© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 27/16 vom 08.07.2016

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Wer hat die stärkeren Nerven?
Warum die Briten die offizielle Erklärung, den Brexit zu wollen, hinauszögern

Die Eurokraten wollen an den freiheitsliebenden Briten ein abschreckendes Exempel statuieren. Aber diese haben noch ein Ass im Ärmel.

Es könnte so schön und harmonisch sein: Die Briten treten aus der Europäischen Union aus und schließen mit der EU ein Freihandelsabkommen. Die britische Handelsnation hätte weiterhin den unbegrenzten Zugang zum kontinentaleuropäischen Markt und auch den Deutschen wäre gedient. Nicht umsonst wird die gewagte These, dass Deutschland von der EU profitiere, mit dem wahren Argument begründet, dass dem langjährigen Exportweltmeister an freiem Warenhandel in Europa gelegen sein muss.

Analog zum britischen könnte dann auch den anderen Mitgliedsnationen der EU die Wahl gelassen werden. Jene, die Schulden- und Transferunion, Brüsseler Regelungswut, innereuropäischen Sozialtourismus und Zuteilungen von Armutsimmigranten aus der Dritten Welt wollen, könnten EU-Mitglied bleiben, und jene, die diese sogenannte Vertiefung der Integration ablehnen, könnten austreten und dem Gemeinsamen Binnenmarkt per Freihan­dels­abkommen erhalten bleiben.

Eine derartige Wahlfreiheit der EU-Mitgliedsstaaten fürchten die Protagonisten von „mehr Integration“ und „mehr Europa“ jedoch wie der Teufel das Weihwasser. Hier passt das Bild der britischen Brexitbefürworter vom Gefängnis EU und dem EU-Austritt als Knastausbruch. Denn in Gefangenenlagern ist es in der Tat übliche Praxis, den Gefangenen exemplarisch vor Augen zu führen, was mit einem gemacht wird, der es wagt, einen Fluchtversuch zu unternehmen.

Diesen Geist der Abschreckung atmet auch der Lissaboner Vertrag. Will der Austrittswillige nämlich EU-Außenzölle auf seine Waren abwenden, muss er gemäß Vertragsartikel 50 innerhalb von zwei Jahren nach der offiziellen Erklärung seines Aus­trittswil- lens neben der Zustimmung des Europäischen Parlaments auch mindestens 72 Prozent der Mitglieder des Europäischen Rates für ein Austrittsabkommen gewinnen, und selbst diese 72 Prozent reichen nur, wenn „die von ihnen vertretenen Mitgliedstaaten zusammen mindestens 65 Prozent der Bevölkerung“ ausmachen.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass auch Austrittsbefürworter in Großbritannien dafür sind, die offizielle Absichtserklärung erst einmal hinauszuzögern. Das hat nichts mit Angst vor der eigenen Courage zu tun. Vielmehr wollen die Briten möglichst das Austrittsabkommen in trockenen Tüchern haben, bevor die Zweijahresfrist anfängt zu laufen. Solange das Vereinigte Königreich seine Aus­tritts­absicht aus der Europäischen Union nicht offiziell erklärt hat, hat es das Druckmittel in der Hand, deren Arbeit ohne zeitliches Limit sabotieren zu können, bis ihm ein Austrittsabkommen zugestanden wird, das es vor Strafmaßnahmen schützt. EU-Politiker wie Martin Schulz sprechen wutschnaubend von einer Geiselhaft, in die London die EU genommen habe. Notwehr trifft es wohl besser.      Manuel Ruoff


Terroranschlag auf das Drehkreuz des Terrors
Westliche Dschihadisten nutzen den Istanbuler Flughafen für die Ein- und Ausreise – Niederlagen des IS verschärfen die Situation

Der Anschlag dreier Selbstmordattentäter auf dem Istanbuler Hauptflughafen mit mehr als 40 Toten ist ein weiterer Zwischenfall auf dem terrorbedeckten Weg der Türkei unter Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Mit dem Atatürk-Flughafen in Istanbul hat es eines der Zentren der internationalen Luftfahrt und des Tourismus getroffen, der gleichzeitig auch ein Drehkreuz des internationalen Terrorismus ist. Mindestens 10000 westliche Dschihadisten sind über diesen Flughafen in die Türkei eingereist, um dann in den Irak und nach Syrien per Bus weiterzureisen, und viele von ihnen sind nach ihrem Terroreinsatz auch wieder auf diesem Weg zurückgekehrt. Der Vater eines IS-Terroristen, der aus Syrien in seine Heimat Tunesien zurückkehren wollte, war zufälligerweise auch unter den Opfern des Anschlags.

Die Türkei Erdogans muss jetzt eine ganze Reihe kapitaler eigener politischer Fehler ausbaden. Denn es war die Türkei, die einen großen Beitrag zum Aufstieg des IS zu einer international agierenden Terrororganisation lieferte. Zu Zehntausenden hatte Ankara radikale Islamisten aus allen Ländern nach Syrien ein- und ausreisen lassen. Die IS-Terroristen konnten unbehelligt Öl, Kunstwerke und menschliche Organe über die Türkei verkaufen und ihre verwundeten Kämpfer in der Türkei versorgen lassen, so, als wären beide Verbündete. Es gibt zahlreiche Augenzeugenberichte, die türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien belegen. Die Türkei hat in Syrien eine eigene turkmenische „Islamistische Miliz“ aufgebaut, die unter „Allahu Akbar“-Geschrei einen russischen Soldaten tötete. Der türkische Geheimdienst soll bis heute noch gute Beziehungen in die oberste IS-Führungsetage haben. Als der IS vor der türkischen Grenze in Kobane kurdische Zivilisten ermordete, hat die türkische Armee nicht eingegriffen. Die Türkei hat bei Islamisten jahrelang beide Augen zugedrückt und damit die internationale Gemeinschaft brüskiert. Die bösen Geister, die sie unter Erdogan rief, scheint sie jetzt nicht mehr loszuwerden. Erst der Terror im eigenen Land hat sie dazu veranlasst, sich am internationalen Kampf gegen den IS zu beteiligen. Vorher bekämpfte die Türkei eher den Hauptfeind des IS, die kurdischen Volksschutzeinheiten. Die steinzeitliche kultur- und menschenverachtende Islamideologie des IS schien Erdogan näher zu sein als die sozialistisch-laizistische Ideologie der kurdischen PKK.

Die Türkei muss sich auf noch mehr Anschläge einstellen, zumal der IS in Syrien und im Irak militärisch immer mehr Territorium einbüßt. Das syrische Manbij, eine Grenzstadt zur Türkei, die lange Zeit eine der Terrorzentralen des IS war, ist gerade in die Hände der kurdisch-arabischen-US-Koalition gefallen. Wohin die verjagten IS-Kämpfer geflüchtet sind, kann man sich vorstellen. In Falludscha, dem einstigen Ausgangspunkt des IS-Terrors im Irak, das von der irakischen Armee zurückerobert wurde, haben Luftschläge der internationalen Koalition 250 IS-Kämpfer auf der Flucht unschädlich gemacht, das konnten sie in Manbij wegen der Nähe zur Türkei nicht. Solche Niederlagen wie in Manbij oder Falludscha versuchen die Dschihadisten mit möglichst blutigen und spektakulären Attentaten zu kaschieren.

Trotz des jetzigen Anschlags werden geflüchtete IS-Terroristen mit europäischen Pässen den Istanbuler Flughafen weiterhin für ihre Rückkehr nach Europa benutzen, dessen kann man sicher sein.

                Bodo Bost


Jan Heitmann:
Sie funktioniert

Das Verfassungsgericht in Wien hat die Wahl des österreichischen Bundespräsidenten für ungültig erklärt und dies mit Formfehlern in fast allen Wahlbezirken begründet. Diese Entscheidung hat es sich nicht leicht gemacht und erst nach der Anhörung zahlreicher Zeugen getroffen. Wohlgemerkt, es geht um Unregelmäßigkeiten und Formfehler, Indizien für Manipulationen oder Wahlfälschung gibt es nicht. Das Verfassungsgericht jedenfalls war von der Rechtswidrigkeit der Durchführung der Wahl überzeugt, so dass es deren Wiederholung angeordnet hat. Damit hat es bewiesen: Die Demokratie in Österreich funktioniert.

Wenn die FPÖ nun dafür angegriffen wird, dass sie die Wahl angefochten hat, ist das wahrlich grotesk, denn ihr wurde schließlich höchstrichterlich bestätigt, dass ihre Kritik zutreffend und sie im Recht war. Hätte sie nicht geklagt, wäre womöglich ein Bundespräsident ohne Legitimation ins Amt gelangt und damit die Demokratie beschädigt worden.

Nicht minder grotesk ist es allerdings, wenn die FPÖ nun allzu laut ihren Sieg bejubelt und sich weiterhin zum Opfer eines vorsätzlichen Wahlbetrugs stilisiert. Denn in fast allen Fällen waren ihre Beisitzer in den Wahlkommissionen an den Unregelmäßigkeiten beteiligt. Der Argumen- tation der FPÖ-Spitze folgend haben die dann also vorsätzlichen Betrug zum Nachteil der eigenen Sache begangen. Dieser Gedanke ist ebenso abwegig wie die These der FPÖ von der großen Verschwörung der „Etablierten“ gegen ihren Kandidaten und dem undemokratischen Staat. Hier war einfach nur Schlampigkeit im Spiel. Und dass die Demokratie funktioniert, stellt sie gerade unter Beweis.


S. 2 Aktuell

Machtkampf in orthodoxer Kirche
Konzil auf Kreta offenbarte die Zerstrittenheit – Russen blieben der Veranstaltung fern

Auf Kreta hat mit dem vom 16. bis 27. Juni tagenden panorthodoxen Konzil nach orthodoxer Zählung das erste Konzil dieser Art seit dem Jahre 787 stattgefunden. Es war durch einen Machtkampf zwischen Russen und Griechen gekennzeichnet. Dahinter stehen ein Glaubensstreit, aber auch unverhohlene politische Einflussnahmen.

Wie die Katholiken mit dem Papst in Rom hat auch die Orthodoxie eigentlich ein Oberhaupt: Es ist der Patriarch von Konstantinopel, der im heutigen Istanbul in der Türkei residiert. Dieser ist zwar nur das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, doch erwartet man von ihm Initiativen, die alle Orthodoxen betreffen.

Deshalb hatte der von 1948 bis 1972 amtierende Patriarch von Konstantinopel, Athenagoras, bereits seit Bekanntwerden des Zweiten Vatikanischen Konzils 1961 die Idee, ein Kirchenkonzil aller orthodoxen Kirchen der Erde nach Istanbul einzuladen. Es sollte in der alten Istanbuler Irenenkirche stattfinden, die sich heute in Staatsbesitz befindet. In der Hagia Irene, wo auch das unauffindbare Grab von Kaiser Konstantin vermutet wird, hatte 381 das Zweite Ökumenische Konzil getagt.

Seit 1961 hatten die Oberhäupter der 14 orthodoxen Kirchen auf das panorthodoxe Konzil hingearbeitet. Noch im Februar dieses Jahres war kurzfristig entschieden worden, das Konzil wegen der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und der Türkei kurzfristig auf die griechische Insel Kreta zu verlegen. Beginnen sollte es am

orthodoxen Pfingstfest, dem eigentlichen Geburtsfest der Kirche, als sich nach Jesu Tod und Auferstehung erstmals in Jerusalem Angehörige aller damals christlichen Völker versammelt hatten.

Während zu Pfingsten in Jerusalem durch das Wirken des Heiligen Geistes die sprachliche Verständigung zwischen allen anwesenden Völkern funktionierte, funktionierte die Verständigung beim Orthodoxen Konzil in Kreta schon im Vorfeld nicht mehr, denn vier der wichtigsten orthodoxen Kirchen hatten ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt.

Weltweit gibt es zwischen 300 und 400 Millionen orthodoxe Christen. Genaue Angaben fehlen. Die Orthodoxie zählt 14 allgemein anerkannte autokephale  (unabhängige) orthodoxe Kirchen sowie fünf autonome orthodoxe Kirchen. Dazu kommen zahlreiche weitere Kirchen, deren Status strittig beziehungsweise nicht von allen Kirchen anerkannt ist.

Das Konzil auf der Mittelmeerinsel Kreta sollte eine historische Demonstration der Einheit der Orthodoxie werden. Doch nach und nach haben die Moskau nahestehenden Kirchen aus Georgien, Serbien, Bulgarien und Antiochien (Damaskus) abgesagt und damit den Weg bereitet für Moskaus eigenen Rückzug. Ein Zwist um die Sitzordnung beim Konzil bildete den bizarren Hintergrund für den Moskauer Rückzug. Während die griechischen Organisatoren geplant hatten, dass der aktuelle Nachfolger von Athenagoras, Bar­tho­lo­mä­us I., als Vorsitzender am Kopf der Runde Platz nehmen sollte, lehnten die slawischen Kirchen unter Führung Moskaus dies entschieden ab.

Das Konzil der neun verbliebenen Kirchen wurde vom Moskauer Patriarchat kritisiert. Moskau war für eine Verschiebung. Das Ringen um Einfluss der großen auf die kleinen orthodoxen Kirchen tobt seit Jahrzehnten hinter den Kulissen. Beobachter sprechen von einem Kampf der liberalen Strömungen (Konstantinopel) gegen antiliberale Ansätze (Moskau). Es ist ein Streit, der auch vom weltlichen Konflikt zwischen Russland und dem Westen sowie Russland und der Türkei befeuert wird.

Besonders exemplarisch ist der Kirchenkampf in der krisengeschüttelten Ukraine. Dort hatte der Kampf der Kirchen schon direkt nach der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 durch die Gründung einer Unabhängigen Ukrainischen Orthodoxen Kirche unter Patriarch Filaret begonnen. Moskau und Konstantinopel haben die regierungsnahe und heute größte ukrainische Kirche bislang nicht anerkannt. Gerade die Ukrainer hatten gehofft, dass die ukrainische Frage vom Konzil gelöst werden könne. Moskau dagegen hofft, dass nach dem Scheitern des diesjährigen Konzils das richtige panorthodoxe Konzil in Mos­kau stattfinden wird und dass dann unter dem Patronat des russischen Präsidenten Wladimir Putin der Heimvorteil für Russland zu Buche schlagen wird.           Bodo Bost


»Ami – go home!«
Nach der Tötung einer Landsmännin demonstrierten zehntausende Japaner gegen die Präsenz der US-Truppen

Gegen Ende Mai wurde auf der japanischen Insel Okinawa ein früherer Marine-Infanterist und jetziger Mitarbeiter des US-Luftstützpunktes Kadena wegen des Mordes an einer 20-jährigen Einheimischen verhaftet. Die Leiche des Mädchens war im Wald aufgefunden worden, der Verdacht fiel schnell auf den GI, der die Tat auch alsbald gestand. Daraufhin wurde auf der Insel eine Ausgangssperre für alle US-Militärs und alle zivilen Mitarbeiter der US-Stützpunkte sowie zudem ein Alkohol-Verbot verhängt. Diese Verordnung ist allerdings inzwischen bereits wieder gelockert worden.

Bei der einheimischen Bevölkerung hat der Mord auf Okinawa wütende Proteste gegen das US-Militär ausgelöst. Zehntausende Japaner demonstrierten gegen die Präsenz der US-Truppen. Sie fordern, die US-amerikanisch-japanischen Sicherheitsvereinbarung müssten neu verhandelt werden. Diese regelt, dass die meisten US-Soldaten in Japan auf Okinawa stationiert sind. Die Präfektur Okinawa macht zwar nur 0,6 Prozent des japanischen Territoriums aus, doch hier sind 74 Prozent der US-Militärinfrastruktur und mehr als die Hälfte des gesamten US-Personals in Japan, nämlich rund 25800 Mann, stationiert.

Die Empörung ist umso verständlicher, als es sich bei dem Verbrechen nicht um eine Ausnahme-Tat handelt und sie alte Wunden wieder aufreißt. Die Spannungen auf Okinawa gibt es nämlich seit vielen Jahren, wobei vor allem ein Fall, der sich vor 21 Jahren ereignet hat, im kollektiven Gedächtnis immer noch wach ist. Damals hatten drei US-Soldaten ein junges Mädchen vergewaltigt. Es muss daher den Bewohnern Okinawas als eine zynische Provokation erscheinen, dass ein Trupp von GI, nachdem der Mord bekannt geworden war, symbolisch eine Massenvergewaltigung begangen hat. Auf einem Amateurvideo, das die Runde macht, ist zu sehen, wie die GI das fiktive Massen-Verbrechen als Show darstellen.

Beleidigende Geschmacklosigkeit ist die eine Sache, Kriminalität die andere. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News berichtet davon, dass Angehörige der US-Truppen seit 1972 allein in der Präfektur Okinawa mehr als 5800 Verbrechen begangen haben. Das soll aus den offiziellen Statistiken der örtlichen Polizeibehörde hervorgehen. Bei rund einem Zehntel handelt es sich um Verbrechen gegen das Leben. Da die Täterschaft als erwiesen gelten kann, wehrt sich die Bevölkerung der Insel mehr und mehr gegen die starke US-Truppenpräsenz. Deshalb ist geplant, den US-Stützpunkt in einen weniger besiedelten Teil der Insel zu verlegen.

Doch auch, wenn das nur eine Minimal-Lösung wäre, ist fraglich, ob es überhaupt dazu kommt. Ursprünglich hatte das Pentagon geplant, den Luftwaffen-Stützpunkt Futenma auf Okinawa bis zum Jahr 2023 an einen gering besiedelten Ort der Insel zu verlegen, um weitere Zwischenfälle möglichst zu vermeiden. Diese Planung erhielt von der Regierung in Tokio Zustimmung. Der Stützpunkt sollte nach Henoko in der Präfektur Okinawa im Süden des Landes verlegt werden. „Das ist die einzig mögliche Variante. Die Regierung wird ihre Position nicht ändern“, hatte Yoshihide Suga, Generalsekretär des Ministerkabinetts, erklärt. Doch mittlerweile wurde der Termin um zwei Jahre nach hinten verschoben, Schwierigkeiten beim Bau der nötigen Infrastruktur seien der Grund, so die offizielle Erklärung.

Der Dauer-Skandal um Okinawa kam auch beim G7-Gipfel Ende Mai im japanischen Ise-Shima zur Sprache. US-Präsident Obama sah sich gezwungen, Besserung zu geloben. Er versprach, die Disziplin seiner Truppen zu stärken und so weitere Vorfälle der beklagten Art zu verhindern. Allerdings erwiderte ihm der Gouverneur der Präfektur Okinawa, Takeshi Onaga, solche Erklärungen müssten sich die Japaner nach jedem neuen Verbrechen anhören, doch die Lage bessere sich dadurch keineswegs. Dieses Misstrauen dürfte auch dem japanischen Chefkabinettssekretär, Yoshihide Suga, gelten. Dieser sagte zu, dass Tokio auf Wunsch der Bevölkerung von Okinawa Maßnahmen ergreifen werde, um den Status der US-Militärs im Land zu revidieren. „Wir werden schnelle und effiziente Maßnahmen ergreifen“, so der Politiker etwas schwammig. Desweiteren versicherte der Politiker der Liberaldemokratischen Partei (LDP), dass die Regierung des Landes die Gefühle der Einwohner von Okinawa sehr ernst nehme.

Für den japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe bedeutet das alles eine böse Zwickmühle, aus der ihm begütigende Reden auch nicht heraushelfen. Einerseits muss er sich mit seinen Landsleuten, die unter den kriminellen Angriffen der Verbündeten aus den USA zu leiden haben, solidarisch zeigen, andererseits entkommt er nicht der Notwendigkeit, das neue Sicherheitsabkommen mit den USA, das Japan eine größere militärische Rolle in der Region zuweist, anzunehmen und zu vertreten. Zumindest bei der Bevölkerung auf Okinawa, wo sich die Amerikaner im Wesentlichen befinden, findet er wenig Unterstützung für die Sicherheitspolitik, die er betreibt.

Diese ist keineswegs geleitet von den Interessen Japans, sondern Teil der West-Pazifik-Strategie der USA. Zu deren wesentlichen Bestandteilen gehört die Einkreisung Chinas, und dabei spielt Japan aus geschichtlichen wie geografischen Gründen eine unverzichtbare Rolle.          Florian Stumfall


MELDUNGEN

IS größte Gefahr der Gegenwart

Washington – Laut einer Umfrage des US-amerikanischen „Pew Research Center“ meinen 76 Prozent der Europäer, der IS sei eine große Gefahr, und nur 17 Prozent sehen das anders. Die Meinungsforscher haben über 11000 Europäer in zehn EU-Staaten befragt, darunter Frankreich, in den Niederlanden, Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden, Griechenland, Polen und Ungarn. Diese Länderauswahl steht für 80 Prozent der EU-Bevölkerung und für 82 Prozent der Wirtschaftsleistung innerhalb der Union. Die Sicherheitsfrage verbindet knapp die Hälfte der Europäer mit der Flüchtlingskrise.

49 Prozent sagen demnach, dass eine große Zahl von Flüchtlingen, die aus Syrien und dem Irak nach Europa kommen, eine Gefahr darstellt.     J.H.

 

Islands Präsident für das Volk

Reykjavik – Island hat ein neues Staatsoberhaupt. Mit fast 40 Prozent der Stimmen wurde der unabhängige Kandidat Gudni Johannesson deutlich vor allen Mitbewerbern liegend in sein Amt gewählt. Der 48-jährige Historiker gilt als Vertreter einer politischen Zeitenwende und sieht seine Hauptaufgabe darin, dem Willen des Volkes den Weg zu ebnen. Dabei dürfe er sich, wie er in einer Grundsatzerklärung schreibt, nie an Debatten beteiligen und auf eine Seite der Meinungen schlagen: Niemand solle den Eindruck gewinnen können, er sei in seiner Amtsführung parteiisch. Gudni ist Spezialist für die sogenannten Kabeljau-Kriege, in denen es dem kleinen Island gelang, seine Fischereirechte gegenüber dem weitaus mächtigeren Großbritannien durchzusetzen. Der erklärte Freund Deutschlands hat unter anderem an der Universität Bonn studiert. Seine Frau, mit der er vier Kinder hat, ist Anglo-Kanadierin und betreibt auf Island eine Sprachenagentur.    T.W.W.

 

Ethikrat kritisiert Krankenhäuser

Berlin – Der Deutsche Ethikrat fordert von den Krankenhäusern, sich stärker am Patientenwohl zu orientieren. Das unabhängige Sachverständigengremium weist auf „besorgniserregende Entwick­lungen in der Krankenhausmedizin“ wie reduzierte Behandlungsleistungen, die Konzentration auf gewinnbringende Behandlungen zulasten notwendiger Behandlungsangebote oder problematische Arbeitsbedingungen für das Klinikpersonal hin. Das Bundesgesundheitsministerium fordert er deshalb dazu auf, für eine „nachhaltige Verbesserung der Pflegesituation im Krankenhaus“ zu sorgen. Dazu gehöre die Entwicklung von Pflegepersonalschlüsseln in Abhängigkeit von Stations- und Bereichsgrößen. Zudem sollten Mindestquoten für Pflegekräfte, differenziert nach Fachabteilungen, festgelegt werden. Was die Vergütung durch Fallpauschalen angeht, plädiert der Rat ebenfalls für eine am Patientenwohl orientierte Umgestaltung und schlägt dazu eine auf den individuellen Fall bezogene „Paketlösung“ vor. Um unnötige Eingriffe und Prozeduren zu vermeiden, sollten zudem Vergütungsmodelle entwickelt werden, die Anreize bieten für eine „begründete Unterlassung“.            U.M.


S. 3 Deutschland

Vertuscht, gelogen, beschönigt
Die Ausmaße sind erschreckend –  Immer mehr Frauen werden Opfer von Sextätern mit Asylhintergrund 

Die schändlichen Vorkommnisse der Kölner Silvesternacht waren erst der Anfang. Vorwiegend asylsuchende junge Männer überziehen das Land mit einer Welle sexueller Gewalt. Politik und Mainstream-Medien versuchen unterdessen alles um die Vorkommnisse zu vertuschen und als Einzelfälle herunterzuspielen.

Sie tun es wieder und wieder. Journalisten sind es, Beamte und Politiker. Anscheinend ohne jede Skrupel fallen sie über die Wehrlose her und tun ihr brutale Gewalt an. Die Wahrheit zählt in Deutschland ebenfalls zu den zahllosen Missbrauchsopfern. Es wird vertuscht, gelogen und beschönigt, wenn es um den massiven Anstieg sexueller Gewalt durch Asylbewerber in Deutschland geht. Einfache Polizisten berichten, wie die Schilderung von Tathergängen auf dem Dienstweg immer weiter verharmlost wird, bis sie kaum noch wiederzuerkennen ist. Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, spricht von den Erlassen und Verfügungen, die dazu führen, dass vieles ungesagt bleibt. Im thüringischen Gera brachte erst die parlamentarische Anfrage eines AfD-Abgeordneten die Vergewaltigung eines 14-Jährigen durch zwei 18-jährige Afghanen an die Öffentlichkeit. Eine polizeiliche Pressemeldung über den Fall hatte es nie gegeben. Und was von der Lageübersicht des Bundeskrimimalamtes, veröffentlicht unter dem Titel „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“, zu halten ist, weiß der ehemalige Polizist und Bestsellerautor Stefan Schubert („Gangland Deutschland“): „Sie scheint unmittelbar aus der Hexenküche der politisch Korrekten zu stammen.“

Kann es wirklich sein, dass die Zahl der Vergewaltigungen in Deutschland von 2014 auf 2015 laut polizeilicher Kriminalstatistik um mehr als 300 Fälle gesunken ist, von 7345 auf 7022? Werden für 2016 noch niedrigere Zahlen präsentiert? Werden die Verantwortlichen darüber schwadronieren, dass mehr als eine Million junger Männer aus Nordafrika und Arabien das Land für Frauen wunderbarerweise sogar sicherer gemacht haben? Die Wahrheit scheint mittlerweile einfach ein allzu leichtes Missbrauchsopfer zu sein. Dabei ist der Vergleich eigentlich zynisch. Ein abstrakter Begriff wie die Wahrheit lässt sich nur im Kopf mit dem Ausdruck Vergewaltigung belegen. Die Scham, den Schmerz, die Angst, die traumatischen Folgen empfinden nur Opfer aus Fleisch und Blut. Und davon sind es nach der Asylflut des letzten Jahres viel zu viele. Ein kurzer Überblick auf einige beispielhafte Geschehnisse der letzten Tage zeugt davon. Es ist eine düstere, zornig machende Reise durch die deutsche Wirklichkeit: In der sächsischen 50000 Einwohnerstadt Görlitz warnt Oberbürgermeister Siegfried Deinege junge Frauen davor, abends alleine durch die Stadt zu laufen. Die Polizei bekommt die gewalttätigen Banden junger Männer mit Mgrationshintergrund, darunter viele Syrer, nicht in den Griff.

In Köln, dem Ort der Silvester-Schande, entscheiden sich die Behörden gegen eine geplante Feier zum nächsten Jahreswechsel rund um den Dom. „Zusammen neu beginnen – Willkommen 2017“ sollte sie heißen, aber die Sicherheitsbedenken sind viel zu hoch. Aus dem benachbarten Düsseldorf sickert unterdessen ein Polizeipapier, eine interne Mail, an die Öffentlichkeit. Die „Bild“ zitiert daraus in einem Artikel. Beamte des Kriminalkommissariats 12 – es ist für Sexualdelikte zuständig – würden darin den „enormen Anstieg“ von Missbrauch an Kindern in den Badeanstalten feststellen, heißt es. Die Täter seien „zum größten Teil Zuwanderer“. Ein Journalist fragt beim Pressesprecher der Düsseldorfer Polizeibehörde nach, ob die Mail echt sei. Der Mann bestätigt, präzisiert aber die Aussage: Der „enorme Anstieg“ beziehe sich nicht nur auf die Badeanstalten, sondern auf die Gesamtzahl aller Sexualdelikte in Düsseldorf.

In der Mail heißt es auch, dass die Aufklärung schwierig sei, da die Täter überwiegend in Gruppen auftreten. Ein Gerichtsurteil, das wenige Tage zuvor im schleswig-holsteinischen Ahrensburg gefällt wurde, legt allerdings die zynische Frage nahe, wozu sich Polizisten überhaupt die Mühe machen sollten, Sexualstraftäter mit Migrationshintergrund dingfest zu machen. Zu sieben Monaten auf Bewährung und 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilte der Richter einen Mann aus Eritrea, der im Januar versucht hatte, in einem Parkhaus in Bad Oldesloe eine 18-Jährige zu vergewaltigen. Polizisten hörten die Schreie und konnten die Frau befreien. Der Täter hatte dem Opfer Bissverletzungen im Gesicht und am Hals zugefügt.

Gegen eine Polizei, die nichts sieht, gegen eine Regierung, die nichts hört und gegen Medien, die nicht berichten, hatten schon kurz nach der Tat 150 zornige Bürger in der Bad Oldesloer Innenstadt demonstriert. Genutzt hat es nichts. In welchem Ausmaß die Verantwortlichen wegsehen und weghören, zeigt zum Beispiel das private Projekt „XY-Einzelfall“. Die Macherin trägt publizierte „Einzelfälle“ von Ausländerkriminalität aus diesem Jahr zusammen und präsentiert sie auf einer Deutschlandkarte im Internet. Derzeit sind 761 Sexualstraftaten gegen Erwachsene verzeichnet. Hinzu kommen fast noch einmal so viele Übergriffe auf Kinder und Jugendliche. Die Deutschlandkarte bei „XY-Einzelfall“ scheint mittleiweile von einer Art dicken Schimmelschicht überzogen zu sein, so dicht drängen sich die Verbrechensmarkierungen aneinander. Jede steht für mindestens ein unschuldiges Opfer.

Aber möglicherweise sind sie auch selber schuld an dem, was ihnen widerfahren ist? Vielleicht hatten sie nur einfach die falschen Schuhe an? Markus Koths, der Pressesprecher des Bundeskriminalamtes, riet Frauen jüngst in einem Interview mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag, beim Ausgehen auf High Heels zu verzichten und stattdessen Turnschuhe zu tragen, Dann könnten sie schneller weglaufen.

                Frank Horns


Salafistenhochburg Bonn
Die von Riad finanzierte König-Fahd-Akademie zieht Islamisten an

Bonns Diplomatenviertel wurde nach dem Umzug von Regierung, Parlament und Staatsoberhaupt nach Berlin durch die König-Fahd-Akademie zu einer Hochburg der Salafisten. Die nach dem 2005 verstorbenen fünften König von Saudi-Arabien benannte Schule in Lannesdorf, einem Ortsteil des Bonner Stadtbezirks Bad Godesberg, war eigentlich eine von Saudi-Arabien finanzierte Bildungseinrichtung für nur vorübergehend in Deutschland lebende Kinder von arabischen Diplomaten. Seit dem Umzug der Diplomaten 2000 nach Berlin werden jetzt dort vor allem vorwiegend aus Nordafrika stammende Kinder der zahlreich nach Bad Godesberg strömenden frommen Islamisten beschult. Der Akademie wurde deshalb auch eine Moschee angeschlossen, die mehreren hundert Gläubigen Platz zum Gebet bietet. Die König-Fahd-Akademie unterrichtet nach dem saudischen Lehrplan in zwölf Jahrgangsstufen. Juristisch untersteht sie nicht der deutschen Schulaufsicht und sie orientiert sich auch nicht an deutschen Lehrplänen. Träger ist das Königreich Saudi-Arabien. Bis 2004 wurden hier acht Wochenstunden Religion, sechs Stunden Arabisch, aber nur eine Wochenstunde Deutsch unterrichtet. Erst 2008 wurde der Deutschunterricht ausgeweitet, nachdem bereits 2003 massive Umtriebe salafistischer Gruppen festgestellt worden waren.

Im Herbst 2003 wurde bekannt, dass beim Freitagsgebet in der Moschee der König-Fahd-Akademie zum Heiligen Krieg gegen Nichtmuslime aufgerufen worden war. Nach Verhandlungen zwischen dem damaligen Kölner Regierungspräsidenten Jürgen Roters und der Botschaft von Saudi-Arabien wurde die Fortsetzung des Schulbetriebs unter Auflagen genehmigt. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) hatte vorher aus einem Lesebuch für die siebte Klasse zitiert, in denen Judentum und Christentum abgewertet und Selbstmord-Attentäter als Helden dargestellt wurden. Im Mai 2012 verletzten Salafisten im Umfeld der Akademie bei Randalen zwei Polizisten bei Messerattacken schwer und 24 leichter. Als Vorwand für die Krawalle diente den Salafisten eine Demo der Bürgerbewegung pro Nordrhein-Westfalen (pro NRW), die vor der König-Fahd-Akademie Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Auch bei der Aufklärung des Mordes an Niklas P. in Bad Godesberg vor einigen Wochen waren Jugendliche mit Immigrationshintergrund in den Fokus der Ermittlungen geraten.

Die König-Fahd-Akademie ist ein Sammelbecken für fundamentalistische Kräfte aus ganz Deutschland gworden, die sich um die Al-Ansar-Moschee des marokkanischen Kulturvereins auf der Bonner Straße („Bagdad-Allee“) in Bad Godesberg sammeln. Dadurch ist die Bundesstadt zu einer Hochburg der radikalen Salafisten geworden. Etwa zehn Prozent der aus Deutschland nach Syrien ausgereisten Islamisten, das sind in absoluten Zahlen zwischen 40 und 50, kommen aus diesem Milieu Bonns. Sie konzentrieren sich im Stadtteil Bad Godesberg. Mittlerweile ist Arabisch in Bonn die am zweithäufigsten gesprochene Sprache. Das ist das Resultat der Tatsache, dass die König-Fahd-Akademie über Jahrzehnte stark religiös ausgerichtete Familien aus ganz Deutschland anziehen konnte und noch kann.     Bodo Bost


Gretchenfrage bei der AfD
Wie soll die Partei auf mögliche Koalitionsangebote reagieren?

Zurzeit bestimmen Auseinandersetzungen zwischen eher wirtschaftsliberalen Vertretern und Nationalkonservativen oftmals das Bild, das sich die Öffentlichkeit von der Alternative für Deutschland (AfD) macht. Bei weiteren Wahlerfolgen könnte die Gretchenfrage hinzukommen, ob man besser in der Opposition bleibt oder aber Regierungsverantwortung übernimmt.

Die Frage könnte schneller auf der politischen Tagesordnung stehen als dies die Vielzahl der polemischen Äußerungen in Medien und Politik zum Thema AfD suggeriert. Vereinzelt sind nämlich mittlerweile auch schon ganz andere Töne zum Umgang mit der AfD zu hören. „Populisten entzaubert man am besten durch Einbinden in Regierungsverantwortung“, so eine Argumentation, die momentan noch einen Außenseiterstatus innehat. Tatsächlich könnte in Teilen der politischen Eliten der Bundesrepublik in den kommenden Jahren die Einsicht wachsen, dass ein weiterer Aufstieg der AfD mit den bisherigen Mitteln nicht zu stoppen sei. Zumindest bislang haben die Versuche einer Ausgrenzung und Stigmatisierung der Partei auf potenzielle Wähler der AfD eher einen mobilisierenden Effekt gehabt. Als regelmäßig erfolgreich hat sich dagegen in der Geschichte der Bundesrepublik die Strategie erwiesen, aufkommende fundamentalkritische Parteien durch Einbinden zu domestizieren.

Die sich inzwischen staatstragend gebenden Grünen seien hier als Beispiel genannt. Um Regierungsfähigkeit zu beweisen, wurden vom „Realo“-Flügel der Partei im Laufe von Jahrzehnten so viele „Kröten geschluckt“, dass von den ursprünglichen Zielen nur noch wenig übrig geblieben scheint.

Innerhalb der AfD könnte es Frauke Petry sein, die künftig den Part des „Realos“ gibt. Die Parteichefin scheint nicht abgeneigt, die AfD schon mittelfristig in die Regierungsverantwortung zu führen. „Wir müssen anstreben, dass wir irgendwann, vielleicht 2021, mehr als Opposition sein wollen“, so Petry vor wenigen Wochen auf einer lokalen AfD-Parteiveranstaltung in Niedersachsen. Die nächsten vier, fünf Jahre sieht Petry die AfD noch in der Opposition.

Der Chef der Brandenburgischen AfD, Alexander Gauland, hat inzwischen wiederholt klar gemacht, dass er Schaden für die AfD befürchtet, sollte es zu früh zu einer Beteiligung an Regierungen kommen: „Wir sind jetzt eine klare Oppositionspartei und wir sollten eine Oppositionspartei bleiben. Wenn Sie als Kleinpartei zu früh Verantwortung übernehmen, werden Sie aufgesogen.“ Und Gauland weiter: „Ich kann nur alle warnen, sich für irgendwelche Dienstwagen oder Ministersitze in eine Koalitionsregierung zu begeben, in der die anderen versuchen werden, sie aufzufressen.“

Auch hier lohnt ein Blick auf die Entwicklung der Grünen. Spektakuläre Wahlerfolge wie in Baden-Württemberg oder regionale Hochburgen wie Berlin verstellen schnell den Blick darauf, dass die Grünen zwar im politischen System der Bundesrepublik angekommen sind, der Status einer Volkspartei mit breiter Massenbasis aber Illusion ist. Hineingewachsen ist die Partei vielmehr in eine Rolle, welche die FDP lange Zeit in der Geschichte der Bundesrepublik innegehabt hat, als sie den Mehrheitsbeschaffer für CDU und SPD spielte.           Norman Hanert


MELDUNGEN

Daueraufgabe »Flüchtlingshilfe«

Berlin – Seit Juni 2015 haben Soldaten der Bundeswehr in mehr als 2,2 Millionen Arbeitsstunden „Flüchtlinge“ versorgt. Das geht aus einer internen Auswertung des Verteidigungsministeriums hervor, die der „Zeit“ vorliegt. Demnach ist die Bundeswehr rund 850 Hilfsanträgen der Länder und Kommunen nachgekommen. Zum Vergleich: Bei der Fluthilfe im Jahr 2013 waren es nur 330 Anträge. Derzeit sind in der „Flüchtlingshilfe“ 1450 Soldaten und zivile Mitarbeiter beschäftigt; in Spitzenzeiten waren es bis zu 9000. Unter anderem hat die Bundeswehr 170000 Unterbringungsplätze bereitgestellt, eine Million Mahlzeiten an Asylbewerber ausgeliefert und in über 4300 Fahrten 200000 Personen transportiert. J.H.

 

Hasswelle gegen Bürgermeister

Berlin – Seit Monaten werden haupt- und ehrenamtliche Kommunal-Mitarbeiter von einer Welle des Hasses überrollt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund erscheinenden Magazins „Kommunal“ unter 1000 Bürgermeistern. Demnach wurden in jeder zweiten deutschen Kommune Bürgermeister, Mitarbeiter oder Gemeinderäte im Zusammenhang mit ihrer „Flüchtlingspolitik“ persönlich beschimpft oder beleidigt. Das Spektrum reicht dabei von Verunglimpfungen und beleidigenden Nachrichten über Schmierereien an Hauswänden bis hin zu toten Ratten vor der Haustür. Persönliche körperliche Angriffe sind mit sechs Prozent bisher die Ausnahme. Verantwortlich für die Situation machen die Bürgermeister vor allem den Bund. 52 Prozent fühlen sich von der Bundesregierung im Stich gelassen. Auch die Landesregierungen werden nach Meinung von fast 40 Prozent ihrer Verantwortung nicht gerecht.        U.M.


S. 4 Glyphposat

Entscheidung vertagt
Die EU-Chemikalienagentur soll die Krebsgefahr durch Glyphosat neu bewerten

In letzter Minute hat die EU-Kommission Ende Juni entschieden, die Zulassung des Herbizids Glyphosat in den Mitgliedsländern der Europäischen Union zunächst um weitere eineinhalb Jahre zu verlängern. Sonst wäre sie nämlich am 30. Juni ausgelaufen. Jetzt soll die Europäische Chemikalien­agentur (ECHA) die Krebsgefahr durch Glyphosat neu bewerten.

Vorausgegangen waren zwei fehlgeschlagene Anläufe, eine Verlängerung der Zulassung durch das Votum der 28 EU-Mitgliedsstaaten zu erreichen. Neben sechs weiteren Staaten enthielt sich auch Deutschland bei den Länderabstimmungen, da innerhalb der Großen Koalition hierzu keine Einigung erzielt wurde. Noch im Februar hatte die EU-Kommission ihre ursprüngliche Absicht bekräftigt, die Zulassung des Pflanzenschutzmittels um 15 Jahre zu verlängern. Umweltschutzorganisationen verbuchen den Teilrückzieher der Kommission von 15 auf eineinhalb Jahre als Erfolg ihrer europaweiten Kampagnen. Sie hatten darüber informiert, dass Glyphosat in vielen internationalen Studien als gesundheitsgefährdend für Mensch, Tier und Umwelt eingestuft wird.

Bei ihrer Entscheidung berief sich die EU-Kommission auf eine Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBL) vom November 2015, die Glyphosat als wahrscheinlich nicht DNA-schädigend für den Menschen einstuft. Die Agentur der EU wiederum bezieht sich auf ein Gutachten des hierfür in Deutschland zuständigen Bun­desinstituts für Risikobewertung (BfR). Überraschend hatte sich auch das zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zur Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen gehörende Joint Meeting of Pesticide Residues (JMPR) im Mai dieses Jahres gleichlautend geäußert. Vor diesem Hintergrund konnte die EU-Kommission eine Stellungnahme der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO vom März vergangenen Jahres übergehen, die konstatiert, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“ sei.

Kritiker bemängeln, dass die EBL-Bewertung entsprechend dem Bericht des BfR – nach geltendem EU-Recht, wie es heißt – ausschließlich den Wirkstoff Glyphosat berücksichtigt hat. Dies ergebe ein falsches Bild. Sämtliche Studien hätten erwiesen, dass Glyphosat-basierte Formulierungen Chemiecocktails seien, die DNA-schädigend wirkten. Der Unkrautvernichter Roundup ist eine Rezeptur aus Glyphosat, dem Netzmittel Tallowamin und anderen Chemikalien. Die EBL setzte sich jedoch über den ausdrücklichen Hinweis im Bericht des BfR hinweg, dass bei der toxikologischen Bewertung der Tallowamine Forschungsbedarf bestehe. Auf die Toxizität der gängigen Glyphosat-basierten Mittel wie Roundup und Glyfos bezieht sich dagegen der IARC-Bericht.

Nicht nur die Hersteller von Glyphosat haben ein massives wirtschaftliches Interesse an der weiteren Zulassung des Ackergifts in der Europäischen Union, sondern auch die konventionell wirtschaftenden Landwirte und Biogasbetreiber. Für sie ist Glyphosat als Instrument einer „konservierenden Bodenbearbeitung“ Standard. Seit 25 Jahren wird die pfluglose Bodenbearbeitung als Lösung für Bodenprobleme im konventionellen Landbau proklamiert. Sollte diese Option entfallen, wäre mit einem kräftigen Anstieg der Betriebskosten für Maschinen und Arbeit zu rechnen. Agrarexperten weisen auch da­rauf hin, dass nach einem Glyphosat-Verbot wahrscheinlich noch mehr Unkrautvernichtungsmittel gespritzt würden, da andere Pestizide weniger wirksam seien. Eine Göttinger Untersuchung schätzt die dann entstehenden zusätzlichen Kosten allein für Deutschland auf 80 bis 200 Millionen Euro pro Jahr. Neben Umwelt- und Agrarverbänden plädiert das  Julius Kühn-Institut – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Braunschweig dafür, trotzdem wieder mehr zu pflügen, sofern keine Erosion droht. Dabei geht es auch um die mittlerweile deutlich verringerte Aufnahmekapazität des Ackerlands für Wasser, speziell der Maisanbauflächen.

                Dagmar Jestrzemski


Nicht nur Krebs
Glyphosat soll auch andere Krankheiten verursachen

Glyphosat ist im Grund- und Trinkwasser nachweisbar und in der Nahrungskette angelangt. Im März 2016 stellte die Bürgerinitiative „Landwende“ in Berlin das Ergebnis ihrer Datenerhebung zu Glyphosat-Rück­ständen im menschlichen Urin vor. An der Aktion „Urinale“ hatten 2011 freiwillige Probanden aus allen Teilen Deutschlands teilgenommen. Bei der Untersuchung durch das unabhängige und akkreditierte Labor „BioCheck“ in Leipzig wurde in 99,6 Prozent der Urinproben Glyphosat nachgewiesen. Bei 79 Prozent war die Belastung sogar fünf- bis 42-fach höher als der Rückstandshöchstwert für Pestizide im Trinkwasser, der 0,1 Nanogramm pro Milliliter beträgt. Besonders alarmierend: Die Urinproben von Kindern und Jugendlichen ergaben die höchsten Messwerte.

In Argentinien sehen Ärzte einen klaren Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat, das dort mit Flugzeugen über den Feldern versprüht wird, und einer Vielzahl von schweren Erkrankungen. In Gegenden, in denen seit Jahren Tabak- und Soja-Monokulturen angebaut werden, kommt es sehr häufig zu Missbildungen bei Neugeborenen. 

Weltweit hat der massive Einsatz von Glyphosat zu einer dramatischen Verarmung der Biodiversität in der Agrarlandschaft geführt. Unter unabhängigen Wissenschaftlern besteht Einigkeit darüber, dass Glyphosat nicht nur wichtige Bodenbakterien abtötet, sondern auch die Darmflora von Mensch und Tier schädigt. Auch die Rinderkrankheit Chronischer Botulismus, von der deutsche Milchviehbetriebe seit 20 Jahren schleichend heimgesucht werden, sei im Wesentlichen auf Glyphosat im Boden und im Kraftfutter der Rinder zurückzuführen, erklären der Zoologe Sievert Lorenzen und die frühere Leiterin des Instituts für Bakteriologie und Mykologie der Universität Leipzig, Monika Krüger.

In Deutschland dürfte der Druck auf die Politik nun zunehmen. Jedes Land der Europäischen Union kann Glyphosat verbieten, da eine Genehmigung im eigenen Land den EU-Mitgliedsstaaten unterliegt. Dänemark verbot Glyphosat bereits 2003. In den Niederlanden ist die nicht-kommerzielle Anwendung ab diesem Jahr verboten.       D.J.


Kein Mittel wird öftereingesetzt

Glyphosat ist das weltweit am meisten angewandte Pflanzenschutzmittel, weil es als einziges Mittel auf dem Markt sämtliche Unkräuter vernichtet. Der US-Konzern Monsanto vertreibt das Breitbandherbizid seit 1974 weltweit unter dem Markennamen Roundup Ready. Seit Jahren ist der Patentschutz erloschen. Knapp 100 Hersteller, darunter ein Drittel aus China, produzieren jährlich über 720000 Tonnen Glyphosat. Neben Monsanto ist Bayer der größte Hersteller. Zur Superprofitquelle für Monsanto wurde das Wundermittel Glyphosat durch den Vertrieb von gentechnisch verändertem Saatgut (Soja, Mais, Baumwolle) seit 1996: Sprühte man ein Feld mit Round­up ein, starben alle Pflanzen ab außer den gentechnisch veränderten.

Der Einsatz von Glyphosat hat sich in den vergangenen zehn Jahren weltweit verdoppelt. 2014 landeten gut 720000 Tonnen auf den Äckern, so viel wie von keinem anderen Pestizid. In Deutschland gelangen jährlich 15000 Tonnen auf etwa 40 Prozent der Ackerflächen. Auch in Weinbergen und im Obstbau, im Zierpflanzen- und Forstbereich sowie in Haus- und Kleingärten wird Glyphosat eingesetzt. Die Deutsche Bahn hält damit die Gleise von Pflanzenbewuchs frei. In der europäischen Landwirtschaft werden Unkrautvernichter wie Roundup vor allem dazu genutzt, die Wildkräuter vor oder nach dem Anbau von Feldfrüchten zu bekämpfen. Vor der Einsaat werden ein bis zweieinhalb, maximal vier Kilogramm Glyphosat pro Hektar ausgebracht. In Deutschland ist die Spätanwendung (Sikkation) von Glyphosat-haltigen Pflanzenschutzmitteln seit 2014 nur noch auf Teilflächen erlaubt, auf denen das Getreide anders nicht geerntet werden kann. Dabei sterben die Kulturpflanzenbestände ab. Die deutsche Mühlenwirtschaft appelliert an die Landwirte, auf den Einsatz von Glyphosat zu verzichten, wenn das Getreide aufgrund der Witterung in einigen Regionen nicht gleichmäßig heranreift. D.J.


Zeitzeugen

Martin Häusling – Im September 2014 stellte der Bio-Bauer und EU-Parlamentarier in Berlin eine Studie über sogenannte Superweeds vor. So werden in den USA Unkräuter bezeichnet, die gegen alle Pestizide immun geworden sind. Häusling resümierte das Fazit der Studie: Abgesehen von der Belastung der Böden, der Lebensmittel, des Grundwassers sowie von Mensch und Tier durch das Totalherbizid Glyphosat bedrohten auch die zunehmenden Resistenzen von Unkräutern auf den Äckern unsere Zukunft. „Das Prinzip der industriellen Landwirtschaft auf der Basis von Monokulturen und ohne Fruchtfolgegestaltung steckt in der Sackgasse.“

Christian Schmidt – Für den Bundesernährungsminister (CSU) hatte sich mit dem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit die Diskussion über Glyphosat erledigt. Die Politik dürfe sich nicht über Wissenschaft stellen und entscheide auch nicht nach Meinungsumfragen, sagte er dem Fernsehsender N-TV. Zu der vom Umweltschutzinstitut München aufgedeckten Glyphosatbelastung von 14 bekannten Biermarken erklärte er: „Ich habe in Bayern noch niemanden gesehen, der 1000 Maß Bier trinkt. Und wenn er sie trinkt, dann tritt der Exitus nicht wegen Pflanzenschutzmitteln ein, sondern aufgrund anderer Gründe, die Sie und ich sich vorstellen können.“ Dabei erscheint es durchaus nicht angebracht, die gewonnenen Daten über einen Kamm zu scheren. Die Größenordnung der Rückstände schwankt zwischen 0,46 Mikrogramm Glyphosat je Liter Bier bis zu 29,74 Mikrogramm. Im Extremfall wird damit der gesetzliche Grenzwertwert für Trinkwasser um das 300-fache überschritten.

Stanley Ewen – Der Dozent der Aberdeen Grampian University protestierte im Oktober 2012 mit 100 Wissenschaftlern in einem offenen Brief gegen die Verwendung doppelter oder selbst gestrickter Standards in den von Monsanto in Auftrag gegebenen Studien, welche die Unschädlichkeit von Glyphosat beweisen sollen. Die Unterzeichner prangern den enormen Druck der Industrie und der Agrarlobby auf die Zulassungsbehörden an, welche die wenigen Kurzzeitstudien durchgewinkt hätten.


S. 5 Preussen/Berlin

Nahost in Berlin
Beim diesjährigen Al-Quds-Marsch über den Ku’damm waren Hisbollah-Fahnen verboten

Auf der anti-israelischen Al-Quds-Demonstration in Berlin waren dieses Jahr Hisbollah-Flaggen verboten. Etwa 800 Anhänger der Organisation, deren militärischer Arm auf der EU-Terrorliste steht, zogen über den Kurfürstendamm. Dort fand zuvor eine Gegendemonstration von Israel-Freunden mit etwa der gleichen Teilnehmerzahl statt. 640 Polizisten mussten dafür sorgen, dass es zu keinen gewaltsamen Zwischenfällen kam.

Seit 1996 findet jedes Jahr dasselbe üble Spektakel mitten in Berlin statt: Anhänger des Teheraner Mullah-Regimes und der von ihm finanzierten libanesischen Hisbollah (Hizb Allah, Partei Gottes) demonstrieren mit ihrem Al-Quds-Marsch aggressiv gegen Israel. Der Al-Quds-Tag (nach dem arabischen Namen für Jerusalem al-Quds) wurde 1979 vom iranischen „Revolutionsführer“ Ajatollah Ruhollah Chomeini propagiert. Chomeini erklärte die „Befreiung“ Jerusalems zur religiösen Pflicht eines jeden Muslims. Iran und Hisbollah negieren das Existenzrecht Israels und rufen zu dessen gewaltsamer Beseitigung auf.

In den Auflagen des Berliner Innensenats für die diesjährige Al-Quds-Demonstration hieß es aufgrund von Erfahrungen der Vorjahre: „Es ist untersagt, während der Dauer des Aufzugs Gegenstände – insbesondere Fahnen, Puppen und ähnliche Gegenstände – im öffentlichen Verkehrsraum zu verbrennen. Des Weiteren ist untersagt, Gewalttaten, die darauf gerichtet waren oder sind, Menschen zu töten, zu verletzen oder zu entführen, in Wort, Bild oder Schrift zu verherrlichen oder gutzuheißen bzw. zu solchen Taten aufzufordern. Untersagt ist das Rufen von Parolen wie ,Tod Israel!‘ bzw. ,Tod (den) Israelis!‘ ,Tod Israel, verflucht seien die Juden und Sieg für den Islam!‘ und ,Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein‘.“ Untersagt wurde außerdem jedes Werben für die Hisbollah und ihr nahestehende Organisationen: „Kennzeichen, Symbole oder Embleme dieser Organisationen dürfen weder auf Fahnen und Transparenten noch an der Kleidung der Teilnehmer noch auf sonstige Weise gezeigt werden.“

Ohne die genannten speziellen Verbote wäre es wohl erneut zu offenen antisemitischen Schmähungen und Gewaltaufrufen gekommen. Gezeigt wurden Plakate, auf denen der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Präsident Barack Obama als Mörder bezeichnet oder zum Boykott israelischer Waren aufgerufen oder Israel als „Terrorist“ und „Der wahre Menschenfeind“ bezeichnet wurde. Demonstranten trugen das Konterfei Chomeinis auf T-Shirts, ganze Kopftuchgeschwader nahmen teil, auch vollverschleierte Frauen. Unentwegt skandiert wurde „Zionismus ist Rassismus“. Auch kleine Jungen und Mädchen, unmündige Kinder, hatte man mit solchen Plakaten ausgerüstet. Palästinensische Fahnen waren häufig. Eine Kopftuchfrau trug die verbotene Hisbollah-Fahne zusammengewickelt um den Hals. Auf der gelben Fahne der Hisbollah ist in der grünen Farbe des Islam eine stilisierte Kalaschnikow abgebildet, in einer Faust erhoben über der Weltkugel.

Wie in den Vorjahren nahmen auch türkische Islamisten an der Kundgebung teil. Wieder waren auch aus Hamburg noch Hisbollah-Unterstützer mit Bussen angereist. Wie jedes Jahr ließ man zur Staffage dieselben drei ultraorthodoxen Juden auftreten, die den Staat Israel ablehnen und sich willig vor den Karren des Teheraner Regimes spannen lassen, drei bleiche sinistre Gestalten mit Schläfenlocken und riesigen Pelzmützen auf dem Kopf. Da sie am Schabbat nicht reden dürften, verlese man die vorgefertigte Rede von einem der Dreien, erklärte ein Al-Quds-Organisator.

Auf der Gegenkundgebung am Kranzlereck erklärte Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, erst im März 2016 habe der Iran Langstreckenraketen getestet, auf denen stand: „Israel muss ausradiert werden“. Beim Al-Quds-Tag gehe es angeblich um die Befreiung Jerusalems. „Aber in Wahrheit“, so der Botschafter, „geht es darum, Jerusalem zu islamisieren.“ Jerusalem solle nicht nur „judenrein“, sondern auch „christenrein“ werden. Bei der Al-Quds-Demonstration am Vortag in Teheran seien auch Fahnen westlicher Staaten verbrannt und Bilder westlicher Staats- und Regierungschefs mit Steinen beworfen worden.

Das American Jewish Committee (AJC) hatte im April enthüllt, dass die künstlerische Leiterin und die pädagogische Leiterin des „Refugee Club Impulse“ (RCI), Nadia Grassmann und Maryam Somaya Grassmann, seit Jahren an der Al-Quds-Demonstration in Berlin beteiligt sind. Der Vater der beiden, Jürgen Grassmann, ein Berliner Ikonenhändler, ist ein Anmelder des Al-Quds-Marsches. Das RCI, ein Theaterprojekt für Flüchtlinge, hatte beim Projektfonds Kulturelle Bildung des Landes Berlin eine Fördersumme von 100000 Euro beantragt. Erst nach dem Hinweis des AJC auf die Al-Quds-Aktivitäten der Grassmann-Töchter verweigerte der Berliner Senat die Förderung. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters zog erst nach den AJC-Informationen die Nominierung des RCI für einen „Sonderpreis für kulturelle Projekte mit Flüchtlingen“ zurück. „Inwieweit es systematische Versuche der Einflussnahme von Hisbollah-Anhängern auf Flüchtlinge in Deutschland gibt, bleibt indes ungeklärt“, so das AJC. Michael Leh


Der Antifa-Pakt der Berliner CDU
von Theo Maass

Mit der „Flüchtlingskrise“ kam der Einbruch für die Berliner CDU. In der Bevölkerung wird der Bundeskanzlerin mit ihrer Willkommenspropaganda die Verantwortung für diese Katastrophe zugewiesen. In Berlin sind die „zuständigen“ Senatoren Frank Henkel (Innen) und Mario Czaja (Soziales) in der Verantwortung. Alle drei vereint eines: Sie sind CDU-Mitglieder. Im Mai 2015 erreichten die Christdemokraten letztmalig 25 Prozent Wählerzustimmung in einer Umfrage. Im März 2016 fiel die Partei erstmalig unter die 20-Prozent-Marke.

Immer wieder kommt es zu Übergriffen der ungebetenen Gäste. Die Vorfälle verbreiten sich in den „sozialen Medien“. Die Hauptstadtpresse schweigt. Der Innensenator bleibt weitgehend untätig. Diejenigen, die 2011 mit 23,4 Prozent der CDU ihre Stimme gegeben haben, fragen sich, wozu das gut war. Gewiss, die Entscheidung der SPD sich 2011 Rot-Grün zu verweigern, wurde von den bürgerlichen Wählern Berlins mit Erleichterung aufgenommen. 2011 flog die FDP als zweite bürgerliche Kraft mit einem demütigenden Stimmenanteil von 1,8 Prozent aus dem Berliner Abgeordnetenhaus. Stattdessen kam eine weitere linke Partei, die „Piraten“, in das Landesparlament.

Eigentlich wären diese Gesamtumstände gute Voraussetzungen für ein solides Wachstum gewesen. Aber die bürgerlichen Wähler haben nun mit der Alternative für Deutschland (AfD) eine neue Wahloption, die bei den Wahlen im September 2016 vor einem sensationellen Erfolg stehen könnte. Ob sich bei einer frühzeitigen Entscheidung der CDU für eine Koalition mit der AfD die Dinge anders entwickelt hätten, ist ungewiss.

Nun will die CDU den umgekehrten Weg beschreiten. Um sich die bürgerliche Konkurrenz vom Hals zu schaffen, sucht sie den Schulterschluss mit Linken und Linksextremisten. Vergangenen Freitag wurde bekannt, dass die Partei zusammen mit den „Piraten“, der „Linken“, den Grünen und der SPD einen „Konsens gegen Rechts“ beschlossen hat. Beteiligt daran ist auch Bianca Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechts (MBR). Klose lobt das „Engagement“ der Antifa und problematisiert offenbar ungern politisch motivierte Gewalt von Links. Auch der „Piraten“-Chef Bruno Kramm äußerte ein gewisses Verständnis für aktuelle Aktionen „von Links“. Da gehe es schließlich nur um Gewalt gegen Dinge … Auch die FDP (sie wird nach den Umfragen wieder die Fünf-Prozent-Hürde verfehlen) hat sich diesem Konsens-Bündnis angeschlossen.

Festzustellen bleibt, dass Grüne (19 Prozent), CDU (18 Prozent), Linke (17 Prozent) und AfD (15 Prozent) in den Umfragen dicht beieinander liegen. Die letzten Landtagswahlen zeigen, dass außer der CDU auch die „Linke“ erheblich an die AfD verliert.


»LinX« gegen linke Gewalt
Berlins Polizei bildet eine 14-köpfige Ermittlungsgruppe

Berlins Polizei hat eine 14-köpfige Ermittlungsgruppe „LinX“ gegen linke Gewalttäter gegründet. Deren Einfluss wächst. Linksextreme wollen mit Brandanschlägen „Berlin ins Chaos stürzen“. Eine politische Front gegen die Täter bleibt aus, im Gegenteil, Politiker solidarisieren sich, wiegeln ab, und Bürgermeister Michael Müller (SPD) fordert von Innensenator Olaf Henkel (CDU) vor allem Deeskalation.

Seit der polizeilichen Räumung besetzten Wohnraums in der Rigaer Straße am 22. Juni kündigt die linke Szene Rache an. Sie droht, einen Sachschaden von zehn Millionen Euro anzurichten. Ende Juni erlebte Berlin eine Woche, in der jede Nacht von mutmaßlich linken Tätern gelegte Brände loderten, Unbeteiligte ihr Eigentum verloren. Nun hat die Szene rund eine Woche vor einer geplanten großen Demonstration um die Rigaer Straße auf der einschlägig bekannten Internetseite „Indymedia“ einen „schwarzen Juli“ ausgerufen: „Die Rigaer94 hat dazu aufgerufen, Berlin ins Chaos zu stürzen.“

Berlins Polizei und der Innensenator können mit wenig Unterstützung rechnen. Die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram äußerte sich über das pauschale Hausverbot für Polizisten einer Bäckerei im Szene-Kiez: „Tja, könnte daran liegen, dass Polizei Anwohner schikaniert.“ Das von einer Verkäuferin in Abwesenheit des Chefs gegen die Polizei verhängte Hausverbot ist durch jüngste Anschläge in den Hintergrund gedrängt worden.

Bayram erntete auch Widerspruch aus den eigenen Reihen, doch Grüne, „Piraten“, „Linke“ und SPD gehen auf Distanz zum Innensenator. Christopher Lauer, bei den „Piraten“ im Abgeordnetenhaus für Sicherheit zuständig, sagte, es handele sich bei LinX um „politisch gewollte Eskalation von Frank Henkel“. Lauer forderte Besitzer von Häusern im Kiez auf, im Zweifelsfall auf Eigentum zu verzichten. Beide Seiten sollten sich „auf Spielregeln einigen“. Bürgermeister Müller (SPD) sagte zur Rigaer Straße: „Dort gibt es handfeste Übergriffe, und das ist inakzeptabel in einer Stadt. Aber ich erwarte auch, dass über die Innenverwaltung oder die Polizei ausgelotet wird, ob und wie man Gespräche suchen kann“.

Henkel will das „Gerede von Deeskalationsstrategie“ nicht mehr hören. „Ich bin fassungslos, dass jemand allen Ernstes fordert, mit Straftätern über die Einstellung von Brandanschlägen zu verhandeln.“         Sverre Gutschmidt


»Versorgungslösung«
Wie Görkes Ex-Partnerin im Staatsdienst Karriere macht

Die Opposition in Brandenburgs Landtag kritisiert „Günstlingswirtschaft“ bei Rot-Rot. Es geht um den Wechsel einer höheren Mitarbeiterin vom Justiz- ins Sozialressort. Es sei eine von oben angebahnte rechtswidrige Aktion, bei der die Qualifikation und das Verfahrensrecht keine Rolle spielten, mutmaßen CDU und Grüne. Es wäre nicht der einzige Fall von Begünstigung und Vorteilnahme bei Rot-Rot.

Für die einstige Partnerin von Linke-Landeschef Christian Görke hob Rot-Rot die Befristung ihrer Stelle im Justizministerium auf und bei der Ausschreibung für einen Abteilungsleiterposten im Sozialressort sei es auch nicht rechtmäßig zugegangen, so die Opposition. Trotzdem beschloss die Regierung am 28. Juni beides.

So viel ist klar: Im Herbst 2015 beendete Rot-Rot eine bereits länger gültige Ausschreibung für einen leitenden Posten im Sozialministerium unter Ministerin Diana Golze (Linke). Als die Ausschreibung dann neu startete, konnte auch Görkes Ex-Freundin Anne Stolpe, bisher Büroleiterin des Justizministers, teilnehmen. Es geht um einen Posten, für den ab Juli ein monatliches Grundgehalt von rund 8225 Euro gezahlt wird – ohne Zuschläge. Brisant: Der infolge einer Dienstwagenaffäre im April zurückgetretene Justizminister Helmuth Markov (Linke) ebnete der Genossin eigens für diese Bewerbung den Weg. Der Verdacht: Er entfristete Stolpes vorige Stelle im Oktober, was ihr technisch erst den Zugang zur neuen Ausschreibung ermöglichte, und gab ihr zudem noch ein außergewöhnlich gutes Zeugnis mit. Der von der Entfristung nicht informierte Personalrat prüft nun rechtliche Schritte. Der Verdacht geht noch weiter: Markov hob die Begünstigte an allen Verfahren und Hindernissen vorbei ins neue, rund 1400 Euro besser bezahlte Amt. Die neue Ausschreibung wurde speziell auf das besondere Zeugnis angepasst, vorher verlangte Befähigungen gestrichen – das sei rechtswidrig, sagen CDU und Grüne. Trotz des Protests stimmte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) der umstrittenen Personalie zu. CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben kritisierte daraufhin die „Versorgungslösung“. Laut Ralf Christoffers, Fraktionschef der Linkspartei, habe der Wechsel aufgrund der Fähigkeiten der Frau stattgefunden.

Markov stolperte als Justizminister in der Dienstwagenaffäre über einen Umzug seines privaten Motorrads für rund 430 Euro, den er dem Steuerzahler aufbürdete.              

                SG


S. 6 Ausland

Böse Absicht mit System
US-Journalisten von »Foreign Policy« analysierten die Ursachen von Chaos und Korruption in der Ukraine

Neil Abrams und Steven Fish vom angesehenen Magazin für Außenpolitik „Foreign Policy“ sind  der Frage nachgegangen, wie die Chancen stehen, dass Korruption und Chaos in der Ukraine nur ein temporäres Problem sind, und welche Rolle bei alledem der Westen spielt.

Kaum hatte der gewaltsame Putsch des Kiewer Maidan im Frühjahr 2014 sein Ziel erreicht und den gewählten Präsidenten Viktor Janukowitsch vertrieben, da griff bereits der heutige Amtsinhaber Petro Poroschenko nach der Macht. Was wesentlich den Zuspruch beflügelte, der ihm zu Beginn zuteilwurde, war sein Versprechen, die korrupte Oligarchen-Wirtschaft in der Ukraine zu beenden, und dabei, weil er ja selbst zu den Superreichen gehörte, mit gutem Beispiel voranzugehen, seine Industrie- und Bank-Beteiligungen zu verkaufen und sich nur noch dem Wohl des Volkes zu widmen. Das große Geld, so die Versicherung, solle fürderhin nicht mehr Politik machen in Kiew.

Ohne Poroschenko zu überhastetem Handeln drängen zu wollen, sei es gestattet, im Abstand von über zwei Jahren nach dem Verbleib des guten Vorsatzes zu fragen. Dies taten zwei unverdächtige, weil US-amerikanische Journalisten, Neil Abrams und Steven Fish, von einem angesehenen Magazin für Außenpolitik mit dem schlichten Namen „Foreign Policy“. Das Ergebnis der beiden ist schnell umrissen. Zum einen: An der Oligarchen-Wirtschaft hat sich nichts geändert. Zum zweiten: Präsident Poroschenko ist nach wie vor ein konstitutives Mitglied dieses Systems.

Was aber die chaotischen Zustände im Lande angeht, so seien diese weniger ein Ausdruck der Unfähigkeit, sondern das notwendige Milieu für Bestand und Gedeihen der plutokratischen Machtausübung. Die beiden Autoren sagen: „Eine Welt, in der sich die Aufsichtsbehörden an Regeln halten, Staatsanwälte und Richter gewissenhaft handeln, die Eliten durch demokratische Verfahren zur Rechenschaft gezogen werden und der Wettbewerb auf dem Markt funktioniert – in so einer Welt können Oligarchen nicht überleben.“

In der Ukraine dagegen überleben sie nicht nur, es geht ihnen prächtig. Die internen Voraussetzungen des Landes, eine käufliche Justiz und das gewollte und völlige Versagen des Nationalen Antikorruptions-Ausschusses, werden dabei aufs wirkungsvollste ergänzt durch die vielfache Hilfestellung aus dem Westen. Das Autoren-Duo hält fest: „Die westliche Hilfe hat die Herrschenden des Landes bisher unterstützt und sie von der Notwendigkeit befreit, einen funktionierenden Staat und eine funktionierende Marktwirtschaft aufzubauen. Das Fortsetzen der Hilfe wird die bestehenden Eliten nur weiter an der Macht halten.“

Wichtig ist dabei: Sachlage und Erkenntnis sind nicht neu. Schon etwa ein halbes Jahr nach dem Putsch prellte einer der prominentesten Oligarchen, Igor Kolomoiskij, sein Land und den Internationalen Währungsfonds (IWF) um 1,8 Milliarden US-Dollar und setzte sich damit in die USA ab, wo er unbehelligt lebt. Dieses Bubenstück hat die westlichen Geldgeber so wenig von weiteren Zahlungen abgehalten wie andere Vorkommnisse ähnlicher Art. So wurde im März ein bühnenreifes Stück bekannt. USA und EU gaben die spärliche Summe von zwei Millionen Dollar mit einer ausdrücklichen Zweckbestimmung: zur Reform des Justiz-Systems. Leider verschwand das Geld und zwar ausgerechnet beim „Anti-Corruption Acton Center“.

Unbeeindruckt von solchen Episoden haben die USA Anfang April sinnigerweise ausgerechnet beim Nuklear-Gipfel in Washington der Ukraine zusätzliche Militärhilfen in Höhe von 335 Millionen Dollar zugesagt. Vielleicht hofft man, dass beim Waffenhandel die Widmung der Zuwendung tatsächlich eingehalten wird. Im vergangenen Jahr ging es für denselben Zweck um 300 Millionen. Die USA nennen das „Sicherheitsunterstützung“, auch wenn man etwa in Donezk darüber anders denken mag.

Doch nicht nur die USA schlagen schlechte Erfahrungen in den Wind. Ungeachtet jener 1,8 Milliarden des Igor Kolomoiskij sicherte der IWF der Ukraine im vergangenen Jahr wiederum 17,5 Milliarden Dollar zu, 6,7 Milliarden davon sind bereits ausbezahlt. Derzeit stockt der Geld-Abfluss ein wenig, die Korruptions-Vorwürfe sind allzu laut geworden. Das hat sogar dazu geführt, dass sich US-Vize-Präsident Joe Biden zu einer ernsten Mahnung veranlasst sah: „Korruption“, so sagte er, „zerfrisst die Ukraine wie Krebs.“ Allerdings war dies das richtige Wort aus falschem Mund. Denn der Sohn des US-Vize, Hunter Biden, hat sich in der Chef-Etage des ukrainischen Gas-Riesen Burisma verdingt, in dessen Aufsichtsrat zwar kein Ukrainer sitzt, aber neben anderen US-Bürgern auch ein gewisser Devon Archer, der mit der Familie des US-Außenministers John Kerry eng befreundet ist. Burisma wird aus dem Hintergrund gelenkt von dem Oligarchen und früheren Minister Nikolaj Slotschewskij.

Und so fließen die Millionen weiterhin munter nach Kiew. Ist es nicht der IWF, so sind es die USA, die zahlen. Am 19. Juni wurde vom Weißen Haus bekanntgegeben, dass Washington für Reformen in der Ukraine weitere 220 Millionen Dollar bereitstellt. Man beabsichtige, „die Anstrengungen der Ukraine zum Aufbau der demokratischen Institutionen und der Rechtsstaatlichkeit zu stärken“. Schon Anfang Juni hatte die Overseas Private Investment Corporation, ungeachtet ihres Namens ein staatliches Finanz-Institut der USA, 62,5 Millionen für die Ukraine genehmigt. Diese Summe ergänzt eine schon erfolgte Zahlung von 185 Millionen. Im Haushaltsentwurf der USA für das kommende Jahr sind zudem bereits 150 Millionen für weitere militärische Hilfsleistungen berücksichtigt.

Bei der EU ist die Ukraine mit 23 Milliarden Euro verschuldet. Der Finanzanalyst Alexander Okchrimenko, so schreibt das „Handelsblatt“, erklärt, dass die Tilgung auf 20 Jahre gestreckt werden müsse, die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite in diesem Jahr reiche bis zu 50 Prozent. Das wäre für die Gläubiger der Ukraine ein Grund, dem schlechten Geld gutes hinterherzuwerfen.          Florian Stumfall


Zar verzeiht Sultan
Nach Erdogans Entschuldigung: Russland lockert Sanktionen

Schon mehrfach hat die Türkei versucht, die Beziehung zu Russland nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets in Syrien wieder zu verbessern, doch bislang war Wladimir Putin hart geblieben. Er machte zur Bedingung, dass der türkische Präsident Racep Tayyip Erdogan sich zuvor bei ihm entschuldigen müsse und eine Entschädigung für den zerstörten Jet zahle. Eine offizielle Entschuldigung hat Erdogan Putin jetzt zukommen lassen, zu einer Entschädigung scheint er jedoch noch nicht bereit.

 Dennoch will Putin die Anti-Türkei-Sanktionen jetzt schrittweise zurücknehmen. Reisen in die Türkei sollen noch in dieser Saison wieder möglich sein. Seit Langem geplante gemeinsame Projekte wie der Bau eines Atomkraftwerks in der Türkei und eine Pipeline durch das Schwarze Meer könnten schon bald auf die Tagesordnung zurückkehren.

In Moskau wird die Wiederannäherung der beiden Staatsoberhäupter allerdings unterschiedlich bewertet. Während Teile der Wirtschaft den Wegfall der Sanktionen begrüßen, glauben andere, dass es Erdogan nicht nur um einen Ausweg aus der Isolation gehe , in die er sich durch seine Großmannsucht selbst hineinmanövriert habe, auch nicht nur um leere Strände, sondern vor allem um den Bau der gemeinsamen Gasleitung. Die Türkei bezieht zirka 55 Prozent ihres Bedarfs von Gazprom.

Gegen eine zu schnelle Annäherung wendet sich vor allem die russische Tourismusbranche. Nach dem Verbot von Türkeireisen hatten sich russische Touristen auf Urlaubsorte im eigenen Land konzentriert, wovon die Schwarzmeerregion genauso wie das nördliche Ostpreußen profitierten. Die Kurorte Cranz und Rauschen sind bis September komplett ausgebucht.

Erdogans Entschuldigung erfolgte unmittelbar nach einem Treffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), von dem Putin mit wichtigen Wirtschaftsverträgen mit China zurückkehrte.  Das geopolitische Gewicht der  Türkei dürfte neben dem Eintritt der Atommächte Indien und Pakistan in das Bündnis auch eine Aufnahme des Iran schmälern, der zurzeit noch einen Beobachterstatus hat. Russische Medien vermuten, dass Erdogan die Annäherung an Russland vor dem bevorstehenden Nato-Gipfel in Warschau sucht, um mit einer Hinwendung an das „feindliche Lager“ zu drohen, falls die Nato die eine oder andere Bedingung Ankaras nicht erfülle. Russische Politologen halten die Entschuldigung deshalb lediglich für einen Bluff Erdogans.

Wie nun bekannt wurde, kamen die Attentäter von Istanbul, die Anhänger des IS waren, aus dem Bereich der ehemaligen Sowjetunion. Da Moskau selbst seit Langem im Visier der Dschihadisten ist, können Moskau und Ankara sich auf die Bekämpfung auf einen gemeinsamen Feind konzentrieren. Der bereits fünfte Anschlag in der Türkei in diesem Jahr mache Erdogans Fehler  sichtbar. Der türkische Präsident habe zu lange geglaubt, den IS als Instrument gegen den verhassten Diktator Assad im Nachbarland Syrien einsetzen zu können.

Auch wenn eine Wiederaufnahme der bilateralen Kooperation voraussichtlich bei einem Treffen zwischen Erdogan und Putin beim G20-Gipfel in China im September beschlossen wird, bleibt der Dissens im Kurdenkonflikt und im Fall Syriens. Während Russland und der Iran Assad unterstützen, dürfte Erdogan ihn weiterhin loswerden wollen.

                Manuela Rosenthal-Kappi


Nach dem Brexit der Öxit?
FPÖ droht mit Referendum über EU-Mitgliedschaft in Österreich

Nach dem Referendum über einen Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union hält auch der Vizechef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und Bundespräsidentschaftskandidat der Alpenrepublik Norbert Hofer eine Volksabstimmung für sein Land vorstellbar. „Wenn die Union sich falsch entwickelt, dann wäre für mich der Augenblick gegeben, wo man sagt: So, jetzt muss man auch die Österreicher fragen“, äußerte sich Hofer offen über die Möglichkeit einer Volksabstimmung zum EU-Austritt seines Landes. „Großbritannien hat bewiesen, dass die EU – diese EU – offenkundig weit weg von den Menschen ist. Daher bin ich überzeugt, dass eine Erneuerung der Europäischen Union notwendig ist, eine EU, die sich ihrer Grundwerte erinnern und bürgernäher sein muss.“ Eine Änderung der EU-Verträge in Richtung einer weiteren Reduzierung der Kompetenzen der EU-Mitgliedsstaaten würde in Österreich automatisch zu einem Referendum führen, ergänzte Hofer.

Ähnlich äußerte sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, wie die Agentur Reuters berichtete. Dieser hatte jüngst gesagt, ein „Öxit“-Referendum könnte dann zu einem FPÖ-Ziel werden, wenn sich die EU bei der Einführung von Reformen weiter unwillig zeige und wenn Ländern wie der Türkei ein Beitritt in die EU ermöglicht würde.

Hofer hält eine Rückbesinnung der EU auf die ursprüngliche Idee einer europäischen Gemeinschaft für notwendig. „Die Gründerväter wollten eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit knüpfen, weil Staaten, die wirtschaftlich zusammenarbeiten, nicht Krieg gegeneinander führen. Das hat ja an sich sehr gut funktioniert, bis man dann die politische Union gegründet hat.“

Derzeit trete die FPÖ für einen „massiven Reformdruck“ innerhalb der EU ein, sagte der FPÖ-Delegationsleiter im Europaparlament, Harald Vilimsky, gegenüber der APA – Austria Presse Agentur. Das Brexit-Referendum könnte diesen Reformdruck noch „unterstützen“.

2015 hatte die FPÖ ein von einer Bürgerinitiative lanciertes EU-Austrittsvolksbegehren unterstützt. 261065 Stimmbürger unter-zeichneten das Volksbegehren, dessen Anliegen allerdings im Parlament nicht mehr behandelt wurde. Im Falle einer Abstimmung über einen Austritt Österreichs aus der Europäischen Union hätten die Initiatoren derzeit durchaus Chancen auf Erfolg: Während innerhalb aller EU-Staaten im Durchschnitt noch eine knappe Mehrheit der Menschen die Mitgliedschaft ihres Landes in der EU begrüßt, sind es in Österreich gerade einmal 37 Prozent.                Michael Link


MELDUNGEN

Iran mit ins Boot geholt

Teheran – Die Verteidigungsminister Russlands, Syriens und des Iran haben sich getroffen, um ihre Positionen zu Syrien abzustecken, wie die Koordinierung von russischen Luftangriffen mit Bodenoperationen der Assad-Armee. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte, es habe bei vielen Fragen eine Übereinstimmung gegeben, vor allem bezüglich der Koordinierung von Offensiven auf IS-Hochburgen, um die massiv angestiegenen Angriffe der al-Nusra-Front auf Stellungen der Regierungsarmee in Latakia, Idlib, Hama und Damaskus zurückzudrängen.  Russische Flieger sollen die Zahl der Luftschläge erhöhen, um die Offensive der syrischen Armee zu sichern. Teheran setzt allerdings auf Verhandlungen und wird sich an Kampfhandlungen nicht beteiligen.      MRK

 

CIA-Spion im Patriarchat

Moskau – Ein Moskauer Gericht hat Jewgenij Petrin, einen ranghohen Mitarbeiter der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK), wegen schweren Geheimnisverrats zu zwölf Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis, einer Geldstrafe und einer zusätzlichen Sicherheitsverwahrung verurteilt. Der junge Mann hatte vor seinem Dienst im Außenamt des Moskauer Patriarchats für einen russischen Spezialdienst gearbeitet und wurde später als kirchlicher Mitarbeiter unter anderem in der Ukraine eingesetzt. Während seiner Zeit im Dienst der ROK soll er sich der CIA angedient und diese mit wichtigen Informationen zur russischen Regierung versorgt haben. Der Prozess fand aus Geheimhaltungsgründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die ROK äußerte anschließend, dass der Fall in keinem Zusammenhang mit der kirchlichen Tätigkeit des Verurteilten stehe.     T.W.W.


S. 7 Wirtschaft

Die Geier kreisen schon
Nach dem Brexit-Votum hoffen gleich mehrere, die Nachfolge der City of London antreten zu können

Nach dem Votum der Briten für den Brexit rechnen sich gleich mehrere EU-Mitglieder Chancen darauf aus, London als Finanzstandort beerben zu können. Entsprechende Hoffnungen gibt es in Paris und Frankfurt ebenso wie in Luxemburg und Dublin.

Bereits am Morgen nach dem Brexit-Votum wurde in Anzeigen der digitalen Ausgabe der „Financial Times“ mit „Willkommen in der Region Paris“ für die französische Hauptstadt geworben. Für Paris stark gemacht haben sich inzwischen der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die Präsidentin der Pariser Grossregion Île-de-France, Valérie Pécresse. Als Pluspunkte werden angeführt, dass Paris bereits über 800000 zumeist gut ausgebildete Beschäftigte im Finanzsektor verfügt. Geht man nach der Bilanzsumme, ist Paris zudem Hauptsitz von vier der zehn größten Banken Europas.

Allerdings gibt es auch Punkte, die gegen Paris sprechen. Da ist etwa die Regulierungsfreude des französischen Staates, aber auch eine allgemeine politische Unsicherheit. Nicht vergessen ist in der Branche, dass es vor einigen Jahrzehnten unter dem sozialistischlen Präsidenten François Mitterand sogar zur Verstaatlichung einer Bank gekommen ist. Für Skepsis könnte zudem sorgen, dass das Wirtschafsprogramm der immer stärker werdenden Front National protektionistische Züge trägt.

Hoffnungen, von einer Schwächung der City of London zu profitiern kann sich auch Frankfurt machen. Dort erwartet die Standort-Lobby „Frankfurt Main Finance“ in fünf Jahren 10000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Metropole. Punkten kann die Stadt mit ihrer Infrastruktur und als Standort der Europäischen Zentralbank (EZB).

Wie stark die Verlagerung von Banken ausfällt, hängt von den kommenden Verhandlungen zum Brexit ab. Als entscheidend gilt dabei der Erhalt des sogenannten EU-Passes, der es den in London ansässigen Finanzinstituten bisher erlaubt, ihre Produkte in der ganzen EU zu verkaufen, ohne in jedem Land eine eigene Niederlassung aufmachen zu müssen. Damit Banken von London aus weiterhin grenzüberschreitende Finanzgeschäfte mit der EU tätigen können, müsste Großbritannien Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums bleiben, den Großteil der EU-Vorschriften einhalten und garantieren, dass es eine vergleichbare Finanzaufsicht hat wie die EU. Fällt der „EU-Reisepass“ für die britische Finanzbranche hingegen weg, droht eine Umzugswelle.

Vieles spricht dafür, dass einige EU-Mitgliedsstaaten ganz bewusst darauf setzten werden, eigene Standorte auf Kosten der City of London zu stärken. Neu zu verteilen scheint einiges. Als sicher gilt mittlerweile, dass die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) wegen des Brexit-Votums aus London abgezogen wird. Hochrangigen EU-Kreisen zufolge wird die Behörde in den nächsten Jahren voraussichtlich nach Frankfurt oder Paris umsiedeln. Weiteres Konfliktpotenzial zwischen Frankreich und Deutschland ist damit bereits absehbar.

Schon länger wird darüber dis-kutiert, ob die Abwicklung von großen Wertpapiergeschäften in Euro nicht auch im Euro-Raum stattfinden muss. Unter anderem die EZB hat sich dafür ausgesprochen, dass die Abrechnungs-Häuser für Euro-Wertpapiergeschäfte auch in der Euro-Zone angesiedelt sind. Mit dem Breixit dürften entsprechende Forderungen noch stärker werden.

Momentan lautet in Brüssel der Tenor, dass es für die Briten keinen „Binnenmarkt à la carte“, keine „Rosinenpickerei“ geben dürfe. Profitieren könnte von einer derart harten Haltung bei den Brexit-Verhandlungen Luxemburg, das Heimatland von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Schon jetzt ist das Großherzogtum ein wichtiger Bankenplatz. Wie der „Spiegel“ berichtet, gehen in der Branche Gerüchte um, dass sich große Banken bereits Immobilien in Luxemburg gesichert hätten.

Profitieren könnte bei einem Exodus der Banken aus der City of London auch Irland. So soll es einem Bericht des „Spiegel“ zufolge bei der US-Investmentbank Morgan Stanley Pläne geben, 1000 von 6000 Beschäftigten in London nach Frankfurt oder Dublin zu versetzen.

Auch wenn die Zukunftsaussichten für den Finanzplatz London momentan in besonders düsteren Farben gemalt werden, eröffnet der Brexit der City of London aber auch Chancen im Sinne einer Pionierfunktion. Als Off-shore-Finanzzentrum oder Handelsplatz für den chinesischen Yuan könnte London als Vorreiter vor anderen Konkurrenten Geschäftsfelder abstecken. Reichlich kurz kommt in der Darstellung vieler Politiker und Medien zum Brexit der Vorteil der Briten, dass sie mit ihrem Votum einem Projekt den Laufpass gegeben haben, das sich in einer tiefen Krise befindet. So erscheint es keineswegs sicher, dass es in zehn oder 20 Jahren eine Europäische Union und einen Euro in der jetzigen Form noch geben wird.       

                Norman Hanert


Neuer App-Kontrolleur
TaintArtist schützt Smartphone-Nutzer vor Ausspähung

Smartphones sind inzwischen allgegenwärtig. Das weltweit am weitesten verbreitete Betriebssystem, also das Programm, das dem Gerät und seinen Komponenten sagt, was sie tun sollen, ist Android. Allerdings machen erst viele Zusatzprogramme oder Apps das Smartphone interessant.

Leider stellen sie auch ein gravierendes Sicherheitsproblem dar, denn sie geben oft private Daten des Nutzers weiter, überwachen etwa seine Internetnutzung oder andere Gewohnheiten und geben den Herstellern so die Möglichkeit, sehr genaue Profile ihrer Anwender zu erzeugen. Laut einer aktuellen Untersuchung des US-amerikanischen Sicherheitsunternehmens Appthority spionieren 88 Prozent aller Apps für das Betriebssystem Android die Nutzer aus. Forscher am Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) der Universität des Saarlandes haben jüngst ein Programm vorgestellt, das Smartphone-Nutzern die Möglichkeit gibt, sich zu wehren. TaintArtist ist ein Programm, mit dem man seine Apps überwachen und unerwünschte Aktivitäten unterbinden kann.

Denn die Apps tun alles Mögliche. Man kann mit ihnen die Mondphasen verfolgen, sein Gewicht kontrollieren, sich ständig mit den neuesten Nachrichten aus der Lieblingszeitung versorgen lassen oder im Netz Konzertkarten bestellen. Viele dieser Apps stehen kostenlos im Internet zum Herunterladen zur Verfügung. Für die Installation reichen dann ein paar Fingerstupse auf das Display.

Aber diese Flexibilität hat ihren Preis. „Wenn eine App sagt, welche Daten sie gerne haben würde, dann weiß ich immer noch nicht, was sie damit tut“, sagt Oliver Schranz, der an TaintArtist mitgearbeitet hat. Erschwerend kommt hinzu, dass man Apps oft nicht nutzen kann, wenn man ihnen bei der Installation keine weitgehenden Zugriffsrechte gibt. Und was diese Programme dann tun, ist für den normalen Anwender kaum kontrollierbar.

Hier setzt TaintArtist an. Der Name bezieht sich auf „Tainting“ oder „Taint Tracking“, mit dem sich Bankräuber dingfest machen lassen. Unter den Geldbündeln ist eines mit Farbbeuteln präpariert, die beim Berühren platzen. Die Farbe markiert Dieb und Diebesgut. Ähnlich funktioniert TaintArtist. Es erlaubt dem Nutzer, schützenswerte Daten zu markieren. Sobald eine App auf diese Daten zugreift, schlägt das Programm Alarm, und der Nutzer kann den Zugriff verhindern. „Der Nutzer wird zum Beispiel gewarnt, wenn eine App, die er nicht benutzt, plötzlich aktiv wird“, so Oliver Schranz. Außerdem sehen Nutzer, was eine App mit Daten macht, die die Privat-sphäre berühren.

Mit TaintArtist können sich auch technische Laien einen Grad an Sicherheit verschaffen, der sonst nur Experten zur Verfügung steht. Das Programm fügt bei der Installation zusätzliche Elemente in die Programmierung von Android ein, mit denen es dann die Apps überwachen kann.

Allerdings ist das Programm bisher ein reines Forschungsprojekt. Es läuft nur auf den neuesten Versionen von Android, nämlich Android 5 und 6. Ob es auf dem Markt verfügbar sein wird, ist noch offen.     

                Friedrich List


MELDUNGEN

Iran-Handel kann beginnen

Teheran – Der Iran hat seine Altschulden, die infolge der Sanktionen durch Hermes-Kredite bei der Bundesrepublik aufgelaufen waren, vollständig zurückbezahlt. Nun kann der Bund neue Hermes-Absicherungen gewähren. Fällt in einem solchen Fall die Zahlung aus, übernimmt zunächst der Bund die Rechnung. Dies erlaubt dem deutschen Exporteur eine leichtere Kreditabsicherung seines Geschäftes. Noch sind allerdings verschiedene US-Sanktionen gegen den Iran in Kraft, welche europäische Banken bei Iran-Krediten vorsichtig machen (s. PAZ 26/2016).        T.W.W.

 

Litauen verliert gegen Gazprom

Stockholm – Litauen hat das von ihm angestrengte Verfahren gegen den staatlichen russischen Energieriesen Gazprom wegen Rück­zahlung von 1,4 Milliarden Euro für angeblich überhöhte Gaspreise vor dem Schiedsinstitut der Stockholmer Handelskammer verloren. Das Verfahren dürfte vor allem in der Ukraine genau verfolgt worden sein, deren Energiekonzern Naftogas vor der gleichen Instanz in identischer Sache gegen Gazprom prozessiert – auf der Grundlage von weitgehend identischen Lieferverträgen.              T.W.W.


S. 8 Forum

Kein Völkermord
von Thomas W. Wyrwoll

Bundestagspräsident Norbert Lammert inszenierte sich über viele Jahre als seriöses, bürgerliches Aushängeschild der CDU. Das ist spätestens seit dem letzten Jahr vorbei: Damals begann der offenbar aus politischer Gefälligkeit zum Honorarprofessor ernannte Bochumer entgegen jeder historischen Wahrheit für eine offizielle Anerkennung der kolonialzeitlichen Kriege des Deutschen Reiches gegen die ins damalige Südwestafrika eingewanderten schwarzafrikanischen Herero und expandierende Gruppen des Khoisanvolks der Nama als „Völkermord“ einzutreten.

Der Christdemokrat fiel bereits unangenehm auf, als er den Bundestagsbeschluss zur Anerkennung des Armenier-Völkermordes durch das Osmanische Reich mit der sachlich absurden Behauptung einer deutschen Mitschuld voranbrachte und seine damalige Rede entsprechend einleitete.

Wenn Lammert jetzt verstärkt ein offizielles „Schuldeingeständnis“ seitens der Bundesrepublik Deutschland auch für die über 100 Jahre zurückliegenden Vorkommnisse im heutigen Namibia fordert und dessen Fehlen „peinlich“ nennt, so fällt das Verdikt der Peinlichkeit auf ihn selbst zurück. Weder waren diese deutschen Kriege ihrer Intention nach, in ihrer Durchführung oder – in rechtlich gar nicht definierbarer Weise – über die Zahl ihrer Opfer ein Völkermord. Alle diesbezüglichen Aussagen entstammten der britischen Kolonialpropaganda und wurden von ihren Urhebern nach dem Ersten Weltkrieg wieder zurückgenommen. Würde Lammert seinem Amt oder seiner Selbstdarstellung als „Wissenschaftler“ gerecht werden, müsste er dies wissen und seine absurden Forderungen einstellen.

Die Herero selber hatten bis in jüngste Zeit größten Respekt vor den deutschen Kolonialtruppen und pflegten deren Gräber lange nach der Kolonialzeit in liebevoller Weise. Leider sind einige ihrer jungen habgierigen Häuptlinge den Einflüsterungen rassistischer englischer Stichwortgeber nur zu gerne gefolgt, um sich persönlich Gelder und größeren Einfluss im neuen Namibia zu sichern.

Vielleicht wollen sie damit aber auch verdrängen, dass seitens ihres Volkes seit einigen Jahren eine ebenso gesetzwidrige wie brutale Vertreibung von Buschleuten aus den diesen zugestandenen Schutzgebieten erfolgt, welche eindeutigen Völkermordcharakter trägt. Interessanterweise haben sich die sonst durchaus streitbaren Nama in Bezug auf die jüngsten Ausschlachtbemühungen ihrer ungeliebten schwarzen Nachbarn bisher nicht vergleichbar gegenüber den Deutschen exponiert und damit größere Weitsicht bewiesen. Die Monetarisierung der eigenen Toten ist nicht allen Völkern der Erde in gleicher Weise möglich, so dass als Ergebnis neben flüchtigen Heucheleien gewisser Bundespolitiker gar zu schnell nur ein äußerst schlechter Ruf in Deutschland übrig bleibt, auf den Namibia auch in Zukunft elementar angewiesen sein wird.


Die Schuldigen entrüsten sich
von Eberhard Hamer

Jetzt fallen alle über die Engländer her, weil diese es gewagt haben, über Verbleib oder Austritt aus der EU das Volk zu befragen und weil das Volk nach Meinung der Kontinentalpolitiker und ihrer Presse „unverantwortlich falsch“ entschieden hat. Wie bei der Euro-Krise oder der Asylanteninvasion wird wieder nur über Folgen debattiert, werden aber nicht die Ursachen und die Verursacher des Vorgangs benannt. Ursache der Ablehnung der EU durch eine britische Wählermehrheit waren der Verlust von Demokratie durch die ständige Souveränitätszentralisierung der EU-Kommission, deren arrogante, auf Staaten nicht mehr Rücksicht nehmende Diktatur wie beispielsweise in den Geheimverhandlungen über CETA und TTIP, aber auch die Forderung der EU-Führung, dass Großbritannien wie alle anderen Länder die von Angela Merkel allein willkürlich und ohne jegliche Kompetenz eingeladenen Armen und Flüchtlinge der Welt übernehmen müsse.

Betrieben wurde die Zentralisierung der Souveränitätsrechte von den Mitgliedsländern auf die EU-Kommission – besser: das EU-Politbüro – durch deren umstrittenen Präsidenten Jean Claude Juncker. Er hat gleich nach seinem Amtsantritt die Eurozentralisierung als Ziel seines unseligen Wirkens bezeichnet und konsequent durchgeführt. In immer mehr Bereichen handelte das EU-Politbüro allein und weigerte sich sogar, die Parlamente der Mitgliedsstaaten auch nur zu informieren, geschweige denn ihre Zustimmung einzuholen.

Die Zentralisierungssucht des niemandem verantwortlichen und nicht gewählten Politbüros in Brüssel ist nun durch den Brexit gestoppt. Auch andere Länder regen sich über die Selbstherrlichkeit der Juncker-Clique auf und sind nicht mehr bereit, deren Diktatur zu dulden. In der allgemeinen Betroffenheit über die Entscheidung der Engländer, die eigentlich eine Notwehr der Demokratie gegen die Diktatur war, fühlt sich jedoch der Diktator Juncker nicht angesprochen, obwohl bereits in verschiedenen Mitgliedsländern sein Rücktritt verlangt wird. Leider aber kann niemand den Kommissionspräsidenten zum Rücktritt zwingen, wenn er nicht will. Dieses Stück Aristokratie verdankt er dem Lissabon-Vertrag. Da er also nicht demokratisch gewählt ist, kann er auch nicht demokratisch entlassen werden. Auch dann nicht, wenn seine Politik Europa zerstört und gescheitert ist.

Hieran zeigt sich, wie weit wir bereits durch Zentraleuropa von der Demokratie zur Diktatur degeneriert sind. Es wäre deshalb an der Zeit, dass alle Demokraten nun den Rücktritt des gescheiterten „Möchte-gern-Diktators“ verlangen, dass ganz Europa den Rücktritt des Verursachers fordert, statt gegen England zu lamentieren.


Frei gedacht
Müssen bald wir auf die Flucht gehen?
von Eva Herman

Neulich lernte ich ein jüngeres Ehepaar kennen, beide etwa Mitte 30. Sie leben seit 20 Jahren in Deutschland, geboren wurden sie in Kasachstan. Ich traf sie im Nord-osten Kanadas, wo sie auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. „Warum?“, wollte ich wissen. Traurig entgegneten sie, dass ihre Sorge täglich größer werde, was Sicherheit und Zukunft in Deutschland angeht. Man müsse die Zeichen der Zeit erkennen und rechtzeitig die richtigen Entscheidungen treffen, lautete die Antwort: „Wir haben schon einmal unsere Heimat verloren, als sogenannte Spätaussiedler hatten wir damals keine Ahnung davon, wie sich Deutschland einmal entwickeln würde.“ Auch ihre Vorfahren, sogenannte Wolgadeutsche, konnten ein Lied von Flucht und Vertreibung singen, viele hatten die Deportation nach Sibirien nicht überlebt. Die Erfahrungen ihrer Ahnen stecken den beiden offenbar tief im Blut. Sie sprechen viel von dem Gewesenen, um nur immer wach zu bleiben. Das Paar hat mehrere kleine Kinder, deren Schutz sie schon mittelfristig nicht mehr gewährleistet sehen. „Wir müssen weg hier, bevor Krieg ausbricht und wir abermals vertrieben werden!“

Das Schicksal dieser Familie beschäftigt mich. Die beiden jungen Leute sind fleißig und erfolgreich. Sie führen ein Geschäft, bauen ihr eigenes Obst und Gemüse an, wecken im Sommer ein, dörren die Früchte oder kochen Marmelade und Sirup. Im Keller lagern Äpfel und Kartoffeln, sie kennen Rezepte, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Der Mann ist Handwerker, seine Frau kann nähen, stopfen, stricken. Ja, sie können wohl gut überleben, selbst wenn das System eines Tages nicht mehr das hergeben sollte, was die fortschrittlichen Wirtschaftsstrukturen uns heute noch so alles bieten. Die beiden lernten im Laufe ihres jungen Lebens, wie man Krisenzeiten am besten übersteht. Sie leben heute so, wie es unsere Großeltern auch noch taten. Unsere Großeltern! Erinnerungen steigen hoch, die plötzlich heftige Rührung auslösen. Auch sie hatten Flucht und Vertreibung erlebt. Doch was wissen wir davon? Wie wenig hatten wir, die Nachkommen, von ihren Sorgen und Ängsten verstanden, die doch so stark ihr Leben geprägt hatten. Da war meine Großmutter, die in manchen Abendstunden von ihrer Kindheit in Westpreußen erzählt hatte. An einem herrlichen Fluss hatten sie gelebt, als Kinder hatten sie im Sommer in der Weichsel gebadet, waren durch grüne Wiesen und Wälder gestreift, eng verbunden stets mit der Schöpfung wunderbarer Natur. Probleme und Sorgen hatten die Kinder nicht gekannt, obwohl die Kriegswirren ihre Spuren hinterlassen und das Leben verändert hatten. Und dann, eines Tages, mussten sie fort aus der geliebten Heimat, über Nacht waren sie geflüchtet und hatten alles hinter sich gelassen, was ihnen einst etwas bedeutet hatte. Nein, als Kind konnte ich dies alles nicht verstehen, auch wenn Großmutters Tränen unaufhörlich über die Wangen rannen, während sie uns an ihren Erinnerungen teilhaben ließ. Verstohlen sahen wir Kinder uns dann an, die Alten eben, ja, ja. Aber heute?

Und dann war da Großvater, aus Königsberg stammte er, wo schon seine Eltern eine Brotfabrik besaßen, die er weitergeführt hatte. Ein angesehener Mann musste er wohl gewesen sein, damals in Ostpreußen, als die Welt noch in Ordnung war. Doch auch er wurde vertrieben, auch er verließ seine Heimat, verlor alles, was seine Vorfahren und er mit ihrer Hände Arbeit erwirtschaftet hatten. Der Opa sprach nur selten von dieser Zeit, heute weiß ich, dass der Schmerz über das Verlorene ihm die Brust häufig zugeschnürt haben musste. Dann war da auch noch eine angeheiratete Großtante, eine Sudetendeutsche, aus einer erfolgreichen Architektenfamilie stammend, die ihre Spuren bis heute bewahren konnte in so manch stattlichem Gebäude der tschechischen Hauptstadt Prag. Wenn sie heute noch von der Flucht erzählt, bei der sie, zusammen mit ihrer Schwester, mehrere Tage in einer zugenagelten Kartoffelkiste gekauert hatte, um nicht entdeckt zu werden, dann beginnt man zu begreifen, was die Worte Flucht und Vertreibung im eigentlichen Sinn bedeuten können. Der Vater hatte die Kinder damals eigenhändig in die Kiste gesetzt, hatte diese mit Dutzenden Nägeln verschlossen, er hatte so das Leben der Töchter gerettet. So manche Menschen, die eigentlich zu den sogenannten Feinden gehört hatten, hatten später ihre helfende Hand nach ihnen ausgestreckt, sie gehalten, ernährt, ihnen weitergeholfen, als die Kinder alleine durchmussten. „Immer kam jemand im letzten Augenblick, um uns aus der Not zu retten, sonst wären wir damals wohl gestorben. Der liebe Gott hatte die ganze Flucht über seine Hand über uns.“

Flucht und Vertreibung. Was wissen wir davon, wir, die wir bislang weitgehend in Frieden und Wohlstand leben durften? Es ist offenbar viel zu wenig, wie wir nun an den russischen Freunden erkennen dürfen. Denn sie sind wach! Während viele von uns den gewaltigen Herausforderungen, die uns nahen, träge entgegenschlummern. Diese beiden Menschen erkennen die Drangsal, die ihnen und ihren Kindern jetzt droht, und sie sind sich einig. Sie spüren schon lange, dass da etwas Dunkles, Diffuses, im Anmarsch ist, das die alten Lebensregeln aussetzen und neue Fakten schaffen wird. Das Bevorstehende erkennen sie als Lebensgefahr. Ihr Umfeld versteht sie nicht, die meisten Leute fassen sich an den Kopf, wenn die Zwei ihre Bedenken äußern. Scheint wohl mit der schwermütigen russischen Seele zu tun zu haben, meinen einige Spötter. Das Paar sieht sich um in Kanada. Können sie sich hier ein neues Leben vorstellen? Ja, da sind die riesigen Wälder, deren hoher Bäume Rauschen einen ähnlichen Klang zu haben scheint wie die wohlvertrauten, geliebten Forste damals, im beschaulichen Kasachstan. Die Gemüse- und Obstsorten, die hier auf dem nordamerikanischen Kontinent wachsen, auch sie sind vergleichbar mit denen der alten und auch ihrer letzten Heimat, die sie nun wieder verlassen werden. Das ist doch schon mal gut. Die fremde Sprache? „Ach, das ist das kleinste Problem, wir haben ja auch Deutsch gelernt.“ Es herrscht Pragmatismus, nur am Abend, in der Ruhe, kommen leise Tränen. Es geht um die Kinder, es geht um die Zukunft. So spüren sie die Stimme der Verantwortung, die in ihren Herzen immer lauter mahnt. Sie können nicht anders, sie müssen gehen. Ihre Eltern und Großeltern hätten es an ihrer Stelle auch getan.

Für diesen Sommer planen sie mit den Kindern noch eine Reise nach Königsberg. Auch ich reiste einst dorthin, auf meiner Ahnen Spuren. Unerklärlich viele Tränen. Die beiden sprechen von den alten, herrschaftlichen Gebäuden dort, von denen einige wieder in altem Glanze erstrahlen, wollen ihren Kindern die Geschichte der Deutschen, der Polen, der Russen erzählen. Vielleicht sehen sie Großvaters Haus? Ich hatte es damals nicht gefunden.


S. 9 Kultur

Fast ausradierter Autor
Zum 200. Geburtstag des Schlesiers Gustav Freytag – Sein Roman »Soll und Haben« reizt viele Gemüter

Der schlesische Autor Gustav Freytag ist seit 1945 von der Literaturwissenschaft regelrecht ge­ächtet. Dem Schöpfer des Ro­mans „Soll und Haben“ wird pos­tum Antisemitismus vorgeworfen – eine Anklage, mit der er zu Lebzeiten nie konfrontiert wurde.

1855 erschien im Leipziger Verlag Salomon Hirzel der Bildungsroman „Soll und Haben“, der seinen Autor Gustav Freytag auf Anhieb zu einem der bekanntesten deutschen Autoren machte. Das Buch über einen rechtschaffenden Breslauer Kaufmanns-Lehrling wurde ein über die Jahrzehnte millionenfach verkaufter Bestseller, zumal dieser Lobgesang auf das Bürgertum die Leser mit Intrigen, Kriegsfehden und Liebesszenen bestens unterhält.

Wäre da bloß nicht ein Jude namens Veitel Itzig, der in Breslau als Gegenspieler des Lehrlings – Achtung, Nomen est omen! – Anton Wohlfahrt alle Klischees in sich vereinigt, die man mit einem Juden früher verbunden hat: unehrlich, geldgierig, fies. Übertroffen wird diese Karikatur des Bösen nur von Fagin, dem jüdischen Hehler aus Charles Dickens Roman „Oliver Twist“.

Während aber Dickens weltweit als Klassiker gefeiert und gelesen wird, liegen die Dinge bei Freytag anders. Der Schatten der NS-Zeit liegt auf dem Autor, hatte man damals doch „Soll und Haben“ in den Dienst der Rassenideologie gestellt. Seitdem liegt die braune Farbe so dick auf dem Werk, dass in den 1970er Jahren selbst der Regisseur Rainer Werner Fassbinder mit einer Verfilmung daran scheiterte. Sein Filmprojekt wur­de vom WDR ge­stoppt. Vom viel anstößigeren „Oliver Twist“ hingegen gab es seitdem ein gutes Dutzend Verfilmungen.

Freytag hätte nur mit dem Kopf geschüttelt angesichts dieser zeitgeistigen Verzagtheit. Der am 13. Juli 1816 im schlesischen Kreuzberg geborene Autor, dessen Vater Arzt und Bürgermeister des Ortes war, ist nie Antisemit gewesen. Im Gegenteil: Er schrieb mit einem Aufsatz gegen Wagners Pamphlet „Über das Judentum in der Musik“ an, engagierte sich im „Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ und heiratete mit 75 Jahren in dritter Ehe die Wiener Jüdin Anna Strakosch.

Dass seine Zeitgenossen sich nicht an den Klischees in „Soll und Haben“ stießen, verdeutlicht das Lob der jüdischen Autorin Fanny Lewald, die das Buch als „den ersten Ro­man, dessen Lektüre mir durchweg Vergnügen bereitete“ pries. In der Literatur des 19. Jahrhunderts war es durchaus nicht unüblich, dass man Stereotypen als Kontrastmittel einsetzte, ohne damit Vorurteile schüren zu wollen. Ähnlich verfuhr auch Wilhelm Raabe in seinem Roman „Der Hungerpastor“, wo wie bei Freytag ein Judensohn den negativen Gegenpol zum aufstrebenden Helden bildet. An­ders als Freytag wird Raabe heute noch vielfach gelesen, da er später Abstand von seinem frühen Roman nahm und in späteren Erzählungen auch „gute“ Juden in den Mittelpunkt stellte.

Das tat Freytag schon in „Soll und Haben“. Denn dort freundet sich Lehrling Wohlfahrt mit dem Sohn eines Ju­den an. Doch beim Antisemitismusverdikt, der über dem Werk liegt, wird die differenzierte Darstellung geflissentlich übersehen. Und sie überdeckt zwei viel gravierender wiegende sozialkritische An­sätze: So stellt Freytag in der Person des bankrotten Barons von Rothsattel eine Adelswelt vor, die ohne Hilfe des Bürgertums nicht mehr überlebensfähig ist. Und mit seiner Schilderung deutscher Kolonisten auf polnischem Ge­biet, die sich gegen Aufständische wehren, baut er auf gängige Vorurteile gegenüber der „Polenwirtschaft“, welche der deutschen unterlegen sei.

Hier kommt im ersten Fall seine liberale und zum zweiten auch seine nationale Anschauung zum Tragen. Nachdem Freytag keine An­stellung als Professor der Philologie an der Universität von Breslau fand, wurde er Mit-Herausgeber der bürgerlich-liberalen Zeitung „Der Grenzbote“, die nach dem Revolutionsjahr 1848 zum Sprachrohr der liberalen Bewegung wurde.

Freytag selbst setzte sich als Mitglied des Deutschen Na­tionalvereins für die Bildung eines kleindeutschen Staates unter preußischer Führung ein und vertrat dieses auch kurze Zeit als Abgeordneter der Liberalen im Norddeutschen Reichstag. In Gegnerschaft zu Bismarcks konservativer Linie zog sich Freytag enttäuscht aus der Politik zurück und widmete sich wieder der Literatur. So entstand ab 1870 sein monumentaler Romanzyklus „Die Ahnen“, in dem er in sechs Bänden die Geschichte einer Familie vom frühen Mittelalter bis ins Jahr 1848 nachzeichnet.

Über diesen Bänden liegt heute der Staub der Vergangenheit. Es liegt auch daran, dass sich Freytag als Romanautor seiner eigenen Dramentheorie verpflichtet fühlte und seinen in ein starres Handlungskorsett geschnürten Helden keinen Raum zur individuellen Entwicklung gab. Freytag schrieb 1863 mit „Die Technik des Dramas“ ein damals viel rezipiertes Lehrbuch des Theaters, mit dem er ein Fazit seiner schriftstellerischen Anfänge als Dramatiker zog. Sein bekanntestes Drama „Die Journalisten“ wurde sogar noch im Jahr 1961 verfilmt.

Auch „Soll und Haben“ leidet an einem schematischen Dramen-Aufbau sowie Schwarz-Weiß-Kon­trasten. Trotzdem sollte keiner einen Bogen um dieses Werk machen, geschweige denn es totschweigen oder in den Giftschrank stellen. Auch wenn Freytag als Autor aus dem Fundus damals gängiger Ressentiments schöpfte, die den Weg zum Nationalsozialismus ebneten, so war der am 30. April 1895 in Wiesbaden ge­storbene und in seinem Wohn­ort Siebleben bei Gotha be­stattete Autor weder Vorläufer noch Vordenker ebenjener Bewegung.

Mit seinem Werk steht Freytag trotz allem auf einer Stufe mit den großen Erzählern des Realismus wie Theodor Storm, Gottfried Keller, Theodor Fontane, C. F. Meyer oder Wilhelm Raabe. Es wäre falsch, wollte man versuchen, den Schlesier nachträglich aus der deutschen Literaturgeschichte auszuradieren.     Harald Tews


Humor »Made in Germany«
Der deutsche Cannes-Beitrag »Toni Erdmann« kommt in die Kinos

Ginge es nach den deutschen Filmkritikern, dann hat bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes der falsche Film gewonnen. Nicht „I, Daniel Blake“ des Briten Ken Loach hätte die Goldene Palme verdient, sondern „Toni Erdmann“ der in Berlin lebenden Regisseurin und Produzentin Maren Ade. Nach Wim Wenders „Palermo Shooting“ von 2008 war es nach einer Durststrecke von acht Jahren der erste deutsche Beitrag, der im Wettbewerb um den besten Film antreten durfte, der am Ende aber nur mit einem Trostpreis abgespeist wurde.

Die Vorfreude war also groß, und sie übertrug sich auf das Fachpublikum, das sich vor  Lob beinahe überschlug, als der Film beim Festival endlich gezeigt wurde. Für das US-Branchenmagazin „Variety“ war der Film „einer der besten Wettbewerbsfilme im letzten Jahrzehnt“, die französische Zeitung „Le Monde“ titelte von der „wunderbaren Komödie“, und laut „Spiegel-Online“ beginnt mit dem Film sogar „eine neue Ära für das deutsche Kino“.

Wenn das stimmt, dann beginnt diese Ära am 14. Juli. Beim Kinostart des Films kann dann jedermann überlegen, ob die Vorschusslorbeeren nicht zu dick aufgetragen sind. Interessant da­bei ist, dass ein international ge­lobter deutscher Film weder die NS- noch die DDR-Vergangenheit zum Thema hat. Wer depressive Bilder vom trüben bundesdeutschen Alltag erwartet, liegt ebenso falsch wie diejenigen, die in Komödien von Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer den Gipfel des deutschen Humors vermuten.

Nein, „Toni Erdmann“ entspricht diesen Klischees nicht, erfindet das Kino aber auch nicht neu. Der Film ist eine Tragikomödie über ein banales Thema. Es geht um eine Vater-Tochter-Beziehung, um die Tragik einer Entfremdung, die aber immer wieder mit humorvollen Einfällen aufgehellt wird. Um den Konflikt zwischen eines dank seines ungepflegten Äußeren wie ein Tippelbruder herumlaufenden Vaters und seiner als harte Karrierefrau in Bukarest tätigen Tochter zu sezieren, nimmt sich Regisseurin Ade Zeit, viel Zeit. 162 Minuten lang sieht man dem zum Teil improvisierten und oft mit wackeliger Kamera eingefangenen Treiben zu, jedoch ohne sich zu langweilen. Tristesse kommt auch dann nicht auf, wenn der vom Österreicher Peter Simonischek gespielte Va­ter und seine von Sandra Hüller verkörperte Tochter endlos lange schweigend auf den Fahrstuhl warten. Denn am Ende sorgt ein falsches Gebiss, eine dunkle Sonnenbrille oder einfach nur ein schelmisches Lächeln für heitere Auflösung.

Man solle nicht seinen Humor verlieren, rät der Vater, der sich in Bukarest mit Perücke als „Coach“ namens Toni Erdmann ausgibt und seine abgehobene Tochter wieder „erden“ will. Dieser Film besitzt viel Humor – und dazu noch von einer Frau und in einer Qualität, die an Doris Dörries Film „Männer“ aus den 80ern denken lässt. Trotzdem hätte es von einem schwachen Kino-Jahrgang gezeugt, wenn dieser Film die Goldene Palme gewonnen hätte.              H. Tews


Frankenstein im Tunnel
Düsseldorfer Museum KiT zeigt die Geburt eines fiktiven Monsters

KiT – hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die Kunst im Tunnel. Das Museum liegt direkt unter der Düsseldorfer Rheinuferpromenade – in einem Raum, der zwischen den Tunnelröhren für den Autoverkehr liegt. Das ungewöhnlich gelegene Museum wurde 2007 als Treffpunkt für zeitgenössische Kunst eröffnet.

Die neue Ausstellung „Mary & der Vulkan – Eine meteorologische Phantasmagorie“, die noch bis zum 14. August zu sehen ist, knüpft dabei an ein historisches Ereignis an. Das Jahr 1816 gilt als das „Jahr ohne Sommer“. In Folge des Ausbruchs des indonesischen Tambora-Vulkans hatten große Teile Europas unter Kälte und Dunkelheit zu leiden. Was machen Künstler in dieser Situation? Die Britin Mary Shelley, Frau des Dichters Percy Bysshe Shelley, schrieb in dieser Situation in der Villa Diodati nahe Genf den Roman „Frankenstein“, der das Genre des Gruselromans (englisch: gothic novel) begründete. Der Schauerroman „Der Vampyr“ von John Polidori entstand ebenfalls während jenes Aufenthaltes, bei dem mehrere Dichter, darunter Lord Byron, sich die Zeit mit Gruselmärchen totschlugen.

Das KiT zeigt Arbeiten von 21 Künstlern aus dem Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie von vor 200 Jahren bis zur Gegenwart. Christian Friedrich und Johann Wilhelm Schirmer seien als Beispiele für die Klassiker, Harkeerat Mangat, Soya Arakawa, Patrick Vogt und Felix Warnatsch für zeitgenössische Künstler genannt.

Zu Beginn der Ausstellung überrascht zunächst eine Arbeit von Rita McBride. Sie zeichnet den Grundriss von Le Corbusiers berühmtem Kunstwerk „Villa Savoye“ nach. Unmittelbar vor dem Ausstellungsteil inszeniert Harkeerat Mangat „Gothic 1986“, ein Remake von Ken Russells exzentrischem Horrorfilm.

Dort dominiert die zur Tunneldecke reichende Plastik Frankenstein („Lay All your Love on Me“). Sie stammt von Elmar Hermann. Das Werk basiert auf einem Standfoto der berühmtesten Filmadaption von Shelleys Roman, nämlich James Whales Horrorklassiker „Frankenstein“ von 1931 mit Boris Karloff als Monster. Im Umfeld befinden sich Arbeiten weiterer junger Künstler wie Soya Arakawa, Claudia Barth oder Josefine Reisch und Nora Hansen. Ein Kinoraum präsentiert am Ende des Tunnels den Film Viktor Al Manouchi von Hedda Schattanik und Roman Szczesny.

Bildhauerei und Skulptur sind hier genauso zu sehen wie Video, Zeichnung und Malerei. Gothic Novel? Horror? Grusel? Zielt man als Besucher darauf ab, eine plumpe künstlerische Beschäftigung damit vorzufinden, wird man sicherlich enttäuscht. Man muss schon einen Zugang zu zeitgenössischer Kunst haben und sich darauf einlassen können und wollen – dann wird man so manch angenehme Überraschung erleben.       Andreas Rüdig

Buchtipp: „Vulkanwinter 1816: Die Welt im Schatten des Tambora“ von Gillen Wood, Theiss Verlag, Darmstadt 2015, gebunden, 226 Seiten, 29,95 Euro


MELDUNGEN

Siegfried-Lenz-Preis an Barnes

Hamburg − Der englische Erzähler und Essayist Julian Barnes erhält den Siegfried-Lenz-Preis 2016. Der britische Autor ist nach dem Israeli Amos Oz der zweite Preisträger der seit 2014 alle zwei Jahre verliehenen und mit 50000 Euro dotierten Auszeichnung. Die feierliche Preisübergabe findet am 11. November im Hamburger Rathaus statt. Mit dem nach dem vor zwei Jahren verstorbenen ostpreußischen Autor Siegfried Lenz benannten Preis sollen international bekannte Autoren ausgezeichnet werden, deren schöpferisches Wirken dem Geist von Lenz nahe steht. Der 70-jährige Barnes ist vor allem mit seinem Roman „Flauberts Papagei“ von 1984 be­kannt geworden.         tws

 

Skandalmaler gibt sich die Ehre

Wien − Mit der Ausstellung „Sünde und Secession. Franz von Stuck in Wien“ rückt das Untere Belvedere noch bis bis zum 9. Ok­tober das ungewöhnliche Werk des deutschen Malerfürsten Franz von Stuck in den Mittelpunkt. Dabei wird der Einfluss des 1863 im Kreis Passau geborenen und 1928 in München gestorbenen Künstlers und seine Bedeutung als Impulsgeber des Secessionismus in Wien beleuchtet. Von Stucks skandalöse erotische Ge­mälde, allen voran „Die Sünde“, waren nicht allein aufgrund der Motivwahl umstritten und populär, auch seine Bildauffassung und die stringente Gestaltung des Erscheinungsbildes der 1892 ge­gründeten Münchner Secession setzten Maßstäbe. Letztere sollte zum Vorbild für die 1897 gegründete Wiener Secession werden. Weitere Informationen im Internet unter www.belvedere.at         tws


S. 10 Geschichte & Preussen

Blockadendurchbruch im Tauchgang
Vor 100 Jahren querte mit der »Deutschland« erstmals ein unbewaffnetes Handelsunterseebot den Atlantik

Vor 100 Jahren erschien in der US-amerikanischen Zeitung „The Evening Sun“ eine bemerkenswerte Karikatur. Dem Zeichner war es mit wenigen Strichen gelungen, ein Ereignis treffend darzustellen, das weltweites Aufsehen erregte: die erste Fahrt eines unbewaffneten Handelsunterseebootes über den Atlantik und das dabei erfolgte Durchbrechen der britischen Seeblockade. War dies allein schon eine technische und maritime Sensation, hatte das Ereignis vor allem auch eine große politische, wirtschaftliche und nicht zuletzt militärische Bedeutung.

Nachdem sich die Hoffnung auf eine schnelle Beendigung des Krieges nicht erfüllt hatte, sollte sich der Verzicht auf die frühzeitige Schaffung von strategischen Reserven an Rohstoffen und Nahrungsmitteln für das Kaiserreich schnell als verhängnisvoll erweisen, denn seit Kriegsbeginn war die deutsche Wirtschaft durch die britische Seeblockade von ihrer überseeischen Handelszufuhr abgeschnitten. Auf Initiative des Bremer Kaufmanns Alfred Lohmann und des Staatssekretärs Karl Helfferich reifte daher der Plan, in privater Regie zivile Handels-U-Boote zu bauen und einzusetzen. Im Oktober 1915 gab Lohmann der Krupp-Germaniawerft den Auftrag zum Bau von zwei Handels-U-Booten. Als deren Eigner trat die neugegründete Deutsche Ozean Reederei (DOR) auf, deren Gesellschafter Lohmann selbst, der Norddeutsche Lloyd und die Deutsche Bank waren. Das Unternehmen musste als Privatgesellschaft gegründet werden, weil nur der private Charakter ihm den für die Durchführung seines Zweckes unerlässlichen völkerrechtlichen Schutz gewähren konnte.

Bereits Anfang April 1916 wurde das erste Boot, die „Deutschland“, damals das größte U-Boot der Welt, seiner Reederei übergeben. Das Kommando wurde Paul König übertragen, der als Kapitän des Norddeutschen Lloyd über reiche seemännische Erfahrungen verfügte. Mitte Juni lief das Schiff unter strengster Geheimhaltung zu seiner ersten Fahrt aus. An Bord befanden sich vorwiegend Farbstoffe. Die amerikanische Textilindustrie, die Textilfarbstoffe fast ausschließlich von den weltweit marktbeherrschenden deutschen Firmen bezog, spürte aufgrund des kriegsbedingten Ausbleibens der deutschen Lieferungen bereits empfindliche Marktverluste, die für manche Unternehmen existenzbedrohende Ausmaße anzunehmen begannen. Nach einer Seereise von 24 Tagen erreichte die „Deutschland“ am 9. Juli unbehelligt und unversehrt den Hafen von Baltimore. Hier war von den Mitarbeitern der örtlichen Agentur des Norddeutschen Lloyd alles für den Aufenthalt der „Deutschland“ vorbereitet worden.

Gleich nach dem Festmachen wurde die Frage aufgeworfen, welchen Status das Boot erhalten sollte. Kapitän König forderte von der US-amerikanischen Regierung die Anerkennung der „Deutschland“ als unbewaffnetes Handelsschiff. In diesem Falle hätte das Boot auch bei längerer Liegezeit nicht interniert werden dürfen und die gleichen Rechte wie jedes Überwasserhandelsschiff in Anspruch nehmen können. Die Ententemächte dagegen sahen in dem Boot ein Kriegsschiff, dessen Aufgabe es sei, unter der Tarnung als Handelsschiff vor der amerikanischen Küste Handelskrieg zu führen. Dieser in der Presse und auf diplomatischer Ebene ausgetragene Streit brachte Washington in Bedrängnis. Eine Internierung des Bootes hätte zweifellos eine erhebliche Verärgerung der deutschen Führung zur Folge gehabt und diese dazu bewegen können, ihre Rücksichten auf die US-amerikanischen Interessen hintanzustellen und möglicherweise den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder aufzunehmen. Andererseits musste die Anerkennung des Bootes als Handelsschiff zu einer Verschlechterung der Beziehungen zur Entente führen. Nach einem längeren diplomatischen Notenwechsel begab sich schließlich eine US-amerikanische Sachverständigenkommission an Bord, um das Boot genau zu untersuchen und festzustellen, ob es Merkmale eines Kriegsschiffes aufwies. Das Urteil der Fachleute war eindeutig, und die US-amerikanische Regierung erkannte das Boot trotz massiver alliierter Proteste als Handelsschiff an.

Täglich erschienen hunderte von Schaulustigen an der Pier, um einen Blick auf das streng bewachte Boot werfen zu können und Liebesgaben zu überbringen. Vor allem den Deutsch-Amerikanern, die sich der US-amerikanischen Regierung gegenüber grundsätzlich loyal verhielten, bot sich die Gelegenheit, ihren deutschen Landsleuten offen ihre Freude und Bewunderung kundzutun, ohne ihren amerikanischen Mitbürgern in irgendeiner Weise dadurch zu nahezutreten. Nach den langwierigen diplomatischen Auseinandersetzungen um die Führung des deutschen U-Boot-Krieges, und in einer Zeit, in der regelmäßige Gefechtsberührungen US-amerikanischer Fahrzeuge mit deutschen U-Booten die Kriegsbereitschaft in den USA zu steigern begannen, war es nun ausgerechnet ein deutsches U-Boot, das freundschaftliche Gefühle in der US-amerikanischen Öffentlichkeit weckte. Der deutsche Botschafter, Graf Johann Heinrich von Bernstorff, fühlte sich durch die positive und deutschfreundliche Stimmung an „die guten Tage vor dem Kriege“ erinnert und bemerkte, dass die Ankunft der „Deutschland“ das erste Ereignis seit dem Kriegsausbruch sei, dessen Rückwirkungen auf die USA mit vollkommener Befriedigung betrachtet werden könnten. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass kaum ein anderes Ereignis die internationale Presse im Hochsommer 1916 so bewegte wie das Durchbrechen der britischen Seeblockade durch ein unbewaffnetes ziviles U-Boot.

Am 1. August 1916 verließ die „Deutschland“, voll mit kriegswichtigen Rohstoffen beladen und von Schiffen der US-Marine eskortiert, ihren Liegeplatz. Kapitän König gelang es, allen feindlichen Schiffen auszuweichen und das Boot ungehindert nach Bremen zu führen, wo es am 25. August eintraf und unter dem Jubel der Bevölkerung empfangen wurde. Die Menge der geladenen Rohstoffe war ausreichend, um den Bedarf der deutschen Kriegsindustrie an Nickel, Wolfram und Gummi für mehrere Monate zu decken. Bald darauf unternahm die „Deutschland“ ihre zweite Reise, die sie nach New London führte, wo das Boot am 1. November eintraf. Wieder erschienen viele Schaulustige und Pressevertreter, um die „Deutschland“ aus der Nähe zu betrachten, allerdings war der Aufenthalt wegen hoher Sicherheitsvorkehrungen, denen auch die Presse unterworfen war, von Spannungen überschattet. Am 10. Dezember lief das Boot schließlich wohlbehalten in der Heimat ein.

Während es zur Überholung in der Werft lag, fiel der Entschluss zur Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges, der am 1. Februar 1917 beginnen sollte. Das bedeutete das Ende des ehrgeizigen Projektes: Aus dem unbewaffneten Handels-U-Boot „Deutschland“ wurde nach umfangreichen Umbauten das Frontboot U 155, das in der Folgezeit mehrere Feindfahrten unternahm, auf denen es mehr als 100000 Tonnen feindlichen Schiffsraums versenkte. Für die sechs im Rohbau befindlichen Schwesterboote der „Deutschland“ wurde ein Baustopp befohlen und der Umbau dieser Fahrzeuge in Frontboote verfügt.

Die Marineführung nutzte die mit der „Deutschland“ gemachten Erfahrungen bei der Aufstellung eines aus „ozeangehenden Unterseekreuzern“ bestehenden Unterseekreuzerverbandes, der überaus erfolgreich Handelskrieg in Seegebieten führte, die weit jenseits des üblichen Operationsgebietes der deutschen U-Boote lagen. Nach dem Waffenstillstand wurde U 155, der berühmte „Blockade Runner“, als Kriegsbeute in London öffentlich zur Schau gestellt. Schließlich endete das Leben des ersten Unterwasserhandelsschiffes der Welt 1921 unter dem Schneidbrenner.

Die deutschen Handelsunterseeboote und U-Kreuzer, zu ihrer Zeit die größten Unterwasserfahrzeuge der Welt, haben noch für mehr als zwei Jahrzehnte den U-Boot-Bau weltweit beeinflusst und hinsichtlich ihrer Größe, Bauart und Ausstattung für lange Zeit Maßstäbe gesetzt.    Jan Heitmann


Mehr wäre mehr gewesen
Das Deutsche Historische Museum widmet bis zum Jahresende einen Raum mit hauseigenen Exponaten dem Deutschen Krieg von 1866

Unter dem Titel „Fokus Königsgrätz 1866“ nimmt sich passend zum 150. Jahrestag am 3. Juli nun auch das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin der Schlacht von Königgrätz an, die den Deutschen Krieg entschied und die Vorherrschaft Österreichs in Deutschland been­dete (siehe PAZ Nr. 26). Bis zum Ende des Jubiläumsjahres hat das inoffizielle deutsche Nationalmuseum für die Zeit vor der Bundesrepublik innerhalb seiner Dauerausstellung einen eigenen Raum dafür bereitgestellt. Die Schau ist thematisch dreigeteilt in die politische Vorgeschichte von 1866, den eigentlichen Schlachtenverlauf und die Erinnerung an das Geschehen.

Man muss schon einiges Interesse mitbringen, um die durchweg sehenswerten, zum Teil freilich auch recht kleinen Exponate zu studieren. Sie reichen von einer preußischen und österreichischen Uniform samt Helm beziehungsweise Tschako sowie den in den beiden Armeen genutzten Gewehren über Orden, Gedenkmünzen, Flugblätter und Faksimiles der täglichen Kriegsdepeschen bis zu mehreren großformatigen Büsten und bekannten Historienbildern, darunter auch das berühmte Bild „Die Schlacht von Königsgrätz“ von Georg Bleibtreu (1828–1892), das König Wilhelm I. in Feldherrnpose inmitten des Schlachtgeschehens, eskortiert von Moltke und Bismarck, zeigt (siehe PAZ Nr. 26). Zu sehen ist auch ein Flugblatt, mit Wilhelms I. Aufruf „An mein Volk“ vom 18. Juni 1866, mit dessen Wortwahl er bewusst an den berühmten Aufruf seines Vaters angeknüpft, der im März 1813 mit eben diesen Worten zum Kampf gegen Napoleon aufgerufen hatte.

In den präzisen, aber etwas knappen Begleittexten wird Königsgrätz als eine der „größten Massenschlachten des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet. Tatsächlich standen sich an diesem verregneten Sommertag annähernd 400000 Soldaten gegenüber. Zahlenmäßig waren die Preußen leicht im Vorteil, auch verfügten sie über die bessere Militär- und Transporttechnik sowie eine Befehlsstruktur, die flexibler war als die starren Hierarchien auf österreichischer Seite. Dem Besucher des DHM wird nicht vorenthalten, dass allen Klischees vom preußischen Kadavergehorsam zum Trotz in der Armee Preußens nicht mehr der strikt zu befolgende Befehl von oben galt, sondern dass nicht zuletzt auf Drängen des Chefs des Generalstabs der preußischen Armee, Helmuth von Moltke, die sogenannte Auftragstechnik eingeführt worden war. Bei den diversen Vorteilen Preußens fiel die Überlegenheit der Österreicher bei Artillerie und Kavallerie nicht ins Gewicht, die zudem durch den vom andauernden Regen aufgeweichten Boden relativiert wurde.

Im Zentrum der kleinen Schau werden auf einem Monitor die Geschehnisse des 3. Juli 1866 genau rekonstruiert. Auf mehreren Seiten werden die Stellungen beider Armeen, der Beginn des preußischen Angriffs, der nicht recht vorankam, und das entscheidende Eintreffen der von Norden kommenden Zweiten Armee unter dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm gezeigt, der letztlich siegentscheidend war. Leider laufen die Seiten allzu rasch durch; man muss das Ganze so zwei- bis dreimal ansehen, um es ganz zu begreifen.

Das DHM begründet seine Sonderpräsentation unter anderem mit der Feststellung, dass Königsgrätz „heute in Deutschland weitgehend in Vergessenheit geraten“ ist. Diese breite Unkenntnis über ein Ereignis von derart großer Tragweite für die weitere deutsche Geschichte ist in der Tat bedauerlich, aber gerade wenn man hier Abhilfe schaffen und sich um ein Wiedererinnern bemühen will, wäre es konsequent gewesen, der Präsentation ein weiteres Spektrum zu geben.

Die Schau wurde weitgehend aus eigenen Beständen bestritten. Das Museum genügte wieder einmal sich selbst; es dachte nicht daran oder hielt es nicht für nötig (was zuletzt schon mehrfach kritisiert worden ist), auch von außen etwas beizubringen. Die „Trauernde Bavaria“ des süddeutschen Künstlers Michael Arnold, die aus Bad Kissingen entliehen wurde und die die Wahrnehmung der Ereignisse durch die deutschen Verbündeten Österreichs zeigt, bildet eine löblich Ausnahme. Es wäre aber ebenso reizvoll wie erhellend gewesen, hätte man auch die österreichische Sicht mit einigen Stücken gezeigt. In den Wiener Museen hätte sich wohl das eine oder andere finden lassen, was vor Ort nicht für eigene Ausstellungsprojekte gebraucht wird.

Immerhin ist die Sonderpräsentation nicht leblos, steril oder abgehoben. Einige Tagebuchaufzeichnungen und Briefe lassen das Grauen erahnen, das wie bei jeder Schlacht auch hier viele Beteiligte überkam. So schrieb ein „gemeiner“ Soldat, der voller Dankbarkeit war, überlebt zu haben, nach Hause: „Man macht sich gar keinen Begriff von dem Aussehen, das ein Schlachtfeld bietet. Das schreckliche Geschrei der Verwundeten, überall im Blut schwimmende Todte …“ Und ein Leutnant notierte in sein Tagebuch: „Nie wird der Eindruck in mir erlischen, den das Innere der Kirche auf mich machte. In mehreren Reihen lagen die Verwundeten. Preußen, Österreicher, Sachsen lagen bunt durcheinander. Aus allen Winkeln tönte ein unaufhörliches Stöhnen und Jammern in den mannigfachsten Sprachen. Die kleine Dorfkirche von Problus hat mehr Eindruck auf mich gemacht als alle sonstigen Schrecken des Schlachtfeldes.“

                Dirk Klose


S. 11 Geschichte & Preussen

Deutsche Forschung mit französischem Falken
Seit 40 Jahren steht dem DLR zur Erforschung der Atmosphäre eine ganz besondere Dessault Falcon 20 zur Verfügung

Moderne Umweltforschung kommt ohne Flugzeuge als Instrumententräger nicht aus. Wie viele andere Forschungsinstitutionen in der ganzen Welt auch unterhält deswegen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine ganze Flotte von Flugzeugen und Hubschraubern verschiedener Typen, darunter auch eine Dassault Falcon (Falke) 20 mit dem Kennzeichen D-CMET. Dieses Geschäftsreiseflugzeug aus französischer Produktion kam am 16. Juli 1976, also vor 40 Jahren, zum DLR.

Seitdem ist es auf der ganzen Welt bei der Erforschung der Atmosphäre im Einsatz und hilft Wissenschaftlern, Wind und Wetter auf unserem Planeten besser zu verstehen. D-CMET und seine Besatzung aus Piloten und Wissenschaftlern flogen Missionen über Grönland, Australien, der Südspitze Amerikas und den Tropen.

Mitte der 70er Jahre hatte das DLR eine leistungsfähige Plattform für die Atmosphärenforschung gesucht. Besonders wichtig für die Verantwortlichen war die Flughöhe gewesen, denn nur in größeren Höhen sind gute meteorologische und atmosphärische Messergebnisse möglich. Die Falcon erreicht Flughöhen von um die 12800 Metern, höher als die meisten Verkehrsflugzeuge. Diese Gipfelhöhe reicht aus, um in mittleren Breiten in die untere Stratosphäre aufzusteigen, eine Schicht in der Atmosphäre, die seit einigen Jahren durch den Ozonabbau im Fokus der Forschung steht. Außerdem ist das Flugzeug robust und wendig. Um Daten zu sammeln, kann es nahe an Gewitter oder Stürme heranfliegen. Und der Jet kann sich bis auf rund 30 Meter einem großen Verkehrsflugzeug nähern, um in dessen Abgasstrom Messungen durchzuführen. Wegen der Turbulenzen, die ein großer Jet verursacht, ist das ein durchaus riskantes Manöver.

Noch vor Beginn ihrer Karriere wurde die Falcon 20 stark umgerüstet. Vom luxuriösen Innenleben des Geschäftsflugzeugs blieb wenig übrig. Die meisten Sitze muss­ten Einbauplätzen für Mess- und Aufzeichnungsgeräte, zusätzliche Elektronik und zwei sogenannten LIDAR-Geräten weichen. Ein LIDAR sendet einen Laserpuls aus und empfängt den von der Atmosphäre zurückgesandten Reflex. So lassen sich die Konzentrationen von Aerosolen, Wasserdampf oder Ozon messen. Für die LIDAR-Geräte wurden insgesamt drei Fenster in den Rumpfboden und ins Rumpfdach eingebaut, sodass sie nun den Bereich über und unter dem Flugzeug abdecken.

Auffälligstes Merkmal ist der Bugmast mit einer Drucksonde an der Spitze. Sie misst durch fünf Löcher die Luftdruckverhältnisse vor dem Flugzeug, also in noch unbewegter Luft. Weitere Instrumente können an vier Flügelpylonen, an der Rumpfunterseite sowie an Befestigungspunkten am Rumpfheck angebracht werden. Die Falcon kann bis zu 1100 Kilogramm an wissenschaftlichen Instrumenten mitnehmen. In der Kabine finden bis zu zehn Wissenschaftler Platz, die maximale Flugdauer liegt bei fünfeinhalb Stunden.

„Die Falcon ist für ihre wissenschaftlichen Aufgaben auch heute noch hervorragend geeignet“, erklä̈rt Monika Krautstrunk, Leiterin der DLR-Forschungsflugabteilung in Oberpfaffenhofen, und: „1995 hat das Flugzeug leistungsstä̈rkere und umweltfreundlichere Triebwerke bekommen. Damit erreicht es eine Reichweite von bis zu 3700 Kilometern.“ Seitdem kann es Einsatzgebiete wie Nordschweden ohne Zwischenlandung erreichen. Außerdem verfügen die Triebwerke über zusätzliche Generatoren, die die Instrumente an Bord mit Strom versorgen..

Im Laufe der Jahre hat D-CMET an zahlreichen Forschungskampagnen teilgenommen. So war das Flugzeug im vergangenen Jahr über dem Süden Grönlands und den angrenzenden Seegebieten im Einsatz. In einer gemeinsamen Kampagne erkundeten Forscher des DLR und der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa die Windsysteme in der Region. Außerdem hatte D-CMET ein neues LIDAR an Bord, den Prototypen für ein Lasergerät, das 2017 an Bord einer europäischen Raumsonde in die Erdumlaufbahn geschossen wird. Der Satellit ist der erste von drei Sonden, welche die Windsysteme der Erde in Höhen unter 30 Kilometer vermessen sollen.

Die Flüge über Grönland und den dortigen Seegebieten dienten zur Erprobung des neuen Geräts und lieferten Vergleichsdaten zur Feinabstimmung der Satelliten-LIDAR-Geräte. Der Sensor auf dem Satelliten wird UV-Licht nutzen, um Winde von Höhe Null bis in 30 Kilometer Höhe zu erfassen. „Es wird das erste Lidar im Weltraum sein, das Windgeschwindigkeiten misst“, erklärt Oliver Reitebuch, der wissenschaftliche Leiter der deutschen Flugkampagne.

Im Jahre 2010 machte die Falcon auch über die Fachwelt hinaus auf sich aufmerksam. Nachdem am 14. April 2010 der isländische Vulkan Eyjafjalla ausgebrochen war und mit seiner Aschewolke große Teile des Flugverkehrs über dem Nordatlantik und Europa zum Erliegen gebracht hatte, startete das Flugzeug Anfang Mai 2010 zu insgesamt acht Messflügen in die Region. Die Wissenschaftler an Bord konnten Ausdehnung und genaue Dichte der Wolken ermitteln. Einmal ausgewertet, erlaubten die Daten genauere Vorhersagen über künftige Aschewolken und halfen, großräumige Luftraumsperrungen bei Vulkanausbrüchen zu vermeiden.         Friedrich List


Goethe machte ihren Salon zum Magneten
Johanna Schopenhauer, Mutter des berühmten Philosophen, war eine der ersten Berufsschriftstellerinnen

Vor 250 Jahren wurde Johanna Henriette Schopenhauer geborene Trosiener, die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer, in Danzig geboren. 1806 ließ sich die damals 40-jährige Kaufmannswitwe zusammen mit ihrer achtjährigen Tochter Adele in Weimar nieder. Sie suchte und fand die Nähe zu den Geistesgrößen ihrer Zeit, allen voran Wolfgang von Goethe. Ihr literarischer Teesalon avancierte zum zentralen gesellschaftlichen Treffpunkt in der Residenzstadt des Fürstentums.

In Weimar begann auch Johanna Schopenhauer zu schreiben. Als Reise- und Romanschriftstellerin erlangte sie einen eigenen Platz in der Literaturgeschichte. Ihre Tagebücher und Korrespondenzen sind ein kulturhistorischer Schatz. Heute ist ihr gedrucktes Werk nahezu vergessen, doch im 19. Jahrhundert war sie eine der beliebtesten Schriftstellerinnen und zudem eine der ersten Frauen, die das Bücherschreiben zum Brotberuf machten.

Ihr Geburtstag war der 9. Juli 1766. Sie war die älteste von vier Töchtern des wohlhabenden Kaufmanns und Ratsherrn Heinrich Trosiener und seiner Ehefrau Elisabeth geborene Lehmann. Die Familie bewohnte ein Haus in der Danziger Heilig-Geist-Gasse. Mit ihren Kindheits- und Jugenderinnerungen „Jugendleben und Wanderbilder“ hat Johanna Schopenhauer ihrer Heimatstadt ein einzigartiges Denkmal hinterlassen. In ihrem letzten Werk schildert sie eindrücklich die Gestalten ihrer Umgebung und das Leben in der alten Hansestadt. Nach ihrem Tod am 16. April 1838 in Jena gab ihre Tochter Adele das Buch heraus. Neben dem dreibändigen Roman „Gabriele“ ist es das einzige, das in neuerer Ausgabe vorliegt.

Entsprechend der bildungsbürgerlichen Tradition ihres Elternhauses erhielt Johanna eine solide schulische Ausbildung. Im Alter von drei Jahren wurde sie in eine Kleinkinderschule geschickt, die von der alten Mutter und den Schwestern des Malers und Kupferstechers Daniel Chodowiecki geführt wurde. Ein Besuch des Künstlers im Klassenzimmer blieb ihr in lebhafter Erinnerung. Johanna wurde privat unterrichtet, lernte Englisch und Französisch. Polnisch sprach sie mit einer jungen Dienstmagd. Zuletzt besuchte sie bis 1777 eine „École des jeunes dames“ (Schule für junge Damen).

Auf Wunsch ihrer Eltern heiratete sie 1785 mit 18 Jahren den fast 20 Jahre älteren, vermögenden Danziger Großkaufmann und Fabrikbesitzer Heinrich Floris Schopenhauer. Johanna schätzte den für sie neuen, luxuriösen Lebensstil, musste sich aber damit abfinden, dass ihr schwieriger Ehegatte völlige Unterordnung von ihr erwartete. Immerhin bestand in weltanschaulicher Hinsicht Übereinstimmung zwischen den Ehepartnern. Beide sympathisierten mit der Aufklärung, hegten eine republikanische Gesinnung, und interessierten sich für kulturelle Einflüsse aus Westeuropa. Den Sommer verbrachten sie auf dem herrlichen Landsitz der Familie an der Ostsee nahe dem Kloster Oliva. Die erste von drei ausgedehnten gemeinsamen Reisen unternahm das Ehepaar 1787. Die Reise führte nach Berlin, Hannover, Frankfurt, Antwerpen, Brüssel und Paris. Dort sahen sie Ludwig XVI. und Marie Antoinette während der letzten Monate ihrer Herrschaft. Über Calais ging die Reise weiter nach England und Schottland. Die Eindrücke von dieser und zwei weiteren Reisen verarbeitete Johanna später auf Grundlage ihrer Tagebücher literarisch.

Am 22. Februar 1788 wurde ihr einziger Sohn Arthur in Danzig geboren, fast zehn Jahre später die Tochter Luise Adelheid, genannt Adele. 1793 war die Familie nach Hamburg gezogen, nachdem Floris Schopenhauer aus Empörung über die Annexion Danzigs durch Preußen sein Danziger Geschäft aufgelöst und dabei herbe Verluste am Vermögen in Kauf genommen hatte. In seinen letzten Lebensjahren litt er offenbar an einer Psychose. Nach seinem mysteriösen Tod am 20. April 1805 erbten Johanna und ihre Kinder jeweils ein Drittel seines Vermögens, was ihnen ein finanziell unabhängiges Dasein ermöglichte. Arthur brach daraufhin die ihm vom Vater aufgezwungene Kaufmannslehre ab, um ein Philosophiestudium aufzunehmen, während seine Mutter, nunmehr die unabhängige, wohlhabende Hofrätin Schopenhauer – der Hofratstitel war ihrem Mann vom polnischen König verliehen worden –, im September 1806 mit der achtjährigen Adele aufbrach, um sich in Weimar niederzulassen.

Dort begann ihr zweites Leben als „Salonniere“. Mit Glück überstand sie Mitte Oktober die Plünderungen der Stadt durch französische Soldaten nach der Schlacht von Jena. Kurz darauf kam ein glücklicher Zufall Johanna Schopenhauers Ehrgeiz zu repräsentieren zur Hilfe. Anlässlich ihrer Abendgesellschaft erschien Goethe mit seiner frisch angetrauten Frau Christiane, die bislang aufgrund ihres Standes von den Weimarern der höheren Gesellschaftskreise geschnitten worden war. Johanna empfing Christiane freundlich und servierte ihr Tee. Goethe vergaß ihr das nie. Zwischen den Familien Goethe und Schopenhauer entstand eine dauerhafte Freundschaft.

Johanna Schopenhauers Salon am Theaterplatz 1 war der erste Ort der Geselligkeit außerhalb Weimars Hofgesellschaft. Zweimal wöchentlich trafen sich hier Künstler, Schriftsteller, Gelehrte und auswärtige Besucher, bürgerliche wie adelige, wobei Goethes Anwesenheit bei ihr wie ein Magnet wirkte. Viele lobten die liebenswürdige, gewandte Art der Gastgeberin ebenso wie die private Atmosphäre der Zusammenkünfte. Bei den Schopenhauerschen Teegesellschaften erschienen der Verleger Friedrich Johann Justin Bertuch, der Bibliothekar Fried­rich Wilhelm Riemer, der Dramatiker Zacharias Werner, die Maler Gerhard von Kügelgen und Heinrich Meyer, Christoph Martin Wieland, Carl Friedrich Zelter, Hermann von Pückler-Muskau, Wilhelm Grimm und Bettina von Brentano, später Karl von Holtei und Ludwig Börne.

Zeitweilig wohnte der junge Arthur Schopenhauer bei seiner Mutter. Wegen ihrer grundverschiedenen Charaktere kam es aber zu hässlichen Streitereien. Den Sohn ärgerte die „Geldverschwendung“ Johannas, auch warf er ihr kokettes Verhalten vor. Speziell nahm er Anstoß an ihrem Verhältnis zum jungen „Hausfreund“ Georg Friedrich von Gerstenbergk, genannt Müller-Gerstenbergk. 1814 verließ Arthur Weimar und begegnete seiner Mutter nie mehr wieder. Johannas Verhältnis zu Adele war ebenfalls nicht unkompliziert. Eine Trennung der beiden kam aber nicht in Frage, waren sie doch aufeinander angewiesen.

Durch den Bankrott des Danziger Bankhauses Muhl verlor Johanna 1819 ihr gesamtes und Adele einen Großteil ihres Vermögens, während Arthur seinen Anteil retten konnte. Für Johanna wurde das Bücherschreiben fortan ein wichtiges Mittel zum Lebensunterhalt. Noch einmal reiste sie mit Adele nach Danzig. 1828 zogen sie gemeinsam an den Rhein. Weimar war zu teuer geworden und der Schopenhauersche Salon keine Attraktion mehr, seitdem der Adel sich wieder stärker vom Bürgertum zurückzog und getrennte Veranstaltungen organisierte. Bis 1837 lebten Mutter und Tochter Schopenhauer in Unkel und im nahen Bonn. Nach dem Tod Johannas griff Adele in ihrer Existenznot ebenfalls zur Feder. Sie veröffentlichte Romane, Märchen und Gedichte und verfertigte kunstvoll Scherenschnitte, die sehr begehrt waren. Sie starb am 25. August 1849 in Bonn.        

                D. Jestrzemski


S. 12 Leserforum

Leserforum

Völkermord in den deutschen Ostgebieten verjährt nicht

Zu: Nicht ganz bei der Wahrheit (Nr. 24)

Das Jahrestreffen der Vertriebenen in einem Landgasthaus des Niederrheins findet schon lange nicht mehr statt, die Heimatstube des Kreises steht vor der Schließung und an der Trauerfeier im November am Kreuz des deutschen Ostens nehmen nur noch wenige Menschen aus der Erlebnisgeneration teil. Aber die Frage nach Recht und Unrecht der Vertreibung bleibt aktuell, besonders nachdem der Deutsche Bundestag die Vernichtung der Armenier im Jahr 1915 jüngst als Genozid bewertet hat.

In den deutschen Ostgebieten sind 1945/46 noch viel mehr Menschen unter ebenso schreck­lichen Umständen umgekommen wie damals in der Osttürkei. Sie alle starben nicht wegen einer persönlichen Schuld, sondern allein weil sie Deutsche waren. Es gibt kein Urteil irgendeines internationalen Gerichtshofes, wonach die damaligen Bewohner der deutschen Ostgebiete ihr Recht auf Leben, Eigentum und Heimat verwirkt hätten. Dieses haben ihnen die Kriegsgegner aus machtpolitischem Kalkül, Rachedurst und Beutegier abgesprochen, wobei die Westalliierten aktiv und passiv beteiligt waren.

Der französische Historiker Stéphane Courtois deutet in seinem „Schwarzbuch des Kommunis­mus“ (Paris 1997) an, dass das Verhalten der Tschechen gegen­über den Sudetendeutschen 1945/46 einem Völkermord nahegekommen sei. Für diesen sind im Nürnberger Prozess drei konstitutive Kriterien definiert worden: Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Für Courtois sind die Toten von Katyn nur eine Episode, wogegen Verbrechen von viel größerem Ausmaß unbemerkt durchgegangen seien „wie die Ermordung oder der Tod im Gulag von Hunderttausenden deutscher Soldaten, die zwischen 1943 und 1945 gefangengenommen wurden. Dazu kommen die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen durch die Soldaten der Roten Armee im besetzten Deutschland.“

In Artikel 6c hat das Nürnberger Gericht Verbrechen gegen die Menschlichkeit neu definiert: „Ermordung, Ausrottung, Versklavung, Verschleppung sowie jeder unmenschliche Akt, begangen gegen die Zivilbevölkerung …“ Zum Genozid gehört nicht zuletzt der systematische Charakter der Vernichtung, der im Begriff „ethnische Säuberung“ deutlicher hervortritt.

Somit steht das Faktum des Völkermordes an Pommern, Schlesiern, Ostpreußen und Sudetendeutschen juristisch einwandfrei fest. Genozid verjährt nicht, er schafft kein Recht, begründet keinen Anspruch auf das Eigentum der Ermordeten und Vertriebenen. Polen, Russen und Tschechen haben bis heute als „Rechtstitel“ für die Inbesitznahme deutschen Landes das (ephemere) Recht des Stärkeren, also die nack­te Gewalt. Von dieser Position haben sich Ungarn und Rumänien abgewendet, denn sie ist keine Basis für echte Versöhnung und dauerhaften Frieden. Zudem steht bis heute die Bestrafung der Täter, wie sie Deutschland bei den eigenen Schuldigen zumindest versucht hat, und vor allem eine ernsthafte Entschädigung der Opfer gänzlich aus.

Die Zeit macht den Völkermord nicht ungeschehen oder gar minder verbrecherisch. Vielmehr summiert sich die Schuld der Vertreiber, je länger die Sühne ausbleibt. Auch durch Dauer wird Unrecht nicht zu Recht, Raub nicht zu Besitz und Frevel nicht zu Freundschaft.

Adolf Frerk, Geldern

 

 

Sollte der Brexit wirtschaftlich ein Erfolg werden, geht es mit der EU zu Ende

Zu: Experiment mit Unsicherheiten (Nr. 25)

Grundsätzlich sehe ich erst einmal kein Problem darin, wenn sich ein Land entscheidet, die EU-Zwangsgemeinschaft zu verlassen. Eine „Zwangsgemeinschaft“ deshalb, weil sie den Ländern jedes bisschen an Souveränität nimmt und sich in alle nationalen Belange einmischt. Bevor es die EU gab, ging es den meisten Ländern auch gut. Bestimmte Dinge, wie die wirtschaftliche Zusam­menarbeit, lassen sich auch über Verträge regeln. Einigen Ländern geht es heute mit der EU wesentlich schlechter als vorher.

Schon als die EU sich gegründet hat, wurden schwerwiegende Fehler begangen. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Verträge werden gebrochen und Gesetze werden je nach Beliebigkeit angewendet. Die Regelwut der EU kennt kaum noch Grenzen. Finanziell werden die Bürger zurzeit klammheimlich um ihre Ersparnisse gebracht. Eine riesige Schuldenblase wird uns eines Tages um die Ohren fliegen.

Jetzt haben die Briten entschieden, und das sollten die EU und auch die Medien endlich zur Kenntnis nehmen. Mit dubiosen Unterschriftenaktionen und dem Versuch, die Brexit-Befürworter als „dumme Menschen“ hinzustellen, ist niemandem gedient. Wie das Ganze einmal enden wird, kann mit Sicherheit noch niemand sagen.

Es gibt aber durchaus einige Experten, die auch Positives im Brexit sehen. Was die EU und auch die Briten jetzt brauchen, sind Politiker mit Vernunft und Weitsicht. Aber beides ist bei den EU-Politikern leider Mangelware. Hier von Seiten der EU Druck aufzubauen oder gar zu drohen, ist sicher der falsche Weg. Anders als es bei den Griechen der Fall wäre, werden auch nach einem Austritt der Briten die EU und die Briten voneinander abhängig sein. Dazu ist Großbritannien ein zu großes und starkes Land. Sollte der Brexit zum Erfolgsmodell werden, dürften andere Länder bald folgen. Dann ist die EU endgültig ein gescheitertes und sehr teures Experiment gewesen.

Claus Reber, Arnsberg

 

 

Mit den Schlesiern

Zu: Ostpreußentreffen auf Schloss Burg (Nr. 25)

Für die wirklich zeitnahe Berichterstattung über das diesjährige Zusammentreffen der Ostpreußen und Schlesier auf Schloss Burg am 19. Juni 2016 sei Ihnen hiermit ausdrücklich gedankt.

Nicht zutreffend ist der Schlusssatz in dem PAZ-Artikel, dass es der Landesgruppe NRW nicht möglich war, die Veranstaltung allein durchzuführen. Bereits im zweiten Jahr hat sie die Schlesier eingeladen, diesen Tag gemeinsam mit den Ostpreußen zu begehen, was sich als Gewinn für beide Seiten herausgestellt hat. Deshalb ist vorgesehen, im kommenden Jahr (2. Juli 2017) auch die Pommern in NRW zu Schloss Burg einzuladen.

Für den Landesgruppenvorstand der Landsmannschaft Ostpreußen in NRW, Jürgen Zauner, Viersen

 

 

Held von Halle

Zu: Demontage eines Idols (Nr. 23)

Der Seeoffizier Felix Graf Luck­ner, der im Ersten Weltkrieg mit seinem Segel-Dreimastschiff die Britische Blockade durchbrach, lebte 1945 in Halle/Saale. Die Stadt war im Krieg nie ernstlich von den Alliierten bombardiert worden. Sollte sie zum Schluss noch zerschossen werden? Der damals 64-jährige „Seeteufel“ konnte das verhindern: In einem Rot-Kreuz-Auto und mit dem Inhaber einer Privatklinik, Dr. Weins, fuhr er ins US-amerikanische Lager. Er versicherte, dass die Wehrmacht weitgehend abgezogen und eine Beschießung damit überflüssig sei. Luckner hatte sich längst durch Vorträge in den USA bekannt gemacht. Graf Luck­ner hat sich um die Stadt Halle und ihre Bewohner verdient gemacht.

Karl-Hermann Dittmar, Bad Arolsen

 

 

Konflikt religiöser Gebote mit weltlichem Gesetz

Zu: Selbst ausgegrenzt (Nr. 25)

Die Sätze, „es gibt nur eine wahre Religion“ und 47 Prozent der Befragen hielten „Islam-Gebote für wichtiger als die deutscher Gesetze“, finde ich an sich und vorurteilsfrei betrachtet nicht dramatisch. In meinem Freundeskreis habe ich „fundamentalistische“ Katholiken, sogenannte Traditionalisten, die dem ersten Satz vollkommen zustimmen würden, natürlich unter der Voraussetzung, dass die katholische Religion gemeint ist. Ich kann dem durchaus etwas abgewinnen, denn mit der Zeit erübrigt sich eine Religion von selbst, die von sich nicht glaubt, dass sie die „einzig wahre“ ist. Was bleibt vom Christentum übrig, wenn man die Auferstehung als nicht tatsächlich geschehen ansieht? Eine Soziallehre!

Mit dem zweiten Satz verhält es sich ähnlich. Neid, Geiz, Eitelkeit und außer- oder voreheliche sexuelle Abenteuer sind nach deutschem Gesetz nicht strafbar. Meine Freunde würden sie jedoch nie gutheißen und zumindest beichten, wenn sie denn diesbezüglich „gesündigt“ hätten. Ihr Handeln richtet sich also nach „Gottes Geboten“, deren Einhaltung für sie über dem weltlichen Gesetz steht. Wenn sie so handeln, kommen sie allerdings auch nie mit dem weltlichen Gesetz in Konflikt.

Die Spreu vom Weizen trennt sich dann beim Verhalten gegen­über Anders-/Ungläubigen. Und wenn dann das einzige Verhalten „Ungläubigen“ gegenüber ist, dass man diese unter Umständen mitleidig bedauert, weil sie eben nicht im Besitz der Wahrheit sind, kann ich das akzeptieren. Wobei der „katholische Gott“ anscheinend über etwas mehr gesunden Menschenverstand verfügt als der „islamische Gott“. Während meines Wissens im Islam gelehrt wird, dass Ungläubige zwangsläufig in der Hölle landen, muss man bei den Katholiken (zumindest bis zum 2. Vaticanum) seinen Irrtum erkennen und dann trotzdem in ihm verharren, um der ewigen Verdammnis anheimzufallen. Wer im Irrtum lebt, ohne diesen zu erkennen, bleibt verschont. Gemäß der Regel, dass Dummheit nicht strafbar ist.

Was Muslime bereit wären zu tun, wenn ihre Gebote in Konflikt mit den weltlichen Gesetzen kämen, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber man sieht: „Es kommt immer drauf an, was man draus macht.“

Wolfgang Gladziewski, Mückeln

 

 

Pest oder Cholera

Zu: Sogar Obama mischt mit (Nr. 25)

Wer kann heute schon sagen, geschweige denn sich erinnern, ob und wann der letzte in den USA stattgefundene Wahlgang nicht schmutzig war. Der Zeitpunkt muss aber vor dem Jahr 1913 gelegen haben, denn in diesem Jahr wurde die FED, die US- Notenbank, gegründet. Nun ist diese Zentralbank, die über die US-Währung das Sagen hat, keineswegs staatlich, sondern befindet sich in privater Hand vieler großer US-Geldhäuser.

Über dieses System der Währungsbetreuung ist vielfach auch schon sehr kritisch berichtet worden. Mit Sicherheit aber ist seit dem Zeitpunkt der Gründung noch kein Präsidentschaftskandidat auch amerikanischer Präsident geworden, der nicht maßgeblich von dieser Bank beziehungsweise deren Eigentümern gesponsert worden wäre.

Hillary Clinton werden derzeit aus allen mit den Eignern dieser Bank in Verbindung stehenden Geldhäusern so massiv Mittel zugeschoben, dass sie den Wahlkampf eigentlich nicht mehr verlieren kann. Sollte nun doch wider Erwarten Donald Trump als Sieger aus dieser Wahl hervorgehen, müsste man korrekterweise vom ersten seit Langem sauber geführten Wahlkampf der US-Geschichte ausgehen.

Die Bestimmung der Wahlmänner, die letztlich über alles zu entscheiden haben, ist derart undurchsichtig, dass von einer demokratischen Entscheidung im keine Rede sein kann. Dieses System entmündigt letztlich die US-Bürger zu Statisten, die der Wahl zwischen Pest und Cholera, so sie es denn überhaupt merken, nur angewidert zuschauen dürfen.

Sicher ist nur eines: Wie auch immer der neue US-Präsident heißen mag, Menschenrechte werden weiterhin auf der Strecke bleiben. Obama hat es in acht Jahren nicht geschafft, mit „Guantanamo“ als offenkundigstem Beweis der Unmenschlichkeit zu beseitigen.

Rudolf Neumann, Ahrensburg


S. 13 Das Ostpreußenblatt

4. Sommerolympiade in Sensburg
Deutsche Jugend aus Ermland und Masuren verfestigte Kontakte bei zahlreichen sportlichen Wettbewerben

Bereits zum vierten Mal traf sich die Jugend der deutschen Volksgruppe in Ermland und Masuren zur Sommerolympiade. Sie fand vom 24. bis 26. Juni in Sensburg im Erholungszentrum „Polonez“ am Schwarzsee statt. Dieses Jahr nahmen fast 80 Personen aus neun deutschen Gesellschaften der Region an der Sommerolympiade teil.

Vertraute Gesichter bei Betreuern und Teilnehmern, aber erfreulicherweise auch viele neue Sportler konnte Edyta Gładkows-ka, die Vertreterin der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein und Organisatorin der Sommerolympiade, in Sensburg begrüßen. „Es kamen junge Menschen aus Allenstein, Bartenstein, Braunsberg, Heilsberg, Landsberg, Ortelsburg, Osterode, Rastenburg und Sensburg“, freute sie sich, „die haben wir zur besseren Integration am Freitagabend nach der Ankunft erst einmal gut gemischt.“ Dank verschiedener Kennenlernspiele wurden mögliche Barrieren schnell eingerissen.

Sportlich wurde es dann vor allem am Sonnabend. Nach der offiziellen Eröffnung der 4. Sommerolympiade der deutschen Jugend in Ermland und Masuren traten die Teilnehmer in mehreren Disziplinen an. Zum einen gab es für die Freunde des Mannschaftssports Beach-Volleyball und eine Fußball-Mini-Euro 2016, die Anhänger der individuellen Sportarten beteiligten sich an Hindernislauf, Schießen mit Paintballmunition, Tischtennis und dem leichtathletischen Dreikampf aus Laufen, Springen und Werfen. Besonders der Hindernislauf sorgte für eine Überraschung. Dort zeigte die kleine, drahtige Zuzanna Rosinska vom Gymnasium Nr. 2 in Ortelsburg auch sämtlichen männlichen Konkurrenten die Hacken und gewann souverän. Für sie selbst kein Wunder: „Ich trainiere schon seit Langem längere Laufstrecken, also 1500 bis 2000 Meter, und bin auch bei Schulsportfesten erfolgreich. Die Hindernisse hier waren gut zu meistern, auch das Wasser, das bis zu den Oberschenkeln kam.“ Die nassen Socken und Schuhe trockneten schnell bei der herrschenden Hitze von mehr als 30 Grad, die die jungen Mitglieder der Deutschen Minderheit in den Pausen zwischen den Wettkämpfen ins kühle Nass des Schwarzsees trieb. Für Entspannung sorgte am Abend ein gemeinsames Lagerfeuer.

Am Sonntag wurde die Stadt Sensburg in Form eines Stadtspiels erkundet. Sieben Gruppen traten in der gemischten Zusammensetzung vom Freitagabend dazu an. Sie sollten mit Hilfe ihrer Smartphones und GPS-Angaben die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Gebäude in Sensburg ermitteln, dort jeweils ein fotografisches Gruppen-Selfie schießen und an den Koordinator Waldemar Cybul schicken. Das klappte teilweise sehr gut, wie Marek Kuhn aus Wolfsdorf bei Guttstadt berichtete: „Es gab keine Probleme, selbst die Jüngste mit elf Jahren kam gut mit. Als Kapitän bin ich stolz auf unsere Truppe und unseren 1. Platz.“

Andere Mannschaften irrten in der Stadt umher und waren am Ende vor allem froh, die wunden Füße in den Brunnen am Treffpunkt stecken zu können. Doch die letzte Herausforderung wartete noch auf sie. Nach der Rück-kehr ins Erholungszentrum „Polonez“ galt es als letzte Disziplin noch ein schriftliches Wissensquiz zur Stadt Sensburg und der Region Ostpreußen. Alles in allem ein gelungenes Wochenende, so Marek Kuhn stellvertretend für die Teilnehmer der Sommerolympiade: „Das Eis am Anfang war schnell gebrochen, wir haben uns gut zusammengerauft und fair miteinander konkurriert. Es war schön mit den vielen neuen Bekannten hier.“

Wie am Ende allgemein zu hören war, hätte das Wetter ein kleines bisschen kühler sein dürfen, denn die Erschöpfung war auch den sportlicheren Teilnehmern anzumerken. Einig waren sich alle auch in ihrem Wunsch nach einem baldigen Wiedersehen, spätestens im nächsten Jahr, wenn es wieder heißen wird – die Spiele sind eröffnet.      Uwe Hahnkamp


Ausgezeichnet, aber nur schwer erreichbar
Der Strand von Palmnicken hat erstmals die internationale »Blaue Flagge« erhalten – Infrastruktur ist noch ausbaufähig

Der Strand von Palmnicken hat als erster der Russischen Föderation das internationale Qualitätssiegel „Blaue Flagge“ erhalten. Um das Zertifikat zu bekommen, hat die Stadt keine Mühen gescheut, die notwendigen Standards zu schaffen. Ob und welche Auswirkungen es auf die Besucherzahl hat, wird sich zeigen.

Bislang konnte sich kein anderer Strand der Russischen Föderation mit dem Qualitätssiegel „Blaue Flagge“ schmücken. Lediglich der Jacht-Club in der Nähe von St. Petersburg hat einmal das begehrte Prädikat erhalten, als die „Blaue Flagge“ in zwei Kategorien verliehen wurde, für Strände und Jachthäfen.

Seit 1985 wird die Flagge für die Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards vergeben. Die Liste enthält 32 Kriterien, die in vier Kategorien unterteilt sind: Umwelterziehung und -management,  Information, Wasserqualität, Sicherheit und Dienstleistungen. Die Auszeichnung wird von der Internationalen Stiftung für Umwelterziehung (Foundation for Environmental Education, FEE) vergeben. Sie zeichnet jährlich Strände und Jachthäfen weltweit aus.

Dass ausgerechnet der Strand von Palmnicken das internationale Gütesiegel erhielt, ist nicht verwunderlich, denn gemäß den Kriterien der FEE entspricht der Strand den Standards. Touristen können sicher sein, dass Palmnicken ihnen gute Bedingungen zur Erholung bietet und sie ein gewisses Maß an Komfort erwartet. In Palmnicken ist der Strand der wichtigste Ort für Touristen, damit ist eine Bedingung für die „Blaue Flagge“ eindeutig erfüllt. Die Stadtverwaltung hatte sich um die Verleihung der „Blauen Flagge“ bemüht und ein Jahr lang daran gearbeitet, alle Voraussetzungen für ihren Erhalt zu erfüllen.

Der St. Petersburger Vertreter der FEE in Russland war zuvor nach Palmnicken gereist, um den Strand zu begutachten und einen Aktionsplan auszuarbeiten, der unter anderem regelmäßige Wasserproben vorsieht. Außerdem musste der Strand mit Trinkwasserbrunnen und Umkleidekabinen, Papierkörben und besonderen Zugängen für Behinderte ausgestattet werden. Daneben mussten ausreichend viele Toiletten und Duschkabinen gebaut werden. Daneben wurden Informationstafeln aufgestellt, die Auskunft über die meteorologischen Badebedingungen geben. Bojen grenzen schließlich den ungefährlichen Bereich zum Baden ab.

Der mit der „Blauen Flagge“ gekennzeichnete Strandabschnitt erstreckt sich über 300 Meter im Bereich des Cafés „Galeere“. Ob der zertifizierte Strandbereich noch vergrößert wird, ist bislang nicht bekannt. Die Stadt Palmnicken will erst prüfen, ob weitere Anstrengungen vonnöten sind, um die „Blaue Flagge“ auch im kommenden Jahr zu erhalten, und wie die Resonanz auf das Qualitätssiegel bei den Urlaubern ist, denn viele von ihnen baden lieber an anderen, kostenfreien Stränden.

Der Strand von Palmnicken hat auch seine Probleme. Illegale Bernsteinsammler bereiten den Behörden Sorgen. Seit das Gold der Ostsee vor allem bei Chinesen so beliebt geworden ist, stieg der Bernsteinpreis sprunghaft. Illegale Bernsteinsammler buddeln tiefe Gruben im Strandbereich. Um ihr Handeln wenigstens einigermaßen einzuschränken, sind im Sommer die Autozufahrten zum Strand gesperrt, was wiederum zu Unannehmlichkeiten für die Urlauber führt.

Wer schon einmal im Sommer in Palmnicken war, weiß, wie schwierig es ist, dort einen Parkplatz zu finden. Autos werden überall abgestellt. Darüber hinaus hat Palmnicken die Konkurrenz von Rauschen und Cranz zu fürchten, da diese Seebäder an die Schnellstraße von Königsberg und den Flughafen Powunden angeschlossen sind. Nach Palmnicken führt lediglich eine normale Landstraße. Deshalb wird die Frage der Erreichbarkeit für Palmnicken die größte Rolle spielen, zumal geplant ist, am Strand Massenveranstaltungen wie Sportkämpfe und Festivals durchzuführen. Zudem hatte die Gemeinde Palmnicken im Rahmen des Programms für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit „Litauen–Polen–Russland 2007–2013“ einen von der EU-mitfinanzierten Zuschuss in Höhe von 1,3 Millionen Euro für den Bau einer Strandpromenade entlang der Ostsee erhalten. Die Promenade wird von den Besuchern gut angenommen. Sie ist zu einem wichtigen Teil der noch ausbaufähigen Infrastruktur geworden.

                Jurij Tschernyschew


MELDUNGEN

Marienburg auf Briefmarke

Marienburg – Die Stadt Marienburg hat anlässlich des 730. Jahrestages der Gewährung des Stadtrechts eine Sonderbriefmarke herausgegeben. Die Marke zeigt das historische Rathaus aus dem 14. Jahrhundert und wurde vom örtlichen Philatelisten Jerzy Zimnicki entworfen. Sie kann seit dem Jubiläumstag, dem 27. April, im Tourismusbüro der Stadt oder direkt bei ihrem Gestalter (Anfrage per E-Mail an j.zimnicki@malbork.com.pl) erworben werden.     T.W.W.

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7: Liebemühl [Miłomłyn], Baustelle. Straße Nr. 7: Elbing – Jazowa, Baustelle; Liebemühl – Osterode [Ostróda], Baustelle; Osterode – Hohenstein [Olsztynek], Baustelle; Zalusken [Załuski] – Napierken [Napierki], Baustelle. Straße Nr. 15: Rheinsgut [Rynskie] – Mörlen [Morliny], Baustelle. Straße Nr. 16: Osterode – Alt Jablonken [Stare Jabłonki], Baustelle. Straße Nr. 22: Elbing – Fichthorst [Jegłownik], Baustelle. Straße Nr. 51: Heilsberg [Lidzbark Warminski], Baustelle; Allenstein – Pagelshof [Ameryka], Baustelle. Straße Nr. 63: Arys [Orzysz] – Johannisburg [Pisz], Brückenbau. Straße Nr. 65: Goldap [Gołdap] – Treuburg [Olecko], Brückenbau.        E.G.


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

es ist schon eigenartig und im Grunde auch nicht begreifbar: Da hält man als 100-Jährige ein Buch in den Händen, das als Autorin den eigenen Namen trägt – und du kannst ihn nicht lesen. Denn er ist in kyrillischer Schrift gehalten, denn das Buch ist eine russische Ausgabe meines Erstlingswerkes, das vor nunmehr 81 Jahren erschien. Das mag manchem Leser unglaubhaft erscheinen, denn dann wäre ich ja damals erst 19 Jahre alt gewesen – und das war ich auch. Noch unglaublicher ist aber, dass ich dieses Buch damals in ostpreußischem Platt geschrieben hatte, was für den russischen Übersetzer Spesivtsev Ilja die Arbeit noch weitaus schwerer machte. Aber er hat sie vorzüglich gemeistert, wie ich jedenfalls auf den ersten Blick feststellen konnte, als ich jetzt das erste Exemplar überreicht bekam. Überbringer war Herr Viktor Lider, Geschäftsmann aus Kaliningrad, der mit einer Handelsdelegation nach Hamburg gekommen war und als einer der Initiatoren der Buchausgabe mir das Buch persönlich überreichen wollte. Zu der Neuerscheinung meines Buch „De Lävensstruuts“ – Der Lebensstrauß – wäre viel zu sagen, aber ich will mich hier und heute nur darauf beschränken, dass das Buch nicht nur für russische Leser bestimmt ist. Denn es enthält im zweiten Teil die sehr alten, mir als Kind von meiner erzählfreudigen Mutter überlieferten Märchen auch in deutscher Sprache. Herr Lider findet das sehr wichtig, da viele heutige Bewohner des Königsberger Gebietes zweisprachig sind. Er selber ist Russlanddeutscher, wurde in Sibirien geboren, wohin seine Familie deportiert worden war, kam dann als Kind nach Deutschland, wo in Koblenz ein neues Leben begann – aber ein Zuhause, in dem er sich heimisch fühlen konnte, fand Viktor Lider erst im alten ostpreußischen Samland, in Brandenburg am Frischen Haff. Dorthin verlegte er auch den Sitz seines expandierenden Unternehmens, das sich mit Bootsbau und -vertrieb beschäftigt. Er bringt für den kleinen Ort, an dem der Frisching in das Haff mündet, aber noch mehr ein, indem er die Kulturarbeit unterstützt, die sich besonders mit der deutschen Vergangenheit befasst wie mit Ritterspielen in der Burg­ruine.

Und da hat er eine Frage an unsere Leserschaft, die sich gut in unsere Kolumne einfügt, die er übrigens bisher nicht kannte. Nun ist er hoffnungsfroh, dass er auf diesem Wege ehemalige Brandenburger oder deren Nachkommen findet, deren Vorfahren auf dem Brandenburger Kirchhof beerdigt wurden. Noch sind die Grabstellen auf dem kleinen Friedhof erkennbar, und Herr Lider und seine Mithelfer wollen gerne die Gräber pflegen, und er bittet deshalb die Leser und Leserinnen, die sich angesprochen fühlen, um eine Meldung. Näheres konnten wir leider in der kurzen uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht besprechen. Deshalb muss dieser erste Hinweis genügen. Aber etwas kristallisierte sich bei dem Gespräch noch heraus: Die Familie Lider ist deutscher Herkunft, hat jedoch über ihre Abstammung, solange sie in Sibirien war, nichts sagen dürfen. Eine Familienforschung war damit unmöglich gemacht. Viktor Lider kannte gerade noch die Namen seiner Großeltern. Der ursprüngliche deutsche Name soll „Lieder“ gelautet haben, in Russland wurde das „e“ gestrichen. Er selber meint, dass er nun im nördlichen Ostpreußen zum ersten Mal eine Art Heimatgefühl empfunden habe, das immer stärker werde. „Vielleicht kommen die Lieders von hier?“ Da nun viele Deutsche, die im zaristischen Russland angesiedelt wurden, aus der Weichselniederung stammten, wäre eine Herkunft aus Altpreußen schon denkbar. Vielleicht kann jemand über diesen Familiennamen etwas aussagen, hat ihn vielleicht sogar in der eigenen Verwandtschaft? Viktor Lider hat eine deutsche Adresse (Frankenstraße 4 in 56299 Ochtendung) und eine russische Anschrift (Fond SLED, 238322 Kaliningrader Gebiet, Guryevski Rayon, Poselok Ushakovo, Pereulok Portovy 1), Telefon 007/906/2995000, 007/927/2261926, E-Mail: vlider2002@yahoo.de

Sicherlich dürfte sich Herr Lider für seine Kulturarbeit auch für das Angebot interessieren, das uns Frau Roswitha Kulikowski aus Hemmingen vorlegt. Ihr Bestreben war es immer, das alte deutsche Volkslied zu erhalten, und sie hat das auch bewirkt, solange sie in der landsmannschaftlichen Arbeit tätig war. Sie und ihr Mann sangen als Jugendliche im Chor der LM Ostpreußen in Hannover. Da Frau Kulikowski auch im Vorstand der Gruppe war – darunter die letzten zehn Jahre als Vorsitzende – fand ihr Bemühen um die Pflege unseres deutschen Liedgutes eine breite Resonanz. Ausüben konnte sie ihre Liebe zur Volksmusik vor allem an ihrem Wohnort, einem kleinen Dorf, in dem sie 40 Jahre lang einen Frauensingkreis leitete. Vorher hatte es dort nur einen Männerchor gegeben, da aber die Frauen auch gerne sangen, war die Gründung eines Frauenchors sinnvoll und diese hat sich dann bis heute bewährt. Aber die Zeit schreitet unerbittlich weiter, und Frau Kulikowski hat nun alle Ehrenämter abgegeben. Der Alterungsprozess betrifft auch die Mitglieder des Singkreises, sodass dieser die Pflege nicht weiter fortführen kann. Das ist bedauerlich, denn in dem gesammelten Liederschatz befinden sich viele Lieder, die Frau Kulikowski mit dem Singkreis eigens für Heimatveranstaltungen eingeübt hatte. Deshalb möchte sie dieses Liedgut an interessierte Gruppen weitergeben und denkt dabei vor allem an Spätaussiedler oder Vertriebene, die noch keinen Zugang zu deutschen Volksliedern hatten. Sie übermittelt uns eine Liste der Lieder, die sich gut für jüngere Chöre und Singkreise eignen. Es sind einfache Melodien, die auch einstimmig gesungen werden können. Neben allgemein bekannten Volks- und Kunstliedern aus Ostpreußen wie das als Masurenlied viel gesungene „Wild flutet der See“ und „O käm’ das Morgenrot herauf“ enthält das Repertoire auch Lieder, die kaum in anderen Liederbüchern vorhanden sein dürften wie „Rauschen die Quellen im Talesgrund“ oder das mündlich aus Königsberg überlieferte „Alle Birkenzweige schwenken …“ Einige sind nach Flucht und Vertreibung entstanden wie „Du schönes Niedersachsen, wo ich vor Jahren die zweite Heimat fand“, und „Glocken der Heimat“. Auch das Memelland-Lied „Kiefernwälder rauschen übers Land“ darf nicht fehlen. Das ist nur eine kleine Auswahl des von Frau Kulikowski zusammengetragenen Liederschatzes, der auch Heiteres enthält, sogar in Platt wie „Juchheidi, seggt er“ oder das bekannte Danziger Lied vom „Fischerstand“. Noten und Texte sind bei Frau Roswitha Kulikowski zu erhalten, die auch gerne bereit ist, telefonisch Erklärungen zu den gewünschten Liedern abzugeben. (Roswitha Kulikowski, Arnumer Straße 28 in 30966 Hemmingen, O.T. Harkenbleck, Telefon 05101/2530.)

„Ich hoffe, mein Brief bringt Ihnen etwas Freude“ – so beschließt Herr Karl-Heinz Gast aus Geilenkirchen sein neues Schreiben, in dem er mir nicht nur nachträglich zu meinem Hundertsten gratuliert, sondern auch zu unserer so tatkräftigen Familie – „eine geballte Geisteskraft ostpreußischer Landsleute“. Und die hat er auch selber zu spüren bekommen, weil seine in Folge 1/16 gestellte Bitte nach dokumentarischem Material über die Medizinische Uniklinik in der Drummstraße in Königsberg – dort soll ein Denkmal für den Anatom Karl Ernst von Baer entstehen – erste Erfolge zu verzeichnen hat. Denn Frau Renate Koch aus Landsberg hatte diese Aufforderung gelesen und übersandte uns ein Foto aus ihrer Königsberger Kindheit vom Tag der Einschulung, das auch einen Teil der Drummstraße mit dem Medizinischen Institut zeigt. Der von dem Foto begeisterte Herr Gast setzte sich mit Frau Koch in Verbindung, die nun ihrerseits erfreut war, dass sie zu der geplanten Dokumentation beitragen konnte und auch weiterhin kann, denn die Zusammenarbeit ist noch lange nicht zu Ende. Zwar hatte sie zu dem Schultütenfoto erklärt, sie könne sich wie die meisten Älteren nur bruchstückhaft erinnern, aber das sind dann schon ganz schöne Brocken. Jedenfalls beweist der Dankesbrief von Herrn Gast an die fast 80-jährige Seniorin, dass bei ihr noch viele Eindrücke aus ihrer Kindheit abrufbar sind, denn er schreibt: „Mit großer Freude habe ich Ihren Brief mit den Anlagen erhalten und bin sehr dankbar. Ich war sprachlos, dass Sie nach so langer Zeit einen Lageplan des Medizinischen Viertels mit Gebäuden, Grundstücken und Straßennamen aufzeichnen können. Große Hochachtung!“ Die teilen wir mit ihm, liebe Frau Koch, und freuen uns, dass unsere Familie sich wieder einmal als erfolgreicher Vermittler erwiesen hat.

Auch heute ein altes Kinderfoto! Es zeigt eine kleine Schar Blondschöpfe aus Uszballen im Memelland, die gerade aus der „Sonntagsschule“ kommen. Die gab es für die Kinder, bevor sie in den Konfirmandenunterricht kamen, und die Kleinen gingen gerne dorthin, denn sie sangen zusammen und hörten Geschichten aus der Bibel. Auch unser Landsmann Bernd Dauskardt hat als kleiner Junge die Sonntagsschule besucht, und beim Betrachten dieses Fotos kommt doch so etwas wie Wehmut in ihm auf. Die Aufnahme ist Mitte der 30er Jahre entstanden. Einige Namen der hier abgebildeten Kinder sind bekannt – Baltruschat, Jengeleit, Kaspereit, Leidig, Käding, Jankus, Naujoks, Burneleit. Den Unterricht gab nicht ein Pfarrer, sondern die Lehrerin Herta Klaudat. Das älteste Mädchen war 14 Jahre alt, das Kleinste, das sich so ängstlich an die vermutliche Schwester schmiegt, dürfte höchstens fünf Jahre alt gewesen sein – wäre also heute im Seniorenalter. Wer etwas zu diesem Foto zu sagen oder zu fragen hat, wende sich bitte an Herrn Bernd Dauskardt, Eichenweg 8 in 21279 Hollenstedt, Telefon 04165/80343.)

Eure Ruth Geede


Neue Sehenswürdigkeit für Groß Born in Aussicht
In der knapp 5000 Einwohner zählenden pommerschen Stadt sollen Sowjetdenkmäler aus der ganzen Republik ausgestellt werden

Pawel Ukielski, stellvertretender Leiter des staatlichen polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN), hat vorgeschlagen, dass über 200 der noch etwa 500 erhaltenen Sowjet-Denkmäler in der Republik Polen in der knapp 5000 Einwohner zählenden pommerschen Stadt Groß Born [Borne Sulinowo], Kreis Neustettin in einem Feilichtmuseum zusammengetragen und ausgestellt werden. Gegenüber dem polnischen Internetportal Onet.pl erklärte Ukielski: „Dieser Ort soll die Geschichte Polens nach dem Krieg zeigen. Ein Infoweg soll über die Denkmäler aufklären.“ Und, was noch wichtiger sei: „Es soll kein Disneyland werden, jeder Besucher soll verstehen, dass die Denkmäler nicht aus authentischer Dankbarkeit der Polen entstanden sind.“

Allerdings muss sich Groß Born als möglicher Standort noch der Konkurrenz zu Czerwony Bór in der Woiwodschaft Podlachien erwehren, das von Andrzej Zawistowski, dem Leiter der Abteilung Bildung im IPN, ins Spiel gebracht wurde. Doch Zawistowskis Amtszeit endet bald. Die staatliche Forstverwaltung für Czerwony Bór wäre mit dem Museum einverstanden, aber Groß Born wittert ebenso die touristische Attraktion. Und das IPN liefert gleich einen guten Grund für Groß Born mit. Die meisten Sowjet-Denkmäler gab es eben in den sogenannten „wiedergewonnenen Gebieten“. „Dort waren auch die meisten sowjetischen Soldaten stationiert“, sagt Ukielski.

Soldatengräber wären hingegen nicht betroffen, betont das IPN, da deren Pflege überall eine lokale Aufgabe bleibe. Gräber der Roten Armee würden weiterhin höchsten Respekt erfahren.

Groß Born hofft nun, dass man die etwa 200 Statuten ab September 2017 ausstellen kann.        E. Pander


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 100. GEBURTSTAG

Echter, Hedwig, geb. Treziak, aus Groß Leschienen, Kreis Ortelsburg, am 11. Juli

ZUM 99. GEBURTSTAG

Behrendt, Hedwig, geb. Zich, aus  Wehlau, am 10. Juli

ZUM 97. GEBURTSTAG

Wienhold, Hedwig, geb. Wiede, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 9. Juli

ZUM 96. GEBURTSTAG

Dimas, Mary, geb. Grabowski, aus Neidenburg, am 9. Juli

Galla, Frieda, aus Ittau, Kreis Neidenburg, am 8. Juli

Masuhr, Hans, aus Lindenfließ, Kreis Lyck, am 12. Juli

Plötz, Helene, aus Lötzen, am 13. Juli

Rosan, Otto, aus Sagsau, Kreis Neidenburg, am 11. Juli

ZUM 95. GEBURTSTAG

Affenzeller, Helene, geb. Seewald, aus Mühlengarten, Kreis Ebenrode, am 13. Juli

Aukthun, Liesbeth, geb. Gutzeit, aus Weißensee, Kreis Wehlau, am 10. Juli

Becker, Ilse, geb. Stein, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 13. Juli

Eichhorn, Christel, geb. Klein, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 12. Juli

Grego, Helene, geb. Gallmeister, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 9. Juli

Hoffmann, Susi, geb. Demant, aus Schenkenhagen, Kreis Ebenrode, am 14. Juli

Kilanowski, Erika, geb. Brunn, aus Lyck, am 10. Juli

Koch, Irmgard, geb. Lamm, aus Königsberg-Roßgarten, Kuplitzer-straße 7, am 10. Juli

Krewald, Gertrud, geb. Kalinowski, aus Langsee, Kreis Lyck, am 11. Juli

Liknis, Irmgard, geb. Chlupka, aus Treuburg, am 10. Juli

Otto, Erna, geb. Pitzer, aus Ebenrode, am 11. Juli

Priefert, Ursula, geb. Liebenau, aus Groß Blumenau, Kreis Samland, am 10. Juli

Püschel, Elfriede, geb. Tolusch, aus Inse, Kreis Elchniederung, am 10. Juli

Schmidt, Renate, geb. Joschek, aus Vierbrücken, Kreis Lyck, am 14. Juli

Vorberg, Ruth, geb. Klein, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 12. Juli

ZUM 94. GEBURTSTAG

Krause, Frieda, geb. Rehberg, aus Grunau, Kreis Heiligenbeil, am 8. Juli

Moderegger, Fritz, aus Damerau, Kreis Ebenrode, am 14. Juli

Pohl, Friedrich, aus Ortelsburg, am 11. Juli

Ting, Gerda, geb. Klemusch, aus Fuchshügel, Kreis Wehlau, am 8. Juli

ZUM 93. GEBURTSTAG

Abraham, Irma, geb. Naujoks, aus Urbanshof, Kreis Elchniederung, am 14. Juli

Aleksiuk, Waltraud, geb. Kuklinski, aus Rauschenwalde, Kreis Lötzen, am 9. Juli

Kelch, Lotte, geb. Mellenthin, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 8. Juli

Kolodzey, Elfriede, geb. Krüger, aus Gollen, Kreis Lyck, am 14. Juli

Kowalewski, Dr. Karl, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 13. Juli

Piefke, Margarete, geb. Zelustek, aus Rodefeld, Kreis Ortelsburg, am 13. Juli

Suchalla, Berta, geb. Kopka, aus Hamerudau, Kreis Ortelsburg, am 14. Juli

ZUM 92. GEBURTSTAG

Berger, Hildegard, geb. Bunschei, aus Lyck, am11. Juli

Geschull, Willy, aus Ebenrode,  am 10. Juli

Jähnke, Waltraud, geb. Dombrowski, aus Treuburg, am 13. Juli

Pyrags, Heinz, aus Kämpen, Kreis Elchniederung, am 9. Juli

Rogowski, Hans, aus Lyck, am 12. Juli

ZUM 91. GEBURTSTAG

Böge, Magdalena, geb. Schöl, aus Aßlacken, Kreis Wehlau, am 9. Juli

Boehnert, Gertrud, geb. Kraffzik, aus Goldensee, Kreis Lötzen, am 10. Juli

Ebner, Klaus, aus Tawellenbruch, Kreis Elchniederung, am 8. Juli

Flaum, Erika, aus Baitenberg, Kreis Lyck, am 9. Juli

Glasauer, Edith, aus Langheide, Kreis Lyck, am 14. Juli

Hoffmann, Otto, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 12. Juli

Kaminski, Horst, aus Ruß, Kreis Heydekrug, am 14. Juli

Kleine, Grete, geb. Grassat, aus Nassawen, Kreis Ebenrode, am 8. Juli

Knospe, Isa, geb. Seidler, aus Damerau, Kreis Wehlau, am 8. Juli

Meyer, Herta, aus Stettenbach, Kreis Lyck, am 13. Juli

Möller, Frieda, geb. Spill, aus Kathrinhöfen, Kreis Samland, am 8. Juli

Monzien, Siegfried, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 9. Juli

Nitsch, Frieda, geb. Wagner, aus Hollenau, Kreis Ebenrode, am 10. Juli

Piekatz, Oskar, aus Nareythen, Kreis Ortelsburg, am 13. Juli

Schellig, Martha, geb. Sawatzki, aus Kalgendorf, Kreis Lyck, am 8. Juli

Schröter, Christel, geb. Nisius, aus Augam, Kreis Preußisch Eylau, am 9. Juli

Timm, Eva, geb. Motzkau, aus Groß Engelau, Kreis Wehlau, am 14. Juli

Werner, Irene, geb. Steinbacher, aus Bilderweiten, Kreis Ebenrode, am 8. Juli

Wietrzychow, Elise, geb. Fischer, aus Pobethen, Kreis Samland, am 12. Juli

ZUM 90. GEBURTSTAG

Baatz, Gisela, geb. Rex, aus Lötzen, am 12. Juli

Bartels, Doris, geb. Siedler, aus Grünhoff, Kreis Samland, am 13. Juli

Behringhoff, Erna, geb. Taubert, aus Scharnau, Kreis Neidenburg, am 9. Juli

Goetzke, Benno, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 14. Juli

Hoffmann, Siefried, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 10. Juli

Jankowski, Alfred, aus Schwenten, Kreis Angerburg, am 12. Juli

Jaschinski, Heinz, aus Ortelsburg, am 3. Juli

Kapust, Elli, geb. Renz, aus Mülsen, Kreis Samland, am 11. Juli

Lullies, Meta, geb. Beckert, aus Langsee, Kreis Lyck, am 14. Juli

Meisner, Ulrich, aus Grünheide, Kreis Treuburg, am 9. Juli

Merchel, Reinhold, aus Skottau, Kreis Neidenburg, am 14. Juli

Niemczik, Erika, aus Reinkental, Kreis Treuburg, am 11. Juli

Raddeck, Ella, geb. Strewinski, aus Moterau, Kreis Wehlau, am 14. Juli

Raphael, Edmund, aus Mrowken, und Neuforst, Kreis Lötzen, am 10. Juli

Reimer, Egon, aus Oswald, Kreis Elchniederung, am 11. Juli

Sauer, Waltraud, geb. Holz, aus Waiselhöhe, Kreis Neidenburg, am 11. Juli

Wagner, Irmgard, geb. Migge, aus Mostolten, Kreis Lyck, am 14. Juli

Wermter, Willy, aus Richtenberg, Kreis Treuburg, am 11. Juli

Woyke, Erwin, aus Uggehnen, Kreis Samland, am 8. Juli

ZUM 85. GEBURTSTAG

Brandenburger, Günter, aus Ebenrode, am 11. Juli

Didlein, Ursula, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 13. Juli

Feller, Rita, geb. Weber, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 10. Juli

Felske, Lieselotte, geb. Bednarz, aus Wallen, Kreis Ortelsburg, am 9. Juli

Foehn, Waldemar, aus Kreuzingen, Kreis Elchniederung, am 8. Juli

Gasenzer, Else, aus Groß Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 13. Juli

Grönitz, Christel, geb. Maecklenburg, aus Lyck, am 10. Juli

Hegemann, Irmgard, geb. Stallony, aus Neukuhren, Kreis Samland, am 14. Juli

Jüttner, Margarethe, geb. Proplesch, aus Elbings Kolonie, Kreis Elchniederung, am 12. Juli

Kagelmacher, Hanna, aus Pillkoppen, Kreis Samland, am 13. Juli

Karraß, Frieda, geb. Gatzke, aus Grünfließ, Kreis Neidenburg, am 11. Juli

Krajewski, Edeltraud, aus Heldenfelde, Kreis Lyck, am 12. Juli

Mateuszik, Günther, aus Lübeckfelde, Kreis Lyck, am 12. Juli

Moreyko, Erwin, aus Lengau, Kreis Treuburg, am 11. Juli

Naporra, Erwin, aus Grünsee, Kreis Lyck, am 10. Juli

Naumann, Irma, geb. Masch-linski, aus Milussen, Kreis Lyck, am 14. Juli

Path, Edith, geb. Niedzwetzki, aus Ulrichsfelde, Kreis Lyck, am 14. Juli

Pfannenschmidt, Traute, geb. Falk, aus Gelitten, Kreis Treuburg, am 14. Juli

Reichle, Herta, geb. Olbrisch, aus Regeln, Kreis Lyck, am 11. Juli

Rick, Ursula, geb. Maczey, aus Reimannswalde, Kreis Treuburg, am 8. Juli

Schaaf, Heinz, aus Ebenrode, am 11. Juli

Schlierenkamp, Marianne, geb. Wilke, aus Alllenburg, Kreis Wehlau, am 8. Juli

Schwabe, Gerd, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 9. Juli

ZUM 80. GEBURTSTAG

Anuth, Irmtraud, geb. Kaschny, aus Königsberg, am 13. Juli

Brzoska, Gerd, aus Rettkau, Kreis Neidenburg, am 12. Juli

Chojetzki, Helga, geb. Trojahn, aus Ortelsburg, am 14. Juli

Daschkey, Walter, aus Neuen-dorf, Kreis Lyck, am 9. Juli

Fett, Liselotte, geb. Boenig, aus Seesken, Kreis Treuburg, am 14. Juli

Gayk, Rudolf, aus Groß Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 11. Juli

Geick, Emmi, geb. Trzeciak, aus Friedrichhof, Kreis Ortelsburg, am 13. Juli

Genzmer, Inge, geb. Lehmann, aus Grünlinde, Kreis Wehlau, am 14. Juli

Gerdes, Elli, geb. Plotzitzka, aus Kilianen, Kreis Treuburg, am 9. Juli

Gernand, Lieselotte, geb. Thal, aus Windkeim/Pohren, Kreis Heiligenbeil. Am 12. Juli

Goetze, Edeltraut, geb. Reck, aus Rübenzahl, Kreis Lötzen, am 12. Juli

Harder, Werner, aus Gauleden, Kreis Wehlau, am 8. Juli

Hensel, Helmut, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 12. Juli

Koll, Dieter, aus Tawe, Kreis Elchniederung, am 12. Juli

Krause, Waltraut, geb. Hantel, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 12. Juli

Kröger, Edith, geb. Tees, aus Bärengrund, Kreis Treuburg, am 9. Juli

Kunert, Anneliese, geb. Kühn, aus Scharfeneck, Kreis Ebenrode, am 10. Juli

Manke, Brigitte, geb. Klein, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 13. Juli

Massat, Walter, aus Altenfließ, Kreis Ebenrode, am 13. Juli

Meiert, Renate, geb. Remanowsky, aus Eichkamp, Kreis Ebenrode, am 11. Juli

Moyseszik, Otto, aus Eichensee, Kreis Lyck, am 12. Juli

Rattay, Edeltraud, geb. Danowski, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 10. Juli

Rehfeld, Helmut, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 10. Juli

Rüdiger, Christel, geb. Link, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 14. Juli

Sadlowski, Horst, aus Schönhöhe, Kreis Ortelsburg, am 11. Juli

Schättiger, Elfriede, geb. Tangler, aus Gauleden, Kreis Wehlau, am 10. Juli

Schlicht, Erich, aus Pobethen, Kreis Samland, am 14. Juli

Schön, Ernst, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 8. Juli

Senf, Inge, geb. Warthun, aus Tilsit, am 14. Juli

Sontowski, Werner, aus Wilhelmsthal, Kreis Ortelsburg, am 8. Juli

Thiele, Helga, geb. Sawatzki, aus Hohenfried, Kreis Ebenrode, am 11. Juli

Wittke, Klaus, aus Trammen, Kreis Elchniederung, am 8. Juli

Wolf, Maria, geb. Bloch, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 11. Juli

Zgaga, Gerhard, aus Rauschken, Kreis Ortelsburg, am 14. Juli

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bean-Keiffenheim, Brigitte, aus Königsberg, am 8. Juli

Cotte, Helga, geb. Hube, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 11. Juli

Czelustek, Herbert, aus Flammberg, Kreis Ortelsburg, am 11. Juli

Dumka, Inge, geb. Kemfert, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 8. Juli

Duscha, Heribert, aus Neidenburg, am 12. Juli

Gohrke, Gerlinde, geb. David, aus Ortelsburg, am 12. Juli

Knauth, Gerda, geb. Daumann, aus Mankuslanken, Kreis Heidekrug, am 13. Juli

Kochta, Waltraud, geb. Bruisch, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 8. Juli

Michaelis, Hannelore, geb. Purkus, aus Starkenberg, Kreis Ortelsburg, am 12. Juli

Scharrmann, Gerhard, aus Groß-Tauersee, Kreis Neidenburg, am 12. Juli

Schröder, Ingrid, geb. Pest, aus Friedrichsthal, Kreis Wehlau, am 14. Juli

Schulz, Edelgard, geb. Kraska, aus Klein Jerutten, Kreis Ortelsburg, am 9. Juli

Tolsdorff, Peter, aus Wiesenhöhe, Kreis Treuburg, am 10. Juli

Weber, Waltraud, geb. Butzek, aus Langenwalde, Kreis Ortelsburg, am 13. Juli

Zürn, Ursula, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 9. Juli


S. 16 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101.

In dieser Woche empfing Landrat Hermann Luttmann eine Gruppe von Schülern aus Angerburg im Landkreis Rotenburg (Wümme). Anwesend waren auch ihre Gastgeber vom Rotenburger Ratsgymnasium, Lehrkräfte aus beiden Ländern und Kurt-Werner Sadowski, Kreisvertreter der Kreisgemeinschaft Angerburg.

Die Schülergruppe hat den Landkreis Rotenburg vom 27. Mai bis zum 3. Juni besucht. Unterstützt wurde der Besuch vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk. Seit 1994 findet der Austausch zwischen dem Ratsgymnasium Rotenburg und dem Lyceum in Angerburg statt. Durch die Vermittlung der Kreisgemeinschaft Angerburg entstand eine langjährige Partnerschaft zwischen beiden Schulen. Jedes Jahr fährt eine Gruppe nach Angerburg beziehungsweise kommt nach Deutschland. Im Laufe der Jahre sind viele Freundschaften entstanden. Das Verständnis gegenüber dem anderen Land hat zugenommen, Vorurteile wurden abgebaut.

Zusammen unternahmen die Schüler viele Ausflüge in die Umgebung. Ziel war unter anderem auch das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg. Am vorletzten Tag ging es dann direkt nach dem Empfang im Kreishaus unter der Leitung von Kurt-Werner Sadowski nach Bremen.

 

EBENRODE (STALLUPÖNEN)

Kreisvertreter: Dr. Gerhard Kuebart, Schiefe Breite 12a, 632657 Lemgo, Telefon (05261) 8 81 39, E-Mail: gerhard.kuebart@ googlemail.com.

21. bis 31. Juli und 26. Juli bis  8. August, Otterndorf: Deutsch-russisches Kinderferienlager und Jugendbegegnung in der Jugendherberge Otterndorf, Schleusenstraße 147, 21762 Otterndorf. Anmeldung beim Jugendbeauftragten: Norbert Schattauer, Landesstraße 19, 21776 Wanna, Telefon (04757) 463, E-Mail: schattauer-wanna@t-online.de.

 

ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Im Hotel Esplanade, Bahnhofstraße 8, Bad Nenndorf, findet vom 9. bis 11. September das Kreistreffen und die Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft statt. Hier ist das Programm:

Freitag, 9. September

14 Uhr: Eröffnung des Tagungsbüros im Foyer

14 Uhr: Delegierten-Versammlung im Raum Zürich

14 Uhr: Treffen im Restaurant

16 bis 18 Uhr: Film- und Diavorführung im Raum Luzern (UG)

Sonnabend, 10. September

9 Uhr. Eröffnung des Tagungsbüros

ab 9.30 Uhr: Treffen im Restaurant

10 bis 12 Uhr: „… du sollst ein Segen sein – Katharina von Rauter“ – Lesung von Frau Brand-Berg und Bilder aus dem Heimatarchiv vorgestellt von W. Nienke. Beide Veranstaltungen finden im Raum Luzern statt.

12 Uhr: Mittagessen

13 Uhr: Eröffnung der Mitgliederversammlung durch den Vorsitzenden mit Totenehrung. Die geistlichen Worte spricht Pfarrerin Erika Juckel. Das Grußwort hält Landrat F. Kethorn, Grafschaft Bentheim. Im Anschluss: Berichte der Kirchspielvertreter, Wahlen und Ehrungen

Ab 16 Uhr: Gemütliches Beisammensein, plachandern

16 bis 18 Uhr: Weitere Bilder, Filme, Bilderfassung im Raum Luzern

Ab 18 Uhr: musikalische Unterhaltung

Sonntag, 11. September

10 Uhr: Gottesdienst in der Kirche Steinhude, Besuch des Agnes-Miegel-Hauses, Ausklang im Hotel

 

GOLDAP

Kreisvertreter: Stephan Grigat, Telefon (05231) 37146, Fax (05231) 24820, Heidentalstraße 83, 32760 Detmold. Geschäftsstelle: Annelies Trucewitz, Hohenfelde 37, 21720 Mittelnkirchen, Telefon (04142) 3552, Telefax (04142) 812065, E-Mail: museum@goldap.de. Internet: www.goldap.de.

Die Kreisgemeinschaft lädt herzlich zum 21. Goldaper Sommerfest am 23. Juli  ab 14.30 Uhr auf dem Gelände des Hotels „Lesny Zakatek“ am Goldaper See ein.

Im Mittelpunkt des Sommerfestes werden Geselligkeit mit Musik und Tanz und die Völkerverständigung stehen. Daneben wird den Besuchern ein ansprechendes Kulturprogramm geboten. Unter anderem wird der Chor der Neidenburger Deutschen Minderheit auftreten. Für Essen und Trinken ist selbstredend gesorgt.

Die Kreisgemeinschaft erwartet auch 2016 zahlreiche Gäste aus der Deutschen Volksgruppe und aus der Bundesrepublik Deutschland. Am Sonntag, dem 24. Juli um 15 Uhr wird in der Goldaper Alten Kirche ein evangelischer und teils zweisprachiger Gottesdienst unter Leitung von Pfarrer Dawid Banach stattfinden. Auch zu diesem Gottesdienst wird herzlich eingeladen.

 

INSTERBURG − Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, Fax (03222) 3721953, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V.,  Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Postfach 111 208, 47813 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, Fax (02151) 491141, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Terminänderung

Heimatgruppe Darmstadt: Nicht, wie gemeldet am 16. Juli sondern am 23. Juli findet in der Taverna Hellas, Bahnhofstraße 17, 62491 Darmstadt-Wixhausen, das nächste Treffen statt.

Heimatgruppe Köln: Treffen jeweils am 4. Mittwoch im Monat. Nächste Zusammenkunft am Mittwoch, 27. Juli. Informationen: Carola Maschke, Telefon (0221) 796942, E-Mail: C.Maschke@netcologne.de.

Heimatgruppe Kiel: Treffen in jedem Monat am zweiten Donnerstag im Café Rebecca in der Matthias-Claudius-Kirche in Kiel-Suchsdorf. Informationen: Hellmut Jucknat, Telefon (0431) 311972.

 

LÖTZEN

Kreisvertreter: Dieter Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, Fax: (040) 60890478, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

An jedem Sonntag vom 3. Juli bis einschließlich 28. August finden in der evangelischen Kirche in Lötzen (Gizycko) Orgelkonzerte statt. Sie beginnen stets um 19 Uhr. Zu hören sind nicht nur Werke für Orgel, in der Regel treten auch kammermusikalische Ensembles auf.

Das siebte Jahr in Folge bietet das Lötzener Heimatmuseum in der Patenstadt Neumünster einen Buchmarkt unter der Bezeichnung „Bücher aus 100 Jahren“ an. Wenn sich in der Sudetenlandstraße 18 H (Böcklersiedlung) am Sonnabend, 16. Juli, um 10 Uhr die Türen öffnen, werden Bücherfreunde wieder voll auf ihre Kosten kommen. Fleißig ist von den Betreuern des Lötzener Archivs und Heimatmuseums in den vergangenen Monaten gesammelt worden: Im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Familie und in der Nachbarschaft. Auch der private und viel zu umfangreiche Buchbestand wurde in den Wintermonaten gründlich auf Verzichtbares durchforstet. Hinzu kommen Dubletten aus Bücherspenden, die nicht dem Lötzener Buchbestand zugeordnet werden konnten. So ist wieder eine bunte Mischung zusammengekommen: Sachbücher, vor allem zu geschichtlichen und heimatkundlichen Themen, aber auch über Kunst und Religion, finden sich neben Belletristik, von Klassikerausgaben über Lyrik hin zu Kinderbüchern. Das älteste Buch, das dieses Mal angeboten wird, wurde 1838 gedruckt: „Der Cavalier auf Reisen im Jahr 1837“! Die jüngsten Bücher sind Taschenbücher, die im vergangenen Jahr erschienen sind. Alle Bücher sind in einem neuwertigen Zustand! Nur diejenigen, die bereits Jahrzehnte alt sind, tragen mitunter altersbedingte Abnutzungsspuren. Die Mehrzahl der Bücher wird – hoffentlich – für wenig Geld den Besitzer wechseln; nur im Ausnahmefall wird für besonders gestaltete oder seltene Bücher der Betrag von vier oder fünf Euro erbeten. Der Erlös des Buchmarktes kommt der Museumsarbeit zugute. Der Lötzener Ausstellungs- und Veranstaltungsraum ist an diesem Sonnabend bis 16 Uhr geöffnet. Den Besuchern bietet sich ein letztes Mal die Gelegenheit, die Kunstwerke der Sonderausstellung „Weite und Heimlichkeit – die Landschaft Masurens in Werken ostpreußischer Künstler“  (überwiegend Leihgaben des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg) zu betrachten.

 

RÖSSEL

Kreisvertreter (komm.): Paul Thiel, Haydnstraße 23, 66333 Völklingen, Telefon (06898) 25327. Redaktion Rößeler Heimatbote: Gisela Heese-Greve, 23562 Lübeck, Tel. (0451) 58249090.

Es ist nie zu spät! Großeltern und Eltern schafften es immer wieder, nach Flucht und Vertreibung die Erinnerung an ihre Heimat zu erhalten. Auch für mich ist die Bedeutung der Heimat und diese Erinnerung wieder gewachsen. Es sind unsere Wurzeln, die uns stark machen.

Ich habe die Bitte, liebe Landsleute, Verwandte, Freunde und Bekannte, kommt zum Treffen der Kreisgemeinschaft am 17. und 18. September nach Neuss! Die Verantwortlichen haben in den vergangenen Jahren keine Mühen gescheut, das Treffen eindrucksvoll zu gestalten. Bekanntlich kann der Mensch vieles entbehren, nur den Menschen nicht. Also nehmt die Gelegenheit wahr und kommt zum Treffen von Sonnabend bis Sonntag nach Neuss. Für Übernachtungsgäste gibt es kurze Fußwege zur Veranstaltung: Im Ibis-Hotel, Telefon (02131) 1040, kostet das Einzelzimmer 59 Euro und das Doppelzimmer 69 Euro inklusive Frühstück. Auch Landsleute aus anderen Heimatkreisen, die Verbindungen zum Kreis Rößel haben, sind uns herzlich willkommen. Eine Anmeldung wäre schön bei Uschi Schlempke, Telefon (02131) 28633, ist aber keine Voraussetzung.


S. 17-20 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BUND JUNGES OSTPREUSSEN

Vorsitzender: Marius Jungk, Gst.: Buchtstr. 4, 22087 Hamburg, Tel.: (040) 4140080, E-Post: kontakt@junge-ostpreussen.de, www.junge-ostpreu­ssen.de.

Montag, 8., bis Sonntag, 21. August: BJO-Sommerfahrt ins Memelland. Weitere Informationen: www.junge-ostpreussen.de/47-0-Aktivitaeten.html

Freitag, 30. September, bis Montag, 3. Oktober, Bad Honnef: BJO-Herbstseminar und BJO-Bundestreffen. Thema des Seminars:  „150 Jahre Deutscher Krieg – Preußen und Österreich in Geschichte und Gegenwart“. Weitere Informationen finden Sie unter: www.facebook.com/events/ 1032910313418878/ 2

Donnerstag, 24., bis Sonntag, 27. November: Adventstreffen im ostpreußischen Osterode. Informationen: www.junge-ostpreus-sen.de/47-0-Aktivitaeten.html

Donnerstag, 29. Dezember, bis Dienstag, 3. Januar: Silvesterfahrt nach Ostpreußen: Informationen: www.junge-ostpreussen.de/47-0-Aktivitaeten.html

 

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Mittwoch, 27. Juli, 14.30 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Stuttgart: Kulturnachmittag. Filmvorführung von Herrn Schulze über die Reise der Landesgruppe zum Deutschlandtreffen 2014 in Kassel. Die Reise ging über Holland mit vielen schönen Eindrücken und Erlebnissen. Die Landsmannschaft Westpreußen und Gäste sind herzlich eingeladen.

– Bericht –

Die Zusammenarbeit der Landsmannschaften Ostpreußen mit Memelland, Westpreußen und Danzig, der Landsmannschaft Pommern, des Deutsch-Baltischen Freundeskreises sowie der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, hat sich in den letzten Jahren in Baden-Württemberg erfreulich verstärkt und dazu geführt, dass 2015 erfolgreich eine gemeinsame  Kulturtagung im Haus der Heimat in Stuttgart durchgeführt werden konnte. In Fortsetzung dieser gemeinsamen Veranstaltung der „Nord-Ost-Landsmannschaften“ fand nunmehr am 25. Juni erneut, ebenfalls im großen Saal des Stuttagrter Hauses der Heimat, eine gemeinsame Kulturtagung statt, die von Hans-Werner Schwalke (Westpreußen), Uta Lüttich (Ostpreußen) Karsten Wulff (Pommern), Wilfrid Braun (Deutsch-Balten) und Hans-Werner Carlhoff, (Weichsel-Warthe) vorbereitet und verantwortet wurde.

Im Mittelpunkt der Kulturtagung stand diesmal ein Thema, mit dem verschiedene Facetten geografischer, historischer und sozialer Dimension angesprochen wurden: „Königin Katharina von Württemberg“. Der Historikerin Helga Preußler, 1933 in Arnswalde/Neumark geboren und durch ihre Vorträge „Historische Frauengestalten“ bekannt geworden, gelang es, den wieder zahlreich anwesenden Teilnehmern der Kulturtagung das Leben und die hervorragende Bedeutung von Katharina Pawlowna Romanowa, Großfürstin von Russland (geboren in St. Petersburg am 21. Mai 1788, gestorben in Stuttgart am 9. Januar 1819), von 1816 bis 1819 Königin von Württemberg, nahezubringen. Die Tatkraft dieser ungewöhnlichen und begabten Frau in Zeiten, die im damaligen Königreich Württemberg durch eine extreme Hungersnot und durch eine weite Bevölkerungskreise erfassende Armut gekennzeichnet waren, hat bis in die Gegenwart in Württemberg tiefe Spuren hinterlassen.

Königin Katharina gründete einen Wohltätigkeitsverein, der zum ersten Mal nach dem Grundsatz der „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu handeln versuchte. So entstanden im Land Industrieschulen und Beschäftigungsanstalten. Als Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg besteht dieser Verein noch heute. An das Wirken Katharinas erinnern auch das Stuttgarter Katharinenstift, von der Königin als Bildungsanstalt für Mädchen gegründet, das Katharinenhospital und die ebenfalls von der Königin angeregte gemeinnützige Bank für die „kleinen Leute“, die noch heute bestehende Württembergische Landessparkasse.

Von der Referentin wurde verdeutlicht, dass die Geschichte Europas zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus heutiger Sicht als Zeitenwende angesehen werden kann, ganz wesentlich bestimmt durch die imperiale Politik am russischen Zarenhof: Katharinas Vater war Zar Paul I. von Russland, ihr Bruder Zar Alexander I. von Russland, ihre Großmutter Katharina die Große. Lebendig wurden von der Referentin auch die politischen Ereignisse in „Westeuropa“, insbesondere in Preußen, der Wiener Kongress und die Situation des durch Napoleons Gnaden entstandenen kleinen und armen Königreichs Württemberg charakterisiert. So erlebten die Teilnehmer eine spannende Stunde europäischer Geschichte.

Die musikalische Umrahmung dieser zweiten „Nord-Ost-Kulturtagung“ erfolgte wieder durch Ralph Demski aus Pforzheim. Die reichhaltige Kaffeetafel war von verschiedenen Damen der mitwirkenden Landsmannschaften gemeinsam arrangiert worden. In seinen Dankesworten am Schluss der Veranstaltung erinnerte der Landesvorsitzende der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, Hans-Werner Carlhoff, an die Anfang der Woche, am 20. Juni, in Stuttgart-Bad-Cannstatt erfolgte Kranzniederlegung aus Anlass des Weltflüchtlingstages durch den neuen Innenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Thomas Strobl, der bei dieser Gelegenheit die Leistung der Vertriebenen und das Wirken der verschiedenen Landsmannschaften als „Brückenbauer nach Osteuropa“ hervorgehoben hatte.

Uta Lüttich, die Landesvorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen und Hans-Werner Schwalke von der Westpreußischen Landsmannschaft machten bei der Verabschiedung der Teilnehmer deutlich, dass die gut besuchte Kulturtagung als Ermutigung angesehen werden kann, auch im kommenden Jahr wieder eine solche Veranstaltung in Stuttgart durchzuführen.

                Hans-Werner Carlhoff

Frauengruppe – Dienstag, 12. Juli, 14.30 Uhr, Kleiner Saal, Haus der Heimat, Stuttgart: Die Frauengruppe trifft sich zu einem interessanten Nachmittag. Thema „Reiseberichte“. Alle Mitglieder der Frauengruppe und Kreisgruppe sind eingeladen, den Nachmittag mit eigenen Beiträgen zu bereichern. Die Landsmannschaft Westpreußen und Gäste sind herzlich eingeladen.

Reutlingen – Mittwoch, 13. Juli, 14 Uhr, Gasthaus Edelweiß, Sickenhäusenstraße: Treffen der Frauengruppe. 

Ulm/Neu Ulm – Sonnabend, 9. Juli, 14.30 Uhr, Ulmer Stuben: Monatliches Treffen. – Sonntag, 10. Juli, 18 Uhr, Donauschwäbisches Zentralmuseum: Südostdeutscher Volkstumsabend mit Musik- und Tanzvorführungen.

Weinheim/Bergstraße – Mittwoch, 13. Juli, 15 Uhr, Café St. Barbara, Am Schloßberg: Treffen der Frauengruppe. Aus dem Gedichtband „Steht ein Haus im Osten“ von Eva Maria Sirowatka werden zu Herzen gehende Verse vorgetragen.  Die Dichterin gehört einer Generation an, die Schreck-liches erlebte: Krieg und Vertreibung, Verlust der Heimat im Osten, Neubeginn in der Fremde. Ihre Empfindungen, Hoffnungen und Sehnsüchte bringt sie in all ihren Gedichten zum Ausdruck.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Altmühlfranken – Freitag, 29. Juli, 19 Uhr, Kastaniengarten, Gastwirtschaft Röschelskeller, Gunzenhausen: Sommerabend der Landsmannschaften.

Ansbach – Sonntag, 10. Juli: Heimatfestumzug. – Sonnabend, 16. Juli, 15 Uhr, Orangerie: Gemütlicher Sommernachmittag.

Kitzingen – Freitag, 15. Juli, 15 Uhr, Hotel „Würzburger Hof“, Sommerfest bei schönem Wetter im Garten.

Landshut – Dienstag, 19. Juli, 14 Uhr, Gasthof „Zur Insel“. Badstraße 16, 84028 Landshut: Zusammenkunft.

München – Freitag, 8. Juli, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Treffen der Frauengruppe.

Nürnberg – Dienstag, 19. Juli 15 Uhr, Haus der Heimat, Imbuschstraße 1 (Endstation der U1 gegenüber), Nürnberg-Langwasser: Edith Kohlhoff trägt Gedichte vor. Ein Erinnerungsvideo unseres hochbetagt verstorbenen Mitglieds.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Bartenstein – Treffen der Gruppe. Anfragen bitte an Elfi Fortange, Telefon 4944404, richten.

Königsberg – Freitag, 15. Juli, 14 Uhr, Johann–Georg–Stuben, Johann-Georg-Straße-Straße 10, 0709 Berlin-Halensee. Gemeinsames Treffen. Anfragen: Elfi Fortange, Telefon 4944404.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremen – Busfahrt der Landsmannschaft Ostpreußen und Westpreußen e.V., Bremen. nach Greifswald und Neubrandenburg vom 7. bis 9. Oktober zum 21. Ostpreußentreffen Mecklenburg-Vorpommern in Neubrandenburg inklusive Besuch des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald. Das Programm:

Freitag, den 7. Oktober

10 Uhr: Abfahrt, ZOB Bremen

ca. 16 Uhr: Ankunft im Mercure Hotel Greifswald

ab 18 Uhr: Abendessen im Hotelrestaurant

Sonnabend, 8. Oktober

8:45 Uhr: Bustransfer nach Neubrandenburg

10 bis 17 Uhr: Besuch des

21. Ostpreußentreffens

17.30 Uhr: Rückfahrt zum Mercure Hotel Greifswald

ab 19 Uhr: Abendessen im Hotelrestaurant

Die Teilnahme am Ostpreußentreffen ist nicht zwingend, stattdessen kann auch individuell in Greifswald geblieben oder in Neubrandenburg die Stadt besichtigt werden.

Sonntag, 9. Oktober

9:40 Uhr: Bustransfer zum Pommerschen Landesmuseum in Greifswald

10 bis 11.30 Uhr: Führung im Pommerschen Landesmuseum

11.45 bis 14.00 Uhr: individuelle Mittagspause in Greifswald

14.30 Uhr: Rückfahrt nach Bremen

ca. 20.30 Uhr: Ankunft in Bremen (ZOB)

Der Preis beträgt pro Person 193 Euro im Doppelzimmer und 229 Euro bei Übernachtung im Einzelzimmer. Zu den Leistungen zählen: Fahrt im modernen Reisebus, zwei Übernachtungen im Vier-Sterne-Mercure-Hotel Greifswald (Am Gorzberg, 17489 Greifswald), zwei Frühstücksbüffets, zwei Abendessen, einmal Hin- und Rücktransfer zum 21. Ostpreußentreffen in Neubrandenburg, einmal Eintritt für das 21. Ostpreußentreffen, einmal Eintritt und Führung im Pommerschen Landesmuseum.

Anmeldungen bis zum 1. August bitte an Julita Venderbosch, Telefon (0421) 4854633.

Bremen-Nord – Am 28. Mai feierte die Landsmannschaft Ost- und Westpreußen ihr 60-jähriges Bestehen. Am 12. Mai 1956 wurde sie im damaligen Forsthaus in Blumenthal  gegründet. Die Gründung war das Ergebnis eines zuerst losen Zusammenschlusses ostpreußischer- und westpreußischer Landsleute.

Der erste Vorsitzende, vom 12. Mai 1956 bis zum 13. Februar 1957 war Dr. Bell. Kurz nach der Gründung der Landsmannschaft wurde das Vereinslokal gewechselt. Man traf sich zu den Veranstaltungen, bis heute bei  „Wildhack“, jetzt „Waldschmiede“, in Beckedorf. Der damalige Besitzer Johann Wildhack war den Ost- und Westpreußen sehr wohlgesonnen. Er hatte den Kampf um Ostpreußen und speziell um Königsberg als Soldat mit erlebt. Die vertriebenen Landsleute fühlten sich bei „Wildhack“ sehr wohl und neben dem Bewahren der ost- und westpreußischen Kultur kam das Feiern bei Heringsessen, Sommernachtsbällen, Fleck- und Königsberger Klopse essen, Erntedankfesten oder den Weih-nachtsfeiern nicht zu kurz. Weiterhin wurden Tages- und Halbtagesfahrten durchgeführt. Die Deutschlandtreffen der Ostpreußen wurden mit selbstgecharterten Bussen besucht.

Es wurden immer wieder Gedichte und Geschichten sowie Sketche in ostpreußischer Mundart vorgetragen. Letzteres wird bis heute durchgeführt. Mit den Jahren wuchs die Landsmannschaft stetig, so dass sich aus ihr eine weitere Landsmannschaft gründete: Die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen Bremen-Vegesack. Trotz der Neugründung betrug der Mitgliederstand am 25. April 1997 152 Personen.

In den 60 Jahren ihres Bestehens standen folgenden Personen, dem Verein als Vorsitzende vor: 1. Dr. Bell (12. Mai 1956 bis 13. Februar 1957),  2. Herr Rusch (13. Februar 1957 bis Oktober 1960), 3. Frau de Groot (Oktober 1960 bis  3. März 1961). 4. Herr Reiner (3. März 1961 bis 26. Januar 1962),  5. Herr Fischer (26. Januar 1962 bis 16. März 1971), 6. Herr Haese (16. März 1971 bis  22. Januar 1977). 7. Herr Haneberg, (22. Januar 1977 bis 6. März 1981), 8. Herr Timm (6. März 1981 bis 25. April 1997), 9. Herr Schulz (25. April 1997 bis heute)

Eine Anmerkung zur Vorsitzenden Frau de Groot: Zur damaligen Zeit war es schon außergewöhnlich, dass eine Frau den Vorsitz in einer Landsmannschaft übernahm. Innerhalb der Landsmannschaft gründete sich auch eine starke  Frauengruppe die sich bis heute einmal im Monat treffen.

Wir hoffen alle, dass es noch viele Jahre mit unserer Landsmannschaft weitergeht und die Mitglieder bei guter Gesundheit bleiben.      Jörg Schulz

Bremerhaven –  Am Kulturnachmittags der Landsmannschaft Ost- /Westpreußen und dem Heimatkreis Elbing in Bremerhaven nahmen am Freitag, dem 24. Juni, im Barlachhaus am Holzhafen 27 Heimatfreunde teil. Die stellvertretende Vorsitzende Barbara Sandmann begrüßte die Mitglieder zum Sommerfest und entschuldigte die Vorsitzende Marita Jachens-Paul, die leider nur kurze Zeit am Heimatnachmittag teilnehmen konnte. Sandmann freute sich, dass auf Grund der Ankündigung im „Sonntags-Journal“ wieder drei Interessierte gekommen waren.

Zur Überraschung aller spendierte die beliebte Malerin Inge Kies jedem der Anwesenden Butterkuchen, der mit Freude angenommen wurde. Barbara Sandmann wies darauf hin, dass in den Monaten Juli und August keine Kulturnachmittage stattfinden werden (Sommerpause). Das nächste Treffen findet am

23. September statt. Alle Anwesenden sind dann wieder herzlich ins Barlachhaus eingeladen. Dort wird voraussichtlich der dritte Teil der Ostpreußen-Filme vorgeführt.

Am Donnerstag, dem 13 Oktober, dem genauen Gründungsdatum vor 90 Jahren, treffen sich alle Mitglieder im Barlachhaus bereits um 13 Uhr zum Stiftungsfest, an dem nach einem kleinen Festakt allen Teilnehmern Suppe serviert werden soll. Im Laufe des Nachmittags gibt es außerdem selbstverständlich Kaffee und Kuchen. Dazu soll neben dem Bremer Landesvorsitzenden Helmut Gutzeit auch Bremerhavener Polit-Prominenz eingeladen werden.

Mit dem gemeinsamen Singen des Ostpreußenliedes wurde der Kulturnachmittag bereits gegen 16.30 Uhr beendet – etwas verfrüht, da erkennbar ein Unwetter droht, so dass jeder der Teilnehmer gern den Heimweg antreten wollte.                 Barbara Sandmann

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Landesgruppe – Sonnabend, 16. Juli, 14 bis 17 Uhr (Einlass ab

13 Uhr), Traditionshaus Lackemann, Litzowstieg 8, 22041 Hamburg-Wandsbek: Sommerfest. Im Programm: Der LAB-Chor unter Leitung von Dieter Dziobaka, Lesungen und Geschichten zum Schmunzeln sowie kleine Film-Einlagen. Das Lokal ist mit der U1 und den Bussen sehr gut zu erreichen. Vom Bahnhof Wandsbek-Markt sind es nur wenige Gehminuten. Wer von der Wandsbeker Marktstraße aus den Durchgang „Hinterm Stern“ zwischen Quarree und Hotel Tiefenthal nimmt, sieht bereits das Traditionshaus Lackemann. Parkmöglichkeiten bestehen im Quarree-Parkhaus P2. Weitere Informationen: Siegfried Grawitter, Telefon: (040) 205784.

KREISGRUPPEN

Osterode – Sonnabend, 16. Juli, 14 Uhr, Magnolien-Zimmer, Restaurant Ribling, Fuhlsbütteler Straße 755, Hamburg-Ohlsdorf: Gemütlicher Sommernachmittag mit einer gemeinsamen Kaffeetafel. Das Restaurant liegt direkt am U- und S-Bahnhof Ohlsdorf. 

 

HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788

Darmstadt/Dieburg – In der Vorstandssitzung der Kreisgruppe wurden die Termine und das Programm für das zweite Halbjahr 2016 besprochen und festgelegt. Es sind:

13 August: Vortrag von Franziska Raschke, pro-senior-Referentin, zum Thema „Die wichtigsten Medizin- und Ernährungsmythen“.

17. September: „Das Glück hat Flügel“ – Dia-Vortrag von Karla Weyland  über die Kraniche.

15. Oktober: Erntedank mit der Musik-Gesangsgruppe Biebesheim-Dornheim des BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau.

12. November: Siegfried Kugies zeigt einen Film von einer Reise im Jahr 2015 nach Ostpreußen und zum Oberländischen Kanal.

10. Dezember: Vorweihnachtliche Feier mit Liedern, Gedichten und kleinen Geschichten.  Wie schon seit Jahren wird uns der Jahrgangs-Chor 1940 aus Ober-Roden  mit einem Liederreigen auf das kommende Weihnachtsfest einstimmen.  

14. Januar 2017: Filmvortrag über Ostpreußen.

Weitere Informationen erfolgen zeitgemäß.

Kassel – Am letzten Treffen vor der Sommerpause sprach der Theologe und Journalist Egmond Prill zum Thema „Blickpunkt Israel – ein interessantes und merkwürdiges Land“. Wenngleich die Medien mehrmals wöchentlich über diese Konfliktregion berichten, fehlt es doch vielen Zeitgenossen an wichtigem Hin-tergrundwissen, um die oft zwie-spältigen Informationen über Israel und das Judentum besser einordnen zu können. Eine Hauptfrage stellt sich nachdenklichen Menschen seit jeher: Wieso existieren die Juden als Volk überhaupt noch, nachdem sie so lange ohne eigenes Land waren? Wären sie so geschichtsvergessen und manipulierbar wie wir Deut-schen seit einigen Jahrzehnten, gäbe es sie allerdings auch nicht mehr. Hier verwies der Referent auf das „Wir-Bewusstsein“ der Juden in Verbindung mit Geist und Tat. Dies prägt sie seit Jahrtausenden und lässt sie trotz aller Widerstände einen Lebensplatz finden. Der unverhältnismäßig große Anteil an Nobelpreisträgern mag ein Beispiel auf das geistige Vermögen vieler Juden geben.

Für den Staat Israel gab es zwei entscheidende Probleme: die Sicherheit und der Wassermangel des Wüstenlandes. Letzteres konnte dank perfekter Meerwas-serentsalzungsanlagen weitge-hend gelöst werden. Mit Spitzen-technologie gelang es im anderen Falle, die zahlreichen Feindstaa-ten in der Nachbarschaft in Schach zu halten. Gelänge es, den Neid und das Konkurrenzdenken zurückzudrängen, würde dem verbreiteten Anti-Judaismus die entscheidende Grundlage entzo-gen. Auch fragwürdige Entwick-lungen kamen zur Sprache, sei es die Siedlungspolitik oder das Gebaren extremer religiöser Gruppierungen. Trotz des einen oder anderen Widerspruchs in der anschließenden Diskussion bleibt festzuhalten: Israel ist ein interessantes und merkwürdiges Land.                        Gerhard Landau

Wiesbaden – Dienstag, 12. Juli, 15 Uhr, Gaststätte beim Wiesbadener Tennis- und Hockey-Club, Wiesbaden-Nerotal: Treffen der Frauengruppe mit Kaffeetrinken im Grünen. Anfahrt: Mit dem ESWE-Bus der Linie 1 bis zur Haltestelle Nerotal (Endhaltestelle). Wer Lust zu einem Spaziergang hat, steigt bereits an der Haltestelle „Kriegerdenkmal“ aus. Von dort geht die Gruppe um 14.30 Uhr durch die Nerotal-Anlage zur Gaststätte. Organisation und Leitung Helga Kukwa. – Donnerstag, 14. Juli, 12 Uhr, Gaststätte „Haus Waldlust“, Ostpreußenstraße 46, Wiesbaden-Rambach: Stammtisch. Wegen der Platzdisposition bitte anmelden bis spätestens 8. Juli, bei Irmgard Steffen, Telefon (0611) 844938. Anfahrt mit dem  ESWE-Bus der Linie 16, Haltestelle: Ostpreußenstraße. – Sonnabend, 23. Juli, 15 Uhr, Kleingartenverein am Wasserwerk, Erbenheim: Sommer-Gartenfest mit dem bewährten Duo Budau/Dr. Hübenthal. Wegen der Essens-Disposition bitte bis zum 15. Juli bei Irmgard Steffen, Telefon (0611) 844938 anmelden. Am Grill werden Steaks und Würstchen zubereitet, dazu gibt es Kartoffelsalat oder Brötchen. Zu Beginn steht Kaffee und Kuchen bereit. Das Gartenfest findet bei jeder Witterung statt; überdachte Bereiche stehen zur Verfügung

– Korrektur –

In der letzten Ausgabe der PAZ wurde fälschlich gemeldet, dass der Stammtisch am 23. Juli stattfindet. Korrekt ist der obengenannte Termin, der 14. Juli,

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Osnabrück – Freitag, 15. Juli, 15 Uhr, Gaststätte Bürgerbräu, Blumenhaller Weg 43: Treffen der Frauengruppe. – Dienstag, 26. Juli, 16.30 Uhr: Hotel Ibis, Blumenhaller Weg 152: Kegeln.

Rinteln – Donnerstag, 14. Juli, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Beim Monatstreffen der Gruppe wird Jürgen Kaupel aus seinem Leben berichten: „Meine Geschichte von Königsberg bis Rinteln“. Angehörige und Freunde sowie interessierte Gäste aus Nah und Fern sind ebenfalls herzlich willkommen. Auskünfte und Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit der Gruppe gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat unter Telefon (05751) 53 86 oder über: rebuschat@web.de

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Landesgruppe – Zahlreiche gebürtige Ostpreußen, Schlesier und Pommern sowie deren Freunde genossen an der Gedenkstätte der deutschen Heimatvertriebenen auf Schloss Burg an der Wupper einen erlebnisreichen Tag.

In diesen Tagen, wenn Themen rund um die aktuelle Flüchtlingsproblematik in Europa im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, ist es verständlich, dass sie auch im offiziellen Teil der Veranstaltung auf Schloss Burg bei Solingen Erwähnung finden: „Das letzte Jahr hat uns wiederum erschreckend gezeigt, dass die eigenen deutschen Opfer von Krieg, Flucht, Rechtsbruch und Vertreibung nichts, aber auch gar nichts für eine bessere Zukunft in Europa und der Welt bewirken konnten, dass niemand aus unserem Leiden lernen wollte, dies ist die nun bei uns täglich sichtbare bittere Erfahrung, der letzten noch lebenden Zeitzeugen in diesen Tagen“, betonte Jürgen Zauner, Vorsitzender der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe NRW.

Die nun mehr 20. Kulturveranstaltung der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe NRW, auf Schloss Burg an der Wupper war für Veranstalter, Teilnehmer und Besucher ein gelungenes Heimattreffen. Bereits zum zweiten Mal waren auch Vertreter der Landsmannschaft Schlesien, Landesgruppe NRW, dabei. Mit einem Informationsstand waren übrigens diesmal auch die nordrhein-westfälischen Pommern aus Wuppertal – sozusagen als „Vorhut“ – präsent. Voraussichtlich werden sie im Jahr 2017 für einen stärkeren Auftritt sorgen. Bei der Begrüßungsansprache dankte Jürgen Zauner den Teilnehmern für ihr Kommen und verriet zugleich: „Ohne Ihre jährliche Anwesenheit hier auf dem Schlossplatz gäbe es diese wichtige Öffentlichkeitsarbeit in NRW nicht mehr.“

Auch Rudi Pawelka, Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien in NRW und seit Kurzem BdV-Landesvorsitzender in NRW, begrüßte die zahlreich erschienenen Landsleute. Der Hauptredner, der Historiker und Literaturwissenschaftler Walter Rix, betonte in seinem Beitrag unter anderem: „Wir befinden uns ja hier auf Schloss Burg wie auf einer Insel. Hier treffen wir mit Menschen zusammen, mit denen wir vieles gemeinsam haben, nicht zuletzt unsere Herkunft aus dem deutschen Osten. Aber kaum verlassen wir diese Insel, so bläst uns der raue Wind der Wirklichkeit scharf in das Gesicht.“

Im Namen der jungen Generation sprach Tobias Link, der neue BJO-Vorsitzende des Regionalverbandes West. Der Student schilderte seinen persönlichen Bezug zu Ostpreußen, den er durch seinen aus Preußisch Holland stammenden Großvater erhielt. Link will gemeinsam mit seinen Mitstreitern die Attraktivität der regionalen Aktivitäten steigern und den Kreis der Interessenten und Bekenner für Ostpreußen vergrößern. Die Veranstaltung wurde durch die Bezirksregierung in Düsseldorf finanziell unterstützt.

Dank der ehrenamtlichen Mitarbeit der vielen Vertreter aus den umliegenden landsmannschaftlichen Gruppen Wuppertal und Solingen sowie vom Bund Junges Ostpreußen  wurden am Platz vor der Gedenkstätte auf Schloss Burg auch diesmal mehrere Stände mit Schriften, Bildbänden, Zeitschriften, historischen Land- und Postkarten aus ost- und westpreußischen sowie schlesischen Regionen aufgestellt. Am Stand der Landsmannschaft Ostpreußen, Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, waren neben Landkarten, Publikationen und DVD-Filmen auch Wappen und Tischkarten zu entdecken. Informiert wurde zudem darüber, dass die Videokanal-Beiträge von Ostpreußen-TV jetzt auch als DVD-Filme erhältlich sind. Zu den Neuheiten gehören die Vorträge von Willy Wimmer, Hans Eifler und Dr. Walter T. Rix zum Thema „Deutschland und Russland“.

Und weil das „Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen“ ohne Bernstein nicht vorstellbar ist, war auch eine Auswahl von goldgelb leuchtenden Ketten und Armbändern zu sehen. Dass Bernsteinschmuck übrigens auch zum Ostpreußenkleid gehört, konnten neugierige Besucher von den Vertreterinnen der landsmannschaftlichen Gruppen aus Solingen und Wuppertal erfahren. Stolz präsentierten Margitta Romagno und Sigrid Kruschinski ihre selbst genähten Festtagstrachten. Dass sie – wie alle Jahre wieder – auch diesmal die Anwesenden mit der typisch ostpreußischen Mohnrolle und anderen leckeren Kuchen verwöhnten, ist für sie selbstverständlich. Köstliche Kuchenstücke nach Backrezepten von anno dazumal und interessante Neuheiten rund um die Veranstaltungen des Bundes Junger Ostpreußen gab es bei „Café Lorbaß“.

Auch am Stand der Brotbäckerei Artur Müller aus Schwelm ging es um Produkte, die nach überlieferten Rezepturen hergestellt werden. Wer einen edlen Tropfen probieren wollte, hatte die Qual der Wahl: Probieren konnte man unter anderem den ostpreußischen Bärenfang, den schlesischen echten Stonsdorfer sowie den pommerschen Kräuterlikör Schit-Lot-Em.

Einer der Höhepunkte des Treffens war das von Dr. Bärbel Beutner moderierte Kulturprogramm. Sie eröffnete den „Bunten Reigen“ mit einem Gedicht von Simon Dach über die Freundschaft sowie mit Versen aus Eichendorffs Dichtung „In Danzig“. Am Programm beteiligte sich auch die 1966 von Barbara Schoch gegründete Sing- und Spielschar „Die Klingende Windrose“. Unter der Leitung von Andreas Schillings wurden deutsche Lieder und Tänze aus Westfalen, Siebenbürgen, Ostpreußen und Schlesien gesungen beziehungsweise aufgeführt. Zur Begeisterung des Publikums trug Bärbel Beutner zusammen mit Bruno Romeiks aus der Unnaer Gruppe „Gespräche“ von Dr. Lau auf Ostpreußisch vor.

Das Oberschlesische Blasorchester Ratingen mit seinem Dirigenten Andreas Bartylla sorgte mit einem Platzkonzert für gute Stimmung und begleitete auch das gemeinsame Singen unter anderem mit dem Deutschland-, Ostpreußen- und Schlesierlied.

Zum Programm der diesjährigen Begegnung gehörten auch das Trompetensolo von Frank Braun und das Gedenken an die Opfer der Vertreibung mit Kranzniederlegung. Einige Teilnehmer nutzten übrigens die Gelegenheit und besichtigten die Gedenkstätte der Heimatvertriebenen auf Schloss Burg. Viele der Anwesenden sind treue „Stammbesucher“ des Treffens. Sie versprachen jetzt schon, unbedingt auch im nächsten Jahr – sofern es ihre Gesundheit erlaube – dabei sein zu wollen. Mit Landsleuten über frühere Zeiten zu plachandern, sich mit Bekannten über aktuelle Themen auszutauschen, die eine oder andere kulinarische Spezialität zu probieren und einem Kulturprogramm beizuwohnen macht eben immer wieder Freude.

                Brigitte Gomolka

Bad Godesberg – Jeweils am ersten Mittwoch des Monats, 15 Uhr, Erkerzimmer, Stadthalle: Treffen der Frauengruppe. – Jeweils am dritten Mittwoch des Monats,

15 Uhr, Erkerzimmer: Stammtisch. Gäste sind herzlich willkommen.

Dortmund – Montag, 18. Juli, 14.30 Uhr, Heimatstube, Landgrafenschule (Eingang Märkische Straße): Gemeinsames Treffen.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr, Eichendorffsaal, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Probe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland unter der Leitung von Radostina Hristova. – Freitag, 8. Juli, Restaurant Lauren’s, Bismarck-straße 62: Stammtisch. – Donnerstag, 14. Juli, Raum 412, GHH: Offenes Singen mit Marion Cals.

Gütersloh – Sonnabend, 9. Juli: Seniorenfahrt. Stadt, Kirche, Museum, Schloss oder schöner Park? Bitte teilen Sie uns mit, wohin Sie gerne fahren würden und wir versuchen es zu realisieren. 10 Euro  Kostenbeteiligung (für Fahrt, Eintrittsgelder und Kaffeetrinken) werden im Bus eingesammelt. Nicht-Senioren unter 65 Jahre und Nicht-Mitglieder zahlen 15 Euro. Melden Sie sich bei Josef Block, Telefon (05241) 34841 oder Marianne Bartnik, Telefon (05241) 29211. – Donnerstag,

21. Juli, 15 Uhr, Café Villa Dr. Murken, Neuenkirchener Straße 12: Treffen der Frauengruppe. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Kontakt: Renate Thamm, Telefon (05241) 40422. – Der Ostpreußischer Singkreis trifft sich in unregelmäßigen Abständen montags von 15 bis 17 Uhr in der Elly-Heuss-Knapp-Realschule, Moltkestraße 13. Neue „Drosseln“ sind immer gerne willkommen, egal ob männliche oder weibliche. Kontakt: Renate Thamm, Telefon (05241) 40422.

Neuss – Sonnabend, 16. Juli, 12 Uhr, an der Cornelius-Kirche, Neuss-Erfttal: Großes Grillfest mit ostpreußischen Spezialitäten.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle,  Telefon privat (0345) 2080680.

Magdeburg – Dienstag, 19. Juni, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen. 

Gardelegen – Freitag, 29. Juli, 14 Uhr, Begegnungsstätte der VS Gardelegen: Liedernachmittag.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Neumünster – Mittwoch, 13. Juli, 15 Uhr, Stadthalle am Kleinflecken: Damit der Alltag für Senioren einfach wird, informiert der Leiter der Orthopädie-Technik-Nord (OTN).

Uetersen – Freitag, 15. Juli, 15 Uhr, Haus Ueterst End: Sommerfest im Garten. Gemeinsam mit dem Verein zur Erhaltung ostdeutschen Kulturgutes, dem schleswig-holsteinischen Heimatbund und dem KvD.

 

THÜRINGEN

Vors.: Edeltraut Dietel, August-Bebel-Straße 8 b, 07980 Berga an der Elster, Tel. (036623) 231414.

Eisenach – Dienstag, 12. Juli, 14.30 Uhr, Rot-Kreuz-Weg 1: Heimatnachmittag der Ost- und Westpreußen.


Nicht eine Handbreit Wasser unterm Kiel
Kein Seemansgarn: Zur Bergwanderung per Schiff lädt der Oberländische Kanal ein. PAZ-Autor Peer Schmidt-Walther hat es erlebt

Gerade mal Mitte dreißig ist Lukasz Krajewski. Nicht ohne Stolz darf sich der mehrfache Bootsbesitzer als Polens jüngsten Reeder bezeichnen. „Als erster im Land“, strahlt er, „bietet meine Firma nicht nur Charterfahrten ab Danzig auf den Flüssen Weichsel und Nogat an, sondern auch auf anderen, bisher nicht befahrenen Kanal- und Seen-Routen in Ostpreußen“. Einen Tourismus-Preis konnte der rührige Jungunternehmer und Hausboot-Pionier dafür auch schon einheimsen. Seine kleine Wislana-Cruises-Flotte umfasst mittlerweile sieben nach eigenen Ideen entworfene Hausboote. Diesmal wird mit seinem jüngsten Neubau, der „Nowa Aleksandra“, der Oberländische Kanal unter den Kiel genommen. Es geht um eine über 200 Kilometer lange einwöchige Kanal- und Seenfahrt von Elbing nach Elbing – führerscheinfrei.

Reisebeginn ist am Kai der 750 Jahre alten Hansemetropole Elbing, dem früheren prussischen Handeslzentrum „Truso“. Der Zweite Weltkrieg hinterließ zu 65 Prozent nur Schutt und Asche. Heute leben in der Industrie- und Hafenstadt, in der früher die Schichau-Werft stand, am Fuß der malerischen Elbinger Höhe in der Woiwodschaft Ermland-Masuren rund 130000 Menschen. Geschäftig wie sonst auch werden sie heute ihren Alltagsgeschäften nachgehen, wir aber brechen frohen Herzens auf zu einem der ungewöhnlichsten Abenteuer, die die Flussschifffahrt bereithält: Einer Bergwanderung zu Schiff.

Die fleißige „Nowa Aleksandra“ – Yamaha-Außenbord-Diesel mit 13 PS, neun Meter Länge, 45 Zentimeter Tiefgang – bringt zunehmend Abstand zwischen uns und dem Abfahrtsort. Voraus kommt hinter Elbing der stille Spiegel des Drausensees in Sicht. Auf dem Vorschiff lässt sich die Ruhe, die bis hierher nicht einmal das Motorengeräusch stören kann, still genießen. Irgendwie kommt einem das Ostpreußenlied in den Sinn: „Land der dunklen Wälder und kristallnen Seen, über weite Felder lichte Wunder gehen …“ Das deutsche Frühlings- und Kinderlied „Alle Vögel sind schon da“ ließe sich ebenfalls sehr passend anstimmen: Zwischen den Pflanzen, die das flache Naturschutz-Juwel fast vollständig überwuchern, tummeln sich tausende von Wasservögeln.

Bald aber verengt sich der See zum Kanal. Er verläuft durch das Bett des Elbing-Flusses, der sich windungsreich noch durch das ebene Land der Weichsel-Niederung schlängelt. „Das hängt alles mit der letzten Eiszeit zusammen“, erklärt Krajewski. Sie habe dieses Gebiet nachhaltig geformt, bis sie sich vor rund 13000 Jahren zurückzog. Dort wo die Grundmoräne dann mit bis zu 115 Metern Höhe über einen 40 bis 60 Meter hohen Hang zur Niederung abfällt, muss die „Nowa Aleksandra“ stoppen: Das Gewässer scheint gesperrt zu sein. Ende der Reise? „Keineswegs“, schüttelt Lukasz den Kopf, „jetzt geht’s erst richtig los!“ Wir treiben am Fuß des Oberländischen Kanals, der gerade seinen 150-jährigen Geburtstag begeht, Hier beginnt mit Neu Kussfeld seine erste geneigte Ebene.

Wie von Geisterhand rollt schließlich auf breiten Schienen eine Art Heuwagen den grünen Hügel herab. Und taucht vor uns unter. Nur noch sein Geländer ragt aus dem Kanalbett. „Auf das wacklige Gefährt müssen wir rauf“, gibt Krajewski das Startsignal. Der Außenborder springt an. Gekonnt manövriert der Pole durch die bootsengen Dalbenpforten in langsamer Fahrt behutsam um die Ecken und steuert in die Mitte des „Heuwagens“. Etwa zweieinhalb Meter vor dessen rot markierter Mitte stoppt er, springt über Bord auf die schmale Laufplanke und überprüft den Abstand mit Schrittmaß. „Gut so!“, ist er zufrieden, „aber jetzt müssen alle auch das Boot auf dieser Position festhalten – mit der einen Hand an der Reling, mit der anderen am Geländer des Transportwagens“.

Kräftig schlägt man den Hammer gegen eine Art Glocke. Das unüberhörbare Signal für den Wächter vor dem Häuschen auf der 450 Meter entfernten Hügelkuppe, den über Wasserräder betriebenen Schiffslift in Gang zu setzen. Der von der Höhe herabfließende Elbing-Fluss macht es möglich.

Ruckelnd zieht das auf Rollen gelagerte Stahlsein an. Über meterhohe Räder wird es umgelenkt und lässt auf der anderen Seite des „Rollberges“ den Gegenwagen zu Wasser. Die Fahrt steil bergauf beginnt. Zentimeter um Zentimeter taucht der Rumpf der „Nowa Alek-sandra“ aus dem Wasser. Genau in dem Moment muss die Crew sie mit geballter Kraft in ihrer Lage halten, damit sie nicht achteraus rutscht und die Stabilität erhalten bleibt. Zu weit nach vorn darf es auch nicht sein, weil die Schraube zu ihrem Schutz überhängen muss. Jetzt sieht man es: Das Gefährt ist tatsächlich zum „Heuwagen“ mutiert. Über und über ist es mit Wasserpflanzen behängt.

Nach gut einer Viertelstunde ist die „Nowa Aleksandra“ auf dem Gipfel angekommen. Auf der anderen Seite rollt das Hausboot nur ein paar Meter leicht bergab und taucht wieder in sein Element ein. Um 13 Meter geliftet – allein durch eine 150 Jahre alte, so gut wie störungsfreie preußische Technik, die auf umweltfreundlicher Wasserkraft basiert. Der Oberländer Kanal gilt nicht nur in Polen als hydrotechnische Meisterleistung. Er ist weltweit einmalig. Früher sorgte er auch für die Bewässerung der Felder und diente dem Transport von land- und forstwirtschaftlichen Produkten. Aus dem nahen Forst Taberbrück bezogen sogar holländische Bootsbauer bis zu 30 Meter hohe Kiefernstämme. Wegen ihres gradlinigen Wuchses und widerstandsfähigen Holzes wurden sie bevorzugt für Segelschiffsmasten verwendet.

Nach rund 9,6 Kilometern Bergfahrt über Schönfeld und Kanthen ist der Höhepunkt erreicht: Buchwalde liegt 99,5 Meter über dem Wasserspiegel der Ostsee und bietet einen weiten Blick hinab zur Weichselniederung und hinüber zur Elbinger Höhe. Das Kanalmuseum und eine Maschinenhaus-Besichtigung sparen wir auf für die Rückfahrt.

Eine Landgangspause legen wir im Städtchen Liebemühl ein. Von hier zweigt der acht Kilometer lange Kanal mit zwei Schleusen nach Osterode ab. Wir wollen der historischen Stadt am Drewenz See auf dem Rückweg eine Stippvisite abstatten.

Ein Zuschauer des Anlegemanövers vor der Liebemühl-Schleuse, die ein Papst-Denkmal ziert, ist so angetan von dem Besuch, dass er der Crew spontan seine frisch gesammelten Pilze als Gastgeschenk spendiert. Auf dem Markt werden die Vorräte noch ergänzt durch Tomaten, Gurken, Knoblauch, Zwiebeln und Äpfel. Damit kommen wir problemlos bis Deutsch Eylau, ist sich die Schiffscrew sicher und meint das südlichste Ziel der Reise am Geserich See. Die viertgrößte Stadt der Woiwodschaft Ermland-Masuren in der idyllischen Eylauer Seenplatte, ist nach einer halben Woche Wendepunkt. Ein Besuchs-Muss: das internationale Lotsen-Ausbildungszentrum „Ilawa Shiphandling Centre“. Es liegt an einem windstillen, abgeschlossenen See. An Bord von bis zu 25 Meter langen originalgetreuen Frachter-, Fähren- und Passagierschiff-Modellen werden Lotsen aus aller Welt trainiert. Sie müssen die ihnen anvertrauten „großen Pötte“ über einen ausgeklügelten Parcours mit allen navigatorischen Finessen per Hand steuern, Ein Hauch von Seefahrt mitten im Herzen Ostpreußens – wer hätte  das gedacht!

Historisch gesehen, verdankt die über 700 Jahre alte 33000-Einwohner-Stadt ihre industrielle Belebung allein dem Oberländischen Kanal. Und wir ihm bleibende landschaftlich, menschlich und technisch tief beeindruckende Erinnerungen.

Eine nachahmenswerte Sache also, daher zum Schluss noch ein paar Tipps für abenteuerlustige Ferien-Kapitäne, die sich mit Lukasz Krajewskis Hilfe an den Oberländer-Kanal wagen wollen: Ein Handy sollte man dabei haben (möglichst mit Adapter), um vor Schleusen oder Brücken, wenn nötig, mit den Wärtern (sie sprechen nur Polnisch) über Lukasz Krajewski von Wistulacruises Kontakt aufzunehmen. Vorrat am besten für eine Woche mitnehmen. In den genannten Städten kann man natürlich auch „nachbunkern“. Baden in (sauberem) Wasser ist übrigens kein Problem. An der Badeplattform ist eine Dusche angebracht. Essen und Trinken: überwiegend an Bord. Unterwegs gibt es nur wenige Gaststätten an der Strecke. Weitere Informationen und Buchung: Lukasz Krajewski, PL-43-600 Jaworzno, Telefon: 0048-606-208154, 606-361704; E-Mail: lukaszkrajewski@zeglugawislana.pl. www.vistulacruises.eu. Neben den fast typgleichen „Aleksandra“ und „Nowa Aleksandra“ werden auch fünf zwei Meter kürzere Boote vom Typ „Weekend 820“ führerscheinfrei angeboten.

Neuerdings operiert übrigens auch ein zweiter Anbieter ab Elbing: der deutsche Vercharterer Kuhnle-Tours. Weitere Informationen: www.kuhnle-tours.de.


S. 21 Lebensstil

Vom Seewinde verweht
Auf den Spuren der Vergangenheit – Eine Radtour entlang der Oder und Neiße von Zittau bis Usedom

Es ist eine Tour durch stilles Land. Der Radwanderer schaltet die Gänge hoch und fährt am Fluss entlang in verschlafene Städte hinein. Von Zittau nach Görlitz, weiter nach Griessen und Guben, mit Abstecher nach Stettin und Endpunkt Usedom – eine Reise durch Geschichte und Gegenwart.

Es ist eine Schatzkammer, dieses Grenzgebiet, in das die EU so viele Millionen pumpte, dass nur noch in wenigen Winkeln der Putz bröckelt und Pflanzen aus zerborstenen Steinen wuchern.

Erster Halt der Radwanderung entlang von Oder und Neiße ist Zittau, wo hinter dem Rathaus die Presslufthämmer donnern. Überall wird gebaut und renoviert, überall kann man Wohnungen mieten oder besser noch kaufen. Ein schneller Kaffee auf dem Marktplatz, danach Besuch des Muse­ums, das den Schatz der Region hinter Glas bewahrt: Das berühmte Zittauer Fastentuch von 1472, mit biblischen Szenen bemalt, in der Mitte zerschlissen und fadenscheinig. Der Raum ist gekühlt, die Stimme der Führerin andächtig. Wozu ein Fastentuch? „Weil es in der Fastenzeit über Statuen und Bilder in der Kirche gelegt wurde, auch die Augen sollten fasten.“ Und warum so ausgeblichen? „Das waren die Russen.“ Nach Kriegsende hätten die Besatzer das 8,20 Meter hohe und 6,80 Meter breite Textilkunstwerk zerschnitten und als Saunatuch missbraucht. Bei Spezialisten in der Schweiz wurde die Kostbarkeit restauriert, die Spuren der Vergangenheit erkennt nur, wer die Geschichte kennt, die Grenzlandgeschichte.

Die Neiße schlängelt sich un­auffällig durch das einst um­kämpfte Gebiet, alle paar Meter steht auf deutschem Ufer ein Grenzpfahl mit den schwarz-rot-goldenen Farben, parallel auf dem anderen Ufer das polnische Pendant in Rot-Weiß. Der kleine Grenzverkehr ist heute pragmatischer Art: In Polen wird eingekauft, in Deutschland gewohnt. Drei Euro kostet das Kilo Spargel jenseits der Grenze, das Dreifache diesseits. Benzin ist ebenfalls billiger in Polen und Arbeitskraft sowieso.

Die Sonne sinkt, als wir in Görlitz einradeln, diesem penibel restaurierten Schaukasten von Mittelalter bis Jugendstil. Auch hier Geschichten, die von alter Verbundenheit erzählen. Ein un­bekannter Gönner überwies der Stadt über Jahre hinweg jeweils eine Million Euro. „Deshalb sieht es hier aus, wie es aussieht“, sagt die Stadtführerin und weist stolz auf sanierte Giebel. Neben dem Marktplatz ein leerstehendes Jugendstilkaufhaus. Auch hier wurde ein Mäzen gefunden. Ein Kaufmann aus Lübeck will das Kleinod neu beleben. Woher die Kaufkraft kommen soll in dieser Region, in der mit jedem Euro ge­rechnet wird? Schulterzucken.

An den blinden Scheiben kleben Fotos mit Innenansichten des Prachtbaus: Der Film „Budapest Hotel“ wurde hier gedreht, wie über­haupt immer wieder Filmteams nach „Görliwood“ einfallen, wenn Mittelalter- oder Barock-Kulissen gesucht werden, die ga­rantiert kein Supermarkt, kein Schnell-Restaurant, keine Mode-Kette verschandeln. Ein paar Schritte über die Brücke und der polnische Teil Zgorzelec beginnt, in dem das böhmische Glas gleich billiger ist und der Braten auch.

Abends im Metropol-Theater: Auftritt Barbara Thalheim, Chansonniere mit DDR-Ruhm. Von zerbrochenen Träumen und wahren Gefühlen erzählt sie in ihren Liedern, nie glatt, nie gefällig. Als wir unsere Räder losschließen, steht sie vor der Tür und zieht tief an einer Zigarette. Auch eine Thalheim war nach der Wende mal aufgebrochen nach Paris. Nun eben wieder Görlitz, auf Einladung der Stadtverwaltung. Man arrangiert sich.

Bad Muskau ist so leergefegt wie der Radweg, wo entlang des Flussufers Graureiher stehen. Das Restaurant „Am Schlossbrunnen“ serviert Spargel, auf den Punkt gegart und mit brauner Butter.

Gleich dahinter beginnt das Gartenreich des Fürsten Pückler, der Landschaften anlegte, als  schaffe er Gemälde. Er war ein rechter Filou, dieser Fürst, der seine Liebesbriefe gern landesweit streute und sich von seiner Gattin finanzieren ließ. Aber er war auch ein Mann mit Visionen, die bis heute tragen. Das Museum setzt auf Interaktivität: Ein Automat spuckt Liebesbriefe des Fürsten aus, auf einer Miniaturbahn kann man durch Hermanns Wunderreich en miniature tuckern. Im Café unter polnischer Leitung werden Fürst-Pückler-Eis und Torte Weiß-Rosa serviert.

Weiter geht es durch ein Land, in dem die Uhren langsam gehen. In der „Rosenstadt Forst“ sitzt eine freundliche Frau im Kassenhäuschen zum Rosengarten und verspricht, unsere Fahrräder im Auge zu behalten. Drei Fahrräder, keine Touristen. Die Rosen befinden sich noch im Wartestand, die Bedienung im Restaurant „Rosenflair“ auch – wir sind mal wieder die einzigen Gäste. Wer hier als Gastwirt wirkt, muss kämpfen. Überall entlang des Fahrradweges finden sich Hinweisschilder auf Herbergen, überall sind noch Plätze frei. Das Grenzland er­zählt davon, wie es ist, wenn der Zug der Ge­schichte weiterfährt und keiner sich um­guckt. Es erzählt von untergegangenen Industrien, den Verlierern des Krieges und später der Wende. Es erzählt aber auch von der Hoffnung und vom Willen zum Weitermachen.

Nächster Haltepunkt ist der Ort Griessen, wo wir Sonnenbrillen aufsetzen, denn der Anblick blendet: Die Abraumhalde Jänschwalde mit den Meilern des Atomkraftwerks wirkt wie eine weiße Mondlandschaft. Riesige Wunden wurden in die Natur ge­schlagen, doch der Bürgerprotest blieb un­gehört. Wer hier lebt, zuckt nur die Schultern und sucht sein Glück lieber im Kleinen.

Guben trägt Hut, besser: trug Hut. Jetzt erzählt ein Museum vom vergangenen Ruhm. Mit ei­nem Computerclick kann man den eigenen Kopf unter verschiedene Modelle schieben und staunen, was die Zunft einst zauberte: Elegante Kappen, gewirkt aus Hasenhaar, Hüte aus PVC, die lange ein Markenzeichen waren. 1927 wurden zehn Millionen Hüte und Stumpen produziert,

30 Prozent waren für den Export bestimmt. 7460 Beschäftigte waren damals in Lohn und Brot

– bei 41000 Einwohnern. Vergessen, vorbei. Nach der Wende wurden die VEB Hutwerke Guben der Familie Wilke geschlossen. Seit 1990 haben 10000 Einwohner ihre Stadt verlassen.

Am gegenüberliegenden Ufer der Neiße nehmen wir heute unser Abendessen im polnischen „Ratskeller“ ein. Auf der gut be­suchten Außenterrasse werden Bierkrüge auf die Tische gewuchtet, das deftige Essen ist reichlich und billig und die Rechnung wird in Euro bezahlt.

Ankunft in Stettin. Niemand spricht mehr Deutsch in dieser quirligen Stadt, in der wir für die Mutter einer Mitradlerin nach der Wrangelstraße suchen und Fotos mitbringen sollen. Die Wrangelstraße heißt heute anders und be­steht aus Plattenbauten. Was könnte noch an eine deutsche Kindheit am Stettiner Haff erinnern? Die Hakenterrasse mit Blick auf den Hafen, das Königstor, der Roßmarkt? Oder das Parkhotel, das immer noch so heißt, obwohl die Leitung polnisch ist? Am Bahnhof rücken wir langsam in der Schlange vor. Die Fahrkartenverkäuferin spricht weder Deutsch noch Englisch. „Can I help you?“: Studentin Pawlina stellt sich hilfreich ein drittes Mal mit uns an und übersetzt.

Die Ostsee liegt still wie glänzendes Blei, als die Fähre frühmorgens von Ueckermünde nach Usedom übersetzt. Von Kamminke aus radeln wir durch lichte Wälder, die Luft duftet nach Sanddorn und See. Die Kaiserbäder haben sich fein gemacht, Maxim Gorki hat hier mal Kaffee getrunken und der Maler Max Liebermann seine Staffelei aufgestellt. Am letzten Abend picknicken wir am Strand, mit Blick auf die Seebrücke von Heringsdorf und die fernen Kräne von Swinemünde, das heute Swinoujscie heißt. Eine durchgehende Uferpromenade führt von der Bundesrepublik ins heutige Polen. Spuren der Vergangenheit sind hier vom Seewind verweht.         Anne Martin


Letzte Ruhestätte für Veteranen aus Metall
Vor 70 Jahren entstand in Arizona der größte Flugzeugparkplatz der Welt – Die Wüstensonne verhindert, dass die Fluggeräte verrotten

Auf dem Weg zum Flughafen macht der Taxifahrer einen Extraschlenker Richtung Wüste. „Wie? Sie kennen unser riesiges Militärareal nicht?“, hatte er gefragt, „das müssen Sie gesehen haben. Für die kurze Fahrt dahin berechne ich Ihnen auch nichts.“

Was gibt es da schon zu sehen, überlegt der Fahrgast, der Fahrer will für die Sightseeing-Tour am südlichen Rand der Stadt Tucson im US-Bundesstaat Arizona doch nur ein extra großes Trinkgeld herausschlagen. Aber ok., da man gut in der Zeit liegt, kann ein kleiner Abstecher wohl nicht schaden. Doch nach kurzer Fahrt ist klar, dass sich dieser Umweg lohnen wird. Der Wagen fährt an einem umzäunten Gelände entlang, hinter dem hunderte, nein, tausende Flugzeuge eng an eng stehen, kilometerweit, so weit das Auge blicken kann.

„Willkommen zum größten Schrottplatz der Welt“, sagt der Fahrer. In endlosen Reihen würden hier auf elf Quadratkilometern altgediente Riesen der Lüfte auf ihr ungewisses Schicksal warten. Etwa 4400 Fluggeräte seien es, die auf dem Friedhof mit dem Spitznamen „The Boneyard“ in der glühend heißen Wüstensonne stehen. Manche würden nur kurzfristig geparkt, dem Großteil aber drohe die Verschrottung. Mit einer Fläche von etwa 1400 Fußballfeldern sei das Gelände das weltweit Größte seiner Art und aufgrund seines morbiden Charmes ein absolutes Muss für alle Flugzeugfans. „Gerade in diesem Jahr bietet sich ein Besuch an, weil die Anlage 70 Jahre alt wird“, sagt der Fahrer.

Pech nur, dass man das nicht früher gewusst hat und nun keine Zeit mehr für einen Besuch hat. Also lässt sich der Gast einiges erklären, während er bei einem kurzen Stopp am Zaun ein paar Fotos macht, obgleich das eigentlich verboten ist, weil man sich hier am militärischen Teil mit noch flugtauglichen Bombern der US-Air Force befindet. Sie parken hier zum Teil viele Jahre lang bis zum nächsten Kriegseinsatz.

Der von der 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG) betriebene Ge­ländeteil mit den stillgelegten Fluggeräten ist hingegen öffentlich und hat sich als Touristenmagnet etabliert. Dies ist kaum verwunderlich, denn an keinem anderen Ort können die Legenden der Luftfahrt in tausendfacher Ausführung bestaunt werden. Altehrwürdige B-52 Bomber, S-58 Helikopter oder die berühmten F-14 Tomcats aus dem „Top Gun“-Film mit Tom Cruise, die früher zusammengenommen ei­nen Wert im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich hatten, setzen hier nun Staub an.

Interessierte sollten sich daher die geführten Touren des Pima Air & Space Museums nicht entgehen lassen. In offenen Bussen kommen die Besucher den schlafenden Giganten besonders nahe und erfahren Wissenswertes über deren bewegte Geschichte. Im Anschluss empfiehlt sich auch ein Besuch des eigentlichen Muse­ums, das nebenan mit rund 300 ausgestellten Fliegern aus allen Epochen der amerikanischen Luft- und Raumfahrt weitere spannende Eindrücke verspricht. Doch nicht nur Touristen kommen in Scharen, ebenso beliebt ist das weitläufige Gelände bei Regisseuren. So dienten die Ge­rippe bereits vielen Filmen wie dem Blockbuster „Transformers – Die Rache“ von 2009 oder der Actionkomödie „Harley Davidson & The Marlboro Man“ von 1991 mit Mickey Rourke als Kulisse.

Der Besucher fragt sich, warum ausgerechnet Tucson, das sonst eher für seine meterlangen Kakteen bekannt ist, als letzte Ruhestätte ausgewählt wurde. „Alles begann nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als 1946 in den USA plötzlich tausende Militärflugzeuge nicht mehr benötigt wurden“, erzählt der Fahrer. Ein perfekter Abstellplatz für die Veteranen aus Metall fand sich in der Sonora-Wüste, deren klimatische und landschaftliche Beschaffenheit sich hervorragend für die Lagerung eignet. Das trockene, heiße Wetter mit geringer Luftfeuchtigkeit und konstanten Temperaturen verhindert, dass die Fluggeräte verotten. Sie altern nicht. Außerdem können die Flieger durch den von Natur aus harten, ebenen Boden leicht be­wegt werden, ohne erst große Flächen künstlich befestigen zu müssen. Diese Voraussetzungen sind einzigartig in den ganzen USA.

Das Procedere mit den überflüssig gewordenen Luftfahrzeugen ist seit sieben Jahrzehnten gleich geblieben: Sie werden auseinandergenommen und die ge­wonnenen Ersatzteile für Maschinen verwendet, die sich noch im Dienst befinden. Der übrig gebliebene Schrott geht an umliegende Händler. Andere Flugzeuge werden konserviert, um sie bei Bedarf wieder flugtauglich her­zurichten. Empfindliche Teile wie Cockpit oder Turbinen sind mit Planen abgedeckt, um sie vor Sonneneinstrahlung und Wüstensand zu schützen. Wenn Wind aufkommt, können die Körner die Maschinen regelrecht wie Sandpapier abschleifen.

„Im Notfall können die flugfähigen Maschinen, welche die Air Force hier geparkt hat, alle binnen 24 Stunden einsatzfähig ge­macht werden“, erklärt der Taxifahrer. Im Notfall? Damit meint er den Kriegsfall. Zuletzt hatte die Army für den Irakkrieg 2003 im großen Stil hier geparkte Bomber und Kampfflugzeuge reaktiviert, die dann im Minuten­takt von dem benachbarten Militärstützpunkt Davis-Monthan Air Force Base abgehoben sind.

Wir aber müssen jetzt schnell weiter zum zivilen Flughafen von Tucson. Dort angekommen hat sich der auskunftsfreudige Fahrer wahrlich ein königliches Trinkgeld verdient.    Harald Tews


S. 22 Neue Bücher

Inflationäre Verwendung
Über »Rechtspopulismus«

Ernst Hillebrand ist Chef des Referates Internationale Politikanalyse in der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung – zuvor leitete er deren Büros in Paris, Rom, London und Santiago de Chile. Ihm macht ein „Gespenst“ zu schaffen, nämlich das des „Rechtspopulismus in Europa“. So lautet dann auch der Titel von Hillebrands neuestem Buch, in dem er der Frage nachgeht, ob der Siegeszug rechter „Populisten“ der Demokratie schade. Das wird natürlich bejaht, wobei es aber scheint, als wäre der Autor weniger um die Demokratie als um die SPD besorgt, deren Wähler bekanntlich in Scharen zu den „Populisten“ abwandern.

Außerdem ist auch die Begriffswahl unangemessen. Wie die Politikwissenschaftlerin Karin Priester im wohl lesenswertesten Beitrag des Sammelbandes schreibt, werde das stigmatisierend gemeinte Wort „Populist“ von den Medien mittlerweile derart inflationär und missbräuchlich verwendet, dass man hier nur noch von plumper Propaganda sprechen könne. Trotzdem hackt die Publikation in dieselbe Kerbe und bietet in diesem Zusammenhang die üblichen Plattitüden vom „Extremismus der Mitte“ und der „Islamophobie“, welche aus „kulturellem Überlegenheitsgefühl und Überfremdungsangst“ resultiere und vor allem die provinziell denkenden Menschen im Osten der Bundesrepublik beziehungsweise Europas befalle.

Neben dem analytischen Teil, in dem es um den „Rechtspopulismus“ als politisches Phänomen geht, finden sich in dem Werk zehn sogenannte „Fallstudien“, in deren Rahmen Autoren aus Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Tschechien, Ungarn sowie den Niederlanden und der Schweiz jeweils eine „populistische“ Bewegung ihres Landes vorstellen. Dabei geht es ausnahmslos kritisch zu, was aus dem linken Hintergrund der Verfasser resultiert.

Nichtsdestotrotz lohnt die Lektüre, weil dabei klar wird, wie viel Zulauf der „Rechtspopulismus“ mittlerweile hat. Insofern kann man das Bändchen durchaus weiterempfehlen, auch wenn Hillebrand es bestimmt nicht zu diesem Zweck herausgegeben hat. Ihm ging es selbstverständlich um die „Entlarvung“ und Diskussion von Strategien zur nachhaltigen Vergrämung des „Gespenstes“. Allerdings wirken sämtliche diesbezügliche Ausführungen im Schlussteil hilflos – egal, ob sie von Hillebrand selbst oder René Cuperus (Mitarbeiter einer Stiftung der niederländischen Arbeitspartei PvdA), David Goodhart (Chef der linksliberalen Denkfabrik Demos in London) und Robert Misik (ein österreichischer Journalist, der unter anderem für die „taz“ schreibt) kommen. Deshalb lautet Hille-brands resigniertes Fazit, dass der „Rechtspopulismus“ wohl noch weiter erstarken und auch die politische Landschaft in Deutschland verändern werde. Und damit wird er sicher recht behalten, wobei der behauptete Schaden für die Demokratie aber noch zu belegen wäre. Schließlich ist es die normalste Sache der Welt, Politik für den Populus, also das Volk, zu machen. Für wen denn sonst?!        W. Kaufmann

Ernst Hillebrand (Hg.): „Rechtspopulismus in Europa. Gefahr für die Demokratie?“, Dietz-Verlag, Bonn 2015, broschiert, 189 Seiten, 16,90 Euro


»Vater aller Muslime«
Erdogans Weg vom Proletarier zum Präsidenten der Türkei

Die 1978 geborene Autorin mit türkisch-kurdischen Wurzeln arbeitet seit 2014 als Korrespondentin in Istanbul, was sie wohl zu einem Buch pro Jahr inspiriert. 2015 erschien „Generation Erdogan“, von der PAZ in Folge 11/2015 beifällig gewürdigt. Jetzt hat sie eine Erdogan-Biografie veröffentlicht, wobei sich beide Bücher stimmig ergänzen: „Generation Erdogan“ war das Porträt eines ökonomisch noch stabilen, soziopolitisch aber zerstörten Landes. Die „Biografie“ befasst sich mit Werden und Wirken des „größenwahnsinnigen Narzissten“ Erdogan, der sich als „Vater aller Auslandstürken“ sieht, als „Vater der Muslime weltweit sowieso“.

Das neue Buch beginnt mit einer Würdigung Kemal Atatürks, von dem die Autorin „biografische Parallelen“ zu Erdogan ziehen will. Zwecklos, wo beide doch nur radikale Kontraste aufweisen und Erdogan „die letzten kemalistischen Festungen entmachtet“: Für Atatürk „gehörte der Islam auf den Müllhaufen der Geschichte“, Erdogan setzte das Mindestalter für Koranunterricht von zwölf auf drei Jahre herab. Er erstrebt eine sunnitisch-islamische Theokratie mit Scharia-„Recht“. Das bringt ihm Beifall von Millionen Landsleuten in Deutschland, was zeigt, „wie mehrheitlich islamistisch-konservativ“ diese Leute sind. Ihre Gesinnung hat seit Jahren die ehemalige Bundestagsabgeordnete Lale Akgün als „Erdogan-System“ kritisiert,

Erdogan entstammt dem Lumpenproletariat der „schwarzen Türken“. Seine lückenhafte Bildung erwarb er an islamistischen Imam-Hatip-Schulen, deren Schülerzahl dank seiner Förderung von 60000 auf eine Million anschnellte. Er hortete bislang 44 Ehrendoktorhüte, aber das für politische Ämter in der Türkei nötige Hochschuldiplom fehlt ihm. Beruflich war er, abgesehen von einem Zwischenspiel 1981 als Buchhalter einer Wurstfabrik, immer nur politischer Funktionär, wofür ihn seine demagogische Redegabe prädestinierte. 1994 wurde er Bürgermeister von Istanbul, am 14. August 2001 gründete er mit nationalistischen, islamistischen Gleichgesinnten die „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (AKP), wurde im März 2003 Premier und setzte sich rasch gegen die letzten Garanten des Kemalismus, Generalität und Verfassungsrichter, durch. Seit 2011 forcierte er Pläne für sein Präsidialsystem, seit dem 10. August 2014 ist er Präsident, seither sind seine Taten „an Irrsinn schwer zu überbieten“, wie etwa in der Hauptstadt Ankara ein Palast mit 1150 Zimmern, der seine „neue Türkei“ repräsentieren soll.

In den Anfängen der AKP-Herrschaft hatte die Türkei ein ökonomisches Zwischenhoch, das ab 2012 lahmte und seit 2015 ins Gegenteil absackte: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Leistungsbilanz defizitär, die Produktion minderwertig, der Tourismus rückläufig. Die Türkei hat den niedrigsten Bildungsstand unter allen OECD-Ländern. Kommt diese Türkei in die EU, für Erdogan eine „Union katholisch-christlicher Völker“? 2004 veröffentlichte Claus Leggewie den großartigen Sammelband „Die Türkei und Europa“, in dem viele Autoren diese Frage rundheraus verneinten, etwa Helmut Schmidt: Türken sind keine Europäer, „sie passen nicht dazu“. Doch seit Oktober 2005 führen Ankara und Brüssel Beitrittsverhandlungen, aber an einen Erfolg glaubt nur Ex-Kanzler Schröder. Andere kanzelt Erdogan ab: Falls sein Land nicht bis 2023 in der EU ist, könne „die Türkei ihr Interesse an Europa verlieren. Wir werden von Tag zu Tag stärker“.

Ist Erdogan noch ernst zu nehmen, wenn er türenknallend wegläuft, falls man ihm nicht gehorcht, wie Anfang 2009 beim Weltwirtschaftsforum in Davos, im Juni 2016 bei Muhammed Alis Begräbnis und weiteren Anlässen? Er gefällt nur noch satirischen Spöttern, seriöse Politiker wenden sich ab von seiner islamischen Aufladung der Politik, seinen außenpolitischen Wechseln von Partnern und Gegnern, seiner Unehrlichkeit bei Verträgen, seiner Brutalität gegenüber Medien und Oppositionellen daheim. Diese Türkei verfällt und ist der Isolation überlassen. Erdogan meint, er sei die Lösung für alle Probleme der Türkei, aber wahrscheinlicher ist, dass sie unter ihm erneut zum „kranken Mann am Bosporus“ wird.           Wolf Oschlies

Cigdem Akyol: „Erdogan. Die Biografie“, Herder Verlag, Freiburg i. Br. 2016, gebunden, 384 Seiten, 24,99 Euro


Erfolgreiche Visionäre
SWR-Kulturredakteurin beschreibt Lebensläufe südwestdeutscher Erfinder

Vielen von ihnen wäre sie gerne persönlich begegnet, sagt die Autorin, denn Biss, langer Atem und der unbeirrbare Glaube an die Idee dieser außergewöhnlichen Männer faszinieren bis heute. Einblicke in 20 spannende Lebensläufe, alle im Südwesten angesiedelt, liefert die SWR-Kulturredakteurin Beate Karch mit dem Band „Erfinder, Schöngeist, Visionär“. Es ist egal, mit welcher Persönlichkeit man beginnt. Jeder Lebenslauf führt den Leser in eine andere Welt vom 16. bis ins 20. Jahrhundert hinein. So kann man dem gerade 33 Jahre alten Mathematiker Johannes Kepler in seiner Prager Wohnung beim Forschen über die Schulter schauen, im Sommer 1817 Freiherrn von Drais bei der Jungfernfahrt mit seiner hölzernen Fahrmaschine zusehen oder Robert Bosch 1886 beim Einrichten seiner Stuttgarter Werkstatt beobachten. Die Autorin schreibt es, als sei sie dabei gewesen. Das mag manchem Sachverstand nicht gefallen, mitreißend und lebendig ist es auf jeden Fall.

Von den vielen Leben sei nur eines herausgegriffen und zum Lesen empfohlen. Das des Carl Laemmle, der 1867 in Oberschwaben als zehntes Kind einer armen Familie geboren wurde. Dennoch wurde der kleine Carl zum berühmtesten Sohn seiner Heimatstadt Laupheim. Mit geliehenen 50 Dollar bestieg er ein Auswanderungsschiff nach Amerika, gerade mal 17 Jahre alt und ohne Englisch-Kenntnisse. Als Laufbursche musste er seinen Lebensunterhalt verdienen. Doch eines Tages wurde seine Vision, die er unbeirrt verfolgt hatte, zur Realität. Er begründete 1915 die Universal Studios in Universal City im Los Angeles County. Er leitete diese bis zu seinem Tod. Seine Heimat hatte er nie vergessen, unterstützte mit Spenden Schulen und Waisenhäuser. Aus allen, sehr unterhaltsamen, Biografien lassen sich Lehrsätze für die eigene Lebensgeschichte ziehen. Auch, wenn man kein schöngeistiger Erfinder mit Vision ist.

                Silvia Friedrich

Beate Karch: „Erfinder, Schöngeist, Visionär. 20 außergewöhnliche Männer aus Baden-Württemberg“ Südverlag, Konstanz 2016 gebunden, 172 Seiten, 18 Euro


Schmerzliche Lücken
Klaus-Jürgen Bremm beschreibt Schlacht bei Königgrätz einseitig

Eineinhalb Jahrhunderte ist der zweite Einigungskrieg nun her. Dieses Jubiläum hat der 1958 in Duisburg geborene Militärhistoriker Klaus-Jürgen Bremm zum Anlass genommen, dem Thema eine Monografie zu widmen. „1866. Bismarcks Krieg gegen die Habsburger“ lautet der unspektakuläre Titel seines Werkes. Zur Freude der Nicht-Militärhistoriker heißt es im Einband, dass neben dem Schlachtenverlauf und der Kriegführung auch die Vorgeschichte und der Weg zur Eskalation geschildert werde.

Tatsächlich ist dem größten zweiten Kapitel „Entscheidung in nur sechs Wochen – Custoza, Königgrätz, Langensalza und Lissa“ ein Abschnitt zum „Weg in den Krieg“ vorgeschaltet. Das macht neugierig. Der Autor legt das Thema weit aus, und das, was Bremm schreibt, liest sich auch nicht uninteressant. Aber es wirkt etwas willkürlich zusammengestellt, lässt schmerzliche Lücken. So würde der Leser unter „Der Weg in den Krieg“ auch etwas über die diplomatische Vorgeschichte des Krieges erfahren wollen. Doch da findet er in Handbüchern zur deutschen, europäischen oder internationalen Geschichte mehr.

Wie im Allgemeinen so auch im Speziellen. So ist im ersten Kapitel ein Abschnitt Italien und dem Risorgimento gewidmet. Angesichts dessen, dass Italien 1866 Kriegspartei war und der italienische Nationalismus maßgeblich zur antiösterreichischen preußisch-italienischen Offensiv- und Defensivallianz vom 8. April 1866 beitrug, kann man das machen. Aber einen ganzen Abschnitt Italien zu widmen und dann auf die Allianz von 1866 nicht einzugehen, ist schon bedauerlich.

Naheliegenderweise wird in dem Hauptkapitel auch ein Abschnitt der Schlacht bei Königgrätz gewidmet. Bremm beschreibt den Oberkommandierenden auf der österreichischen Seite, Ludwig von Benedek, als einen Mann, der zum Jagen getragen werden

musste, mit einem Pessimis-mus, der an Defätismus grenzt. Bei anderen Historikern wie Peter Aumüller kommen Benedek und dessen defensive Zurückhaltung ungleich besser weg. Sie verweisen auf Benedeks Wissen um die Überlegenheit des preußischen Zündnadelgewehres, und teilweise wird Benedek gar Geschicklichkeit attestiert in dem Versuch, diese erst in der Verteidigung zur vollen Wirkung kommende waffentechnische Überlegenheit des Gegners durch eine entsprechende eigene defensive Taktik nicht zum Tragen kommen zu lassen. Man muss sich als Buchautor diese Versuche, Benedeks Verhalten als durchaus vernünftig und angebracht zu erklären, ja nicht zu eigen machen, aber man sollte als Autor einer diesbezüglichen Arbeit mit wissenschaftlichem Anspruch diesen Erklärungsansatz zumindest vorstellen, um sich dann meinetwegen gerne auch kritisch mit ihm auseinanderzusetzen.

Abschließend lässt sich feststellen, dass sich Bremms Buch interessant liest und als Ergänzung eignet. Ein Standardwerk, das die Lektüre anderer Arbeiten zu dieser Materie überflüssig machen würde, ist es aber nicht. Weder reflektiert es den aktuellen Forschungsstand und die Forschungsdiskussion, noch bietet es alle Grundinformationen, die man zum Verständnis von „Bismarcks Krieg gegen die Habsburger“ braucht.               Manuel Ruoff

Klaus Jürgen Bremm: „1866. Bismarcks Krieg gegen die Habsburger“, Theiss Verlag, Darmstadt 2016, 312 Seiten, gebunden, 24,95 Euro.


Luftbilder
Mit den Augen eines Piloten

Gerhard Launer gilt als einer der besten Luftbildfotografen Deutschlands. Er hat einen Bildband unseres Landes aus ungewöhnlicher Perspektive herausgegeben. Eigentlich ist Launer Grafikdesigner. Daneben hat er eine Ausbildung zum Privat- und Be-rufspiloten absolviert. Der Blick von oben sowie seine Leidenschaft fürs Fotografieren haben ihn dazu inspiriert, zahlreiche Luftaufnahmen zu sammeln, die bereits in Büchern und Kalendern veröffentlicht wurden.

Im vorliegenden Buch werden Launers Bilder von ganz Deutschland gezeigt, beginnend hoch im Norden mit Nordsee, Wattenmeer und Ostseeinseln. Daran reihen sich faszinierende Aufnahmen aus der Vogelperspektive von Fluss- und Gebirgslandschaften bis zu den Alpen. Daneben geben Fotos deutscher Kulturlandschaften Aufschluss über Baustile, Gartenanlagen, historische Bauwerke, sowohl weltliche wie Schlösser und Herrenhäuser als auch christliche wie Dome und Münster verschiedener deutscher Städte. Zu ihnen zählen aber auch Industrieanlagen, stillgelegte Zechen sowie Bausünden vergangener Jahrzehnte.

Das Vorwort zu Launers Bildband hat Bundespräsident Norbert Lammert verfasst. Er sinniert über die regionale Vielfalt unseres Landes, die Bevölkerungsstruktur, darüber, dass jedes Bundesland seine eigene Geschichte und Identität bewahrt habe, was sich auch in Dialekten ausdrückt. Die kann man freilich nicht in Bildern darstellen, dafür aber die verschiedenen Kulturlandschaften.

Ein hochwertigeres Fotopapier hätte die Pracht der Bilder noch besser zur Geltung gebracht. Dennoch ist es ein Gewinn, das Buch anzuschauen, und als Präsent wird es dem Beschenkten sicher große Freude bereiten.            MRK

Gerhard Launer: „Faszination Deutschland“, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2016, gebunden, 252 Seiten, mit 172 Farbfotos, 36 Euro


S. 23 Anzeige Rautenberg Buchhandlung

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S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Klaus J. Groth
Die Wahrheit über Brexit-Boris / Warum zwei siegreiche Männer Opfer einer Frau werden, Rosinenpickerei gar nicht geht und was ein vergiftetes Küsschen ist

Was für ein Theater. William Shakespeare ist doch ein Dramatiker von europäischem Format. Er muss nicht, wie noch in der vergangenen Woche befürchtet, zurück auf die Insel. Die kann ihm gar nicht genug sein. Shakespeare ist überall. Eine Bühne reicht nicht aus für die Auftritte seiner Suchenden, Zweifelnden, Helden und Halunken. Eine Woche nach dem Brexit wimmelt es nur so von tragischen Gestalten. Wobei die erste Garde der Staatsschauspieler in Brüssel und London eingesetzt ist. Doch auch Nebenrollen in Berlin und Paris sind beeindruckend besetzt. Allerorten ein Hauen und Stechen, ein Proklamieren und Schwadronieren, dass dem Publikum die Sinne schwinden. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst blicken soll. Action! Action!

Einfach genial, diese überraschenden Effekte und Wandlungen. Allein der Einfall, den Erzschurken, den absoluten Finsterling Boris Johnson mit gülden schimmerndem Blondschopf auftreten zu lassen, verdient respektvolle Anerkennung. Allerdings sieht der Rezensent gerade diesen Auftritt auch kritisch. Was mag Brexit-Boris veranlasst haben, die Früchte seines schändlichen Handelns nicht zu ernten? Die Gründe bleiben leider nebulös wie Dartmoor im November. Den König vom Thron schubsen, um dann selber auf den Thron zu klettern, das kennt man von Shakespeare, das ist bei dem Standard. Warum also nicht mal was Neues. Doch leider wird der Zuschauer hier an der Nase geführt. Er soll nämlich vermuten, Brexit-Boris sei das Opfer eines gemeinen Ränkespiels. Das wäre auch klassischer Shakespeare-Standard. Beteiligt: zwei Männer und eine Frau. Ebenfalls Standard. Wen wundert es da noch, wenn es im klassischen Format weiter zu gehen scheint. Denn in Wahrheit sind beide Männer Opfer der arglistigen Frau. Freunden der Oper und der Tragödie muss das nicht erklärt werden, die wissen: Das ist immer so. Auch in diesem Fall waren die beiden Männer Freunde. Gemeinsam haben sie für den Brexit gekämpft, Boris Johnson und sein Knappe Michael Gove. Waren Seit an Seit mit dem roten „Battle Bus“ als die fabelhaften Brexit-Boys durch das Land getourt. Gemeinsam haben sie gesiegt. Als nun alle darauf warteten, dass Boris auf den Thron steigt, fürchtete die Gespielin des Knappen Michael, ihr Liebster könne um die Früchte des von ihm angestachelten Volkszorns gebracht werden und als Schlappenträger heimkehren. Flugs schrieb sie eine E-Mail des Inhalts, Boris ohne Michael, das gehe gar nicht. Sie beschwor ihren Liebsten: „Gib kein Stück Boden preis, spiel deine Sturheit aus, viel Glück.“ Wenn das nicht echt Shakespeare ist! Diese streng vertrauliche Einschwörung versah das listige Weib mit einem „CC“ zum Mitlesen für wen auch immer. Und der Wer-auch-immer tat, was von ihm erwartet wurde, er hängte die Sache an die große Glocke. Aus war es mit dem großen Brexit-Boris. Und der Freund so vieler Stunden im „Battle Bus“ trat nach, um seiner Gespielin zu zeigen, welch ein Kerl er ist: Er bescheinigte Boris Johnson mangelnde Führungsstärke. Wer so etwas im Zeugnis stehen hat, muss sich in den vorderen Reihen nicht mehr bewerben. Man muss an dieser Stelle leider feststellen: Shakespeare wiederholt sich. Schon in seinem Drama „Julius Cäsar“ hatte er den Sterbenden ausrufen lassen: „Auch du, Brutus?“ Boris wird gedacht haben „Auch Du, Michael?“. Dabei hatte Brexit-Boris doch nur spielen wollen.

Es folgt eine Szene, die gerade beim deutschen Publikum Irritationen auslöst. Kaum hat Boris seinen Verzicht erklärt, da stürmt der Theaterchor die Bühne, vorweg ein halbes Dutzend Solosängerinnen und -sänger. Der Refrain ist bei allen der gleiche: „Ran an den Speck, ran an den Speck“. Dazwischen singt jeder, was er will. Die Irritation des deutschen Publikums ist leicht zu erklären. So etwas würde in Berlin niemals aufgeführt. Da ist jede Personalspitze absolut alternativlos. Darum fragt das deutsche Publikum bei der Londoner Aufführung regelmäßig: Woher haben die bloß das ganze Personal?

Soweit die weltweit beachtete Inszenierung auf der Londoner Bühne. Wie bereits erwähnt, wird das gleiche Stück zur gleichen Zeit mit unterschiedlichen Aussagen auf anderen europäischen Bühnen aufgeführt. Wirklich bemerkenswert sind aktuell zwei Interpretationen, die in Brüssel und die in Berlin. Und vielleicht kommt man in den dortigen Aufführungen der Wahrheit über Brexit-Boris näher. Denn die banale Wahrheit ist tatsächlich: Boris Hasenfuß hat die Hosen gestrichen voll.

Kein Wunder, so wie ihm eingeheizt wurde. In der Berliner Aufführung verzichtet man auf Rüschen und Schnörkel der Shakespearezeit. In der Hauptrolle sehen wir eine schwäbische Hausfrau, die „klipp und klar“ erklärt, dass sie von „Rosinenpickerei“ überhaupt nichts halte. Welch ein auf das Wesentliche reduzierter Einfall. Damit weist sie Boris and friends die Tür. Wer nicht zur Familie gehöre, könne auch nicht erwarten, wie ein Familienmitglied behandelt zu werden. Noch nicht einmal an den Katzentisch darf er sich setzen. Schnörkellos werden die Verräter in Berlin zur Schnecke gemacht.

Vollkommen anders die Aufführung der berühmten Europa-Bühne in Brüssel. Da greift der alternde Held tief in die Rumpelkiste des ollen William Shakespeare, kramt Klamotten und Requisiten heraus, an die man gar nicht mehr gedacht hat. Auch der Verlauf der Handlung und die Texte sind wieder Shakespeare in Reinkultur. Da haucht der Hauptdarsteller in seiner Rolle als Präsident der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, dem Schurken von der britischen Ukip, Nigel Farage, ein vergiftetes Küsschen auf die Wange und fragt ihn anschließend: „Warum sind Sie hier?“ Vermutlich hatte er in seinem Zorn vergessen, dass der Mann noch ein gewählter Abgeordneter ist. Nun haben vergiftete Küsschen Langzeitwirkung. Sie nagen langsam an der Seele. In diesem Fall waren nur ein paar Tage notwendig, bis ein entnervter Nigel Farage jammerte: „Ich will mein Leben zurück haben“. Und als zweiter Häuptling der Brexiteers den Bettel hinwarf.

Höhepunkt der Brüsseler Aufführung ist der Monolog, in dem der Hauptdarsteller wie ein ergrauter Hamlet erklärt, er werde „bis zum letzten Atemzug“ für das Projekt Europa kämpfen. Und gleichzeitig diesen schönen Satz mit dem Hintern wieder umstößt mit der Ankündigung, das anstehende Handelsabkommen mit Kanada ganz alleine abschließen zu wollen. Ohne die Landesfürsten zu fragen. Eine Vereinbarung zwischen Europa und Kanada. Was sollen die einzelnen Länder Europas da mitquatschen? Das sind dann die Momente, in denen das Publikum seine Klassiker so richtig zu schätzen weiß. Und sich fragt, ob die Helden da oben auf der Bühne überhaupt verstehen, was sie sagen und was die Zuschauer erwarten.

Wie man hört, plant nun auch das Theater Wien, das Schauspiel „Brexit“ in Kürze auf den Spielplan zu setzen. Vermutlich soll es allerdings unter dem Titel „Öxit“ aufgeführt werden. Nach der durch und durch erfreulichen Entscheidung des Verfassungsgerichts, die Wahl des Bundespräsidenten wegen reichlich vieler Schlampereien wiederholen zu lassen, wird nach einem zugkräftigen Stück gesucht. Vielleicht könnte „Öxit“ das werden.

Zuviel Shakespeare ist nicht gut. Man sieht es doch an den Briten. So mancher Wahlmuffel und so mancher Aussteiger erkennt nun, was er angerichtet hat. Gemeinsam jammert ihr Chor mit Shakespeare: „Oft büßt das Gute ein, wer Besseres sucht.“ Und sucht Zuflucht bei unserem Wolfgang von Goethe. Der hat die Schadensbegrenzung schließlich zu Papier gebracht in seinem Gedicht „Der Zauberlehrling“. Dort hat auch jemand mal was ausprobieren wollen, und dann stand ihm das Wasser bis zum Hals. Nun jammern viele auf der britischen Insel: „Herr, die Not ist groß, die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los!“ Bangend hoffen sie, es käme einer der befielt: „In die Ecke, Besen, Besen. Seid’s gewesen“. Aber schade, so einfach geht Schadensbegrenzung nur im Gedicht.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Klitschko fällt von Poroschenko ab

Kiew – Der ehemalige Boxer und jetzige Bürgermeister von Kiew, Witalij Klitschko, legt sein Amt als Vorsitzender des „Blocks Petro Poroschenko“ nieder. Er hatte diese Position erst am 28. August 2015 angetreten, als sich die von ihm gegründete UDAR, ein faktischer ukrainischer Ableger der deutschen CDU, mit der Partei des ukrainischen Präsidenten vereinigte. Diese hatte in den jüngsten Umfragen katastrophale Ergebnisse erzielt.        T.W.W.

 

Mit Steuergeldern gegen die AfD

Berlin – Die im Berliner Abgeordnetenhaus vertretenen SPD, CDU, Grüne, Linke und Piraten sowie die FDP haben sich auf ein gemeinsames Papier mit dem Namen „Berliner Konsens gegen Rechts“ verständigt. Mit der Kampagne wollen sie sich im Wahlkampf geschlossen gegen die AfD stellen. Die Aktion wurde mit der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin“ erarbeitet. Diese ist ein Projekt des „Vereins für Demokratische Kultur“, der vom Land Berlin finanziert wird.    J.H.

 

Britanniens Eiserne Merkel

Das Brexit-Drama hätte auch von Shakespeare stammen können. Denn nach der Abstimmung für den Austritt aus der EU rollen im Königreich fast mehr Köpfe als in solch mörderischen Dramen wie „Macbeth“ oder „Richard III.“ Premier David Cameron: liegt fast enthauptet am Boden. Brexit-Anführer Boris Johnson: hinterrücks erledigt vom Parteikollegen Michael Gove. Ukip-Anführer Nigel Farage: gestürzt über die eigene Brexit-Kampagne. Labour-Chef Jeremy Corbyn: beinahe gemeuchelt durch parteiinternes Misstrauensvotum.

Aus diesem Königsdrama könnte eine neue Queen aufsteigen. Theresa May will Cameron als Premier beerben. Die 59-jährige Innenministerin gilt als NachfolgeFavoritin, nachdem Johnson überraschend seinen Verzicht erklärt hat. Anders als ihr konservativer Parteikollege war May nicht für den Brexit, gilt aber trotzdem als EU-Skeptikerin. Die englische Presse nennt sie wegen ihrer harten Linie mal „die neue Eiserne Lady“ und wegen ihrer uneitlen Art „Englands Angela Merkel“. Denn wie die deutsche Kanzlerin stammt sie aus einem Pfarrhaus.

Nach einem Geografie-Studium in Oxford arbeitete sie unter anderem für die Bank of England, ehe sie in den 90ern als Abgeordnete in die Politik ging. 2010 wurde sie Innenministerin und ist mit einer Amtszeit von inzwischen sechs Jahren dienstälteste Ministerin auf diesem Wackel-Posten seit 70 Jahren. Terrorgefahr und Zuwanderung hat sie in dieser Zeit weitgehend meistern können.

Jetzt traut sie sich sogar zu, als Premier die große politische Krise, in der sich England nach der Brexit-Wahl befindet, zu meistern. Vielleicht findet sie aber ihre Meisterin auch in Andrea Leadsome. Die Staatsministerin schielt als Außenseiterin ebenfalls auf das Amt. Folgt dem Königsdrama ein Königinnendrama?     H. Tews


MEINUNGEN

Sebastian Antrak, freier Publizist, wirft den deutschen Medien in „Tichys Einblick“ (27. Juni) im Hinblick auf den Brexit mangelndes Demokratieverständnis vor:

„Der deutsche Blätterwald raschelt erheblich, wenn es darum geht, dem ungebildeten Klotz die echte Demokratie beizubringen. Von Welt bis FAZ, im Spiegel oder Focus: der Wähler stört. Frei nach Stalin gewinnt dort wohl die Einsicht die Oberhand, dass die Lösung einfach wäre: kein Wähler, keine Probleme. In der Bild nennt Nicolaus Blome die Briten ,irre‘. Der Focus meint, Staatsdinge dürften keinesfalls in die Hände des Volkes gelegt werden. Ohnehin kämen nur falsche Dinge dabei heraus. Über die Hälfte der Wähler irre zu nennen und ihr zu attestieren, auf der falschen Seite zu stehen, offenbart erneut den deutschen Sonderweg, der auch zu diesem Ergebnis geführt hat.“

 

 

Der britische Verfassungshistoriker und Politologe Vernon Bogdanor erklärt in der „FAZ“ (30. Juni), warum die einfachen Leute der EU überdrüssig sind:

„Auf die Frage, wie sich der erstarkende Nationalismus mit dem realen wirtschaftlichen Zusammenwachsen vertrage, soll Franz Kafka geantwortet haben, dass der Mensch immer nach dem strebe, was er nicht habe. Der allen Nationen gemeinsame technische Fortschritt beraube sie ihre nationalen Besonderheit, und das führen, gewissermaßen als Abwehrreaktion, zu Nationalismus. ... Die Briten haben stets darauf hingewiesen, dass sie sich in der Europäischen Union für mehr Realismus und weniger Rhetorik eingesetzt haben. Diese Rolle müssen nun Deutschland und Frankreich übernehmen, die Kernländer der EU. Sie müssen die EU radikal umbauen, damit sichergestellt ist, dass andere Mitgliedstaaten nicht dem britischen Beispiel folgen.“

 

 

Der Berliner Jurist Ansgar Neuhof erklärt im Portal „Achse des Guten“ (3. Juli), warum ihn der „Berliner Konsens“ (siehe Kurzmeldung links) an die „Einheitsfront“ in der DDR erinnert:

„Schon in der Überschrift weisen die Konsens-Parteien darauf hin, dass sie demokratisch seien. Immer wenn sich jemand selbst ausdrücklich Eigenschaften oder Fähigkeiten zuspricht, möchte man auf den Dichter und Juristen Sebastian Brant verweisen, der um 1500 reimte: ,Mancher zum Meister sich erklärt, dem nie das Handwerk ward gelehrt.‘ Offenkundig bedarf es der Betonung ihres demokratischen Charakters, da die Konsens-Parteien durch ihr Tun und Auftreten nicht mehr als selbstverständlich demokratisch wahrgenommen werden und um zugleich indirekt die anderen 26 zur Wahl antretenden Parteien (von Familienpartei bis ÖDP) aus dem demokratischen Konsens auszugrenzen. Sebastian Brants Hauptwerk heißt übrigens ,Narrenschiff‘. Auf einem solchen ist vermutlich dieser ,Berliner Konsens‘ entstanden. Dessen politischer Inhalt ist derart belanglos und primitiv, dass es sich nicht lohnt, groß darauf einzugehen. Mag ihn selbst lesen, wer will. ... Sich gegen andere zusammentun unter ausdrücklicher Betonung des eigenen demokratischen Charakters war für die (damals teils demokratisch bzw. teils sich nur so nennenden) Parteien Berlins schon früher eine wichtige Sache. Bereits am 14. Juli 1945 bildeten die KPD (später SED, heute Linke), SPD, CDU und LDPD (heute FDP) die ,Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien‘, später ,Demokratischer Block‘. Was da­raus Schreck­liches wurde, ist bekannt.“