© Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 18/17 vom 05.05.2017

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Rechts reden, links handeln
Im Superwahljahr versuchen die etablierten Parteien, Pluralismus zu suggerieren

Die aktuelle Diskussion um Thomas de Maizières Thesen zur Leitkultur ist so inhaltsschwer wie die Debatte während der Fußballturniere, ob Deutsche Schwarz-Rot-Gold flaggen dürfen.

Die ganze Legislaturperiode über sind sich die etablierten Parteien einig, zumindest in der Zuwanderungspolitik eine antideutsche Politik zu betreiben. Antideutsche Haltung ist geradezu kennzeichnend für die Zugehörigkeit zum Establishment. Doch kurz vor der Bundestagswahl zeichnet sich für die etablierten Parteien die Gefahr ab, dass die nicht antideutsch Gesinnten scharenweise in der AfD eine deutschfreundliche Alternative suchen könnten. Also arbeitet das Establishment arbeitsteilig. Ein Teil äußert sich deutschfreundlich, während der andere ihn dafür kritisiert. In seiner deutschfeindlichen Politik bleibt man sich zwar einig, aber gegenüber dem Wähler erweckt man wenigstens den Anschein, als wenn man das gesamte pluralistische Spektrum abdecken würde und von daher die Suche nach einer Alternative außerhalb des Establishments, des „Verfassungsbogens“ unnötig sei.

Die Aufgabe, den national empfindenden Teil der Bevölkerung zumindest verbal mit dem Establishment zu versöhnen, übernimmt nun ausgerechnet Bundesinnenminister Thomas de Maizière. einer der getreuesten Erfüllungsgehilfen Angela Merkels. Erst vor wenigen Monaten, auf dem letzten CDU-Parteitag, zeigte er wieder sein wahres Gesicht, als er den Parteitagsbeschluss zum Doppelpass ablehnte und die Position seiner Kanzlerin und Parteivorsitzenden verteidigte.

Um in der Realität, der praktischen Politik, nicht vorhandene Gegensätze vorzutäuschen, eignen sich besonders gut Symbole. De Maizière ist lange genug im politischen Geschäft, um zu wissen, dass seit den Tagen des von Merkel abgesägten CDU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz bereits die Verwendung des Wortes „Leitkultur“ genügt, um Pawlow’sche Reflexe bei der Linken auszulösen und damit ein Pluralismus und Vielfältigkeit suggerierendes Wortgeplänkel zu provozieren. Eine nähere Definition dieser Leitkultur ist da gar nicht mehr vonnöten. In der Linken ist es bestenfalls umstritten, ob es eine schlechte deutsche Kultur gibt, die zu Auschwitz geführt hat, oder ob es überhaupt keine Kultur gibt, die spezifisch deutsch ist. Aber die Idee, dass es eine deutsche Kultur gibt, die in der Bundesrepublik eine leitende Funktion einnehmen soll, ist für einen Linken für sich genommen schon reine Provokation.

Dabei sind die zehn Thesen, mit denen de Maizière die deutsche Leitkultur beschreibt, derart harmlos, dass man genauso gut darüber streiten könnte, ob Deutsche während einer Fußball-WM Schwarz-Rot-Gold zeigen dürfen oder nicht. Nicht umsonst gilt noch als markantestes Positionierung „Wir sind nicht Burka.“ Typisch für de Maizière ist dieser Versuch, den Gegnern der Behauptung „Der Islam gehört zu Deutschland“ ein Stück politische Heimat zu vermitteln, ohne ihr zu widersprechen. Mal sehen, ob das potenziellen AfD-Wählern genügt. Manuel Ruoff


Merkels liebstes Kind ad Absurdum geführt
Köpenickiade des Offiziers Franco A. legt Mängel in der Einwanderungspolitik offen

Der Fall klingt zu haarsträubend, um glaubwürdig zu sein. Und doch ist er passiert. Der Bundeswehroffizier Franco A. hat im September 2015, also zu einer Zeit, als noch kein Massenansturm von Asylsuchern herrschte, in Gießen unter dem fiktiven Namen David Benjamin als vorgeblicher christlicher Gemüsehändler aus Damaskus Asyl beantragt. Wenig später wurde er als asylberechtigt anerkannt und bezog seitdem Sozialleistungen und hatte eine Unterkunft in einem Wohnheim. Und dies alles, ohne ein Wort Arabisch zu sprechen und nur mit einem schlechten Französisch. Gleich mehrere Instanzen der deutschen Asylverwaltung konnte Marco A. austricksen und lächerlich machen.

Am übelsten war wohl die Verlade bei der offiziellen Anhörung des angeblichen Asylsuchers, denn diese geschieht vor einem Entscheider, das heißt, einem juristisch ausgebildeten Beamten in Gegenwart eines Dolmetschers. Der Soldat muss gleich beide ausgetrickst haben, um anerkannt zu werden. Der Dolmetscher beherrschte wohl keine der beiden in Fragen kommenden Sprachen, Arabisch und Französisch, ausreichend. Der Entscheider, der eigentlich die Fluchtgründe und den Fluchtverlauf anhand möglichst konkreter Sachverhalte und nicht anhand irgendwelcher Behauptungen aufklären soll, hatte wiederum wohl keinerlei Kenntnisse von Land und Leuten in Syrien, sonst hätte er dem Endzwanziger Franco A. nicht abgenommen, dass der in einer französischen Kolonie in Syrien aufgewachsen sei und deshalb kein Arabisch spreche. Eine französische Kolonie gibt es nämlich bereits seit der Unabhängigkeit Syriens 1946  nicht mehr.

Konnte der „Hauptmann von Köpenick“ noch mit dem preußischen Pflichtgefühl und der Vergötterung des Soldatentums seinen Schabernack treiben, so war es mehr als 100 Jahre später ein diesmal echter Soldat, der mit der Selbstgefälligkeit und dem Schlendrian einer Behörde sowie der Unangreifbarkeit der öffentlich demonstrierten Aufnahmebereitschaft seinen Schabernack treiben konnte. Beide Male wurden Behörden verladen, die damals wie heute hoch im Kurs standen. Damals soll der Kaiser gelacht haben, als er von der Köpenickiade erfuhr, Dass Bundes- kanzlerin Angela Merkel gelacht hat, ist eher unwahrscheinlich, denn der als Flüchtling verkleidete Offizier hat wie kein anderer vor ihm den Bankrott einer ganzen Behörde offenbar gemacht.

Der Fall Franco A. offenbart auch, wie fahrlässig es war, monatelang Hunderttausende fremder Menschen unkontrolliert ins Land zu lassen und diese auch noch mit Aufenthaltspapieren zu versehen. Vielleicht war dies gar kein Einzelfall, vielleicht befinden sich unter den Asylsuchern Hunderte, wenn nicht sogar Tausende eigentlicher Deutscher oder schon lange in Deutschland lebender Ausländer, die sich ein leichtes Zubrot zu ihren sonstigen Einnahmen dazuverdienen wollen. Angesichts der jetzt offenbar gewordenen Lücken in der Identitätsfeststellung wäre dies ein Leichtes.

Die Opposition und große Teile der Regierung weigern sich weiterhin, alle Daten wie auch die von Mobiltelefonen zur Feststellung der Identität „papierloser“ Asylsucher freizugeben. In Deutschland, das einst als Weltmeister der Bürokratie und der öffentlichen Ordnung galt, kann man ohne jeden Identitätsnachweis Asyl und die damit verbundenen Leistungen bekommen. Selbst in einem Land der Dritten Welt wäre eine Köpenickiade wie die des Franco A. wohl kaum möglich gewesen.

Franco A. ist nicht der einzige, der als Flüchtling getarnt womöglich Schlimmes im Schilde führte. Noch ist nicht erwiesen, dass er ein Rechtsextremist ist und dass er Anschläge plante. Fest steht jedoch: Er profitierte von den gleichen Sicherheitslücken wie jene unüberschaubare Zahl eingewanderter Krimineller, die auszugsweise in der gerade vorgestellten Kriminalstatistik des Bundesinnenministers auftauchen.   Bodo Bost


Jan Heitmann:
Wie schäbig!

Was Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen dieser Tage über die Bundeswehr von sich gibt, ist eine ehrabschneidende Aneinanderreihung von Beleidigungen, Pauschalverdächtigungen und Vor- verurteilungen. Schon allein die Form, in der sie sich äußert, ist kritikwürdig. Ganz bewusst hat sie mit ihrem als „Offener Brief“ deklarierten Tagesbefehl und einem Fernsehinterview die Öffentlichkeit gesucht, um sich mit einer Misstrauenserklärung von der vermeintlich „haltungslosen“, führungsschwachen, latent rechtsextremen und von falsch verstandenem Korpsgeist erfüllten Bundeswehr zu distanzieren.

Angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl ist die Selbstinszenierung von der Leyens als entschlossene Aufklärerin und Anklägerin der eigenen Leute allzu durchschaubar und unglaubhaft. Tatsächlich geht es ihr ausschließlich um ihre eigene politische Zukunft und nicht um das Wohlergehen der Bundeswehr. Sie ist die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sie Missstände unter den Teppich kehren soll. Es bedeutet aber, dass sie sich öffentlich vor die zum allergrößten Teil in jeder Hinsicht untadeligen Soldaten stellen und intern nachdrücklich für die Beseitigung der Missstände sorgen muss. Sie aber haut die Bundeswehr bedenkenlos in die Pfanne, um selbst gut dazustehen. Wie schäbig!

Von der Leyen ist der Meinung, dass in der Bundeswehr „etwas ganz Grundlegendes“ nicht mehr stimme. Außerdem stellt sie fest, dass sie „jederzeit die Gesamtverantwortung für alles, was in der Bundeswehr geschieht“, trage. Eben! Wohl noch nie hat ein Minister die Notwendigkeit des eigenen Rücktritts so überzeugend begründet.


S. 2 Aktuell

Frankreichs Selbstunterwerfung
Das Beispiel einer Kleinstadt zeigt, wie rasant und bedrohlich die Macht radikaler Moslems anwachsen kann

Im Kampf um Wählerstimmen gingen Politiker in der 50000-Einwohner-Stadt Bobigny ein Bündnis mit radikal islamischen Gruppierungen ein. Nun herrscht im Ort ein Klima des Terrors.

Vetternwirtschaft und Klientel­unwesen ist ein grundsätzliches Problem der Demokratie. Doch wenn sich Politiker auf Stimmenfang mit den Anhängern totalitärer Ideologien und deren mafiaartige Strukturen einlassen, dann wird es gefährlich. Genau dies geschieht in Frankreich immer häufiger. Nicht nur Spitzenpolitiker hofieren die Repräsentanten eines immer fordernder auftretenden Islams. Auch auf lokaler Ebene passiert Ähnliches. Dort sorgen die Volksvertreter, die häufig eher ihre Interessen statt die des Volkes vertreten, dafür, dass die radikalsten Strömungen des Islam in Frankreich dauerhaft Wurzeln schlagen. War dies anfangs vor allem kennzeichnend für die Politik der linken Parteien, so überholen heute häufig die kulturmarxistischen Vertreter der Mitte-Rechts-Parteien diese bei der Selbstunterwerfung unter religiös-kulturspezifische Sonderwünsche der muslimischen Einwanderer.

Die Stadt Bobigny im ProblemDépartement Seine-Saint-Denis, im Nordosten von Paris ist für diese Entwicklung beispielhaft: Um ins Rathaus der seit 95 Jahren von den Kommunisten regierten Stadt einzuziehen, schmiedete der zentristische Kandidat Stéphane de Paoli von der Union der unabhängigen Demokraten (UDI) für die Kommunalwahlen 2014 eine Allianz mit lokalen muslimischen Vereinen von zweifelhaftem Ruf. Sein Parteifreund, der Abgeordnete

Jean-Christophe Lagarde, heute Vorsitzender der UDI und seit 2014 Bürgermeister der benachbarten Stadt Dracy, unterstützte die Gruppierungen mit öffentlichen Geldern, die ihm als Abgeordnetem zustehen: Benutzt wurde der Geldsegen, entweder für gewaltsame, illegale Aktionen, wie der Besetzung des Stadtrates, oder für soziale Aktivitäten wie Grillfeste für benachteiligte Jugendliche. Den mehrheitlich muslimischen Bewohnern von Bobigny machten die Vereinsaktivisten dabei Versprechungen aus Tausendundeiner Nacht: Stadtteilrenovierung, Arbeit für alle, Umsiedlung in schönere Wohnungen und mehr.

Im Gegenzug bläuten sie den Glaubensgenossen bei den kommenden Wahlen ein, UDI zu wählen. Für diese Art von Wahlkampfhilfe versprach die UDI den Vereinsaktivisten im Gegenzug ein islamisches Zentrum in Bobigny. Dieses entstand nach gewonnener Wahl tatsächlich in bester Lage im Zentrum der Stadt. Die Summe von einer Million Euro für das Grundstück erwarb der Trägerverein innerhalb von nur drei Monaten durch Spenden unter anderem von der islamischen Wohlfahrtsorganisation Barakacity, die teilweise von Katar finanziert wird und Terrororganisationen wie die Hamas unterstützt. Sie steht zudem im Verdacht, die Rekrutierung von Dschihadisten in Frankreich und der Welt zu betreiben.

Im Rathaus herrscht seit der Machtübernahme durch die UDI 2014 ein Klima des Terrors, unter dem die bis dahin regierenden Kommunisten schon während des Wahlkampfes gelitten haben. Dafür verantwortlich ist vor allem Christian Bartholomé. Der Erste Beigeordnete der Stadt und nebenbei parlamentarischer Mitarbeiter von Lagarde wurde zusammen mit Kianoush Moghadam, dem Leiter der Territorialentwicklung, Anfang 2016 wegen „gemeinschaftlicher Gewalt“ zu einem „Staatsbürgerschaftspraktikum“ und der Zahlung von 10000 Euro Schmerzensgeld an Sabrina Saïdi verurteilt. Saïdi, die ehemalige Beigeordnete für Kleinkindangelegenheiten, war von den beiden Beigeordneten massiv bedroht worden. „Du begibst dich hier auf einen Boden, der gefährlich für dich ist“, war einer der Sätze, die gefallen sein sollen. Saïdi wurde von den beiden Verurteilten verdächtigt, Urheberin eines Flugblattes zu sein, auf dem die brisanten, kriminellen Verbindungen einer anderen Mitarbeiterin der Stadt offengelegt wurden.

Es ging um Linda Benakouche, die Verantwortliche für städtische Sozialpolitik. Benakouche, die sich stets vollverschleiert zeigt (obwohl gesetzlich verboten) ist die Frau von Christophe Soumbou, der rechten Hand von Youssouf Fofana, dem Chef der berüchtigten „Gang des Barbares“. 2006 hielt sie den Juden Ilan Halimi 24 Tage gefangen, bis ihn Soumbou zu Tode folterte – weil er Jude war. Benakouche selbst war bereits 2005 wegen gemeinschaftlicher Gewalt rechtskräftig verurteilt worden: Sie hatte eine im sechsten Monat Schwangere entführt und durch den Stoß eines Objektes in den Uterus den Tod des ungeborenen Kindes verursacht. Heute ist sie Vorsitzende einer lokalen Bürgervereinigung und „eine gute Freundin“ von Bartholomé und Moghadam.

Doch die Stadt Bobigny wartet nicht nur mit zweifelhaften Politikern auf, sie lässt auch den Steuerzahler zweifelhafte Aktivitäten finanzieren, zum Beispiel gratis Fitnessübungen für Vollverschleierte. Vollverschleierte Trainerinnen mit UDI-Parteibuch führen sie durch. All dies in der Hoffnung, die muslimischen Wähler an sich zu binden. Doch dieses Kalkül könnte sich als Trugschluss erweisen. Seit 2015 ist eine konfessionelle muslimische Partei in Planung.

Eva-Maria Michels


Ventil der Unzufriedenheit
Selbst in einer totalitären Diktatur wie der Nordkoreas lässt sich der politische Flüsterwitz nicht unterdrücken

Diktaturen mit ihrem Absolutheitsanspruch, mit ihrer großen Diskrepanz zwischen der Staatspropaganda und der Realität des grauen Alltags fordern geradezu zum Widerspruch der Zwangs-Untertanen heraus. In dieser Welt der totalen politisch-ideologischen Uniformierung und der Unterdrückung Andersdenkender blüht daher der politische Flüsterwitz. Er ist ein Ventil der Unzufriedenheit, der aufgestauten Verbitterung. Inhaltlich stellt er ein gewisses Spiegelbild der Verhältnisse des Landes dar, einen Gradmesser für die wahre Stimmung der Bevölkerung. Aus diesen heimlichen Witzen sprudelt indes keine Lebenslust. Vielmehr ist es Galgenhumor, gallig-böse, zynisch, keineswegs selten von Verachtung und Hass geprägt. Nach Berichten von Flüchtlingen aus dem „Paradies“ des Diktators Kim Jong-un haben gerade in der jüngsten Zeit die Vielzahl und ebenfalls die ätzende Schärfe dieses illegalen Humors stark zugenommen, wie einige willkürlich ausgewählte Beispiele zeigen:

Auf einer Straße in Pjöngjang verprügeln drei Nordkoreaner einen Parteifunktionär. „Helfen Sie doch, Genosse!“, schreit er einem tatenlos zusehenden Soldaten an. Der aber winkt ab, „Drei sind genug.“

„Was ist der Unterschied zwischen unserer geliebten Volksregierung in Pjöngjang und den verbrecherischen Salafisten in Syrien?“ „Salafisten haben Sympathisanten!“

In einer Straßenbahn Pjöngjangs fragt ein Fahrgast seinen Nachbarn höflich-untertänig: „Verzeihung, teurer Genosse, arbeiten Sie vielleicht im Zentralkomitee unserer verehrten Partei?“ „Nein.“ „Sind Sie, teurer Genosse, vielleicht in unserem geliebten Ministerium für Staatssicherheit tätig?“ „Nein.“ „Haben Sie, teurer Genosse, vielleicht eine hohe Position in unserer berühmten Volksarmee?“ „Nein!“ „Sie blöder Idiot! Hauen Sie ab, Sie stehen ständig auf meinen Füßen!“

„Warum kommt ein Einwohner der Demokratischen Volksrepublik Korea niemals in die Hölle?“„Weil er diese schon auf Erden hat.“

Die Spionagechefs aus China, Japan, den USA und Russland sowie aus Nordkorea wollen ihre Tüchtigkeit beweisen. Jedes Team erhält eine Maus, welche sie laufen lassen und die dann schnell in einem Holzstapel verschwindet. Der Herr aus Tokio setzt ein Abhörgerät ein, und nach einem halben Tag kann er seine Maus vorzeigen. Der Herr aus Moskau benutzt einen Roboter, der nach drei Stunden seine Maus eingefangen hat. Der Herr aus Washington verwendet einen Satelliten, nach einer Stunde kann er seine Maus vorzeigen. Den eindeutigen Sieg nach nur zehn Minuten erringt der Spionagechef Nordkoreas. Die anderen Teilnehmer kritisieren wütend, das vorgeführte Tier sei keine Maus, sondern ein Hund. Schluchzend erklärt das Tier: „Ich bekenne bei meinem Ehrenwort, ich bin eine Maus! Bitte anerkennen Sie, dass Ich eine Maus bin. Andernfalls werde ich erschossen.“

Putin und Kim Jong-un wollen die Loyalität ihrer Leibwächter prüfen. Auf der 20. Etage einer Mos­kauer Regierungsstelle befiehlt der russische Präsident seinem Bodyguard Iwan, aus dem Fenster zu springen. Dieser fleht um Rücknahme des Befehls: „Ich habe Frau und Kind, die daheim auf mich warten.“ Putin zeigt sich ausnahmsweise gnädig und pfeift ihn zurück. Als der nordkoreanische Leibwächter Lee zum Fenster läuft, schreit Putin: „Bist Du verrückt? Wir sind auf dem 20. Stockwerk, Du wirst sterben!“ Beim Sprung aus dem Fenster ruft Lee zurück: „Präsident Putin, lassen Sie mich springen! Ich habe Frau und Kind, die daheim auf mich warten.“

Ein Reporter fragt den Dorfältesten, ob er in seinem langen Leben auch immer gut zu essen und zu trinken hatte. „Jawohl, unter der genialen Fürsorge unseres großen und geliebten Staatsführers Kim Jong-un!“ „Hattest Du auch stets ein warmes Haus?“, will der Reporter des Partei-Zentralorgans wissen. „Jawohl, unter der genialen Fürsorge unseres großen und geliebten Staatsführers Kim Jong-un!“ „Liest Du auch immer noch unsere Partei-Zeitung?“, möchte der Genosse Reporter abschließend erfahren. „Selbstverständlich!“, strahlt der alte Mann, „Wie könnte ich sonst wissen, dass ich immer genug Fleisch und Fisch essen sowie stets Milch trinken und in einem warmen Haus leben konnte?“

Ein Brite, ein Franzose und ein Nordkoreaner stehen in einem Museum, welches das berühmte Gemälde vom Garten Eden mit Adam und Eva mit einem Apfel zeigt. Der Brite betont stolz, Adam sei bestimmt ein Landsmann von ihm gewesen,  da er ein Gentleman war und den Apfel mit Eva teilte. Der Franzose pocht darauf, Adam wäre ein echter Franzose, da er nackt mit Eva zu sehen sei. Meint der Nordkoreaner sehr selbstbewusst: „Adam und Eva waren selbstverständlich Nordkoreaner. Sie hatten keine Kleider, kaum etwas zu essen und dachten immer noch, sie befänden sich im Paradies!“

An der Kim-Il-sung-Universität legt der Genosse Professor den Genossen Studenten die drei Wirtschaftssysteme der Welt dar, die mangelhafte kapitalistische Unordnung des Westens und die nordkoreanische sozialistisch-ökonomische Ordnung. „Welches System ist das beste?“, will er von einem seiner Studenten wissen. Meint dieser zögernd: „Die Frage ist nicht leicht zu beantworten.“ Schimpft der linientreue Genosse Professor: „Es gibt nur eine wahre Antwort: Unser System ist das Beste, das auch dazu bestimmt ist, die gesamte Welt zu gewinnen!“ Der ideologisch so zusammengestauchte Student stammelt dann auch linientreu: „Das ist wirklich phantastisch! Aber wenn unsere Wirtschaftsordnung die ganze Erde überrennt, woher bekommen wir dann unsere ausländischen Ernährungs-Hilfen?“

Mitglieder-Konferenz der Partei. Erzählt der Funktionär, in Hamheung-si werde jetzt eine Chemie-Fabrik eingeweiht. Zweifelt ein Genosse: „Ich war letzte Woche dort und habe nichts gesehen.“ Entgegnet der Funktionär: „Genosse, lass’ das Herumlaufen und lies die Zeitung nochmals genau!“

„Warum werden bei uns die Doppelbetten immer für drei Personen hergestellt?“ „Weil Kim Jong-un überall und stets dabei ist.“

„Hast Du gehört? Kim Jong-un hat einen Arm gebrochen.“ „Wessen?“

Genosse Park brüllt über den Marktplatz in Pjöngjang überlaut „Kim Jong-un ist blöd!“ Ein Geheimprozess verurteilt ihn zu elf Jahren und elf Monaten Arbeitslager. Elf Monate für die Beleidigung, elf Jahre für den öffentlichen Verrat von Staatsgeheimnissen.

Ein Arbeiter hat einen schönen großen Fisch geangelt und freut sich auf ein gutes Essen. Seine Frau aber winkt traurig ab: „Wir haben kein Speiseöl.“ Auf den Hinweis, den Fisch zu schmoren, muss sie eingestehen, keinen einzigen einwandfreien Topf zu besitzen. „Und den Fisch grillen?“ Doch sie kann nur klagen: „Wir haben kein Brennholz bis jetzt bekommen.“ Verärgert wirft der Nordkoreaner den Fisch in den Fluss zurück, der begeistert ruft: „Lang lebe unser ruhmreicher Führer Kim Jong-un!“

Kim Jong-un besucht eine Kollektiv-Farm, die besonders schöne Schweine züchtet. Das sofort gemachte Foto will die Parteizeitung groß veröffentlichen, doch der Chefredakteur zögert mit der Bildunterschrift: „Hm, Genosse Kim Jong-un ist von schönen Schweinen umgeben. Hm. Die schönen Schweine mit Genosse Kim Jong-un? Nein.“ Schließlich einigt man sich auf die Formulierung: „Genosse Kim Jong-un ist der Dritte von links.“

Man sollte diese politischen Witze in ihrer Wirkung nicht überbewerten. Doch solange diese im Norden Koreas kursieren und die Bevölkerung über sie lacht und sie weiter erzählt, werden auch in der „Demokratischen Volksrepublik“ die geistige Freiheit und ebenso diejenige der Menschen nicht untergehen.

Friedrich-Wilhelm Schlomann


MELDUNGEN

Roter Stern wird verboten

Budapest – Die ungarische Regierung hat dem Parlament ein Gesetz zum Verbot totalitärer Symbole in der Werbung vorgelegt. Von der Maßnahme wird vor allem der niederländische Brauereikonzern Heineken betroffen sein, dessen Firmenlogo von einem dem kommunistischen Symbol entsprechenden fünfzackigen Roten Stern gebildet wird. Dem Gesetzesvorschlag vorausgegangen war ein Markenrechtsstreit im rumänischen Siebenbürgen, bei dem sich Heineken trotz äußerst schwacher Argumente gegenüber einer von ungarischen Szeklern betriebenen Brauerei durchsetzte und das bei dieser Volksgruppe beliebte Csíki-Bier verbieten ließ. Dies wird in Ungarn als ethnopolitischer Angriff des westlichen Großkonzerns angesehen.   T.W.W.

 

Ehrgeiziges Bundesamt

Berlin – Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat sich vorgenommen, den Übernahmebestand von alten Verfahren aus dem vergangenen Jahr von noch 434000 offenen Entscheidungen möglichst zügig abzuarbeiten und die seit Anfang 2017 eingegangenen neuen Asylverfahren in maximal drei Monaten zu bearbeiten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Linkspartei hervor. „Unter Zugrundelegung des voraussichtlichen Personalbestands und der erfahrungsgemäß erreichbaren durchschnittlichen Fallzahlen je Mitarbeitendem wurde ein möglicher Abbaupfad für die Altverfahren geplant und mit dem Bundesministerium des Innern besprochen“, heißt es darin weiter. Unter Berücksichtigung der erreichten Ergebnisse 2016 und der aktuellen Asylgesuche 2017 sei der Abbau der Altverfahren um 329000 Verfahren auf insgesamt gut 100000 anhängige Altverfahren bis Ende Mai 2017 festgelegt worden. Im Schnitt müssten hierfür rund 3200 Verfahren täglich entschieden werden.    J.H.

 

SPK geht in Berufung

Berlin – Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) hat Berufung gegen die Entscheidung des US-amerikanischen Bezirksgerichts in Washington, D.C. eingelegt, eine Klage auf Rückgabe angeblicher NS-Raubkunst zuzulassen. Im Februar 2015 hatten drei Angehörige jüdischer Kunsthändler vor diesem Gericht eine Klage auf Herausgabe des Welfenschatzes eingereicht, welche die Richter in einigen Punkten für zulässig erklärten (siehe PAZ 14/2017). Die SPK begründet ihre Berufung damit, dass dieser Fall nicht vor ein US-amerikanisches Gericht gehöre. Hermann Parzinger, Präsident der SPK, sagte dazu: „Wir sind außerdem weiterhin der Ansicht, dass der Verkauf des Welfenschatzes 1935 kein NS-verfolgungsbedingter Zwangsverkauf und die Klage daher auch in der Sache unbegründet ist. Zu dieser Auffassung sind wir nach gründlicher Forschung gelangt. Die Beratende Kommission hat sie bestätigt und 2014 festgestellt, dass eine Restitution in diesem Fall nicht angemessen wäre. Die jahrelange Praxis der SPK zeigt, dass sie sich für faire und gerechte Lösungen bei der Restitution von NS-Raubgut im Sinne der Washingtoner Prinzipien einsetzt – dies hat sich nicht geändert.“ J.H.


S. 3 Deutschland

Wohnraumnot und steigende Mieten
In- wie Ausländer streben in Deutschlands Städte, und dort sind freie Baugrundstücke rar

Einer Studie des Bundesbauministeriums (BMUB) sowie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zufolge gibt es in vielen Großstädten zu wenig bebaubare Flächen. Dies führt zu einer Wohnraumnot und zu teilweise explodierenden Mieten.

„Die Bereitstellung von Bauland ist der Schlüssel für den Bau neuer bezahlbarer Wohnungen“, sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) anlässlich der Vorstellung der Studie. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, haben Forscher des Bonner Beratungsinstituts Quaestio dafür von 2014 bis 2016 die lokalen Wohnungsmärkte in den fünf wachsenden Großstädten Aachen, Dresden, Düsseldorf, Freiburg und Nürnberg untersucht. Dass dort kaum kostengünstige Wohnungen geschaffen wurden, liegt der Studie zufolge vor allem an den hohen Grund­stücks­preisen. Daher emp­fehlen die Forscher den Städten, in denen kaum noch Grundstücke zur Verfügung stehen, die Ausweisung von neuen Baugebieten. „Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine entsprechend koordinierte regionale Siedlungs- und Verkehrsentwicklung“, so die Experten.

Bereits im vergangenen Jahr wurde für eine Studie von Allianz und Prognos der Wohnraum in Ballungszentren analysiert. Demnach fehlen in den zehn am stärksten wachsenden Städten und Regionen in den kommenden 15 Jahren rund 940000 Wohnungen. Am schwierigsten war der Wohnungsmarkt laut der Studie in Berlin, der Region München, dem Rhein-Main-Gebiet und rund um Stuttgart. Dort fehlen bis 2030 jeweils rund 150000 bis 170000 Wohnungen. Verantwortlich für die Wohnungsnot sind der wachsende Zuzug aus ländlichen Regionen sowie die Zuwanderung aus dem Ausland. Dazu kommt der Trend zu Singlewohnungen. Auch bei dieser Studie kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass es an zielführenden Initiativen fehle. „In den betroffenen Regionen wird zu wenig gebaut, um die Nachfrage nach Wohnraum befriedigen zu können.“

Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2045 rund 85 Millionen Menschen in Deutschland leben werden. Allerdings werde das Bevölkerungswachstum nicht überall zu spüren sein. Viele Regionen in Mitteldeutschland würden weiter entvölkert, in Sachsen-Anhalt könnte die Zahl der Haushalte um ein Viertel schrumpfen. „Die Ballungsgebiete haben eine ungebrochene Attraktivität auch im Hinblick auf den Arbeitsmarkt. Allerdings ist bezahlbarer Wohnraum immer schwieriger zu finden“, heißt es.

Die neueste Studie kommt zu dem gleichen Ergebnis. Allerdings seien nicht nur die hohen Grundstückspreise ein zentrales Problem. „Komplexe Planungs- und Genehmigungsverfahren und das knappe Personal in den Verwaltungen behindern eine rasche Reaktion auf die wachsende Nachfrage“, schreiben sie. Widerstände gegen Neubauten sorgten ebenso für Verzögerungen wie Kapazitätsengpässe in Planungsbüros und Bauunternehmen.

Hinzu kommt, dass mit dem städtischen Bauland teilweise mächtig Schindluder getrieben wird. Eike Becker, einer der renommiertesten deutschen Architekten, hat in einem Gespräch mit dem Norddeutschen Rundfunk unlängst Alarm geschlagen. Der Trend zur Baulandspekulation nehme stark zu: „In Berlin etwa gibt es 22000 Baugenehmigungen, aber nur 40 Prozent davon werden realisiert. Also 60 Prozent eben nicht und ein wesentlicher Teil ist eben auch Spekulation.“ Das Phänomen gebe es in allen wachsenden Städten, ob in Berlin, Münster oder Kiel.

In Hamburg berichtet der Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmer (VNW) von einer ausgeprägten Baubereitschaft der Branche. Alleine die benötigten Grundstücke seien zu teuer. „Wir können preislich oft nicht mithalten“, sagt VNW-Landeschef Marko Lohmann. Private Bauträger und Projektentwickler, die Eigentumswohnungen im gehobenen oder gar im Luxussegment errichten, müssten wegen der hohen Endverkaufspreise, die ihre Käufer zu zahlen bereit sind, nicht so stark auf die Grundstückskosten achten. Teilweise wird aber gar nicht erst gebaut. Die Bodenpreise in Deutschlands Städten explodieren, Spekulieren lohnt sich darum oft mehr als Bauen. Üblicherweise würden die Bodenkosten bei einem Bauprojekt etwa ein Viertel der Gesamtkosten ausmachen. In begehrten Lagen sei es heute aber eher ein Drittel, sagen Experten. Das hat dramatische Folgen: „Es gibt einen Punkt, ab dem die Bodenpreise einen so großen Einfluss auf die Kalkulation des Projektes haben, dass da natürlich günstiges Wohnen überhaupt nicht mehr möglich ist“, sagte Christoph Gröner, Inhaber der CG Gruppe, dem größten Bauherren von Geschosswohnungen in Deutschland, gegenüber dem NDR.

Wo Gröner bisher für zehn bis zwölf Euro Miete pro Quadratmeter planen und bauen konnte, sind es heute eher 14 bis 16 Euro. Zwar seien auch die Baukosten gestiegen, der wirkliche Preistreiber bei den Neubaumieten sei aber der Bodenpreis, der sich vielerorts verdoppelt oder gar verdrei­facht habe. Mittlerweile ist die Politik hellhörig geworden. Der Bayerische Gemeindetag appellierte an die bayerische Staats- und an die Bundesregierung, „intensiv über die Einführung einer sogenannten Baulandsteuer nachzudenken“. Damit könnte „möglicherweise der weitverbreiteten Spekulation auf brachliegende Grundstücke begegnet und dringend benötigtes Bauland mobilisiert werden“, so Gemeindetagspräsident Uwe Brandl. Bereits in den 1960er Jahren gab es sie, wenn auch nur für zwei Jahre. Die Grundsteuer auf unbebaute Grundstücke stieg mit der Zeit des Brachliegens an. Ziel war es damals, Bodenbesitzer zum Bauen oder zum Verkaufen zu bewegen. „Es wäre ein wichtiges Signal“, sagt Brandl.            Peter Entinger


MELDUNGEN

Mehr Afghanen abgelehnt

Berlin – Im vergangenen Jahr stellten nach Angaben der Bundesregierung 127000 afghanische Staatsangehörige in Deutschland einen Asylantrag. Die Zahl der Entscheidungen betrug 67400. Anerkennungen als Asylberechtigte beziehungsweise Flüchtlinge oder die Gewährung von subsidiärem Schutz erfolgten in knapp 20000 und die Feststellung eines Abschiebungsverbots in über 18000 Fällen, während es in knapp 25000 Fällen zu Ablehnungen und in knapp 5000 zu „sonstigen Verfahrenserledigungen“ kam. In den beiden ersten Monaten des laufenden Jahres wurden knapp 30000 Entscheidungen über Asylerstanträge afghanischer Staatsbürger gefällt, von denen knapp 7000 anerkannt und gut 14000 abgelehnt wurden. In gut 6000 wurde ein Abschiebeverbot ausgesprochen.  J.H.

 

Ab 2025 gibt es einheitliche Rente

Berlin – Ab 2025 soll bundesweit ein einheitliches Rentenrecht gelten. Dazu hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Angleichung des bisher unterschiedlichen Rentenrechts „in Ost und West“ in sieben Schritten vorsieht. In einem ersten Schritt soll der aktuelle sogenannte Rentenwert (Ost) zum 1. Juli 2018 auf 95,8 Prozent des Westwertes angehoben werden. Die „Bezugsgröße (Ost)“ und die „Beitragsbemessungsgrenze (Ost)“ sollen zum 1. Januar 2019 an die Höhe des jeweiligen Westwertes angenähert werden und diesen bis zum 1. Januar 2025 vollständig erreicht haben. In weiteren Schritten soll der Verhältniswert zwischen aktuellem Rentenwert (Ost) und dem Westwert jedes Jahr um 0,7 Prozentpunkte angehoben werden, bis der aktuelle Rentenwert (Ost) zum 1. Juli 2024 die Höhe des Westwertes erreicht hat. Ab diesem Zeitpunkt soll dann im gesamten Bundesgebiet ein einheitlicher Rentenwert gelten.             J.H.


S. 4 Absturz der Grünen

Fürchten um Parlamentseinzug
Der Schwund an Zustimmung für die »Verbotspartei« ist dramatisch

Wenige Monate vor den Bundestagswahlen stecken die Grünen in einer Krise. Gleich mehrere Umfrageinstitute sehen die Partei nur noch einen oder zwei Punkte über der Fünf-Prozent-Hürde.

Nach früheren Umfragehochs scheint damit nicht einmal sicher, ob die Partei im Herbst überhaupt wieder im Bundestag vertreten sein wird. Kritisch könnte es schon Mitte Mai bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen werden. An Rhein und Ruhr sehen weite Teile der Bevölkerung die bisherige Arbeit von Rot-Grün skeptisch.

Der Schwund an Zustimmung für die Grünen ist dramatisch. In einer Forsa-Umfrage lag die Partei im Herbst 2010 noch bei 24 Prozent. Erstmals seit ihrem Entstehen rangierten die Grünen damals bei einer bundesweiten Befragung gleichauf mit der SPD. Mittlerweile sind die Grünen kaum noch eine ernsthafte Konkurrenz für die Sozialdemokraten. Mehr noch: Das Formtief der Öko-Partei gefährdet sogar ihre Rolle als möglicher Mehrheitsbeschaffer für Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) und für ihren Herausforderer Martin Schulz (SPD). Schaffen es die Grünen im Herbst nicht in den Bundestag, dann sind von „R2G“ (SPD, „Linke“, Grüne) über Schwarz-Grün bis hin zu einem Jamaika-Bündnis (Union, FDP, Grüne) gleich mehrere Koalitionsmodelle auf Bundesebene für Jahre nicht mehr realisierbar.

Bei Meinungsforschungsinstituten und in den Medien hat inzwischen eine Diskussion über die Ursachen der Krise bei den Grünen eingesetzt. Das Allensbach-Institut bescheinigte der Partei unlängst ein Imageproblem. Demzufolge nehmen die Deutschen die Grünen mittlerweile vor allem als unsympathisch und als belehrend wahr. Tatsächlich haben einige Politiker stark dazu beigetragen, dass den Grünen mittlerweile der Ruf einer „Verbotspartei“ vorauseilt. Die präsentierte Wunschliste reicht von der Forderung nach einem wöchentlichen „Veggie Day“ über ein Verbot von Dieselfahrzeugen und Spargelzucht unter Folien bis hin zu einem Wildtierverbot im Zirkus.

Zu Recht merken viele Beobachter in den Medien auch an, dass die Grünen mit Merkels Beschluss zum Atomenergieausstieg eines ihrer Kernthemen verloren haben. Auf eine hohe Zustimmung bei Stammwählern der Grünen kann die Kanzlerin inzwischen auch mit ihrer Asylpolitik rechnen.

Aus Sicht vieler langjähriger Mitglieder und Unterstützer haben die Grünen zudem auch ihre lange Zeit verfolgte Sonderrolle in der Sicherheits- und Friedenspolitik verloren. Vor allem in der Frühphase gab es bei den Grünen eine stark pazifistisch geprägte Grundströmung. Im Kontrast zu diesem Selbstverständnis fand der erste Kampfeinsatz der Bundeswehr im Jahr 1998 unter dem grünen Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer statt.

Geht es um wichtige Probleme wie die Kriminalitätsbekämpfung oder den Kampf gegen den Terrorismus, dann haben die Grünen oftmals keine Antworten, die auf breite Bevölkerungsschichten überzeugend wirken. Verschärfend kommt hinzu, dass sich frühere Ideen der Partei inzwischen in der Realität ganz offensichtlich als Irrwege erweisen. Dies gilt etwa für die Kostenexplosion bei der Energiewende, aber auch für die Idee einer unbeschränkten Zuwanderung und den Umbau Deutschlands zu einer multikulturellen Gesellschaft.            

Norman Hanert


Fast wie nach der »Wende«
In ernsten Zeiten wird fehlende Bodenhaftung zum Problem

Den Grünen gelang 1983 erstmalig der Einzug in den Bundestag. Dem Durchbruch bei der Bundestagswahl folgte der Einzug in insgesamt acht Landtage. Trotz Turbulenzen und Flügelkämpfen zwischen Pragmatikern und Fundamentalisten gelang es den Grünen in den 80er-Jahren, sich als neue Kraft im bundesdeutschen Parteiensystem zu etablieren. Nicht ganz ein Jahr nach der Katastrophe, die sich im April 1986 im Atomkraftwerk Tschernobyl ereignete, können die Grünen bei den Bundestagswahlen Anfang 1987 nochmals auf 8,3 Prozent zulegen.

Die ersten gesamtdeutschen Wahlen Ende 1990 sorgen allerdings für Ernüchterung: Die Grünen scheitern im alten Bundesgebiet ganz deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde. Trotz dieser Schlappe sorgt eine Listenverbindung der Grünen mit dem Bündnis 90 im Wahlgebiet Ost dafür, dass zumindest acht mitteldeutsche Abgeordnete des gemeinsamen Wahlbündnisses dem zwölften Bundestag angehören.

Rot-grüne Bündnisse in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hamburg ebnen in den 90er Jahren den Weg für die erste Koalition zwischen SPD und Grünen auf. Nach der Bestätigung der Koalition bei der  Bundestagswahl 2002 bedeuten die von Kanzler Gerhard Schröder herbeigeführten vorzeitigen Neuwahlen des Jahres 2005 das Aus für die erste rot-grüne Bunderegierung.

Auf Landesebene werden seitdem neue Optionen getestet: In Hamburg kommt es 2008 erstmals zu einer Koalition mit der CDU, 2009 wird im Saarland ein Jamaika-Bündnis mit der CDU und der FDP geschlossen. Nach der Fuku-shima-Katastrophe schneiden die Grünen in Baden-Württemberg so stark ab, dass sie seit 2011 in einer Koalition mit der CDU erstmals das Amt des Ministerpräsidenten besetzen.

Eine anhaltende Masseneinwanderung nach Deutschland, islamische Terroranschläge und die Ereignisse der berüchtigten Kölner Silvesternacht sind der Hintergrund eines massiven Einbruchs der Zustimmungswerte für die Grünen. Sie haben sich in den letzten zwölf Monaten hal-biert. N.H.


Schwarz-Grün, R2G, Jamaika, oder Ampel?

Innerhalb der CDU/CSU gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Befürwortern eines schwarz-grünen Bündnisses. Erst im April hat der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende und Stellvertreter eines grünen Ministerpräsidenten Thomas Strobl erklärt, dass er nach der Bundestagswahl im September eine Koalition zwischen Union und Grünen auch auf Bundesebene für möglich hält. Mit den Umfragetiefs der Grünen ist die Wahrscheinlichkeit einer ersten schwarz-grünen Bundesregierung allerdings drastisch gesunken. Chancen hätte diese Option nur, wenn die Grünen deutlich mehr Zustimmung gewinnen und am 24. September über zehn Prozent erzielen.

Insbesondere seit der Saarlandwahl vom 26. März stehen führende Sozialdemokraten dem Modell einer rot-rot-grünen Koalition (R2G)) skeptisch gegenüber. Die Wahl hat gezeigt, dass die Aussicht der Wähler auf ein Bündnis zwischen der SPD und der „Linken“ zu einer Stärkung der CDU führt.

Schaffen Grüne und FDP den Sprung in den Bundestag, könnte es zu einer Premiere kommen: einer Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen auf Bundesebene. Ein derartiges Bündnis wäre nicht nur wegen so höchst unterschiedlicher Partner wie der CSU und den Grünen ein schwieriges Unterfangen.

Im Gegensatz zur CSU können Grüne und FDP auch mit Avancen von Seiten der SPD rechnen. Laut Medienberichten sollen SPD-Chef Martin Schulz und dessen Vorgänger Sigmar Gabriel mittlerweile intensiv über eine Dreierkoalition aus SPD, FDP und Grünen nach den Bundestagswahlen nachdenken. Aus Sicht der Sozialdemokraten böte eine solche Ampel-Koalition einen sehr entscheidenden Vorteil gegenüber der jetzigen Großen: Als stärkste Kraft innerhalb der Dreierkoalition könnte die SPD mit Martin Schulz den Kanzler stellen und müsste sich nicht mit der Rolle des Juniorpartners begnügen.          

                W.K.


Zeitzeugen

Katrin Göring-Eckardt – Nachdem die Grünen im vergangenen März bei der Landtagswahl im Saarland an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert waren, diagnostizierte die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag: „Die Themen, mit denen wir derzeit draußen sind, werden nicht gerade so wahrgenommen, dass es der heiße Scheiß der Republik ist.“

Jürgen Trittin – Als Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der ersten rot-grünen Bundesregierung hatte der 1954 geborene Diplom-Sozialwirt maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Mit Blick auf die Kosten sagte Trittin im Jahr 2004: „Es bleibt dabei, dass die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund einen Euro im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis.«

Peter Altmaier – Der 1958 geborene CDU-Politiker gilt als ein früher Befürworter einer Öffnung der Union gegenüber den Grünen. Der beurlaubte EU-Beamte ist seit dem Jahr 2013 Bundesminister für besondere Aufgaben und Kanzleramts-chef. Politische Beobachter haben die Ernennung des Merkel-Vertrauten zum Gesamtkoordinator der Asylthematik im Oktober 2015 überwiegend als eine teilweise Entmachtung seines Parteifreundes Innenminister Thomas de Maizière gewertet.

Jan Fleischhauer – Der 1962 geborenen „Spiegel“-Kolummnist bewertete Peter Altmaier mit den Worten: „Das Problem mit Altmaier ist, dass er sein Leben lang in der falschen Partei war – so wie andere Leute ein Leben lang im falschen Körper stecken. Er fühlte sich immer als Grüner.“

Renate Künast – In einem Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“ regte die ehemalige Fraktions-Chefin Renate Künast im Jahr 2014 einen selbstbewussteren Umgang mit Verboten an: „Natürlich haben manche ein Interesse daran, das Wort Verbot als etwas Schlechtes zu denunzieren. Sie wollen den Eindruck erwecken, dass es sich bei denen, die etwas verbieten wollen, um miesepetrige Leute handelt und dabei ihre Einnahmequellen sichern. Aber Verbote können auch etwas Gutes haben“, so die Grünen-Politikerin.


S. 5 Preussen/Berlin

Hauptstadt des Verbrechens
Kriminalitätsstatistik 2016 veröffentlicht: Berlin gerät immer mehr auf die schiefe Bahn

Die kürzlich veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 stellt der deutschen Hauptstadt ein beunruhigendes Zeugnis aus. Berlin ist zur Hauptstadt des Verbrechens mutiert. Doch die Politik hat die Polizei finanziell wie personell ausgedünnt. Und ob Rot-Rot-Grün aus der alarmierenden Entwicklung endlich die richtigen Konsequenzen zieht, erscheint trotz allem fraglich.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl wurden im vergangenen Jahr in keinem anderen Bundesland und in keiner anderen Großstadt Deutschlands mehr Verbrechen verübt als in Berlin. Die Polizei erfasste im Jahr 2016 in Berlin 16161 Taten pro 100000 Einwohner.

Gefolgt von Leipzig, Hannover und Frankfurt am Main rangiert die deutsche Hauptstadt damit nun an der Spitze der Liste der „gefährlichsten Städte“. Die Berliner Polizei registrierte 2016 insgesamt 568860 Straftaten. Eine höhere Zahl von registrierten Körperverletzungen ließ auch die Gesamtzahl der Gewalttaten (62612 Fälle) im Vergleich zum Vorjahr steigen.

Ein Vergleich mit München zeigt, wir besorgniserregend sich die Situation in Berlin mittlerweile entwickelt. Für die bayerische Landeshauptstadt weist die Statistik lediglich 7909 Straftaten pro 100000 Einwohner aus, weniger als die Hälfte. Einen weiteren Negativ-Rekord stellt Berlin auch bei der Aufklärung von Straftaten auf. Mit lediglich 40,5 Prozent weist die Statistik für 2016 im Bundesvergleich die geringste Aufklärungsquote auf.

Speziell die Berliner Zahlen zur Gewaltkriminalität stützen die Einschätzung, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bei der Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 abgab: Deutschland habe es mit einem „Anstieg von Respektlosigkeit, Gewalt und Hass“ zu tun, so de Maizière, der von einer „Verrohung der Gesellschaft“ sprach.

Tatsächlich ist die Gewaltkriminalität bundesweit angestiegen: Die registrierten Fälle von Mord und Totschlag kletterten im vergangenen Jahr um 14,3 Prozent. Auch bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung lag der Anstieg bei 12,8 Prozent. Gerade im Fall Berlins besteht die Gefahr, dass sich die Sicherheitslage in den kommenden Jahren sogar noch weiter verschlechtert.

Sowohl in Berlin als auch in Brandenburg ist die Nähe einer unkontrollierten Grenze an der Kriminalitätsentwicklung deutlich spürbar. Grenzkontrollen gelten bislang immer noch als politisches Tabu. In Teilen Berlins haben sich zudem in den vergangenen Jahren immer mehr rechtsfreie Zonen und Kriminalitätsschwerpunkte breitgemacht. In Vierteln wie Moabit, Neukölln oder Wedding sind zudem Parallelgesellschaften entstanden, in denen einzelne arabische Großclans das Gewaltmonopol des Staates immer stärker in Frage stellen.

Im Kontrast dazu steht die Ausstattung von Polizei und Justiz. Unter einem allgemeinen Sparzwang hatte der damalige rot-rote Senat seit 2001 die Zahl der Berliner Polizisten deutlich reduziert. Dem gegenüber ist die Bevölkerungszahl Berlins allein in den vergangenen fünf Jahren um fast eine Viertelmillion Menschen angewachsen. Wenn künftig überhaupt noch eine effektive Strafverfolgung möglich sein soll, ist eine deutliche personelle Aufstockung bei Polizei und Justiz nötig, fordern Fachleute.

Doch dies ist nicht nur ein finanzielles Problem. Gerade die Berliner Polizei hat zunehmend Schwierigkeiten, überhaupt noch genügend Bewerber zu finden, die den Anforderungen des Polizeidienstes gewachsen sind. Hinzu kommen die politischen Rahmenbedingungen der rot-rot-grünen Koalition. Trotz spektakulärer Fahndungserfolge blockieren die Grünen bislang etwa die Einführung einer Videoüberwachung des öffentlichen Raums in Berlin.

Grund zur Sorge gibt auch der Zustand der Berliner Verwaltung. Erst vor Kurzem etwa wurde bekannt, dass die Berliner Bezirke bislang nicht einmal mit Geräten ausgestattet sind, mit denen sich Pässe von Asylbewerbern auf deren Echtheit prüfen lassen. Überprüfungen von Dokumenten, die im Bezirk Neukölln stattfanden, deuten jedoch auf ein gravierendes Problem hin: „Wir haben einen erheblichen Missbrauch durch die Nutzung von Scheinidentitäten und gefälschten Identitäten“, schätzt der CDU-Innenpolitiker Burkard Dregger die Lage ein.

Vor dem Hintergrund der Berliner Erfahrungen ist das bisherige Agieren in Sachen Identitätsprüfungen  kaum zu verstehen: Als vermeintliche Flüchtlinge aus dem Libanon kamen in den 1980er Jahre kurdische Großfamilien nach Berlin. Ausländerbehörde und Berliner Polizei haben zweitweise mit einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe „Ident“ mühselig die Herkunft der betreffenden Ausländer rekonstruieren müssen. Abschiebungen scheiterten seinerzeit regelmäßig an der Weigerung der Türkei zur Rücknahme. Politische Gründe führten im Jahr 2008 zudem dazu, dass die Berliner  Ermittlungsgruppe „Ident“ wieder aufgelöst wurde.

Einige dieser Großclans haben sich mittlerweile als feste Größen in der organisierten Kriminalität etabliert. Sie kontrollieren in Berlin Teile des illegalen Glückspiels, des Drogen- und Menschenhandels. Jugendliche Angehörige der Clans tauchen wiederum mit hoher Regelmäßigkeit in Polizeiberichten als so genannte Intensivtäter auf.           

                Norman Hanert


Berliner Geistesgrößen
von Vera Lengsfeld

Selig sind, die da geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich“, heißt es in der Bergpredigt. Ich will jetzt nicht darüber philosophieren, warum dieser Spruch als „dumm, aber glücklich“ missverstanden wurde. Gemeint ist, mit „geistlich arm“, dass Menschen sich mit „leerem Geist“ auf Gott einlassen sollen, also ohne ihre persönlichen Wünsche, Forderungen und Vorstellungen. Stattdessen sollen sie sich ganz auf Gott und sein Wort verlassen, um zu innerem Frieden, zum „Himmelreich“ zu finden.

Was dabei herauskommt, wenn man sich ganz den Vorstellungen und Forderungen des Zeitgeistes ergibt und dennoch einen eigenständigen Beitrag zur immer mehr um sich greifenden Schwachsinnsproduktion leisten möchte, hat ein Berliner Professor der Geologie jüngst vorgeführt.

Reinhold Leinfelder, so heißt der geistlich Arme, lehrt an der Freien Universität von Berlin. Um das bekanntlich niedrige Forschungspotenzial anzuheben, hat der Mann ausgerechnet, was unsere Hauptstadt wiegt, inklusive Müll und Büroklammern.

Ausgangspunkt des wissenschaftlichen Höhenflugs ist die Feststellung, dass die Stadt eine Fläche von 892 Quadratkilometern märkischen Sandbodens oder Sumpfes okkupiert, dessen Föhren und Grasstengel sich gewichtslos im Wind wiegten, umschwebt von Wölfen, Bären und anderem Getier, das keinerlei ökologischen Fußabdruck hinterließ. Das Paradies erstreckte sich über 45 Kilometer in der Länge und 38 Kilometer in der Breite. Leider wurde die Idylle von menschlichem Machwerk nachhaltig gestört. Und nun haben die Berliner den Salat, nein, die verheerenden Gewichte: Zwei Milliarden Tonnen schwer ist Berlin ohne seine 3,6 Millionen Einwohner! Rechnete man die dazu, kämen 281098 Tonnen hinzu. Wie viel die illegal in Berlin lebenden Zuwanderer auf die Waage bringen, daran wagt der Professor nicht einmal zu denken.

Er und sein „internationales Team“ sind damit beschäftigt, die „Technosphäre – das ist alles, was von Menschen und nicht von der Natur erschaffen worden ist“, zu gewichten. „Dazu gehören beispielsweise Häuser, Straßen, Plätze, Züge, Autos, Bleistifte, Büroklammern. Auch der Müll, den wir produzieren.“

Ergebnis: Der menschliche Auswurf auf der Erde wiegt 30 Billionen Tonnen. Im Mittelwert ist jeder Erd-Quadratmeter mit 50 Kilo Technosphäre belastet. „In Weiterführung unserer globalen Hochrechnung ergibt sich für Berlin ein Durchschnitt von 3000 Kilogramm pro Quadratmeter“, lautet Leinfelders alarmierender Befund. Bald wird die märkische Streusandbüchse diese Last nicht mehr tragen können. Dass Studenten aus Protest gegen solchen Unsinn jüngst Räume der FU besetzt hielten, ist allerdings ein Gerücht. Sie wandten sich gegen die „Ökonomisierung“ der Lehre.


Beschluss steht bevor
Einheitsdenkmal: Bundestag soll vor Sommerpause entscheiden

Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher und Kultursenator Klaus Lederer (beide Linkspartei) machen weiter Front gegen das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal vor dem wiedererstehenden Schlossbau (Humboldtforum). Dabei nutzen sie die teils skurrilen Wendungen, welche Bundes- und Landespolitik in der Frage vollführen (Die PAZ berichtete mehrfach).

Die neueste Volte: Lompscher kämpft für die Re-Installation von Mosaiken aus der Kaiserzeit, die einst den Sockel des Reiterstandbilds von Kaiser Wilhelm I. bedeckten, auf dem nun das Einheitsdenkmal errichtet werden soll. Die Mosaike waren entfernt und eingelagert worden. Offenbar sind die monarchiefeindlichen Postkommunisten also bereit, sogar die Rückkehr von Mosaiken, die kaiserliche Wappen zeigen, in Kauf zu nehmen, um den Aufbau eines Denkmals zu stoppen, das die demokratische Revolution gegen die kommunistische Diktatur ehren soll.

Dabei kommt ihnen das Hin und Her in der Position des Bundestages entgegen. 2007 war dort das Denkmal beschlossen worden. Als Siegerentwurf ging 2011 eine riesige begehbare Schale aus einem Wettbewerb hervor. 2011 aber stoppte der Bundestags-Haushaltsausschuss die Planungen, weil die veranschlagten Kosten von elf auf 14,6 Millionen Euro gestiegen waren.

Stattdessen sollten die alten Kolonnaden, welche vor der Zerstörung durch Krieg und Kommunismus den Bereich säumten, wiedererstehen. Dafür stellten die Haushälter nun sogar 18,5 Millionen Euro zur Verfügung. Dieses Vorgehen stieß auf Kritik im Bundestag. Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) wendete ein, ein Ausschuss könne keine Parlamentsbeschlüsse kassieren.

Nun also sollen die 18,5 Millionen für das Einheitsdenkmal („Einheitswippe“) bereitgestellt werden. Noch vor der Sommerpause will der Bundestag laut „Berliner Morgenpost“ einen entsprechenden Beschluss fassen, damit das Denkmal bis zum 9. November 2019, dem 30. Jahrestag des Mauerfalls, fertig werde.

Lompscher und Lederer dürften ihren Widerstand dennoch fortsetzen. Dabei ist aber nicht klar, inwieweit sie überhaupt für den Senat sprechen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) steckt zwischen den Positionen seiner dunkelroten Koalitionäre und der Bundes-SPD fest, die wie die Union das Einheitsdenkmal  unterstützt.       H.H.


Uni-Besetzung rasch beendet
FU-Kanzlerin Bör drohte linken Aktivisten mit der Polizei

Neun Stunden dauerte die Besetzung des Hörsaals „1a“ der Freien Universität (FU) in Berlin-Dahlem. Die Angehörigen einer Gruppierung, die sich „Uni von unten“ nennt, begründeten ihre Aktion mit der Forderung nach mehr Freiräumen und Selbstbestimmung: „Wir widersetzen uns dem alltäglichen Leistungszwang der Lernfabrik ‚Universität‘“, klagen sie, und weiter: „Was wir hier machen, ist eine kreative Aneignung von Freiraum.“

Bereits 2011 hatten linksextreme Aktivisten Räumlichkeiten an der FU besetzt, die seinerzeit auf Anforderung der Universitätsleitung durch die Polizei geräumt wurden. Diesmal nahmen die Besetzer die entsprechende Ankündigung der FU-Kanzlerin Andrea Bör ernst und machten sich rechtzeitig aus dem Staub, um sich gleichzeitig per Internet-Botschaft zu beschweren: „Viele waren entsetzt, dass ihre Uni ihnen die Polizei auf den Hals hetzt“. Trotzig sehen sich die Besetzer im Recht: „Wir hatten den Wunsch, etwas anzustoßen. Und das hat auch funktioniert“.

Seit dem 18. Januar kam es an der in Berlin-Mitte gelegenen Humboldt-Universität (HU) zu Besetzungsaktionen. Zur Unterstützung des früheren Stasi-Mitarbeiters Andrej Holm hatten linke Aktivisten gleich das komplette Institut für Sozialwissenschaften besetzt. Die Besetzung dauerte wochenlang, währenddessen Holm erst als Staatssekretär beim Bausenator entlassen wurde und dann auch seine Beschäftigung bei der Universität verlor. Der Grund dafür war nicht etwa seine Stasi-Tätigkeit, sondern der Umstand, dass er dieselbe bei seiner Einstellung verschwiegen hatte.

Erst nachdem die Universität Holms Kündigung zurücknahm, waren die linken Studenten bereit, die Räumlichkeiten wieder freizugeben. Holm forscht als Stadtsoziologe zu den Verdrängungsprozessen durch „Gentrifizierung“. Mit anderen Worten: Er beschäftigt sich damit, dass Wohnungsmodernisierung Geld kostet, was zu steigenden Mieten führt, die sich der eine oder andere dann nicht mehr leisten kann.

Der frühere Offizierschüler des Ministeriums für Staatssicherheit ist nun als Berater der Linkspartei-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus tätig. Fraktionsvorsitzende Carola Bluhm: „Wir freuen uns sehr, dass er weiterhin dazu bereit ist, seine wissenschaftliche Expertise als renommierter Stadtsoziologe in unsere politische Arbeit einzubringen.“                 Hans Lody


S. 6 Ausland

»Alles auf eine Karte«
Premierministerin Mays Ankündigung von Neuwahlen überrascht Freunde wie Gegner gleichermaßen

Monatelang hatte die britische Premierministerin Theresa May ausgeschlossen, Wahlen vor dem turnusmäßigen Termin, also im Frühjahr 2020, abhalten zu lassen. Nun kam es zur Rolle rück­wärts.

„May setzt aus einer Position der Stärke alles auf eine Karte, und es sieht aus, als würde sie damit Erfolg haben“, analysiert die „Times“ das Verhalten der Regierungschefin. Sie selber argumentiert, das Land brauche vor den schwierigen Brexit-Verhandlungen Gewissheit und Berechenbarkeit. Wahlen lägen im „nationalen Interesse“. Sie verweist auf den Fahrplan der Ausstiegsgespräche. Ohne vorgezogene Neuwahlen wäre deren Abschluss in den Wahlkampf für 2020 gefallen. Nach bisheriger Planung muss London die Verhandlungen bis März 2019 abschließen. Wenn nun bereits Anfang Juni gewählt wird, müssen die Briten regulär erst wieder 2022 zu den Urnen gehen.

Richtig sei indes auch, so May, dass die Regierung ihre Position für die EU-Gespräche stärken wolle. „Wir können nicht im kritischsten Moment mit einem Wahlkampf beginnen, das wäre unverantwortlich“, erklärte die 60-Jährige. May will aber vor allem eine eigene Majorität im Unterhaus erzielen und die konservative Mehrheit noch ausbauen.

Die Chancen dafür stehen so gut wie nie. Die oppositionelle Labour Party befindet sich im Zustand des Siechtums. Der Parteivorsitzende Jeremy Corbyn ist innerparteilich umstritten und für große Teile der Briten kein Sympathieträger. Dazu kommt, dass die Partei keine klare Haltung zum Brexit hat. Corbyn ist dafür, ein Großteil seiner Abgeordneten dagegen. In aktuellen Umfragen liegen Mays konservative Torys bei 44 bis 46 Prozent, Labour kommt lediglich auf 23 bis 25. Liberaldemokraten und die UK Independence Party (Ukip) erreichen in den Umfragen jeweils zwischen neun und zwölf Prozent.

Die Ukip hat das strukturelle Problem, dass ihr primäres Ziel, für das sie 1993 gegründet wurde, die Unabhängigkeit des vereinigten Königreiches von der EU, erreicht scheint. Ihr Frontmann und langjähriger Parteichef Nigel Farage wurde europaweit zur Lichtgestalt der EU-Gegner. Nachdem die Abstimmung über den Austritt gewonnen worden war, erklärte Farage seinen Rücktritt als Parteivorsitzender. Einige regionale Abgeordnete haben die Partei seitdem verlassen und sich den Torys angeschlossen. Die Ergebnisse bei Wahlen in der Provinz waren ernüchternd. Farages Nachfolger im Parteivorsitz, Paul Nuttall, hat im Februar bei einer Nachwahl in Stoke-on-Trent versucht, einen Sitz im Parlament zu erobern. Obwohl dort zwei Drittel der Wähler für den Brexit gestimmt hatten, fiel Nuttall krachend durch. Seitdem herrscht in der Partei Katerstimmung, denn wo soll sie es schaffen, wenn sie es selbst hier nicht einmal mit ihrem Vorsitzenden schafft?

Als Joker will die Partei nun die Anti-Islamisierungs-Karte ziehen und geht mit der Forderung nach einem Verbot von Gesichtsschleiern in den Wahlkampf. Teil der sogenannten Integrationsagenda, welche die Partei in der vergangenen Woche vorstellte, ist auch ein Verbot des islamischen Rechts, der Scharia und ein Moratorium für die Eröffnung neuer islamischer Religionsschulen. Diese solle es erst wieder geben, wenn sich die gesamte muslimische Gemeinschaft besser in die britische Gesellschaft integriert hat. Die Ukip sei noch lange nicht am Ende, betont Farage, der sich in den vergangenen Wochen wieder häufiger zu Wort gemeldet hat. „Den Krieg zu gewinnen ist sehr, sehr wichtig. Aber wir müssen auch den Frieden gewinnen.“

Ukip will sich als die Partei profilieren, die darüber wacht, dass der Brexit tatsächlich vollzogen wird. Jede Stimme für Ukip sei eine Mahnung an Premierministerin Theresa May, dass das britische Volk einen klaren EU-Austritt mit wiedererrichteten Grenzen wolle, schrieb Nuttal auf Twitter. Britische Medien zweifeln allerdings daran, dass dies eine zielführende Strategie sein könnte. Theresa May genießt hohe Zustimmungswerte und gilt als ausgesprochen resolut in der Umsetzung der Austritts-Agenda.

Nichtsdestotrotz hat auch sie Probleme, die in den Wahlkampf hineinwirken werden. Der EU-Austritt könnte zu einer Zersplitterung des Königreichs führen. Die schottische Regierung hat im Streit über den Brexit bereits ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum angekündigt. Die dortige Regierungspartei Scottish National Party (SNP) hat bei den letzten Parlamentswahlen fast alle schottischen Wahlkreise gewinnen können. Und auch in Irland gibt es Initiativen, die Bevölkerung zu fragen, ob sich das Territorium nicht besser von Großbritannien lösen sollte. Angestrebt wird hier weniger die Unabhängigkeit als die Vereinigung mit der Republik Irland.              Peter Entinger


Menschenhandel blüht
Flüchtlingstransit durch Libyen lässt Sklavenmärkte entstehen

Nach einem sechs Jahre andauernden Staatszerfall kommt in Libyen die Versklavung von Menschen wieder in Mode. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM), einer Institution der Vereinten Nationen, werden eine wachsende Zahl von Migranten, die Libyen als Transit für Europa benutzen, der Sklaverei ausgesetzt. Vor allem im Süden Libyens seien regelrechte „Sklavenmärkte“ entstanden, wo Migranten der Zwangsarbeit und sexuelle Ausbeutung ausgesetzt werden.

Giuseppe Loprete, IOM Missionsleiter in Niger, hatte zum ersten Mal von der Existenz solcher Märkte berichtet. Aber schon vorher hatten Migranten vereinzelt von derartigen Zuständen vor allem im schwer zugänglichen Süden Libyen berichtet. Die Atmosphäre auf diesen Märkten sei von Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung geprägt, hatten die Flüchtlinge berichtet. Die Flüchtlinge, die durch diese Märkte gegangen seien, würden sich selbst auch als Sklaven bezeichnen.

Konkret hatten westafrikanische Migranten davon berichtet, wie sie in Garagen und Parkanlagen der südlibyschen Stadt Sebha, die fast alle westafrikanischen Migrationskandidaten passieren müssten, für 200 bis 300 Dollar im Durchschnitt für einige Monate versklavt wurden, hatte Othman Belbeisi, der Missionsleiter von OIM in Libyen, berichtet. Die Migranten würden auf diesen Märkten wie Waren verkauft.

Die Anzahl dieser Märkte habe mit der neuen Attraktion Libyens, als letztes offenes Tor nach Europa nach der Schließung der Bal­kanroute, bedeutend zugenommen. Die Netzwerke der Sklavenhalter, die zugleich auch als Schleuser fungieren, seien in letzter Zeit immer mächtiger geworden. Dabei war die EU angetreten, dem Schleuserwesen vor der Küste Libyens und im Land selbst das Handwerk zu legen.

Die Flüchtlinge aus Westafrika werden auf dem Weg durch Libyen von bewaffneten Banden eingefangen und durch deren Netzwerke geschleust. Vor allem, wenn die Migranten kein Geld mehr besitzen, sind sie den Schleusern ausgeliefert. Viele müssen durch Versklavung ihr Schleusungsgeld wieder erarbeiten. Vor allem für die oft schwangeren und oft von Kindern begleiteten Frauen ist der rechtlose Süden Libyens eine wahre Hölle. Sie machen hier mit Zwangsprostitution, Erniedrigung und Kindesmissbrauch ein Martyrium durch.

Die Erkenntnisse von OIM werden auch von Marwa Mohamed, der zuständigen Länderreferentin von Amnesty International in Libyen, bestätigt. Der Süden Libyens ist eine Region, der von keiner der beiden sich bekämpfenden Regierungen Libyens kontrolliert wird und deshalb außerhalb jeglicher öffentlicher Kontrolle ist. Auch die internationalen Hilfsorganisationen haben hier keinen Zutritt. Auch die einheimische Bevölkerung ist hier der Drangsal der verschiedenen Milizen und Verbrecherbanden ausgesetzt, die schwächste Gruppe sind jedoch die Migranten, die für die Milizen in dieser Region die einzige Finanzierungsquelle darstellen.

Libyen ist ein fruchtbarer Boden für alle Arten von dunklen Geschäften, ein Staat ist nicht mehr vorhanden, es gibt keine Institutionen und keine Gesetze, vor allem im Süden, wo sich die Wüste erstreckt. Gleichzeitig ist Libyen das offene Tor nach Europa. 150000 Flüchtlinge haben in den letzten drei Jahren von Libyen aus die Flucht angetreten, mit wachsender Tendenz.   Bodo Bost


Fingierte Seenotrettungen
»Hilfsorganisationen« mit libyschen Schleppern unter einer Decke

Vermutet worden war es schon lange. Nun hat ein italienischer Staatsanwalt erstmals auch Beweise dafür, dass deutsche und andere „Hilfsorganisationen“ mit libyschen Schleppern beim Transport von Asylsuchern über das Mittelmeer zusammenarbeiten. Gegenüber der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ wirft Staatsanwalt Carmelo Zuccaro einigen „Hilfsorganisationen“ direkte Kontakte zu Schleppern in Libyen vor. Zuccaro ist Chef eines Teams von fünf Staatsanwälten, die in Italien mit kriminellen Aspekten der Asylfrage befasst sind.

Bei bestimmten Nichtregierungsorganisationen (NRO) ließen sich vermehrt Telefonate nach Libyen feststellen, in denen offenbar illegale Einwanderungsrouten von Schleusern mit Seenotrettern verabredet würden. Dafür sollen auch Lichtsignale, wie sie in der Seefahrt üblich seien, zweckentfremdet werden, so Zuccaro. Mit dieser illegalen Zusammenarbeit lasse sich die enorme Steigerung der Asyl­sucherzahlen und der „Rettungseinsätze“ in den letzten Wochen von der Küste Libyens erklären.

Die Zusammenarbeit zwischen Schleppern und „Rettern“ soll so weit gehen, dass die Schlepperbanden sogar einige der neuen im Mittelmeer tätigen NRO zur „Rettung“ der „Schiffbrüchigen“ finanzieren. Einige dieser NRO sind über Nacht und zum Teil als Familienunternehmen entstanden und waren einige Tage später bereits im Einsatz. Die Vorwürfe beziehen sich nicht auf die größeren, alt eingesessenen Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ oder „Save the Children“, sagte Zuccaro. Bei jüngeren Organisationen wie der 2014 gegründeten Migrant Offshore Aid Station (MOAS) oder deutschen NRO, die mittlerweile bereits die Mehrheit der „Rettungsdienste“ bildeten, wäre das aber anders, sagte Zuccaro.

Derzeit befinden sich mindes­tens zehn NRO aus Deutschland im Mittelmeer vor Libyen im Einsatz, darunter Jugend Rettet, Sea-Watch, Sea-Eye, LifeBoat, SOS Méditerranée und Mission Lifeline. Frontex, die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, die eigentlich das Schlepperwesen bekämpfen soll, hatte bereits im vergangenen Jahr ähnliche Vorwürfe wie Zuccaro erhoben und von einer klammheimlichen Zusammenarbeit gesprochen. Frontex-Chef Fabrice Leggeri hatte auf die hohe Anzahl von „Hilfseinsätzen“ von Privatinitiativen im Mittelmeer verwiesen. Frontex beschuldigte NRO sogar, Kriminelle an Bord ihrer Schiffe genommen zu haben. Mehrere NRO, darunter Save the Children und SOS Méditerranée, haben die Vorwürfe zurückgewiesen. Ihr einziges Ziel sei, Leben zu retten.

Mehrere italienische Oppositionsparteien haben nach den Vorwürfen Zuccaros Innenminister Marco Minniti aufgefordert, den Vorwürfen nachzugehen und vor dem Parlament über die Rolle der NRO im Mittelmeer Bericht zu erstatten. Von einem schmutzigen Spiel der NRO, die sich an dem Asyldrama bereicherten, sprach der Fraktionschef der Lega Nord im Senat, Gian Marco Centinaio. Die Lega Nord habe bereits eine Klage eingereicht, damit zur Rolle der NRO ermittelt werde. Der Verdacht laute auf Beihilfe zu illegaler Einwanderung, Schlepperei und fahrlässiger Tötung. Auch die Fünf-Sterne-Bewegung um Starkomiker Beppe Grillo verlangt Aufklärung über die Geldgeber der NRO.

                B.B..


MELDUNGEN

Doppelstaatlern auf der Spur

Wien – Eigentor für die knapp 108000 beim Verfassungsreferendum wahlberechtigten türkischen Staatsbürger in Österreich: Die zur Durchführung der Abstimmung angelegten Wählerlisten mit Namen und Adressen ermöglichen es den österreichischen Behörden, Nachforschungen bezüglich der Existenz von Doppelstaatsbürgerschaft anzustellen. Doppelte Staatsbürgerschaften sind in Österreich verboten (siehe PAZ 17/2017). Dennoch wird deren Zahl auf mindestens 10000 geschätzt. Die Behörden gehen davon aus, dass viele türkischstämmige Besitzer eines österreichischen Passes nach der Einbürgerung wieder zusätzlich auch die türkische Staatsbürgerschaft angenommen haben. Die Listen, mit denen man ihnen nun auf die Schliche kommt, wurden Medien und Politikern von unbekannter Seite zugespielt.              J.H.

 

Atommüll wird beseitigt

Moskau/Oslo – Russland und Norwegen wollen das Problem der atomaren Altlasten der Sowjetunion auf der Kola-Halbinsel gemeinsam lösen. In der Andrejewa-Bucht befindet sich eine ehemalige Wartungsstation für Atom-U-Boote und -Eisbrecher, deren Brennstäbe bis heute unter unzureichenden Bedingungen gelagert werden und die Einwohner des angrenzenden Norwegens beunruhigen. Diese Überreste sollen nun bis zum Jahr 2020 beseitigt werden. Allerdings betrifft dies nur einen Teil des arktischen Atommülls der UdSSR. Auch in der Sajda-Bucht befinden sich atomare Hinterlassenschaften, für die zwar mit deutscher Hilfe ein Langzeit-Zwischenlager gebaut wurde, das aber längst nicht alle hier verbliebenen Brennstäbe aufgenommen hat. Weiterer Atommüll dürfte zudem verklappt im Nordmeer liegen.            T.W.W.


S. 7 Wirtschaft

Fraport pachtet Flughafen Thessaloniki
Die Frankfurter haben mit der Copelouzos Group in 14 griechischen Airports den Betrieb übernommen

Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport hat zusammen mit dem griechischen Partner Copelouzos Group für 40 Jahre den Betrieb von 14 griechischen Regionalflughäfen übernommen. Zum Paket gehören der Flughafen von Thessaloniki sowie zwei weitere auf dem Festland, aber auch bekannte Tourismusstandorte wie Santorin, Mykonos, Korfu oder Kos. Außen vor geblieben sind die landesweit größten Flughäfen in Athen und Heraklion.

Nach eigenen Angaben hat Fraport bereits eine Konzessionsgebühr in Höhe von 1,234 Milliarden Euro an den staatlichen griechischen Privatisierungsfonds überwiesen. Im Zuge des Pachtgeschäfts will die Fraport-Tochter „Fraport Greece“ an allen übernommenen Flughäfen bis zum Jahr 2021 die Infrastruktur modernisieren und ausbauen und rund 400 Millionen Euro investieren. Der deutsche Flughafenbetreiber wertet das Engagement nach eigenen Angaben als einen wichtigen „Meilenstein“ beim Ausbau seines internationalen Beteiligungsgeschäfts.

Eigentlich hatte Fraport bereits im vergangenen Herbst die Flughäfen übernehmen wollen. Dieser Zeitplan scheiterte jedoch nicht zuletzt an Einsprüchen verschiedenster Akteure. So hatten das griechische Gesundheitsministerium, die Feuerwehr und die Polizei Finanzierungsabsprachen zu ihrem Einsatz gefordert, Gewerkschaften sprachen im Zusammenhang mit dem Pachtgeschäft von „Ausverkauf“ und einem „Schnäppchenpreis“, und linke Organisationen klagten, das Vermögen der Bürger würde unter deutsche Kontrolle gestellt. Zu guter Letzt prüfte auch noch die EU-Kommission die Privatisierung der griechischen Flughäfen auf mögliche Wettbwerbsverzerrungen oder unerlaubte Beihilfen.

Die Konzessionsvergabe für die Flughäfen gilt als eines der größten Privatisierungsprojekte, die bislang realisiert werden konnten. Die Vereinbarung mit Fraport spült nicht nur durch die Konzessionsgebühr einen einmaligen Milliardenbetrag in die klamme griechische Staatskassem, sondern auch künftig kassiert der Staat mit. Athen soll jährlich eine Konzessionsabgabe von 22,9 Mil­lionen Euro sowie 28,5 Prozent des operativen Gewinns von Fraport Greece erhalten.

Der Einbruch der Buchungszahlen in der türkischen Tourismusindustrie könnte dazu führen, dass sich das Geschäft für Fraport relativ schnell rentiert. Der griechische Staat wiederum konnte signalisieren, tatsächlich bereit zu sein, sich von nennenswerten Beteiligungen zu trennen. Athen hatte sich im Gegenzug für das derzeit laufende Kreditpaket über 86 Milliarden Euro zum Verkauf von Staatsbesitz verpflichtet.

Zumindest in der Anfangsphase der sogenannten Griechenland-Rettung war eine Summe von 50 Milliarden Euro genannt worden, die der griechische Staat durch Privatisierungen einnehmen könnte. Diese Zahl hat sich mittlerweile als unrealistisch herausgestellt. Lange Zeit schien es sogar zweifelhaft, ob überhaupt Erlöse in nennenswertem Umfang erzielt werden. Druck der internationalen Geldgeber hat dazu geführt, dass die griechische Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras (Syriza) zuletzt das Tempo bei den Privatisierung erhöht hat. Vor Kurzem wurde gemeldet, dass die Ferrovie dello Stato Italiane (FS, Italienische Staatsbahnen) die griechische Staatsbahn Trainose gekauft hat. Der Kaufpreis soll laut griehischen Presseberichten aufgrund des maroden Zustands der Infrastruktur bei lediglich 45 Millionen Euro liegen. Und während Griechenlands größter Hafen Piräus schon größtenteils an ein chinesisches Transportunternehmen verpachtete ist, hat nun ein Konsortium unter deutscher Führung gute Chancen, beim Hafen von Thessaloniki zum Zuge zu kommen. Nach Angaben des griechischen Privatisierungsfonds hat die Investorengruppe das beste Pachtangebot für Griechenlands zweitgrößten Hafen abgegeben. Demnach will die Gruppe 232 Millionen Euro zahlen und bis zum Jahr 2051 zwei Dritteln des Hafens von Thessaloniki pachten. Der Freihafen besitzt weit über Griechenland hinaus Bedeutung, da er den gesamten südlichen Balkan bedient.                Norman Hanert


Novum aus Deutschland
Neuer Telekommunikationssatellit in Bremen entwickelt und gebaut

Hispasat 36W-1 ist der erste Satellit einer neuen Generation, die kompakter, leichter und leistungsfähiger sein soll als ihre Vorgänger. Die Satelliten dieser neuen Serie firmieren unter der Bezeichnung „SmallGeo“. Entwickelt hat sie ein europäisches Konsortium unter Führung des in Bremen ansässigen Raum- und Luftfahrtfahrtunternehmens OHB Systems AG. „SmallGEO“ wiegt knapp drei Tonnen, etwa die Hälfte gängiger Modelle. Zudem ist die Konstruktion modular, sodass sie schnell an andere Zwecke angepasst werden kann. Der Satellit ist auch in anderer Hinsicht ein Novum: Zum ersten Mal seit 20 Jahren wurde wieder ein Telekommunikationssatellit komplett in Deutschland entwickelt, getestet und produziert.

Hispasat 36W-1 startete am 28. Januar 2017 um 2.03 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana. Als Trägerrakete diente eine russische Sojus-Rakete, die Hispasat 36W-1 eine halbe Stunde nach dem Start auf seine Transferbahn in den höheren Orbit brachte. Der Satellit soll für den gleichnamigen spanischen Telekommunikationsanbieter die iberische Halbinsel, die Kanarischen Inseln und Südamerika mit Multimediadiensten versorgen. Er wird rund fünf Wochen brauchen, um seine vorgesehene Position in 36000 Kilometern Höhe zu erreichen.

In dieser Höhe, dem sogenannten geostationären Orbit, kreisen viele Kommunikationssatelliten. Sie bewegen sich mit der Erdrotation, was bedeutet, dass sie scheinbar immer über derselben Region auf der Erde stehen und so eine ständige Abdeckung gewährleistet ist. Steuerung und Kontrolle sowie die nötigen Tests übernehmen zunächst Ingenieure und Wissenschaftler des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums (GSOC) beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen (DLR) und in der Bodenstation in Weilheim. „In der ersten Phase überprüfen wir intensiv die Funktion der Satellitenplattform und bringen den Satelliten auf seine geostationäre Umlaufbahn. Im Anschluss daran folgen die In-Orbit-Tests, die vor allem Nutzlasttests mit den Transpondern und Antennen umfassen, bevor der Satellit dann nach einigen Wochen an das Kontrollzentrum des spanischen Satellitenbetreibers Hispasat bei Madrid übergeben wird“, erklärt Thomas Kuch, Abteilungsleiter für den Missionsbetrieb im DLR. Hispasat 36W-1 wird rund 15 Jahre im All bleiben.

„SmallGEO“ ist eine eigene Produktlinie von OHB Systems. Neben den neuen Kommunikationssatelliten für Hispasat gehören dazu auch die derzeit im Bau befindlichen europäischen Meteosat-Wettersatelliten der dritten Generation. Deren erster Satellit soll noch in diesem Jahr starten.

Weitere Anwendungen sind das europäische Datenrelaissystem EDRS, dessen erster Satellit im vergangenen Jahr ins All geschossen wurde. EDRS ist eine Satellitenformation, die untereinander über Laser in Verbindung steht. Hinzu kommt die „Heinrich Hertz“-Mission, die für 2020 geplant ist. Auf diesem Satelliten sollen neue Technologien zur Kommunikation im All erprobt werden. Zurzeit enthält das vorgesehene Testprogramm rund 20 Experimente zur Kommunikations-, Antennen- und Satellitentechnik.      Friedrich List


MELDUNGEN

Russland soll sauber werden

Moskau – Russland hat das Jahr 2017 zum „Jahr der Umwelt“ erklärt. Geplant sind neben Maßnahmen zum Erhalt der reichen Naturschätze des Landes wie der Ausweisung von elf weiteren Naturschutzgebieten vor allem Maßnahmen zur Minimierung der Umweltverschmutzung. So soll nach deutschem Vorbild die in Russland bisher fast unbekannte Mülltrennung eingeführt werden. Zudem soll eine Förderung der Elektromobilität die gewaltige Smogbelastung der Städte senken. Dazu werden eine durchgehende Versorgung der Tankstellen mit Stromladestationen sowie ein Recht zur Benutzung der Busspuren und bevorzugte Parkerlaubnisse erwogen.             T.W.W.

 

Überstunden oft die Regel

Berlin – Im Jahr 2016 leisteten Arbeitnehmer nach Angaben der Bundesregierung im Durchschnitt 21 bezahlte und 24 unbezahlte Überstunden. Zu den Branchen mit den meisten unbezahlten Überstunden gehören die Bereiche Erziehung und Unterricht (37 Stunden), Information und Kommunikation (35,4 Stunden) sowie freiberufliche, wissenschaftliche oder technische Dienstleistungen (34,7 Stunden).       J.H.


S. 8 Forum

Sieg der Provinz
von Bodo Bost

Nach der Entscheidung der Türken für eine Abwendung ihres Landes von der Demokratie bricht der Tourismus im Lande weiter ein. Dabei trifft diese Form des Protests der ausländischen Touristen zum Teil die Falschen. Gewonnen hat Erdogan das Referendum in den kleineren Städten und auf dem Lande und hier vor allem auch, entgegen allen Erwartungen, in den kurdischen ländlichen Gebieten. In den bei Touristen beliebten großen Städten, wo der Druck Erdogans und seines Systems am größten war, hat man sich dagegen mehrheitlich gegen einen Machtzuwachs für den Despoten entschieden. Daneben waren es die Provinzen entlang des Mittelmeers und im europäischen Teil der Türkei, die am stärksten vom westlichen Tourismus leben und am produktivsten sind, die anders als bei den letzten Wahlen, wo sie noch mehrheitlich Erdogans AKP gewählt hatten, diesmal gegen ihn waren. Hier fand sein Präsidialsystem nur 30 Prozent Zustimmung und damit den tiefsten Wert in der Türkei überhaupt.

Das Ergebnis des Referendums offenbart eine Teilung des Landes in eine säkulare, westlich orientierte Bevölkerung an der Küste und in den großen Städten Istanbul, Izmir und Ankara. Und da ist die islamische Provinz, sei sie kurdisch oder türkisch, die mit ihrem knappen Sieg die Kontrolle über das Land übernimmt.


ESC sanktioniert
von Manuela Rosenthal-Kappi

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat nun auch die Kunst erreicht. Moskau hat seine Teilnahme zurückgegzogen nach wochenlangem Streit mit dem Gastgeberland des diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) Ukraine. Weil die russischen Sängerin Julia Samojlowa zuvor auf der Krim aufgetreten war, verweigert Kiew ihr die Einreise. Selbst der Vermittlungsversuch von Ingrid Deltenre, der Generaldirektorin der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die den Wettbewerb ausrichtet, scheiterte. Sie hatte in einem Brief an den ukrainischen Premier Wladimir Groisman gefordert, die russische Künstlerin auftreten zu lassen, und gedroht, die Ukraine künftig vom ESC auszuschließen. Das traf in Kiew auf taube Ohren. Der ESC scheint mehr und mehr zum Politikum zu verkommen. Nicht nur, dass das Lied „1944“, mit dem die Krimtatarin Jamala im vergangenen Jahr für die Ukraine den Sieg holte, hochpolitisch – und indirekt gegen den „Aggressor“ Russland gerichtet war, – nun sanktioniert Kiew  auch noch das Schlagergeschäft.

So ganz unpolitisch war der ESC indes nie: 1969 blieb Österreich dem seit 1956 ausgetragenen Liederwettbewerb in Madrid aus Protest gegen das Franco-Regime in Spanien fern. Gerade die Spannungen zwischen verfeindeten Staaten Osteuropas haben auch in der Vergangenheit immer wieder zu Rückzügen vom ESC geführt. Vielleicht sollte man diese Länder von Vornherein ganz ausschließen, damit der ESC wieder zu dem wird, was er eigentlich ist: ein Gesangswettbewerb.


Weckruf gescheitert
von Hermann Paul Winter

Sie wolle eine realpolitische Ausrichtung der Alternative für Deutschland, um Mehrheiten erzielen zu können, eine „fundamentaloppositionelle Strategie“ zerstöre die realpolitische Strategie. So argumentierte die AfD-Bundesvorsitzende Petry in ihrem „Zukunftsantrag“ auf dem AfD-Bundesparteitag am 22. April in Köln.

Es ist nicht erstaunlich, dass der Parteitag Petrys Antrag ohne Dis­kussion ablehnte und sie Macht abgeben musste, war doch der frühere Parteisprecher Bernd Lucke im Sommer 2015 ebenfalls mit der Forderung gescheitert, die „fundamental-oppositionellen Kräfte“ zurückzudrängen.

Damals nutzte Petry Luckes Vorstoß, um ihn zu entmachten. Sie machte bei den Anhängern Björn Höckes Stimmung gegen den Parteigründer und versprach in der Art eines Gegengeschäfts, das von Lucke unterstützte Ordnungsverfahren gegen Höcke nicht weiter zu verfolgen und alle Strömungen der Partei zu integrieren. Nach ihrer Wahl zur Bundesvorsitzenden hielt sie zunächst Wort, um kurz darauf alle Hebel gegen Höcke in Bewegung zu setzen.

Petrys unberechenbares Wechselspiel zwischen gegensätzlichen Positionen und ihr Mangel an Verlässlichkeit polarisieren die Partei seit ihrer Gründung. 2013 sprach sie sich für eine Frauenquote in der Wirtschaft aus, ein Jahr später beklagte sie, die Frauenquote sei nicht im Sinne der Frauen. Im selben Jahr twitterte sie, „unser Vorbild ist nicht Jörg Haider“, um später den publikumswirksamen Schulterschluss mit Heinz-Christian Strache zu suchen. 2015 lobte sie das Kopftuchurteil des Bundesgerichtshofes als Zeichen religiöser Toleranz, um es schnurstracks wieder abzulehnen.

Zum Unbehagen der Gemäßigten in der AfD organisierte Petry im Januar einen großen Auftritt mit den Größen der europäischen radikalen Rechten. Heute nun will sie vorgeblich gegen das rechtslastige Image der Partei kämpfen. Verständlich, dass sich immer mehr Sympathisanten von ihr abwenden.

Petry sprach sich stets für das traditionelle Familienbild aus, ließ sich allerdings mit den Prädikaten „dämonenhaft schön“ und „mädchenhaft zart“ mit ihrem „Neuen“ in der Zeitschrift „Bunte“ porträtieren – nicht ohne dort Tiefschläge gegen Vorstandskollegen zu führen.

Gerade dieser Vorfall veranschaulicht das Ausmaß, mit dem Petry nach Geltung strebt. Nicht nur die kuriose Austauschbarkeit von Standpunkten wird ihr angekreidet. Auch ihr auffällig verbissener Kampf gegen innerparteiliche Konkurrenten ist legendär. Jörg Meuthen, Alexander Gauland, Beatrix von Storch, Georg Pazderski, Michael Klonovsky – die Liste der Zerwürfnisse will nicht enden.

Möge die AfD künftig ohne die Sprunghaftigkeit ihrer Vorsitzenden eine neue Glaubwürdigkeit gewinnen.


Gegenwind
Zurück in die illiterate Dunkelheit
von Florian Stumfall

Der Artikel 4 des Grundgesetzes garantiert allen Menschen, nicht nur den Staatsbürgern, die Freiheit von Glauben und Bekenntnis, und es sind nicht zuletzt die zahlreichen islamischen Zuwanderer, die davon profitieren. Sie genießen in Deutschland eine Großzügigkeit in allen Belangen der Religion, die in keinem ihrer mohammedanischen Herkunftsländer den wenigen dortigen Christen zukommt. Während in Deutschland eine Moschee um die andere gebaut wird, ist es beispielsweise einem christlichen Pfarrer in der Türkei nicht erlaubt, das Dach seiner Kirche zu reparieren, wenn er nicht zuvor eine mit allerlei Schikanen belastete Genehmigungs-Prozedur durchgemacht hat. Meistens wird dieses Ansinnen ohnehin ablehnend beschieden.

Soweit die Türkei und andere Länder, in denen die Lehre des Propheten dominiert. Wie aber steht es hier, in Deutschland, mit der Glaubensfreiheit und der ungestörten Religionsausübung? Dass diese den Mohammedanern gewährt werden, haben wir bereits festgestellt, also bewegt die Frage, wie es mit den Christen steht. Ein Beispiel aus Berlin soll darauf ein Schlaglicht werfen.

In einer staatlichen Schule im Stadtgebiet von Wedding wurde einer evangelischen Lehrerin per Dienstanweisung verboten, offen eine Halskette mit einem kleinen Kreuz als Anhänger zu tragen. Das berichtete die Synode der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKBO). Grund dafür sei das Neutralitätsgesetz, das durch den Halsschmuck verletzt werde. Zwar geht die Synode davon aus, dass dieses Neutralitätsgesetz gegen den Artikel 4 des Grundgesetzes verstößt, aber damit allein ist nichts geholfen. Der Druck, der von der Kirche in diesem Sinne ausgeht, ist denn auch denkbar rücksichtsvoll und höflich: „Wir setzen uns für die Freiheit ein, ein Kreuz zu tragen“, so der Bischof von Berlin, Markus Dröge. Das solle bei einem Änderungsgesetz berück-sichtigt werden.

Mag hier noch der zaghafte Wille zur Verteidigung aufscheinen, so herrscht auf anderen Feldern längst Rückzug. Die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ schreibt, dass in Europa zunehmend Kirchen abgerissen, verkauft oder aber Vertretern anderer Religionen überlassen würden. Dass es sich um eine russische Zeitung handelt, die eine solche Entwick-lung bedenklich findet, ist kein Wunder. In Russland wurden innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte etwa 30000 Kirchen neu gebaut oder ruinöse Kirchen wiederhergestellt. Im selben Zeitraum erhöhte sich die Zahl der theologischen Seminare und Akademien von drei auf über 50.

Das US-amerikanische Gatestone Institute rechnet vor, dass in der britischen Hauptstadt London seit 2001 rund 500 Kirchen verschiedener Konfessionen geschlossen wurden. Auf der Webseite der Church of England heißt es, dass jedes Jahr weitere Kirchen profanisiert würden, es gäbe Prognosen, dass es sich dabei bis zum Jahr 2020 um weitere 4000 Kirchen handeln werde. In Deutschland hat die Evangelische Kirche zwischen 1990 und 2010 insgesamt 340 Kirchen geschlossen, 46 wurden sogar abgerissen. Auch katholische Kirchen werden abgewickelt – im letzten Jahrzehnt seien es 515 Kirchen gewesen, wie das „Wall Street Journal“ annimmt. Nicht anders steht es, um ein weiteres Beispiel zu nennen, in den Niederlanden. Dort, so das Gatestone Institute, wurden in den letzten Jahren allein in der Provinz Friesland 250 von 720 Kirchen geschlossen, weitere für andere Nutzungen umgebaut. Auch in Belgien ist die Schließung von Kirchen geplant. Nach Angaben des „National Catholic Reporter“ sollen in Brüssel 108 katholische Kirchen zugemacht werden.

In diesem Zusammenhang gewinnt eine Umfrage an Bedeutung, die in Belgien durchgeführt wurde. Danach heißen 20 Prozent der befragten Moslems die Methoden der islamistischen Terrororganisation IS gut und würden keine Glaubensgenossen anzeigen, von denen sie wüssten, dass diese daran teilhätten. Das Risiko, damit aufzufallen, wird in demselben Maße geringer wie die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es dazu kommt. Wie der Soziologe Felice Dassetto schreibt, würden Muslime bis zum Jahr 2030 mehr als die Hälfte aller Bewohner Brüssels ausmachen.

Die Stadtväter unternahmen schon im vergangenen Dezember einen Vorgriff auf diese Zukunft. Im Jahr 2012 verzichteten die Brüsseler Behörden auf die alte Tradition, einen Weihnachtsbaum auf dem zentralen Platz der Stadt aufzustellen. Stattdessen wurde ein Kunstobjekt aufgestellt, das einer Tanne nur entfernt ähnelte. Die Stadtverwaltung gab zu, das sei beschlossen worden, um die religiösen Gefühle der Muslime nicht zu beleidigen. Die Kritiker wiesen auf den besonderen Symbolismus der Entscheidung hin: „Der Weih-nachtsbaum wurde aus der Stadt vertrieben, in der sich die Hauptquartiere der EU und der Nato befinden“, heißt es im Kommentar einer russischen Agentur.

Gut, mag da einer sagen, ich bin selbst nicht religiös, was schert es mich, was andere glauben? Natürlich ist eine derartige Haltung zulässig, aber sie beschreibt nicht den ganzen Umfang des Problems. Denn die Einsicht, dass Europa maßgeblich vom Christentum geprägt ist, erstreckt sich nicht nur auf den Glaubensinhalt. Ohne die Klöster wäre Europa nach der Völkerwanderung in illiterate Dunkelheit zurück­gefallen, sie haben die Grundlagen für eine soziale Grundversorgung gelegt sowie Wissenschaft, Kunst und Handwerk entwickelt. Darüber hinaus geht der gesamte ethische Kanon des Abendlandes auf das Christentum zurück, und er findet seinen Niederschlag bis ins Strafrecht. Demjenigen, der mit Blick auf den Islam erklärt, wir glaubten doch ohnehin eigentlich alle an denselben Gott, mag dieses Bekenntnis im Halse steckenbleiben, wenn man ihm wegen eines Diebstahls die Hand amputiert.

Da offenbaren sich eben auch die Grenzen der Integration. Nach einer Studie der Universität München halten es 47 Prozent der Türkischstämmigen in Deutschland für wichtiger, die Gebote des Islam zu befolgen, als sich an die Gesetze des deutschen Staates zu halten. Da stimmt es bedenklich zu hören, dass schon im weiteren Vorfeld der Bundestagswahl die Bundesregierung an einem Projekt arbeitet, das die Anpassung des Islam an das hierzulande geltende ethische Gefüge zum Ziel hat.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble scheint darin eine Vorreiterrolle zu beanspruchen. Er will die Entwicklung eines „deutschen Islam“ fördern und sieht in der wachsenden Zahl von Muslimen in Deutschland eine Herausforderung für die „Aufgeschlossenheit der Mehrheitsgesellschaft“. Hier ist die Katze bereits aus dem Sack: Mit der Forderung nach Aufgeschlossenheit schiebt Schäuble die Bringschuld der „Mehrheitsgesellschaft“ zu, wobei er ebenso wie seine Kanzlerin den Begriff der „Deutschen“ meidet. Diese Herangehensweise führt mit garantierter Sicherheit dazu, dass sich die in die Pflicht genommene deutsche Mehrheit der zugewanderten Minderheit angleicht, aufgeschlossen eben, und keinesfalls auf den eigenen Positionen beharrend.

Dass sich der Islam europäisiert, darf man nicht erwarten, das ist in der Geschichte wiederholt misslungen. Im Mittelalter sind Averroes gescheitert, Avicenna und Ibn Khaldun und heute scheint auch Bassam Tibi nicht mehr darauf zu setzen. Kaum anzunehmen, dass Schäuble das Vorhaben gelingen wird.


S. 9 Kultur

Methusalix spricht
Albert Uderzo, der Schöpfer von »Asterix und Obelix«, hat ein biblisches Alter erreicht – Im Oktober ist Asterix »in Italien«

Freunde der beiden unbezwingbaren Gallier Asterix und Obelix warten gespannt auf den Oktober. Dann soll der 37. Asterix-Band erscheinen, der – jenseits des antiken Rom – in Italien spielen wird. Dort hat auch Albert Uderzo seine elterlichen Wurzeln. Kürzlich, am 25. April, feierte der französische Comic-Zeichner, der mit dem schon vor 40 Jahren verstorbenen Texter René Goscinny der geistige Vater von Asterix und Obelix ist, seinen 90. Ge­burtstag. Im Interview erzählt er, wie es zu dem Comic-Welterfolg kam.

PAZ: Herr Uderzo, Sie haben mal gesagt, dass das Arbeiten in der Comic-Branche jung hält. Fühlen Sie sich im Moment jünger als 90 Jahre?

Uderzo: Bis vor einem Jahr habe ich mich jünger gefühlt. Seit 2017 fühle ich mich nicht mehr so jung. Ich bin gesundheitlich angeschlagen. Bis dahin hatte ich das Glück, immer gesund zu sein. Dann hat der liebe Gott mir vielleicht sagen wollen, dass es keinen Grund gibt, warum ich immer gesund sein sollte. Jetzt geht es aber schon etwas besser.

PAZ: Vor Kurzem haben Sie „Asterix erobert Rom“, das Al­bum zum Film, überarbeitet und neu herausgegeben. Darin erweisen Sie dem verstorbenen Freund und Texter Goscinny eine Hommage mit einer Zeichnung, die ihn in der Pariser Metro zeigt.

Uderzo: Es war immer mein Wunsch, Goscinny zu würdigen, weil er es verdient. Dieses Jahr jährt sich sein Todestag zum 40. Mal. Er fehlt uns, er fehlt mir, mein Leben als Künstler ist seit seinem Tod nicht mehr dasselbe. Diese Tragödie, mit der niemand gerechnet hatte, hat mich tief getroffen. Ich habe die Figuren, mit denen ich eigentlich nicht mehr arbeiten wollte, zwei Jahre später wieder zum Leben er­weckt, nachdem mir die Leser Briefe geschrieben hatten, in denen stand: „Herr Uderzo, Sie mögen ja einer der Schöpfer von Asterix sein, aber diese Figuren gibt es auch dank uns. Hätten wir nicht Asterix zu diesem Erfolg verholfen, dann wären Sie nicht da, wo Sie heute sind. Wir haben ein Recht darauf, dass Sie weitermachen und uns weiter so viel Freude bereiten.“ Da hab ich gedacht: „Wenn man mich so darum bittet, dann versuche ich weiterzumachen.“ Und ich habe zehn weitere Alben gemacht.

PAZ: Die Asterix-Reihe wird inzwischen von zwei neuen Autoren fortgesetzt. Fehlt Ihnen das Zeichnen von Comics?

Uderzo: Nein, jetzt nicht mehr. Irgendwann musste ich ja mal in den Ruhestand gehen. Vor neun Jahren habe ich beschlossen aufzuhören. Wir hatten das Glück, dass wir zwei großartige Autoren gefunden haben, einen für das Szenario und einen für die Zeichnungen. Am Anfang merkte man ihnen an, dass sie sich erst auf die Reihe einstellen mussten. Jetzt geht es ihnen leicht von der Hand. Darüber bin ich sehr froh und dankbar.

PAZ: Sie haben einmal gesagt, die Asterix-Reihe fremden Autoren zu überlassen, sei ein biss­chen so, als würden Sie einen Sohn zur Adoption freigeben. Wie geht es Ihnen jetzt mit dem Er­folg, den Ferri und Conrad haben?

Uderzo: Ich finde das toll. Wenn sie keinen Erfolg hätten, hätte Asterix keine Leser mehr, und den Lesern haben wir wie gesagt alles zu verdanken. Ich kann diesen Erfolg nur anerkennen und mich darüber freuen. Hätten wir keinen Erfolg gehabt, hätten wir nicht weitergemacht, das ist klar. Aber der Erfolg ist ungebrochen, gerade in Deutschland. Das ist ein großes Glück für uns.

PAZ: Der 37. Band erscheint im Oktober. Kontrollieren Sie die Arbeit Ihrer Nachfolger, geben Sie Ihnen Tipps und Ideen?

Uderzo: Nein, nein. Zu Beginn habe ich ein paar Anmerkungen gemacht, zu den Zeichnungen, nicht zum Text. Einige Zeichnungen mussten noch mal angefasst werden. Aber das ist jetzt nicht mehr notwendig, sie haben die Figuren gut im Griff. Ich kenne das Album und habe seine Entstehung mitverfolgt. Das Ergebnis ist tadellos. Die Leser können ganz beruhigt sein: Sie werden nicht enttäuscht werden.

PAZ: Inzwischen ist bekannt, dass das neue Album in Italien spielen wird. Warum sind Asterix und Obelix in all den Jahren nur in Rom und niemals in anderen Städten Italiens gewesen?

Uderzo: Das Gleiche habe ich mich auch gefragt, als ich von dem neuen Album erfuhr. Ich sagte mir: „Wie dumm von mir! Da war ich immer auf der Suche nach neuen Ideen und habe nie an ein Wagenrennen in Italien gedacht!“ Dabei liebe ich Autos und Autorennen und kenne mich sehr gut damit aus, da hätte ich doch eigentlich darauf kommen können. Aber nichts da! (lacht) Zum Glück haben die beiden mir das abgenommen.

PAZ: Macht es Sie glücklich, dass Ihre beiden Helden in diesem Band endlich das Heimatland Ihrer Eltern bereisen?

Uderzo: Ja, das freut mich. In Italien ist Asterix nicht so be­kannt wie in Deutschland oder Frankreich. Ich denke, die Italiener sind keine großen Fans von „fumetti“, wie Comics dort ge­nannt werden. Aber auf eines freue ich mich ganz besonders: In der Region, aus der mein Vater stammt, in Venetien, soll eine Mauer errichtet werden mit einem Bild von Asterix darauf. Das berührt mich wirklich sehr, denn ich hätte nie gedacht, dass der Geburtsort meines Vaters jemals dafür berühmt sein würde.

PAZ: Mit 14 haben Sie begonnen, kleine Geschichten zu zeichnen. Hat Ihnen das Zeichnen zu dieser Zeit geholfen, die Situation während des Krieges zu ertragen?

Uderzo: Nein. Mein älterer Bruder kam auf die Idee während der Schulferien. Ich wollte eigentlich Automechaniker werden wie er. Aber in den Ferien sagte mein Bruder: „Bevor Du die ganze Zeit mit Deinen Freunden auf der Straße rumhängst, suche ich Dir lieber einen Job bei einem Verlag.“ Er hatte mich öfter kleine Zeichnungen machen sehen. Also stellte er mich 1941 bei einem großen Verlag vor. Ich wurde genommen und durfte nicht nur die zwei Monate in den Ferien bleiben, sondern ein ganzes Jahr. Die Mechanikerschule ließ ich sein. Im Krieg, während der Besatzung, gab es in Paris wenig zu essen. Ich war 14 und in einem Alter, in dem man viel essen muss. Mein Bruder hatte eine Anstellung als Fahrer und Mechaniker in der Bretagne gefunden. Er holte mich zu sich, weil ich dort wenigstens Kartoffeln zu essen bekam. Immerhin Kartoffeln gab es! Es gab natürlich noch andere Sachen, aber auch dort war es schwierig. Aber in Paris war es noch viel schlimmer. Und so bin ich drei Jahre in der Bretagne geblieben. In der Zeit war an Zeichnen nicht zu denken.

PAZ: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Planen Sie einen neuen Asterix-Film?

Uderzo: Ja, es wird zwei neue Filme geben, die aktuell produziert werden. Das eine wird eine Realverfilmung, also mit Schauspielern, und das andere ein Zeichentrickfilm.

PAZ: Um welches Asterix-Abenteuer wird es dabei gehen?

Uderzo: Ein ganz neues Asterix-Abenteuer, das speziell für diesen Film geschrieben wurde. So, jetzt habe ich Ihnen alles erzählt. Herzliche Grüße an alle Leser in Deutschland!

H. Tews/Egmont Ehapa Verlag


Unkaputtbare Opern
Göttinger Händel-Festspiele führen rare Werke des Komponisten auf

Um Göttingen hat Georg Friedrich Händel zu Lebzeiten meist einen Bogen gemacht. Und trotzdem steht die Universitätsstadt seit 1920 einmal im Jahr ganz im Zeichen des Barockkomponisten. Als dessen Opern in der Neuzeit in Vergessenheit geraten waren, brachte der Hobbymusiker Oskar Hagen nach fast 200 Jahren in Göttingen wieder ein Händel-Werk auf die Bühne. Seitdem führt die Stadt ihre Internationalen Händel-Festspiele durch, die dieses Mal inspiriert vom Reformationsjubiläum unter dem Motto „Glaube und Zweifel“ stehen

Mit der „Brockes-Passion“ am 25. Mai, den Oratorien „Israel in Egypt“ (14. Mai) und „Luther in Worms“ (21. Mai) sowie dem Konzert des Ensembles Concerto Romano am 27. Mai mit katholischer Kirchenmusik von Händel und seinen italienischen Zeitgenossen spielt die Kirchenmusik im Programm der vom 11. bis 28. Mai laufenden Festspiele eine besondere Rolle. Drei Musiktheaterproduktionen sollen dabei das Profil von Nie­dersachsens einzigem Opernfes­tival stärken. Im Mittelpunkt: Die Händel-Oper „Lotario“ im Deutschen Theater in der Regie des venezolanischen Regisseurs Carlos Wagner. Die Video-Aufzeichnung der Premiere am 19. Mai ist bei freiem Eintritt vier Tage später auch als „Public Viewing“ in der Lokhalle zu sehen. Am Pult steht der Brite Laurence Cummings, der bei insgesamt sechs Vorstellungen das Festspiel Or­chester Göttingen dirigiert.

„Lucio Cornelio Silla“ – Dorothee Oberlingers erstes Operndirigat – ist in einer halbszenischen Darbietung mit barocken Kostümen und historischer Gestik am 20. Mai in der Stadthalle zu erleben. Für Haydns „Orfeo ed Euridice“ hat das Göttinger Symphonie Orchester eine Star-Besetzung unter anderem mit Simone Kermes eingeladen. Zu der Riege namhafter Stars im diesjährigen Festspielprogramm zählen auch Echo-Klassik-Preisträger Avi Avital und Andreas Staier, Publikumsliebling Dominique Labelle (Galakonzert am 13. Mai) sowie der Slam-Poet Pierre Jarawan.

Liebhaber des Dichters Barthold Heinrich Brockes dürfen sich auf das Brockes-Festival im Festival freuen: Neben Händels Vertonung der Brockes-Passion nehmen das Festspiel-Symposium, der Festvortrag des Germanisten Jan Philipp Reemtsma und das Ensemble Continuum in ihrem Nachtkonzert den Hamburger Barockdichter nä­her in den Blick. Beim Jugendopernprojekt „Beyond Doubt: Lotario“ setzen sich ju­gendliche Migranten sowie und Schüler aus Göttingen mit der Festspieloper auseinander.

Insgesamt präsentieren die Festspiele rund 100 Veranstaltungen, davon über 30 Konzerte und Opernvorstellungen mit über 500 Künstlern. tws

Eintrittskarten gibt es über die kostenpflichtige Telefonhotline (01806) 700733, online un­ter www.haendel-festspiele.de sowie in örtlichen Vorverkaufsstellen.


Abgang mit Stil
Vor 25 Jahren starb Marlene Dietrich in Paris

Die letzten Jahre von Marlene Dietrich erinnern an die Filmdiva Norma in Billy Wilders „Boulevard der Dämmerung“: Zu­rückgezogen und ohne Engagements dämmert die alternde Filmschönheit inmitten ihrer Erinnerungen dahin. Die Dietrich hat bis zu ihrem Tod vor 25 Jahren das Bett 13 Jahre lang kaum noch verlassen. Zuvor war sie bei einem Chanson-Auftritt in Sydney sturzbetrunken in den Orchestergraben gefallen, hatte sich den Oberschenkel gebrochen und war seitdem auf den Rollstuhl an­gewiesen.

Als ge­brechliche greise Frau sollte niemand diese Filmgöttin sehen, die 1929 als Lola in „Der blaue Engel“ und mit dem Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ groß herausgekommen war und in Hollywoodfilmen wie „Zeugin der Anklage“ glänzte. Die Berlinerin war in den USA als „Femme fatale“ eine begehrte Marke. Zum Mythos, zur Sphinx machte sie sich später selber, indem sie sich von der Welt wie Billy Wilders Norma abschottete. „Nicht klingeln“ stand am Klingelknopf in ihrer im vierten Stock gelegenen Pariser Wohnung.

Als Maximilian Schell 1984 eine Dokumentation über die Frau drehen wollte, die 1978 letztmals in „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ neben David Bowie vor der Kamera stand, er­laubte sie ihm, nur Tonaufnahmen zu ma­chen, die er hin­terher mit Bildmaterial aus Archiven collagierte. Am 6. Mai 1992 starb die Diva, die Regisseur Billy Wilder wegen ihrer preußischen Tu­genden wie Disziplin und Pflichterfüllung als „Soldat“ be­zeichnete, 90-jährig an Herzversagen. Beigesetzt wurde sie in ihrer Heimatstadt Berlin auf dem Städtischen Friedhof in der Stubenrauchstraße.

Rückblickend gesehen ist sie der einzige deutsche Star, der sich je wirklich in Hollywood durchsetzen konnte. Das Filmsternchen Diane Kruger, das sich gegenwärtig dort versucht, ist da­gegen kaum mehr als ein blondes Marlene-Dietrich-Imitat. Harald Tews


MELDUNGEN

Ein abwesender Herr Goethe

Großkochberg − Unter dem Goethe-Motto „Glück ohne Ruh, Liebe bist du!“ startet am 6. Mai das diesjährige Sommerfestival im thüringischen Schloss Kochberg. Im Mittelpunkt der Konzerte, Schauspiele und Lesungen, die im Liebhabertheater des Schlosses stattfinden, steht die platonische Beziehung Goethes zu seiner Brieffreundin Charlotte von Stein, deren Sohn Carl den Musenhof in Kochberg schuf. Eröffnet wird daher mit einer Lesung aus den über 1700 Briefen, die Goethe an Frau von Stein schrieb. Zur Aufführung kommt auch Peter Hacks Stück „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“. Infos im Internet: www.liebhabertheater.com tws

 

Luthers Wirken in Bayern

Coburg − „Ritter, Bauern, Lutheraner“ heißt die Landesausstellung, mit der der Freistaat Bayern zum Lutherjahr beiträgt. Vom 9. Mai bis 5. November geht es auf der Veste Coburg sowie in der evangelischen Coburger Kirche St. Moriz um Luthers Wirken in Süddeutschland. Das Haus der Bayerischen Geschichte informiert im Internet unter: www.hdbg.de  tws


S. 10 Geschichte & Preussen

»Von Geld, Truppen und Rat entblößet«
Trotz ungünstiger Ausgangslage wurde Maria Theresia zu einem der bedeutendsten Herrscher Österreichs

„Die zu Beherrschung so weit schichtiger und verteilter Länder erforderliche Erfahrung und Kenntnis um so weniger besitzen zu können, als mein Herrn Vattern niemals gefällig ware, mich zur Erledigung weder aus auswärtigen noch inneren Geschäften beizuziehen noch zu informieren: so sahe mich auf einmal zusammen von Geld, Truppen und Rat entblößet.“ Derart schlecht gerüstet begann die gerade erst 23 Jahre alte, aber bereits zum vierten Male schwangere Maria Theresia nach dem Tode ihres Vaters den Kampf um dessen Erbe.

Im Spanischen Erbfolgekrieg von 1701 bis 1714 verloren die Habsburger Spanien. Unter diesem Eindruck versuchte der ab 1711 regierende Habsburger-Kaiser Karl VI. mit einer einheitlichen Erbfolgeordnung, die auch eine weibliche Erbfolge ermöglichte, wenn Herrschersöhne fehlten, wenigstens die Unteilbarkeit und Untrennbarkeit aller habsburgischen Erbkönigreiche und Länder sicherzustellen. Dazu ließen sich die europäischen Mächte nach zähen Verhandlungen herbei. Prinz Eugens Rat, dass eine starke Armee und eine volle Staatskasse besser wären als alle Verträge, war in den Wind gesprochen. Er sollte recht behalten. Kaum war der Kaiser im Oktober 1740 gestorben, meldeten die Großmächte – obwohl er mit der am 13. Mai 1717 in Wien geborenen Maria Theresia eine Tochter hinterlassen hatte, und damit unter Missachtung ihrer früheren Zusagen – Ansprüche an, die auf eine Aufteilung des Habsburgerreiches hinausliefen.

Doch Karls älteste Tochter zeigte mit Standhaftigkeit einen ihrer Hauptwesenszüge. Sie sicherte ihr das Überleben als Regentin. Bis auf Christoph von Bartenstein, der die Außenpolitik leitete, neigten alle Ratgeber dazu, auf die Forderungen der Gegner einzugehen. Sogar Franz Stephan von Lothringen, ihr Gemahl, neigte dazu, die von Preußens König Friedrich dem Großen geforderte Abtretung Schlesiens hinzunehmen. Sie aber blieb standhaft, pochte auf ihr legitimes Erbe und ließ sich von einem starken Gottvertrauen leiten. Man mag dies als Starrsinn, sogar Bigotterie betrachten und ihr mangelnde Flexibilität vorhalten. Doch im Zeitalter des Absolutismus, als Gottesgnadentum und irdische Macht in Einklang standen, verhielt sie sich logisch. Anfangs schien es, als würde sie wirklich „ihrer Kleider beraubt“, wie es eine Karikatur ausdrückte. Doch der Spott über ein „Weiberregiment“ wich, typisch für den Wankelmut der Wiener, einer tiefen Anhänglichkeit. Schnell erlernte sie die Staatsgeschäfte und bewies Klugheit bei der Auswahl ihrer Minister.

Erst einmal passierte jedoch das, was der Vater hatte verhindern wollen. So wie dem Tod des spanischen Habsburger-Königs Karl II., der kinderlos geblieben war, der Spanische Erbfolgekrieg gefolgt war, folgte dem Tod des Kaisers Karl VI., der keinen Sohn hinterließ, der Österreichische Erbfolgekrieg. Letzterer endete damit, dass Karls älteste Tochter und Nachfolgerin Schlesien, ihr reichstes Kronland, an Friedrich den Großen abtreten musste. Die Kaiserkrönung ihres Gemahls und die internationale Anerkennung ihres Anspruchs auf das Erbe ihres Vaters in Österreich entschädigten sie jedoch für vieles.

Nach der Beendigung des Österreichischen Erbfolgekrieges mit dem Friedensschluss von Aachen im Jahre 1748 schritt die nun unumstrittene Herrscherin Österreichs zu gründlichen Reformen, die auf eine Stärkung der Zentralgewalt, von Armee und Verwaltung hinausliefen. In ihrem aufgeklärten Pragmatismus nicht zuletzt aus Vernunft hob sie das Delikt der Zauberei auf, und das zu einem Zeitpunkt, als im Erzbistum Salzburg der letzte Hexenprozess stattfand.

Bei der Umgestaltung der böhmisch-österreichischen Länder bewies sie ihre Beharrlichkeit gegen den heftigen Widerstand der adeligen Stände. Sie setzte eine einheitliche Finanzverwaltung unter Besteuerung des Adels und des Klerus durch, eine unerhörte Maßnahme, die zum Beispiel in Frankreich scheiterte, was wesentlich zum Ausbruch der Französischen Revolution beitrug. Dagegen ließ sie die Privilegien Ungarns wohlweislich unangetastet. Die Agenden des Äußeren und des Herrscherhauses wurden vereinigt und dem fähigen Grafen Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg als Staatskanzler anvertraut. Es kam zur Trennung von Justiz und Verwaltung, ein geradezu moderner Schritt. Die Förderung von Manufakturen und die Abschaffung des Zunftwesens sollten die Wirtschaft beleben und mehr Steuern bringen.

Darüber vergab sie Friedrich dem Großen den „Raub“ Schlesiens nicht. Während dieser über das Intrigenkarussell in Wien spottete, schaffte es Kaunitz, dass Frankreich, der Erzfeind des Hauses Österreich, ein Bündnis mit ihr einging, dem sich Russland anschloss. Dieser Coup hätte fast zum Zusammenbruch Preußens geführt. Angesichts der enormen Schäden, die sich beide Parteien im Siebenjährigen Krieg zufügten, wäre aus heutiger Sicht eine „österreichische Lösung“, das heißt ein rechtzeitiger Kompromiss, vorteilhaft gewesen. Doch Maria Theresia in ihrem hartnäckigen Rechtsbewusstsein lenkte erst ein, als die Kräfte zur Fortsetzung des Krieges fehlten. 

Ab 1761 setzte die Herrscherin ihre Staatsreform fort. Der übertriebene Zentralismus wurde aufgegeben, politische Verwaltung und Finanzwesen wurden getrennt. Fortschrittlich war vor allem die Einführung der allgemeinen Schulpflicht nach dem Motto: „Die Schule ist ein Politikum.“ In der Armee wurde ein neues Ergänzungssystem eingeführt, um die Lasten des Militärdienstes gering zu halten. Sie vereinheitlichte das Rechtswesen und schaffte 1776, beeinflusst von Josef von Sonnenfels und ihrem Leibarzt Gerard van Swieten, die Folter ab.

Im Familienleben musste die prinzipientreue Erzmoralistin ihrem Franz Stephan, mit dem sie eine glückliche Ehe führte, so manches Abenteuer nachsehen. Ansonsten dirigierte sie ihre zahlreiche Kinderschar, die Erzieher und die Kammerfrauen wie ein Leibregiment. Von den 16 Kindern, die sie gebar, erreichten nur zehn das Erwachsenenalter. Vier von ihnen starben an den Pocken. Sie erzog sie zärtlich, aber streng, manchmal auch überstreng. Die Mädchen mussten ihr persönliches Glück der Heiratspolitik ihrer Mutter unterordnen. Sie gehörten zu Habsburgs „verkauften Töchtern“, getreu dem Distichon: Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich, heirate. Denn was Mars den anderen, gibt dir die göttliche Venus (Bélla geránt alii, tu félix Áustria nube. Nám quae Márs aliis, dát tibi díva Venus).

So musste Marie Karoline den infantilen und pöbelhaften Prinzen von Neapel heiraten. Sie vollbrachte an dem Bourbonen ein pädagogisches Wunder und machte schließlich aus ihm einen leidlich brauchbaren Monarchen. Maria Antonia wurde gegen ihren Willen die Frau des impotenten und ebenfalls bourbonischen französischen Königs Ludwig XVI. Die besser unter dem Namen Marie Antoinette bekannte Habsburgerin ging nicht nur wegen ihres tragischen Schick­sals, sondern auch wegen ihrer Lebensführung als „Madame Defizit“ in die Geschichte ein. Doch Maria Theresia machte nicht bei ihren Töchtern halt, sondern sie mühte sich, auch ihre Kammerfrauen möglichst „gut“ zu verheiraten, und wehe dem Werber, der nicht den Vorstellungen der Landesmutter entsprach!

Ihre strikte Moralauffassung erreichte den Gipfelpunkt in der Einsetzung einer „Keuschheitskommission“. Sie ließ nicht nur Prostitution, sondern auch Ehebruch, Homosexualität, Sodomie und anstößiges Verhalten verfolgen. Zeitweise waren hierin bis zu 500 „Kommissare“ tätig, und zahlreiche Denunzianten trieben ihr Unwesen. Prominentestes Opfer war Casanova, und seine diesbezüglichen Schilderungen dienten nicht nur der Rechtfertigung. Die bedauernswerten Damen des verfemten Gewerbes griffen bald zu einer List und kauften Rosenkränze, die sie bewusst offen zur Schau stellten. Denjenigen Bedauernswerten, die ohne Rosenkranz ertappt wurden, drohte im schlimmsten Fall eine der gefürchtetsten Strafe: Deportation per Schiff in die Pußta im äußersten Süden Ungarns, dem damaligen „austriakischen Sibirien“. Heinz Magenheimer


Anlaufstelle der Gegner der Vereinigung mit der KPD
Ostbüros deutscher Parteien betrieben in der Ostzone antikommunistische Propaganda – Das der SPD war am aktivsten

Als die demokratischen Parteien in Mitteldeutschland mehr und mehr unter dem Druck der SED und der sowjetischen Besatzungsmacht gleichgeschaltet wurden, grün­deten in den Westen geflüchtete Parteimitglieder mit Hilfe der jeweiligen westdeutschen Bruderpartei in West-Berlin Ostbüros. Zunächst waren diese als reine Hilfsorganisationen für weitere Geflohene gedacht, um dann zunehmend zur heimlichen Kontaktstelle ihrer in der DDR verbliebenen Parteimitglieder und -anhänger zu werden, wollte man die eigene Partei nach dem damals allgemein erwarteten baldigen Abzug der Russen doch wieder schnell aufbauen.

Das SPD-Ostbüro war in jenen Jahren das aktivste. Es entstand 1946 nach dem Zusammenschluss der ostzonalen SPD mit der dortigen KPD zur SED auf Initiative von Kurt Schumacher als „Kampforgan des Parteivorstandes für die unterdrückte Sozialdemokratie in der Sowjetzone“. Innerhalb kurzer Zeit bildete es ein Netz von heimlichen Gewährsleuten und hatte lange Jahre sehr gute Verbindungen bis in die SED-Führung. Dies beweist nicht zuletzt sein Bericht vom 4. August 1961, der Willy Brandt – auch wenn er es später bestritt – auf die bevorstehenden Absperrungen in Berlin hinwies. Der Leiter des dortigen Verfassungsschutzes indes fand die Meldung „lächerlich“ und warf sie angeblich in den Papierkorb.

Geleitet wurde das Ostbüro anfangs von Siegmund Neumann, dann lange Zeit von Stephan G. Thomas, dessen wahrer Nachname Grzeskowiak lautete, und zuletzt von Helmut Bärwald, dessen wahrer Nachname Fränzel lautete. Die Zahl ihrer illegalen Mitstreiter in der DDR belief sich nach Erkenntnissen des britischen MI6 auf rund 2000. In der ersten Zeit erfolgte die Widerstandsarbeit mit Kurieren aus dem Westen, die jedoch oft nur wenig in der Untergrundarbeit ausgebildet und nicht selten leichtsinnig waren, was mehrere Hundert Opfer kostete. Größere Erfolge konnte die Stasi später durch Erpressungen und Entführungen hauptamtlicher Mitarbeiter sowie durch Einbrüche in das Ostbüro erzielen.

Längst war man zum Versand der Flugschriften durch die DDR-Post übergegangen. Da war zum einen der „Kleine Telegraf“, welcher der gleichnamigen SPD-Zeitung in West-Berlin entsprach und nunmehr in Doppelbriefgröße für die Bevölkerung jenseits der Sektorengrenzen erschien. Mit dem Ziel, die SED ideologisch zu zersetzen, gab es Broschüren, welche die Wahrheit über die Führer in Ost-Berlin verbreiteten oder die Vorgänge in der Sowjetunion und in Polen analysierten. Die Flugblatt-Zeitung „Sozialdemokrat“ wurde jahrelang zweimonatlich in jeweils 600000 Exemplaren Auflage in die DDR ge­schmuggelt.

Großen Erfolg hatten die nach dem Vorbild der belgischen Resistance im Zweiten Weltkrieg gedruckten Zeitungen, deren Titelseite jenen der DDR täuschend ähnlich war, die im Innern aber die SED-Diktatur anprangerten und Nachrichten aus dem Westen enthielten. Ihre allmonatliche Auflage belief sich auf rund 10000. Nicht selten wurden sie stapelweise als „Werbeexemplare“ an belebten Stellen ausgelegt. Das theoretische Organ des Zentralkomitee der SED, „Einheit“, ahmte man mit einer entsprechenden Titelseite ebenfalls nach, nannte im Untertitel aber die SPD in Bonn. Broschüren im tristen DDR-Papier mit dem Titelblatt „3. Parteikonferenz der SED vom 24.–30. März 1956. Walter Ulbricht: Der zweite Fünfjahrplan und der Aufbau des Sozialismus in der Deutschen Demokratischen Republik“ entpuppten sich nicht selten als Wolfgang Leonhards bekanntes Buch „Die Revolution entlässt ihre Kinder“. Die erste Auflage belief sich auf 15000 Exemplare. Zumal sie ziemliche Verwirrung schuf, war ideologisch am gefährlichsten für Ost-Berlin die angebliche theoretische Schrift „SED-Op­position“. Auf schlechtem DDR-Papier gedruckt, sollte die Publikation den Eindruck erwecken, sie sei illegal in der DDR hergestellt worden. Die Autoren gaben sich als eigentlich „linientreue“ Genossen aus, die indes Kritik an gewissen Erscheinungen des DDR-Sozialismus übten und diese in ihrem vorgetäuschten DDR-Patriotismus als „Verbesserungsvorschläge“ tarnten. Aus gleichem Grund sprachen sie ihre Leser stets als „Teure Genossinnen und Genossen“ an.

Im Jahre 1950 verbrachte das SPD-Ostbüro 670000 Flugblätter, Broschüren und Klebzettel in den Osten. Nach ihren eigenen Unterlagen hat die Stasi 1957 rund 1,56 Millionen Schriften des SPD-Ostbüros beschlagnahmt, die per Ballons über die Zonengrenzen kamen. Während des ersten Halbjahres 1966 sollen es über 13000 Ballons gewesen sein, die Millionen papierne Botschaften aus dem DDR-Himmel fallen ließen.

Um der kommunistischen Beeinflussung der Jugend entgegenzuwirken, veröffentlichte ein unscheinbares Büro in der Nebenstraße jahrelang eine eigene Fassung der „Jungen Welt“, des Organs der FDJ-Führung. Deren 40000 bis 60000 Exemplare erfreuten sich großer Beliebtheit.

Im Oktober 1967 untersagte auf Betreiben Herbert Wehners der SPD-Parteivorstand in Bonn alle weiteren Ballon-Einsätze. Sie würden „nicht mehr in die politische Landschaft passen“. Schon seit Jahren hatte die DDR die Schließung des Ostbüros gefordert. Im Januar 1971 wurde es dann von der eigenen Partei aufgelöst, es war mit seinen Mahnungen und Warnungen zu lästig geworden. Friedrich-Wilhelm Schlomann


S. 11 Geschichte & Preussen

Wurde Heydrich Opfer eines B-Waffen-Angriffs?
Indizien sprechen dafür, dass die Attentäter bei ihrem Anschlag vor 70 Jahren gezielt Milzbranderreger verwendeten

Am 4. Juni 1942 starb Reinhard Heydrich an den Folgen eines Sprengstoffattentates, das tschechische Agenten wenige Tage zuvor auf ihn verübt hatten. Glaubt man den gängigen geschichtswissenschaftlichen Darstellungen, erlag der Leiter des Reichssicherheitshauptamts und stellvertretende Reichsprotektor in Böhmen und Mähren einer „allgemeinen Sepsis“. Doch entspricht dies wirklich der Wahrheit?

Seit Heydrich in Vertretung des am 27. September 1941 beurlaubten Reichsprotektors Konstantin Freiherr von Neurath auf der Prager Burg residierte und die eigentliche Regierungsgewalt im Reichsprotektorat ausübte, trachtete die tschechische Exilregierung unter Präsident Eduard Benesch danach, ihn auf möglichst spektakuläre Weise zu ermorden. Dadurch wollte man massive deutsche Vergeltungsmaßnahmen provozieren, die dann wiederum den Widerstand seitens der Tschechen anfachen sollten. Der war nämlich weitgehend eingeschlafen, nachdem Heydrich das Protektorat nicht nur durch brutale Härte, sondern auch mit vielfältigen Zugeständnissen an die sozial schwachen und arbeitenden Schichten „befriedet“ hatte.

Bei der Vorbereitung der Aktion arbeitete der militärische Geheimdienst von Benesch eng mit der britischen Special Operations Executive (SOE) zusammen. Diese Sektion des Auslandsnachrichtendienstes Secret Intelligence

Service (SIS) war unter anderem für die Planung und Ausführung von Mordanschlägen zuständig. Sie übernahm deshalb auch die Ausbildung der designierten Attentäter Jan Kubiš, Josef Gabcík und Josef Valcik. Außerdem versorgte die SOE die drei tschechischen Feldwebel, die später als Gruppe „Anthropoid“ agierten, mit Waffen und Sprengsätzen.

Am 29. Dezember 1941 setzte ein britischer „Halifax“-Bomber die Agenten mit Fallschirmen nahe der Ortschaft Nehvizdy östlich von Prag ab. Danach bereiteten sie sich im Untergrund auf den Anschlag vor, der am 27. Mai 1942 um 10.35 Uhr stattfand. Zu diesem Zeitpunkt passierte Heydrichs offener und ungepanzerter Mercedes 320 C, der entgegen einem ausdrück­lichen Befehl Adolf Hitlers ohne jedwede Eskorte fuhr, die Haarnadelkurve im Bereich der Kreuzung Kirchmayerstraße/Klein-Holleschowitz im Prager Stadtteil Lieben. Dort musste der Fahrer, SS-Oberscharführer Johannes Klein, die Geschwindigkeit auf 20 Kilometer in der Stunde reduzieren. Das wollte Gabcík nutzen, um mit seiner Maschinenpistole auf die Insassen des Wagens zu feuern, doch die Sten Mark II versagte. Daraufhin ließ Heydrich seinen Wagen anhalten, damit er den Angreifer erschießen konnte. Das erwies sich als fataler Fehler, denn dadurch erhielt Kubiš die Gelegenheit, die mitgeführte Anti-Panzer-Granate in Richtung des Cabrios zu schleudern. Deren Explosion riss ein größeres Loch in den hinteren Teil der Karosserie. Zugleich zersiebten Splitter die Reifen. Außerdem durchschlug eines der Sprengstücke die Pferdehaarpolsterung in der Lehne des rechten Vordersitzes und blieb im Körper Heydrichs stecken.

Wegen dieser Verletzung brachten herbeigeeilte tschechische Passanten den Reichsprotektor ins nahegelegene Allgemeine Öffentliche Krankenhaus Na Bulovce. Dort wurde Heydrich, der nach einem kurzen Kollaps schon wieder alleine zu gehen vermochte, geröntgt. Dabei fanden sich Fremdkörper in der Milz, die umgehend operativ entfernt werden mussten. Diesen Eingriff nahmen der Chi­rurg Joseph Hohlbaum von der Karls-Universität in Prag und dessen Kollege Walter Dick aus der Bulovce-Klinik vor. Die beiden Medizinprofessoren entnahmen die gesamte Milz mitsamt eines mehrere Zentimeter großen Metallsplitters und diverser Reste der Sitzfüllung. Ebenso pumpten sie den eingefallenen linken Lungenflügel wieder auf und nähten das zerrissene Zwerchfell zusammen.

Heydrich überstand den einstündigen Eingriff bemerkenswert gut und wurde ab dem Abend des 27. Mai von Heinrich Himmlers Leibarzt Karl Gebhardt, dessen Stellvertreter Ludwig Stumpfegger und dem seinerzeit prominentesten deutschen Chirurgen, Ferdinand Sauerbruch, weiterbehandelt. Dabei blieb sein Zustand zunächst stabil. Am 1. Juni bekam Heydrich jedoch plötzlich hohes Fieber, und 48 Stunden später fiel er abrupt ins Koma. Kurz darauf, am 4. Juni um 4.30 Uhr, war der Obergruppenführer tot.

Nur wenige Stunden später führten die erfahrenen Pathologen Herwig Hamperl und Gün­ther Weyrich im Beisein Sauerbruchs eine Obduktion durch, die folgendes offizielles Ergebnis erbrachte: „Der Tod trat ein, infolge einer Schädigung lebenswichtiger … Organe durch Bakterien … , welche zugleich mit der Schussverletzung durch das Sprengstück eingedrungen waren und sich besonders in der Brustfellhöhle, im Zwerchfell und in der Milzgegend angesiedelt und vermehrt hatten.“ Damit gab man sich dann auch allseits zufrieden. Wie Hamperl 1970 gegenüber dem amerikanischen Mediziner Richard Davis äußerte, bezweifelte er freilich schon damals, dass Heydrich an einer Sepsis der üblichen Art gestorben ist.

Und tatsächlich deuten viele Details des Obduktionsberichtes, dessen Original 2004 im Tschechischen Nationalarchiv entdeckt wurde, eher auf eine Infektion mit dem Milzbranderreger Bacillus anthracis hin. So fanden Weyrich und Hamperl neben den Schäden entlang des Wundkanals auch zahlreiche auffällige Blutungen und Verklebungen an Darm, Brustfell und Lunge sowie diverse größere Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel und den Körperhöhlen rund um Brust- und Zwerchfell. Dazu kamen geschwollene blutige Lymphknoten in derselben Region. Bemerkenswert ist darüber hinaus der bakteriologische Befund, in dem von massenhaft vorhandenen stäbchenförmigen Erregern die Rede ist.

Das alles passt ebenso zu einer Ansteckung mit Milzbrand wie der dramatische Krankheitsverlauf des Patienten. Jedoch weiß man dies erst heute, nachdem die Pathologen in den letzten Jahrzehnten Dutzende von Anthrax-Opfern zu sehen bekamen – so zum Beispiel beim schweren Unfall in der sowjetischen Biowaffenfabrik „Einrichtung Nr. 19“ in Swerdlowsk am 2. April 1979 mit 68 Toten oder der Serie von Anschlägen unter Verwendung von Briefen voller Sporen des gefährlichen Bazillus zwischen Oktober 2001 und Januar 2002, bei denen fünf US-Bürger starben.

Aber hätten die tschechischen Attentäter an Milzbranderreger herankommen und Heydrich damit infizieren können? Die Frage ist eindeutig positiv zu beantworten.

Immerhin experimentierten die Briten seit November 1940 mit Anthrax, obwohl sie zu den Unterzeichnern des Genfer Protokolls über das Verbot der biologischen Kriegführung zählten. Zentrum der Biowaffenforschung des Empire war das Biological Department der Chemical Defence Experimental Station in Porton Down bei Salisbury in Wiltshire, das von dem angesehenen Bakteriologen Paul Fildes geleitet wurde.

Dessen Team verfolgte zwei Programme: Zum einen produzierte es im Rahmen der Geheimoperation „Vegetarian“ fünf Millionen „Cattle Cakes“. So nannte man Trockenfutterstücke, die Anthrax-Sporen enthielten und im Falle eines deutschen Biowaffenangriffs auf Großbritannien als Vergeltung über Deutschland abgeworfen werden sollten, um die dortigen Rinder- und Pferdebestände auszulöschen.

Zum anderen ging es um die Tötung von Menschen. Hierzu ermittelten die Briten zunächst an Schweinen die letale Dosis Sporen. Dann fanden großangelegte Freilandversuche mit dem besonders ansteckenden Anthrax-Stamm Vollum 14578 statt. Schauplatz dieser Tests unter der Leitung von Graham Sutton waren die 196 Hektar große Insel Gruinard vor der schottischen Nordwestküste sowie eine Sandbank bei Penclawdd auf der walisischen Halbinsel Gower. Hierbei kontaminierten die Forscher Gruinard dermaßen stark, dass das Eiland bis 1990 gesperrt bleiben musste. Das lag nicht zuletzt an der extremen Widerstandsfähigkeit der Milzbrand-Sporen, die sogar die Explosion einer Granate überstehen konnten.

Andererseits erregte genau diese Resistenz die Aufmerksamkeit der SOE, die eng mit den Biowaffenexperten in Porton Down zusammenarbeitete. Als Verbindungsmann fungierte dabei Dudley Maurice Newitt, ein Chemiker, der seit dem 9. Juni 1941 den Posten des Direktors der Forschungsabteilung der SOE innehatte. Wie jahrzehntelang geheim gehaltene Dokumente aus dem Londoner War Office beweisen, forderte

Newitt eine größere Menge Anthrax-Sporen und dazu mehrere Proben des ebenso tödlichen Botulismus­toxins an, weil man beim SOE von „vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten für das Material“ ausging – auch und gerade im Zusammenhang mit Mordanschlägen gegen führende Persönlichkeiten des Dritten Reiches.

Somit bliebe nur noch zu klären, wie die drei tschechischen Attentäter den Kampfstoff praktisch eingesetzt haben könnten. Der Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage liegt in der Sprengladung, die Kubiš gegen den Wagen des Obergruppenführers schleuderte. Wie Zeitzeugen berichteten, modifizierte der Major Cecil Vandepeer Clarke von der SOE die Anti-Panzer-Granate des Modells 73 für den Einsatz durch die Gruppe „Anthropoid“ in ganz erheblichem Maße. Insbesondere reduzierte er die Sprengstoffladung, um Platz für eine „Blechbüchse aus grünlackiertem Weißblech mit aufschraubbarem Deckel“ zu gewinnen, die mit zahlreichen Lagen grünem Klebeband umwickelt war. So jedenfalls lautet das Ergebnis der akribischen Rekonstruktion des zylindrischen Sprengsatzes anhand der am Tat­ort gefundenen Reste im offiziellen Abschlussbericht des Kriminalrats Heinz Pannwitz von der Prager Gestapo. Und wozu soll dieser Behälter gut gewesen sein, wenn nicht zur Aufnahme einer speziellen Wirksubstanz?

Hierzu passend prahlte Fildes später gegenüber dem US-Mikrobiologen Alwin Pappenheimer, Heydrichs Ermordung sei „die erste Kerbe auf seiner Pistole“ gewesen. Darüber hinaus bezeichnete Winston Churchills Außenminister Anthony Eden das Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Ende der 1940er Jahre als Teil des SOE-typischen „Kriegsverbrecher-Geschäfts“. War diese Äußerung das verklausulierte Eingeständnis, dass bei dem Anschlag in Prag ein völkerrechtlich verbotener Biokampfstoff zum Einsatz gekommen war?     

                Wolfgang Kaufmann


S. 12 Mensch & Zeit

Die Schaugeilen
Gaffer als Teil der Multi-Kulti-Gesellschaft

Stehenbleiben, glotzen, lachen, Handyaufnahmen machen, fremdes Leid genießen: Menschenverachtend und grausam ist das Verhalten von Gaffern an Unfallstellen. Im niedersächsischen Bremervörde wurden jetzt drei Brüder verurteilt. Omar A. (27), Mohammed A. (20) und Ezzedin A. (36) waren angeklagt, Rettungskräfte bei einem schweren Unfall beschimpft, behindert und sogar angegriffen zu haben. Passiert war es, nachdem eine 59-jährige Frau, die einen Epilepsieanfall erlitten hatte, mit ihrem Mercedes-Kombi ungebremst in eine Eisdiele gerast war. Es gab zwei Tote und mehrere Verletzte. Während Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten vor Ort ihre Pflicht taten, lieferten sich die Angeklagten wüste Wortgefechte und Rangeleien mit den Helfern.

Der sogenannte Gaffer-Prozess sorgte bundesweit für Aufsehen. Er steht beispielhaft dafür, dass sich immer mehr Menschen nicht zu schade sind, ihre primitive Schaulust am Unglück anderer zu befriedigen. Über die generelle Herkunft der „Schaugeilen“ schweigen die Verantwortlichen tunlichst. In bekannt gewordenen Einzelfällen lässt sich fast durchgängig ein Migrationshintergrund erkennen. Er zeigt, wie die gepriesene Multi-Kulti-Gesellschaft wirklich tickt: Es ist eine barbarische Welt, in der jeder, der nicht zur eigenen Gruppe gehört, weder Respekt noch Mitleid erwarten darf.

Ein Gesetz soll nun derartige Auswüchse verhindern. Der Bundesrat hat dem Bundestag bereits einen entsprechenden Entwurf vorgelegt. Personen, die bei „Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not“ die Feuerwehr, den Ka-tastrophenschutz oder den Rettungsdienst behindern, sollen darin neben Geldstrafen auch Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr drohen.

Die drei Angeklagten in Bremervörde kamen mit vergleichsweise leichten Strafen davon. Sie zeigten zwar keine Reue, behaupteten aber, dass sie aus Sorge um die Betreiber der Eisdiele vor Ort gewesen seien. Sie seien mit ihnen befreundet. Ein Lüge, die anscheinend nicht nachgeprüft wurde. Die Besitzerin der Eisdiele erklärte eine Zeitung gegenüber, Omar A., Mohammed A. und Ezzedin A. seien keine Freunde, sondern nur Kunden. Bei ihrem Verhalten am Unfallort habe ihr „der Respekt gefehlt“.     Frank Horns


Der Moment der Woche

Wie herzig: Die mächtige NRW-Landeschefin Hannelore Kraft posiert mit einem niedlichen Mädchen. Vereint wissen sich beide im Kampf gegen die Nazis. Nicht einen Tropfen Kakao hat die Kleine für die braunen Bösewichte übrig. Das Foto entstand in Köln bei einer Demonstrationsveranstaltung gegen den Parteitag der AfD. Es handelt sich also nicht gerade um ein Familienfest, wie Hannelore Kraft twittert. Das Foto ist zudem nicht herzig, sondern hässlich und entlarvend. Die SPD-Politikerin instrumentalisiert ein Kind, um damit die Parteien-Konkurrenz zu diffamieren: AfD gleich Nazis. Sogar kleine Kinder verstehen das.

Tatsächlich dürfte das Mädchen in einem Alter sein, in dem es – Gott sei Dank – noch keine Vorstellung hat, was ein Nazi ist, ebensowenig dürften ihm die Zusammenhänge klar sein, die es auf die Straße und neben die Frau geführt haben. Vielleicht wird es später einmal die erschreckende Ähnlichkeit zu anderen Fotos erkennen. Zu solchen, auf denen die Diktatoren dieser Welt von Stalin bis Kim Jong-un mit Kindern posieren, um ihrem bösen Tun ein harmloses Image zu verpassen.      FH


Eine Burka für 350000 Euro
Mit beinahe unvorstellbarem Luxus protzen reiche Moslems daheim und anderswo. Dabei predigt ihr Koran Mäßigung

Shoppende Luxusweibchen und protzende Geldsäcke schätzt der Prophet Mohammed gar nicht. Das Feuer der Hölle drohte er den Verschwendern an. Allerdings: Während seine Anweisungen in Punkto Dschihad, Vielweiberei und Christenunterdrückung von den modernen Muslimen gerne wortwörtlich genommen werden, sehen sie diese Richtsätze ihres Religionsgründers weitaus weniger streng

Der Herr Gemahl schimpft, die Gattin shoppt: „Wir haben es mit einem Kontinent zu tun, der in jeder Hinsicht verrottet“, pöbelte Recep Tayyip Erdogan jüngst über das ehrenwerte Europa. Hätte Gattin Ermine seine Rede verfasst, hätte sie wohl statt „verrottet“ den Ausdruck „verlockt“ gewählt. Jedenfalls hat sie kein Problem damit quer durch den geschmähten Kontinent zu touren und dabei mit reichlich Geld um sich zu werfen. Während 25 Prozent der Türken von weniger als vier Euro am Tag leben müssen, erwarb sie in Warschau Antiquitäten für 44000 Euro. In Belgien wurde gleich ein ganzes Einkaufs-zentrum gesperrt, damit die First Lady aus Ankara in Ruhe ihrer Obsession nachgehen konnte. Dabei ist Emine Erdogan kein Einzelfall: Viele Frauen aus dem islamischen Kulturkreis geben sich dem Rausch des Konsums hin – sofern das Vermögen der Ehemänner dafür ausreicht. Möglicherweise versuchen sie damit ihre untergeordnete Rolle in der Gesellschaft zu kompensieren.

Zwar werden die rigiden Bekleidungsvorschriften ohne Widerworte eingehalten, dafür tragen jene, die über das nötige Kleingeld verfügen, diamantenbesetzte Verhüllungen (Abayas, Hidschabs und Burkas) für bis zu 350000 Euro aus dem Atelier von Bruce Oldfield, dem Modedesigner der britischen Royals. Ebenso blitzen unter den züchtig langen Roben sündhaft teure Dior-Schuhe hervor. „Einfache“ Kleidungsstücke für 20000 Euro kaufen saudische Prinzessinnen – und davon gibt es wegen der Manneskraft des 1953 verstorbenen Dynastiegründers Abdul Asis ibn Saud immerhin um die 7000 – meist im Dutzend. Gleichermaßen gehört natürlich Edelmetall zu einem angemessenen Lebensstil. Deshalb produziert die Schweizer Firma Rococo Dessous jetzt sogar Unterwäsche aus 24-karätigen Goldfäden. Der Preis für das Set „Marie Antoinette“ liegt bei „bescheidenen“ 3000 Euro, wobei die arabischen Käuferinnen sicher kaum wissen werden, dass die Namenspatronin ihrer Dessous nicht zuletzt wegen Verschwendungssucht unter der Guillotine endete.

Besonders gerne verprassen die solventen Araberinnen Geld im „ungläubigen“ Ausland, obwohl sie dies eigentlich auch in direkter Umgebung der Heiligen Stätten von Mekka und Medina tun könnten. Schließlich prangt in der Geburtsstadt des Propheten Mohammed jetzt unter anderem die Makkah Mall mit 195 Ladengeschäften. Diverse westliche Markenartikel von Aldo-Schuhen bis Zara-Textilien warten dort auf orientalische Kaufkraft.

Für den Bau solcher Einkaufstempel mussten sogar einmalige historische Gebäude aus der Frühzeit des Islam weichen. Aber in Städten wie Zell am See im österreichischen Pinzgau ist das Shopping-Erlebnis offenbar noch erhebender. Allerdings nur, wenn das Eintauschen der hierzu nötigen Euros auf der Bank flott genug geht – andernfalls gibt es schon mal Vorfälle wie im Sommer letzten Jahres. Da reagierte ein kaufwütiges arabisches Mutter-Tochter-Duo auf Verzögerungen am Schalter mit Beiß- und Spuckattacken sowie Steinwürfen.

Dem Luxusleben zugetan sind aber auch viele muslimische Männer. Beispielsweise leisten sich die Saudi-Prinzen und ihre Standesgenossen aus den Golf-Emiraten eine ganze Privatflotte von Großraumflugzeugen mit orientalisch verschwenderischer Ausstattung. Zu der gehören Hamam-Dampfbäder, kleine Konzertsäle und computergesteuerte Gebetsteppiche, die wie von Zauberhand in Richtung Mekka schwenken. Protzig bis zu Gehtnichtmehr sind auch die schwimmenden Spielzeuge der muslimischen Verschwendungskünstler. Von den zehn teuersten Luxus-yachten der Welt gehören sechs Blaublütern aus Saudi-Arabien oder den Golf-Staaten. An der Spitze steht momentan die auf der Bremer Lürssen-Werft gebaute, 180 Meter lange und auf 500 Millionen Euro geschätzte „Azzam“ von Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan, dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate und Emir sowie Premierminister von Abu Dhabi.

Desgleichen verschlingen die Falken – das nächste Statussymbol der neureichen Wüstensöhne – massenhaft Geld. Ein Saudi-Prinz ließ im Januar dieses Jahres gleich 80 Sitze in einer Linienmaschine für seine Vogelschar reservieren, weil er die unbedingt mit auf Reisen nehmen wollte.

Dabei ist kaum einer der wohlhabenden Araber bereit, Abstriche an seinem Luxusleben zu machen, seit die Petro-Dollars wegen des Ölpreisverfalls nicht mehr so kräftig sprudeln. Das führte dazu, dass Saudi-Arabien in den vergangenen drei Jahren ein sattes Defizit von 187 Milliarden Euro anhäufte und sich nun erstmals Geld im Ausland leihen musste. Trotzdem freilich kaufte der stellvertretende Kronprinz des Landes, Mohammad bin Salman Al Saud, dem russischen Wodka-Milliardär Jurij Schefler während eines Frankreich-Urlaubs mal eben ganz spontan die Yacht „Serene“ für 350 Millionen Euro ab.

Dahingegen fehlt es über weite Strecken an der Gebefreudigkeit auf sozialem und kulturellem Gebiet, wie man diese von südostasiatischen und westlichen Milliardären kennt, wobei gerade die letzteren natürlich auch nicht immer ganz uneigennützig spenden – man denke da nur an den US-Investor George Soros, der offenbar eine ganz persönliche politische Agenda verfolgt und deshalb allerlei dubiose Nichtregierungsorganisationen alimentiert. Der einzige Moslem in der aktuellen Rangliste der zehn großzügigsten Menschen der Welt ist der saudische Unternehmer Scheich Sulaiman bin Abd al-Aziz ar-Radschihi, welcher mehrere Milliarden in eine private Universität und Wohltätigkeitsprojekte investierte, um spätere Erbschaftsstreitigkeiten unter seinen 23 Kindern zu vermeiden.

Die egoistische Zurückhaltung reicher Muslime beim Engagement für die Gesellschaft sticht während vieler Gelegenheiten ins Auge. So erwarben die fanatischen Kunstsammler aus der Herrscherfamilie des Emirates Katar zwar die beiden teuersten Gemälde der Welt, als da wären „Die Kartenspieler“ von Paul Cézanne und Paul Gauguins „Nafea faa ipoipo“  (Kaufpreis 230 beziehungsweise 280 Millionen Euro), verstecken diese aber nun schon seit Jahren in ihren Privatgemächern. Das gilt gleichermaßen für Picassos Bild „Les Femmes d’Alger“, das der frühere Premierminister von Katar, Hamad ibn Dschasim ibn Dschabir Al Thani, für 165 Millionen Euro ersteigerte: Die bunte Harems-Szene wird nicht öffentlich ausgestellt – angeblich, weil auf dem Bild nackte Brüste zu sehen sind.

Besonders unsozial ist das Verhalten des muslimischen Geldadels auf der arabischen Halbinsel freilich gegenüber den Flüchtlingen aus dem eigenen Kulturkreis. Zwar leistet sich Saudi-Arabien in Mina ein Luxuszeltlager für sage und schreibe drei Millionen Menschen, allerdings wird dieses nur an fünf Tagen im Jahr auf dem Höhepunkt der Wallfahrten nach Mekka benutzt – den Rest der Zeit stehen die 100000 Zelte mit großem Küchen- und Sanitärtrakt sowie Klimaanlage leer. Wenn Flüchtlinge aus Syrien oder anderen Kriegsgebieten der Region in den Staaten der Ölscheiche leben, dann zumeist nur solche mit Vermögen oder zumindest wohlhabenden Verwandten. Deshalb ist die Behauptung des saudischen Außenministers Adel bin Achmed al-Dschubeir, sein Land habe 2,4 Millionen Syrer und eine Million Jemeniten aufgenommen, schlicht und einfach gelogen. Wo sollten diese Menschen – die mehr als zehn Prozent der autochthonen Bevölkerung Saudi-Arabiens ausmachen würden – denn untergekommen sein, wenn nicht in Camps wie Mina?

Das alles ist natürlich zutiefst unislamisch. Der Koran billigt schließlich weder Luxusleben noch materielle Gier, sondern verweist auf die Verantwortung der Gläubigen gegenüber ihren Nächsten. Daraus entwickelte sich die Praxis der obligaten Armensteuer (Zakat) sowie der freiwilligen Almosen (Sadaqa). Zur Höhe der letzteren meinte Mohammed in der 2. Sure seiner Offenbarung, man solle auf jeden Fall „das Entbehrliche“ an die Bedürftigen weitergeben und setzte dann später noch im Abschnitt 64 hinzu: „Spendet: Es ist besser für euch“. Zugleich ermahnte er sämtliche Muslime, die „für den Besitz eine allzu große Liebe“ empfinden: „Was bei euch ist, geht zu Ende; was bei Gott ist, hat Bestand“ (Sure 16 beziehungsweise 89). Dem folgt die ganz unmissverständliche Ankündigung, womit reiche Geizhälse und Verschwender nach ihrem Tode zu rechnen haben: „Das sind die, für die im Jenseits nichts bestimmt ist als das Feuer“ (Sure 11). Was muss im Kopf der saudischen Prinzen oder von Emine Erdogan vorgehen, wenn sie diese klare Warnung in den Worten des Propheten Mohammed, deren buchstabengetreue Gültigkeit ja absoluter Grundkonsens im Islam ist, einfach so in den Wind schlagen?! Ist es Unkenntnis des Korans, Charakterschwäche oder Ignoranz gegenüber den Lehren einer Religion, der man sich doch angeblich so kompromisslos verschrieben hat?           Wolfgang Kaufman


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Wiedersehen in Kallischken
Landsmannschaft Ostpreußen lud deutsche Vereine zum jährlichen Frühlingsseminar ein

Die mittlere Generation der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen hat sich auf Einladung der Landsmannschaft Ostpreußen (LO) in Kallischken zu ihrem Frühlingsseminar mit erweitertem Programm getroffen.

In früheren Jahren trug die LO-Veranstaltung den Namen „Schlösser und Gutshäuser in Ostpreußen“, um aber den veränderten Bedürfnissen der Teilnehmer gerecht zu werden, wurde die Tagung erweitert.

Das Frühlingsseminar fand in einem alten Herrenhaus in Kallischken statt, das heute ein Hotel beherbergt. Das Dorf liegt vier Kilometer westlich von Gehlenburg [Biała Piska]. In den 1920er Jahren gehörte dieses Gut mit einer Fläche von 1194 Hektar der Familie Windensein. Hinter dem großen Herrensitz gibt es einen wunderschönen alten Park mit wertvollem Baumbestand.

Das diesjährige Apriltreffen begann mit einer Schulung zum Thema „Kommunikation im Team“. Diesen Seminarteil leitete  Irena Sosnowska. Die Teilnehmer erfuhren, wie man ein effizientes Team aufbaut, welche Rollen es in einem Team gibt, wie man erfolgreich in einer Gruppe arbeitet, und wie man für eine Nichtregierungsorganisation wirbt. Mit den erworbenen Fertigkeiten können die Vereinsmitglieder ihre Arbeit in den deutschen Vereinen verbessern.

Danach gab es Zeit für einen Ideen- und Erfahrungsaustausch. Die Vertreter der deutschen Vereine berichteten von ihrer Tätigkeit und teilten ihr Wissen miteinander. Auch ein historischer Teil fehlte nicht: Die Geschichte der Schlösser und Herrenhäuser, die sich in der Nachbarschaft befinden, wurden vorgestellt.

Am zweiten Tag fand eine Rundfahrt statt, während derer die Teilnehmer die historischen Objekte besichtigten. Zuerst ging es nach Lupken, wo die Gruppe von der Direktorin der Sonderschule, die sich heute im Herrenhaus befindet, empfangen wurden. Das Dorf Lupken liegt in der Nähe von Johannisburg [Pisz]. Der ehemalige große Gutshof hat eine sehr schöne Lage am Rosch See. Das große Herrenhaus stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Nachdem ein Feuer in den 1990er Jahren das Gebäude zerstörte, wurde es wieder aufgebaut und saniert. Zurzeit wird die Schule ausgebaut und um weitere Räumlichkeiten sowie eine Sporthalle vergrößert.

Der nächste Punkt war der große Gutskomplex in Billstein [Biała Olecka]. Das Herrenhaus hat eine malerische Lage am weiten Flussgebiet der Legen, etwa 15 Kilometer nördlich von Treuburg [Olecko]. Es befindet sich zwischen dem kleinem Park und dem großzügig angelegten Wirtschaftsbereich. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte das Gut in den Besitz der Familie Tolsdorff. Sie erbauten Anfang des 20. Jahrhunderts das neobarocke Herrenhaus. Nach 1945 wurde auf dem Besitz ein staatliches Gut gegründet. Im ehemaligen Herrenhaus waren die Arbeitszimmer und Wohnungen der Angestellten untergebracht.

Ziemlich ruiniert wurde es verlassen und in den 1980er Jahren von einem Brand heimgesucht. In den 1990er Jahren kaufte ein Privatmann die Ruine, baute das Gebäude nach ursprünglichen Plänen wieder auf und verkaufte es später. Bis heute befinden sich die Innenräume noch im Rohbau. Die Seminarsteilnehmer wurden von dem neuen Besitzer sehr freundlich empfangen. Er plant in dem Herrenhaus ein Seniorenwohnheim zu errichten.

Die Vertreter der mittleren Generation der Deutschen Minderheit besuchten auch das Gutshaus in Lehnarten, das heute leider eine Ruine ist, sowie das Herrenhaus in Elisenhöhe, das renoviert wurde und in dem sich heute ein kleines Hotel mit Restaurant befindet.

Das Seminar wurde vom Verbindungsbüro der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein organisiert. Edyta Gladkowska


Königsberg im WM-Fieber
Uhr in Form eines Pokals zählt die Stunden bis zum Anpfiff

In Königsberg zählt eine Uhr die verbleibende Zeit bis zum Beginn der Fußballweltmeisterschaft. Die Organisatoren der vier in Königsberg auszutragenden WM-Spiele wählten einen Platz in der Nähe des Denkmals „Mutter Russland“ aus, auf dem sie den Zeitmesser platzierten.

An der Einweihungsfeier nahmen neben Gouverneur Anton Alichanow Vertreter der Sponsorenfirma BUD Alkohlfrei sowie die fünfmalige Olympiasiegerin im Synchronschwimmen Natalja Ischtschenko teil, wie auch offizielle Vertreter des Gebiets und der Stadt.

„Königsberg habe alles, was für solch ein Ereignis wie die WM notwendig sei, sagte Ischtschenko. Die Sportlerin ist Botschafterin der Stadt Königsberg für die FIFA WM 2018. Sie hat ihre Kindheit in Königsberg verbracht und arbeitet seit zehn Jahren unter der Leitung von Königsberger Trainern. Der stellvertretende Gouverneur Alexander Rolbinow verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich der Besucherstrom in der Region desto mehr erhöhen werde, umso näher das wichtige  Fußballereignis herannahe. Die Uhr werde ein neues Wahrzeichen der Stadt und ein Treffpunkt sein.

Die abwärts zählende Digitaluhr hat die Form des FIFA-Pokals, der neben dem Sponsorenlogo auf der nebenstehenden Stele abgebildet ist. Die Anzeigetafel enthält zusätzlich einen Kalender, und in ihrem Inneren wurden ein WIFI-Router und eine Kamera eingebaut. Im Rahmen der Eröffnungszeremonie gab es in einem Pavillon ein reichhaltiges Unterhaltungsprogramm für die Besucher.

Der Sponsor BUD hat ähnliche Uhren auch in St. Petersburg, Rostow-am-Don, Kasan und Sotschi aufgestellt. Er versprach zudem, nach dem Ende der WM die Uhren den jeweiligen Städten zu schenken. Rolbinow sagte, dass die Gebietsregierung darüber nachdenke, wo die Uhr nach dem Ende der WM platziert werden könne: „Vielleicht eröffnen wir ein WM-Museum, oder wir stellen sie im Stadion auf.“        Jurij Tschernyschew


MELDUNGEN

Von Warschau nach Königsberg

Warschau/Königsberg – Ab Juni wird die polnisch Fluggesellschaft LOT wieder Flüge von der Warschau nach Königsberg in ihren Streckenplan aufnehmen. Eine gute Nachricht für alle, die zeitaufwendige Umwege in Kauf nehmen mussten, seit vor drei Jahren die direkte Flugverbindung eingestellt wurde. Die Verbindung wird fünfmal wöchentlich ab Warschau angeboten, wobei es Zubringer ab Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München, Stuttgart, Wien und Zürich geben soll. Die Flugzeit ab Warschau beträgt zirka 65 Minuten.              MRK

 

Wassersport nicht möglich

Lötzen – Der Beginn der Wassersport-Saison in Masuren muss laut Wasserwirtschaftsamt in Warschau verschoben werden. Grund dafür sei der hohe Wasserstand auf den masurischen Seen, erläuterte Andrzej Zukowski vom zuständigen Amt in Lötzen. Auf dem Pissek-Fluss und auf den Großen Masurischen Seen haben große  Niederschläge dazu geführt, dass der Wasserstand um 20 Zentimeter höher ist als normal. Der die Schifffahrt begrenzende Wasserstand auf dem Lötzener Kanal liegt bei 130 Zentimetern und zurzeit habe der Wasserstand diese Marke überschritten; er betrage 153 Zentimeter..         PAZ


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied,
liebe Familienfreunde,

nun muss ich doch noch einmal auf das Schmackostern zurückkommen, auf jenen uralten ostpreußischen Brauch des Rutenschlagens an den Osterfeiertagen, den wir in Folge 16 brachten und der so viele Erinnerungen bei unseren älteren Leserinnen und Lesern geweckt hatte. Auch bei Herrn Dr. phil. Karl Kowalewski, den der heitere Bericht in seine Kindheit zurückführte, in der sein Vater ihm am Ostermorgen leichte Klapse auf den Podex gab, sie sollten ja nicht wehtun. „Sein liebes Gesicht und die Warmherzigkeit, mit der er diesen Brauch zelebrierte, habe ich mein Lebtag nicht vergessen“, schreibt Herr Dr. Kowalewski – auch nicht nach 80 Jahren! „Ich höre seine Stimme noch heute! Er hatte diesen Brauch von seinem Vater übernommen, meinem Großvater Karl Kowalewski, ein echter Masure aus Leegen, Kreis Lyck, wo die Kowalewskis seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar sind. Obwohl ich kein geborener Ostpreuße bin, habe ich mich diesem wunderbaren Land stets sehr verbunden gefühlt, als ob ich dort geboren wäre. Die lebhaften Erzählungen meiner heimattreuen Großeltern haben mich schon in frühester Jugend tief beeindruckt, sodass in mir ein Bild von Ostpreußen entstanden ist, lange bevor ich das Glück hatte, meine Urheimat persönlich kennen zu lernen.“

Diese Worte des 94-Jährigen sollen unsere heutige Kolumne einführen, denn sie können auch für andere Zuschriften stehen, die wir in der letzten Zeit bekommen haben und in denen die tiefe Zuneigung der Nachfolgegenerationen zu der Heimat ihrer Vorfahren spürbar wird. Am intensivsten – wenn man überhaupt eine Werte­skala aufstellen könnte – bei unserem unermüdlichen Heimatforscher Bernd Dauskardt, der seine Ahnensuche so intensiv betreibt, dass er seine Ahnen sieben Generationen nahtlos zurückverfolgen kann. Er hat festgestellt, dass alle Dauskardts – wo sie auch leben, ob in Amerika, in Südafrika oder in Deutschland – ihre Herkunft einem Paar zu verdanken haben, das mit acht hintereinander geborenen Söhnen gesegnet wurde. Sie überlebten alle – für Zeiten mit hoher Kindersterblichkeit ein Wunder, das sogar von höchster Stelle anerkannt wurde: Preußenkönig Wilhelm I. schenkte der Familie ob dieses ungewöhnlichen Ereignisses 300 Mark und eine Bibel!

Wertvolle Urkunden für seine Ahnensuche erhielt Bernd Daus­kardt über das Genealogie-Archiv der Mormonen, über das wir in Folge 9 ausführlich berichteten – und damit haben wir einen guten Brückenschlag zu einem Suchwunsch, der uns vor einiger Zeit erreichte. Leider verzögerte sich dessen Bearbeitung, weil einige Unstimmigkeiten noch geklärt werden mussten, was uns aber bisher auch noch nicht restlos gelang. Deshalb muss unsere Familie helfen, deren Hilfe sowieso von dem Schreiber gewünscht wird, denn er hofft, über unseren Leserkreis Verwandte zu finden oder über diese Auskunft zu erhalten. Der Suchende lebt in den USA und kann die Korrespondenz nur in Englisch führen. Zwar hat er für seine erste Anfrage einen Übersetzer gebeten, sein Anliegen ins Deutsche zu übertragen, aber auch diese Ausführung lässt noch Fragen offen, wie aus einigen Passagen ersichtlich wird, die wir hier wörtlich wiedergeben werden:

„Mein Name ist Owen McCafferty, ich bin 25 Jahre alt und lebe in Cleveland, Ohio, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Ich habe meinen Stammbaum seit fast fünf Jahren erforscht und habe vor Kurzem entdeckt, dass meine Vorfahren, die Familie Salecker, Teil der Salzburger Einwanderung nach Ostpreußen 1732 waren. Allerdings bin ich nicht in der Lage, eine ganze Generation meiner Vorfahren zu finden, damit ich neuere Verfahren verknüpfen kann zu diesen, den Salzburgern. Mein Ururgroßvater war Heinrich Salecker, *Juli 1865 bei Wischtitten (Vistytis), Litauen. Er hatte drei andere Geschwister, Augusta Justine Salecker, *um 1885, Anna Salecker, *1880, und Gustav Adolf Salecker, *2. Januar 1887. Heinrich, Agusta und Anna kamen zwischen 1890 und 1900 nach Amerika. Gustav folgte 1908, und weil er nach 1900 kam, haben seine US-amerikanischen Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftspapiere erschlossen, dass er in Reichunan, Litauen, geboren wurde, nur einen kurzen Spaziergang von Wischtiten entfernt.

Die Generation, die ich vermisse, sind die Eltern dieser Kinder. Nach ihren Sterbeurkunden ist ihr Vater als Heinrich Salecker und (Mutter) Marie Ring gelistet, es wurde auch Keppel und Rink geschrieben, aber ich konnte keine Aufzeichnungen finden. Sie machen es unmöglich, meinen Stammbaum zu erweitern und herauszufinden, was mit ihnen passiert ist. Darüber hinaus habe ich keine Ahnung, wie meine Salecker-Familie mit denen zusammenhängt, die 1732 nach Ostpreußen gekommen sind. Ich habe einmal mit einer jungen Dame in meinem Alter gesprochen, der ihre Großmutter sagte, dass die Salecker aus Schloßbach kommen – früher Pillupönen – , das nur einen kurzen Spaziergang von Viytytis entfernt ist.“

Lassen wir es mit diesen Angaben bewenden, die wir schon etwas vereinfacht haben, damit wir die Hauptfragen freilegen können, denn wir möchten Mr. Mc Cafferty nicht enttäuschen, der voll auf unsere Ostpreußische Familie setzt. Es geht um den Zweig der Familie Salecker, die im östlichen Grenzgebiet Alt-Preußens angesiedelt wurde, genauer: nördlich des Wystiter Sees. Dass es sich um eine Salzburger Familie handelt, die 1731/32 unter König Friedrich Wilhelm I. in dem von der Pest „wüst gewordenen“ Land eine neue Heimstatt fand, weil sie wegen ihres evangelischen Glaubens die Salzburger Heimat verlassen musste, dürfte ohne Zweifel sein. Das damals „Preußisch-Litthauen“ genannte Gebiet, das etwa dem späteren Regierungsbezirk Gumbinnen entspricht, nahm rund 12000 Salzburger Emigranten auf. Einige von ihnen siedelten am nördlichen Ufer des Wysteter Sees, wie aus der Nationalitätstabelle von 1736 hervorgeht. So wurden im Amt Bredauen 65 Salzburger angesiedelt, davon 16 in Pillupönen. Anscheinend sind sie bis zur Flucht in dem Kirchdorf, das zuletzt Schloßbach hieß, ansässig gewesen, wie aus dem Schreiben von Owen McCaaffery hervorgeht. Eine Bestätigung fand ich in dem Bericht über die Ansiedlung der Salzburger von Dr. phil. Robert Grenz in dem vom ihm herausgegebenen Buch „Der Kreis Stallupönen (Ebenrode)“. Dort ist unter den 30 Salzburger Familien, die 1944 in Pillupönen verzeichnet waren, auch der Name „Salecker“ zu finden, übrigens in dem zu diesem Kirchspiel gehörenden Laukupönen. Der Ururgroßvater des jungen Amerikaners, Heinrich Salecker, dürfte, wie auch seine drei Geschwister, aus diesem Zweig der Familie Salecker stammen. Als sein Geburtsort ist Wischtiten angegeben. Es handelt sich um das dicht an der Grenze am nördlichen Seeufer gelegene Wistyten, das um 1800 von Alt-Preußen wegfiel. Anscheinend sahen die Salecker-Brüder nicht im litauischen Vistytis ihre Zukunft, sie wanderten aus. So weit, so gut – aber den Ururenkel von Heinrich Salecker lässt es nun keine Ruhe, er möchte seine Herkunft tiefer ausloten. Bisher ist ihm das nicht gelungen, und deshalb bittet er unsere Leserinnen und Leser, ihm bei der Ahnensuche zu helfen. Vielleicht leben noch weitere Nachkommen von Heinrich und Marie Salecker, vielleicht kann ihm jemand Auskunft über die aus Salzburg nach Alt-Preußen ausgewanderte Familie geben? Da er anscheinend – obgleich er in den USA lebt – das Genealogie-Archiv der Mormonen noch nicht bemüht hat, könnte er dort in Bezug auf Namen und Daten fündig werden. Wer aus unserem Leserkreis an den jungen Amerikaner schreiben will, kann dies auf Deutsch tun. (Mr. Owen M. Mc.Cafferty II, 29628 Westminster Drive, North Olmstedt, Ohio 44070-5074, U.S.A., Telefon 1-646-413-0835, E-Mail: owenmmccaffertyii@gmail.com, Facebook: Owen Michael Cafferkey II.)

Als Nachkömmling Salzburger Exulanten aus der mütterlichen Linie habe ich mich immer besonders für alle Fragen interessiert, die mit der Einwanderung in Zusammenhang stehen. So bekam ich vor langer Zeit – es sind schon Jahrzehnte her – Leseproben aus einem Romanmanuskript zugesandt, in dem das Leben der Glaubensflüchtlinge geschildert wird, nachdem sie in Alt-Preußen sesshaft geworden waren. Sie bestanden aus etlichen Seiten, und die Schilderung übermittelte ein gutes Bild von den Schwierigkeiten im Alltagsleben, denen die neuen Bewohner in dem für sie noch fremden Land ausgesetzt waren. Da ich damals nur eine schmale Spalte für die „Ostpreußische Familie“ zur Verfügung hatte, konnte diese Textprobe nicht veröffentlicht werden. Leider verschwand sie auch aus meinem Archiv – und ich hätte sie jetzt dringend benötigt. Denn Herr Prof. Dr. George Turner – Autor der großartigen Salzburger Familien-Chronik „Die Heimat nehmen wir mit“, die in unserem Leserkreis ein lebhaftes Echo fand – will weiter zur Dokumentation der Auswanderung der Salzburger Protestanten beitragen und arbeitet an einem neuen Buch, das sich mit deren Leben nach der Einwanderung nach Preußisch-Litthauen befasst. Dazu gibt es allgemeine Aussagen, die aber selten das reale Leben betreffen. Nun sucht Herr Prof. Turner nach zeitgenössischen Darstellungen aus dem 18. Jahrhundert, die detailliert verdeutlichen, wie sich damals das Leben auf dem nach der Großen Pest neu besiedelten Land abspielte. Der Autor ist bereits fündig geworden und hat einiges Material schon in sein neues Buchmanuskript einbringen können, wäre aber für jede ihm noch unbekannte Veröffentlichung dankbar, gleich welcher Art. Es kämen auch Romane oder Erzählungen in Betracht, die dann vermutlich ein Stück Phantasie enthalten, aber doch im Kern eine Aussage zu dem Thema erbringen können. Auf das Projekt werden wir in einer der nächsten Folgen näher eingehen, hier zuerst einmal die Bitte, falls jemand etwas zu dieser Dokumentation beisteuern kann, sich an Herrn Prof. George Turner zu wenden. Vielleicht meldet sich auch der damalige Autor, der mir seine Romanfragmente zusandte? Aber da ist wohl doch der Wunsch der Vater des Gedankens. (Prof. Dr. George Turner, Hagenstraße 7 in 14193 Berlin, Telefon 030/8812836, E-Mail: George.turner@t-online.de)

Eure Ruth Geede


S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 100. GEBURTSTAG

Blumreiter, Senta, geb. Litty, aus Seehuben, Kreis Schloßberg, am 9, Mai

Tabatt, Erna, aus Skottau, Kreis Neidenburg, am 11. Mai

ZUM 98. GEBURTSTAG

Harder, Gerda, geb. Meschonat, aus Lyck, Morgenstraße 31, am 11. Mai

ZUM 97. GEBURTSTAG

Seestädt, Franz, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 7. Mai

ZUM 96. GEBURTSTAG

Theiß, Hedwig, geb. Wisotzki, aus Lyck, Morgenstraße 22, am 7. Mai

ZUM 95. GEBURTSTAG

Müller, Frieda, geb. Freitag, aus Alt Passarge, Kreis Heiligenbeil, am 8. Mai

ZUM 94. GEBURTSTAG

Czerwonka, Gertrud, aus Lyck, von Linsingen-Straße 9, Lyck, am 9. Mai

Deimann, Hanna, geb. Wiede, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am10. Mai

Quassowsky, Ilse, geb. Conrad, aus Kischken, Kreis Ebenrode, am 7. Mai

ZUM 93. GEBURTSTAG

Funk, Agnes, geb. Przygodda, aus Weißengrund, Kreis Ortelsburg, am 9. Mai

Heinze, Elfriede, geb. Eckstein, aus Partheinen, Kreis Heiligenbeil, am 5. Mai

Scherping, Hildegard, geb. Ruschke, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 11. Mai

ZUM 92. GEBURTSTAG

Bublitz, Kurt, aus Friedrichshof, Kreis Ortelsburg, am 5. Mai

Jeromin, Käthe, geb. Riemenschneider, aus Neumalken, Kreis Lyck, am 5. Mai

Kaczinski, Erich, aus Fröhlichshof, Kreis Ortelsburg, am 9. Mai

Müller, Elfriede, geb. Born, aus Prostken, Kreis Lyck, am 6. Mai

Orlowski, Kurt-Friedrich, aus Langsee, Kreis Lyck, am 5. Mai

Parsczenski, Johanna, geb. Kijewski, aus Groß Schöndamerau, Kreis Ortelsburg, am 10. Mai

Pörschke, Johannes, aus Willenheim, Kreis Lyck, am 9. Mai

Ruttens, Ilse, geb. Winkler, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 6. Mai

Skubich, Irene, geb. Mörer, aus Balow Kreis Lyck, am 9. Mai

ZUM 91. GEBURTSTAG

Bastek, Gertrud, geb. Piotrowski, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 9. Mai

Burdina, Grete, aus Grzanna, aus Ittau, Kreis Neidenburg, am 10. Mai

Christner, Edith, geb. Koch, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 11. Mai

Fabritz, Bruno, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 6. Mai

Fischer, Elsa, geb. Godau, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 6. Mai

Genenz, Ruth, aus Lötzen, am 5. Mai

Grallert, Hildegard, aus Waldwerder, Kreis Lyck, am 9. Mai

Guddat, Erika, geb. Lauken, Kreis Ebenrode, am 6. Mai

Jösten, Brigitte, aus Prostken, Kreis Lyck, am 11. Mai

Maguhn, Kurt, aus Grünhof, Kreis Ebenrode, am 6. Mai

Peters, Helgard, geb. Schneidereit, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 7. Mai

Türke, Erna, geb. Kruschewski, aus Mostolten, Kreis Lyck, am 5. Mai

ZUM 90. GEBURTSTAG

Bierfreund, Heinz, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 5. Mai

Dill, Gustav, aus Venedien, Kreis Mohrungen, am 5. Mai

Gornecki, geb. Botzkowski, aus Osterschau, Kreis Neidenburg, am 8. Mai

Schmitz, Erna, geb. Duchnitzki, aus Weidenkreuz, Kreis Ebenrode, am 7. Mai

ZUM 85. GEBURTSTAG

Bienk, Bruno, aus Ortelsburg, am 9. Mai

Blinkert, Irmgard, geb. Kolpatzik, aus Borken, Kreis Ortelsburg, am 7. Mai

Buddrus, Dr. Joachim, aus Eichhagen, Kreis Ebenrode, am 2. Mai

Bulitta, Hubert, aus Kukukswalde, Kreis Ortelsburg, am 9. Mai

Hoff, Konrad, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 11. Mai

Hoffmann, Elfriede, geb. Frank, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 6. Mai

Kaliebe, Liesbeth, aus Wallendorf, Kreis Neidenburg, am 6. Mai

Kröger, Ilse, geb. Kirchner, aus Lesgewangen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 9. Mai

Sczech, Inge, geb. Vockel, aus Stettenbach, Kreis Lyck, am 10. Mai

Stelling, Rainer, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 6. Mai

ZUM 80. GEBURTSTAG

Dreher, Siegfried, aus Zinten, Kreis Heiligenbeil, am 11. Mai

Gerstenberger, Doris, geb. Bagdahn, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 10. Mai

Gesewsky, Jürgen, aus Roddau Perkuiken, Kreis Wehlau, am 5. Mai

Godlinski, Elisabeth, geb. Napierski, aus Wallendorf, Kreis Neidenburg, am 8. Mai

Gröning, Eberhard, aus Klein Engelau, Kreis Wehlau, am 8. Mai

Grünig, Renate, aus Lyck, am 8. Mai

Hinz, Manfred, aus Ortelsburg, am 5. Mai

Höpfner, Brigitte, geb. Pohlmann, aus Friedrichsthal, Kreis Wehlau, am 10. Mai

Katzscher, Irmgard, geb. Kikian, aus Usdau, Kreis Neidenburg, am 7. Mai

Kornfeld, Gerhard, aus Neidenburg, am 8. Mai

Lischat, Elisabeth, geb. Loch, aus Gilgenau, Kreis Ortelsburg, am 6. Mai

Lockowandt, Günther, aus Rogallen, Kreis Lyck, am 11. Mai

Lommatzsch, Erna, geb. Pehwe, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 5. Mai

Lücke, Hartmut Klaus, aus Lyck, am 5. Mai

Oberbeck, Edeltraut, geb. Schellien, aus Soldau, Fischerei, Kreis Neidenburg, am 11. Mai

Rafalzik, Siegfried, aus Kalgendorf, Kreis Lyck, am 8. Mai

Salewski, Dieter, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 10. Mai

Schiemann, Fritz, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 5. Mai

Schmelzer, Renate, geb. Vangehr, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 5. Mai

Schmottermeyer, Dora, geb. Philpeit, aus Eichkamp, Kreis Ebenrode, am 6. Mai

Tobleck, Karin, geb. Böker, aus Weißensee, Kreis Wehlau, am 9. Mai

Vahle, Rosemarie, geb. Janzik, aus Waiblingen, Kreis Lyck, am 7. Mai

ZUM 75. GEBURTSTAG

Binnenbruck, Erika-Ellen, geb. Garbrecht, aus Ebenrode, am 8. Mai

Borchert, Heinz, aus Garbnicken, Kreis Preußisch Eylau, am 6. Mai

Dreyer, Harald, aus Groß Michelau, Kreis Wehlau, am 10. Mai

Koch, Sabine, geb. Rehberg, aus Richau, Kreis Wehlau, am 8. Mai

Klumb, Erika, geb. Erdmann, aus Schölen, Kreis Heiligenbeil, am 11. Mai

Leclaire, Helgard, geb. Kisser, aus Stadtfelde, Kreis Ebenrode, am 7. Mai

Masuch, Lothar, aus Mingfen, Kreis Ortelsburg, am 5. Mai

Plorin, Gisela, geb. Lipsch, aus Siemienau, Kreis Neidenburg, am 7. mai

Rätzel, Ursula, geb. Jopp, aus Dankfelde, Kreis Lötzen, am 9. Mai

Ruhe, Sabine, geb. Wegner, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 10. Mai

Diamantene Hochzeit

Zander, Bernhard, aus Schwengels, Ortsteil Dothen, Kreis Heiligenbeil, und Lore, geb. Denzel, aus Singen, am 4. Mai


S. 16 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERAPP (DARKEHMEN)

Kreisvertreterin: Edeltraut Mai, Weißdornweg 8, 22926 Ahrensburg, Telefon (04102) 823300, Internet: www.angerapp.com

20. Mai. 11 Uhr, Rathaus, Neanderstraße 85, 40822 Mettmann: Jahreshaupttreffen.

 

BARTENSTEIN

Kreisvertreter: Christian v. der Groeben, Ringstraße 45, 97950 Großrinderfeld, Telefon (09349) 929252, Fax (09349) 929253, E-Mail: csgroeben@gmx.de.

Sonnabend, 20. Mai, Bartenstein (Württemberg): 65. Wiederkehr der Namenspatenschaft.

 

ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Dienstag, 16. Mai, 14 Uhr, Niendorfer Kirchenweg 17, 22459 Hamburg: Treffen der Hamburger Heimatgruppe.

 

FISCHHAUSEN

Kreisvertreter: Klaus A. Lunau,  Bahnhofstraße 14, 30853 Langenhagen. Geschäftsstelle: Fahltskamp 30, 25421 Pinneberg, täglich erreichbar unter Telefon (04101) 22037, Postfach 17 32, 25407 Pinneberg, E-Mail: Geschaeftsstelle@kreis-fischhausen.de. Besichtigung nach Wunsch.

Sonnabend, 6. Mai, Hotel Gorch Fock (Telefon 04503/8990), Strandallee 152, 23669 Timmendorfer Strand: Ortstreffen Neukuhren. Informationen: Dieter Weiß, Telefon/Fax (04763) 7275.

 

GOLDAP

Kreisvertreter: Stephan Grigat, Telefon (05231) 37146, Fax (05231) 24820, Heidentalstraße 83, 32760 Detmold. Geschäftsstelle: Annelies Trucewitz, Hohenfelde 37, 21720 Mittelnkirchen, Telefon (04142) 3552, Telefax (04142) 812065, E-Mail: museum@goldap.de. Internet: www.goldap.de.

12. bis 15. Mai, Landhotel Rhönblick, Hauptstraße 24, 36100 Petersberg-Steinau: Treffen der Texelner und Heimatfreunde.

Sonntag, 21. Mai, 10.30 bis 17 Uhr, Patenschaftsmuseum Goldap, 21680 Stade: „Spurensuche. Mut zur Vergangenheit“.

 

GUMBINNEN

Kreisvertreterin: Karin Banse, Wiesengrund 9, 29559 Wrestedt, OT Wieren, Telefon (05825) 642, E-Mail: karin.banse@t-online.de, Internet: www.kreis-gumbinnen.de.

Heimatgruppe Hamburg: Das Heimattreffen wird nicht am Mittwoch, den 17. Mai, im Hotel Zeppelin in Hamburg-Schnelsen stattfinden. Ein neuer Termin und ein neuer Veranstaltungsort werden noch rechtzeitig bekanntgegeben. Weitere Auskünfte erteilt Siegfried Grawitter, Telefon (040) 205784.

12. bis 15. Mai, Chemnitz: 23: Treffen der Schweizertaler. Auskunft: Helga Hoffmann und Rolf Werner, Telefon (0371) 49969954, Mobil 0152/51801029.

 

INSTERBURG − Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V.,  Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Postfach 111 208, 47813 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr.

Heimatgruppe Köln:  Gemeinsames Treffen am Mittwoch, 24. Mai, Informationen: Carola Maschke, Telefon (0221) 796942, E-Mail: C.Maschke@netcologne.de.

Heimatgruppe Kiel: Frühjahrsveranstaltung im Mai/Juni (Einladung erfolgt schriftlich), Veranstaltungsort: Matthias-Claudius-Kirche, Alte Dorfstraße 53, Kiel-Suchsdorf. Im September oder Oktober Neuauflage des „Ostpreußischen Nachmittags”. Weitere Monatstreffen finden bei Bedarf nach Ankündigung in der Kieler Presse statt. Nähere Informationen: Hellmut Jucknat, Telefon (0431) 311972.

 

LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313.  Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

9. bis 11. Mai, Bad Pyrmont: Morgengrund und Baitenberg.

 

ORTELSBURG

Kreisvertreter: Dieter Chilla, Bussardweg 11, 48565 Steinfurt, Telefon (02552) 3895, E-Mail: kontakt@kreisgemeinschaft-ortelsburg.de. Geschäftsführerin: Karola Kalinski,. Internet: www.kreis-ortelsburg.de

Sonnabend, 6. Mai, Kulturzentrum, Herne: Heimattreffen der Amtsbezirke Kobulten, Steinhöhe, Mensguth und Willenberg.

 

PREUSSISCH EYLAU

Kreisvertreterin: Evelyn v. Borries, Tucherweg 80, 40724 Hilden, Telefon (02103) 64759, Fax: (02103) 23068, E-Mail: evborries@gmx.net. Kartei, Buchversand und Preußisch Eylauer-Heimatmuseum im Kreishaus Verden/Aller Lindhooper Straße 67, 27283 Verden/Aller, E-Mail: preussisch-eylau@landkreis-verden.de, Internet: www.preussisch-eylau.de. Unser Büro in Verden ist nur noch unregelmäßig besetzt. Bitte wenden Sie sich direkt an die Kreisvertreterin Evelyn v. Borries, Telefon: (02103) 64759 oder Fax: (02103) 23068, E-Mail: evborries@gmx.net

Das Kreistreffen in Verden findet in diesem Jahr nicht wie sonst am dritten Septemberwochenende, sondern am 30. September und 1. Oktober statt. Auch der Ort ist ein anderer: Wir treffen uns nicht im Hotel Niedersachsenhof, sondern in der Niedersachsenhalle, Lindhooper Straße 92. Das Programm erhalten Sie mit der nächsten Ausgabe des Kreisblatts und an dieser Stelle des Ostpreußenblatts. Ihr Quartier sichern Sie sich über die Tourist-Info Verden, Telefon (04231) 12345, www.verden.de.

 

PREUSSISCH HOLLAND

Kreisvertreter: Bernd Hinz. Geschäftsstelle: Gudrun Collmann, Telefon (04823) 8571, Allee 16, 25554 Wilster.

6. Mai, 18 Uhr, Itzehoe: Das Haus der Heimat nimmt Teil an der 15. Itzehoer Kulturnacht.

 

RÖSSEL

Kreisvertreter (komm.): Paul Thiel, Haydnstraße 23, 66333 Völklingen, Telefon (06898) 25327. Redaktion Rößeler Heimatbote: Gisela Heese-Greve, 23562 Lübeck, Tel. (0451) 58249090.

Montag, 8. Mai, 18 Uhr, Alt-St.-Martinus-Kirche, Kirchenstraße 5, Kaarst: Maiandacht mit Marienliedern.

 

SENSBURG

Kreisvertreterin: Gudrun Froemer, In der Dellen 8a, 51399 Burscheid, Telefon (02174) 768799. Post an: Geschäftsstelle Kreisgemeinschaft Sensburg e.V., Stadtverwaltung Remscheid, 42849 Remscheid, Telefon (02191) 163718, E-Mail: info@kreisgemeinschaftsensburg.de.

13. Mai, 15 Uhr, Stadtparkteich, Hindenburgstraße 133, 42853 Remscheid: 56. Traditionelle Stinthengstwasserung.

 

TILSIT-RAGNIT

Kreisvertreter: Dieter Neukamm, Am Rosenbaum 48, 51570 Windeck, Telefon (02243) 2999, Fax (02243) 844199. Geschäftsstelle: Winfried Knocks, Varenhorst-straße 17, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2309, E-Mail: WinfriedKnocks@aol.com

Alle Tilsit-Ragniter, die am Regionaltreffen der Landsmannschaft Ostpreußen, am Sonnabend, 13. Mai in Neuss teilnehmen werden und bereits einen Tag vorher dort eintreffen, sind herzlich eingeladen, an einem gemütlichen Beisammensein am Freitag 12. Mai, ab 19 Uhr im Restaurant Essenz teilzunehmen. Das Restaurant Essenz, Mühlenstraße 27, 41460 Neuss, liegt nur einige hundert Meter von der Stadthalle und vom Dorint-Hotel entfernt. Es soll dort auch ein gemeinsames Abendessen eingenommen werden. Hierzu ist eine vorherige Anmeldung beim Schatzmeister Helmut Subroweit, Telefon (02921) 82286, E-Mail: helmutsubroweit@web.de, zweckmäßig. Der Vorstand bittet um zahlreiche Teilnahme. Auf diese Weise kann auch 2017 ein Wiedersehen der Tilsit-Ragniter stattfinden.        Winfried Knocks

 

TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

Acht-Tage-Reise vom 30. August bis 6. September mit dem Bus über Marienburg nach Tilsit. Dort wird fünf mal übernachtet. Zum Programm gehören Stadtführung, Stadtrundfahrt und Teilnahme am Stadtfest. Höhepunkt der Rückreise ist eine Fahrt auf dem Oberländer Kanal. Bei der Planung der Reise wurden die immer wieder genannten Wünsche, wie wenige Hotelwechsel, so kurz wie möglich und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, berücksichtigt. Hinzu genommen haben wir ausdrücklich den Oberländer Kanal, weil er bisher seltener angefahren wurde, ebenso die Besichtigung der Marienburg. Die Reiseleitung übernimmt der Zweite Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Tilsit, Norbert Subroweit. Das Programm im einzelnen:

1. Tag: Anreise

Fahrt ab Hannover mit Zustiegsmöglichkeiten entlang der Fahrtroute, Zwischenübernachtung in Marienburg.

2. Tag: Marienburg

Führung durch die Marienburg, anschließend Weiterreise zum polnisch-russischen Grenzübergang, wo Sie Ihr russischer Reiseleiter erwartet, der Sie während Ihres gesamten Aufenthaltes im nördlichen Ostpreußen begleiten wird. Weiterreise vorbei an Königsberg, Tapiau und Wehlau bis nach Tilsit, wo Sie Ihre Zimmer im Hotel „Rossija“ beziehen.

3. Tag: Tilsit

Die ausführliche Stadtführung in Tilsit beginnt mit einem Besuch im teilweise neu gestalteten Park Jakobsruh mit einem Spaziergang zum wiedererrichteten Königin-Luise-Denkmal. Anschließend geht es durch die alten Wohnviertel zum Schlossmühlenteich. Auch die Gedenkstätte am Waldfriedhof wird während der Rundfahrt besucht. Höhepunkt der Stadtführung ist ein gemeinsamer Spaziergang durch die Hohe Straße. An den überwiegend sehr schön restaurierten Jugendstilfassaden kann man die einstige Schönheit der Stadt an der Memel erahnen.

4. Tag: Stadtfest und Taxitag

Teilnahme am Stadtfest und Zeit zur freien Verfügung. Nicht versäumen sollten Sie einen Besuch im Stadtmuseum mit seinen  sehenswerten Ausstellungen. Daneben gibt es zum Stadtfest zahlreiche Attraktionen, viel Musik und Volksfeststimmung. Für Ihre individuellen Ausflüge steht unser bewährter Taxiservice bereit. Übernachtung in Tilsit.

5. Tag: Eine Rundfahrt durch die Elchniederung

Heute unternehmen Sie einen ganztägigen Ausflug durch den Kreis Elchniederung. Am Vormittag geht es in die Gebiete nördlich der Gilge mit Besuch von Sköpen, Kuckerneese, Herdenau, Karkeln, Inse und einem Stopp am Jagdschloss Pait. Am Nachmittag durchfahren Sie den südlichen Teil der Elchniederung mit Besuch von Heinrichswalde, Seckenburg, Groß Friedrichsdorf und Kreuzingen. Übernachtung in Tilsit.

6. Tag: Nach Trakehnen und in die Rominter Heide

Ausflug in eine einzigartige Landschaft im Südosten des nördlichen Ostpreußens. Nach einem kleinen Stopp in Gumbinnen besuchen Sie Trakehnen mit der einst weltberühmten Gestütsanlage. Anschließend erreichen Sie die einzigartige Rominter Heide mit ihrer unberührten Natur. Ihr Reiseleiter zeigt Ihnen die schönsten Plätze. Am Rande dieses Waldmassivs betreibt die russische Familie Sajac im ehemaligen Forsthaus Warnen ein kleines Gästehaus, hier werden Sie zur Mittagseinkehr erwartet. Übernachtung in Tilsit.

7. Tag: Oberländer Kanal

Heute verlassen Sie Ihr Hotel in Tilsit und treten die erste Etappe der Heimreise an. Nach dem Passieren der russisch-polnischen Grenze erleben Sie noch einen Höhepunkt Ihrer Reise: eine Fahrt auf dem Oberländer Kanal, einer ingenieurtechnischen Meisterleistung des 19. Jahrhunderts. Hier überwinden die Schiffe auf der erst kürzlich restaurierten Strecke zwischen Buchwalde und Hirschfeld den Höhenunterschied zwischen dem Ermland und dem Oberland durch das sogenannte Aufschleppen über Rollberge. Anschließend Weiterreise nach Westen durch Pommern zur letzten Zwischenübernachtung in Schneidemühl.

8.Tag: Heimreise

Nach dem Frühstück Heimreise nach Deutschland. In der Mittagszeit wird bei Küstrin eine Rast auf einem polnischen Markt eingelegt.

Leistungen:

Fahrt im modernen Fernreisebus mit Klimaanlage, WC und Kaffeeküche, 1 Ü/HP in Marienburg, Hotel „Centrum“, 5 Ü/HP in Tilsit, Hotel „Rossija“, 1 Ü/HP in Pila/Schneidemühl, Hotel „Gromada Rodio“, deutschsprachige Betreuung während des Aufenthaltes im nördlichen Ostpreußen sowie zu den Besichtigungen in Polen, Visabeschaffung.

Bis vier Wochen vor Reisebeginn zu erreichende Mindestteilnehmerzahl 25 Personen, Programmänderungen vorbehalten. Beratung und Anmeldung bei Manfred Urbschat, Bahnhofstr. 82, 03051 Cottbus, Telefon (0355) 535544, E-Mail: info@tilsit-stadt.de.

 

TREUBURG

Kreisvertreter: Ulf Püstow, Reutzstraße 5, 19055 Schwerin. Stellvertreter: Mattias Lask, über Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf. Geschäftsführer: Ronny Haase, Nöhringswinkel 1, 14959 Trebbin. Der Heimatkreis im Internet: www.treuburg.de. Ansprechpartnerin in Ostpreußen: Hannelore Muraczewska, Wisniowa 1, PL 19-400 Olecko, Telefon (0048) 875 203180.

Sonnabend, 20. Mai, 10 Uhr (Einlass), Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf: Hauptkreistreffen.


S. 17-18 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Ludwigsburg – Dienstag, 16. Mai, 15 Uhr, „Krauthof“, Beihinger Straße 27: Stammtisch.

 

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Landesgruppe –  Der neue „Bayernkurier“ ist da! In seiner ersten Ausgabe für dieses Jahr geht es unter anderem um die neue Königsberg-Ausstellung in Krockow und um den alten Friedhof in Johannisburg. Eine „zärtliche Liebeserklärung an den Norden Ostpreußens“ ist Michael Samels Reisebericht, der ihn von der Memel nach Königsberg führt. Ein Interview mit der französischen Sängerin Isabelle Kusari schließt sich an. Sie berichtet unter anderem von ihrer Freude am ostdeutschen Volksliedgut Für einen bemerkenswerten Anfang der „Heimatnachrichten für Ost- und Westpreußen in Bayern“ sorgt aber zunächst einmal kein geringerer als Staatsminister Markus Söder. Er hat das Grußwort geschrieben.

Und hier geht es zum „Bayernkurier“, Nummer I/2017: Alle Ausgaben seit 2010 lassen auch auf www.low-bayern.de herunterladen. Einfach in der oberen Menüleiste unter „Mediathek“ den Unterbegriff „Publikationen“ auswählen.

Altmühlfranken – Freitag, 19. Mai, 19 Uhr, Saal, Hotel Gasthof „Krone“, Grunzenhausen: Heimatliches Essen „Tilsiter Käse“, anschließend Lichtbildvortrag „Das Freilichtmuseum Hohenstein, Ostpreußen“, Ralf Loss, Sausenhofen.

Bamberg – Mittwoch, 17. Mai, 15 Uhr, Hotel Wilde Rose, Keßlerstraße: Muttertagsfeier. Lustige Geschichten zum Muttertag in Ostpreußen.

Hof – Sonnabend, 13. Mai,

15 Uhr, Altdeutsche Bierstube: Muttertag.

Landshut – Dienstag, 16. Mai, 14 Uhr: Zusammenkunft „Insel“. Bericht über Vertreibung der Salzburger.

München – Sonnabend,

12. Mai, 14 Uhr, Haus des Deutschen Ostens: Zusammenkünfte der Frauengruppe.

 

BREMEN

Vorsitzender: Helmut Gutzeit, Telefon (0421) 25 09 29, Fax (0421) 25 01 88, Hodenberger Straße 39 b, 28355 Bremen. Stellvertrende Vorsitzende: Marita Jachens-Paul, Ratiborer Straße 48, 27578 Bremerhaven, Telefon (0471) 86176. Landesgeschäftsführer: Jörg Schulz, Am Anjes Moor 4, 27628 Uthlede, Telefon (04296) 74 77 01.

Bremervörde – Bei der Jahreshauptversammlung der Gruppe am 24. März konnte die Vorsitzende Marita Jachens-Paul im Ernst-Barlach-Haus 22 Teilnehmer begrüßen – das sind 71 Prozent der Mitglieder.

Nach den üblichen Regularien – Gratulation der Geburtstagskinder des vergangenen Monats, Überbringen von Grüßen des Landesvorsitzenden Helmut Gutzeit, der aus Gesundheitsgründen nicht kommen konnte, der Totenehrung, Verlesen des Protokolls der Jahreshauptversammlung 2016 – wurden im kulturellen Teil des Nachmittags Frühlingserzählungen und –gedichte vorgetragen, so das „Frühlingsgedicht“ von Annette von Droste-Hülshoff

Die Rechenschaftsberichte der Vorsitzenden und des Kassenwarts wurden von der Mitgliederversammlung wohlwollend zur Kenntnis genommen. Auch die Kassenprüfer hatten nur Gutes zu berichten. Es wurden keinerlei Beanstandungen festgestellt, sodass der Antrag auf Entlastung des Kassenwarts und des gesamten Vorstands einstimmig angenommen wurde.

Nach einer notwendig gewordenen Bereinigung der Mitgliederliste hatte die Landsmannschaft am 1. Januar 2017 nur noch 31 Mitglieder. Jedoch ist allen Anwesenden klar, dass man auch weiterhin treu zur Heimat und ihrem kulturellen Erbe stehen wird.

Für den Landesdelegiertentag der Landesgruppe Bremen am

19. Mai in der BdV-Geschäftsstelle in Bremen wurde Wolfgang Paul für das Amt eines Bremerhavener Delegierten vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Weitere Teilnehmer: Marita Jachens-Paul (stellvertretende Landesvorsitzende) und Barbara Sandmann (Landesrevisorin).

Die Veranstaltungen des laufenden Jahres wurden vorgestellt. Neben den üblichen Kulturnachmittagen (meist am vierten Freitag eines jeden Monats außer in der Sommerpause im Juli und August) wird auf das Grillen im Barlachhaus am 26. Mai verwiesen. Das Sommerfest der Bremerhavener Ortsgruppe am 23. Juni fällt deshalb aus. Für die Sommerpause im Juli und August ist – voraussichtlich am 30. Juni – ein Ausflug zum Fischereihafen geplant.

Alle bereits bekannten Treffen der Landsmannschaft Ost- /Westpreußen und Heimatkreis Elbing (22. September bis 15. Dezember) bleiben unverändert. (Zu allen Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich, Telefon 86176), Barbara Sandmann, Zweite Vorsitzende.

 

HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788

Kassel – Das Thema zum Apriltreffen lautete „Donnerwetter – Klima und Wetter von Treuburg bis Freiburg“. Gerhard Landau, Vorsitzender der Kreisgruppe, sammelte zahlreiche Berichte und statistische Daten über das Wettergeschehen in Ostpreußen in deutscher Zeit aus Heimatbüchern, Heimatbriefen und Fachschriften, um sie dann mit west- und mitteldeutschen Gebieten zu vergleichen. Dabei zeigen sich interessante Unterschiede zwischen dem merklich raueren Klima östlicher Breiten gegenüber den milderen, mehr atlantisch getönten Zonen zwischen Rhein und Oder. Deutlich wird dies etwa an den Januar-Mitteltemperaturen in Treuburg, dem seinerzeitigen Kältepol Deutschlands (Gebirge ausgenommen). Minus 5 Grad wurden dort im Durchschnitt gemessen. Freiburg in Breisgau brachte es in der damaligen Meßperiode auf plus 1,1 Grad.

Neben den charakteristischen Wetterlagen des Ostens wurden in den Bericht Schilderungen von Zeitzeugen über außergewöhnliche Unwettererlebnisse eingeflochten zum Beispiel von Günter Donder und Helmut Mattke. Schließlich fehlte auch nicht die eine oder andere Bauernregel zu bestimmten Witterungsereignissen mit ihrer Vorausschau auf zu erwartendes Wettergeschehen. Hierzu trugen die interessierten Zuhörer mit eigenem Wissen bei. Ob Gegenwart oder Vergangenheit: Das Wetter ist ein stets beliebter Gesprächsstoff.

Wetzlar – Mehr als 70 Jahre nach der Flucht aus Masuren hat der Hüttenberger Kuno Kutz sein Geburtshaus in dem Dorf Krug-lanken im einstigen Kreis Angerburg besucht. Davon berichtete er in einem von Interessierten gefüllten Gesellschaftsraum im Wetzlarer Restaurant Grillstuben. Die Reise nach Ostpreußen war für den 76-Jährigen nicht die erste. Bereits 2003 hatte er erstmals die ehemalige Heimat bereist. Dieses Mal wurde er von seiner Frau Christa, die aus Pommern stammt, sowie seinem Sohn Guido, seiner Schwiegertochter Beate und Enkelin Selina begleitet.

Die Reise in die Vergangenheit erinnerte Kutz an die Flucht im Dezember 1944 vor der heranrückenden Roten Armee. „Meine Mutter Martha mit meiner Schwester Gisela, meine Oma Anna, meine Tante Helene mit ihrer Tochter Alice und ich im Alter von drei Jahren wurden mit anderen Einwohnern aus Kruglanken nach Guttstadt evakuiert. Zunächst wohnte die Familie auf einem Bauernhof, wo sie mit den Bewohnern noch das Weihnachtsfest feierten. Im Januar ging die Flucht weiter. In einer Scheune waren die Kruglankener untergebracht. Bei einem Angriff fiel sie in die Hände der Roten Armee. Seine achtjährige Schwester Gisela wurde dabei an beiden Beinen schwer verwundet. Wade und Knöchel waren durchschossen. Ein russischer Militärarzt versorgte das Mädchen, indem er Notverbände anbrachte. Wenig später haben deutsche Soldaten de Scheune zurückerobert. „Meine verwundete Schwester und meine Oma wurden dann mit einem Lazarettauto Richtung Ostsee-Küste gefahren und mit einem Schiff nach Dänemark gebracht. Beide haben wir erst 1948 in Dänemark wieder gefunden“, schildert Kutz das unfassbare Schicksal.

„Meine Mutter, meine Tante mit ihrer Tochter und ich sind weiter vor den Russen geflohen und im Februar 1945 in Kochendorf im Kreis Eckernförde angekommen. Hier ist meine Cousine Alice mit drei Jahren an Typhus verstorben“, berichtet er weiter. In Kochendorf jammerte seine Mutter immer wieder, dass sie nichts über den Verbleib von Gisela wisse. Eine Frau aus Krug-lanken, die ebenfalls in Kochendorf lebte, hatte ihren Sohn über den DRK-Suchdienst in Dänemark gefunden. Sie schrieb ihm, dass eine Gisela aus seinem Heimatort vermisst werde. Und tatsächlich, eine Gisela lebte im Lager. „Schließlich stellte es sich heraus, dass es meine fünf Jahre ältere Schwester ist“, schilderte Kutz dieses Erlebnis seiner Mutter. Wie der Fluchtweg der Familie weitergegangen ist, kann Kutz nicht sagen. Zu klein war er, um selbst noch Erinnerungen zu haben. Verwandte und Bekannte aus dieser Zeit leben nicht mehr.

2016 hat Kutz sein Geburtshaus als erstes Ziel seines Aufenthaltes in Polen aufgesucht. Seine 1914 geborene Mutter Martha Wilzewski aus Gansenstein heiratete 1912 Ernst Kutz und die beiden fanden eine Wohnung bei dem Ehepaar Grigo in Kruglanken. Dort in dem Haus wurde Kuno Kutz 1941 geboren. Der Vater hat Kuno nur einmal nach der Geburt gesehen. Als Soldat ist er in Russland 1942 gefallen. Das Geburtshaus und das Grundstück fand er verwahrlost vor. Der letzte Besitzer ist verstorben, dessen Tochter in die USA ausgewandert.

Auf dem Weg zu dem Haus kam Kutz mit einer Frau ins Gespräch, die aufgrund ihrer Arbeit in Deutschland die deutsche Sprache gelernt hatte. Kutz fragte sie nach einem Spaten, denn er wollte im Garten des Hauses nach Silberbesteck und andere Wertsachen graben, die seine Mutter vor der Flucht 1944 im Garten in Kisten vergaben hatte. Doch die polnische Frau winkte ab. Die Arbeit könne er sich sparen. Die Polen hätten nach dem Krieg mit Eisenstangen in die Erde gestochen und alle Kisten mit Wertsachen aufgespürt und gehoben.

Familie Kutz lernte die letzte geborene Deutsche kennen, die in Kruglanken, das heute polnisch Kruklanki heißt. Ewa Podberezna, geboren 1938, sprach noch das original Ostpreußische. Sie erzählte, dass Ihre Eltern vor dem Zweite Weltkrieg bei Kruglanken einen kleinen Bauernhof hatten. Sie wurden Ende 1944 auch evakuiert, und zwar nach Heilsberg. Ihre Mutter mit zwei Kindern wollte keine weiteren Strapazen auf sich nehmen und ging zurück zu Ihrem Bauernhof nach Kruglanken. Dort erschraken sie, denn ihre Möbel waren nicht mehr in Ihren Zimmern. Ihre Eltern und sie sind dann bei den Polen geblieben. Später hat Ewa einen Polen geheiratet und vier Kinder aufgezogen. Ein Sohn ist verheiratet und wohnt mit seiner Familie in Deutschland, zwei Söhne wohnen in Polen und die Tochter ist verstorben. Sie pflegt heute noch die Gräber der in Kruglanken verstorbenen Deutschen.

Kutz zeigte auch ein aktuelles Bild der einst evangelischen Kirche, die heute von römisch-katholischen Christen als Pfarrkirche genutzt wird. In dieser Kirche waren seine Eltern getraut und Kuno Kutz getauft worden. Eine Besonderheit konnte der Referent noch erzählen. Dank des Bildhausers Josef Niewinski konnte Familie Kutz einen Begegnungstermin mit dem Bürgermeister von Kruk-lanki, Bartlomiej Artur Kloczko erhalten. Kuno Kutz erlebte einen herzlichen Empfang. Der Bürgermeister überreichte ihm eine Urkunde über den Besuch seines einstigen Heimatortes. Die Reise der Familie Kutz führte noch in viele weitere ostpreußische Orte wie die Burg Gansenstein und den Goldaper-See. Lothar Rühl

Wiesbaden – Donnerstag,

11. Mai, 12 Uhr, Gaststätte „Haus Waldlust“, Ostpreußenstraße 46, Wiesbaden-Rambach: Stammtisch. Serviert wird Maischolle. Es kann auch nach der Speisekarte bestellt werden. Wegen der Platz- und Essendisposition bitte unbedingt anmelden bis spätestens

5. Mai bei Irmgard Steffen, Telefon (0611) 84 49 38, ESWE-Busverbindung: Linie 16, Haltestelle Ostpreußenstraße. – Sonnabend, 20. Mai, 15 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal, Friedrichstraße 35, Wiesbaden: Der Mai tritt ein mit Freuden. Ein Nachmittag mit Gedichten, Geschichten und Gesang zur Maienzeit, gestaltet von unserer Frauengruppe. Musikalische Begleitung Mathias Budau. Zuvor gibt es Kaffee und Kuchen. – Donnerstag, 18. Mai, 16 Uhr, Haus der Heimat: Eröffnung der Ausstellung „Wolfskinder. Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“. – 18. Mai bis 1. Juli, Haus der Heimat: Ausstellung „Wolfskinder. Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“, Öffnungszeiten: montags – freitags von 13 bis 18 Uhr, sonnabends 10 bis 14 Uhr. Immer wieder gingen Kinder auf der Flucht verloren oder erlebten die Ermordung der eigenen Familie. Auf sich allein gestellt, versuchten sie in der freien Natur des Baltikums zu überleben. Einige fanden Unterschlupf bei litauischen Bauern. Die Ausstellung dokumentiert in Bildern und Textzeugnissen den Weg der Wolfskinder bis heute.

 

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

Parchim – An jedem dritten Donnerstag, 14.30 Uhr, Café Würfel, Scharnhorststraße 2: Treffen der Kreisgruppe. Gemütlicher Nachmittag, um über Erinnerungen zu sprechen, zu singen und zu lachen. Weitere Informationen: Charlotte Meyer, Kleine Kemenadenstraße 4, 19370 Parchim, Telefon (03871) 213545.

 

NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Manfred Kirrinnis, Wittinger Straße 122, 29223 Celle, Telefon (05141) 931770. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968.

Helmstedt – Donnerstag, 11. Mai, 15 Uhr, Begegnungsstätte, Schützenwall 4: Treffen des Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Anfragen über Helga Anders Telefon (05351) 9111.

Oldenburg – Die Landsmannschaft in Oldenburg versuchte mit einem fröhlichen Liedernachmittag den Winter zu vertreiben und den Boden für den Frühling zu bereiten. Ausgesucht wurden Lieder der Heimatgebiete darunter „Reiter, schmuck und fein“ aus Masuren, „Wenn in stiller Stunde“ aus Pommern oder „Und in dem Schneegebirge“ aus der Grafschaft Glatz. Auch wenn nicht jeder in der Melodie ganz stimmfest war, sangen alles fleißig mit. Über alle musikalischen Klippen half die Begleitung durch das Ehepaars Wolfgang und Kerstin Wempe-Welke mit Gitarre und anderen Instrumenten. Das fröhliche Fazit der Teilnehmer: Der Frühling lässt sich vielleicht nicht erzwingen, aber mit fröhlichem Gesang kann das Warten sehr erleichtert werden.

Das nächstes Treffen ist erst am 14. Juni, da einige im Mai an der Kulturfahrt des Bundes der Vertriebenen im Kreisverband Oldenburg teilnehmen. Wir werden rechtzeitig wieder einladen.

                 Gisela Borchers,

                 Vorsitzende 

Osnabrück – Freitag, 19. Mai, Gaststätte „Bürgerbräu“, Blumenhaller Weg 43: Frauengruppe.

Rinteln – Donnerstag, 11. Mai,

15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln: Propst a. D. Erhard Wolfram, Vorsitzender der Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen, und seine Gattin Luise  werden über „Evangelisches Leben im heutigen Königsberger Gebiet und ihre Reisen nach Ostpreußen“ berichten. Landsleute und ihre Nachkommen sowie interessierte Gäste aus Nah und Fern sind beim Monatstreffen der Gruppe zusammen mit ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten herzlich willkommen. Auskünfte zur landsmannschaftlichen Arbeit in Rinteln gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat unter Telefon (05751) 53 86 oder über: rebuschat@web.de.

 

NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Jürgen Zauner, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037,  E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bonn – Sonnabend, 13. Mai, 10 bis 17 Uhr, Stadthalle Neuss, Selikumer Straße 25, 41460 Neuss: Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen. Das Jahrestreffen findet in diesem Jahr in NRW in unserer Nähe statt. Wir sind deshalb ganz besonders zur Teilnahme angesprochen. Der von uns angemietete Bus fährt am

13. Mai um 8:30 Uhr hinter dem Bahnhof in der Quantiusstraße ab. Anmeldungen bei Manfred Ruhnau, Telefon (02241) 311395. – Dienstag, 23. Mai, 14 Uhr, Nachbarschaftszentrum Brüser Berg, Fahrenheitstraße 49: Treffen des Frauenkreises.

Essen – Freitag, 19. Mai, 15 Uhr: Treffen zum Thema „Wir singen Mai- und Heimatlieder“.

Dortmund – Montag, 15. Mai, 14:30 Uhr: Die LO-Kreisgruppe trifft sich zur monatlichen Zusammenkunft in der Heimatstube, Landgrafenstraße 1-3 (Eingang Märkische Straße).

Düsseldorf – Mittwoch, 3. Mai, 18.30 bis 20 Uhr, Gerhard-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90: Jeden Mittwoch Chorprobe der Düsseldorfer Chorgemeinschaft Ostpreußen-Westpreußen-Sudetenland, Leitung: Radostina Hristova. – Sonnabend, 6. Mai,

11 Uhr, Info-Stand Hauptbahnhof Düsseldorf: Wanderung. – Montag, 15. Mai, 18 Uhr, Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29: Vortrag von Professor Wolfram Wette „Zum 75. Todestag von Feldwebel Anton Schmid (1900-1942) – Ein ganz normaler Mann“. – Mittwoch, 17. Mai,

19 Uhr, GHH, Film „Tiefe Kontraste“. – Donnerstag, 18. Mai,

19.30 Uhr, Raum 412, GHH: Offenes Singen mit Marion Cals. –

20. Mai, 11 Uhr, Eichendorff-Saal, GHH: Treffen der Treuburger. – 20. Mai, 11.30 Uhr, GHH: Vortrag von Professor Halder Werner Richard Heymann (1896–1961) – „Von Königsberg nach Hollywood“. – Montag, 22. Mai, 19 Uhr, GHH: Ausstellungseröffnung „Es lebe unsere gerechte Sache“ – Der Slowakische Nationalaufstand

29. August bis 27. Oktober 1944. – Dienstag, 23. Mai, 19 Uhr, GHH: Vortag von Professor Volkmar Hansen „Das protestantische Pfarrhaus als Dichterschule“.

Witten – Montag, 15. Mai,

15 Uhr, Evangelisch—lutherische Kreuzgemeinde Witten, Lutherstraße 6-10: Lieder zur Jahreszeit und zum Wandern.

 

SACHSEN

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

Limbach – Sonnabend, 13. Mai, Eschemuseum, Sachsenstraße 3: Heimatnachmittag – Persönlichkeiten Ostpreußens.

 

SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Burg auf Fehmarn – Dienstag, 9. Mai, 15 Uhr, „Haus im Stadtpark“: Nachmittag mit preußischem Humor. Späße und humorvolle Geschichten sollen an diesem Nachmittag die Mitglieder und Gäste unterhalten, die auf eigenen Wunsch auch etwas dazu beitragen können. Gäste sind herzlich willkommen.

Flensburg – Freitag, 19. Mai, ab 15 Uhr, Stadtteilcafé AWO, Mathildenstraße 22: Jahreshauptversammlung. – Mittwoch, 24. Mai: Ausflug mit den Vereinigten Landsmannschaften Flensburg nach Nordfriesland, Reiseleiter Uwe Carstens, Schulleiter a. D. aus Langenhorn.

Uetersen – Freitag, 12. Mai,

15 bis 17 Uhr, Haus Ueterst End, Kirchenstraße 7: Frühling und Muttertag. Wir singen Frühlingslieder, Sabine Mennerich begleitet am Flügel, dazwischen werden Besucher passende Texte vorlesen.


Besuch vom Olympiasieger
Die Jahresauftaktversammlung des BdV-Kreisverbandes in Leipzig

Am 8. April begrüßte der Vorsitzende Peter Wolf im Gewandhaussaal des Ratskellers die Mitglieder, Heimatfreunde und Gäste zur Jahresauftaktveranstaltung des Leipziger BdV-Kreisverbandes.

Zur Eröffnung sang der Chor „Lied der Heimat“. Mit einer Totenehrung wurde dann der Mitglieder gedacht, die im Laufe des vergangenen Jahres verstorben waren. Hier wurden besonders die Chormitglieder Ursula Böhme, Ursula Platzk, der stellvertretende Vorsitzende Fritz Stramm und Anna-Maria Duscha genannt.

In seiner Ansprache erwähnte der Vorsitzende Peter Wolf, dass es zu einer guten Tradition geworden sei, dass sich alle Mitglieder zweimal im Jahr zu einer großen Veranstaltung treffen, um der Heimat zu gedenken und Rechenschaft abzulegen. Auch zeigte er sich sehr erfreut darüber, dass so viele Mitglieder der Einladung gefolgt waren, Es wurden 102 Veranstaltungsteilnehmer gezählt.

Der Dachverband des BdV begeht in diesem Jahr sein 60. Gründungsjubiläum und stellte 2017 unter das Motto „60 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung“. Das gilt auch für die vor uns liegende Arbeit, wobei wir besonders die Erinnerungskultur unserer Heimat pflegen. Natürlich sind wir alle älter geworden und es fällt manches nicht mehr so leicht, auch unseren Chormitgliedern nicht, aber wenn es darauf ankommt, halten sie durch.

Die für dieses Jahr geplanten fünf Auftritte im Angelikastift, drei Konzerte im „Haus der Demokratie“, das Chöretreffen in Reichenbach und weitere auswärtige Veranstaltungen bedeuten auch viele Proben mit unserer liebevollen, aber auch strengen Chorleiterin Rosa Wegelin, viel „Auswendiglernen“ und nicht zu vergessen die oft beschwerlichen Anfahrten mit Straßenbahn und Bussen. Allen Chormitgliedern und den Musikern Peter Wegelin und Peter Seidel spricht Peter Wolf ein großes „Dankeschön“ aus, das vom Beifall der Anwesenden begleitet wird.

Eine wichtige Information gab der Vorsitzende zum Gesetz über die Anerkennung und Entschädigung der deutschen Zwangsarbeiter in einem fremden Staat von 1945 bis 1959. In unserer Geschäftsstelle wird allen Menschen, die dafür in Frage kommen, in jeder Beziehung bei der Antragstellung geholfen. Darum ist es wichtig, dass diese Information weitergegeben wird. Kritisch zu erwähnen ist auch, dass die wachsende, völlig unnötige Bürokratie auch allen ehrenamtlich Tätigen in der Geschäftsstelle die Arbeit erschwert und einem die Freude nehmen kann.

Natürlich ging Peter Wolf auch auf das aktuelle, politische Geschehen ein, das unsere Generation, die Krieg und Vertreibung erlebt und überlebt hat, zu großer Sorge veranlasst. Wer hätte gedacht, dass auch hier in Europa die Kriegsgefahr wieder so bedrohlich wird? Viele Menschen haben die gegenseitigen Schuldzuweisungen der beteiligten Staaten satt und das endlose Gerede.

Zum Schluss seiner Ausführungen gab Peter Wolf noch einen Überblick auf den Jahresplan 2017, damit sich die Landsleute die Termine vormerken können. Anschließend bat er den Ehrengast Stadtrat Jens Lehmann, sich vorzustellen. Lehmann ist vielen bekannt als Rennfahrer, Weltmeister und Olympiasieger. Nach Beendigung seiner sportlichen Laufbahn arbeitet er engagiert als Stadtrat in Leipzig. Der ehemalige Sportler ist Kandidat der CDU für den Bundestag und berichtet kurz über seine zukünftigen Aufgaben, auf die er sich freut und gut vorbereitet.

Nach der Kaffeepause folgte das Kulturprogramm mit Frühlingsliedern und Gedichten, die Irmgard Schäfer und Inge Scharrer vortrugen. Hartmud Ditt erfreute als Solosänger mit seiner schönen Stimme. Mit Begeisterung sangen viele mit und wären am Schluss der Veranstaltung am liebsten sitzen geblieben. Aber die Zeit im Saal war begrenzt und nach einer Zugabe musste Schluss sein. Alle Mitwirkenden haben sich über den großen Zuspruch und Beifall sehr gefreut. Mit dem Schlusswort des Vorsitzenden wurde die gelungene Veranstaltung beendet.

 Inge Scharrer


Witziges Feuerwerk
Heiteres und Tiefgründiges aus Ostpreußen

Die Arbeitsgemeinschaft für ost -und westpreußische Landeskunde der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität und das Haus des Deutschen Ostens luden am 31. März einem gut besuchten Dies Academicus mit kleinem Empfang in das Hauptgebäude der Universität. Der Privatdozent für Kommunikationswissenschaften Heinz Starkulla hielt eine Vorlesung über den Kulturhistoriker Professor Herbert Schöffler (1888–1946). Der 1937 in Großpölken bei Tilsit geborene Schauspieler Herbert Tennigkeit (Hamburg) trug mit großem Engagement humorvolle Texte ostpreußischer Schriftsteller vor. Es moderierte der Direktor des Haus des Deutschen Ostens Professor Andreas Otto Weber. Einleitend stellte er fest: „Humor und Witz bauen Brücken von Mensch zu Mensch, auch zu einer Landschaft, besonders im Orginalklang der Heimat“.

Der Sachse Schöffler, so der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für ost- und westpreußische Landeskunde Starkulla, hielt als gediegener Wissenschaftler Abstand zur NSDAP und wurde 1933 als Dekan an der Universität Köln abgesetzt. Er genoss aber die Sympathie von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, der ihn später nach Göttingen brachte. 1945 wurde Schöffler dort Dekan. Nach einem Streit mit der britischen Besatzungsmacht und wohl depressiv nahm er sich 1946 das Leben.

Der spätere CDU-Abgeordnete Erich Peter Neumann (Allensbach) hatte ihn 1940 in Verbindung mit der Wochenzeitschrift „Das Reich“ gebracht wo Schöffler eine Artikelserie über den Witz der deutschen Stämme schrieb. Daraus entstand das Büchlein „Kleine Geographie des deutschen Witzes“, das 1995 die zehnte Auflage erreichte. Ein einprägsames feuilletonistisches Kapitel galt Ostpreußen. Als schöpferische Plauderei unterhält es den Leser. Schöffler war öfter in Ostpreußen, kannte Lebensart, Witz und Humor. Sein Nachlass liegt beim Verlag Klostermann in Frankfurt/M.

Unter dem Titel „Wo kommen die Marjellchens  her?“ brachte Herbert Tennigkeit dann keine Lesung sondern begeisterte seine Zuhörer in ostpreußischem Tonfall mit einem brillanten, oft von spontanem Beifall unterbrochenen Feuerwerk humorvoller literarischer kurzer Prosatexte und Witzen. Nach den angekündigten zwei Stunden war er von seinem Publikum so angetan, dass er weiterhin von einem Witz zum anderen kam. Langer Applaus dankte ihm. Zu seinem schier unerschöpflichen Repertoire gehörten Texte und Gedichte von der nun über hundertjährigen Ruth Geede mit ihren fünfzig Büchern, seinem Freund Siegfried Lenz, Arno Surminski und anderen.

„Wir sind heimatlos aber nicht geschichtslos“, so Tennigkeit. Ostpreußen war ein Land der Anekdoten. Die liebevolle Endsilbe „chen“ zeugte von Wärme und Geborgenheit. Tennigkeit ließ das „Ostpreußenlied“ und „Ännchen von Tharau“ spielen und wies darauf hin, dass in München das Lied von Simon Dach als Glockenspiel vom Rathaus erklingt.

Am Dies Academicus, den 13. Oktober, geht es um den Feuilletonchef der „Hartungschen Zeitung“ in Königsberg und Vorsitzenden des dortigen Goethe-Bundes Ludwig Goldstein (1867–1943).         Norbert Matern


S. 19 Heimatarbeit

Mit Arno Surminski
Lesestoff I: Elf Lebensgeschichten von Flüchtlingen und Vertriebenen

In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Heimat. Flucht. Vertreibung – Abschied und Neubeginn“ erzählt die Buxtehuder Lyrikerin und Fotografin Ute Latendorf elf Lebensgeschichten von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten Ostpreußen, Pommern, Schlesien und aus dem Baltikum. Die Betroffenen gingen großenteils als Kinder mit ihren Familien auf die Flucht und kamen teils schon 1945, teils in späteren Jahren nach Buxtehude im niedersächsischen Landkreis Stade oder nach Hamburg. Die meisten Flüchtlinge und Vertriebenen, die in der Nachkriegszeit als Erwachsene dort einquartiert wurden, sind längst verstorben. Für ihr Buchprojekt hat Ute Latendorf 2015 mit den Zeitzeugen oder Kindern der Flüchtlinge Interviews geführt. Die mit Fotos reich ausgestatteten Einzeldarstellungen wurden von ihr mit Informationen zum geschichtlichen Hintergrund versehen. Vorangestellt ist ihre eigene, ebenfalls schön bebilderte Familiengeschichte. Ihre väterliche Familie stammt aus Königsberg und der Osteroder Gegend. In Hamburg fanden ihre Eltern nach der Entlassung ihres Vaters aus englischer Kriegsgefangenschaft 1946 eine neue Heimat.

Ute Latendorf wurde 1951 in Hamburg geboren und wohnt mit ihrer Familie seit 1990 in Buxtehude. Seit mehr als 30 Jahren veröffentlicht sie Lyrik, Fotos und Texte in Anthologien, Kalendern, Zeitungen und auf Fotokarten. Hinzu kommen mehrere Einzelveröffentlichungen. Auch in den vorliegenden Band hat sie eigene Gedichte eingefügt sowie zwölf farbenfrohe Aquarelle der aus Osterode gebürtigen Künstlerin Ursel Dörr, die sie auf einer Masurenreise kennengelernt hat.

Ute Latendorf ist eine fleißige Netzwerkerin. Für die Mitwirkung an ihrem Buch hat sie unter anderem den Schriftsteller Arno Surminski gewonnen, einen der bekanntesten ostpreußischen Autoren. Arno Surminski wurde 1943 in Jäglack bei Drengfurt geboren und arbeitet noch heute als Wirtschaftsjournalist und Schriftsteller in Hamburg. 2014 feierte er seinen

80. Geburtstag mit vielen Ehrungen. Für dieses Buch schrieb er einen Textbeitrag mit der Überschrift „Verlorene Heimat“. Darin heißt es: „Von denen, die in den Nachkriegsjahren im Güterzug von Ostpreußen nach Deutschland fuhren, trauerte niemand um die verlorene Heimat.“ Für die überlebenden Königsberger, die 1948 aus der zerstörten Stadt nach Deutschland ausreisen durften, und für ihn selbst, der als 10-jähriger Junge aus Heimweh noch einmal in seine ostpreußische Heimat fuhr, mag das gegolten haben – aber ob das auch für die meisten anderen Flüchtlinge aus den Ostgebieten gilt? Vermutlich nicht.

Von den Lebens- und Flüchtlingsgeschichten sei der Bericht von der dramatischen Rettung des damals 14-jährigen Günther von Maydell aus Reval (Talinn) beim Untergang der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar 1945 erwähnt. Von den schätzungsweise 9000 Menschen an Bord des überfüllten Schiffs, darunter überwiegend Frauen und Kinder aus Ostpreußen, überlebten nur etwa 1000 den Untergang nach dem Torpedobeschuss durch das sowjetische U-Boot S-13. Günther von Maydell und seine Mutter hatten Glück, da ihnen durch Vermittlung des ihnen bekannten Marinemalers Adolf Bock eine Kabine auf dem Promenadendeck zugewiesen war. Er und seine Mutter stiegen auf dem schon schräg liegenden Schiffsdeck in einen Kutter, in dem schon einige Marinesoldaten saßen. Bevor der Kutter ins Wasser glitt, retteten sich noch zwei Kapitäne der „Gustloff“ in das Boot.

Ute Latendorf war es ein besonderes Anliegen, auch an die Millionen Menschen aus den heutigen Kriegsgebieten zu erinnern, die weltweit auf der Flucht sind und in sicheren Ländern um Asyl bitten. Dazu schrieb der Pastor im Ruhestand Eberhard Schäfer aus Buxtehude ein Kapitel über Fremdsein, Ausgrenzung, Gastfreundschaft und Flucht mit Versbeispielen aus dem Alten und Neuen Testament. „Diese Buch will aufrütteln und mahnen: Sagt Nein zu jeder Art von Kriegsgewalt! Sagt Nein, Menschen in aller Welt, sagt Nein! Steht auf für den Frieden!“ steht im Klappentext des lesenswerten, kunstvoll gestalteten Bandes.             

                 Dagmar Jestrzemski

Ute Latendorf „Heimat. Flucht. Vertreibung – Abschied und Neubeginn“. Mit Bildern von Ursel Dörr, Fölbach Medienservice, München 2016, Broschiert, 124 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 19,90 Euro


Mit unverstelltem Blick
Lesestoff II: Drei Erzählungen und ein Roman über Ostpreußen

Mit seinem umfangreichen Ostpreußenroman „Und hinter uns die Heimat“ legt Klaus-Peter Enghardt aus Spremberg bereits seinen vierten Roman vor. Darin eingeblendet sind drei Erzählungen mit eigenständigem Inhalt, die Enghardt durchaus auch getrennt hätte veröffentlichen können. Will man die Erzählungen daher zunächst einmal überschlagen, so macht es allerdings einige Mühe, den An-schluss an die Romanhandlung zu finden. Ihr Inhalt kurz gefasst: Zwei Freunde und Kameraden aus Königsberg und Elbing wer-den von Frankreich nach Russ-land versetzt. Im Dezember 1944 nehmen sie an der Ardennenoffensive teil. – Ein Müller aus einem Dorf bei Königsberg wird zum Militärdienst gepresst und kämpft in der Hölle der Ostfront. – Eine junge Krankenschwester verlässt Königsberg mit dem letzten Lazarettzug.    

Sowohl der Roman als auch die Erzählungen haben Kriegserlebnisse ostpreußischer Männer und Frauen sowie deren Flucht aus ihrer Heimat zum Thema. Einen eigenen familiären Bezug zu Ostpreußen hat der 1954 geborene Autor nicht. Mit dem Schicksal der Menschen in den ehemals deutschen Ostgebieten hat er sich aber schon früher beschäftigt, da sein Großvater aus Danzig stammt. Grundsätzlich an Kriegsschilderungen interessiert, kam ihm die Idee zu dem Buch, als ein Bekannter ihm von seiner Flucht aus Ostpreußen im Winter 1944/45 berichtete. Enghardt recherchierte daraufhin akribisch über Königsberg und ostpreußische Geschichte, machte sich kundig über landestypische Sitten sowie den Dialekt im nordöstlichen Ostpreußen und sprach mit zwei Zeitzeugen. Die Schick-sale der Protagonisten zweier Erzählungen basieren auf diesen Gesprächen.

Im Zentrum der eigentlichen Romanhandlung steht die junge Lehrerin Katharina Knieschütz, die im Juli 1942 die Köln verlässt, um eine Stelle als Dorfschullehrerin im (fiktiven) ostpreußischen Dorf Loditten im Landkreis Heiligenbeil anzutreten. Nach den schweren Luftangriffen auf Köln Ende Mai 1942 hatten ihre Eltern der Bewerbung ihrer Tochter auf ihre erste Arbeitsstelle in der damals noch kriegsfernen Provinz Ostpreußen zugestimmt. Mit Elan und Freude nimmt sie den Unterricht an der Dorfschule von Loditten auf. Das größte Gut im Dorf gehört, zusammen mit einigen Vorwerken, dem Baron von Lübzow. Katharina wohnt bei Marie Schimkus, ihrer zukünftigen Schwiegermutter, wie man bald darauf ahnt, als deren Sohn Wolfgang auf Urlaub von der Front nach Hause kommt. Zwischen Katharina und Wolfgang knistert es von Anfang an, und schon während seines Weihnachtsurlaubs wird Verlobung gefeiert. Immer mehr kommt das Kriegsgeschehen in den Blick. Im Winter 1944/45 verlassen bereits einige Familien heimlich das Dorf, bevor der Räumungsbefehl ergeht, doch Katharina hält noch in gewohnter Weise den Unterricht ab. Dann kommt es zu übereilten Fluchtvorbereitungen der Bauern. Sie beladen Pferdewagen mit einigem notwendigem Hab und Gut. Gutsbesitzer Baron von Lübzow organisiert bis ins Einzelne die Vorbereitungen für den Aufbruch und legt den Fluchtweg fest. Am 20. Januar 1945 setzt sich der Treck mit fast zweihundert Flüchtlingen und ihren Gespannen von seinem Gut aus in Bewegung.

Mit unverstelltem Blick beschreibt der Autor die chaotischen und dramatischen Ereignisse während der Flucht, die schließlich in einem Dorf bei Lüneburg endet. Wie es später mit Katharina und Wolfgang weitergeht, soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden.

Seinem Inhalt entsprechend ist der Roman von starken Kontrasten geprägt. Allerdings betrifft das tendenziell auch den Schreibstil. Bevor die Schilderungen der Flucht- und Kriegsereignisse einsetzen, geht es mitunter ein wenig zu wie in einem Heimatfilm, zumal wenn die Liebesgeschichte fortgeschrieben wird. Auch kommt, wenn auch selten, recht klischeehaft zum Ausdruck, was meist als typisch ostpreußisch bezeichnet wird: „Die Menschen waren geradlinig, manchmal wortkarg, zuweilen auch störrisch, aber immer ehrlich.“

Ausführlich werden die Vorbereitungen für die Feiern am 1. Mai beschrieben, die Osterbräuche, der Fischfang und die Landwirtschaft. Selbst die damaligen Zugfahrpläne von Köln über Berlin  nach Zinten hat Enghardt studiert. Insbesondere hat er sich mit der Institution „Dorfschule“ vertraut gemacht, aber auch den Verlauf der Luftangriffe auf Köln untersucht. Das spannende Buch wartet mit einer Fülle historischer Tatsachen auf. Man liest es mit einem Wechselbad der Gefühle, aber auch mit viel Gewinn.     D. J.

Klaus-Peter Enghardt: „Und hinter uns die Heimat. Ein Ostpreußenroman“, Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2016, gebunden, 517 Seiten, 28 Euro


S. 20 Leserforum

Leserforum

Islam nutzt religiöses Vakuum aus

Zum Leserbrief: Der Islam wuchert im Land wie der Giersch im Garten (Nr. 16)

Mit ein bisschen Sorge habe ich den Leserbrief gelesen, der zwar die Entwicklung treffend beschreibt, jedoch als Rückschluss vielleicht ein bisschen überzeichnet ist. So wird im Leserbrief wohl sinngemäß von einer mentalen Bedrohung des christlichen Abendlandes durch die Missionierung des Islam geschrieben.

Tatsache ist allerdings, dass in unserem hochgelobten „christlichen Abendland“ nach meinem allgemeinen Kenntnisstand lediglich 30 bis 50 Prozent unserer „Ich-war-schon-länger-hier“-Bürger einer christlichen Religionslehre überhaupt folgen. Wie hoch der Anteil des protestantischen Halb-Atheismus ist, weiß ich nicht. Ein nicht unerheblicher Anteil der Rest-Bürger frönt wohl eher einem sozialistischen Moralkodex.

Dass eine eher atheistisch-sozialistisch erzogene Jugend dieser Ellenbogen-Eliten-Gesellschaft eine neo-humanistische Stütze sucht, erscheint mir nur zu verständlich, und sie ist damit der eigentliche gesellschaftliche Boden, auf dem im Allgemeinen die Missionierung einer Ideologie fußt.

Im Fazit: Der Islam missioniert lediglich dort, wo schon ein mentales Vakuum herrscht. Tatsache ist aber auch, dass unsere christlichen Bürger und deren Kirchen sich nicht mehr verpflichtet fühlen, überhaupt ihre christliche Religion an ihre desorientierten Mitbürger neu zu vermitteln, also ebenso zu missionieren wie andere Ideologien.

Im Gegenteil: Wir müssen sogar erleben, dass christliche Einrichtungen wie die Zeugen Jehovas und Ähnliche ausgerechnet von deutschen „Mainstream“-Christen heute noch diskreditiert werden, obwohl gerade diese Fundamental-Christen für ihre Überzeugung von den Nazis ins KZ gesteckt und umgebracht wurden. Peinlich!

Nach meinen Darlegungen besteht also die eigentliche Antwort nicht im „Deutschen Lamento“ über die „bösen Anderen“, sondern sollte den modernen Christen dazu aktivieren, selber für seine Religion endlich auf die Straße zu gehen und vielleicht auch mal beim muslimischen Kollegen zu missionieren.

Zu einer (ach so hochgejubelten) Demokratie gehört nämlich auch eine religiöse Diskussionskultur. Fassen wir uns also an die eigene Nase.

Ulrich Drübbisch, Ahrensburg

 

 

Integrationsgraben vertieft sich

Zu: Das Ende der Täuschung (Nr. 16)

Den Ist-Zustand an Infiltration, an Problemen durch die Zuwanderung ist allgegenwärtig. Was mich fassungslos macht, ist der Tunnelblick und die Gleichgültigkeit vieler Deutscher. Hinzu kommt die Inkonsequenz unserer Politiker.

Die rote Linie sollte es nur einmal geben. Die Toleranz unserer Politiker hat bereits mindestens drei davon überschreiten lassen. Sie warten nun sehnsüchtig auf die Einführung der Todesstrafe in der Türkei, um dann vielleicht handlungsfähig zu werden. Nach meiner Meinung geht es Deutschland so gut, zu gut, sodass eine große Masse Mensch einfach in den politischen Alltag gedankenlos hineinlebt.

Menschen, wie Frau Kelek, Frau Ates, Frau Ramadani, Herr Buschkowski und viele andere, die ihre Lebenserfahrungen an vorderster Front, am eigenen Leib, gesammelt haben und ihren Dank sowie aber auch ihre Bedenken über das Zusammenleben mit anderen Kulturen in unserem Land zum Ausdruck bringen, werden kaum wahrgenommen. Und das, obwohl sie sich mit ihrem Einsatz in Lebensgefahr begeben.

Der Toleranzwahn der Deutschen, den Frau Ramadani in ihrem Buch „Die verschleierte Macht“ beschreibt, verändert das Verhalten vieler Deutscher. Ich selbst habe eine Multikulti-gestandene Bekanntschaft, werde aber nicht mehr in die Türkei reisen und keine türkischen Waren mehr kaufen. Die Inkonsequenz unserer Regierung und die schleichende soziale Ungerechtigkeit in unserem Lande führen zur Vertiefung des Integrationsgrabens.

Ich wünsche mir von meiner Zeitung Zahlen. Zahlen, die belegen was und wie viel Deutschland wo ausgibt zum Beispiel bei muslimischen und türkischen Vereinsförderungen. Oder eben auch die 4,2 Milliarden Euro für den Demokratieaufbau in der Türkei. In politischen Gesprächen schlagen verbindliche Fakten am meisten durch.

Nur eine Gegenüberstellungen zur Förderung deutscher Vereine und Organisationen sowie eine Gegenüberstellung sozialer Un­terstützungen (Kindergeld, Arztbesuche) zwischen türkischen Zuwanderern und eigenen Bürgern können nach meiner Meinung die Augen vieler Menschen öffnen. Kiel verschenkt Wohncontainer, und in derselben Stadt geht es den Obdachlosen miserabel. Solche Dinge müssten gezielt veröffentlicht werden. Dann findet „Erdowahns“ Täuschung deutlich weniger Nährboden.

Als Stasiverfolgter frage ich mich allen Ernstes, wann der erste türkenkritische Deutsche vom türkischen Geheimdienst, der sich in Deutschland breitmacht, zur Strecke gebracht wird. Die Drohung hat „Erdowahn“ bereits ausgesprochen.

Peter Karstens, Eckernförde

 

 

Keine Heiligen

Zu: Indianer heute (Nr. 15)

Die Hintergrundseite der PAZ-Ausgabe gibt oft wertvolle Auskünfte. Die Beiträge zu „Indianer heute“ jedoch greifen zu kurz.

Natürlich waren und sind auch Indianer keine Heiligen. Aber bis heute bleiben sie in ihrem eigenen Land an den Rand gedrängt. Krokodilstränen werden von Vertretern der Bundesstaaten immer wieder vergossen und auch Almosen vergeben. Aber Landrück­gabe ohne rechtliche Hintertür, kultureller Wiederaufbau, gleichberechtigte Nutzung der Indianersprachen als Landesprache und Aufbau einer Selbstverwaltung ohne Einschränkung bleiben die unerfüllten, eigentlich selbstverständlichen Forderungen an die Herrschenden.

Nur damit kann Gerechtigkeit wiederhergestellt werden und Wiedergutmachung für unfassbares Unrecht wenigstens teilweise erfolgen.

Gerold Baring Liegnitz, Mainz

 

 

Autofasten ist nur Tropfen auf den heißen Stein

Zu: Klima schützen – Autofasten? (Nr. 11)

Schon Etliches wurde darüber geschrieben, dass es den Klimawandel in dem Sinne nicht gibt, mit dessen Begründung man Land und Wasser mit hässlichen Windrädern übersät, die alles in ihrer Nähe Fliegende totschlagen – von anderen Schäden für die Erde ganz abgesehen.

Leider hat sich der Mensch schon vor langer Zeit die „Macht über den Himmel“ angemaßt. Nachdem er nach und nach sesshaft wurde und Landwirtschaft und Viehzucht betrieb, wurde er damit vom Wetter abhängig.

Bat er anfangs noch Gottheiten um günstiges Wetter, so nahm er im Laufe der Zeit die Sache selbst in die Hand. Durch Regentänze und andere Rituale wollte man elektromagnetische Felder erzeugen, die zur Wolkenbildung führen sollten. Auch das später in manchen Regionen stattfindende Hagelschießen gehört dazu.

Im Laufe der Zeit nahm zu unser aller Schaden der Respekt vor Mutter Erde beziehungsweise der Natur immer mehr ab – parallel dazu auch der Respekt der Menschen untereinander. Die negativen Auswirkungen erleben wir deutlich in allen Bereichen.

Was heute als Klimawandel bezeichnet wird, könnten Wirkungen von Wettermanipulationen und Eingriffen in das Erdgeschehen mittels Geoingeneering und Chemtrails in Verbindung mit dem in Alaska stationierten High Frequency Active Auroral Research Program (HAARP) sein. Dabei handelt es sich um eine Anlage zur Strahlung von Hochleistungs-Radiowellen, die in die Ionosphäre geschickt und auf die Erde zurückreflektiert werden.

HAARP soll nach Meinung von Verschwörungstheoretikern in der Lage sein, das Wetter zu manipulieren, Erdbeben zu erzeugen und in Verbindung mit anderen Technologien auch Tornados, sintflutartige Regenfälle oder Trockenheit und sogar Vulkanausbrüche auszulösen.

Die Technologie dafür schuf der Physiker Nikola Tesla (1856–1943). Dieser erklärte, er besäße die Technologie, um die „Erde zu spalten wie einen Augapfel“. Wenn er auch sein Wissen dafür einsetzen wollte, durch Anzapfen der natürlichen elektrischen und elektromagnetischen Felder die Menschheit mit freier Energie zu versorgen, so ist diese gute Absicht nicht nur nicht umgesetzt, sondern missbraucht worden.

„Autofasten“, wie von den Kirchen vorgeschlagen, ist im Grunde genommen nicht verkehrt, aber nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein.

Karin Johansen, Eisingen


S. 21 Lebensstil

Ostfriesischer Sternegucker
Vor 400 Jahren starb David Fabricius unter kuriosen Umständen – Nach dem Astronom ist ein Mondkrater benannt worden

Kurz vor Bensersiel und der Fährverbindung zur Insel Langeoog liegt die ostfriesische Stadt Esens. Außer klaren Nächten hat sie nicht viel zu bieten. Davon aber profitierte David Fabricius, der vor über 400 Jahren ganze Nächte um sich schlug, um die Sterne zu beobachten. Nach ihm wurde ein Mondkrater benannt und in seinem Sterbeort ein Denkmal für ihn und seinen Sohn errichtet.

Der Theologe David Fabricius sorgte mit seinen Hobbys, aber auch mit seinem Tod vor 400 Jahren für nachhaltiges Aufsehen. Als Astronom, Kartograf und Me­teorologe machte er erstaunliche Entdeckungen. Nach ihm wurde der Mondkrater „Fabricius“ be­nannt. In den ostfriesischen Orten Westerholt, Großefehn sowie Ost­eel tragen heute Schulen seinen Namen. Außerdem erinnern auf dem Friedhof in Osteel ein riesiges Denkmal und an der Kirche in Resterhafe eine Sandsteinplakette an den Ostfriesen. In vielen aktuellen Nachschlagewerken findet man seinen Namen weiterhin.

Fabricius wurde am 9. März 1564 in Esens geboren. Er hatte wohl noch vier jüngere Geschwister. Die Laufbahn seines Vaters, der ein Schmied war, wollte der wissbegierige Junge offenbar nicht einschlagen. Nach erster heimischer Unterrichtung kam Fabricius auf die Lateinschule in Norden, wo er mit seinen Leistungen auffiel. Danach ließ sich der Vater von einem weiterführenden Bildungsweg überzeugen. So brachte er auf Vermittlung des Schulrektors und Pfarrers seinen  Sohn nach Braunschweig in die Obhut des Theologen Heinrich Lampadius, der zudem Hobby-Mathematiker und Astronom war. Der Braunschweiger Gelehrte prägte ihn weiter im Glauben und vermittelte ihm zudem seine Be­geisterung für die Astronomie sowie Mathematik.

Das hatte Folgen. Als Fabricius in Helmstedt Theologie studierte, blieb er den von Lampadius vermittelten zusätzlichen Wissensgebieten treu. Mehr noch. Er bildete sich autodidaktisch weiter und erschloss die entsprechende und für ihn erreichbare Fachliteratur. 1584, ein Jahr nach dem Tod seines Lehrers Lampadius, übernahm er das Pastorenamt in Resterhafe bei Dornum. Fabricius war nun eine Amtsperson, erfüllte seine seelsorgerischen Pflichten und heiratete. Doch in seiner Freizeit widmete sich der Pfarrer seinen wissenschaftlichen Hobbys. Zur Astronomie und der damit eng verbundenen Mathematik ka­men die Kartografie und die Meteorologie hinzu.

Aus der Erkenntnis, dass er für seine Himmels-Beobachtungen entsprechende Instrumente benötigte, be­gann er bald mit dem Eigenbau, denn der Neukauf hätte viel Geld erfordert. Fabricius tüftelte mit großer Ausdauer, erstellte eigene Quadranten und Sextanten, entwickelte sich zusätzlich zum Instrumentenbauer und be­gann mit käuflich er­worbenen Ergänzungen seine eigenen Forschungen. Seine langfristigen Wetterbeobachtungen schlugen sich in recht verlässliche „Ca­lendarien“ nieder. Dabei untersuchte er auch den möglichen Einfluss der Gestirne aufs Wetter.

Da es offenbar kein verlässliches Kartenmaterial über seine Heimatregion gab, befasste er sich mit der Vermessung und Kartierung von Ostfriesland. So entstand 1589 die erste gedruckte Karte zur Grafschaft. Die Originalkarte von Fabricius befindet sich heute im Landesmuseum in Emden. Dazu gesellten sich weitere Karten über die Grafschaft von Oldenburg und den Besitz von Gödens, mit denen er sich einen überregionalen Ruf als Kartenmacher machte.

Doch im Mittelpunkt seiner Aktivitäten stand die Beobachtung der Sterne, des Mondes, der Planeten, Kometen und Polarlichter. Seine Erkenntnisse tauschte er mit anderen Astronomen aus. Die Reihe der Briefpartner reichte von Tycho Brahe über Si­mon Marius bis zu Jo­hannes Kepler. Tycho Brahe besuchte er bei dessen Aufenthalt in Wandsbek bei Hamburg zwischen 1597 und 1599. Die mit 40 Briefen überlieferte Korrespondenz mit Kepler gibt Aufschluss darüber, dass der berühmtere Gelehrte den Hobby-Beobachter aus  Ostfriesland sehr schätzte und ihn auf Augenhöhe regelmäßig ins Vertrauen zog.

Im August 1596 beobachtete Fabricius als erster Astronom die „Veränderlichkeit des Sterns Omikron Ceti im Sternbild Walfisch“, der seine Helligkeit periodisch veränderte. Der Theologe in Resterhave nannte den Stern deshalb „res mira“. der Danziger Astronom Jo­hannes Hevelius be­zeichnete ihn danach endgültig als „Mira“, die „Wundersame“. Die Entdeckung veränderlicher Sterne war für damalige Verhältnisse so etwas wie eine Wissenschaftssensation.

Der Graf von Ostfriesland war von der Gelehrtheit seines Dorfpfarrers beeindruckt und versetzte ihn 1603 in die finanziell einträglichere Gemeinde Osteel im heutigen Landkreis Aurich, wo Fabricius die letzten 14 Jahre tätig blieb, seine sieben Söhne in seine Beobachtungen einbezog und in Johann einen ebenso engagierten Nachfolger fand, der seinerseits mit der Entdeckung der Sonnenflecken dann analog zum Vater Astronomiegeschichte schrieb.

In Osteel kam für Fabricius noch ein weiteres Arbeitsfeld hinzu. Er hatte schon immer die Schriften von Fernreisenden für sich erschlossen. Im Alter nutzte er seine diesbezüglichen Kenntnisse aus der Lektüre seinerseits für eigene Reiseschilderungen. Das kann man vergleichen mit der Vorgehensweise von Karl May. Die diesbezügliche Palette reichte von Schriften über Grönland über die Darstellung von Gegebenheiten in West-Indien bis zu erstaunlich realistischen Mitteilungen über den Fernen Osten mit China. Das alles schrieb der Ostfriese in niederdeutscher Schrift nieder.

Um den Tod von Fabricius am 7. Mai 1617 ranken sich Legenden. Angeblich wurde er vom Bauern Frerik Hoyer mit einem Torfspaten erschlagen, weil dieser sich als Hühnerdieb von Fabricius ertappt fühlte. Der Täter wurde deswegen zu Tode gerädert. Fabricius soll seinen Todestag in einem selbst erstellten Horoskop vorausgesehen haben, weshalb er das Haus den ganzen Tag nicht verließ und sich erst am Abend zu einem verhängnisvollen Spaziergang aufmachte. Hätte sein genauer Todeszeitpunkt auch in den Sternen gestanden, hätte er darauf verzichtet.        Martin Stolzenau


Britische Reichsbürger
Herren über Sealand – Seit 50 Jahren existiert eine Mikronation

Empire Me – das Reich bin ich“, lautete das verwegene Motto des ehemaligen Ma­jors der britischen Streitkräfte Paddy Roy Bates, der am 2. September 1967 die verlassene Seefestung Fort Roughs knapp zehn Kilometer vor der Küste von Suffolk besetzte und sich danach zum Fürsten von Sealand ausrief.

Allerdings war das „Imperium“ von Prince Roy I. nicht sonderlich groß: Es umfasste lediglich einen Ponton am Meeresgrund, zwei darauf stehende hohle Betonzylinder mit kargen 16 Räumen im Inneren und das 350 Quadratmeter große Oberdeck inklusive Hubschrauberlandeplatz, auf dem früher vier Fliegerabwehrgeschütze standen. Denn die 1942 installierte Konstruktion diente im letzten Weltkrieg als Verteidigungsplattform der Royal Navy. Im Verbund mit drei ähnlichen Seefestungen in der Nordsee sollte sie verhindern, dass die deutsche Luftwaffe Minen in die Zufahrtswege zu den ostenglischen Häfen warf.

Die Regierung in London be­trachtete die Proklamation von Sealand natürlich als Anmaßung. Deshalb wies sie die Marine an, Fort Roughs wieder zu besetzen. Das misslang jedoch, weil Bates bewaffneten Widerstand leistete. Anschließend verneinte das Ge­richt von Chelmsford, vor dem der Ex-Militär deswegen angeklagt wurde, jegliche britische Zuständigkeit für Sealand, da es ja eindeutig außerhalb des Territoriums des Vereinigten Königreichs lag. Dies änderte sich erst 1987, als Großbritannien seine Hoheitsgewässer im Einklang mit dem Seerechtsübereinkommen der UNO auf zwölf Seemeilen ausdehnte. Allerdings konterte Roy I., indem er eine gleich große Zone um Sealand beanspruchte.

Und auch sonst waren Bates und seine Handvoll „Untertanen“ nicht bereit aufzugeben. Vielmehr bemühten sie sich um die völkerrechtliche Anerkennung ihrer „Mikronation“, die jedoch zu­meist verweigert wurde. So gelten die Pässe von Sealand in Deutschland als „Spaßausweis“ und die Verwendung von Titeln des Fürstentums ist nach Paragraf 132a StGB strafbar. Trotzdem aber gab Bates, der am 9. Oktober 2012 starb, woraufhin sein Sohn Prince Michael Roy of Sealand den „Thron bestieg“, in der Folgezeit eigenes Geld (den Sealand-Dollar) und eigene Briefmarken heraus. Ebenso trat das Fürstentum als „Sportnation“ auf und schickte unter an­derem den Marathon-Läufer Darren Blackburn, zwei Minigolfer sowie Fußball- und Frisbee-Teams an den Start. Darüber hinaus veranstaltete die Getränkefirma Red Bull 2008 ein zu Werbezwecken ge­filmtes „Event“ auf Sealand, an dem die fünf weltbesten Skateboard-Fahrer teilnahmen.

Dahingegen kam der Tourismus bisher in keiner Weise in Gang: Versuche, Tagesreisen nach Sealand oder gar Übernachtungen auf der reichlich verschlissenen Flak-Insel anzubieten, verliefen im Sande. Aber bei der Geschäfts­tüchtigkeit des neuen „Fürsten“ könnte das in Zukunft anders aussehen.       Wolfgang Kaufmann


Alles im Fluss
Kanuten treffen sich zum Paddlerfestival im Kanupark bei Leipzig

Kaum naht der Frühling, rücken schon die Wassersportler mit ihren Booten an. Zu einem Volkssport auf Seen und Bächen hat sich inzwischen das Paddeln entwickelt. Ein Mekka für Kanuten ist dabei der Markkleeberger See bei Leipzig, wo am 6. und 7. Mai das „XXL Paddelfestival“ stattfinden wird.

Das im Kanupark zum fünften Mal ausgetragene Festival gilt als die herausragende Paddelsport-Veranstaltung in Deutschland, denn es ist ein Massenereignis, an dem so­wohl erfahrene Ka­nuten wie interessierte Neulinge teilnehmen können. Während die Könner in verschiedenen Disziplinen zeigen, was mit Paddeln alles möglich ist, haben die Anfänger viel Gelegenheit zum Ausprobieren und Testen.

Das Festivalgelände rund um den Kanupark am Markkleeberger See ist in Deutschland einmalig. Die Kombination von Wildwasserpark und See ermöglicht eine einzigartige Gemeinschaftsveranstaltung des Kanusports – von spannungsreichen Aktionen im Wildwasser bis hin zum ge­mütlichen Freizeit- und Tourenpaddeln auf den Seen, vom SUP – dem inzwischen immer mehr in Mode kommenden sogenannten Stand-up-Paddling –, von Kanu-Polo und Freestyle-Akrobatik in der Welle bis hin zu schnellen und schlanken Seekajaks auf offenem Wasser.

Schon am Spätnachmittag des 5. Mai laufen die Pumpen auf beiden Kanälen des Kanuparks Markkleeberg an und bieten zwei Stunden Wildwasserspaß für frühzeitig angereiste Teilnehmer des XXL Paddelfestivals. Auftaktveranstaltung ist der spannende Vortrag des Kanufilmers Olaf Obsommer zu Kajakabenteuern in Norwegen am Freitagabend.

Die Haupttage sind Sonnabend und Sonntag, wenn die Anlage des Kanuparks fast durchgängig unter Volllast steht. Hersteller präsentieren neuestes Material und stellen alles für ausgiebige Testfahrten zur Verfügung. Beim Kanuhändler kann man seine Ausrüstung vervollständigen und in einem der zahlreichen Work­shops sein Fachwissen auffrischen. Geführte Touren zeigen die Schönheiten der Region. Vorführungen und Wettkämpfe runden das Programm ab oder bieten die Möglichkeit, sich untereinander zu messen.

Auch an den Nachwuchs ist gedacht: Ein Kinderaktionsfeld auf dem Trockenen lässt keine Langeweile aufkommen. Bei der Palm Junior Trophy früh am Sonntag können ju­gendliche Paddler Wettkampfgefühl schnuppern und Preise abräumen. Ein weiterer Höhepunkt von und für junge Leute ist eine Softdrink-Cocktail-Bar im Zielbecken. Hier werden von der deutschen Kanujugend kostenlos leckere Getränke unter dem Motto „Alkoholfrei Kanusport genießen“ di­rekt am Boot ausgeschenkt.

Der Zugang zum Gelände des Kanuparks Markkleeberg, zum Markkleeberger See und zum bunten Rahmenprogramm des XXL Paddelfestivals ist für Besucher und Teilnehmer weiterhin kostenlos. Nur die Paddler, die auf den beiden Wildwasser­kanälen ihre Runden drehen wollen, zahlen eine Pauschale fürs Wochen­ende. Tickets sind an der Tageskasse am Schalter des Kanuparks erhältlich.            tws

Internet: www.paddelfestival.de


S. 22 Bücher im Gespräch

Gescheiterte Visionen
Joachim Radkau liefert eine retrospektive Besserwisserei

Der Historiker Joachim Radkau legt ein umfangreiches Werk vor, nur der Titel „Geschichte der Zukunft“ passt nicht. Der Autor zeichnet eine immerwährende Folge von Fehleinschätzungen auf und gefällt sich im „Vergnügen der retrospektiven Besserwisserei“, als ob die Akteure in der Vergangenheit den Fortgang der Geschichte hätten erkennen müssen. Radkaus Buch ist eine „Geschichte der Zukunftserwartungen“, des Scheiterns nahezu aller visionären Entwürfe. Im Rückblick verfestigt sich der Eindruck, dass wir in einem Zeitalter der Fehlprognosen, der Hysterie wie der nicht eingetretenen Apokalypsen leben.

Das Buch ist eine Fleißarbeit, ein eifriges Bemühen, Schneisen durch diesen Dschungel zu schlagen, um die Geheimnisse der „grünen Hölle“ zu lüften. Der Autor versucht, einen objektiven Standpunkt einzunehmen, bestätigt aber dabei, dass Schreiben und Bewerten von Geschichte eine subjektive Angelegenheit ist. In der Einleitung äußert er die Befürchtung, dass in demografischer Perspektive die Bundesrepublik Gefahr laufe, zur „Hunderepublik Deutschland“ zu werden. Denkbar sei alles. „Die Zukunft entzieht sich dem systematischen Zugriff; nur durch ein immer neues unruhiges Hin- und Herschauen, durch scharfe Beobachtung der Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Gegenwart kommt man ihr womöglich ein wenig näher.“ Doch am Ende des Buches zeigt sich, dass er die Widersprüchlichkeiten der Gegenwart aufgrund seines von Wunschträumen gelenkten und damit ahistorischen Denkens nicht zu lösen vermag.

Carlo Schmidt, Konrad Adenauer, Theodor Heuss, Ludwig Erhard handelten nach dem Goethe-Motiv: „Es hilft uns, uns nicht zu verlieren in der Schwärmerei, nicht in den Illusionen eines Fernen, eines Jenseitigen, eines Zukünftigen, sondern real zu werden.“

Wie verheerend sich praxisfernes theoretisches Denken auswirken kann, das wird realistisch anhand der Landwirtschaft beschrieben, wo man von einer Ideologie in die nächste wechselte und bis heute zu keiner Lösung gekommen ist. Während man mit den „Grünen Plänen“, die 1955 begannen, die bäuerlichen Familienbetriebe erhalten wollte, sei Sicco Mansholt als Brüsseler Agrarkommissar bestrebt gewesen, die Kleinbauern loszuwerden. Innerhalb von zehn Jahren sollten in der EWG „von zehn Millionen Bauern nur noch fünf Millionen übrig sein“. Es kam zu einer Agrarrevolution, zu einer subventionierten Überproduktion, zu einer großflächigen Degradation von Boden und Grundwasser, auch gefördert durch die Trennung von Pflanzen- und Tierproduktion.

Ein umfangreiches Kapitel ist dem „Atomzeitalter“ gewidmet mit seinen euphorischen Hoffnungen und dem eschatologischen Glauben an das „Paradies“. Der Atomeuphorie folgte die Atomhysterie, dann die „Energiewende“ hin zur Illusion 100-prozentiger Stromdeckung durch Wind und Sonne. Dann spannt Radkau den Boden „Zwischen Heimat und Ferne: Reale und virtuelle Räume der Zukunft“, vom Heimatverlust von Millionen Vertriebener, der generellen Reiselust der Deutschen und der Skepsis von Klaus Mehnert ob der „Eine-Welt-Utopie“.

Seit der Stockholmer Umweltkonferenz der UNO 1972 wurden „Umwelt“ und Zukunft“ das zentrale Thema, zu dem sich als neues Zauberwort „Nachhaltigkeit“ gesellte. Zuerst wurden die Einheit von „Ökonomie und Ökologie“ beschworen, wurden „Kreislauf-Modelle“ theoretisch erörtert, entstand das Schlagwort vom „Einklang mit der Natur“. Seit der Rio-Konferenz 1992 jagt eine Weltklimakonferenz die andere, ist der Stopp des „Klimawandels“ das große Zukunftsthema. So überaus kritisch Radkau als Historiker ist, beim Klima-Thema ist er naiv und unkritisch und träumt von „Ökotopia“.

Radkau moniert zu Recht, dass die „Diskussionen über Zukunftsszenarien allzu oft ahistorisch geführt werden“, aber macht dann selbst diesen Kardinalfehler. Wenn er vom Abstraktum „die Technik“ spricht, hätte er merken müssen, dass auch „das Klima“ ein Abstraktum ist. Die Realität heißt Wetter und ist unendlich komplex.

Schade, das Buch ist ansonsten sehr lesenswert. Das „Weltklima“ ist ein postfaktisches Konstrukt und beschreibt eine fiktive weltweit gemittelte Wettervergangenheit.           Wolfgang Thüne

Joachim Radkau: „Geschichte der Zukunft. Prognosen, Visionen, Irrungen in Deutschland von 1945 bis heute“, Carl Hanser Verlag, München 2017, gebunden, 544 Seiten, 28 Euro


Prag einmal anders
Von 300 geflohenen »Helden«

In der Geschichte des politischen Terrors findet sich wohl kein zweiter Anschlag, der so stümperhaft ausgeführt war wie das Attentat auf Reinhard Heydrich, Hitlers Statthalter im Protektorat Böhmen und Mähren vom

27. Mai 1942 . Das aus England geschickte Flugzeug verirrte sich, beim Absprung verletzte sich ein Attentäter, ihre Waffen versagten, eine auf Heydrich geworfene Bombe traf nur halb. Am 16. Juni verriet Karel Curda seine Kameraden von der Gruppe „Anthropoid“, die Tage danach in der Krypta einer Prager Kirche gestellt und vernichtet wurde.

Dennoch: Das Attentat war ein voller, doch teurer Erfolg: Heydrich starb am 4. Juni an den Folgen des Anschlags, womit auch seine großzügige Sozialpolitik für die „kriegswichtigen“ tschechischen Arbeitskräfte zu Ende war und ein gnadenloser Terror gegen Tschechen losbrach.

Das hatte der unter Heydrich fast erlegene heimische Widerstand vermeiden wollen, während Präsident Benesch im Londoner Exil über die Prager „Alibi-Aktion“ jubelte: Die tschechischen „Feiglinge“ waren doch keine verachteten Kollaborateure Hitlers (siehe auch Seite 11).

Die Kehrseite von Beneschs Frohlocken verdeutlicht das Büchlein, das die Publizisten Pavel Smejkal und Jiri Padevet, beide 1966 geboren, vorlegen. Als „Reiseführer“ ist es aufgemacht, was praktisch heißt, dass historische Fakten und Zusammenhänge unsystematisch beiseitegedrängt sind, um Platz für bislang Unbekannte zu schaffen, die den Attentätern halfen und dafür oft im gleichen Dreiklang büßen mussten: In Prag festgenommen, in Theresienstadt inhaftiert, im KZ Mauthausen liquidiert.

Etwa 300 Namen listet das reich bebilderte Buch auf, nur ein Bruchteil aller stillen „Helden“. Manchen setzte das kommunistische Nachkriegsregime heuchlerische Gedenktafeln, aber Smejkal und Padevet erwähnen die Überlebenden, die in den Westen flohen, weil ihnen nach braunen nun rote Gewalttäter nach dem Leben trachteten.                 Wolf Oschlies

Pavel Smejkal/Jiri Padevet: „Anthropoid – Ein historischer Reiseführer“, Academia Verlag, broschiert, Prag 2016, 199 Seiten, 300 CZK (15 Euro)


Oasen in Urlaubsregion
Schöne Cafés in MeckPom

Mecklenburg-Vorpommern ist eines der beliebtesten Reiseziele in Deutschland. Zahlreiche Hotels, Ferienbetriebe, Restaurants und Cafés haben sich auf Besucher eingestellt. Ein Großteil der Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns ist in der Touristik- und Gastronomiebranche beschäftigt.

Naturliebhaber, Radfahrer und Badegäste kommen an den Stränden der Ostsee oder der Binnenseen voll auf ihre Kosten, Kulturreisende finden in den Hansestädten viele Sehenswürdigkeiten, und auch auf dem Land gibt es viel zu entdecken.

In jeder Region laden Cafés zur Pause ein. Wo diese zu finden sind, beschreiben Silvia Goics und Christine Schlitt in ihrem Führer zu den „schönsten Land- und  Hofcafés“. Neben Informationen zu sechs Regionen und ihren Sehenswürdigkeiten stellen sie ausgewählte Cafés in idyllischer Lage vor. Informationen zu Adresse, Öffnungszeiten, Anzahl der Plätze und zu Übernachtungsmöglichkeiten sowie die in der Umgebung liegenden Ausflugsziele sind aufgelistet. Das alles gibt es mit zahlreichen Fotos zu einem moderaten Preis.   MRK

Silvia Goics/Christine Schlitt: „Die schönsten Land- und Hofcafés in Mecklenburg-Vorpommern“, Cadmos-Verlag, Schwarzenbek 2017, broschiert, 127 Seiten, 12,95 Euro


Bayerische Seelenlandschaft
Der Münchner Thomas Kernert beschreibt sprachgewaltig seine Landsleute

Der Freistaat Bayern ist nach Nord-rhein-Westfalen das zweitbevölkerungsreichste Bun-desland. Viele Touristen reisen jedes Jahr dorthin, um die Schönheiten der Landschaft und die Gepflogenheiten der Einwohner zu bewundern. Jeder hat dabei andere, manchmal ähnliche Vorstellungen über die Bajuwaren im Gepäck. Aber, was stimmt und was nicht?

Der gebürtige Münchner Thomas Kernert hat sich aufgemacht, das Prinzip Bayern zu erklären. Diese Lektüre ist immer anders, als man denkt, also voller Überraschungen. Wer Satire schätzt und sich für Bayern und dessen Bewohner interessiert, ist mit Kernerts „Dicke Lederhose. Das Prinzip Bayern – Ein Erklärungsversuch“ bestens bedient. Der Autor studierte Geschichte und Philosophie. So nimmt es nicht wunder, dass der Autor sich häufig philosophischer Weisheiten bedient bei dem Bestreben, seine Landsleute zu verstehen und zu beschreiben. Sprachlich exzellent und satirisch auf höchstem Niveau begibt man sich mit ihm auf eine Reise ins Land des scheinbar Bekannten. Denn der Autor kippt jedes Klischee, um es gleich danach erneut und anders zu beleuchten.

Das übersteigerte Selbstbewusstsein der Bayern, welches sich in Aussagen wie „Mia san mia“ äußert, nervt die Bewohner anderer deutscher Landstriche oft. Der Historiker begibt sich auf die Spuren eines verirrten Selbstbildes der Bayern, dem diese seiner Ansicht nach mühevoll hinterherhinken. Dabei fehlen weder Orte, die urbildlich für das blau-weiße Wesen stehen, noch die bayrrische Frömmigkeit, die Trachtenumzüge, das Bier, die Semmelknödel, der Fußball, die Wiesn und die Schuhplattler. „Am Anfang war Gott“, behauptet Kernert. „Dieser erschuf die Bajuwaren, eine monotypische Gattung Mensch. Diese bevölkerten Bayern, eine monotypische Gattung Land. Da die Bayern frömmer noch als fromm waren und viele Klöster und Kirchen bauten, beschenkte sie Gott mit Bier und einem schlauen Verstand. Mit letzterem kreierten sie die bayerische Tracht und zahlreiche andere Dinge, darunter den ersten BMW.“

Es macht Spaß, sich den Ausführungen des Autors anzuschließen, bestätigt zu sehen, was man als Tourist häufig selber in seinen Urlauben dort wahrnahm oder niemals vermutet hätte. Häufiger jedoch ist es ein wahres Vergnügen, sich an der Sprachgewalt des Schreibers zu erfreuen. Seine Beschreibung der in jeder Wohnung zu findenden bayrische Eckbank nämlich, um nur ein Beispiel zu nennen, ist reif fürs Kabarett.

                Silvia Friedrich

Thomas Kernert: „Dicke Lederhose. Das Prinzip Bayern – Ein Erklärungsversuch“, Riemann-Verlag, München 2016, broschiert, 256 Seiten, 17,99 Euro


Bilder einer untergegangenen Welt
Miklos Banffy verarbeitet in seinem Roman die Geschichte Siebenbürgens zur Zeit des Ersten Weltkriegs

Miklós Bánffys Buch „In Stücke gerissen“ ist der dritte und letzte Band der Siebenbürger Geschichte des Autors. Sie spielt in den letzten Jahren vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Schauplatz ist die Region Siebenbürgen mit der zentralen Stadt Klausenburg. Im Blick ist ferner der gesamte Balkan mit seiner ethnischen und politischen Zerrissenheit unter dem Dach der damaligen Ordnungsmächte Osmanisches Reich und Habsburgermonarchie. Aber auch die damals bereits bestehenden Monarchien Rumänien und Albanien spielen eine Rolle. Für einen deutschen Leser sind die Namen der handelnden Personen sowie der Ortsbezeichnungen und der Landschaften nur mit Schwierigkeiten nachzuvollziehen. Hier wird vor dem Einstieg in das Buch das Nachwort von Andreas Oplatka empfohlen, das einen Überblick über Land und Leute sowie die damaligen politischen Konstellationen verschafft.

Hauptpersonen der Handlung sind der ungarische Adelige und Gutsbesitzer Balint und seine langjährige Geliebte Adrienne. Das Verhältnis nimmt kein glück-liches Ende. Keineswegs ist nun diese Liaison ständiges Thema, auch wenn sie punktuell an entscheidenden Stellen des Buches vor. Vielmehr werden eine Fülle von Standesgenossen, mehrheitlich aus ungarischem Adel, mit Beziehungen, Bindungen und Verbindungen, Problemen und der Gestaltung des Alltages vorgestellt. Hier spielen beispielsweise Jagdausflüge, Pferdezucht, Fragen der Land- und Forstwirtschaft, gesellige Veranstaltungen wie Bälle und Trauerfeiern eine Rolle. Es ist eine durch und durch geschlossene Gesellschaft, in der  jeder jeden kennt, der ungarische Adel ist unter sich. Dienstkräfte erscheinen nur am Rande, Zigeuner sind hauptsächlich für die Musik bei Tanzveranstaltungen zuständig. Die deutschstämmigen Bewohner Siebenbürgens finden keine Erwähnung.

Nimmt man nur diese Punkte, scheint in den beschriebenen Jahren die Zeit stillgestanden zu sein. Und doch wird in einzelnen Passagen durchaus angedeutet, dass die politische Situation jenseits von Siebenbürgen nicht stillsteht, sich nicht zum Positiven wendet. Folgende Stichworte müssen genannt werden: Seit dem Aufstand der Ungarn 1848 gegen Habsburg ist das Verhältnis innerhalb der Monarchie gespannt durch die fast ständigen Balkankrisen, die Interessenlagen der europäischen Großmächte Russland, Habsburgerreich, Frankreich, Preußen/Deutsches Reich und Großbritannien.

Die Stimmungslage der beschriebenen Charaktere reicht von desinteressiert, resignativ bis zu einer Art Endzeitstimmung, ein Abschied aus der guten, alten Zeit, ein schleichender Identitätsverlust. Mit Sarajewo veränderte sich schlagartig die mentale Situation. Bánffy beschreibt die jubelnden Massen, die begeistert der Einberufung folgen. Ähnliche Bilder kennt man aus der damaligen Reichshauptstadt Berlin. Hier wird buchstäblich eine homogen erscheinende Gesellschaft „in Stücke gerissen“, wenn man an das Ende 1918 denkt.

Diese Beschreibung einer nicht mehr gesunden Gesellschaftsschicht in einer Zeitenwende ist ein wichtiger Schwerpunkt dieses dritten Bandes. Mehr als ein Schwerpunkt und was den Reiz und den Charme des Buches bestimmt, ist die scharfe Beobachtungsgabe des Autors, der seine Heimatregion genau kennt und liebt. Er beschreibt Landschaft, Menschen, Gutshäuser, Kirchen oder Gesindehäuser mit allen Feinheiten und Details, der Leser gewinnt den Eindruck, körperlich dabei zu sein. Wunderschön ist das Nachzeichnen der Bergwelt im Lichte des Sonnenunterganges oder des ersten Morgenlichts, die Beschreibung des eigenen Pferdegestüts und, nicht ohne leise Ironie, die Charakterisierung der Gäste eines Balls.

Sehr persönlich blendet er immer wieder sein Verhältnis zur geliebten Frau ein. Dieser Eindruck ändert aber nicht, dass seine Schilderungen für die beschriebenen Menschen das Ende ihrer gewohnten Welt und ihrer Lebensverhältnisse andeuten und prognostizieren. Allein das Bild der herrlich wilden Berglandschaft Siebenbürgens bleibt erhalten, das Buch kann anregen, diese zu besuchen.

.              Karlheinz Lau

Miklós Bánffy: „In Stücke gerissen“, dtv, München 2016, broschiert, 398 Seiten, 15,90 Euro


S. 23 Anzeige Rautenberg Buchhandlung

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S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick mit Hans Heckel
Verwirrte Nachbarn / Warum wir Deutsche keinen Meinungsstreit mehr kennen, wieso wir immer recht haben, und wem die »Wahrheit« zu dienen hat

Nun also alle für Macron. Auf den letzten Metern fiebert ganz Deutschland geschlossen für den einzig diskutablen Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl, die an diesem Sonntag in ihre dramatische Endausscheidung geht. Emmanuel Macron muss es werden, Marine Le Pen verhindert werden, Widerrede undenkbar.

Wo andere Völker verwirrenden Streit treiben, findet Deutschland völlig umstandslos und ohne Dis­kussion wie von selbst zu einer eindeutigen Entscheidung, die dann auch niemand mehr in Zweifel zu ziehen wagt. Glaubte man den öffentlichen Verlautbarungen aus Politik, Medien und allem, was sonst noch was zu sagen hat, waren hierzulande alle gegen Trump, gegen den Brexit, gegen die polnische PiS- und Viktor Orbáns Fidesz-Partei in Ungarn und natürlich für den Ex-Grünen Alexander Van der Bellen auf dem österreichischen Präsidentenstuhl und gegen seinen freiheitlichen Konkurrenten Norbert Hofer.

In den betreffenden Ländern fielen die Entscheidungen erstaunlicherweise höchst knapp aus − oder sogar völlig anders, als es der bundesrepublikanische Weltgeist gewiesen hatte. Unsere Losung „Ein Land, ein Volk, eine (veröffentlichte) Meinung“ scheint zu unseren merkwürdigen Partnerländern jedoch nicht durchgedrungen zu sein. Die haben viele Meinungen, und leben das ganz offen.

Dafür haben wir kein Verständnis − und wir hegen nicht die geringste Absicht, welches zu entwickeln. Trump-Freunde durften in deutschen TV-Runden höchstens als Clowns auftreten oder vielleicht als gutmütige, aber fehlgeleitete Naivlinge. Le-Pen-Unterstützer sind mir in den zahlreichen deutschen TV-Runden zur Frankreichwahl überhaupt keine vor die Linse geraten − es sei denn als Einspieler per Straßenbefragung in dem Land, wo die Verruchten hausen.

Ansonsten blieb, wie immer angesichts der klaren Frontlage, die Sprachregelung geradlinig bis zur Ermüdung: Wo Emmanuel Macron eine Problem „aufgriff“, da hieß es bei Marine Le Pen, sie „schlachtet es aus“.

Kein Zaudern: Wir wissen, dass wir recht haben, und teilen die Wahrheit mit niemandem. Doch  manchmal packt sogar uns die Furcht, dass wir vielleicht noch nicht genug recht haben, dass die Ratten von Zweifel und Widerspruch weiterhin an unserer Unfehlbarkeit nagen und unsere wunderbare Selbstgewissheit zum Einsturz bringen könnten.

Da kommt die neue Bewegung „March for Science“ sehr gelegen. Sie ist eigentlich im angelsächsischen Raum entstanden, wurde als „Marsch für die Wissenschaft“ aber begierig übernommen in deutschen Städten. Es gehe ihr um die Freiheit von Forschung und Lehre, sagen ihre Vortänzer.

Und gegen wen muss diese Freiheit verteidigt werden? Gegen die Kirche mit ihren Dogmen? Gegen den Staat mit seinen Verboten? Aber nein: Gegen „Populisten“, gegen „Leugner des menschengemachten Klimawandels“ und gegen einen „irrationalen Zeitgeist“, der „falsche Nachrichten“ („Fake News“) in die Welt setze.

Das ist in der Tat ein revolutionär neuer Ansatz, wie man „Freiheit der Wissenschaft“ zu verstehen hat. Einst kämpften deren Verfechter gegen jede Art des Dogmas und dafür, dass alle Formen der Erkenntnis für immer umstritten und bezweifelbar bleiben. Albert Einstein bestand darauf, dass seine Entdeckungen nur zeitweilig „wahr“ bleiben würden, nämlich nur solange, bis sie ein anderer widerlegt, was selbst der genialste Physiker des 20. Jahrhunderts für ausgemacht hielt.

Diesen Quatsch haben wir also hinter uns. Wissenschaftler, die Zweifel daran hegen, dass der Mensch das Klima erwärmt, vertreten nicht mehr einfach eine begründete Gegenmeinung, sondern sie düngen einen „irrationalen Zeitgeist“, in den hinein „Populisten“ ihre „Falschnachrichten“ ausdünsten. Dem entgegen steht eine unverrückbare Wahrheit, der niemand mehr misstrauen darf.

Wir ahnen, welch bahnbrechende neue Möglichkeiten so ein Schema bietet, auch und gerade im Feld des Politischen. Und wir erkennen, warum der Kampf gegen „Falschnachrichten“ zum neuen großen Ziel ausgegeben wurde.

Ab sofort muss man sich nicht mehr mit abweichenden Positionen herumschlagen, sie gar „tolerieren“, denn sie sind ja alle aus der Lüge geboren und damit nicht diskutierwürdig, weil von unanständiger Quelle. Debatte mit Le-Pen-Unterstützern? Blödsinn, stattdessen: Exorzismus!

Klugerweise benutzt dieses etwas sperrige Wort niemand, es klingt zu offen mittelalterlich. Man sinniert lieber darüber, wie man die „Abgehängten“, die „Enttäuschten“ und „Wütenden“ zurückgewinnen könnte, ehe sie gänzlich im Schlund der „Populisten“ versinken − die Rettung der verlorenen Seelen in postreligiöser Zeit.

In so einer Epoche ist „Wahrheit“ nicht mehr bloß ein möglichst genauer Blick auf die Wirklichkeit (der immer fehlgehen kann, siehe Einstein). Nein, „Wahrheit“ hat dem Guten zu dienen, weshalb sie zunächst schön zurechtgemacht werden muss, bevor man sie dem Volke präsentieren darf. Entsprechend empört waren die Reaktionen auf den jüngsten Kriminalitätsbericht des Bundeskriminalamts (BKA).

Das Amt hatte bei den Zahlen für 2016 erstmals deutsche und nichtdeutsche Tatverdächtige gesondert aufgeführt und die Zahlen veröffentlicht, ohne sie zuvor von den Maskenbildnern der guten „Wahrheit“ hübschmachen zu lassen.

So ließ das BKA einfach so heraus, dass bei noch nicht anerkannten Flüchtlingen die Zahl der Tatverdächtigen um mehr als 50 Prozent angestiegen sei gegen­über 2015. Und obwohl diese Gruppe nur zwischen 0,5 und 2,5 Prozent der jeweiligen Wohnbevölkerung ausmache, stelle sie bis zu zehn Prozent aller tatverdächtigen Straftäter. Rein ausländerrechtliche Vergehen sind dabei schon herausgerechnet. Sogar fast 15 Prozent der Tatverdächtigen bei Sexualstraftaten finden sich unter solchen „Zuwanderern“.

Und das bringen die einfach so ans Licht, diese Figuren vom BKA? Eine große bürgerliche Tageszeitung nennt das einen „Skandal“. Warum? Das sagt sie auch: Weil dies der AfD nütze! Was ist daran so schlimm? Die AfD, so das Blatt, wolle „zurück zum souveränen Nationalstaat“, so wie Erdogan. Bei Erdogan aber könne man ja sehen, „was passieren kann, wenn Nationalstaaten sich völlig eigenständig fühlen“. Aha. Was wohl die Schweizer oder Norweger dazu zu sagen hätten? Egal, bei uns nennt man solche Holzhammer-Rückschlüsse „differenzierte Sichtweise“, die man „denen mit den einfachen Antworten“, also den Populisten, entgegenschleudert.

Entscheidend ist, dass diese verantwortungslos ungeschminkten Zahlen Wasser auf die Mühlen der Falschen sein könnten. Dass sie, sachlich gesehen, zutreffen, spielt überhaupt keine Rolle.

Bestaunen muss man, wie flexibel die Guten bei der Verteidigung ihrer wohlgetünchten Wahrheit vorgehen. So wendet das genannte Blatt ein, dass das BKA da ja auch Leute als „Zuwanderer“ bezeichne, „die auf der Suche nach Geld, Glück, Abenteuer zu uns kommen ... denen es gleichgültig ist, in welchem Land sie ankommen, und die ihr Reiseziel nur nach Rechtslage oder Sozialleistungen entscheiden“.

Ach wirklich? Wer diesen Einwand gegenüber einigen der (damals pauschal so genannten) „Flüchtlinge“ vor zwei Jahren vorgebracht hat, der sah sich schneller in den Bannkreis der „Populisten“, „Hetzer“ und „Menschenverächter“ gesperrt, als er „aber ...“ sagen konnte. Heute kommt er plötzlich von der entgegengesetzten Seite. Immer, wie’s gerade passt.

Dass wir das Blatt nicht namentlich nennen, hat einen einfachen Grund: Weil fast alle so kommentiert haben. Deshalb sind wir Deutsche uns ja auch immer so herrlich einig, ganz anders als unsere verwirrten Nachbarn. Und deshalb werden wir am Sonntag wieder ganz entgeistert sein.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Clans greifen Staat direkt an

München – Die kriminellen, aus der Türkei und dem Libanon stammenden Großclans fühlen sich laut dem Islamwissenschaftler Ralph Ghadban mittlerweile so sicher in Deutschland, dass sie die Organe des Staates direkt angriffen. „Focus-online“ sagte er, die Clans hätten erkannt, dass Polizei und Justiz ihnen keinen echten Widerstand leisteten. Da Gesetze an sich für sie keine Bedeutung hätten, verlören sie mangels angemessener Strafandrohungen alle Skrupel.       H.H.

 

Saudis sollen Frauen schützen

New York – Saudi-Arabien ist in die UN-Kommission für Frauenrechte gewählt worden. In der Kommission sitzen Vertreter von 45 Ländern, die über die Einhaltung der Rechte von Frauen weltweit wachen sollen. Ab 2018 zählt auch das streng muslimische Königreich dazu, in dem Frauenrechte massiv beschnitten sind. Dies hat für Kopfschütteln über die Wahl geführt. H.H.

 

Konservativer Dissident

Vor 15 Jahren hieß es in Frankreich „Alle gegen einen“. Um Jean-Marie Le Pen als Präsident zu verhindern, rief eine Allianz von links bis rechts die Bürger dazu auf, Jacques Chirac zu wählen. Es half: Mit 82 Prozent der Stimmen wurde er damals als Staatspräsident wiedergewählt.

Jetzt ist es Le Pens Tochter Marine, gegen die bei der Präsidentenstichwahl am Sonntag alle anderen Parteien Sturm laufen wollten. Doch die „republikanische Front“, die gegen sie gebildet wurde, brach in sich zusammen, nachdem Nicolas Dupont-Aignan überraschend die Seiten gewechselt hat. Der 56-jährige Bürgermeister der südlich von Paris gelegenen Stadt Yerres, der als Präsidentschaftskandidat im ersten Wahlgang nur 4,7 Prozent der Stimmen erhielt, unterstützt ab sofort Ma­rine Le Pen.

Sollte sie am Sonntag überraschend gegen den Favoriten Emmanuel Macron gewinnen, dann winkt Dupont-Aignan das Amt des Premierministers. Da auch der im ersten Wahlgang unterlegene linke Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon seinen Wählern offengelassen hat, ob sie Macron wählen oder sich der Stimme enthalten sollen, kann sich Dupont-Aignan Hoffnung auf ein Regierungsamt machen.

Der EU-skeptische Gaullist wollte schon 2012 Präsident werden. Damals erhielt er nur 1,8 Prozent der Stimmen. Der fraktionslose Hinterbänkler in der Nationalversammlung gilt als konservativer Dissident. Als Gegner des 2004 unterzeichneten EU-Verfassungsprojektes trat er aus der UMP – der heutigen Les Républicains – aus und gründete die gaullistische Splitterpartei Debout la France. Mit ihr hatte er immerhin seinen Anteil daran, dass François Fillon als republikanischer Präsidentschaftskandidat die entscheidenden Stimmen zur Stichwahl fehlten. Dafür zeigt sich Marine Le Pen jetzt dankbar.     H. Tews


MEINUNGEN

Der Publizist David Berger moniert auf seinem Blog „Philosophia Perennis“ (27. April) die Gleichsetzung von EU und Europa:

„Der Begriff ,Europa‘ ist durch die Europäische Union bzw. die Gleichsetzung dieser Institution mit Europa so sehr in Misskredit geraten, dass ich inzwischen lieber den Begriff ,Abendland‘ gebrauche.“

 

 

Alexander Kissler erklärt im „Cicero“ (26. April), warum interessierte Kreise so irritiert auf die Kriminalitätsstatistik für 2016 reagieren, laut der „Zuwanderer“ weit überdurchschnittlich oft tatverdächtig sind:

„Weil ,Flüchtling‘ und ,Einwanderer‘ von interessierter Seite positiv codiert wurden, dürfen sie nicht in die Nähe negativer Tatbestände gelangen. Sonst verlören jene, die über Begriffe herrschen wollen, die Hoheit über die Politik, die mit solchen Begriffen gemacht wird. Wenn man plötzlich zu differenzieren beginnt, wo nicht unterschieden werden sollen darf, gerät alles ins Wanken, das normierte öffentliche Reden, die konsensfähige politische Semantik, der hohe Ton des Unhinterfragbaren. Aus Kommandomoral würde Aufklärung. Ein Anfang ist gemacht.“

 

 

Peter Helmes prophezeit Frankreich auch im Falle eines Sieges von Emmanuel Macron eine spannungsreiche Zukunft nach den ebenfalls anstehenden Parlamentswahlen im Juni. Im Portal „Conservo“ (27. April) gibt er zu bedenken:

„Le Pen könnte bei der Wahl im Juni eine kräftig vergrößerte Gruppe von Abgeordneten ins Parlament führen, zumal der Front National zu einer Mainstreambewegung geworden ist. Dagegen dürften die Sozialisten in die Bedeutungslosigkeit fallen. Die Konservativen werden sich um einen anderen ,Fillon‘ kümmern müssen, und Macrons Bewegung (keine Partei!) ,En Marche‘ ist (noch) ein Papiertiger. Politik fragt immer: Wieviele Soldaten hast Du? Die ,strammen Truppen‘ stehen diszipliniert hinter Le Pen. Deren Gegenlager ist noch gar keins, sondern ein kaum zu einigender Haufen, von dem niemand weiß, wohin er eigentlich will.“

 

 

Der Top-Ökonom Thomas Mayer hält die Lage in Griechenland für völlig verfahren. Der „Focus“ (27. April) zitiert:

„Athen hat seine Klientel-Wirtschaft, in der Familie und Versorgung von Freunden und Familie mehr zählt als Staat und Gesellschaft, bis heute nicht abgestellt. Die Lage ist völlig verkorkst: Der Griechenland-Zug ist vor zwei Jahren abgefahren. Wir werden ewig für Griechenland zahlen! Weil in Griechenland kein Exempel statuiert wurde, fehlen heute bei der weitaus größeren Italien-Krise die Druckmittel. Die Krankheit hat sich von Griechenland aus ausgebreitet.“

 

 

Thorsten Jungholt deckt in der „Welt“ auf, was Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit ihrer Kritik an der Bundeswehr bezweckt:

„Was allerdings auch zeigt, was ihr wirklich wichtig ist. Das ist nicht die Zukunft der Streitkräfte, es ist ihre eigene. Im Wahlkampf verfolgt die Ministerin vor allem das Ziel, sich selbst zu schützen.“