© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 39/16 vom 30.09.2016

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Blind und wehrlos
Wie ein übertriebener Schuld- und Schamkult Deutschland zu ruinieren droht

Ist der „Schuldkult“ zum Willen nach Selbstauflösung geronnen? Ausländische Beobachter machen sich Sorgen um Deutschland.

Heerscharen von Beobachtern im Ausland und vor allem in Europa können nicht aufhören, den Kopf zu schütteln über die uferlose deutsche Asyl- und Einwanderungspolitik. Manche nennen es einen neuen deutschen Größenwahn. Andere, eher wohlmeinende Stimmen gehen tiefer, wie der niederländische Schriftsteller Leon de Winter.

Der Sohn eines orthodoxen Juden meint, in der „Willkommenskultur“ ein „endgültiges Zeichen deutscher Scham und Reue“, ein „übertrieben empfundenes Verantwortungsgefühl gegenüber der Geschichte“ erkennen zu können. Gewissermaßen den historischen Höhe- und Schlusspunkt einer Vergangenheitsbewältigung, die in einen Schuld- und Schamkult bis zur Selbstverleugnung abgedriftet ist.

Kluge Deutschlandkenner wie de Winter wissen, dass der Prozess  bei vielen längst in Selbsthass umgeschlagen ist, in „Deutschland nie wieder“ und „Mach's noch einmal, Bomber-Harris“. Solchen Kreisen ist es ganz gleich, ob das finstere Mittelalter samt Freiheits-, Demokratie-, Frauen- oder Homosexuellen-Verachtung bei uns wieder Einzug hält mit einer radikal-islamischen Massenzuwanderung. Ihnen geht es nur um eines: Deutschland soll weg, egal, wodurch es ersetzt wird.

Die verordnete Schutz- und Grenzenlosigkeit, mit der Deutschland der orientalisch-afrikanischen Massenzuwanderung ausgesetzt wird, öffnet vielen anderen Deutschen jedoch die Augen. Sie begreifen endlich, dass der Streit um „Leitkultur und Selbstbehauptung“ gegen „Multikulti und Selbstauflösung“ kein akademisches Geschwafel von Politikern und Intellektuellen war. Sie erkennen angesichts des sich rapide verändernden Straßenbildes, dass es hier um die Zukunft ihres Landes geht, um nicht zu sagen darum, ob „Deutschland“ überhaupt fortexistierten soll.

Wenn die Selbstaufgabe zugunsten eines vermeintlich höheren, sittlichen Ziels der Höhepunkt der deutschen Art der „Vergangenheitsbewältigung“ darstellt, dann muss auch genau hier angesetzt werden.

Denn dann ist erwiesen, welch (selbst-) zerstörerische Früchte der übertriebene Schuld- und Schamkult trägt. Er hat uns nicht „sensibler“ gemacht für die Gefahren, denen Menschenrechte, Freiheit und all die anderen Errungenschaften der abendländischen Kultur ständig ausgeliefert sind, auf deren Vernichtung es schon Nationalsozialisten und Kommunisten abgesehen hatten. Der Schuld- und Schamkult hat uns am Ende blind und wehrlos gemacht.

Wenn CSU oder AfD den Begriff der deutschen Leitkultur nun wieder aufgreifen, befinden sie sich auf der richtigen Fährte. Unser Weg in eine gute Zukunft führt unweigerlich über unser Verhältnis zu Deutschland – und damit auch über ein faires Verhältnis zu seiner Vergangenheit.         Hans Heckel


Von wegen Verfolgte
Über eine Million sind gekommen, aber kaum einer ist asylberechtigt

Mitte dieses Jahres waren im Ausländerzentralregister (AZR) fast 40000 asylberechtigte Ausländer registriert. Die drei Hauptstaatsangehörigkeiten entfielen dabei auf die Türkei mit 11400, den Iran mit 5700 und Syrien mit 5700 asylberechtigten Personen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linkspartei hervor. Die Zahl der zum Stichtag 30. Juni im AZR registrierten Menschen mit Flüchtlingsschutz betrug demnach 365000. Hauptherkunftsland war in diesen Fällen Syrien mit 222000 Personen vor dem Irak mit 56200 und Eritrea mit 19800 Personen.

Weiter waren 33600 Menschen mit Aufenthaltserlaubnissen erfasst, die aufgrund bestimmter Abschiebungsverbote erteilt wurden. Hauptstaatsangehörigkeiten waren hier Afghanistan mit 13000 Fällen sowie Syrien mit 2000 und Kosovo mit 1850 Fällen. Ssubsidiären Schutz genossen knapp über 18000 Personen, von denen die meisten aus Syrien kamen, gefolgt von Afghanistan und Somalia. Die Zahl der zum Stichtag im AZR erfassten Personen mit einer Duldung betrug gut 168000. Hauptstaatsangehörigkeit war hier die Serbiens mit 1800 Personen, gefolgt von Afghanistan mit 15000 und Kosovo mit 13300.

Das AZR wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geführt und vom Bundesverwaltungsamt betrieben. Es ist die  zentrale Datenbank im Ausländer- und Asylrecht und steht denjenigen Behörden, die mit dessen Durchführung betraut sind, zur Verfügung. In seinem allgemeinen Datenbestand sind die Daten der Ausländer gespeichert, die nicht nur vorübergehend, also mindestens drei Monate, in Deutschland leben oder gelebt haben. Es enthält rund 26 Millionen personenbezogene Datensätze.           J.H.


»Es ist vorbei«
Dresdner CDU-Politiker fordert Parteimitglieder zum Austritt auf

Maximilian Krah, ebenso streitbarer wie konservativer Dresdner CDU-Politiker, ist aus seiner Partei ausgetreten und fordert unzufriedene Christdemokraten auf, es ihm gleichzutun. Die Masse der Funktionäre sei von der Mitgliederbasis wie vom Volk völlig entkoppelt, kritisiert Krah auf seiner Internetseite. Mit ihnen und mit dieser Bundesvorsitzenden werde es keinen Kurswechsel geben.  Die Mitgliederbasis der CDU hingegen sei intakt. Es seien viele engagierte, aktive und großmütige Parteifreunde, die der Partei treu blieben. Diese Bemühungen seien „aller Ehren wert, aber aussichtslos“.

Krah weiter: „Niemand ist der CDU beigetreten für eine Politik der unbegrenzten Zuwanderung. Niemand für eine Finanzierung der italienischen Staatsschulden durch die Europäische Zentralbank. Niemand für eine Energiewende, die über die Pläne von Rot-Grün hinausläuft. Niemand hat je einen CDU-Aufnahmeantrag gestellt, damit die Türkei EU-Mitglied wird. Und erst recht hätte sich niemand, der vor 2005 CDU-Mitglied wurde, je träumen lassen, dass die Partei, der er angehört, das alles aktiv betreiben würde.“

Konkreter Auslöser für Krahs Entschluss zum Parteiaustritt war die Entscheidung der Parteivorsitzenden Angela Merkel, trotz der desaströsen Wahlergebnisse an ihrer Asylpolitik festzuhalten. Jedem, der aus christdemokratischer Überzeugung und Patriotismus in der CDU für eine andere Politik streitet, müsse klar sein: „Es ist vorbei. Der Kampf ist aussichtslos. Er ist nur mehr ein Feigenblatt für eine Politik, die seinen Werten und Interessen widerspricht“, so Krah.

Jetzt will der über die Stadtgrenzen Dresdens hinaus populäre 39-jährige Jurist mithilfe der Internetseite www.cdu-austritt.de unzufriedene Christdemokraten sammeln.   Jan Heitmann


Jan Heitmann:
Außen vor

Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Wer behaupten wollte, beim Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes seien keine Fehler gemacht worden, muss noch immer im patriotischen Koma liegen. Es wurden viele Fehler gemacht, was durchaus der Größe der unvergleichlichen Aufgabe entsprach. Über Fehler aber wird auch in diesem Jahr nicht geredet werden, wenn die Deutschen ihre „Wiedervereinigung“ feiern. Stattdessen wird es heuer ein betroffenheitsseliges Lamento über die „diffusen Ängste der Ostdeutschen“ geben, jene „Dunkeldeutschen“, die ihre Unzufriedenheit über ihre eigene Situation durch Hass auf Zuwanderer zu kompensieren versuchten und einer Partei ihre Stimme geben, die sich nicht nur Alternative nennt, sondern von vielen auch als solche gesehen wird.

Dieses Lamento wäre überflüssig, wenn den Bürgern der DDR nicht nur der Wunsch nach Reisefreiheit und Konsum erfüllt worden wäre, sondern auch der, endlich gehört zu werden und echte Teilhabe an der politischen Willensbildung zu haben. Doch stattdessen haben sie das bekommen: Eine gemeinsame Verfassung? Nein! Volksabstimmun- gen? Nein! Wenigstens Informationen über existenzielle Vorhaben wie TTIP? Nein! Echte Verän- derungen in der Politik durch Wahlentscheidungen? Nein! Das Volk ist der Politik lästig und deshalb bleibt es außen vor. Wer aber auch nach einem Vierteljahrhundert von den etablierten politischen Kräften nicht ernst genommen wird, der sucht nach Alternativen. Auch darüber sollte am 3. Oktober geredet werden. Das gilt vor allem für den Bundespräsidenten, der so gern über Freiheit und Demokratie spricht, selbst aber gar nicht vom Volk gewählt wird.


S. 2 Aktuell

Wiener Koalition steht am Abgrund
Es war ein Wochenende des offenen Schlagabtauschs in Austrias rot-schwarzer Bundesregierung

Nahezu im Stundentakt folgt in der Öffentlichkeit die Kritik des einen auf die Gegenkritik des anderen Koalitionspartners.

Begonnen hatte der offene Disput nach einem Interview von Finanzminister Hans Jörg Schelling von der Volkspartei (ÖVP) mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in der Vorwoche. Darin hatte er den sozialdemokratischen Bundeskanzler Christian Kern wegen dessen Kritik an der EU-Sparpolitik als „linken Ideologieträger“ bezeichnet.

Umgehend wies Kern (SPÖ) die Kritik als „vollkommenen Unsinn“ zurück. „Da geht es ja schlicht und einfach nur darum, jemand anderen runterzumachen mit dem Hinblick darauf, dass es einem dadurch offenbar besser geht.“ Dies sei ein schlechter Mechanismus in der Politik und ein besonders schlechter Mechanismus innerhalb einer Koalitionsregierung. „Meine Umfragewerte haben offenbar dem einen oder anderen nicht gepasst“, zeigte sich Kern gekränkt. „Da versucht man halt, irgendwie dagegen zu arbeiten, und das ist dann das Ergebnis.“

Dass jedoch der Haussegen in der Regierungskoalition bereits seit Wochen schief gehangen hat, wurde spätestens am 6. September ersichtlich. An jenem Tag war Kern zum ersten Mal allein vor einer Regierungssitzung vor die Presse getreten. Die empörte Reaktion von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner von der ÖVP folgte prompt: „Das kann so nicht sein.“

Zwar hatte Kern die Abschaffung des gemeinsamen Presse-foyers zum Ministerrat damit begründet, vor Journalisten nicht mehr gegensätzliche Positionen zu vertreten und kein zerstrittenes Bild zeigen zu wollen, doch beteuerte Mitterlehner zunächst, dass es gemeinsame Auftritte der zwei Parteichefs auch künftig geben werde – zumindest „bei großen Themen“.

Dieser Plan scheint allerdings nicht ganz aufzugehen. „Ich weiß mich da in einer Meinung mit Reinhold Mitterlehner“, sagte Kern zwar in einem Facebook-Video, in dem er das Ende von Pressekonferenzen mit Kanzler und Vizekanzler nach dem Ministerrat verkündete. Doch offenbar wusste Mitterlehner selbst nichts von diesem angeblichen Konsens. Stattdessen versicherte er der Austria Presse Agentur (APA), auch künftig mit einer Stellungnahme und der „Auseinandersetzung mit Journalistenfragen“ nach dem Ministerrat vor die Presse treten zu wollen. Die ÖVP zeigte sich darüber sehr erfreut. Es sei ein Coup, Kanzler Kern so vorzuführen, Mitterlehner zeige dabei als Parteichef Stärke.

Doch nicht nur die Sparpolitik der EU hat in den vergangenen Wochen für das frostige Klima in der Regierung gesorgt. Ebenso haben Differenzen in der Sozial- und Asylpolitik, doch auch die unterschiedliche Haltung zum Freihandelsabkommen Ceta der EU mit Kanada das Koalitionsklima schwer belastet. So lehnen Kern und die SPÖ das Abkommen ab, während die ÖVP darin wirtschaftliche Chancen sieht.

Das ist viel Streitstoff für einen relativ kurzen Zeitraum: Christian Kern war erst im Mai Werner Faymann wegen der Schlappe von dessen Kandidaten Rudolf Hundstorfer bei der Bundespräsidentenwahl als Bundeskanzler und SPÖ-Chef gefolgt. Sechs Wochen danach wurde das Ergebnis der Stichwahl zwischen dem grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen und dem Freiheitlichen Norbert Hofer nach einer Wahlanfechtung der FPÖ aufgehoben, doch nun fiel auch der zweite Termin ins Wasser: Wegen fehlerhafter Kuverts verkündete Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) in der Vorwoche die Verschiebung der Wahlwiederholung auf den 4. Dezember, was ihm auch von Sozialdemokraten heftige Kritik samt Rücktrittsaufforderungen einbrachte – und der Regierung einen weiteren Vertrauensverlust.

„Diese Koalition ist am Ende“, ist der Politologe Thomas Hofer überzeugt. „Es ist wie ein Potemkinsches Dorf, wenn man dahinter schaut, sieht man, dass beide sich bereits auf vorgezogene Neuwahlen vorbereiten und daraus auch kein Geheimnis mehr machen.“

Einem Ende der Koalition würde ein freiheitlicher Griff nach doppelter Macht folgen. Zum einen führt Hofer in der aktuellen Umfrage zur Bundespräsidentenwahl, zum anderen schielt FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bereits auf den Kanzlerstuhl. Denn mit 33 Prozent liegt die Freiheitliche Partei nunmehr sieben Prozentpunkten vor den Sozialdemokraten.         Michael Link


Trump holt im US-Wahlkampf weiter auf
Demoskopen sehen Clinton mit 1,5 Prozentpunkten vorn – bei einer eingeräumten Fehlerquote von drei Prozent

Gut sechs Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in den USA ist Außenseiter Donald Trump von den Republikanern der demokratischen Herausforderin Hillary Clinton auf den Fersen. Dabei spielen auch die Bombenanschläge von New York und New Jersey eine Rolle, die den laufenden Wahlkampf abermals angeheizt haben. „Das ist etwas, das im ganzen Land vielleicht öfter passieren wird“, schließlich seien in den vergangenen Jahren „Tausende dieser Leute“ in die USA eingereist, sagte der Multimillionär. Sein Ton ist in den vergangenen Wochen zunehmend schärfer geworden, seine Popularität in der Bevölkerung auch. Nur noch 1,5 Prozentpunkte sehen die Demoskopen Trump hinter Clinton, vor zwei Monaten lag die amtierende Außenministerin noch mehr als zehn Punkte vorne.

Doch der US-Politbetrieb verzeiht keine Schwäche. Als Clinton kürzlich aufgrund einer verschleppten Erkältung schlapp machte, war dies ein großes Thema. Und so trauen ihr offenbar immer weniger Menschen zu, die nötige Härte zu zeigen: „Das passiert, wenn man Obama und Clinton die Kontrolle über die USA überlasst. Als Präsident werde ich den ,Islamischen Staat‘ verfolgen und besiegen. Nur ich weiß, wie man gewinnt“, sagte er als Reaktion auf die vermeintlich laxe Haltung der amtierenden US-Regierung. Lange Zeit galt es als unmöglich, dass der Exzentriker die Nachfolge von Barack Obama im Weißen Haus antreten könnte, nun nimmt das Szenario durchaus realistisches Formen an. Eine Fehlerquote von bis zu drei Prozent gestehen die Demoskopen ihren Umfragen zu. Folglich könnte Trump sogar schon vorne liegen. In wichtigen „Swing States“ wie Florida und Ohio führt er bereits. Offen bleibt, wie sich die innenpolitische Entwicklung auf die Stimmung auswirkt. Nach dem Bombenattentat von Orlando hatte Trump mit Islam-kritischen Äußerungen versucht aufzutrumpfen. Doch dies stieß viele Amerikaner offenbar ab. Nun könnte seine Strategie aber verfangen.

Nach den jüngsten Bombenanschlägen hatte die Polizei einen Verdächtigen afghanischer Herkunft festgenommen. Einen Hinweis auf eine islamistische Terrorzelle gibt es bislang nicht. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo erklärte, es gebe keine Anzeichen dafür, dass hinter dem Attentäter eine Terrorzelle stehe, gestand aber auch ein: „Das ist nur das, was wir heute wissen. Das kann morgen bereits wieder anders sein.“ Die Republikaner setzen auf immer neue Horrormeldungen. In den Umfragen wird Clinton etwas mehr Kompetenz in der Terrorbekämpfung zugesprochen, aber die regelmäßigen Nachrichten über Anschläge sorgen für Unsicherheit. Hillary Clinton versucht mit ihrer Nähe zu ihrem Ehemann und Ex-Präsidenten Bill zu glänzen und präsentiert sich als Vertraute des Amts-inhabers. Sowohl Clinton als auch Obama gelten einer Bevölkerungsmehrheit als seriöse Krisenbewältiger. „Ich bin die Frau, die mit Barack Obama in einem Raum saß, als Osama bin Laden getötet wurde, ich habe eine Strategie, um den Terrorismus einzudämmen“, wiederholt Hillary gebetsmühlenartig. „Lasst uns wachsam sein, aber nicht furchtsam“, sagte sie. Trumps Rhetorik hingegen treibe den Terroristen willige Helfer in die Arme und spalte die US-amerikanische Gesellschaft. „Wir werden nicht eine ganze Religion verfolgen und damit dem IS in die Karten spielen“, sagt Clinton. Doch vielen US-Bürgern ist dieses Auftreten mittlerweile zu brav. „Sie ist schwach und ich bin stark“, hält Trump dagegen, der neuerdings gerne erklärt, dass er sich nicht daran erinnern könne, wann er zuletzt einen Schnupfen gehabt habe. „Und meine Konkurrentin hat gleich eine Lungenentzündung, bevor es los geht. Ich weiß nicht, ob das gut ist.“ Geoffrey Skelley, politischer Analyst an der Universität von Virginia, erklärte kürzlich, dass beide Kandidaten „unterirdische Beliebtheitswerte“ hätten. Trump könne nur gewinnen, wenn er die traditionellen Republikaner-Wähler, die ihn für zu unseriös halten, doch noch auf seine Seite ziehe. Und Clinton brauche die Unterstützer derer, die Barack Obama gut finden. „Seriös lässt sich der Ausgang nicht mehr vorhersagen.“

                Peter Entinger


MELDUNGEN

Asylgrund Kinderreichtum

Mannheim – Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat einen weiteren Grund für Asyl in Deutschland geschaffen. Er gab einem Paar aus der Volksrepublik China Recht, weil diesem wegen seiner vier Kinder im Herkunftsland Diskriminierung und Repression drohten. Seit Anfang des Jahres sind chinesischen Paaren nach langer Zeit der Einkindkpolitik auch zwei Kinder erlaubt. Nachdem die sechsköpfige Familie nach Deutschland übergesiedelt war, stellte sie unter Berufung auf diese Reglementierung einen Asylantrag. Das Gericht erkannte auf einen Asylstatus und eröffnet Zuwanderern damit eine neue Möglichkeit, ein legales Bleiberecht zu erlangen. Nach Angaben eines Gerichtssprechers könnte dieses Urteil dann auch eine bundesweite Signalwirkung haben.         J.H.

 

Neuer Auftrag für die Marine

Berlin – Die Bundeswehr soll sich nach dem Willen der Bundesregierung an der Nato-Sicherheitsoperation „Sea Guardian“ als Nachfolgemission der Operation „Active En­deavour“ im Mittelmeer beteiligen. Dafür sollen bis zu 650 Soldaten eingesetzt werden, um Lagebilder zu erstellen und den Seeraum zu überwachen. Anders als die Vorgängermission basiert der Einsatz nicht auf dem Selbstverteidigungsrecht des Artikels 51 der UN-Charta aufgrund der Anschläge vom 11. September 2001, sondern auf den entsprechenden Nato-Beschlüssen in Verbindung mit UN-Resolutionen und dem Völkerrecht. Das Operationsgebiet umfasst das Mittelmeer, die Straße von Gibraltar und ihre Zugänge sowie den darüber liegenden Luftraum.             J.H.

 

Die AGMO löst sich auf

Bonn – Die AGMO e.V. – Gesellschaft zur Unterstützung der Deutschen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreußen hat auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ihre Auflösung beschlossen. Anlass dafür „war die Erkenntnis, dass die Spendeneingänge zukünftig nicht mehr ausreichen würden, die Kosten der Projektarbeit trotz deutlicher Kostenreduzierung für die Geschäftsstelle zu decken“. Die nach Abschluss des Auflösungsverfahrens noch vorhandenen Spendengelder werden satzungsgemäß einer anderen Organisation im ostdeutschen Bereich zur Unterstützung von Projekten des Deutschen Freundschaftskreises (DFK) sowie der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne zugutekommen. In der Bib­liothek lagert das AGMO-Archiv im Umfang von über 500 Aktenordnern, das nun wissenschaftlich erschlossen werden soll. Die AGMO leistet seit 35 Jahren auf vielfältige Weise politisch unabhängige Unterstützungsarbeit für die Deutschen in der Republik Polen. Als ihren größten Erfolg sieht sie selbst das durch ein sechs Jahre währendes Petitionsverfahren erreichte Bekenntnis der Bundesregierung, wonach die Einrichtung deutscher und bilingualer Kindergärten und Schulen für die Kinder der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen wesentlicher Bestandteil der deutsch-polnischen Konsultationen sei. Damit, die Position der Bundesregierung in dieser Frage wesentlich verändert zu haben, sei für die AGMO ein wichtiges Ziel des eigenen Auftrags erreicht worden.              J.H.


S. 3 Deutschland

»Damit ist Stuttgart 21 unumkehrbar«
Kaum ein Prominenter kam zur Grundsteinlegung, aber DB-Chef Rüdiger Gruber gibt sich zuversichtlich

Es war ein Pflichttermin, den niemand wirklich feiern wollte und dem auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) fern blieb. Vor einigen Tagen lud die Deutsche Bahn zur Grundsteinlegung des neuen Hauptbahnhofs in der baden-württembergischen Hauptstadt ein.

6,5 Milliarden Euro soll das Projekt, das die breite Bevölkerung unter „Stuttgart 21“ kennt, kosten. Zwei Jahre Bauzeit gilt es aufzuholen, soll „der modernste Bahnhof der Welt“ wie geplant im Jahr 2021 ans Netz gehen. Der Streit um „S21“ hat die politische Landschaft im „Ländle“ verändert. Und er hat dazu beigetragen, dass die Grünen bis heute den Ton angeben. Kretschmann und Co. waren von Beginn an erbitterte Gegner des Neubaus. Die Mehrheit der Bevölkerung sah dies allerdings anders. In einer – rechtlich allerdings nicht bindenden – Volksabstimmung stimmten im Herbst 2011 rund 58 Prozent gegen den Ausstieg aus dem Projekt. Zum Verstummen der Dis­kussionen hat dies dennoch nicht geführt. Selbst nicht, als der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, bei der Grundsteinlegung sagte: „Damit ist Stuttgart 21 unumkehrbar.“ Er habe sieben Jahre auf diesen Moment gewartet, sagte Grube, und: „Das ist ein deutliches Zeichen, dass es nicht mehr korrigiert werden kann. Wenn Stuttgart 21 fertig ist, wird es viele Bahnfahrer begeistern. Auch wenn es jetzt natürlich einige Unannehmlichkeiten geben wird.“ Damit spielt der Bahnchef auf die zu erwartenden Behinderungen durch Bauarbeiten an.

Stuttgart 21 setzt sich im Wesentlichen aus zwei Bauabschnitten zusammen. Künftig soll die Fahrstrecke zwischen Stuttgart und Ulm in Rekordzeit zurückgelegt werden können, zudem soll der bisherige „Kopfbahnhof“ in der Landeshauptstadt durch eine beidseitig erreichbare Untergrund-Trasse ersetzt werden. „Millionen Fahrgäste werden von kürzeren Reisezeiten, neuen Direktverbindungen und erweiterten Angeboten profitieren – und die ganze Stadt von 100 Hektar Stadtent­wick­lungsfläche mitten im Zentrum“, sagte Grube.

Doch schon im Umfeld der Grundsteinlegung gab es neue Aufregung. Denn die Baumaßnahmen könnten bis zu drei Milliarden Euro teurer werden als bisher von der Deutschen Bahn AG eingeräumt. Dies hatte zunächst das Nachrichtenmagazin „Stern“ unter Berufung auf einen hoch vertraulichen Bericht des Bundesrechnungshofs vom 8. September berichtet. „Das 16-Seiten-Papier („VS – Nur für den Dienstgebrauch“) ging dieser Tage an einen kleinen Kreis von Bundestagsabgeordneten und an die zuständigen Bundesministerien. Der Rechnungshof formuliert darin auch grundsätzliche Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Bahnhofsprojekts“, heißt es. Es gebe demnach zahlreiche Anhaltspunkte, dass die bisherige Kostenprognose der Bahn erheblich überschritten werden könnte, Projektrisiken von annähernd zwei Milliarden Euro seien bisher nicht berücksichtigt. Nicht enthalten seien überdies Finanzierungskosten in Höhe von einer Milliarde. Laut dem Papier bestehe auch die Gefahr, dass der Bahnhof „frühestens im Jahr 2023“ in Betrieb genommen werden könne.

Diese Enthüllung war Wasser auf die Mühlen der Projektgegner, die sich unter dem Namen K 21 zusammengeschlossenen haben. Auch wenn zu ihren Demonstrationen zuletzt nur noch wenige Dutzend Personen kamen, machen die Aktivisten immer noch mobil. Mittlerweile fordern sie gar öffentlichkeitswirksam die Entlassung von Bahnchef Grube. Dieser miss­achte den Aufsichtsrat der Bahn und den Bundesrechnungshof. Selbst die Bundesregierung halte Stuttgart 21 bei weiteren Kostensteigerungen für umkehrbar, sagte der Anwalt und Bündnissprecher Eisenhart von Loeper gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“. Er hatte vor Monaten erreicht, dass Papiere des Kanzleramtes veröffentlicht werden mussten. Darin soll die Aussage der Umkehrbarkeit bei Kostensteigerungen getroffen worden sein.

Wohl auch deshalb nahmen weder Ministerpräsident Kretschmann noch sein Parteifreund und Landesverkehrsminister Winfried Herrmann oder Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an der Grundsteinlegung teil. Alle drei hatten sich unter dem Verweis auf dringende andere Termine entschuldigen lassen. „Man kann nicht jede Einladung annehmen“, hatte Herrmann mit leicht flapsigem Unterton gesagt, was die „Stuttgarter Zeitung“ zu der Bemerkung veranlasste, „dass dieser Termin wohl vielen eher peinlich war“.

Aus Sicht der Befürworter ist Stuttgart 21 nach wie vor ein Zukunftsprojekt, weil es die umweltfreundliche Schiene stärke und Verkehr unter die Erde verlege. „Der Lärm verschwindet, und Flächen werden frei, wo jetzt noch rostige Gleise liegen. Die Mehrheit der Bürger in Baden-Württemberg befürwortet aus diesen Gründen das Projekt“, meinte CDU-Politiker Norbert Barthle, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, der in Stellvertretung des Ministers an der Grundsteinlegung teilnahm. Dass Barthle beklagte, dass die Spitze der in Stadt und Land regierenden Grünen bei dem Termin fehlte, zeigt, wie groß der Riss ist, der quer durch die politische Landschaft geht.

Anwalt von Loeper hat unterdessen angekündigt, dass man weitere juristische Mittel gegen den Neubau prüfe. „Ein Ausstieg aus dem Projekt ist immer noch möglich. Vor allem, wenn das bewilligte Budget des Bahn-Aufsichtsrats überschritten wird. Und danach sieht es jetzt aus. Wir werden nicht aufgeben.“ Bahn-Chef Grube ficht das nicht an. „Sein“ Geschenk an die Bevölkerung werde nicht teurer: „Der Rechnungshof stellt Ferndiagnosen.“       Peter Entinger


Urlaub im »Verfolgerstaat«
Asylanten verreisen in ihre Heimatländer, aus denen sie »flohen«

In Deutschland anerkannte Asylberechtigte sind zu Urlaubszwecken vorübergehend in jene Länder zurückgekehrt, in denen sie angeblich verfolgt worden waren und aus denen sie deshalb angeblich haben fliehen müssen. Für den Aufenthaltsstatus der Betroffenen hatte das keine Konsequenzen. Das berichtet die „Welt am Sonntag“. Bei den bekannt gewordenen Fällen handelt es such um anerkannte Asylbewerber, die sich arbeitslos gemeldet hatten, in ihre Heimatländer wie Syrien, Afghanistan oder den Irak zurückgereist waren und anschließend wieder nach Deutschland zurückgekehrt waren. Die entsprechenden Asylbewerber waren Kunden Berliner Arbeitsagenturen.

Experten gehen jedoch davon aus, dass diese Praxis in ganz Deutschland weit verbreitet ist. Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit bestätigt: „Es gibt solche Fälle.“ Offizielle Erhebungen lägen dazu aber nicht vor. Hartz-IV-Empfänger, ob Deutsche, Ausländer oder Asylberechtigte, haben Anspruch auf 21 Tage Ortsabwesenheit pro Jahr, bei vollem Leistungsbezug. Ein Leistungsempfänger muss „die Ortsabwesenheit mitteilen und die voraussichtliche Dauer, nicht aber, wohin er genau reist“. Wie der Arbeitsagentur besteht auch gegenüber dem Staat keine Verpflichtung zur Angabe des Urlaubsortes. Ein solcher Urlaub wird im Regelfall genehmigt. Die in Berlin aufgefallenen Fälle wurden Betreuern im Jobcenter im Laufe von Gesprächen demnach freiwillig mitgeteilt. Allerdings darf bislang der Jobcenter-Mitarbeiter diese Information aufgrund des Datenschutzes nicht weitergeben, auch nicht an andere Behörden wie zum Beispiel die Ausländerbehörde, so zumindest eine Sprecherin der Bundesagentur.

Andererseits soll das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bereits im Juni Arbeitsagenturen in der Hauptstadt schriftlich aufgefordert haben, Reisen von Asylberechtigten in Heimatländer der zuständigen Ausländerbehörde zu melden. Nach europäischen Regeln können Reisen in den angeblichen Verfolgerstaat nach einer Einzelfallprüfung zur Aberkennung des Schutzstatus führen.

Der Obmann der Unionsfraktion im Innenausschuss des Bundestages, Armin Schuster (CDU), ist empört: „Wenn das stimmt, verschlägt es einem fast die Sprache.“ Ein Recht auf Asyl sei für solche Asylsucher seiner Meinung nach kaum noch vorstellbar, da die vorgebrachten Schutzgründe dann nicht stichhaltig sein könnten. „Das muss Konsequenzen für den Aufenthalt nach sich ziehen“, erklärte Schuster. Er könne sich nur ganz wenige Fälle vorstellen, in denen eine solche kurzzeitige Rückkehr gestattet werden könne. „Dafür wäre es aber zwingend erforderlich, dass wir die Flüchtlinge künftig generell verpflichten, eine solche Reise zu beantragen und vom Bamf genehmigen zu lassen“, sagte Schuster.

Dass anerkannte Asylbewerber als Besucher in ihre Heimat zurückfahren, sollte den deutschen Behörden zu denken geben. Wenn selbst in dem Kreis der etwa 20 Prozent der Asylbewerber, die als asylberechtigt anerkannt werden, derart eklatante Fälle von vorgetäuschter Verfolgung vorkommen, kann man sich vorstellen, wie es um die angebliche Verfolgung der übrigen 80 Prozent bestellt sein könte.  Bodo Bost


MELDUNGEN

Viele Ausländer kriminell

Hamburg – Rechnerisch wurde im ersten Halbjahr 2016 gegen jeden zwölften „Flüchtling“ in der Hansestadt strafrechtlich ermittelt. Das geht nach einem Bericht des „Hamburger Abendblattes“ aus einem internen Report der Polizei hervor. Demnach wurde insgesamt gegen 38000 Personen ermittelt, von denen 16600 keinen deutschen Pass hatten (43 Prozent). Von diesen wiederum waren 9,5 Prozent „Flüchtlinge“. Deren häufigste Delikte waren Körperverletzung, Diebstahl, Drogenhandel, Beleidigung auf sexueller Grundlage und Sexualdelikte. Besonders groß war der Anteil von Personen aus dem Nahen und Mittleren Osten.         J.H.

 

Petition gegen Ramstein

Berlin – Eine von einem Bündnis deutscher und US-amerikanischer Friedensinitiativen verfasste Petition zur Schließung der US-Luftwaffenbasis in Ramstein hat innerhalb kurzer Zeit mehr als 22000 Unterstützer gefunden. Die Eingabe mit dem Titel „Schluss mit dem endlosen Krieg. Schließen Sie den Luftwaffenstützpunkt Ramstein“ richtet sich direkt an US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, den US-Kongress und den Deutschen Bundestag. Darin heißt es: „Wir bitten Sie, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um den Luftwaffenstützpunkt Ramstein zu schließen. Weiterhin fordern wir die Einstellung dieser Aktivitäten [Drohneneinsätze, d. Red.] und nicht nur deren Verlagerung an irgendeinen anderen Ort.“ Die Basis ist der größte US-Militärflugplatz außerhalb der USA. Hier befinden sich die Hauptquartiere der US-Luftwaffe in Europa und in Afrika, des Allied Air Command Ramstein, einer Nato-Kommandobehörde zur Führung von Luftstreitkräften, und das Air and Space Operations Center, das im Drohnenkrieg eine zentrale Rolle spielt. J.H.


S. 4 Aufrufe zum Urlaubsboykott

Usedom soll abgestraft werden
Linke rufen zum Urlaubsboykott wegen ungebührlichen Wahlverhaltens auf

Sobald in den neuen Bundesländern eine angeblich „rechtsextreme“ oder „rechtspopulistische“ Partei Wahlerfolge erzielt, hagelt es reflexartig Aufrufe zum Boykott von belieben Urlaubsregionen im „braunen Osten“ – diesmal wollen die Politisch Korrekten nun vor allem die Ferieninsel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern ab­strafen.

Hier hatte immerhin fast jeder dritte Einwohner seine Stimme der Alternative für Deutschland gegeben, wohingegen die Wähler in den anderen Tourismusregionen an der Ostsee eher für die CDU oder SPD votierten. In manchen Gemeinden erreichte die AfD sogar noch deutlich bessere Ergebnisse. Von den 250 Bürgern der Ortschaft Peenemünde machten fast 47 Prozent ihr Kreuz bei den sogenannten Rechtspopulisten – dazu kamen nochmals 5,6 Prozent für die NPD. Ähnlich sehen die Ergebnisse auch in Heringsdorf, Ahlbeck, Zinnowitz, Trassenheide und anderswo aus.

Dies führte zu einer Medienkampagne sondergleichen. So rief die linksorientierte „Taz“ schon zwei Tage nach der Wahl explizit dazu auf, die Insel künftig aus Gründen des „Anstands“ zu meiden. Und Blätter wie der Berliner „Tagesspiegel“, die „Hamburger Morgenpost“ oder die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ verbreiteten gar dubiose „Reisewarnungen“ für Usedom.

Noch einen Schritt weiter ging die ebenfalls vom Leserschwund geplagte „Süddeutsche Zeitung“. Sie stellte in haarsträubend demagogischer Weise Verbindungen zwischen den aktuellen Wahlergebnissen und dem „Bäderantisemitismus“ in der Weimarer Republik her – als ob die AfD Usedom künftig „judenfrei“ machen wolle. Außerdem betätigten sich auch bekannte Persönlichkeiten wie der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, als Scharfmacher und taten öffentlich kund, sie wollten nicht mehr nach Mecklenburg-Vorpommern reisen, weil es dort so viele „Rassisten“ gebe.

Allerdings ist fraglich, ob dies dem Usedom-Tourismus wirklich in irgendeiner Weise schaden wird. Der wächst nämlich seit Jahren in beeindruckendem Maße, was unter anderem daran liegt, dass die Lust der Deutschen schwindet, in islamischen Ländern wie der Türkei Urlaub zu machen. 2015 verzeichnete Usedom bereits 5,1 Millionen Übernachtungen. Da dürften die wenigen Stornierungen kaum zu Buche schlagen, sofern es überhaupt welche gibt. Momentan jedenfalls verweisen die Medien immer wieder auf den gleichen, nicht überprüfbaren Einzelfall: Eine Frau „M. K.“ aus Berlin habe ihre Buchung für den Urlaub in Kröslin voller „Brechreiz“ gekündigt, weil der Aufenthalt in zwei Kilometern Luftlinie Entfernung von Peenemünde für sie unzumutbar geworden sei.

Dafür ist das Internet voll mit Wortmeldungen von Leuten, die jetzt – „wenn sich der hässliche Linke selbst auslädt“ und auch Herr Mazyek fernbleibe – erst recht nach Usedom reisen wollen und die Hetze gegen „Usedumm“ beziehungsweise „Schreck-Pomm“ verurteilen.

Und tatsächlich sind es wohl kaum irgendwelche „Braune“, welche den Urlaub in den neuen Bundesländern heutzutage unerfreulich gestalten. Diese Erfahrung machten kürzlich Dutzende Gäste des Bautzner Hotels „Best Western Plus“. Sie verließen das bisher sehr beliebte Vier-Sterne-Haus nach kurzem Aufenthalt auf Nimmerwiedersehen – aber nicht wegen randalierender „Neonazis“, sondern aufgrund der massiven Belästigungen durch alkoholisierte unbegleitete „minderjährige Flüchtlinge“ (MUFL), die den öffentlichen Raum rund um das Hotel okkupiert hatten. Wolfgang Kaufmann


Vorbild Dresden
Wegen Pegida sollte auch schon »Elbflorenz« boykottiert werden

Nachdem sich in Dresden immer mehr Bürger an den „Spaziergängen“ der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) beteiligten – zwischen Oktober und Dezember 2014 schnellte die Zahl der Teilnehmer von 350 auf 17500 hoch – wurde plötzlich behauptet, dass dies dem Tourismus schade. So sprach Bettina Bunge, die Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH, von einem fatalen „Pegida-Effekt“ und Imageverlusten für die Stadt. Dabei stiegen die Übernachtungszahlen 2014 um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dahingegen gab es 2015 tatsächlich einen Einbruch um drei Prozent. Allerdings kamen trotzdem über sechs Prozent mehr ausländische Gäste nach „Elbflorenz“, darunter vor allem US-Amerikaner, Schweizer und Österreicher. Diese kompensierten den Schwund bei den russischen Besuchern, deren Zahl um 28 Prozent zurückging, was jedoch aus dem schwachen Rubel und nicht etwa der Angst vor „Pegida“ resultierte. Und auch die deutschen Touristen mieden die sächsische Landeshauptstadt keineswegs wegen des „islamfeindlichen Bündnisses“. Ihre Abnahme um fünf Prozent war die Folge der Einführung einer Bettensteuer – übrigens der zweithöchsten in der ganzen Bundesrepublik. Die doch eher sparsamen einheimischen Reisenden blieben also erst einmal verstärkt weg, als die vom rot-rot-grünen Stadtrat durchgedrückte Sonderabgabe auf Übernachtungen fällig wurde. Außerdem hatte es sich inzwischen herumgesprochen, dass die örtliche Antifa gerne Autos mit fremden Nummernschildern abfackelt, weil es ja Fahrzeuge von auswärtigen Pegida-Sympathisanten sein könnten.

Zudem ist der gefühlte „Pegida-Effekt“ schon wieder Geschichte, obwohl das Bündnis weiter demonstriert. Mittlerweile konnte Bettina Bunge nämlich neue Rekordzahlen vermelden. Mit Beginn des Jahres 2016 stieg die Zahl der deutschen Dresden-Touristen schlagartig an – um 5,2 Prozent. Und aus dem Ausland kamen sogar 23,6 Prozent mehr Gäste als 2015, darunter nun viele Spanier (+141 Prozent), Polen (+105 Prozent) und Chinesen (+69 Prozent)!                W.K.


Eine Unsitte mit Vergangenheit

Die Aufforderung, die Ferieninsel Usedom zu meiden, ist nicht der erste Boykottaufruf von Seiten deutscher Medien angesichts „unerwünschter“ Wahlergebnisse in den neuen Bundesländern. Anfänglich sollte es vor allem das Elbsandsteingebirge in Sachsen treffen. Dort hatte die NPD bei der Landtagswahl von 2004 15,1 Prozent der Stimmen erhalten und bei der Kommunalwahl von 2008 7,5 Prozent, wobei das Ergebnis in einzelnen Gemeinden noch sehr viel drastischer ausfiel. So entschied sich in Reinhardtsdorf-Schöna sowohl 2004 als auch 2008 jeder vierte Wähler für den NPD-Kandidaten.

Das veranlasste den früheren „Stern“-Chefredakteur Michael Jürgs dazu, im „Hamburger Abendblatt“ einen Kommentar mit dem Titel „Wer nicht hören will, muss fühlen“ zu platzieren. Darin forderte er unter anderem den „Boykott … der Feriengebiete in der Sächsischen Schweiz, wo die NPD mehr als 20 Prozent bekam“. Seit diesem Vorstoß des Journalisten, der 1990 wegen seines provokanten Editorials „Sollen die Zonis bleiben, wo sie sind?“ beim „Stern“ entlassen worden war, sind die Besucherzahlen allerdings keineswegs gesunken, sondern vielmehr kontinuierlich gestiegen. Das gilt für das Jahr 2008 mit 3,3 Prozent Zuwachs ebenso wie für spätere Zeiträume – heute kommen laut dem offiziellem „Branchenreport Tourismus“ des Freistaates bereits über 100000 mehr Übernachtungsgäste pro Jahr als 2008. Mit dieser Wachstumsrate steht das Elbsandsteingebirge an der Spitze sämtlicher Tourismusregionen in Sachsen.

Es blieb es bei der NPD-Präsenz innerhalb der politischen Landschaft. Trotz einiger Stimmverluste an die AfD kam die NPD bei den letzten Kommunalwahlen von 2014 im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge immer noch auf 6,5 Prozent und stellt aktuell 17 Stadt- und Gemeinderäte. Das sind 27 Prozent aller kommunalen Mandate der Partei in Sachsen. Der Boykottaufruf von 2008 ging also in jeder Hinsicht ins Leere.          W.K.


Zeitzeugen

Eberhard Seidel – Der ehemalige Ressortleiter der „Taz“ und nunmehrige Geschäftsführer der umstrittenen Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ schrieb am 6. September in seinem früheren Blatt, er wolle nicht zum Boykott von Ferienregionen in Mecklenburg-Vorpommern aufrufen. Danach erklärte er es aber im gleichen Atemzug zu einer „Frage des Anstands“, wegen des AfD- und NPD-Wahlerfolges keine Urlaubsreisen nach Usedom mehr anzutreten.

Dörthe Hausmann – Von Pressevertretern auf eventuelle Stornierungen empörter Urlauber wegen der Ergebnisse der Landtagswahl angesprochen, antwortete die Geschäftsführerin der Usedom Tourismus GmbH, solche gebe es nicht. Ganz im Gegenteil: „Es ist ein tolles Tourismus-Jahr für Usedom“ mit 7,8 Prozent mehr Urlaubern als 2015.

Aiman Mazyek – Für den Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland ist es nun ebenfalls das Gebot der Stunde, Mecklenburg-Vorpommern zu meiden: „Vor Kurzem haben wir noch einen Kurzurlaub in Müritz an der mecklenburgischen Seenplatte gemacht. Das dürfte auch bei uns vorerst das letzte Mal gewesen sein.“ Einen Ort „Müritz“ gibt es gar nicht, nur einen großen See dieses Namens.

Tobias Woitendorf – Nach Ansicht des Sprechers des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern werde der Aufwärtstrend in den Urlaubsregionen seines Landes anhalten. Schließlich sitze die NPD schon seit zehn Jahren im Schweriner Landtag – und in dieser Zeit seien die Übernachtungszahlen immerhin um fünf Millionen gestiegen.

Ralph Weber – Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern holte der Universitätsprofessor für Zivilrecht ein Direktmandat für die AfD im Kreis Vorpommern-Greifswald. Nun monieren Kritiker, er habe keine „touristische Kompetenz“. Das gilt freilich ebenso für den früheren und sicher auch künftigen Ministerpräsidenten Erwin Sellering, der wie Weber Jurist ist und dessen Stellvertreter Lorenz Caffier, einen Diplom-Ingenieur für Land- und Forsttechnik.S


S. 5 Preussen/Berlin

Aus Stuttgart gelernt
Berlins AfD-Spitze wendet Skandal ab – In Brandenburg aber wächst innerparteilicher Unmut

Nach Vorwürfen gegen einen AfD-Kandidaten sahen die Medien bereits einen zweiten Fall Gedeon und eine Zerreißprobe auf die Berliner AfD zukommen. Im Umgang mit Personalproblemen hat die Parteispitze um Georg Pazderski allerdings sehr viel professioneller agiert, als dies früher bei der AfD zu beobachten war.

Zunächst sah es so aus, als würde der Berliner AfD-Landesverband in eine Krise schlittern. Überraschend fand die Parteispitze im Fall des umstrittenen Abgeordneten Kay Nerstheimer jedoch schnell eine Lösung. Nerstheimer hatte mit 26 Prozent das Direktmandat für den Wahlkreis Lichtenberg 1 gewonnen. Bereits kurz nach der Wahl stand Nerstheimer jedoch im Fokus der Medien.

Zunächst kamen unter anderem ältere Facebook-Einträge ans Licht. Laut Presseberichten soll Nerstheimer Schwule und Lesben als „degenerierte Spezies“ und Flüchtlinge als „widerliches Gewürm“ bezeichnet haben. Kritiker hielten ihm ebenso eine frühere Mitgliedschaft in der „German Defence League“ vor, die der Bremer Verfassungsschutz als rechtsextrem und islamfeindlich eingestuft hatte.

Folge der Enthüllungen waren Schlagzeilen wie „Berliner AfD droht die Zerreißprobe“. Dies weckte Erinnerungen an den Fall Gedeon in Baden-Württemberg. Dort hatte der Versuch, einen unter Antisemitismusverdacht geratenen Abgeordneten aus der AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag auszuschließen, zur Spaltung der Fraktion und zu einer tiefen Krise der Partei geführt.

Der Parteispitze um den Berliner AfD-Chef Pazderski ist es vermutlich gelungen, ein ähnliches Szenario zu verhindern: Die neue, 24-köpfige Fraktion konstituierte sich von Anfang an ohne den umstrittenen Abgeordneten, der auf eine Fraktionszugehörigkeit verzichtete. Nach Angaben des Vize-Landesvorsitzenden Hugh Bronson wird Nerstheimer voraussichtlich als fraktionsloser Abgeordneter ins Parlament gehen. Ob es zudem zu einem Parteiaustritt oder einem Ausschlussverfahren gegen ihn kommt, bleibt abzuwarten.

Wie voreilig und inflationär mittlerweile manche Kreise Spaltungstendenzen in der AfD ausmachen, deckt nicht nur die Berichterstattung über die Berliner AfD auf. Mit Blick auf den brandenburgischen Landesverband titelte kürzlich eine Tageszeitung: „AfD-Fraktion steht vor Zerreißprobe.“ Anlass war der Besuch einer Gruppe von Unternehmern „mit albanischem Hintergrund“ bei der AfD im Landtag. Kolportiert wurde im Zusammenhang mit dem Besuch der Unternehmer die Begleitung durch breitschultrige Personenschützer, die möglichweise sogar bewaffnet waren. Damit stand der Verdacht im Raum, die AfD-Fraktion habe einen zwielichtigen Besuch erhalten. Im Fokus der Kritik stehen seitdem Vize-AfD-Fraktionschef Andreas Kalbitz und die parlamentarische Geschäftsführerin Birgit Bessin. Die beiden sollen die Gruppe vor einigen Wochen durch den Landtag geführt haben.

„Das waren Mittelständler, die sich für den Landtag und unsere Arbeit interessiert haben“, so Bessin. Aus Sicht von Kalbitz handelt es sich um einen „Sturm im Wasserglas“. Nach Angaben des Fraktions-Vizechefs soll es sich um Geschäftsleute aus der Gastronomie und Logistik mit albanisch-mazedonischem Hintergrund gehandelt haben. Die Vornwürfe würden geklärt, allerdings intern, so Kalbitz, der gelegentlich als „Gauland-Kronprinz“ gehandelt wird.

Tatsächlich scheint der Vorgang innerhalb der Fraktion für einigen Wirbel gesorgt zu haben. Starke Kritik kommt etwa von dem Abgeordneten Steffen Königer: „Es ist nicht unerheblich, wen die Fraktion im Landtag empfängt und was sie damit zum Ausdruck bringen will“, so Königer. „Das ist vorher nicht abgestimmt worden und auch nicht aufgeklärt worden, was dieser Besuch mit der Fraktionsarbeit zu tun hat.“ Dass die Fraktion damit allerdings vor einer Zerreißprobe steht, wie dies einige Medien ausmachen, ist fraglich: „Es gibt Unmut. Bei einzelnen Fraktionsmitgliedern sogar starken Unmut, aber einen Aufstand kann ich nicht sehen“, so ein Mitglied des Landesvorstandes der brandenburgischen AfD zur PAZ.

Von einem anderen Beobachter des Vorgangs ist sogar Verständnis zu hören: „Man weiß halt nie 100-prozentig, wer da kommt, wenn man eine Einladung ausspricht.“ Nichtsdestotrotz könnte die Kritik an Vize-Fraktionschef Kalbitz ein Vorgeschmack auf einen kommenden Machtkampf in der brandenburgischen AfD sein, wie er auch in anderen Parteien ausgetragen wird. Auch wenn eine offizielle Erklärung noch aussteht, nehmen Beobachter an, dass der derzeitige Landesvorsitzende und Fraktionschef im Landtag, Alexander Gauland, im Herbst 2017 für den Bundestag kandidieren wird. Kommt es zu dem Wechsel, dann stellt sich die Frage, wer im Brandenburgischen Landtag Ende kommenden Jahres von Gauland den Posten des Fraktionsvorsitzenden übernimmt.

                 Norman Hanert


So links ist Berlin gar nicht
von Theo Maass

Die Berliner CDU hat bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus kläglich abgeschnitten. Doch zeigt das Wahlergebnis auch, dass das bürgerliche Lager insgesamt deutlich zugelegt hat. Erreichten Union und Liberale als damals einzige bürgerliche Parteien 2011 zusammen nur gut 25 Prozent, konnten CDU, AfD, und FDP nunmehr addiert 38,5 Prozent Stimmenanteil für sich verbuchen. Noch bleibt Berlin rot, doch die Färbung ist blasser geworden.

Für die regierende CDU ist das Ergebnis von 17,6 Prozent dennoch eine Katastrophe. Noch Tage vor der Wahl hatte Spitzenkandidat Frank Henkel davon phantasiert, er wolle Regierender Bürgermeister werden. Die CDU hatte sich mit der Teilnahme am sogenannten „Berliner Konsens“ auch bei der linksextremen, gewaltbereiten „Antifa“ angebiedert. Sie beteiligte sich an der linken Hetze gegen die AfD, welche die Neulinge auf unfaire Weise aus dem Kreis der Demokraten ausschließt, jeden Linksextremen aber als Bündnispartner betrachtet.

Aber was ist schon Fairness in der Politik? Es geht – seien wir ehrlich – um Macht.  Welche Machtoption hat die CDU? Mit ihren 17 Prozent? Keine! Das Gequatsche von der modernen Großstadtpartei, das „fortschrittliche“ Journalisten der Partei einreden, führt sie geradewegs ins Verderben.

Die „Berliner Zeitung“ war in ihrer Ausgabe vom 21. September mit guten Ratschlägen zur Hand. Erstens: Die CDU möge „Haltung in der Flüchtlingsfrage zeigen“. Heißt: Durch ein stures „Weiter so“ in der völlig verfahrenen Asylpolitik soll sich die Partei endgültig ruinieren. Solche Sturheit wäre auch taktisch ein schwerer Fehler, denn Berlin ist keineswegs von Natur aus links. Jahrzehntelang hat die CDU die Stadt regiert. Und zwar mit konservativen Inhalten und entsprechendem Personal. Damals gab es zwei bürgerliche Parteien und zwei linke Parteien. Nun sitzen sechs Parteien im Abgeordnetenhaus.

Die linke „Taz“ ist da schon etwas ehrlicher in Sachen CDU. Sabine am Orde stellt fest, dass die Partei keine Machtoption mehr habe. Die Redakteurin stellt auch zutreffend fest, dass die AfD eben nicht, wie die Linkspartei immer wieder behauptet, ein Gegner des Mindestlohns sei. Stattdessen wolle sie dem „Gender-Wahn“ ein Ende bereiten und habe „68er-Deutschland“ den Kampf angesagt.

Das fehlgeschlagene Projekt der nach links gewendeten „modernen Großstadtpartei“ hat die CDU schon in Hamburg 2015 auf einen Stimmenanteil von nur noch 15,9 Prozent schrumpfen lassen. Bei richtiger Weichenstellung hingegen könnte 2021 mit Rot-Rot-Grün in Berlin Schluss sein. Eine bürgerliche Regierung könnte die Stadt dann wieder nach vorn bringen.


Terrorverdächtige frei
IS-Sympathisanten in Brandenburg weitgehend unbeobachtet

Zwei Terrorverdächtige aus Eisenhüttenstadt (27 und 30 Jahre) sind oder kommen frei. Die Haftbefehle vom August sind aufgehoben – keine Verdunkelungsgefahr, heißt es offiziell. Den beiden wird weiter vorgeworfen, sich zu Anschlägen verabredet zu haben. Auf ihren Mobiltelefonen haben sie laut Ermittlern Nachrichten über mögliche Ziele ausgetauscht.

Brisant, dass nur Hinweise aus der Bevölkerung zur Verhaftung führten. Brandenburgs Verfassungsschützer und Polizisten haben kaum Mittel, Islamisten zu überwachen. Das wurde Wochen vor diesen mutmaßlichen Anschlagsplänen auf einer Veranstaltung in Eisenhüttenstadt bekannt: Verfassungsschutzchef Carlo Weber räumte ein, um Berlin sei eine 70-köpfige Gruppe Asylbewerber aus Tschetschenien dem Islamischen Staat (IS) treu.

Weil Personal zur Überwachung fehlt, bewegt sich die Gruppe unbeobachtet. Soziale Netzwerke im Internet bleiben weitgehend unbeachtet – Brandenburg fehlen geschulte Ermittler.

Die Bevölkerung habe starke Vorbehalte gegen den Islam, obwohl in der Mark kaum Muslime lebten, beschwichtigen Aktionsbündnisse, Integrationsbeauftragte und die Landesbildungszentrale. Ohne die „vagen Hinweise“ von Bürgern und spätere Zeugenaussagen wären die nun Freigelassenen aber kaum in den Blick von Ermittlern gelangt – trotz eindeutiger Posen des 27-jährigen Konvertiten im Netz. Er hatte dort die Selbstdarstellung des IS nachgeahmt. In seiner Wohnung stellte die Polizei Poster mit Symbolen des IS sowie Rauschgift sicher.

Der konkrete Vorwurf der Staatsanwaltschaft ist indes kein geringer: Verabredung des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion. Auf ihren Telefonen tauschten sich die Männer demnach über etwaige Ziele und Methoden bei Anschlägen gegen Sachen und Menschen aus. Terrorexperten warnen, die beiden könnten zudem Kontakt zu Zuwanderern in der Aufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt gesucht haben. Der 27-Jährige hatte eine Koranverteilung angemeldet, die Aktion fand allerdings nicht statt.

Der Haftbefehl gegen den 30-Jährigen war bereits kurz nach der Festnahme außer Vollzug gesetzt worden. Er musste sich an strenge Auflagen halten. Bereits damals hatten Medien von „Entwarnung“ gesprochen. Mit der jüngsten Entscheidung entfallen auch die Auflagen. Die Ermittlungen gegen das Duo gehen allerdings weiter.      SV


Blinde Behörden
Asylbewerber: Falsche Pässe oft unentlarvt

In mehreren Bundesländern ist der Verdacht aufgetaucht, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) bei der Identitätsprüfung von Asylbewerbern wiederholt gefälschte Pässe nicht erkannt hat. So erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gegenüber dem Sender RBB, bei Stichproben seien Fälschungen und nicht zutreffende Identitäten in einem erheblichen Maße entdeckt worden.

Laut „Ostsee-Zeitung“ laufen auch in Mecklenburg-Vorpommern in 71 Fällen Ermittlungen durch das Landeskriminalamt wegen des Verdachts auf Passfälschung. Bundesweit für Aufsehen sorgte Brandenburgs Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg. Er fordert vom Bamf rund 18000 Datensätze von Asylbewerbern, die Ende 2015 nach Brandenburg gekommen waren.

„Ich will wissen, wer genau im Land ist, und ich möchte mir, wenn etwas passiert, nicht vorwerfen lassen, dass ich nicht alles vorher hätte unternehmen können“, so Rautenberg gegenüber dem RBB. Vom Bamf wird eine Herausgabe der Daten bisher abgelehnt mit dem Argument, die Forderung sei „unverhältnismäßig“. Auch ein Amtsgericht lehnte in einer Reihe von Fällen eine von Brandenburgs Generalstaatsanwalt beantragte Beschlagnahmung von Daten inzwischen ab. Bestätigt fühlen kann sich Rautenberg allerdings durch die jüngsten Festnahmen von drei mutmaßlichen IS-Mitgliedern in Schleswig-Holstein. Laut Bundesanwaltschaft werden die Syrer verdächtigt, im November 2015 mit gefälschten Pässen im Auftrag der Terrormiliz nach Deutschland eingereist zu sein.               N.H.


Wolfsschäden nehmen stark zu

In Brandenburg fallen Wölfe immer häufiger Weidetiere an. Wie eine Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Abgeordneten Iris Schülzke (BVB/ Freie Wähler) ergab, sind sowohl die Schadensmeldungen bei Nutztieren als auch die Entschädigungszahlungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Demnach stieg in Brandenburg die Zahl von Schadensfällen, bei denen der Wolf als Verursacher gesehen werden kann, von 21 Meldungen im Jahr 2012 auf 30 Fälle im Jahr 2015. Auffällig ist der besonders rapide Anstieg in jüngster Zeit. So weist die Statistik bis zum 16. August dieses Jahres bereits 46 Schadensmeldungen aus, die dem Wolf zugeordnet wurden. Entsprechend gestiegen sind auch die Entschädigungszahlungen des Landes Brandenburg für Schäden an Nutztieren: Wurden im Jahr 2012 rund 13600 Euro an Schadensausgleich geleistet, sind für dieses Jahr bereits knapp 31300 Euro ausgewiesen.   N.H.


S. 6 Ausland

Italien im Zustand der Militarisierung
Ungefähr jede zehnte Militärbasis eines Nato-Mitgliedes steht in dem südeuropäischen EU-Land

Der Krieg ist es nicht, wodurch sich Italien dauerhaften Ruhm in der Völkerfamilie erworben hatte – dafür waren eher Kunst und Lebensart die Gründe. Dennoch befindet sich das Land in einem Zustand der Militarisierung, als hinge davon das Überleben Europas ab.

Zur Erklärung dieses eigenartigen Zustands ist es wichtig zu wissen, woher denn die zahlreichen Kriegsvölker stammen, die in Italien Posto bezogen haben. Italiener sind es nämlich in der großen Zahl nicht, sie stammen vielmehr aus den USA.

Von den annähernd 1000 Militärbasen, welche die USA und teilweise mit ihr zusammen andere Nato-Staaten weltweit unterhalten, befinden sich rund 100 in Italien. Die geografische Lage des Landes erlaubt nämlich eine strategische Positionierung sowohl gegen Nordafrika als auch gegen Nahost. Die Sicherheitsbedürfnisse des Landes rechtfertigen einen derartigen Aufmarsch nicht.

Antonio Mazzeo, italienischer Journalist, ehemaliger Stadtrat in Pisa und Fachmann für Fragen des Militärwesens, sagt: „Italien wurde in der letzten Zeit von Stützpunkten der Nato und der USA buchstäblich kolonisiert.“ Und, was noch schlimmer sei: Dies geschehe ohne Zustimmung und gegen den Willen der Betroffenen. „Rom hat kein Stimmrecht“, so Mazzeo. Nach seinen Angaben sind auf der Apenninenhalbinsel 10000 US-Soldaten (GI) samt Zivilpersonal stationiert, dazu kommen die Familienangehörigen.

Mehr Sorgen aber bereitet die Ausrüstung der US-Amerikaner. Auf italienischem Boden sind zwischen 60 und 90 Atomsprengköpfe eingelagert, mit zunehmender Tendenz. „Selbstverständlich verstößt das gegen den Atomwaffensperrvertrag, den auch die italienische Regierung unterschrieben hat“, klagt Mazzeo, „Man kann nicht sagen, wir wüssten nicht, dass sich die Sprengköpfe auf dem Territorium Italiens befinden.“ Dieser Zustand entspricht exakt dem im deutschen Ramstein, wo die USA ebenfalls Atomwaffen einsatzbereit halten, ebenso rechtswidrig und ebenso mit stiller Duldung der Regierung. Und noch etwas ist so wie in Deutschland vorgesehen: „B61-Gefechtsköpfe“, erläutert Mazzeo, „könnten im Fall einer internationalen Krise der italienischen Luftwaffe zur Verfügung gestellt werden, und italienische Bomber würden damit bestückt.“ Auch das wie in Ramstein.

Die Bilder gleichen sich auch anderweitig. Stützpunkte, die von den USA kontrolliert werden, werden von diesen wie exterritoriale Gebiete behandelt, das heißt, die deutschen, oder hier, die italienischen Behörden haben weder Zutritt noch Zuständigkeit. Die US-Militärangehörigen stehen außerhalb des italienischen Gesetzes.

Die Italiener sind nur sehr eingeschränkt Herr im eigenen Haus, gegenüber den GI sind sie es gar nicht. Mazzeo fährt fort: „Zudem genehmigen die italienischen Behörden den US- und Nato-Militärs manchmal eine Stationierung in zivilen Objekten. Mehrere italienische Basen werden auch Ländern zur Verfügung gestellt, die keine Allianz-Mitglieder sind. So werden Stützpunkte und Testgelände auf Sardinien von Israel und arabischen Ländern, darunter Saudi-Arabien und Katar, regelmäßig genutzt.“

Über solche Bewegungen wird in den Medien des Landes nichts berichtet, und dementsprechend ist auch nichts darüber bekannt. Das hilft den Charakter des Systems zu verschleiern. Mazzeo neigt hierbei zu keinerlei Illusionen: „Die Nato ist nie eine Verteidigungs-Struktur gewesen. Sie tat so zu den Zeiten des Kalten Krieges. Aber nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde die aggressive imperialistische Rolle dieser Allianz offenkundig.“

Mit Blick auf das nahegelegene Libyen hat sich jetzt die italienische Regierung bereit erklärt, die Offensive zu unterstützen, mittels derer die USA in dem nordafrikanischen Land eingreifen wollen. Seitdem es von der Nato zerbombt worden ist, herrschen dort Willkür, Chaos und Gewalt. Neue Nato-Bomben sollen nun eine Lösung bringen. Angeblich will man in Libyen die dortigen IS-Einheiten vertilgen.

Mit seiner Hilfe, fürchtet der Militärexperte Mirko Molteni, Kolumnist unter anderem bei dem Fachmagazin „Analisi Difesa“, könne sich Italien selbst zum Ziel des Terrors machen. „Das Eingreifen Italiens in Libyen erhöht die ohnehin hohe Terrorgefahr.“ Doch das wird kaum noch abzuwenden sein, denn nach Moltenis Einschätzung „bewegt sich Italien seit Jahren willenlos im US-Fahrwasser“. Eine ähnliche Auffassung vertritt der Publizist Mario Sommosa: „Offenkundig sind die USA die in der Welt dominierende Macht und Italien – nichts anderes als eine Kolonie, der nur eine illusorische Unabhängigkeit gewährt wird.“

Derlei drückt aufs Selbstbewusstsein. So zeitigte die Nachricht im Februar, dass die NSA neben dem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der Kanzlerin Angela Merkel auch den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi abgehört hatte, eine unerwartete Reaktion. Als zunächst nur von Lauschangriffen auf Deutschlands Kanzlerin und den französischen Präsidenten die Rede gewesen war, hatten sich manche Italiener erniedrigt gefühlt: „Sie hören uns nicht ab, weil wir keinen Einfluss haben“, erläutert Sommosa diese Empfindung. Als aber herauskam, dass wenigstens Berlusconi mit zu den Opfern gehörte, hieß es: „Nun sind wir sicher, dass auch wir etwas wert sind.“ Sommosa selbst beschäftigen andere Fragen: Was hat die italienische Abwehr getan oder nicht getan? War sie unfähig oder hat sie die Abhöraktion geduldet oder gar begünstigt? „Wenn es sich um Begünstigung handelt, bedeutet das, dass wir keine Lakaien Amerikas, sondern schon seine Sklaven geworden sind.“                Florian Stumfall


Scheinheiliger Luxemburger
Asselborn verantwortet zuhause eine restriktive Asylpolitik

Gerne werden die gelinde gesagt überdurchschnittlich hohen Asylsucherzahlen in Deutschland im Vergleich zu anderten westlichen Industriestaaten damit gerechtfertigt, dass das Land ja auch überdurchschnittlich reich und entsprechend belastbar sei. Folgt man dieser Logik, müsste es im reichen Luxemburg nur so von Asylsuchern wimmeln. Dem ist aber nicht so.

Auch wenn der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn die Asylpolitik seines Staates, für die er ebenfalls im Kabinett zuständig ist, in deutschen Diskussionssendungen über den grünen Klee lobt, ist sie nicht nur im Vergleich zur deutschen eher restriktiv. So hatte der Landrat des Kreises Trier-Saarburg, Günther Schartz,  auf dem Höhepunkt der Asylkrise im Winter vergangenen Jahres das Großherzogtum wegen dessen restriktiver Asylsucheraufnahme vehement kritisiert. „Es kann nicht sein, dass das reiche Luxemburg nur 400 Flüchtlinge aufnimmt, der Landkreis Trier-Saarburg jetzt schon 800 aufgenommen hat“, beschwerte sich der Christdemokrat auf seiner Facebookseite. Für den deutschen Politiker ist es „reine Symbolpolitik“, wenn Asselborn mit „großem Presserummel“ 30 Flüchtlinge in Griechenland holt, eine solche Zahl Asylsucher würde in Trier oft in einer Stunde registriert, ohne Presserummel. Gemessen an der Wirtschaftskraft des Bankenstandortes seien 2400 Asylsucher etwas wenig.

Anders als Deutschland hat dessen kleiner Nachbar das Dubliner Übereinkommen nicht ausgesetzt. So hat Luxemburg von seinen wenigen Asylbewerbern bereits viele an Deutschland weitergereicht, weil sie dort bereits registriert waren. Anders als in Deutschland, wo man Asyl auf jeder Polizeidienststelle beantragen kann, gibt es in Luxemburg nur eine Dienststelle zur Antragsannahme, diese ist jedoch oft geschlossen. Der Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich hat die auf Abschottung bedachte Asylpolitik der Regierung Bettel-Asselborn scharf kritisiert.

Gegen Luxemburgs restriktive Asylpolitik wäre nichts einzuwenden, wenn nicht der dafür verantwortliche Minister ein anderes EU-Land wegen einer vergleichbaren Politik gegenüber Asylsuchern polemisch angegrfifen hätte. Dabei registrierte Ungarn nicht nur in aboluten Zahlen, sondern auch relativ zur Bevölkerung mit 1517 Asyl­be­wer­bern im zweiten Quartal ungleich mehr als Luxemburg mit 715 pro eine Million Einwohner.  Bei Österreich, das zwar reicher als Ungarn, aber ärmer als Luxemburg ist, waren es 1241 und in der Bundesrepublik konkurrenzlose 2273.

14900 Memnschen stellten im zweiten Quartal in Ungarn einen Asylantrag. Damit rangiert das Land hinter 187000 in der Bundesrepublik, 27000 in Italien und 17800 in Frankreich bereits auf Platz vier. In Luxemburg waren es 410. Das waren noch einmal 90 weniger als im ersten Quartal, und das, obwohl die Antragszahl in der gesamten EU um sechs Prozent gestiegen war.

Asselborns Äußerungen gegen­über Ungarn werden noch bemerkenswerter, wenn man sie mit seinen Positionen im Umgang mit Recep Tayyip Erdogans Türkei vergleicht. Während der Luxemburger von Ungarn behauptete, dass es „heute keine Chance mehr hätte, EU-Mitglied zu werden“, tat er den Anfang August von einigen Ländern geforderten Abbruch der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei mit der Begründung ab, dass das in der EU nicht durchsetzbar sei.                Bodo Bost/PAZ


Neue Spur im Fall Dink
Mysteriöse Videos sprechen gegen die These vom Einzeltäter

In der Türkei aufgetauchte mysteriöse Videos bestätigen den Verdacht, dass der Mord am liberalen armenischen Publizisten Hrant Dink 2007 in der Türkei von ganz oben geplant und befohlen wurde und nicht die Tat eines radikalisierten Jugendlichen war, wie bislang immer betont wurde.

Am 19. Januar 2007 wurde der bekannte türkisch-armenische Journalist in Istanbul von drei Schüssen in den Rücken getroffen. Vor der Redaktion der Wochenzeitschrift „Agos“, für die er arbeitete, brach er tot zusammen. Als Täter wurde bereits am nächsten Tag der 16-jährige Ogün Samast aus der Schwarzmeerstadt Trabzon festgenommen.

Erst jetzt, fast zehn Jahre nach dem Mord, werden Bilder bekannt, die zeigen, was nach der Festnahme des Jugendlichen auf dem Polizeirevier geschah: Samast wurde auf dem Polizeipräsidium von Samsun als Held gefeiert. Mitarbeiter der Polizei und des Geheimdienstes der Gendarmerie posierten mit ihm und klopften ihm auf die Schultern. Sie nannten ihn „Löwe“, und riefen „Bravo“.

Der grausige Verdacht, dass Dink ein weiteres Opfer des Genozids an den Armeniern wurde, wie er in armenischen Kreisen direkt nach der Tat aufkam, scheint sich jetzt zu bestätigen. So wie der Mord an den eineinhalb Millionen Armenien zwischen 1915 und 1921 im Osmanischen Reich war auch der Mord an Dink 2007 in der Republik Türkei von der obersten Staatsspitze geplant und befohlen. In einem anderen Video ist nämlich zu sehen, wie Mitarbeiter des Geheimdienstes der Gendarmerie einen Tag vor dem Mord den Tatort in Istanbul ausspionieren.

Während der etwa einminütigen Aufzeichnung, die der regierungsnahe Sender 24 TV jetzt veröffentlichte, sind mehrere Geheimdienstmänner bei Telefonaten oder beim Anschauen ihrer Mobiltelefone zu sehen und dazwischen der bereits verhaftete Samast, mit dem oft geredet wird. Er soll sich auf einem Mobiltelefon den von einem Geheimdienstmann gefilmten Mord an Dink selber ansehen. Anstatt den Mord zu verhindern, haben türkische Sicherheitsbehörden die nach Art von Islamisten begangene grausige Tat auch noch gefilmt. So war es auch 1915: Osmanische Polizisten hatten Verbrecherbanden die Waffen geliefert, um die Armenier zu ermorden.

Wer die einzelnen Personen in den jetzt aufgetauchten Filmen sind, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass der Trabzoner Polizeipräsident Ramazan Akyürek nach dieser Aktion zum Chef des polizeilichen Nachrichtendienstes aufgestiegen ist. Das Amt hatte er bis 2014. Da brach Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit der zuvor verbündeten Organisation des islamischen Predigers Fethullah Gülen, Akyürek wurde suspendiert und später verhaftet.

Akyürek gehört zu den 14 Mi­li­tärs, die zur Tatzeit im Jahre 2007 in Istanbul und Trabzon im Dienst waren und Anfang August nach dem gescheiterten Putsch wegen Mitgliedschaft in der Gülen-Organisation verhaftet wurden. „Die Schüsse auf Dink waren der Auftakt jener Entwicklung, die in den Putschversuch vom 15. Juli mündete“, versuchte der ermittelnde Staatsanwalt Gökalp Kökcü eine Brücke vom Dink-Mord zu dem gescheiterten Putschversuch vom Juli zu schlagen. Anfang 2012 hatte die 14. Istanbuler Strafkammer noch befunden, dass keine terroristische Organisation hinter dem Dink-Mord stehe.    B.B.


MELDUNGEN

Mehr Macht für Putins Partei

Moskau – Die Regierungspartei Einiges Russland hat bei den Parlamentswahlen am vorvergangenen Wochenende eine verfassungsrechtliche Mehrheit in der Staatsduma erlangt. Sie konnte knapp über 54 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen. Durch ein Mischsystem aus Mehrheits- und Verhältniswahlrecht ziehen für sie insgesamt 343 Abgeordnete in die Staatsduma ein: 140 Abgeordnete über die Parteiliste und zusätzliche 203 über Direktmandate. Damit hat die „Partei Putins“ eine Dreiviertelmehrheit im Parlament und ist bei Gesetzesvorhaben nicht mehr auf Kooperationen mit den anderen Parteien angewiesen. Wenn die Abgeordneten Anfang Oktober ihre Arbeit beginnen, warten bereits 14 Gesetzesentwürfe auf sie.   J.H.

 

Rückkehr zur Staatskirche?

Moskau – Russlands Ministerpräsident Dimitri Medwedew hat den Minister für Bildung und Wissenschaft, Dimitri Liwanow, der vor allem in der Elternschaft anhaltend in der Kritik stand, durch die Historikerin Olga Wassiljewa (56) ersetzt. Deren Persönlichkeit, ihr Erscheinungsbild und ihr beruflicher Hintergrund könnten zum bisherigen Minister kaum gegensätzlicher sein. Wassiljewa pflegt die Nähe zur orthodoxen Kirche und zum sogenannten patriotischen Lager. Die noch weitgehend vom Atheismus geprägte russische Öffentlichkeit betrachtet die neue Amtsinhaberin mit Argwohn und sieht in ihrer Berufung ein Zeichen zur Rückkehr zum Staatskirchentum. Wassiljewa leitet neben ihrer Arbeit im Kreml den Lehrstuhl für Religionskunde an der Akademie des Staatsdienstes. Außerdem hält sie Vorlesungen an der Geistlichen Schule des Sretenski-Klosters. Dessen Vorsteher Tichon gilt als Beichtvater des Präsidenten Wladimir Putin. B.B.


S. 7 Wirtschaft

Stillstand, Abwanderung, Mittelmaß
Die Folgen der Asylflut werden Deutschland auch in seiner wirtschaftlichen Basis erschüttern  

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist in Gefahr! Ausländerfeindliche Umtriebe vor allem in den neuen Bundesländern kratzen am Image von „Made in Germany“ – so tönt es derzeit aus den Verbreitungskanälen des medialen Mainstreams. Pflichtschuldigst hebt sogar Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, den politisch korrekten Zeigefinger. Für Fremdenhass würde Deutschland demnächst wieder stehen. Das kunterbunte Bild von der herrlichen Willkommenskultur drohe zu verblassen. Ausländische Kunden würden sich mit Grausen abwenden, um ihre Großaufträge in China oder anderswo loszuwerden. Das alles ist genauso widersinnig, wie es sich anhört. Gefahr droht der hiesigen Wirtschaft stattdessen vor allem durch die Folgen der Asylpolitik.

Gegen das flaue Gefühl im Magen kommt anscheinend selbst die Aussicht auf eine zünftige „Schweinshaxn“ nicht an. Die Besucher bleiben aus beim diesjährigen Oktoberfest in München. 50 Prozent der Kunden fehlten, klagte die Inhaberin eines Brotzeitstandes gegenüber dem „Focus“. Wiesn-Chef Josef Schmid spricht von einem „greißlichen“ Auftakt. Am Regenwetter liegt es einerseits, an der Terrorangst andererseits. Die rigiden Sicherheitsmaßnahmen der Oktoberfestbetreiber halten eventuelle IS-Mörder möglicherweise außen vor. Innerhalb des „Wiesn-Käfigs“ (Münchener „Tageszeitung“) wirken sie als beinahe ebenso radikale Stimmungskiller.

Schankwirte, Schausteller und Münchener Hoteliers sind unter anderem betroffen. Was ihnen zu schaffen macht, ist letztendlich die Folge einer verfehlten Zuwanderungspolitik. Mit den Fremden kam der Terror, schwanden Konsumlust und Feierlaune. Darunter wird in den nächsten Jahren nicht nur die Oktoberfestbranche leiden, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft. Es sind längst nicht die einzigen Destabilisierungsfaktoren, die von der Asylflut ins Land getragen wurden.

Stichwort Sicherheit: Von grundlegender Bedeutung ist sie für die politische und soziale Stabilität einer Gesellschaft. Sie gewährleistet die Rahmenbedingungen, in denen sich Kultur und Wirtschaft überhaupt erst entwickeln können. Nur wer überzeugt ist, die Früchte seines Handelns ernten zu können, investiert Fleiß, Wissen, Material und Arbeitskraft in die Zukunft. Als Hochtechnologienation ist Deutschland mit seinen weitverzweigten Logistikketten, der fragilen Energieversorgung und den komplexen Industrieanlagen zudem besonders störanfällig. Staat und Wirtschaft müssen schon jetzt immer mehr Geld in die Hand nehmen, um sich gegen Terror und Kriminalität abzusichern. Investierte Deutschland bislang nur 1,6 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes in die innere Sicherheit, werden es demnächst doppelt oder gar dreimal so viel sein. Diese Ausgaben werden anderswo fehlen. Gleiches gilt für die enormen Summen, die Bund und Länder für die Integration der Asylbewerber aufwenden müssen. Wichtige Infrastrukturmaßnahmen bleiben stattdessen unberücksichtigt, staatliche Forschungsvorhaben werden gestoppt. Entscheidende Erfindungen werden möglicherweise nicht mehr in einem deutschen Max-Planck-Institut gemacht, sonder von einer Forschergruppe in Peking oder im indischen Mumbai. Eventuell werden dort sogar deutsche Spitzenkräfte der asiatischen Konkurrenz auf die Sprünge helfen.

Schon jetzt verlassen jährlich 140000 deutsche Akademiker und Führungskräfte das Land. No-Go-Areas, Parallelgesellschaften, Krawalle und Terroranschläge werden noch mehr vertreiben. Das Bildungsniveau der deutschen Arbeitskräfte wird sinken. Die Asylbewerber – zwei Drittel der zugewanderten Syrer beispielsweise  sind praktisch Analphabeten, so Hamburgs Uni-Präsident Dieter Lenzen – werden es weiter nach unten drücken.

Genau diese Effekte und nicht der vorgebliche Fremdenhass werden Deutschlands Ruf und Ansehen als Wirtschaftsnation schaden. Investoren werden es sich überlegen, ob sie ihre Firmenniederlassung in Berlin oder doch lieber in Breslau ansiedeln. In Polen können die weiblichen Angestellten unbesorgt vor die Tür gehen, ohne mit übergriffigen Orientalen rechnen zu müssen. Die Gesellschaft ist stabil, die Wirtschaftspolitik vorhersehbar. Spontane Irrsinnsentscheidungen wie eine monatelange  totale Grenzöffnung sind dort nicht zu erwarten. Als unberechenbarer „Hippiestaat“, ein Ausdruck des englischen Politologen Anthony Glees, gilt der Wirtschaftswelt momentan nur Deutschland.     Frank Horns


Gemeinsam mit Air China
Lufthansa gründet Joint Venture mit dem »Star Alliance«-Partner

Gemeinsam mit Air China, der drittgrößten Fluggesellschaft auf dem chinesischen Markt, hat Lufthansa ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) gegründet. Lufthansa und Air China sind beide Mitglied im Luftfahrtbündnis „Star Alliance“ und bieten bereits seit einigen Jahren sogenannte Code-Share-Flüge an.

Ab dem Sommerflugplan 2017 wollen die beiden Gesellschaften ihr gemeinsames Angebot deutlich vergrößern. „Die Vorteile sind aufeinander abgestimmte Flugpreise über alle Buchungsklassen, mehr Verbindungen zwischen den Drehkreuzen in Europa und China sowie Flugpläne, die sich stärker am Passagieraufkommen ausrichten“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Lufthansa will dabei die beiden Tochterunternehmen Austrian Airlines und Swiss mit einbinden, sodass die Abmachung auch Strecken zwischen China und den Lufthansa-Drehkreuzen Wien und Zürich umfassen wird.

Allerdings ist aus Sicht von Lufthansa-Kunden nicht nur mit Verbesserungen durch bessere Verbindungen zu rechnen. Der Marktanteil der beiden Partner ist auf den Strecken sehr hoch, sodass sich möglicherweise auch steigende Preise durchsetzen lassen.

Branchenintern wird die Allianz mit Air China als wichtiger Baustein bei dem Versuch von Lufthansa gesehen, sich gegen die Flug­linien vom Arabischen Golf zur Wehr zu setzen. Diese setzen Lufthansa auf wichtigen Auslandsmärkten und speziell auch in Asien immer mehr zu. Manager aus dem Lufthansa-Konzern, aber auch von anderen europäischen und nordamerikanischen Fluglinien kritisieren, die Golf-Luftfahrtgesellschaften würden mit unfairen Arbeitsbedingungen und staatlichen Subventionen den Wettbewerb verzerren. So hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bereits im vergangenen Jahr von der EU „Marktzugangsbeschränkungen“ für die drei großen Golf-Luftfahrtgesellschaften Emirates, Etihad Airways und Qatar Airways sowie auch für den Allianzpartner Turkish Airlines gefordert.

Die Signale, die Lufthansa diesbezüglich aus der Politik erhält, sind widersprüchlich: Staatssekretärin Brigitte Zypries (SPD), die für die Koordination der Luftfahrtpolitik zuständig ist, hat vor einigen Monaten dazu geraten, sich das Beispiel der International Airlines Group (IAG), der drittgrößten Luftfahrtgesellschaft Europas nach Lufthansa und Air France-KLM, anzuschauen. Die aus der Fusion von British Airways und Iberia hervorgegangene Holdinggesellschaft habe gezeigt, wie eine Kooperation mit Golf-Airlines aussehen könne. „Es macht Sinn, so etwas anzuschauen“, so die ehemalige Justizministerin.

Im Gegensatz dazu ist von der EU bereits im vergangenen Jahr angedeutet worden, dass man im Kampf gegen Wettbewerbsverzerrungen zugunsten der Golf-Luftfahrtgesellschaften auch eine härtere Gangart einlegen könnte. Nachgedacht wird in Brüssel offenbar über Sanktionen wie etwa die Begrenzung von Landerechten. Da die Luftfahrt nicht den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) unterliegt, sind derartige Strafmaßnahmen durchaus möglich. In Brüssel wird aber auch erwogen, Investitionsbeschränkungen für die Golf-Fluggesellschaften zukünftig zu lockern. Bislang dürfen Fluggesellschaften aus sogenannten Drittstaaten nur bis zu 49 Prozent an EU-Fluglinien halten. 

                Norman Hanert


Deutscher Sonderweg
Global wächst der Luftverkehr – nur nicht im Lande Lilienthals

Schon seit Jahren wächst der Luftverkehr zwar global, aber nicht in Deutschland. Vom internationalen Boom des Luftverkehrs profitieren in Deutschland in erster Linie die drei großen Drehkreuze Frankfurt/Main, München und – in etwas geringerem Maße – Düsseldorf. Viele Regionalflughäfen haben dagegen wirtschaftliche Probleme.

Der Geograf Tobias Behnen von der Universität Göttingen verfolgt seit vielen Jahren die Entwicklung des Luftverkehrs. Jüngst legte das Leibnitz-Institut für Länderkunde seine aktuellen Analysen des innerdeutschen Luftverkehrs vor. Behnen sieht die Flughäfen München und Berlin-Tegel an der Spitze. Sie verfügen über viele gut nachgefragte Verbindungen zu innerdeutschen Zielen. Im Jahr 2015 nutzten innerhalb Deutschlands 23,1 Millionen Menschen das Flugzeug. Etwa zwei Millionen von ihnen stiegen nur hinein, um von Berlin nach München oder in der Gegenrichtung zu reisen.

Allerdings sind die Passagierzahlen für Flughäfen aller Größenordnungen zwischen 2011 und 2015 deutlich gesunken. Besonders gelitten haben dabei kleinere, abseits gelegene Standorte. So gingen die Zahlen in Münster/Osnabrück um 33 Prozent, in Karlsruhe/Baden-Baden sogar um 38 Prozent zurück.

Behnen sieht hier zwei Ursachen. Die eine sei die marktdominierende Stellung des Lufthansa-Konzerns: „Die kleineren Flughäfen wünschen sich oft eine Tagesrandverbindung nach Frankfurt am Main oder München, aber die Lufthansa hat  daran kein Interesse, und andere geeignete Fluggesellschaften gibt es nur sehr wenige“, sagt Experte Behnen. Also gelinge es kleineren Flughäfen nicht, Fluggesellschaften anzusiedeln, die regelmäßig in­nerdeutsche Strecken bedienten.

Die andere Ursache seien die Hochgeschwindigkeitsstrecken der Bahn. Sie hätten dazu beigetragen, dass Flugverbindungen ausgedünnt oder ganz eingestellt wurden. Stefan Schulte, Präsident des Bundesverbandes der Luftverkehrswirtschaft, sieht die Politik der Bundesregierung als Ursache, speziell die hohen Luftsicherheitskosten, den deutschen Alleingang bei der Luftverkehrssteuer und die strikten Nachtflugregeln hierzulande.

Verkehrsexperten wie Manfred Kuhne sehen andere Ursachen. Kleinere Flughäfen hätten kein Nachfrageproblem. Sie litten unter der 2011 eingeführten Luftverkehrssteuer. Außerdem habe die Lufthansa 2010 die unteren Buchungsklassen geöffnet und ihre Verträge mit kleineren Regionalfluggesellschaften gekündigt. Viele von ihnen gäben deshalb auf. Größere Billigfluglinien füllten die Lücken nur teilweise. Also wanderten Passagiere aus der Fläche zu Flughäfen mit Lufthansa-Präsenz ab.

Allerdings zögen Regionalflughäfen mit verbessertem Angebot auch mehr Passagiere an. Lägen sie wie Dresden oder Bremen in Regionen mit hoher Wirtschaftskraft, sei auch ihre Perspektive gut. Als Hindernis wirke hier eher das Fehlen von Regionalfluggesellschaften. Hinzu komme, dass kleinere Fluggesellschafaten immer wieder von größeren verdrängt würden. Außerdem fehlten moderne Verkehrsflugzeuge mit 30 bis 60 Sitzen.               Friedrich List


MELDUNGEN

VW nicht größter Abgassünder

Brüssel – Einer aktuellen Studie der Nichtregierungsorganisation Transport & Environment (T&E) zufolge hält sich keine einzige Dieselmarke im Fahrbetrieb an die Euro-6-Grenzwerte zur Luftreinhaltung. Danach ist VW bei Weitem nicht der größte Abgassünder, seine Fahrzeuge weisen nicht einmal die höchsten Stickoxidemissionen auf. T&E geht davon aus, dass etwa 29 Millionen „schmutzige“ Dieselfahrzeuge in Europa unterwegs sind – Tendenz steigend. Die größten Abgassünder in der Euro-5-Kategorie sind: Renault (einschließlich Dacia), Land Rover, Hyundai, Opel (einschließlich Chevrolet) und Nissan. Bei den Euro-6-Fahrzeugen sind es Fiat (einschließlich Alfa Romeo), Suzuki (mit Fiat-Motoren), Renault (einschließlich Nissan, Dacia und Infiniti), Opel, Hyundai und Mercedes-Benz.    J.H.

 

Deutschland fast Schlusslicht

München – In der Liste der 20 reichsten Länder rangiert Deutschland laut Allianz-Vermögensbericht mit einem Nettogeldvermögen von 47680 Euro pro Kopf erst auf Platz 18. Ganz oben auf der Rangliste stehen mit großem Abstand zu den anderen Ländern die Schweiz mit 170590 und die USA mit 160950 Euro Nettovermögen pro Kopf.                J.H.


S. 8 Forum

Revolution in Sicht
von Bodo Bost

Armenien, Spätprodukt eines vor 100 Jahren erfolgten Völkermords, feiert den 25. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Doch zum Feiern gibt es eigentlich keinen Grund. Mehr als 35 Prozent der Armenier gelten laut Studien der Weltbank als arm. Seit seiner Neugründung 1991 hat Armenien fast eine Million Einwohner verloren. Das Land wird von Oligarchen und korrupten Politikern beherrscht, die es ausbluten.

Nach dem Papstbesuch im Juni kam es zu Unruhen. Die Regierungsgegner, viele von ihnen Veteranen aus dem Berg-Karabach-Krieg mit dem Nachbarland Aserbaidschan, forderten politische Reformen. Nach den Unruhen erklärte Regierungschef  Owik Abraamjan seinen Rück­tritt.

Doch das allein reicht nicht. Sollte es in Armenien nicht zu einer wirklichen Öffnung des politischen Systems und zu einer Bekämpfung der Korruption und der sozialen Schieflage kommen, könnte die bislang marginale patriotische Opposition anwachsen und auch Armenien eine Majdan-Revolution wie die Ukraine oder eine Rosen-Revolution wie Georgien erleben, die das Land dem Westen öffnet. Ob allerdings der Westen darauf reagieren wird, ist eine andere Frage.


Terror-Zombies?
von Frank Horns

Haben Sie auch schon Whatsapp von ihrem Mobiltelefon gelöscht? Wenn nicht, sollten sie es schleunigst tun. Der Kurznachrichtendienst ist schrecklich gefährlich. Ein paar Botschaften via Whatsapp reichen, um ihr Gehirn abzuschalten. Als willenloser Zombie würden Sie im Namen des Islamischen Staates blutige Mordtaten begehen. – So legen es uns zumindest die Mainstreammedien nahe. Letzter Fall: Der 16-jährige Syrer Mohammed J. Er wurde jüngst in einer Asylantenunterkunft in Köln festgenommen, weil er einen Sprengstoffanschlag plante. Der Jüngling habe sich „turbo-radikalisiert“, nachdem er in den letzten drei Monaten nur noch mit seinem Handy kommunziert habe, weiß die „Bild“. Wahrscheinlich war Mohammed J. vorher ein liebenswürdiger junger Mann, der den Koran als allumfassende Friedensbotschaft verstand. Ähnlich wird es bei anderen IS-Täter gewesen sein, die – so die landläufige Sprachregelung –  ebenfalls via Handy „ferngesteuert“ wurden – etwa der 27-jährige Bombenattentäter von Ansbach.

Aber natürlich ist diese Annahme genauso widersinnig wie sie sich auch anhört. Niemand lässt sich mit ein paar dahingeschriebenen Zeilen in einen Terroristen verwandeln. Diese Menschen haben das islamistische Gedankengut seit vielen Jahren in sich getragen. Kurz vor ihrer Tat haben sie Rücksprache mit ihren Kumpanen im Nahen Osten gehalten. Wirklich überredet werden mussten sie zu ihren schändlichen Tun nicht. Wer Anderes behauptet, macht Täter zu Opfern, und das ist fast ebenso schändlich.


Drei mutige Frauen
von Angelika Barbe

Drei mutige Frauen haben sich in den vergangenen Monaten öffentlich zu Wort gemeldet und sich der Opfer islamischer Gewalt angenommen: Sabatina James in der Sendung „Markus Lanz“, Necla Kelek im „Tacheles“-Interview bei Deutschlandradio Kultur und Viola Roggenkamp im Info-Radio des RBB.

Sabatina James war Muslima und ist zum Christentum übergetreten. Seitdem wird sie mit Morddrohungen verfolgt, weil von Muslimen eine Todes-Fatwa über sie verhängt wurde. Sie kann sich im demokratischen Deutschland nur mit Personenschutz bewegen, lebt seit zehn Jahren allein an verschiedenen Orten. Bisher hat sich kein muslimischer Verband für sie eingesetzt und gegen diese menschenverachtende islamische Praxis protestiert. Selbst Ulrich Kienzle, in der Sendung neben ihr sitzend, äußerte zynisch, was sie denn wolle, sie könne doch jetzt frei reden. Sie fragte, ob unter Personenschutz leben zu müssen, Freiheit bedeute und warum er sich für die Täter und nicht für die Opfer einsetze.

Necla Kelek ist muslimische Soziologin, war Mitglied der Islamkonferenz, bis die islamischen Verbände sie heraus drängten, weil sie die fehlende Gleichberechtigung der Frauen im Islam auf die Tagesordnung der Konferenz setzen wollte.

Im Interview sagt sie, dass der muslimische Mann „von Allahs wegen das Recht hat, über die Frau zu herrschen“, sie finde, „dass der Islam eine der rechtlosesten Religionen ist, was die Frauenrechte betrifft“, „ die Frauen sind sogar in den Flüchtlingsunterkünften genauso rechtlos und dem Mann ausgeliefert wie auf der Flucht und wie vorher in den arabischen Staaten“. „Die Islamverbände in Deutschland bewachen den Islam, damit er so bleibt, wie die Herkunftsländer es wünschen.“ Zum Schluss betont sie, dass „der Islam keine Religion, sondern ein Regime“ sei – also eine Ideologie, ergänze ich – wie Kommunismus und Nationalsozialismus (siehe Hamed Abdel Samad).

Viola Roggenkamp, eine jüdisch-deutsche Schriftstellerin, kritisierte in dem Essay „Die Diktatur des Guten“ die deutsche Zuwanderungspolitik, der sie größenwahnsinnige Tendenzen bescheinigt. Sie fragt, warum die schwerreichen arabischen Länder keine Flüchtlinge aufnehmen.

Und sie sorgt sich um das Schick­sal vieler Christen unter den Flüchtlingen, die (nach sorgfältiger Recherche) in den deutschen Erstaufnahmelagern von den muslimischen Migranten „drangsaliert, verprügelt und um Geld erpresst werden“.

Wer die Opfer rassistischer islamischer Gewalt ignoriert (Frauen, Christen, Juden – alle Andersgläubigen gelten laut Koran als Ungläubige) und sich widerspruchslos der herrschenden „Diktatur des Guten“ beugt, der lädt Schuld auf sich wie im Dritten Reich gegenüber den Juden.


Frei gedacht
Von Briefköpfinnen und Staubsaugerinnen
von Eva Herman

Es ist schon ein paar Tage her, dass ich mich das letzte Mal mit dem politisch brisanten Thema „männlich und weiblich“ beschäftigte, stöhnt unser Land seit Längerem doch längst unter ganz anderen Herausforderungen. Aber heute soll es wieder einmal sein. Anlass ist die Beschluss-Vorlage des Gleichstellungsausschusses der „Linken“-Ratsfraktion Flensburg vom 21. dieses Monats zum Thema gendergerechte Sprache. So möchte man dort also jetzt für alles Arbeitsgerät der Stadt Flensburg die gendergerechte Sprache einführen. Informierte wissen längst, dass nach Gender Mainstreaming (globales Umerziehungsprogramm der Menschheit) alle männlich definierten Begriffe („genitalbezogen“) auch in weiblichen Ausdruck gebracht werden sollen, ganz ähnlich, wie es die tragische Diskreditierung männlicher Ampelfiguren uns ja schon an vielen Orten vor Augen geführt hatte. Ein anderes, aufsehenerregendes Beispiel ist die „Bibel in gerechter Sprache“, die von evangelischen Theolog/innen vor einigen Jahren erarbeitet wurde. Damals verkündete die amtierende Familienministerin Kristina Schröder (CDU) gendergerecht, man könne ja auch „das liebe Gott“ sagen.

Doch zurück zu den „Linken“ der norddeutschen Waterkant. Dort geht es jetzt auch allen Bleistiften und Papierkörben an die gewohnte, männliche Existenz. So heißt es wörtlich:

„Gendergerechte Sprache: Für Arbeitsgeräte/mittel, anzuwenden im Sprachgebrauch der Gremien aller Arbeitsbereiche der Stadt Flensburg. Antrag: Ab sofort werden Arbeitsgeräte/mittel aus allen Arbeitsbereichen der Stadt Flensburg genderneutral bezeichnet. Dies gilt insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel (,der‘) bezeichnete Arbeits­ge­rä­te/mit­tel: Bezeichnungen, die Berufsbezeichnungen nachgebildet sind: der/die ScannerIn, der/die Computer/in, der/die BleistiftanspitzerIn, der/die KopiererIn, der/die StaubsaugerIn usw. Weitere Bezeichnungen sollten bestehenden Doppelformen kreativ nachgebildet werden: der/die Pa­pier­korb/kör­bin, der/die Briefkopf/köpfin, der/die AbfalleimerIn usw.“

Nein, es ist kein Scherz, sondern das sind die Themen, mit denen Deutschlands gewählte Politiker die Sprache der Behörden zu verändern gedenken, während letztere vielerorts bereits ums nackte Überleben kämpfen angesichts einer unvorstellbaren Einwanderungsflut, die nicht mehr beherrschbar ist, angesichts wachsender Unruhen in der Bevölkerung und sprunghaft steigender Kriminalität und Gewalt. Die „Linken“ liefern selbstverständlich auch Begründungen für die notwendige, neue Sprachregelung. So heißt es in der Beschlussvorlage wörtlich:

„Es ist im Sinne einer sozial gerechten und antidiskriminierenden Gesellschaft nicht hinzunehmen, dass Nomen, die ein Arbeitsgerät/mittel bezeichnen, häufig nur mit maskulinen Artikeln gebraucht werden. Dies verlängert die patriarchalische Gewohnheit, dass menschliche, mechanische oder technologische Arbeitsleistung als überwiegend ,männlich‘ charakterisiert wird. Auch im Bereich der modernen Technologie werden viele dieser Nomen noch immer mit einem ,männlichen‘ Artikel verwendet. Im Sinne eines genderneutralen bzw. alle Gendertypen umfassenden Sprache ist daher eine Doppelform anzuwenden. Dies hat für die mündliche und schriftliche Sprache in allen Bereichen der Verwaltung sowie der Kommunalpolitik der Stadt Flensburg zu gelten.“

Vielleicht beruhigt es die Eine oder die Andere, dass in dem Antrag einige „Nomen“ des täglichen Arbeitslebens ausgenommen werden sollen. So schreiben die „Linken“ weiter: „Ausgenommen davon sind Nomen, die mit einem Nominalisierungssuffix (keit, heit, ung usw. insbesondere wenn sie dabei den femininen Artikel ,die‘ tragen) gebildet werden, z.B. die Sitzung, die Tagesordnung usw. die grammatisch einen neutralen Artikel (,das‘) tragen: das Papier, das Dokument usw. die einen Ort bezeichnen (der Flur, die Kantine, die X. Etage, der Wartebereich usw.“

Ist klar, ne? Die „Sitzung“ oder die „Tagesordnung“ sollen nicht weiter feminisiert werden, man will ja schließlich auch nicht übertreiben. Ich gebe zu, dass ich längst über den Zustand der Verzweiflung hinaus bin, da ich mich jahrelang mit all diesem Gender-Schwachsinn auseinandergesetzt hatte, anfangs noch in dem naiven Glauben, durch eine öffentliche Diskussion etwas verändern zu können. Heute ist klar, dass tatsächlich nichts passiert ist, trotz zahlreicher Veröffentlichungen zu dem Thema vonseiten mutiger Journalisten wie etwa Birgit Kelle, Michael Klonovsky, Christa Meves oder Gabriele Kuby. Wir stehen vor einem Berg des Unsinns, wir könnten diesen auch den Turmbau zu Babel nennen, den offenbar niemand mehr zu überwinden fähig ist.

Schon vor einigen Jahren hatte sich die Parlamentarische Versammlung des Europarats darauf verständigt, dass Frauen und Männer in den Medien europaweit anders, nämlich naturentfernter, dargestellt werden müssen. Das Image der Männer, das angeblich „vom Geschlechtstrieb beherrschte Personen“ lautete, musste umgeändert werden in „Männer in beruflichen und politischen Welten“. Die Frauen dürfen seither nicht mehr als Sexualobjekte beziehungsweise als „sexuelle Stereotype“ gezeigt werden, der Begriff Mutter wurde ersetzt durch „Frau zuhause“. Auch dürfen schon seit Jahren Frauen in der Fernsehwerbung nicht mehr vor dem Herd oder der Waschmaschine gezeigt werden, da dies, wie es in den EU-politischen Beschlüssen heißt, sexistisch und diskriminierend sei. Bei den Männern gilt das natürlich nicht. In der US-Behördensprache übrigens existieren Begriffe wie Mutter oder Vater längst nicht mehr, dort heißt es schon seit Jahren „Parent1“ und „Parent2“. Auch in Schweden gilt offiziell die Gendersprache: Während für Frauen das Wort „sie“ (schwedisch „hon“) und für Männer das Wort „er“ (schwedisch „han“) existiert, steht nun „hen“ für alles andere. Die politische Diskriminierung in Schweden besteht also alleine darin, dass man jemanden als Frau oder Mann erkennen und natürlich auch so ansprechen könnte.

Die Medienvertreter in Europa werden übrigens durch regelmäßige Seminare und Workshops weiter zu dieser Berichterstattung umerzogen. Durch sogenannte Controling- und Monitoring-Einrichtungen wird die Einhaltung der Regelungen überwacht – wer dagegen verstößt, wird bestraft. Übrigens, der Begriff „Muttersprache“ darf im Europaparlament auch nicht mehr gebraucht werden, richtig muss es jetzt heißen: „Sprache des Herkunftslandes“.

In der sogenannten geschlechtergerechten Bibel wird Gott tatsächlich wahlweise als weiblich oder männlich, mal als „die Lebendige“ oder schlicht als „Ich-bin-da“ dargestellt. Gender Mainstreaming, Erfindung des luziferischen Prinzips, hat die weltweite Umerziehung zum Ziel:

Entnaturalisierung der Geschlechter, komplette Zwangsveränderung, extremistischer Umbau der Gesellschaft, Neuerfindung der Menschheit! Der Mensch in seinem enthemmten Allmachtswahn, in seiner uferlosen Verirrung, meint, sich jetzt der Schöpfungsgesetze entledigen zu können. Wir dürfen gespannt sein, wie lange es noch so gehen wird. Der Weckruf von oben wird voraussichtlich jedoch nicht so lustig werden wie die derzeit dis­kutierten Staubsaugerinnen und Papierkörbinnen aus dem platten Land der „Linken“.


S. 9 Kultur

Der Trümmerdichter
Bedeutender Augenzeuge des Dreißigjährigen Krieges – Der schlesische Barockdichter Andreas Gryphius

Andreas Greif, der seinen Namen in Gryphius latinisierte, revolutionierte die deutsche Barockdichtung. Vor 400 Jahren wurde er im schlesischen Glogau geboren.

1979 erschien von Günter Grass die Erzählung „Das Treffen in Telgte“, in welcher er eine Reihe von Barockdichtern versammeln lässt. Der Königsberger Gastgeber Si­mon Dach hat neben Grimmelshausen, Hoffmann von Hoffmannswaldau, Moscherosch oder Angelus Silesius auch den Schlesier Andreas Gryphius zu dieser fiktiven Autorenversammlung eingeladen. Gryphius ist dabei eine zentrale Gestalt, denn in dieser Erzählung, welche in verschlüsselter Form ein Treffen der bun­desdeutschen Autoren-„Gruppe 47“ behandelt, steht Gryphius für den Schriftsteller Heinrich Böll.

Tatsächlich ist es nicht so weit hergeholt, in Gryphius einen Vorläufer von Böll zu erkennen. Beide haben sich in ihren Schriften intensiv mit dem Krieg auseinandergesetzt: Böll mit dem Zweiten Weltkrieg, Gryphius mit dem Dreißigjährigen Krieg. Im Sonett „Tränen des Vaterlands“ dichtete Gryphius:

Die Türme stehn in Glut, die Kirch’ ist umgekehret. / Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun, / Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun, / Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Gryphius wurde am 2. Oktober 1616 in Glogau geboren, das besonders stark vom Glaubenskrieg verwüstet wurde. Der Protestantismus, der sich im Schlesien des 16. Jahrhunderts ausgebreitet hatte, befand sich auf dem Rück­zug, nachdem die auch in Schlesien herrschenden Habsburger zur Rekatholisierung aufgerufen hatten. Daran änderte auch nichts der wegen seiner kurzen Regentschaft als „Winterkönig“ von Böhmen verspottete Friedrich I., der sich gegen den katholischen Kaiser stellte. Als Friedrich nach verlorener Schlacht floh, starb Gryphius’ Vater, ein protestantischer Geistlicher aus Glogau.

Die Mutter heiratete daraufhin einen Schulmeister, starb aber wenig später. Kurz darauf wurden die verbliebenen Protestanten aus Glogau vertrieben, mit Ausnahme ihrre Söhne unter 15 Jahren. Auch Gryphius blieb in der Stadt, folgte aber bald seinem Stiefvater nach. Anschließend ging er in Danzig, das von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges weitgehend verschont wurde, auf das Akademische Gymnasium, ehe er zurück nach Schlesien zog. In Freystadt war er Hauslehrer beim Ritter von Schönborn, der ihm ein Studium im nie­derländischen Leiden und Reisen nach Frankreich sowie Italien ermöglichte.

Inzwischen war Gryphius als Dichter und Dramatiker hervorgetreten. Waren seine ersten Dichtungen noch auf Latein, so veröffentlichte er 1637 einen auf Deutsch verfassten Band mit Sonetten, die zu den bedeutendsten Barock­dichtungen überhaupt zählen und heute noch manche Gymnasisaten auswendig lernen.

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden. / Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein: / Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiese sein, / Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden, heißt es im Sonett „Alles ist eitel“. Gryphius bedient sich dabei des Versmaßes des Alexandriners, bestehend aus sechshebigen Jamben: Auf eine unbetonte folgt eine betonte Silbe, wobei in der Versmitte eine Zäsur einsetzt. Es ist wie ein tiefes Ein- und Ausatmen, aber es ist auch ganz große Dichtkunst. Denn erstmals hat es ein Dichter gewagt, antike Reimkunst mit urdeutschen und empfindsamen Motiven zu schmücken.

Gryphius berief sich dabei auf das 1624 erschienene Regelwerk „Buch von der Deutschen Poeterey“ seines schlesischen Landsmanns Martin Opitz. Dieser forderte eine Abkehr von lateinischer Dichtung, damit sich auch in deutschen Landen ähnlich wie schon in England, Frankreich Spanien oder Italien eine Nationalliteratur entwickeln möge. Zwar wurden Schwänke, Possen und andere derbe Farcen auf Deutsch ge­dichtet, allerdings galt das als trivial. Zur Hochliteratur zählte nur, wer ernste Themen auf Latein besang.

Allerdings ließen sich antike Versmaße wie der dreisilbige homerische Daktylus (eine betonte, zwei unbetonte Silben) schwer in den Rhythmus der deutschen Sprache integrieren. Opitz als Theoretiker und Gryphius als Praktiker schufen da Abhilfe.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Drama. Opitz sorgte mit seinen Anregungen dafür, dass zum Beispiel die italienische Commedia dell‘arte in deutscher Sprache salonfähig gemacht werden konnte. Und Gryphius realisierte es mit Lustspielen wie „Horribilicribrifax Teutsch“ oder „Absurda Comica“. Im letzteren greift er das Spiel im Spiel über Pyramus und Thisbe in Shakespeares „Sommernachts­traum“ auf. Das Stück konnte er nicht im Original gekannt haben: Er verstand kein Wort Englisch, und eine Shakespeare-Übersetzung gab es noch nicht. Er ließ sich wohl von einem Wandertheater, welches das Stück spielte, inspirieren und nannte eine Figur der als Schauspieler dilettierenden Handwerker Squenz. Sowohl Wieland als auch Schlegel-Tieck übernahmen den Namen später bei ihren Übertragungen des „Sommernachtstraums“.

Waren Komödien das Terrain des einfachen Volks, so waren Tragödien nur dem Adel vorbehalten. Gryphius änderte auch das, als er in seinem Trauerspiel „Cardenio und Celinde“ bürgerliche Helden einführte. Für Lessing sollte das später zum Vorbild für seine „bürgerlichen Trauerspiele“ werden.

Um Gryphius wurde am 16. Juli 1664 getrauert. Da starb er in Glogau, wo er als Jurist der protestantischen Landstände de­ren Interessen gegen die Habsburger vertrat, an einem Schlaganfall. Seinen revolutionären Sonetten ist es zu verdanken, dass er 400 Jahre später nicht vergessen ist. Das muss ihm Trümmerliterat Böll erst einmal nachmachen.                Harald Tews

Gryphius’ Dichtungen und Dramen sind als Reclam-Lesehefte erschienen. Zum 400. Geburtstag ist im Fischer Taschenbuchverlag von Uwe Kolbe „Andreas Gryphius. Das große Lesebuch“ er­schienen, 400 Seiten, 14,99 Euro.


Im Dialog mit Luther
In Kasseler Ausstellung antwortet der Reformator auf SMS-Fragen

Die Brüder Grimm nahmen 1838 das gigantische Projekt des Deutschen Wörterbuchs in Angriff, das erst 1961 von ihren Nachfolgern abgeschlossen wurde. Wilhelm Grimm erklärte: „Das Wörterbuch soll die deutsche Sprache umfassen, wie sie sich in drei Jahrhunderten ausgebildet hat: es beginnt mit Luther und endet mit Goethe.“

Luther und Goethe führen in einer Sonderschau der Kasseler Grimmwelt ein fiktives Gespräch: Dem Deutschen Wörterbuch entnommene Zitate von ihnen werden auf eine Wand projiziert. So­wohl der Ausstellungsbesucher als auch je­dermann sonst in der Welt kann per SMS unter der Nummer 0163-6651028 zu diesem Gespräch „sein Scherflein beitragen“. Luthers Antwort darauf erscheint auf der Ausstellungswand und dem Mobiltelefon.

„Sein Scherflein beitragen“, „Unser täglich Brot“ und „In deiner Hand“ gehören zu den elf Redewendungen, denen in der Ausstellung künstlerische Installationen gewidmet sind. Die Redensarten entstammen Martin Luthers Schriften, vor allem seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Die Schau erweist, wie der Reformator unser Deutsch geprägt hat. Der die Kleinschreibung verfechtende Jacob Grimm  verkündete: „Luthers sprache muß ihrer edlen reinheit, ihres gewaltigen einflußes halber, für kern und grundlage der neuhochdeutschen sprachniedersetzung gehalten werden.“

Den Ausstellungs-Titel „Luther und Grimm wortwörtlich“ will Kurator Friedrich W. Block so verstanden wissen: „Wortwörtlich meint, nicht starr am Buchstaben des Gesagten zu kleben, sondern eben genau auf die Wörter zu schauen und zu hören.“ Aus jeder der präsentierten Redewendungen erfreut sich ein Hauptwort besonderer Beachtung. Die Installation „Zu Staub werden“ setzt einen Plattenspieler ein. Die aufgelegte Schallplatte macht den Staub als Knistern hörbar – und unterhält mit einem witzigen Sprechtext von Timo Bunke. Was uns der Staub angeht, erfährt man  am Ende der Darbietung: „Früher oder später – tanzt Du mit uns.“

Die bis heute geläufige Redewendung „Perlen vor die Säue werfen“ übernahm Luther aus der Volkssprache. In seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“ erklärt der Reformator, dass er „rein und klar deutsch geben möchte“. Dazu muss man „die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen“.

Auch die Grimms „schauten dem Volk aufs Maul“. Das ma­chen insbesondere ihre „Kinder- und Hausmärchen“ deutlich. Wie Luther die Bibelübersetzung von Auflage zu Auflage überarbeitete, feilte insbesondere Jacob Grimm die Märchen­texte von Ausgabe zu Ausgabe weiter aus: „Fortwährend bin ich bemüht gewesen, Sprüche und eigen­thümliche Redensarten des Volkes, auf die ich immer horche, einzutragen.“          Veit-Mario Thiede

Bis 31. Oktober in der Grimmwelt, Weinbergstraße 21, Kassel. Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, freitags bis 20 Uhr. Eintritt: 5 Euro. Telefon (0561) 5986190, Internet: www.grimmwelt.de. Der Katalog aus dem Verlag Winfried Jenior kostet 17,50 Euro.


Hotel Lageso
Bröhan Museum: Asylheim zum Selberbauen

Die Bewegung des Selbermachens, englisch „Do it yourself“, geht bis auf die Zeit des Jugendstils zurück. Die in­dustriellen Produktion weckte seinerzeit den Wunsch, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen. Als man nach dem Ersten Weltkrieg über gute Gestaltung für das Existenzminimum nachdachte, entstanden auffällig viele Selbstmach-Entwürfe. Die Reihe der renommierten Gestalter, die im 20. Jahrhundert solche Objekte entwarfen, ist lang. Eine Ausstellung im Berliner Bröhan Mu­seum stellt vom 30. September bis 29. Januar 2017 die historische Ent­wick­lung des „Do it yourself-Design“ dar.

Der Schwerpunkt liegt aber auf zeitgenössischen Konzepten. Gezeigt werden über  100 Werke von Ge­staltern wie beispielsweise Ri­chard Riemerschmid, Gerrit Rietveld, Erich Diekmann, Ferdinand Kramer, Enzo Mari, Peter Raacke, Van Bo Le-Mentzel, Jerszy Seymour, Stéphane Barbier Bouvet oder auch von der Initiative Cucula.

Berlin ist heute geradezu die Hauptstadt der Selbstmach-Bewegung, die durch Internet und 3D-Drucker noch einmal einen entscheidenden Schub bekommen hat. Das „Tiny-House-Movement“, nach dem Krisenjahr 2007 in den USA entstanden, wird gerade erfolgreich in den Prinzessinnengärten in Berlin-Kreuzberg er­probt: einfache Architektur zum Selbermachen als Antwort auf die Wohnraumknappheit in den Me­tropolen. Van Bo Le Menzel hat in Berlin 2010 seine Hartz-IV-Möbel entwickelt. Selbst auf den massiven Zustrom von Zuwanderern beginnt man schon zu reagieren. Als Weiterentwicklung seines Ein-Quadratmeter-Hauses hat der laotische Künstler 2015 eine mobile Notunterkunft zum Selberbauen für Immigranten gestaltet, die er „Hotel Lageso“ nannte.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine mobile Werkstatt, die der Berliner Designer Johannes Kunz jeden zweiten Sonntagnachmittag organisiert. H. Tews

Bröhan-Museum am Schloss Charlottenburg, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 8 Euro, Telefon (030) 326 90600, www.broehan-museum.de


MELDUNGEN

Goldener Schnitt in Berlin

Berlin − Das Museum für Kommunikation Berlin ist auf der Suche nach der perfekten Proportion in Kunst und Wissenschaft. In der Ausstellung „Göttlich Golden Genial – Weltformel Goldener Schnitt?“ geht man der Frage nach, ob hinter allem Schönen ein mathematisches Prinzip steckt oder ob die angebliche Weltformel nur ein Mythos ist. Bezugspunkte dabei sind da Vincis „Mona Lisa“, die mathematische Fibonacci-Reihe oder das Antlitz Marilyn Monroes. Am Ende können Besucher vergleichen, inwieweit das eigene Gesicht den goldenen Regeln entspricht. Die Ausstellung in der Leipziger Straße 16 läuft bis zum 26. Februar 2017. Infos: www.mfk-berlin.de       tws

 

Lucia Moholys Bauhaus-Fotos

Berlin − In der Ausstellung „Lucia Moholy. Die englischen Jahre“ stellt das Berliner Bauhaus-Archiv/Mu­seum für Gestaltung, Klingelhöferstraße 14, vom 5. Ok­tober bis 27. Februar Bilder der aus Prag stammenden Bauhaus-Fotografin vor. Moholy (1894–1989) hat mit ihren in den 1920er Jahren am Bauhaus geschaffenen sachlichen Architektur- und Objektaufnahmen dessen Selbstdarstellung und Außenwahrnehmung wesentlich mitgeprägt. Infos: www.bauhaus.de           tws

 

Rinpa-Malerei und Herbstlaub

Berlin − Bevor die Sammlung des Museums für Asiatische Kunst für den Umzug ins Humboldt Forum vorbereitet wird, werden bis zum 8. Januar die beiden letzten Wechselausstellungen japanischer Kunst in den Dahlemer Galerien, Lansstraße 8, zu sehen sein. Mit „Im Herbst der Tradition: Malerei der Rinpa“ präsentiert man japanische Malerei vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Und in „Chrysanthemen, Herbstlaub und Schnee“ sind Werke aus der 400 Objekte umfassenden Sammlung Klaus F. Naumanns zu bewundern.      tws

 

Dem Zufall auf der Spur

Stuttgart − Der „Kunst des Zufalls“ widmet sich das Kunstmuseum Stuttgart noch bis zum 19. Februar 2017. Die interdisziplinär angelegte Ausstellung mit über 120 Werken lädt zum An­schauen und Ausprobieren ein. Dabei kann man zufallsbasierte Musik komponieren oder am „Esstisch“ (1965) von Dieter Hacker mit Schokoladenlinsen zufällige Muster in einer Rasterstruktur legen. Infos: www.kunstmuseum-stuttgart.de    tws

 

Gefangen in der Kunst-Freiheit

Wolfsburg − Neue Werke und Perspektiven der Sammlung des Kunstmuseums Wolfsburg, Hollerplatz 1, werden vom 2. Oktober bis 15. Januar 2017 in der Ausstellung „Im Käfig der Freiheit“ ge­zeigt. Neueingänge von Werken zehn zeitgenössischer Künstler gesellen sich dabei zu den Altstars der Sammlung wie Anselm Kiefer, Jeff Koons oder Neo Rauch. Infos: www.kunstmuseum-wolfsburg.de               tws


S. 10 Geschichte & Preussen

Schinkels Meisterwerk
Mit dem Neuen Museum kam die Kunst zu den Bürgern

Am 5. Oktober vor 60 Jahren wurde das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Alte Museum in Berlin wiedereröffnet. Es ist das älteste Bauwerk und Keimzelle der Museumsinsel, die seit 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) galt in der Berliner Gesellschaft als wenig unterhaltsamer Mann. Für Plaudereien hatte er keine Zeit. Während bei Empfängen und Soireen alles um ihn herum plauderte, saß er stumm, den Kopf mit dem lockigen Haar über seinen Skizzenblock gebeugt, und entwarf eines seiner nächsten Bauwerke. So entstanden wohl auch die ersten Zeichnungen für das Neue Museum, heute das Alte Museum genannt.

Der Auftrag für ein Museum stellte für den vielbeschäftigten preußischen Stararchitekten eine neue Herausforderung dar. Entsprechend dem Humboldtschen Bildungsideal, Anspruch auf Bildung für alle Bürger Preußens, wollte Friedrich Wilhelm III. seinem Volk ein für jedermann zugängliches Museum schenken. Was London mit dem British Museum, dem ältesten öffentlichen Museum der Welt (seit 1759) und Paris mit dem Louvre (seit 1793) längst besaßen, sollte auch in der preußischen Metropole Berlin entstehen. Für manchen Zeitgenossen war das fast eine revolutionäre Idee. Bislang wurden die Schätze, die Preußens Könige angehäuft hatten, streng unter Verschluss gehalten. Die Magazine in den Schlössern platzten aus allen Nähten. Leerstände gab es nur zeitweilig.

Bei der Besetzung Berlins durch Napoleon 1806 hatte Frankreichs raffgieriger Kaiser nicht nur die Quadriga vom Brandenburger Tor abmontieren und in zwölf Kisten verpackt nach Paris schaffen lassen, auch zahlreiche andere Kunstwerke nahmen als Beutekunst den Weg in den Louvre. Nach dem Sieg der Alliierten mit ihrem Verbündeten Preußen über das „französische Ungeheuer“ in der Schlacht von Belle-Alliance (Waterloo) vom 8. Juni 1815 waren die requirierten Gemälde und antiken Statuen zumindest teilweise nach Berlin zurückgekehrt. Das Volk, das während der Kriege so sehr gelitten hatte, sollte sich an ihrem Anblick erfreuen können.

Als Standort für das Neue Museum wählte Schinkel die nördliche Seite des Lustgartens direkt gegenüber dem Schloss. Der Platz war äußerst problematisch. Ein an dieser Stelle verlaufender Verbindungskanal zwischen Kupfergraben und Spree sorgte für einen sumpfigen Boden, der unmöglich ein solch monumentales Bauwerk tragen konnte. Arbeiter mussten zunächst 3000 Holzpfähle in den Boden rammen, um einen sicheren Untergrund zu schaffen. 1825 konnten die eigentlichen Bauarbeiten beginnen.

Das Museum gilt heute als Höhepunkt im Schaffen des genialen Künstlers, der in Berlin und Potsdam so viele Spuren hinterlassen hat. Das zweigeschossige Gebäude im klassizistischen Stil ist 87 Meter lang und 55 Meter breit. Die Vorhalle zum Lustgarten hin ruht auf 18 ionischen Säulen. Darüber thronen 18 Adler aus Sandstein. Die Weihinschrift in lateinischen Lettern lautet in Deutsch: „Friedrich Wilhelm III. hat zum Studium der Altertümer jeder Art sowie der freien Künste 1828 das Museum gestiftet.“ Für die Innengestaltung hatte sich Schinkel Anregungen in dem Pariser und Londoner Museum geholt und Dutzende Skizzenbücher gefüllt. Die Ausstellungsräume gruppieren sich um eine 23 Meter hohe Rotunde mit einem Oberlicht, die dem Pantheon in Rom nachempfunden ist. Die Kuppel ist wie das antike Vorbild mit Kassettenfeldern geschmückt. Die umlaufende Galerie beeindruckt mit 20 korinthischen Säulen.

Nicht alles verlief nach Schinkels Plan. Eine große Granitschale aus einem Findling in Fürstenwalde sollte die Rotunde zieren. Der Steinschleifer erweiterte den Durchmesser auf sieben Meter, eine meisterliche Leistung, nur passte die Schale nicht mehr an den für sie vorgesehenen Platz. Sie wurde vor dem Museum aufgestellt. Eine Kommission unter Führung des preußischen Gelehrten Wilhelm von Humboldt, Bruder des berühmten Forschungsreisenden Alexander von Humboldt, bestimmte, dass nur „hohe Kunst“ in den Räumen zur Schau gestellt werden sollte. Der Kunstbesitz des Großen Kurfürsten (1620–1688) und Friedrichs des Großen (1712–1786) erfüllte diesen Anspruch allemal.

Samuel Heinrich Spiker beschreibt in seinem 1833 erschienenen Buch „Berlin und seine Umgebung im 19. Jahrhundert“ den überwältigenden Eindruck, den das Museum auf ihn und wohl auf alle Besucher machte:

„Das Ganze gewährt einen ungemein prachtvollen Anblick … Zu den vorzüglichsten Statuen, welche in der Rotunde aufgestellt sind, gehören die beiden schönen, unter Friedrich II. von dem G. R. Bianconi in Rom gekauften, Victorien, welche früher in dem Halbkreise vor dem neuen Schlosse in Potsdam standen; eine Hygica, in dem Landhause des Marius gefunden, und früher in Charlottenburg im Vorsaale des Königlichen Schlosses aufgestellt; ein schöner Apollo Citharoedus aus griechischem Marmor, von Bianconi in Rom gekauft; ein Apollo Musagetes aus der Polignacschen Sammlung und früher im Antiken-Tempel, im Garten von Sanssouci bei Potsdam, aufgestellt; eine colossale Juno, auf Befehl Seiner Majestät des jetzt regierenden Königs in Rom angekauft u.s.w.“

Das Volk strömte in Scharen herbei, es gab „viel Gedrängsel“. 1845 wurde das Neue Museum in Königliches Museum umbenannt. 100 Jahre später brannte es in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs völlig aus. Die Restaurierung durch die DDR kam 1966 zu ihrem Abschluss. An alte Glanzzeiten konnte das Alte Museum aber nicht anknüpfen. Die Sammlung von DDR-Kunst im Stil des sozialistischen Realismus war kein Publikumsmagnet. Der portugiesische Schriftsteller Vergilio Ferreira notierte nach einem Besuch 1977: „Im Museum, fast niemand da. In jedem Saal haben Frauen die Aufsicht. Sie blicken stur und abweisend … Anschließend suchen wir ein Restaurant zum Mittagessen.“ Auch das dürfte frustrierend gewesen sein.

Nach der deutschen Vereinigung wurde der Schinkelbau abermals renoviert. Die beiden Innenhöfe erhielten eine Überdachung. Seit Juli 2010 präsentiert das Alte Museum Exponate aus der Etrusker- und Römerzeit sowie die griechische Antikensammlung. Klaus J. Groth


»Das erste Anklopfen an die Schallmauer«
Vor 75 Jahren flog der Mensch das erste Mal schneller als 1000 Kilometer in der Stunde

Den ersten Flug mit einfacher Schall­geschwindigkeit (Mach 1), also mit etwa 1200 Kilometern pro Stunde, machte der US-amerikanische Testpilot Charles Yeager mit dem Raketenflugzeug Bell X-1 im Oktober 1947. Aber bereits vor ihm hatten sich Flieger in diesen kritischen Geschwindigkeitsbereich vorgewagt. Die Rekordmarke von 1000 Kilometern pro Stunde war bereits sechs Jahre vorher gefallen. Am 2. Oktober 1941 erreichte Heini Dittmar mit einem Raketenflugzeug vom Typ Messerschmitt Me 163 als erster Pilot überhaupt diese Marke.

Dittmar hatte sich in den Jahren vor dem Krieg als Segelflieger einen Namen gemacht. So stellte er 1934 in Argentinien mit 4350 Metern einen neuen Höhenweltrekord für Segelflugzeuge auf. Im gleichen Jahr folgte ein Langstreckenweltrekord, und 1936 gelang Dittmar die erste Alpenüberquerung mit einem Segelflugzeug.

Mit der Me 163A V-4 flog Dittmar exakt 1003,67 Kilometer pro Stunde schnell, und dieser Rekord hätte ihn fast das Leben gekostet. Denn er stieß mit dem auch „Kraftei“ genannten Flugzeug in fliegerische Bereiche vor, über die nur wenig bekannt war. Aerodynamiker wie Theodor von Karman hatten einige dieser Effekte vorhergesagt. So steigt der Luftwiderstand kurz vor Erreichen der Schallgeschwindigkeit stark an und führt zu heftigen Vibrationen. Die Steuerwirkung der Ruder lässt nach und kehrt sich sogar um. Beim Überschreiten der Schallgeschwindigkeit entladen sich diese Spannungen mit einem Knall, und die Ruderwirkung ist wieder normal. Für einen Düsenjäger-Piloten von heute ist dieser Übergang in den Geschwindigkeitsbereich jenseits von Mach 1 Routine. Seine Beherrschung gehört zur Ausbildung.

Heini Dittmar wusste dagegen über das Fliegen in diesem Grenzbereich so gut wie nichts. Und die Me 163 war für so hohe Geschwindigkeiten auch nicht ausgelegt. Ihr Konstrukteur Alexander Lippisch hatte sie für eine Höchstgeschwindigkeit von 850 Kilometern in der Stunde entworfen, einen für das Erstflugjahr 1941 beachtlichen Wert. Weil das Raketentriebwerk noch nicht zur Verfügung stand, wurde die Me 163 im Versuchszentrum der Luftwaffe in Peenemünde zunächst als Segler getestet. Das war durchaus sinnvoll, denn der Raketentreibstoff des Flugzeugs, das als Abfangjäger gedacht war und schnell auf seine Einsatzhöhe steigen und dort alliierte Bomber bekämpfen sollte, reichte nur für maximal zehn Minuten. Der Jäger musste dann im Gleitflug zum Flugplatz zurück­kehren oder schlicht auf einer Wiese landen.

Dittmar erprobte die Me 163 von Anfang an und hatte auch den Vorgänger, das Versuchsflugzeug DFS 194, geflogen. Die DFS 194 war noch eine reine Holzkonstruktion, verfügte aber bereits über einen Raketenantrieb und erreichte Geschwindigkeiten um die 550 Kilometer pro Stunde. Den ersten angetriebenen Flug mit einer Me 163 machte Dittmar am 8. August 1941. Er erreichte bei den nächsten Flügen dann 840 Kilometer pro Stunde und im September 1941 sogar 940. Bei diesem Flug verlor das Flugzeug durch Vibrationen eine Ruderklappe.

Um Treibstoff zu sparen, startete die Me 163 im Schlepp eines zweimotorigen Kampfflugzeugs vom Typ Messerschmitt Bf 110. In 4000 Metern Höhe wurde das Raketenflugzeug ausgeklinkt und konnte so schneller und weiter fliegen. Beim historischen Versuchsflug am 2. Oktober setzten wieder die für diesen Geschwindigkeitsbereich typischen Vibrationen ein. Durch sie verlor Dittmar bereits nach wenigen Sekunden die Kontrolle über die Maschine, konnte das Flugzeug aber im letzten Moment abfangen. „Diese so genannten Mach-Erscheinungen“, erinnerte er sich, „die ich als erster Pilot erlebte, waren das erste Anklopfen an die Schallmauer.“

Bei einem zweiten Rekordflug im Juli 1944 kam er sogar noch näher an Mach 1 heran. Er erreichte 1130 Kilometer pro Stunde. Erst nach dem Krieg flogen US-amerikanische und sowjetische Versuchsflugzeuge wieder so schnell. Die B-Version der Me 163 kam 1944/45 in geringer Zahl als Abfangjäger zum Einsatz, ohne jedoch große Erfolge zu erzielen. 

                Friedrich List


S. 11 Geschichte & Preussen

Der gescheiterte Griff nach Moskau
Vor 75 Jahren begann die Schlacht zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee um die Sowjethauptstadt

Am 2. Oktober 1941 begann die Schlacht um Moskau, die mit der ersten großen Niederlage der Wehrmacht im Feldzug gegen die UdSSR endete. Die Ursache hierfür waren vor allem der verspätete Angriffsbeginn sowie die unerwartet heftige sowjetische Gegenwehr.

Am 12. August 1941 erließ Adolf Hitler eine Ergänzung zur Führerweisung Nr. 34, in der er seinen Entschluss mitteilte, „das gesamte Staats-, Rüstungs- und Verkehrs­zentrum um Moskau dem Gegner noch vor Eintritt des Winters zu entziehen“. Allerdings meinte der Diktator auch, dies sei momentan nicht das wichtigste Ziel, „sondern die Wegnahme der Krim, des Industrie- und Kohlengebietes am Donez und die Abschnürung der russischen Ölzufuhr aus dem Kaukasus, im Norden die Abschließung Leningrads und die Vereinigung mit den Finnen“ – so Hitlers Kommentar vom 21. August zu den Vorschlägen des Oberkommandos des Heeres hinsichtlich der Fortsetzung der Operationen im Osten. Damit stellte er sich gegen die deutsche Generalität, aus deren Sicht dem sofortigen Vorstoß in Richtung der sowjetischen Hauptstadt oberste Priorität zukam.

Die Konsequenz daraus war eine Denkschrift der Wehrmachtführung, deren Kernaussage lautete, dass der Russlandfeldzug nicht bis Ende 1941 abgeschlossen werden könne. Hierdurch verunsichert, änderte Hitler seine Meinung. Sichtbarster Ausdruck dessen ist die Führerweisung Nr. 35 vom 6. September 1941. Nun hieß es plötzlich, die Heeresgruppe Mitte, die zum Teil nur rund 300 Kilometer westlich von Moskau stand, solle baldmöglichst zum Angriff auf das Herz des Sowjetimperiums antreten. Dem folgte ab dem 19. September die Zusammenziehung der Truppenverbände für das Unternehmen, das nun den Decknamen „Taifun“ erhielt. Dabei ergaben sich ernsthafte Probleme. Zum einen verfügten die für den Einsatz vorgesehenen Panzerverbände oft nur noch über ein Drittel ihrer Sollstärke, zum anderen fehlten Lastkraftwagen und Treibstoff. Gleichzeitig konnte auch die Eisenbahn keine wesentliche Abhilfe schaffen, weil viele der russischen Breitspurstrecken erst auf Normalspur umgenagelt werden mussten.

Naheliegenderweise ergriff Josef Stalin angesichts des zu erwartenden Angriffs umfassende Vorsichtsmaßnahmen. So ließ er zahlreiche Behörden und Industriebetriebe an die Wolga oder hinter den Ural verlagern – ja, sogar die einbalsamierte Leiche des Revolutionsführers Wladimir Iljitsch Lenin ging auf die Reise in die sibirische Stadt Tjumen. Zudem wurden aus der hauptstädtischen Bevölkerung zwölf Volkswehrdivisionen rekrutiert. Dann meldete der für den sowjetischen Militärgeheimdienst GRU spionierende deutsche Journalist Richard Sorge aus Tokio, der japanische Kronrat habe definitiv beschlossen, dass das Kaiserreich weiter neutral bleiben werde. Dies ermöglichte die Verlegung von 700000 bestens für den Winterkampf gerüsteter Soldaten aus Sibirien und Fernost nach Westen. Wie sehr das zur Beruhigung der Sowjetführung beitrug, zeigte der Empfang am Abend des 1. Oktober im Katharinensaal des Kreml für den kanadisch-britischen Pressezaren Lord William Maxwell Bea­verbrook und Franklin D. Roosevelts Sondergesandten Averell Harriman. Damals wurden nicht weniger als 32 Toasts auf den bevorstehenden Sieg ausgebracht.

Am nächsten Morgen um 5.30 Uhr trat die deutsche Heeresgruppe Mitte unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Fedor von Bock mit den Panzergruppen 2, 3 und 4 sowie der 2., 4. und 9. Armee aus dem Raum nordostwärts Smolensk bis Orel zum Angriff auf Moskau an. Somit bot die Wehrmacht die Hälfte ihres Ostheeres auf, nämlich 14 Panzer-Divisionen, acht motorisierte Divisionen und 56  Infanterie-, Kavallerie- und Sicherungsdivisionen mit knapp zwei Millionen Soldaten. Dazu kam die Unterstützung durch die Luftflotten 2 und 4.

Zunächst verlief die Offensive sehr erfolgreich. In kürzester Zeit wurden in der Doppelschlacht von Wjasma und Brjansk 80 sowjetische Divisionen aufgerieben und 1242 Panzer vernichtet. Daher wähnte die deutsche Seite den Krieg gegen die UdSSR schon als gewonnen. Dies brachte der Reichs­pressechef Otto Dietrich am 9. Oktober 1941 gegenüber in- und ausländischen Journalisten zum Ausdruck. Die Verteidiger Mos­kaus, die nun unter dem Oberbefehl von Armeegeneral Georgi K. Schukow standen, befanden sich in einer verzweifelten Lage. Da die Verstärkungen aus dem Osten noch nicht eingetroffen waren, kämpften nur noch etwa 100000 Rotarmisten gegen die Heeresgruppe Mitte. Also flüchtete die Sowjetführung – mit Ausnahme von Stalin – am 16. Oktober nach Kuibyschew an der Wolga. Daraufhin brach in Moskau Panik aus. Das wiederum führte am 19. Oktober zur Ausrufung des Belagerungszustandes.

Allerdings begann zeitgleich die Schlammperiode, die Wege und Straßen vielerorts unpassierbar machte. Deshalb kam der deutsche Vormarsch sukzessive zum Erliegen. Erst der im Laufe des November einsetzende Bodenfrost ermöglichte es, den Angriff fortzusetzen. Dabei erreichte ein Erkundungstrupp des Panzerpionier-Bataillons 62 am 2. Dezember 1941 bei Temperaturen um minus 35 Grad den Mos­kauer Vorort Chimki – von hier aus waren es noch genau 23,7 Kilometer bis zum Kreml.

Weiter sollte die Wehrmacht jedoch nie vorstoßen. Dies lag zum einen am Eintreffen der sibirischen und fernöstlichen Kontingente der Roten Armee und zum anderen am unzureichenden Nachschub beziehungsweise dem Fehlen von Winterausrüstung. Wegen letzterem warnte die Heeresgruppe Mitte dann auch am 23. November 1941, die Truppe sei bald komplett „am Ende“.

Kurz darauf, am 5. Dezember, begann die russische Gegenoffensive mit einer Million Mann und 700 Panzern. In deren Verlauf erfolgten zahlreiche Rücktritte oder Entlassungen führender deutscher Militärs. So gaben Bock und der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch, ihre Posten aus „gesundheitlichen Gründen“ auf, während die Generalobersten Heinz Guderian und Erich Hoepner ganz offen gemaßregelt wurden, weil sie für eigenmächtige Absetzbewegungen verantwortlich zeichneten. Ein Zurückweichen war für Hitler, der seit dem 19. Dezember an der Spitze des Oberkommandos des Heeres stand, nämlich keine Option. Diese Haltung musste er dann jedoch am 15. Januar 1942 angesichts der massiven Vorstöße der Roten Armee revidieren. Bis dahin hatte die Wehrmacht allerdings schon mehr als 600000 Tote, Verwundete und Erfrorene vor Moskau zu verzeichnen.                Wolfgang Kaufmann


Fliegende »Fische« aus deutscher Produktion
Die »Superwal« war das größte der von Dornier produzierten »Wal«-Flugboote – Vor 90 Jahren hob sie erstmals ab

Mit seinen „Wal“-Flugbooten begründete Claude Dornier nach dem Ersten Weltkrieg seinen Weltrang als Flugzeugkonstrukteur. Das erste „Wal“-Flugboot startete bereits am 6. November 1922 im italienischen Marina di Pisa zum Erstflug. Dornier hatte wegen der Einschränkungen durch das Versailler Diktat seine Flugzeugproduktion an ausländische Standorte in der Schweiz und in Italien verlegt. Die „Wale“ erwiesen sich als zuverlässige und wegweisende Konstruktionen, die in der ganzen Welt im Einsatz waren. In Japan flog sogar eine Landversion als leichter Bomber.

Dornier und seine Ingenieure bemühten sich, die bewährte Konstruktion zu verbessern und leistungsfähiger zu machen. So entstand die Dornier Do R „Superwal“, die am 30. September 1926 in Manzell zum Jungfernflug aufstieg. Wie ihre kleineren Geschwister war die „Superwal“ ein abgestrebter Hochdecker in Ganzmetallbauweise mit Flossenstummeln an beiden Rumpfseiten. Die Stummel waren eine für alle Dornier-Flugboote typische Konstruktion, welche die Boote im Wasser stabilisierte und gleichzeitig robuster war als unter den Tragflächen montierte Stützschwimmer.

Die „Superwale“ flogen erst mit zwei, später mit vier Motoren. Die Motoren waren in Tandemgondeln auf der Tragfläche untergebracht. Der erste „Superwal“, die D-1115, hatte zwei Condor-Motoren von Rolls-Royce zu je 650 PS. D-1115 ging zunächst an die Severa, die Seeflug-Versuchsanstalt der Lufthansa, dann an die Deutsche Verkehrsfliegerschule auf Sylt. Von dieser Dornier R2-Version wurden insgesamt drei Maschinen gebaut, die auch bei der Lufthansa flogen. Die letzte dieser Maschinen blieb bis 1936 im Einsatz.

Als nächstes baute Dornier insgesamt 16 Dornier-R4-Maschinen mit vier Triebwerken, die sich untereinander nur im verwendeten Motortyp unterschieden. Ein „Superwal“ bot Platz für 19 Passagiere, von denen elf in der vorderen Kabine und acht im hinteren Teil saßen.

1928 stellte Dornier-Chefpilot Richard Wagner über dem Bodensee mit einer R4 zwölf Weltrekorde für Seeflugzeuge auf. Zwischen dem 20. Januar und dem 5. Februar stieg er zu mehreren Rekordflügen in den Kategorien Geschwindigkeit, Nutzlast, Flughöhe und Strecke auf.

Zunächst legte die Maschine mit einer Zuladung von vier Tonnen eine Strecke von 100 Kilometern bei 209,45 Kilometern pro Stunde zurück. Am 23. Januar folgte ein Höhenrekord, bei dem die Maschine wiederum mit vier Tonnen Nutzlast auf 2845 Meter Höhe stieg. Ebenfalls mit vier Tonnen Nutzlast folgten Geschwindigkeitsrekorde über Distanzen von 500 und 1000 Kilometern. Beim Flug über einen geschlossenen Rundkurs blieb die Maschine etwas über sechs Stunden in der Luft.

Nach dem Ende der Flüge verkaufte Dornier die Rekordmaschine zusammen mit elf weiteren Maschinen an die Deutsche Lufthansa und an die italienische Fluggesellschaft Societa Anonima Navigazione Area (SANA). Sechs „Superwale“ gingen nach Italien, der Rest blieb in Deutschland. Die Produktion endete 1929. Eine Maschine wurde im Juli 1928 vom spanischen Dornier-Lizenznehmer CASA aus in Deutschland hergestellten Teilen moniert. Das Flugzeug ging an die spanische Luftwaffe und blieb bis 1932 im Einsatz.

Die Lufthansa führte im Juli 1928 ihren ersten Flug mit der D-1447 „Graf Zeppelin“ auf der Linie Lübeck–Kopenhagen–Oslo durch und nahm danach weitere Boote in Dienst. Sie flogen überwiegend im Ostseeraum und im sogenannten Seebäderdienst, überzeugten die Verantwortlichen aber nicht. Ihre Reichweite war ungenügend, und für die Passagierzahlen im Ostseeraum waren sie zu groß. So übergab die Lufthansa bereits 1930 die ersten „Superwale“ an die Deutsche Verkehrsfliegerschule und zog die anderen Maschinen bis Sommer 1932 wieder aus dem Einsatz.

Dornier lieferte 1929 zwei „Superwale“ mit „Hornet“-Motoren von Pratt & Whitney an die an den Großen Seen aktive „Stout D&C Air Lines“ in den USA. Aber die Flugzeuge gelangten wegen chronischer Motorenprobleme nie in den Flugdienst.

Wesentlich erfolgreicher waren die „Superwale“ im Dienst der italienischen Fluggesellschaft SANA. Im Januar 1928 lieferte Dornier die ersten beiden Boote aus, die restlichen vier folgten bis Jahresende. Am 1. November 1928 eröffnete ein „Superwal“ die Route Rom–Syrakus–Tripolis und verband so die italienische Hauptstadt mit Sizilien und der damaligen italienschen Kolonie Libyen. Einige Tage später folgte die erste von SANA bediente internationale Route zwischen Rom, Genua, Marseille und Barcelona. Für die längeren Strecken im Mittelmeer waren die Flugboote besser geeignet als für den Luftverkehr über der Ostsee. Drei „Superwale“ gingen durch Unfälle verloren, und ab 1931 nutzte die SANA die verbliebenen Maschinen nur noch bei Bedarf. An deren Stelle übernahmen kleinere Dornier-„Wal“-Flugboote die Flüge, während die „Superwale“ an das Luftfahrtministerium abgegeben wurden. Der letzte deutsche „Superwal“ blieb bis 1937 bei der Deutschen Verkehrsfliegerschule in Dienst.   

                Friedrich List


S. 12 Leserforum

Leserforum

Die Gesundheit der neuen Mitbürger wird uns teuer zu stehen kommen

Zu: Das Rundum-Wohlfühl-Paket (Nr. 37)

Erneut heben viele Krankenkassen den Zusatzbeitrag an. Doch schon jetzt ist abzusehen, dass es nicht reichen wird – und die Versicherung in Zukunft noch erheblich teurer wird. Doch warum steigen die Zusatzbeiträge? Müsste nicht die geringe Arbeitslosigkeit dazu führen, dass viele Versicherte in die Kassen einzahlen? Die Versicherten müssen sich darauf einstellen, dass die Zusatzbeiträge weiter steigen, aber der Leistungsumfang leider zurück­geht. Eine private Vorsorge ist dann sinnvoll. Die bekannten Antworten sind immer dieselben. Natürlich stiegen die Beiträge aufgrund des demografischen Wandels und medizinischen Fortschritts.

Der wahre Grund sind die massenhaften ausländischen „Fachkräfte“. Weitere warten in den jeweiligen Ländern teils ohne Ausweise, aber mit Smartphones, um ins gelobte Schlaraffenland zu kommen und um sich dort richtig auszutoben.

Unser Staat und seine Gummibärchenwerfer nehmen weiterhin – bei offenen Grenzen – Millionen derjenigen, die uns „bereichern“ wollen, ohne jede Perspektive für die weitere Zukunft auf. Die Herrschaft wird mit ausgehändigter Gesundheitskarte versorgt. Was hat die forcierte Zuwanderungsversorgung mit unseren Krankenkassen zu tun? Gibt es in den Herkunftsländern auch eine kostenfreie Heilfürsorge? Für die unübersehbaren Kosten müssen wir alle herhalten.

Die bereits geduldeten Zuwanderer müssen mitfinanziert werden – ohne jegliche Einzahlung. Es wäre sinnvoll, wenn das Finanzministerium die Finanzierung übernehmen würde. Diesbezüglich würde der Finanzminister wohl einen Schock bekommen. Den Dank, den wir von unseren Gästen ernten, können wir jeden Tag beliebig aus den Mainstream-Medien entnehmen.

Die nächste Welle rollt. Der Familiennachzug lässt die Zahlen noch weiter anschwellen. Aber kein Wort von den verantwortlichen Stellen über die Millionen der Bereicherung, die in unserem Land kostenlose Gesundheitsfürsorge genießen. Mit dem „Wir schaffen das!“ wird die deutsche Bevölkerung arg in Mitleidenschaft gezogen.

Johann Eggers, Jützbüttel

 

 

Volkszeitung in spe

Zu: Eure Wut, eure Angst (Nr. 36)

Der Wochenrückblick war mir ein Genuss. Die Abstrafung der gutmenschlichen Wähler-Schelte war ganz nach meinem Geschmack. Ich habe den Beitrag gleich nochmal gelesen. Der Artikel stellt klar: Der Geist ist längst vom politisch-medialen Klüngel gewichen und zum Gegner übergelaufen.

Leider hat die Mehrheit der ordentlichen Bürger den Spaß an derart beißendem Spott verloren. Sie ist mit Familie, Beruf, deutschem Steuer-Recht oder anderen bürokratischen Schikanen be- und ausgelastet. Ich würde mir indessen sehr wünschen, dass die Preußische Allgemeine sich zu einer Volkszeitung mausert, um gegen den „Mainstream“ anzustinken.

Volker Wittmann, Philippsburg

 

 

Wie die Region Niederschlesien klammheimlich ausradiert wird

Zum Leserbrief: Presse-Enten in den Lausitzer Sand gelegt (Nr. 33)

Der emotionale Leserbrief beschönigt das sowjetische Verhalten beim Zittauer Fastentuch, korrigiert richtig die Spende für die Görlitzer Altstadtrestaurierung von einer Million D-Mark durch Halbierung der Euro-Währung und verteidigt die wüsten Braunkohlenlöcher in der „niederschlesischen Oberlausitz“, eigentlich in West-Niederschlesien von vor 1945. Man merkt förmlich, wie der Autor das Handeln der politisch rückwärtsgewandten SED-Funktionäre und -verhältnisse

– gerade in Bezug auf den niederschlesischen Restteil in Deutschland – verklärt und verzuckert, statt aufzuzählen, wie der uns verbliebene Restteil (zirka 2475 Quadratkilometer) von den DDR-Schergen im SED-Bezirk Dresden ausgeplündert wurde, was merkwürdigerweise bis heute fortgesetzt wird.

Zuerst wurde aus den Königshainer Bergen Granit gebrochen und tiefe Löcher hinterlassen, was landschaftszerstörend wirkte. Das wurde in den 70ger Jahren eingestellt. Als weiteres baute man „Dreckschleudern“ – Braunkohlekraftwerke bei Hagenwerder und Boxberg-Nochten, um die giftigen Abgase im dummen schlesischen Hinterland an der Oberlausitzer Neisse abzublasen und Dresden bis Chemnitz/Sachsen schön mit Strom zu versorgen. Erst mit der Wende – nicht zu DDR-Zeiten – wurde begonnen, die entsetzlichen Abraumlöcher zu renaturieren mittels westdeutscher Erfahrungen und gesamtdeutscher Gelder. Dass den Baggerlöchern für die Tagebaue zirka 23 schöne niederschlesische Dörfer mit ihrer Baukultur und unter Heulen und Zähneklappern der Einwohner weichen mussten (denken wir an Kittlitz und den Kampf der Einwohner), wird mit keinem Wort erwähnt.

Daneben lief die Ausplünderung an anderer Stelle in Niederschlesien bei Spree und Lieske mittels Förderung von Millionen Tonnen Grauwacke für den Straßenbau, die billig an den Westen verkauft wurden. Dann begann Sachsen mit Tiefbohrungen nach Kupfer in der Gegend westlich von Bad Muskau. Schon in der Hitlerzeit wurden Kupferlager entdeckt, aber nicht genutzt.

Die Ausplünderung der Kupferlager im niederschlesischen Landesteil Deutschlands zugunsten der sächsischen Staatskasse ist jedoch nach der Wende erst richtig aufgeflammt. Das wird durch je einen polnischen und mittelamerikanischen Großkonzern betrieben und alsbald zu tektonischen Grund- und Bergbewegungen in den Gebieten um Schleife und Hoyerswerda mit den üblichen Schäden an Gebäuden und Straßen führen. Und nun die Versuche des „Fracking“ zur Tiefen-Auspressung von Gas und Öl aus dem Untergrund südlich Rothenburg/Neisse bis Weißwasser: eine erneute Aussicht auf Geldgewinne für die sächsische Staatskasse, aber nicht für die niederschlesische Bevölkerung.

Dazu kommt die klammheimliche, administrative Dreiteilung des restlichen niederschlesischen Gebietes durch die politische Zerhackung in einen im Jahr 1991 bei Ruhland abgetrennten Teil für das Land Brandenburg und zwei Landkreisen um Görlitz/Niederschlesien und Bautzen/Sachsen. Alles das geschah ohne Volksbefragung durch die Sächsische Freistaatregierung. Man kann es mit den gutmütigen Niederschlesiern in Ostsachsen ja machen

– sie scheinen es zu verschlafen. Und Niederschlesien in der Bundesrepublik wird wie anlässlich der SED-Bezirksbildung im Juli 1952 als historisch-politische Region klammheimlich ausradiert.

Wolfgang Liebehenschel, Berlin

 

 

Euro-Schiff sinkt

Zu: Abstimmung über Matteo Renzis Zukunft (Nr. 36)

Es ist schade, dass wir mit einer Kanzlerin geschlagen sind, die unfähig und entscheidungsschwach ist. Sie, die angeblich alles vom Ende her denkt, scheint offensichtlich nicht zu wissen, wo das Ende überhaupt ist. Wenn sie das dann wüsste, läge der Weg offen und es gäbe nur eine einzige Entscheidung, die auf Dauer sowieso unausweichlich ist.

Deutschland muss den Euro aufgeben, bevor die Währung von den Südstaaten im Verein mit Mario Draghi endgültig zu Schanden geritten wird. Wenn Merkel diese Botschaft standhaft aussenden würde, wäre vielleicht noch eine Chance da, den Euro vernünftig abzuwickeln, bevor er chaotisch den Bach hinuntergeht. Langfristig gebe ich dem Euro keine Chance.

Was aber macht Merkel? Sie lässt das Euro-Schiff steuerlos treiben und riskiert mal wieder, überstimmt zu werden, anstatt mal auf den Tisch zu hauen und auf die wirtschaftliche Stärke Deutschlands zu verweisen, das ohnehin viele andere Länder finanziert. Doch darauf werden wir noch lange warten können.

Zaudernd und zögernd versucht sie sich durchzulavieren, so wie sie das seit Jahren tut. Klare Kante, klare Sprache, so etwas ist ihr fremd. Bockig verteidigt sie ihr „Wir schaffen das!“ in der Flüchtlingspolitik, auch wenn keine der Voraussetzungen für eine Integration gegeben ist. Hat überhaupt mal jemand die Flüchtlinge gefragt, ob sie überhaupt integriert werden wollen, oder wollen sie nur auf unsere Kosten leben?

Wie soll man einem derartigen Bündnispartner überhaupt noch Vertrauen entgegenbringen? Da rottet sich eine Südfraktion gegen Deutschland und die Nordländer zusammen, um die Schuldenmacherei auf die Spitze zu treiben. Von der großen europäischen Idee eines Charles de Gaulles und eines Konrad Adenauers bleibt fast nichts mehr übrig, wenn Frankreich sich dem Süden zuschlägt.

Rudi Armgardt, Viersen


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Königsberg wählte anders
Im Stadtrat sind mehrere Parteien vertreten – Duma bleibt in der Hand von »Einiges Russland«

Erwartungsgemäß siegte bei den gesamtrussischen Wahlen am 18. September die Regierungspartei „Einiges Russland“. Im Königsberger Gebiet gab es allerdings einige Besonderheiten.

Gleich auf drei Ebenen sollten die Bürger Russlands am 18. September wählen: Sie gaben ihre Stimmen für die Staatsduma, die Regionalparlamente und ihren jeweiligen örtlichen Abgeordnetenrat ab.

Der Wahlkampf verlief im Königsberger Gebiet unspektakulär ohne große Überraschungen. Am aufdringlichsten war die Werbung der Regierungspartei „Einiges Russland“, deren Kandidaten in selbst in Kindergärten und allgemeinbildenden Schulen auftragten. Im Stadtbild dominierten die Plakate der Kandidaten für „Einiges Russland“. Nicht nur  blickten die Kandidaten von riesigen Werbetafeln auf die Passanten herab, Werbematerial mit ihrem Konterfei überschwemmten auch die Briefkästen der Bürger.

Als aktivste Partei gleich hinter „Einiges Russland“ erwies sich überraschenderweise die Partei „Rodina“ (Heimat). Jedoch wanderte deren Werbung meist sofort in die Müllbehälter der Straßen. Kandidaten der Kommunistischen Partei waren im Wahlkampf kaum zu sehen. Auch andere Parteien machten kaum auf sich aufmerksam: Die „Patrioten Russlands“ hatten in der Stadt einige Banner mit den Porträts der Stadtabgeordneten Michail Tschesalin und Igor Rudnikow aufgehängt. Die „Liberaldemokratische Partei Russlands“ (LDPR) hatte offenbar beschlossen, sich voll auf ihren Gründer Wladimir Schirinowski zu verlassen. Sein Werbespot wurde ständig im Radio wiederholt.

Die Besonderheit des Wahlkampfs war, dass besonders viele kleine Parteien daran teilnahmen, auch neu gegründete.

Am Wahltag bildeten sich Schlangen vor den Wahllokalen. Was auf den ersten Blick auf eine hohe Wahlbeteiligung hindeutet, hatte jedoch einen anderen Grund: Die Stimmabgabe dauerte länger, weil jeder Wähler sechs Wahlzettel erhielt, auf denen er für die Staatsduma, das Regionalparlament und den Stadtrat seine Kreuzchen machen sollte. Viele elektronische Wahlurnen funktionierten nicht richtig. Regelmäßig sagte eine Automatenstimme: „Zu viele Wahlzettel“. Trotz des Andrangs in den Wahllokalen war die Wahlbeteiligung niedrig: 39 Prozent bei den Wahlen zum Stadtrat und 43 Prozent bei denen zur Gebietsduma.

Über Unregelmäßigkeiten beschwerten sich die Kandidaten der Kommunistischen Partei. In einigen Wahllokalen fehlten Plakate und Informationen über die Kandidaten, und in einem anderen stellte ein Wähler überrascht fest, dass für seine Wohnung zehn Wahlberechtigte eingetragen waren. Einige Kandidaten beschwerten sich über falsche Informationen auf den in den Wahllokalen ausgehängten Plakaten. Darüber hinaus unterschieden sich die Informationen auf einigen Websites von denen auf anderen.

Erste Ergebnisse gab es erst einen Tag später. Auf dem ersten Platz erschien überall „Einiges Russland“. Die Wahl des Königsberger Stadtrats erfolgte erstmals nach einem gemischten System,  nach Parteilisten und Direktmandaten der Bezirke. Bisher wurden lediglich die Kandidaten der einzelnen Bezirke gewählt. Trotz der Mehrheit für „Einiges Russland“ nach der Parteiliste (34 Prozent) werden nach dem gemischten System nun weniger Abgeordnete der Regierungspartei im Stadt­rat vertreten sein. Bestand vorher der gesamte Stadtrat aus Abgeordneten der Regierungspartei, werden dank der Parteilisten nun Abgeordnete der LDPR (19 Prozent), der Kommunisten (17 Prozent), der „Patrioten Russlands“ (elf Prozent), von „Gerechtes Russland“ (neun Prozent) und „Jabloko“ (5,3 Prozent) vertreten sein. Alle aktuellen Abgeordneten von „Einiges Russland“, die als Direktkandidaten aufgestellt waren, behalten ihre Sitze. Es ist bemerkenswert, dass die Nummer Eins der Partei „Jabloko“ die Schauspielerin Alexandra Jakowlewa ist. Sie ist gebürtig aus Königsberg, war Mitte der 90er Jahre Stellvertreterin des Bürgermeisters für kulturelle Fragen und hatte später eine Führungsposition bei der Russischen Eisenbahn. Sie wurde bekannt mit Filmen wie „Die Mannschaft“ (1979) und „Die Zauberer“ (1982). Jetzt wird sie Abgeordnete in der Stadtverwaltung.

Die Unterstützung für „Einiges Russland“ ist im ländlichen Bereich traditionell größer als in Königsberg. Die Ergebnisse der Gebietsduma unterscheiden sich daher grundlegend von denen des Stadtparlaments. Hier liegt „Einiges Russland“ mit 41 Prozent vorn, gefolgt von der „Kommunistischen Partei“ und der LDPR, die beide zirka 17 Prozent erreichten. „Gerechtes Russland“ liegt hier bei sieben Prozent, die „Patrioten Russlands“ bei sechs. Erfolgreiche Ergebnisse in der Stadt und im gesamten Gebiet erzielte die LDPR, die in beiden Parlamenten zweitstärkste Kraft wurde. Im Königsberger Gebiet war sie sogar erfolgreicher als in Russland.

Es gab noch eine Neuerung: Diesmal wurde das Königsberger Gebiet für die Wahlen zur Staatsduma in zwei Direktmandat-Bezirke aufgeteilt. Die zwei Sitze erhielten Kandidaten von „Einiges Russland“. In der Staatsduma hat „Einiges Russland“ jetzt eine konstitutionelle Mehrheit: 343 Mandate, 105 Abgeordnete mehr als in der vorherigen Duma. Das ist die höchste Zahl an Sitzen, die sie jemals hatte.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch in den Gebieten. Über die Einmandat-Kreise gelangten nur Vertreter von „Einiges Russland“ ins Parlament. Eine Ausnahme bildete der Kreis, in dem der langjährige Abgeordnete Igor Rudnikow („Patrioten Russlands“) siegte.

Die Wahlen haben gezeigt, dass der Beliebtheitswert von Wladimir Putin eine entscheidende Rolle gespielt hat. Alle Wahlplakate der Partei erinnerten daran, dass sie von Putin gegründet worden sei und alle Kandidaten deshalb Mitglieder der „Putin-Mannschaft“ seien.

                Jurij Tschernyschew


Deutsch Eylauer Landrat zu Besuch in Hof
Partnerschaft besteht seit sieben Jahren – Jugendaustausch ist zur beliebten Tradition geworden

Eine Delegation des Kreises Deutsch Eylau mit dem Landrat Marek Polanski hat seinem Partnerkreis Hof in Bayern einen Besuch abgestattet. Die Partnerschaft besteht bereits sieben Jahre. Sie wurde durch die früheren Landräte des Kreises Deutsch Eylau, Maciej Rygielski, und des Landkreises Hof, dem inzwischen verstorbenen Bernd Hering, im Rahmen einer Technologie-Kooperation geschlossen. Mit der Zeit entwickelte sich die Partnerschaft zu einer Freundschaft. Bei zahlreichen Treffen hat man sich besser kennengelernt.

Das Ziel des aktuellen Besuchs war, neue Wege der Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen zu diskutieren. Es wurde über die aktuelle Situation in Deutschland und die Entwicklung der Wirtschaft und des Tourismus im Landkreis Hof gesprochen. Der Landrat des Kreises von Deutsch Eylau Marek Polanski, der Vertreter des Vorstandes des Kreises Maciej Rygielski und die Ratsmitglieder Marian Golder und Mariusz Kupczynski hatten die Möglichkeit, sich mit der Arbeit der Behörden des Kreises Hof vertraut zu machen und das Landratsamt zu besichtigen. Zusammen mit dem Landrat des Kreises Hof, Oliver Bär, besuchte die polnische Delegation die weltweit bekannte Firma „Fraas“. Seit 135 Jahren produziert sie Tücher, Schals und textile Accessoires für viele Marken. Während der gemeinsamen Dis­kussionen über die Wirtschaft und den Tourismus betonte Bär, wie wichtig die Aufnahme der verschiedenen Initiativen für die Zusammenarbeit zwischen den lokalen Behörden und der Unternehmer sei.

Die Kooperation beinhaltet auch einen Jugendaustausch zwischen dem Kreis Deutsch Eylau und dem Kreisjugendring Hof. Inzwischen finden solche Treffen jedes Jahr statt. Diesen Monat wird eine Gruppe des Kreisjugendrings Hof nach Deutsch Eylau reisen. Diese traditionellen Treffen finden immer im Spätsommer statt. Ein Jahr verreist eine polnische Gruppe nach Deutschland und im folgenden Jahr besucht eine deutsche Gruppe Polen. Im vergangenen Jahr wanderten polnische Jugendliche auf den Gipfel Waldstein, sie besuchten einen Aqua Park, besichtigten Nürnberg, sahen eine Show im Planetarium über Nikolaus Copernicus und machten einen Ausflug in die Stadt Hof.

Das Projekt wird durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk gefördert, eine internationale Organisation, von den Regierungen Polens und Deutschlands etabliert, um – unter anderem – die Jugendkontakte finanziell zu unterstützen.

Die partnerschaftlichen Austauschreisen ermöglichen jungen Menschen den lebendigen Kontakt mit einer anderen Kultur,. Dadurch sind sie in der Lage, ihre eigene Gemeinschaft besser zu bewerten.

Während der Aufenthalte finden die Treffen der nationalen Kulturen statt, wo die Teilnehmer ihre Kultur und Geschichte in einer sehr interessanten und abwechslungsreichen Art präsentieren. Sie stellen nationale Symbole, Traditionen, Bräuche, Musik, Tänze und nationale Spezialitäten vor und sie lernen ihre unmittelbare Umgebung kennen. Partnerschaftliche Austausche erschaffen auch für junge Menschen die Möglichkeit, den Stil und die Realitäten des Lebens von Menschen in anderen Ländern zu entdecken und Sprachbarrieren zu überwinden. Diese Touren sind eine gute Schule der Toleranz sowie der bewussten und partnerschaftlichen Koexistenz in einem vereinten Europa.           Leszek Chaburski


MELDUNGEN

Medizin für Senioren

Allenstein – Seit dem 1. September erhalten Senioren dank des Regierungsprogramms „75 plus“ kostenlose Medikamente. Das Programm sieht vor, Personen, die das 75. Lebensjahr vollendet haben, mit Arzneimitteln zu versorgen, die sich auf einer vom Gesundheitsministerium aufgestellten Liste befinden. Diese enthält 1129 Präparate und 68 Wirkstoffe, die als zur medizinischen Grundversorgung gehörend angesehen werden.   PAZ

 

Schutz vor Ansprüchen

Allenstein – In Allenstein wurde ein Initiativ-Komitee gegründet, das für die Einführung von Schutzregeln für Gemeinden gegen Entschädigung an sogenannte Spätaussiedler eintritt. Vor Kurzem gewann die Gemeinde Stabigotten (Kreis Allenstein) gegen die Erben der Maria Murawski, die auf Entschädigung in Höhe von 400000 Zloty für ein Grundstück am Gr. Plautziger See geklagt hatten, das vom Staat übernommen worden war. Die Erben warten nun auf eine Entscheidung des Innenministeriums, das auf ihrer Seite stehen könnte. Es geht um die Bestätigung der Ungültigkeit der sogenannten Kommunalisierung, nach der der Woi­wode das Grundstück der Gemeinde Stabigotten übertragen hatte.            PAZ

 

Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. S7: Liebemühl [Miłomłyn], Baustelle. Straße Nr. 7: Elbing [Elblag] – Jazowa, Baustelle; Liebemühl  – Osterode [Ostróda], Baustelle; Osterode – Hohenstein [Olsztynek], Baustelle; Zalusken [Załuski] – Napierken [Napierki], Baustelle. Straße Nr. 7j: Zalusken – Neidenburg [Nidzica], Baustelle. Straße Nr. 15: Rheinsgut [Rynskie] – Mörlen [Morliny], Baustelle. Straße Nr. 16: Osterode – Alt Jablonken [Stare Jabłonki], Baustelle; Sorquitten [Sorkwity] – Mertinsdorf [Marcinkowo], Baustelle; Wyssocken [Wysokie] – Dluggen [Długie], Baustelle. Straße Nr. 16c: Allenstein  – Fittigsdorf [Wójtowo], Baustelle. Straße Nr. 22: Elbing [Elblag] – Fichthorst [Jegłownik], Baustelle. Straße Nr. 51: Heilsberg [Lidzbark Warminski], Baustelle; Althof [Stary Dwór], Baustelle; Allenstein [Olsztyn] – Pagelshof [Ameryka], Baustelle. Straße Nr. 58: Hohenstein [Olsztynek], Baustelle; Groß Kessel [Kocioł Duzy] – Gut Eichental [Kaliszki], Baustelle. Straße Nr. 63: Arys [Orzysz] – Johannisburg [Pisz], Brückenbau. Straße Nr. 65: Goldap [Gołdap] – Treuburg [Olecko], Brückenbau; Johannisberg [Janisze] – Stradaunen [Straduny], Baustelle; Stradaunen [Starduny] – Oratzen [Oracze], Baustelle; Oratzen [Oracze] – Lyck [Elk], Baustelle; Lyck [Ełk] – Neuendorf [Nowa Wies Ełcka], Baustelle.            E.G.


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

manchmal ist die Antwort eher da als die Frage – jedenfalls in unserer Familie. Da hatten wir in Folge 37 auf Wunsch unseres Lesers Gerhard Hering aus Detmold das Thema der 1938 vollzogenen Umbenennung von rund 2000 ostpreußischen Ortsnamen eingehend behandelt, und ich hatte darauf hingewiesen, dass diese Frage immer wieder in unserer Leserpost auftaucht. Was sich umgehend bestätigte, denn die Folge 37 war noch nicht einmal ausgeliefert, da lag eine erneute Anfrage nach dieser Aktion vor. Herr Gerald Schiller aus Berlin-Spandau wird sich bei dem ersten Blick auf unsere Familienseite wohl sehr gewundert haben, dass sein Wunsch so prompt erledigt wurde – aber so schnell schießen auch die alten Preußen nicht. Eben eine Duplizität der Fälle, auch in Hinsicht auf beide Fragesteller, denn Herr Hering wie Herr Schiller kommen nicht aus Ostpreußen, sie fühlen sich aber mit unserer Heimat eng verbunden und sind deshalb begeisterte Leser unserer Zeitung. Gerald Schiller meint, seine Liebe zu Ostpreußen müsste er wohl mit seinen Genen mitbekommen haben, denn sein Vater habe eine große Affinität zu Ostpreußen gehabt. Seine Eltern waren beide in Fürstenwalde geboren, aber die Familien stammten aus Niederschlesien und aus –Westpreußen! Na also, da gibt es doch eine Verbindung zu Alt-Preußen, man muss bloß etwas tiefer nach den Wurzeln graben, die Teilung in Ost- und Westpreußen erfolgte ja im Jahre 1773. Und vielleicht spricht dies mit, dass Herrn Schillers Vater ihm schon als kleinen Jungen so viel von Ostpreußen erzählte, wenn dieser von einer seiner Königsberg-Reisen zurückkam. Noch heute erinnert sich der 73-jährige aus einer alten Binnenschifferfamilie Stammende an die Schilderungen seines Vaters, wie die Güter aus Königsberg per Küstensegler über Pillau nach Stettin gebracht wurden und von dort in sogenannten Eildampfern zum Endverbraucher kamen. Der kleine Gerald hat immer aufmerksam zugehört und seinen Vater mit vielen Fragen gelöchert. Das Erzählte hat er noch heute abrufbar in Erinnerung.

Diese große Liebe seines Vaters zu Ostpreußen, die Herr Schiller fast schwärmerisch schildert, haben ihn und seine Frau veranlasst, bereits einer der ersten deutschen Reisegruppen, die nach Memel fahren konnten, anzugehören und später auch nach Königsberg zu reisen. Heute unterhält er freundschaftliche Beziehungen zu einer litauischen und einer russischen Familie und ist an allen Fragen, die Ostpreußen betreffen, sehr interessiert. Und so legt er uns nun die Frage nach der Umbenennung der Ortsnamen vor, die wir ja nun ausführlich behandelt haben. Und doch muss ich noch einmal auf dieses Thema eingehen, denn Herr Schiller nennt als Beispiel für diese Änderung die Umtaufung von Kaukehmen in Kuckerneese – „ein putziger Ortsbegriff“, wie er meint. Aber im Gegensatz zu vielen nicht immer glücklich gewählten Neuschöpfungen hat man bei der Umbenennung 1938 auf einen bereits im Jahre 1735 vorhandenen Ortsnamen zurückgegriffen, eine aus dem Niederdeutschen stammende Bezeichnung, ursprünglich „…nese“ geschrieben. Sie galt damals für die preußische Domäne, wurde dann auf den ganzen Marktort übertragen, der für diesen nördlichen Teil der Elchniederung eine große wirtschaftliche Bedeutung hatte.

Eine Staatsdomäne war auch Kobbelbude, aber da geht die Geschichte noch weiter in die Vergangenheit zurück, denn bereits zur Ordenszeit gab es hier eine bedeutende Pferdezucht. Doch für Frau Angela Schulze aus Jüterbog zählt die Gegenwart, und wenn sie an unsere Ostpreußische Familie die Frage stellt: „Wer kennt Menschen aus Kobbelbude?“, dann schwingt da sehr viel Hoffnung mit, etwas über ihre väterliche Familie zu erfahren. Aber auch ein Hauch Tragik, denn ihr in Kobbelbude geborener Vater Erwin Herrmann wollte noch einmal im Leben mit seiner Tochter nach Ostpreußen reisen und ihr die Heimat zeigen – aber es kam leider nicht mehr dazu, er verstarb im Alter von 70 Jahren. „Nun will ich für ihn fahren“, schreibt Angela Schulze, und sie erklärt, warum auch für sie diese Reise so viel bedeutet:

„In drei Wochen erfüllt mir mein Mann einen großen Herzenswunsch: Wir reisen in das Gebiet Königsberg, um Land und Leute kennen zu lernen und auf Spurensuche zu gehen. Ich möchte nun endlich das Fleckchen Erde sehen, fühlen, wo meine Familie heimisch war. Als lange nach dem Krieg im Jahre 1960 geborene und in der DDR aufgewachsene Tochter eines Ostpreußen fehlt mir ein Stück meiner Familiengeschichte. Ich weiß, um Spuren zu finden, ist es schon lange zu spät, aber mein Herz findet einfach keine Ruhe, wenn ich nicht einmal im Leben dort gewesen bin, wo mein Vater nie mehr sein durfte. Ich habe mir viele alte Filme über Ostpreußen angesehen, und es war mir alles so vertraut.“

Doch nun zu den wenigen Angaben, die Angela Schulze für die Suche in unserer Kolumne machen kann, die für sie die einzige Möglichkeit ist, etwas über Kobbelbude im Allgemeinen und über die Familie Hermann im Besonderen zu erfahren. Aber da muss ich ihre Erwartungen zurückschrauben, denn die Reise beginnt ja bereits am 10. Oktober. Da müssen die Zuschriften möglichst schnell erfolgen, was natürlich älteren Lesern, die ja in erster Linie als Zeitzeugen in Frage kommen, Schwierigkeiten bereiten dürfte. Trotzdem hoffen wir mit Angelika Schulze, dass sie noch vor ihrer Abfahrt einige Informationen erhält, die ihr auf der Reise hilfreich sein könnten.

Zuerst zu Kobbelbude! Jeder Königsberger kannte diesen Namen, denn der Ort lag 17 Kilometer südlich der Stadt an der Ostbahnstrecke nach Berlin. Kam man mit dem Zug von dort begannen am Stationsschild „Kobbelbude“ – wie auf ein Signal hin – die Vorbereitungen zum Ausstieg. In den Gängen stauten sich Reisende und Koffer, denn in wenigen Minuten war man am Königsberger Hauptbahnhof. Das sind auch meine Erinnerungen, die durch das Suchschreiben von Angela Schulze geweckt wurden. Ihre Angaben beziehen sich aber auf die Land- und Forstwirtschaft in diesem Raum, weil ihre Vorfahren dort tätig waren. Beginnen wir mit den Großeltern Adam Gottfried Herrmann, *1893, und Regina Augusta geborene Meyer, *1898 im samländischen Heydekrug. In dem Heimatort der Großmutter wurde das Paar am 21. April 1923 getraut. Adam Herrmanns Arbeitgeber soll die Oberförsterei Kobbelbude gewesen sein, wahrscheinlich war er Waldarbeiter. Frau Schulze besitzt noch ein Foto, auf dem die Familie Herrmann vor einem Haus zu sehen ist, das sie als „bescheiden“ bezeichnet. Es bot aber immerhin Platz für eine achtköpfige Familie, denn die Ehe von Adam und Regina Herrmann war mit sechs Kindern gesegnet, die alle zwischen 1924 und 1938 in Kobbelbude geboren wurden: Rudi, Christa, Erwin, Werner, Lothar und Horst. Angelas Vater Erwin kam als drittes Kind am 27. November 1927 zur Welt. Aber über seine jungen Jahre in der ostpreußischen Heimat hat er nie etwas erzählt, wie Angela Schulze schreibt:

„Über sein Leben, seine Kindheit hat mein Vater nie gesprochen, er war ein wortkarger, arbeitsamer Mann, streng auch zu sich selbst. Ich habe als Kind nur Bruchstücke aufgeschnappt, die ich gerne zu einem Bild fügen möchte. Er erwähnte manchmal, wenn ich als Kind für meine Begriffe zu viel im Garten helfen sollte, dass er schon im Alter von acht Jahren Kühe gemolken hätte, natürlich mit der Hand. Vielleicht ist er so hart und streng geworden, weil er durch das Kriegsende früh von seiner Familie getrennt wurde und allein ,im Osten‘ blieb und er niemanden hatte, mit dem er über seine Heimat sprechen konnte. Seine in Krefeld lebende Mutter hat er erst zu ihrem 85. Geburtstag wieder gesehen, aber da war sie eine kranke Frau, die unter Demenz litt.“

So blieb ihm nur die Hoffnung auf eine Reise in die Heimat, die sich für ihn nicht mehr erfüllte. Aber für seine Tochter, die hofft, über uns jemanden zu finden, der die Familie Herrmann gekannt hat oder etwas über sie weiß.

Nun ist Kobbelbude ja keine größere Ortschaft gewesen, sondern gegliedert in verschiedene Bereiche wie Güter- und Verschiebebahnhof, Forstamt und Oberförsterei und – vor allem – in die Staatsdomäne, die als Musterbetrieb der Rinderzucht mit 300 Hochleistungskühen einen hervorragenden Ruf über die ostpreußischen Grenzen hinaus hatte. Frau Schulze erwähnt, dass ihr Vater sehr gut melken konnte, vielleicht erlernte er diesen Beruf und war in diesem landwirtschaftlichen Betrieb tätig, denn Erwin Herrmann war zur Zeit der Flucht bereits 17 Jahre alt. Die Einwohnerzahl von Kobbelbude ergab sich vor allem aus dem Domänenbereich, sie wird mit nur 450 angegeben, und demgemäß dürfen wir keine großen Erwartungen an Meldungen aus diesem Personenbereich stellen. Erweitert werden könnte der mögliche Informantenkreis durch ehemalige Mitschüler oder Mitkonfirmanden der Herrmann-Kinder, die zum Kirchspiel Mahnsfeld gehörten. Mit diesen Angaben wären einige Spuren freigelegt, auf denen Frau Schulze weitergehen könnte. Vielleicht finden sich ja nun einige Mithelfer, die ihr den weiteren Weg weisen. (Angela Schulze, Dorfstraße 29 in 14913 Jüterbog, E-Mail: a.s.flaeming@gmail.com)

Noch ein „Fitzelchen“ Heimatkunde: Einige Landsleute, mit denen ich über dieses Thema sprach, meinten, ich hätte mich in der Schreibweise des Namens geirrt, er müsste eigentlich „Koppelbude“ heißen, was ja wegen der erwähnten Pferdezucht nur logisch wäre. Tatsächlich weist er auch auf Pferde hin, allerdings auf nicht mehr ganz junge, denn der Begriff „Kobbel“ wurde im ostpreußischen Sprachgebrauch auf reichlich betagte Pferde angewandt. Aber wenn ein Ostpreuße seine Stute „alte Kobbel“ nannte, war das durchaus nicht beleidigend für das brave Pferdchen, das ihm so treu gedient hatte, es schwang auch ein wenig Dankbarkeit mit. Und so manche alte Kobbel hat einen Fluchtwagen noch gezogen, bis sie zusammenbrach.

Eure Ruth Geede


Volksgruppen sorgen sich um ihre Sicherheit
Nach Attacken gegenüber Minderheiten und Ausländern ist die polnische Politik gefordert

In Warschau ist ein Professor der dortigen Universität in der Straßenbahn krankenhausreif geschlagen worden, weil er sich mit einem deutschen Kollegen auf Deutsch unterhielt. Wenige Tage später wurden zwei asiatische Touristinnen in der Warschauer Metro verbal attackiert und vom Angreifer „nach Hause“ geschickt. Auch ukrainischstämmige Mitglieder der orthodoxen Kirche im westgalizischen Premissel [Przemysl] waren zuletzt verbalen Angriffen ausgesetzt – eine kirchliche Veranstaltung fiel einer Störung zum Opfer.

Die Häufung solcher Vorfälle haben die Vertreter von nationalen und ethnischen Minderheiten im Lande nun auf den Plan gerufen. In der Sitzung der Gemeinsamen Kommission der Regierung sowie der nationalen und ethnischen Minderheiten am 13. September war das Thema nationale Übergriffe und deren häufige Nichtahndung Schwerpunkt. Vertreter der Minderheiten beklagten, dass sie ihr Vertrauen in den Staat, dessen vollwertige Bürger sie doch seien, verlören.

Der Angriff auf den Warschauer Professor Jerzy Kochanowski erinnert stark an die Nachwendejahre, als Vertreter der deutschen Volksgruppe um ihre Anerkennung kämpften. Damals wurden in Begegnungshäusern der deutschen Freundschaftskreise die deutschen Flaggen entfernt, Hakenkreuze an die Wände geschmiert oder Scheiben eingeschlagen. Bei Posen kam es sogar zu einem Sprengstoffanschlag. Und auch wenn manche Täter gefasst wurden, wie dies zum Beispiel im Cosel [Kozle] der frühen 90er Jahre der Fall war, so kam es aufgrund geringer Schäden und der Einstufung als emotionsgesteuerte Handlungen dazu, dass die Täter weiterhin in Freiheit blieben. Manch einer, der sich im Zug deutsch unterhielt, wurde angepöbelt. Doch zu Handgreiflichkeiten ist es zumindest aktenkundig damals nicht gekommen. Umso beunruhigender ist es nun, dass Menschen 25 Jahre nach den politischen Veränderungen in Polen aus Fremdenfeindlichkeit oder aus Hass gegen die eigenen Minderheiten attackiert werden.

Die Gemeinsame Kommission diskutierte während der letzten Sitzung in Warschau Schritte zur Bekämpfung entsprechender Attacken und holte sich Verstärkung aus den Reihen der Helsinki-Stiftung für Menschenrechte. „Es fehlt an einer öffentlichen Missbilligung der fremdenfeindlichen Vorfälle“, monierte Bernard Gaida, Mitglied der Gemeinsamen Kommision und Chef des Dachverbandes der Deutschen in der Republik Polen. Auch wenn Angriffe auf Ausländer oder Mitgliedern der auf dem Staatsterritorium ansässigen Minderheiten der Polizei gemeldet werden und ein Verfahren eingeleitet würden, so fehle doch eine deutliche Reaktion aus der Politik, was als Duldung solcher Taten gedeutet werden könne, so Gaida gegenüber dem „Wochenblatt“, der Zeitung der Deutschen Minderheit in der Republik Polen.

Die Vertreter der Volksgruppen in der Republik Polen haben daher ein Schreiben an die polnische Regierung aufgesetzt. Darin appellieren sie nun, nationalistische und xenophobe Angriffe entschieden zu verurteilen. Diese Stimme sollte eine gemeinsame, alle politischen Lager übergreifende sein, ist im Bericht des Vorsitzenden der Gemeinsamen Kommission, Rafał Bartek von der Deutschen Minderheit, zu lesen. Bartek hat den Vorsitz gemeinsam mit dem stellvertretenden Innen­minister Sebastian Chwałek. Die nächste Sitzung zum Themenkomplex wurde für nächsten Mittwoch anberaumt.              

                Chris W. Wagner


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 97. GEBURTSTAG

Blum, Walter, aus Seenwalde, Kreis Ortelsburg, am 2. Oktober

Brauns, Willi, aus Kniprode, Kreis Neidenburg, am 1. Ok-tober

Hartebrodt, Erna, geb. Nimzik, aus Treuburg, am 3. Oktober

Mögel, Julius, aus Birkenau, Kreis Wehlau, am 3. Oktober

ZUM 96. GEBURTSTAG

Czarnetzki, Helmut, aus Gartenau, Kreis Neidenburg, am  2. Oktober

Müller, Waltraut, geb. Lasarzik, aus Treuburg, am 6. Oktober

Rosmus, Edith, geb. Jeworrek, aus Giesen, Kreis Treuburg, am 3. Oktober

Stank, Edith, geb. Czarnojan, aus Herzogshöhe, Kreis Treuburg, am 3. Oktober

Wagner, Ursula, aus Königsberg, am 6. Oktober

ZUM 95. GEBURTSTAG

Fexer, Ewald, aus Allenstein, am 2. Oktober

Gelszus, Charlotte, geb. Tobehn, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 4. Oktober

Killewald, Ilse, aus Lyck, am 3. Oktober

Mast, Erna, geb. Meyhöfer, aus Seedranken, Kreis Treuburg, am 6. Oktober

Neuhäuser, Margot, geb. Wermke, aus Stradaunen, Abbau, Kreis Lyck, am 5. Oktober

Otto, Emma, geb. Zielke, aus Malshöfen. Kreis Neidenburg, am 3. Oktober

Schulz, Gerda, geb. Guss, aus Rauschen, Kreis Samland, am 2. Oktober

ZUM 94. GEBURTSTAG

Bergatt, Max, aus Rauschen, Kreis Samland, am 5. Oktober

Fratzke, Herbert, aus Wehlau, am 6. Oktober

Giebler, Gertraut, geb. Wietz, aus Wehlau, am 30. September

Lieder, Ursula, geb. Kannenberg, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 128, am 1. Okto-ber

Mahlo, Margret, geb. Mehl, aus Treuburg, am 4. Oktober

Schachtner, Hans, aus Wirbeln, Kreis Ebenrode, am 3. Okto-ber

Walendie, Wilhelm, aus Graiwen, Kreis Lötzen, am 6. Ok-tober

ZUM 93. GEBURTSTAG

Augustat, Alfred, aus Stadtfelde, Kreis Ebenrode, am 4. Okto-ber

Baltruschat, Paul, aus Grieben, Kreis Ebenrode, am 3. Okto-ber

Busse, Hildegard, geb. Manneck, aus Backeln, Kreis Samland, am 1. Oktober

Drachholtz, Ursula, geb. Wittstock, aus Ragnit, am 30. September

Jessat, Otto, aus Schirrau, Kreis Wehlau, am 5. Oktober

Kopka, Eva-Maria, geb. Reynoss, aus Treuburg, am 2. Ok-tober

Kraschewski, Hildegard, geb. Lobitz, aus Groß Sakrau, Kreis Neidenburg, am 3. Oktober

Kriese, Margarete, geb. Löper, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 6. Oktober

Ollesch, Hildegard, geb. Lehmann, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 3. Oktober

ZUM 92. GEBURTSTAG

Baatz, Fritz, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 6. Oktober

Freese, Elfriede, geb. Tolkiehn, aus Wargen, Kreis Samland, am 3. Oktober

Kotowski, Hans, aus Wittenwalde, Kreis Lyck, am 2. Oktober

Kowalski, Horst, aus Pilgramsdorf, Kreis Neidenburg, am 5. Oktober

Rusch, Liesbeth, geb. Schöffsky, aus Klein Steegen, Kreis Preußisch Eylau, am 2. Oktober

Schmerl, Ella, geb. Glowatz, aus Lyck, am 30. September

Seestädt, Ingeborg, geb. Gröning, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 2. Oktober

Skwirbat, Selma, geb. Kohlert, aus Angertal, Kreis Angerburg, am 5. Oktober

ZUM 91. GEBURTSTAG

Bräutigam, Wilhelm, aus Immenhausen, am 30. September

Delfs, Wally, geb. Lindemann, aus Schönfeld, Kreis Heiligenbeil, am 1. Oktober

Heise, Heinz, aus Pobethen, Kreis Samland, am 4. Oktober

Hübner, Rudolf, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 5. Oktober

Martens, Irmgard, geb. Danowski, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 4. Oktober

Matern, Elsa, geb. Neumann, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 3. Oktober

Meyer, Brunhilde, geb. Cernhoff, aus Ortelsburg, am 5. Oktober

Müller, Käthe, geb. Rama, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 4. Oktober

Philippzik, Ruth, aus Walden, Kreis Lyck, am 6. Oktober

Pieper, Elfriede, geb. Bechtel, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 4. Oktober

Polixa, Oskar, aus Herzogshöhe, Kreis Treuburg, am 4. Oktober

Ströh, Erika, aus Lyck, am 2. Oktober

ZUM 90. GEBURTSTAG

Christoffersen, Arthur, aus Regeln, Kreis Lyck, am 3. Okto-ber

Ehlert, Arthur, aus Seedranken, Kreis Treuburg, am 1. Oktober

Grenningloh, Christel, geb. Newiger, aus Groß Ponnau, Kreis Wehlau, am 3. Oktober

Mensak, Herbert, aus Salza, Kreis Lötzen, am 3. Oktober

Menzel, Horst, aus Lyck, am 2. Oktober

Nestler, Ingard, geb. Eichel, aus Lyck, am 5. Oktober

Pfeifer, Elli, geb. Westenberger, aus Kinderhausen, Kreis Ebenrode, am 3. Oktober

Sewitz, Horst, aus Fürstenwalde, Kreis Ortelsburg, am 4. Oktober

Sträter, Irmgard, geb. Mexa, aus Binien, Kreis Lyck, am 4. Ok-tober

Wilkop, Ursula, aus Jägersdorf, Kreis Neidenburg, am 4. Ok-tober

ZUM 85. GEBURTSTAG

Bandilla, Sergey, aus Schwentainen, Kreis Treuburg, am 30. September

Dörn, Hannelore, geb. Günther, aus Königsberg/Tannenwalde, Königsberger Straße 12, am 5. Oktober

Emde, Hannelore, geb. Döhring, aus Schallen, Kreis Wehlau, am 2. Oktober

Engelbrecht, Ursula, geb. Schukat, aus Seekampen, Kreis Ebenrode, am 1. Oktober

Engels, Karl-Heinz, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 5. Oktober

Feyerabend, Günther, aus Lötzen, am 6. Oktober

Glombowski, Irmgard, geb. Reck, aus Zondern, Kreis Lötzen, am 1. Oktober

Hallbach, Käte, geb. Neumeier, aus Bartenhof, Kreis Wehlau, am 4. Oktober

Kaesser, Hildegard, geb. Rilka, aus Liebenberg, Kreis Ortelsburg, am 3. Oktober

Kornitzki, Kurt, aus Hanswalde, Kreis Mohrungen, am 1. Ok-tober

Kraft, Willi, aus Ittau, Kreis Neidenburg, am 5. Oktober

Krumpholz, Magdalena, geb. Bansi, aus Schirrau, Kreis Wehlau, am 1. Oktober

Osterwald, Gerda, geb. Hoffmann, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 1. Okto-ber

Petzel, Armin, aus Hohenfürst, Kreis Heiligenbeil, am 5. Ok-tober

Salamon, Edeltraud, geb. Wlost, aus Thomken, Kreis Lyck, am 4. Oktober

Sander, Eva, geb. Michalowitz, aus Rauschen, Kreis Samland, am 4. Oktober

Siebenhaar, Ursula, geb. Podlasly, aus Treuburg, am 5. Okto-ber

Smollich, Günter, aus Schirrau, Kreis Wehlau, am 6. Oktober

Tretzak, Werner, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 73, am 3. Oktober

Walendy, Waltraud, geb. Abraham, aus Goldenau, Kreis Lyck, am 6. Oktober

Wettreck, Helmut, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 2. Oktober

Wilke, Otto, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 5. Oktober

Zander, Johanna, geb. Czymmek, aus Rheinswein, Kreis Ortelsburg, am 30. September

ZUM 80. GEBURTSTAG

Ebert, Margarete, geb. Teubler, aus Kohenschanz, Kreis Ebenrode, am 4. Oktober

Fortak, Werner, aus Erben, Kreis Ortelsburg, am 30. September

Gregorzewski, Erwin, aus Sargensee/Schwentainen, Kreis Treuburg, am 2. Oktober

Heick, Hans, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 5. Oktober

Hellriegel, Edith, geb. Kieselbach, aus Gorlau, Kreis Lyck, am 30. September

Jahnkow, Ingrid, geb. Tamschick, aus Brücken, Kreis Ebenrode, am 1. Oktober

Kalweit, Gerhard, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 5. Oktober

Krenth, Herta, geb. Nelz, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 2. Oktober

Malessa, Willi, aus Balden, Kreis Neidenburg, am 30. September

Nicolaisen, Astrid, geb. Gerlach, aus Pottlitten, Kreis Heiligenbeil, am 1. Oktober

Pfeiffer, Brigitte, geb. Lleylein, aus Walden, Kreis Lyck, am 5. Oktober

Rothärmel, Lora, geb. Becker, aus Finkenhagen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 3. Oktober

Schmidt, Irmgard-Alma, aus Heinrichsdorf, Kreis Neidenburg, am 6. Oktober

Schmütz, Dora, geb. Schlingelhoff, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 5. Oktober

Schwemmer, Ursula, geb. Christ, aus Treuburg, am 4. Oktober

Spriewald, Willi, aus Ortelsburg, am 1. Oktober

Stolzke, Katharina, geb. Sandmann, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 6. Oktober

Zysk, Franz, aus Flammberg, Kreis Ortelsburg, am 3. Okto-ber

ZUM 75. GEBURTSTAG

Augustin, Ingrid, geb. Zientarra, aus Kornau, Kreis Ortelsburg, am 6. Oktober

Bieberdorf, Hans-Georg, aus Ortelsburg, am 30. September

Doerfer, Hans-Georg, aus Wilpen, Kreis Ebenrode, am 5. Oktober

Gorenzen, Elke, geb. Alws, aus Preußenwald, Kreis Ebenrode, am 5. Oktober

Horrmann, Manfred, aus Poppendorf, Kreis Wehlau, am 5. Oktober

Kuklinski, Peter, aus Masuren, Kreis Treuburg, am 4. Oktober

Kunde, Hartmut, aus Treuburg, am 4. Oktober

Kurtz, Edwin, aus Willenberg, Kreis Ortelsburg, am 30. September

Nelz, Ingrid, geb. John, aus Tölteninken, Kreis Wehlau, am 30. September

Pellny, Wilma, geb. Zywek, aus Wickenau, Kreis Neidenburg, am 3. Oktober

Rubelowski, Gerhard, aus Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 4. Oktober

Sadowski, Dieter, aus Neidenburg, am 3. Oktober

Springer, Helga, aus Romau, Kreis Wehlau, am 30. September


S. 16-17 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ALLENSTEIN STADT

Kreisvertreter: Gottfried Hufenbach, Danziger Str. 12, 53340 Meckenheim. Geschäftsstelle: Stadtgemeinschaft Allenstein, Vattmannstraße 11, 45879 Gelsenkirchen, Telefon (0209) 29131 und Fax (0209) 4084891, E-Mail: Stadt-Allenstein@t-online.de

Unser 61. Jahrestreffen (siehe PAZ 38) bot auch die Möglichkeit, etwas über ein Kapitel der Nachkriegszeit zu erfahren, von dem man sonst eher selten hört. Nämlich den Aufenthalt von rund 238000 deutschen Flüchtlingen, die in den letzten Kriegsmonaten nach Dänemark transportiert wurden und hier bis zu vier Jahren in großen Lagern lebten. Die ersten dieser Flüchtlinge erreichten Dänemark Anfang Februar 1945 per Eisenbahn und der letzte deutsche Flüchtling verließ das Land erst im Februar 1949.

Annette Jakobsen aus Dänemark war die Referentin. Sie führte die Zuhörer in ihrem Voertrag „In fremdes Land verbannt. Deutsche Flüchtlinge in Dänemark von 1945-1949“ anhand einer Vielzahl von Bildern von der Flucht aus Ostpreußen und dem Transport über die Ostsee auf sehr unterschiedlichen Schiffen bis hin zu den dänischen Häfen, wo die Flüchtlinge von den Vertretern der deutschen Wehrmacht entgegengenommen wurden. Dass es ausgerechnet das Schiff „Wartheland“ war, das als erstes Verwundeten- und Flüchtlingsschiff den Hafen in Kopenhagen anlief, war die grausige Ironie des Krieges: nur 16 Monate zuvor war es gerade dieses Schiff, das die dänischen Juden zu den deutschen KZs transportierte.

Es war ein sogenannter Führerbefehl vom 4. Februar 1945, der die Transporte der Flüchtlinge und verwundeten Soldaten nach Dänemark auslöste und damit enden sollte, dass besonders in den letzten fünf Wochen vor der Kapitulation der Wehrmacht in Dänemark, dem 5. Mai 1945, ein fast unübersehbares Chaos vor allem im Hafen von Kopenhagen entstand. Typhus, Paratyphus, Flecktyphus und die Ruhr waren nicht die einzigen Krankheiten, an denen die Flüchtlinge nach unsagbaren Fluchterlebnissen litten. Die Wehrmacht war der hinlänglichen Unterbringung und ärztlichen Versorgung der vielen Menschen nicht länger gewachsen.

Die von der Wehrmacht beschlagnahmten Gebäude zur Unterbringung der verstärkt ins Land strömenden Flüchtlinge – die neben den deutschen Flüchtlingen auch ungefähr 23000 Flüchtlinge anderer Nationen zählten – umfassten Gebäude verschiedenster Beschaffenheit, von Gaststätten bis hin zu privaten Villen, Sporthallen, Schulen, Fabrikhallen, sog. Versammlungshäusern und vielen mehr. Fotografien zeigten, wie die Flüchtlinge in diesen Erstlagern auf Stroh eng gepfercht zusammenlagen. Bilder von Orten, an denen einige Allensteiner untergebracht waren, verknüpften die Fakten mit den Einzelschicksalen der Flüchtlinge.

Nach der Befreiung hatte Dänemark nach fünf Jahren Besatzung nun die Verantwortung für nahezu eine Viertelmillion Flüchtlinge aus der Zivilbevölkerung der früheren Besatzungsmacht. Im Laufe des Vortrages wurde deutlich, wie sich diese geänderte Situation für die vielen Ostpreußen, Danziger und Pommern im Land auswirkte. Vor allem die erste Zeit nach der Befreiung war gezeichnet von Entbehrungen, schweren Lebensumständen und von einer hohen Kindersterblichkeit. Die Flüchtlinge, die sich bisher frei hatten bewegen können, wurden nun unter Bewachung gestellt. Ein Zurück-senden der Flüchtlinge nach Deutschland wurde von den Alliierten abgelehnt, so dass die Flüchtlinge in der Praxis allein ein Problem der Dänen waren.

Das Ehepaar Schweighöfer, die Familie Tuguntke, Dr. Motzki und das Ehepaar Gerbes waren alle Allensteiner, die nach dem Aufenthalt in verschiedenen anderen Lagern schließlich im Lager Flugplatz Rye landeten, einem der Lager, dessen fortlaufender Ausbau die Belegung auf rund 10500 Menschen anwachsen ließ. Wie in allen anderen Lagern war die Situation auch in Rye zu Beginn der Lagerzeit von den Problemen der Umbruchszeit geprägt. Doch im Laufe der Zeit stabilisierte sich das Lagerleben durch einen Lageralltag, der mit vielfältigen Aufgaben, dem Betrieb von Kindergärten und Schulen als auch einem blühenden Kirchen- und Kulturleben gefüllt war. Letzteres, das Kulturleben, wurde im Lager Rye nachweislich besonders von Margarete Schweighöfer geprägt, die mit einer Vielzahl an Gedichten und Liedern zu den im Lager stattfindenden Heimatabenden und Kulturveranstaltungen wie der Einweihung der Kulturhalle beitrug.

Ihr Ehemann, Albert Schweighöfer, ehemals Vermessungsingenieur in Allenstein, hatte verschiedene Vertrauensposten im Lager, unter anderem als Vorsitzender des deutschen Lagergerichts im Lager Rye. In dieser Funktion folgte ihm Dr. Motzki, der ebenso wie Dr. Gerbes in Allenstein am Humanistischen Gymnasium tätig gewesen war und nun in Dänemark die Leitung der Oberschule des Flüchtlingslagers übernahm. Hier konnte sogar das deutsche Abitur vor einem Prüfungsausschuss abgelegt werden, das später in Deutschland anerkannt wurde!

Während die anderen Allensteiner nach Deutschland repatriiert wurden, verstarb Margarete Schweighöfer unmittelbar nach ihrem 65. Geburtstag und konnte somit nicht mehr den Rücktransport zusammen mit ihrem Mann Albert in die russische Zone erleben. Am 27. Dezember 1946 wurde sie unter enormer Anteilnahme auf dem Friedhof des Lagers beigesetzt. Die Friedhöfe der Lager in Dänemark bestanden nach der Repatriierung der Flüchtlinge weiter, aber erst 1962 kam es zu einem Abkommen zwischen dem dänischen Staat und der deutschen Kriegsgräberfürsorge, das eine Umbettung der deutschen Flüchtlinge sicherte und zu einer wesentlich verringerten Anzahl von Flüchtlingsfriedhöfen im Land führte, nun als Kriegsgräber der deutschen Kriegsgräberfürsorge. Auch das Grab von Margarete Schweighöfer befindet sich heute nach einer Umbettung auf einem gut gepflegten Gemeinschaftsfriedhof in Dänemark.

Bilder des Friedhofes und verschiedene Bilder zur Repatriierung und Auflösung des Lagers schlossen den Vortrag von Annette Jakobsen zu diesem besonderen Kapitel der Fluchtgeschichte ab.

 

ALLENSTEIN LAND

Kreisvertreter: Hans-Peter Blasche, Lankerstraße 40, 40545 Düsseldorf, Telefon (0211) 17181290; (02131) 902700 (dienstl.),  Geschäftsstelle: Gemeindeverwaltung Hagen, Postfach 1209, 49170 Hagen, Telefon (05401) 9770. www.allenstein-landkreis.de

Sonnabend, 15. Oktober, 11 Uhr, Stadthalle Meinerzhagen, An der Stadthalle 1, 58540 Meinerzhagen: Kirchspieltreffen Groß Bertung. Das Programm:

11 Uhr: Gottesdienst

13 Uhr: Mittagessen

15 Uhr: Kaffeetrinken

17 Uhr: Eröffnung des

Tanzabends

Weitere Informationen bei: Ewa Schmidt-Bünger, Telefon (02372) 2786 oder 015785758666, Internet: www.kirchspiel-bertung.de

 

GUMBINNEN

Kreisvertreterin: Karin Banse, Wiesengrund 9, 29559 Wrestedt, OT Wieren, Telefon (05825) 642, E-Mail: karin.banse@t-online.de, Internet: www.kreis-gumbinnen.de.

Donnerstag, 13. Oktober, Berlin: Treffen der örtlichen Gruppe um 13 Uhr im Restaurant „Mazedonia“, Hans-Sachs-Straße 41, 12205 Berlin (direkt am S-Bahnhof Lichterfelde). Informationen: Joseph Lirche, Senftenberger Ring 52 d, 13435 Berlin, Telefon (030) 4032681.

 

HEYDEKRUG

Kreisvertreter: Herbert Jaksteit, Tulpenweg 9, 51061 Köln, Telefon (0221) 637163, E-Mail HJaksteit@t-online.de

Die ersten Gäste kamen schon am Freitag nach Isernhagen, um genügend Zeit zum Gedankenaustausch zu haben. Bei 25 Grad Außentemperatur nahmen wir im schattigen Cafegarten Platz und konnten nach der anstrengenden Autofahrt in Ruhe das Abendessen einnehmen.

Am Sonnabend, dem 10. September, trafen die übrigen Heimatfreunde ein. Zu unserem Erstaunen kamen mehrere, die uns bisher unbekannt waren. Damit waren es 35 Teilnehmer. Um 14 Uhr eröffnete Friedhelm Karpowitz, Nachfolger von Günter Uschtrin, unser Treffen. Wir waren sehr erfreut, dass auch Sabine Hummerich, die Tochter von Günter Uschtrin gekommen war. Überschattet war unser Treffen vom plötzlichen und unerwarteten Tod von Fritz Didlapp und Günter Uschtrin.

Der Verlust ist für unsere Heimatgruppe sehr schmerzlich. Ruth Schöntag würdigte Uschtrins Engagement für unsere Patronatskirche in Coadjuthen und für unsere Heimatgruppe in bewegenden Worten. Seine begonnene Arbeit für die Repräsentation von zwei historischen Gesangbüchern in der Coadjuther Kirche wollen wir zu Ende führen, die Lücke damit schließen.

Seine Tochter Sabine, die am Treffen teilnahm, gibt uns Kraft und Unterstützung. Während unserer Ostpreußen- und Memellandfahrt mit der Reisegruppe Wenskat vom 28. Mai bis zum 5. Juni haben wir einige Kopien unserer Zusammenarbeit mit der litauischen Kirchengemeinde und dem Pfarrer Valdas Mliauskas in Heydekrug hinterlegt, unter anderem auch die Fotografien der zwei Gesangbücher. Dies zur Vorinformation. Die Übergabe wird zu gegebener Zeit stattfinden.

Am Nachmittag zeigte uns Helmut Geschwandtner Urlaubsfilme aus den 90er Jahren. Nach dem Abendessen führten wir noch die Fotoshow „Nördliches Ostpreußen“ von Stefan Wenskat vor, die uns unser Reiseleiter zur Verfügung gestellt hatte. Die Fotos waren von sehr guter Qualität mit gut lesbaren Unterschriften und einfühlsamer musikalischer Untermalung ausgestattet. Diese Vorführung hat allen Teilnehmern sehr gut gefallen und wurde mit großem Beifall bedacht. Am Sonntag trug Inga Hopp einen Vortrag über Königin Luise und ihr Treffen mit Napoleon vor.

Dem Vortrag wurde große Aufmerksamkeit und Anerkennung geschenkt. Zum Abschluss sprach Ruth Schöntag Dankesworte an Friedhelm Karpowitz für die geleistete Arbeit aus und überreichte eine Aufmerksamkeit. Mit dem Lied „Land der dunklen Wälder“ beendeten wir unser Treffen. Das nächste Treffen findet am 9. September 2017 wieder in Isernhagen statt.

 

INSTERBURG − Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V.,  Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Postfach 111 208, 47813 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Heimatgruppe Kiel – Treffen in jedem Monat am zweiten Donnerstag im Café Rebecca in der Matthias-Claudius-Kirche in Kiel-Suchsdorf. Informationen: Hellmut Juck-nat, Telefon (0431) 311972.

Heimatgruppe Sachsen – Donnerstag, 6. Oktober, DRK-Begegnungsstätte, Eschenweg 60, 08060 Zwickau-Marienthal. Herbstfest mit Thüringer Röster. Weitere Informationen: Kurt Klaus, Telefon (037296) 17661.

Heimatgruppe Thüringen – Sonntag, 9. Oktober, Café Büchner, Ebertstraße 12, 99817 Eisenach: Mitgliedertreffen und Beitrag über Frieda Jung sowie Kaffeetrinken und gemütliches Beisammensein.

 

JOHANNISBURG

Kreisvertreter: Dr. Manfred Solenski, Fichtenstraße 14, 26316 Varel, Telefon (04451) 4581, Fax (04451) 9189298, E-Mail: solenski@kreisgemeinschaft-johannisburg.de. Internet: www.kreisge-meinschaft-johannisburg.de

8. Oktober, Nindorf-Hanstedt: Treffen der Schulgemeinschaft Fichtenwalde, Grünheide, Hirschwalde, Kullik, im Restaurant des Wildparks Lüneburger Heide. Beginn ist um 11 Uhr.

 

KÖNIGSBERG LAND

Kreisvertreterin: Gisela Broschei, Bleichgrabenstraße 91, 41063 Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, Fax (02161) 87724. Geschäftsstelle: Im Preußen-Museum, Simeonsplatz 12, 32427 Minden, Telefon (0571) 46297, Mi. Sa. u. So. 18-20 Uhr.

Liebe Landsleute, liebe Freunde Ostpreußens,

wir möchten Sie auf unseren Kalender für das Jahr 2017 hinweisen. Er nimmt sich einer besonderen kulturellen Leistung Ostpreußens an.

Es ist Kaiser Wilhelm II. zu verdanken, dass nach 1900 in Cadinen am Frischen Haff eine Majolikamanufaktur gegründet wurde. Er war nicht nur Eigentümer der dort schon bestehenden Ziegelei. Er organisierte und finanzierte auch das neue Unternehmen und beteiligte sich an der künstlerischen Arbeit. Bei der Errichtung des Unternehmens bediente man sich auch der Ratschläge der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin und bezog Maschinen aus Meißen, die mit denen der Meißener Porzellanmanufaktur mithalten konnten. Er war es auch, der angesehene Künstler für die Gestaltung der Majolikaprodukte gewinnen konnte.

Die Erzeugnisse, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Cadinen hergestellt wurden, waren vielfältig: Teller, Schalen, Vasen, Tierplastiken aber auch Plaketten und Reliefs und sogar Büsten verließen die Manufaktur. Es folgte dann die künstlerische Baukeramik, die, wenn auch leider nur noch vereinzelt, noch heute besichtigt werden kann.

In unserem Kalender sollen nun Exponate gezeigt werden, die sich vor allem in Besitz des Museums Königsberg in Duisburg befanden und heute im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg ihren Platz gefunden haben. Lorenz Grimoni und Jörn Barfod danken wir. Ohne ihre Hilfe hätte ein solcher Kalender nicht gestaltet werden können.

Der Kalender kann bereits jetzt bestellt werden bei Gisela Broschei, Mönchengladbach, Telefon (02161) 895677, oder bei Carl Mückenberger, Neißestraße 13, 32425 Minden, Telefon (0571) 46297.

Ihre Gisela Broschei, Kreisvertreterin, Ihr Carl Mückenberger, stellvertretender Kreisvertreter

 

LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Wilhelm Norra, Bezirksvertreter Lyck Land und Ortsvertreter Sareiken, bittet zum Lycker Treffen am 3. November:

Liebe Lycker Landsleute, hiermit möchte ich Sie – möchte ich Euch – einladen zum 8. Treffen der in Bremen und „umzu“ wohnenden ehemaligen Lycker Landsleute, deren Nachkommen beziehungsweise deren  Freunde. Wir treffen uns am Donnerstag, 3. November, von 13  bis zirka 18 Uhr im Hotel zur Post, Bahnhofsplatz 11, 28195 Bremen. Da ich dem Hotel vorher die genaue Teilnehmerzahl verbindlich mitteilen muss, bitte ich spätestens bis zum 15. Oktober um telefonische Mitteilung.

Das Treffen beginnt auch in diesem Jahr bereits um 13 Uhr, da mehrere Landsleute die Zeit für persönliche Gespräche bei den bisherigen Veranstaltungen als zu kurz empfanden. Der offizielle Teil mit der Begrüßung und einigen Vorträgen beginnt dann um 14 Uhr. Danach findet, wie auch bei den vorhergehenden Treffen, gegen 15.30 Uhr das Kaffeetrinken statt. Ein Stück Torte und Kaffee oder Tee kosten 6,90 Euro. Dafür brauchen wir dann auch keine Saalmiete zu zahlen. Weitere Getränke können geordert werden. Jeder Teilnehmer ist Selbstzahler.

Das Hotel zur Post liegt rechts, schräg gegenüber vom Hauptausgang des Bremer Hauptbahnhofes. Wer jemanden mit dem Auto zum Hotel bringen muss, fährt zum Aussteigen bis zum Eingang vor; gegebenenfalls kann man sich bei der Rezeption auch erkundigen, ob in der Hotelgarage neben dem Hotel gegen Entgelt ein Parkplatz frei ist. Weitere Parkplätze befinden sich in der Hochgarage am Hillmannplatz, auf der Bürgerweide und am ehemaligen Güterbahnhof;  die Straße hinter dem Überseemuseum führt dorthin.

Auch das diesjährige Treffen soll uns weiter untereinander bekannt machen und den Zusammenhalt der ehemaligen Lycker Landsleute (und gern auch deren Nachkommen) fördern. Es soll nicht als Ersatz zum Kreistreffen in Hagen gelten. Zahlreiches Erscheinen in Hagen ist dringend erforderlich, denn dort findet weiterhin das jährliche Haupttreffen statt, im nächsten Jahr am 26. und 27. August.

Vom Vorstand wird Heidi Mader (Kassenwartin unserer Kreisgemeinschaft und Sprecherin der „Mittleren Generation“) über die vielfältigen Aktivitäten der Mittleren Generation berichten; unter anderem über die nächste Gruppenreise 2017 nach Lyck. Michael Mader wird wieder einen Büchertisch aufbauen, wobei man vielleicht auch schon ein kleines Weihnachtsgeschenk erwerben kann.

Landsmann Elimar Labusch (dienstältester Führer des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg) wird uns über den Stand der Umbauten des Museums unterrichten. Ich selbst werde von der von mir organisierten Gruppenfahrt nach Lyck vom 4. bis 14. August erzählen.

Unser diesjähriges Treffen soll wieder eine harmonische Zusammenkunft sein. Wichtig ist, dass Sie, liebe Landsleute, untereinander Gespräche führen können. Gern können Sie auch etwas Interessantes oder Heiteres für alle Anwesenden vortragen. Meine Frau und ich freuen uns auf Ihre/Eure Teilnahme. Anmeldungen unter Wilhelm Norra, Telefon (0421) 820651.

 

NEIDENBURG

Kreisvertreter: Jürgen Szepanek, Nachtigallenweg 43, 46459 Rees-Haldern, Tel. / Fax (02850) 1017.

Wie lange geplant, fand aus besonderem Grund das diesjährige Heimattreffen in Berenbostel, einem Ortsteil von Garbsen bei Hannover, statt.

Fast alle Besucher fanden sich um 9.45 Uhr am Glockenturm der evangelisch-lutherischen Silvanusgemeinde ein, um dem Geläut der ehemaligen Glocke aus der evangelischen Kirche in Neidenburg zu lauschen. Für die meisten Anwesenden waren dieses nachdenkliche und emotionale Minuten der Besinnung. Einige kannten noch diesen Klang von ihrer Konfirmation vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Im anschließenden Gottesdienst ging die Pastorin Gabriele Brand unter anderem sehr einfühlsam auf die zahlreich erschienen Neidenburger und ihre ehemalige Glocke ein.

Mit 60 Personen übertraf die Besucherzahl sogar die angenommene Stärke des Veranstalters. Nach den Treffen der vergangenen Jahre im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg, dem Grenzdurchgangslager in Friedland bei Göttingen und dem Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen, südlich von Nürnberg gelegen, wurde mit dieser Zusammenkunft ein gewisser Kreis geschlossen. Abrunden könnte diese interessanten Anlaufpunkte eventuell in zwei Jahren ein Treffen in der Politischen Bildungsstätte mit der „Gedenkstätte Deutsche Teilung“ in Helmstedt-Marienborn. Im kommenden Jahr sind wir wieder am 3. September in unserer Patenstadt Bochum.

                Jürgen Szepanek

 

ORTELSBURG

Kreisvertreter: Dieter Chilla, Bussardweg 11, 48565 Steinfurt, Telefon (02552) 3895, E-Mail: kontakt@kreisgemeinschaft-ortelsburg.de. Geschäftsführer: Hans Napierski,  Heinrichstraße 52, 45701 Herten, Telefon (0209) 357931, Internet: www.kreis-ortelsburg.de

Die evangelische Kirche von Mensguth liegt auf einer kleinen Anhöhe, der dazugehörige Friedhof befindet sich direkt daneben. Auf den ersten Blick erscheint er klein und aufgeräumt, hohe Büsche und Bäume versperren die Sicht auf weitere Teile und er gibt nicht sofort alle seine Geheimnisse preis. Bestattungen neueren Datums sind in unmittelbarer Nähe zur Kirche vorgenommen worden, das Gelände dahinter kann getrost als kleiner Wald bezeichnet werden.

Dass es sich für den Dialogkreis der Kreisgemeinschaft Ortelsburg im August 2016 lohnen würde, dort seine vierte Friedhofswoche zu verbringen, davon war die Küsterin der Gemeinde, Anetta Neumann, schon im Vorjahr überzeugt. Daher hatte sie bereits im Vorfeld mit viel Eigeninitiative dafür gesorgt, dass alle Aktiven sich neugierig auf das neue Abenteuer einließen. Im engen Kontakt mit Erwin Gregor Gonsowski vom Dialogkreis wurde das Projekt gründlich vorbereitet. Gemeindeglieder und die Freiwillige Feuerwehr sowie der zuständige Gemeindepfarrer Witold Twardzik unterstützten Neumanns Engagement von Beginn an. Pfarrer Twardzik begrüßte die Gruppe am ersten Tag mit einer Andacht in der Kirche, würdigte die Arbeit der Projektgruppe und bedankte sich dafür, dass der Mensguther Friedhof ausgesucht wurde. Auch der Vertreter der Stadt Passenheim,  Sekretär Wiesław Szubka, unterstrich in seinem Grußwort die große Bedeutung solcher verbindenden Projekte.

So war von allem genug vorhanden: viele helfende Hände mit Einsatzkraft und Gerätschaften, ein schattiges Plätzchen zum Verschnaufen, Speisen und Getränke für die Mittagspause. Vor allem aber war viel Friedhof da, will sagen: Mit jedem Schritt tiefer ins wilde Grün hinein offenbarte sich die wahre Größe des Projektortes. Oder genauer: Es ließ sich nur Stück für Stück erahnen, wie viel Arbeit da zu verrichten sein würde. Es musste der Boden flächendeckend von Giersch befreit werden, junge Bäumchen mussten weichen, um die Grabstätten zu finden, sie sichtbar zu machen und um sie wieder herzurichten. Der in riesigen Mengen anfallende Grünabfall musste von Hand und zu Fuß zu einer Sammelstelle geschleppt werden, damit er später abtransportiert werden konnte.

Ein so großer Friedhof in hügeligem Gelände forderte allen Beteiligten enorme Kräfte ab. Trotzdem schafften sie es, Gräber zu richten, Steine wieder aufzustellen, eiserne Grabkreuze zu stützen, Grabplatten lesbar zu machen. Damit holten sie Namen und Lebensgeschichten ins Gedächtnis des Ortes zurück. Grabstätten großer Familien, viele Kindergräber, Gräber inmitten schmiedeeiserner Zäune, all das kam durch geduldige Kleinarbeit zum Vorschein und bezeugt die große Bedeutung, die dieser Friedhof für die Menschen in den umliegenden Dörfern früher gehabt haben muss.

Davon konnten sich auch zufällig vorbeikommende Besucher ein Bild verschaffen. So fanden sich etliche Leute in Gesprächen mit den Mitgliedern der Projektgruppe plötzlich im Dialog. Sie lernten etwas über die Arbeit der Kreisgemeinschaft, über das Projekt und über diesen Friedhof. Manche Grabstätte ist bis heute gepflegt, war versteckt und ist nun sichtbar. Besondere Bedeutung haben bei solchen Projekten immer überraschende Funde. So ist es dieses Mal gelungen, ein großes steinernes Kreuz mitsamt Sockel, das komplett in der Erde verborgen war, heraus zu schaufeln und ihm seinen alten Platz in aufgeräumter Umgebung wieder zu geben.

An dieser Stelle wurde dann, einer Tradition des Projektes folgend, nach getaner Arbeit am letzten Tag eine Andacht gehalten. Rund 35 Akteure lauschten Pfarrer Twardziks Worten. Zufrieden mit ihrem Werk wünschten sich die Beteiligten, dass diese Arbeit der Beginn einer nachhaltigen Pflege des Friedhofes sein möge. Und zum Schluss wurde im Haus der Freiwilligen Feuerwehr ein ordentliches Abschlussfest mit Grillschwein, Gesang und Tanz gefeiert.                 Sabine Sinagowitz

 

SCHLOSSBERG (PILLKALLEN)

Kreisvertreter: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle/Saale. Geschäftsstelle: Renate Wiese, Tel. (04171) 2400, Fax (04171) 24 24, Rote-Kreuz-Straße 6, 21423 Winsen (Luhe).

Auch dieses Jahr war es wieder so weit. Neun Jugendliche und zwei Betreuerinnen machten sich auf den Weg nach Ostpreußen, um dort gemeinsam mit russischen Jugendlichen aus dem Rayon Lasdehnen (Krasnoznamensk) Geschichte, Kultur und Spaß zu erleben. Organisiert wurde die Fahrt durch die Kreisgemeinschaft Schloßberg, dem Landkreis Harburg und vor Ort durch die Administration Lasdehnen (Krasnoznamensk). Für einige unter den Teilnehmern war es ein  Wiedersehen mit den Jugendlichen aus dem letzten Jahr und den Jahren davor, doch es waren auch neue Gesichter dabei, mit denen man ganz schnell Freundschaften knüpfte. Es war eine Fahrt in der man Geschichte erleben und sogar anfassen konnte und zugleich eine andere Kultur kennenlernen Die russischen Jugendlichen lernten deutsche Bräuche und Lieder und die deutschen Jugendlichen russische Bräuche und russische Lieder kennen. Möglich war eine Kommunikation mit Händen und Füßen, doch zum Glück sprach unsere Leiterin russisch und so konnte eine Kommunikation oft erleichtert werden.

Schon am ersten Tag lernten wir russische Küche und Kultur, sowie den russischen Alltag in Lasdehnen kennen. Der Besuch des Soldatenfriedhofes in Schloßberg ließ die jungen Teilnehmer Anteil nehmen am Schicksal unzähliger Soldaten beider Nationen. Die Tragödie von Flucht und Vertreibung und dem damit einhergehenden Leid, welches einige unserer Großeltern durchleben mussten, war für einige eine harte aber auch wichtige Erfahrung. Die Geschichte zum Anfassen wurde im kleinen privaten Museum in Schloßberg möglich, Exponate aus der  deutscher Zeit konnte man sich dort ansehen.

Die Nachfahren des Pythagoras, eines berühmten Trakehner-Zuchtpferdes, konnten wir im  Gestüt Georgenburg bestaunen, welches heute noch internationale Turniere veranstaltet. Auch die nun zerfallenden Gebäude des ehemaligen Gestüts in Trakehnen bekamen wir zu sehen. Eine wahrhafte Zeitreise machten wir dank einer wirklich tollen Stadtführung in Tilsit und Gumbinnen. Ein Höhepunkt war sicherlich die große Elchstatue und die Königin Luise Brücke. In der  „Käsestadt“ gingen wir durch die Fußgängerzone und konnten uns an den renovierten  Häuser aus deutscher Zeit erfreuen.

Das Schöne an der Fahrt war jedoch die Gruppendynamik. Gleich von Anfang an war klar, dass sich die Gruppe schnell zusammenfinden würde und man enge Freundschaften knüpfte. Denn an den gemütlichen Abenden wurde sich ausgelassen unterhalten, getanzt, gesungen und  gelacht. Besonders muss man das Picknick herausheben, das wir in der Natur bei strahlendem Sonnenschein verbrachten. Wir grillten zusammen, und verspeisten russische Spezialitäten und hatten viel  Spaß. Bei der Abfahrt nach Königsberg regnete es ein wenig. Nach dem Frühstück um 9 Uhr fuhren wir ins Zentrum,  wo wir einen  See umrunden wollten, was aber durch die Ablenkung der Geschäfte und Banken nicht ganz gelang. Schließlich hatten wir einen Termin im Bernsteinmuseum, wo wir das ostpreußische Gold bestaunen konnten. Dort  erfuhren wir unter anderem dass 90 Prozent des weltweiten Vorkommens an Bernstein aus dem Königsberger  Gebiet  stammen. Um 14 Uhr gab es ein letztes, gemeinsames Mittagessen mit den Russen, von denen wir uns nach der Annahme von Geschenken verabschieden mussten. Wir deutschen Teilnehmer fuhren dann mit der Straßenbahn zur Kathedrale, und gingen dann noch etwa einen Kilometer weiter ins Zentrum. Dort wurde ein großes Einkaufszentrum besucht. Abends saßen wir noch alle gemeinsam in einem unserer Hotelzimmer und feierten Abschied von Königsberg.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit vier Taxen zum Busbahnhof. Vor der Abfahrt um 6 Uhr gelang es uns noch einen Imbiss in der Dönerbude zu bekommen. Nach knapp vierstündiger Reise inklusive russisch/polnischer Grenzkontrolle erreichten wir Danzig, wo wir gleich unsere Koffer im Hostel abstellen konnten.

Den ersten Stadtrundgang verbanden wir mit der Suche nach einem geeigneten Restaurant. Nach dem Mittagessen besuchten wir die Markthalle, die ganz in der Nähe lag. Weiterhin schauten wir uns das Zeughaus an, in dem heute die Akademie der bildenden Künste beherbergt wird. Um 14 Uhr konnten wir im Hostel einchecken und ruhten uns erst einmal aus. Anschließend nahmen wir die Straßenbahn Richtung  Stogi Plaza, wo wir an den Strand gingen und einige sich in die Fluten der Danziger Bucht stürzten.

Der letzte Tag in Danzig begann mit einem Frühstück. Anschließend bestiegen wir den Glockenturm der Marienkirche, die im 14. und 15. Jahrhundert erbaut wurde. Ab 12.30 Uhr hatten alle Gelegenheit, die Stadt auf eigene Faust oder mit den Betreuerinnen zu erkunden. So besichtigten wir die Nikolaikirche, das Hohe Tor, das Langgasser Tor, den Artushof, das Grüne Tor, die Frauengasse und das Wahrzeichen von Danzig ,das Krantor, in dem sich der größte im mittelalterlichen Europa gebaute Kran befindet. Um 14.30 Uhr trafen wir uns wieder zum Mittagessen im Restaurant des Vortags. Daraufhin konnten alle noch letzte Besorgungen machen und sich auf die Rückfahrt von Danzig nach Hamburg vorbereiten.

In Hamburg endete diese erlebnisreiche  Reise und wir fuhren alle in unsere Heimatorte mit dem Versprechen uns wiederzusehen. Bedanken möchten wir uns für die Unterstützung bei der Kreisgemeinschaft Ebenrode, beim Landkreis Harburg und natürlich bei den russischen Partnern in Lasdehnen (Krasnoznamensk). Über zwanzig Jahre deutsch-russische Jugendbegegnungen der Kreisgemeinschaft Schloßberg sind so ein wahrhaftes Stück Verständigung von Mensch zu Mensch geworden.

                N. Schattauer

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

Die Herzog-Albrecht-Schüler trafen sich nach dem Tilsiter Regionaltreffen am Folgetag um 17 Uhr im Penta-Hotel in Gera. In Lübeck waren es noch zehn Teilnehmer, in Gera leider nur noch sieben. Die erhoffte Steigerung der Anzahl der Teilnehmer durch die Zusammenlegung mit dem Regionaltreffen blieb somit aus. Es gab auch berechtigte Gründe für ein Nichtkommen. Wir gehen davon aus, dass das nächste Mal mehr Kräfte und Wollen zu einer Reise vorhanden ist. Deshalb sollten wir weiterhin Schultreffen planen, auch wenn die Teilnehmerzahl immer gering bleiben wird. Wer sich entschlossen hat und kommt, erlebt Freude, auch wenn der Kreis der Teilnehmer kleiner ist.

Zusammen mit der Oberschule für Jungen hat unsere Schule an der von Gerhard Pfiel gut organisierten Stadtrundfahrt in Gera teilgenommen. Der Stadtführer begrüßte uns bereits im Hotel und vermittelte in der zweistündigen Stadtführung die interessantesten Sehenswürdigkeiten von Gera. Im Zentrum der Stadt hieß es Aussteigen und weiter per Beine. Auch wir machten die Erfahrung, dass zu Fuß vieles erlebbarer wird. In Gera wurde der Künstler Otto Dix geboren, die Stadt feiert in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag. Die Trinitatiskirche ist die älteste Innenstadtkirche in Gera. Das Theater, Jugendstil von 1902, verfügt über prunkvolle Säle, ist ein Mehrspartentheater und beherbergt auch die Philharmonie der Stadt.

Nach der Rundfahrt dann die große Verabschiedung und Heimfahrt.      Siegfried Dannath-Grabs,

                 Schulsprecher


S. 18-19 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BUND JUNGES OSTPREUSSEN

Vorsitzender: Marius Jungk, Gst.: Buchtstr. 4, 22087 Hamburg, Tel.: (040) 4140080, E-Post: kontakt@junge-ostpreussen.de, www.junge-ostpreu­ssen.de.

Freitag, 30. September, bis Montag, 3. Oktober, Bad Honnef: BJO-Herbstseminar und BJO-Bundestreffen. Thema des Seminars: „150 Jahre Deutscher Krieg – Preußen und Österreich in Geschichte und Gegenwart“. Weitere Informationen: www.facebook.com/events/ 032910313418878/2

 

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Mittwoch, 19. Oktober, 18 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat: Beim dritten Wintervortrag spricht Luise Wolfram über „Zwei Reisen nach Nordostpreußen“.

Ludwigsburg – Dienstag, 18. Oktober, 15 Uhr. Kronenstuben, Kronenstraße 2: Stammtisch.

Stuttgart – Mittwoch, 5. Oktober, 14.30 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat: Herbstfest mit herbstlichen Gaben und einem interessanten heimatlichen Programm. Die Landsmannschaft Westpreußen und Gäste sind herzlich eingeladen. – Dienstag, 18. Oktober, 14.30 Uhr, Kleiner Saal, Haus der Heimat: Die Frauengruppe trifft sich zur heimatlichen Herbstfeier mit Erntekorb. 

Reutlingen – Sonnabend, 1. Oktober, 14 Uhr, Treffpunkt für Ältere, Gustav-Werner-Straße 6a: Erntedankfest mit Kaffee und Kuchen. Nach langer Sommerpause sind alle Landsleute, Freunde und Gäste herzlich eingeladen. Eine Tombola wird wieder für Abwechslung und Spannung sorgen. Wer dafür Sach- und Geldspenden abgeben möchte, wendet sich an Ilse Hunger, Steinachstraße 54.

Ulm/Neu Ulm – Sonntag, 9. Oktober, 14.30 Uhr, Ulmer Stuben: Erntefest. Der Chor wird mit Herbst- und Ernteliedern auftreten. Es gibt einen Erntetisch, heimatliche Gedichte und Vorträge. Sonnabend, 15. Oktober, 14.30 Uhr, Ulmer Stuben: Monatliches Treffen.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Ansbach – Sonnabend, 15. Oktober, 15 Uhr, Orangerie: Bericht von Ute bach über den Westpreußen-Kongress im Frühjahr

Hof – Sonnabend, 1. Oktober, 10.30 Uhr Jugendzentrum „Q“: Tag der Heimat. – Sonnabend, 8 .Oktober, 15 Uhr, Altdeutsche Bierstube Hof: Erntedankfeier.

Kitzingen – Freitag, 14. Oktober, 15 Uhr,              Hotel „Würzburgr Hof“ : Erntedankfeier mit Vorträgen von Mitgliedern zum Thema „Erntedank“

Landshut – Dienstag, 18. Oktober,  14 Uhr, Gasthof „Zur Insel“, Badstraße 16: Gemeinsame Zusammenkunft mit einem Vortrag über Immanuel Kant. 

München – Freitag, 14. Oktober, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens: Zusammenkunft der Frauengruppe.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremerhaven – Donnerstag, 13. Oktober, 13 Uhr, Ernst-Barlach-Haus:  90. Stiftungsfest. Wegen der Vorbereitungen ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich!

 

HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815. 2. Vorsitzender: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69 b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

Landesgruppe – Montag, 3. Oktober, 11 bis 17 Uhr, Haus der Heimat, Teilfeld 8: 31. Heimatmarkt des Landesverbandes der vertriebenen Deutschen. Diese einzigartige Kulturveranstaltung wird als „Historischer Heimatmarkt“ durchgeführt. Wie bisher zeigen wir Volkstrachten, historische Landkarten und Bücher der ost- und mitteldeutschen und deutschen Siedlungsgebiete und bieten auch heimatliche Spezialitäten an. Wir lassen den Heimatmarkt mit gemeinsamem Singen heimischer und europäischer Lieder ausklingen. Das Haus der Heimat liegt unweit der S-Bahnstation Stadthausbrücke, U-Bahnstation Rödingsmarkt oder der Haltestelle der Buslinien 6 und 37.

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat zum Singen und einem kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

SALZBURGER VEREIN

Landesgruppe Hamburg/Schleswig-Holstein/Nordniedersachsen – Sonnabend, 8. Oktober, 13 Uhr, Hotel „St. Raphael“, Adenauerallee 41, 20097 Hamburg: Gemeinsames Treffen. Auf dem Programm stehen: „Zur Zukunft der landsmannschaftlichen Arbeit“ – Vortrag Herr Dr. Sebastian Husen, Bundesgeschäftsführer der Landsmannschaft Ostpreußen, und ein Bericht über das Jahrestreffen des Salzburger Vereins im Juni in Goldegg im Salzburger Land sowie eine Vorschau auf das Jahrestreffen 2017 in Thüringen anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Reformation“.

 

HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788

Wetzlar – Montag, 10. Oktober, 19 Uhr, Restaurant Grillstuben, Stoppelberger Hohl 128: Erntedankfeier mit einer Andacht von Pfarrer Christian Silbernagel. Die Kulturbeauftragte Karla Weyland hält einen Vortrag mit dem Titel „... da holt dich die Kornmuhme“ über Bräuche und Geisterglaube in Ostpreußen. Der Eintritt ist frei. Kontakt: Kuno Kutz, Telefon (06441) 770559.

Wiesbaden – Sonnabend, 1. Oktober, 15 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal, Friedrichstraße 35: heimatlich-besinnliche Erntedankfeier mit Kaffeetafel und Verlosung der Erntegaben. Wer durch Sach- oder Geldspenden mithelfen möchte, den Erntetisch zu bereichern, teile dies bitte den Vorstandsmitgliedern Helga Kukwa, Telefon (0611) 373521 oder Irmgard Steffen, Telefon (0611) 844938 mit. – Dienstag, 11. Oktober, 15 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Erntedank-Nachmittag. – Dienstag, 11. Oktober, 15 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat,  Friedrichstraße 35: Erntedank-Nachmittag. – Donnerstag, 13. Oktober, 12 Uhr, Gaststätte „Haus Waldlust“, Ostpreußenstraße 46, Wiesbaden-Rambach: Stammtisch. Serviert wird Grützwurst. Es kann auch nach der Speisekarte bestellt werden. Wegen der Platz- und Essendisposition bitte unbedingt anmelden bis spätestens 7. Oktober bei Irmgard Steffen Telefon, (0611) 844938 (auch Portionen zum Mitnehmen). Anreise: ESWE-Busverbindung Linie 16, Haltestelle Ostpreußenstraße

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Osnabrück – Dienstag, 18. Oktober, 16.30 Uhr, Hotel Ibis, Blumenhaller Weg 152: Kegeln.

Rinteln – Donnerstag, 13. Oktober, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Beim Monatstreffen der Gruppe wird Ekkehard Schlicht aus Bad Salzuflen einen Vortrag über „Die ermländischen Städte und ihre Wappen“ halten. Interessierte Gäste aus Nah und Fern sind zusammen mit ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten ebenfalls herzlich willkommen.  Auskünfte und Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit der Gruppe gibt es beim Vorsitzenden, Joachim Rebuschat, unter Telefon (05751) 5386 oder per E-Mail: rebuschat@web.de

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bielefeld – Donnerstag, 6. Oktober, 15 Uhr, Zweiter Stock, Wilhelmstaße 1b, 33602 Bielefeld: Gesprächskreis der Königsberger und Freunde der ostpreußischen Hauptstadt. – Donnerstag, 13. Oktober, 15 Uhr, Wilhelmstaße 1b: Erntedankfest mit buntem Programm, Kaffeetafel und anschließender Verlosung der mitgebrachten Erntegaben.

Bonn – Dienstag, 4. Oktober, 18 Uhr, Haus am Rhein, Elsa-Brändströmstraße-Straße 74: Der nord-rhein-westfälische Landtagsabgeordnete Werner Jostmeier spricht über „25 Jahre deutsch-polnischer Vertrag – Bilanz und kritische Betrachtung“.

Dortmund – Montag, 17. Oktober, 14.30 Uhr, Heimatstube, Landgrafenschule (Eingant Märkische Straße): Gemeinsames Treffen.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 Uhr, Eichendorffsaal, Gerhart-Hauptmann-Haus (GHH), Bismarckstraße 90: Probe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland unter der Leitung von Radostina Hristova. – Donnerstag, 29. September, 19 Uhr, GHH: Vortrag H. Gerl-Falkowitz zum 125 Geburtstag von Edith Stein.

Gütersloh – Donnerstag, 13. Oktober, 15 Uhr, Café Villa Dr. Murken, Neuenkirchener Straße 12: Treffen der Frauengruppe. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Kontakt: Renate Thamm, Telefon (05241) 40422 – Der Ostpreußische Singkreis trifft sich in unregelmäßigen Abständen montags von 15 bis 17 Uhr in der Elly-Heuss-Knapp-Realschule, Moltkestraße 13. Neue „Drosseln“ sind immer willkommen. Kontakt: Renate Thamm, Telefon (05241) 40422.

Neuss – Sonntag, 2. Oktober, 15 Uhr (Einlass 14 Uhr), Marienhaus in Neuss, Kapitelstraße 36: „Erntedankfest“ der Ostpreußen mit Gedichten, Liedern und Tanz unter der Erntekrone. – Donnerstag 6. Oktober, 15 bis 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube Oberstraße 17: Tag der offenen Tür mit Kaffee und Kuchen. 

Witten – Montag, 17. Oktober, 15 Uhr, Versammlungsraum, Evangelisch-Lutherische Kreisgemeinde, Lutherstraße 6–10: Fragen und Wissen zu Ostpreußischen Kulturgütern.

 

RHEINLAND-PFALZ

Vors.: Dr. Wolfgang Thüne, Wormser Straße 22, 55276 Oppenheim.

Mainz – Donnerstag, 13. Oktober, 15 Uhr, Mundus Residenz, Große Bleiche 44. 55116 Mainz: Heimatnachmittag mit dem Film „Heimat ist kein Ort“.

 

SACHSEN

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

Limbach-Oberfrohna – Sonnabend, 8. Oktober, 14 Uhr, Eschenmuseum, Sachsenstraße 3: Typisch Ostpreußisches Erntedankfest wie immer mit Wurst aus Hausschlachtung. Alle Landsleute und Gäste sind herzlich eingeladen.

 

SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Bauhausstraße 1, 06108 Halle,  Telefon privat (0345) 2080680.

Magdeburg– Freitag, 7. Oktober, 16 Uhr, TuS Zielitzer Straße: Singekreis. Sonntag, 9. Oktober, 14 Uhr: Erntedank und herbstbeginn. – Dienstag, 11. Oktober, 13 Uhr, Immermannstraße: Treffen der Stickerchen.

Gardelegen – Freitag, 30. September, 14 Uhr: Glaswerkbesichtigung oder Buchlesung aus „Das geheime Leben der Bäume“.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Bad Schwartau – Sonntag, 9. Oktober, 12 Uhr, ZOB Bad Schwartau: Ausflug für Mitglieder und Gäste der Landsmannschaft zur Dittchenbühne in Elmshorn. Besucht wird die Krimikommödie „Der Fluch des Bernsteinzimmers“ (siehe PAZ 37, Seite 20). Vorab wartet auf alle Mitreisenden ein typisch ostpreußisches Mittagessen. Serviert wird Schmandschinken. Inklusive Mittagessen, Fahrt und Vorstellung kostet der Ausflug 40 Euro. Baldige Anmeldung bitte bei Gisela Rowedder, Telefon (04504) 3435 oder Regina Gronau, Telefon (0451) 26706.

Burg – Dienstag, 11. Oktober, 15 Uhr, Haus im Stadtpark: Erntedankfest. Ein gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen an herbstlich geschmückten Tischen unter dem Motto „Erntedank – der Dank an Gott für die Ernte“. Jeder kann durch Beiträge zum Gelingen des Nachmittages beitragen. Hierzu sind Mitglieder und Freunde der Gruppe herzlich eingeladen.

Flensburg – Sonntag 2. Oktober, 10 Uhr Kirche St. Michael: Erntedankfest mit Pastor Sander, anschließend gemeinsames Mittagessen.

Neumünster – Mittwoch, 12. Oktober, 15 Uhr, Stadthalle am Kleinflecken: Dem Wort „Dank“ wieder einen Inhalt geben wollen wir beim Erntedankfest. Reich an Gaben werden die Tische geschmückt sein.

– Bericht –

Die Kreisgruppe unternahm am 4. September ihren Jahresausflug nach Elmshorn zur Dittchenbühne. Die Kriminalkomödie „Der Fluch des Bernsteinzimmers“ begeisterte nicht nur uns. Das kleine Theater war voll besetzt. Vor der Vorstellung war für uns die Kaffeetafel mit leckerem Obstkuchen gedeckt.

Aus Anlass der erneuten Fertigstellung des Bernsteinzimmers in St. Petersburg 2003 hat der Autor Reimar Neufeldt die Komödie geschrieben. Die Sucht der Menschen, sich die unermesslichen Schätze des verschollenen Bernsteinzimmers anzueignen, steht im Vordergrund. Eine großartige Inszenierung. Noch heute – rund 300 Jahre nach dem Bau des Bernsteinzimmers – wird es als achtes Weltwunder angesehen. 1716 ging das Bernsteinzimmer als Geschenk des Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. an Zar Peter den Großen von Russland. Spätestens seit der Einnahme der Stadt Königsberg durch die Rote Armee am 9. April 1945 gibt es schon jahrzehntelang eine unendliche Legende um den Verbleib oder den Untergang des verschollenen Bernsteinzimmers.       Brigitte Profé

Pinneberg – Sonntag, 16. Oktober, 12 Uhr: Preußische Tafelrunde mit gemeinsamem Essen und einem Vortrag von Edmund ferner zum thema „E.T.A. Hoffmann, das Universalgenie aus Königsberg“. Anmeldung: (04010) 62667.

Uetersen –  Freitag, 14. Oktober, 15 Uhr, Haus Ueterst End, Kirchenstraße 7: Preußische Tafelrune gemeinsam mit dem Verein zur erhaltung ostdeutschen Kulturgutes und dem KvD.


Ostpreußen feiert
Das 21. Landestreffen in Neubrandenburg

Am Sonnabend, dem 8. Oktober 2016, treffen sich von 10 bis 17 Uhr die Ostpreußen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus im Jahn-Sport-Forum Neubrandenburg in der Schwedenstraße (Kulturpark). Zu diesem großen Wiedersehen, dem 21. Landestreffen, werden etwa 1500 Besucher erwartet – darunter allein 120 Gäste aus den polnischen, russischen und litauischen Teilen Ostpreußens. Angehörige und Interessenten von nah und fern sind ebenfalls herzlich eingeladen.

Alle 40 ostpreußischen Stadt- und Landkreise sind wie immer an Extra-Tischen ausgeschildert, und bieten Gelegenheit  Landsleute aus der alten Heimat zu treffen. Das reiche ostpreußische Kulturprogramm wird gestaltet vom Landesposaunenchor Vorpommern, dem Shanty-Chor „De Klaashahns“ aus Warnemünde sowie Tanzgruppen und Chören aus Masuren, Gumbinnen, Heydekrug und Memel sowie von Heimatsänger BernStein. Schirmherrin ist die Justizministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Uta-Maria Kuder. Als weitere Ehrengäste haben sich unter anderem der Botschafter der Republik Litauen in Deutschland, Deividas Matulionis, und der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat, angekündigt. Für das leibliche Wohl, eine große Auswahl Heimatliteratur und Bärenfang sowie genügend Parkplätze gleich an der Halle ist gesorgt. Informationen gegen Rück-porto bei: Manfred Schukat, Hirtenstraße 7a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.


S. 20 Heimatarbeit

»Wir müssen an die Öffentlichkeit«
In seiner Antrittsrede sprach Burghard Gieseler, der neue Osteroder Kreisvorsitzende, viele zentrale Themen an

Ein neuer Mann steht an der Spitze des Heimatkreises Osterode. Beim Hauptkreistreffen wurde der 56-jährige Studiendirektor Burghard Gieseler zum neuen Vorsitzenden gewählt. Hier ist in Auszügen seine Begrüßungsrede vom 18. September.

Liebe Landsleute, auf der gestrigen Mitgliederversammlung wurde der Vorstand der Kreisgemeinschaft neu gewählt. Hans-Jürgen Falke, Wieland Mücke und Edgar Steiner haben – nach jahrzehntelanger überaus verdienstvoller Tätigkeit – nicht mehr kandidiert und sind somit aus dem Vorstand ausgeschieden. Sie werden am Ende dieser Feierstunde verabschiedet werden. Neu in den Vorstand wurden gewählt: Horst Buschalsky, Uwe Dempwolff und Uwe Scheda. Auf seiner ersten Sitzung hat der neue Vorstand mich zum Vorsitzenden gewählt. Erlauben Sie deshalb, dass ich mich Ihnen kurz vorstelle:

Ich heiße Burghard Gieseler und wurde 1960 in Hannover geboren, wo ich auch aufgewachsen bin. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und lebe in Oldenburg. Am Albertus-Magnus-Gymnasium in Friesoythe unterrichte ich als Studiendirektor die Fächer Latein, Griechisch und Geschichte. Die niedersächsische Landesschulbehörde und das Kultusministerium berate ich in allen Fragen, die mit dem Fach Griechisch zusammenhängen.

Doch was hat mich zur Kreisgemeinschaft geführt? Der Grund hierfür liegt in meiner Herkunft: Mein Vater wuchs auf der damaligen Oberförsterei Taberbrück auf, die in den 20-er Jahren von meinem Großvater geleitet wurde. Für meinen Vater und seine Brüder war das großzügige und freie Leben in der urwüchsigen Natur des Taberbrücker Forsts mit seinem schier unbegrenzten Wildreichtum ein Paradies auf Erden. 

Mein Vater ist im Jahr 2008 verstorben. Unter dem Verlust seiner ostpreußischen Heimat hat er bis zu seinem letzten Atemzug gelitten. Im Jahr 2013 unternahm ich zusammen mit meinem Freund Horst Buschalsky und unseren Ehefrauen eine Reise nach Ostpreußen. Im Osteroder Lyzeum, dem früheren Kaiser-Wilhelm-Gymnasium, wurden wir überaus freundlich willkommen geheißen. Auch mein Vater hatte die Schule mit seinen drei Brüdern besucht. Als man uns eine Stellwand mit Fotos aus deutscher Zeit zeigte, war sogar sein Abiturientenfoto zu sehen. Bei unserem Besuch bat man uns auch in den Unterricht. Die Schüler, die uns mit vorbildlicher Höflichkeit begegneten, hörten mit großem Interesse, dass mein Vater einst diese Schule besucht habe.

Hier im Lyzeum aber auch an anderen Orten in Osterode wurde uns deutlich, dass sich in Polen der Umgang mit der deutschen Geschichte der ehemaligen Ostgebiete grundlegend gewandelt hat. Wurde die deutsche Vergangenheit vor 1990 noch prinzipiell geleugnet, so bringt man ihr heute ein lebhaftes Interesse entgegen. Dieses schlägt sich auch in zahlreichen zweisprachigen Hinweistafeln nieder, die daran erinnern, was einmal in deutscher Zeit an der betreffenden Stelle gewesen ist.

Besonders in den letzten 25 Jahren sind unter der Leitung von Professor Steiner und Heinrich Hoch wertvolle Brücken der Versöhnung, ja der Freundschaft entstanden. Die Zusammenarbeit mit den polnischen Behörden und mit der deutschen Minderheit hat sich in einer geradezu idealen Weise entwickelt.

Trotzdem standen wir – Sie haben es alle in der „Osteroder Zeitung“ verfolgen können – vor der Frage der Selbstauflösung. Auch wir mussten uns, wie die gesamte Landsmannschaft, der Frage stellen: Wer wird, wer kann die Arbeit fortsetzen, wenn sie die Erlebnisgeneration aus Altersgründen einstellen muss? Ist es überhaupt sinnvoll und wünschenswert, die bisherige Arbeit in andere – jüngere – Hände zu legen? Oder ist die landsmannschaftliche Arbeit die ureigenste Aufgabe der Erlebnisgeneration – eine Aufgabe, die nun gewissermaßen zu ihrem natürlichen Ende gekommen ist? Tatsächlich werden viele Gliederungen der Landsmannschaft – wahrscheinlich sogar die meisten – fusionieren oder sich selbst auflösen müssen, weil sie den Generationenwechsel nicht rechtzeitig in die Wege geleitet haben oder dies vielleicht auch gar nicht wollten. Denn eine Arbeit, die sich ausschließlich im Erinnern an die deutsche Zeit erschöpft, kann naturgemäß nur von denjenigen geleistet werden, die über eigene Erinnerungen verfügen.

Ist damit auch unsere Arbeit an ihr natürliches Ende gekommen? Liebe Landsleute, wir hätten gestern wohl keinen neuen Vorstand gewählt, wenn wir diese Frage bejahen würden. Unsere Arbeit erschöpft sich eben nicht in reiner Erinnerungsarbeit. Zwar wollen auch wir – natürlich! – mit der „Pflege des historisch-kulturellen Erbes“ an das deutsche Ostpreußen erinnern, zugleich aber wollen wir die deutsche Minderheit tatkräftig unterstützen und die Versöhnung und Freundschaft mit all denjenigen Menschen, die heute in Ostpreußen leben, pflegen und weiterentwickeln. Damit sehen wir diese (in unserer Satzung beschriebenen) Ziele als eine gesamtgesellschaftliche Zukunftsaufgabe an. Wir lassen die durch vielfältige menschliche Begegnungen zwischen Ost und West entstandenen Brücken nicht wieder einstürzen! Die Selbstauflösung ist – vorerst – vom Tisch!

Vorerst? Ja, die Selbstauflösung ist nur kurzfristig vom Tisch. Mittel- oder langfristig wird alles darauf ankommen, ob es gelingen wird, in ausreichendem Maße Menschen zu finden, die sich zu dieser gesamtgesellschaftlichen Zukunftsaufgabe bekennen werden – Menschen, die keine  Kindheitserinnerungen an das alte deutsche Osterode mehr haben. Ob wir das schaffen? Ich weiß es nicht. Aber versuchen wollen wir es doch!

Es wird die zentrale Aufgabe des neuen Vorstandes sein, den Übergang von der Erlebnisgeneration zur Bekenntnisgeneration zu gestalten und die Kreisgemeinschaft auf diese Weise langfristig fit für die Zukunft zu machen. Ob dieser Übergang gelingen wird, ist, wie gesagt, noch offen. Jedenfalls wird er nur dann gelingen können, wenn wir von jedem einzelnen von Ihnen nach Kräften unterstützt werden. In der Vergangenheit brauchte man ja nicht eigens für die Ziele der Kreisgemeinschaft und der Landsmannschaft insgesamt zu werben. Für die Mitarbeit konnte man aus dem großen Reservoir der deutschen Vertriebenen schöpfen, deren Liebe zur alten Heimat natürlich ungebrochen war. In Zukunft wird das anders sein. Ab jetzt, ab heute, müssen wir in die Öffentlichkeit, um Menschen zu finden, die sich mit unseren Zielen identifizieren können.

Um für unsere Arbeit zu werben, wollen wir auch Fahrten nach Ostpreußen anbieten. Wir hoffen nämlich, dass sowohl die landschaftliche Schönheit und der kulturelle Reichtum des Oberlandes als auch die menschlichen Begegnungen bei den Teilnehmern zu der emotionalen Bindung führen, die in einem ehrenamtlichen Engagement bei uns münden könnte.

Sprechen Sie aber auch mit Ihren Kindern und Enkeln, mit Freunden und Verwandten und werben Sie für eine Mitgliedschaft in der Kreisgemeinschaft Osterode/Ostpreußen - und treten Sie natürlich auch selbst bei! Denn noch immer haben wir eine große Diskrepanz zwischen der Zahl der Abonnenten der „Osteroder Zeitung“ und unserer Mitgliederzahl. Künftig sollte gelten, dass jeder, der die „Osteroder Zeitung“ bezieht, auch Mitglied der KGO ist.

Liebe Landsleute, es ist für den Vorstand essentiell, dass seine Arbeit von einer großen Mitgliederschaft getragen wird, auf die er sich stützen und aus deren Reihen er neue Vorstandsmitglieder rekrutieren kann. Ferner ist es eine bekannte Tatsache, dass das politische Gewicht einer Organisation in erster Linie von der Zahl ihrer Mitglieder abhängt.

Deshalb bitte ich Sie: Unterstützen Sie aktiv unsere Arbeit! Helfen Sie mit, dass das reiche und herrliche historisch-kulturelle Erbe Ostpreußens nicht in Vergessenheit gerät! Helfen Sie mit, unsere deutschen Landsleute in Ostpreußen nach Kräften zu unterstützen! Helfen Sie mit, die Aussöhnung und Freundschaft mit allen Menschen, die heute in Ostpreußen leben, zu pflegen und weiterzuentwickeln!

Ich wünsche unserer Feierstunde einen würdigen Verlauf. Vielen Dank.


S. 21 Reise

Gipfel der Erkenntnis
Der Philosoph Nietzsche wollte ungestört sein – Er fand seine Oase der Ruhe im Schweizer Oberengadin

„Mir ist, als wäre ich im Lande der Verheißung. Hier will ich lange bleiben.“ Friedrich Nietzsche war von seinen Gefühlen überwältigt, als er das erste Mal in den Schweizer Kanton Graubünden nach Sils kam. Die Spuren des Wan­derers sind dort noch längst nicht verblasst.

Eigentlich war der Basler Philosophieprofessor auf der Durchreise nach Italien. Von der Zwi­schenstation St. Moritz wollte er 1879 über die steilen Serpentinen des Malojapasses weiter in Richtung Comer See, als er etwa 30 Kilometer vor der Grenze in dem kleinen rätoromanischen Ort Sils mit der Postkutsche festhing.

Das Dorf im Hochtal des Engadin, das damals nur aus wenigen Almhütten bestand, wurde für ihn tatsächlich zur Verheißung. Hier entstanden große Teile seines berühmtesten Werks „Also sprach Zarathustra“ wie auch sein Buch „Jenseits von Gut und Böse“. Von 1881 bis 1888 hatte er hier sein Sommerrefugium, wo er ungestört denken, schreiben und wandern konnte. Für einen Franken am Tag lebte er in einem kleinen unbeheizten Zimmer eines im Schatten eines Berghangs stehenden Hauses, das inzwischen zur Wallfahrtstätte für Nietzscheaner aus aller Welt geworden ist.

Seit 1960 gehört es einer Nietzsche-Stiftung und dient als Mu­seum sowie als Forschungsstätte für angehende Philosophen, die in dem Haus für eine begrenzte Zeit auch wohnen dürfen. Zu be­sichtigen ist auch die dunkle  Stube im ersten Stock, die Nietzsche grün tapezieren ließ, da der stark lichtempfindliche Mann umgeben von dieser Farbe am besten schreiben konnte. Am letzten Septemberwochenende veranstaltet das Nietzsche-Haus alljährlich ein Kolloquium, das diesmal vom 29. September bis 2. Ok­tober im Fünf-Sterne-Hotel Waldhaus in Sils unter dem Motto „Nietzsche und die Politik“ steht.

Von Politik hielt sich Nietzsche in seiner Silser Zeit weitgehend fern. Er ließ sich lieber auf Wanderungen von der guten En­gadiner Gebirgsluft durchwehen. Die flache auf 1800 Metern gelegene Hochgebirgs-Landschaft von Sils kam dem sehbehinderten Nietzsche entgegen, fühlte er sich hier doch trittsicher. Bei Bergwanderungen wäre er nur ins Stolpern geraten. „Ich habe gehen gelernt: seitdem lasse ich mich laufen“, heißt es im „Zarathustra“. Auf der Hochtalebene konnte er zwischen St. Moritz und Sils von See zu See laufen. Die Seenplatte wird vom Inn ge­speist, der unweit von hier entspringt und der hier En heißt. Das Engadin ist denn auch der rätoromanische Name für den „Garten des En“.

Bei einer der Wanderungen in seinem „Garten“ entdeckte Nietzsche am Ufer des glasklaren Silvaplanasees einen pyramidenförmigen Fels, der ihn auf den Grundgedanken zu „Also sprach Zarathustra“ brachte. Heute ist eine Inschrift in diesen „Nietzsche-Stein“ eingefasst mit dem Satz des Denkers: „Bei einem mächtigen pyramidal aufgetürmten Block bei Surlej macht ich Halt. Da kam mir der Gedanke.“

Lieblingsziel seiner Wanderungen aber war die kleine Halbinsel Chasté am Silsersee, die sich gemütlich umrunden lässt. An der Spitze der Landzunge befindet sich ein weiterer Felsblock mit einer Nietzsche-Inschrift: Es handelt sich um das „Zarathustra“-Gedicht „Oh Mensch! Gieb Acht! Was spricht die tiefe Mitternacht?“, das durch Gustav Mahlers Vertonung in seiner Sinfonie Nr. 3 be­rühmt wurde.

Nach den Wanderungen knurrte dem Denker der Magen. Zurück vom Silsersee lief er an dem Hang entlang, auf dem heute das Hotel Waldhaus thront, spazierte ins Dorf und ließ sich im Hotel Alpenrose, meistens aber im gleich direkt neben dem Nietzsche-Haus gelegenen Hotel Edelweiß einen Rostbraten mit Omelette für 2,25 Franken servieren. Im Hotel Edelweiß kann man noch heute etwas Nietzsche-Flair im prächtig erhaltenen Jugendstilsaal erleben. Thomas Mann, Ril­ke, Hesse, Marc Chagall – sie alle speisten oder wohnten in diesem Hotel, wo heute jedermann im ehrwürdigen Festsaal jeden Donnerstagabend bei einem „Konzert-Dîner“ mit Live-Musik und einem Fünf-Gänge-Menü etwas von dem früheren Grand-Hotel-Charme nachempfinden kann.

Hätte der halbblinde Nietzsche Panoramablicke genießen können, dann hätte er wohl auch Ausflüge in die Umgebung unternommen. Ins steil ansteigende Fextal bringen heute wie zur Nietzsche-Zeit Pferdekutschen die Touristen zu Wanderexkursionen. Der frühere Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Claudio Abbado, besaß in dieser Bergidylle ein Chalet. Nach seinem Tod im Jahr 2014 ist er hier oben nahe des feinen Hotel-Restaurants „Sonne“ bei einer kleinen Kapelle in einem Urnengrab beigesetzt.

Nietzsche hat die höchsten Gipfel philosophischer Erkenntnis er­reicht, aber auf dem Gipfel des Corvatsch, der mit seinen 3300 Metern Höhe die östliche Talseite überragt, war er nie gewesen. Heute wird das Gebiet unterhalb der Spitze von Bergwanderern im Sommer und Skifahrern im Winter beherrscht. Am 19. No­vember wird hier eine ultramoderne Sesselbahn im Porsche-Design in Be­trieb genommen, die als über zwei Kilometer lange Querverbindung zwischen dem Corvatsch und Sils-Furtschellas zwei Skigebiete umschließt.

Weil Nietzsche die Gegend so sehr liebte, schrieb er an seine Mutter: „Bitte halte Freunde und Bekannte von Sils fern. Ich will keine Besuche.“ Jede Ruhestörung war ihm unwillkommen. Bis heute ist Sils eine Oase der Ruhe geblieben. Anders als das benachbarte mondäne St. Moritz mit seinem Trubel durch die Schönen und Reichen ist Sils nicht verbaut und hat seinen alpenländischen Charme bewahrt. Nur das Wetter sorgt durch die berüchtigte „Ma­loja-Schlange“, die sich mit kühlen Winden durchs Tal schlängelt und es auch mal im Sommer schneien lässt, manchmal für Un­behagen. 2014 entstand hier ein Film mit Kinostar Juliette Bi­noche, der den vielsagenden Titel „Die Wolken von Sils Maria“ trägt.

Solche Unwetter waren es auch, die Nietzsche letztlich aus Sils vertrieben haben: „Der Sommer war ein Skandal“, schrieb er 1888 einem Freund. Inzwischen wäre es ein Skandal, nicht wenigstens einmal im Leben ins herrliche En­gadin zu reisen.         Harald Tews

Das Nietzsche-Haus in Sils ist bis Mitte Oktober von Dienstag bis Sonntag jeweils 15 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 8 Franken, Info: www.nietzschehaus.ch. Unterkunft und Buchungen für Konzert-Dîners im Hotel Edelweiß: www.hotel-edelweiss.ch


Wein im Buschen
Im Südtiroler Eisacktal ist Törggele-Zeit

Am 1. Oktober beginnt in Südtirol die Törggele-Zeit. Es ist die Zeit, da man bei den Winzern den jungen Wein und andere Ernteprodukte verköstigen kann. Als weithin sichtbares Zeichen für den Start der Törggele-Zeit wird Punkt 19 Uhr das „Keschtnfeuer“ entzündet. Zu diesem alten Brauch zieht es viele Touristen in die Buschenschänken, den Gastbetrieben der Winzer, um Wein und „Keschtn“ (Kastanien) zu probieren.

Die Südtiroler Tradition hat ihren Ursprung im Eisacktal und in der Umgebung von Me­ran und Bozen: Früher wurden die Bergbauern zur Verkostung der Hofprodukte und des neu­en sowie alten Weines eingeladen – als Dank für die Haltung der Kuhherden über den Sommer – und zogen so von Hof zu Hof. „Törggelen am Ursprung“ kann man dieses Jahr in 24 Buschenschänken erleben, welche die strengen Kriterien der Südtiroler Qualitätsmarke „Roter Hahn“ erfüllen.

Die Törggele-Höfe befinden sich alle in Gebieten, wo diese Tradition ihren Ursprung hat: im Ei­sack­tal (zwölf Höfe) und rund um Bozen (neun Höfe) und Meran (drei Höfe). An den Eingängen der Höfe sind die „Buschen“ aufgehängt, ein Gebinde aus Zweigen der Latschenkiefer, Tan­ne, Eibe, Hagebutte oder des Wacholder. Es werden hofeigene Produkte verarbeitet und verkocht wie Speck, Käse, Schweinefleisch, Würste, Brot und Kastanien sowie der eigene Wein verkostet. Am Eröffnungstag lädt jeder der Buschenschänke die Besucher zu einem besonderen Erlebnis ein: Wein- und Schnapsverkostung, Führung durch Hof, Keller und Kastanienhain, Marmeladenverkostung, Brotbacken sowie Stallbesichtigung. Eine Liste der Höfe, die man beim Törggelenfest besuchen kann, findet man unter: www. roterhahn.it/ de/urlaub-auf-dem-bauernhof/toerggelen-am-ursprung.

Vom 30. September bis zum 2. Okto­ber findet darüber hi­naus auf dem Domplatz in Brixen der Brot- und Strudelmarkt statt. Neben einem historischen Parcours mit alten Gerätschaften und dem feierlichen Einzug der Bäcker in den Dom am Erntedanksonntag haben die Besucher die Möglichkeit, selber Brot zu backen und die verschiedenen Spezialitäten kennenzulernen (www. brotmarkt.it). Weiterhin findet am 1. und 2. Okto­ber im Bergdorf St. Magdalena in Villnöss im Eisacktal, dem Geburtsort von Reinhold Messner, das diesjährige Speckfest statt (www. speck.it/de/speckfest-villnoess/ speckfest).        H. Tews


Im Wald des Adlers
Strandhotel Fischland und seine Raubvögel

Der größte Greifvogel Europas hat sich an der Ostsee eingerichtet: Auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst findet der Seeadler einen perfekten Lebensraum. Gäste des Strandhotels Fischland haben ab sofort die Möglichkeit, auf geführten Touren sich in das küstennahe Revier der Adler zu begeben und mit ein biss­chen Glück die Raubvögel beim Jagen zu beobachten.

Der nur wenige Schritte vom Strandhotel Fischland entfernt gelegene Küstenwald zählt landschaftlich gesehen zur „Nordöstlichen Mecklenburger Heide“. Er gilt mit seinen 12000 Hektar als das größte zusammenhängende Waldstück an der norddeutschen Küste überhaupt und hat sich seit vielen Jahren unter Naturbegeisterten als Wanderparadies etabliert.

Über 30 Kilometer lang ist das gut ausgeschilderte Wegenetz und kann zu Fuß, mit dem Rad oder dem Pferd erschlossen werden. Ein ökologischer Höhepunkt ist dabei das Naturschutzgebiet „Ribnitzer Großes Moor“ mit seiner einzigartigen Flora und Fauna. Es zählt zu den schönsten und wertvollsten küstennahen Hochmooren in Deutschland und ist Le­bensraum und Rückzugsgebiet für viele seltene Pflanzen und Tiere. Spezielle angelegte Wege leiten Exkursionsgäste durch diese reizvolle Hochmoorlandschaft.

Wenn im Herbst die Glockenheide zart erblüht und morgens die ersten Frühnebelschleier über den Torfstichen schweben, Nebeltröpfchen wie Perlen an den Fäden der Spinnennetze hängen, zeigt das Moor seinen besonderen Reiz. Immer öfter sind die seltenen Moor-Birkenpilze zu entdecken.

Moos- und Preiselbeeren ge­winnen an Farbe und leuchten kräftig in der Herbstsonne. Besonders gut sind die Tentakeln der Fangblätter des Rundblättrigen Sonnentaus auszumachen. Neben moortypischen Pflanzen wie dem Weißen Schnabelried gibt es Heilpflanzen wie Bittersüßer Nachtschatten, Blut- und Gilbweiderich oder Wolfstrapp.

Über 25 verschiedene Libellenarten gibt es hier, darunter die Blutrote Heidelibelle oder die Kleine Moosjungfer. Im Visier haben sie selten gewordene Amphibien und Reptilien wie Ringelnatter oder Kreuzotter. Vom Hotel aus kann man im Herbst außerdem dem Röhren der Rothirsche während der Brunft lauschen. Die Seeadler, die hoch in der Luft lautlos ihre Runden drehen, wird es nicht stören.            tws

www.strandhotel-fischland.de


Entspanntes Reisen
Kanutour in Florida zu den Seekühen

Ein besonderes Abenteuer erwartet Florida-Urlauber bei einer Kajaktour. Hier haben Besucher die Chance, durch Mangroven-Tunnel zu paddeln, sich im offenen Gewässer treiben zu lassen und Wildtiere, darunter Delfine und Manatis, zu beobachten.

Vom Anclote Key Preserve State Park im Norden bis hin zum Fort De Soto Park finden sich zahlreiche Gegenden, die einen unvergesslichen Trip mit dem Kajak ermöglichen. Dabei können sich Abenteurer entscheiden, ob sie die Natur von St. Pete/ Clearwaters ganz alleine oder in einer geführten Tour entdecken möchten.

Besonders be­liebt ist der Fort De Soto Park. Der 365 Hektar große Komplex besteht aus fünf Inseln und bietet unter anderem eine mehr als drei Kilometer lange Strecke für Kajakfahrer. Zwei Stunden können diese an Mangroven und Seegrasgebieten vorbeifahren. Wer Glück hat, erhascht noch bis November einen Blick auf die Seekühe (Manatis). Delfine zeigen sich sogar fast täglich. Wem die Tour zu kurz ist, der kann sich hier auch auf einen 16 Kilometer langen Trip um die Hauptinsel Mullet Key begeben.

Das Weedon Island Preserve in Tampa Bay eignet sich ebenfalls für atemberaubende Paddeltouren. Die Geschichte der Insel geht 5000 Jahre zurück. In dieser Zeit wurde die Region das Zuhause für einstige Stämme wie die Manasotas. Heute können Besucher die Insel mit dem Boot erforschen. Der South Trail ist dabei bei weitem der Interessanteste. Kanufahrer passieren lange, schmale und dunkle Mangroven-Tunnel und gelangen mittendrin in offene Salz­wasserteiche, deren Oberfläche von der Sonne gespiegelt wird. In den Mangrovensümpfen und Seegrasgebieten können verschiedene Meerestiere und Vogelarten wie Watvögel gesichtet werden. Doch auch gefährdete Tierarten wie Holzstörche, Weißkopfseeadler und große Populationen von den Karibik-Manati, einer speziellen Seekuhart, kreuzen die Wege der Kajakfahrer.

Im Norden von St. Pete/Clearwaters findet sich der Honeymoon Island State Park. Hier können Kajaks ohne Reservierung ausgeliehen werden. Einmal losgepaddelt, zeigen sich Wasserschildkröten und Watvögel. Im Osten des Parks wachsen vermehrt Seegräser und Mangroven Sie bieten die perfekte Fauna, um Tiere zu beobachten.      H. Tews

Deutschsprachige Internetpräsenz: www.visitstpeteclearwater. com/de


S. 22 Neue Bücher

Lichtgestalt Metternich
Glanzvolle Biografie über den Strippenzieher des Wiener Kongresses

Schiller sagt über seinen Helden Wallenstein: „Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charak­terbild in der Geschichte.“ Diese Charakterisierung trifft auch auf den österreichischen Staatskanzler Clemens Fürst von Metternich (1773–1859) zu. Dem schroffen Urteil über den Reaktionär und Verhinderer demokratischer Entwicklungen steht das Lob über den Friedenserhalter in Europa gegenüber – Einschätzungen, die noch heute polarisieren.

Wolfram Siemann, emeritierter Neuzeithistoriker an der Universität München, hat jetzt eine Metternich-Biografie vorgelegt, die man auch bei abweichendem Urteil in Einzelfragen gar nicht genug rühmen kann. Allein in Prag, wo wegen des böhmischen Grundbesitzes der Metternichs deren gesamter Nachlass liegt, hat er ein Jahr lang bisher nicht beachtete Quellen erschlossen, ähnlich in Wien. Sein Stil ist ebenso wissenschaftlich fundiert wie geradezu spannend zu lesen, dass selbst diese 900 Seiten ein Vergnügen sind.

In der Summe zeichnet Siemann ein überaus positives Bild Metternichs, und da er sein Urteil mit zahllosen Quellen, überwiegend mit Texten von Metternich selbst, belegt, kommt auch der Leser nicht darum herum, über vieles neu nachzudenken. Allemal bleibt der Eindruck eines hochgebildeten, scharfsinnigen, alle Raffinessen der Politik beherrschenden Mannes, der Europas Staatenwelt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Stempel aufdrückte.

Metternich, aus alter reichsadliger Familie stammend, war zeitlebens, so Siemann, vom alten deutschen Reich geprägt. Die austarierte Staatenwelt vor 1800 schwebte ihm als beste Lösung auch für die Neuordnung Europas nach der Ära Napoleon vor. Was auch hieß, dass er das endlich besiegte Frankreich nicht demütigte, sondern  gleichberechtigt in den Kreis der Großmächte aufnahm. In diesem Ausgleich sieht der Autor eine europäische Sicherheitspolitik, die Metternich in oft schwierigsten Verhandlungen zumal mit dem russischen Zaren durchsetzte. Die Courage, mit der er absolutistisch auftretenden Kaisern wie Alexander und mehr noch Napoleon gegenübertrat, nötigt noch immer höchste Bewunderung ab.

Metternich war ein Freund Englands. Dessen Konstitution erschien ihm als Ideal auch für Deutschland. Er fühlte sich als Deutscher, und deshalb sei es, so Siemann, falsch, ihn als Bremser der deutschen Einheit zu sehen. Im Gegenteil, mit vielen Reformvorschlägen habe er immer Deutschland als Ganzes im Auge gehabt. Den nach der Napoleon-Ära vehement aufkommenden Nationalismus in Europa verurteilte und bekämpfte er. Das Streben nach eigener Sprache im eigenen Staat müsse unweigerlich zu verheerenden Kriegen führen.

Siemann zeigt den Diplomaten Metternich auch von privater Seite. Er nennt dessen berühmt gewordene Liebesaffären (die meist wohl nur platonisch waren) ebenso wie sein überraschendes Talent zum Un­ternehmertum. Metternich bewirtschaftete seine Besitzungen in Böhmen und am Rhein (Johannisberg) in geradezu moderner Art, nie in rüder Kapitalismusmanier, sondern immer auch mit Blick auf das Wohl seiner Beschäftigten.

Metternich hatte stets das Ohr seiner Kaiser, obwohl er über Österreich hinaus immer verhasster wurde. Bei Ausbruch der Revolution 1848 kam der tiefe Sturz. Von einem Tag auf den anderen musste er aus Wien fliehen. Die lebensgefährliche Flucht führte ins Exil nach England und Belgien. Erst 1851 konnte er nach Wien zurückkehren, ohne den früheren Einfluss zurückzugewinnen. Als er „sanft und schmerzlos“ am 11. Juni 1859 in Wien starb, wurde seine Beisetzung dann doch zu einem großen Staatsbegräbnis.

Ein Einwand: Siemann sagt selbst, für den damaligen „Völkerfrühling“, also für das Streben etwa der Italiener und Deutschen nach einem Einheitsstaat, habe Metternich nichts übrig gehabt. Carl Schurz, der große Deutschamerikaner, hat Metternich denn auch den „bösen Genius Deutschlands“ genannt. Damit traf er die Meinung vieler Liberaler, die einfach von Vaterlandsliebe, nicht aggressiv geprägt waren. Auf deren Argumente geht Siemann kaum ein. Er bleibt, wie auch bei anderen Themen, immer nah an der Person Metternich. Das schmälert nicht den Rang dieses Buches, das eine der ganz großen Arbeiten der deutschen Geschichtsschreibung in jüngster Zeit ist. Dirk Klose

Wolfram Siemann: „Metternich. Stratege und Visionär. Eine Biografie“, C.H. Beck Verlag, München 2016, gebunden, 983 Seiten, 34,95 Euro


Rückbesinnung auf Kant
Ulrich Wickert mahnt zu einem aufgeklärten Journalismus

Pressefreiheit ist das Privileg einer demokratischen Gesellschaft, das nicht selbstverständlich ist. Zahlreiche Beispiele in diktatorisch geführten Ländern zeugen davon. Dass es gilt, dieses Privileg zu verteidigen in einer Zeit, in der die Presse ihre Freiheit häufig missbraucht, ist ein Anliegen des aktuellen Buches von Ulrich Wickert. Er will die Kollegen in Funk- und Printmedien an ihre Verantwortung und die goldenen Regeln des journalistischen Handwerks erinnern.

Gleich im ersten Kapitel wirft  Wickert die Frage auf, weshalb wir, die wir in einer Demokratie mit im Grundgesetz gewährter Pressefreiheit leben, uns nicht auf die Aufklärung berufen sollten, und bemüht Kant: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“ Unmündigkeit definiert Kant als „Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“

Trotz Pressefreiheit versuchten die Regierenden in der Bundesrepublik, die politische Berichterstattung zu beeinflussen. Das Ergebnis sei oft eine politisch motivierte Personalpolitik. Wickert nennt als Beispiel das ZDF. Weil der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender Haltung bewahrt und sich gegen Gefälligkeitsjournalismus gewährt habe, sei sein Vertrag im ZDF auf Druck des damaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch nicht verlängert worden. Wickert nennt weitere Beispiele, in denen Kollegen die Journalistenehre verteidigt haben.

Doch er sieht auch eine gegenteilige Entwick-lung. Da die meisten Medien aus wirtschaftlichem Interesse betrieben würden, bleibe die Verantwortung zu oft auf der Strecke.  Journalistische Verantwortung bedeute, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Eine Selbstzensur aus Rücksicht auf die Politische Korrektheit führe wie im Fall der Kölner Silvesternacht zur Unterschlagung wichtiger Informationen. Wickert spricht über AfD, Pegida, Selbstzensur der Presse und über den Vertrauensverlust der Medien bei Teilen der Öffentlichkeit. Die Schlüsse, die er daraus zieht, sind nicht immer nachvollziehbar.

Wickert kritisiert außerdem den zunehmenden Voyeurismus in der Berichterstattung. Allerdings fällt auf, dass die negativen Beispiele eher die anderen Medien illustrierten. Die positiven Beispiele betreffen ihn selbst und ARD-Kollegen.

                Manuela Rosenthal-Kappi

Ulrich Wickert: „Medien: Macht & Verantwortung“, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2016, gebunden, 159 Seiten, 16 Euro


Interessantes über den Körper
Jan Paul Schutten erklärt den Menschen anhand von Illustrationen

Dass unser Körper eine unglaublich komplizierte Maschine ist, erfährt man bereits auf den ersten Seiten. Der aus Utrecht in den Niederlanden stammende Sachbuchautor Jan Paul Schutten hat mit dem Werk „Der Mensch“ aus dem Gerstenberg-Verlag „ein ganzes Buch über Dich“ geschrieben. Damit spricht er speziell Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren an und führt diese in zehn Kapiteln in die Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner ein.

Das Wichtigste sei ihm, so der Autor, dass Kinder im Buch entdecken, wie ihre Körper funktionieren, wie genial sie konstruiert seien und wie man gesund und fit bleibe. Der studierte Kommunikationswissenschaftler spricht seine Leser direkt an und trifft dabei genau den jugendlichen Ton. In humorvoller Weise schickt er die Jungen und Mädchen auf eine Reise durch ihren Körper und beantwortet dabei Fragen wie: „Warum sind Knochen stärker als Beton?“, „Warum können wir die Herzmuskeln trainieren, die Darmmuskeln aber nicht?“ oder „Warum schmecken Kekse besser, wenn man Kopfhörer trägt?“.

Die Schüler, die im Biologieunterricht bei Begriffen wie „Mitochondrien“ oder „Aminosäuren“ abschalten, schauen hier sicher genauer hin. Denn die Amsterdamerin Floor Rieder ergänzt mit lockeren Illustrationen die Inhalte, maßgeschneidert für ein junges Publikum. Es macht Spaß, in den Zeichnungen auf Entdeckungsreise zu gehen. Schutten wurde bei seiner Recherche von Medizinern unterstützt. Er widmet sich aber nicht nur der Anatomie, sondern auch Themen der Pubertät wie Verliebt-Sein, Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, Sex und Schwangerschaft.

Was es mit den „Billionen Bewohnern“ auf sich hat, erfährt man im Kapitel über den Bauch. Es gibt nämlich nicht nur Bakterien, die unseren Körper besiedeln, sondern auch Schimmelpilze, Amöben und andere winzige einzellige Wesen. Warum diese Mitbewohner ganz wichtig für den richtigen Ablauf aller Funktionen sind, erklärt Schutten in amüsanter Weise.

Es ist eine informative und unterhaltsame Lektüre. Und ein Lehrbuch der besonderen Art, das auch erwachsenen Lesern gefallen dürfte.  Silvia Friedrich

Jan Paul Schutten: „Der Mensch. oder Das Wunder unseres Körpers und seiner Billionen Bewohner“, Illustriert von Floor Rieder, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2016, gebunden, 160 Seiten, 26 Euro


Stets die erste Geige gespielt

Peter Brem war 46 Jahre lang Violinist bei den Berliner Philharmonikern. Er spielte unter herausragenden Dirigenten und mit berühmten Solisten, unternahm mit dem Orchester hunderte Konzertreisen in viele Länder der Welt. Fast zeitgleich mit seinem letzten Auftritt in der Londoner Royal Albert Hall im September 2016 erschienen seine Erinnerungen bei Rowohlt unter dem Titel „Ein Leben lang erste Geige. Mein Leben als Orchestermusiker“. Mit seinem Buch wendet sich Brem an die Freunde der klassischen Musik, und das sind wesentlich mehr als jene 14 Prozent der Gesamtbevölkerung, die manchmal oder regelmäßig in die Oper und ins Konzert gehen.

Autobiografisches steht hier nicht im Mittelpunkt. Flott und charmant erzählt der Autor aus dem Arbeitsalltag des Orchesters und von besonderen Auftritten wie dem Mauerfallkonzert und dem Musizieren mit Michiko, der Kaiserin von Japan. Allein 48 Gastspielreisen nach Japan unternahm er mit seinen Orchesterkollegen. Ein zentrales Thema seines Buches sind die Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker, ihre Qualitäten, Vorlieben und Eigenheiten.

Brem wurde 1951 in München ge­boren. Sein Vater war Solotrompeter in der Bayerischen Staatsoper in München und erkannte früh die musikalische Begabung seines Sohnes. Dieser unterwarf sich nicht ungern dem strengen täglichen Übungsregime, das ihm verordnet wurde. Mit Beginn des 15. Lebensjahrs wurde Brem Jungstudent am Münchener Konservatorium, mit 18 bewarb er sich erfolgreich auf eine Stelle bei den zweiten Violinen der Berliner Philharmoniker. Schon vier Jahre später rückte er auf zu den ersten Violinen.

Brem schätzt sich glücklich, dass er 17 Jahre unter Herbert von Karajan tätig sein durfte, den er als den Mount Everest unter den Dirigenten bezeichnet. Im Frühjahr 1989 trat Karajan als künstlerischer Leiter und Chefdirigent zurück und starb wenige Monate später. Zu den Besonderheiten des Orchesters zählt das Vorrecht der Musiker, über neue Mitglieder durch Abstimmung zu entscheiden.

Nach Karajans Rücktritt und seinem Tod 1989 wurde erstmals auch der neue Chefdirigent in geheimer Abstimmung auf diese Weise gewählt. Zum großen Bedauern des Autors war es nicht Daniel Barenboim, der durch viele gemeinsame Projekte bis heute eine besondere Beziehung zu den Berliner Philharmonikern hat. Karajans Nachfolge trat Claudio Abbado an. Ihm folgte der jetzige Chefdirigent Simon Rattle. Gastdirigenten, an denen er gute Erinnerungen hat, waren unter anderem Ricardo Muti und Leonard Bernstein.

25 Jahre gehörte Brem nebenher dem Brandis-Quartett an. Zehn Jahre war er zusammen mit einem Kollegen als Geschäftsführer für die mediale Vermarktung der Berliner Philharmoniker zuständig und wurde anschließend Mitglied des Medienvorstands. Brem spielte auf einer Geige von Carlo Giuseppe Testore von 1751/52.   D. Jestrzemski

Peter Brem: „Ein Leben lang erste Geige. Mein Leben als Orchestermusiker“, Rowohlt Verlag, Reinbek 2016, gebunden, 263 Seiten, 16,99 Euro


Geläuterte Würstchen

Warum ziehen deutsche Jugendliche in den Dschihad nach Syrien? Wieso fallen sie auf die Parolen der Salafisten herein? Und mit welchen Mitteln lässt sich so etwas verhindern? Das sind die Fragen, die Thomas Mücke in seinem Buch „Zum Hass verführt“ zu beantworten versucht. Dabei weiß der Verfasser im Prinzip, wovon er spricht, denn er arbeitet seit 25 Jahren mit radikalisierten Jugendlichen aller Couleurs und leitet derzeit in Berlin einen Verein zur Extremismus­prävention.

Aus dieser praktischen Kenntnis heraus schildert Mücke einige konkrete Fälle, wobei sich schnell ein klares Muster abzeichnet: Es sind eben gerade nicht „unsere Kinder“, die zu islamistischen Gewalttätern werden, sondern die Söhne von eingewanderten Türken, Arabern, Afghanen und Bosniern – mit Ausnahme einiger weniger autochthoner Deutscher, die konvertierten. Dazu kommt die Handvoll unbedarfter Mädchen, die den testosterongesteuerten Islam-Machos nach Syrien hinterherpilgern, wie willige Groupies den Rockstars. Irgendwie scheint Mücke vorausgeahnt zu haben, dass dies dem Leser auffallen wird. Deshalb musste unbedingt noch ein Kapitel in das Buch hineingequetscht werden, welches dem „Nazi-Kämpfer“ Thorsten gewidmet ist und die Deutschen-Quote unter den Bösewichtern anhebt.

Ansonsten erscheinen die vom Autor betreuten und geläuterten Salafisten als von der Gesellschaft ausgegrenzte arme Würstchen mit schwerer Kindheit und geringem Selbstwertgefühl, denen man einfach hätte verständnisvoller zuhören müssen – und die natürlich eine zweite Chance verdienen, weil von ihnen ja keine Gefahr mehr ausgehe. Dank derer, die sie mit dem Respekt behandelten, der ihnen bisher verwehrt geblieben sei.

Das heißt, das Buch verbreitet die übliche Sozialarbeiter-Lyrik, erweitert um simplifizierende oder wissenschaftlich unhaltbare Behauptungen wie die, dass der Islam „eine humanistische Tradition“ habe, „zu Deutschland gehört und gehören muss“ und Islamunterricht beziehungsweise muslimische Gefängnis-Seelsorge probate Allheilmittel gegen jedwede Radikalisierung darstellen. Ebenso schlicht gestrickt sind Mückes Aussagen über angebliche Parallelen zwischen Islamismus und Rechtsextremismus: „Rechte wie … Salafisten ordnen sich einer autoritär organisierten Struktur unter und geloben ihren Führern Gehorsamkeit. Beide streben danach, einem hypermaskulinen Männlichkeitsbild zu entsprechen.“

Im Grunde läuft Mückes Argumentation also wieder einmal auf die sattsam bekannte Botschaft der hiesigen Verteidiger des Islam hinaus: Nicht die radikalen Lehren dieser Religion seien schuld an der Aggressivität der Salafisten, sondern irgendwelche nebulösen „Strukturen“ und – natürlich keinesfalls zu vergessen – die „Islamfeindlichkeit“ in unserer Gesellschaft. Wer soll diesen Unfug denn heute noch ernsthaft glauben?                Wolfgang Kaufmann

Thomas Mücke: „Zum Hass verführt. Wie der Salafismus unsere Kinder bedroht und was wir dagegen tun können“, Eichborn-Verlag, Frankfurt/Main 2016, gebunden, 253 Seiten, 19,99 Euro


S. 23 Anzeige Rautenberg Buchhandlung

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S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Richtig loslegen / Wie ganz Deutschland in Clintons Partei eintrat, warum die Eingeborenen immer Schuld haben, und wozu Statistiken nützlich sind

Da konnten wir endlich aufatmen. Teufel Trump hat seine erste Fernsehschlacht gegen Himmelreich Clinton verloren, sagen die Umfragen. Die Guten liegen wieder um eine Lügennasenlänge vorn. Doch es ist noch nicht geschafft. Es folgen weitere TV-Duelle, die Wahl ist Wochen hin.

Wie kann es eigentlich angehen, dass rund die Hälfte eines Volkes von 320 Millionen Menschen diesen blonden Satan ins Weiße Haus wünscht? Ja, wie bloß? Eines machen unsere Meinungsfürsten bei jeder Gelegenheit als erstes klar: Mit echter, sachbezogener Unzufriedenheit mit der Entwicklung der USA und dem Wirken der politischen Klasse dort hat das alles natürlich nichts zu tun. Es ist die „Wut der Abgehängten“, die „diffuse Abstiegsangst der Mittelschicht“, welche die US-Amerikaner in die Pranken des „Rattenfängers mit den einfachen Antworten treibt“, der „rassistische Vorurteile schürt“.

Kurz gesagt: Um sich mit möglichen Argumenten der Clinton-Kritiker gar nicht erst auseinandersetzen zu müssen, spielt man mal den Therapeuten, mal den Moralisten: Trump ist böse, und wer ihm folgt, ist entweder selber böse oder von Ängsten getrieben, wenn nicht geistig gestört oder einfach bloß dumm.

Wer noch leise Zweifel hatte, dass die deutschen Staats- und Konzernmedien ein „Kartell“ gebildet haben, welches nur eine Meinung zulässt, der verfolge deren Aufbereitung des US-Wahlkampfs. Es scheint, als guckten und läsen wir ausschließlich die Partei-Organe von Clintons Demokraten.

Einseitigkeit ist zu deren Glück viel schwerer zu durchschauen, wenn ein Ozean und eine Sprachbarriere zwischen uns und der Wirklichkeit liegen. Da können uns die Medienleute eine Realität zusammenpinseln, wie sie ihnen gefällt, ohne dass wir das nachprüfen oder durch eigene Erfahrung korrigieren könnten. Diese Möglichkeit nutzen sie weidlich aus.

In der Berichterstattung über die deutschen Zustände fällt ihnen das nicht so leicht, auch wenn sie es Tag für Tag aufs Neue versuchen. Neulich hat sich der „Tagesspiegel“ die „Identitäre Bewegung“ zur Brust genommen. Als besonders abstoßend hob das Blatt hervor, dass diese neue Jugendbewegung in der „Wahnvorstellung“ lebe, es gehe ein „großer Austausch“ der Bevölkerung Deutschlands mittels Massenzuwanderung vor sich.

Dies in einem Blatt zu lesen, das in der Metropole Berlin gemacht wird, ist schon bemerkenswert. Die Kollegen gelangen vermutlich morgens durch einen tiefen Tunnel in ihre fensterlose Redaktion. Nur so kann es ihnen gelungen sein, sich vor den Wahnvorstellungen zu schützen, die in jenen Deutschen aufsteigen, die die Straßen benutzen, wo sie die sprunghafte Veränderung ihrer Heimat bei Tageslicht betrachten müssen.

Aber die Erfahrung dieser Normaldeutschen zählt ja nicht. Deshalb erinnern wir lieber an die Auslassung eines Journalisten, der bei einem Qualitätsmedium arbeitet und diesen Sommer etwas Erhellendes getwittert hat. AfD-Gauland hatte geseufzt: „Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land.“ Darauf knallte ihm Hasnain Kazim, „Spiegel“-Korrespondent in Wien, vor den Latz: „Gewöhn dich dran: Wir sind hier, werden immer mehr und beanspruchen Deutschland für uns. Ob du willst oder nicht.“

Der Deutsche Gauland soll sich also daran gewöhnen, bald ein Fremder im eigenen Land zu sein, denn es gibt eine andere Völkerschaft (von Kazim kurz „wir“ genannt), die Deutschland für sich „beansprucht“ und diesen „Anspruch“ gegen widerspenstige Eingeborene durchzusetzen beabsichtigt („Ob du willst oder nicht“). Den Ausdruck „beanspruchen“ kennen wir aus der Sprache von Kolonial-Eroberern: Die US-amerikanischen Siedler „beanspruchten“ das Land der Indianer für sich.

Da sie oftmals zunächst eine unterlegene Minderheit waren, mussten die Siedler dabei geschickt vorgehen. So redeten sie den Indianern ein, dass ihnen nichts weggenommen würde, im Gegenteil: Die Urbevölkerung würde durch die europäische Kultur ihrer neuen Mitbürger sogar noch bereichert! Allerdings kam es immer wieder zu Zwischenfällen. Etwa, wenn rüpelhafte Siedler die Indianer als „ungläubige“ Heiden verhöhnten, sie angriffen oder gar niedermetzelten. Da musste schnell aufgeklärt werden, dass es sich hier um bedauerliche Einzelfälle handele, was auch stimmte, denn der normale Siedler war anständig und wollte bloß in Frieden leben.

Wenn die Indianer sich hingegen dem „Anspruch“ der Siedler widersetzten und sie nicht rein ließen in ihr Land, dann war Strafe unumgänglich. Wenn die „roten Teufel“ nach weißen Übergriffen gar zur Gegenat­tacke überzugehen wagten, durfte keine Gnade gegeben werden.

Wichtig ist dabei, dass jeder weiß, wer im Zweifel die Schuldigen sind: immer die Eingeborenen. Das war damals ziemlich einfach, weil es noch keine Statistiken gab, in denen alle Übergriffe samt Opfer und Urheber fein säuberlich aufgelistet sind.

Das ist heute ganz anders. Oder? Nun ja: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke ließ gerade verlauten, dass alle Übergriffe, bei denen nicht nachgewiesen werden kann, dass sie nicht rechtsextrem motiviert sind, automatisch als rechtsextreme Straftaten in die Statistik eingingen. Heißt: Immer wenn unklar ist, wer’s war, war’s ein Rechtsextremer. Das ist wohl kaum „fein“ zu nennen, und „säuberlich“ schon mal gar nicht.

Nebenbei hat Woidke hier eine europäische Tradition der Rechtsfindung abgeräumt, die seit der Antike gilt. Ob im Römischen Imperium, auf germanischen Thingversammlungen oder vor mittelalterlichen Gerichten – ein Grundsatz war immer unumstößlich: Erst, wenn die Urheberschaft einer Person oder Gruppe bewiesen werden konnte, durfte eine Tat zugeordnet werden. Egal, wie merkwürdig uns die Methoden der Wahrheitsfindung („Gottesurteil“ per Los etwa) heute erscheinen, diese Grundregel stand nie in Zweifel. Bis Woidke kam.

Wenigstens wissen wir dank seiner Offenheit ab jetzt, wie wir Statistiken zu werten haben. Wenn beim nächsten Wahlkampf wieder reihenweise AfD-Plakate von Linksextremen mit Hakenkreuzen beschmiert werden, lesen wir in den Zeitungen vermutlich von einer „Serie rechtsextrem motivierter Propaganda-Delikte im Raum ...“

Mit solchermaßen gehäkelten „Amtlichen Statistiken“ in der geballten Faust kann die Politik richtig loslegen. Die Bundesregierung lässt wissen, dass die fremdenfeindlichen Übergriffe in den neuen Bundesländern eine „besorgniserregende Entwicklung“ seien, die nicht allein den „gesellschaftlichen Frieden“ dort gefährde, sondern auch die „wirtschaftliche Entwicklung der neuen Länder“.

Eine große Tageszeitung titelt daraufhin: „Fremdenhass ruiniert die ostdeutsche Wirtschaft.“ Die Ansage ist unüberhörbar. Wählt, ihr dumpfen Ossis: entweder bedingungslose Kapitula ... ich meine: entweder uneingeschränkte Willkommenskultur oder bitterste Armut!

Ärgerlich ist bloß, dass der Macher der reißerischen Überschrift den eigenen Text nicht gelesen hat. Dort wird nämlich die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH mit den Worten zitiert: „Uns ist kein konkreter Fall bekannt, in dem ein Unternehmen durch ,zunehmende Fremdenfeindlichkeit im Osten‘ (die setzen das offenbar bewusst in Anführungszeichen) einen wirtschaftlichen Nachteil oder bezifferbaren Schaden davongetragen hat.“ Mehr noch: Bei ausländischen Touristen habe Dresden (trotz Pegida – oder etwa wegen?) sogar zugelegt, heißt es in dem Artikel.

Tja, solche Überschriften „ruinieren“ vermutlich weniger die neuen Bundesländer als – auf lange Sicht – gewisse Zeitungen. Aber was heißt schon „nicht bezifferbar“? Lasst da mal Woidkes Statistiker ran. Die „beziffern“ euch alles, was ihr lesen wollt.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Polizei verliert die Kontrolle

Stockholm – Die schwedische Polizei verliert zunehmend die Kontrolle im Land. Wie die Wiener „Kronen-Zeitung“ mit Berufung auf schwedische Medien berichtet, zählen die Beamten mittlerweile 55 „No-Go-Gebiete“, in denen man jederzeit mit Angriffen zu rechnen habe. 80 Prozent der Polizisten hätten bereits überlegt, ihren Beruf aufzugeben. Schwerpunkt des Problems ist die Stadt Malmö mit ihrem hohen Immigrantenanteil.     H.H.

 

»NS-Delikte« von links

Graz – Die FPÖ beschwert sich über eine massive Zunahme von Schmierereien auf ihren Wahlplakaten zum zweiten Anlauf der österreichischen Präsidentschaftswahlen. Kurios: Wie die „Kleine Zeitung“ meldet, werden die Hakenkreuze und Hitlerbärtchen als rechtsextrem motivierte Delikte verfolgt, wie der Landespolizeidirektor der Steiermark, Alexander Gaisch, der Zeitung bestätigte: „Wir gehen nach dem (NSDAP-) Verbotsgesetz vor.“         H.H.

 

General über die Kriegsgräber

Diesen Sturz hat man kommen sehen. Was da in den letzten Wochen an Kritik auf Markus Meckel eingeprasselt war, konnte der SPD-Politiker, der 1990 vier Monate lang DDR-Außenminister war, nicht länger verkraften. Vor einer Woche trat er nach knapp dreijähriger Amtszeit als Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zurück.

Turnusgemäß soll erst im nächsten Jahr ein Nachfolger gewählt werden. Völlig kopflos wird der Volksbund aber bis dahin nicht sein. Vizepräsident Wolfgang Schneiderhan muss jetzt als kommissarischer Leiter dafür sorgen, die von Meckel aufgewühlten Wogen zu glätten. Vordergründig ging es um die konfliktgeladene Amtsführung Meckels, der auch unter Hinweis auf das „finanzielle Aus“ den Verband schlechtgeredet haben soll.

Entzündet hat sich der Streit aber um die Frage, ob das nationalsozialistische Deutschland einen Angriffs- und Vernichtungskrieg ausgelöst habe oder ob sich eine Organisation wie der Volksbund einer solchen Bewertung zu enthalten habe. Unter Meckel politisierte sich der Verband zuletzt zunehmend und ließ sogar Tagungen zu Asylthemen zu.

Unter Schneiderhan dürfte sich der Volksbund wieder auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren: die Pflege von 832 Friedhöfen und Gräberfeldern in 45 Ländern. Dabei wird er generalstabsmäßig vorgehen. Der General a. D. wurde von Rudolf Scharping 2002 zum Generalinspekteur der Bundeswehr ernannt. Sieben Jahre lang – und damit länger als jeder andere Generalinspekteur – war er der oberste deutsche Soldat, bis es zum Bruch mit dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wegen der Kundus-Affäre kam. Inzwischen ist der Schwabe 70 Jahre alt, aber vielleicht fühlt er sich noch jung genug, um den Volksbund ab 2017 als Präsident zu leiten.                H. Tews


MEINUNGEN

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, attackiert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in der „Huffington Post“ (20. September) dafür, dass es massenhafte Passfälschungen bei Asylsuchern nicht gemeldet hat:

„Die Führung des Bamf hätte der Bundesregierung rechtzeitig mitteilen müssen: ,Wir schaffen das nicht!‘, das wäre ehrlich gewesen. Stattdessen wurde offensichtlich politischer Druck einfach an die Beschäftigten weitergegeben und nach außen Erfolgsmeldungen verbreitet, die Wahrnehmung der Realität konsequent verweigert.“

 

 

Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter lobt in der „Basler Zeitung“ (23. September) die Menschlichkeit der Deutschen, kritisiert aber auch ihre Naivität:

„Die Leute standen letztes Jahr mit Plakaten in München, auf denen ,Willkommen‘ stand. Das war naiv, rührend, gleichzeitig wahnhaft. Richtigerweise hätte es heißen müssen: ,Willkommen ... Judenhasser‘. Die Deutschen haben vergessen, das darunter zu schreiben. Aber sie wussten das gar nicht. Sie dachten, sie würden moderne Menschen begrüßen. Aber viele von diesen neuen Mitbürgern haben Werte, die wir nicht willkommen heißen dürfen.“

 

 

Bernd Zeller fragt sich im Blog „tagesschauder“ (25. September), woher diese ständige, schrille Empörung über einzelne Wörter („Schusswaffengebrauch“, „völkisch“ etc.) oder Formulierungen kommt, und niemand stattdessen über die Inhalte reden will:

„Das ist ein propagandataktischer Trick. Es kann nicht mehr darum gehen, was die (Person) gemeint haben könnte. Da könnte man sie ja fragen. Darum darf es eben gerade nicht gehen. Sie selbst muss das Thema sein, denn das macht anderen Angst. Die Lehre ist: Bloß nicht auffallen.“

 

 

Ungarns Sozialminister Zoltán Balog wehrt sich in der „FAZ“ (26. September) gegen den Vorwurf, eine ausländerfeindliche Politik zu betreiben:

„Wir müssen einen Unterschied machen zwischen Migration und Migranten. Wir sind nicht gegen diese Menschen, wir sind gegen den weltweiten Prozess der Migration. Der kann nicht auf die Weise gelöst werden, wie das die Europäische Union und manche Länder wollen.“

 

 

Arzt und Publizist Andorján Kovacs schreibt im Portal „Freie „Welt“ (25. September) zur allgegenwärtigen Indoktrination:

„Man kann dem wirklich breiten Bündnis gegen alles, was da vermeintlich ,rechts‘ ist, kaum ausweichen. Es verfolgt einen überall hin. Die Zwangserziehung zum Migrationsbefürworter und impliziten Deutschenhasser wirkt ununterbrochen an jedem Ort ...  Doch die Bemühungen der vielen Lehrer werden an ein jähes Ende kommen, wenn sie feststellen, dass immer mehr Menschen hier leben, die so genannten ,neuen Deutschen‘, die keineswegs grün und links werden wollen, sondern vollkommen immun gegen diese Propaganda sind. Das Gutgemeinte gebiert wie so oft noch viel Schlimmeres.“