordanien war, ertönt in Deutschland wieder verstärkt die alte Leier: Die Deutschen sollten sich mit ihren Flüchtlingen nicht so anstellen, das kleine Jordanien habe, gemessen an seiner Bevölkerung, viel mehr Syrer aufgenommen.

Dabei werden einige wesentliche Unterschiede geflissentlich verschwiegen. Die Jordanier sind wie die Syrer Araber, die Deutschen nicht. Umgekehrt nehmen wir es ja auch den Arabern nicht übel, dass sie nach dem letzten Weltkrieg viel weniger Ostdeutsche aufgenommen haben als die West- und Mitteldeutschen.

Für das Gros der syrischen Flüchtlinge in Jordanien war die Alternative zur Einreise ins Gastland der Verbleib in einem Bürgerkriegsland, für das Gros der syrischen Immigranten in Deutschland hingegen der Verbleib in einem Land, das genauso sicher ist, nur weniger Sozialleistungen bietet.

Und damit wären wir beim nächsten Punkt, den Kosten. Wie würden die Gutmenschen, die den Deutschen nun Jordanien als Vorbild hinhalten, herumjammern, wenn der deutsche Fis­kus ähnlich wenig Geld pro Syrer ausgeben würde wie der jordanische. Umgekehrt würde es sich der jordanische Steuerzahler kaum lange bieten lassen, wenn sein Staat pro syrischem Einwanderer auch nur annähernd so viel Geld ausgeben würde wie der deutsche.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass Jordanien für seine syrischen Flüchtlinge Geld bekommt, während Deutschland dieses für seine Immigranten nicht nur nicht bekommt, sondern vielmehr anderen Aufnahmeländern noch Geld gibt, nicht zuletzt Jordanien.


Ausstieg aus der Kultur
von Jan Heitmann

Es gehört einfach dazu in diesen Tagen: Ein heißer Becher Glühwein und dazu frisches Gebäck auf dem Weih­nachtsmarkt. Aber wo gibt es noch einen Weih­nachtsmarkt? Nicht, dass es an Orten mangelt, wo man diese schönen Dinge kaufen kann. Aber die heißen nicht mehr Weih­nachtsmarkt. Stattdessen laden uns die „Winterausgabe des Green Market Berlin“, der „Holiday Market“, der „Winterzauber“, das „Lichterfest“ und der/die/das „Winter Pride“ ein. Letzteres wendet sich übrigens speziell an homo-, bi-, transsexuell und sonstwie Orientierte, aber auch ganz normale Menschen, die auf die überlieferte Weise zur Erhaltung ihrer Art beitragen, dürfen dort einen Glühwein trinken. Sieht alles aus und riecht wie Weihnachtsmarkt, heißt aber nicht mehr so. Damit all diejenigen, die zur Bereicherung unserer Kultur zu uns kommen, ja nicht mit der unsrigen belästigt werden. Schließlich glaubt nicht jeder an den Weihnachtsmann und der könnte sich womöglich durch weihnachtliches Gehabe verunsichert oder gar beleidigt fühlen. Das gilt es unbedingt zu vermeiden, also verzichten wir aus Rück­sicht auf unsere Gäste aus dem Morgenland gern auf ein Stück abendländischer Kultur.

Deshalb treffen wir uns auch nicht mehr zum Adventssingen, sondern zum Jahresausklangsmusizieren, freuen uns in der Firma nicht mehr auf die Weihnachtsfeier, sondern auf den jahresendzeitlichen Gesellschaftsabend und versammeln uns zum letzten Vereinstreffen im Jahr nicht mehr um den Christ-, sondern um den Lichterbaum.

Immerhin wünschen wir uns noch „Frohe Weihnachten“. Noch. Da ist man uns in den USA, die sich nach ihrem bescheidenen Selbstverständnis Gottes besonderer Gunst erfreuen (God’s own Country), schon weit voraus. „Merry Christmas“ (Frohe Weih­nachten) war vorgestern, „Happy Holydays“ (Frohe Festtage) gestern. Heute heißt es politisch oberkorrekt „Season’s Greetings“, was sich ganz banal mit „Saisonale Grüße“ übersetzen lässt.

Aber noch ist nicht alles verloren. Denn wie steht es am Anfang einer jeden Asterix-Geschichte: „Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“ So einen Hort des Widerstands gibt es auch in Sachen Christenheit. Er liegt im US-Bundessaat Georgia und heißt Harris County. Wer die Grenze des Regierungsbezirks passiert, wird freundlich begrüßt: „Willkommen in Harris County.“ Aber dann: „Warnung: Harris County ist politisch unkorrekt. Wir sagen: Frohe Weihnachten, Gott schütze Amerika und wir vertrauen auf Gott. Wir grüßen unsere Truppen und unsere Fahne. Wenn dich das stört… verschwinde!“

In diesem Sinne: Frohe Weih­nachten und Gottes Segen. Und: Danke, Gallier von Harris County!


Gastbeitrag
»Willkommenskultur«: Ein Akt der Nächstenliebe?
von Pastor Jakob Tscharntke

Fassungslos schauen in diesen Tagen Menschen aus aller Welt nach Deutschland. Viele von ihnen fragen sich: Ist die deutsche Kanzlerin, ist das deutsche Volk verrückt geworden?

Unter Missachtung zahlreicher Gesetze holt Kanzlerin Angela Merkel seit Monaten Unmengen Fremder nach Deutschland. Dass die knapp eine Million offiziell registrierter, und geschätzt wohl gut nochmals soviel nichtregistrierter, Zuwanderer fast ausnahmslos junge, kräftige, muslimische Männer sind, soll dabei nicht stören. Dennoch stellt sich die Frage: Warum verteidigen die nicht ihre Heimat? Wären sie nicht in Syrien und im Irak die Grundlage für eine schlagkräftige Armee gegen den Islamischen Staat? Ist es wirklich das Gebot der Stunde, dass wir deutsche Soldaten in den Krieg gegen den Islamischen Staat schicken – oder eher gegen Putin? – und gleichzeitig ein Heer junger Männer von ebendort nach Deutschland holen? Welche Gefahr geht andererseits von dieser Million Muslime mitten in Deutschland aus?

Nein, erklärt jüngst die Leitung der größten deutschen Freikirche, des Bundes evangelisch-freikirchlicher Gemeinden: Vor einer möglichen Islamisierung Deutschlands brauche man sich nicht zu fürchten. Und Kanzlerin Merkel riet einer besorgten Fragerin, statt Angst vor dem Islam zu haben, doch lieber mal wieder in die Kirche zu gehen. Fragen wir: Was hat das den Christen in Syrien und im Irak gebracht? Den Männern wurden die Hälse aufgeschlitzt oder sie wurden gekreuzigt, ihre Frauen wurden vergewaltigt und ihre Töchter als Sexsklavinnen verkauft! Danke, liebe Frau Merkel, für diesen wertvollen Rat.

Dabei schadet in die Kirche gehen gewiss nicht, wenn dort Gottes Wort biblisch klar verkündigt wird. Denn Gottes Wort ruft uns zur Buße. Und Buße wäre für unser Volk, allen voran für unsere Regierung, zahlreiche Medienvertreter und Funktionäre von Kirchen und Freikirchen, in der Tat dringend und im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig!

Allerdings löst eine solche Buße allein noch keine politischen Probleme. Sie wendet allein auch keine Gefahren für die Sicherheit unseres Volkes ab. Dazu ist von Gott die weltliche Obrigkeit berufen. Sie hat das Schwert (Römer 13,4), um die Grenzen ihres Landes und ihre Bürger vor Raub, Vergewaltigung und Chaos zu schützen.

Aber auch Heinrich Bedford-Strohm, seines Zeichens bayrischer Landesbischof und Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, doziert, dass man sich zur Legitimierung von Terror und Gewalt nicht auf die islamische Religion berufen könne: „Die Berufung auf Gott zur Misshandlung oder Ermordung von Menschen, die doch geschaffen sind zu seinem Bilde, ist nichts anderes als Gotteslästerung.“ Dumm nur, dass ihm anscheinend entgangen ist, dass das Heilige Buch der Muslime gar nicht die Bibel ist, sondern der Koran. Die Bibel lehrt zwar ohne Zweifel, dass der Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen ist. Der Koran dagegen lehrt gerade dies nicht! Der Koran lehrt diesbezüglich vielmehr so ziemlich das exakte Gegenteil: „Als die schlimmsten Tiere gelten bei Allah diejenigen, die ungläubig sind“ (Sure 8,55). So, lieber Herr Bedford-Strohm, werden wir „ungläubigen“ Deutschen in den Augen echter Muslime wahrgenommen! Weshalb der Islam auch keine Menschenwürde und daraus resultierend keine Menschenrechte kennt und ebensowenig Religions- und Meinungsfreiheit. Aber vom Koran scheint Bedford-Strohm noch nie etwas gehört, noch viel weniger jemals darin gelesen zu haben. Deshalb weiß er auch nicht, dass der Islam sehr wohl zu Terror und Gewalt gegen Nichtmuslime aufruft, zum Beispiel in Sure 47, 4: „Wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Kopf, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt“.

Aber Unwissenheit allein kann derlei geistige Fehlleistungen nicht erklären. Was wir hier vielmehr sehen, sind die Folgen eines dramatischen Abfalls der Kirchen und Freikirchen von Christus und seinem Wort. So engagiert sich Bedford-Strohm doch tatsächlich als Mitglied im Kuratorium zum Bau einer Moschee. Der oberste Vertreter der sogenannten Evangelischen Kirche in Deutschland fördert eine antichristliche Religion! Kann der Abfall der Kirche von ihren eigenen Grundlagen und Inhalten noch perversere Formen annehmen? Nirgends in unserer Gesellschaft ist die Verblendung derzeit größer als in den sogenannten christlichen Kirchen und Freikirchen. Damit aber ist das Bollwerk gegen die Mächte der Finsternis fast vollständig in sich zusammengebrochen. Diese Abkehr vom christlichen Glauben steht ganz wesentlich hinter den Ereignissen, die derzeit unser Land ins Chaos stürzen. Die meisten Menschen in unserem Volk und Vaterland haben sich von Jesus Christus, dem Licht der Welt abgewandt. Und Gott akzeptiert das. Er zwingt sein Licht und seine Liebe niemandem auf. Aber wenn die Menschen das Licht ablehnen, dann bricht sich die Finsternis Bahn. Hinter den gegenwärtigen Ereignissen, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, stehen Mächte, die von einer für viele unvorstellbaren Finsternis, Bösartigkeit und Menschenverachtung sind. Was diese Mächte an Leid und Elend, an Krieg und Terror, an Mord und Vergewaltigungen in Szene gesetzt haben, zum Beispiel in Nordafrika, im Irak oder Syrien, das spottet jeder Beschreibung. Und nun scheint es, als schicken sie sich an, dieses Leid, diesen Terror, dieses Abschlachten und Vergewaltigen über Europa zu verbreiten. Und große Teile der Politik, der Medien und der Funktionäre von Kirchen und Freikirchen in Deutschland inszenieren eine „Willkommenskultur“, in der man Züge einer Massenpsychose zu erkennen meint. Wir erleben in diesem Vorgang das Unglaubliche, das menschlich eigentlich Unvorstellbare, dass eine Regierung eine Politik macht, die offenkundig gegen das eigene Volk gerichtet ist. Ich weiß nicht, ob und wann es das jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit gegeben hat.

Aber haben wir als Christen nicht trotz allem die Pflicht, dem notleidenden Nächsten zu helfen? Ganz gewiss. Aber was hat die derzeitige Masseneinwanderung mit wahrer Nächstenliebe zu tun? Menschen werden mit Erwartungen, die nicht erfüllt werden können, auf einen beschwerlichen und lebensgefährlichen Weg gelockt. Die große Mehrheit dieser Menschen wird niemals in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden können. Fachleute sprechen meines Wissens von etwa fünf Prozent, bei denen dies gelingen wird. Der Rest wird in der Dauerarbeitslosigkeit landen mit allen Gefahren der sozialen Unzufriedenheit und Entstehung von Kriminalität. Was hat das mit Nächstenliebe zu tun?!

Dazu kommt die Not, der Menschen in Deutschland ausgesetzt werden. Manche verlieren ihre Wohnungen, andere durch Kündigung von Pachtverträgen für Hotels ihre Arbeit, um auf ihre Kosten Zuwanderer unterzubringen. Das schafft sozialen Unfrieden. Menschen trauen sich mancherorts kaum noch auf die Straße und fühlen sich fremd im eigenen Land. Müssen oder dürfen Christen bei alledem wirklich mithelfen? Diese Frage müssen sich die freiwilligen Helfer in den Zuwandererunterkünften ebenso stellen wie die Bürgermeister und Gemeinderäte, Landräte und Politiker, Polizisten, Beamte und Soldaten. Jeder, der hier mithilft, muss sich bei aller edlen persönlichen Motivation fragen, ob er damit nicht aktiv Hand anlegt an der massiven Gefährdung der Sicherheitslage, an der Bedrohung des sozialen Friedens, an der Vernichtung unseres Volkes, an der Zerstörung des christlichen Abendlandes.

Gott segne und bewahre unser Volk und Vaterland.

Sogar die auflagenstarke italienische Tageszeitung La Stampa berichtete über seine Predigt. „Wahrhaftigkeit“ hatte Jakob Tscharntke (58), Pastor der evangelischen Freikirche in Riedlingen, im Oktober von Politikern und Medien gefordert und den Irrsinn der Asylpolitik angeprangert. Ein Sturm der Kritik brach über ihn herein, ebenso eine breite Welle der Zustimmung. Fest hinter ihm steht auch seine Gemeinde.


S. 9 Kultur

Profitable Kleinigkeiten
Die »Peanuts« feiern ihre Weihnachten in den Kinos − Trickhelden aus den USA haben deutsche Ahnen

Die Geschichten von Charlie Brown, Lucy und dem Hund Snoopy amüsierten Generationen von Lesern. Zu Weihnachten kommt eine animierte Version der „Peanuts“ in unsere Kinos.

„Der grauenvollste Titel, der je für einen Comic-Strip erdacht wurde“, meinte Charles Monroe Schulz über die Betitelung seines Comics. Es sei würdelos, denn sein Humor hätte Würde. Und Kinder könne man nicht als Kleinigkeiten bezeichnen, also als „Peanuts“, so die sprichwörtliche Bedeutung von Erdnüssen im Englischen. Der Produktionsleiter eines Mediensyndikats taufte die Comics auf diesen Namen. Doch trotz oder wegen des Namens

− die Geschichten um Charlie Brown wurden bahnbrechend für die Pop-Kultur des 20. Jahrhunderts. Es begann der 50 Jahre lang andauernde Siegeszug eines Comics voller starker Charaktere sowie mit tiefgründigem Witz und Einfallsreichtum.

Wer aber hätte die Wurzeln des berühmtesten US-Cartoonisten im beschaulichen Stendal in der Altmark vermutet? Sein Vater wurde dort 1897 geboren. Die Familie wanderte in die Staaten aus. Vater Carl war Friseur, wie später auch der Vater des Ober-„Peanut“, Charlie Brown. Er führte einen Salon in Minneapolis. Charles wurde 1922 geboren und wuchs in St. Paul im Mittleren Westen als einziges Kind auf. Sein Onkel nannte ihn „Sparky“, also lebhaft. Er las gerne Comics, machte einen Kurs für Komisches Zeichnen und be­kam mit zwölf Jahren ei­nen Hund geschenkt: „Spike“, der später zum Vorbild des Trick-Hunds Snoopy wurde.

Charles musste 1943 als Soldat ins Land seiner Väter zurück und war an der Befreiung des Kon­zentrationslagers Dachau beteiligt. Nach dem Krieg hielt er sich mit Schreibarbeiten und Zeichnungen über Wasser. Ein Kollege machte ihn aufmerksam, dass er vielleicht häufiger Kinder zeichnen sollte. Schulz hörte auf ihn, nannte die Figuren „Li’l Folks“, signierte mit „Sparky“ und hatte Erfolg mit einer wöchentlichen Serie in einer lokalen Zeitung.

Dann kam der 2. Okto­ber 1950: In einer Atmosphäre der Angst vor drohendem Kommunismus, alltäglichem Rassismus, Krieg in Korea, Konsumterror und Atomzeitalter erschienen in sieben US-Ta­geszeitungen erstmals Bildergeschichten mit dem Titel „Pea­nuts“. Schulz hatte zuvor eine Auswahl seiner Arbeiten einem New Yorker Verlag geschickt, der ihm daraufhin einen Vertrag an­bot. Es begann der über Jahrzehnte anhaltende Siegeszug des Co­mics um eine Gruppe Kinder mit allen menschlichen Widersprüchlichkeiten. Handlungsort ist eine typisch amerikanische Vorstadt im Mittleren Westen. Erwachsene kommen nicht vor.

Die Bildtafeln seien nicht hoch genug, um Erwachsene zu zeichnen, ließ Schulz ironisch wissen. Seine Figuren sind das kleine Volk: Charlie Brown, der liebenswerte Verlierer im Zick­zack-Hemd. Der intelligente Hund Snoopy, der sich für ein Flieger-Ass hält, ständig im Krieg mit dem Roten Baron, der philosophierende Linus, der stets mit Schmu­sedecke unterwegs ist, die griesgrämige Lucy, der Beethoven liebende Schröder mit seinem Kinderklavier, um nur einige der Charaktere zu nennen. Ihre Sätze entstehen aus Beziehungen untereinander und zielen auf Innenwelten, was in der Comic-Welt völlig neu war. Da wird eine Welt der Erwachsenen aus der Sicht der Kinder abgebildet.

Der Autor besaß die Gabe, zeit­relevante Themen in seinen Geschichten unaufdringlich un­terzubringen. Er wies auf den Vietnamkrieg oder die Rassentrennung hin, und die Menschen nahmen es ihm nicht übel. Sie lieben seine Figuren bis heute. Jeder kann sich mit ihnen identifizieren. Auf dem Höhepunkt seiner vielfach ausgezeichneten Karriere stellte sogar der Louvre in Paris seine Geschichten aus. Die „Pea­nuts“ haben einen weltweiten Bekanntheitsgrad von 98 Prozent. Schulz starb 2000 und verfügte, dass sein Comic nicht weiter gezeichnet werden sollte. Im Laufe seines Lebens zeichnete er knapp 18000 Bildergeschichten.

Vor einiger Zeit trat seine Familie an den Regisseur Steve Martino heran. Schulz’ Sohn Craig und Enkel Brian schrieben das Drehbuch für einen „Peanuts“-Film, der bei uns einen Tag vor Heiligabend in modernster 3-D-Animation in die Kinos kommt.

„Jeder im Team spürte die Verantwortung, Schulz gerecht zu werden“, sagte der Regisseur. Tatsächlich gelang es ihm, die Handschrift des großen Zeichners aufzunehmen und filmisch umzusetzen. Familie Schulz zeigte sich kooperativ, ließ Martino sogar am Schreibtisch des Meisters sitzen und sich Inspiration holen. Des Weiteren war das Film-Team im Schulz-Museum in San Francisco, um die Archive zu durchstöbern. Da sich die Cha­rak­tere in den Jahrzehnten veränderten, war es bei allen sehr viel Arbeit. „Find the penline“, also die richtige Zeichenlinie zu finden, war wichtig, da jeder Zeichner seine eigene Art hat, etwas darzustellen.

„Kein Comic-Strip zuvor und danach war so brillant, schräg, liebenswert, tragisch, komisch und vielfältig wie die von Charles M. Schulz“, schreibt der deutsche Comic-Autor Ralf König in einem Vorwort zum „Großen Peanuts Buch“ aus dem Carlsen-Verlag. Das Team um Martino hat im „Peanuts“-Film die Zeichenlinie gefunden und die Charaktere ins 21. Jahrhundert gehoben. Ganz im Sinne Sparkys.         Silvia Friedrich


Blechschaden unterm Christbaum
Weihnachten kann auch ganz anders klingen − Mit immer neuen musikalischen Ideen werden alte Weihnachtshits aufgefrischt

Nach der kleinen Auswahl an Geschenk-Tipps in der PAZ-Ausgabe 50 folgt nun Teil 2 mit Weihnachts-CDs, die man für seine Liebsten noch schnell unter den Tannenbaum legen kann.

Plácido Domingo: „My Christmas“ (Sony Classical)

Für „My Christmas“ hat Star-Tenor Placido Domingo seine weihnachtlichen Lieblingsmelodien aus aller Welt aufgenommen. Das Repertoire auf diesem stimmungsvollen Album reicht von „Guardian Angels“ von Harpo Marx und „Loving Christmas“ (komponiert von Plácido Do­mingo Junior) über „Feliz Na­vi­dad“ von José Feliciano bis hin zum besinnlichen „Stille Nacht“. Un­terstützung bekam der spanische Opernsänger von einer Vielzahl ganz be­sonderer Gäste, die ihn bei einigen Klassikern der Weih­nachtszeit begleiten: Mit dem deutschen Schlagersternchen Helene Fischer singt er „What Child Is This“. Und mit den Piano Guys, deren originelle Einspielungen von Klassik- und Poptiteln im Internet über 700 Millionen Mal auf YouTube gesehen wurden, hat er den Klassiker „Stille Nacht“ aufgenommen.

Götz Alsmann: „Winterwunderwelt 2“ (Roof)

Der begnadete Pianist und Sänger Götz Alsmann begeht das Fest der Liebe auch in diesem Jahr wieder musikalisch: Gemeinsam mit der WDR-Big-Band interpretiert er internationale Weih­nachts- und Winterschlager − al­lesamt konsequent in deutscher Sprache und im typisch entspannt-jazzigen Alsmann-Stil. Auf „Winterwunderwelt Vol. 2“ finden sich deutsche Stücke aus dem Weihnachtsliederbuch, die jeder kennt und zumindest mitsummen kann, darunter „O Tannenbaum“ und „Schneeflöckchen, Weißröckchen“. Daneben erklingen auf Deutsch Klassiker wie „White Christmas“, „Let It Snow“ und das hawaiianisch inspirierte „Mele Kalikimaka“.

Kylie Minogue: „Kylie Christmas“ (Parlophone)

Ein besonderes Ge­schenk legt Kylie Minogue ihren treuen Fans in diesem Jahr unter den Christbaum: „Kylie Christmas“, ein prall gefülltes Weih­nachtsalbum der australischen Pop-Diva, auf dem sie von hochkarätigen Gästen wie Rock-Ikone Iggy Pop, dem britischen Schauspieler und Comedian James Corden („Into The Woods“, „Kill Your Friends“) und – posthum – von „The Voice“, dem vor 100 Jahren geborenen Frank Sinatra, begleitet wird. Die Arrangements mit großem Orchester und Chören sind dabei besonders gelungen. Selbst Klassiker, die man schon in 1000 anderen Variationen gehört hat, sind modern aufpoliert und hörenswert.

NDR Chor: „Es ist ein Ros entsprungen“ (Es-Dur)

„Es ist ein Ros ent­sprun­gen“ − unter dieses Mot­to stellt der NDR-Chor unter Leitung von Philipp Ahmann seine CD mit Weihnachtsliedern aus dem deutschsprachigen Kulturkreis vor, die den Kern des Fests beleuchten. Die festliche CD führt durch die Epochen von der Reformationszeit bis ins 20. Jahrhundert. Das Titel-gebende Kirchenlied zieht sich als Leitfaden durch das Programm. Es erklingt in drei verschiedenen Vertonungen und bildet zugleich das Bindeglied zwischen Stücken, die sich auf die biblische Geschichte beziehen, und anderen, die das Weihnachtsgeschehen in Bildern aus der Natur, in Visionen oder Legenden nahebringen.

Quadriga Con­sort: „Winter’s Delight“ (Dhm)

Die Freuden des Winters − Winter’s Delight − ist eine musikalische Hommage an die kalte Jahreszeit. Mit einer reizvollen Sammlung von populären und weniger bekannten Melodien und Weisen der britischen Inseln würdigt das österreichische Alte- Musik-Ensemble Quadriga Consort mit seinem unverwechselbaren musikalischen Klang die schönen Seiten des Winters. Traditionelle englische Weihnachtslieder wie „The First Nowell“, „The Three Kings“ oder „O Come, O Come, Emmanuel“ wechseln sich ab mit irischen Weisen wie „A Merry Christmas“ und schottischen Melodien wie „Gloomy Winter“ oder „Leanabh an Àigh“, welches heutzutage besser be­kannt ist unter dem Titel „Morning has Broken“. Die außergewöhnlichen Arrangements für historische Instrumente werden von der traumhaften Stimme der Sängerin Elisabeth Kaplan abgerundet und lassen die Tristesse und Kälte des Winters vergessen.

„Weihnachten mit Blechschaden“ (So­ny Classical)

Von wegen besinnliche Vorweihnachtszeit. Die Blechbläser der Münchner Philharmoniker sind da aus einem anderen Holz und blasen in ein anderes Horn. Auf ihrer aktuellen Weih­nachts-CD macht es ihnen hörbar Spaß, das „etwas andere Weih­nachtskonzert“ erklingen zu lassen. „Blechschaden“ spielen be­liebte Weihnachtslieder von „Stille Nacht“ bis „Last Christmas“ in ihren grandiosen Arrangements. So erklingt „O Tannenbaum“ in der „Blechschaden“-Version gleich im Rundumschlag à la fran­çaise, in einer US-Version und auf Brasilianisch. Mit dabei Münchens Altoberbürgermeister Christian Ude als Sprecher mit seinen eigenen besinnlich-humorvollen Texten. „Weihnachten mit Blechschaden“ ist die perfekte Weih­nachts-CD für die ganze Familie (und nicht nur für Bayern) und für alle, die nicht nur gerne Weih­nachtsmusik hören, sondern da­bei gerne auch mal schmunzeln.

Tom Gaebel: „A Swinging Christmas“ (Tomofon Rec.)

Tom Gaebel, Deutschlands angesagtester Big-Band-Unterhaltungskünstler der alten Schule, bringt mit seiner aktuellen CD Jazz und Swing in die Weihnachtszeit. Der fünffache Jazz-Award-Gewinner lässt alte Zeiten aufleben: die Aufgeregtheit in den Wochen vor Weihnachten, funkelnde Lichter, wunderbare Düfte und diese spezielle Mischung aus Freude und Geborgenheit, wie man sie nur als Kind empfinden kann. „A Swinging Christmas“ bietet große Songs im Wohlfühl-Klang gewürzt mit viel Freude und ein wenig Melancholie. Damit steht Gaebel in der Tradition einer Zeit, als Sänger von Frank Sinatra bis Tom Jones aufwendig orchestrierte Alben aufnahmen, die anspruchsvoll und leicht zugleich waren. Handgemacht auf höchstem Niveau überzeugt Gaebel aber stets mit der gewissen Lässigkeit.      A. Guballa


Kinotipp

Es gibt Filme und Serien, die wie eine Droge wirken. „Star Wars“ gehört zu solchen Filmen mit Suchtpotenzial. Das erklärt den Rummel, den viele Fans um diese finanziell erfolgreichste Kino-Saga aller Zeiten machen, wenn sie sich die dunkle Maske eines Darth Vader überstülpen oder in die weiße Kampfausrüstung eines Sturmtruppsoldaten des galaktischen Imperiums schlüpfen.

Zu Weihnachten wird die Nachfrage nach Devotionalien und Ge­schenkartikeln aus dem „Star Wars“-Universum wieder beson­ders anwachsen. Denn seit Donnerstag ist mit „Erwachen der Macht“ die siebte „Stars Wars“-Episode in den Kinos angelaufen.

Man kann davon ausgehen, dass der Film alle vorhergesagten Einnahmerekorde brechen wird. Und das nicht nur, weil die Film-Süchtigen seit dem vorläufigen Abschluss der Saga vor zehn Jahren sehn„süchtig“ auf die Fortsetzung gewartet haben, sondern weil der neue Film richtig gut ist.

Er weckt Erinnerungen an den Beginn der Originaltrilogie von vor 38 Jahren: Er hat eine simple geradlinige Handlung, die nicht von bombastischen Gewalt- und Trickorgien verschüttet wird. Und es gibt ein Wiedersehen mit dem Haudegen Han Solo (gespielt von Harrison Ford wie in alten Tagen), seinem pelzigen Freund Chewbacca sowie die zum General aufgestiegene frühere Prinzessin Leia (Carrie Fisher), die sich witzreich und von jüngerem Personal unterstützt auf die Suche nach dem verschollenen letzten Jedi-Ritter Luke Skywalker begeben.

Dabei müssen sie wieder die dunkle Seite der Macht überwinden, die ihnen in Form eines Todesplaneten und eines schwarz behelmten Jünglings entgegentritt, der eine verwandtschaftliche Beziehung zu den Protagonisten hat. Welche darf auf Anordnung der Produktionsfirma Disney nicht verraten werden. Wer kein Freund der alten Filme war, setzt sich jetzt der Gefahr aus, durch dieses mitreißende Weltraum­abenteuer in 3-D-Technik in einen Rausch zu geraten.        H. Tews


S. 10 Geschichte

Pionier der modernen Feldarchäologie
Vor 125 Jahren starb Heinrich Schliemann – Ob er das homerische Troja entdeckte, ist umstritten

Vor 125 Jahren starb Heinrich Schliemann, der es sich zur Lebensmaxime gemacht hatte, den Spaten als Waffe gegen die Stubengelehrten einzusetzen, wie es der Althistoriker Frank Kolb einmal so trefflich ausdrückte. Er galt lange als Entdecker des homerischen Troja – inzwischen wird aber stark bezweifelt, dass die von ihm lokalisierten Stätten mit der Stadt aus der „Ilias“ identisch sind.

Heinrich Schliemann, der am 6. Januar 1822 im mecklenburgischen Neubukow geboren wurde, revolutionierte die Archäologie wie kein Zweiter. Zum einen ersetzte er das unsystematische Wühlen nach wertvollen Einzelobjekten durch eine wissenschaftlich-methodische Grabungstechnik, zu der unter anderem die stichprobenweise Voruntersuchung des Geländes, das genaue Protokollieren der Schichtenfolge, die Suche nach Leitkeramiken zur Datierung der jeweiligen Schichten und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Nichtarchäologen gehörte. Zum anderen versuchte Schliemann auch als erster, antike Mythen durch gezielte Ausgrabungen zu belegen.

Dabei war ihm die Laufbahn des Pioniers der modernen Feldarchäologie keineswegs in die Wiege gelegt worden. Schließlich konnte er zunächst weder studieren noch sonst eine Ausbildung abschließen, weil ihm das Geld dazu fehlte. Stattdessen erlernte Schliemann aber mühelos zwölf Sprachen und entwickelte parallel hierzu einen untrüglichen Geschäftssinn, der dafür sorgte, dass er das ansehnliche Vermögen von umgerechnet 100 Millionen Euro anzuhäufen vermochte, nicht zuletzt mit Lieferungen an die russische Armee während des Krimkrieges.

Sein Wohlstand ermöglichte es ihm 1864, sich aus dem Unternehmerdasein zurückzuziehen und an der Pariser Sorbonne Sprachen, Literatur und Altertumskunde zu studieren. Dem folgte die erste Forschungsreise nach Griechenland, wo Schliemann auf Korfu und Ithaka nach Spuren der Protagonisten aus der „Odyssee“ suchte. Anschließend promovierte der ehemalige Handlungsgehilfe, der immer wieder fälschlich als Autodidakt bezeichnet wird, an der Universität Rostock mit einer Arbeit über Ithaka, den Peloponnes und Troja. Und diese legendäre Stadt, um die der Krieg geführt wurde, den Homer in seiner „Ilias“ beschrieb, wollte Schliemann dann auch unbedingt finden.

Anknüpfend an die Überlegungen der Briten Edward Daniel Clarke, Charles MacLaren und Frank Calvert suchte er Troja dabei unter dem Hügel Hisarlik im Nordwesten der Türkei am Eingang zu den Dardanellen. Hier ließ Schliemann im April 1870 einen ersten Sondierungsgraben ausheben, der mehrere antike Siedlungsschichten anschnitt. Allerdings dauerte es noch über ein Jahr, bis die offizielle Grabungsgenehmigung aus Konstantinopel eintraf.

Im Verlauf der anschließenden beiden großen archäologischen Kampagnen kam es dann am 13. Juni 1872 zur Entdeckung eines Marmorbildnisses des Sonnengottes Helios, das einstmals den Athena-Tempel der Siedlung am Hisarlik schmückte. Dieses war wegen seiner Herkunft aus der Zeit des Hellenismus (4. bis 1. Jahrhundert vor Christus) allerdings noch kein Beleg für die Existenz des homerischen Troja. Den glaubte Schliemann dann aber am 31. Mai 1873 mit dem sogenannten Schatz des Priamos gefunden zu haben. Wie wir heute wissen, stammen die rund 8000 Artefakte jedoch aus der Zeit zwischen 2550 und 2250 vor Christus und nicht aus dem 13. beziehungsweise 12. Jahrhundert vor Christus, in dem Priamos über Troja geherrscht haben könnte. Und auch sonst ist in der Fachwelt mittlerweile heftig umstritten, ob sich am Hisarlik denn nun wirklich die Riesenstadt Troja oder nur eine drittklassige kleine Burg von gerade einmal 90 mal 70 Metern Grundfläche befunden hat.

Dahingegen steht für die heutige türkische Führung fest, dass Schliemann eine bronzezeitliche Supermetropole mit gewaltiger wirtschaftlicher und politischer Vorbildfunktion für das benachbarte Europa freilegte. Desgleichen wird man am Bosporus und in Ankara nicht müde zu betonen, wie sehr Troja anatolisch geprägt gewesen sei. Daraus nämlich kann jeder, der will, ableiten, „dass sich die stärksten Wurzeln der europäischen Kultur in Anatolien befinden“ – so lautete beispielsweise die explizite Aussage des damaligen türkischen Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Troja – Traum und Wirklichkeit“ im Jahre 2001.

Nun ließe sich über diese bemühte Rhetorik, die dem Zweck dient, die EU-Tauglichkeit der Türkei zu unterstreichen, schmunzeln, wenn da nicht deutsche Politiker wären, die das Gleiche äußern. Dabei zitieren sie pikanterweise einen höchst unwürdigen Schliemann-Epigonen, nämlich den Tübinger Prähistoriker mit SPD-Parteibuch Manfred Osman Korfmann, der seine reichlich kümmerlichen Grabungsergebnisse so lange umgedeutet oder besser gesagt manipuliert hatte, bis sie zum Mythos von der angeblichen anatolischen Überlegenheit gegenüber dem früheren Europa passten – was dann 2004 mit der Verleihung der türkischen Ehrenbürgerschaft honoriert wurde. In der Heimat sorgte Korfmann dahingegen für einen veritablen Wissenschaftsskandal, als sich die von ihm gefundene „Mauer“, welche die vermeintliche 10000-Einwohner-Stadt Troja umschlossen haben soll, als simpler Bewässerungsgraben entpuppte und zudem an die Öffentlichkeit drang, dass er überhaupt keine Belege für die vollmundig behaupteten anatolischen Einflüsse präsentieren konnte. Trotzdem zerrte Korfmann seine Kritiker zunächst noch vor Gericht, ehe das pseudowissenschaftliche Kartenhaus des blamierten „Däniken der Archäologie“ dann vollends zusammenfiel.

Aber zurück zu Schliemann, der zwar keine osmanische, jedoch immerhin die russische, US-amerikanische und griechische Staatsbürgerschaft besaß. Er begnügte sich nicht damit, nur am Hisarlik nach den Spuren der Helden aus der „Ilias“ zu suchen, sondern grub gleichfalls noch in Tiryns, Orchomenos und Mykene, wo ihm Ende November 1876 der Fund einer goldenen Maske gelang, die er Agamemnon, dem Oberbefehlshaber der Achaier im Trojanischen Krieg, zuordnete. Allerdings lag der Archäologe hiermit ebenso falsch wie mit dem „Schatz des Priamos“ – das Stück stammt aus einer 300 Jahre früheren Epoche. Nichtsdestotrotz aber gewann Schliemann mit seinen Bemühungen die Sympathien der Griechen. Deshalb wollte er letztlich nirgendwo anders als in Athen bestattet werden. Und dieser Wunsch erfüllte sich dann auch nach Schliemanns Tod am 26. Dezember 1890 infolge von Komplikationen, die im Anschluss an eine Ohrenoperation aufgetreten waren.     Wolfgang Kaufmann


Massenmord der US-Armee
Bei Wounded Knee wurden 350 wehrlose Indianer hingemetzelt

Das Massaker am Wounded Knee brach am 29. Dezember 1890 den letzten Widerstand der nordamerikanischen Indianer gegen die weißen Eindringlinge. Seit 125 Jahren steht der Name der kleinen Ortschaft in Süd-Dakota für den Genozid an der einheimischen Bevölkerung Amerikas. Mit Gebirgskanonen schossen Soldaten des 7. Kavallerieregiments auf entwaffnete Indianer.

Es war dasselbe Regiment, das 14 Jahre zuvor, am 25. Juli 1876, am Little Bighorn von den vereinten Stämmen der Sioux, Cheyenne und Arapaho vernichtend geschlagen worden war. Unter der gemeinsamen Strategie der Anführer Crazy Horse, Big Foot (Spotted Elk) und Sitting Bull wurde die Schlacht am Little Bighorn zur größten Niederlage der US-Armee während der Indianerkriege.

Dieser Sieg beschleunigte allerdings das Ende. Seit Jahren drängten die europäischen Immigranten die Stämme gewaltsam in den westlichen Prärien zurück. Der Zusammenbruch der Kultur der Steppenindianer spielte sich innerhalb eines halben Jahrhunderts ab. Nicht alle Angehörigen der westlichsten Dialekt- und Stammesgruppe der Sioux, der sogenannten Lakota, wichen freiwillig in die zugewiesenen, unwirtlichen Reservate aus, aus denen die europäischen Einwanderer die Büffel herausgeschossen hatten. Häuptlinge und Medizinmänner schlossen sich zum Widerstand zusammen. Mit sogenannten Geistertänzen protestierten die Indianer gegen ihre Unterdrückung.

Als Medizinmann gehörte der Hunkpapa-Lakota-Sioux Sitting Bull zu den Anführern dieser Bewegung. Die Verwaltung der Standing Rock Reservation befürchtete von ihm einen Aufstand. Sitting Bull sollte verhaftet werden. Dabei wurde er von einem Indianer-Sergeanten mit einem Kopfschuss getötet.

Das war für viele Lakota das Zeichen zur Flucht. Unter ihnen waren auch viele Geistertänzer mit dem Häuptling Big Foot aus dem Reservat der Cheyenne. Verfolgt von der Armee, stellte sich der als friedfertig geltende Big Foot. Er und sein Stamm sollten in ein anderes Reservat verbannt werden. Zuvor aber sollten die Indianer entwaffnet werden. Mit der Zahl der abgelieferten Waffen nicht zufrieden, begannen die Soldaten mit Leibesvisitation. Als sich dabei ein Schuss löste, schossen die Soldaten mit Kanonen auf die Indianer und töteten die wehrlosen Männer, Frauen und Kinder. 350 Indianer starben bei diesem Gemetzel, auch Big Foot. Stunden später wurden noch Verwundete erschossen. Nicht einmal die Pferde der toten Indianer blieben verschont.

Für die 200 Jahre andauernde Verfolgung der Indianer hat sich die amerikanische Regierung bis 2009 nicht entschuldigt. Dann erst wurden nach 13 Jahren juristischen Streits den Indianern 3,4 Milliarden Dollar Entschädigung zugesprochen. Präsident Barack Obama unterzeichnete am 19. Dezember 2009 eine Erklärung, in der er um Verzeihung für Gewalt und Misshandlung der Ureinwohner bat.           Klaus J. Groth


Mit Wurst und Käsestullen
Vor 60 Jahren kamen die ersten italienischen Gastarbeiter

Der Koffer war meist aus Pappe, der Inhalt übersichtlich, ein bisschen Wäsche, Hemden und Hose zum Wechseln. Ebenso bescheiden wie das Gepäck waren die Kenntnisse vom Reiseziel, dem italienische Gastarbeiter Mitte der 50er Jahre in Sonderzügen entgegenfuhren. Am 20. Dezember 1955 war in Rom das erste Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und Italien unterzeichnet worden. Nach dem Beginn des sogenannten Wirtschaftswunders gab es in der jungen Bundesrepublik mehr Arbeit, als die Deutschen selbst bewältigen konnten. Die Initiative ging von Italien aus. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit fürchtete die Regierung eine Erstarkung der Kommunisten und soziale Unruhen. Im Herbst 1954 stimmte Wirtschaftsminister Ludwig Erhard dem Wunsch aus Rom zu.

100000 bis 200000 Gastarbeiter sollten jeweils befristet für ein Jahr im Bergbau, in der Metallindustrie und in der Landwirtschaft arbeiten. Für die Unterbringung hatten die Arbeitgeber zu sorgen.

Gleich im ersten Jahr kamen 25000 Italiener. Nach ihrer Ankunft in München wurden sie, versorgt mit Wurst- und Käsestullen, vor allem auf Unternehmen in den Boomregionen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg verteilt. Die jungen Männer aus dem südlichen Italien hatten meistens keine Ausbildung. Als Unqualifizierte standen sie an Fließ- und Montagebändern, reinigten Werkhallen und halfen in der Landwirtschaft. Integration war nicht vorgesehen. Die Italiener sollten im Rotationsprinzip nach Ablauf ihres Vertrags nach Hause zurückkehren. Die deutschen Chefs waren allerdings nicht daran interessiert, immer wieder neue Arbeitskräfte anlernen zu müssen. Die Befristung stand bald nur noch auf dem Papier. Das führte schließlich dazu, dass blieb, wer wollte. Tausende italienische Gastarbeiter fanden in Deutschland eine neue Heimat und fügten sich problemlos in die Gesellschaft ein.

Ein besonders attraktiver Arbeitgeber war VW. Insgesamt 80000 Mitarbeiter aus Bella Italia standen auf den Gehaltslisten von Volkswagen, das schon in der NS-Zeit Italiener beschäftigt hatte. Heute hat Wolfsburg über 6000 italienische Einwohner. Bundesweit stellen Italiener mit rund 570000 nach den Türken (1,5 Millionen) und den Polen (670000) die drittgrößte Gruppe mit Immigrationshintergrund.

Nach den Gastarbeitern aus Italien kamen Türken, Spanier, Portugiesen, Marokkaner und zuletzt Jugoslawen. Viele kehrten in ihr Heimatland zurück, die Türken blieben.

Im Gegensatz zur aktuellen Flüchtlingspolitik hatte die damalige Anwerbung eine Symbiose zum Ziel, von der nicht nur die ausländischen Gäste, sondern auch die deutschen Gastgeber profitieren sollten. Anders als die Einladung der Bundeslanzlerin Angela Merkel zur Massenimmigration waren die Anwerbungsverträge kein Blankoscheck auf die Zukunft, für den die deutschen Bürger haften. Man wusste, wer kam, und die Zuwanderer konnten sofort in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Der deutsche Steuerzahler musste nicht Unbekannte auf unbestimmte Zeit alimentieren.

Als die Wirtschaft in der Bundesrepublik bedingt durch die Energiekrise Anfang der 70er Jahre auf Talfahrt ging, verfügte die sozialliberale Koalition unter Kanzler Willy Brandt im November 1973 einen Anwerbestopp. Das Interesse des deutschen Volkes stand damals für die Politik im Vordergrund.  K.J.G.


S. 11 Preussen

Der Irrtum des Johannes Hoffmann
Der saarländische Separatist scheiterte an autoritärem Größenwahn und politischem Wunschdenken

Johannes Hoffmann war von 1947 bis 1955 Ministerpräsident des Saarlandes. Der katholische Journalist hatte früh den verbrecherischen Charakter des Hitler-Re­gimes erkannt und opponiert. Nach dem Anschluss des Saargebietes 1935 an das Deutsche Reich ging er ins Exil. Nach seiner Rückkehr 1945 akzeptierte er die Vorherrschaft Frankreichs im Saarland und setzte sich für dessen Lostrennung von Deutschland ein. Dabei bediente er sich auch polizeistaatlicher Methoden. Als die Saarländer 1955 das Saarstatut ablehnten, war Hoffmann gescheitert.

Vor 125 Jahren, am 23. Dezember 1890, kam Johannes Hoffmann im saarländischen Lands­wei­ler/Reden in einer Bergmannsfamilie zur Welt. 1912 legte er am Bischöflichen Konvikt in Trier das Abitur ab. In Freiburg begann er ein Philosophiestudium. Später besuchte er neben seiner journalistischen Arbeit in Berlin volkswirtschaftliche Vorlesungen. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges meldete er sich als Kriegsfreiwilliger.

In seiner 1963 erschienenen politischen Autobiografie „Europa war das Ziel“ schrieb er: „Russland, die Vogesen, die Dardanellen, Klein-Asien und Palästina – das waren die Etappen meines Soldatenlebens … Zwischendurch Eisernes Kreuz I. und II. Klasse und Eiserner Halbmond.“ Am Kriegsende schlug er sich vom Nahen Osten über Russland bis nach Berlin durch. Dort fand er eine Redakteursstelle und versuchte, nebenbei sein Studium fortzusetzen. 1919 heiratete er Frieda Krause. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Ein Sohn fiel 1943 in Russland. Ein anderer trat dem katholischen Oblaten-Orden bei.

Hoffmann arbeitete für das Zentralorgan der Deutschen Zentrumspartei und übernahm die Berliner Redaktion mehrerer katholischer Zeitungen in Süddeutschland, dem Rheinland und Westfalen. Das Jahrzehnt in Berlin hat seinen politischen Horizont stark erweitert, und er konnte weitreichende Kontakte knüpfen. 1929 wurde er Chefredakteur der katholischen „Saarbrücker Landeszeitung“.

Bis zur Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 war auch Hoffmann für den Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich eingetreten. Unter dem Eindruck des NS-Regimes warb er nun dafür, bei der Volksabstimmung 1935 für den Status quo zu votieren, also die Fortdauer der Völkerbundre­gimes an der Saar.

Seine Hoffnung, so die NS-Herrschaft an der Saar aufzuhalten, scheiterte. 1935 stimmten 90,3 Prozent der Saarländer für die Vereinigung mit Deutschland und nur 8,8 Prozent für die Beibehaltung des Status quo und nur 0,4 Prozent für eine Vereinigung mit Frankreich. Hoffmann floh zuerst mit seiner Familie ins nahe Luxemburg. Schon 1934 hatte die Hitlerregierung – die auch einen „langen Arm“ bis ins Saarland hatte – dafür gesorgt, dass er dort seine Stellung als Chefredakteur verlor. Von Luxemburg – wo seine Familie zurückblieb – floh er später über Frankreich nach Brasilien. Mit einem auf den Namen „Jan Jacub Hoffmann“ ausgestellten tschechischen Pass konnte er einreisen. Die deutsche Staatsangehörigkeit war ihm 1936 entzogen worden.

In Rio de Janeiro fand er bis Kriegsende Unterschlupf im Hause des kanadischen Botschafters Jean Désy, für den er als eine Art Hausmeister tätig war. Im Herbst 1945 kehrte er nach Europa zurück. Schon kurz nach seiner Ankunft an der Saar bot ihm der Pressechef der französischen Militärregierung eine Redakteursstelle in der „Neuen Saarbrücker Zeitung“ an, das einzige damals von der Besatzungsbehörde zugelassene Blatt. 1946 erhielt er die Lizenz zur Herausgabe der „Saarländischen Volkszeitung“. Im selben Jahr wurde er zum Vorsitzenden der neu gegründeten Christlichen Volkspartei (CVP) gewählt. 1947 wurde „Joho“, wie Hoffmann im Volksmund nach seinem journalistischen Autorenkürzel genannt wurde, Präsident der Verfassungskommission des Saarlandes und Ministerpräsident. Die Verfassung schrieb die wirtschaftliche Dominanz Frankreichs und wörtlich auch die „politische Unabhängigkeit des Saarlandes vom Deutschen Reich“ fest. Wer dagegen opponierte, wurde als Verfassungsfeind verfolgt.

Erst französischer Militärgouverneur, dann von 1948 bis 1952 Hoher Kommissar und schließlich Botschafter an der Saar war der 1904 geborene Gilbert Grandval. Der zum Katholizismus konvertierte Spross einer jüdischen Familie aus dem Elsass hieß eigentlich Yves Gilbert Hirsch-Ollendorff. Grandval war einer seiner Decknamen aus der Résistance, den er nach dem Krieg auf seinen Wunsch als offiziellen Nachnamen führen durfte. Gegenüber Gerhard Franz, dem Autor des die Saarabstimmung von 1955 behandelnden Buches „Der Sieg der Neinsager“, bezeichneten Nachkommen Hoffmanns Grandval wohl nicht zu Unrecht als „Deutschenhasser“.

Im Zuge der „Entnazifizierung“ und „Entpreußung“ wurden 1946/47 rund 1800 Personen des Landes verwiesen. Die meisten konnten später wieder zurückkehren. Das Joho-Regime ließ aber auch zum Beispiel den CSU-Politiker Franz Josef Strauß nicht einreisen. Hoffmanns gefürchteter Innenminister Edgar Hector – ein französischer Staatsbürger, der ebenfalls in der Résitance gewesen war – ließ 1951 auch Hubertus Prinz zu Löwenstein im saarländischen St. Wendel festnehmen, weil dieser in der Wochenzeitung „Die Zeit“ einen kritischen Artikel über das Saar-Regime veröffentlicht hatte. Die betreffende „Zeit“-Ausgabe wurde an der Saar verboten. Prinz zu Löwenstein schrieb später auch: „Die Hoffmann-Junta verfügte über genügend Druckmittel, Gegner wirtschaftlich zu ruinieren.“ Zu dieser Hoffmann-Junta, um mit  Prinz zu Löwenstein zu sprechen, gehörte Kultusminister Emil Straus, wie Grandval ein französischer Staatsbürger und früherer deutscher Jude, der zum Katholizismus konvertiert war. Straus beteiligte sich auf üble Weise an der Ausschaltung prodeutscher Stimmen.

In seinen Memoiren stellte Hoffmann die Lage so dar, als sei kein Widerstand gegen den Willen der Franzosen möglich gewesen, die Saar wirtschaftlich an Frankreich zu binden und politisch außerhalb des deutschen Staatsverbandes zu ver­selbst­ständigen. Dies trifft jedoch nicht zu. In Wahrheit verfolgte Hoffmann selbst gezielt die Separierung des Saarlandes von Deutschland. Die autoritäre Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit unter seiner Herrschaft tat er in seinen Memoiren nur mit einem einzigen Satz kurz ab.

Der wichtige politische Gegenspieler Hoffmanns an der Saar Heinrich Schneider von der Demokratischen Partei Saar (DPS) – die wie die anderen „prodeutschen“ Parteien bis kurz vor der Saarabstimmung 1955 verboten war – zitiert in seinem Werk „Das Wunder an der Saar“ dessen Aussage auf dem Delegiertentag der CVP 1952: „Niemals wird es eine Rückkehr zu Deutschland geben. Wir werden wachsam sein, um den Saarstaat vor diesem Übel zu bewahren.“

Ein entscheidender Irrtum Hoffmanns war das Wunschdenken, an der Saar einen wirklich autonomen Kleinstaat errichten zu können. Die Saarländer ließen sich auch nicht von den Phrasen über eine „Europäisierung“ der Saar täuschen. Nach dem klaren Ergebnis der Volksabstimmung von 1955 trat Hoffmann zurück. Er starb am 21. September 1967 im Alter von 76 Jahren in Völklingen und wurde in Saarlouis beerdigt. Michael Leh


Neubeginn nach dem Sieg über Napoleon
Vor 200 Jahren begann der Aufbau der preußischen Flotte unter dem von den Schweden übernommenen Diedrich Johann Longé

Nach dem Sieg über Napoleon sowie der Gründung des Deutschen Bundes und der Übertragung Schwedisch-Pommerns an Preußen auf dem Wiener Kongress begann der Neuaufbau der preußischen Flotte. Die Aufsicht über die Reorganisation der Seestreitkräfte von Friedrich Wilhelm III. oblag dem schwedischen Marineleutnant I. Klasse Diedrich Johann Longé, der vor 200 Jahren unter Beförderung zum Kapitän in preußische Dienste trat.

Quasi mit Schwedisch-Pommern übernahm Preußen auch den dort stationierten schwedischen Offizier Longé. Am 15. August 1815 wurde er aus der schwedischen Marine beurlaubt, um in der preußischen Marine zu dienen. Am 28. Dezember des Jahres trat er unter Beförderung zum Kapitän in preußische Dienste. Und am 2. April des Folgejahres wurde die Übernahme vom preußischen König bestätigt. In Stralsund, seinem Stationierungsort, veranlasste Longé den Bau des Bewaffneten Schoners „Stralsund“. Dieses gilt als (Wieder-)Geburtsstunde der preußischen Marine.

Ab Mai 1817 segelte die „Stralsund“ unter Longés Kommando und diente vor allem als Schulschiff, auf dem weitere Offiziere das Seemannshandwerk erlernen sollten. Dabei hisste das Schiff auf seinen Fahrten durch die Ostsee erstmals auch die neue preußische Kriegsflagge. Diese am 28. November 1816 eingeführte Flagge zeigte einen schwarzen Adler sowie das Eiserne Kreuz auf weißem Grund.

Um den weiteren Ausbau der Marine des Königreiches zu forcieren, legte Longé am 10. Juli 1820 einen Flottenbauplan vor. Dieser wurde jedoch nicht angenommen. Das geschah vor allem aus Rücksicht auf die etablierten Seemächte und aus mangelnder Bereitschaft, Geld nicht nur ins Heer, sondern auch in die Flotte zu investieren. Aus den gleichen Gründen erzielten die beiden Kommissionen, die 1825 und 1834 Vorschläge zur künftigen preußischen Marinerüstung vorlegen sollten, keinerlei Ergebnisse.

Dadurch ging es zunächst nur in winzigen Schritten vorwärts. 1825 wurde das Haff-Kanonenboot „Danzig“ in Dienst gestellt und zwei Jahre später auf der Insel Dänholm vor Stralsund ein Preußisches Marine-Etablissement, sprich ein Depot mit Reparaturwerkstatt, eingerichtet, das Longé unterstand.

Dann freilich nahm die Entwick­lung an Fahrt auf, weil der neue Flottenbauplan des Jahres 1837, an dem der Schwede ebenfalls wieder mitgearbeitet hatte, die Unterstützung des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. fand. Der bewilligte sofort nach seiner Thronbesteigung den Bau der Schulkorvette „Amazone“, die im Juni 1843 auf Carmesins Werft in Grabow bei Stettin vom Stapel lief und im Folgejahr eine erste große Fernfahrt über England, Portugal, Gibraltar, Griechenland und die Türkei bis ins Schwarze Meer und zurück unternahm.

Nichtsdestotrotz galt jedoch auch für die Zeit nach 1837, dass man in Preußen immer noch vorrangig auf den Ausbau der Handelsmarine setzte, was insofern ungewöhnlich war, als eine Kriegsflotte damals allgemein als unverzichtbares Instrument zum Schutz der kommerziellen Schifffahrt und ihrer Routen galt. Offenbar vertraute man hier komplett auf den Beistand der verbündeten Seemächte Großbritannien, Holland und Dänemark.

Vom schnellen Wachstum der Handelsmarine Preußens in der Epoche nach den napoleonischen Kriegen zeugt unter anderem die Zahl der in den fünf größten Ostseehäfen des Königreiches, also Königsberg, Danzig, Stettin, Köslin und Stralsund, beheimateten Frachter. Dort waren zum 1. Januar 1848 immerhin 1475 solcher Schiffe registriert, wobei 952 davon als hochseetauglich galten. Dazu kamen in wachsender Anzahl Dampfer für den Post- und Passagierdienst, wie die „Elisabeth – Kronprinzessin von Preußen“, die den Liniendienst zwischen Stettin und Swinemünde aufnahm. 

Dieser Aufschwung resultierte vor allem aus der beschleunigten wirtschaftlichen Entwicklung nach der Gründung des Deutschen Zollvereins im Jahre 1834. Der förderte nämlich nicht nur die Herausbildung eines deutschen Binnenmarktes, sondern auch die Beteiligung am internationalen Seehandel. Letzterer war lange Zeit Domäne der Preußischen Seehandelsgesellschaft, die ab 1772 bestand und auf eine Initiative von Friedrich dem Großen zurückging. Allerdings wandelte sich ihr Aufgabenfeld im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Das Unternehmen, das zunächst Überseehandel betrieb und darüber hinaus auch den Schiffbau förderte, indem es zum Beispiel in den Vereinigten Staaten Frachter ankaufte, die später auf preußischen Werften nachgebaut wurden, mutierte peu à peu zu einem Geldinstitut des Staates mit einigen Sonderrechten auf dem Gebiet der Außenwirtschaft. Dies kam dann auch im Februar 1845 in der königlichen Order zum Ausdruck, dass die Seehandelsgesellschaft keine neuen gewerblichen Aktivitäten mehr ergreifen und die bisherigen reduzieren solle.

Damit waren nun andere Investoren gefragt, die es jedoch nur in begrenztem Maße gab – sonst wäre der geschilderte Aufschwung der Handelsmarine noch wesentlich eindrucksvoller verlaufen. Grund für die Zurück­haltung der Geldgeber war der Umstand, dass Preußen seinerzeit noch keine wirkliche Exportnation und im Übrigen auch kaum auf größere Einfuhren angewiesen war. Am ehesten gingen noch Fertigwaren aus der Rheinprovinz ins Ausland, allerdings nicht auf preußischen, sondern auf hansestädtischen, niederländischen, belgischen oder französischen Schiffen. Für die Segler und Dampfboote der Handelsflotte des Königreiches blieb es dagegen zumeist beim Transport von Holz und Getreide, wobei die Zielhäfen in der Regel in England lagen. Dort wiederum wurden dann oftmals Kohlen geladen und in alle Welt beziehungsweise auch in die Heimat verschifft.

Eine Änderung dieser Verhältnisse trat erst ein, als die Industrialisierung in ganz Preußen voranschritt und die Nachfrage nach Produkten aus dem Königreich stieg. Dabei kam es ab Mitte des 19. Jahrhunderts zugleich auch zu neuen Bemühungen hinsichtlich der Erweiterung der preußischen Kriegsflotte.            

                Wolfgang Kaufmann


S. 12 Leserforum

Leserforum

Nun auch wir

Zu: Die Stunde der Tastatur-Generäle (Nr. 49)

Deutschland darf sich nicht an kriegerischen Aktivitäten beteiligen, es sei denn zur Verteidigung des eigenen Landes. Jetzt herrscht Krieg. Niemand kann sich sicher sein, seine Lieben nicht ein letztes Mal zu sehen, denn nun stehen auch wir wie Frankreich in der Schusslinie des IS. Nun ist es zu spät. Diese Anschläge lassen sich militärisch nicht verhindern.

Tonja Warnat, Hannover

 

 

Diese CDU ist nicht mehr ganz bei Trost

Zu: CDU vor Schicksalsfrage (Nr. 46)

Vielleicht kommt es zur Spaltung der CDU – eher wahrscheinlich ist aber, dass der Wähler die Partei radikal abstraft. Die Schwesterpartei ÖVP hat es gerade in Wien erlebt. Das erfolgreiche Konzept, Christen, Konservative und gemäßigte Rechte zu vereinen, ist längst Schnee von gestern. Eine programmatisch-ideelle Substanz, eine Identität, ist nicht mehr erkennbar.

Will die CDU überhaupt noch die deutsche Nation als Staatsvolk erhalten? Sie riskiert jetzt das Aufkommen eines chaotischen Vielvölkerstaates. Warum bindet sich die Partei einseitig an Rot-Grün? Die Mitte wird entbehrlich und zerrieben, wenn sie Vernunftpolitik aufgibt und ideologiegeleiteter Politik nachgibt.

Aktuell wie historisch hat sich die bürgerliche Mitte stets zurück­gehalten, sich den aktiveren, den lautstarken Kräften gebeugt. Der Vorläufer der CDU, das Zentrum, stimmte 1918/19 erst in den Sturz der Monarchie ein und dann dem Versailler Diktat meist gegen die eigene Überzeugung zu. Parallel zum Aufstieg der NSDAP vollzog man eine Rechtswende und votierte am Ende für das Ermächtigungsgesetz, für das eigene Verschwinden.

In der Bundesrepublik wurde für die CDU die Nato und vor allem Europa zum Selbstzweck – wichtiger als Deutschland. Nach dem Mauerfall wurde eine Korrektur noch nicht einmal erwogen. Die jüngste Geschichte ist geradezu abstoßend. Während der Siegesfeier der Union bei den letzten Bundestagswahlen verweigerte die Parteichefin Merkel mit einer Mimik des Abscheus die Annahme unserer Fahne aus der Parteibasis. Es wird verkündet, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Heute lässt Merkel sich selig lächelnd mit illegalen Einwanderern ablichten, während Pegida-Anhänger verdammt werden. Diese CDU ist nicht mehr ganz bei Trost. Sie hat mit allem, was Deutschland ausmacht, nahezu nichts mehr am Hut. Selbst der Untergang einer nur für Rot-Grün erfreulichen CDU wäre klärend und kein großer Verlust.

Rudolf Kraffzick, Hainau

 

 

Unvergesslich

Zu: Der Mann der Stunde (Nr. 47)

Mir geht als Hamburger Helmut Schmidts Tod besonders nahe, wenn er bei einem Alter von 96 Jahren auch nicht überraschend kam. Schmidt war nicht nur ein fähiger Politiker. Er war ein großer Staatsmann, was sich von keinem unserer heutigen Politiker sagen lässt. Gerade vor diesem Hintergrund ihrer absoluten Mittelmäßigkeit konnte die Persönlichkeit von Helmut Schmidt – auch bei jungen Menschen, die ihn in seiner Amtszeit als Bundeskanzler gar nicht selbst erlebt haben – nur umso eindrucksvoller hervortreten.

Es gab damals ein geflügeltes Wort: Helmut Schmidt ist ein sehr guter Kanzler, aber er hat das falsche Parteibuch. Aber Helmut Schmidt war mit dem Herzen Sozialdemokrat. Was er nicht erkannte – vielleicht gar nicht erkennen wollte – war, dass die SPD eine Persönlichkeit seines Formats einfach nicht verkraften konnte. Zu sehr überragte er die Genossen geistig und intellektuell, die er geradezu deklassierte. Dieser innere Abstand zwischen dem Kanzler und seiner Partei war der eigentliche Grund, der 1982 zu seiner Abwahl als Kanzler und zum Ende der sozial-liberalen Koalition führte.

Je größer heute unsere Probleme werden – nach innen wie nach außen –, desto größer wird die Sehnsucht nach einer Führungspersönlichkeit im Stile von Schmidt, der wir unser Land guten Gewissens anvertrauen können. Aber eine solche ist weit und breit nicht in Sicht. Allein das macht Schmidt unvergesslich.

Rolf Bürgel, Darmstadt

 

 

Einseitig

Zu: „Wir waren junge Soldaten“ (Nr. 46)

Bei dem Beitrag handelt es sich um eine einfühlsame und doch einseitige Geschichte zum Volkstrauertag, die für das Verstehen dieses schrecklichen Krieges völlig ungeeignet ist. Glaube an Freiheit, Frieden und den Kampf gegen den Bolschewismus müssen als Täuschung und Betrug eines verbrecherischen, alles vernichtenden Regimes dargestellt werden. Peinlich ist die Aussage, dass halb Europa mit uns gekämpft habe, wie auch die Erwähnung vom 3. September 1939, ohne darauf hinzuweisen, dass deutsche Truppen zwei Tage vorher die Grenze Polens überschritten haben.

Hans-Wilhelm Bronsart v. Schellendorff, Hülsede

 

 

Feiglinge

Zu: Einfach grotesk (Nr. 50)

Unter den Flüchtlingen sind 80 Prozent junge Männer, die Medien zeigen nur Frauen mit Kindern. Sie sind Feiglinge, sie wollen ihre Heimat nicht verteidigen. Sie desertieren, was im Krieg mit Tod bestraft wird. Jeder Staatsbürger hat die Pflicht, den eigenen Staat  zu verteidigen, mit der Waffe. Ich war auch Soldat und müss­te an die Front, wenn der Krieg bei uns wäre. Im Jahre 1961 (Berlin-Krise) war ein Krieg fast vor der Tür, als damals in Ostpreußen lebender deutscher Staatsbürger bin ich in die polnische Armee einberufen worden. Wenn der Krieg in Syrien zu Ende geht, wer wird dann das Land aufbauen, wer wird die Felder bestellen? Diese jungen Asylbewerber sind sich zu schade, auf dem Land zu arbeiten. Die Felder sind nicht bestellt, es herrscht Hunger. Man sollte sie alle zurück­schicken.

Oswald Maßner, Barßel

 

 

Mein Verhältnis zu Helmut Schmidt ist zwiespältig

Zu: Der Mann der Stunde (Nr. 47)

Mein Verhältnis zu Helmut Schmidt ist zwiespältig. Ich denke, dass Zwiespältigkeit in Anbetracht einer geschichtsträchtigen Persönlichkeit immer angebracht ist. Denn wir sind allzumal Sünder. Nur dürfen es nicht Fehler sein, die eine schleichende oder abrupte Katastrophe zur Folge haben kann. Das Heimgehen Schmidts wird gefeiert. Tausende säumten den Weg seines Sarges.

Nicht so bei Hartmut Gründler, der sich auf den Stufen der St. Petri am 21. November 1977 mit Benzin in Brand setzte und an den Verletzungen starb. Er wollte damit ein Zeichen gegen den Atomwahn setzen anlässlich des SPD-Parteitages, der zur gleichen Zeit in Hamburg nicht weit von der St. Petri Kirche tagte, bei dem auch Helmut Schmidt zugegen war.

Mit dem Atomwahn als Folge des Atombombenabwurfes über zwei japanischen Städten ist die Menschheit nach Hannah Arendt unumkehrbar in den Bannkreis der Apokalypse geraten. Gründler sah dies mit der Klarsicht eines Propheten oder einer Seherin wie Kassandra. Warum sah Schmidt dies nicht, wenn er so großen Wert auf Pflichterfüllung gegenüber seiner Nation legte?

Gründler, bestens über diesen Wahn informiert, hatte dies in Briefen an Schmidt deutlich unmissverständlich immer wieder angesprochen. Schmidt würdigte diesen so gescheiten Seher überhaupt nicht und setzte sich auch nicht mit Gründlers verzweifelter Selbstverbrennung ethisch- moralisch hinsichtlich der durch die Atomenergie in ihrer Zukunft fundamental infrage gestellten Nation auseinander. Damit wurde Schmidt in meinen Augen zu einem der Steigbügelhalter der Apokalyptischen Reiter.

Nun ist er da, wohin Gründler schon vor ihm in einem dramatischen Akt aufbrach. Ob Schmidt es jetzt fertig bringt, angesichts von Tschernobyl und Fukushima Gründler im Jenseits um Verzeihung für seine Missachtung zu dessen Lebzeiten zu bitten? Dies wäre eine Pflichterfüllung sub specie aeternitatis, die allerdings vorher hätte erfolgen müssen. Da dies nicht der Fall war, geht Schmidt in die Geschichte Deutschlands als einer seiner großen Exterminatoren ein. Angesichts seiner feierlichen Beerdigung in Hamburg ist dies ein Aberwitz und keineswegs eine Tragödie im klassischen Sinne. Die kann Gründler für sich beanspruchen.

Friedrich Bode, Pastor i. R., Jeddingen

 

 

Täuschung

Zu: Phrasen statt Taten (Nr. 48)

Der im Artikel geschilderte Zustand der Phrasendrescherei hat nach meiner Vermutung nur den Zweck, die Bevölkerung darüber hinwegzutäuschen, dass die Grenzen gar nicht geschlossen werden sollen. Das Ziel ist, Deutschland als Nation zu beseitigen. Das kann gelingen, wenn sich die Zahl der Einwanderer nach meiner Einschätzung im Bereich von fünf bis zehn Millionen bewegt. Das heißt, Kanzlerin Merkel müsste wahrscheinlich die Grenzen noch weit bis in das kommende Jahr offenhalten. In Anbetracht unseres demografischen Defizits und des Überschusses jugendlicher Einwanderer könnte das Ziel dann in einigen Jahren erreicht werden. Zu vermeiden wäre eine solche Situation wohl nur, wenn den Amerikanern – den Dirigenten im Hintergrund – aus irgendeinem Grund die Luft ausginge.          

Uwe Schmidt, Rudersdorf

 

 

Täuschungsabsicht

Zu: Phrasen statt Taten (Nr. 48)

Während der französische Innenminister Manuel Valls klar für einen Flüchtlings-Aufnahmestopp in Europa eintritt, phantasieren Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Oppermann in vorsätzlicher Täuschungsabsicht von einer europäischen Kontin­gentregelung und wollen dabei die deutschen Grenzen nach wie vor offenhalten. Aber wer hat denn bisher schon vereinbarte Kontingente für über 100000 Flüchtlinge übernommen? Und wie viel? Bisher waren es nicht einmal 200.

Der polnische Außenminister Witold Waszczykowski sagt jetzt, dass Polen die von der Vorgängerregierung übernommene Verpflichtung, 7000 Flüchtlinge zu übernehmen, nur „mit Herzschmerz“ und nur „nach genauester Überprüfung jedes Einzelnen“ erfüllen werde. Dies bedeutet ein Nein zu weiteren Kontingenten. Schweden verschärft jetzt seine Asylgesetze. Ungarns Ansicht zu weiterem Flüchtlings-Zustrom ist bekannt. Mit welchem Recht also wird hierzulande die Illusion einer neuen Kontingentregelung verbreitet?

Milde ausgedrückt könnte man sagen: Das Maß der handwerklichen Fehler des Bundeskanzleramtes ist in beängstigender Weise übervoll. Verschärft war neulich zu hören, Frau Merkel habe dem deutschen Volk den Krieg erklärt.

Dies mag als politische Äußerung zulässig, aber überspitzt sein. Doch wer kann sich vorstellen, dass CDU/CSU noch einmal mit einer Frau Merkel in einen Wahlkampf ziehen? Freilich würde sich mit einer solchen Abkehr nicht mehr der Schaden beseitigen lassen, den diese Bundeskanzlerin in Deutschland und in Europa angerichtet hat.

Dr. Klaus J. Schneider-Haßloff, Berlin

 

 

Der PAZ-Artikel hat eine Tür aufgestoßen

Zu: Senat beharrt auf Einsprachigkeit in Frankreich (Nr. 46)

Wenn jemand glaubt, der Sprachenstreit in der EU sei dahingehend entschärft und dass nunmehr staatlicherseits entspannt mit den Regional- und Minderheitensprachen in den Nationalstaaten der EU umgegangen wird, wurde durch diesen Artikel eines Besseren belehrt. In Brüssel konnte 1992 nach der Unterzeichnung der Charta der Regional- oder Minderheitensprachen zwar einiges in der EU durch aktive Bürgerbewegungen auf den Weg gebracht werden, gleichwohl wurde die Charta von einigen nationalen Parlamenten – wie hier eben Frankreich – jedoch bis heute nicht ratifiziert.

Man nimmt einfach nicht zur Kenntnis, dass sich die verschiedenen Volksgruppen in ihren Sprachen/Kulturen – baskisch, bretonisch, deutsch oder flämisch –  wiederfinden möchten. Bei aller Freundschaft heutzutage darf nicht verschwiegen werden, dass nach 1918 eine beispiellose Frankonisierungswelle in Elsass-Lothringen durchgezogen wurde. Damals waren die Gebiete zu über 80 Prozent deutschsprachig. Die Universität Straßburg ist dabei noch ein ganz besonderer Fall in der Sprachausrichtung, wie im Internet nachzulesen ist. Wir brauchen also nicht verwundert auf diesbezügliche türkisch-kurdische Kulturauseinandersetzungen zu schauen.

Deutsch ist in der EU übrigens in die Bedeutungslosigkeit bereits abgetrudelt und hat einen Stellenwert etwa wie Lettisch oder Kroatisch. Um unsere Sprache wird sich zu wenig nachdrücklich von autorisierter Seite gekümmert, wiederkehrende spektakuläre Preisverleihungen berück­sichtigen „nur“ deren literarischen Wert. Bis jetzt gibt es zirka 7500 Anglizismen in unserer Sprache – ohne Not. Durch Medien und Werbung aufgezwungenen Sprach­wechsel nennt man das.

Denglisch heißt das Zauberwort, was leider viele unbekümmert mitmachen. Vorlesungen an unseren Unis – bezahlt mit deutschem Steuergeld – werden auf Englisch gehalten. Die Betriebssprache bei großen Konzernen im deutschsprachigen Raum ist Englisch. Die wichtigste Begründung für diesen lingualen Irrsinn ist der Begriff der „Globalisierung“.

Damit Deutsch nicht endgültig zur Feierabendsprache verkommt, braucht es einen sicheren Status, und zwar muss der Artikel 22 unseres Grundgesetzes endlich um den Absatz „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ ergänzt werden. So fordert es seit Langem nicht nur der Verein Deutsche Sprache in Dortmund.

Ein Schutz unserer Sprache hat auch Wirkung auf den öffentlichen Raum. Es ist auch zu denken an den Schutz des Verbrauchers und Arbeitnehmers oder an den Kontakt mit Einrichtungen für die Allgemeinheit wie Krankenhäuser, Behörden, Gerichte. Auch unsere Neubürger („Flüchtlinge“) brauchen eine stabile Orientierung statt das Englische „welcome refugees!“. Der PAZ-Artikel hat eine Tür aufgestoßen, deren Problematik viel stärker in unser Bewusstsein gehört.

Wolfgang Saurenbach, Wuppertal


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Gebühr für Sanierungen eingeführt
Wohnhäuser im Königsberger Gebiet sollen modernisiert werden – Rentner befürchten Preissteigerungen

Mit der Verabschiedung eines Gesetzes, das jede Region in Russland zur Grundüberholung von Wohnraum verpflichtet, will die Regierung dem Gebäudeverfall vorbeugen. Im Königsberger Gebiet gibt es besonders viele marode Wohngebäude. An der Finanzierung des Regionalprogramms zur Gebäudesanierung müssen sich alle beteiligen.

Im Königsberger Gebiet sind zirka 32000 Mehrfamilien-Wohnhäuser registriert. Von ihnen gelten 60 Prozent als technisch marode, was bedeutet, dass sie modernisiert werden müssen. In diesem Jahr fanden die Bewohner  in ihren Abrechnungen für die kommunalen Dienste erstmals einen Beitrag für die Gebäudesanierung. Ein entsprechendes Bundesgesetz, das zuvor nach langen Erörterungen beschlossen worden war, ist in Kraft getreten.

Wie sich herausstellte, ist die  Gebühr jedoch in Königsberg wesentlich höher als im übrigen Gebiet, wo der Posten etwa 25 Prozent der Kommunalgebühren ausmacht. In einigen Regionen Russlands liegt die Gebühr bei knapp über zehn Prozent.

Für 2016 sind für die Umsetzung des Regionalprogramms zur Gebäudesanierung im Königsberger Gebiet umgerechnet elf Millionen Euro eingeplant. Den größten Teil tragen die Eigentümer, umgerechnet etwa elf Millionen Euro.

Laut russischem Bundesgesetz soll in jeder Region ein System der Generalüberholung und ein regionaler Fonds für Gebäudesa-nierungen eingerichtet werden mit einer Laufzeit von 30 Jahren. In ihnen sollen Zahlungen der Bewohner und Mittel aus dem Haushalt einfließen. Während dieser Zeitspanne soll der gesamte Gebäudebestand des Gebiets saniert werden. Das Regionalprogramm enthält eine Liste mit allen Mehrfamilienhäusern sowie eine Aufzählung der notwendigen Reparaturen und einen Zeitrahmen für deren Durchführung. Dieser soll in der Presse veröffentlicht werden, damit jeder Mieter weiß, wann in seinem Haus Reparaturen durchgeführt werden.

Dabei soll das Regionalprogramm mindestens einmal jährlich aktualisiert werden. Der Zeitplan und die Abfolge von größeren Reparaturen werden nach dem Abnutzungsgrad eines Mehrfamilienhauses, aber auch dem Baujahr und dem Jahr der letzten Modernisierung bestimmt.

Beiträge für Grundsanierungen werden von Eigentümern sowohl von Apartments, Wohnhäusern als auch anderen Gebäudearten  erhoben. Der kleinste Beitrag, der im Königsberger Gebiet erhoben wurde, beträgt umgerechnet acht Cent pro Quadratmeter Wohnraum. Doch das ist kein fester Beitrag, er kann nach einer gewissen Zeit erhöht werden.

Es ist geplant, dass Alleinstehende, die das 80. Lebensjahr erreicht haben, einen Nachlass von 50 Prozent der Gebühr für Gebäudesanierungen erhalten. Wie nicht anders zu erwarten, sind gerade die Rentner die zuverlässigsten Gebührenzahler. Sie gehen pünktlich zur Sparkasse oder zur Post, um sich nach Zahlung ihre Quittung ausstellen zu lassen.

Dabei müssen gerade sie mit einer Verringerung ihrer Bezüge rechnen. Ab dem kommenden Jahr wird der Index der monatlichen Rente zum ersten Mal seit einigen Jahren nicht an die Höhe der durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate angepasst werden. 2016 wird die Rente um vier Prozent erhöht, obwohl die Inflationsrate bei etwa 17 Prozent liegt. Zusätzlich zur Belastung durch die steigenden Preise bei Lebensmitteln müssen sie jetzt für eine Haussanierung bezahlen, deren Durchführung sie vielleicht gar nicht mehr erleben werden.

Aufgrund entsprechender Erfahrungen ist damit zu rechnen, dass die eingenommenen Gelder, die wahrscheinlich ohnehin nie ausreichen werden für die geplanten umfangreichen Reparaturen, veruntreut werden, während immer neue Gebühren verlangt werden. Da Rentner nun jeden Rubel zweimal umdrehen müssen, fallen zusätzliche Gebühren spürbar und schmerzhaft ins Gewicht.

Das führt zur Unzufriedenheit. Viele Rentner bringen ihren Zorn zum Ausdruck, während sie in der Schlange zum Bezahlen stehen. Das verwundert nicht, denn bei einer durchschnittlichen Rente von umgerechnet 100 Euro im Monat sind Zusatzausgaben in Höhe von fünf bis sechs Euro viel. Die Folge: Rentner sparen am Wesentlichen, bei Lebensmitteln. Jurij Tschernyschew


Elbing ehrt einen Bayern
Auszeichnung »Philanthrop des Jahres« für Erwin Vollerthun

Wie der „Dziennik Elblaski“ in seiner Ausgabe vom 27. Oktober berichtete, wurde bei der jährlichen Gala der Stiftung Elbing (Fundacja Elblag) Erwin Vollerthun aus Krumbach in Bayern mit dem Preis „Philanthrop des Jahres“ ausgezeichnet. Damit wird traditionell eine Person oder Firma geehrt, die sich in besonderer Weise um die Unterstützung der Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen, Institutionen des Gemeinwohls sowie privaten Personen in Stadt und Kreis Elbing verdient gemacht hat.

Seit Jahren ist der frisch gekürte Preisträger, der 1985 zum ersten Mal nach Elbing gereist war, für die Heimat seiner Eltern und seiner Frau Małgorzata tätig. Die Vorsitzende des Rats der Stiftung Elbing, Krystyna Miezio, begründete die Wahl von Erwin Vollerthun mit seinem Einsatz für die deutsch-polnische Verständigung: „Seit 2001 unterstützt er ununterbrochen Elbinger Vereine, die auf diesem Gebiet tätig sind, und organisiert Sammlungen von Geldern, die er an gemeinnützige Organisationen weiterleitet.“ Von diesen Spenden in Höhe von insgesamt über 27000 Euro, die zum großen Teil von ehemaligen Bewohnern dieser Region, insbesondere der Orte Trunz, Groß Stoboi und Maibaum, stammen, profitieren neben der Stiftung Elbing unter anderem die Armenküche der Caritas, die deutsche Volksgruppe, das Waisenhaus und Schüler in Succase [Suchacz] bei Tolkemit.

Erwin Vollerthun stiftete auch ein Denkmal aus Anlass des 700-jährigen Bestehens von Maibaum und eine Erinnerungstafel. Der diesjährige Philanthrop des Jahres wird vom „Dziennik Elblaski“ mit den Worten zitiert: „Es ist sehr wesentlich für mich, dass meine Landsleute, die als Kinder oder Jugendliche von hier vertrieben wurden, jetzt Elbinger Organisationen finanziell helfen. Jede Spende ist somit ein Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung. Die Mehrzahl der Spender stammt aus dem früheren Kreis Elbing; der Älteste von ihnen wird im November 99 Jahre alt.“

                Uwe Hahnkamp


Novum Elbing-App
Dank 3D-Technik Vorkriegsstadtbild sichtbar

Eine spezielle Box mit einer  Brille sowie ein Handy benötigt man, um in das Elbing der Vorkriegszeit einzutauchen dank 3D-Technologie und einer App, die Spezialisten der Firma „theConstruct“ entwickelt haben. Das Unternehmen haben vor sechs Monaten die Hochschulabsolven-ten Piotr Juchnowicz, Dariusz Łozynski, Adam Fałkowski, Dominik Piskunowicz und ihr Partner Hans Heidenreich gegründet. „theConstruct“ nahm im Juni dieses Jahres am schweizerischen Wettbewerb „Startup Fair“ teil, wo es um die finanzielle Unterstützung für weitere Projekte ging. Das Unternehmen erhielt bei einer Online-Abstimmung große Unterstützung (1500 Stimmen) vor allem aus Elbing. Als Dankeschön entwickelte die Firma die Elbing-App, obwohl „theConstruct“ nicht ins Finale gelangt war.

Die Idee der Elbing-App basiert auf einer kostenlosen Anwendung, die das „Museum“ genannt wird und die für Mobiltelefone sowohl  mit Android- als auch IOS-Betriebssytem kompatibel ist. Allerdings ist die sogenannte „google cardboard“-Brille notwendig, um alle Vorteile der App nutzen zu können. Diese ist preiswert erhältlich. Eine Demo-Version der App liegt schon vor. Sie wurde dem Museum für Archäologie und Geschichte in Elbing überreicht.

Zur Erstellenung der App wurden Archivfotos verwendet, die Elbing in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zeigen. „theConstruct“ arbeitet an einer verbesserten Version der App, um alle Erwartungen zu erfüllen. Die präsentierte Version zeigt vorerst einen Ausschnitt der Altstadt und den Teil der Alten Marktstraße zum Markttor. Die Erstellung der App und die „Konstruktion der gesamten Altstadt“ ist ein komplexer Prozess, darum suchen die Elbinger nach Partnern für die Umsetzung dieses Projekts. Wenn alles gut geht, wird die fertige App noch vor den nächsten Sommerferien vorgestellt.         Leszek Chaburski


MELDUNGEN

»Miss Polen« aus Nikolaiken

Nikolaiken – Vor ein paar Monaten erhielt die 22-jährige Magdalena Bienkowska den Titel „Miss Ermland und Masuren“, und Anfang Dezember gewann sie den Wettbewerb „Miss Polen 2015“. Das Finale fand in Krynica Zdrój statt. Es nahmen daran 30 Kandidatinnen teil. Bienkowska stammt aus Nikolaiken und hat internationale Beziehungen an der Universität in Allenstein studiert.. Sie schloss das Studium mit dem Bachelor ab. Jetzt wohnt sie in Warschau. Wenn sie in Masuren ist, segelt sie gern, paddelt und sie liebt es, am Strand zu liegen. Jetzt will sie sich für den Wettbewerb „Miss International“ vorbereiten.               E.G.

 

Neuer Woiwode ernannt

Allenstein – Die polnische Premierministerin Beata Szydło hat Artur Henryk Chojecki zum neuen Chef der Verwaltung der Woiwodschaft Ermland und Masuren ernannt. Er wurde 1974 in Elbing geboren und ist Mitglied der regierenden Partei Prawo i Sprawiedliwosc (Recht und Gerechtigkeit). Seit 2010 war er der Vizevorsitzende des Woiwodschaftssejmiks (das regionale Parlament) in Ermland und Masuren. Heute wohnt er in Allenstein, ist verheiratet und hat drei Söhne.  Der Woiwode ist der Repräsentant der Zentralregierung in der Woi-wodschaft und bleibt für vier Jahre im Amt.      E.G.

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7: Liebemühl [Miłomłyn], Baustelle. Straße Nr. 7: Liebemühl [Miłomłyn] – Osterode [Ostróda], Baustelle; Zalusken [Załuski] – Napierken [Napierki], Baustelle. Straße Nr. 7j: Zalusken [Załuski] – Neidenburg [Nidzica], Baustelle. Straße Nr. 16: Osterode [Ostróda] – Martenshöh [Marciniaki], Baustelle. Straße Nr. 22: Elbing [Elblag] – Fichthorst [Jegłownik], Baustelle. Straße Nr. 51: Allenstein [Olsztyn] – Pagelshof [Ameryka], Baustelle. Straße Nr. 57: Dietrichswalde [Ciemna Wola] – Gallingen [Galiny], Baustelle; Bischofsburg [Biskupiec], Baustelle. Straße Nr. 65: Przytullen [Przytuły] – Johannisberg [Janisze], Baustelle. Straße Nr. 65c: Umgehungsstraße von Treuburg [Olecko], Baustelle.          E.G.


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,              
liebe Familienfreunde,

es war die Zahl 70, die in unserer Familienkolumne in diesem Jahr immer wiederkehrte und unsere Leserinnen und Leser zwang, sich noch intensiver als sonst mit dem Thema Flucht und Vertreibung zu befassen. 70 Jahre sind vergangen, seit wir die Heimat verlassen mussten, und diese Spur zog sich durch die Berichte vieler Zeitzeugen wie ein roter Faden. Die unterschiedlichen Fluchtwege, von denen viele trotz kaum vorstellbarer Belastungen zum Ziel führten, während andere im Kugelhagel und Torpedobeschuss endeten oder in die Gefangenschaft führten, veranlassten auch manche Leser, die dieses Schicksal nicht erleiden mussten, zu einer regen Teilnahme an unserer Diskussionsrunde. Nun geht das Jahr zu Ende, und wir wollen die 70 noch einmal aufleben lassen in einer Erinnerung an Weihnachten 1945, die uns ein Landsmann vor einem Jahr zusandte, und für die nun die Zeit für eine Veröffentlichung gekommen ist. Im Dezember 1944 hatten wir auf Veranlassung einer jungen Leserin aus der Nachfluchtgeneration um Berichte von der letzten Weih­nacht in der Heimat gebeten. Die Beteiligung war sehr rege, und auch nach dem Erscheinen trafen noch einige Berichte ein, die aber nicht mehr veröffentlicht werden konnten.

Aber „nach Weihnachten ist vor Weihnachten“, und so ist jetzt die Zeit gekommen, eine dieser Erinnerungen an ein Christfest vor 70 Jahren zu bringen, das nicht in einer Flüchtlingsunterkunft begangen wurde, wo auch immer, sondern in der von den Russen okkupierten Heimat, denn die Flucht der Familie Balzer aus Königsberg hatte beim Einmarsch der Roten Armee ein jähes Ende gefunden. Herr Hans-Georg Balzer aus Groß Köris hat sie für unsere Ostpreußische Familie aufgezeichnet und sie zu einem liebevoll gestalteten Heft gebunden, mit dem er sein ganz persönliches Dankeschön für unsere Arbeit sagen will. Was ihm auch so gelungen ist, sodass seine Erinnerung heute unsere Ostpreußische Familie – stellvertretend für alle uns aus dem Leserkreis zugesandten Weihnachtsgeschichten – füllen wird. Und ich löse somit ein Versprechen ein, das ich vor einem Jahr gegeben hatte. „Versproake is verschreewe“ – als alte Ostpreußin hält man sich eben an die Lebensmaxime der Vorfahren oder versucht es jedenfalls.

Hans-Georg Balzer fügt seinem mit weihnachtlichen Motiven gestalteten Heft noch eine Erklärung bei, wie es zu dieser Geschichte kam: Er las in unserer Kolumne, dass wir die „Kinder Königsbergs“ aufriefen, ihre Schicksalsberichte einzusenden. Er schreibt: „Ich bin auch ein solches. Beim Einmarsch der Russen war ich 13 Jahre alt, durfte aber meine lieben Eltern behalten, wenn ich auch im Januar 1945 meinen beiden älteren Brüder, 17 und 19 Jahre alt, beim Kampf um Ostpreußen verlor. In meiner kleinen Erzählung über unser Weihnachtsfest 1945 möchte ich einen Einblick in das Geschehen der damaligen Zeit unter der Gewalt der Sowjets geben. Mit Gottes Hilfe überlebten wir die Jahre bis zu unserer Ausweisung zum Jahreswechsel 1947/48. Dieses kleine gebundene Heftchen habe ich als Weihnachtsgruß gedacht. Es soll anregen, eine Heimreise in jene schwere Zeit zu machen.“ Hans-Georg Balzer hat seinen Erinnerungen einen Titel gegeben, der schon von der tiefen Gläubigkeit verrät, mit der er und die Seinen diese schwere Zeit überhaupt überleben konnten: „SOL invictus – Das Licht ist unbezwingbar“. Es ist das Licht, das von Bethlehem ausgeht. Es durchzieht wie ein heller Strahl diese Aufzeichnungen eines Königsbergers, die uns zurückführen in die zerstörte Heimat vor 70 Jahren.

Und das ist die Geschichte des Hans-Georg Balzer:

Hell erleuchtete Prachtstraßen und übervolle Schaufenster locken schon lange vor dem Christfest die Käufer. Das Kunstlicht und die Geschäftigkeit können aber nicht jenes Licht ersetzen, das zur Geburt des Heilands in die Welt kam. Es strahlte in Bethlehem für die Armen und Vergessenen.

Welche Kraft und wie viel Trost davon ausgehen können, durften wir in schwerer Zeit erfahren. In der Finsternis, die im Jahr 1945 über Ostpreußen gekommen war, blieb das Weihnachtsfest in den Herzen der überlebenden Deutschen trotz Verbots der Siegermächte bestehen.

Seit dem Spätherbst des Jahres hatten wir eine Bleibe im Pestalozzi Haus in Rauschen im Samland gefunden. Der tägliche Kampf ums Überleben ließ eigentlich keinen Raum für vorweihnachtliche Gedanken. Schon im November hatte ein harter Winter das Land in seinen eisigen Griff genommen. So hatten wir Mühe, genügend Brennholz für den kleinen Kanonenofen herbei zu schaffen, der die zerstörte Heizungsanlage ersetzen musste. Da es auch keine Streichhölzer mehr gab, musste man das Verlöschen des Feuers unbedingt verhindern. Geschah es doch einmal, wurde mit Hilfe eines alten Kohlebügeleisens etwas Glut von der Feuerstelle irgendeines Nachbarn geholt.

Einige Tage vor Heiligabend sagte meine Mutter zu mir: ,Min Jung, wir haben nuscht außer Angst und Hunger. Es ist aber der Heiland geboren. Bisher hatten wir noch immer einen Weihnachtsbaum. So soll es auch diesmal sein. Such’ uns irgendwo im Wald ein Bäumchen, aber lass dich nicht erwischen.‘ Beim Sammeln von Kiefernzapfen hatten wir ja schon einmal eine gefährliche Situation mit den Russen zu überstehen gehabt. Diesmal gelang es mir kurz vor Einbruch der Dunkelheit eine kleine Tanne zu beschaffen. Mit ihr zog so etwas wie eine Verheißung in unsere armselige Behausung ein. Aus Stanniolstreifen, die wohl von feindlichen Flugzeugen zur Störung der Flugabwehr abgeworfen worden waren, schnitten wir Lametta, und Muttchen bastelte einige Sternchen aus altem Stroh. Es fehlte jedoch die Hauptsache: Das Licht. Mein praktisch denkender Vater hatte da die ,Erleuchtung‘: Er baute mühsam und unter Schmerzen seiner geschwollenen Hände eine kleine Lampe aus einer leeren Konservendose, durch deren Abdeckung ein dicker Wollfaden gezogen war. Ein wenig Kerosin aus von den Russen weggeworfenen Blechkanistern konnte ich ergattern, und so war das Licht für Heiligabend gesichert.

Der 24. Dezember bescherte uns einen Wintertag mit klirrendem Frost und Schneefall bis zum Abend. Unser Bäumchen und das Öllämpchen versuchten, etwas Weihnachtsstimmung zu vermitteln und konnten doch die Traurigkeit nicht überdecken. Der Kanonenofen war gegen Abend kräftiger mit Holz gefüttert worden, und die rot glühende Platte verströmte, wenn man dicht heranrückte, wohlige Wärme. Das Fenster hatten wir mit einer alten Decke verhängt, damit der Lichtschein keine unerwünschten Besucher anlocken konnte, denn auch an diesen Tag konnte man vor den Sowjetsoldaten nicht sicher sein. Ein zaghaftes Klopfen an der Türe ließ uns aufhorchen. Draußen stand das alte Ehepaar Badorreck aus einem der Nachbarhäuser. ,Wir sahen einen Lichtschimmer, dürfen wir hereinkommen, es ist doch Weihnachten‘, sagte die alte Frau. Wir rückten enger zusammen und fanden alle Fünf am Öfchen Platz, schauten eine Weile schweigend auf das Bäumchen. Dann trat der alte Herr an die Tanne und trug mit fester Stimme die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vor. Mein Muttchen stimmte leise das schönste aller Weihnachtslieder an: ,Stille Nacht, heilige Nacht‘. Wir konnten allerdings nur die erste Strophe singen, weil danach die Stimmen versagten. Später buk meine Mutter auf der Ofenplatte ein paar Plätzchen aus einer muffigen Masse von Kartoffelflocken, die wir in einer halbzerstörten Scheune gefunden hatten, und aus einem Rest von grobem Hafermehl, das sie heimlich aufbewahrt hatte. Der Tee aus getrockneten Hagenbutten ergänzte das weihnachtliche Mahl. Wie lange wir so beieinander saßen, weiß ich nicht, niemand von den Deutschen besaß mehr eine Uhr.

Zum Abschied machten uns die beiden Altchen ein wunderbares Geschenk: Herr Badorreck war Uhrmacher gewesen und wurde von einem Russen für eine geleistete Arbeit mit einem Stückchen Speck und einer Tüte Erbsen belohnt. So konnte daraus ein Festessen zum Ersten Feiertag gezaubert werden, zu dem wir eingeladen waren. Ich begleitete unsere Nachbarn auf den tief verschneiten Wegen durch die eiskalte Nacht, die von einem mit Sternen übersäten Himmel überdacht war. An der zur Halbruine gewordenen evangelischen Kirche verharrten wir einen Augenblick. Das geplünderte und geschändete Gotteshaus mit den ausgeschlagenen Fensterscheiben schien die Trostlosigkeit dieses Heiligabends mit uns zu teilen. Der alte Mann stampfte durch den tiefen Schnee zum türlosen Eingang und blickte ins leere Innere. Als wir weitergingen murmelte er: ,Unsere Bethäuser können sie uns nehmen, das Licht des Glaubens nicht.‘ Zum Abschied sagte der Alte zu mir: ,Danke, Jungchen, dass ihr Platz hattet für uns wie im Stall von Bethlehem. Wenn du zurückgehst, schau zum Sternenzelt und wünsch dir was. In der Weihnachtsnacht gehen manchmal Wünsche in Erfüllung.‘ Auf dem Rückweg wünschte ich mir, dieses Jammertal lebend verlassen zu können. Meine Bitte erfüllte sich: Wir durften überleben. Als ich Jahrzehnte später im Kirchenchor in meiner Notheimat in Berge bei Nauen ein Lied sang, das von dem tröstlichen Licht sprach, das über Bethlehem leuchtete, stand mir jener Weihnachtsabend vor Augen, den ich nie vergessen werde.“

Hans-Georg Balzer hat ihn nie vergessen, sondern für uns aufgeschrieben. Es ist wie eine Gabe an uns alle, vor allem für uns Ältere, die wir Flucht und Vertreibung erleiden mussten, neue Wege suchten und fanden. Und dafür möchten wir ihm danken. Ihm und allen Lesern und Leserinnen, die sich mit unserer Ostpreußischen Familie verbunden fühlen, wünsche ich ein besinnliches, von friedlichem Kerzenlicht erhelltes Weihnachtsfest.

Eure Ruth Geede


Anschluss verpasst
Die deutsche Volksgruppe in Oberschlesien hat keine Eisenbahndirektverbindung zur Bundesrepublik Deutschland mehr

Reihenweise brachen zuletzt lieb gewonnene Eisenbahnverbindungen weg oder schränkten ihre Angebote ein. Die Finanzierung der Strecken von Berlin nach Stettin oder über Küstrin und Landsberg (Warthe) nach Posen war und bleibt ein Dauerthema. Mit dem Fahrplanwechsel zum 13. Dezember verkehrt nun immerhin wieder der Dresden-Breslau-Express.

Während die Strecke zwischen Breslau und Krakau nach und nach modernisiert wird, bleiben die Trassen nach Dresden sowie nach Berlin durch Niederschlesien Schleichwege, nachdem die Sowjets nach dem Krieg zum Beispiel das zweite Gleis über Liegnitz demontiert hatten.

Bis Dezember 2014 konnte man immerhin in bequemen deutschen Eurocity-Waggons zwischen Hamburg, Berlin und Breslau bummeln. Die Fahrgäste nach Krakau hatte die Bahn ein Jahr zuvor schon vergrault, indem die Route des EC Wawel bis Breslau verkürzt wurde. Zugleich installierte die Bahn einen „IC Bus“, mit dem man Fahrgäste abwarb und sich dann aufgrund des weiteren Fahrgastschwunds so elegant der Verbindung entledigte. Die achteinhalbstündige Direktverbindung aus Beuthen nach Berlin kam einem nun schon bereits wie ein verlorener Luxus vor. Ein herber Schlag vor allem für die deutsche Volksgruppe, von der sich zirka 300000 Angehörige in Oberschlesien konzentrieren und nach über 150 Jahren nun ohne Anschluss in den Westen und nach 1945 „ins Reich“ dastanden. Dabei hatte vor dem Krieg der „Fliegende Schlesier“ – quasi der TGV oder ICE des damaligen Europas – nur viereinhalb Stunden von Beuthen nach Berlin gebraucht. Und um die einstige Herrlichkeit perfekt zu machen: Beim Bau des Streckennetzes war die Verbindung Berlin–Breslau–Oberschlesien–Wien und von dort weiter nach München die erste deutsche Nord-Süd-Verbindung, während der Lückenschluss durch Hessen noch gar nicht vollzogen war. Doch die Deutsche Minderheit entdeckte in dem Schlamassel kein politisches Kapital. Während der Abgeordnete der Deutschen im Sejm Ryszard Galla im Organ der Minderheit, dem „Wochenblatt“, über seine bequeme neue Schnellverbindung mit dem Pendelino nach Warschau schwärmte, konzentrierten sich nach dem Ende des EC Wawel die Hoffnungen auf den Dresden-Breslau-Express. Polnische Politiker in Oberschlesien regten gar dessen Verlängerung nach Oppeln an, doch auch dies blieb ohne echtes Echo bei der organisierten Volksgruppe, deren Vertreter lieber mit dem Ausbau lokaler Straßen punkten.

Doch das Trauerspiel fand seine Vollendung mit der Einstellung auch des Dresden-Breslau-Express zum 1. März 2015. Reisende mussten seither von Dresden im Nahverkehr nach Görlitz (West) reisen und zu Fuß oder mit dem Taxi die Stadt und die Grenze durch- beziehungsweise überqueren, wollten sie nicht einen unerträglichen Umweg über Berlin und Posen in Kauf nehmen. Eine Blamage erst Recht vor dem Hintergrund, dass Breslau 2016 europäische Kulturhauptstadt ist und über einen beeindruckend renovierten Hauptbahnhof verfügt. Die verkehrspolitischen Pokerfacerunden begannen erneut, und vier Tage vor Fahrplanwechsel wurden erst die Unterschriften für die neue Verbindung gesetzt. Ganz und gar nicht gut kommt dabei in Polen die „Gier der Deutschen“ nach der teuren Anmietung ihrer Triebwagen weg. Diese sind notwendig, da die polnischen den immensen deutschen Sicherheitsstandards nicht entsprechen. Das kostet die polnische Seite fünf Millionen Euro für drei Jahre. Kurios dabei ist, dass bis zum Fahrplanwechsel durchaus moderne polnische Triebwagen auf einer innerpolnischen Verbindung aus Bunzlau kommend über Görlitz-Moys [Zgorzelec] bis auf das Neißeviadukt (über die Grenze) fuhren, um dort die Richtung zu wechseln und nach Hirschberg im Riesengebirge weiterzufahren. Der Katzensprung von 800 Metern vom Neißeviadukt bis zum deutschen Bahnhof von Görlitz blieb den Zügen jedoch aufgrund deutscher Sicherheitsbestimmungen versperrt.

Die Wiedereinführung der Verbindung bleibt also zweischneidig. Was, wenn die Kulturhauptstadt beendet ist und der jetzige Vertrag im Dezember 2018 ausläuft? Erleichterung ist gerade aus Sicht der Deutschen in Schlesien völlig fehl am Platz. Da nun nur drei Verbindungen täglich bestehen, hat sich gegenüber dem alten Zustand sogar eine Manko eingestellt. In Breslau besteht nämlich kein unmittelbarer Anschluss nach Oberschlesien. Im Grunde ist es nach wie vor eine „Zeitersparnis“, Görlitz zu Fuß zu durchqueren, einen normalen Bummelzug durch Niederschlesien zu nutzen und dann in Breslau einen vernünftigen Anschluss nach Oppeln oder Gleiwitz zu nehmen.               

                Edmund Pander


S. 15-16 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 103. GEBURTSTAG

Nikolay, Charlotte, aus Angerburg und Widminnen, Kreis Lötzen, am 24. Dezember

ZUM 101. GEBURTSTAG

Eggert, Albert, aus Ittau, Kreis Neidenburg, am 20. Dezember

Hillgruber, Erika, geb. Lorenz, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

ZUM 100. GEBURTSTAG

Dießelberg, Christel, geb. Brodowski, aus Lyck, am 28. Dezember

ZUM 99. GEBURTSTAG

Landwehr, Marta, geb. Hartmann, aus Steinhalde, Kreis Ebenrode, am 27. Dezember

Lojewski, Johanna, aus Lübeckfelde, Kreis Lyck, am 27. Dezember

Polleit, Anna, geb. Behrendt, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 28. Dezember

ZUM 98. GEBURTSTAG

Haase, Helene, geb. Hübert, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 30. Dezember

ZUM 97. GEBURTSTAG

Emsbach, Paula, geb. Wegmann, aus Groß Budlacken, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Mirbach, Christel, aus Lyck, am 25. Dezember

ZUM 96. GEBURTSTAG

Bohlmann, Gertrud, geb. Kowalzik, aus Treuburg, am 30. Dezember

Bosies, Luise, geb. Gailus, aus Inse, Kreis Elchniederung, am 29. Dezember

Greb, Heinz, aus Steinhalde, Kreis Ebenrode, am 19. Dezember

Hepke, Gertrud, geb. Schmidt, aus Moneten, Kreis Treuburg, und Rehbusch, Kreis Ebenrode, am 20. Dezember

Kaiser, Editha, geb. Neiss, aus Berkeln, Kreis Elchniederung,  und Wehlau, am 30. Dezember

Mertins, Charlotte, geb. Herrmann, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 26. Dezember

Wagner, Willi, aus Ebenrode, am 22. Dezember

Wirths, Christa, geb. Schirwinsky, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 25. Dezember

ZUM 95. GEBURTSTAG

Boersch, Hildegard, geb. Koßmann, aus Klemenswalde, Kreis Elchniederung, am 25. Dezember

Czerwinski, Martha, aus Millau, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Engelke, Edith, geb. Trzaska, aus Neidenburg, am 30. Dezember

Fedrau, Christel, geb. Sokoll, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 26. Dezember

Grisard, Alfred, aus Neu Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 21. Dezember

Magnus, Hildegard, geb. Moldzio, aus Lyck, am 19. Dezember

Nobel, Hildegard, geb. Karpowski, aus Plöwken, Kreis Treuburg, am 22. Dezember

Ossa, Erna, aus Neidenburg, am 27. Dezember

Reiner, Ursula, geb. Krueger, aus Lötzen, am 20. Dezember

Röhle, Else, geb. Steppat, aus Reinlacken, Kreis Wehlau, am 25. Dezember

Schimkus, Helmut, aus Erlen, Kreis Elchniederung, am 24. Dezember

ZUM 94. GEBURTSTAG

Bondzio, Luise, geb. Bendix, aus Lyck, am 22. Dezember

Czerwinski, Gertrud, geb. Magalski, aus Rogenau, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Herrmann, Waltraut, aus Elbing, am 27. Dezember

Hoffmann, Christel, geb. Seesko, aus Treuburg, am 19. Dezember

Koch, Waltraut, geb. Wegner, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 30. Dezember

Marczinski, Arno, aus Rundfließ, Kreis Lyck, am 29. Dezember

Marks, Gertrud, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 28. Dezember

Melzer, Michael, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 28. Dezember

Möhlmann, Frieda, geb. Radau, aus Großheidekrug, Kreis Samland, am 23. Dezember

Olschewski, Berta, geb. Moskwa, aus Thalheim, Kreis Neidenburg, am 23. Dezember

Rompf, Elfriede, geb. Wark, aus Warnicken, Kreis Samland, am 22. Dezember

Schulz, Erna, geb. Nagat, aus Klein Friedrichsgraben, Kreis Elchniederung, am 21. Dezember

Thomzigk, Gerda-Rita, geb. Lissek, aus Ortelsburg, am 29. Dezember

ZUM 93. GEBURTSTAG

Brandecker, Wolfgang, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 21. Dezember

Ebert, Maria, geb. Sewzyk, aus Luckau, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Glomb, Horst, aus Vierbrücken, Kreis Lyck, am 26. Dezember

Habermann, Irmgard, geb. Cymek, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 29. Dezember

Hansch, Ewald, aus Freiwalde, Kreis Neidenburg, am 31. Dezember

Krause, Helene, geb. Müller, aus Tilsit, am 21. Dezember

Krehl, Georg, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Kutzborski, Willi August, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Meyer, Dora, geb. Sellugga, aus Königsberg-Roßgarten, Altroßgasse-Kirchenstraße 10/11, am 28. Dezember

Mühlberg, Gerda, aus Seerappen, Kreis Samland, am 19. Dezember

Nagel, Werner, aus Kallen, Kreis Samland, am 24. Dezember

Schawaller, Ella, aus Rehbusch, Kreis Ebenrode, am 29. Dezember

Trzaska, Heinz-Walter, aus Ortelsburg, am 19. Dezember

Werwath, Wolfgang Rev., aus Ebenrode, am 29. Dezember

ZUM 92. GEBURTSTAG

Becker, Gerda, geb. Bautz, aus Neuendorf, Kreis Elchniederung, am 19. Dezember

Beyer, Ursula, geb. Schaar, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Bucher, Elisabeth, geb. Stein, aus Wehlau, am 30. Dezember

Dallmann, Max, aus Lyck, Königin-Luisen-Platz 3, am 20. Dezember

David, Hildegard, geb. Wegener, aus Hohensprindt, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Ehlers, Christel, geb. Gerwinat, aus Ginkelsmittel, Kreis Elchniederung, am 21. Dezember

Ernestsons, Gertrud, geb. Zablowski, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Gilbert, Erika, geb. Rattay, aus Lengau, Kreis Treuburg, am 22. Dezember

Hanke, Fritz, aus Neukuhren, Kreis Samland, am 22. Dezember

Heisler, Gertrud, geb. Schaaf, aus Ebenrode, am 20. Dezember

Kohlwage, Alma, aus Lilienfelde, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Kollakowski, Otto, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 27. Dezember

Lukasczyk, Erich, aus Sielacken, Kreis Wehlau, am 24. Dezember

Marquardt, Konrad, aus Treuburg, am 31. Dezember

Oswald, Eva, geb. Hübner, aus Neukuhren, Kreis Samland, am 31. Dezember

Peck, Josefa, geb. Hippler, aus Lopsienen, Kreis Samland, am 22. Dezember

Rama, Walter, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 29. Dezember

Schiggas, Hans, aus Neidenburg, am 21. Dezember

Schlicker, Kurt, aus Peterswalde, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Schnarelt, Ruth, geb. Gerwin, aus Zimmerbude, Kreis Samland, am 20. Dezember

Schuran, Lieselotte, geb. Schütze, aus Klein Krösten, am 29. Dezember

Seidlitz, Christel, geb. Cypris, aus Reichensee, Kreis Lötzen, am 19. Dezember

Specht, Margot, geb. Becher, aus Merunen, Kreis Treuburg, am 30. Dezember

ZUM 91. GEBURTSTAG

Albers, Christel, geb. Cyrkel, aus Saberau-Abbau, Kreis Neidenburg, am 23. Dezember

Bartschies, Heinz, aus Lyck, am 24. Dezember

Clausen, Hedwig, geb. Joswig, aus Klein Lasken, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Dziedzitz, Heinrich, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Froese, Grete, geb. Laser, aus Kalthagen, Kreis Lyck, am 26. Dezember

Gardeick, Heinz aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Genzmer, Dr. Jürgen, am 31. Dezember

Gerdes, Richard, aus Gartenau, Kreis Neidenburg, am 26. Dezember

Glashoff, Charlotte, geb. Samsel, aus Schönwiese, Kreis Neidenburg, am 24. Dezember

Hartmann, Lucie, geb. Gatzke, aus Widminnen, Kreis Lötzen, am 21. Dezember

Heidmann, Ruth, geb. Griggel, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 19. Dezember

Kewitz, Alfred, aus Grünau, Kreis Lötzen, am 30. Dezember

Schmidt, Grete, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 19. Dezember

Schütz, Herbert, aus Seesken, Kreis Treuburg, am 31. Dezember

Stumm, Herta, aus Großwalde, Kreis Neidenburg, am 21. Dezember

Waniek, Ursula, geb. Unruh, aus Pelkeninken, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Werts, Betty, geb. Gedack, aus Wehlau, am 30. Dezember

Ziermann, Ingelore, geb. Möhr, aus Pillau, Kreis Samland, am 26. Dezember

ZUM 90. GEBURTSTAG

Blödner, Emma, geb. Korzen, aus Groß Dankheim, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Doliwa, Erich, aus Bartkenguth, Kreis Neidenburg, am 19. Dezember

Droßmann, Edith, geb. Nebel, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 26. Dezember

Freith, Martha, geb. Brodowski, aus Sentken, Kreis Lyck, am 26. Dezember

Grajewski, Elise, aus Treuburg, am 23. Dezember

Groß, Herbert, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 27. Dezember

Gugat, Hildegard, geb. Deckmann, aus Argemünde, Kreis Elchniederung, am 28. Dezember

Hesper, Christa, geb. Jedamski, aus Eibenau, Kreis Treuburg, am 19. Dezember

Hofmann, Hilde, geb. Thom, aus Lyck, am 22. Dezember

Husing, Anna, geb. Holz, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 23. Dezember

Jedamzik, Elfriede, geb. Mast, aus Wilhelmshof, Kreis Ortelsburg, am 27. Dezember

Killick, Christel, geb. Bartlick, aus Treuburg, am 21. Dezember

Koenig, Christel, aus Pillau, Kreis Samland, am 26. Dezember

Opielka, Grete, geb. Winkler, aus Rummau, Kreis Ortelsburg, am 25. Dezember

Pachutzki, Johann, aus Neuen-dorf, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Peterson, Christel, geb. Joppien, aus Warnicken, Kreis Samland, am 19. Dezember

Pillath, Willi, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 31. Dezember

Pohl, Trauthilde, aus Seefrieden, Kreis Lyck, am 30. Dezember

Pollnow, Gerda, geb. Willuda, aus Freiort, Kreis Lötzen, am 25. Dezember

Rhauda, Christel, geb. Schneider, aus Rudau, Kreis Samland, am 26. Dezember

Sadtkowski, Horst, aus Osterode, am 24. Dezember

Schlewing, Hedwig, geb. Blasko, aus Giesen, Kreis Treuburg, am 21. Dezember

Schnackenberg, Bruno, aus Königsberg-Roßgarten, Fried-richstraße 2, am 1. Dezember

Stang, Liesbeth, geb. Bollgönn, aus Georgenswalde, Kreis Samland, am 20. Dezember

Teliczan, Elsbeth, aus Siegersfeld, Kreis Lyck, am 29. Dezember

Wittmer, Ilse, geb. Reimann, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 29. Dezember

Zimmermann, Gerda, geb. Ma-sanek, aus Upalten, Kreis Lötzen, am 20. Dezember

ZUM 85. GEBURTSTAG

Adelsberger, Margot, geb. Emelius, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 25. Dezember

Amrein, Christel, geb. Krause, aus Schorkenicken, Kreis Wehlau, am 25. Dezember

Apenberg, Lieselotte, geb. Schaak, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 19. Dezember

Dumath, Manfred, aus Memel, Roßgartenstraße 10, am 31. Dezember

Ehresmann, Heinz, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 21. Dezember

Glaser, Christel, geb. Szepanek, aus Kleineppingen, Kreis Neidenburg, am 26. Dezember

Glowatz, Willi, aus Königswalde, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Göbel, Hertha, geb. Scharein, aus Friedrichshof, Kreis Ortelsburg, am 28. Dezember

Gorzkowski, Walter, aus Fließdorf, Kreis Lyck, 26. Dezember

Grambowski, Lisa, geb. Kerschowski, aus Rhein, am 24. Dezember

Hildebrandt, Christa, geb. Bernecker, aus Wilkendorf, Kreis Wehlau, am 25. Dezember

Jedamzik, Christine, geb. Brosowski, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 22. Dezember

Joswig, Artur, aus Gusken, Kreis Lyck, am 25. Dezember

Kadelka, Friedrich, aus Narthen, Kreis Neidenburg, am 22. Dezember

Kempka, Herta, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 19. Dezember

Köpke, Christa, geb. Brillat, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 30. Dezember

Kuschma, Werner, aus Lyck, am 30. Dezember

Leyk, Otto, aus Willenberg, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Lietz, Christel, geb. Klemm, aus Burgkampen, Kreis Ebenrode, am 27. Dezember

Mack, Günther, aus Neumalken, Kreis Lyck, am 27. Dezember

Mag, Brigitte, geb. Küchmeister, aus Heinrichsdorf, Kreis Bartenstein, am 25. Dezember

Mahnke, Ernst, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 20. Dezember

Markgraf, Siegfried, aus Gerhardsgrund, Kreis Elchniederung, am 20. Dezember

Marks, Hildegard, geb. Gollembusch, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 27. Dezember

Mex, Arnold, aus Treuburg, am 31. Dezember

Milbradt, Elfriede, geb. Schubert, aus Groß Keylau, Kreis Wehlau, am 27. Dezember

Nowoczin, Hedwig, geb. Roese, aus Diebauen, Kreis Treuburg, am 29. Dezember

Podszus, Dieter, aus Altenkirch, Kreis Tilsit-Ragnit, am 19. Dezember

Pomaska, Irene, geb. Weiß, aus Kiefernheide, Kreis Lyck, am 23. Dezember

Redszus, Hildegard, geb. Janz, aus Klemenswalde, Kreis Elchniederung, am 20. Dezember

Sunderkamp, Gertrud, geb. Philipp, aus Hügelwalde, Kreis Ortelsburg, am 31. Dezember

Weber, Emil junior, aus Dürrfelde, Kreis Ebenrode, am 20. Dezember

Willmann, Christel, geb. Artschwager, aus Balten, Kreis Elchniederung, am 20. Dezember

Wischnewski, Heinz, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 31. Dezember

ZUM 80. GEBURTSTAG

Baumann, Ursula, geb. Holstein, aus Tölteninken, Kreis Wehlau, am 19. Dezember

Bewernick, Helga, geb. Schirmacher, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 27. Dezember

Bialobrzeski, Reinhold, aus Montwitz, Kreis Ortelsburg, am 22. Dezember

Brause, Christa, geb. Sbrzesny, aus Rotbach, Kreis Lyck, am 25. Dezember

Chmielewski, Helmut, aus Groß Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 25. Dezember

Dahl, Margarete, geb. Salzmann, aus Windberge, Kreis Ebenrode, am 30. Dezember

Doublon, Gerlinde, geb. Pelzer, aus Prostken, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Drazba, Siegfried, aus Giersfelde, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Galler, Helga, geb. Hennig, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 20. Dezember

Greve, Christiane, geb. Kotowski, aus Klein Lasken, Kreis Lyck, am 25. Dezember

Grigo, Werner, aus Petzkau, Kreis Lyck, am 28. Dezember

Gussek, Günter, aus Lengau, Kreis Treuburg, am 22. Dezember

Hagedorn, Hans-Dieter, am 31. Dezember

Hartmann, Manfred, aus Irglacken, Kreis Wehlau, am 20. Dezember

Hucal, Ingrid, geb. Hube, aus Herdenau, Kreis Elchniederung, am 20. Dezember

Jeworrek, Gustav, aus Satticken, Kreis Treuburg, am 26. Dezember

Kempka, Herta, geb. Marschall, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 19. Dezember

Kleen, Hedwig, geb. Werner, aus Windkeim/Pohren, Kreis Heiligenbeil, am 20. Dezember

Koch, Rotraut, aus Ebenrode, am 26. Dezember

Kubik, Christel, geb. Maschinowski, in Narwickau, Kreis Ebenrode, am 28. Dezember

Laue-Brosch, Helga, geb. Friedrichsdor, aus Neukuhren, Kreis Samland, am 23. Dezember

Lehmann, Hannelore, geb. Gerwien, aus Groß Hubnicken, Kreis Samland, am 26.Dezember

Lück, Heinz, aus Neidenburg, am 26. Dezember

Marzian, Wilhelm, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Mrowka, Heinrich, aus Kleschen, Kreis Treuburg, am 20. Dezember

Netzker, Annemarie, geb. Leitner, aus Lyck, am 31. Dezember

Niesalla, Renate, aus Liebenberg, Kreis Ortelsburg, am 24. Dezember

Nioduschewski, Hartmut, aus Seedranken, Kreis Treuburg, am 23. Dezember

Nowakiewitsch, Ingrid, geb. Wischemann, aus Königsberg, am 29. Dezember

Ockel, Christel, geb. Friedrich, aus Wittingen, Kreis Lyck, am 25. Dezember

Petersen, Elfriede, geb. Borrosch, aus Mostolten, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Petruck, Jürgen, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 22. Dezember

Ropio, Helmut, am 20. Dezember

Runte, Eva, geb. Lieder, aus Grünau, Kreis Tilsit-Ragnit, am 28. Dezember

Sager, Dorothea, geb. Bourdos, aus Neidenburg, am 29. Dezember

Schmidt, Hildegard, geb. Schattner, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 28. Dezember

Schreiweis, Christel, geb. Haack, aus Partheinen, Kreis Heiligenbeil, am 31. Dezember

Schwarzat, Christel, aus Tilsit, am 23. Dezember

Seelert, Siegfried, aus Tenkitten, Kreis Samland, am 20. Dezember

Sierck, Elfriede, aus Stobingen, Kreis Wehlau, am 22. Dezember

Speer, Waltraud, geb. Rogatti, aus Oschekau, Kreis Neidenburg, am 19. Dezember

Treffer, Irene, geb. Sallowsky, aus Kussenberg, Kreis Elchniederung, am 22. Dezember

Wiede, Harald, aus Groß Dirschkeim, Kreis Samland, am 24. Dezember

Wiedner, Elfrun, geb. Ballay, aus Malga, Kreis Neidenburg, am 26. Dezember

Wiktor, Karl-Heinz, aus Kröstenwerder-Reuschendorf, Kreis Lyck, am 24. Dezember

Witzke, Helmut, aus Buttken, Kreis Treuburg, am 23. Dezember

Wodrich, Edith, geb. Czub, aus Heldenfelde, Kreis Lyck, am 23. Dezember

Woelke, Ruth, geb. Welk, aus Alt Kiwitten, Kreis Ortelsburg, am 19. Dezember

Zinchiri, Margret, geb. Wilkop, aus Pentzken, Kreis Neidenburg, am 25. Dezember

Zuehlsdorf, Gerda, geb. Ohlendorf, aus Bieberswalde, Kreis Wehlau, am 23. Dezember

ZUM 75. GEBURTSTAG

Adametz, Helene, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 23. Dezember

Bruns, Klaus, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 20. Dezember

Chrzanowski, Willi, aus Reichenstein, Kreis Lötzen, am 27. Dezember

Eichler, Christel, geb. Alexy, aus Taplacken, Kreis Wehlau, am 22. Dezember

Flügge, Christa, geb. Kellermann, aus Birkenmühle, Kreis Ebenrode, am 27. Dezember

Frommann, Anneliese, geb. Haase, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 19. Dezember

Gehlhaar, Ingrid, geb. Milewski, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 23. Dezember

Gritto, Christel, geb. Engelke, aus Wilmsdorf, Kreis Wehlau, am 22. Dezember

Herzmoneit, Heinz, aus Moschnen, Kreis Treuburg, am 29. Dezember

Höhne, Manfred, am 23. Dezember

Kilimann, Horst, aus Sensburg, am 31. Dezember

Napierski-Duggan, Frieda, aus Neidenburg, am 30. Dezember

Noertemann, Christel, geb. Bernotat, aus Eichkamp, Kreis Ebenrode, am 22. Dezember

Quaas, Elsa-Margarete, geb. Fabritz, aus Ortelsburg, am 28. Dezember

Reuther, Siegfried, aus Wilhelmshof, Kreis Ortelsburg, am 23. Dezember

Rodies, Klaus-Dieter, aus Wehlau, am 25. Dezember

Roß, Hannelore, geb. Treppner, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 19. Dezember

Tödter, Christel, geb. Folknant, aus Watzum, Kreis Samland, am 22. Dezember

Wöst, Inge, geb. Pallasch, aus Blumenau, Kreis Ortelsburg, und Neidenburg, am 27. Dezember

Goldene Hochzeit

Beyer, Walter, aus Kalkhöfen, und Ehefrau Gisela, geb. Bluhm, aus Serguhnen, am 24. Dezember

Diamantene Hochzeit

Pohlmann, Siegfried, aus Augstupönen/Hochweiler, Kreis Pillkallen/Schloßberg, und Ehefrau Erika, am 31. Dezember


S. 17 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ALLENSTEIN LAND

Kreisvertreter: Hans-Peter Blasche, Lankerstraße 40, 40545 Düsseldorf, Telefon (0211) 17181290; (02131) 902700 (dienstl.), Telefax (02131) 902430 (dienstl.) Geschäftsstelle: Gemeindeverwaltung Hagen, Postfach 1209, 49170 Hagen, Telefon (05401) 9770. www.allenstein-landkreis.de

Das Heimatjahrbuch „Weih-nachten 2015“ wird derzeit gedruckt und jeden erfassten Bezieher rechtzeitig per Post erreichen. Auf über 300 Seiten, wie gehabt von Artikel I bis X geordnet, sind knapp 100 Themen untergebracht, für jeden etwas.

Unsere Paten aus Osnabrück und Hagen a.T.W. sowie unser Partner aus Allenstein [Olsztyn] kommen mehrmals zu Wort und bestätigen das gute deutsch-polnische Verhältnis auf kommunaler Ebene auch unter Beteiligung unserer Kreisgemeinschaft. In der Rubrik „Aus der Geschichte“ erfahren wir aus der Feder des schlesischen Dichters Josef Freiherr von Eichendorff den Ablauf eines Tages im Leben der deutschen Ordensritter auf der Marienburg und sehen zudem den heutigen Ordenshochmeister bei der Auszeichnung unseres Ehrenvorsitzenden Herbert Monkowski. Aus Allenstein erreichte uns ein Artikel über „die Königin Luise in der polnischen Literatur“, und die Redaktion zeigt ihr Leben während der drei polnischen Teilungen und ihre gefährliche Begegnung mit ihrem Kriegsgegner Napoleon in Tilsit auf.

In weiteren historischen Artikeln erfahren wir von einem Zeitzeugen des Jahres 1877 von der Marienverehrung im Ermland und von den Marienerscheinungen in Dietrichswalde, ferner aus der Geschichte der evangelischen Waisen- und Konfirmandenanstalt in Wartenburg, zuständig für das gesamte Ermland, auch von den Nöten der Allensteiner Stadtbewohner im Kriegsjahr 1914 und von der guten Stadtentwicklung danach. Wir hören von großen Männern aus Allenstein Stadt und Land, Christen wie Juden und von neuen Ehrenmitgliedern und Trägern des Bundesverdienstkreuzes unseres Vereins.

Wir erfahren von einem Wartenburger Polizisten, wie sich die Polizei in den 30er Jahren radikalisieren konnte und wie die Siegermächte des Jahres 1945 mit ihr und der gesamten deutschen Bevölkerung im sogenannten „Entnazifizierungsverfahren“ umgingen. Der Leser wird überrascht sein zu lesen, dass es nicht die Siegermächte waren, die die Deutschen befreit haben, vielmehr der 1. Deutsche Bundestag mit seinem Beschluss, das Besatzungsstatut der drei Westmächte aufzuheben und die Verurteilten von der Verbüßung der gegen sie verhängten kurzzeitigen Gefängnisstrafe freizustellen und die Eintragung ihrer Strafe in das Strafregister unverzüglich zu löschen.

Des Weiteren wird der Leser mit Interesse zur Kenntnis nehmen, dass auch im Deutschland der Nachkriegszeit nicht auf eine geheime Polizei verzichtet werden konnte und dass eine neu gegründete im Zusammenwirken mit der Staatsanwaltschaft Anfang der 1950er Jahre dem drohenden kommunistischen Einfluss aus dem Osten Einhalt gebieten konnte. Die Redaktion lässt auch lnternetforscher und einen deutschen Historiker der jüngeren Generation zu Wort kommen, der aufzeigt, dass der Zweite Weltkrieg viele Väter hatte. Nicht oder zu spät Geflüchtete des Jahres 1945 schildern die Verbrechen der Roten Armee an der Zivilbevölkerung und ihr Schicksal der Verschleppung. Für die nicht mehr reisefähigen Landsleute machen wir in Wort und Bild eine Reise mit unserem Fotografen Anton Krause durch unser Ermland und vernehmen einen Zustandsbericht unserer Redaktion über unsere Heimat heute. Freuen Sie sich, liebe Leser, mit der Redaktion!                                A.G

 

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101.

Ein bewegtes Jahr liegt hinter uns. Dennoch wollen wir optimistisch in das Jahr 2016 mit unserer traditionellen heimatpolitischen Tagung starten. Dazu laden der Landkreis Rotenburg (Wümme) als Patenschaftsträger der Angerburger und die Kreisgemeinschaft Angerburg geschichtlich und kulturell Interessierte sowie die Freunde der Angerburger aus nah und fern sehr herzlich ein. Die Tagung findet am 20. und 21. Februar 2016 in 27356 Rotenburg (Wümme), Gerberstraße 16, Theodor-Heuss-Schule, statt. Die Theodor-Heuss-Schule befindet sich neben dem Ratsgymnasium.

Für die Tagung konnten wir wieder kompetente Referenten gewinnen.

Am 20. Februar ist die Mensa der Theodor-Heuss-Schule ab 14 Uhr geöffnet. Es wird Kaffee beziehungsweise Tee und Kuchen angeboten. Nach der Begrüßung der Teilnehmer um 15 Uhr wird Tatjana Gräfin Dönhoff aus ihrem Buch „Die Gustloff“ vortragen. Nach einer kurzen Pause wird Pfarrer im Ruhestand Gerhard Mörchel erzählen, „Wie ich das Ende des zweiten Weltkrieges“ erlebte.

Nach den Vorträgen ist eine kurze Aussprache vorgesehen. Mit einem gemeinsamen Abendessen (Elchbraten) gegen 19 Uhr und guten Gesprächen in angenehmer Atmosphäre mit interessanten Gesprächspartnern lassen wir bei einem Glas Wein den Tag ausklingen. Am folgenden Tag, Sonntag, 21. Februar 2016, wird um 9.30 Uhr die Tagung mit einem Vortrag von Ministerialrat a.D. Jürgen Martens zum Thema „Wikinger – ihre Spuren in Ostpreußen“ fortgesetzt. Mit dem Gesang des Ostpreußenliedes „Land der dunklen Walder“ wird die Tagung gegen 12 Uhr beendet sein.

Aus organisatorischen Gründen bitten wir um Anmeldungen, auch für das Elchbratenessen (Preis: einschließlich Dessert 26 Euro pro Person) sowie um Mitteilung eventueller Übernachtungswünsche bis spätestens 13. Februar 2016 (Posteingang) an Brigitte Junker, Sachsenweg 15, 22455 Hamburg. Ein Tagungsbeitrag wird nicht erhoben. Eine schriftliche Anmeldebestätigung wird nicht erteilt.

 

BARTENSTEIN

Kreisvertreter: Christian v. der Groeben, Ringstraße 45, 97950 Großrinderfeld, Telefon (09349) 929252, Fax (09349) 929253, E-Mail: csgroeben@gmx.de.

In den beiden letzten Heften von „Unser Bartenstein“ hatten wir versucht, kurz gefasste Gutsbeschreibungen – eine Bildseite mit ein bis zwei Inventarseiten – von den Gütern über 200 Hektar im ehemaligen Kreis Bartenstein zu erhalten. Mit den 87 von uns im UB-Heft 2/2015 benannten Besitzungen wollten wir für die Archive in der ehemaligen Heimat noch ein bleibendes Zeichen setzen und dokumentieren, was wir 1945 „zurücklassen“ mussten. Leider war die Reaktion mit gerade einer Handvoll verwertbarer Unterlagen bisher ausgesprochen dürftig.

Ob ein letzter Aufruf in der Osterausgabe von „Unser Bartenstein“ noch hilft oder aber die Nachkommen inzwischen alle Unterlagen und Bilddokumente vernichtet haben? Vielleicht können aber auch Nachkommen von ehemaligen Angestellten dieser Güter mit Bildern und so weiter helfen.

Der Bartensteiner Kreisvertreter (siehe oben) gibt noch nicht auf und bleibt dankbar für brauchbare Dokumente, wobei allerdings schlechte Bildkopien nicht verwertbar sind. In den ruhigen Tagen bis zum Jahreswechsel gibt es Zeit und Gelegenheit zum Suchen und zum Finden!

 

ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Die angeschlagene Fluglinie Air Berlin muss sparen und streicht daher für 2016 ihre Flüge nach Russland. Betroffen ist nicht nur die Verbindung nach Moskau, sondern auch nach Königsberg. Die Folge: Reiseleiter Dieter

Wenskat muss seine geplante 9-tägige Flugreise (PAZ 45) nach Ostpreußen umorganisieren. Der Zeitrahmen bleibt bestehen: Vom 28. Mai bis 5. Juni geht es ins Samland, nach Königsberg, in die Elchniederung und auf die Kurische Nehrung. Statt Königsberg wird jetzt aber Danzig von Berlin aus angeflogen. „Wer möchte, kann natürlich auch auf anderen Wege zum Treffpunkt in Danzig anreisen“, erklärt Wenskat. So sieht das neue Programm im Einzelnen aus:

1. Tag: Um 17.20 Uhr startet der Linienflug der Air Berlin von Berlin nach Danzig, Ankunft gegen 18.30 Uhr. Am Flughafen in Danzig werden Sie von Ihrer polnischen Reiseleitung empfangen, anschließend Transfer zum Hotel „Wolne Miasto“ direkt in der Danziger Altstadt. Nach dem Abendessen erwartet Sie Ihre Reiseleitung zu einem geführten Rundgang. Die prächtig restaurierte Altstadt beeindruckt mit erhabenen Patrizierhäusern, hübschen kleinen Gassen mit Boutiquen und Cafés. Alles wird überragt von der mächtigen Marienkirche, einem der größten Backstein-Sakralbauten Europas. Nach dem Rundgang bleibt noch genügend Zeit für eigene Unternehmungen. Die Danziger Altstadt hat neben historisch Wertvollem und Sehenswertem auch ein quirliges Nachtleben mit kleinen Bars, urigen Kneipen und trendigen MusikcIubs zu bieten.

2. Tag: Nach dem Frühstück holt Sie Ihre russische Reiseleitung am Hotel in Danzig ab. Anschließend Busfahrt nach Norden über den polnisch-russischen Grenzübergang und weiter in das Samland. Bei der Rundfahrt besuchen Sie zunächst Pillau. Die Hafenstadt hatte eine besondere Bedeutung für viele Ostpreußen im Winter 1945, als tausende Menschen von hier aus ihre Heimat für immer verlassen mussten. Heute gibt es in Pillau neben den historischen Bauten, Befestigungsanlagen und dem bekannten Leuchtturm eine große Kriegsgräbergedenkstätte als Ort der Besinnung. Anschließend erreichen Sie Palmnicken, wo im Tagebau aus der blauen Erde der Bernstein gewonnen wird. Das benachbarte Rauschen an der waldbestandenen Steilküste ist auch heute wieder ein schöner Ferienort mit hübschen alten Villen, neuen Gästehäusern und einer lebendigen Flaniermeile. Ende der Rundfahrt in Cranz, wo Sie Ihre Zimmer im Hotel „Baltische Krone“ beziehen.

3. Tag: Heute verlassen Sie das Samland, auf der Weiterreise besuchen Sie zunächst Königsberg. Bei der Stadtrundfahrt besuchen Sie natürlich die erhaltenen Sehenswürdigkeiten wie den wiedererrichteten Königsberger Dom, die Luisenkirche oder den früheren Hansa-Platz mit dem ehemaligen Nordbahnhof und die erhaltenen Stadttore und Befestigungsanlagen wie das restaurierte Königstor und den Litauer Wall. Darüber hinaus erleben Sie eine aufstrebende russische Großstadt im Umbruch und voller Kontraste, sowohl sozial als auch städtebaulich. Am neuen Fischdorf werden Sie im Restaurant zu einem gemeinsamen Mittagessen erwartet, anschließend unternehmen Sie eine kleine Bootsfahrt auf dem Pregel. Ein weiterer Höhepunkt der Reise ist der Besuch des Königsberger Doms mit einem Anspiel der Orgel zu einem kleinen Konzert. Am Nachmittag Weiterreise nach Tilsit, Abendessen und Übernachtung in Tilsit.

4. Tag Rundfahrt mit Besichtigungsstopps durch die Elchniederung. Am Vormittag geht es in die Gebiete nördlich der Gilge mit Besuch von Sköpen, Kuckerneese, Herdenau, Karkeln, Inse und einem Stopp am Jagdschloss Pait. Am Nachmittag geht es durch den südlichen Teil der Elchniederung mit Besuch von Heinrichswalde, Gerhardsweide, Seckenburg, Groß Friedrichsdorf und Kreuzingen. Übernachtung in Tilsit.

5. Tag: Heute erleben Sie das Naturparadies Ostpreußen pur. Sie unternehmen einen Ausflug in das Große Moosbruch am Rande des Eichwaldes und besuchen bei Lauknen das Moosbruchhaus, ein mit deutschen Mitteln unterstütztes Naturschutz- und Begegnungszentrum. Hier ist auch der Tisch zu einem gemeinsamen Mittagessen gedeckt. Am Nachmittag Stadtführung in Tilsit. Beim Spaziergang durch die weitgehend restaurierte Hohe Straße kann man die einstige Schönheit der Stadt an der Memel erahnen. Übernachtung in Tilsit.

6. Tag: Heute verlassen Sie Ihr Hotel in Tilsit und passieren auf der Luisenbrücke die Grenze nach Litauen. Weiterfahrt in das Memelland mit Besichtigung der Kirche in Heydekrug. Anschließend Fahrt in das Memeldelta, wo in Kintai schon der Tisch zu einem leckeren Picknick für Sie gedeckt ist. Danach erwartet Sie am Anleger Ihr Kapitän zu einer Schiffsfahrt über die Minge, durch das Memeldelta und weiter über das Kurische Haff. Am Nachmittag erreichen Sie Nidden von der Wasserseite aus und erleben das beeindruckende Panorama der Wanderdünen auf der Kurischen Nehrung. Abendessen und Übernachtung in Nidden.

7. Tag: Nach dem Frühstück steht eine Ortsbesichtigung in Nidden zu Fuß auf dem Programm. Die einzigartige Natur zog in der Vergangenheit viele Künstler an. Einer der prominentesten Besucher war Thomas Mann, der sich hier ein Ferienhaus errichten ließ. Am Nachmittag bleibt Zeit zur freien Verfügung. Abendessen und Übernachtung in Nidden.

8. Tag: Ausflug über die Kurische Nehrung mit Besichtigungsstopp in Schwarzort sowie einem Spaziergang über den Hexenberg mit einer Sammlung kunstvoller Holzfiguren aus der litauischen Sagen- und Fabelwelt. Anschließend erreichen Sie mit der Fähre über das Memeler Tief Memel. Bei einer Führung lernen Sie die hübsch restaurierte Altstadt mit dem Ärmchen-von-Tharau-Brunnen kennen. Abendessen und Übernachtung in Nidden.

9. Tag: Nach dem Frühstück passieren Sie den litauisch-russischen Grenzübergang auf der Kurischen Nehrung. Auf der Fahrt nach Süden besuchen Sie bei Rossitten die berühmte Vogelwarte, einst die erste ornithologische Beobachtungsstation der Welt. Anschließend Weiterfahrt vorbei an Königsberg und über die russisch-polnische Grenze bis nach Danzig. Um 19.10 Uhr startet der Linienflug. Ankunft in Berlin gegen 20.10 Uhr.

Programmänderungen sind vorbehalten. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 15 Personen, die Höchstzahl 20. Informationen und Anmeldung bei Dieter Wens-kat, Horstheider Weg 17, 25365 Sparrieshoop, Telefon (04121) 85501.

 

LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Die Kreisgemeinschaft Lyck veranstaltet im nächsten Jahr ein Seminar in Göttingen. Um ,,Die christlichen Konfessionen und ihre Gotteshäuser im Kreis Lyck“ soll es vom Freitag, 8., bis Sonntag, 10. April, im Göttinger Hotel Rennschuh, Kasseler Landstraße 93, gehen. Hier das Programm:

Freitag, 8. April

18.30 Uhr: Abendessen

20 Uhr: Begrüßung durch die Kreisvertreterin Bärbel Wiesensee, Einführung in das Seminar, Vorstellen der Referenten       

20.15 Uhr: „Vom Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum“ – Vortrag von Pastor Fryderyk Tegler

Samstag, 9. April

9 Uhr: „1525 bis 1945 – die 420 jährige Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde zu Lyck“ – Vortrag von Pastor Tegler

10 Uhr: „Der Kirchenkreis Lyck mit seinen zwölf Kirchspielen“ – Vortrag von Gerd Bandilla

11 Uhr: Kaffeepause

11.15 Uhr: „Die evangelischen Christen nach 1945 in Lyck“ – Vortrag von Günter Donder

12.30 Uhr: Mittagessen

14.30 Uhr: „Die katholischen Christen in Lyck“ – Vortrag von Pater Eduard Prawdzik

15.30 Uhr: Kaffeepause

15.45 Uhr: „Die Baptisten-Gemeinde in Lyck“ – Vortrag von Inge Endert

18 Uhr: Abendessen

19.30 Uhr: Treffen der Mittleren Generation

Sonntag, 10. April

9 Uhr: „Die neuapostolische Gemeinde“ – Vortrag von Siegbert-Ernst Fahrun

10 Uhr: „Die Christliche Gemeinschaft Gromadki“ – Vortrag von Dirk Meiburg

11 Uhr: Abschlussgespräch. Das Schlusswort hält Heidi Mader

12 Uhr: Mittagessen

Danach Heimreise

Weitere Informationen finden Sie im Internet bei www.kreis-lyck.de. Dort „Aktuelles“ anklicken. Anmeldungen bis zum 28. Februar per E-Mail oder Brief bei heidi-mader@gmx.de oder Heidi Mader, Richard-Taylor-Straße 6, 28777 Bremen.

 

MOHRUNGEN

Kreisvertreterin:  Ingrid Tkacz, Knicktwiete 2, 25436 Tornesch, Telefon/Fax (04122) 55079.

Stellv. Kreisvertreterin; Luise-Marlene Wölk, Schwalbenweg 12, 38820 Halberstadt, Telefon (03941) 623305. Stellv. Kreisvertreterin Monika Buddych, Op de Dümmer 32, 45772 Marl/Westf., Telefon (02365) 691690. Schatzmeister: Frank Panke, Eschen-weg 2, 92334 Berching, Telefon (08462) 2452. Geschäftsstelle Horst Sommerfeld, Lübecker Straße 4, 50858 Köln, Telefon (02234) 498365.

Herzliche Glückwünsche senden der Vorstand und die Kreistagesmitglieder an Erwin Kornitzki. Am 5. Dezember erhielt er das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Die Ehrung wurde vom Landrat des niedersächsischen Landkreises Schaumburg Jörg Farr im Auftrag des Bundespräsidenten Joachim Gauck vorgenommen. Ausgezeichnet wurde Kornitzki für seine Verdienste um die Bürgervereinigung des Bückeburger Ortsteils Kanatensen und für sein jahrzehntelanges Engegament in weiteren Bereichen.

Der in Simnau im Kreis Mohrungen geborene 84-Jährige ist langjähgriges Kreistagsmitglied und Kassenprüfer der Mohrunger. Kornitzki  ist gelernter Tischler und langjähriger Sparkassenfilialleiter.

„Wir sind dankbar und stolz, dass wir ihn als aktives und stark engagiertes Mitglied haben“, erklärt die Kreisvertreterin Ingrid Tkacz. Landrat Farr machte in seiner Laudatio deutlich, wie selten die hohe Auszeichnung vergeben werde. Höchstens zwei oder dreimal im Jahr erhalte sie einer der 160000 Bewohner des Landkreises Schaumburg. Luise-Marle Wölk, stellvertretende Kreisvertreterin überbrachte die Glück-wünsche von Mohrungen.


S. 18-19 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Sonnabend,

19. Dezember, 14.30 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Stuttgart: Gemeinsame Weihnachtsfeier der LM Ostpreußen und Westpreußen. Wir wollen auf eine eigene Feier in diesem Jahr verzichten und bitten unsere Mitglieder an dieser gemeinsamen Feier recht zahlreich teilzunehmen! Gäste sind herzlich eingeladen.

Buchen – Sonnabend, 19. Dezember, 14 Uhr, Mehrzweckhalle Buchen-Hainstedt: Weihnachtsfeier mit dem Shanty-Chor „Seebären“ aus Mannheim und vielen weiteren Programmpunkten.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Landesgruppe – Die Weih-nachtsausgabe des Preußen-Kuriers ist fertig. Das 32-seitige Magazin lässt sich unter www.low-bayern.de herunterladen.

Ansbach – Sonnabend, 19. Dezember, 15 Uhr, Orangerie: Schöne und heimatliche Weihnachtsfeier. Auf dem Gabentisch finden sich heimatliche Bücher, Kalender, Marzipan und Getränke.

Hof – Sonnabend, 9. Januar 2016, 15 Uhr, Altdeutsche Bierstuben: Jahreshauptversammlung mit Wahl des Vorstandes.

Kitzingen – Das Jahresprogramm der Kreisgruppe:

Freitag, 29. Januar, 15 Uhr, Hotel „Würzburger Hof“: Fröhlicher Faschingsnachmittag mit Beiträgen der einzelnen Mitglieder und musikalischer Umrahmung durch unseren Landsmann Günter Schmidt

Freitag, 15. April, 15 Uhr, Hotel „Würzburger Hof“: gemütlicher Kaffeenachmittag mit Ehrungen.

Vom 23. bis 30. April findet eine VdK-Reise zur polnischen Ostseeküste statt.

Freitag, 20. Mai, 15 Uhr, Hotel „Würzburger Hof“: Vortrag von Gustav Patz und ein Bericht über die Fahrt zur polnischen Ostseeküste.

Vom 19. bis 25. Juni findet eine VdK-Fahrt in den Spreewald und Berlin statt.

Freitag, 15. Juli, 15 Uhr, Hotel „Würzburger Hof“: Sommerfest bei schönem Wetter im Garten.

Der Tag der Heimat findet wieder im September statt ein genauer Termin wird noch bekannt gegeben.

VdK-Fahrt: Wellmess in Moravske Toplice, Terme 3000, in Slowenien.

Freitag, 14. Oktober, 15 Uhr, Hotel „Würzburgr Hof“; Erntedankfeier mit Vorträgen von Mitgliedern zum Thema „Erntedank“.

Am 1. November (Allerheiligen) Kranzniederlegung des BdV (alle Landsmannschaften) am „Kreuz der Heimat“ auf dem Neuen Friedhof.

Freitag, 9. Dezember, 15 Uhr, Hotel „Würzburger Hof“: Vorweihnachtliche Feier mit Beiträgen von Mitgliedern und musikalischer Umrahmung durch Landsmann Günter Schmidt.

Zu allen Veranstaltungen ist spätestens zwei bis drei Tage vorher eine Anmeldung erforderlich, Telefon (09321) 4405.

Landshut – Donnerstag, 7. Januar: Neujahrsessen.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Königsberg – 18. Dezember, 14 Uhr, Johann–Georg–Stuben, Johann-Georg-Straße 10, 10709 Berlin-Hallensee: Weihnachtsfeier. Anfragen: Elfi Fortange, Telefon 4944404.

Rastenburg – Sonntag, 10. Januar, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus.  Rohrdamm 24 B, 3629 Berlin: Gemeinsames Treffen. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.

 

BRANDENBURG

Vorsitzender: Hans-Jörg Froese,  Phoebener Chausseestraße 10, 14542 Werder, Telefon: (03327) 741603, E-Mail: lo.lg.brandenburg@googlemail.com

Landesgruppe – Korrektur: Die korrekte E-Mail-Adresse der Landesgruppe lautet nicht wie in Ausgabe 48 angegeben „lo-lg-brandenburg@googlemail.com“ sondern: lo.lg.brandenburg@googlemail.com

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Landesgruppe – Mittwoch, 30. Dezember, 14 Uhr, Haus der Heimat, Teilfeld 8: Brauchtumstunde der ost- und mitteldeutschen Landsmannschaften. Gäste sind herzlich willkommen. Das Haus der Heimat liegt nahe der U3-Bahnstation Rödingsmarkt und der S-Bahnstation Stadthausbrücke. Mit dem Bus ist es über die Linie 37 (Haltestelle St. Michaeliskirche) zu erreichen.

HEIMATKREISE

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar) zum Singen und zu einem kulturellen Programm um 12 Uhr im Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125, 22459 Hamburg. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon und Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

 

HESSEN

Vorsitzender: Eberhard Traum, Wächtersbacherstraße 33, 63636 Brachtal, Telefon (06053) 708612. Stellvertretender

Vorsitzender Ulrich Bonk, Voltastraße 41, 60486 Frankfurt/M., Telefon (069) 77039652, E-Mail: bonk.ulrich@gmail.com 

Darmstadt/Dieburg – Unsere Landsmannschaft traf sich diesmal am Sonntag, dem 6. Dezember, dem Nikolaustag; und tatsächlich war auch überraschend der Nikolaus persönlich anwesend. Handgefertigte Lebkuchennikoläuse, Marzipan und Gebäck nebst Kerzenglanz und weih-nachtlicher Dekoration ließen keinen Wunsch offen für einen gelungenen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen, zu dem alle Gäste der Veranstaltung – wie alljährlich – eingeladen waren.

Der Männerchor des Schuljahrgangs 1940 Ober-Roden erfreute mit seinen Beiträgen. Besonderen Anklang fand das gemeinsame Singen der Weihnachtslieder mit allen Anwesenden und als Zugabe das Ostpreußenlied.

Hannelore Neumann brachte den berührenden Bericht „Weihnachten 2015“ von Bruno Ulbrich zu Gehör. Außerdem erhielten wir Kenntnis von einem Bericht über ihren Lebensweg,  der unter dem Titel „Diese Leere im Herzen“ in der „FAZ“ veröffentlicht wurde. Bemerkenswert ist, dass diesen Bericht eine unter 30jährige Journalistin in dreimonatiger Recherche erstellt hat und der dann auch veröffentlicht wurde. Wir werden versuchen, diesen Bericht durch Veröffentlichung in unserem Ostpreußenblatt allen Landsleuten zugänglich zu machen.

Gedichte und kleine Geschichten rundeten die Feier ab. Der besondere Dank des Vorstandes galt allen Mitwirkenden  für das ganzjährige Engagement. Allen, die an unserem Treffen nicht teilnehmen konnten, wünschen wir eine besinnliche Adventszeit und gesegnete Festtage. Unser nächstes Treffen findet am 16. Januar wie gewohnt im Luise-Büchner-Haus in Darmstadt-Kranichstein statt. Wir bitten um Beachtung, dass der Beginn der Veranstaltung  ab Januar 2016  auf  14 Uhr vorverlegt wird.

Wiesbaden – Die Bilder-Reise des Vorsitzenden Dieter Schetat unter der Überschrift „Deutsche in der Slowakei“ führte in die Hauptsiedlungsgebiete der Deutschen: So nach Pressburg (Bratislava), zu den deutschen Sprachinseln in der Zips und ins Hauerland. Seit etwa 1150 – Höhepunkt der Besiedlung war im 14. Jahrhundert – zog es Deutsche in diese Regionen, angeworben als Handwerksspezialisten und Bergleute. Sie haben Geschichte und Kultur des Landes wesentlich geprägt. Von ihrer Baukunst, handwerklichen Meisterschaft und Kunstfertigkeit zeugen zahlreiche Baudenkmäler und Kunstwerke.

Das Zipser Städtchen Leutschau [Levoca] kann mit bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten aufwarten: Da sind das Rathaus mit den Renaissance-Arkaden, die Bürger- und Patrizierhäuser im Stil der Gotik und die St. Jakobskirche, eine Kathedrale mit einem fast neunzehn Meter hohen, aus Lindenholz gefertigten Flügelaltar des mittelalterlichen Holzbildhauers Meister Paul aus Leutschau. Ebenso wie das kirchliche Meisterwerk ist auch die weit sichtbare Zipser Burg in das

UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Mit einer Fläche von 41426 Quadratmetern ist die Festung eine der größten Mitteleuropas.

Auch in Käsmark (Kezmarok) hat Meister Paul Spuren hinterlassen. In der „Basilika minor Heiligkreuz“ ist es der Hauptaltar mit der Statue des Gekreuzigten. Ein Beispiel typischer Zipser Bürgerhäuser mit den markanten Überdächern bildet die Häusergruppe auf dem Hauptplatz. Als einmaliges Bauwerk gilt die hölzerne Artikularkirche von 1717 mit dem bemalten barocken Innenraum, gebaut aus Eiben- und Rotfichten ohne Verwendung eines einzigen Metallnagels. Die 16800 Einwohner zählende Stadt ist seit 15 Jahren mit dem hessischen Weilburg/Lahn verschwistert. Eine ganz andere Partnerschaft gibt es im unterzipser Göllnitz [Gelnica]. Seit 20 Jahren arbeitet das dortige Gymnasium mit kaufmännischen Schulen in Offenburg zusammen.

Unweit von Käsmark erschließt sich die Bergwelt des „Nationalparks Hohe Tatra“ mit der Gerlsdorfer Spitze (2655 Meter) als höchstem Berg des nur 26 Kilometer langen Hochgebirges. Eine deutsche Minderheit gibt es auch in Einsiedel an der Göllnitz [Mnisek nad Hnilkom]. Ihre Monatstreffen beginnen stets mit dem Aufstieg zum Spitzenberg, dessen Gipfelkreuz an die Einwanderung der Vorfahren erinnert.

Seit mehr als 800 Jahre leben Deutsche in der Slowakei. Nach der letzten Volkszählung sollen heute noch etwa 5000 deutschstämmige Bürger im Land wohnen, meist in Mischehen. Der VdK, der Verein der Karpatendeutschen in der Region Pressburg [Bratislava], schätzt den Anteil jedoch auf etwa 15000, weil Deutsche nach den Erfahrungen der Vergangenheit ihre Abstammung nicht offenlegen wollen. Denn nach dem Kriege waren die verbliebenen Deutschen unbeliebt und mussten sich gefallen lassen, als Faschisten bezeichnet zu werden. Zudem war die deutsche Sprache bis 1989 im Lande nicht geduldet. Beim Besuch des „Pressburger Museum der Kultur der Karpatendeutschen“ in der slowakischen Hauptstadt Pressburg ist die Geschichte der deutschen Minderheiten erlebbar, auch Schicksalhaftes über die Jahre 1938 bis 1948 und deren Vertreibung.

„Das Leben in der Stadt ist nicht einfach“, sagt die Vorsitzende des Karpatendeutschen Vereins  Rosina Stolár-Hoffmann, „besser geht es auf dem Lande.“ Zur Zeit der Krone als Zahlungsmittel sei alles billiger gewesen, nach Einführung des Euro wurde vieles teurer. Mit einer Rente von durchschnittlich 280 bis 350 Euro müsse man auskommen.

                Dieter Schetat

Wetzlar – Montag, 11. Januar, 19 Uhr, Restaurant Grillstuben, Stoppelberger Hohl 128: „Das Königsberger Diakonissen-Mutterhaus“– So lautet das Thema beim Treffen der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen. Vortragender wird der ehemalige Vorsteher der Einrichtung, Pfarrer im Ruhestand Dieter Nebeling sein.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Rinteln – Donnerstag, 14. Januar 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42: Jahreshauptversammlung. Da Vorstandswahlen nicht anstehen, wird es neben dem Rechenschaftsbericht und weiteren Regularien hauptsächlich auch um Planungen für 2016 gehen. Auskünfte und Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit in Rinteln gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat unter Telefon (05751) 5386 oder über: rebuschat@web.de.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle,  Telefon privat (0345) 2080680.

Magdeburg – Freitag, 8 Januar, 15 Uhr, TuS Fortschritt, Zielitzer Straße: Singkreis. – Sonntag, 10. Januar, 14 Uhr: 25. Jahrestag der Ortsgrupp. – Dienstag, 12. November, 13 Uhr, Immermannstraße: Stickerchen.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Neumünster – Mittwoch, 13. Januar, 15 Uhr, Galerie Stadthalle, Kleinflecken 1, 24534 Neumünster: Erste Veranstaltung im neuen Jahr. Die Landsmännin Edelgard Lessing liest aus dem eigenen Buch „Schattenlicht – Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend“ – eine interessante Veranstaltung zum Jahresanfang. Bitte beachten: Die Veranstaltungen findet nun immer in der Stadthalle statt. Gäste sind willkommen.

Schönwalde am Bungsberg – Donnerstag, 7. Januar, 14 Uhr, Jugendherberge: Seniorenbegegnung.


Auf den Spuren Kants
Eine Gruppe Philosophiestudenten auf Studienreise in Königsberg,

Anfang Oktober war für eine Woche eine Studentengruppe der Privaten Universität Witten/Herdecke in Königsberg. Sie bestand aus Studenten der Philosophie, die Immanuel Kant an seiner lebenslangen Wirkungsstätte auf die Spur kommen wollten, nicht zuletzt mit dem Fünkchen Hoffnung, auch vom genius loci selbst inspiriert zu werden. Dazu hatten sie ihren eigenen Professor Alfred Hirsch mitgenommen, der sie in den vorangegangenen Semestern auf diese besondere Exkursion vorbereitet hatte. Dozent vor Ort war jedoch der russische Philosoph Professor Wladimir Gilmanow von der Baltischen Föderalen Immanuel-Kant-Universität Königsberg. Auch er hatte in einem Vorbereitungs-Seminar in Witten im April des Jahres auf das Seminar und insbesondere auf die historische Lage von Königsberg hingearbeitet. Abgerundet wurde die Vorbereitungsphase durch einen Besuch des Museums Stadt Königsberg in Duisburg.

Im Mittelpunkt standen die inhaltliche Auseinandersetzung mit Kants Werken „Zum ewigen Frieden“ und „Was ist Aufklärung?“ projiziert auf eine „verbindliche“ transnationale Ethik unter den Ländern Europas. Angesichts der Krisen Europas in der Ukraine und den sich abspielenden Flüchtlingsdramen an den Grenzen Südeuropas mit seinen Widersprüchen eine Frage aktueller denn je. Schnell wurde deutlich, was Kants Schriften auch  200 Jahre nach seinem Tod uns zu bieten haben.

Das Seminar wurde in der Seminarform „mobiler Hörsaal“ organisiert, einer Seminarform, die sich als Mischform vom wissenschaftlichen Seminar gepaart mit Kenntnisvermittlung über Land und Leute auszeichnet. Begonnen wurde im „Standquartier“, einem örtlichen Hotel. Fortgesetzt wurde das Seminar an vier weiteren Stellen im Königsberger Gebiet, auf Müllers Höhe auf der Kurischen Nehrung, dem Stadtmuseum in Tilsit, im ETA-Hoffmann-Haus in Rauschen und zum Schluss in einem Raum der Königsberger Universität.

Bei allen sich bietenden Gelegenheiten wurden Stadt, die Samlandküste mit dem Strand von Palmnicken und die Kurische Nehrung auf stürmischer Wanderdüne sowie die Vogelwarte Rossitten erlebt, besichtigt und bewundert. Organisiert hatte die Studienreise der Diplom Soziologe Klaus-Joachim Hindorf vom Verein Europas Kultur e.V. an der Universität Witten/Herdecke. Hindorf legte besonderen Wert darauf, Möglichkeiten zu Kontakten mit russischen Studenten zu knüpfen Gelegenheit dazu bot unter anderem ein gemeinsamer Grill-Abend im Deutsch-Russischen-Haus. Es ist zu erwarten, dass via sozialer Netzwerke die Kontakte weiterhin gepflegt werden.

Gesellschaftlicher Höhepunkt der Exkursion war die Einladung des deutschen Generalkonsuls Michael Banzhaf zu einem Empfang aus Anlass des Nationalfeiertages am 3. Oktober. Hier trafen sich die örtlichen Vertreter der internationalen Vertretungen aus Wirtschaft und Gesellschaft bunt gemischt zum lebhaften Gedankenaustausch. Der Empfang bot ein gelungenes Beispiel für das Funktionieren einer gemeinsamen „transnationalen Ethik“ ohne Krisen.

Zweifellos hinterließ die Studienreise nachhaltige Eindrücke. Einhelliges Urteil der Gruppe: Königsberg ist historisch, kulturell, gesellschaftlich und politisch ein seltsam einmaliger Ort an der Nahtstelle zweier Kulturen mit wenig Vergleichen zu anderen Orten. Dass es auch die Stadt des unverändert aktuellen Philosophen Immanuel-Kants ist, macht sie noch interessanter. Er bietet mit seinen Schriften ein anspruchsvolles Angebot zur Auseinandersetzung heute. Der genius loci bleibt daher kein leerer Traum. Er lebt.

                Klaus Hindorf


S. 20 Heimatarbeit

Flöhe, Wurst und Felix Krull
Das Dittchenbühnen-Programm fürs erste Halbjahr 2016 liegt vor

Die umtriebigen Macher des schleswig-holsteinisch-ostpreußischen Theaters und Veranstaltungszentrums „Forum Baltikum – Dittchenbühne“ in Elmshorn haben auch für das erste Halbjahr 2016 ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Vorträge, Kurse, Festessen Kinoklassiker und natürlich Theater-Premiere gehören dazu.

Los geht es mit zwei Klassikern: Mit der „Russischen Weihnacht“ am 9. Januar und dem „Gänseverspielen“ am 16. Januar. Auf der Bühne steht das Schauspiel „Der Katzensteg“ im Mittelpunkt des ersten Halbjahres. Dittchenbühnen-Chef Raimar Neufeldt hat es nach dem Roman von Hermann Sudermann geschrieben: ein dramatisches Panorama ostpreußischer Geschichte aus der Zeit der Befreiungskriege. Regie führt Klaus Falkhausen, Premiere ist am 26. Februar. Danach finden weitere Vorstellungen bis in den April hinein statt. Weitere Programmhöhepunkte sind:

22. Januar: Finnischer Literaturabend mit Paula Jääsalmi-Krüger, Lektorin für finnische Sprache und Kultur von der Universität Hamburg.

31. Januar: „Der verrückte Floh“ – ein Märchen für Kinder und Erwachsene. Es spielt das Teatre Czwarte Miasto in polnischer Sprache.

2. Februar: Start des Kurses „Theaterworkshop für Kinder“.

11. März: „Wohin treiben die arabischen Staaten?“ – Vortragsveranstaltung mit Abdul Laban.

19. März: Die Theatergruppe aus dem dänischen Jündewatt kommt zu einem Gastspiel.

9. April: Deutsch-Orientalisches Frühlingsfest mit Musik und Tanz, dazu ein deutsch-persischer Imbiss.

13. und 20. April: Handwerkskurs „Wurst selber machen“.

15. Mai: Stadtteilfest mit

Pfingstochse und Flohmarkt

Auf dem Programm des Filmclubs stehen die deutschen Kinoklassiker „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (12. Januar), „Der Pauker“ (1. März) und „Wir Kellerkinder“ (12. April).

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden sich im aktuellen Programmbüchlein.

Zu erhalten ist es bei „Forum Baltikum – Dittchenbühne“, Hermann-Sudermann-Allee 50, 25335 Elmshorn. Oder per Internet unter:

www.dittchenbuehne.de.

Kontakt: Telefon (04121) 89710, buero@dittchenbuehne.de.


Sieg oder Untergang
Eine originelle Veranstaltung im Oberschlesischen Landesmuseum

Zum Preußentag bittet das Oberschlesische Landesmuseum im nordrheinwestfälischen Ratingen am 24. Januar von 13 bis 17 Uhr. Dieser Sonntag im Winter ist kein Tag wie jeder andere. Es ist der 304. Geburtstag König Friedrichs II. (1712–1786). Sein Wirken ist eng mit Schlesien verbunden. Es war ein langwieriges Ringen, große Teile des Herzogtums Schlesien seinem Staat einzugliedern. Aus dem zuvor habsburgischen Land wurde eine preußische Provinz mit gewissen Sonderrechten. Ob die Kartoffel in der Landwirtschaft oder Frühformen der Industrialisierung, Friedrich kümmerte sich um vieles in Schlesien.

2016 ist es 275 Jahre her, dass der junge Friedrich mit dem Feldzug von 1741 über Glogau, Mollwitz bis zur Huldigung in Breslau in Tiefen und Höhen reifte. Das soll beim Preußennachmittag nachempfunden werden, Zu Beginn gibt es eine Kartoffelsuppe, dazu einen historischen Einführungsvortrag. So gestärkt, steht ein mehrstündiges gemeinsames Strategiespiel im Mittelpunkt.

Das moderierte Brettspiel versetzt die Teilnehmenden in die Epoche Friedrichs. Sein Handeln und das der Kontrahenten wird so besser verständlich. Die spielerische Rezeption nimmt die damaligen Gegebenheiten auf. Die Spieler werden Vertreter eines Staates in den Schlesischen Kriegen. Ihre Entscheidungen als kriegsführende Partei führen zum Sieg oder Untergang Preußens. An diesem Nachmittag werden zudem einige Schätze aus den Sammlungen des Oberschlesischen Landesmuseums gezeigt. Zum Abschluss wird auch noch die filmische Verarbeitung betrachtet.

Anmeldeschluss für den Preußennachmittag ist der 15. Januar. Per Post bei: Oberschlesisches Landesmuseum, Bahnhofstraße 62, 40883 Ratingen, per E-Mail: f2@oslm.de, telefonisch: (02102) 965256. Die Veranstaltung kostet 9 Euro pro Person.


Zeitgemäße Neuausrichtung
Kirchen- und Kulturgeschichte Mittel- und Ostdeutschlands 

Neu aufgestellt hat sich das Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte. Seit Mitte des Jahres heißt die am 10. Dezember 1958 gegründete Einrichtung „Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ost-, Mittel- und Südosteuropa e.V.“ Neben inhaltlichen Neuorientierungen sind damit auch personelle und organisatorische Veränderungen verbunden.

An der Spitze steht nun Rainer Bendel (51), außerplanmäßiger Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Eberhard Karls-Universität Tübingen. Er tritt die Nachfolge des seit 1983 als Ersten Vorsitzenden amtierenden Monsignore Paul Mai an. Mit dem Personalwechsel ist auch der Umzug der Geschäftsstelle von Regensburg nach Rottenburg.

Die Geschichte des Instituts reicht bis 1951 zurück, damals gründete der Breslauer Diözesanarchivdirektor Kurt Engelbert (1886–1967) in Hildesheim mit seinem Bruder, dem Geistlichen Rat Josef Engelbert (1891–1969) den „Arbeitskreis für ostdeutsche Kultur- und Kirchengeschichte“. Nach mehreren Umbenennungen und Wechseln der Geschäftsstellen entschied man sich 1958 zur Gründung eines selbstständigen Instituts: Am 10. Dezember 1958 wurde in Königstein/Taunus das „Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte e.V.“ mit Kurt Engelbert als Erstem Vorsitzenden gegründet. Neben dem Vorstand gibt es einen Wissenschaftlichen Beirat mit beratender Funktion. Hauptaufgabe des Instituts ist laut Satzung „die wissenschaftliche Erforschung und Darstellung der Kirchen- und Kulturgeschichte Mittel- und Ostdeutschlands sowie jener Gebiete Ostmitteleuropas, in denen deutsche kirchliche und kulturelle Einflüsse nachweisbar sind“. Hierzu dienen Fachkräfte, eine Fachbibliothek und wissenschaftliche Forschung. Darüber hinaus gibt das Institut mehrere Periodika heraus und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs durch die Vergabe des „Kardinal-Bertram-Stipendiums“.

Diese Aufgaben bleiben auch in Zukunft. Aber es sei nun, so der neue Vorsitzende Bendel, eine „zeitgemäße und zukunftsorientierte Neuausrichtung“ nötig, das heißt neue Akzente in der inhaltlichen und organisatorischen Arbeit. So favorisiert er interdisziplinäre Kooperationen – etwa mit den Bereichen Musik, Volkskunde und Kunstgeschichte.

Das Institut möchte den Wissens- und Erfahrungsschatz der Erlebnisgeneration der Vertriebenen nicht einfrieren, sondern vielmehr Grundlagen bereitstellen, damit auch künftige Generationen sich mit ihren Fragen und Horizonten diesem Aspekt der europäischen Geschichte zuwenden können. „Die Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in den östlichen und südöstlichen Regionen Europas ist Erfahrungs- und Traditionsschatz für die gesamte Kirche in Deutschland – ostdeutsche Kirchengeschichte ist gemeinsame Kirchengeschichte – und bleibt eine Aufgabe für diese“, fasst Bendel zusammen. Im Jahr 2016 wird sich die

53. Arbeitstagung mit dem Thema „Christen und Totalitarismus 1945 bis 1960“ beschäftigen.

                Markus Bauer


S. 21 Lebensstil

Weihnachten, fern der Heimat
Seeleute nahmen christliche Gepflogenheiten mit an Bord – Deutsche Traditionen sind heute folkloristischen Festen gewichen

Im Leben der Seeleute sind Weih-nachtsfeste im Kreis der Familie unvergessliche Ausnahmen. Davon bleiben den Fahrensleuten liebgewordene Erinnerungen, die Wehmut hervorrufen, wenn wieder einmal Weihnachten auf See mit den Mannschaftskameraden an-steht oder in einem Hafen irgendwo in Übersee.

Ein Telefongespräch mit den Angehörigen kommt mitunter nicht zustande, weil der Satelliten-empfang gestört ist. Ersatzweise empfangen deutsche und internationale Seeleute in aller Welt auch heute noch liebe Grüße von Freunden und Angehörigen über die Rundfunksendung „Gruß an Bord“, die der NDR seit 1953 an Heiligabend ausstrahlt. Die Grüße werden zuvor aufgezeichnet. Von 1907 bis 1998 übermittelte auch die Küstenfunkstation Norddeich Radio Weihnachtsgrüße an die Seefahrenden. Per Post kamen die Telegramme, per Morsetaste wurden sie an die Schiffe weitergeleitet.

Seit jeher ist das Weihnachtsfest an Bord in der christlichen Seefahrt ein fest verankerter Brauch. Davon ließen sich die Schiffsmannschaften auch durch exotische klimatische Verhältnisse nicht abhalten. Bei der Vorbereitung der Weihnachtsfeier wurde improvisiert, jedoch legte man Wert auf heimatliche Traditionen. Wenn Sturm aufkam und die Wellen immer höher schlugen, blieb aber nur wenig Zeit für Besinnlichkeit. Geriet ein Schiff in Not, kam es vor, dass das Weihnachtsfest ganz ausfiel.

Das war in der Segelschiffszeit nicht selten der Fall. Berichte von tagelangen Stürmen zur Weih-nachtszeit sind überliefert, viele von den legendären Reisen auf der berüchtigten Kap-Horn-Route. Dann ging die Arbeit der Matrosen vor.

Als Wind und Wetter den Arbeitsalltag der Matrosen noch voll und ganz bestimmten, wurde das Weihnachtsfest von den hart arbeitenden Männern schon wegen der willkommenen Unterbrechung des Alltags an Bord, der mit kaum vorstellbaren Entbehrungen und Strapazen verbunden war, regelrecht herbeigesehnt. Der Heiligabend versprach den „Männern vor dem Mast“, wie man die unteren Dienstgrade auch be­zeichnete, eine Abwechslung bei der oft beklagten, schlechten und mangelhaften Ernährung der Mannschaft, außerdem maßlos viel Glühwein und Punsch. Um Weihnachten herum war der Befehlston weniger rau, und auf dem Schiff wurde nicht so oft zugelangt, sprich: geprügelt. Da­von konnten alle Schiffsjungen und Leichtmatrosen ein Lied singen. In den Zeiten fehlender Kommunikationsmöglichkeiten er­schien die Entfernung von der Fa­milie zur Weihnachtszeit beson­ders groß. Dann bedachte der Seemann sein hartes, wenn auch selbst gewähltes Los und wurde besinnlich, selbst wenn er nicht besonders fromm war.

Das gemeinsame Weihnachtsfest der Mannschaft fand in dem Rahmen statt, den der Kapitän zuließ. Im Laufe des 19. Jahrhunderts scheint den Matrosen die Schaffung einer weihnachtlichen Atmosphäre immer wichtiger geworden zu sein, angefangen bei der Ausstattung der Messen. Vor der Abreise des Schiffes wurden im Hafen alle dafür notwendigen Utensilien an Bord genommen, darunter Geschenke der Reederei oder des Stationskommandos der Kaiserlichen Marine an jedes Mitglied der Mannschaft. Das Wichtigste waren echte Tannenbäume und Kisten mit glitzerndem Baumschmuck, Kerzen und Lichthaltern. Auf kleineren Dampfern und Seglern dienten auch wiederverwendbare hölzerne oder aus Tauwerk geflochtene Reifenpyramiden in beiden Messen als Weihnachtsbaum. Oder der Schiffszimmermann bastelte ein Baumgestell und bemalte die Reifen oder Bügel mit grüner Farbe. Alle Tannenbäume wurden seefest verzurrt aufgestellt. In der Kaiserlichen Marine entstand vor über 100 Jahren der Brauch, dass ein deutsches Schiff, egal wo es sich befand, zu Weihnachten an der Mastspitze einen Christbaum aufpflanzte. Seit den 1960er Jahren war es bei der Reederei Hapag (ab 1970 Hapag-Lloyd) üblich, dass jedes Schiff, das ab Oktober in einem heimischen Hafen lag, einen getopften Weihnachtsbaum erhielt.

Tagelang wurde der Ablauf der Feier sorgfältig vorbereitet, was bereits eine Unterbrechung der Routine an Bord bedeutete. Alle waren in irgendeiner Weise damit beschäftigt. Einige Matrosen übernahmen das Ziehen von Kerzen, andere studierten Lieder und Gedichte ein. Man freute sich auf ein mehrgängiges Festtagsmenü mit Braten, das der Koch aus mehr oder weniger einfachen Zutaten zauberte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und je nach Reederei, Schiff und Reiseziel wurden daraus Würstchen und Kartoffelsalat. In der Mannschaftsmesse versammelten sich die wachfreien Männer zur verabredeten Stunde. Nur selten noch war die Weihnachtsfeier an Bord mit einem Gebet oder einer Bibellesung verbunden. Dafür gab es Rumgrog und Gebäck, und eine festliche Stimmung kam trotzdem auf beim Betrachten des mit Kerzen geschmückten Tannenbaums, dessen Zweige sich mit den Schiffsbewegungen hoben und senkten. Der Kapitän hielt eine kurze, nicht unbedingt geschliffene Ansprache. Meistens stimmte ein Akkordeonspieler die Weih­nachtslieder an, und die Männer sangen mit Inbrunst. Unterbrochen wurde der Gesang von angeregten Gesprächen. Geschenke wurden ausgepackt, Telegramme verlesen. Doch das Fest war häufig von Sturm und Seegang beeinflusst.

Dann rief wieder die Pflicht. Die Wachen auf der Brücke, im Funk-raum und an der Maschine muss-ten abgelöst werden. Auf der Brücke hielt der Wachhabende Ausschau und wünschte den vorbeifahrenden Schiffen mit der Morselampe „Frohe Weihnachten!“. Ge­antwortet wurde einst in vielen Sprachen.

In Zeiten der Containerschifffahrt mit nur kurzen Liegezeiten in den Häfen ging von den deutschen Weihnachtstraditionen viel verloren. Die Besatzungen sind international, daher ist das Weihnachtsfest folkloristisch eingefärbt.

„Liebe Seeleute in Nord und Süd, in Ost und West, wo immer Sie uns jetzt hören: Wir sind in Gedanken bei Ihnen draußen“ – mit diesen Worten wird auch in diesem Jahr wieder an Heiligabend die Übertragung der Sendung „Gruß an Bord“ beginnen, die NDR 90,3 und NDR Info zu verschiedenen Sendezeiten für alle Seeleute ausstrahlen, die das Weihnachtsfest fern der Heimat verbringen müssen.   Dagmar Jestrzemski


Hochzeit der »Königin der Instrumente«
Zu Weihnachten laufen wieder viele Kirchenorgeln heiß – Ihr Bau beruht auf höchster Handwerkskunst

Für Wolfgang Amadeus Mo-zart ist sie die „Königin der Instrumente“: Orgeln gibt es heute in so ziemlich jeder Kirche. Doch sie wird nicht nur im Gottesdienst eingesetzt. Insbesondere in den besinnlichen Jahreszeiten – beispielsweise in der Passionszeit vor Ostern oder in der Adventszeit – bieten viele Gemeinden Konzerte mit Orgeln an.

Die Orgel kann als Musikinstrument auf eine lange Geschichte zurückblicken. Ein Techniker namens Ktesibios erfand sie in Alexandria (Ägypten) im dritten Jahrhundert vor Christus. Ihre erste Blütezeit erlebte sie im ersten Jahrhundert vor Christus in Griechenland und gelangte von dort aus nach Rom. Zu dieser Zeit war sie ein rein weltliches Instrument, das etwa als Statussymbol am kaiserlichen Hof gespielt wurde. Konnte sich die Orgel noch im oströmisch-byzantinischen Reich bis zu dessen Untergang 1453 halten, geriet sie im Westen schnell in Vergessenheit.

Die Leib- und Musikfeindlichkeit der Kirchenväter und Päpste war ein maßgeblicher Grund dafür. Die Wende kam dann im 13. Jahrhundert, als viele Klöster und Kirchen eine Orgel besaßen. Auf dem Konzil von Mailand 1287 wurden Orgeln für den Gebrauch im Gottesdienst zugelassen. Komponisten wie Bach und Händel trugen in den folgenden Jahrhunderten zur Popularität des Musikinstrumentes bei.

Der Orgel- und Harmoniumbauer Fachrichtung Orgelbau ist seit dem Jahre 1934 ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk. „Es handelt sich dabei also um einen Beruf mit Tradition“, wie Roman M. Seifert aus Kevelaer am Niederrhein, seines Zeichens selbst Orgelbauer und Inhaber einer Orgelbauer-Firma (Orgelbau Romanus Seifert & Sohn), berichtet.

„Wir bauen eine Maschine, die aber ein Musikinstrument ist. Die Orgel ist sensibel und feinfühlig“, erzählt Seifert, der den Familienbetrieb inzwischen in der fünften Generation führt. Unternehmensgründer Ernst Seifert stammte ursprünglich aus Thüringen. Der gelernte Schreiner und Orgelbauer gründete seine Werkstatt 1885 im rheinischen Köln. Als in Kevelaer die Marienbasilika gebaut wurde, kam 1906 die Filiale in Kevelaer hinzu. Der Betrieb in Köln wurde 1981 geschlossen.

„Unser Betrieb ist hauptsächlich für Kirchen tätig“, sagt Seifert. Der Bau einer neuen Orgel macht das Berufsbild genauso aus wie Wartung, Stimmung und Reparatur. Da unterschiedliche Materialien wie Holz, Zinn und Blei eingesetzt werden, sollte sich der Orgelbauer auch in Materialkunde auskennen. Die Anforderungen an einen guten Orgelbauer haben sich allerdings im Laufe der Zeit sehr gewandelt. Er ist nicht nur Tischler; Kenntnisse in Elektronik, Mechanik, Akustik und vieles mehr kommen heute dazu. Derzeit arbeiten deutschlandweit rund 2500 Personen im Orgelbau, darunter auch rund 400 Auszubildende.

Rund 400 Orgelbaubetriebe gibt es derzeit in Deutschland, vom Ein-Mann-Betrieb bis zum mittelständischen Unternehmen. 20 von ihnen bauen neue Orgeln; die Tendenz ist allerdings abnehmend. Die Glanzzeit des Orgelbaus lag sicherlich nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals waren auch viele Kirchgebäude in Mitleidenschaft gezogen worden, was dazu beitrug, dass auch viele Orgeln erneuert werden mussten. „In heutigen Preisen gerechnet kostet eine neue Orgel rund 750000 Euro. Da kann der Kunde schon zu Recht erwarten, dass seine neue Orgel eine lange Lebensdauer aufweist.“

Es bedarf bis zu 14000 Arbeitsstunden, um eine neue Orgel zu bauen – das entspricht einem Zeit­raum von rund eineinhalb Jahren. „Die Auftragsbücher sind da schnell voll“, so Seifert. „Man gewinnt da schnell ein anderes Zeitgefühl.“ Seifert beschäftigt derzeit 25 Mitarbeiter. Wirft man einen Blick in den Betrieb, fallen die Ruhe, Gelassenheit und Freundlichkeit der Mitarbeiter schnell auf.

Für Seifert ist der Beruf des Orgelbauers ein musischer und vielseitiger. Es gibt ein breites Spektrum an Lautstärke, Frequenz und Emotionen: „Die Bandbreite reicht von lyrisch-liebevoll bis martialisch. Die Orgel ist ein sinnliches Instrument. Man kann da­mit ein ganzes Orchester ersetzen.“ Dass ein guter Kirchenmusiker selbst die Pippi-Langstrumpf-Melodie auf einer Orgel be­herrscht, ist also nicht weiter verwunderlich.“

Nicht verwunderlich ist auch, dass das Unternehmen seinem (neuen) Standort Kevelaer bis heute treu geblieben ist. Kevelaer ist ein Wallfahrtsort, der diverse Kirchen vorzuweisen hat. Auch nahegelegene Orte und Städte wie Xanten, Düsseldorf, Neuss und die Region Ruhrgebiet bieten eine reichhaltige Orgellandschaft; gerade im Ruhrgebiet gibt es in regelmäßigem Abstand das Orgelfestival Ruhr. Der Hildesheimer  und der Speyrer Dom sind die bekanntesten Gotteshäuser, die das Unternehmen Seifert bislang ausgestattet hat. Aber selbst im entfernten Berlin und in Luxemburg sind die niederrheinischen Orgelbauer schon aktiv gewesen.

Wie die Zukunft wohl aussehen mag, dazu äußert sich Seifert an dieser Stelle nicht. Nachwuchs ist in der Familie schon vorhanden. Doch ob dieser den Familienbetrieb übernehmen wird oder einen anderen beruflichen Weg einschlägt, steht derzeit noch in den Sternen – dafür sind die Kinder noch zu klein.      Andreas Rüdig


S. 22 Neue Bücher

Westlicher Fieberschub?
Ein ärgerliches Islambuch

„Warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden fürchten sollten“, möchte „TAZ“-Redakteur Daniel Bax (45) uns gemäß des Untertitels seines Buches „Angst ums Abendland“ erklären. Leider geht es dabei nicht um jene Islamfeinde, die der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani jüngst in seiner Frankfurter Friedenspreisrede erwähnte: Seit November 1979, als islamische „Gotteskrieger“ die große Moschee von Mekka besetzten, so Kermani, führe der Islam „Krieg gegen sich selbst“. Salafistisch-wahabitische Gewalttäter morden für einen kulturfeindlichen und antiintellektuellen Islam. Hier eskaliere der Niedergang einer Religion per pseudoreligiöser Militanz.

Wer möchte diese Aussagen ernsthaft bestreiten? Aber genau das tut Bax in seinem ärgerlichen Buch. Für ihn stehen alle Muslime restlos unter Generalverdacht. Parteien, Völker und Länder Europas hätten ein übergreifendes „gemeinsames Feindbild Islam“ erschaffen. Eine „Ideologie der Ungleichwertigkeit der islamischen Religion“ sei entstanden, ein westlicher Fieberschub, gegen den sich Muslime zu Recht wehren – findet Bax. Vorurteile gegenüber Muslimen und ihrer Religion seien in allen Schichten und über alle politischen Lager hinweg verbreitet.

Da mutet es fast komisch an, dass der Autor selbst deutliche Wissenslücken offenbart. Bax’ Geschichtskenntnisse, vor allem von Osmanen und Balkan, sind dünn, seine Islamkenntnisse dito. Sonst würde er nicht dessen Grundbegriffe beharrlich fasch schreiben. Von Islam ist im Buch zudem wenig die Rede. Auch ignoriert der Autor, was andere zu seinem Thema sagten. Zwar nennt er Aberhunderte Autorennamen, hat aber unverkennbar nur wenige Bücher gelesen. Bax sieht sich möglicherweise als den einzig wahren Islamversteher. Alles, was seine Schönfärberei widerlegt, wird ausgeblendet. Die Neuköllner „Rütli-Schule“ machte „einst bundesweit Negativschlagzeilen“, schreibt er und verschweigt, worum es wirklich ging: 2006 forderten die Lehrer eine Schließung ihrer Schule, weil anders Gewalt und Vandalismus der zumeist muslimischen Schüler nicht zu stoppen seien.

Ähnlich eindimensional und oberflächlich werden die Islamkritiker abgetan. Betty Mahmoodys millionenfach verkaufter Erlebnisbericht „Nicht ohne meine Tochter“ wird als „Machwerk“ abgetan. Der isla-mistische Anschlag vom Januar 2015, als in Paris die Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“ ermordet wurden, ist für Bax eine Reaktion auf „unverhohlenen Rassismus“ und „rabiate Islamfeindlichkeit“ des Blattes.

Bax erwähnt islamische Verbrechen nur, um sie zu verharmlosen, wo doch „fünf der letzten zwölf Friedensnobelpreisträger Muslime“ waren. Numerisch trifft es zu, sachlich ist es eine Irreführung, da die Preise für antiislamische Aktivitäten verliehen wurden oder Preisträger wie die Pakistanerin Malala Opfer islamischer Gewalt waren. Was ist dagegen mit wissenschaftlichen Nobelpreisen an Muslime? Bis auf zwei Ausnahmen gilt hier Fehlanzeige, da Islam und Wissenschaft unvereinbar sind.

Auch dies zeigt einmal mehr, warum so viele von dem überzeugt sind, was Bax höhnisch als Verschwörung abtut: Der Islam ist grundsätzlich inkompatibel mit den europäischen Werten von Christentum, Aufklärung und Demokratie.      Wolf Oschlies

Daniel Bax: „Angst ums Abendland. Warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden fürchten sollten“, Westend-Verlag, Frankfurt am Main 2015, gebunden, 288 Seiten, 17,99 Euro


»Dirndl á l’Africaine«
Die Buchbranche entdeckt ein großes Thema: die Heimat – eine kritische Betrachtung

Martin Walser prägte 1972 das Bonmot: „Heimat, das ist sicher die schönste Form der Zurückgebliebenheit.“ Damit spielte er auf den angeblichen Mangel an räumlicher Mobilität und geistiger Flexibilität an, welcher all jenen zueigen sein soll, die ihre Heimat lieben. Diese negative Sichtweise auf die Phänomene Heimat und Heimatverbundenheit dominierte seitdem den öffentlichen Diskurs, wobei die Linke ganz besonders abschätzig argumentierte. So behauptete der bayerische Grünen-Politiker Sepp Dürr, dass der „alte Heimatbegriff“ nur funktioniere, wenn man innerhalb der eigenen Bevölkerung Minderheiten ausgrenze. In der „taz“ schrieb der ARD-Redakteur und AfD-Kritiker Patrick Gensing mit Blick auf die deutschen Heimatvertriebenen erst kürzlich: „Heimat ist nicht zukunftsgewandt, sondern rückwärtsbezogen.“

Allerdings sind nicht nur linkslastige Ideologen bemüht, Heimatbegriff und Heimatverwurzelung zu diskreditieren, um ihr weltanschauliches Süppchen zu kochen. Vielmehr polemisieren auch Vertreter der Wirtschaft gegen die heimattreuen „Nesthocker“. Schließlich braucht die globalisierte Ökonomie mobile Jobnomaden, die stets dort zuhause sind, wo der Arbeitgeber sie haben will.

Aber wie das fast immer so ist, wenn das Pendel zu stark in eine Richtung ausschlägt: Irgendwann geht es nicht mehr weiter, woraufhin dann der Umschwung erfolgt, der in den Bereich des genau Gegensätzlichen führt. Davon zeugen unter anderem die Pegida-Demonstranten, welche ganz offen „Heimatschutz statt Islamisierung“ fordern, sowie auch die immer zahlreicher werdenden Publikationen zum Thema Heimat, die keine Kritik mehr enthalten, sondern eher auf die positiven Aspekte der Heimatverbundenheit eingehen oder diese gar fördern wollen. Andererseits heißt das aber leider nicht, dass sich die Autoren schon vollkommen vom verqueren Zeitgeist des Jahres 2015 gelöst hätten. Das beweisen die vier Bücher, die hier vorgestellt werden sollen.

Relativ wissenschaftlich kommt Renate Zöllers „Was ist eigentlich Heimat?“ daher. Darüber hinaus liegt die Germanistin, Osteuropa-Expertin und Journalistin, obzwar diese wie Gensing für die „taz“ schreibt, außerhalb des altlinken Main-streams, weil sie Heimatliebe nicht als etwas grundsätzlich Verdammenswertes darstellt, sondern als zutiefst menschliche Emotion. Hierbei stützt sie sich ganz maßgeblich auf die Psychologin Beate Mitzscherlich, die in einem Interview mit Zöller ebenso explizit wie gelassen zu Protokoll gab, dass das Heimatgefühl der Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten ein „stabilisierender Faktor“ sei, wohingegen geschichtsvergessene Menschen Anlass zu Misstrauen böten.

Ansonsten schaut Zöller aber zumeist auf die Befindlichkeit von Immigranten, wozu sie ausdrücklich auch die Zigeuner zählt, die es ihrer Meinung nach verdient hätten, dass die Bundesrepublik ihnen wegen des „Völkermordes an den Sinti und Roma“ ein „räumliches Recht auf Heimat“ gewähre, denn das brauche gerade das „fahrende Volk“, welches seine extrem mobile Lebensweise ja nicht freiwillig gewählt habe. Und auch sonst sollten wir Deutschen nun endlich damit beginnen, unsere Heimat ganz bewusst und voller Freude mit anderen zu teilen.

Das zweite Werk stammt aus der Feder von Natalia Wörner, zunächst Model und dann international erfolgreiche Schauspielerin, welche sich als „Schwäbin von Geburt und Nomadin im Herzen“ ausgibt. Sie beschreibt in „Heimatlust“, wie sie in der Jugend starke Frustrationen entwickelte und deshalb der Enge ihrer Heimat entfloh, um dann in der Ferne den Wunsch zu entwickeln, ihre Wurzeln zu erkunden. Danach versucht sie zwei Fragen parallel zu beantworten: zum einen, was Heimat im allgemeinen sei, zum anderen, worin nun das Besondere des Schwabenlandes bestehe.

Das letztere Unterfangen gelingt Wörner dann auch einigermaßen, indem sie Reflexionen über die schwäbische Geschichte mit den Biographien ihrer Familienmitglieder und der Beschreibung ihres eigenen Lebensweges mit seinem ständigen Fortgehen und Nachhausekommen vermischt. Dahingegen bleibt sie beim Heimatbegriff als solchem in Allgemeinplätzen stecken: So schildert sie unter Verweis auf das allgegenwärtige Thema „Flüchtlinge“ ihren ganz „persönlichen Traum“, in dem es „eine Heimat für alle, frei von Landesgrenzen“ gebe.

Einen ähnlich zwiespältigen Eindruck hinterlässt auch das Taschenbuch „Nix wie Heimat!“ von Lisa Altmeier und Steffi Fetz, zwei jungen Radio- und Fernsehjournalistinnen, welche das Experiment wagten, sich von einer „Crowd“, also irgendwelchen wildfremden Menschen im Internet, in deutsche Städte und Dörfer dirigieren zu lassen, wo sie dann besondere Örtlichkeiten erkunden sollten wie beispielsweise alternative Wohnprojekte oder ein Seemannsheim. Denn leider braucht es wieder nur wenige Seiten bis die tatsächlichen oder vermeintlichen Probleme von „Flüchtlingen“ zur Sprache kommen und es Belehrungen hagelt wie diese: Wenn jemand seine Heimat verlasse und nach Deutschland komme, dann müsse dieses „reiche Land“ doch umfassende Hilfe leisten...

Weniger abgehoben wirkt „Heimatrauschen“, in dem die Journalistin Almut Otto und die Fotografin Sonja Herpich Menschen, Geschichten und Orte in Bayern vorstellen, welche für eine Verbindung von Tradition und Moderne stehen. Allerdings gelang auch das nicht ganz ohne Deutschland-ist-bunt-Rhetorik. Zwar dreht sich tatsächlich vieles um die weißblaue Heimat und das, was diese zu etwas Besonderem erhebt, wie „Fesche Frauen“ und „Gstandne Männer“, die „Pfundige Musik“ machen. Doch am Ende kommt der Leser wiederum nicht um „Dirndl à l’Africaine“ und andere „Integrationsmodelle“ bayerischer Machart herum.

Somit hinterlassen alle vier Bücher den Eindruck, dass es im Jahre 2015 zwar möglich ist, sich dem Phänomen „Heimat“ ohne die üblichen Ressentiments zu nähern, aber nur um den Preis eines pflichtschuldigen Blicks auf „Flüchtlinge“ – wobei es definitiv nicht um die aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern und den Sudeten geht. Wolfgang Kaufmann

Lisa Altmeier & Steffi Fetz: „Nix wie Heimat! Für euch unterwegs in Deutschland“, Blanvalet Verlag, München 2015, broschiert, 272 Seiten, 9,99 Euro

Renate Zöller: „Was ist eigentlich Heimat? Annäherung an ein Gefühl“, Ch. Links Verlag, Berlin 2015, broschiert, 231 Seiten, 18 Euro

Natalia Wörner: „Heimatlust. Meine schwäbische Liebeserklärung“, Riemann Verlag, München 2015, gebunden, 251 Seiten, 17,99 Euro

Almut Otto & Sonja Herpich: „Heimatrauschen“, Verlag J. Berg, München 2015, broschiert, 192 Seiten, 19,99 Euro


Domina in der Sackgasse
Von Joseph Roth bis Ingrid Noll: 22 Erzählungen und Gedichte bieten Bizarres und Schaurig-Schönes zum Weihnachtsfest

Dass es ausgerechnet zu Weih-nachten in den Familien manchmal zu Turbulenzen oder gar zum handfesten Krach kommt, ist ja ein bekanntes Phänomen. Vielleicht sind die Menschen im Hinblick auf das schönste Fest des Jahres einfach derart aufgeladen mit Erwartungen oder auch Befürchtungen, dass sie Gefahr laufen, unversehens ins Gegenteil dessen zu verfallen, was Weihnachten eigentlich bedeutet. Von Meinungsverschiedenheiten, Einsamkeit und sonderbaren Begebenheiten handeln 22 Erzählungen und Gedichte, die in einem bei Hoffmann und Campe erschienenen Sammelband mit dem Titel „Pleiten, Pech und Weihnachtspannen“ zusammen gefasst sind.

Die Auswahl der Texte von Heinrich Seidel über Siegfried Lenz bis Wladimir Kaminer traf der Leiter des Verlags, Daniel Kampa. Dabei entwickelte er ein gutes Gespür, eröffnet sich doch eine äußerst kontrast-reiche Sicht auf Missgeschicke, die zur Weihnachtszeit drohen können. Von Sentimentalität findet sich keine Spur, und einige Geschichten sind einfach nur komisch. Andere wirken zutiefst berührend, und man kommt nicht so leicht davon los.

Eine denkbar düstere Atmosphäre entwarf Joseph Roth in seinem kurzen Stück mit dem Titel „Weihnachten moderner Junggesellen“, erschienen am 25. Dezember 1928 in der „Frankfurter Zeitung“. In einer neu erbauten Bar, entworfen von einem jener „modernen Architekten mit einem sadistischen Zug, besteht die Einrichtung aus schimmerndem Metall, geschieht alles lautlos. Ein Schild mit der Aufschrift: „Hier können Junggesellen Weihnachten feiern“ lockt lauter moderne Gäste an. Sie trinken „hygienischen Alkohol“ und tauschen inhaltsleere Halbsätze aus. Den Heiligabend wollten die sich reserviert gebenden Herren allem Anschein nach um nichts in der Welt allein zu Hause verbringen. Dann aber lösen einige Wiener Fiakerlieder, die ein älterer Künstler – eine Erscheinung wie „aus einem vergangenen Jahrhundert“ –, mit Klavierbegleitung vorträgt, unversehens Wehmut bei ihnen aus. Schließlich „war man einmal Kind, bevor man ein Gespenst geworden“. Schaurig schön.

Neben dem Schicksal des „Weihnachtsbäumleins“ in Christian Morgensterns zu Herzen gehendem Gedicht steht Ingrid Nolls ziemlich bizarre Erzählung „Ein Stern herniederlacht“. Im Amüsierton, der in merkwürdigem Gegensatz zum betrüblichen Inhalt steht, plaudert die Autorin über eine Domina, die aussteigen will aus ihrem früheren Leben als Zuchtmeisterin „tüchtiger, erfolgreicher Männer mit einem fast intakten Familienleben“. Mit allem Drum und Dran wie Weih-nachtsgebäck und Weihnachtsgans. Doch dann stellt sich heraus, dass es sich bei dem von der Peitschendame eingeschlagenen Ausweg um eine Sackgasse handelt.

Mit Åke Edwardsons Schwedenkrimi „… dann steht Lucia vor der Tür“ kommen Freunde dieses Genres auf ihre Kosten. Von einem Ehemann, der mit 25 Mark auszog, um im Auftrag seiner Frau einen schmucken Weihnachtsbaum zu kaufen, dann aber mit einem Freund in der Kneipe das Geld in Bier und Schnaps umsetzt, handelt Peter Frankenfelds Schmonzette „Der Baum“. Hans Fallada erzählt in „Der gestohlene Weihnachtsbaum“ eine märchenhafte Geschichte zum Fest mit sozialkritischer Tendenz und gutem Ausgang. Eine von Heinrich Seidels Erzählungen aus dem Leben seines Dauer-Protagonisten Leberecht Hühnchen mit dem Titel „Das Weihnachtsfest“ wurde hier untergeschmuggelt. Man befindet sich im 19. Jahrhundert. Weih-nachten verläuft harmonisch, und es wird sogar eine Ehe gestiftet. Aus zwei kauzigen älteren Leutchen wird ein Paar – schöner geht’s nicht.            Dagmar Jestrzemski

Daniel Krampa (Hrsg): „Pleiten, Pech und Weihnachtspannen“, Hoffman und Campe Verlag, Hamburg 2015, broschiert, 217 Seiten, 9,99 Euro


S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung


S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Misstrauen allerorten / Wieso Verschwörungstheorien auf dem Vormarsch sind, warum Legenden besser sind als Nachprüfbares, und woran die Russen schuld sind

Der Kommentator einer großen Regionalzeitung ist genervt: Immer mehr Menschen glaubten den etablierten Medien nicht mehr und den gewählten Politikern auch nicht. Stattdessen seien Verschwörungstheorien auf dem Vormarsch. Dabei umfasst der Begriff nicht mehr nur den Verdacht, dass sich finstere Mächte hinter unserem Rücken verschworen haben. Längst beschreiben wir mit dem Wort jede Art verschrobener Theorien über die angeblichen Hintergründe des Weltgeschehens.

Und da kann man dem Mann nur Recht geben: Was da so alles durch die Lande flattert an aberwitzigen Erklärungsversuchen, das spottet tatsächlich jeder Beschreibung.

Ein jüngstes Beispiel lieferte uns das öffentlich-rechtliche „Morgenmagazin“. Die Fernsehmacher sind der Frage nachgegangen, warum gerade in den Neuen Bundesländern die Leute den Staats- und Konzernmedien so wenig Glauben schenken wollen, Stichwort „Lügenpresse“.

Die Erklärung ist verblüffend: Weil sie mit dem DDR-Fernsehen, namentlich der „Aktuellen Kamera“, ja reichlich Erfahrung gesammelt hätten mit lügenden Medien. Deshalb trauten sie den heutigen Medien auch nicht. Zudem zeigt man uns einen Einspieler mit dem berüchtigten Karl-Eduard von Schnitzler („Der schwarze Kanal“), wie er gerade gegen die „Hetze“ des Klassenfeindes ankeift, womit natürlich vor allem das Westfernsehen gemeint war. Daher, so soll der Zuschauer offenbar schließen, glauben die Ossis auch ARD und ZDF nicht, weil sie „Sudel-Edes“ Gekläffe noch im Ohr haben.

Darauf muss man erst mal kommen: Ausgerechnet jene DDR-Bewohner, welche die „Aktuelle Kamera“ als Lüge entlarvt hatten, sollen also gleichzeitig den Blödsinn des Genossen Schnitzler für bare Münze genommen haben. Und zwar dermaßen innig, dass sie dessen Gift auch mehr als 26 Jahre nach Ende des „Kanals“ noch immer im Herzen tragen.

Das klingt so sinnig wie ein Ermittler, der auf der Suche nach dem Vergewaltiger als erstes die Belegungslisten der örtlichen Frauenhäuser unter die Lupe nimmt. Fakt ist, dass Millionen DDR-Bewohner bundesdeutschen Medien ebenso wie der Bundesrepublik, ihren Parteien und Organen einen Vertrauensvorschuss sondergleichen darbrachten, den die so Beschenkten nach und nach untergepflügt haben.

Der Verdacht, dass uns nicht immer die Wahrheit gesagt wird, schleicht überall um die Ecken, beileibe nicht nur östlich der Werra. Manchmal flunkern sie dreist, dann wieder ganz subtil, wie hier: Zum Abschluss der Pariser „Klima-Konferenz“ zeigen uns die RTL-Nachrichten ein Bild des überfluteten Hamburger Fischmarkts.

Unverkennbar sollte das Bild den Ernst der Lage illustrieren: Die Gefahr von Überschwemmungen nimmt zu, weil die Polkappen schmelzen wegen der „Klima-Erwärmung“, so die Botschaft. Allerdings weiß jeder Hamburger, dass der Fischmarkt auch in ganz normalen Wintern alle paar Wochen mal absäuft, und das schon seit Menschengedenken.

Darauf gleich noch ein Beispiel, wie die Wahrheit zugehängt wird: Die Sprecherin eines Sigmaringer Krankenhauses, in dessen Nähe eine Erstaufnahmestelle für „Flüchtlinge“ gepflanzt wurde, berichtet, dass seit September monatlich 40 Übergriffe auf Pflegepersonal registriert worden seien: „Unsere Krankenschwestern haben große Angst!“

Was sagt die Polizei? Die kann die Entwicklung „nicht wirklich bestätigen“, lesen wir in der „Südwest Presse“. Es gebe zwar Vorkommnisse, aber die würden die Beamten „nicht vermehrt beschäftigen“. Auch einer befragten Mitarbeiterin der Erstaufnahmestelle ist nichts bekannt davon, dass „Flüchtlinge sich mit Klinikpersonal angelegt haben sollen“. Die Mitarbeiter tauschten sich zweimal pro Woche mit der Polizei aus, dabei sei das bislang „kein Thema“ gewesen.

Ist das nicht geschickt? Die Polizei sieht nichts, und weil sie nichts sieht und nichts sagt, kann die Aufsicht des  Asyllagers auch nichts hören, weshalb die Vorkommnisse „kein Thema“ sind. Doch wer jetzt misstrauisch wird, der hängt vermutlich „Verschwörungstheorien“ an.

Ganz schlimm wird es, lesen wir im „Spiegel“, wenn sich radikale Gruppen wie die amerikanische „Tea Party“-Bewegung das Misstrauen der kleinen Leute zunutze machen. „Deren Anhänger vereint das Gefühl, von ,denen da oben‘, den Eliten aus Politik, Wirtschaft und Medien, betrogen zu werden.“

Ja, das böse „Gefühl“. Was fühlt so ein kleiner Sparer, wenn er erfährt, dass die staatlichen Notenbanken die Zinsen ins Nichts gesenkt haben, damit sich Regierungen und Geschäftsbanken praktisch umsonst verschulden können – auf Kosten der kleinen Sparer, die auf diese Weise Schritt für Schritt enteignet werden? Doch hoffentlich keinen Groll gegen ,die da oben‘!

Wenn doch, dann ist es, wenn wir den „Spiegel“ richtig verstehen, die Aufgabe verantwortungsvoller Medien, ihm diesen Groll wieder auszuschreiben. Damit er nicht populistischen Parolen hinterherläuft.

Um das zu verhindern, kommt es entscheidend auf „gute Kommunikation“ an, sagen die Experten. Beispielsweise bei den Erklärungen über die Asylflut; da müssen einem gute Argumente einfallen. Am besten welche, die ohne nachprüfbaren Hintergrund auskommen, denn dann kann sie niemand widerlegen. Soll heißen: Wenn du deine selbst­gestrickte Legende mit anderen selbstgestrickten Legenden untermauerst, kann dir keiner was.

Anlässlich der Pariser Konferenz durfte beispielsweise die Vokabel „Klima-Flüchtlinge“ nicht fehlen. Laut Kanzlerin Merkel wiederum hat uns der „liebe Gott“ die Flüchtlinge „auf den Tisch gelegt“. Nun hat sie im „Bericht aus Berlin“ auch noch geredet von den „Flüchtlingen, die uns die Globalisierung gebracht hat“. Wozu diese hergeholten Begründungen? Bislang war doch meist von Kriegsflüchtlingen die Rede!

Richtig, aber das war riskant, weil eine nachprüfbare Begründung, die sich mit einem Kriegs­ende in der Herkunftsregion erledigt hätte. Jetzt beugen sie vor für den komplizierten Fall, dass die bewaffneten Konflikte im Irak und in Syrien tatsächlich beigelegt werden, weil dann jeder fragt, warum die „Kriegsflüchtlinge“ denn immer noch hier sind. Dabei sollen sie doch unbedingt bleiben, für Multi-Kulti. Daher müssen nun das Klima und die Globalisierung her, und sogar Gott.

Schuld sind die Russen, denn seit deren Auftauchen in Syrien können Washington und die Öl-Staaten den Konflikt nicht mehr allein dirigieren. Es könnte sein, dass sich alle Gruppen auf einen Kompromiss einigen, den IS dann gemeinsam niederringen und eine friedliche Lösung finden.

2012 wäre das schon einmal fast passiert, damals hatte man sich in Genf eigentlich geeinigt. US-Außenministerin Hillary Clinton konnte die Einigung erst im letzten Moment zerschmettern; es folgte ein jahrelanger Krieg und, mit mutmaßlicher Unterstützung der Türkei und Saudi-Arabiens, der sagenhafte Aufstieg des IS.

Aber, wie gesagt: Jetzt sind die Russen da, und es droht tatsächlich Frieden. Daher müssen die USA wohl einlenken. Und was machen Saudis und Türken? Die kitzeln uns am Zwerchfell mit der Nachricht, dass sie eine „Koalition gegen den Terror“ geschmiedet hätten. Ist das nicht goldig? Die drei passen in ein Anti-Terror-Bündnis wie der Teufel in den Stall zu Bethlehem.

Ja, es ist wirklich ungeheuerlich, mit welcher Perfidie Mos­kaus Schurken die Weltordnung durcheinander bringen. Da muss man die Wut, ja den Abscheu schon verstehen, die jeder im Westen erntet, der einen „russlandfreundlichen“ Eindruck erweckt.

Der setzt sich dem Verdacht aus, mit denen im Kreml heimlich zu kungeln. Wobei so ein Verdacht natürlich keiner Verschwörungstheorie entspringt, sondern „berechtigter Sorge“.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Mehr Gewalt gegen Christen

Berlin – In den Asyllagern nimmt die Gewalt gegen Christen, die sich vom Islam abgewandt haben, zu. Dies berichtet der Berliner Pfarrer Gottfried Martens laut der Evangelischen Nachrichtenagentur „idea“. In Berlin hätten sogar muslimische Sicherheitskräfte christliche Flüchtlinge verprügelt, bei denen sie ein Neues Testament gefunden hätten. Mit der Praxis, Wachschützer ohne Prüfung einzustellen, hole man serienweise radikale Moslems in die Unterkünfte, so Martens.          H.H.

 

Zweierlei Maß bei Hetze

Kiel – In Kiel haben Unbekannte Zettel an Ampeln gehängt mit der Aufschrift: „Eure Kinder werden zu Allah beten oder sterben.“ Im Erzgebirge haben Unbekannte Schweineköpfe vor einem Asyllager platziert. Pikant: Im Fall der Schweineköpfe ermittelt der Staatsschutz wegen „Beschimpfung von Bekenntnissen“. Zum Kieler Fall sagte der Polizeisprecher: „Strafrechtlich wird das nicht verfolgt.“              H.H.

 

Terror-»Held« in Wartestellung

Er gilt als vermutlich einzig überlebender Attentäter der Ter­roranschläge von Paris und ist derzeit der meistgesuchte Terrorist Europas: Salah Abdeslam. Solange er nicht gefasst ist, kann von dem 26-Jährigen, der in Marokko untergetaucht sein soll, noch viel Gefahr ausgehen. Denn wenn es ihm vor den Anschlägen tatsächlich gelungen ist, in Budapest unter Asylsuchenden neue Attentäter für den „Islamischen Staat“ zu rekrutieren (siehe Seite 2), sollte es für ihn als von fanatisierten Islamisten gefeierter „Held“ von Paris ein Leichtes sein, neuen Terrornachwuchs heranzuzüchten.

Als einer der zehn Pariser Attentäter war er bei den Morden an Café-Besuchern beteiligt. Er mietete in Belgien den schwarzen VW „Polo“, den die Polizei später vor dem Musikklub „Bataclan“ abgestellt fand. Abdeslam gilt als Logistiker der Attentate, der in dem berüchtigten Brüsseler Stadtteil Molenbeek radikalisiert wurde. Dort wuchsen er und sein ebenfalls bei den Anschlägen beteiligter Bruder Ibrahim, der sich in Paris selbst in die Luft gesprengt hat, als Kinder eines aus Algerien eingewanderten Straßenbahnfahrers auf.

Auch Abdeslam arbeitete zunächst als städtischer Angestellter, verlor aber seine Mechaniker- Stelle bei den Verkehrsbetrieben wegen häufiger Abwesenheit. Bevor er ein Café eröffnete, das als Kiffertreffpunkt Molenbeeks galt und das deswegen wenige Tage vor den Anschlägen geschlossen wurde, war er als Arbeitsloser empfänglich für radikale Ideen. Zum Terroristen geschult wurde er in Molenbeek vom Chefplaner der Anschläge, Abdelhamid Aba­aoud, der bei der Razzia in Saint-Denis von französischen Spezial­einheiten getötet wurde. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, dass Abdeslam den Tod seines Idols rächen wird.            H. Tews


MEINUNGEN

Der deutsche Autor und Philosoph Thomas Fasbender wagte bei der jährlichen Medienveranstaltung in „It’s time for Moscow“ gegenüber Sputniknews (10. Dezember) einen Blick in Europas Zukunft;

„Wir laufen in Europa in eine Umbruch-Situation hinein. Das europäische Ideal – die Überwindung des Nationalen – hat sich überlebt. Die Idee des Nationalen ist definitiv am Erstarken. Diejenigen, die dagegen weiter auf den Kurs der europäischen Integration setzen, werden sich meiner Überzeugung nach auf der Verlierer-Seite wiederfinden. Europa steht vor tiefgehenden Veränderungen“

 

 

David Bendels vom „Konservativen Aufbruch“ in der CDU/CSU kritisierte bei „Menschen bei Maischberger“ (8. Dezember) den Grünen-Politiker Jürgen Trittin:

„Die sogenannten jungen Grünen, die öffentlich auf Deutschland-Fahnen urinieren – das ist nun wirklich ein Verhalten, das für mich nicht akzeptabel ist. Oder Sie beispielsweise, der ja einmal gesagt hat, dass er niemals das Deutschlandlied mitsingen würde. Da frage ich mich auch, wie wir den Flüchtlingen, die zu uns kommen, wie wir denen ein positives Deutschlandbild vermitteln wollen, wenn politische Entscheidungsträger wie Sie – Sie entscheiden Gott sei Dank ja nicht mehr viel – beispielsweise so ein negatives Deutschlandbild öffentlich zeigen.“

 

 

Hinsichtlich immer neuer Auslandseinsätze bemängelt der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD) in der „Welt“ (14. Dezember) die Ausstattung der Bundeswehr:

„Die Gesamtausstattung der Bundeswehr ist nach wie vor durch ein System der Mangelverwaltung gekennzeichnet. Es fehlt an nahezu allem. Fast alles ist nicht im erforderlichen Maß da, von kleineren Dingen wie Nachtsichtgeräten und Schutz­westen über die Hauptwaffensysteme wie Leopard oder Boxer bis hin zur Bewaffnung für den Eurofighter oder den Tiger. Die Zahl der einsatzbereiten Hubschrauber ist eine Katastrophe!“

 

 

Wolfram Weimer, Ex-Chefredakteur der „Welt“, des Politik-Magazins „Cicero“ und des „Focus“, fällt in der „Wirtschaftswoche“ (11. Dezember) ein vernichtendes Urteil über die Masse der deutschen Medien:

„Im zu Ende gehenden Jahr 2015 haben deutsche Medien sich geradezu lustvoll mit vermeintlich guten Sachen gemein gemacht. Ob Klimapolitik oder Euro-Rettung oder Pegida-Beschimpfung oder Ukrainepolitik oder Migranten-Willkommenskultur – zu viele Medien waren zu sehr damit befasst, der jeweils offiziellen Regierungspolitik nicht nur die Mikrofone zu halten, sondern die eigenen Verstärker voll aufzudrehen.“

 

 

Der in der Türkei geborene Kabarettist Serdar Somuncu stellte bei „Hart aber fair“ (14. Dezember) einige einfache, aber entscheidende Fragen zur Massenzuwanderung:

„Was machen wir denn mit den Leuten, die sich nicht an unsere Grundwerte halten? Wir müssen nicht immer nur die lieben Deutschen sein, wir können ruhig auch mal die bösen Deutschen sein.“