© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 35/16 vom 02.09.2016

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Beide werden scheitern
Asylpolitik: SPD flüchtet sich plötzlich in Opportunismus, Merkel bleibt starr

Auf einmal redet die SPD wie die AfD, meint selbst der Staatsfunk. Von ehrlichem Umdenken kann jedoch keine Rede sein.

Der Versuch der SPD-Führung, sich ein gutes Jahr vor der Bundestagswahl und wenige Tage vor Landtagswahlen von der Asylpolitik der Kanzlerin und damit der Koalition abzusetzen, zeigt ein Ausmaß an Heuchelei und Hasenfüßigkeit, das den Atem raubt. Parteichef Gabriel nörgelt an der Parole „Wir schaffen das!“ herum, sein Fraktionsvorsitzender Thomas Oppermann fordert Obergrenzen. Es müsse zwischen echten Flüchtlingen und Menschen, die bloß aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kämen, klar unterschieden werden.

Selbst der sonst handzahme Interviewer eines staatlichen TV-Kanals will ob solch erstaunlicher Einlassungen von Oppermann wissen, warum die Deutschen dann statt SPD nicht gleich AfD wählen sollen. Oppermann weicht der Frage aus.

Niemand, der seit Langem ein Einlenken der Politik auf die Linie der Vernunft fordert, könnte sich über ein Umdenken der SPD ärgern. Doch hier läuft etwas ganz anderes. Gabriel und Oppermann behaupten, immer schon so gedacht zu haben, wie sie plötzlich reden. Das lässt nur einen Schluss zu: Die beiden haben nicht umgedacht, sie hängen ihr Fähnchen in den Wind, weil sie von Panik vor den Wählern erfasst wurden. Überzeugungen sind keine im Spiel, dies ist kalt berechnender, ja liederlicher Opportunismus.

Die Erfahrung lehrt jedoch, dass die Wähler ein derartiges Spiel durchschauen. In Erinnerung ist die historische „Schill-Wahl“ 2001 in Hamburg. Kurz vor dem Urnengang wollte die SPD damals das Thema „innere Sicherheit“ entdeckt haben, was ihr aber nicht mehr abgenommen wurde. Das Resultat: Die Sozialdemokraten verloren erstmals seit 44 Jahren die Macht an der Alster.

In Mecklenburg-Vorpommern droht SPD wie CDU ebenfalls ein Desaster. Das erklärte Ziel der AfD, stärkste Partei im Schweriner Landtag zu werden, ist nach den letzten Umfragen in greifbare Nähe gerückt. Da sind  hektische Reaktionen wie die von Gabriel und Oppermann verständlich, auch wenn sie fruchtlos versickern dürften.

Kanzlerin Merkel beharrt derweil auf ihrem eingeschlagenen Kurs, selbst wenn sie sich damit in Europa isoliert (siehe Kommentar S. 8) und ihre Beliebtheitswerte in Deutschland immer tiefer sinken. Die CDU-Chefin besteht darauf, die Deutschen für etwas in die Pflicht zu nehmen, das sie nicht wollten und das ihre Zukunftsaussichten zunehmend verdüstert: Wir sollen nicht bloß kritiklos zusehen, wie unser Land kulturell und ethnisch grundlegend verändert wird. Wir sollen die Umwälzung auch noch tätig durch unser „Engagement“ und unsere Zustimmung unterstützen.

Beide Strategien, die der SPD wie die von CDU-Chefin Merkel, werden nicht gutgehen. Das wird der kommende Sonntag erneut sichtbar machen.            Hans Heckel


Schützt EZB US-Interessen?
Draghi scheint nur nordamerikanische Ratingagenturen zu wollen

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise gehörte die Forderung, eine europäische Alternative zu den drei großen angelsächsischen Ratingagenturen zu schaffen, zum Standardrepertoire von Politik und Medien. Mehrere Anläufe sind bislang gescheitert – nicht zuletzt wegen der fehlenden Unterstützung vonseiten der Politik.

Widrigen Rahmenbedingungen zum Trotz scheint nun das deutsche Unternehmen Scope allerdings die Chance zu haben, die lange gewünschte Ausweichmöglichkeit zu Standard & Poor’s, Moody’s und Finch darzustellen. Mit der Förderbank KfW, der Schweizer Großbank UBS und dem Gaskonzern Linde sind renommierte Kunden gewonnen – was fehlt, ist die Anerkennung durch die Europäische Zentralbank (EZB).

„Die Zulassungskriterien der EZB sind die größte Einstiegsbarriere für eine europäische Ratingagentur“, so die Kritik des Scope-Vorstandsvorsitzenden Torsten Hinrichs. Zumindest bislang sind die Ein­­stiegs­hürden so aufgestellt, dass neben den Bewertungen der „Großen Drei“, lediglich noch die kanadische Ratingagentur DBRS infrage kommt, wenn die EZB zum Beispiel von Banken Wertpapiere als Pfand annimmt.

Fraglich ist, ob die Verantwortlichen bei der EZB mit dieser Haltung gegenüber neuen Agenturen gut beraten sind. Schon die Besetzung des Chefpostens bei der EZB mit dem ehemaligen Goldman-Sachs-Manager Mario Draghi, die Berufung des Ex-Kommissionspräsidenten Manuel Barroso zu einem Berater eben jener umstrittenen Investmentbank Goldman Sachs oder die Verhandlungen der EU mit den USA zum Abkommen TTIP haben jenen Kritikern reichlich Nahrung geliefert, die im Projekt „Europäische Einigung“ vor allem ein Projekt von Finanzeliten aus Übersee sehen.                Norman Hanert


Zensurpolitik unter Druck
Kritik an Kahane-Stiftung und Sperrungen bei Facebook wächst

Die Quasi-Zensur der Bundesregierung im Internet gerät immer heftiger unter Beschuss. Im Zentrum der Zensurbemühungen steht das Netzportal Facebook, mit mehr als 1,7 Milliarden Nutzern das weltweit größte Diskussionsforum im Netz.

Erst auf erhebliches Drängen von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg 2015 zugestimmt, gegen „Hassreden“ in seinem deutschsprachigen Portal vorgehen zu lassen. 200 Mitarbeiter eines großen Medienkonzerns durchforsten seitdem Facebook und sorgen bei Verdacht auf „Hassrede“ dafür, dass der Teilnehmer zeitweise oder ganz gesperrt wird, auf Facebook also nicht mehr mitreden kann. Allerdings trifft dies bloß Kritiker etwa an der Asylpolitik. Linksradikale oder antisemitische Texte bleiben unbeanstandet.

Dies hat nun sogar die „Süddeutsche Zeitung“ auf die Barikaden getrieben. Denn längst würden rechtlich nicht angreifbare Texte selbst angesehener Personen gesperrt, so das eher linke Blatt.

Die Sperrpolitik fügt sich in die Strategie von Justizminister Heiko Maas (SPD), unliebsame Texte aus dem Netz zu fegen. Hierfür hat er eine „Task Force“ gegründet, in welcher die „Amadeu-Antonio-Stiftung“ (AAS) eine tragende Rolle spielt. Die Stiftung wird mit Steuergeldern massiv gefördert, die Leitung dort hat die frühere Stasi-Zuträgerin Anetta Kahane.

Expertin für „Hassrede“ ist bei der AAS Julia Schramm, die selbst mit dem Aufruf „Bomber-Harris Flächenbrand – Deutschland wieder Ackerland“ im Internet für Empörung sorgte. Dass Kahane und Stramm geeignet seien, für die Demokratie gegen Hass im Netz einzutreten, bezweifeln immer mehr Beobachter. Die staatliche Förderung der AAS gerät ebenfalls massiv in die Kritik.          H.H.


Manuel Ruoff:
Machtpolitiker

Walter Scheel erinnert uns mit seinem Tode vergangenen Mittwoch noch einmal an mittlerweile fern scheinende Zeiten. Das liegt an dem hohen Lebensalter, das er mit 97 Jahren erreichte. Seine politische Karriere lag noch vor der Kohl-Ära. Von seinen mittlerweile sieben Nachfolgern im Bundespräsidentenamt sind mit Karl Carstens, Richard von Weizsäcker und Johannes Rau bereits drei schon vor ihm verstorben. Das gleiche gilt für seinen Nachfolger an der Spitze von FDP und Außenministerium, Hans-Dietrich Genscher.

Gerade weil er ein so hohes Alter erreichte, wird sich die Mehrheit der Deutschen höchstens noch an den krönenden Abschluss seiner Karriere in der Villa Hammerschmidt, aber nicht mehr an seine Zeit im Auswärtigen Amt erinnern. Im Gegensatz zu seiner mit Willy Brandt betriebenen umstrittenen Außenpolitik war seine Präsidentschaft unspektakulär. Am ehesten bleiben noch seine Auftritte in Fernsehshows mit dem Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ und die seiner populären Ehefrau Mildred für die von ihr gegründete Deutsche Krebshilfe in Erinnerung. Nach dem ernsten, moralisch anspruchsvollen, pu­ri­ta- nischen, intellektuellen Vorgänger Gustav Heinemann stellte die rheinische Frohnatur für viele eine Erleichterung dar. Die größte Kritik an seiner Präsidentschaft löste noch sein Hang zu Pomp und Luxus aus. Unterstützt wurde dieser Eindruck von Leichtigkeit und Fröhlichkeit durch die ungebändigten Löckchen des „Krawattenmannes des Jahres 1969“ und seinen Hang zu farbenfroher Kleidung.

Über alledem droht der Machtpolitiker Walter Scheel in Vergessenheit zu geraten, der nur wenig in seinem Leben dem Zufall überließ.       (siehe Seite 10)


S. 2 Aktuell

Auffallend viele Tote säumen ihren Weg
Im Umkreis der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton häufen sich mysteriöse Sterbefälle

Manche Menschen werden vom Unheil verfolgt, aber ganz selten geschieht das jemandem in ganz unglaublichem Ausmaß. Zu diesen vom Schicksal Gezeichneten scheint die Kandidatin der Demokraten für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu gehören, Hillary Clinton.

So wurde am 10. Juli in der US-Hauptstadt ein Mann namens Seth Rich ermordet. Er wurde nur 27 Jahre alt. Trotz anfänglichen Bemühens seitens der Polizei musste ein Raubmord ausgeschlossen werden. Rich arbeitete für das Demokratische Nationalkomitee (DNC). Diese mit Clintons Demokratischer Partei eng verwobene Organisation untersuchte einen unterstellten Wahlbetrug bei den Vorwahlen unter den demokratischen Bewerbern zum Schaden von Bernie Sanders und zum Vorteil von Hillary Clinton. Rich stand im Verdacht, brisante E-Mails über DNC-Einzelheiten an den Wikileaks-Gründer Julian Assange geschickt zu haben.

Dass er es wirklich war, der die knapp 20000 E-Mails abgezweigt hatte, welche die Urheberschaft des Clinton-Clans aber auch der Demokratischen Partei an den miesen Tricks gegen Sanders belegen, erscheint immer wahrscheinlicher. Nun hat sich auch das FBI der Sache angenommen. Die allererste, reflexartige Schuldzuweisung an der elektronischen Indiskretion an Russlands Präsidenten Wladimir Putin durch Clinton-nahe Medien scheint keine Gläubigen mehr zu finden. Assange kündigte nun weiteres gravierendes Material an, das ernst­hafte rechtliche Konsequenten für Hillary mit sich bringen könnte.

Schon 18 Tage vor Rich war ein gewisser John Ashe beim Fitness-Training ums Leben gekommen, sein Kehlkopf wurde zertrümmert. Ashe war während der 68. Sitzungsperiode Präsident der Generalversammlung der Vereinten Nationen gewesen und der Korruption in Milliarden-Höhe verdächtig. Mit ihm angeklagt war ein Chinese namens Lap Seng, der wiederum illegal eine Menge Geld an jenes Nationalkomitee überwiesen haben soll, das traditionell Spenden sammelt für die Kampagnen der Demokratischen Partei. Und Ashe wäre bei dem anstehenden Prozess dafür als Zeuge geladen worden. Nun kann er nicht mehr aussagen, weder, was Seng mit dem Geld an das DNC bezweck­te, noch wie es sich mit jenen Mails verhielt.

Einen Tag nach Ashe verstarb der Enthüllungsjournalist Mike Flynn auf ungeklärte Weise. Er hatte für „Breitbart News“ gearbeitet, eine der wichtigsten politischen Internetseiten in den USA. Am Tag seines Todes erschien ein Artikel über sein aktuelles Hauptthema: die „Clinton Foundation“, diesmal im Zusammenhang mit deren Niederlassung in Hongkong. Die Familien-Stiftung scheint dort ein enges politisches wie finanzielles Geflecht zu unterhalten.

Tot ist auch Joe Montano. Sein Leichnam wurde am 25. Juli gefunden, die Umstände sind etwas unklar, angeblich hat der 47-Jährige einen Herzinfarkt erlitten. Dagegen weiß man genau, was er vor seinem Ableben gemacht hat. Er war Mitarbeiter von Tim Kaine, der im Falle eines Wahlsieges von Hillary Clinton ihr Vize werden soll. Kurz zuvor hatte die Enthüllungsplattform Wikileaks angekündigt, weitere Informationen über Hillary Clintons E-Mail- Skandal zu verbreiten.

Am 1. August starb Victor Thorn. Der Schriftsteller schrieb über die sexuellen Extravaganzen des Bill Clinton und darüber, dass am Rand des Weges, den Hillary nimmt, auffallend viele Tote zu finden sind. Jetzt gehört er selbst dazu, angeblich hat er sich erschossen – an seinem Geburtstag.

Am Tag danach wurde Shawn Lucas tot in seinem Bad aufgefunden. Der Mann wurde 38 Jahre alt. Er war als Rechtsanwalt von Bernie Sanders mit dem Wahlbetrug bei den Demokraten befasst gewesen und bemühte sich daneben besonders darum, den Tod von Seth Rich aufzuklären.

Die auffällige Anhäufung von Todesfällen in nur wenigen Wochen erinnert an die Whitewater-Affäre der Clintons zur Zeit von Bills Präsidentschaft – ein windiges Grundstücksgeschäft, garniert mit einer Reihe von Rechtsbrüchen, von denen der Präsident aber anno 2000 nach fünf Jahren der Untersuchung mangels Beweise freigesprochen wurde. Auch hier war ein Toter zu beklagen. Vince Foster, so sein Name, war Rechtsanwalt und Freund der Clintons, mit der Affäre betraut und ein intimer Kenner der Clinton-Geldmaschine. Nachdem das FBI zwei Tage lang jeden Zugang zu Fosters Büro im Weißen Haus verwehrt hatte, waren die Zweifel ausgeräumt: Foster habe Selbstmord begangen, wurde verkündet.

Am auffallendsten daran, dass der demokratische Vorwahlkampf doch in solchem Umfang lebensgefährlich war, ist die Berichterstattung darüber in den deutschen Medien. Es gibt sie nämlich nicht. Die Informationspflicht von Fernsehen, Radio und Zeitungen scheint sich auf solche Vorgänge nicht zu erstrecken. 

Florian Stumfall


Präsenter als die CIA und weiland die Stasi
Rund 6000 Informanten des Nationalen Nachrichtendienstes der Türkei sollen in Deutschland spionieren

Verfassungsschützer und Geheimdienstexperten wie Erich Schmidt-Eenboom gehen davon aus, dass der türkische Nachrichtendienst Milli Istihbarat Teskilati (MIT, Nationaler Nachrichtendienst) über ein Netz von rund 6000 Informanten in der Bundesrepublik verfügt. Damit wäre der MIT hierzulande präsenter als die US-amerikanische CIA es ist und die Staatssicherheit der DDR es war. Auf 500 türkischstämmige Menschen in Deutschland komme ein haupt- oder nebenamtlicher Agent Ankaras. Diese Zahl erscheint durchaus realistisch, wenn man bedenkt, wo die Schnüffler überall sitzen können: in der Berliner Botschaft und den 13 Generalkonsulaten der Türkei, in den Niederlassungen von Turkish Air­lines und diversen türkischen Banken, in den zahllosen Reise- und Übersetzungsbüros, die Türken zu ihren Kunden zählen, in Moscheen und Vereinen sowie in Erdogan-nahen Organisationen wie der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) oder der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Seit Längerem ist bekannt, dass der MIT Imame unter Druck setzt, damit sie sich zu einer Zusammenarbeit bereit erklären. Desgleichen flogen auch schon mehrere „Diplomaten“ auf, die für den türkischen Geheimdienst gearbeitet hatten. Als prominentestes Beispiel hierfür sei Celalettin Yavuz genannt, der als Militärattaché an der türkischen Botschaft fungierte.

Trotzdem kooperiert der Bundesnachrichtendienst (BND) bereits seit Jahrzehnten mit dem MIT. So half der spätere BND-Vizechef Rainer Kesselring den Türken 1978, ein eigenes Informations- und Dokumentationssystem zur Erfassung von „Staatsfeinden“ aufzubauen. Dieses kollegiale Entgegenkommen ermutigte den MIT zu immer dreisteren Aktionen in der Bundesrepublik, die von den dortigen Behörden beim besten Willen nicht mehr toleriert werden konnten. Deshalb kam es wiederholt zu Verhaftungen von MIT-Mitarbeitern wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit im Sinne des Paragrafen 99 Strafgesetzbuch. Zuletzt wurden 2014 drei besonders aktive Spione Ankaras festgenommen, darunter auch der frühere Erdogan-Berater Muhammed Taha Gergerlioglu. Sie stehen derzeit in Koblenz vor Gericht. Als Reaktion hierauf ignoriert der MIT nun sämtliche Anfragen des Bun­desnachrichtendienstes zur Ausreise in Deutschland lebender Dschihadisten und potenzieller IS-Kämpfer in Richtung Syrien. Nichtsdestotrotz ergingen nach dem Putsch in der Türkei aber dringende Appelle an den BND, seinen „Partner“ MIT bei Aktionen gegen die Anhänger von Fetullah Gülen zu unterstützen.

Die Bemühungen des türkischen Geheimdienstes, dessen Budget gerade um 47 Prozent aufgestockt worden ist, in der Bundesrepublik lebende Oppositionelle oder Kurden-Funktionäre ins Visier zu nehmen, stellen eine Gefahr für diese, aber weniger für die Sicherheit der Bundesrepublik dar. Anders verhält es sich hingegen mit möglichen weiteren Aktivitäten des MIT, vor denen Memet Kiliç, der Vorsitzende des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates (BZI), also des Zusammenschlusses sämtlicher kommunaler Ausländerbeiräte, unlängst gewarnt hat. Der in der Türkei gebürtige Jurist und Erdogan-Gegner sieht deutliche Anzeichen für ein Zusammengehen zwischen russischen und türkischen Geheimdiensten. Beide könnten zusammen gewaltsame Attacken auf türkische Moscheen und Einrichtungen, durchführen, die wie das Werk von Rechtsextremisten anmuten. Solche Angriffe würden dann „die große türkische Community gegen Deutschland und die deutsche Bevölkerung aufbringen“ und „innere Unruhen“ – sprich: einen Bürgerkrieg – auslösen.     Wolfgang Kaufmann


MELDUNGEN

OMV kritisiert Goethe-Institut

Köln – Stephan Krüger, Vorsitzender der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung (OMV) der CDU im Bezirksverband Mittelrhein, hat in einem Schreiben an den Vorstand des Goethe-Instituts eine Behauptung zur deutschen Ostsiedlung auf einer Internetseite des staatsnahen Vereins kritisiert. Die Kritik richtet sich gegen die folgende Passage auf der Seite www.goethe.de: „Noch heute leben in Mitteleuropa, Osteuropa und Zentralasien zahlreiche Menschen deutscher Abstammung. Vor über 200 Jahren folgten sie den Einladungen russischer Zaren, heute haben sie eine bewegte und bewegende Geschichte hinter sich.“ Krüger korrigiert: „Vor 250 Jahren folgten zehntausende deutsche Siedler dem Ruf russischer Zaren ins russische Zarenreich, das ist korrekt. Sehr viel früher jedoch erfolgte schon eine deutsche Besiedlung in Böhmen, Siebenbürgen, der Slowakei, Schlesiens, Oberschlesiens, Ost- und Westpreußens, Estlands und so weiter. Alle diese Siedlungsbewegungen sind älter als 250 Jahre und sie erfolgten nicht auf Einladung russischer Zaren. Überdies – und das als weiterer Kritikpunkt – erfolgte vor 250 Jahren keine gezielte Ansiedlung in Zentralasien. Die Tatsache, dass namhafte Zahlen von Deutschen in Kasachstan, Usbekistan und anderen zentralasiatischen Ländern aufzufinden sind, liegt einzig an den stalinistischen, kommunistischen Gewaltmaßnahmen und Zwangsumsiedlungen beziehungsweise Verschleppungen.“ Krüger verbindet die Richtigstellung mit der Aufforderung an das Goethe-Institut, die kritisierten Ausführungen entsprechend neu zu gestalten. Das Goethe-Institut hat in seinem Antwortschreiben eingeräumt, dass „die Darstellung der gesamten historischen Entwicklung ... nicht ausreichend“ sei. Aus diesem Grund werde das Institut die Webseiten „überarbeiten und ergänzen“ lassen. Die Überarbeitung werde allerdings noch „einige Zeit“ in Anspruch nehmen. PAZ

 

Ohne Pass ins Lager

Dresden/Leipzig – Die sächsische AfD hat vorgeschlagen, Asylsucher, deren Identität nicht geklärt sei, in Lagern separat zu kasernieren, bis herausgefunden sei, um welche Personen es sich handele. Dies diene der Gefahrenabwehr und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Tausende Asylsucher behaupten, ihren Pass verloren zu haben. Des Öfteren fliegt später auf, dass sie eine falsche Staatsangehörigkeit angegeben haben. SPD, Grüne und Linkspartei kritisieren den Vorstoß scharf. Die Asylsucher würden damit unter „Generalverdacht“ gestellt, hieß es von den Grünen. Die AfD pflege „Nazi-Jargon“. Unterdessen sind in Leipzig  in nur einer Nacht Anschläge auf die Büros und Betriebe von vier AfD-Politikern verübt worden, wie die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet. Dabei wurde unter anderem ein Handwerksbetrieb verwüstet und außerdem eine Anwaltskanzlei beschädigt. Zwei der Betroffenen waren bereits zum zweiten Mal Opfer von Anschlägen.                 H.H.


S. 3 Deutschland

Strafvollzug brutal
Die Asylflut ist mit Macht in die Gefängnisse geschwappt – Die neuen Häftlinge sind zahlreich und gewalttätig

Der Blick in die Haftanstalten zeigt, was wirklich dran ist an der offiziellen Behauptung von den gesetzestreuen „Flüchtlingen“, die genausowenig kriminell seien wie die Deutschen. Überfüllte Gefängnisse und explodierende Gewalt hinter Gittern beweisen das Gegenteil. 

Der Wachbeamte hatte keine Chance. Es passierte beim abendlichen Kontrollgang in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel. Das gläserne Geschoss kam so unvermittelt angeflogen, dass der 58-Jährige sich nicht mehr wegdrehen konnte. Die Ketschupflasche prallte mit voller Wucht gegen seine Stirn. Blut schoss aus der zentimeterlangen Platzwunde. Nur undeutlich nahm er noch wahr, wie seine Kollegin die Zellentür zuwarf, und den Häftling in letzter Sekunde hinderte, sich auf ihn zu stürzen. Er hörte, wie der 36-jährige, wegen Totschlags verurteilte Somalier, im rasenden Zorn gegen die Tür hämmerte.

Nicht nur wegen der schnellen Reaktion der Kollegin hatte der Justizvollzugsbeamte an diesem Abend Glück: Trotz eines schwer lädierten Auges wird er seine volle Sehkraft behalten. Die Wachtmeisterin Ines C. aus der Justizvollzugsanstalt Berlin-Charlottenburg erwischte es schlimmer. Mit einem Brotmesser stach ein Häftling bei einer Freistunde im Gefängnishof auf sie ein. Der Alarmknopf war defekt, die 50-Jährige allein und um sie herum 60 andere Häftlinge. Das war ihr Glück. Andere Insassen retteten die Schwerverletzte und leisteten Erste Hilfe. Die Narben aus den Stichverletzungen in ihrem Gesicht aber werden ein Leben lang bleiben. Ines C. ist dauerhaft dienstunfähig. Ein weiteres Opfer der brutalen Zustände im Strafvollzug.

Vorbei sind die Zeiten, als in Deutschlands Gefängnissen vorwiegend umgängliche Gefangene ihre Strafen absaßen und viele Zellen mangels Verurteilten ohnehin leer standen. In Niedersachsen waren bis vor Kurzem von 6600 Haftplätzen 1500 nicht belegt, in Nordrhein-Westfalen von 19200 Zellen 2000 überzählig. Massiv wurde in dieser Zeit auch Personal abgebaut. Heute fehlt es. Die Asylflut hat eine Woge von Glücksrittern, Desperados, Gesetzesscheuen und Gewalttätern in die Gefängnisse gespült. Anton Bachl, Vorsitzender des Bundes der Strafvollzugsbediensteten Deutschland (BSBD), fordert jetzt mindestens 13000 neue Hafträume. Besonders die Zahl der Untersuchungshäftlinge sei signifikant angestiegen. Gleichzeitig kritisiert er das Schweigen der zuständigen Behörden: „Teilweise könnte man den Eindruck gewinnen, dass mit der Veröffentlichung der Zahlen zurückhaltend umgegangen werde, weil sie nicht in die politische Landschaft passen“, erklärte er gegenüber der „Neue Osnabrücker Zeitung“.

Schon 2014 war der Ausländeranteil in deutschen Gefängnissen enorm hoch. Das zeigt eine vergleichende Studie des Europarates, die gerade erst in Brüssel präsentiert wurde. Während 2014 etwa neun Prozent der Bewohner Deutschlands Ausländer waren, betrug ihr Anteil an den Gefängnisinsassen 30 Prozent. Der Durchschnittswert in Europa lag dagegen nur bei 22 Prozent. Derlei Missverhältnisse fallen nach der Asylflut noch extremer aus. Baden-Württemberg präsentierte jetzt erstmals aktuelle Zahlen. Innerhalb eines Jahres habe die Zahl ausländischer Häftlinge um ein Fünftel zugenommen und sei auf 3100 gestiegen, erklärte Justizminister Guido Wolf. Da insgesamt 7100 Häftlinge einsitzen, liegt der Ausländeranteil in diesem Bundesland damit bei etwa 44 Prozent. In Sachsen liegt er derzeit zwar nur bei 24 Prozent, dafür beträgt der Anteil der Nichtdeutschen an der Bevölkerung des Bundeslandes aber auch nur vier Prozent. Anton Sterbling, Professor an der Hochschule der sächsischen Polizei in Rothenburg, zieht daraus einen klaren Schluss: „Die Kriminalität der Zuwanderer ist weit höher als die der Einheimischen.“

Syrer, Iraker, Pakistani, Marokkaner und Somalier „bereichern“ jetzt den Multi-Kulti-Alltag hinter Gittern. Die Legende von den friedlichen „Flüchtlingen“ widerlegen sie tagtäglich mit Ketchupflaschen, bloßen Fäusten oder selbstgebastelten Mordinstrumenten. Von zunehmend psychisch auffälligen und aggressiven Häftlingen spricht Alexander Schmid, in Baden-Württemberg Landesvorsitzender des BSBD. Sein Hilferuf gegenüber der fränkischen „Main-Post“: „Wir stehen unter Dauerstrom und haben keine Chance mehr Luft zu holen“.

18 Angriffe auf Vollzugsbeamte von Januar bis Juli verzeichnet die Hamburger Justizbehörde. Im ganzen vergangenen Jahr waren es nur 14. Die Zahl der körperlichen Auseinandersetzungen unter den Gefangenen schnellten im ersten Halbjahr 2016 auf 78 in die Höhe. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 waren es gerade mal 90. „Die Klientel aus dem arabischen Raum ist gewaltbereiter als andere Gefangene. Bei denen ist die Hemmschwelle niedrig“, weiß Rene Müller, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Hamburgischer Strafvollzugsbedienstete.

Abhilfe schaffen sollen in den Haftanstalten der Hansestadt jetzt spezielle „Integrationscoaches“. Deutsch- und Alphabetisierungskurse werden, so hofft man, die Neigung erhöhen, mit Worten statt mit Fäusten Differenzen zu klären. In Nordrhein-Westfalen wird vermehrt Arabischsprachiges für die Gefangenenbücherei angeschafft. Neue Haftanstalten und mehr Personal sollen in vielen Bundesländern darüber hinaus die justiziablen Folgen der Willkommenskultur auffangen. In den Gefängnisküchen wird sich auch einiges ändern. Im Berliner Jugendarrest beispielsweise wird ganz auf Schweinefleisch verzichtet, nachdem festgestellt wurde, dass 70 Prozent der Insassen Moslems waren. Frank Horns


Von wegen »groß«
Großer Koalition droht Mehrheitsverlust in Schwerin

Wie in Berlin droht auch in Schwerin „Weimarer“ Chaos. Kurz vor den Wahlen für den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns am Sonnabend machen sich noch sieben Parteien Hoffnungen, ins Schweriner Schloss einziehen zu können. Bisher wird „Meck-Pomm“ von einer rot-schwarzen Koalition unter Führung des Sozialdemokraten Erwin Sellering regiert. Die SPD erreichte 2011 mit 35,6 Prozent das mit Abstand beste Ergebnis. Nachdem es monatelang so aussah, als würde es diesmal ein historisch schlechtes Resultat geben und Sellering seinen Posten an den bisherigen Juniorpartner Lorenz Caffier von der CDU abgeben müssen, hat die SPD auf den letzten Metern noch einmal Boden gut gemacht. Kurz vor dem Wahltag lag sie in den Umfragen mit 27 Prozent noch knapp vor der Union.

Allerdings hat ein Viertel der Befragten angegeben, bisher noch keine Entscheidung getroffen zu haben. Sollte das Ergebnis der beiden Regierungsparteien noch schlechter ausfallen, wären sie möglicherweise auf die Unterstützung eines dritten Partners angewiesen.

Die Grünen, die vor vier Jahren mit einem stattlichen Ergebnis von mehr als acht Prozent erstmals ins Parlament eingezogen waren, liegen nur noch knapp über der Fünf-Prozent-Hürde, die derzeit außerparlamentarische FDP eher darunter.

Maßgeblich für das künftige Kräfteverhältnis wird das Abschneiden der Alternative für Deutschland sowie der NPD sein. AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm hatte während des Wahlkampfs angekündigt, seine Formation wolle stärkste Fraktion werden. Alle vorliegenden Umfragen lassen dies eher als unwahrscheinlich erscheinen, allerdings erscheint es mittlerweile als sehr wahrscheinlich, dass die AfD nach Sachsen-Anhalt in einem weiteren Bundesland über die 20-Prozent-Marke zu springen vermag. „Die Erfahrung lehrt uns, dass wir in den Umfragen unterbewertet werden. Wir sind gespannt und voller Zuversicht“, sagte Holm.

Auf diesen Effekt setzt auch die NPD, für die es im Nordosten ums parlamentarische Überleben geht. Vor vier Jahren lag sie kurz vor der Wahl bei rund vier Prozent, um am Ende doch noch einzuziehen: „Der Zuspruch ist deutlich höher, als es die manipulierten Umfragen vermuten lassen“, glaubt Fraktionschef Udo Pastörs. Die Nationaldemokraten setzen darauf, dass die zentralen Wahlkampfthemen Asylsucher und innere Sicherheit am Ende für einen erneuten Einzug reichen werden. Angesichts des zu erwartenden AfD-Erfolgs könnten einige potenzielle Wähler aus Kalkül kurzfristig noch zur NPD umschwenken.

Die etablierten Parteien taten sich in den vergangenen Wochen schwer, die unliebsame Konkurrenz totzuschweigen. Während Ministerpräsident Sellering auf eine eigene Erfolgsbilanz verwies und erklärte, sein Land sei von der Asylkrise de facto nicht betroffen, versuchte sich Caffier als AfD-Versteher. Das Management der Aufgabe sei misslungen, die Sorgen der Bevölkerung müsse man ernstnehmen. „Es geht auf den letzten Metern vor allem darum, noch möglichst viele Menschen von einer AfD-Wahl abzuhalten“, gab er schonungslos offen zu.               Peter Entinger


Letzte Legislaturperiode
So mancher Bundestagsabgeordnete kandidiert 2017 nicht mehr

Für viele Menschen ist der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach eine der letzten konservativen Stimmen im Deutschen Bundestag. Doch diese wird mit dem Ende der laufenden Legislaturperiode verstummen. Denn der wortgewaltige Rheinländer will nicht mehr. Es sei ein „Zusammenkommen von persönlichen und politischen Motiven“, sagte der 64-Jährige. Im kommenden Jahr hat er die normale Altersgrenze erreicht, arbeiten muss er folglich nicht mehr. Schon länger machten Gerüchte die Runde, seine offen kommunizierte Krebserkrankung zwinge ihn zum Aufhören. Das ist ein Grund, aber nicht der einzige. Politisch gab es für Bosbach in Berlin nicht mehr viel zu gewinnen. Das konservative Urgestein galt als vehementer Kritiker der sogenannten Euro-Rettungspolitik und konnte auch mit der Asylpolitik der Kanzlerin wenig anfangen: „Merkels ewiger Albtraum“, schrieb die „FAZ“ und die „Zeit“ bezeichnete ihn als dauerhaften Dissidenten. An der Basis verehrt und als eloquenter Diskussionssendungs-Gast von einem Millionenpublikum geschätzt, galt er in der Merkel-hörigen CDU-Fraktion zunehmend als Störenfried. Für die Strippenzieher im Konrad-Adenauer-Haus muss seine Rückzugsankündigung wie eine Befreiung gewirkt haben, denn einen Gegenkandidaten traute man sich in seinem Wahlkreis dann doch nicht aufzubauen angesichts der Popularität des Innenpolitikers. Sechsmal gewann Bosbach das Direktmandat im Rheinisch-Bergischen Kreis, zuletzt 2013 mit mehr als 58 Prozent der Erststimmen.

Bosbach ist nicht der einzige Konservative, für den im kommenden Jahr Schluss ist. Erika Steinbach, langjährige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), sitzt am Ende der Legislaturperiode 27 Jahre im Bundestag. „Das ist schon eine stattliche Zahl“, erklärte die 73-Jährige: „Es ist Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.“ Den ziehen auch wesentlich jüngere Politiker. Die frühere Familienministerin Kristina Schröder und ihr Ehemann, der parlamentarische Staatsekretär Ole Schröder, werden sich nicht erneut um ein Mandat bewerben. In ihrer Amtszeit als Ministerin brachte Schröder ihre erste Tochter zur Welt und nahm acht Wochen Mutterschaftsurlaub. Die Wahlplattform „Abgeordnetenwatch“ bezeichnete sie als einen der faulsten Politiker der Republik. „Es hat mir gezeigt, wie schwer die Vereinbarkeit zwischen Politik und Familie ist“, sagte die 39-Jährige. Sie selbst wolle der Politik auf jeden Fall erhalten bleiben. Gemeinsam mit ihrem Ehemann wird sie in ihre Heimatstadt Wiesbaden zurückkehren. Dort gilt sie als potenzielle Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister im kommenden Jahr. Ole Schröder, 45, zieht es hingegen wieder in seinen bürgerlichen Beruf als Jurist: „Ein Leben lang abhängig zu sein vom Mandat, eine Karriere als Berufspolitiker waren nie Dinge, die mich angetrieben haben.“

Rund zwei Dutzend Abgeordnete werden aus Altersgründen ausscheiden, einige andere werden von ihren Parteien nicht mehr nominiert. Freiwillig wie Bosbach oder die Schröders gehen den Schritt nur wenige. Jan van Aken von der Linkspartei macht mit 55 Jahren Schluss. Den ehemaligen Greenpeace-Aktivisten zieht es womöglich zurück zur Öko-Bewegung: „Ich fände häufigere Wechsel im Parlament sinnvoll. Ein Mandat kann nicht das alleinige Karriereziel sein“, sagte er und fügte hinzu: „So denken leider nur wenige.“             P.E.


MELDUNGEN

»Ostrenten« doch nicht angleichen?

Berlin – Die bislang bis zum Jahr 2020 vorgesehene Angleichung der Renten in den Neuen Bundesländern an das Westniveau droht im Kabinett zu scheitern. Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, werden sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) über die Finanzierung nicht einig. Während Nahles den Mehraufwand aus Steuermitteln begleichen will, besteht Schäuble darauf, das Geld aus der Rentenkasse zu nehmen. Wie es heißt, könnte die vollständige Angleichung auch Verlierer östlich der Werra produzieren. Bislang werden (trotz insgesamt geringerer Höhe) die „Ostrenten“ bei der Berechnung „aufgewertet“, was 2020 laut Nahles wegfallen soll. Dies ginge zulasten von Geringverdienern.               H.H.

 

Vor allem Plakate der CDU zerstört

Berlin – Bis zum 25. August sind in Berlin, wo am 18. September Landtagswahlen stattfinden, bereits 1864 Plakate von Parteien entwendet oder beschädigt worden. Dies berichtet die „Junge Freiheit“ unter Berufung auf die Polizei. Die meisten Wahlplakate hat die CDU mit 832 eingebüßt, gefolgt von der NPD mit 435 und der AfD, der 265 Werbeschilder durch Randalierer oder Diebe abhandenkamen. Dann erst folgt die SPD mit 170 Plakaten. Grüne und FDP melden mit je nur 23 Plakaten einen geringeren Verlust als die rechte Kleinpartei Pro Deutschland, der 26 Schilder fehlen, obwohl sie vergleichsweise nur sehr wenige Plakate aufgestellt hatte. Auffällig ist, dass die Gewalt gegen Wahlplakate offenkundig vor allem von der linken Seite ausgeht, da Schilder von bürgerlichen und sehr rechten Parteien überproportional häufig verlorengingen.           H.H.


S. 4 Chinas Engagement in Zentralasien

Vorstoß in Moskaus Südflanke
Chinas Netzwerk durchdringt Kirgisistan Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan

In Kirgistan überraschte man Chinas Außenminister Wang Yi im Mai mit dem Vorschlag, die Volksrepublik möge doch zirka 40 verarbeitende Betriebe dorthin verlegen, um einheimische Industriekapazitäten wiederbeleben zu können: Silicon, Antimon, Glühbirnen, Baumwolle und Textilien. Offiziell hat sich Peking bis heute noch nicht dazu geäußert.

Hintergrund dieser Empfehlung ist der Beitritt Kirgistans im vergangenen Jahr zur Eurasischen Wirtschaftsunion. Dadurch verringerte sich der Import chinesischer Güter drastisch und erfolgt jetzt sogar preiswerter über den Umweg einer Freihandelszone in Kasachstan. Unmut gegenüber Chinesen äußerte sich in den letzten Jahren aus umweltpolitischen Gründen beziehungsweise wegen der Ungleichbehandlung bei der Bezahlung kirgisischer Arbeiter. Jetzt ist ein Gesetz im Gespräch, das generell die Anzahl der Ausländer in einheimischen Betrieben auf 20 Prozent begrenzen soll. Beide Seiten werden sich jedoch arrangieren müssen, denn im Januar beschloss das kirgisische Parlament, sich aus zwei russischen Projekten zum Bau von Wasserkraftwerken wegen ins Stocken geratener Arbeiten zurückzuziehen. China soll nun seinerseits vier neue errichten, damit Kirgistan Strom nach Südasien liefern kann.

Während die Geldanweisungen von in Russland arbeitenden Usbeken innerhalb nur eines Jahres dramatisch gesunken sind, hat sich China 2015 zum wichtigsten Handelspartner Taschkents entwickelt. Ein 19,2 Kilometer langer Eisenbahntunnel, dem größten Projekt dieser Art in ganz Zentralasien, ist bei Gesamtkosten von 455 Millionen US-Dollar das aufwendigste jemals von Chinesen fertiggestellte Vorhaben in der Region. Damit sollen gleichzeitig in Sowjetzeiten gebaute Strecken überflüssig werden. Trotzdem setzt man nicht alles auf eine Karte. Im Mai wurde mit Hilfe südkoreanischer Unternehmen eine chemische Aufbereitungsanlage im Wert von 4,5 Milliarden US-Dollar fertiggestellt.

Turkmenistan besitzt rund ein Zehntel aller auf der Welt nachgewiesenen Erdgasreserven und exportiert 60 Prozent davon nach China. Im Jahre 2014 erreichten dabei die Gesamtexporte ins Reich der Mitte einen Wert von 8,65 Milliarden US-Dollar. Dahinter rangierte abgeschlagen die Türkei mit 567 Millionen US-Dollar. Aschchabat hat sich in Peking schwer im Austausch für zukünftige Gaslieferungen verschuldet. Damit erscheint der Ausbau alternativer Gasrouten über Afghanistan und das Kaspische Meer aus finanziellen, politischen und Sicherheitsgründen in absehbarer Zeit wenig realistisch.

Der Handelsumsatz Tadschikis-tans mit China soll sich von 793 Millionen US-Dollar 2015 bis 2020 auf drei Milliarden erhöhen, obwohl zurzeit nur 8,5 Prozent der Exporte dorthin gehen. Die Hoffnungen ruhen also auf den chinesischen Direktinvestitionen, die im Vorjahr 273 Millionen US-Dollar und damit 58 Prozent des Gesamtvolumens betrugen. Russlands Anteil ist in den letzten fünf Jahren von 30 auf 7,4 Prozent gefallen. Auch die Überweisungen der dort tätigen Hunderttausenden Tadschiken, also fast die Hälfte aller Männer im erwerbsfähigen Alter, sind seit 2013 stark rück­läufig, aber für das wirtschaftliche Überleben Tadschikistans notwendig, das bei Russland eine Milliarde US-Dollar Auslandsschulden aufweist. Duschanbe hat für einen teilweisen Schuldenerlass etwa ein Prozent seines Staatsgebietes an die Volksrepublik abgetreten. Die Landnahme geht indessen weiter, und seit 2006 erhöhte sich die Anzahl der chinesischen Gastarbeiter von 3000 auf 82000. Kürzlich wurde für 200 Millionen US-Dollar als Herzstück einer neuen Industriezone mit dem Bau einer Metallverarbeitungsanlage begonnen. 500 Millionen US-Dollar aus China sind vorgesehen für weitere Projekte.            Markus Matthes


Ersetzt Peking die Russen?
Noch hat sich der russische Bär nicht ganz abgemeldet

Chinas Aufstieg markiert eine der folgenreichsten geopolitischen Veränderungen der Region seit dem Beginn dieses Jahrhunderts. Er spiegelt sich auch in der im September 2013 in Kasachstans Hauptstadt Astana von Xi Jinping proklamierten Vision einer neuen Seidenstraße wider. Laut Angaben des Internationalen Währungsfonds hat die Volksrepublik in diesem Teil der Welt in den letzten 16 Jahren ungefähr 50 Milliarden US-Dollar investiert. Durch die zunehmende wirtschaftliche Schwäche ihres traditionellen Partners Russland sind die Länder der Region auf chinesische Investitionen dringend angewiesen, obwohl sie sich nicht wieder in eine vergleichbare Abhängigkeit von einem einzigen Markt begeben wollen. Der russische Bär hat sich noch nicht ganz abgemeldet und in den letzten Monaten militärische Manöver in Tadschikistan abgehalten.

Regelmäßig schlägt den Chinesen Misstrauen und Ablehnung entgegen, weil man nicht nur Durchgangslager für lukrativere Märkte sein möchte und die Ausplünderung der natürlichen Ressourcen beziehungsweise noch mehr Korruption befürchtet.

Im Reich der Mitte ist man wenig erfreut darüber, dass Visa an chinesische Staatsbürger oft schleppend erteilt und diese dann bevorzugte Opfer einheimischer Kleinkrimineller werden, welche die Ostasiaten als leichte Beute ansehen. Gleichfalls besorgt die Chinesen die Möglichkeit, dass sich islamische Terroristen aus den fünf zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistanden, Tadschikistan und Kirgisistan mit den uigurischen Separatisten in Xinjiang verbünden könnten.

Die Zentralasiaten erwarten, dass China mehr Verantwortung in Sicherheitsfragen der Region übernimmt, ohne sich zur Hegemonialmacht zu entwickeln. Alle zusammen wissen es jedenfalls zu schätzen, dass die Volksrepublik im Gegensatz zu westlichen Partnern und selbst Russland an wirtschaftliche Hilfe keine politischen Bedingungen knüpft, welche die örtlichen Autokraten größtenteils sowieso nicht zu erfüllen bereit wären.     M.M.


Wachsender Einfluss Pekings in Kasachstan

Die Regierung Kasachstans spricht gerne von den guten Beziehungen zu China, wo großes Interesse an kasachischem Öl, Gas, Uran, Stahl, Wasser und letztendlich sogar Land herrscht. Als sie im letzten Jahr auf die Schnelle ein inzwischen wieder auf Eis gelegtes Gesetz beschließen wollte, nach dem alle Ausländer Farmland bis zu 25 Jahre lang pachten konnten, kam es erneut zu antichinesischen Protesten. Gemäß einer zweijährigen Studie zeichnen auf Kasachisch veröffentlichte Zeitungen besonders gerne ein negatives und stereotypisches Bild von China, wobei die russischsprachige Presse dabei subtiler vorgeht. Das Schüren von Angst und Feindschaft führt dazu, dass Nationalisten wie Muchtar Schachanow öffentlich fordern, den 24000 kasachisch-chinesischen Familien im Lande überhaupt kein Land zur Verfügung zu stellen. Dabei ist Kasachstans stagnierende Wirtschaft mehr denn je auf Geld aus dem Reich der Mitte angewiesen. Derzeit laufen 52 industrielle und logistische Projekte auf gemeinsamer Basis im Werte von an die 24 Milliarden US-Dollar. Allein in den letzten fünf Jahren hat China mehr als zehn Milliarden investiert. Anfang 2016 gab es 668 chinesische Firmen in Kasachstan – 35 Prozent mehr als noch 2013. Seit Februar rollen Güterzüge von der ehemaligen Hauptstadt Almaty zum Hafen Lianyungang am Gelben Meer. Der Schienenverkehr von China nach Europa durch Kasachstan verdoppelte sich 2015. Das grenzübergreifende Handels- und Industriezentrum Khorgos hat seit April 2012 3,1 Milliarden US-Dollar an Investitionen angelockt. China kontrolliert mittlerweile zirka 30 Prozent der einheimischen Ölförderung und möchte nun zwecks Diversifizierung in den Lebensmittelsektor 1,9 Milliarden US-Dollar pumpen, um die Folgen fallender Ölpreise auszugleichen. Die Frage bleibt, ob die Bevölkerung Kasachstans zahlreich und qualifiziert genug ist, einen von außen herbeigeführten landwirtschaftlichen Boom zu verkraften. Auf alle Fälle wird Pekings Einfluss weiter zunehmen.            M.M.


Zeitzeugen

Nursultan Nasarbajew – Der „Führer der Nation“ auf Lebenszeit sitzt in Kasachstan schon seit Sowjetzeiten fest im Sattel. Zwar lehnt er Maßnahmen in Richtung Demokratisierung ab, doch gilt das beeindruckende Wirtschaftswunder in seinem Land Anfang dieses Jahrhunderts als sein Verdienst. 2006 vereinigte er die eigene Partei mit der seiner Tochter Dariga und konsolidierte die Machtverhältnisse.

Islom Karimow – Der 78-Jährige steht seit 1990 mittels Wahlfälschungen unterunterbrochen an der Spitze Usbekistans, das er mit eiserner Hand praktisch ohne Opposition regiert. Seine bis Ende 2013 als potenzielle Nachfolgerin gehandelte Tochter Gulnara ist mittlerweile aufgrund von Familienstreitigkeiten und ihres Aneckens bei der Geheimpolizei in Ungnade gefallen (siehe Seite 24).

Gurbanguly Mälikgulyýewiç Berdimuhamedow – Der Zahnarzt ist seit Februar 2007 Präsident Turkmenistans und wurde im Februar 2012 mit 97 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Immerhin hat er die schlimmsten Auswüchse des Persönlichkeitskultes um seinen Vorgänger Nijasow beseitigt und die ursprünglichen Namen der Monate und Wochentage wieder eingeführt. Auch verzichtete Berdimuhamedow auf das Recht, Sehenswürdigkeiten, Einrichtungen oder Städte umzubenennen.

Almasbek Atambajew – Der Amtsantritt des aktuellen kirgisischen Präsidenten im Dezember 2011 markierte den ersten friedvollen Machtwechsel in der postkommunistischen Geschichte des Landes nach den gewalttätigen Zusam-menstößen zwischen Kirgisen und Usbeken im Jahre 2010. Er trat der Eurasischen Zollunion bei und verlängerte das Pachtverhältnis für einen Stützpunkt der US-Luftwaffe nicht.

Emomalij Scharipowitsch Rachmon – Der ehemalige Leiter einer Baumwollfarm wurde 1994 während des sechsjährigen Bürgerkrieges, den er schließlich mit russischer und usbekischer Hilfe 1997 gewann, zum Präsidenten Tadschikistans gewählt. Dank mehrerer gefälschter Wahlen und des Ausschlusses der einzigen ernstzunehmenden Konkurrentin 2013 ist er bis heute im Amt.


S. 5 Preussen/Berlin

Ziegel, Mörtel, Anmut
2017 startet der Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche – Noch fehlen Spendengelder

Potsdam erhält sein berühmtes Wahrzeichen zurück. Deutschland wird um ein denkwürdiges Bauwerk reicher. Im nächsten Jahr sollen die Bauarbeiten für den Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche beginnen. Die Baugenehmigung ist erteilt. Eine originelle Spendenidee soll jetzt noch fehlende Gelder zusammenbringen.

In Potsdams lichte Höhen wird sich die erhabene Schönheit schrauben. 88,6 Meter barocke Baukunst, erschaffen aus 2,45 Millionen Ziegelsteinen, werden wieder das Stadtbild zieren und der preußisch-brandenburgischen Metropole ein Stück verlorengegangener Pracht und Eleganz zurückgeben.

Schon im nächsten Jahr soll der Wiederaufbau der Garnisonkirche beginnen. Menschen aus aller Welt haben gespendet. Königinnen, Kanzlerinnen, Ministerpräsidenten und Nobelpreisträger waren darunter. 38 Millionen Euro müssen zusammenkommen, um, wie geplant, zunächst den Turm neu entstehen zu lassen.

Die heutigen Baumeister können auf reichhaltiges Quellenmaterial zurück-greifen, um ihn in allen Details mit authentischem Material zu rekonstruieren. Der Barockbau entstand zwischen 1730 und 1735. Friedrich Wilhelm I. wünschte sich in seiner Potsdamer Sommerresidenz ein Gotteshaus für die Angehörigen des Hofstaates und der Garnison. Die zivile Gemeinde sollte es ebenso nutzen können. Der königliche Baudirektor Philipp Gerlach setzte den herrschaftlichen Wunsch in Ziegel, Mörtelzement und architektonische Anmut um. Die „Hof- und Garnisonkirche“ gilt als sein Hauptwerk. Ihr Glockenturm bestimmte fortan das Straßenbild. Zusammen mit den Türmen der Heilig-Geist-Kirche und der Nikolaikirche bildete er den markanten Potsdamer „Drei-Kirchen-Blick“.

Der Feuersturm des Zweiten Weltkrieges setzte dem ein Ende. Bei einem Luftangriff auf Potsdam am 14. April 1945 brannte das Innere des Kirchenschiffs aus. Die Turmhaube mit dem Glockenspiel stürzte in sich zusammen. Die Machthaber der DDR sorgten dann für das endgültige Aus. Wie viele andere kriegsbeschädigte Sakralbauten ihres Herrschaftsbereiches fiel die Ruine dem „sozialistischen Städtebau“ zum Opfer. An einem Sonntag zur Gottesdienstzeit im Jahr 1968 wurde der Turm mit ausdrücklicher Billigung von Walter Ulbricht gesprengt.

Erst das Jahr 2004 brachte für die Garnisonkirche die Wende. Unterstützt von der evangelischen Landeskirche und der Landeshauptstadt Potsdam gründeten Potsdamer und Berliner Bürger die „Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche“. 2008 folgte die Stiftung „Garnisonkirche Potsdam“.

Beide Organisationen arbeiten zusammen. Als offene Stadtkirche, als Symbolkirche und als Schule des Gewissens sehen sie das rekonstruierte Gebäude. Es gehe um die Heilung einer offenen Wunde im Stadtbild und um den christlichen Auftrag, Botschafter der Versöhnung an Christi statt zu sein. Schließlich ist kaum ein kirchlich geprägter Ort in Deutschland so intensiv mit Aufstieg und Fall, mit menschlicher Leistung und menschlichem Versagen behaftet. Das Bauwerk diente immer wieder als Kulisse und Symbol für tiefgreifende Ereignisse deutscher Geschichte.

Preußens Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich der Große fanden in der Kirchengruft über viele Jahrzehnte ihre letzte Ruhe. Das berühmte Glockenspiel auf der Turmspitze ließ zu jeder halben Stunden „Üb immer Treu und Redlichkeit“ erklingen, jene Zeilen, die als Sinnbild preußischer Moraltugenden gelten. Düster dann die Ereignisse um den Tag von Potsdam am 21. März 1933. Das berühmte Foto des Handschlags zwischen Adolf Hitler und dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg vor der Garnisonkirche – eine Zufallsaufnahme und protokollarisch gar nicht vorgesehen – wurde von der nationalsozialistischen Propagandamaschinerie dazu missbraucht, die „Machtergreifung“ ihres „Führers“ als preußisch-konservative Wiedergeburt der Nation zu überhöhen.

„Kein Ort eignet sich so sehr, die Spur unserer Geschichte zurückzuverfolgen, zu analysieren, daraus zu lernen, sie aber auch mit ihren Ka­tastrophen anzunehmen“, wissen die traditionsbewussten „Kirchenaktivisten“ von Potsdam.  Um die fehlende restliche Summe von 10,65 Millionen Euro für das große Vorhaben zusammenzutragen, gehen sie jetzt mit einer originellen Idee an die Öffentlichkeit. „Bauen Sie mit, mit ihren guten Namen“, heißt das Motto. Jeder Spender kann sich dabei im Turm der Garnisonkirche verewigen lassen. Eingebrannt in einem Ziegel oder an einer Treppenstufe wird sein Name zu lesen sein. Besonders freigiebige Unterstützer können auch einen ganzen Raum nach sich benennen lassen. Die Namenspatenschaft für einen Ziegel ist schon für 100 Euro erhältlich.

Wer sich dafür entscheidet, ist übrigens in königlicher Gesellschaft. Auch Englands Queen ließ sich bei ihrem Deutschlandbesuch im vergangenen Jahr als Spenderin und Förderin des Projektes auf einem der Steine verewigen.                  Frank Horns

Der Spendenkatalog ist als PDF-Datei oder in der gedruckten Version erhältlich. Zu bestellen ist er per Mail unter eschenburg@garnisonkirche-potsdam.de oder leinemann@garnisonkirche-potsdam.de, per Telefon unter (0331) 5058168. Weitere Informationen: Stiftung Garnisonkirche Potsdam, Gutenbergstraße 71/72, 14467 Potsdam. Internet: www.garnisonkirche-potsdam.de


Henkel verliert die Orientierung
von Theo Maass

Die vorletzte Woche war für den wahlkämpfenden Berliner Innensenator und CDU-Chef Frank Henkel ganz, ganz schlecht. Die Rotlicht-Unternehmer des Großbordells „Artemis“, die der Innensenator am 13. April mit viel Tamtam hatte verhaften lassen, mussten auf freien Fuß gesetzt werden. Nun wurde bekannt, dass das Berliner Landeskriminalamt und auch die Finanzbehörden die Geschäftspraktiken gebilligt und für legal befunden haben. Wenn Henkel schon wider besseres Wissen und gegen die Einschätzung der städtischen Behörden eine Wahlkampf-PR-Aktion durchführt, wäre er besser beraten gewesen, ein „Law and Order“-Kasperletheater am Ende der Sommerpause aufzuführen, weil er dann die Beschuldigten mit einigen Tricks bis zum Wahltag in Untersuchungshaft hätte halten können.

Vergangenen Sonnabend besetzten Aktivisten der „Identitären Bewegung“ das Brandenburger Tor. Auf dem Bauwerk wurde ein Transparent entrollt: „Sichere Grenzen – Sichere Zukunft“. Hat sich der „Sicherheitssenator“ über die Forderung gefreut? Nein? Warum nur nicht? Ja klar, er wurde an die mäßige Bilanz seiner fünf Jahre im Amt erinnert.

Kostprobe: Eindämmung der Kriminalität? Fehlanzeige!

Abschiebung unberechtigter Asylbewerber (fällt in sein Ressort)? Fehlanzeige!

Henkels Polizei stellte die Personalien der „identitären“ Aktivisten fest und schrieb Anzeigen wegen Nötigung, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Also das gleiche, was jeden Tag in Berlin und anderswo passiert, wenn die „Antifa“ (häufig aus staatlichen Töpfen alimentiert) „gegen rechts“ aktiv ist.

Während sich Henkel sonst in Allgemeinplätzen und Worthülsen ergeht, schlug er bei den „Identitären“ verbal bemerkenswert heftig zu. Es sei „widerwärtig, dass Rechte versuchen, das weltweit bekannte Wahrzeichen Berlins zu beschmutzen“. So, so: widerwärtig. Was ist wohl „widerwärtiger“? Gewalt in Asyllagern am helllichten Tage, Frauen, die sich nicht mehr auf die Straße trauen, Ladenbesitzer, die schutzlos ausgeplündert werden, leere Kassen dank völlig maßloser Asylpolitik oder ein Transparent: „Sichere Grenzen – Sichere Zukunft“?

Vergangenen Sonnabend erklärte Henkel der staunenden Öffentlichkeit nun, er wolle der nächste Regierende Bürgermeister von Berlin werden. Wie das? An die 50 Prozent muss eine Partei erreichen, wenn sie allein regieren will. Potenzielle Koalitionspartner hat die CDU nämlich keine mehr, weil die SPD offenkundig Richtung Rot-Rot-Grün schielt. Seit Jahresbeginn aber liegen die  Umfragewerte der CDU zwischen 17 und 21 Prozent, meist unter der 20-Prozent-Marke.


Kein Kopftuch im Rathaus
Luckenwalde: Arabische Praktikantin nach einem Tag entlassen

Bereits nach dem ersten Tag musste eine Asylbewerberin ihr Praktikum bei der Stadtverwaltung von Luckenwalde (Kreis Teltow-Fläming) abbrechen. Initiiert von der Arbeitsagentur und einem Bildungsträger, sollte die  Palästinenserin als Teil des Projektes „Perspektiven für Flüchtlinge“ eigentlich ein sechswöchiges Praktikum in der Verwaltung der Stadt Luckenwalde beginnen.

Weil sie sich aber geweigert hat, während ihrer Tätigkeit im Rathaus ihr Kopftuch abzulegen, war der 48-Jährigen von Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide gleich nach dem ersten Tag gekündigt worden. „In unserer Verwaltung herrscht der Grundsatz der strikten Neutralität. Das gilt für das innere und äußere Auftreten, auch hinsichtlich der Kleidung“, so die Begründung der SPD-Politikerin.

Zwar existiert im Land Brandenburg  keine entsprechende gesetzliche Regelung. Das Innenministerium in Potsdam hat der Bürgermeisterin dennoch Rückendeckung gegeben: „Hier alles zuzulassen wäre ein Zeichen von falsch verstandener Toleranz – das wäre Opportunismus", so Ministeriumssprecher Ingo Decker, der das Neutralitätsgebot im öffentlichen Dienst als ein „ganz hohes Gut“ bezeichnete.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Sven Petke hat die Entscheidung der Luckenwalder Bürgermeisterin indessen kritisiert. Im Gegensatz zu einem Kreuz an der Wand seien persönliche Glaubensbekenntnisse wie Bekleidung in einer Verwaltung rechtlich zulässig. Zudem sieht Petke parteipolitische Motive hinter der Entscheidung der SPD-Politikerin: „Kommendes Jahr ist in Luckenwalde Bürgermeisterwahl, und in den sozialen Netzwerken kommt viel Zuspruch für den Rauswurf.“

Rückendeckung erhält die Bürgermeisterin dagegen von der AfD: „Wenn das Kreuz in den Räumen des Rathauses nicht zulässig ist, dann darf es auch keine Extrawürste für Muslime geben“, so der innenpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Thomas Jung.

Wie inzwischen gemeldet wurde, hat die Palästinenserin in Luckenwalde einen anderen Praktikumsplatz erhalten. Bürgermeisterin Herzog-von der Heide hat mitgeteilt, dass die Frau für die kommunale Wohnungsgesellschaft tätig werden soll, um bei Verhandlungen mit Mietern und Wohnungssuchern aus dem arabischen Raum zu übersetzen. Dies sei anders als im Rathaus keine öffentliche Aufgabe.            Norman Hanert


Isolation bröckelt
Freie Wähler wollen AfD ins Boot holen

Im Herbst soll eine Volksinitiative gegen die von Brandenburgs rot-roter Landesregierung beabsichtigte Kreisgebietsreform in Aktion treten. Überraschend: Der direkt gewählte Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Christoph Schulze, wehrt sich dagegen, der Alternative für Deutschland (AfD) die Teilnahme an den Bemühungen zu verweigern. „Ich teile die allermeisten Positionen der AfD nicht“, aber es sei besser „die Hand, die ich nicht abhacken kann, im Zweifelsfall zu schütteln.“ An der Gründung des Vereins, der die Initiative tragen soll, wollen sich bislang die Freien Wähler, die CDU und die FDP beteiligen.

Die Durchsetzung der Kreisreform ist zum Prestigeprojekt der Landesregierung geworden, die ihre Reform 2019 wirksam werden lassen will. Aus 18 Verwaltungseinheiten sollen nur noch zehn werden, wobei von den bisher vier kreisfreien Städten nur noch die Landeshauptstadt Potsdam bleiben soll. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kann sich im Parlament einer Mehrheit nur noch sicher sein, weil die oppositionellen Grünen die Reform unterstützen.

Um die Parlamentsmehrheit zu kippen, wäre ein erfolgreicher Volksentscheid notwendig. Während die ersten beiden Stufen (erst 20000, in der zweiten Stufe 80000 Unterschriften) relativ problemlos zu bewältigen sind, gilt die dritte Hürde als schwierig. Nur wenn die Mehrheit der Teilnehmer dafür ist, und diese zudem mindestens ein Viertel aller Stimmberechtigten darstellt, ist die Vorlage angenommen. Schulzes Kalkül: Um das zu schaffen, benötigt er auch die Helfer von der AfD.         Hans Lody


Linker Flashmob stört Treffen

Etwa 100 Linksextreme haben gegen ein Treffen der AfD in Potsdam einen krawalligen „Flashmob“ veranstaltet. Wie die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ berichten, sollen Teilnehmer der nicht angemeldeten linken Versammlung widerrechtlich ein Firmengrundstück und ein Gebäude in der Berliner Vorstadt betreten haben, in dem ein Dutzend AfD-Anhänger tagte. Als die AfDler das Gebäude verließen, sind nach Polizeiangaben Beleidigungen ausgesprochen worden. Zudem wird gemeldet, dass AfD-Anhänger mit Bier und Limonade bespritzt worden seien und die Linken zudem  Gülle verschüttet und Autos blockiert hätten. Die Polizei, die mit 14 Streifenwagen im Einsatz war, konnte die Personalien einiger Linksextremisten feststellen. Die Behörden haben Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Nötigung und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet.        N.H.


S. 6 Ausland

Was die Türken nach Syrien treibt
Der Islamische Staat ist nur vordergründig der Gegner – Die USA machen gute Miene zum bösen Spiel

Neu ist es nicht, dass die Türkei im Krieg um Syrien mitkämpft. Neu ist nur der Umfang, den die türkische Invasion am 24. August angenommen hat. Ankara hat nun alle Versuche der Camouflage und Heimlichtuerei beendet – man führt jetzt offiziell Krieg, wenn auch wider das Völkerrecht.

Der aktuelle Vorstoß zieht erhebliche politische Folgen nach sich. Militärisch bezweckt er, die Kämpfer des Islamischen Staates  (IS) aus der an der Grenze zur Türkei gelegenen nordsyrischen Stadt Jarablus zu vertreiben. Allerdings wäre es ein Irrtum anzunehmen, der IS sei auf einmal ein Gegner der Türken. Die Verbindung zwischen Ankara im Allgemeinen und der Familie Erdogan im Besonderen mit der Ter­ror­organisation sind viel zu eng und ertragreich, als dass sie so einfach zerstört werden könnten. Vielmehr ist den Türken darum zu tun, Jarablus zu besetzen, bevor dies die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (Yekîneyên Parastina Gel, YPG) tun, der militärische Arm der Arbeiterpartei Kurdistans (Partiya Karkerên Kurdistanê,  PKK).

Die YPG kontrollieren auf syrischer Seite bereits den ganzen Abschnitt vom Osten des Landes bis über den Euphrat. Eine kleine Lücke unterbricht das kurdisch kontrollierte Territorium von einem weiteren Gebiet im Westen, das ebenfalls von den YPG besetzt ist. Fiele nun Jarablus ebenfalls in kurdische Hände, so wäre ein weiterer wichtiger Schritt für die Errichtung eines kurdischen Staates im Norden Syriens getan. Diese Vorstellung aber gehört zu den schlimmsten politischen Albträumen der Türken. Dies wäre der westkurdische Staat Rojava, den zu verhindern der Türkei allemal ein Krieg wert ist.

Die vorübergehende Missachtung der alten Waffenbrüderschaft mit dem IS fällt den Türken umso leichter, als sie sich im Rahmen der großen Politik in einer komfortablen Lage befinden. Die Annäherung Ankaras zu Russland bringt es mit sich, dass Moskau den türkischen Angriff auf Jarablus duldet. Das wiederum führt dazu, dass die USA, durch die russisch-türkische Aussöhnung aufs peinlichste beunruhigt, ebenfalls um eine Hilfe für Ankara nicht herumkommen, wenn sie nicht den letzten Einfluss auf den Nato-Partner verlieren wollen. Es ist ohnehin so, dass es für Russland reicht, wenn es den Angriff nur nicht ablehnt, die USA aber sehen sich gezwungen, aktiv Hilfe zu leisten.

So berichtet das „Wall Street Journal“, US-amerikanische Drohnen assistierten bei der Operation und führten Aufklärungsflüge durch. Wenn das eingestanden wird, darf man daraus schließen, dass die US-Drohnen in der waffentechnischen Orchestrierung des Überfalls mit ihren „Hellfire“-Raketen einen gewaltigen Beitrag leisten. Ebenso verhält es sich mit den „Militärberatern“, von denen auch im „Wall Street Journal“ die Rede ist. „Wir synchronisieren uns mit den Türken“, heißt es da, „wir haben volle Kenntnis von allem, was passiert.“ Das bedeutet im Klartext, dass die USA Bodentruppen einsetzen, jedenfalls die üblichen Spezialeinheiten und Söldner.

Nur Stunden nach dem Beginn des türkischen Angriffs kam US-Vize-Präsident Joe Biden nach Ankara, und es fällt schwer, dabei an ein zufälliges Zusammentreffen zu glauben. Vielmehr muss Washington nicht nur den russischen Einfluss in der Türkei zurückzudrängen, sondern auch noch einen bösen Verdacht auszumerzen versuchen. In Ankara nämlich macht das Gerücht die Runde, gewisse Kräfte in den USA steckten hinter dem misslungenen Putsch gegen Erdogan. Der iranische Vize-Außenminister Hossein Amir Abdollahian nährte den Verdacht, meinte er doch: „Für mich ist klar, dass die Amerikaner hinter dem gescheiterten Putsch standen.“ Das mag so absurd sein, wie es will, aber immerhin musste der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, dementieren, der ehemalige US-Befehlshaber in Afghanistan, General a.D. John Campbell, sei einer der Drahtzieher gewesen. „Die Vorwürfe gegen General Campbell sind unbegründet und müssen wohl kaum kommentiert werden“, so der Sprecher. Damit nicht genug, drehen die Türken an einer weiteren Daumenschraube. Sie drohen den USA mit einer Verschlechterung der Beziehungen, wenn der Prediger Fethullah Gülen, Erdogans Erzfeind, nicht ausgeliefert würde.

Leidtragende der Entwicklung sind zunächst die Kurden nicht nur der YPG, die bislang auf die Hilfe aus den USA hatten rechnen können. Ein Beamter des State Department sagt: „Wir haben den Kurden hinsichtlich ihrer Ambitionen Grenzen gesetzt, wenn sie unsere Unterstützung haben wollen, was meiner Meinung nach eine große Hebelwirkung haben muss. Das gibt uns in Bezug auf die Türkei etwas Luft zum Atmen.“ Inzwischen hat US-Außenminister John Kerry die Lage verdeutlicht und erklärt, die Kurden müssten sich nach Osten bis hinter den Euphrat zurückziehen. Das entspricht der Mindestforderung der Türken, vorerst jedenfalls.

Tatsächlich aber wäre ein solcher Rückzug keineswegs Grund zur Hoffnung auf Frieden zwischen den Türken und den Kurden. Der Konfliktfall Jarablus ist nämlich nur ein Aspekt des strategischen Tauziehens. Betrachtet man die Gebiete, welche die Kurden im Osten Syriens nach wie vor und auch ohne das Umfeld von Jarablus kontrollieren, so wird klar, dass dies genau das Land ist, das den türkischen Kurden auf der nördlichen Seite der Grenze gegenüberliegt. Das bedeutet, dass der türkische Wahn gegen die Kurden mit einem Verzicht auf den Korridor von Jarablus keineswegs beruhigt wäre. Letztlich besteht der Kriegsgrund Ankaras gegen die Kurden ganz einfach in deren Vorhandensein.                Florian Stumfall


Vorbild Israel?
Der Judenstaat punktet mit Erfahrung in der Terrorbekämpfung

Während der Juli in Deutschland und Frankreich neue islamistische Terrorrekorde brachte, konnte Israel mit nur sechs aufgezeichneten Terroranschlägen einen drastischen Rückgang der Zahl der monatlichen Angriffe verzeichnen. Im Oktober 2015 waren noch 70 Terrorattacken, vornehmlich Messerangriffe, aufgezeichnet worden. Der Juli brachte in Israel einen Tiefstand bei der Zahl der Anschläge in den zehn Monaten seit Beginn der Terrorwelle, die zum Tod von 41 Israelis und Ausländern sowie etwa 250 Palästinensern geführt hat.

Ein hochrangiger Offizier der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) sagte der Zeitung „Jerusalem Post“, diese Zahl zeige, dass die jüngste Sicherheitstaktik des Staates wirke. Die Taktik bestehe aus einer Kombination von präzisen Geheimdienstermittlungen des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, der Tag und Nacht Netzermittlungen in sozialen Medien durchführe, und Operationen der Streitkräfte. Israel ist es gelungen, durch diese kombinierte Arbeit eine Art Früherkennungssystem für islamistische Terroristen einzuführen. So konnte auch vermieden werden, dass die Mehrheit der palästinensischen Westbank-Bevölkerung mit Terroristen gleichgesetzt wird, eine Gefahr, die angesichts der Gewaltwelle von Asylsuchern in Deutschland auch besteht.

Der Erfolg im Kampf gegen den islamistischen Terror, der hauptsächlich von „einsamen Wölfen“ ausgeht, wird ein wichtiges Thema bei dem Besuch des israelischen Stabschef Gadi Eizenkot in den Vereinigten Staaten sein. Eizenkot wurde von dem US-Generalstabs­chef, General Joseph F. Dunford, eingeladen. Dies wird bereits das dritte Treffen zwischen den beiden in anderthalb Jahren sein. Dunford hat Eizenkot bereits zweimal in Israel besucht.

Die US-amerikanischen Gastgeber sind auch daran interessiert, im Gespräch mit Eizenkot Neues für den Krieg gegen den Islamischen Staat (IS) zu lernen. Die US-Armee interessiert vor allem die Strategie, die in der israelischen Armee als „militärische Kampagnen zwischen Kriegen“ bezeichnet wird. Die israelische Armee konnte in verdeckten Operationen gegen islamistische Terroristen während eines Jahrzehnts konsequent und systematisch den Waffenschmuggel von dem Iran, Libyen und dem Sudan nach Gaza und den Südlibanon über Tunnel und andere Wege unterbinden, sodass heutige Anschläge in Israel vorwiegend mit Küchenmessern stattfinden. Die USA möchten in ähnlichen Operationen verhindern, dass Waffen aus den großen Arsenalen des Iran, des Sudan und Libyens dem IS im Irak, in Syrien und in Libyen in die Hände fallen.

Israel hat die längste Erfahrung mit islamistischem Terror und konnte sich auch am längsten darauf einstellen. Bis zu einem gewissen Ausmaß ist Israel so zu einem Labor geworden, das nicht nur die US-Armee, sondern auch andere westliche Armeen nutzen wollen. So waren vor Kurzem auch Stabsoffiziere aus Deutschland, Kanada und Frankreich in Israel. Israel jedoch kennt mit der Besetzung arabischen Landes und dem unbeliebten Besatzungsregime den Grund des islamistischen Terrors im eigenen Land. Weshalb Frankreich und vor allem Deutschland angesichts der Willkommenskultur für Millionen muslimischer Asylsucher zum Ziel islamistischen Terrors geworden sind, entzieht sich jedoch weitgehend menschlichem Verständnis.     

                Bodo Bost


Kurz für Burkaverbot
ÖVP-Hoffnungsträger fordert strengere Asylpolitik

Ein vom österreichischen Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres Sebastian Kurz vorgestelltes Maßnahmenpaket hat in der Alpenrepublik die Weichen gestellt, Ausländer bei der Integration stärker in die Pflicht zu nehmen. Der Gesetzesvorschlag seiner Österreichischen Volkspartei (ÖVP) betrifft Asylberechtigte, subsidiär Schutzberechtigte und rechtmäßig niedergelassene Drittstaatsangehörige.

Mit verpflichtenden gemeinnützigen Ein-Euro-Jobs, die Kurz als den Kernpunkt des Sammelgesetzes betrachtet, sollen die beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldeten arbeitslos anerkannten Flüchtlinge zur Arbeit angehalten werden. Dies betrifft derzeit 25000 Menschen, jeden Monat kommen 1000 dazu. Die Tätigkeiten sollen neben der Instandhaltung öffentlicher Flächen auch die Betreuung von Asylbewerbern und anderen Gruppen sowie die Mitarbeit in Sozialeinrichtungen umfassen. Bei Ablehnung einer vermittelten Arbeit sollen die Sozialleistungen des Flüchtlings gekürzt werden.

„Wer den ganzen Tag zu Hause und im Park herumsitzt, der hat auch einmal Tagesfreizeit, um auf blöde Ideen zu kommen“, betonte Kurz die Bedeutung der Teilhabe am Arbeitsmarkt für die Integration. Die Ein-Euro-Jobs könnten nach deutschem Vorbild 15 bis 30 Stunden pro Woche umfassen.

Auch soll eine Reduktion der bedarfsorientierten Mindestsicherung – einer staatlichen Sozialleistung – für Neuankömmlinge beschlossen werden. Fünf Jahre rechtmäßiger Aufenthalt wäre aus Kurz’ Sicht die Schwelle für den vollen Bezug: „Es muss einen Unterschied geben zwischen jenen, die frisch hier sind, und denen, die eingezahlt haben.“

Außerdem beinhaltet das Maßnahmenpaket ein Verbot der Vollverschleierung von Frauen. „Der Niqab ist wesentlich gängiger als noch vor einigen Jahren“, bekannte Kurz gegenüber dem Österreichischen Rundfunk (ORF), „Burka und Niqab sind ein Symbol des politischen Islam und ein Symbol einer Gegengesellschaft.“ Die Vollverschleierung sei mit der Gleichstellung von Mann und Frau nicht in Einklang zu bringen. „Sehe man sich europäische Vergleichsbeispiele an, gebe es zwei Verbotsvarianten: entweder nur in öffentlichen Einrichtungen oder im gesamten öffentlichen Raum.

Kurz will die Maßnahmen künftig in einem neuen Integrationsgesetz bündeln, das im kommenden halben Jahr erarbeitet werden soll. Neben einem Rechtsanspruch auf einen Deutschkurs soll das Gesetz auch eine Mitwirkungspflicht bei Deutsch- und Wertekursen beinhalten. Zudem will der Integrationsminister bei der Integrationsvereinbarung nachschärfen und die Verteilung problematischer Schriften von im Fokus des Staatsschutzes stehenden Gruppen wie etwa den Salafisten verbieten.

Der Koalitionspartner Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) wartet mit einer Beurteilung des Pakets ab, während es die Grünen ablehnen und die Freiheitlichen als von ihrer eigenen Partei „abgekupfert“ werten. Tatsächlich hatte Kurz vor zwei Jahren ein – damals von der Freiheitlichen Partei Österreichs gefordertes – Verbot der Vollverschleierung noch abgelehnt. Jetzt hofft der Minister auf eine Einigung mit der SPÖ. Er sei offen für bessere Vorschläge, „aber man soll nicht so tun, als gäbe es keine Probleme“.    Michael Link


MELDUNGEN

Hinrichtung von Flüchtlingen

Pjöngjang – Um die Flucht aus der Demokratischen Volksrepublik Korea einzudämmen und dessen Bürger einzuschüchtern, werden seit etwa zwei Jahren beim Fluchtversuch Verhaftete und oft auch zurückgebliebenen Angehörige von Flüchtlingen öffentlich hingerichtet. Während der ersten sieben Monate dieses Jahres sind in Nordkorea wenigstens 60 Men­schen auf diese Weise getötet worden. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Jahresdurchschnitt an Hingerichteten seit der Machtübernahme Kim Jong-uns. F.W.S.

 

Erste Moschee seit 1833

Athen – Nachdem 1833 das letzte islamische Gebetshaus in Athen geschlossen wurde, soll die griechische Hauptstadt wieder eine Moschee erhalten. So will es die Linksregierung, die dafür auch die Unterstützung der konservativen Opposition hat . Der Bau ist ein Reizthema, weil der Schließung des letzten islamischen Gebetshauses vier Jahrhunderte osmanischer Fremdherrschaft vorangegangen waren. In der Bevölkerung und bei Teilen der orthodoxen Kirche hat sich gegen den seit zehn Jahren geplanten Bau massiver Widerstand herausgebildet. Fünf Klagen wurden jedoch abgewiesen, die letzte im Juli, sodass nun eine Baugenehmigung erteilt werden kann. Bei den Moslems in Griechenland ist die Moschee indes ebenfalls umstritten. Der Vorsitzende der pakistanischen Gemeinschaft in Athen bezeichnete das Projekt als „Scherz“, weil es viel zu klein sei. Die geplante Moschee soll in einem Industriegebiet am Rande Athens entstehen. Es wird jedoch damit gerechnet, dass auch gegen die Baugenehmigung Klagen eingehen werden, was den Bau weiter verzögern könnte.               H.H.


S. 7 Wirtschaft

Renzis »Neugründung« Europas
Italiens Premier will Prinzipien des Stabilitätspakts und Regeln der EU-Bankenunion aufweichen

Mit der Forderung nach der „Neugründung“ Europas reklamiert Italiens Premier Matteo Renzi für sich neuerdings eine Führungsrolle in der EU. Rückendeckung bekommt er dabei durch eine sich formierende „Allianz des europäischen Südens“, die einen radikalen Kurswechsel in der Euro-Zone durchsetzen will.

Offensichtlich wurden die Ambitionen der italienischen Regierung bei dem jüngsten Mini-Gipfel auf der Insel Ventotente. Dort nutzte der italienische Premier ein Treffen mit der deutschen Kanzlerin und Frankreichs Präsident, François Hollande, um sich als Retter des Projekts EU in Szene zu setzten. Mehrere Anzeichen sprechen dafür, dass es bei der jüngsten europapolitischen Offensive Roms weniger um die Rettung Europas als um das eigene politische Überleben geht.

Punkte wie der Brexit und die Zuwanderungskrise wurden zwar offiziell in den Mittelpunkt gerückt, in italienischen Medien wurde das Treffen von Ventotente allerdings als das Ende der Sparpolitik in der Euro-Zone bejubelt. Wenn diese Schlussfolgerung auch übereilt erscheint, so ist doch Fakt, dass unter dem Etikett eines europäischen „Neustarts“ die Regierung in Rom einen Angriff auf grundlegende Vereinbarungen der Währungsunion gestartet hat.

Europa könne nicht „der eiskalte Wächter von bürokratischen Regeln sein“, Regeln, die obendrein „schwierig zu akzeptieren sind“, so Italiens Regierungschef. Laut Medienberichten will Renzi Prinzipien des Stabilitätspakts und Regeln der EU-Bankenunion aufweichen. Ganz zentral ist die Forderung, eine höhere Neuverschuldung zu erlauben.

Hintergrund dieser Wünsche ist, dass Italien nicht ohne Grund immer öfter als „Problemkind“ Europas bezeichnet und die Sorge vor einem „neuen Griechenland“ laut wird. Es besteht die Gefahr, dass Italien zum Zentrum einer nächsten, sehr schweren Euro-Krise wird. So wird Italiens Staatsverschuldung von 135 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der Euro-Zone nur noch von Griechenland übertroffen. Betroffen wäre allerdings diesmal ein wirtschaftliches Schwergewicht: die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Zum enormen Schuldenberg ist die neuaufgeflammte Sorge vor einer wirtschaftlichen Stagnation und weiter steigenden Arbeitslosenzahlen gekommen. Nachdem sich die wirtschaftliche Lage Italiens nach Jahren der Rezession im letzten Jahr erholt hatte, ist Ende Juli bekannt geworden, dass die Wirtschaft des Landes im zweiten Quartal nicht mehr gewachsen ist.

Obendrein hat Renzi auch noch eine ungelöste Bankenkrise abzuarbeiten. Die italienischen Geldinstitute sitzen auf einem Berg fauler Kredite von über 300 Milliarden Euro. Ein besonderer Aspekt macht die Bankenrettung im Fall Italiens besonders schwierig. Nach den Regeln der EU-Bankenunion müssen zuerst Eigentümer und Anleihengläubiger einen Beitrag zur Rekapitalisierung eines maroden Institutes leisten. Betroffen wären in vielen EU-Ländern meist institutionelle Investoren, in Italien allerdings auch Hunderttausende Kleinanleger. Sollten sie bei einer Bankenkrise ihre Ersparnisse und ihre Altersvorsorge verlieren, würde dies vermutlich schnell das Ende der angeschlagenen Regierung Renzi bedeuten. Nutznießer wäre vermutlich die fundamentaloppositionelle Fünf-Sterne-Bewegung Beppe Grillos, die mit Zustimmungswerten über 30 Prozent inzwischen stärkste politische Kraft Italiens ist. Weiteren Auftrieb könnte ebenso die EU-kritische Lega Nord oder die Partei Silvio Berlusconis bekommen.

Die Möglichkeit, dass bei einem Scheitern Renzis in Rom EU-kritische Kräfte ans Ruder kommen, ist nur ein Punkt, der dafür spricht, dass am Ende Berlin und Paris stillschweigend oder offen erneut einem Bruch wichtiger EU-Regeln zustimmen werden. Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Hollande stehen im Jahr 2017 wichtige Wahlen ins Haus. Sollte in Italien eine schwere Euro-Krise aufflammen, könnte dies in Deutschland und Frankreich den Ausgang stark beeinflussen. Noch ein weiterer Punkt spricht dafür, dass Renzis Versuch „Europa neu zu erfinden“, letztendlich von Erfolg gekrönt sein wird. Unübersehbar formiert sich eine Front südeuropäischer Länder, die den bisherigen Spar- und Stabilitätskurs in der Euro-Zone beenden will.

Bereits am Rande eines EU-Gipfels im Juni hatten Renzi und sein griechischer Amtskollege Alexis Tsipras die Bildung einer „Allianz des europäischen Südens“ dis-kutiert. Laut Euractiv, einem 1999 von Christophe Leclercq gegründeten Internet-Nachrichtenportal, das sich ausschließlich Themen mit Bezug zur EU widmet, hat die griechische Regierung inzwischen Staatsoberhäupter südlicher EU-Länder eingeladen, ein Bündnis gegen Sparmaßnahmen zu bilden. Auf einer entsprechenden Konferenz, die für den September in Athen angesetzt ist, sollen voraussichtlich Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Zypern und Malta vertreten sein.       Norman Hanert


»Die neue Schweiz«
Die Vereinigten Staaten entwickeln sich zum Steuerparadies

Aus gutem Grund sind es Schweizer Medien, die wenige Monate vor dem Jahreswechsel auf eine erstaunliche Entwicklung im internationalen Kampf gegen Schwarzgeld-Oasen aufmerksam machen. Im Januar 2017 wird der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angestoßene Automatische Informationsaustausch (AIA) in Gang kommen und für ein neues Niveau an Transparenz bei Steuerdaten sorgen. Die Vereinigten Staaten, die in den vergangenen Jahren massiven Druck auf Länder wie die Schweiz in Sachen Schwarzgeld ausgeübt haben, werden bei dem AIA-Projekt allerdings auf absehbare Zeit nicht mitmachen. Zwar hat Barack Obamas Regierung offiziell zugesichert, sich beteiligen zu wollen, praktisch wird diese Aussage allerdings wegen Widerstands im US-Kongress durch die Republikaner vorläufig keine Auswirkungen haben.

Kritiker werfen den USA vor, sie würden sich zunehmend zu einem der führenden Umschlagplätze für Schwarzgeld entwickeln. So hat das Tax Justice Network in seinem im vergangen Jahr veröffentlichten Schattenfinanzindex 2015 die USA als eine „ernst-hafte Bedrohung für aufkommende Transparenzinitiativen“ bezeichnet. In der Untersuchung rangierten die USA nach der Schweiz und Hongkong auf Platz drei der weltweit intransparentesten Finanzmärkte. Die USA forderten zwar Transparenz von anderen, bei sich setzten sie aber keine Transparenz durch. „Sie verweigern sich der direkten Teilnahme an globalen Transparenzinitiativen wie dem multilateralen Informationsaustausch und mobilisieren in unentschuldbarer Weise gegen öffentliche länderspezifische Unternehmensberichte“, so John Christensen, Exekutivdirektor des Tax Justice Network im Zusammenhang mit dem Schattenfinanzindex 2015. Auf die Auswirkungen dieses scheinheiligen Verhaltens – einerseits von anderen Finanzplätzen Daten einfordern und auf der anderen Seite in Sachen Transparenz sich selber zurückhalten – reagieren inzwischen Banken und Vermögensverwalter. Der Finanzplatz USA entwickelt eine Sogwirkung als neues Offshore-Paradies.

Die „Neue Züricher Zeitung“ zitiert David Wilson mit den Worten: „Die USA sind die neue Schweiz.“ Der Genfer Anwalt berichtet, dass sich vermögende Familien nun dafür interessierten, Stiftungen in US-Bundesstaaten wie Delaware oder South Dakota zu gründen. Bereits im Mai dieses Jahres berichtete Guy de Picciotto, der Chef der familiengeführten Genfer Privatbank Union Ban-

caire Privée, gegenüber der Schweizer „Handelszeitung“: „Wir sehen einen Abfluss von lateinamerikanischen Kundengeldern aus der Schweiz in die Vereinigten Staaten.“ Einzelne Bundesstaaaten der USA scheinen ganz bewusst darauf abzuzielen, Ausländern das anonyme Anlegen von Geldern zu ermöglichen. Wie der „Tagesanzeiger“ zu Beginn dieses Jahres berichtete, haben ein halbes Dutzend Bundesstaten, in den letzten drei Jahren die Bildung von Trusts durch Ausländer leichter gemacht. „Sie werden formell von einem US-Stiftungsverwalter geführt und entgehen so dem strikten OECD-Standard der Offenlegung. Nevada, South Dakota und Wyoming haben eine führende Rolle übernommen.“

                Hermann Müller


MELDUNGEN

Geld für Bündnistreue

Minsk – Wenn Moskau etwas von Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko will, muss es sich dies in der Regel über einen vergünstigten Gaspreis erkaufen. Weil es Uneinigkeiten gibt, verweigerte Lukaschenko kürzlich eine im Mai besprochene russische Militärbasis und den Aufbau eines gemeinsamen Raketenschutzschilds gegen die Bedrohung durch die Nato an der weißrussischen Westgrenze. Obwohl Weißrussland wirtschaftlich von Russland abhängig ist – 45 Prozent des Exports gehen dorthin – will Lukaschenko militärisch neutral bleiben, um gute Beziehungen zur EU, zu den USA als auch zu China zu erzielen.  MRK

 

Rekordernte in Russland

Moskau – Die Wiederbelebung der russischen Landwirtschaft war erfolgreich. In diesem Jahr rechnet das Landwirtschaftsministerium in Moskau mit der größten Ernte seit 40 Jahren. Laut aktueller Prognose können 118,5 Millionen Tonnen eingebracht werden. In der vergangenen Saison waren es bereits 104,8 Millionen Tonnen. Bei den Lagerkapazitäten droht nun ein Engpass. Die russischen Getreideproduzenten wollen 38,5 Millionen Tonnen Weizen exportieren.      MRK


S. 8 Forum

Maas’ Freunde
von Florian Stumfall

Den Griechen des klassischen Altertums wird das Sprichwort „Zeig mir deine Freunde und ich sag‘ dir, wer du bist!“ zugeschrieben. Was es mit diesem Satz auf sich hat, hat uns der Bundesjustizminister in der vergangenen Woche eindrucksvoll vor Augen geführt.

In freundschaftlich-vertrautem Ton pries er anlässlich eines „Konzertes“ im mecklenburg-vorpommerschen Anklam, mit dem ein „Zeichen gegen Fremdenhass“ gesetzt und mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl vor Rechtsextremismus gewarnt werden sollte, einen linksextremistischen, vom Verfassungsschutz als „staatsfeindlich“ eingestuften Zusammenschluss vorgeblicher Musiker. Die Gruppe bringt seit Jahren unter dem Firmenschild „Feine Sahne Fischfilet“ und verschleiert als Punkband ihre gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichteten Bestrebungen unverhohlen zum Ausdruck.

Wie unter guten Freunden lobte der Minister die Extremisten für ihr Engagement im „Kampf gegen Rechts“. Dieses Engagement freilich spiegelt sich in diversen Tatvorwürfen gegen die Bandmitglieder, die von Bedrohung über Nötigung und Landfriedensbruch (in zum Teil schweren Fällen) bis hin zu gefährlicher Körperverletzung sowie Sachbeschädigung und Beleidigung reichen. Gegen vier der „Musiker“ wurde bereits wegen Aufrufen zur Gewalt und linksextremistischer Gewalttaten polizeilich ermittelt.

„Tolles Zeichen … Danke @feinesahne!“ twitterte der Minister der Truppe zu, die mit Texten wie „Deutschland ist scheiße – Deutschland ist Dreck! Gib mir ein ‚like‘ gegen Deutschland!  Deutschland verrecke, das wäre wunderbar!“ in linksextremen Kreisen und wohl auch bei ihm selbst reüssiert.

Auf seiner Facebook-Seite dankte der Minister den linken Hetzern gar. Wie abstoßend! Mehr als 4000 Kommentatoren machten dort innerhalb eines einzigen Tages ihrer Empörung Luft. Man muss nicht zur Keule der „versäumten Entstalinisierung“, deren Opfer der Minister sei, greifen, man muss ihm nicht nahelegen auszureisen, wenn ihm dieses Land derart Schmerzen bereitet. Aber man muss verurteilen, dass derselbe Minister, der im Dezember 2013 vor dem deutschen Bundestag seinen Eid auf das Wohl unseres Landes geschworen hat, heute unverhohlen „Deutschland verrecke“ hofiert.

Dass er sich für seinen Stab von „Hass“-Experten die Stasi-Zuträgerin Anetta Kahane ausgesucht hat, passt hierzu allerbestens. Deren politischer Stallgeruch scheint mit dem des Ministers übereinzustimmen. Und so sympathisiert der Maas getreu dem linken Kampflied „Seit an Seit“ mit den Staatsfeinden, während die Ex-Stasi-Frau in den sozialen Medien unliebsame Kommentatoren routiniert denunziert.

Dass uns der merkwürdige Jurist im Ministeramt nun seine anrüchigen Freunde gezeigt hat, rundet das Bild ab, das sich von ihm in der Öffentlichkeit über Monate etabliert hat: Er bringt die Bürger unserer Gesellschaft gegeneinander auf und ist somit eine gefährliche Fehlbesetzung. Seine Versuche, in der Sache zurückzurudern, kommen zu spät. Der Minister ist angesichts vieler beispielloser Fehlleistungen längst unglaubwürdig.


Geisterfahrt durch Europa
von Frank Horns

Das Ganze erinnert an den alten Witz über den Geisterfahrer auf der Autobahn. Als der Fahrzeuglenker auf Kamikaze-Kurs die entsprechende Warndurchsage im Radio hört, stöhnt er auf und schreit: Einer? Es sind hunderte!

Vor allem mit ihrer Asylpolitik befindet sich Angela Merkel auf dem Geisterfahrer-Trip. Die Welt um Deutschland herum steuert auf Gegenkurs. Besonders deutlich zeigte sich dies, als die Kanzlerin jetzt das Gespräch mit Deutschlands mitteleuropäischen Nachbarn suchte. Beim Staatsbesuch in Tschechien und in Polen, sowie beim gemeinsamen Treffen mit den Regierungschefs der Visegrád-Staaten Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei schlug ihr eisige Ablehnung entgegen. Sie ist gerade dort besonders verständlich. Diese Länder haben teilweise jahrhundertelang um ihre Unabhängigkeit und ihre bloße Existenz kämpfen müssen. Wer kann es ihnen verdenken, wenn sie jetzt empfindlich auf das Ansinnen reagieren, die eigene Identität durch die Aufnahme einer unbegrenzten Zahl von Asylbewerbern zu gefährden.

Mit einem enervierenden Mix aus Großmannssucht und kleinmütigem Gehabe setzt die deutsche Außenpolitik dagegen. Die berechtigten Ängste der schwächeren EU-Partner werden ignoriert, gleichzeitig werden abgehobene, abstrakte Ziele als deutsche Interessen propagiert. Schließlich tun sie zunächst einmal niemandem weh. Sie lassen Deutschlands Agieren auf der Weltbühne als brav und vorbildlich erscheinen: Berliner Außenpolitik  sei Friedenpolitik, heißt es im Außenministerium. Die europäische Integration sei das Fundament. Die Menschenrechte gelte es in der Welt zu stärken. Der Humanität zu ihrem Recht zu verhelfen. Die Risiken der Globalisierung für den Planeten zu mindern.

Mit derlei hehren Prämissen lässt es sich als Gutmensch in Berlin friedlich schlafen – zumindest solange größere Krise ausbleiben. Im Ernstfall aber werden die tagträumerischen Visionen zur Belastung. Das deutsche Wegducken unter den Europagedanken, bewirkt das Gegenteil und spaltet die EU erst recht. Links und rechts von Deutschland wünschen sich die Nationen gerade mehr Eigenstaatlichkeit. Sie haben genug, von den Anmaßungen und der Machtgier der Brüsseler Bürokraten. Das muss man den Niederlanden, Österreich und Co. zugestehen, wenn dem Brexit nicht weitere Exits folgen sollen. Das Gleiche gilt mehr noch für die deutsche Asylpolitik. Humanität um jeden Preis macht einsam. Angela Merkel hat es in Warschau und Prag gespürt. Realpolitik verlangt nach Vernunft statt nach Visionen.


Frei gedacht
Warum Politik und Medien lügen müssen
von Eva Herman

Konkrete Hinweise auf einen terroristischen Angriff gibt es nicht. Die Behörden äußern sich nicht zu dem Fall.“ So oder ähnlich lesen wir es täglich in den Medien, wenn wieder ein Bombenanschlag stattfand, eine Messer- oder Macheten-Attacke, Massenvergewaltigungen oder ähnliches. Wenn man das eiserne Schweigen von Medien und Politik zu den wahren Ursachen zahlloser, blutiger Anschläge richtig deuten will, die in den vergangenen Monaten Deutschland und Europa heimsuchten, sollte man einmal über das Protokoll 12 des Europarates zur Europäischen Menschenrechtskonvention sprechen. Das Polizeiprotokoll wurde von der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) im Jahre 1994 zur Bekämpfung von Rassismus eingeführt, es wird ständig modifiziert. Ein Antidiskriminierungsgesetz, wie wir es in den letzten Jahrzehnten schon vielfach als EU-Steilvorlage für Maulkörbe und Gesinnungsterror erlebten. Demnach darf niemand, weder ein Bombenleger, Selbstmordattentäter oder Mörder aufgrund seiner ethnischen Herkunft verurteilt werden. Weswegen Hautfarbe, Religion und Rasse eines Straftäters öffentlich nicht genannt werden dürfen. Es sollte in einem Rechtsstaat selbstverständlich sein, dass niemand aufgrund seiner Herkunft bestraft wird. Durch diese Maßnahmen aber wird verhindert, dass unsere Justizbehörden Terroranschläge, die von islamistischen Extremisten ausgeführt wurden, als „mit Bezug zum Islamischen Staat/IS-bezogen“ oder „dschihadistisch inspiriert“ bezeichnen dürfen.

Den wenigsten Menschen dürfte bekannt sein, dass zahlreiche Regierungen sich zu diesen internationalen Polizeiprotokollen verpflichtet haben. Dazu schreibt das bekannte US-Nachrichtenportal Infowars, die Mehrheit der 47 Mitglieder des Europarates habe Protokoll 12 ratifiziert. Außerdem stehe es bereits zur Unterschrift und Ratifizierung der Beobachterländer des Europarates bereit, darunter die USA, Kanada, der Vatikan und Japan. Mit diesem Gesetz wird regelmäßig Druck auf die Justizbehörden ausgeübt, auf Europol und Interpol. Von diesen Einrichtungen wird verlangt, „Maßnahmen umzusetzen, die dafür sorgen, dass IS/dschihadistische Terroristen nicht mehr als Moslems, Dschihadisten, Mitglieder des Islamischen Staates oder Al-Kaida, oder überhaupt erst ,Terroristen‘ bezeichnet werden dürfen, da die Protokolle und Regeln die Stereotypisierung von Individuen auf Basis von Religion oder Rasse verbieten.“ Wie es weiter heißt, sollen die Möglichkeiten behindert werden, Verdächtige auf Basis ihrer „Physiognomie“ zu beschreiben. Dies geschieht ungeachtet der Tatsache, dass gerade diese Merkmale ein wichtiger Schlüssel zur erfolgreichen Verbrechensbekämpfung sind. Auch die typische Kleidung wird verschwiegen, wie Mufti, Burka, auch Hijabs, Tschadors und so weiter.

Wer sich jetzt noch wundert, dass die Aufklärung tausender Sexualdelikte in der Silvesternacht 2015/16 kaum vorankommt, sollte Protokoll 12 ansehen. Die Tatsache, dass es sich bei den Tätern vorwiegend um nordafrikanische Einwanderer handelt, spielt in der heutigen Berichterstattung so gut wie keine Rolle mehr. Auch unzählige Überfälle, die deutsche und europäische Bürger seit Beginn der Einwanderungsflut erdulden müssen, über die nur selten öffentlich berichtet wird, zählen dazu. Auf die europäischen Länder wird konstanter Druck vom Europarat, der EU und muslimischen Anti-Xenophobie-Organisationen ausgeübt. Aufgrund dieses Drucks ist es der Polizei fast nicht mehr möglich, verdächtige dschihadistische Terroristen zu verfolgen und sie festzunehmen, bevor sie den nächsten Anschlag begehen. Stattdessen gibt die Polizei routinemäßig Stellungnahmen heraus, in denen die dschihadistischen Täter als „geisteskrank“ oder als „einsame Wölfe“ bezeichnet werden, auch wenn viele von ihnen vor ihren Taten bereits polizeibekannt waren und ausgiebige Dossiers über sie existierten.

Schon lange liegt der Verdacht nahe, dass Deutschland (und Österreich) zum Kalifat erklärt werden sollen, aber wer will das noch berichten? Die bereits erfolgten Anschläge dürften erst der Anfang sein, da sind sich Experten einig. Sämtliche öffentlich geäußerten Pläne islamistischer Extremisten deuten klar darauf hin. So sprach der ehemalige IS-Terrorist Harry S. gegenüber den deutschen Behörden ausführlich von einem geplanten, großangelegten Terrorangriff auf Deutschland. Seit einem knappen Jahr sitzt er in U-Haft. Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft soll er sich letztes Jahr der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ angeschlossen und in Syrien eine Kampfausbildung absolviert haben. Seine Aussagen werden von den Behörden als glaubwürdig eingestuft, sein Geständnis ist auf 700 Seiten dokumentiert. So sagte Harry S. aus, der IS plane, in der Bundesrepublik mehrere Angriffe gleichzeitig durchzuführen. Ein Blitzkrieg soll es werden, wird der Mann zitiert. „Spiegel-online“ berichtet, „die Maskierten hätten ihn gefragt: ,Seid ihr bereit, zurück nach Deutschland zu gehen und dort Anschläge zu verüben?‘ Andernfalls hätten sie ,Franzosen im Überfluss, also genug, die bereit sind, ihr Leben dafür zu lassen‘.“

Auffällig, dass es immer wieder Deutschland ist, das in den Fokus der „Bösen“ gerät: In einem 2015 erschienen Propagandavideo des IS wurden für Deutschland und Österreich ebenfalls Terroranschläge angekündigt. Speziell Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde persönliche Rache angedroht für das „Blut von Muslimen, das in Afghanistan vergossen wurde“. In dem fünfminütigen Video sind zwei deutschsprachige IS-Kämpfer zu sehen, die europäische Muslime auffordern, in Deutschland „den Dschihad zu führen“ sowie „jeden Ungläubigen abzuschlachten.“ Wörtliches Zitat: „Du brauchst nicht viel. Nimm ein großes Messer und schlachte jeden Kafir! Sie sind wie Hunde!“ An Kanzlerin Merkel gerichtet, warnt ein österreichischer Dschihadist: „Oh Merkel, du schmutzige Hündin: Wir werden uns rächen für die Beschimpfung des Propheten. Wir werden uns rächen für die Waffenlieferung an die Abtrünnigen hier im Islamischen Staat. Unsere Rache wird bei euch vor Ort sein!“ In einer Terroranleitung für IS-Krieger, dem „Handbuch für Mudschaheddin“, heißt es: „Im Herzen Europas beginnt ein Krieg!“

Bundeskanzlerin Merkel empfahl in ihrer Sommer-Pressekonferenz 2016 übrigens, dass sich Frauen mit sexuellen Übergriffen – wörtlich – „natürlich nicht abfinden“ müssten. Und bei einer Rede vor CDU-Anhängern im Osten der Bundesrepublik gab Merkel kurz zuvor mit folgendem Zitat zu, weit mehr über die Hintergründe zu den Terroranschlägen in Deutschland und der Zukunft unseres Landes zu wissen, als öffentlich bekannt. Wörtlich wird Merkel von der Nachrichtenagentur Reuters folgendermaßen zitiert: „Teilweise wurde der Flüchtlingsstrom sogar dafür benutzt, Terroristen einzuschmuggeln“. Aber darüber wurde nur wenig berichtet, denn wir wissen ja, dass das Protokoll 12 derartige Aussagen verbietet.

Im Sommer 2016 griff ein 19-jähriger Afghane mit Axt und Messer mehrere Zugpassagiere in Würzburg an und verletzte fünf Menschen schwer. Dabei schrie er „Allahu Akbar!“ „Im Namen Gottes, ich bin ein Soldat des IS und beginne eine heilige Operation in Deutschland“, warnte er zuvor in einem Video.


S. 9 Kultur

Kostbarer Schrotthaufen
Man verachte moderne Kunst nicht – Das Kölner Museum Ludwig profitiert seit 40 Jahren recht gut davon

Die Stadt Köln lebt von ihren Kontrasten. Ist der Kölner Dom Stein gewordene Apotheose gotischer Kunst, so wird direkt daneben im Museum Ludwig der mo­dernen Kunst gehuldigt. Mit der Ausstellung „Wir nennen es Ludwig – ein Museum wird 40“ feiert es jetzt einen runden Geburtstag.

Die Vieldeutigkeit von Kunst erlebt der Besucher gleich im Eingangsbereich der Ausstellung. Ein riesiger Schrotthaufen mit umgekippten Autos, Reifen, Brettern, Gittern und Zäunen türmt sich dort auf. Auch auf den Haufen geworfen: berühmte Gemälde mit Millionenwert aus dem Museum Ludwig. Zum Beispiel das Köln-Panorama-Bild von Oskar Ko­koschka und ein Gemälde von Andy Warhol, das den Stifter des Museums, Peter Ludwig, zeigt.

Moderne Kunst ist Schrott – so könnte eine Deutung dieses Werkes sein. Oder auch: Ludwig, der Stifter, und/oder das Museum, gehören auf den Schrotthaufen. Die Absicht des Künstlers ist eine andere. Mit seiner Installation „Bakunin’s Barricade“ fragt Ahmet Ögut aus der Türkei nach der Rolle der Kunst bei aktuellen gesellschaftlichen und politischen Konflikten. Mit seiner „Barrikade“ greift er auf ein historisches Ereignis zurück: Im Mai 1849 wollten Aufständische in Dresden König Friedrich August II. entmachten und die Sächsische Republik ausrufen. Ihr Anführer Michail Bakunin hatte die Idee, Gemälde aus der Dresdner Kunstsammlung auf den Barrikaden zu platzieren, um den Truppen des Königs Einhalt zu gebieten.

Mit dem nicht zimperlichen Zugriff auf die Bestände der Museums-Sammlung tat Ögut das, was Museumsdirektor Yilmaz Dziewior als eine der Intentionen der Jubiläumsausstellung bezeichnete: „Die Künstler sollen mit der Sammlung des Museums arbeiten. Dadurch sehen wir unsere Sammlung, die den Kern des Museums bildet, auf einmal ganz anders. So werden neue Facetten des ,alten Ludwig‘ sicht- und erlebbar“.

Der „alte Ludwig“ – er wird gerade mal 40 Jahre alt. Für zeitgenössische Kunst wirklich schon ein hohes Alter. Gefeiert wird der 40. Jahrestag eines Schenkungsvertrages zwischen dem Sammler-Ehepaar Irene und Peter Ludwig und der Stadt Köln aus dem Jahr 1976. Damals vermachte der Schokoladen-Unternehmer (Trumpf, Mauxion, Lindt, Novesia Goldnuss) und Sammler moderner Kunst 350 Werke seiner privaten Kunstsammlung der Stadt am Rhein. Vor allem Werke der damals noch unbekannten Pop-Art-Künstler Andy Warhol, Claes Oldenburg und Roy Lichtenstein. Die damals als „Was soll das Ganze?-Kunst“ belächelten Werke werden heute im Millionen-, wenn nicht gar im Milliarden-Bereich gehandelt.

Als Gegenleistung sollte/wollte/musste die Stadt Köln ein neues Museum in prominenter Lage bauen und es nach dem Stifter benennen. So entstand ein riesiger Gebäudekomplex zwischen Dom und Hauptbahnhof, der städtebauliche Akzente setzte. 1986 konnte das Museum Ludwig, damals noch vereint mit dem älteren städtischen Kunstmuseum Wallraf-Richartz, das neue Ge­bäude beziehen. Seit 2001 – das Wallraf-Richartz-Museum zog in ein neues Gebäude – residiert das Museum Ludwig allein im spektakulären Bau von 1986, der neben dem Dom zu einem Markenzeichen der Stadt geworden ist.

Von Anfang an fand das Mu­seum und die dort gezeigte Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts nicht nur Zustimmung in der Bevölkerung. Protestaktionen begleiteten sowohl die Schenkungsvertragsunterzeichnung vor 40 Jahren als auch die Gebäudeeröffnung vor 30 Jahren. Auch diesen Aspekt der Geschichte seines Hauses will Museumsdirektor Dziewior in der Jubiläumsausstellung berücksichtigt wissen. Die 25 eingeladenen Künstler sollen „25 Blicke auf die Institution Ludwig“ repräsentieren. Deshalb beteiligen sich auch die als „Institutionskritiker“ be­kannten Künstler Hans Haacke (80) und Christian Phi­lipp Müller (59) mit Werken an der Jubiläums-Schau.

Besonders über die 14-teilige Arbeit „Der Pralinenmeister“ des in New York lebenden deutschen Konzept-Künstlers Hans Haacke wäre der Stifter Peter Ludwig „not amused“ gewesen. Denn Haacke zeigt in seiner akribisch recherchierten Dokumentation von 1981 auf, wie es um die Arbeitsbedingungen und Lohnzahlungen in den zahlreichen Fabriken des Schokoladenunternehmers Ludwig aussah, welche Vermögens- und Erbschaftsteuervorteile sich der Unternehmer Ludwig verschaffte und wie Irene und Peter Ludwig Einfluss auf Kultur und Politik ausübten.

Der Einfluss und die Bedeutung der Stifter für Köln zeigt sich auch in der volkstümlichen Bezeichnung „Irene Ludwig-Tunnel“ für den Rheinufertunnel, der in un­mittelbarer Nähe zum Museumsbau bei der Neugestaltung des Areals zwischen Dom und Rhein entstand. Die Stadt Köln musste vor 40 Jahren tief in die Tasche greifen, um den 250 Millionen

D-Mark teuren Philharmonie- und Mu­seumsbau zu realisieren. Nur mit dem Versprechen, ein neues Mu­seum zu bauen, konnte sie die wertvolle Schenkung in Köln halten. Denn damals gab es auch Äußerungen der Stifter mit einem gewissen Erpressungspotenzial, ihre Sam­mlung einer anderen Stadt anzubieten.

Der Museumsdirektor bekundet, dass sein Haus komplexer begründet sei als nur vom Sammler Ludwig her. Den Grundstock des Museums habe der Kölner Sammler Josef Haubrich Anfang des 20. Jahrhunderts gelegt. In Bezug auf den Namen der Jubiläumsausstellung „Wir nennen es Ludwig“ meint Dziewior selbstkritisch: „Auch ich sehe nicht alles ideal, auch ich sehe schwache Punkte beim Namen Ludwig. Aber Ludwig war ein Sammler, dem wir viel zu verdanken haben“.               Siegfried Schmidtke

Die Ausstellung im Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, läuft vom 27. August bis 8. Januar 2017, geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 11 Euro


Einflussreicher Lehrer
Berlin öffnet eine seiner Schatztruhen – Busoni beim Musikfest

Bis zu seinem Tod im Jahr 1924 lehrte der italienische  Komponist, Klaviervirtuose, Dirigent und Musiktheoretiker Ferruccio Busoni an der Berliner Akademie der Künste. Mit seinem Nachlass besitzt die Staatsbibliothek einen der kostbarsten musikgeschichtlichen Schätze der Stadt. Dieser wird nun aus Anlass von Busonis 150. Geburtstag, der bereits am 1. April war, der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ausstellung „Busoni. Freiheit für die Tonkunst!“, die in Kooperation mit dem Musikfest der Berliner Festspiele vom 4. September an in der Kunstbibliothek der Staatlichen Mu­seen präsentiert wird, stellt bis zum 8. Januar 2017 diese herausragende Künstlerpersönlichkeit seiner Epoche vor.

Neben Komponisten wie Schönberg, Strawinsky, Bar­tók und Hindemith gilt Busoni als Wegbereiter der Neuen Musik. In vielen seiner Kompositionen streift er die Atonalität der zeitgenössischen Avantgarde, seine Ästhetik kulminiert in der Vision einer freien Musik. Sein Einfluss auf die Kunst und die Musik des 20. Jahrhunderts macht ihn zu einer der zentralen Figuren der Moderne.

Die in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek und dem Staatlichen Institut für Musikforschung organisierte Ausstellung  umfasst nicht nur Notenmanu­skripte und eine fotografische Porträtsammlung, sondern ebenso mehr als 7000 Briefe, die Busoni mit bedeutenden Protagonisten und Förderern der europäischen Moderne bis hin zur Avantgarde wechselte, darunter Arnold Schönberg, Stefan Zweig, George Bernard Shaw, Max Oppenheimer, Bruno Cassirer, James Simon und Ludwig Rubiner.

Besonderes Augenmerk legt die Ausstellung auf die Sammlungsbestände der Kunstbibliothek zur Kommunikations- und Mediengeschichte der Moderne sowie ihren reichen Bestand an historischen Fotografien und Erstausgaben literarischer Größen. Busoni besaß eine umfangreiche Privatbibliothek und eine erlesene Kunstsammlung, darunter mehrere Werke des Futurismus. Gezeigt werden eine Auswahl an Prachtexemplaren der Buchkunst und Grafik sowie einzelne Werke von Künstlern, die für Busoni eine besondere Rolle gespielt haben wie Boccioni und Picasso.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung veranstaltet das Musikfest Berlin am 4. September um 11 Uhr im Kammermusiksaal der Philharmonie ein Bu­soni gewidmetes Matineekonzert mit dem Grau­Schumacher Piano Duo. Präsentiert wird ein von Busoni einst selbst konzipiertes Programm für zwei Klaviere, bestehend aus Bearbeitungen von Werken von Johann Sebastian Bach und Mo­zart und Busonis großer „Fantasia contrappuntistica“. Im Rahmen der Ausstellung war zudem ein Sonderkonzert der Notturno-Reihe des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin geplant.                H. Tews

Kunstbibliothek am Kulturforum, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin, geöffnet Dienstag, Mittwoch, Freitag 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 6 Euro. www.smb.museum


Alte Musik für Neue Welt
Der Tscheche Dvorák schrieb die Nationalmusik der Amerikaner

Als der junge Antonín Dvorák das erste Mal eine Geige in die Hand nahm, ahnte er nicht, dass ihm noch Großes bevorstehen würde. Der Schlachtersohn aus Böhmen wird eine Nationalmusik für die Amerikaner schreiben und gilt bis heute als Begründer der neuzeitlichen böhmischen Sinfonie-, Kammer- und Opernmusik. Aber bis dahin war es noch ein weiter Weg. Am 8. September wäre er 175 Jahre geworden.

Dvorák stammte aus eher be­scheidenen Verhältnissen. Er wurde am 8. September 1841 als Sohn eines Gastwirts und Metzgers im böhmischen Mühlhausen ge­boren. Angeblich soll er denselben Beruf erlernt haben wie sein Vater, bevor er Berufsmusiker wurde. Ein Gesellenbrief, der ihm eine erfolgreich abgelegte Prüfung im Metzgerhandwerk be­scheinigt, hat sich jedoch als Fälschung aus dem 20. Jahrhundert erwiesen. Sein Vater weckte bei seinem Sohn schon früh das In­teresse für Musik. Der Junge lernte Geige, Klavier und Orgel und schrieb mit 14 Jahren seine erste Komposition. Nach seiner Schulzeit verdiente er sein Geld vor allem als Bratscher bei Tanzmusik in Kaffeehäusern.

Dvorák studierte von 1857 bis 1859 an der Prager Orgelschule und spielte in mehreren Orchestern, unter anderem unter der Leitung des „Moldau“-Komponisten Bedrich Smetana. Dvoráks Aufstieg begann mit seinen „Klängen aus Mähren“, die der Verlag Simrock auf Empfehlung von Jo­hannes Brahms 1878 veröffentlichte. Kurz darauf eroberten seine „Slawischen Tänze“ die in­ternationalen Konzertsäle. Dvoráks Talent sprach sich schnell herum. Es dauerte nicht lange, bis Verleger, Musiker und Veranstalter aus ganz Europa mit Aufträgen an ihn herantraten. Vor allem in London interessierte man sich für seine Musik. Ab 1884 unternahm der Komponist daher mehrere Reisen in die englische Hauptstadt und dirigierte Konzerte.

1892 trat er in New York eine Stelle als Direktor des nationalen Musikkonservatoriums an und bekam den Auftrag, eine Nationalmusik für die Amerikaner zu schreiben. Knapp drei Jahre lebte er mit seiner Frau und zweien seiner sechs Kinder in den Vereinigten Staaten. Hier entstanden seine bekanntesten Wer­ke. Heimweh und die US-Wirtschaftskrise trieben ihn zurück nach Prag. In seinen letzten Le­bensjahren be­schäftigte sich Dvorák in erster Linie mit der Komposition von sinfonischen Dichtungen und Opern. Mit seiner 1901 uraufgeführten Oper „Rusalka“ feierte er seinen größten Bühnenerfolg.

Dvoráks Beliebtheit beim Konzertpublikum gründet sich bis heute weniger auf seine Opern als auf seine Orchester- und Kammermusik. Seine neunte und letzte Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ rangiert in der Beliebtheitsskala zweifelsohne an erster Stelle und ist ein Dauerohrwurm in den Konzertsälen. „Was er komponiert hatte, war natürlich eine sehr schöne, fein gesponnene und tief empfundene Sinfonie aus der Alten Welt“, so Leonard Bernstein. Nichtsdestotrotz besitzt die Sinfonie durch die Einbeziehung pentatonischer Skalen und modaler Harmonik einen exotischen Reiz. 1904 starb Dvorák nach schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie.      Andreas Guballa

Zum 175. Geburtstag gratuliert BR-Klassik dem Komponisten am 5. September ab 23.25 Uhr mit der „Langen Nacht der Neuen Welt“.


Filmkritik

Die 50er und 60er Jahre waren die Glanzzeit der Monumentalfilme. Massenszenen zur Zeit Jesu, römische Soldaten in Sandalen, Gladiatorenkämpfe und eine Prise Bibel machten „Quo vadis?“, „Cleopatra“ oder „Ben Hur“ zu Kinoschlagern. Der riesige Aufwand mit bis zu 30000 Statisten trieb allerdings so manche Produktionsfirma in den Ruin.

Dank digitaler Tricktechnik lassen sich solche Filme heutzutage weniger risikoreich herstellen. Trotzdem verschlang der neue Ben Hur, der jetzt als 3D-Version in den Kinos gestartet ist, satte 100 Millionen Dollar, und es steht zu befürchten, dass er einmal in den Annalen des Kinos nur als monumentaler Flop geführt wird. Dem Vergleich mit William Wylers „Ben Hur“ von 1959, der mit „Titanic“ und „Herr der Ringe“ den Rekord von elf Oscar-Auszeichnungen hält, ist dieser neue „Ben Hur“ des kasachischen Regisseurs Timur Bekmambetow, der zuletzt mit „Abraham Lincoln Vampirjäger“ viele zum Gruseln brachte, monumental unterlegen.

Alles steht und fällt mit dem Wagenrennen, das den Originalfilm einst zum Klassiker machte. Stand damals Hollywoodstar Charlton Heston seinen Mann im Pferdegespann, so verfährt sich hier anfängerhaft ein britischer Milchbubi (Jack Huston). Aus dem Monumentalen des religiösen Glaubens, den die alten Filme beschworen, wurde Liliput mit Gäulen und einem Jesus, bei dessen kaum anbetungswürdigem Auftritt sich das halbe Kino vor Lachen krümmt.              H. Tews


S. 10 Geschichte & Preussen

Nur ein kurzer Traum
Vor 70 Jahren endete die vorerst letzte Hoffnung der Tiroler auf eine Wiedervereinigung ihres Landes

Vom 29. Juli bis zum 15. Oktober fand in Paris die sogenannte Konferenz der 21 Nationen statt. Auf ihr verhandelten die Sieger des Zweiten Weltkrieges mit den ehemaligen Verbündeten des Deutschen Reiches Italien, Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Finnland die Friedensbedingungen. Im Rahmen dieser Friedenskonferenz ei­nigten sich Österreich und Italien unter dem Druck insbesondere Großritanniens bezüglich Südtirol auf das Pariser Abkommen vom 5. September 1946.

Während Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg über 45 Jahre hinweg geteilt war, erleidet Tirol dieses Schicksal nun schon mehr als doppelt so lange, nämlich seit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und damit seit bald einem Jahrhundert. Doch der Plan zur Teilung des Landes datierte bereits aus dem Jahre 1915. Damals kündigte Italien seine Mitgliedschaft im Dreibund mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn auf und trat gegen seine bisherigen Verbündeten in den Krieg ein. Als Preis für diesen Seitenwechsel wurde zuvor in einem Geheimabkommen in London vereinbart, dass Italien im Fall eines Sieges der Alliierten unter anderem das Trentino sowie den Süden Tirols bis zum Brenner erhalten sollte.

Nach dreijährigen erbitterten Kämpfen unterzeichneten Österreich-Ungarn und Italien am 3. November 1918 ein Waffenstillstandsabkommen, demzufolge sich die österreichischen Truppen bis zum Brenner zurückziehen mussten, wohingegen die Italiener nach Norden vorrückten und bereits vier Tage später in Bozen einmarschierten. Während das Trentino weitgehend italienischsprachig war, annektierte Italien mit Südtirol ein fast ausnahmslos deutsches Sprachgebiet, was eindeutig den 14 Punkten des US-amerikanischen Präsidenten Wilson widersprach, die dieser als Richtlinien für einen dauerhaften Weltfrieden aufgestellt hatte. Darin hieß es nämlich in Punkt 9, dass die künftigen Grenzen Italiens nach dem nationalen Prinzip gezogen werden sollten, was also der deutsch-italienischen Sprachgrenze bei Salurn entsprochen hätte. Doch trotz aller Proteste bestätigte der Friedensvertrag von St. Germain 1919 die bereits faktisch erfolgte Grenzziehung, wobei Italien argumentierte, das Land sei militärisch leichter am Brenner zu verteidigen als an der Sprachgrenze. Am 20. Ok­to­ber1920 wurde Südtirol deshalb formell dem Königreich Italien angegliedert und somit die Teilung Tirols vollendet.

Genossen die Südtiroler anfänglich noch eine gewisse Autonomie, so setzte mit der Machtergreifung Benito Mussolinis im Oktober 1922 eine brutale Italienisierungspolitik ein, die bald alle Lebensbereiche erfasste. Äußeres Zeichen dieser Entwicklung bildete 1928 die Einweihung des bis heute existierenden faschistischen Siegesdenkmals in Bozen mit seiner provozierenden Aufschrift „Hinc ceteros excoluimus lingua legibus artibus“ (Von hier aus haben wir den anderen die Sprache, die Gesetze und die Kultur vermittelt). Doch mit der Regierungsübernahme Adolf Hitlers in Deutschland im Jahre 1933 hoffte man auch in Südtirol auf eine rasche Lösung des Problems. Schon bald entstand mit dem Völkischen Kampfring Südtirol (VKS) eine neue (illegale) Organisation, die sich in ihren zentralen Aussagen am Programm der NSDAP orientierte und genau wie diese nach dem Führerprinzip aufgebaut war. Umso enttäuschender wirkte daher die Tatsache, dass Hitler mit Rücksicht auf seinen Bündnispartner Mussolini das Thema Südtirol offensichtlich nicht interessierte, ja er gar nicht daran zu rütteln gedachte. Als 1938 Österreich dem Deutschen Reich angeschlossen wurde, keimte zwar auch in Südtirol noch einmal ein kurzer Hoffnungsschimmer auf, doch kam schon im Jahr darauf ein jähes Erwachen: Am 23. Juni 1939 vereinbarten Deutschland und Italien ein Abkommen zur Umsiedlung der deutschen Bevölkerung Südtirols, das am 21. Oktober desselben Jahres unterzeichnet wurde. In den an jenem Tag erlassenen „Richtlinien für die Rückwanderung der Reichsdeutschen und Auswanderung der Volksdeutschen aus dem Alto Adige“ – man vermied hier sogar das Wort „Südtirol“ und verwendete stattdessen bewusst die italienische Bezeichnung für das Gebiet – wurde festgelegt, dass die Südtiroler bis zum 31. Dezember 1939 für Deutschland oder für Italien optieren sollten. Nach den Worten des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, der den Vorsitz in der bilateralen Delegiertenkonferenz führte, sollte damit eine „endgültige Lösung des Problems Südtirol“ erreicht werden. Tatsächlich entschieden sich mit zirka 218000 Personen 86 Prozent für die Umsiedlung in reichsdeutsche Gebiete, verbunden mit der deutschen Staatsbürgerschaft.

Die Umsiedlungsaktion begann im Frühjahr 1940, abgeschlossen sein sollte sie am 31. Dezember 1943. Bis Ende 1940 hatten bereits 57000 Menschen ihre Heimat verlassen, dann geriet das Programm kriegsbedingt ins Stocken. Mit der Besetzung Südtirols durch deutsche Truppen im Herbst 1943 wurde die Umsiedlung offiziell eingestellt, vereinzelt wanderten aber noch bis zum Frühjahr 1944 Personen ab. Letztlich waren rund 78000 Südtiroler aus dem Land gegangen, die meisten von ihnen nach Nordtirol und Vorarlberg, viele aber auch in andere Teile Österreichs und nach Bayern, etliche nach Osteuropa. Rund 20000 kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg zurück, rund dreimal so viele blieben in der Bundesrepublik, der DDR oder Österreich.

Für die organisatorische Abwick­lung der Aktion waren Anfang 1940 überall in Südtirol deutsche Umsiedlungsbüros eingerichtet worden. Außerdem hatte sich eine „Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland“ (AdO) gebildet, die als legale Nachfolgerin des bislang im Untergrund wirkenden VKS galt. Neben den administrativen Stellen des italienischen Staates entstand so in den Jahren 1940 bis 1943 eine deutsche Parallelverwaltung, die man später auch als „Machtergreifung von innen“ bezeichnete, während mit dem deutschen Einmarsch im September 1943 dann die „Macht­ergreifung von außen“ folgte, die sich sofort auf vorhandene Strukturen stützen konnte.

Am 25. Juli 1943 wurde Mussolini als italienischer Ministerpräsident abgesetzt und verhaftet, am 3. September schloss das Land im Namen des Königs einen Waffenstillstand mit den Alliierten, der aber erst fünf Tage später bekanntgegeben wurde. In der Nacht vom 8. auf den 9. September 1943 überschritten deshalb deutsche Truppenverbände den Brenner; von der Südtiroler Bevölkerung wurden sie jubelnd als Befreier begrüßt. Die Italiener leisteten kaum nennenswerten Widerstand, ihre Einheiten wurden blitzartig überwältigt und entwaffnet. Ein Vierteljahrhundert nach der erzwungenen Teilung des Landes gab es nun erstmals realistische Aussichten auf eine Wiedervereinigung.

Doch Hitler ließ seinen Verbündeten Mussolini nicht fallen. Ein deutsches Kommando befreite ihn aus der Haft, drei Tage später gründete er mit deutscher Hilfe in Salò am Gardasee die „Repubblica Sociale Italiana“ (RSI). Und aus Bündnistreue zu Mussolini ließ Hitler Südtirol auch nicht annektieren, sondern beließ es staatsrechtlich bei Italien, selbst wenn es de facto wie ein integraler Bestandteil des Großdeutschen Reiches regiert wurde. Schon am Tag nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurden die Provinzen Bozen, Trient und Belluno zur „Operationszone Alpenvorland“ zusammengefasst. Neben den militärischen Befehlsstellen etablierte man aber auch eine Zivilverwaltung, die einem Obersten Kommissar unterstand. Dieser, Franz Hofer, war in Personalunion ab 1938 Gauleiter und Reichsstatthalter von (Nord-)Tirol und Vorarlberg. Durch diese neue Aufgabe sah er nun seinen innigsten Wunsch, die Wiedervereinigung der beiden Tiroler Landesteile, in Erfüllung gehen, womit er ausdrücklich in Widerspruch zu Hitlers Plänen geriet. Aber Hofer wusste die große Mehrheit der Bevölkerung beidseits des Brenners hinter sich und handelte immer wieder konsequent danach.

Mit Hilfe der in Südtirol verbliebenen Deutschland-Optanten – meist überzeugten NS-Anhängern – war es rasch möglich, eine deutsche Verwaltung aufzubauen. Die AdO wurde in „Deutsche Volksgruppe“ umbenannt, ihr „Volksgruppenführer“ genannter Leiter Peter Hofer zugleich kommissarischer Präfekt der Provinz Bozen. Ebenso wurden die bisherigen italienischen Amtsbürgermeister durch einheimische kommissarische Ortsvorsteher abgelöst. Die deutsche Sprache wurde der italienischen wieder gleichgestellt, neben den italienischen wurden nun auch wieder die deutschen Ortsbezeichnungen verwendet und ausgeschildert. Allerdings galt ein allgemeines Parteienverbot: Die faschistische Partei Italiens hatte man zwar verboten, die NSDAP wurde aber auch nicht zugelassen. Überall im Land kam es zur Reaktivierung des deutschsprachigen Kulturlebens, das unter dem Faschismus radikal unterdrückt worden war. Schützenwesen und Musikkapellen blühten auf, Volkstanz und Volkslieder wurden wieder gepflegt.

Ab 1943 war Südtirol allerdings auch verstärkt das Ziel alliierter Luftangriffe, vor allem die strategisch wichtige Eisenbahnverbindung über den Brenner. Dabei kam im Dezember 1943 auch Peter Hofer ums Leben. In dem Maße, in dem Südtirol den Krieg mehr und mehr zu spüren bekam, erfolgte zugleich ein Stimmungsumschwung bei den Menschen. Wachsender Widerstand in der Bevölkerung entwickelte sich allerdings nicht nur wegen der totalen Mobilisierung für Kriegszwecke, er entzündete sich vielmehr auch am Umgang der deutschen Besatzungsmacht mit ihren Gegnern – und das waren neben Juden und den italienischen Einwohnern vor allem die katholische Kirche, die immer noch eine Autorität darstellte, sowie jene Südtiroler, die 1939 nicht für Deutschland, sondern für Italien optiert und die sich bereits damals im heimattreuen „Andreas-Hofer-Bund“ organisiert hatten. Die Opfer der deutschen Herrschaft sahen sich oft gnadenlos dem allmächtigen und allgegenwärtigen SS- und Polizeiapparat ausgesetzt, der tatkräftig durch den einheimischen SOD (Sicherungs- und Ordnungsdienst) der NS-hörigen Deutschland-Optanten unterstützt wurde.

Doch das Ende ließ nicht mehr lange auf sich warten: Nachdem SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Karl Wolff, höchster SS- und Polizeiführer sowie Bevollmächtigter General der deutschen Wehrmacht in Italien, bereits im März 1945 den US-amerikanischen Geheimdienst in der Schweiz kontaktiert hatte, wurde schließlich in seinem sowie im Namen von Generalfeldmarschall Albert Kesselring, dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd, am 29. April 1945 in Caserta bei Neapel ein Waffenstillstand unterzeichnet, der am 2. Mai in Kraft trat. Franz Hofer hatte noch in letzter Minute versucht, die Verhandlungen an die Bedingung zu knüpfen, ein unabhängiges vereintes Tirol unter seiner Führung zu schaffen, doch das Comitato di Liberazione Nazionale di Bolzano (CLN, Nationales Befreiungskomitee von Bozen) lehnte dies naheliegenderweise ab. Dessen Vertreter, Bruno de Angelis, wurde vielmehr nach eingehenden Verhandlungen durch ein von SS-Obergruppenführer Karl Wolff und dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Südwest, Generaloberst Heinrich von Vietinghoff-Scheel, unterschriebenen Dokument am 3. Mai 1945 das Amt des Präfekten der Provinz übertragen. Der Brenner wurde erneut zur Grenze.

Im Pariser Abkommen vom 5. September 1946, unterzeichnet von den Außenministern Italiens, Alcide De Gasperi, und Österreichs, Karl Gruber, wurde dann die Teilung Tirols erneut zementiert – der kurze Traum von der Wiedervereinigung war endgültig geplatzt.         Wolfgang Reith


FDP-Vater der Ostverträge

Der am 8. Juli 1919 im heute zu Solingen gehörenden Höhscheid geborene und aufgewachsene Walter Scheel war der Sohn eines Stellmachers, besuchte aber ein Reformgymnasium, an dem er auch Abitur machte. Der anschließenden Banklehre folgte Kriegsdienst in der Luftwaffe, in der er es bis zum Oberleutnant brachte. Eine längere Kriegsgefangenschaft blieb ihm erspart, sodass er bereits 1945 in die Firma seines Schwiegervaters einsteigen konnte, deren Geschäftsführung er übernahm. Der Unternehmer mischte in der Verbandspolitik mit und trat bereits 1946 der FDP bei.

Sozusagen als Generalprobe nahm Scheel bereits 1956 in Nord­rhein-Westfalen als sogenannter Jungtürke – damals noch mit Erich Mende – an einem Seitenwechsel der FDP von der CDU zur SPD teil. Zehn Jahre später schied die FDP dann auf Bundesebene aus einer CDU-geführten Regierung aus. In der nun folgenden Oppositionszeit war es Scheel, unter dessen Führung die FDP ein neues, sozialliberales Profil erhielt. 1968 übernahm er auch formal das Ruder. Nachdem Mende, der für eine national- und trotz allem auch christliberale FDP stand, genötigt worden war, auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz zu verzichten, wurde Scheel in Freiburg zu dessen Nachfolger gewählt.

Nachdem ein sozialliberales Bündnis am 5. März 1969 den Sozialdemokraten Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten gewählt hatte, konnte nach der Bundes­tags­wahl vom 28. Sep­tember des Jahres eine sozialliberale Regierungskoalition die Arbeit aufnehmen. Die FDP hatte bei der ersten Bun­destagswahl unter Scheel zwar wesentlich schlechter abgeschnitten als bei der letzten unter Mende, aber es reichte für eine sozialliberale Mehrheit. Der FDP-Vorsitzende wurde Vizekanzler, der erste Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit von 1961 bis 1966 Außenminister.

In den beiden Funktionen als Vizekanzler und Außenminister trug Scheel im Bundeskabinett neben dem Kanzler maßgebliche Verantwortung für die sozialliberale Außenpolitik. Darüber hinaus machte die unter seiner Führung erfolgte Hinwendung der FDP zur SPD die sogenannte Neue Ostpolitik im Parlament erst mehrheitsfähig und damit realisierbar.

Als Heinemann trotz zu erwartender sozialliberaler Mehrheit in der Bundesversammlung auf eine erneute Kandidatur verzichtete, Willy Brandts Rücktritt sich abzeichnete und klargestellt war, dass der Kanzler und SPD-Vorsitzende nicht ins Präsidentenamt wechseln wollte, griff Scheel beherzt zu. Als Gegenleistung dafür, dass die FDP ihre Stimmen im Bundestag dem SPD-Wunschkandidaten für die Nachfolge Brandts im Kanzleramt gab, musste die SPD ihre Stimmen in der Bundesversammlung dem FDP-Vorsitzenden für dessen Wahl zum Bundespräsidenten geben.

Wie 1974 die Wahl war auch 1979 der Abgang des vierten Bundespräsidenten wohl kalkuliert. Einen Tag nachdem die Union, die in der siebten Bundesversammlung eine klare Mehrheit hatte, mit Karl Carstens einen eigenen Kandidaten aufgestellt hatte, gab Scheel seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt. Politik betrieb der Vorsitzende der Bilderberg-Konferenz von 1980 bis 1985 noch weiter, bis Demenz seiner politischen Arbeit ein endgültiges Ende setzte.  Manuel Ruoff


S. 11 Geschichte & Preussen

Mit einer Fuchsfledermaus in den Westen
Vor 40 Jahren floh Sowjet-Leutnant Viktor Belenko in einem Höhenjäger seines Arbeitgebers ins Reich der aufgehenden Sonne

Mitte der 70er Jahre sorgte ein Leutnant der sowjetischen Luftwaffe weltweit für Schlagzeilen. Viktor Belenko lief mit seiner Mikojan-Gurewitsch MiG-25 in den Westen über. Am frühen Nachmittag des 6. Septembers 1976 landete er auf dem japanischen Zivilflughafen Hakodate und bat um politisches Asyl in den USA.

Belenkos Seitenwechsel war nicht nur in einer Hinsicht eine Überraschung. Der sowjetische Offizier gehörte zu den Privilegierten. Der 29-Jährige war Leutnant in den sowjetischen Luftverteidigungskräften. Seine Einheit, das 513. Jagdfliegerregiment, vergleichbar einem westlichen Geschwader, galt als Eliteverband und war Teil der Luftverteidigung im Fernen Osten. Belenko brachte mit dem fast dreifache Schallgeschwinfigkeit schnellen Höhenjäger darüber hinaus auch noch ein bis dahin im Westen kaum bekanntes Flugzeug mit. Das von der Nato auch „Foxbat“ (Fuchsfledermaus) genannte Flugzeug war bisher hauptsächlich als Aufklärer in Erscheinung getreten.

Dass Belenko die Seite wechselte, war umso bemerkenswerter, als er so etwas wie ein sowjetischer Modell-Mensch war oder zumindest zu sein schien. Er kam aus einer Arbeiterfamilie. Sein Vater hatte im Zweiten Weltkrieg gedient und danach als Bergmann und in einer Fabrik gearbeitet. Er hatte die Talente seines am 15. Februar 1947 geborenen Sohnes erkannt und nach Kräften gefördert. Der Sohn sollte ein besseres Leben haben als er.

Als Viktor Belenko alt genug war, trat er der Dosaaf bei, der „Freiwilligen Gesellschaft zur Unterstützung der Armee, der Luftstreitkräfte und der Marine“, um Fliegen zu lernen. Die auch heute noch bestehende Dosaaf ist eine paramilitärische Massenorganisation, die Jugendliche auf ihren Wehrdienst vorbereitet. Wer sich qualifiziert, kann bei der Dosaaf Fliegen lernen.

Er arbeitete in einer Fabrik und lernte in seiner Freizeit Fliegen. Der Flugunterricht machte ihm Spaß, der politische Unterricht dagegen nicht. Aber 1970 nahm ihn die Luftwaffe als Pilot auf. Belenko kam schnell vorwärts und wurde Fluglehrer.

Aber viel Spaß machte ihm der Job nicht. Seine Vorgesetzten erwarteten, dass er Flugschüler, die er für unfähig hielt, die Ausbildung abschließen ließ. Er musste Flugbücher fälschen, um die Quoten für die Flugstunden seiner Schüler zu erfüllen – etwa dann, wenn schlechtes Wetter den Flugbetrieb in Wirklichkeit verhindert hatte. Der für diese Flüge vorgesehene Treibstoff musste dann an verschwiegenen Stellen abgekippt werden, damit die Spritzuteilung im Folgejahr nicht gekürzt wurde. Und er stieß sich an den vielen Stunden Politunterricht, die er seinen Flugschülern erteilen musste. Er begann, das System zu hinterfragen.

Auch privat hatte er Probleme. Die Ehe mit seiner Frau Ludmilla stand unter keinem guten Stern. Belenko stand zwar eine moderne Wohnung zu, aber die lag in einem Gebäude voller Baumängel. Und die Mängel beruhten auf der allgegenwärtigen Korruption. Belenkos Frau kam aus einer wohlhabenden Familie und sah nicht ein, warum sie in einer Art Bauruine leben sollte. Kurz vor der Geburt des gemeinsamen Sohnes 1973 drohte sie sogar mit Scheidung.

Belenkos Versetzung zum 513. Jagdfliegerregiment in Sibirien machte die Situation nicht besser. Der Stützpunkt Tschugujewka war abgelegen und für die komplexe MiG-25 nicht geeignet. Es fehlten Unterkünfte, Werkstätten und Freizeitmöglichkeiten. Alkohol war zwar verboten, aber die Soldaten tranken stattdessen den Kühlalkohol ihrer Flugzeuge. Als guter Kommunist sprach Belenko das Thema auf Parteiversammlungen an und warb dafür, dass man gemeinsam Unterkünfte bauen und die Offiziere Geld dafür spenden sollten. Das kam natürlich nicht gut an. Hinzu kam, dass seine Frau abermals mit Scheidung drohte.

Belenko plante also seine Flucht in die USA und nutzte einen Trainingsflug, um Kurs auf Japan zu nehmen. Er ging auf Baumwipfelhöhe herunter und flog Hokkaido an, die nördlichste der japanischen Inseln. Auch über See blieb er in geringer Höhe, um unbemerkt in den japanischen Luftraum einzufliegen. Dann stieg er auf rund 6000 Meter und ging mit der Geschwindigkeit herunter, um nicht allzu aggressiv zu wirken.

Die japanische Luftüberwachung hatte ihn gegen 13.11 Uhr erfasst und sofort eine Rotte McDonnell F-4EJ „Phantom“ auf ihn angesetzt. Außerdem funkte sie ihn auf Englisch und Russisch an. Aber Belenko konnte sie nicht hören, weil sein Funkgerät auf eine andere Frequenz eingestellt war. Zudem traf er nicht das erwartete klare Wetter an, sondern starke Bewölkung.

Während also die beiden Jäger zu ihm aufschlossen, ging er auf etwa 500 Meter herunter, um aus den Wolken herauszukommen. Das japanische Radar verlor ihn wieder. Sein eigentliches Ziel, der Militärflugplatz Chitose, war von Wolken verhüllt, sodass er dort nicht landen konnte. Also landete er mit fast leeren Tanks in Hakodate. Der verdutzten Polizei las er in holperigem Englisch seine Bitte um Asyl in den Vereinigten Staaten vor.

Die nahm ihn erst einmal wegen illegaler Einreise, Verletzung japanischen Luftraums und unerlaubten Waffenbesitzes fest. Ein bürokratisches Gezerre zwischen Militär und Polizei, Japan, der Sowjetunion und den USA begann. Erst in den folgenden Tagen klärte sich die Angelegenheit. Sowjetische Abgesandte durften mit Belenko sprechen, aber der wollte von Rück­kehrangeboten nichts wissen und war auch nicht besonders freundlich zu den KGB-Offizieren. Schließlich übergab Japan Belenko den USA, die ihn sofort ausflogen. Sein Flugzeug wurde zerlegt und Teil für Teil analysiert, die Einzelteile wurden später in die Sowjetunion verschifft.

Die MiG-25P stellte sich als solide konstruierter Abfangjäger heraus, der US-amerikanische Aufklärer und Aufklärungsdrohnen in großen Höhen jagen konnte. Sie war gut, aber kein Superflugzeug. Bis 1985 wurden 1190 Exemplare in einem Dutzend Versionen gebaut, darunter auch Bomber und Aufklärer. Die letzten Maschinen in russischem Besitz wurden 2013 außer Dienst gestellt.

Belenko wurde US-amerikanischer Staatsbürger und lehrte viele Jahre Taktik und Strategie des Luftkampfes. Er heiratete wieder und hat mit seiner neuen Frau zwei Kinder. Russland betrachtet ihn immer noch als Hochverräter. Friedrich List


Vorreiter des modernen deutschen Journalismus
Johann Wilhelm von Archenholz kreierte das heute noch im kollektiven Bewusstsein präsente Bild des Alten Fritz

Der am  3. September 1741 in Langfuhr geborene preußische Offizierssohn Johann Wilhelm von Archenholz (manchmal auch Archenholtz) entstammte entweder einem alten hannoverschen oder einem schwedischen Geschlecht – allerdings war sein Adelstitel von etwas zweifelhafter Provenienz. Im Anschluss an den Besuch der Berliner Kadettenanstalt nahm er mit dem Infanterieregiment Forcade am Siebenjährigen Krieg teil. In der letzten großen Schlacht dieses Krieges, in der bei Torgau vom 3. November 1760, wurde er derart schwer verwundet, dass er erst im März 1761 wieder zur Truppe zurück­kehren konnte. Zwei Jahre später, nach dem Hubertusburger Frieden, erhielt der nunmehrige Hauptmann den ehrenvollen Abschied. Als Grund nannte Friedrich der Große die diversen „Blessuren“ von Archenholz, obwohl sich der König wohl auch an der Spielsucht des Kriegsveteranen stieß.

Jedenfalls reiste der demobilisierte Offizier in der Folge mehrmals durch Italien, Frankreich, die Schweiz, Holland, Dänemark, Norwegen und Polen. Zwischendurch verweilte er längere Zeit in England, dessen Verfassung er bewunderte. 1780 stürzte Archenholz in Rom vom Pferd, woraus ein komplizierter Bruch mit nachfolgender Lähmung des betroffenen Fußes und der Entschluss resultierten, nun sesshaft zu werden.

Wenig später siedelte der Preuße nach Dresden über. Dort begann er, seinen Lebensunterhalt mit Schreiben zu bestreiten – und zwar sehr erfolgreich. Viele Texte erschienen damals in der Monatsschrift „Litteratur- und Völkerkunde“, die Archenholz ab 1782 in Eigenregie herausgab. Dabei avancierte er zum Vorreiter des modernen deutschen Journalismus. Statt wie bisher üblich nur Meinungen erhielten die Leser jetzt sachliche und weitgehend unparteiisch formulierte Informationen aus den Bereichen Geschichte und Gesellschaft dargeboten. Außerdem produzierte Archenholz historische Bücher und Reisebeschreibungen wie „England und Italien“, die aufgrund ihres glänzenden Stils ebenfalls sehr gut beim Publikum ankamen. Dies alles trug ihm den Ruf ein, zu den klügsten Köpfen zu gehören, die Preußen jemals hervorgebracht habe.

Und dann legte der Autor noch eine „Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland von 1756 bis 1763“ vor, die ihn endgültig berühmt machen sollte. Die Abhandlung erschien zuerst als Fortsetzungsreihe im „Historisch-genealogischen Kalender für 1789“ – später entstand ein zweibändiges Buch daraus. Drei Jahre nach dem Tode Friedrichs des Großen berichtete Archenholz nun sowohl aus der Perspektive des Zeitzeugen als auch des Historikers über die dramatischen Ereignisse und skizzierte in diesem Zusammenhang ein Bild von dem Preußenkönig, das Generationen von Biografen beeinflussen sollte. Insofern ist es durchaus gerechtfertigt, den Hauptmann a.D. als jenen Mann zu bezeichnen, der die heute noch im kollektiven Bewusstsein präsente Figur des großen Friedrich kreierte. Keiner vor ihm hatte den Preußenkönig derart prononciert als begnadeten Feldherrn charakterisiert, der mit List, Witz und eisernem Willen gegen eine Phalanx von übermächtigen Gegnern siegte. Dabei ließ er negative Aspekte wie „Friedrichs Launen“ nicht unter den Tisch fallen. Insofern verbietet sich hier also die Einstufung als realitätsblinde patriotische Propaganda.

Weniger kritisch war Archenholz hingegen hinsichtlich der „Segnungen“ der Französischen Revolution. Das gilt zumindest bis 1792. In jenem Jahr nämlich sah sich der Publizist zur Flucht aus Paris gezwungen, wo er sich im Vorjahr aus Begeisterung für die Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit niedergelassen hatte. Die Euphorie wich, als Frankreich zum ersten Koalitionskrieg gegen Preußen und Österreich rüstete, der von 1792 bis 1795 dauerte. Der Flüchtling kehrte nicht in die sächsische Residenzstadt zurück, sondern wechselte nach Hamburg, weil die Zensurbehörden dort entschieden großzügiger agierten als in Sachsen.

Anschließend nahm Archenholz mit der Herausgabe der Zeitschrift „Minerva – Ein Journal historischen und politischen Inhalts“ sein nächstes großes Projekt in Angriff. Und auch dieses Blatt fand in gebildeten, freisinnigen Kreisen dankbare Aufnahme, zumal die ebenfalls gern gelesenen „Staatsanzeigen“ des Universalgelehrten August Ludwig von Schlözer 1793 eingestellt wurden. Vom breiten Interesse an dem Periodikum des vormaligen preußischen Hauptmanns zeugen die für jene Zeit sensationelle Auflage von 6000 Exemplaren sowie der lange Erscheinungszeitraum von über einem halben Jahrhundert. Wie kein anderes Presse-Erzeugnis der damaligen Zeit vermochte es die „Minerva“, den Deutschen durch Augenzeugenberichte, den Abdruck von Reden und Dokumenten sowie Beiträge in- und ausländischer Korrespondenten ein Bild von der internationalen Politik zu vermitteln. Dazu kamen Aufsätze von Personen wie dem greisen Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock oder dem jungen Militärtheoretiker Carl von Clausewitz.

1810 zog sich Archenholz aus der Öffentlichkeit zurück und verkaufte die Zeitschrift an seinen langjährigen Mitarbeiter Friedrich Alexander Bran, ohne sich an dessen jüdischer Herkunft zu stören. Zu diesem Zeitpunkt verkörperte der Preuße den Typ des skeptischen Nostalgikers, der dem von vielen deutschen Intellektuellen bewunderten Napoleon Bonaparte distanziert gegenüberstand und ganz offen um den untergegangenen Staat Friedrichs des Großen trauerte: „Welcher Mensch von Gefühl … kann den großen Jammer eines Deutschen Patrioten tadeln, der die Germanische National-Ehre nicht bloß angegriffen, sondern vertilgt … und die Preussische, dem ganzen Germanien Ruhm bringende Monarchie aus der geographischen Karte von Europa weggestrichen sieht?“

An dieser kompromisslosen Haltung sollte sich bis zu Johann Wilhelm von Archenholz’ Tod, der ihn am 28. Februar 1812 auf seinem Landgut Öjendorf bei Hamburg ereilte, nichts mehr ändern. Wolfgang Kaufmann


S. 12 Leserforum

Leserforum

Deutsche Idylle

Zu: Was bedeutet das für die Wahlen? (Nr. 33)

Land- oder Stadtflucht? Bei uns auf dem Lande wird ständig gebaut, hier ein Häuschen, dort ein Häuschen, und auf dem Hof kann man mal ein Fahrrad unverschlossen stehen lassen. Ungestört kann Oma Meier ihren Mini-Hund im Park spazieren führen, und das zu jeder Tageszeit. In den Vorgärten stehen außer den üblichen Blumen hübsche Figuren oder selbstgebaute Windmühlen, ab und zu ein Vogelfutterdepot, alles seit Jahren unzerstört. Grafitti-Geschmiere ist unbekannt, auf den Straßen und Wegen liegt kein Müll herum, und es herrscht allgemein Ruhe.

Das alles ist mir persönlich sehr viel wichtiger als ein Stadtleben. Hier kennt jeder jeden, und das ist ein großer Vorteil. Wir pflegen traditionell unsere Bismarck-Eiche und bemühen uns sehr, dass es im Allgemeinen auch so ruhig bleibt. Aus diesem Grunde sind gewisse Personengruppen total unerwünscht.

Thomas Schirmer, Brandis/Muldentalkreis

 

 

Abenteuerliche Flucht auf der »Berlin«

Zu: Gleich zweimal untergegangen (Nr. 33)

Wir wurden gerettet – dank an unsere Marine, die mit dem als Lazarettschiff umgerüsteten NDL-Dampfer „Berlin“ von Pillau aus einen der ersten Flüchtlingstrans­porte über die vereiste Ostsee organisierte. Am 24. Januar 1945 im Hafen angekommen sahen wir am Pier die „Robert Ley“ und deutlich abgesetzt den Schweren Kreuzer „Prinz Eugen“. Er hat bekanntlich von See aus in die Landgefechte eingegriffen. Er lag friedlich am Pier und übernahm nach meinen Beobachtungen Fracht.

Im Eingangsbereich zu unserem Schiff gab es eine genaue Kontrolle. Mein Vater musste zurück und zusätzlich seine Dienstreisebescheinigung von einem höheren Hafenoffizier prüfen lassen. Ich – in „Pimpfen-Uniform“ – wurde von meinem Vater angehalten, beim Durchgang durch die Sperre der Wache ja deutlich den Deutschen Gruß zu erweisen.

Vor dem Ablegen des Schiffes gingen Marineangehörige durch die Decks und sammelten mitgenommene Waffen ein. Auf unserem Deck war es ein ziemlicher Haufen an Kleinwaffen. Die Führung des Lazarettschiffes wollte nicht gegen die Genfer Konvention handeln. Alle Waffen wurden von Bord geschleppt. Einen Kontrolloffizier der Schweizer Signa­tarmacht habe ich nicht gesehen.

An Bord wurden wir in einen ehemaligen, mit Schwerverwundeten vollgestopftem Salon auf einen Schlafplatz unter den Krankenbetten eingewiesen. Die Luft und die Krankengeräusche waren schwer erträglich. Es gab aber eine erstklassige Verpflegung, die wahrscheinlich aus Dänemark stammte. Ich befürchtete, dass die Verwundeten mich bei Seegang mit ihrem Auswurf treffen könnten und trieb mich deshalb zum Ärger meiner Eltern auf dem Schiff rum. Für einen Jungen von zwölf Jahren war das spannend.

An Bord waren Marinesoldaten, Zivilmatrosen des NDL und Sanitätspersonal als Besatzung eingesetzt. Der Dampfer legte ab und blieb dann auf der verhältnismäßig zugefrorenen Ostsee im Bereich der Danziger Bucht für anderthalb Tage in einem Konvoi liegen. Es ging einfach nicht weiter. Alle Schiffe waren abgedunkelt. Auch unser Rot-Kreuz-Zeichen am Schornstein. Laufend wurden Nachrichten zwischen den wartenden Schiffen durch Semaphor- oder Lichtsignale übermittelt. Es herrschte Funkstille – dafür laufend Lichtsignale. Am ersten Morgen auf See lagen auf dem Hinterdeck mehrere einfache Holzsärge. Irgend einer der anwesenden Leichtverwundeten sagte nur: „Gut, dass dieses Sch... Land hinter mir liegt.“ Ich war innerlich wütend.

Irgendwann setzte der Konvoi die Fahrt fort. Sowohl auf dem Steven an der Schiffsspitze wie auf dem Mast der „Berlin“ saßen bei eisiger Kälte Beobachtungs-Posten, die in den Eisschollen sorgfältig nach Minen oder Torpedos Ausschau hielten. Es herrschte ungefähr 20 Grad Kälte. Wegen der Atmosphäre im Krankensaal übernachtete unsere Familie auf den Stufen der Salontreppe des Schiffes. Mitten in der Nacht gab es einen gewaltigen Schlag. Das Schiff bäumte sich förmlich auf. Die etwa 30 Personen, die sich auf der Treppe des ehemaligen Lloyd-Dampfers zur Nacht eingerichtet hatten, flogen und rutschten samt Matratzen und Handgepäck mehrere Treppen ins Unterdeck. Offiziere liefen durch die Gänge und zogen plötzlich eine Pistole, um eine Panik zu vermeiden. Irgendwelche Schotten – schwere dicke Türen – wurden verriegelt. Was dahinter geschah, weiß ich nicht.

Wir wurden damals nicht darüber informiert, was in jener Nacht passiert war. Heute nehme ich an, dass es sich um eine Mine handelte, die zwar am Schiff einen Schaden verursachte, der aber durch die Schließung der Schotten abgesichert wurde. In der Literatur habe ich keinen Hinweis auf einen „Treffer“ gefunden.

Vollkommen dunkel und abgeblendet fuhr der Konvoi auffällig langsam und vorsichtig Richtung Westen. Die übliche „Festbeleuchtung“ eines Lazarettschiffes blieb ausgeschaltet. Alles war abgedunkelt. Erst auf der Höhe von Swinemünde wurde sie wieder eingeschaltet. Die russischen Seestreitkräfte hätten das übergroße Rote Kreuz auf dem Schornstein nicht respektiert. Sie waren der Genfer Konvention nicht beigetreten.

Wir liefen in Swinemünde ein. Es herrschte herrliches Winterwetter. Am Pier standen lange Transportzüge für die Verwundeten und Flüchtlinge und ebenfalls ein Güterzug für unser Gepäck. Es wurde gesondert ausgeladen und hinterher irgendwo im Umkreis von Demmin verteilt. Meinen kleinen Flüchtlingskoffer habe ich noch. Innerhalb von wenigen Stunden war das Schiff leergeräumt. Wir Zivilisten wurden auf den Flughafen Tutow bei Demmin verlegt und dort im Lazarettbereich wegen unserer Erfrierungen an den Gliedmaßen und allgemeiner Erschöpfung behandelt.

Erst viel später erfuhren wir, dass die „Berlin“ – eine der Perlen des Norddeutschen Lloyd – auf der Rückfahrt nach Pillau durch einen Minentreffer gesunken war. Ich war und bin bis zum heutigen Tag tief bewegt. Wir verdanken den Frauen und Männern der Besatzung unser Leben. Ihnen gebührt Dank, Ehre und Anerkennung.

Klaus Schulz-Sandhof, Pfarrer i. R., Drethem/Elbe

 

 

Reich der Angst

Zu: Tödliche Gastfreundschaft (Nr. 30)

Am 6. Februar 1934 erschoss die Polizei in Paris 17 Demonstranten bei dem Versuch, das Parlament zu erstürmen. Die Presse bezeichnete daraufhin das amtierende Kabinett Daladier als „Regierung der Mörder“. Schon am nächsten Tag trat Premier Édouard Daladier zurück.

Nach den Maßstäben von damals hätten Merkel & Co. längst zurücktreten müssen. In Deutschland sind laut Kriminalstatistik in den letzten Jahren Tausende von Deutschen von Ausländern umgebracht worden. Ein bekannter Autor spricht sogar von „schleichendem Genozid“. Der Blutzoll, den die Flüchtlingspolitik der Merkel-CDU dem deutschen Volk bisher schon auferlegt hat, wird leider noch wachsen.

Das ständig bemühte Schlagwort „Integration“ ist reine Volksverdummung, denn an Herkunft, Sprache, Religion, Mentalität und Sozialisierung der Fremden vermag es nichts zu verändern. Die für eine halbwegs effiziente Eingliederung von Hunderttausenden von Migranten erforderlichen Sozialarbeiter, Lehrer, Dolmetscher und Psychiater gibt es nicht. Und wer soll sie bezahlen, wo schon die Bereitstellung von Wohnraum und Arbeitsplätzen kaum zu finanzieren ist? Somit sind Mord, Totschlag und Vergewaltigung – um nur einige der gängigen Delikte zu nennen – quasi vorprogrammiert.

Kanzlerin Merkel hat unter Missachtung ihres Amtseides mutwillig und leichtfertig eine Invasion von jungen, nicht beherrschbaren Männern verursacht und so die Bundesrepublik Deutschland zu einem Reich der Gewalt und der Angst gemacht. Jetzt sind die Mörder mitten unter uns.

Adolf Frerk, Geldern


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Hüter der Hohen Brücke
In Königsberg stießen Taucher auf einen Riesen-Wels – Wärterhäuschen durch Bauarbeiten beschädigt

Die Hohe Brücke in Königsberg, die die Stadtteile Lomse und Vorstadt miteinander verbindet, wird in Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft 2018 aufwendig saniert. Neben einer Sensation – der Entdeckung eines in einer Nische eines Brückenpfeilers lebenden Welses – gibt es auch Grund zur Besorgnis: Umliegende Gebäude wie das Brückenwärterhäuschen wurden beschädigt.

Während Bauarbeiten kommt es immer wieder zu Überraschungen. Im Pregel stießen Taucher, die die Pfeilerkonstruktion untersuchen wollten, auf etwas völlig Unerwartetes: Ein Wasserbewohner von beträchtlichem Ausmaß stellte sich ihnen in den Weg: Es war ein großer Wels, der es sich in der Nische eines Brückenpfeilers der Hohen Brücke bequem gemacht hatte. Zum ersten Mal entdeckten die Taucher den Wels in einer alten Röhre. Einer von ihnen hatte sich auf das Rohr gesetzt. Seine Überraschung war groß, als das Rohr sich plötzlich bewegte und Geräusche von sich gab. Ein von den Tauchern geschätzt zwei Meter langer Wels zeigte sich wenig begeistert über die ungebetenen Gäste und versuchte sogar, einen von ihnen mit seinen Bürstenzähnen am Bein zu fassen.

Die Entschlossenheit des Fischs erschreckte nicht nur den Taucher, sondern rief auch Vertreter der Stadt- und Gebietsleitung auf den Plan, in deren Auftrag die Bauarbeiten durchgeführt wurden. Die Diskussion über den Wels bekam immer mehr einen anekdotischen Charakter. So wurde das geschätzte Gewicht des Welses bei jedem Tauchgang größer. Zuletzt wurde er auf 200 Kilogramm geschätzt. Aus dem

18. und 19. Jahrhundert liegen tatsächlich Berichte über Welse mit einer Länge von bis zu fünf Metern und einem Gewicht von über 300 Kilogramm vor. Den Wels im Pregel konnten weder die Taucher noch die zahlreichen Zuschauer oder die Anwesenheit der Stadtoberen vertreiben. Er blieb.

Es kursierten Gerüchte, dass der Wels wohl schon viele Jahre dort wohnte, vielleicht sogar schon vor der sowjetischen Eroberung Königsbergs. Er sei so etwas wie der Hüter der Brücke und wolle die begonnen Bauarbeiten verhindern.

Wie die ausführende Baufirma erklärte, stört der Wels die weiteren Arbeiten nicht, sodass diese planmäßig fortgeführt werden sollen. Während der Unterwasserbewohner alle Aufmerksamkeit auf sich zog, stellten sich weitere Probleme ein. Neben der Brücke steht ein kleines, schönes Gebäude: das ehemalige Brückenwärterhäuschen aus dem Jahr 1899 im neugotischen Stil. Der Bau verfügte über ein besonderes Akkumulatorensystem, das einen gleichmäßigen Hydraulikdruck zum Öffnen und Schließen der Brücke erzeugte.

Die Hohe Brücke selbst wurde erstmals im Jahr 1520 gebaut. 1938 wurde die alte Brücke demontiert. Daneben wurde eine neue Brücke gebaut, die bis heute erhalten ist und nun modernisiert wird. Neben dem Brückenwärterhäuschen sind noch Reste der alten Brücke erhalten. Das Haus wurde im Zweiten Weltkrieg nicht beschädigt und konnte erstmals im Jahr 2000 mit privaten Mitteln restauriert werden. 2007 erhielt das Brückenwärterhäuschen den Status eines Objekts des kulturellen Erbes von regionaler Bedeutung.

Doch noch vor Beginn der Bauarbeiten wurden Risse im Gebäude entdeckt. Als die Arbeiten mit schwerem Gerät begannen, vergrößerten sich die Schäden am Häuschen. Vor Kurzem wurden Messungen für die Bewertung der Auswirkungen der Bauarbeiten auf dem nahe gelegenen Wohnraum und den gewerblichen Bauten durchgeführt. Einige Häuser in der Nähe der Brücke sind bedroht. Es handelt sich um Gebäude, die 1936/1937 gebaut wurden. In einem von ihnen war vor dem Krieg die Aktiengesellschaft „Karl Petereit“ untergebracht. Auch dieses Haus steht unter Denkmalschutz.

Schon vor Beginn der Brücken-sanierung wurde der Bürgersteig vor der Westfassade des Gebäudes gesperrt, weil Teile vom Gesims herabzustürzen drohten. Kürzlich bemerkten Mitarbeiter der Büros, die sich in dem Gebäude auf der Kreuzung Brückenstraße/Unterhaberberg aufhielten, Erschütterungen durch die an der Hohen Brücke eingesetzten Kettenfahrzeuge. Die Baumaschinen hatten die Kreuzung gequert und anschließend war das Pflaster der Gehwege beschädigt. Wegen der Sanierung der Hohen Brücke gab es eine Reihe von Verkehrsbehinderungen. Seit dem 27. Juni ist die Zufahrt auf die Lomse vollständig unterbrochen. Nach dem Umbau soll die neue Hohe Brücke doppelt so breit sein wie die bisherige. Es wird davon ausgegangen, dass sie im Mai 2017 wieder eröffnet wird.

In welchem Zustand sich dann die unter Denkmalschutz stehenden Objekte Brückenwärterhäuschen und das Verwaltungsgebäude befinden, steht allerdings in den Sternen. Jurij Tschernyschew


Polen investiert in Bahnstrecken
Fahrzeiten in Südostpreußen sollen sich dank Investitionen erheblich verkürzen

Die Eisenbahn kehrt ins südliche Ostpreußen zurück. Dank Investitionen von zirka 386 Millionen Euro wird sich die Bahnfahrt von Ortelsburg nach Lyck künftig um eine Stunde verkürzen. Um von Warschau nach Allenstein zu gelangen, benötigt man dann nur noch ein Viertel der Zeit.  Ein besserer Zugang zu den Zügen, ein besserer Service an den Bahnhöfen und zusätzliche Haltestellen sollen von dem Geld finanziert werden.

Zu dem Nationalprogramm für  die Eisenbahn gesellen sich ein vielversprechender Start des Geschäftsflughafens Schimanen, der Bau des Kanals durch die Weichsel-Nehrung sowie die Programme für den Straßenbau und die ausdrückliche Verbesserung des Kommunikationssystems im südlichen Ostpreußen. Jerzy Szmit, Vizestaatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Bau, sagte, dass die Verbindungen zwischen der Region und dem Rest des Landes verbessert würden.

Für die Bewohner der Woiwodschaft und für Reisende auf den Bahnstrecken im südlichen Ostpreußen werde sich der Komfort spürbar verbessern.

Dank der Elektrifizierung der Trasse von Allenstein nach Lyck über Korschen werden fast 40 Minuten eingespart. Über zirka eine Stunde 22 Minuten wird sich die Fahrt Allenstein–Ortelsburg–Lyck verkürzen. Die Reise auf der Strecke Soldau–Allenstein wird um 16 Minuten kürzer sein. 

Die Projekte auf der Grundliste enthalten: Arbeiten an der Eisenbahnlinie Nr. 38 Lyck–Korschen (mit Elektrifizierung), Arbeiten an der Eisenbahnlinie Nr. 216 auf dem Abschnitt Soldau–Allenstein, an der Eisenbahnlinie Nr. 219 auf dem Abschnitt Lyck–Ortelsburg, die Revitalisierung der Bahnlinie

Nr. 221 Göttkendorf–Braunsberg, sowie Arbeiten an der Linie 353 auf dem Abschnitt Jablonowo– Deutsch Eylau–Allenstein–Korschen.

Die Arbeiten an der Eisenbahnlinie  E75 auf dem Abschnitt Biały-stok–Suwalken–Trakiszki und die Revitalisierung der Bahnlinie Nr. 220 auf dem Abschnitt Allenstein–Göttkendorf werden zunächst zurückgestellt..

Auch von Korschen nach Lyck wird man nach erfolgter Moderniseriung 32 Minuten Fahrtzeit einsparen. Von Allenstein nach Korschen sind es etwafünf Minuten weniger. Von  Lyck aus über Korschen wird man 37 Minuten einsparen, in Richtung Soldau–Allenstein 16 Minuten. Auch auf weiteren Strecken wird sich die Fahrzeit erheblich verkürzen. Leszek Chaburski


Hohe Ehrung
Alfred Czesla erhält Bundesverdienstkreuz

Alfred Czesla von der Deutschen Minderheit in Allenstein wurde Ende August feierlich das Bundesverdienstkreuz verliehen. Die anschließende Feier erfolgte in der evangelischen Pfarrei in Allenstein.

Die Auszeichnung wurde von der Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, Cornelia Pieper, und dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk, überreicht.

Czesla ist Soziologe, Mitglied der evangelischen Gemeinde in Allenstein, Mitgründer der deutschen Gesellschaften unter anderem in Sensburg, Allenstein, Osterode sowie des Dachverbandes. sowie Autor von zahlreichen Veröffentlichungen zum Themenkomplex nationale und ethnische Minderheiten in Ermland und Masuren.        Edyta Gladkowska.


MELDUNGEN

Elch überlebt Unfall nicht

Lyck – Nach einem Zusammenstoß mit einem Elch mussten drei Personen im Krankenhaus behandelt werden. Der Elch überlebte den Unfall nicht. Zu dem Unfall war es auf der Straße von Lyck nach Neuendorf gekommen, als ein Elch mit einem Pkw zusammengestoßen war. Die drei  Personen konnten leicht verletzt aus dem Auto steigen, wurden aber zur Sicherheit medizinisch untersucht.        PAZ

 

Bernsteinabbau in Schwarzort

Memel – Der staatliche Geologische Dienst Litauens plant, im November ein Gebiet von fünf Hektar auf der Kurischen Nehrung zum Bernsteinabbau auszuschreiben. Die Lagerstätte bei Schwarzort wurde bereits ab dem 19. Jahrhundert etwa 30 Jahre lang für Abbauzwecke genutzt. Die Förderung könne ab 2018 aufgenommen werden, die Pächter müssten dem Staat für Bernsteinfunde bis zu einem Durchmesser von 40 Millimeter 280 Euro, für größere Stücke 900 Euro je Kilogramm an Konzession zahlen.            T.W.W.

 

Dom wird geprüft

Königsberg – Der Dom wird im Auftrag der Gebietsregierung auf seinen Erhaltungs- und Sicherheitszustand geprüft. Für das Vorhaben hat die Moskauer Bundesregierung Mittel in Höhe von knapp 58000 Euro bereitgestellt.         T.W.W.


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

immer wieder tauchen in den an uns gerichteten Zuschriften Namen auf, die in Ostpreußen einen guten Klang hatten, die aber heute weithin unbekannt sind. Wenn sie in Chroniken oder Anthologien vertreten sind, wurden sie wenigstens vor dem Vergessen bewahrt, aber die wenigen dort vorhandenen Angaben genügen oft den Anfragenden nicht, die mehr über die Gesuchten wissen wollen. Deshalb wenden sie sich an uns mit der Frage, ob wir ihnen behilflich sein können, und wir sind es gerne, wenn wir dies vermögen. Und besonders gerne, wenn wir damit das Leben und Wirken eines Heimatdichters wieder in Erinnerung bringen, dessen Name in der ostpreußischen Heimatliteratur einen guten Klang hat: Franz Née, Altmeister niederpreußischer Heimatliteratur, der in der Reihe der plattdeutschen Schreiber einen vorderen Platz einnimmt. Aber nicht von einem Literaturbeflissenen wird dieser Name ins Spiel gebracht, sondern er kommt aus dem Kreis einer ostpreußischen Familie, in deren Geschichte auch der Name des Schriftstellers verzeichnet ist.

Herr Günter Pohlmann aus Kölleda übermittelt die Anfrage, in der es eigentlich nur um die Suche nach einem Buch von Franz Née geht, das anscheinend nirgendwo zu finden ist. Es soll den Titel tragen: „Unser Dörfchen und seine Leute“ – und dieses Dörfchen ist auch der Heimatort von Herrn Pohlmanns Stiefvater Heinz Fouquet. Da dieser 1917 in Plimballen, Kreis Gumbinnen geboren wurde, müsste es sich um dieses Dorf, das später in Mertinshagen umbenannt wurde, handeln. Weil in dem Buch die Bewohner des Dorfes namentlich genannt werden, wäre es für Herrn Fouquet interessant, ob er auch etwas über seine Angehörigen erfahren könnte. Deshalb sucht Herr Pohlmann diese „Abhandlung“, wie er die Veröffentlichung nennt, die aber leider unter diesem Titel nicht zu finden ist. Was mir auch glaubhaft erscheint, denn Franz Née, der 1883 in Gr. Berschkurren, später Großpreußenwald, Kreis Gumbinnen geboren wurde, hat seine mir bekannten Bücher ausnahmslos im heimischen Platt geschrieben.

Ja, nun kann ich meine Erinnerungen einbringen, denn Franz Née wohnte in Königsberg und gehörte der Gruppe Ostpreußen des Deutschen Schriftstellerverbandes an, die später als Gruppe Ostpreußen von der Reichsschrifttumskammer übernommen wurde. Einmal im Monat trafen wir uns zu einer Art „Workshop“, an dem auch hin und wieder Franz Née teilnahm. Als kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ein Sammelband „Ostpreußische Dichtung der Gegenwart“ zusammengestellt wurde, konnte Franz Née in seiner Kurzbiografie sein literarisches Schaffen mit folgenden Buchtiteln belegen: „Tom Scheeflache, lustige Geschichten und Gedichte“ / „Op’t Land biem Buer, e Handvoll Värschkes tom Scheeflache“ / „Doa lacht min Därp, e lostiget Book far landsche on städtsche Lied“. Das letztgenannte, bei Gräfe und Unzer erschienene Buch war sein bekanntestes Werk. Wenn der Name Franz Née fiel, wurde sofort das „Därpke“ genannt. Es erscheint glaubhaft, dass es das von Herrn Pohlmann gesuchte Buch ist, dessen Titel vielleicht des besseren Verstehens wegen in der Familie auf Hochdeutsch weiter gegeben wurde. Und wenn Herr Pohlmann schreibt, dass sein Vater ihm viel über das „schriftstellerische Talent“ seines Großonkels berichtet habe, so wird er ihm damit nicht gerecht. Franz Née war ein erfolgreicher Buchautor, der heitere und besinnliche Gedichte und Geschichten im heimischen Platt schrieb und diese in die damals noch junge Literaturform einbrachte – ohne Übertreibung des ostpreußischen Idioms aus Effekt­hascherei. Wunderschön sein Gedicht in dem erwähnten Sammelband, in dem er die abendliche Idylle seines Därpkes schildert, in der er als Junge „Roadkes Ohm“ lauscht, der ihm von alten Zeiten erzählt: „Dat Oawendrot am Himmel glänzt, de Wolkes send mit Gold jekränzt, de Ohm vertällt … et singt so seet de Nachtigall am Fleet.“ Was der Ohm erzählte, hat Née in seinen Büchern festgehalten, in denen auch viele andere Namen aus seinem Heimatdorf wie „Broscheits Ohm“ oder „Schneidereits Oma“ zu finden sind. Und an diesen ist es Herrn Pohlmann wohl gelegen, um das Umfeld von Heinz Fouquet zu erhellen.

Fazit dieser kleinen Literatursuche: Gibt es ein Buch von Franz Née „Unser Dörfchen und seine Leute?“ Wenn ja, könnte es Herrn Pohlmann überlassen werden? Das trifft auch auf die bekannten Veröffentlichungen des Heimatschriftstellers zu, vor allem auf „Doa lacht min Därp“. Aber bitte das betreffende Buch nicht gleich an Herrn Pohlmann senden, sondern ihn zuerst schriftlich oder telefonisch benachrichtigen. (Günter Pohlmann, Backleber Tor 13 in 99625 Kölleda, Telefon 03635/483146, Fax 03635/482584.)

Auch bei dem Anliegen von Herrn Björn Sobota aus Weißwasser geht es um eine Namensfrage, aber sie hat eine weitaus höhere Bedeutung, weil sie sich aus einer bisher erfolglosen Familienfindung ergibt. Er ist mit seiner Großmutter auf der Suche nach ihren Eltern und Geschwistern, und da es sich um eine Königsberger Familie handelt, ist Herr Sobota nach langem Forschen bei Suchdiensten, Ämtern und Archiven auf uns gestoßen und hofft nun auf hilfreiche Hinweise aus unserer Leserschaft. Zuerst geht es um die Namensfrage, und an der sind anscheinend schon die meisten Bemühungen gescheitert. Herrn Sobotas Großmutter Gerda Waltraud Reimnitz wurde am 25. September 1934 in Königsberg geboren. Der Enkel schreibt dazu: „Ihre Eltern waren Bert(h)a Schug mit Mann. (Schug unter Berücksichtigung verschiedener Schreibweisen). Leider erinnert sich meine Großmutter nicht mehr an den Namen ihres Vaters, der in Königsberg einen Kohlenhandel betrieb und in der damaligen Zeit als vermögend galt. Die Familie wohnte in einer großen Wohnung auf dem Steindamm. Ihr ist bekannt, dass sie noch drei Schwestern hatte.“

Schon diese Zeilen des Briefes geben Rätsel auf. Zuerst der Name „Schug“, dessen Schreibweise mit Recht anzuzweifeln ist. Die nächsten Angaben in seinem Brief zeigen, dass es irgendwelche gravierenden Vorfälle in der Familie gegeben hat, denn schon in ihrer frühen Kindheit kam Bertha wie auch ihre drei Schwestern in ein Kinderheim/Waisenhaus. Dass die Eltern „kein wahres Interesse an ihren Kindern gehabt hätten“, wie Herr Sobota schreibt, erscheint mir wenig glaubhaft. Wenn vier Kinder aus einer Familie in Heime kamen, müssen schon schwerwiegende Probleme vorgelegen haben. Vielleicht war der Vater gestorben, denn er taucht in den Erinnerungen der Großmutter nicht als Person auf. Dafür Mutter Bertha, aber nur sporadisch, denn inzwischen war die kleine Gerda von einer Königsberger Familie adoptiert worden, in der das Kind endlich ein Zuhause fand. Adoptivvater Emil Adolf Schulz, *1903 in Königsberg, war in leitender Position bei den Königsberger Gaswerken tätig. Seine Frau Elsbeth Schulz, geborne Nitz, vertrat die Mutterstelle nicht nur an der kleinen Gerda, sondern auch an zwei weiteren Kindern, die das Ehepaar aus dem Waisenhaus geholt und adoptiert hatte, den Jungen Heinz und Siegfried. Die Familie wohnte in der Kleinen Sandgasse 14 in Königsberg. Wann die Adoption von Gerda erfolgte, ist nicht bekannt. Sie besitzt noch ein Bild von ihrer Einschulung als Sechsjährige, da muss sie nicht mehr im Kinderheim gelebt haben.

Die Adoption bedeutete für das Mädchen eine fast hermetische Abriegelung von der leiblichen Familie und deren Umkreis. Die Verbindung zu den drei Schwestern von Gerda war bereits abgebrochen, da die Kinder in getrennten Heimen untergebracht wurden. Elsbeth Schulz hatte zwangsläufig Kontakt mit Bertha Schug, weil diese das Besuchsrecht erhielt. Und da kam es zu einem Vorfall, der die endgültige Lösung des Kindes von der leiblichen Mutter zur Folge hatte, wie Herr Sobota berichtet: „Bertha Schug wurde stets von meiner Großmutter unwissend und ahnungslos ,Tante Bertha‘ genannt. Bei einem Besuch versprach aber die leibliche Mutter ihrer Tochter, wenn sie ,Mutter‘ zu ihr sagen würde, bekäme sie eine Tafel Schokolade. Mit dieser in der Hand lief Gerda sofort zu ihrer Adoptivmutter und erzählte ihr von dem Geschenk. Von dem Tag an sah Gerda ihre leibliche Mutter nie wieder.“ Damit war die letzte Verbindung zu ihrer Herkunft gelöscht. Gerda blieb in der Adoptivfamilie, flüchtete mit ihr unter unmenschlichen Bedingungen in den Westen und landete schließlich in Görlitz. Dort verstarb die Adoptivmutter im Jahr 1965 ohne Gerda etwas über ihre Herkunft mitzuteilen, auch auf deren dringendes Bitten hatte sie eisern geschwiegen, sie nahm ihr Wissen mit ins Grab. Genau wie der Adoptivvater Emil Schulz, der 1981 in Görlitz verstarb.

Und dieses Unwissen ist es, was Gerda Reimnitz ihr Leben lang gequält hat. Mit Hilfe ihres Enkels soll es aufgehellt werden. Eine schwierige Angelegenheit, wie Herr Soboda bei seiner unermüdlichen Suche festgestellt hat. Sogar nach den Brennstoffhandlungen, die am Königsberger Steindamm firmierten, hat er geforscht – ohne Ergebnis. Nun ist also unsere Familie gefragt. Wer kann zu den hier namentlich aufgeführten Personen etwas sagen, wer hatte in Königsberg Verbindung zu den Familien Schug und Schulz? Wer weiß etwas über das Schicksal der drei Schwestern von Gerda? Wer war auf und nach der Flucht mit Gerdas Adoptiveltern zusammen? Für jeden Hinweis wären die Suchenden dankbar. (Björn Sobota, Gartenstraße 24 in 02943 Weißwasser, Telefon 03576/2184240, E-Mail: björn.sobota@t-online.de)

Eure Ruth Geede


»Das ist wohl ein geologischer Streich«
Statt eines Tunnels, in dem ein »Goldzug« mit NS-Raubschätzen verborgen sein sollte, stieß man nur auf Tonschichten

Sechs Untersuchungsteams sind mit ihren Georadaren hier auf Anomalien gestoßen. Ab heute wissen wir, was es ist. In vier Metern tiefe fanden wir Ton. Unser Geologe kann sich das selbst nicht erklären. Dieser Ton, der wohl noch aus der Eiszeit stammt, ist ähnlich wie ein Schwamm beschaffen, also weich. Unter der Last der darauf gelagerten Schichten formte er sich zu einer Art Kuppel. Deshalb haben die Georadar-Messungen immer wieder einen Tunnel angezeigt. Das ist wohl ein geologischer Streich“, erklärte am 25. August Andrzej Gaik, Pressesprecher der „XYZ-Gesellschaft“, die von den Schatzsuchern Piotr Koper und Andreas Richter gegründet wurde.

„Sollten wir scheitern, kann man nichts machen. Aber noch stehen wir inmitten des Weges. Wir bereiten uns nun auf die zweite Runde unserer Untersuchungen vor – gründlich und exakt“, so Koper gegenüber der „Gazeta Wybrocza“ an dem Tag, an dem klar wurde, dass es am 65. Gleiskilometer der Eisenbahnstrecke Breslau–Waldenburg keinen verborgenen „Goldzug“ gibt. Wenn er nicht dort stecke, müsse man halt weiter nach unten gehen oder nach rechts oder links, aufgeben will Koper auf keinen Fall.

Von Anfang an exakt und gründlich vorzugehen, lautet der Anspruch von Koper und Richter bezüglich ihres Projektes „Goldzug“. Anstatt sich ein Paar Männer mit Schaufeln zu schnappen, wie es sonst bei ähnlichen Suchaktionen nach verborgenen deutschen Schätzen in Schlesien, Pommern, Ost- oder Westpreußen der Fall ist, wurde eine Anwaltskanzlei eingeschaltet. Diese kümmert sich um die notwendigen Grabungsgenehmigungen und bereitet sich auf den Fall eines Erfolges vor. Bei einem solchen würden die rechtmäßigen Eigentümer ihr Eigentum zurück­erhalten, versichern die Schatzsucher auf ihrer Homepage.

Koper und Richter kennen sich schon einige Jahre. Der Bundesbürger Richter besitzt ein Georadar und Koper kennt die richtigen Leute in Schlesien. Dass sie ein gutes Team bilden, haben beide unter anderem in Neisse [Nysa] bewiesen. In der oberschlesischen Stadt suchten sie für einen polnischen Wissenschaftler nach der Bischofskrypta im dortigen Dom und bekamen für ihre Arbeit beste Referenzen.

Für den „Goldzug“ begann sich Koper bereits 2009 zu interessieren. Damals legte er Fliesen bei einem Bahnarbeiter. Dieser war einmal bei einer Instandsetzung der Bahnstrecke Waldenburg–Breslau beteiligt gewesen und erzählte, dass man beim Baggern eine unterirdische Gleisstrecke gefunden habe. Er zeigte Koper die Stelle und Richters Georadar wies dort eine Anomalie auf. So kam die Sache ins Rollen. Mit dabei bei den ersten Grabungen, die noch per Hand erfolgten, weil es für einen Maschineneinsatz keine Zulassung gab, war Hobbyhistoriker und Touristenführer Gaik – der heutige Pressesprecher der „XYZ-Gesellschaft“. „Damals fanden wir dort etwas Merkwürdiges: Ziegelsteine mit Betonmörtel. Was hatte dies dort zu suchen? Wir deuteten es als einen Tunnel“, erinnert sich Gaik im Interview für „Radio Wrocław“. Gaik ist überrascht, wie viel Aufmerksamkeit die Suche nach dem „Goldzug“ in der Öffentlichkeit genießt.

Geschichten über verborgene NS-Schätze in Wäldern oder unterirdischen Tunnelanlagen grassieren in Ostdeutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Es wird von Männern erzählt, die aus den Waldenburger Wäldern statt Pilzen literweise deutschen Wodka nach Hause brachten. Oder, dass Nationalsozialisten zwischen Waldenburg und Schloss Fürstenstein [Zamek Ksiaz] Dutzende Kilometer unterirdische Stollen anlegen ließen, um diese neben der Wolfsschanze als Führerquartier zu nutzen. Schatzsucher erforschen solche Stollen im Grunde seit Kriegsende. Sie wittern Gold, das dort vor der heranrückenden Front in Sicherheit gebracht worden sein soll. Doch erst die professionelle Herangehensweise der deutsch-polnischen „XYZ-Gesellschaft“ mit eigenen Spezialisten für Munitionsfunde, einem Chemieingenieur, mit Archäologen, Vermessern und vielen freiwilligen Helfern machte aus wilden Grabungen ein Projekt. Zwei Pressesprecher, Andrzej Gaik für polnische und Christel Focken für deutsch- und englischsprachige Medien, berichten über jeden einzelnen Schritt der Schatzsuche auf der Internetseite der Gesellschaft. Den größten Nutzen aus der Suchaktion scheint die Stadt Waldenburg zu haben. Die Stadt, die im Gegensatz zum boomenden Breslau in einer schweren Strukturkrise gefangen ist, verspricht sich vom „Goldzug“-Bohei kostenlose Reklame, denn weder aus ihren noch aus anderen staatlichen oder kommunalen Töpfen soll Geld in das „Goldzug“-Projekt geflossen sein. Die Touristenzahl verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr, der Mitarbeiterstab der Fremdenführer auf dem Schloss stieg von einem Dutzend auf 40. Vor dem Ausgrabungsort wurde ein gebührenpflichtiger Parkplatz eingerichtet, und neue Geschäfte mit „Goldzug“-Utensilien sprießen wie Pilze aus dem Boden. Das Gold scheint längst gefunden worden, nur eben nicht im „Goldzug“.              Chris W. Wagner


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 102. GEBURTSTAG

Piekarowitz, Margarete, geb. Porr, aus Goldensee, Kreis Lötzen, am 4. September

ZUM 98. GEBURTSTAG

Klimoßek, Guste, geb. Meyer, aus Roggen, Kreis Neidenburg, am 4. September

ZUM 97. GEBURTSTAG

Hoffmann, Margarete, aus Bersbrüden, Kreis Ebenrode, am 7. September

ZUM 96. GEBURTSTAG

Schulz, Edelgard, geb. Konatzka, aus Ortelsburg, am 8. September

ZUM 95. GEBURTSTAG

Derlath, Rudi, aus Reimannswalde, Kreis Treuburg, am 7. September

Ehlers, Maria, geb. Schlachta, aus Rundfließ, Kreis Lyck, am 7. September

Kibbat, Erich, aus Hohenfried, Kreis Ebenrode, am 3. September

Schäfer, Waltraud, geb. Palluch, aus Gorlau, Kreis Lyck, am 6. September

Schröter, Hildegard, geb. Groß, aus Hohenfried, Kreis Ebenrode, am 7. September

Sokoll, Wanda, geb. Gedak, aus Wehlau, am 2. September

ZUM 94. GEBURTSTAG

Brügmann, Erna, geb. Orlowski, aus Prostken, Kreis Lyck, am 3. September

Gezeck, Gertrud, aus Ortelsburg, am 8. September

Großmann, Hedwig, geb. Kobluhn, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 6. September

Konrad, Lieselotte, geb. Galonska, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 4. September

Kupzyk, Kurt, aus Ringen, Kreis Treuburg, am 7. September

Loerzer, Edith, geb. Petereit, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 7. September

Rose, Charlotte, geb. Unterhalt, aus Stradaunen, Kreis Lyck, am 6. September

Scheffler, Edith, aus Lyck, Falkstraße 3, am 2. September

Strelski, Guenther, aus Widminnen, Kreis Lötzen, am 6. September

Utikal, Thilde, geb. Dittmann, aus Wartenhöfen, Kreis Elchniederung, am 6. September

Walleneit, Christel, aus Klein Rauschen, Kreis Lyck, am 4. September

ZUM 93. GEBURTSTAG

Funk, Ilse, geb. Jewan, aus Layß, Kreis Neidenburg, am 2. September

Krause, Kurt, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 2. September

Marks, Ingeburg, geb. Loenhard, aus Weißensee, Kreis Wehlau, am 8. September

Vierzig, Prof. Dr. Siegfried, aus Lötzen, am 5. September

Weinberger, Siegfried, aus Ebenrode, am 5. September

Witzke, Herta, geb. Hinz, aus Karlshof, Kreis Samland, am 8. September

ZUM 92. GEBURTSTAG

Butzko, Willy, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 6. September

Gaedtke, Dietrich, aus Rosenwalde, Kreis Elchniederung, am 7. September

Gehlhaar, Herta, aus Lesgewangen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 2. September

Hiemann, Irmgard, geb. Hecht, aus Schuttschenofen, Kreis Neidenburg, am 7. September

Leistikow, Herta, geb. Pfeil, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 7. September

Lyhs, Martha, aus Kleschen, Kreis Treuburg, am 5. September

ZUM 91. GEBURTSTAG

Christoffers, Edith, aus Bobern, Kreis Lyck, am 5. September

Ehrich, Irmgard, aus Lötzen, am 5. September

Grönick, Walter aus Grünhausen, Kreis Elchniederung, am 5. September

Heinrich, Gerda, geb. Wittke, aus Plauen, Kreis Wehlau, am 6. September

Hüchendorf, Eleonore, geb. Rimek, aus Willenberg, Kreis Ortelsburg, am 5. September

Hundsdörfer, Lydia, geb. Naujok, aus Pelkeninken, Kreis Wehlau, am 6. September

Jüncke, Erika, geb. Radtke, aus Pillau, Kreis Samland, am 4. September

Kaminski, Magdalena, aus Millau, Kreis Lyck, am 2. September

Schäfer, Meta, aus Keipern, Kreis Lyck, am 6. September

Schuchna, Heinrich, aus Ortelsburg, am 3. September

Schümann, Ella, geb. Kühnapfel, aus Leißienen, Kreis Wehlau, am 5. September

ZUM 90. GEBURTSTAG

Casemir, Ursula, aus Wehlau, am 6. September

Ceranski, Herbert, aus Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 4. September

Hasse, Erna, geb Neumann, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 4. September

Kobielski, Kurt, aus Sarken, Kreis Lyck, am 8. September

Kostrewa, Irmgard, aus Martinshagen, Kreis Lötzen, am 2. September

Kunhardt, Günter, aus Klein Rauschen, Kreis Lyck, am 3. September

Marquardt, Gerda, aus Mecken, Kreis Ebenrode, am 5. September

Neumann, Ruth, geb. Preuß, aus Masuren, Kreis Treuburg, am 2. September

Soward, Hedwig, geb. Neumann, aus Lyck, am 7. September

Trudrung, Erhard, aus Erlen, Kreis Elchniederung, am 3. September

Wiese, Traute, geb. Rutsch, aus Poppendorf, Kreis Wehlau, am 5. September

Willutzki, Werner, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 98, am 8. September

ZUM 85. GEBURTSTAG

Adam, Erwin, aus Saggehnen, Kreis Samland, am 7. September

Ahlborn, Waltraud, geb. Holwig, aus Kinten, Kreis Heydekrug, am 5. September

Auringer, Erich, aus Neuendorf, Kreis Elchniederung, am 4. September

Celler, Herbert, aus Neidenburg, am 4. September

Czwartek, Walter, aus Grammen, Kreis Ortelsburg, am 3. September

Grave, Elfriede, geb. Schliwinski, aus Mulden, Kreis Lyck, am 4. September

Heinzelmann, Ursula, geb. Löwenberg, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 5. September

Hitzigrath, Waltraud, geb. Kaiser, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 2. September

Kasimir, Gerhard, aus Groß Blumenau, Kreis Ortelsburg, am 7. September

Klein, Hubert, aus Liebenberg, Kreis Ortelsburg, am 8. September

Kozikowski, Ruth, geb. Herfurth, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 5. September

Laschitzki, Heinz, aus Kandien, Kreis Neidenburg, am 7. September

Lyhs, Werner, aus Teichwalde, Kreis Treuburg, am 3. September

Malt, Hildegard, geb. Redetzky, aus Deschen, Kreis Elchniederung, am 3. September

Potreck, Maria, aus Mogahnen, Kreis Samland, am 6. September

Reckers, Erna, geb. Tullney, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 5. September

Renzenbrink, Gerda, geb. Bredow, aus Klemenswalde, Kreis Elchniederung, am 7. September

Schiewe, Renate, geb. Wiebe, aus Stobingen, Kreis Wehlau, am 7. September

Sembritzki, Margarete, geb. Lendzian, aus Neuendorf, Kreis Lyck, und Schwentainen, Kreis Treuburg, am 8. September

Stockmann, Irmgard, geb. Bach, aus Rohmanen, Kreis Ortelsburg, am 5. September

Vogtländer, Greta, aus Polenzhof, Kreis Elchniederung, am 6. September

ZUM 80. GEBURTSTAG

Braun, Christa, geb. Schoen, aus Wehlau, am 8. September

Buttler, Bernhard, aus Dimmern, Kreis Ortelsburg, am 6. September

Buttler, Christine, aus Treuburg, am 5. September

Demant, Hubert, aus Berndhöfen, Kreis Lyck, am 4. September

Fischer, Ursula, geb. Klatt, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 7. September

Günther, Katarina, geb. Reinhardt, aus Schloßbach, Kreis Ebenrode, am 6. September

Knoop, Elli, geb. Zoranski, aus Heinrichsdorf, Kreis Neidenburg, am 4. September

Krauledat, Erwin, aus Lengen, Kreis Ebenrode, am 3. September

Kruppa, Horst, aus Lyck, am 3. September

Müller, Jürgen, aus Neidenburg, am 8. September

Ohnesorge, Elfriede, geb. Augstein, aus Kringitten, Kreis Samland, am 3. September

Rehm, Christel, geb. Jewski, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 7. September

Rubner, Christel, geb. Dzugga, aus Rogonnen, Kreis Treuburg, am 2. September

Schmidt, Irmgard, geb. Demczenko, aus Sonnenmoor, Kreis Ebenrode, am 5. September

Schön, Helga, geb. Budischewski, aus Rehfeld, Kreis Treuburg, am 3. September

Schulz, Günther, aus Drugehnen, Kreis Samland, am 6. September

Seebacher, Rosemarie, geb. Borm, aus Schugsten, Kreis Samland, am 4. September

Szepanek, Heinz, aus Herzogsau, Kreis Neidenburg, am 3. September

Zeuch, Gerda, geb. Schober, aus Mühlengarten, Kreis Ebenrode, am 6. September

ZUM 75. GEBURTSTAG

Gwiasda, Reinhold, aus Baldenofen, Kreis Neidenburg, am 4. September

Hedstrom, Dr. Elke, geb. Lang, aus Bensee, Kreis Mohrungen, am 8. September

Janowitz, Elisabeth, geb. Daniel, aus Freythen, Kreis Ortelsburg, am 2. September

Kähne, Brigitte, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 8. September

Kilimann, Manfred, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 5. September

Klemens, Peter, aus Ansorge, Kreis Elchniederung, am 5. September

Kochanowski, Helga, aus Neidenburg, am 5. September

Lamke, Anni-Lore, aus Kreis Samland, am 8. September

Meyer, Monika, geb. Schulz, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 4. September

Salewski, Günter, aus Treuburg, am 8. September

Schillgalies, Arthur, aus Wildwiese, Kreis Elchniederung, am 4. September

Schmidt, Siegbert, aus Grünweide, Kreis Ebenrode, am 7. September

Schramm, Bärbel, geb. Schergaut, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 4. September

von Betzhold, Marianne, geb. Kilian, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 7. September

Goldene Hochzeit

Macht, Paul Wilhelm, aus Karwik, Kreis Johannisburg, und Ehefrau Ilse Sigrid, geb. Passoke, aus Nippern, Kreis Neumarkt (Schlesien), am 26. August


S. 16-17 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101.

Der Landkreis Rotenburg (Wümme) als Patenschaftsträger und der Vorstand der Kreisgemeinschaft Angerburg laden recht herzlich zu den 62. Angerburger Tagen am 17./18. September in die liebenswerte Kreisstadt Rotenburg (Wümme) ein. Die Angerburger aus nah und fern sowie deren Nachkommen und Freunde treffen sich in der Theodor-Heuss-Schule in der Gerberstraße 16 (neben dem Ratsgymnasium).

Eingeleitet werden die 62. Angerburger Tage am Sonnabend, 17. September, um 9 Uhr mit einer Kranzniederlegung am Patenschaftsstein neben der Angerburger Eiche beim Rotenburger Kreishaus. Anschließend tagt ab 9.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Kreishauses in öffentlicher Sitzung die Angerburger Kreisvertretung (Delegiertenversammlung). Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Berichte des Vorstandes sowie die Verabschiedung des Haushaltsvoranschlages für das Geschäftsjahr 2017 und die Wahl eines Kassenprüfers. Im Mittelpunkt der Sitzung dürfte jedoch die Ernennung eines Kreisältesten stehen.

Um 13 Uhr starten wir vom Kreishaus aus zu einer Kaffeefahrt. Es ist ein Kostenbeitrag von unverändert zehn Euro pro Person für Kaffee/Tee und Kuchen einschließlich Busfahrt zu entrichten. Aus organisatorischen Gründen ist eine vorherige schriftliche Anmeldung unter Angabe der Personenzahl bei Brigitte Junker, Sachsenweg 15, 22455 Hamburg, bis spätestens 7. September nötig.

Ab 15.30 Uhr ist die Theodor-Heuss-Schule für alle geöffnet, die nicht an der Busfahrt teilnehmen und sich mit Freunden und Bekannten treffen wollen. Zum Abendessen (ab 18 Uhr) werden Speisen und Getränke (kleine Karte) angeboten. Ab 20 Uhr wird uns die Präsidentin des Löns-Verbandes, Monika Seidel aus Walsrode, den am 29. August 1866 in Culm geborenen Dichter Hermann Löns vorstellen. Anschließend lassen wir den Tag in geselliger Runde ausklingen.

Die Angerburger Tage werden am Sonntag, dem 18. September, fortgesetzt. Ab 9.30 Uhr ist die Theodor-Heuss-Schule geöffnet. Die Feierstunde beginnt um

11 Uhr in der Aula der Schule. Oberstudiendirektorin Iris Rehder vom Ratsgymnasium in Rotenburg (Wümme) wird die Gastrede halten. Nach der Feierstunde treffen sich alle Heimatfreunde in der Mensa der Schule. Dort besteht Gelegenheit zum Mittagessen, außerdem werden Kuchen sowie Kaffee, Tee und andere Getränke angeboten.

Am Sonnabend und Sonntag ist das Angerburger Zimmer (Heimatstube) mit Archiv und Geschäftsstelle am Standort, Weicheler Damm 11, von 13 bis

16 Uhr für interessierte Besucher geöffnet. An anderen Tagen ist ein Besuch nach vorheriger Absprache möglich. In der Theodor-Heuss-Schule werden Bücher, Karten, Landkarten sowie Angerburger Heimatbriefe verschiedener Jahrgänge angeboten. Das vollständige Programm ist im Angerburger Heimatbrief Nr. 157 (Juni 2016) auf den Seiten 46/47 veröffentlicht. Dort sind auch die Übernachtungsmöglichkeiten aufgeführt. Es empfiehlt sich, die Zimmerbestellung möglichst umgehend vorzunehmen.

Die Angerburger Tage bieten Raum für Begegnungen und gute Gespräche. Durch Ihren Besuch der 62. Angerburger Tage am 17./18. September tragen Sie dazu bei, dass die 800-jährige Geschichte und Kultur unserer Heimat Ostpreußen nicht in Vergessenheit gerät. Der Vorstand der Kreisgemeinschaft wünscht allen Leserinnen und Lesern einen erholsamen Sommer und eine angenehme Anreise.

 

BRAUNSBERG

Kreisvertreterin: Manuela Begett, Virchowstraße 46, 44536 Lünen, Tel.: (02306) 21236, E-Mail: manuela.begett@t-online.de. Stellvertretender Kreisvertreter: Ferdinand Schrade. Geschäftsstelle: Stadtverwaltung Münster, Patenstelle Braunsberg, Frau Jostenmeier, 48127 Münster, Tel.: (0251) 4926051.

Am 24. und 25. September findet in der Johanniter-Akademie, Weißenburgstraße 60–64, 48151 Münster, das Jahrestreffen der Kreisgemeinschaft Braunsberg statt. Das vorgesehene Programm:

Sonnabend, 24. September,

15 Uhr: Mitgliederversammlung.

Die Tagesordnung:

– Begrüßung

– Eröffnung,

– Formalien der Mitgliederversammlung

– Totenehrung

– Jahresbericht der Kreisvertreterin Manuela Begett

– Kassenbericht der Schatzmeisterin Gertrud Arendt

– Bericht der Kassenprüfer

– Aussprache zu den Berichten

– Entlastung des Vorstands

– Verschiedenes

18 Uhr: Gemeinsames Abendessen

– 19 Uhr: Begegnungen, Gespräche, gemütliches Beisammensein

Sonntag 25. September

8.30 Uhr: Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche. Zelebrant: Pfarrer Oskar Müller, Coesfeld

10.30 Uhr: Festliche Stunde in der Johanniter-Akademie unter der musikalische Mitgestaltung des Ensembles Reinhold Kollenberg aus Münster

– Begrüßung (Kreisvertreterin)

– Totenehrung

– Grußworte

– Vertreter der Patenstadt Münster

– Festvortrag von Professor Winfried Lenz, Oelde. über „Ostpreußen – einst und jetzt“

– Ostpreußenlied

– Deutschlandlied, dritte Strophe

– Empfang durch die Patenstadt Münster

– gemeinsames Mittagessen.

Ab 14 Uhr: Kaffeetrinken. Der Vorstand gibt einen Ausblick über die weitere Arbeit der Kreisgemeinschaft. Wir freuen uns auf zahlreiche Begegnungen mit Ihnen! Bitte melden Sie sich für Ihre Zimmerreservierung direkt bei der Johanniter-Akademie an. Ansprechpartnerin ist Frau Schwarze, Telefon (0251) 97230145. E-Mail: gaestehaus@johanniter.de

Anreise mit der Bahn: Fahren Sie ab Münster Hauptbahnhof mit der Buslinie 2 (Richtung Clemenshospital) bis zur Haltestelle Heilig-Geist-Kirche. Von dieser Haltestelle aus überqueren Sie die Straße und erreichen nach wenigen Metern über den Eingang im Innenhof der Johanniter-Akademie die Rezeption. Alternativ können Sie auch die Linie 5 bis Scheibenstraße nutzen und laufen in nördlicher Richtung in die

Sackgasse. Wenn Sie über den Fußweg die Hammer Straße erreichen, biegen Sie nach rechts ein und überqueren diese nach links in die Metzer Straße. 

Anreise mit dem Auto: Über die A1/A43 bis zum Autobahnkreuz Münster-Süd, dann auf die A43/B51 in Richtung Stadtmitte. Fahren Sie bis Ausbauende geradeaus. Nach der Ampel fahren Sie auf der Weseler Straße. Nach zirka 800 Metern biegen Sie nach rechts in die Straße „Inselbogen“. Nach zirka 700 Metern, vor der zweiten Fußgängerampel, hinter dem Rewe-Markt, biegen Sie nach links in die Weißenburgstraße.

Kommen Sie aus Ostwestfalen, fahren Sie über die B51 (Umgehungsstraße) bis zur Ausfahrt in Richtung Mecklenbeck, B 219. Fahren Sie hier rechts raus und folgen Sie der Beschilderung Zoo, B219. Sie fahren nun auf der Weseler Straße. Nach zirka 800 Metern biegen Sie nach rechts in die Straße Inselbogen. Nach zirka 700 Metern, vor der zweiten Fußgängerampel, hinter dem Rewe-Markt,  biegen Sie nach links in die Weißenburgstraße.

Wir wünschen Ihnen eine gute Anreise!

 

EBENRODE (STALLUPÖNEN)

Kreisvertreter: Dr. Gerhard Kuebart, Schiefe Breite 12a, 632657 Lemgo, Telefon (05261) 8 81 39, E-Mail: gerhard.kuebart@ googlemail.com.

6. bis 8. September, Hoyerswerda: Noreitscher Nachbarschaftstreffen, Kirchspiel Rodebach. Die Teilnehmer treffen sich im Hotel zur Mühle, An der Mühle 4, 02977 Hoyerswerda. Anmeldung und Information: Helmut Perrey, Telefon (0521) 330364.

 

GUMBINNEN

Kreisvertreterin: Karin Banse, Wiesengrund 9, 29559 Wrestedt, OT Wieren, Telefon (05825) 642, E-Mail: karin.banse@t-online.de, Internet: www.kreis-gumbinnen.de.

Am 10. und 11. September findet in der Patenstadt Bielefeld das 63. Bundestreffen der Kreisgemeinschaft Gumbinnen statt. Tagungsort ist das „Brenner Hotel“, Otto-Brenner-Straße 135, wo sich ehemalige Gumbinner, ihre Nachkommen und Freunde von fern und nah versammeln.

Am Sonnabend, 10. September, ab 13.30 Uhr beginnt die jährliche Kreisversammlung. Um 14 Uhr begrüßt die Vorsitzende Karin Banse die Mitglieder der Kreisgemeinschaft und berichtet von der Arbeit des letzten Jahres. Es  folgen  Tätigkeits- und Rechenschaftsberichte des Vorstandes, ebenso Berichte von der „Stiftung Gumbinnen“ und der Arbeitsgruppe „Ostpreußisch Platt“. Nach dem Mittagessen bleibt  genügend Zeit sich über die Namens- und Bilddateien zu informieren und Einblick in die Ar-chivunterlagen zu nehmen, aber auch zum Kaffeetrinken und Plachandern unter Freunden.

Wie schon in den vergangenen Jahren, findet um 19.30 Uhr in der Lutherkirche gegenüber vom Tagungshotel ein Konzert mit dem Kammerchor Kant aus Gumbinnen [Gusew] gemeinsam mit dem Männer-Gesangverein Sieker statt. Dazu sind auch Bielefelder Gäste herzlich eingeladen. Der Abend im Brenner Hotel bietet anschließend Zeit für ein gemütliches Beisammensein und Gesprächen mit alten und neuen Freunden, Bekannten und ehemaligen Nachbarn und den Freunden aus dem Kant-Chor. 

Der Sonntag, 11. September, beginnt um 10 Uhr im Brenner Hotel mit einer öffentlichen Gemeinschaftsstunde, zu der auch Vertreter der Patenstadt Bielefeld und Gäste eingeladen sind. Die Andacht wird von Pfarrer im Ruhestand Christian Kohn gesprochen, danach folgt das Totengedenken.

Neben dem Bericht der Vorsitzenden und den Grußworten der Gäste werden Bundeswehrreservisten aus Meppen von ihrer Arbeit berichten. Sie sind im Auftrage des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge seit 1995 im  Gebiet um Gumbinnen unterwegs, um die Kriegsgräber aus dem Ersten Weltkrieg wieder herzurichten und für Tote aus dem Zweiten Weltkrieg eine würdiges Ruhestätte zu bereiten.

Nach der Feierstunde, die mit dem Ostpreußenlied und dem Singen der Nationalhymne abschließt, gibt es nach dem Mittagessen noch genügend Zeit zum Plachandern mit alten und neuen Freunden,  zum Austausch von Erlebnisberichten und zum Informieren anhand der Adressendateien, der Bild- und Archivunterlagen, die alle digital eingesehen werden können. Am Nachmittag klingt das Treffen aus.

Karin Banse

 

HEILIGENBEIL

Kreisvertreterin: Elke Ruhnke, Im Bökel 76, 42369 Wuppertal, Tel.: (0202) 46 16 13. E-Mail: ruhnke@kreis-gemeinschaft-heiligenbeil.de. Stellvertreter: Christian Perbandt, Im Stegfeld 1, 31275 Lehrte, Tel.: (05132) 57052.

E-Mail: perbandt@kreisge­meinschaft-heiligenbeil.de. 2. stellvertretender Kreisvertreter: Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821) 8 42 24.  E-Mail: Schmidt.ploessen@gmx.de. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www. kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de

Auch in diesem Jahr freuen wir uns wieder auf unser Kreistreffen in Burgdorf. Kommen auch Sie am 3. und 4. September in das Veranstaltungszentrum StadtHaus Burgdorf (ehemals Veranstaltungszentrum) in Burgdorf bei Hannover. Wir – der Vorstand, die Kirchspiel- und Stadtvertreter sowie die Gemeindevertreter – freuen uns auf Sie.

Das Programm:

Sonnabend, 3. September

9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungszentrums StadtHaus Burgdorf, Sorgenser Straße 31.

11 Uhr: Gedenkminute und Niederlegung von Blumen am Gedenkstein im Park. Ab 10.45 Uhr fährt ein Bus vom Veranstaltungszentrum hin und zurück.

12 Uhr: Öffentliche Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil im Saal „JohnnyB.“ (ehemals „Haus der Jugend“).

14 Uhr: Öffnung der Heimatstube und des Archivs in der Wilhelmstraße 3A. Buspendelverkehr vom Veranstaltungszentrum zur Heimatstube von 13.45 bis 15.30 Uhr.

16 Uhr: Vortragsveranstaltung.

18.30 Uhr: Gemütliches Beisammensein.

Am Sonnabend wird wiederum im Foyer des Veranstaltungszentrums ein Infostand des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge präsent sein.

Sonntag, 4. September

9 Uhr: Öffnung des Veranstaltungszentrums StadtHaus Burgdorf, Sorgenser Straße 31.

Zirka 10 Uhr: Platzkonzert der Schützenkapelle „Gehrden“.

11 Uhr: Feierstunde im Saal „JohnnyB.“ (ehemals „Haus der Jugend“). Begrüßung durch Kreisvertreterin Elke Ruhnke.

Ostpreußenlied.

Totenehrung durch Christian Perbandt, Stellvertretender Kreisvertreter.

Choral von Leuthen (Nun danket alle Gott).

Ilse Thomann: „Es war ein Land…“

Grußworte.

Festansprache von Mirko Zschoch, CDU, Burgdorf, zum Thema  „1945 – Neuanfang für Heimatvertriebene in Burgdorf“.

Instrumentalstück.

Schlusswort Elke Ruhnke, Kreisvertreterin.

Deutschlandlied 3. Strophe.

13.30 Uhr: Öffnung der Heimatstube bis 15 Uhr. Es ist ein Pendelverkehr hin und zurück eingerichtet.

16 Uhr: Offizielles Ende des Hauptkreistreffens.

(Änderungen vorbehalten)

Das Sondertreffen der Kirchspiels Bladiau findet am Freitag,

2. September, ab 15 bis zirka

17 Uhr im Hotel „Försterberg“ in Burgdorf, Immenser Straße 10 statt. Leitung: Wolfgang Milewski

Der Sondertreffen der Stadtgemeinschaft Zinten findet am Sonnabend, 3. September, um 15.30 Uhr im Veranstaltungszentrum „StadtHaus Burgdorf“ (ehemals Veranstaltungszentrum), Sorgenser Straße 31, Burgdorf statt. Leitung: Viola Reyentanz, geborene Schlenger.

Das Sondertreffen der Kirchspiele Brandenburg und Pörschken findet in diesem Jahr während des Kreistreffens am 3. und 4. September im Veranstaltungszentrum „StadtHaus Burgdorf“ in Burgdorf statt. Leitung: Christian Perbandt und Hans-Hartwig von Platen.

Das Sondertreffen des Kirchspiels Tiefensee findet während des Kreistreffens am Sonnabend, dem 3. September im Veranstaltungszentrum „StadtHaus Burgdorf“ (ehemals Veranstaltungszentrum) in Burgdorf statt. Ausklang am Abend im Übernachtungshotel „Gasthaus Haase“, Lehrter Straße 12. Leitung: Kurt Woike.

Liebe Heiligenbeiler, im Rahmen unseres Kreistreffens findet, wie im Heimatblatt angekündigt, unser traditionelles Matjesessen (für Selbstzahler) am Freitag, dem 2. September, statt. Dieses Treffen soll all jenen, die bereits am Freitag angereist sind, die Möglichkeit bieten, den Abend in angenehmer Atmosphäre unter Gleichgesinnten zu verleben. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr. Ort: Steinwedeler Dorfkrug, Dorfstraße 10, 31275 Lehrte, Ortsteil Steinwedel. Nachfragen bitte an Christian Perbandt, Im Stegefeld 1, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 57052, E-Mail: perbandt@kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de. Es liegen bereits zahlreiche Anmeldungen vor. Ich freue mich, Sie am

2. September begrüßen zu dürfen. Herzlichst, Ihr Christian Perbandt Zweiter Kreisvertreter.

 

INSTERBURG − Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, Fax (03222) 3721953, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V.,  Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Postfach 111 208, 47813 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, Fax (02151) 491141, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Nachdem die Resonanz im vergangenen Jahr so groß war, nimmt die Kreisgemeinschaft am 11. September wieder am Tag des offenen Denkmals teil. Das Heimatmuseum und die Geschäftsstelle sind im Alten Rathaus in Krefeld-Uerdingen untergebracht. Die Stiftung Insterburg erwarb das historische Gebäude im Jahr 2013. Es folgten umfassende Renovierungsarbeiten. Heute bereichert das barocke Bauwerk wieder das Uerdinger Stadtbild. Im Inneren, dessen Grundaufteilung weitgehend original erhalten ist, sind neben der Geschäftsstelle die drei Ausstellungsräume des Heimatmuseums untergebracht. Am Tag des offenen Denkmals werden um 11 Uhr und um 12 Uhr zwei Führungen nach vorheriger Anmeldung angeboten. Von 13 bis 16 Uhr ist das Haus zur freien Besichtigung geöffnet. Anmeldung und weitere Informationen unter Telefon (02151) 48991, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de

Heimatgruppe Kiel: Treffen in jedem Monat am zweiten Donnerstag im Café Rebecca in der Matthias-Claudius-Kirche in Kiel-Suchsdorf. Informationen: Hellmut Jucknat, Telefon (0431) 311972.

Heimatgruppe Darmstadt: Sonnabend, 10. September, 11.30 Uhr, Taverna Hellas, Griechisches Grillrestaurant, Bahnhofstraße 17, 62491 Darmstadt-Wixhausen. 

Heimatgruppe Schwerin:  Mittwoch, 14. September, 12 Uhr,  Gaststätte Kaktus, Dreescher Köpmarkt: Gemeinsames Treffen. Informationen: Helga Hartig, Telefon (0385) 3922633, E-Mail: hehartig@web.de.

Heimatgruppe Hamburg: Mittwoch, 7. September, 12 Uhr, Raum Empore, Hotel Zeppelin, Frohmestraße 123-125, 22459 Hamburg;  Videovortrag oder Autorenlesung.  Informationen: Manfred Samel, Telefon (040) 587585, E-Mail: Manfred-Samel@Hamburg.de.

 

JOHANNISBURG

Kreisvertreter: Dr. Manfred Solenski, Fichtenstraße 14, 26316 Varel, Telefon (04451) 4581, Fax (04451) 9189298, E-Mail: solenski@kreisgemeinschaft-johannisburg.de. Internet: www.kreisge-meinschaft-johannisburg.de

Die Kreisgemeinschaft veranstaltet am Sonntag, 4. September, im Goldsaal des Kongresszentrums Westfalenhallen in Dortmund ihr 61. Heimatkreistreffen. Das Treffen steht unter dem Leitwort: „Identität schützen – Menschenrechte achten.“ Es werden Teilnehmer aus vielen Teilen der Bundesrepublik Deutschland und auch heimatverbliebene Landsleute aus Polen, aus dem Kreis Johannisburg [Pisz], erwartet. Die offizielle Feierstunde beginnt um 11 Uhr und endet etwa um 12.30 Uhr. Einlass ist ab 9 Uhr. Der Programmablauf:

– Musikalische Einleitung:

Taissia Fischer

– Begrüßung: Dr. Manfred So-

lenski, Kreisvertreter

– Gemeinsames Singen mit mu-

sikalischer Begleitung: „Großer

Gott wir loben Dich“ (Choral)

– Andacht: Gerhard Boesler,

Stellvertretender Kreisvertreter

– „Die Sonn’ erwacht“ (W. von

Weber): Chor „Heimatmelodie“

der „Deutschen aus Russland“

unter Leitung der von Taissia

Fischer

– Totenehrung: Gerhard

Boesler

– „Ich hatt´einen Kameraden“:

Taissia Fischer

– „Lasst Frieden sein“ (Klaus

Ochs): Chor „Heimatmelodie“

– Grußwort der Gäste

– Jahresbericht: Manfred So-

lenski

– Masurenlied „Meine Heimat

ist so schön“: Chor „Heimatme-

lodie“

– Schlussworte: Manfred So-

lenski

– Gemeinsames Singen mit mu-

sikalischer Begleitung: „Land

der dunklen Wälder“ und

Deutschlandlied, 3. Strophe.

 

KÖNIGSBERG LAND

Kreisvertreterin: Gisela Broschei, Bleichgrabenstraße 91, 41063 Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, Fax (02161) 87724. Geschäftsstelle: Im Preußen-Museum, Simeonsplatz 12, 32427 Minden, Telefon (0571) 46297, Mi. Sa. u. So. 18-20 Uhr.

Liebe Landsleute, liebe Freunde Ostpreußens,

wir möchten Sie auf unseren Kalender für das Jahr 2017 hinweisen. Er nimmt sich einer besonderen kulturellen Leistung Ostpreußens an.

Es ist Kaiser Wilhelm II. zu verdanken, dass nach 1900 in Cadinen am Frischen Haff eine Majolikamanufaktur gegründet wurde. Er war nicht nur Eigentümer der dort schon bestehenden Ziegelei. Er organisierte und finanzierte auch das neue Unternehmen und beteiligte sich an der künstlerischen Arbeit. Bei der Errichtung des Unternehmens bediente man sich auch der Ratschläge der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin und bezog Maschinen aus Meißen, die mit denen der Meißener Porzellanmanufaktur mithalten konnten. Er war es auch, der angesehene Künstler für die Gestaltung der Majolikaprodukte gewinnen konnte.

Die Erzeugnisse, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Cadinen hergestellt wurden, waren vielfältig: Teller, Schalen, Vasen, Tierplastiken aber auch Plaketten und Reliefs und sogar Büsten verließen die Manufaktur. Es folgte dann die künstlerische Baukeramik, die, wenn auch leider nur noch vereinzelt, noch heute besichtigt werden kann.

In unserem Kalender sollen nun Exponate gezeigt werden, die sich vor allem in Besitz des Museums Königsberg in Duisburg befanden und heute im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg ihren Platz gefunden haben. Lorenz Grimoni und Jörn Barfod danken wir. Ohne ihre Hilfe hätte ein solcher Kalender nicht gestaltet werden können.

Der Kalender kann bereits jetzt bestellt werden bei Gisela Broschei, Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, oder bei Carl Mückenberger, Neißestraße 13, 32425 Minden, Telefon (0571) 46297.

Ihre Gisela Broschei, Kreisvertreterin, Ihr Carl Mückenberger, stellvertretender Kreisvertreter

 

LABIAU

Kreisvertreterin: Brigitte Stramm, Hoper Straße 16, 25693 St. Michaelisdonn/Holstein, Telefon (04853) 562. info­@stramm­verlag. de, Internet: www.labiau.de.

Alfred Erdmann aus Mehlauken / Liebenfelde, * 27. Januar 1937,  † 4. Juli 2016, Kirchspielvertreter für das Kirchspiel Mehlauken / Liebenfelde, Vorstandsmitglied unserer Kreisgemeinschaft.

Alfred Erdmann war seit 1984 als Kirchspielvertreter für Mehlauken / Liebenfelde in unserem Kreistag tätig. War immer da, immer präsent, stets ein aktiver, Zeichen setzender Landsmann. Seine Berufung war die Familienforschung. Er hat sich bereits damit beschäftigt, als kaum ein anderer daran gedacht hat. Seine Arbeit diesbezüglich war akribisch und bewundernswert. So hat er nicht nur die Daten unseres Heimatkreises erfasst, sondern Ostpreußen insgesamt war sein Betätigungsfeld. Ich wage mal zu behaupten, dass seine Datenbank eine der umfangreichsten in Bezug auf Ostpreußen ist. Er konnte bis zuletzt noch helfen, Familienschicksale aufzuklären. Durch Alfred Erdmanns liebenswerte Persönlichkeit und sein Wesen hat er den Menschen, die mit ihm zusammen kamen, stets sehr viel gegeben. Privat schien auch wieder die Sonne für ihn, er verlegte seinen Lebensbereich nach Sachsen und konnte dort noch mit seiner Hella schöne Jahre verleben. Was wir ihm und Hella gewünscht hätten, nämlich den Lebensabend noch viele Jahre gemeinsam zu erleben, ist nicht in Erfüllung gegangen. Ein Höherer hat es leider anders entschieden.

Karl-Heinz Hundsdörfer aus Rogainen, * 17. August 1935.

† 11. August 2016, Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Kreisgemeinschaft Labiau / Ostpreußen, Kirchspielvertreter für das Kirchspiel Popelken / Markthausen

Es ist unfassbar, auch von Karl-Heinz Hundsdörfer müssen wir uns leider verabschieden. Er war von 1974 bis 2014, also 40 Jahre, als Kirchspielvertreter für sein Kirchspiel Popelken / Markthausen in unserem Kreistag tätig und war seitdem Ersatzvertreter für sein Kirchspiel. Karl-Heinz Hundsdörfer aus Rogainen war immer da, stets zur Stelle, wenn es um die Belange unserer Kreisgemeinschaft ging und hat mit seiner ruhigen, besonnenen und kompetenten Art stets dazu beigetragen, dass die Arbeit reibungslos läuft. Dafür sind wir sehr dankbar. Bei uns Labiauern wird er unvergessen sein

Er brachte auch stets sein Wissen ein, konnte viel berichten, wie es „zu Hause in Ostpreußen“ war. Seine Liebe galt den Pferden, speziell den Trakehnern. Er wollte immer noch einen Bericht darüber für Tohus schreiben, dazu ist es leider nicht mehr gekommen. Leider nahmen in der letzten Zeit die gesundheitlichen Probleme zu. Trotzdem kommt sein Tod für uns überraschend – möge er in Frieden ruhen.

Beiden werden wir ein ehrendes Andenken bewahren – die geleistete Arbeit der beiden trägt ihre Früchte in die Zukunft hinein.  Den Familien gilt unser Mitgefühl.

Herzlich eingeladen sind die Labiauer aus Stadt und Land sowie alle Freunde und Gäste des Heimatkreises zum Hauptkreistreffen in der Stadthalle am Fröbelweg in Otterndorf/Niederelbe, im Patenkreis Landkreis Cuxhaven. Die Stadthalle ist ab 9 Uhr geöffnet. Alle, die schon am Freitag, 9. September, anreisen, können sich in der Stadthalle ab 19.30 Uhr zu einem Begrüßungsabend treffen. Hier das Programm (Änderungen vorbehalten) für Sonnabend, 10. September:

9.30 Uhr: Gedenkfeier für Hildegard Knutti am Labiauer Stein, Am Großen Specken.

10 Uhr: Offizielle Eröffnung des Kreistreffens.

11 Uhr: Feierstunde in der Stadthalle.

16 Uhr: Otterndorfer Kinder tanzen für uns Ballett.

19 bis 22 Uhr: Gemütlicher Abend bei Musik und Tanz.

Manfred Zink zeigt Freitag und Sonnabend die Ausstellung „Labiauer Firmengeschichten“. Für Familienforscher steht Horst Warthun zur Verfügung. Die Bildausstellung „Labiau – Stadt und Land – wie es einmal war“ wird am Freitag und Sonnabend in der Veranstaltungshalle gezeigt. Das Torhaus Otterndorf ist an beiden Tagen zu gewissen Zeiten geöffnet. Die Zeiten sind in der Festhalle angegeben.

An einem Informationsstand der Geschäftsstelle lassen sich Postkarten, Heimatbrief und vieles mehr erwerben. Andere Stände bieten zum Beispiel Bücher, Marzipan, Labiauer Korporal, Meschkinnes. Für das leibliche Wohl ist wieder gut gesorgt. Am Sonnabend gibt es Mittag- und Abendessen nach kleiner Karte, nachmittags Kuchenbüfett.

 

RÖSSEL

Kreisvertreter (komm.): Paul Thiel, Haydnstraße 23, 66333 Völklingen, Telefon (06898) 25327. Redaktion Rößeler Heimatbote: Gisela Heese-Greve, 23562 Lübeck, Tel. (0451) 58249090.

Es ist nie zu spät! Großeltern und Eltern schafften es immer wieder, nach der Flucht und Vertreibung die Erinnerung an ihre Heimat zu erhalten. Auch für mich ist die Bedeutung der Heimat und ist diese Erinnerung wieder gewachsen. Es sind unsere Wurzeln, die uns stark machen.

Ich habe die Bitte, liebe Landsleute, Verwandte, Freunde und Bekannte, kommt zum Treffen der Kreisgemeinschaft Rößel am 17. und 18. September nach Neuss!

Die Verantwortlichen haben in den vergangenen Jahren keine Mühen gescheut, das Treffen eindrucksvoll zu gestalten. Bekanntlich kann der Mensch vieles entbehren, nur den Menschen nicht. Also, nehmt die Gelegenheit wahr und kommt zum Treffen von Samstag bis Sonntag nach Neuss. Für Übernachtungsgäste gibt es kurze Fußwege zur Veranstaltung: Im Ibis-Hotel, Telefon (02131) 1040, kostet das Einzelzimmer 59 Euro und das Doppelzimmer 69 Euro inklusive Frühstück. Auch Landsleute aus anderen Heimatkreisen, die Verbindungen zum Kreis Rößel haben, sind uns herzlich willkommen. Eine Anmeldung wäre schön (bei Uschi Schlempke, Telefon 02131/28633), ist aber keine Voraussetzung. Wir freuen uns auf Euch. Egbert Neubauer, ehemals Seeburg

Zum Programm des Hauptkreistreffens gehört am Sonnabend, 17. September, ein Multimedia-Vortrag mit Lichtbildern und Musik: Gisela Heese liest aus dem biografisch-dokumentarischen Roman „Kinokinder – Geschichte einer Kinofamilie aus Bischofsburg, Kreis Rößel“.

 

TILSIT-RAGNIT

Kreisvertreter: Dieter Neukamm, Am Rosenbaum 48, 51570 Windeck, Telefon (02243) 2999, Fax (02243) 844199. Geschäftsstelle: Winfried Knocks, Varenhorst-straße 17, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2309, E-Mail: WinfriedKnocks@aol.com

Ihren mehr als zweiwöchigen Aufenthalt im Königsberger Gebiet, davon neun Tage im Kreis Tilsit-Ragnit mit Stützpunkt im „Haus Schillen“ in Schillen, nutzten der Sprecher der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit, Dieter Neukamm, und der Archivar der Kreisgemeinschaft, Karlheiner Hamel, unter anderem dazu, mit ihren Damen den „Trefftisch Deutschsprachiger“ in Königsberg kennenzulernen. Jeden Mittwoch ab 19 Uhr treffen sich im zwei Häuser vom Hansaplatz entfernt auf dem Steindamm gelegenen Restaurant Zötler der deutschen Sprache Mächtigen, um einen stets unterhaltsamen und interessanten Abend miteinander zu verbringen.  Seit 2009 besteht dieses Institut, das sich inzwischen großer Beliebtheit erfreut. Das Schöne ist, dass es nicht nur Deutsche sind, die das Treffen beleben, jeder Deutschsprachige ist willkommen.

Die Tilsit-Ragniter waren sehr angetan von der Aufgeschlossenheit der vielköpfigen Runde und knüpften interessante Kontakte bei sehr gutem Bier und herzhaften bayerischen Spezialitäten.

 

WEHLAU

Kreisvertreter: Gerd Gohlke, Syker Straße 26, 27211 Bassum. Telefon (04241) 5586. 2. Vors. und Schriftleiter: Werner Schimkat, Dresdener Ring 18, 65191 Wiesbaden, Telefon (0611) 505009840. Internetseite: www.kreis-wehlau.de

Liebe Mitglieder der Kreisgemeinschaft Wehlau,

hiermit laden wir herzlich zu unserer diesjährigen Mitgliederversammlung mit anschließendem Hauptkreistreffen am Sonnabend, dem 10., und Sonntag, den 11. September, ins Gasthaus Vollmer, Hauptstraße 60, in 28857 Syke, ein. Beginn ist um 13 Uhr. Die Tagesordnung:

1. Begrüßung und Eröffnung durch den Vorsitzenden

2. Feststellen der ordnungsgemäßen Einladung und Beschlussfähigkeit

3. Jahresberichte des Vorstandes

– a. Vorsitzender

– b. Stellvertretender Vorsitzender, Heimatbriefredaktion und Internetauftritt

– c. Schatzmeisterin

– d. Beisitzer

4. Bericht der Kassenprüfer

5. Entlastung des geschäftsführenden Vorstandes

6. Nachwahl eines Beisitzers

7. Berichte über Heimattreffen, Schüleraustausch, Reisen, Bruderhilfe

8. Beratung und Beschluss über den Haushaltsplan 2017

9.  Beratungen über eingegangene Anträge

10. Beratung und Beschluss über die Terminplanung 2017

11.  Anfragen und Anregungen der Mitglieder

12. Schlusswort des Vorsitzenden.

Über eine zahlreiche Beteiligung würden wir uns, auch im Interesse unserer Gemeinschaft, sehr freuen.

Gerd Gohlke,

Werner Schimkat,

Ingrid Eigenbrod

Am Sonnabend, 10. September, beginnt unser Hauptkreistreffen um 13 Uhr mit der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Vollmer. Unmittelbar nach der Jahreshauptversammlung gegen 16 Uhr beginnt ebenfalls im  Gasthaus Vollmer unser Hauptkreistreffen

Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden werden wir mit einer unterhaltsamen Gesprächsrunde beginnen, in der hauptsächlich über Neues aus der Heimat berichtet wird. Wer kürzlich in Ostpreußen war, kann gerne seine Eindrücke vortragen.

Die Unterhaltung werden wir mit einigen Heimatliedern bereichern, für die uns wiederholt der Alleinunterhalter Robert Thorn begleiten wird, bevor wir eine Pause zum Abendessen einlegen.

Selbstverständlich sind unsere Mediawände mit Bildern aus der Heimat im Einsatz. Ingrid Eigenbrod erteilt Informationen aus der Heimatkreisdatei und bietet an einem Verkaufsstand Bücher und andere Artikel mit Bezug zu unserem Heimatkreis an. Nach dem Abendessen wird der unterhaltsame Teil mit viel Zeit zur Unterhaltung fortgesetzt. Ausklang des Abends ist gegen 23.30 Uhr.

Fortgesetzt wird das Treffen, am Sonntag, 11. September, um 9.15 Uhr mit einem Gedenken am Wehlauer Stein auf dem Hof des Kreishauses in Syke. Auch die Bürgermeisterin von Syke, Suse Lauer, wird daran teilnehmen.

Um 10 Uhr beginnt die Feierstunde im Gasthaus Vollmer mit

– der Totenehrung

– den Festreden. Unter anderem berichtet Bürgermeisterin Suse Laue über ihre Radtour durch unseren Heimatkreis

– Ehrungen

– Ostpreußenlied.

Um 12 Uhr lädt die Kreisgemeinschaft zum gemeinsamen Erbsensuppenessen ein. Um 15 Uhr ist eine öffentliche Führung durch das Wehlauer Heimatmuseum im Rahmen des Tages des offenen Denkmals, an dem im Kreismuseum Syke ein Kürbisfest stattfindet. Auf der Diele werden Kaffee und Kuchen angeboten, womit wir Gelegenheit haben, den Tag dort bei weiteren Unterhaltungen ausklingen zu lassen. Über eine zahlreiche Beteiligung würde sich der Vorstand der Kreisgemeinschaft Wehlau sehr freuen.


S. 18-20 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BUND JUNGES OSTPREUSSEN

Vorsitzender: Marius Jungk, Gst.: Buchtstr. 4, 22087 Hamburg, Tel.: (040) 4140080, E-Post: kontakt@junge-ostpreussen.de, www.junge-ostpreu­ssen.de.

Freitag, 30. September, bis Montag, 3. Oktober, Bad Honnef: BJO-Herbstseminar und BJO-Bundestreffen. Thema des Seminars: „150 Jahre Deutscher Krieg – Preußen und Österreich in Geschichte und Gegenwart“. (Zum Programm siehe unten. Weitere Informationen: www.facebook.com/events/ 1032910313418878/2

Donnerstag, 24., bis Sonntag, 27. November: Adventstreffen im ostpreußischen Osterode. Informationen: www.junge-ostpreus-sen.de/47-0-Aktivitaeten.html

Donnerstag, 29. Dezember, bis Dienstag, 3. Januar: Silvesterfahrt nach Ostpreußen: Informationen: www.junge-ostpreussen.de/47-0-Aktivitaeten.html

 

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Sonnabend,

17. und Sonntag, 18. September, Hotel Wartburg, Langestraße 49: Landesdelegierten- und Kulturtagung. Von 9.45 bis 13 Uhr Landesdelegiertentagung, ab 14 Uhr Kulturtagung bis Sonntag 9 bis

13 Uhr. Anschließend Teilnahme am Tag der Heimat in der Liederhalle.

Göppingen – Mittwoch, 7. September, 11.30 Uhr, Restaurant Glashaus, Weberstraße 15, 73084 Salach: Feier zum 65. Jubiläum der Kreisfrauengruppe. Vorherige Anmeldungen sind erbeten. Bitte bis zum Mittwoch, 31. August, an Vera Pallas, Telefon (07162) 5870.

Ludwigsburg – Montag,

19. September, 15 Uhr, Kronenstuben, Kronenstraße 2: Stammtisch.

Ulm/Neu Ulm – Freitag, 9. September, 18.30 Uhr: Denkmal in Schelklingen: Gedenkstunden. Vertreter der Landsmannschaften legen am Denkmal Blumen nieder. – Sonnabend, 10. September, 14.30 Uhr, Ulmer Stuben: monatliches Treffen.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Landesgruppe – Die neue Ausgabe des Preußen-Kurier ist auf der Internetseite der Landesgruppe abrufbar. Auf www.low-bayern.de in der oberen Leiste Mediathek anklicken, dann den Unterpunkt Publikationen wählen.

Ansbach – Sonnabend, 10. September, 15 Uhr, Orangerie: Erntedank.

Landshut – Mittwoch, 7. September: Floßfahrt. – Dienstag, 20. September, 12 Uhr, Gasthof Zur Insel, Badstraße 16, 84028 Landshut: Keilchenessen.

München – Sonnabend, 3. September, 14.30 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München: Vorführung des Films „Mit dem Blick nach Osten – Eine Reise nach Trakehnen“. Zuvor gemeinsame Kaffeetafel.

– Freitag, 9. September, 14 Uhr, Haus der Deutschen Ostens: Zusammenkunft der Frauengruppe.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Bartenstein – Anfragen zu gemeinsamen Treffen bei Elfi Fortange, Telefon (030) 4944404.

Frauengruppe – Montag, 12. September, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: Erntedank. Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Angerburg, Darkehmen, Goldap – Donnerstag, 15. September, Restaurant Oase Amera, Borussiastraße 62, 12102 Berlin: Erntedank in Ostpreußen. Anfragen: Marianne Becker Telefon (030) 7712354

Königsberg – Freitag, 16. September, 14 Uhr, Johann-Georg-Stuben, Johann-Georg-Stuben-Straße 10, 10709 Berlin-Halensee: Gemeinsames Treffen. Anfragen: Elfi Fortange Telefon (030) 4944404..

Heilsberg, Rößel – 24. September, 15 Uhr, Seniorenfreizeitstätte Maria-Rimkus-Haus, Gallwitzallee 53, 12249 Berlin: Erntedankfeier. Anfragen: Eri-ka Hackbarth, Telefon (033762) 40137, und für Rößel Ernst Michutta, Telefon (05624) 6600.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremen – Sonnabend, 3. September, 15 Uhr (Einlass ab 14.14 Uhr) Flughafenhotel Airport Bremen, Flughafenallee 26: Sommerausklang mit Beetenbartsch und Schmandschinken. Im Vorprogramm wird die Akkordeon-Spielgruppe „Bremer Handörgler“ aufspielen und auch zum Mitsingen jahreszeitlich passender Lieder einladen. In diesem Jahr ist auch wieder ein kurzer Vortrag vorgesehen. Ulrich Krause aus Loxstedt-Nesse, gebürtig aus Elbing, wird passend zu „Sommerausklang – Erntedank – Ernährung“ einen Vortrag über „Lebensmittelveredlung und -behandlung durch Gewürzmischungen“ halten. Damit wird er zugleich den Weg seiner „Gewürzmühle Nesse“ vom Backzutatenhersteller (Staesz-Pfefferkuchengewürz) zum Großlieferanten der Lebensmittelindustrie erzählen.

Die Preise der Veranstaltung betragen für Eintritt und Schmandschinken 17 Euro, für Eintritt Bee-tenbartsch 10 Euro. Die Teilnahme ohne Essen ist nicht möglich. Im Preis ist der in alter Tradition vor dem Essen genossene „Stobbe-Machandel“ enthalten. Eine Anmeldung in unserer Geschäftsstelle (eventuell auch telefonisch unter 0421/3469718) ist unbedingt erforderlich und bindend, da wir für die Essensbestellung einstehen müssen! Die Bezahlung kann auch per Überweisung erfolgen. IBAN: DE92 2905 0101 0001 0805 14 (bei der Überweisung bitte die Leerstellen weglassen!).

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Landesgruppe – Sonnabend, 3. September, 7.30 Uhr (Abfahrt 7.45 Uhr), ZOB Hamburg: 46. Berlinfahrt  des Landesverbandes der vertriebenen Deutschen in Hamburg (L. v. D.) zum Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen in Berlin unter dem Leitwort: „Identität schützen – Menschenrechte achten“. Programm zum 65. Tag der Heimat: 1) Festakt in der Urania, An der Urania 17, Humboldt Saal. 2) Auf der Hin- und Rückfahrt werden Imbisse gereicht. Im Bus erhalten Sie die Einlasskarte, die in Berlin in eine Eintritts- und Platzkarte getauscht wird. Dort gibt es auch ein Festprogramm und weitere Unterlagen über Aktuelles.

3) Bundestagsmitglied Bernd Fabritius eröffnet als Präsident der Vertriebenen den Tag und begrüßt die Teilnehmer. Die Festrede hält Bundespräsident Joachim Gauck. Wir erwarten weitere Ehrengäste und hoffen, dass auch die letzten BdV-Ehrenplakettenträger wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ehrenpräsidentin Erika Steinbach und andere teilnehmen werden. Das Programm wird erneut von den Potsdamer Turmbläsern umrahmt. 4) Für uns Hamburger findet eine historische Berlin-Stadtrundfahrt statt, da wir leider nicht an der Kranzniederlegung teilnehmen können. 5) Einen Mittagsimbiss nehmen wir am Alexanderplatz ein. Sie erhalten einen Bonus. Den Abschied von Berlin begehen wir am Reiterdenkmal Fried-richs des Großen, Unter den Linden, mit einem traditionellen Sektumtrunk und Volksliedern. 6) Rückfahrt von Berlin ist etwa um 19 Uhr; Ankunft in Hamburg gegen 22.30 Uhr. Wir bitten Sie, die 38 Euro Reisekosten auf das Konto des L.v.D., IBAN DE 57 200 505 50 13 15 12 46 18 bei der Hamburger Sparkasse zu überweisen oder bar einzuzahlen in der Geschäftsstelle des L.v.D. / Haus der Heimat (10 bis 14 Uhr), Telefon/Fax (040) 346359.

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und einem kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Heiligenbeil – Sonnabend, 24. September, 14 Uhr, AWO-Seniorentreff, 1. Etage, Stadtteilhaus Horner Freiheit, Am Gojenboom 46: Herbstfest. Die Mitglieder der Gruppe wollen mit ihren Freunden und Gästen, bei Kaffee und Kuchen in geselliger Runde einige fröhliche und besinnliche Stunden miteinander verbringen. Sie erreichen den Seniorentreff mit der U2 Richtung Mümmelmannsberg, oder U4 Richtung Billstedt, beides bis Horner Rennbahn, hier den Ausgang Am Gojenboom benutzen, direkt daneben ist das Stadtteilhaus. Für Rollatoren und Rollstuhlfahrer, gibt es einen Fahrstuhl, der zum Einkaufszentrum hinauf führt, hier sind es dann einige Minuten Fußweg bis zum Ziel. Anmeldung bis zum 23. September bei Landsmann Konrad Wien, Telefon (040) 32049041, Kostenbeitrag für Kuchen und Kaffee 5 Euro.

 

HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788

Darmstadt/Dieburg – Bei der ersten Zusammenkunft nach der Sommerpause am 13. August kann man wieder von einer gelungenen Veranstaltung sprechen. Nach der Begrüßung erinnerte Gerhard Schröder an den Beginn des Mauerbaues am 13. August 1961 in Berlin.

Einen Lichtblick zur Erinnerung  an ostpreußische Schlösser konnte man am 13. September im „Darmstädter Echo“ finden. Ein polnischer Architekt, Piotr Kuroczynski, lässt ostpreußische Schlösser virtuell wieder auferstehen. Auch erinnerte Schröder an die Dichterpersönlichkeit Hermann Löns. Hannelore Neumann trug das Gedicht „Irrgarten“ von Hermann Löns vor, und gemeinsam sang man dann das Lied „Auf der Lüneburger Heide“. Dieter Leitner gab einige ostpreußische Witze zum Besten. Die Geburtstagskinder der letzten beiden Monaten wurden nicht vergessen, und man beglück-wünschte sie mit großem Befall.

Gerhard Turowski erklärte in seinen geistlichen Worten unter anderem die Herkunft des Begriffes „Salomonisches Urteil“. Nach einer kurzen Pause konnte man sich dann dem Vortrag von Franziska Raschke, pro Senior Referentin, widmen. Sie klärte über die wichtigsten Medizin-und Ernährungsmythen auf. Die wichtigsten Passagen des Vortrages in Kurzform: Einige Ernährungsmythen sind allgegenwärtig, und dem Anschein nach steckt hinter diesen Weisheiten auch eine Erklärung, die auf den ersten Blick recht plausibel erscheint. Viele entpuppen sich aber  nur als Mythos, wie zum Beispiel „der Spinat, der so viel Eisen enthält“ oder „frisches Brot, das Bauchschmerzen bereiten kann“. Bei den Medizinmythen sieht es nicht anders aus. Hartnäckig hält sich bis heute der Glaube, dass Wunden am besten an der frischen Luft heilen. Das Gegenteil ist der Fall, da der Heilungsprozess mit einer feuchten Wundauflage viel schneller erfolgt als umgekehrt. Auch der Schlaf vor Mitternacht, welcher der wertvollere sein soll, stellt sich als relativ dar. Vielmehr ist die Regelmäßigkeit, in der der Mensch seinen Tiefschlaf abruft, ausschlaggebend. Auf eine erneute Gelegenheit zur  Einladung würde sich Franziska Raschke freuen und sie auch gerne annehmen.

Die nächste Zusammenkunft findet am Sonnabend, 17. September, wie gewohnt im Luise-Büchner-Haus statt. An diesem Tag wird  Karla Weyland einen Bildvortrag über die Kraniche halten. Das Thema lautet „Das Glück hat Flügel“. Wir freuen uns auf einen schönen Nachmittag und auf ein Wiedersehen. Auch Nichtmitglieder und Gäste sind gerne gesehen. Allen Kranken wünschen wir eine gute Genesung.

Wiesbaden – Sonnabend, 3. September, 14 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat: Feierstunde zum Tag der Heimat. Die Ansprache hält der hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner. Anschließend gibt es einen Sektumtrunk. – Sonntag, 11. September, 10.30 Uhr, Großer Saal, Hessisches Finanzministerium: Zentraler Tag der Heimat und dritter Hessischer Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation. Festredner ist Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtags. – Dienstag, 13. September, 15 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Heimatnachmittag der Frauengruppe. – Donnerstag, 15. September, 12 Uhr, Gaststätte Haus Waldlust, Ostpreußenstraße 46, Wiesbaden-Rambach: Stammtisch. Serviert wird Falscher Hase. Es kann auch nach der Speisekarte bestellt werden. Wegen der Platz- und Essen-disposition Anmeldungen bitte bis spätestens 9. September bei Irmgard Steffen, Telefon (0611) 844938, ESWE-Busverbindung: Linie 16, Haltestelle Ostpreußenstraße.

 

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

Landesgruppe – Sonnabend, 3. September, 10 Uhr, Mehrzweckhalle „Volkshaus“, Baustraße 48–49 (Stadtzentrum/Nähe Markt), Anklam: 25. landesweiter Tag der Heimat. Aus Oberschlesien werden der Trachtenchor „Heimatklang“ Cosel-Klodnitz und das Blasorchester Radoschau in Anklam auftreten. Die Festansprache hält Bruno Kossak, langjähriger Sejm-Abgeordneter für die Deutsche Minderheit in Polen. Auch das Mecklenburger und Pommeraner Folklore-Ensemble Ribnitz-Damgarten hat für diesen Tag traditionsreiche Volkstänze aus der Heimat einstudiert. Zu diesem Jubiläum sind alle Landsleute und Heimatfreunde von nah und fern nebst Angehörigen und Interessenten herzlich nach Anklam eingeladen. Für das leibliche Wohl mit Mittagessen, Kaffee, Kuchen und Bärenfang sowie für genügend Parkplätze ist gesorgt. Alle Heimatgebiete sind ausgeschildert. Erwartet werden über 600 Besucher.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Göttingen – Sonnabend, 3. September, 12.30 Uhr. St. Norbert Kirche, Friedland: Traditioneller ökumenischer Gottesdienst im Durchgangslager Friedland. Dazu sind alle Schlesier, Pommern, Danziger, Ost- und Westpreußen eingeladen. Gefeiert wird der Gottesdienst um 13 Uhr in St. Norbert. Daher wird gebeten, dass sich alle Gäste bereits gegen 12.30 Uhr an der Kirche versammeln. Um 13.45 Uhr folgt die Kranzniederlegung. Anschließend  möchten wir dieses Jahr bei einer Feier mit den Russlanddeutschen in der Lagerkantine teilnehmen. Nach der Feier sind dann alle eingeladen zu Kaffee und Kuchen. Ein Bus nach Friedland wird in diesem Jahr nicht eingesetzt. Darum werden alle Teilnehmer gebeten, sich beim Ersten Vorsitzenden Werner Erdmann anzumelden: Werner Erdmann, Holtenser Landstraße. 75, 37079 Göttingen; Telefon (0551) 63675. 

Oldenburg – Mittwoch, 14. September, 15 Uhr, Stadthotel Eversten, Hauptstraße 38, Oldenburg: Erstes Treffen nach der Sommerpause. Zu hören und zu sehen ist der Vortrag „Eine kulturgeschichtliche und literarische Reise nach Galizien (Lemberg) und in die Bukowina (Czernowitz) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ von Reiseleiterin Regine Mentz, mit Lichtbildern präsentiert von Eckhart Hoffmann. Freunde und Gäste sind herzlich willkommen.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bonn – Dienstag, 6. September, 19 Uhr, Haus am Rhein, Elsa-Brandström-Straße 74, Bonn-Beuel-Süd: Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat. Es spricht Stephan Rauhut, Stellvertretender Präsident des BdV zum Thema „Identität schützen – Menschenrechte achten“. – Sonnabend, 17. September, 16 Uhr, St. Remigiuskirche, Brüdergasse: Ökumenischer Gottesdienst. – Sonntag, 18. September, 11 Uhr, Münsterplatz: Ostdeutscher Markttag zum Tag der Heimat.

Dortmund – Montag, 21. September, 14.30 Uhr, Heimatstube, Landgrafenschule (Eingang Märkische Straße): Gemeinsames Treffen.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr, Eichendorffsaal, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Probe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland unter der Leitung von Radostina Hristova. Mittwoch, 7. September, 15 Uhr, Raum 311, GHH: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt. – Donnerstag, 8. September, 19.30 Uhr, Raum 412, GHH: Offenes Singen mit Marion Cals. – Freitag, 9. September, 18 Uhr, Restaurant Lauren’s, Bis-

marckstraße 62: Stammtisch. – Freitag, 9. September, 19 Uhr, GHH: Konzert mit Iris Kotzian zum 175 Geburtstag von Antonin Dvorák. – Sonnabend, 10. September, Konferenzraum, GHH: Tag der Heimat. – Donnerstag, 15. September, 8.30 Uhr: Tagesfahrt nach Waldbreitbach im Wiedbachtal. – Donnerstag, 15. September, 19 Uhr, GHH: Vortrag zum 200. Geburtstag von Gustav Freytag. – Freitag, 16. September, 19 Uhr, GHH: „2xHeimat“ – Theateraufführung.

Gütersloh – Donnerstag, 8. September, 15 Uhr, Café Villa Dr. Murken, Neuenkirchener Straße 12: Treffen der Frauengruppe. Kontakt: Renate Thamm, Telefon (05241) 40422. – Der Ostpreußische Singkreis trifft sich in unregelmäßigen Abständen montags von 15 bis 17 Uhr in der Elly-Heuss-Knapp-Realschule, Moltkestraße 13. Neue „Drosseln“ sind immer willkommen. Kontakt: Renate Thamm, Telefon (05241) 40422.

Neuss –  Sonnabend, 10. September, 14 Uhr, Ostdeutscher Gedenkstein, Oberstraße: Tag der Heimat. Im Anschluss Feierstunde im Marienhaus, Neuss, Kapitelstraße 36. Veranstalter BdV-Kreisverband Neuss. Ein Bustransfer vom Gedenkstein zum Marienhaus, Kapitelstraße 36, wird organisiert.

Viersen – Sonnabend, 10. September, 14 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus Willich-Anrath, Jakob-Krebs-Straße 121: Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen (BdV). Um 14 Uhr beginnt die Veranstaltung mit ökumenischer Andacht. Danach wird um 15 Uhr zur gemeinsamen Kaffeetafel gebeten und wird mit Liedern, Mundartgedichten und einer gemeinsamen Kaffeetafel abgerundet. Es wirken wieder mit: Die Leddschesweäver aus Anrath unter Leitung von Dr. Christoph Carlhoff, Friedrich Kluth mit Mundartvorträgen und das Akkordeonorchester Waldniel unter der Leitung von Willi Gehlen. Um 16 Uhr folgt die Gedenkstunde. Festredner ist Rudi Wawelka. Der gebürtige Breslauer von der Landsmannschaft der Schlesier ist BdV-Landesvorsitzender von Nord-rhein-Westfalen.

Wesel – Sonntag, 11. September, 15 Uhr (Einlass ab 14 Uhr), Heimatstube, Kaiserring 4: Tag der Heimat. Unter dem Leitwort „Identität schützen, Menschenrechte achten“ führen die vereinigten Landsmannschaften mit Beiträgen aus der Heimat gemeinsam durch den Tag. Dazu wird ein Kaffee- und Kuchengedeck angeboten.

Witten – Montag, 19. September, Versammlungsraum, Evangelisch-Lutherische Kreuzgemeinde Witten, Lutherstraße 6–10: Kartoffeln und Pilze.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle,  Telefon privat (0345) 2080680.

Magdeburg – Freitag, 2. September, 16 Uhr, TuS Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises. – Sonntag, 11. September: Tag der Heimat. – Dienstag, 20. September, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Bad Oldesloe – Mit ihrem Ge-dicht „Sommer in der Heimat“ begrüßte die Vorsitzende die August-Runde und besonders Erna Drescher, die die Teilnehmer aus Anlass ihres 95. Geburtstages zum Kaffee eingeladen hatte.

Die Vorsitzende dankte Georg Baltrusch für die Organisation der erlebnisreichen Tagestour mit dem Museumsschiff „Eisbrecher Stettin“ auf der Ostsee von Kiel nach Rostock am 7. August. Die Teilnehmer sprachen ausführlich über diese besondere Seereise mit dem Schiff, das 1933 in Stettin gebaut wurde und damals die Oder eisfrei halten musste. Es wird mit Kohlen beheizt und mit Dampf betrieben. Vor einer Fahrt müssen die Maschinen drei Tage vorher angeheizt werden.

Vor Jahrzehnten sollte es ver-schrottet werden, aber es fanden sich Ehrenamtliche, die das Schiff flottmachten und es betreiben. Auch der Küchendienst ist ehrenamtlich organisiert. Auf der neunstündigen Seereise erlebten die Teilnehmer eine Ostsee von sanf-tem Wellengang bis Sturm.

Die Runde sprach auch über die Schließung des historischen Se-niorenheimes in Bad Oldesloe, dessen Existenz als Hospiz und Herberge bis ins 13. Jahrhundert zurückgeht.  Grüße gingen an Karla Baltrusch und Katharina Makarowski, die diesmal nicht dabei sein konnten.    G. Brauer

Bad Schwartau – Donnerstag, 8. September: Herbstfahrt. Ein Weinberg in Schleswig-Holstein ist das Ziel. Natürlich auch mit einer Weinprobe. Ein interessantes Programm erwartet die Teilnehmer. Unter anderem lernen sie Achal Tekkiner kennen, die älteste und edelste Pferderasse der Welt, aus der früher sogar Beschäler für die Trakehner Zucht erworben wurden. 

Flensburg – Mittwoch 14. September, 15 Uhr, TSB-Gaststätte: Kaffeetafel, eine kleine Predigt und christliche Gespräche zum Tag der Heimatmit der Pastorin Silke Wierk aus Harrislee.

Neumünster – Sonntag, 4. September, 13.30 Uhr: Ausflug mit dem Bus zur Dittchenbühne nach Elmshorn. Einstieg ist hinter dem Finanzamt. Anmeldung und weitere Information unter Telefon (04321) 82314 bitte bis zum 20. August.

Pinneberg – Sonntag, 11. September, 15 Uhr: „Mein Name ist Marité“ – Lesung aus einem litauischen Wolfskinderroman. 

Schönwalde am Bungsberg – Sonntag, 4. September, 10 Uhr: Tag der Heimat. – Sonntag, 11. September, 9.45 Uhr: Tag der Heimat (Kirche).

Uetersen – Freitag, 9. September, 15 Uhr, Haus Ueterst End, Kirchenstraße 7: „Streitgrund Schleswig Holstein – der Deutsche Krieg von 1866. Preußens Auseinandersetzung mit Österreich“ – Vortrag von Dr. Manuel Ruoff, Redakteur der Preußischen Allgemeinen Zeitung. – Sonntag, 11. September, 11 Uhr: Tag der Heimat, Kranzniederlegung und Gedenken am Gedenkstein der Vertriebenen Deutschen in der Tantaus Allee.


Christian Papendick wird 90
Der Architekt und Kulturpreisträger der Landsmannschaft feiert mit einem Konzert

Ich habe im meinem Leben sehr viel Glück gehabt“, sagt Christian Papendick im 90. Lebensjahr bei guter Gesundheit. Am 3. September wird der gebürtige Ostpreuße in ein neues Lebensjahrzehnt starten. Schon in Kindheitstagen zeichnete der junge Königsberger auf der Kurischen Nehrung. Er bekam sogar Kontakt zu den dort ansässigen Malern der berühmten Niddener Künstlerkolonie. Ernst Mollenhauer und Richard Birnstengel beäugten die junge Künstlerseele. Sie erkannten bereits sein zeichnerisches Talent. Aber: Sein Berufsziel, einmal Maler zu werden und sich der Kunst ganz und gar zu widmen, konnte er nicht verfolgen. Sein Vater, preußischer Jurist, verbot seinem Sohn dieses berufliche Anliegen. „Ich habe auf der Kurischen Nehrung vor allem das Sehen gelernt“, sagt Papendick heute.

Die Wirren des schrecklichen Krieges, die Flucht aus Ostpreußen, der Verlust seiner geliebten Heimat und die spätere Gefangenschaft endeten für den damals 19-jährigen Ostpreußen in Lüneburg. Eine Maurerlehre war zunächst der Start eines Berufsanfangs, zu dem ihn Fritz Schumacher geraten hatte. Papendick war dem berühmten Architekten, Stadtplaner und Hochschullehrer in Lüneburg begegnet.

Einen künstlerischen Beruf konnte Papendick dann doch an der Hamburger HdBK, der Hochschule der Bildenden Künste, beginnen: ein Architekturstudium. Weggefährten und Studienkollegen an der Hochschule waren unter anderem der junge Paul Wunderlich, Horst Janssen und Vicco von Bülow, auch als „Loriot“ bekannt. Von 1960 bis 2002 arbeitete Papendick als freischaffender Architekt in Hamburg und baute rund 100 Häuser in Deutschland. Preisgekrönt ist zum Beispiel sein Haus der Serie 2000, das sich durch seine zeitlose Architektur auszeichnete.

Zahlreiche Veröffentlichungen seiner Atrium– und Gartenhofhäuser in renommierten Zeitschriften folgten. Zu seinen Auftraggebern gehörten bedeutende Prominente, wie Helmut Schmidt und Carl Friedrich von Weizsäcker. Ein Leben für die Kunst – auch das ist Papendick. Seit nunmehr 75 Jahren ist der heute in Rissen lebende Architekt auf Kunstwegen unterwegs. Seine Künstlerkontakte, seine Freundschaften zu Malern sind legendär.

Nach seiner beruflichen aktiven Zeit reiste Papendick in seine Heimat, ins frühere Ostpreußen und ins Baltikum. Er verstand sich immer als Brückenbauer nach einem schmerzhaften Verlust seiner Heimat. Er schloss neue Freundschaften im heutigen Königsberg. Er wurde sogar Ostpreußen-Reiseleiter bei Schnieder-Reisen und Buchautor und bekam hohe Anerkennung als Fotograf. Als Zeitzeuge hat er in Vorträgen über seine Heimat erzählt. Das ZDF begleitete Papendick auf einer Zugreise ins frühere Ostpreußen. Seine vielbeachtete Bilddokumentation „Der Norden Ostpreußens“ hat den Autor auch wieder zu seinen Wurzeln geführt. Die ostpreußische Mundart ist ihm noch vertraut. Er kann Siegfried Lenz oder die Erzählungen seiner Tante, der Schriftstellerin Gertrud Papendick, tatsächlich auf ostpreußisch lesen.

Zukunftswünsche? „Ich möchte noch weitere Bildbände publizieren“, sagt Papendick. Sein Fotofundus von den vielen Reisen ist fast unerschöpflich. Dass sein Urururgroßvater zur Tischgesellschaft von Immanuel Kant gehörte, hat den Kunstfreund aufhorchen lassen. Papendicks Familiengeschichte ist tatsächlich auch Zeitgeschichte. Seine Ehe, die nun schon seit über 60 Jahren dauert, hat sicherlich einen hohen Anteil an diesem bewegten künstlerischem Leben. „Meine ostpreußische Dampfwalze“, bilanziert Lisa Papendick liebevoll die vielseitigen, kunstsinnigen Aktivitäten ihres Mannes.

Jetzt soll erst einmal aber gefeiert werden – mit klassischer Musik. Am Sonnabend, den 3. September, um 16 Uhr werden Mitglieder des Hamburger Ärzteorchesters zugunsten des nach Lüneburg übergesiedelten Kant-Museums musizieren. Das Benefiz-Konzert wird in der Stiftung Hanna-Reemtsma- Haus in der Kriemhildstraße 15, in Hamburg-Rissen stattfinden. Anmeldungen zum Konzert: Stiftung Hanna Reemtsma Haus, Kriemhildstraße 15, 22559 Hamburg-Rissen, Telefon (040) 819580.    Rainer Neumann

Kontakt zu Christian Papendick: Telefon (040) 803132 oder 81958370.


S. 21 Reise

Keine Angst vorm »baltischen Tiger«
Reval mausert sich zur Wirtschaftsmetropole – Die estnische Hauptstadt ist auch bei Kreuzfahrttouristen äußerst beliebt

Estlands Hauptstadt Reval ist eines der beliebtesten Touristenziele im Norden Europas. Ihr Aushängeschild ist die mittelalterlich geprägte Altstadt, umgeben von einer in großen Teilen erhaltenen, 16 Meter hohen Stadtmauer mit dicken Wehrtürmen.

Die von den Esten Tallinn genannte Stadt könnte demnächst aber wegen hoher Besucherzahlen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. Dies liegt daran, dass die beiden „baltischen Perlen“ Reval und das lettische Riga seit Jahren als Top-Attraktionen auf dem Programm der Ostseekreuzfahrten mehrerer Reedereien stehen. 1997 erhielt die Revaler Altstadt den Status Unesco-Weltkulturerbe als „au­ßergewöhnlich vollständiges und gut erhaltenes Beispiel einer mittelalterlichen nordeuropäischen Handelsstadt“. Seither nahm in der 408000 Einwohner zählenden Stadt am Finnischen Meerbusen das Bauen und Ausbessern alter und neuer Architektur sowie der Infrastruktur mächtig Fahrt auf.

Auf der Nordseite des Finnischen Meerbusens liegen die finnischen Seestädte Helsinki und Turku, zu denen Fährverbindungen bestehen. 2011 war Reval gemeinsam mit Turku Kulturhauptstadt Europas. In Finnland und Estland legt man großen Wert auf alles, was Europa kulturell ausmacht, nicht zuletzt weil die geografische Randlage beider Staaten im nordöstlichen Ostseeraum, gefühlt oder tatsächlich, mit diversen Nachteilen verbunden ist. Die meisten Touristen in Reval sind Finnen, die auch wegen der günstigeren Dienstleistungsangebote nach Estland kommen.

Das weitaus größte Besucherkontingent stellen jedoch die Tagesgäste von den Kreuzfahrtschiffen. Da sie überwiegend nur die Altstadt ansteuern, ist es hier mittags nicht leicht, in den Cafés und Restaurants Plätze zu finden. Im Laufe des Nachmittags leeren sich die Gassen dann merklich.

Lohnenswert, aber weniger frequentiert sind auch die außerhalb der Altstadt gelegenen Museen und das ehemalige Zarenschloss Kadriorg (Katharinental) inmitten eines weitläufigen Parks in der Innenstadt. Während das Kunstmuseum Kumu 2006 und dasSchifffahrtsmuseum am Hafen erst 2012 eröffnet worden sind, be­steht das Freilichtmuseum am westlichen Stadtrand seit 1964.

Bei einem Spaziergang bis ans Ende der jüngst fertiggestellten Strandpromenade Pirita Tee überblickt man die Revaler Bucht mit dem Hafen aus nordöstlicher Richtung. Auf geführten Touren ist ein Abstecher zum Sängerstadion Paekalda Pflicht, wo alle fünf Jahre das traditionsreiche estnische Liederfest stattfindet. Auf der Bühne in Form einer Muschel treten Chöre aus aller Welt auf. 1988 hatten sich 300000 Menschen versammelt, um gegen die sowjetische Okkupation anzusingen. Die nächste Veranstaltung findet 2019 statt. 2008 wurden die Lieder- und Tanzfeste der baltischen Staaten „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Auf einer Stadtrundfahrt durch Reval kann man sich davon überzeugen, dass die alte Hansestadt keineswegs nur in der Vergangenheit lebt. Ein riesiges Warenangebot, Banken, Bürohäuser, die gerade umgebaute Mehrzweckhalle am Hafen und zahllose Baustellen lassen erkennen, dass der „baltische Tiger“ wieder erwacht ist. Die im weltweiten Vergleich fortgeschrittene Digitalisierung des öffentlichen Lebens verhalf der modernen Dienstleistungsgesellschaft Estlands zum Durchbruch.

Vom Erbe ihrer wechselvollen Geschichte profitiert die junge Republik Estland enorm. Doch bis ins 20. Jahrhundert hinein blieb der aus Liven und Esten bestehenden einheimischen Bevölkerung nur die Rolle der gesellschaftlichen Unterschicht. 1219 erbaute der Dänenkönig Waldemar II. nach der Zerstörung einer estnischen Siedlung eine Burg auf dem 50 Meter hohen Kalkberg, dem späteren Domberg (Toompea) im Westen der Altstadt. Der estnische Ortsname ist vermutlich eine Verballhornung des deutschen Wortes Domberg. Von der strategisch wichtigen Position aus kann man den gesamten Finnischen Meerbusen überblicken. Hier soll dem Nationalepos Kalevipoeg zu­folge nach der Held Kalev begraben worden sein, und hier nahm die 750 Jahre dauernde Fremdherrschaft der Dänen, Schweden, Deutschen und Russen in Estland ihren Anfang.

In der Oberstadt residierten jahrhundertelang Adel und Klerus, die über das ganze Land herrschten. Der deutsche Einfluss begann 1230 mit den Eroberungen des Schwertbrüderordens, der 1237 im Deutschen Orden aufging. Seinerzeit siedelten am Fuße des Dombergs bereits die ersten deutschen Kaufleute. Seinen Niederschlag fand dieser Einfluss auch in der estnischen Sprache, die zur finn­ougrischen Sprachgruppe ge­hört. Mit 20 Prozent ist der Anteil der Lehnworte aus dem Deutschen sehr hoch. Die Ortsnamen Tallinn und Reval sind jedoch estnischen Ursprungs.

Bis zum 17. Jahrhundert war Reval der nordöstliche Schifffahrts- und Handelsknotenpunkt des mächtigen Hansebundes. Ihre Schlüsselstellung im Warenhandel zwischen dem Westen und dem Russischen Reich verdankte die Stadt ihrem Stapelprivileg.

Die einstigen Ausmaße der Burg auf dem Domberg erkennt man anhand der erhaltenen West- und der Nordmauer mit ihren drei dicken Wehrtürmen. Zarin Katharina II. ließ Teile der Burg abreißen und einen Barockpalast errichten. Heute ist das mehrfach zerstörte und umgebaute Schloss Regierungssitz. Viele Winterpaläste des deutschbaltischen Adels auf dem Domberg wurden in klassizistischem Stil erbaut. Touristische Fixpunkte der Oberstadt sind neben dem Schloss der spätgotisch geprägte Dom, die wuchtige Alexander-Newskij-Kathedrale und der Aussichtspunkt auf dem Domberg.

Revals Unterstadt ist ein Labyrinth aus engen Gassen mit dem Rathausplatz als Zentrum. Hier lebten im Mittelalter Handwerker und Kaufleute, die Handelsbeziehungen im ganzen Ostsee-Raum und bis nach Nowgorod unterhielten. Eines der prächtigsten Gebäude ist das spätgotische Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Auf der anderen Seite des Platzes steht die Ratsapotheke, die als eine der ältesten, noch betriebenen in Europa gilt.

In der Nähe zweigt die Pikk (Lange Gasse) ab, einst die wichtigste Straße der Unterstadt und Verbindung zur Oberstadt. Hier reihen sich die Gildehäuser mit ihren reich verzierten Renaissancefassaden aneinander. Später wurde Reval in der wirtschaftlichen Entwicklung von Riga und Königsberg überholt, was zur Folge hatte, dass die Altstadt von den Abrissen und Modernisierungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts weitgehend verschont blieb.  D. Jestrzemski


Brücke nach Deutschland
Auf den Spuren deutscher Hansefahrer in Norwegens Stadt Bergen

Giebel an Giebel, jeder in einer anderen Farbe von Weiß über Ocker bis zum kräftigen Rotbraun gestrichen, so präsentiert sich die zum Hafen liegende Frontseite des alten Hanseviertels Bryggen in der norwegischen Stadt Bergen. Sie ist mit 248 Niederschlagstagen im Jahr zwar die regenreichste Stadt Europas, aber wie zum Trotz stehen vor den bunten Fassaden der Handelskontore Tische und Bänke und laden bei Sonnenschein zum Verweilen ein. Es ist so einladend, dass nur wenige Touristen tiefer eintauchen in das Gewirr von Gassen zwischen den Holzhäusern, und sie bleiben dann auch noch meist in den Läden der Kunsthandwerker und Souvenirverkäufer stecken.

Wenige nur gehen weiter durch bis in die „Schøstuene“ oder ins Hanseatische Museum, die beide an Zeiten erinnern, als dort deutsche Hanse-Kaufleute zwischen 1350 und 1750 lebten und mit getrocknetem Fisch aus dem Norden und Getreide aus dem Ostseeraum handelten. Neben Brügge, London und Nowgorod war es Bergen, das als Außenstation, sogenanntes Kontor, eine wesentliche Rolle im Verbund der über 200 Hansestädte spielte. Nur auf dieser Ostseite des Hafens war es den deutschen Handelsleuten erlaubt, sesshaft zu werden und ihren Geschäften nachzugehen. Sie lebten sehr für sich abgeschlossen und prägten das Leben und die Architektur so sehr, dass das Viertel Tyskebryggen genannt wurde, die deutsche Brücke. Ein Zusatz, der erst unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges und der Besetzung des Landes gestrichen wurde. Zur Blütezeit machten die deutschen Kaufleute, die sich selbst Bergenfahrer nannten, ein Viertel der Stadtbevölkerung Bergens aus. Sie führten fern von ihrer Heimat ein hartes und entbehrungsreiches Le­ben. Nach hanseatischem Recht durften sie nicht verheiratet sein und keine Verhältnisse mit norwegischen Frauen anfangen.

Wegen der Feuergefahr waren die hölzernen Häuser ungeheizt, nur die aus Steinen aufgemauerten Häuser rund um die Schøstuene boten ein wenig Wärme, dort wurden auch die warmen Mahlzeiten zubereitet. Gegessen haben alle gemeinsam an langen Bänken unter strenger Aufsicht der älteren und erfolgreichen Gesellen. Welche Regeln sie dabei zu befolgen hatten, ist noch heute auf Tafeln an der Wand nachzulesen. Insbesondere für die Jüngsten, den Kaufmannsnachwuchs, waren diese Lehrjahre wahrlich keine Herrenjahre.

Zwischen der Gesellenkammer und der Sommerkammer des Handelsverwalters lag  die Lehrjungenkammer mit vier engen wie niedrigen Schrankbetten. So waren die 14 oder 15-jährigen Lehrjungen ständig unter Kontrolle. Warme Mahlzeiten gab es nur in der Schøstuene, einer Einrichtung, die es als Schütting auch in deutschen Hansestädten gibt. Sie diente außerdem als Klassenzimmer für die Lehrjungen, wo sie Schreiben, Rechnen und Warenkunde erlernen mussten.

Die hölzernen Häuser gerieten mehrmals in Brand. Im Jahr 1702 wurde Bryggen beinah vollständig vernichtet, auch im Jahr 1955 wütete ein Feuer in dem hölzernen Viertel Bergens. Doch auch nach dieser Brandkatastrophe hat man es geschafft, den Kai in seinem ursprünglichen Stil wieder aufzubauen.      Eigel Wiese


Pfade zum Rotweinparadies
Genuss und Natur – Auf neuen Rundwanderwegen durchs Ahrtal

Die Naturlandschaft im Ahrtal und rund um Bad Neuenahr-Ahrweiler ist abwechslungsreich und bietet Wanderern viele Touren durch die Weinberge des Rotweinparadieses und den schönsten Sehenswürdigkeiten des Heilbads. Ab sofort führen 15 neue Rundwanderwege – davon fünf markierte Traubenpfade – auf besonders schönen Wegen durch das Weinanbaugebiet und erfreuen Naturliebhaber und Spaziergänger mit grandiosen Ausblicken ins Ahrtal.

Die neu markierten Wege sind zwischen vier bis 14 Kilometer lang. Fünf der 15 Kurztouren sind sogenannte Traubenpfade, die unmittelbar durch die Weinberge führen. Ausgeschildert sind die Wanderwege nach den neuesten Standards. Die Wegemarkierungen zeigen das Logo der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler mit den jeweiligen Nummern der Wanderwege. Ob lauschiger Spaziergang oder anspruchsvolle Wanderung – für jeden Wanderer und jede Kondition sind passende Strecken dabei.

Der Traubepfad 5 verläuft auf 4,5 Kilometern durch Weinlagen und kleine Waldstücke im unteren Ahrtal bei Ehlingen. Die Landschaft ist hier weitläufiger, vom quirligen Treiben der Kurstadt ist hier nichts spürbar. Entlang der AhrSteig-Etappe führt der Weg zum alten Backes und in die Weinberge. Ein wundervoller Blick ins Ahrtal sorgt bei dieser Wanderung für einen unvergesslichen Abschlussmoment.

Auf rund 5,5 Kilometern führt der gut begehbare Traubenpfad 2 vom Flugplatz Bad Neuenahr-Ahrweiler durch die Weinreben des Neuenahrer Sonnenbergs in Richtung des Rotweinwanderwegs. Unterwegs laden Bänke und die nur an den Sommerwochen­enden geöffnete Hemmessener Hütte zur Rast ein. Die umliegenden Weinberge sind allesamt nach Süden hin gerichtet, die gesamte Tour bietet fast durchgängig sonnige Abschnitte. Unterwegs gibt es unzählige schöne Aussichtspunkte auf die Weinberge und auf das herrliche Panorama des Heilbads Neuenahr.

Der Traubenpfad 2 „Unterm Birnbaum“ ist mit vier Kilometern Länge der kürzeste der fünf neuen Traubenpfade. Durch seinen sehr leichten Schwierigkeitsgrad ist die Tour ideal für einen schönen Abendspaziergang und sogar für Kinderwagen geeignet. Start- und Endpunkt ist der Bahnhof. Von dort geht es über eine Treppe – wahlweise auch über Serpentinen – in die Weinberge hoch über der Rotweinmetropole Ahrweiler. Am Traubenpfad stehen zahlreiche Bänke, die zur Rast einladen und einen wundervollen Blick ins Ahrtal bieten.

Birnbäume begleiten Wanderer auch auf dem neuen, acht Kilometer langen Rundwanderweg im Birnendorf Lantershofen. Die leicht begehbare, mit Birnensymbolen markierte Strecke führt durch alte Gassen, vorbei an historischen Gebäuden und schönen Fachwerkhäusern bis zum Birnensortengarten und auf den Rotweinwanderweg. Entlang des Wanderweges sind verschiedene Holzobjekte sowie Hoch-Ruhebänke aufgestellt, die Wanderern Rast oder Regenschutz bieten. tws

Informationen: www.ahrtal.de


S. 22 Neue Bücher

Hass auf England
Knut Hamsun und Hitler

Ist es möglich, das Werk eines Künstlers losgelöst von seinem politischen Engagement zu betrachten – insbesondere, wenn der Betreffende zu den glühendsten Bewunderern der Nationalsozialisten zählte? Diese Frage stellt der norwegische Buchkritiker und Literaturprofessor Tore Rem mit Blick auf einen prominenten Landsmann, der 1920 den Nobelpreis für den Roman „Segen der Erde“ erhielt. Dabei kommt die Antwort in „Knut Hamsun. Die Reise zu Hitler“ dann auch sehr entschieden daher: Seine Abwehrhaltung gegen die bürgerliche Ordnung, welche mit euphorischen Lobeshymnen an die nordische Natur einhergegangen sei, habe den Schriftsteller anfällig für die Ideen des Nationalsozialismus gemacht. Und das entwerte letztlich das gesamte Schaffen des Autors.

Dabei war es aber doch weniger die ideologische Übereinstimmung mit den Nationalsozialisten als Hamsuns abgrundtiefer Hass auf England, der zu den Sympathien für das Dritte Reich führte – ein Hass, welcher übrigens aus dem britischen Vorgehen im Burenkrieg (1899–1902) resultierte. Zur Erinnerung: Damals richtete das Empire die ersten Konzentrationslager der Weltgeschichte ein, in denen zahlreiche Frauen und Kinder starben. Des Weiteren führten die Verbrechen des Stalinismus dazu, dass sich der Norweger ganz offen auf die Seite der Nationalsozialisten schlug. Das freilich kommt bei Rem deutlich zu kurz. Stattdessen wird munter psychologisiert: Der Dichter habe deshalb mit Hitler geliebäugelt, weil beide „Emporkömmlinge“ gewesen seien.

Apropos Hitler: Hamsuns Besuch auf dem Berghof im Juni 1943 bildet dann auch den Mittelpunkt in Rems Darstellung. Diese Audienz des „größten germanischen Schriftstellers“ beim „Führer“ endete allerdings schon nach 45 Minuten mit einem Eklat, weil der Norweger die Ablösung des in Oslo höchst unbeliebten deutschen Reichskommissars Terboven verlangte. Insofern muss man hier wohl eher von Divergenzen zwischen den beiden ausgehen.

Nichtsdestotrotz wurde der fast 90-jährige Hamsun dann 1948 wegen Kollaboration zu einer ruinösen Geldstrafe verurteilt, nachdem man zuvor vergeblich versucht hatte, ihn als psychisch krank abzustempeln. Und tatsächlich – das zeigt das Buch ja auch indirekt – handelte Hamsun aus Prinzip, wie er freimütig vor dem Gericht der Sieger eingestand: „Ich bin alt genug, um mich an meine eigene Richtschnur zu halten.“ Dieses Beharren auf der Richtigkeit seiner Positionen unterscheidet den Literaturnobelpreisträger von vielen anderen Persönlichkeiten, die nach 1945 ihr Mäntelchen in den Wind hängten. Das aber ist Rem bei seinen beflissenen Deutungsversuchen entgangen – wenngleich ab und an ein gewisser Respekt vor Hamsun durchscheint.

Gerecht wird das Buch dem Schriftsteller damit aber natürlich nicht. Insofern bleibt die dreibändige Hamsun-Biografie von Thorkild Hansen aus dem Jahre 1978 weiterhin das Standardwerk, auch wenn Rem einige neue Quellen erschließen konnte und sein Werk von der Ausstattung her durchaus ansprechend daherkommt.

                Wolfgang Kaufmann

Tore Rem: „Knut Hamsun. Die Reise zu Hitler“, Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2016, gebunden, 400 Seiten, 29,99 Euro


Werk eines Aufrechten
Lebensbilanz des kürzlich verstorbenen Historikers Ernst Nolte

Im 94. Lebensjahr ist der große Historiker und Geschichtsphilosoph Ernst Nolte am 18. August verstorben. In Form eines Rückblicks hat er noch unlängst seine Memoiren vorgelegt. Es handelt sich einerseits um klassische Lebenserinnerungen, vor allem aber um die intellektuelle Bilanz eines an Auseinandersetzungen nicht armen Gelehrtendaseins. Nolte war ein äußerst aktiver und produktiver Ausnahmewissenschaftler, der große interpretatorische Linien zog und die Diskussion niemals scheute. Diese suchte er aber immer in der Sache – und bis zuletzt wurde ihm oft unsachlich begegnet, vor allem meist in erschreckender Unkenntnis seines möglicherweise nicht durchweg unangreifbaren, aber stets fundiert argumentierenden Werkes. Allein seine Offenheit, wenn es darum ging, seine Ansichten auf den verschiedensten Foren zu vertreten, galt vielen bereits als suspekt. Noltes immer wieder in die Tat umgesetzte Aussage, er rede mit jedem, verwechselte so mancher gern mit Parteinahme.

Obwohl sein Werk viel facettenreicher ist, wird er vor allem mit dem sogenannten Historikerstreit  und seiner These verbunden, die bolschewistischen Verbrechen, die angestrebte Vernichtung einer „Klasse“, seien den nationalsozialistischen Verbrechen vorangegangen, beide stünden im Zusammenhang und letzteres sei auch als Reaktion auf ersteres zu verstehen. In seinem „Rückblick“ bildet der 1986 durch eine Veröffentlichung Noltes in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ausgelöste Historikerstreit ebenfalls den zentralen Angelpunkt.

Knapp schildert Nolte seinen Lebensweg bis dahin: Die Zeit des Nationalsozialismus und das katholische Elternhaus, das Studium bei Heidegger, die Tätigkeit als Studienrat, die Habilitation mit dem Werk „Der Faschismus in seiner Epoche“, die Ordinariate in Marburg und Berlin sowie das Engagement gegen das als Rückkehr einer zerstörerischen Ideologie erkannte Wirken der 1968er Bewegung. Als Nolte seine den Historikerstreit auslösenden Überlegungen darlegt, hat man noch mehr als zwei Drittel des Buches vor sich. Geprägt sind die folgenden Kapitel – neben der Schilderung von Dis-kussionen und oft persönlichen Angriffen auf Nolte, in dem man nun endgültig den „Revisionisten“ und die Personifizierung der Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen erkannt zu haben glaubte – von der Erläuterung seines Gesamtwerkes, welches er im Schatten der Wahrnehmung der zum großen Teil unwissenschaftlichen Auseinandersetzungen sieht.

Neben seinen Büchern wie etwa „Marxismus und Industrielle Revolution“ oder „Der europäische Bürgerkrieg 1917–1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus“ lenkt er in seinem Rückblick die Aufmerksamkeit insbesondere auf die weit ausgreifende Studie „Historische Existenz. Zwischen Anfang und Ende der Geschichte?“, welche er selbst als sein Hauptwerk versteht. Allein der für ihn stets zentrale Begriff der Transzendenz weist ihn als Denker aus, dem es um das Erfassen des Ganzen geht.

Nolte, der von sich selbst zu Recht sagt, seine Sache sei nicht der Angriff, sondern das Verstehenwollen, sind in den Debatten tiefe Verletzungen zugefügt worden. Man merkt es auch seinem Rückblick an: Er erwähnt Auszeichnungen und betont die internationale Resonanz, welche sein Werk fand. Vor allem in Italien erfreute er sich in seinen späteren Jahren nicht nur als Autor, sondern auch als Lehrender großen Respekt.

Noltes Erinnerungen vergegenwärtigen einen steinigen Gelehrtenweg – und sind zugleich ein hervorragender Einstieg in seine Gedankenwelt. Erik Lommatzsch

Ernst Nolte: „Rückblick auf mein Leben und Denken“, Lau-Verlag, Reinbek/München 2014, gebunden 240 Seiten, 27,90 Euro


Wie der »Drahtesel« entstand
Von der Idee über Laufmaschinen und Hochräder zum modernen Fahrrad

Wer einmal in die Geschichte des Fahrrades radeln möchte, kann dies mit dem Autor Haseop Jeong und Illus-trator Seungyeon Cho im Kinderbuch „Das Fahrrad“ aus dem Gerstenberg-Verlag tun. Schon das Cover fesselt, denn da ist zwischen den Speichen eines Hinterrades beinahe die gesamte Entwick-lungsgeschichte des Drahtesels in Bildern zu bewundern. Ebenso zeigt die Rückseite die Speichen eines Holzrades und die vielen Versuche, die nötig waren, zwei Räder zum stabilen Fahren zu bringen. Das macht neugierig.

Gleich zu Anfang stellt der Autor klar, worum es sich bei einem Fahrrad eigentlich handelt und zerlegt das Gefährt in Einzelteile, die gut beschrieben werden. So erfährt man, wozu eine Ritzelkassette oder Kettenblätter gut sind. Doch gleich im Anschluss geht es so richtig los mit der Zeitreise. Wie bei allen Erfindungen muss es erst einmal eine Idee gegeben haben, einen Traum. Menschen suchten nach einer Möglichkeit, ohne Pferde vorwärtszukommen. Selbstbestimmt und für jedermann erschwinglich. Über die ersten Laufmaschinen aus Holz ging es weiter zur Erfindung der Pedale, merkwürdigen und nicht ungefährlichen Hochrädern zum Kettenantrieb und natürlich der Entwick-lung funktionstüchtiger Reifen. Der Rückblick in die Geschichte zeigt, dass es nicht selbstverständlich war, wenn Frauen ebenfalls mit dem Rad fahren wollten. Enge Korsetts und lange Kleider waren nicht grade zum Radeln geeignet. Abgesehen davon gestand man Frauen nicht zu, sich mit einem Rad frei und überall hin zu bewegen.

Zum Glück haben sich die Zeiten geändert. Auch erfährt man, dass die New Yorker Polizei Ende des 19. Jahrhunderts häufig mit dem Rad auf Verbrecherjagd ging. Selbst die Feuerwehr und Soldaten waren mit dem Drahtesel unterwegs. Obwohl im Laufe der Zeit das Auto immer mehr die Räder von der Straße verdrängte, ist das Radeln nie ganz vergessen worden. In einem Kapitel widmet sich Jeong, der selber Mitglied in einem Fahrradklub ist, dem Thema Umweltbewusstsein. Denn kein Fortbewegungsmittel ist so umweltfreundlich wie das Rad. Dabei hält es gesund und macht Spaß.

Am Ende des Buches ist man wieder in der Gegenwart angelangt und erfährt einiges über die vielen verschiedenen Radmodelle heutzutage. Denn es gibt mittlerweile für jedes Alter das passende Fahrrad. Viele Tipps für einen Sicherheitscheck, bevor man startet, gibt es am Schluss obendrauf. Und als Bonus folgen noch die Adressen von Fahrradmuseen und Fahrradklubs in Deutschland. Es ist ein rundum gelungenes Werk für alle Radelfreunde und solche, die es nach der Lektüre mit Sicherheit werden. Silvia Friedrich

Haseop Jeong/Seungyeon Cho: „Das Fahrrad. Vom Hochrad bis zum E-Bike“, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2016, gebunden, 14,95 Euro


Kaiserlich
Individualreisen auf Usedom

Die als Reiseautorin bekannte und in Ostfriesland geborene Silke Arends hat mit ihrem „Reiseführer Usedom“ ein ganz besonderes Buch der Reiseliteratur vorgelegt, denn es geht weit über die reine Information über die beliebte Ferieninsel hinaus. Der Reiseführer stellt neben den Sehenswürdigkeiten zahlreiche Geheimtipps vor und gibt Anregungen, die Insel auf eigenen Touren zu erkunden. Natürlich gibt es auch Tipps zu Übernachtung und Verpflegung. Zu Beginn werden die interessantesten Orte der Insel alphabetisch aufgeführt, begleitet von zahlreichen Bildern und Zusatzinformationen.

Was den Reiseführer so besonders macht, sind die ebenso zahlreichen und hervorragend bebilderten Reportagen über Geschichte, Literatur und kulinarische Traditionen der Insel. Ein Schwerpunkt liegt auf der Ent-

wicklung Usedoms zum beliebten Reiseziel im 19. Jahrhundert. Aufgrund ihrer reizvollen Lage zwischen Ostsee, Peenestrom, Achterwasser und Swine ließen sich hier Könige, Kaiser, Politiker, Wissenschaftler und Künstler, kurz, alles, was Rang und Namen hatte, nieder. Zahlreiche Villen in Heringsdorf, Ahlbeck oder Bansin im Stil der Bäderarchitektur mit Balustraden, Erkern und Türmchen spiegeln die reiche Vergangenheit wider.

Arends begibt sich aber auch auf die Spuren großer Dichter. Maxim Gorki weilte auf Usedom, wie auch Theodor Fontane oder Thomas Mann. Daneben bereichern Künstlerporträts, Geschichten, Märchen oder Anekdoten den Reiseführer. Selbst ein typisches Fischrezept fehlt nicht.               MRK

Silke Arends: „Reiseführer Usedom. Kaiserlicher Strandurlaub“, Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2016, broschiert, 136 Seiten, 9,95 Euro


Wanderlust
40 Routen durch den Harz

Im Harz ist der Brocken der Inbegriff eines deutschen „Blocksbergs“. Diese Bezeichnung tragen auch andere Erhebungen in Europa, doch im Harz wird der Name in Verbindung mit Hexen gebraucht. Dem Hexenkult verschrieben, gibt es bei Thale den Hexentanzplatz. Der Märchenwald Bad Harzburg und der Märchengrund Bad Sachsa widmen sich der Sagenwelt des höchsten Mittelgebirges im deutschen Norden.

Doch der Harz ist nicht nur reich an Legenden und Sagen, sondern er bietet Naturliebhabern eine abwechslungsreiche Landschaft mit tiefen Wäldern, kargen Felsen und traumhaft schön gelegenen Talsperren. Die Orte bieten neben traditionellem Fachwerk auch romantische Burgen. Vor allem Wanderer kommen in den Genuss paradiesischer Ausblicke.

Um den Harz per pedes zu erkunden, bedarf es allerdings einer guten Vorbereitung, da nicht alle Wege eben sind. Eine ausführliche Anleitung für Harz-Wanderer hat Chris Bergmann in der Reihe „Zeit zum Wandern“ herausgegeben. Er beschreibt die 40 schönsten Wanderrouten, mit Ratschlägen zu trutzigen Burgen und erfrischenden Seen. Vorangestellt ist ein Kapitel mit nützlichen Tipps zur Ausrüstung und Planung, Auskunfts- und Übernachtungsstellen sowie Dauer und Schwierigkeit der Touren. Beigefügt ist eine Faltkarte im Maßstab 1:111000, auf der sich die durchnummerierten Rundwanderwege wiederfinden. Wer sich mit dem Kartenlesen schwer tut, findet auch Angaben zu GPS-Daten und kann sich von seinem Handy leiten lassen.     MRK

Chris Bergmann: „Zeit zum Wandern:  Harz“, Bruckmann Verlag 2016, broschiert, 192 Seiten, 14,99 Euro


Europastadt
Görlitz gleicht einem Museum

Görlitz hat so viele Einzeldenkmäler wie keine andere deutsche Stadt. Das trug ihr Bezeichnungen wie „riesiges Freilicht-Architekturmuseum“ ein. Nach der Wende in den 1990er Jahren aufwendig restauriert, wurde Görlitz auch als Kulisse für große Filmproduktionen entdeckt. Das „Schöne an der Neiße“ genannte Görlitz zeigt ein einzigartiges Nebeneinander verschiedener Baustile, wobei eine große Zahl von Bauten teilweise oder sogar ganz im Originalzustand erhalten sind. Besucher können das authentische Bild einer mittelalterlichen Stadt erleben.

Das Autorenpaar Kerstin und André Micklitza hat sich selbst im mittelalterlichen Zentrum einquartiert,. um Eindrücke und Material für seinen Stadtführer zu sammeln. Im Vorwort stellen die Autoren klar, dass das Ergebnis ein subjektives Produkt ist, das viel Raum für individuelle Entdeckungen lässt. Es will Anregungen für eigene Erkundungen geben. Die neben zahlreichen Informationen beschriebenen Stadtspaziergänge beginnen in der his-torischen Altstadt und erstrecken sich dann auf andere Stadtteile. Sie führen vorbei an Sehenswürdigkeiten, die ausführlich beschrieben werden. Neben einem Überblick über Kunst, Architektur und der Stadtgeschichte gibt es Kartenausschnitte zur Orientierung. Das zwischen Deutschland und Polen geteilte, zur Europastadt erklärte Görlitz/Zgorzelec ist mit dem Auto, dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erkunden.           MRK

Kerstin und André Micklitza: „Görlitz. Sehenswürdigkeiten, Kultur, Szene, Umland, Reiseinfos“, Trescher Verlag 2016, broschiert, 154 Seiten, 9,95 Euro


S. 23 Anzeige Rautenberg Buchhandlung

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S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Wie in der Weihnachtszeit / Warum wir uns so auf die Steuersenkungen freuen, wieso sie wieder nicht kommen, und womit sie das diesmal begründen werden

Es sind ja sind bloß die Landtagswahlen in Meck­lenburg-Vorpommern und Berlin, die endlich mal wieder Leben auf die politische Bühne bringen. Auch die viel bedeutendere Bundestagswahl in einem Jahr leuchtet bereits jeden Tag heller am Horizont. Anders ist es nicht zu erklären, warum schon heute so emsig darüber gerätselt wird, ob Merkel noch einmal antritt.

Wahlkampfzeiten sind schöne Tage für uns Bürger. Wir fühlen uns wieder wie Kinder in der Vorweihnachtszeit. Und wie Kinder werden wir im Wahlkampf behandelt. Politiker füttern uns mit Versprechen und bringen unsere Vorfreude zum Überlaufen.

Einen Unterschied gibt es allerdings: Während Knecht Ruprecht unsere Erwartungen meist relativ zuverlässig erfüllt hat, lassen uns die Weihnachtsmänner und -frauen aus den Parteizentralen meist weinend – weil mit leeren Händen – unterm Baum zurück, wenn das Verteilen der Geschenke dran gewesen wäre.

Grund genug, die Vorfreude umso ausgiebiger zu genießen, wo wir doch schon vorher wissen, dass es unsere einzige Freude bleiben wird. So haben wir alle gejauchzt vor Entzücken, als uns Volker Kauder, der Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, neulich im Fernsehen umfangreiche Steuersenkungen „für die Zeit nach der Bundestagswahl“ in Aussicht gestellt hat.

Bislang hatte die Union für solche Senkungen offenbar noch keine Gelegenheit gefunden. Sie ist schließlich erst elf Jahre an der Regierung. Jetzt aber wird’s was geben, vorausgesetzt, wir sind alle artig und machen unser Kreuz an der richtigen Stelle.

Sobald es dann wie sonst statt Geschenken nur Tränen gibt, legt sich die Politik stets frühzeitig eine Ausrede zurecht. Das Herausreden wird auch diesmal ohne Frage gelingen, allerdings anders als gewohnt.

Normalerweise ziehen sich die Politiker nach gewonnener Wahl bequem auf ein „externes Ereignis“ zurück, um ihren Wortbruch zu rechtfertigen: die plötzliche Abkühlung der Weltwirtschaft etwa. Die habe, was den Wahlsiegern ja furchtbar Leid tut, die „finanziellen Spielräume für Steuersenkungen zunichte gemacht“. Da sind wir Leerausgegangenen immer ganz verständnisvoll. Denn dafür können die nun wirklich nichts, oder? Selten findet sich ein Schelm, der fragt, ob die Abkühlung wirklich so plötzlich kam oder warum solche Ereignisse regelmäßig erst kurz nach den Wahlen „entdeckt“ werden.

Sei’s drum, solchen Querulanten hört eh keiner zu. Wenn doch, legt sich aufkeimender Groll schnell wieder, weil die regierungsfreundlichen Medien ein paar grelle Pipifax-Skandale hochjubeln, welche die Aufmerksamkeit des Publikums geschickt vom Steuerthema ablenken.

Bei dem „Ereignis“, welches diesmal den finanziellen Spielraum plattmachen dürfte, liegt die Sache, wir haben es angedeutet, indes etwas anders. Es ist zwar ebenfalls „extern“, also von draußen hereingekommen. Dass es das überhaupt konnte, hereinkommen nämlich, hat allerdings maßgeblich mit unseren Politikern zu tun, Stichwort: „Willkommen!“

Michael Wolski hat für das Netzportal „Tichys Einblick“ untersucht, unter welchen Bedingungen die Asylsucher der Allgemeinheit mehr einbringen als kosten würden. Ergebnis: 60 Prozent der Immigranten müssten mindestens 40000 Euro brutto im Jahr verdienen, damit diese neue Gesellschaftsgruppe kostenneutral bleibt. Dabei liegt der deutsche Durchschnittslohn bei nur 36000.

Das, so Wolski, sei völlig unrealistisch, weil die Masse der „Flüchtlinge“ mangels Ausbildung nur als Helfer arbeiten könnte, wo sie maximal 20000 Euro brutto verdiente. Im Klartext: Selbst wenn die Mehrheit von ihnen Arbeit findet, werden sie uns als Gruppe auf der Tasche liegen.

Und da ja immer noch welche nachkommen und zudem der Familiennachzug prächtig zu sprudeln beginnt, rechnet Wolski damit, dass  Ende 2017 mehr als 1,8 Millionen der neuesten Asylsucher vom Jobcenter leben werden, während nur 160000 eine Stelle haben. Dass so viele arbeitslos sein werden, habe auch mit den deutschen Gesetzen zu tun, so der Autor eines Buches über Gebetspausen am Arbeitsplatz. Denn dass ein Arbeitgeber auch die Gebetspausen seiner muslimischen Arbeiter bezahlen müsse, diese Vorschrift gebe es nur in Deutschland. Überdies hätten sich deutsche Gerichte auf die Seite der klagenden Muslime geschlagen, wenn es darum ging, ob Moslems sich weigern dürfen, Alkoholflaschen zu transportieren, Schweinefleisch anzufassen oder ähnliches.

All das, schätzt Wolski, werde dafür sorgen, dass deutsche Arbeitgeber lieber Abstand von der Idee nehmen, Moslems einzustellen. Damit hätten wir es bald mit einem riesigen Arbeitslosenheer zu tun, das aus religiösen Gründen tragischerweise keinen Finger rühren kann und daher von den anderen, mehrheitlich andersgläubigen Bewohnern der Republik ausgehalten werden muss: Da sind sie hin, die „finanziellen Spielräume für Steuersenkungen“.

Aber Ende 2017? Das bedeutet doch vermutlich, dass die Zahlen auch schon im Sommer kommenden Jahres alles andere als schön aussehen werden und die Regierung kurz vor der Bundestagswahl den „Erfolg“ verkünden müsste, dass wir wieder offiziell mehr als vier Millionen Arbeitslose im Land haben.

Völlig unzumutbar. Daher dürfen sich die Vertreter der Umschulungs-, Weiterbildungs-, Fortbildungs-, Eingliederungs- und Wasweißich-Industrie schon mal die Finger lecken. All jene also, die ein Riesengeschäft daraus gemacht haben, Arbeitslose in „Maßnahmen“ zu verstecken, damit sie aus der Arbeitslosenstatistik fliegen, bis man sie mit 58 in die Grube der Grundsicherung schubsen und vergessen kann. Diese Industrie, für welche den Steuerzahlern jährlich zweistellige Milliardenbeträge abgepresst werden, hat dafür zu sorgen, dass möglichst viele der importierten orientalischen Dauerarbeitslosen möglichst hurtig in jenen „Maßnahmen“ verschwinden. Und sie wird es tun, denn es wird ihr Schaden nicht sein. Sondern unserer.

Aber immerhin: Wie es heißt, kommen ja heute viel weniger Asylsucher als vergangenes Jahr. Das ist die allgemeine Losung, an die wir uns klammern und von der wir nicht lassen wollen, selbst wenn uns die Nachricht erreicht, dass an nur einem Tag 6500 Afrikaner in Italien gelandet sind.

Anderen scheint die Nachricht von der nachlassenden Asylflut dagegen übel aufgestoßen zu sein, weshalb sie zu energischen Maßnahmen schreiten. Der bekanntlich US-gesteuerte Internationale Währungsfonds (IWF) jedenfalls will nicht tatenlos zusehen, wie der Massenstrom nach Europa, also vor allem nach Deutschland, abebbt.

Daher hat der IWF Ägypten, dem volkreichsten arabischen Staat mit 87 Millionen Einwohnern, den Colt auf die Brust gesetzt. Einen dringend benötigten IWF-Kredit über zwölf Milliarden Dollar gebe man nur heraus, wenn die Regierung in Kairo „Reformen“ durchführt. Eine der geforderten „Reformen“ hebt das „Handelsblatt“ besonders hervor, nämlich die Kürzung der Subventionen, die den Brotpreis niedrig halten.

Es bedarf keiner Phantasie, was dies für Millionen von Ägyptern bedeutet, die sich ihr täglich’ Brot schon jetzt nur mit Mühe leisten können. Und an welchen Ausweg viele von ihnen denken werden, wenn es für sie in der Heimat kein Überleben mehr gibt.

Das muss es wohl sein, was unsere Politiker meinen, wenn sie versprechen, sich „gemeinsam mit unseren westlichen Partnern den Fluchtursachen“ zuwenden zu wollen: Nach dem von jenen Partnern eifrig angeheizten Chaos von Libyen bis Irak möchte man nun auch im großen Ägypten ein biss­chen mehr Druck in den Auswandererkessel pumpen.

Wir schätzen uns glücklich. Mit solchen Politikern an der Spitze und derartigen Partnern an seiner Seite winkt Deutschland eine interessante Zukunft.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Neue Umfrage: FPÖ-Mann führt

Wien – Der Kandidat der Freiheitlichen Partei (FPÖ) für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten, Norbert Hofer, führt laut der jüngsten Umfrage des Gallup-Instituts mit 53 zu 47 Prozent vor dem Bewerber der Grünen, Alexander Van der Bellen. Das berichtet die Zeitschrift „Österreich“. Die Präsidentenwahl vom Sommer, die Van der Bellen knapp gewonnen hatte, muss wegen Unregelmäßigkeiten im Oktober wiederholt werden.           H.H.

 

Fahd-Akademie macht dicht

Bonn – Saudi-Arabien will die von ihm betriebene „König-Fahd-Akademie“ in Bonn schließen, der Bau einer weiteren Schule in Berlin werde gestoppt. Offiziell begründet das Land den Schritt mit dem guten deutschen Bildungssystem, das die Akademie überflüssig mache. Hintergrund könnte auch sein, dass Saudi-Arabien wegen des gefallenen Ölpreises in ernsten Finanzproblemen steckt. Die Schule galt lange als islamistische Kaderschmiede.      H.H.

 

Wie der Vater, so die Töchter

Die Usbeken hatten in letzter Zeit wenig Grund zu feiern. Der Verfall des Ölpreises setzt der Wirtschaft des rohstoffreichen zentralasiatischen Staats zu; über Afghanistan sickert der radikale Islam ein; außerdem sind Menschenrechtsverletzungen und Korruption in dem despotisch geführten Land alltäglich.

Ziemlich gedämpft liefen diesen Donnerstag auch die offiziellen Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Unabhängigkeit ab. Denn sie fanden in Abwesenheit von  Staatsgründer Islom Karimow statt. Es ließ sich vom abgeschotteten Präsidentensitz in Taschkent nicht länger geheim halten, dass der 78-Jährige, der seit 1990 – damals noch als Präsident der Sowjetrepublik – das Land führt, schon länger wegen einer Gehirnblutung im Krankenhaus liegt.

Obwohl sein Zustand nach Angaben seiner jüngeren Tochter Lola Karimowa-Tillijajewa stabil sein soll, könnte ein auch aus westlicher Sicht spannender Machtkampf entbrennen. Bis Ende 2015 nutzte die Bundeswehr den Luftwaffenstützpunkt in Termiz für Versorgungsflüge nach Afghanistan. Der Bund zahlte und schwieg zu Folterberichten im Land. Als Karimows Truppen 2005 hunderte Menschen in einer usbekischen Provinz töteten, beließ es auch die Nato nur bei einem schwachen Protest. Der Westen benötigt Usbekistan als strategischen Partner, um Russlands Position zu schwächen.

Um die eigene Macht zu stärken, umgab sich Karimow mit Vertrauten aus dem Familienkreis. Seine ältere Tochter Gulnora Karimowa, eine schwerreiche, mondäne Geschäftsfrau, hatte er bereits als Nachfolgerin aufgebaut. Dann aber fiel sie Intrigen zum Opfer und steht jetzt unter Hausarrest. Es wird sich zeigen, ob ihre Schwester Lola als Nachfolgerin Gewehr bei Fuß steht (siehe auch Seite 4).               H. Tews


MEINUNGEN

Rainer Haubrich begrüßt in der „Welt“ (26. August) den Vorstoß der CSU, Einwanderer auch nach der kulturellen Nähe ihres Herkunftslandes zu Deutschland auszuwählen, denn:

„Wir erleben einen nahezu schizophrenen Alltag: Auf der einen Seite durchforstet die Politik alle gesellschaftlichen Bereiche nach den geringsten Anzeichen von Diskriminierung; auf der anderen Seite wird eine ungesteuerte Zuwanderung von Menschen hingenommen, die eklatante Diskriminierung aus ihren Heimatländern importieren und hier leben. Seit Langem verfolgen viele Bürger dies mit wachsendem Unbehagen.“

 

 

Anabel Schunke fragt sich auf „Tichys Einblick“ (24. August), warum der scheidende CDU-Politiker Wolfgang Bosbach so sehr heraussticht aus der Schar seiner Kollegen – und findet eine bedrückende Erklärung:

„Sagen wir, wie es ist: Die deutsche Parteienlandschaft mitsamt ihrer Politiker ist ein trostloser Haufen des Mittelmaßes und über weite Strecken des mangelnden Charakters. Mit ein wenig Rück­grat fällt man da schon ordentlich auf ... Ja, eigentlich ist es traurig, dass wir das, was gerade in der Politik eigentlich selbstverständlich sein sollte, an Menschen wie Bosbach loben. Dass wir eine vermeintliche Banalität, wie das Sagen der eigenen Meinung, das Einstehen für seine Überzeugungen, feiern, als wäre es das Unüblichste auf der Welt.“

 

 

Der Autor Ramin Peymani schüttelt im Netzportal „juwelen-magazin.com“ ebenfalls den Kopf über die deutschen Politiker, besonders über Merkel wegen ihres Pakts mit Erdogan:

„Die deutsche Berufspolitik hat offenbar den Verstand verloren. Sigmar Gabriel will die Bürger per Steuer vor zu niedrigen Energiepreisen schützen. NRW-Innenminister Jäger vergleicht die Burka mit dem Nikolauskostüm. Und die Bundesregierung arbeitet mit dem organisierten Terror zusammen.“

 

 

Die Feministin Alice Schwarzer wundert sich darüber, dass die ihrer Meinung nach sonst so „klarsichtige Merkel ausgerechnet beim politischen Islam diesen blinden Fleck“ habe. Im „Cicero“ (26. August) sagt Schwarzer:

„Zu meinem Erschrecken hat sie im Laufe dieses Jahres Sätze gesagt wie diesen: ,Wenn uns etwas am Islam nicht passt, dann müssen wir eben mehr in die Kirche gehen und so gegenhalten.‘ Was für ein tragisches Missverständnis! Bei den Attentätern geht es, ganz wie bei der Schriftgläubigkeit der rückständigen Muslimverbände in Deutschland, doch nicht um Religion, sondern um Ideologie. Wir ringen hier nicht um Glaubensfragen, sondern um Machtfragen. Es ist existenziell, das zu begreifen.“

 

 

Josef Urschitz  sieht in der Wiener „Presse“ (24. August) allein wegen Italien schwarz für die Zukunft des Euro:

„Hollande und Merkel haben keinen Spielraum, in Italien Disziplin einzufordern: Sie stehen beide vor wichtigen Wahlen und können bis dahin eine neue Eurokrise brauchen wie einen Kropf. Aber eine Währungszone, die ihre eigenen Regeln bei jeder sich bietenden Gelegenheit einfach bricht, ist zum Scheitern verurteilt. Wenn sich das nicht bald in den Politikerköpfen verfestigt, wird sie das auch.“