© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 36/16 vom 09.09.2016

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Flucht vor Merkel
Nach Schwerin: Selbst in der CDU Anzeichen von Absetzbewegungen

Innerhalb der CDU treibt die Nervosität an die Oberfläche, die SPD wird dreister und die Kanzlerin steckt in ihrem falschen Kurs fest.

Wie lange hält die CDU das noch aus? Erstmals nur noch zweitstärkste bürgerliche Partei, das war schon wieder eine Niederlage von historischer Dimension. Zwar sollte man sich mit Abgesängen auf Angela Merkel zurückhalten. Zu oft wurde ihr politisches Ende schon vorhergesagt, zu oft hat sie die Öffentlichkeit mit ihrem – bislang – stets erfolgreichen Überlebenskampf verblüfft.

Dennoch ist die Geschichte mit dem CDU-Desaster von Mecklenburg-Vorpommern in eine neue Etappe eingestiegen. Dies belegen zum einen die Reaktionen aus Merkels Partei selbst. Auch Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff hatte vor den März-Wahlen in seinem Land versucht, verbalen Abstand zwischen sich und die Asylpolitik von Schwarz-Rot in Berlin zu bringen, für die Merkel steht.

Nach dem Urnengang aber beschwor Haseloff erneut Einigkeit. Lorenz Caffier, CDU-Spitzenmann in Mecklenburg-Vorpommern, dagegen hält seine Kritik an Merkels Asyl- und Einwanderungspolitik auch nach der Wahl aufrecht.

Verräterisch ist auch eine Einlassung von CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Auf die Frage, ob Merkel in einem Jahr noch einmal  als Unionskandidatin fürs Kanzleramt antritt, antwortete er, dass „zum jetzigen Zeitpunkt“ keine Personaldebatte angezeigt sei. Zum jetzigen Zeitpunkt – heißt das, in ein paar Monaten, Wochen, Tagen wird über Merkels Zukunft gesprochen werden müssen?

Die CDU-Chefin selbst verhält sich ebenfalls auffallend anders als in all den Jahren zuvor. Sonst hielt sie sich aus jedem Streit heraus, mied allzu große Präsenz in Wahlkämpfen. Im Vorfeld der Schwe- ­riner Wahl tourte sie durch das Bundesland, gab Interview auf Interview, sendete danach sogar – Erstaufführung! – aus dem fernen Ausland eine Erklärung zu einer heimischen Landtagswahl. Daraus erschließt sich: Sowohl ihre Partei als auch Merkel selbst haben registriert, dass ihre Lage sich dramatisch zuspitzt.

Aber wo sollen sie hin? Das ist die eigentliche Dramatik der CDU und Merkels: Die Kanzlerin kann von ihrer Asylpolitik nicht herunter, obschon in- und außerhalb der CDU das Scheitern dieser Politik längst erkannt wurde und sogar SPD-Spitzen sich davonschleichen wollen.

Die SPD sonnt sich in ihrem Schweriner Scheinsieg und wird daher versuchen, auf Kosten der CDU und Merkels zu punkten. So durchschaubar heuchlerisch das Manöver auch ist, viel kann die CDU-Chefin dagegen kaum tun. Denn ändert Merkel ihren Asylkurs, hat sie sich bloßgestellt. Ändert sie ihn nicht, bricht die CDU unter ihr langsam zusammen. Als Lösung bliebe nur die Ablösung der Parteichefin und Kanzlerin durch die CDU selbst. Trotz erster Absetzbewegungen aber scheint das noch fern. Es dürfte also weiter abwärts gehen mit Adenauers Partei.         Hans Heckel


Das »Kartell« hat nichts dazugelernt
Etablierte Politik und große Medien versagen abermals beim Umgang mit einem AfD-Triumph

Etablierte Parteien ebenso wie die großen Staats- und Konzernmedien weigern sich weiterhin, angemessene Lehren aus dem Siegeszug der AfD zu ziehen. Wie bei vergangenen Wahlerfolgen der jungen Partei er­- schöpften sich die Reaktionen auf aggressive oder arrogante Plattitüden aus dem Kriegsvokabular des „Kampfes gegen Rechts“.

In Journalistenrunden und im Gespräch mit „Experten“ zur Vor- wie Nachbereitung der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern debattierten nahezu alle Beteiligten, was „wir“ tun müssten, um die AfD wieder zurückzudrängen. Sie agierten wie die Vertreter einer nationalen Einheitsfront, nicht wie Repräsentanten einer pluralistischen Gesellschaft. Wie selbstverständlich wird eine Partei, welche jeder fünfte Wähler unterstützt hat, als Betriebsunfall abqualifiziert, den es zu beheben gelte. Den kritisch-journalistischen Blick ersetzten die Akteure durch offene Parteilichkeit. Damit verstärkten sie das düstere Bild eines „Medienkartells“, das auf der Seite der Mächtigen jede wirkliche Opposition unterdrückt, diffamiert, für dumm und gefährlich erklärt.

Die etablierten Parteien schlugen sich kaum besser: Die immer wieder aufgewärmte Trennung zwischen „allen demokratischen Parteien“ einerseits und der Alternative für Deutschland andererseits muss arrogant und verlogen – vor allem aber im eigentlichen Sinne undemokratisch wirken. Wie Hohn erscheint  die Begründung, die Blauen seien keine Demokraten, weil sie die „Gesellschaft spalten“. Genau diese Spaltung provozieren jene, welche jeden Abweichler von ihrer Linie zum Antidemokraten stempeln. Die Unterscheidung zwischen den angeblich fehlgeleiteten Wählern der AfD und der zu verfemenden Partei unterstellt überdies, dass die AfD-Wähler nicht wüssten, was sie tun – ebenfalls in höchstem Maße herablassend.

Neben der CDU steht als zweiter großer Verlierer die Linkspartei besonders ratlos da. Man wolle sich wieder stärker als „Partei der sozialen Gerechtigkeit“ profilieren, versprechen unisono die Vertreter der Dunkelroten. Sie verdrängen, dass es stets die unteren sozialen Schichten sind, welche unter massenhafter, ungezügelter Zuwanderung mit Asylrecht für jedermann zu leiden haben, nicht die „Superreichen“. Den Widerspruch zwischen offenen Grenzen und geschützter sozialer Sicherheit will die Linkspartei nicht wahrhaben. Solange dies so bleibt, wird sich der Abfluss ihrer früheren Wähler zur AfD fortsetzen.

Interessant in den Nachwahldebatten war, dass sogar SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann der Merkel-CDU vorwarf, „immer weiter nach links gerückt“ zu sein, und so „bodenständige Konservative“ heimatlos gemacht zu haben, die nun zur AfD gewechselt seien. Ähnlich äußerte sich der Spitzenkandidat der Linkspartei in Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter. Dass sich sogar Sozialdemokraten und Linkssozialisten um das konservative Profil der CDU sorgen, dürfte eine Premiere in der deutschen Politik sein.

Und die AfD selbst? Die Blauen können sich freuen über noch einen grandiosen Erfolg, doch von einem ungebrochenen Wachstum ihrer Wählerschaft kann nicht die Rede sein. Nach mehr als 24 Prozent in Sachsen-Anhalt erreichte die Partei nun knapp 21 Prozent. Da kann eher von einer Stabilisierung auf hohem Niveau gesprochen werden als von weiterem Zuwachs.

Dennoch birgt die Besetzung aller Posten mit geeigneten Kandidaten jetzt schon eine Herausforderung für die junge Truppe. Hinzu kommt: Bislang gewinnt die AfD als Sammelbewegung unter allen möglichen Gruppen Wähler. In dem Maße, wie das Profil der Partei schärfer wird, könnten sich einzelne dieser Gruppen auch wieder abwenden. H.H.


Manuel Ruoff:
Eine Richtung

Die Denkfabrik Bruegel schlägt vor, europäischen Staaten, denen die EU zu zentralistisch ist, eine sogenannte kontinentale Partnerschaft anzubieten. Die Idee basiert auf der alten Vorstellung des sogenannten Europas der konzentrischen Kreise. Dieses Modell versucht der Tatsache Rechnung zu tragen, dass nicht alle europäischen Staaten in gleicher Weise willig sind zu einer vertieften Integration. Deshalb sollten die Vertiefungswilligen schon einmal einen engeren Kreis bilden und die anderen dann später nachkommen.

Bis jetzt kannte dieses Modell jedoch nur eine Richtung, nämlich die in Richtung des Zentrums der Kreise. Das ist nun das neue an dem Vorschlag der „kontinentalen Partnerschaft“, dass damit nicht nur Außenstehende näher an das Zentrum herangeführt werden sollen, sondern auch jene, die bereits näher am Zentrum dran sind, hier eine Alternative angeboten bekommen sollen, dass man sich also auch vom Zentrum weg bewegen darf.

Ob das allerdings Brüssel widerstandslos hinnehmen wird, das ist die Frage. Hier sei ein Vergleich erlaubt. Moskau hätte es 1952 begrüßt, wenn die Bundesrepublik vom US-geführten in das Lager der vergleichsweise UdSSR-freundli- chen Blockfreien gewechselt wäre. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Moskau 1956 Ungarn oder 1968 die Tschechoslowakei widerstandslos ins Lager der Blockfreien hätte ziehen lassen. Egal ob Moskau oder Brüssel – für die Apparatschiks und Ideologen in derartigen übernationalen Zentralen ist Entwicklung nur in eine Richtung denkbar, in Richtung mehr Integration.

(siehe Bericht Seite 7)


S. 2 Aktuell

Die Sphinx an der Seine
Rätselraten in Frankreich, ob Präsident François Hollande 2017 noch einmal antritt

Mitte der vergangenen Woche ist Wirtschaftsminister Emanuel Marcon zurückgetreten. Die entsprechende offizielle Meldung umfasste nur wenige Sätze und war betont kühl gehalten. Dennoch ist ihr Inhalt geeignet, dem französischen Staatspräsidenten François Hollande den endgültigen politischen Todesstoß zu versetzen.

Der Schritt kam nicht sonderlich überraschend, werden dem 38-Jährigen doch schon länger Ambitionen nachgesagt, sich im kommenden Jahr um die Nachfolge Hollandes bewerben zu wollen. „Ich danke ihm für seine Arbeit und akzeptiere seine Entscheidung“, ließ der Präsident entsprechend verhalten mitteilen. Spätestens jetzt ist der innerparteiliche Wahlkampf bei den Sozialisten eröffnet.

Hollande selbst hat angesichts schwacher Umfragewerte bisher offen gelassen, ob er im Frühjahr noch einmal in den Ring steigen will. Innenpolitisch ist dem blassen Präsidenten wenig gelungen. Allerdings hat er sich in den Augen vieler Landsleute als guter Krisenmanager während der Terroranschläge bewährt. Innerhalb der eigenen Partei ist die Angst vor einer Niederlage groß. Hollande gilt als müde und ausgelaugt, aber auch als bauernschlauer Kämpfer.

Marcon war lange sein Ziehsohn, lokale Medien hatten ihn früh als „französischen Guttenberg“ bezeichnet. Der Sohn einer Ärztefamilie studierte Philosophie und absolvierte die Verwaltungshochschule ENA, die Kaderschmiede der Republik. Nach vier Jahren in der Finanzverwaltung ging er zum renommierten Bankhaus Rothschild. Dem linken Parteiestablishment ist er ein Dorn im Auge. Dieses plant den radikalen Sozialisten Arnaud Montebourg gegen Hollande in Stellung zu bringen. Der 53 Jahre alte Ex-Minister gab seine Kandidatur kürzlich bekannt und sagte, es sei ihm unmöglich, Hollande zu unterstützen.

Der Amtsinhaber will sich bis Ende des Jahres Zeit lassen um mitzuteilen, ob er sich an den parteiinternen Vorwahlen beteiligen wird. Parteichef Jean-Christophe Cambadélis geht jedenfalls davon aus: „Ich glaube, dass er sich auf alle Eventualitäten vorbereitet, aber dass die Waage sich in Richtung einer Kandidatur senkt“, sagte er der Zeitung „Le Journal du Dimanche“: „Er muss denken, dass man ihn ein bisschen zu schnell beerdigt hat.“

Für eine Kandidatur benötigen Bewerber 500 unterstützende Stimmen von regionalen Politikern. Eine Empfehlung einer politischen Partei ist nicht unbedingt nötig. Allerdings müsste ein nicht von einer Partei empfohlener Kandidat den Wahlkampf selbst organisieren und finanzieren. Dass Hollande diesen Weg gehen könnte, schließen politische Beobachter allerdings aus. Seine internen Kontrahenten könnten allerdings mit einem solchen Szenario liebäugeln. „Ihr früherer Chef, im Zangengriff zwischen seiner Rechten und seiner Linken, wird wie für ihn üblich die Synthese versuchen. Der Mann ist ein schlauer Politiker, aber welche List kann er noch erfinden, um sich aus der Falle zu befreien? Der Weg ist schmal“, analysierte die bürgerliche Tageszeitung „Le Figaro“.

Die oppositionellen Konservativen verfolgen die Kabalen der Sozialisten sehr aufmerksam. Dort haben sich die beiden aussichtsreichsten Kandidaten bereits in Stellung gebracht. Der ehemalige Bürgermeister Alain Juppé und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, 2012 gegen Hollande unterlegen, werden das Rennen wohl unter sich ausmachen. Beide gelten in der Bevölkerung ebenfalls als nicht sehr populär, der streitbare Sarkozy ist zudem an der eigenen Basis nicht sonderlich beliebt. Juppé und der Ex-Präsident haben bereits angekündigt, das Mitglieder-Votum im November auf jeden Fall zu respektieren. Während sich Juppé als moderater Mann der Wirtschaft gibt, versucht Sarkozy mit scharfen Tönen um potenzielle Wähler von Marine Le Pen zu buhlen.

Der Vorsitzenden des „Front National“ werden beste Chancen eingeräumt, in die Stichwahl der beiden stärksten Kandidaten der ersten Runde einzuziehen. Zuletzt war dies 2002 ihrem Vater Jean-Marie gelungen, der damals den Sozialisten Lionel Jospin hinter sich ließ, aber in der Stichwahl gegen den Präsidenten

Jacques Chirac chancenlos war. Auf ein solches Szenario könnte Sarkozy setzen. Nach dem Attentat von Nizza mit 86 Toten und der Ermordung eines Priesters in der Normandie machte Sarkozy im Juli Schlagzeilen mit der Forderung, mutmaßliche Islamisten vorsorglich zu internieren. Mit diesem Thema könnte Sarkozy von der Zerrissenheit der Sozialisten profitieren und sich im zweiten Wahlgang gegen Marine Le Pen durchsetzen. Die FN-Chefin hat zwar in den vergangenen Monaten an Sympathiewerten zugelegt, allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass sie 50 Prozent der Wähler hinter sich versammeln kann.    Peter Entinger


Abstimmung über Matteo Renzis Zukunft
Italiens Ministerpräsident bleibt dabei, dass er zurücktritt, wenn das Referendum zur Verfassungsreform scheitert

Als ein Erdbeben vor wenigen Tagen das Zentrum Italiens erschütterte, zeigte sich Matteo Renzi als guter Krisenmanager und kündigte unbürokratische Hilfe an. Der Einsatz des Ministerpräsidenten sorgte landesweit für positive Schlagzeilen und verschaffte dem gestrauchelten Hoffnungsträger ein wenig Luft. Denn Renzi, einst als Wunderkind der europäischen Sozialdemokratie gepriesen, steht seit Monaten schwer unter Druck.

Die von ihm angestrengte Verfassungsreform gilt als die weitreichendste in Italien seit Bestehen der Republik. Die Kompetenzen des Senats als zweite Parlamentskammer sollen beschränkt und die Zahl der Senatoren soll verringert werden. Renzi hat diese Reform eingeleitet und die Rechtmäßigkeit der Volksbefragung im November vom Obstersten Gericht absegnen lassen. Der Ministerpräsident glaubt, mit dieser Maßnahme die Gesetzgebung beschleunigen und vereinfachen zu können, das politische System soll stabiler werden. Das Zweikammersystem hatte sich zuletzt immer wieder als blockadeanfällig erwiesen.

Renzi hatte ursprünglich angekündigt, bei einem „Nein“ zur Verfassungsreform zurückzutreten. In der vergangenen Woche ruderte er ein wenig zurück. „Ich habe auch einen Fehler gemacht, dass ich gesagt habe, es ist ein Referendum über Renzi“, erklärte er. Es sei falsch gewesen, die Abstimmung „zu personalisieren“. Allerdings ergänzte er: „Wenn die Nein-Stimmen gewinnen, habe ich bereits gesagt, was ich tun werde.“

Kürzlich wurde bekannt, dass die Wirtschaft Italiens nach einem kurzen Hoffnungsschimmer wieder stillsteht. Im zweiten Quartal des Jahres lag das Wachstum gegenüber den ersten drei Monaten bei null. Die wirtschaftlichen Daten Italiens sind mittlerweile schlechter als die von Griechenland. Dem Land droht eine ausgewachsene Bankenkrise, ein Austritt Italiens aus der Euro-Zone ist keinesfalls ausgeschlossen.

Renzi sucht daher seit Monaten auf dem europäischen Parkett die Flucht nach vorne, lotet Wege aus, die ihm größere Haushaltsdefizite erlauben, Staatshilfen für Banken oder Stahlunternehmen sowie die Vergemeinschaftung der italienischen Schulden. „Wir benötigen mehr Wachstum und weniger Sparen“, lautet sein Credo, verbunden mit der erstaunlich selbstbewussten Forderung: „Europa soll sich nach Italien richten.“ Das Kalkül des Sozialdemokraten ist offensichtlich. Einen freiwilligen Austritt Italiens aus dem Euro könne sich die EU aus Prestigegründen nicht leisten. Eine Ban­ken­rettung nach griechischem Vorbild ist ebenfalls kaum darstellbar.

Zudem ist Renzi bemüht, sich innenpolitisch Freiräume zu schaffen. Derzeit hat er in beiden Kammern eine stabile Mehrheit. Dies liegt aber vor allem daran, dass sich die bürgerlichen Zentrumsparteien in internen Machtkämpfen befinden. Seit sich Silvio Berlusconis Forza Italia vor zwei Jahren spaltete, beharken sich die einstigen Parteifreunde. Eine Minderheit um den früheren engsten Gefolgsmann des „Cavalliere“, Angelino Alfano, sitzt bis heute in Renzis Kabinett in einer Art Großen Koalition und hat unter dem Namen „Neue rechte Mitte“ (NCD, Nuovo Centrodestra) eine eigene Formation gegründet. Allerdings scheint nicht ausgeschlossen, dass sich auch Alfanos Truppe aus der Regierung verabschieden könnte, sollten Neuwahlen angesetzt werden. In Sachen Europa dominieren in den etablierten politischen Lagern die Übereinstimmungen. Sowohl Berlusconi als auch Alfano plädieren für einen Verbleib Italiens in der Euro-Zone, beide gelten als Anhänger des Binnenmarktes.

Die Forza Italia des ehemaligen Ministerpräsidenten macht allerdings Stimmung gegen die Verfassungsreform. Von den Zänkereien und der wirtschaftliche Krise profitieren derzeit die vor allem im Norden verankerte Lega Nord und die Fünf-Sterne-Bewegung des Ex-Komikers Beppe Grillo, die unlängst bereits einige Kommunalwahlen, darunter die in der Hauptstadt Rom, gewinnen konnte. Die Fünf-Sterne-Bewegung ist ein dezidierter Kritiker der EU und fordert lautstark den Euro-Austritt. In Sachen Referendum hat sich Grillo wohl auch aus taktischen Erwägungen auf die Seite der „Nein-Sager“ geschlagen. „Jetzt nehmen wir uns das Land“, kündigt Grillo an, „Wir sind bereit.“       P.E.


MELDUNGEN

Demo gegen Abtreibungswahn

Berlin – „In den Anfangsjahren waren wir nur ein paar Hundert, jetzt sind wir schon rund 8000“, erzählt Martin Lohmann. Der Publizist und Journalist ist Vorsitzender des Bundesverbandes „Leberecht“ und organisiert den alljährlich stattfindenden „Marsch für das Leben“. In diesem Jahr findet er am 17. September statt. Aufmerksam machen soll die Demonstration darauf, dass auch im vergangenen Jahr 100000 ungeborene Kinder abgetrieben worden sind. „Wir setzen uns ein für Hilfe statt Unrecht, für Solidarität, Nächstenliebe und Inklusion. Kein Kind ist ,unzumutbar‘“, erläutert Lohmann. Der „Marsch für das Leben“ beginnt um 13 Uhr mit einer Kundgebung vor dem Reichstag.          FH

 

SPD hat sogar dazugewonnen

Schwerin – In absoluten Zahlen haben SPD und CDU in Mecklenburg-Vorpommern keine oder nur wenige Wähler verloren bei den Landtagswahlen am 4. September. Die CDU büßte von knapp 160000 Wählern 2011 weniger als 4000 ein, die SPD legte sogar von 242000 Stimmen auf 246000 zu. Allein die gestiegene Wahlbeteiligung (61,6 Prozent nach 51,5 Prozent 2011) sorgte dafür, dass die Prozentergebnisse einbrachen. Die Grünen indes verloren jeden dritten, die Linkspartei jeden siebten Wähler. Für Rot-Schwarz ist dies allerdings nur vordergründig eine gute Nachricht. Sie enthüllt nämlich auch, dass sich viele durchaus wahlwillige Bürger schon lange von den etablierten Parteien abgewendet haben, was vor dem Auftauchen der AfD nur nicht sichtbar war.    H.H.

 

Weniger Zahlen und Fakten

Magdeburg – Dem bundesweiten Trend folgend hat nun auch die von einem Christdemokraten geführte schwarz-rot-grüne Landesregierung Sachsen-Anhalts beschlossen, Zahlen und Fakten im Geschichtsunterricht weniger Bedeutung einzuräumen als der Vermittlung von „Interpretationskompetenz (Historische Sinnentnahme)“, „narrativer Kompetenz (Sinnbildendes Darstellen von Geschichte in verschiedenen Erzählhandlungen)“ und „geschichtskultureller Kompetenz (Historische Sinnentnahme)“. Die Frage, wie man etwas Sinn entnehmen kann, das man nicht kennt, bleibt offen. Der Missbrauch der in der Schule vermittelten „Lehren der Geschichte“, die nun mangels eigener Kenntnis der Materie nicht mehr verifiziert werden können, für und durch die Politik scheint programmiert. Früher lief es im Idealfall so, dass den Schülern in der Schule Fakten vermittelt wurden und die Menschen sich auf der Basis dieser Fakten ein Weltbild bastelten oder für sich eines der vorhandenen Weltbilder aussuchten, das sich in ihren Augen am ehesten mit den gelernten Fakten deckt. Nun sollen die Schüler das Diskutieren ohne Faktenwissen lernen, womit dem voraufklärerischen Glauben ohne Wissen der Weg geebnet wird.  M.R.

                (siehe Kommentar Seite 8)


S. 3 Deutschland

Das Bordell auf dem Lehrplan
Deutschlands Kinder werden immer öfter mit einer verstörenden Sexualpädagogik konfrontiert

Von Gehirnwäsche, Indoktrination und Kindesmissbrauch ist die Rede: Immer mehr Bundesländer führen die sogenannte „Sexualpädagogik der Vielfalt“ in ihren Schulen ein. Der harmlos klingende Begriff steht für ein Konzept, das selbst kleine Kinder mit detaillierten Sexpraktiken konfrontiert. Dahinter steckt eine gefährliche Ideologie.

Die treusorgenden Familienväter von Morgen, die liebevollen Mütter der nächsten Generation besuchen heute die Schule. Lesen, Schreiben, Rechnen und andere wichtige Handreichungen fürs Leben werden Deutschlands minderjähriger Zukunft dort vermittelt. Was sonst noch auf dem Lebensplan steht? Zum Beispiel der Geschmack von Sperma, der Umgang mit Dildos oder die spielerische Planung eines Bordells. Zwölfjährige müssen auch schon mal vor versammelter Klasse einen Orgasmus nachahmen.

Das Konzept nennt sich „Sexualpädagogik der Vielfalt“. Rollenspiele, Workshops und Lektüren sollen fächerübergreifend der Jugend die verstörenden Inhalte nahebringen. Das passiert derzeit in immer mehr Bundesländern – vorwiegend, wenn sie rot oder grün regiert werden. Jüngst wurde im Thüringen des linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow ein entsprechender Bildungsplan verbindlich. Wer sich durch die fast 400 Seiten Wissenschaftsdeutsch kämpft, stößt auf zutiefst irritierende Passagen: Die Rede ist beispielsweise von Lern-Arrangements für Kleinkinder, in denen „lustbetonte Selbstberührungen“ als akzeptiert und wertschätzend thematisiert werden. So etwas nennt sich anderswo Kindesmissbrauch.

Im Baden-Württemberg des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann wird die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ besonders konsequent umgesetzt. Gleichzeitig hat sich dort seit 2014 mit „Demo für alle“ eine bürgerliche Gegenbewegung gebildet. Die engagierten Eltern wenden sich gegen die Frühsexualsierung ihrer Kinder, gegen „scham- und persönlichkeitsverletzende Unterrichtsinhalte in Wort, Bild und Ton“. Jede „aktive Indoktrination zum Beispiel durch Infragestellung der natürlichen Geschlechter und Familienbilder soll gestoppt werden“, fordern sie.

Denn auch das gehört zur „Sexualpädagogik der Vielfalt“: Auf Grundlage der wahnhaften Gender-Mainstreaming-Ideologie (siehe PAZ 5/15, Hintergrundseite „Genderismus“) wirkt das Konzept, wie von einem regelrechten Hass auf die klassische Familie durchzogen. Erste Lehrerpflicht scheint es, den anvertrauten Schützlingen die typische Mutter-Vater-Kind-Konstellation auszureden. Sie solle, heißt es bei den Vordenkern der „Sexualpädagogik der Vielfalt“, vom ersten Bilderbuch bis zum Abitur „entnormalisiert“ werden.

Gemäß der Gender-Ideologie werden zudem die beiden natürlichen Geschlechter des Menschen in Frage gestellt. Was dem gesunden Menschenverstand absurd erscheint, ist es in der Genderisten-Denkwelt mitnichten. Ihre Glaubenssätze lauten, dass Mann und Frau gesellschaftliche Konstrukte seien. Außerdem gäbe es zahllose weitere Geschlechter wie transsexuell, transmaskulin, transfeminin oder Cross-Gender. In dieser Hinsicht solle im Unterricht „bewusst Verwirrung und Verundeutigung angestrebt werden“, fordert etwa Uwe Sielert, Professor für Sexualpädagogik an der Universität Kiel und einer der Vordenker der Bewegung. Sprich: Die jungen Menschen, die eigentlich selbstbewusst und lebenstüchtig ins Erwachsenendasein entlassen werden sollten, werden solange verunsichert, bis sie nicht einmal mehr wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind.

Die Folgen derlei pädagogischen Wahns sind völlig unbekannt: Von einem Experiment mit offenem Ausgang spricht beispielsweise Professor Jakob Pastötter. Der Präsident der renommierten Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung weist darauf hin, dass es nicht eine Studie darüber gibt, wie sich tatsächlich auswirkt, was die Kinder über sich ergehen lassen müssen.

Vorgebliches Ziel der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ ist es, die Akzeptanz geschlechtlichen Andersseins zu fördern. Schülern soll vermittelt werden, dass homosexuelle Lebensweisen natürlich sind und gleichberechtigt neben der Ehe stehen. Aber ist das wirklich nötig? Bürgermeister, Talkmasterinnen und Außenminister können sich in Deutschland offen zum Schwulsein bekennen. Abgesehen von den muslimisch-migrantischen Parallelgesellschaften leben wir in einer toleranten Gesellschaft – und das ist auch gut so.

Die klassische Familie scheint derzeit viel eher in Bedrängnis – und das ist eine Katastrophe. Ihr Zusammenhalt wird immer brüchiger. Jede dritte Ehe wird geschieden. Das „lebenslange“ Eheversprechen währt durchschnittlich 14,7 Jahre. Nachwuchs scheint immer seltener vorgesehen. Die aktuelle Geburtenrate liegt bei 1,41 Kindern je Frau. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 2,01.

Den „Motor der Welt und der Geschichte“ nennt Papst Franziskus die klassische Familie. In ihr entwickle der Mensch seine Persönlichkeit, lerne zu lieben und zu kommunizieren sowie den Respekt vor der Würde des Mitmenschen. Wo ist der Bildungsplan, der den „Motor der Welt“ fächerübergreifend zum Lehrinhalt macht?

Frank Horns


Merkeldämmerung?
Erneute Kandidatur für Parteivorsitz und Kanzlerschaft erwartet

In rund einem Jahr steht die nächste Bundestagswahl an. Kanzlerin Angela Merkel hat bislang offengelassen, ob sie noch einmal in den Ring steigen wird. Aus dem Medien-Haus Axel Springer, das der Kanzlerin traditionell nahesteht, sickerte in der vergangenen Woche allerdings durch, dass sich die 62-Jährige auf dem Bundesparteitag im Dezember erneut als Kanzlerkandidatin der Union präsentieren wolle. Innerhalb der CDU-Spitze rechne man damit, dass sich Merkel in Essen für weitere zwei Jahre als Parteichefin zur Wahl stellen und aus taktischen Gründen beide Kandidaturen miteinander verknüpfen wird. Denn bei der Wahl zum Parteivorsitz droht Merkel aufgrund ihrer Haltung in der Asylpolitik ein massiver Dämpfer. Potenzielle Abweichler könnten sich so genötigt fühlen, ihre Delegiertenstimme doch der Vorsitzenden zu geben, in der Hoffnung, so die Wahlchancen der Bundespartei weniger zu schmälern.

Die nähert sich in allen Umfragen bedrohlich der 30-Prozent-Marke und liegt mittlerweile rund zwölf Punkte hinter ihrem Ergebnis von 2013. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte kürzlich berichtet, Merkel wolle ihre Entscheidung für eine erneute Kanzlerkandidatur wohl erst im Frühjahr 2017 bekannt geben. Grund dafür sei, dass der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer erst dann entscheiden wolle, ob seine Partei Merkel wieder unterstütze. Zuletzt war die Stimmung zwischen den beiden Schwesterparteien aufgrund unterschiedlicher Auffassungen in der Asylfrage sehr angespannt. Der bayerische Ministerpräsident war Mitte der vergangenen Woche dann aber um Schadensbegrenzung bemüht. „Ich halte das für eine selten dämliche Dis-kussion“, teilte er mit. Die Union werde am vereinbarten Fahrplan festhalten, dies habe er kürzlich mit Merkel erneut abgesprochen, sagte Seehofer der „Süddeutschen Zeitung“ und fügte hinzu: „Wir sind froh, dass wir sie haben.“ Und schob sofort nach: „Aber wir müssen erst noch schwierige Fragen klären.“

Einer Umfrage zufolge lehnt die Hälfte der Deutschen eine vierte Amtszeit der CDU-Chefin ab, nur noch 42 Prozent der Befragten befürworten dies. Unter den Anhängern der Union sprechen sich 70 Prozent für eine weitere Amtszeit aus, 22 Prozent lehnen sie ab. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ spekuliert, Merkel wolle eventuell abwarten, bis sich die öffentliche Stimmung wieder gedreht habe. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Nach der Wahlniederlage in Mecklenburg-Vorpommern droht der CDU in der Hauptstadt in Kürze ein neuerliches Debakel. Dennoch ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Spitzenfunktionäre erneut hinter Merkel versammeln.

Dieses könnte so enden wie Helmut Kohl, der sich 1998 eine erwartbare Niederlage abholte, damit aber den Neuaufbau der CDU ermöglichte. Denn Merkel, welche die Union ähnlich wie Kohl mit harter Hand führt, hat sich nicht gerade bei der Nachfolge-Förderung hervorgetan. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gilt als zu unbeliebt, Hessens Regierungschef Volker Bouffier, bereits 64, könnte als Bundespräsident gebraucht werden. Und Jens Spahn, mit 36 Jahren, wohl einer der wenigen jungen Hoffnungsträger, soll möglichst nicht verbrannt werden. „Am Ende läuft es auf die Chefin hinaus“, zitiert die „Bild“-Zeitung ein Mitglied des CDU-Präsidiums.      Walter Kerber


BBB verkündet Scheinerfolg
Warum viele Immigranten vom Balkan selbstständig sind

Zumindest auf den ersten Blick sprechen Daten der BBB Bürgschaftsbank zu Berlin-Brandenburg GmbH für eine ausgeprägte Neigung von Ausländern zur Unternehmensgründung, die weit oberhalb der von Deutschen liegt. Besonders ausgeprägt scheint der Hang zur Selbstständigkeit bei zugewanderten Süd- und Südosteuropäern zu sein. „Etwa 3 von 5 Rumänen in Berlin gründen ein eigenes Unternehmen und das wohlgemerkt seit 2012“, so die Bürgschaftsbank in ihrem „Grün­der­index“. Eine große Berliner Tageszeitung zog aus den Daten die Schlussfolgerung: „Besonders die Mehrheit der hier ansässigen Rumänen kann sich ein Angestelltendasein offenbar nur schwer vorstellen.“

Speziell was die Motivation von Bürgern der beiden EU-Länder Rumänien und Bulgarien angeht, sich in Deutschland als Unternehmer zu betätigen, ist allerdings eine gehörige Portion Skepsis angebracht. Noch häufiger als purer Unternehmergeist spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Trotz des EU-Beitritts im Jahr 2007 besteht für Rumänen und Bulgaren erst seit dem Januar 2014 ein unbeschränkter Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Erst seitdem ist der Weg frei, in Deutschland uneingeschränkt als Arbeitnehmer tätig zu werden. Bereits durch Erfahrungen beim EU-Beitritt Polens ist allerdings bekannt, dass sich diese übergangsweise Schutzklausel für den deutschen Arbeitsmarkt durch eine juristische Hintertür umgehen lässt. Bereits mit dem Stichtag des EU-Beitritts bestand nämlich für Bürger der Neumitglieder eine volle Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit. Das beinhaltete das Recht, als „Unternehmer“ in allen anderen EU-Ländern tätig werden zu dürfen, selbst wenn der reguläre Arbeitsmarkt noch nicht geöffnet war.

Auch nach dem Auslaufen dieser Schutzklausel im Januar 2014 kann es für Rumänen oder Bulgaren von Vorteil sein, offiziell den Status eines Unternehmers statt den eines Arbeitnehmers zu haben. So gilt der im Jahr 2015 flächendeckend eingeführte Mindestlohn nicht für Selbstständige. Speziell aus dem Baugewerbe ist die Praxis bekannt geworden, dass ausländische Arbeiter zum Gewerbeamt gefahren werden, damit sie sich dort als Selbstständige melden.

Scheinselbständigkeit liegt oftmals auch bei einem Phänomen vor, auf das bereits im Jahr 2014 unter anderem ein Vertreter des Deutschen Städtetages aufmerksam machte. Ein Gewerbeschein als Kleinunternehmer erleichtert EU-Ausländern auch den Zugang zu deutschen Sozialleistungen wie etwa Hartz IV oder Kindergeld. So hat die Zahl von Rumänen und Bulgaren, die in Deutschland als Selbstständige so wenig verdienen, dass sie als sogenannte Aufstocker ergänzend Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beziehen, in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Es ist davon auszugehen, dass es dabei sogar in erheblichem Umfang zu systematisch organisiertem Betrug kommt. So heißt es etwa im „Roma-Statusbericht 2012“ der Stadt Berlin: „Die sogenannten Aufstocker können also je nach Familiengröße ein gegenüber ihrem Heimatland attraktives Einkommen erzielen.“ Wie aus einem Bericht aus dem Jahr 2013 hervorging, waren allein in Berlin-Neukölln 3000 Gewerbe von Rumänen und Bulgaren angemeldet, die sich auf lediglich etwa 20 Gebäude verteilten.   Norman Hanert


MELDUNGEN

Wendt fordert 50000 Polizisten

Berlin – Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, fordert die Einstellung von 50000 zusätzlichen Polizisten. Das Ziel der Politik, nur 15000 zusätzliche Beamtenstellen bei der Polizei zu schaffen, sei viel zu niedrig angesetzt, um den sprunghaft anwachsenden Herausforderungen gerecht zu werden. Wendt weist darauf hin, dass zuvor 17000 Stellen gestrichen worden seien, die Politik also nicht einmal den alten Zustand wiederherstellen wolle. Zudem müsse es aufhören, dass die Justiz mit bloßen Verwarnungen, Bewährungsstrafen und ähnlichem den Rechtsstaat in den Augen von Intensivtättern lächerlich mache. Vor allem afrikanische Täter lachten die deutschen Sicherheitskräfte aus und müssten härter angefasst werden.     H.H.

 

Häftlinge: Kaum Deutsche

Hamburg – In einzelnen Gefängnissen der Hansestadt liegt der Ausländeranteil bei 80 Prozent. Das ergab die Antwort des Hamburger Senats auf eine kleine Anfrage der AfD-Fraktion in der Bürgerschaft. Die PAZ hatte bereits in der letzten Wochen über die zunehmende Gewalt und den hohen Ausländeranteil in deutschen Justizvollzugsanstalten als Folge der Asylflut berichtet. Die Zahlen aus Hamburg bilden bislang allerdings einen traurigen Rekord. Für den Hamburger AfD-Abgeordneten Dirk Nockemann ist klar, dass sich der Trend zu immer mehr kriminellen Ausländern in der Hansestadt weiter verschärft. Zumal die Statistik nur ein unvollständiges Bild abgibt: Nicht erfasst sind Häftinge mit doppelter Staatsbürgerschaft. Sie werden als Deutsche gezählt. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben Insassen mit deutschem Pass, aber ausländischer Herkunft. FH


S. 4 Renaissance des Söldnertums

Kein Bürgerkrieg in Syrien
In dem arabischen Land tummeln sich Söldner unterschiedlichster Herkunft

Die gängige Bezeichnung des Krieges in Syrien als „Bürgerkrieg“ legt die Vorstellung nahe, dass es sich um eine militärische Auseinandersetzung zwischen den Syrern handele. Ein anderes Licht fällt auf die Situation, wenn man sich die Zusammensetzung der Kämpfer ansieht: Die verschiedenen Gruppen von sogenannten Aufständischen sind hochgradig versetzt mit Söldnern aus aller Welt.

Thomas Drennan, der Vize-Generalsekretär der UN für Bewachung und Sicherheit, sagt: „In Syrien halten sich zwischen 20000 und 30000 Söldner aus mehr als 100 Ländern auf.“ Dabei handelt es sich einerseits um Desperados, die in ihren eigenen Ländern keine Perspektive sehen, zum andern Teil aber um bestens trainierte und ausgerüstete Legionäre, professionelle Sadisten und Fachleute des Tötens, die ausschließlich wegen des Geldes ins Feld ziehen.

Zu den Perspektivlosen sagt Drennan: „Das ist ein ganzer Komplex von Problemen. Wenn es Leuten scheint, dass sie nichts (an ihren Umständen) ändern können, fangen sie an, nach Alternativen zu suchen. Die jetzige Form des Terrorismus ist für sie anziehend und deswegen kämpfen sie in den Reihen der Terroristen.“ Sie dürften überwiegend die Rolle des Kanonenfutters spielen, während die professionellen Kämpfer das strategische Rückgrat des Krieges gegen Baschar Hafiz al-Assads Regierung bilden.

Der syrische General und politische Analyst Salim Harba zählt einige Herkunftsländer von Söldnern auf. Dazu gehören die Emirate am Golf, Saudi-Arabien, Jordanien und der Irak, ferner sind an den Kämpfen in Syrien Einheiten des israelischen Geheimdienstes Mossad beteiligt, der US-amerikanische CIA und – wie so gut wie überall, wo die USA die Finger im Spiel haben – die Söldner-Firma Blackwater, die sich heute „Academi“ nennt. Ihr größter Kunde ist seit Langem die US-Re­gie­rung, die auf diese Weise ohne jede demokratische Kontrolle durch den Kongress und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt bewaffnete Einheiten in alle Welt schicken kann.

Die Verluste, welche die Streitkräfte der Arabischen Republik Syrien mit Hilfe der russischen Luftwaffe den Extremisten beigebracht haben, führte bei letzteren bereits vergangenen Herbst zu verstärkten Bemühungen, die Reihen wieder mit neuen Söldnern zu füllen. Im vergangenen November teilte das russische Verteidigungsministerium ein Ergebnis seiner Luftaufklärung mit. Danach wurde vor allem im syrischen Gouvernement Idlib eine große Zahl neu angekommener ausländischer Söldner registriert.

Von einem Bürgerkrieg in Syrien kann also gar keine Rede sein. Das breit angelegte Eingreifen ausländischer Mächte und herrenloser Legionäre führt indes für die syrischen Behörden zu einem makabren Problem. In den vergangenen fünf Jahren wurden tausende von Milizionären getötet. Doch ihre Heimatländer weigern sich zumeist, die Leichen zurückzunehmen. Der syrische Chef-Forensiker Hussein Nofal schildert die Lage: „Wir haben mehrere tausend tote Terroristen identifiziert. Bei ihnen handelte es sich um Franzosen, Türken, Iraker, Saudi-Araber, Jordanier, Libanesen und Bürger anderer arabischer Staaten.“ Doch selbst die Nachbarstaaten Syriens weigerten sich, die Leichen ihrer Staatsangehörigen zurückzunehmen.

Doch Syrien ist nur ein Bespiel für das Wiedererstehen des Söldnertums. Die Streitkräfte der Vereinigten Emirate haben Mietlinge aus Lateinamerika ins Land geholt, die im Jemen auf der Seite der von Saudi-Arabien geführten Koalition gegen das Land kämpfen. Dazu kommen 1000 Mann aus dem Sudan, die angeblich eine Milliarde US-Dollar gekostet haben, sowie Kämpfer aus Mauretanien und dem Senegal, wahrscheinlich auch aus Eritrea. Die Vereinigten Emirate arbeiten in letzter Zeit verstärkt mit dem ko-lumbianischen Unternehmen Global Enterprises zusammen. Auf diesem Weg kommen Söldner nicht nur aus Kolumbien, sondern auch aus Panama, El Salvador und Chile in arabische Länder, um dort zu kämpfen, von Syrien bis Libyen.

An der derzeitigen Söldner-Konjunktur haben die USA durch ihre Kriege vor allem in Afghanistan und im Irak großen Anteil. Das System bietet kriegführenden Staaten den Vorteil, dass Risiken ausgelagert und rechtliche Schranken umgangen werden können. Das haben mittlerweile selbst die Vereinten Nationen erkannt. Auch sie setzen bei ihren sogenannten Friedensmissionen zunehmend Söldner ein.          

                Florian Stumfall


Viele Vorteile
Warum auch die Bundeswehr Söldner einsetzt

Auch die Bundeswehr setzt Söldner ein, greift auf die Dienste privater Sicherheits- und Militärunternehmen (PMC, Private Military Companies oder Private Military Contractors) zurück. So werden in Afghanistan die deutschen „Heron“-Drohnen nicht von Bundeswehrsoldaten, sondern von Mitarbeitern des Rüstungskonzerns Airbus geflogen. Rheinmetall betreibt das modernste Zentrum für Gefechtsübungen der Bundeswehr.

Zumindest für die Auftragnehmer scheint sich das Modell zu lohnen. Der Umsatz dieses Geschäftszweiges beträgt international rund 100 Milliarden Euro pro Jahr. Tim Engartner, an der Universität Frankfurt am Main beschäftigt mit Fragen der Privatisierung, schätzt die Zahl der in Deutschland registrierten privaten Sicherheits- und Militärunternehmen auf 2500.

Vor allem bei militärischen Auslandseinsätzen sind der Bundesregierung private Dienstleister sehr willkommen. Denn jedes Unternehmen muss vom Bundestag, der auch die Zahl der beteiligten Soldaten begrenzt, abgesegnet werden. Angehörige von privaten Sicherheits- und Militärunternehmen aber sind Zivilisten und fallen daher durchs politische Raster. Ein Beispiel: Als das Isaf-Mandat für Afghanistan Anfang 2015 auslief, wurden die dort eingesetzten Soldaten der Bundeswehr von 3300 auf 850 verringert. Allerdings habe man in Masar-i-Sharif „massiv militärisches Personal durch Zivilisten ersetzt“, so ein nach Afghanistan abgestellter Airbus-Mitarbeiter gegenüber einer deutschen Online-Zeitung. Wie viel Mann „massiv“ bedeutet, ließ er offen.

Außerdem werden die Angehörigen von privaten Sicherheits- und Militärunternehmen im Fall des Falles nicht zu den Toten der Bundeswehr gerechnet. Die Bundesregierung erklärte in der Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag, dass der Staat nicht für „Schäden des Auftragnehmers durch Krieg“ hafte. Von einer Zahl ziviler Opfer weiß man nichts. Weder das Außenamt noch der Militärische Abschirmdienst (MAD) oder eine andere Stelle der Bundeswehr erfasst diese Fälle.          FS


Pioniere einer blutigen Rückkehr

Als in Südafrika die Zeit der weiße Regierungen zu Ende ging, saßen mit einem Mal zahlreiche Geheimdienstler und Angehörige von militärischen Spezial-Einheiten, wie der berühmten Koevoet oder dem Buffalo Bataljon 32, auf der Straße. Aus ihnen bildete sich die Söldner-Truppe Executive Outcomes (EO), die vor allem in Afrika von sich reden gemacht hat. Gegründet von Eeben Barlow, verkaufte dieser seine Firma an den britischen Öl-Magnaten Tony Buckingham, nachdem die EO-Söldner diesem im angolanischen Bürgerkrieg eines seiner Ölfelder freigekämpft hatten. Die Executive Outcomes machte einige Umwandlungen durch. Nach den Zeiten des Tony Buckingham übernahm Tim Spicer die EO in seine Firma Sandline. Heute ist sie Bestandteil des in London ansässigen Unternehmens Aegis Defence Services. Ein EO-Kommando rettete 2011 die Frau und zwei Kinder des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi nach Tunesien.

Blackwater wird seinen Namen wahrscheinlich nie mehr los, obwohl die Firma zwischenzeitig „Xe Services“ geheißen hat und sich jetzt „Academi“ nennt. Blackwater kommt von dem sumpfigen Trainingsgelände in Virginia, in dem die Söldner zuerst gedrillt worden sind, im Jahr 1997 und folgende. Das Unternehmen wurde von Erik Prince gegründet, der einst zu den US Navy Seals gehört hat. Heute ist das Unternehmen das größte seiner Art, nicht nur in den USA, sondern weltweit. Wichtigster Kunde ist die US-Regierung, welche die Söldner weltweit zu allen kriegerischen Brennpunkten schickt, vor allem auch zur Vorbereitung von politischen Umstürzen, sogenannten Regime Changes. Blackwater ist vor allem wegen der großen Brutalität seiner Männer berüchtigt. Das hindert die US-Regierung jedoch ebensowenig an einer engen Zusamenarbeit mit der Firma wie Unternehmen von Weltbedeutung wie Monsanto, Chevron Corporation, Walt Disney,  Barclays oder die Deutsche Bank.    FS


Zeitzeugen

Ursula von der Leyen – Die Bundesverteidigungsministerin  tut einen ersten Schritt hin zum Söldnertum. Angesichts eines peinlichen Mangels an Nachwuchs für die Truppe will sie künftig auch Ausländer rekrutieren, zwar nur aus der Europäischen Union, aber ein Anfang wäre gemacht. „Nicht zuletzt“, meint die Ministerin, „böte die Öffnung der Bundeswehr für Bürgerinnen und Bürger der EU nicht nur ein weitreichendes Integrations- und Regenerationspotenzial für die personelle Robustheit der Bun­des­wehr, sondern wäre auch ein starkes Signal für eine europäische Perspektive“, so eine Schrift zur künftigen Personalstrategie der Streitkräfte. Derzeit verlangt das Soldatengesetz die deutsche Staatsbürgerschaft als Voraussetzung für eine Einstellung als Berufs- oder Zeitsoldat, nicht aber das Grundgesetz.

Sharaf Ghalib Lugman – Der Sprecher der jemenitischen Armee sagte über die saudi-arabisch geführte Koalition: „Sie heuern arme Leute in der ganzen Welt an, um an den Kämpfen teilzunehmen. Unter ihnen gibt es Somalis und Leute von sudanesischen Völkern. Jedoch auch Europäer, Amerikaner, Kolumbianer. Sie haben Verträge mit Blackwater. Das sind etwa 400 Leute.“ Sharaf Lugman gehört zu den jemenitischen Loyalisten, die auf Seiten des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh stehen und somit an der Seite der Houthis gegen die Unterstützer des international anerkannten Präsidenten Abd Rabbuh Mansour Hadi kämpfen. Die Blackwater-Söldner sind inzwischen nach schweren Verlusten abgezogen.

Petja Stoy – Der Geschäftsführer von Asgaard, des ersten deutschen privaten Sicherheits- und Militärunternehmens, hat unter anderem im Irak Berufserfahrung gesammelt und ist in Söldner-Kreisen eine Größe. Sein Unternehmen bezeichnet sich selbst als ein „Dienstleistungsunternehmen, das sich auf die sensible Thematik von Sicherheitsberatung und Personenschutz auf internationaler Ebene spezialisiert hat“. Die Experten der Firma seien alle ehemalige Angehörige aus Eliteeinheiten des Militärs und daher gut für „professionelle Beratung und weltweite Umsetzung auf höchstem Niveau“. Das vielfach verwendbare Wort „Umsetzung“ bedeutet in diesem Zusammenhang auch die Anwendung des Kriegshandwerks, wo es als nötig empfunden wird. Die Firma unterhält ein Kontaktbüro in Aachen, die Generalvertretung aber befindet sich in Nigeria, wo man sich der Mithilfe eines Prinzen Bosun Olusoga versichert hat.


S. 5 Preussen/Berlin

Russlanddeutsche heftig umworben
Von AfD bis Linkspartei: Einst treue CDU-Wählergruppe im Visier der Berliner Wahlkämpfer

In der Vergangenheit waren die Stimmen der Russlanddeutschen für die Unionsparteien quasi eine sichere Bank. Inzwischen hat sich bei dieser Wählergruppe allerdings eine tiefe politische Frustration über die CDU ausgebreitet. Beobachter rechnen damit, dass bei der Berlin-Wahl am 18. September vor allem eine Partei von dieser Entwicklung profitieren wird.

Wie wenig sicher sich die Berliner Union fühlen kann, dass die Russlanddeutschen fast automatisch am Wahltag erneut ihr Kreuz bei der CDU machen, zeigen die Bemühungen der anderen Parteien um diese zahlenmäßig nicht ganz unbedeutende Wählergruppe. So werben zum Beispiel die Grünen mit Handzetteln auf Russisch. Eingehen will die Partei besonders auf die Anerkennung beruflicher Abschlüsse und die Sorge um Altersarmut.

Mit dem Versprechen, sich um ihre sozialen Belange zu kümmern, will ebenfalls die Linkspartei bei den Russlanddeutschen in der deutschen Hauptstadt punkten. Derartige Bemühungen sind Beleg einer bemerkenswerten Entwicklung.

Noch in den 90er Jahren konnte die CDU bei den Russlanddeutschen bis zu 80 Prozent der Stimmen holen, waren andere Parteien eigentlich chancenlos. Eine Rolle spielte dabei ein Element von Dankbarkeit: Viele Russlanddeutsche sind in der Regierungszeit von Helmut Kohl nach Deutschland gekommen. Die treue CDU-Wahl war ihre Gegenleistung die für Aufnahme, für welche sich der Kanzler damals eingesetzt hatte. Auch programmatisch fühlte man sich bei den Unionsparteien am besten aufgehoben.

Während die CDU ein Interesse für die Belange der Spätaussiedler signalisierte, waren aus der SPD Stimmen wie die von Oskar Lafontaine zu hören, der mit Aussagen wie „Mir ist ein verfolgter Afrikaner lieber als ein bedrängter Russlanddeutscher“ von sich reden machte. Inzwischen sehen viele Russlanddeutsche in der CDU aber keineswegs mehr ihre natürliche politische Heimat.

Breitgemacht hat sich zum einen eine generelle Ernüchterung über den Alltag in Deutschland, die sich durch den gesellschaftlichen „Modernisierungskurs“ genannten Kurswechsel der Merkel-CDU nach links oftmals noch verschärft hat. Hinzugekommen ist in jüngster Zeit noch ein breites Unverständnis über die von Angela Merkel verfolgte Asyl- und Zuwanderungspolitik.

Aufschluss, wie weit der Entfremdungsprozess fortgeschritten ist, können insbesondere die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September geben. Beobachter nehmen an, dass in der deutschen Hauptstadt  rund 300000 Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion leben, bis zu 200000 davon könnten Russlanddeutsche sein. Als eine Hochburg gilt der Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf im Osten der Metropole, in dem gut 30000 Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion wohnen. Viele davon, so die Erwartung, dürften sich der Alternative für Deutschland anschließen. Sie könnten einen Anteil daran haben, dass die AfD in diesem Bezirk wohlmöglich ein aufsehenerregend gutes Ergebnis einfährt. Schon bei der Europawahl 2014 war die AfD mit gut zwölf Prozent bei den Wählern von Marzahn-Hellersdorf überdurchschnittlich gut angekommen.

Laut Wahlforschern ging das Resultat des Politneulings AfD seinerzeit vor allem  auf Kosten der Linkspartei. Gelingt es der AfD, die Russlanddeutschen am 18. September für sich zu mobilisieren, könnte speziell in den Hochhaussiedlungen  des Berliner Ostens der größte Verlierer die CDU sein. Die Chancen der AfD, die Rolle einzunehmen, die in der Vergangenheit die CDU für die Russlanddeutschen spielte, stehen nicht schlecht.

Der Berliner AfD-Politiker  Hans-Joachim Berg meint gar, die Russlanddeutschen empfänden eine gleichsam natürliche Nähe zur AfD, weil sie konservativ seien, das heißt, Wert auf Familie, Erziehung und Bildung legten und ein hohes Arbeitsethos besäßen. Berg, der für die AfD zur Berliner Abgeordnetenhauswahl kandidiert, zählt noch weitere Themen auf, die die AfD für diese spezielle Wählergruppe aus seiner Sicht so attraktiv machten: „Unsere Partei ist für ein ordentliches Verhältnis zu Russland und gegen wirtschaftliche Sanktionen.“ Im Wahlprogramm verspricht die AfD dafür zu kämpfen, dass die Mittel für die Absicherung des Integrationserfolgs der Russlanddeutschen erhalten bleiben.

Nicht nur das Ringen um die Russlanddeutschen könnte indes als Besonderheit des Berliner Wahlkampfs in Erinnerung bleiben. Auffallend ist eine besorgniserregende Brutalisierung im Vorfeld des näher rückenden Wahltermins, die bereits Erinnerungen an die Schlussphase der Weimarer Republik hat sprießen lassen.

Fast schon ein flächendeckendes Problem sind die Beschädigungen von Wahlplakaten. So haben fast alle Parteien inzwischen Anzeigen wegen der Zerstörung ihrer Wahlwerbung gestellt. Als Reaktion auf die permanente Beschädigung ihrer Plakate ließ die CDU-Kandidatin Christina Henke inzwischen Aufkleber drucken, in der es im direkten Berliner Ton zur Sache ging: „Klar kannst Du mein Plakat abreißen, aber dann bis Du halt kacke!“

Wie oft ist Gewalt gegen Sachen nur die Vorstufe zur Gewalt gegen Menschen. Es bleibt nicht beim Beschädigen von Wahlwerbung. Die nächste Eskalationsstufe ist schon erreicht. In Berlin-Mariendorf ist ein Wahlhelfer der AfD beim Plakatieren auch körperlich angegriffen worden. Bekannt geworden sind mittlerweile überdies mehrere Brandanschläge auf Fahrzeuge von Politikern oder ihre Wahlkampfbüros.           Norman Hanert


Die Synagogen von Berlin
von Vera Lengsfeld

Steht man in der Glaskuppel des Reichstagsgebäudes und schaut in Richtung Osten, schwebt die Glaskuppel der Synagoge in der Oranienburger Straße wie ein kostbares Kleinod über der Häuser­silhouette. Ihr Gold leuchtet auch an trüben Tagen und kündet vom wiederauferstandenen jüdischen Leben der Stadt.

Vergangenen Montag jährte sich die Einweihung der Synagoge zum 150. Mal. Dieses Jubiläum wird festlich begangen. In einer Ausstellung „mittenmang und tolerant“ wird der wechselvollen Geschichte des Hauses gedacht. Das prächtige Gebäude „zum Ruhme Gottes und zur Zierde der Stadt“ wurde zum Mittelpunkt des jüdischen Lebens. Die „Königlich privilegirte Berlinische Zeitung“ schwärmte von der „feenhaften, überirdischen Wirkung“ der opulenten Innenausstattung. Der Hauptsaal bot 3500 Besuchern Patz. Es war das größte jüdische Gotteshaus in Deutschland.

Heute steht nur noch der vordere Teil. Zwar verhinderte in der Pogromnacht 1938 der mutige Reviervorsteher Wilhelm Krützfeld, dass die Synagoge verbrannte, aber Fliegerbomben hinterließen im November 1943 eine Ruine. Deren hinterer Teil wurde auf Befehl der SED im Jahre 1958 gesprengt. Nur der Teil direkt an der Oranienburger Straße blieb stehen, wurde aber dem Verfall überlassen. Das änderte sich erst Ende der 80er Jahre. Damals wollte Erich Honecker seine Westreisen unbedingt mit einem Besuch in Wa­shington krönen. Er warb um Unterstützung einflussreicher amerikanischer Juden, indem er die Restaurierung der Synagoge in Angriff nehmen ließ. Dafür wurde eine „Stiftung neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“ gegründet. Kurz vor dem Kollaps der DDR konnte das Gotteshaus eingeweiht werden, hauptsächlich mit Gläubigen aus West-Berlin. Der Rabbi kam aus Budapest. Für Honecker kam das zu spät. Statt sich seinen amerikanischen Traum erfüllen zu können, musste er abtreten.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kamen viele sowjetische Juden nach Berlin und trugen zum schnellen Wachstum seiner jüdischen Gemeinde bei. Inzwischen kommen immer mehr junge Menschen aus Israel, die mit ihren Start-Ups nicht nur zur wirtschaftlichen Erholung Berlins beitragen, sondern auch die Beterschaft erheblich verjüngen.

Wenn am kommenden Sonntag die Besucher zum Festkonzert in die Oranienburger Straße kommen, das mit Kompostionen bestritten wird, die hier vor 150 Jahren aufgeführt wurden, werden sie den Eindruck haben, eine Festung zu betreten. Die strenge Bewachung des Gebäudes ist dem wachsenden Antisemitismus geschuldet, über dessen Hauptursache, Islamismus, beim Festakt vermutlich geschwiegen wird.


Einsicht kurz vor der Wahl
Viel- und Kinderehen grassieren in Berlin – Senator alarmiert

Unter den 66000 Asylbewerbern, die in Berlin 2015 registriert wurden, finden sich 101 „verheiratete“ minderjährige Mädchen. In Bayern sind 161 und in Baden-Württemberg 117 derartige Fälle aktenkundig. Im Kommentar des Familienrechts des BGB heißt es unmissverständlich: „Eine Rechtsnorm eines anderes Staates ist nicht anzuwenden, wenn ihre Anwendung zu einem Ergebnis führt, das mit wesentlichen Grundsätzen des deutschen Rechtes offensichtlich unvereinbar ist.“ Nun hat das Oberlandesgericht Bamberg kürzlich die „Ehe“ eines 14-jährigen syrischen Mädchens mit ihrem Cousin für rechtmäßig erklärt, weil hier wichtige Ausnahmegründe vorlägen.

Damit ist Deutschland einen weiteren Schritt in die internationale Isolierung gegangen. Abgesehen von der Frage des Kindeswohls wird beispielsweise in Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark eine derartige „Ehe“ ignoriert. In Dänemark muss der „Ehemann“ zudem mit seiner sofortigen Abschiebung rechnen. Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) hat das Thema für sich entdeckt und fordert „schärfere Gesetze beim Umgang mit Kinderehen“. Er zeigt sich besorgt und will eine Gesetzesverschärfung sowie ein Verbot von Eheschließungen unter 18 Jahren durchsetzen.

Da der skandinavische und insbesondere der dänische Umgang mit derartigen islamischen Ehen nicht gegen EU-Recht zu verstoßen scheint, wäre Heilmann glaubwürdiger, wenn er konkret die Anwendung der dänischen Praxis forderte. Der wenig präzise Ruf nach „Gesetzesverschärfungen“ vor anstehenden Landtagswahlen (die sich dann nach dem Urnengang möglicherweise nicht durchsetzen lassen) riecht dagegen nach Wahlkampf.

Eine weitere gesellschaftliche Veränderung durch radikale Moslems brachte die weitgehende Akzeptanz von Vielehen. Sie gehören inzwischen zur Lebenswirklichkeit in Deutschland. Der Familienhelfer Abed Chaaban (libanesischer Abstammung) aus Berlin- Neukölln schätzt, dass 30 Prozent der arabischen Männer in Berlin mit zwei Frauen verheiratet seien. Die Vielehe bringt bares Geld vom Sozialstaat. Die Zweitfrau erklärt gegenüber den Ämtern, alleinerziehende Mutter zu sein und kassiert Wohngeld, Kindergeld, Erziehungsgeld und Unterhaltsvorschuss für zahlreiche Kinder, sodass sie nicht einmal mehr einen Hartz-IV-Antrag stellen muss.       Hans Lody


»Piraten« fast tot
Partei nähert sich in Berlin ihrem Ende

Am 18. September dürfte das politische Schicksal der Piratenpartei besiegelt sein. Bei der Berlin-Wahl droht der Partei ein Debakel ausgerechnet dort, wo vor fünf Jahren ihr kurzer Siegeszug begann.

Mit 8,9 Prozent der Stimmen zog sie hier erstmals in ein Landesparlament ein. Doch Intrigen, Inkompetenz und ein misslungenes Politikmanagement haben die Protestpartei zermürbt. In den jüngsten Umfragen tauchte die Partei nur noch unter den „Sonstigen“ auf, ein Ergebnis von etwa zwei Prozent wird ihr noch zugetraut.

Auf Bundesebene hat ein wirklicher Aufbau von Strukturen nie stattgefunden. Nun darf sich ein bekannter Name versuchen. Der Düsseldorfer Medien-Designer Patrick Schiffer steht seit rund zwei Wochen an der Spitze der Partei und soll sie in die Bundestagswahl 2017 führen. Rund 300 Mitglieder wählten den Cousin des Topmodels Claudia Schiffer auf einem Parteitag in Wolfenbüttel zum neuen Bundesvorsitzenden.

„Wir sind noch nicht am Ende, sondern sind gerade dabei, wieder Luft zu holen“, beteuert Schiffer. Allerdings gilt die Partei als finanziell klamm und leidet unter Mitgliederschwund. Mehr als zwei Drittel der Beitragszahler hat sie verloren, derzeit gehören ihr nur noch rund 12000 Menschen an. Auf Grund seiner Cousine schaffte es Schiffer nun tatsächlich kurzfristig in die Medien. Aber einen dauerhaften Stimmungsschwung könnte wohl nur der Beitritt des Topmodels herbeiführen. „Damit ist leider nicht zu rechnen“, räumt der Vorsitzende ein.            Peter Entinger


Tempo 30 auf  allen Straßen

Vor fünf Jahren scheiterten die Grünen auch wegen autofahrerfeindlicher Forderungen bei der Berlin-Wahl. Nun tritt die Organisation Greenpeace kurz vor dem Urnengang mit ähnlichen Forderungen an die Öffentlichkeit. Das vorgestellte „Mobilitätskonzept“ sieht flächendeckend Tempo-30 sofort und das Verbot von Verbrennungsmotoren in der Innenstadt bis 2030 vor. Ausfallstraßen sollten vom „Transit- zum Aufenthaltsraum“ werden, im Ostteil der Stadt sollen Straßen „zurückgebaut“ werden. Im Umfeld von U- und S-Bahnhöfen soll der Bau von Einfamilienhäusern verboten werden. Der Senat müsse „schon heute klar sagen, dass es ab 2030 nur noch in Ausnahmefällen Verbrennungsmotoren in der Stadt geben darf“, so Green­peace. Beobachter halten eine Arbeitsteilung von Grünen und Greenpeace für möglich. Die Partei könnte mit Verweis auf Empfehlungen „unabhängiger“ Sachverständiger in die Koalitionsverhandlungen gehen.      H.L.


S. 6 Ausland

Fast jeder mischt in Syrien mit
Welche Macht in dem »Bürgerkriegsland« welche Interessen verfolgt

Der militärische Überfall der Türkei auf Syrien scheint nicht nach den klassischen Regeln der Kriegsführung zu verlaufen, sondern bringt angesichts eines unklaren Frontverlaufs und ebenso nebulöser politischer Pakte unbeabsichtigte Zwischenfälle mit sich.

Vor wenigen Tagen hat der Islamische Staat (IS) ungeachtet der guten Beziehungen, die ihn mit der Türkei verbinden, im Westen der umkämpften Stadt Dscharabulus einen türkischen Panzer abgeschossen. Daraufhin forderten die Türken von den US-Streitkräften unter Hinweis auf einschlägige Vereinbarungen Luftunterstützung an. Die US-Luftwaffe aber lehnte das Ansinnen ab ungeachtet der Behauptung der USA, sie würden den IS bekämpfen.

Der Versuch, irgendwelche Klarheit über den mysteriösen Vorgang zu gewinnen, bringt weitere Einzelheiten zutage, die ihrerseits neue Rätsel aufgeben. Nachdem die Türken bei der US Air Force um Hilfe gebeten hatten, geschah zunächst einmal eine Stunde lang gar nichts. Dann ließen die Türken gegen den IS eigene Jets aufsteigen, was sie ebenso gut sofort hätten machen können. Drei Stunden später erschienen dann doch US-Kampfflugzeuge, die indes nur leere Landstriche bombardierten und dann nach Incirlik zurückflogen.

Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera ließ über die Vorgänge einen Söldner zu Wort kommen, der auf türkischer Seite kämpft: „Die Amerikaner hatten uns versprochen, im Notfall US-Jets zur Unterstützung loszuschicken. Doch sie kamen nicht. Wir haben eine Reihe von Verletzten. Es war Teil des Plans, dass uns die Amerikaner gegen den IS Hilfe leisten. Sie hätten uns helfen müssen. Aufgrund der Versprechen der Amerikaner wäre die türkische Luftwaffe fast zu spät gekommen und wir hätten schwere Verluste hinnehmen müssen.“

Über die Motive der US-Luftwaffe, das anscheinend gegebene Versprechen nicht einzuhalten, stellt die „Washington Post“ ebenfalls Betrachtungen an. Danach haben US-Regierungsvertreter den Türken mitgeteilt, dass eine Hilfe vonseiten der Air Force dann nicht geleistet würde, wenn die türkischen Streitkräfte über Dscharabulus hinaus weiter nach Süden vorstoßen würden. Allerdings passt diese Erklärung nicht zu den Tatsachen. Denn der Vorfall um den türkischen Panzer fand nicht südlich, sondern westlich von Dscharabulus statt, in einer Gegend, die unter die Zusage der USA gefallen wäre.

Davon abgesehen scheinen die Türken tatsächlich nach Süden marschieren zu wollen, und zwar in Richtung auf Aleppo. Es ist zwar unbestritten erstes Kriegsziel der Türken, eine territoriale Vereinigung der Kurden im Nordosten Syriens mit denen im Nordwesten zu verhindern. Diese sind derzeit durch einen breiten Korridor getrennt, in den die Türken eingedrungen sind. Dieser Korridor aber reicht im Süden bis in die Gegend von Aleppo, und der Kampf um diese Stadt, so eine allgemein gehandelte Analyse, könnte den ganzen Krieg um Syrien entscheiden.

Für die Türken also eine übergroße Versuchung, Position und Einfluss in Syrien auszubauen, was aber den Amerikanern nicht in Konzept passt. Zwar wollen sie in Syrien einen Regimewechsel (Regime Change) und darüber hinaus eine Fragmentierung des Landes, doch nicht um den Preis, dass die Türkei dafür umso stärker würde. Die Gefechte zwischen den Soldaten der Türkei und syrischen Rebellengruppen seien inakzeptabel, erklärte der US-Sondergesandte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, wobei er mit „syrischen Rebellengruppen“ die Kurden gemeint haben dürfte. Die Türken hielten sofort dagegen: Niemand habe das Recht, der Türkei vorzuschreiben, „gegen welche Terrororganisationen wir kämpfen können und welche wir ignorieren sollen“, sagte Europa-Minister Omer Celik.

Die USA aber bedienen sich im Spiel um das syrische Kräfteverhältnis wie die Türken der islamistischen Gruppierungen, gegen die sie deshalb meist nur symbolisch vorgehen. In groben Zügen sieht die Doppelstrategie der USA gegenüber dem IS so aus, dass sie diesen im Irak, dessen Regierung sie stützen, bekämpfen, während sie in Syrien, dessen Präsidenten Baschar al-Assad sie stürzen wollen, den IS unterstützen, etwa durch Waffenlieferungen. Dass sich inzwischen China und Indien bereit erklärt haben, ebenfalls in Syrien einen Part zu spielen, macht die Sache nicht einfacher.

Die einzigen, die sich um das Schicksal der Kurden Gedanken machen, scheinen die Russen zu sein. Moskau hat dieser Tage erneut den türkischen Einmarsch in Syrien kritisiert. „Wir rufen unsere türkischen Partner auf“, so Maria Sacharowa, die Sprecherin des Außenministeriums, „einen selektiven Ansatz bei der Auswahl der Ziele für die Anti-Terrorismus-Operation zu befolgen und Angriffe auf die Einsatzgebiete der Opposition sowie ethnischer Gruppen zu vermeiden, einschließlich der syrischen Kurden, die auch gegen den IS kämpfen.“

Hier aber kommt eine weitere Verwerfung im syrischen Mobile ins Spiel: Die Türken nämlich betrachten die Kurden im Allgemeinen und speziell die Volksverteidigungseinheiten (YPG, Yekîneyên Parastina Gel) als Terroristen. Deshalb meinen sie in dieser Frage nicht dasselbe wie die Russen, mit denen sie sich andererseits vor Kurzem wieder ausgesöhnt haben. Die syrischen Kurden wiederum bekunden Interesse daran, ihre Verbindungen zu Moskau auszubauen. Rodi Osman, Vertreter der syrischen Kurden in Moskau, erklärte: „Wir verstehen, dass Russland im Nahen Osten seine eigenen Interessen vertritt und Politik betreibt. In Wirklichkeit spielt das Land jedoch eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes zwischen den beteiligten Seiten und leistet einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen die Terrormiliz IS. Deswegen hoffen wir auf den Erhalt der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und den Kurden.“     Florian Stumfall


Patriotisch, aber arm
Ukraine feiert 25. Jahrestag der Unabhängigkeit mit Militärparade

Landesweit erklang zeitgleich die Nationalhymne, als die Ukraine am 24. August den 25. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit feierte. Militärparaden in der Hauptstadt Kiew, aber auch in den strategisch wichtigen Städten Charkow und Mariupol unweit der umkämpften Gebiete im Osten der Ukraine, sollten der Welt ein patriotisches, von seinem Westkurs überzeugtes Volk zeigen und an Russland gerichtet eine Demonstration von Stärke darstellen.

„Ruhm den Streitkräften, Ruhm dem ukrainischen Volk, Ruhm der Ukraine“, rief Präsident Petro Poroschenko der Menschenmenge auf dem Majdan zu. Die ukrainischen Streitkräfte seien die Garantie dafür, dass das Land auf seinem Weg Richtung Europa weiter gehen könne, fügte er hinzu. In Kiew wurde der 25. Jahrestag der Unabhängigkeit mit einer großen Militärparade auf dem Majdan, dem Unabhängigkeitsplatz, auf dem zwei Jahre zuvor noch gekämpft wurde, gefeiert. 4000 Menschen, unter ihnen Soldaten, Polizisten, Grenzschützer und Nationalgardisten, aber auch Reservisten und Spezialkräfte nahmen an dem Festumzug teil. Schwere Geschütze und Panzer wurden aufgefahren, welche die grundlegende Modernisierung der ukrainischen Armee für alle sichtbar machte. Was nicht gezeigt wurde, aber für Unmut in der Bevölkerung sorgte, war die Tatsache, dass durch schweres Militärgerät, unter anderem BUK-Raketen, der Asphalt der Straßen erheblich gelitten hat.

Poroschenko verteilte Orden an die Teilnehmer der „Antiterror-Operation“ im Donbass, sprach von der Befreiung von der „mythischen Bruderschaft“ mit Russland, die Geschichte der Kiewer Rus völlig außer Acht lassend. In seiner Rede erwähnte Poroschenko Russland kein einziges Mal, sprach stattdessen von der „äußeren Bedrohung“ und dem „Feind“. Auch so wusste jeder, wen er damit meinte.

Drei ehemalige Präsidenten der Ukraine, Viktor Juschtschenko, Leonid Kutschma und Leonid Krawtschuk wohnten der Feier bei, aus dem europäischen Ausland war lediglich der polnische Präsident Andrzej Duda gekommen. Brüssel beschränkte sich auf eine Erklärung, in der es hieß, die Ukraine bleibe vorrangiger Partner der EU. Obama sandte seine Glückwünsche.

Indem Poroschenko nicht mit Spitzen gegen Russland sparte, überdeckte er die massiven innenpolitischen Probleme.  Er betonte, dass die Ukraine den Weg zu Demokratie, Freiheit und EU-Integration in den vergangenen zweieinhalb Jahren erfolgreich verfolgt habe. Was er jedoch nicht sagte: Dass der Unmut in der Bevölkerung stetig wächst, weil weder die Demokratisierung noch der Kampf gegen die Korruption erfolgreich waren. Das Land ist von ausländischen Krediten abhängig, und Poroschenkos Beliebtheitswerte sinken in den Keller. Bei der Bevölkerung entsteht der Eindruck, dass nur eine Umverteilung der Kontrolle über die Ressourcen stattgefunden habe. Das oligarchische System wurde nicht abgeschafft. Schließlich gehört Poroschenko diesem selber an.

In den vergangenen 25 Jahren ist es der Ukraine nicht gelungen, ihre Wirtschaft oder die Sozialpolitik zu reformieren. Seit den vergangenen zweieinhalb Jahren

steckt das Land in einer tiefen Krise: Die Inflation stieg auf 40 Prozent, das Durchschnittseinkommen sank auf 180 Euro. Damit zählt die Ukraine zu den Armenhäusern Europas.  Zu feiern gibt es da derzeit wenig.             M. Rosenthal-Kappi


Restriktive Skandinavier
Dänemarks und Norwegens Regierung planen strengere Asylpolitik

Die dänische Regierung will im Rahmen eines sogenannten 2025-Plans das Ausländerecht reformieren, um das Land weniger attraktiv für Asylsucher zu machen. So strebt die Ausländer- und Integrationsministerin Inger Støjberg (Venstre) an, dass eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erst nach einem achtjährigen Aufenthalt im Königreich erteilt wird. Bislang reichten hierfür sechs Jahre aus. Auch der Nachzug von Ehepartnern soll erschwert werden.

Bislang konnte Ehepartner nach drei Jahren nachkommen. Künftig soll das erst nach elf Jahren möglich sein. Støjberg gab zudem bekannt, dass Dänemark keine Quotenasylsucher aus anderen EU-Ländern aufnehmen werde. Es sei noch nicht absehbar, wann das Land in der Lage sei, wieder Quotenasylsucher aufzunehmen. Kamen vergangenes Jahr 21000 Asylsucher ins Land, sind es in diesem Jahr bislang 4800.

Im benachbarten Norwegen will die Regierung unberechtigte Asylbewerber nicht länger dulden, sondern außer Landes schaffen. Dort sind 31000 Wirtschaftsimmigranten ins Land gekommen. Mindestens die Hälfte davon hat keinen Flüchtlingsstatus und soll außer Landes geschafft werden. Der Direktor der Ausländerbehörde, Frode Forfang, trat Befürchtungen entgegen, dass, wer es erst einmal nach Norwegen geschafft habe, auch dort bleiben könne: „Manche haben vielleicht gedacht, 31000 Asylbewerber bedeuten 31000 Flüchtlinge, die in die norwegische Gesellschaft integriert werden sollen. In Wirklichkeit sind es sehr viel weniger, die eine Aufenthaltsgenehmigung in Norwegen bekommen.“ Über die „Nordroute“ (Murmansk) sind nach norwegischen Regierungsangaben noch Asylbewerber gekommen. Im Sommer hatte das norwegische Parlament das Asylrecht reformiert. Danach ist es nun möglich, Immigranten an der Grenze abzuweisen, sofern sie eine Aufenthaltsgenehmigung für Russland haben.

Forfang glaubt, dass die Rückführungen „eine anspruchsvolle Aufgabe“ wird. Ab Herbst sollen zunächst 15000 unberechtigte Immigranten abgeschoben werden. Die Rückführung derer, die kein Recht haben, in Norwegen zu sein, habe „eine hohe Priorität“. Ungewiss ist, ob die Rücktransporte „freiwillig oder unter dem Einsatz von Gewalt“ erfolgen werden. Forfang hofft darauf, alsbald die Durchgangslager schließen zu können. Um weitere ungebetene Gäste abzuschrecken, wird an der norwegischen Nordgrenze ein eher symbolischer Grenzzaun von 200 Meter Länge errichtet. Die Regierung verwies darauf, dass Norwegen nicht nur die Außengrenze des Schengenraums, sondern auch der Nato sichern müsse.                             

                Hans Lody


MELDUNGEN

Wilders stellt Programm vor

Den Haag – Der Chef der niederländischen Freiheitspartei, Geert Wilders, hat ein aufsehenerregendes Programm seiner Partei zu den Parlamentswahlen im kommenden März vorgestellt. Darin fordert die Partei die Entislamisierung des Königreichs mit der Schließung aller Moscheen und islamischen Schulen, dem Verbot von muslimischen Kopftüchern in öffentlichen Ämtern und des Korans. Außerdem sollen die Niederlande die EU verlassen, mehr direkte Demokratie einführen und kein Geld mehr für Entwicklungshilfe, Windkraft oder die Rundfunkanstalten ausgeben. Dafür sollen Polizei und Landesverteidigung finanziell gestärkt und Steuern gesenkt werden.     H.H.

 

Lettland ruft Bürger zurück

Riga – Lettische Demografen befürchten, dass das Land in zehn Jahren nur noch eine Million Einwohner haben wird, wenn die Tendenz der arbeitsfähigen Bevölkerung, ihr Land zu verlassen, nicht aufgehalten wird. Nach wie vor zieht es besonders junge Menschen nach Westeuropa, wo sie eine bessere Ausbildung und höhere Gehälter erwarten können. Vor fünf bis sechs Jahren, als die Auswanderungswelle  ihren Höhepunkt erreicht hatte, war Lettland von einer heftigen Wirtschaftskrise ergriffen worden. Heute zählt das Land zu den EU-Staaten mit der größten Wirtschaftsentwicklung. Dennoch haben auch im vergangenen Jahr 17000 Menschen das Land verlassen, 2014 waren es 15000.  In diesem Sommer hat die lettische Regierung unter der Bezeichnung „GribuTeviAtpakal“ (Ich will dich zurück) eine soziale Kampagne gestartet, mit der man im Ausland lebende Letten zurück locken will. Bislang folgten dem Aufruf jedoch nur wenige.                MRK


S. 7 Wirtschaft

»Rosinenpicken« erlaubt
Denkfabrik Bruegel schlägt »kontinentale Partnerschaft« für die vor, denen die EU zu zentralistisch ist

Während sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gegenüber der britischen Regierung offenbar noch unversöhnlich gibt, hat eine Brüsseler Denkfabrik eine Idee präsentiert, die wegweisend für die Zukunft der gesamten EU sein kann.

Zumindest bislang galt die Einheit der vier Grundfreiheiten – die Niederlassungsfreiheit für alle EU-Bürger, die Freiheit des Warenverkehrs, die Freiheit des Kapitalverkehrs und die Dienstleistungsfreiheit – als unverhandelbar. Geht es nach der 2004 in Brüssel gegründeten wissenschaftlichen Denkfabrik Bruegel, dann könnte sich dies im Zuge des bevorstehenden Brexit jedoch ändern. Angeboten werden soll den Briten, aber auch sogenannten Drittstaaten, eine Teilnahme am EU-Binnenmarkt ohne Freizügigkeit. Entstehen soll damit das Instrument einer „kontinentalen Partnerschaft“, das es ermöglicht, Großbritannien, aber auch Staaten wie die Schweiz und längerfristig die Türkei in einem äußeren Kreis an die EU anzubinden. Angeboten werden soll den jeweiligen Staaten dabei sogar ein begrenztes Mitspracherechte in der EU-Politik. Erwartet wird allerdings auch die Beteiligung an Brüssels Umverteilungspolitik. So sollen die jeweiligen Staaten Zahlungen an die EU leisten, damit Brüssel die Kohäsionspolitik zugunsten wirtschaftlich schwächerer EU-Länder finanzieren kann. Eine Arbeitsmigration, die von den Autoren der Studie temporär für notwendig gehalten wird, soll durch Quoten geregelt werden. In der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik strebt die Denkfabrik eine Kooperation im Zuge der „kontinentalen Partnerschaft“ an. Schon unter den Vollmitgliedern der EU sind die bisherigen Versuche einer gemeinsamen Politik auf diesen Feldern nicht sonderlich erfolgreich. Ob dies künftig mit Großbritannien, der Schweiz oder der Türkei als Mitglieder eines äußeren Kreises gelingt, scheint daher fraglich.

Insgesamt könnte sich die Idee einer „kontinentalen Partnerschaft“ am Ende jedoch als weit mehr als ein folgenloses Gedankenspiel herausstellen. Die Denkfabrik Bruegel hat sich schon in der Vergangenheit wiederholt als Ideengeber gezeigt, der in Brüssel gehört wird. Zudem werden als Mitautoren des vorgestellten Vorschlags einige bekannte Namen wie etwa Norbert Röttgen (CDU) oder Jean Pisani-Ferry, ein Berater des französischen Premierministers genannt. Die Denkfabrik scheint erkannt zu haben, dass die EU künftig mehr Flexibilität zeigen muss, wenn sie ein Zerbrechen verhindern will.

Anzeichen für sich verschärfende Konflikte, die zum Zusammenbruch des Projekts EU führen können, sind reichlich vorhanden. Unübersehbar bilden sich in der EU inzwischen feste Länderfraktionen heraus. So schmieden Italiens Premier Matteo Renzi und Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras an einer Allianz der Südeuropäer, die einen Kurswechsel in der Euro-Zone erzwingen will. Im Osten des Kontinents wiederum verfolgen die Staaten der Visegrad-Gruppe Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei eine Politik, die auf eine Stärkung der nationalen Souveränität und gegen einen „Superstaat EU“ abzielt.

In Frankreich, Dänemark, Finnland, Österreich und den Niederlanden sind EU-skeptische Parteien mittlerweile wichtige politische Größen geworden. Insbesondere in den Niederlanden könnte der Frust bei der Bevölkerung über das Projekt EU inzwischen so weit gewachsen sein, dass auch hier ein Referendum zu einem EU-Austritt führen könnte. Auftrieb könnten entsprechende Forderungen erhalten, wenn echte Reformen der EU weiterhin ausbleiben, Brüssel auf wichtigen Politikfeldern wie etwa der Einwanderungspolitik weiterhin eklatant versagt und die EU-Kommission sich weiterhin als unfähig oder unwillig erweist, etwa in der Währungsunion, gemeinsam vereinbarte Regeln auch durchzusetzen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung könnte eine Politik der Flexibilisierung, wie sie von der Denkfabrik Bruegel mit Blick auf den Brexit empfohlen wird, eine Art Notbremse sein, die das vollständige Auseinanderbrechen der EU verhindert.

Allerdings ist kaum vorstellbar, dass eine derartige Politik mit dem derzeitigen EU-Kommissionspräsidenten realisierbar sein wird. So bereitet Großbritannien derzeit offenbar den Abschluss neuer bilate-raler Handelsabkommen, etwa mit Australien, für die Zeit nach dem Austritt aus der EU vor. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht das Recht zu solchen Verhandlungen selbst im Fall Großbritanniens, jedoch ausschließlich bei der EU: „Ich mag die Vorstellung nicht, dass EU-Mitgliedstaaten, einschließlich solcher, die noch Mitglied der EU sind, über Freihandelsabkommen verhandeln“, so Juncker am Rande des G20-Gipfels.      

                Norman Hanert


Iran stellt sich gegen Opec
Russland und Saudis ringen um Stabilisierung des Ölpreises

Am Rande des G20-Gipfels in China haben laut Reuters Russland und Saudi-Arabien zur Zusammenarbeit bei der Stützung des Ölmarktes aufgerufen. Im Frühjahr hatten die Saudis zuletzt eine diesbezügliche Initiative der Russen noch abgelehnt, doch inzwischen zeigen sich die Folgen des Ölpreisverfalls auch im Königreich. Saudi-Arabien muss sparen. Davon betroffen ist vor allem die Baubranche und damit Zehntausende Gastarbeiter, die seit Monaten keinen Lohn mehr erhalten haben, weil den Baufirmen die Aufträge wegbrechen.

Angesichts der spürbaren Auswirkungen auf die saudische Wirtschaft teilt Vize-Kronprinz Muhammad ibn Salman nun überraschend Putins Ansicht. Mit einer engen Zusammenarbeit könnten Russland und Saudi-Arabien beiderseitige Vorteile auf dem Ölmarkt erzielen, sagte er. In diesem Sinne äußerte sich auch der saudische Ölminister Khalid al-Falih am Rande des G20-Gipfels.

Für den 24. Oktober plant Russland, am Treffen des Ölkartells Opec in Wien teilzunehmen, dem das Land nicht angehört, und dessen Politik der ungezügelten Ölförderung der russischen Wirtschaft durch den so verursachten Preisverfall bislang geschadet hat.

Ein Grund für das Festhalten der Saudis an hohen Fördermengen ist der Wegfall der West-Sanktionen gegen den Iran, der an einem Einfrieren der Ölförderung kein Interesse hat. US-Sanktionen hatten ihn jahrelang vom Weltmarkt abgehalten. Weil auch keine Fördertechnik mehr geliefert wurde, hat Teheran nicht nur, was die Fördermenge anbetrifft, Nachholbedarf, sondern auch, was die Ausstattung der Infrastruktur angeht. Ziel des Iran ist es, zu der Fördermenge von vor den Sanktionen in Höhe von vier Millionen Barrel pro Tag zurückzukehren. Laut Opec liegt die Fördermenge des Iran derzeit bei 3,13 Millionen Barrel täglich. Ein russischer Experte glaubt, dass es noch Jahre dauert, bis der Iran aufgeholt habe, da ihm die Finanzierungsquellen fehlten und sich die Unternehmen darüber beschwerten, dass sich die Vorkommen in einem schlechten Zustand befinden.

In dieser Situation stellt sich der Iran gegen die Opec. Dass Teheran Verpflichtungen eingehen wird, halten auch russische Experten für unwahrscheinlich. Eine ernüchternde Erfahrung musste der russische Energieminister Alexander Nowak vor Kurzem machen. Er führte in den vergangenen Monaten Verhandlungen mit der Opec, reiste nach Teheran und traf sich mit dem iranischen Ölminister Bischan Namdar Sangan. Der verlangt neue Bedingungen für die Beteiligung Irans am Abkommen über das Einfrieren der Ölförderung. Obwohl Wladimir Putin bei seinem Besuch im vergangenen November einen Staatskredit in Höhe von 2,2 Milliarden US-Dollar für Infrastrukturprojekte zugesagt hatte, verlangt der Iran nun Nachverhandlungen über die Höhe der Kredite.

Der iranische Energieexperte  Behrooz Abdolvand sieht die Opec gar als überflüssige Organisation. Sollten nämlich der Iran, Russland oder die Opec ihre Förderung drosseln, würde der US-amerikanische Fracking-Sektor seine Produktion erhöhen und alles bliebe beim Alten. Da die Opec heute nur noch 30 Prozent des Weltbedarfs decke, habe sie ihre Bedeutung verloren.      MRK


Beide locken mit Geld
Was Clinton und Trump den Bauern für Wahlversprechen machen

Mitte August gaben Hillary Clinton und Donald Trump ihre Positionen zu agrarpolitischen Themen bekannt. Darauf hatte man lange gewartet, schließlich zählt der Sektor Landwirtschaft zu den größeren Devisenbringern der USA. Für die massiven Probleme, denen sich Farmer und Tierzüchter seit Jahren zunehmend ausgesetzt sehen, wären umfassende Lösungsansätze vonnöten, die aber nicht in Sicht sind. Auch in den USA hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion wegen des Wachstumsdrucks und extremer Industrialisierung empfindlich gelitten hat. 2012 sorgten Extremwetterereignisse für hohe Ernteverluste, anschließend wurden die Versicherungsprämien angehoben. Im guten Erntejahr 2014 kürzte der Gesetzgeber die staatlichen Agrarsubventionen mit einer fünfjährigen Laufzeit (Farm Bill). Direktzahlungen wurden gestrichen und Obergrenzen eingeführt. 2015 sanken die Einkommen der Farmer durch den Verfall der Weltmarktpreise für fast alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf den niedrigsten Stand seit 2002. In dieser Situation monieren auch die großen Betriebe, dass sie völlig in die Abhängigkeit von einer Handvoll Chemie- und Agrar-, Schlachterei- und Handelskonzerne geraten seien, welche die Regeln bestimmen.

Selbst Konservative bezichtigen Donald Trump, in der Tasche dieser Konzerne zu stecken. Bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Iowa am 26. August verkündete Trump: „Meine Agrarberater sind die besten Amerikas. Mit ihren Ideen werden sie den ländlichen Gemeinden helfen.“ Den beunruhigten Farmern versprach er Subventionen, Steuererleichterungen, weniger Umweltauflagen und die weitere Förderung von Bioethanol auf Maisbasis. Details nannte er nicht. Iowa ist ein sogenannter Swing-State im riesigen Maisanbaugebiet des Mittleren Westens (corn belt). Das Wählerverhalten schwankt dort, und angeblich wird mit Parteispenden Maispolitik gelenkt.

Bereits im Mai dieses Jahres hatte auch Clinton in Iowa den US-amerikanischen Farmern die Stärkung der Standards für Erneuerbare Energien zugesagt, speziell für Bioethanol. Nun gab sie ihre weiteren Vorhaben bekannt. Sie zielen generell auf den Ausbau der Infrastruktur in ländlichen Regionen, in denen viele Gemeinden durch ökonomische Veränderungen in eine Abwärtsspirale geraten sind. Bio-Bauern sollen unter ihrer Administration höhere Kredite erhalten, Familienbetrieben will sie helfen, schwierige Zeiten zu überstehen. Betrieblichen Neugründungen, die Nahrungsmittel für die Region produzieren, sagte sie finanzielle Unterstützung zu.

Ungeachtet dessen warnte Trump seine Zuhörer vor Clinton, da sie sich 2008 für die weitgehende Abschaffung der Agrarsubventionen ausgesprochen hatte. „Hillary will die Familienbetriebe vernichten“, behauptete Trump.

Die Farmer bleiben dennoch skeptisch, schließlich ist eine rigide Einwanderungspolitik Trumps Hauptthema. Allein auf den riesigen Anbauflächen Kaliforniens sind rund 330000 Arbeiter beschäftigt, von denen mindestens ein Viertel keinen legalen Aufenthaltsstatus haben soll. Wer dann die harte und schlecht bezahlte Arbeit auf den Feldern machen soll, fragen sich nicht nur die Farmer.    D. Jestrzemski


MELDUNGEN

Sberbank trotzt Sanktionen

Moskau – Der größten russischen Bank geht es trotz der von der EU und den USA verhängten Sanktionen gut. Obwohl die Staatsbank den Zugang zum internatinalen Finanzmarkt eingebüßt hat, lag ihr Nettoergebnis im zweiten Quartal um knapp ein Fünftel höher als zu Jahresbeginn. Die Sberbank profitiert einerseits von höheren Gewinnen im Zinsgeschäft, andererseits davon, dass Bürger und Unternehmen zum Marktführer wechselten, weil sie die Zahlungsunfähigkeit kleinerer Banken fürchteten. Dank deren Einlagen konnte sich die Bank günstig refinanzieren. Bankchef German Gref rechnet zudem mit einer langsamen Konjunkturerholung.           MRK

 

Mehr Getreide für Palästina

Ramallah – Im März hatte sich eine russisch-palästinensische Regierungskommission abgesprochen, Handel und Wirtschaft zwischen beiden Länder auszuweiten. In der Energiewirtschaft, dem Gesundheitswesen, und den Bereichen Kultur und Landwirtschaft soll die Zusammenarbeit ausgebaut werden. Wie zur Bekräftigung der getroffenen Absprachen will Palästina in diesem Jahr die Getreideimporte aus Russland um das Vierfache steigern.                 MRK


S. 8 Forum

Noch was reißen
Von Manuela Rosenthal-Kappi

Außer Spesen nichts gewesen, so könnte man die Ergebnisse des kürzlich zu Ende gegangenen G20-Gipfels im chinesischen Hangzhou charakterisieren, wären da nicht die mit Spannung beobachteten Gespräche zwischen Barack Obama und Wladimir Putin. Aufmerksam verfolgten die anwesenden Journalisten jede Bewegung der beiden, um die Frage beantworten zu können, ob es zu einer Annäherung zwischen den  Staatschefs gekommen ist, und ob in denStreit um Syrien und die Ukraine Bewegung kommen wird.

Überraschend ist, dass laut russischen Medien Obama Putin um ein Gespräch gebeten haben soll und nicht umgekehrt. Auch dass es zu gleich mehreren Unterhaltungen außerhalb des Protokolls gekommen ist, kam unerwartet. Mit Neugier beobachteten die Reporter aus aller Welt, dass Obama und Putin nach ihrem einstündigen Gespräch in Anwesenheit ihrer Außenminister und Regierungssprecher noch eine Viertelstunde lang unter vier Augen weiterredeten. Worüber sie gesprochen haben, wissen nur die beiden. Doch schon wurde gemunkelt, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Russland bald wieder bessern könnten. Die offiziellen Stellungnahmen liefern allerdings keine Bestätigung dieser Vermutung. Das Gespräch sei gut verlaufen, man habe einen Schritt vorwärts gemacht, das Gespräch habe länger als geplant gedauert, hieß es anschließen lapidar. Es hätten einige technische Fragen zur Regelung der Situation in Syrien geklärt werden können, es habe noch „ein paar komplizierte Momente“ gegeben, so erzählte der US-Staatssekretär nebulös. Obama hingegen sagte, er habe produktive Gespräche mit Putin über eine Feuerpause in Syrien geführt sowie darüber, wie beide gemeinsam den IS bekämpfen könnten. Das Gespräch sei offen und im Ton geschäftsmäßig verlaufen. „Aber angesichts der Vertauenslücke, die es gibt, ist es uns noch nicht gelungen, diese Vereinbarung auszuarbeiten“, erklärte Obama während einer Pressekonferenz

Zuversichtlicher äußerte sich dagegen Putin. Er stellte ein Abkommen mit den USA zur Eindämmung der Kämpfe in Syrien schon in den kommenden Tagen in Aussicht. Das Vier-Augen-Gespräch könnte ein erster Hinweis auf eine Änderung der russisch-amerikanischen Beziehungen sein.

Obama bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Ende seiner Präsidentschaft. Als Friedensnobelpreisträger, in dessen Amtszeit so viele Kriege mit amerikanischer Unterstützung fallen wie bei keinem US-Präsidenten zuvor, gilt es, noch etwas zu reißen. Denn der scheidende Präsident konnte seine bei Amtsantritt gemachten Verprechen nicht durchsetzen: Das umstrittene Gefängnis in Guantánamo existiert immer noch, in der Begrenzung der Atomwaffen kam er nicht voran, in den Ländern, in welche sich die USA  einmischten, wie Libyen, Tunesien und Ägypten sowie aktuell Syrien herrschen Chaos und Zerstörung.

Vielleicht möchte Obama doch noch als ein Friedensnobelpreisträger in die Geschichte eingehen, der Frieden kann, und will deshalb die Beziehungen zu Russland auf der Zielgeraden noch kitten.


Wider Zahlen und Fakten
von Manuel Ruoff

Wenn die Tatsachen nicht mit der Theorie übereinstimmen – umso schlimmer für die Tatsachen. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, von dem diese herrliche Weisheit stammt, und unsere ideologisch durch die 68er gestählte Politik-elite wissen das. Aber da es im „Pack“, um mit unserem Vize-Kanzler zu sprechen, immer noch Elemente gibt, die den Tatsachen mehr Gewicht beimessen als der Theorie, ist es am sichersten, wenn die Menschen im Lande am besten gar nicht erst zu viele Tatsachen erfahren, um nicht an der Theorie zu zweifeln. Lautet nicht ein kaum weniger kluges Wort als das von Hegel: Wissen ist Macht, nichts wissen, macht auch nichts?

Die Missachtung des Wissens ist mittlerweile auch im Geschichtsunterricht angekommen (siehe Seite 2). Das führt ähnlich wie Angela Merkels nicht weniger praxisferne Ausländerpolitik zu Schwierigkeiten mit dem konservativen polnischen Nachbarn. So hört man aus erster Quelle, dass in der deutsch-polnischen Schulbuchkommission weniger die Interpretation der bilateralen Beziehungen einen Streitpunkt darstellt als vielmehr die Frage, wie viele Fakten das gemeinsame Werk den Schülern vermitteln soll. Ähnlich wie bei der Ausländer- wollen auch bei der Schulpolitik die Polen den Deutschen nicht folgen. Währenddessen verwischen durch den Linksruck in der Ära Merkel die Unterschiede zwischen ihrer CDU und der SPD auch in diesem Politikfeld. 

Dabei korrespondiert die Veränderung der Lehrpläne durchaus mit den Kompetenzen des zur Verfügung stehenden Personals. Wenn Geschichtsstudenten nach der Schule im Studium endlich Grundwissen der Geschichte vermittelt bekommen wollen und ihnen dies mit der schroffen Begründung vorenthalten wird, dass sie das Abitur nicht verdient hätten, falls sie dieses Wissen nicht von der Schule mitbrächten; wenn Funktionäre von Lehrerverbänden fach öffentlich klagen, dass den Referendaren im Studienseminar erst historisches Grundwissen vermittelt werden muss, weil sie es von Schule und Universität nicht mitbringen – ja dann darf man sich nicht wundern, wenn in den Schulen Menschen rar sind, die den Schülern historisches Grundwissen vermitteln können.

Statt gegenzusteuern, wird aus der Not eine Tugend gemacht – und der Teufelskreis weiter gezogen. Durch den neuen ideologischen Überbau in Form neuer Lehrpläne können die Lehrer nun mit ihrem Schmalspurwissen, für das sie ja noch nicht einmal unbedingt etwas können, ihre Steckenpferde guten Gewissens rauf und runter reiten, und dabei noch weniger Grundwissen vermitteln. Das nennt sich dann exemplarisches Lernen. Und da wundere sich noch einer über sinkenden Respekt vor Lehrern bei Schülern.


Gegenwind
»Der Weg in die Weltdiktatur«
von Florian Stumfall

Wer Näheres über die weltpolitische Langzeitstrategie der USA erfahren will, ihre Ziele und Methoden, die Weltherrschaft zu erlangen über Krieg und Trug, der sollte das Buch „Die einzige Weltmacht“ von Zbigniew Bzrezinski aus dem Jahre 1997 lesen. Es wurde zu einer Zeit geschrieben, in der die USA glaubten, sie seien nun die Herren der Welt, weil Russland am Boden lag, und wurde vom Markt genommen, als mit Wladimir Putin der Wiederaufstieg seines Landes begann.

Heute ist das Buch wieder frei erhältlich, und man kann dort nachlesen, was man sonst als Verschwörungstheorie aus der Hand geschlagen bekommt. Aber seitdem ist viel Zeit vergangen. Brzezinski ist mittlerweile ein alter Herr,  schmiedet keine Pläne mehr. Dafür hat er einen Nachfolger im Geiste. Es ist Thomas P. M. Barnett, 54 Jahre alt und US-Forscher auf dem Gebiet der Militärstrategie. Er hat sein Studium in Harvard abgeschlossen und ist Professor in verschiedenen Funktionen an Hochschulen und Instituten. Auffallend aber ist seine stete Nähe zum militärisch-industriellen Komplex.

Barnett teilt die Länder der Welt in zwei Gruppen, die entwickelten, die er den „funktionierenden Kern“ nennt, natürlich mit den USA an unangefochtener Spitze, und jene, die von der Globalisierung nicht erfasst sind und die er die „nicht integrierbare Lücke“ nennt. Nach seiner Auffassung ist es die welthistorische Pflicht der USA, in die „nicht integrierbare Lücke“ einzudringen, um dort für „Sicherheit“ zu sorgen. Damit hat der Professor eine Rechtfertigung für alle Kriege gefunden, mit denen die USA die Welt überziehen.

Die Globalisierung spielt für Barnett eine entscheidende Rolle. Führend natürlich die USA mit den vorgeblich universellen Idealen von Freiheit und Gleichheit, vor denen alle kulturellen und gesellschaftlichen Besonderheiten zu verschwinden haben. Dazu gehört eine Grundforderung: „Unsere Interessen sind global, weil die Globalisierung global sein muss.“

Diese Globalisierung hat nach Barnett vier Strömungen. Als erstes nennt er einen „ungehinderten Strom von Einwanderern, der von keinem Volk, keiner Regierung und keiner Institution behindert werden darf“. Für die EU sieht er eine Verzehnfachung der Einwanderung vor. Zweiter Strom: die Rohstoffe. Auch diese sollen ungehindert fließen, die Kontrolle darüber steht privaten Konzernen zu, wofür sich die US-Giganten anbieten. Dass Putin den Ausverkauf der russischen Rohstoffe an diese US-Firmen unterbunden hat, machte ihn sofort zum Feind der USA.

Unter dem dritten Strom, dem der Finanzen, versteht Barnett den Fortbestand des dominierenden Dollar-Systems und der Verbringung von immer mehr Staaten in die Schulden- und Zins-Falle. Hier taucht neben Russland ein weiterer Feind auf, China, das seinen Yuan derzeit als weitere Weltreservewährung positioniert. Der vierte Strom ist derjenige der Sicherheit in dem Sinne, dass alle Welt mit US-Sicherheitsexperten und -technik versorgt werden soll, wodurch die Kontrolle darüber auf ewig bei den USA bliebe. Man sieht: Auch von Professors theoretischen Wolkengebilden kann, wenn er will, ein direkter, sogar kurzer Weg in die politische Wirklichkeit führen.

Wären aber diese vier Ströme ausreichend geflossen, und hätten sich die Völker der Welt nicht dagegen gewehrt, so käme es zum Endziel der Globalisierung. Dieses besteht für Barnett in der „Gleichschaltung“ aller Länder der Welt. So führte der jährliche Zufluss von 1,5 Millionen Zuwanderern aus der Dritten Welt nach Europa zu einer „Vermischung von Ethnien und Rassen“, als deren Ergebnis eine Bevölkerung mit einem Durchschnitts-IQ von 90 stünde. Diese Leute wären „intelligent genug, um zu arbeiten, einfältig genug, um keinen Widerstand zu leisten“.

Mit seiner Rassenstrategie befindet sich Barnett in einem erstaunlichen Gleichklang mit dem Grafen Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, dem Begründer der Paneuropa-Union. Die Ähnlichkeit ist derart verblüffend, dass man annehmen könnte, der Herr Professor habe abgekupfert, zumal sich Coudenhove-Calergi in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei der US-Ostküstenelite großer Beliebtheit erfreut hatte. Kein Wunder bei dem Programm.

Wer aber meint, ein Professor in den USA schreibt viel, wenn der Tag lang ist, der sollte bedenken, dass eine erste Weltstrategie Barnetts im Jahre 2002 vom damals amtierenden US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld vorgestellt wurde und damit höchste offizielle Weihen erhielt. Außerdem sind einige Forderungen des Vordenkers bereits Wirklichkeit geworden. So hatte er davon gesprochen, dass die früheren eurasischen sowjetischen Teilrepubliken Mitglieder der Nato werden sollten, was für die europäischen ja inzwischen zutrifft.

Mit einer entlarvenden Hingabe widmet sich Barnett der altbewährten List der Operationen unter falscher Flagge. Um zu wissen, was die USA hier leisten, ist es notwendig, kurz abzuschweifen zu einem Klassiker des Genres, der Operation Northwoods von 1962. General Lyman L. Lemnitzer, seinerzeit Vorsitzender des Joint Chiefs of Staff, legte die Denkschrift dem Präsidenten John F. Kennedy zur Unterschrift vor, und zwar nach dem CIA-Desaster an der kubanischen Schweinebucht. Danach sollten die CIA und andere geeignete Kräfte folgende Maßnahmen treffen: Anschläge gegen kubanische Flüchtlinge in den USA, um Fidel Castro zu beschuldigen, die Versenkung eines US-amerikanischen Schiffes in der Bucht von Guantánamo mit derselben Absicht, die Zerstörung einer US-Militär-Basis oder wenigstens eines US-Flugzeugs, den herbeigeführten Unfalltod des damals hochpopulären US-Astronauten John Glenn und andere Dinge mehr in der Größenordnung von tausenden von Toten.

Soweit Northwoods. Kennedy ist es zu verdanken, dass die Generäle nicht von der Kette gelassen wurden. Aber dennoch geben die Worte Professor Barnetts zu denken: „Es kann nötig sein, einen neuen 11. September zu inszenieren, um alle Gegner der Globalisierung zu vernichten und dadurch eine weitere, tiefere Vernetzung aller Länder zu erreichen.“ Einen neuen 11. September zu inszenieren? Wie kann er das gemeint haben?

Entscheidend als Mittel auf dem Weg zur Globalisierung, nicht als Selbstzweck, sind für Barnett die verschiedenen, heute schon existierenden oder in Rede stehenden bilateralen und regionalen Freihandelszonen. Dabei sieht er Nafta, den Zusammenschluss der USA mit Kanada und Mexiko als Wegbereiter an, während TPP, Ttip, Tisa und Ceta die folgerichtige Weiterentwicklung darstellen.

Es kann nicht erstaunen, dass bis vor ganz wenigen Wochen eine Übersetzung der Bücher Barnetts ins Deutsche vom Autor und den Leuten, die hinter ihm stehen, nicht zugelassen wurde, ähnlich dem Vorgang, als man Brzezinskis Buch „Die einzige Weltmacht“ vom Markt genommen hatte. Nun sind zwei Bücher Barnetts zu haben, wobei allein schon die Titel geeignet sind, dem gutgläubigen Bürger einen Schrecken einzujagen. Das eine heißt „Der Weg in die Weltdiktatur“ und das andere „Drehbuch für den Dritten Weltkrieg“.

Doch erfahrungsgemäß siegt bei allzu vielen Menschen die Neigung zur Gemütlichkeit über bedrohliche Nachrichten. Das ist es besser, man glaubt nicht, was man hört.


S. 9 Kultur

Museale Überburg
Eine der letzten Festungen ist gefallen: Jetzt gibt es in Thüringen eine Burg mit einem eigenen Museum über Burgen

Im deutschsprachigen Raum stehen rund 25000 Burgen. Bislang aber fehlte ein Museum, das die Geschichte der deutschen Burgen von ihren Anfängen im 8. Jahrhundert bis zur Gegenwart er­zählt. Das wird nun anders: Diesen Freitag wird in der südthüringischen Veste Heldburg das Deutsche Burgenmuseum eröffnet.

Was aber macht ein Gemäuer zur Burg? Das erläutert Ulrich Großmann, der Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums und wissenschaftliche Leiter des Deutschen Burgenmuseums: „Will man mit dem Begriff ,Burg‘ eine für den gesamten betrachteten Zeitraum gültige Definition festlegen, so ist eine Burg nicht mehr als ein befestigter bewohnbarer Ort.“

Bis zum 13. Jahrhundert wurden diese Bauten von einer Ringmauer aus verteidigt, die des 14. und 15. Jahrhunderts von einem vorgelagerten Zwinger aus und die des 16. und 17. Jahrhunderts von einem nochmals vorgelagerten Ring von Rondellen und Bastionen. Die Übergänge zur Festung und zum Schloss sind fließend.

Als König Ludwig II. von Bayern Schloss Neuschwanstein plante, äußerte er, es solle „im echten Styl der alten deutschen Ritterburgen“ erbaut werden. Die „Ritterburg“ als architektonische Gattung hat es jedoch nie gegeben.

Der Begriff wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge der aufkeimenden Burgenromantik eingeführt. Natürlich aber gab es Burgen, auf denen Ritter lebten. Deshalb spielen die Ritter eine prominente Rolle im Deutschen Burgenmuseum. Spektakulär ist die Inszenierung eines Kampfes zweier Ritter zu Fuß. Die eingefrorene Szene zeigt, dass die Rüstungen den Kämpfern entgegen landläufiger Meinung eine erstaunliche Gelenkigkeit ermöglichten. Zahlreiche andere Objekte veranschaulichen das friedliche Alltagsleben der Burgbewohner. Auch die Ritterorden und Ritterheilige wie Sankt Georg stehen im Blickpunkt. In monumentaler Ge­stalt tritt der 1899 von Arthur Fitger gemalte Drachentöter Georg an der hofseitigen Giebelwand des Kommandantenbaus in Erscheinung.

Großmann bezeichnet die Veste Heldburg als das größte Exponat des Burgenmuseums. Die Heldburg veranschaulicht, was die meisten Burgen kennzeichnet: Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte stetig weiterentwickelt. Damit wurden sie den sich wandelnden wehrtechnischen Anforderungen, Wohnbedürfnissen und Funk­tionen – etwa als Königsburg, Ordensburg oder Jagdschloss, Adels-, Bischofs- oder Amtssitz – angepasst.

Die Ersterwähnung der Veste Heldburg geht auf das Jahr 1317 zurück. Sie gelangte 1485 an die ernestinische Linie der Wettiner. Kurfürst Friedrich der Weise baute sie zum Vorposten des Protestantismus gegen die katholischen Territorien aus. Seinem Hofmaler Lucas Cranach dem Älteren werden Wandmalereien in der Kapelle des Jungfernbaus zugeschrieben, die den heiligen Christophorus und die 13 weiteren Nothelfer darstellen. Der 1554 bis 1567 regierende Herzog Jo­hann Friedrich II. ließ den repräsentativen Französischen Bau errichten. Die während des Dreißigjährigen Krieges dreimal eingenommene Veste wurde mehr und mehr vernachlässigt – bis sie 1826 an das Haus Sachsen-Meiningen kam.

Unter Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, der von 1866 bis 1914 regierte, erlebte die Heldburg eine neue Blüte. Der wegen seiner Förderung von Musik und Schauspiel als „Theaterherzog“ in Erinnerung gebliebene Burgherr ließ die Wohnräume des Französischen Baus im Stil der Neorenaissance herrichten und die Freifrauenkemenate im Kommandantenbau neugotisch ausstatten. Letztere war für seine bürgerliche dritte Gattin bestimmt, die er kurz vor der Heirat zur „Freifrau von Heldburg“ erhob. Der wegen seiner schönen Lage auf einem 403 Meter hohen Felsen, seiner eindrucksvollen Burgsilhouette und der ge­schmackvollen Ausstattung weithin berühmte Wohnsitz des Herzogspaares fiel 1982 einer Feuersbrunst zum Opfer. Der Französische Bau brannte weitgehend aus.

Seit 1994 befindet sich die Veste Heldburg in der Obhut der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Sie ließ die Gebäude für den Einzug des Deutschen Burgenmuseums herrichten und die wenigen Überreste der Ausstattung des Französischen Baus restaurieren. Rund 400 Objekte auf 1600 Quadratmetern beleuchten dabei die Entwicklung des Burgenbaus und berichten vom Leben der Burgbewohner.

Einen Eindruck von der Einrichtung unter Georg II. vermittelt insbesondere das ehemalige Um­kleidezimmer des Herzogs. Er hatte Kunstgeschichte studiert, verstand sich als Künstler und war ein führender Vertreter des Historismus. Wer sich einen hervorragenden Eindruck von seinem Einrichtungsgeschmack verschaffen will, sollte einen Abstecher nach Meiningen machen und im Schloss Elisabethenburg die Wohnräume des Herzogspaares besichtigen.

Die vom Theaterherzog ausgebaute Veste Heldburg ist ein herausragendes Zeugnis der Burgenromantik. Der widmet sich das Deutsche Burgenmuseum ausführlich. Im Blickpunkt steht etwa der Wiederaufbau der Ruine Stolzenfels bei Koblenz am Rhein durch den als „Romantiker auf dem Königsthron“ berühmten Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in den Jahren 1836 bis 1845. Dadurch „erhielt die Burgenbegeisterung einen wesentlichen Aufschwung“, wie Großmann erklärt.

Gleichsam zum Nationaldenkmal geworden ist die um 1067 gegründete Wartburg, berühmt als Wohnsitz der heiligen Elisabeth und Zufluchtsort Martin Luthers. Deren marode Gemäuer ließ Herzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach ab 1853 im historisierenden Stil wiederaufbauen und ausstatten. Er beauftragte den Spätromantiker Moritz von Schwind mit Wandmalereien, die den Sängerkrieg auf der Wartburg, Ereignisse aus dem Leben der heiligen Elisabeth sowie Szenen aus der Geschichte Thüringens darstellen. Von ihnen fertigte Otto Fröhlich in den 1930er Jahren Kopien auf Leinwand an, die weit farbfrischer als Schwinds inzwischen verblasste Originale sind. Mit Fröhlichs Kopien der Wartburgfresken endet der Rundgang durch das Deutsche Burgenmuseum. Veit-Mario Thiede

Das Deutsche Burgenmuseum wird am 9. September für den Publikumsverkehr eröffnet. Adresse: Veste Heldburg, Burgstraße 1, Bad Colberg-Heldburg. Geöffnet bis Oktober von Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, November bis März von Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr, Eintritt: 7 Euro, Telefon (036871) 21210, Internet: www. deutschesburgenmuseum.de


Flucht ins Paradies
Südsee-Bilder des Expressionisten Max Pechstein in Zwickau

Die Künstler der Neuzeit imaginierten sich immer wieder in vergangene Zeiten und ferne Gefilde. So wie die Nazarener im 19. Jahrhundert ihren Raffael nachahmten, so eiferten die Expressionisten der primitiven Kunst der Naturvölker nach. Im Herbst 1913 war bereits Emil Nolde zu einer Reise in die Südsee aufgebrochen.

Die Ausstellung „Der Traum vom Paradies. Max und Lotte Pechsteins Reise in die Südsee“ der Städtischen Kunstsammlung Zwickau zeigt nun die Zeugnisse einer Reise auf die Palau-Inseln des Künstlerehepaars Pechstein. Ne­ben der zeittypischen Flucht aus der Zivilisation werden andere Motive deutlich: Pechsteins  Kunsthändler Wolfgang Gurlitt hatte einen großen kommerziellen Erfolg mit den Südseegemälden von Paul Gaugin erzielt, den er gern fortsetzen wollte. Darum finanzierte er Pechstein, der bereits 1910 als ein „Gaugin-Imitator“ bezeichnet wurde, diese Reise. Nach der Rück­kehr sollte er mit verkäuflichen Bildern den Verbindlichkeiten gegenüber seinem Vertragspartner gerecht werden. Da­zwischen schob sich der Weltkrieg mit dem Verlust der Kolonien.

Nach vielen Verzögerungen langte Pechstein im September 1915 in Rotterdam an und wurde beinahe als Fahnenflüchtiger an­gesehen. Als sein Reisebericht in der „Vossischen Zeitung“ zum Abdruck gelangte, steckte der Autor in seiner Geburtsstadt Zwickau bereits mitten in der Ausbildung zum Soldaten. Erst nach seiner Entlassung aus dem Kriegsdienst 1917 malte er in fieberhafter Eile dutzende Palau-Bilder. Mit diesem ökonomischen Druck erklärt sich auch das Ge­heimnis des flüchtigen Stils. Bereits ein zeitgenössischer Kritiker fragte zweifelnd: „Ist eine Vertiefung und seelische Versenkung überhaupt noch möglich bei so hastiger, sich überstürzender Schaffensweise? Ist dies nervöse Tempo des Herausstampfens von Bildern nicht den Zielen künstlerischer Ausreifung feindselig entgegengesetzt?“

Sowohl der Künstler als auch seine Frau führten ihr Reisetagebuch in einfache linierte Schreibhefte. Zwischen den Notizen haben sie manchen Anblick mit Zeichnungen zu veranschaulichen ge­sucht. Die realisierten Tafelbilder Pechsteins fallen dagegen dekorativ aus und entbehren die Lebendigkeit der Skizzen.

„Der Traum vom Paradies“ ist eingebettet einerseits in eine fast gewöhnliche touristische Neugier und dem Wunsch nach Bequemlichkeit in außergewöhnlichen Umständen. Man organisiert sich, so gut es geht. Max jagt Enten und Ziegen, schlachtet Vieh und stellt  Wurst her. Der Kontakt zu den Eingeborenen läuft zumeist über die angestellten Bediensteten.

Das Reisetagebuch ist zugleich ein frühes Zeugnis des modernen Ferntourismus. Die Beziehung zum Kunsthändler kühlte jedoch in der Folge sehr stark ab und endete 1923 sogar in einem Rechtsstreit. Gurlitt musste Pechsteins Werke, die er in seinem Keller eingelagert hatte, an den Urheber zurückgeben. Sebastian Hennig

Die Ausstellung läuft noch bis zum bis 3. Oktober. Ein Katalogbuch ist für 39,95 Euro im Kerber Verlag erschienen. Internet: www. kunstsammlungen-zwickau.de


Kinotipps

Die von ihren Bewohnern verlassenen und langsam verödenden Viertel der Autostadt Detroit sind ein idealer Schauplatz für Gänsehaut-Thriller. In dem Film Don’t Breathe (zu Deutsch: nicht atmen), der jetzt in den Kinos angelaufen ist, wird das Grauen, das einen überfällt, wenn man sich nachts in dieser menschenleeren Ödnis aufhält, auf intelligente Weise spürbar. Als drei jugendliche Einbrecher in eine der wenigen bewohnten maroden Holzvillen einbrechen, erleben sie ihr blaues Wunder, weil sich der Besitzer trotz seiner kriegsbedingten Blindheit zu wehren weiß.

Dem uruguayischen Regisseur Fede Alvarez ist dabei der bislang wohl spannendste Thriller des Jahres gelungen, der mit Versatzstücken des Horrors arbeitet, ohne dass es zu einer Blutorgie kommt wie in Alvarez’ Hollywooddebüt „Evil Dead“ von 2013. In „Don’t Breathe“ geht er subtiler vor. Als Zuschauer hält man mit Protagonistin Mia (Jane Levy) den Atem an, damit sie vom blinden Veteran nicht entdeckt wird. Dass man sich da­bei ertappt, wie man sich auf die Seite der Täter, sprich Einbrecher, stellt, ist umso verstörender.          tws

Röntgenblicke haben jetzt die Hölle durchleuchtet. Zumindest jene, die Hieronymus Bosch in seinen Bildwerken gestaltet hat. Zum 500. Todestag des Renais­sance-Künstlers versucht in dem holländischen Dokumentarfilm Hieronymus Bosch – Schöpfer der Teufel, der am 15. September in die Kinos kommt, ein Team von Kunsthistorikern das Geheimnis der 25 noch erhaltenen Gemälde des niederländischen Malers von Höllenvisionen zu enthüllen.

Fünf Jahre besuchten die Forscher dabei Museen wie den Pariser Louvre, den Madrider Prado und die National Gallery of Art in Wa­shington, um Boschs Gemälde mit Röntgendiagnostik, Infrarot-Fotografie und Spektralanalyse zu sezieren. Das Ergebnis ermöglichte nicht nur einen für den Zu­schauer verblüffend detailreichen Zugang zu Boschs Werk, sondern förderte auch Überraschendes zu­tage. Dabei wird man Zeuge, wie kurz vor den großen diesjährigen Bosch-Ausstellungen im Prado und im Noordbrabants Museum von ’s-Hertogenbosch Bosch Ur­heberschaft von Werken wie „Die Versuchung des Heiligen Antoni­us“ infrage gestellt wird.         H. Tews


MELDUNGEN

Der Geist des Wilhelminismus

Berlin − Das Bröhan Museum wirft vom 9. September bis 8. Ja­nuar 2017 mit rund 30 Exponaten den Blick auf eine ungewöhnliche Künstlerfreundschaft im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts. Martin Brandenburg (1870–1919) und Hans Baluschek (1870–1935) lehnten das tradierte Regelwerk  ab und gehörten zu den frühen Mitgliedern der Berliner Secession. Wie kaum ein anderer Maler erfasste Baluschek den Geist der Zeit und die sozialen Spannungen der Wilhelminischen Ära. Brandenburg hingegen beschäftigte sich mit der menschlichen Psyche und den Kräften der Natur (www.broehan-museum.de).       tws

 

Mehr als nur Pomp und Puder

Mannheim − Ab 11. September beweist im Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen die Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“, dass das Zeitalter weit mehr zu bieten hat als Puder, Pomp und Dekadenz. Anhand von rund 300 Exponaten wird die Epoche erstmals in ihrer ganzen Vielschichtigkeit vorgestellt. Die Präsentation vereint Kunst, Wissenschaft, Literatur, Musik, Ge­schichte, Religion und Alltag zu einem Kaleidoskop der Barock­zeit (www.barock2016.de). tws


S. 10 Geschichte & Preussen

Der Panzer war ein Spätzünder
Vor 100 Jahren wurde die Waffe erstmals eingesetzt – Mit ihr brachten die Briten schließlich Bewegung in die erstarrte Front

Neue Waffen hatten nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Fronten im Westen erstarren lassen. Artillerie mit Sprengköpfen, Maschinengewehrnester in einem von Stacheldraht durchzogenen Grabensystem, Handgranaten und Flammenwerfer machten den Krieg herkömmlicher Art unmöglich. Erst von Engländern und Franzosen entwickelte Panzer brachten Bewegung in die starren Fronten. Am 15. September 1916 wurden die ersten gepanzerten Fahrzeuge eingesetzt.

Die Strategen hatten zu Beginn des Krieges auf bekannte Taktiken gesetzt: Geländegewinn durch massiven Einsatz vorstürmender Infanterie. Die Angriffe blieben im Feuer der neuen Waffen stecken, die Verluste waren schrecklich.

Ernst Jünger notierte am 28. Juli 1916 in sein Kriegstagebuch: „Das Landschaftsbild ist dem, der es gesehen hat, unvergesslich. Diese Gegend hatte doch vor kurzem noch Wiesen und Wälder und Kornfelder. Nichts mehr zu sehen aber auch gar nichts. Buchstäblich kein Grashalm, nicht ein winziges Hälmchen. Jeder Millimeter des Bodens umgewühlt, die Bäume … ausgerissen, zerfetzt und zu Mulm zermahlen. Die Häuser niedergeschossen, die Steine zu Pulver zerstaubt. Die Schienen der Eisenbahn zu Spiralen gedreht, die Berge abgetragen, kurz alles zur Wüste gemacht.“

In dem von zerstörerischer Gewalt mehrfach umgepflügten Gelände setzten die Engländer vor 100 Jahren die ersten Panzer während der Somme-Schlacht ein. Der Erfolg der neuen Waffe muss als sehr mäßig bezeichnet werden. Geplant war der Einsatz von 49 Panzern vom Typ „Mark I“. Bereits auf dem Weg zur Front bei Flers fielen 17 Stück wegen technischer Probleme aus. Sieben Panzer blieben in den Erdtrichtern des Vorfeldes stecken, drei hatten Motorschaden, fünf wurden von der deutschen Artillerie abgeschossen, zwei von der Infanterie durch Handgranaten vernichtet. Kein Wunder, dass ein britischer General urteilte: „Erstens sind Panzer in schlechtem Gelände nicht zu gebrauchen. Zweitens ist das Gelände im Gefecht immer schlecht. Drittens sind die Panzer auf dem Schlachtfeld nutzlos.“

Zu einer anderen Auffassung war allerdings Winston Churchill gelangt. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, gab es in keiner Armee größere motorisierte Verbände. Dabei hatte der Schriftsteller H. G. Wells bereits 1903 von einem Panzerkreuzer für den Landkrieg fabuliert. Dessen Beschreibung diente vielen Ingenieuren als Vorbild. Doch da diese Fahrzeuge immer mit Rädern ausgestattet wurden, waren sie für Geländefahrten ungeeignet. Erst die Entwicklung des Amerikaners Benjamin Holt wies auf eine Lösung. Holt hatte 1904 das erste funktionsfähige Kettenlaufwerk konstruiert. Allerdings nicht für Panzer, sondern für Traktoren und Baumaschinen. Er legte damit den Grundstock für den Bulldozerhersteller Caterpillar. Und er schuf den festen Untergrund für geländegängige Fahrzeuge.

Bei den Überlegungen, wie der steckengebliebene Krieg in Bewegung zu bringen ist, dachte der britische Oberstleutnant Ernest D. Swinton über den Einsatz bewaffneter Traktoren von Holts nach. Das Kriegsministerium reagierte skeptisch, noch immer galt die Kavallerie als der wahre bewegliche Truppenteil. Trotzdem setzte Swinton eine Vorführung durch. Am 17. Februar 1915 sollte ein Caterpillar einen mit 15 Tonnen Sand beladenen Lastwagen durch ein von starkem Regen aufgeweichtes Gelände schleppen. Das ging daneben, der Raupenschlepper schaffte es nicht. Während sich die Skeptiker bestätigt fühlten, erkannte einer die neuen Möglichkeiten: Winston Churchill. Er hatte als Erster Lord der Admiralität an der Vorführung teilgenommen und forderte Swinton zu weiteren Versuchen auf. Im Juli 1915 erhielt die Firma Foster den Entwicklungsauftrag. Es entstand „Little Willie“, ein Panzerfahrzeug von 14 Tonnen Gewicht, fünf Mann Besatzung, mit einer Geschwindigkeit im Gelände von zwei Kilometern in der Stunde. Zum Einsatz kam „Little Willie“ nicht.

Da die neue Waffe kriegsentscheidend sein könnte, war man um strikte Geheimhaltung bemüht. Weil die ersten Panzer ohne Kanonen und Ketten großen Wasserbehältern ähnelten, wurde nur von „Arbeiten an einem Tank“ gesprochen. Im Englischen steht seither die Bezeichnung „Tank“ für Panzer.

„Little Willie“ folgte „Big Willie“, der machte schon mehr Eindruck: 9,90 Meter lang, 28 Tonnen schwer. Es war der Prototyp des „Mark I“, der dann 1916 zum Einsatz kam. Der „Mark IV“ war der erste Panzer, der in Serie gebaut wurde, dessen Nachfolger „Mark V“ wurde bis in die 1930er Jahre eingesetzt.

In Deutschland hatte sich die militärische Führung lange geweigert, bewaffnete Panzerfahrzeuge entwickeln zu lassen. Die Allgemeine Verkehrsabteilung 7 des Kriegsministeriums erhielt nach der Schlacht an der Somme den Entwicklungsauftrag, allerdings mit geringer Prioritätsstufe.

Der Auftrag beschleunigte sich erst nach der Schlacht bei Cambrai am 20. November 1917. Die Engländer hatten aus ihren Fehlern gelernt. Erstmals wurde das „Royal Tank Corps“ mit 496 Panzern geschlossen eingesetzt. Vorbereitender Artilleriebeschuss war unterlassen worden, um das Gelände intakt zu halten. Der Erfolg war durchschlagend. Die Front wurde auf einer Breite von 16 Kilometern aufgerissen, 8000 deutsche Soldaten gerieten in Gefangenschaft, 100 Geschütze wurden erbeutet.

Nun wurde das Projekt „A7V“, benannt nach der beauftragten Abteilung, beschleunigt. Es entstand die schnellste Geschützplattform ihrer Zeit. Die Spitzengeschwindigkeit betrug 16 Kilometer in der Stunde, während der „Mark IV“ es nur auf sechs Kilometer in der Stunde brachte. 16 Soldaten bildeten die Mannschaft, im Gefecht konnte sie auf 26 Mann ansteigen. Dann gehörte auch der Brieftaubenwart samt Meldetauben dazu. Im Januar 1918 wurden die ersten Panzer an die Front geliefert, statt der bestellten 100 allerdings nur 20 Exemplare. Bei diesem ungleichen Kräfteverhältnis sollte es bleiben. Als der Krieg endete, verfügten britische und französische Truppen über 4500 Tanks. Unter deutschem Kommando standen 100 Tanks, nur 20 davon „A7V“. Die restlichen Panzer waren erbeutete Tanks.                Klaus J. Groth


Wer flog wo als erster?
Wie viele andere Neuerungen hat auch der Motorflug nicht nur einen Vater, sondern mehrere

Das Rennen um den ersten Flug eines Flugzeugs mit Motorkraft haben nach Meinung der meisten Historiker die Gebrüder Wilbur und Orville Wright für sich entschieden. Orville Wright flog am 17. Dezember 1903 als erster mit einem Motorflugzeug – wenn auch nur 37 Meter weit. Die Flüge und die Forschungen der Brüder sind gut dokumentiert und belegt. Dagegen fehlen für den ersten Flug des in die USA ausgewanderten Deutschen Gustav Weißkopf aus dem Jahre 1901 eindeutige Belege. Zudem konnte Weißkopf diesen und viele weitere Flüge nicht reproduzieren.

Wesentlich eindeutiger ist die Situation, wenn es um den ersten Motorflug in Europa geht. Hier gibt es einen anerkannten ersten Motorflug, und einen nicht anerkannten Erstflug.

Diesen nicht anerkannten Flug machte der Däne Jacob Christian Hansen Ellehammer am 12. September 1906 mit seinem Flugapparat Ellehammer No. 1. Ellehammer flog 42 Meter weit und einen knappen Dreiviertelmeter hoch. Allerdings wurde dieser Flug nicht anerkannt, weil ihn die Luftfahrt-Organisation F.A.I. nicht überwacht hatte. Die „Fédération Aéronautique Internationale“ war bereits 1905 in Paris gegründet worden. Das Ziel der noch heute bestehenden F.A.I. ist, fliegerische Leistungen nach objektiven Kriterien zu messen und zu dokumentieren.

Ellehammers Pech war es, nicht in der damaligen Fliegereimetropole Paris, sondern auf der kleinen dänischen Insel Lindholm zu leben. So erntete der in der Seinemetropole lebende Brasilianer Alberto Santos Dumont, der mit seiner „14bis“ am 23. Oktober 1906 erstmals flog, die Lorbeeren und wurde in der Registratur der F.A.I. vermerkt. Daher ist Ellehammer außerhalb Dänemarks kaum bekannt, obwohl er genauso wie sein brasilianischer Widerpart weiter Flugzeuge und Motoren konstruierte und für die Luftfahrt seines Landes wegweisend war.

Ellehammer war, auch darin Santos Dumont ähnlich, ein für seine Zeit typischer Mechaniker und Tüftler, der auf vielen Gebieten sein Talent bewies. Ellehammer kam aus einem Elternhaus, in dem Erfindungen und Unternehmergeist als vorbildlich galten. Sein Vater hatte den Valse Vig, einen Polder auf der Insel Valster, auf dem die Familie selbst lebte, trocken gelegt. Ellehammer lernte das Uhrmacherhandwerk und arbeitete nach seinem Wehrdienst bei der Marine in verschiedenen technischen Betrieben. 1898 gründete er sein eigenes Unternehmen, in dem er Schreibmaschinen reparierte. Ellehammer brachte sich selbst die Grundlagen der Elektrizität und des Verbrennungsmotors bei. Er ließ sich ein Filmvorführgerät patentieren und konstruierte nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen ein eigenes Röntgengerät. Seinen Bierschankautomaten konnte er weltweit verkaufen. 1902 begann er mit der Arbeit an einem Motorrad, das von 1904 bis 1914 hergestellt wurde. Er konstruierte außerdem die ersten luftgekühlten Sternmotoren der Welt. Sein zweiter Motor trieb dann die Ellehammer No. 1 an.

Zwischen 1907 und 1916 baute der Däne weitere Flugapparate und machte 1912 einen kurzen Luftsprung mit einem selbst konstruierten Hubschrauber. Insgesamt gelangen ihm über 200 Flüge. Für einen kurzen Flug erhielt er im Juni 1908 5000 Mark Preisgeld aus der Hand Prinz Heinrichs von Preußen. Im Oktober 1908 startete der deutsche Flugpionier Hans Grade mit einer Ellehammer IV. Allerdings hatte Ellehammer 1916 einen Flugunfall und gab die Fliegerei auf, um sich dem Maschinenbau zu widmen. Erst 1930 erwachte sein Interesse wieder, aber er baute nie wieder ein komplettes Flugzeug.

Wie nahe die Erstflüge von Ellehammer und Santos Dumont zusammenliegen, zeigt jedoch nicht so sehr die intensive Konkurrenz unter den Luftfahrtpionieren. Vielmehr arbeiteten alle zur ungefähr gleichen Zeit an ähnlichen Problemen. Und auch Santos Dumont musste erst einen leistungsfähigen Motor konstruieren, bevor er sein Flugzeug zum Fliegen bringen konnte. Die Maschinen, die vorher seine Luftschiffe angetrieben hatten, waren zu schwer für ein Flugzeug.

Alberto Santos Dumont war der Sohn eines brasilianischen Großgrundbesitzers, der sich um die Finanzierung seines extravaganten Lebensstils in Paris keine Sorgen machen musste. Sein Vater hatte ihn finanziell vorzüglich ausgestattet und 1891 zum Studium nach Paris geschickt. Santos Dumont studierte Chemie, Physik, Astronomie und Mechanik und folgte ziemlich bald seiner Leidenschaft für die Fliegerei. Er baute Ballons, Luftschiffe mit selbst konstruierten Motoren und schließlich Flugzeuge.

Den aus Hannover stammenden Karl Jatho traf ein ähnliches Schicksal wie Karl Weißkopf. Er arbeitete bereits seit der Jahrhundertwende an eigenen Flugzeugen, mit denen er zwischen 1903 und 1907 immer wieder kurze Flüge gemacht haben soll. Jathos Konstruktionen und seine Fortschritte sind gut dokumentiert, und in den Jahren nach 1907 finden seine Flugversuche auch immer wieder Niederschlag in der Presse. Bis zum Ersten Weltkrieg baute er weitere Flugapparate. Aber für seine ersten Flüge fehlen glaubwürdige Augenzeugen. Sonst wäre Karl Jatho der erste, oder mindestens der zweite Motorflieger der Geschichte gewesen. Denn er beanspruchte, bereits am 18. Au­gust 1903, vier Monate vor den Wrights, erstmals geflogen zu sein.               Friedrich List


S. 11 Geschichte & Preussen

Synonym für Optik Made in Germany
Carl Zeiss steht für präzise Fertigung unter Nutzung der Wissenschaft, moderne Produktionstechniken und soziales Engagement

Von den diversen Branchen, in denen Deutschland während der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts Weltgeltung erlangte, ist wohl keine so sehr mit einem Namen verbunden wie die optische. Vor 200 Jahren kam Carl Zeiss in Weimar zur Welt.

Möglicherweise lag ein gutes Stück des beruflichen Erfolges von Carl Zeiss in seiner Abstammung sowohl von Wissenschaftlern als auch von Handwerkern. Zur Familie seiner Mutter Johanna Antoinette Friederike gehörten besonders viele Juristen wie Theologen, aber mit Christoph Wilhelm Hufeland auch ein berühmter Arzt. Der Stammbaum von Carl Zeiss’ Vater August war hingegen eher durch Handwerker geprägt.

Wie sein Sohn erstellte auch August Zeiss mit großer Präzision und modernen Methoden hochwertige Kleinartikel. Der hochangesehene Kunstdrechslermeister verarbeitete mit zum Teil neuartigen Maschinen kostbare Rohstoffe zu Luxusartikeln. Diese Artikel brachten August Zeiss in Kontakt mit dem Erbprinzen Carl Fried­rich. Der spätere Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach war handwerklich interessiert und machte eine Lehre bei August Zeiss. Daraus erwuchs eine jahrzehntelange Freundschaft. So kam Prinz Carl Friedrich zur Patenschaft für das am 11. September 1816 geborene fünfte Kind des August Zeiss und der Junge zu seinem Taufnamen Carl Friedrich.

Der Handwerker August Zeiss war nicht bildungsfern und wünschte seinen drei Söhnen gesellschaftlichen Aufstieg. Er schick­te sie deshalb allesamt aufs Gymnasium. Die drei waren den dortigen Anforderungen durchaus gewachsen, doch Carl erlitt einen Leistenbruch. Er musste ständig ein Bruchband tragen, und der Vater wollte ihm deshalb einen Schreibtischjob mit viel Sitzen ersparen. Nach der vorletzten Klasse verließ der technisch interessierte Jüngling so vorzeitig die Schule mit einem Zeugnis, das ihm wenigstens das Studium technischer Fächer ermöglichte.

Carl Zeiss wollte Mechaniker werden. Bezeichnenderweise sehen wir ihn bereits in der Lehre an einer Schnittstelle des Handwerks zur Wissenschaft. Sein Lehrherr war der Hofmechanikus und Privatdozent an der Universität Jena Friedrich Körner. Dieser gestattete ihm, nebenher naturwissenschaftliche und mathematische Vorlesungen an der Universität zu besuchen. Nach der erfolgreich abgeschlossenen Lehre ging Zeiss auf Wanderschaft. Diese führte ihn auch in die beiden deutschen Großmacht­hauptstädte. Wien galt damals als Deutschlands Zentrum des Maschinenbaus, und so studierte er auch dort neben der Arbeit. Er besuchte Vorlesungen über Mechanik an der technischen Abteilung des Polytechnischen Instituts.

Nach den Wanderjahren wollte sich Zeiss mit einer Werkstatt ursprünglich in seiner Geburtsstadt niederlassen. Das klappte jedoch nicht, und so ging er zum Ort seiner Lehre zurück, wo er schließlich eine „Konzession zur Fertigung und zum Verkauf mechanischer und optischer Instrumente sowie zur Errichtung eines Ateliers für Mechanik in Jena“ erhielt. Wie sein Lehrmeister Körner arbeitete nun auch er als Handwerker und Unternehmer in der Universitätsstadt Jena der Wissenschaft mit mechanischen Apparaten zu. Und wie Körner wurde 1863 schließlich auch er Hofmechanikus. Das für die Werkstattgründung nötige Kapital hatte ihm sein als Mediziner reüssierender größerer Bruder Eduard vorgestreckt.

Einen wissenschaftlichen Berater und Förderer fand Zeiss an der Jenaer Universität in dem Botaniker Matthias Jacob Schleiden. Nicht ganz selbstlos brachte der Mitbegründer der Zelltheorie Zeiss dazu, sich auf den Bau von Mikroskopen zu konzentrieren. Als Mikroskopbauer schrieb Carl Zeiss schließlich Geschichte. Das hatte eine Reihe von Gründen. Da ist zum einen Zeiss’ Präzision als sauber und akkurat arbeitender Handwerker. Legendär sind die von seinen Mitarbeitern gefertigten Mikroskope, die er eigenhändig mit dem Hammer auf dem Amboss zerschlug, weil sie nicht seinen Qualitätsansprüchen genügten. Für solchen vermeintlichen Pfusch gab es keinen Lohn von ihm, da war der ansonsten eher gutmütige Zeiss streng. Qualität kostet ihren Preis. Dem arbeitete Zeiss mit modernen Produktionstechniken entgegen. Neben der Einführung der Arbeitsteilung sei in diesem Zusammenhang die genaue Kontrolle der Einzelkomponenten vor dem Zusammenbau genannt.

Den Durchbruch brachte Zeiss jedoch nicht seine deutsche Gründlichkeit als Handwerker, sondern seine Affinität zur Wissenschaft. Probieren ging für ihn eben nicht über Studieren. Bis dahin war beim Mikroskopbau gepröbelt worden. Durch Probieren versuchten sich die Mikroskopbauer dem Optimum anzunähern. Zeiss hatte dagegen die Hoffnung, dass sich die optimale Lösung mit wissenschaftlichen Methoden errechnen lässt. Als erstes versuchte es der Bücherwurm mit Selbststudium, aber das klappte nicht. Dann arbeitete er ab 1852 bis zu dessen Tod mit dem Mathematiker Friedrich Wilhelm Barfuss zusammen, ebenfalls ohne Erfolg. Vor 150 Jahren schließlich gewann Zeiss den 24 Jahre jüngeren Physiker und Statistiker Ernst Abbe für sein Projekt. Mit ihm gelang der Durchbruch. Das war Zeiss 1876 eine Beteiligung des so viel Jüngeren an seiner Firma wert.

Mit Zeiss und Abbe hatten sich zwei gesucht und gefunden. Sie waren kongeniale Partner, bildeten ein Dreamteam, eine Traummannschaft. Wissenschaft und Handwerk gingen bei ihnen Hand in Hand. Gemeinsam gelangen den beiden immer neue Qualitätssteigerungen. Als das auf dem Markt befindliche Glas nicht mehr ihren Ansprüchen genügte, produzierten sie eigenes. Hierfür gewannen sie 1882 den jungen Chemiker und Glasfachmann Otto Schott aus Witten. Zusammen mit Zeiss’ Erstgeborenen Roderich gründeten die drei 1884 das Glastechnische Laboratorium Schott & Genossen als Zulieferbetrieb. Auch dieses entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte. Die Schott AG, wie sie heute heißt, entwickelte sich über die Belieferung von Zeiss hinaus zu einem der weltgrößten Produzenten von technischen Gläsern und Glasartikeln.

Zeiss und Abbe waren jedoch nicht nur ein höchst erfolgreiches Unternehmerduo, sondern sie verband auch ein hohes Maß an Bescheidenheit und sozialem Engagement für ihre Jenaer Mitbürger im Allgemeinen und die Angehörigen ihres Betriebes im Besonderen. Insofern erwies es sich als Vorteil, dass Abbe fast ein Vierteljahrhundert jünger war. So wurde Carl Zeiss’ Werk auch nach dessen Tode am 3. Dezember 1888 in dessen Geiste fortgeführt. Bevor jedoch auch Abbe sich aus der Geschäftsführung zurückzog, stellte er sicher, dass die Unternehmensphilosophie erhalten blieb. Er erreichte es, dass das Unternehmen in den Besitz einer von ihm 1889 gegründeten Stiftung überging, zu deren Stiftungszweck per Satzung nicht zuletzt die Erfüllung sozialer Pflichten gegenüber den Mitarbeitern sowie die Betätigung in gemeinnützigen Einrichtungen zu Gunsten der arbeitenden Bevölkerung Jenas gehören. Bescheiden, wie Abbe war, trägt sie mit „Carl-Zeiss-Stiftung“ nur den Namen seines Partners. Manuel Ruoff


Wie U-Boote Erwin Rommel vor Tobruk halfen
Vor 75 Jahren befahl die Seekriegsleitung den Gibraltardurchbruch zur Unterstützung des Afrikakorps

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges operierten zunächst keine deutschen U-Boote im Mittelmeer. Dies änderte sich im Herbst 1941, als es nötig wurde, die britischen Seetransporte in die belagerte Küstenfestung Tobruk zu stören. Dabei erzielten die beteiligten Boote, darunter U 79 mit seiner mehrheitlich preußischen Besatzung, einige bedeutsame Erfolge gegen die Royal Navy.

Vor 75 Jahren belagerten das Deutsche Afrikakorps unter Generalleutnant Erwin Rommel sowie das XX. und XXI. italienische Korps die strategisch wichtige Festung Tobruk an der libyschen Cyrenaika-Küste, die nach ihrer Eroberung durch die Briten zunächst fast ausschließlich von kampfunerfahrenen australischen Einheiten verteidigt wurde. Um sie gegen besser ausgebildete Truppen auszutauschen und Tobruk mit Nachschub zu versorgen, schickte das Middle East Command in Kairo Nacht für Nacht kleine Geleitzüge von Alexandria und Marsa Matruh aus nach Westen. Gegen diese Schiffskonvois operierten ab Mai 1941 einige italienische

U-Boote, deren Erfolge aber sehr bescheiden blieben. Deshalb befahl Adolf Hitler Mitte September 1941, Tauchboote der Kriegsmarine ins östliche Mittelmeer zu entsenden.

Letzter Auslöser für die Entscheidung Hitlers dürften die Erfolge der in Malta stationierten 10. U-Flottille der Royal Navy gewesen sein. Dieser Marineverband attackierte Rommels Versorgungsschiffe inzwischen derart effektiv, dass über 70 Prozent der auf den Weg geschickten Dampfer verlorengingen. Ähnliche Erfolge erhoffte sich Hitler nun auch für die deutsche Seite, während der Befehlshaber der Unterseeboote, Vizeadmiral Karl Dönitz, die Verlegung für einen Fehler hielt. Immerhin stagnierte hierdurch der Tonnagekrieg im Nordatlantik; zum anderen steckten die Boote nach der Passage von Gibraltar quasi in der Falle, denn die Strömungsverhältnisse in der Meerenge machten das Verlassen des Mittelmeeres nahezu unmöglich.

Nichtsdestotrotz beorderte die Seekriegsleitung am 16. September eine erste Gruppe von sechs U-Booten in das Gebiet vor Tobruk. Diese erhielt in Erinnerung an den gleichnamigen Schlachtkreuzer der kaiserlichen Marine, der im Ersten Weltkrieg an die Türkei übergeben worden war, den Namen „Goeben“ und bestand aus U 371, U 559, U 97, U 331, U 75 und U 79.

Wolfgang Petersens bekannter Film „Das Boot“ zeigt den versuchten Wechsel von U 96 vom Atlantik ins Mittelmeer als höchst dramatisches Unternehmen – und das entsprach auch durchaus der Realität, weil die Briten mittlerweile in höchster Alarmbereitschaft waren, als U 96 Ende 1941 Gibraltar passieren wollte. Dahingegen verlief die Durchfahrt der ersten Gruppe ab dem 24. September 1941 noch vergleichsweise unbehelligt. Hiervon zeugen die Kriegstagebücher der beteiligten Boote. Am 4. be­zie­hungs­wei­se 5. Ok­to­ber 1941 schrieb der Kommandant von U 79, Kapitänleutnant Wolfgang Kaufmann, über den Durchbruch: „Tags unter Wasser bis nördlich der The Ridge-Bank … Bei Rundblick auf Sehrohrtiefe Fischdampfer, wahrscheinlich Bewacher, in Sicht … Ändert zeitweise die Fahrt … 16.00 Uhr: Bei klarer Sicht kommen die Berge auf der spanischen wie auf der afrikanischen Seite sehr gut heraus … 20.00 Uhr: Der Strom hat uns trotz ablaufenden Wassers gut vorwärts geschoben … 21.00 Uhr: Tanger an Steuerbord 9 Seemeilen querab. Nachdem die Dämmerung eingesetzt hat, aufgetaucht, um Boot durchzulüften. Wolkenloser Sternhimmel. Durch den strahlenden Vollmond ist alles taghell erleuchtet … Über Wasser ist da leider nichts zu machen. 21.03 Uhr getaucht … Ab 21.40 Uhr auf 20 Meter gefahren und halbstündlich Rundblick genommen … 23.34 Uhr: Zerstörer an Steuerbord … 900–1000 Meter ab, wandert schnell voraus. So ganz hält der sich nicht an die Hoheitsgewässer … 03.09, 03.22 und 03.30 Uhr: Entfernte Detonationen gehört … 03.50 Uhr: In rechtweisend 220° mit Kurs 320° Dampfer, etwa 600 Tonnen, 4000 m ab. Stark qualmend. Im Schutze dieser Qualmwolken aufgetaucht. Ceuta Leuchtturm … 2,4 sm ab und über Wasser mit Hoher Fahrt abgelaufen. Gibraltar ist sehr gut zu erkennen. Zeitungslesen auf der Brücke ohne Schwierigkeit möglich.“

Anschließend eilte das Boot mit maximaler Geschwindigkeit nach Osten und bezog dann am 13. Oktober sein neues Operationsgebiet vor der libysch-ägyptischen Küste. In diesem Jagdrevier gelang U 79 die Versenkung eines Leichters der A-Klasse, der wahrscheinlich Panzer transportierte. Darüber hinaus erzielte es zwei Torpedotreffer am Bug des britischen Kanonenbootes „Gnat“ – das alte Flusskampfschiff erreichte hernach zwar noch mit Mühe und Not Alexandria, taugte aber nicht mehr zur weiteren Verwendung.

Ähnliche Erfolge erzielten auch die anderen Mitglieder der Gruppe „Goeben“, die den Grundstock der 23. U-Flottille bildete, deren Heimathafen der griechische Marinestützpunkt Salamis unweit von Piräus wurde. Dabei reichten die wenigen Boote aber nicht aus, um die Seetransporte Richtung Tobruk nachhaltig zu stören. Deshalb folgten bis Ende 1941 zahlreiche weitere Abkommandierungen. Allerdings konnten selbst die letztlich 26 deutschen U-Boote nicht verhindern, dass die britische Mittelmeerflotte 32667 Mann und 33946 Tonnen Nachschub nach Tobruk verschiffte sowie 34115 Soldaten, 7516 Verwundete und 7097 Gefangene evakuierte. Jedoch schwächten sie den Gegner trotzdem auf vielfältige Weise. So schickten Dönitz’ „Graue Wölfe“ nicht nur etwa ein Dutzend Frachter vor der Cyrenaika auf Grund, sondern erzielten auch spektakuläre Erfolge gegen große Kriegsschiffe: Erst torpedierte U 81 am 13. November den Flugzeugträger „Ark Royal“, der am Folgetag unterging. Dann versenkte U 331 unter dem Kommando von Oberleutnant Hans-Diedrich Freiherr von Tiesenhausen zwölf Tage später das Schlachtschiff „Barham“. Und zum Schluss gelang es U 557 in der Nacht vom 14. zum 15. Dezember noch, den Kreuzer „Galatea“ innerhalb von nur drei Minuten auszuschalten. Das hatte zur Folge, dass die britische Mediterranean Fleet nun sehr viel zurück­haltender agierte als bisher, was wiederum die strategische Gesamtlage in Nordafrika beeinflusste. Und deshalb konnte Rommel Tobruk dann am 21. Juni 1942 einnehmen, wofür er zum jüngsten Generalfeldmarschall der Wehrmacht befördert wurde.  

                Wolfgang Kaufmann


S. 12 Leserforum

Leserforum

Keine Hausmacht

Zu: Betretenes Schweigen (Nr. 34)

Es hat sich herumgesprochen, dass man in der Politik ganz einträgliche Posten ergattern kann. Um die bestmöglichen Aufstiegs­chancen, sprich: Einkommen und Rundumversorgung, zu bekommen, muss man als Politiker natürlich gut vorbereitet sein, um dann in die Reihen der „Universalgenies“, die für jeden Posten ohne weiteren Nachweis verwendbar sind, aufgenommen zu werden. Dazu bedarf es eines überzeugenden Lebenslaufes, und jeder gestaltet diesen nach seinen Möglichkeiten.

Um sich Vorteile gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen, sehen sich einige Möchtegern-Politiker offenbar genötigt, ihren Lebenslauf etwas „aufzuhübschen“. Hier mal ein Abitur, dort mal ein Studium, besser noch ein Doktortitel: Das kann sich sehen lassen, so lange alle stillhalten und nicht nachprüfen. Kommt man dann aber mal in die Schusslinie, meist selbst verschuldet, auch weil man sich unangreifbar wähnt, so hat das unterschiedliche Folgen. Im jüngsten Fall versuchte die SPD-Politikerin Petra Hinz zwar noch mit ein paar kleinen Tricks, den Mandats- und Finanzverlust zu verzögern. Letztlich hatte sie aber verloren, weil sie noch keine Hausmacht hatte, oder zumindest nicht die richtige.

Bei Karl-Theodor zu Guttenberg war es ähnlich, er hatte wohl auch zu viele Neider, die sich klammheimlich sogar gefreut haben. Deshalb war sein Sturz nicht vermeidbar. Bei „Schummel Uschi“ (Ursula von der Leyen, d. Red.) hat wohl die finanzielle Großzügigkeit gegenüber dem betroffenem Institut dazu geführt, dass man plötzlich gar kein (großes) Fehlverhalten mehr feststellen konnte. Schließlich steht sie doch in „Lauerstellung“ für größere Aufgaben. Und wer weiß schon, ob das in Zukunft nicht noch einmal von Nutzen sein kann, wenn man nachsichtig ist.

Die „nette“ Annette (Schavan, d. Red.) hat da auch richtig Glück gehabt: Bevor ihre Mogelei so richtig publik wurde, hat man sie schnell noch als Botschafterin in den Vatikan befördert. Aus den Augen, aus dem Sinn. Die richtigen Freunde muss man eben haben, oder wie der „Volksmund“ schon richtig sagt: Gute Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.

Lothar Liedtke, Lima/Peru

 

 

In der schwarzen Zwangsjacke

Zu: Ein exotischer Anblick ist nicht unsittlich (Nr. 34)

Die Burka verletzt die Würde der Frau und ist nicht nur ein Kleidungsstück. Das ist eine Zwangsjacke und diskriminiert die Frauen durch patriarchale Überheblichkeit. Auch wenn einige Frauen glauben, diese freiwillig zu tragen, so muss man berück­sichtigen, dass sie keinen freien Willen mehr haben beziehungsweise nicht entwickeln konnten. Sie werden dumm gehalten, und nur Männer erklären ihnen den Koran. Diese halten an dem antiquierten Unsinn eines Sexmonsters aus egozentrischen Gründen fest und verhindern jedwede Aufklärung.

Auch unsere Regierung hat das Grundgesetz bereits missachtet, Menschenrecht verletzt und Minderjährigen Schutz verweigert, wenn sie die Beschneidung in Deutschland zulässt. Das sind religiöse Auswüchse, die nicht aus Gründen der Tradition über das Grundgesetz gestellt werden dürfen. Der Kindesmissbrauch nach Zwangsverheiratung wird jetzt schon von Richtern legalisiert.

Der Islam muss sich ändern und nicht wir unseren Fortschritt aufgeben! Sind denn schon alle irre geworden?

Martin Schröder, Detmold

 

 

Auf der falschen Seite

Zu: Ein geächteter „grüner“ Poet (Nr. 34)

In der „Celleschen Zeitung“ las ich einmal: SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Rentsch sei bereits 2010 als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Celle dafür gewesen, die Namen von NS-Generälen wie „von Fritsch“, „Rommel“ oder „Stülpnagel“ aus dem Straßenbild zu entfernen. Aus diesem Artikel erfuhr ich erst über die Tätigkeiten der drei NS-Generäle. Wenn ich das Leben von Agnes Miegel und Hermann Löns mit dem Treiben der „Hitler-Unterstützer“ vergleiche, sind die beiden Poeten auf der falschen Seite gewesen.

Warum? Weil im Telefonbuch 2016 die Namen der drei Kriegsherren immer noch zu lesen sind. Eine Hermann-Löns-Straße gibt es in Celle noch. Ob hier nun der politischen Korrektheit gefolgt wird? Dann wäre eine Klärung wichtig: Wen schafft die Stadt ab? NS-Generäle oder Poeten? Zumal Hermann Löns noch nicht einmal Hitlerluft eingeatmet und Agnes Miegel nie einen Kniefall vor Hitler gemacht hat, sondern sich um ihre Literatur gekümmert hat. Selbst Willy Brandt wurde zu ihrem Gratulanten. Muss er darum nun auch seine Straßennamen verlieren?

Elisabeth Krahn, Celle

 

 

Berlin hat vor Parallelgesellschaften längst kapituliert

Zu: Syrer setzen sich durch (Nr. 31)

Berlin ist schon genug gestraft mit dem Vorhandensein der derzeitigen verantwortungslosen Regierungskoalition mit ihrer selbstherrlichen Kanzlerin, die mit ihrer unsäglichen „Willkommenskultur“ eine Massenzuwanderung in Gang gesetzt und unbegrenzte Aufnahme versprochen hat, die unser Wertesystem zerstört und die Gesellschaft spaltet sowie das Rechtssystem infrage stellt, die Chaos nach Europa gebracht hat und die eine Zerstörung der Nationalstaaten ohne verbindende Kultur betreibt. Symbole der Kultur zu verleugnen, zeigt ein Missverständnis von Toleranz.

Kanzlerin Merkel hat im September 2015 alle sogenannten Flüchtlinge (es sind nur wenige echte, sonst Wirtschaftszuwanderer und Eindringlinge) eingeladen, obwohl Muslime aufgrund ihrer Religion, die im Gegensatz zum christlichen Europa eins ist mit dem islamischen Staat, kaum integrierbar sind und meist unter sich bleiben in Parallelgesellschaften wie in Berlin-Neukölln. Zudem ist der Islam als Religion mit einem ungebrochenen Eroberungswillen behaftet. Dazu muss gesagt werden, dass jedes Land ein Recht auf Bewahrung der eigenen Lebensform hat – auch Deutschland.

Zurück zum „verkommenen“ Berlin, wo eigentlich jeder machen kann, was er will, und sich der einheimische Bürger in der eigenen Stadt fremd fühlt. Da können sich bei einer anti-israelischen Demonstration Hisbollah-Männer mit ihren Kopftuchfrauen auf dem Ku’damm tummeln, und dies seit 1996. Da machen syrische Asylbewerber in Charlottenburg Protest mit einer Straßensitzblockade gegen eine Sporthallenunterbringung und setzen als Gäste ihre Anspruchshaltung auch noch bei Politik und Behörden durch. Da muss schon Zorn und Verbitterung bei den Einheimischen auftreten.

Türken und Araber haben hier schon seit Jahren Parallelgesellschaften, sodass es kein Wunder ist, dass hier Ableger von türkischen Organisationen und Parteien die Politik mitbestimmen. Konflikte sind dabei programmiert. Neben den vielen türkischen und arabischen Personen im öffentlichen Straßenbild haben die Linksextremen hier ein Eldorado. Fast jede Nacht brennen Autos, oder es gibt anderweitige Zerstörungen. Die staatliche Gewalt ist machtlos, die Polizei hilflos, und das Ordnungsprinzip ist weitgehend ausgeschaltet. Es gehört der Schutzmann wieder in das Straßenbild!

Aber auch die CDU mit ihrem uncharismatischen Innensenator Henkel vermag keine Zeichen zu setzen. Selbst im bevorstehenden Wahlkampf ums Berliner Abgeordnetenhaus verbindet sie sich mit den anderen Parteien zu einem Einheitsbrei und zu Steuergeldern, nur um – wie erklärt wird – gegen die AfD vorzugehen.

Also wehret den Anfängen, wenn es nicht schon zu spät ist! Unser aller Freiheit und unsere Werte sind in Gefahr, die Polizei ist kaputt gespart worden, die Medien berichten nach dem Munde der Politik, verdrehen, bagatellisieren und mischen Wahrheit und Meinung. Und die Politik trifft wesentliche Entscheidungen ohne gesetzliche Grundlage. Und das alles gegen die bürgerliche Lebensauffassung und schon lange nicht mehr am Volkswillen orientiert.

Günter Aigner, Berlin

 

 

Die Burka-Gefahr

Zu: Ein exotischer Anblick ist nicht unsittlich (Nr. 34)

Die Feststellung, „da die Burka mit Terroranschlägen genau so viel und so wenig zu tun hat wie eine Sonnenbrille oder ein Ruck­sack“, ist völlig abwegig, denn es dürfte für einen Terroristen eine Leichtigkeit sein, sich mit seinem Sprengstoffgürtel unter einer Burka zu tarnen. Man sollte doch nicht so blauäugig sein zu glauben, dass es sich bei Burkas nur um einen exotischen Anblick und religiöse Überzeugung handelte.

Prof. Dr. Burkhard Hofmeister, Bad Reichenhall

 

 

Ein rationales Verhältnis zu Polen genügt völlig

Zu: Geschichte einer wechselvollen Beziehung (Nr. 34)

Die Buchbesprechung über „Die Deutschen und die Polen“ ist kritisch-wohlwollend und sehr korrekt. So soll es sein! Auf komplett belanglose Veröffentlichungen bestimmter Institute sollte man nur belanglose neutrale Kommentare geben. Ganz übergehen kann man es als Ostpreußenblatt nicht.

Ein paar Bemerkungen, die vielleicht an anderer Stelle mal hineinwirken könnten: Endgültig ist auf dieser Welt gar nichts. Onkel Joe hatte einen sauschlechten Tag, als er die Grenze festlegte. Da muss man nicht zu viel Kult dazu machen. Das deutsche Erbe in die polnische Bevölkerung integrieren? Das deutsche Erbe wird nicht in die polnische Bevölkerung integriert. Es ist auch nicht notwendig, und es ist, gelinde gesagt, vollkommen wurscht. Wir sollten mit jeder Art von Bittstellerei aufhören, das verhöhnt die Opfer. Wir sind auch nicht dankbar, wenn uns Polen mal einen kleinen Knochen vom Flügel gnädig gewährt.

Wir brauchen keine Brückenbauer. Das ist reine Phantasie. Viele Ex-Vertriebene und auch andere kriechen in Polen herum und wollen sich lieb Kind machen. Das ist ein würdeloses Verhalten und wird von den Polen sowieso nicht akzeptiert, sondern allerhöchstens nur goutiert. Die Beziehung zu Polen sollte rational und nachbarschaftlich sein. Das ist genug.

Norbert Schadel, Gerhardshofen

 

 

Fehlende Loyalität

Zu: Merkel muss zurücktreten (Nr. 34)

Unlängst fragte Kanzlerin Merkel angesichts der türkischen Jubelstürme in Köln für Präsident Erdogan nach der Loyalität dieser Türken. Sogleich meldeten sich die Gutmenschen, zum Beispiel im linksgestrickten Deutschlandfunk, die den Begriff der Loyalität kritisch angingen. Er sei nicht mehr zeitgemäß. Die hier lebenden Türken könnten sich zudem gleichermaßen ihrem Gastland wie der Türkei verpflichtet fühlen. Da gebe es keinen Konflikt.

So einfach ist das aber nicht. Mein Vater, zuletzt 1944/45 an der Ost- wie der Westfront eingesetzt, sagte mir, dass ihm nie der Gedanke gekommen sei überzulaufen, obwohl er wie seine Kameraden gewusst habe, dass der Krieg verloren und Hitler ein Verbrecher war. Nicht der Treueeid auf den „Führer“ oder Fanatismus hat die meisten deutschen Soldaten bis zum bitteren Ende durchhalten lassen, sondern die Loyalität zu ihrem Land.

Diese muss also eine Kraft mit tiefen Wurzeln sein im Gegensatz zum heute vielgepriesenen Verfassungspatriotismus. Sie beruht einerseits auf der ererbten, gleichsam angeborenen Verbundenheit mit der Gemeinschaft von Menschen gleicher Sprache, Geschichte und Kultur, andererseits auf der bewussten Zustimmung zum Staat als einer höheren Ordnung. Darum gehören Leute, die in aller Öffentlichkeit hier einem fremden Staatsoberhaupt ihre Ergebenheit bekunden, nicht zu uns und nicht hierher.

Verwunderlich ist, dass ausgerechnet Angela Merkel Loyalität anmahnt, die doch dabei ist, aus einem Kulturvolk eine disparate Bevölkerung, einen bunten Haufen von Ethnien, Gruppen und Cliquen, zu machen. Die Mehrzahl der Regierenden in Europa hat aber die Gefahr der Auslöschung ihrer Völker begriffen und sperrt sich gegen eine Masseneinwanderung zum Schaden der eigenen Staatsbürger. Der Kanzlerin fehlt es offenbar an dieser primären Loyalität.

Adolf Frerk, Geldern


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Wohnungsmarkt in der Krise
Bauboom trotz Nachfragerückgang lässt Preise in Königsberg sinken – Politiker fürchten Umsatzeinbußen

Der Wohnungsmarkt in Königsberg steckt in einer tiefen Krise. Obwohl diese sich schon vor anderthalb Jahren abgezeichnet hat, nehmen  die Vertreter des Stadt-rats und der Gebietsregierung das Problem erst jetzt wahr.

Infolge des drastischen Verfalls des Rubelkurses im Dezember 2014 gingen zahlreiche Banken bankrott. Eine nach der anderen musste schließen. Die Bürger hatten panikartig ihr Erspartes abgehoben. Die Ärmeren kauften sich Autos und Haushaltselektronik, die Reicheren investierten überstürzt in Immobilien. Infolgedessen erlebte der Immobilienmarkt im Königsberger Gebiet Ende 2014/Anfang 2015 einen lebhaften Aufschwung, der aber direkt danach wieder verblasste.

Im Königsberger Gebiet ist die Immobilienkrise nicht nur dem Rubelkurs geschuldet, sondern sie ist vor allem hausgemacht: Ungeachtet des allmählichen Rück-gangs der Nachfrage wurde das Tempo im Bau von Mehrfamilienhäusern nicht gedrosselt. Das Bauvolumen hat im vergangenen Jahr mit 1,1 Millionen gebauten Quadratmetern das des Vorjahres um acht Prozent überschritten.

Statt abzuwarten, bis Angebot und Nachfrage wieder das Gleichgewicht halten, vergrößerten die Unternehmen das Bauvolumen. Dieser Trend betrifft sowohl die Hauptstadt als auch die gesamte Ostseeküstenregion. Geht man allein durch die Straßen Rauschens, stellt man fest, wie sehr sich das Aussehen der Stadt in den vergangenen zwei Jahren verändert hat. Um ihre unverhältnismäßigen  Ambitionen zu realisieren, haben die Baufirmen immer neue Grundstücke bebaut.

Erwähnenswert ist, dass fast alle Abgeordneten des Königsberger Stadtrats auf die eine oder andere Weise mit der Baubranche verbandelt sind. Der eine besitzt ein Unternehmen für Fliesen und Straßenpflaster, ein anderer leitet Handelsketten, die Baustoffe verkaufen, doch die meisten haben Aktien in Handwerksunternehmen. Je mehr neue Wohnungen an den Mann gebracht werden können, desto mehr steigt die Nachfrage nach Ausstattungs- und Modernisierungsmaterialien wie Baustoffen, Tapeten, Parkett, Fenster, Möbel und vieles mehr. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich auch Bürgermeister Alexander Jaroschuk besorgt über den Nachfragerückgang auf dem Wohnungsmarkt geäußert hat. Bekanntlich ist er Miteigentümer einer Reihe von Baufirmen darunter der größten Handelskette für Baustoffe, Sanitär- und Einrichtungsgegenstände „Bauzentr“.

Laut groben Schätzungen gibt es derzeit etwa 5000 leer stehende Wohnungen. Wie viele Wohnungen im Altbestand (aus deutscher Zeit oder der Chruschtschow-Ära) leer stehen, ist nicht bekannt. Ein Insider, der als stellvertretender Leiter einer Immobilienfirma in Königsberg arbeitet, weiß zu berichten, dass der Verkauf einer Altbau-Wohnung jetzt bis zu einem halben Jahr dauert. Darüber hinaus müsse der Verkäufer oft den Kaufpreis reduzieren, um die Wohnung überhaupt loszuwerden. So hat sich eine Situation eingestellt, in der der Käufer die Bedingungen diktiert.

Wie wirkt sich der Nachfragerückgang auf die durchschnittlichen Kosten pro Quadratmeter Wohnraum aus? Baufirmen locken potenzielle Käufer mit allen möglichen Aktionen, Angeboten und Rabatten. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis beträgt bei Neubauten etwas über 700 Euro. Doch einige Firmen mit einer Vielzahl unverkaufter Wohnungen bieten sie schon zu 520 bis 550 Euro an. Bei Altbauten liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 760 Euro. Abhängig vom Stadtteil ist auch hier der Preis seit Jahresbeginn um fünf bis zehn Prozent gefallen. Die meisten Wohnungen werden mittels Hypothekendarlehen finanziert. Der durchschnittliche Zinssatz liegt bei zwölf bis 13 Prozent. Obwohl die Zinsen niedriger sind als vor der Krise, können die meisten sich solche Kosten nicht mehr leisten. Der Einkommensrückgang der Bevölkerung führt dazu, dass immer weniger Kredite aufgenommen werden und die Wohnungen ohne Käufer bleiben.

Interessant ist, dass sich der Nachfragerückgang auf alle Preissegmente niederschlägt: sowohl im preiswerten Wohnraum als auch bei Luxuswohnungen. Die Nachfrage kommt mehr oder weniger aus Russland und aus den Republiken Mittelasiens. Wobei diese eher Wohnungen in älteren Häusern kaufen, um keine Zeit für die Innenausstattung der gekauften Immobilie zu verlieren.

Wenn nichts Unerwartetes geschieht, wird mit einem Anstieg der Preise in etwa anderthalb Jahren gerechnet. J. Tschernyschew


Blühende Landschaften für Südostpreußen
Vizepremier Mateusz Morawiecki stellte in Allenstein ein vielseitiges Investitionsprogramm vor

Bei einem Arbeitsbesuch in Allenstein hat der polnische stellvertretende Ministerpräsident Mateusz Morawiecki den aktuellen Regierungsplan für das südliche Ostpreußen vorgestellt, mit dem die wirtschaftliche Entwicklung der Region vorangetrieben werden soll und in dem vor allem die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen in Aussicht gestellt wird.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Ermland und Masuren stützt sich hauptsächlich auf die Lebensmittelproduktion, die Möbelindustrie und den Tourismus. Laut Morawiecki sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Aktivität der Sonderwirtschaftszone zu erhöhen. Der Vizepremier traf sich in Allenstein mit Vertretern der Wirtschaft und der Selbstverwaltung der Region, um über die  „Strategie für eine verantwortungsvolle Entwicklung“ zu sprechen. Diesem Treffen ging eine Pressekonferenz voraus. Vor Journalisten sagte er, dass man die natürlichen Vorteile der Region – wie Umwelt und Tourismus – nicht nur ausnutzen solle, sondern auch Maßnahmen für eine langfristige Entwicklung ergreifen müsse.

Morawiecki betonte, dass die Entwicklung der Region von der Regierung vor Ort wie auch von den Unternehmern abhänge. Es gehe um die Produktion gesunder Lebensmittel, die Möbelindustrie und den Tourismus. Nach Meinung des Ministers sei Letzterer ein Pfeiler von hohem Wert. Morawiecki fügte hinzu, dass der Stellvertretende Minister für Infrastruktur und Bau, Jerzy Szmit, und der Woiwode von Ermland und Masuren mit den verschiedenen lokalen Behörden über zusätzliche Investitionen für die Region verhandelten. Das Strategieprojekt basiere auf dem oben genannten „Plan für eine verantwortungsvolle Entwicklung“. Dieser stütze sich in erster Linie auf den Dialog mit den Gemeinden vor Ort, aber es gebe „keine Tasche voller Geschenke“. Morawiecki betrachtet Polen als Entwick-lungsland mit einem riesigen Budget- und Finanzbedarf. Er will Unternehmer zu Investitionen inspirieren. Seiner Meinung nach geht die Zeit des Investitionsstaus dank EU-Mitteln und Geldern aus dem polnischen Haushalt zu Ende. Er versprach auch, dass die Regierung alle kleinen und mittleren Investoren unterstützen werde, die ihre Investitionen in der Woiwodschaft  Ermland und Masuren tätigen.

Die PiS-Regierung hat bereits auf der Frischen Nehrung etwas erreicht. Obwohl diese Investitionen das benachbarte Pommern betreffen, wird sich das Wachstumspotenzial des südlichen Ostpreußens, des Hafens von Elbing und der ganzen ermländischen Küste erhöhen und damit die Perspektive des Handels und des Umsatzes in dieser Region erweitern.

Auch der Ausbau von Straßen soll zum Wirtschaftswachstum beitragen. Es geht vor allem um die Landesstraße Nr. 7 zwischen Warschau und Danzig sowie die Landesstraße Nr. 51 von Hohenstein nach Allenstein. Der Ausbau der Straßeninfrastruktur ist ein wichtiger Bestandteil der Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Alle diese Maßnahmen dienen dazu, die gesamte Infrastruktur und somit verschiedene Bereiche für Investitionen zu verbessern.

Aber das ist nicht alles. Mitte Juli wurde über ein Paket von zirka 100 Erleichterungen für Unternehmen öffentlich beraten. Dieses Projekt hatte schon Morawieckis Ministerium Anfang Juni vorgestellt. Es sieht unter anderem eine Vereinfachung des Arbeitsrechts für kleine Unternehmen vor. Diese Pläne beziehen sich auf die Verkürzung der Aufbewahrungsfrist von Mitarbeiterdateien, Verbesserung des rechtlichen Umfelds für Unternehmen, Erleichterung bei der Bearbeitung von Anträgen und ein Änderungsentwurf des Verwaltungsverfahrens.

Das Paket für Unternehmer, im „Plan für die verantwortungsvolle  Entwicklung“ angekündigt, soll den Problemen entgegenwirken, mit denen sich polnische Firmen in der heutigen Zeit herumschlagen müssen. Dazu zählen endloses Verwaltungsverfahren, unzureichende Verwaltungsstrafen für Übertretungen, hohe Versicherungsbeiträge sogar für die kleinsten Unternehmen, zeitraubende Schuldeneintreibung durch die Gläubiger, der Mangel an rechtlichen Lösungen für innovative Start-ups und der Mangel der Verordnungen, die den reibungslosen Weiterbetrieb des Unternehmens nach dem Tod des Eigentümers erlauben.

Laut Morawiecki soll dieser Regierungsplan als Regierungsdokument im November dieses Jahres verabschiedet werden.

                Leszek Chaburski


MELDUNGEN

Protest gegen Schweinefarm

Widminnen – Ein privater Investor will in Freihausen, Gemeinde Widminnen, Kreis Lötzen, einen Stall für 15000 Schweine bauen. Widminnens Bürgermeister hat eine negative Umwelt-Entscheidung zu dem Vorhaben abgegeben. Zuvor hatten Einwohner der umliegenden Orte gegen eine Schweinefarm protestiert. Sie befürchten einen negativen Einfluss auf die Umwelt sowie Gestank und Lärm. Die Bürger befürchten außerdem, dass eine große Menge Gülle auf die Felder gefahren wird, die dann die nahen Seen verunreinigt. Auch die agrartouristischen Höfe sehen in der Massentierhaltung eine Gefahr, da sie die zu erwartende Geruchsbelästigung als geschäftsschädigend ansehen Bevor die Investition getätigt wird, ist eine Umwelt-Untersuchung erforderlich. Der Bürgermeister von Widminnen nahm die Proteste der Bürger ernst und entschied sich gegen die Investition. Der Investor kündigte an, sich an das Kommunale Berufungs-Kollegium zu wenden.            PAZ

 

Unter Kontrolle Krimineller

Königsberg – Nikolaj Patruschew, Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, fand bei einem Besuch im russischen Teil Ostpreußens deutliche Worte für die örtlichen Verhältnisse: Sowohl die Bernsteinproduktion als auch die Fischerei des Königsberger Gebietes befänden sich sämtlich auch weiterhin unter der Kontrolle krimineller Strukturen. Alle bisherigen Maßnahmen dagegen seien ineffektiv gewesen. Die Bundesbehörden seien beunruhigt über das Ausmaß sowohl der kriminellen Durchdringung der Königsberger Wirtschaft als auch der Korruption in der Verwaltung, die bereits ein „informelles Sicherheitsrisiko“ darstelle.      T.W.W.

 

650 Jahre Wengaithen

Wengaithen – Das Dorf Wengaithen in der Nähe von Allenstein konnte sein 650. Jubiläum feierlich begehen. Das Fest begann mit einem Gottesdienst mit Beteiligung der „Schola“ Wengaithen. Anschließend wurde ein Stein enthüllt, der an das Jubiläum erinnert. Schließlich wurde eine Ausstellung mit Bildern aus häuslichen Beständen der Einwohner eröffnet. Diese Ausstellung gäbe es nicht, wenn nicht die Herzen und die Schubläden geöffnet worden wären. „Zum Beispiel gibt es Bilder von Häusern, die nicht mehr existieren und die von Menschen erzählen, die nicht mehr unter uns sind,“ sagte Urszula Szymanska, Initiatorin der Ausstellung und Einwohnerin von Wengaithen. Zum Tanz spielten  die Kapelle „Oj dana“ des Theaters Wengaithens bekannte Musikstücke.             PAZ


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

es ist nicht leicht, 100 Jahre alt zu werden, das werden mir meine gleichaltrigen Landsleute bestätigen, denen wir Woche für Woche gratulieren dürfen. Es sind nicht nur die altersbedingten „Abnutzungserscheinungen“ – früher nannte man sie höflich „Gebresten“ –, sondern es ist auch die Aufmerksamkeit, die man erweckt, wenn man nun zwangsläufig als Zeitzeugin gefragt wird („100 Jahre, mein Gott, was haben Sie da alles erlebt, erzählen Sie mal!“). So ergeht es mir jedenfalls im Augenblick, denn die Erinnerung führt mich auf einen Streckenabschnitt meines langen Lebensweges zurück, der mein Dasein nach Flucht und Vertreibung maßgeblich bestimmte. Und der liegt begehbar ohne Stolpersteine vor mir, alles ist noch präsent, als wäre es gestern gewesen, und ich kann in die Dahlenburger Kulturwoche am 14. November meine Erinnerungen einbringen, wie das Programm es vorsieht. Eigentlich hätte ich sie selber gestalten sollen, da ich aber keine öffentlichen Lesungen mehr wahrnehme – auch das fällt mir nicht leicht, auf diese zu verzichten –, übernimmt ein versierter Interpret diese Aufgabe, und so heißt es am 14. November in Dahlenburg: Herbert Tennigkeit liest aus Werken der ostpreußischen Schriftstellerin Ruth Geede.

Es werden Erzählungen und Gedichte sein, die ihren Ursprung in jenen fünf Jahren haben, die ich in diesem zwischen Lüneburg und Dannenberg gelegenen Flecken im Ostteil der Lüneburger Heide verbrachte. Damals erschien uns der von Bomben und Beschuss verschonte Ort nach allem, was wir in der zerstörten Heimat und auf der Flucht über See und weiter bis zur Elbe gesehen hatten, wie eine friedliche Idylle. War es aber nicht, denn noch befanden wir uns im Krieg, Besatzung, frei gelassene Gefangene und Flüchtlinge brachten Unruhe auf die Straßen, auf denen wir an diesen warmen Frühlingstagen zogen. Mit ein paar Beuteln und Taschen, die Fluchtkoffer waren an der Elbe geblieben, als wir kurz vor der russischen Armee mit von GI geruderten Booten das westliche Ufer erreichten. Wir. das waren meine Mutter, meine Schwester, meine Nichte und ich. Wohin die Wanderung ging, wussten wir nicht. Immerhin hatte meine Schwester einen Schwager in Uelzen. Das war doch schon was!

Soweit kamen wir aber nicht, denn meine Mutter bekam schwere Gallenkoliken, und es war einer Ärztin aus dem im Schloss Göhrde befindlichen Lazarett zu verdanken, dass sie in die Rote-Kreuz-Stube im nahen Dahlenburg eingewiesen wurde. Die befand sich im Hause eines schon über 80-jährigen Arztes, der bereit war, uns auch für längere Zeit aufzunehmen. Aber da machte uns der kommissarisch eingesetzte deutsche Bürgermeister einen Strich durch die Rechnung. Er erklärte, es seien bereits zu viele Flüchtlinge im Ort, mehr könne er nicht verkraften. Und wer weiß, wo wir gelandet wären, wenn es nicht einen hilfreichen Engel gegeben hätte. Das war die rechte Hand des Bürgermeisters, eine Dahlenburgerin, die uns stillschweigend ein Antragsformular zuschob, das wir ausfüllten – und am nächsten Tag hielten wir die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in den Händen. Damit hatten wir endlich eine Bleibe.

Was die nächsten Jahre brachten, könnte Bücher füllen und tun es zum Teil auch. Denn Dahlenburg bot mir, der seit ihrem 18. Lebensjahr schreibenden Buch- und Funkautorin, die Möglichkeit, schon früh einen für mich adäquaten Beruf zu ergreifen. Bereits 1948 war ich Mitarbeiterin der „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ („LZ“), eine der ersten deutschen Zeitungen, die von der englischen Besatzungsmacht die Lizenz erhielten. Zuerst berichtete ich aus Dahlenburg, dann aus Lüneburg, schließlich aus dem gesamten Heidegebiet, um schließlich im Jahr 1950 die Hamburg Redaktion der „LZ“ zu übernehmen, die ich dann über 30 Jahre lang innehatte. Als Schriftstellerin profitierte ich auch von meiner journalistischen Arbeit, vieles fand Niederschlag in meinen Erzählungen und Anthologien, aber auch im „Ostpreußenblatt“, für das ich seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahr 1950 schrieb. Und eine meiner Reportagen wurde für mich zum Ausgangspunkt für die Sucharbeit, die ich heute noch fortführe. Der Fall des elfjährigen Suchkindes Werner P. hatte mir Mut gemacht, mich auf diese Aufgaben zu fokussieren, die ich später konzentriert für die „Ostpreußische Familie“ übernahm.

Ganz kurz sei diese Geschichte erzählt, weil sie beweist, wie entscheidend für ein Kinderschicksal damals eine fehlgeleitete Suche sein konnte. Ich wurde in ein bei Lüneburg gelegenes Kinderheim gerufen, weil es dort einen 10-jährigen Jungen gab, anscheinend ein Waisenkind, das durch die Kriegswirren in der Lüneburger Heide gelandet war. Werner P. behauptete, dass er aus Salzburg stamme, und wollte dorthin wieder zurück, was man auch in die Wege leiten wollte. Aber die Verantwortlichen hatten noch gezögert, denn weder die Sprache noch die wenigen Erinnerungen, die aus ihm herauszuholen waren, wiesen auf eine österreichische Herkunft hin. Wie ich in einem vertraulichen Gespräch mit ihm heraushörte, gab es Anklänge an unseren ostpreußischen Dialekt, und so begann ich gezielt nachzufragen. Und als ich dann auf meine Frage „Kennst du Klunkermus?“ die Antwort erhielt: „Ja, das gab es immer zu Abendbrot!“, da wusste ich, dass ich ein Flüchtlingskind aus Ostpreußen vor mir hatte. Aber wie kam Werner auf Salzburg? Die Lösung bot sich fast von selbst an: Die Familie P. stammte aus Lengwethen, einer in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründeten Siedlung Salzburger Exulanten, die ihres evangelischen Glaubens wegen die Heimat verließen. Deshalb wurde das im Kreis Tilsit-Ragnit gelegene Kirchdorf bei der großen Namensumbenennung im Jahr 1938 in Hohensalzburg umgetauft. Diese Erkenntnis bewirkte schließlich die Lösung der Herkunftsfrage und damit konnte eine große Suche nach seiner Familie beginnen, die schon bald zum Erfolg führte. Zwar lebten seine Eltern nicht mehr – die Mutter war kurz nach Werners Geburt gestorben, der Vater blieb in Stalingrad – aber es meldete sich sein 28-jähriger Pflegebruder, der Werner sofort an der Brandnarbe am linken Unterarm erkannte, die alle Zweifel beseitigte. Ich habe dann beide Brüder an deren Wohnort in Westfalen aufgesucht und einen glücklichen Jungen gefunden, der stolz von seinem „richtigen“ Geburtstag berichtete – nachdem sich das behördlicherseits festgesetzte Datum als falsch erwiesen hatte.

Dies ist eines der vielen Geschehen, die ich in jenen fünf Jahren nach dem Krieg in meinem Flüchtlingsdomizil in der Lüneburger Heide erlebte und die zum Grundstock für meine weitere Arbeit wurden. Ich freue mich, dass ich diese schwere Zeit mit all ihren Höhen und Tiefen in die Dahlenburger Kulturwoche einbringen kann, und es werden sich im Gästekreis wohl noch ältere Zuhörer befinden, mit denen ich damals meine in Versen gehaltenen Märchenspiele einübte und aufführte. Die waren dann auch in dem Kinderkalender „Das Karussell“ zu finden, ein im Verbreitungsgebiet der Lüneburger Landeszeitung sehr beliebtes Kinderjahrbuch, das es auf 19 Jahrgänge brachte! Noch heute schreiben mir ehemalige Leser und Leserinnen, die bereits im Seniorenalter sind, und berichten mir, wie viel Freude ihnen damals dieser Kinderkalender gemacht habe. So bekam ich auch neulich aus unserem Familienkreis eine Anfrage, ob ich die „Karusselltante“ sei – leider habe ich das Schreiben für eine direkte Beantwortung zur Seite gelegt und das war’s dann auch. Lieber Leser aus Walsrode, bitte melden Sie sich noch einmal bei ihrer alten „Karusselltante Ruth“, sie würde sich freuen.

Und damit sind wir wieder auf festen Familienboden, der aber in Bezug auf die inzwischen eingegangenen neuen Suchfragen noch tüchtig beackert werden muss, denn diese sind mit vielen Fragezeichen versehen. Das Recherchieren dauert lange und ist oft schwierig, wie der Fall der gesuchten Königsberger Familie Schnitter beweist, den wir in Folge 34 behandelten. Die suchende Anruferin aus Südamerika hat sich inzwischen zweimal gemeldet, ihren Namen konnte ich leider wieder nicht verstehen, aber immerhin konnte ich ihr verständlich machen, dass noch keine Reaktion auf ihre Suchfrage erfolgte. Also heißt es abwarten, ob jemand Auskunft über die Familie des Brauereibesitzers (?) Otto Schnitter geben kann. Vor allem bitte ich die Leserin oder den Leser, sich zu melden, die oder der der Dame aus Südamerika meine Telefonnummer vermittelt hat.

Wenn einer mich mit „lewe Frau Geede“ anredet, dann ist es mit Sicherheit ein echter Landsmann, und das ist er auch, unser Mithelfer Peter Perrey aus Neustadt. Diesmal vermittelt er uns Informationen zu den Büchern von Franz Nee, (gesucht von Günter Pohlmann in Folge 35), die für unsere Leserschaft interessant sein dürften. Herr Perrey schreibt:

„Dem kann eck helpe, zwar nicht mit einer Ausgabe der Nee’schen Werke, aber mit dem Hinweis, wo sie zu finden und einzusehen sind. Von Kölleda nach Leipzig ist es ja nicht allzu weit, und in der Leipziger Abteilung der Deutschen Nationalbibliothek (Deutscher Platz 1) kann ,Doa lacht min Dörp‘ im Lesesaal eingesehen werden. Die alte Leipziger ,Deutsche Bücherei‘ ist seit der Wiedervereinigung eine der beiden Niederlassungen der Deutschen Nationalbibliothek. In ihrem Fundus haben sich viele Bücher aus der Zeit von vor 1945 erhalten, die in der westdeutschen Neugründung in Frankfurt/Main (einst Deutsche Bibliothek) verständlicherweise nicht vorhanden sein können. Ansonsten ist ,Doa lacht min Dörp‘ auch in der Bibliothek der Stiftung ,Flucht, Vertreibung, Versöhnung‘ in der Berliner Mauerstraße vorhanden. Es fehlt leider in der Bibliothek des ,Instituts für Niederdeutsche Sprache‘ (INS) in Bremen. Falls es noch jemand besitzen sollte, wäre es das Beste, das Buch dem INS zur Verfügung zu stellen“.

Soweit Peter Perreys Ausführungen zu diesem Thema mit einem herzlichen „Dank ook scheen, lewer Landsmann“!

Eure Ruth Geede


Haltung statt Anbiederei
Die niederschlesische Großstadt Waldenburg ehrt Olga Tokarczuk für in Polen mutige Worte

Die Stadt Waldenburg [Wałbrzych] hat am 25. August die Schriftstellerein Olga Tokarczuk mit dem Titel „Ehrenbürgerin der Stadt“ geehrt. Gegner des Beschlusses von der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) verließen ostentativ während der feierlichen Ehrung den Saal.

Für die einen herausragend, für andere untragbar, gehört Tokarczuk zu den Unbeugsamen, die stets ihre Finger in Wunden stecken. Die 1962 in Züllichau [Sulechów] bei Grünberg [Zielona Góra] geborene Psychologin, Lyrikerin und Schriftstellerin eckte schon früh an, weil sie in ihren Werken die deutsche Geschichte Niederschlesiens verarbeitete. 2003 erhielt sie den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen. Zur deutschen Geschichte zu stehen hätte man Tokarczuk in Polen noch nachgesehen, doch sie wagte sich auch an ein Thema heran, das keinen Polen kalt lässt – die Beziehung der Nation zu den Juden. In ihren „Jakobsbüchern“ (Ksiegi Jakubowe, 2014) belebt sie den im 17. Jahrhundert wirkenden Jakub Lejbowicz Frank, den Rabbi, Mystiker, Philosophen und Gründer der jüdischen „Frankisten“. In ihrem Werk, für das sie gleich zweimal den renommierten polnischen Nike-Preis für Literatur erhielt, beschreibt sie die Geschichte der 1000-jährigen Anwesenheit der Juden. Selbst das ginge noch durch, wenn die Nike-Preisträgerin nicht den verhängnisvollen Satz gesagt hätte: „Wir haben uns die Geschichte Polens immer als die eines toleranten, offenen Landes gedacht; ein Land, das nichts Schlimmes gegenüber Minderheiten getan habe. Doch wir haben auch Schreckliches gemacht: als Kolonisatoren, als nationale Mehrheit, als Besitzer von Sklaven oder gar als Judenmörder.“ So etwas dürfe ein Pole nie öffentlich behaupten, hieß es aus der PiS. Tokarczuk wurde von einer „Hass-Welle“ im Internet überflutet und erhielt Morddrohungen, die immerhin die Staatsanwaltschaft auf den Plan rief.

Doch sie ließ sich nicht einschüchtern, blieb bei ihren Aussagen. In dieser für Tokarczuk ungünstigen Zeit bekam sie 2015 den Brückepreis der Europastadt Görlitz [Zgorzelec]. Die aus Görlitzern beiderseits der Neiße bestehende Gesellschaft zur Verleihung des Preises sah in Tokarczuk eine Brückenbauerin. Für den Bürgermeister des polnischen Teiles der geteilten Neißestadt, Rafał Gronicz, hat Tokarczuk „durch ihre mutigen Worte ein Paradoxon aufdeckt“. Sie zeige, so Gronicz, dass es einen „möglichen“, da bereits geführten Dialog zweier einst verfeindeter Nationen gibt. „Es gibt aber auch die ‚unmöglichen‘ innerpolnischen Gespräche. Sie sind nötig, aber es ist immer noch nicht möglich, diese zu führen, weil sie so viele extreme Emotionen hervorrufen”, sagte Gronicz bei der Ehrung. Er dankte Tokarczuk für ihre „Hilfe beim Erforschen der eigenen Wurzeln und Stärkung der niederschlesischen Identität“.

Olga Tokarczuk machte eine weitere „Unmöglichkeit“ möglich. Ihre Laudatorin im Görlitzer Gerhart-Hauptmann-Theater, Rita Süssmuth, würdigte ihre „hilfreichen Impulse“, die aus der Region ausgingen, und fügte hinzu, was man von der einstigen CDU-Bundestagspräsidentin sonst so häufig vermisst hat: „Sie haben nie Flucht und Vertreibung ausgeblendet.“ Süssmuth räumte in ihrer Rede erstaunlich viel Platz dem Thema verlorene Heimat ein. „Viele unserer Menschen wollen wieder zurück in – was Sie, Olga Tokarczuk, Mikrokosmos nennen – in das Lokale, das Regionale. … Die meisten Vertriebenen wollen nichts zurückhaben, aber sie kehren zurück, um noch einmal in ihre Heimat zurückzublicken“, versicherte Süssmuth.

Die Waldenburger Stadträte haben sich übrigens von den Protesten der PiS nicht beirren lassen und würdigten die Frau, die nach dem Studium in der Bergbaustadt ihre erste Arbeit angetreten hatte und dort auch schriftstellerisch unterwegs war. Im Waldenburg der 90er Jahre schärfte sich ihre, wie sie bei der Ehrung im Waldenburger Rathaus sagte, „Empfindsamkeit gegenüber Leid und die Ungerechtigkeit“. Mutig für eine Stadt, die sich angesichts ihres wirtschaftlichen Niedergangs auch Warschau anbiedern könnte.             Chris W. Wagner


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 103. GEBURTSTAG

Kruska, Erika, aus Ulrichsee, Kreis Ortelsburg, am 14. September

ZUM 102. GEBURTSTAG

Kleinig, Lieselotte, geb. Kuhn, aus Laptau, Kreis Samland, am 12. September

ZUM 98. GEBURTSTAG

Morgenstern, Elfriede, geb. Koslowski, aus Waiblingen, Kreis Lyck, am 11. September

ZUM 97. GEBURTSTAG

Hutt, Eva, geb. Alzuhn, aus Hohenberge, Kreis Elchniederung, am 11. September

Wunderlich, Hedwig, geb. Baginski, aus Willuhnen, Kreis Neidenburg, am 14. September

ZUM 96. GEBURTSTAG

Bogumil, Erna, geb. Grzanna, aus Wilhelmsthal, Kreis Ortelsburg, am 9. September

van Heel, Hildegard, geb. Osenger, aus Lyck, am 11. September

ZUM 95. GEBURTSTAG

Peter, Reinhold, aus Schanzenort, Kreis Ebenrode, am 11. September

Schulze, Liselotte, geb. Ketzler, aus Kumehnen, Kreis Samland, am 10. September

ZUM 94. GEBURTSTAG

Aktun, Gertrud, geb. Roßmannek, aus Klein Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 14. September

Boguschewski, Ruth, geb. Bogun, aus Treuburg, am 10. September

Borchert, Elfriede, geb. Donder, aus Seebrücken, Kreis Lyck, am 9. September

Dehring, Herta, geb. Homp, aus Großheidekrug, Kreis Samland, am 14. September

Funk, Bruno, aus Grunau, Kreis Heiligenbeil, am 15. September

Gosziniak, Paul, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 87, am 14. September

Krause, Hans, aus Genslack, Kreis Wehlau, am 13. September

Meyer, Elfriede, geb. Pawellek, aus Dimmern, Kreis Ortelsburg, am 11. September

Meyhöfer, Prof. Wolfgang, aus Wehlau, am 13. September

Schliwinski, Gerhard, aus Neidenburg, am 14. September

Vierling, Hildegard, geb. Piaßeck, aus Prostken, Kreis Lyck, am 14. September

ZUM 93. GEBURTSTAG

Fechner, Ernst, aus Medenau, Kreis Samland, am 10. September

Jankowski, Gertrud, geb. Welz, aus Weitenruh, Kreis Ebenrode, am 13. September

Kraft, Elsa, geb. Prengel, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 12. September

Mauritz, Elisabeth, geb. Mosdzen, aus Grünflur, Kreis Ortelsburg, am 11. September

Plewka, Elfriede, geb. Sczech, aus Stettenbach, Kreis Lyck, am 9. September

Prüß, Elise, geb. Klein, aus Quednau, Kreis Samland, am 13. September

Schmitt, Gerda, geb. Brodowski, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 10. September

Wischnewski, Waltraud, aus Suleiken, Kreis Treuburg, am 9. September

ZUM 92. GEBURTSTAG

Bokemeyer, Marianne, geb. Wolff, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 15. September

Budig, Anneliese, aus Fischhausen, Kreis Samland, am 12. September

Clemens, Gerda, geb. Bodwasch, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 9. September

Czudnochowski, Waltraut, geb. Langkeit, aus Seebrücken, Kreis Lyck, am 13. September

Feigenbutz, Margarete, geb. Gregor, aus Birkenwalde, Kreis Lyck, am 9. September

Habel, Elly, geb. Wiechmann, aus Ebenrode, am 13. September

Hinz, Margarete, geb. Grabeck, aus Groß Stürlack, Kreis Lötzen, am 14. September

Ignée, Sigrid, aus Neidenburg, am 13. September

Janz, Ruth, aus Stobingen, Kreis Elchniederung, am 12. September

Kobbe, Ruth, geb. Ruppenstein, aus Noiken, Kreis Elchniederung, am 14. September

Lemcke, Irene, geb. Heß, aus Eimental, Kreis Ebenrode, am 9. September

Münter, Ruth, geb. Naujokat, aus Lyck, am 11. September

Nabholz, Gerda, geb. Kaminski, aus Talussen, Kreis Lyck, am 12. September

Rabis, Frieda, geb. Pirdschun, aus Scharfeneck, Kreis Ebenrode, am 13. September

Scherhans, Frieda, geb. Kornatzki, aus Prostken, Kreis Lyck, am 14. September

Spiralke, Ruth, geb. Müller, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 13. September

Strewinski, Gerhard, aus Moterau, Kreis Wehlau, am 11. September

ZUM 91. GEBURTSTAG

Anschütz, Ilse, geb. Zöllner, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 10. September

Brunswick, Bruno, aus Langheide, Kreis Lyck, am 11. September

Giercke, Ruth, geb. Möller, aus Wehlau, am 9. September

Glamb, Wanda, aus Treuburg, am 15. September

Hoppe, Herta, geb. Hübner, aus Pojerstieten, Kreis Samland, am 12. September

Maksalern, Hanna, aus Wachteldorf, Kreis Lyck, am 12. September

Marschefski, Christel, aus Neukirch, Westpreußen, am 9. September

Neubert, Maria, geb. Block, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 14. September

Pilger, Herta, geb. Scheffler, aus Klein Dirschkeim, Kreis Samland, am 12. September

Plaga, Heinz, aus Treuburg, am 13. September

Pyko, Paul, aus Plöwken, Kreis Treuburg, am 14. September

Schulten, Herta, geb. Soyka, aus Warskillen, Kreis Elchniederung, am 10. September

Weißpflog, Erna, geb. Bresinski, aus Hellmahnen, Kreis Lyck, am 14. September

Wlost, Herta, aus Plötzendorf, Kreis Lyck, am 9. September

ZUM 90. GEBURTSTAG

Binder, Elsa, geb. Bolgehn, aus Nöttnicken, Kreis Samland, am 9. September

Conrad, Gertraud, geb. Eggert, aus Sorgenau, Kreis Samland, am 11. September

Gluth, Horst, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 10. September

Gollub, Kurt, aus Klein Rauschen, Kreis Lyck, am 14. September

Kownatzki, Willi, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 15. September

Pötz, Friederike, geb. Weichenthal, aus Bredauen, Kreis Ebenrode, am 10. September

Schulze, Rosemarie, geb. Panstruga, aus Widminnen, Kreis Lötzen, am 9. September

Thieme, Hildegard, geb. Hübner, aus Sulimmen, Kreis Lötzen, am 14. September

ZUM 85. GEBURTSTAG

Balzer, Hans-Georg, aus Königsberg, am 14. September

Bauer, Martha, geb. Nowosatko, aus Finsterwalde, Kreis Lyck, am 12. September

Bay, Edeltraut, geb. Matzko, aus Klein Lasken, Kreis Lyck, am 14. September

Braun, Günter M., Pastor i. R., aus Lötzen, am 13. September

Brettschneider, Herta, geb. Sommer, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 14. September

Brökert, Gerda, geb. Schmakeit, aus Elbings Kolonie, Kreis Elchniederung, am 12. September

Brosch, Christine, geb. Depner, aus Erben, Kreis Ortelsburg, am 15. September

Brunotte, Brigitte, geb. Sauder, aus Trankwitz, Kreis Samland, am 12. September

Domnik, Bruno, aus Wallendorf, Kreis Neidenburg, am 12. September

Dopp, Brigitte, geb. Denzer, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 14. September

Eckerth, Gerda, geb. Kristandt, aus Kalaushöfen, Kreis Samland, am 9. September

Elbe, Werner, aus Klemenswalde, Kreis Elchniederung, am 13. September

Fischer, Edith, aus Jaugehnen, Kreis Samland, am 14. September

Friederici, Dieter, aus Groß Allendorf, Kreis Wehlau, am 12. September

Hübner, Martin, aus Grüneberg, Kreis Elchniederung, am 10. September

Jakobi, Irmgard, geb. Peter, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 9. September

Josuweit, Willy, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 13. September

Kaschner, Lothar, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 9. September

Ledergerber, Elly, geb. Brenk, aus Leißienen, Kreis Wehlau, am 12. September

Mathiak, Hans-Lothar, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 13. September

Mikolai, Luzia, geb. Cszepanski, aus Ortelsburg, am 12. September

Neumann, Edeltraut, geb. Mumedey, aus Treuburg, am 14. September

Olschewski, Ruth, geb. Maszutt, aus Tawe, Kreis Elchniederung, am 14. September

Piesker, Waltraut, geb. Wittrien, aus Groß Hubnicken, Kreis Samland, am 14. September

Poschmann, Elfriede, aus Peyse, Kreis Samland, am 15. September

Rogge, Annemarie, geb. Babrowski, aus Hansbruch, Kreis Lyck, am 13. September

Rosemeier, Lucie, geb. Hausmann, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 10. September

Ruge, Elfriede, geb. Muschlien, aus Rauschen, Kreis Samland, am 15. September

Sklomeit, Heinz, aus Dürrfelde, Kreis Ebenrode, am 12. September

ZUM 80. GEBURTSTAG

Betz, Ingrid, geb. Goerke, aus Altmühle, Kreis Elchniederung, am 12. September

Boehm, Helmut, aus Wehlau, am 15. September

Böhnke, Dieter, aus Hoppendorf, Kreis Preußisch Eylau, am 11. September

Busse, Heinz, aus Thierenberg, Kreis Samland, am 14. September

Klee, Helmut, aus Malga, Kreis Neidenburg, am 10. September

Krupinski, Karl-Heinz, aus Hansbruch, Kreis Lyck, am 13. September

Lilienthal, Inge, aus Palmnicken, Kreis Samland, am 9. September

Naujoks, Günter, aus Windkeim/Groß Windkeim, Kreis Heiligenbeil, am 14. September

Ohlenberg, Gerhard, aus Stampelken, Kreis Wehlau, am 14. September

Petersen, Helga, geb. Schreiber, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 10. September

Prystawik, Horst, aus Klaussen, Kreis Lyck, am 12. September

Richter, Erika, geb. Katkus, aus Windberge, Kreis Ebenrode, am 14. September

Schwall, Lieselotte, geb. Mertins, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 11. September

Skorloff, Werner, aus Ginkelsmittel, Kreis Elchniederung, am 10. September

Stanko, Elsbeth, aus Merunen, Kreis Treuburg, am 11. September

Szeguhn, Günther, aus Wehlau, am 12. September

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bartsch-Perring-Jaquet, Astrid, geb. Bartsch, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 10. September

Bührlen-Enderle, Rotraut, geb. Lindemann, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 14. September

Fleischner, Reinhard, aus Birkenheim, Kreis Elchniederung, am 13. September

Freye, Wilhelm, am 11. September

Gayk, Horst, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 15. September

Hasse, Brigitte, geb. Friederici, aus Selsen, Kreis Elchniederung, am 14. September

Kirmse, Brigitte, geb. Neureiter, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 9. September

Klose, Siegfried, aus Halldorf, Kreis Treuburg, am 10. September

Kraft, Karin Erna Gudrun, geb. Lindorf, aus Weißensee, Kreis Wehlau, am 13. September

Krolzik, Helmut Günter, aus Borken, Kreis Ortelsburg, am 14. September

Laupichler, Günter, aus Taplacken, Kreis Wehlau, am 13. September

Mies, Christel, geb. Sloksnies, aus Kreuzingen, Kreis Elchniederung, am 12. September

Möhlenbrock, Brigitte, geb. Unruh, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 12. September

Pilzecker, Bodo, aus Sodargen, Kreis Ebenrode, am 15. September

Sommer, Hella, geb. Wermbter, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 12. September

Stein, Rüdiger, aus Ortelsburg, am 14. September

Szepanek, Rotraud, geb. Schulz, aus Kleineppingen, Kreis Neidenburg, am 13. September

Tutat, Winfried, aus Keppen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 10. September

Diamantene Hochzeit

Haut, Ulrich, aus Pommern, und Ehefrau Hedwig, geb. Bialluch, aus Mensgut, Kreis Ortelsburg, am 15. September


S. 16-18 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ALLENSTEIN LAND

Kreisvertreter: Hans-Peter Blasche, Lankerstraße 40, 40545 Düsseldorf, Telefon (0211) 17181290; (02131) 902700 (dienstl.), Telefax (02131) 902430 (dienstl.) Geschäftsstelle: Gemeindeverwaltung Hagen, Postfach 1209, 49170 Hagen, Telefon (05401) 9770. www.allenstein-landkreis.de

Sonnabend, 15. Oktober, 11 Uhr, Stadthalle Meinerzhagen, An der Stadthalle 1, 58540 Meinerzhagen: Kirchspieltreffen Groß Bertung. Das Programm:

11 Uhr: Gottesdienst

13 Uhr: Mittagessen

15 Uhr: Kaffeetrinken

17 Uhr: Eröffnung des

Tanzabends

Weitere Informationen bei: Ewa Schmidt-Bünger, Telefon (02372) 2786 oder 015785758666, Internet: www.kirchspiel-bertung.de

 

ANGERAPP (DARKEHMEN)

Kreisvertreterin: Edeltraut Mai, Weißdornweg 8, 22926 Ahrensburg, Telefon (04102) 823300, Internet: www.angerapp.com

Das Hauptkreistreffen in Handeloh begann um 10 Uhr. Unsere Kreisvertreterin, Edeltraut Mai, begrüßte alle Anwesenden recht herzlich zu unserem Treffen, das auf Wunsch wieder in der Lüneburger Heide stattfand. Die Beteiligung fiel in diesem Jahr etwas geringer aus als im Vorjahr. Die Kreisvertreterin hielt dann einen Rückblick über das verflossene Jahr. Sie berichtete unter anderem, dass sie vor ein paar Tagen von einer elftägigen Reise  durch Masuren, Nordostpreußen, Litauen, die Kurische Nehrung und Danzig zurückgekehrt sei. 38 Teilnehmer hatten an der Reise teilgenommen; der älteste Teilnehmer war 82, der Jüngste 34. Die Jüngeren waren auf Spurensuche ihrer Vorfahren.

In Angerapp (Osersk) wurden alle Teilnehmer von der neuen Bürgermeisterin, Natalia Matrezkaya, in ihrem Büro empfangen. Die Bürgermeisterin zeigte großes Interesse an unserer Kreisgemeinschaft und würde gerne an unserem Hauptkreistreffen teilnehmen, um die ehemaligen Einwohner über die Neuerungen in ihrer/unserer Stadt zu informieren. Leider musste die Bürgermeisterin ihr Kommen wegen eines schweren Unwetters, von dem auch Angerapp stark betroffen war, kurzfristig absagen.

Unsere Heimatstube, die bis zur Erkrankung von Eva Preuß (mit Unterstützung ihres Ehemannes) mit viel Liebe und Herzblut geführt wurde, muss jetzt aufgegeben werden. Die uns im Geschichtshaus von der Patenstadt Mettmann zur Verfügung gestellten  Räumlichkeiten werden leider benötigt und die Stadt hat keine andere, geeignete Möglichkeit, die Heimatstube unterzubringen. Alle Schriftstücke wie Dokumente, Chroniken und so weiter werden dem Ostpreußischen Kulturzentrum in Ellingen übergeben, alle anderen Gegenstände dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg.

Das nächste Jahreshaupttreffen soll im Mai oder Juni 2017 stattfinden. Der neue Bürgermeister der Patenstadt Mettmann, Thomas Dinkelmann, würde es sehr begrüßen, wenn das nächste Treffen wieder in Mettmann stattfinden würde. Ein weiteres Treffen ist geplant, wenn die Fertigstellung des Umbaus im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg erfolgt ist.

Im Anschluss hielt Heinz Hohmeister einen interessanten Lichtbildervortrag über die Verhältnisse im Königsberger Gebiet über Bauten, Leute und den Einsatz der evangelischen Kirche. In seinem weiteren Vortrag berichtete er, wie er Spenden über den Lions Club sammelt und wie er Sponsoren gewinnt, wie er Lebensmittelpakete zusammenstellt und im Kreis Angerapp an alte, hilfsbedürftige Menschen verteilt, wie er Kranken hilft, auch Kindern, denen in Russland nicht mehr geholfen werden kann. Der Vortrag war schon sehr beeindruckend, seine Arbeit ist bewundernswert.

Zum Mittag durften Königsberger Klopse und zum Kaffee Buchweizentorte nicht fehlen. Alle hatten wieder viel zu schabbern. Bemerkenswert war, dass die, die zum ersten Mal an unserem Treffen teilnahmen, sich gleich wohl fühlten. Umrahmt wurde das Ganze mit fröhlichem Singen von Volksliedern unter Akkordeon-Begleitung durch Frau Wasgindt-Langeheine. Ostpreußische Geschichten wurden ebenfalls vorgetragen.

Am Ende gab es zum Abschied viele Umarmungen und herzliches Händeschütteln. Alle freuen sich auf ein Wiedersehen.

                Lothar Kapteinat

 

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101.

Der Landkreis Rotenburg (Wümme) als Patenschaftsträger und der Vorstand der Kreisgemeinschaft Angerburg laden recht herzlich zu den 62. Angerburger Tagen am 17./18. September in die liebenswerte Kreisstadt Rotenburg (Wümme) ein. Die Angerburger aus nah und fern sowie deren Nachkommen und Freunde treffen sich in der Theodor-Heuss-Schule in der Gerberstraße 16 (neben dem Ratsgymnasium).

Eingeleitet werden die 62. Angerburger Tage am Sonnabend,

17. September, um 9 Uhr mit einer Kranzniederlegung am Patenschaftsstein neben der Angerburger Eiche beim Rotenburger Kreishaus. Anschließend tagt ab 9.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Kreishauses in öffentlicher Sitzung die Angerburger Kreisvertretung (Delegiertenversammlung). Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Berichte des Vorstandes sowie die Verabschiedung des Haushaltsvoranschlages für das Geschäftsjahr 2017 und die Wahl eines Kassenprüfers. Im Mittelpunkt der Sitzung dürfte jedoch die Ernennung eines Kreisältesten stehen.

Um 13 Uhr starten wir vom Kreishaus aus zu einer Kaffeefahrt. Es ist ein Kostenbeitrag von unverändert zehn Euro pro Person für Kaffee/Tee und Kuchen einschließlich Busfahrt zu entrichten. Aus organisatorischen Gründen ist eine vorherige schriftliche Anmeldung unter Angabe der Personenzahl bei Brigitte Junker, Sachsenweg 15, 22455 Hamburg, bis spätestens 7. September nötig.

Ab 15.30 Uhr ist die Theodor-Heuss-Schule für alle geöffnet, die nicht an der Busfahrt teilnehmen und sich mit Freunden und Bekannten treffen wollen. Zum Abendessen (ab 18 Uhr) werden Speisen und Getränke (kleine Karte) angeboten. Ab 20 Uhr wird uns die Präsidentin des Löns-Verbandes, Monika Seidel aus Walsrode, den am 29. August 1866 in Culm geborenen Dichter Hermann Löns vorstellen. Anschließend lassen wir den Tag in geselliger Runde ausklingen.

Die Angerburger Tage werden am Sonntag, dem 18. September, fortgesetzt. Ab 9.30 Uhr ist die Theodor-Heuss-Schule geöffnet. Die Feierstunde beginnt um

11 Uhr in der Aula der Schule. Oberstudiendirektorin Iris Rehder vom Ratsgymnasium in Rotenburg (Wümme) wird die Gastrede halten. Nach der Feierstunde treffen sich alle Heimatfreunde in der Mensa der Schule. Dort besteht Gelegenheit zum Mittagessen, außerdem werden Kuchen sowie Kaffee, Tee und andere Getränke angeboten.

Am Sonnabend und Sonntag ist das Angerburger Zimmer (Heimatstube) mit Archiv und Geschäftsstelle am Standort, Weicheler Damm 11, von 13 bis

16 Uhr für interessierte Besucher geöffnet. An anderen Tagen ist ein Besuch nach vorheriger Absprache möglich. In der Theodor-Heuss-Schule werden Bücher, Karten, Landkarten sowie Angerburger Heimatbriefe verschiedener Jahrgänge angeboten. Das vollständige Programm ist im Angerburger Heimatbrief Nr. 157 (Juni 2016) auf den Seiten 46/47 veröffentlicht. Dort sind auch die Übernachtungsmöglichkeiten aufgeführt. Es empfiehlt sich, die Zimmerbestellung möglichst umgehend vorzunehmen.

Die Angerburger Tage bieten Raum für Begegnungen und gute Gespräche. Durch Ihren Besuch der 62. Angerburger Tage am 17./18. September tragen Sie dazu bei, dass die 800-jährige Geschichte und Kultur unserer Heimat Ostpreußen nicht in Vergessenheit gerät. Der Vorstand der Kreisgemeinschaft wünscht allen Leserinnen und Lesern einen erholsamen Sommer und eine angenehme Anreise.

 

BRAUNSBERG

Kreisvertreterin: Manuela Begett, Virchowstraße 46, 44536 Lünen, Tel.: (02306) 21236, E-Mail: manuela.begett@t-online.de. Stellvertretender Kreisvertreter: Ferdinand Schrade. Geschäftsstelle: Stadtverwaltung Münster, Patenstelle Braunsberg, Frau Jostenmeier, 48127 Münster, Tel.: (0251) 4926051.

Am 24. und 25. September findet in der Johanniter-Akademie, Weißenburgstraße 60–64, 48151 Münster, das Jahrestreffen der Kreisgemeinschaft Braunsberg statt. Das vorgesehene Programm:

Sonnabend, 24. September

15 Uhr: Mitgliederversammlung.

Die Tagesordnung:

– Begrüßung

– Eröffnung,

– Formalien der Mitgliederversammlung

– Totenehrung

– Jahresbericht der Kreisvertreterin Manuela Begett

– Kassenbericht der Schatzmeisterin Gertrud Arendt

– Bericht der Kassenprüfer

– Aussprache zu den Berichten

– Entlastung des Vorstands

– Verschiedenes

18 Uhr: Gemütliches Abendessen

– 19 Uhr: Begegnungen, Gespräche und gemütliches Beisammensein

Sonntag 25. September

8.30 Uhr: Gottesdienst in der Heilig-Geist-Kirche. Zelebrant: Pfarrer Oskar Müller, Coesfeld

10.30 Uhr: Festliche Stunde in der Johanniter-Akademie unter der musikalische Mitgestaltung des Ensembles Reinhold Kollenberg aus Münster

– Begrüßung (Kreisvertreterin)

– Totenehrung

– Grußworte

– Vertreter der Patenstadt Münster

– Festvortrag von Professor Winfried Lenz, Oelde. über „Ostpreußen – einst und jetzt“

– Ostpreußenlied

– Deutschlandlied, dritte Strophe

– Empfang durch die Patenstadt Münster

– gemeinsames Mittagessen.

Ab 14 Uhr: Kaffeetrinken. Der Vorstand gibt einen Ausblick über die weitere Arbeit der Kreisgemeinschaft. Wir freuen uns auf zahlreiche Begegnungen mit Ihnen! Bitte melden Sie sich für Ihre Zimmerreservierung direkt bei der Johanniter-Akademie an. Ansprechpartnerin ist Frau Schwarze, Telefon (0251) 97230145.

E-Mail: gaestehaus@johanniter.de

Fahren Sie ab Münster Hauptbahnhof mit der Buslinie 2 (Richtung Clemenshospital) bis zur Haltestelle Heilig-Geist-Kirche. Von dieser Haltestelle aus überqueren Sie die Straße und erreichen nach wenigen Metern über den Eingang im Innenhof der Johanniter-Akademie die Rezeption. Alternativ können Sie auch die Linie 5 bis Scheibenstraße nutzen und laufen in nördlicher Richtung in die Sackgasse. Wenn Sie über den Fußweg die Hammer Straße erreichen, biegen Sie nach rechts ein und überqueren diese nach links in die Metzer Straße. 

Über die A1/A43 bis zum Autobahnkreuz Münster-Süd, dann auf die A43/B51 in Richtung Stadtmitte. Fahren Sie bis Ausbauende geradeaus. Nach der Ampel fahren Sie auf der Weseler Straße. Nach zirka 800 Metern biegen Sie nach rechts in die Straße „Inselbogen“. Nach zirka 700 Metern, vor der zweiten Fußgängerampel, hinter dem Rewe-Markt, biegen Sie nach links in die Weißenburgstraße.

Kommen Sie aus Ostwestfalen, fahren Sie über die B51 (Umgehungsstraße) bis zur Ausfahrt in Richtung Mecklenbeck, B 219. Fahren Sie hier rechts raus und folgen Sie der Beschilderung Zoo, B219. Sie fahren nun auf der Weseler Straße. Nach zirka 800 Metern biegen Sie nach rechts in die Straße Inselbogen. Nach zirka 700 Metern, vor der zweiten Fußgängerampel, hinter dem Rewe-Markt, biegen Sie nach links in die Weißenburgstraße.

Wir wünschen eine gute Anreise!

 

FISCHHAUSEN

Kreisvertreter: Klaus A. Lunau,  Bahnhofstraße 14, 30853 Langenhagen, Stellvertreterin: Marion Gehlhaar, Telefon (040) 476070. Geschäftsstelle: Fahltskamp 30, 25421 Pinneberg, täglich erreichbar unter Telefon (04101) 22037, Postfach 17 32, 25407 Pinneberg, E-Mail: Geschaeftsstelle@kreis-fischhausen.de. Besichtigung nach Wunsch.

Liebe Samländer und Freunde des Samlandes,

wie bereits seit über 65 Jahren findet auch unser diesjähriges Kreistreffen wieder am dritten Wochenende im September, vom 16. bis 18. statt. Hierzu möchten wir Sie mit Ihren Familien und Freunden herzlich einladen und freuen uns, wenn wir Sie im Hotel Cap Polonio, Fahltskamp 48 und in unserem Samlandmuseum begrüßen können. Der Programmablauf:

Freitag, 16. September

18.30 Uhr: Kranzniederlegung am Gedenkstein im Drosteipark, Gerhard Weiter sorgt mit einem Trompetensolo für den würdigen Rahmen.

20 Uhr: Gemütlicher Abend mit Repräsentanten des Kreises und der Stadt Pinneberg im Samlandmuseum. Bereits anwesende Ortsvertreter sind herzlich willkommen.

Sonnabend, 17. September

9.30 Uhr: Öffnung der Veranstaltungsräume im Cap Polonio.

10 Uhr: Im Museum am Fahltskamp 30 erwartet Sie Kaffee, Kuchen, Pillkaller und andere Leckereien.

11 Uhr: Ortsvertretersitzung im Cap Polonio mit Vorstandswahl.

14 Uhr: Feierliche Eröffnung des Kreistreffens.

16 Uhr: Der „Leierkastenmann“ aus Tornesch, Erwin Krüger, unterhält mit seiner Drehorgel.

16.30  Uhr: Treffen der Familienforscher unter Leitung von Heidrun Meller.

18.30 Uhr: Gemütlicher Ostpreußenabend mit gemeinsamen Essen im Hotel Cap Polonio zum Preis von zwölf Euro. Es stehen drei verschiedene Gerichte zur Auswahl. Wir bitten um rechtzeitige verbindliche Anmeldung.

Sonntag, 18. September

9.30 Uhr: Öffnung der Veranstaltungsräume im Hotel Cap Polonio.

10 Uhr: Öffnung der Samland-Ausstellung am Fahltskamp 30.

11 Uhr: „Die zeitgemäße Aufarbeitung des Fischhausener Ausgrabungsarchivs für das Samland“ – Vortrag des Prähistorikers Jörg Nowotny vom Landesmuseen Schloss Gottorf.

Anschließend Fortsetzung des Kreistreffens im Cap Polonio und in den Räumen des Samland-Museums am Fahltskamp 30.

 

INSTERBURG − Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, Fax (03222) 3721953, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V.,  Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Postfach 111 208, 47813 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, Fax (02151) 491141, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Nachdem die Resonanz im vergangenen Jahr so groß war, nimmt die Kreisgemeinschaft am 11. September wieder am Tag des offenen Denkmals teil. Das Heimatmuseum und die Geschäftsstelle sind im Alten Rathaus in Krefeld-Uerdingen untergebracht. Die Stiftung Insterburg erwarb das historische Gebäude im Jahr 2013. Es folgten umfassende Renovierungsarbeiten. Heute bereichert das barocke Bauwerk wieder das Uerdinger Stadtbild. Am Tag des offenen Denkmals werden um 11 Uhr und um 12 Uhr zwei Führungen nach vorheriger Anmeldung angeboten. Von 13 bis 16 Uhr ist das Haus zur freien Besichtigung geöffnet. Anmeldung und weitere Informationen unter Telefon (02151) 48991, E-Mail: info@

insterburger.de, Internet: www.insterburger.de

Heimatgruppe Kiel – Treffen in jedem Monat am zweiten Donnerstag im Café Rebecca in der Matthias-Claudius-Kirche in Kiel-Suchsdorf. Informationen: Hellmut Juck-nat, Telefon (0431) 311972.

Heimatgruppe Darmstadt – Sonnabend, 10. September, 11.30 Uhr, Taverna Hellas, Griechisches Grillrestaurant, Bahnhofstraße 17, 62491 Darmstadt-Wixhausen. 

Heimatgruppe Schwerin –  Mittwoch, 14. September, 12 Uhr,  Gaststätte Kaktus, Dreescher Köpmarkt: Gemeinsames Treffen. Informationen: Helga Hartig, Telefon (0385) 3922633, E-Mail: hehartig@web.de.

Heimatgruppe Köln –  Mittwoch, 28. September, Restaurant Em Kappeseng, Aachener Straße 1332, Köln-Weiden: Informationen: Carola Maschke, Telefon (0221) 796942, E-Mail: C.Maschke@netcologne.de.

 

LABIAU

Kreisvertreterin: Brigitte Stramm, Hoper Straße 16, 25693 St. Michaelisdonn/Holstein, Telefon (04853) 562. info­@stramm­verlag. de, Internet: www.labiau.de.

Insgesamt zwölf Museen beziehungsweise Institutionen beteiligten sich an der 16. Museumsnacht in Otterndorf im Landkreis Cuxhaven am 26. August. Auch das Torhaus Otterndorf mit der Sammlung Labiau/Ostpreußen war wieder dabei. Sieben Labiauer und drei Personen vom Otterndorfer Team freuten sich darauf, die Gäste begrüßen zu können.

Rechtzeitig wurde von uns Labiauern alles hergerichtet. Aufgestellt wurden stimmungsvolle Lampen mit Teelichtern, die später in der Nacht den Weg erhellen sollten. Tische wurden aufgebaut, um daran zu ostpreußischen Spezialitäten und einem Plausch einzuladen. Wir bewirteten unsere Gäste mit selbstgemachtem Bärenfang, Raderkuchen und Fladen, leckerem Brot mit Leberwurst nach ostpreußischem Rezept, auch aufgepeppt als Pillkaller. Das alles trug zur aufgelockerten Stimmung und sehr netten Gesprächen bei.

Die ersten Gäste kamen schon gleich um18 Uhr, die letzten gingen kurz nach 23 Uhr. Eine Vielzahl Besucher kamen, sahen sich unserer interessantes Museum an, in dem derzeit die Sonderausstellung „Tourismus im Kreis Labiau einst und jetzt“ läuft. Im unteren Raum sind gerettete Gegenstände, Handarbeiten, Kurenkahnwimpel, Schiffsmodelle und Utensilien, der einst weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Labiauer Schützengilde, das Schloss Labiau als Modell, ebenso eine Puppenstube und vieles mehr ausgestellt. Uns überraschte das Interesse der Besucher, die viele Fragen stellten. Wir waren uns einig, der Aufwand, den wir betrieben haben, hat sich wirklich mehr als gelohnt.

 

LÖTZEN

Kreisvertreter: Dieter Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, Fax: (040) 60890478, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Sonnabend, 17. September, Lötzener Heimatmuseum, Sudetenlandstr. 18 H, Neumünster (Böck-lersiedlung): Ab 10 Uhr Gelegenheit zum Besuch der Sonderausstellung „Burgen des Deutschen Ordens – Gemälde von Reinhard Bergmann“. Um 15.30 Uhr beginnt die Märchenerzählerin Angelika Rischer, Hamburg, mit ihrem Programm „Das Märchen von den deutschen Flüssen (nach Paul Keller) und andere Geschichten vom Wasser“. Eintritt – wie immer – frei.

Am 5. August, dem „Tag der Charta der Heimatvertriebenen“, fand in Neumünsters Friedenshain eine Kranzniederlegung statt. Die Ansprache am Gedenkstein für die Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung hielt der Kreisvorsitzende des BdV, Willi Treetzen. Vertreter aller in der Stadt beheimateten landsmannschaftlichen Vereinigungen waren anlässlich dieses ehrenden Totengedenkens gekommen. So beteiligte sich auch die Kreisgemeinschaft Lötzen daran. Der 1. Vorsitzende Dieter Eichler und die Geschäftsführerin des Vereins, Ute Eichler, legten ein Blumengesteck am Stein nieder. Dort befindet sich auch eine gußeiserne Gedenktafel für die Opfer von Krieg und Gewalt aus dem Kreis Lötzen. Dieter Eichler erinnerte in sehr persönlichen Worten an seine als Kind am Kriegsende gemachten Erfahrungen.

 

LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Am 6. September 2006 unterzeichneten im Kreishaus von Lyck Landrat Tomasz Andrukiewicz (heute Stadtpräsident) und der damalige Oberbürgermeister Peter Demnitz die „Gemeinsame Deklaration“ zur Zusammenarbeit zwischen dem Kreis Elk (Lyck) und der Stadt Hagen. Was hat sich seitdem getan?

2007: Im Mai  unternahm die Kreisgemeinschaft Lyck unter der Leitung des damaligen Kreisvertreters Gerd Bandilla eine Omnibusreise nach Lyck. Der Partnerschaftsverein Hagen veranstaltete im Juli eine Omnibusreise nach Lyck. Zum Kreistreffen kamen als Gäste der Stadt Hagen: Stadtpräsident Tomasz Andrukiewicz, Landrat Krzysztof Pilat und die ehrenamtlichen Verwaltungsvorstands-Mitglieder Robert Dawidowski und Ryszard Podgorski. Caritas-Direktor Dariusz Kruczynski war Festredner. Im Okto-ber reisten 16 Schüler aus Lyck nach Hagen zu einem zweiwöchigen Berufspraktikum.

2008 bis 2011: Die Kreisgemeinschaft unternahm jährlich unter der Leitung des damaligen Kreisvertreters Gerd Bandilla eine Omnibusreise nach Lyck.

2012: Eine Delegation der Stadt Hagen unter der Leitung des damaligen Oberbürgermeisters Jörg Dehm besuchte Lyck.

2013: Zum Kreistreffen kamen Vize-Landrat Marek Chojnowski und Verwaltungs-Vorstands-Mitglied Wlodzimierz Szelazek. Im Dezember war Dr. Rafal Zytyniec vom Lycker Historischen Museum im Archiv der Kreisgemeinschaft in Hagen.

2014: Am 3. Oktober unterzeichnete das Historische Archiv in Lyck mit der Kreisgemeinschaft einen Zusammenarbeitsvertrag. Für die Kreisgemeinschaft unterschrieb die Kreisvertreterin Bärbel Wiesensee.

2015: Die Kreisgemeinschaf  unternahm unter Leitung der Kassenwartin Heidi Mader eine Omnibus-Reise nach Lyck.

2016: Eine Delegation der Stadt Hagen unter der Leitung von Oberbürgermeister Erik O. Schulz besuchte Lyck.

Beim Kreistreffen zeigte Rafal Zytyniec vom Historischen Museum in Lyck die Bildpräsentation „Lyck früher – Lyck heute, die Veränderungen einer Stadt“.

 

MEMEL HEYDEKRUG POGEGEN

Kreisvertreter Stadt: Hans-Jörg Froese. Land: Ewald Rugullis, Heydekrug: Herbert Jaksteit. Pogegen: Kreisvertreter: Gerhard Schikschnus, Geschäftsstelle für alle vier Kreise: Uwe Jurgsties, Kirschblütenstraße 13, 68542 Heddesheim, Telefon (06203) 43229, Fax (06203) 43200.

Am 26. Mai hat der Stadtrat von Klaipeda einstimmig beschlossen, dem Bundesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise, Uwe Jurgsties,  die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Die offizielle Verleihung erfolgte am 1. August, dem 764. Geburtstag der Stadt im Konzertsaal, dem früheren Schützenhaus. Im Anschluss erfolgte die Verleihung des Kulturmagisterringes an Kristina Jokubaviciene und Rolandas Rastauskas. Zu den geladenen Gästen zählten der stellvertretende Bürgermeister Arturas Sulcas, die ehemaligen Bürgermeister, die Stadträte, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Narunas Lendraitis von der Kulturabteilung, die bisherigen Ehrenbürger, der Honorarkonsul der Bundesrepublik Dr. Arunas Baublys, Jurga und Viktorija vom AdM-Archiv, die Vorstandsmitglieder des Vereins der Deutschen in Memel sowie vom Verein Heide in Heydekrug und Vertreter des Hermann-Sudermann-Gymnasiums und des Eduard Balsys Kunstgymnasiums. Die Feierstunde wurde von zwei Violinespielerinnen und einem Trommelsolo umrahmt. Die Laudatio hielt der Direktor der Simonaitytes-Bibliothek, Juozas Siksnelis (siehe unten). In einem Grußschreiben zur Ehrung erklärte Jutta Schmitz, die deutsche Botschafterin in Litauen: „Ihr langjähriges, vielfältiges und uneigennütziges Engagement für die Memelregion und ganz Litauen findet darin seine gebührende und hochverdiente Anerkennung.“

Hier in Auszügen die Laudatio von Juozas Siksnelis, Direktor der Simonaitytes-Bibliothek, anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Uwe Jurgsties

Sehr geehrter Bürgermeister Grubliauskas, sehr geehrte Ehrenbürger der Stadt Klaipeda, sehr geehrte Kulturmagister, sehr geehrte Damen und Herren, unsere Schwestern und Brüder,

für die Verleihung des Ehrenzeichens der Stadt als Ehrenbürger stellen wir einen Mann vor, der in Klaipeda weder geboren noch groß geworden ist. Aber er ist ohne jegliche Übertreibung mit Klaipeda zusammengewachsen. Uwe Jurgsties ist in Deutschland geboren in einer Flüchtlingsfamilie aus Klaipeda/Memel. Schon in jungen Jahren war er aktiv und engagierte sich für Flüchtlingsorganisationen. Er stieg recht schnell die Karriereleiter hinauf. 1989 wurde Uwe Jurgsties zum Bundesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Memellandkreise gewählt. Die Sorge um die Heimatstadt seiner Eltern und seine Liebe zu Klaipeda drückte er nicht mit Deklarationen oder lauten Worten aus, sondern mit konkreten Taten.

Nach seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der AdM organisierte er zwölf Hilfstransporte. Er setzte sich dafür ein, dass das Modell der Altstadt von Klaipeda dem Museum für die Geschichte Kleinlitauens übergeben wurde. Ein in unserem Skulpturenpark aufgestellter Gedenkstein verkörpert die Erinnerung an für ewig dort Ruhenden. Unbedingt zu erwähnen ist die Skulptur „Abschied“ am Bahnhof sowie die materielle Unterstützung des Hermann-Sudermann-Gymnasiums.

Aber die Übergabe des AdM-Archivs als Dauerleihgabe an die Stadt und konkret an die Ievos-Simonaitytes-Kreisbibliothek ist, meines Erachtens, der bedeutendste Beitrag von Uwe Jurgsties zum Leben unserer Stadt. (…) Uwe Jurgsties ist im wahrsten Sinne des Wortes Botschafter Klaipedas in Mannheim. Er kümmert sich um die Partnerschaft zwischen beiden Städten und um alle Delegationen und Gruppen aus Klaipeda in Mannheim.

Eine Liebe kann man mit Worten aber auch mit Taten zum Ausdruck bringen. Richtig gewählte und gekonnt zusammengereimte. Worte können die Seiten unserer Seelen erzittern lassen. Aber nachdem das Zittern aufhört, setzen Stille und Leere ein. Die guten Taten von Herrn Jurgsties für die Stadt Klaipeda bleiben. Sie tragen spürbare Früchte, die wir tagtäglich nutzen können.

                Juozas Siksnelis

 

PREUSSISCH EYLAU

Kreisvertreterin: Evelyn v. Borries, Tucherweg 80, 40724 Hilden, Telefon (02103) 64759, Fax: (02103) 23068, E-Mail: evborries@gmx.net. Kartei, Buchversand und Preußisch Eylauer-Heimatmuseum im Kreishaus Verden/Aller Lindhooper Straße 67, 27283 Verden/Aller, E-Mail: preussisch-eylau@landkreis-verden.de, Internet: www.preussisch-eylau.de.

Unser Büro in Verden ist nur noch unregelmäßig besetzt. Bitte wenden Sie sich direkt an die Kreisvertreterin Evelyn v. Borries, Telefon: (02103) 64759 oder

Fax: (02103) 23068, E-Mail: evborries@gmx.net

Liebe Kreis-Preußisch-Eylauer, Sie sind herzlich eingeladen zu unserem Kreistreffen 2016 in Verden! Es wird wieder viel geboten, auch Unterhaltung und Geselligkeit kommen nicht zu kurz. Das Treffen findet statt im Tagungshotel „Niedersachsenhof“, Lindhooper Straße 97, Telefon (04231) 6660, und im Kreishaus Verden, Lindhooper Straße 67, Telefon (04231) 150, beide 27283 Verden. Beide Häuser liegen nahe beieinander. Dies ist das Programm:

Sonnabend, 17. September

9 Uhr: Öffentliche Sitzung der Delegiertenversammlung der Kreisgemeinschaft im Kreishaus, Haupteingang, Erdgeschoss (Kreistagssaal), Ende der Sitzung um 11 Uhr.

9.30–11.30 Uhr: Unser Heimatmuseum ist geöffnet, Kreishaus Verden, Eingang Ost (der Weg ist ausgeschildert).

12 Uhr: Empfang der Stadt und des Landkreises Verden durch Landrat Peter Bohlmann für die Teilnehmer und Gäste, Kreishaus, Haupteingang, Kreistagssaal.

15 Uhr: Gemeinsames Kaffeetrinken (oder auch andere Getränke) mit typisch ostpreußischem Blechkuchen mit allen Teilnehmern im großen Saal des Hotels „Niedersachsenhof“.

16–17 Uhr: Es stehen Ihnen die Bezirksvertrauensleute der jeweiligen Amtsbezirke des Kreises Preußisch Eylau für Nachfragen und Informationen im großen Saal des „Niedersachsenhofs“ zur Verfügung; ferner wird in einem Besprechungsraum Irmi Gegner-Sünkler zum Thema „Familienforschung“ Erläuterungen und praktische Tipps geben.

17 Uhr: Vortrag mit Lichtbildern von Dr. Christoph Hinkelmann (Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg): „Glanzlichter aus Ostpreußens Naturkunde, die bis heute weiter wirken.“

18 Uhr: Wir singen gemeinsam mit Albrecht Thiel aus Canditten Lieder aus unserer Heimat.

18.30 Uhr: Schwänke aus Ostpreußen vorgetragen von Elfi Hoppe

19 Uhr: Gemeinsames Abendessen (freiwillig) mit einem typisch ostpreußischen Gericht (diesmal wird angeboten: „Falscher Hase“ sowie „Schmandhering mit Bratkartoffeln“) oder à la Carte, mit allen Teilnehmern im großen Saal des Hotels „Niedersachsenhof“.

20 Uhr: Heimatabend. Wir singen gemeinsam das Ostpreußenlied „Land der dunklen  Wälder“, anschließend sehen wir wieder kurze Filme aus dem alten Ostpreußen, danach wie alljährlich gemütliches Beisammensein mit „Schabbern“ und „Plachandern“.

Sonntag, 18. September

10 Uhr: Feierstunde mit Totenehrung im großen Saal des „Niedersachsenhofs“, anschließend Kranzniederlegung am Mahnmal im Bürgerpark (Bus-Shuttle hin und zurück oder private Anfahrt). Danach Fortsetzung des Treffens im Hotel „Niedersachsenhof“, gemütlich, ohne Programm.

Liebe Landsleute, kommen Sie zahlreich, mit möglichst großem Anhang! Unser Erscheinen in Verden wird immer auch als ein Bekenntnis zur Heimat, zu Ostpreußen, gesehen, das nicht ins Vergessen gerückt werden darf. Das Kreistreffen, das früher stets drei Tage dauerte, wurde auf Wunsch vieler Teilnehmer, um eine Übernachtung zu sparen, auf zwei Tage verkürzt. Es lohnt sich jedoch, schon früher anzureisen, um sich in der historischen Verdener Altstadt umzusehen, die sich in jüngster Zeit wahrlich herausgeputzt hat, ideal für lockere Treffen von Familien und Bekannten. Wer noch keine Unterkunft gebucht hat, sollte dies schnell tun. Wenn der „Niedersachsenhof“, das Tagungshotel, bereits voll belegt ist, hilft Ihnen die Tourist-Information weiter, Telefon (04231) 12345.

Das Heimatmuseum der Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau befindet sich im Verdener Kreishaus, Eingang Ost, und ist am Sonnabend von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr geöffnet. Der Weg dorthin ist ausgeschildert. Der Bücherstand im „Niedersachsenhof“ bietet Ostpreußenliteratur sowie Bücher der Kreisgemeinschaft zu folgenden Zeiten an: am Sonnabend von 13 Uhr bis 18 Uhr. Außerdem wird Schwermer-Marzipan, eine Spezialität, an einem besonderen Stand angeboten. (Änderungen des Programms bleiben vorbehalten.)

… nur noch wenige Wochen trennen uns von unserem Kreistreffen in Verden am 17. und 18. September. Allein der Vortrag über die Glanzlichter der Natur Ostpreußens lohnt das Kommen. Dr. Hinkelmann vom Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg wird uns dazu in Wort und Bild am Sonnabend, um 17 Uhr, im „Niedersachsenhof“ berichten. Ostpreußen weist eine Vielfalt an Landschaften auf, die seit jeher auch stark vom Menschen genutzt wurden. Als Überschussgebiet versorgte es dichter besiedelte Gebiete mit Fleisch, Getreide, Fisch und – „Tilsiter“. Die Landwirtschaft stand in Organisation, Technik und Ertrag an der Spitze Deutschlands. Glanzlichter der Naturkunde, deren Ergebnisse bis heute nachwirken, sind auch die Pferdezucht und die Vogelzugforschung. Der Welt größtes Bernsteinvorkommen lag – und liegt – in Ostpreußen.

Übrigens war das Zehlaubruch im Kreis Preußisch Eylau – das einzige noch lebende und weiterwachsende Seeklima-Hochmoor in Deutschland – schon im Jahr 1910 zum Naturschutzgebiet erklärt worden. 

Verabreden Sie sich mit Ihren Freunden und Verwandten schon am Sonnabendvormittag zur Besichtigung des Preußisch-Eylau-Museums im Verdener Kreishaus und am Nachmittag zum gemütlichen Kaffee-Treff im benachbarten Hotel Niedersachsenhof sowie bei Interesse dort anschließend zum Referat von Irmi Gegner-Sünkler über Wege und Möglichkeiten der Familienforschung. Sie hat sich in den letzten 17 Jahren ein umfassendes Wissen über die zum Teil nur noch rudimentär vorhandenen Unterlagen und die einschlägigen Archive verschafft, gerade auch, was den Kreis Preußisch Eylau betrifft.

Das Kreistreffen bietet also jedem etwas.

 

RASTENBURG

Kreisvertreter: Hubertus  Hilgendorff, Tel. (04381) 4366, Dorfstr. 22, 24327 Flehm. Gst.: Patenschaft Rastenburg: Kaiserring 4, 46483 Wesel, Tel. (0281) 26950.

Unser Jubiläumstreffen am 20. und 21. August konnten wir mit rund 150 Rastenburger Landsleuten in Wesel feiern. Grüße von verhinderten ehemaligen Rastenburgern kamen aus ganz Deutschland und sogar aus Australien. In Gedanken waren diese Landsleute bei uns. Der Programmablauf des 60. Hauptkreistreffens begann traditionell am Samstagvormittag mit den Kranzniederlegungen und dem ehrenden Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege auf dem Weseler Friedhof an der Caspar-Baur-Straße und vor der Schill-Kaserne am Ehrenmal des ehemaligen Rastenburger Regimentes „König Friedrich der Große“, (3. Ostpreußische) Nr. 4.

Danach folgten wir wieder der Einladung des Vorsitzenden des Traditionsvereins, Oberstleutnant André  Haider, in die Kaserne und zum Traditionsraum. Hier konnte die Ausstellung, besonders die alten Exponate aus Rastenburg, betrachtet werden. Unsere Gruppe wurde wieder sehr freundlich aufgenommen und bewirtet. Fragen wurden gestellt und beantwortet, Fotos gemacht und Adressen ausgetauscht.

Am Abend, beim geselligen Beisammensein in der Niederrheinhalle, ehrte der Kreisvorsitzende Hubertus Hilgendorff Karl Weiß für seinen Einsatz um seine Heimatstadt Drengfurt und die Kreisgemeinschaft Rastenburg mit dem Silbernen Ehrenzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen. Die musikalische Begleitung des Abends übernahm der Männerchor „Bleibtreu“ aus Hamminkeln. Die Herren unterhielten das Publikum mit dem großen Bogen ihres Repertoires.

Der Sonntagvormittag wurde mit Gottesdiensten in den Weseler Kirchen, der evangelischen Gnaden-Kirche und der katholischen Herz-Jesu-Kirche, begonnen. Danach erfolgte in der Niederrheinhalle das große Treffen. Zwei Plakatausstellungen zum Thema „Landwirtschaft in Ostpreußen“ und „60 Jahre Patenschaft“ sowie ein Informationsstand des Deutsch-Polischen Jugendaustausches „Wesel-Ketrzyn“ fanden reges Interesse.

Es ist erstaunlich, dass auch immer wieder Gäste zum ersten Mal den Weg nach Wesel finden. An gut besetzten Tischen wurden Erinnerungen und Fotos ausgetauscht, über die letzte Reise in die Heimat gesprochen und derer gedacht, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reisen können. Um 14.30 Uhr eröffnete der Kreisvorsitzende Hubertus Hilgendorff das offizielle Programm.

Der stellvertretende Landrat des Kreises Wesel, Heinrich Friedrich Heselmann, und die Bürgermeisterin der Stadt Wesel, Ulrike Westkamp, bekundeten in ihren Festreden die aufrichtige Freundschaft zu der 60-jährigen Patenschaft zwischen dem Landkreis und der Stadt Wesel mit der Rastenburger Kreisgemeinschaft. Von Seiten der Kreisgemeinschaft Rastenburg gab es zur Bekräftigung dieser Beziehung jeweils eine gerahmte Kopie der ersten Patenschafts-Urkunde und die Jubiläumsausgabe des Heimatbriefes „Rund um die Rastenburg“ mit einer umfangreichen Zeittafel der 60 jährigen Patenschaft.

Die Besucher wurden von der Blasmusik Lackhausen musikalisch unterhalten, die auch zusammen mit dem Tambourcorps Wesel-Fusternberg den Großen Zapfenstreich zelebrierte. Bis in den Abend hinein saßen die Rastenburger dann noch gesellig zusammen.


S. 19-20 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BUND JUNGES OSTPREUSSEN

Vorsitzender: Marius Jungk, Gst.: Buchtstr. 4, 22087 Hamburg, Tel.: (040) 4140080, E-Post: kontakt@junge-ostpreussen.de, www.junge-ostpreu­ssen.de.

Freitag, 30. September, bis Montag, 3. Oktober, Bad Honnef: BJO-Herbstseminar und BJO-Bundestreffen. Thema des Seminars: „150 Jahre Deutscher Krieg – Preußen und Österreich in Geschichte und Gegenwart“. (Zum Programm siehe unten. Weitere Informationen: www. facebook.com/events/1032910 313418878/2

Donnerstag, 24., bis Sonntag, 27. November: Adventstreffen im ostpreußischen Osterode. Informationen: www.junge-ostpreus-sen.de/47-0-Aktivitaeten.html

Donnerstag, 29. Dezember, bis Dienstag, 3. Januar: Silvesterfahrt nach Ostpreußen: Informationen: www.junge-ostpreussen.de/47-0-Aktivitaeten.html

 

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Sonnabend, 17. September, 10 Uhr, Hotel Wartburg, Langestraße 49, Stuttgart: Landesdelegiertentagung mit Berichten aus der Arbeit des Landesvorstands, Kassenbericht,  Entlastung und Wahl des Vorstands. Damit die Delegiertentagung mit Wahl ordnungsgemäß durchgeführt werden kann, werdendie Gruppenvorsitzenden um vollzähliges Erscheinen, beziehungsweise um Entsenden eines Delegierten aus ihren Gruppen gebeten. Die Tagung endet um zirka 13 Uhr mit dem gemeinsamen Mittagessen.

– Landeskulturtagung –

Sonnabend, 17, und Sonntag, 18. September, Hotel Wartburg: Landeskulturtagung. Am Sonnabend beginnt die Veranstaltung um 14 Uhr mit einem Vortrag von Dr. Christiane Mais, Leitende Ministerialrätin im Innenministerium von Baden-Württemberg. Das Thema wird die „Kulturförderung des Landes“ sein. Dazu Uta Lüttich, Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen in Baden-Württemberg: „71 Jahre nach Kriegsende ist es für uns von existenzieller Bedeutung, wie wir unseren kulturellen Auftrag auch in Zukunft wahrnehmen können, nachdem die Kulturmittel nach Paragraf 96 BVFG immer wieder gekürzt werden.“

Im Anschluss an den Vortrag von Christiane Mais ist Gelegenheit für eine Diskussion. Danach wird Ulla Gehm, Landeskulturreferentin der LO einen bebilderten Vortrag über Dom und Schloss von Königsberg halten. Der  kulturelle Heimatabend beginnt um 19 Uhr mit Sketchen und Vertellchen der Teilnehmer. Am Klavier: Ralph Demski.

Am Tag darauf wird die Kulturtagung mit einem „Wort zum  Sonntag“ von Irma Barraud, Vorsitzende LOW-Lahr, fortgesetzt. Anschließend berichtet die zweite Landesvorsitzende Rosemarie S. Winkler, LOW Buchen,  über ihre letzten Reisen in die Heimat.

Um 10.36 Uhr Abfahrt U2 Berliner Platz/Liederhalle zur Gedenkfeier am Vertriebenendenkmal im Kurpark Bad Cannstatt. Beginn ist um 11 Uhr. Die Ansprache hält Hans-Werner Schwalke, LM Westpreußen. Danach um 11.50 Uhr Rückfahrt und Mittagessen im Hotel Wartburg. Die Kulturtagung endet gegen 13.30 Uhr.

– Tag der Heimat –

Sonntag, 18. September, 14 Uhr, Liederhalle: Tag der Heimat. Festredner ist Innenminister Thomas Strobl. Bitte bringen Sie Ihr Ost- oder Westpreußenkleid beziehungsweise Ihre Weste mit, damit wir als Ost-/Westpreußengruppe in Tracht beim Einmarsch der Trachtenträger teilnehmen können. Anmeldungen bei Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart.

Ludwigsburg – Montag, 19. September, 15 Uhr, Kronenstuben, Kronenstraße 2: Stammtisch.

Ulm/Neu Ulm – Sonnabend, 10. September, 14.30 Uhr, Ulmer Stuben: Monatliches Treffen.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Ansbach – Sonnabend, 10. September, 15 Uhr, Orangerie: Erntedank.

Nürnberg – Dienstag, 27. September, 15 Uhr, Haus der Heimat, Imbuschstraße 1 (gegenüber der Endstation der U1), Nürnberg-Langwasser: Gemeinsames Treffen zum Thema „Johann Gottfried Herder, ein großer Ostpreuße aus Mohrungen“.

 

BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Bartenstein – Anfragen zu gemeinsamen Treffen bei Elfi Fortange, Telefon (030) 4944404.

Frauengruppe – Montag, 12. September, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: Erntedank. Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Angerburg, Darkehmen, Goldap – Donnerstag, 15. September, Restaurant Oase Amera, Borussiastraße 62, 12102 Berlin: Erntedank in Ostpreußen. Anfragen: Marianne Becker Telefon (030) 7712354.

Königsberg – Freitag, 16. September, 14 Uhr, Johann-Georg-Stuben, Johann-Georg-Stuben-Straße 10, 10709 Berlin-Halensee: Gemeinsames Treffen. Anfragen: Elfi Fortange Telefon (030) 4944404..

Heilsberg, Rößel – 24. September, 15 Uhr, Seniorenfreizeitstätte Maria-Rimkus-Haus, Gallwitzallee 53, 12249 Berlin: Erntedankfeier. Anfragen: Erika Hackbarth, Telefon (033762) 40137, und für Rößel Ernst Michutta, Telefon (05624) 6600.

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Landesgruppe – Sonntag, 11. September, 15 Uhr, Finnische Seemannskirche, Ditmar-Koel-Straße 5, 20459 Hamburg (unweit der U-Bahnstation Landungsbrücken): Gottesdienst des Landesverbandes der vertriebenen Deutschen zum Tag der Heimat. Im Anschluss gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen. – Sonntag, 18. September, 15 Uhr, Bachsaal, Gemeindehauses St. Michaelis, Krayenkamp 4, 20459 Hamburg: Tag der Heimat des Landesverbandes der vertriebenen Deutschen. Einlass ist ab 14.30 Uhr. Der Veranstaltungsort liegt unweit der S-Bahnstation Stadthausbrücke, U-Bahnstation Rödingsmarkt oder Haltestelle der Buslinien 6 und 37.

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und einem kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Heiligenbeil – Sonnabend, 24. September, 14 Uhr, AWO-Seniorentreff, 1. Etage, Stadtteilhaus Horner Freiheit, Am Gojenboom 46: Herbstfest. Die Mitglieder der Gruppe wollen mit ihren Freunden und Gästen, bei Kaffee und Kuchen in geselliger Runde einige fröhliche und besinnliche Stunden miteinander verbringen. Sie erreichen den Seniorentreff mit der U2 Richtung Mümmelmannsberg, oder U4 Richtung Billstedt, beides bis Horner Rennbahn, hier den Ausgang Am Gojenboom benutzen, direkt daneben ist das Stadtteilhaus. Für Rollatoren und Rollstuhlfahrer gibt es einen Fahrstuhl, der zum Einkaufszentrum hinauf führt, hier sind es dann einige Minuten Fußweg bis zum Ziel. Anmeldung bis zum 23. September bei Landsmann Konrad Wien, Telefon (040) 32049041, Kostenbeitrag für Kuchen und Kaffee fünf Euro.

SALZBURGER VEREIN

Landesgruppe Hamburg/Schleswig-Holstein/Nordniedersachsen – Sonnabend, 8. Okto-ber, 13 Uhr, Hotel „St. Raphael“, Adenauerallee 41, 20097 Hamburg: Gemeinsames Treffen. Auf dem Programm stehen: „Zur Zukunft der landsmannschaftlichen Arbeit“ – Vortrag Herr Dr. Sebastian Husen, Bundesgeschäftsführer der Landsmannschaft Ostpreußen und ein Bericht über das Jahrestreffen des Salzburger Vereins im Juni in Goldegg im Salzburger Land sowie eine Vorschau auf das Jahrestreffen 2017 in Thüringen anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Reformation“.

 

HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788

Darmstadt/Dieburg – Nach einer gelungenen ersten Veranstaltung nach der Sommerpause am 13. August freuen wir uns auf das nächste Treffen am 17. September, das wie gewohnt um 15 Uhr im Luise-Büchner-Haus/Bürgerhaus am See, Grundstraße 10, in  Kranichstein stattfindet. An diesem Tag wird uns Karla Weyland mit einem Bildvortrag über Kraniche unterhalten. Das Thema lautet „Das Glück hat Flügel“. Wir freuen uns auf einen schönen Nachmittag und auf ein Wiedersehen. Auch Nichtmitglieder und Gäste sind immer gerne gesehen. Allen Kranken wünschen wir eine gute Besserung und eine baldige Genesung.

Wiesbaden – Sonntag, 11. September, 10.30 Uhr, Großer Saal, Hessisches Finanzministerium: Zentraler Tag der Heimat und dritter Hessischer Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation. Festredner ist Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtags. – Dienstag, 13. September, 15 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 55: Heimatnachmittag der Frauengruppe. Donnerstag, 15. September, 12 Uhr, Gaststätte Haus Waldlust, Ostpreußenstraße 46: Stammtisch. Wegen der Platz- und Essensdisposition Anmeldungen bitte bis spätestens 9. September bei Irmgard Steffen, Telefon (0611) 844938,

ESWE-Busverbindung: Linie 16, Haltestelle Ostpreußenstraße.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bielefeld – Donnerstag, 15. September, 15 Uhr, zweiter Stock, Wilhelmstraße 1b, 33602 Bielefeld: Heimatliteraturkreis.

Bonn – Sonnabend, 17. September, 16 Uhr, St. Remigiuskirche, Brüdergasse: Ökumenischer Gottesdienst. – Sonntag, 18. September, 11 Uhr, Münsterplatz: Ostdeutscher Markttag zum Tag der Heimat. – Dienstag, 27. September, 14 Uhr, Nachbarschaftszentrum Brüser Berg, Fahrenheitstraße 49: Treffen des Frauenkreises

Dortmund – Montag, 21. September, 14.30 Uhr, Heimatstube, Landgrafenschule (Eingang Märkische Straße): Gemeinsames Treffen.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr, Eichendorffsaal, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Probe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland unter der Leitung von Radostina Hristova. – Freitag, 9. September, 19 Uhr, GHH: Konzert mit Iris Kotzian zum 175 Geburtstag von Antonin Dvorák. – Sonnabend, 10. September, Konferenzraum, GHH: Tag der Heimat. – Donnerstag, 15. September, 8.30 Uhr: Tagesfahrt nach Waldbreitbach im Wiedbachtal. – Donnerstag, 15. September, 19 Uhr, GHH: Vortrag zum 200. Geburtstag von Gustav Freytag. – Freitag, 16. September, 19 Uhr, GHH: „2xHeimat“ – Theateraufführung. – Sonnabend, 24. September, 11 Uhr, Infostand, Hauptbahnhof Düsseldorf: Wandertreff. – Dienstag, 27. September, 19 Uhr, GHH: Lesung mit Arno Surminski. – Donnerstag, 20. September, 19 Uhr, GHH: Vortrag H. Gerl-Falkowitz zum 125 Geburtstag von Edith Stein.

Gütersloh – Der Ostpreußischer Singkreis trifft sich in unregelmäßigen Abständen montags von 15 bis 17 Uhr in der Elly-Heuss-Knapp-Realschule, Moltkestraße 13. Neue „Drosseln“ sind immer willkommen. Kontakt: Renate Thamm, Telefon (05241) 40422.

Köln – Dienstag, 20. September, 14.30 Uhr, Bürgerzentrum Köln-Deutz, Tempelstraße 41-43: Versammlung der Ostpreußenrunde. Wir möchten uns nach der hoffentlich erholsamen Urlaubszeit an alle in Köln und in seinem Umfeld wohnenden ostpreußischen Landsleute mit der Bitte wenden, sich wieder auf den Weg zu unseren monatlichen Treffen zu machen. Vielleicht haben Sie besonders schöne Erinnerungen aus der Urlaubszeit mitgebracht. Sollten Sie sie aufgeschrieben haben, würden wir Ihnen gern beim Vorlesen zuhören. Aber auch ein Erzählen über selbst erlebte Dinge wäre nicht zu verachten und ist eine willkommene Unterbrechung des üblichen Programms über Kunst und Literatur unserer Heimat. Für diejenigen, die unsere Runde zum ersten Mal besuchen möchten, geben wir günstige Verbindungen an: Mit den Linien der KVB 3 & 4 zur Haltestelle Suevenstraße und den Linien 1 & 7 zur Deutzer Freiheit. Von diesen Punkten ist das Bürgerzentrum in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen. Wegen fehlender Parkmöglichkeiten wird die Anfahrt mit dem PKW nicht empfohlen.

Neuss –  Sonnabend, 10. September, 14 Uhr, Ostdeutscher Gedenkstein, Oberstraße: Tag der Heimat. Im Anschluss Feierstunde im Marienhaus, Neuss, Kapitelstraße 36. Veranstalter BdV-Kreisverband Neuss. Ein Bustransfer vom Gedenkstein zum Marienhaus, Kapitelstraße 36, wird organisiert.

Remscheid – Sonnabend, 24. September, 15 Uhr, „mk“-Hotel, Bismarckstraße 39 (gegenüber Hauptbahnhof): Die Kreisgruppe feiert ihr 65-jähriges Bestehen. Herzlich eingeladen sind die Landsleute und Freunde, insbesondere diejenigen aus der Umgebung von Remscheid, Solingen und Wuppertal. Die Feierstunde wird durch die Mitwirkung einer Pianistin, einer Harfenistin sowie des Ostpreußenchores bestimmt zu einem bleibenden schönen Erlebnis. Dr. E, Mathiak wurde gebeten, die Festansprache zu halten. Anmeldungen bei Frau I. Beeck. Telefon (021291) 51103.

Viersen – Sonnabend, 10. September, 14 Uhr, Evangelisches Gemeindehaus Willich-Anrath, Jakob-Krebs-Straße 121: Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen (BdV). Um 14 Uhr beginnt die Veranstaltung mit ökumenischer Andacht. Danach wird um 15 Uhr zur gemeinsamen Kaffeetafel gebeten und wird mit Liedern, Mundartgedichten und einer gemeinsamen Kaffeetafel abgerundet. Es wirken wieder mit: Die Leddschesweäver aus Anrath unter Leitung von Dr. Christoph Carlhoff, Friedrich Kluth mit Mundartvorträgen und das Akkordeonorchester Waldniel unter der Leitung von Willi Gehlen. Um 16 Uhr folgt die Gedenkstunde. Festredner ist Rudi Wawelka. Der gebürtige Breslauer von der Landsmannschaft der Schlesier ist BdV-Landesvorsitzender von Nordrhein-Westfalen.

– Erntedankfest –

Sonnabend, 24. September, 15 Uhr, Dülkener Hof, Lange Straße 54: Erntedankveranstaltung. Bitte bringen Sie Freunde und Bekannte mit. Jeder zusätzliche Gast sichert das Fortbestehen der Gruppe und ist bei uns herzlich willkommen! Spenden für unsere Erntedankverlosung werden vom 19. bis zum 23. September erbeten (An der Hees 15). Der Unkostenbeitrag beträgt für Kaffee, Kuchen und ein Garantielos sieben Euro pro Person.

Wesel – Sonntag, 11. September, 15 Uhr (Einlass ab 14 Uhr), Heimatstube, Kaiserring 4: Tag der Heimat. Unter dem Leitwort „Identität schützen, Menschenrechte achten“ führen die verei-nigten Landsmannschaften mit Beiträgen aus der Heimat gemeinsam durch den Tag. Dazu wird ein Kaffee- und Kuchengedeck angeboten.

Witten – Montag, 19. September, Versammlungsraum, Evangelisch-Lutherische Kreuzgemeinde Witten, Lutherstraße 6–10: Kartoffeln und Pilze.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle,  Telefon privat (0345) 2080680.

Magdeburg – Sonntag, 11. September: Tag der Heimat. – Dienstag, 20. September, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen. – Freitag, 23. September, 16 Uhr, TuS Zielitzer Straße: Treffen des Singekreises.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Flensburg – Mittwoch 14. September, 15 Uhr, TSB-Gaststätte: Kaffeetafel, eine kleine Predigt und christliche Gespräche zum Tag der Heimat mit der Pastorin Silke Wierk aus Harrislee.

Pinneberg – Sonntag, 11. September, 15 Uhr: „Mein Name ist Marité“ – Lesung aus einem litauischen Wolfskinderroman. 

Schönwalde am Bungsberg –  Sonntag, 11. September, 9.45 Uhr: Tag der Heimat (Kirche).

Uetersen – Sonntag, 11. September, 11 Uhr: Tag der Heimat, Kranzniederlegung und Gedenken am Gedenkstein der vertriebenen Deutschen in der Tantaus Allee, 25436 Uetersen.


Fabritius lud ein
Tag der Heimat in der Berliner Urania-Halle

Der Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Bernd Fabritius, lud nach Berlin ein, und aus fast allen Bundesländern kamen die Besucher zum Tag der Heimat am Sonnabend, den 3. September. Über 1000 Landsleute und Ehrengäste waren es. Unsere Bayern reisten größtenteils per Zug an, ebenfalls die Abordnungen aus Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein. Traditionell kamen wir, die Hanseaten, wie seit Jahrzehnten mit dem Reisebus. Fast 40 Deutsche aus Russland, Oberschlesien, Ostpreußen, Siebenbürgen und Hamburg erreichten gerade noch rechtzeitig die Urania-Festhalle. Kaum Platz genommen eröffneten die „Potsdamer Turmbläser“ die Feierstunde und begleiteten von da an die Veranstaltung mit klassischen und volkstümlichen Weisen wie „Land der dunklen Wälder“ und „Wenn in stiller Stunde“.

Weihbischof Reinhard Hauk ergriff als erster das „geistliche Wort“. Bildhaft trug der das erlittene Schicksal der Heimatvertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler nach 1945 vor. Besonders wies er auf die Opfer der Zwangsarbeit hin. 

In seiner viele Themen anpackenden Festrede hob Bundespräsident Joachim Gauck hervor, dass es ihn freue, zum Ende seiner Amtszeit doch noch zu den Heimatvertriebenen sprechen zu können. Auch er vergaß nicht auf die Leiden der deutschen Zwangsarbeiter hinzuweisen und dankte, dass ihnen, wenn auch sehr spät, eine Anerkennung beziehungsweise Entschädigung vergönnt war. In seinem Schlusswort wies Fabritius darauf hin, dass seit Anfang August die ersten Opfer erlittener Zwangsarbeit entschädigt wurden. Mit der Nationalhymne klang die gelungene Feierstunde aus.               Willibald C. Piesch


S. 21 Lebensstil

Unter der schwarzen Sonne
Touristen gehen, Naturliebhaber kommen – In der Nachsaison dreht sich in Dänemark alles um Vögel, Austern und Bernstein

Kunst, Kultur und die weltweit einmalige Natur des Wattenmeeres locken auch viele deutsche Ausflügler in der Nachsaison zu unseren dänischen Nachbarn.

Es klingt paradox: Wenn der Himmel sich über Dänemarks Urlaubsregion Südwestjütland schwarz färbt, fällt der Vorhang für eines der spektakulärsten Naturschauspiele im Norden. Hauptdarsteller der exklusiven Inszenierung sind Millionen Stare, die alljährlich im Herbst auf ihrem Weg von den Brutgebieten Skandinaviens in den Süden in der deutsch-dänischen Grenzregion Rast machen. Die Vögel versammeln sich vor ihrem Ab­flug in die warmen Winterquartiere auf den Marsch­wiesen zwischen Tondern, Scherrebek, Hoyer und Ripen. Dort fressen sie sich mit Larven, Schnaken und Käfern voll und be­reiten sich so auf die lange Reise vor.

Zwei Mal am Tag verdunkeln die in Schwärmen von mehreren 100000 Individuen ziehenden Vögel im Nationalpark Wattenmeer die Sonne: Landung am Abend und Aufstieg am frühen Morgen sind so faszinierend, dass die Dänen das Naturspektakel „Sort Sol“, Schwarze Sonne, nennen. Besonders atemberaubend wird der „Tanz“ der Stare, wenn Jagdvögel die ruhenden Vögel aus ihrem Nachtlager aufschrecken und diese in riesigen Scharen unvergessliche Formationen fliegen. „Luftballett“ nennt es Mads Schreiner von VisitDenmark. „Ganz wichtig“ sei das Phänomen für die Region, so der Marketing- Manager: „Das ist das Beste, was wir hier haben.“ Hat man Glück, so kann man auch die „Graue Sonne“ erleben, bei der sich Tausende arktischer Gänse zum Fressen versammeln, bevor sie ihre lange Reise fortsetzen.

Die größten Chancen auf das Erlebnis haben Naturfans und Urlauber von Anfang September bis Ende Oktober. Ortskundige Naturführer wissen, wo sich die Stare aktuell aufhalten. Angeboten werden „Sort Sol“-Touren beispielsweise auf Röm, vom Wattenmeerzentrum (dänisch: Vadehavscenter) bei Ripen oder vom Spezialanbieter „Sort Sol“, der die besten Plätze in Tondern- und Ballummarsch kennt.

Die kommenden Monate sind auch die beste Zeit, um das „Gold des Meeres“ zu finden – nach Herbst- und Winterstürmen sind Dänemarks mehr als 7000 Kilometer lange Küsten oft voll von Bernstein. Zum Auftakt der „Jagdsaison“ lädt Südwestjütland vom 23. bis 25. September zu Dänemarks einzigem Bernsteinfestival. Ein Wochenende lang dreht sich in der beliebten Urlaubsregion zwischen Blåvand, Vejers und Henne alles um den gelbgoldenen Stein aus urzeitlichem Harz. Auf dem Programm des Festivals stehen Bernsteinsafaris, Schleifkurse mit Tipps von erfahrenen Bern­steinschleifern sowie offene Ateliers und Werkstätten von Kunsthandwerkern und Schmuckdesignern. Darüber hinaus berichten bei der dänisch „Ravfestival“ ge­nannten Veranstaltung erfahrene Bernsteinsammler in Vorträgen und Fotoshows von ihren schönsten Funden oder von der Entstehungsgeschichte des Bernsteins vor Millionen von Jahren.

Wenn Luft und Meer wieder kühler werden, beginnt in Dänemark alljährlich die Austernsaison. Auf den Urlaubsinseln Röm und Fanø können Naturfreunde im Zeitraum September bis April beispielsweise an einer geführten Austernsafari teilnehmen. Die ortskundigen Naturhüter kennen die besten Austernbänke – und die Gezeiten. Denn die Austern-Suchtouren gehen bei Ebbe oft weit hinaus und dauern in der Regel zwischen vier und fünf Stunden. Belohnt wird der an­strengende Gang durchs Watt mit einem Genuss, der frischer nicht sein kann: Wer will, kann eine der bei Gourmets in aller Welt beliebten Pazifikaustern – die in den 1990er Jahren aus dem Stillen Ozean nach Dänemark kamen – gleich vor Ort öffnen und mit etwas Salz und Zitronensaft probieren. Dazu gibt es oft ein Glas Sekt als stilechte Ergänzung.

Traditioneller Höhepunkt zu Beginn der Austernsaison ist die Oyster Trophy Week. Das Genuss-Festival rund um die Auster findet in diesem Jahr vom 14. bis 23. Oktober statt und präsentiert Freunden von Meeresfrüchten eine breite Palette außergewöhnlicher Gaumenfreuden. Darüber hinaus vermittelt die Austernwoche Tipps und Hintergrundwissen zu den Luxusmuscheln und anderen Spezialitäten aus dem Meer, von dem Dänemark zu fast allen Seiten umgeben ist. Auf dem Programm der Oyster Trophy Week stehen neben Austern- und Mu­schelsafaris auch Koch- und Kulinarik-Abende mit bekannten dänischen Spitzenköchen.

Wer noch weiter die nähere Umgebung erkunden möchte, für den bietet das „hyggelige“ Mögeltondern einen idealen Anlaufpunkt. Das Dorf existierte schon in der Eisenzeit und war zu Beginn des Mittelalters wichtiger als das nahegelegene Tondern. Und größer: Mögeltondern bedeutet „Groß-Tondern“. Der Ort be­stand damals aus einer Reihe von großen Höfen, einer Kirche und der Burg Møgeltønderhus, die dem Bischof von Ripen gehörte und die neben dem Nordseezugang über die Wiedau auch das Umland vor kulturellen Einflüssen aus dem friesischen Süden sicherte. Møgeltønderhus konnte aber nicht verhindern, dass die Stadt vom jungen, aufstrebenden Tondern in Bedeutung und Größe bald übertroffen wurde.

Im Mai 2008 heirateten Ihre Königlichen Hoheiten Prinz Joachim und Prinzessin Marie in der Dorfkirche, in der es Renaissance- Fresken aus der Zeit um das Jahr 1550 gibt sowie eine der ältesten Kirchenorgeln Dänemarks aus dem Jahre 1679. Bis 2014 bewohnte das Paar das Schloss Schackenborg mit seinen weißen Rokokofassaden, das für die Öf­fentlichkeit nicht zugänglich ist; im Spätsommer finden Führungen durch den Schlossgarten statt.

Die Slotsgade aus dem Jahr 1680 ist mit ihrem Kopfsteinpflaster, den alten Linden, Stockrosen und markanten Backsteinhäusern mit Strohdach und Erkern eine der schönsten und idyllischsten Straßen in Dänemark. Das Restaurant des königlichen Gasthauses „Schackenborg Slotskro“ ist für seine Spezialitäten über die Grenze hinaus bekannt. Die Zutaten stammen überwiegend vom Schlossgut. Frischer geht es nicht.

„Kultur und Natur bilden eine einzigartige Symbiose, die es nur hier gibt“, ist sich Mads Schreiner sicher. „Die raue Natur mit ihren meeresfrischen Produkten, die kleinen, gemütlichen Dörfer und die durch das Wattenmeer inspirierte Kunst passen bestens zusammen.“ Gerade die Nachsaison lädt dazu ein, das zu entdecken.        Andreas Guballa


Silberstreif am Tor-Horizont
Eine olympische Medaille, ein Traditionsklub und seine „Ente“

Von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro kehrte Horst Hrubesch mit einer Silbermedaille zurück. Das Finale im Maracanã-Stadion von Rio gegen Gastgeber Brasilien war für den Trainer der deutschen Fußball-Olympiamannschaft die Krönung seiner Karriere, die ihren Anfang in einem der verrücktesten deutschen TraditionsKlubs nahm: Rot-Weiss Essen. Während aber der zu seiner aktiven Zeit als „Kopfballungeheuer“ be­zeichnete Mittelstürmer Hrubesch die Nationalmannschaft 1980 zur Europameisterschaft köpfte und 1982 Vize-Weltmeister wurde, ging es mit Rot-Weiss Essen steil bergab.

Bis in die 70er Jahre war der Verein eine feste Größe in der Bundesliga, der neben Hrubesch Stars wie den 1954er WM-Helden Helmut Rahn sowie Otto Rehhagel, Frank Mill und Manfred Burgsmüller hervorgebracht hat. Der legendärste und mit 233 Toren treffsicherste Essener Spieler aber war Willi Lippens, der wegen seines Watschelgangs „Ente“ Lippens genannt wurde. Als ihn während eines Spiels ein grammatikalisch nicht sattelfester Schiedsrichter mit „Herr Lippens, ich verwarne Ihnen!“ rügte, reagierte Lippens schlagfertig: „Herr Schiedsrichter, ich danke Sie.“

Heute ist der einst glanzvolle Verein im grauen Alltag der Regionalliga West angekommen. Er dümpelt dort in der Amateurliga vor sich hin; der Aufstieg in eine höhere Spielklasse ist derzeit nicht absehbar. In den 1950er Jahren erlebte der 1907 gegründete Klub seine größten sportlichen Erfolge: 1953 wurde der Verein DFB-Pokalsieger, 1955 Deutscher Fußballmeister. Danach begann der sportliche und finanzielle Ab­stieg. Die Beteiligung am Bundesliga-Skandal 1971, die Lizenzentzüge in den Jahren 1991 und 1994, Zwangsabstiege in untere Ligen sowie die Insolvenz im Jahr 2010 sind Beispiele für die unrühmliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte.

Am 6. Spieltag der neuen Saison spielen die Essener gegen die U23-Mannschaft von Borussia Mönchengladbach. Was für ein Gegensatz, so möchte man sagen – Ruhrgebiet gegen Niederrhein, erste Mannschaft der Herren gegen den Nachwuchs einer Bundesliga-Mannschaft, Grün-Weiß-Schwarz gegen Rot-Weiß. Zum Spiel kommen etwas mehr als 6000 Anhänger in ein Stadion, das 20000 Zuschauer fasst. In den Rängen klaffen viele Lücken, und die Gäste-Tribüne bleibt komplett leer. Weil am selben Tag die Profi-Elf der Gladbacher spielt, gehen deren Fans lieber zum Bundesliga-Auftakt gegen Bayer Leverkusen als zu einem Amateur-Duell.

Wer schon einmal in dem neuen Mönchengladbacher Stadion gewesen ist, kann leicht vergleichen. Das Stadion in Essen und sein Umfeld ist eher überschaubar. Irgendeine Einstimmung der Fans auf das Spiel gibt es nicht; sie können sich vor dem Anpfiff bestenfalls an der Stadionzeitschrift und an der Musik vom Band erfreuen. Der Stadionsprecher gibt lediglich die Mannschaftsaufstellungen bekannt.

Stimmung, wie sie auf einen Fußballplatz gehört, kommt erst auf, als einige wenige Fans Fahnen schwenken und die Westkurve fast über das gesamt Spiel hinweg Fangesänge anstimmt. Das Lied „Rot-Weiss Essen olé-olé“ scheint sich dabei großer Beliebtheit zu erfreuen – es wird häufiger gesungen. Das Durchhaltevermögen der Fans ist schon bemerkenswert, zumal die Leistung auf dem Platz nicht unbedingt die beste ist. Ein Spitzenteam mit Ambitionen und Ehrgeiz spielt mit mehr Drang zum Tor und zeigt dementsprechend Ehrgeiz.

Nach zwei späten Toren gegen Ende des Spiels hat Mönchen­gladbach 2:0 gewonnen. Die Essener Fans trösten sich mit Bier und Pommes. Und sie trösten sich mit der Erinnerung an große Spieler wie „Ente“ Lippens oder Horst Hrubesch, und dass ein wenig Glanz der olympischen Silbermedaille auch auf sie und den Verein fallen möge.                Andreas Rüdig/tws


Rätselhafte MS
Schweizer Kinodoku über Multiple Sklerose

Praktisch über Nacht war die 27-jährige Melanie auf einem Auge fast blind. Dass sie auf dem Auge nach einer Entzündung so gut wie nichts mehr sehen kann, sieht man der hübschen Schweizerin allerdings nicht an. Harter Schnitt in ein Pflegeheim, wo eine greise Frau apathisch im Bett liegt: Sie ist bewegungsunfähig, kann nicht sprechen, ist aber offenbar bei klarem Verstand. So unterschiedlich die Behinderungen beider Personen sind, so leiden Sie doch an derselben Krankheit: an Multipler Sklerose, kurz MS.

In seinem Dokumentarfilm „Multiple Schicksale – vom Kampf um den eigenen Körper“, der am 15. September in den Kinos startet, stellt der erst 20-jährige Schweizer Jann Kessler sieben Menschen vor, die an dieser wohl rätselhaftesten Krankheit leiden. Denn bei jedem Betroffenen nimmt die unheilbare MS nach in unregelmäßigen Abständen einsetzenden Krankheitsschüben einen völlig unterschiedlichen Verlauf.

Ausgangspunkt seiner Filmarbeit war ein Abiturprojekt, als sich Kessler mit dem MS-Fall seiner Mutter auseinandersetzen wollte: Es ist die Frau im Bett des Pflegeheims, mit der er sich seit Jahren nicht mehr unterhalten kann. In der Schweiz machte er sich auf die Suche nach anderen Patienten, die ihm dafür erzählten, wie sie mit der Krankheit leben. Da ist Graziella, die von sich sagt, dass sie auf der Überholspur des Lebens fuhr, ehe sie die MS ausbremste und ihre Gehfähigkeit einschränkte. Oder Rainer, der die Finger nicht mehr voll benutzen kann und offen über Sterbehilfe nachdenkt. Mit dieser von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft unterstützten Dokumentation lernt man, diese geheimnisvolle Krankheit ein we­nig zu verstehen.      Harald Tews


Schlemmen wie Gott in Zürich

Vom 8. bis 18. September steht Zürich ganz im Zeichen von Essen und Trinken. Während des Festivals „Food Zurich“ konzentrieren sich Zürcher Gastronomen bei 90 Anlässen besonders auf Speisen aus und mit Kohl. Das Herbstgemüse, auf Schwyzerdütsch Chabis ge­nannt, präsentiert sich in über 60 Zürcher Restaurants – von traditionell-urig bis exotisch-hip. Auch wird ein extra kreiertes Stadtgericht aus Chabis serviert. Aber auch Wildwuchs-Kochkurse, Stadtimker-Arbeitsgruppen, Führungen durch Untergrundküchen, Meisterklassen mit Sterneköchen und eine große Party im Zürcher Engrosmarkt stehen auf dem Programm. Für die erste Ausgabe des Festivals konnte das Baskenland als Gastregion gewonnen werden.   Insgesamt werden 70 ausgewählte Koch-Spezialisten auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes Köstlichkeiten aus aller Welt anbieten, und an der Zwinglistraße 18 wird das House of Food inszeniert: In vier Wohnungen entstehen während der Festivalzeit vier neue Restaurants. Karten und Veranstaltungsprogramm unter: www.foodzurich.com tws


S. 22 Neue Bücher

Gegen die Familie
Kritik an verfehlter Politik

Frühmorgens den Nachwuchs in die Kita kutschieren, schnell noch ein paar Erledigungen auf dem Weg zur Arbeit machen, möglichst perfekt funktionieren im Arbeitsalltag, anschließend wieder die Kinder einsammeln, sich um Abendessen und Haushalt kümmern und ganz nebenbei eine intelligente und aufmerksame Ehefrau sein: So sieht der typische Alltag einer Mutter aus, wenn sie gut ausgebildet ist und der Mittelschicht angehört.

Für Ausgeglichenheit, Harmonie, Gelassenheit und intensive Beschäftigung mit den Kindern bleibt da kaum Zeit. Ein Zustand, den die Autorinnen Alina Bronsky und Denise Wilk, beide selbst Mütter mehrerer Kinder, für unzumutbar halten. Der Anreiz, das Buch „Die Abschaffung der Mutter“ zu schreiben, lieferte ihnen die gesellschaftliche Verdrängung der Mütter weg von ihren Kindern hin zur Fremdbetreuung, wie sie von der heutigen Familienpolitik forciert wird. Die Absicht der Politiker, so die Autorinnen, sei ganz und gar nicht, jungen Familien zu helfen oder sie zu entlasten, sondern von rein wirtschafts- und gesellschaftspolitischem Kalkül geprägt. Wegen der demografischen Entwicklung in Deutschland wolle und könne die Wirtschaft auf gut ausgebildete Frauen nicht verzichten. Deshalb würden Mütter zur frühen Trennung von ihren Babys regelrecht gedrängt. Mütter, die sich zugunsten ihres Nachwuchses entscheiden, länger zu Hause zu bleiben, müssten sich nicht selten als „Rabenmütter“ verunglimpfen lassen, die ihren Kindern den Kontakt zu anderen verwehren.

In zehn Kapiteln nimmt das Autorenduo verschiedene Aspekte des Themas „Mutter“ in teilweise provokantem Stil unter die Lupe. Neben der künstlichen Befruchtung, die sich zu einer lukrativen Industrie entwickelt habe, aber auf die Gefühle der so entstandenen Kinder keine Rücksicht nehme, kritisieren Bronsky und Wilk den Zwang zur Schwangerschaftsvorsorge. Mutterpass, Ultraschall und Herztonüberwachung schon im frühen Stadium der Schwangerschaft machten Mütter zum Risikofaktor. Die Verdrängung der Heb-ammen seit den 60er Jahren durch Mediziner habe Letzteren ein gutes Zusatzeinkommen beschert. Der Zwang zu ärztlichen Untersuchungen, häufige und unnötige Dammschnitte sowie Kaiserschnittgeburten führten dazu, dass Frauen die Geburt als traumatisches Erlebnis in Erinnerung behielten. Auch die Vorstellung, dass Mütter kurz nach der Geburt wieder voll belastbar sein müssten, prangern die Autorinnen an, ebenso wie das gesellschaftliche Verpöntsein des Stillens in der Öffentlichkeit.

Zudem erschweret die Tatsache, dass alte Traditionen rund um Geburt und Erziehung verloren gegangen sind, Müttern das Leben. Durch die gestiegene, oft beruflich bedingte Mobilität fehe der familiäre Rückhalt. Da Väter in der Regel selbst vielbeschäftigt seien, könnten sie den Müttern ihrer Kinder nur bedingt zur Seite stehen. Oder sie träten gar als deren Feind auf, dann nämlich, wenn sie getrennt leben oder nie ein Paar waren. In der derzeitigen Rechtslage, die nicht selten den Vater als bessere Mutter beurteile, sehen Bronsky und Wilk eine Benachteiligung von Müttern und ihren Kindern. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hält das Autorenduo für eine Lüge. Es plädiert dafür, Müttern die Wahl zu lassen, ob bei Kita-Unterbringung oder im Gesundheitswesen, damit Kinder wieder als Freude und nicht als Problem gesehen werden können.

                Manuela Rosenthal-Kappi

Alina Bronsky/Denise Wilk: „Die Abschaffung der Mutter. Kontrolliert, manipuliert und abkassiert – arum es so nicht weitergehen darf“, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2016, gebunden, 252 Seiten, 17,99 Euro


Tiefsinniges zur Muße
Urlaubslektüre, die zum Nachdenken anregen will

Verglichen mit einem Erzählband von der Art „Die goldene Stunde“ ist die philosophisch-poetische Textsammlung „Mit Kant am Strand“ nicht gerade eine typische Urlaubslektüre, obwohl sich Kant und Strand so nett reimen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist die Blütenlese des dtv-Taschenbuchverlags mit Essays, philosophischen Abhandlungen, Aphorismen und Gedichten aus drei Jahrtausenden nur im wörtlichen Sinne ein leichtes Buch. Immerhin ist der Band aber geeignet, all jene gut zu unterhalten, die sich in ihren Mußestunden gern auf Tiefsinniges einlassen, besonders, da sich interessante Vergleiche zwischen den Gedanken und Ideen der hier vertretenen Dichter und Denker anbieten.

Auch wurde dafür gesorgt, dass nicht alles bedeutungsschwer und ernst daherkommt. In vier Rubriken zu den großen Menschheitsfragen „Was kann ich wissen? – Was darf ich hoffen? – Was soll ich tun? – Was ist der Mensch?“ hat die Herausgeberin Brigitte Hellmann kommentarlos Werke berühmter und weniger bekannter Philosophen, Schriftsteller, Religionsstifter und Poeten zusammengestellt: Laotse und Buddha, Platon, Aristoteles und Marc Aurel, Kant, der gleich in drei Rubriken vertreten ist, Goethe und Schiller sowie moderne Autoren, angefangen mit dem Mystiker Khalil Gibran (1883–1931), der in den USA und Großbritannien Kultstatus hat. Autoren des Mittelalters wurden nicht berücksichtigt.

Wie umständlich und veraltet wirkt doch der für das 18. Jahrhundert typische Schreibstil Immanuel Kants, verglichen mit den Schriften der antiken Autoren. „Vergeude nicht den Rest deines Lebens mit Gedanken über andere Menschen, wenn du dies nicht im Blick auf das Gemeinwohl tust“, riet Seneca seinem Bruder Gallio. Sätze wie diese, die gedankliche Prozesse in uns auslösen, finden sich auch in den erschöpfenden Abhandlungen Kants. Nur ist damit zu rechnen, dass etliche Leser gar nicht darauf stoßen, weil sie lange vorher aufgegeben haben: „Nehmt an, was euch nach sorgfältiger Prüfung am glaubwürdigsten scheint (…); nur streitet der Vernunft nicht ab, der letzte Probierstein der Wahrheit zu sein!“  

Zwischen der Weisheit eines Buddha (Siddharta Gautama, um 560 bis um 480 v. Chr.) und den Worten von Noble Red Man (bürgerlicher Name Matthew King, 1902–1989), einem Berater der nordamerikanischen Lakota-Indianer, mag es Überschneidungen geben, in einem zentralen Punkt aber unterscheiden sie sich krass. „Man kann Wakan-Tanka nennen, wie man möchte. In der Sprache der Weißen nenne ich ihn Gott oder Großer Geist. Also nennt Wakan-Tanka, wie ihr wollt. Aber vergesst nie, ihn anzusprechen. Er möchte mit euch reden“, lehrte der Indianer. Buddha dagegen verwies die Menschen immer nur auf sich selbst. 

Die seinerzeit neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Astronomie fasste der Physiker und Wissenschaftsjournalist Stefan Klein (geboren 1965) in einem 2004 erschienenen Essay zusammen. Für den Einzelnen und sein Vorstellungsvermögen von Unendlichkeit, Zeit und Raum ergibt sich daraus nichts. Von dem unschätzbaren Wert gut funktionierender Gemeinschaften und ihrem Nutzen für jedes Individuum handelt der Beitrag „Der Schutz der Gemeinschaft“ des 2008 verstorbenen irischen Philosophen John O’Donohue, der in seinem Werk christliches und keltisches Gedankengut verband. Zitat daraus: „Der moderne Individualismus ist der Todfeind echter Individualität.“

Zuletzt erinnert das heiter-besinnliche Gedicht „Der Droschkengaul“ von Christian Morgenstern daran, dass jegliche menschliche Erkenntnis Stückwerk bleiben muss, wenngleich die Lehren der großen Denker geeignet sind, das Leben eines Menschen positiv zu verändern. So wie es der Droschkengaul im gleichnamigen Gedicht von Morgenstern einfach nicht schafft, an die Bodenteilchen im Grund des Hafersacks an seinem Hals zu gelangen, egal wie kräftig er den Sack hin und her schwenkt.

                 Dagmar Jestrzemski

Brigitte Hellmann (Hg.): „Mit Kant am Strand. Ein Lesebuch für Nachdenkliche“, dtv-Taschenbuch, Neuausgabe, München 2016, Paperback, 192 Seiten, 9,90 Euro


Demokratie mit Gebrechen
Ex-Allensbach-Mitarbeiter Wolfgang Koschnik analysiert die aktuelle Politik

Wolfgang Koschnick, früher Chefredakteur der Marketing-Fachzeitschrift „Horizont“ sowie Leiter der Auslandsabteilung des Institutes für Demoskopie in Allensbach, spricht das aus, was inzwischen jeder einigermaßen klar denkende Mensch hierzulande weiß: „Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr.“ Er bringt in seinem Buch mit genau diesem Titel auch jede Menge Belege dafür, dass heute nur noch eine „Scheindemokratie voller leerer Hülsen“ existiere und die Parlamente zu „reinen Abnickvereinen“ mutiert seien.

Außerdem erklärt Koschnick, wie es so weit kommen konnte: Die Schuld liege zum einen bei der „besonders üblen und unfähigen Spezies von Berufspolitikern“, die sich inzwischen „an den Schalthebeln der politischen Macht bequem eingerichtet hat, ihre eigenen und eigennützigen Interessen verfolgt und sich aus staatlichen Töpfen komfortabel versorgt“, zum anderen wären da die Großkonzerne und Großbanken, in deren Diensten die Politiker letztendlich alle irgendwie stünden. Das heißt: „Die Wirtschaft hat sich den Staat unterworfen.“ Um deren Interessen zu verfolgen, plündere der „demokratische“ Staat seine Bürger gnadenlos aus – so wie im Falle der „Energiewende“ oder der diversen „Gesundheitsreformen“. Das werde indes nur solange funktionieren, wie bei der Mittelschicht, die das Ganze nahezu alleine finanziere, noch etwas zu holen sei.

Aus diesem Grunde müsse man sich jetzt die Frage stellen: „Wozu überhaupt noch Demokratie?“ Wenn doch nur Armut, Ungleichheit und Frust daraus erwüchsen und ohnehin kaum noch jemand zu Wahlen gehe? Zumal die selbigen ja auch keinerlei Veränderungen herbeizuführen vermögen … Hier drückt sich Koschnick um eine klare Antwort, indem er die „direkte Demokratie“ aus dem Hut zaubert: In einer solchen hätten die Parteien als Quelle vieler Übel ja deutlich weniger Macht als in der repräsentativen Demokratie gegenwärtigen Zuschnitts. So könnte der einzelne Bürger wieder selbst mitentscheiden und die über seinen Kopf hinweg agierende Politikerkaste im Schach halten. Indes muss der Autor im Nachgang zu seinem Loblied auf die direkte Demokratie selbst zugeben, dass die Kernelemente derselben „in repräsentativen politischen Systemen entweder gar nicht oder nur als Farce, als Karikatur ihrer selbst, durchsetzbar“ seien. Damit wären also massive Verfassungsänderungen nötig, um zu einer wahren Demokratie zu gelangen. Oder sollte die „Hure der freien Welt“, wie die von Koschnick zitierte indische Politaktivistin Roy die Demokratie nennt, gleich gänzlich verschwinden, um einer Diktatur Platz zu machen? Hierzu sagt der sonst so eloquente Autor nichts …

Das Buch liefert also leicht zu lesende und sehr präzise Diagnosen der zahlreichen Gebrechen der Demokratie, bietet aber keine nennenswerten Therapieansätze. Aber was soll’s: In Zeiten, in denen alles schöngeredet wird, ist eine offene und ehrliche Analyse von Missständen auch schon einiges wert.

                Wolfgang Kaufmann

Wolfgang Koschnick: „Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr. Abschied von einer Illusion“, Westend Verlag, Frankfurt/Main 2016, broschiert, 302 Seiten, 17,99 Euro


Liebeserklärung an Warschau
Der deutsche Schauspieler Steffen Möller führt den Leser an Orte eigener Erlebnisse in Polens Hauptstadt

Steffen Möller, Jahrgang 1969, ist in Wuppertal als Sohn einer gutbürgerlichen Familie aufgewachsen. Er studierte Theologie und Philosophie. Während eines Aufenthaltes in Krakau entdeckte er seine Liebe zu Polen. Ab 1994 lebte er in Warschau, war Lehrer für deutsche Sprache an Schulen und Universitäten und avancierte bald zu einem beliebten Schauspieler und Entertainer. Er galt bald als der beliebteste Deutsche in Polen.

Seit 2009 lebt er abwechselnd in Berlin und Warschau, einer seiner Lieblingsorte ist der „Berlin-War-szawa-Express“ wegen zahlreicher Begegnungen mit interessanten Menschen. Aufgrund seiner Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung wurde er 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

In einem Interview sagte Möller einmal sinngemäß, gäbe es Warschau nicht, wäre ich nicht so lange in Polen geblieben. Damit hat er die Absicht und Richtung seines Buches angezeigt; es ist eine Liebeserklärung an die Weichsel-Metropole, die er durchaus kritisch, differenzierend und keineswegs überschwänglich sieht, aber mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen für die Mentalitäten der Menschen beschreibt. Es ist eine Erkundung und eine Wanderung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Museen und Theatern, versteckten Winkeln,  Restaurants, Kaffeehäusern und weiteren Geheimnissen der Stadt. Alle diese Orte verbindet er mit persönlichen Erlebnissen und Kontakten. Er schildert eine Weichselfahrt auf Flößen mit Freunden, oder er nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise in die Geschichte Warschaus, als Polen ein gewichtiger Machtfaktor im Osten Europas war.

Ausführlich widmet sich Möller den Jahrzehnten der Nachkriegszeit. Eine besondere Rolle spielen  die deutsche Besatzung und die fast völlige Zerstörung Warschaus. Der Ghettoaufstand von 1943 und der Warschauer Aufstand von 1944 bilden die Höhepunkte der Erinnerungskultur. Hunderte von Erinnerungstafeln in Warschau zeichnen die Spuren des Krieges nach. Möller hält es aber für falsch, die Stadt nur auf den Zweiten Weltkrieg zu reduzieren und nicht an die vorangegangenen Jahrhunderte zu denken. Was kaum bekannt ist: Der Zweite Weltkrieg war das Ende einer jahrhundertealten Ansiedlung von Deutschen, die bis ins frühe 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Ein Beispiel dafür ist die Familie Fugger. 1515 ließ sich Georg Fugger ins Warschauer Bürgerregister eintragen. Familiensitz wurde ein Fuggerhaus am Altmarkt, das 1944 zerstört wurde. Der Wiederaufbau erfolgte nach dem Krieg, und heute ist dort ein Restaurant mit dem Namen „U Fukiera“ – Bei Fugger. Der Kulturpalast gehört heute zu Warschau wie der Funkturm zu Berlin. Möller schildert interessante Einzelheiten: Das Bauwerk, zwischen 1952 und 1955 errichtet, war ein Geschenk Stalins an den treuen Verbündeten Polen im Großen Vaterländischen Krieg; natürlich waren damit die polnischen Kommunisten gemeint. Jahrzehntelang war der Koloss ein verhasstes Stalinmonument, heute gilt er als beliebte Pop-Ikone. In dieser Weise beschreibt Möller viele Eindrücke und Erlebnisse in der Stadt wie den Lazienki-Park, eine Reminiszenz der Zeit des Rokoko. Er gilt als einer der schönsten der Welt; bemerkenswert ist die Parkordnung, die jedwedes Grillen, Nacktsonnen, Federball und Pick-nicken verbietet, und das wird offensichtlich kontrolliert. Wiederholt bemängelt der Autor die geringen Kenntnisse deutscher Besucher über Polen und dessen Geschichte. Diese Beobachtung ist nicht neu, muss aber stets wiederholt werden. Polen ist Deutschlands größter östlicher Nachbar, seit zwei Generationen nur 90 Kilometer von Berlin entfernt, bewusstseinsmäßig aber viel weiter.

Hier kann Möllers Buch ein wenig helfen, Unkenntnis und auch Vorurteile abzubauen. Es ist sehr verständlich, leicht und locker geschrieben, die 27 Kapitel können je nach Interesse einzeln gelesen werden. Wichtige Hilfen für die Entdeckung der Stadt sind der Stadtplan sowie die Übersicht über die eintrittsfreien Tage der Warschauer Museen. 38 Abbildungen illustrieren die Texte. Steffen Möller schließt mit leiser Ironie an die Adresse deutscher Polenreisender: Wer schon einmal über die Grenze geschaut, aber außer Zigaretten eigentlich nichts mitgebracht hat, bekommt jetzt eine zweite Chance.

                Karlheinz Lau

Steffen Möller: „Viva Warszawa: Polen für Fortgeschrittene“, Piper Verlag München, Berlin 2016, Taschenbuch, 296 Seiten, 9,99 Euro


S. 23 Anzeige Rautenberg Buchhandlung

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S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Eure Wut, eure Angst / Warum die Leute falsch gewählt haben, wie tief die seelischen Verheerungen gehen, und womit wir es den Pommern heimzahlen

Warum machen die das bloß? Als wär’s das erste Mal gewesen, rätseln ratlose Experten darüber herum, warum so viele Leute die falsche Partei gewählt haben. Eines, da sind sich die Fachleute schnell einig, hat die Wähler auf keinen Fall zum Falschwählen bewogen: nämlich echte, rationale Gründe. Oder doch? Nein, nein, darauf lassen wir uns gar nicht erst ein. Gäben wir zu, dass solche „echten“ Gründe existieren, dann müssten wir am Ende mit dem blöden Volk noch über Politik diskutieren! Die aber geht den Pöbel, das Pack, die Mischpoke – da sind wir uns doch einig – nichts an.

Statt über Politik zu sprechen legen die Experten das Gesindel lieber auf die Couch und untersuchen seine seelischen oder sozialen Gebrechen und Ängste, welche zum Falschwählen geführt haben. Da findet die Fachwelt für Volksdiagnose so einiges: Wut, Abstiegsangst, das Gefühl, vergessen und abgehängt zu sein, und vieles mehr. Die „Zeit“ hat im Verkehrtwählen gar einen „Schrei nach Aufmerksamkeit“ entdeckt.

Ist es nicht bezaubernd, wie einfühlsam diese redlichen Analytiker mit dem großen Trottel namens Wahlvolk umgehen? Ganz wie fortschrittliche Erzieher – die bestrafen den Flegel nicht mit einer Ohrfeige wie in böser Vorzeit, sondern streichen ihm sanft durchs Haar und laden ihn zu einem pädagogisch wertvollen Gespräch ein: Lass sie einfach raus, deine Wut, deine Ängste. Dann sei aber bitte wieder artig ... nein, so sagt man das nicht mehr, klingt zu autoritär ... also dann sei aber wieder „kooperativ“ und füge dich ein in die Gruppe der Einsichtigen!

Immer wieder taucht in den Kommentaren die Erkenntnis auf, dass die Falschwähler eine quälende „Angst vor Veränderung“ in die Arme der populistischen Rattenfänger gejagt habe. Merkwürdig nur, dass jene Kommentare selbst von einer panischen Angst vor der Veränderung der politischen Landschaft durch das Auftauchen einer neuen Partei gezeichnet sind. Kann es sein, dass hier Journalisten, die von Wahl zu Wahl schmerzvoller erleben müssen, dass immer weniger Leute auf sie hören, nach „Aufmerksamkeit schreien“?

Es soll in den Psychatrien ja Patienten geben, die sich einbilden, selber der Doktor zu sein und daher mit hochwichtiger Miene im weißen Kittel durch die Flure der „Geschlossenen“ schreiten.

Vielleicht sollten wir also nicht mehr so schimpfen mit der „Lückenpresse“, vielleicht sollten wir den Bekloppten in ihren Kitteln stattdessen unsere Hilfe anbieten, sie zu einem pädagogisch wertvollen Gespräch einladen: Lasst sie raus, eure Wut, eure Ängste! Dann seid aber bitte wieder artig und hört auf, Menschen pauschal zu „Flüchtlingen“ umzulügen, von denen ein Großteil in Wahrheit aus rein wirtschaftlichen Gründen illegal eingereist ist.

Quasselt nicht von „Toleranz und Vielfalt“, solange ihr jeden, der eine Meinung äußert, die der euren zuwiderläuft, als moralisch verwerflich abqualifiziert. Unterstellt Überbringern von Wahrheiten, die sich nicht in eure enge Ideologie fügen, nicht länger postwendend finsterste Absichten. Einverstanden? Geht doch.

Geht doch? Nein, geht eben nicht. Zu tief haben sich die seelischen Verheerungen in die Köpfe hineingefressen, als dass man sie mit ein paar Gesprächen wieder herausholen könnte.

An der wirren Nachlese zur Wahl in Mecklenburg-Vorpommern konnten wir ablesen, wie tief die Wahrheit unter der Ideologie verschüttet liegt. Sehr häufig konnte man den Einwand hören, dass es doch gar keinen Anlass gegeben habe, AfD zu wählen, weil in dem stillen Land am Meer bloß drei Prozent Ausländer lebten.

Diesem seltsamen Einwand muss man sich von verschiedenen Seiten nähern, um herauszubekommen, was damit gemeint sein könnte. Als erstes haben wir in den Reden von AfD-Politikern und dem, was an Schriften von dieser Partei vorliegt, nach den Stellen gesucht, an denen die Anwesenheit von Ausländern per se zum Problem erklärt wird. Wir haben nichts gefunden.

Es muss demnach etwas anderes sein. Vielleicht geht es darum, dass in dem Küstenstaat noch keine von „Clans“ und Parallelgesellschaften zerfressenen No-go-Ghettos um sich greifen, die von Rechtspopulisten dazu missbraucht werden, um „unbegründete, diffuse Überfremdungs­ängste zu schüren“.

Ja, das dürfte es sein, was den Erfolg der Blauen an der Ostsee so unbegreiflich macht. Die sind doch noch gar nicht im Eimer, also worüber beklagen die sich! Sollen die doch erst mal abwarten, bis ihre Städte ebenfalls „gekippt“ sind! In Deutschland muss ein Problem nämlich immer erst bis zur annähernden Unlösbarkeit herangereift sein, bis es jemand wagen darf, davon zu sprechen, dass das Problem überhaupt existieren könnte.

Und selbst dann sollte sich dieser Jemand nur sehr vorsichtig äußern. Der alteingesessene Bewohner eines Stadtteils, in dem alles Deutsche aus dem Straßenbild verschwunden ist, muss sich hüten, gefährliches Zeug zu faseln wie: Er fühle sich „nicht mehr zu Hause“ in seinem Kiez oder gar – völlig unmöglich! – es gebe seiner Meinung nach schon „zu viele Ausländer“ in der Gegend. Wer so redet, hat sich als Rassist entlarvt.

Die Amadeu-Antonio-Stiftung erklärt bereits die pure Unterscheidung in „wir“ und „die“ zum Rassismus. Wer demnach von „uns Deutschen“ redet, ist überführt. Bei Leuten, die von „uns Türken“, „uns Afrikanern“ oder „uns Muslimen“ sprechen, verhält es sich natürlich anders. Die nehmen nur ihr Recht in Anspruch, die Identität und Kultur ihrer Herkunftsländer auch in Deutschland zu bewahren und zu pflegen, was die öffentliche Hand und allerlei Vereine und Stiftungen finanz- und tatkräftig unterstützen.

Demnach gilt: Selbst wenn der Ausländeranteil nicht drei, sondern 93 Prozent beträgt, wird jede öffentliche Bekundung eines Restdeutschen, dass er sich damit nicht wirklich wohlfühlt, mit härtester moralischer Verwünschung bestraft. Merken Sie sich das! Das Argument, es seien „doch bloß drei Prozent“, war nichts weiter als ein schmutziger kleiner Trick für schlichte Hirne.

Die Leute in Mecklenburg-Vorpommern werden es zu spüren bekommen, dass man ihnen den Sündenfall der Falschwahl nicht durchgehen lässt. „Kaum ein ausländisches Unternehmen wird hier investieren wollen“, menetekelt die „Welt“. Wenn die deutschen Medien sich Mühe geben, könnten sie damit sogar Recht bekommen und ein Unternehmen vorstellen, das seine Absicht, in dem Land etwas aufzubauen, zurücknimmt wegen der politischen Entwicklung.

Für so ein Manöver gibt es ein historisches Vorbild. Vor vielen Jahren wollte eine Firma aus Übersee in Demmin eine Filiale einrichten. Dann jedoch lasen die Manager in einem deutschen Magazin, dass es in dem Ort von gewalttätigen Nazis nur so wimmele. Das war zwar, um es vorsichtig auszudrücken, ein klein wenig übertrieben. Dennoch tat der Horrorbericht seine Wirkung.

Ohne sich mit der Wirklichkeit in Demmin auch nur einem Moment weiter zu beschäftigen oder je einen Fuß in den Ort zu setzen, sagten die Ausländer – ausschließlich aufgrund der deutschen Berichterstattung – ihre Investition ab. Hierzulande konnte nun nachgewiesen werden, wie sehr die Existenz von Rechtsextremen die Wirtschaft schädige.

Eine pommersche Tourismus-Managerin sorgt sich, dass Besucher fernbleiben könnten, weil gerade in Vorpommern die AfD so gut abgeschnitten habe. Da hat sie allerdings recht, es gibt in Deutschland schließlich allerhand interessante Alternativen zu Usedom. Wer ginge nicht viel lieber an Berlins multikulturellem Kottbusser Tor oder durch den Görlitzer Park zwischen weltoffen-internationalen Schlägern, Grapschern, Dealern und Taschendieben spazieren, als sich im pommerschen Strandlokal von einem möglicherweise AfD-freundlichen Kellner bedienen zu lassen.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Zu wenig Geld: Morddrohungen

Landshut – Der Flüchtlingskoordinator von Landshut, Thomas Fink, hat Morddrohungen einer rumänischen Familie erhalten. Hintergrund: Ein Junge der Familie war in einem Bach ertrunken. Fink hatte darauf eine Spendenaktion eingeleitet, bei der ein mittlerer vierstelliger Betrag für die Überführung des Leichnams nach Rumänien zusammenkam. Das Geld war der Familie aber offenbar zu wenig, was in  den Morddrohungen gipfelte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.     H.H.

 

Nur 45 Syrer wollten auch

Berlin – Um syrischen Flüchtlingen Grundkenntnisse in den Bereichen Handwerk, Sanitätswesen und Technik zu vermitteln, die ihnen sowohl in Deutschland als auch in ihrer Heimat helfen sollen, hat die Bundeswehr 120 Ausbildungsstellen geschaffen. Überraschend fanden sich unter den zigtausenden jungen syrischen Flüchtlingen in Deutschland aber nur 45 bereit, die Ausbildung anzutreten.       H.H.

 

Liedpropaganda gegen die AfD

An diesem Freitag kommt das Musikalbum „Genau in diesem Ton“ heraus, das wohl zum Verkaufshit wird. Denn im Vorfeld hat die deutsche Rockband Jennifer Rostock dafür gesorgt, dass ihr Name in aller Munde ist. Die Eigenwerbung, so das Kalkül, sollte auf Kosten der AfD gehen. Doch diese Rechnung ging nicht auf.

Vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern stellte die Frontfrau der Band, Jennifer Weist, ein Video bei YouTube ein, das zwölf Millionen Mal angeklickt wurde. In ironischer Weise rief sie dazu auf „Dann wähl die AfD“, um in einem wenig originellen Refrain auf mögliche Folgen einer solchen Wahlentscheidung hinzuweisen: „Aber nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber.“

Nach der Wahl wurde klar, dass sie den linken Parteien und der CDU damit einen Bärendienst erwiesen hat. Auch weil sich viele von dieser Kunstpropaganda diffamiert fühlten, haben sie die AfD zur zweitstärksten Partei gemacht. Zurück bleibt eine beleidigte Jennifer Weist, die schon einmal in der Opferrolle war. Ausgerechnet die 29-jährige, am ganzen Körper tätowierte Sängerin aus Wolgast, die auch mal mit blanken Brüsten gegen Fremdenhass ansingt, wurde vor einem Jahr auf der Berliner Partymeile in Friedrichshain von einem 15-Jährigen ausgeraubt. Ihr Begleiter, der sie schützen wollte, erhielt am Hals einen lebensgefährlichen Messerstich.

Mit dem Anti-AfD-Lied nahm die Band Jennifer Rostock in Kauf, dass sie damit auch physische Gewalt politischer Gegner provoziert. Gegen bereits massenhafte Hetzkommentare im Netz will sie jetzt juristisch vorgehen. Beim Justizminister Heiko Maas, der ja ein Fan linker Musikgruppen ist, wie sein Twitterlob für ein Konzert gegen rechts der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ bewies, wird sie sicher auf Wohlwollen treffen.         H. Tews


MEINUNGEN

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), kritisiert in der „Wirtschaftswoche“ (1. September), dass sich neben der linken Szene, „die ein steuerfinanziertes Projekt nach dem anderen aus dem Boden stampft“, auch etliche andere Personen mit der Asylflut einen Reibach machen wollen:

„An einer immer engmaschigeren Betreuung der Flüchtlinge sind natürlich vor allem Sozialverbände und Sozialunternehmen interessiert, die da gerne abkassieren ... Der Fahrlehrerverband behauptet, dass natürlich alle Flüchtlinge einen Führerschein brauchen, um integriert zu sein. Es ist klar, auch da soll Kasse gemacht werden. Manche Sozialarbeiter wollen eine Eins-zu-Eins-Betreuung für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, während nachts auf der Pflegestation im Seniorenheim eine unterbezahlte Nachtschwester sich um 50 Menschen kümmern muss. Klar, dass bei vielen Menschen der Zorn wächst.“

 

 

Der US-Filmregisseur und Oscargewinner Oliver Stone erklärt der deutschen Fernsehzeitschrift „TV Today“ (3. September), was er von der US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton im Vergleich zu Donald Trump hält:

„Am Ende des Tages halte ich übrigens Clinton für viel gefährlicher, weil sie realistischer ist, sie ist wie ein Falke, sehr tough (hart, abgebrüht). Sie liebt militärische Lösungen weit mehr, als es Obama tat, und sie wird so weitermachen, mehr Kriege, mehr Interventionen. Als Außenministerin war sie eine Katastrophe.“

 

 

Wolfgang Bosbach sagt, er höre nicht auf, weil er sich von seiner CDU entfernt, sondern weil die Partei unter Merkel ihre alten Positionen geräumt habe. Im „Focus“ (4. September) schreibt er, warum er 2017 nicht mehr für den Bundestag kandidiert:

„Etwas kurios ist die Lage schon. Bei keinem Thema von Bedeutung vertrete ich eine Position, die früher nicht die Haltung meiner Partei war. Wohlgemerkt: war! ...  Der permanente Spagat zwischen Loyalität und Überzeugung muss einmal beendet werden. 2017 ist hierfür der richtige Zeitpunkt.“

 

 

René Pfister sieht Merkel auf „Spiegel-online“ (5. September) im Abwärtsstrudel gefangen:

„Noch nie in ihrer Kanzlerschaft stand Merkel unter größerem Druck und ausgerechnet jetzt fängt sie an, Politik aus dem Bauch zu machen. Je unmäßiger die Kritik an ihr wird, umso mehr Pathos verwendet sie, um sich zu rechtfertigen, was wiederum ihre Gegner anstachelt. Es ist ein Teufelskreis.“

 

 

Ralf Schuler ahnt in der „Achse des Guten“ (5. September), warum viele Wähler so ungehalten sind über die Attitüde ihrer Politiker:

„Wer damit argumentiert, AfD-Wähler, Pegidisten und Ablehner der bunten Gesellschaft müssten mehr Kontakt zu Fremden haben, um ihr Weltbild geradezurücken, verfolgt im Grunde nichts anderes als einen Umerziehungsansatz nach dem Motto: Was muss getan werden, damit die anderen meine Meinung übernehmen, denn nur die ist die richtige.“