© Preußische Allgemeine Zeitung www.preussische-allgemeine.de

Ausgabe 01/18 05.01.18

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Einsicht statt Visionen
Die Politik hat sich verrannt– und die Deutschen spüren es
Hans Heckel

Die Deutschen schwanken zwischen Zufriedenheit und Pessimismus. Dabei hat dieses Volk das Zeug, Wunder zu vollbringen.

Experten stehen vor einem Rätsel: Die deutsche Wirtschaft brummt, nie waren hierzulande so viele Menschen in Arbeit, und die große Mehrheit der Deutschen äußert sich zufrieden über ihr Wohlstandsniveau und ihre Gehaltsentwicklung. Gleichzeitig wächst die Unsicherheit stetig. Seit 2014 geht die Zahl derer, die zuversichtlich in die Zukunft blicken, jedes Jahr weiter zurück.

Verkennen die Deutschen die wirkliche Lage? Kaum, eher steckt hinter der Diskrepanz ein feines Gespür der Bürger dafür, dass hinter der glänzenden Fassade von „Jobwunder“ und Exportweltmeister die Pfeiler ihres Gemeinwesens bedenklich bröckeln.

Das Unwohlsein wird noch verstärkt von einer Politik, welche den Bürgern und ihrem Staatswesen immer neue Belastungen aufbürdet. Die getrieben zu sein scheint von „Visionen“ und scheinbar moralischen Ansprüchen, die nur noch überzüchteten Ideologien folgen, statt sich an der Wirklichkeit, an Gemeinwohl und Machbarkeit auch  und vor allem auf lange Sicht zu orientieren.

Justiz und Polizei sind schon jetzt am Ende ihrer Leistungskraft und schlagen Alarm, weil die öffentliche Sicherheit erodiert, insbesondere wegen der massenhaften Zuwanderung aus fremdesten Kulturen, welche auch die Schulen vor kaum noch zu bewältigende Probleme stellt. Die Ersparnisse der Deutschen werden dem Euro-Experiment ausgesetzt und schmelzen dahin, für Schulden fremder Länder soll Deutschland zusätzlich haften, die fortschreitende „Energiewende“ unterminiert die Energiesicherheit mehr und mehr. Doch überall schreitet die Politik unbeirrt weiter, statt ein Einsehen zu zeigen.

Will die Politik jene „Zuversicht“ und jenes „Vertrauen der Bürger“ neu entfachen, von der ihre Repräsentanten so oft schwadronieren, müsste sie hier radikal umsteuern. Das Ziel darf nicht länger heißen, die Belastungen für die Bürger und das ganze Staatswesen weiter in die Höhe zu schrauben, sondern sie endlich wieder auf ein dauerhaft tragfähiges Niveau herunterzufahren und den Staat zu konsolidieren.

Die Deutschen sind ein außergewöhnliches Volk, das sich in seiner Geschichte nach entsetzlichen Katastrophen und fatalen Irrtümern mit einer Kraft wieder aufrichten konnte, die unsere Nachbarn an Zauberei denken ließ, wie das (nicht in Deutschland erfundene!) Wort vom „Wirtschaftswunder“ belegt. 

Der Pessimismus so vieler Deutscher speist sich aus der unguten Ahnung, dass die Kraft ihres Volkes vergeudet wird, statt sie sinnvoll für eine sichere Zukunft einzusetzen, statt sie zu stabilisieren und weiterzuentwickeln. Ob die politische Elite ihrerseits die Einsicht und den Mut aufbringt, sich dieser Aufgabe zu widmen, statt ihren ideologischen Visionen zu frönen, wird sich zeigen müssen. 

Von der Pflicht, der Tugend und der Kuh
Eine Glosse über den Wunsch nach Frieden und den Menschen, der ihn gefährdet
Florian Stumfall

Von Freunden zuverlässig erhofft, von Gegnern misstrauisch erahnt, hat die CSU an ihrem kurz zurückliegenden Parteitag in Nürnberg aufgeräumt mit allem Streit und Zwist, der lange in ihren Reihen geherrscht hatte, jedenfalls nach außen hin und offiziell. Das Ergebnis ist bekannt: Bayerns bisheriger Ministerpräsident Horst Seehofer gibt sein Amt an den Finanzminister Markus Söder ab, bleibt aber bis auf Weiteres CSU-Vorsitzender.

Warum nicht gleich so, ist man vermutet zu fragen, um sich dann zur Einsicht zu bequemen, dass es vielleicht der segensreichen und friedlichen Adventszeit bedurft hatte, um hier Ordnung zu schaffen. Schon gar bei einer Partei, die das christliche „C“ im Namen führt. Doch die Friedfertigkeit jedenfalls im Inneren und gegenüber den Parteifreunden ist bei der CSU nicht nur eine Tugend, sondern Pflicht, denn die bürgerliche Wählerschaft nimmt kaum etwas so übel wie dauerndes Gezänke.

Krach unter den Menschen gibt es ohnehin mehr als genug, wie erneut ein Beispiel, diesmal aus Holzkirchen, zeigt, das so halb zwischen Rosenheim und München liegt. Da hat sich wieder eine Sache ereignet, wie sie öfter vorkommt, und die man sich eigentlich nur im Bauerntheater wünscht. Da zieht ein fremder Mensch ins Dorf und stellt mit Empörung fest, dass es dort Kühe gibt. Diese Kühe stören ihn durch ihre Schellen, worauf er an Schlaflosigkeit und Depressionen leidet.

Also, auf zum Gericht und Klage erheben! 

Gottlob hat sich in München ein Richter gefunden, der sie abgewiesen hat, aber man möchte meinen, sie hätte von vornherein gar nicht zugelassen werden dürfen. Man muss sich das vor Augen halten: Da kommt ein  labiler Querulant, natürlich aus Deutschlands Norden, verabsäumt es, sich vor einem Hauskauf kundig zu machen, und will, dass seine neuen Nachbarn ausbaden. Wie gesagt, ein Fall vielleicht fürs Bauerntheater, für sich und ernst genommen ist so etwas ein Ärgernis.

CSU und Kuh-Schellen – der Wunsch nach Frieden und die Gefahr, dass er gebrochen wird, steckt in allem, womit die Menschen zu tun haben, im Kleinen, in Familie und Nachbarschaft, wie im Großen, so in der Politik, wenn auch diese vielleicht nur eine kleine Politik ist. Denn bei aller Aufregung: Auch die CSU muss sich dem Gesetz der Generationenfolge beugen, und dass nichts Besseres nachkommt, ist ein Spruch seit Jahrhunderten. Insofern war, was geschehen ist, ganz natürlich, auch die Aufregung, und irgendwann wird alles zur guten alten Zeit.


Kasernen billiger
Bundesrat fördert kommunalen Wohnungsbau

Die Stadt Münster streitet sich mit dem Bund um ein aufgegebenes Kasernenareal, weil sie hier 3000 Wohnungen bauen will. Kein geringerer als Finanz-Staatssekretär Jens Spahn (CDU) hatte im Wahlkampf einen schnellen Verkauf in Aussicht gestellt. Doch davon will die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) nichts wissen. Wie bereits berichtet, hoffen viele Kommunen, günstig an eine freigezogene Bundesimmobilie zu kommen, um die Fläche im Zuge der Konversion für den Wohnungsbau nutzen zu können. Die BImA beruft sich jedoch stets auf die ihr gesetzlich auferlegte Pflicht zur Wirtschaftlichkeit und gibt das Objekt nur an den Höchstbietenden ab.

Um das zu ändern, hat der Bundesrat den Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung der Liegenschaftspolitik eingebracht. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, von der Wirtschaftlichkeitsbindung abzuweichen, wenn bisher bundeseigene Liegenschaften von Gebietskörperschaften oder deren Gesellschaften erworben werden und diese Immobilien für Zwecke des sozialen Wohnungsbaus oder für studentisches Wohnen verwendet werden sollen. Zur Begründung heißt es, so müssten sich Kommunen und deren Gesellschaften als Käufer nicht mehr dem unbeschränkten Wettbewerb in der „vielerorts überhitzten Situation“ am Immobilienmarkt stellenJ.H.


Jan Heitmann:
Großmaul

Was mag wohl dabei herauskommen, wenn ein Künstler von schlichtem Gemüt versucht, geistreich zu sein? Bestimmt nichts Gescheites. Nicht anders ist es bei dem Schauspieler Armin Rohde. Der meinte, den Amtsantritt von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ungefragt kommentieren zu müssen: „An sämtliche Auswahlgremien sämtlicher Kunstakademien: Sollte sich Sebastian Kurz jemals bei Ihnen bewerben – nehmen sie ihn auf um Gottes Willen, scheissegal, was er vorlegt!“ Welch perfide Anspielung: Hätte die Wiener Kunstakademie Adolf Hitler im Jahre 1907 zum Studium angenommen, wäre dieser Kunstmaler geworden und hätte nicht eines Tages beschlossen, Politiker zu werden – was die bekannten Folgen gezeitigt hat. Für Rohde ist Kurz also einer von Charakter und Gesinnung eines der schlimmsten Massenmörder der Geschichte.

Am Rande sei bemerkt: Hätte Rohde einen Schulabschluss, hätte er gewusst, dass sich „scheißegal“ mit „ß“ und nicht mit „ss“ schreibt. Aber mit SS kennt er sich eben besser aus. Nazi-Kram kommt immer gut, mag er sich gedacht haben. Hat man schon keinen Opa, den man als Opfer der Nazis vermarkten kann, muss man den Opa eben zum Nazi machen, der andere ermordet hat. Ein „schießwütiger Sadist“ sei der seine gewesen, einer, der im Warschauer Ghetto die Fotos seiner Opfer gesammelt hat, weiß Rohde im Interview mit der „Süddeutschen“ genüsslich auszubreiten. Da ist Aufmerksamkeit garantiert.

Ehrungen belegen, dass es Menschen gibt, die den immer etwas ungepflegt und alkoholisiert wirkenden Rohde für einen guten Schauspieler halten. Vor allem aber ist er ein Großmaul – und ein ziemlich dummes dazu.

S. 2 Aktuell

»Wir Tibeter sind in einer Notlage«
Der buddhistische Mönch und Menschenrechtler Golog Jigme zur Lage in Tibet und im Exil

Der buddhistische Mönch Golog Jigme ist ein wichtiger Zeitzeuge für die heutige Lage in Tibet. Für seine Mitwirkung an einem Dokumentarfilm über die Realität in Tibet wurde er 2008 erstmals verhaftet. Der Filmregisseur, Dhondup Wangchen, wurde zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. 2009 und 2012 wurde Golog Jigme erneut verhaftet. Auch unter Folter gab er keine Namen von an den Protesten im März 2008 beteiligten Tibetern preis. 2014 gelang ihm die Flucht aus Tibet nach Indien. Inzwischen lebt er im Exil in der Schweiz. Für die PAZ sprach Michael Leh mit ihm in Berlin.

PAZ: Tibet ist in unserer westlichen Nachrichtenwelt heute fast wie ein „Weißer Fleck“. Westliche Journalisten dürfen höchstens noch mit einer Sondergenehmigung nach Tibet reisen, die aber kaum je erteilt wird. Außerdem wird jeder Schritt überwacht. Wie ist die Lage in Ihrer Heimat heute?

Golog Jigme: Wir sind in einer Notlage. Die Existenz der Tibeter ist gefährdet. Die Lage ist insgesamt sehr schwierig. Tibet ähnelt heute einem Gefängnis. China wendet verschiedene Strategien an, um die Identität der Tibeter zu untergraben. 

PAZ: Wie kann man sich in Tibet darüber informieren, was im Land und in der Welt vor sich geht? In China werden ja die Medien und das Internet streng kontrolliert, und die Kontrollen werden noch engmaschiger.

Golog Jigme: Trotz der Kontrolle durch die Chinesen können die Tibeter Nachrichten empfangen. Je stärker die Kontrolle wird, desto mehr wächst auch der Widerstand dagegen. Die Tibeter erhalten Informationen zum Beispiel durch die Radiosender „Voice of America“ oder „Radio Free Asia“, auch wenn der Empfang verboten ist. Für uns sind solche Sender überlebenswichtig. Meine Freunde in Tibet sind oft besser informiert als ich in der Schweiz, was ich bewundere. Manchmal erhalte ich Telefonanrufe oder Nachrichten von ihnen, wo sie sagen, sie hätten gehört, im Exil sei dieses oder jenes passiert, und ich solle doch mal näher berichten. Ich bin dann immer wieder überrascht, wie gut sie informiert sind. Es gibt auch ländliche Gebiete, wo Nomaden über Satellit „Voice of America“ oder sogar ausländische Fernsehkanäle empfangen können. In den Städten ist das allerdings nicht mehr möglich. Dort kontrollieren die Chinesen den Satellitenempfang komplett.

PAZ: Staats- und Parteichef Xi Jinping fährt in China generell einen immer repressiveren Kurs. Die digitale Überwachung der Bevölkerung wird noch weiter perfektioniert. Spürt man das auch noch vermehrt in Tibet?

Golog Jigme: Das Internet wird in Tibet noch schärfer zensiert als in der übrigen Volksrepublik China. Im Jahr 2008 war dabei die Technik noch schlechter. Jedesmal, wenn ich einen Freund anrief und wir etwas Kritisches besprechen wollten, merkte ich durch ein Geräusch im Telefon, dass wir abgehört werden. Aber heute merkt man das nicht mehr. Früher hatten sie auch viel schlechtere Überwachungskameras. Inzwischen werden auch verschiedene Apps wie Whatsapp, die wir für die Kommunikation nutzten, strengstens kontrolliert oder zeitweise blockiert, zum Beispiel während des 19. Parteitages der Kommunistischen Partei. Auch „Virtual Private Network“-Dienste, die zur Verschlüsselung benutzt wurden, um die chinesische Firewall zu überbrücken, werden jetzt blockiert. Die noch weiter zunehmende Überwachung ist natürlich besorgniserregend.

PAZ: Es gibt starke Restriktionen für die Klöster. Wie wirkt sich das aus?

Golog Jigme: In Osttibet etwa, wo ich herstamme, war es früher üblich, dass viele Kinder auch Klosterschulen besuchten, wo sie in tibetischer Kultur, Sprache, Religion und Geschichte unterrichtet wurden. Das ist heute nicht mehr möglich. Man zwang die Kinder, in chinesische Staatsschulen zu gehen. Viele ältere Mönche werden regelmäßig schikaniert, weil sie wichtige Führungspositionen in einem Kloster innehaben. Das Kloster Labrang etwa, in dem ich studierte, ist eine der historisch und kulturell wichtigsten Institutionen für die tibetische Gesellschaft. Man kann es mit einer Universität vergleichen. Während es dort vor dem Einmarsch der Chinesen nach Tibet 3600 Mönche gab, sind es heute nur noch 1000. Während der Kulturrevolution wurden Mönche gejagt und weggejagt von den Klöstern. Kleine Häuser, in denen Mönche von Labrang wohnten, wurden abgerissen und aus dem Boden, wo sie standen, wurde Ackerland gemacht. Viele Heiligtümer wurden gänzlich zerstört. Räume, in denen heilige Statuen waren, wurden zum Beispiel zu Schlachthöfen umfunktioniert, in denen Tiere getötet wurden. Damit sollten die Tibeter gedemütigt und die Vorherrschaft der Chinesen demonstriert werden. Dabei ist das Kloster Labrang für die buddhistische Lehre und das nationale Bewusstsein der Tibeter sehr wichtig. Es gibt dort ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das auch gelebt wird.

PAZ: In Diktaturen ist der Verrat immer ein besonders gefährliches Problem. Es gibt den Geheimdienst mit Spitzeln, und es sind auch Tibeter in der kommunistischen Partei. Wie gefährlich ist das in Tibet?

Golog Jigme: In der Hauptstadt Lhasa habe ich das als extrem starkes Problem empfunden. Wenn wir zum Beispiel in einem Café an einem Tisch saßen, hat niemand irgendetwas Politisches geäußert. Im Kloster Labrang dagegen war das überhaupt kein Problem. Ich schrieb dort über Jahre Flugblätter mit politischen Inhalten und habe sie innerhalb des großen Klosters an andere Mönche verteilt. Wenn man bedenkt, wie groß der Konflikt zwischen China und Tibet ist, muss man sagen, dass die Zahl der Spione in der tibetischen Gesellschaft eigentlich insgesamt sehr klein ist. Bei der Polizei ist es natürlich anders, hier sind auch viele Tibeter unter den Polizeikräften und die Chinesen lernen heutzutage sogar Tibetisch, um die Menschen zu entlarven. Es gibt sogar Polizisten, die sich als Mönche verkleiden und nachts in Klöster schleichen, um dort etwas zu beobachten. Chinesische Polizisten verkleiden sich auch oft als Touristen und halten sich dann den ganzen Tag in unserem Kloster auf und beobachten alles. 

PAZ: Peking hatte 1995 den damals fünfjährigen, aus einer kommunistischen Familie stammenden Gyaltsen Narbu als neuen Panchen Lama bestimmt, nachdem zuvor der Dalai Lama einen anderen sechsjährigen Jungen, Gendün Choekyi Nyima, zu dessen Reinkarnation erklärte hatte. Der „wahre Panchen Lama“ ist seitdem verschwunden. Gyaltsen Narbu wurde als Marionette der Chinesen erzogen. Wie verhält sich die Mehrheit der Tibeter ihm gegenüber?

Golog Jigme: Die Tibeter erkennen ihn nicht an. Er lebt in Peking und wird natürlich von den Chinesen instrumentalisiert. Sie lassen ihn auch kaum nach Tibet reisen, denn sie haben große Angst um seine Sicherheit. Die Tibeter könnten ja ihre Wut und Enttäuschung ihm gegenüber kund tun und das könnte gefährlich für ihn werden. Wenn der von Peking ausgesuchte „Panchen Lama“ nach Tibet reist, brauchten die Chinesen für ihre Propaganda auch Fotos von devoten Buddhisten und einer riesigen Zahl von Tibetern, die zu ihm kämen – aber eine solche Zahl kommt nicht zustande. Deshalb sieht man ihn auch kaum dort in der Öffentlichkeit. Den muslimischen Hui-Chinesen hat man Geld gezahlt, damit sie ihn begrüßen und man auch ein paar Fotos schießen konnte. Einmal hatten die chinesischen Behörden ein ganzes tibetisches Dorf, das von Sozialhilfe abhängig war, aufgefordert, den von ihnen ausgesuchten „Panchen Lama“ zu besuchen, gegen eine Zahlung von 50 Yuan (rund sechseinhalb Euro) für jeden und Übernahme der Fahrtkosten. Andernfalls werde die Sozialhilfe gestrichen. Doch das ganze Dorf hat sich geweigert.

PAZ: Seit 2009 gab es mindestens 151 Fälle von Selbstverbrennungen in Tibet. Wenn man damit die Weltöffentlichkeit aufrütteln will, muss man konstatieren, dass diese schrecklichen Verzweiflungstaten in unseren Medien meist nur noch als kleine Meldungen erscheinen und kaum beachtet werden.

Golog Jigme: Ich bin zutiefst enttäuscht und geschockt davon, dass auch diese Vorfälle im Ausland keine genügende Resonanz gefunden haben, dass sie nicht ernst genug genommen werden und keine echten politischen Resultate folgten. Diese Selbstverbrennungen sind eigentlich die allerdrastischte Art von Protest, wenn man einen friedlichen Freiheitskampf führen will – ohne dass andere Menschen zu Schaden kommen. Sie sind auch eine Art, Zeugnis abzulegen mit dem eigenen Leben. Wenn Tibeter sich selbst anzünden, wollen sie damit eigentlich sagen, dass der Schmerz in ihren Herzen noch größer ist als die Schmerzen ihres Körpers.

PAZ: Wie erfolgte Ihre Flucht aus Tibet? Wie lange dauerte sie? Wie konnten Sie sich über den Weg orientieren? 

Golog Jigme: Da ich bei der Flucht in Lebensgefahr war, muss-te ich mich lange verstecken. Die Flucht dauerte ein Jahr und acht Monate. Über den genauen Fluchtweg darf ich nichts sagen, da mir auch tibetische Freunde bei der Flucht halfen. Diese muss-ten auch sehr viel Geld zahlen, damit sie gelang. Am Anfang hielt ich mich länger in gebirgigen Gegenden auf. Mein Bein war auch noch durch die Folter verletzt, sodass ich selbst mit Stöcken kaum noch gehen konnte. Da ich zu verhungern drohte und die Polizei nach mir in Tibet suchte, ging ich an der Grenze zwischen Tibet und China in ein sehr ländliches chinesisches Dorf und bettelte dort um Essen. Nach einigen Monaten wagte ich es, einen Freund anzurufen, der mir weiterhalf, auch mein Bein heilte allmählich.

PAZ: China betreibt nicht nur sehr viel Wirtschaftsspionage im Westen, sondern versucht auch, besonders die Aktivitäten von Uiguren und Tibetern zu überwachen. Auch chinesische Studenten im Ausland werden wohl vielfach kontrolliert. Was sind Ihre Erfahrungen?

Golog Jigme: Ich habe schon einiges erlebt, wenn ich in Genf bei der UNO über die Lage in Tibet informieren will. So wurde ich zum Beispiel schon von chinesischen sogenannten Delegationsmitgliedern fotografiert, die vermutlich für den Geheimdienst tätig waren. Auch treten dort angebliche Nichtregierungsorganisationen aus China auf, „Fake“-NGO, die vorgeben, sich für Menschenrechte und Freiheit in Tibet einzusetzen. Sie kommen zu unseren Veranstaltungen, um zu provozieren und Streit anzufangen. Als ich einmal vom amerikanischen Botschafter zu einer Podiumsdiskussion eingeladen war, wollte mich auch ein sogenannter Diplomat aus China provozieren. Ich antwortete ihm: „Sie sind hier nicht in Peking, hier können Sie Ihre Lügen nicht verbreiten.“ Wenn chinesische Studenten zum Beispiel hier nach Deutschland kämen, um ihren Horizont auch in puncto Freiheit und Demokratie zu erweitern, wäre es schön. Unter ihnen sind aber oft auch Kinder aus korrupten kommunistischen Funktionärsfamilien, die schon lange einseitiger Propaganda ausgesetzt waren und gleichsam eine „Gehirnwäsche“ hinter sich haben.

MELDUNGEN

Internetseiten filzen die Nutzer

München – Auf acht von zehn Internetseiten werden Nutzer durch dritte Unternehmen mithilfe sogenannter Tracker systematisch ausgespäht, um Daten über ihr Verhalten zu bekommen. Zu dem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie des Anti-Tracking-Software-Spezialisten Ghostery und des Suchmaschinenspezialisten Cliqz. Dazu haben sie eine Analyse anonymer Statistiken von 850000 Nutzern vorgenommen und 144 Millionen Seitenaufrufe ausgewertet. Am verbreitetsten sind die Tracking-Skripte von Google (60,3 Prozent der Seitenaufrufe) und Facebook (27,1 Prozent). Darüber hinaus konnten tausende weitere Tracking-Skripte identifiziert werden.J.H.





Rentenkasse gut gefüllt

Berlin – Die Bundesregierung rechnet auch für die nächsten Jahre mit einer steigenden Zahl von Beitragszahlern und somit steigenden Einnahmen in der gesetzlichen Rentenversicherung. Das geht aus ihrem Rentenversicherungsbericht 2017 hervor. Demnach sind die Beitragseinnahmen im abgelaufenen Jahr um 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert deutlich gestiegen, sodass die Rentenversicherung zum Jahreswechsel über eine Rück-lage von 32,9 Milliarden Euro verfügte. Das entspricht 1,59 Monatsausgaben. Für 2018 wird mit einer Zunahme der Zahl der Arbeitnehmer um rund 1,2 Prozent und für 2019 mit einer weiteren Zunahme von 0,9 Prozent gerechnet. Auch bei den Bruttolöhnen rechnet die Regierung mit Steigerungsraten zwischen 2,7 bis 2,9 Prozent in den Jahren 2018 bis 2022. Nach den Modellrechnungen steigen die Renten bis 2031 um rund 36 Prozent an. Das Verhältnis von Renten zu Löhnen sinkt jedoch von aktuell 48,2 Prozent auf 44,6 Prozent im Jahr 2031. Demnach soll auch der Beitragssatz nach einer Absenkung auf 18,6 Prozent im Jahr 2018 wieder steigen. Jedoch wird dies erst ab 2022 erwartet. Der Beitragssatz soll im Jahr 2031 rund 21,9 Prozent betragen.J.H.





Völkerkunde unerwünscht

Hamburg – Das Hamburger Museum für Völkerkunde soll nach 138 Jahren umbenannt werden. Zur Begründung teilte die Museumsleitung mit, der aktuelle Name sei negativ besetzt. Er werde sowohl mit einer kolonialen Haltung als auch mit völkisch-nationalem Gedankengut assoziiert. Zudem stelle er „für viele junge Personengruppen, Kunstinteressierte und Diaspora-Gemeinschaften, kritische Intellektuelle und Künstler/-innen aus Herkunftsgesellschaften oder lokalen Diaspora-Communitys“ eine Barriere dar. Gerade diese Interessengruppen wolle man als Besucher gewinnen. Das 1879 gegründete Haus beherbergt eine der größten ethnografischen Sammlungen Europas. Seit Kurzem wird es von der Afrika-Expertin Barbara Plankensteiner geleitet. Davor war die Südtirolerin unter anderem Direktorin des Wiener Völkerkundemuseums, das unter ihrer Ägide in „Weltmuseum“ umbenannt wurde. Welchen Namen das Hamburger Völkerkundemuseum zukünftig tragen wird, steht noch nicht fest. Teuer wird die Umbenennung aber in jedem Fall. Nach Schätzungen des Fachblattes „Museum Aktuell“ dürften dafür wenigstens 200000 Euro anfallen.J.H.

S. 3 Deutschland

Nichts von Luther gelernt
Die christlichen Amtskirchen sind zum Polit- und Sozialbetrieb verkommen
Eberhard Hamer

Die AfD-Fraktionschefin Alice Weidel hat den beiden christlichen Amtskirchen in Deutschland vorgeworfen, „durch und durch politisiert“ zu sein. Zudem bemängelt sie, dass die Trennung von Kirche und Staat „nicht mehr eingehalten“ werde. Das gerade zu Ende gegangene Lutherjahr hätte den Kirchen Anlass gegeben, ihre Rolle in heutiger Zeit kritisch zu reflektieren. Das aber haben sie versäumt.

Das Luther-Jahr 2017 hat die Gründe für die Reformation neu in die Diskussion gestellt. Luther wollte ja nicht die Kirche spalten, sondern sie reformieren, vor allem in folgenden Punkten: Nach katholischer Lehre steht die Kirche als Mittler zwischen Gott und den Gläubigen. Luther dagegen wies aus der Bibel nach, dass der Mensch  eigenverantwortlich vor Gott sei. Diese Eigenverantwortung des Christen im Glauben hat sich danach in der Philosophie (Kant), in der Politik (Demokratie) und in der Wirtschaft (Marktwirtschaft) fortgesetzt. Unsere individuellen Freiheitssysteme beruhen letztlich auf der Reformation, auf der Freiheit und Eigenverantwortung der Menschen in Kirche, Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Insofern war die Reformation eine Befreiung von Vormundschaft, zuerst im theologischen und dann in allen anderen Bereichen. 

Konkreter Anlass für den Protest Luthers aber war der kirchliche Ablasshandel und die damit verbundene – käufliche – Rechtfertigung der Gläubigen für Sünden durch Zahlungen an die Kirche. Durch „gute Werke“ wollte der Gläubige die ewige Seligkeit erringen. Die Kirche nutzte dies nicht nur zum Bau des Petersdoms, sondern auch zur allseitigen Bereicherung auf allen Ebenen. Luther dagegen wies aus der Bibel nach, dass man mit „guten Werken“ Gottes Gnade nicht erkaufen könne, dass nur echter Glaube – sola fide – und echte Buße die Gnade Gottes erringen könne. Er hat damit den Fokus der kirchlichen Tätigkeit und des Glaubenslebens wieder zurück-verlegt in die Glaubensgemeinschaft. Gerade daraus entstand die Macht der Reformation wie ein Feuerbrand über Europa.

Fragt man sich dagegen, ob heute die Kirchen vornehmlich Glaubensgemeinschaft oder nicht längst Sozialinstitutionen sind, so sprechen die Zahlen deutlich: Von 1,2 Millionen Beschäftigten beider Kirchen sind nicht einmal 60000 als Pfarrer oder Priester in der Verkündigung tätig, die anderen arbeiten in den „sozialen Diensten“. Da Letztere im kirchlichen Dienst in der Mehrheit sind, haben sie auch die Mehrheit in den Gremien, bestimmen sie überwiegend die Mittelverwendung, Richtung und Tätigkeit zumindest in der evangelischen Kirche. Die Kirchen sind also heute mehr Sozialindustrie als Glaubensgemeinschaft, widmen sich zu 90 Prozent „guten Werken“ und vernachlässigen die Glaubensverkündigung.

Keine andere Organisation könnte sich halten, wenn nur zwei Prozent ihrer Mitglieder überhaupt am Verbandsleben teilnehmen. Dass die Kirchen trotzdem als Institution gut existieren, verdanken sie ihrem öffentlich-rechtlichen Status und dem Zwangseinzug der Kirchensteuern durch den Staat. Aber auch dieser Vorteil schwindet, weil Juden und Moslems inzwischen ebenfalls öffentlichen Status erreicht haben, was die allgemeine Diskussion um den staatlichen Kirchensteuereinzug bis zu dessen Abschaffung hochtreiben wird. Bricht aber der staatliche Kirchensteuereinzug weg, bricht auch der kirchliche Sozialfeudalismus ein, werden die Kirchen mit freiwilligen Spenden höchstens noch 20 Prozent ihrer Beschäftigten halten können.

Weil Papst und Kirchenhierarchie die Erneuerungskritik Luthers nicht ernst und nicht annahmen, sondern ihn durch Bann aus der Kirche ausschlossen, entstand statt einer Reformation der Gesamtkirche eine Trennung zwischen der alten hierarchischen katholischen Kirche und einer neuen demokratischen evangelischen Kirche. Sinnbildlich zeigt sich der Zerfall der katholischen Hierarchie an der Auflösung der Klöster: Erst flohen Mönche und Nonnen aus der Klosterzucht in den neuen Glauben und in persönliche Freiheit, dann wurden die leeren Klöster entweder von den Fürsten oder dem Adel übernommen, zuletzt von Napoleon verkauft.

Die Reformation hat gezeigt, wie stark eine Glaubenswelle der einzelnen selbstverantwortlichen Gläubigen die kirchliche Hierarchie erschüttern konnte. Inzwischen hat die katholische Kirche diesem Wandel ebenfalls Rechnung getragen und mit Erfolg versucht, sich auch zu dezentralisieren. Die ursprünglich dezentrale evangelische Kirche hat sich dagegen wieder zentralisiert, weil die Steuern der Gläubigen nicht mehr direkt an die Gemeinden fließen und an die Kirchenleitung weitergeleitet werden, sondern umgekehrt vom Staat den Kirchenleitungen überwiesen und von diesen an die Gemeinden verteilt werden. Damit hat die Finanzzentralisierung die Macht von unten nach oben und damit einen Hierarchieschub gebracht, wodurch sich beide Kirchen strukturell immer mehr angeglichen haben.

Jede Hierarchie krankt aber daran, dass von oben nach unten regiert wird und die Mitglieder unten warten, bis von oben Weisung kommt. Die Eigenverantwortung der Mitglieder schwindet mit wachsender Zentralsierung, was man im Vergleich der evangelischen Amtskirchen mit den Freikirchen deutlich sehen kann. Damit einher geht in jeder Kirche der Trend, dass die Amtsträger statt Missionare und Verkündiger zu sein, zu Glaubensverwaltungsbeamten verkommen.

Die Glaubenserosion der Kirchen und ihr Wandel zur Sozialinstitution haben tiefgreifende Folgen in unserer Gesellschaft nach sich gezogen. Aus dem biblischen Auftrag der Heidenmission haben die christlichen Kirchenfunktionäre inzwischen eine Gleichwertigkeit aller Religionen gemacht, ohne ihren Gläubigen zu erklären, warum sie denn gerade Gott und ihre Seligkeit nur in ihrer christlichen Kirche und nicht auch in anderen finden sollten. Mit anderen Worten: Die Kirchen haben ihren Alleinstellungsanspruch aufgegeben und sich zur religiösen Beliebigkeit entwickelt. Niemand beschmust die anderen Religionsgemeinschaften mehr als die christlichen Kirchen, die eigentlich das Selbstverständnis des alleinigen Weges zu Gott als Missionsauftrag haben sollten.

Wer das Wort Gottes nicht mehr ernst nimmt, kann auch dem Zeitgeist leichter nachlaufen, beispielsweise dem Feminismus, der Lesben- und Schwulenpropaganda, der Aufgabe des Vorrangs der Ehe oder dem „Kampf gegen Rechts“, dem Kampf gegen die „Reichen“, gegen die traditionellen Werte und für die Ausbreitung fremder Glaubensrichtungen durch Immigration fremdgläubiger Sozialleistungsnehmer. Immer mehr Menschen stellen sich deshalb die Frage, ob die Amtskirche noch „ihre“ Glaubensgemeinschaft ist beziehungsweise, wer sich vom anderen inzwischen entfernt hat – die Kirche von den Gläubigen oder die Gläubigen von der Kirche.

MELDUNGEN

Geheimdienste hören mehr ab

Berlin – Das Parlamentarische Kontrollgremium für die Nachrichtendienste hat seinen Bericht für 2016 vorgelegt. Daraus geht hervor, dass vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) nach Genehmigung durch die G10-Kommission in insgesamt 261 Fällen Sendungen gelesen oder Telefongespräche abgehört wurden. Das sind 68 mehr als im Vorjahr. Beim BfV betrafen 139 Verfahren den Islamismus, sieben den Ausländerextremismus, 72 den nachrichtendienstlichen Bereich, sechs den Rechtsextremismus und keines den Linksextremismus. Die Maßnahmen des BND galten ausschließlich dem Islamismus, die des MAD mit zweien dem Islamismus und mit zweien dem nachrichtendienstlichen Bereich.J.H.





Technik gegen Asylbetrug

Nürnberg – Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) speichert seit September vergangenen Jahres zur Identitätsfeststellung von Asylsuchern Informationen von Mobiltelefonen und anderen Datenträgern. Nach Angaben des Bamf wurden in dieser Zeit rund 5000 mobile Datenträger ausgelesen. Das Verfahren wird bei fehlenden Identitätsdokumenten oder Zweifeln an deren Echtheit angewandt. Außerdem setzt das Bamf seit kurzer Zeit zur Verifikation des Herkunftsstaates und der Herkunftsregion des Antragstellers ein Softwareverfahren zur automatisierten Akzent- beziehungsweise Dialekt-Erkennung ein. Das System kann Sprachen und Dialekte anhand von hinterlegten Sprachmodellen analysieren und zuordnen. Das vom Bamf in Zusammenarbeit mit einem Hersteller entwickelte Sprachbiometrieverfahren ist weltweit einmalig. Bisher wird es in den Ankunftszentren und Bamf-Außenstellen angewandt. Ab April soll es in den „flächendeckenden Wirkbetrieb“ gehen.J.H.

S. 4 Sklaverei

Denn Mohammed tat es auch
Sklaverei war und ist in der arabisch-islamischen Welt gang und gäbe
Wolfgang Kaufmann

Lange ist die in der arabisch-islamischen Welt übliche Sklaverei im Westen kaum thematisiert worden. Dann jedoch schockierte der US-Fernsehsender CNN die internationale Öffentlichkeit im November mit Videobildern von einer Sklavenauktion in Libyen. Daraufhin verfiel die Europäische Union sofort in heftigen Aktionismus, der unserem Kontinent bald noch mehr Asylsucher bescheren dürfte.

Die Szenerie bot ein ebenso eindrucksvolles wie bedrückendes Bild: Für umgerechnet 337 Euro wechselten junge schwarze Migranten aus dem subsaharischen Afrika, die in Libyen versklavt worden waren, ihren Besitzer. Dementsprechend aufgeregt fiel das mediale Echo auf den CNN-Beitrag aus. Dabei sind derartige Praktiken weder etwas Neues noch ein Einzelfall. Nach Schätzungen der Antisklaverei-Organisation Walk Free Foundation (WFF) gibt es derzeit rund 46 Millionen Sklaven in 167 Ländern. Dazu zählen übrigens auch die ost- und südosteuropäischen Zwangsprostituierten in der Bundesrepublik. Die meisten Sklaven leben jedoch – abgesehen von Nordkorea, China und Indien – in islamischen Staaten, insonderheit in Pakistan, Bangladesch, Usbekistan, Afghanistan, dem Iran, dem Irak und dem Sudan, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAR) sowie Syrien, Marokko, Ägypten, Algerien, Niger, Libyen und Mauretanien. Und das ist durchaus kein Zufall, schließlich billigen der Islam beziehungsweise der Koran und die Scharia die „gottgewollte“ Institution der Sklaverei, sofern es sich bei den unfrei Gehaltenen um „Ungläubige“ handelt.

So versklavte schon Mohammed im Jahre 627 alle Frauen und Kinder des jüdischen Stammes der Banu Quraiza, nachdem er die Männer exekutiert hatte. Deshalb hießen später viele hochrangige islamische Rechtsgelehrte die Sklaverei ohne Wenn und Aber gut: Wenn der Prophet dergestalt vorgegangen sei, dann könne daran nichts grundsätzlich Falsches sein. Das erklärt auch, warum die Sklaverei in Saudi-Arabien erst 1962 offiziell abgeschafft wurde und der westafrikanische Wüstenstaat Mauretanien denselben Schritt sogar noch bis August 2007 hinauszögerte. Und zwar ohne, dass sich an der Lage der schätzungsweise 600000 meist schwarzen Sklaven dort wirklich etwas geändert hätte. Dafür sorgt momentan vor allem der wachsende Einfluss sunnitischer Extremisten mit arabischer Herkunft.

Nichtsdestotrotz vermeiden es die Europäische Union und einige afrikanische Länder wie Ruanda, die nun gemeinsam gegen den Handel mit schwarzen Sklaven im Gebiet rund um die Sahara vorgehen wollen, das Übel an der Wurzel zu packen, und beschränken sich stattdessen auf hilfloses Kurieren an Symptomen. Das zeigt das am 29. November auf dem EU-Afrika-Gipfel in Abidjan (Elfenbeinküste) beschlossene Aktionsprogramm, in dem unter anderem von „Notfall-Evakuierungen“ befreiter Opfer libyscher Sklavenhändler die Rede ist. 

Der Weg dieser Menschen wird dann sicherlich auch nach Europa führen, denn Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien haben bereits ihre Bereitschaft bekundet, solche „schutzbedürftigen Personen“ aufzunehmen. Damit bleibt ihnen der mühevolle Weg per Boot übers Mittelmeer erspart und es steht zu erwarten, dass sich jetzt ebenfalls wieder viele Trittbrettfahrer unter die wirklich Gefährdeten mischen. Immerhin warten in Libyen noch bis zu 700000 Schwarzafrikaner auf Einlass in die Europäische Union.


»Verschleierter Genozid«
Großes Schweigen über Muslime als Täter beim Sklavenhandel

Während die von den Europäern betriebene Verschleppung schwarzer Sklaven in die Karibik und auf den amerikanischen Kontinent in hinreichendem Maße erforscht und thematisiert wurde, widmete sich kaum jemand dem arabisch-islamischen Sklavenhandel, der den schwarzen Kontinent schon seit dem Jahre 652 ausblutete. Damals hatte Emir Abdallah ben Said den Sudanesen einen Vertrag aufgezwungen, mit dem die Menschenjagd südlich der Sahara begann. In deren Verlauf verschleppten Muslime bis ins 20. Jahrhundert hinein 17 Millionen Schwarze auf die Arabische Halbinsel, in den Maghreb, andere Teile des Osmanischen Reiches sowie nach Persien. Dabei kamen bis zu 80 Prozent der Sklaven bei den endlosen Todesmärschen durch die Wüste ums Leben.

Angesichts dessen sprach der senegalesische Anthropologe und Wirtschaftswissenschaftler Tidiane N‘Diaye 2008 von einem „verschleierten Genozid“ der muslimischen Araber an den Völkern Schwarzafrikas und bezeichnete diesen als deutlich folgenschwerer als den transatlantischen Sklavenhandel der Europäer.

Der Hauptgrund für das brutale Vorgehen gegen die Schwarzen war dabei der Islam. Aus der Sicht der Lehren Mohammeds handelte es sich bei der Sklavenjagd südlich der Sahara um einen vollkommen legitimen Dschihad gegen „heidnische“ und biologisch „minderwertige“ Rassen. Deshalb blieben Schwarze selbst dann noch Menschen zweiter Klasse, wenn sie freiwillig zum Islam konvertierten. In diesem Fall wurden sie kurzerhand zu heimlichen „Götzendienern“ erklärt, gegenüber denen das Verbot der Versklavung von Muslimen nicht galt.

Dabei gab es durchaus auch verschleppte Afrikaner, die sich gegen ihr Schicksal wehrten. Besondere Erwähnung verdient hier der „schwarze Spartakus“ Sahib al-Zanj, der 869 einen gigantischen Aufstand der Plantagensklaven im Südirak initiierte. Merkwürdigerweise ignoriert die historische Forschung aber selbst diese Heldenfigur – und manche „Experten“ versuchen gar, die Sklavenexporte aus Sansibar in Richtung der Arabischen Halbinsel den Europäern anzulasten.W.K.


Muslime versklavten auch Christen

Im Juli 1625 ereignete sich an der Südwestküste von Cornwall etwas schier Unfassbares: Wie aus dem Nichts tauchten plötzlich schwerbewaffnete nordafrikanische Korsaren auf und begannen die Bewohner der ungeschützten Fischerdörfer auf ihre Schiffe zu verschleppen. Kurz darauf besetzten sie Lundy Island unweit von Bristol und hissten dort die grüne Flagge des Islam. Aufgrund der ineffektiven Gegenwehr der Engländer konnten die maghrebinischen Seeräuber allein im Sommer 1625 über 1000 Menschen gefangen nehmen. Diese wurden dann nach Salé in Marokko verbracht und auf dem dortigen Sklavenmarkt feilgeboten. Unter ganz ähnlichen Raubzügen litten zu jener Zeit zahllose Dörfer und Häfen an den Küsten Islands, Irlands, Spaniens, Italiens, Portugals und Frankreichs sowie auch in Wales. Auch dort bestand die Beute vor allem aus christlichen Sklaven, die man in der arabischen Welt als „Weißes Gold“ bezeichnete.

Die Verschleppten fanden in Nordwestafrika reißenden Absatz, weil man „ungläubige“ Arbeitskräfte dort immer gut gebrauchen konnte. Muslimische Korsaren aus dem Sultanat Marokko sowie den sogenannten Barbareskenstaaten im Raum um Algier, Tunis und Tripolis suchten nicht nur die Küsten europäischer Länder heim, sondern lauerten auch im Mittelmeer und im Atlantik Handelsschiffen auf. So kaperten sie alleine zwischen 1607 und 1616 466 englische Segler.

Da die Europäer zunächst außerstande waren, diesem Treiben wirkungsvoll Einhalt zu gebieten, gerieten von 1530 bis 1780 geschätzte 1,25 Millionen Christen in die Hände arabisch-islamischer Sklavenhändler beziehungsweise -halter. Dann freilich verfügten Großbritannien und Frankreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts über hinreichend starke Kriegsflotten, welche die Piratenhochburgen im Maghreb mittels schwerer Artillerie in Schutt und Asche legten und so dem Handel mit weißen Sklaven ein abruptes Ende bereiteten.W.K.


Zeitzeugen

Muammar Muhammad Abdassalam Abu Minyar al-Gaddafi – Die fatale Entscheidung der „internationalen Gemeinschaft“, den seit vier Jahrzehnten über Libyen herrschenden Diktator zu stürzen, bescherte dem einst wohlhabenden nordafrikanischen Land 2011 ein Machtvakuum sondergleichen, das bis heute besteht. Dies begünstigt die Geschäfte der arabo-islamischen Sklavenhändler.

Scheich Salih ibn Fawzan ibn Abdullah al-Fawzan – Für den Verantwortlichen für die Lehrpläne der Religionsschulen Saudi-Arabiens und führenden Vertreter des Wahhabismus steht fest: „Sklaverei ist Teil des Islam“ und „Sklaverei ist Teil des Dschihad, und der Dschihad wird solange bleiben, wie es den Islam gibt.“

Nima Elbagir – Die aus dem Sudan stammende CNN-Journalistin konnte sich im November bei einer der mehrmals im Monat stattfindenden Sklavenauktionen in Libyen einschleichen und das Geschehen filmen. Angeboten wurden damals „große starke Jungs“ aus Schwarzafrika für den Einsatz in der Landwirtschaft – wobei die Geschäftssprache während der Versteigerung Arabisch war.

Mohamed Cheikh Ould Mkhaitir – Weil er die in Mauretanien immer noch praktizierte Sklaverei angeprangert und in diesem Zusammenhang auch den Propheten Mohammed wegen dessen Behandlung von Nichtmuslimen kritisiert hatte, wurde der Ingenieur und Journalist 2014 wegen „Gotteslästerung“ zum Tode verurteilt. Allerdings reduzierte ein Berufungsgericht in Nouadhibou die Strafe später angesichts internationaler Proteste auf zwei Jahre Haft.

Emir Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum – Im September 2006 erhob ein Gericht in Miami Klage gegen den Herrscher des Emirats Dubai sowie Premierminister, Verteidigungsminister und Vizepräsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate. Grund war die Versklavung von mehreren tausend Kindern aus Bangladesch, Pakistan, dem Sudan und Mauretanien, die in den Golfstaaten als leichtgewichtige Kamel-Jockeys eingesetzt wurden. Der Prozess endete 2007 ohne Urteil, weil sich die Kammer plötzlich für unzuständig erklärte.


S. 5 Preussen/Berlin

Die Furcht vor dem Wähler wirkt
Brandenburg: Rot-rote Landesregierung steuert bei wichtigen Projekten um
Norman Hanert

Nachdem schon die Kreisgebietsreform abgeblasen wurde, deutet sich bei Brandenburgs Landesregierung nun der nächste Kurswechsel an. Im kommenden Jahr soll fast eine halbe Milliarde Euro bereitstehen, um die Lebensverhältnisse im Land zu verbessern.

Noch vor Weihnachten präsentierten Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Finanzminister Christian Görke (Linkspartei) einen Nachtragshaushalt, mit dem 2018 zusätzlich 483 Millionen Euro bereitgestellt werden sollen. Gedacht ist das Geld für Krankenhäuser, die Sanierung von Feuerwehrgebäuden, Sport- und Jugendstätten, den Nahverkehr und die Digitalisierung des Landes und für den Straßenbau. 

Abdecken will die rot-rote Koalition auch ein beitragsfreies letztes Kindergartenjahr vor der Einschulung. Laut Görke konzentriert sich der Nachtragshaushalt auf sehr schnell umsetzbare Projekte zur Verbesserung der konkreten Lebenssituation vor Ort: „Das reicht von Einnahmeverbesserungen der Kommunen über Investitionen in Krankenhäuser, zusätzliche Mittel für den Breitbandausbau, die Einrichtung von kostenlosen WLAN-Punkten bis hin zum elternbeitragsfreien Kita-Jahr.“ Woidke sprach im Zusammenhang mit dem Nachtragshaushalt von Impulsen zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in den Kreisen, Städten und Dörfern. 

Möglich machen den Geldsegen deutlich höhere Steuereinnahmen: Eine Schätzung prognostizierte im November, dass Brandenburg Mehreinnahmen von 263 Millionen Euro zufließen werden. Der Verzicht auf die Kreis- und Verwaltungsstrukturreform setzt weitere Mittel frei. Nach Angaben des Finanzministers erwirtschaftet Brandenburg nun 66 Prozent seiner Einnahmen aus Steuern selbst. Zudem hat das Land mittlerweile eine Rücklage von 1,3 Milliarden Euro gebildet. 

Nicht nur in der Haushaltspolitik deutet sich ein Umdenken an: Die rot-rote Landesregierung kündigte auch an, in der Kommunalpolitik die direkte Demokratie erleichtern zu wollen. Laut einem Gesetzentwurf sollen Bürger künftig per Brief an Bürgerbegehren teilnehmen können. Bislang lehnen gerade kleinere Kommunen es aus Kostengründen ab, bei Bürgerbegehren den Postweg zuzulassen. Wegfallen soll zudem auch die Verpflichtung, dass die Initiatoren von Volksbegehren Vorschläge zur Gegenfinanzierung von basisdemokratischen Entscheidungen vorweisen müssen. 

Bereits im November hat Woidke die umstrittene Kreisgebietsreform gestoppt (die PAZ berichtete). Für die SPD-Linkspartei-Koalition war die Reform eigentlich das zentrale Vorhaben dieser Legislaturperiode. Auch in der Verkehrspolitik ist mittlerweile eine Wende absehbar: Bislang dominierte die Vorstellung, dass man die Entvölkerung Brandenburgs allenfalls abmildern könne. 

Seit Neuestem entwickelt das Land dagegen neue Wachstumsperspektiven zumindest für seine zentrale Region um Berlin. Im Herbst hatte sich Brandenburgs Landesregierung mit dem Berliner Senat für den Ausbau des historisch gewachsenen „Siedlungssterns“ ausgesprochen. Entlang der sternförmig von Berlin ausgehenden Verkehrsachsen soll in Brandenburg das Netz der Mittelzentren wieder dichter gestrickt werden. Ausgehend von diesen Zentren soll künftig auch die Entwicklung der ländlichen Räume wieder gestärkt werden. 

Offen bleibt, ob der Kurswechsel auf mehreren Politikfeldern die Stimmung im Land kurzfristig drehen kann. Die seit 1990 in Brandenburg regierende SPD musste bei den Bundestagswahlen im September eine herbe Niederlage einstecken. In der einstigen „Herzkammer“ der SPD in den neuen Bundesländern wurde die Partei mit 17,6 Prozent nach CDU und AfD nur noch drittstärkste Kraft. 

Regulär sind für den Herbst 2019 Landtagswahlen angesetzt, wenige Monate vorher können die Brandenburger bei Wahlen zum EU-Parlament und bei Kommunalwahlen abstimmen. Bislang hat das Einlenken der Landesregierung bei der umstrittenen Kreisreform nicht für eine grundlegende Trendwende sorgen können. Bei einer Umfrage für den „BrandenburgTrend“, die nach der Absage der Kreisreform durchgeführt wurde, schaffte es die SPD mit 23 Prozent der Wählerstimmen immer noch nur knapp auf den ersten Platz. 

Im Fall vorgezogener Landtagswahlen müssten sich die brandenburgischen SPD-Genossen ein enges Rennen mit der CDU (22 Prozent) und der AfD (20 Prozent) liefern. Zu denken geben muss den Sozialdemokraten, dass bislang zumindest in keinem „BrandenburgTrend“ ein tieferer Wert für die Regierungspartei ermittelt wurde. Mit dem anhaltenden Formtief wird auch die Neuauflage einer rot-roten Koalition immer unwahrscheinlicher.

Bereits seit Mai 2016 verfehlen SPD und Linkspartei in den Umfragen eine eigene Mehrheit. Der SPD droht damit, dass, ähnlich wie in anderen Bundesländern, zur Bildung einer stabilen Regierung künftig eine Drei-Parteien-Koalition nötig wird.   

Nach Aufruf Mord?
Vera Lengsfeld

Das Jahr 2017 ist vergangen. Die stille Zeit zwischen den Jahren hätte versöhnlich stimmen sollen. Aber die Ereignisse ließen das kaum zu. Kein Tag vergeht, an dem sich in unserer Hauptstadt nicht irgendetwas Verstörendes ereignet, auch in der einstmals so friedlichen Zeit von Weihnachten bis Neujahr. Leider ist Berlin damit nur ein Symbol für das, was sich mehr oder weniger in ganz Deutschland abspielt.

In der stillen Heiligen Nacht raste ein angeblicher Selbstmörder mit seinem Auto, in dem sich allerlei Brennbares befand, ins Willy-Brandt-Haus, die Parteizentrale der SPD. Vorher hatte er noch ein explosives Paket vor dem Konrad-Adenauer-Haus der CDU abgestellt. Warum ein Lebensmüder sich kurz vor seinem anvisierten Ende noch solchen Mühen unterzieht, bleibt vorläufig im Dunklen. 

Zurück zur Polizei. Von ihrer Unterwanderung durch arabische Clans ist an dieser  Stelle schon die Rede gewesen, auch von den Schwierigkeiten, die es an der Polizeiakademie gibt, seit vermehrt Polizeianwärter mit Immigrationshintergrund aufgenommen werden. Er wolle „keine weißen Sheriffs“, war die Reaktion des Berliner Integrations­beauftragten Andreas Germershausen. Die Polizei solle die ganze Bevölkerung widerspiegeln.

2016 hätten 32 Prozent derjenigen, die in der Polizeiakademie angefangen haben, einen Immigrationshintergrund gehabt. Das sei ein großartiger Erfolg und kein Manko, so der Beauftragte. Weil viele dieser Bewerber die Aufnahmekriterien nicht erfüllen, dachte die Politik laut über eine Senkung des Niveaus nach. 

Inzwischen hat die Berliner Polizei aber noch ein weiteres, sehr ernstes Problem. Linksextremisten haben Fotos von 54 Berliner Polizisten ins Netz gestellt und zur Gewalt gegen die Beamten aufgerufen. Im Jargon der linksextremistischen Hetzplattform „linksunten.indymedia“ heißt es: „Wir freuen uns über jedes zusammengebrochene Bullenschwein.“ Damit es möglichst viele „Bullenschweine“ trifft, wird zur Mitarbeit aufgerufen: „Wir freuen uns auf Hinweise, wo sie wohnen oder privat anzutreffen sind.“

Das schreckte selbst Berlins Innensenator Andreas Geisel auf (SPD), der die Hinweise auf die Zustände an der Polizeiakademie noch „rassistisch“ gefunden hatte. Er äußerte Entsetzen über diese „unerträgliche                            Denunziation“. Ob sich Geisel nun stark macht gegen die staatliche Finanzierung der „Antifa“, darf bezweifelt werden. Schließlich stammt der Mammutanteil des Geldes, mit dem die „Antifa“ gefüttert wird, aus dem SPD-geführten Bundesfamilien­ministerium.


Kein Personal: »Tickende Zeitbombe« freigelassen
»Parallelen zum Fall Amri« – mutmaßlicher radikal-islamischer Gefährder läuft jetzt in Berlin herum

Gegen drei radikal-islamische Iraker, die weiterhin als gefährlich eingeschätzt werden, ist in Berlin die Untersuchungshaft aufgehoben worden. Nach Informationen des „Tagesspiegel“ hat das Berliner Kammergericht bereits am 5. Dezember beschlossen, die Untersuchungshaft für die drei Männer wieder aufzuheben. 

Die Berliner Staatsanwaltschaft soll indes gegen die Iraker wegen bandenmäßigen Handels mit Rauschgift Anklage erhoben haben, jedoch nicht wegen Terrorverdachts. Wie weiter berichtet wird, sollen zwei der Iraker allerdings weiterhin in Haft sitzen. Gegen sie ermittelt die Bundesanwaltschaft in einem weiteren Verfahren wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und auf Kriegsverbrechen. Anders liegt der Fall bei dem Iraker, dessen Name mit „Younis El-H.“ angegeben wird. Er soll mit der Entscheidung des Kammergerichts auf freien Fuß gesetzt worden sein. 

Als Grund für die Entscheidung des Gerichts wird die lange Dauer der Untersuchungshaft angegeben, die nur in außergewöhnlichen Fällen länger als sechs Monate dauern darf. Der Prozess von Younis El-H. soll im Laufe des Januar 2018 am Landgericht Berlin beginnen, inhaftiert wurde der Iraker aber bereits im Mai 2017. 

In Sicherheitskreisen gilt die Haftentlassung des 2014 nach Deutschland gekommenen Irakers als fatale Entwicklung. Gegenüber dem Sender RBB sagte Benjamin Jendro, der Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei, zu dem Vorgang: „Er zeigt die Ohnmacht unseres Rechtsstaates in bestimmten Bereichen. Wir haben anscheinend nichts aus dem Fall Anis Amri gelernt. Wir können einen Gefährder, dem wir etwas vorwerfen, nicht einfach wieder aus der Haft entlassen.“ 

Tatsächlich soll El-H., ähnlich wie der Attentäter Anis Amri, auch schon in der Vergangenheit durch Eigentums- und Gewaltdelikte aufgefallen sein. Zudem schätzt das Landeskriminalamt Berlin den Mann als terroristischen Gefährder ein, der ebenfalls für den IS gekämpft haben soll. 

Mittlerweile hat die Freilassung von El-H. eine Ursachendiskussion in Gang gebracht. Der „Tagesspiegel“ zitiert eine Sprecherin der Berliner Strafgerichte, nach der die Aufhebung der Haftbefehle „letztlich auf der Belastung der Jugendkammer und damit auf der defizitären Ausstattung der Justiz mit personellen und sächlichen Mitteln“ beruhe. 

Der Sender RBB berichtet in diesem Zusammenhang, dass die Staatsanwaltschaft mehr als zwei Monate benötigt habe, um gegen El-H. Anklage zu erheben. Zudem habe es fünf Monate gedauert, das Mobiltelefon des Verdächtigen auszuwerten, die Jugendkammer habe zudem vier Monate benötigt, um den Prozess gegen El-H. anzusetzen. Jendro sieht in dem 20- oder 22-jährigen El-H. eine „tickende Zeitbombe auf der Straße“. Neben der Gefahr für die Bürger sei der Vorgang auch demotivierend für die Berliner Polizeibeamten, so der Gewerkschafter.   N.H.

S. 6 Ausland

Geschenk an die Evangelikalen
Mit seiner Jerusalem-Entscheidung bedient Trump seine eigentliche Wählerbasis
Bodo Bost

Die mehr als 50 Millionen evangelikalen Christen in den USA, die zu 80 Prozent Donald Trump gewählt haben,  repräsentieren die eigentliche Wählerbasis für die Republikaner und Trump selbst, nicht die US-Juden, die traditionell die Demokraten wählen.

Seit der Ankündigung von Donald Trump über Jerusalem hat die US-amerikanische religiöse Rechte etwas zu feiern. Der Präsident hat seinen evangelikalen Unterstützern erneut gezeigt, dass er tun wird, was er angekündigt hat. Die Evangelikalen sind ekstatisch, weil Israel für sie ein heiliger Ort und das jüdische Volk der beste Freund für sie ist. Mehrere Faktoren haben zwar zu Trumps Jerusalem-Entscheidung beigetragen, aber einer der entschei-dendsten bleibt der intensive Wahlkampf, der von seiner wichtigsten Wählerschaft, den Evangelikalen, geführt wurde. Die Frage von Jerusalem ist ihnen besonders wichtig, und es ist kein Zufall, dass der Jerusalem Embassy Act von 1995, das Gesetz, das die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv in die Heilige Stadt vorsieht, bereits auf ihre Initiative hin verabschiedet, aber von dem damaligen Präsidenten Bill Clinton nicht umgesetzt wurde.

Die weißen ultrakonservativen Evangelikalen machen etwa ein Fünftel der US-Bevölkerung aus. Rund 80 Prozent von ihnen, so viel wie keine andere gesellschaftliche Gruppe, haben bei der Wahl für Trump gestimmt. Die Mehrheit der jüdischen US-Amerikaner stimmte dagegen für seine demokratische Gegnerin Hillary Clinton. Dabei ist Trump in Bezug auf christliche Werte nicht gerade ein idealer Kandidat: Er ist mehrere Male geschieden, hat sein Vermögen unter anderem mit Casinos aufgebaut und hat oft abfällige Bemerkungen über Frauen gemacht. Aber Hillary Clinton und ihre liberalen Ideen – wie ihre Unterstützung für Homo-Ehe und Abtreibung – stellten eine viel gefährlichere Bedrohung für dieses Segment der US-amerikanischen Gesellschaft dar.

Seit dem Amtsantritt des Milliardärs Trump vor einem Jahr haben seine evangelikalen Berater und verschiedene Gruppen wie beispielsweise „Christen an der Seite Israels“, die „Nationale Christliche Führerkonferenz für Israel“ oder der „Christliche Zionistische Kongress“ ihre Forderungen nach Anerkennung Jerusalems als „unteilbarer Hauptstadt“ Israels und der Verlegung der US-Botschaft dorthin verstärkt. Die Fernsehpredigerin Paula White ist die Vorsitzende von Trumps „Evangelikalem Beraterrat“. Ihre tägliche Präsenz in den Korridoren des Weißen Hauses ist allgemein bekannt. Kein Wunder, denn die Einmischung der Evangelikalen in die US-amerikanische Politik kann bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Gerade in den 1970er und 80er Jahren stieg die Rolle der Evangelikalen konsequent, dank Predigern wie Billy Graham oder Jerry Falwell, evangelikalen Führern, die es schafften, die Massen zu begeistern. Die 1976 von Reverend Jerry Falwell veranstaltete Tour „I Love America“ sollte das soziale, aber auch das politische und patriotische Gewissen der US-Bürger wecken.

Diese Bemühungen trugen Früchte, denn Ronald Reagan, der offen von Falwell unterstützt worden war, wurde 1980 ebenso überraschend wie Trump zum Präsidenten gewählt. Reagan siegte gegen den Evangelikalen Billy Carter von den Demokraten, der allerdings der Minderheit von „Red-Letter Christians“ (Linksevangelikalen) angehört.

Evangelikale machen eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus zur Grundlage ihres überkonfessionellen Christentums. Zentral ist für sie die Berufung auf die als irrtumsfrei angesehene Autorität der Bibel. Die Verbundenheit der Evangelikalen mit der Jerusalem-Frage ist in erster Linie auf ihre Interpretation der Bibel und ihrer Prophezeiungen zurück­zuführen. Für sie ist die Heilige Stadt Jerusalem die spirituelle Hauptstadt und das Heilige Land ein zusätzlicher Beweis dafür, dass der Gott der Bibel existiert. Für viele konservative Christen und besonders jene des „Bibelgürtels“ ist die Wiederkunft Christi auf der Erde, die unmittelbar bevorstehe, die Anerkennung eines jüdischen Staates: In Israel muss diese Wiederkunft des Messias am Ende eines letzten Kampfes zwischen den Kräften des Guten und des Bösen am Fuße des Armageddon-Hügels stattfinden. Nach dem Erfolg in den USA erleben Evangelikale auch in Brasilien und in Nigeria einen großen politischen Aufwind.

Umgeben von vielen evangelikalen Christen, wie seinem Vizepräsidenten Mike Pence, seinem ehemaligen Berater Steve Bannon, dem selbsternannten Zionisten Tom Cotton, Senator von Arkansas, versucht Trump, seine evangelikale Wählerbasis zu halten. Bereits im Mai vergangenen Jahres hatten rund 60 namhafte Evangelikale ihn in einem offenen Brief zu „zügigem Handeln“ zur Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels aufgefordert. Laut jüngsten Umfragen, unter anderem des Pew Research Center, war die Unterstützung der Evangelikalen von 80 Prozent im Jahr 2016 auf nur noch 61 Prozent herabgesunken. Deshalb konnte Trump, der weiter an Popularität verloren hatte, die Entscheidung für Jerusalem nicht länger aufschieben.

Polens Wähler im Auge
Warum Tusk im Asylsucherverteilungs-Streit die Seiten wechselte

Der letzte EU-Gipfel des vergangenen Jahres brachte in Brüssel neuen Streit um die Asylpolitik. Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere Regierungschefs kritisierten den Leiter des Treffens, den Polen Donald Tusk, zum Teil heftig. Der Präsident des Europäischen Rates hatte für die Beratungen des Gipfels ein Papier zur Asylpolitik vorgelegt. Darin bezeichnete er verbindliche Quoten zur Verteilung von Asylsuchern als unwirksames und die EU spaltendes Mittel. Damit stellte sich Tusk erstmals offen auf die Seite seiner polnischen Landsleute und ihrer PiS-Regierung, die sich gegen verbindliche Asylsucheraufnahmequoten wehren. Die Mehrheit der EU-Staaten wirft Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei, den sogenannten Visegrád-Staaten, vor, mit ihrer Verweigerung unsolidarisch gegenüber den übrigen Staaten zu sein. Die EU-Kommission hat vor Kurzem Ungarn, Polen und die Tschechische Republik verklagt, weil sie verbindliche Quoten nicht umgesetzt haben. Bei der Reform des Dublin-Systems geht es im Kern um die Frage, ob verbindliche Aufnahmequoten dauerhaft eingeführt werden. 

Bereits im Vorfeld hatte der EU- Kommissar für Migration, Inneres und Bürgerschaft, der Grieche Dimitris Avramopoulos, Tusks Papier als „inakzeptabel“ bezeichnet. Die Regierungschefs von Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei erklärten vor dem Gipfel, dass sie bereit seien, für Maßnahmen der EU zum Schutz der Außengrenzen über 30 Millionen Euro vor allem in Libyen auszugeben.

Tusk hat mit seinen Bemerkungen zur Asylsucherverteilungspolitik der EU nicht zuletzt auf sein polnisches Heimatpublikum gezielt. Der aus Danzig stammende Kaschube wähnt, dass er in Polen noch eine politische Zukunft haben könnte. Manche trauen ihm zu, bei der 2020 anstehenden polnischen Präsidentschaftswahl anzutreten. Da kann es sich noch einmal als nützlich erweisen, schon jetzt in Brüssel zu bekräftigen, wovon eine große Mehrheit der Polen überzeugt ist: Der Verteilungsschlüssel für Asylsucher sei eine Schnapsidee der Eurokraten, die an der Wirklichkeit scheitern werde.

Dieselbe Angela Merkel, die, ohne ihre europäischen Partner zu konsultieren, die Asylsucherschleusen geöffnet hat, verlangt jetzt am lautesteten die Solidarität der vorher übergangenen Partner. Tusk hat nur eine traurige Wahrheit ausgesprochen, als er den 2015 auf Druck von Merkel ausgedachten Verteilungsschlüssel als „ineffektiv“ und „höchst spaltend“ bezeichnete. Gegen eine gleichmäßige Verteilung der von Merkel eingeladenen Immigranten sind keineswegs nur die Visegrádstaaten, die sich vor allem gegen die Aufnahme von Muslimen wehren. Auch EU-Gründerstaaten wie Frankreich beschwören zwar in blumigen Sonntagsreden gerne europäische Ideale, in der Praxis tun sie jedoch sehr wenig, um Nachbarn in der Asylsucherfrage zu entlasten. 

Das Problem bei der Verteilung der Asylsucher wird jedoch weniger die geringe Aufnahmebereitschaft jener Staaten sein, welche diese nicht eingeladen haben, als vielmehr die geringe Bereitschaft der Asylsucher, sich von der EU-Bürokratie verteilen zu lassen. Es wird sie immer in jene Länder ziehen, wo sie die höchsten Sozialleistungen erhalten. Bevor diese nicht EU-weit vereinheitlicht sind, werden auch die ärgsten Maßnahmen gegen aufnahmeunwillige EU-Mitglieder nicht zum Ziel führen.B.B. 

Streit um Nationalhelden
Litauens Regierung plant Vanagas-Gedenkjahr
B.B./PAZ

Am 18. März wäre der 1957 vom KGB hingerichtete litauische Partisanenführer gegen die Sowjetunion Adolfas Ramanauskas, Codename „Vanagas“ (Falke), 100 Jahre alt geworden. In Litauen gibt es deshalb Pläne, 2018 zum Vanagas-Gedenkjahr auszurufen. Die litauische Journalistin und Schriftstellerin Ruta Vanagaite, die mit ihrem Buch „Die Unsrigen“ eine teils sehr persönliche Aufarbeitung der litauischen Rolle beim Holocaust vorgelegt hat, reagierte hierauf mit dem Vorwurf, Ramanauskas habe für den KGB gearbeitet und könnte womöglich Menschen verraten haben, die ihn versteckt hatten. Seine Folterspuren nach der Verhaftung, abgerissene Hoden und durchstochene Augen, könnte er sich selber beigebracht haben, behauptet sie allen Ernstes. Belege konnte die Lebenspartnerin des israelischen Direktors des Standorts Jerusalem des Simon Wiesenthal Centers, Efraim Zuroff, jedoch keine beibringen.

Ein Aufschrei ging nach einem im litauischen Staatsfernsehn ausgestrahlten Interview mit Vanagaite durchs Land. Nestbeschmutzung, Verrat und sich zum Werkzeug russischer Propaganda zu machen, wurden ihr vorgeworfen. Der Hausverlag von Vanagaite zog alle ihre Bücher, auch die mit unpolitischem Inhalt, aus dem Verkehr. Vytautas Landsbergis, der Anführer der zweiten litauischen Unabhängigkeitsbewegung und das erste Staatsoberhaupt Litauens nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit, schlug Vanagaite vor, sich selbst zu richten.

Die heftige Reaktion auf Vanagaites Vorwürfe ist umso verständlicher, als das geplante Vanagas-Gedenkjahr nicht die erste posthume Ehrung durch die Republik Litauen wäre. 1998 wurde ihm analog zu Žemaitis-Vytautas der Grad eines Brigadegenerals verliehen und sowohl eine Mittelschule- als auch ein Gymnasium in Alytus tragen seinen Namen.





Adolfas Ramanauskas

Adolfas Ramanauskas’ Eltern klehrten, nachdem ihr Heimatland 1918 unabhängig geworden war, 1921 aus den USA nach Litauen zurück. Für ihren Sohn war es nur bedingt eine Heimkehr, da er erst nach ihrer Ausreise in die Vereinigten Staaten in New Britain im Bundesstaat Connecticut zur Welt gekommen ist. 

In Litauen studierte Ramanauskas nach dem Abitur am Motiejus-Gustaitis-Gymnasium in Lazdijai am Pädagogischen Institut in Memel. Nach dem Wehrdienst und dem Besuch der  Kriegsschule Kaunas arbeitete er von 1940 bis 1945 als Dozent am Lehrerseminar Alytus.

Nach der zweiten sowjetischen Okkupation wurde er 1945 Partisan. Ab Herbst 1948 leitete er alle Partisaneneinheiten in Südlitauen. Ab 1949 war er Stellvertreter von Jonas Žemaitis-Vytautas, des aus Polangen stammenden legendären Oberbefehlshabers der Streitkräfte des litauischen Widerstandes im Range eines Brigadegenerals. Nach der Hinrichtung von Žemaitis-Vytautas 1954 im Mos­kauer Butyrka-Gefängnis wurde Oberst Rama-nauskas dessen Nachfolger. 

Als der Partisanenkrieg nach der Niederschlagung des Ungarnaufstands 1956 im Baltikum endete, wurde er mit seiner Frau in Kaunas verhaftet und saß im KGB-Gefängnis in Litauen. 1957 verurteilte ihn das sowjetische Aukšciausiasis Teismas (oberster Gerichtshof) zum Tode.B.B./PAZ


MELDUNGEN

China schützt Dschinghis Khan

Peking – Ein Gericht in der Inneren Mongolei hat einen Chinesen zu einem Jahr Haft verurteilt, weil er auf einem Porträt Dschinghis Khans herumgetrampelt, sich dabei gefilmt und das erzeugte Video anschließend ins Internet gestellt hatte. Die Tat führte zu erheblicher Verärgerung unter den ethnischen Mongolen Chinas, für die der berühmte Herrscher eine Art Nationalheiliger ist. Das Gericht in Ordos befand den 19-Jährigen nun der Aufstachelung zu ethnischem Hass für schuldig. Bei der Bemessung der Strafe berücksichtigte es, dass der Angeklagte zur Tatzeit betrunken war und die Videoeinstellungen bereits nach zwei Stunden selbst löschte.T.W.W.





Navy vom Meer verschwunden

London – Einst regierte Britannien die Weltmeere, heute steht die Royal Navy sogar schlechter da als die ebenfalls von Ausrüstungsmängeln und Ausfällen gezeichnete deutsche Marine. Nach einem Bericht der in London erscheinenden Tageszeitung „Times“ können die in den vergangenen Jahren ohnehin stark abgeschmolzenen britischen Seestreitkräfte erstmals in ihrer Geschichte keine größere Überwassereinheit in den Einsatz schicken. Beispielsweise ist derzeit keine einzige ihrer zwölf Fregatten und kein einziger ihrer sechs Zerstörer auslaufbereit. Grund seien technische Probleme, Wartungsstau und Personalmangel. Die „Times“ zitiert einen hohen Marineoffizier mit der Aussage, dieser Zustand sei strategisch beschämend für die Verteidigung und die Nation. Die Überwasserflotte bestehe nur noch aus 70 Einheiten. Neben den erwähnten Fregatten und Zerstörern seien dies ein Flugzeug- und ein Hubschrauberträger, zwei Landungsschiffe, Minenboote sowie Klein- und Hilfsfahrzeuge.J.H.

S. 7 Wirtschaft

Wenn für Fortschritt keine Zeit bleibt
Der Boom der deutschen Wirtschaft nimmt kein Ende – Experten warnen jedoch vor Nebenwirkungen
Hans Heckel

Die deutsche Wirtschaft brummt und brummt seit mehr als acht Jahren. Der Dauerboom könnte langfristig jedoch zum Bumerang geraten.

„Hervorragend“ – mit diesem glänzenden Prädikat beschreibt die Bundesbank die Ertragslage der deutschen Wirtschaft. Der Aufschwung habe sich auch 2017 fortgesetzt, nachdem die Unternehmen schon 2016 die höchste Umsatzrendite seit der Krise von 2009 erreicht hatten.

Beeindruckend erscheint vor allem die Dauer des Aufschwungs, der nun schon ins neunte Jahr geht. Ausgerechnet hierin aber wittern kritische Experten nicht zu unterschätzende Gefahren.

Hintergrund der Skepsis: Für gewöhnlich dauert ein Konjunkturkreislauf vier bis fünf Jahre. Er besteht aus Rezession (Krise), Aufschwung, Boom, Abschwung und wieder Rezession. Was wie eine ungesunde Fieberkurve aussieht und von Anhängern sozialistischer Wirtschaftsmodelle denn auch gern als Zeichen für die Krisenanfälligkeit des Kapitalismus gegeißelt wird, macht in Wahrheit gerade die Stärke der Marktwirtschaft aus.

Denn Krisen sind nicht einfach Störfälle in der wirtschaftlichen Entwicklung. Sie wirken vielmehr wie eine Entschlackungskur, die eine Wirtschaft fit macht und langfristig konkurrenzfähig hält.

In den Rezessionen gehen unrentable Unternehmen unter, verschwinden Marken und Produkte vom Markt, die sich überlebt haben. Das macht Raum frei für die zukunftsfähigen Betriebe, welche die frei gewordenen Marktanteile übernehmen können, und für neue Firmen. Die Kredite und Ressourcen, die vorher von unrentablen Unternehmen absorbiert worden waren, stehen nun den Aufsteigern zur Verfügung.

Bei einem acht- oder mehrjährigen Daueraufschwung ist eine solche Reinigungs- und Erneue­rungsphase mehr als überfällig. Dass sie immer noch nicht eingetreten ist, hat benennbare Gründe. Da sind zum einen die rekordniedrigen Zinsen. Sie ermöglichen es Betrieben, die sich zu Zinssätzen auf Normalmaß schon längst nicht mehr finanzieren könnten, am Markt zu bleiben, weil ihre Kreditkosten historisch einmalig gering sind. 

Speziell für Deutschland verzerrt zudem der Euro die Konjunkturentwicklung. Er stellt das Mittelmaß zwischen den starken und schwachen einstigen Nationalwährungen dar. Früher spiegelte sich die Stärke der deutschen Wirtschaft in der Härte der Deutschen Mark wider. Heute operiert die deutsche Wirtschaft mit einer Währung, die viel zu weich ist angesichts der Potenz der deutschen Unternehmen.

Das bringt zunächst einmal große Vorteile, wie sich am Export ablesen lässt. Zu D-Mark-Zeiten lag der Exportanteil der deutschen Wirtschaft bei rund einem Drittel, unter dem Euro ist er auf etwa die Hälfte emporgeschnellt. 

Damit jedoch erhöht sich nicht allein die Abhängigkeit von ausländischen Märkten. Es sinken auch Drang und Notwendigkeit, die eigene Konkurrenzfähigkeit durch technische Innovationen oder neue Marktstrategien zu verbessern. Als Deutschland wegen der starken D-Mark kaum mit günstigen Preisen konkurrieren konnte, musste es dies durch qualitativen Vorsprung wettmachen. Ökonomen sprachen von der Mark als „Innovations-Peitsche“. Diese Peitsche ist weg, weil es heute leichter fällt, auch mit weniger Anstrengung den Weltmarkt zu erreichen.

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), von der die „Welt“ kürzlich exklusiv berichtete, hat etwas geradezu Groteskes zutage gefördert. Danach sieht die große Mehrheit der Betriebe sehr wohl die Chancen der Digitalisierung als Sprung auf eine neue Ebene der Technik. Die Unternehmen sind aber dermaßen mit dem Abarbeiten ihrer prall gefüllten Auftragsbücher beschäftigt, dass ihnen die Kapazitäten für techni­sche Innovationen fehlen – der technische Fortschritt lahmt, weil die Geschäftslage so gut ist, dass man sich kaum mit etwas anderem als Produktion und Verkauf befassen kann. 

Rekordniedrige Zinsen und Daueraufschwung wirken letztlich auf die deutsche Wirtschaft wie Doping auf einen Sportler: Er bringt aktuell maximale Leistung, wodurch seine Gesundheit langfristig aber untergraben wird. Die für Deutschland zu weiche Währung ermöglicht es, den Konkurrenzdruck auf dem Weltmarkt einfacher zu meistern, als dies unter einer härteren Valuta wie der D-Mark möglich wäre – so als müsste der Sportler Gewichte heben, die nur halb so viel wiegen, wie draufsteht.

In den früheren Weichwährungsländern der Euro-Zone verhalten sich die Dinge, zumindest was die Währung angeht, naturgemäß spiegelverkehrt. Sie ächzen unter mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und flüchten sich daher in die Verschuldung, die ihnen durch die Nullzinspolitik der von den Südländern beherrschten Europäischen Zentralbank billig gemacht wird. 

In Deutschland wie im Süden der Euro-Zone wachsen daher die Verzerrungen. Austritte aus dem Euro (über Italien als Ausstiegskandidaten wird bereits gemunkelt), das Scheitern der Einheitswährung insgesamt oder eine nicht mehr zu verhindernde Wende zurück zu „normalen“ Zinssätzen dürften unweigerlich zu massiven Anpassungen führen. Wie die aussehen und wie scharf sie ausfallen werden, darüber streiten die Experten, denn es gibt für die heutige Ausgangslage keinerlei geschichtliches Vorbild.

»Spielraum für Reformen«
Haushaltsüberschuss: Wirtschaftsweise fordern Steuerentlastungen
Peter Entinger

Die wirtschaftlichen Kennzahlen sind hervorragend. Die Arbeitslosenquote ist gering, viele Menschen zahlen Steuern, noch dazu sind die Zinsen niedrig. Kein Wunder, dass der Staat seit einigen Jahren einen Haushaltsüberschuss erwirtschaftet. Nun stellt sich mehr und mehr die Frage, was mit den zusätzlichen Einnahmen passieren soll. „Es ist nicht Aufgabe der Finanzpolitik, dauerhaft strukturelle Überschüsse zu erzielen“, sagt Oliver Holtemöller, Vizepräsident des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. 

Laut einer Untersuchung des Instituts liegt der aktuelle finanzpolitische Spielraum des Staates bei rund 30 Milliarden Euro jährlich. Diese Summe ergibt sich, wenn man den Überschuss von aktuell 45 Milliarden Euro um Sondereffekte wie die geringe Schuldenlast infolge der Niedrigzinspolitik der EZB bereinigt. Bleibt es bei der guten konjunkturellen Entwick­lung, dürfte der Handlungsspielraum sogar steigen.

„Die gute konjunkturelle Lage bietet beste Chancen für eine Neujustierung der Wirtschaftspolitik, um Deutschland auf zukünftige Herausforderungen vorzubereiten“, sagt Christoph Schmidt, der Vorsitzende des Expertengremiums Wirtschaftsweisen. Die Wirtschaftsweisen rechnen für dieses Jahr beim Bruttoinlandsprodukt mit einem Plus von zwei Prozent, für 2018 mit 2,2 Prozent. „Der Haushaltsüberschuss eröffnet Spielräume für wachstumsfreundliche Reformen“, betonen die Ökonomen. So gehöre der Solidaritätszuschlag schrittweise abgeschafft. Zudem solle der Staat den Bürgern auch die Mehreinnahmen zurückgeben, die regelmäßig allein durch die sogenannte kalte Progression, die inflationsbedingte heimliche Steuererhöhung, entstehen.

Die Forscher des Leibnitz-Instituts sehen allerdings auch Risiken, die es zu beachten gelte. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich derzeit tendenziell in einer Phase der Überauslastung“, sagt Holtemöller. Bei einer zu expansiven Finanzpolitik drohe die Konjunktur zu überhitzen. Auch Steuersenkungen hätten einen prozyklischen Effekt, würden die bisherigen Effekte somit noch verstärken.

Der bis vor wenigen Wochen amtierende Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich bereits in den vergangenen Monaten gegen Steuersenkungen ausgesprochen. Es sei weder die Zeit für eine Steuerdebatte noch für neue Begehrlichkeiten an anderer Stelle. Die Tilgung von Altschulden sei die sinnvollste Maßnahme und ein Signal an die internationalen Partner. Beim Schuldenabbau geht es um die Altlasten des in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 aufgelegten Investitions- und Tilgungsfonds (ITF). IHW-Experte Holtemöller empfiehlt zusätzlich niedrigere Staatseinnahmen. Die Regierung könnte demnach den Grund- und Kinderfreibetrag erhöhen, den Solidaritätszuschlags von 2020 an abbauen und den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung senken. Aus Kreisen der Unions-Fraktion im Bundestag gab es zudem die Forderung nach Auflegung eines Investitionsprogramms zur Sanierung maroder Brücken und Autobahnen durch den Bund.

Die Wirtschaftsweisen warnen allerdings davor, unnötige Risiken einzugehen. Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte müsse weiterhin höchste Priorität haben. Grund dafür seien „finanzpolitische Risiken, etwa aufgrund der demografischen Entwicklung“. Selbst zusätzliche öffentliche Investitionen sollten nicht mit neuen Schulden finanziert werden.

MELDUNGEN

Eisenbahnmarkt legt weiter zu

Berlin – Der Umsatz im Eisenbahnmarkt ist 2015 auf die neue Höchstmarke von 19,2 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus dem Tätigkeitsbericht der Bundesnetzagentur – Eisenbahnen 2016 hervor. Den stärksten Umsatzanstieg – von fünf auf 5,2 Milliarden Euro – hat er­neut der Schienengüterverkehr zu verzeichnen. Leicht gestiegen – von zehn auf 10,1 Milliarden Euro – ist der Umsatz im Personennahverkehr. Im Personenfernverkehr hat es hingegen einen Umsatzrückgang von vier auf 3,9 Milliarden Euro gegeben. Vom Gesamtumsatz im Eisenbahnmarkt entfielen knapp 80 Prozent auf die Deutsche Bahn.J.H.





Tradition für den Weltmarkt

Hohhot – In der Hauptstadt der zu China gehörenden Inneren Mongolei haben rund 150 Aussteller aus China, der Mongolei und Russland, wo die Hauptgruppen der Mongolen leben, Kleider, die sich an traditionellen Trachten der mongolischen Völker orientieren, gezeigt. Während der fünftägigen Modemesse „Mongolische Mode heute“ fanden neben einer Fülle von Wettbewerben diverse Fachgespräche statt, in denen künftige Trends und Möglichkeiten zur weltweiten Vermarktung mongolischer Modeerzeugnisse erörtert wurden.T.W.W.

S. 8 Forum

Seitenwechsel
Thomas W. Wyrwoll

Auch in der UNO zeichnet sich eine Normalisierung bei der Behandlung der Krim-Frage ab. Als die Ukraine jetzt erneut eine Resolution vorlegte, die Russland wegen angeblicher Verletzungen der Menschenrechte auf der Krim anklagte, fiel die Zustimmung deutlich knapper aus als bei einem fast gleichen Text kurz nach dem Anschluss der Halbinsel an ihr altes Mutterland 2014. Hatten damals 100 Staaten für und nur elf gegen die Resolution gestimmt, waren es diesmal 73 Pro- und 23 Contra-Stimmen. Satte 76 Länder enthielten sich ihrer Stimme, 21 blieben der Abstimmung fern. Auch die BRICS-Staaten, die sich 2014 mit Ausnahme Russlands ebenfalls enthielten, besannen sich bis auf das weiterhin neutrale Brasilien eines Besseren und stimmten gegen Kiew. Der US-Vorgabe einer nominalen Ukraine-Unterstützung folgten hingegen weiterhin alle EU- und EFTA-Länder, der gesamte angelsächsische Staatenblock und dessen quasi-koloniale Anhängsel in Karibik und Südsee sowie Israel, das sich 2014 neutral verhalten hatte. Die neuerlichen wechselseitigen Bekundungen „antifaschistischer Solidarität“ zwischen Jerusalem und Moskau erweisen sich auch in diesem Licht als alberne Rhetorik.

Handlungsbedarf
Manuel Ruoff

Da machen sich die Versorgungssucher aus dem Herzen Afrikas auf den Weg nach Deutschland, um in Komplizenschaft mit der dortigen politischen Führung die dortige Bevölkerung zu zwingen, für ihren Unterhalt aufzukommen. Und dann werden sie auf dem Weg dorthin in Nordafrika abgefangen und stattdessen ihrerseits gezwungen, für den Lebensunterhalt von Sklavenhändlern und Sklavenhaltern aufzukommen. 

Das war ja nun nicht der Sinn der Migration und geht zumindest in den Augen der Bundesregierung gar nicht. Sie hat ja nun extra die Deutsche Marine ins Mittelmeer geschickt, um die Versorgungssucher vor der afrikanischen Küste abzuholen, auf dass sich nur keiner von dem Nass zwischen Afrika und Europa abschrecken lässt; und nun müssen die Versorgungssucher fürchten, schon vor Erreichen der Küste abgefangen zu werden. 

Wenn sich das in den Heimatländern der Versorgungssucher herumspricht, bleibt der eine oder andere Verwandte oder Nachbar gar zu Hause. Wie soll denn da die Umvolkung in Deutschland vorankommen? Schließlich will die politische Klasse endlich antideutsche Politik machen können, ohne sie aus Rücksicht auf eine deutsche Bevölkerungsmehrheit verbrämen zu müssen. Man könnte nun zwar warten, bis die Fruchtbarkeit jener Ausländer, die bereits in Deutschland versorgt werden, für ein Umkippen der Mehrheitsverhältnisse sorgt, doch scheint Eile geboten zu sein. Der deutsche Michel muss in seinem Land die Mehrheit verlieren, bevor er erwacht, sonst könnte er sich womöglich noch erfolgreich wehren.(siehe auch Seite 4)

Quo vadis, Korea?
Friedrich-Wilhelm Schlomann

Präventivschlag gegen Nordkorea. Ein Wort, welches man neuerdings häufiger in Washington vernimmt, und es scheint nicht mehr eine bloße propagandistische Drohung zu sein, sondern ein von führenden Militär- und Geheimdienstkreisen ernsthaft verfolgter Gedanke. 

Unbestritten ist, dass selbst alle Bemühungen seitens der UNO keinerlei Erfolge gebracht haben und China seine für Pjöngjang so entscheidend wichtigen Öl-Lieferungen nicht völlig einstellen will. Andererseits können Nordkoreas Raketen jetzt wahrscheinlich sogar New York erreichen, und morgen dürfte das Land wahrscheinlich über Nuklear-Raketen verfügen. Mit dieser Möglichkeit, so glauben die USA, wolle die sogenannte Demokratische Volksrepublik Korea die Vereinigten  Staaten erpressen, einen Friedensvertrag abzuschließen inklusive eines Abzugs der US-Streitkräfte aus Südkorea. Eine Wiedervereinigung der Halbinsel zu einem kommunistischen Staat wäre zweifellos nächstes Ziel Kim Jong-uns, was – wie schon 1950 – allerdings zu einem blutigen Bruderkrieg führen würde.

Es ist kein Zufall, dass das National Reconnaissance Office (NRO), der für Satelliten-Beobachtungen zuständige US-Nachrichtendienst, nunmehr erstmals seine genauen Informationen über den Abschuss der nordkoreanischen Rakete „Hwasong15“ am 29. November veröffentlicht hat. Danach haben die USA deren Startvorbereitungen mindestens 72 Stunden im Voraus entdeckt und zwei Stunden vor dem Abschuss ebenso dessen letzte Vorbereitungen festgestellt. Dass Nordkorea in jeder Weise und mit sämtlichen technischen Mitteln Tag und Nacht beobachtet wird, ist seit Längerem ein offenes Geheimnis. Die jetzt publizierten Erkenntnisse bedeuten indes, dass das NRO heutzutage durchaus in der Lage ist, eine solche Rakete schon vor ihrem Start in Nordkorea selber zu zerstören.

Diese Tatsachen wurden auf Umwegen mit voller Absicht Pjöngjang zugespielt. Dass Kim Jong-un angesichts dieser Situation sein Verhalten überdenken wird, kann man nur erhoffen.

Doch auch ein Präventivschlag Washingtons birgt ein hohes Risiko: Gelänge es gleichzeitig nicht, die rund 12000 nordkoreanischen Artilleriegeschütze unmittelbar am 38. Breitengrad zu eliminieren, könnten diese innerhalb von nur wenigen Stunden die südkoreanische Hauptstadt Seoul mit ihren heute rund 20 Millionen Einwohnern zerstören – sie liegt lediglich 39 Kilometer von der innerkoreanischen Grenze entfernt.

Quo vadis, Korea?

Gegenwind
Wohlstandsexport statt Menschenimport?
Florian Stumfall

Man glaubt nicht richtig zu hören. Das Problem des vielhunderttausendfachen illegalen Grenzübertritts und Aufenthalts in Deutschlands wird von offizieller Seite damit erklärt, dass die Immigranten aus Asien und Afrika zu Hause unzureichende Verhältnisse vorfänden, was sie dazu bewegte, nach Europa und dort, auf Angela Merkels Einladung, bevorzugt nach Deutschland aufzubrechen. Das kommt dem Eingeständnis gleich, dass wir es, zumindest überwiegend, mit Wirtschaftsflüchtlingen zu tun haben, denen ein Aufenthalt in Deutschland durchwegs versagt werden muss.

Schon hier ist festzustellen, dass die Politiker nicht zu wissen scheinen, was und wovon sie reden. Richtig ist, dass es in den Ländern der Dritten Welt vielfach offene Not und Armut gibt, in Europa hingegen nur versteckt und in weit geringerem Ausmaß. Nähme man aber dieses Gefälle als Rechtfertigung für ungezügelte Wanderungsbewegungen, so fänden diese erst ein Ende, wenn es hier in Deutschland so aussähe wie in der Dritten Welt. 

Denn so, wie das Wasser immer nach unten fließt, weckt der Wohlstand immer Begehrlichkeit. Daraus resultierende Bewegungen gibt es nicht nur im globalen Maßstab, sondern auch innerhalb einzelner Länder und Regionen. Die Zuwanderung in Ballungszentren und die teilweise Entleerung peripherer Räume, die wir im eigenen Land feststellen müssen, sind ein beredtes Beispiel hierfür.

Daher steht fest: Aus der Tatsache, dass zwischen verschiedenen Ländern und Erdteilen ein Wohlstandsgefälle besteht, sind keine Rechte abzuleiten. Doch jenes „Bekämpfen der Ursachen“ setzt an einem anderen Punkt an. Man will das Gefälle mindern und keine Menschen importieren, sondern Wohlstand exportieren.

Wie groß, wie edel der Gedanke! Und wie weltfern! Die Idee, den armen Ländern weiterzuhelfen, ist schließlich nicht neu. Seit Jahrzehnten zahlen Deutschland und selbstverständlich in unterschiedlichem Umfang auch andere europäischen Länder Unsummen an Entwicklungshilfe. Hätte diese jemals auch nur in Teilen den Erfolg gebracht, den man sich immer noch davon verspricht, so gäbe es heute keine „Fluchtursachen“ und demgemäß bräuchte man diese auch nicht zu „bekämpfen“. Wieder stellt sich die Frage, ob die Politiker wissen, wovon sie reden.

So reicht das Wohlstandsgefälle nicht als Erklärung für die Immigrationsbewegung. Dieses gibt es nämlich schon länger, aber dafür, dass es solche Folgen hat entwickeln können wie seit 2015, waren zwei Voraussetzungen notwendig. Da ist zum einen die Einladung der Bundeskanzlerin Merkel an alle Welt. Einmal ausgesprochen, wirkt sie weiter dadurch, dass allen, die nach Deutschland kommen, ob rechtens oder nicht, das Leben in einer Ausstattung garantiert wird, von der die meisten in ihren Heimatländern nur träumen können. 

Eine einfache Überlegung zeigt die Wirksamkeit solch gastlichen Verhaltens: Wer meinetwegen im subsaharanischen Afrika lebt, sagen wir, auf dem Land, mit dürftiger Wasserversorgung, vielleicht ohne Strom und weiterer Infrastruktur, bescheiden, aber auskömmlich, und dann erzählt bekommt, er müsse in Deutschland lediglich erscheinen, um kostenlos und ohne zu arbeiten an die Güter dieser Welt zu gelangen, die ihm zu Hause unerreichbar vorkommen müssen, macht sich auf und sucht Schlaraffia. Wenn er dann in Deutschland auch noch so viel Geld erübrigen kann, dass er etwas nach Hause schickt, verfestigt er dort die Mär vom Zauberland und lässt wei -tere Wünsche und Entschlüsse zur Wanderung reifen – man wollte sagen: im Schneeballsystem, wenn es sich nicht um Afrika handelte.

Inzwischen hat die Entsendung von jungen, männlichen Sippenangehörigen aus Schwarzafrika nach Europa eine soziologische Bedeutung erhalten. Familienoberhäupter rühmen sich, wenn sie einen oder besser, zwei, drei Söhne in Deutschland haben, und es steigt ihr Sozialprestige ganz enorm. Dass diese jungen Männer daheim nichts für einen wünschenswerten Aufbau leisten, wird vergessen, dort wie hier. Denn das Geld, das sie allenfalls schicken mögen, ersetzt niemals die Eigenleistung in der Heimat. Das ist ja eine der grundlegenden Erfahrungen des Scheiterns herkömmlicher Entwicklungspolitik, dass geschenktes Geld, das ausschließlich in den Konsum fließt, zulasten einer bestandserhaltenden Eigenleistung geht.

Neben der Einladung gibt es ein zweites Moment, das aus dem Nord-Süd-Gefälle eine Wanderungsbewegung macht. Das ist die Frage nach der Finanzierung der Reise ins gelobte Land. Angeblich kommen ja die Ärmsten der Armen zu uns, aber wer das glaubt, ist blind. Wer in Afrika arm ist, kann gar nicht daran denken, eine Reise anzutreten. Dazu ist es notwendig, dass ein Clan, der über Geld verfügt, einen Sendling finanziell ausstattet. 

In diesem Zusammenhang hört man immer wieder von den Hunderten von Millionen, wenn nicht gar Milliarden von Geldbeträgen, welche die kriminellen Schlepperbanden von den Immigranten einnehmen. Eines aber ist klar: Von den Armen presst man keine Milliarden, dahinter muss etwas anderes stecken.

Tatsächlich gibt es alte Projektionen, so von Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi oder heute von Thomas Barnett, wonach es wünschenswert wäre, die europäische mit der afrikanischen Bevölkerung zu vermischen. Es sind unter anderen Bemühungen dieser Art, die von den Nichtregierungsorganisationen hauptsächlich des weidlich bekannten George Soros finanziert werden. Somit kommt man in den Milliardenbereich, anders nicht. Die Politiker aber reden immer noch vom „Bekämpfen der Fluchtursachen“, und man fragt sich abermals, ob sie wissen, wovon sie reden.

Allerdings gibt es neben den Wirtschaftsflüchtlingen tatsächlich auch solche, in deren Heimatländern Krieg herrscht, dem sie entrinnen möchten. Hier aber wäre es tatsächlich gut, einschlägige Ursachen zu bekämpfen, und das wäre sogar möglich, sobald man bedenkt, wer an den meisten dieser Kriege beteiligt, und zwar ursächlich beteiligt ist. Wenn die USA und in ihrem Gefolge die ganze NATO damit aufhören wollten, von Afrika bis Mittelasien ein Land ums andere mit Bomben ins Elend zu schicken, dann wäre tatsächlich etwas gegen eine unabweisbare Fluchtursache getan. Diese Maßnahme kostete nicht einmal Geld, im Gegenteil: Ungezählte NATO-Milliardenbeträge könnten eingespart werden, die so in Rauch und Feuer aufgehen.

Doch das Beispiel zeigt, wie eng in der Politik Tatsachen und Illusionen benachbart sein können. Die NATO, wesentlich ihre Führung, die politische wie die militärische, bleibt, wie sie ist. Das heißt, vorrangig ist der Gedanke der weltweiten Dominanz der USA. Und Länder, die sich diesem Gedanken nicht eben verpflichtet haben, werden dafür bestraft. Unselbstständig und schwach sind sie wenig hinderlich bei der Verwirklichung des Weltenplans, und so bleiben die Entwicklungshilfe und alle dahingehenden Bemühungen eine schaustellerische Veranstaltung ohne ernstgemeinte Absicht. Unsere Politiker aber sprechen von der Bekämpfung der Fluchtursachen und fühlen sich gut dabei.


S. 9 Kultur

Trottelige Dreierbande
Die Olsenbande wird 50 – Kopenhagen würdigt das Räubertrio mit einer Ausstellung in Originalstudios
Andreas Guballa

Der dänischen Olsenbande, einem ebenso einfallsreichen wie erfolglosen Einbrechertrio, flogen vor allem in der DDR die Zuschauerherzen zu. Vor 50 Jahren erschien der erste von 14 Filmen mit Egon, Benny und Kjeld.

Louis de Funès, Terence Hill und Bud Spencer, die Olsenbande – diese Spaßmacher brachten seit den 60er Jahren Millionen von Menschen in vielen Ländern zum Lachen. Anders als in der DDR stand in der Bun­desrepublik die dänische Olsenbande dagegen im Schatten anderer Kultserien, da die Filme wegen absehbarer Handlung und fehlender Action bei vielen Zuschauern als betulich galten. Daneben spielte auch die Machart eine Rolle. Ein kleiner Dicker, ein Lulatsch in Hochwasserhosen und gelben Socken, ein adrett in einen Anzug gekleideter Gentleman mit Zigarrenstummel im Mundwinkel: Das war nicht gerade der neueste Kinoschrei.

Im ZDF lief die Olsenbande unter dem Titel „Die Panzerknackerbande“ mit wenig Erfolg, nicht ohne Grund: Die Texte wurden mit weniger Witz übersetzt und die Filme für die Ausstrahlung auf Standardsendezeiten zusammengeschnitten. Zudem trafen die westdeutschen Synchronisationsstimmen den schrägen Ton ihrer Protagonisten weniger gut als ihre prominenten mitteldeutschen Kollegen Karl-Heinz Oppel oder Helga Hahnemann. 

Nicht ohne Humor sind auch die Hintergründe für die originellen mitteldeutschen Sprachschöpfungen. Im dänischen Original kommentiert Benny die Pläne von Egon mit „Skide godt“, zu Deutsch „Scheißgut“. Das galt in der DDR als zu unflätig. Dialogbuchautor Wolfgang Woizick stammte aus Brandenburg, wo sich das Wort „mächtig“ gewisser Beliebtheit erfreute – er ist der Erfinder des bis heute bei allen Olsenbanden-Fans be­kannten Ausdrucks „mächtig gewaltig“, der auch als Synonym für ambitionierte Projekte gilt, die zum Scheitern verurteilt sind. 

Mit dem Tod von Kjeld-Darsteller Poul Bundgaard 1998 fand die Serie nur ein vorübergehendes Ende. In den letzten Jahren wurden die Animationsfilme „Die Olsenbande in feiner Gesellschaft“ und „Die Olsenbande auf hoher See“ für ein jüngeres Publikum gedreht. Inzwischen ist die Olsenbande auch ins Theater ge­kommen. Ausverkaufte Vorstellungen zum Beispiel in Rostock, Cottbus oder im Mittelsächsischen Theater Döbeln zeugen von der nach wie vor großen Popularität von Dänemarks berühmtester Verbrecherbande in Mitteldeutschland.

Jetzt holt uns die Nostalgiewelle wieder ein: Anlässlich des halben Jahrhunderts Krimispaß eröffnen die Filmstudios von Nordisk Film im Kopenhagener Stadtteil Valby am 6. Ja­nuar eine neue Sonderausstellung im historischen Studio 4, in dem die meisten Innenszenen der 14 Kassenschlager um Hauptfigur und Bandenchef Egon Olsen – ge­spielt von Ove Sprogøe – und seine Freunde Benny Frandsen (Morten Grundwald) und Kjeld Jensen (Poul Bundgaard) zwischen 1968 und 1998 gedreht wurden. 

Die exklusive Ausstellung ist mit 400 Quadratmetern vier Mal größer als ihre Vorgängerin und präsentiert bekannte, unvergessene Szenen und Kulissen aus den bis heute beliebten Filmen – darunter ein Bunker aus Jütland (aus „Die Olsenbande fährt nach Jütland“, 1971), das gemütliche Wohnzimmer von Yvonne Jensen oder das protzige Büro von Direktor Hallandsen. Dazu zeigt die Ausstellung mehr als 90 originale Requisiten, einige der alten Gangsterwagen der dänischen Un­glücks­helden sowie Kostüme aus allen Filmen, von denen viele bisher noch nie öffentlich zu sehen waren. Ebenfalls ein bisher ungehobener Schatz aus den Archiven von Nordisk Film sind erstmals gezeigte „Making-of“-Fotos von Dreharbeiten und Originalschauplätzen.

Die neue Sonderausstellung von Nordisk ist vom 6. Januar an das ganze Jubiläumsjahr über immer sonnabends und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Alle Informationen sind auch in deutscher Sprache erhältlich. Auf Wunsch stehen während der Öffnungszeiten deutschsprachige Besucherführer für Fragen und Antworten zur Verfügung. 

Ein besonderes Geburtstagsgeschenk macht Nordisk Film, die älteste noch arbeitende Filmproduktionsgesellschaft der Welt, allen Olsenbanden-Fans immer am ersten Sonntag jedes Monats, wenn in all ihren Kinos jeweils einer der legendären Olsenbanden-Filme gezeigt wird – allerdings „nur“ im dänischen Original und voraussichtlich ohne Untertitel.

Der Eintritt zur „Olsenbanden“-Ausstellung kostet 100 Dänische Kronen (etwa 13,50 Euro), Kinder unter zehn Jahren frei. Führungen auf Deutsch nur gegen Vorausbuchung und für Gruppen unter der E-Mail rundvisning@nordiskfilm.com oder Telefon 0045-29745500. Infos im Internet unter: www.nordiskfilm.com sowie www.nordiskfilm.com/int/Tour-at-Nordisk-Film/The-Olsen-Gang-Tour. 

Zum Jubiläum ist im Schwarzkopf-Verlag unter dem Titel „Meine Tage in gelben Socken“ ein Buch erschienen, in dem sich Benny-Darsteller Morten Grundwald an diese großartige Zeit erinnert und die Filme ausführlich Revue passieren lässt (232 Seiten, 39 Euro). Der Schriftsteller Uwe Tellkamp („Der Turm“) schrieb das Vorwort. 

Im Schweinsgalopp
Dorf in Aufruhr – ZDF-Serie »Tannbach« geht in die nächste Runde
Anne Martin

Ein Ort irgendwo an der Grenze von Thüringen und Bayern, geteilt durch den Eisernen Vorhang: hier Kapitalismus, dort Sozialismus – das ist Tannbach. Das Schicksal eines Dorfes ist für das Fernsehen ein Glücksfall: Wie un­ter dem Brennglas wird gezeigt, wie Ideologien die Köpfe besetzen, wie der moralische Kompass unter dem Druck der Systeme ins Trudeln gerät und wie selbst die reinste Liebe von Misstrauen zersetzt wird. Der im letzten Jahr ausgestrahlte Dreiteiler, der in den 40er und 50er Jahren spielte, wird nun mit einer neuen Staffel in die 60er Jahre fortgeschrieben („Tannbach“, Neue Zeiten. Alte Wunden. 8.,10., 11. Januar, 20.15 Uhr, ZDF).

Großartig die Darsteller: Heiner Lauterbach spielt auf der West-Seite den kalten Krieger Georg von Striesow, dem eine Annäherung an den ideologischen Feind so unmöglich ist wie eine gleichberechtigte Beziehung zu seiner Frau. Stolz und spröde gibt Anna Loos diese Rosemarie, geborene Czerni, die mit frischen Ideen den westlichen Versandhandel aufmischt und am Biedersinn der 50er und 60er Jahre scheitert. Erst wird ihr die Einstellung verweigert, weil sie nicht verheiratet ist, später dann der Aufstieg blockiert, weil sie sich von ihrem Mann, dem Grafen Striesow, scheiden lassen will. 

Gegen den Strich besetzt ist Martina Gedeck als Textilarbeiterin in einem volkseigenen Be­trieb. Als Hilde Vöckler wird Gedeck der Sabotage verdächtigt und erfährt in einem sozialistischen Gefängnis, wie im Arbeiter- und Bauernstaat mit Abweichlern umgegangen wird. „Du hast deinen Beruf wohl bei der Gestapo gelernt“, provoziert Vöckler ihre Aufseherin und wird prompt zu­sammengeschlagen. 

Jegliches Schema von Gut und Böse ist hier voller Risse: Der Pfarrer, der seine sozialistische Gemeinde zusammenhält, hat im Dritten Reich eine jüdische Familie verraten. Die aufrechte Modedesignerin verschweigt ihrem Mann, dass ihr Bruder im Gefängnis sitzt. Und der verbiesterte Vater, der seine uneheliche Tochter in eine der berüchtigten Erziehungsanstalten der DDR schickt, tut am Ende Buße: „Ich habe mich versündigt an dir.“ 

Nur Jahrzehnte ist es erst her, dass Deutsche durch Mauern und Stacheldraht getrennt wurden, und doch wirkt Tannbach wie ei­ne ferne Welt. So bizarr der kleinbürgerliche Spitzelstaat im Osten, so bieder und patriarchal das Weltbild in Westen. Immer wieder wird gezeigt: Wer sich nicht an­passt, geht unter, so wie der Bauer in Tannbach Ost, der seinen Hof nicht in eine LPG einbringen will. Freigelassene Schweine, die im Schweinsgalopp durch die Dorfstraße rennen, kündigen seine Verzweiflungstat an. 

Am meisten berührt, wenn die sogenannten einfachen Leute ihrem Herzen Luft machen: „Ihr könnt mir mit eurem Sozialismus den Buckel runterrutschen“ sagt Kathi Schober (Johanna Bittenbinder) beim Verhör. Angesichts des linientreuen Sachbearbeiters in Rhombenstrick, der ihr gegenübersitzt, ist das eine Heldentat. 

„Tannbach“ ist eine lebendige Geschichtsstunde, in der die Protagonisten die Tragik einer zerrissenen Zeit darstellen. Das Ende bleibt offen, Fortsetzung er­wünscht! Die erste Staffel von „Tannbach“ wird am 5. Januar auf 3sat wiederholt.

Licht und Schatten
Von Marx bis Helmut Schmidt – Diese Jubiläen stehen 2018 an
H. Tews

Das Lutherjahr ist kaum vorbei, da folgt mit 2018 ein Jahr, in dem ein Weltverbesserer ganz anderer Art gefeiert wird. Die Weltanschauung von Karl Marx, der vor 200 Jahren in Trier geboren wurde, war für viele Anhänger ja so etwas wie ein Religionsersatz. Dabei hatte der Marxismus mit weltweit Millionen von Opfern insoweit weitreichendere Folgen als Luthers Reformation. Marx konnte zwar nichts dafür, dass Diktatoren wie Rumäniens Staatschef Nicolae Ceauces­cu, der am 26. Januar vor 100 Jahren geboren wurde, dessen Denken politisch zweckentfremdet haben. Doch ist zu hoffen, dass die große Landesausstellung über Marx in Trier, die an dessen Ge­burtstag am 5. Mai beginnt, auch die Schattenseiten des Marxismus herausstellt.

Im Schatten des Gedenkens an Marx stehen 2018 aber auch viele Lichtgestalten, deren Jubiläen man nicht vergessen sollte. Das Jahr beginnt mit dem 100. Todestag des Backpulver-Königs August Oetker (10.1.) und dem 150. Todestag des südböhmischen Erzählers Adalbert Stifter (28.1.). Im Februar vor 100 Jahren starb der Wiener Se­cession-Maler Gustav Klimt (6.2.). Ebenfalls in Wien gestorben, aber vor 250 Jahren in Florenz geboren, ist mit Franz II./I. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (12.2.). Vor 75 Jahren endete das Leben der Geschwister Hans (100. Geburtstag am 22.9.) und Sophie Scholl, die als Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ hingerichtet wurden (22.2.).

Im März gedenkt man des 450. Todestags des 1568 auf der Burg Tapiau gestorbenen Hochmeisters Albrecht von Preußen (20.3.), des 100. Todestags des französischen Komponisten Claude Debussy (25.3.) und des 200. Geburtstags von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem Gründer der gleichnamigen Genossenschaftsgruppe (30.3.). 

Im April vor 50 Jahren wurde der US-Bürgerrechtler Martin Lu­ther King erschossen (4.4.). Einen gewaltsamen Tod erlitt auch der als „Roter Baron“ bekannte Breslauer Jagdflieger Manfred von Richthofen, der im Krieg vor 100 Jahren fiel (21.4.). Zwei große Un­ternehmer starben vor 100 Jahren: der Nobelpreisträger und Telefunken-Mitgründer Ferdinand Braun (20.4.) sowie der aus Gleiwitz stammende Oscar Troplowitz, der die Nivea-Creme zum Verkaufsschlager machte (27.4.). Zar Alexander II. wurde vor 200 Jahren geboren (29.4.). 

Der Mai hat den 475. Todestag des in Thorn geborenen Astronomen Nicolaus Copernicus (24.5.) und den 75. Todestag der Ostpreußin und Gründerin der Landfrauenbewegung, Elisabet Boehm (30.5.), zu bieten. Außerdem wird der 200. Geburtstag des großen Schweizer Kunsthistorikers Jacob Burckhardt gefeiert (25.5.). Am 26. Juni starb vor 175 Jahren der aus Gerdauen stammende Staatsmann Theodor Gottlieb Hippel d.J., der für König Friedrich Wilhelm III. den folgenschweren Kriegsaufruf „An mein Volk“ verfasste. Und am 26 Juni jährt sich der Todestag des österreichischen Erzählers Peter Rosegger zum 100. Mal. 

Der Juli steht im Zeichen der Ermordung der Zarenfamilie vor 100 Jahren (17.7.). Während in Südafrika mit viel Tam-tam der 100. Geburtstag von Nelson Mandela begangen wird (18.7), feiern die Engländer groß den 200. Geburtstag der Autorin Emily Brontë, die mit ihrem Roman „Sturmhöhe“ zu Weltruhm kam (30.7.). Otto Hahn, der „Vater der Kernchemie“, starb vor 50 Jahren (28.7.). Im August vor 100 Jahren wurde der US-Dirigent Leonard Bernstein geboren (25.8.), im September vor 1250 Jahren kam der Frankenkönig und Vater Karls des Großen, Pippin der Jüngere, zur Welt (24.9.). Und im Oktober jährt sich der 225. To­destag von Königin Marie Antoinette (16.10.), der 200. Todestag des Verlegers Joachim Heinrich Cam­pe (22.10.) und der 400. Todestag des britischen Seefahrers und Politikers Walter Raleigh (29.10.). August Horch, der Gründer der Audi-Werke, wurde vor 150 Jahren geboren (12.10.).

Der russische Schriftsteller Iwan Turgenjew kam im No­vember vor 200 Jahren zur Welt (9.11.). Vor 250 Jahren wurden geboren: der Kö­nigberger Dramatiker Zacharias Werner (18.11.) und der Breslauer Theologe und Philosoph Friedrich Schleiermacher (21.11.). Vor 100 Jahren starb der Hamburger Reeder Albert Ballin, der im Kaiserreich mit Kreuzfahrtlinien die Hapag auf Kurs brachte (9.11.). Im Dezember vor 100 Jahren wurden der „Archipel Gulag“-Autor Alexander Solschenizyn (11.12.) und Altkanzler Helmut Schmidt (23.12.) geboren. Der erste und bislang einzige deutsche Schachweltmeister war übrigens der vor 150 Jahren an Heiligabend im ostbrandenburgischen Berlinchen geborene Emanuel Lasker.

MELDUNGEN

Zurück nach Alaska

Berlin – Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) wird neun Objekte aus der Sammlung des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin an die Chugach Alaska Corporation zurückgeben. Bei den Objekten handelt es sich um Grabbeigaben von Ureinwohnern aus dem Südwesten Alaskas. Sie waren unter jenen Objekten, die Johan Adrian Jacobsen, der zwischen 1882 und 1884 die amerikanische Nordwestküste und Alaska im Auftrag des damaligen Königlichen Mu­seums für Völkerkunde bereis­te, nach Berlin brachte. Die SPK geht in diesem Fall davon aus, dass es sich nicht um eine genehmigte archäologische Grabung, sondern um Grabplünderungen gehandelt habe.tws





Junger Klang im neuen Jahr

München – Die Wintertournee der Jungen Deutschen Philharmonie unter dem Dirigenten Ingo Metzmacher führt im Januar quer durch die Republik. Unter dem Motto „Sax and Crime“ stehen Werke von US-Komponisten auf dem Programm, so unter anderem Gershwins „Rhapsody in Blue“,  Tänze aus Bernsteins „West Side Story“ sowie Filmmusiken. Die Tournee führt das Orchester nach Köln (7.1.), Hamburg (8. und 9.1.), Bamberg (10.1.), Wien (12.1.), Ludwigsburg (13.1.) und Frankfurt (14.1.). Karten – mit Ausnahme der bereits ausverkauften Konzerte in der Hamburger Elbphilharmonie – über: www.jdph.detws

S. 10 Geschichte & Preussen

Perlon – eine glänzende Erfindung
Ein Stoff für das Militär eroberte die Damenbeine im Sturm
Klaus J. Groth

Vor 80 Jahren erfand der Chemiker Paul Schlack eine Faser, die aus der Retorte kam: Perlon. Auch wenn es inzwischen viele andere Synthetikfasern gibt, hat Perlon seine wirtschaftliche Bedeutung behalten.

Die Beine von Sigrid Schlack, einer schwäbischen Hausfrau, glänzten so verführerisch, dass sie alle Blicke auf sich zogen. Frau Schlack war die Erste in Deutschland, die Strümpfe aus Perlon trug, eine Erfindung ihres Mannes. Die neue Chemiefaser revolutionierte die Herstellung von Textilien, am auffälligsten bei Damenstrümpfen. Sie glichen optisch wie auch haptisch einer seidenweichen Haut. Und sie übten eine starke erotische Anziehungskraft aus. Männer konnten ihre Augen nicht davonlassen, alle Frauen wollten sie haben, Filmsternchen posierten mit den neuen Perlonstrümpfen in Illustrierten und auf Plakaten.

An Damenbeine hatte Paul Schlack, leitender Chemiker bei der I.G. Farben, nicht gedacht, als er mit Kohlenstoffverbindungen experimentierte. Er wollte eine Kunstfaser entwickeln, die sich wie natürliche Fasern verspinnen ließ und Deutschland unabhängig von Importen von Baumwolle, Wolle und Seide machte. Das Material aus der Retorte sollte reißfest und billig zu produzieren sein, ein Stoff, der sich zur Herstellung von Textilien für die Bevölkerung und zur Heeresausrüstung eignete. Die zwei bis drei Zentimeter dicken Stäbe, die Schlack am 29. Januar 1938 aus einem sogenannten Bombenofen in Berlin-Lichtenberg zog, sahen noch nicht wie Fasern aus. Aber sie erfüllten zwei wichtige Anforderungen. Sie waren hoch elastisch und außerordentlich stabil. Schlack hatte das Caprolactam erfunden, eine Substanz aus Benzol und Phenol, die molekular ringförmig aufgebaut ist und durch Aufbrechen der Moleküle entsteht. Sie erhielt die chemische Bezeichnung „Polyamid 6“, als Markenzeichen „Perulan“, später „Perlon“. Schlack bekannte, dass er selbst von dem Ergebnis überrascht war. „Eigentlich erwarteten wir nur ein halbes Resultat, eine Ermutigung. Doch das Unwahrscheinliche wurde Ereignis, dieser erste Versuch war ein voller Erfolg.“ Aus Furcht vor der Konkurrenz hielt die I.G. Farben die Erfindung monatelang geheim. Das Reichspatent wurde im Sommer 1938 unter der Nummer 748253 eingetragen. 

Der in Stuttgart geborene Beamtensohn Paul Schlack studierte an der Technischen Hochschule seiner Heimatstadt und war ab 1926 Leiter der Forschungsabteilung bei der Aceta-Kunstseidenfabrik, die zur I.G. Farben gehörte. Mit seinem Auftrag, herauszufinden, wie sich Zellulosefasern leicht färben ließen, fühlte er sich unterfordert. Auf eigene Faust befasste er sich mit der synthetischen Faserforschung. Während der Weltwirtschaftskrise wurden der Forschungsabteilung die Mittel gekürzt. Vermutlich nur deshalb kam Schlack ein amerikanischer Kollege zuvor. Wallace Humer Carothers, Chemiker bei DuPont in Delaware, erfand 1935 das Polyamid 6.6. Die Faser kam unter dem Namen „Nylon“ auf den Markt. Im Unterschied zu Perlon sind die Moleküle hier kettenförmig aufgebaut.

 Anfangs wurden die Borsten von Zahnbürsten daraus hergestellt, was niemand besonders aufregend fand. Das nächste Produkt aus Nylon wurde bei der New Yorker Weltausstellung 1939 ein sensationeller Erfolg: Damenstrümpfe. Der 15. Mai 1940, der erste Tag, an dem Nylonstrümpfe in ausgewählten amerikanischen Metropolen angeboten wurden, ging als „N-Day“ in die amerikanische Wirtschaftsgeschichte ein. Die fünf Millionen Paar waren nach kurzer Zeit ausverkauft. Die Frauen rissen sich darum, der Preis schnellte hoch, angeblich bis auf 400 US-Dollar pro Paar. 

Die I.G. Farben setzten alles daran, mit den Amerikanern gleichzuziehen. Schlack stellte große Mengen Caprolactam her. Nach seinen Entwürfen wurden Versuchsspinnmaschinen gebaut. Die Verarbeitung von Perlon erwies sich im Vergleich mit Nylon als kostengünstiger. Deutschlands Frauen mussten aber noch lange auf Perlonstrümpfe warten. Das neue Supermaterial, fester als Gussstahl, wurde zur Herstellung von Fallschirmen, Seilen, Zeltschnüren und Flugzeugreifen sowie für die Reinigung von Handfeuerwaffen gebraucht. 1943 lief im Werk Landsberg an der Warthe probeweise die Herstellung von kleinen Mengen Perlonstrümpfen an. Die ganze Familie Schlack fungierte als Testträger für Textilien aus Perlon. Der Wissenschaftler ließ sich einen dunkelblauen Anzug daraus schneidern, der allerdings wie alle Stoffe aus Polyamid stark glänzte. Sohn Niels zog als erster Soldat mit Perlonsocken an den Füßen in den Krieg. 

Paul Schlack war ebenso bescheiden wie unerschütterlich. Während in Berlin die Bomben fielen, arbeiteten er und seine Mannschaft weiter, bis die Wasser- und Elektrizitätsversorgung zusammenbrach. Vor dem Einmarsch der Russen gelang es ihm, eine Versuchsanlage, Spinnapparaturen und wissenschaftliche Unterlagen nach Bobingen bei Augsburg in den amerikanischen Sektor zu schaffen. In einer ehemaligen Kunstseidenfabrik produzierte er zunächst mit Erlaubnis der Amerikaner Handwaschbürsten für Kliniken. Mit Mitteln aus dem Marshallplan baute Schlack die Bobina AG auf, die Perlon im großen Stil produzierte und bald 2000 Mitarbeiter hatte. Das Unternehmen ging 1952 in die Hoechst AG über. Schlack übernahm die Leitung des Faserforschungslabors. Perlonstrümpfe und Petti­coats wurden zum Symbol der Wirtschaftswunderjahre.

An Elastizität und Reißfestigkeit war die erste Generation der Kunstfasern nicht zu schlagen. Ein Perlonstrumpf konnte bei einer Autopanne als Abschleppseil dienen. Polyamid hatte aber den Nachteil, keine Feuchtigkeit aufzunehmen und abzugeben. Man schwitzte darin. In der Mode wurde Perlon von einer komfortableren Polyesterfaser abgelöst: Trevira aus dem Hoechst-Labor. Immer neue Kunstfasern und Verbindungen mit Baumwolle und Wolle kamen auf den Markt, aber Perlon ist aus vielen Bereichen des Lebens nicht wegzudenken. Reißverschlüsse, Tennisschläger, Instrumentensaiten, Nahtmaterial in OP-Sälen und in der Elektrotechnik sind aus den Fasern gemacht, die Paul Schlack erfand.

Brandenburgs Trakehnen
Vor 230 Jahren wurde das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse) errichtet
Sibylle Luise Binder

Was Ostpreußen das Hauptgestüt Trakehnen war, das ist Brandenburg das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse. „Zum Besten des Landes“ befahl Preußens König Friedrich Wilhelm II. vor 230 Jahren, das preußische Gestütswesen zu reformieren und in Neustadt an der Dosse ein neues Staatsgestüt zu errichten. Die Wahl des Standortes war kein Zufall. Neustadt war schon länger „Pferdeland“. 1662 hatte nämlich der Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg die von den Fluss­auen der Dosse gebildeten Sumpfgebiete rund um den Ort Neustadt trockenlegen lassen, um dort Pferde zu züchten. 1694 war Neustadt samt Umgebung an Brandenburg gefallen, das damals vom späteren ersten König in Preußen regiert wurde. Dessen Nachfolger, der sparsame Friedrich Wilhelm I., war allerdings nicht an einem weiteren Hofgestüt interessiert. Er hatte Trakehnen und das war ihm genug. Also wurden in Neustadt Maultiere gezüchtet. Diese Kreuzungsprodukte aus Pferdestuten und Eselshengsten haben Pferden gegenüber den Vorteil, weniger zu scheuen, langlebiger und belastbarer zu sein. Des Soldatenkönigs Enkel Friedrich Wilhelm II. liebte edle Pferde und sah zudem, dass sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor waren. Darum befahl er die Einrichtung eines neuen Haupt- und Landgestütes.

Er betraute mit der Aufgabe seine besten Architekten. Sie entwarfen eine großzügige, klassizistische Doppelanlage. Auf der einen Seite einer rund einen Kilometer langen Allee steht das Hauptgestüt, in dem 60 ausgewählte Zuchtstuten und ihr Nachwuchs aufgestallt werden konnten. Im Zentrum des Hauptgestütes steht das Landstallmeisterhaus, das trotz der preußischen Sparsamkeit, welche die Erbauer auf Fassadenschmuck und Schnickschnack verzichten ließ, heute noch sehr elegant und repräsentativ wirkt. Unter dem Walmdach fand nicht nur der Landstallmeister mit seiner Familie Platz. Auch ein Teil der Verwaltung war dort untergebracht und außerdem diverse Wohnungen für Mitarbeiter des Gestüts. 

Ein Spaziergang durch die von gepflegten Koppeln gesäumte Allee führt zum Gegenstück des Hauptgestüts: dem Landgestüt mit dem zentral gelegenen Verwaltungsgebäude und den Ställen, in denen rund 100 Hengste untergebracht sind. Wozu braucht man 100 Hengste, wenn man nur 60 Stuten hat, mag sich der eine oder andere fragen. Die Lösung ist ganz einfach. Die Hengste dürfen nicht nur die Stuten des Gestüts beglücken, sondern werden im Frühjahr auf die sogenannten Deckplatten, Stallanlagen, in denen drei bis sechs Hengste plus ihrem Gestütswärter untergebracht werden können – im ganzen Land verteilt. Früher wollte man damit sicherstellen, dass jeder Bauer im Land einen guten Hengst für seine Stuten fand, ohne mit ihr tagelang über Land reisen zu müssen. Für die Bauern hatte das System außerdem den Vorteil, dass die Landbeschäler subventioniert wurden. Andersrum profitierte das Land davon, dass der Landstallmeister über die Auswahl der Hengste Einfluss auf die bäuerliche Zucht nehmen konnte. In einer Zeit, in der nicht nur Landwirtschaft und Logistik, sondern auch das Militär vom Pferd abhängig waren, führte die Einrichtung eines Landgestüts zu einer Symbiose zwischen Bauern und Staat.

Dass das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt die DDR überstanden hat, liegt daran, dass zwar die Reiterei im Sozialismus eine eher unbeliebte Randerscheinung war, mit guten Pferden aber gutes Geld zu verdienen war. Und Neustadt war dank eines cleveren Landstallmeisters mit viel Pferdeverstand ein sehr guter Produzent von Export-Pferden. Dafür stand vor allem der Schimmelhengst Kolibri, dessen Denkmal heute vor der Verwaltung des Landgestüts steht. Seine Vorfahren waren Hannoveraner-Hengste, und die Linie, die er vertrat, war und ist auch im Westen stark. 

Wahrscheinlich ist das auch ein Grund dafür, dass das Haupt- und Landgestüt die sogenannte Wende gut überstanden hat. Mittlerweile sind fast alle Gebäude auf das Feinste renoviert. In den Ställen stehen Stuten und Beschäler auf Weltniveau.


S. 11 Geschichte & Preussen

Bombenterror und bedingungslose Kapitulation
Auf der Konferenz von Casablanca traten Roosevelt und Churchill den Geist ihrer Atlantik-Charta mit Füßen
Wolfgang Kaufmann

Während des Zweiten Weltkriegs veranstalteten die Führungsmächte der Anti-Hitler-Koalition mehrere große Konferenzen. Die erste davon fand vom 14. bis 26. Januar 1943 in der marokkanischen Hafenstadt Casablanca statt und en­dete mit der Forderung nach einer „bedingungslosen Kapitulation“ Deutschlands, Japans und Italiens, die den Krieg verlängerte und Millionen zusätzliche Menschenleben kostete.

Anfang 1943 hatte sich die militärische Lage deutlich zugunsten der Alliierten verändert. So konnten die USA nach der gewonnenen Flugzeugträgerschlacht um Midway zur Offensive gegen Japan übergehen. Währenddessen musste sich das einst so schlagkräftige Deutsche Afrika-Korps nach Tunesien zurückziehen. Und an der Ostfront siegte die Rote Armee im Kampf um Stalingrad und den Kaukasus und stieß in Richtung des Donezbeckens vor. Deshalb hielten der US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill nun den Moment für gekommen, die Weichen für den weiteren Verlauf des Krieges und die Zeit danach zu stellen. Stalin blieb der Zusammenkunft fern und schickte auch keinen Vertreter, weil er noch nicht bereit war, sich hinsichtlich seiner Kriegsziele in die Karten schauen zu lassen.

Neben Maßnahmen, um der U-Boot-Gefahr Herr zu werden, sowie Offensiven im Pazifikraum und Burma vereinbarten die beiden Regierungschefs und deren hochrangige militärische Entou­rage auf der Konferenz, statt der von Moskau geforderten zweiten Front in Frankreich eine solche zunächst nur in Italien, dem „weichen Unterleib Europas“, zu eröffnen. Die Westalliierten zögerten die Landung in Frankreich unter anderem deshalb hinaus, um ihre Position im Mittelmeerraum zu festigen, was besonders im Interesse Churchills lag. Dieses erwies sich später aus westalliierter Sicht insofern als kontraproduktiv, als Stalin dadurch in die Lage versetzt wurde, seinen Einflussbereich in Ost-, Südost- und Mitteleuropa erheblich zu vergrößern. 

Beschlossen wurde desweiteren eine Kombination von Tag- und Nachtangriffen der angloamerikanischen Bomberflotten auf Deutschland. So sollten deren Flugabwehr, Jagdwaffe und arbeitende Bevölkerung keine Pause gegönnt, die Rüstungszentren zerstört und die Moral der Zivilbevölkerung untergraben werden. Gemäß der Arbeitsteilung flogen fortan meist die US-amerikanischen Bomber militärische Ziele am Tage an, während die britischen die Zivilbevölkerung mit nächtlichen Terrorangriffen auf Wohnquartiere um den Schlaf sowie Hab und Gut zu bringen versuchten. Die mit dem sogenannten Moral Bombing erhofften Friktionen zwischen der NS-Führung und der deutschen Bevölkerung blieben aus. Vielmehr schweißte der Hass auf die Täter beide zusammen. 

Über die bilateralen Vereinbarungen wurden die rund 50 akkreditierten westlichen Journalisten am 24. Januar in Kenntnis gesetzt. Allerdings erschien den Pressevertretern das Ganze wenig spektakulär, weshalb sie Roosevelt bestürmten, auch etwas über die künftige Politik gegenüber den Achsenmächten zu äußern. Daraufhin sagte der US-Präsident, das Ziel sei die „bedingungslose Kapitulation“ (unconditional surrender) Deutschlands, Italiens und Japans. Hierdurch sollte dem miss­trauischen Stalin signalisiert werden, dass die Westmächte keinen Sonderfrieden anstrebten. 

Damit negierten Roosevelt und Churchill den Unterschied zwischen den Völkern Deutschlands, Italiens und Japans sowie deren jeweiligen politischen Führungen und ermöglichten es sich, die gerade erst vollmundig verkündete Atlantik-Charta, nach der jede Nation das Recht haben sollte, souverän und ohne Druck von außen über ihre Angelegenheiten zu entscheiden, gleich wieder partiell außer Kraft setzen (siehe PAZ Nr. 31 vom 5. August 2016) zu können. Dieses Taktieren erinnert an das Handeln von Präsident Woodrow Wilson, der nach dem Ersten Weltkrieg auch von seinem ambitionierten 14-Punkte-Programm abwich, als es beispielweise um das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen oder Ungarn ging.

Die Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation hatte gravierende Folgen, wie der britische Arbeitsminister von 1940 bis 1945 und Außenminister von 1945 bis 1951, Ernest Bevin, nach Kriegsende in einer Sitzung des Londoner Unterhauses feststellte: „Da man auf bedingungsloser Kapitulation bestand, blieb … nichts, worauf man hätte weiterbauen können: kein Gesetz, keine Verfassung, keine Persönlichkeit, mit der verhandelt werden konnte.“ Aber genau dies war ja die Absicht von Roosevelt und Churchill, der später vorgab, dass der US-Präsident ihn mit seiner Aussage überrumpelt habe. Es ging eben nicht nur darum, drei diktatorische Regime zu zerschlagen, sondern genauso wichtig war die nachhaltige Ausschaltung von weltpolitischen und wirtschaftlichen Konkurrenten.

Naheliegenderweise lähmte die Kapitulationsformel von Casa­blanca, die ab dem 26. Januar 1943 von den westlichen Medien verbreitet wurde, die deutsche Widerstandsbewegung gegen Adolf Hitler. Insbesondere regimekritisch eingestellte Militärs verzichteten darauf, sich der Opposition anzuschließen, weil sie davon ausgehen mussten, dass die Alliierten Deutschland auch bei einem erfolgreichen Putsch gegen Hitler keine günstigeren Friedensbedingungen zugestehen würden. Damit blieben für die meisten nur noch die Optionen Kampf bis zum „Endsieg“ oder Untergang des Vaterlandes. 

Und auch sonst profitierte die NS-Führung ganz erheblich von der Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation. Das zeigt nicht zuletzt die duldsame Reaktion der Deutschen auf die Sportpalastrede von Propagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943, mit der die Menschen im Dritten Reich auf den „totalen Krieg“ eingeschworen wurden. 

Analog war die Situation in Japan. Da kein Friedensschluss unter ehrenhaften und die nationale Existenz sichernden Bedingungen in Aussicht stand, wurde der Pazifikkrieg mit verbissener Härte fortgesetzt, was auf beiden Seiten noch einen gewaltigen Blutzoll fordern sollte, bis schließlich die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki den Kampf im Pazifik beendeten.

Deutsche machten den eingerosteten Busch zum Erfolg
Im Auftrag von MI5 und CIA arbeitete die Schnellbootgruppe Klose konspirativ vor der sowjetisch kontrollierten Ostseeküste
Friedrich-Wilhelm Schlomann

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg führten estnische, lettische und litauische Widerstandskämpfer gegen die sowjetischen Invasoren und Besatzer einen Partisanenkrieg. Im Kalten Krieg, 1949, dürften sich britische und amerikanische Stellen entschlossen haben, zu diesen sogenannten Waldbrüdern Kontakt aufzunehmen, um mit ihnen zusammenzuarbeiten. Sie bedienten sich dabei Hans-Helmut Klose. Der deutsche Schnellboot-Kommandeur hatte während der Kämpfe um den Kurland-Kessel von Ende 1944 bis in die letzten Kriegstage V-Männer und Sabotagetruppen hinter der sowjetischen Front abgesetzt. Spätestens 1948 stand er mit der Organisation Gehlen in Verbindung. Längst aber waren auch die Briten auf ihn aufmerksam geworden und Anfang 1949 war man sich einig. Im Rahmen der Operation Jungle (Busch) sollte er mit deutschen Schnellbooten und deutschem Personal unter britischer Flagge entlang des gesamten sowjetisch besetzten Teils der Ostseeküste Funkaufklärung betreiben sowie Agenten absetzen und später wieder abholen. Offiziell handelte es sich um britische Fischereischutzboote, die nach den damaligen Unterlagen mit dem britischen Inlandsgeheimdienst MI5 (Security Service) in Verbindung standen – in Wahrheit aber für den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 (Secret Intelligence Service) arbeiteten. Die deutschen Schnellboote, die bei Kriegsende in die Hände der Westalliierten gefallen waren und nun umgerüstet wurden, waren mit ihren 45 Knoten schneller als die sowjetischen, die höchstens 40 Knoten erreichten. 

Unbestritten ist, dass von ihnen in der Nacht zum 1. Mai 1949 insgesamt sechs im Untergrunds­kampf erfahrene Balten an der litauischen Küste abgesetzt wurden, bei späteren Einsätzen kamen Ukrainer hinzu. Alle Anzeichen sprechen für eine entsprechende heimliche Aus­bildung durch schwedische Offizierskreise. Sie waren Patrioten und nach allen bitteren Erfahrungen voller Hass auf die erneute sowjetische Unterdrückung in ihrer Heimat. Mit ihnen, die sich den Partisanenkämpfern anschließen und dort bleiben wollten, war keine Abholung durch die Schnellboote vereinbart. 

Für Agenten hingegen, die nach ihren Einsätzen wieder in den Westen zurückkehren sollten, wurden zu diesem Zwecke Zeiten und Orte vereinbart. Ziel der Agenten war es anfänglich, ein möglichst komplettes Bild der polnischen und vor allem sowjetischen Radarstellungen entlang der gesamten Ostseeküste von Rügen bis Estland zu gewinnen. Wenige Jahre später bezogen sich ihre Aufträge auf die Erfassung des sowjetischen Funkverkehrs von der DDR, über Polen bis hin zum Baltikum. Ausgestattet waren sie alle mit Handfeuerwaffen, teilweise sogar mit Schalldämpfern und Kurzwellen-Funkgeräten, die aus den USA stammten. Erst später wurden sie mit Antennen für Funkpeilungen ausgerüstet. 

Es gab damals kaum vorstellbare Schicksale. Nach glaubhaften Schilderungen ist ein Lette im Zuge der Partisanenkämpfe schließlich nach Polen abgedrängt worden, von wo ihn die antisowjetische Widerstandsbewegung „Armia Krajowa“ mit ihren geheimen Verbindungen nach West-Berlin durch die DDR in den Westen schleuste. Angeblich nahm er 1951 als Leiter erneut an einem Einsatz teil. Näheres weiß man aber nicht über sein weiteres Schicksal. 

Die CIA, die in Zusammenarbeit mit der Organisation Gehlen seltsamerweise erst 1952/1953 an derartigen Einsätzen aktiv teilnahm, bevorzugte bei der Operation Rusty (eingerostet) die Einschleusung ihrer Agenten per großen, mit Wasserstoff gefüllten Luftballons. Diese wurden in den Schnellbooten unmittelbar vor der polnischen Küste aufgefüllt. Bekannt ist die auf diese Weise erfolgte Anlandung von angeblich sogar acht polnischen Spionen im Herbst 1952 im weiteren Hinterland von Stolpmünde [Ustka]. Ausgerüstet waren sie mit echter polnischer Zivilkleidung, Funkgeräten, Medikamenten und vielen der damals in Polen so sehr begehrten Schweizer Uhren. 

Nach einigen Quellen erfolgten bis Sommer 1955 insgesamt 16 derartige Einsätze, während andere allein für jenes Jahr 15 melden, sodass die häufiger genannte Zahl von insgesamt 36 Einsätzen eher zutreffen dürfte. Dabei wurden 52 Personen in die sowjetisch besetzten Gebiete abgesetzt und 18 – wahrscheinlich Spione nach erledigtem Auftrag – wieder von den Schnellbooten abgeholt. Nach Stasi-Angaben hat das KGB 42 dieser Männer aufgespürt, in einigen Fällen vielleicht auch „umdrehen“ können. Andere verriet der Sowjetspion Kim Philby in London. 

Anfang 1955 wurde ein Schnellboot von einem sowjetischen Schiff beschossen. In der folgenden Zeit war ein unbemerktes Eindringen in den östlichen Teil der Ostsee angesichts verstärkter sowjetischer Gegenmaßnahmen kaum noch möglich. Die Einsätze mussten daher reduziert werden und beschränkten sich bis 1963 nur noch auf wichtige spezielle Missionen. Im darauffolgenden Jahr gab es noch einmal eine derartige Aktion. Ob sie wirklich die letzte war, bleibt wohl ein Geheimnis.

S. 12 Mensch & Zeit

Mit einer Dosis Zyankali
Wenn Menschen aus politischen Gründen Selbstmord begehen
Wolfgang Kaufmann

Am 29. November verurteilte der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag den früheren Generalmajor und Oberbefehlshaber der bosnisch-kroatischen Armee Slobodan Praljak letztinstanzlich wegen angeblicher Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht und die Genfer Konvention zu 20 Jahren Haft (siehe PAZ 50, Seite 6). Daraufhin rief der Angeklagte empört: „Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher, mit Verachtung weise ich Ihr Urteil zurück.“ Wenige Sekunden später schluckte der Ex-Militär eine tödliche Dosis Zyankali. Diese spektakuläre Tat veranlasste die „Bild“-Zeitung zu schreiben, das sei „der feige Selbstmord eines Kriegsverbrechers“ gewesen, „der seine gerechte Strafe nicht ertragen wollte“.

Das kann man auch ganz anders sehen. Sogar ohne den bemerkenswerten Umstand zu diskutieren, dass das Tribunal in Den Haag bisher immer recht einseitig agierte und Kriegsverbrechen von muslimischen Kombattanten im Jugoslawienkrieg nur mit lächerlich geringen Strafen sanktionierte oder am Ende gar auf Freispruch erkannte: typische Beispiele sind die Prozesse gegen die Generäle Naser Oric und Sefer Halilovic.

Beim genaueren Hinsehen erscheint der Suizid des 72-jährigen Praljak kaum als Ausdruck persönlicher Feigheit und Flucht vor der Verantwortung. Immerhin hatte sich der Kroate ja 2004 freiwillig gestellt und seitdem im Untersuchungsgefängnis gesessen. 

Viel eher agierte der frühere General wohl im Rahmen der uralten Tradition, nach der Selbstmord dann legitim oder gar geboten ist, wenn es gilt, ein starkes finales Zeichen gegen Missstände oder Ungerechtigkeiten zu setzen und die eigene Ehre zu verteidigen. So ergeben sich Parallelen zu den japanischen Samurai, die mit dem Seppuku (im Westen besser bekannt als Harakiri) einen bis in die jüngere Vergangenheit gepflegten Brauch begründeten, nach dem die rituelle Selbsttötung mittels Bauchschnitt beispielsweise auch dann erfolgen konnte, wenn der ausführende Krieger gegen Entscheidungen seines Herrn oder der Obrigkeit protestieren wollte.

Gleichermaßen sei an all die anderen erinnert, deren spektakulärer öffentlicher Suizid als Anklage gedacht war. Zu nennen wären hier  Personen der Zeitgeschichte wie die tschechischen Studenten Jan Palach und Jan Zajíc, die sich am 19. Januar beziehungsweise 25. Februar 1969 auf dem Wenzelsplatz verbrannten, um gegen die gewaltsame Niederschlagung des „Prager Frühlings“ zu demonstrieren. So wie auch der DDR-Pfarrer Oskar Brüsewitz, der 1976 als lebende Fackel endete, weil er ein Zeichen gegen die Kirchenfeindlichkeit des SED-Regimes in Ostberlin setzen wollte. Respekt verdient sicherlich auch der jüdische Journalist Štefan Lux. Dieser erschoss sich am 3. Juli 1936 während einer Generalversammlung des Völkerbundes in Genf, um auf den Antisemitismus im Dritten Reich aufmerksam zu machen. Und dann wäre da noch die 16-jährige Amina Filali aus Marokko, die am 15. März 2012 eine tödliche Dosis Rattengift einnahm, nachdem man sie gezwungen hatte, ihren Vergewaltiger zu heiraten. All diese Menschen waren sicherlich genauso wenig feige wie Praljak.

Mut braucht es, den eigenen Lebenswillen aus freien Stücken zu überwinden. Die Frage, ob der Freitod legitim ist, führt dabei nicht nur unter Philosophen, Theologen und Psychiatern zu leidenschaftlichen Debatten. „Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord“, befand Albert Camus, der französische Schriftsteller und Philosoph. Diejenigen, die ihn begehen, dürften sich darum wenig scheren. Die Schweizer Theologin und Judaistin Verena Lenzen fordert, dass man ihnen Achtung entgegenbringt: „Die Selbsttötung ist weder als Sünde noch als Krankheit zu interpretieren, sondern als vielschichtige Vollendung eines konkreten Lebens zu respektieren.“ 


Moment der Woche

Abendlicher Blick auf Accra, die Hauptstadt Ghanas. Das Bild täuscht nicht. Die 2,3-Millionen-Einwohner-Metropole ist ein florierendes Zentrum des Landes. Ghana steht im Vergleich zu anderen afrikanischen Nationen gut da. Ein Wachstum von 5,89 Prozent verzeichnete die Wirtschaft 2017. Das demokratische Präsidialsystem gilt seit Jahren als stabil. Bemerkenswert ist auch das Verhältnis zur Entwicklungshilfe. Präsident Nana Akufo-Addo erklärte jüngst beim Staatsbesuch einem sichtlich überraschten Emmanuel Macron: „Wir können nicht länger eine Politik für unsere Länder und Regionen verfolgen auf der Basis irgendeiner Unterstützung, die uns die westliche Welt, Frankreich oder die Europäische Union geben kann. Das hat nicht funktioniert und es wird nicht funktionieren.“ Das sehen andere Machthaber auf dem Kontinent anders. Die Dauerhilfe der Industrienationen sichert ihnen Macht und Reichtum. In der „FAZ“ erklärte ein desillusionierter Entwicklungshelfer jüngst:  „Die bittere Realität ist doch, dass wir die korrupten Strukturen am Leben halten, weil wir den Kleptokraten ständig neues Geld geben.“ FH

Ein Planet namens Erde
Naturschutz ist lebenswichtig, dennoch besitzt die Erde enorme Fähigkeiten, sich selbst zu heilen – Einige verblüffende Erkenntnisse
Ulrike Dobberthien

Umweltsünder Nummer Eins ist nicht der Mensch, sondern die Erde selbst. Heiße Quellen auf dem Meeresboden speien tonnenweise gefährliche Schwermetalle in die Ozeane. Vulkane verpesten die Atmosphäre mit quadratkilometergroßen Giftwolken. Bewohnbar bleibt der „wilde“ Planet trotzdem. Fünf Mal in seiner Geschichte hat er alles Leben allerdings auch beinahe ausgerottet.

Seit dem März 2009 sucht das Weltraumteleskop Keppler im Universum nach Planeten. Dabei gibt es einen, der ist so wild, unberechenbar und gefährlich, dass es schaudert: Auf glühendem Magma treiben hauchdünne, erstarrte Schollen aus teils giftigen, teils radioaktiven Elementen. Wenn sie kollidieren, ist ihre Wucht so groß, dass sie dadurch explosive Eruptionen aus giftigen Gasen, Schwefeldioxiden, erstickendem Staub und 1200 Grad heißem, flüssigen Gestein bis zu vier Kilometer in den Weltraum schleudern, dass sie problemlos die Achse des Planeten um acht  Zentimeter verschieben und ihn schneller rotieren lassen. Aus den gewaltigen Ozeanen des Planeten dünsten Methanwolken, auf seinem Boden speien Schlote 300 Grad heißes Wasser voller giftiger Schwermetalle. Asphaltvulkane teeren den Seeboden mit zähen Bitumen und Ölschichten.

Der Planet heißt Erde. Wenn er sich einmal schüttelt, einmal hustet oder einmal etwas stärker von der Sonne angehaucht wird, hat er die Gewalt, sämtliches Leben, das auf ihm wimmelt, fast vollständig auszurotten. Fünf Mal kam so ein Massenaussterben in der Geschichte der 4,6 Milliarden alten Erde bisher vor. Alle fünf Mal regenerierte sich das Leben auf unserem gewalttätigen Planeten auf stürmische Weise. Das ist wichtig, weil es den Menschen, der seit jeher dazu neigt, sich zu überschätzen, wieder auf seinen Platz rückt: eine Lebensform, deren Wirken und Werken bereits in die ungeheure, gleichgültige Existenz der Erde eingepreist ist. Denn es zeigt sich, wie wenig der Mensch der Erde schaden kann. Das klingt paradox: Schließlich möchte niemand morgens aufwachen und auf einen schwarzglänzenden Ölstrand gucken, in dem verteerte Vögel flappen, weil gerade ein Tanker havariert ist. Oder in einer Schwefelwolke sitzen, weil im Chemiewerk nebenan die eine oder andere Leitung explodierte. Darum erfand der Mensch den Umweltschutz – weil er nun mal lieber in einer Umgebung lebt, die für ihn angenehm ist. 

Das ist richtig, wichtig und ein ungeheurer zivilisatorischer Fortschritt. Der Erde ist das aber egal. Sie kann das ab und regeneriert sich in erstaunlich schneller Zeit. Sie unterscheidet nicht zwischen „natürlichen“ und „menschgemachten“ Umweltkata-strophen. Das Leben, das auf ihr an den giftigsten, scheinbar lebensfeindlichsten Orten der Welt gedeiht – eben an den Asphaltvulkanen, an den Schwarzen und Weißen Rauchern – zeugt von dieser Vitalität in dem, was fanatisierte Naturschützer eigentlich sofort verbieten müssten: „Korken in alle Vulkane!“, „Stoppt die Plattentektonik!“

Auffällig ist etwa, dass eine der größten menschgemachten Umweltkatastrophen in keiner einzigen Klima- oder Umweltstatistik auftaucht, obwohl durch sie, folgt man dem üblichen Alarm, alle Meere und Kontinente unrettbar verseucht sein müssten: der Zweite Weltkrieg. Denn den hat „die Natur“ längst weggesteckt. Was die Kriegsflotten 1939 und 1945 allein in den Weltmeeren, vor allem im Atlantik, dem Golf von Mexiko, der amerikanischen Ostküste und der europäischen Westküste an vollbeladenen Tankern, Frachtern und Munitionstransportern versenkten, ist ungeheuer. 1941 schickten deutsche U-Boote vor der Küste North Carolinas allein 400 Schiffe auf den Grund. Die komplette Flotte der neun „Arrow“-Tanker von Socony-Vacuumm Oil Co., also dem Mobil-Konzern, musste vollbeladen – je 86000 Barrel Öl – daran glauben. 1941 bis 1944 versanken 4000 vollbeladene Tanker im Atlantik. Bis 1945 flossen geschätzte zehn Millionen Tonnen Öl und Flugbenzin allein ins Nordmeer. Bilder aus der Zeit zeigen die brennenden Ölschiffe, die pechschwarzen Rauchsäulen zu Wasser und zu Land, denn auch die Treibstofflager brannten: bombardiert, angezündet, gesprengt. 

Moderne Tankerunglücke wie das der Torrey Canyon vor Cornwall (1967, 119000 Tonnen Rohöl), der Amoco Cadiz (1978, 223000 Tonnen Rohöl) vor der Bretagne und der Exxon Valdez in Alaska (1989, 37000 Tonnen Rohöl) muten dagegen an wie ein Klacks.

2011 stellten britische Biologen fest, dass sich Leben und Meeresboden rund um das von der Ölpest betroffene Gebiet der Torrey Can-yon wieder vollständig erholt hatten. Im Golf von Mexiko ist auch nichts mehr zu spüren. Doch, halt – da gab es doch 2010 die Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon samt Ölpest, einer 35 Kilometer langen Ölwolke in etwa 1100 Metern Tiefe. Vorbei, vergessen, gefressen von Mikroorganismen. Jenen, die vom deutschen Forschungsschiff Sonne im Jahr 2003 als Beifang eingesammelt wurden, als die Wissenschaftler im Golf von Mexiko Asphaltvulkane entdeckten, aus denen ständig Öl und Teer fließen („Campeche Knolls“).

Das erklärt, warum auf Satellitenbildern oft Ölflecken über Asphaltvulkanen zu erkennen sind, die als Wegweiser dienen. „Wir suchen Asphaltvulkane, indem wir auf Satellitenbildern nach relativ kleinen Ölflecken auf dem Wasser schauen. Diese stammen von Öl, das aus 3000 Metern Tiefe an die Oberfläche steigt. Finden wir Stellen, an denen sich die Ölflecken über lange Zeit am selben Ort halten, lohnt es sich nachzusehen, ob dieses Öl aus einem Asphaltvulkan aufsteigt“, so der auf marine Geologie spezialisierte Professor Gerhard Bohrmann von der Universität Bremen, der damals an der Entdeckung beteiligt war.

Ihr ausgespuckter Asphalt besteht aus einer schwer verdaulichen Mischung von Gesteinen und vor allem aus Bitumen oder Erdpech. Das sind langkettige Kohlenwasserstoffe mit gebundenem Schwefel, Sauerstoff, Stickstoff und winzigen Spuren von verschiedenen Metallen. Der Laie hält das für verheerend – doch der Wissenschaftler ist entzückt: „Wir haben dort ein ganzes Ökosystem gefunden, dass nicht nur auf Asphalt lebt, sondern sich anscheinend von ihm ernährt“, beschreibt Bohrmann die Situation in 3300 Meter Tiefe vor der Küste der mexikanischen Halbinsel Yucatan. Neben ganzen Büscheln von Bartwürmern gibt es verschiedene Muschelarten, Krebse, sesshafte Korallen- oder schwammartige Gebilde, Fische und vor allem gewaltige Mengen an Bakterien – also ähnlich vielfältige, reiche Lebensgemeinschaften, wie man sie in den letzten 30 Jahren an Schwarzen und Weißen Rauchern am Meeresboden entlang des gesamten Atlantischen Rückens gefunden hat. 

Apropos Schwarze und Weiße Raucher: Diese Millionen Hydrothermalquellen mit ihrem ununterbrochenen Ausstoß von 300 Grad heißem Wasser erwärmen die Ozeane nicht – ebenso wenig wie die unzähligen Unterwasservulkane im Pazifik und Atlantik, die dort ständig kochende Lava als neuen Meeresboden produzieren.

Womit die nächste Ungeheuerlichkeit der wilden Erde ins Visier gerät: gigantische Vulkanausbrüche, die weltweit für Hungersnöte, Missernten und sogenannte genetische Flaschenhälse sorgten, weil durch sie fast die gesamten Tiere und Menschen des betroffenen Gebiets starben. Als verheerendste Naturkatastrophe der Neuzeit gilt 1783/84 der acht Monate währende Ausbruch des isländischen Lakis, Teil des Grimsvötn-Vulkansystems: Schwarze Aerosolwolken zogen damals vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer. Eisige Hungerwinter mit minus 27 Grad waren die Folge. Allein in England verhungerten 25000 Menschen. In Europa, so neue Schätzungen, starben mehrere Hunderttausend und weltweit Millionen, da die Vulkanasche und seine Gase, Fluor, Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff, Kohlendoxid, in der Stratosphäre jahrelang um den Globus zogen. 

Die Erde, die ungeheuer vitale „Natur“, hat sich von allem erholt. Denken Sie ruhig daran, wenn Sie zum nächsten Spaziergang aufbrechen, um in der Natur beim tiefen Durchatmen aufzutanken. Freuen Sie sich an ihr. An ihrer Schönheit. Und dass Sie gerade nicht dort sind, wo sie wild ist. Lassen Sie ihre Gedanken zum Umweltschutz wandern: Er ist richtig und wichtig. Aber bitte drei Nummern kleiner: nicht „für den Planeten“, dem er egal ist sondern für unseren eigenen Seelenfrieden. Für unser Glück. Weil kein Mensch am Morgen aufwachen will, und statt auf einen Strand auf eine Ölwüste gucken will.

 


S. 13 Das Ostpreußenblatt

»Wander-Kant« erhält einen festen Platz
Wegen anhaltender Diskussionen in Königsberg: Skulptur ziert nun in Palmnicken einen Hotelgarten
Jurij Tschernyschew

Der Streit um die ungewöhnliche Kant-Skulptur, die in Königsberg niemand haben wollte, scheint beigelegt. Die Skulptur fand vor dem Hotel „Aquatoria“ in Palmnicken eine feste Bleibe.  

Von Anfang an sorgte die Kant-Skulptur des Künstlers Wladimir Tschilikin für heftige Debatten. Im Dezember 2016 war auf der Sitzung des Kulturrats beim Gouverneur die Skulptur erstmals vorgestellt worden. Der Auftrag war auf Initiative des Duma-Abgeordneten Alexander Musewitsch erteilt worden. Die Mitglieder des Kulturrats kritisierten bereits damals, dass die Kantfigur wie ein Gnom aussehe, und dass sie an einen Comicheld erinnere. Sie sahen den großen Philosophen, dessen Skulptur beim Königsberger Dom aufgestellt werden sollte, dem Spott ausgesetzt (siehe PAZ Nr. 3/2017). Doch Musewitsch ließ sich nicht beirren: Er plante, eine ganze Serie solcher Plastik-Skulpturen unter dem Motto „guter Kant“ anfertigen und in der ganzen Stadt aufstellen zu lassen. Doch der Kulturrat verlor sein Interesse an diesem Projekt.

So wurde nur ein „guter Kant“ vor dem Haupteingang des Einkaufszentrums „Europa“ platziert. Im Laufe der Zeit gewöhnten sich die Passanten daran. Dank der Tatsache, dass neben der Skulptur eine Bank aufgestellt wurde, ließen sie sich mit Vergnügen neben ihm sitzend fotografieren. Doch eines Tages verschwand der „gute Kant“ von diesem Platz. Als auf dem Kneiphof ein Philosophietag stattfand, willigte die neue Domdirektorin Vera Tariwerdijewa ein, die Skulptur neben dem Dom aufzustellen. Sie sagte: „Ich habe ihn mir angesehen, und er gefiel mir. Er gefällt den Leuten und ich entschied: Lasst ihn doch aufstellen.“

Doch nach einiger Zeit verschwand Kant auch von diesem Ort. Diesmal erklärte Tariwerdijewa, sie habe von der negativen Bewertung der Kant-Skulptur vonseiten des Kulturrats nichts gewusst. Daher wurde Kant von der Insel entfernt und auf dem Grundstück des Direktorats der staatlichen Institution „Kathedrale“ in der Hans-Sagan-Straße [Narwskaja uliza] aufgestellt. Über das Verschwinden Kants waren viele verwirrt. Als Schüler, die eine Präsentation über den Philosophen vorbereiten sollten, zur Skulptur gehen wollten, fanden sie ihn nicht mehr vor. Gerade ihnen gefiel die Skulptur: „Er hat einen Hut wie ein Pirat und er ist so lustig“.

Die Ansicht der jungen Königsberger teilten nicht viele. Der Vorsitzende der Kant-Gesellschaft, Professor Leonard Kalinnikow sagte: „Diese Verspottung und Verunglimpfung des großen Philosophen ist eine inakzeptable Verhöhnung des Genies. Ihn derart zu parodieren. Es ist eher ein Zwerg oder eine Figur von Madame Tussaud.“ Auch Dom-Mitarbeiter vertraten die Auffassung, dass es unpassend sei, neben dem Grab eines so bedeutenden Menschen ein komisch wirkendes Konterfei von ihm aufzustellen.

Der Künstler Tschilikin, der die Kantskulptur geschaffen hat, sagte, es sei nicht einfach gewesen, an der Skulptur zu arbeiten, weil Kant auf keinem der Abbilder von ihm lächelt. „Das Gesicht war schwer zu bilden und das Lächeln musste ich mir ausdenken“, verteidigte sich der Künstler.

Dennoch vergingen nur wenige Tage, bis die Kant-Skulptur wieder ihren Standort wechselte. Diesmal gibt es Grund zu der Annahme, dass der „Wander-Kant“ einen bleibenden Platz gefunden hat. Er steht jetzt in Palmnicken auf dem Grundstück des Hotels „Aquatoria“. Die Hotelleitung sagte, dass sie die Skulptur gerne aufnähme. Das Hotelmanagement werde seinen Gästen den „guten Kant“ mit Stolz präsentieren. Schon im vergangenen Jahr hatte der Palmnicker Bürgermeister Alexej Saliwatskij vorgeschlagen, die Skulptur in der Stadt aufzustellen, aber der Ideengeber Musewitsch bestand darauf, sie vor dem Dom zu platzieren. So wohnt nun der „gute Kant“ am Meer, und es scheint ihm zu gefallen.

Kraupischken in Lasdehnen
Wanderausstellung von Schul- und Museumsdirektor Jurij Userzow fand großes Gefallen
M. Juschkewitsch/PAZ

um Jahresende wurde im städtischen Museum in Lasdehnen [Krasnosnamensk] die Ausstellung „Spaziergang durch das alte Kraupischken“ eröffnet. Solch eine Ausstellung über die Geschichte des Ortes Kraupischken [Uljanowo] im Kreis Tilsit-Ragnit, war in Lasdehnen zum ersten Mal zu sehen.  Der Gründer und Leiter des Museums, Jurij Userzow, der die Wanderausstellung konzipiert hat, sagte bei der feierlichen Eröffnung: „Die Ausstellung haben wir anlässlich des  35-jährigen Bestehens unseres Museums und des 70. Jubiläums unserer Schule organisiert. Ich habe sie meinen Eltern und deren Landsleuten gewidmet, die zu den ersten russischen Übersiedlern gehörten, die das Leben in ihrer neuen Heimat aufbauten. 

Vonseiten der Kreisverwaltung Lasdehnen sprach der stellvertretende Landrat: „Es ist heutzutage so, dass die Gegenwart die sorgfältige Aufbewahrung der Geschichte fordert. In diesem Sinne sprechen sich sowohl unser Gebietsgouverneur als auch die Verwaltung unseres Kreises aus. Gemeint sind damit nicht nur solche Ausstellungen, sondern auch vor allem die Erhaltung der noch vorhandenen historischen Gebäude, von denen es noch jede Menge in der Stadt gibt, wie Denkmäler des Ersten Weltkriegs und Friedhöfe. Wir werden weiterhin zur sorgfältigen Erhaltung der historischen Denkmäler sowohl aus der Vor- als auch aus der Nachkriegszeit beitragen“, versprach er.

Die zahlreichen Besucher betrachteten mit großem Interesse nm Kraupischken und hörten Userzows Kommentare dazu. So erfuhren sie beispielsweise, dass es in Kraupischken früher eine Mercedes-Werkstatt gegeben hat. Davon ist heute nur ein Reklameschild übrig geblieben, das während der Kriegshandlungen mehrmals durchschossen wurde. Die Ausstellungsbesucher konnten sich ein Bild davon machen, wie das Dorf einmal ausgesehen hat, das man früher wegen seiner Schönheit, seiner Gepflegtheit und seiner Außergewöhnlichkeit eine kleine Stadt nannte. Leider ist vieles davon nicht mehr da, deswegen sind manche Bilder ganz einmalig.

 Ludmila Litwinowa, die Museumsleiterin von Lasdehnen, antwortete auf die Frage, sie sie dazu gekommen sei, eine solche Ausstellung in ihrem Museum zu zeigen: „Ich kenne Jurij Userzow schon lange. Aus den Gesprächen mit ihm ist es mir klar geworden, dass dieser Mensch die Geschichte unserer Region sehr gut kennt und weiß, wie man das Interesse der jungen Generation erwecken kann, was ich für sehr wichtig halte. Ich teile mit ihm die gleichen Ansichten zur Vergangenheit und, dass es von großem Belang ist, sie zu pflegen. Darum habe ich dieses Projekt mit Freude unterstützt. Dazu haben wir alles Nötige, vor allem zwei Räume in unserem Museum, zur Verfügung gestellt. Ich freue mich, dass die Einwohner unseres Kreises solch eine Möglichkeit haben, die alten Ansichten von Kraupischken kennenzulernen.“ Die Ausstellung ist diesen Monat noch in Lasdehnen, so dass jeder Interessent sie besichtigen kann.


Fotos im Bahnhof
Russe dokumentiert Königsberger Kulturerbe

Bis zum 23. Januar sind in der Halle des Königsberger Südbahnhofs Bilder des Kunstfotografen Dmitrij Vyschemirskij zu sehen. Für die Konzeption der Ausstellung zeichnet das Museum Friedländer Tor verantwortlich. Die aktuelle Schau ist eine Zusammenstellung der Arbeit aus verschiedenen Zyklen zum kultur-architektonischen Erbe im Königsberger Gebiet, mit dem sich der Künstler bereits seit Jahren beschäftigt.

Vyschemirskij, der in den 80er Jahren Orte ehemaliger Gulags besuchte und die Ergebnisse in Ausstellungen zeigte, hat sich im Wes-ten durch seine Fotoreihe „Königsberg verzeih’“, die in einem Bildband erschienen ist, einen Namen gemacht. Mit seinen Bildern sucht er ein künstlerisches Verständnis eines Gebiets zu wecken, auf dem die russische Gegenwart neben dem kulturhistorischen Erbe Ostpreußens existiert. 2007 beendete er die Arbeit an dem Zyklus „Post-“, in dem er mit der Betrachtung der post-deutschen und post-sowjetischen Landschaft des Königsberger Gebiets fortfährt. Seine Bilder zeigen neben den Zerstörungen des kulturellen Erbes auch architektonische Besonderheiten, die heute noch zu sehen sind. 

Für seine Arbeiten erhielt Vyschemirskij zahlreiche Auszeichnungen. PAZ

MELDUNGEN

Observatorium in Allenstein

Allenstein – In Allenstein soll ein modernes Wissenschaftszentrum mit Laboratorien, einem Observatorium und einem Newton-Pendel entstehen Die Ermländisch-Masurische Universität plant den Bau in der Nachbarschaft der Humanistischen Fakultät in Kortau, mit einem Gebäude auf über 3100 Quadratmetern Grundfläche. Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2018 beginnen, und der Bau soll Anfang 2021 eröffnet werden. Die Kosten der Investition betragen 25,6 Millionen Zloty (6,12 Millionen Euro), wovon 16,6 Millionen (knapp vier Millionen Euro) aus dem Programm 2014 bis 2020 der Europäischen Union zugeschossen werden.PAZ





US-Soldaten attackiert

Lötzen – Vergangenen Monat attackierten drei Männer vor einem Lokal in Lötzen einen amerikanischer Soldaten sowie dessen zivilen Mitarbeiter. Sie schlugen den Soldaten brutal zusammen. und verletzten ihn schwer. Er erlitt einen Schädelbruch und wurde in ein Krankenhaus in der Bundesrepublik überführt. Auch der Zivilist wurde verletzt. Die Polizei verhaftete im Zusammenhang mit dem Überfall drei Personen. Einer Person wurde ein räuberischer Überfall und brutale Körperverletzung vorgeworfen. Wie der zuständige Staatsanwalt Grzegorz Rynski mitteilte, könnte die Tat mit einer anderen Schlägerei, die sich im September zugetragen hat, in Zusammenhang stehen. PAZ


S. 14 Ostpreussische Familie

Lewe Landslied, liebe Familienfreunde,

das Alte Jahr ist vergangen, das Neue hat begonnen, und unsere Familienarbeit geht weiter wie gewohnt, denn der Pungel mit Zuschriften ist stramm gefüllt. Greifen wir hinein und ziehen zuerst einen Beitrag von Herrn Jörn Pekrul heraus, der zu unseren Überlegungen Stellung nimmt, die wir in Folge 48 brachten. Sie trafen seinen Nerv, denn es ging um die Stadt, die er bis zum letzten Winkel durchstreift: Königsberg. Frau Dr. Tanja E. aus Bonn hatte sich an uns gewandt, weil sie kaum etwas über die ostpreußische Hauptstadt weiß, aus der ihre Großeltern und Eltern stammen. Diese hatten zumeist geschwiegen – vielleicht hatten sie die Vertreibung noch nicht verkraftet und waren blockiert, vielleicht hatten sie an ihrem neuen Wohnsitz auch kaum Menschen gefunden, mit denen sie über ihre Heimat sprechen konnten, vielleicht hatte die Enkelin zu wenig hinterfragt – wie auch immer: Sie wollte mehr über diese Stadt ihrer familiären Herkunft wissen und bat uns, ihr dabei zu helfen. Sie wollte erfahren, welches Lebensgefühl wir Ostpreußen aus der Generation ihrer Großeltern hatten und dieses noch bewahrt haben, um darüber sprechen zu können. So vereinbarten wir ein Gespräch bei mir, da ich ja diese Bedingungen erfüllte, und es wurde ein sehr ergiebiger Nachmittag für beide Teilnehmerinnen, weil wir uns mit Themen konfrontiert sahen, die uns bisher nicht oder kaum bewusst waren. Im Mittelpunkt des mehrstündigen Gesprächs stand immer der Begriff Lebensgefühl – für Frau Dr. E. so wichtig, um herauszufinden, was ihre ostpreußische Identität ausmacht. Dies hatte sie uns bereits vorher in ihrer ersten Mail mitgeteilt, und ich hatte die Themen schon in unserer Kolumne angedeutet. Fast umgehend griff Herr Pekrul dieses Thema auf und übersandte uns Anfang Dezember seine Gedanken über ein „Königsberger Lebensgefühl“, die wir nun heute bringen wollen, weil hier zwei Nachfahren sich treffen: die eine als Fragestellerin, der andere als Antwortgeber, aber beide mit großem Einfühlungsvermögen für die Welt ihrer Vorfahren, die sie auch in sich zu spüren glauben. Jörn Pekrul schreibt:

„Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen. Dieser Satz von William Faulkner passt meines Erachtens sehr gut für das Königsberger Lebensgefühl. Es ist sehr gegenwärtig. Auch wenn wir nicht verallgemeinern wollen, so fallen mir immer wieder die gleichen Eigenschaften auf. Und zwar in meinem persönlichen Umgang mit Angehörigen der Erlebnisgeneration wie auch bei denjenigen Nachkommen, die dieses Lebensgefühl angenommen und für ihr eigenes Leben im Heute entwickelt haben. Dieses Lebensgefühl hat, so finde ich, zuerst seinen Ausdruck gefunden in der übermenschlichen Fähigkeit der Erlebnisgeneration, die von persönlicher Schuld oder Unschuld unabhängig erlittenen Traumata der Vertreibung und des totalen Verlustes nur im Stillen zu verarbeiten. Eine menschliche Würde, die der Jugend Ehrfurcht lehrt. Darüber hinaus haben sie unmittelbar danach am Wiederaufbau eines ihnen fremden Restlandes mitgewirkt: in bitterster materieller Armut, aber trotzdem konstruktiv, friedlich und Empathie fähig. Und das alles ohne Willkommenskultur und ohne Rundum-Sorglos-Paket. Dies zu können bedarf starker innerer Kräfte, die über die Jahrhunderte in der Kultur des Ostens unseres Landes entstanden sein müssen. Ein leuchtendes Vorbild, das bleibt, und die Nachgeborenen zu Dank verpflichtet.

Weiterhin finde ich die alte Stadt noch im Umgang mit meinen Königsberger Familien und Wahlverwandtschaften. Sofern ich es freimütig äußern darf schätze ich an ihnen die Tugenden, die wir in ganz Ostpreußen finden: Von Vernunft geprägt, Pragmatismus in Alltagsdingen und schließlich die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigen zu unterscheiden. Als wäre in einer über 750-jährigen Stadtgeschichte eine Prägung gewachsen, die eine Selbstredaktion zur Selbstverständlichkeit machte. Und dadurch – als gute Kehrseite – zu einer tieferen Empfindungsfähigkeit im seelischen Bereich befähigte. Die Herzlichkeit und Lauterkeit der Königsberger und des ostpreußischen Menschenschlages überhaupt sind legendär. Dieses In-sich-ruhen trägt dazu bei, den zwischenmenschlichen Umgang authentischer, respektvoller und unaufgeregter zu gestalten. Und das ist um ein Vielfaches interessanter, als wenn ich beliebige Kontakte über das Smartphone pflege. Welch ein Reichtum, von dem wir Nachgeborenen zehren können. Wir müssen uns nur dafür öffnen und es annehmen.

Auf einer allgemeinen Ebene vergleiche man die Debattenkultur vom ‘Königsberger Geist’ zum Heute. Die Überlieferungen zeigen, dass im alten Königsberg die Streitkultur ein bis heute nicht mehr erreichtes Spitzenniveau hielt: leidenschaftlich, tiefschürfend, suchend, Neugier auf andere Meinungen, Prüfung der Gründe und rationaler Vergleich mit den eigenen Maßstäben. In diesem Prozess fiel alles Unbrauchbare ab. Die Streiter waren selbstbewusst und intelligent genug, die Sachfragen nicht auf ein persönlich-emotionales Niveau herunter zu zerren. Wie faszinierend muss dieser Austausch, auch unbefangen über Standesgrenzen hinweg, gewesen sein. Hier hat das alte Königsberg einen hochattraktiven Maßstab für den heutigen Diskurs im Angebot. Universell nutzbar und bereichernd für jeden Teilnehmer. Zuletzt ist dieser „Königsberger Geist“ aber auch in anderen Lebensbereichen ein Gewinn, wie ich es immer wieder selber erleben darf. Vor kurzem hielt ich für die Erlebnisgeneration im Ruhrgebiet einen Bildvortrag. Er wurde von der hochtalentierten Cellistin Friederike Lisken musikalisch begleitet. Bei unseren Vorbereitungen begegnete der „Königsberger Wanderer“ einer künstlerischen Kompetenz, vor der er in die Knie ging. Begegnungen, Erfahrungen, Lebensweg und eine musikalische Entdeckung über die Grenzen von Königsberg hinaus. Das kann mir kein Smartphone bieten!“

Diese Ausführungen von Jörn Pekrul zu unserem Thema hätten eindringlicher nicht formuliert werden können und boten meinem Gast und mir eine gute Gesprächsgrundlage, die aber leider zeitlich begrenzt war, denn Frau Dr. Tanja E. war extra zu dieser Fragestunde nach Hamburg geflogen. Aber sie eröffneten ihr schon nach den ersten Sätzen gänzlich neue Vorstellungen von dem ursprünglichen Umfeld ihrer Familie, die ich ihr so nicht hätte vermitteln können, weil sie ja auf den Erkenntnissen eines Angehörigen der Nachfolgegeneration beruhen. Und die eigene Nabelbeschau liegt einer waschechten Ostpreußin schon gar nicht! Aber von den Kriterien, die Jörn Pekrul in seinem letzten Satz anführte – Begegnungen, Erfahrungen, Lebenswege – konnte ich als eine der ältesten der Erlebnisgeneration meinem so viel jüngeren Gast doch Einiges vermitteln. Vor allem dürfte Frau Dr. Tanja E. nun das Schweigen ihrer geflüchteten Großeltern überdenken, denn das erlittene Trauma der Vertreibung war nur im Stillen zu verarbeiten, wie Jörn Pekrul es formuliert. Das „Königsberger Lebensgefühl“ wird uns noch lange beschäftigen!

Wenn wir Frau Helga Bischoff aus Hamburg fragen würden, welch ein Lebensgefühl sie in Erinnerung hätte, wenn sie an ihre Jugend in Königsberg denke, dann wäre nur eine Antwort möglich: „Ein unbeschreibliches, denn es war die schönste Zeit meines Lebens.“ Und das kann man auch verstehen, denn die Elevin der Ballettschule der Königsberger Oper musste während ihrer dreijährigen Ausbildung an fast jeder Veranstaltung teilnehmen, und das tat sie auch mit großer Begeisterung. So gehen gerade jetzt im Winter ihre Gedanken zurück an die Bretter, die ihr die Welt bedeuten. „Für uns blutjunge Schüler war es eine zu schöne Jahreszeit mit den besonders festlichen Veranstaltungen wie den großen Gala-Abenden in der Stadthalle mit Erich Börschel. Besonders die Tanzabende waren für uns von riesiger Bedeutung und voller Erlebnisse. Es waren ja Kriegsjahre und eine traurige Zeit, aber wir spielten immer vor ausverkauftem Hause. Viele Vorstellungen waren ja für verwundete Soldaten reserviert, die durch unser Wirken freudige Stunden erleben konnten. Darüber waren wir alle sehr glücklich. Auf der Bühne fühlten wir uns immer wie im Traum, das helle Licht, die Musik, der Gesang, das Publikum, dazu die von uns verlangte Konzentration, denn jeder Schritt, jede Bewegung musste ja sitzen, immer ein Lächeln, wenn auch die Füße brannten, Haltung, Haltung und ganz wichtig: Disziplin und Anpassung. Für die zwei großen Tanzabende, die in jeder Spielzeit stattfanden, wurde fast das ganze Jahr unter der Choreographie von Ballettmeister Heinz Klee hart geprobt. An diesen großen Tanzabenden hatte jeder von uns eine bestimmte Rolle zu tanzen. Es war harte Arbeit, trotzdem waren wir mit Leib und Seele dabei und fieberten der Premiere entgegen.“ Im Mai 1944 hatte Helga Mischling aus der Altstädtischen Langgasse 72 es endlich geschafft: Mit fünf Ballettschülerinnen aus ihrer Klasse bestand sie vor der aus Berlin angereisten Prüfungskommission der Theaterkammer das Examen und erhielt den Leistungsnachweis für eine ausgebildete Operntänzerin. Diese Urkunde hat Helga nach gelungener Flucht im Berufsleben sehr geholfen. So konnte sie bereits im März 1946 in Hamburg an der Volksoper und als Gast in der „Flora“ mitarbeiten. Acht Jahre hat sie dann auf Hamburger Bühnen mit Leib und Seele getanzt und gesungen. Dass sie uns jetzt dieses Kapitel ihrer Lebensgeschichte übersandte, hat aber einen besonderen Grund: Immer zu Weih­nachten kommt die Erinnerung an die Märchenspiele, in denen sie in Königsberg mitwirkte, und dazu gehört vor allem „Der kleine Muck“, der 1942 die kleinen und großen Zuschauer erfreute. Nachdem der Vorhang gefallen war, gingen die Tänzerinnen im Engelgewand zu den Zuschauern und verteilten an die Kleinen Pfeffernüsse. So wie Helga Bischoff dies nie vergessen hat, ist es möglich, dass sich auch von diesen ehemaligen „Königsberger Kindern“ jemand an die Weihnachtsmärchen erinnert, die im Neuen Schauspielhaus stattfanden. Dazu gehört auch das Spiel „Die Goldene Gans“.

Eure Ruth Geede

S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 102. GEBURTSTAG

Warda, Erna, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 9. Januar 

ZUM 101. GEBURTSTAG

Christoph, Gertrud, geb. Szabang, aus Wilhelmsheide, Kreis Elchniederung, am 8. Januar

Trautmann, Marta, geb. Kerwel, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 7. Januar

ZUM 99. GEBURTSTAG

Granholm, Adolf, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 47, am 10. Januar 

ZUM 98. GEBURTSTAG

Rother, Frieda, geb. Konstanty, verw. Schmidt, aus Petersgrund, Kreis Lyck, am 7. Januar

Schmidt, Elli, geb. Luick, aus Neukuhren, Kreis Fischhausen, am 4. Januar

ZUM 97. GEBURTSTAG

Bauer, Gertrud, geb. Kupiczenski, aus Lyck, von-Mackensen-Straße 2, am 7. Januar

Krah, Elise, geb. Konrad, aus Liebnicken, Kreis Preußisch Eylau, am 3. Januar

Macht, Felicitas, geb. Sakowski, aus Germau, Kreis Fischhausen, am 10. Januar

Schenkewitz, Lotte, geb. Kowlewski, aus Reiffenrode, Kreis Lyck, am 10. Januar

ZUM 96. GEBURTSTAG

Borowy, Gertrud, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 6. Januar

Dröse, Emma, geb. Eichert, aus Tauern, Kreis Ebenrode, am 7. Januar

Eckstein, Hildegard, geb. Jopp, aus Soffen, Kreis Lyck, am 9. Januar 

Neuland, Elsa, geb. Wenzel, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 11. Januar

Plath, Anni, geb. König, aus Moterau, Kreis Wehlau, am 5. Januar

Rogowski, Erna, geb. Joswig, aus Ehrenwalde, Kreis Lyck, am 7. Januar

ZUM 95. GEBURTSTAG

Höppner, Ilse, geb. Tobleck, aus Poppendorf, Kreis Wehlau, am 6. Januar

Kugge, Gertrud, aus Gorlau, Kreis Lyck, am 7. Januar

Salecker, Kurt, aus Ebenrode, am 7. Januar

Sokolowski, Gertrut, geb. Sokollek, aus Skomanten, Kreis Lyck, am 11. Januar

ZUM 94. GEBURTSTAG

Breitbarth, Eva, geb. Jung, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 3. Januar

Dürr, Christel, geb. Heinrich, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 1. Januar

Gerhardi, Traute, geb. Bröker, aus Prostken, Kreis Lyck, am 10. Januar

Murr, Edith, aus Lyck, am 11. Januar

Nachtweyh, Waltraud, geb. Zyiewitz, aus Neidenburg, am 11. Januar

Schneider, Johanna, geb. Ullrich, aus Wehlau, am 6. Januar

ZUM 93. GEBURTSTAG

Bieber, Elfriede, geb. Kischkel, aus Lyck, am 11. Januar

Gründler, Edith, geb. Scherello, aus Heldenfelde, Kreis Lyck, am 5. Januar

Lehr, Berta, geb. Mrosek, aus Buschwalde, Kreis Neidenburg, am 11. Januar

Liebert, Ursula, aus Lyck, am 11. Januar

Malunat, Hannelore, aus Groß Engelau, Kreis Wehlau, am 8. Januar

Schimanski, Herbert, aus Seehag, Kreis Neidenburg, am 5. Januar

Schmidt, Heinz, aus Schönhofen, Kreis Treuburg, am 6. Januar

Skupsch, Werner, aus Kobulten, Kreis Ortelsburg, am 7. Januar

Tulowitzki, Waltraut, geb. Radeck, aus Gimmendorf, Kreis Neidenburg, am 9. Januar

Watzkat, Heinz, aus Rossitten, Kreis Fischhausen, am 5. Januar

Weber, Otto, aus Groß Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 9. Januar

Wedler, Hermann, aus Neuginnendorf, Kreis Elchniederung, am 11. Januar

ZUM 92. GEBURTSTAG

Augustin, Waltraud, geb. Doliwa, aus Hornheim, Kreis Neidenburg, am 7. Januar

Heinz, Dora, geb. Hebmüller, aus Sandau, Kreis Ebenrode, am 4. Januar

Klimach, Ulrich, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 7. Januar

Klotz, Elsbeth, geb. Schimanski, aus Seehag, Kreis Neidenburg, am 6. Januar

Klötzer, Elli, geb. Bult, aus Grünhoff, Kreis Fischhausen, am 1. Januar 

Liss, Ulrich, aus Lötzen, am 11. Januar

Luthi, Vera, geb. Tramowsky, aus Seckenburg, Kreis Elchniederung, am 7. Januar

Marschand, Hildegard, geb. Schink, aus Fischhausen, am 10. Januar

Pitschke, Elsbeth, aus Königsberg, am 8. Januar

Risitc, Elfriede, geb. Köstering, Ortsgruppe Osnabrück, am 10. Januar 

Rosenberger, Helene, geb. Dietz, aus Eichensee, Kreis Lyck, am 10. Januar

Stegeberg, Christel, geb. Vogel, aus Tawellenbruch, Kreis Elchniederung, am 5. Januar

Suttka, Hildegard, geb. Klask, aus Waplitz, Kreis Ortelsburg, am 10. Januar

Thalmann, Siegfried, aus Zimmerbude, Kreis Fischhausen, am 2. Januar

ZUM 91. GEBURTSTAG

Bednarski, Irmgard, aus Neidenburg, am 6. Januar

Cordes, Martha, geb. Klecz, aus Moithienen, Kreis Ortelsburg, am 7. Januar

Heuss, Ruth, geb. Gulbis, aus Rossitten, Kreis Fischhausen, am 11. Januar 

Laudien, Fritz, aus Neidenburg, am 6. Januar

Leverink, Herta, geb. Mann, aus Jägersdorf, Kreis Neidenburg, am 5. Januar

Linkel, Lotte, geb. Seller, aus Mulden, Kreis Lyck, am 11. Januar

Orlowski, Helmut G., aus Langsee, Kreis Lyck, am 8. Januar

Pillath, Elfriede, geb. Kowallek, aus Lindengrund, Kreis Ortelsburg, am 9. Januar

Rottmann, Liesbeth, geb. Wolff, aus Satticken, Kreis Treuburg, am 5. Januar

Rudat, Gertrud, geb. Schuhmann, aus Andersgrund, Kreis Ebenrode, am 9. Januar

Schrick, Elisabeth, geb. Bahlo, aus Eichensee, Kreis Lyck, am 9. Januar

Schuler, Emmi, geb. Bahr, aus Germau, Kreis Fischhausen, am 8. Januar

Schulmeistrat, Herta, geb. Bendig, aus Willkau, Kreis Fischhausen, am 8. Januar

Siering, Marianne, aus Neukuhren, Kreis Fischhausen, am 11. Januar 

Twardowski, Kurt, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 9. Januar

Winkler, Erna, geb. Bluhm, aus Moditten, Kreis Fischhausen, am 2. Januar 

ZUM 90. GEBURTSTAG

Böhnke, Helmut, aus Grünbaum, Kreis Elchniederung, am 10. Januar

Friedrich, Ingrid, geb. Rippke, aus Groß Nuhr, Kreis Wehlau, am 9. Januar

Gothan, Eva-.Charlotte, geb. Matheuszik, aus Prostken, Kreis Lyck, am 5. Januar

Gresch, Wilhelm, aus Neidenburg, am 10. Januar

Kaden, Erika, aus Gorlau, Kreis Lyck, am 8. Januar

Kiel, Otto, aus Lyck, am 7. Januar

Krohm, Luise, aus Ebenrode, am 11. Januar

Krüger, Helmut, aus Gollen, Kreis Lyck, am 5. Januar

Neumann, Walter, aus Funken, Kreis Lötzen, am 5. Januar

Rundt, Hanne-Lore, geb. Radzio, aus Lyck, Danziger Straße 31, am 8. Januar

Siebert, Hilda, geb. Konrad, aus Deutschendorf, Kreis Preußisch Holland, am 11. Januar

Stepputtis, Liselotte, geb. Müller, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 8. Januar

Temme, Irmgard, Kreis Ebenrode, am 5. Januar 

Woynowski, Hildegard, aus Skomanten, Kreis Lyck, am 7. Januar

ZUM 85. GEBURTSTAG

Fischer, Gretel, aus Scharnau, Kreis Neidenburg, am 8. Januar

Froelian, Günther, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 137, am 8. Januar

Kaleyta, Helga, aus Lyck, Danziger Straße 13, am 11. Januar

Klapper, Irmgard, geb. Klimaschewski, aus Klein Rauschen, Kreis Lyck, am 10. Januar

Köbel, Christa, geb. Philippzik, aus Lyck, Yorkstraße 16, am 6. Januar

Lang, Gertrud, geb. Burbulla, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 10. Januar

Magro, Hannelore, geb. Fritze, aus Wehlau, am 8. Januar

Merkel, Erhard, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 8. Januar

Mildt, Willi, aus Poppendorf, Kreis Wehlau, am 11. Januar

Nowak, Gerhard, aus Groß Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 9. Januar

Pietruschinski, Lothar, aus Suleiken, Kreis Treuburg, am 6. Januar

Reinke, Egon, aus Groß Nuhr, Kreis Wehlau, am 9. Januar

Ringhand, Margarete, geb. Chrzanowski, aus Fylitz, Kreis Neidenburg, am 8. Januar

Seyda, Harry, aus Alexbrück, Kreis Ebenrode, am 1. Januar

Struck, Emma, geb. Bobrowski, aus Hansbruch, Kreis Lyck, am 8. Januar

ZUM 80. GEBURTSTAG

Eckelmann, Ursula, geb. Busse, aus Aßlacken, Kreis Wehlau, am 8. Januar

Eckhardt, Inge, geb. Galensa, aus Hansbruch, Kreis Lyck, am 6. Januar

Felsch, Siegfried, aus Neu Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 8. Januar

Herpel, Doris, geb. Poganski, aus Pilgramsdorf, Kreis Neidenburg, am 5. Januar

Hess, Käthe, geb. Bloch, aus Groß Blumenau, Kreis Ortelsburg, am 7. Januar

Kaulfuß, Hannelore, geb. Schrader, aus Eschenberg, Kreis Elchniederung, am 5. Januar

Koch, Sigrid, geb. Malinka, aus Bergenau, Kreis Treuburg, am 5. Januar

Kowalzik, Herbert, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 9. Januar

Krull, Inge, geb. Royla, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 8. Januar

Kuhn, Erna, geb. Janz, aus Stobingen, Kreis Elchniederung, am 9. Januar

Lippick, Hartmut, aus Kleschen, Kreis Treuburg, am 8. Januar

Machhein, Christel, geb. Kuckuck, aus Königsberg, am 10. Januar

Mlinarzik, Siegfried, aus Vierbrücken, Kreis Lyck, am 7. Januar

Motzkuhn, Günter, aus Schellendorf, Kreis Ebenrode, am 4. Januar

Naujokat, Gerda, geb. Schwedes, aus Schleusen, Kreis Ebenrode, am 5. Januar

Radek, Kurt, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 9. Januar

Reelmann, Ursula, geb. Seydak, aus Grünfließ, Kreis Neidenburg, am 9. Januar 

Reinhardt, Hannelore, geb. Milbradt, aus Wehlau, am 11. Januar

Scharnowski, Erich, aus Funken, Kreis Lötzen, am 12. Januar

Schöps, Helga, geb. Zöllner, aus Bürgersdorf, Kreis Wehlau, am 9. Januar

Schlechter, Marie, geb. Galla, aus Liebenberg, Kreis Ortelsburg, am 10. Januar

Schlicht, Helmut, aus Königsdorf, Kreis Heiligenbeil, am 6. Januar

Solka, Werner, aus Gorlau, Kreis Lyck, am 8. Januar

Spallek-Lurz, Anita, geb. Peters, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 6. Januar

Spiegelsberger, Anneliese, geb. Heidebruch, aus Wehlau, am 6. Januar

Stäglich, Hildegard, geb. Stegat, aus Schönwiese, Kreis Elchniederung, am 6. Januar

Tews, Irmgard, geb. Hartel, aus Burgkampen, Kreis Ebenrode, am 10. Januar

Völlmann, Brigitte, geb. Staub, aus Groß Engelau, Kreis Wehlau, am 6. Januar

ZUM 75. GEBURTSTAG

Albrecht-Koch, Ursula, geb. Beckmann, aus Ebenrode, am 1. Januar

Dors, Dorothea, Vorfahren aus Rohmanen, Kreis Ortelsburg, am 9. Januar

Klimmek, Helmut, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 9. Januar

Lippick, Diethelm, aus Kleschen, Kreis Treuburg, am 5. Januar

Siebert, Werner, aus Narthen, Kreis Neidenburg, am 6. Januar


S. 16 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101. 

Ein intensives Jahr liegt hinter uns und mit ungebrochener Energie wollen wir in das Jahr 2018 starten. Es beginnt mit der 

60. heimatpolitischen Tagung in Rotenburg (Wümme). Gemeinsam wollen wir die im Jahr 1958 begonnene Heimatarbeit von Friedrich-Karl Milthaler mit dieser Jubiläumsveranstaltung feiern. Dazu laden der Landkreis Rotenburg als Patenschaftsträger und die Kreisgemeinschaft Angerburg, alle an der Geschichte und Kultur unserer Heimat Interessierte, sehr herzlich ein. Die Tagung findet am 17. und 18. Februar in 27356 Rotenburg, Gerberstraße 16 (Theodor-Heuss-Schule), statt. Für die Tagung konnten wir erneut kompetente Referenten gewinnen. 

Für Besucher der Tagung ist die Mensa der Theodor-Heuss-Schule bereits ab 14 Uhr geöffnet. Es wird Kaffee/Tee und Kuchen angeboten. Nach der Begrüßung der Tagungsteilnehmer um 15 Uhr wird 

Dr. Jürgen W. Schmidt, Berlin, die Tagung mit seinem Vortrag „Flucht und Vertreibung der Deutschen aus Westpreußen“ einleiten. Nach einer kurzen Pause wird die Vorsitzende der Lehndorff-Gesellschaft Steinort, Berlin, Dr. Bettina Bouresh, über das Projekt „Schloss Steinort“ berichten. Im Anschluss an die Vorträge besteht jeweils Gelegenheit für Fragen an die Referenten beziehungsweise für eigene Einschätzungen. Mit einem gemeinsamen Abendessen (Elchbraten) gegen 19 Uhr und anregenden Gesprächen mit interessanten Gästen lassen wir den Tag ausklingen. Am folgenden Tag, Sonntag 18. Februar, 9.30 Uhr, wird die Tagung in der Theodor-Heuss-Schule fortgesetzt. Ministerialrat a.D. Dr. Jürgen Martens, wird über eine „Reise nach Angerburg im Juni 2017“ berichten. Gegen 12 Uhr wird die Tagung mit dem Gesang des Ostpreußenliedes „Land der dunklen Wälder“ beendet sein. 

Aus organisatorischen Gründen bitten wir um verbindliche Anmeldungen, auch für das Elchbratenessen zum Preis von 26 Euro pro Person einschließlich Dessert und Mitteilung von Übernachtungswünschen bis zum 10. Februar (Posteingang) an Brigitte Junker, Sachsenweg 15, 22455 Hamburg. Ein Tagungsbeitrag wird nicht erhoben. Eine schriftliche Anmeldebestätigung wird nicht erteilt.


HEILIGENBEIL

Kreisvertreterin: Elke Ruhnke, Im Bökel 76, 42369 Wuppertal, Tel.: (0202) 46 16 13. E-Mail: ruhnke@kreis-gemeinschaft-heiligenbeil.de. Stellvertreter: Christian Perbandt, Im Stegefeld 1, 31275 Lehrte, Tel.: (05132) 57052. 

E-Mail: perbandt@kreisge­meinschaft-heiligenbeil.de. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www. kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de 

Termin: Freitag, 20. April, bis Sonntag, 22. April.

Treffpunkt: Pension Quellenhof Altenau, An der Schwefelquelle 18, 38707 Altenau, Telefon (05328) 2029993, E-Mail info@quellenhof-altenau.de. Die Pension Quellenhof bittet um direkte Anmeldung bis zum 15. Januar unter „Gruppe Lenz“.

Mit dieser Einladung sind alle Landsleute mit Ihren Ehe- beziehungsweise Lebenspartnern aus dem Kirchspiel Zinten-Land, aber auch Zinten-Stadt angesprochen. 

Beiträge zur Gestaltung des Programms wie Geschichten, Gedichte, Spiele oder Filme sind erwünscht. Der Preis für diese zwei Tage mit Halbpension beträgt 82 Euro pro Person. Reiserücktrittsversicherung und Trinkgeld sind nicht im Preis enthalten.

Die Anreise per Bahn erfolgt nach Goslar. Ein Anruf in der Pension genügt, Herr Schoemaker holt die Gäste gern ab – gegen einen kleinen Betrag. Über eine zahlreiche Teilnahme würde ich mich freuen.

Weitere Informationen: Kirchspielvertreterin Zinten-Land Irmgard Lenz, Karl-Fränkel-Ring 11, 88074 Meckenbeuren, Telefon (07542) 4649, E-Mail: lengard36@t-online.de


LÖTZEN

Kreisvertreter: Dieter Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, Fax: (040) 60890478, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Der Lötzener Heimatbrief Nummer 122/November 2017 ist termingerecht erschienen. Noch können zusätzliche Exemplare für Interessierte oder zur Werbung neuer Bezieher durch die Geschäftsstelle zur Verfügung gestellt werden. Leider hat der Fehlerteufel bei drei angegebenen Terminen zugeschlagen: Der nächste Heimatbrief, die Nummer 123, wird im Mai 2018 erscheinen. Der angegebene Redaktionsschluss 1. März 2018 ist korrekt. Nicht zutreffend ist die Information, dass die Landsmannschaft Ostpreußen im kommenden Jahr wieder ein Jahrestreffen veranstalten wird. Das ist erst im Mai 2019 der Fall. Im Veranstaltungsplan des Lötzener Museums ist der vierte Sonnabend im Mai 2018 nicht korrekt angegeben; richtig ist der 26. Mai.


LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Die Kreisgemeinschaft Lyck veranstaltet in der Zeit vom 30. April bis 2. Mai in der DRK-Landesschule in Bad Pyrmont ein interessantes Seminar unter dem Titel „Ostpreußen, Grenzen, Land und Leute, Behörden, Landsmannschaft“. Für das Seminar konnten anerkannte Referenten gewonnen werden. Es sprechen Dr. Manuel Ruoff von der Preußischen Allgemeinen Zeitung, der Historiker und Autor Dr. Andreas Kossert, Kreisältester Gerd Bandilla und Hubertus Hilgendorff, Kreisvertreter Rastenburg, und Vorsitzender des Trägervereins des Landesmuseums Lüneburg.

Den Teilnehmern werden die Reisekosten erstattet. Der Preis für die Unterkunft und Verpflegung beträgt pro Person 50 Euro. Anmeldungen zu dem Seminar bei Gerd Bandilla, Telefon (02235) 77394, E-Mail: g-bandilla@t-online.de oder postalisch St.-Agnes-Straße 6, 50374 Erftstadt. Anmeldungen werden nach der Reihenfolge ihres Einganges berücksichtigt.


NEIDENBURG

Kreisvertreter: Jürgen Szepanek, Nachtigallenweg 43, 46459 Rees-Haldern, Tel. / Fax (02850) 1017.

Rechtzeitig zu Weihnachten ist unser Heimatbrief Nummer 149 an alle in unserer Datei aufgeführten Mitglieder verschickt worden. Sollte aufgrund verschiedener Umstände ein Bezieher diese Ausgabe noch nicht erhalten haben, bitten wir um Nachricht an unseren Schriftleiter Jürgen Kowalek, Bromberger Straße 26, 28816 Stuhr, oder auch gerne an seinen Stellvertreter Wilfried Brandt, Lünenfeld 1, 27446 Selsingen. Sie bekommen dann umgehend ein Exemplar zugesandt. Es können immer wieder Heimatbriefe nicht zugestellt werden, weil sich die Anschriften der Bezieher geändert haben. Alle Landsleute werden deshalb dringend gebeten, Adressenänderungen und sonstige Personenstandsmeldungen dem Verwalter unserer Mitgliederdatei Hans-Ulrich Pokraka, An der Friedenseiche 44, 59597 Erwitte, mitzuteilen. Sie vermeiden dadurch Zustellungsverzögerungen und kostenaufwendige Nachforschungen und Nachsendungen.

Schon heute bitten wir unsere Landsleute, sich den Termin unseres Heimattreffens im kommenden Jahr vorzumerken. Es findet am Sonntag, dem 2. September 2018, in der Politischen Bildungsstätte Helmstedt statt. Die ehemalige deutsch-deutsche Grenzstation ist nur gut drei Kilometer entfernt und kann somit vor oder nach dem Heimattreffen besucht werden.


SCHLOSSBERG (PILLKALLEN)

Kreisvertreter: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle/Saale. Geschäftsstelle: Renate Wiese, Tel. (04171) 2400, Fax (04171) 24 24, Rote-Kreuz-Straße 6, 21423 Winsen (Luhe).

Die Kreisgemeinschaft Schloßberg kann auf ein viertel Jahrhundert Friedensarbeit zurückblicken. Hier folgt der zweite von insgesamt drei Teilen.

Stehen Anfang der 90er Jahre noch die komplizierten Reiseformalia, die Programmgestaltung und das Einschätzen der Bedarfe und Erwartungen des Gegenübers im Vordergrund, kommt in der zweiten Hälfte der 90er auch der Arbeitseinsatz zur Pflege von Kriegsgräbern unter der organisatorischen Leitung des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge hinzu. Die Auseinandersetzung mit den tödlichen Folgen von Krieg untermauert den Sinn der verständigungspolitischen Jugendarbeit der Schloßberger und des Landkreises Harburg. Der Bericht einer deutschen Begegnungsteilnehmerin, die 1995 mit nach Lasdehnen gereist war, belegt auch unmittelbare Folgen der Gräberarbeiten auf verwahrlosten Friedhöfen. „Wir machten uns an die Arbeit: Unkraut zupfen, alles durchhacken, umgraben, Erde angleichen […]. Am nächsten Tag fanden wir ein Kreuz von einem russischen Soldatengrab. Dadurch waren wir der Bevölkerung gleich sympathisch, da es ihnen zeigte, dass auf dem Friedhof auch russische Soldaten begraben sind.“ Auch das russische Radio, das Fernsehen und die Presse haben über die Arbeiten berichtet, die mit einer offiziellen Feierstunde und Kranzniederlegung abgeschlossen wurden. (Bericht Stephanie Achenbach; Schloßberger Heimatbrief Nr. 33, 1995).

Nicht nur in Deutschland, auch im Königsberger Gebiet streckt sich so der lange Arm der Nachhaltigkeit aus. Der Verständigungsprozess erreicht die Häuser und Menschen, er wirkt und weckt Sympathien. Doch auch Nachhaltigkeit freundschaftlicher Beziehungen schützt nicht vor Stolpersteinen. So bleiben die russischen Anforderungen für Ausreisegenehmigungen unberechenbar. Im Juli 1997 wiesen etwa russische Grenzer einen Bus mit 17 Kindern auf dem Weg in den Kreis Harburg an der russisch-polnischen Grenze zurück. Zwar lagen die Genehmigungen der Eltern für die Ausreise vor. Doch die Grenzer forderten statt der vorhandenen Unterschriftenliste Einzelnachweise – eine Schikane, die die Kinderfreizeit mit viel Aufregung belasten und trotz aller Proteste um zwei Tage verkürzen sollte. An den Kinderfreizeiten nehmen keineswegs privilegierte Kinder von Russen mit Beziehungen teil, sondern Kinder aus normalen Familien und auch aus Waisenhäusern und  Pflegefamilien.

Dass die Freizeiten auch zehn Jahre nach der ersten Begegnung sinnstiftend bleiben sollten, belegt ein Bericht der Nordsee-Zeitung über die Kinderfreizeit im Sommer 2002 in Bederkesa. „Ich habe vorher von den Russen nicht viel gehalten“, zitiert das Blatt eine zwölfjährige bundesdeutsche Teilnehmerin. Die Erzählungen der Erwachsenen haben zu der „schlimmen Meinung“ geführt. Nun wisse sie aber, dass alles ganz anders sei. „Die sind total nett. Ein bisschen Russisch habe ich auch schon durch die gemeinsamen Lieder gelernt.“

Neben der finanziellen und ideellen Unterstützung des Kreises Harburg, unterstützt für einige Jahre auch der Bund Junges Ostpreußen (BJO) die Schloßberger Jugendarbeit, hilft organisatorisch und personell mit Betreuern. So wird Aneta Maciag, die selbst aus Schippenbeil stammt, neben Polnisch, Deutsch und Englisch auch Russisch beherrscht und über eine große Begeisterungsfähigkeit verfügt, für einige Jahre zu einer wichtigen Stütze der Kinderfreizeiten. In einer Zeitung findet sich der Bericht des kleinen Dima Smoljanow, der allein der Betreuerin einen ganzen warmherzigen Absatz widmet. „Mit ihr haben wir uns immer wie zu Hause gefühlt“, bringt der junge Russe seine Gefühle auf den Punkt. 

Im Juli 2005 wird eine Erweiterung getestet, indem neben deutschen und russischen Kindern auch solche aus Neustadt an der Freizeit in Otterndorf teilnehmen. Unter den Betreuern sind auch Deutsche aus Polen. Doch sprachlich und organisatorisch ist die Herausforderung kaum zu bewältigen. Das Experiment gelingt zwar, setzt sich aber nicht für Wiederholungen durch.

Bernhard Knapstein,

Norbert Schattauer


TILSIT-RAGNIT

Kreisvertreter: Dieter Neukamm, Am Rosenbaum 48, 51570 Windeck, Telefon (02243) 2999, Fax (02243) 844199. Geschäftsstelle: Winfried Knocks, Varenhorst-straße 17, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2309, E-Mail: WinfriedKnocks@aol.com

Das Nachbarschaftstreffen der Kreisgemeinschaften Tilsit-Ragnit und Elchniederung sowie der Stadtgemeinschaft Tilsit findet am 26. Mai im Hotel Schützenhof in 53783 Eitorf, Windecker Straße 2, statt. Ausrichterin ist diesmal die Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit.

Planen Sie die Teilnahme am Nachbarschaftstreffen ein und buchen Sie ein paar Urlaubstage vor oder/und nach dem 26. Mai im Hotel Schützenhof. Das Haus verfügt über Saunen und ein Schwimmbecken. Das Hotel erreichen Sie unter Telefon (02243) 8870 und per E-Mail: info@hotelschuetzenhof.de. Das Hotel hält für uns ein Zimmerkontingent unter dem Stichwort „Ostpreußen“ bis zum 1. März vor (DZ 94 Euro, EZ 64 Euro).

Das Nachbarschaftstreffen beginnt um 10 Uhr (Einlass 9 Uhr) und endet um 17 Uhr.

Unentgeltliche Parkplätze stehen am Hotel zur Verfügung. Zum Mittagessen werden vier preisgünstige Gerichte angeboten, und am Nachmittag gibt es Kaffee und Kuchen. Es erwartet Sie ein ansprechendes Programm. Eintritt wird nicht erhoben, für eine Spende wären die Veranstalter dankbar.

Für die vor dem Veranstaltungstag anreisenden Teilnehmer wird im Hotel ein Raum reserviert, in dem wir am Freitag, 25. Mai, gegen 19 Uhr das Abendessen gemeinsam einnehmen können, um anschließend noch viele schöne Stunden miteinander zu verbringen.


TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Hans Dzieran, Stadtgemeinschaft Tilsit, Postfach 241, 09002 Chemnitz. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de. 

Unter anderem nach Danzig, Tilsit, in die Elchniederung, nach Trakehnen, Königsberg und zum Oberländer Kanal führt im Sommer eine Sonderreise für die Stadtgemeinschaft Tilsit unter der Leitung von Norbert Subroweit. Die neuntägige Busreise beginnt am Donnerstag, 30. August, und endet am Freitag, 7. September. Der Programmablauf (Änderungen vorbehalten):

1. Tag: Fahrt ab Hannover mit Zustiegsmöglichkeiten entlang der Fahrtroute bis nach Polen, Zwischenübernachtung in Danzig. Da Ihr Hotel unmittelbar an der Altstadt liegt, ist nach dem Abendessen eine erste individuelle Erkundung möglich.  

2. Tag: Nach dem Frühstück unternehmen Sie einen geführten Spaziergang durch die einzigartige Danziger Altstadt. Die mehr als 1000-jährige Hansestadt beeindruckt mit erhabenen Patrizierhäusern, hübschen kleinen Gassen, mit Boutiquen und Cafés, alles wird überragt von der mächtigen Marienkirche, einem der größten Backstein-Sakralbauten Europas. Nach einer individuellen Mittagpause Weiterreise zum polnisch-russischen Grenzübergang, wo Sie Ihr russischer Reiseleiter, der Sie während Ihres gesamten Aufenthaltes im nördlichen Ostpreußen begleiten wird, erwartet. Danach Weiterreise vorbei an Königsberg, Tapiau und Wehlau bis nach Tilsit,  wo Sie Ihre Zimmer im Hotel „Rossija“ beziehen. 

3. Tag: Die ausführliche Stadtführung in Tilsit beginnt mit einem Besuch im teilweise neu gestalteten Park Jakobsruh mit einem Spaziergang zum wiedererrichteten Königin-Luise-Denkmal. Anschließend geht es durch die alten Wohnviertel zum Schlossmühlenteich. Auch die Gedenkstätte am Waldfriedhof wird während der Rundfahrt besucht. Abschluss und Höhepunkt der Stadtführung ist jedoch ein gemeinsamer Spaziergang durch die Hohe Straße. An den überwiegend sehr schön restaurierten Jugendstilfassaden kann man die einstige Schönheit der Stadt an der Memel erahnen. Am Nachmittag  Teilnahme am Stadtfest in  Tilsit, einer der Höhepunkte Ihrer Reise, und Zeit zur freien Verfügung. Nicht versäumen sollten Sie einen Besuch im Stadtmuseum mit seinen wechselnden sehenswerten Ausstellungen. Daneben gibt es zum Stadtfest zahlreiche Attraktionen, viel Musik und Volksfeststimmung. Für Ihre individuellen Ausflüge steht unser Taxiservice bereit. Übernachtung in Tilsit. 

4. Tag: Heute unternehmen Sie einen ganztägigen Ausflug durch den benachbarten Kreis Elchniederung. Am Vormittag geht es in die Gebiete nördlich der Gilge mit Besuch von Sköpen, Kuckerneese, Herdenau, Karkeln, Inse und einem Stopp am Jagdschloss Pait. Am Nachmittag durchfahren Sie den südlichen Teil der Elchniederung mit Besuch von Heinrichswalde, Seckenburg, Groß Friedrichsdorf und Kreuzingen. Auch an diesem Tag besteht daneben die Möglichkeit zu eigenen Ausflügen abseits des Gruppenprogramms. Übernachtung in Tilsit.

5. Tag: Ihr heutiger Ausflug führt in eine ebenfalls einzigartige Landschaft im Südosten des nördlichen Ostpreußens. Nach einem kleinen Stopp in Gumbinnen besuchen Sie Trakehnen mit der einst weltberühmten Gestütsanlage. Leider gibt es dort heute keine Pferde mehr. Anschließend erreichen Sie die einzigartige Rominter Heide. Unberührte Natur, eine Urwaldlandschaft mit kleinen Bächen und Biberbauten. Am Rande dieses Waldmassivs betreibt die russische Familie Sajac im ehemaligen Forsthaus Warnen ein kleines Gästehaus, hier werden Sie zur Mittagseinkehr erwartet. Übernachtung in Tilsit.

6. Tag: Heute verlassen Sie Ihr Hotel in Tilsit. Bei Ihrem ersten Besichtigungsstopp unternehmen sie einen Ausflug in das Große Moosbruch am Rande des Elchwaldes und besuchen bei Lauknen das Moosbruchhaus, ein mit deutschen Mitteln unterstütztes Naturschutz- und Begegnungs-zentrum. Von hier aus geführte kleine Wanderung in die unberührte Landschaft des größten Hochmoores Ostpreußens. Anschließend ist der Tisch zu einem gemeinsamen Mittagessen 

gedeckt. Auf der Weiterreise erreichen Sie Königsberg. Bei der Stadtrundfahrt besuchen Sie natürlich die erhaltenen Sehenswürdigkeiten wie den wiedererrichteten Königsberger Dom, die Luisenkirche oder den früheren Hansa-Platz. Am späteren Nachmittag besuchen Sie im Samland das Dorf „Salem“ – eine ökologisch und sozial orientierte Gemeinschaft, die insbesondere Waisenkindern eine sicheres Zuhause und darüber hinaus durch gezielte Förderung eine Perspektive für ein selbstbestimmtes Leben bietet. Gegen Abend erreichen Sie am nördlichen Stadtrand von Königsberg das frühere deutsche Gut Nesselbeck. Hier im ehemaligen Gutshaus befindet sich nach liebevoller Restaurierung heute das Hotel „Usadba“, wo Sie Ihre Zimmer beziehen.

7. Tag: Tagesausflug vorbei an Cranz auf die Kurische Nehrung. Die rund 100 Kilometer lange Landzunge trennt das Kurische Haff von der Ostsee. Ihre einzigartige Naturlandschaft ist durch die höchsten Wanderdünen Europas geprägt. In einer sehr schönen Hotelanlage direkt am Haffufer, die rund um die ehemalige Jugendherberge von Rossitten entstanden ist, werden Sie zum Mittagessen erwartet. Bei schönem Wetter sollten Sie auch nicht einen Besuch am kilometerlangen feinsandigen Strand mit einem Bad in der Ostsee versäumen. Abendessen und Übernachtung bei Königsberg.

8. Tag: Heute treten Sie die erste Etappe der Heimreise an. Nach dem Passieren der russisch-polnischen Grenze erleben Sie noch einen Höhepunkt Ihrer Reise: eine Fahrt auf dem Oberländer Kanal, einer ingenieurtechnischen Meisterleistung des 19. Jahrhunderts. Hier überwinden die Schiffe auf der erst kürzlich restaurierten Strecke zwischen Buchwalde und Hirschfeld den Höhenunterschied zwischen dem Ermland und dem Oberland durch das sogenannte Aufschleppen über Rollberge. Anschließend Weiterreise nach Westen durch Pommern zur letzten Zwischenübernachtung in Schneidemühl. 

9. Tag: Nach dem Frühstück Heimreise nach Deutschland.

Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 25 Personen. Information und Anmeldung: Norbert Subroweit, An der Rheindorfer Burg 25, 53117 Bonn, Telefon (0228) 686282, E-Mail: Norbertsubroweit@web.de.

S. 17-19 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Landesgruppe – Auf 40 reichbebilderten Seiten bietet die aktuelle Weihnachtsausgabe des Preußenkuriers wieder viele spannende und informative Themen. Die Netzausgabe lässt sich auf www.low-bayern.de herunterladen beziehungsweise lesen. Dort einfach oben in der Menüleiste unter Mediathek den Unterpunkt Publikationen anklicken und dann den Preussen-Kurier 03/2017pdf aufrufen. Die Druck-ausgabe gibt es bei: Rainer Claaßen, Birkenring 3, 97618 Wülfershausen (Saale), Telefon (O9762) 421, Fax (09762) 931283, E-Mail: claassen@low-bayern.de.

Landshut – Freitag, 5. Januar, Gasthaus Stadler, Vilsheim: Neujahrsessen.


BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Frauengruppe – Mittwoch, 10. Januar,13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: gemeinsames Treffen, Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Königsberg – 12 Januar, 14 Uhr, Johann-Georg-Stuben, Johann-Georg-Straße 10, 10709 Berlin-Halensee: gemeinsames Treffen. Anfragen: Elfi Fortange, Telefon 4944404.

Rastenburg – Sonntag, 14. Januar, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus Rohrdamm 24 B, 13629 Berlin: germeinsames Treffen. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.

Bartenstein –Anfragen für Treffen bei Elfi Fortange, Telefon (030) 4944404.


HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788 

Darmstadt/Dieburg – Vorweihnachtlich feierte die Kreisgruppe im festlich geschmückten Saal des Luise-Büchner-Hauses in Darmstadt-Kranichstein am 9. Dezember. Die Teilnehmer waren wie immer zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Viele Gäste – insbesondere Insterburger – konnten wir begrüßen.

Nach kurzen Begrüßungsworten durch Gerhard Schröder und Christian Keller (er bedankte sich bei Gisela Keller ausführlich für die gelungene weihnachtliche Dekoration im Saal und auf den Tischen) konnten wir den Schuljahrgangschor von Christian Keller aus Oberroden begrüßen, der uns ,wie schon in den letzten Jahren mit seinen Liedern erfreute. Die Liederfolge war so gestaltet, dass auch die Gäste die im Programm vorgesehenen Weih-nachtslieder mitsingen konnten. Der Gesangsvortrag fand sein Ende mit dem Ostpreußenlied, was wiederum alle mitsingen konnte. 

Aus den Reihen der Besucher wurden Weihnachtsgeschichten und Gedichte vorgetragen. Auch die Geburtstagskinder der letzten  vier Wochen wurden nicht vergessen und mit einem kurzen Gedicht, vorgetragen von Frau Oest, bedacht. Unsere nächste Veranstaltung ist am 13. Januar. Wir hoffen, dass Sie das Jahr 2018 gesund und frohen Mutes beginnen konnten.

Dillenburg – Zur Weihnachtsfeier hatte Dietmar Balschun seinen hölzernen Schwibbogen mitgebracht und die Kerzen darauf angezündet. Nach dem Kaffeetrinken las Lothar Hoffmann aus dem Buch „Rauhe Gesellen“ die Erzählung eines Hirten vor, der die erste Heilige Nacht erlebt hatte. Dazu zeigte er das Bild „Die Geburt Jesu“ von Gustave Dore. Er war einer der bekanntesten Maler seines Jahrhunderts und hat 230 Bilder zur Bibel geschaffen. In dem gezeigten Bild sammelt sich alle Helligkeit um das in der Krippe liegende Kind. 

Danach las Gundborg Hoffmann etwas aus dem Leben von Johannes Daniel Falk vor, der in Weimar lebte und dessen Denkmal vor der evangelischen Stadtkirche, der sogenannte Herderkirche, steht. Um 1730 waren Weimar und Umgebung von französischen Truppen besetzt. Sie plünderten, steckten Häuser, ja ganze Dörfer in Brand und es herrschte allerorts viel Elend. Dazu litten die Menschen auch noch unter der Pest, an der viele starben. Johannes Falk hatte sieben Kinder, von denen eins nach dem andern starb, ebenso seine Frau. Trotzdem dichtete er zu dieser Zeit das Weihnachtslied „0 du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit“.

Johannes Falk nahm elternlose herumstreunende Kinder auf, kaufte ein heruntergekommenes Haus, das er mit Hilfe „seiner“ Kinder renovierte und mit ihnen dort einzog. Für die Kinder schrieb er nicht nur dieses Lied, dessen Melodie ursprünglich ein Tanzlied sizilianischer Schiffer war, sondern noch viele andere und viele Erzählungen. Auch die Schulbildung seiner Schützlinge war ihm wichtig. Er gründete sogar eine Schule, das „Johanneum“. Die älteren Kinder ließ er einen Beruf erlernen. Er starb 1826, erst 47 Jahre alt. 

Anschließend sangen alle das Lied „0 du fröhliche“. Dann las Urte Schwidrich die kleine Geschichte „Mein schönster Weihnachtsbaum“, in der ein Kind mit seinem Opa den Weihnachtsbaum im verschneiten Wald selbst aussuchen darf. Danach las sie noch „Warum die Christrose zu Weihnachten blüht“: Aus den Tränen, die ein kleiner Hirtenjunge weint, weil er kein Geschenk für das neugeborene Jesuskind in der Krippe hat, wachsen die Christrosen, die immer zu Weihnachten blühen. Anschließend sangen alle Gruppenmitglieder „Es ist ein Ros’ entsprungen“, bevor sie sich mit guten Wünschen für ein frohes Weihnachtsfest verabschiedeten. 

Die nächste Monatsversammlung wird erst wieder am Mittwoch, dem 31. Januar, stattfinden. Dann wird der Weltenbummler Wolfgang Post aus Herborn wieder von einer seiner großen Reisen berichten. 

Ich wünsche allen Mitgliedern der Redaktion ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr 2018 alles Gute. 

Ingrid Nowakiewitsch,

Schriftführerin

Wetzlar – Montag, 6. Januar, 13 Uhr, Restaurant „Grillstuben“, Stoppelberger Hohl 128: Treffen der Mitglieder zum Thema „Wanderfahrt ins Memelland und ins nördliche Ostpreußen“, Referent ist Wolfgang Post aus Herborn. Der Eintritt ist frei. Kontakt: Kuno Kutz, Telefon (06441) 770559.

Wiesbaden –  Dienstag, 9. Januar, 14.30 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Heimatnachmittag der Frauengruppe. Gäste sind herzlich willkommen. – Freitag, 19. Januar, 15.11 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat: Närrischer Nachmittag mit Kreppel-Kaffee. Unter dem Motto „Spaß an der Freud“ soll es eine fröhliche Zeit mit lustigen Beiträgen und viel Gesang werden. Mit von der Partie sind die Stimmungssänger Mathias Budau und Ute Etz sowie Stefan Fink, Sitzungspräsident, Kolping Zentral. Kommen Sie zu dem bunten Nachmittag, und bringen Sie Freunde und Bekannte mit. Etwas närrisch kostümiert, wenn auch nur mit einer lustigen Kopfbedeckung, macht es  noch ‘mal so viel Spaß. Wer mit Lustigem zum Programm beitragen möchte, melde sich bitte gleich bei Dieter Schetat, Telefon (06122) 15358 oder anderen Vorstandsmitgliedern.

– Bericht – 

Wildschweinbraten und Hirschbraten an Wacholderrahmsoße mit Kartoffelklößen, Rotkohl und Preiselbeerbirne stehen auf der Speisekarte des Festlichen Wildessens. Schon beim Lesen der Menüs läuft den über fünfzig Landsleuten und Freunden der Landsmannschaft das Wasser im Munde zusammen.  Die Festlichkeit bekommt durch die musikalische Mitwirkung der Hornbläser des „Bläsercorps der Jägerschaft Wiesbaden“ mit althergebrachten Jagdsignalen ihr waidmännisches Gepräge. Seit über zwanzig Jahren sind die Jäger mit von der Partie. Wenn von zwei Waldhörnern zwischen der Speisenfolge „Land der dunklen Wälder“ ertönt, ist den Bläsern spontaner Beifall sicher. Traditionell klingt der feierliche Stammtisch-Abend, zugleich Abschluss der jährlichen Stammtischreihe, mit dem geblasenen Volkslied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ aus, zu dem die Besucher singend einstimmen. 

Zehn Mal im Jahr lädt die Landsmannschaft zu ihren Stammtischen ein. Die Anfänge der Treffen reichen bis in die Fünfzigerjahre zurück: damals kam man zweimal im Jahr zum ,,Königsberger Fleck-Essen“ zusammen. Der schnell wachsende Teilnehmerkreis verlangte sehr bald nach weiteren heimatlichen Essen. Diesem Wunsch folgend standen nach kurzer Zeit immer mehr Gerichte nach ost- und westpreußischen Rezepten auf der Speisekarte wie „Königsberger Klopse“, „Schmandschinken“, „Schmandhering“, „Falscher Hase“ und „Maischolle“. Bei Grütz-wurst steigt auch heute noch die Teilnehmerzahl an, zumal der Metzger die Wurst „ostpreußisch“ zubereitet. Sie wird nicht nur an Ort und Stelle gegessen; zusätzlich werden auch Portionen mit nach Hause genommen.

Dieter Schetat


NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Gerhard Schulz, Bahnhofstraße 30b, 31275 Lehrte, Telefon (05132) 4920. Bezirksgruppe Lüneburg: Heinz Kutzinski, Im Wiesengrund 15, 29574 Ebstorf, Telefon (05822) 5465. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968. 

Landesgruppe – Anlässlich der diesjährigen, wieder gut besuchten Weihnachtsfeier wurde auch der Einsatz von Gisela Borchers besonders gewürdigt. Im Namen des Vorstands der Landesgruppe sprach Landsmann Horst Buchalsky Dank und Anerkennung aus. Engagiert und ideenreich gestaltet die Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen und Westpreußen in Oldenburg immer wieder ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm. Es reicht von Vorträgen über besondere geschichtliche Ereignisse der Heimat, über Erinnerungen an Ernst Wiechert und Agnes Miegel bis hin zu Kulturfahrten, die unter anderem nach Galizien und in die Bukowina führten. Auch Berichte über ausgewählte Themenbereiche aus dem Ostpreußischen Landesmuseum wie etwa die Cadiner Majolika fehlten nicht. Daher erfreuten sich die Veranstaltungen auch stets einer großen Besucherzahl. Als kleinen Dank überreichte Horst Buchalsky Gisela Borchers den wieder wunderschön von Gisela Broschei, Kreisvertreterin von Königsberg-Land, gestalteten Kalender 2018. 

Landesgruppe – Auf mehr als 50 Jahre Dienst für Ostpreußen  konnte Manfred Kirrinnis zurück-blicken, als ihm jetzt die Landsmannschaft Ostpreußen das Goldenen Ehrenzeichen verlieh. Durch die Liebe zur Heimat geprägt, war es für Kirrinnis selbstverständlich, für Ostpreußen und die Vertriebenenorganisationen tätig zu werden. 

Am 19. April 1936 in Tilsit geboren und aus Schloßberg/Pillkallen, wo sein Vater, Dr. Herbert Kirrinnis, Studienrat an der Friedrich Wilhelm Oberschule war, vertrieben, engagierte er sich schon während seines Lehramtsstudiums für Ostpreußen. Er leitete den Verband heimatvertriebener Studenten von 1958 bis 1960 in Nordrhein-Westfalen und von 1959 bis 1960 beim Bund ostpreußischer Studenten in Bonn. 

Der Landsmannschaft Ostpreußen ist er seit vielen Jahrzehnten eng verbunden. Von 1962 bis etwa 1970 war Kirrinnis stellvertretender Jugendbetreuer des Kreises Gumbinnen. Im Vorstand der Kreisgruppe Celle bekleidete er ab 1982 das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden, bevor er deren Leitung übernahm und bis zum Jahre 2015 ausübte. Seit zwei Jahren ist Kirrinnis wieder stellvertretender Vorsitzender in der niedersächsischen Kreisstadt. Durch seine aktive Mitwirkung in der Landsmannschaft Ostpreußen und im Bund der Vertriebenen gelang es ihm, die Öffentlichkeit immer wieder auf das Schick-sal der deutschen Heimatvertriebenen aufmerksam zu machen. 

Auch auf Landesebene hat sich Manfred Kirrinnis bleibende Verdienste erworben. Seit 1999 fungierte er als Vorsitzender der Bezirksgruppe Lüneburg, die seit langem die größte und aktivste innerhalb der Landesgruppe Niedersachsen ist. Ganz besonders hervorzuheben sind ihre alljährlich durchgeführten Großveranstaltungen, die aufgrund der Mitwirkung bedeutender Referenten aus Politik und Wissenschaft über den Bezirk hinaus großes Interesse nicht nur bei den eigenen Landsleuten und Vertriebenen finden, sondern auch Nichtvertriebene in den Bann ziehen, so dass sie ein sehr positives Echo in der Öffentlichkeit hatten. Das führte auch zur Vergrößerung der Mitgliederzahlen der Gruppe. Nicht zuletzt dank der Führung und des tatkräftigen Einsatzes von Kirrinnis erfreuen sich die mehr als zehn Gruppen auf Kreis- und Ortsebene großer Beliebtheit bei den ostpreußischen Landsleuten, heimatvertriebenen Schicksalsgefährten und auch Nicht-Vertriebenen. Als Bezirksgruppenvorsitzender ist Kirrinnis seit 18 Jahren auch Mitglied der Ostpreußischen Landesvertretung, des höchsten Beschlussgremiums der Landsmannschaft Ostpreußen. 

Trotz jahrelanger gesundheitlicher Belastungen hat Manfred Kirrinnis unter großem persönlichem, aufopferungsvollem Einsatz die Bezirksgruppe Lüneburg bis Mitte des Jahres 2017 geführt. Kirrinnis gehörte nicht zuletzt aufgrund seiner langjährigen Vorstandsarbeit zu den tragenden Säulen der Landesgruppe Niedersachsen. Er war die Seele der Ostpreußen und der Vertriebenen in Celle und im Bezirk Lüneburg. 

Das ehrenamtliche Wirken von Manfred Kirrinnis ist bereits wiederholt ausgezeichnet worden. In Würdigung seiner außergewöhnlichen Leistungen und seines vielfältigen Einsatzes für Ostpreußen hat die Landsmannschaft Ostpreußen Herrn Manfred Kirrinnis das goldene Ehrenzeichen verliehen. Die große Wertschätzung, die er bei seinen Landsleuten hatte, fand nach Niederlegung des Amtes als Vorsitzender der Bezirksgruppe Lüneburg ihren Ausdruck in der Wahl zum Ehrenvorsitzenden. 

Die Landesvorsitzende, Barbara Loeffke, der neue Bezirksvorsitzende, Heinz Kutzinski, und der Stellvertretende Bezirksvorsitzende, Karsten Uffhausen, überbrachten die Glückwünsche.

Holzminden – „Plötzlich steht er am Himmel! So groß, so hell leuchtend und mit einem Schweif, das man ihn mit bloßem Auge erkennen kann und der zielstrebig über den Himmel wandert wie eine Verheißung. Er weist einen klaren Weg: den zu einem neugeborenen König, das Kommen eines göttlichen Erlösers. Drei Himmelskundige, symbolisch für die drei Kontinente der Alten Welt: Europa, Asien und Afrika haben das Erscheinen des Kometen längst errechnet und wissen um seine Bedeutung. Ein jeder von ihnen macht sich auf den Weg.“

Diese eigens für ihre Gruppe geschriebene Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland in selbstgestalteter beleuchteter  Bildserie trug die Vorsitzende Renate Bohn am 3. Advent im „Felsenkeller“ vor. Pastor i. R. Gün-ther Grigoleit hielt vor dem adventlichen Beisammensein eine Andacht. Mit gemeinsam gesungenen Liedern, Gedichten, Vorträgen und Selbstgebackenem aus der Weihnachtsbäckerei, wurde auch derer gedacht, die an der Feier nicht teilnehmen konnten. Mit einem Weihnachtsstern für jedes Mitglied und natürlich dem Ostpreußenlied wünschte die Vorsitzende allen einen guten Heimweg, Gesundheit und ein friedliches Weihnachtsfest. 

Oldenburg – Mittwoch, 10. Januar, 15 Uhr, Stadthotel Eversten, Hauptstraße 38: Gemeinsames Treffen mit dem Jahresbericht 2017. Gezeigt wird außerdem der Film „Von Helgoland nach Königsberg bis 1945“, eine Bilderreise entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste.

Osnabrück – Dienstag, 9. Januar, 16.30 Uhr, Hotel „Novum“, Blumenhaller Weg 152: Kegeln. – Freitag, 19. Januar, 16.30 Uhr, Gaststätte Bürgerbräu, Blumenhaller Weg 43: Treffen der Frauengruppe.


NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Landesgruppe – Wichtige Termine für 2018:

Sonnabend, 17. März: Delegierten- und Kulturtagung in Oberhausen,

Sonntag, 8. Juli: Ostpreußentreffen auf Schloß Burg,

Sonnabend, 20. Oktober: Kulturtagung in Oberhausen.

Köln – Mittwoch, 10. Januar, 14 Uhr, „Café zum Königsforst“ (und nicht wie sonst üblich im Bürgerzentrum Köln-Deutz): Ostpreußengruppe. Das Café liegt gleich neben der Endhaltestelle der KVB-Linie 9 (Königsforst). Ab Neumarkt bis Königsforst beträgt die Fahrzeit 22 Minuten. Der Vorstand wünscht allen Lesern ein frohes Weih-nachtsfest und einen guten Rutsch in das Jahr 2018.

Neuss – Dienstag, 23. Januar, 17 Uhr, Quirinus-Basilika am Markt: Ökumenischer Gottesdienst der Landsmannschaft Neuss. – Jeden ersten und letzten Donnerstag im Monat, 15 bis 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Tag der offenen Tür.

– Zum Vormerken – 

Wichtige Termine der Kreisgruppe Neuss für 2018:

Donnerstag, 25. Januar, 15 – 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Tag der offenen Tür mit Kaffee und Kuchen. Es wird eine Lesung aus der Lektüre von Arno Surminski stattfinden. 

Sonntag, 18. Februar, 15 Uhr (Einlass 14 Uhr), Marienhaus, Kapitelstraße 36: Jahreshauptversammlung mit Grützwurstessen.

Sonntag, 22. April, 15 Uhr (Einlass 14 Uhr), Marienhaus: Frühlingsfest mit Tanz und Vorträgen.

Donnerstag, 7. Juni, bis Sonntag, 10. Juni: Jahresausflug nach Speyer. Anmeldung: Peter Pott, Zollstraße 32, 41460 Neuss, Telefon (02131) 3843400.  

Donnerstag, 28. Juni, 15 – 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube: Tag der offenen Tür mit Kaffee und Kuchen.

Sonnabend, 8. September, 14 Uhr, Ostdeutscher Gedenkstein, Oberstraße: Gedenkfeier zum Tag der Heimat: Im Anschluss Feierstunde im Marienhaus. Veranstalter ist der BdV, Kreisverband Neuss. Vom Gedenkstein zum Marienhaus in der Obertstraße 36 gibt es einen Bustransfer.

Donnerstag, 13. September, bis Sonnabend, 22. September: Große Ostpreußenreise über Stettin, Danzig, Marienburg, Masuren, Thorn und Posen. Anmeldung: Peter Pott: Zollstraße 32, 41460 Neuss, Telefon (02131) 3843400. Programm bitte anfordern.

Sonntag, 30. September, 15 Uhr (Einlass 14 Uhr), Marienhaus: Erntedankfest der Ostpreußen mit Gedichten, Liedern und Tanz unter der Erntekrone.

Donnerstag, 1. November, 15 – 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube: Tag der offenen Tür mit Kaffee und Kuchen.

Sonntag, 18. November, 11.30 Uhr, Hauptfriedhof, Rheydter Straße: Teilnahme an der Feierstunde zum Volkstrauertag.

Donnerstag, 29. November, 15 – 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube: Tag der offenen Tür mit Kaffee und Kuchen.

Sonntag, 2. Dezember, 15 Uhr (Einlass: 14 Uhr), Marienhaus: Adventsfeier der Ostpreußen mit besinnlichen Liedern und Gedichten, Kaffee, Kuchen und ostpreußischen Spezialitäten. 


SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Bad Oldesloe – Die Ost- und Westpreußen trafen sich zu einem besinnlichen Nachmittag. Bei Kaffee und Gebäck entwickelten sich gute Gespräche über die Advents- und Weihnachtszeit daheim und in den ersten Nachkriegsjahren. Dabei wurde auch der Mitglieder gedacht, die lange dabei waren und inzwischen verstorben sind. Der Nachmittag klang aus mit guten Wünschen zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel. 

Bad Schwartau –  Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – so auch bei den Ostpreußen in Bad Schwartau. Am Donnerstag, 12. Januar, steht nämlich wieder das traditionelle Fleckessen auf dem Programm. Hafenarbeiter, Kunden und Händler auf den Märkten schätzten bei strenger ostpreußischer Winterkälte „e Schalche Fleck“. Mit einem Pillkaller Schnaps wärmte die Suppe Leib und Magen. Nach altem Rezept wird uns Frau Muus-Seyfferth die Suppe zubereiten.

Neu ist allerdings, dass man sich unbedingt anmelden muss, damit in der Mensa der Elisabeth-Selbert-Gemeinschaftsschule (ESG, Schulstraße 8–10) genügend Plätze und Fleck vorhanden sind. Natürlich gibt es auch wieder alternativ eine Gulaschsuppe. Durch den Nachmittag begleitet der Entertainer Erwin Haase, ein Bad Schwartauer Ostpreuße, der weiß, was Ostpreußen bei solchen Gelegenheiten gern hören und singen. Mit ostpreußischen Späßchen wird er für gute Unterhaltung sorgen. Und wer noch nie einen Pillkaller (Schnaps mit Leberwurst und Senf) getrunken hat, kann das beim Fleckessen probieren.

Die Teilnahme kostet inklusive Fleck (Pansensuppe) und Trank sowie Musik und Späßchen zehn Euro. Teilnehmen können auch Nicht-Mitglieder der Landsmannschaft. Der Vorsitzende Axel Simanowski: „Gäste sind wie immer herzlich willkommen“. Wer sich noch nicht in die Liste eingetragen hat, sollte sich möglichst schnell bei Gisela Rowedder Telefon (04504) 3435 oder Axel Simanowski, Telefon (0451) 2901034 für Fleck oder Gulaschsuppe anmelden.

Flensburg – Freitag, 12. Januar, 17 Uhr: Besichtigung der Classic-Yacht, Robbe-Berking-Werft Osthafenbereich anschließend Abendessen im Ristorante Italia im gleichen Gebäude, Fahrstuhl vorhanden. Zu erreichen per Bus mit der Linie 5, Ausstieg Industriehafen, anschließend Fußweg an der Firma Jacob-Zement vorbei, weiter zum Hafen zirka 300 Meter bis zum Ziel.

Kiel – Sonntag, 21. Januar, 10 Uhr, Haus der Heimat: Preußentag. Auf dem Programm stehen folgende Vorträge: Aktuelle Streiflichter nach dem jüngstem Besuch in einigen Städten im nördlichen Ostpreußen: Gerdauen, Friedland, Königsberg, Cranz, Rauschen und Rossitten, dazu das Hermann-Brachert-Museum in Georgenswalde, alles mit Lichtbildern von Edmund Ferner. Peter Gerigk trägt vor über die ostdeutschen Nationalhymnen und -lieder mit Darbringung der Lieder.

Schönwalde a.B. – Donnerstag, 4., 11. und 18. Januar, je 14 Uhr, Klönstuv, Alte Feuerwehr: Seniorenbegegnung. 


S. 20 Leserforum

Leserforum

Mit Füßen getreten

Zu: Der Schock von Berlin (Nr. 47)

Schon die Bundestagswahl am 24. September hat die Weichen gestellt, und die FDP mit Christian Lindner hat den Hebel für eine Änderung bewegt. Doch derzeit scheint wieder die Macht und nicht der Bürgerwille unser Land zu ruinieren. Weiterhin wird die islamische Paralleljustiz unseren Rechtsstaat gefährden, und wei­terhin werden Kultur und Tradition mit Füßen getreten, armes Deutschland.

Günter Algner, Berlin






Der übernächste Zarennachfolger

Zu: Ein Großfürstentum wird unabhängig und Republik (Nr. 48)

Im Artikel über das Unabhängigkeitsjubiläum von Finnland heißt es: „Mit dem Tod Alexanders II., der 1881 einem Attentat zum Opfer fiel, veränderte sich das Leben der Finnen jedoch dramatisch. Sein Nachfolger, Zar Nikolaus II., schürte 1899 mit seinem ... Februarmanifest den Volkszorn.“

Ich möcht eine Korrektur anbringen. Richtig ist: Auf Zar Alexander II. folgte sein Sohn Alexander III. (1845–1894). Dessen Sohn, Nikolaus II., geb. 1868, kam im Alter von 26 Jahren an die Regierung. Er war jung und nicht gut vorbereitet. Er und seine ganze Familie wurden 1918 ermordet. 

Gunhild Krink, Witten






Verwirrte SPD

Zu: Angst statt Attacke (Nr. 50)

Mit dem Schlingerkurs, den die SPD seit der Bundestagswahl steuert, ist sie sich auf eine ganz bestimmte Art und Wiese selbst treu geblieben. Das zeigt uns ein Blick in die Geschichte. In seiner „Deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ befasste sich der Historiker Golo Mann auch mit der deutschen Sozialdemokratie während der Weimarer Zeit. Einige Kernaussagen aus diesem Buch zeigen, wie wenig die SPD aus ihrer eigenen Geschichte gelernt hat. So diese: „Die Sozialisten waren, wenn sie ,regierten‘, zugleich auch in der Opposition, so wie sie umgekehrt oft zugleich auch die Regierung stützten. Das Ergebnis war eine Enttäuschung und Verwirrung ihrer Anhänger.“

Rolf Bürgel, Darmstadt






Trügerische Ruhe

Zu: Hinter Beton verkriechen (Nr. 48)

Da sollen die Kosten zur „Sicherung“ von Weihnachtsmärkten die Veranstalter und Händler übernehmen. Standplätze und die angebotenen Waren werden damit teurer. Als Folge geht die Besucherzahl zurück. Dann wiederum bleiben immer mehr Händler weg, bis keine Weihnachtsmärkte stattfinden müssen. Die Plätze sind dann wieder ohne stressiges Passieren von Sicherungsanlagen sowie Merkelsteinen begehbar.

Das wäre geschafft. Ruhe ist im Land eingekehrt. Der Souverän ist’s – oder scheint’s – zufrieden, denn Zäune, Merkelsteine und Weihnachtsmärkte waren gestern. Mohammedanisch trügerischer Friede hat Land und Menschen eingeschläfert. Es ist wieder einmal diese gewisse Art von Wohlgefühlselbstläufer entstanden. Passt doch. 

Dann verkündet die Regierung scheinheilig im Namen der Menschen in diesem Lande den (selbstläuferischen) Vorgang als tollen Regierungserfolg, weil alles unter Kontrolle sei. Auch sei er ein Gewinn und nur dem Auftrag des Souveräns geschuldet, so nebelt es wieder und wieder politisch korrekt und medienunterstützt in die Gehirne. (Film-)Klappe, Schnitt. Ende der Szenerie. 

Werner Haase, Steingaden






Berliner Blabla

Zu: Der Schock von Berlin (Nr. 47)

Dieses widerliche Anbiedern der Partei-Grünen an die Merkel-Partei ist zum Glück gescheitert. Die FDP hat erkannt, dass Merkel im Jahr 2015 mit ihrer Flüchtlingspolitik im Sinne der Grünen und Linken gehandelt und Hunderttausende und Millionen von Schwarzafrikanern und Asiaten ins Land geholt hat. 

Man braucht sich nur in den Straßen um und im Münchner Hauptbahnhof umzusehen, dann sieht man, wohin in Zukunft die Entwicklung Deutschlands hinführen wird. In weiser Voraussicht bunkern Geld- und Besitzleute schon ihr Vermögen in Steueroasen. Falls das gegenwärtige System in Politik und Wirtschaft zur Hölle gejagt wird. 

Auch die Klima- und Kohlendioxid-Hysterie wird an der ständig zunehmenden Erwärmung der Erd-Atmosphäre nichts ändern. Also auch weithin viel Blablabla.

Günter Burk, München






Lukratives Erinnerungs-Geschäft

Zu: Geschäfte mit dem Holocaust (Nr. 49)

In seinem Buch „Die Holocaust-Industrie“ hat der an der New Yorker Princeton University ausgebildete Autor Norman G. Finkelstein zum obigen Thema bereits im Jahr 2000 deutlich klar umrissen, wie sehr es sich für manche Juden gelohnt hat, sich dieses Kapitel der jüngsten Geschichte zu eigen und finanziell nutzbar zu machen. 

Speziell US-amerikanische  Vereinigungen haben diese Technik so geschickt zu bewerkstelligen gewusst, dass sie sogar auch die neutrale Schweiz in den Ruf eines Schurkenstaates brachten, indem sie behaupteten, Schweizer Banken machten mit den dort in Milliardenhöhe einlagernden Sachwerten ermordeter Juden lukrative Geschäfte, indem sie Unterlagen über die Herkunft der Vermögenswerte vernichteten. Unter den von Finkelstein genannten professionellen Lügnern und Verfälschern zählt unter anderem auch der Friedensnobelpreisträger Eli Wiesel, dessen einziges Streben darin bestand, den Holocaust ausschließlich für Juden geltend zu machen und andere Opfer weitgehend unberück­sichtigt zu lassen. Die Möglichkeiten, hier auch doppelt abzukassieren, sind in seinem Buch einleuchtend beschrieben. 

Was wäre geschehen, wenn ein Nachkriegsdeutscher (Finkelstein ist Jude und Jahrgang 1953) Verfasser eines solchen Buches gewesen wäre? Hier wäre mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Paragraf 130 des Strafgesetzbuchs zur Volksverhetzung zum Tragen gekommen und der Verfasser als Gesinnungstäter bestraft worden. 

Finkelstein stellt zu Recht die Frage, wieso es auf amerikanischem Boden in der Hauptstadt Washington ein „Holocaust Memorial Museum“ gibt. Anderen Nationen (auch den Deutschen) ist es niemals eingefallen, auf eigenem nationalen Boden ein Museum für die seinerzeit nahezu ausgerotteten Ureinwohner oder für die Sklaven Amerikas einzurichten, von den Opfern des Vietnamkrieges und der Atombombenabwürfe im Zweiten Weltkrieg ganz zu schweigen.

Deutlich wird bei der Betrachtung des erlittenen Unrechts der Opfer des Nationalsozialismus (unter anderem die Juden), dass die Aufrechterhaltung des Erinnerns und des kollektiven schlechten Gewissens nicht nur ein lukratives Geschäft für große amerikanische Vereinigungen, sondern eben auch für kleinere, gerne auch untalentierte Künstler (wie die im PAZ-Kommentar erwähnte Malerin Rosemarie Koczy, d. Red.) mit geschöntem Lebenslauf ist. Erinnerung als Geschäftsmodell – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 

Rudolf Neumann, Ahrensburg






Koffer packen!

Zu: Demokratie wagen (Nr. 48)

Jamaika ist gescheitert, nun soll Kanzlerin Merkel endlich aufgeben und ihre Koffer packen. Wann merkt sie endlich, dass man sie nicht mehr haben möchte? Der Zukunft Deutschlands hat sie mit ihrer gestörten Politik sehr geschadet.

Marie Weiss, Hamburg

S. 21 Lebensstil

Neujahr nach Schweizerart
13 Tage verspätet – Im Appenzeller Land gehen die Uhren anders: Dort wird Silvester gleich zweimal gefeiert
Andreas Guballa

Der Julianische Kalender hinkt unserem Gregorianischen Kalender um 13 Tage hinterher. In der orthodoxen Kirche, wie der in Russland, wird er bis heute angewandt. Doch auch in der Schweiz hat der Kalender bis heute im Appenzeller Hinterland seine Spuren hinterlassen, weshalb dort mit dem Silvesterchlausen der Jahreswechsel erst am 13. Ja­nuar ge­feiert wird. 

Um fünf Uhr in der Früh ist die Winternacht im Appenzellerland noch stockdunkel und klirrend kalt. Doch in einigen Wirtshäusern brennt schon Licht, denn hier machen sich die sogenannten Silvesterchläuse fertig. Jede Gruppe dieser maskierten (Niko)-Läuse besteht aus fünf bis acht Männern, die Einheimischen sagen dazu „Schuppel“. Sie schlüpfen in Frauenkleider mit weißen Spitzenschürzen oder bunte Kniebundhosen aus Samt. 

Baumwollhauben werden ge­bunden, weiße Handschuhe angezogen, die ewig lächelnde Larve mit der kleinen Blume im Mundwinkel gerichtet. Zum Schluss müssen noch die gewichtigen Kuhglocken, die „Rollen“ und „Schellen“, geschultert und die riesigen Hüte aufgesetzt werden. Auf diesem Kopfschmuck – groß wie ein Wagenrad – spielt sich ein ganzes bäuerliches Leben im Kleinen ab. Kleine geschnitzte Figuren sind bei der täglichen Arbeit zu beobachten, manchmal tragen die Männer sogar ganze Almen im Miniaturformat auf dem Kopf. 

Der „Vorrolli“, der Anführer des „Schuppel“, trägt 13 Glocken an Brust und Rücken und hat einen solch gewaltigen Kopfschmuck, dass er nur noch im Entengang durch die Tür ins Freie kommt. Wenn alles gerichtet ist, bricht die Truppe im Gänsemarsch noch bei völliger Dunkelheit auf und macht sich im Laufschritt auf den Weg zum ersten Bauernhof. Für die Chläuse wird es ein langer und anstrengender Tag, denn Masken und Glocken bringen es auf bestimmt 30 Kilogramm, und der Weg von Hof zu Hof, bergauf, bergab und bis hinunter ins Dorf, ist weit. 

Hier in Urnäsch, einem kleinen Dorf mitten im schweizerischen Appenzellerland am Fuße des Säntis, gehen die Uhren anders. Denn wenn überall sonst auf der Welt das neue Jahr schon fast zwei Wochen alt ist, wird hier noch einmal Silvester gefeiert mit einem einzigartigen Brauch, dem Silvesterchlausen, das im außerrhodischen Hinterland, also in den Gemeinden Urnäsch, He­risau, Hundwil, Stein, Waldstatt, Schwellbrunn und Schönengrund, der eindrücklichste Winterbrauch ist. Die Wurzeln dieses Brauchtums kennt hier niemand mehr, vielleicht entstammen sie dem Mittelalter, vielleicht haben sie einen heidnischen Ursprung. Die Kirche jedenfalls hat das Chlausen nie gerne gesehen. 

Früher lebten sie hier nach dem julianischen Kalender, doch als irgendwann der Papst, den sie als Protestanten sowieso nicht be­sonders mochten, den gregorianischen Kalender einführte und sich damit der Beginn des neuen Jahres verschob, feierten sie Silvester kurzerhand zwei Mal: Nach dem neuen Kalender am 31. De­zember, aber auch weiterhin nach dem alten am 13. Januar. 

Es ist eine besondere Ehre, ein „Schuppel“ auf dem Hof zu Gast zu haben. Anfangs werden die Glocken und Schellen zum Klingen gebracht, und dann stimmen sie ihr „Zäuerli“ an, einen hohen Männergesang, der weit durchs Tal schallt und einem Jodler ohne Worte noch am ehesten ähnelt. Der Hausherr und seine Familie lauschen andächtig und ergriffen. Drei Mal wiederholt sich das Schauspiel von Gesang und Ge­läut, dann wünschen die Chläuse allen mit kräftigem Händedruck ein gutes neues Jahr. Zum Dank bekommen sie Glühwein, den sie mit einem Strohhalm durch die Maske trinken. Dezent nach Schweizerart wechselt bei dieser Gelegenheit ein Geldschein den Besitzer. 

Gegen Mittag haben die Chläuse alle Einzelgehöfte besucht und nähern sich dem Dorf. Jetzt sieht man die einzelnen Gruppen von Haus zu Haus ziehen, mittlerweile unter den Augen vieler Zu­schauer. Die feierliche Stimmung verwandelt sich immer mehr in ein Volksfest. Nun treffen auch die einzelnen Gruppen zusammen, die schönen Chläuse wetteifern mit den „Schö-Wüschten“ und den „Wüsten“. Die wüsten Chläuse sind wahrscheinlich die ur­sprünglichsten. Die Gesichter hinter Furcht einflößenden Masken verborgen, gleichen sie in ihren Umhängen aus Heu, Stroh, Reisig oder Ästen laufenden Bäumen und Büschen. Doch wenn sie ihre Glocken läuten und den Gesang anstimmen, geht von ihnen die gleiche Faszination aus. 

In den Kostümen der „Schö-Wüschten“ sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Doch alle bestehen aus Naturmaterialien, die Gesichter verbergen sie hinter Tannenzapfenmasken, die Um­hänge bestehen aus Moos, Flechten oder Rinde. Am Nachmittag verlagert sich das Geschehen immer mehr in die Gasthäuser, wo die „Schuppel“ mit den Gästen bis weit nach Mitternacht trinken und feiern und immer mal wieder ein „Zäuerli“ zum Besten geben.

Das 400 Jahre alte Brauchtumsmuseum in Urnäsch erzählt von Silvesterchläusen, dem Sennenleben, von Bauernmalerei und Streichmusik. Infos im Internet unter: www.museum-urnaesch.ch

Konservierte Katastrophen
Gesunken und gefunden – Antike Schiffswracks im Schwarzen Meer
D. Jestrzemski

Nahe der bulgarischen Schwarzmeerküste hat ein internationales Forscherteam mehr als 60 bestens erhaltene historische Schiffswracks ge­funden. Die Schiffe sind römischen, byzantinischen, osmanischen sowie venezianischen Ur­sprungs. Sie liegen in einer Tiefe von 90 bis 2000 Meter auf dem Meeresgrund. 

Seit Herbst 2016 sandten die Wissenschaftler ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge mit mo­dernen Kameras und Laserscannern zu den Wracks. Unter Flutlicht wurden Tausende Fotos gemacht und anschließend am Computer zu hochauflösenden 3D-Modellen zusammengesetzt. Das Ergebnis ist spektakulär: Klar zu erkennen sind Einzelheiten wie Seile auf den Decks, Ruder, Tongefäße, Kanonen und kunstvolle Schnitzereien. Es konnten Schiffstypen identifiziert werden, die bisher nur aus Schriften oder Malereien bekannt waren. 

Drei Jahre hat das Team um Professor Jon Adams vom Zentrum für Maritime Archäologie der Universität von Southampton entlang der bulgarischen Schwarzmeerküste Untersuchungen des Seebodens durchgeführt. Die Ex­pedition mit dem Titel „Black Sea Maritime Archaeology Project“ hatte die Aufgabe, frühere Kü­stenlandschaften im Schwarzen Meer zu kartieren. Man ist be­strebt, die paläo-ökologische Vorgeschichte des Gewässers zu re­konstruieren. Die Zentrale des Forscherteams war das mit modernsten Unterwasser-Vermessungssystemen ausgerüstete Schiff „Stril Explorer“.

Ursprünglich war das Schwarze Meer ein Süßwassersee. Vor rund 7500 Jahren kam es zu einem raschen Anstieg des Wasserpegels, nachdem die Bosporus-Meeresenge zwischen Marmarameer und Schwarzem Meer entstanden war. Mit diesem Ereignis wird die biblische Erzählung von der Sintflut in Verbindung gebracht. In wenigen Jahrzehnten versank die Landschaft unter den Fluten, als vom Mittelmeer über das Marmarameer Salzwasser in das Schwarze Meer strömte. 

Die Entdeckung des Schiffsfriedhofs entlang der westlichen Seefahrtsroute kam völlig unerwartet und versetzte die Forscher in Begeisterung. Schon in der Antike war das Schwarze Meer eine viel befahrene Wasserstraße. Sie verband Venedig, den Balkan, Griechenland und Kleinasien mit dem Kaukasus, den eurasischen Steppen und Mesopotamien. Dank der anoxischen Bedingungen, also im sauerstofffreien Mi­lieu in Tiefen ab 150 Meter, sind die untergegangenen Schiffe samt Ladung in sensationell gutem Zustand erhalten, denn alles, was dorthin sinkt, wird konserviert. 

Man hofft, anhand der geborgenen Funde Belege für den Import von Seide, Gewürzen, Parfüm, Juwelen und selbst Schriftrollen zu finden. Ob es zu Bergungen von Schiffswracks kommt, ist noch ungewiss. Der bulgarische Kultusminister hat angekündigt, dass ein Museum für Unterwasserarchäologie auf der Insel Sweti Kirik vor Sosopol, dem antiken Apollonia, entstehen wird, um die Fundstücke von den Schiffen auszustellen.

Geduld ist gefragt
Der Beruf des Vergolders trotzt allen modernen Techniken
Silvia Friedrich

Eine nervöse Hand wäre hier klar von Nachteil. „Es ist ein Kunsthandwerk, das Ruhe braucht“, sagt Anja Isensee, Vergoldermeisterin aus Berlin. Dieses Handwerk arbeitet noch heute mit Techniken, die schon seit der Antike bekannt sind. Selbst das Computerzeitalter, wo Maschinen menschliche Arbeit übernehmen, kennt keine neueren, beschleunigenden Methoden. Das aber macht diese künstlerischen Arbeiten auch so wertvoll.

Geboren in Altenburg, besitzt Isensee nun eine Werkstatt auf einem der schönsten alten Gutshöfe Berlins, der Domäne Dahlem. Gerade vor und nach Weih­nachten, wenn viele noch festlich gestimmte Gäste in ihren Laden hereinschauen, häufen sich die Aufträge.

Hervorgegangen aus dem Ma­lerhandwerk, befasst sich der Vergolder mit der Veredelung von Oberflächen. Das heißt, er bringt Blattgold oder andere Metalle auf Gegenstände auf. Vorwiegend bei der Restaurierung alter Kunstwerke, Bilderrahmen, von Büchern und Architekturteilen kommt dieser künstlerische Beruf zum Einsatz. Isensee bekommt viele Aufträge von privaten Kunden, aber auch von Künstlern, denen sie mit ihrem Wissen und Können hilfreich zur Seite steht. Blattgold ist eine hauchdünne Goldfolie mit einer Stärke von 0,000125 Millimeter. Das ist noch viel dünner als die Dicke eines Haares, das zwischen 0,04 und 0,08 Millimeter dick sein kann. 

Wenn Vergolder mit der hauchdünnen Folie arbeiten, müssen sie aufpassen, dass diese nicht durch einen kräftigen Atemzug davonfliegt. Vor der eigentlichen Arbeit mit dem edlen Metall müssen die zu vergoldenden Objekte jedoch mehrfach grundiert, also mit verschiedenen Gemischen aus Kreide und Leim eingestrichen werden. Erst danach beginnt die an­strengende Fummelei, das Gold aufzubringen. 

Dazu benötigen die Vergolder auch besondere Werkzeuge. Zum Beispiel Tierhaarpinsel und ein Vergolderkissen, ein gepolstertes Brett mit Halte­schlaufe. Manchmal sogar mit Windschutz, damit die darauf liegenden Blattgoldpapiere nicht wegfliegen. Mit der einen Hand hält der Vergolder das Vergolderkissen und schneidet mit der anderen Hand ein winziges Blatt Gold zurecht. Aufgebracht wird es dann mit dem Tierhaarpinsel.

Von den verschiedenen Techniken seien hier nur zwei erwähnt. Einmal die Ölvergoldung, wobei die Untergrundbehandlung, bevor das Gold „angeschossen“ wird, sich auf einen Ölanstrich be­schränkt. Sie findet häufig An­wendung im Außenbereich, aber auch auf Stein, Metall und Texti­lien. Des Weiteren gibt es die Polimentvergoldung. Sie ist seit etwa 2500 v. Chr. im alten Ägypten bekannt und nur für den Innenraum geeignet. Diese aufwendige Handwerkstechnik bedarf großer Erfahrung. 

Die Rezepte für die Untergrundbehandlung mit Kreidegrund, der mit organischem Leim gebunden ist, waren früher streng gehütete Geheimnisse der Vergolder. Das hauchdünne Gold wird mit dem Anschießer aufgebracht, einem flachen Pinsel aus Tierhaar. Es gibt Vergolder, die vor der Goldaufnahme mit dem Pinsel über die Wange streichen. Das Hautfett soll so eine bessere Goldaufnahme möglich machen. Mit einem Achat-Polierstein wird das Kunstwerk schließlich noch auf Hochglanz gebracht. 

Es erfordert viel Geduld und Geschicklichkeit, aber auch Fingerspitzengefühl, um etwas sorgfältig zu vergolden. Vielleicht ziehen sich Vergolder deshalb gerne zurück, wie die Meisterin wissen lässt. In der Ruhe liegt die Kraft des Vergolders.

S. 22 Bücher im Gespräch

Der Sozialstaat als filigraner Gängeler
Nike U. Breyer

Was nun?“, lautet die Frage, die Dimitrios Kisoudis dem zunehmend aus den Fugen geratenen Staat Bundesrepublik Deutschland im Titel seines neuen Buches stellt, um im Untertitel „Vom Sozialstaat zum Ordnungsstaat” zugleich die bündige Antwort zu geben. Dem Ideal des Ordnungsstaates, der sich klug auf sein ureigenes Terrain beschränkt, innere und äußere Sicherheit garantiert, die Außenpolitik bestimmt und ansonsten dem Bürger seine Freiheit garantiert und sichert, stellt Kisoudis den „totalen“ Staat gegenüber, der immer mehr Aufgaben findet, sich in alles einmischt und an allem scheitert, weil die immer filigranere Gängelung des Einzelnen seine Voraussetzungen und Mittel überstrapaziert – Paradebeispiel Asylkrise. 

Zeitlich umfasst das Buch die staatsrechtlichen Auseinandersetzungen vom Kaiserreich über die Weimarer Republik – das Dritte Reich bleibt ausgeklammert – bis zur Bundesrepublik und wirfte einen Blick auf die EU. Das alles ist interessant zu lesen und auch flott formuliert, wenn auch bisweilen etwas schief. So sei, mit Kisoudis gesprochen, der tiefrote Marburger Politologe Wolfgang Abendroth ein „Meister des method acting …, der Robert de Niro des Verfassungsrechts“. Nun ja. Kisoudis, der bereits Dokumentarfilme gedreht hat, scheint außerdem ein Faible für den dramatischen Showdown zu besitzen: „Mit Carl Schmitt, Rudolf Smend und Hermann Heller werfen ein Katholik, ein Protestant und ein Sozialdemokrat ihre politischen Überzeugungen in den Ring. Alle drei orientieren sich an der Soziologie“, heißt es an anderer Stelle. Das Problem dieser lässigen Sprachbilder ist allerdings die Ungenauigkeit. Kann ein Sozialdemokrat kein Katholik oder Protestant sein? 

Zu den kleinen Unklarheiten gesellen sich auch einige größere. Ist der totale Staat wirklich so total, wie Kisoudis behauptet? Unklar bleibt dabei das Reizthema Umverteilung. Diese kann von „oben“ nach „unten“ führen – aber eben auch umgekehrt. Hier ist Kisoudis‘ Blick selektiv, denn es geht nicht nur um Verteilung. Handstreichartig wird den Bürgern zugleich Eigentum entzogen. Genannt seien etwa die Privatisierungen der ehedem staatlichen Post oder Bahn. Die Altersvorsorge wird teilprivatisiert. Schulgebäude werden verkauft, um sie dann zurückzuleasen, weil das Geld für die Sanierung fehlt. Die Liste ließe sich fortführen. Richtiger wäre also die Diagnose, dass der Staat sich aus der treuhänderischen Fürsorge aus finanziellen Gründen immer mehr zurückzieht, um sich umso intensiver Bereichen zu widmen, die sein Scheitern absehen lassen. 

Der „totale Sozialstaat“ (Kisoudis) ist nicht sozial, er ist nicht einmal total, bestenfalls unentschlossen, schlechtestenfalls unfähig. Natürlich könnte der Staat dem heillosen Durcheinander bei Asyl, Einwanderung und Aufenthalten von Ausländern und dem Missbrauch von damit verbundenen Regelungen einen Riegel vorschieben. Es fehlt jedoch ein koordiniertes Handeln der Regierenden, respektive der Wille dazu. Stattdessen gewinnt das Projekt eines großen Bevölkerungsaustausches immer deutlicher an Kontur. Während das Geld für überfällige Brücken- und Straßenbauarbeiten allenthalben fehlt, wird eine längst zur „Asylindustrie“ mutierte Notfallregelung mit Finanzmitteln geradezu überschüttet. Weniger lax als bei den Grenzkontrollen von „Flüchtlingen“ ist der totale Staat bei deutschstämmigen Verweigerern der GEZ. Es geht eben auch anders. 

Das Ausklammern ganz wesentlicher Bereiche, die alle, wenn auch weniger direkt, mit dem Staatsrecht zu tun haben, trübt leider die Lektüre dieses interessanten Buches. Um die eingangs von Kisoudis gestellte Frage zu lösen, muss auch über Interessen geredet werden und über Souveränität, die Bundesrepublik – mit Wolfgang Schäuble gesprochen – zu keinem Zeitpunkt hatte. Es sind eben nicht nur die Debatten zwischen Schmitt und Kelsen, Smend und Heller oder Abendroth und die daraus hervorgehenden „Sieger“, die die „Weichen stellen“ (Kisoudis). Wobei maßgebliche Details überdies zu kurz kommen. So kreiste etwa die Kontroverse zwischen Schmitt und Kelsen in den 1920er Jahren um die Frage, wie unabhängig ein Verfassungsgericht sein könne, das vom Parlament eingesetzt wird und die Legislative kontrollieren soll. 

Ein heikler Punkt, der bis heute Fragen aufwirft. Man denke nur an die kontroversen Positionen der Verfassungsrichter Voßkuhle und di Fabio zur aktuellen Asylsituation. Voßkuhle, der die Merkel-Politik juristisch flankiert, wird – ein Schelm, wer Böses denkt – immer wieder als Kandidat für den Posten des Bundespräsidenten genannt. Als Skizze mit Anregungen zur Vertiefung ist das Buch gleichwohl lesenswert. Für die zahlreichen Anmerkungen wäre ein Register hilfreich gewesen.

Dimitrios Kisoudis: „Was nun? Vom Sozialstaat zum Ordnungsstaat“, Manuscriptum Verlag, Berlin 2017, broschiert, 128 Seiten, 16 Euro

 

Tiere im Winter
Silvia Friedrich

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie die Tiere in Wald und Feld den harten Winter überstehen, liegt mit dem Buch von Thomas Müller „Schneehuhn, Reh und Haselmaus“ aus dem Gerstenberg-Verlag genau richtig. Auf 60 großformatigen Seiten verfolgt man die Spuren der Wildtiere in Schnee und Eis und erfährt so, wie Rehe, Füchse, Marder, Hasen, Luchse, Insekten und viele Tiere mehr durch den Winter kommen. 

Es ist wichtig, dass Säugetiere, aber auch Vögel, eine gleichbleibende Körpertemperatur aufrecht erhalten. Denn sonst kann der Körper die lebenswichtigen Funktionen nicht gewährleisten. Wärmeverlust ist eine schlimme Sache, wenn es draußen stürmt und schneit. 

Manche Tiere wie Rehe, Hasen und Gämsen bekommen dickeres Winterfell. Vögel plustern sich auf, um Körperwärme zu erhalten. Einige Tiere fallen in Winterschlaf. Ihr Herz schlägt dann langsamer und die Körpertemperatur geht zurück. Wieder andere Tiere halten nur Winterruhe oder Winterstarre, wobei sie immer wieder aufwachen und nach Nahrung suchen, die sie im Herbst versteckt haben. Denn der Tisch der Natur ist im Winter nur sehr karg gedeckt. Da müssen oft auch die Rinde von Bäumen und Sträuchern genügen, weil nichts anderes zu finden ist. 

Wie die einzelnen Tiere unserer heimischen Landschaft es genau machen, ist wunderbar nachzulesen und mit meisterhaften Bildern illustriert. So hat man endlich mal die Gelegenheit, Vögel und Säugetiere genauer anzuschauen. Hinweise, wie wir den Tieren im Winter helfen können, gibt es am Ende des Bandes. Es ist ein sehr gelungenes, informatives Kinderbuch für lange Winternachmittage. Für alle, die Tiere lieben, ein guter Tipp für den Geburtstagswunschzettel.

Thomas Müller: „Schneehuhn, Reh und Haselmaus. Tiere im Winter“, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2017, gebunden, 60 Seiten, 16,95 Euro

Ostpreußen in Bildern
MRK

Der beliebte Bildband „Das alte Ostpreußen“ mit Texten von Arno Surminski aus dem Hamburger Ellert & Richter Verlag ist in siebter Auflage erschienen. Fotografien des Königsberger Denkmalamts aus der Zeit von 1880 bis 1943 in hoher Qualität zeugen von der Schönheit einer deutschen Kulturlandschaft. 

In Rubriken unterteilt erzählen die Bilder vom Familienleben in der Provinz Ostpreußen, von Städten und dem Stadtleben, ebenso wie vom Landleben. Die Schwarz-Weiß-Fotos vermitteln dem Betrachter einen Eindruck von Königsberg zur Kaiserzeit, vom harten Landleben, dem Markttreiben in Städten wie auch von technischen Bauwerken. Der bekannte ostpreußische Schriftsteller Surminski, dessen Romane und Erzählungen in Masuren spielen,  führt den Leser in eine unvergessene Zeit ein.

Arno Surminski: „Das alte Ostpreußen“, Ellert & Richter Verlag, 5. Auflage, Hamburg 2017, gebunden, 360 Seiten, 16,95 Euro


Von »Wüstungen« im Sudetenland und in Masuren
Wolfgang Thüne

Es gibt sie doch, die normative Kraft des Faktischen, der Geschichte. Beweis ist das  Buch „Verschwundene Orte...“, dessen Titel „harmlos“ scheint, dessen Inhalt aber eine klare Sprache spricht. Es beruht auf einer Tagung des „Bundes der Egerländer Gemeinden“, die vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration finanziert wurde. Es enthält sechs Vorträge namhafter Forscher, in denen die Folgen der Vertreibung der Sudetendeutschen aufgearbeitet und geschildert werden. Der Vortrag „Zur ethnischen Symbolik in der masurischen Landschaft“ befasst sich auch mit Ostpreußen. 

Auch in der Provinz Ostpreußen hat es ab 1945 Vertreibungen gegeben. Im Jahr 1950 lebten von etwa 2,5 Millionen noch zirka 170000 Deutsche in Ostpreußen. Heute rechnen sich etwa 8000 Menschen zur Deutschen Minderheit im Süden der Provinz. Natürlich wurden auch hier viele „Spuren deutscher Vergangenheit und Geschichte“ als Teil einer „Legitimationsstrategie“ für die „Wiedergewinnung“ Masurens bewusst beseitigt. Dessen Bewohner hatten noch 1920 mit fast 100-prozentiger Mehrheit für den  Verbleib beim „Reich“ votiert. Obwohl sich 44,1 Prozent als „masurisch-sprachig“ bezeichneten, stimmten 97,9 Prozent für Deutschland. Was die „Wüstungen in Polen“ betrifft, so gebe es im deutschen Wikipedia „67 Einträge“, im polnischen Wikipedia aber „340 Wüstungen“. Auf diese Diskrepanz weist im Anhang der Verleger Konrad Badenheuer hin.

Ganz anders sah es im Sudentenland aus, wie die vielen Kreuzchen für die „zerstörten und verschwundenen Orte“ in der Landkarte am Ende des Buches zeigen. Wird die Ursache auf der Titelseite noch kaschiert, so spricht man bei den Vorträgen schon deutlicher von „Vertreibungen“. Obwohl die Vereinten Nationen diese als „Völkermord“ klassifiziert haben, wird diese Bezeichnung tunlichst vermieden. Die Vertreibung war der einzige Grund für den Untergang der Siedlungen in den böhmischen Ländern, im Egerland oder Erzgebirge. Es ist erschütternd nachzulesen, was im „Jahr der Auspeitschung“ in der Tschechoslowakei alles an Brutalitäten verübt wurde. Da ist es ein geringer Trost, wenn Tschechen heute den „Untergang der böhmischen Kultur“ bedauern. Allein im Sudetenland sind etwa 2400 ländliche Siedlungen untergegangen.

Es ist ein kleines, inhaltsschweres und gut bebildertes Buch, das zur Lektüre, auch wenn sie alte Wunden wieder schmerzhaft aufbrechen lässt, doch eindringlich empfohlen wird.

Wilfried Heller (Hg.): „Verschwundene Orte. Zwangsaussiedlungen, Neuansiedlungen und verschwundene Orte in ehemals deutschen Siedlungsgebieten Ostmitteleuropas“, Verlag Inspiration, Berlin 2017, broschiert, 96 Seiten, 9,80 Euro



Wie Menschen mit dem Verlust einer verlässlichen Orientierung umgehen
Dirk Klose

Klagen über den Verlust traditioneller Normen und Werte sind eigentlich nicht neu. In den Nachkriegsjahren war das Buch „Verlust der Mitte“ von Hans Sedlmayr ein wahres Kultbuch, das ganz offensichtlich einen Nerv der Zeit getroffen hatte. In unseren Tagen, im Zeitalter der Globalisierung, werden radikale Veränderungen vieler wirtschaftlicher, politischer und sozialer Bereiche wegen des rasanten Tempos ganz unmittelbar empfunden. 

Ernst-Dieter Lantermann, emeritierter Sozialpsychologe an der Universität Kassel, sieht in der daraus resultierenden Verunsicherung einen Hauptgrund für die Radikalisierung der Gesellschaft bis hin zu Hass und Fanatismus. Die heutige Gesellschaft, schreibt er in dem Buch „Die radikalisierte Gesellschaft. Von der Logik des Fanatismus“, mute ihren Bürgern gravierende Unsicherheiten ihrer Lebensverhältnisse zu. Die Menschen würden ständig mit verstörenden Nachrichten über die Katastrophen in der Welt konfrontiert und litten unter dem Verlust verlässlicher Orientierung: „Immer mehr Menschen erfahren, dass ihr Leben zu einer prekären Gratwanderung zwischen Meistern und Absturz geworden ist und sehen sich in ihrem Selbstwertgefühl zutiefst verunsichert.“

Auf diese „Selbst-Erschütterungen“ reagieren die Menschen, so Lantermanns These, ganz gegensätzlich. Ein Teil von ihnen sehe die Auflösung traditioneller, fester Ordnungen und Prinzipien als Chance zu eigener Kreativität und Selbstverwirklichung. Der andere Teil hingegen reagiere mit Angst auf wirtschaftliche und soziale Veränderungen sowie mit einer zuweilen bis zum Hass gesteigerten Feindseligkeit gegenüber Fremden und Flüchtlingen. Lantermann sieht eine Radikalisierung in den westlichen Gesellschaften, die er fast durchweg auf dem „rechten“ politischen Spektrum ausmacht, verursacht durch die teils gespürte, teils tatsächlich eingetretene Entwurzelung aus traditionellen Milieus und Berufen. 

Schon vor diesem Buch hatte der Autor an einschlägigen Forschungen zu diesem Thema gearbeitet, seine Schlussfolgerungen zieht er aus viel statistischem Material. Leider belässt er es hier bei mehr oder weniger abstrakten Aussagen. Es fehlen  konkrete Beispiele, die der Darstellung gut getan hätten. Konkreter wird es aber im Mittelteil des Buches, in dem der Autor auf individuelle Formen der Selbstsicherung und Selbstvergewisserung eingeht. Solche Formen sieht er zum einen in den sogenannten „gates communities“, also den wachsenden, streng von der Außenwelt abgeschirmten Wohnsiedlungen wohlhabender Bürger, dann aber vor allem – und hier wird das Buch wirklich spannend – in der ständig wachsenden Fitnessbewegung und – „als extreme Form alltäglicher Sinnfindung“ – im Veganismus als extremste Form selbstbestimmten Lebens in unübersichtlich gewordener Zeit. Lantermann zieht unausgesprochen Parallelen zwischen dem Fanatismus auf politischer Ebene und dem Rigorismus von Veganern – ein etwas gewagtes Unterfangen, aber gemein ist ja beiden Richtungen in der Tat Intoleranz, Verachtung, ja, Hass gegenüber Andersdenkenden und -handelnden. 

Sein mitunter düsteres Bild relativiert der Autor gegen Ende selbst, indem er der Bundesrepublik eine alles in allem gefestigte Zivilgesellschaft bescheinigt, wofür ja erfreulicherweise auch viele Anzeichen sprechen. Aber sie zu erhalten, bleibe eine dauernde Aufgabe von Politik und Gesellschaft. Ein ungewöhnlich ausführliches, auf hohem Niveau gehaltenes Literaturverzeichnis erlaubt ein Weiterarbeiten zu allen hier teilweise nur angeschnittenen Fragen.

Ernst-Dieter Lantermann: „Die radikalisierte Gesellschaft. Von der Logik des Fanatismus“, Karl Blessing Verlag, München 2016, gebunden, 224 Seiten, 19,99 Euro 


S. 23 Anzeige Rautenberg Buchhandlung

Anzeige Rautenberg Buchhandlung

Anzeige Rautenberg Buchhandlung

S. 24 Panorama

Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel
Mit Inbrunst in den Klamauk / Wie Berlin uns immer wieder bei Laune hält, was Lindner und Kubicki gefehlt hat, und warum nur Versager seriös sind

Ist Ihnen langweilig? Dann haben wir den idealen Job für Sie – nicht irgendwo in der Provinz, sondern am Puls des Landes, in unserer Hauptstadt Berlin. Da sind bekanntlich kurz vor dem Jahreswechsel vier Häftlinge aus dem Gefängnis Plötzensee ausgebüxt, und zwar unter dem wachen Auge einer Überwachungskamera.

Warum das in der Alarmzentrale keiner bemerkt hat? Ach, seufzte Anstaltsleiter Uwe Meyer-Odewald: In der Zentrale laufen 30 Monitore, da guckt man höchstens mal drauf, wenn einem „langweilig“ ist. Und das war das Problem: Dem Anstaltspersonal war offenkundig nicht langweilig. Was die wohl gerade gemacht haben, als neben ihnen ganze drei Minuten lang die Bilder vom spektakulären Ausbruch über den Bildschirm liefen? Skat kloppen? Weihnachtsgeschenke vergleichen? Glühwein kippen? Es hat dann noch fast eine Dreiviertelstunde gedauert, bis die Wächter mitbekamen, dass ihnen etwas entgangen war. Die Fahndung nach dem Quartett lief zunächst nicht öffentlich, aus Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der Ausbrecher. 

Ja, Berlin! Wo Islam-fanatische Mörder zu „Märtyrern“ erklärt und Drogendealer zu Helden des Alltags erhoben werden. Vom Flughafen reden wir ja gar nicht mehr. Wer sich in so einer Metropole langweilt, dem ist nicht zu helfen. Kaum eine Woche vergeht mehr, ohne dass uns unsere Hauptstadt mit neuem Klamauk versorgt. Dabei nötigt es Respekt ab, mit welcher Geradlinigkeit, welcher unbeirrbaren Konsequenz die Grenzen von Verblendung und Verblödung an der Spree immer weiter gedehnt werden. Und das in einer genialen Mischung aus Inbrunst und Leichtigkeit, die Ihresgleichen sucht in der Republik. 

Für die Republik hält das angelaufene Jahr allerhand Spannung bereit. Große Verwerfungen kündigen sich an. Fast scheint es, dass man sogar in der CDU zu begreifen beginnt, dass die Union die Bundestagswahlen doch nicht gewonnen hat. 

Seit dem Flüchtlingsmärchen von 2015 hatte sich in den oberen Etagen von Politik und Medien die Überzeugung durchgesetzt, dass die Wirklichkeit eigentlich unbedeutend ist für das eigene Reden und Handeln.

Ganz in dieser Bahn laufend, hatten die politisch Verantwortlichen den Nasenstüber vom           24. September in einen Wählerauftrag zum „Weiter so“ umfrisiert und sich ganz entspannt ans Jamaika-Sondieren gemacht. Seit Ende November aber geht alles schief. 

Bedenkliches kündigt sich an. Auf gar nicht mehr so leisen Sohlen entfernt sich der politisch-mediale Komplex von Angela Merkel. Es werden sogar schon Namen von möglichen Nachfolgern genannt und Umfragen gestreut, nach denen eine Mehrheit der Deutschen der ewigen Kanzlerin überdrüssig ist.

Davon elektrisiert traut sich sogar die FDP wieder auf die Bühne. Über Jamaika könne man vielleicht doch noch mal reden, hieß es von den Gelben ganz unerwartet.

Was reitet die wohl? Vermutlich leiden die Liberalen am Mangel an Aufmerksamkeit. Kann man verstehen, bei der Vorgeschichte: Nach vier Jahren Parlaments-Ausschluss inklusive politischer Nahtod-Erfahrung haben es Christian Lindner und Wolfgang Kubicki aus vollen Zügen genossen, dass sie wegen der Jamaika-Gespräche seit Oktober wieder überall im Rampenlicht standen.

Nachdem sie das Projekt hatten platzen lassen, dauerte die Aufmerksamkeit noch ein, zwei Wochen an, wenn auch weit weniger freundlich als zuvor. Aber immerhin, man blieb im Gespräch.

Danach aber wurde es still um die FDP-Stars, niemand kitzelte ihnen mehr den Bauch oder beschimpfte sie wenigstens. Sie waren wieder weg aus den Schlagzeilen, was der Eitelkeit eines Kubicki oder Lindner schmerzlich auf die Füße gefallen sein muss.

Zum Glück der Freidemokraten entpuppten sich die neuerlichen schwarz-roten Vorverhandlungen umgehend als trostloses Gewürge, sodass jeder Reiz einer weiteren Groko schon im Ansatz verdampfen musste. Das bot die Gelegenheit, sich wieder nach vorne zu drängeln.

Um nicht in heikles Terrain zu geraten, haben die Liberalen einen Schutzwall aus Bedingungen aufgetürmt, der sie davor schützen soll, wirklich gefragt zu werden, ob sie regieren wollen: Neuwahlen soll es geben und Merkel müsse gehen.

Dieser Wall wird vorerst halten. Vor Neuwahlen fürchten sich die Sozis mehr denn je. Die Weih­nachtsgans kaum verdaut, knallte ihnen Forsa kurz nach dem Fest den Umfragewert von 19 Prozent vor den Latz. Die Union kommt von ihrem scheußlichen Septemberresultat ebenfalls nicht weg, es könnte also auch für die Schwarzen noch schlechter werden als ohnehin.

Richtig spannend ist natürlich die Frage nach der Zukunft der ewigen Kanzlerin. Könnte es wirklich sein, dass Merkels Zeit sich dem Ende neigt? Man mag es sich kaum vorstellen, aber wie wir schon anmerken mussten: Eine wachsende Zahl von Leuten tut es trotzdem. Wenn eine Regentschaft zu Ende geht, sind die Schranzen des alten Regimes gut beraten, sich rechtzeitig aus dem Staube zu machen, um Abstand zwischen sich und die verglimmende Macht zu bringen. Sonst reißt sie einen mit in die Tiefe.

Auffallend viele Kommunalpolitiker sind in den letzten Tagen an die Öffentlichkeit gegangen, um uns mitzuteilen, wie sehr sie unter den Folgen der offiziellen Willkommenskultur leiden. Mitleid? Nun ja: Erinnern wir uns lieber an den Karlsruher CDU-Parteitag vom Dezember 2015 oder die 100 Prozent für Martin Schulz Anfang 2017. Waren da nicht auch welche von jenen Kommunalpolitikern dabei, die jetzt herumjammern? Hatten sie Merkel nicht mit stehenden Ovationen überschüttet? War da in Karlsruhe nicht dieses 1000-zu-zwei-Ergebnis, mit dem die CDU-Delegierten die Wir-schaffen-das-Politik der Willkommenskanzlerin nahezu einhellig unterstützt haben? Und wie waren sie mit denen umgegangen, die ihnen damals schon haarklein und mit längst gemachten Erfahrungen belegt vorrechneten, wo das alles enden wird?

Ach du liebe Zeit! Und nun? Hatten die „Rechten“ etwa recht? Wenn ja, wie können wir verhindern, dass das durchsickert? 

Der Bürgermeister von Kandel kennt den Ausweg: In dessen Gemeinde ist die 15-jährige Mia von einem Afghanen getötet worden. Sie hatte sich zunächst mit ihm eingelassen, ihn dann aber abserviert, was der Afghane als unverzeihlichen Anschlag auf seine Mannesehre verstand. 

Kandels SPD-Bürgermeister wandte sich nach der schreck­lichen Tat umgehend dem            erstrangigen Problem zu: der Gefahr fremdenfeindlicher Parolen, die infolge der Tat aufkommen könnten. Damit hat er die Asylpolitik geschickt aus der Schusslinie gezogen und die Deutschen zum eigentlichen Gefahrenherd erklärt. 

Dieser Trick hat sich seit Längerem bewährt. Je mehr die Ergebnisse der Grenzöffnung zutage treten, desto wertvoller wird diese Strategie. Demnach dürfen wir für dieses Jahr damit rechnen, dass der Kampf gegen Rechts ganz neue Dimensionen erklimmt. Nach jedem neuen „Vorfall“, in den „Männer“, „Jugendliche“ oder „Gruppen“ verwickelt sind, werden wir umso leidenschaftlicher auf den Plan treten, um jene zum Schweigen zu bringen, die politische Fragen stellen.

Den Rest besorgen gut eingeübte Floskeln. Etwa, wenn einer fragt, warum 2015 niemand auf die Warner hören wollte. Dann sagen wir eben, dass „kein seriöser Beobachter das Ausmaß der Probleme“, die mit der ungezügelten Asylflut auf uns zukommen würden, „hatte vorhersehen können“.

Damit geben wir zu verstehen, dass jeder, der es damals schon wusste und sagte, als „unseriös“ zu betrachten ist und daher nicht zählt. Auf diese Weise kann man jedes auch noch so gigantische wie schuldhafte Versagen zum Ausweis nobler Haltung adeln. 

MELDUNGEN / ZUR PERSON

Solarstrom ist am teuersten

Köln – Unter allen Formen der Erzeugung sogenannten erneuerbarer Energie ist der Solarstrom am ineffizientesten, so eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Danach kostet Solarstrom zur Vermeidung von einer Tonne Kohlendioxid rund viereinhalb Mal so viel wie Windstrom, der an Land erzeugt wird. Am günstigsten ist Strom aus Deponiegas, das nur rund zwei Drittel so viel kostet wie der von landgestützten Windkraftanlagen. H.H.





CSU gegen linke Bildungspolitik

München – Die CSU strebt laut einem Bericht von „Welt online“ eine bürgerlich-konservative Bildungspolitik an, weil die linke Bildungspolitik gescheitert sei. Die Christsozialen wollen sich demnach nicht an den Schwächsten orientieren, sondern an der Spitze. Um dies für Bayern zu gewährleisten, wehrt sich die CSU gegen eine Aushöhlung des Bildungsföderalismus, der vor allem aus den Reihen der SPD zunehmend infrage gestellt wird.   H.H.





Säulenheiliger der Republik

Zur Überraschung von Freunden wie Feinden der AfD hat deren Partei- und Fraktionsvorsitzender Alexander Gauland für die parteinahe Stiftung der gemeinhin als Protestpartei geltenden AfD mit Gustav Stresemann (1878–1929) einen Säulenheiligen der Bundesrepublik als Namenspatron vorgeschlagen. Die Verherrlichung des Außenministers und Reichskanzlers der Weimarer Republik insbesondere in der frühen Bundesrepublik bot sich aus zwei Gründen an. Zum einen wurde die rechtsliberale Deutsche Volkspartei unter seiner Führung von einer Weimar-kritischen Oppositions- zu einer Weimar-freundlichen Regierungspartei, welche die Weimarer zur Großen Koalition erweiterte. Zum anderen steht der Friedensnobelpreisträger des Jahres 1926 wie kaum ein anderer für die sogenannte Erfüllungspolitik. Seine Bemühungen um einen Ausgleich mit Frankreich und eine Einbindung in den We­sten schienen der Vorläufer der Außenpolitik des ersten Kanzlers des westdeutschen Teilstaates zu sein. 

Kaum Reichskanzler und Außenminister geworden, beendete er 1923 den gegen Frankreich gerichteten Ruhrkampf. Als Kanzler trat er noch im selben Jahr zurück, Außenminister blieb er. In dieser Eigenschaft sorgte er dafür, dass im Vertrag von Locarno Deutschland und Frankreich 1925 auf eine gewaltsame Revision der in Versailles gezogenen gemeinsamen Grenze verzichteten und dass 1926 das Reich der UN-Vorgängerorganisation Völkerbund beitrat, deren Ziel die Verteidigung der in den Pariser Vorortverträgen geschaffenen Ordnung war. Zum Nimbus Stresemanns trug sicherlich auch bei, dass er wie Walther Rathenau und Friedrich Ebert im Amt verstarb. Hinzu kommt, dass noch im Jahre seines Todes mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise die „Goldenen Zwanziger“ der Weimarer Republik endeten.M.R.

MEINUNGEN

Finanzexperte Daniel Stelter bezeichnet die Vorschläge aus Paris und Brüssel zu noch mehr finanzieller „Umverteilung“ im Euro-Raum als gefährlichen Irrweg. Im Portal „t-online“ (20. Dezember) warnt er:

„Im Kern möchte der französische Präsident die Krise, die durch zu viel billiges Geld und zu viele Schulden verursacht wurde, mit noch mehr Schulden bekämpfen ... Diese Maßnahmen hätten die letzte Krise nicht verhindert ... Die Vorschläge zur Sanierung der Eurozone sind wirkungslos. In der heutigen Situation kann man mit mehr Umverteilung die gigantischen Probleme nicht mehr lösen.“





Manfred Haferburg kritisiert auf der Netzseite „Achse des Guten“ (19. Dezember) den Umgang mit Opfern und Hinterbliebenen vom Breitscheidplatz anhand der Einladung der Politik zur Gedenkfeier ein Jahr nach dem radikal-islamischen Massenmord:

„Allerdings lag der Einladung der Regierung an die Opfer und Angehörigen zur Veranstaltung ein Merkblatt zur Reisekostenerstattung bei: ,Taxikosten werden nicht erstattet. Es müssen öffentliche Verkehrsmittel benutzt werden.‘ Wer mit dem Auto anreise, bekommt 0,20 Euro pro gefahrenen Kilometer erstattet – allerdings nur bis zu einem Betrag, der nicht höher ist, als der für ein Bahn- oder Flugticket der Ökonomieklasse. Die Begründung der Behörde: sparsamer Umgang mit öffentlichen Mitteln. (Berlins Bürgermeister) Müller und Merkel waren in ihren gepanzerten Limousinen für je 325000 Euro angereist.“





Jens Spahn warnt auf „Tichys Einblick“ (21. Dezember) den Westen davor, sich selbst aufzugeben. Er zieht dafür ein beklemmendes historisches Beispiel einer solchen Selbstaufgabe heran:

„Der Barbar hatte schon immer ein gutes Gespür dafür, wann eine Hochkultur sich selbst überlebt hatte. Mit List oder Gewalt oder mit List und Gewalt ging er daran, ihren zivilisatorischen Anspruch erst sich selbst nutzbar zu machen, die Früchte ihrer Errungenschaften zu plündern und sie dann durch die eigene Barbarei zu ersetzen ... Europa, das seinen zivilisatorischen Anspruch aufgegeben hat, wird zum Spielball der Barbarbei. Und es verklärt sich die Übernahme durch die Barbarei als den Höhepunkt seiner eigenen kulturellen Anspruchs, ohne zu begreifen, dass es diesen längst verloren hat.“





Die bekannte Autorin Necla Kelek nimmt, passend zu Spahn, auf „perlentaucher.de“ (21. Dezember) den Umgang der zeitgenössischen Linken mit dem Islam auseinander:

„Es gilt nicht mehr das alte Prinzip der Aufklärung ,Alle Menschen sind gleich und haben dieselben Rechte und Pflichten‘, sondern man will das Ungleiche gleich behandeln. Konkret: Apartheid von Frauen soll unter den Schutz der grundgesetzlichen Religionsfreiheit fallen. Das ist reaktionär, für mich als Türkeistämmige ein Rückfall in osmanische Zustände des Millet-Systems. Die Protagonisten bezeichnen sich als links, sind wie Aydan Özoguz im SPD-Vorstand, tatsächlich betreiben sie aber die Zerstörung der offenen Zivilgesellschaft.“