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Ausgabe 51/17 22.12.17

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Morgengrauen einer Wende
2017 hat Deutschland massiv verändert – und der Umbruch hat erst begonnen
Hans Heckel

Bundestagswahl, grassierendes Staatsversagen, ratlose Parteien: Dieses Jahr hat die etablierte Macht ins Rutschen gebracht.  

Das Jahr 2017 hat Deutschland tiefgreifend verändert. Es ist eine Veränderung, die weit über das in dieser Republik gewohnte Maß hinausgeht. Die etablierte Politik reagiert auf diese Umwälzung mal hilflos, mal aggressiv abweisend oder ignorant, oder sie läuft den krassen Herausforderungen nur noch hektisch hinterher. Die Zeichen der Überforderung der politisch Handelnden sind in jedem Falle unübersehbar.

Dass die Bildung einer neuen Regierung in den Sternen steht, nur weil mit der AfD eine gerade einmal Zwölf-Prozent-Partei neu in den Bundestag eingezogen ist, enthüllt die politische und personelle Erschöpfung der sogenannten Altparteien. Und ihre verzagte Mutlosigkeit, die einen für sie und für das Land dramatischen Grund hat: Trotz voller Steuerkassen ist es ihr nicht mehr möglich, die explosionsartig zutage tretenden Probleme mit Geld, Schönrednerei oder Formelkompromissen beiseite zu schieben, wie dies lange Zeit Praxis war.

Denn es hakt an allen Ecken und Enden, Kritiker sprechen bereits von einem Zerfall der staatlichen Ordnung: Justiz und Polizei melden, sie seien am Ende ihrer Kräfte. Der Unmut dort ist so groß, dass trotz allen politischen Drucks zur Geheimhaltung immer mehr davon an die schockierte Öffentlichkeit dringt. Auch Schulen kapitulieren, und geben wie Polizei und Justiz – offen oder schamhaft – zu, dass die Zuwanderungspolitik die Quelle ihres Fiaskos darstelle.

Auf den Straßen breiten sich Frauen-, Homosexuellen- und Judenfeindlichkeit unverhüllt aus, ebenfalls wegen der Zuwanderungspolitik. Die Unübersehbarkeit all dessen bietet indes auch die Chance zu einer Wende zum Realismus, weg von Ideologie und Opportunimus.

Vielleicht hat diese Wende schon begonnen. Die „New York Times“ glaubt, dass die Ära Merkel sich dem Ende neige. Die SPD ist im Laufe dieses Jahres von einer euphorischen Scheinblüte in die tiefste Orientierungskrise ihrer Nachkriegsgeschichte gestürzt. Sigmar Gabriel empfiehlt seiner Partei, sich wieder an ihre Grundlagen zu erinnern, daran, die Interessen des Durchschnittsbürgers zu vertreten. „Heimat“ und „Leitkultur“ sollten von der SPD positiv besetzt und diskutiert werden. Die weitere Debatte wird erweisen, ob die SPD zu solcher Besinnung noch die Kraft, ja überhaupt den Willen besitzt.

Trotzdem hat Gabriel den Kern aufgedeckt: Die Umwälzungen dieses Jahres rufen nicht bloß die etablierten Parteien dazu auf, sich den tatsächlichen Interessen des Volkes zuzuwenden, statt ihren ideologischen „Projekten“ nachzuhängen. Die Erschütterungen von 2017 erscheinen wie ein Weckruf an ein ganzes Volk, seine aus schierer „Wohlstandsverwahrlosung“ erwachsenen Träumereien und Verkniffenheiten zu überwinden, um zu sich selbst und seinen eigentlichen Zukunftsaufgaben zurückzufinden.

Weltweit die am meisten bedrohte Religion
Christenverfolgung erreicht einen neuen Höchststand
Bodo Bost

Im Zeitraum von 2015 bis 2017 hat die Christenverfolgung in vielen Ländern weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht,  den das britische Nationalbüro von „Kirche in Not“ vorgestellt hat.

Die Untersuchung behandelt 13 Länder, in denen es im vergangenen Jahr zu besonders schweren Übergriffen auf Christen kam. „Die Verfolgung nimmt weiter zu“, betont Autor John Pontifex. Brennpunkte seien vor allem muslimisch geprägte Länder sowie autoritär regierte Staaten, wie Eritrea und Nordkorea. Fundamentalistische Gruppierungen wie der IS im Nahen Osten, „Boko Haram“ in Nigeria oder „Shebaab“ in Somalia und den Nachbarländern richteten sich zwar nicht ausschließlich gegen Christen, diese seien jedoch die am stärksten betroffene Gruppe. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union haben wiederholt von einem versuchten Völkermord an Christen im Irak gesprochen. Rund 120000 Christen sind nach dem Auftauchen des IS im Jahre 2014 im Irak zu Binnenflüchtlingen geworden. Während es für verfolgte Jesiden ein großzügiges Aufnahmeprogramm für Zehntausende in Deutschland gibt, sollen Christen nach dem Wunsch ihrer Bischöfe im Lande verbleiben. Deshalb hat im Irak jetzt nach der Zerschlagung des IS unter der Regie von „Kirche in Not“ ein groß angelegtes Wiederaufbauprogramm in der Ninive-Ebene begonnen für einst christlich besiedelte Dörfer. In anderen Gegenden wie in Kirkuk geraten die Christen dagegen zwischen die Fronten des neu aufgeflammten  kurdisch-schiitischen Konflikts.

In Syrien wird die Verfolgung vor allem in der zweitgrößten Stadt Aleppo, die bis 2011 eine der größten christlichen Gemeinschaften des Landes zählte, deutlich. Hier ist die Zahl der Christen von über 150000 auf knapp 35000 im Jahre 2017 gesunken, ein Rückgang um mehr als 75 Prozent. Auch in Homs ist ein ähnlicher Rückgang zu verzeichnen. Weniger stark war er in der Hauptstadt Syriens, Damaskus, und in den Alawitenstädten Tartus und Latakia, die kaum vom Bürgerkrieg betroffen waren. Auch in Ägypten, wo immer noch acht Millionen Christen leben, ist die Verfolgung zwar nicht von staatlichen Stellen, aber von fundamentalislamischen Gruppen stärker geworden. Auch der Staat, offiziell freundlich gegenüber den Christen eingestellt im Jahr des Papstbesuchs, verbietet Konversionen zum Christentum. Im Iran ist es auch unter dem als moderat geltenden Präsidenten Hassan Rohani Christen verboten, Gottesdienste in der Landessprache Farsi zu feiern, bei allen Gottesdiensten muss ein muslimischer Wächter dabei sein.

Aber nicht nur die religiöse, auch die politische Verfolgung nimmt wieder zu. So leiden die vermuteten über 100 Millionen Christen in China nach einer Phase leichter Öffnung wieder verstärkt unter Verfolgung. So sind beispielsweise in der Küstenprovinz Zhejiang über 2000 Kreuze auf Kirchen demontiert und einige Gotteshäuser ganz zerstört worden. Immer wieder werden Priester verhaftet und festgehalten, um sie auf die staatliche Religionspolitik einzuschwören. Laut dem Pontifex gibt es ein bedrückendes Resümee: „Christen werden mehr verfolgt als jede andere Glaubensgruppe. 75 Prozent aller religiösen Verfolgung auf der Erde richtet sich gegen Christen.“ Der World Watch Monitor des freikirchlichen Hilfswerks „Open Doors“ kommt für 2016 zu ähnlichen Ergebnissen: „Mehr als 200 Millionen Christen, andere Angaben sprechen von bis zu 600 Millionen in 50 Ländern, leiden unter Verfolgung wegen ihres Glaubens.“ Und dies, obwohl die Christen mit fast zwei Milliarden Anhängern immer noch die stärkste religiöse Gemeinschaft sind.

(siehe auch Interview Seite 2)

Jan Heitmann:
Träger Riese

Der Bundesnetzagentur reicht es, und den Verbrauchern schon lange. Rechtzeitig aufgegebene Pakete, welche die Empfänger wohl erst nach dem Weihnachtsfest erreichen dürften, Sendungen, die als angeblich unzustellbar zurückgehen, andere, die laut Benachrichtigung bei der Post auf Abholung warten, dann aber nicht auffindbar sind, und wieder andere, die einfach auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Das kennt man seit Jahren, und es wird immer schlimmer. Die Bundesnetzagentur verzeichnet einen Anstieg der Beschwerden über Postsendungen um 25 Prozent und rechnet bis zum Jahresende mit 5000 Eingaben. Allerdings ist die Kontrollbehörde bisher ein zahnloser Tiger, denn Bußgelder kann sie nicht verhängen. Das wollen ihre Beamten ändern und haben eine Strafzahlung von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes vorgeschlagen.

Der florierende Onlinehandel sorgt seit Jahren für ein stetig wachsendes Sendungsaufkommen. Bei der Post aber hat sich nichts geändert. Wie vor 20 Jahren klingelt der Paketbote, wenn die meisten Menschen auf der Arbeit sind. Und der Gedanke, die Öffnungszeiten der Postfilialen so anzupassen, dass sie die Möglichkeit haben, ihre Sendungen dort ein paar Tage später abzuholen, ist für die ehemalige Behörde geradezu utopisch. Hinzu kommt die stetig abnehmende Qualifikation der immer häufiger über Subunternehmer beschäftigten und zumeist schlecht bezahlten Zu-

steller. An einen zu geraten, welcher der deutschen Sprache in Wort und Schrift uneingeschränkt mächtig ist, dürfte mittlerweile der Ausnahmefall sein.

Der „gelbe Riese“ muss sich endlich bewegen – oder kräftig zur Kasse gebeten werden.


S. 2 Aktuell

»Christen bilden keine Ghettos«
Interview mit dem chaldäisch-katholischen Erzbischof von Kirkuk-Sulaimaniya, Joseph Thomas Mirkis
Bodo Bost

Joseph Thomas Mirkis ist seit 2014 der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk-Sulaimaniya im Nordirak. Geboren wurde er 1949 in Mossul, der Stadt, die drei Jahre lang vom Islamischen Staat (IS) beherrscht wurde. Er hat in Paris und Straßburg studiert und ist Mitglied des katholischen Dominikanerordens. Vor seiner Bischofsernennung hatte er eine theologische Fakultät in Bagdad aufgebaut und zwei arabischsprachige christliche Zeitschriften ebenfalls in Bagdad gegründet. Das PAZ-Interview in französischer Sprache führte Bodo Bost.

PAZ: Wie ist die Lage in Kirkuk wenige Wochen nach der Rückkehr der irakischen Armee in diese 2014 von kurdischen Peschmerga-Truppen gegen den Islamischen Staat verteidigte multi-ethnische Stadt im Norden des Irak?

Joseph Thomas Mirkis: Der Versuch einer Abspaltung der Stadt Kirkuk durch das kurdische Referendum vom 25. September ist gescheitert. Wie durch ein Wunder haben sich die kurdischen Streitkräfte ohne Ge­genwehr beim Anrücken der irakischen Armee am 15. Oktober zurückgezogen. Zum Glück hat es auch keine „Abrechnungen“ danach gegeben. Die kurdische Herrschaft war keine Unrechtsherrschaft wie etwa die des IS, der nur wenige Kilometer von Kirkuk entfernt gestoppt wurde. Die Kirche konnte unter kurdischer Herrschaft viele Programme für die Flüchtlinge aus den IS-Gebieten in den vergangenen Jahren aufbauen. Mein Erzbistum konnte mit Hilfe aus Europa in dieser Zeit Wohnungen für 700 geflüchtete Familien aufbauen und Studentenwohnheime für 500 Studenten. Jetzt hoffen wir auf gute Beziehungen zur irakischen Zentralregierung. Wir sind unserem Präsidenten Al-Abadi dankbar, dass er eine kluge und gerechte Politik macht und versucht, die Ordnung in unserem geschundenen Land wiederherzustellen. Er ist derzeit der populärste Politiker der arabischen Welt und einer der wenigen, die demokratisch gewählt sind.

PAZ: Wie hatten Sie den Vormarsch des IS im Jahre 2014 erlebt?

Mirkis: Wir waren nicht darauf vorbereitet, dass sie sich überall in der Region ausbreiten würden. Bevor der IS Mossul eroberte, haben wir den Flüchtlingen aus Syrien geholfen. Nach dem Fall Mossuls kamen Flüchtlinge aus dieser Stadt nach Karakosch und in andere christliche Dörfer der Ninive-Ebene. Zwei Monate später nahm der IS auch die christlichen Städte und Dörfer in der Ninive-Ebene ein. 130000 Menschen flohen von dort und zogen nach Norden in die kurdischen Regionen. Die Flüchtlingswelle war groß, es war ein richtiges Chaos. Viele Menschen, besonders Kinder, starben. Einmal hat der IS auch versucht, nach Kirkuk vorzudringen. Diesen Angriff bereitete er mit einer Serie von Selbstmordattentaten in der Stadt vor, denen Angriffe auf christliche Einrichtungen folgten. Wie durch ein Wunder wurden die IS-Kämpfer jedoch nach einem Tag wieder vertrieben. Es gab jedoch viele Tote. 

PAZ: Wie ist die Lage in Mossul, der Stadt, die drei Jahre lang unter der Kontrolle des IS war?

Mirkis: Mossul ist befreit. Aber die Zerstörungen sind sehr groß, obgleich unterschiedlich, je nach Stadtteil. Die Gebiete jenseits des Euphrat haben am wenigsten gelitten, weil der IS diese Stadtteile kampflos geräumt hat. Deshalb konnte hier die Universität von Mossul bereits wieder ihre Tore öffnen. Aber auf dem Westufer des Euphrat im Stadtzentrum sieht es anders aus. Hier sind große Teile fast vollständig zerstört und viele Gebiete noch vermint. Die Menschen von Mossul haben sich entschieden, so schnell wie möglich einen Schlussstrich unter die ­IS-Terrorherrschaft zu ziehen und einen Neuanfang zu wagen. Die Christen und Jesiden haben noch Angst, nach Mossul zurückzukehren. Allzu viele haben erlebt, wie selbst ehemalige Nachbarn bei Ankunft des IS mit diesem gemeinsame Sache gemacht hatten und sich an dem Besitz der Christen bereicherten. Hier bedarf es sicher langer, auch juristischer Nachforschungen, bis die Dinge geklärt sind und bis die Christen wieder in ihre Häuser in Mossul zurückkehren können. In der Zwischenzeit bauen wir mit Hilfe der Kirchen aus Europa jedoch die christlichen Dörfer und Städte in der Ninive-Ebene wieder auf, und hierher sind bereits viele Christen aus Erbil und Kirkuk zurückgekehrt. Der Irak braucht einen Marschallplan für diesen Wiederaufbau. 

PAZ: Kürzlich gab es Berichte, dass das irakische Parlament über einen Gesetzentwurf zur Familiengesetzgebung entscheiden soll, der das Heiratsalter für Mädchen auf neun Jahre herabsetzen soll. 

Mirkis: Es gibt im irakischen Parlament mit 375 Abgeordneten einen islamistischen Block mit wenigen Abgeordneten, der das Heiratsalter für Mädchen in der Tat auf neun Jahre senken will. Aber dieser Vorschlag hat national wie international so weite Wellen geschlagen, dass der Block ihn schließlich zurückgezogen hat. Der Irak ist eine funktionierende Demokratie, sogar die Frauen sind gegen diesen Gesetzesvorschlag auf die Straßen gegangen. Die Amerikaner haben bei ihrem Einmarsch in den Irak 2003 einen Fehler gemacht, als sie die kommunitaristischen Strömungen bestärkt haben, die unser Land nach den ethnischen und religiösen Gruppen einteilen, und dabei das ganze Land aus dem Blick verloren. Dies hat 2009 nach dem Abzug der Amerikaner zu einem Chaos geführt, in dem der IS entstehen konnte. Diesen Fehler möchte unsere derzeitige Regierung wieder zurücknehmen. Heute gibt es im Irak sogar Strömungen, die den schiitischen wie den sunnitischen Islam reformieren möchten. Dies wird auch zu einer Verbesserung des christlich-islamischen Dialogs beitragen. 

PAZ: Kürzlich konnte erstmals ein katholischer Kardinal, nämlich der Libanese Rai, Saudi-Arabien besuchen. Wie schätzen Sie dieses Ereignis ein?

Mirkis: Die Lage in Saudi-Arabien ist sehr schwer einzuschätzen. Dort gibt es allein bis zu 7000 Prinzen, allesamt Nachkommen in erster, zweiter und dritten Generation von König Abdel­aziz ibn Saud. Innerhalb dieser Prinzenschaft hat es kürzlich einen Staatsstreich gegeben. Der aktuelle König Salman ist einer der jüngsten Söhne von Abdelaziz, er hat die Nachfolgeregel geändert und seinen eigenen Sohn Mohammed ibn Salman zum Thronerben ernannt und damit eine Palastrevolte ausgelöst. Jetzt wurden in einer Verhaftungswelle 70 dieser Prinzen verhaftet, unter dem Vorwand korrupt zu sein, die sich dieser Nachfolgeregelung in den Weg stellen wollten. Die gesamte Region des Nahen und Mittleren Osten wird noch große Umwälzungen erfahren. Auch die Vorgänge in der Türkei, ein direkter Nachbar des Irak, beunruhigen uns sehr. Erdogan möchte dort auch einen „Islamischen Staat“ einrichten.

PAZ: Wie kann man das Phänomen IS verstehen und seine Attraktivität auf so viele junge Menschen in Europa?

Mirkis: Der IS hat zunächst einmal eine gewisse Anziehungskraft auf gesellschaftliche Randgruppen, wie es alle Terrorbewegungen auch in Europa einmal hatten. Dazu hat der IS noch viele Attribute einer religiösen Sekte, mit denen er religiös suchende Menschen anspricht. In Europa sind Sekten etwas normales, da es die Freiheit des Kultus und der Religion gibt. Aber im Islam hat es seit dem Aufkommen der Haschaschin im Alawiten-Gebirge im heutigen Syrien im Mittelalter ein Verbot von Sekten gegeben. Deshalb ist das Entstehen des IS im sunnitischen Islam von vielen Muslimen wie eine gottgewollte Revolution aufgenommen worden, ähnlich wie die islamische Revolution im schiitischen Iran 1979. Dazu kam, dass der IS eine Rückkehr zum Islam der Urzeit anstrebt. Durch die Krise der Arabellion waren der Islam und die arabischen Regierungen enorm geschwächt. Dadurch konnte sich der IS in so vielen Ländern, nicht nur im Irak und Syrien, auch im Jemen, Somalia und Libyen ausbreiten und quasi staatliche Strukturen übernehmen. Auch die Digitalisierung und die Globalisierung haben dem IS in die Hände gespielt.

PAZ: Welche Zukunft sehen Sie für die Christen im Irak?

Mirkis: Es kommt nicht auf die Zahlen der Christen an, die zurückgehen. Die Liebe wirkt über die Zahl der Christen hinaus in die Herzen auch der Nichtchristen. Ich selbst habe die Bibel in Arabisch, Kurdisch und Aramäisch übersetzt, allein über diese Sprachen erreichen wir orientalischen Christen Millionen Menschen, die sonst das Wort Gottes nicht hören würden. Viele Muslime entdecken in der Krise ihrer eigenen Religion, und der IS ist ein Anzeichen dieser Krise, gerade in der Bibel eine neue Kraft in ihrem Leben. Aber die orientalischen Christen machen keinen Proselytismus (etwa: aggressive Missionierung), weil er zu gefährlich ist für die Muslime und weil er an die Pharisäer des Neuen Testaments erinnert. 

PAZ: Wo sehen Sie die Zukunft der irakischen Christen, eher unter kurdischer oder arabischer Herrschaft? Immerhin hat die irakische Armee Mossul und Kirkuk nicht verteidigt gegen den Ansturm des IS 2014.

Mirkis: Es ist richtig, dass die Kurden in der Bedrängnis den Christen beigestanden haben, weil auch die Kurden jahrzehntelang verfolgt wurden und oft nur eine Minderheit sind im Orient, wie die Christen. Aber als die Kurden mit dem Referendum den Weg des Separatismus eingeschlagen haben, haben sie einen Fehler gemacht und die Zeichen der Zeit nicht richtig gedeutet. Die Christen haben immer auf beiden Seiten der Fronten gelebt und sich mit vielen Herrschern arrangiert. Christen bilden keine Ghettos, weder im Osten noch hier in Europa, das sage ich auch unseren Auswanderern immer wieder. Auch die Idee einer christlichen territorialen Autonomie in der Ninive-Ebene ist eine Idee, die von Emigranten vorgetragen wird, die schon den Kontakt in die Heimat verloren haben. Christen dürfen sich nicht absondern, sondern die Gemeinschaft mit allen Menschen suchen. Deshalb lehnen wir Bischöfe im Irak, auch nach der Erfahrung der IS-Terrorherrschaft, die Idee einer Autonomie in der Ninive-Ebene, ab.


MELDUNGEN

Schlagzeilen gekürt

Dortmund – Der Verein Deutsche Sprache hat die „Schlagzeile des Jahres 2017“ gekürt. Der erste Platz ging an die „Süddeutsche Zeitung“, die nach der Bundestagswahl titelte: „1:0 verloren“. Zur Begründung heißt es, es gäbe keine treffendere Zusammenfassung dieses für Angela Merkel so zweideutigen Wahlerfolgs. Auch der zweite Platz ging an die „Süddeutsche“, für den Titel eines Textes vom 10. Juni über die britische Premierministerin Theresa May, die gerade eine von ihr selbst völlig unnötigerweise veranlasste Unterhauswahl desaströs verloren hatte: „May Day“. Der dritte Platz ging an den „Spiegel“ für seine Schlagzeile vom 10. Mai „Das Leyenspiel“. Diese überschrieb einen Artikel über den dilettantischen Umgang der Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit der ihr anvertrauten Bundeswehr. Weitere Spitzenplätze gingen an den „Spiegel“ für „Schiene on Carne“, einen Artikel über liebloses Essen bei der Bundesbahn, und für „Liberté, Egalité, Fragilité“, einen Kommentar zur politischen Lage in Frankreich, sowie nochmals an die „Süddeutsche Zeitung“ für „A Lidl bit crazy“. Diese Schlagzeile vom 14. September überschrieb eine Analyse seltsamer Werbestrategien deutscher Supermärkte im Internet. Die Aktion „Schlagzeile des Jahres“ gibt es seit 2010. Die Jury besteht aus Journalisten und Sprachwissenschaftlern.J.H.





Regierung legt Asylzahlen vor

Berlin – Ende September dieses Jahres lebten nach Angaben der Bundesregierung in Deutschland gut 41000 asylberechtigte Ausländer. Die drei Hauptstaatsangehörigkeiten entfielen dabei auf die Türkei mit über 11000 Asylberechtigten, Syrien mit gut 6500 Betroffenen und den Iran mit knapp 6000 Personen. Die Zahl der im Ausländerzentralregister registrierten Menschen mit Flüchtlingsschutz betrug 580000. Hauptstaatsangehörigkeit war in diesen Fällen Syrien mit über 315000 Personen vor dem Irak mit knapp 100000 und Afghanistan mit knapp 38000. Mit subsidiärem Schutz waren rund 177000 Menschen erfasst. Hauptstaatsangehörigkeiten waren hier Syrien mit knapp 125000 Fällen vor dem Irak mit gut 16000 und Afghanistan mit 11000 Fällen. Personen mit Aufenthaltserlaubnissen, die aufgrund bestimmter Abschiebungsverbote erteilt werden, waren über 65000 registriert. Hier entfielen die Hauptstaatsangehörigkeit auf Afghanistan mit 37000 Fällen vor Somalia mit 3000 und Syrien mit gut 2800 Fällen. Die Zahl der Personen mit einer Duldung betrug gut 163000. Die Hauptstaatsangehörigkeit waren hier die Serbiens mit gut 13000 Betroffenen, gefolgt vom Kosovo mit über 11000 und Afghanistan mit 10000. Wie die Bundesregierung ebenfalls mitteilte, wurden bis Ende September mehr als 18000 Personen aus Deutschland abgeschoben, davon mit rund 16700 die meisten auf dem Luftweg. Hauptstaatsangehörigkeiten waren die Albaniens mit insgesamt knapp 3000 Fällen vor der des Kosovo mit insgesamt über 2100 und der Serbiens mit insgesamt knapp 2000 Fällen. Die Zahl der Überstellungen in andere EU- beziehungsweise Schengen-Staaten im Rahmen der Dublin-Verordnung belief sich auf gut 5000.J.H.

S. 3 Deutschland

Zwei-Klassen-Medizin bleibt sowieso
SPD will eine Bürgerversicherung für alle – Privatversicherer warnen vor negativen Folgen
Manuela Rosenthal-Kappi

Die SPD will die Bildung einer neuen Groko von der Einführung einer Bürgerversicherung abhängig machen. Gegen eine solche Krankenversicherung gibt es jedoch große Vorbehalte.

Die Idee, eine gerechte Gesundheitsversorgung für alle zu schaffen, ist nicht neu. Alle Bürger könnten in einen gemeinsamen Topf einzahlen, aus dem dann die Gesundheitsversorgung der gesamten Bevölkerung finanziert würde.

Tatsächlich gibt es gute Gründe für die Einführung einer solchen Bürgerversicherung. Gesetzlich Versicherte beklagen längere Wartezeiten gegenüber Privatpatienten bei der Terminvergabe, gepaart mit schlechteren Leistungen bei niedergelassenen Ärzten und in Krankenhäusern. Die Zuzahlungen für sogenannte IGeL-Leistungen, also kostenpflichtige Zusatzleistungen, drücken aufs Portemonnaie. 

Grund zur Klage haben auch die angeblich besser gestellten Privatversicherten. Profitieren sie in jungen Jahren von niedrigeren Beiträgen für ihre Krankenversicherung, summiert sich im Laufe der Jahre durch die jährlichen Anpassungen der Beitrag erheblich. Aus beispielsweise 250 Euro monatlich bei Berufseintritt können im Laufe der Jahre bis zu 700 Euro für einen über 50-Jährigen werden, je nach Tarif. Zwar dienen Altersrückstellungen, die während der Versicherungsjahre angesammelt werden, dazu, den Beitrag auch im Alter niedrig zu halten, dennoch können viele sich ihre private Krankenversicherung kaum noch leisten. Daher dürften auch viele Selbstständige eine Bürgerversicherung begrüßen.

Die SPD, die bei der Bundestagswahl ordentlich Federn lassen musste, besinnt sich auf ihr Kernthema soziale Gerechtigkeit. Sie will mit der Einführung der Bürgerversicherung die Zwei-Klassen-Medizin abschaffen. Doch geht das wirklich so einfach?

Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) vermischt die Funktion der Versicherung gegen Krankheit mit dem Ziel der Umverteilung zwischen besser verdienenden, kinderlosen Mitgliedern und wirtschaftlich schlechter gestellten Familien mit Kindern. Das führt dazu, dass die  relativ hohen Beitragszahler für die  Geringverdienenden und Nichtbeitragszahler mitaufkommen müssen. Bei der GKV ist zwar die Leistung für alle Versicherten gleich, die Beiträge richten sich aber nach dem Einkommen. Bei der Privaten Krankenversicherung (PKV) gilt dagegen das Prinzip der Gleichheit von Beiträgen und Leistungen. Wer mehr bezahlt, bekommt höhere Leistungen. 

Das Problem am Umverteilungsmechanismus der derzeitigen GKV ist, dass Selbstständige und Beamte, also Besserverdienende, sich nicht daran beteiligen müssen. Beamte haben zudem einen Sonderstatus. Der Staat zahlt zwischen 50 und 80 Prozent der Gesundheitsausgaben, und nur für die restlichen Behandlungskosten müssen sich die Staatsdiener privat absichern. 

Die Bürgerversicherung sieht eine umfassendere Umverteilungsfunktion vor. Die SPD will, dass künftig auch Beamte und Selbstständige verpflichtet werden, in die Bürgerversicherung einzuzahlen, doch an der praktischen Umsetzbarkeit hapert es. So sieht die SPD keine komplette Abschaffung der Beihilfe für Beamte vor. Vielmehr sollen die Dienstherren entscheiden, ob sie weiter Beihilfe oder einen Arbeitgeberanteil zahlen. Beamte und Selbstständige, die bereits privat versichert sind, sollen auch weiterhin privat versichert bleiben dürfen. Lediglich Personen, die neu ins Berufsleben eintreten, werden automatisch in die Bürgerversicherung aufgenommen. Die SPD will die PKV nicht auf einen Schlag abschaffen, sondern Privatversicherte sollen freiwillig wechseln können. Rund elf Prozent der Bevölkerung sind privat versichert. 

Für gesetzlich Versicherte würde sich zunächst nicht viel ändern. Sie würden automatisch in die Bürgerversicherung überführt. Den Zusatzbeitrag, der zwischen 0,3 und 1,7 Prozent je nach Krankenkasse variiert, will die SPD ganz abschaffen. Die Partei liefert aktuell keine Berechnungen zum Umfang des sozialen Ausgleichs, den der Staat tragen müsste, um das Modell Bürgerversicherung zumindest in der Übergangsphase zu stützen. 

2005 gab es schon einmal den Vorstoß der SPD zur Einführung einer Bürgerversicherung. Damals wurde ein Betrag von 13 Milliarden Euro errechnet. Das hätte zu einer Erhöhung der Einkommensteuer von zwei Prozent oder einer Erhöhung der Mehrwertsteuer von 1,7 Prozent geführt. Da dies zu wenig Begeisterung bei der Politik geführt hat, legte man die Pläne auf Eis. Gäbe es aktuelle Berechnungen, dürfte ein weit höherer Betrag herauskommen angesichts der Zunahme an Nichtzahlern durch die Asylantenflut. Beim neuen Vorstoß gibt es auch Uneinigkeit darüber, wie das Einkommen eines Selbstständigen berechnet werden soll. Zählen Einkünfte aus Kapitalvermögen, aus Vermietung und Verpachtung dazu? Das würde zu neuer Ungerechtigkeit führen, denn auch Arbeitnehmer können Nebeneinkünfte haben. Die unausweichlichen Steuererhöhungen treffen wiederum kleinere und mittlere Angestellte, also die Hauptbeitragszahler, am härtesten. Sie müssten mit höheren Beiträgen zur Bürgerversicherung als bei ihrer bisherigen Kasse rechnen. 

Kritiker des SPD-Vorstoßes, wie Frank Ulrich Montgomery vom Weltärztebund, glauben, dass die Zwei-Klassen-Medizin nicht abgeschafft, sondern zusätzlich befeuert würde. weil zusätzliche Leistungen weiterhin über Ergänzungsversicherungen verfügbar wären. Der Wettbewerb zwischen GKV und PKV fördere zudem den medizinischen Fortschritt. Bei privaten Versicherern wird ein Stellenabbau von bis zu 51000 Arbeitsplätzen befürchtet. 

Kein Fest der Enttäuschung
Vielfältige Hilfen ermöglichen Geringverdienern ein schönes Fest
Laura Gosemann

Hartz-IV-Empfänger müssen meist genau überlegen, welches Geschenk sie sich überhaupt leisten können. Deshalb wird oft diskutiert, ob Hartz-IV-Empfänger einen Anspruch auf Weihnachtsgeld haben sollten, denn für viele Kinder wird ohne einen zusätzlichen Zuschuss das Fest der Liebe nur zum Fest der Enttäuschungen. Eine solche Un­terstützung ist derzeit jedoch nicht vorgesehen. Mit der Einführung fester Regelsätze im Jahr 2005 wurden Bonuszahlungen wie die Weih­nachtsbeihilfe abgeschafft. Dennoch können auch einkommensschwache Familien ein besinnliches Weihnachtsfest feiern.

Niedriglohnarbeiter, die lediglich ihr Gehalt mit Arbeitslosengeld II aufstocken, können vonseiten ihres Arbeitgebers dennoch Weihnachtsgeldzahlungen erhalten. Überschreiten diese allerdings einen geltenden Freibetrag, können sie vom Jobcenter mit dem Regelsatz verrechnet werden.

Das beliebteste Geschenk ist noch immer die Übergabe eines simplen Geldbetrags, über den der Beschenkte anschließend frei verfügen kann. Allerdings stellen sich Hartz-IV-Empfänger dabei häufig die Frage, ob solche Geldgeschenke auf den Regelsatz angerechnet werden. In diesem Fall würde es sich um ein sehr unliebsames Präsent handeln. Es steht jedoch fest, dass einmalige Zuwendungen aufgrund einer festlichen Veranstaltung keineswegs verrechnet werden dürfen. In einem Fall, der vor Gericht entschieden werden musste, erhielten die Kinder einer Hartz-IV-Empfängerin zum Geburtstag und zu Weihnachten Geld von ihrer Großmutter, woraufhin das Jobcenter eine Rückzahlung forderte. Erst nach mehreren Jahren wurde der Rück­zahlungsbescheid wegen formeller Fehler vom Bundessozialgericht zurückgewiesen.

Weihnachtsmarktbesuche, ein Weihnachtsbaum, ein festliches Essen und selbstverständlich die Geschenke – an Weihnachten wird vor allem Geld ausgegeben. Sind einige Eltern nicht in der Lage, ihren Kindern ein angemessenes Fest bescheren zu können, sind je nach Bundesland und Region diverse Hilfsstellen vertreten. Dazu gehören die Tafel-Hilfsorganisationen, katholische und evangelische Missionswerke, das Kinderhilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz. In einigen Gemeinden existiert häufig sogar eine Art Spendentopf, in den Normalverdiener für Bedürftige einzahlen. Auf unterschiedliche Weise werden somit Hartz-IV-Empfängern Gelder oder Sachleistungen in der Weihnachtszeit zur Verfügung gestellt. Manche Restaurants organisieren an Heiligabend einen offenen Tisch, an dem Betroffene kostenlos essen können. Angemessene und warme Kleidung sowie Schuhe werden ebenfalls benötigt und von Kleiderkammern ausgegeben. 

Damit die Kinder aus einkommensschwachen Familien keine Minderwertigkeitskomplexe bekommen oder sich in der Schule nicht mehr der Gemeinschaft zugehörig fühlen, weil sie eventuell weniger Geschenke als die Kinder aus bessergestellten Familien erhalten haben, existiert eine Vielzahl von Spendenprojekten, bei denen Sachgeschenke, nach Geschlecht und Alter sortiert, an Bedürftige verteilt werden. Hierbei wird insbesondere auf die sowohl Hoch- als auch Neuwertigkeit der Geschenke geachtet. Im Internet oder bei den spendenden Stellen selbst können sich Hartz-IV-Empfänger darüber informieren, unter welchen Voraussetzungen Anspruch auf diese Zuwendungen besteht.

Wissenswertes für Hartz-IV-Empfänger in der Weihnachtszeit sowie eine Bastelanleitung für selbstgemachtes Geschenkpapier und Namenskärtchen sind in dem kostenlosen E-Book des Ratgeberportals www.hartz4.de zu finden.

Kommunen schlagen Alarm
Der Bund soll mehr Geld für Investitionen zur Verfügung stellen
Peter Entinger

Kaputte Straßen, marode Brücken und veraltete Schulgebäude. Um die Infrastruktur in Deutschland ist es nicht zum Besten bestellt. Einen Investitionsstau von 126 Milliarden Euro sehen die Vertreter von Städten und Gemeinden. 

Der größte Bedarf bestehe bei Plätzen, Straßen und Brücken, sagte der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Roland Schäfer, in der vergangenen Woche: „Wir halten so etwas wie einen Masterplan für eine Investitionsoffensive in der Bundesrepublik für notwendig“, erklärte der Funktionär. Alleine, um den völligen Verfall zu verhindern, seien 34,4 Milliarden Euro nötig. 

Bürger in reicheren Städten haben Probleme bei der Suche nach einem Kitaplatz, anderswo mangelt es an Wohnungen, vielerorts sind Brücken und Straßen in einem üblen Zustand. „Derzeit leben immer noch viele Kommunen von der Hand in den Mund und können teilweise nicht einmal die notwendigen Maßnahmen finanzieren. Viele Schulen sind oftmals eher die Baracken als die Kathedralen der Bildung. Manche Straße entwickelt sich durch immer neue Schlaglöcher zur Holperpiste“, heißt es in einer Erklärung des Verbands. Dafür hätten die Bürger aber kein Verständnis. Dieser Zustand beeinträchtige die Lebensqualität und die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland. 

Während die Ausgaben der Kommunen für soziale Leistungen immer weiter ansteigen, stagnieren die Investitionen. „Häufig steht das Geld einfach nicht zur Verfügung, da Städte und Gemeinden immer mehr Geld für Sozialausgaben aufwenden müssen. Hier ist ein Umsteuern notwendig“, forderte Schäfer. 

Vom Bund erwartet der Deutsche Städte- und Gemeindebund eine schnelle Umsetzung der zugesagten Fördermaßnahmen. „Wir haben bei der Kanzlerin das klare Signal bekommen, dass nun endlich Mittel bereitstehen, um Maßnahmen vor Ort umzusetzen. Das ist wichtig, denn die Kommunen stehen bereits in den Startlöchern.“ 

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund vertritt als kommunaler Spitzenverband in Deutschland und Europa die Interessen der kommunalen Selbstverwaltung kreisangehöriger Städte und Gemeinden. Er ist zu unterscheiden vom Deutschen Städtetag, dem freiwilligen Zusammenschluss von kreisfreien und kreisangehörigen Städten in Deutschland. 

Dessen Präsidentin Eva Lohse hatte unmittelbar nach der Bun­destagswahl bereits Alarm geschlagen. „Die Städte erwarten, dass Investitionen in kommunale Infrastruktur wie Schulen und Verkehr dauerhaft und planbar verbessert werden“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Befristete Förderprogramme würden den Kommunen nur punktuell helfen: Die bisherige schwarz-rote Bundesregierung habe in vielen Fragen einen kommunenfreundlichen Kurs verfolgt. „Diese Grundlinie muss eine neue Regierung fortführen“, sagte die CDU-Politikerin, die auch Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen ist.

Lohses Vize im Städtetag, der Nürnberger Oberbürgermeister Roland Maly (SPD), fordert von der künftigen Regierung ein verstärktes Augenmerk auf den sozialen Wohnungsbau: „Über die Stärkung der Wohnraumförderung zu sprechen, wie es im ersten Papier hieß, reicht nicht.“ Vor allem in Groß- und Universitätsstädten würden mehr bezahlbare Wohnungen gebraucht. Der Bund müsse beim sozialen Wohnungsbau über 2019 hinaus selbst aktiv bleiben und diesen finanziell fördern.

MELDUNGEN

Türken fliehen nach Deutschland

Berlin – Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vom Juli 2016 haben 768 türkische Staatsbeamte beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Asylantrag gestellt. In dieser Zahl sind auch Familienangehörige von Diplomatenpass- und Dienstausweisinhabern enthalten, die in ihrem Heimatland mit Verfolgung zu rechnen haben. Von den Antragstellern haben bis Ende November 192 Personen Asyl und 209 Personen Flüchtlingsschutz erhalten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Linkspartei hervor.J.H.





Zahlen zu Zugausfällen

Berlin – Infolge des Herbststurms „Xavier“ hat es zwischen dem 5. und dem 12. Oktober 2017 bei der Deutschen Bahn über 3700 Zugausfälle und knapp 4000 Teilausfälle von Zügen im Personennahverkehr gegeben. Davon waren rund 1,3 Millionen Fahrgäste betroffen. Im Fernverkehr waren es rund 400 Ausfälle und gut 850 Teilausfälle von Zügen mit knapp 28000 betroffenen Fahrgästen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Linkspartei hervor. Trotz der Ausfälle hält die Bundesregierung die Bahn für Sturmschäden „gut gerüstet“ und ihr Krisenmanagement für „grundsätzlich gut organisiert“. Verbesserungsbedarf sieht sie hier insbesondere im Bereich der Kommunikation und Fahrgastbetreuung sowie der „Störfallvermeidung durch Prävention, speziell der Vegetationsbeseitigung“. Hinsichtlich des letzten Punktes indes sehen die Eisenbahngesellschaften in erster Linie die Politik gefordert, weil Umweltauflagen den Rück­schnitt entlang der Gleise stark einschränken.J.H.

S. 4 Weihnachten

Das Christentum lebt
Und es wandelt sich. Experten sehen Anzeichen einer neuen Gegenreformation
Gernot Facius

Trotz leerer Kirchen sehen immer noch viele Deutsche das Christentum als Fundament unserer Kultur. Weltweit gesehen ist es sogar eine rasch wachsende Religion. Die neuen Christen in Afrika und Asien werden ihren Glauben allerdings deutlich konservativer und fundamentalistischer betreiben.

„Nun sag, wie hast du‘s mit der Religion?“ Die Gretchenfrage aus Goethes „Faust“ ist wieder aktuell. Viele, die an Weihnachten, dem „Fest der Liebe“, die Kirchenbänke füllen, finden vielleicht nur einmal im Jahr in einen Gottesdienst. Darf man deshalb mit dem Finger auf diese „Weihnachtschristen“ zeigen? Eher nicht. Das wäre anmaßend. Denn auch sie, die „religiös Unmusikalischen“, wie sie heute genannt werden, sind angesteckt von der Hoffnung auf das „Heil“, auf Frieden und Gerechtigkeit. 

Deutlich wird auch: Zumindest die christliche Grundierung ist trotz fortschreitender Säkularisierung noch vorhanden. Eine stattliche (Dreiviertell-)Mehrheit im Westen der Bundesrepublik sieht im Christentum das Fundament unserer Kultur. Und dort, wo der religiöse Sinn gelitten oder gar an Bedeutung verloren hat, hat das Christfest auf einer anderen Ebene an Bedeutung gewonnen: Familiäre Rituale überlagern die kirchlichen Weihnachten als Rückzugsgebiet ins heimelige Private.

Auch dieses Faktum sollte man nicht kleinreden. Gewiss, die kirchlichen Erosionserscheinungen sind nicht zu übersehen. Der Anteil der organisierten Christen liegt in Deutschland nur noch bei 58 Prozent. Der Religionssoziologe Detlev Pollack von der Uni Münster sieht als Ursache des Schrumpfens nicht unbedingt Ärger über die sprudelnde Kirchensteuer oder die Affären kirchlicher Amtsträger: „Der entscheidende Punkt ist, dass Eltern ihre Kinder heute viel weniger religiös erziehen und taufen lassen.“ 

Und nicht jeder, der den verfass-ten Kirchen den Rücken kehrt, wechselt ins atheistische Lager. Viele vermeintlich Abtrünnige sind aus Protest gegen unbiblische Tendenzen gegangen. Deutschland, wie überhaupt Europa, ist freilich längst nicht mehr der Nabel der christlichen Welt. Das Christentum in seiner katholischen und evangelischen Ausprägung hat zwar einen dramatischen Wandel hinter sich, aber es ist eine universale, rasch wachsende Religion, auch wenn diese Botschaft noch nicht überall angekommen ist. Es dominiert allerdings der globale Süden. Noch vor 100 Jahren lebten mehr als 80 Prozent aller Christen in Europa und Nordamerika, heute wohnen von 2,2 Milliarden Christen zwei Drittel in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Hält der religionsdemografische Trend an, könnte das afrikanische Christentum bald den größten Christenblock bilden. Der britische Religionswissenschaftler Philip Jenkins sagt eine „neue christliche Revolution“ voraus, die möglicherweise in religiöse Auseinandersetzungen, vergleichbar denen des Mittelalters, mündet. Im Klartext: Durch die tektonische Verschiebung der Zentren des Christentums wird es konservativer, charismatischer und fundamentalistischer. Folgt man Jenkins, dann wird etwa der Katholizismus in Afrika und Asien bald wie eine Tradition vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil wirken, verhaftet den alten Gottesdienstformen. Experten sehen Anzeichen einer neuen Gegenreformation vor allem durch das Wachsen der pfingstkirchlichen Bewegung, zu der heute 400 Millionen Gläubige gerechnet werden, um 2040 könnten es schon etwa eine Milliarde sein.

Angehörige der Pfingstkirchen vertrauen auf den Heiligen Geist, auf Wunderheilungen und Erweckungserlebnisse, und sie legen die Bibel wörtlich aus. „Liberale“ Christen in Europa mögen über diese Spiritualität lächeln. Sie werden aber in absehbarer Zeit damit konfrontiert werden, dass evangelikale und pfingstkirchliche Denominationen aus Afrika verstärkt den Fuß auf den europäischen und amerikanischen Kontinent setzen – auch im Zuge der Migrationsbewegung. Dann wird den „progressiven“ Christen von ihren Glaubensgeschwistern aus Übersee ein Sündenregister aufgeblättert werden. Denn in moralischen Fragen wie Homosexualität und Abtreibung sind afrikanische, asiatische und lateinamerikanische Kirchen Lichtjahre von den europäischen Positionen entfernt.

Lebenshilfe statt Donnerwort
Wie die Kirchen Advent und Weihnachten begehen sollten

Schnell ist das Urteil gefällt: Brachialer Kommerz dominiert die Advents- und Weihnachtszeit. Ist das Verdikt gerecht? Selbst Theologen, die gerne einen Kontrapunkt zum „Konsumfest“ setzen möchten, sind sich da nicht ganz sicher. Zum Beispiel der Münsteraner katholische Kirchenhistoriker Professor Hubert Wolf, der trotz aller Kritik Grundsehnsüchte der Menschen zu erkennen glaubt. Der Träger des angesehenen Leibnitz-Preises  versucht, hinter diesen weltlichen Adventsbräuchen Anknüpfungspunkte zu finden für das, was die christliche Botschaft eigentlich ausmacht: Liebe.

Es geht, theologisch gesprochen, um die Menschwerdung Gottes und um die Menschwerdung des Menschen. „Mach‘s wie Gott und werde Mensch.“ Gott kommt nicht als Herrscher, sondern als Kind, und ein Kind braucht die Hilfe der Mitmenschen. „Der christliche Glaube“, sagt Wolf, „ist keine Zwangsbotschaft, sondern ein Angebot Gottes, Ja oder Nein zu sagen.“ 

Advent und Weihnachten verlangen vor allem dem „Bodenpersonal Gottes“ etwas ab, wie die Autoren des „Spiegel“-Ablegers „Geschichte“ schreiben: Weniger Donnerwort und Zeigefinger, mehr Lebenshilfe; weniger Dogmenstrenge, mehr individuell seelsorgerische Gesprächskunst. Die Kirche, gibt der Pastoraltheologe Paul M. Zulehner zu bedenken, werde nicht durch Strukturen zukunftsfähig, sondern durch Pastoren, die vom Evangelium „durchflutet“ seien. Eine solche Kirche moralisiere nicht, sie heile. „Sie führt nicht in den Gerichtssaal, sondern in ein Feldlazarett. Sie wendet nicht Gesetze auf Menschen an, sondern kümmert sich in göttlicher Fürsorge um den Einzelnen.“

Wahre Worte zur Advents- und Weihnachtszeit. Werden sie von den Glaubenshütern beherzigt, kann der kirchenkritische „Spiegel“ durchaus recht behalten mit seiner frohen Botschaft „Das Christentum ist die erfolgreichste Religion der Welt“. Wie auch immer: Religiöses bleibt gefragt. Denn, so fragte der prominente tschechische Theologe und Philosoph Tomas Halik: „Was würde einer Gesellschaft widerfahren, deren Kultur ihre spirituelle Dimension verloren hat und von der kommerziellen Unterhaltungsindustrie beherrscht wird?“ Ihr würden die Menschen fehlen, die dem Wort Liebe „jene tiefe Bedeutung wiedergeben, die es einmal in der radikalen Botschaft des Evangeliums hatte“. GF

Äpfel und Rosen schmückten den Paradiesbaum

Grüne Zweige mitten im Winter: Sie erinnern, was vielen nicht mehr bewusst ist, an göttliche Verheißungen und an die Begrüßung des Messias in Jerusalem. Heißt es doch von Gott in Hosea 14, 9: „Ich will dich erhören und führen, ich will sein eine grünende Tanne, von mir erhältst du deine Früchte.“

Der geschmückte Weihnachtsbaum stammt aus den mittelalterlichen Krippenspielen in den Kirchen. Untergangen ist die damit verbundene Geschichte des Paradiesspiels. Es orientierte sich an der biblischen Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies und wie die Sünde in die Welt kam. Ein immergrüner Baum wurde als „Paradiesbaum“ geschmückt – zum Beispiel mit roten Äpfeln und Rosen. Sie sollten an das Blut Jesu erinnern, dessen Geburt zu Weihnachten gedacht wird. Spätestens im 17. Jahrhundert wurde aus dem „Paradiesbaum“ in den Kirchen der häusliche Christbaum, wie ein Brief der Liselotte von der Pfalz (1652–1722) belegt. Darin schildert die Herzogin ihre Weihnachtsfeiern um 1660 in Hannover. Sie erwähnt dabei mit Kerzen geschmückte Buchsbäume. Anfang des 19. Jahrhunderts erfanden dann Glasbläser in Thüringen die heute noch gängigen Weihnachtskugeln. „Die ursprüngliche Symbolik der Paradiesäpfel trat in den Hintergrund. Heute ist sie kaum noch bekannt und der Baumschmuck vor allem Dekoration“, bedauert der Berliner evangelische Experte für Weltanschauungsfragen, Thomas Gandow.

Der Theologe liefert auch eine plausible Erklärung dafür, wie die Krippen in die Privathäuser kamen: durch das Verbot öffentlicher Krippendarstellungen in den Kirchen Österreichs durch die Regenten Maria Theresia (1717–1780) und Joseph II. (1741–1790), sowie durch König Maximilian I. Joseph von Bayern (1756–1825). Dabei ist es eine uralte Tradition: Vermutlich seit dem Jahr 60 wird die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas in den Gemeinden des Urchristentums gelesen und damit die Stadt Bethlehem samt Krippe zu einem Pilgerort. GF


Zeitzeugen

Markus Söder (50) – Der bayerischer CSU-Finanzminister und designierte Ministerpräsident über die Aufgabe der Kirche: „Ich denke, dass es für sie wichtig ist, dass sie der Mission Jesu folgt. Es geht darum, die Menschen von innen zum Leuchten zu bringen. Das geht nicht durch Belehrung, sondern durch Erweckung. Die Kirche muss den Leuten die Chance geben, selbst zum Glauben zu finden. Das ist die Kernaufgabe eines jeden Seelsorgers.“

Michael Wolfssohn (70) – Der jüdische Publizist und emeritierte Professor an der Bundeswehr-Universität in München hält Deutschland „mehr oder weniger“ für „eine Heidenrepublik“. Wolfssohn: „Im Land herrscht religiöse Ahnungslosigkeit. Das Christentum ist weitgehend zur Folklore verkümmert. Repräsentanten der Kirche müssen höllisch aufpassen, dass sie den Himmel nicht aus den Augen verlieren. Man muss sie daran erinnern, dass Politiker auf der Politik-Klaviatur besser spielen können als sie.“

Peter Hahne (65) – Der jüngst in den Ruhestand gegangene ZDF-Moderator ist studierter Theologe und hat sich in zahlreichen Büchern mit seinem christlichen Glauben auseinandergesetzt. Für Hahne ist die „Ware Weihnacht“ nicht die „wahre Weihnacht“. Das Licht der Heiligen Nacht stelle jede andere Nachricht in den Schatten. „Weihnacht ist kein Traum von Stunden, sondern eine Kraftquelle für das ganze Leben.“

Michael Winterhoff (50) – Der Kinder- und Jugendpsychiater empfiehlt: „Schenken Sie Ihren Kindern an Weihnachten Zeit. Wie soll ein Kind lernen, was im Leben wichtig ist? Dass es um Beziehungen und Bindungen geht? Dafür braucht es keine großen Geschenke. Ein festlich geschmückter Baum, Zeit zum Spielen und Gemeinschaft. Das ist auch für Kinder herrlich.“

Petra Bahr (51) – Für die evangelische Regionalbischöfin aus Hannover braucht es im Advent „keine moralischen Zeigefinger oder den steten Hinweis an naschende Kinder, dass Gleichaltrige an anderen Orten der Welt keine Schokolade haben“. Für sie wäre schon viel gewonnen, „wenn Christen und Christinnen ab und zu ihrer eigenen Tradition mehr zutrauten“.

S. 5 Preussen/Berlin

Hoffnungsschimmer für Pendler
Endlich aufgewacht? Berlin und Brandenburg nehmen schlechte Infrastruktur ins Visier
Norman Hanert

Weder in München noch in Frankfurt am Main hat die Zahl der Berufspendler in jüngster Zeit so stark zugelegt wie in der Region Berlin. Wer dabei auf die Bahn angewiesen ist, muss seit Jahren überfüllte Züge und schlechte Verbindungen in Kauf nehmen. Eine schnelle Besserung wird es aus mehreren Gründen allerdings nicht geben.

Eine erstmals abgehaltene Mobilitätskonferenz der Länder Berlin und Brandenburg konnte zumindest keine Hoffnungen auf eine schnelle Änderung wecken. Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) wies darauf hin, es gehe um die Entwicklung der Region in den nächsten 20 Jahren. Sie warnte nach der Konferenz: „Alle sagen: Umsetzung möglichst sofort. Wir brauchen es gleich. Aber das wird nicht gehen.“ Auch Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für die Grünen) dämpfte die Hoffnungen, indem sie von einer Durststrecke von fünf bis sieben Jahren sprach. 

Die Ministerin aus Brandenburg wies in diesem Zusammenhang auf Schwierigkeiten bei der Beschaffung der benötigten Schienenfahrzeuge hin, diese seien Mangelware auf dem deutschen Markt. Immerhin haben sich die beiden Landesregierungen nun grundsätzlich auf Verbesserungen geeinigt: Geplant sind sowohl dichtere Takte als auch längere Züge und sogar ein Ausbau von Schienenverbindungen. 

Inzwischen fast vergessen ist, dass der Bund nach der deutschen Vereinigung Berlin und Brandenburg angeboten hatte, den Wiederaufbau von Schienenverbindungen zu bezahlen, wenn diese durch den Mauerbau von 1961 gekappt worden waren. Aus heutiger Sicht kaum zu fassen: Die Länder schlugen dieses Angebot aus. Andernfalls wäre sowohl die Stammbahn zwischen Berlin und Potsdam als auch die sogenannte Friedhofsbahn zwischen Berlin-Wannsee und dem brandenburgischen Stahnsdorf schon lange wieder in Betrieb. 

Das Umdenken der Politik zum Schienenverkehr in der Hauptstadtregion kommt spät und wird der Entwicklung vermutlich auch weiterhin nur hinterherhinken. Schon jetzt kommen jeden Tag hunderttausende Pendler aus dem Umland nach Berlin. Auch umgekehrt fahren viele Berliner zum Arbeiten in den Speckgürtel der Millionenmetropole. Im deutschlandweiten Vergleich liegen  zwar München und Frankfurt am Main mit jeweils rund 350000 Pendlern vorn, allerdings hat nirgendwo sonst die Zahl der Pendler so stark zugelegt wie in Berlin. 

Laut dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung stieg die Zahl der Pendler aus dem Umland nach Berlin seit dem Jahr 2000 um 53 Prozent. Für das vergangene Jahr ermittelte das Bundesinstitut die Zahl von 274000 Menschen, die zur Arbeit nach Berlin pendelten. Diese Entwick­lung führt zu völlig überfüllten S-Bahnen und Regionalzügen. Der wirtschaftliche Aufschwung des Speckgürtels und steigende Mieten in Berlin werden die Pendlerzahlen vermutlich weiterhin rasant steigen lassen. 

Hinzu kommt ein großer Nachholbedarf. Gerade Brandenburg war bislang ziemlich knausrig bei den Investitionen. Hans Leister, ehemals Regionalchef der Deutschen Bahn für Brandenburg und Berlin, wies unlängst auf eine eklatante Fehlentwicklung in der Vergangenheit hin: „Ausgerechnet das Land mit den relativ meisten Pendlern verwendet aktuell den geringsten Anteil von den Bundeszuwendungen für den Schienenpersonennahverkehr. Seit 2000 hat sich die Fehlverwendung von Bundesmitteln in Brandenburg auf weit über eine Milliarde Euro summiert.“ 

Leister wurde im Potsdamer Landtag als Experte angehört. Laut dem Bahnexperten erhielt Brandenburg im vergangenen Jahr vom Bund 481 Millionen Euro an sogenannten Regionalisierungsmitteln. Das Land gab davon 324,5 Millionen für die Bestellung von Verkehrsleistungen im Zugverkehr aus, aber wendete offenbar nur 3,7 Millionen für Investitionen in diesem Bereich auf. 

Unterdessen zeichnet sich in Potsdam wenigsten ein Umdenken ab. Bereits im Herbst haben Verkehrsministerin Schneider, ihre Berliner Amtskollegin Günther und Bahnvorstandsmitglied Ronald Pofalla eine Rahmenvereinbarung „Entwicklungskonzept 2030“ unterzeichnet. Ins Auge gefasst haben die drei Partner dabei acht Verkehrskorridore, für die zunächst einmal mögliche Varianten untersucht werden sollen. 

Zu den Schienenwegen, die modernisiert oder sogar komplett neu aufgebaut werden sollen, zählen die Verbindung Berlin–Spandau–Nauen, der Wiederaufbau der Potsdamer Stammbahn, der Prignitz-Express/Velten, die Nordbahn/Heidekrautbahn, die Verbindung RE1 von Frankfurt an der Oder über Berlin nach Magdeburg, die Verbindung Berlin-Dresden/Rangsdorf und die Strecke Berlin-Cottbus. 

Beide Länder wollen für die Verbindungen erste Planungsschritte vorfinanzieren, um so eine schnelle Umsetzung zu erreichen. Allerdings lässt schon die Bezeichnung „Entwick­lungskonzept 2030“ erahnen, dass die hundertausenden Berufspendler nicht mit kurzfristigen Verbesserungen rechnen können. 

Der Mohr ist weg
Theo Maass

Am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg gibt es die Kneipe „Zum kleinen Moritz“. Noch vor Kurzem hieß das Lokal „Zum kleinen Mohr“. Der Berliner „Tagesspiegel“ lobte die Umbenennung: „Eine Kneipe am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg hat sich umbenannt und ihren Namen mit diskriminierendem Hintergrund abgelegt.“ Ganz friedlich? Alle freuen sich? Natürlich nicht. In den vergangenen Monaten hat der Terror der „Antifa“ gegen Hoteliers und Gastronomen in Friedrichshain-Kreuzberg  zugenommen. Der Vorwurf lautet stets „rechts“ oder politisch nicht korrekt zu sein. Ein Beispiel von vielen: Das als umstritten geltende Hotel „Orania“ bekam bereits Besuch von „Unbekannten“, die erhebliche Schäden anrichteten. 

Vor rund 30 Jahren beherbergten die Räumlichkeiten am Moritzplatz die „Mohren Apotheke“. Daraus wurde das Lokal „Zum kleinen Mohr“. Seit 2002 betreibt Renato Bono die Kneipe. Der Mann hat einen Immigrationshintergrund. Genutzt hat es nichts. „Der kleine Mohr“ geriet zunehmend ins Visier der „Antifa“. Die räumliche Nähe zur linken Terrorzentrale Rigaer Straße machte sich bemerkbar. Anwohner und Gäste des Lokals nahmen zu keinem Zeitpunkt Anstoß am Namen. Gelegentlich jedoch grölte ein Linksextremist etwas ins Lokal hinein. In den sozialen Netzwerken war ab und zu etwas über „Rassismus“ zu lesen. Dann kam der 1. Mai 2017. Ein Linksextremist stürmte ins Lokal und krakeelte den Vorwurf, dies sei eine „Nazi-Kneipe“. 

Damit war für Bono die Grenze des Erträglichen erreicht. Der Mann wollte seine Ruhe haben und seinen Lebensunterhalt verdienen. Er will nicht so enden wie ein Gastronom in der Nähe des Görlitzer Parks. Dessen Lokal gibt es nicht mehr. Bono fragte bei der Brauerei an, ob sie das Auswechseln der Schilder an der Fassade vornehmen würde. Das tat sie. Beim Besuch eines „Tagesspiegel“-Redakteurs wollten sich nur drei Gäste dazu bekennen, den alten Namen zurückhaben zu wollen. Der Rest schaute angestrengt ins Bierglas. Unter der Leserschaft des linksbürgerlichen Blattes wurde das scheinbar anders gesehen. Die wenigen Zuschriften waren kritisch. Hier eine Auswahl der Internet-Kommentare:

Doc Floppy: „Die Linksradikalen hätten ihm über kurz oder lang den Laden kaputtgeschlagen oder angezündet, seine Familie bedroht oder ihn zusammengeschlagen.“ Kapitel schrieb: „Der Wirt hat letztendlich aus Angst den Namen der Kneipe ändern lassen.“ A.v.Lepsius bemerkte: „Ist der Betrieb in den Fokus der Linksradikalen und Linksextremisten gelangt, so muss früher oder später (mit) Gewalt gegen Sachen und auch gegen Personen gerechnet werden.“

An diesen Verhältnissen wird sich wohl nichts ändern, solange Bund und Land linkextreme Strukturen unter der Tarnbezeichnung „Kampf gegen rechts“ subventionieren.


Wölfe jetzt mitten im Dorf
Vorfälle häufen sich: Verlieren die Tiere ihre Scheu vor Menschen?

In Brandenburg ist es innerhalb weniger Tage zu gleich zwei Zwischenfällen gekommen, bei denen ein Wolf bis in die Mitte menschlicher Siedlungen vorgedrungen ist. Im Dorf Grebs bei Lehnin (Potsdam-Mittelmark) sah sich eine Rentnerin zum ersten Mal in ihrem Leben einem Wolf gegenüber. 

Die Frau war kurz nach 20 Uhr auf dem Weg zu Nachbarn, als sie mitten im Dorf das Tier plötzlich vor sich sah. Gegenüber der „Märkischen Allgemeinen“ beschrieb sie die Schreck­sekunden: „In Lauerstellung stand er mir auf der anderen Fahrbahnseite gegenüber. Von Scheu keine Spur. Ich habe gedacht, der springt mich gleich an.“ Der Frau gelang es, mit einem Stock und lautem Schreien den Wolf zu vergrämen. 

Die Bewohner des kleinen Dorfes stoßen schon länger auf Wolfsfährten in der Umgebung, ein Landwirt hat in diesem Jahr bereits sechs Kälber durch Wolfsangriffe verloren. Nur wenige Tage nach dem Vorfall in Grebs drang auch in der Gemeinde Brück (ebenfalls Potsdam-Mittelmark) ein Wolf bis in die Mitte einer Siedlung vor und hetzte dabei ein Reh durchs Dorf. Als der Wolf das Rehkitz vor einem Gasthof zu fassen bekam, gelang es zwei Angestellten, den Angreifer von seiner Beute abzulenken und zu vertreiben. Kritiker einer Wolfsansiedlung warnen, dass der Angriff auf Menschen nur noch eine Frage der Zeit sei. Vor wenigen Monaten sorgte der Tod einer britischen Touristin für Schlagzeilen. Die 63-Jährige war beim Wandern im Nordosten Griechenlands angegriffen und getötet worden. 

Zunächst war angenommen worden, dass die tödliche Attacke von wilden Hunden ausgegangen sei. Die Untersuchung der aufgefundenen Knochen ergab jedoch, dass die Frau von Wölfen angefallen wurde. Mit dem Vordringen von Wölfen in Ortschaften erhält auch die Frage nach Mischlingen zwischen Wölfen und Hunden, den sogenannten Wolfshybriden, neue Brisanz. Kritiker und Befürworter der Wolfsansiedlung streiten über die Frage, wie gefährlich solche Mischlinge sind. 

Ein Wolfshundzüchter aus Niedersachsen vertrat gegenüber der „Ostthüringer Zeitung“ die Ansicht: „Es stimmt überhaupt nicht, dass Mischlinge gefährlicher sind als ein Wolf.“ Andere Experten sind skeptisch und sehen bei den Hybriden die Gefahr einer besonders gefährlichen Mischung, bei der sich die fehlende Menschenscheu von Hunden mit dem Raubtierinstinkt der Wölfe verbindet.   N.H.


Bangen um die ILA
Luftfahrtausstellung in Schönefeld nur bis 2020 gesichert

Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) kommt zusammen, was in der Branche Rang und Namen hat – in Berlin, versteht sich. Doch dieser Standort ist nur bis 2020 vertraglich gesichert. Darüber, wie es danach weitergeht, soll im kommenden Jahr entschieden werden. Ein gewichtiges Wort dabei mitzureden hat die Messe Berlin, die nach den bisherigen Verträgen die erheblichen Verluste der ILA allein trägt. Wenn es nach ihr geht, wird das ihr gehörende Ausstellungsgelände an die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) verkauft werden. Sollte der Hauptstadtflughafen BER 2020 doch noch eröffnet werden, könnte es für die älteste Luftfahrtmesse der Welt am alten Platz eng werden.

Die Flughafengesellschaft macht seit jeher keinen Hehl daraus, dass sie die ILA als Störfaktor empfindet. Das lässt den Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der die ILA mit ausrichtet, befürchten, sie könne die Veranstaltung durch eine Umnutzung des Areals verdrängen. Man werde deshalb die politische Seite auf die strategische Bedeutung für die Durchführung dieser globalen Branchenmesse besonders hinweisen, erklärte Volker Thum vom BDLI.

Bisher beeindruckt das die Politik eher wenig. Über die Zukunft der ILA würden Gespräche geführt. Deren Ergebnisse blieben abzuwarten, erklärte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Messe Berlin ist, dazu lakonisch. Brandenburgs Wirtschaftsministerium erwartet immerhin, dass die ILA auch bei einem Besitzerwechsel auf dem bisherigen Gelände stattfinden kann.

Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit nimmt Pop die Veranstalter in die Pflicht. Die wiederum spielen den Ball an die Aussteller weiter. Auftrag der Messegesellschaft sei es, Gewinne zu erwirtschaften, erklärte Messe-Sprecher Emanuel Höger. Er erwarte nun von der Industrie, dass sie ihren Beitrag zur Wirtschaftlichkeit der ILA leiste. Um die Verluste zu verringern, sollen die Aussteller mehr zahlen. So sollen im kommenden Jahr erstmals keine Flächen mehr rabattiert oder kostenlos vergeben werden. Beispielsweise sollen für den Bundeswehr-Pavillon bisher keine Gebühren gezahlt worden sein. Hier geben sich Sicherheits- und Verteidigungspolitiker, Spitzenmilitärs sowie Industrievertreter die Klinke in die Hand.

Für die nächste ILA, die vom 25. bis 29. April 2018 stattfindet, erwarten die Veranstalter über 1000 Aussteller und rund 250000 Besucher. Die 1909 erstmals in Frankfurt und später jahrzehntelang in Hannover durchgeführte ILA findet seit 1992 in Schönefeld statt. Sollte sich keine wirtschaftliche Lösung für ihre Fortsetzung an diesem Ort finden, könnte sie Berlin und Brandenburg den Rücken kehren.J.H.

S. 6 Ausland

USA in der Zwickmühle
Der Protegé Kosovo erhebt gegen den NATO-Verbündeten Montenegro Gebietsansprüche
Florian Stumfall

Die USA unterhalten sowohl zum Kosovo als auch zu Montenegro enge Beziehungen. Ein Konflikt zwischen ihnen könnte eine Pax Americana in dem Raum erschweren. Eine Lösung deutet sich mit einem stärkeren Engagement der EU auf dem Balkan an. 

Im christlichen Montenegro lebt eine Minderheit von albanischen Mohammedanern. Das nimmt das Kosovo zum Anlass, gegenüber seinem Nachbarn Gebietsansprüche zu erheben. In seiner Hauptstadt Pristina sind in Schulbüchern verschiedene montenegrinische Gebiete bereits als kosovarisch ausgewiesen.

Die USA sind über die NATO Verbündeter Montenegros, aber auch am Wohlwollen des Kosovo interessiert. Dort liegt das US-Camp Bondsteel, die zweitgrößte US-Militärbasis in Europa mit etwa 5600 bis 6000 Mann Besatzung. Von dort aus wird der östliche Mittelmeer­raum funktechnisch überwacht, eine militärtechnische Maßnahme im Rahmen des Üblichen. Doch dort wurde auch bald nach den Jugoslawienkriegen ein CIA-Foltergefängnis nach dem Muster von Guantanamo eingerichtet, wie sowohl der UN-Ombudsmann Marek Nowicki als auch der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Alvaro Gil-Robles, übereinstimmend berichteten. Nowicki wörtlich: „Eine normale, externe Kontrolle ist dort nicht möglich. In Wahrheit haben wir keine Ahnung, was dort vor sich geht.“ 

Doch die Ermöglichung eines örtlichen CIA-Gefängnises ist nur ein Teil des reichen Aufgabenspektrums von Bondsteel. Seit dem Bestseller „Die CIA und das Heroin“, den der US-Professor Alfred McCoy vor 45 Jahren veröffentlicht hat, ist die Verwicklung des US-Geheimdienstes ins internationale Rauschgiftgeschäft bekannt. Was nun das Kosovo und Camp Bondsteel angeht, schrieb der Analyst William Engdahl in „Global Research“, die militärische Kontrolle des Kosovo „schützt den Milliarden Dollar schweren Heroinschmuggel aus Afghanistan, der nach Angaben von Rauschgiftexperten der UNO seit Beginn der US-Besetzung auf Rekordhöhe angestiegen ist. Durch Albanien und das Kosovo führen die Hauptrouten des Herointrans­ports nach Europa.“ Die von den USA völlig abhängige Regierung des Kosovo fungiert als Partner und Schützenhelfer und hat dafür freie Hand für weitere Geschäfte wie Waffen- und Menschenhandel. Angesichts dieser intensiven Beziehungen zum Kosovo kommen dessen Zwistigkeiten mit ihrem NATO-Partner Montenegro den Vereinigten Staaten höchst ungelegen. 

Ende dieses Jahres hat die US-Denkfabrik Atlantic Council einen Bericht veröffentlicht, der sich mit einer neuen Strategie Washingtons für den Balkan befasst. Danach ist es das entscheidende Ziel, eine ständige Präsenz der US-Streitkräfte in Südosteuropa herzustellen. Dazu sagt der Chef des Belgrader „Zentrums für strategische Alternativen“, Aleksandar Mitic: „Eigentlich gibt es in der Strategie der USA gar nichts Neues. Ziel ist ein rechtsgültiges Abkommen über gutnachbarliche Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo. Dann könnte das Kosovo der UNO beitreten. Damit würde es überflüssig, dass Serbien die Unabhängigkeit von Pristina anerkennt. Außerdem würde so der Einfluss Russlands und Chinas in Belgrad verringert. In diesem Fall bedeutet also ‚historische Aussöhnung‘, dass sich Belgrad mit der Unabhängigkeit des Kosovo abfindet, der Nato beitritt und auf besondere Beziehungen zu Russland verzichtet.“

Das wird von Serbien abgelehnt. Dort wird vielmehr gefordert, die USA sollten damit aufhören, über serbisches oder ehemals serbisches Territorium zu verfügen. Dazu gehöre auch ihre Einflussnahme zugunsten der Albaner im Kosovo. Desweiteren verlangen die Serben den Fortbestand der Republika Srpska und verwahren sich dagegen, dass ihnen die Alleinschuld an den Jugoslawienkriegen der 90er Jahre gegeben wird. Au­ßerdem sollen die USA auf ihre Versuche verzichten, Serbien gegen den Willen seiner Bürger in die NATO aufzunehmen. Und schließlich sollen die USA die aktive Rolle Russlands und Chinas auf dem Balkan hinnehmen, so die Haltung Belgrads. 

Noch also gibt es serbischen Widerstand gegen eine Pax Americana auf dem Balkan. Wie in vergleichbaren Fällen vorher könnte den noch nicht der NATO angehörenden Balkanstaaten ein Beitritt durch eine Aufnahme durch die EU versüßt werden. Bei einem stärkeren Engagement der EU auf dem Balkan ergäben sich vielleicht auch für die rund 800 Bundeswehrsoldaten im Kosovo größere Betätigungsfelder, als lediglich das Camp Bondsteel zu bewachen, wie das bislang der Fall ist, und die USA würden personell, materiell und finanziell entlastet.

MELDUNGEN

Putsch in Lugansk

Lugansk – In der von Kiew abtrünnigen Lugansker Volksrepublik ist es zu einem Putsch des Innenministers Igor Kornet gekommen. Dabei wurde der seit Sommer 2014 herrschende Regierungschef Igor Plotznizkij durch den zuvor von ihm Geschassten entmachtet und trat nach einigen Tagen unblutiger militärischer Machtspiele in Lugansk-Stadt „aus gesundheitlichen Gründen“ von seinem Amt zurück. Neuer Amtsträger ist bis zu den kommenden Wahlen Sicherheitsminister Leonid Pasetschnik, der sich bereits zur ukrainischen Zeit unter dem Ex-Präsidenten Viktor Juschtschenko einen Ruf als unbestechlicher Beamter erworben hatte. Pasetschnik hob nach der Ernennung seine Anerkennung der Minsker Abkommen hervor und ernannte Plotznizkij zum Beauftragten für den Friedensprozess.T.W.W.





Kein Sonderrecht für Juden

Zürich – Das Zürcher Verwaltungsgericht hat eine jüdische Privatschule dazu verurteilt, ihre Schüler ebenso gut und umfassend auszubilden, wie es an öffentlichen Schulen geschieht. Dazu gehört, dass die Schule für die Mittel- und die Oberstufe Französischunterricht anbietet. Dies war bisher nicht der Fall, stattdessen standen neben Englisch Hebräisch und Aramäisch auf dem Stundenplan. Die Richter waren jedoch der Meinung, dass Hebräisch Französisch nicht aufwiege. Der Unterricht in fremden Sprachen könne den bundesrechtlich vorgeschriebenen Unterricht einer zweiten Landessprache sowie Englisch nicht ersetzen. Laut Volksschulgesetz umfasse der einzuhaltende Lehrplan ein Sprachenkonzept. Dieses könne nicht eigenmächtig seitens einer Schule abgeändert werden. Privatschulen und öffentliche Schulen müssten eine gleichwertige Bildung anbieten.J.H.

S. 7 Wirtschaft

Russland drängt zur Arktis
Neben militärischen verfolgt Moskau auch wirtschaftliche Ziele
Florian Stumfall

Die Grenze zwischen zivil und militärisch verwischt immer mehr. So arbeiten die Russen beispielweise an einem Atomeisbrecher, der bei Bedarf durch die Übernahme von Container-Modulen mit Waffen zum Kriegsschiff wird. 

Es zeichnet sich jedoch nicht nur eine vermehrte militärische Nutzung ziviler Güter im Kriegsfalle ab. Vielmehr dient umgekehrt Russlands Nordflotte mit ihrer Aufrüstung auch wirtschaftlichen Zielen. Es geht dabei um die Förderung von Kohlenwasserstoffen auf dem arktischen Festlandsockel und ganz allgemein um den Ausbau der Nordostpassage. Diese hat das Potenzial, künftig eine Alternative zu Verbindungen zwischen Europa und Ostasien im Süden zu werden. Umso mehr ist Russland auch aus wirtschaftlichen Gründen daran interessiert, fremde Einflüsse auf sein Hoheitsgebiet abzuwehren.

Die USA, so stellte ihr Außenminister Rex Tillerson fest, seien, was die Durchsetzung ihrer Interessen in der Arktis angeht, hinter anderen Ländern, vor allem Russland, zurückgeblieben. „Russland“, so klagte Tillerson, „hat diese Region zur strategischen Priorität gemacht.“ Auch die USA hätten Interesse an einer stärkeren Präsenz, doch um diese auszubauen, verfüge Washington derzeit nicht über die notwendigen Ressourcen, stellte Tillerson des Weiteren fest. Nicht erwähnt hat der Amerikaner, dass der Anteil seines Landes am Norden sich auf den Küstenverlauf Alaskas beschränkt, während Russland mit fast einem Drittel seiner Außengrenze an das Nordmeer stößt. Das bedeutet, dass es für 

Moskau von essentieller Bedeutung ist, die Arktis in seine Vertei­di­gungs­stra­te­gie einzubeziehen.

Demgemäß haben sich in der letzten Zeit die russischen Streitkräfte eingerichtet. So wurde aus nördlich des Polarkreises liegenden Teilen der bisherigen Militärbezirke West, Süd, Zentrum und Ost ein neuer fünfter mit der Bezeichnung „Nord“ eingerichtet. 

„Die Nordflotte ist der Kern des neuen Vereinigten Strategischen Kommandos in der Arktis“, so ihr Befehlshaber, Admiral Wladimir Koroljow. Derzeit wird ein Hybrid-Atomeisbrecher entwickelt, der nicht nur zivil, sondern bei Bedarf auch militärisch genutzt werden kann. Für letzteren Zweck werden dann Container-Module mit Waffen an Bord genommen. Einerseits wird das Schiff in der Lage sein, mit einer Geschwindigkeit von zehn Knoten eine vier Meter dicke Eisschicht aufzubrechen, andererseits kann es als Waffenträger dienen. „Besonders gefragt werden Flugabwehr-Module sein, es steht allerdings noch bevor, sie zu entwickeln. Dabei haben wir bereits Container-Startvorrichtungen Kalibr-K mit Marschflugkörpern – damit wird sich ein Eisbrecher faktisch in ein Kampfschiff verwandeln“, erklärt der Marineexperte Alexander Mosgowoj.

Gleichfalls sind ehemalige Militärbasen und Flugplätze aus der sowjetischen Zeit, die seit vielen Jahren unbenutzt waren, wieder in Betrieb genommen, ausgebaut und modernisiert worden und werden es noch. An zehn Plätzen im Norden Russlands gehen die Arbeiten an ehemals sowjetischen oder neu errichteten Flugplätzen demnächst ihrem Ende entgegen. Es handelt sich um Basen im Gebiet Murmansk, auf den Neusibirischen Inseln, auf Franz-Josef-Land und am Tschuktschensee. Der Luftwaffenexperte Alexander Drobyschewskij sagt: „Im Norden mit seinen Entfernungen von vielen tausend Kilometern ist es beim Abfangen (angreifender Flugzeuge) sehr wichtig, aus einer kürzeren Distanz zu starten, damit man keine wertvolle Zeit beispielsweise von Nowosbirsk aus verliert, sondern unmittelbar am Nordpolarmeer abhebt.“

All die neuen oder wiederhergestellten Flugplätze fügen sich in ein Netz von Radaranlagen und Leitzentralen. Diese ganzen Stützpunkte sind, wie ein Kommandeur der russischen Nordflotte, Vizeadmiral Nikolaj Jewmenow, versichert, in der Lage, über Monate hinweg ohne Nachschub auszukommen: „Ähnlich wie eine Weltraumstation kann jede Arktisbasis zwischen zwölf und 18 Monate autark arbeiten, ohne die Vorräte zu ergänzen.“ Andererseits sind auch die entlegensten Stationen über das ganze Jahr erreichbar. „Jede arktische Insel, auf der sich eine Basis der Nordflotte befindet, ist mit einem Flugplatz ausgestattet, der das ganze Jahr erreichbar ist, und zwar für die verschiedensten Flugzeugtypen vom Jagdjet bis zum schweren Transporter.“ Heute schon, so der Vizeadmiral weiter, sei die Nordflotte im Stande, die Lage auf der Nordostpassage über sowie unter Wasser zu kontrollieren.

Auf Franz-Josef-Land und den Neusibirischen Inseln werden jetzt zum Jahreswechsel zwei komplexe Objekte neu in Betrieb gesetzt, wie der russische Verteidigungsminister Sergej Schojgu mitteilte: „Das erlaubt, die Kontrolle über die Nordostpassage auszuüben, die Sicherheit der wirtschaftlichen Tätigkeit Russlands in der Arktis zu gewährleisten und nötigenfalls operative Truppen in dieser strategisch wichtigen Region zu verstärken.“

Schon seit 2012 unternehmen Schiffe der russischen Nordflotte regelmäßig Erkundungs- und Übungsfahrten in der Arktis. Im abgelaufenen Jahr hat ein Schiffsverband eine Strecke von 6000 Meilen zurückgelegt, von Seweroworsk in der Oblast Murmansk im europäischen Russland bis zu den Neusibirischen Inseln durch die Barentssee und die Karasee bis zum Hafen Dudinka im Mündungsgebiet des Jenissej. Dort haben Angehörige der arktischen motorisierten Schützenbrigade, die der Nordflotte zugeordnet sind, mit ebenfalls zugehörigen Luftlandeeinheiten und anderen Spezialkräften eine Übung durchgeführt. Diese Einheiten sind Teil der beiden Arktisbrigaden der Landstreitkräfte, die sich allerdings noch in der Aufbauphase befinden.

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Viele Unternehmen profitieren von der EZB-Niedrigzinspolitik
Norman Hanert

Firmenzusammenbrüche verursachen immense volkswirtschaftliche Schäden. Bei der Wirtschaftsauskunftei Credit-refrom schätzt man alleine für das laufende Jahr die Schäden auf insgesamt 26,6 Milliarden Euro. Dabei ist die Zahl der Insolvenzen im zeitlichen Vergleich derzeit alles andere als hoch. Trotz einiger spektakulärer Fälle wie etwa dem von Air Berlin oder der Hamburger Reederei Rick­mers fällt nach Daten der Auskunftei dieses Jahr die Zahl von Firmeninsolvenzen mit 20200 auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1994, als es 18820 waren. Damit sinkt die Zahl der jährlichen Firmenzusammenbrüche bereits im achten Jahr. 2003 war die Zahl der Insolvenzen noch fast doppelt so hoch. Vor dem Hintergrund der guten Konjunkturausssichten wird für das Jahr 2018 sogar mit einem weiteren Rückgang der Zahl an Firmenpleiten gerechnet. 

Unter den Bundesländern schnitt Baden-Württemberg am besten ab. Dort rutschten nur 38 von 10000 Firmen in die Insolvenz. Im Kontrast dazu steht die Insolvenzquote in Berlin, wo 93 von 10000 Unternehmen pleitegingen. Die deutsche Hauptstadt landete damit im Vergleich aller Bundesländer vor Nordrhein-Westfalen, wo es 90 sind, auf einem unrühmlichen Spitzenplatz.

Als Ursache für das Sinken der Insolvenzzahlen wird der anhaltende Wirtschaftsaufschwung genannt. Allerdings können sich durch die die extreme Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank offenbar auch viele Unternehmen über Wasser halten, die ansonsten große Schwierigkeiten hätten. Die Experten von Creditreform weisen in diesem Zusammenhang auf die Gefahr durch die hohe Verschuldung vieler Firmen hin. Bei der Wirtschaftsauskunftei heißt es dazu: „Im Durchschnitt sind – insbesondere im Mittelstand – rund zwei Drittel der Vermögenswerte mit Fremdkapital finanziert.“ Vor dem Hintergrund historisch niedriger Kreditzinsen und einer derzeit guten Wirtschaftslage in Deutschland muss ein weiterer Befund ganz besonders alarmieren: Rund jedes siebte Unternehmen kann seine Zinsen nicht aus dem Betriebsgewinn bedienen. Creditreform hat ermittelt, dass bei 15,4 Prozent der Firmen in den vergangenen drei Jahren die operativen Gewinne im Schnitt nicht zur Finanzierung der laufenden Zinsen ausgereicht haben. Faktisch leben diese Unternehmen von der Substanz. Sollte die Europäische Zentralbank die Zinsen eines Tages wieder anheben, dann könnte in Deutschland die Zahl von Firmeninsolvenzen wieder deutlich ansteigen. 

Wie sich Zinserhöhungen auswirken könnten, hat Creditreform  auf der Basis von Bilanzdaten von 7400 Unternehmen durchgespielt. Sollten die Zinsen für langfristige Kredite um 1,5 Prozentpunkte von derzeit drei auf 4,5 Prozent ansteigen, würde der Anteil der Firmen, die keine adäquate Zinsdeckung erreichen, auf 16,9 Prozent steigen. Bei einem Anstieg um drei Prozentpunkte würde bereits jedes fünfte Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. 

Selbst die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat davor gewarnt, dass die Niedrigzinsen viele Unternehmen künstlich am Leben halten, die eigentlich nicht rentabel arbeiten und unter normalen Zinsbedingungen in die Pleite rutschen würden.

Teure Finanzierung
Nachteile überwiegen bei Bausparverträgen – Kredite oft günstiger
Manuela Rosenthal-Kappi

Der Preisanstieg für Immobiien hält weiter an. Wie lange das noch so geht, ob es eine Blase gibt und wann diese platzt, vermag niemand zu sagen. Banken scheinen jedenfalls davon auszugehen, dass die Niedrigzinsphase noch ewig anhält, vergeben sie doch Darlehen mit Voraus-Zinsgarantie smit einer Laufzeit bis zu 15 Jahre. 

Laut deutschen Bundesbank stiegen die Preise für Wohnimmobilien zuletzt um 6,1 Prozent. Grund sei die gute wirtschaftliche Lage und eine hohe Nachfrage. Auffallend ist, dass der Preisanstieg nicht nur Großstädte betrifft, sondern sich mittlerweile auch in der Fläche bemerkbar macht. Experten sprechen von Übertreibungen bis zu 20 Prozent bei Immobilienpreisen. In gefragten Lagen, beispielweise Münchens, liegt der Anstieg deutlich darüber. Wer ein Haus in Ballungsräumen erwerben oder bauen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen, während die Einkommen kaum steigen. Wohneigentum können sich gerade in Großstädten immer weniger Menschen leisten. Deutschland bleibt damit im Gegensatz zu den meisten EU-Ländern ein Mieterland. Daneben lassen Vollbeschäftigung, niedrige Zinsen, eine hohe Eigenkapitalquote, weil Anlagealternativen fehlen, aber auch die massive Zuwanderung die Nachfrage nach Immobilien immer weiter steigen. 

Eine der beliebtesten Anlageformen zur Immobilienfinanzierung der Deutschen ist das Bausparen. Obwohl es sich in der Niedrigzinsphase kaum lohnt, in Bausparverträge zu investieren, haben 

30 Millionen Deutsche solche Sparverträge abgeschlossen, Banken und Bausparkassen werben mit dem Argument, dass die Kunden sich auf Jahre hinaus die historisch niedrigen Zinsen sichern können. Wird dann ein Darlehen zur Immobilienfinanzierung aufgenommen, ist von der ersten bis zur letzten Rate ein effektiver Jahreszins von beispielsweise 1,5 Prozent fällig. Bei diesem verlockenden Angebot bleiben die Nachteile unberücksichtigt. Mit Guthabenzinsen von nur noch 0,5 Prozent in der Ansparphase, die im Durchschnitt sechs bis acht Jahre dauert, wird höchstens die Abschlussgebühr von einem Prozent getilgt, aber nichts angespart. Häuser, die im Schnitt über 300000 Euro kosten, ließen sich nur über hohe monatliche Belastungen, die über 2000 Euro liegen können, abbezahlen. Auch bei den Darlehenszinsen bietet ein Bausparvertrag kaum Vorteile, da Bankdarlehen genauso günstig zu haben sind. Selbst Wohnriester bietet wenig Vorteile. Lediglich Familien mit Kindern und geringem Einkommen können davon profitieren: Der Staat zahlt eine jährliche Zulage von 154 Euro plus Zulagen für jedes Kind (185 bis 300 Euro). Auch vermögenswirksame Leistungen können in einem Bausparvertrag angelegt werden. Bei geringem Einkommen kann man noch eine Wohnungsbauprämie beantragen. Der Staat gibt dann beim Hausbau 90 Euro für jedes Jahr der Ansparphase hinzu.


MELDUNGEN

Schritt zur Achse Europa–China

Moskau/Astana – Russland und Kasachstan haben den Bau eines Hochgeschwindigkeitseisenbahnkorridors zwischen beiden Ländern sowie dessen genaue Streckenführung vertraglich vereinbart. Der unter dem Namen „Eurasia“ firmierende Trassenkomplex soll von Moskau über die tatarische Metropole Kasan und Jekaterinburg via Petropawlowsk und Kokschetau nach Astana und von dort weiter über Karaganda nach Almaty sowie zum Endpunkt Altynkol verlaufen. Damit sind die grundlegenden Weichen für das entstehende Hochgeschwindigkeitszugnetz zwischen Europa und China gestellt.T.W.W.





Förderung für den Mittelstand

Berlin – Die Bundesregierung will aus dem Sondervermögen des European Recovery Program (ERP) 790 Millionen Euro bereitstellen. Das Geld soll mittelständischen Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und der freien Berufe zugutekommen. Wie es in dem Gesetzentwurf über die Feststellung des Wirtschaftsplans des ERP-Sondermögens für 2018 heißt, könnten dadurch zinsgünstige Darlehen und Beteiligungskapital in Höhe von 6,75 Milliarden Euro „mobilisiert“ werden.J.H.

S. 8 Forum

Warnung
Hermann Paul Winter

Martin Schulz verlangte kürzlich, die SPD müsse die Partei der Bildungsrevolution werden. Das Bildungssystem in Deutschland sei nicht modern, Schuldächer und Schultoiletten seien zu reparieren. Keine Rede davon, dass und weshalb Kinder heute nur noch lückenhaft Lesen, Schreiben und Rechnen lernen und ihnen so der Zugang zur Allgemeinbildung verwehrt wird. Das Lernziel Allgemeinbildung beschreibt die Erziehung junger Menschen zu selbstständig denkenden Persönlichkeiten, die der Demokratie Halt geben sollen. In mehreren SPD-Bundesländern wurde dieses Lernziel schon so gut wie abgeschafft. In Baden-Württemberg wurde es 2014 für die Klassen 5 und 6 gegen rund 200 Gesinnungseinstellungen ausgetauscht. Die Bildungsmisere im SPD-regierten NRW kommentierte ein Magazin mit „Sechs, setzen!“ Der Phrasendrescher Schulz hat rein gar nichts verstanden. Vor seiner Bildungsrevolution kann man nur warnen.

Und das bei uns
Bodo Bost

In Berlin kam es bei mehreren Demonstrationen gegen Israel zu antisemitischen Ausfällen. Der rot-rot-grüne Senat verspricht zwar, hart durchzugreifen, aber tut nichts. Bereits im Sommer 2014 war die deutsche Hauptstadt während des dritten Gaza-Krieges wochenlang Schauplatz antisemitischer Proteste gewesen. Demonstranten brüllten damals ungestraft auf dem Kurfürstendamm „Juden ins Gas“. Seit Jahren steigt die Zahl antisemitischer Vorfälle an Berliner Schulen durch arabische und türkische Mitschüler. „Jude“ ist an Berliner Schulen, vor allem an denen mit muslimischer Mehrheit, wieder zu einem alltäglichen Schimpfwort geworden. 

Eine vor zehn Jahren von den Hamburger Rechtswissenschaftlern Katrin Brettfeld und Peter Wetzel durchgeführte Umfrage an Berliner Schulen offenbarte bereits damals, dass 18 Prozent aller muslimischen Schüler Juden für arrogant und gierig hielten, bei nicht muslimischen ausländischen Schülern lag dieser Anteil bei acht und bei deutschen Schülern bei fünf Prozent. Nach der seit damals massiven Zuwanderung aus Syrien und dem Irak dürften die Prozentzahlen heute noch höher liegen.

Wegen des steigenden Antisemitismus in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion hatte sich noch die Regierung Kohl bereit erklärt, eine unbegrenzte Anzahl von Juden aus diesen Ländern in Deutschland aufzunehmen. Mehrere Hunderttausend sind seitdem statt nach Israel nach Deutschland ausgewandert, weil sie glaubten, hier vor Antisemitismus sicher zu sein. Jetzt müssen viele erleben, dass angesichts massiv gestiegener Zuwanderungszahlen aus muslimischen Ländern sie auch hier nicht mehr sicher sind vor Antisemitismus – in einem Land, das seit Adenauer seine antisemitischen Vergangenheit hinter sich zu haben glaubte.

Ein »deutscher Staat«?
Manuel Ruoff

Marcus Spiegelberg hat Österreich als einen „deutschen Staat“ bezeichnet. Die Linke in der Bundesrepublik tobt. Sie beschimpft den AfD-Abgeordneten des sachsen-anhaltischen Landtags, der sich für den Beruf des Historikers und Völkerkundlers entschieden hat, mit denselben Argumenten, mit denen sie vor 1989 jene beschimpfte, die feststellten, dass diesseits wie jenseits des Eisernen Vorhangs Deutsche lebten. Den Antideutschen kann Deutschland eben gar nicht klein und kleinteilig genug sein.

Eine entsprechende Konsequenz im Denken und Handeln lässt das patriotische Lager vermissen. So gibt es nicht wenige Patrioten in der Bundesrepublik, die sich zwar bis 1989 standhaft geweigert haben, die DDR-Bürger als Ausländer zu behandeln, Österreicher aber durchaus als solche betrachten. 

Dabei gibt es kaum etwas, was zwar West- und Mitteldeutsche miteinander verbindet, beide mit Österreichern aber nicht. Deutschsprachig sind sie alle, das ist mittlerweile unbestritten. Auch ansonsten verbindet sie die gemeinsame deutsche Kultur. Haydn, der Komponist des Deutschlandliedes, ist nicht weniger deutsch als Beethoven, und Schubert nicht weniger deutsch als Schumann. 

Rund ein Jahrtausend haben West- und Mitteldeutsche sowie Österreicher erst im Heiligen Römischen Reich (deutscher Nation) und dann im Deutschen Bund zusammengelebt, waren eine Schick­salsgemeinschaft. Was sind dagegen die gut 40 Jahre zwischen der Gründung von Bundesrepublik wie DDR 1949 und deren Vereinigung 1990 – aber auch die gut 140 Jahre zwischen dem Ende des Deutschen Bundes 1866 und dem Anschluss Österreichs 1938 sowie zwischen der erneuten Trennung nach dem Zweiten Weltkrieg und der Gegenwart? 

Österreichern das Deutschsein abzusprechen, weil 1871 das Deutsche Reich ohne sie gegründet wurde, ist so widersinnig, wie Mitteldeutschen das Deutschsein abzusprechen, weil 1949 die Bundesrepublik ohne sie entstand. Weder das kleindeutsche Kaiserreich noch der westdeutsche Teilstaat umfasste alle Deutschen.

Dass sich das demokratisch legitimierte Paulskirchenparlament von 1848 schweren Herzens letztlich für eine kleindeutsche Lösung unter Ausschluss Österreich aussprach, lag nur daran, dass Österreich damals ein Vielvölkerstaat war und der angestrebte deutsche Nationalstaat sich mit der Integration der nichtdeutschen Österreicher übernommen hätte. 

Durch den verlorenen Ersten Weltkrieg hat Österreich jedoch seine nichtdeutschen Gebiete verloren. Folgerichtig nannte sich das, was übrig blieb, „Deutschös-terreich“ und beschloss den Anschluss an den kleindeutschen Nationalstaat. Entgegen dem Selbstbestimmungsrecht der Völker verboten die Sieger des Ersten Weltkriegs beides. Als Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erneut darniederlag, wurde das Anschlussverbot von den Siegern wiederholt. 

Wenn ein Land gespalten wird, ist das ein bedauernswertes Schick­sal. Aber wenn selbst seine Patrioten diese Spaltung so sehr verinnerlichen, dass sie die Landsleute auf der anderen Seite der Grenze als Ausländer betrachten, ist das tragisch und beschämend.

Frei gedacht
Prominente Journalisten »säubern« Facebook
Eva Herman

Die Aufgabe von Journalisten ist es, sachlich und neutral zu informieren. Leider geschieht dies heutzutage nicht mehr allzu häufig: Wie auch? Die meisten Medienanstalten, inklusive die öffentlich-rechtlichen, müssen eine ganz bestimmte Vertrags-Agenda einhalten: Sie sollen in ihrer Be-richterstattung das westliche Bündnis bestätigen, da nach dem Zweiten Weltkrieg die Regelungen für die wichtigsten Medienkonzerne und Journalisten in unserem Land neu entworfen und festgelegt wurden. In den Arbeitsverträgen wird ein beträchtlicher Teil der Redakteure, Korrespondenten und „Qualitätsjournalisten“ zu diesen Vorgaben verpflichtet, was die wenigsten Menschen heutzutage wissen. Wer also, wie vielfach geschehen, als Top-Journalist in den Abendnachrichten unkritisch über die weltweiten 

NATO-Kriegseinsätze mit Millionen Toten berichtet, hält sich nur an seinen Vertrag. Wer auch die Massenimmigration als willkommene Demografiepolitik preist und sich in der Bericht­erstattung an zum Teil unerklärliche Denkverbote hält, hält sich lediglich brav an seinen Vertrag. So einfach ist das. 

Es ist natürlich logisch, dass im Rahmen dieser vorgegebenen Ausrichtung eine gewisse Abrichtung des Bürgers nicht ausbleibt – die einseitige Berichterstattung wirkt wie eine Art permanenter Gehirnwäsche. Und nun kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Diese sogenannten Qualitätsjournalisten greifen jetzt auch in die sozialen Medien ein, um die Gesellschaft noch effektiver politisch korrekt zu verändern. Viele der deutschen Mainstream-Journalisten werden seit Neuestem verstärkt eingesetzt als Internet-Polizei für sogenannte Fake News und Hate Speech. Damit sind wir bei dem seit wenigen Jahren bestehenden Internet-Portal namens Correctiv: Das sogenannte Recherchezentrum besteht zu einem großen Teil eben aus bekannten Mainstream-Journalisten, die auch dem öffentlich-rechtlichen System und anderen sogenannten Leitmedien dienen. Diese Mainstream-Journalisten bei Correctiv arbeiten ganz offiziell als beauftragtes Säuberungskommando für den deutschsprachigen Internetgiganten Facebook. Correctiv hat für Deutschland ganz offiziell die Rolle des „objektiven Faktencheckers“ bei Facebook übernommen. Und Correctiv ist seit April 2017 der einzige deutsche Partner in der Initiative. 

In einem kritischen Bericht lesen wir dazu: „In Endkonsequenz heißt dies, dass just jener Teil der deutschen Leitmedien und insbesondere der öffentlich-rechtlichen, der mitverantwortlich ist für den grassierenden Vertrauensverlust in die Medien, via Correctiv bei Facebook darüber entscheidet, welche Nachrichten und welche Medienportale als vertrauenswürdig eingestuft werden und welche nicht.“ Was also bei Facebook richtig oder falsch ist, also justiziabel, was auch geahndet wird mit immer empfindlicheren Strafen, entscheidet nicht etwa ein juristisches Konsortium, sondern entscheiden – unsere sogenannten Qualitätsjournalisten.

Interessant ist ein Blick auf die Mitarbeiterliste bei dem sogenannten Faktenchecker: So findet sich ein reger Austausch des redaktionellen Führungspersonals zwischen Correctiv und den öffentlich-rechtlichen Anstalten von ARD und ZDF und anderen Mainstream-Medien. Beispielsweise war der lange Jahre für den „Spiegel“ in Washington tätige Journalist Markus Grill zunächst als Chef bei Correctiv eingesetzt. Vor Kurzem war er zu den Mainstream-Medien zurückgewechselt, und zwar zum Investigativ-Netzwerk von „Süddeutscher Zeitung“, Westdeutschem Rundfunk (WDR) und Norddeutschem Rundfunk (NDR). Grill leitet das Berliner Büro der sogenannten Investigativressorts beider Sender. Dann ist da David Schraven, früher bei „Panorama“ vom NDR. Jahrelang arbeitete er auch für die linke „Taz“, ebenso für den WDR, für die „Welt“, die „Süddeutsche Zeitung“ und die WAZ-Gruppe. Er ist Gründer von Correctiv gewesen und fungiert jetzt als Herausgeber. Im Januar 2018 soll ein gewisser Oliver Schröm neuer Chefredakteur bei „dem ersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum“ werden. Schröm hatte jahrelang für den „Stern“, die „Zeit“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sowie für Politikmagazine bei ARD und ZDF gearbeitet. 

Correctiv, sprich, die genannten Leute, „reinigen“ jetzt Facebook von „Rechten“ und „Verschwörern“. Von den vielen Facebook-Sperrungen hören wir in letzter Zeit ja immer öfter, herzlichen Dank also in diesem Zusammenhang auch an unsere Mainstream-Kollegen! Einen Ethik-Rat hat Correctiv auch. Dazu gehört eine gewisse Monika Bäuerlein, sie ist Geschäftsführerin des linken US-Magazins „Mother 

Jones“ in San Francisco, das mit hohen Beträgen von den berühmten Stiftungen des US-Milliardärs George Soros finanziert wird. Ferner gehört dazu Sheila Coronel von der Academic Affairs der Columbia University Graduate School of Journalism in New York City. Die Columbia University wird bekanntermaßen ebenfalls durch großzügige Spenden von Stiftungen des US-Milliardärs Soros unterstützt. Correctiv selbst erhielt übrigens bereits mehr als 150000 Euro Unterstützung durch die Soros-Stiftung Open Society Foundations (OSF). 

Wer sich mit den Strukturen der seit 2015 stattfindenden Massenimmigration beschäftigt, dem begegnet dieser Herr Soros recht häufig. Beispielsweise werden durch die Soros-Stiftungen politisch korrekte Sprachregelungen für deutsche und europäische Medienunternehmen und Journalisten erarbeitet, die bereits vielfach umgesetzt sind. Aber wen wundert’s noch? Zum Correctiv-Ethikrat gehören weiterhin der ehemalige „Focus“-Chefredakteur Ulrich Reitz, ferner der frühere ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, Cordt Schnibben von dem deutschen sogenannten Leitmagazin „Der Spiegel“, Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online und Stefan Willeke, Chefreporter bei der „Zeit“.

Gründungsvorsitzender dieses Ethik-Rates ist Bodo Hombach. Bis vergangenes Jahr hatte der vormalige Kanzleramtschef von Gerhard Schröder den Vorsitz inne. Zu den wichtigsten Themen des Jahres 2017 gehört bei den Correctivlern nach eigenen Aussagen übrigens der Kampf gegen rechts. Wörtlich heißt es: „Das Jahr 2017 ist eine Zäsur: eine rechtspopulistische Partei ist zum ersten Mal seit der Nachkriegszeit in den Bundestag eingezogen. Wir recherchieren schon lange zu den Lügen und den Widersprüchen der AfD. Und dem Schaden, den ihre spalterische Politik in unserer Demokratie und unserer Gesellschaft anrichtet.“

Das sogenannte Recherchezentrum Correctiv bekommt übrigens offiziell kein Geld von Facebook für das „Säuberungskommando“. Letztendlich kann dies nichts anderes bedeuten, als dass Facebook das Ganze vom Steuerzahler finanzieren lässt, da Correctiv unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung mitgetragen wird.

Es ist unverkennbar: Da gibt es einige wenige ultrareiche Leute auf diesem Planeten, die sich mit nur einem Teil ihrer Zinserträge maßgeblich den Einfluss auf die ganze Welt sichern können. Fast ein Stoff, wie man ihn in einem James-Bond-Film findet, wo jemand die Weltherrschaft übernehmen will. Die Waffen hier und heute sind jedoch nicht mehr Pistole und Charme, sondern hier handelt es sich offenbar um geldsystemische Massenvernichtungswaffen. Was heute entscheidend ist, ist, dass dieser James Bond hier nicht mehr der Gegner des grimmigen Weltbeherrschers ist, sondern auf der Gehaltsliste der Welteroberer steht.

S. 9 Kultur

Die Erfindung der Weihnachtsmärchen
Rotkäppchen und Co. spazieren erst seit 150 Jahren unterm Tannenbaum entlang – aus rein kommerziellen Gründen
D. Jestrzemski

Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Weihnachtsmärchen gehören nach unserer Vorstellung zur Vorweihnachtszeit wie Weihnachtsmärkte, Marzipan und Lebkuchenhäuschen. Aber warum ist das eigentlich so, da doch Weih­nachten in den europäischen Volksmärchen kaum vorkommt?

Blickt man auf den Spielplan der Theater- und Opernbühnen, so finden sich dort neben Dauerbrennern wie „Hänsel und Gretel“ oder „Emil und die Detektive“, was ebenfalls als Weihnachtsmärchen durchgeht, viele moderne Neuschöpfungen mit Titeln, die an Bekanntes anknüpfen. Auch mit dem weihnachtlichen Fernsehprogramm werden jedes Jahr wieder die Erwartungen von Kindern und Eltern erfüllt, gemeinsam einen Märchenfilm anzuschauen, am liebsten einen, der schon zur Kinderzeit der Eltern beliebt war. In dieser Gattung haben sich „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, eine Koprodukti­on der CSSR mit der DDR von 1973, und die DEFA-Märchenfilme als feste Programmpunkte etabliert. Kürzlich hat die ARD die Märchenklassiker der Brüder Grimm neu verfilmt. Schauplätze sind wie eh und je romantische Schlösser und verwunschene Wälder, zum Stammpersonal ge­hören, wie könnte es anders sein, gute und böse Feen, Prinzen und Prinzessinnen, sprechende Tiere und treue Geschwister.

Gerade zu Weihnachten scheinen die Menschen ihren Hang zu Mythen und altbekannten Ge­schichten mit gutem, tröstlichem Ausgang zu pflegen. So werden die grausamen Elemente in den Märchen entkräftet und es entsteht Vertrauen in den Sinn des großen Ganzen. Die Kategorie der Schwänke und Lügenpossen be­dient das menschliche Verlangen, Belastendes durch Humor abzustreifen. Dass diese Neigung uralt ist, viel älter als die Feier des Weihnachtsfestes, hat die Märchenforschung nachgewiesen. 

Ursprünglich waren Märchen Unterhaltung für Erwachsene, erst sekundär wurden sie zu Kindermärchen. Man hat die Märchen auch als „weltliche Wunschträume der Menschheit“ bezeichnet. Auch in der Märchenwelt ist der Mensch erlösungsbedürftig. Insofern ist das Märchen nicht allzu weit von der christlichen Auffassung entfernt. 

Altertumsforscher warfen den Brüdern Grimm nach der Veröffentlichung der Ausgabe von Band 1 ihrer „Kinder- und Hausmärchen“ im Jahr 1812 vor, das Alter ihrer Sammlung von mündlich überlieferten Volksmärchen zu überschätzen. Einige der be­rühmtesten, darunter „Rotkäppchen“, „Aschenputtel“ und „Der kleine Däumling“, erwiesen sich als Varianten von Kunstmärchen, die der Franzose Charles Perrault 1695 veröffentlicht hat. Aus diesem Grund fehlte auch „Der ge­stiefelte Kater“ in der zweiten Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ von 1819. 

Wilhelm Grimm hielt dennoch an seiner Überzeugung fest, dass ein Teil der Märchen ein hohes Alter habe. Die zahlreichen Übereinstimmungen der europäischen Märchen seien auf die Herkunft von einem „großen Volksstamm, den man den indogermanischen zu nennen pflegt“, zurückzuführen, betonte er nochmals in der Ausgabe letzter Hand von 1857. Und wirklich setzte sich bald darauf die Lehrmeinung durch, dass viele Märchen Relikte aus grauer Vorzeit seien. 

Die durch großräumigen Vergleich gewonnenen Ergebnisse mehrerer Forschergenerationen werden neuerdings durch die Arbeit der an der britischen Durham University und der Universidade Nova de Lisboa tätigen Ethnologen Jamshid Tehrani und Sara Graça da Silva bestätigt. In der Wissenschaftszeitschrift „Ro­yal Society Open Science“ stellten sie ihr Resümee vor. Einiges Aufsehen erregte ihr Befund, dass etliche unserer bekannten Märchen wahrscheinlich schon in der Bronzezeit kursierten. Damit wird ihnen ein Alter von 2500 bis 5000 Jahren zugeschrieben. 

Bei ihrer Untersuchung wandten die Forscher Methoden der Phylogenetik an, die in der Biologie genutzt werden, um Stammbäume durch Genanalyse zu er­stellen. Demnach sind 50 Märchen-Prototypen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ge­mein-indoeuropäisch, entstanden während einer letzten Stufe vor der Trennung in verschiedene Sprachfamilien. Womöglich wurden sie zuerst in einer vermuteten ausgestorbenen indoeuropäischen Stammsprache er­zählt. 

Auch im deutschsprachigen Raum spricht man heute meist von „indoeuropäisch“ anstatt von „indogermanisch“. Die Forscher finden es bemerkenswert, dass diese Geschichten so lange überlebt haben, ohne aufgeschrieben worden zu sein. Zu den bekanntesten der sehr alten Prototypen zählen das französische Volksmärchen „Die Schöne und das Biest“ und das auch bei den Brüdern Grimm notierte „Rumpelstilzchen“. Aus einer italisch-keltisch-germanischen Protosprache stammt der Prototyp „Die Tierbraut“, in der Grimmschen Samm­lung mit dem Titel „Der arme Müllerbursch und das Kätzchen“ vertreten. 

Weihnachten und die Märchenwelt sind erst in vergleichsweise jüngerer Zeit, nämlich vor rund 150 Jahren, miteinander in Verbindung gebracht worden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts zieht das Weihnachtsmärchen Kinder und auch Erwachsene in seinen Bann. Aus rein kommerziellen Gründen setzten damals Theaterintendanten die Idee, Kinder in der Vorweihnachtszeit durch Märchenspiele zu erfreuen, in die Tat um. Dies bedeutete eine komplette Abkehr von der mehr ländlichen Sitte, den Kindern in der besinnlichen Adventszeit Angst zu machen, vornehmlich durch die Gestalt des Knecht Ruprecht.

So füllten sich die gegen Jahres­ende sonst leeren Theatersäle, und es wurde Tradition, diese Stücke in der Vorweih­nachtszeit aufzuführen. Ausgewählt wurden bevorzugt Märchen mit Schneekolorit wie „Frau Hol­le“, „Brüderchen und Schwesterchen“ oder die Wintermärchen von Hans Christian Andersen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ und „Der Tannenbaum“. 

Mit dem Erfolg der Uraufführung von Engelbert Humper­dincks Oper „Hänsel und Gretel“ am 23. Dezember 1893 in Weimar unter der Leitung von Richard Strauss war die Verknüpfung von Märchen und Weihnachten endgültig besiegelt.

Ränke, Rachsucht, Raserei
Fiese Päpste – Der ARD-Weihnachtszweiteiler »Die Puppenspieler«
Anne Martin

Alle Jahre wieder bietet das Fernsehen zu Weihnachten einen üppigen Nachschlag aus bunten Bildern und wohlfeiler Spannung, gerne in ein historisches Mäntelchen ge­hüllt: diesmal den Zweiteiler „Die Puppenspieler“ (27. und 29. De­zember, jeweils 20.15 Uhr, Das Erste), frei nach dem 1993 erschienenen historischen Roman der damals 23-jährigen Tanja Kinkel.

Wer sich einlässt, darf tief in das Deutschland des Jahres 1484 eintauchen, darf mitfiebern und mitfühlen, wenn sich das Unheil über dem jungen Klosterschüler Richard zu­sammenbraut und dessen Mutter, die schöne Sarazenin Zo­beida, als Hexe verleumdet auf dem Scheiterhaufen brennt. 

Produzentin Regina Ziegler schickt große Schauspieler auf die Reise, von denen einer wie Ulrich Matthes sehr freimütig be­kennt, die Dreharbeiten seien ihm vorgekommen, wie Räuber und Gendarm zu spielen. Damit liegt er goldrichtig: Inquisitor Heinrich Institoris etwa, dargestellt von Philipp Moog, ist ein unbarmherziger Folterknecht, der geißelt, was ihm heimlich auch Lust verschafft. Kardinal Borgia (Matthes) mimt maliziös lächelnd den Machtstrategen, der es schließlich bis zum Papst bringt. Schwankend zwischen Kaufmannsgeist und moralischer Verantwortung gibt Herbert Knaup den mächtigsten Händler seiner Zeit, Jakob Fugger, der sich des verfolgten Jugendlichen annimmt. 

Saftiges Kernstück ist Fuggers Reise über die Alpen nach Rom, an der auch sein Schützling (Sa­muel Schneider) teilnimmt. Im Sündenbabel Rom gerät die Karawane mitten hinein in das Ränkespiel um die Papstwahl, das der durchtriebene Borgia für sich entscheidet. Richard, der ausgezogen ist, seine Mutter zu rächen, verliebt sich in die freiheitsdurstige junge Zigeunerin Savya (Helen Woigk), die ins Visier des Inquisitors geraten ist. Wird er seine Lie­be vor dem grausamen Schicksal seiner Mutter bewahren können?

Die ARD-Moritat bietet alles, was das Zuschauerherz begehrt: Richard verkörpert den ungestümen jungen Helden, sein Be­schützer Fugger den pragmatisch denkenden Kaufmann. Wenn die Kamera die Szenarien der beginnenden Renaissance ausleuchtet, findet sich der Zuschauer in sorgsam arrangierten Stillleben wieder. Auf den Tischen türmen sich Trauben und Bratenstücke, die toskanische Landschaft mit ihren Zypressen-Alleen leuchtet im sanften Licht des Südens, Statisten jonglieren mit Bällen, edle Pferde ga­loppieren in Zeitlupe.

Wollte man etwas kritisieren, dann die Klischees, die auch der historische Goldrand nicht verbrämen kann: Derart ruchlos sind die Kardinäle, dass sie einem sterbenden Papst nicht das verlangte Wasser reichen, sondern ihm eine trockene Oblate in den Mund drücken. So feige ist der Sohn des Borgia, dass er widerspruchslos seine einstige Geliebte töten würde. Überall Ränke, Rachsucht und Aberglaube, nur der Protagonist kämpft für das Gute. Kurz nach Weihnachten ist Märchenzeit – und wer hat je behauptet, dass Märchen wahr sein müssen?

A.K. für Königsberg
150. Geburtstag des Theaterpapsts Alfred Kerr
H. Tews

Lange bevor in Deutschland der Begriff „Literaturpapst“ für einen allmächtigen Literaturkritiker geläufig wurde, gab es einen Theaterpapst. Alfred Kerr konnte als Theaterkritiker Karrieren fördern – und vernichten. Von 1900 bis 1933 war der am ersten Weih­nachtstag 1867 in Breslau geborene Sohn eines jüdischen Weinhändlers die dominante Stimme in den Berliner Feuil­letons. Nachdem er fünf Jahre lang für seine heimatliche „Breslauer Zeitung“ Berichte aus Kultur und Gesellschaft geliefert hatte, verfasste er für den „Berliner Tag“, das „Berliner Tageblatt“ und später auch für die „Frankfurter Zeitung“ bissig-pointierte Theaterkritiken. 

Daneben schrieb er aber auch 25 Jah­re lang für die „Kö­nigsberger Allgemeine Zeitung“. Die Biografin Deborah Vietor-Engländer („Al­fred Kerr: Die Biographie“, Ro­wohlt Verlag 2016, 720 Seiten, 29,95 Euro) entdeckte erst vor wenigen Jahren, dass sich hinter dem Kürzel „A.K.“, das von 1897 bis 1922 am Ende einer „Berliner Plauderbriefe“ genannten Sonntagskolumne stand, der berühmt-berüchtigte Alfred Kerr verbarg. 1000 solcher Beiträge soll Kerr für das ostpreußische Blatt geschrieben haben, wobei man in den Ar­chiven bisher erst die Hälfte davon aufspüren konnte. Vietor-Engländer hofft, dieses Werk komplettieren zu können, „weil es eine le­bensnahe Ge­schichte Berlins enthält, eine einzigartige Dokumentation voller Geist, Humor, oft Wehmut“.

Kerr, der eigentlich Kempner hieß und der seinen Na­men änderte, um nicht mit der da­mals populären Schriftstellerin Friedericke Kempner in Verbindung ge­bracht zu werden, lebte nach 1933 mit seiner Familie im englischen Exil. Sei­ne Tochter machte sich als Schriftstellerin Judith Kerr weltweit einen Na­men, und sein Sohn Michael wurde als einer der obersten Richter Englands geadelt. Kerr selbst erlitt nach einem Theateraufenthalt in Hamburg 1948 einen Schlaganfall und setzte, da er nicht mehr schreiben konnte, seinem Leben am 12. Oktober 1948 mit einer Überdosis Schlaftabletten ein Ende.

Beethoven im Mini-Format

Das Beste kommt oft zuletzt. Damit trösten sich Weih­nachtsmuffel, die ihre Geschenke auf den letzten Drücker einkaufen. Wer Klassik-Freunde damit überraschen möchte, dem sei die CD-Box von Beethovens „Symphonien 1–9“ mit Peter Stangels Taschenphilharmonie empfohlen.

Das Münchener Ensemble versteht sich als „kleinstes Sinfonieorchester der Welt“. Zu Recht! Mit nur bis zu 15 Musikern spielen sie Beethoven in einer Mini-Besetzung. Eine Ausnahme ist die zu Silvester viel ge­spielte 9. Sinfonie mit Schillers „Ode an die Freude“, die in voller Orchesterstärke aufgeführt wird. 

Ob es an der schmalen Besetzung liegt, dass ei­nige Sinfonien wie ge­hetzt klingen, als würde die Tonspur zu schnell ablaufen? Die Transparenz durch das kammermusikalische Spiel geht so leider verloren. Ein Knüller aber ist die „Hörakademie“ im Anschluss der Sinfonien. Dirigent Stangel erklärt humorvoll-verständlich den Aufbau der einzelnen Sätze und schnalzt, wenn es sein muss, mit der Zunge den Dreivierteltakt in der „Eroica“. Die zehn CDs – die 42-minütige „Hörakademie“ zur 9. Sinfonie beschließt die Kollektion als Beethovens „Zehnte“ – ist mit 49.90 Euro vergleichsweise günstig (ISBN 978-3-86497-440-3).tws

S. 10 Geschichte & Preussen

Punkte sammeln in Flensburg
Seit 60 Jahren gibt es die sogenannte Verkehrssünderkartei
Wolfgang Kaufmann

Es gibt Institutionen hierzulande, mit denen die meisten Menschen nur ungern zu tun haben, obwohl sie permanent in aller Munde sind. Dazu zählt auch jene Dienststelle des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg, die das Fahreignungsregister (FAER) führt, das früher „Verkehrszentralregister“ (VZR) hieß und umgangssprachlich „Verkehrssünderkartei“ genannt wird. Dessen Geburtsstunde schlug vor nunmehr 60 Jahren.

Mit Beginn des schwer erarbeiteten Wirtschaftswunders in der Bundesrepublik nahm auch die Zahl der privaten Kraftfahrzeuge explosionsartig zu: Ende 1956 lag sie bereits bei sieben Millionen. Das schuf vielfältige Probleme, wie nicht zuletzt der damalige Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm (CDU) feststellte: „Die Vermehrung der Kraftfahrzeuge aller Art hat zu einer Spannung zwischen den Verkehrswegen und den Verkehrsmitteln im Straßenverkehr geführt, wie wir sie bei den anderen Verkehrsarten niemals haben feststellen können.“ Die Folge hiervon waren 14811 Unfalltote allein im Jahre 1956.

Deshalb sah sich der Gesetzgeber schließlich am 16. Juli 1957 veranlasst, ein Änderungsgesetz zum Straßenverkehrsgesetz zu verabschieden, das Seebohm ermächtigte, mit Zustimmung des Bundesrates Rechtsvorschriften und allgemeine Verwaltungsvorschriften über die flächendeckende Erfassung von behördlichen oder gerichtlichen Entscheidungen nach Gesetzesübertretungen auf Westdeutschlands Straßen und Autobahnen zu erlassen. Und das tat der Minister dann auch bereits am 25. Juli 1957 mit seiner „Verordnung zur Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung“ betreffs Schaffung eines Verkehrs­zentralregisters.

Dessen Aufgabe bestand zunächst darin, Angaben über Versagungen oder Entziehungen von Fahrerlaubnissen und Verbote im Hinblick auf das Führen von Kraftfahrzeugen sowie auch die Rück­nahme solcher Entscheidungen zu speichern, also Verkehrsverstöße zu dokumentieren und zu verwalten. Verbunden war damit die Hoffnung, dass dadurch ein erzieherischer Effekt zustande kommt und die Verkehrssicherheit steigt. Damit knüpfte das VRZ im Prinzip an die Tätigkeit der Sammelstelle für Nachrichten über Führer von Kraftfahrzeugen an, die bereits 1910 beim Berliner Polizeipräsidium eingerichtet worden und 1945 nach Bielefeld umgezogen war.

Das VZR nahm seine Tätigkeit am 2. Januar 1958 auf. Damals residierte es in einem alten Hafengebäude am Flensburger Brauereiweg, wo die 70 Beschäftigten des Registers bis Ende 1958 Akten über 810000 Verkehrssünder anlegten. Allerdings blieb es nicht lange bei dieser Zahl, weil die Verstöße von Kraftfahrern weiter kontinuierlich zunahmen. So wies das Zentralregister, das zwischenzeitlich in der Bonte-Kaserne untergekommen war und schließlich am 1. Mai 1965 sein endgültiges Domizil in einem eigens errichteten Hochhaus in der Mürwiker Fördestraße gefunden hatte, 1970 bereits 3,3 Millionen Einträge auf. Gleichzeitig starben immer mehr Menschen auf bundesdeutschen Straßen: 1970 lag die Zahl der Verkehrsopfer nun schon bei 19193. Hieraus resultierte die Einführung des noch heute verwendeten Punktesystems im Jahre 1974. Nunmehr galt: Für Verkehrsdelikte gab es Punkte und bei 18 war das Konto voll und der Führerschein erst einmal weg.

Diese Regelung hatte bis zum 30. April 2014 Bestand. Dann erfolgte eine Reform, in deren Rahmen das Verkehrszentralregister in Fahreignungsregister umbenannt und eine neue Verfahrensweise bei der Punktevergabe eingeführt wurde. Seither dürfen Kraftfahrer nur noch acht Punkte einheimsen – im gleichen Zuge kam es allerdings zur Neubewertung sämtlicher Delikte: Konsequenzen drohen jetzt ausschließlich bei einer Gefährdung der Sicherheit im Straßenverkehr. Dann gibt es einen Punkt bei einfachen und zwei bei groben Ordnungswidrigkeiten wie dem Überfahren roter Ampeln, während drei Punkte erst bei Straftaten mit Entziehung der Fahrerlaubnis fällig werden. Zudem verfallen die Punkte nicht mehr nach zwei Jahren „Bewährung“, sondern können bis zu fünf Jahren stehenbleiben.

Auf Platz eins der Verstöße, die Punkte in Flensburg einbringen, liegt dabei mit fast 60 Prozent das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit. Hier traf es vor Jahren sogar den Präsidenten des Kraftfahrt-Bundesamtes Ekhard Zinke höchstpersönlich, als dieser innerorts mit 71 Stundenkilometern geblitzt wurde. Dem folgen Alkohol am Steuer und die Missachtung der Vorfahrt. Manchmal haben freilich auch kuriose Delikte einen Eintrag in Flensburg zur Konsequenz, wie das nächtliche Treiben von unbeleuchteten Schweinen quer über die Landstraße. Drei Viertel der Registrierten sind Männer, wobei wiederum die im Alter zwischen Anfang 20 und Mitte 30 die meisten Punkte kassieren – insonderheit, wenn sie in Autos der Marke Porsche sitzen. Der absolute Rekordhalter ist ein 35-jähriger Lkw-Fahrer, der bis 2012 sagenhafte 1014 Punkte anhäufte, weil die Polizei ihm mittels seines Bordbuches 169 Fahrten ohne Führerschein nachweisen konnte.

Ebenso gibt es Hochburgen, in denen besonders viele Verkehrsverstöße anfallen. Hier rangieren Rostock, Leipzig und Erfurt an der Spitze. Ansonsten sticht auch das Nord-Süd-Gefälle ins Auge. So liegt die Sünderquote in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten und wird dann bis hinunter nach Bayern immer niedriger. Desweiteren rangieren die Flächenländer grundsätzlich vor den Stadtstaaten, was daran liegt, dass auf dem platten Land deutlich mehr Auto gefahren wird. 

Aktuell sind rund 10,1 Millionen Kraftfahrer im FAER eingetragen – so viele wie nie zuvor. Damit ist deutschlandweit im Durchschnitt etwa jeder fünfte Inhaber eines Führerscheins in Flensburg aktenkundig geworden. Erfreulicher ist, dass die Verkehrssünderkartei ihren Zweck zu erfüllen scheint, ist sie doch neben den zahlreichen technischen Neuerungen an den Fahrzeugen definitiv mit dafür verantwortlich, dass die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2016 auf 3214 gesunken ist. Das veranlasste den Sprecher des Kraftfahrt-Bundesamtes Stefan Immen zu der Aussage: „Wir finden das Register ganz großartig und halten es für eine der wesentlichen Säulen der Verkehrssicherheit auf unseren Straßen.“ Darin stimmt ihm der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) zu, der den pädagogischen Nutzen der vor 60 Jahren ins Leben gerufenen Sünderkartei durchaus anerkennt und es für grundsätzlich begrüßenswert hält, wenn aggressive Fahrer mit ihrem Verhalten konfrontiert werden und Mehrfachtäter spürbare Konsequenzen erleben.


Warum faule Eier teurer sein müssen
Die Mehrwertsteuer feiert Geburtstag – und bleibt ein Rätsel
Klaus J. Groth

Vor 50 Jahren, am 1. Januar 1968, wurde die Mehrwertsteuer eingeführt. Sie spült seitdem zusätzliche Milliarden in die Staatskasse.

Gibt es einen fiskalischen Unterschied zwischen dem Trockenmoos, das in Gärtnereien für Gestecke und Kränze in trockenem Zustand verwandt wird, und jenem Trockenmoos, das in Zoogeschäften erhältlich ist und Terrarienbewohnern als Substrat ein angenehmes Feuchtgebiet bereitet? Für Beamte des Bundesfinanzministeriums ja. Trockenes Trockenmoos sollte zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz verkauft werden dürfen, feuchtes Trockenmoos aber zum vollen Satz. Mit solchen Ungereimtheiten war die Liste der Dinge und Dienstleistungen mit ermäßigtem Steuersatz gespickt, die das Finanzministerium zur Erhebung der Mehrwertsteuer erarbeitet hatte. Die „Mehrwertsteuerfibel“, erhältlich für eine Schutzgebühr von 50 Pfennig, stiftete denn auch mehr Verwirrung, als dass sie für Klarheit sorgte. 

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wieso gilt bei Katzenfutter und Hundekeksen der ermäßigte, für Babybrei und Kinderkekse aber der volle Steuersatz? Warum sind Fische, Krebstiere und wirbellose Weichtiere zu ermäßigtem Steuersatz zu haben, Zierfische aber nicht? Warum sind Maultiere ermäßigt, echte Esel aber nicht? Warum sind Zucker und Zuckerwaren ermäßigt, ist Kakaopulver mit Zucker es aber nicht? Warum ist Eigelb ermäßigt, sind ungenießbare Eier ohne Schale es aber nicht? Warum um alles in der Welt soll der geprellte Kunde auch noch für vergammelte Eier den vollen Steuersatz bezahlen? Diese Rätsel konnte bislang niemand lösen.

Jahrelang hatten die Beamten des Finanzministeriums über Ausnahmen und Ausnahmen von den Ausnahmen gebrütet. Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz, so verlangte es der Gesetzgeber, sollte aus sozialen Gründen für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs gelten. Luxusartikel sollten voll versteuert werden. Als geistige Nahrung blieben Bücher, Zeitschriften und andere Druckerzeugnisse begünstigt. Medizinische Geräte und Hilfsmittel schließlich blieben grundsätzlich von der Mehrwertsteuer befreit. 

Die zahlreichen Abweichungen von der Regel sorgten für Konfusion und eine Flut von Klagen bis hin zum Europäischen Gerichtshof. Die Richter mussten zum Beispiel klären, warum für Bücher der ermäßigte Satz gilt, für 

E-Books aber nicht. Oder warum ein Döner zum Mitnehmen an der Imbissbude ermäßigt ist, der an Ort und Stelle servierte und verzehrte aber nicht. Beim E-Book handelt es sich um eine elektronische Dienstleistung, und beim Servieren eines Döners handelt es sich ebenfalls um eine Dienstleistung, wenn auch um keine elektronische, aber dieser Unterschied ist in diesem Zusammenhang irrelevant. Und für derartige Dienstleistungen gilt der volle Satz. Wer wo Platz nimmt, kann die Höhe der Mehrwertsteuer maßgeblich beeinflussen. Babys sitzen im Kindersitz mit 19 Prozent, ihre Eltern im Sitz des Skilifts mit nur sieben Prozent Aufschlag. Die Liste der Kuriositäten lässt sich beliebig fortsetzen. 

Selbst kurz vor dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes ahnten die Bundesbürger noch nicht, welch dickes Ei im Bundestag gelegt worden war. Denn die „Mehrwertsteuerfibel“ war erst zwei Monate vor dem Stichtag fertig geworden. Für Wirtschaft und Handel reichte die Zeit nicht aus, um sich durch Hunderte von Positionen durchzuarbeiten. Die Presse schrieb, dieses Gesetzeswerk sei „absurd, hanebüchen, verwirrend, kaum nachvollziehbar“. Alle Proteste von Unternehmervertretern und Verbraucherorganisationen halfen nichts, versprach sich doch der Staat Mehreinnahmen in vielfacher Milliardenhöhe. Im Gegensatz zur Frage, warum das eine begünstigt ist und das andere nicht, lässt sich das Prinzip der Steuer selbst ganz leicht begreifen. Der Verkäufer einer Ware oder der Handwerker muss sie an das Finanzamt abführen, kann sie aber dem Kunden in Rechnung stellen. Die Verbraucher zahlen also die Zeche. Die Wirtschaft blieb aber nicht gänzlich verschont. „Westdeutschlands Unternehmen und Kaufleute müssen eine völlig neue Buchführung lernen“, schrieb der „Spiegel“ 1968. Das Errechnen und Ausweisen der Vorsteuer brachte zusätzliche Kosten mit sich. 

Zum Angewöhnen langte der Fis­kus zunächst noch relativ bescheiden zu. Der Mehrwertsteuersatz betrug anfangs zehn Prozent, ermäßigt fünf. Gleich im ersten Jahr nahm der Fiskus dadurch 12,8 Milliarden D-Mark ein. Von 1968 bis 2007 stieg der Steuersatz kontinuierlich an. Bei jeder geplanten Erhöhung warnten Wirtschaftsexperten vor einer negativen Auswirkung auf die Konjunktur, der Einzelhandel vor einem Preisauftrieb und das Handwerk vor einem Anstieg der Schwarzarbeit. Die Mehrwertsteuer blieb, wie jede andere einmal erhobene Steuer auch. „Man muss die Kuh melken, solange sie Milch gibt“, stellte der ehemalige Finanzminister Franz Josef Strauß fest. Die Mehrwertsteuer entwickelte sich zum Goldesel der Steuererhebung. Sie macht heute etwa 30 Prozent des gesamten Aufkommens aus. Den Löwenanteil, mehr als die Hälfte, behält der Bund, dann kommen die Länder und zuletzt die Gemeinden, die zwei Prozent erhalten. 

Schon immer war die Obrigkeit nicht zimperlich, wenn es darum ging, den Untertanen indirekte Steuern und Abgaben abzupressen, sei es durch Zölle oder allerlei Verbraucher- und Verkehrsabgaben, im Mittelalter Teloneum genannt. Im Ersten Weltkrieg führte das Deutsche Reich zur Deckung der Kriegskosten 1916 einen sogenannten Warenumsatzstempel, eine Abgabe von 0,1 Prozent ein. Die „Allphasen-Netto-Umsatzsteuer“ mit Vorsteuerabzug in Höhe von 0,5 Prozent wurde in der Weimarer Republik zur Finanzierung der Kriegsreparationen erhoben. 1936 stieg sie auf zwei Prozent, 1946 auf drei Prozent, 1951 auf vier Prozent. Den größten Sprung gab es 2007 mit einer Erhöhung von 16 auf 19 Prozent. Bei allem Ärger über die Abzocke sind die Deutschen noch ganz gut dran. Verglichen mit den anderen Ländern der EU zahlen sie den zweitniedrigsten Satz, nur das Großherzogtum Luxemburg gibt sich mit 15 Prozent und damit mit weniger zufrieden. Die EU-Länder können den Mehrwertsteuersatz selbst festlegen, er darf aber nicht unter 15 Prozent liegen. Spitzenreiter sind Dänemark, Schweden und Ungarn mit bis 25 Prozent, beim ermäßigten Satz werden überwiegend fünf Prozent gefordert.

S. 11 Geschichte & Preussen

»Gewalt als Methode, Lüge als Prinzip«
Sonderausstellung im Deutschen Historischen Museum über die Oktoberrevolution und ihre Folgen für Europa
Michael Leh

Die Sonderausstellung über die russische Oktoberrevolution von 1917 im Deutschen Historischen Museum in Berlin ist sehenswert. Neben den epochalen Ereignissen in Russland nimmt sie die Folgen in Deutschland, Ungarn, Polen, Italien, Frankreich und England in den Blick.

Die Ausstellung präsentiert über 500 Exponate zur Oktoberrevolution von mehr als 80 internationalen Leihgebern. Dazu gehören das Staatliche Historische Museum in Moskau, die Russische Nationalbibliothek in St. Petersburg, das Staatliche Museum für Zeitgenössische Geschichte Russlands in Moskau und das Russische Staatliche Archiv für Film- und Fotodokumente in Krasnogorsk. Zu den Exponaten zählen wichtige historische Dokumente, politische Plakate, viele Gemälde und sonstige Kunstwerke, Lenin-Devotionalien, Architekturmodelle, Waffen, Orden, Kleidungs- und Uniformstücke sowie Alltagsgegenstände. Außerdem werden historische Ton- und Filmaufnahmen auf Videos gezeigt.

Im ersten Abschnitt („Aufbruch und Zerfall“) werden Einblicke in die Gesellschaft des russischen Imperiums vor 1917 gegeben. Zu den Prunkstücken in diesem Teil der Ausstellung gehören die Uniform eines Generals der Leibgarde des Preobraschenskij-Regiments, metallene Ostereier mit den Porträts aller Zaren der Romanow-Dynastie, eine Tischuhr aus der Werkstatt von Peter Carl Fabergé, eine bemalte Wahlurne aus Birkenholz von der Wahl zur ersten Staats-Duma, die 1906 in Mos­kau aufgestellt war, und ein 150 mal 145 Zentimeter großes Bruchstück vom eisernen Fock­mast des Panzerkreuzers „Potjomkin“.

Der zweite Teil („Utopie und Wirklichkeit“) gilt der Februarrevolution und dem Sturz des Zaren, der Oktoberrevolution mit der Machtübernahme der Bolschewiki und dem folgenden Bürgerkrieg. Es sind unter anderem Filmausschnitte zur Februarrevolution zu sehen, Fotografien von einer Frauendemonstration vor dem Taurischen Palais und der Verbrennung zaristischer Symbole oder die große Landsturmfahne einer Infanterieeinheit von 1916/17. Nach der Abdankung des Zaren wurden überall die Symbole der Monarchie entfernt. „Bei den Fahnen“, informiert die Ausstellung, „lösten die Truppenteile das Problem auf unterschiedliche Weise, indem sie das Monogramm des Zaren und das Wort Zar übertünchten oder diese aus dem Fahnentuch herausschnitten.“ Bei der in der Ausstellung gezeigten Fahne hatten die Soldaten innerhalb des Schriftzuges „Für Glauben, Zar und Vaterland“ das Wort Zar mit einem Stück roten Stoffes übernäht. 

Wladimir Iljiitsch Lenin, der im Frühjahr 1917 mit der Unterstützung des Deutschen Reiches in einem versiegelten Zug von Zürich nach Petrograd fuhr, hatte bei der Abfahrt am 9. April erklärt: „Entweder wir sind in sechs Monaten Minister oder wir hängen.“ In einer Vitrine ist das Telegramm eines Legationsrats des Auswärtigen Amtes vom 21. April 1917 zu sehen, in dem er nach Berlin die Information aus Stockholm übermittelt: „Lenin Eintritt in Rußland geglückt. Er arbeitet völlig nach Wunsch.“ Filmausschnitte zeigen die Machtübernahme der Bolschewiki und Aktionen der Tscheka, viele Fotos zeigen Lenin, Leo Trotzkij und weitere Protagonisten des neuen Herrschaftsapparates. 

Ein großes Modell des Kreuzers „Aurora“ ist ausgestellt. „Am Abend des 25. Oktober 1917 gab die Aurora eine Blindsalve ab, die angeblich das Signal für den ,Sturm‘ der Bolschewiki auf den Winterpalast war. Tatsächlich hatte zu diesem Zeitpunkt das Militärrevolutionäre Komitee unter der Leitung Leo Trotzkijs bereits die Befehlsgewalt in Petrograd übernommen“, wird in der Ausstellung erläutert. Die restaurierte „Aurora“ gibt in St. Petersburg täglich um 12 Uhr einen Kanonenschuss zur Erinnerung an die Ereignisse von 1917 ab. 

Lenin und seine Genossen regierten sofort mit Terror und Mord. Eines seiner Lieblingswörter war „erbarmungslos“. Am 5. September 1918 wurde das Dekret über den Roten Terror erlassen. Nach Angaben des Osteuropahistorikers Manfred Hildermeier standen Ende Januar 1919 etwa 37000, im Spätsommer 1921 gut 137000 Personen in den Diensten der Tscheka. „Die Bilanz dieses Schreckens lässt sich nur schwer beziffern. Anfang 1920 gab einer der Hauptverantwortlichen selbst zu, dass 18000 Personen in Lagern, 36500 in Gefängnissen inhaftiert und 9641 erschossen worden seien“, so Hildermeier.

In der Ausstellung zeigt eine geografische Karte die „Solowezkij-Lager“ hoch im Norden auf den Inseln im Weißen Meer. Dort ließ Lenin die ersten Konzentrationslager – diesen Begriff verwendete er – für politische Gegner und „Konterrevolutionäre“ einrichten, darunter Angehörige des Bürgertums, Priester und Monarchisten. „Hier sollten sogenannte Klassenfeinde durch Arbeit, Folter und Indoktrination zu ,Neuen Menschen‘ für die sozialistische Gesellschaft umerzogen werden. Über dem Lager war der Spruch zu lesen: ,Durch die eiserne Hand führen wir die Menschheit zum Glück‘“, heißt es auf einer Informationstafel der Ausstellung. Ein Propagandafilm zeigte vermeintlich glückliche Arbeiter bei der Landarbeit. Die Perfidie der Propaganda erinnert oft an die späteren Maßnahmen der deutschen Nationalsozialisten. Aus diesen Lagern entstand das später landesweite Netz des „Archipel Gulag“. 1931 waren auf den Solowezkij-Inseln 70000 Menschen inhaftiert. 

In der Ausstellung ist auch das Modell eines bolschewistischen Agitiationszuges zu sehen. Mit solchen Zügen verbreiteten die Kommunisten Bücher, Zeitungen, Plakate oder Filme in alle Winkel der russischen Provinzen. Auch mit Kutschen oder auf Eseln wurde das Propagandamaterial transportiert, wie etwa ein Foto von 1922 aus Turkmenistan zeigt.

Über die Opferzahlen infolge der Oktoberrevolution heißt es in der Ausstellung: „Folgt man einer Aufstellung, wie sie Mitte der 1990er Jahre in einer russischen historischen Fachzeitschrift nachzulesen war, so verlor Sowjetrussland zwischen 1917 und 1922 etwa 13 Millionen seiner Bevölkerung: 2,5 Millionen starben in den bewaffneten Verbänden, zwei Millionen an Epidemien, eine Million als Opfer von Terror und Banditismus, bis zu 300000 in antijüdischen Pogromen, 1,5 bis zwei Millionen emigrierten, die übrigen starben in der großen Hungersnot, die dem Bürgerkrieg 1921/22 folgte. Die russischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges werden auf 1,6 bis zwei Millionen geschätzt.“

Im Teil der Ausstellung „Wirkung und Widerstand: Die Folgen der Revolution“ werden auch die gefährdete Demokratie in Deutschland, die kurzlebige Räterepublik Ungarn, der polnische Krieg gegen Sowjetrussland, die extreme Polarisierung in Italien, die Integration der Kommunisten in die französische Demokratie sowie die Situation in Großbritannien dargestellt. Geschildert wird außerdem der Exodus von Flüchtlingen aus Russland, aber auch die Sowjetunion als „Sehnsuchts- und Exilort“. 

Im „Epilog“ am Ausgang sind Zitate von Intellektuellen und Schriftstellern über die Oktoberrevolution zu lesen, die sowohl tiefe Einsichten als auch Verblendung zeigen. Alexander Solschenizyn schrieb 1970: „Wer die Gewalt als Methode proklamiert hat, muss die Lüge zu seinem Prinzip machen.“ Der russische Patriarch Kyrill erklärte 2017: „Die Revolution war ein Verbrechen und diejenigen, die das Volk betrogen haben, die es getäuscht haben, die den Konflikt provoziert haben, verfolgten ganz und gar nicht die Ziele, die sie öffentlich deklarierten.“

Der deutsch-jüdische Schriftsteller Lion Feuchtwanger gab noch 1956 mit folgender Beurteilung der Oktoberrevolution seine anhaltende politische Blindheit gegenüber dem Kommunismus zu Protokoll: „Das war eine Umgestaltung der Welt nach den Prinzipien der Vernunft. Wenn wir auf die 39 Jahre zurückblicken, die seit Beginn des Versuchs abgelaufen sind, so können wir mit Befriedigung konstatieren: Dieser Versuch ist gelungen.“ 

Am Eingang zur Ausstellung steht neben Zitaten anderer Personen über die Oktoberrevolution unter einem großen Foto von Gregor Gysi dessen Aussage: „Ich hoffe, dass mal ein Versuch gelingt.“ In der „Europäischen Linke“ präsidiert er über viele Mitgliedsparteien, die sich auch im Namen noch offen kommunistisch nennen. Seine Parteifreundin Gesine Lötzsch sinnierte noch 2011 öffentlich über „Wege zum Kommunismus“. Erst vor Kurzem twitterte der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch: „Differenzierten Blick auf die Oktoberrevolution werfen! Aber Fakt ist, sie hat eine Chance gegeben, eine andere Gesellschaftsordnung aufzubauen.“ Über den Fakt der Millionen Todesopfer infolge der Oktoberrevolution verlor er keine Silbe.

Die Sonderausstellung „1917. Revolution. Russland und Europa“ ist noch bis zum 15. April im Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, täglich außer Heiligabend von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Zur Ausstellung gibt es einen 25 Euro teuren und 320 Seiten starken Katalog sowie einen vom Deutschen Historischen Museum und dem Schweizerischen Nationalmuseum herausgebrachten Essayband mit dem Titel „1917. Revolution. Russland und die Folgen“. Nähere Informationen sind erhältlich unter der Telefonnummer (030) 20304-750 und über die E-Mail-Adresse info@dhm.de


S. 12 Mensch & Zeit

Fröhliche Feiertage in Harmonistan
Ein gar nicht besinnlicher Bummel durch das weihnachtliche Deutschland
Burkhard Voß

Selbstverständlich können Psychiater eine psychische Störung entwickeln, wie ich neulich einem Patienten Recht geben musste, der sich Sorgen um mich machte. Braucht er aber nicht, denn ich bin medikamentös vom 1. Januar bis zum 30. November eines jeden Jahres gut eingestellt. Nach dem 30. November setze ich jedoch alle Medikamente schlagartig ab. Warum? Damit meine psychische Störung wieder durchkommen kann, und zwar mit aller Kraft, denn die kollektive Zwangsharmonie Weihnachten lässt sich nur so richtig schön gaga ertragen.

Wie ich so durch die Kaufhäuser flanierte, wurde mir bewusst, dass ich Spielzeugläden im Prinzip mochte. In einer entdeckte ich eine blonde Figur, die mich an Anton Hofreiter erinnerte. Medikamentenbefreit ging das runter wie Öl. Dieser vom Kreuz herabgestiegene Jesus der grünen Partei. Kein Politiker kommt Weih-nachten authentischer rüber als er. Normale Deutsche (Veganer, Islamversteher, Merkel-Fans, kultursensibel, gendersensibel und so weiter) lieben ihn.

Stichwort kultursensibel: Besonders verdient gemacht und auf der obersten Sprosse der Ethikleiter angekommen ist Penny, diese Warenhauskette bietet Weihnachtsmänner als Zipfelmänner an, um unsere friedvollen muslimischen Mitbürger nicht allzu sehr zu verschrecken. Diese Idee ließe sich sogar noch toppen, zum Beispiel indem man die heilige Maria in eine Burka steckt. 

Freuen Sie sich auch schon auf Ramadan? Ich auf jeden Fall. Vielleicht gibt’s dann auch schon eine gendergerechte Burka, so wie es jetzt schon gendergerechtes Spielzeug gibt. Das ist auch dringend nötig, denn was biologisch determiniert ist, muss sozialpädagogisch eliminiert werden. Plötzlich fiel mir eine Barbie auf, die mich an Jürgen Trittin erinnerte, der Sonderpädagoge für das genderverachtende Restdeutschland. Wie ich mir diese Barbie genauer anschaute, musste ich feststellen, dass dies das ideale Geschenk war, um das Mannsein nachhaltig zu verleiden. Wenn diese arrogant grinsende Barbie so am Weih-nachtsbaum zappelt, würde sich selbst der Heilige Geist mit dem Teufel verbünden, bis dass der Tannenbaum sich von selbst entzündet. 

Schluss mit den gemeinen Phantasien, sagte ich mir und zog durch die Straßen. Ohne Medikamente und völlig kritikbefreit gab es keine Hektik mehr und das Treiben der Menschen wirkte harmonisch und dynamisch zugleich. Ansonsten war es hektischer Aktivismus mit geistiger Windstille als Voraussetzung, wo reflexionsbefreite egoistische Ellenbogenpaare sich durch Kaufhäuser wühlten. Wo verbissen um den letzten Parkplatz gekämpft wurde und man sich schon lange nicht mehr fragte, warum man sich das antut. Es muss eine Art saisonaler Masochismus dahinterstecken, ein nicht nur individual-, sondern massenpsychologisches Phänomen in der Art einer Groko, alle finden’s bescheuert, aber alle machen mit.

Ist die Karre einmal geparkt, geht‘s zum Weihnachtsmarkt oder in die Kirche. Die ist an 364 Tagen im Jahr ziemlich leer, aber just Heiligabend springen wohl tief im Hirn die letzten christlich-neuronalen Taktgeber an und die Kirchengemäuer des dekadenten Westens geraten immer wieder ins Staunen, wie fit sie noch sind, um mit diesem Ansturm fertig zu werden. Die sakralen Mauern sind froh, wenn sie ihre Schäfchen wieder umschließen können und ganz still schadenfroh, wenn sie diese wieder in die eigenen vier Wände entlassen. Denn dort wartet schon der Höhepunkt der weihnachtlichen Zumutung: die eigene Verwandtschaft. Stattdessen könnte man auch mit Andrea Nahles in den Whirlpool steigen. Aber gut, es ist Heilig Abend, da hat man schon immer die zusammengewürfelt, die sich jeden Tag sehen und sich nichts zu sagen haben und die, die sich einmal im Jahr sehen und sich ebenfalls nichts zu sagen haben. Dabei gäbe es so viel, was man besprechen sollte, beispielsweise den Nervenzusammenbruch von Tante Katrin, als sie ihren Neffen auf einem Wahlplakat der AfD entdeckte.

All das könnte besprochen werden und letztlich, so ab 1,2 Promille, bei zunehmender aethanolischer Aufweichung der Contenance, wird es auch besprochen. Kurz und knapp: Die Harmonie ist perdu und wird von dem Motto „Was ich immer schon mal sagen wollte“ abgelöst. Fast möchte man die überlebensgroße Gutmenschengluckhenne Margot Käßmann unter den Weihnachtsbaum herbeizaubern, auf einem solchen Tiefpunkt ist die deutsche Harmonie dann angelangt. Stattdessen wird ethanolisch nachgelegt, psychiatrische Aufnahmestationen wissen davon ein Lied zu singen. Und wenn aus Worten Taten werden auch die chirurgischen. 

Zum Trost ist in ein paar Tagen alles vorbei, ab dem 1. Januar nehme ich meine Medikamente wieder ein, werde normal und freue mich auf den nächsten „Müssen-Sog“, der Karneval heißt, denn dann heißt es: Wir müssen fröhlich sein. Das werde auch ich, denn diesmal werde ich meine Medikamente erneut absetzen. Prost.

Der Autor arbeitet als Arzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie in Krefeld. 2017 erschien sein siebtes Buch „Albtraum Grenzenlosigkeit” (Solibro Verlag).

Moment der Woche

Eine lächelnde Frau, ein vierblättriges Glückskleeblatt, eine Aufnahme, die so natürlich wirkt, als hätte man gerade eben dabei gestanden, als sie entstand. – Dennoch ist das Bild unendlich traurig. Nada Cižmárová aus Tschechien wurde 34 Jahre alt und starb beim Anschlag des moslemischen Terroristen Anis Amri auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016. Sie hinterlässt einen Ehemann und den gemeinsamen sechsjährigen Sohn. Die Angehörigen aller zwölf Todesopfer haben jetzt einen bitteren Brief an Angela Merkel geschrieben. Kritisiert wird der schäbige Umgang des deutschen Staates mit Opfern und Angehörigen.

Zumindest für Zyniker ist klar, warum das so ist: Diese Menschen starben am falschen Ort – in Berlin statt in den Wellen des Mittelmeeres. Sie hatten die falsche Herkunft – europäisch statt arabisch oder afrikanisch. Sie suchten sich den falschen Mörder aus. Im Namen Allahs stirbt es sich in Deutschland sehr verschämt und verschwiegen.  FH

Ab in den Urlaub!
Proppenvolle Strände, ein schillerndes Nachtleben ­– Das Bild vom total zerstörten Bürgerkriegsland Syrien ist falsch
Ulrike Dobberthien

Nicht nur syrische Bürgerkriegsflüchtlinge entspannen regelmäßig in der Heimat, die sie doch angeblich in höchster Not verlassen mussten. Auch europäische Urlauber berichten aus Damaskus, Homs, Latakia oder Aleppo von geöffneten Museen, vollen Bars und Basaren.

Suchen Sie ein Ziel für den nächsten Urlaub? Einen weiten Sandstrand, flaches Wasser, entspanntes Sonnen im Bikini? Oder Bummeln durch eine der ältesten Städte der Welt? Dann machen Sie es wie die Syrer in Deutschland: Fliegen Sie nach Syrien in den Urlaub. Was unglaublich klingt, stellte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bereits im September 2016 fest: Als „Flüchtling“ durch mindestens sechs sichere Länder nach Deutschland gereiste Syrer, inzwischen als Asylbewerber anerkannt, erholen sich regelmäßig in der Heimat, während sie in Deutschland Arbeitslosengeld II, also Hartz IV beziehen. Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit bestätigte: „Es gibt solche Fälle, aber wir führen keine Auswertung oder Statistik zu diesem Thema.“ Es wird noch unglaublicher: „Sollte ein Betreuer im Jobcenter von einer Reise etwa nach Syrien erfahren, darf er diese Information aufgrund des Datenschutzes nicht weitergeben, auch nicht an andere Behörden wie zum Beispiel die Ausländerbehörde.“ Der Obmann der Unionsfraktion im Innenausschuss des Bundestages, Armin Schuster (CDU), war damals wütend: „Wenn das stimmt, verschlägt es einem fast die Sprache.“ Ein Recht auf Asyl sei für solche Leute kaum vorstellbar, da die vorgebrachten Gründe offensichtlich gelogen seien. „Das muss Konsequenzen für den Aufenthalt nach sich ziehen.“

Das war 2016. Passiert ist seither – nichts. Ach doch: Westliche Journalisten machen sich auf, um mal vor Ort zu schauen, wie es denn in Syrien so aussieht. Einer von ihnen ist Frederik Pleitgen, Sohn des früheren WDR-Intendanten Fritz Pleitgen, der in diesem Jahr für den amerikanischen Fernsehsender CNN in einer Zwei-Minuten-Reportage über das Leben in der syrischen Mittelmeerstadt Latakia berichtete. Die Bilder waren unglaublich – und erinnerten so gar nicht daran, dass man in einem angeblich orientalischen, plattgebombten Land voller Lebensgefahr war: Gutgelaunte Syrer am proppenvollen Strand, die Männer in knappen Badehosen, die Frauen in Bikini oder Badeanzug, die Kinder mit Sonnenhütchen und Schwimmflügeln. Weit und breit weder Kopftücher noch Burkas noch „Burkinis“, also Ganzkörperpellen, die in Deutschlands Schwimmbädern neuerdings als Extrawurst für Moslems erlaubt sind. Sonnenbaden, plantschen im flachen Wasser, weiter draußen auf dem Meer vergnügte Jugendliche, die mit Jetskis durch die kabbeligen Wellen preschen.

„It’s a bizzare thing“, „es ist bizarr“, konstatiert dann auch Pleitgen, der zuvor aus den Regionen berichtet hatte, in denen der Islamische Staat von Syrien in Kooperation mit Russland systematisch bekämpft und vertrieben wurde. Nachts haben in Latakia die Clubs geöffnet. Frauen in knappen Minis, Männer in lässigen Hemden. Alle tanzen ausgelassen, ziehen an Wasserpfeifen, Drinks in der Hand. „Wir haben den Krieg satt. Wir wollen einfach unser Leben leben“, sagt Manaf Qadur, Eigentümer eines Clubs. „Es gibt einen Bedarf an Fröhlichkeit in diesem Land.” Fröhlich ist es. Und sicher. Keine Spur von bulligen Wachleuten, die inzwischen in Deutschland jede Disko vor zudringlichen Männern aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder Afrika schützen müssen, die stets Messer dabei haben und Frauen nur als Gegenstände zum Belästigen kennen.

Die syrische Reiseagentur „Syrian Travel“ wirbt mit Komplettpaketen für das „immer wunderschöne Syrien“; über das deutsche Reiseportal Holiday Check kann man Zimmer im Hotel Dar Al Kanadil in der Altstadt von Aleppo sowie im Almadinah City Hotel in Damaskus buchen. 

Dass auch für Individualtouristen Syrien wieder sicher und faszinierend ist, hat der Norweger Christian Lindgren erfahren, der im Internet den Blog „Unusual traveller“ (http://unusualtraveler.com /damascus/#) betreibt. Im Oktober dieses Jahres erhielt er ein Zehn-Tage-Touristenvisum für Syrien und besuchte auf eigene Faust, unterwegs per Bus und Taxi, Damaskus, Aleppo, Homs und die syrische Mittelmeerküste. Seine unzähligen Fotos und sein Syrien-Bericht sind faszinierend: Volle Straßen, gepflegte Plätze, dichtgepackte Basare; überall Menschen, Menschen, Menschen, Familien, Kinder, Singles; viele lässig westlich gekleidet, einige verschleierte Frauen. Die Bars sind voll, die Museen haben geöffnet, Ladenbesitzer freuen sich, dass der Tourismus wieder anläuft. Im ganzen Land gibt es Unmengen an Läden, die jeden Alkohol der Welt führen. „Als ich durch Damaskus streifte, konnte ich nicht glauben, dass in diesem Land mal Krieg geherrscht hat“, schreibt Lindgren. „In Homs läuft der Wiederaufbau auf Hochtouren. Ab und zu gibt es mal einen Checkpunkt mit Soldaten, aber man bemerkt ihn kaum. Ich habe mich zu jeder Tages- und Nachtzeit vollkommen sicher gefühlt; die Leute sind freundlich und herzlich.“

Ähnliches berichtet der Hamburger Schneidermeister Marco Glowatzki, der nach Syrien ausgewandert ist und von dort regelmäßig Videos über das Internet verbreitet. Er flaniert durch die Küstenstadt Tartous und erzählt von den dort in rasender Eile hochgezogenen Wohnblöcken für die syrischen Binnenflüchtlinge aus den einst vom IS kontrollierten Gebieten; von den zinslosen Krediten für den Wiederaufbau, die Assads Regierung denjenigen zur Verfügung stellt, deren Existenz vernichtet wurde; vom kostenlosen Gesundheitssystem für Krebspatienten.

Niemand in Syrien versteht, warum Syrer in Deutschland nicht zurückkehren. Und niemand in Syrien versteht, warum die deutsche Innenministerkonferenz gerade den Abschiebestopp nach Syrien bis Ende 2018 verlängert hat. Dafür hat Facebook reagiert: Es sperrte am 19. November das Konto von Glowatzki. Soll niemand merken, wie es wirklich in Syrien aussieht?

S. 13 Das Ostpreußenblatt

Königsberg präsentiert sich in Berlin
»Haus des Fans« im Russischen Haus – Informationen zu Stadt, Einreisebedingungen und Unterkünften
Jurij Tschernyschew

Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft, die 2018 in Russland stattfindet, hat die föderale Agentur „Rossotrudnitschestwo“ (Russische Zusammenarbeit) ein Programm „Russisches Haus des Fans“ aufgelegt, dem zufolge die Städte, in denen Spiele der WM stattfinden, in russischen Auslandsvertretungen vorgestellt werden sollen. Den Auftakt machte die Stadt Königsberg im Russischen Haus in Berlin. 

Mitarbeiter von Rossotrudnitschestwo sowie des Sport- und des Tourismusministeriums sowie Vertreter russischer Städte, in denen Spiele der Weltmeisterschaft stattfinden sollen, ebenso wie Berliner Gäste waren zur Presskonferenz im Russischen Haus erschienen.

Die Anwesenden stellten viele Fragen bezüglich der visumfreien Einreise nach Russland während der WM. Sie erhielten die Information, dass neben der Eintrittskarte eine FAN-ID ein wichtiges Dokument darstelle. Sie berechtige dazu, ohne Visum für die Spiele nach Russland einzureisen, ebenso wie zur Fahrt mit Shuttle-Bussen, welche die Gäste zum Stadion bringen. Um eine FAN-ID zu erhalten, muss man zunächst eine Eintrittskarte kaufen, sich dann auf der Seite fain-id.ru registrieren und dann die Registrierungsbestätigung abwarten. Die ID erhält man entweder per Post oder an speziellen Ausgabestellen. Das Russische Haus in Berlin wird eine der zentralen Ausgabestellen der FAN-ID in Deutschland sein. Das heißt, wer zur Fußball-WM in einer russischen Stadt einreisen will, benötigt die FAN-ID, die Eintrittskarte fürs Spiel und einen gültigen Reisepass. 

Eine wichtige Neuerung für Fans aus Deutschland ist, dass sie  sich ohne Visum vom 4. Juni bis zum 25. Juli 2018 in Russland aufhalten dürfen, also je zehn Tage vor Beginn und nach dem Ende der WM. Aus Deutschland kamen bereits 300000 Ticket-Anfragen. 

Neben ungeschickt formulierten Informationen über die Stadt Königsberg, ihre Exklavenlage und über die Bauarbeiten am Stadion auf der Lomse galt ein Teil der Präsentation von Anna Musewitsch, der stellvertretenden Leiterin des Königsberger Gebiets für die Vorbereitung der Fußballweltmeisterschaft, den Unterbringungsmöglichkeiten in den Hotels der Stadt und des Gebiets. „Sie werden sehen, dass die Hotelkosten niedrig sind, sie wurden durch die aktuelle Gesetzgebung  angemessen geregelt,“ sagte sie. Eine Übernachtung kostet demnach zwischen 3000 und 10000 Rubel (etwa 43 bis 145 Euro). Jedoch sind schon jetzt auf den Buchungsportalen für die zweite Hälfte Juni 2018 in Königsberg nur noch Zimmer in teuren Hotels buchbar. Darüber hinaus ist schon jetzt klar, dass das Zimmerkontingent nur für etwa ein Viertel der Fans ausreicht. Der Rest wird sich auf dem Privatsektor etwas suchen müssen oder ohne Übernachtung anreisen müssen. 

Um die touristische Infrastruktur weiterzuentwickeln, werden anlässlich der WM die Sprachkompetenzen von Rettungs- und Einsatzkräften verbessert. „Damit es für die Gäste bei uns angenehm ist, haben wir Ärzte ausgebildet, und jetzt trainieren wir Rettungsdienste in Spezial-Englischkursen. Es werden einheitliche Call-Center eingerichtet, die über eine einzige Nummer zu erreichen sind. Jeder Tourist kann sich mit seinen Fragen dorthin wenden, zum Beispiel wird Ihnen geholfen, eine Pizza zu bestellen, alles wird in Ihre Sprache übersetzt, damit Sie sich wohlfühlen.“

Übrigens erfolgte einen Tag später in Moskau die Auslosung der  gegeneinander antretenden Mannschaften. Im neuen Stadion auf der Lomse finden vier Gruppenspiele statt: Am 16. Juni: Nigeria – Kroatien, am 22. Juni: Serbien – Schweiz, am 25. Juni: Spanien – Marokko, und am 28. Juni: Großbritannien – Belgien.

Der Chef der örtlichen Polizeibehörde ist wenig begeistert darüber, dass englische Fans anwesend sein werden, da sie für ihr aggressives Benehmen bekannt sind. Die Neuigkeit hat zu großer Besorgnis bei den Sicherheitsbehörden der Region geführt.

Die britische Zeitung „Independent“ hat den Fans, die nach Königsberg reisen wollen, indessen schon folgende Informationen mit auf den Weg gegeben: „Königsberg ist eine seltsame Stadt. Obwohl sie von allen Seiten von der Europäischen Union und der NATO umgeben ist, bleibt die Stadt im Inneren russisch. Jedoch hat Königsberg einen europäischen Charme. Es gibt viele Bars, und die Jugend versucht, der westlichen Mode zu folgen.“ Der „Independent“ beendet seine Beschreibung so: „Dennoch sollten britische Touristen nicht denken, dass sie hier eine europäische Stadt erwartet. Das alte Königsberg wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt. Von daher können sie vom visuellen Eindruck her eher eine sowjetische Stadt erwarten.“ Dabei ist in der englischen Zeitung Königsberg falsch geschrieben und es wird verschwiegen, wer genau die Stadt Königsberg im August 1944 zerstörte.

Nach der Auslosung stieg die Nachfrage nach Flügen sprunghaft an und die Preise für Hotelzimmer stiegen ebenso schnell. Zweifelsohne hat Königsberg Glück. Wenn auch nur Spiele der Gruppenphase hier stattfinden, so kommen doch Mannschaften hierher, die ein großes Interesse der Fans hervorrufen.

Neue Arbeitsplätze
Firma Egger baut in Bischofsburg
Edyta Gladkowska

In Bischofsburg [Biskupiec] wird eine neue Fabrik gebaut, die in einem Jahr Spanplatten produzieren soll. Es handelt sich um eine Niederlassung der österreichischen Firma Egger welche  damit eine der größten Investitionen der vergangenen Jahre im südlichen Ostpreußen tätigen wird. 

Die Fabrik in Bischofsburg wird knapp 238 Millionen Euro kosten. Der Betrieb entsteht auf 85 Hektar, die sich in einer speziellen ermländisch-masurischen Wirtschaftszone befindet. Holzbearbeitungsindustrie, Möbelherstellung und Lebensmittelproduktion sollen die wichtigsten Wirtschaftszweige im südlichen Ostpreußen sein. Zurzeit ist die Möbelbranche die Nummer 1 in der Region. Sie beschäftigt 16000 Personen, also zwölf Prozent aller Beschäftigten in der Woiwodschaft. 

Die österreichische Firma hat bereits 17 Fabriken in Europa sowie eine in Argentinien und plant, etwa 9000 Arbeitskräfte  neu einstellen. Egger ist seit den 90er Jahren auf dem polnischen Markt präsent. Das Unternehmen arbeitet mit 150 polnischen Firmen zusammen, denen es eigene Produkte aus den europäischen Fabriken liefert, bald auch aus dem Betrieb in Bischofsburg.

In der Bischofsburger Fabrik sollen 400 Personen Arbeit finden; zusammen mit Lieferanten und Kooperationspartnern kann die Firma sogar über 1000 neue Arbeitsplätze schaffen. Egger hat bereits mit der Personalbeschaffung begonnen. 51 Personen wurden bereits eingestellt. Zurzeit werden Mitarbeiter für 26 freie Stellen gesucht, unter anderem Elektriker, Mechaniker, Gabelstaplerfahrer, Kranführer, Lagerverwalter oder Mitarbeiter für die Verkaufsabteilung. Die Produktionsarbeiter werden im Frühjahr eingestellt.

 

Vertrag trotz Blockade
Deutscher Mittelstand wünscht Ende der Russland-Sanktionen

Der „Bundesverband mittelständische Wirtschaft“ (BVMW) hat in öffentlichkeitswirksamer Form gegen die westliche Blockade Russlands demonstriert und hierzu Kontakte ins Königsberger Gebiet geknüpft. Zunächst unternahmen gut 20 bundesdeutsche Unternehmer in Leichtflugzeugen einen symbolischen „Friedensflug gegen das Embargo“ in den russischen Teil Ostpreußens und wurden dort von Gouverneur Anton Alichanow persönlich in Empfang genommen. Kurz danach unterzeichneten Alichanow und BVMW-Präsident Mario Ophoven in der russischen Botschaft „Unter den Linden“ vor einer demonstrativen Kulisse von 300 Mitgliedern des Verbandes einen Kooperationsvertrag. Ophoven bezeichnete diesen als „Brücke nach Russland in Zeiten politischer Spannungen“ und äußerte die Überzeugung, dass die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen „nach Überwindung der Sanktionen vor einem neuen Aufschwung“ stünden – wozu das Abkommen einen ersten Schritt darstelle. 

Von besonderem Interesse sei für den deutschen Mittelstand die geplante Sonderwirtschaftszone im Königsberger Gebiet. In ihr werde es laut Ophoven keine Einkommens- und Körperschaftssteuern geben, und die Sozialabgaben seien auf 7,6 Prozent begrenzt. Die Region sei ein Tor zum „wachsenden russischen Markt“, weshalb der BVMW hier in Kürze seine nach Moskau zweite Vertretung innerhalb der Russischen Föderation eröffnen werde.  T.W. W.

MELDUNGEN

Neue Flüge von Schiemanen

Allenstein – Die Flughafenleitung in Groß Schiemanen hat angekündigt, ihr Flugnetz im neuen Jahr zu erweitern. Die Fluggesellschaft „Small Planet“ bietet vom 19. Juni bis 4. September Charterflüge nach Köln an, und zwar einmal wöchentlich dienstags. Sie werden mit dem Airbus A320 bedient, der 180 Passagiere befördern kann. Für die über 1200 Kilometer weite Strecke benötigt das Flugzeug anderthalb Stunden. Die Flugkarten werden im sogeanannten „Charter Mix“-Format erhältlich sein, das heißt, die Plätze im Flugzeug werden sowohl Reisebüros als auch einzelnen Passagieren verkauft. Der Ticketverkauf hat am 12. Dezember dieses Jahres begonnen, die Preise starten ab 199 Zloty (50 Euro) pro Richtung. Der Flughafen Olsztyn Mazury hat sich auch um weitere Verbindungen bemüht. Nachdem am 8. November die Flüge nach Oslo eingestellt wurden, konnte man aus Masuren nur noch nach London fliegen. „Small Planet“ will zukünftig von Groß Schiemanen aus außer Flügen nach Köln auch Charterflüge nach Burgas in Bulgarien anbieten. Ab März 2018 startet darüber hinaus zweimal pro Woche eine Verbindung nach Lemberg in der Ukraine. Dieses Reiseziel wird von der polnischen Fluggesellschaft „LOT“ betrieben. E.G.





Schneller Gouverneur

Königsberg – Die Verträge zum neuen BMW-Fertigungswerk in Königsberg sollen entgegen der Verkündigung des Gouverneurs Anton Alichanow noch keineswegs in trockenen Tüchern sein. BMW-Russland-Vertreter Maximilian Kellner erklärte, dass die Verhandlungen vielmehr noch andauern würden, aber wohl im ersten Halbjahr 2018 abgeschlossen werden könnten. Auch der Awtotor-Vorsitzende Valerij Gorbunow rechnet erst mit einem Abschluss „im Frühjahr“. Ebenso könnte die Investition kleiner ausfallen als geplant: Beide Partner wollen jeweils gut 50 Millionen Euro einbringen, für rund 100 weitere Millionen sind andere Investoren vorgesehen. T.W.W.





Störungen des Verkehrs

Allenstein – Straße Nr. 7: Elbing [Elblag] – Jazowa, Baustelle; Osterode [Ostróda] – Hohenstein [Olsztynek], Baustelle. Straße 

Nr. 15: Rheinsgut [Rynskie], Baustelle. Straße Nr. 16: Osterode [Ostróda] – Alt Jablonken [Stare Jablonki], Baustelle. Straße Nr. 16c: Allenstein [Olsztyn] – Fittigsdorf [Wójtowo], Baustelle. Straße 

Nr. 51: Allenstein [Olsztyn] – Pagelshof [Ameryka], Baustelle. Straße Nr. 53: Schönwalde [Szczesne] – Klaukendorf [Klewki], Baustelle; Friedrichshof [Rozogi], Baustelle. Straße Nr. 59: Lötzen [Gizycko], Baustelle; Friedrichshof [Rozogi], Baustelle. E.G.


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied, liebe Familienfreunde,

kein Fest führt uns so in die Kindheit zurück wie Weihnachten. Da verblasst Ostern, da vergisst man Silvester, da muss selbst der lustigste Kindergeburtstag zurückstehen. Wenn die vierte Kerze am Adventskranz angezündet wurde stieg die Erwartung auf der Skala der weihnachtlichen Vorfreuden fast bis zum Siedepunkt. Der wurde erreicht, wenn man festlich gekleidet vor der Türe zum Weihnachtszimmer bibberte und sie dann endlich geöffnet wurde, wenn das Glöckchen bimmelte. Und wieder wie in jedem Jahr war es der schönste Weih­nachtsbaum, der im Lichterkleid erstrahlte – selbst wenn er nur aus ein paar nadelnden Zweigen bestand, weil Vater sich mit dem Kauf zu viel Zeit gelassen hatte und dann nehmen musste, was übrig blieb. Und es waren die buntesten Bunten Teller, die Geschwister hatten noch nie so gut vierhändig gespielt, wie auch die Eltern versicherten, und es waren immer die schönsten Weihnachtsgeschenke, die man je bekommen hatte – jedenfalls so empfand ich es damals, als ich noch ein Kind in Königsberg sein durfte. Nur eines trübte zu Beginn der häuslichen Weihnachtsfeier die Stimmung, die sich erst löste, wenn man es aufgesagt hatte – das Weihnachtsgedicht! Ohne Steckenbleiben, ohne Stottern und mit viel Betonung – und dann den Eltern den goldumrandeten Weih­nachtsbogen überreichte, in dessen Innenseite man das Gedicht in Schönschrift und ohne zu kleck­sen geschrieben hatte. Und Muttchen behauptete, es sei der schönste Weihnachtsbogen, den sie je bekommen hatte, obgleich das bunte Stammbildchen auf der Vorderseite wie immer mein Lieblingsmotiv zeigte: Ein tief verschneites Häuschen mitten im Wald und davor ein Reh, manchmal mit oder ohne Kitz, das war der Unterschied.

So hütet jeder von uns seine weihnachtlichen Erinnerungen und holt sie einmal im Jahr hervor. Das hat auch unser Landsmann Johannes Fellner aus Höslwang getan und für uns sein Gedenken an eine glückliche Kindheit in Ostpreußen in Worte gefasst. Weil der Brief auch an unsere Leser gerichtet ist, reichen wir zuerst seine Weihnachtswünsche weiter. „Mit meinen Erinnerungen möchte ich unseren lieben Landsleuten ein wenig Heimat und Wärme vermitteln, ich wünsche ihnen viel Licht und gute Gedanken. Es geht ja nichts verloren, auch wenn es äußerlich nicht mehr existiert.“ Und dies ist seine kleine Geschichte, die er für unsere Familie geschrieben hat:

„Es ist dämmerig im Wohnzimmer bei den Großeltern. Ich sehe mich als kleinen Jungen auf dem niedrigen Plüschhocker sitzen. Großvater sitzt in seinem großen Ohrensessel. Neben ihm hängt das mächtige Geweih eines Zwölf­enders. An der anderen Seite des Zimmers das große Dünenbild von Arthur Steiner, auf dem Tisch blinkt im Kerzenlicht die Silberschale, gefüllt mit Plätzchen. Der Samowar auf der Anrichte summt gemütlich. Nun stopft Großvater bedächtig seine Pfeife und setzt sie in Brand, das Streichholz senkt seine Flamme in den Pfeifenkopf in gefährlicher Nähe zu seinem weißen, langen Vollbart. Blaue Wölkchen quellen hervor, durchziehen das Wohnzimmer.

‘Tja, mein Jungchen, was soll ich dir erzählen?’ Und dann füllt sich der heimelige Raum mit Bildern, lebendig, bunt. Ich sehe mich mitten auf der Wiese sitzen und zusehen, wie der Bulle mit gesenktem Haupt den Großvater angreift und seine Dogge Caesar das Ungetüm anspringt und vertreibt. Nicht minder gefährlich die Pirsch im feuchten Bruch, als die führende Elchkuh mit hocherhobenen Läufen den Jägersmann angreift. Ich war dabei, als Großvaters Jägerkompanie die große Eisenkiste, gefüllt mit goldenen Rubeln, findet – die russische Kriegskasse! Ich warte mit Spannung auf die Vögel, die den halbzahmen Uhu auf der Vogelwarte Rossitten angreifen, um dann Opfer der wachsamen Jäger zu werden. Es ist dunkel geworden, Bilder einer fernen und doch so nahen sagenhaften Welt wabern um den Knaben, sprechen zu ihm. Da tischt die tüchtige Großmutter etwas Herzhaftes auf, und in den heißen Tee fällt mit leisen Plumps und feinem Geklingel ein ordentliches Stück Zuckerkant.“ Das ist die Erinnerung, die Johannes Fellner aufschrieb als Weihnachtsgabe für unsere Leserinnen und Leser, obgleich der Name des Festes darin nicht einmal vorkommt.

Aber in den Erinnerungen meines Königsberger Landsmanns Hans-Georg Balzer taucht es wieder auf, und wenn es auch nur ein paar kurze Sätze sind, so spricht doch die Sehnsucht nach der Weihnachtszeit in seiner Vaterstadt aus ihnen. Auf dem Briefbogen gibt Herr Balzer noch immer seine Königsberger Adresse an: Hans-Georg Balzer zu Hause in Königsberg/Pr. Rich. Wagner Str, 27/28. Zu Hause – dahin gehen seine Gedanken, die er für unsere Familie aufgeschrieben hat: „Auch in diesem Jahr müssen wir das Christfest wieder fern unserer geliebten Heimat begehen. In diesen Tagen gehen meine Gedanken noch öfter als sonst nach Hause an den Pregel. Ich wandere durch die weihnachtlichen Straßen zu der ‘dicken Tante mit dem großen Herzen’ in der Bullatenstraße, über die ich schon geschrieben habe. Nun ja, selbst in schweren Zeiten durften wir noch zu Hause sein. Heilig Abend wurde es immer dann, wenn vom Schlossturm die alten Weihnachtslieder erklangen. Diese Erinnerung kann uns niemand nehmen.“ Vom Schlossturm aus geht auch der Blick über Königsberg in einem Bild, das Herr Balzer seinem Schreiben beigefügt hat. Es ist die Abbildung eines Gemäldes, das im Königsberger Dom hängt. Jörn Pekrul hat es aufgenommen – so dreht sich eben alles im Familienkreis. Und dreht sich weiter, denn aus Estland meldet sich unsere Freundin Anne Rekkaro, über deren Suche nach ihrer Königsberger Kindheit wir schon oft berichtet haben, und die in Jörn Pekrul einen guten Wegbegleiter für die Besuche in ihrer Geburtsstadt gefunden hat. Er sandte ihr als Weihnachtsgabe auch mein Buch „Der Wiesenblumenstrauß“, wo­rüber sie sich sehr gefreut hat. Und ich natürlich auch, wobei ich die Gelegenheit nutze, dem Verlag Rautenberg meinen Dank zu sagen, dass er dieses längst vergriffen gewesene Buch in gebundener Form neu herausgebracht hat, zusammen mit zwei weiteren Büchern von mir: „Rote Korallen“ und „Die Weihnachtsfamilie“. Eine große Freude für mich und sozusagen ein vorgezogenes Weih­nachtsgeschenk.

In der Weihnachtbäckerei geht es anscheinend auch in Estland hoch her, wie das Foto beweist, das uns Anne Rekkaro als Weih­nachtsgruß zusandte – ein Blech mit Lebkuchen, hübsch dekoriert mit Mandeln und Kirschen. An das Pfefferkuchenbacken erinnert sich auch Frau Jutta Abu Medain aus Lüdenscheid. „Zum 25. November, Kathrein, so ist es mir in Erinnerung geblieben, begann meine Mutter mit der Weih­nachtsbäckerei. Zunächst wurden die länger lagernden Gebäcke wie Pfeffernüsse hergestellt, in den Folgewochen dann die feineren Plätzchen.“ Diese Erinnerung bringt Frau Jutta auch in ihr Kalenderbuch mit ein, das der eigentliche Anlass ist, an uns zu schreiben, und mit dem sie eine Bitte verbindet. Sie schreibt: „Als unser Junge noch klein war, aber schon anfing, viele Fragen zum Alltagsgeschehen zu stellen, habe ich diese nicht nur gerne beantwortet, sondern auch begonnen Material für einen Familienkalender zu sammeln. Das konnten Gedichte, Lieder, Zitate sein, aber auch Aufzeichnungen von den Erinnerungen meiner Eltern – ‘wie es früher war’ –, Zeitungsberichte und Fotos. Zunächst als Geschenk für unsern Sohn gedacht, ist in den vergangenen Jahren daraus ein umfassendes Buchprojekt geworden. Inzwischen ist der Almanach, wie ich ihn nenne, bereits üppig mit Fundstücken und Begleittexten versehen. So habe ich ‘Kathrein’ das Thema ‘Lebkuchen’ zugeordnet und mich dabei natürlich auch mit den Thorner Kathrinchen beschäftigt. Das Ostpreußenblatt war dabei eine von vielen Quellen, die ich nutzen konnte.“

Und dabei stieß Frau Jutta in Folge 9 vom 28. Februar 1987 auf unsere Ostpreußische Familie, in der ich über d a s Kochbuch schrieb, nach dessen Rezepten Generationen von ostpreußischen Frauen kochten: Doennigs Kochbuch. Ich erinnerte mich noch genau, welche Faszination das Buch auf mich kleine Marjell ausübte, wenn Muttchen es hervorholte, nicht nur, weil es die Geheimnisse vieler leckerer Rezepte barg, sondern weil diese frühe Ausgabe für mich auch eine Art Kinderbuch war mit den heiteren Zeichnungen von fleißigen Heinzelmännchen, die der gestressten Hausfrau halfen. Ich durfte, wenn Muttchen backte und briet, die lustigen Bilder betrachten – ein Privileg, das ich zu schätzen wusste. Darüber hatte ich nun in der erwähnten Folge geschrieben, weil eine Leserin nach diesem Kochbuch suchte. Inzwischen sind die Heinzelmännchen aus den Neuauflagen der ostpreußischen „Kochfibel“ verschwunden, sie sind Rezeptfotos gewichen, aber Frau Jutta möchte gerne eine Abbildung von den Zeichnungen haben, weil sie ihr Kalenderbuch damit illustrieren will, sie hat da an den Monat Dezember mit dem Thema „Marzipan“ gedacht. Leider ist sie auf ihrer Suche in verschiedenen Antiquariaten nicht fündig geworden, aber vielleicht besitzt noch jemand aus unserem Leserkreis diese nun über 100 Jahre alte Ausgabe oder kann Hinweise auf eine Abbildung geben.

Auch Frau Hildegard Wilkens aus Hamburg-Harburg backt noch selber Pfefferkuchen, allerdings verzichtet sie auf das lange Reifen des Kuchenteigs. Da ihre Nichte ihr dabei hilft, hat diese wohl das Rezept mit eingebracht, das Frau Hildegard an die Ostpreußische Familie weitergeben möchte: Honigkuchen mit Rapsöl. Der Teig braucht nur eine Stunde im Kühlschrank zu ruhen.

Gleich nach welchem Rezept gebacken wird: Lewe Landslied, genießt die Feiertage mit ihrem Duft von Honig, Mandeln und Tannengrün und folgt dem Ratschlag eines guten Freundes, der die Weisung seiner memelländischen Mutter befolgen will: Ein bisschen abruhen!

Eure Ruth Geede


Pfefferkuchen und Schmutz
Tourismusbranche vergibt Goldenes Zertifikat
Chris W. Wagner

Das Goldene Zertifikat der Polnischen Tourismusorganisation (POT) ist das, was der Oscar für die Filmbranche ist“, freut sich Elzbieta Olszewska, Leiterin des Lebendigen Pfefferkuchen-Museums zu Thorn (Torun). Sie nahm am 23. November im Warschauer Hotel Mariott die begehrte Auszeichnung entgegen.

Um das Goldene Zertifikat dürfen sich nur bereits durch die POT ausgezeichnete Kandidaten bewerben, die sich nach Ablauf von mindestens fünf Jahren weiterhin bestens entwickelt haben. Thorn machte das Rennen vor dem Straßen-Gaukler-Festival aus Lublin, „Carnaval Sztukmistrza” und dem Bania-Komplex, einem Aqua-, Ski- und Wellnesspark in der Tatra.

Das Lebendige Pfefferkuchenmuseum wurde 2006 ins Leben gerufen und gilt als erstes interaktives Museum in der Republik Polen. Jährlich besuchen dieses Privatmuseum 100000 Interessierte, die beim Lebkuchenbacken, wie man es im Mittelalter tat, Hand anlegen können. Dabei wird die Geschichte der Thorner Lebkuchen erzählt, die deutsche Siedler wohl etwa um 1380 mitgebracht haben.

Eine weitere Zeitreise macht der Besucher im zweiten Stock des Museums, wo sich eine Lebkuchenmanufaktur von der Jahrhundertwende befindet. Dort dürfen die Besucher Lebkuchen jugendstilgerecht dekorieren. Olszewska hofft, dass durch das Goldene Zertifikat noch mehr Touristen ihr Museum besuchen.

Als einen weiteren Tourismushit erkannte die POT das Museum der Seife und der Geschichte des Schmutzes in Bromberg an. Es zeigt, wie die Menschheit die Körperpflege und die allgemeine Sauberkeit und Ordnung im Laufe der Jahrhunderte meisterte. Im Museum wird auch die Geschichte der Bromberger chemischen Industrie erzählt, die im 19. Jahrhundert ihre Blüte erlebte, und speziell die von der 1849 in Betrieb genommenen J.-G.-Böhlke-Seifenfabrik, die ihre Produkte sogar in viele Länder Europas exportierte.

Besucher können in dem durch  Initiative von Daria Kieraszewicz und Adam Bujny 2012 gegründeten Museum ein mittelalterliches Badehaus erleben, außerdem die erste tragbare Toilette oder den Vorläufer einer Dusche. Auch erste Waschmaschinen, Wäschemangeln und die ersten Reklamen für Wasch- und Hygienemittel werden in Bromberg gezeigt.

Deutsch in Gefahr
Bildungsreform bedroht Sprachunterricht

Die Bildungsreform in der Republik Polen, die seit dem 1. September gilt, wirkt sich negativ auf die Finanzierung von Unterricht in Minderheitensprachen aus. Jede Kommune im Land erhält für ihre Schulen einen Sockelbetrag, der sich an der Anzahl der Schüler bemisst. Daneben gibt es Mittel für den zusätzlichen Unterricht in der Minderheitensprache, sofern dieser aufgrund eines angemeldeten Bedarfes auch erteilt wird. Profitiert haben davon insbesondere Schulen mit wenigen Schülern, in denen jedoch Minderheitenunterricht erteilt wurde, denn ihr Sockelbetrag wurde so um 150 Prozent auf das zweieinhalbfache erhöht.

Durch die Reform bekommen nun kleine Schulen nur noch einen Aufschlug von 130 Prozent, bei größeren Schulen, die bis zu 98 Schüler umfassen, erhält die Kommune einen Aufschlag von 140 Prozent. Ryszard Karolkiewicz, der Bildungsexperte im Verband deutscher Gesellschaften mit Sitz in Oppeln, moniert, dass diese Änderungen mit den Vertretern der jeweiligen Minderheiten in der Republik Polen nicht besprochen worden seien.

Die Situation retten könnten jedoch Schulen mit bilingualem Unterricht, denn laut der Bildungsreform werden bei ihnen die Zuwendungen erhöht. Doch bilingualen Deutschunterricht gibt es nur ganz selten, denn hierfür fehlt es an geeigneten Lehrern, die zum Beispiel Biologie, Chemie oder Mathematik auch in deutscher Sprache unterrichten könnten. Hier beißt sich die sprichwörtliche Katze also in den eigenen Schwanz, denn ohne Minderheitenunterricht gibt es keine künftigen Lehrer, die in der Muttersprache unterrichten könnten. Ohne Lehrer hingegen können keine bilingualen Klassen starten.C.W.W.

S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 103. GEBURTSTAG

Müller, Rudolf, aus Schellendorf, Kreis Ebenrode, am 28. Dezember

Rieck, Hildegard, aus Fischhausen, am 8. Dezember

ZUM 102. GEBURTSTAG

Dießelberg, Christel, geb. Brodowski, aus Lyck, am 28. Dezember

Kempf, Ruth, geb. Lukas, aus Palmnicken, Kreis Fischhausen, am 12. Dezember

Welz, Elise, aus Pillau, Kreis Fischhausen, am 11. Dezember

ZUM 101. GEBURTSTAG

Lojewski, Johanna, aus Lübeckfelde, Kreis Lyck, am 27. Dezember

Polleit, Anna, geb. Behrendt, aus Palmnicken, Kreis Fischhausen, am 28. Dezember

ZUM 100. GEBURTSTAG

Riedel, Hildegard, aus Rostken, Kreis Lyck, am 3. Januar

ZUM 99. GEBURTSTAG

Emsbach, Paula, geb. Wegmann, aus Groß Budlacken, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Hoffmann, Frieda, geb. Naujokat, aus Palmnicken, Kreis Fischhausen, am 15. Dezember

Pichler, Helmut, aus Grenzberg, Kreis Elchniederung, am 3. Januar

ZUM 98. GEBURTSTAG

Bohlmann, Gertrud, geb. Kowalzik, aus Treuburg, am 30. Dezember

Bosies, Luise, geb. Gailus, aus Inse, Kreis Elchniederung, am 29. Dezember

Kaiser, Edith, geb. Neiß, aus Berkeln, Kreis Elchniederung, und aus Wehlau, am 30. Dezember

Lesniowski, Helga, geb. Gogolin, aus Geigenau, Kreis Lyck, am 1. Januar

Mirbach, Christel, aus Lyck, am 25. Dezember

Neumann, Hans-Hubert, aus Starkenberg, Kreis Wehlau, am 1. Januar

Prinz, Else, geb. Zilkenarth, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 1. Januar

Schirrmacher, Erna, geb. Homp, aus Großheidekrug, Kreis Fischhausen, am 18. Dezember

ZUM 97. GEBURTSTAG

Engelke, Edith, geb. Trzaska, aus Neidenburg, am 30. Dezember

Fedrau, Christel, geb. Sokoll, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 26. Dezember

Gauda, Gertrud, geb. Erith, aus Weidicken, Kreis Lötzen, am 2. Januar

Kunert, Rosemarie, geb. Maeckelburg, aus Treuburg, am 3. Januar

Nobel, Hildegard, geb. Karpowski, aus Plöwken, Kreis Treuburg, am 22. Dezember

Ossa, Erna, aus Neidenburg, am 27. Dezember

Richardt, Johanna, geb. Berger, aus Wehlau, am 3. Januar

Röhle, Else, geb. Steppat, aus Reinlacken, Kreis Wehlau, am 25. Dezember

Schimkus, Helmut, aus Erlen, Kreis Elchniederung, am 24. Dezember

ZUM 96. GEBURTSTAG

Holzapfel, Ursula, geb. Metauge, aus Groß Kuhren, Kreis Fischhausen, am 15. Dezember

Koch, Waltraut, geb. Wegner, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 30. Dezember

Krah, Elise, geb. Konrad, aus Liebnicken, Kreis Preußisch Eylau, am 3. Januar

Marks, Gerhard, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 28. Dezember

Marczinski, Arno, aus Rundfließ, Kreis Lyck, am 29. Dezember

Melzer, Michael, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 28. Dezember

Möhlmann, Frieda, geb. Radau, aus Großheidekrug, Kreis Fischhausen, am 23. Dezember

Rompf, Elfriede, geb. Wark, aus Wanicken, Kreis Fischhausen, am 22. Dezember

Thomzigk, Gerda-Rita, geb. Lissek, aus Ortelsburg, am 29. Dezember

Walleit, Anneliese, geb. Just, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 3. Januar

Wiegmann, Hildegard, geb. Szesny, aus Birkenwalde, Kreis Lyck, am 4. Januar

ZUM 95. GEBURTSTAG

Hansch, Ewald, aus Freiwalde, Kreis Neidenburg, am 31. Dezember

Hedrich, Margarete, geb. Lutz, aus Wiesengrund, Kreis Lyck, am 4. Januar

Heibutzki, Otto, aus Krupinnen, Kreis Treuburg, am 4. Januar

Krehl, Georg, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Kutzborski, Willi August, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Mühlfellner, Edith, geb. Broszeit, aus Gronwalde, Kreis Elchniederung, am 4. Januar

Werwath, Wolfgang, aus Ebenrode, am 29. Dezember

ZUM 94. GEBURTSTAG

Borbe, Erna, geb. Neumann, aus Tykrehnen, Kreis Fischhausen, am 10. Dezember

David, Hildegard, geb. Wegener, aus Hohensprindt, Kreis 

Elchniederung, am 23. Dezember

Ernestsons, Gertrud, geb. Zablowski, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Evers, Lotti, geb. Cub, aus Prostken, Kreis Lyck, am 1. Januar

Gilbert, Erika, geb. Rattay, aus Lengau, Kreis Treuburg, am 22. Dezember

Göb, Marianne, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 1. Januar

Hanke, Fritz, aus Neukuhren, Kreis Fischhausen, am 22. Dezember

Kempchen, Lisbeth, geb. Taubert, aus Scharnau, Kreis Neidenburg, am 2. Januar

Kohlwage, Alma aus Lilienfelde, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Lipke, Willi, aus Rauschen, Kreis Fischhausen, am 7. Dezember

Lukasczyk, Erich, aus Sielacken, Kreis Wehlau, am 24. Dezember

Marquardt, Konrad, aus Treuburg, am 31. Dezember

Peck, Josefa, geb. Hippler, aus Lopsienen, Kreis Fischhausen, am 22. Dezember

Rama, Walter, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 29. Dezember

Schlicker, Kurt, aus Peterswalde, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Schnarelt, Ruth, geb. Gerwin, aus Zimmerbude, Kreis Fischhausen, am 20. Dezember

Specht, Margot, geb. Becker, aus Merunen, Kreis Treuburg, am 30. Dezember

ZUM 93. GEBURTSTAG

Albers, Christel, geb. Cyrkel, aus Saberau-Abbau, Kreis Neidenburg, am 23. Dezember

Bartschies, Heinz, aus Lyck, am 24. Dezember

Baus, Lisebeth, aus Lissau, Kreis Lyck, am 3. Januar

Dziedzitz, Heinrich, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Froese, Grete, geb. Laser, aus Kalthagen, Kreis Lyck, am 26. Dezember

Gardeick, Heinz, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Glashoff, Charlotte, geb. Samsel, aus Schönwiese, Kreis Neidenburg, am 24. Dezember

Heidmann, Ruth, geb. Griggel, aus Fischhausen, am 19. Dezember

Klein, Gertrud, geb. Winkler, aus Trenk, Kreis Fischhausen, am 5. Dezember

Otterbeck, Waltraud, geb. Pohlke, aus Heilsberg, am 4. Januar

Schütz, Herbert, aus Seesken, Kreis Treuburg, am 31. Dezember

Wandrei, Else, aus Peyse, Kreis Fischhausen, am 5. Dezember

Werts, Betty, geb. Gedack, aus Wehlau, am 30. Dezember

Ziermann, Ingelore, geb. Möhr, aus Pillau, Kreis Fischhausen, am 26. Dezember

ZUM 92. GEBURTSTAG

Blödner Emma, geb. Korzen, aus Groß Dankheim, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Brodowski, Herta, aus Deutscheck, Kreis Treuburg, am 3. Januar

Czarnetzki, Erich, aus Gartenau, Kreis Neidenburg, am 4. Januar

Dolassek, Helga, geb. Hendriog, aus Lötzen, am 3. Januar

Freith, Martha, geb. Brodowski, aus Sentken, Kreis Lyck, am 26. Dezember

Freudenreich, Rudi, aus Kragau, Kreis Fischhausen, am 18. Dezember

Geisselseder, Waltraud, geb. Baumgardt, aus Pillau, Kreis Fischhausen, am 8. Dezember

Groß, Herbert, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 27. Dezember

Grajewski, Elise, aus Treuburg, am 23. Dezember

Gugat, Hildegard, geb. Deckmann, aus Argemünde, Kreis Elchniederung, am 28. Dezember

Horn, Elli, geb. Lemke, aus Schakendorf, Kreis Elchniederung, am 4. Januar

Husing, Anna, geb. Holz, aus Cranz, Kreis Fischhausen, am 23. Dezember

Jedamzik, Elfriede, geb. Mast, aus Wilhelmshof, Kreis Ortelsburg, am 27. Dezember

Kewitz, Alfred, aus Grünau, Kreis Lötzen, am 30. Dezember

Klemz, Gerda, geb. Findeisen, aus Fischhausen, am 3. Dezember

Opielka, Grete, geb. Winkler aus Rummau, Kreis Ortelsburg, am 25. Dezember

Pachutzki, Johann, aus Neuen-dorf, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Peterson, Christel, geb. Joppien, aus Warnicken, Kreis Fischhausen, am 19. Dezember

Pohl, Trauthilde, aus Seefrieden, Kreis Lyck, am 30. Dezember

Pollnow, Gerda, geb. Willuda, aus Freiort, Kreis Lötzen, am 25. Dezember

Rhauda, Christel, geb. Schneider, aus Rudau, Kreis Fischhausen, am 26. Dezember

Rossa, Erna, geb. Kensy, aus Montwitz, Kreis Ortelsburg, am 2. Januar

Sadtkowski, Horst, aus Osterode, am 24. Dezember

Stang, Liesbeth, geb. Bollgönn, aus Georgenswalde, Kreis Fischhausen, am 20. Dezember

Waniek, Ursula, geb. Unruh, aus Pelkeninken, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Wedemann, Arno, aus Goldschmiede, Kreis Fischhausen, am 2. Dezember

Wittmer, Ilse, geb. Reimann, aus Palmnicken, Kreis Fischhausen, am 29. Dezember

ZUM 91. GEBURTSTAG

Ballin-Hoelger, Waltruad, geb. Ballin, Landesgruppe Bremen, am 22. Dezember

Batschke, Manfred, aus Medenau, Kreis Fischhausen, am 2. Dezember

Böhme, Christel, geb. Dous, aus Cranz, Kreis Fischhausen, am 15. Dezember

Chilla, Christoph, aus Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 23. Dezember

Dubberstein, Hildegard, geb. Schetzko, aus Deumenrode, Kreis Lyck, am 4. Januar

Fink, Bruno, aus Grünhayn, Kreis Wehlau, am 1. Januar

Fritsche, Irmgard, geb. Schickmann, aus Auerbach, Kreis Wehlau, am 22. Dezember

Gerhardt, Charlotte, geb. Gerhardt, aus Angerapp, am 29. Dezember

Ginnow, Arnold, aus Rauschen Kreis Fischhausen, am 12. Dezember

Gollnow, Eleonore, geb. Machnik, aus Petersdorf, Kreis Wehlau, am 3. Januar

Gortat, Herta, geb. Mosdzinski, aus Hornheim, Kreis Neidenburg, am 23. Dezember

Grabka, Ruth, aus Nußberg, Kreis Lyck, am 23. Dezember

Hanschmann, Hildegard, geb. Holland, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 29. Dezember

Höger, Erna, geb. Krafzick, aus Lötzen, am 30. Dezember

Horzonek, Elli, aus Mulden, Kreis Lyck, am 29. Dezember

Jodeit, Rolf, aus Grünhayn, Kreis Wehlau, am 2. Januar

Kuddes, Margarete, geb. Schakohl, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 30. Dezember

Manzig, Berta, geb. Broschk, aus Gardienen, Kreis Neidenburg, am 24. Dezember

Mantz, Elfriede, geb. Stodollik, aus Krassau, Kreis Lyck, am 2. Januar

Peper, Kurt, aus Sarkau, Kreis Fischhausen, am 6. Dezember

Poetsch, Frieda, geb. Knizia, aus Hamerudau, Kreis Ortelsburg, am 24. Dezember

Rieper, Margot, geb. Lach, aus Ilgenhöh, früher Bogumschönen, Kreis Osterode, am 31. Dezember

Schlieben, Ulrich, aus Ortelsburg, am 3. Januar

Schröder, Luzi, aus Cranz, Kreis Samland, und Allenstein, am 26. Dezember

Teske, Hildegard, geb. Suchert, aus Rudau, Kreis Fischhausen, am 7. Dezember

Thierbach, Claus, aus Ziegelberg, Kreis Elchniederung, am 3. Januar

Vollmer, Klara, geb. Scharz, aus Königsberg-Rothenstein, am 24. Dezember

ZUM 90. GEBURTSTAG

Audehm, Else, aus Alt Katzkeim, Kreis Fischhausen, am 23. Dezember

Baden, Christel, geb. Derßler, aus Lyck, am 22. Dezember

Bublies, Herbert, aus Kischen, Kreis Elchniederung, am 26. Dezember

Czybulka, Otto, aus Langheide, Kreis Lyck, am 29. Dezember

Dems, Christel, geb. Froelian, aus Lyck, Hindenburgstraße 24, am 25. Dezember

Doliwa, Gerhard, aus Klein Sak-rau, Kreis Neidenburg, am 4. Januar

Domhoff, Annelise, geb. Borbe, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 3. Januar

Edler, Gerda, geb. Kuckluck, aus Sechshuben, Kreis Wehlau, am 30. Dezember

Gamarra, Hedwig, geb. Schiffkowski, aus Schönhöhe, Kreis Ortelsburg, am 27. Dezember

Göbel, Hermann, aus Kischen, Kreis Elchniederung, am 28. Dezember

Guttowski, Heinz, aus Treuburg, am 3. Januar

Hübner, Ruth, geb. Rydzewski, aus Lyck, Danziger Straße 14, am 23. Dezember

Jorzenuk, Hans, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 1. Januar

Kühl, Charlotte, geb. Possekel, aus Rauschen, Kreis Fischhausen, am 16. Dezember

Lind, Frieda, geb. Elsner, aus Wokellen, Kreis Preußisch Eylau, am 26. Dezember

Mahlmann, Gisela, aus Lötzen, am 24. Dezember

Maise, Lore, geb. Kosemund, aus Pillau, Kreis Fischhausen, am 27. Dezember

Meding, Emma, geb. Rymarzick, aus Mulden, Kreis Lyck, am 30. Dezember

Nähr, Ruth, geb. May, aus Herzogshöhe, Kreis Treuburg, am 29. Dezember

Nieswandt, Ernst, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 29. Dezember

Penner, Christel, geb. Witt, aus Lauknicken, Kreis Fischhausen, am 18. Dezember

Pomian-Semper, Bruno, aus Treuburg, am 2. Januar

Sack, Günther, aus Passenheim-Bahnhof, Kreis Ortelsburg, am 29. Dezember

Schmidt, Wolfgang, aus Thierenberg, Kreis Fischhausen, am 29. Dezember

Schüz, Dietrich, aus Rositten, Kreis Fischhausen, am 21. Dezember

Seinwill, Erich, aus Narwickau, Kreis Ebenrode, am 22. Dezember

Springer, Hildegard, geb. Lippick, aus Geigenau, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Tepper, Erika, geb. Zisseck, aus Mingfen, Kreis Ortelsburg, am 30. Dezember

ZUM 85. GEBURTSTAG

Ballnus, Emil, aus Grünwiese, Kreis Elchniederung, am 26. Dezember

Balzer, Walter, aus Steinhof Kreis Sensburg, am 2. Januar

Bellen, Edith, geb. Janzik, aus Waiblingen, Kreis Lyck, am 26. Dezember

Boettcher, Naemi, geb. Krüger, aus Kirpehnen, Kreis Fischhausen, am 10. Dezember

Brandecker, Hans-Joachim, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Fortkamp, Traute, geb. Stangscheidt, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 27. Dezember

Framke, Kurt, aus Fischhausen, am 2. Dezember

Galka, Alma, aus Heinrichsdorf, Kreis Neidenburg, am 4. Januar

Galla, Gustav, aus Ulleschen, Kreis Neidenburg, am 4. Januar

Gatte, Margarete, geb. Schroeder, aus Motzen, Kreis Lyck, am 4. Januar

Giese, Margarete, geb. Bubber, aus Auglitten, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Gimbott, Viktoria, geb. Nowack, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 23. Dezember

Graff, Hans, aus Fischhausen, am 16. Dezember

Kobus, Herta, geb. Wierzoch, aus Fürstenwalde, Kreis Ortelsburg, am 1. Januar

Kröhnert, Ingrid, aus Lyck, am 22. Dezember

Krug, Christel, geb. Freynik, aus Dietrichdorf, Kreis Neidenburg, am 23. Dezember

Labusch, Elli, geb. Gadomski, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 3. Januar

Lange, Edelgard, geb. Litzbarski, aus Kownatken, Kreis Neidenburg, am 4. Januar

Märtens, Christel, geb. Köhler, aus Kumehnen, Kreis Fischhausen, am 19. Dezember

Märting, Lieselotte, geb. Westphal, aus Germau, Kreis Fischhausen, am 12. Dezember

Meinel, Christel, geb. Sbrzesny, aus Lötzen, am 25. Dezember

Meyer, Ruth, geb. Zachow, aus Cranz, Kreis Fischhausen, am 13. Dezember

Motzkus, Horst, aus Herdenau, Kreis Elchniederung, am 29. Dezember

Molik, Hannelore, geb. Raddatz, aus Lötzen, am 30. Dezember

Niklas, Christel, geb. Klein, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 31. Dezember

Nowicki, Auguste, geb. Kubandt, aus Keipern, Kreis Lyck, am 1. Januar

Pawelzik, Heinz-Ulrich, aus Steintal, Kreis Lötzen, am 1. Januar

Preuß, Bruno, aus Hasenberg, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Rothbauer, Christel, geb. Mill, aus Grünhoff, Kreis Fischhausen, am 14. Dezember

Stenger, Betty, geb. Kristahn, aus Uderhöhe, Kreis Wehlau, am 30. Dezember

Weidhaase, Christel, geb. Balk, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 136, am 26. Dezember

Witt, Ilse, geb. Lange, aus Narwickau, Kreis Ebenrode, am 24. Dezember

Wölk, Christian, aus Germau, Kreis Fischhausen, am 22. Dezember

Wojtke, Inge, geb. Wojtke, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 23. Dezember

ZUM 80. GEBURTSTAG

Bender, Christel, geb. Buettler, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 22. Dezember

Czerwinski, Elke, geb. Holm, aus Andreken, Kreis Lyck, am 3. Januar

Czybulka, Heinz, aus Blumental, Kreis Lyck, am 27. Dezember

Deba, Gisela, geb. Pluschke, aus Cranz, Kreis Fischhausen, am 29. Dezember

Deptolla, Günter, aus Rohmanen, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Dube, Helga, geb. Sadlowski, aus Wehlau, am 2. Januar

Engelke, Kurt, aus Ahlgarten, Kreis Elchniederung, am 22. Dezember

Großmann, Christel, geb. Bojarski, aus Wittingen, Kreis Lyck, am 28. Dezember

Henke, Gisela, geb. Brodd, aus Biothen, Kreis Wehlau, am 2. Januar

Herbst, Waltraut, geb. Noetzel, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 1. Januar

Hiemer, Irmtraut, geb. Truscheit, aus Alt Seckenburg, Kreis Elchniederung, am 31. Dezember

Illing, Inge, geb. Krebs, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 24. Dezember

Jagdfeld, Werner, aus Jäskeim, Kreis Königsberg, am 29. Dezember

Kaestner, Irmgard, geb. Murach, aus Wallen, Kreis Ortelsburg, am 1. Januar

Kagelmacher, Knut, aus Eichen, Kreis Wehlau, am 27. Dezember

Kubinkiewicz, Helga, geb. Kopitza, aus Lyck, am 4. Januar

Kulikowski, Christel, geb. Kopetsch, aus Kommusin, Kreis Neidenburg, am 24. Dezember

Krause, Werner, aus Freythen, Kreis Ortelsburg, am 31. Dezember

Krohn, Helgard, geb. Kelch, aus Ortelsburg, am 24. Dezember

Landmann, Inge, geb. Kowallik, aus Reimanswalde, Kreis Treuburg, am 4. Januar

Leonhard, Astrid, geb. Lunkowsky, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 30. Dezember

Lukaschewski, Günter, aus Deutscheck, Kreis Treuburg, am 3. Januar

Männel, Erika, geb. Werner, aus Moptau, Kreis Wehlau, am 30. Dezember

Marquitan, Reinhard, aus Allenstein, am 24. Dezember

Neumann, Gisela, geb. Ruddies, aus Thomaten, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Neumann, Hans, aus Warnicken, Kreis Fischhausen, am 10. Dezember

Petersen, Christa, geb. Meyrath, aus Wilhelmsbruch, Kreis Elchniederung, am 1. Januar

Pröhl, Ute, geb. Baller, aus Kreuzingen, Kreis Elchniederung, am 4. Januar

Püstow, Christiane, geb. Jorzik, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 23. Dezember

Reh, Detlef, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 27. Dezember

Romond, Wolfgang, aus Petersgrund, Kreis Lyck, am 30. Dezember

Rücker, Helga, geb. Goetzie, aus Polenzhof, Kreis Elchniederung, am 30. Dezember

Sartor, Karl-Heinz, aus Bredauen, Kreis Ebenrode, am 24. Dezember

Sbresny, Werner, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 1. Januar

Schmidtke, Hubert, aus Treuburg, am 1. Januar

Seega, Christa, geb. Schmal, aus Siemienau, Kreis Neidenburg, am 29. Dezember

Spangenberg, Sigrid, geb. Krink, aus Lyck, am 27. Dezember

Stolzenberg, Jürgen, aus Rauschen, Kreis Fischhausen, am 17. Dezember

Voß, Werner, aus Friedeberg, Kreis Elchniederung, am 28. Dezember

Wagner, Joachim, aus Königsberg und Kreis Lötzen, am 2. Januar

Wiese, Elfriede, geb. Piechottka, aus Nußberg, Kreis Lyck, am 1. Januar

ZUM 75. GEBURTSTAG

Dierking, Brunhilde, geb. Friederitz, aus Tranatenberg, Kreis Elchniederung, am 29. Dezember

Ganz, Rosemarie, aus Duneiken, Kreis Treuburg, am 3. Januar

Hensel, Gerlinde, geb. Thiedmann, aus Groß Keylau, am 3. Januar

Kinzel, Ute, geb. Hildebrand, aus Gauleden, Kreis Wehlau, am 29. Dezember

Müller, Sigrid, geb. Stiepert, aus Guttenfeld, Kreis Preußisch Eylau, am 28. Dezember

Peper, Hans, aus Cranzbeek, Kreis Fischhausen, am 10. Dezember

Pollack, Manfred, aus Schirrau, Kreis Wehlau, am 4. Januar

Roland, Elke, geb. Kalnassy, aus Plauen, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Trinkies, Rose-Marie, geb. Neubauer, aus Lötzen, am 30. Dezember

Witt, Karin, geb. Steinhorst, aus Flammberg, Kreis Ortelsburg, am 3. Januar

Eiserne Hochzeit

Kieven, Hubert und Helga, geb. Unruh, aus Fedderau, Kreis Heiligenbeil, am 31. Dezember


S. 16 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101. 

Liebe Ostpreußen, liebe Freunde unserer Heimat, zu unserer 60. heimatpolitischen Tagung am 17./18. Februar laden wir Sie, und Ihre Familie mit Freunden und Bekannten nach 27359 Rotenburg (Wümme), Theodor-Hauss-Schule, Gerberstraße 16, neben dem Ratsgymnasium, sehr herzlich ein. Ein Tagungsbeitrag wird nicht erhoben.

Vorgesehene Tagungsfolge (Änderungen vorbehalten):

Sonnabend, 17. Februar, 15 Uhr: 1. Vortrag von Dr. Jürgen W. Schmidt, Berlin „Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Westpreußen“. 2. Vortrag Dr. Bettina Bouresh, Berlin „Schloss Steinort“. 

Sonntag, 18. Februar, 9.30 Uhr: 3. Vortrag Ministerialrat a. D. Dr. Jürgen Martens, Königswinter „Reise nach Angerburg im Juni 2017“. Gegen 12 Uhr wird die Tagung beendet sein.

Mit der Veranstaltung wollen wir möglichst viele Menschen ansprechen, sich mit der Geschichte und Kultur unserer Heimat zu beschäftigen. Auf dieser Tagung werden neue Begegnungen, andere Sichtweisen und Einblicke anregen. Beim abendlichen Elchbraten und danach wird ausreichend Gelegenheit für Gespräche, Erinnerungen und gemütliches Beisammensein sein. Verbindliche Anmeldungen, auch für das Elchbratenessen einschließlich Desserts, zum Preis von 26 Euro pro Person sowie eventuelle Übernachtungswünsche werden schriftlich erbeten bis spätestens dem 10. Februar (Posteingang) an Brigitte Junker, Sachsenweg 15, 22455 Hamburg. Sie können sich auf eine anregende Tagung mit interessanten Gesprächen freuen.


ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Ostpreußenreise vom 25. Mai bis 1. Juni

1. Tag: Fahrt ab Hannover mit Zustiegsmöglichkeiten entlang der Fahrtroute bis nach Polen, Zwischenübernachtung im Hotel „Nad Wisla“. 

2. Tag: Nach dem Frühstück: Führung durch die Marienburg. Anschließend Weiterreise über den polnisch-russischen Grenzübergang und vorbei an Königsberg, Tapiau und Wehlau bis nach Tilsit ins Hotel „Rossija“. 

3. Tag: Möglichkeit zur Teilnahme am Gottesdienst gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde in Heinrichswalde. Anschließend Weiterfahrt über Neukirch nach Rauterskirch. Dort Empfang durch die örtliche Bevölkerung und Besichtigung der historischen Kirche. In der auch mit deutschen Mitteln unterstützten Sanitätsstation ist der Tisch zu einem kleinen Imbiss gedeckt.  Auf dem Rückweg wird noch ein Abstecher in das benachbarte Seckenburg unternommen. Am Nachmittag erreichen Sie wieder Heinrichswalde mit Besichtigung der teilrestaurierten Kirche und dem davor aufgestellten Gedenkstein zum Andenken an die früheren Einwohner der Elchniederung sowie Besuch des deutsch-russischen Heimatmuseums zur Geschichte von Heinrichswalde und dem Kreis Elchniederung, das in enger Zusammenarbeit deutscher und russischer Initiatoren gemeinsam entstanden ist. Am Nachmittag Stadtrundfahrt in Tilsit. Zunächst Besuch im teilweise neu gestalteten Park Jakobsruh mit einem Spaziergang zum wiedererrichteten Königin-Luise-Denkmal. Anschließend geht es durch die alten Wohnviertel zum Schlossmühlenteich. Auch die Gedenkstätte am Waldfriedhof wird während der Rundfahrt besucht. Abschluss und Höhepunkt der Stadtführung ist jedoch ein gemeinsamer Spaziergang durch die Hohe Straße. An den überwiegend sehr schön restaurierten Jugendstilfassaden kann man die einstige Schönheit der Stadt an der Memel erahnen. Übernachtung in Tilsit. 

4. Tag: Rundfahrt durch die Elchniederung, am Vormittag insbesondere in die Gebiete nördlich der Gilge mit Besuch von Sköpen, Kuckerneese, Herdenau, Karkeln, Inse, zum Jagdschloss Pait, weiter über Milchhof, Alt-Dümpelkrug, Rautersdorf, Bretterhof und Rautenburg. Am Nachmittag Besuch der Elchniederung südlich der Gilge mit Stopps in Neukirch, Groß Friedrichsdorf und Kreuzingen. Natürlich besteht auch die Möglichkeit zu eigenen Unternehmungen abseits vom Gruppenprogramm. Unser erfahrener Taxiservice steht Ihnen für Ihre individuellen Erkundungsfahrten gerne zur Verfügung. Übernachtung in Tilsit.

5. Tag: Abreise aus Tilsit und Überfahrt bei Goldap über die russisch-polnische Grenze ins südliche Ostpreußen. Rundfahrt von der Jägerhöhe bei Angerburg nach Heilige Linde, Besihtigung der barocken Klosterkirche mit ihrer sehen- und hörenswerten Orgel. Anschließend Fahrt durch Lötzen, das malerisch gelegen ist zwischen dem Dargainen- und dem Löwentinsee. Gegen Abend erreichen Sie Nikolaiken. Abendessen und Übernachtung in Nikolaiken. 

6. Tag: Nach dem Frühstück unternehmen Sie zunächst eine Schiffsfahrt über Seen und Kanäle von Nikolaiken bis nach Niedersee. Anschließend Weiterfahrt durch die Johannisburger Heide in Richtung Eckertsdorf mit Besuch des Philliponenklosters. Gegen Mittag erreichen Sie den romantischen Fluss Kruttinna. In einem Restaurant direkt am Fluss werden Sie zu einem leckeren Fischessen erwartet, bevor Sie danach zu einer Stocherkahnfahrt aufbrechen. Abendessen und Übernachtung in Nikolaiken.

7. Tag: Schiffsfahrt auf dem Oberländer Kanal von Buchwalde und Hirschfeld. Anschließend Weiterreise nach Westen durch Pommern zur letzten Zwischenübernachtung in Schneidemühl. 

8. Tag: Rückreise nach Hannover.

Programmänderungen sind vorbehalten.

Leistungen: Fahrt im modernen Fernreisebus mit Klimaanlage, WC, Kaffeeküche und Getränkeservice, eine Übernachtung mit Halbpension bei Dirschau, „Nad Wisla”, drei Übernachtungen mit Halbpension in Tilsit, Hotel „Rossija“, zwei Übernachtungen mit Halbpension in 

Nikolaiken, Hotel „Golebiewski“, eine Übernachtung mit Halbpension in Schneidemühl, Hotel „Gromada“, Besichtigungsprogramm wie beschrieben, Visabeschaffung. 

Der Preis pro Person beträgt 799,- Euro, der Einzelzimmerzuschlag: 125,- Euro, Visagebühr: 85,- Euro. 

Anmeldung bei Peter Westphal, Obere Wiesenbergstraße 26, 38690 Vienenburg, Telefon und Fax (05324) 798228.


HEILIGENBEIL

Kreisvertreterin: Elke Ruhnke, Im Bökel 76, 42369 Wuppertal, Tel.: (0202) 46 16 13. E-Mail: ruhnke@kreis-gemeinschaft-heiligenbeil.de. Stellvertreter: Christian Perbandt, Im Stegefeld 1, 31275 Lehrte, Tel.: (05132) 57052. 

E-Mail: perbandt@kreisge­meinschaft-heiligenbeil.de. 2. stellvertretende Kreisvertreterin: Viola Reyentanz, Großenhainer Straße 5, 04932 Hirschfeld, Telefon (035343) 433, Fax: (035343) 61480. E-Mail: reyvio@web.de. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www. kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de 

Altenau – Freitag 20., bis Sonntag 22. April, Pension Quellenhof, An der Schwefelquelle 18, 38707 Altenau: Sondertreffen. Anmeldung unter Telefon (05328) 2029993 oder per E-Mail: info@quellenhof-altenau.de bis zum 15. Januar unter „Gruppe Lenz“. 


LÖTZEN

Kreisvertreter: Dieter Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, Fax: (040) 60890478, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Der Lötzener Heimatbrief Nummer 122/November 2017 ist termingerecht erschienen. Noch können zusätzliche Exemplare für Interessierte oder zur Werbung neuer Bezieher durch die Geschäftsstelle zur Verfügung gestellt werden. Leider hat der Fehlerteufel bei drei angegebenen Terminen zugeschlagen: Der nächste Heimatbrief, die Nummer 123, wird im Mai 2018 erscheinen. Der angegebene Redaktionsschluss 1. März 2018 ist korrekt. Nicht zutreffend ist die Information, dass die Landsmannschaft Ostpreußen im kommenden Jahr wieder ein Jahrestreffen veranstalten wird. Das ist erst im Mai 2019 der Fall. Im Veranstaltungsplan des Lötzener Museums ist der vierte Sonnabend im Mai 2018 nicht korrekt angegeben; richtig ist der 26. Mai.


NEIDENBURG

Kreisvertreter: Jürgen Szepanek, Nachtigallenweg 43, 46459 Rees-Haldern, Tel. / Fax (02850) 1017.

Rechtzeitig zu Weihnachten ist unser Heimatbrief Nummer 149 an alle in unserer Datei aufgeführten Mitglieder verschickt worden. Sollte aufgrund verschiedener Umstände ein Bezieher diese Ausgabe noch nicht erhalten haben, bitten wir um Nachricht an unseren Schriftleiter Jürgen Kowalek, Bromberger Straße 26, 28816 Stuhr, oder auch gerne an seinen Stellvertreter Wilfried Brandt, Lünenfeld 1, 27446 Selsingen. Sie bekommen dann umgehend ein Exemplar zugesandt. Es können immer wieder Heimatbriefe nicht zugestellt werden, weil sich die Anschriften der Bezieher geändert haben. Alle Landsleute werden deshalb dringend gebeten, Adressenänderungen und sonstige Personenstandsmeldungen dem Verwalter unserer Mitgliederdatei Hans-Ulrich Pokraka, An der Friedenseiche 44, 59597 Erwitte, mitzuteilen. Sie vermeiden dadurch Zustellungsverzögerungen und kostenaufwendige Nachforschungen und Nachsendungen.

Schon heute bitten wir unsere Landsleute, sich den Termin unseres Heimattreffens im kommenden Jahr vorzumerken. Es findet am Sonntag, dem 2. September 2018, in der Politischen Bildungsstätte Helmstedt statt. Die ehemalige deutsch-deutsche Grenzstation ist nur gut drei Kilometer entfernt und kann somit vor oder nach dem Heimattreffen besucht werden.


SCHLOSSBERG (PILLKALLEN)

Kreisvertreter: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle/Saale. Geschäftsstelle: Renate Wiese, Tel. (04171) 2400, Fax (04171) 24 24, Rote-Kreuz-Straße 6, 21423 Winsen (Luhe).

„Es wäre wünschenswert, noch bestehende und durch Krieg und Kriegsfolgen verständliche Vorurteile“ abzubauen, so der Schloßberger Kreisvertreter Georg Schiller und sein Stellvertreter Gerd Schattauer im Vorwort des Schloßberger Heimatbriefes Nummer 30 zu Weihnachten 1992 angesichts noch vorhandener Vorbehalte gegen Hilfstransporte in das ostpreußische Heimatgebiet. „Wir alle sollten dankbar sein, dass wir in der Lage sind, Hilfe zu leisten.“

Das Vorwort zeigt, dass es den Heimatvertriebenen so kurz nach der Wende zum Teil noch schwerfiel, auf jene zuzugehen, die mehr als vier Jahrzehnte in ihren Häusern, auf ihrem Grund und Boden, in ihrer Heimat leben. Tod, Flucht und Vertreibung machen das durchaus verständlich. Es zeigt aber auch, dass jene, die in der deutschen öffentlichen Wahrnehmung oft genug als Revanchisten tituliert wurden, die ersten waren, die es wagten, auf den langjährigen „Feind“ aktiv zuzugehen. Denn die ersten Hilfstransporte für Russen in Ostpreußen werden von Ostpreußen selbst initiiert. 

Der Kalte Krieg hatte die ostpreußischen Schloßberger von ihrem heimatlichen Boden in Königsberg getrennt. Eine Mauer der hochgerüsteten Feindschaft hatte jeglichen Kontakt nach Osten verhindert, Feindbilder bis zur Verklärung verfestigt. Erste Glasnost und Perestroika unter Michail Gorbatschow leiteten das Ende der Sowjetunion und damit letztlich den Zusammenbruch des Warschauer Pakts ein. Am 9. November 1989 fiel die Mauer zwischen den beiden deutschen Teilstaaten und auf den Tag genau ein Jahr darauf leitete der Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit eine neue Verständigungspolitik ein. „Beide Seiten unterstützen die umfassende Begegnung der Menschen aus beiden Ländern …“, heißt es in Artikel 14 des Vertrages. Die Norm betont dabei ausdrücklich die Begegnungen und gemeinsame Vorhaben von Jugendlichen. Die Gemeinsame Erklärung des Präsidenten der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland vom 21. November 1991 bildete den zweiten rechtlichen Baustein für die neuen Beziehungen. 

Zwar war das militärisch für Russland wertvolle Königsberg weiterhin Sperrgebiet. Doch kam der erste humanistische Hilfstransporte der Kreisgemeinschaft Schloßberg bereits im Januar 1991 durch. Die ersten Kontakte zu den heute im historischen Kreis Schloßberg lebenden Menschen waren geknüpft und warteten auf Vertiefung und Ausbau. Damit hatten die Hilfstransporte ein weiteres Tor aufgestoßen.

Der Kreis Harburg als Patenschaftsträger der Schloßberger hat eine Initiative der Kreisgemeinschaft unterstützt, den deutsch-russischen Nachbarschaftsvertrag durch Jugendbegegnungen mit Leben zu erfüllen. Im Juli 1992, also vor 25 Jahren, erreichte mit 16 Jugendlichen aus Lasdehnen erstmals eine Jugendgruppe das Haus Uhlenbusch in Hanstedt, Kreis Harburg, wo sie von Kreisjugendpfleger Carsten Spies in Empfang genommen wurden. 1992 ist das durchaus schon aus Gründen bürokratischer Formalfragen rund um Ausreisepapiere und Visaerteilung noch anspruchsvoll, weil „Neuland“ für alle Behörden. Das Gelingen des Projektes ist schon deshalb ein Erfolg.

Doch auch inhaltlich sollten Pfähle zu Dialog und Verständigung in der jungen Generation eingeschlagen werden. Ein 14-tägiges intensives Programm hatte Gerd Schattauer, der Kreisjugendbetreuer der Schloßberger, mit der Kreisjugendpflege des Kreises Harburg für die 16 jungen Russen sowie acht jungen Deutschen zusammengestellt. Die Jugendlichen lernten viel über Norddeutschland, das Leben in Deutschland, aber auch viel über Ostpreußen und das Leben in Schloßberg vor 1945. Hierzu besuchten sie unter anderem das Ostpreußische Landesmuseum und die Schloßberger Heimatstube in Winsen. Doch auch die Gespräche mit jenen, die Schloßberg noch aus ihrer Kindheit kannten, dienten der Verständigung. Ein Besuch des Ohlsdorfer Friedhofs, auf dem 384 sowjetische Soldaten ruhen, vermittelte zudem die Bedeutung und die Konsequenzen von Krieg und somit auch der Bedeutung von Verständigung und Annäherung. 

Das erste deutsch-russische Jugendtreffen war auch aus Sicht der Betreuer und Teilnehmer sinnstiftend. Das zumindest bestätigte der russische Begleitlehrer Wladimir Iwanow gegen Ende der Reise gegenüber der Presse. „Bald sind diese jungen Leute Erwachsene, werden ins Berufsleben gehen. Und dann kann keiner mehr kommen und ihnen erzählen, dass die da drüben Feinde sind.“ (Winsener Anzeiger, 28.7.92)

Doch auch der Bericht einer deutschen Teilnehmerin zur Jugendbegegnung belegt zwischen den Zeilen vorherige Denkmuster und zugleich Entspannung gerade durch das Treffen. „Am Freitag stand endlich fest: Die Russen kommen! Dieser Ausruf bedeutete für uns nicht Angst und Schrecken, sondern Vorfreude auf die Begegnung mit den russischen Jugendlichen.“

Diese erste Jugendbegegnung markiert den Auftakt zu einer bisher 25-jährigen Erfolgsgeschichte. Hilfstransporte und Jugendaustausch werden damit zu den zwei maßgeblichen Strängen in der humanitär-sozialen und heimatpolitischen, auf Verständigung zielenden Arbeit der Kreisgemeinschaft in Zusammenarbeit dem Patenschaftsträger und zum Teil weiterer Akteure. 

In Blankenburg fand noch im selben Sommer eine weitere Begegnung für Kinder statt. Je eine Veranstaltung jährlich für Jugendliche und Kinder sind die Regel. In einigen Jahren blieb es bei einer Veranstaltung für Kinder, die stets in der Bundesrepublik durchgeführt werden, während Jugendbegegnungen im Wechsel auch in Nord-Ostpreußen stattfinden.Bernhard Knapstein und Norbert Schattauer


TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de. 

Das diesjährige Treffen der Schulgemeinschaft Tilsit-Senteinen / Bendigsfelde hat vom 21. bis 24. September in Bad Pyrmont stattgefunden. Es war bereits das 17. Treffen seit dem Jahr 1995.

Auch in diesem Jahr hatten wir wieder die „Villa Königin Luise” in Bad Pyrmont gewählt, weil wir im Haus zwei dieses Hotels als Gruppe allein untergebracht werden konnten. 

Unser Treffen war ursprünglich für Mai 2017 geplant, musste aber zu diesem Zeitpunkt leider äußerst kurzfristig (zwei Tage vor dem Treffen) abgesagt werden, weil der Fahrstuhl im Hotel plötzlich defekt war und nicht mehr rechtzeitig repariert werden konnte. Diejenigen unserer Teilnehmer, die mit der Bahn anreisen wollten, hatten ihre Tickets bereits gekauft und mussten diese daraufhin leider stornieren. Aufgrund des hohen Zusammenhalts und der Heimatverbundenheit unserer Gruppe konnten wir jedoch fast alle Teilnehmer erfolgreich motivieren, auch zu dem für unser Treffen neu angesetzten Termin im September anzureisen.

Insgesamt waren wir 19 Teilnehmer. Schmerzlich vermisst haben wir unseren ehemaligen Schulsprecher Eitel Hölzler und unseren Entertainer Horst Gailus. In einer Ansprache gedachten wir ihrer. In ihrem Sinne haben wir auch in diesem Jahr unser Schultreffen mit einem interessanten, abwechslungsreichen und unterhaltsamen Programm gestaltet, mit vielen aktuellen und historischen Informationen aus Tilsit, Senteinen und Bendigsfelde. Gute und aufmunternde Unterhaltung wie bei einer ostpreußischen Familienfeier war selbstverständlich ein Teil davon.

Horst Wowereit sorgte wieder für „Meschkinnes” und wir alle für fröhliche Stimmung mit viel Freude und Lachen. Auch die Pflege unseres ostpreußischen Liedguts kam nicht zu kurz, viele der alten Lieder wurden bei unserem abendlichen geselligen Beisammensein gesungen. Heinz Schmickt berichtete anschaulich über seine aktuelle Reise nach Ostpreußen im September. Natürlich war auch Tilsit wieder Teil seiner Reise gewesen, doch leider war das dortige Stadtfest förmlich ins Wasser gefallen. Da er seine Reise individuell geplant hatte, konnte Heinz Schmickt viele Orte wie Labiau, Großes Moosbruch, Insterburg, Gumbinnen, Angerburg, Rominter Heide, Cranz und Königsberg besuchen. Im Kreis Labiau besuchten er und seine beiden Mitreisenden Gilge und im Kirchspiel Markthausen suchten sie (mit Hilfe von GPS und mobilem Internet) an zwei Orten nach verschwundenen Bauernhöfen und wurden auch fündig. Außerdem besuchten sie das Schulmuseum in Waldwinkel (Kelladen) und die ehemalige Ordensritterburg in Georgenburg.

Übernachtet wurde auf dieser Reise in Hohenbruch (Lauknen) im Großen Moosbruch, und zwar bei Jürgen Leiste im Moosbruchhaus. Jürgen Leiste ist ein großer Natur- und Jagdfreund, er kennt sich in diesem Naturschutzgebiet sehr gut aus. Die unternommenen Touren (einschließlich einer Moorwanderung) wurden mit ihm zusammen durchgeführt. Dabei entstanden sehr viele Fotos und Videos.

So hatten wir auf unserem Schultreffen viel neues und interessantes Bild- und Filmmaterial aus der Heimat, welches mit Hilfe eines Beamers präsentiert wurde. Der Beamer wurde uns freundlicherweise auch in diesem Jahr wieder kostenfrei vom Medienzentrum Hameln zur Verfügung gestellt. Weiteres Equipment für unsere Präsentationen, wie eine große Filmleinwand, Lautsprecheranlage, Notebooks, brachten wir selbst mit. Es wurden DVDs mit eigenen Filmen und Reportagen von Ostpreußen, Tilsit, Senteinen und Bendigsfelde gezeigt, ferner aktuelle Youtube-Videos und Websites über Tilsit. Auch eine interaktive Stadtansicht mit Panoramaufnahmen, aktuelle Fotoblogs aus Tilsit sowie Streetview- und Satellitenaufnahmen aus dem Internet konnten wir via W-Lan zeigen.

Auf unserem Schultreffen wurde Heinz Schmickt als Schulsprecher der Senteiner Schule per Abstimmung einstimmig bestätigt. Neben weiteren Programmpunkten berichtete er außerdem über die Hauptversammlung der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. in Gera.

In unseren Regularien wurde einstimmig beschlossen, dass unser nächstes Schultreffen erneut in Bad Pyrmont stattfinden wird. Als Termin haben wir den Zeit-raum vom 3. bis 6. Mai 2018 festgelegt. Heinz Schmickt,

Schulsprecher


TILSIT-RAGNIT

Kreisvertreter: Dieter Neukamm, Am Rosenbaum 48, 51570 Windeck, Telefon (02243) 2999, Fax (02243) 844199. Geschäftsstelle: Winfried Knocks, Varenhorst-straße 17, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2309, E-Mail: WinfriedKnocks@aol.com

Eitorf – Das Nachbarschaftstreffen der Kreisgemeinschaften Tilsit-Ragnit und Elchniederung sowie der Stadtgemeinschaft Tilsit findet am 26. Mai 2018 im Hotel Schützenhof in 53783 Eitorf, Windecker Straße 2 statt. Ausrichterin ist diesmal die Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit.

Planen Sie die Teilnahme am Nachbarschaftstreffen ein und buchen Sie ein paar Urlaubstage vor oder/und nach dem 26. Mai im Hotel Schützenhof. Das Haus verfügt über Saunen und ein Schwimmbecken. Das Hotel erreichen Sie unter Telefon (02243) 887-0 und per E-Mail: info@hotelschuetzenhof.de. Das Hotel hält für uns ein Zimmerkontingent unter dem Stichwort „Ostpreußen“ bis zum 1. März 2018 vor (DZ 94 Euro, EZ 64 Euro).

Das Nachbarschaftstreffen beginnt um 10 Uhr (Einlass 9 Uhr) und endet um 17 Uhr.

Unentgeltliche Parkplätze stehen am Hotel zur Verfügung. Zum Mittagessen werden vier preisgünstige Gerichte angeboten, und am Nachmittag gibt es Kaffee und Kuchen. Es erwartet Sie ein ansprechendes Programm. Eintritt wird nicht erhoben, für eine Spende wären die Veranstalter dankbar.

Für die vor dem Veranstaltungstag anreisenden Teilnehmer wird im Hotel ein Raum reserviert, in dem wir am Freitag, den 25. Mai gegen 19 Uhr das Abendessen gemeinsam einnehmen können, um anschließend noch viele schöne Stunden miteinander zu verbringen.


S. 18 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Landshut – Freitag, 5. Januar, Gasthaus Stadler, Vilsheim: Neujahrsessen.

Weiden – Zur Vorweihnachtsfeier fanden sich die Landsleute und Gäste im weihnachtlich geschmückten Café Mitte ein. Der 1. Vorsitzende Norbert Uschald freute sich über den zahlreichen Besuch. Nach den Heimatliedern „Land der dunklen Wälder“ und „Westpreußen mein lieb Heimatland“ gratulierte die Kassiererin Ingrid Uschald den Geburtstagskindern des Monats Dezember und Januar. 

Adolf Uschald führte danach Filmausschnitte einer Weih-nachtsfeier der Kreisgruppe vor, die im Jahre 1993 im damaligen Handwerkerhaus stattfand.

Mit dem Lied „Macht hoch die Tür“ wurde die aktuelle adventliche Feier eingeleitet. Der Vorsitzende erinnerte an den Sinn des Advents. Andreas, Katharina und Anita Uschald entzündeten die Kerzen am Adventskranz und trugen dabei besinnliche Gedanken vor. Danach gedachten die Anwesenden aller verstorbenen Landsleute, besonders derer, die bei der Flucht und Vertreibung ums Leben kamen.

Norbert Uschald sorgte zusammen mit seiner Gattin Anita für eine stimmungsvolle musikalische Umrahmung. Dabei kamen Flöte und Melodika zum Einsatz. Während des Liedes „Lasst uns froh und munter sein“ verteilte Ingrid Uschald Weihnachtstüten mit leckeren Sachen an alle Mitglieder und Gäste. 

Mit dem Volkslied „Kein schöner Land“ und guten Wünschen für Weihnachten und das neue Jahr 2018 verabschiedete man sich bis zum 4. Februar zur nächsten Zusammenkunft um 14.30 Uhr im Café Mitte.


BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Frauengruppe – Mittwoch, 10. Januar, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116-117. Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Königsberg – Freitag, 12. Januar, 14 Uhr, Johann-Georg-Stuben-Straße 10. Anfragen: Elfi Fortange, Telefon 4944404.

Rastenburg – Sonntag, 14. Januar, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus Rohrdamm 24 B. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.


HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815.  

Landesgruppe – Sonnabend, 30. Dezember, 14 Uhr, Haus der Heimat, Landesverband der vertriebenen Deutschen in Hamburg (L.v.D.), Teilfeld 8: Brauchtumsstunde der ost- und mitteldeutschen Landsmannschaften in Hamburg.

Frauengruppe – Freitag, 22. Dezember, 14 Uhr, Haus des Begleiters, Harders Kamp l: Weih-nachtsfeier, „Min lever goter Wiehnachtsmann“ mit Kutscherkuchen.

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und einem kulturellem Programm um 

12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon und Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.


HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788 

Wetzlar – Montag, 6. Januar, 13 Uhr, Restaurant „Grillstuben“, Stoppelberger Hohl 128: Treffen zum Thema „Wanderfahrt ins Memelland und ins nördliche Ostpreußen“. Referent ist Wolfgang Post aus Herborn. Der Eintritt ist frei. Kontakt: Kuno Kutz, Telefon (06441) 770559.


NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Heinz Kutzinski, Im Wiesengrund 15, 29574 Ebstorf, Telefon (05822) 5465. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968. 

Osnabrück – Dienstag, 9. Januar, 16.30 Uhr, Hotel „Novum“, Blumenhaller Weg 152: Kegeln.


NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Köln – Mittwoch, 10. Januar, 14 Uhr, „Café zum Königsforst“, nicht wie üblich im Bürgerzentrum Köln-Deutz: Ostpreußengruppe. Das Café liegt gleich neben der Endhaltestelle der KVB-Linie 9 (Königsforst). Ab 

Neumarkt bis Königsforst beträgt die Fahrzeit 22 Minuten. Der Vorstand wünscht allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das Jahr 2018.

Neuss – Jeden ersten und letzten Donnerstag im Monat, 15 bis 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Tag der offenen Tür.


SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Flensburg – Freitag, 12. Januar, 17 Uhr: Besichtigung der Classic-Yacht, Robbe-Berking-Werft Osthafenbereich anschließend Abendessen im Ristorante Italia im gleichen Gebäude, Fahrstuhl vorhanden. Zu erreichen per Bus mit der Linie 5, Ausstieg Industriehafen, anschließend Fußweg an der Firma Jacob-Zement vorbei, weiter zum Hafen zirka 300 Meter bis zum Ziel.

Kiel – Sonntag, 21. Januar, 

10 Uhr, Haus der Heimat: Preußentag. Auf dem Programm stehen folgende Vorträge: Aktuelle Streiflichter nach jüngstem Besuch in einigen Städten im nördlichen Ostpreußen: Gerdauen, Friedland, Königsberg, Cranz, Rauschen und Rossitten, dazu das Hermann-Brachert-Museum in Georgenswalde, alles mit Lichtbildern von Edmund Ferner. Peter Gerigk trägt vor über die ostdeutschen Nationalhymnen und -lieder mit Darbringung der Lieder.

Neumünster – Die vorweih-nachtliche Veranstaltung der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Gruppe Neumünster, fand am 9. Dezember in der Stadthalle statt. Mit 56 Teilnehmern war unser Stübchen voll!

Die Einfelder Mandolinengruppe empfing die Teilnehmer mit weihnachtlichen Melodien.

Abwechslungsreich war das Programm mit vielen heiteren und besinnlichen Vorträgen. Die Vorsitzende Brigitte Profé erinnerte: Was ist Weihnachten, warum feiern wir Weihnachten? Die Herkunft und Entstehung vieler Weihnachtslieder wurde vorgetragen und vierzehn deutsche mit Mandolinenbegleitung gesungen.

Während wir die Schwarzwäl-derkirschtorte und den Stollen genießen konnten, unterhielt uns Nora Kawlath musikalisch mit ihrem Akkordeon. LM Horst Lessing sprach folgende Dankesworte „Frau Profé, wenn es Sie nicht gäbe, Sie müssten erfunden werden. In unserer Landmannschaft sind Sie Seele und Motor! Ich habe für Ihr Wirken im vergangenen Jahr zu danken. Wäre es meine Aufgabe, Ihnen für Ihr Jahrzehnte langes Wirken zu danken, so müssten wir uns alle auf einen abendfüllenden Vortrag einstellen.

Schauen wir einmal gemeinsam in unser Jahresprogramm 2017. Sie, Frau Profé, entwickeln und organisieren es in jedem Jahr. Ich nehme nur einige Veranstaltungen heraus. Im Februar 2017: Das Fest zum 70-jährigen Bestehen der Gruppe. Wie viel Kraft und Herzblut haben Sie in diese Veranstaltung eingegeben! Eingebettet war das traditionelle Königsberger Klopsessen. Die weit über hundert Teilnehmer wurden mit musikalischen und humorvollen Einlagen köstlich unterhalten. Alle waren begeistert.

Dann im Juli der Jahresausflug nach Rendsburg. Sie hatten einen maritimen Chor engagiert und es wurde sogar getanzt. 

Im Oktober – wie jedes Jahr – das Erntedankfest der Landsmannschaft. Sie gestalten eigenhändig die Tischdekoration, und aus gesicherter Quelle habe ich entnommen, dass Sie, Frau Profé, die Erntegaben aus eigener Tasche gekauft und bezahlt haben. Es ist nicht das Problem, Feste vorzubereiten, sondern Menschen zu finden, mit denen man diese Feste feiern kann!

Und nun bin ich beim jährlichen Adventkaffee. Vor einem Jahr, also 2016, haben sie das Mandolinenorchester auf Ihre persönlichen Kosten engagiert. Sie haben in die Veranstaltungen der Landsmannschaft nicht nur Herzblut, sondern immer wieder eigene Mittel zugeschossen. Im Namen aller, Ihnen Frau Profé, Danke!“

Zum Ende der Veranstaltung wurden noch zwei Erlebnisberichte vorgelesen.

Frau Kulessa schreibt: „Es ist der 24. Dezember 1947. Mutter, meine Schwester Gerda sitzen in unserer blitzblanken Dachkammer um einen großen schwarzen, gusseisernen Topf und löffeln sehr behutsam die warme Wassersuppe. Dieser Topf ist der einzige Kochtopf in unserem Hausstand und er dient als Schüssel, als tiefer oder als flacher Teller und hat etwas besonderes, weshalb wir jeden Löffel Suppe auch ganz genau untersuchen müssen, bevor er im Mund landet. Außen ist er schwarz, aber innen hat er eine helle Glasur, die ihm ganz ansehnlich erscheinen lässt. Aber gerade die Glasur ist das Problem. Sie platzt beim Kochen immer mehr ab und die Splitter sollten tunlichst nicht im Magen landen, da sie alles andere als gesund sind.“

Brigitte Profé berichtet von Weihnachten 1944 „So nach Einbruch der Dunkelheit, wenn unser Dorf in einer wahren Märchenlandschaft aus schimmerndem Schnee versinkt und in den Bäumen die Eiskristalle glitzern, die Großeltern und die Verwandten aus der Stadt kommen, dann naht Weihnachten – der Heilige Abend.

Vater kommt am 23. Dezember auf Urlaub. Vormittags am 24. Dezember, wir sitzen alle am Frühstückstisch, da kommt die Order, dass Vater dringend zur Dienststelle nach Polen zurückmuss. Ohne Vater – ein Heilig Abend? Undenkbar! Traurigkeit und Einsamkeit kehren ein.

Ein Weihnachten 1944 – wir, meine drei Geschwister und ich erfassen die Tragik noch nicht. Wir sind noch Kinder, freuen uns auf die Bescherung. Auf den geschmückten Weihnachtbaum, auf den Weihnachtmann und fragen uns, ob wir unser Gedicht fehlerfrei aufsagen können?

Es ist so weit! Das Weihnachtsglöckchen läutet den Heiligen Abend ein. Verwandte aus der Stadt, das Flüchtlingsehepaar aus Memel – das Stübchen ist voll.

Wir Kinder wissen: Opa liest die Weihnachtsgeschichte, Lieder werden gesungen, unendlich viele. Heute ohne Vaters Klavierbegleitung? Klavierspieler sind da, aber keiner setzt sich an Vaters Platz, auch die Geige ruht, die sonst mein Onkel spielt!

Immer wird am Schluss das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen, für uns Kinder der Auftakt: Nun kommt die Bescherung!

Nein – Stille – Nachdenklichkeit – eine Stille – eine heilige Nacht.

Ob die Erwachsenen ahnen, dass es die letzte stille, heilige Nacht in Ostpreußen sein wird? Das wir unseren Vater nie wiedersehen werden?

Dieses Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ wird bei uns immer als letztes Lied gesungen, keine Weise inniger und tränenreicher wie an diesem Abend.

Stille Nacht, heilige Nacht, das ergreifende Geheimnis eines Weihnachtsliedes von Liebe, Ruhe, Frieden – man wird sich auf Besinnlichkeit und festliche Stimmung einlassen.

Traurigkeit und Ungewissheit überschatten diesen Heiligen Abend.

Und welche Bedeutung hat das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ heute für mich? – Wenn ich das Lied – mein Lieblingslied – heute höre, holt mich die Erinnerung an Weihnachten 1944 wieder ein.“

Mit diesem bewegenden Abschluss beendeten wir unsere vorweihnachtliche Veranstaltung.

Mit netten Abschlussworten verabschiedeten wir uns – allen ein gesegnetes Weihnachtsfest, Weihnachtfreude im Herz und Haus und einen guten Übergang in das neue Jahr 2018.

Brigitte Profé

Schönwalde a.B. – Donnerstag, 4. und 11. Januar, je 14 Uhr, Klönstuv, Alte Feuerwehr: Seniorenbegegnung.

S. 20 Leserforum

Leserforum

Islamisches Recht lässt sich nicht in demokratisches Recht integrieren

Zu: Von wegen „liberal“ (Nr. 48)

Das glaube ich gerne, dass Frau Kaddor und andere Vertreter des Islam uns glauben lassen wollen, dass die Scharia etwa mit unserem Kirchenrecht vergleichbar sei und dabei auch noch prima zu unserem freiheitlich demokratischen Rechtssystem passen würde. Der Islam ist sowohl Religion als auch ein politisches System mit seinen eigenen Gesetzen. Die Scharia ist das islamische Recht. Dieses Recht beruht nicht auf demokratischen Gesetzen, sondern auf dem Koran und religiöser Überlieferung. 

Das islamische Recht kennt keine Trennung von Staat und Religion. Für viele Muslime ist die Scharia die höchste Rechtsinstanz. Es umfasst insbesondere Strafrecht, Zivilrecht und Familienrecht. Zum Beispiel sind die nach unserem Recht verbotenen Kinderehen, Vielehen und Zwangsheiraten im islamischen Recht gestattet. Nicht-Muslime und Frauen werden von der Scharia als Menschen zweiter Klasse behandelt.

Es ist bedenklich, dass deutsche Gerichte inzwischen weit über 200 Mal nach Scharia-Recht geurteilt haben. Deutschland ist ein säkulares Land mit einem liberalen Rechtsstaat. Dieser hat für alle Gültigkeit, die hier leben. Wenn der Rechtsstaat durch islamische Parallelgesellschaften und die Scharia-Justiz unterwandert wird, ist unsere Freiheit bedroht. Das Erkennen und Benennen der Tatsachen hat weder mit „Wagenburg-Mentalität“ noch mit Islamfeindlichkeit zu tun. Es existiert keine Verpflichtung zur Selbstaufgabe.

Barbara Kanwischer, Braunschweig






Wenig souverän

Zu: Brennende Probleme (Nr. 50)

Zu den antisemitischen Krawallen in Berlin am vergangenen Wochenende stelle ich fest: Die innere Souveränität eines Staates geht verloren, wenn der Mut fehlt, Gesetze konsequent anzuwenden im Sinne des Art. 3 (1) des Grundgesetzes: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“

Es darf keine politisch, religiös oder kulturell motivierte Parallel-justiz oder Polizeiarbeit geben. Es darf keine Rolle spielen, ob ein Täter oder Opfer „rechtsradikal“, „linksradikal“, Deutscher, Jude, Moslem, „schon länger hier lebt“ oder „neu hinzugekommen“, der Linken oder der AfD zugehörig, CDU- oder SPD-Mitglied ist, oder welcher der über 100 in Deutschland existierenden Religionsgemeinschaften zuneigt oder nicht.

Leider ist offenkundig, dass unser Volk, nachdem es seine äußere Souveränität noch nicht hat zurückgewinnen können, inzwischen auch seine innere Souveränität verloren hat.

Peter Lauer, Hannover






Superstaat? Nein!

Zu: Angst statt Attacke (Nr. 50)

Ergebnisoffen will die SPD mit der Union über eine mögliche Regierungsbildung sprechen – doch die Liste, mit der die Sozialdemokraten in den Dialog starten wollen, ist lang. 

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz hat in seiner programmatischen Rede auf dem Bundesparteitag die Gründung der „Vereinigten Staaten von Europa“ mit einem gemeinsamen Verfassungsvertrag bis 2025 gefordert. Der ehemalige Präsident des EU-Parlaments setzt sich immer wieder für mehr Europa ein. Ein demokratisches, solidarisches Europa zusammen mit Frankreich soll die Europäische Union stärken. 

Wir sind ein ausreichendes, fast funktionsfähiges Europa, aber der Superstaat Europa, in dem am Ende Deutschland eine Verwaltungseinheit der Brüsseler Kommission wäre, ist nicht akzeptabel. Es sollen große Transfersysteme aus Nordeuropa aufgebaut werden, um hochverschuldete Länder vor der Zahlungsunfähigkeit zu retten. Denn wenn einmal die Vereinigten Staaten von Europa da sind, bestimmt die europäische Mehrheit – also die bankrotten Staaten – über deutsches Steuergeld. 

Die Nordstaaten arbeiten für die anderen mit. Denn wer soll europaweit gleiche Mindestlöhne, eine stärkere Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit und der Kinderarmut bezahlen, wenn nicht das „reiche“ Deutschland dieses zwangsweise finanziert. Hinzu kommt noch die gravierende Völkerwanderung.

Eine Multikulti-Gesellschaft für ganz Europa mit unterschiedlichen Religionen? Wie soll dann ein harmonisches Zusammenleben in der Gesellschaft aussehen? So viele unterschiedliche Völker haben eine andere Vorstellung von Bildung, Erziehung und Regierung. Es gibt zu unterschiedliche Gesellschaftsformen und Lebensvorstellungen. Welche Lebensform soll denn in diesen Vereinigten Staaten bestehen?

Hinter Schulz‘ EU-Forderungen versteckt sich eines: Deutschland wird für die Schulden anderer EU-Länder eintreten müssen. Die Vereinigten Staaten von Europa würden die Souveränität auf Brüssel übertragen. Dafür wird es hoffentlich in der EU keine Mehrheit geben.

Johann Eggers, Jützbüttel






Klimahysterie sollte Grenzen haben

Zu: Die Riesenshow um heiße Luft (Nr. 46)

Wenn man alles abschaffen wollte, was zur Erderwärmung beiträgt, müsste man auch so konsequent sein, die gesamte Menschheit auszurotten, denn jeder lebende Mensch trägt allein schon durch seine Existenz zur Erderwärmung bei, indem er mit seiner Körpertemperatur von 37 Grad Celsius ständig Wärme an die in der Regel kühlere Umgebung abgibt (und wenn er nur Fieber hat, heizt oder Nahrung gart, noch mehr). Ersteres gilt weitgehend auch für die gesamte Fauna, bei der bisweilen noch ein die Atmosphäre schädigender Methan-Ausstoß hinzukommt.

Der Haken dieser Konsequenz ist nur, dass die dadurch bewirkte Verminderung der Erderwärmung niemandem nützt, wenn es auf der Erde kein Leben mehr gibt. Letztere wäre dann nur ein x-beliebiger lebloser Himmelskörper im Weltall. Daraus die radikale, aber eindeutige Erkenntnis: Klimahysterie muss Grenzen haben! Und etwas mehr Nachdenken und Sachlichkeit bei der grundsätzlich zu begrüßenden Absicht, bei der dümmliche Nachteile übersehen oder in Kauf genommen werden, wäre schon angebracht.

Um vorzuführen, dass Sachlichkeit auch bei minder dramatischen Folgen anzuraten ist, soll nur ein Beispiel aus dem (politischen) „Leben“ dafür angeführt werden: Deutschland steht zurzeit wegen seines hohen Kohlendioxid(CO2)-Ausstoßes am Pranger – möglicherweise von uns selbst inszeniert, darin gefallen wir uns ja. Für diesen Vorwurf wird das dafür wenig geeignete Verhältnis des CO2-Ausstoßes pro Kopf oder Einwohner eines Landes bemüht – besser gesagt: „strapaziert“. Deutschland nimmt in dieser Statistik den 36. Platz von 210 Staaten ein (die VR China steht zwar erst an 59. Stelle, was aber darauf zurückzuführen ist, dass die hohe Bevölkerungszahl in diese Rechnung eingeht, indem sie darin dividiert, und die USA stehen schon an zwölfter Stelle).

Wenn wir unseren CO2-Ausstoß kurzfristig halbierten, verminderten wir damit die weltweiten CO2-Emissionen nur um 1,2 Prozent (die VR China ist – natürlich ohne Reduzierung – mit 25,8 Prozent und die USA mit 16,9 Prozent dabei). Das wirft die Frage auf, ob es als Preis dafür richtig sein kann, für eine kaum wirksame CO2-Reduzierung gravierende und sehr schmerzliche Begleiterscheinungen (umfangreiche Jobverluste) in Kauf zu nehmen. Wollen wir uns nur als klimatischer Musterknabe präsentieren, der, koste es, was es wolle, allen vorangeht? 

Das Beispiel zeigt zudem, dass es nur auf die Wahl der Statistik ankommt, einen Vorwurf herleiten und begründen zu können. Alles soll natürlich keineswegs heißen, dass nicht doch jede vertretbare CO2-Reduzierung realisiert werden sollte.

Dr. Dr. Hans-Joachim Kucharski,Mülheim

S. 21 Lebensstil

Süße Weihnacht
Voll auf Zucker – An den Feiertagen haben Naschereien Hochkonjunktur
Susan Bäthge

Weihnachtszeit, Genießerzeit, Backzeit. Kekse, Stollen, Dominosteine haben jetzt Hauptsaison. Naschkatzen zelebrieren den Verzehr der süßen Leckereien und verteidigen etwaige Kritik mit der Behauptung, alle Menschen seien von Natur aus Süßschnäbel. Doch werden wir tatsächlich immer zuckersüchtiger? Was raten die Experten? Und gibt es ein Entrinnen aus der Zuckerfalle?

Die Backbuchbranche boomt im Weihnachtsgeschäft. TV-Back­königin Cynthia Barcomi und der israelische Starkoch Yotam Ottolenghi brachten kürzlich ihre neuesten Werke auf den Markt. Ottolenghi nennt seines kurz und bündig „Sweet“, also „Süß“: „Im Kuchenbacken steckt viel mehr als nur Zucker. Es ist doch die ganze Zeremonie, die Tradition, die Muße, die zählen.“

Die Amerikanerin Barcomi mit Wohnsitz Berlin nimmt „nur gute Zutaten“ für ihre süßen Leckereien und betont: „Super sinnlich soll es sein! Der Weg zum Gebäck ist Teil vom Ziel, etwas Leckeres Selbstgemachtes zu kreieren.“ Barcomis Backschule beweist, dass Schokoladen-Chiffon-Torte, Biskuitroulade oder Buttermilch-Apfel-Muffins nicht schwer und mächtig sein müssen. 

Das reinste Schlaraffenland finden Berliner Naschkatzen in den Hackeschen Höfen, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, ausschließlich Berliner Traditionsfirmen Einzug zu gewähren. Nur wenige Häuser vom Schokoladenhersteller Sawade entfernt, hat das Familienunternehmen Aseli eine kleine feine Naschboutique erschaffen. Die zartrosa Wände sind mit weißen und roten Fliesen verziert und erinnern an einen Tante-Emma-Laden aus vergangenen Tagen. Massive Holzschränke mit Kupferelementen und große Neonmäuse im Schaufenster katapultieren den Süßwarenladen schlagartig ins 

21. Jahrhundert. 95 Jahre nach dem ersten Ladengeschäft in der Karl-Marx-Allee hat die Maus, das Ladenmaskottchen, ein neues Zuhause gefunden.

Seit 1921 stellt Aseli Köstlichkeiten aus Schaumzucker her, jede Süßigkeit ist ein mit viel Lie­be zum Detail hergestelltes Unikat: Handgekocht, handgespritzt, handverpackt. Das Aushängeschild, die weiße Riesenmaus mit roten Augen, hat längst Kultstatus erlangt und wird bis nach Amerika exportiert. Ein Berliner Original mit unverwechselbarem Ge­schmack. Waldmeister, Vanille, Apfel oder Zitrone erweiterten die zuckersüßen Träume. 

Inhaber Michael Seliger wird von seinen Kunden jeden Tag bestätigt: „Die Menschen sehnen sich nach Handwerk, Tradition und Nostalgie in unserer schnelllebigen Zeit.“ Der gelernte Konditor übernahm in dritter Generation die Berliner Manufaktur, die in den Goldenen 20er Jahren von Großvater Alfred gegründet und nach ihm benannt wurde. Er träumte bereits als Kind davon, eigene Süßigkeiten herzustellen und zog mit einem Bollerwagen durch die Straßen, um den Berliner Einzelhändlern seine eigens kreierten Schaumzucker-Leckereien zu verkaufen. Schon bald war er mit seinen immer neuen Kreationen in der ganzen Stadt bekannt – der Grundstein für Aseli war gelegt. An der Zucker­dis­kussion möchte sich Nachfahre Michael nicht beteiligen, seine Maus mag er nicht rechtfertigen: „Verantwortungsbewusstes Essen bietet keinen Nährboden für Zuckersucht!“

Nichts Neues ist, dass zu viel (Industrie-)Zucker schlecht für uns ist. 35 Kilo Zucker nimmt jeder Deutsche pro Jahr zu sich, und jedes fünfte Kind schleppt sich hierzulande mit zu viel Gewicht durchs Leben, Tendenz steigend. 

Der Londoner Ernährungswissenschaftler John Yudkin warnte bereits 1972 vor dem weißen Suchtmittel: „Würde nur ein Bruchteil dessen, was wir über die Folgen von Zucker wissen, über irgendein anderes Lebensmittel bekannt, es würde sofort verboten.“ Der Professor für Ernährung war sicher, dass Zucker und nicht Fett der wahrscheinlichere Grund für Volksleiden wie Fettleibigkeit, Herzerkrankungen und Diabetes sei. 

Der Adipositas-Experte Robert Lustig hat die Effekte von Zucker auf das metabolische Syndrom, den Folgen der Fettleibigkeit, untersucht und mit seinem 

90-minütigen Vortrag im Internet einen echten YouTube-Hit gelandet: „Zucker: Die bittere Wahrheit“ wurde mehr als sechs Millionen Mal angeklickt.

Die ehemalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast hält Zucker gar für „den neuen Tabak“, wie sie im Maischberger TV-Talk „Teufelszeug oder Ge­nussmittel?“ verkündete: „Seine Schädlichkeit hat man zu lange unterschätzt.“ Sie persönlich sei überzeugt, dass Zucker krank mache.

Längst ist es zum Trend geworden, zeitweise auf Zucker zu verzichten – Selbstversuche enden oft im „Psychotrip“, Probanden berichten von Kopfschmerz, Ungeduld, Reizbarkeit. Es scheint fast unmöglich, ganz auf Zucker zu verzichten, denn der Suchtstoff steckt auch in Brot, Nudeln oder Kartoffeln. Agavendicksaft oder Honig sind zwar gesünder, aber diese Süße kann auch abhängig machen. Künstliche Süßstoffe erhöhen die Lust auf Zucker. 

Das Süßkraut Stevia ist für viele keine echte Alternative, weil der Beigeschmack äußerst gewöhnungsbedürftig ist. Nach wenigen Wochen der Unausgeglichenheit soll das Verlangen nach Zucker übrigens verschwunden sein, inklusive aller Entzugserscheinungen. Statt abfallendem Blutzuckerspiegel und Müdigkeit nach dem Mittagessen sei hochkonzentriertes Arbeiten möglich – energetisch, kraftvoll und ausgeglichen, berichten Kenner.

So bleibt vielleicht nur eine Chance, der Zuckerfalle zu entkommen und trotzdem die Weihnachtszeit zu genießen: Alles in Maßen und bewusst genießen, statt die ungezügelte Sucht nach Zuckerhaltigem zu entwickeln. „Nutzt eure Sinne, hört auf euren Körper!“, gibt Ottolenghis Co-Autorin Helen Goh mit auf den Weg und appelliert an die Eltern: „Lebt euren Kindern ein ausgewogenes Leben vor, schafft keine Basis für eine Naschfalle und damit keine kleinen Zuckermonster!“

Auf Hans Trapp gehalten
»Mannalas«, »Bredeles« und Christbaumkugeln – Weihnachten im Elsass erinnert an deutsche Traditionen
Andreas Guballa

Die Tradition der Weih­nachtsmärkte im Elsass gibt es seit etwa 500 Jahren, und sie verzaubert die Dörfer und Städte zwischen Rhein und Vogesen jedes Jahr mit Einbruch des Winters mit ganz besonderem Charme. Kaum hat der Besucher den Rhein überquert, begibt er sich auf eine außergewöhnliche Reise durch die elsässischen Weihnachtsbräuche, die eine Tür öffnet zu einer Welt der Mythen, Bräuche, Lichter und Aromen, die es nirgends sonst so gibt.

„Ich habe noch heute den Duft der ,Bredele‘ in der Nase, die meine Mutter an den Adventssonntagen zauberte und an­schließend die frisch gebackenen Weihnachtsplätzchen in große Weißblechdosen füllte,“ erinnert sich Pascal Schmitt. Vielleicht lässt der Direktor des Ecomusée d’Alsace deshalb in seinem Freilichtmuseum in der Nähe von Un­gersheim jedes Jahr in der Ad­ventszeit die traditionelle Weih­nachtsstimmung, wie sie in einem elsässischen Dorf am Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte, wieder aufleben. 

Tag für Tag können Besucher sich von der Magie in den Bann ziehen lassen. Sie sitzen bei Kerzenschein, duftenden Äpfeln und Nüssen um den großen Holztisch in einem typisch elsässischen Fachwerkhaus und erleben das althergebrachte Fest ganz authentisch. Mehr als 72 davon gibt es im größten Freilichtmuseum Frankreichs, etwa 30 Kilometer südlich von Colmar, und keines gleicht dem anderen.

Fast alle haben aber eines gemeinsam: Sie standen einmal ganz woanders. Vorwiegend aus dem südlichen Elsass und dem Sundgau sind sie hierher transportiert und auf dem 100 Quadratmeter großen Gelände eines ehemaligen Kalibergwerkes wieder aufgebaut worden.

Auf dem großen Platz vor ei­ner ganzen Gruppe weihnachtlich geschmückter Häuser werden die letzten Vorbereitungen für das Eintreffen des Nikolaus’ getroffen. Leider hat er eine gar fürchterliche Gestalt mit langem schwarzen Bart und zerzausten Haaren im Gefolge. Denn auch im Elsass weiß man die Kinder mit angsteinflößenden Mythen einzuschüchtern. Mit erhobenem Zeigefinger, erinnert sich Schmitt, drohte seine Mutter: „Wenn du nicht brav bist, dann kommt der Hans Trapp.“ 

Die Schreckfigur für Kinder geht auf eine Legende zurück, wonach im 15. Jahrhundert ein Ritter plündernd durchs Land zog und Angst und Schrecken verbreitete. Diesseits des Rheins kennt man einen ähnlichen Un-hold als Knecht Ruprecht. Brave Kinder hingegen bekommen Geschenke und feiern mit einer Tasse heißer Schokolade und den „Mannala“ – das sind die deutschen Lebkuchenmännchen.

Überall im Elsass werden die Weihnachtstraditionen hochgehalten und zaubern auch heute ein glückliches Strahlen auf die Gesichter der Besucher, denn hier findet man nicht nur die schönsten Weihnachtsmärkte, sondern in Straßburg auch den ältesten „Christkindelsmärik“ von ganz Frankreich. Dessen Geschichte reicht bis ins Jahr 1570 zurück, also lange, bevor das Elsass zu Frankreich kam. 

In den letzten Jahren haben sich aber auch die eher kleineren Weihnachtsmärkte im Elsass zu einem echten Liebhaber-Tipp entwickelt. Hübsch gestaltete Märkte erwarten die Gäste mit einer wunderbaren Weihnachts-Atmosphäre. In Schlettstadt steht im Advent alles im Zeichen rund um den Weihnachtsbaum, dessen Wiege übrigens im Elsass liegt. In Schlettstadts Humanistischer Bi­bliothek kann man unter den alten Büchern und Schriftstücken die erste schriftliche Erwähnung des Verkaufs von Tannenbäumen aus dem Jahr 1521 bewundern.

„Traditionell war der Heilige Abend im Elsass Adam und Eva gewidmet“, weiß Denise Kayser. Die 73-Jährige ist Gästeführerin in der „Maison Rurale de L’Outre-Forêt“ in Kutzenhausen, wo in einem ehemaligen Fachwerk-Gutshof aus dem 18. Jahrhundert eine Ausstellung ehemaliger elsässischer Weihnachtstraditionen und von altem Spielzeug zu sehen ist. „Die Tanne, der einzige Baum, der im Dezember noch grün ist, symbolisiert den Baum mit den verbotenen Früchten“, erzählt sie ihren kleinen und großen Gästen. 

Damals hängte man kleine rote Äpfel, die erst zur Weihnachtszeit reif sind, daran auf, die Erbsünde, und Oblaten, die Erlösung. Als der Legende nach 1858 eine Trockenheit in den nördlichen Vogesen und an der Mosel die Ernte vernichtete, machte ein Glasbläser aus Meisenthal aus der Not eine Tugend – und erfand die er­sten Christbaumkugeln aus Glas. So schuf er eine Tradition, die über Kulturgrenzen hinweg weltweit bekannt ist.


Mehr über die Adventszeit im Elsass gibt es auf der deutschen Internetseite unter: noel.tourisme-alsace.com

Münchens Herr der Krippen
Susanne Habel

Krippenszenen fesseln jung und alt. Eine Zeitreise in eine Welt, die von Hirte und König, von Stall und Palast geprägt ist, bietet die Krippensammlung Max Schmederers, die das Bayerische Nationalmuseum in München zu dessen 100. Todesjahr in einer Sonderausstellung präsentiert. 

„Der Münchner Bankier Max Schmederer war der weltweit bedeutendste Sammler historischer Krippen“, erklärt Generaldirektorin Renate Eikelmann. Mit Kennerblick habe er die besten Exemplare aus Bayern, Tirol und Italien erworben, die er zunächst in seinem herrschaftlichen Haus deponierte: „Dorthin lud er jedes Jahr Tausende von Freunden zur privaten Krippenschau!“ 

1893 schenkte Schmederer seine riesige Sammlung dem Bayerischen Nationalmuseum. Sie wurde nach seinen Anweisungen im Dachgeschoss aufgestellt. Kurator Sybe Wartena demonstriert an einem massiven Säulenbaldachin: „Mit Teilen von Architekturkulissen, die lange im Depot ruhten, vermitteln wir, was hinter den faszinierenden Szenerien steckt und wie Schmederer seine Anlagen komponierte.“ 

Eigenhändige Zeichnungen des Krippenarrangeurs und Baustellenfotos veranschaulichen die Entstehungsprozesse der oft ge­waltigen Ensembles. Schon im heimischen Haushalt hatte der Sammler meterhohe und -breite Krippen aufgebaut, was er dann im Nationalmuseum mit versierten Handwerkern noch verstärkte: Die „Palastkrippe“ ist über zehn Meter breit. 

Schmederers Leben wird nun zwischen seinen ehemaligen Schätzen „inszeniert“: sein Lungenleiden, die Dauerliaison des Junggesellen mit Hofschauspielerin Josephine Menge (1875–1947), seine detektivischen Krippensammelreisen und geschickte diplomatische sowie PR-Arbeit in eigener, das heißt, Krippen-Sache. Immer wieder setzte er den Ankauf von wertvollen Krippen durch. Beim Besuch von Kaiser Wilhelm II. schenkte Schmederer im Jahr 1906 Kaiserin Auguste Viktoria ein Krippenensemble, dessen Spur sich in Berlin verlor. In München ist davon ein Schmederer-Foto mit den Originalfiguren erhalten. 

Wie all die 10000 Figuren oder 20000 kleinen Einzelteile erhalten und restauriert werden, erläutert die letzte Station. „Präventive Konservierung“ be­deutet, dass die zarten Gewänder und Puppengesichter nicht durch Berührung oder Licht geschädigt werden sollten. Be­staunen im Museum geht allemal, und das besonders zu Weihnachten.


„Der Herr der Krippen. Max Schmederer. Sammler, Stifter, Vi­sionär“ läuft bis 4. März im Bayerischen Nationalmuseum, Prinz­regentenstraße 3, München. Ge­öffnet Diens­tag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 18 Uhr. Weihnachten, Silvester und Neujahr ist von 9 bis 17 Uhr geöffnet, Eintritt: 9 Euro. Internet: www. bayerisches-nationalmuseum.de

S. 22 Bücher im Gespräch

Christian Lindner – ernsthaft und entschlossen
Karlheinz Lau

Rechtzeitig vor der Bundestagswahl am 24. September 2017 kam Christian Lindners Buch „Schattenjahre“ auf den Markt. Es war mit Sicherheit beabsichtigt, eine Standortbestimmung der Freien Demokraten und ihres Vorsitzenden der Öffentlichkeit vorzustellen. Das wurde schon deshalb notwendig, weil nach dem krachenden Aus 2013 die FDP Gefahr lief, völlig aus dem politischen Bewusstsein der Menschen und bei Meinungsumfragen unter die Rubrik „Sonstige“ zu fallen. 

Die Sorge, eine „Nischenpartei“ ohne Gestaltungsmöglichkeiten nach dem Verschwinden aus dem Bundestag zu werden, trieb nicht wenige Mitglieder um. Es war nun unbestritten das Verdienst von Lindner, seit 2013 Vorsitzender der FDP, seine Partei über Erfolge bei Landtagswahlen, zum Beispiel in den drei Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin, zurück in den Bundestag geholt zu haben. Er beschreibt detailliert seine Ochsentour als „Außerparlamentarische Opposition/Organisation“ durch die Mühen der Ebene mit dem Ziel des Wiedereinzugs seiner Partei in den Deutschen Bundestag. Für Lindner waren die Jahre zwischen 2013 und 2017 ein Marathonlauf, folgende Zahlen belegen das: 372000 Kilometer im Auto, 453 Flüge, 673 Interviews sowie 951 Reden auf großen und kleinen Veranstaltungen, in Turnhallen, auf Grillfesten oder bei Diskussionsabenden in örtlichen Handwerkskammern. 

Die zentrale Veranstaltung für die FDP ist jedes Jahr im Januar das Dreikönigstreffen in Stuttgart. Dieses hat eine lange Tradition seit 1866, als sich demokratische Volksvereine aus Württemberg trafen. Erstmalig sprach Lindner als Parteivorsitzender 2014 auf dem Traditionstreffen. Natürlich bot er in den ganzen Jahren keine Ein-Mann-Schau. Er hatte eine kleines Team von Mitarbeitern, deren Namen noch relativ unbekannt waren: Marco Buschmann oder Alexander Graf Lambsdorff sind stellvertretend zu nennen. Die Etappen des Wiederaufstiegs der FDP werden durch Ergebnisse von Meinungsumfragen dokumentiert, die jeweils am Beginn einzelner Kapitel platziert sind. 

Der Untertitel des Buches lautet „Die Rückkehr des politischen Liberalismus“. Gemeint sind damit die Jahre zwischen 2013 und 2017, Schattenjahre für die Partei. Ein Rückgriff auf die Geschichte des Liberalismus, der seinen Ursprung im 19. Jahrhundert hat, findet nicht statt, ebenso wenig werden die lange Jahrzehnte politisch prägenden Nationalliberalen erwähnt, dieser Flügel existiert seit Beginn der Bundesrepublik Deutschland praktisch nicht mehr. Lindner will vielmehr das Leitbild eines aktuellen und modernen Liberalismus entwickeln, der für die neu aufgestellte FDP das Wertesystem darstellt, das für das politische Handeln konstitutiv ist. Er propagiert das  liberale Leitbild, in dem der einzelne Mensch als Staatsbürger im Mittelpunkt steht und frei seine Entscheidungen für sein persönliches und gesellschaftliches Leben trifft. 

Der Staat hat die Rolle eines Ordnungsgebers, der den Rahmen für das Zusammenleben der Bürger  demokratisch festsetzt. Das bedeutet gleichzeitig seine Verantwortung für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Das Grundgesetz ist die überwölbende und liberale Verfassung, deren Werte nicht verhandelbar sind. Diese Aussagen betont Lindner wiederholt in seinem Buch, was seine Ernsthaftigkeit und auch Entschlossenheit betont, es ist sein Credo, das er seiner Partei abverlangt. Eine bekannte Tageszeitung zitiert ihn: „Erst muss die Haltung stimmen, dann der Dienstwagen.“ Natürlich muss der Bogen von diesem Buch zu den tagesaktuellen Ereignissen der Regierungsbildung geschlagen werden. Man kann die Entscheidung Lindners, die „Jamaika“-Sondierungen abzubrechen, inhaltlich nachempfinden. Das Buch bietet interessante Einblicke in Lindners Partei.

 Christian Lindner: „Schattenjahre. Die Rückkehr des politischen Liberalismus“ , Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2017, gebunden, 338 Seiten, 22 Euro


Bastelspaß für alle
C. Rinser-Schrut

Kram für Kinder“ – so stellt man sich ein Vorwort für ein Gestaltungsbuch nicht unbedingt vor. Djennat Derradj aber verspricht im Buch „Kinderkram“ Spaß, und zwar für die ganze Familie.

Schön ist die Aufteilung in die vier Jahreszeiten. So kann man sich im Winter schon auf den Frühling freuen, um mit den Kindern Eiernester aus einem Korkuntersetzer, Schaschlikspießen und Bändern zu basteln, oder eine Blumenpresse, die man das ganze Jahr nutzen kann. Natürlich gibt es auch schöne Ideen, die man völlig jahresunabhängig umsetzen kann, wie eine Garderobe aus Duplosteinen, die man im Kapitel „Bunter Herbst“ findet. Bastelideen für den Winter wurden sogleich ausprobiert. Mit Kindern im Kindergartenalter sehen die Kerzen-ständer aus Holzperlen vielleicht nicht so hübsch aus, wie auf den ganzseitigen Bildern, aber die Beschenkten werden sich trotzdem freuen. 

Die 160 Bilder der Fotografin Martina Meier machen dieses Buch aus. Jede Seite ist mindestens zur Hälfte mit Bildern ausgefüllt, die Teil der kurzgehaltenen Anleitungen sind, andere Seiten zeigen nur Bilder. So kann der „Kinderkram“-Gestalter sein Kunstwerk vergleichen. Jede Textanleitung besteht aus einer Überschrift, beispielsweise „Pop-up-Bilderbuch“, was dazu benötigt wird, aufgeteilt in Werkzeug und Material, und einer leicht zu verstehenden Anleitung in nachvollziehbaren Schritten. Am Ende gibt es noch ein Stichwortverzeichnis. Die über 80 kreativen Ideen der Dekorationsgestalterin sind einfach gut: Man bekommt Lust, Schere und Klebstoff in die Hand zu nehmen und gleich anzufangen.

Djennat Derradj: „Kinderkram. Werken, Basteln, Selbermachen. für die ganze Familie“, at Verlag, Aarau 2017, gebunden, 173 Seiten, 25 Euro



Unausgewogene Kritik
W. Kaufmann

Für Arbeitgeber sowie manche Sozialexperten und Politiker ist sie das Allheilmittel zur Sanierung des deutschen Rentensystems: die Erhöhung des Eintrittsalters in den Ruhestand von 67 auf 70 Jahre. Dahingegen sehen viele Arbeitnehmer sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Einzelgewerkschaften hierin ein rotes Tuch erster Güte. Deshalb initiierte der DGB die Herausgabe eines „Schwarzbuches“ zur „Rente mit 70“. 

Darin werden zunächst sämtliche diesbezügliche Vorschläge zurückgewiesen und als unsozial charakterisiert. Anschließend soll der Leser anhand von 40 Berichten Betroffener nachvollziehen, wie schwierig es unter den Bedingungen des heutigen Berufs-alltags geworden ist, auch nur bis 67 durchzuhalten. Dabei kommen verhältnismäßig viele Beschäftigte in prekären und atypischen Arbeitsverhältnissen zu Wort. Das zeugt nicht gerade von Ausgewogenheit, denn es gibt immer noch zahlreiche andere, deutlich bessere Jobs. Allerdings ist deren Zahl tatsächlich rückläufig.

Annelie Buntenbach/Markus Hofmann/Ingo Schäfer (Hrsg.): „Rente mit 70. Ein Schwarzbuch“, Ch. Links Verlag, Berlin 2017, broschiert, 192 Seiten, 15 Euro


Doktorarbeit über »Heimat im Nachkriegsfilm«
Wolfgang Thüne

Verena Feistauers Buch über Heimatvertriebene im Nachkriegsfilm ist eine Doktorarbeit, deren Titel allerdings nicht den Forschungsergebnissen entspricht. Die Autorin selbst kommt zu anderen Schlussfolgerungen: „Möglicherweise erfüllen die Heimatfilme (,Grün ist die Heide‘, ,Der Förster vom Silbersee‘, ,Drei weiße Birken‘) die Funktion, das ,Heimat‘-Bedürfnis der Flüchtlinge und Vertriebenen auf bundesdeutsche Landschaften zu projizieren“, „Flüchtlinge und Heimatvertriebene werden im Heimatfilm oftmals idealisiert“ und „niemals negativ gezeichnet“, obgleich die Realität im Alltag eine völlig andere gewesen sei. 

Wir lesen: „In den Heimatfilmen äußern die geflohenen und vertriebenen Filmfiguren niemals Rückkehrhoffnungen und zeigen keine revanchistischen Tendenzen, wenn es auch kleinere revanchistische ,Angebote‘ an das Publikum gibt wie in ,Heimat, deine Lieder‘ mit ,Riesengebirge, deutsches Gebirge‘. Auch verzichten die Filme fast vollständig darauf, den ,Deutschen Osten‘, seine herrlichen Landschaften und die dortigen kulturellen Errungenschaften zu preisen. Die Heimatfilme hatten zweifellos eine ,systemstabilisierende Funktion‘. Wer hat hier heimlich Regie geführt, obgleich ,beinahe alle Filmschaffenden auch NSDAP-Mitglieder gewesen waren‘. Direkt nach dem Krieg und in den 1950er Jahren – vor der Verbreitung des Fernsehens – war das Kino ein Massen- und Leitmedium, das die öffentliche Meinung maßgeblich prägte. Die Filme boten kein ,historisch-objektives Abbild der damaligen Vorgänge, sondern leisteten eine Fiktionalisierung, Auswahl und Interpretation‘.“ 

Insgesamt sind zwischen 1947 bis 1960 dem Genre Heimatfilm 300 Filme zuzuordnen. 16 dieser Filme thematisieren das Schicksal von Flüchtlingen und Vertriebenen in unterschiedlicher Intensität. Da die „verlorene Heimat im deutschen Osten“ für ungewisse Zeit unerreichbar war, sei die „Heimat“ zu einem politisch „aufgeladenen Kampfbegriff“, zu einem utopischen „Sehnsuchtsort“, zur „himmlischen Heimat“ im Jenseits geworden. 

Feistauer hat die Filme „Grün ist die Heide“ (1951), „Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt“ (1953), „Ännchen von Tharau“ (1954), „Waldwinter“ (1955) und „Heiße Ernte“ (1956) untersucht, wobei insbesondere die Seichtheit der Dialoge auffalle und das Bestreben, eine friedliche „heile Welt“, herbeizuzaubern.

Wenn auch diese Nachkriegsfilme längst Historie sind, so ist das Buch dennoch lesenswert, weil es zeigt, wie durch Auswahl und Wertung Geschichte konstruiert und „Völker“ manipuliert werden. Es geht um die Herrschaft über das „kulturelle Gedächtnis“, das eine wesentlich längere Lebensdauer hat als das „soziale Gedächtnis“.

Verena Feistauer: „Eine neue Heimat im Kino. Die Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen im Heimatfilm der Nachkriegszeit“, Klartext Verlag, Essen 2017, broschiert, 447 Seiten, 29,95 Euro


Von Verschwörungen und Verschwörungstheorien
Nike U. Breyer

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Es war die CIA, die den Begriff „Verschwörungstheorie“ nach der Ermordung von John F. Kennedy kreierte. Seitdem gibt es große ungeklärte Verbrechen mit atemberaubenden Ermittlungspannen. Im Umfeld der Morde kommt es zu einem rapiden Anstieg von Todesfällen, bevorzugt bei den Zeugen. Doch jedes Miss­trauen, ob das mit rechten Dingen zugehe, wird kur-zerhand mit der Begriffskeule Verschwörungstheorie diskreditiert. Das aber hat zur Folge, dass über die im Dunst liegenden Bezirke des Geschehens umso wildere Spekulationen ins Kraut schießen, die  wiederum von den überzeugten Verschwörungstheorie-Apologeten ins Feld geführt werden, um die Absurdität jeden Zweifels zu belegen. Nun gibt es aber auch reale Verschwörungen, die manchmal auch auffliegen und deren Akten irgendwann zugänglich sind. 

Es gibt Täter, die Gewissensbisse plagen und Kronzeugen, die „singen“. Wie soll sich der normale Bürger da orientieren und wie mit der Fülle an widersprüchlichen Informationen umgehen? Generell empfiehlt sich hier die Forderung nach Beweisumkehr, so wie sie die Bundesfinanzverwaltung praktiziert. Mit anderen Worten: Wenn die Ungereimtheiten ins Absurde gehen, darf man erwarten, dass die Akten auf den Tisch gelegt werden. Bleibt dies aus, ist die Verschwörungstheorie offenkundig keine Theorie mehr. 

Die Autoren Patrik Baab und Robert E. Harkavy haben zu dieser Thematik mit ihrem Buch „Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?“ einen Wegweiser geschrieben, der es in sich hat. Wobei bereits das Sichten des Materials und das Aussondern der Desinformationen im Vorfeld zu den genannten Beispielfällen eine Sisyphusarbeit darstellt, die Bewunderung verdient. 

Fangen wir mit Colby an, dem ehemaligen CIA-Chef, der beileibe kein Chorknabe und in verschiedenen robusten Missionen involviert war. So hatte er im Laufe seines Berufslebens in Schweden die NATO Stay-behind-Armee („Gladio“) aufgebaut und war Justitiar bei der Nugan Hand Bank, einer Geldwaschanlage der CIA in Australien. Das Vergehen, das sein Schicksal schließlich besiegelte: In den Augen entscheidender CIA-Kollegen hatte er vor den Church- und Pike- Untersuchungsausschüssen zu viel  Einsicht gezeigt und Unbotmäßiges ausgesagt. Womöglich war nach seiner Pensionierung noch Schlimmes zu befürchten, gar Memoiren? Immerhin war er Katholik. Colby war für die eigenen Leute zum Feind geworden. 

Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme überspannte den Bogen, als er versuchte, beim außenpolitischen Poker zwischen schwedischem Waffenhandel, Stay-Behind-Kooperationen und Iran-Contra-Verwicklung sowie dem Lavieren zwischen den Fronten Israel, der  Stasi und Südafrikas dem skandinavischen Land im Kalten Krieg politischen Spielraum zu erschließen, den die Supermacht USA nicht zulassen wollte und konnte. 

Barschel schließlich, der ein  Doppelleben führte, das ihn unter anderem häufig in die DDR reisen ließ, scheint bereits als Student in den USA von der CIA rekrutiert worden zu sein. Ob aus brennendem Ehrgeiz oder anderen Gründen, bleibt unklar. Als er nach seinem falschen Ehrenwort politisch untragbar geworden war und ein neues Leben in Kanada plante, versuchte er offenbar, um sich finanziellen Spielraum zu verschaffen, das sprichwörtliche ganz große Rad zu drehen und, drohte, seine Kenntnisse auffliegen zu lassen. Jahrelanger Medikamenten-Missbrauch ließ ihn zudem unberechenbar werden. Für die Dienste, „befreundet” oder nicht, war auch er zum Risiko geworden. 

Die Autoren haben mit ihrem Buch eine informative Studie vorgelegt, die rundum zu empfehlen ist. Eine Anmerkung am Rande: Der Schulsprecher Uwe Barschel, der Großadmiral Dönitz seinerzeit zu einem Vortrag eingeladen hatte, bewirkte keineswegs den Tod des Rektors, wie Baab eine Journalisten-Stimme zitiert: „Als dies bekannt wurde, nahm sich der Schulleiter das Leben“. Treffend müsste es vielmehr heißen, dieser wählte den Tod, nachdem die losgetretene Medien-Kampagne gegen ihn immer weitere Kreise gezogen hatte. Dazu brauchte es nicht einmal eines Dienstes. Die Bundesrepublik von ihrer hässlichen Seite.

Patrik Baab, Robert E. Harkavy: „Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurden Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?“, Westend Verlag 2017, gebunden, 384 Seiten, 24 Euro


S. 23 Anzeige Rautenberg Buchhandlung

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S. 24 Panorama

Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel
Der verrückte Gabriel / Wie Wien zum Albtraum wird, wie der Außenminister seine Partei schockiert, und wie wir heute unser Vertrauen ausdrücken

Dürfen die das überhaupt? Und warum tut denn keiner was dagegen? Die Regierungsbildung aus konservativer ÖVP und rechter FPÖ in Österreich hat hierzulande teils heftige Ausschläge hervorgerufen. „Mit Kanzler Kurz, Burschenschafter Strache und Brandstifter Orbán geht’s im Dreivierteltakt nach rechts“, warnt SPD-Fraktionsvize Achim Post die Welt vor dem Menetekel von Wien und bringt das Entsetzliche auf die Formel: „Österreich-Ungarn ist wieder da!“

Abgesehen davon, dass die Albträumerei von der Wiederkehr der alten Donaumonarchie natürlich Kokolores ist: Was wäre so schlimm daran, wenn der alte Doppelstaat zurückkehrte? Was hat der denn Schlimmes angerichtet?

Achim Post hätte sich die Antwort bei seinem Alpengenossen und legendären österreichischen Kanzler Bruno Kreisky abholen können, der, es muss in den 70ern gewesen sein, einmal spottete: „Das haben’s jetzt davon, dass sie sich gegen Habsburg erhoben haben. Sitzen alle in der kommunistischen Sch ...“ Tatsächlich sind nahezu sämtliche Völker, die sich 1918 vom Hause Österreich „befreit“ hatten, eine Generation später im roten Meer versunken, aus dem sie sich erst vor einem guten Vierteljahrhundert wieder erheben sollten. Aber woher soll Post das wissen?

Zum grimmigen Erstaunen über das „beängstigende Experiment“ („Taz“) von Wien gesellt sich die Enttäuschung, dass kaum einer dagegen vorgeht. Als die Ösis im Jahre 2000 schon einmal die Frechheit besaßen, eine Regierung aus ÖVP und FPÖ zu bilden, spie die EU Bannflüche aus und schickte sogar eine „Expertenkommission“ an die Donau, die genau überprüfen sollte, ob die Alpenrepublik überhaupt noch eine richtige Demokratie sei, wenn dort auch die Falschen an die Regierung gewählt werden können. Nach Wien strömten zudem aus ganz Europa 300000 Demonstranten, weshalb die Koalitionäre unterirdisch zu ihrer Vereidigung in die Hofburg schleichen mussten, um heil dort anzukommen.

Und heute? Brüssel sagt im Grunde gar nichts und zur Demo fanden sich klägliche 6000 Nasen gegen die „Nazischweine“ zusammen. Geht dem Kampf gegen Rechts die Puste aus? Immerhin vergeht sich die Wiener Koalition zielsicher ausgerechnet am Kronjuwel unserer fortschrittlichen Politik, den offenen Grenzen. 

Was uns am meisten wurmt, ist der dreiste historische Rollentausch zwischen Wien und Berlin. Seit Friedrich dem Großen waren wir hier doch erst die feschen Aufsteiger und dann der große dynamische Bruder, der seinen eingerosteten Verwandten hinter sich her zog. Nun hat Sebastian Kurz erst seine Partei runderneuert und schickt sich nun an, das mit seinem ganzen Land zu machen, während wir an der Spree immer noch nicht wissen, „was wir anders hätten machen sollen“.

Oder doch? Ausgerechnet einer, von dem wir das kaum erwartet hätten, trägt den gefährlichen Keim des Zweifels in unsere bislang so wohlzementierte Meinungsfront. Sigmar Gabriel hat Unerhörtes hören lassen: Das Hochjubeln grünlinker Nischen­themen gehe an der Masse der Menschen vorbei, deshalb liefen sie der SPD davon. Der Ex-Parteichef lässt in einem Beitrag für den „Spiegel“ eine Lawine von             Ogottogott-Vokabeln auf seine konsternierten Genossen niedergehen. Heimat, Identität, Leitkultur, Sicherheit und Orientierung vermissten die einfachen Leute, nicht noch mehr „Visionen“ zu linken Lieblingsprojekten. 

Der Chef der NRW-SPD, Michael Groschek, findet Gabriels Beitrag sogar gut. Sonst aber wechseln die Reaktionen aus der SPD zwischen erschrecktem bis giftigem Widerspruch und atemlosem Schweigen. Wie weit sich Gabriel damit vom guten Ton seiner Partei entfernt hat, beleuchtet die fast zeitgleich erhobene Forderung der Berliner Jusos, ARD und ZDF sollten „feministische Pornos“ in ihre Mediathek aufnehmen.

Ja, diese Forderung dürfte die Mehrheit der Deutschen tatsächlich ebenso elektrisieren wie die Neuaufführung eines hundert Jahre alten dadaistischen Drei-Akters im staatlich subventionierten Experimental-Theater ohne Zuschauer.

Aber Gabriel schneidet noch tiefer ins Fleisch der grünlinken Eingeweide: „Die offenen Grenzen von 2015 stehen in Deutschland für nicht wenige Menschen als Sinnbild für die Extremform von Multikulti, Diversität und den Verlust jeglicher Ordnung.“ Da dürfe man sich nicht wundern, so der amtierende Außenminister sinngemäß, wenn viele von diesen „nicht wenigen Menschen“ lieber AfD als SPD gewählt hätten. Auch sei der SPD „Klimaschutz“ manchmal wichtiger „als der Erhalt unserer Industriearbeitsplätze“, womit man bei Industriearbeitern nicht immer punkten dürfte.

Na und?, fragt Juso-Chef Kevin Kühnert. Von „progressiven Menschen“ könne man „in Zeiten des Rechtsrucks“ erwarten, dass sie eine Gegenkultur anbieten. Anders gesagt: Wenn die Proleten in den darbenden Industriezentren feministische Pornos und „Multikulti über alles“ nicht wichtiger finden als ihre piefigen sogenannten „Alltagssorgen“, dann sollen die uns mal kennenlernen!

Für diesen Kampfaufruf dürfte Kühnert in der SPD viel Beifall einstreichen, anders als der offenbar verrückt gewordene Gabriel. Denn dort geben schließlich Leute wie er, der Politikwissenschaft studiert, oder auch Achim Post den roten Ton an. Post ist studierter Diplomsoziologe mit dem Schwerpunkt Öffentliche Verwaltung. Von dieser noblen Warte aus betrachtet haben „Normalbürger“ ihre zugewiesene Rolle als Betreuungs- und Belehrungsobjekt zu spielen, Steuern zu zahlen und ansonsten den Rand zu halten.

Die Belehrung darf nie aufhören, weil andernfalls der populistische Ungeist in den niederen Kreisen wie von selbst gedeiht. Um dem vorzubeugen, ist die  Marketingabteilung der Stadt Krefeld auf eine kreative Idee gekommen. Wir kennen mittlerweile ja alle diese Betonpoller-Reihen, durch die wir auf unsere Weihnachtsmärkte schlüpfen. Populisten nennen sie „Merkelsteine“ und murmeln im Vorbeigehen spöttisch Kanzlerinnen-Zitate wie „Wir können die Grenzen nicht schließen“ oder das legendäre „Nun sind sie halt da“.

Diesem dumpfen Falschdenken ist Krefeld mit magentafarbenen Bannern begegnet, die um die zylinderförmigen Poller gewickelt wurden. Darauf stehen lauter nette Ermahnungen an das einfache Volk wie „Gleichheit“, „Frieden“, „Verständnis“, „Toleranz“, „Respekt“, „Achtung“, „Würde“ und, besonders bewegend, „Vertrauen“.

Tatsächlich: „Vertrauen“ als Losung einer Sperre, die aus nackter Angst vor einem mörderischen Lastwagen-Angriff eines radikal-islamischen Attentäters errichtet wurde – nennt man das nicht eher „Misstrauen“? 

Offenbar nicht, und Krefeld „vertraut“ sogar überdurchschnittlich intensiv. Bei einem Test der Prüfgesellschaft Dekra, die mobile Sperren unter die Lupe nahm und etliche davon durchfallen ließ, schnitt das Krefelder Modell besonders gut ab. Die Poller sind nämlich auf eine Betonplatte montiert, wodurch sie viel schwerer wegzuschieben sind als andere „Merkelsteine“, die nur lose herumstehen – fast schon richtige Panzersperren!

Andernorts haben sie die eigentlich ja eher hässlichen Betonklötze in hübsches Geschenkpapier verpackt, samt Schleifchen oben drauf. Sie werden schon sehen: Es wird nicht lange dauern, dann gehören die Betonsperren zur vorweihnachtlichen Besinnlichkeit wie die geschmückte Tanne, der Glühwein und der Verkaufsstand mit Dresdner Stollen. Dann können wir uns die Poller gar nicht wegdenken von unseren heiter besinnlichen Adventsmärkten. Und dann wollen wir uns auch gar nicht mehr vorstellen, wie wir die Märkte jemals „anders hätten machen“ können als im gemütvollen Schatten der geschmackvoll verhüllten Vertrauenssteine.

MELDUNGEN / ZUR PERSON

CDU-Mitglieder rechts der Partei

Berlin – Laut einer Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung sehen sich die meisten CDU-Mitglieder rechts von der eigenen Partei. Dies habe eine Befragung von knapp 7000 Christdemokraten ergeben. Die Befragung fand bereits im Frühjahr 2015, vor dem Höhepunkt der Asylflut, statt. Sie wurde jedoch erst jetzt veröffentlicht. Beobachter erwarten, dass die Studie die Debatte üben den Kurs von CDU-Chefin Merkel weiter anheizt. H.H.





Von der »Antifa« totgeschlagen

Saragossa – Im nordspanischen Saragossa ist ein Mann von vier mutmaßlichen „Antifaschisten“ totgeschlagen worden, weil er Hosenträger in den spanischen Nationalfarben trug. Seit den Abspaltungstendenzen in Katalonien ist „Flagge zeigen“ Mode in Spanien. Die Angreifer hatten den   55-Jährigen als „Faschisten“ beschimpft, verfolgt und dann mit einer Eisenstange ins Koma geprügelt. Später starb das Opfer. H.H.





Weihnachtsmann an die Regierung 

Die Bundespolitiker sollten dieses Jahr einen Wunschzettel mit nur einer Bitte unter den Tannenbaum legen: „Lieber Weih­nachtsmann, bring uns eine neue Regierung!“ Ob GroKo, KoKo oder Jamaika scheint egal zu sein, solange es keine Neuwahlen gibt. Hauptsache, man glaubt an den Weihnachtsmann, so wie jeder im Volk an die Versprechen der Politiker glauben soll, die dann doch nicht eingehalten werden.

Auch wenn christliche Traditionen durch Kirchenaustritte und zunehmende muslimische Einflüsse immer mehr verschwinden, so ist der Weihnachtsmann einfach unverwüstlich. Vor den Festtagen tauchen die Weißbärte mit roter Zipfelmütze in Geschäften, Einkaufsläden oder Sportarenen in inflationärer Zahl auf. Es ist wie im Karneval. Wir sind alle Weihnachtsmann. Fehlt nur noch die Cola-Flasche in der Hand. Dann ist die Kommerzialisierung des Gabenbringers abgeschlossen, dessen steile Karriere in den 1930er Jahren als Werbefigur im roten Umhang für Coca-Cola begann.

Dabei ist der Mann mit dem Ge­schenksack und der Rute eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Hoffmann von Fallersleben, ja richtig: der Dichter unserer Nationalhymne, machte 1835 den Beruf des Gabenbringers mit seinem Lied „Morgen kommt der Weih­nachtsmann“ populär. Später wurde dieser für pädagogische Erziehungsmaßnahmen eingesetzt.

Zwei Seelen schlagen in seiner Brust: die des heiligen Nikolaus, der als Bischof von Myra im 4. Jahrhundert arme Kinder beschenkte, und die des legendären Gehilfen Knecht Ruprecht, der Schwererziehbare seine Rute spüren lässt, frei nach dem Weih­nachtslied „Morgen, Kinder, wird’s was geben“, nämlich eine Tracht Prügel. Diese befürchten bei Neuwahlen auch so manche Bundespolitiker.H. Tews

MEINUNGEN

Till-Reimer Stoldt blickt in „Welt online“ (15. Dezember) skeptisch auf die nächste Silvesterparty auf der Kölner Domplatte:

„Es geht darum, der deutschen Öffentlichkeit eine drohende Zumutung zu ersparen: den Verdacht, da werde fast schon eine Art Wallfahrtsort des orientalisch getönten Sexismus’ errichtet. Gut, dass die Kölner Polizei gewappnet scheint. Aber wie deprimierend, dass Menschen unter uns leben, die anscheinend mit einer solch schaurigen Tradition kokettieren. Für das friedliche Miteinander eines Einwanderungslandes bedeuten sie eine schwere Hypothek.“





Der Journalist Norbert Siegmund hat zusammen mit seinem Kollegen Jo Goll die Versäumnisse bei der Überwachung des Berlin-Attentäters Anis Amri recherchiert. Dem Sender RBB (11. Dezember) enthüllte er: 

„Für mich war die überraschendste Erkenntnis, dass man nicht einmal der Polizei glauben kann. Dass man eigentlich niemandem glauben kann. Denn es wurde auf allen Ebenen verharmlost und gedeckelt. Im Grunde haben wir die Behörden über Monate vor uns hertreiben müssen. Das war eine Salami-Taktik: Es wurde immer nur das zugegeben, was zugegeben werden musste.“





Goll fügt an gleicher Stelle an:

„Deutsche Sicherheitsbehörden haben schon dutzende Anschläge verhindert. Das konnte man aber meist nur, wenn sogenannte ,befreundete Dienste‘ die entscheidenden Hinweise gaben. Nach unserer Aufarbeitung des Falles Amri ist mir nicht allzu positiv zumute. Es ist wirklich besorgniserregend zu sehen, wo die Lücken im Sicherheitsnetz sind. Einen effektiven Schutz vor islamistischem Terror gibt es nicht.“





Hans-Martin Esser lassen die Appelle aus Frankreich, Deutschland möge schnell eine neue Regierung bilden, um „Europa voranzubringen“, ziemlich kalt, wie er in „The European“ (17. Dezember) schreibt:

„Was im Diskurs nach dem Motto ,Macron wartet‘ auffällt, ist der Mangel an Souveränität in unserem Land. Deutschland hat Reformen bereits 2003 unter Gerhard Schröder in Angriff genommen, die Frankreich bis heute bewusst verschlafen hatte. Wäre der durchschnittliche französische Wähler reformorientierter gewesen, hätte Europa einige Probleme weniger.“





Helmut Markwort nimmt sich die Forderung von SPD-Chef Martin Schulz nach der Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ im „Focus“ (16. Dezember) vor:

„Mit seiner Forderung nach den ,Vereinigten Staaten von Europa‘ ist der Elefant Schulz gleich in zwei Porzellanläden getrampelt. Er hat die deutsche Verfassung missachtet und die europäischen Partnerländer beleidigt ... Schulz wird als der hässliche Deutsche wahrgenommen, der seine Partner bevormunden will. Mit solchen Großkotzereien haben Schulz und Juncker, als sie in Brüssel noch Doppelspitze spielten, schon britische Bürger zur Flucht aus der EU animiert.“