© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 07/16 vom 19.02.2016

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Deutschland ruckt
Linksgrüne Leitkultur wird durch Massenzuwanderung in Frage gestellt

Lange wurde die linksgrüne Leitkultur nicht in Frage gestellt. Unter dem Eindruck der Massenzuwanderung mehren sich die Anzeichen für einen konservativen Ruck in Deutschland.

„Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“ forderte Bundespräsident Roman Herzog im April 1997. Eineinhalb Jahre später bekamen wir die erste ausschließlich von Parteien links der Mitte gebildete Bundesregierung – einen Ruck, der die Republik endlich nach dem Geschmack der 68-er Funktionseliten umgestaltete: ein Paradigmenwechsel, nicht weniger als die Einführung einer neuen, nicht-deutschen „Leitkultur“. Nachdem die ehedem konservative Union seit dem Machtverlust von 1998 unter dem Signum angeblicher Modernisierung den Kampf um die Sympathie des linksintellektuellen Milieus aufnahm, standen all diese „Errungenschaften“ scheinbar nicht mehr zur Disposition.

Im Rahmen der Einwanderungswelle wird diese linksgrüne Leitkultur plötzlich in Frage gestellt. Die lange Zeit mundtot gemachten konservativen Kräfte bekommen Rückenwind. Man kann den Schock des polit-medialen Establishments darüber durchaus nachvollziehen, dass sein bis vor Kurzem ungefährdetes Meinungsmonopol nun- mehr Risse bekommt. Nachdem die Deutschen selbst die Euro-Krise teilweise murrend, aber letztlich doch hingenommen haben, bricht die Massenimmigration den mehltauartigen gesellschaftspolitischen Konsens der letzten Jahre auf. Eigentlich ein Wunder, dass das so lange gedauert hat und die seit langem diagnostizierte Entkoppelung zwischen Funktionseliten und Bürgern erst jetzt politisch zum Tragen kommt.

Viele, wahrscheinlich die meisten Wähler machen ihr Kreuzchen nach wie vor aus eher praktischen Erwägungen. Nicht von ungefähr wird der ideologische Teil der Parteiprogramme wenig beworben. Gesellschaftlicher Umbau bezie- hungsweise Weltverbesserung von oben ist wenig populär, insbesondere dann nicht, wenn für den Einzelnen neue Belastungen oder neue, meist einschränkende Verhaltenskodizes die Folge sind. Die Politik der Auflösung gewachsener Strukturen und tradierter Lebensformen wie Heimat, Familie, Religion bei gleichzeitig wachsender Einflussnahme des Staates ist am 68-er Mantra orientiert, wonach alles Private politisch sei. Die totalitäre Sprengkraft dieses Axioms ist bisher zu wenig beachtet worden – es bedeutet in letzter Konsequenz nichts anderes, als dass sich die Öffentlichkeit und damit der Staat in alles einmischen kann und sogar soll. Der in Deutschland so weit verbreitete, unselige „Erziehungsjournalismus“ ist eine Folge davon.

Es hat den Anschein, dass diese Zusammenhänge vielen Deutschen in einem Moment bewusst werden, da die Zuwanderungsflut ihre Lebensgewohnheiten und -perspektiven mit ebenjener „Nachhaltigkeit“ in Frage stellt, welche in grünen Parteiprogrammen so beschwörend eingefordert wird und die der politische Mainstream für die von ihm geschaffenen gesellschaftlichen Veränderungen mit zunehmender Verbitterung verlangt. Indessen mehren sich die Anzeichen für einen konservativen Ruck, der das Land wieder mehr an seinen Gründungsvätern orientiert.

                Hubertus Thoma


Kein fremdenfeindlicher Hintergrund
Handgranatenwerfer von Villingen-Schwenningen sind selbst Zuwanderer

Ein fremdenfeindlicher Hintergrund kann ausgeschlossen werden.“ So kurz und bündig lautet das Ergebnis der Ermittlungen der 70-köpfigen Sonderkommission „Container“ bei der Krimi- nalpolizeidirektion Rottweil zum angeblichen Handgranatenanschlag auf eine Asylunterkunft in Villingen-Schwenningen Ende Januar. Die nicht zündfähige Handgranate war von der Straße aus in Richtung eines Bürocontainers neben der eigentlichen Unterkunft geworfen worden, in dem sich drei Sicherheitsleute aufhielten.

Obwohl die Polizei von Anfang an erklärt hatte, dass sie keine konkreten Hinweise auf Motiv oder Täter habe und ihre Ermittlungen „in alle denkbaren Richtungen“ führe, lief die Empörungsmaschinerie bei Politikern und Medien auf Hochtouren. Für sie stand zweifelsfrei fest, dass Fremdenfeinde und Rassisten versucht hätten, eine Flüchtlingsunterkunft mit einem Sprengkörper anzugreifen, der glücklicherweise nicht explodiert sei.

Wie aus einer gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei vom Dienstag vergangener Woche hervorgeht, haben die Ermittler der Sonderkommission mehr als 100 Personen vernommen und eine große Anzahl von Spuren ausgewertet und verfolgt. Das führte sie schließlich zu den mutmaßlich wahren Tätern: Vier Männer im Alter zwischen 22 und 37 Jahren – laut Staatsanwaltschaft und Polizei „überwiegend mit osteuropäischem Migrationshintergrund“ –  wurden als dringend tatverdächtig vorläufig festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Gegen drei der Beschuldigten wurden Haftbefehle wegen eines Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz erlassen.

Zu den Hintergründen der Tat und dem Tatmotiv wollen sich die Behörden „aus ermittlungstaktischen Gründen“ im Detail nicht äußern. Allerdings dürften, so die Behörden, „Konflikte, die zwischen den im Schwarzwald-Baar-Kreis tätigen Sicherheitsunternehmen bestehen, die Ursache sein“. Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Vor dem Hintergrund der bisherigen Ermittlungen und den umfangreichen Überprüfungen von Personen, die anderweitig bereits, ohne Zusammenhang mit der gegenständlichen Tat, durch fremdenfeindliche Aktionen aufgefallen sind oder entsprechenden rechtsradikalen Organisationen zugeordnet werden, ergaben sich keine Anhalts- punkte für eine fremdenfeindliche Tat.“ Jan Heitmann (siehe Leitartikel)


Linker Irrsinn
Eine politisch-unkorrekte Vergwaltigung

Die derzeitige Vergewaltigungswelle durch Asylbewerber   trifft auch Unterstützerinnen der schrankenlosen Willkommenspolitik. Fassungslosigkeit löste jetzt die Reaktion einer 24-jährigen Linken-Politikerin auf ihre Vergewaltigung durch drei Männer mit „Migrationshintergrund“ in einer Parkanlage in Mannheim aus. Die Frau, eine Sprecherin der Jugendorganisation „Linksjugend Solid“, entschuldigte sich auf ihrer Facebookseite bei einem der Täter. Sie schrieb unter anderem: „Lieber männlicher Geflüchteter, es tut mir Leid. Für uns beide tut es mir so unglaublich Leid. Du, du bist nicht sicher, weil wir in einer rassistischen Gesellschaft leben. Ich, ich bin nicht sicher, weil wir in einer sexistischen Gesellschaft leben.” Zuvor hatte sie bei der Polizei zunächst absichtlich falsch ausgesagt. Um die Tat politisch korrekt zu verschleiern, gab sie an, dass unter den Tätern auch Deutsche gewesen wären. Ihre größte Sorge galt nach eigenen Angaben, dass die Tat missbräuchlich verwendet werden könne. Dass ihre Auslassungen Sexualdelikte verharmlosen, und Täter animieren, weitere Frauen zu überfallen, scheint sie nicht zu sorgen.          FH


Jan Heitmann:
Alles Schwindel

Nachdem vor einer Asylunterkunft eine Handgranate ohne Zünder gefunden worden war (siehe Artikel unten), schwadronierten Politiker sofort von einer „neuen Dimension rechter Gewalt“, von einer „Eskalation fremdenfeindlichen Terrors“ und einem „feigen rassistischen Anschlag“. Und die geistigen Väter dieser menschenverachtenden Untaten hatten sie erwartungsgemäß auch parat: Pegida und die AfD, die „Hetzer aus der Mitte der Gesellschaft“.

Doch dann kam heraus: Alles Schwindel. Denn die Handgranate galt nicht der Gemeinschaftsunterkunft und deren Bewohnern, sondern dem abseits stehenden Bürocontainer, vor dem sie auch gefunden wurde. Und die mutmaßlichen Täter sind alles andere als rassistische deutsche Fremdenfeinde, denn sie haben selbst einen „Migrationshintergrund“.  Dumm gelaufen für die „Politlautsprecher“.

Ein Meister unbegründeter Schuldzuweisungen, der sich auch in diesem Fall besonders hervorgetan hat, ist Bundesjustizminister Heiko Maas. Dabei sollte doch gerade er als Jurist sich an Fakten halten. Das aber war noch nie seine Sache. Erst kürzlich erinnerte die „Zeit“ daran, dass der damalige saarländische Oppositionsführer Maas im Jahre 2007 nach Freisprüchen in einem bis heute ungeklärten Vermisstenfall erklärt habe, er finde das Urteil „zum Kotzen“ und unfassbar, dass es nicht gelungen sei, den Tatvorwurf zu beweisen. Damit wollte er wohl Volkes Stimmung wiedergeben, etwas, was er heute als „rechtspopulistisch“ diffamiert. Zu seiner damaligen Entgleisung will er sich nicht mehr äußern. Und so stellt sogar die linksliberale „Zeit“ fest: „Jedenfalls eine eigenartige Rechtsauffassung, die der Volljurist Maas da offenbart.“


S. 2 Aktuell

Hass von Kindesbeinen an
Millionen Zuwanderer importieren den glühenden Antisemitismus ihrer Heimatländer nach Deutschland

Schon jetzt ist der Hass auf alles Jüdische unter arabischen Immigranten in Deutschland ein ernstes Problem. Mit hunderttausenden Zuwanderern aus Ländern, in denen der Antisemitismus quasi zur Staatsdoktrin gehört, drohen Anfeindungen und Ausschreitungen einer neuen Dimension.

Da kann Deutschland aber froh sein. Die Zuwanderer aus dem Orient bringen mehr Gemeinsamkeiten mit als viele glauben – zum Beispiel den Antisemitismus. Geht es nach dem vielfach gefeierten US-Historiker und Soziologen Daniel Goldhagen, haben die Deutschen schließlich den Judenhass sozusagen in ihren Genen. Ein programmierter „Code“ habe sie zum Holocaust getrieben.

Während die kruden Thesen Goldhagens von seriösen Wissenschaftlern als grober – und letzt-endlich rassistischer – Unfug abgetan werden, bedroht der arabische Antisemitismus ganz konkret Europas jüdische Bevölkerung.

Präsent ist er schon lange. Die 500000 Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Frankreich sind besonders betroffen. Neben den alltäglichen Anfeindungen durch viele der rund 3,7 Millionen französischen Moslems kommt es immer wieder zu blutigen Anschläge. Einen Tag nach dem Überfall der IS-Terroristen auf das Satire-Magazin Charlie-Hebdo Anfang 2015 ermordete der Islamist Amedy Coulibaly vier Juden in einem französischen Supermarkt. 2012 richtete Mohamed Merah in einer jüdischen Schule in Toulouse ein Blutbad an. Die Angst treibt mittlerweile immer mehr Juden aus dem Land. 8000 wanderten im letzten Jahr nach Israel aus.

Aber auch Deutschlands 120000 Juden sehen sich – mehr als 70 Jahre nach Ende des Dritten Reiches – wieder an Leib und Leben bedroht. Der Rabbiner Daniel Alter wurde 2012, im Beisein seiner sechsjährigen Tochter, brutal zusammengeschlagen. Er hatte auf die Frage „Bist du Jude?“ mit „Ja“ geantwortet. Aufgefallen war er den Tätern wohl, weil er eine Kippa, eine jüdische Kopfbedeckung, trug. Die Polizei geht von arabischen beziehungsweise muslimischen Tätern aus.

In einem zornigen und verzweifelten Brief an Angela Merkel und an den damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, beschrieb eine jüdische Lehrerin 2014 ihre Situation an einer Berliner Schule. Kinder aus bildungsfernem Schichten – besonders viele würden aus arabischen Familien stammen – habe sie dort zu unterrichten. „Du Jude, verrekke“, würde einer ebenfalls jüdischen Lehrer-Kollegin regelmäßig auf der Straße hinterhergerufen, seit sie sich einmal mehr oder weniger aus Versehen zu ihrem Glauben bekannte. Sie selbst traue sich nicht einmal, ihren Schülern die israelischen Vornamen ihrer Kinder zu verraten. Würde sie das Thema Israel oder Judentum im Unterricht anschneiden, hätte sie sogleich eine kleine Intifada im Klassenraum.

Drei junge Palästinenser wollten im Juli 2014 aus der „kleinen“ Intifada eine große machen. Sie versuchten, mit Gasflaschen voller Dieseltreibstoff eine Syna-goge in Wuppertal in Brand zu setzen. Gefasst wurden sie, als einer der Täter den Feuerwehreinsatz mit seinem Handy filmte und die Szenen begeistert auf Arabisch kommentierte. Er führte die Polizisten dann auf die Spur der anderen beiden. Ein Schöffengericht verurteilte die drei Anfang letzten Jahres zu Bewährungsstrafen, weil es – für Prozessbeobachter völlig unverständlich – keinen antisemitischen Hintergrund erkannt hatte. Gerade wird der Fall neu verhandelt. Der Staatsanwaltschaft war das Strafmaß für einen Fall von schwerer Brandstiftung denn doch zu niedrig.

Die milden Urteile aber passen zur allgemeinen Haltung gegenüber dem Gedankengut moslemischer Zuwanderer – gleich ob sie bereits in Deutschland geboren wurden oder erst noch zu Hunderttausenden in den Asylbewerberheimen auf eine Bleibeerlaubnis spekulieren. In der Märchenwelt der Willkommenskultur hat der Antisemitismus der Ankommenden keinen Platz. In kindlicher Schlichtheit sind hier die Rollen klar verteilt. Dankbarkeit und Güte haben die Zuwanderer im Herzen zu tragen, aber nicht so etwas Abstoßendes wie Judenhass. Der muss schließlich den Dunkeldeutschen vorbehalten bleiben, jenen hartleibigen und verachtenswerten Landsleuten, von denen man sich mit seinen Refugees-Are-Welcome-Schildern so schön abgrenzen kann.

Im bonbonfarbenen Disneyland der Barmherzigkeit  überdeckt die Wahrheit eine dicke, klebrige Schicht Zuckerguss. Nur manchmal schimmert sie darunter hervor – etwa wenn Salomon Korn, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, den offensichtlich peinlich berührten Innenminister Thomas de Maizière bei einer Veranstaltung bestürmt, endlich die Besorgnisse der jüdischen Gemeinden ernstzunehmen. Viele Asylbewerber würden aus Ländern kommen, in denen die Feindschaft gegen Juden und Israel zur Staatsdoktrin gehöre. Es würde mehrere Generationen brauchen, solche kulturfremden Menschen in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.

Der Hass auf alles Jüdische ist ihnen schon von Kindesbeinen an eingeimpft worden – zum Beispiel vor einigen Jahren im Fernsehen mit der syrischen Vorabendserie „Al-Ash Shatat“. In 29 Folgen wies das antiseptische Machwerk den Juden die Schuld an nahezu allen Katastrophen der Neuzeit zu, unter anderem an der Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand 1914 in Sarajewo und am Abwurf der Atombomben auf Nagasaki und Hiroschima. Im Abspann jeder Folge wird dem syrischen Verteidigungsministerium, dem Kulturministerium und der Polizei von Damaskus für die freundliche Unterstützung gedankt. Beim Internet-Videoportal You-Tube sind einige Folgen auch heute noch zu sehen. Tausende haben sie sich dort bereits angeschaut.

Unerwähnt bleibt in „Al-Ash Shatat“ allerdings ein besonders düsteres Geschichtskapitel: Das erste Judenpogrom auf europäischem Boden fand 1066 in Spanien im islamisch regierten Granada statt. Mehr als 1500 jüdische Familien metzelte die moslemische Bevölkerung damals nieder.              Frank Horns


Frankreichs Justizministerin zurückgetreten
Christiane Taubira aus Französisch-Guayana solidarisiert sich mit Terroristen mit Doppelpass

Christiane Taubira ist als französische Justizministerin zurückgetreten. Mit der Schwarzen aus dem Überseedépartement Guyana verliert Präsident Hollande eine seiner schillerndsten, aber auch umstrittensten Ministerinnen.

Das Leitmotiv von Taubiras politischem Engagement ist der Hass auf die weiße, christlich geprägte französische Zivilisation. Sie begann ihre politische Karriere in den 1970er Jahren im Dunstkreis terroristischer guyanischer Unabhängigkeitskämpfer. Bis 1998 war Taubira mit dem rechtskräftig verurteilten Terroristen Roland De-lannon liiert, ab 1987 sogar verheiratet. Während dessen eineinhalbjähriger Haft ging sie 1974 in den Untergrund. In der Assemblée Nationale, dem Abgeordnetenhaus, sitzt sie seit 1993 als guyanische Abgeordnete. Als solche verlangte sie 2001 von der damaligen sozialistischen Justizministerin Marylise Lebranchu die Verurteilung ihres Sohnes Lamine wegen Mittäterschaft an einem Raubüberfall aus dem Strafregister zu streichen.

Taubira ist verantwortlich für das 2001 angenommene „Gesetz zur Anerkennung des transatlantischen Sklavenhandels als Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Seither ist der 10. Mai offizieller Gedenktag der Sklaverei und das Studium des europäischen Sklavenhandels verbindlicher Teil des Geschichtsunterrichts. Auf der Grundlage dieses Gesetzes versuchte 2006 ein „antirassistisches“ Kollektiv mit Taubiras Unterstützung, dem renommierten, aber politisch unkorrekten Historiker Olivier Pétré-Grenouilleau die Lehrbefugnis zu entziehen.

2012 ernannte Präsident Hollande Taubira zur Justizministerin. Auf Kritik an ihren Gesetzesprojekten und ihrer Amtsführung antwortete sie wahlweise mit dem Rassismus- oder mit dem Sexismus/Homophobievorwurf. Anne-Sophie Leclère, eine Lokalpolitikerin des Front National, wurde 2014 in erster Instanz wegen einer Fotomontage auf ihrer Facebook-Seite, die Taubira als Affen zeigte, zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung und einer Geldbuße von 50000 Euro verurteilt. (Das Urteil wurde später zu Taubiras Bedauern vom Berufungsgericht aufgehoben.) Auch die Gegner der sogenannten Homo-Ehe, in deren Einführung die Freimaurerin Taubira einen „Zivilisationswechsel“ sieht, bekamen ab 2013 die volle Härte des Gesetzes zu spüren. Friedliche Proteste wurden durch die Polizei gewaltsam aufgelöst und gegen den Studenten Nicolas Bernard-Buss wurde ein Schauprozess ohne straf- oder zivilrechtliche Grundlage geführt, der für den Angeklagten in einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung und einem Strafregistereintrag als „besonders gefährlicher Krimineller“ mündete. Parallel dazu forderte Taubira per ministeriellem Rundbrief die Zivilstandesbeamten dazu auf, geltendes Recht zu umgehen und den im Ausland von Leihmüttern geborenen Kindern schwuler Paare großzügig die französische Staatsbürgerschaft zu verleihen.

Im Bereich des Strafrechts propagierte Taubira von Anbeginn an einen Paradigmenwechsel weg von Strafe und Gefängnis hin zur „gesellschaftlichen Verantwortlichkeit“ für das Abgleiten in die Kriminalität, insbesondere bei Immigranten, die das Gros der Gefängnisinsassen stellen. Seit ihrer Strafrechtsreform von 2014 sind die Richter dazu angehalten, bei Vergehen, die mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden können, alternative Strafen der Haft vorzuziehen. Für Wiederholungstäter schaffte Taubira strafverschärfende Maßnahmen ab und führte stattdessen für alle Gefangenen die systematische vorzeitige Entlassung unter Auflagen nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haft ein. Diese Maßnahmen veranlassten das Gefängnispersonal, die Polizisten und Gendarmen sowie die Anwälte wiederholt zu Protesten.

Einen sehr klaren Einblick in Taubiras Weltbild erlaubt ein Interview mit der Zeitschrift „Paris Match“ vom 6. Mai 2015, in dem die Justizministerin erklärte: „Die Kinder, die mir ähneln, haben alle Legitimität der Welt. Sie [die Rassisten = die Weißen] werden sich daran gewöhnen müssen. Die Vernunft wird sie lehren einzusehen, dass die Leute, die mir ähneln, zahlreicher sind. Und dass es besser für sie ist, diese nicht zu sehr herauszufordern.“

Jetzt trat Taubira aufgrund der von Präsident Hollande geplanten Verfassungsreform zur Aberkennung der Staatsbürgerschaft zurück, denn von dieser Maßnahme sind vor allem des Terrorismus überführte Doppelstaatler und weniger „Bio-Franzosen“ mit nur einer Staatsbürgerschaft betroffen. Taubira sieht darin eine Diskriminierung der Immigranten. „Manchmal bedeutet Widerstand zu bleiben, manchmal zu gehen“, waren ihre Abschiedsworte auf Twitter.        Eva-Maria Michels


MELDUNGEN

Sieg und Austritt bei der AfD

Hamburg – Die AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft hat sich vor dem Landgericht Hamburg gegen die „Hamburger Morgenpost“ durchgesetzt. Eine Grünen-Abgeordnete hatte in einer Bürgerschaftsdebatte geäußert, dass es in Zukunft keine ethnische Mehrheit – gemeint waren die Deutschen – in Hamburg mehr geben werde und das sei „gut so“. In ihrem Beitrag über die Debatte berichtete die Zeitung, es habe daraufhin seitens der AfD-Fraktion „wilde Pöbelei“ gegeben. Das Protokoll und Videomitschnitte der Sitzung beweisen jedoch, dass dem nicht so war. Das Landgericht hat der „Morgenpost“ nun per einstweiliger Verfügung untersagt, diese Aussage weiterhin zu verbreiten. Zuvor hatte die „Morgenpost“ das Angebot einer außergerichtlichen Klärung abgelehnt. Gegen die Entscheidung kann sie Rechtsmittel einlegen, nach Ansicht der AfD sei die Beweislage aber „von vornherein klar“, so dass die Zeitung damit keinen Erfolg haben werde. Unterdessen hat der Bürgerschaftsabgeordnete Ludwig Flocken seinen Austritt aus der AfD-Fraktion erklärt. Dem waren lange Querelen mit seinen Fraktionskollegen vorausgegangen. Unter anderem hatte Flocken in einer Anfrage zu den Ereignissen in der Silvesternacht geschrieben: „Angehörige verschiedener nach Deutschland eingedrungener Ethnien erniedrigen Menschen unserer westlichen Kultur.“ Daraufhin wurden ihm Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen. Auch wurden ihm seine Teilnahme an Pegida-Demonstrationen und seine Kritik am Fraktionsvorsitzenden Jörn Kruse verübelt, der sich für drei Monate zur Begleitung seiner Frau in die USA abgemeldet hat. Schließlich bereitete die Fraktion ein Ausschlussverfahren gegen Flocken vor, dem er mit seinem Schritt zuvorgekommen ist. Mit dem Austritt Flockens, der fraktionsloser Abgeordneter bleiben will, hat die AfD-Bürgerschaftsfraktion nur noch sieben Mitglieder.  J.H.

 

Neue Schläge der Gotteskrieger

Jakarta – Indonesien ist nach jahrelanger Pause das Ziel eines islamistischen Terroranschlags geworden. Dass auch das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt angegriffen wurde, beweist erneut, dass für den IS nicht der Koran entscheidend ist, sondern allein seine eigene Weltanschauung. Die Zahl der Gotteskrieger in Indonesien wird auf 500 geschätzt. Ihr Leiter und Drahtzieher jener Aktion ist Bahrun Naim, von dem auch die etwa 200 IS-Mitglieder in Malaysia ihre Anweisungen erhalten haben. Größere Sorgen hat offensichtlich Russland mit seinen rund 20 Millionen Muslimen. Von ihnen haben sich 5000 bis 7000 dem Dschihad in Syrien ange-schlossen. Dazu zählen insbeson-dere rund 2400 Kämpfer aus dem Kaukasus-Gebiet, wo man seit Stalins Zeiten nach Unabhängig-keit strebt. Aktive Gotteskrieger sieht man in Syrien aber ebenfalls aus Usbekistan, Tadschikistan und Kasachstan. Thailand lieferte vor einiger Zeit 106 Liguren aus Sinkiang den chinesischen Be-hörden aus, auch sie wollten sich dem „Heiligen Krieg“ in Syrien anschließen. Es gilt heute als erwiesen, dass die Dschihadisten im Besitz von chemischen und biologischen Waffen – vor allem Senfgas – sind.    F.W.S.


S. 3 Deutschland

Narrenspiel mit dem Wetter
Absage der Karnevalszüge war voreilig und unnötig – Wetterdienst hat versagt

Die Diskussion um die Absage vieler Umzüge entlang des Rheins erhitzt unverändert die Gemüter. War sie notwendig und begründet? Dies können nicht die Organisatoren beantworten, sondern nur der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Der DWD verbreitete am Sonntag um 18.30 Uhr die Meldung, dass am Vormittag des Rosenmontag von Windstärken um 7 und 8 auszugehen sei. Danach, also ab Mittag, könnten sie sich auf 9 und gegen 15 Uhr sogar auf 10 steigern. Solch eine präzise Vorhersage konnten die Organisatoren, in Mainz der MCV, nicht ignorieren und bliesen den Rosenmontagszug ab.

Doch die Wetter-Wirklichkeit entsprach bei Weitem nicht der Wetter-Vorhersage! Was aber bewegte den Wetterdienst zu einer selten detaillierten Prognose? Er meldete schon am 2. Februar, dass sich ein Orkantief nähere und ausgerechnet am Rosenmontag eintreffe. Nordwestlich von Neufundland tauchte ein Tief auf, das sich nach amerikanischen Computermodellen zu einem Orkantief entwickeln und Kurs auf die Deutsche Bucht nehmen sollte. Es wurde „Ruzica“, Rös­chen, getauft. Das „Röschen“ entwickelte sich prächtig zum Orkan und lag am 7. Februar im Seegebiet zwischen Island und Irland. Seine Kaltfront verlief über England entlang des Null-Meridians bis zu den Pyrenäen. Doch die westliche Höhenströmung trieb es nicht in die Deutsche Bucht, sondern gegen die norwegische Küste.

Damit war sicher, dass kein Or­kantief kommen würde. Aber auch entlang der Kaltfront zeigten sich, von Satellitenfotos bestätigt, keinerlei Auffälligkeiten. Weder extremer Regen noch extreme Stürme wurden aus Frankreich gemeldet. Eine Verschlimmerung war nicht in Sicht, so dass die Züge hätten stattfinden können. Die Wetterlage war keinesfalls mit der am 25. und 26. Januar 1990 zu vergleichen, als das Sturmtief „Daria“ Rosenmontagsumzüge zum Abbruch zwang. Dennoch kam um 18.30 Uhr die Orkanwarnung durch den Wetterdienst.

Das Wetter am Rosenmontag machte nicht das, was es hätte tun sollen. Mit einer schwachen Warmfront am Vormittag fiel etwas Regen und der Wind frischte böig auf. Trotz Umzugsverbots organisierte um 13 Uhr die Mainzer Ranzengarde einen Gardespaziergang bei zeitweiligem Sonnenschein durch die Innenstadt. Gegen 15.30 Uhr folgte der Durchzug der Kaltfront bei etwas stärkerem Regen, aber auch ohne schwere Sturm- oder Orkanböen. In Köln verlief der Umzug reibungslos. In Düsseldorf war der Umzug abgesagt worden wegen des Orkans „Ruzica“, doch um das Rathaus, welch Narretei, stellte man bei Sonnenschein die Motivwagen auf, zum Gaffen.

Es ist nun interessant, wie der Wetterdienst über seine Meteorologen reagierte. Lars Kirchhübel verteidigte die Prognose. Dies tat auch Björn Alexander und meinte, Düsseldorf und Köln hätten nur Glück gehabt: „Köln ist durch die Eifel geschützt“. Carsten Schwanke (ARD) twitterte: „Die Absage von Düsseldorf – für mich ein Rätsel!“ Wenn aber Köln von der Eifel geschützt wird, warum dann Mainz nicht von Taunus, Hunsrück und Pfälzer Wald? Kennt man die Topographie nicht? Deren Schutz reichte bis zum Frankfurter Flughafen, dessen Betrieb bis in den späten Nachmittag völlig normal verlief. Die witzigste Rechtfertigung lieferte Jörg Kachelmann. Er meinte, dass es auch das „Risiko eines Tornados in Düsseldorf mit Toten“ hätte geben können. Er ist eben Wetter-Entertainer und kein Meteorologe.

Wenn ohne Angabe von Ort und Zeit der Wetterdienst in Deutschland eine Böe von 101 Kolimetern pro Stunde als Rechtfertigung seiner Orkanwarnung heranzieht, dann ist dies nur eine theoretische Rechtfertigung, denn Wettervorhersagen sollen konkret sein. Verbale Übertreibungen haben bei Wetterberichten nichts zu suchen. Drei Grad sind nicht „mild“, 15 Grad nicht „warm“, die Wolken haben „keinen Regen im Gepäck“. Wetterberichte sollen die Menschen sachlich neutral informieren, weder Angst noch Illusionen verbreiten. Maßlose Übertreibungen haben darin nichts zu suchen. Man kann sich auch, wie früher üblich, für fehlerhafte Vorhersagen entschuldigen und ihr Zustandekommen erklären. Ein Computer hat keine eigene Intelligenz, er kann nicht irren. Aber dies können Menschen, die seine Ergebnisse ohne Abgleich mit der Wirklichkeit blind übernehmen.

Was soll nun gemacht werden? Fastnacht ist an die Fastenzeit wie das Osterfest gebunden und kann nicht willkürlich verlegt werden. Der Karneval in Rio findet auch nicht im dortigen Winter statt, bei weniger Hitze und der Gefahr von Tropengewittern. Und wer kann garantieren, dass bei einem sommerlichen Termin nicht auch wieder eine Kaltfront mit Gewittern, die ja heute alle ein hohes Unwetterpotenzial „im Gepäck“ haben, mit Hagel und schweren Sturmböen, den Zug vereitelt? Man denke nur an den Rheinlandpfalztag 2012 in Ingelheim, bei dem der Festumzug am Sonntag, 3. Juni, total verregnet war und in Regenfluten versank.

Der Bürger wünscht sich wieder mehr Seriosität bei den Wetterberichten. Er weiß um die Wechselhaftigkeit wie Unbeständigkeit des Wetters. Sich adäquat sofort den aktuellen Gegebenheiten anzupassen und nicht „blind“ Warnungen auszusprechen, dafür ist der DWD eigentlich da.   Wolfgang Thüne


Neuauflage wahrscheinlich
Sachsen-Anhalt: Alles spricht für Große Koalition nach der Landtagswahl

Von den drei Landtagswahlen, die am 13. März stattfinden, steht die in Sachsen-Anhalt im Schatten von denen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Dies liegt auch daran, dass es wenig Zweifel daran gibt, dass Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) sein schwarz-rotes Bündnis mit der SPD wird fortsetzen können. Letzten Umfragen zufolge lag die Union bei 33 Prozent, die Linke und die SPD bei jeweils 19 Prozent und die Grünen bei lediglich fünf Prozent. Da die FDP aller Voraussicht nach erneut an der Sperrklausel scheitern wird und eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen wurde, bleibt nur noch eine Wiederauflage der Großen Koalition. „Wachstum, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit“ – das waren die zentralen Ziele, die CDU und SPD sich am 18. April 2011 bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages vorgenommen hatten. Immerhin ist es der Koalition gelungen, Schulden zu tilgen und keine neuen zu machen. Die Opposition kritisiert, dass Haseloff und seine Mannschaft Polizei und Schulen kaputt gespart hätten. Dagegen beklagt der Rechnungshof einen zu geringen Schuldenabbau. Angesichts eines weiterhin bei 20 Milliarden Euro liegenden Schuldenberges und üppiger Steuereinnahmen seien weitere Einsparpotenziale vorhanden gewesen.

Doch überlagert wird der Wahlkampf – wie andernorts auch – von der Zuwanderungskrise. Führende Sozialdemokraten hadern mit dieser Tatsache, eigentlich galt als ausgemacht, dass der eher blass daherkommende Haseloff mit einem rot-rot-grünen Bündnis aus dem Amt gedrängt werden sollte. Doch die vorhergesagten Zuwächse der AfD gehen zulasten der Sozialdemokraten. Die CDU kann offenbar ihr Ergebnis von 2011 halten, was auch damit zusammenhängt, dass der Ministerpräsident einen Konfrontationskurs gegen Kanzlerin Angela Merkel gefahren hat. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sprach er von einem „Kontrollverlust, der nicht länger hinnehmbar ist“, und warnte davor, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippe. Kaum verhohlen war dabei die Kritik an Merkel. Innenminister Holger Stahlknecht, Haseloffs Mann fürs Grobe, äußerte fast zeitgleich, bei der AfD handele es sich „um eine bürgerliche Partei, die aber noch Zeit zur Entwicklung benötigt“. Das Kalkül der CDU ist klar. Man gibt vor, die Sorgen und Nöte der Bürger ernst zu nehmen und ist bemüht, die Wut auf „die da oben“ nicht noch größer werden zu lassen.

Für die SPD ist die Situation dagegen ein echtes Dilemma. Die Landespartei ist schlecht aufgestellt, die Spitzenkandidatin Katrin Budde führt zwar seit zehn Jahren die Landtagsfraktion, sonderlich populär ist sie allerdings nicht. Einen bitteren Schlag mussten die Genossen schon vor Beginn des Wahlkampfs hinnehmen. Lutz Trümper, populärer Oberbürgermeister von Magdeburg, verließ Ende des vergangenen Jahres die Partei, für die er drei Mal eine Direktwahl gewonnen hatte. Er wolle sich in der Flüchtlingsfrage nicht länger den Mund verbieten lassen, sagte Trümper. Die Befürchtung, er könne sich der AfD anschließen, erfüllte sich dann aber doch nicht.

Doch auch ohne den prominenten Zugang könnte die Ausgangslage für die AfD kaum besser sein. In allen bisher veröffentlichen Umfragen liegt sie deutlich im zweistelligen Bereich, der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Andre Poggenburg hält sogar „ein Ergebnis von mehr als 20 Prozent für möglich“. Dabei ist der 40-Jährige das eigentliche Problem seiner Partei. Im Bundesvorstand gilt er als Sprachrohr des Thüringers Björn Höcke, beide gelten als Exponenten des deutschnationalen Flügels der Partei. Das alles wäre für die Führung noch zu ertragen gewesen, wären nicht Meldungen über mehrere Haftbefehle gegen den Dessauer ans Tageslicht gelangt. Nachdem er sich noch Anfang des Jahres in einem Interview als „erfolgreicher Unternehmer, der nicht auf die Politik angewiesen ist“ bezeichnete, musste er kürzlich einräumen, dass er seine Firma bereits abgewickelt habe. Nach einer Krisensitzung sprach der Landesvorstand seinem Spitzenkandidaten zwar das Vertrauen aus, doch es wird angezweifelt, dass Poggenburg bei einem zu erwartenden Wahlsieg die Fraktion wird führen dürfen. Doch der Popularität im Lande haben diese Querelen bisher keinen Abbruch getan. Einige in der AfD träumen sogar davon, vor der Linkspartei zweitstärkste Kraft zu werden. Deren Spitzenkandidat Wulf Gallert hatte angesichts der Schwäche der SPD schon davon geträumt, er könne nach dem Thüringer Bodo Ramelow zweiter Ministerpräsident der Linkspartei werden. „Ich glaube, dass wir in diesem Wahlkampf über die Grundausrichtung der Gesellschaft diskutieren müssen“; sagt Gallert. Peter Entinger


Kurz ist besser
Wiens Tabubrüche zugunsten Deutschlands

Ein Kernziel der Bundesregierung war es bisher, innerhalb der EU einen permanenten Verteilungsschlüssel für Asylbewerber zu etablieren. Nachdem schon wichtige osteuropäische Länder gegen einen Umverteilungsmechanismus opponiert hatten, hat sich nun auch noch Frankreich gegen eine Kontingentlösung ausgesprochen. Festgefahren scheint auch der von der Bundesregierung verfolgte Ansatz zu sein, die Türkei zur Verhinderung illegaler Zuwanderung als Partner einzubinden. So hat die  EU weder zugesagte drei Milliarden Euro nach Ankara überwiesen,  noch nimmt die Türkei wie verabredet illegale Zuwanderer aus Griechenland zurück. Auf dem Tisch liegt nun sogar die türkische Forderung nach mehr Geld von der EU und der Wunsch, über die Mittel aus Brüssel frei verfügen zu können. Zu befürchten ist damit: Wenn Brüssel Geld überweist, ist keineswegs sichergestellt, dass Ankara damit die Lage von syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen verbessert oder seine Grenzen besser sichert.

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) setzt wie die Regierungen Ungarns, Polens, Tschechiens und sogar der Slowakei darauf, die Balkanroute notfalls sogar über die Stationierung österreichischer Polizisten oder Soldaten in Mazedonien zu schließen. Ebenso wurde in Wien eine Obergrenze für Asylanten beschlossen, die man in Berlin immer noch vehement ablehnt. Die österreichische Regierung hat mittlerweile noch andere Tabus gebrochen, an denen man in Berlin weiterhin festhält. So scheut sich Außenminister Kurz zur Eindämmung der Zuwanderungsflut nicht, notfalls auch mit der Regierung Orban in Budapest zu sprechen oder Griechenlands Versagen an der EU-Außengrenze offen zu kritisieren.

Insgesamt zeichnet sich ab, dass das Agieren von Österreichs Außenminister in Sachen Balkanroute faktisch den Interessen der deutschen Bevölkerung sehr viel mehr nützt als die realitätsfern anmutenden Bemühungen der mit ihrer Politik gescheiterten Berliner Regierung. Paradoxerweise könnte auch sie von dem pragmatischen Vorgehen Wiens profitieren: Gelingt die Abriegelung der Balkan-Route, wird sich der Asylbewerberzustrom in die Bundesrepublik spürbar vermindern. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel bliebe so das Eingeständnis eines Scheiterns in Sachen „europäische Lösung“ erspart. Kurz ist der bessere Außenminister für Deutschland.     N.H.


MELDUNGEN

Mehr Jugendliche beim Bund

Berlin – In der Bundeswehr dienen nach Angaben der Bundesregierung immer mehr Minderjährige. Demnach ist die Zahl der Soldaten unter 18 Jahren von 689 im Jahr 2011 auf 1515 im Jahr 2015 gestiegen. Nach Ansicht der Regierung ist die Rekrutierung von Soldaten vor Vollendung des 18 Lebensjahr völkerrechtskonform. Minderjährige könnten nur mit Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertreter den Wehrdienst antreten. Gemäß der UN-Kinderrechtskonvention dürften Minderjährige in den deutschen Streitkräften außerhalb der Ausbildung keine Funktion ausüben, bei der sie zum Gebrauch der Waffe gezwungen sein könnten, und dürften auch nicht an Auslandseinsätzen teilnehmen. Der Gebrauch der Waffe sei allein auf die Ausbildung beschränkt und unterliege einer strengen Aufsicht. U.M.

 

Kulturgüter unter stärkerem Schutz

Berlin – Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur umstrittenen Verschärfung der Ein- und Ausfuhrbestimmungen für Kulturgüter beschlossen. Grundsätzlich verboten sein soll die Einfuhr von Gütern, wenn diese von den Herkunftsländern als nationales Kulturgut eingestuft wurden. Der Export von Kulturgütern innerhalb des EU-Binnenmarktes soll abhängig von Art, Wert und Alter des Kulturgutes genehmigt werden müssen. So soll beispielsweise die Ausfuhr von Gemälden ab einem Alter von 70 Jahren und einem Wert von 300000 Euro genehmigungspflichtig sein. Für archäologische Güter oder Bestandteile von Bau- und Kulturdenkmälern soll eine Altersgrenze von 100 Jahren unabhängig vom Wert gelten. Untersagt werden soll die Ausfuhr, wenn ein Werk in das Verzeichnis der „national wertvollen Kulturgüter“ eingetragen ist. Über die Eintragung soll eine Kommission entscheiden.     J.H.


S. 4 Abu Sajaf

Abu Sajaf ruft IS-Provinz aus
Auf die Regierung der Philippinen warten gänzlich neue Herausforderungen

Zahlreiche muslimische Terrorgruppen in aller Welt haben sich bereits dem „Islamischen Staat“ (IS) und seinem Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi unterstellt. Das trifft auch auf die militante philippinische Untergrundorganisation Jamaah Abu Sajaf (Gemeinschaft des Vaters des Schwertträgers) zu.

Ihr derzeitiger Anführer, Isnilon Totoni Hapilon, schwor den formellen Treueeid bereits am 23. Juli 2014. Dem folgte nun vor wenigen Tagen die Ausrufung eines Wilayat, also einer Provinz des „Islamischen Staates“, auf der Insel Mindanao unter Bezugnahme auf genau diesen Schwur. Welche Konsequenzen die neuerliche formelle Ausweitung des Machtbereiches von al-Baghdadi dann tatsächlich in der Praxis haben wird, ist fraglich.

Immerhin ist die Abu Sajaf ja nur eine relativ kleine Splittergruppe innerhalb der breitgefächerten oppositionellen Bewegung, die danach strebt, den südlichen Teil der bisher noch stark katholisch geprägten Philippinen zu islamisieren. Sie steht im Schatten der Islamischen Befreiungsfront der Moros (MILF, Moro Islamic Liberation Front). Dieser ebenso großen wie erfolgreichen islamistischen Bewegung auf den südlichen Philippinen ist es kürzlich nach jahrzehntelangen bürgerkriegsähnlichen Kämpfen gelungen, ein höchst vorteilhaftes Abkommen mit der Regierung in Manila zu vereinbaren, das der muslimischen Minderheit im Lande, die nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung ausmacht, eine Autonomieregion von einem Zehntel des Staatsgebietes zubilligt. Darüber hinaus muss sich die Abu Sajaf gleichfalls noch gegenüber anderen dschihadistischen Gruppierungen der Philippinen wie der Terrormiliz Bangsamoro Islamic Freedom Fighters (BIFF) profilieren. Das versucht sie zu erreichen, indem sie mit besonderer Grausamkeit gegen Christen vorgeht, wozu Enthauptungen und andere Verbrechen gehören.

In der Vergangenheit erhielt die Abu Sajaf viel Geld von Seiten der Al-Kaida. Um die Kriegskasse zu füllen, verübte die Abu Sajaf auch diverse Geiselnahmen und Auftragsmorde. Dazu kommen neuerdings Verwicklungen in den internationalen Drogen- und Menschenhandel sowie Kinderprostitution. Deshalb rechnen manche Beobachter wie Tony La Viña von der Ateneo School of Government in Manila die Abu Sajaf eher dem organisierten Verbrechen als der muslimischen Terrorszene zu und stufen deren Mitglieder als bloße „Trittbrettfahrer“ des „Islamischen Staates“ ein, die weder nennenswerte ideologische Ziele verfolgen noch Anziehungskraft auf diejenigen Moslem-Separatisten ausüben, denen die Autonomieversprechen Manilas immer noch nicht weit genug gehen.

Daraus ergeben sich zwei mögliche Zukunftsszenarien: Entweder erlangt die Abu Sajaf mit al-Baghdadi im Rücken jetzt ein merklich größeres Gewicht innerhalb der antichristlichen Opposition auf den Philippinen oder der „Islamische Staat“ sucht sich andere, potentere Bündnispartner, nachdem er mit Hilfe Hapilons Fuß in dem südostasiatischen Land gefasst hat. In jedem Fall aber warten auf die Regierung von Benigno Aquino, die froh gewesen war, einen tragfähigen Kompromiss mit den verhandlungsbereiten Islamisten gefunden zu haben, nun gänzlich neue Herausforderungen. Und damit wird sie in der Region wohl nicht mehr lange alleine dastehen, denn mittlerweile mehren sich die Anzeichen dafür, dass der „Islamische Staat“ auch in den muslimisch dominierten Nachbarländern Malaysia und Indonesien an Zulauf gewinnt. 

                Wolfgang Kaufmann


Spezialität Entführungen
Die Liste der Gewalttaten enthält aber auch Bombenanschläge

Die Liste der Gewalttaten der Jamaah Abu Sajaf ist lang und beginnt mit dem Attentat auf das christliche Hilfs- und Missionsschiff „Doulos“ im Hafen von Zamboanga, bei dem im August 1991 die Schwedin Sofia Sigridsson und die Neuseeländerin Karen Goldsworthy ums Leben kamen. Weitere spektakuläre Aktionen waren der Angriff auf die von Katholiken bewohnte Stadt Ipil, der 53 Tote forderte, sowie die beiden Bombenanschläge vom 5. März 2003 und 27. Februar 2004. Im ersten Falle wurde der Flughafen Francisco Bangoy International in Davao attackiert, im zweitgenannten detonierte eine Sprengladung an Bord des Schiffes „Super Ferry 14“ in der Bucht von Manila. Dabei starben insgesamt 137 Menschen.

Eine besondere Spezialität der Abu Sajaf ist die Entführung ausländischer Touristen und Journalisten. Dabei traf es mit Renate, Werner und Marc Wallert, den Seglern Stefan Okonek und Henrike Dielen sowie dem „Spiegel“-Reporter Andreas Lorenz auch schon Deutsche. Diese kamen allesamt gegen die Zahlung von Lösegeld beziehungsweise durch diplomatische Interventionen frei.

Weniger Glück hatten hingegen die Einheimischen, die immer wieder in Gruppen verschleppt und dann getötet wurden, weil kein oder nicht genügend Geld floss oder die Entführer einfach ihrem Hass auf Andersgläubige freien Lauf ließen wie bei der Enthauptung von sieben Christen im Jahre 2009. Dabei mordete die Terrormiliz schon sehr früh auf diese Art, womit sie den Schlächtern des „Islamischen Staates“ deutlich in der Zeit voraus war.

Insgesamt beging die Abu Sajaf einige Dutzend größere Bombenanschläge und andere Attentate sowie mehrere hundert Entführungen. Dabei kamen mindestens 500 Menschen ums Leben. Das letzte bekanntgewordene Opfer der Islamisten ist der 39-jährige malaysische Ingenieur Bernhard Then, der am 15. Mai 2015 aus einem Fischlokal in Sandakan gezerrt und im November auf der Insel Jolo geköpft wurde. Grund für letzteres sollen Streitigkeiten um die Höhe des Lösegeldes gewesen sein.             W.K.


Kampfgruppe einer Lehrer-Gründung

Nachdem die Philippinen im Juli 1946 ihre Unabhängigkeit erlangt hatten, eskalierten die traditionellen Konflikte zwischen den dortigen Christen und Muslimen. Letztere gehörten meist zu den Volksgruppen der Maguindanao, Maranao und Tausig und wurden pauschal Moros (Mauren) genannt. Sie strebten nach Unabhängigkeit, was dann Ende der 1960er Jahre zur Bildung von bewaffneten Oppositionsgruppen führte. An deren Spitze stand die Nationale Befreiungsfront der Moros (MNLF, Moro National Liberation Front), die mit der Zeit einen immer nachgiebigeren Kurs einschlug und 1987 schließlich die von der Präsidentin Corazon Aquino angebotene Teilautonomie für die muslimischen Regionen im Süden des Inselstaates akzeptierte. Damit schlug die Stunde der wesentlich radikaler auftretenden MILF, die sich 1977 von der MNLF abgespalten hatte. Sie erklärte die Fortsetzung des „Heiligen Krieges“ gegen Manila.

Gleichfalls gegen Kompromisse war Abdurajik Abubakar Janjalani. Der ehemalige Arabisch-Lehrer gründete die islamische „Erneuerungsbewegung“ namens Al-Harakat al-Islamiya (Die Islamische Bewegung), aus der dann 1991 die Kampfgruppe Abu Sajaf hervorging. Deren Bezeichnung stellte eine ausdrück­liche Hommage an Abdul Rab Rasul Sajaf dar. Der ehemalige Kabuler Theologieprofessor war der Kommandeur der afghanischen Mudschaheddin-Einheit gewesen, in der Janjalani gegen die sowjetischen Besatzer gekämpft hatte.

Janjalani strebte wie die MILF die Vertreibung sämtlicher Christen aus dem südlichen Drittel der Philippinen an und agierte dabei höchst brutal. Er führte die Organisation, bis er am 18. Dezember 1998 bei einem Schusswechsel mit Regierungssoldaten starb. Danach übernahm sein damals 23-jähriger Bruder Khaddafy das Kommando, der wenige Jahre später ebenfalls bei Kämpfen getötet wurde. Seitdem steht Isnilon Totoni Hapilon an der Spitze von Abu Sajaf.                W.K.


Zeitzeugen

Isnilon Totoni Hapilon alias Abu Musab alias Sol alias Salahuddin – Obwohl die USA ein Kopfgeld von 230 Millionen philippinischen Pesos (fünf Millionen Dollar) auf den Kopf des derzeitigen Anführers von Abu Sajaf ausgesetzt haben, konnte er bislang nicht gestellt werden. Dabei soll der 49-Jährige nach Erkenntnissen von US-Geheimdiensten gesundheitlich angeschlagen sein – so wird von einem Schlaganfall gemunkelt.

Voltaire T. Gazmin – Für den phi­lippinischen Verteidigungsminister und früheren kommandierenden General des Heeres steht fest, dass die Führung in Manila in keinerlei Verhandlungen mit Hapilon und dessen Anhängern eintreten werde: „Abu Sajaf macht nur Propaganda, und unsere Regierung wird nicht auf die Forderungen dieser Terroristen eingehen.“

Ghalib Andang alias Commander Robot – Im Jahre 2000 leitete der frühere Kinokartenabreißer die Entführung von 22 westlichen Geiseln, darunter auch der Göttinger Familie Wallert, aus einer Ferienanlage auf Sipadan. Er wurde 2003 gefasst, weil ihn ehemalige Abu-Sajaf-Leute für 8000 US-Dollar verraten hatten. Andang, der bei der Festnahme sein linkes Bein verlor, starb am 15. März 2005 während eines Gefängnisaufstands in Manila.

Edwin Angeles – Als Mitbegründer und stellvertretender Chef von Abu Sajaf war er für die Planung der Terroranschläge verantwortlich. Seine vierte Ehefrau, Elmina Abdul, schwor im März 2002 auf dem Totenbett gegenüber dem Reporter Dorian Zumel Sicat von der „Manila Times“, ihr Mann sei ein Agent des philippinischen Geheimdienstes Department of National De­fense (DND) gewesen. Angeles starb am 14. Januar 1999 unter mysteriösen Umständen.

John Joseph „Black Jack“ Pershing – Der neben George Washington einzige Inhaber des Ranges General of the Armies of the United States  schlug 1913 einen Aufstand der muslimischen Moro-Rebellen auf den Philippinen nieder. Selbige hatten seit 1899 gegen die US-Präsenz und das Christentum sowie für die Aufrechterhaltung der Sklaverei gekämpft. Die Abu Sajaf sehen sich als Erben dieser Terroristen der ersten Stunde.


S. 5 Preussen/Berlin

»Neue Stufe der Gewalt«
Linksextreme »Terroraktionen« treffen zunehmend auch Politiker etablierter Parteien

Berlin erlebt eine neue Welle linker Gewalt. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg steht dabei im Zentrum, die Szene um Rigaer und Köpenicker Straße ist ihr regelmäßiger Ausgangspunkt.

Am Morgen des 11. Februar brannte in Berlin erneut ein Auto – der Staatsschutz ermittelt unter anderem gegen mögliche Brandstifter aus der linksextremen Szene. Nur das schnelle Eingreifen der Feuerwehr verhinderte weitere Schäden. In der Nacht zum 6. Februar zündeten vermummte Linksextreme in einem Neubauviertel um 1 Uhr gezielt „hochwertige Fahrzeuge“ an, wie der Polizeibericht festhielt. Bis zu 40 Vermummte, viele auf Fahrrädern, zogen laut Augenzeugen durch die Flottwellstraße. Vier Autos gingen in Flammen auf, 28 wurden beschädigt, die Täter entkamen. Im Internet bekannte sich ein sogenanntes „Kommando Noske und Ebert“ zu diesem Anschlag auf Privatfahrzeuge. Auch in der Nacht zum darauffolgenden Sonntag gingen die Zerstörungen nach einer Demonstration von Links weiter: 20 Fahrzeuge wurden laut Zeugen von einer Gruppe von 50 bis zu 100 Tätern demoliert. Es entstand ein Schaden von mehreren Hunderttausend Euro.

Längst ist die Räumung der von Linken besetzten Häuser in der Liebigstraße 2011 nicht mehr der Vorwand der Szene. Auch das willkürliche Anzünden von Autos, wie es die Szene vor Jahren etablierte, womit es Trittbrettfahrer anstachelte, steht nicht mehr im Mittelpunkt. Jüngste Anschläge auf Wahlkreisbüros von CDU, SPD und Grüne sowie die Wohnhäuser der Politiker Peer Steinbrück (SPD) und Eva Högl (SPD) kennzeichnen eine „neue Stufe der Gewalt“, sagte Berlins SPD-Landesvorsitzender Jan Stöß. Der Jurist gilt als Parteilinker. Sozialdemokraten sehen sich zunehmend im Fadenkreuz: Insbesondere der sich gegen linken Extremismus einsetzende Berliner Abgeordnete Tom Schreiber ist, wie das neuste Bekenntnis des „Kommandos Noske und Ebert“ erkennen lässt, eine Hassfigur der Extremisten. Die beschmierten zudem die Wohnungen Högls und Steinbrücks mit Parolen. Im Internet schmähten linksextreme Seiten die Geschädigten als „Elendsverwalter der Asylpolitik“. Mit roter Farbe übergossen die Täter die Fassade des Wohnhauses, in dem Steinbrück wohnt, und entfalteten ein zwei mal fünf Meter großes Spruchband gegen die aktuelle Asylpolitik. Mit der Asylpolitik der Bundesregierung rechtfertigt die Szene auch einen Brandanschlag Anfang dieses Monats auf die Trasse der Deutsche Bahn, Höhe Staaken – der Anschlag schlug fehl.

Attacken in großen Gruppen lassen erahnen, wie sicher sich die Szene fühlt. Innensenator Frank Henkel (CDU) nannte die Angriffe „Terroraktionen“: „Nichts und niemand kann solche Taten als politischen Protest rechtfertigen.“ Für eine neue Selbstsicherheit der Täter spricht auch eine Art Straßenkampf nur wenige Tage nach dem Überfall vermummter Linker auf einen einzelnen Polizisten in der Rigaer Straße (die PAZ berichtete). Linksextreme griffen ein Fahrzeug, das vor einem Haus in der Rigaer Straße anhielt, mit Eisenstangen an und zerschlugen die Scheiben. Sie wollten Rechtsextreme beim Fotografieren „ihrer Gegend“ erkannt haben, wie die Polizei später mitteilte. Den Anschlag auf den Kollegen hatte die Polizei zuvor mit einer Großrazzia beantwortet. In Reaktion darauf fordert SPD-Mann Schreiber nun eine „mittel- und langfristige Strategie“. „Dazu gehört auch, sich mit der Szene an einen Tisch zu setzen.“ Bisher gibt es wenig Anzeichen, dass die Szene daran interessiert ist. Eine groß angekündigte linke Demonstration gegen besagte Razzia am 6. Februar in Friedrichshain verlief zwar vor Ort weitgehend friedlich, aber nur, weil die Polizei dort inzwischen durch eine große Zahl uniformierter und ziviler Beamte vorbeugt. Die Täter wichen entsprechend aus, die beschädigten Fahrzeuge sind ihre Antwort.

Solche Guerilla-Strukturen bestimmen zunehmend das Bild. Absprachen und im Internet bekundete Solidarität bereiten neue Angriffe vor. Nach einer Polizeirazzia gegen mutmaßliche Linksextreme in Hamburg erwiderte die Szene auf der linksextremen Netzseite „Indymedia“, kein Angriff auf „unsere Strukturen bleibt ohne Antwort“, unmittelbar gefolgt von einer Solidaritätsadresse an Gleichgesinnte in „Berlin-Friedrichshain“. Im Internet bekannte sich die radikale Linke auch zu jüngsten Angriffen auf das Gemeinschaftsbüro der Grünen-Abgeordneten Antje Kapek und Dirk Behrendt in Berlin. Die Grünen bestätigten den Angriff in Kreuzberg. Der Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak (CDU) wurde im privaten Umfeld bedroht: Ein Fenster der Eingangstür seiner Mietwohnung wurde eingetreten, das ganze Gebäude mehrerer Mietparteien großflächig mit schwarzer Farbe beschmiert.

Polizisten vermuten, die Szene übt für Ausschreitungen um den bevorstehenden 1. Mai. Dazu passt ein weiteres, neues Bekennerschreiben zu den geballten Autobrandanschlägen. Ein „Kommando Klaus Jürgen Rattay“ verkündet darin, jeder Angriff auf „Projekte“ werde mit „Sachschäden von einer Million Euro“ vergolten. Das erste Bekenntnis wird darin als gefälscht bezeichnet. Die Polizei hält das zweite Schreiben für echt.         Sverre Gutschmidt


Wieder verkohlt
von Theo Maass

Nach der verheerenden Umfrage für die Hauptstadt-Christdemokraten von nur noch 20 Prozent versuchte die Partei, die Aussiedlerklientel wieder „einzufangen“. Nach der „Vergewaltigungsgeschichte“ um die 13-jährige Russlanddeutsche scheinen die Verhaltensmuster des Innensenators Frank Henkel von der CDU und der Presse einen dauerhaften Glaubwürdigkeitsschaden hinterlassen zu haben. Offenbar scheint die übereilte Stellungnahme des Innensenators so verstanden worden zu sein, als „wolle“ man die Angelegenheit wie die Übergriffe von Köln behandeln. Das Vorbringen des Mädchens erschien zunächst glaubhaft, weil man einen derartigen Übergriff für möglich hielt.

Nun war das Vertriebenen- und Aussiedler-Milieu bislang eine treue Wählerschaft der dort zu Unrecht als „konservativ-patriotisch“ wahrgenommenen CDU. Viereinhalb Millionen Russlanddeutsche leben als Aussiedler in Deutschland. Viele von ihnen in Berlin. Die Berliner CDU hat nun ein „Landesnetzwerk Aussiedler“ gegründet: Man wolle zeigen, dass nicht Russland ihre Interessen wahrnehme. Dabei gibt es schon die Vereinigung der Ost und Mitteldeutschen in der CDU, die der   Vertretung der Interessen genau dieser Personengruppe dienen soll. Burkard Dregger – Sohn des früheren Bundestagsfraktionsvorsitzenden Alfred Dregger: „Es sind deutsche Staatsangehörige, die nicht im Mittelpunkt unserer Wahrnehmung stehen. Wir wollen sie hören, ihre Interessen verstehen und ihre berechtigten Anliegen in unsere politische Arbeit aufnehmen.“ Das habe mit Wahlkampf nichts zu tun …

Tatsächlich täten die Aussiedler gut daran, sich damit zu beschäftigen, wie die CDU in der Vergangenheit mit den Belangen der Heimatvertriebenen umgegangen ist. Solange sie noch eine „zählbare Masse“ darstellten, wurden sie verbal umworben. Später waren sie nicht einmal mehr Sonntagsreden Wert. Die meisten Vertriebenenverbände wurden von CDU-Funktionären „übernommen“, die dann die Interessen der Partei, aber nicht die der Vertriebenen im Auge hatten. 

Dregger erklärt auch die Gründe seines Engagements: „Wir müssen jetzt konstatieren, dass wir durch die russische Führung Versuche sehen, sich der Loyalität dieser Menschen zu bemächtigen anlässlich des Falles mit dem Mädchen. Wir müssen das zurückweisen. Wir müssen den Menschen versichern, dass nicht die russische Regierung die Interessen deutscher Staatsangehöriger wahrnimmt.“ Unabhängig davon, ob Dreggers Vorwurf nun zutrifft oder nicht, ist genau das von ihm angesprochene Verhaltensmuster schon seit Jahrzehnten von türkischen Politikern zu beobachten, ohne dass die CDU dagegen eingeschritten wäre.


Dealer aus dem Asylheim
Drogenbanden werben erfolgreich Zuwanderer

Seit Jahren kämpfen Berlins Strafverfolger einen ungleicher werdenden Kampf gegen den offenen Verkauf illegaler Drogen. Konzentrierte sich der Drogenhandel bisher auf den Görlitzer Park, so besteht nach der Verhaftung einer achtköpfigen U-Bahn-Bande durch die Polizei kein Zweifel mehr an den ausufernden Gefahren dieser Schattenwirtschaft. Mit der Aussicht auf bis zu 3000 Euro Verdienst im Monat warben die Kriminellen laut Polizei in Unterkünften für Zuwanderer erfolgreich Mittäter. Der Fall zeigt: Kriminelle nutzen die chaotischen Zustände in der Asylpolitik.

In der U-Bahn-Linie 8 filmte die Polizei nun Verkäufe von Heroin mit Kleinkameras von der Bahnhofsdecke. Fahrgäste hatten sich über die offen abgewickelten Drogengeschäfte beschwert. Die Beamten konnten insgesamt 1073 Übergaben beweisfest dokumentieren. Der Tagesverdienst war laut Ermittlern beträchtlich. Die gesamte Bande nahm täglich rund 1000 Euro aus dem Verkauf von Heroin in der U-Bahn ein. Dort fühlten sich die Täter sicher und bemerkten die über Monate laufenden Ermittlungen des Landeskriminalamtes mit versteckter Kamera nicht. Diese Kleinkameras lieferten im Gegensatz zu den sichtbaren Überwachungskameras scharfe Bilder.

Die Bande warb erfolgreich Zuwanderer. Laut beteiligten Ermittlern sei diese Anwerbung schon länger zu beobachten gewesen. „In diesem Fall waren die Anführer der Gruppierung dabei erfolgreich“, so ein Beamter. Einer der Verhafteten, Farouk A., wurde im Dezember in der Erstaufnahmestelle Eisenhüttenstadt registriert. Bei seiner Festnahme stellten die Polizisten 256 Euro sicher, die mutmaßlich aus den Drogengeschäften im öffentlichen Nahverkehr stammen. Ein anderer Verhafteter, Malek Al-R., war in einem für Zuwanderer seitens des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) angemieteten Hotel untergebracht, bis die Handschellen klickten. Sein mutmaßlicher Komplize Mahmoud A. ist in einer sächsischen Unterkunft für Zuwanderer gemeldet und besitzt Duldungsstatus. Keiner der drei Libanesen hat rechtlich Aussicht auf Anerkennung von Asyl. Praktisch zeitgleich stehen sechs weitere mutmaßliche Dealer vor dem Berliner Landgericht. Sie gestanden, in den Linien U1 und U2 Heroin verkauft zu haben. Auf dem als Umschlagplatz berüchtigten RAW-Gelände in Friedrichshain stiegen Handel und Besitz von Drogen zudem letztes Jahr auf 1117 dokumentierte Fälle. Zwei Jahre zuvor waren es 384 gewesen.                SG


1000 neue Lehrer vonnöten
Die Asylsucherflut verschärft den ohnehin vorhandenen Mangel

Die SPD legt nach ihrem Parteiprogramm besonderen Wert auf die Bildungspolitik. In Berlin hat sie daher in der rot-schwarzen Koalition das Amt des Bildungssenators für sich reklamiert. Jetzt stehen die Berliner Schulen vor einem personalwirtschaftlichen Scherbenhaufen.

In Berlin scheiden viele Lehrer aus dem Dienst aus, weil sie das Pensionsalter erreicht haben. Allein 2016 benötigt das Land 1000 neue Grundschullehrer. Aktuell braucht Berlin außerdem etwa 260 Lehrer für Gymnasien, 550 für Sekundarschulen und 60 für Förderschulen. Bereits 2015 wurde der Lehrermangel in Berlin in der Presse thematisiert. Damals ging es nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung „nur“ um 70 oder 50 nicht besetzte Stellen. Florian Bublys vom Verein „Bildet Berlin“ meinte seinerzeit: „Wenn man davon ausgeht, dass ein Lehrer 27 Stunden pro Woche unterrichtet, fallen rund 2000 Unterrichtsstunden pro Woche aus.“ Die Personalsituation scheint sich auf die Motivation der Betroffenen auszuwirken. Im Januar 2015 meldete Deutschlandradio: „Die Krankheitsquote der Berliner Lehrer ist hoch – durchschnittlich fehlen sie an 39 Tagen im Jahr.“

Damals war die hausgemachte Asylkrise noch ein eher kleines Thema. Das ist mittlerweile anders. So bezeichnet die sozialdemokratische Bildungssenatorin Sandra Scheeres die „Einrichtung von immer mehr Klassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse“ als „eine immense Herausforderung für die Berliner Schulen“.

Von den Berliner Hochschulen kommen nur 175 vollständig ausgebildete Referendare. War dieser krasse Fehlbestand nicht vorhersehbar? Anja Schillhaneck, Abgeordnete der Grünen, kritisiert die Senatorin: „Der Bedarf war aufgrund der Pensionierungswelle vorhersehbar. Darum hätte Scheeres in den Hochschulverträgen Quoten für die Ausbildung von Grundschullehrern festlegen müssen.“ Schon seit einiger Zeit versucht der Senat, auf „Rekrutierungsmessen“ Hochschulabsolventen aus anderen Bundesländern anzuwerben.

Die Asylsucherflut verschärft die Krise. Allein zwischen September und Weihnachten 2015, erhöhte sich die Zahl der Lehrer in den „Willkommensklassen“ von 472 auf mehr als 700. In diesen Klassen werden Kinder von Immigranten und Flüchtlingen unterrichtet. Geht die Asylantenschwemme so weiter, wird jeder zweite Berliner Schüler eine nichtdeutsche Muttersprache haben. Hans Lody


S. 6 Ausland

Gefährlich enge Kampfzone
Saudi-Arabien, weitere Golfstaaten und die Türkei erwägen Bodenoperationen in Syrien

Nachdem Assads Truppen militärisch wieder die Oberhoheit in Syrien für sich erringen, verdichten sich die Anzeichen, dass sowohl Saudi-Arabien als auch die Türkei den Einsatz eigener Bo­dentruppen in Syrien erwägen.

Nach der Vertagung der Genfer Syrien-Gespräche und den Erfolgen der syrischen Truppen gegen die Rebellen, spricht Saudi-Arabien erstmals vom Einsatz von Bodentruppen, um die Terrororganisation IS in Syrien niederzuringen. Seit fast zwei Jahren sind die Saudis Mitglied der von den USA geschmiedeten Anti-IS-Allianz, etwa 190 Flugzeug-Einsätze haben sie bislang geflogen, so viel fliegt Russland jetzt an einem Tag. Kampfjets, Drohnen und Versorgungsflugzeuge aus aller Herren Länder sind derzeit über Syrien im Einsatz, so dicht, dass man sich manchmal gegenseitig in die Quere kommt, wie beim Abschuss des russischen Jets durch türkische Truppen nach nur Sekunden über türkischem Luftraum. Nach dem Gedränge am Himmel könnten sich bald auch auf dem Terrain noch mehr Kämpfer drängeln, denn nach Hilfstruppen aus Russland, dem Iran, Afghanistan und dem Libanon wollen jetzt auch Saudi-Arabien und die Golfstaaten Soldaten nach Syrien schicken.

Seit Monaten herrscht Übereinstimmung, dass Luftschläge allein nicht ausreichen, um gegen den IS zu gewinnen, vielmehr muss es einen Mix von Luft- und Bodenoperationen geben. Alle Partner, die zum Kampf gegen den IS beitragen, sind den USA willkommen, dies scheint jedoch bei Saudi-Arabien etwas problematisch zu sein. Viele glauben nämlich, dass ein Eingreifen der Saudis das syrische Chaos zusätzlich verstärken könnte. Das sunnitische Königreich am Golf gilt als Hauptfinanzier und Waffenlieferant islamistischer Rebellengruppen und damit als Urheber des Bürgerkriegschaos in Syrien. Der Iran und Russland, die engsten Verbündeten des syrischen Regimes, würden eine Präsenz saudi-arabischer Soldaten wenig schätzen. Für den schiitischen Iran ist die sunnitische Golfmonarchie der große Gegenspieler um Macht und Einfluss in der Region.

Dank des massiven Einsatzes russischer Militärtechnik hat sich das Kriegsgeschehen seit einigen Monaten wieder zugunsten Assads verschoben, ein Sieg im Bürgerkrieg ist jetzt greifbar nahe. Dass Riad allein wegen der Terroristen des IS Bodentruppen nach Syrien schicken will, glaubt kaum jemand in der Region, denn die saudischen Truppen würden, wenn sie gegen sunnitische Kämpfer antreten müssten, in Scharen überlaufen, nicht jedoch wenn sie gegen schiitische oder alawitische „Ungläubige“ eingesetzt würden. Damit würde das saudi-arabische Militär jedoch einen bewaffneten Konflikt mit Russland riskieren.

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan soll kurz vor einer Intervention in Syrien stehen. Russische Satellitenaufnahmen sollen dies belegen. Letztes Jahr hatte Erdogan dafür bereits die Unterstützung des Parlaments erwirkt. Sein Plan war es eigentlich, eine 100 Kilometer lange und 30 Kilometer breite Pufferzone auf syrischem Territorium militärisch zu errichten. Mit dieser Pufferzone soll ein Keil zwischen die kurdischen Gebiete getrieben werden, die sich entlang der gesamten türkischen Südgrenze ziehen. Bei dieser Pufferzone geht es nicht um den Schutz der Zivilbevölkerung wie ursprünglich angenommen, sondern damit könnte die Türkei weiterhin die diversen sunnitisch-islamistischen Terrorgruppen in Syrien versorgen, die sonst vom befreundeten Territorium abgeschnitten sind.

Auch im Irak soll die Türkei bereits ihre Fühler in Richtung IS-Kalifat ausgestreckt haben und mit diesem eine kampflose Übergabe der Stadt Mossul verhandeln. Der IS könnte im Gegenzug ein freies Geleit seiner terroristischen Kämpfer durch türkisches Territorium erhalten. Die Türkei fürchtet auch im Irak eine Ausdehnung der kurdischen Einflusssphäre. Die lang ersehnten Genfer Syrien-Gespräche haben zu einer neuen Dynamik auf dem Kriegsschauplatz geführt, die wiederum das Potenzial zu einer gefährlichen Eskalation in sich trägt.     Bodo Bost


Kissingers Vision
Ex-US-Außenminister traf Putin, um Dialog mit USA zu erarbeiten

Kurz nach Horst Seehofers umstrittener Visite Wladimir Putins stattete ein anderer, wenn auch ehemaliger, Politiker dem russischen Präsidenten einen Besuch ab. Henry Kissinger, der als US-Außenminister von 1973 bis 1977 zum Vorkämpfer für eine Entspannungspolitik mit der damaligen Sowjetunion wurde, gilt als graue Eminenz Washingtons. Nach seiner Zeit als aktiver Politiker wechselte er in die Wissenschaft und Publizistik. Er gilt heute als einer der einflussreichsten Experten auf dem Gebiet der Außenpolitik.

Da sein Besuch privater Natur war, fand er kein großes Medien­echo. Dennoch dürfte seine in dem zweimonatlich erscheinenden Magazin „The National Interest“ geäußerte Vision von den amerikanisch-russischen Beziehungen zumindest in den USA Beachtung finden. Kissinger schreibt, er sei nach Russland gefahren, um für einen Dialog zu werben, der die Zukunft Amerikas und Russlands verschmelze, anstatt neue Konflikte zu schüren. Man solle Russland in einer sich entwickelnden multipolaren Welt als Schlüsselelement des globalen Gleichgewichts und nicht als Bedrohung für die USA ansehen.

Kissinger ruft die USA und Russland dazu auf, in Syrien ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: „Ich bin der Ansicht, dass sowohl Russland als auch die USA daran interessiert sind, dass in der Welt keine unkontrollierbaren Gebiete entstehen. Besonders solche, die ... die Weltbalance gefährden.“

In dem Artikel blickt Kissinger auf die gegenseitigen Beziehungen zurück: „Am Ende des Kalten Krieges hatten Russen und Amerikaner die Vision einer großen strategischen Partnerschaft,“ schreibt er. Die USA hätten damals trotz unterschiedlicher Vorstellungen an eine gemeinsame Zukunft geglaubt. Dies habe sich schlagartig geändert, als die Nato 1999 mit der Bombardierung Jugoslawiens begann. Beide Staaten hätten das Ende des Kalten Krieges unterschiedlich interpretiert: Die USA feierten den Sieg des freiheitlich-demokratischen Systems und die Welt war unipolar mit den USA an der Spitze. Russland habe eine historisch gewachsene Furcht vor Einkreisung und Bedrohung seiner Grenzen erlebt. Aus Kooperation wurde Konfrontation, und das bis heute. Noch etwas habe sich geändert: Wurde bisher die Macht eines dominierenden Staates international als Bedrohung empfunden, sind heute der Zerfall von Macht und Staaten und das daraus entstehende Machtvakuum eine Bedrohung.

Deshalb müssten die USA und Russland zusammenarbeiten und die Probleme gemeinsam angehen. Die Ukraine dürfe nicht als ein Land wahrgenommen werden, das entweder die Position des Westens oder die des Ostens beziehen solle. In Syrien müssten amerikanisch-russische Bemühungen koordiniert werden mit anderen Großmächten, um ein Muster für eine friedliche Lösung im Nahen Osten und vielleicht auch anderswo zu schaffen. Das Ziel müsse ein strategisches Konzept für die gemeinsamen Beziehungen sein.

Kissinger hatte Putin bereits 2014 in einem Interview verteidigt: „Ich denke nicht, dass er eine Krise heraufbeschwören wollte. Ich denke aber, dass wir vor allem die Krise in der Ukraine regeln und erst dann die Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland behandeln sollten.“ Die „Dämonisierung Putins“ sei keine Politik, sondern ein Versuch, das Fehlen der Politik zu rechtfertigen.   MRK


Schlimmer als in Westeuropa
Niemand weiß, wie viele Zuwanderer in Russland leben

Eine Expertenrunde im Mos­kauer „Haus des Ökonomen“ beklagte in der vergangenen Woche, Russlands Wirtschaft befinde sich in „völliger Auflösung“. Sie fiel 2015 um 3,8 Prozent, die Investitionen sanken gar um 8,4 Prozent, die Inflation stieg auf 12,9 Prozent. Der Ölpreis minderte sich seit Jahresbeginn um 27 Prozent und lag Ende Januar bei 28 US-Dollar pro Barrel, ein Dollar kostete 79 Rubel. Die Einkommen sackten 2015 drastisch ab (Staatssektor -um 16, Industrie um 12, Dienstleistungen um 13,5 Prozent). Und laut Januar-Umfrage der „Bank Russlands“ erwarten 90 Prozent der Russen für 2016 noch größere Verschlechterungen.

Am schlimmsten ist, dass die Regierung solche Horrorzahlen ungerührt hinnimmt. Sogar eine „positive Dynamik“ sieht Valerij Zwetkov, Direktor des Akademie-„Instituts für Marktprobleme“. Er rügt den „Selbstbetrug“ der Politiker als „reale Bedrohung der ökonomischen Sicherheit unseres Landes und Zerstörung von dessen Entwicklungsbasis“. Der aus TV-Debatten populäre Wirtschaftspublizist Konstantin Krylow warnt vor direkterer Gefahr: „Bei uns bestehen günstige Entwick­lungsbedingungen für ethnokriminelle Banden. Manche haben Angst vor dieser Gewalt und diesen Tätern. Schon ist Russlands Situation mit Zuwanderern schlimmer als in Westeuropa. Islamistische Prediger und Werber agieren bereits direkt in russischen Städten.“

Niemand weiß, wie viele Ausländer in Russland leben. Im August 2014 waren es 11,5 Millionen, im Herbst 2015 rechnete Putins „Akademie für Volkswirtschaft“ mit 10,6 Millionen, derzeit zählt Dmitrij Aleksandrow vom Russischen Institut für strategische Studien 9,9 Millionen. Zweitens ist unbekannt, wie viele von denen legale Gastarbeiter oder illegal eingetroffene Kriminelle sind. Schätzungen liegen bei 55 zu 45 Prozent, aber genau wissen es nicht einmal die Ämter für Statistik (Rosstat) oder für Migration (FSM). Exoten wie Nord-Koreaner, Pakistaner und Araber interessieren nur Renat Karimov und seine unbedeutende „Gewerkschaft für Arbeitsmigranten“, während das FSM unter Leitung von Konstantin Romodanowski das ex-sowjetische Zentralasien im Visier hat, woher bis Anfang Februar knapp vier Millionen Menschen kamen. Die sehen Russland weiterhin als ihr „Mutterland“ an, wo sie ihre geringen Löhne in Dollar wechseln und nach Hause schicken. Der Rubelverfall ließ diese Geschäfte seit 2014 um bis zu 36 Prozent schrumpfen, was bei Gastarbeitern die Bereitschaft zu Drogen-Kurierdienst und Kriminalität auf Stammes- und Clan-Basis stärkt.

Die Strafverfolger kennen die „Mafia mit Akzent“ samt Spezialisierung: Armenier – Auftragsmorde; Georgier – Erpressung, Raub; Aserbajdschaner – Drogen. Analysten fragen, wann Russland wie das Kosovo voller Kapitelverbrechen sein wird, wann Russen mit gleicher Münze zurückzahlen und zu Selbstorganisation gegen eingesickerte Straftäter greifen. Junge Muslime brüllen im Nord-Kaukasus „Heute Syrien, morgen Russland“. Russland müsse, fordert der Nationalitätenexperte Michail Remisow, alle Möglichkeiten nutzen – verschärfte Kontrollen über Zuwanderer, keine „humanitäre“ Flüchtlingspolitik, keine Familienzusammenführung, da anderenfalls „Unruhen und Pogrome“ drohen.               Wolf Oschlies


MELDUNGEN

Pleitestaat will in die EU

Sarajevo – Zirka 21 Jahre nach dem Ende des jugoslawischen Bürgerkrieges hat jetzt Bosnien-Herzegowina einen offiziellen An­trag auf Aufnahme in die Europäische Union gestellt. Angestrebt wird in Sarajevo, bereits im kommenden Jahr den Kandidatenstatus zu erhalten. Als Probleme des Drei-Völkerstaates gelten ein mangelnder Reformwille und eine aufgeblähte Verwaltung, die sich das Land nur noch durch eine rasant steigende Staatsverschuldung leisten kann. Die Arbeitslosenrate Bosnien-Herzegowinas liegt offiziell bei über 27 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei 62 Prozent.  N.H.

 

Haftbefehl gegen Chodorkowski

Moskau – Unter Berufung auf Interpol berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax, gegen den früheren Chef des Energie-Riesen Yukos sei ein internationaler Haftbefehl erlassen worden. Dem einstigen Oli­garchen Michail Chodorkowski, im Westen stets als „Kreml-Kritiker“ apostrophiert, wird der Mord an dem Bürgermeister von Neftejugansk, Wladimir Petuchow, vorgeworfen. Petuchow hatte der damaligen Yukos-Konzernspitze Steuerhinterziehung vorgeworfen und wollte deswegen vor Gericht ziehen. „Das nationale Interpol-Büro in Russland schrieb Chodorkowski zur internationalen Fahndung aus. Diese Entscheidung wurde aufgrund des Ermittlungsverfahrens der Generalstaatsanwaltschaft und des Ermittlungsausschusses Russlands getroffen, ein entsprechender Antrag wurde ins Generalsekretariat von Interpol in Lyon überstellt“, so die Meldung.            FS


S. 7 Wirtschaft

»Wir haben keine Munition mehr«
Die Krise der Deutschen Bank ist nur die Spitze des Eisberges

Während im Vorfeld der letzten globalen Finanzkrise nur ganz wenige warnende Stimmen zu hören waren, ertönt momentan ein ganzer Chor von Wirtschaftsexperten und Bankanalysten, welche die Gefahr einer weiteren globalen Finanzkrise sehen.

Im Zentrum der Sorge stehen dabei die europäischen Banken. Seit Jahresbeginn mussten bei Aktien einiger Banken teilweise zweistellige Kursverluste verbucht werden. Mittlerweile befürchten Anleger sogar, dass im europäischen Bankensektor die Pleitegefahr wächst. So sind die entsprechenden Preise von Kreditausfallversicherungen stark angestiegen und haben den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren erreicht. Stark betroffen ist die Credit

Suisse, vor allem aber die Deutsche Bank. Deren Chef John Cryan hielt es inzwischen sogar für angebracht, der Öffentlichkeit zu versichern, die Deutsche Bank sei „grundsolide“ und würde selbstverständlich all ihren Verpflichtungen nachkommen. Anlass waren ein Megaverlust von 6,8 Milliarden Euro sowie Gerüchte, die Bank könnte Zinsen auf Wandelanleihen schuldig bleiben. Ob die Investoren tatsächlich beruhigt werden konnten, bleibt abzuwarten. Die Aktie der Deutschen Bank hat seit Anfang 2015 fast die Hälfte ihres Wertes verloren. An der Börse ist die Bank nur noch 20 Milliarden Euro wert.

Auch die Aktien von Banken wie Credit Suisse, Santander und UniCredit haben einen Kurssturz erlitten. Zu schaffen macht der Branche ein Mix an Problemen: Niedrige Zinsen bewahren zwar überschuldete Staaten vor dem Bankrott, gleichzeitig ist aber auch den Banken das Geschäftsmodell abhandengekommen. Neue Konzepte wie die Kreditvermittlung über das Internet setzen den Banken zusätzlich zu. Sorgen über die globale Konjunktur, die weiter schwelende Euro-Krise, Berge fauler Kredite wie etwa bei Italiens Banken und neue Regulierungskosten haben die Ertragsmöglichkeiten weiter schrumpfen lassen.

Offen bleibt allerdings die Frage, warum gerade die Deutsche Bank momentan zum Gegenstand derartig vieler Gerüchte geworden ist. Viele Probleme sind hausgemacht. Wurde in den vergangenen Jahren ein Bankenskandal aufgedeckt, dann fiel oft genug auch der Name der Deutschen Bank. Die Vorwürfe reichen von Beratungsfehlern über die Manipulationen von Zinssätzen, Währungskursen oder Preisen am Goldmarkt bis hin zum Verdacht, in Geldwäschegeschäfte russischer Kunden involviert gewesen zu sein. Diese Verwicklungen sind durchaus symptomatisch dafür, wie weit sich die Bank mittlerweile von ihrem ursprünglichen Geschäftsmodell als der deutsche Unternehmensfinanzierer entfernt hat, um stattdessen das umstrittene Investmentbanking nach angelsächsischem Modell zu betreiben. Parallel zur Änderung des Geschäftsmodells ist in den letzten Jahrzehnten ein Bedeutungsverlust zu beobachten. Ende der 80er Jahre war die Deutsche Bank unter ihrem damaligen Chef Alfred Herrhausen drauf und dran, den damals angeschlagenen US-Konkurrenten Citibank zu schlucken. Ein Vierteljahrhundert später ist die Deutsche Bank selbst zum Problemfall geworden.

Die nach dem Tode Herrhausens abrupt beendeten Ambitionen, die Wall Street aufzumischen, sind jenseits des Atlantiks offenbar nie völlig in Vergessenheit geraten. So scheint die Kritik aus den USA an der Deutschen Bank bisweilen sehr überzogen. Nicht auszuschließen ist sogar, dass sich die Deutsche Bank, aber auch der gesamte europäische Bankensektor, künftig in einer Sündenbock-Rolle wiederfinden, und ihnen die Verantwortung für eine weitere globale Finanzkrise zugeschoben wird.

Krisenzeichen sind sowohl an den Finanzmärkten als auch in der Realwirtschaft mittlerweile reichlich vorhanden. Mahner warnen sogar vor der Möglichkeit einer Krise mit epischen Ausmaßen, schlimmer als bei der Lehman Brothers-Pleite. „Die Situation ist schlimmer als im Jahr 2007“, so etwa die Warnung des OECD-Ökonomen William White. Wie der ehemalige Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gegenüber dem britischen „Telegraph“ erklärte, sei die finanzielle Situation in der Welt so instabil, dass es bald zu einer Welle von Zahlungsausfällen und Pleiten kommen werde.

Sollten sich die inzwischen zahlreich vorliegenden Warnungen vor einer neuen Finanzkrise bewahrheiten, droht die Entwick­lung dramatischer zu werden als im Jahr 2007. Die Zentralbanken haben durch ihre Nullzinspolitik und massive Anleihekäufe kaum noch wirksame Gegenmittel in ihrem Arsenal. „Wir haben keine Munition mehr“, lautet etwa die Warnung, die unlängst Richard Fisher, der frühere Chef der Federal Reserve Bank Dallas, im US-Sender CNBC abgab.     Norman Hanert


Stählerne Bedrohung
Billig-Importe aus China lassen Stahlmarkt in der EU wanken

Jahrelang hoffte die deutsche Stahlbranche auf goldene Zeiten. Doch der Aufschwung stellte sich nicht ein. Nun ächzt die Branche unter der Konkurrenz aus Asien. Aus China wird tonnenweise Billig-Stahl importiert. Markwirtschaftliche Mechanismen scheinen an ihre Grenzen zu stoßen, und die Branche hofft auf Hilfe der Politik.

Die große Stahlkrise begann vor sieben Jahren mit der Weltwirtschaftskrise. Doch während sich Deutschlands Wirtschaft in den vergangenen Jahren rasch erholte und ein glänzendes Jahr 2015 hinlegte, dümpelt die Stahlbranche vor sich hin: „Es handelt sich hier nicht um eine Beschäftigungs- oder Produktionskrise, sondern um eine Marktkrise“, sagte Ute Buggeln, Geschäftsführerin der IG Metall Bremen. Schuld seien die Dumpingpreise des chinesischen Stahls, der staatlich subventioniert werde. Anfang vergangener Woche kamen die Größen der Branche mit Vertretern von Politik und Wirtschaft zu einem Stahlgipfel in Bremen zusammen. „Wenn China unverdient von der EU als Marktwirtschaft eingestuft wird, kann sich die EU-Stahlindustrie nicht mehr gegen unfaire Einfuhren schützen. Es muss verhindert werden, dass China diesen Status erhält“, sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der deutschen Stahlindustrie, gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Sobald ein Land als Marktwirtschaft anerkannt ist, werden Anti-Dumpingverfahren wesentlich schwieriger. Die EU will bis Ende des Jahres entscheiden, ob China diesen Status erhält, worauf vor allem die Asiaten drängen. Denn zuletzt hatte auch der Riesenstaat einräumen müssen, dass seine wirtschaftliche Entwicklung nicht mehr so rasant angestiegen ist wie zuvor. „In Chinas Stahlindustrie bestehen massive Überkapazitäten“, sagte Kerkhoff, „China darf seine Strukturprobleme nicht auf dem europäischen Markt abladen.“

Letztlich geht es auch in Europa um das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Zu viel Stahl stößt derzeit auf einen zu geringen Bedarf, was niedrige Preise zur Folge hat. Dies war in den vergangenen Jahren bereits ein Problem der westlichen Marktwirtschaften. Nun kommt der chinesische Billigstahl dazu. Das Land ist der mit Abstand größte Stahlhersteller der Welt und produziert wesentlich mehr, als es verkaufen kann. Experten gehen von einer Überproduktion von 200 Millionen Tonnen aus, mehr als jährlich im gesamten EU-Raum hergestellt wird.

Die Probleme in Europa werden daher noch größer, obwohl die Branche mit gezielten Maßnahmen versuchte entgegenzuwirken. Weltmarktführer Arcelor-Mittal  hat in den vergangenen Jahren vier seiner 25 Hochöfen stillgelegt, um die Produktion zu deckeln. Auch die deutschen Konzerne haben reagiert. Bei ThyssenKrupp wurde die Wochenarbeitszeit reduziert, und bei Salzgitter wurden zahlreiche Stellen gestrichen.

Sieben EU-Länder, darunter Deutschland, haben in einem Brief an die EU appelliert, gegen die drohende Gefahr eines zusammenbrechenden Stahlmarktes anzugehen. So habe Brüssel die Möglichkeit, Strafzölle zu verhängen, um den chinesischen Stahl teurer zu machen. Derzeit, so Verbandschef Kerkhoff, sei die Lage in Deutschland „noch einigermaßen stabil“, was aber vor allem mit den niedrigen Rohstoffpreisen zusammenhänge: „Aber das kann sich schnell ändern“, so Kerkhoff.   

                Peter Entinger


Tschechische Gastarbeiter
Der große Lohnunterschied zieht viele Böhmen nach Bayern

An jedem Montagmorgen betreten nordböhmische Unternehmer bänglich ihren Betrieb, darauf gefasst, dass erneut diverse Mitarbeiter ins westliche Ausland verschwunden sind. Nach Berechnungen des Arbeitsamts der Tschechischen Republik sind 2014 exakt 110394 Landsleute ins Ausland gewechselt, davon 44495 (40 Prozent) in die Bundesrepublik oder nach Österreich. Über 37000 zog es nach England, wohin vorwiegend Polen gehen.

Globaldaten für 2015 liegen noch nicht vor, aber sicher ist nach Medienberichten, „dass die Zahl der im Ausland arbeitenden Tschechen noch rascher als in den Vorjahren gewachsen ist“. Deutsche Arbeitsämter haben für 2015 37969 Tschechen in der Bundesrepublik gezählt. Das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als in irgendeinem anderen Jahr seit der Öffnung des EU-Arbeitsmarktes für Tschechen im Jahre 2011. Auch Österreich empfing mehr Tschechen als zuvor.

Anders als Österreich, zu dem Böhmen rund fünf Jahrhunderte gehörte, begegnen Tschechen der Bundesrepublik eher reserviert. Es müssen schon handfeste Wirtschaftsvorteile im Spiel sein, wenn Tschechen ihre Abneigung

zurückstellen. Etwa ab April 1991, als Volkswagen die tschechische Automarke „Škoda“ erwarb; oder 1993, als grenznahe Regionen Tschechiens und der Bundesrepublik die „Euregio Egrensis“ bildeten; oder wie derzeit, da aus Böhmen Arbeitskräfte kommen, darunter Facharbeiter, Dienstleister und Krankenschwestern, die gesuchter als Ärzte oder Ingenieure sind.

Die Arbeit in der Bundesrepublik ist finanziell attraktiv. Der tschechische Mindestlohn beträgt seit Januar 59 Kronen, was in etwa 2,18 Euro entspricht. Der deutsche Mindestlohn von 8,50 Euro beträgt also fast das Vierfache.

In Tschechien können oder wollen die Firmen, die oft ausländischen Inhabern gehören, keine höheren Löhne zahlen. Zu ihrer Rechtfertigung verweisen sie darauf, dass die tschechische Produktivität nur bei 70 Prozent des EU-Durchschnitts liegt.

Solche Probleme hat die Bundesrepublik nicht, hier gibt es guten Lohn, dazu Kinder-, Urlaubs- und Fahrgeld. Etwa ein Drittel der Tschechen sind Pendler, die täglich über die Grenze wechseln und damit die höheren Preise und die hohen Steuern in der Bundesrepublik zu einem Gutteil umgehen. Das Durchschnittseinkommen beträgt in Tschechien 27000 Kronen (zirka 1000 Euro), in der Bundesrepublik ist es dreifach höher.

Alle diese Vorteile haben den tschechischen Arbeitsmarkt in Grenznähe weithin leergefegt. Die Tschechische Republik hat mit 6,4 Prozent (Januar) ohnehin eine der niedrigsten Arbeitslosenraten in der EU, aber in Nordböhmen mangelt es vor allem an den Fachkräften, die Bayern weggelockt hat. Das sind nicht wenige, sagt Katerina Berankova, Sprecherin des Arbeitsamtes der Tschechischen Republik. Gesucht werden Monteure, Dreher, Chauffeure, Schweißer und Köche ebenso wie Verkäufer, Handwerker, Bauarbeiter, Kellner und Sanitätspersonal, möglichst mit Fachausbildung und Berufspraxis, aber keine Ausländer. Freie Arbeitsplätze sind Tschechen 30 Tage vorbehalten. „Wir haben mehr Populisten als Politiker“, beklagt der Ökonom Petr Honzejk diese Inländer-freundliche Regelung.. Wolf Oschlies


MELDUNGEN

Iran will Euro für sein Öl

Teheran – Gemäß einer Direktive der iranischen Notenbank will der Iran nach dem Ende der westlichen Wirtschaftssanktionen sein Öl künftig für Euro und nicht mehr für US-Dollar verkaufen. Der Iran ist damit der erste wichtige Ölproduzent, der den US-Dollar als Handelswährung für Erdöl verlässt. Laut einer Quelle in der National Iranian Oil Company (NIOC) hat die Abkehr vom seit dem Zweiten Weltkrieg gebräuchlichen Petro-Dollar politische Gründe.              N.H.

 

Staat treibt den Strompreis

Berlin – Zum 1. April steigen die Strompreise. Grund sind die zum Jahresbeginn angehobenen staatlichen Strompreisanteile. Mehr als 54 Prozent des Strompreises bestehen aus Steuern, Abgaben und gesetzlichen Umlagen, die von allen Stromkunden über den Strompreis getragen werden müssen. Rund ein Fünftel der Kosten entsteht für den Stromeinkauf, für die Verwaltung und für den Vertrieb. Für die Nutzung der Stromnetze erheben die Netzbetreiber die für alle Stromvertriebe geltenden Netzentgelte. Diese haben am Strompreis einen Anteil von fast 25 Prozent.               U.M.


S. 8 Forum

Billige Kritik
von Manuel Ruoff

Natürlich war am Mittwochmorgen auch in den 7-Uhr-Nachrichten des Deutschlandfunks das Zugunglück in Bad Aibling Thema. In der anschließenden Presseschau wurde ein deutsches Leitmedium mit folgendem Kommentar zitiert: „Die ,Ka­tastrophe mit vielen Verletzten und leider auch Toten ruft in Moskau Trauer hervor‘, hat der russische Präsident Putin gesagt.“ Nette Geste, war mein spontaner Gedanke. Umso verbitterter wurde ich beim weiteren Zuhören: „Eine Kehrtwende im Kreml? Selbstkritik gar? Weit gefehlt. Putin sprach nicht von seinen Luftangriffen auf die syrische Opposition ... Sein Mitgefühl bezog sich auf das Zugunglück in Bad Aibling. Vor dem Hintergrund des russischen Krieges in Syrien wirken Putins Äußerungen freilich wie der reine Zynismus ...“

In was für einem Deutschland leben wir, dass einem Ausländer vorgeworfen wird, mit Deutschen statt mit Nichtdeutschen mitzufühlen? Und wie verlogen ist dieser politisch-mediale Komplex?! Oder glaubt jemand ernsthaft, dass von EU- oder Nato-Partnern gefordert würde, ihre militärischen Engagements einzustellen, bevor sie Unfallopfer eines anderen Landes bedauern?


Ischinger weiß es
von Florian Stumfall

Nie war es dem Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, dem Diplomaten Wolfgang Ischinger, gelungen, auf der Veranstaltung selbst etwas derart Gewichtiges vorzubringen, wie diesmal im Vorfeld. Er schlug vor, angesichts so unterschiedlicher Meldungen und Meinungen in den Medien einen „neutralen Fakten-Ombudsmann“ einzuführen, dessen Aufgabe es wäre, bei strittigen Themen wie etwa der Ukraine die Wahrheit zu verkünden. Ja, fragt sich da der vor allem am TV leidende Nachrichten-Konsument, warum ist man denn nicht schon längst auf diese famose Idee gekommen?

Man könnte sich das ungefähr so vorstellen. Ischinger sucht ein neutrales Gremium zusammen, vielleicht aus dem Kreise seiner Bilderberger-Brüder, und dieses Gremium bestallt einen hyper-neutralen Wahrheits-Träger, der zu entscheiden hat, was dem Publikum an Fakten und Fabeln zugeführt werden solle. Eine Idee, so bestechend, dass man sich wundert, warum nicht die EU-Kommission darauf gekommen ist.

Damit wäre auch endlich eine uralte Frage aus Philosophie und Welthistorie beantwortet, die einst der römische und überaus skeptische Staathalter Pilatus dem Angeklagten Christus gestellt hat: „Was ist Wahrheit?“ Ischinger weiß es! Und das hat eine große Zahl von segensreichen Folgen, nicht zuletzt das für den Bürger beruhigende Bewusstsein, dass es in den Höhen der Obrigkeit eine Stelle gibt, die ihn der Mühe enthebt, selbst nachdenken zu müssen, weil sie ihm das gewünschte Produkt zur Verfügung stellt. Der Preis dafür: seine Freiheit.


Wir haben schon verloren
von Karl Delventhal

Köln war ein Menetekel und nur die Spitze des Eisbergs. Wenig beruhigend sind da die gebetsmühlenartig wiederholten Aussagen der Politiker, dass Straftaten mit aller Härte des Gesetzes zu verfolgen seien und auch verfolgt würden. Bloße Augenwischerei. Denn das, was die Atmosphäre in unseren Städten und Gemeinden schleichend, aber immer sichtbarer zerstört, sind eben nicht nur die „strafbaren“ Handlungen. Es geht um etwas anderes: Was zur zunehmenden Verunsicherung der Menschen führt, spielt sich oft unterhalb der Strafbarkeitsgrenze und damit gleichsam unter dem Radar der Staatsmacht ab.

Das sind die provozierenden Blicke, die vor allem Frauen ertragen müssen, wenn sie an einer Gruppe junger Asylsucher vorbeigehen, oft begleitet von anzüglichen Bemerkungen. Das sind die Gruppen von angetrunkenen jungen Männern „südländischen“ Aussehens, die, meist mit Bierdosen in der Hand nach Einbruch der Dunkelheit zunehmend das Bild der Party- und Amüsierviertel der Städte bestimmen. Das sind Szenen in Bus oder Bahn, deren Zeuge man – gewollt oder ungewollt – überall in Deutschland werden kann, wenn junge arabische oder nordafrikanische Männer ihre Füße ungeniert und provozierend auf die Sitzbank legen, in schier unglaublicher Lautstärke miteinander reden oder auch streiten und eine latent aggressive Stimmung verbreiten. All das in der offensichtlichen Gewissheit, dass ihnen ohnehin niemand entgegentreten wird.

Nichts davon ist justiziabel oder führt, wenn doch angezeigt, zu irgendwelchen Konsequenzen. Aber es zerstört nachhaltig das Gefühl, die Atmosphäre im öffentlichen Raum, wo wir uns dereinst weitgehend sicher fühlten und mehr oder weniger uneingeschränkt bewegen konnten. Für die Beeinträchtigung der eigenen Freiheit, der Lebensqualität und des Lebensgefühls spielt es übrigens allenfalls eine Nebenrolle, ob das asoziale Benehmen der Immigranten in deren Kultur, der Religion, der schweren Kindheit oder dem Trauma der Flucht wurzelt. Entscheidend ist, dass sich Verhalten und Umgangsformen vieler Zuwanderer merklich von unseren gesellschaftlich akzeptierten un- terscheiden.

Man soll nicht pauschalisieren. Also fürs Protokoll: Nein, es sind nicht alle Flüchtlinge so, die Mehrzahl verhält sich korrekt, verstößt nicht gegen Gesetze und passt sich mehr oder weniger unseren Umgangsformen an. Aber selbst Ihnen fällt es nicht immer leicht, einer Frau die Hand zu schütteln, ihre Ehefrau als gleichberechtigt zu akzeptieren, ihre Kinder nicht zu schlagen oder anzuerkennen, dass Homosexuellen, Atheisten und Christen der gleiche Respekt gebührt wie Anhängern ihrer eigenen Religion.

So wird es zur traurigen Normalität, dass Frauen sich nicht mehr allein auf die Straße, ins Schwimmbad und die Diskothek trauen. Dass neben öffentlichen Verkehrsmitteln – sowieso nicht unbedingt der sicherste Ort – auch der öffentliche Raum zunehmend als nicht mehr sicher empfunden wird. Dass der abendliche Spaziergang mit dem Hund, der Gang zum nächsten Supermarkt oder der Schulweg der Kinder zu angstbesetzten Unternehmungen werden. Dass der Familienausflug ins Freibad unterbleibt, weil es nahe einer Asylantenunterkunft liegt oder der Weg daran vorbeiführt. Dass Frauen sich bei der Kleiderauswahl nicht mehr von modischen Erwägungen leiten lassen, sondern davon, nur nicht aufzufallen oder zu provozieren.

Dass der Kölner Karneval in diesem Jahr nur noch mit einem Großaufgebot an Polizei und Sicherheitskräften, breitflächiger Überwachungstechnik und vorab verteilten Verhaltensratgebern auf Arabisch und Farsi stattfinden kann, ist deshalb auch keineswegs ein Beleg dafür, dass deutsche Politik und Sicherheitsorgane das Problem in den Griff bekämen, sondern das genaue Gegenteil: Es zeigt, dass die Sicherheit und die Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum, wie wir es bisher kannten, schon verloren gegangen ist.

Unter dem Eindruck der Kölner Silvesternacht und der zunehmenden Allgegenwart arabischer und nordafrikanischer Gruppen junger Männer werden Volksfeste, öffentliche Veranstaltungen, Jahrmärkte und Großereignisse nur noch unter dem massiven Aufgebot von Sicherheitskräften und raumgreifender Überwachungstechnik stattfinden können. Aber auch damit werden sich die Belästigungen, Einschränkungen und Bedrohungen unseres Alltagslebens nicht verhindern lassen. Es wird ja nicht möglich sein, an jeder zweiten Straßenecke einen Schutzmann aufzustellen – und es wäre auch keine wirklich wünschenswerte Vision für ein funktionierendes Gemeinwesen und eine offene Gesellschaft.

Mit anderen Worten: Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen. Wenn es nicht gelingt, die Anzahl der Immigranten sofort mit allen denkbaren Mitteln – wie Schließung der Grenzen, konsequenter und massenhafter Abschiebung aller Flüchtlinge, die keinen Anspruch auf Bleiberecht haben, Verkürzung der Aufenthaltstitel für alle subsidiären Migranten bei kompletter Streichung des Familiennachzugs – zu senken, ist das Leben in Deutschland, wie wir es bisher kannten, wohl ein für allemal vorbei. Schaffen wir das? Wir haben schon verloren.


Frei gedacht
Sprung aus dem Ahnenrad
von Eva Herman

Als ich vor Jahren eine Freundin traf, wirkte sie sehr unglücklich. Sie mache sich Sorgen wegen ihrer erwachsenen Kinder. Warum, wollte ich wissen? Diese seien doch gesund, glücklich verheiratet, hätten einen guten Beruf. Die Freundin, nennen wir sie Anna, brach in Tränen aus. Seit Jahren wache sie regelmäßig mit Albträumen auf, immer die gleiche Situation: Ihre Kinder wendeten sich ab, wollten nichts von ihr wissen, am Ende stehe sie stets alleine da. Sie habe inzwischen Depressionen, „auch wegen meiner Schuldgefühle“. Welche Schuldgefühle? Sie berichtete von Versäumnissen, die sie im Laufe der Jahre ihren Kindern angetan habe, so zum Beispiel seien sie früh in eine Krippe gegeben worden, weil sie als alleinerziehende Mutter das Geld für die Familie habe verdienen müssen. „Ich konnte ihnen nicht die nötige Bindung und Liebe geben, die sie gebraucht hätten. Und jetzt?“ Sie weinte laut auf: „Jetzt werden sie mir gegenüber immer unpersönlicher.“ Sie schluchzte: „Wie wollen wir denn einen Weltfrieden hinbekommen, wenn es nicht einmal im engsten Familienkreis klappt?“

Es stimmt, solange wir derartige persönliche Probleme mit uns herumschleppen, können wir nicht offen sein für die globalen Herausforderungen, die jetzt für uns alle anstehen: Manche reden schon vom Dritten Weltkrieg. Aber wohin man auch schaut, fast überall herrscht Unfrieden in den Familien. Ich fragte sie: „Welches Verhältnis hatte Deine Mutter denn zu Dir, als Du klein warst? Und wie ist es jetzt?“ Verwundert sah Anna mich an. „Meine Mutter“, stammelte sie, „warum?“ Dann berichtete sie, dass sie ihre nun alt gewordene Mutter nur selten sähe. Diese sei kalt und herrschsüchtig, harmonische Stunden praktisch unmöglich. Anna habe alles versucht, um Frieden zu schließen, scheitere jedoch immer wieder an deren willkürlicher Art. Tatsächlich schienen unsichtbare Mauern zwischen den beiden hochgezogen, unüberwindbar für die noch verbleibende gemeinsame Erdenzeit. Unüberwindbar? „Hast Du Kenntnis darüber, wie die Kindheit Deiner Mutter war? War sie glücklich?“ Wieder sah Anna verwundert herüber. Dann berichtete sie, dass ihre Mutter als kleines Kind die Eltern verloren hatte, und darauf jahrelang von einem Waisenhaus ins nächste gewandert sei. Erst durch ihren Mann habe sie irgendwann etwas Halt erfahren, doch ihr Leben als junger Mensch sei wohl ziemlich grausam gewesen.

Bilder zogen durch mein Bewusstsein, Bilder zahlreicher Menschenschicksale: Warum wiederholten sich die Familiengeschichten immer wieder? Warum ähnelten die Lebensläufe von Großeltern, Eltern und Kindern sich so oft, ob in glücklicher Weise oder aber auf tragische Art? Da gab es eine Menge schöner Geschichten von erfolgreichen Unternehmern, die auch ihren Söhnen die Grundregeln für Verlässlichkeit, Verantwortung, Fleiß und Disziplin wie selbstverständlich weitergegeben haben, Glück und Fortschritt blühten nicht selten auch bei den darauf folgenden Generationen auf. Doch auch Misserfolg schien sich wie zu vererben, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Depression, Familien- oder Alkoholprobleme zogen sich nicht gerade selten wie todbringende Schrauben durch die Familiengeschichten. Und dann waren da so viele kleine missbrauchte Mädchen, oft aus engstem Familienkreise heraus gequält vom Onkel, Großvater oder Vater. Sah man genauer hin, so war es schon der eigenen Mutter so ergangen, als diese noch Kind war, und meist auch der Oma. Wie unsichtbare Fäden erschien es mir oft, welche die Akteure fest zusammenhielten, in leichtem oder schwerem Schicksal verkettet. Oft hatte ich mich gefragt: Warum wurden Unglück und Schmerz weitergegeben von den Ahnen an die Jungen? Wie konnte man dieses Verhängnis lösen? Die Antwort wurde mir durch eigenes Erleben. Auch meine Mutter hatte viel arbeiten müssen, um Geld zu verdienen. Wir vier Kinder wurden oft von fremden Leuten versorgt. Die daraus zwangsläufig resultierende Distanz spürte ich schon früh, oft zog sie sich wie ein nicht enden wollender Schmerz durch die Seele. Später, als junge Frau, hatte ich meine Mutter immer wieder mit diesem Versäumnis konfrontiert, hatte sie angeklagt, herausgefordert, gerungen um Verständnis. Doch sie hatte stets beteuert, sie habe es doch nur gut gemeint, und die Zeit sei so elend knapp gewesen. Ihre Gegenrede hatte mich mit den Jahren fuchsteufelswild gemacht, weil sie mich anscheinend nicht verstehen wollte; nur wenig hatte es allerdings auch mich interessiert, dass Mutter selbst als Kriegskind Schwerstes durchgemacht hatte. Und ihre eigene Mutter, die mit ihrer Familie aus Westpreußen vertrieben worden war, ebenso. Das Ahnenrad, drehte sich weiter, und immer klarer wurde mir, dass man etwas dagegen unternehmen müsse. So las ich in jungen Jahren psychologische Standardwerke, versuchte, den Menschen zu erkennen, wie er tickt, sah mir selbst beim Leben zu und stellte mich auf den Prüfstand: War ich eigentlich warmherzig zu anderen? Hatte ich genügend Verständnis, Liebe? War ich gerecht? Immer klarer wurde mir, dass dies alles keinesfalls zutraf: Traurig schaute die, die ich sein wollte, auf die, die ich war.

So sah ich mir die einzelnen Lebensverläufe meiner Familienangehörigen genauer an. Verwundert, mit zunehmendem Respekt vor der sich entrollenden Leistung, stellte ich fest, was die Ahnen alles durchgemacht hatten. Dass die zum Teil furchtbaren Kriegsereignisse sie geprägt, verändert hatten: Das Holzbein des Opas, über das wir Kinder uns oft lustig gemacht, erhielt eine neue Bedeutung: Eine schwere Kriegsverletzung hatte die Amputation notwendig gemacht, Opa sei dadurch gebrochen, schwach geworden, hatte es geheißen. Und die übertriebene Existenzangst Omas war dem Schicksal als Vertriebenenfamilie geschuldet: Als Flüchtlinge hatten sie demütigende Situationen bewältigen müssen, Hunger, Kälte, Angst waren lange Zeit ihre Begleiter gewesen. Je mehr ich zu verstehen begann, umso deutlicher erkannte ich auch: Sie alle, die Betroffenen, sprachen so gut wie niemals darüber. Im Gegenteil: Sie schwiegen beharrlich. So begann ich, mit ihnen zu reden, immer wieder. Allmählich tauschten wir uns aus, vor allem Mutter und ich. Verständnis und Liebe begannen, wie zarte Pflanzen, zu wachsen. Als Mutter eines Tages weinte und – zum ersten Mal – jetzt auch meine Sichtweise verstand, war das Eis gebrochen: Wir versöhnten uns für immer, vergaben einander alles. Dies blieb so bis über ihren Tod hinaus.

All dies berichtete ich Anna. „Sprich mit Deinen Kindern, erklär Deine Situation von damals. Doch zeige ihnen vor allem auch Dein Verständnis für sie. Stell ihnen Fragen nach dem Seelenschmerz.“ Sie tat es. Sie redete mit den Kindern – und auch mit ihrer alten Mutter. Und es funktionierte. Zwar anfangs zäh, doch dann ging es immer besser. Sie tauschten sich alle aus, sprachen über Schmerz, Enttäuschung und Abwendung. Aber auch über die schönen Dinge, die sie sich einst gegeben. Schließlich war das Eis gebrochen. Neulich traf ich Anna: Sie hatte ein Enkelkind an der Hand und war glücklich. Ihre Albträume waren Vergangenheit. Anna hatte den Sprung aus dem Ahnenrad gewagt, sie war es gewesen, die den Familienbann gebrochen, die endlich für Frieden gesorgt hatte.


S. 9 Kultur

Auf Nummer sicher
Bestseller statt mutiges Theater − Aktuelles Beispiel: Michel Houellebecqs Roman »Unterwerfung« im Deutschen Schauspielhaus

Auf deutschen Bühnen grassiert die Romanseuche. Immer mehr literarische Vorlagen werden für das Theater dramatisiert, wie jüngst wieder das Beispiel von Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg beweist.

Intendantin Karin Beier scheint aufs richtige Pferd gesetzt zu haben. Nach der Premiere des über zweieinhalbstündigen Mo­nologs „Unterwerfung“ (Kritik: siehe Kasten unten) sind alle angesetzten Aufführungen bereits ausverkauft, sodass die Chefin des Schauspielhauses in Hamburg für den April und Mai drei weitere Vorstellungen auf den Spielplan setzte. Dabei kann man von keiner epochalen Inszenierung sprechen, keine die jemals Theatergeschichte schreiben wird.

Der Grund des Erfolges setzt sich aus vier simplen Komponenten zusammen: ein populärer Autor (Frankreichs Prix-Goncourt-Gewinner Michel Houellebecq), ein erst vor einem Jahr erschienener populärer Roman (der Bestseller „Unterwerfung“), ein populäres Thema (Islamisierung) und ein populärer Schauspieler (der aus Film und Fernsehen bekannte Edgar Selge). Das genügt, um Frankophile, Romanleser, Zuwandererbewegte und Staranbeter massenhaft in Bewegung zu setzen.

Dieses Rezept geht derzeit in vielen deutschsprachigen Theatern auf. Was Romanverfilmungen fürs Kino und Fernsehen sind, das sind Romandramatisierungen für die Bühnen. Werfen wir einmal einen Blick auf einige Spielpläne der laufenden Saison: Thomas Manns „Der Zauberberg“, Fontanes „Effi Briest“ und Goethes „Leiden des jungen Werthers“ im Stuttgarter Schauspiel; Grass‘ „Die Blechtrommel“, Kafkas „Amerika“ und Dos­tojewskis „Schuld und Sühne“ im Frankfurter Schauspiel; Werfels „Musa Dagh“ im Berliner Gorki Theater; Dostojewskis „Brüder Karamasow“ in der Berliner Volksbühne.

Nachdem Volksbühnen-Chef Frank Castorf seit den 90er Jahren fast sämtliche Romane Dostojewskis aufgeführt hat, ist der Russe ein Renner auf deutschen Bühnen. Das Hamburger Schauspielhaus nahm jüngst den Trend auf mit Inszenierungen von „Der Idiot“ und „Schuld und Süh­ne“. Zwei städtische Konkurrenzbühnen setzen aktuell John Steinbeck dagegen: „Früchte des Zorns“ im Thalia Theater und „Jen­seits von Eden“ im Altonaer Theater.

Während das Thalia in der Vergangenheit schon Thomas Manns „Die Buddenbrooks“, Siegfried Lenz‘ „Deutschstunde“ oder Günter Grass‘ „Die Blechtrommel“ auf die Bühne gewuchtet hatte, ist das Altonaer Theater zum reinen Literaturtheater geworden. Dort stehen neben Steinbeck nur noch Romanbestseller wie „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ oder der Hitler-Ulk „Er ist wieder da“ solitär auf dem Programm.

Die Aufzählung zeigt, dass sich Romane auf den Bühnen offenbar gut verkaufen. Je­denfalls besser als jenes politisch en­gagierte Regietheater, das klassische Dramen dermaßen vergewaltigte, dass die Zu­schau­er ei­nen großen Bogen um die Theater gemacht ha­ben. Selbst die subventionierten Staatstheater ge­rieten unter Rechtfertigungsdruck, wenn die Säle bei vielen Aufführungen gähnend leer blieben und Zu­schauer zuletzt noch mit ermäßigtem Eintritt geködert werden mussten.

Jetzt ködert man die Besucher mit bewährten Stoffen. Wer kennt die „Buddenbrooks“ oder die „Blechtrommel“ nicht? Und wer will sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, sich das Drama zum Roman anzusehen, wenn es auf der Bühne in der Nachbarschaft läuft? Nach demselben Erfolgsrezept funktionieren Literaturverfilmungen, wo­bei jeder vorher ahnt, dass die Kinofassung in den meisten Fällen nicht an das Original heranreicht. Und trotzdem sieht man es sich an. Neugier siegt.

Dass ein 500-Seiten-Roman in seiner Komplexität weder einer Film- noch einer Theaterfassung gerecht wird, ist nichts Neues. Im Fall von „Unterwerfung“ hat Beier 270 Buchseiten auf 40 Seiten zusammengestrichen. Vielmehr als etwas Handlung und die Fo­kussierung auf ein paar Aspekte bleibt bei einem solchen Konzentrat vom Buch nicht übrig.

Unterhaltung bleibt aber garantiert. Und daran mangelt es gerade dem politlastigen Theater der Gegenwart. Dass aber innovative, mutige und spannende Theaterformen sich beim Literaturtheater kaum entwickeln können, ist eine Ne­benwirkung, welche die ängstlichen Theatermacher hinnehmen müssen, wenn sie den Spagat zwischen künstlerischem Anspruch und finanzieller Auslastung schaffen wollen.

Und noch jemand hat zu leiden: die Theaterautoren. Die Verwurstung der Romanstoffe für die Bühne bleibt meistens den hauseigenen Dramaturgen vorbehalten. Die Shakespeares oder Brechts von morgen werden auf diese Weise kaum gefördert. Bleiben als Nische für Dramatiker nur noch die Boulevardtheater, die mit Erfolgsautoren wie Yasmina Reza („Kunst“) gut fahren.

Die Theater können sich jedenfalls nicht vorwerfen lassen, einen Trend verschlafen zu haben. Seit sich Hörbücher immens gut verkaufen, veranstalten sie eben Hörbücher mit Bildern, wenn sie in 120 Minuten Werther in den Selbstmord treiben oder die Buddenbrooks in den Ruin.            H. Tews


Fritz Bauer zum Zweiten im Ersten
Nach einem Kinofilm über Fritz Bauer folgt jetzt ein ARD-Film über den Eichmann-Jäger

Die Reaktion des Bundeskanzlers ist typisch für seine Zeit: „Der Querkopp aus Frankfurt? Gott behüte!“, knurrt Adenauer in breitem rheinischen Akzent und lässt den lästigen Anrufer abwimmeln. Fritz Bauer, hessischer Generalstaatsanwalt, Sozialdemokrat und Jude, war mehr als ein Querkopf – er war ein Besessener, wenn es da­rum ging, Altnazis aufzuspüren und vor Gericht zu bringen. Angefeindet von Antisemiten, umstellt von argwöhnischen Kollegen, verraten von einem anfangs loyalen jungen Staatsanwalt, lässt er sich in seiner Mission nicht bremsen: „Sobald ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich Feindesland.“

Gleich zwei Filme erinnern an den unerschrockenen Juristen, der die Frankfurter Auschwitz-Prozesse Anfang der 60er Jahre maßgeblich mit initiierte: „Der Staat gegen Fritz Bauer“ mit Burghart Klaußner in der Titelrolle lief Ende letzten Jahres in den Kinos, nun folgt die Fernsehversion „Die Akte General“ mit Ulrich Noethen in der Rolle des Fritz Bauer (Mittwoch, 24. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste). Warum die Doublette? Alles nur Zufall, versichert TV-Produzent Benjamin Benedict: „Als wir von dem Kinofilm erfuhren, hatten wir bereits die zweite Drehbuchfassung fertig.“

Die Übereinstimmungen sind eklatant: Beide Filme bedienen sich etwa der fiktiven Figur eines jungen Staatsanwalts, dem Bauer sein Vertrauen schenkt. Benedict: „Das ist ein beliebtes dramaturgisches Mittel, dass eine Figur über die andere erzählt wird.“

Was beide Versionen unterscheidet: Der TV-Film erzählt eine längere Zeitspanne und leuchtet auch das Privatleben Bauers aus, der im Kinofilm völlig vereinsamt erscheint, im Fernsehen immerhin junge Männer zu Salons einlädt, seine dänische Alibi-Ehefrau trifft und seinen jungen Kollegen Hell (David Kross) zu rheinischem Sauerbraten in seine Wohnung lädt. Die Homosexualität Bauers erscheint in der TV-Version als triftiger Grund für dessen Zurückgezogenheit: Schon aus der Zeit des dänischen Exils gab es eine Ak­tennotiz, und seine Gegner warten nur darauf, dass er sich angreifbar macht.

Durchgehend gelungen ist der Einblick in die bleierne Adenauer-Ära, in der zwischen Cognacschwenkern und Zigarettenqualm nicht sein darf, was nicht sein soll. Justiz und Beamtenapparat sind durchsetzt von Altnazis, die Angst vor Kommunisten ist größer als die vor nationalsozialistischen Altlasten. Bauer, dieser mürrische Einzelkämpfer, sitzt dieser restaurativen Republik wie ein Stachel im Fleisch. Er will vor allem Adolf Eichmann finden, und wenn die Bundesrepublik schon kein Interesse an einer Strafverfolgung hat, dann reicht er seine Informationen eben an den  israelischen Geheimdienst Mossad weiter. Einer der wenigen Momente, in denen dieser versteinerte Mann Emotionen zeigt, ist die Nachricht von der Ergreifung Eichmanns in Argentinien: Da schlägt Bauer seinem Informanten voller Genugtuung auf die Schulter, zieht an seiner Zigarette und verschwindet sichtlich be­wegt im Fonds seines Wagens.

Auch Adenauers Kanzleramts­chef Hans Globke gehört zu denen, die bei der Entnazifizierung geschont wurden. Auch ihn nimmt Bauer ins Visier, wohl wissend, dass mit Globke auch Adenauer stürzen könnte: „Globke steht zu Adenauer so loyal wie seinerzeit zu den Nazis.“

Der Ausnahmeschauspieler Ulrich Noethen gibt dem Mann, der das Schweigen der Adenauer-Zeit aufbricht, das Gesicht eines unbestechlichen Kämpfers, der allen beweist, wie der junge Rechtsstaat funktionieren könnte. „Wir leiten ein Ermittlungsverfahren gegen Globke ein“, weist Bauer seinen jungen Kollegen Hell an. „Es ist unsere Pflicht, unbequem zu sein. Feiern Sie den Rechtsstaat.“             Angela Meyer-Barg


Vergessener Westpreuße

Als vor rund fünf Jahren eine sorgfältig edierte zweibändige Ausgabe mit sämtlichen Gedichten von Oskar Loerke erschien, wurde ein schon totgesagter Dichter wieder zum Leben erweckt. Inzwischen ist es wieder still geworden um den 1884 in der Nähe von Schwetz in Westpreußen geborenen Naturlyriker, der mit seiner Zeit nicht zurechtkam. Kaum war er 1913 der gefeierte Kleist-Preisträger, machte ihm der Erste Weltkrieg einen Strich durch seine weitere Dichterkarriere. Als Ex­pressionist und Lektor von Thomas Mann, Döblin und Hauptmann beim S. Fischer Verlag und Mitglied der Preußischen Akademie der Künste blühte er in den 20er Jahren noch einmal auf, ehe der Nationalsozialismus ihn zum Verstummen brachte. Verzweifelt unterschrieb er als einer von 88 Autoren das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Hitler, verzog sich aber danach in die Innere Immigration, ehe er am 24. Februar 1941 in Berlin an Herzversagen starb. Er war einer der bedeutendsten deutschen Lyriker des frühen 20. Jahrhunderts. Aber er scheint vergessen zu sein.           tws


Kinotipp

Sechs Oscar-Nominierungen, darunter die für den besten Film, beste Regie sowie besten männlichen und weiblichen Ne­bendarsteller sind ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Auch wenn der Film „Spotlight“ nicht als Favorit bei der Oscar-Verleihung Ende Februar gilt, so sollte man nicht die Gelegenheit verpassen, ein großartiges Schauspieler-Ensemble dabei zu beobachten, wie es ein heißes Eisen anfasst. In dem Film, der am 25. Februar bundesweit anläuft, geht es um Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Der Film basiert auf der wahren Enthüllungsgeschichte eines Rechercheteams der Zeitung „Boston Globe“, das mit seiner hartnäckigen journalistischen Aufklärungsarbeit die Zeitung vor dem Auflagentod bewahrte und tausenden Opfern ein Gesicht gab. Die Enthüllung landesweiter Vertuschung von Missbrauchsfällen ließ kurz nach der Jahrtausendwende selbst den Vatikan erbeben.

Wenn Stars wie Michael Keaton, Liev Schreiber, Mark Ruffalo und Rachel McAdams sich auf die Suche nach Informanten machen, lässt das an den Enthüllungs-Klassiker „Die Unbestechlichen“ denken, in dem Dustin Hoffman und Robert Redford den Water­gate-Skandal aufdecken. Hier ist es ein ebenso intensives Drama, das sich stimmungsvoll und ausgewogen für die Arbeit der Journalisten in die Bresche wirft.    tws


S. 10 Geschichte

Frankreichs Statthalter an der Saar
Gilbert Grandval vertrat die französischen Interessen mit Zuckerbrot und Peitsche

Gilbert Grandval war von 1945 bis 1955 der französische Statthalter und „starke Mann“ an der Saar. Der 1904 in Paris geborene Résistance-Kämpfer, der eigentlich Hirsch-Ollendorff hieß, ließ nichts unversucht, um das Saarland von Deutschland abzutrennen. Er avancierte zu einem der meistgehassten Männer im Saarland während des Regimes von Johannes Hoffmann (siehe Nr. 51/52). Kurze Zeit vor der Saarabstimmung 1955 versetzte ihn Paris nach Marokko.

Den Namen „Grandval“ hatte sich der am 12. Februar 1904 in Paris geborene Yves Gilbert Edmond Hirsch als Decknamen in der Résistance zugelegt. Seinen „Nom de guerre“ trug er nach dem Krieg als offiziellen Namen weiter. Grandval war der Spross einer jüdischen Verlegerfamilie, die ursprünglich aus dem Elsass stammte. Der Mädchenname seiner Mutter hieß Ollendorff. Grandval hatte später zunächst den Doppelnamen Hirsch-Ollendorff geführt.

Wie der Historiker und Autor der Studie „Frankreichs Prokonsul an der Saar 1945–1955“, Dieter Marc Schneider, über Grandval berichtet, hatte dieser zuerst auf Wunsch der Eltern ein Medizinstudium begonnen, dieses aber nicht beendet. Durch Vermittlung von Freunden sei er in ein Chemieunternehmen eingetreten, in dem er bis zum kaufmännischen Direktor aufstieg. Als erfolgreicher junger Manager habe er den Pilotenschein gemacht. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er als Jagdflieger im Rang eines Leutnants in Nordfrankreich eingesetzt. Nach der Niederlage schloss er sich Charles de Gaulle an. 1942 wurde er Chef einer militärischen Untergrundorganisation, die das gesamte Elsass und Lothringen umfasste.

De Gaulle hatte ihn 1944 zum Befehlshaber der Militärregion Nancy ernannt. Zuletzt bekleidete Grandval den Rang eines Obersten. In der Résistance wirkte Grandval auch bereits mit dem späteren französischen Premierminister Michel Debré zusammen. Grandvals vorzügliche Kontakte zu Politikern in Paris spielten auch für sein späteres Wirken an der Saar eine erhebliche Rolle. Seine Familie war auch mit der des Sozialisten und mehrfachen Ministerpräsidenten Léon Blum befreundet.

Als Grandval bereits 1954 für den Posten eines französischen Generalresidenten in Marokko im Gespräch war, meldete damals das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, dies sei in der Umgebung des Sultans von Marokko auf hartnäckigen Widerstand gestoßen: „Dort sei geltend gemacht worden, dass kein Franzose mosaischen Glaubens (in Wirklichkeit ist Grandval vor Jahren zum Katholizismus konvertiert) vorher je den Posten des Generalresidenten bekleidet hat.“ Im Juni 1955, vier Monate vor der Saarabstimmung 1955, trat Grandval den Posten in Marokko tatsächlich an. Das wurde allerdings nur ein sehr kurzes Gastspiel bis zum August 1955.

Das Saarland wurde 1945 von den US-Truppen erobert. Nach der Potsdamer Konferenz übernahmen es die Franzosen als Besatzungszone. General Marie-Pierre Koenig, der französische Militärgouverneur mit Sitz in Baden-Baden, hatte Grandval am 30. August 1945 zum „Délégué supérieur“ (Obersten Vertreter) der Militärregierung an der Saar ernannt. Dort traf Grandval am 7. September ein. Von Anfang an war es das Ziel Frankreichs, vor allem die saarländischen Kohlegruben auszubeuten und das Saarland ganz von Deutschland abzutrennen. Wenn schon eine Annexion international nicht zu erreichen war, sollte das Saargebiet doch eine wirtschaftliche „Union“ mit Frankreich bilden und sollten die Saarländer außerdem kulturell assimiliert werden.

Die französische Militärverwaltung in Saarbrücken zählte etwa 500 Personen. Grandval stützte sich besonders auf frühere Mitglieder der Résistance. Er drückte rigoros durch, dass es in der Präambel der Saarverfassung von 1947 insbesondere hieß: „Das Volk an der Saar … gründet seine Zukunft auf den wirtschaftlichen Anschluss des Saarlandes an die französische Republik und … die politische Unabhängigkeit des Saarlandes vom Deutschen Reich.“ Parteien, die dies nicht akzeptierten, wurden nicht erlaubt. Auch einzelne Personen, die hiergegen aufbegehrten, ließ das Regime von Hoffmann als Verfassungsfeinde verfolgen.

Zugelassene Parteien hingegen, so schreibt der Historiker Armin Heinen in „Saarjahre – Politik und Wirtschaft im Saarland 1945–1955“, hätten Grandval gegenüber ihre Übereinstimmung mit den französischen politischen Zielen an der Saar „geradezu in der Form des Kotau“ versichert. Grandval ließ ihm politisch missliebige Personen ausweisen. Mit „lächelnder Härte“ habe er im Saarland geherrscht, attestierte ihm die Zeitung „Le Monde“. Um die Eigenstaatlichkeit des Saarlandes zu demonstrieren, wurde Grandval – unter Protest der Regierung Adenauer – am 25. Januar 1952 zum französischen Botschafter in Saarbrücken ernannt.

Dieter Marc Schneider beschreibt den „Prokonsul“ folgendermaßen: „Grandval war ein vorzüglicher Organisator, arbeitete bis tief in die Nacht, verfügte über eine bemerkenswerte physische Kondition und er scheute keinen Konflikt.“ Heinrich Schneider (siehe Nr. 1) von der Demokratischen Partei Saar (DPS) schrieb über den Franzosen: „Er war ein gutaussehender, besonders korrekt und elegant gekleideter Herr, der zu keinem Zeitpunkt die militärische Haltung verleugnete.“ Am liebsten habe sich Grandval in Uniform sehen lassen. Schneider attestierte seinem Auftreten an der Saar „barocke Züge“. Grandval habe viele Reden gehalten – auf Französisch, da er kein Deutsch konnte. Am Schluss habe er stets ausgerufen: „Vive la France, Vive la Sarre!“ Grandval habe bisweilen „abstoßend arrogant und geradezu hasserfüllt“ gehandelt, schreibt Schneider und zitiert dazu ein Schreiben Grandvals, in dem er den Vorsitzenden der DPS, Richard Becker, eiskalt abfertigte, der nur höflich um die Rücknahme der Ausweisung des katholischen Pfarrers Franz-Josef Bungarten gebeten hatte. Dass die französische Politik an der Saar ein Fehlschlag gewesen sei, dafür trage Grandval den größten Teil der Verantwortung, so Schneider.

„Der Spiegel“ berichtete am 27. Juli 1955 darüber, wie es dem Generalresidenten Grandval erging, als er in Marokko an einem Trauergottesdienst für Todesopfer eines Attentats teilnehmen wollte: „Als der Kopf Gilbert Grandvals in der Tür des Wagens sichtbar wurde, heulte die rund zehntausend Menschen zählende Menge vor der Sacré-Coeur-Kirche von Casablanca auf. Unter einem Orkan unflätiger Schimpfworte eilte der neue Generalresident Frankreichs in Marokko und ehemalige Hochkommissar im Saargebiet auf das rettende Kirchenportal zu.“ Als Grandval die Kirche wieder verlassen wollte, habe einer der Demonstranten, „ein halbwüchsiger Bengel“, dem Generalresidenten die Mütze vom Kopf gerissen, mehrere hätten ihn geohrfeigt und ein weiterer habe ihm ein Schulterstück von der Uniform gerissen.

Die Karriere Grandvals war damit allerdings nicht beendet. 1958 wurde er Generalsekretär für den französischen Außenhandel und von 1962 bis 1966 Arbeitsminister in der Regierung Pompidou. Danach war er als Präsident der französischen Handelsmarine tätig. Grandval starb am 29. November 1981 in Paris.      Michael Leh


Ein »Gigant« der Lüfte
Der Großraumlastensegler Me 321 hob vor 75 Jahren erstmals ab

Bei den Lastenseglern war es ähnlich wie bei den Panzern. Nachdem die Wehrmacht mit dieser vergleichsweise neuen Waffe zu Beginn des Zweiten Weltkrieges beachtliche Anfangserfolge errungen hatte, wurde auf überdimensionierte Muster gesetzt, die ihre eigenen technischen Probleme aufwarfen, worunter ihre Effektivität litt.

Bei der Einnahme des belgischen Forts Eben Emael im Mai 1940 hatte die Wehrmacht gute Erfahrungen mit dem Lastensegler DFS 230 gemacht. Das sollte beim Unternehmen Seelöwe, der Invasion Großbritanniens, buchstäblich im großen Maßstab wie­der­holt werden. So wurde ein Forderungskatalog für einen ungleich größeren Lastensegler aufgestellt. Er sollte 130 voll bewaffnete und aufmunitionierte Soldaten oder eine 8,8-Zentimeter-Kanone samt Zugfahrzeug, Munition und Bedienungspersonal oder einen Panzerkampfwagen II, III oder IV samt Munition und Bedienungspersonal oder aber ein Sturmgeschütz einschließlich Munition und Bedienungspersonal transportieren.

Bei Junkers entstand die Ju 322 „Mammut“, bei Messerschmitt die Me 321 „Gigant“. Letztere machte das Rennen. Die Konstruktion, die mit ihren 28,6 Metern Länge, 10,15 Metern Höhe und 55 Metern Spannweite ihren Namen „Gigant“ nicht zu Unrecht trug, hob am 21. Februar 1941 erstmals ab. Die guten Flugeigenschaften des Großraumlastenseglers und die hohe Zuladung von 22 Tonnen bei nur zwölf Tonnen Eigengewicht überzeugten das Reichsluftfahrtministerium. 200 Maschinen dieses Typs wurden in Leipheim und Obertraubling bei Regensburg bis Kriegsende gebaut. Ihren geplanten Zweck, ihr Einsatz bei der Eroberung Großbritanniens, konnten sie nach der Absage der Operation Seelöwe nicht erfüllen. Stattdessen kamen die meisten „Giganten“ nach dem Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges an die Ostfront, wo sie größtenteils verbraucht wurden.

Als ein Problem erwies sich, die „Giganten“ in die Luft zu bekommen. Die Luftwaffe hatte nicht genügend ausreichend leistungsstarke Schleppmaschinen. Ein Notbehelf war der Troika-Schlepp durch gleich drei Flugzeuge. Das verlangte ein hohes Maß an Koordinierung und war nicht ungefährlich. Eine originelle Lösung war die zu Schlepp­zwecken aus zwei Heinkel He 111 zu­sam­men­ge­bau­te He 111 Z mit fünf Motoren und zwei Rümpfen. Schließlich motorisierte man den Lastensegler, und aus der Me 321 wurde die Me 323, das größte landgestützte Transportflugzeug des Krieges.                Manuel Ruoff


»Für immer der Beste«
Vor 75 Jahren starb der erfolgreichste U-Boot-Kommandant

Berühmte U-Boot-Kommandanten gibt es viele, wenn aber ein Name mit besonderer Hochachtung erwähnt wird, ist es der von Lothar von Arnauld de la Perière. Das liegt weniger an brillanten taktischen Fähigkeiten oder spektakulären Manövern, sondern an seinem lauteren Cha­rakter und seiner Ritterlichkeit. Und: Er ist mit 194 versenkten Handelsschiffen von zusammen 453716 Bruttoregistertonnen und zwei versenkten Kriegsschiffen der erfolgreichste U-Boot-Kommandant der Seekriegsgeschichte. Für einen seiner ehemaligen Gegner bleibt der preußische Aristokrat französischer Abstammung „selbst unter den Besten der Besten für immer der Beste“.

Der am 18. März 1886 in Posen geborene Sohn eines Geheimen Rechnungsrevisors besuchte die Kadettenanstalt Wahlstatt und die Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde, bevor er am 1. April 1903 als Seekadett in die Kaiserliche Marine eintrat. In den folgenden Jahren absolvierte er die übliche Ausbildung zum Seeoffizier, durchlief verschiedene Bordkommandos und wurde Adjutant beim Chef des Admiralstabes in Berlin. Bei Kriegsausbruch 1914 meldete sich der frisch beförderte Kapitänleutnant zu den Marinefliegern, wechselt dann aber auf eigenen Wunsch zur U-Boot-Waffe. Im November 1915 übernahm er in Pola das Kommando über U 35, mit dem er bis März 1918 15 Feindfahrten machte. Dabei hielt er sich stets an das Seekriegsrecht, wodurch er Boot und Besatzung manchen Gefahren aussetzte. Alle Versenkungserfolge erzielte er im Überwasserangriff nach dem Prisenrecht, viele davon unter Nutzung des Deckgeschützes. So kam kaum ein gegnerischer Seemann zu Schaden. Am 11. Oktober 1916 erhielt der von Freund und Feind geachtete Offizier die höchste Tapferkeitsauszeichnung, den Pour le Mérite. Im Mai 1918 stellte von Arnauld den Unterseekreuzer U 139 in Dienst, mit dem er an seine Erfolgsserie anknüpfte.

Nach dem Krieg diente von Arnauld zunächst in der Marine-Brigade von Loewenfeld, führte dann eine Schiffsstammabteilung und machte als Navigationsoffizier mehrere Fahrten auf Linienschiffen. Nach einem Intermezzo als Admiralstabsoffizier war der Fregattenkapitän von 1928 bis 1930 Kommandant des Leichten Kreuzers „Emden“. Am 30. September 1931 wurde er im Range eines Kapitäns zur See auf eigenen Wunsch verabschiedet. In den folgenden Jahren wirkte er als ziviler Dozent an der türkischen Marineakademie. Die deutsche Marine würdigte seine Kriegsverdienste, indem sie ihn noch bis zum charakterisierten Vizeadmiral a.D. beförderte.

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde von Arnauld reaktiviert und zum Marinebevollmächtigten in Danzig ernannt. Nach einer kurzen Zeit als Marinebefehlshaber Belgien-Niederlande war er dann  bis Juni 1940 Marinebefehlshaber Bretagne und anschließend Marinebefehlshaber Westfrankreich. Am 1. Februar 1941 erhielt er die Ernennung zum Admiral Südost. Auf dem Weg zur Kommandoübernahme stürzte sein Flugzeug am 24. Februar 1941 in Le Bourget bei Paris ab, wobei von Arnauld tödliche Verletzungen erlitt. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Invalidenfriedhof in Berlin. Die Grabstätte blieb trotz der Verwüstung des Friedhofs durch das DDR-Grenzregime bis heute erhalten.            Jan Heitmann


S. 11 Preussen

Der »Retter Berlins« verlor keine Schlacht
Vor 200 Jahren starb Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz, der »allezeit Glückliche«, in Königsberg

Unter den preußischen Feldherren zur Zeit der napoleonischen Kriege gab es nur einen, der niemals als Verlierer vom Schlachtfeld ging und mehrere entscheidende Treffen gewann – das war Fried­rich Wilhelm Freiherr von Bülow, Graf von Dennewitz. Dabei machten ihn vor allem die drei Siege populär, mit denen er zum „Retter Berlins“ wurde.

Die Männer aus dem Adelsgeschlecht derer von Bülow erwiesen sich fast immer als überdurchschnittlich befähigt, aber eigensinnig. Selbiges traf ganz besonders auf Fried­rich Wilhelm Freiherr von Bülow zu. Obzwar er am 3. Juni 1814 wegen seiner Verdienste in den Grafenstand erhoben wurde und es zudem zum General der Infanterie und Träger solch hoher Auszeichnungen wie dem Großkreuz des Eisernen Kreuzes und Eichenlaub zum Pour le Mérite brachte, musste er sich von keinem Geringeren als dem legendären Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher vorwerfen lassen: „Sie sind gut zum Befehlen, aber schlecht zum Gehorchen!“

Dieser Tadel resultierte aus dem Umstand, dass Bülow, der am 16. Februar 1755 in Falkenberg geboren worden war und seit 1768 dem preußischen Heer angehörte, einige wichtige Entscheidungen getroffen hatte, die dem erklärten Willen seiner Vorgesetzten zuwiderliefen. Allerdings – und das ist der springende Punkt – erwiesen sich diese im Nachhinein stets als vollkommen richtig. Zudem leistete der Offizier zuvor jahrzehntelang diszipliniert und aufopferungsvoll Dienst, so beispielsweise beim Sturm auf die Zahlbacher Schanze im Ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich, der ihm 1793 den Pour le Mérite eintrug, oder im Gefecht von Waltersdorf im Februar 1807, das er mit einem zerschossenen Arm durchfocht.

Dann freilich kam der Feldzug von 1813, in dem Bülow, der mittlerweile zum Generalleutnant avanciert war, das III. Armeekorps führte und in entscheidendem Maße zum erfolgreichen Auftakt der Befreiungskriege gegen Napoleon beitrug. Dabei war vor allem sein Sieg im Gefecht bei Luckau am 4. Juni 1813 von strategischer Bedeutung. Ungeachtet des Umstandes, dass Bülow strikt defensiv agieren sollte, weil der Gegner in doppelter Stärke antrat, attackierte er das Kontingent des französischen Marschalls Charles Nicolas Oudinot. Dieses erlitt hierdurch derart starke Verluste, dass es den geplanten Vormarsch nach Berlin abbrechen musste.

Dem folgten der Waffenstillstand von Pläswitz und das Wiederaufflammen der Kämpfe im August 1813. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Bülowsche Korps zur preußisch-schwedisch-russischen Nordarmee unter dem Kommando des schwedischen Kronprinzen Karl Johann alias Jean Baptiste Bernadotte. Und der wiederum wollte Bülow zum Abzug nötigen, als Oudinot zum zweiten Mal mit einer „Armée de Berlin“ aufmarschierte und schließlich am 23. August nur noch 18 Kilometer südlich der preußischen Hauptstadt stand, die Bonaparte unbedingt zu besetzen trachtete, um den Widerstand des Gegners zu brechen. Doch da begehrte der Preuße auf: „Mich bekommt Bernadotte nicht gutwillig dazu, dass ich über seine Brücke bei Moabit zurückgehe! Unsere Knochen sollen vor Berlin bleichen, nicht rückwärts!“ Deshalb griff er die Franzosen dann bei Großbeeren an, obwohl die sich erneut in der Überzahl befanden und inzwischen auch heftiger Regen niederprasselte, der die Gewehre seiner Männer versagen ließ, weshalb sie zum Bajonettangriff übergingen. Angesichts dieser Entschlossenheit trat Oudinot den Rückzug nach Wittenberg an. Damit war Berlin nun zum zweiten Male gerettet.

Das hinderte Napoleon jedoch nicht daran, einen weiteren Angriff zu befehlen, nachdem er den gescheiterten Oudinot durch Marschall Michel Ney, seinen „Tapfersten der Tapferen“, ersetzt hatte. Der rückte dann Anfang September mit drei Armee- und einem Kavalleriekorps auf Berlin zu, während sich die Nordarmee nur zögernd dagegen formierte. Hierdurch geriet das kleine IV. Korps des preußischen Infanteriegenerals Bogislav Fried­rich Emanuel Graf von Tauentzien in heftige Bedrängnis, als es am 6. September 1813 bei Dennewitz auf die Franzosen stieß. Daraufhin handelte Bülow erneut komplett auf eigene Verantwortung, indem er spontan mit seinen 30000 Mann zu Hilfe eilte. Dadurch standen den 70000 feindlichen Soldaten nun wenigstens 40000 Preußen gegenüber. Anschließend gelang es Bülow und Tauentzien, Ney eine vernichtende Niederlage beizubringen und die Bedrohung für Berlin endgültig zu beenden.

Allerdings kam es trotz dieses Sieges zu einem totalen Zerwürfnis zwischen Bernadotte und Bülow, den die dankbaren Berliner nun den „allezeit Glücklichen“ nannten. Deshalb zog Bernadotte auch nur äußerst widerwillig in die Völkerschlacht von Leipzig, während Bülow wiederum besonders draufgängerisch agierte.

Eine weitere Kostprobe seines unvergleichlichen Gespürs für das Richtige ungeachtet anderslautender Befehle gab Bülow, der 1813/14 geradezu mit Ehrungen überschüttet worden war und als Dotation die ostpreußischen Rittergüter Grünhoff, Rudnicken und Neuhausen erhalten hatte, im Endkampf gegen Napoleon. Weil Bülow mit dem ihm unterstehenden Armeekorps nicht an den aufreibenden Kämpfen um Ligny teilnahm, sondern seinen Leuten eine etwas längere Erholungsphase gewährte, konnte er am Nachmittag des 18. Juni 1815 mit ausgeruhten Truppen auf dem Schlachtfeld von Belle-Alliance (Waterloo) erscheinen und die rechte Flanke der Franzosen bei Plancenoit eindrücken, was dem Treffen die letzte, entscheidende Wende gab.

Dennoch aber blieb das Verhältnis zwischen Bülow und Blücher, der dem selbstbewussten Untergebenen schon seit Anfang 1811 distanziert gegenüberstand, gespannt. Dies zeigte sich unter anderem nach dem preußischen Sieg im Streit um das Schicksal der Pariser Brücke Pont d’Iéna, die an die Schlacht von Jena und Auerstedt erinnern sollte. Blücher, der in Ligny um ein Haar gefallen wäre, wollte das Bauwerk sprengen lassen, um die Franzosen zu demütigen, während Bülow einen generöseren Umgang mit dem besiegten Feind anmahnte.

Im Oktober 1815 kehrte der General, deutlich von den Entbehrungen der letzten Jahre gezeichnet, nach Preußen zurück und übernahm kurz darauf das I. Armeekorps in Königsberg. Dort starb er dann am 25. Februar 1816 an den Folgen einer schweren Erkältung, die er sich bei der Jagd zugezogen hatte. Als dies publik wurde, legte das gesamte preußische Offizierskorps eine dreitägige Trauerzeit ein.           

                Wolfgang Kaufmann


Eine offene Ehe im Preußen Friedrich Wilhelms III.
Caroline von Humboldt verband mit ihrem Ehemann Wilhelm das Streben nach Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit

Caroline von Humboldt, die vor 250 Jahren geborene Gattin des preußischen Universalgelehrten, Bildungsreformers, Universitätsgründers, Schriftstellers und Staatsmannes Wilhelm von Humboldt, wurde in der Geschichtsschreibung lange Zeit als Urbild einer fürsorglichen Ehefrau und Mutter beschrieben, ganz im Sinne der Idealisierung der Humboldt-Familie. Tatsächlich war sie eine der bedeutendsten Frauenpersönlichkeiten ihrer Zeit.

Mit ihrem Mann, dem sie eine ebenbürtige Partnerin war, führte Caroline eine für damalige Verhältnisse unkonventionelle Ehe mit vielen Freiheiten. Sie bekam acht Kinder und lebte trotzdem ihre kulturellen Interessen aus. Außergewöhnlich für eine Frau ihrer Zeit war nicht nur ihr geschulter Kunstverstand. Mit ihrem Mann übersetzte sie altgriechische Texte, sprach Französisch, Italienisch und Spanisch, unterhielt Briefwechsel mit den Geistesgrößen ihrer Zeit. Sie war Beraterin ihres Mannes und umschwärmte Gastgeberin ihrer Salons in Berlin, Paris und Rom.

Am 23. Februar 1766 wurde Carolina Friederica von Dacheröden als Tochter des preußischen Kammerpräsidenten Freiherr Karl Fried­rich von Dacheröden und seiner Frau Ernestine Gräfin von Hopfgarten in Minden geboren. Mit ihrem Bruder, der 1806 kinderlos verstarb, wuchs sie in Erfurt und auf den elterlichen Gütern in Burgörner bei Hettstedt und Auleben bei Nordhausen auf. Seit ihrem achten Lebensjahr mutterlos, wurde sie zunächst von einer französischen Erzieherin betreut und erhielt anschließend durch ihren Hauslehrer Rudolf Zacharias Becker eine überdurchschnittliche Bildung.

Dafür sorgte ihr Vater, ein engagierter Förderer von Wissenschaft und Kunst. Neben der Statthalterei Dalberg war Carolines Elternhaus ein kulturelles Zentrum der Stadt. Im Haus Dacheröden am Anger 37/38 – heute einer der prächtigsten Renaissancebauten in Erfurt – trafen sich Johann Wolfgang Goethe, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder und andere zum Gedankenaustausch. Carolines Jugendfreundinnen waren Caroline und Charlotte von Lengefeld. Charlotte, die Jüngere, heiratete 1790 Friedrich Schiller. 1789 verlobten sich Caroline von Dacheröden und Wilhelm von Humboldt heimlich auf einem Ball in Erfurt. Nach anfänglichem Zögern stimmten die Eltern der Verbindung zu. Die Hochzeit fand am 29. Juni 1791 in Erfurt statt. Anschließend lebte das Paar zweieinhalb Jahre auf den Gütern des Schwiegervaters und in Erfurt, danach in Berlin, wo Caroline einen literarischen Salon führte. Zu ihrem Freundeskreis gehörten Henriette Herz, Georg Forster und seine Frau Therese sowie Rahel Levin.

Nach nur einem Jahr hatte Wilhelm von Humboldt 1791 seinen Abschied als Legationsrat beim Berliner Kammergericht genommen, um sich ganz der Selbstbildung zu widmen. Mit seiner Frau verband ihn eine tiefe, lebenslange Zuneigung, die auf einem lebhaften geistigen Austausch und der gemeinsamen Neigung zur Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit beruhte. Beide hielten sich in späteren Jahren an ihre Vereinbarung, die Affären des Partners zu dulden, von denen es auf beiden Seiten mehrere gab. Später lebte das Paar jahrelang getrennt, bedingt durch Wilhelms berufliche Tätigkeiten und einige Reisen, die Caroline nur mit den Kindern unternahm.

Ab 1794 lebten die Humboldts in Jena nahe bei dem Ehepaar Schiller. Caroline lernte Altgriechisch und arbeitete an Schillers „Horen“ mit, während ihr Mann sein Talent als Kulturkritiker entdeckte. Nach dem Tod seiner Mutter wurde er Besitzer von Schloss Tegel. Durch das ererbte Vermögen wurde er, ebenso wie sein Bruder Alexander, der Südamerika-Forscher, materiell unabhängig. 1797 zog die Familie nach Paris. Ihre Wohnung wurde Treffpunkt für fortschrittliche Denker, Maler, Dichter, Weltumsegler, Naturforscher und Politiker wie den Abbé Siéyès, Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord und sogar Napoleon Bonaparte. Hier entdeckte Wilhelm seine Begabung als Sprachforscher und eignete sich Wissen an, das ihm später als preußischer Vertreter auf den Kongressen von 1813 bis 1815 von Nutzen war, als die Neuordnung Europas beschlossen wurde. Hochschwanger reiste Caroline mit ihrem Gatten in das „rückständige“ Spanien, immer in großen Kutschen mit Bediensteten und Hauslehrern.

1802, mit knapp 35 Jahren, trat Humboldt seine erste Stelle an und wurde preußischer Ministerresident beim Vatikan. Für Caroline bot sich erneut die Gelegenheit, in ihrem Haus einen Ort intellektueller und künstlerischer Geselligkeit zu schaffen. Das gelang ihr dank ihrer viel gerühmten Wärme und Herzlichkeit. Im Palazzo Tomasi nahe der Spanischen Treppe empfing sie mit ihrem Mann oder, wenn dieser berufsbedingt abwesend war, allein 1802/03, 1805 bis 1810 und, nach vier stillen Jahren in Wien, von 1817 bis 1819 namhafte Gäste aus Politik, Wissenschaft und Kunst, darunter Angelika Kaufmann und Madame de Staël, Gottlieb Schick, Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. von Bayern. Goethe hatte mit seiner italienischen Reise einen Trend gesetzt. Für mehrere Generationen waren Italien und insbesondere Rom wegen der antiken Stätten und kulturellen Schätze das Land beziehungsweise die Stadt der Sehnsucht zahlreicher europäischer Künstler und Intellektueller. Zudem war Rom in diesen Jahren, in denen in Europa Kriege geführt wurden, ein Refugium, wo man sich dem Schöngeistigen und Privaten ungestört widmen konnte. Caroline nutzte ihre Kontakte und Freundschaften, um junge Maler und Bildhauer zu fördern, darunter Christian Daniel Rauch, Wilhelm Schadow, Joseph Anton Koch und Gottlieb Schick, auch sammelte sie selbst Kunstwerke und Antiken. In den glänzenden römischen Jahren erlebte die Familie von Humboldt aber auch großes Leid durch den Tod von dreien der acht Kinder.

Ihren Blick auf Kunst hatte Caroline in der Dresdener Gemäldegalerie geschult und 1798 bis 1801 in Paris, von wo aus sie allein nach Spanien reiste. Von einer zweiten Spanienreise im Jahr 1809 schick­te sie einige Beschreibungen von Raffael-Gemälden an Goethe, der sie anonym in der „Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung“ veröffentlichte. Es sind ihre einzigen veröffentlichten Texte.

Bis 1819 blieb Wilhelm von Humboldt in preußischen Diensten. Nach nicht einmal einem Jahr im Amt trat er als Minister für die ständischen und kommunalen Angelegenheiten wegen der Karlsbader Beschlüsse zur Überwachung und Bekämpfung liberaler und nationaler Tendenzen zurück. Ab 1819 lebte das Ehepaar von Humboldt wieder gemeinsam auf dem Familiengut Schloss Tegel. Caroline, die zunehmend an Rheuma und Gicht litt, starb am 26. März 1829. Ihr Gatte überlebte sie um sechs Jahre. Karl Friedrich Schinkel entwarf 1829 die Familiengrabstätte im Park. Die Säule mit der Skulptur der „Spes“ (Hoffnung) von Bertel Thorvaldsen ist vom Haus aus zu sehen.

Die Berliner Humboldt-Universität ehrt die Gattin ihres Gründers mit dem „Caroline-von-Humboldt-Preis“ für exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen, der im Jahr 2010 zum ersten Mal vergeben wurde.           D. Jestrzemski


S. 12 Leserforum

Leserforum

Kunst des Unmöglichen

Zu: Anzeichen von Verzweiflung (Nr. 4) und: Rückkehr der Schlagbäume (Nr. 4)

Wenn Politik, wie schon Bismarck sagte, die „Kunst des Möglichen“ bedeutet, dann leistet sich unsere politische Klasse zurzeit in der Flüchtlingskrise immer neue Anhäufungen des Unmöglichen. Völlig zerstritten und gelähmt durch Parteidisziplin und Fraktionszwang ist sie unfähig, in dieser für unser Land schicksalhaften Situation realistische Lösungen auch nur anzugehen. Diese Realitätsverweigerung gewinnt mittlerweile psychopathologische Dimensionen.

Nachdem wir mittlerweile in Europa die Letzten mit offenen Grenzen sind, werden die Flüchtlingsströme jetzt zur Winterszeit in unwürdiger Weise von Grenze zu Grenze herumgereicht – und dann zu uns durchgewunken. Aber es sind Menschen!

Unsere Bundeskanzlerin hat mit ihrem Fanal der „unbegrenzten“ Aufnahmebereitschaft, das bis nach Zentralafrika vernommen wurde, in unverantwortlicher Weise eine Entwicklung in Gang gesetzt, die bei uns jetzt alle Grenzen des Möglichen sprengt. Denn eine Hilfsbereitschaft um den Preis der Selbstaufgabe kann es nicht geben.

Damit wurden einmal mehr Souveränitätsrechte preisgegeben. Denn die härtesten Kriterien für die Souveränität eines Staates sind die selbstbestimmte Kontrolle über seine Grenzen und über seine Währung: Beides ist bei uns nicht gegeben.

Dr. Horst A. Hoffmann, Kiel

 

 

Unterlassene Hilfestellung

Zu: Kein Satz zu den deutschen Kriegsgefangenen (Nr. 4)

Adenauer erklärte nach dem Krieg: „Die ,Befreiung‘ war eine grausame Enttäuschung.“ Zu den russischen Kriegsgefangenen muss aber Folgendes ergänzt werden: Die über fünf Millionen Kriegsgefangenen konnten im Krieg nicht versorgt werden. Als das Internationale Rote Kreuz Stalin um die Zustimmung bat, den Gefangenen zu helfen, lehnte Stalin ab. „Wer sich gefangen nehmen lässt, ist ein Verräter“ und werde liquidiert. Als sich die Wehrmacht zurückzog, hatte Stalin die Millionen Soldaten sofort eingesetzt. US-Präsident Roosevelt rechnete sogar mit der Eroberung ganz Europas durch die Sowjets.

Die Rote Armee aber war geschwächt. Nach dem Krieg erklärte Generalfeldmarschall von Manstein: „Wäre der Druck der US-Armee nicht so stark gewesen, hätten wir die Russen stoppen können.“ Darum durfte die Regierung nichts für die Kriegsgefangenen tun.

Tim Diedrich Plate, Lübeck

 

 

Glaubenskampf der Klima-Ideologen

Zu: In Ruhe abwarten (Nr. 5)

Die Rezensentin empfiehlt dem Leser, doch lieber den Klimawissenschaftlern des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung Gehör und Glauben zu schenken. Und an dieser Wortwahl sieht man schon: Es geht um Glaube und Anmutung. So unterstellen Kritiker dem Buchautor Gerd Ganteför Ahnungslosigkeit in der Klimaforschung. Begründung: Er ist ja „nur“ Nanophysiker.

Darf man sich Gedanken darüber machen, dass die Herren Schellnhuber, Rahmstorf und Levermann auch „nur“ Physiker sind. Darf man die „Studienergebnisse“ des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme, wonach die Energiewende sogar Kosten sparen könne (man beachte den Konjunktiv!) vor der Realität der enormen Steigerung der Energiekosten durch die Energiewende für Otto Normalverbraucher und Industrie, vielleicht nicht doch etwas in Zweifel ziehen. Oder ist das Szenario einer Klimakatastrophe, wie sie Schellnhuber in seinem neuen Meisterwerk der manichäischen Horror- und Endzeitprosa „Selbstverbrennung“ beschreibt, irgendwo glaubhafter?

Der Klimafolgenforschung kann man nicht mehr oder weniger Glauben schenken − es ist eine Glaubensfrage. Alles, was die Modelle vorhersagen, wird vorsichtshalber in den Konjunktiv gestellt. Es ist, was die Folgen betrifft, bedenklich, aus einem Konjunktiv in einen Imperativ für das notwendig zu Tuende zu wechseln.

Aber angesichts der sicher absehbaren und gut einzuschätzenden Folgen einer Decarbonisierung (was für eine intrinsisch- dämliche Wortschöpfung, bedeutet es in Consecutio doch: Abschaffung allen irdischen Lebens) und der großen Transformation habe ich mich für ein Verbleiben in der Realität entschieden. In dieser folgt das Klima seiner Neigung, nämlich sich zu wandeln. Das ist das Wesen des Klimas und das tut es ohne unsere menschliche Mitwirkung schon seit mehr als vier Milliarden Jahren und wird es weiter tun. Klima ist aber kein Wesen. Klima ist ein mathematisch-statistisches Konstrukt, es lässt sich nicht anfassen, nicht festhalten, nicht pflegen, nicht schützen, nicht retten und vor allem nicht vorhersagen.

Die Energiewende hat zwar zu keiner messbaren Reduktion des CO2-Ausstoßes geführt, die Zerstörung der Natur wird aber in Deutschland unerbittlich vorangetrieben, so unerbittlich, dass Vo­gelhorste von gefährdeten Greifvögeln, die den Zubau von Windturbinen in Naturschutzgebieten in Frage stellen, von den Klimaschützern im Vorfeld der Antragsverfahren ausgeräumt werden, im Zweifelsfalle mit der Kettensäge.

Klimawissenschaften sind relativ jung und stehen erst am Anfang. Die Komplexität des Klimas ist so groß, dass mich alle Bemühungen, das Klima in 100 Jahren im Computer zu modellieren zu wollen, an den galaktischen Rechner im Science-Fiction-Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ erinnern, der bei der Frage nach dem Sinn des Lebens nach etlichen Milliarden Rechenzeit zum komischen Ergebnis kommt: 42!

Die Modellierer können nachweislich die real gemessenen Daten aus der Vergangenheit nicht ohne „Anpassungen“ in ihren Modellen nachvollziehen und haben deswegen die zu 98 Prozent konsensfähigen Ergebnisse soweit in die Zukunft verlegt, dass sie, wenn es denn doch ganz anders kommt, für die Folgen ihres Aktionismus nicht mehr einstehen müssen. Der besungene Konsens, mit wem oder was eigentlich, ist allenfalls selbstreferenziell.

Über die große Transformation dürfte auch noch einiger Diskussionsbedarf bestehen. Ich würde da über die vom Buchautor Ganteför gemachten Aussagen noch hinausgehen. Die Auswirkungen werden die Folgen der ausgelebten Ideologien des 20. Jahrhunderts wie einen Kindergeburtstag erscheinen lassen.

Also lassen wir doch bitte jedem seinen Glauben und miss­trauen den Ideologen − und das in aller Ruhe!

Dr. Bernhard Klesser, Blaubeuren

 

 

Reine Demokratie

Zu: Klare Distanz zu China (Nr. 3)

Die Ergebnisse der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Taiwan zeigen, dass die Demokratie als Wert im taiwanischen Volk tief verwurzelt ist. Wie die desig­nierte Präsidentin der Republik China (Taiwan), Tsai Ing-wen, in ihrer Siegesrede betont hat, haben beide Seiten der Taiwanstraße die Verantwortung, akzeptable Mittel der Interaktion zu finden, die auf Würde und Gegenseitigkeit basieren.

Taiwans demokratisches Sys­tem, nationale Identität und internationaler Spielraum müssen respektiert werden. Alle Formen der Unterdrückung schaden der Stabilität der Beziehungen über die Taiwanstraße.

Sabrina H.C. Ku, Presseabteilung Taipeh Vertretung, Berlin

 

 

Geheimdienstlich gesteuerter Terror

Zu: Europas Abwehrstellen überfordert (Nr. 4)

War es tatsächlich wiederholte Überforderung, oder wurde vielmehr dem bereits bekannten Pariser Hauptattentäter der mehrfache Zugang aus Syrien nach Europa und die Bewaffnung seiner Gruppierung mit Kriegswaffen ermöglicht, um eine indirekte Rehabilitation der unter Kritik geratenen Geheimdienste zu erreichen?

Warum ist es für Terroristen und Kriminelle so einfach, Kriegsgerät aus den Balkanländern in den Schengenraum zu befördern? Wo sind da die „vorbildlichen“ Dienste? Kann mit den vorgeb­lichen Erfolgen der NSA die Totalüberwachung der Völker Europas gerechtfertigt werden?

Nach Ansicht des Autors wohl durchaus. Freiheit sei durch Opferung der persönlichen Freiheiten zu bewahren, andernfalls drohe der Verlust des Lebens. Widerspruch ist da anscheinend zweck­los, doch mit angeblicher Terrorabwehr lassen sich Schritt für Schritt die Freiheitsrechte der Bürger abschaffen, die man vorgibt zu verteidigen.

Klug wäre, kritische Distanz zum Geheimdienstgeschehen zu wahren, gerade da sich Hinweise mehren, dass die großen Terrororganisationen nicht ohne Hilfe und Steuerung der US-ge­führten Dienste entstanden sind und am Leben erhalten werden.

Blindes Vertrauen ist nur bei oberflächlicher Betrachtung der Vorgänge möglich und generell gegenüber Politik, Medien und Diensten nicht per se ratsam, da deren Wirken anscheinend immer weniger zu unser aller Wohl zu sein scheint.

Der Zustrom junger Kämpfer nach Syrien ist nur per Duldung der türkischen Regierung und mit Wissen der Nato möglich. Bewaffnung und Ölverkauf ebenso. Ein Bodenkrieg mit westlichen Truppen unterbleibt aus sehr guten Gründen, vielmehr muss der militärische Weg mit den Mitteln der Austrocknung und Aufdeckung der geopolitischen Machenschaften und Interessen aller Beteiligten ergänzt werden.

Letzten Endes muss das Übel bei der wahhabitisch, salafistischen Wurzel gepackt und Saudi-Arabien für die massive ideologisch-finanzielle Förderung des Terrorismus in aller Welt angeprangert werden.

In Europa befindliche Dschihadisten und Radikale müssen per Eilverfahren aus dem Kontinent ausgewiesen werden, da eine Überwachung auf Lebenszeit durch polizeiliche Kräfte den europäischen Gesellschaften unzumutbar ist.

Florian Klinger, München

 

 

Ein Rohrkrepierer

Zu: Das Ende der Rechtsgleichheit (Nr. 4)

Die Erklärung seitens führender Vertreter der sogenannten Altparteien, in Fernsehrunden nur dann aufzutreten, wenn keine Vertreter der AfD eingeladen werden, damit diese keine Plattform erhielten, kann sich möglicherweise als kontraproduktiv, nämlich gerade als Wahlhilfe für die stigmatisierte Partei erweisen. Viele Wähler werden dieses Vorgehen als Trick­serei werten, gespeist aus einer Haltung, die man als „Arroganz der Macht“ (J. W. Fulbright) bezeichnen könnte. Und vielleicht aus einem Gefühl für Gerechtigkeit heraus werden sie nun bei der gebrandmarkten Partei ihr Kreuz machen, obwohl das zuvor nicht ihr Plan gewesen war. Also ist das ein klassischer Rohrkrepierer.

Dieter Dziobaka, Hamburg

 

 

Es wird Zeit für einen Paradigmenwechsel in der Politik

Zu: Anzeichen von Verzweiflung (Nr. 4)

Der Zustrom von Einwanderern reißt nicht ab. Natürlich kann man so weiter machen wie bisher. Jede Turnhalle, jeder leer stehende Baumarkt, jedes leere Verwaltungsgebäude könnte umgebaut und belegt werden. Neubauten von Sozialwohnungen sind anzuschieben. Die Fertigstellung ist aber frühestens 2018. Bis dahin wandern weitere drei Millionen Personen plus Geburten ein.

Man könnte noch jedes Haus abklopfen und die Belegung prüfen. Viele Häuser werden von ein bis zwei älteren Personen bewohnt. Vorhandener Freiraum, Kinderzimmer, Gästezimmer, Einliegerwohnung, auch Zweit- und Ferienwohnungen könnten gegebenenfalls mit Zwangsmaßnahmen anstatt an Urlauber an Einwanderer vermietet werden. Es gibt in unserer Wohlstandsgesellschaft noch viel Platz, der vollgestopft werden kann. Bezieht sich der Kanzlerinnenausspruch: „Wir schaffen das!“ auf diese Möglichkeiten?

Wir könnten aber auch innehalten und uns in aller Vernunft fragen: Muss ein Volk Personen in unbegrenzter Zahl aus den verschiedensten Ländern der Erde in seinem Land in unbegrenzter Zahl und Qualifikation auf Dauer aufnehmen und einbürgern? Ist es nicht unser Recht, dass die Regierung zuerst für das eigene Volk und dessen Wohlergehen sorgt. Taten das nicht schon die Römer in den Jahren 104 bis 101 v. Chr., als sie bei Vercaelle und Aqua Sextiae die um Aufnahme bittenden Kimbern und Teutonen abwiesen respektive vernichteten? Wir machen das heute nicht nach, aber wir stehen auf dieser gewachsenen Erfahrung. Und das seit zwei Jahrtausenden. Wir müssen ausspielen und anwenden, was wir erfahren und gelernt haben. Das ist weder fremdenfeindlich noch rassistisch.

Diese Frage ist von solch elementarer und lebenswichtiger Bedeutung, dass sie nur mittels einer Volksbefragung zu entscheiden ist. Man muss sich klar darüber sein, dass eine Masseneinwanderung von Menschen aus anderen Ethnien in einigen Generationen zu einer Verdrängung der Alteingesessenen führt.

Unsere Population ist gering. Wir wissen es. In ein paar Jahrzehnten wird es deutlich mehr alte als junge Deutsche geben. Wird der kleiner werdende Anteil der jungen Deutschen für die Alten aufkommen wollen oder überhaupt können? Wird die Pensionskasse und die Rentenkasse zusammengelegt und eine Durchschnittsversorgung gebildet?

Glaubt jemand, dass die Eingewanderten hierhergekommen sind, um für die Deutschen zu arbeiten, und dass sie bereit sind, für die alte, deutsche Bevölkerung in die Versorgungskassen einzuzahlen, insbesondere wenn sie Macht haben? Sie werden eher für ihre Ethnien eigene Altersversorgungen einrichten.

Zurzeit sind wir damit befasst, die Eingewanderten zu registrieren. Das wird Monate dauern. Damit verbunden ist die Aufnahme und Zuweisung von Wohnung und Arbeit. Von einer Integration ist das noch Lichtjahre entfernt. Integration beginnt erst, wenn eine feste Wohnung vorhanden ist, wenn Arbeit und Einkünfte gegeben sind, wenn die Familie zusammen ist und wenn die Sprachkenntnisse zu einer Verständigung ausreichen. Damit sind die ersten fünf Jahre vorüber. Also ab etwa 2020 kann man damit beginnen, von Integration zu reden, wenn der Einzelne es denn will.

Die Masseneinwanderung versetzt uns einen Schock und zwingt uns darüber nachzudenken, in welcher Art, in welchem Umfang und wie nachhaltig sich unser Volk dadurch verändern wird. Das von 1960 bis heute andauernde langsame Einsickern von Fremden hat für die Altgesellschaft die gleiche Auswirkung. Über die Konsequenz nachzudenken wurde bisher unterlassen. Nun wirkt beides zusammen.

Wir dürfen nicht so fahrlässig sein und auch nicht so verantwortungslos gegenüber unseren Nachfahren, dass wir ohne eine umfassende Diskussion, in die alle Meinungen unserer Bürger einfließen, einfach so weitermachen.

Es muss ein Paradigmenwechsel angegangen werden. Die Politik und Behörden des Landes haben uns den Zustand eingebrockt und werden den Teller auslöffeln müssen.

Karl Heinz Pape, Bremen

 

 

Ironisches Lob

Zu: Der Feind heißt Deutschland (Nr. 3)

Natürlich heißt der Weltfeind Deutschland. Das ging schon mit den Germanen los, die nicht nur das Zivilisierungsangebot des römischen Feldherren Varus abgelehnt, sondern auch noch das damals moderne Weströmische Reich vernichtet haben. Und wer stand angeblich begeistert hinter den Welteroberungsplänen der mittelalterlichen Kaiser, von Bismarcks, Kaiser Wilhelms und Adolfs? Der ewige Deutsche, der auch heute noch hinter seiner demokratischen Fassade darauf lauere, die kulturbereichernden Einwanderer zu massakrieren oder wenigstens zu verjagen.

Dank linker Aufklärung wissen wir, dass Deutschland in allen Schichten und Altersstufen weiter rassistisch durchseucht sei. Nur der dumpfe Michel begreift nicht, dass die AfD für die schwarzrotgrüne Wertdemokratie ohne Volk eine Bedrohung ist, wie einst die NSDAP für die Republik. „Für Deutschland“ könne nur heißen: für engstirnigen, islamophoben, europafeindlichen, rückwärtsgewandten Nationalismus.

Ihr reaktionären Leute von der PAZ: Hört auf, unsere Angie dauernd runterzumachen! Merkels Herz ist rein und kühn. Mit der Abschaffung von Grenzen und unbegrenzter Willkommenskultur, mit flexibler Aussetzung von humanitätsfeindlichen Gesetzen und Verträgen wollte diese großartige Visionärin ein neues Zeitalter der Menschlichkeit. Sie scheiterte am Kleinmut von Lokalpolitikern, mäkelnden Kassenwarten und ewigen Zweiflern. Finanzielle Grenzen und die üblichen Vielvölkerstaatsprobleme wären zu schaffen gewesen durch unseren teutonischen Willen, dem außer verlorenen Weltkriegen schon alles gelungen ist.

Aber nichts ist so, wie es scheint. Was, wenn Merkel gerade durch die Fütterung der EU und der Banken mit dreistelligen Milliardensummen und durch die Anwerbung von Millionen Einwanderern uns aufrütteln will, dass es so nicht weitergehen kann? Mal ehrlich, wir satten, dick­felligen Deutschen hatten uns Jahr für Jahr gewöhnt an ein paar hunderttausend moslemische und nichteuropäische Einwanderer, an ein paar Dutzend Milliarden für Brüssel und andere gute Zwecke. Der rechte Rand brachte es höchstens zu gepflegter Sachkritik, etwas Action durch Pegida und zu einigen Landtagssitzen für die AfD.

Es bedurfte schon der Einladungen von Merkel und Gauck und der dadurch ausgelösten Völkerwanderung, um uns alle und den Rest Europas richtig aufzuscheuchen. Es ist gelungen, jetzt ist Ende der Routine, wir genießen inzwischen voll die Aufregung, beobachten schärfer und stellen Fragen: Wollen Merkel und Konsorten durch alles, was sie sagen, tun und unterlassen, nicht gerade die versäumte geistig-moralische Wende des Ex-Kanzlers Helmut Kohl erzwingen? Wollen sie − mehr noch − alle denkbaren Bedingungen für die Wiedergeburt militanter Nationalismen herstellen? Ja, das könnten sie schaffen.

Rudolf Kraffzick, Hainau


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Königsberg feiert E.T.A. Hoffmann
Nach Ausstellungszyklus der vergangenen Jahre: Gebietsmuseum macht 2016 zum Jubiläumsjahr

Am 25. Januar legte eine Gruppe von Verehrern des Dichters Blumen am Gedenkstein E.T.A. Hoffmanns nieder. Gleichzeitig wurde im Gebietsmuseum eine Ausstellung eröffnet, die eine Reihe von Veranstaltungen anlässlich des 240. Geburtstags des beliebten Romantikers einleiten soll. Diese werden sich über das ganze Jahr 2016 erstrecken.

An der Feierstunde mit Blumenniederlegung am Gedenkstein E.T.A. Hoffmanns nahmen Kulturvertreter der Stadt Königsberg, Mitarbeiter des  Gebietsmuseums, Schriftsteller und Journalisten teil. Es wurden einige Worte über den Schriftsteller gesagt, Geschichten erzählt, die mit seinem Werk und der Anbringung der Gedenktafel in Verbindung stehen. Es wurden auch Gedichte vorgelesen, die der Persönlichkeit Hoffmanns gewidmet waren.

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann genießt im Königsberger Gebiet große Verehrung. Er wurde am 24. Januar 1776 in Königsberg geboren, studierte an der  Albertina und erzielte hier erste literarische Erfolge. Mit seinem Schaffen begann eine neue Generation von Märchen.

Hoffmann verbrachte seine ersten Lebensjahre in einem Haus in der Französischen Straße. Heute steht in der Nähe dieses Hauses ein Gedenkstein. Interessant ist, dass dieser Findling ursprünglich als Denkmal für Wladimir Iljitsch Lenin bestimmt war. Seinerzeit sollte neben dem Haus der Räte dem „Führer des Proletariats“ ein Denkmal gesetzt werden. Der Platz für den Stein mit einer Tafel war schon bestimmt, doch mit dem Aufkommen der Perestrojka verlor diese Initiative an Bedeutung. Der Stein mit der Tafel blieb jedoch am Fuße des Hauses der Räte liegen.

Die Anhänger Hoffmanns fanden schließlich eine neue Verwendung für ihn. In einer Nacht-aktion wurde der Stein vom Haus der Räte an seinen neuen Aufstellungsort verlegt, die Tafel ausgetauscht, und seitdem ziert er die Grünanlage unweit des Gebäudes der staatlichen Rundfunkstation „Kaliningrad“.

Ungeachtet dessen, dass auf dem Stein die Aufschrift „Hier befand sich das Haus, in dem der deutsche Schriftsteller und Komponist der Romantik, E.T.A. Hoffmann, seine ersten Lebensjahre verbrachte“ eingraviert ist, liegt der Stein einige hundert Meter von der Stelle entfernt, an dem dieses Gebäude gestanden hat.

Das kunsthistorische Gebietsmuseum, das ganz in der Nähe der ehemaligen Französischen Straße liegt, bewahrt die Tradition und die Erinnerung an den herausragenden Dichter. Das Museum ist Mitglied in der Internationalen E.T.A.-Hoffmann-Gesellschaft.

In den vergangenen zehn Jahren haben die Museumsmitarbeiter einen Ausstellungs-Zyklus über das Werk Hoffmanns erarbeitet, darunter „Die Alchemie E.T.A. Hoffmanns“, „Spaziergänge mit E.T.A. Hoffmann und 235 Fantasien“, „Die magische Welt E.T.A. Hoffmanns“, „Und der Hoffmannsche Kater schleicht leise herein …“, „Das Theater Hoffmanns“ und „Die Suche nach dem Goldenen Topf“.

Für den russischen Leser ist wohl die bekannteste Erzählung Hoffmanns „Der Nussknacker“, die im weltberühmten Ballett von Pjotr Iljitsch Tschajkowskij verewigt worden ist. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade der Nussknacker eng mit dem Schaffen von Hoffmann assoziiert wird und ein unverzichtbarer Teil bei Museumsveranstaltungen ist, die sich mit Hoffmann beschäftigen.

Zurzeit bereitet das Gebietsmuseum ein neues Projekt mit dem Namen „Der russische Hoffmann“ vor, in dessen Rahmen für dieses Jahr eine Reihe von Veranstaltungen geplant ist. Die Museumsfachleute wollen gleichsam ein „Museum im Museum“ schaffen, einen Ausstellungsraum, in dem sich die Besucher mittels ihrer reichen Vorstellungskraft mit dem von ihnen verehrten Dichter, aber auch mit den Helden seiner Werke treffen können. Die erste Ausstellung mit dem Titel „Architekt der eigenen Einsamkeit“ begann im Kunstatelier des Museums. Die Ausstellung präsentiert Puppen und grafische Arbeiten. Sie stammen von Künstlern aus Königsberg, Moskau sowie St. Petersburg und zeugen vom widersprüchlichen Naturell Hoffmanns. Das Leitmotiv der Ausstellung ist das Thema der Einsamkeit eines kreativen und genialen Schriftstellers.

                Jurij Tschernyschew


Geburtenrate in Nordostpreußen steigt
Staatliche Unterstützung für Eltern kommt gut an – Gebiet ist auch bei Einwanderern beliebt

Für das vergangene Jahr lässt sich ein Anstieg der Geburtenrate im Königsberger Gebiet verzeichnen. Es wurden 219 Kinder mehr geboren als 2014. Die Geburtenrate lag bei 12,8 pro 1000 Einwohner. Die Sterblichkeit blieb in etwa auf dem früheren Stand von 13,3 auf 1000 Einwohner. Der natürliche Bevölkerungsrückgang blieb erhalten, aber dessen Dynamik ließ um 454 Menschen nach. Zum Vergleich: 2009 betrug die Abnahme der Bevölkerung 2900 Personen, 2011 waren es 1500.

Zur Erhöhung der Geburtenrate hat unter anderem die Einführung des Gesetzes über eine monatliche Zahlung für das dritte und jedes weitere Kind beigetragen. Der Umfang des staatlichen Kindergeldes im Königsberger Gebiet bei der Geburt beträgt ab diesem Jahr umgerechnet etwas über 5000 Euro. Den größten Teil dieses Geldes verwenden die Familien dafür, ihre Lebensumstände zu verbessern.

Seit der Einführung des staatlichen Kindergeldes sind 20000 Familien in den Genuss der Zuwendung gekommen. Das Gesetz war in der Gebietshauptstadt 2011 verabschiedet worden. Bei der Geburt des dritten oder vierten Kindes erhalten die Familien umgerechnet 1160 Euro, für das fünfte und jedes weitere 2317 Euro. Drillinge bescheren ihren Familien materielle Unterstützung in Höhe von rund 11600 Euro. Seit 2011 erhielten 15 Familien eine solche Auszahlung vom Staat.

Die Familien können das Geld entweder für die Renovierung oder den Kauf einer Wohnung, für die Beschaffung sogenannter langfristiger Ausrüstungsgegenstände, zum Beispiel ein Auto, oder für medizinische Dienstleistungen für Mutter oder Kind ausgeben, wenn die Art der ärztlichen Hilfe nicht von der kostenlosen medizinischen Versorgung gedeckt ist. Das Erziehungsgeld kann, nachdem das Kind das erste Lebensjahr erreicht hat, weitere drei Jahre verwendet werden.

Die Regionalregierung hat festgestellt, dass dank der Einführung dieser Unterstützung in den vergangenen fünf Jahren Familien mehr Kinder bekommen haben. Der Anteil von Zweitgeburten liegt bei 57 Prozent. Die Statistikämter verbuchen auch einen Anstieg von kinderreichen Familien. Im gesamten Königsberger Gebiet gibt es von ihnen 5000.

Allerdings sinkt die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter: Waren es 2011 noch 48,1 Prozent der weiblichen Bevölkerung, machten diese 2014 nur noch 45,4 Prozent aus. Jedoch stieg gleichzeitig die Zahl der Geburten bei der Altersgruppe 30 plus: bei den 30 bis 34-Jährigen um 8,8 Prozent, bei den 35- bis 40-Jährigen um 6,3 Prozent und bei den 40 bis 44-Jährigen um 11,6 Prozent. In derselben Zeit sank die Zahl der unehelichen Geburten.

Während in 53 Regionen Russlands die Bevölkerung im Jahr 2015 sank, stieg sie im Königsberger Gebiet um 7600 Personen. Dies geschah in erster Linie durch eine positive Einwanderungsbilanz. In den vergangenen fünf Jahren verlegten 81500 Menschen ihren ständigen Wohnsitz nach Nordostpreußen. Ihr Anteil beträgt 8,4 Prozent der Bevölkerung des Gebiets.          J.T.


MELDUNGEN

Armut in Südostpreußen

Allenstein – Das polnische Hauptstatistikamt hat den neuesten Bericht über Armut veröffentlicht. In der Republik Polen leben fast 2,8 Millionen Menschen unter dem Existenzminimum. Die meisten Armen gibt es in der Woiwodschaft Ermland und Masuren, Tendenz steigend. 2011 gab es 11,4 Prozent Arme, und jetzt sind es 14,8 Prozent. Die Mehrheit lebt auf dem Lande und in Kleinstädten. In der schwierigsten Lage befinden sich ältere Menschen, die von kleinen Renten leben, und junge Menschen, die erst ihre Berufskarriere beginnen und für einen Mindestlohn arbeiten oder auf der Basis der oft schlecht bezahlten sogenannten Müllverträgen (befristete Verträge mit eingeschränkten Arbeitnehmerrechten) leben.      E.G.

 

Schmuggel statt Grenzverkehr

Allenstein – 2015 besuchten weniger Russen Polen als im Jahr zuvor. Sie gaben auch 20 Millionen Zloty (4,5 Millionen Euro) weniger für Einkäufe aus. Dagegen ist der Wert der entdeckten Schmuggelwaren von sieben auf 14 Millionen Zloty gestiegen. Zigaretten wurden im Wert von über sieben Millionen Zloty beschlagnahmt, Fahrzeuge im Wert von 3,9 Millionen Zloty, loser Tabak im Wert von 2,8 Millionen und Alkohol für 224000 Zloty. Die Russen kaufen in Polen nur Markenalkohol, weil Wodka und Spiritus bei ihnen billiger sind. Die Rechnungen, die die Russen an der Grenze vorzeigten, um die Steuer zurückzubekommen (tax free), zeigen, dass sie in Polen zirka 180 Millionen Zloty ausgaben. Im Jahre 2014 waren es noch 200 Millionen. Die Abteilung des Grenzschutzes in Ermland und Masuren teilte mit, dass 2015 im Rahmen des sogenannten Kleinen Grenzverkehrs die polnisch-russische Grenze über sechs Millionen Menschen überschritten, und damit um die 5000 weniger als im Vorjahr. Über die Hälfte, nämlich 3,3 Millionen, waren Polen.              E.G.

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7: Liebemühl [Miłomłyn], Baustelle. Straße Nr. 7: Elbing [Elblag] – Jazowa, Baustelle; Liebemühl – Osterode [Ostróda], Baustelle; Zalusken [Załuski] – Napierken [Napierki], Baustelle. Straße Nr. 7j: Zalusken [Załuski] – Neidenburg [Nidzica], Baustelle. Straße Nr. 16: Osterode – Martenshöh [Marciniaki], Baustelle; Köhlershof [Kozarek] – Mertinsdorf [Marcinkowo], Baustelle. Straße Nr. 16c: Bischofsburg [Biskupiec] – Großborken [Borki Wielkie], Reparatur der Schutzplanken. Straße Nr. 22: Elbing [Elblag] – Fichthorst [Jegłownik], Baustelle. Straße Nr. 51: Allenstein [Olsztyn] – Pagelshof [Ameryka], Baustelle. Straße Nr.  53: Passenheim [Pasym] – Ortelsburg [Szczytno], Baustelle. Straße Nr. 59: Moythienen [Mojtyny], Umbau der Brücke; Farienen [Faryny] – Fried-richshof [Rozogi], Baustelle.          E.G.


S. 14 Ostpreussische Familie

100 Jahre gelebtes Ostpreußen
Die »Mutter der Ostpreußischen Familie« feierte ihr rundes Jubiläum daheim im trauten Kreis

Lewe Landslied, liebe Familienfreunde“, heißt es normalerweise an dieser Stelle, wenn Ruth Geede die Wünsche und Anfragen ihrer Landsleute beantwortet.

In dieser Woche hat Ruth Geede  sich allerdings eine Auszeit genommen, und das mit gutem Grund: Am vergangenen Wochen­ende hat ein großes Ereignis die emsige Ostpreußin von der Arbeit abgehalten: Die laut Recherchen eines Kollegen weltweit älteste noch aktive Journalistin ist am 13. Februar 100 Jahre alt geworden. Ein würdiger Anlass, den Tag feierlich mit Familie und Freunden zu begehen, anstatt in die Tasten zu hauen.

Obwohl Ruth Geede ihren Ehrentag im kleinen Rahmen zu Hause feierte, hatten doch zahlreiche Freunde, Weggefährten und Offizielle den Weg in ihre gemütliche Wohnung im Hamburger Stadtteil Niendorf, gefunden. Schon früh morgens stand an diesem besonderen Geburtstag das Telefon nicht still, Verwandte schneiten frühzeitig ins Haus. Kaum blieb der Jubilarin Zeit, sich in Schale zu schmeißen. Als der Empfang um 11 Uhr begann, empfing Ruth Geede frisch und fröhlich, in schickes preußisch blau gekleidet, ihre ersten Gäste. In der Frühe berichtete der Radiosender NDR Kultur über das Ereignis, Pressevertreter stellten sich zum Fototermin ein.

Als Vertreterin der Stadt Hamburg war Elke Wendt vom Bezirksamt Eimsbüttel gekommen, um der Jubilarin ein kleines Präsent und einen Brief des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz zu überreichen. Vor den Anwesenden verlas sie das Schreiben, in dem der Bürgermeister im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Ruth Geede „anlässlich dieses denkwürdigen Geburtstags alles Gute“ wünschte und schloss: „Es gibt nur wenige Menschen, die auf ein volles Jahrhundert zurückblicken können. Möge Sie die Gnade eines so langen, sicherlich oft auch beschwerlichen Lebensweges mit Dankbarkeit und Freude erfüllen ...“ Ruth Geede zeigte sich über die Ehrung erfreut und berichtete stolz davon, dass auch der Bundespräsident ihr gratuliert habe. Über eine so junggebliebene 100-Jährige wie Ruth Geede war die Stadtvertreterin überrascht. 

Die Landsmannschaft Ostpreußen war durch ihr Bundesvorstandsmitglied Brigitte Stramm und ihren Bundesgeschäftsführer Sebastian Husen vertreten, die im Namen des Bundesvorstands Grüße und ein Präsent überbrachten. Frau Stramm hatte sich ein ganz persönliches Geschenk für die dienstälteste Mitarbeiterin des Ostpreußenblatts ausgedacht. Sie hatte eine Fotocollage mit Abbildungen heimatlicher Orte, die mit Ruth Geede in Verbindung stehen, in einem großen Rahmen zusammengestellt. Vor der Kurischen Nehrung als Hintergrund sind neben dem Gebäude die Kantine und der Aufnahmesaal des Reichssenders Königsberg zu sehen, in dem das Berufsleben der jungen Ruth Geede seinen Anfang nahm. Neben der Dinterstraße, in dem ihr Geburtshaus stand, zeigen die Aufnahmen des Weiteren das Königstor, die Vogelwarte Rossitten sowie Strandszenen. Neben dem Wappen der Stadt Königsberg zieren Veilchen, Ruth Geedes Lieblingsblumen, den unteren Bildrand.

Den Gruß der Landesgruppe Hamburg der LO überbrachte deren Vorsitzender Hartmut Klingbeutel. Er überreichte neben einer kunstvoll gestalteten Glückwunschurkunde einen Präsentkorb mit ostpreußischen Spezialitäten. Viele Wegbegleiter, wie Kollegen der „Auswärtigen Presse“ und der „Hamburger Autorenvereinigung“, gesellten sich zu der kleinen Festgemeinde, darunter Heimatfreund Herbert Tennigkeit, von dem sich das Geburtstagskind eine Suppentasse gewünscht hatte. Die bekam sie auch, präsentiert mit einem heiteren Gedicht über deren vielseitige Verwendungsfähigkeit.

Der Jubilarin lachte an ihrem Ehrentag die Sonne. Sie selbst konnte es immer noch nicht fassen, dass sie ihr Lebensalter nun dreistellig angeben muss: „Ach Jottche, das sind ja zwei Nullen!“ Sie kann auf ihre Lebensleistung stolz sein. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass Ruth Geede 100 Jahre gelebtes Ostpreußen verkörpert.

 Manuela Rosenthal-Kappi


Der polnische Fall Barschel
Ein Bürgermeistermord paralysiert die Deutschen in der Republik Polen bis heute

Am 18. Februar hat sich der Mord am Bürgermeister von Deschowitz [Zdzieszowice] in Oberschlesien, Dieter Przewdzing, zum zweiten Mal gejährt. Der Tod des Politikers aus den Reihen der deutschen Volksgruppe ist so etwas wie der Fall Barschel Polens – unaufgeklärt, voller Mutmaßungen inmitten verminten politischen Terrains. Erstaunlicherweise beschränkt sich die im Grunde zwischenstaatlich hochbrisante Angelegenheit auf die Region und erreicht heute nicht mehr die landesweiten Medien Polens. Von den deutschen ganz zu schweigen.

Während der Staatsbesuch der polnischen Regierungschefin Beata Szydło in Berlin in der vergangenen Woche im Grunde die beste Möglichkeit dargestellt hätte, verstärkte Aktivitäten der polnischen Ermittlungsbehörden anzumahnen, beschränkte sich die deutsche Öffentlichkeit auf das bekannte oberflächliche Gegrummel über Polens Rechtskurs. Doch genau das gesellschaftlich häufig noch immer antideutsche Klima, das den PiS-Sieg mitgetragen hatte, könnte in der Kausa Przewdzing durchaus eine Rolle gespielt haben.

Dieter Przewdzing war am 18. Februar 2014 mit durchgeschnittener Kehle auf seinem Gut nahe Deschowitz tot aufgefunden worden. War hier etwa die ukrainische Mafia am Werk? Solche Spekulationen angesichts ukrainischer Investitionen in seiner Gemeinde machten bald die Runde. Oder war der Mord so bestialisch inszeniert, um mit einer solchen Mutmaßung von politischen Motiven abzulenken? Im Zuständigkeitsbereich der Oppelner Bezirksstaatsanwaltschaft hatte es 2013 gleich drei Tötungsdelikte gegeben. Eventuelle Zusammenhänge wurden nicht hergestellt, und nach dem Mord an Przewdzing verlautbarte die Staatsanwaltschaft: „Wir stellen keine Verbindung zwischen den Fällen her. Die Ermittlungen werden jeweils einzeln geführt.“

Politisch hatte der listige Macher Przewdzing, der schon in kommunistischer Zeit Deschowitz, dass 1936 bis 1945 Odertal hieß, regierte, polnische Nationalisten in Oberschlesien gegen sich aufgebracht. Er hatte als erster aus den Reihen der deutschen Politiker der Region das „Tabu“ gebrochen, für Oberschlesien „Autonomie“ zu fordern. In Wahrheit ging es um viel weniger. Denn in der polnischen Sprache fehlt ein Begriff wie Subsidiarität oder eben wirtschaftliche Selbstverwaltung, um die es ging. Doch über den Bürgermeister ergossen sich stets hysterische Angriffe derer, die um die Einheit Polens fürchteten. Dabei verteidigte er mit der Kritik, dass durch Firmensitze meist in Warschau die Gemeinden steuerlich ausbluten, die gesamte Einwohnerschaft. Und die wählte den umtriebigen Investitionsmotor der Gemeinde – ob deutscher oder polnischer Herkunft – nach 1990 in jeder Wahl wieder zum Stadtoberhaupt.

Doch die Verlautbarungen der Oppelner Staatsanwaltschaft vor zwei Jahren beschränkten sich wie heute auf die Beruhigungstaktik, dass die Ermittlungen „in alle Richtungen“ laufen und „Interna, die Ermittlungen behindern könnten“. Ergebnis aus über 200 Zeugenvernehmungen: Fehlanzeige. Der Eindruck drängt sich auf, dass eine Einstellung der Ermittlungen von vielen Politikern herbeigesehnt wird. Unter den Deutschen der Region hat der Mord hingegen einen tiefen psychologischen Einschnitt bedeutet. Der damalige deutsche Bezirksvorsitzende Norbert Rasch etwa meinte: „Nicht nur ich stelle mir die Frage, ob ich mich politisch als Deutscher in die Öffentlichkeit wagen kann. Viele glauben doch, dass alte Seilschaften hier ein Exempel statuieren wollten, was passiert, wenn man rote Linien überschreitet.“

Der Vorsitzende der Deutschen Minderheit in der Republik Polen, Bernard Gaida, erinnerte jüngst daran, dass dem Mord die Hochphase der Angriffe rechter Kreise auf Przewdzing vorangegangen sei. Przewdzings Beerdigung war 2014 so auch das Gegenteil des ebenso lauten wie scharfsinnigen Politikers: ein leiser Trauermarsch, eine stille Massenkundgebung. Am 18. Februar 2016 gab es einen Gedenkmarsch zu seinem Grab in Zyrowa.     Edmund Pander


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 100. GEBURTSTAG

Blumreiter, Siegfried, aus Stobern, Kreis Ebenrode, am 25. Februar

Rettkowski, Käthe, geb. Paykowski, aus Großheidenau, Kreis Ortelsburg, am 19. Februar

Voesch, Emma Martha, geb. Gorski, aus Lyck, am 23. Februar

ZUM 98. GEBURTSTAG

Kohnert, Rudolf, aus Gilgetal, Kreis Elchniederung, am 22. Februar

ZUM 97. GEBURTSTAG

Nendel, Charlotte, geb. Chojetzki, aus Reiffenrode, Kreis Lyck, am 19. Februar

ZUM 96. GEBURTSTAG

Dembek, Marie, geb. Kukla, aus Roggen, Kreis Neidenburg, am 23. Februar

Heiss, Gerda, geb. Stars, aus Hochdünen, Kreis Elchniederung, am 19. Februar

Sturies, Alfred, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 21. Februar

Trott, Gustav, aus Lissau, Kreis Lyck, am 22. Februar

ZUM 95. GEBURTSTAG

Beyer, Kurt, aus Schloßbach, Kreis Ebenrode, am 19. Februar

Kannenberg, Gertrud, geb. Chittka, aus Rummau, Kreis Ortelsburg, am 19. Februar

Kargoll, Irene, geb. Plotzitzka, aus Roggenfelde, Kreis Treuburg, am 22. Februar

Karkowski, Erna, geb. Hempelmann, aus Gregersdorf, Kreis Neidenburg, am 23. Februar

Kindermann, Gertrud, geb. Schwarzenberger, aus Neu Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 24. Februar

Wilzek, Irma, geb. Dehm, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 25. Februar

ZUM 94. GEBURTSTAG

Bamberg, Herta, geb. Rothgänger, aus Willkassen, Kreis Treuburg, am 19. Februar

Blomeyer, Hedwig, geb. Pfarrherr, aus Peyse, Kreis Samland, am 22. Februar

Holländer, Alfred, aus Nickelsdorf, Kreis Wehlau, am 22. Februar

Horn, Martha, aus Schloßbach, Kreis Ebenrode, am 25. Februar

Meier, Herta, geb. Wunderlich, aus Demmen, Kreis Elchniederung, am 19. Februar

Neumeister, Margarete, geb. Lemke, aus Struben, Kreis Neidenburg, am 21. Februar

Raeder, Gisela, aus Schivelbein / Pommern, am 25. Februar

Viertel, Adelheid, geb. Bieber, aus Burgkampen, Kreis Ebenrode, am 21. Februar

Wanzke, Ursula, geb. Braun, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 24. Februar

ZUM 93. GEBURTSTAG

Lorenzen, Ilse, geb. Dennig, aus Hanffen, Kreis Lötzen, am 23. Februar

Matzigkeit, Siegfried, aus Gronwalde, Kreis Elcniederung, am 25. Februar

Papke, Martel, geb. Jorzik, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 19. Februar

Rohmann, Alfred, aus Klaussen, Kreis Lyck, am 21. Februar

Symanski, Botho, aus Treuburg, am 21. Februar

Voss, Herta, geb. Steffan, aus Pohlau, Kreis Ebenrode, am 23. Februar

ZUM 92. GEBURTSTAG

Baranski, Margarete, geb. Grommas, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 21. Februar

Breier, Hildegard, geb. Behnke, aus Polennen, Kreis Samland, am 22. Februar

Heinsohn, Herta, geb. Kösling, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 19. Februar

Herrndörfer, Maria, geb. Klimaschewski, aus Millau, Kreis Lyck, am 24. Februar

Hömke, Helmut, aus Groß Kuhren, Kreis Samland, am 23. Februar

Hohmann, Ursula, aus Lyck, am 25. Februar

Jestrzemski, Hildegard, aus Lyck, am 24. Februar

Kopka, Alfred, aus Rhein, Kreis Lötzen, und Tapiau, Kreis Wehlau, am 21. Februar

Lesch, Lothar, aus Ludwigswalde, Kreis Königsberg, am 21. Februar

Mielke, Veronika, geb. Palkowski, aus Friedrichsthal, Kreis Wehlau, am 22. Februar

Neuweiler, Lotte, geb. Dohmann, aus Radomin, Kreis Neidenburg, am 24. Februar

Rogalska, Liesbeth, geb. Hochfeldt, aus Groß Engelau, Kreis Wehlau, am 20. Februar

Schippling, Alfred, aus Pobethen, Kreis Samland, am 20. Februar

Schmuck, Gertrud, geb. Karaschewski, aus Kalkhof, Kreis Treuburg, am 20. Februar

Wähnert, Hedwig, geb. Reiter, aus Blumenthal, Kreis Schloßberg, am 9. Februar

ZUM 91. GEBURTSTAG

Bottenbruch, Annelore, aus Königsberg, am 20. Februar

Brzezinski, Horst, aus Wittingen, Kreis Lyck, am 19. Februar

Falkenberg, Christel, geb. Neumann, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 21. Februar

Hamann, Richard, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 22. Februar

Junge, Irmgard, geb. Schulwitz, aus Neidenburg, am 22. Februar

Lendzian, Helga, geb. Gramatzki, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Str. 62, am 24. Februar

Paliwoda, Wanda, geb. Schrader, aus Eschenberg, Kreis Elchniederung, am 19. Februar

Poweleit, Edith, geb. Meller, aus Pobethen, Kreis Samland, am 24. Februar

Schulten, Eva, geb. Gabriel, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 23. Februar

Stender, Gertrud, geb. May, aus Groß Kuhren, Kreis Samland, am 19. Februar

Wilmann, Erna, geb. Stegmann, aus Alt Passarge, Kreis Heiligenbeil, am 23. Februar

Wisbar, Klaus, aus Kreuzingen, Kreis Elchniederung, am 19. Februar

ZUM 90. GEBURTSTAG

Brahms, Irmgard, geb. Trzeciak, aus Siegersfeld, Kreis Lyck, am 20. Februar

Buchholz, Traute, geb. Palkies, aus Seckenburg, Kreis Elchniederung, am 24. Februar

Heimberger, Eva-Maria, geb. Spieß, aus Lyck, am 19. Februar

Hormel, Eva, geb. Annuß, aus Michelsdorf, Kreis Ortelsburg, am 22. Februar

Kohtz, Günter, aus Lyck, am 22. Februar

Kurtz, Gottfried, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 20. Februar

Lubitzki, Horst, aus Ebenfelde, Kreis Lyck, am 25. Februar

Schellong, Hildegard, aus Schalensee, Kreis Lötzen, am 25. Februar

Sommer, Hildegard, geb. Lossau, aus Lyck, am 20. Februar

Strelski, Oscar, aus Widminnen, Kreis Lötzen, am 24. Februar

Ullmann, Dora, geb. Marksch, aus Nickelsdorf, Kreis Wehlau, am 19. Februar

ZUM 85. GEBURTSTAG

Endert, Ingfriede, geb. Philippzik, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Str. 65, am 23. Februar

Fuchs, Herta, geb. Kuhrau, aus Trenk, Kreis Samland, am 21. Februar

Glashoff, Hans-Peter, aus Pillau, Kreis Samland, am 24. Februar

Grolik, Hedwig, geb. Heppner, aus Groß Ladtkeim, Kreis Samland, am 23. Februar

Harnack, Grete, geb. Reichert, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 23. Februar

Hoffmann, Armin, aus Seerappen, Kreis Samland, am 23. Februar

Hoffmann, Hans, aus Wehlau, am 24. Februar

Hoffmann, Wolfgang, aus Wiersbinnen, Prostken, und Königsberg, am 13. Februar

Klatt, Grete, geb. Rosin, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 23. Februar

Klauke, Käthe, geb. Raschpichler, aus Lyck, am 20. Februar

Kolosko, Hildegard, geb. Szepanek, aus Herzogsau, Kreis Neidenburg, am 21. Februar

Kröger, Gertrud, geb. Bahlo, aus Milken, Kreis Lötzen, am 24. Februar

Kurschat, Erna, geb. Kantimm, aus Heiligenwalde, am 19. Februar

Lind, Lieselotte, geb. Thomas, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 19. Februar

Naujoks, Reinhilde, geb. van der Veen, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 25. Februar

Poetsch, Sabine, aus Widminnen, Kreis Lötzen, am 24. Februar

Redmond, Inge, geb. Trentowski, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 24. Februar

Schauließ, Alida, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 19. Februar

Seils, Traute, geb. Krispin, aus Kalgendorf, Kreis Lyck, am 22. Februar

Serek, Erika, geb. Niko, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 24. Februar

Skowronnek, Gerd Günter, aus Wilhelmsthal, Kreis Ortelsburg, am 22. Februar

Spinner, Hannelore, geb. Fiedrich, aus Ostseebad Cranz, Kreis Samland, am 20. Februar

Steinbrücker, Ilse, geb. Bähre, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 22. Februar

Suri, Elisabeth, geb. Siedler, aus Petersdorf, Kreis Wehlau, am 20. Februar

Szendeleit, Lothar, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, und Groß Dirschkeim, Kreis Samland, am 24. Februar

Thiel, Gerhard, aus Rautersdorf, Kreis Elchniederung, am 21. Februar

Tobias, Gerhard, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 25. Februar

ZUM 80. GEBURTSTAG

Baranowski, Edith, geb. Jegodka, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 24. Februar

Bartels Edeltraut aus Nesobrust, am 22. Februar

Bohn, Waltraut, geb. Dzingel, aus Neumalken, Kreis Lyck, am 20. Februar

Busching, Hansgeorg, aus Ebenrode, am 22. Februar

Ehlers, Elfriede, geb. Ruta, aus Ackeln, Kreis Elchniederung, am 23. Februar

Enstipp, Helmut, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 25. Februar

Gorth, Helga, geb. Newe, aus Gruten, Kreis Elchniederung, am 23. Februar

Graumann, Karl-Dankwart, aus Grauden, Kreis Wehlau, am 25. Februar

Kaiser, Kriemhilde, geb. Gerth, aus Wehlau, am 19. Februar

Kalweit, Gerhard, aus Bürgersdorf, Kreis Wehlau, am 22. Februar

Kesterke, Helga, geb. Gottschling, aus Trankwitz, Kreis Samland, am 22. Februar

Knipp, Ingrid, geb. Rogalla, aus Omulefofen, Kreis Neidenburg, am 24. Februar

Krömer, Marianne, geb. Pentzek, aus Seliggen, Kreis Lyck, am 24. Februar

Kuhn, Rita, aus Ortelsburg, am 22. Februar

Kullak, Albert, aus Schönhofen, Kreis Treuburg, am 24. Februar

Mahler, Erich, aus Wehlau, am 24. Februar

Missfelder, Hans-Joachim, aus Uggehnen, Kreis Samland, am 19. Februar

Murza, Gertrud, geb. Kaiser, am 24. Februar

Nitsch, Margarete, geb. Lehmann, aus Poppendorf, Kreis Wehlau, am 22. Februar

Nussbaum, Gisela, geb. Sommer, aus Nöttnicken, Kreis Samland, am 25. Februar

Pawlitzki, Herbert, aus Jägersdorf, Kreis Neidenburg, am 23. Februar

Peschko, Emma, geb. Beutler, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 21. Februar

Pietsch, Günter, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 23. Februar

Prange, Liesbeth, geb. Dietzek, aus Schwarzenofen, Kreis Neidenburg, am 20. Februar

Rabe, Reinhild, geb. Zerrath, aus Selsen, Kreis Elchniederung, am 24. Februar

Radmacher, Helga, geb. Persicke, aus Plauen, Kreis Wehlau, am 22. Februar

Radszuweit, Erwin, aus Gerhardsgrund, Kreis Elchniederung, am 22. Februar

Ryk, Ernst, aus Bergenau, Kreis Treuburg, am 20. Februar

Spehr, Horst, aus Stehlau, Kreis Ebenrode, am 22. Februar

Szameit, Irmgard, geb. Kirstein, aus Millau, Kreis Lyck, am 25. Februar

Utecht, Gisela, geb. Kaulbach, aus Kalkofen, Kreis Lyck, am 19. Februar

Zander, Hans-Ullrich, aus Petersgrund, Kreis Lyck, am 23. Februar

ZUM 75. GEBURTSTAG

Dilewski, Heinz, aus Ortelsburg, am 23. Februar

Findeisen, Klaus-Dieter, aus Treuburg, am 25. Februar

Hamann, Lothar, aus Wehlau, am 25. Februar

Heinrich, Jürgen, aus Bildenweiten, Kreis Ebenrode, am 23. Februar

Jonischkat, Erich, aus Göritten, Kreis Ebenrode, am 24. Februar

Liedtke, Anneliese, geb. Böhnke, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 22. Februar

Martens, Gerd, aus Lindendorf, Kreis Wehlau, am 20. Februar

Przygodda, Hilmar, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 23. Februar

Raschkiwitz, Eckhard, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 19. Februar

Schött, Manfred, aus Alt Passarge, Kreis Heiligenbeil, am 22. Februar


S. 16-17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Sonnabend, 5. März, 10 bis 16 Uhr, Haus der Heimat, Stuttgart: Ostermarkt unter Beteiligung vieler Landsmannschaften mit ihren Spezialitäten und kulinarischen Köstlichkeiten wie Königsberger Marzipan, Bärenfang, Schlesischer Mohn- und Streußelkuchen, Ostpreußische Raderkuchen, Machandel und vieles mehr. Dazu stellen die Landsmannschaften ihre vielfältige handwerkliche Kunst aus wie Bunzlauer Tippel, Trachten nebst Zubehör, musikalische Raritäten, antiquarische und moderne Literatur. Die Ostpreußen sind zusammen mit der Landesgruppe durch den Stand „Textile Volkskunst aus Ostpreußen“ vertreten. Zu finden ist dort unter anderem Bernsteinschmuck, Jostenbändern, Doppelstrick- und Kreuzsticharbeiten sowie  Schlaufenhandschuhen. Wie jedes Jahr findet wieder eine Tombola statt.

Frauengruppe – Dienstag, 15. März, 14.30 Uhr, Kleiner Saal, Haus der Heimat, Stuttgart: Uta Lüttich trifft sich mit der Frauengruppe. Thema des Nachmittags ist „Ostern damals und heute“. Was hat sich von unseren vielfältigen Osterbräuchen bis in die heutige Zeit erhalten? Dazu werden Frühlingslieder gesungen, Gedichte und Geschichten vorgetragen. Auch die Herren der Kreisgruppe, Gäste und die Westpreußen sind herzlich willkommen.

Göppingen – Der 6. Dezember bot wieder vielen Landsleuten die Möglichkeit, sich in vertrauter Umgebung mit anderen zu treffen, zu schabbern, und in Erinnerungen zu schwelgen. Dieser 2. Advents Sonntag in der “Frisch-Auf” Gaststätte ist schon so zur Tradition geworden, und als Abschlussveranstaltung eines ereignisreichen Jahres auch immer sehr gut besucht.

Unser Treffen begann um 12 Uhr mit einem gemeinsamen Mittagessen. Im Anschluss erfolgte dann die offizielle Begrüßung der fast 30 Anwesenden durch Wolfgang Korn. Er richtete die ihm persönlich übermittelten Grüße von verhinderten Landsleuten aus, entschuldigte diese teils mit Krankheit oder anderweitigen Verpflichtungen, teils aber auch wegen persönlicher Gebrechlichkeit, die deshalb leider nicht mehr teilnehmen können. Er begrüßte aber auch unter den anwesenden einige unverwüstliche, teils schon  über 90-jährige, die dann mit reichlich Beifall begrüßt wurden. Dann verlas er die Namen von im vergangenen Jahr verstorbenen Landsleuten, deren Andenken wir durch eine Schweigeminute ehrten.

Das  Programm begann nun mit altbekannten Weihnachtsliedern, es folgten Erzählungen, wie „Weihnachtsgedanken“ von Vera Pallas, oder Geschichten in unverkennbarer ostpreussischer Mundart, von unserer Frau Scheuing vorgelesen, die sich dies trotz Ihrer 91 Jahre nicht nehmen lässt. Es folgte dann ein  sehr lustiges Gedicht von James Krüss, das unsere Frau Aukschlat mit Ihrer markanten ostpreußischer Stimme und mit sehr viel Pathos, lebhaft und anschaulich rezitierte. Frau Drebing, die immer extra aus Tübingen angereist kommt, las uns eine Geschichte mit dem Titel „Das war eine schöne Weihnacht“ vor.

Die Feier nahm durch die gemeinsam gesungenen Lieder und weiteren vorgetragenen Geschichten, von Frau I. Meister, Frau M. Lutz und auch Frau M. Korn, einen sehr harmonischen Verlauf. Während einer längeren Schabberpause konnte man die vielseitigen Handarbeiten von Vera Pallas begutachten und auch käuflich erwerben. Tradition ist es auch, während der Feier die Kulturspende für den Hauptverein einzusammeln, dem die Landsleute dann  auch großzügig nachkamen.

Zum Kaffeetrinken ließ es sich die Familie Korn, im Namen der Vorstandsschaft, nicht nehmen, wieder guten Dresdener Stollen, Mohn - und Nußstollen zu spendieren. Nach dem gemeinsam gesungenen Schlusslied „Land der dunklen Wälder“ verabschiedete Herr Korn die Anwesenden, wünschte für die Advents- und Weihnachtszeit, sowie für den Jahreswechsel alles Gute, vor allem natürlich beste, oder wiederkehrende Gesundheit. Abschließend lud er die Anwesenden zur Frühjahrs- beziehungsweise Hauptversammlung im März ein und bat um zahlreiches Erscheinen. 

Ludwigsburg – Dienstag, 23. Februar, Kronenstuben, Kronenstraße 2: Jahreshauptversammlung mit Königsberger Klopse-Essen.

Stuttgart – 27. Februar, 14.30 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat: Kulturnachmittag der Landsmannschaft Westpreußen mit interessantem Programm. Alle ostpreußen sind herzlich eingeladen.

Ulm/Neu Ulm – Sonnabend, 20. Februar, 14.30 Uhr, Ulmer Stuben: Frauengruppe

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Altmühlfranken – Freitag, 26. Februar, 19 Uhr, Gasthof Krone, Gunzenhausen: Heimatliches Essen anschließend Filmabend zum Thema „Heinz Erhardt und seine Fernsehfilme“.

Ansbach – Sonnabend, 20. Februar, 15 Uhr, Orangerie: Filmnachmittag. Gezeigt wird „Die Wolfskinder“.

– Zum Vormerken –

Die Termine der Kreisgruppe für 2016 (unter Vorbehalt):

Sonnabend, 16. April, 16 Uhr, Orangerie: Jahreshauptversammlung mit Neuwahl. Als heimatliches Essen wird Schmandhering mit Kartoffeln serviert.

Mittwoch, 18. Mai, 11 Uhr, Reitbahn des Markgrafenschlossen: Einweihung des ersten Denkmals in der Bundesrepublik für Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach. Der Bayerische Staatsminister des Innern, Joachim Herrmann, wird anlässlich der Einweihung sprechen.

Sonnabend, 11. Juni: Tagesausflüg nach Mödlareuth. Besuch des Deutsch-Deutschen Museums.

Sonnabend, 16. Juli: Sommerfest (geplant).

Sonnabend, 10. September, 15 Uhr, Orangerie: Erntedank.

Sonnabend, 15. Oktober, 15 Uhr, Orangerie: Edmund Zöller vom Frankenbund spricht über Fränkische Dörfer um 1950.

Sonnabend, 29. Oktober, 9.30 bis 17 Uhr, Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen: Landeskulturtagung der Landmannschaft.

Sonnabend, 12. November, 14.30 Uhr, Waldfriedhof: gedenken zum Volkstrauertag. Ab 15.30 Uhr: Orangerie mit Tilsiter-Käse-Essen.

Sonnabend, 17, Dezember, 15 Uhr, Orangerie: Weihnachtsfeier mit Gedichten und Geschichten aus Ost- und Westpreußen, Pommern und Brandenburg.

München – Sonnabend, 20. Februar, 14.30 Uhr, Haus des Deutschens Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Gemeinsame Kaffeetafel. Danach werden Beiträge zu einem ostpreußischen Kulturgut, zu hören sein: dem Trakehner Pferd. – Freitag, 11. März, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Treffen der Frauengruppe.

Nürnberg – Dienstag, 23. Februar, 15 Uhr, Haus der Heimat, Imbuschstraße 1, Nürnberg-Langwasser (Endstation der U1): Vorstellen des GeO-Rundbriefes  (Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen). Dieser erscheint in vier Ausgaben pro Jahr, ist sehr informativ und daher empfehlenswert für jede Familie mit ostpreußischen Wurzeln. Der Rundbrief kann für 12 Euro pro Jahr in alle Bundesländer verschickt werden. (zu beziehen bei Pfarrer im Ruhestand Klaus Plorin, Waldstraße 15, 90607 Rückersdorf)

Weiden – Nach kurzer Winterpause konnte der Erste Vorsitzende, Norbert Uschald, im Cafe Mitte viele Mitglieder und Gäste zu einem lustigen Heimatnachmittag im Zeichen des Faschings willkommen heißen.

Nach den Heimatliedern „Land der dunklen Wälder“ und „Westpreußen mein lieb Heimatland“ gratulierte Ingrid Uschald dem Mitglied Karl Weiß nachträglich zu seinem Geburtstag. Im Anschluss daran las der Vorsitzende eine Geschichte über eine wahre Begebenheit zur Fasnacht im Allgäu. Dabei spielt die Rivalität zwischen den Städten Sonthofen und Immenstadt eine entscheidende Rolle. Ingrid Uschald trug eine heitere Geschichte vor. Norbert und Andreas Uschald unterhielten die Anwesenden mit jeweils einem Gedicht und Witzen. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Vorsitzende mit zahlreichen Stimmungsliedern.

Nach gemütlichem Beisammensein mit „Schabbern“ und „Plachandern“ verabschiedete man sich mit dem Volkslied „Kein schöner Land“ bis zur Jahreshauptversammlung am 6. März im Cafe Mitte.          Norbert Uschald,

                Erster Vorsitzender

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremerhaven – Freitag, 26. Februar, 14.30 Uhr: Jahreshauptversammlung mit Wahl des Vorstands.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und einem kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

 

HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk (kommissarisch), Voltastraße 41, 60486 Frankfurt/M., Telefon (069) 77039652, E-Mail: bonk.ulrich@gmail.com 

Darmstadt/Dieburg – Am Samstag, dem 6.Februar 2016 haben wir unser „Preußisches Fasteloawend“ gefeiert. Hier konnten wir Ursula Marquardt, Ingeborg Haase und Günther Berg als neue Mitglieder begrüßen. Auch Gäste waren gekommen um mit uns närrisch zu feiern.

Nach kurzen Begrüßungsworten durch Gerhard Schröder und Christian Keller, der auch schon bei der Begrüßung einen flotten Spruch zum Besten gab, konnten wir noch ein Geburtstagskind beglückwünschen. Ein von Gisela Keller geschmückter Saal und die musikalische Begleitung durch Walter Fischer mit Schunkelliedern ließen ausgelassene Stimmung aufkommen.

Mit Vorträgen  von Carla Jaenich, Karl Lask, Willy Posegga, Siegfried Kugies, Christian und Gisela Keller und dem Loriot-Sketch „Das Frühstücksei“, dargestellt von  Hannelore Neumann und Gerhard Schröder, verrann die Zeit wie im Fluge. Nach einer Luftballonschlacht, und einer Tanzeinlage im Walzertakt, näherten wir uns viel zu schnell dem Ende der Veranstaltung ohne das obligate gemeinsame Singen des Ostpreußenliedes zu vergessen.

Unsere nächste Zusammenkunft findet am 12.März wie gewohnt im Luise-Büchner-Haus in Kranichstein statt. An diesem Tag berichtet die Pädagogin Maria Wielandt über ihr mit Jugendlichen durchgeführtes Projekt über Flucht und Vertreibung, bei dem unser verstorbenes Mitglied Gustav Rupietta beratend beteiligt war. Wir glauben, dass dieser Beitrag viel Interesse wecken wird, auch bei Nichtmitgliedern und freuen uns auf ein Wiedersehn.

Dillenburg – Bei der letzten Monatsversammlung berichtete Dietmar Balschun in Wort und Bild von seinem Besuch in Gumbinnen (Gusew) zum 20-jährigen Jahrestag der Wiedereröffnung der Salzburger Kirche. Auch soziale Einrichtungen wie ein Krankenhaus, eine Diakoniestation und ein Altenwohnheim gehören zur Kirche, erklärte Balschun. Zu seinem Besuchsprogramm gehörte auch eine Stadtführung. Die Mitreisenden besichtigten das Hotel Kaiserhof, das ehemalige große Kaufhaus, die Raiffeisenbank, das Museum mit seinem gepflegten Außenanlagen und den alten deutschen Möbeln und Gerätschaften im Inneren. Die alten deutschen Grabsteine auf dem Friedhof, der Gumbinner Elch, das russische Ehrenmal für die Gefallenen im Großen vaterländischen Krieg und ein noch aus dem Krieg stammender Panzer zählten ebenfalls zu den Sehenswürdigkeiten. Auch die Straßenlaternen, die von der deutschen Partnerstadt Bielefeld gestiftet worden waren, fielen auf. Es gab auch einen Besuch der Rominter Heide mit dem Großen Torfbruch und dem Gedenkstein für den Besuch Kaiser Wilhelms II.

Am Platz der ehemaligen evangelischen Kirche entsteht jetzt eine orthodoxe Kathedrale. Die Lutherische Kirche ist erhalten geblieben und arbeitet jetzt orthodox. Bei den eigentlichen Festlichkeiten am 20. Oktober 2015 gab es dann einen Einblick in die renovierte Salzburger Kirche. Das große Altarbild zeigt den Einzug der vertriebenen Salzburger in Gumbinnen und ihre Begrüßung.

Viele Gruppenmitglieder konnten mit ihren Kommentaren den Vortrag ergänzen. Dietmar Balschun erntete herzlichen Beifall.

                Ingrid Nowakiewitsch

Wiesbaden – Sonnabend, 20. Februar, 15 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Monatstreffen zum Thema „Erinnerungen an Zuhause“. Die Teilnehmer hören Nachdenkliches und Lustiges von früher und heute. Zudem erfahren sie etwas über das derzeitige Geschehen in Ost- und Westpreußen. Wer zum Nachmittag etwas beitragen möchte, melde sich bitte gleich bei Dieter Schetat, Telefon (06122) 15358 oder einem anderen Vorstandsmitglied. Gäste und Freunde sind herzlich willkommen! Zuvor gibt es Kaffee und Kuchen.

– Bericht –

Das erste Monatstreffen im neuen Jahr widmete die Landsmannschaft der „fünften Jahreszeit“ mit Kreppel, Kaffee und einer Menge närrischer Programmpunkte. Gleich zu Beginn des „Närrischen Nachmittags mit Kreppelkaffee“ sorgte das Stimmungs-Duo Mathias Budau und Dr. Markus Hübenthal sowie die Sängerin Ute Etz mit flotten Fastnachtsliedern zum Mitsingen und Schunkeln für den richtigen Schwung im Saal, nachdem zuvor die stellvertretende Vorsitzende, Helga Kukwa, das Narrenvolk mit launigen Worten und kräftigen „Helau-Rufen“ begrüßt hatte.

Den Reigen der Büttenreden eröffnete Margitta Krafczyk mit der „Ballade von der gestohlenen Handtasche“. Bei ihrem späteren Auftritt erzählte sie von einem „Traummann“, der seine Frau so sehr verwöhnte, dass diese voller Stolz meinte: „Mensch Paula, was hast du für einen Fang gemacht“.

Mit ihren Vorträgen „Der Tapezierer“ und „Reiseerlebnisse“, wobei die Erlebnisse in missverständlichen Wort- und Sprachwendungen bestanden (Gleise: gehe leise!), hatte Lieselotte Paul die Lacher auf ihrer Seite.

Der Redebeitrag von Christa Gintaut befasste sich mit einem „Brief an den lieben Gott“, den eine alte Frau geschrieben hatte, die sich vom Finanzamt ungerecht behandelt fühlte, weil sie von dort zu wenig Geld bekommen hatte. Zur Freude der Besucher trat der neunzigjährige Elbinger Landsmann Hans-Georg Budau - hochdekorierter „Fassenachter“ in fünf Jahrzehnten seines närrischen Wirkens – nochmals in die Bütt’ und klagte vom Leid in seinem Leben unter dem Motto „Immer die Kleinen“. Für die in Reimen frei gesprochene Darbietung erntete er lang anhaltenden Beifall.

Viel zu Lachen gab es auch bei den Vorträgen von Helga Kukwa „Der Mensch“ (wir stammen alle von Adam und Eva ab) und der Geschichte vom „Ostpreußischen Erlkönig“ wo es am Schluss hieß „Das Jungche lebt, aber der Wallach ist tot.“ Als Gastredner traten Stefan Kratz in der Parodie des Peter Maffai auf und Ute Etz in der Rolle einer französischen Studentin, die ihre Allergie gegen trocken Luft nur mit reichlich Bier mildern konnte.

Zum Ausklang des närrischen Nachmittags bewegte sich eine bunte Polonaiseschlange durch den Saal, begleitet vom Gesangs-Duo mit den Ohrwürmern „Wir machen durch bis morgen früh und „Auf Wiedersehen“, in deren Melodien die Preußenschar singend und klatschend einstimmte.

 

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

Anklam – Sonnabend, 12. März, 10 bis 17 Uhr, Mehrzweckhalle „Volkshaus“ Baustraße / Nähe Markt: Großes Heimattreffen. Zu diesem besonderen Anlass sind alle Landsleute aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland mit Angehörigen und Interessenten herzlich eingeladen. Erwartet wird Wilhelm von Gottberg, der am 9. März 1991 an der Wiege des Verbandes stand. Schon damals kamen mehr als 500 Landsleute ins Theater Anklam – seitdem haben die Besucherzahlen nicht nachgelassen. Das Programm wird von der Blasmusik Redefin umrahmt. Liebe Gäste aus Ostpreußen reisen extra zum Jubiläum nach Anklam an, so der russische „Kant-Chor Gumbinnen“ aus dem Königsberger Gebiet, der Heimatchor „Warmia“ aus Heilsberg und die Jugendtanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein. Weitere Ehrengäste sind Heinrich Hoch und Barbara Ruzewicz vom deutschen Dachverband in Ermland-Masuren sowie Magdalene und Arnold Piklaps vom Deutschen Verband im Memelland. Wie immer ist für Mittagessen, Kaffee, Kuchen, Bärenfang, Heimatbücher, Landkarten und genügend Parkplätze gesorgt.

Güstrow – Sonnabend, 20. Februar, 14 Uhr, Bürgerhaus Güstrow, Sonnenplatz 1: Gemeinsames Treffen. Angesagt haben sich der Landesvorsitzende Manfred Schukat aus Anklam und sein Mitarbeiter Friedhelm Schülke mit den schönsten Aufnahmen der Heimatreisen 2015, der großen Ostpreußentreffen des Vorjahres und der Aktion „Weih-nachtspäckchen für Ostpreußen“ vor zwei Monaten. Für Kaffee und Kuchen sowie genügend Parkplätze am Bürgerhaus ist gesorgt. Alle Landsleute von nah und fern sind herzlich dazu eingeladen.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Braunschweig – Das Treffen am 24. Februar 2016 fällt aus. Das nächste Treffen der Ortsgruppe findet am 23. März statt. Das Programm wird in der PAZ-Ausgabe vom 18. März bekannt gegeben.

Göttingen – Sonnabend, 27. Februar, 14 Uhr, Gasthaus Zur Linde, Hauptstraße 50, Göttingen-Geismar: Jahreshauptversammlung mit Neuwahl des Vorstandes. Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung findet das traditionelle Grützwurstessen statt.

Helmstedt – Donnerstag, 10. März, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall: Jahresversammlung mit Wahlen

Oldenburg –  Die Landsmannschaft Ostpreußen und Westpreußen erinnerte in ihrer Versammlung am 10. Februar noch einmal an das Kriegsende 1945. In dem Vortrag „Flucht oder Bleiben – eine Alternative am Ende des Krieges? Dargestellt am Beispiel des Kreises Berent, Westpreußen“ stellte Dr. Gisela Borchers die Situation anhand der Auswertung von Fragebögen der „Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa“ von 1951-53 dar, die heute im Bundesarchiv in Bayreuth aufbewahrt werden. Noch bis weit in den Februar 1945 hinein wähnten sich die Bewohner dieses Kreises inmitten des Korridors in Sicherheit, trotz all der Trecks die aus Ostpreußen kommend von der nahenden Front und den Gräueln des Krieges berichteten. Im März traf sie dann auch das gleiche Schicksal: Sie mussten sich entscheiden zu fliehen oder zu bleiben. Eine Alternative aber war es in Wahrheit nicht.

Das Lied „Freut euch des Lebens“ munterte uns anschließend wieder auf, was nach diesem schweren Thema notwendig war. An unserem nächsten Treffen am 9. März hören wir einen Vortrag von Dr. Joachim Hensel, Bockhorn, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft (IEWG). Er spricht zum Thema „Ernst Wiechert, ein Dichter aus Ostpreußen. Leben und Werk“.

Mitglieder und Freunde sind herzlich willkommen.

                Gisela Borchers,

                Vorsitzende 

Osnabrück – Dienstag, 8. März, 16.30 Uhr, Hotel Ibis, Blumenhaller Weg: Kegeln. – Sonnabend, 12. März, 11 Uhr, Parkhotel: Jahreshauptversammlung mit Grütz-wurstessen. Anmeldungen bis zum Dienstag, 1. März, bei Else Tober, Telefon 13993614, oder Barbara Kleine, Telefon 74282.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bad Godesberg – Jeweils am ersten Mittwoch des Monats, 15 Uhr, Erkerzimmer, Stadthalle: Treffen der Frauengruppe – Jeweils am dritten Mittwoch des Monats, 15 Uhr, Erkerzimmer: Stammtisch. Zu beiden Veranstaltungen sind Gäste herzlich willkommen.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr, Eichendorfsaal, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Probe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland unter der Leitung von Radostina Hristova. –  Dienstag, 23. Februar, 19 Uhr, GHH: „Deutsche Geschichte in 1000 Objekten“ – Buchvorstellung mit Professor Herrmann Schäfer. – Dienstag, 1. März, 19 Uhr, GHH: „100 Tage Regierung Szydlo in Polen“ – Vortrag von Martin Sander. – Mittwoch, 2. März, 15 Uhr, Raum, 311, GHH: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt. – Dienstag, 8, März, 19 Uhr, Raum 311, GHH: „Mythos Czernowitz. Nur ein Ort der Literatur?“ – Vortrag mit Helmut Braun. – Mittwoch, 9. März, 19 Uhr, GHH: „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ – Filmvorführung.

Gütersloh – Sonntag, 6. März, 15 Uhr, Brauhaus Unter den Ulmen: Jahreshauptversammlung mit Wahlen.. Anträge bitte bis zum 1. März an den Vorsitzenden Eckard Jagalla.

Wesel – Sonnabend, 21. Februar, 15 Uhr, Heimatstube, Kaiserring 4: Jahreshauptversammlung. Alle Landsleute und Heimatfreunde sind herzlich eingeladen. Eine Kaffetafel ist vorbereitet.

 

RHEINLAND-PFALZ

Vors.: Dr. Wolfgang Thüne, Wormser Straße 22, 55276 Oppenheim.

Mainz/Stadt – Sonnabend, 5. März, 15 Uhr, Mundus Residenz mainz, Große Bleiche 44: Gesprächsrunde.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle,  Telefon privat (0345) 2080680.

Gardelegen – Freitag, 26. Februar, 14 Uhr, Begegnungsstätte des VS Gardelegen: Fasching.

Magdeburg – Sonntag, 13. März, 14 Uhr: Frühlingsanfang mit einem Überraschungsgast. – Dienstag, 23. Februar, Dienstag, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen. – Freitag, 26. Februar, 15 Uhr, TuS Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner. Geschäftsstelle: Telefon (0431) 554758, Wilhelminenstr. 47/49, 24103 Kiel.

Bad Oldesloe – Die Ost- und Westpreußen führten am 10. Februar ihre Jahreshauptversammlung in Wiggers Gasthof durch. Nach der Totenehrung für Friedrich Wrieden, der am 4. Februar gestorben war, ging die Vorsitzende noch einmal auf die Themen ein, die im Laufe des letzten Jahres in den monatlichen Zusammenkünften behandelt wurden. Dann wurde der Schatzmeister Boris Makarowski wiedergewählt. Die Mitglieder dankten ihm für die in den letzten Jahren geleistete hervorragende Arbeit.

Es folgten Geschichten über das Fleckessen und andere heimatliche Gerichte. Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung blieb man zum Fleck- und Klopsessen zusammen. Dazu konnten Landsleute aus Neumünster begrüßt werden. Geburtstagskinder des Monats waren Lieschen Klemens und Gisela Brauer.

Burg auf Fehmarn – Der Vorsitzende der Landsmannschaft Ost-, Westpreußen und Danzig, Jochen Gawehns, begrüßte auf der diesjährigen Jahresversammlung im „Haus im Stadtpark“ die Mitglieder sowie den Landesvorsitzenden und Kulturreferenten Edmund Ferner.

Wie Jochen Gawehns mitteilte, konnte er auf ein arbeitsreiches Jahr zurückblicken, ebenso die Leiterin der monatlichen Treffs und Kulturreferentin Ina Naujok. Sie konnte berichten, dass im Durchschnitt 40 Personen die monatlichen Veranstaltungen besuchen. Weiter erwähnte sie, dass auch Gratulationsbesuche zu ihrem Aufgabenbereich zählen.

Eine besondere Ehrung wurde der Zweiten Vorsitzenden Ingelore Spaeth zuteil. Das Ehrenzeichen in Silber „in Würdigung ihres langjährigen Einsatzes für das Vaterland“ wie es in der Urkunde steht, wurde ihr vom Landesvorsitzenden überreicht. Ingelore Spaeth ist seit sechs Jahren Stellvertreterin des Ersten Vorsitzenden und die „gute Seele“ des Vereins. Wie Jochen Gawehns sagte, schätze er sie als einen weit über das durchschnittliche Maß hinausgehenden engagierten Menschen, der sich mit vollem Herzen und sehr großem Einsatz in die Arbeit der Landsmannschaft eingebracht hat.

Danach bescheinigte Schatzmeisterin Sigrid Pieper dem Verein eine gesunde Kassenlage, die von Hella Jördens und Karin Klatt geprüft wurde. Ihr Antrag auf Entlastung des Vorstandes wurde einstimmig von den Mitgliedern genehmigt.

Der Landesvorsitzende Edmund Ferner überbrachte anschließend Grüße vom Landesverband und ging auf die Ziele der Landsmannschaften ein, das kulturelle Erbe Ostpreußens zu bewahren und zitierte in diesem Zusammenhang Karl Carstens: „Die großen kulturellen Leistungen im deutschen Osten sind unvergänglich. Es ist unsere Aufgabe, sie im Bewusstsein der Menschen lebendig zu erhalten. Wenn wir die Erinnerung an diese großen Leistungen lebendig erhalten. dann hat dieses nichts mit Revanchismus zu tun, sondern es ist der Ausdruck geschichtlichen Bewusstseins eines Volkes, das sich mit seiner Vergangenheit identifiziert.“

Weiterhin wies Ferner auf den Erfolg der Landsmannschaften hin, dass der deutsche Bundestag am 27. November 2015 beschlossen hat, für die nächsten drei Jahre 50 Millionen Euro zur Entschädigung der zivilen deutschen Zwangsarbeiter bereitzustellen. Für die länderübergreifende kulturelle Arbeit wurden im Haushalt 24 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und einmalig um weitere 22 Millionen Euro aufgestockt. Von den Geld sollen unter anderem das im Bahnhof Friedland im Bau befindliche Museum im Grenzdurchgangslager, das Pommersche Landesmuseum in Greifswald, das ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg und das russlanddeutsche Museum Detmold profitieren.

Bei den Wahlen gab es keine Veränderungen: Jochen Gawehns und Ingelore Spaeht bleiben der Landsmannschaft als Erster Vorsitzender und Zweite Vorsitzende erhalten ebenso Kulurwartin Ina Naujok, Schriftführerin Brigitte Christensen, Kassenwartin Sigrid Pieper sowie die Kassenprüfer Karin Klatt uund Karin van Gercum.

Die Schriftführerin Brigitte Christensen stellte den diesjährigen Ausflug vor, der am 1. Juni nach Eckernförde und Schleswig gehen soll. Danach wurde ein kleiner Imbiss gereicht und mit dem Ostpreußenlied die Veranstaltung beendet.

                Brigitte Christensen

Bad Schwartau – Donnerstag, 10. März, 14.30 Uhr, AWO-Begegnungsstätte, Auguststraße 34a, 23611 Bad Schwartau: Jahreshauptversammlung. Im Anschluss spricht der Hörgeräteakustiker Egon Milbrod über das Thema „Gut hören, aber wie?“.

Flensburg – Freitag, 26. Februar, 15 Uhr, AWO-Stadtteilcafe: Kaffeetafel, danach spricht Kapitänleutnant a.D. Bernhard W. Mroß, Ex-Bundeswehrkommando Ost und Deutsches Verbindungskommando zu den sowjetisch-russischen Streitkräften in Deutschland. Seine Vortragsthemen: 1) 22. Jahrestag des Abzuges der Westgruppe der russischen Truppen (WGT). 2) 70 Jahre Kriegsende – Veranstaltung des Verbandes der Veteranen der WGT in Moskau, am 11. April 2015 – Eindrücke des deutschen Teilnehmers. 3) Stand der gegenwärtigen deutsch-russischen Beziehungen

Pinneberg – Sonntag, 21. Februar, 15 Uhr, Restaurant Mondea: Mühlenstraße 70d, 25421 Pinneberg: Ein bunter Nachmittag zur Faschingszeit. Für Musik ist gesorgt. Gute Laune ist mitzubringen. Weitere Informationen erhalten Sie bei Rosemarie Schmidt, Telefon (04101) 62667.

Malente – Freitag, 4. März, 15 Uhr, Pflanzencenter „Buchwald im Krummsee“, Rövkampallee 39: Jahreshauptversammlung mit Wahlen. Nach Beendigung der Tagesordnung – etwa 16 Uhr –  Voertrag mit Besichtigung der Ausstellung.

Neumünster – Mittwoch, 9. März, 15 Uhr, Stadthalle am Kleinflecken: Jahreshauptversammlung ohne Wahlen. Anschließend noch „en Krepsch voll Humor und plachandern unter Heimatfreunden“.

Uetersen – Freitag, 18. März, 15 bis 17 Uhr, Haus Ueterst End, Kirchenstraße 7, Uetersen: Der Landesvorsitzende Edmund Ferner war mit einer OstpreußenGruppe auf Kuba und hält einen Dia-Vortrag darüber.


S. 18-19 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ALLENSTEIN LAND

Kreisvertreter: Hans-Peter Blasche, Lankerstraße 40, 40545 Düsseldorf, Telefon (0211) 17181290; (02131) 902700 (dienstl.), Telefax (02131) 902430 (dienstl.) Geschäftsstelle: Gemeindeverwaltung Hagen, Postfach 1209, 49170 Hagen, Telefon (05401) 9770. www.allenstein-landkreis.de

Hiermit lade ich am Samstag, den 16. April um 11 Uhr (!) zur Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land ein. Die Veranstaltung findet im Ratssaal des Rathauses der Gemeinde 49170 Hagen a.T.W, Schulstraße 7 statt. Die Tagesordnung:

1) Eröffnung, Begrüßung, Beschlussfähigkeit, Genehmigung der Tagesordnung

2) Wahl eines Protokollführers

3) Genehmigung des Protokolls vom 11. April 2015

4) Bericht des Kreisvertreters

5) Jahresabschluss 2015 – Bericht des Schatzmeisters und der Kassenprüfer

6) Entlastung der Vorstandes

7) Haushalt 2016

8) Antrag auf Ehrungen

9) Verschiedenes

Anträge/Ergänzungen  zur Tagesordnung bitte ich rechtszeitig mitzuteilen. Ich wünsche eine gute Anfahrt.     Hans-Peter Blasche,

                Kreisvertreter

 

EBENRODE (STALLUPÖNEN)

Kreisvertreter: Dr. Gerhard Kuebart, Schiefe Breite 12a, 632657 Lemgo, Telefon (05261) 8 81 39, E-Mail: gerhard.kuebart@ googlemail.com.

Mit dem Schiff und dem Bus unseres Mitglieds Gerhard Scheer fahren wir im Mittsommer für zehn Tage vom 23. Juni bis 2. Juli nach Ostpreußen. Es geht über Memel (Klaipeda), die Kurische Nehrung, Kaunas und Eydtkau nach Ebenrode, Schloßberg, Gumbinnen und Königsberg. Über Danzig reisen wir entlang der Ostsee zurück. Hier das Programm: 

Donnerstag, 23. Juni: Ab Wuppertal oder dem gebuchten Zustieg Fahrt nach Kiel. Gegen 17 Uhr einchecken auf dem Schiff.

Freitag 24. Juni: Das Schiff erreicht Memel. Bei einer Stadtrundfahrt  geht es unter anderem zum Simon Dach-Brunnen mit dem Ännchen von Tharau auf dem Theaterplatz. Anschließend Fahrt zum Hotel.

Sonnabend, 25. Juni: Fahrt auf die einzigartige Kurische Nehrung nach  Schwarzort (Juodkrante) mit den Hexenberg und der Kormorankolonie. In Nidden besuch der großen Wanderdüne mit herrlichem Ausblick über das Haff, die Nehrung und die Ostsee. Anschließend Fahrt durch Heydekrug und Pogegen an Tilsit vorbei zum Rombinus, einem mythischem Platz über dem Memelstrom. Diesem folgend fahren Sie zur zweitgrößten Stadt Litauens, nach Kaunas. Dort Übernachtung.

Sonnabend, 26. Juni: Vormittags Rundgang durch die Altstadt in Kaunas. Zu sehen ist zum Beispiel die Burg am Zusammenfluss von Memel und Neris und die Freiheitsallee mit der Russisch-Othodoxen Kirche. Am Nachmittag geht es über die litauisch-russische Grenze ins ehemalige Kreisgebiet nach Trakehnen, wo auch übernachtet wird.

Montag, 27. Juni: Besichtigung des ehemaligen Hauptgestüts und des Museums im Landstallmeisterhaus. Anschließend Rundfahrt durch das ehemalige Kreisgebiet Stallupönen mit Stadtbesichtigung und Fahrt durch Ortschaften im nördlichen Kreis über Eydtkau nach Schloßberg. Von der Kattenauer Anhöhe aus ist die sprichwörtliche Weite Ostpreußens zu erleben. Danach Besuch der Salzburger Kirche und Diakonie in Gumbinnen sowie des berühmten Freskos in der Friedrichschule

Dienstag, 28. Juni: Rundfahrt durch die Dörfer im südlichen Kreis Ebenrode wie Schloßbach, Kassuben Wenzbach und Birkenmühle.  Das kristallklare Wasser des Wystiter Sees ist ebenso ein Erlebnis wie die dunklen Wälder der Rominter Heide. Wer mag, probiert in Schenkenhagen vom frischen Quellwasser. Im Forsthaus Warnen ist eine Kaffeepause vorgesehen. Über Tollmingkehmen mit seinem altem Bahnhof, der Kirche und dem Museum von Donaleitis geht es wieder nach Trakehnen zurück. Abends serviert der Gastgeber Speisen vom Grill. Mit folkloristisch-musikalischer Unterhaltung wird es ein gemütlicher Abend.

Mittwoch, 29. Juni: Nach einem Besuch des Gestütes in Georgenburg, fahren Sie durch Insterburg über die R1 nach Königsberg. Dort steht eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Hautnah lässt sich der Kontrast zwischen dem alten Königsberg und dem neuen Kaliningrad erleben. Der Abend steht zur freien Verfügung. Abends Übernachtung in Königsberg.

Donnerstag, 30. Juni: Am Frischen Haff entlang führt die Reise bei Heiligenbeil über die polnische Grenze. Es geht durch Braunsberg nach Frauenburg zur Wirkungsstätte von Nikolaus Kopernikus. Nach einem Besuch am Gedenkstein für die Fluchtopfer steht die Besichtigung der wieder aufgebauten Altstadt in Elbing an. Weiter geht es durch die Weichselniederung nach Danzig, wo der Tag nach geführtem einem Stadtrundgang endet. 

Freitag, 1. Juli:  Nach dem Besuch eines Orgelkonzerts in der Kathedrale von Oliva fahren Sie zur großen Mole nach Gotenhafen (Gdynia). Mittags geht es weiter die pommersche Küstenstraße entlang über Köslin zum Seebad Misdroy (Miedzydroje). Die freie Zeit lässt sich gut für einen Spaziergang am Strand nutzen. Danach übernachtung in Gotenhafen (eventuell lässt sich auch eine Stadtrundfahrt in Stettin einplanen).

Sonnabend, 2. Juli: Ausgeschlafen und vom Frühstücksbuffet in Gotenhafen gestärkt, beginnt die Bus-Heimreise zu den vereinbarten Ausstiegsorten.

Leistungen: Fahrt im Modernen Fernreisebus mit Klimaanlage, WC, Kaffeeküche und Getränkeservice. Fährüberfahrt von Kiel bis Klaipeda in einer 4-Bett Innenkabine mit DU und WC inklusive Frühstück und Abendessen. Deutsche Reisebegleitung. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 30 Personen. Der Reisepreis liegt bei 875 Euro pro Person inklusive Schiffspassage, Doppelzimmern im Hotel DZ, Abendessen und Frühstück. Die Visagebühren betragen 90 Euro. Anmeldung: Telefon (0202) 500077, Fax (0202) 506146.

 

LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Am 4. Februar verstarb in Düsseldorf Heinz Koewius. Er war ein echter Lycker Junge. Sein Vater Ernst Koewius war in Lyck Leiter des Fremdenverkehrsamtes und des Heimatmuseums. Heinz Koewius wurde am 24. Februar 1929 in Lyck geboren. Von 1998 bis 2009 war er Mitglied des Lycker Kreistages. Am 30. Augsut 2008 wurde er mit dem Verdienstabzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen ausgezeichnet. Wegen seiner Verdienste und nicht zuletzt wegen  seines trockenen Humors bleibt Heinz Koewius der Kreisgemeinschaft Lyck in guter Erinnerung.

Das diesjährige Regionaltreffen Nord in Lübeck, findet statt am Sonntag, den 24. April im Restaurant Zum Tucher, Am Burgfeld 1, 23568 Lübeck, Telefon (0451) 33517, (www.burgfeldrestau-rant.de). Beginn ist um 11 Uhr. Vom Hauptbahnhof ZOB fahren auf Bussteig 1,2 und 19 alle Busse zum Gustav-Radbruch-Platz, der Aussteigehaltestelle. Die Leitung hat Heidi Mader, Richard-Taylor-Straße 6, 28777 Bremen , Telefon: (0421) 67329026

Die Kreisgemeinschaft Lyck veranstaltet vom 8. bis 10. April ein Seminar in Göttingen: ,,Die christlichen Konfessionen und ihre Gotteshäuser im Kreis Lyck“. Seminarort ist das Hotel Rennschuh, Kasseler Landstraße 93, 37081 Göttingen. Das Programm:

Freitag, 8. April

Bis 18 Uhr: Anreise

18.30 Uhr: Gemeinsames Abendessen

20 Uhr: Begrüßung durch die Kreisvertreterin Bärbel Wiesensee, Einführung in das Seminar, Vorstellen der Referenten

20.15 Uhr: „Vom Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum“ – Vortrag von Pastor Fryderyk Tegler

Samstag, 9. April

9 Uhr: „1525–1945. Die 420 jährige Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde zu Lyck“ – Vortrag von Pastor Fryderyk Tegler

10 Uhr: „Der Kirchenkreis Lyck mit seinen zwölf Kirchspielen“ – Vortrag von Gerd Bandilla

11 Uhr: Kaffeepause

11.15 Uhr: „Die evangelischen Christen nach 1945 in Lyck“ – Vortrag von Günter Donder

12.30 Uhr: Mittagessen

14.30 Uhr: „Die katholischen Christen in Lyck“ – Vortrag von Pater Eduard Prawdzik

15.30 Uhr: Kaffeepause

15:45 Uhr: „Die Baptisten – Gemeinde in Lyck“ – Vortrag von Inge Endert

18 Uhr: Abendessen

19:30 Uhr: Treffen Mittlere Generation

Sonntag, 10. April

9 Uhr: „Die neuapostolische Gemeinde“ – Vortrag von Siegbert-Ernst Fahrun

10 Uhr: „Christliche Gemeinschaft Gromadki“ – Vortrag von Dirk Meiburg

11 Uhr: Abschlussgespräch mit einem Schlusswort von Heidi Mader

12 Uhr: Mittagessen

Danach Heimreise

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.kreis-lyck.de, Mittlere Generation. Anmeldungen bis zum 28. Februar per email oder Brief: heidi-mader@gmx.de oder Heidi Mader, Richard-Taylor-Straße 6, 28777 Bremen

 

MOHRUNGEN

Kreisvertreterin:  Ingrid Tkacz, Knicktwiete 2, 25436 Tornesch, Telefon/Fax (04122) 55079.

Stellv. Kreisvertreterin; Luise-Marlene Wölk, Schwalbenweg 12, 38820 Halberstadt, Telefon (03941) 623305. Stellv. Kreisvertreterin Monika Buddych, Op de Dümmer 32, 45772 Marl/Westf., Telefon (02365) 691690. Schatzmeister: Frank Panke, Eschen-weg 2, 92334 Berching, Telefon (08462) 2452. Geschäftsstelle Horst Sommerfeld, Lübecker Straße 4, 50858 Köln, Telefon (02234) 498365.

Liebe Landsleute aus dem Kreis Mohrungen und liebe Heimatfreunde, zunächst wünsche ich Ihnen ein gesundes und friedvolles Jahr 2016! Zudem möchte ich Ihnen die zurzeit anstehenden Termine bekanntgeben:

26. Februar: Kassenprüfung für das Geschäftsjahr 2015.

27. Februar: Kreisausschuss-Sitzung.

Die schriftlichen Einladungen wurden an die Kassenprüfer und Kreisausschuss-Mitglieder verschickt. Die Kassenprüfung und die KA-Sitzung finden im Archiv in unserer Patenstadt Gießen statt. Das diesjährige Heimatkreistreffen findet am 17. und 18. September in 31542 Bad Nenndorf, im Grandhotel Esplanade  / L’´Orangerie, Bahnhofstraße 8, statt.

Der Kreisausschuss und der Kreistag tagen am 17. September. Feierstunde und Mitgliederversammlung erfolgen am 18. September. Bitte vermerken Sie schon heute den Termin. Der Programmablauf für das Heimatkreistreffen wird noch bekanntgegeben. Wir würden uns über zahlreichen Besuch sehr freuen. Noch ein Termin in der Heimat:

18. Juni: Ostpreußisches Sommerfest in Allenstein (Olsztyn).

Auch hier würden wir uns über Ihre Teilnahme sehr freuen.

In heimatlicher Verbundenheit

                Ingrid Tkacz

 

TILSIT-RAGNIT

Kreisvertreter: Dieter Neukamm, Am Rosenbaum 48, 51570 Windeck, Telefon (02243) 2999, Fax (02243) 844199. Geschäftsstelle: Eva Lüders, Telefon/Fax (04342) 5335, Kührenerstraße 1 b, 24211 Preetz, E-Mail: Eva.lueders@arcor.de.

Die Karte im Heimatrundbrief „Land an der Memel“, mit der der Kreisgemeinschaft  hohe Geburtstage, Diamantene und Goldene Hochzeiten oder andere Jubiläen sowie Todesfälle zur Veröffentlichung im Heimatbrief mitgeteilt werden können, ist im Weih-nachtsheft noch mit der Anschrift Walter Klink, Banter Weg 8, 26316 Varel versehen. Walter Klink ist leider im Oktober 2015 verstorben. Schicken Sie daher bitte Ihre Familiennachrichten für das Pfingstheft an Winfried Knocks, Varenhorststraße 17, 49584 Fürstenau. Bitte beachten Sie: Redaktionsschluss ist der 18. März 2016!

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

Tilsit rüstet sich Anfang September zum Stadtfest. Die Stadt wartet mit einem reichhaltigen Programm und vielen Überraschungen auf. Auch die „alten Tilsiter“ sind dort sehr gern gesehen und herzlich eingeladen. Die Stadtgemeinschaft Tilsit wird deshalb mit einem Sonderbus der Firma „Valentin-Europareisen“ die Stadt am Memelstrom ansteuern und für einen mehrtägigen Aufenthalt im First-Class-Hotel „Rossia“ Sorge tragen. So besteht die Möglichkeit, an den Veranstaltungen und Besichtigungen kostenfrei teilzunehmen.

Die achttägige Reise findet vom 30. August bis zum 6. September statt. Hier das Programm:

1. Tag (30. September): Chemnitz–Thorn.

2. Tag (31. September): Thorn–Marienburg–Tilsit. Übernachtung im Hotel Rossija.

3. Tag (1. September): Stadtrundfahrt in Tilsit. Besichtigt werden unter anderem Elch, Königin-Luise-Brücke, Königin-Luise-Denkmal, Park Jakobsruh, Anger und Schlossmühlenteich. Besuch des Museums für Tilsiter Stadtgeschichte. Anschließend Rundfahrt durch die Elchniederung.

4. Tag (2. September): Rundfahrt durch den Kreis Tilsit-Ragnit nach Kraupischken zum Ostpreußenmuseum von Juri Userzow, Gumbinnen mit Stadtrundfahrt zur Salzburger Kirche und zum Elchdenkmal, Insterburg mit Stadtrundfahrt, Georgenburg zum Pferdegestüt der berühmten Trakehner-Pferde.

5. Tag (3. September): Königsberg mit Stadtrundfahrt zum Dom,  Kant-Denkmal, Hauptbahnhof und anderen Sehenswürdigkeiten sowie Rundfahrt an der Samlandküste und zur russischen Seite der Kurischen Nehrung: Rossitten mit der Vogelwarte.

6. Tag (4. September): Teilnahme am Stadtfest in Tilsit. Besuch der zahlreichen Veranstaltungen wie der Regatta auf dem Mühlenteich, dem Konzert auf dem Thingplatz, Sportwettkämpfen und dem Feuerwerk. Ein individueller Besuch der Heimatdörfer ist ebenfalls möglich.

7. Tag (5. September): Tilsit–Preußisch Stargard.

8. Tag (6. September): Heimreise.

Leistungen: Fahrt im modernen Reisebus mit Bordservice, deutschsprachige örtliche Reiseleitung, eine Übernachtung im Raum Thorn, fünf Übernachtungen in Tilsit im Hotel Rossija, eine Übernachtung in Preußisch Stargard, Halbpension, Ausflüge wie beschrieben, Stadtrundfahrten in Tilsit, Gumbinnen, Insterburg und Königsberg. Der Preis pro Person im Doppelzimmer beträgt 775 Euro. Einzelzimmer-Zuschlag: 80 Euro. Das Visum für Russland kostet 89 Euro. Die Reiseleitung ab Chemnitz übernimmt Erwin Feige von der Stadtgemeinschaft Tilsit. Das ausführliche Reiseprogramm erhalten Sie bei Valentin Europareisen, Barbarossastraße 84, 09112 Chemnitz, Telefon (0371) 4660725, info@valentin-europareisen.de


Reisen mit den Dönhoffs
Eine literarisch-musikalische Ostpreußentour des Landesmuseums

Auf den Spuren der Familie Dönhoff“ wandelt das Kulturreferat am Ostpreußischen Landesmuseum. Gemeinsam mit Friedrich Graf Dönhoff und dem Beethoven-Duo aus Hamburg veranstalten die Lüneburger Museumsleute unter diesem Motto vom 20. bis 25. Mai einer literarisch-musikalischen Reise nach Ostpreußen. Es geht unter anderem nach Königsberg, in das ehemalige Hauptgestüt Trakehnen, zum Ostseebad Rauschen und natürlich nach Fried-richstein, der Heimat der Dönhoffs und dem Geburtsort von Marion Gräfin Dönhoff.

Ihr Großneffe Friedrich Graf Dönhoff wird vor Ort aus ihren Werken lesen. Aus seinen Erinnerungen an die berühmte Publizistin, dem Bestseller „Die Welt ist so, wie man sie sieht“, wird er ebenfalls Kostproben vortragen.

Marion Dönhoff war aber nicht nur eine engagierte und meinungsstarke Journalistin, sondern auch eine hochbegabte Fotografin. In den 1930er Jahren hielt sie in wunderschönen Landschaftsaufnahmen ihre Heimat Ostpreußen fest. Diese Bilder werden in einer Ausstellung in Königsberg gezeigt. Die Reisegruppe zählt zur Delegation, die diese Ausstellung eröffnen wird.

Den musikalischen Beitrag leisten preisgekrönte Musiker, wie das Beethoven-Duo, die Organisten Hans Bäßler aus Hamburg sowie Artjom Chachaturow aus Königsberg und ein Symphonieorchester aus St. Petersburg, die Werke von deutschen und russischen Komponisten spielen. Da die schöne Natur zu Ostpreußen gehört wie der Bernstein, runden Ausflüge auf die Kurische Nehrung und zur Samlandküste das Programm ab. Informationen: Russland Reisen Romanova, Natalia Romanova, Telefon (040) 22697074, E-Mail: info@romanova-reisen.de, www.romanova-reisen.de


S. 20 Heimatarbeit

»Ihr ergebener von Hindenburg«
In einem Hamburg Altpapiercontainer fand sich ein bemerkenswerter Brief aus Lötzen

Ute Eichler vom Lötzener Heimatmuseum in Neumünster über Finderfreude, sensationelle Zufälle und einen Feldmarschall als eiligen Briefeschreiber.

Es war im vergangenen Jahr, letzte Oktoberwoche. Am Montagmittag rief mein Sohn Martin an und sagte: „Mama, ich muß dir etwas erzählen!“

Seine Stimme klang fröhlich und etwas aufgeregt. Er berichtet mir: „Als ich gestern Nachmittag zum Container gehe, um Altpapier wegzubringen, sehe ich, als ich den Deckel aufmache, in dem ziemlich gefüllten Behältnis obenauf ein Buch liegen. Ich fische es heraus und es stellt sich als großer alter Atlas heraus. Ich schaue genauer hin – darunter liegt noch etwas, dick und schwer. Es war ein ganzer gebundener Jahrgang der ‚Gartenlaube‘ von 1908. Und darunter – ja, aller guten Dinge sind drei – lag als Prachtausgabe ‚Unser Reichspräsident‘“.

Ich denke, während ich meinem Sohn aufmerksam zuhöre: Braver Junge. Hat das mütterliche Vorbild mit ihrer Liebe zum Buch ja doch etwas bewirkt. Doch Martin ist mit seinen Entdeckungen noch nicht am Ende. Er berichtet weiter: „Ich schleppe diese Kilo bedrucktes Papier in meine Wohnung, und du kannst dir denken, dass ich zuerst in das Hindenburg-Buch schaue. Der Atlas kann warten, und „Die Gartenlaube“ werde ich dir bringen. Aber weißt du, was ich lose vorn in dem Hindenburg-Prachtband liegend finde? Zwei Briefe von der Hand Hindenburgs! Ist das nicht eine kleine Sensation? Aber es kommt noch besser. Da finde ich zufällig in einer Hamburger Altpapiertonne zwei Briefe, die Hindenburg vor 100 Jahren in Lötzen geschrieben hat. Was sagst du nun?“

Ja, da kann die Mutter, deren Alltag von Lötzen ausgefüllt wird und durch Lötzen erfüllt ist, nur noch staunen. Das möchte sie nun ganz genau wissen, um was für Briefe es sich handelt. Martin hat versucht, sie zu lesen. Er hat aber feststellen müssen, dass Hindenburg eine recht ausgeschriebene Handschrift praktizierte und beide Schriftstücke den Eindruck machen, als wären sie in Eile geschrieben worden. Eindeutig ist in beiden Fällen die Anrede „Sehr geehrter Herr Professor“, eindeutig ist die Unterschrift „Ihr ergebener von Hindenburg“. Der eine Brief wurde am 3. Februar 1915, der andere in Lötzen am 24. März 1915 verfasst.

Nun möchte Martin nicht nur wissen, was in diesen Briefen mitgeteilt wird, sondern vor allem, wer denn der Empfänger war. Mir kommt da eine Idee. Martin wird mir rasch Kopien der Briefe zuschicken. Anfang November bin ich zum Museumsmarkt im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg. Am Rande der Standbesuche und Begegnungen gibt es für mich Gelegenheit zum Gespräch mit Jörn Barfod, im Landesmuseum Kustos für Kunst- und Kulturgeschichte. Ich erzähle ihm von den Brieffunden und kann ihm auch schon etwas über den Inhalt sagen. Es muss sich beim Adressaten um einen der Künstler gehandelt haben, die Hindenburg und andere Offiziere im Hauptquartier in Lötzen besuchten und porträtierten. – „Hm“, sagt der Fachmann, „da kommen, wenn er 1915 schon den Titel Professor trug, ja eigentlich nur zwei oder drei Namen infrage.“

So sind wir, Mutter und Sohn, wieder ein wenig klüger, aber die Nuss ist noch nicht geknackt. Wieder ein paar Tage später bin ich eingeladen bei Ilsegret Böhm, einer hier in Hamburg lebenden Ostpreußin. Ihr erzähle ich diese Findegeschichte. Sie hat ihre Kinderjahre in Insterburg im Hotel „Dessauer Hof“ verbracht und später, nach der Zwischenstation Goldap ihre Jugendjahre in Lötzen. Wer sich ein wenig mit dem Geschehen des I. Weltkriegs im Osten des deutschen Reiches auskennt, wird wissen, dass zwischen Hindenburg und dem „Dessauer Hof“ ein Zusammenhang besteht. – „Was Sie aber auch immer wieder erleben“, staunt Ilsegret Böhm. „Ja“, entgegne ich, „Ostpreußen findet mich überall, sogar aus der Altpapiertonne.“

Wir halten uns in der Bibliothek ihres Hauses auf. Mein Blick fällt auf die eingebaute Bücherwand, weil dort bereits ein Kalender für 2016 hängt – zum Thema Bernstein. Den möchte ich genauer betrachten. Da sehe ich im Regal ein Buch mit dem Titel „Als ich Hindenburg malte“, von Hugo Vogel. – „Schenk ich ihnen“, sagt Ilsegret Böhm, „das brauche ich nicht mehr.“ - Bei mir dagegen ist die Freude groß über altes bedrucktes Papier, in blaues Leinen eingebunden.

Abends sitze ich mit dem 1927 im Verlag Ullstein Berlin erschienenen Buch in meinem Stübchen und stelle ziemlich rasch fest, dass ich meinem Sohn zwar nun Aufklärung geben kann, wer der Empfänger der beiden Hindenburg-Briefe war, ihm werde ich aber eine Enttäuschung bereiten müssen, was die Echtheit seiner Fundstücke betrifft. Beide Briefe – und noch etliche mehr – sind in diesem Erinnerungsbuch des Kunstmalers Professor Vogel sowohl als Faksimile wie auch in Übertragung im Text widergegeben. Der am 3. Februar geschriebene kurze Brief findet sich auf den Seiten 30 und 31 und der vom 24. März 1915 in Lötzen verfaßte längere auf den Seiten 82 und 83. Beide Mitteilungen beeindrucken heute auch durch ihre Menschlichkeit und ausgesuchte Höflichkeit. Sensationelles steht nicht darin.

Die von Martin gefundenen Briefe stellten sich, nachdem wir mit diesem Wissen sie noch einmal unter die Lupe nahmen, als perfekte Faksimiles heraus, die aus einer anderen Quelle stammen müssen als aus der uns nun vorliegenden Buchausgabe. Während man dem einen Brief jetzt ansah, dass er irgendwo herausgetrennt worden war, täuschte der andere mittels des verwendeten Papiers und einer kleinen Fehlstelle am oberen Rand Alter und Echtheit vor. – „Wäre ja auch zu schön gewesen, Originalbriefe des Feldmarschalls in Hamburg zu finden“, seufzte der Sohn. Er hatte – ganz Kind seiner Zeit – bereits gegoogelt, was denn Händler für Preisvorstellungen für Autographen dieser Art haben. Bestärkt haben diese unerwarteten Funde sein bereits vorhandenes Interesse für Geschichte. Und in der Mutter keimt Hoffnung, dass der Sohn sagt: „Ich möchte wieder mitkommen nach Lötzen! Zu den Originalschauplätzen …“

                Ute Eichler


S. 21 Lebensstil

Alle unter einem Dach
Erfolgsmodell Mehrgenerationenhäuser − Jung und Alt unterstützen sich in vom Staat geförderten Begegnungsstätten

2016 feiern die ersten Mehrgenerationenhäuser ihr zehnjähriges Bestehen. Zu den ersten Hausgemeinschaften für Menschen un­terschiedlichen Alters, die seit  2006 bei dem vom Bundesfamilienministerium initiierten Akti­onsprogramm mitmachen, gehört das Grundtvighaus in Sassnitz.

Zur Schaffung einer neuen sozialen Einrichtung, die sämtlichen Kommunen und Landkreisen zugutekommen sollte, legte das Bundesministerium für Frauen, Familie und Jugend 2006 das „Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser“ auf. Die Idee war, flächendeckend zentrale Begegnungsstätten zu etablieren, indem bereits bestehende soziale Einrichtungen zu sogenannten Mehrgenerationenhäusern umgewandelt werden. Das Angebot dieser Häuser sollte sich über die ursprünglichen Zielgruppen hinaus an alle Altersgruppen richten.

Rund 500 Mehrgenerationenhäuser wurden in der Folge durch Mittel des Bundes, des Europäischen Sozialfonds, der Länder, der Kommunen oder der Landkreise eingerichtet und finanziell gefördert. Bundesweit verfügen gegenwärtig nahezu alle Landkreise und kreisfreien Städte über ein Mehrgenerationenhaus nach dieser Konzeption. 450 sind es gegenwärtig. Mittlerweile ist das Mehrgenerationenhaus in den Regionen, Städten oder Stadtteilen als Anlaufstelle für Menschen aller Altersgruppen nicht mehr wegzudenken. Ein zukunftweisendes Erfolgsmodell also.

Nicht zu verwechseln ist diese Institution mit dem Wohntyp „Mehrgenerationen-Haus“ als generationenübergreifende Haus- oder Wohngemeinschaft, ebenfalls ein florierendes Modell der jüngsten Zeit. Damit verbunden ist meist das Angebot „Betreutes Wohnen“. Beiden gemeinsam ist der Gedanke, das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung von Jung und Alt zu beleben.  

Der Bedarf an Kontakt- und Hilfsangeboten ist hoch, beson­ders in den Städten, und er ist generationenübergreifend. Ein wesentlicher Grund dafür ist der gesellschaftliche Wandel, der zur Folge hat, dass die Generationen meist nicht mehr unter einem Dach leben. Die Einrichtung „Mehrgenerationenhaus“ bietet Familien, alten und jungen Menschen eine Anlaufstelle für Erfahrungsaustausch, Raum für ehrenamtliche Tätigkeit und ein Netzwerk für Hilfen zur Bewältigung des Alltags. Durch die für das Mehrgenerationenhaus typischen Offenen Treffs werden gemeinsame Aktivitäten auf den Weg gebracht. Daraus entsteht ein neues nachbarschaftliches Miteinander, und es werden Freundschaften geschlossen. Allen Mehr­generationenhäusern ist ge­meinsam, dass sie bedarfsorientiert ausgerichtet sind, also genau das anbieten, was vor Ort ge­braucht und nachgefragt wird.

Ohne Bürgerengagement geht es nicht, denn das Kernstück der Mehrfamilienhäuser ist facettenreich. Das kostenlose Angebot reicht von Seniorentreffen über Ge­sprächsgruppen für pflegende Angehörige, Kinoabende, Ausstellungen und Vorträge bis zum Einkaufs- und Besuchsservice oder die Vermittlung von ehrenamtlicher Tätigkeit. Daneben ist auch die klassische institutionelle Hilfe vertreten, etwa durch Beratung, Kinderbetreuung sowie Sprach- und Kreativkurse. Gemeinsame Mahlzeiten sind in vielen Mehrgenerationenhäusern die am meisten genutzte Dienstleistung. Dank des Zusammenwirkens mit unterschiedlichen Kooperationspartnern und Sponsoren aus Wirtschaft und Gesellschaft ist die Arbeit der vielen Beteiligten, die in den Mehrgenerationenhäusern haupt- und ehrenamtlich tätig sind, in den meisten Fällen hervorragend gediehen. Die Ko­operationspartner in den Kommunen und Landkreisen sind häufig kommunale Ämter, Schulen, Verbände und Vereine bis hin zu Unternehmen, Krankenkassen oder Stiftungen.

Die Aktivitäten und Spielräume von Mehrgenerationenhäusern erschließen sich aus Einzelbeispielen. Als einer der ersten Bewerber erhielt das Mehrgenerationenhaus Sassnitz auf Rügen 2006 die Zusage für das Aktionsprogramm. Das ehemalige Hotel an der Seestraße war bereits ein Begegnungs­zentrum, das in den 90er Jahren mit Freiwilligenarbeit instand gesetzt worden war. Nach dem dänischen Theologen und Pädagogen Nikolai Grundtvig wurde es Grundtvighaus genannt, Träger ist der gleichnamige Verein. In den Räumlichkeiten des soziokulturellen Begegnungszentrums sind ein Café, ein Kino- und Veranstaltungssaal, Seminarräume, Gästezimmer, eine Küche, die Werkstätten einer Töpferin, eine Beratungsstelle sowie Büroräume von Vereinen und Verbänden untergebracht. Projekte, Ge­sprächsrunden, Konzerte, Kino­abende, Ausstellungen, Vorträge und vieles mehr finden hier statt. Anwohner sowie Mitarbeiter umliegender Betriebe und der Stadt treffen sich hier zum Mit­tags­tisch. Das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhaus fördert vier Schwerpunkte in Sassnitz und Umgebung: Alter und Pflege, Bildung und Integration, haushaltsnahe Dienstleistungen sowie Entwicklung des freiwilligen En­gagements. Es besteht eine Ko­operationsvereinbarung mit der Bundesagentur für Arbeit.

In einem 500 Jahre alten Fachwerkhaus in Horneburg, Samtgemeinde Horneburg, ist das einzige Mehrgenerationenhaus im Landkreis Stade ein wichtiges soziales und kulturelles Begegnungszentrum in einer ländlichen Gegend, die immer mehr von Strukturschwäche betroffen ist. Die rund 20000 Besucher im Jahr kommen aus einem Umkreis von bis zu 20 Kilometern. Das Programm ist äußerst vielfältig – sogar ein Briefmarkenverein hat seinen monatlichen Treffpunkt im Mehrgenerationenhaus Horneburg. Einwohner aus weiter entfernt liegenden Dörfern kommen in das Mehrgenerationenhaus, um sich Anregungen für die Weiterentwicklung ihrer Dorfgemeinschaftshäuser zu holen.

Nach dem ursprünglichen Plan sollten sich die einzelnen Häuser nach der fünfjährigen Förderphase durch Dienstleistungen und in Kooperation mit Partnern selbst weiter finanzieren. Das ist nicht überall gelungen. Das zweite, 2012 in Kraft getretene Förderprogramm der Bundesregierung „Aktionsprogramm Mehrgenerationenhaus II“ ermöglicht es den teilnehmenden Mehrgenerationenhäusern, ihr besonderes An­gebot für die Alltagsherausforderungen der Menschen vor Ort fortzuführen und weiterzuent­wickeln.        Dagmar Jestrzemski


Zur Spree gesegelt
Saurier verblüfft mit Knochen-Segel − Ausstellung in Berlin

Regisseur Steven Spielberg solle mal kommen, um zu sehen, wer der Stärkere ist, sagte Johannes Vogel, Generaldirektor des Naturkundemuseums in Berlin. Es ist nämlich zum T. Rex „Tristan“ (siehe PAZ vom 22. Januar) ein Spinosaurus hinzugekommen. Obwohl Spielberg im Film „Jurassic Park“ die Giganten aufeinandertreffen ließ, wäre das in der Realität niemals passiert. Während der T. Rex in der Obersten Kreide vor 68 Millionen Jahren seine Fußstapfen hinterließ, bewegte sich der Spinosaurus schon vor 112 Millionen Jahren vornehmlich in Flusslandschaften, die an das heutige Amazonasgebiet erinnern. Außerdem agierten sie auf verschiedenen Kontinenten. Der T. Rex in den heutigen USA, der Spinosaurus im heutigen Nord-Afrika.

Die von der Zeitschrift „National Geographic“ mitkonzipierte Wanderausstellung „Spinosaurus“ zeigt das Museum bis zum 12. Juni. Doch sie zeigt nicht nur das weltweit erste lebensgroße Skelettmodell des Raubsauriers, sondern auch seine Entdeckungsgeschichte. Der deutsche Paläontologe Ernst Stromer von Reichenbach begab sich 1910 nach Ägypten und suchte am Rande der Sahara nach Fossilien. Er wurde fündig und brachte Überreste 100 Millionen Jahre alter Dinosaurier-Knochen, krokodilartiger Reptilien und Wasserschildkröten nach Deutschland. Bedeutsam war das 1912 von seinem Grabungsteam gefundene Teilskelett eines bis dato unbekannten Sauriers mit langem Kiefer und einem 1,80 Meter hohen knöchernen Segel über der Wirbelsäule.

Als Stromer von Reichenbach zurück in München war, bezeichnete er die neue Art mit „Spinosaurus aegyptiacus, ägyptische Dornenechse“. Der Fund wurde zum Ausstellungsrenner in der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie. Bei einem Bombenangriff im April 1944 wurden alle Fossilien vernichtet. Übrig blieben nur Zeichnungen, Fotos und Notizen, die heute aber dazu dienen, den Spinosaurus zu re­konstruieren. Denn lange blieb diese Saurier-Art nur eine Legende. Erst als 2008 und 2009 in der Kem-Kem-Region in Marokko und in einem Mailänder Museum Fossilien auftauchen, die stark an Stromers historische Funde er­innerten, ging der Dino-Krimi weiter. Der in Berlin geborene Paläontologe Nizar Ibrahim er­kannte einen Zusammenhang der Knochen aus Italien mit denen in Marokko. Mit einem Team versuchte er, den Fundort der Fossilien auszumachen.

Es gelang ihm, den Ausgräber wiederzufinden, der das Team an die Fundstelle führte. Aufgrund aller bisher gefundenen Skelettteile konnte nun ein anatomisch genaues, digitales Spinosaurus-Modell rekonstruiert werden. Wozu das Knochen-Segel diente, ist bisher nur zu vermuten. Auf jeden Fall ragte es aus dem Wasser heraus, wenn sich der Saurier darin befand. Der Spinosaurus jagte vornehmlich riesige Fische. „So groß wie ein Kleinwagen“, ließ Ibrahim wissen. Frühere Paläontologen waren an der Beschreibung möglichst vollständiger Skelettfunde interessiert. Heute beleuchten die Forscher zusätzlich die damals vorherrschenden Öko­systeme.      Silvia Friedrich


Landung am Badestrand
Als die Maschinen fliegen lernten − Fliegerei im Ersten Weltkrieg

Anfang des 20. Jahrhunderts kamen zahlreiche spektakuläre technische Neuerungen auf. So erfüllte sich 1903 der alte Menschheits­traum vom Fliegen nach Art der Vögel – also nicht in Ballons oder Luftschiffen. Dabei weckte die Erfindung des Flugzeugs beizeiten auch das Interesse der Militärs, weswegen es dann im Ersten Weltkrieg, der nur elf Jahre später ausbrach, zu einem massenhaften Einsatz dieser innovativen „Aeroplane“ kam.

Mit der Anfangsphase der Luftfahrt sowie der militärischen Verwendung von Flugzeugen befasst sich noch bis zum 3. April die Ausstellung „Als der Tod das Fliegen lernte“ im Verkehrsmuseum Dresden. Diese wird durch diverse großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen dominiert, welche zu­meist bei Flugveranstaltungen in Frankreich entstanden, was insofern verständlich ist, als der Flugzeugbau dort seinerzeit florierte. Die Fotos entstammen dem Archiv des k. u. k. Österreichischen Flugtechnischen Vereins, das später in den Sammlungsbestand des Canadian Aviation and Space Museum Ottawa überging.

Großexponate sind hingegen rar, letztlich gibt es nur zwei davon. Das erste ist ein originaler Zwölfzylinder-V-Motor Falcon III von Rolls Royce von 1918, wie er beispielsweise im Jagdeinsitzer Bristol F 28 zum Einsatz kam. Bei dem anderen Ausstellungsstück handelt es sich um einen originalgetreuen und flugfähigen Nachbau des deutschen Dreideckers Fokker Dr. I von 1917. Dieser war die Antwort der Konstrukteure im Kaiserreich auf die wendigen britischen Maschinen vom Typ Sopwith Triplane. Eine Fokker Dr. I wurde damals unter anderem vom legendären Jagdpiloten Freiherr Manfred von Richthofen geflogen, und zwar auch während seines letzten Einsatzes am 21. April 1918, von dem der „Rote Baron“ – so genannt wegen der auffälligen Bemalung der von ihm gesteuerten Flugzeuge – nicht zurückkehrte.

Ebenso von Interesse sind die beiden Videowände, auf denen alte Filmaufnahmen von Flugvorführungen und Luftschiffstarts und -landungen zu sehen sind, sowie das eine oder andere Kleinexponat, wie die kuriosen, aber heimtückischen Fliegerpfeile. Diese wurden in der Frühphase des Luftkriegs, als man noch keine Bomben zur Verfügung hatte, vom Piloten per Hand über den gegnerischen Stellungen abgeworfen.

Negativ fällt auf, dass in der Mitte des Ausstellungssaales aus unerfindlichen Gründen grüner Rasenteppich liegt, auf dem bunte Decken und Liegestühle drapiert sind, womit das Ganze an einen Badestrand erinnert, was Pubertierende dann auch dazu veranlasst, sich dort entsprechend ungeniert zu verhalten. Und das ist derart deplatziert in einer Schau, in der es immerhin um ernste Themen wie Krieg und Tod geht, dass nicht wenige Besucher den Raum vorzeitig und voller Verstörung oder Verärgerung verlassen.         Wolfgang Kaufmann


S. 22 Neue Bücher

Hämische Kritik
Hasstiraden statt Sachlichkeit

Manche Biografien sind weniger Lebensgeschichten, die auf Quellen und gesicherten Fakten basieren, als politisch motivierte Abrechnungen – selbst wenn ihre Verfasser zur Gilde der promovierten Historiker zählen. Ein Beispiel hierfür stellt Johannes Willms’ „Bismarck. Dämon der Deutschen“ dar: Dieses Buch dient ausschließlich dem Zweck, kein gutes Haar an dem Mann zu lassen, der Deutschland zwischen 1864 und 1871 „mit Blut und Eisen“ einte.

Dabei arbeitet sich der ehemalige ZDF-Fernsehjournalist und Mitarbeiter der „Süddeutschen Zeitung“ nicht nur an den tatsächlichen oder vermeintlichen persönlichen Schwächen seines Protagonisten ab. Sehr viel mehr noch geht es dem Autor um eine hämische Kritik an Bismarcks politischen Überzeugungen und der Art, wie er diese vertrat. So wimmelt das Buch nur so von Passagen, in denen Willms dem ersten gesamtdeutschen Kanzler „Hasardeurtum“, „Hysterie“, „Borniertheit“, „Primitivität“ und „Menschenverachtung“ unterstellt – das Ganze garniert mit pseudopsychologischen Plattitüden dieser und ähnlicher Art: „Die machthungrige Skrupellosigkeit Bismarcks ... war ein Charakterzug, der ihn ein Leben lang beherrschte und seine Handlungen leitete.“

Gleichermaßen aggressiv reagiert Willms auf die Tatsache, dass Bismarck sowohl ein deutscher als auch ein preußischer Patriot war, was sich in Sätzen wie „Preußen sind wir und Preußen wollen wir bleiben“ äußerte. Denn die preußische Denk- und Lebensart ist dem gebürtigen Karlsruher, der im Jahre 2000 nach Frankreich übersiedelte, offensichtlich zutiefst wesensfremd, weshalb er sie bei jeder Gelegenheit verächtlich macht. In diesem Kontext sind auch die vernichtenden Äußerungen über die Könige Preußens zu sehen: Friedrich Wilhelm IV. wird als ebenso hochmütiger wie ängstlicher Versager hingestellt, der große Reden schwang, aber schon beim geringsten Widerstand einknickte, Wilhelm I. war nach Willms’ Ansicht einfach nur „ein Mann von schlichter Denkungsart gewesen“, und Wilhelm II.  erscheint in dem Buch zuvörderst als Person von maßlosem Ehrgeiz, die dafür sorgte, „dass das Reich irreparablen Schaden an seinem Ansehen in der Welt nahm“.

Der Grund für diesen Rundumschlag gegen Bismarck und alles Preußische ist Willms’ Faible für die unsinnige Theorie von der angeblichen „Kontinuität der deutschen Geschichte von Bismarck über Wilhelm II. bis zu Hitler“. Davon künden nicht zuletzt seine expliziten Äußerungen am Anfang und Ende des Buches. Dort meint er, Bismarck und die preußischen Monarchen hätten bewirkt, dass der Antiparlamentarismus und der Glaube an eine charismatische Führergestalt in Deutschland salonfähig werden konnten. Und deshalb, so Willms, seien sie auch maßgeblich mitverantwortlich für den Zusammenbruch der Weimarer Republik, die Machtergreifung durch den „Führer“ und den Zweiten Weltkrieg, der für Deutschland in der größten Katastrophe seiner Geschichte endete und Bismarcks Einigungswerk wieder zunichtemachte.

Ja, so sieht es aus, wenn jemand eine Biografie verfasst, die nur dem Zweck dient, die eigenen Vorurteile zu bestätigen und eine undifferenzierte Weltsicht zu propagieren! Zur Lektüre empfohlen werden können Bücher solcher Art natürlich nicht – es sei denn, der Leser möchte unbedingt im Detail studieren, wie ein Historiker versucht, blindwütige Hasstiraden als seriöse Wissenschaft zu verkaufen.

                Wolfgang Kaufmann

Johannes Willms: „Bismarck. Dämon der Deutschen. Anmerkungen zu einer Legende“, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2015, 335 Seiten, Taschenbuch, 12,90 Euro


Wagner, der Erneuerer
Martin Geck setzt sich mit dem Komponisten auseinander

Richard Wagners Opern gehören zum meistgespielten Repertoire der deutschen Musiktheater. Doch an Wagner, obwohl einer der bedeutendsten Komponisten der Neuzeit, scheiden sich die Geister. Nicht zuletzt ist diese Polarisierung auf Wagners durch und durch verinnerlichten Antisemitismus zurückzuführen. Das Wissen über ihn füllt Bände. Wagner selbst hat sein Handeln und Denken in Schriften und Briefen reflektiert, seine Frau Cosima schrieb von 1869 bis zum Tod ihres Mannes am 13. Februar 1883 ausführlich Tagebuch. Das lief nicht ohne widersprüchliche Angaben ab, was seine Biografen nur umso mehr zu dem Versuch angestachelt hat, dem Komponisten „auf die Schliche zu kommen“.

Geschenkt, meint Martin Geck, einer der profiliertesten Wagner-Kenner und Musiktheoretiker, in seinem sehr lesenswerten Buch mit dem schlichten Titel „Wagner. Biographie“. Der Autor wurde 1936 in Witten geboren und war von 1976 bis 2001 Professor für Musikwissenschaft an der Universität Dortmund. Mit Wagner und seinem Werk hat er sich viele Jahre beschäftigt. Ab 1966 legte Geck die Grundlage zu dem dickleibigen Wagner-Werk-Verzeichnis (WVZ). Er ist Verfasser mehrerer Biografien deutscher Komponisten. Seine Bücher wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt.

Geck ist ungemein sprachversiert. Er schreibt für ein anspruchsvolles Publikum und auf hohem Niveau unterhaltsam. Um das vorliegende Buch mit größtmöglichem Gewinn zu lesen, sollte man die Wagner-Opern allerdings recht gut kennen. Kenntnisse in Harmonielehre sind nützlich, da hin und wieder Notenbeispiele angeführt werden.

Im engeren Sinn ist das Buch keine Biografie und soll auch keine endgültigen Antworten liefern. Der Autor nimmt jedoch für sich in Anspruch, durch seine leidenschaftslose Haltung gegenüber dem Phänomen Wagner gefeit zu sein gegen „all den mythischen Tiefsinn“, der schon den einen oder anderen Wagner-Biografen „wie eine Fliege in den Mus-Topf stürzen ließ, berauscht von all dem süßen Zeug und zu guter Letzt in ihm ertrinkend und versinkend“. Dieses Bonmot ist nicht als negative Äußerung über Wagners Musik zu verstehen. Ganz im Gegenteil zollt der Autor Wagners musikalischen Einfällen durchgehend hohe Anerkennung. In chronologischer Reihenfolge untersucht Geck die Entwicklung der Opern Wagners im Zusammenhang mit den Opernstoffen, fragt nach den Intentionen des Künstlers und zeichnet das lebhafte Echo in der damaligen Kunstszene nach. 

Sein wesentliches Anliegen ist es, eine Brücke zu schlagen zwischen früheren und gegenwärtigen Diskursen über den umstrittenen Komponisten. In dem „Konzert“ der zahlreichen angeführten literarischen Zitate ist die wichtigste Stimme diejenige Wagners selbst, der sich als eine Art Kunstprophet verstand. Über Wagner als „denkenden Komponisten“ haben sich Opernregisseure leider oft hinweg gesetzt, meint Geck. Beispielsweise sei es falsch, das „Rheingold“ ausschließlich politisch zu deuten oder die Ring-Opern vollkommen zu dekonstruieren. Wagners präzise theoretische Überlegungen und Regievorstellungen müssten ernst genommen werden, auch wenn einige Musikkritiker sie schon vor 100 Jahren als konventionell bezeichneten.

Um bei all den Abwägungen auch etwas über unsere heutige Zeit zu lernen, konzentrierte er sich auf einige zielgerichtete Fragen. Sie lauten: Was fasziniert bis heute an „Tristan und Isolde“? Was bewegt uns eigentlich, wenn wir Wagner nahekommen oder uns von ihm abwenden? Welche Werte und Unwerte werden uns via Musiktheater im wahrsten Sinne des Wortes untergejubelt?

Unterhaltsam und manchmal amüsant lesen sich die Äußerungen berühmter und unbekannter zeitgenössischer Autoren über die Bühnenadaptionen der Wagner-Opern. Ausgehend von Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ führt Geck beispielsweise die satirisch oder auch ernst gemeinten nationalistischen Deutungen des „Lohengrin“ aus der Zeit um 1900 an. Von dort bis zu Hitlers wahnhafter Begeisterung für diese Oper ist es nicht weit. Zum Glück aber braucht man sich nicht allzu häufig mit dessen sattsam bekannter Wagner-Verherrlichung auseinanderzusetzen.

Wagners theoretische Reflexionen über das Drama mündeten in sein Konzept des Gesamtkunstwerks („Oper und Drama”, 1852), das er 1876 mit den Bayreuther Festspielen verwirklichen konnte. Wagner als Erneuerer der Oper erklärt Martin Geck nicht nur mit der „Aufweichung der gewohnten musikalischen Formen oder der Unterminierung traditioneller Harmonik“, sondern anhand der „Meistersinger von Nürnberg“ auch mit der Einführung eines „double talk“: „Musik schaut sich über die Schulter, kommentiert sich selbst und reflektiert die eigene Machart.“

Für dieses anregende, inhaltlich prallvolle Buch sollte man sich unbedingt die gebührende Zeit und Muße nehmen.                 D. Jestrzemski

Martin Geck: „Richard Wagner. Biographie“, Pantheon-Verlag, München 2015, Broschur, 414 Seiten, 14,99 Euro


Sinnbild des Lebens
Naturfotograf und Buchautor beschäftigen sich mit der deutschen Eiche

Sie gelten als Symbol für Stärke, Kraft, Stolz und sogar für Unsterblichkeit: Eichen, die viele hundert Jahre alt werden können, gelten in alten Religionen, Mythen und Sagen als heilige Bäume. Im Christentum wird die Eiche als Lebensbaum verehrt, der das ewige Leben symbolisiert. In Liedern wie dem Niedersachsenlied wird der Baum besungen, ebenso wird er auf Wappen und Münzen verwendet. Die Eiche gilt als Sinnbild des Lebens.

Tatsächlich bietet die Eiche von ihrem Stamm bis zur ausladenden Krone mehr Tieren und Pflan-zenarten einen Lebensraum als jeder andere heimische Baum. Keine andere holzige Pflanze in Europa beherbergt mehr Insektenarten als sie. Mehr als 100 Käfer- und 400 Schmetterlingsarten leben direkt oder indirekt von ihr.

Der vielfach ausgezeichnete Naturfotograf Solvin Zankl, ein studierter Meeresbiologe, der für das „Geo“-Magazin arbeitet, und Mario Ludwig, einer der erfolgreichsten Naturbuchautoren Deutschlands, haben sich in dem Buch „Wildnis Eiche. Faszinierender Kosmos des Lebens“ dem Naturwunder Eiche gewidmet. In über 140 Fotos, überwiegend Makroaufnahmen, erfährt der Leser etwas über die im Verborgenen liegenden Schönheiten des Lebensraums Eiche.

Neben Aufnahmen von Eichenalleen und frei stehenden Bäumen begeistert der Bildband mit Nah-aufnahmen der Rinde sowie der Blätter mitsamt ihren Bewohnern in brillanter Schärfe. Wer sieht schon mit bloßem Auge Blattschädlinge und deren Ablagerungen, oder Nashornkäfer oder Maikäfer in direkter Nähe? Neben Makroaufnahmen bietet das Buch eine Fülle von Informationen über den Baum des Lebens, thematisch aufgeteilt in die vier Jahreszeiten. Eine besondere Farbenpracht weisen die Herbstaufnahmen auf.

Um die Faszination dieses Mikrokosmos in der freien Natur zu erleben, benötigt man Zeit und viel Geduld. Der Bildband von Zankl und Ludwig ist ein gutes Mittel, die eigene Fantasie anzuregen. Denn Zankls Fotos führen uns das vor Augen, was zu winzig, zu unscheinbar, zu entlegen ist, um von uns entdeckt zu werden. Ludwig wiederum übersetzt die ausdrucksstarken Bilder in Worte. Der promovierte Biologe ist bekannt dafür, Phänomene aus Flora und Fauna mit Präzision und Poesie zu beschreiben.

                Manuela Rosenthal-Kappi

Solvin Zankl / Mario Ludwig: „Wildnis Eiche. Faszinierender Kosmos des Lebens“, Frederking & Thaler Verlag, München 2015, 160 Seiten, Hardcover, 39,99 Euro


Männer als dressierte Seehunde
Akif Pirinçci kritisiert in seinem neuen Buch die Preisgabe eigener Gewohnheiten und die staatliche Bevormundung

Akif Pirinçci hatte  mit seinem ersten Buch „Deutschland von Sinnen“ seinen Einstand als Pamphletist gegeben. Mit „Die große Verschwulung“ hat er abermals seine ganze Verachtung für den sozialen Wahnsinn herausgeschrieben. Es ist ihm in jeder Hinsicht abzunehmen, dass ihm nichts Menschliches fremd ist, vor allem nichts zwischen Mann und Frau.

Hinter seinem Sarkasmus schimmert eine Liebe für das Gewohnte, dessen weitere Preisgabe er für selbstmörderisch hält. Polemisch spitzt er vorab zu, was die Wirklichkeit zum Jahreswechsel in Köln selbst auf die Spitze getrieben hat. Der Autor plädiert für Offenheit im Umgang mit einer Naturgewalt, so nennt er es, wie sie die geschlechtliche Polarität des Menschen darstellt.

Anders als der Buchtitel vermuten lässt, hat er nichts gegen Abstufungen und Andersartigkeit, wie es sie schon immer gab. Wichtig ist ihm allein die Feststellung, dass der größte der kleinen Unterschiede der ausschlaggebende Angelpunkt der Gesellschaft bleiben muss. Wenn wir Eingeborenen das verkennen, so würden wir mit Sicherheit von außen daran erinnert.

Die Zurückhaltung der anwesenden Männer gegen die Täter der Silvesternacht hat deutlich gemacht, was der Autor mit „Verschwulung“ eigentlich meint: Jenen ratlosen Typus, der ein „abgerichteter Seehund ist, der der raschen Überfremdung seiner Heimat mit schlappen Flossen gefälligst Beifall zu klatschen hat, wobei er auf seiner Nase den bunten Ball der ,Willkommenskultur‘ balanciert“. Statt sich einem Schicksal zu stellen, sei der Mann gezähmt, gelähmt und entzaubert. Die Frage nach Glück und Unglück sei nur eine Frage des Managements. Bereits im Kindesalter setze die Bewirtschaftung ein. Ein spielerischer Geschlechtertausch, geschildert am Beispiel einer süddeutschen Schule, schwächt allein das Männliche, denn: „Im Übrigen sieht eine geile Frau in Männerkleidern immer noch wie eine geile Frau aus. Umgekehrt gilt das nicht.“

Furchtbar sei ein Mensch, der alles im Griff habe und von nichts mehr ergriffen werde, unmerklich gelenkt von Fürsorge und Bevormundung.

Pirinçci stemmt sich mit verbalem Übermut dagegen. Den Staat als Versorger schildert er als unlauteren Konkurrenten des Mannes, der die Frau mit dem Geld alimentiert, das er zuvor ihrem schuftenden Mann abgenommen hat. Unter dem Deckmantel der Freiheit werde die Abhängigkeit von einem feisten Eunuchenstaat durchgesetzt. Die Tatsache einer gewollten Auflösung traditioneller Verantwortlichkeit als Ursache der zunehmenden Unverbindlichkeit zwischen Mann und Weib hätte noch schärfer und nüchterner herausgestellt werden können.

Die grelle Überzeichnung des realen Unsinns dient dem Autor als Kontrastmittel. Insgesamt ist „Die große Verschwulung“ etwas gemäßigter im Duktus als der Vorgänger. Pirinçcis Assoziationen wirbeln manches Verwirrte zurecht. An den wichtigen Punkten jedoch hätte der Autor zuweilen innehalten sollen. Der bunte Nebel seiner oftmals sehr deftigen Metaphern hätte sich dann für eine Weile gelegt. Die schroffen Tatsachen hätten  selbst zu sprechen begonnen. In der Übereilung wird manche Erkenntnis von Rechthaberei zugedeckt. Im vorletzten der sechs langen Abschnitte wird es unter der Überschrift „Sex“ sehr persönlich. Diese Ehrlichkeit bliebe einem als Leser manchmal lieber erspart. Zum Schluss bringt er auf den Punkt, was er als die Verschwulung der Sexualität bezeichnet.

Die Vorstellung, eine Frau wäre ähnlich erregbar durch den männlichen Partner wie umgekehrt, schreibt er eine destabilisierende Wirkung für die Partnerschaft zu. Alle Neugier für den ergänzenden Gegensatz würde ausgelöscht. Das sei ein Angriff auf die Würde des Menschen, die im Geheimnis seiner Doppelnatur begründet liege. Darin bleibt der Autor bei aller Resignation zuversichtlich. Für die Gegner hat er den besonders kräftigen Fluch bereit: „Möge alle, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben, ein hartnäckiges, juckendes Ekzem befallen! An einer Stelle, an der sie sich nicht kratzen können.“

                 Sebastian Hennig

Akif Pirinçci: „Die Große Verschwulung. Wenn aus Männer Frauen werden und aus Frauen keine Männer“, Klappenbroschur,  272 Seiten, Edition Sonderwege, Manuscriptum, Leipzig und Waltrop 2015, 17,80 Euro


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S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Klaus J. Groth
Germans to the front / Warum wir unseren Speiseplan ändern müssen, der Klops nicht zur Leitkultur zählt und der Papst von Angela Merkel schwärmt

Immer häufiger sehne ich mich nach der Zeit zurück, als vor dem Schreiben einer Glosse mindestens ein halber Bleistift zernagt werden musste, ehe man wusste, welche aktuelle Tölpelei einer Glosse würdig sei. Das waren die Zeiten, in denen beinahe alles so normal wie langweilig war. Das war, bevor wir erfuhren, dass Deutschland sich verändern soll. Bevor alles bunter und spannender werden sollte, wie uns die Kanzlerin versprach. Und dies nun flugs mit vielen Helferlein (gewählten, amtlichen und ehrenamtlichen) in Taten umsetzt. Das geht so fix, da kommt man gar nicht mehr nach. Auf dem Bleistift muss nun nicht mehr gekaut werden, weil einem die Stichworte für Glossen nur so um die Ohren fliegen. Man kann nicht so schnell sammeln, wie sie abgesondert werden.

Veränderungen fangen ganz klein an. Bloß nicht alles an die große Glocke hängen. Man sieht doch, was dabei rauskommt, wenn einer lautstark die Pflicht-Frikadelle für dänische Kitas fordert. Die ganze Welt lacht sich krumm. Nur die Dänen nicht. Die können mehrheitlich dem Gedanken durchaus etwas abgewinnen. Na ja, es sind eben Dänen, die machen auch die Grenze dicht, wenn sie sich bedrängt fühlen. Der deutsche Weg – und das ist schließlich immer der bessere Weg – führt anders. Da lässt man die Frikadelle und was sonst noch vom Schwein sein könnte, auf dem Speiseplan der Kindertagesstätten weg – und spricht nicht drüber. Es wird sich schon keine Dreijährige zuhause darüber beklagen, dass sie wieder einmal keine Frikadelle essen durfte. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete, dass in der Küche eines Caterers, der 17 Kitas in Frankfurt beliefert, für 16 der Einrichtungen kein Schweinefleisch mehr verwendet wird. Der Verzicht sei von den Kitas gewünscht worden. Ähnlich ist das Bild bei den städtischen Kitas. Das nennt man wohl Islamisierung durch die kalte Küche.

Vielleicht ist Horst Seehofer deshalb so grantig. Weil er die Sache, wie es die Kanzlerin schließlich stets fordert, vom Ende her denkt. Bayern ohne Schweinshaxe, das ist nicht mehr Seehofers Bayern. Obwohl weder Schweinshaxe noch Frikadelle oder Königsberger Klopse (die einfachen, die mit gemischten Hack) Teile der deutschen Leitkultur sind. Zum deutschen Kulturgut zählen sie auch (noch) nicht unbedingt. Das kann sich allerdings ändern, wenn auch Grünkohl mit Schweinebacke der Veränderung Deutschlands zum Opfer fällt und nur noch schöne Erinnerung ist.

Aber hätte der Seehofer Horst in seiner Sorge um die Schweinshaxe so massiv auf den Putz hauen müssen? Musste er gleich von der „Herrschaft des Unrechts“ sprechen? Herrschaften nochmal, da ist wohl nicht nur die Merkel Angela zusammengezuckt. Obgleich, sie hat sich nichts anmerken lassen. Nicht einen Millimeter tiefer sind die Mundwinkel nach unten gerutscht.

Warum auch? So viel Zuspruch wie Angela Merkel hat so schnell niemand! Wie bitte? Wer denn, was denn, wo denn? Bitte sehr: Egon Krenz und Papst Franziskus! Mehr Bandbreite geht doch wohl nicht. Wenn die Gravitationswellen der kosmischen Schwingungen eines Egon Krenz, dieses Ziehsohnes Erich Honeckers und letzten SED-Generalsekretärs, nicht überall wahrgenommen wurden, ist das allerdings nicht weiter verwunderlich. Der Ex-Staatsratsvorsitzende hat sich in Neubrandenburg im kleinen Kreis (ehemaliger) Genossen über die Kanzlerin ausgelassen – gewissermaßen als Kollege zu Kollegin. Eigentlich wusste er nicht viel Gutes über die Kanzlerin zu sagen, aber ihre Flüchtlingspolitik, die lobte er als „human“. Und um das Lob so richtig anzufetten, folgte dieser Satz: „Wenn ich Angela Merkel sehe und höre, denke ich: Ein Stückchen DDR steckt eben immer noch in ihr.“ Den (ehemaligen) Genossen hat es gefallen, sie klatschten heftig. Angela Merkel, wenn sie denn von diesem vergifteten Lob erfahren hat, ließ es unkommentiert. Genau wie die Rempelei des Seehofer Horst.

Da ist Papst Franziskus doch ein ganz anderes Kaliber. Auf dem Flug nach Kuba, wo die Genossen noch keine ehemaligen sind, fand er zu Herzen gehende Worte, bekannte er, die Kanzlerin zu mögen, nannte er sie „eine Person guten Willens“. Und dann: „Ich bete für sie.“ Wie hat er denn das gemeint? Will er vielleicht zum Ausdruck bringen, nun helfe nur noch beten? Jetzt, wo an allen Ecken und Enden des Weges über den Balkan Natodraht ausgerollt wird, eine Allianz der Unwilligen Löcher in Mazedoniens Grenze abschottet, den bedrängten Mazedoniern Polizisten und Soldaten zur Seite stellen möchte und sogar der vorgebliche Sprössling des Grafen Dracula, dieser Ungar Viktor Orbán, gemeinsame Sache mit Österreich macht. Ja, wenn selbst Österreich den Brenner dichtmachen will, was soll da noch helfen?

Doch, es gibt noch einen anderen Nothelfer. Wie weiland vor über hundert Jahren beim Boxeraufstand in China, erschallt nunmehr in der Ägäis der Ruf: „Germans to the front!“ Gestern gedacht, heute gemacht. So schnell kann es gehen. Der Marineversorger „Bonn“ als Flaggschiff eines Nato-Verbandes übernimmt die Jagd auf Boote der Schleuser. Donnerwetter! Da rauschte die Bugwelle so schnell hoch, dass die üblichen Bedenkenträger den neuen Kurs gar nicht richtig mitbekommen haben. Doch man sollte sich nicht zu früh freuen. Denn eigentlich hat der Verband Jagdverbot. So wie dereinst die Bundeswehr in Afghanistan. Dorthin war sie ja auch nur abkommandiert, um Brunnen zu bohren und Schulen zu bauen. Brunnen bohren und Schulen bauen in der Ägäis, das wäre allerdings blöd. Diese faule Ausrede fiele selbst dem schlafmützigsten MdB auf. Aber Menschenschmuggler jagen, das kommt gut. Dumm nur, dass die gestellten Menschenschmuggler nicht aufgebracht werden dürfen. Das muss die Küstenschutz erledigen, die türkische oder die griechische, egal. Bis die zur Stelle ist, das kann dauern. Da müssen sich die gestellten Fluchthelfer eben ein bisschen gedulden.

Nein, es ist wirklich nicht einfach, in solchen Zeiten Zuspruch außerhalb des Kanzleramtes zu finden. Da kommt ein Mann aus Hollywood gerade recht. George Clooney, ohnehin auf Werbetour in Berlin unterwegs, ließ sich gerne auf eine Tasse Nespresso (what else) von der Kanzlerin einladen und sagte ganz brav über deren Flüchtlingspolitik: „Ich bin absolut einverstanden damit.“ Ja, wenn das so ist, was gibt es dann noch zu meckern …

Aber gemeckert wird immer. Man könnte sogar den fatalen Eindruck gewinnen, Merkel bleiben nur Clooney und Franziskus. Ansonsten aber fliehen die Freunde von gestern immer rascher von der Fahne. Sogar die liebsten, engsten Freunde in Frankreich. Die schrecklichen, vollkommen unmöglichen, unaussprechlichen Worte „genug ist genug, wir können nicht mehr“ haben die Gallier tatsächlich gebraucht. Regierungsamtlich. Keineswegs der Front National. Von denen hätte man es nicht anders erwartet und die Partei unter „Pfui-Rufen“ in der rechten Schmähecke einmal mehr dingfest gemacht. Aber leider. Es war nicht Marine Le Pen. Es war Premierminister Manuel Valls. Er hat die Tür zugeknallt und Angela Merkel muss mit ihren Flüchtlingen draußen bleiben.

Tübingens Bürgermeister Boris Palmer hat (noch) das Parteibuch der Grünen. Der Mann fordert einen Zaun (!) an den europäischen Außengrenzen. Wie bitte? Darf ein Grüner überhaupt das Wort „Zaun“ aussprechen? Mehr noch, der Mann fordert den Einsatz von bewaffneten Grenzern. Wieso bewaffnet? Mit Wasserpistolen? Der Grüne Palmer wird doch wohl nicht an Schusswaffen gedacht haben? An Waffen, mit denen man zur Not auch schießen könnte? Frauke Petry sollte bei Boris Palmer einmal nachfragen, wie man eine solche Forderung stellen kann, ohne ins Dauerfeuer der politischen Empörung zu geraten.

Aber vielleicht ist das alles auch nur halb so schlimm. Die in Deutschland aus dem Boden gestampften Erstaufnahmeeinrichtungen sind ja auch nur zur Hälfte gefüllt. Wo sind eigentlich die Massen geblieben, die in die Lager drängten? Alle doppelt und dreifach gemeldet? Das beweist, es sind nicht zu viele, sondern nicht genug Menschen gekommen, um Deutschlands Zukunft zu sichern. Oder kann es wirklich sein, dass wir Deutsche nie genug kriegen?


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Kandidatin für Direktorenposten

Berlin – Die Historikerin und Kulturmanagerin Gundula Bavendamm ist die Kandidatin der Findungskommission für den Direktorenposten der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Die derzeitige Leiterin des Alliierten-Museums in Berlin hat langjährige Erfahrung als Kuratorin historischer und kulturhistorischer Ausstellungen deutscher Museen. Zudem ist sie durch Forschungen und Veröffentlichungen zum 20. Jahrhundert ausgewiesen.                               U.M.

 

Türsteher schützen Frauen

Hamburg – Nachdem in der Silvesternacht zahlreiche Frauen dort Opfer von sexuellen Übergriffen durch Zuwanderer geworden waren, wollen die Türsteher in Hamburgs Vergnügungsviertel St. Pauli die Frauen beschützen. So bieten sie ihnen beispielsweise Begleitung zum Taxi oder zur nächsten Bahnstation an. Außerdem werden sie blaue Armbinden tragen, um für Hilfesuchende leichter erkennbar zu sein. Streifengänge auf dem Kiez sind jedoch nicht geplant.           J.H. 

 

Grüner Parteirebell

Die Stimmung kippt jetzt auch bei den Grünen. Angesichts bevorstehender Landtagswahlen kann die real regierende Ökopartei Baden-Württembergs die Augen vor den Zuwander-Problemen nicht verschließen. Nachdem schon der grüne Freiburger Oberbürgermeister Dieter Salomon Aufsehen erregte mit seiner un-grünen Forderung nach Diskotheken-Verbot für Asylanten, setzte sein Tübinger Partei- und OB-Kollege Boris Palmer im aktuellen „Spiegel“ noch einen drauf und will einen Zaun um die EU-Außengrenze (siehe Zitat rechts).

War es das mit den grünen Träumen von grenzenloser Freizügigkeit? Wenigstens vor den Landtagswahlen geben sich die Grünen im Südwesten konservativer als die CSU. Sonst könnte für Winfried Kretschmann die Zeit vorbei sein als erster grüner Ministerpräsident. Zu dumm nur, dass Palmers schärfste Kritiker die der  eigenen Bundesgrünen sind. „Wer Zäune und Mauern zur Begrenzung der Einwanderung von Flüchtlingen fordert, spielt in erster Linie rechten Hetzern in die Hände“, tobte Grünen Co-Chefin Simone Peter, und Parteichef Cem Özdemir twitterte: „Boris Palmer ist ein guter OB in Tübingen, aber in dieser Frage spricht er weder für die Landes- noch die Bundespartei.“

Der 1972 in Waiblingen geborene Palmer stapft als Partei-Rebell in die Fußstapfen seines Vaters, der als „Remstal-Rebell“ berüchtigt war und in über 250 Bürgermeisterwahlen als Kandidat antrat. Bevor sein Sohn Boris 2007 OB von Tübingen wurde, erlangte er schon 2004 bei der Bürgermeisterwahl in Stuttgart ein beachtliches Ergebnis. Als studierter Mathematiklehrer kann er gut rechnen: Die Formel „Wir schaffen das!“ wird in den Kommunen nicht aufgehen, wenn dieses Jahr wieder eine Millionen Menschen einwandern sollten.      H. Tews


MEINUNGEN

Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) bemängelt im Interview mit der „FAZ“ (10. Februar) die Qualität Berliner Politiker und fürchtet Schlimmes, wenn die Asylkrise nicht gelöst wird:

„In Berlin sitzen viele Astronauten. Die fliegen im Weltall zehn Sekunden über Deutschland und sagen dann: Alles in Ordnung in unserem Land ... Sie kennen das Drei-Säle-Modell? Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal. Es gibt in der Politik zu viele, die zu wenig Erfahrung außerhalb von Parlamenten gesammelt haben. Und die sollen auf einmal Verantwortung übernehmen? Das ist manchmal schwierig ... Wenn es ohne Reduzierung der Flüchtlingszahlen weitergeht, werden wir integrationspolitisch scheitern. Dann wird sich Deutschland verändern, dann bekommen wir Unruhen, sozialen Unfrieden.“

 

 

Der Kölner Finanz- und Wirtschaftswissenschaftler Max Otte sagt im Deutschlandfunk (12. Februar), warum es der Deutschen Bank gerade an den Kragen geht:

„Die Deutsche Bank, da kommt vieles zusammen. Die haben Fehler gemacht. Sie haben sicherlich hier und da auch Gesetze gebrochen. Aber wir haben doch ein leicht unfaires oder asymmetrisches Spielfeld. Wenn die Deutsche Bank in den USA zigfach verklagt wird, dann geht es auch einem solch großen Institut irgendwann an den Kragen. Diese Bank ist ein Schatten ihrer selbst. Die Aktie ist jetzt bei 13, vor wenigen Jahren stand sie noch bei 50, kurz vor der Finanzkrise bei 100. Wir sind auf einem Niveau von 1992 angelangt. Die Deutsche Bank stand für das deutsche Wirtschaftssystem, für die Stärke des deutschen Wirtschaftssystems, und Deutschland darf anscheinend keine starken, großen Unternehmen mehr haben. Dann wird die ausländische Konkurrenz neidisch.“

 

 

Frankreichs Premierminister Manuel Carlos Valls bezieht im „Hamburger Abendblatt“ (13./ 14. Fe­bruar) Stellung gegen Merkels Politik der offenen Grenzen:

„Unsere begrenzten Aufnahmekapazitäten, die Spannungen der vergangenen Wochen − in Deutschland, aber auch anders­wo in Europa − verpflichten uns, die Dinge klar auszusprechen: Europa kann nicht alle Migranten aus Syrien, Irak oder aus Afrika aufnehmen. Es muss die Kontrolle über seine Grenzen, über seine Migrations- und über seine Asylpolitik wiedererlangen.“

 

 

Der grüne Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer fordert im „Spiegel“ (13. Februar) eine scharfe Sicherung an den EU-Außengrenzen:

„Stoppen ist unmöglich, aber wir müssen die unkontrollierte Einwanderung beenden. Das bedeutet nicht, dass wir niemanden mehr reinlassen. Aber wir entscheiden, wer reinkommt. ... Wir müssen die europäischen Außengrenzen mit europäischen Grenzschützern sichern. ... Grenzer sind immer bewaffnet, genau wie die Polizisten im Thüringer Bahnhof. Aber kein Grenzer schießt auf Flüchtlinge. Das zeigt Spanien an seinen Exklaven Ceuta und Melilla. Wenn eine Grenze ausreichend gesichert ist, geht alles friedlich. Es ist möglich, Ordnung herzustellen, ohne zu schießen.“