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27.04.18 / Gleich mit einem doppelten Tabu belegt / Ausländerkriminalität im »ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-18 vom 27. April 2018

Gleich mit einem doppelten Tabu belegt
Ausländerkriminalität im »ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden«
Wolfgang Kaufmann

Die Thematisierung der Ausländerkriminalität in der DDR ist aus linker Sicht gleich ein doppelter Tabubruch: Zum einen sind Verbrecher keine Täter, sondern Opfer der kapitalistischen Sozialisation. Deshalb ist im real existierenden Sozialismus das Verbrechen im Aussterben begriffen gewesen. Zum anderen sind Ausländer im Zusammenhang mit Kriminalität nur Opfer, aber nie Täter. Und deshalb ist bereits der Begriff „Ausländerkriminalität“ rassistisch und fremdenfeindlich. Nichtsdestoweniger gab es sie: Ausländerkriminalität in der DDR. 

Die Statistiken der DDR über die Kriminalität im Lande wurden wie so viele andere aus politischen Gründen geschönt, um die „Überlegenheit des Sozialismus“ zu beweisen. Während 1989 in der Bundesrepublik auf 100000 Einwohner 7031 Straftaten kamen, sollen es in der DDR nur 601 gewesen sein. Und Zahlen zur Ausländergewalt findet man nicht einmal geschönte, sondern gar keine. Insofern bleibt unklar, wie viele der offiziell zugegebenen 132 Morde, 9577 vorsätzlichen Körperverletzungen, 461 Vergewaltigungen und 702 Raubüberfälle des Jahres 1989 auf Einheimische zurückgingen und wie viele nicht. 

Historiker wie Harry Waibel haben sich bisher „politisch korrekt“ nur für Gewalttaten gegen Ausländer interessiert, von denen sie über 700 zählten – davon zwölf mit tödlichem Ausgang. Allerdings konnten viele Fälle dieser Art bis heute nicht abschließend aufgeklärt werden, sodass fraglich ist, ob tatsächlich Mord oder Totschlag vorlag.

Die von Waibel akribisch aufgelisteten Vorkommnisse zeigen fast immer das gleiche aufschlussreiche Schema: Zuerst belästigten die alkoholisierten und stets gruppenweise auftretenden Ausländer auf Volksfesten oder Tanzveranstaltungen deutsche Frauen und attackierten dann die zu Hilfe kommenden einheimischen Männer mit Messern, Knüppeln und dergleichen. Daraufhin eskalierte die Situation, weil aufgebrachte DDR-Jugendliche nun zur handgreiflichen Gegenwehr schritten. Besonders häufig gingen die Angriffe dabei von algerischen, mosambikanischen und kubanischen Vertragsarbeitern aus, unter denen es daher auch die meisten Opfer durch Notwehr oder nachfolgende Selbstjustiz seitens der Deutschen gab.

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, resultierte daher, dass die Probleme, die es mit bestimmten Ausländergruppen gab, systematisch unter den Tisch gekehrt wurden und entsprechende Beschwerden ins Leere liefen. So fand die 16-jährige Oberschülerin aus Spergau bei Merseburg, welche im Januar 1976 eine Unterschriftensammlung organisierte, kein Gehör bei der Obrigkeit, als sie die Ausweisung der im Ort lebenden Algerier forderte, weil sich die Frauen und Mädchen abends kaum mehr auf die Straße trauen konnten. Diese Ignoranz gegenüber den Bürgern bezeichnete die Staatssicherheit später zerknirscht als schweren Fehler.

Die schlimmsten Gewalttaten gegen Deutsche begingen allerdings nicht algerische Messerstecher oder Schläger aus Kuba oder Mosambik, sondern Angehörige der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD), von denen sich zeitweise bis zu einer halben Million gleichzeitig in der DDR aufhielten. Diese Soldaten der Roten Armee verübten allein im Zeitraum zwischen 1976 und 1989 um die 27500 schwere Delikte, darunter auch viele gegen Leib und Leben. Beispielsweise erschlugen Sowjetsoldaten 1984 in Wusterwitz bei Brandenburg zwei ältere Deutsche, um deren Fahrräder zu erbeuten – dabei muss es zugegangen sein wie im Mai 1945 nach dem Einmarsch der „Befreier“. Bei anderen Raubüberfällen kamen sogar Kriegswaffen zum Einsatz. Als sich der Neuruppiner Udo Gentikow Ende der 80er Jahre erfolgreich gegen zwei Russen zur Wehr setzte, die ihm das Auto stehlen wollten, warfen diese eine Handgranate auf das Fahrzeug. Statistiker der Staatssicherheit zählten außerdem rund 60 Vergewaltigungen pro Jahr, bei denen manchmal gleich mehrere Rotarmisten gemeinsam über das Opfer herfielen.

Oftmals blieben die Täter hernach unbehelligt, weil man seitens der GSSD die Ermittlungen der DDR-Polizei blockierte, obwohl ein Abkommen aus dem Jahre 1957 existierte, das genau das untersagte. Diese Praxis veranlasste den ansonsten recht moskauhörigen Chef der Staatssicherheit, Erich Mielke, Anfang 1984 zu einem geharnischten Protest an die Adresse des damaligen Oberkommandierenden der GSSD, Armeegeneral Michail Saizew.

Neben den Gewalttaten von Vertragsarbeitern aus der Dritten Welt und sowjetischen Militärangehörigen kam es zu weiteren illegalen Handlungen durch Nicht-DDR-Bürger, die inzwischen fast vollkommen vergessen sind. Das gilt beispielsweise für die Wildwestaktion des tschechischen Brüderpaares Ctirad und Josef Mašín. Die beiden Generalssöhne führten zunächst einen Privatkrieg gegen das stalinistische Regime des von 1948 bis 1953 herrschenden Diktators der Tschechoslowakei Klement Gottwald, bis ihnen dann im Ok­tober 1953 der Boden dort zu heiß wurde. Daraufhin versuchten sie sich zusammen mit einigen Getreuen quer durch die DDR nach West-Berlin durchzuschlagen. Und das schaffte die Mašín-Gruppe auch, obwohl die hastig eingeleitete „Großfahndung Uckro“ zur Ergreifung der Tschechen zum aufwendigsten Polizeieinsatz in der Geschichte der DDR geriet. Auf ihrer Flucht erschossen die Widerständler aus dem Nachbarland vier Volkspolizisten und verletzten zwei weitere schwer, bevor es ihnen tatsächlich am 2. November 1953 gelang, den US-Sektor der „Frontstadt“ zu erreichen.

Und dann gab es noch den einen oder anderen Gewalttäter aus West-Berlin, der im Osten sein Unwesen trieb. Dabei handelte es sich keineswegs um Agenten des „Klassenfeindes“, die den Aufbau des Sozialismus stören wollten, sondern um Personen wie den in Kreuzberg beheimateten Türken Cem Ünal. Der war homosexuell und musste dies vor seiner stock­konservativen muslimischen Familie verbergen. Also frequentierte er die Schwulenlokale jenseits der Mauer. Hierbei geriet Ünal im Frühjahr 1984 an den Ost-Berliner Mirko Bovino, einen attraktiven Heterosexuellen, der seinen Lebensunterhalt damit bestritt, solvente „Westschwuchteln“ auszunehmen. Bovino machte dem Türken Hoffnungen auf eine gemeinsame Zukunft, die dann allerdings schlagartig platzten, als Ünal durch Zufall herausfand, dass sein Geliebter eine Freundin hatte und ihn lediglich als „Melkkuh“ benutzte. Hieraufhin griff der Türke zum Brieföffner und tötete Bovino wutentbrannt mit mehreren Dutzend Stichen.

Straftaten wie diese wurden vom SED-Regime genauso unter den Teppich gekehrt wie die eingangs geschilderten. Denn sie widersprachen dem Bild von der heilen Welt östlich des Eisernen Vorhangs, selbst wenn die Täter diesmal dem eigenen Weltbild entsprechend aus dem Westen kamen.