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Ausgabe 09/18 02.03.18

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Keine Spur von Aufbruch
Parteivorsitzende Merkel hat die ihr zutiefst fremde CDU weiter fest im Griff
F. Stumfall

Sucht man nach einem gemeinsamen Grundton der im Vordergrund handelnden Personen des CDU-Parteitags, so dürfte das die Bekundung des Willens sein, eine ganze Reihe von Maßnahmen zu fordern, zu beschließen und durchzuführen. Das ging über die ohnehin durchgehend notwendige Feinjustierung der Politik hinaus und wollte auch als Aufbruch zu neuen Ufern verstanden werden.

Äußerlich zeigte sich das in der Bestallung neuer Minister, und die Namen sind längst Allgemeingut: Julia Klöckner, Jens Spahn und allen voran Annegret Kramp-Karrenbauer, missverstanden als Merkels aufzubauende Nachfolgerin, in Wirklichkeit mit der Aufgabe betraut, deren Stand in der Partei zu festigen. Auch die Rolle von Klöckner und Spahn könnte leicht missverstanden werden. Die beiden werden angepriesen als ein konservatives Korrektiv und verdanken doch ihr neues Amt hauptsächlich Merkels Absicht, sie in die Kabinettsdisziplin einzubinden. Wem, wie Merkel, die christich-konservative Ideenwelt so fremd ist, dem wird durch zwei neue Kabinettsmitglieder keine Missionierung zuteil werden. 

Wenn indes diese frischen Kräfte nach Neuerungen rufen, so ist das nicht nur ihr gutes Recht, sondern deswegen sind sie da. Das hat zunächst auch weniger mit weltanschaulicher Positionierung als mit praktischer Politik zu tun. Wenn aber Merkel selbst, dem allgemeinen Grundton folgend, nach den 18 Jahren, die sie den CDU-Vorsitz innehat, und über zwölf Jahren Kanzlerschaft beschwörend nach allerlei Erneuerungen und Verbesserungen ruft, so muss man fragen, was sie denn die ganze Zeit getan hat.

Angesichts einer gewissen Ratlosigkeit, die hier durchscheint, war es ein listiger Schachzug, Kramp-Karrenbauer als Generalsekretärin zu berufen. Freilich beruht die Wirkung dieser Maßnahme noch auf einige Zeit hinaus hauptsächlich in ihrem Überraschungseffekt, aber eben dieser hat für Merkel einen zusätzlichen Nutzen. Die mit höchsten Weihen installierte Berufung, die Fülle der Vorschusslorbeeren und das daraus folgende fulminante Wahlergebnis legen der neuen Parteimanagerin viel Last auf – je größer der Jubel zu Beginn, desto schwieriger ist es, ihn später wieder zu entfachen. Das bedeutet für Merkel eine spürbare Entlastung.

Merkel und ihre Partei – das ist eine sonderbare Liaison. Ein Wort aus vielen und ganz verschiedenen Kommentaren zum CDU-Parteitag gibt hier einen Hinweis: Immer wieder war zu hören, Merkel sei „auf die CDU zugegangen“. Diese Formulierung ist höchst eigenartig, denn nach allgemeinem Verständnis sollten die Vorsitzende und ihre Partei eine enge Einheit darstellen. Aber sie ist zutreffend. Sie kennzeichnet den inneren Abstand zwischen der Vorsitzenden und der CDU, eine inhaltliche wie emotionale Ferne, die aus der Schicksalsgemeinschaft ein Zweckbündnis macht.

Das ist wahrscheinlich immer so gewesen. Was dieser Parteitag Neues gebracht haben mag, ist, dass die Vorsitzende im Gegensatz zu früher bereit ist, andere als ihre sie umgebende Jasager-Truppe in ihre Überlegungen und Entscheidungen ein- zubeziehen, wie das bei demokratischen Körperschaften der Brauch ist. Das wird als „Zugehen“ auf die Partei empfunden. Eine Verbindung aus Liebe und Leidenschaft aber wird aus der CDU und ihrer Vorsitzenden wohl nicht mehr werden.

So hat Merkel nach ihrem desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl nicht nur der SPD eine Rechnung begleichen müssen, sondern auch der CDU.


»Der Trend heißt Hoffnung«
Wehrbeauftragter zeichnet desaströses Bild vom Zustand der Bundeswehr – Ministerin kneift bei Vorstellung seines Berichts
Jan Heitmann

Ein Freiwillig Wehrdienstleistender … wurde als Panzergrenadier eingeplant. Bei seiner Ankunft in der Einheit musste er zunächst feststellen, dass es dort keine Panzer gibt. Beschäftigt wurde er nicht, er vertrieb sich die Zeit mit Handy und Fernsehen.“ Das ist nicht etwa ein in der Bundeswehr kursierender Witz, sondern so steht es im jüngsten Jahresbericht des Wehrbeauftragten Peter Bartels (SPD). Darin zeichnet er ein desaströses Bild vom Zustand der Bundeswehr, das selbst die negativsten Medienberichte der vergangenen Wochen bestätigt.

Bartels bemängelt, dass die von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angekündigte „Trendwende“ von „Verwaltung des Mangels hin zur materiellen Vollausstattung“ nur sehr zäh laufe. Teilweise seien sogar herbe Rück-schläge zu verzeichnen gewesen, was er an zahlreichen Beispielen eindrucksvoll belegt. So sei zum Ende des vergangenen Jahres keines der in Dienst gestellten 14 A400M-Transportflugzeuge einsatzbereit gewesen. Von den Eurofightern, Tornados, Transall-Trans- portmaschinen und den Hubschraubern seien „zu viele an zu vielen Tagen im Jahr nicht einsatzklar“ gewesen. Auch von den sechs Unterseebooten der Marine sei Ende des Jahres „kein einziges betriebsfähig“ gewesen. Und die Einsatzbereitschaft der Kampfpanzer Leopard 2 habe mit nur noch 95 von 244 vorhandenen Exemplaren zum Ende des Berichtsjahres „grundsätzlich eine kritische Marke erreicht“. An finanziellen Mitteln habe es im vergangenen Jahr zwar nicht gefehlt, aber laufende Rüstungsprojekte litten allzu oft unter schleppender Auslieferung, eingeführtes Gerät sei zu oft nicht einsatzbereit, und überall fehle es an Ersatzteilen. Aber auch die Versorgung der Soldaten mit persönlicher Ausrüstung, beispielsweise mit Schutzwesten, sei „trotz einiger Fortschritte weiterhin ungenügend“. 

Die Personalsituation in der Truppe bezeichnet der Wehrbeauftragte als „extrem angespannt“. Bis zum Jahr 2023 solle die Sollstärke der Bundeswehr zwar um 12000 Dienstposten auf insgesamt 198000 Soldaten erhöht werden, doch von der Realisierung dieses Ziels sei man derzeit noch weit entfernt.

Aus dem Verteidigungsministerium hört man dazu allerdings ganz andere Töne. „Bundeswehr unverändert als Arbeitgeber attraktiv“, ließ es wenige Tage vor der Veröffentlichung des Wehrbeauftragten-Berichts verlauten. Das Bewerber- aufkommen sei „auf einem konstant hohen Niveau“. Seit der Einleitung der „Trendwende Personal“ im Sommer 2016 sei die Truppe „kontinuierlich aufgewachsen“. Bartels beeindruckt dieses Eigenlob nur wenig. Die derzeitige Ist-Stärke – rund 170000 Berufs- und Zeitsoldaten sowie rund 9000 Freiwillig Wehrdienstleistende – sei „noch längst kein Meilenstein“ wie vom Verteidigungsministerium behauptet, moniert er.

Bei der Vorstellung seines Berichts richtete Bartels klare Worte an die politische Leitung: „… ist die materielle Einsatzbereitschaft der Truppe in den vergangenen Jahren nicht besser, sondern tendenziell noch schlechter geworden. Die proklamierten ,Trendwenden‘ für Personal, Material und Finanzen sind unbedingt zu begrüßen. Nur macht die Proklamation allein noch nichts besser.“ Wie wenig er an den Erfolg dieser „Trendwenden“ glaubt, machte er am Ende seiner Ausführungen deutlich: „Der Trend heißt Hoffnung.“

Wohl wissend, dass die Konfrontation mit den Folgen ihres Versagens als Ministerin für sie höchst unangenehm werden würde, zog Verteidigungsministerin von der Leyen es vor, der Veranstaltung fernzubleiben und den ihr in verhängnisvoller Treue ergebenen Generalinspekteur Volker Wieker vorzuschicken. Dessen krampf- haftes Bemühen, die von Bartels nachgewiesenen Missstände zu bagatellisieren, ließen seinen Auftritt zur Peinlichkeit geraten. „Wenn der Rückgrat hätte, würde er seinen Dienst quittieren“, raunte dann auch ein Journalist vielsagend in den Raum.


Jan Heitmann:
Selber machen!

Seit 1995 ist die Essener Tafel Anlaufstelle für Bedürftige. Ohne Ansehen der Person, Herkunft oder Nationalität bekommt hier jeder Hilfe, der ihrer bedarf. Doch damit ist es jetzt erst einmal vorbei. Schuld ist der von Bundeskanzlerin Angela Merkel 2015 möglich gemachte massenhafte Zuzug von Ausländern. Dessen Folgen bekommen nämlich auch die Tafeln zu spüren. In Essen ist der Anteil von Ausländern seither von rund 40 auf 75 Prozent gestiegen. Die wissen sich aber oft nicht zu benehmen. So klagen vor allem ältere Besucher über Schubsen, Drängeln und Pöbeln. Bis das Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern wieder ausgewogen ist, gilt deshalb ein Aufnahmestopp für Ausländer 

(s. Seiten 3 u. 24). Das ist nicht nur richtig und konsequent, sondern auch mutig. Denn die Strafe dafür erfolgte auf dem Fuße: Seither werden die 120 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel von selbsternannten politischen Tugendwächtern als Rassisten und Ausländerfeinde beschimpft, die Eingangstür und die Fahrzeuge mit übelsten Beleidigungen beschmiert. Wer ausgerechnet denjenigen, die sich selbstlos dafür engagieren, die Not anderer zu lindern, menschenverachtendes Verhalten vorwirft, stellt nur seine eigene Dummheit unter Beweis.

Nur die Tafel-Mitarbeiter selbst können beurteilen, wie problematisch oder sogar unzumutbar die Zustände sind. Deshalb können auch nur sie selbst entscheiden, was getan werden muss, um sie zu ändern. All diejenigen, welche die Tafel-Mitarbeiter kritisieren und dabei wie die Blinden von der Farbe reden, können ja einmal an ihrer Stelle Dienst schieben. Erst dann dürfen sie mitreden. Aber das ist eben viel unangenehmer, als aus der Komfort­ecke heraus zu diffamieren.

S. 2 Aktuell

Ist das Kunst oder kann das weg?
Münchens Sicherheitskonferenz hat sich überlebt – Hörenswertes lässt sich trotzdem jede Menge aufschnappen
Ulrike Dobberthien

Es gibt eine geflügelte Frage: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Genau das kann man auch zur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) sagen. Jedes Jahr im Februar, jedes Jahr drei Tage, jedes Jahr im Hotel Bayerischer Hof, findet dieses Elefantentreffen von internationalen Militärs, Politikern und Wirtschaftsführern, von Botschaftern, Delegationen und Staatsoberhäuptern aus der ganzen Welt statt – und das bereits seit 1963. Damals hieß die Veranstaltung noch Wehrkundetagung, später dann Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik, schließlich Münchner Sicherheitskonferenz. In diesem Jahr fand sie zum 64. Mal statt.

Sie ist ein Kind des Kalten Krieges, damals, als sich NATO und Warschauer Pakt gegenüberstanden. Sie sollte eine Gelegenheit bieten, über die internationale militärische Lage zu reden, und das möglichst auch mit den Vertretern der Gegenseite. Die Zeiten haben sich geändert – die Siko, wie Insider die Sicherheitskonferenz nennen, nicht. Sie ist über den Kalten Krieg, so scheint es, nie hinausgekommen. Und über den Kalten Krieg, so scheint es, ist sie nicht hinausgekommen. „An den Abgrund – und zurück?“ („To the brink – and back?“) lautete das diesjährige Motto der Konferenz. Die Betonung auf dem Fragezeichen ist unüberhörbar, denn ein Schwerpunkt der Tagung liegt auf Atomwaffen und dem Zittern vor Russland.

„Wir können von Glück reden, dass es bisher keinen eskalierenden Zusammenstoß zwischen amerikanischen und russischen Schiffen oder Flugzeugen gegeben hat. Das Vertrauen zwischen dem Pentagon und der russischen Militärführung ist gegen null gesunken. Das macht die konfrontative Lage im Nahen Osten, in der Ukraine oder in Ostasien doppelt gefährlich. Unerträglich gefährlich“, sagte Konferenzleiter Wolfgang Ischinger vor Beginn der Siko.

Den Rhythmus der drei Tage, diesmal vom 16. bis zum 18. Februar, gibt der elektronische Gong vor: das „Ding-Dang-Dong“, das die Zuhörer in den großen Saal ruft, in dem die wichtigsten Redner auftreten. Der Gong, der die Menge von den Kaffeetassen wieder zu den Sitzplätzen fluten lässt, der Gong, der in immer kürzeren Abständen drängelt, wenn sich Militärs mit Ordensbändern, Politiker und Scheichs aus Wüstenemiraten gar zu widerwillig in Bewegung setzen und so den straffen Zeitplan gefährden. Reicht der Gong nicht aus, wird der sonst so verbindliche und freundliche Organisator und Vorsitzende der Konferenz, Ischinger, schon mal ärgerlich. In perfektem Englisch und hörbar genervt ruft er mit einem „would you please take your seats – NOW!“ seinen Kindergarten zur Ordnung. Ischinger, Berufsdiplomat, inzwischen 71 Jahre alt, ist bestens vernetzt, international erfahren, kennt fast jeden Minister zwischen Wa-shington, Afrika und dem Persischen Golf. Er war deutscher Botschafter in Washington, deutscher Botschafter in London und leitet die Siko seit 2008 – also seit einem Jahrzehnt.

Wo es in Europa brannte, wo es zwischen Washington, Bonn und Moskau kriselte, wo es später zwischen Berlin und Belgrad etwas zu regeln gab, war Ischinger beteiligt. Er formulierte die deutsche Balkan-Politik in Bosnien und im Kosovo mit, er hatte seine immer rührigen Finger in der EU- und NATO-Erweiterung nach Osten; und er reitet nach wie vor sein Lieblingssteckenpferd, das Verhältnis der NATO früher zur Sowjetunion, heute zu Russland. Seine Expertise ist so gefragt, dass er Mitglied in der im Jahr 2000 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Präsident Wladimir Putin eingesetzten ständigen Deutsch-Russischen Strategischen Arbeitsgruppe für Finanzen (SAG) war. Sie soll die Zusammenarbeit zwischen  Deutschland und Russland fördern und existiert bis heute.

„Ding-Dang-Dong“. Die Schar sitzt, die Konferenz kann beginnen. Erster Gastredner in diesem Jahr ist die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen; und was sie sagt, wird im Publikum mit manchem höhnischen Grinsen quittiert. Angesichts der desaströsen Lage der Bundeswehr (PAZ 

Nr. 8, Seite 2) redet sie das deutsche Engagement in der NATO schön; verspricht endlich die von der NATO geforderten Ausgaben von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Streitkräfte – was der Koalitionsvertrag so nicht hergibt – und schwärmt von dem „Prozess“ in der EU, der endlich dafür sorgen soll, dass die EU eigene Streitkräfte aufstellt. PESCO heißt der, eine Abkürzung für Permanent Structured Cooperation, also Ständige Strukturierte Zusammenarbeit. Es war eines der großen Themen, ob durch EU-Streitkräfte nicht eine Parallelstruktur zur NATO aufgebaut wird, was wiederum die USA dazu bringen könnte, sich aus Europa zurückzuziehen.

In von der Leyens Rede klingt das alles leicht. Probleme? Nirgendwo in Sicht. Die ersten sehnen sich nach Kaffee. Es geht weiter, nach von der Leyen spricht die französische Verteidigungsministerin Florence Parly, auch hier ist viel von PESCO und EU-Streitkräften die Rede. Der interessanteste Teil ist wie üblich die anschließende Fragerunde, kurz „Q & A“ für Questions and Answers, für Fragen und Antworten. Das dabei Interessanteste ist wiederum, welche Fragen nicht beantwortet sondern weitschweifig umgangen werden. In diesem Fall die an Parly, ob Frankreich denn bereit sei, seine Atomwaffen der EU zu unterstellen. Keine Antwort ist auch eine Antwort …

Fragen können nur wenige Journalisten. Denn obwohl rund 1000 von ihnen akkreditiert sind und durch die rigorosen Sicherheitschecks kommen, dürfen sie noch lange nicht mit den Rednern auf Tuchfühlung gehen – kommen auch nur in den seltensten Fällen in den großen Saal –, sondern sitzen ein Haus weiter im Pressezentrum, wo sie die Reden per Livestream verfolgen müssen. Genau den Livestream, den jedermann zu Hause auf dem Sofa per Laptop verfolgen kann; den Livestream, den auch der Bayerische Rundfunk sowie Phoenix anbieten. Was allemal gemütlicher ist als ein Pressezentrum, in dem Journalisten andere Journalisten interviewen.

Auch die „Mixed Zones“, gemischte Zonen, in denen Journalisten früher Konferenzteilnehmer treffen konnten, sind mittlerweile „aus Sicherheitsgründen“ weitgehend abgeschafft. Es braucht also Geschick, um ein Gespür dafür zu bekommen, was die Konferenzteilnehmer wirklich bewegt. Allzu schwer ist das in diesem Jahr nicht: Es ist Deutschland und sein zähes Geeiere bei den Versuchen, eine Regierung zu bilden. Es ist sein unmögliches Verhalten bei der unbegrenzten Aufnahme von den Heerscharen der Dritten Welt, diesen Glücksrittern, für die sich das falsche Wort „Flüchtlinge“ eingebürgert hat; und den Versuch, die Folgen seiner fahrlässigen Politik allen anderen europäischen Staaten aufzubürden. Deutschland als Sicherheitsrisiko.

Ein Mitglied der amerikanischen Delegation formulierte sehr lang und sehr höflich, was sich unhöflich und zugespitzt so zusammenfassen lässt: „Germany is a loose cannon with a golden credit card.“ Deutschland ist wie eine losgerissene Kanone mit goldener Kreditkarte. Dazu muss man wissen, dass der Begriff „loose cannon“ im englischen eine feste Redewendung für alles Gefährliche, Unberechenbare ist. Er geht zurück auf die Zeit der Segelschiffe, als Fregatten und Korvetten mit Kanonen auf Rädern bestückt waren. Wenn sich so eine Kanone aus ihrer Vertäuung löste, freikam, zur „loose cannon“ wurde, sauste sie unkontrollierbar über die Decks und zermalmte alles, was ihr in den Weg kam.

„Ding-Dang-Dong“. Weitere Dis-kussionen und Reden, weitere Themen. Eins davon: Globaler Dschihad. Dan Coats, Director of National Intelligence aus den USA, sagt unumwunden und undiplomatisch: „Muslime, das Problem ist der Koran, die islamische Ideologie. Räumt endlich euren Laden auf!“ Verkniffene Mienen bei den anwesenden Arabern, Pakistanern, Iranern. Ein weiterer Redner zu diesem Thema: der deutsche Innenminister Thomas de Maizière. Verwundert putzt man sich die Ohren: Zur Frage nach der Grenzöffnung und seiner damaligen Behauptung „es gibt keine Terroristen unter den Flüchtlingen“ kommt jetzt ein „wir wussten das damals nicht“ und „die haben sich erst nach Ankunft in Deutschland radikalisiert“. Da braucht man schon sehr starken Kaffee. Doch es wird noch besser. Befragt nach der islamischen Komponente – schließlich geht es um das Sicherheitsrisiko des globalen Dschihads – sagt der Herr Minister: „Das ist komplex. Die meisten haben ein Problem mit der Rolle ihres Vaters, das verursacht Traumata.“

Säße man nicht schon, müsste man sich hinsetzen. Das ist fast so ein denkwürdiger Moment wie der 2013, als Claudia Roth (Grüne) auf der Siko freudestrahlend den iranischen Botschafter Ali Reza Sheik Attar mit High Five abklatschte. Apropos Iraner: Die müssen dieses Jahr den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ertragen, der zur Konferenz das Trümmerteil einer angeblich iranischen Drohne mitbringt, welche die Israelis über Israel abgeschossen haben. Er wedelt mit dem Teil, wendet sich an die Iraner: „Erkennen Sie das? Es gehört Ihnen.“ Die hören es allerdings nicht. Demonstrativ bleibt die iranische Delegation dem Saal fern, als ihr Erzfeind Israel spricht.

Was noch? Es schreien ein paar Türken bei ihren Reden herum (der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu und der türkische Ministerpräsident Binali Yilderim); die amerikanische Delegation aus dem Senat und dem Repräsentantenhaus des Kongresses versichert, dass die NATO immer auch ein Nuklearbündnis sein wird; und der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, ein Norweger und Kalter Krieger, ist darüber sehr erleichtert, während er das Schreckgespenst Russland in den leuchtendsten Farben malt. Wobei er nicht erwähnt, dass das russische Militär auf dem Papier zwar imponierend wirkt, es in der Praxis – bis auf die Nuklearwaffen – jedoch ein mehr oder weniger mobiler Schrotthaufen sei, der fast schon der Bundeswehr Konkurrenz macht.

Was bleibt von der Sicherheitskonferenz? Viele Reden. Von genau den Leuten, die sich auch sonst ununterbrochen treffen. Sei es bei den üblichen Gipfeln, ob sie nun G8, 

G20 oder Davos heißen; sei es bei den ununterbrochenen EU- oder NATO-Treffen, bei der OECD oder bei der UNO. Man braucht diese Plattform nicht mehr. Sie ist ein Relikt aus einer Zeit, in der das Reden über Sicherheitspolitik – also Außenpolitik – noch neu und notwendig war. Als es eine überschaubare Zahl von Akteuren gab, zwei Blöcke, denen sich alle anderen latenten Krisen unterordneten. So sehr, dass sie nicht mehr wahrnehmbar waren. 

Heute, in einer zersplitterten Welt mit vielen unberechenbaren Akteuren, kann die Sicherheitskonferenz weder Antworten geben noch Sicherheit schaffen – oder planen. Die Zeit seit dem Jahr 2001 hat überdies gezeigt, dass die neuen, aktuellen Krisen – islamischer Terrorismus, Einsätze in Afghanistan und dem Irak, die Katastrophe des „Arabischen Frühlings“ – von der Siko überhaupt nicht geahnt, gemerkt, vorhergesehen wurden, was Ischinger selbst bereits 2015 in einem Interview mit dem SWR festgestellt hatte.

Auf die Frage, ob angesichts des Kriegs in der Ukraine, dem Wüten des Islamischen Staates im Irak und in Syrien, der Anschläge in Paris auch einen „erfahrenen Krisen-Diplomaten und Sicherheitsexperten wie Sie der Mut verlässt“, antwortete er: „Der Mut verlässt mich eigentlich nicht. Aber überrascht bin ich schon darüber, dass wir das überhaupt nicht vorhergesehen haben. Außenpolitische Krisen vorherzusagen, ist nicht nur außerordentlich schwer, es ist in sehr vielen Fällen leider völlig unmöglich.“ 

„Ding-Dang-Dong!“ Der letzte Gong, die letzte Rede. Der saudische Außenminister Adel bin Ahmed Al-Jubeir versichert, dass Saudi-Arabien ungemein stabil, ein Garant für Frieden und verlässlicher Partner des Westens sei. Immerhin trägt er – der in den USA ausgebildet wurde – Schlips und Anzug statt Wüstentracht. Dann ist die 64. Sicherheitskonferenz zu Ende. Es bleibt das Gefühl, „schön, dass wir darüber gesprochen haben“. Und die leise Erkenntnis, dass, wenn Ischinger die Leitung der Konferenz abgibt, diese Tagung gestorben ist. Sie hat sich überlebt. Das ahnt er wohl selber, denn am 22. Februar 2018 schrieb er zu den ergebnislosen drei Tagen auf Twitter: „Ich bin außerordentlich dankbar für alle Ideen, welche die Sicherheitskonferenz besser, gehaltvoller, zielorientierter machen. Sie ist für den traurigen Zustand der internationalen Ordnung nicht verantwortlich: Wir sind nur der Überbringer der Botschaft.“ 

„Ding-Dang-Dong.“ Vielleicht ist es Zeit, den Gong für diese Konferenz zu läuten.

MELDUNGEN

Koran-Lektüre als Strafe

Beirut – Zwei muslimische Schüler in einem überwiegend christlichen Dorf im Norden des Libanon, die eine Marienstatue in einer Kirche entweiht hatten, wurden als Alternative zu einer Haftstrafe dazu verurteilt, den Koran zu lesen und die  Passagen aus dem Koran, die der Mutter Jesu gewidmet sind, auswendig zu lernen und zu rezitieren. Die beiden Jugendlichen hatten ihre sakrilegische Tat gefilmt und in die sozialen Netzwerke gestellt. Richterin Jocelyne Matta, die selbst Christin ist, las in der Verhandlung die Sure al-Imran, in der die Verehrung Marias durch den Koran zum Ausdruck kommt, vor. Ihr Urteil findet im Libanon große Zustimmung, unter anderem von libanesischen muslimischen Führern, die in ihm ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Sektierertum und allen Formen von Beleidigungen des religiösen Empfindens Andersgläubige sehen.B.B.





Klimawandel durch Bitcoins?

Berlin/Reykjavik – Die Kryptowährung Bitcoin und der Klimawandel, das sind zwei Dinge, die man eher nicht miteinander in Verbindung bringen würde. Dennoch will die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen von der Bundesregierung wissen, welchen Einfluss das eine auf das andere hat. In diesem Zusammenhang verweist sie auf die große Energiemenge, die bei der Produktion der rechnerbasierten Kryptowährung anfalle. In Island beschäftigt man sich schon länger mit diesem Problem. Dort gilt es bereits als erwiesen, dass Kryptowährungen die Wirtschaft verändern. Der Inselstaat wird wohl noch in diesem Jahr das erste Land der Welt, in dem mehr Elektrizität zur Schaffung von Kryptowährungen verbraucht wird als von den privaten Haushalten. Denn nach Angaben des Energieunternehmens HS Orka wird sich der Energieverbrauch durch das „Schürfen“ von Kryptogeld im Laufe des Jahres verdoppeln. Mit „Schürfen“ wird der dezentralisierte Prozess bezeichnet, der das Funktionieren der meisten Kryptowährungen gewährleisten soll. Im Prinzip leisten sich dabei mehrere Computer ein Rennen darum, wer am meisten Energie verbraucht. Alle zehn Minuten „gewinnt“ einer dadurch 12,5 Bitcoin. Auch nach den jüngsten Preisstürzen beim Bitcoin entspricht dies noch immer mehr als 100000 US-Dollar. Durch die vorherigen Preisanstiege des Bitcoin ist es wirtschaftlich, derart viel Energie aufzuwenden. Schätzungen zufolge verbraucht das gesamte Bitcoin-Netzwerk ungefähr so viel Energie wie Irland. In Island würde nun zum ersten Mal das Schürfen nach Bitcoins den produktiven Energieverbrauch eines einzelnen Landes übersteigen. Das Land ist in der Branche deshalb so beliebt, weil es hier Zugang zu billiger Energie aus Geothermie- und Wasserkraftwerken gibt. Der niedrige Strompreis macht es profitabel, die Rechner durchgehend laufen zu lassen. Zudem gewährleisten die niedrigen Temperaturen eine natürliche und damit kostenlose Kühlung der massiven Rechnerkapazitäten. Selbst wenn der Preisverfall anhalten sollte, wird das Geschäft mit den Bitcoins noch lange lukrativ bleiben. So bezeichnete Helmut Rauth von der Firma Genesis Mining, die ihren Betrieb aus diesen Gründen vor einigen Jahren von Deutschland nach Island verlagert hat, seine Tätigkeit gegenüber der Nachrichtenagentur AP „wie das Schürfen nach Gold“.

M.H.

S. 3 Deutschland

Alternative zur IG Metall
Warum bei den diesjährigen Betriebsratswahlen das »Zentrum Automobil« antritt
Dirk Pelster

Alle vier Jahre zwischen dem 1. März und dem 31. Mai sind die Beschäftigten größerer Unternehmen in Deutschland dazu aufgerufen, einen Betriebsrat zu wählen. So will es das geltende Betriebsverfassungsrecht. Da die Wahlperiode der zuletzt 2014 bestimmten Betriebsräte nunmehr ausläuft, beginnen die ersten neuen Abstimmungen ab März 2018. Als „alternative Arbeitnehmervertretung für Mitarbeiter in der Automobilindustrie“ tritt dabei auch der Zentrum Automobil e.V. an.

Dominiert werden die Arbeitnehmervertretungen in den meisten Betrieben von den im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisierten Einzelgewerkschaften. Durch die zu ihm gehörige Hans-Böckler-Stiftung ließ dieser denn auch nach der 2014 durchgeführten Abstimmung verkünden, dass rund drei Viertel der gewählten Kandidaten Mitglieder von DGB-Gewerkschaften seien und diese sich bei einer Wahlbeteiligung von fast 80 Prozent auf einen erheblichen Rückhalt aus der Belegschaft stützen könnten. Angeblich beruhen diese Werte aus Daten, die in rund 15000 Betrieben erhoben wurden. 

Doch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Allein der Umstand, dass die Beteiligung an den Betriebsratswahlen deutlich über denen der letzten Abstimmungen zum Deutschen Bundestag in den zurückliegenden zwei Dekaden liegen soll, muss misstrauisch machen. Zum Vergleich: Bei den Wahlen zu den Personalvertretungen im öffentlichen Dienst werden in der Regel nur selten Beteiligungsquoten oberhalb von 60 Prozent erzielt und dies zumeist auch nur bei der Wählergruppe der Beamten. Bei der Gruppe der Angestellten von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen gibt oftmals nicht mal mehr jeder zweite Beschäftigte seinen Stimmzettel ab. 

Das mangelnde Interesse kann nicht wirklich verwundern. Zwar haben die Betriebs- und Personalräte verschiedene Informations- und Mitwirkungsrechte gegenüber dem Arbeitgeber, wirklich entscheidenden Einfluss können sie jedoch nur bei der Arbeitszeitgestaltung sowie bei der Anordnung von Mehrarbeit nehmen. Aber auch dies ist nur möglich, wenn diese Fragen nicht bereits im Rahmen eines mit einer Gewerkschaft verhandelten Tarifvertrages abschließend geregelt wurden. Die sonstigen Mitbestimmungsrechte sind eher formaler Natur. Bestehende Handlungsspielräume zur Verbesserung des Arbeitsalltages der Beschäftigten werden selten genutzt. 

Zum Teil werden die Mitwirkungsrechte auch aktiv missbraucht. Dies gilt vor allem für die Arbeitnehmervertretungen, in denen DGB-Gewerkschaften das Kommando führen. Mit der Wahl eines Betriebsrates wird daher in der Regel lediglich darüber abgestimmt, welcher Beschäftigte sich auf Kosten seines Unternehmens für die kommenden vier Jahre von seiner regulären Arbeit freistellen lassen kann. 

Gerade gegen diese Praxis regt sich nunmehr verstärkt Widerstand. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Zentrum Automobil zu. Was sich zunächst wie die Bezeichnung für eine größere Verkaufsstelle von Kraftfahrzeugen anhört, ist die derzeit wohl am schnellsten wachsende Arbeitnehmerorganisation Deutschlands. 2009 wurde sie von Beschäftigten des Daimlerkonzerns in Stuttgart ins Leben gerufen. Grund für die Schaffung dieser Interessenvertretung war die zunehmende Unzufriedenheit mit der zum DGB gehörenden Gewerkschaft IG Metall. Diese wendet sich gerne öffentlich gegen Leiharbeit, hatte mit der Unternehmensführung des Automobilkonzerns aber immer wieder Abmachungen getroffen, die den Einsatz von Leiharbeitnehmern bei Daimler zulassen. Neben der Kritik an der allzu großen Nähe von IG Metall und Management setzte sich das Zentrum Automobil zudem öffentlich gegen die zunehmenden politisch motivierten Kündigungen von Arbeitnehmern ein. Nachdem im vergangenen Jahr dann auch noch Jürgen Elsässer, der Chefredakteur des immer wieder gegen die Gebote der herrschenden Politischen Korrektheit stichelnden Magazins „Compact“, seine Unterstützung für den Stuttgarter Arbeitnehmerverein bekundete, wurde gegen diesen seitens des gewerkschaftlichen, politischen und medialen Mainstream eine wahre Hetzkampagne losgetreten. 

Dies gipfelte Ende Januar 2018 in einer Sendung des zwangsfinanzierten Fernsehmagazins „Report“. In dem zur besten Sendezeit ausgestrahlten Beitrag ging es im Wesentlichen nur darum, dass eines der Vorstandsmitglieder von Zentrum Automobil eine E-Mail versandt hat, in deren Anhang sich ein Foto von einem Emailleschild mit dem Schriftzug „Der deutsche Gruß heißt: Heil Hitler“ sowie mit einem Hakenkreuz befunden haben soll. Derartige Plaketten finden sich in vielen deutschen Museen, die sich thematisch mit dem Dritten Reich befassen. Den Kontext, in dem das Foto versandt worden sein soll, unterschlägt „Report“ selbstverständlich. Außer der Bezichtigung, dass einzelne Funktionäre von Zentrum Automobil angeblich eine rechtsradikale Einstellung hätten, liefert der Beitrag von den selbst ernannten Qualitätsjournalisten aus Mainz weder eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Positionen und Forderungen der Organisation noch geht er auf die Arbeitssituation der Beschäftigten ein. 

Doch die Zeiten, in denen es ausreichte, missliebigen Personen oder Gruppen einfach nur öffentlichkeitswirksam ein Etikett mit einem – wie auch immer gearteten – Nazivorwurf anzuheften, um einer inhaltlichen Diskussion aus dem Wege zu gehen, dürften längst der Vergangenheit angehören. Dies sehen viele Arbeitnehmer ebenso. Beim Zentrum Automobil stapeln sich die Mitgliedsanträge inzwischen auf den Tischen. Dass die medial erhobenen Vorwürfe haltlos sind, zeigt auch, dass rund ein Drittel der Mitglieder des Vereins selbst ausländischer Herkunft sind. 

Nach den Betriebsratswahlen will das Zentrum Automobil die Gründung einer branchenübergreifenden Gewerkschaftsorganisation in Angriff nehmen. Der Weg dorthin dürfte noch weit sein. Angesichts des derzeitigen gesellschaftlichen Klimas aber so günstig wie nie zuvor.


Reißleine gezogen
Essener Tafel schützt Senioren und Alleinerziehende
Bodo Bost

Schon vor Angela Merkels Öffnung der Grenzen hatte der Anteil der Ausländer unter den Kunden der Essener Tafel um die 40 Prozent betragen und damit weitaus höher gelegen als ihr Anteil an der Stadtbevölkerung. Doch durch die seitdem stattgefundene Mas­sen­immigra-tion ist ihr Anteil an den Tafel-Kunden zuletzt auf 75 Prozent gestiegen. Deshalb hat die Leitung der Tafel in Essen beschlossen, keine ausländischen Neukunden mehr aufzunehmen. 

Der Chef der Tafel fürchtet, dass deutsche Senioren und alleinerziehende Frauen, für die diese Tafeln einst eingerichtet wurden, abgeschreckt werden. Zu der Begrenztheit der zur Verfügung stehenden Lebensmittel kommen ganz handfeste Sicherheitsbedenken und zunehmend Rangeleien in den Warteschleifen, die von Asylsuchern ausgelöst werden. Immer weniger alleinerziehende Frauen und auch Senioren, ganz gleich welcher Nationalität, wollen in einer Schlange stehen mit kräftigen und temperamentvollen jungen männlichen Asylsuchern, bei denen die Gewaltschwelle nied­rig ist und die Messer locker sitzen, wie immer mehr Meldungen aus den Medien in den letzten Wochen belegen. 

Die Tafeln können Verfehlungen in der Drogen-, Arbeitsmarkt-, Sozial- und Wohnungspolitik abfedern. Sie ermöglichen der Gesellschaftsmehrheit die Illusion, dass trotz Krise immer genug für alle da und Wohlstand nur eine Frage der Verteilungseffizienz sei. Tafeln geraten jedoch bei den eklatanten Verfehlungen in der Asyl- und Integrationspolitik an ihre Grenzen, sie sind keine Bühne für Angela Merkels „Wir schaffen das!“, weil dort Menschen in der Schleife stehen, die den Eindruck haben, nichts mehr zu schaffen. 

Für ihre ehrliche Entscheidung erntete die Essener Tafel viel Kritik etwa der Art, man dürfe Bedürftige nicht nach Nationalität einteilen, es gebe keine Armen erster oder zweiter Klasse. Die Autos der Tafel wurden mit „Nazi“ beschmiert. 

Auch bei den meisten anderen der mehr als 900 Tafeln in Deutschland, die überschüssige Lebensmittel sammeln und an registrierte Bedürftige verteilen, gibt es immer mal wieder generelle Aufnahmestopps für verschiedene Zielgruppen. In manchen Städten ist es üblich, Rentner, Alleinerziehende und Ausländer an verschiedenen Tagen zu bedienen. In Essen war etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Rentner und alleinerziehende Mütter waren Opfer eines schleichenden Verdrängungskampfes geworden. Durch diesen Kampf wurden Deutsche diskriminiert, weil seit zwei Jahren immer mehr Deutsche aus dem Nutzerkreis ausgeschlossen wurden, aber die Deutschen unter den Problemgruppen nicht weniger wurden. 

Der Streit um und in der Essener Tafel ist eine Folge der ungeregelten Immigration Hunderttausender Menschen und der darauf folgenden Verteilungskonflikte, die es nach den Beteuerungen der Politik gar nicht gibt. In den sozialen Brennpunktvierteln der Städte konzentrieren sich diese Verteilungskämpfe, wie auch der im Wohnraum besonders stark. Die Schwächsten sind bei den Verteilungskämpfen der Gesellschaft am gefährdetsten, weil sie auch von der Politik gar nicht mehr wahrgenommen werden. Die Tafel in Essen war nun ehrlich, hat die Schwächsten beim Namen genannt und daraus die Konsequenzen gezogen.

»Wem gehört Hamburg?«
»Hamburger Abendblatt« und »Correctiv« bereiten Umfrage vor
D. Jestrzemski

Unter der Überschrift „Wem gehört Hamburg?“ bereiten das „Hamburger Abendblatt“ und das sogenannte  Recherchezentrum „Correctiv“ eine Internet-Umfrage unter Hamburger Mietern vor. Auch der Mieterverein Hamburg beteiligt sich an dem Projekt, das Aufschluss über die Eigentümer der Hamburger Wohnimmobilien erbringen soll. In Zeiten des Baubooms, niedriger Zinsen und überhöhter Mieten stellt sich vor allem die Frage, welchen Einfluss die Tätigkeit privater Immobilieninvestoren auf den enormen Anstieg der Mieten in der Hansestadt hat. 

Im Wohnquartier Hamburg-Winterhude beispielsweise verteuerte sich die monatliche Kaltmiete auf absurde 15 Euro pro Quadratmeter. 2011 waren es noch 11 Euro gewesen. Hier hilft keine Mietpreisbremse mehr. Rückschlüsse auf die explodierenden Mieten in den angesagten Innenstadtvierteln lässt der Hamburger Durchschnittswert von 8,44 Euro Nettokaltmiete kaum zu. Für Normalverdiener sind die Mieten für Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen in großen Teilen der Stadt unerschwinglich geworden. Altmieter können sich die gestiegenen Mieten nach aufwändigen Renovierungen nicht mehr leisten. Sie werden in die Randgebiete oder ganz aus der Stadt verdrängt. Die Preiswelle rollt jedoch bereits vom Zentrum in die Peripherie. 

In Hamburg mit seinen gut 1,8 Millionen Einwohnern herrscht Wohnungsnot – kaum vorstellbar angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Wohnungen in der Hansestadt bis 2017 auf rund 940000 angewachsen ist. Ungefähr 700000 Wohnungen sind vermietet, ein Fünftel gehört der städtischen SAGA, weitere 130000 werden von Genossenschaften verwaltet. Viele Mieter profitieren also von moderaten Mieten. Im günstigen Segment wird die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage jedoch immer größer. Der Neubauboom der letzten Jahre hielt mit der steigenden Nachfrage nicht Schritt, da der Anteil an geförderten Wohnungen von knapp einem Drittel nach wie vor zu niedrig ist. Insgesamt wurden von 2011 bis 2017 laut „Hamburger Morgenpost“ 72269 Wohnungen neu gebaut. 2017 gab 

es Baugenehmigungen für 13411 Wohnungen, so viele wie nie zuvor. Nach Angaben des Senats ziehen jährlich etwa 10000 Menschen pro Jahr nach Hamburg. Hinzu kommen 16000 Asylsucher, die noch in Unterkünften leben, obwohl sie die Berechtigung für eine Sozialwohnung haben. Auch sie reihen sich in die langen Wartelisten ein. 

„Immer mehr Immobilien dienen der Spekulation oder werden für fragwürdige Geschäfte benutzt“, schrieb Justus von Daniels von Correctiv im „Hamburger Abendblatt“. Gerade erst hat der mit 350134 eigenen und verwalteten Wohnungen größte deutsche Wohnungskonzern Vonovia bekanntgegeben, dass er den Bestand an 51000 Wohnungen in Österreich und der Bundesrepublik der österreichischen Buwog-Gruppe übernehmen wird. Die Mieter dürften von dieser Transaktion wenig mitbekommen, so Daniels. Mitthilfe der Mieterumfrage „Wem gehört Hamburg?“ hoffen die Mitarbeiter des Projekts unter anderem Antwort auf die Frage zu erhalten, auf welche Weise städtische Baugrundstücke an private Finanzinvestoren vergeben werden.


MELDUNG

Roboter in die Altenpflege

Berlin – Derzeit sind in Deutschland rund drei Millionen Menschen pflegebedürftig. 2030 werden es 3,5 Millionen Menschen sein, vermutet Christoph Kehl vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). In Deutschland waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Ende 2015 knapp 27000 Altenpflegedienste aktiv. Davon waren 13323 ambulante und 13596 stationäre Pflegeeinrichtungen, darunter 11164 Einrichtungen mit vollstationärer Dauerpflege. Die Zahl der Pflegebeschäftigten lag im Dezember 2015 bei rund 1,1 Millionen, darunter 355613 in ambulanten und 730145 in stationären Einrichtungen. Um ausländische Kräfte aus Drittstaaten mit guten Sprachkenntnissen für die Arbeit in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege in Deutschland zu gewinnen, hat die Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr insgesamt 1750 Zustimmungen für Beschäftigungen von Drittstaatsangehörigen im Rahmen der sogenannten Positivliste und 3600 Zustimmungen aufgrund von Vermittlungsabsprachen erteilt. Die demografischen Zukunftsaussichten ließen laut Kehl erwarten, dass sich die jetzt schon prekären Bedingungen in der Pflegeversorgung trotz allem weiter verschärfen würden. Daher sei es eine hochaktuelle Frage, ob Roboter zur Entlastung in der Altenpflege beitragen könnten. Der Fokus liege dabei auf Assistenzrobotern zur physischen Alltagsunterstützung. Unterstützung hilfsbedürftiger Personen gebe es bereits in Form einfacher Speziallösungen wie Esshilfen. Das Pflegepersonal bräuchte Unterstützung beim Baden und Waschen, der Reinigung und Desinfektion, der Diagnose und Therapie. Das TAB ist eine selbstständige wissenschaftliche Organisation, die seit rund 30 Jahren den Bundestag in Fragen des wissenschaftlich-technischen Wandels berät.J.H.

S. 4 Digitalisierung

Jobkiller Digitalisierung?
Bitkom rechnet mit dem Verlust von 3,4 Millionen Arbeitsplätzen bis 2023
Friedrich List

Die nächsten Umbrüche in der Arbeitswelt werden verstärkt die sogenannten Wissensarbeiter mit qualifizierter Ausbildung betreffen und auch das mittlere Management nicht verschonen. Ob die Arbeitsplatzverluste durch Neuqualifizierungen, Umschulungen, neue Berufsfelder oder den demografischen Wandel aufgefangen werden können, bleibt abzuwarten.

Ein flächendeckendes Glasfasernetz und damit schnelles Internet auch im ländlichen Raum, vernetzte Klassenzimmer, Ausbau des Mobilfunknetzes – die neue Regierungskoalition hat sich für die Modernisierung Deutschlands hohe Ziele gesetzt. Die sogenannte Digitalisierung soll Deutschlands Zukunft sichern. Was an vielen Stellen als „Industrie 4.0“ oder „Internet der Dinge“ bezeichnet wird, nämlich die immer stärkere und wirkmächtigere elektronische Vernetzung in der Industrie und in den Betrieben, soll weiter vorangetrieben werden. 

Die Digitalisierung der Arbeitswelt wird nicht nur positive Folgen haben. Wie bei früheren Stufen der Modernisierung werden auch dieses Mal nicht nur neue Berufsfelder und Arbeitsplätze entstehen. Es wird auch Verluste geben. Denn hinter den gegenwärtigen Entwicklungen verbergen sich nicht einfach nur neue Technologien. Selbststeuernde Fertigungsstraßen und intelligente Computer-Netzwerke, die große Datenmengen verwalten und administrative Routinen selbst abarbeiten – diese Innovationen werden auch viele Jobs in Vertrieb und Management überflüssig machen. Schon jetzt können Un-ternehmen beispielsweise auf große digitale Speicherkapazitäten und aufwendige Rechenzentren verzichten. Stattdessen werden je nach Bedarf so viele Kapazitäten angemietet, wie gerade gebraucht werden. 

Der Branchenverband Bitkom, der die Telekommunikations- und IT-Industrie vertritt, präsentierte Anfang Februar Zahlen zur wahrscheinlichen Beschäftigungsentwicklung. Die Bitkom-Experten erwarten, dass die Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren rund 3,4 Millionen Jobs kosten wird. Bei den Jobs wird es nicht bleiben. Die Experten gehen davon aus, dass komplette Berufsprofile völlig verschwinden. In den nächsten 20 Jahren sei die Hälfte aller Berufsbilder bedroht. 

Wie eine Studie, welche die Stiftung Neue Verantwortung zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung bereits im August 2017 vorgelegt hat, zeigt, fallen durch den technologischen Wandel vor allem Arbeitsplätze im Handel und im Finanzsektor weg, somit also Jobs, die bislang als recht krisensicher galten. Damit zeichnen sich auch in der Dienstleistungsbranche Entwick-lungen ab, die im produzierenden Gewerbe längst stattfinden. Die Fachwelt ist uneins darüber, ob an anderer Stelle genug neue Jobs entstehen.

Treiber dieser Entwicklung sind die stark gewachsenen Rechenleistungen von Computern, die Verfügbarkeit von großen Datenbeständen sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und selbstlernenden Computerprogrammen. Hinzu kommen Spracherkennungssysteme, die telefonisch Routineanfragen beantworten können. Diese sparen zusammen mit intelligenten, selbstlernenden Computerprogrammen Einzelhandels- und Bürokaufleute ein, indem sie deren Routineaufgaben übernehmen. Durch die Intelligenz im System selbst lassen sich auch viele Routineentscheidungen automatisieren. Wertpapierhändler können eingespart werden, weil Computerprogramme ihre Aufgaben übernehmen. So ersetzt beim US-Bankhaus Goldman Sachs ein Software-Ingenieur vier Devisenhändler. 

Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, hat untersucht, wie sehr menschliche Arbeit durch Maschinenintelligenz ersetzt werden kann. Laut der Studie sind davon mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Selbstlernende Programme werden über kurz oder lang Wareneingänge kontrollieren, Steuererklärungen oder Versicherungsanträge prüfen oder aber im Personalwesen eine erste Auswahl unter Bewerbern für eine ausgeschriebene Stelle treffen.


Ein Vorgang mit Geschichte
Der Prozess der Digitalisierung begann schon im 19. Jahrhundert

Seit dem Beginn der Industrialisierung hält die Technik Einzug in immer mehr Bereiche der Arbeitswelt. Hinter dem Stichwort „Digitalisierung“ verbirgt sich ein Prozess, der im 19. Jahrhundert mit dem Übergang vom Manufakturwesen zur mechanisierten Produktion einsetzte. Im frühen 20. Jahrhundert folgten dann Fließbandproduktion und der Taylorismus, der Arbeitsabläufe in einzelne, monotone Schritte zerlegte. Dadurch wurde die moderne Massenproduktion möglich. 

Die Erfindung des Mikroprozessors ermöglichte dann die nächste Stufe der industriellen Entwicklung. 1969 wurde die mit Hilfe elektronischer Speicher programmierbare Maschinensteuerung erfunden. Das führte in Kombination mit weiteren Innovationen im Bereich Sensorik, integrierter Schaltkreise und Robotik zu den ersten Industrierobotern. 

Der Anteil der Menschen, die in der Industrie arbeiten, begann zu sinken. Heute arbeitet noch knapp ein Viertel aller Erwerbstätigen in klassischen Industrien. Gleichzeitig expandierte der sogenannte Dienstleistungssektor und konnte so einen großen Teil der freiwerdenden Arbeitskräfte aufnehmen. Allerdings sorgte die sich entwickelnde Computertechnik auch dafür, dass administrative Vorgänge vereinfacht und automatisiert werden konnten. Die Geschwindigkeit der Kommunikation wuchs, als Fax und Telefon durch E-Mail und das Internet ergänzt, dann verdrängt wurden. Über das Internet konnten nun noch schneller Daten ausgetauscht und verarbeitet werden. Aber dieselbe Technik erlaubt es auch, Daten immer schneller zu verarbeiten und immer besser zu interpretieren. 

Heute können Computerprogramme innerhalb von gewissen Grenzen lernen und Entscheidungen treffen. Hinzu kommt, dass auch viele Arbeiten im Verkauf, in der Kundenberatung, in Verwaltung und im unteren und mittleren Management durch Informationstechnik unterstützt und teilweise automatisiert werden. Beispielsweise wird heute schon die Kreditwürdigkeit von Bankkunden durch Programme ermittelt, nicht durch Menschen.F.L.


Wie im Raumschiff »Enterprise«?

Verfolgt man die Ankündigungen aus der Gesundheitswirtschaft, dann sieht es in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bald aus wie auf der Krankenstation des Raumschiffs „Enterprise“. Operationen am Bildschirm, Routine-Eingriffe durch Robot-Chirurgen. Ärzte halten Sprechstunden über Bildtelefon ab, Roboter putzen Flure. Das digitale Nervensys-tem sorgt dafür, dass jederzeit alle benötigten Informationen zugänglich sind und somit jeder Handelnde weiß, was zu tun ist. Ärzte und Pflegekräfte sind von Routineaufgaben entlastet und haben mehr Zeit, sich um die Patienten zu kümmern.

Leider stehen dem nicht nur die bekannten Probleme des deutschen Gesundheitswesens entgegen, seien es nun finanzielle Engpässe oder der mittlerweile chronische Personalmangel in der Pflege. Die moderne Vernetzung wird oft eben nicht genutzt, um die Betreuung zu verbessern, sondern um weiteres Personal einzusparen. Auch die Sicherheit von Daten und IT-Infrastruktur kommt zu kurz. Mögliche Verbesserungen, welche die modernen Technologien bieten, werden also nicht realisiert. 

Hinzu kommt, dass die Investitionen in die neue Technik oft nicht ausreichen. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger von 2017, für die 500 Krankenhäuser befragt wurden, gaben diese nur zwei Prozent ihres Jahresumsatzes für den digitalen Wandel aus. Allerdings waren auch 64 Prozent von ihnen Opfer eines 

Cyber-Angriffes geworden. Das hatte sich aber meist nicht auf die Investitionen in die IT-Sicherheit ausgewirkt. Nur 31 Prozent von ihnen hatten danach tatsächlich ihre IT-Abteilungen aufgestockt. 

Die Berger-Studie mahnt staatliche Förderprogramme für die Digitalisierung an, aber ob die technischen Neuerungen wirklich den Patienten und der Behandlungsqualität zugute-kommen, liegt nicht zuletzt an den Verantwortlichen in der Gesundheitswirtschaft selbst.F.L.


Zeitzeugen

Florian Nöll – Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Startups sieht die Vereinbarungen zur Digitalisierung im Koalitionsvertrag positiv. „Die Politiker, die da am Verhandlungstisch saßen, die haben das Thema durchdrungen“, sagte er im ARD-Hauptstadtstudio. Für die meisten Start-ups sei die Digitalisierung wichtig, denn ohne sie gäbe es weder die Unternehmen noch ihre Geschäftsidee. 

Britta Matthes – Die Arbeitsmarktforscherin hat in einer Studie für die Bundesagentur für Arbeit untersucht, welche Jobs durch Computer ersetzt werden. „Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in einem Beruf mit hoher Substituierbarkeit arbeiten, ist von 15 Prozent im Jahr 2013 auf 25 Prozent im Jahr 2016 gestiegen“, heißt es in der Studie. 

Achim Berg – Der Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom kritisiert die aus seiner Sicht ungenügende Auseinandersetzung der Politik mit der Digitalisierung. Bitkom hatte seine Mitglieder befragt und festgestellt, dass jede vierte Firma sich durch die Digitalisierung in ihrer Existenz bedroht sieht. In den Augen Bergs verteilt die Politik lediglich die Erträge der Agenda 2010, echte Ideen dagegen fehlten.

Guido Zimmermann – Der Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg sieht in der Digitalisierung einerseits große Chancen für Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte. Andererseits könnte nach seinen Berechnungen bis 2025 bundesweit jeder siebte Arbeitsplatz verschwinden. In Regionen, die stark vom verarbeitenden Gewerbe geprägt sind, könnte diese Zahl sogar noch höher liegen.

Johannes Ludewig – Der Vorsitzende des Nationalen Normenkontrollrates gehört zu den Verfechtern einer digitalen Verwaltung. Mit den Entscheidungen der Politik ist er zwar zufrieden, sieht aber in Sachen Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung weiterhin große Defizite. Wie andere bemängelt er außerdem, dass im neuen Kabinett der Staatsminister für Digitales fehlt, den die CDU in ihrem Wahlprogramm angekündigt hatte.


S. 5 Preussen/Berlin

Zäher Anfang, mühsames Ende
Bau der Potsdamer Garnisonkirche und des Berliner Stadtschlosses wird zum Trauerspiel
Norman Hanert

Nur wenige Wochen nach dem Start zum Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche gerät die pünktliche Fertigstellung des Projekts in Gefahr. Und auch beim Berliner Stadtschloss ist wegen mangelndem Spendenaufkommens längst nicht alles in trockenen Tüchern.

Mit einem Festgottesdienst hatte die Stiftung Garnisonkirche Ende Oktober 2017 den Startschuss für den Wiederaufbau des Turms der Kirche gegeben. Seit dem Jahresbeginn herrscht auf der Baustelle allerdings weitgehende Ruhe. Wie von der Stiftung Garnisonkirche mitgeteilt wurde, gibt es technische Probleme mit dem Baugrund. 

Im konkreten Fall geht es um die noch vorhandene Fundamentschicht des ursprünglichen Kirchturms. Offenbar ist zweimal der Versuch gescheitert, Bohrrohre in die mehr als vier Meter tiefe historische Fundament­schicht aus Ziegelmauerwerk und Natursteinen zu drehen. Nach Angaben der Wiederaufbaustiftung ließ sich bei einer Bohrung das Bohrrohr nur noch mit enormen Schwierigkeiten wieder aus dem Boden ziehen. Bei einem anderen Versuch einer Pfahlgründung soll das Bohrrohr sogar ganz abgerissen sein. Laut Wieland Eschenburg von der Garnisonkirchen-Stiftung läuft nach den ersten Bohrungen nun eine umfassende Überprüfung des technischen Verfahrens. 

Der Zeitplan zum Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche ist eng. Eine Spezialtiefbaufirma sollte eigentlich bis Ende Mai Dutzende Gründungspfeiler für das Fundament fertigstellen. Nach dem Guss der Fundamentplatte sollte dann der Rohbau des Turms beginnen. Nach dem Baurecht des Landes Brandenburg muss der Aufbau des Turms bis spätestens 2020 abgeschlossen sein. Die Stadt Potsdam hatte die Baugenehmigung für das Projekt bereits im Jahr 2013 erteilt. 

Ursprünglich waren sogar ein Baustart im Jahr 2014 und eine Einweihung des Turms im Reformationsjahr 2017 angedacht. Bislang liegen noch keine Informationen vor, wie sich der Stillstand auf der Baustelle auf die Kosten des Vorhabens auswirkt. 

Auch das Projekt zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ist vor Kurzem in die Schlagzeilen geraten. Unter Berufung auf einen Bericht des Bundesbauministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages hat das Magazin „Spiegel“ über Probleme beim Spendenaufkommen und bei der Einhaltung des Zeitplans berichtet. Das wiederaufgebaute Berliner Stadtschloss soll im Jahr 2019 als ein Museumszentrum unter dem Namen Humboldt-Forum eröffnet werden. Vorgesehen ist, die Rekonstruktion der Barock­fassade sowie der Kuppel des Schlosses allein mit Spendengeldern zu finanzieren. Nach dem jetzigen Stand der Dinge reicht das Spendenaufkommen dafür offenbar aber nicht aus, sodass entgegen der ursprünglichen Absicht die Gefahr besteht, die Finanzlücke mit Steuergeldern zu schließen.

Bis vergangenen Oktober sind demnach erst 43,3 Millionen Euro an Spenden eingegangen. Der Förderverein Berliner Schloss e.V. hat insgesamt ein Spendenaufkommen von 105 Millionen Euro zugesagt: 80 Millionen Euro sollen für die Rekonstruktion der Barockfassade an Spendengeldern gesammelt werden. Weitere 25 Millionen an Spendenmitteln sollen die Wiederherstellung der historischen Schlosskuppel und dreier weiterer Innenportale des früheren Großen Schlosshofs und des Eckrondells möglich machen. 

Als Reaktion auf den „Spiegel“-Artikel wies der Förderverein inzwischen auf den aktuellen Spendenstand hin. Demzufolge liegt der Gesamtspendenstand für die Schlossfassaden mittlerweile bereits bei 81,5 Millionen Euro. Der Förderverein Berliner Schloss e.V. gibt an, dass ihm 72,5 Millionen Euro an Barspenden zur Verfügung stehen. Das Volumen von Sachspenden wird mit weiteren acht Millionen Euro und der Vereins-Kassenbestand mit mindestens einer Million Euro beziffert. Laut dem Förderverein fehlen damit zum zugesagten Spendenaufkommen nur noch 23,5 Millionen Euro, die 2018 und 2019 noch zusammenkommen müssen, um die gegebene Zusage halten zu können. 

Der Verein um seinen Gründer und Geschäftsführer Wilhelm von Boddien verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass seit Ende 2013 im Durchschnitt jedes Jahr mehr als zwölf Millionen Euro an Spenden für die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses eingegangen sind.

SED-Parteitag bei der CDU
Vera Lengsfeld

Nun ist die CDU endgültig in der SED angekommen. Der Sonderparteitag, bei dem einer vierten Regierung Merkel mit großer Mehrheit zugestimmt wurde, ist beinahe ohne Widerspruch über die Bühne gegangen. Wer gegen den Anschein auf ein Zeichen der Erneuerung gehofft hatte, muss nun endgültig zur Kenntnis nehmen, dass die Partei als Instrument der politischen Willensbildung, wie im Grundgesetz vorgesehen, nicht mehr existiert. Sie ist nur noch das Machtvehikel der Kanzlerin.

Bis vor Kurzem hat es den Anschein gehabt, als gäbe es ein kleines gallisches Dorf, ein Widerstandsnest mit Namen Werteunion. Die hatte sich klar gegen die Groko ausgesprochen. Immerhin hat es in der paralysierten Partei 500 tapfere Mitglieder gegeben, die es gewagt haben, ihre Stimme unter einen Anti-Groko-Antrag zu setzen, obwohl sie wussten, dass sie dafür kaltgestellt werden. Sie durften mit einem Anti-Groko-Transparent vor dem Konrad-Adenauer-Haus demonstrieren, blieben aber völlig unbeachtet, obwohl so etwas in der Geschichte der Partei noch nicht vorgekommen sein soll. 

Während die wenigen Werteunionler draußen froren, redete die Parteivorsitzende Merkel drinnen die miesesten Verhandlungsergebnisse, die je von der CDU für einen Koalitionsvertrag erzielt wurden, schön. Sie schwärmte von den eroberten Ressorts, mit denen die CDU „gestalten“ könne. 

Anders als auf den letzten Parteitagen gab es kein Zwölf-Minuten-Dauerklatschen, sondern nur höflichen Beifall. 

In der Diskussion wurde mancher Unmut geäußert. „Die CDU hat das Profil eines abgefahrenen Reifens“, brachte es ein Delegierter auf den Punkt. Am Ende signalisierte die übergroße Mehrheit der fast 1000 Delegierten, dass sie auf diesen gefährlichen Reifen weiter fahren will. 

Ohne Widerspruch ging die Inthronisation der neuen Generalsekretärin über die Bühne, obwohl sie keineswegs ein Zeichen der Erneuerung ist, sondern sichern soll, dass alles beim Alten bleibt. Es ist wie beim Übergang von Honecker zu Krenz. Ein in Auflösung befindliches System soll durch ein paar rhetorische Veränderungen mit der alten Politik gerettet werden.

Die angeblichen jungen „Rebellen“ waren bereits eingeknickt, in der Hoffnung, mit einem Ministerposten belohnt zu werden. Das Publikum kann sich nur wundern, warum ein angeblicher „Hoffnungsträger“ wie Jens Spahn mit aller Energie in die Kapitänskajüte der Merkel-CDU drängt. Ihre Partei hat Merkel noch unter der Knute, der Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung ist ihr längst entglitten.

S. 6 Ausland

Italien erwartet Koalition der Verlierer
Eine relative Mehrheit wird wohl am Sonntag Grillos »M5S« wählen, aber der will nicht koalieren
Peter Entinger

Politik in Italien – das galt jahrzehntelang als organsiertes Chaos. Mal regierten die Christdemokraten mit den Sozialisten, mal umgekehrt. Und die Kommunisten mischten auch mal mit. Doch das ist lange vorbei. Volksparteien gibt es praktisch keine mehr.

Und so ist der Ausgang der Parlamentswahlen am 4. März weiterhin ungewiss. Anders als in Deutschland dürfen in den letzten 14 Tagen keine Umfragen mehr veröffentlicht werden. Zuletzt sahen die Demoskopen die Mitte-Rechts-Allianz mit der Forza Italia des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi und der Lega Nord vorn. Das Lager vereint um die 36 Prozent der Stimmen auf sich. Der Abwärtstrend der regierenden Demokratischen Partei (PD) des ehemaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi hat sich fortgesetzt. Die Partito Democratico liegt bei 23 Prozent. Stärkste Einzelpartei ist nach wie vor die Fünf-Sterne-Bewegung, die auf etwa 28 Prozent kommt.

Die Anti-Mafia-Enthüllungen der 90er Jahre haben das politische System auf den Kopf gestellt. Renzis PD wollte in den vergangenen zehn Jahren an die Tradition der alten Sozialdemokraten anknüpfen, Berlusconis Partei schickte sich an, die Reste der versprengten Christdemokraten aufzusammeln. Wirklich erfolgreich waren sie nie. Zersplitterungen, Neugründungen und Listenverbindungen sind in Italien die Regel. Im aktuellen Parlament sind an die 20 Parteien vertreten, organisiert in elf Fraktionsgemeinschaften, in denen zahlreiche Wechsel stattfanden. Über 560 waren es allein in der laufenden Legislaturperiode. 

Das habe viel damit zu tun, dass sich die Parteien in Italien gewandelt hätten, sagte der Verfassungsrechtler Gino Scaccia dem Deutschlandfunk. „Die Parteien gibt es nicht mehr. Sie haben sich aufgelöst. Stattdessen bilden sich Privatparteien rund um einzelne Führungspersönlichkeiten.“

Anders als in anderen Ländern ist, dass die Parteiführer nicht zwangsläufig auch die Spitzenkandidaten sind. Der amtierende Ministerpräsident Paolo Gentiloni geht an der Seite seines Vorgängers und Parteichefs Renzi ins Rennen, von dem die einheimischen Medien schreiben, dass er das Kunststück geschafft habe, innerhalb von fünf Jahren vom Hoffnungsträger Europas zum meistgehassten Mann Italiens abzusteigen. Altstar und Fußball-Liebhaber Berlusconi darf nicht kandidieren. Nichtsdestoweniger wirbt seine Partei mit seinem Konterfei. Auf die Nominierung eines zwangsläufig anderen Spitzenkandidaten hat sie verzichtet. 

Erschwert werden Prognosen auch durch Italiens neues Wahlrecht namens „Rosatellum“, das nach dem PD-Abgeordneten Ettore Rosato benannt ist, der es vorangetrieben hat. Es macht den Sieg einer einzelnen Partei nämlich unwahrscheinlicher und setzt auf die Bildung von Koalitionen. Zudem müssen die Kandidaten jetzt auch auf lokaler Ebene gegeneinander antreten. In jeder der zwei Kammern des Parlaments werden 36 Prozent der Sitze per relativer Mehrheitswahl in Wahlkreisen gewählt. Die restlichen 64 Prozent der Sitze werden proportional per Verhältniswahl vergeben. Dabei besteht eine landesweite Drei-Prozent-Hürde für einzelne Parteilisten, bei Koalitionen beträgt die Sperrklausel zehn Prozent, wobei mindestens eine Liste drei Prozent erreicht haben muss. Die Folge sind zahlreiche Listenverbindungen, von denen nicht absehbar ist, welche den Wahlabend überstehen werden. 

Meinungsforscher gehen davon aus, dass nach dem neuen Wahlsystem für eine Mehrheit der Sitze im Parlament etwa 40 Prozent notwendig sind. Wenn der Anti-Establishment-Bewegung „Movimento 5 Stelle“ (M5S) mit ihrem Spitzenkandidaten Luigi di Maio auch zugetraut wird, als stärkste Partei aus dem Rennen zu gehen, so wird sie doch voraussichtlich weit unterhalb der 40 Prozent bleiben, und der M5S-Gründer Beppe Grillo will mit niemandem koalieren. 

„Der Kampf wird in der Mitte und im Süden ausgetragen“, sagte Lorenzo Pregliasco vom Meinungsforschungsinstitut „Youtrend“ der Deutschen Presse-Agentur. Wo die Wähler in diesen Regionen ihr Kreuzchen setzen, sei vor allem für das Mitte-Rechts-Lager entscheidend, die als einziges einer Mehrheit im Parlament nahekommen dürften. Neben Berlusconis Forza Italia und der Lega Nord gehören ihm kleinere christdemokratische Gruppen sowie die als nationalkonservativ eingestufte Partei „Fratelli d’Italia“ (Brüder Italiens) an. Die ursprünglich in den nördlichen Landesteilen beheimatete Lega tritt erstmals landesweit an und könnte ihren Stimmenanteil von vier auf 13 Prozent steigern. Die „Brüder Italiens“, die aus der postfaschistischen Nationalen Allianz hervorgegangen sind, stehen mit fünf Prozent vor dem erstmaligen Einzug ins Parlament. 

Vom Wahlausgang in Italien werden auch Auswirkungen auf die Zukunft der Europäischen Union erwartet. Einen „Italexit“ nach britischem Vorbild wird es aber auf keinen Fall geben, auch wenn Lega-Chef Matteo Salvini noch zu Beginn des Wahlkampfes eine Volksabstimmung über den Euro gefordert hat. Die „Brüder Italiens“ wollen den Euro sogar erklärtermaßen verteidigen – allerdings mit der Einschränkung, dass er zum „Instrument der Völker Europas und nicht der Banken“ werden müsse. Der Grund ist simpel. Berlusconi hat seinem Bündnis einen EU-freundlichen Kurs verordnet. Sollten die einzelnen Bündnispartner nicht mitziehen, werde er am Wahlabend Renzis Sozialdemokraten eine Koalition anbieten. So einfach ist das in Italien.

Vorgezogene Präsidentschaftswahlen in Aserbaidschan
Ilham Alijew setzt auf eine Eskalation des Bergkarabachkonflikts mit Armenien, auf dass seine Landsleute sich hinter ihm scharen
Bodo Bost

Die Präsidentschaftswahlen in Aserbaidschan, die ursprünglich am 17. Oktober stattfinden sollten, sind überraschend per Präsidentendekret um sechs Monate vorgezogen worden – um die Wahlkampfzeit zugunsten der Präsidentenpartei zu verkürzen. Letzteres behaupten zumindest die Oppositionsparteien. Präsident Ilham Alijew hat bereits angekündigt, für eine vierte Amtszeit kandidieren zu wollen. 

„Die Alijews sind seit 45 Jahren an der Macht und das widerspricht den Prinzipien einer demokratischen Republik“, kommentierte Ali Kerimli, der Führer der größten Oppositionspartei, der „Aserbaidschanischen Volksfront-Partei“ (APFP) die Ankündigung seines Staatsoberhauptes. Die viereinhalb Jahrzehnte kommen dadurch zustande, dass Alijews Vater Haidar Alijew nicht nur Präsident der heutigen, unabhängigen Republik Aserbaidschan war, sondern schon zu Sowjetzeiten viele Jahre lang der wichtigste Politiker der Aserbaidschanischen Sowjetrepublik gewesen ist. Eine ähnliche Herrschaftskontinuität gibt es ansonsten unter den Nachfolgestaaten der Sowjetunion nur in Kasachstan.

Ilham Alijew kam 2003 nach dem Tod seines Vaters Haidar, der das Land ab 1969 fast ununterbrochen regiert hatte, an die Macht. Er wurde 2008 und 2013 dank Wahlfälschungen wiedergewählt. Im Jahr 2009 änderte Alijew erstmals die Verfassung des Landes, um für eine unbegrenzte Anzahl von Amtszeiten zu kandidieren. Im Jahr 2016, ein Jahr vor dem Verfassungsreferendum Recep Tayyip Erdogans in der Türkei, gab es bereits in Aserbaidschan nach einem Referendum mit 91 Prozent Ja-Stimmen weitgehende Verfassungsänderungen, die dem Präsidenten eine fast unbegrenzte Machtfülle verleihen.

Die Amtszeit des Präsidenten wurde von fünf auf sieben Jahre verlängert. Darüber hinaus wurde das Amt des Ersten Vizepräsidenten geschaffen und die Mindestaltersgrenze für den Präsidenten von 35 Lebensjahren aus der Verfassung gestrichen. Diese Verfassungsänderungen dienten allein der Familie des Präsidenten. Sie sollten den Weg frei machen für den ältesten Sohn von Alijew, Haidar, der erst 19 Jahre alt ist. Bereits kurze Zeit nach der Verfassungsänderung machte der Präsident seine Frau Mehriban Alijewa zur Ersten Vizepräsidenten. Mehrere Oppositionsparteien haben bereits angekündigt, an der Wahl im April nicht teilnehmen zu wollen.

Mit welchem Wahlkampfthema der Präsident die vorgezogene Präsidentenwahl gewinnen möchte, machte er bereits zwei Tage nach der Ankündigung der Neuwahlen deutlich. Er möchte den jahrzehntealten Konflikt mit dem Nachbarn Armenien wieder verschärfen und appelliert in diesem Zusammenhang an die nationalen Gefühle seiner Landsleute, die glauben sollen, dass der ungeliebte Nachbar, der große Teile der mehrheitlich von Armeniern besiedelten Provinz Bergkarabach besetzt hat, an allen Problemen des Landes Schuld ist. 

Nun hat Aserbaidschans Präsident in einer seiner ersten Wahlkampfauftritte nicht nur die Rückgabe der armenisch besetzten Provinz Bergkarabach Herrschaft gefordert, sondern sogar Anspruch auf die armenische Hauptstadt Eriwan erhoben. Historisch sei Eriwan „unser Gebiet“ sagte er in dieser Rede in Aserbaidschans Hauptstadt Baku bei einem Kongress der Regierungspartei „Neues Aserbaidschan“. „Eriwan ist historisch unser Gebiet, und wir Aserbaidschaner sollten in dieses Gebiet zu­rück­kehren“, sagte Alijew. Diese Äußerung lässt nicht darauf schließen, dass sich Alijew in der Bergkarabachfrage verständigungsbereit zeigen wird, auch wenn er darum bemüht ist, mithilfe der immensen Einnahmen aus dem Gasgeschäft weltweit das Bild eines neuen modernen Aserbaidschan zu vermitteln.

Alijew stützte den Anspruch auf Eriwan auf das Khanat Irewan, eine kurzfristige muslimische Herrschaft über das armenische Stammland im 18. Jahrhundert, kurz bevor der russische Zar das Gebiet eroberte. Die heutige Grenze zwischen Armenien und Aserbaidschan stammt aus sowjetischen Zeiten und trägt der ethnischen und religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung der Region nicht mehr Rechnung als die zwischen der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik (USSR) und der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR). Der Kommunismus wollte ja gerade Religion und Kultur zur Schaffung eines neuen Sowjetmenschen auflösen. 

Bergkarabach war deshalb trotz oder vielmehr wegen seiner überwiegend armenischen Bevölkerung in der Sowjetzeit zu einem Teil Aserbaidschans geworden. In den 1990er Jahren hatte die Region in einem Krieg mithilfe Armeniens ihre Unabhängigkeit erklärt und angrenzende Gebiete besetzt. Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag, sondern nur einen Waffenstillstand an der schwer befestigten Front, wo immer wieder Gefechte stattfinden. Die größten gab es im April 2016 als es aserbaidschanischen Truppen gelang, einige Quadratkilometer Territorium in Bergkarabach an der Frontlinie zurückzuerobern. Der Konflikt wird dadurch angeheizt, dass Russland, die Schutzmacht Armeniens, 2015 angefangen hat, an Aserbaidschan Waffen zu liefern, was dessen Position gestärkt hat.

Ein weiterer großer Waffenlieferant Aserbaidschans ist Israel, das nicht nur den Völkermord an den Armeniern von 1915 durch das Osmanische Reich nicht anerkannt hat, sondern auch zu dem vorwiegend muslimischen Aserbaidschan bessere Beziehungen unterhält als zu dem überwiegend christlichen Armenien, das seinerseits den Holocaust an den Juden anerkannt hat. Der engste Verbündete Armeniens nach Russland ist der schiitische Iran, der Aserbaidschan verdächtigt, die Separationsbestrebungen in der iranischen Provinz gleichen Namens zu unterstützen. 

Somit wird der Konflikt im Kaukasus auch zu einem Stellvertreterkonflikt zwischen den Erzfeinden Israel und Iran, allerdings hier mit teilweise absurden Frontstellungen, weil der Judenstaat hier ein Verbündeter der aserbaidschanischen Muslime und die Islamische Republik Iran ein Verbündeter der armenischen Christen ist.

MELDUNGEN

EU-Parlament setzt Vize-Chef ab

Brüssel – Erstmals musste ein Vizepräsident des EU-Parlaments, der Pole Ryszard Czarnecki, wegen massiver Verfehlungen seinen Posten aufgeben, weil er eine polnische EU-Abgeordnete beleidigt hatte. Seit 2009 ist Róza Maria Barbara Gräfin von Thun und Hohenstein auf der Liste der polnischen Bürgerplattform Mitglied des EU-Parlaments. Sie trat schon unter kommunistischer Herrschaft für Bürgerrechte ein. Wegen ihrer Kritik an deren Abbau unter der PiS-Regierung bezeichnete Czarnecki sie, auch in Anspielung auf ihren deutschen Ehemann,  als „Szmalcownik“, die für einen Polen wohl schlimmste Beleidigung, weil es in Polen die Bezeichnung für jene ist, die unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg Geld von Juden erpressten – mit der Drohung, sie sonst auszuliefern.B.B.





Märtyrerkirche für IS-Opfer

Kairo – Im ägyptischen Ort Al Our, in dem bereits nach koptischer Tradition die heilige Familie auf ihrer Flucht in Ägypten gerastet haben soll, wurde eine auf Initiative von Staatspräsident Al Sisi gebaute Kirche für die 21 koptischen Opfer des IS-Terrors in Libyen eingeweiht. Am 3. Januar 2015 hatten maskierte Muslime in der libyschen Küstenstadt Sirte wahllos Männer aus ihren Betten gezerrt und diejenigen, die sie anhand einer Kreuztätowierung als Kopten identifizierten, ermordet. 13 der Opfer kamen aus dem staubigen Dorf Al Our in Ägypten, ungefähr drei Autostunden südlich von Kairo. Die Männer waren Arbeiter, die monatelang fort waren, um schwer verdientes Geld nach Hause zu schicken. Dabei gerieten sie in die Fänge einer militanten muslimischen Gruppe, die versessen darauf war, sie zu erniedrigen und zu töten, einfach nur, weil sie Christen waren.B.B.

S. 7 Wirtschaft

Mehr zahlen, weniger bestimmen
Die schwarz-rote Europapolitik droht Deutschland von Paris und Rom abhängig zu machen
Norman Hanert

Großbritanniens Ausstieg aus der EU sorgt nicht nur für ein Milliardenloch im Brüsseler Haushalt. Der Brexit wird auch das Machtgefüge in der Europäischen Union verändern.

Bereits ohne einen britischen Vertreter haben die Staats- und Regierungschefs der anderen EU-Mitgliedsstaaten am 23. Februar auf einem informellen Gipfel mit der Diskussion über das künftige EU-Budget begonnen. Aktuell gilt noch ein mittelfristiger Finanzrahmen, der bis 2020 läuft. Bei der nun zur Verhandlung stehenden Vereinbarung für den Zeitraum von 2021 bis 2027 sind gleich mehrere Hürden erkennbar. Laut Berechnungen der EU-Kommission wird allein durch den Brexit im jährlichen EU-Budget von rund 150 Milliarden Euro ein Betrag von 14 Milliarden Euro fehlen. Zu dieser Einnahmelücke sind mittlerweile Wünsche gekommen, den EU-Haushalt sogar noch aufzustocken. Aus der Brüsseler Kommission und aus einigen Mitgliedsländern wird gefordert, die EU solle in Zukunft mehr für Vorhaben wie die Sicherung der Außengrenzen, eine gemeinsame Verteidigung oder die sogenannte Flüchtlingspolitik ausgeben. 

Noch komplizierter werden die Finanzverhandlungen durch Vorstöße, die Zahlungen aus dem EU-Haushalt zur Disziplinierung einzelner Mitgliedsländer einzusetzen. Ähnlich wie die deutsche Kanzlerin sprach sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für die Möglichkeit aus, missliebige EU-Staaten auch finanziell zu bestrafen. Angela Merkel hatte sich bereits vor dem Gipfeltreffen in einer Regierungserklärung dafür ausgesprochen, die Vergabe von EU-Geldern an die Bereitschaft zur Aufnahme von Asylsuchern zu knüpfen. Merkel sagte, es sei „unser Verständnis, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist“. Die Kanzlerin nannte konkret die EU-Strukturfonds, bei denen die Bereitschaft zur Aufnahme von Asylsuchern beachtet werden sollte. Diese Herangehensweise stößt vornehmlich in mittel- und osteuropäischen Ländern auf Widerstand. Die Idee, EU-Gelder verstärkt zur Durchsetzung spezieller politischer Ziele zu nutzen, birgt die Gefahr, die ohnehin vorhandenen Spannungen in der EU zu verstärken. Schon seit einiger Zeit geht die Gruppe der Visegrád-Staaten zunehmend auf Distanz zum Kurs einer immer engeren EU-Integration. Übt Brüssel künftig finanziellen Druck auf diese Länder aus, damit diese sich zum Beispiel für Massenimmigration öffnen, könnte dies bei diesen Ländern die Tendenz zur Block-bildung verstärken. 

Die angelaufenen Verhandlungen über das EU-Budget weisen noch weitere Besonderheiten auf. In der Vergangenheit war häufig zu beobachten, dass sich die Nettozahlerländer untereinander über eine grobe Richtung abstimmten. Nun droht allerdings eine Spaltung der Gruppe der Länder, die mehr nach Brüssel überweisen, als sie von dort zurückerhalten. Dänemark, die Niederlande, Schweden und Österreich sind gegen weitere Beitragserhöhungen und verlangen Einsparungen. Ein anderes Signal haben die Unionsparteien und die SPD bei ihren Groko-Verhandlungen aus Deutschland ausgesendet. Bereits im Koalitionsvertrag erklärten sie die Bereitschaft zu höheren Zahlungen an die EU. Diese frühe Festlegung ist auf deutliche Kritik gestoßen. FDP-Chef Christian Lindner sagte zum Beispiel: „Damit schwächen sie die deutsche Verhandlungsposition.“ Tatsächlich bringt die derzeit verfolgte Europapolitik Deutschland in eine komplizierte Lage. Dem größten Nettozahler drohen noch höhere Überweisungen nach Brüssel. Gleichzeitig verdichten sich die Signale, dass die Rückflüsse von EU-Geldern nach Deutschland deutlich zurückgehen könnten. Dies könnte insbesondere die deutschen Landwirte und die östlichen Bundesländer betreffen. 

Mit dieser Europapolitik droht Berlin sich sowohl den mittel- und osteuropäischen Staaten als auch anderen Geberländern wie Österreich und den Niederlanden zu entfremden. Infolgedessen könnte die Bun-desregierung in wachsende politische Abhängigkeit von Paris und Rom geraten. 

Abgesehen von dem sich abzeichnenden Ausscheren Deutschlands aus dem Kreis der zur Sparsamkeit gemahnenden Nettozahler wird dieser durch das bevorstehende Ausscheren Großbritanniens zusätzlich geschwächt. Zusätzlichen Auftrieb erfahren die Verfechter einer Transferunion durch die Neuverteilung der bisher britischen Stimmen im EU-Parlament. So sollen Frankreich und Spanien jeweils fünf zusätzliche Sitze im Parlament erhalten. Deutschland soll bei der Neuberechnung dagegen leer ausgehen. Es zeichnet sich also ab, dass Deutschland noch mehr zum Nettozahler werden und auf der anderen Seite aber noch stärker im EU-Parlament unterrepräsentiert sein wird.


Deutscher Exportrekord
Noch stärker als die Ausfuhren stiegen die Importe
Peter Entinger

Bereits im vierten Jahr in Folge ist der deutsche Export auf Rekordniveau gewachsen. Im vergangenen Jahr stiegen die Ausfuhren um 6,3 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 1,2794 Billionen Euro. 

Der Vorstandsvorsitzende des Kreditversicherers Euler Hermes, Ron van het Hof, sieht die Stärken der deutschen Exportindustrie in ihrer Vielfalt und der hohen Wettbewerbsfähigkeit. „Immer dann, wenn es um High-End-Produkte geht, sind deutsche Produkte gefragt. Das gilt nach wie vor für deutsches Maschinenbau-Know-how, Chemie-Erzeugnisse und Automobile“, erklärte er gegen-über der Deutschen Presse-Agentur. Eine zentrale Rolle spielten kleine und mittlere Unternehmen, von denen viele in ihrem jeweiligen Bereich Weltmarktführer seien. Diese unbekannten Marktführer (Hidden Champions) seien ein Beleg für die traditionelle Stärke des deutschen Mittelstands. „Made in Germany“ sei beliebt wie eh und je. 

Nach Berechnungen des Ifo-Instituts hat Deutschland auch erneut den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz erzielt. Mit umgerechnet 287 Milliarden US-Dollar sei er mehr als doppelt so groß ausgefallen wie der von Exportweltmeister China mit 135 Milliarden Dollar, so die wirtschaftsnahe Einrichtung aus München. „Damit lag Deutschland zum zweiten Mal in Folge vor allen anderen Ländern“, sagte Ifo-Experte Christian Grimme. Noch vor China auf Platz zwei schob sich diesmal Japan, das einen Überschuss von etwa 203 Milliarden Dollar erwirtschaftete. 

„Der deutsche Überschuss lässt sich vor allem auf den Warenhandel zurückführen“, liefert Grimme als Begründung. Hier überträfen die Exporte die Importe allein in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres um 249 Milliarden Euro. „Haupttreiber war die Nachfrage nach deutschen Waren aus der EU und den USA.“ 

„Die weltweite Nachfrage nach deutschen Produkten wird stark bleiben und die Produktion der deutschen Industrie stützen“, glaubt Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie.

Allerdings lag der deutsche Exportüberschuss 2017 erstmals seit dem Krisenjahr 2009 niedriger als im Vorjahr, wo er mit 248,9 Milliarden Euro einen Höchstwert erreicht hatte. Grund ist eine Zunahme beim Import. Mit 1,034 Billionen Euro erreichte Deutschland bei den Einfuhren nämlich ebenfalls einen Rekord. 2017 lag er immerhin 8,3 Prozent höher als im Vorjahr. 

Doch nicht nur das Wachstum des Exports, sondern auch das des Imports interpretiert Lang  positiv. Letzterer sei gestiegen, weil es der Wirtschaft gut gehe. In der Tat ist das Bruttoinlandsprodukt 2017 um 2,2 Prozent gewachsen. Die Löhne sind im Durchschnitt um 0,8 Prozent gestiegen. Viele Deutsche konnten daher mehr konsumieren – auch Waren aus dem Ausland. Und die wirtschaftlichen Daten vieler Unternehmen sind hervorragend. 

Und auch für 2018 scheinen die Aussichten auf den ersten Blick rosig. Aber es gibt auch besorgniserregende Signale. In der Handelspolitik wird der Ton zwischen Washington, Brüssel und Peking zunehmend aggressiver. Immer öfter ist sogar die Rede von einem weltweiten Handelskrieg (siehe PAZ Nr. 8 vom 23. Februar).


MELDUNGEN

Astana wird Finanzzentrum

Astana – Kasachstan eröffnet in diesem Sommer auf dem Gelände der EXPO 2017 das Internationale Finanzzentrum Astana. Mitte Januar wurde mit der Registrierung von ansiedlungswilligen Unternehmen begonnen. Das Gebiet soll ähnlich der City of London einen eigenen Rechtsstatus besitzen und Finanzdienstleistungen für die Eurasische Wirtschaftsunion und den islamischen Kulturraum anbieten. Man gibt sich dabei weltoffen: Amtssprache ist Englisch, Steuerfreiheit wird bis 2065 gewährt, Visa für Mitarbeiter sind weitgehend überflüssig.T.W.W.





Russland-Handel erholt sich

Moskau – Der deutsch-russische Handel ist im vergangenen Jahr nach einer halben Dekade des Niedergangs erstmals wieder gestiegen. Insgesamt betrug das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern gut 40 Milliarden Euro, wobei sich Im- und Export die Waage hielten. Deutschland nahm für seine Waren gegenüber dem Vorjahr 24,5 Prozent mehr ein, Hauptausfuhrgüter waren Maschinen, Fahrzeuge und Chemieprodukte. Russland exportierte weiterhin vor allem Öl und Gas, mit denen es seinen Ertrag um gut 21 Prozent steigern konnte.T.W.W.

S. 8 Forum

Roter Faden
Hermann Paul Winter

Wie ein roter Faden zieht sich durch den mit der CDU/CSU ausgehandelten Koalitionsvertrag die Handschrift der SPD. Dies wird nicht zuletzt im außenpolitischen Kapitel „Region des Nahen und Mittleren Ostens“ deutlich. 

Dass sich im Falle einer Regierungsbeteiligung der SPD in der Nahostpolitik eine einseitige Positionierung zum Nachteil Israels einstellen würde, war lange vorhersehbar. In alter Tradition hatten SPD-Politiker in der Vergangenheit keinerlei Zweifel daran gelassen, dass ihnen an den Interessen der Palästinenser mehr liegt als an denen Israels. Wiederholt hatten SPD-Repräsentanten dazu Anlass gegeben, über deren Verortung in der Grauzone zwischen Israelkritik und alt-linkem Antisemitismus nachzudenken.

Man erinnere sich: Im November 2012 erklärte die SPD nach einem unter der Regie von Andrea Nahles mit der Fatah geführten Dialog im Berliner Willy-Brandt-Haus, die Fatah kenne im Gegensatz zu den israelischen Orientalen, die westlichen Werte. Sie sei mit der Fatah durch diese Werte und durch gemeinsame „strategische“ Ziele verbunden. Bemerkenswert: Die SPD machte sich mit einer Terror-Organisation gemein, die in ihrer Verfassung zur Ausrottung der ökonomischen, politischen, und kulturellen Existenz Israels aufrief. Bereits ein halbes Jahr zuvor war Sigmar Gabriel anlässlich eines Besuches in Hebron vorgeprescht: Israel führe ein Apart­heid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gebe.

In einer Rede vor dem Europäischen Parlament hetzte der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Ende Juni 2016 gegen Israel und bediente hierbei das antisemitische Stereotyp des Brunnenvergifters. Der damalige EU-Parlamentspräsident, Groko-Verhandlungsführer Martin Schulz, hatte nichts Besseres zu tun, als diese Rede Abbas’ als „inspirierend“ zu bezeichnen.

Um seiner Israelkritik Ausdruck zu verleihen, zog Sigmar Gabriel als Außenminister anlässlich eines Staatsbesuches in Israel im April 2017 ein Gespräch mit der regierungskritischen, israelischen Organisation „Breaking the Silence“ einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor und demonstrierte so seine Verbundenheit mit den Palästinensern. Nur einen Monat später legte Frank-Walter Steinmeier, der Bundespräsident von der SPD, in Ramallah am Grab des Terroristen und Nobelpreisträgers Jassir Arafat, der einer Zweistaatenlösung die Intifada vorgezogen hatte, einen Kranz nieder.

Während im Koalitionsvertrag 2013 noch die Sprache davon war, dass das Existenzrecht und die Sicherheit Israels nicht verhandelbar seien, findet sich im aktuellen Vertrag lediglich die Formulierung, das Existenzrecht Israels sei ein „Pfeiler deutscher Politik“. Mit dem Passus, der Status Jerusalems solle in Verhandlungen geklärt werden, spricht sich die Koalition gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels aus. Die israelische Siedlungspolitik wird als völkerrechtswidrig verurteilt und eine nachhaltige Finanzierung für Palästina durch die Vereinten Nationen gefordert. Der palästinensische Terror findet in dem Vertrag keinerlei Erwähnung geschweige denn eine Missbilligung. Aber was will man von einer Koalition erwarten, die nicht einmal im eigenen Land dem Terror entschlossen entgegentritt?


Das Ende ist Nah(les)
Bodo Bost

Die designierte SPD-Chefin Andrea Nahles soll als erste Frau die deutsche Sozialdemokratie führen und die SPD retten. Die ehemalige Juso-Vorsitzende aus der Vulkaneifel könnte den Niedergang der SPD beschleunigen, aber auch Angela Merkel gefährlich werden.

Sie soll der SPD wieder ein schärferes soziales Profil verschaffen und die Partei aus der Krise führen. Als Arbeits- und Sozialministerin hatte Nahles in den vergangenen vier Jahren gerade ein solches linkes Profil gezeigt und umfassende Reformen auf den Weg gebracht, zum Beispiel die erstmalige Einführung des Mindestlohns, mehrere Rentengesetze wie die abschlagsfreie Rente mit 63 sowie neue soziale Rechte für behinderte Menschen. Vor ihrer Zeit als Ministerin für Arbeit und Soziales war sie von 2009 bis 2013 SPD-Generalsekretärin und hatte auch in dieser Zeit für ein soziales Profil ihrer Partei gesorgt.

Als überzeugte Katholikin aus der Gegend von Maria Laach, dessen Abtei einst auch Konrad Adenauer und Robert Schuman sehr stark geprägt hatte, verfügt die Endvierzigerin auch im konservativ-katholischen Milieu ihrer Heimat über großen Rück-halt, etwa beim Trierer Bischof Stefan Ackermann, den sie aus ihrer Zeit in der katholischen Jugend in Mayen kennt. Bei dem von ihrer Partei mitinitiierten „Ehe für alle“ -Gesetz meldete sie als einziges SPD-Vorstandsmitglied Bedenken an.

Die einst antiklerikale deutsche Sozialdemokratie wird also in Zukunft von einer überzeugten Katholikin geführt werden, während die CDU, die Nachfolgepartei des katholischen Zentrums, die als politischer Arm des deutschen Katholizismus gegründet worden war, mit Angela Merkel von der Tochter eines roten evangelischen Pfarrers geführt wird. Stärker kann man die Entfremdung und Heimatlosigkeit der derzeitigen Parteienlandschaft in Deutschland nicht beschreiben.

Die studierte Germanistin und Politologin Nahles begann ihre Karriere als Juso-Chefin. In diesem Amt hatte sie Selbstbewusstsein genug, auch gegenüber mächtigen, einflussreichen und erfahrenen Sozialdemokraten standfest aufzutreten. Erstmals bekannt wurde Nahles, als sie auf dem SPD-Parteitag in Mannheim 1995 als 25-jährige Juso-Chefin mithalf, ihren Parteichef Rudolf Scharping, der zudem noch aus ihrem eigenen Landesverband kam, mit Hilfe des Saarländers Oskar Lafontaine zu stürzen. Dass sie zehn Jahre mit einer Kampfkandidatur für das Amt der Generalsekretärin scheiterte, hat sie keineswegs gebrochen. Sie wartete auf ihre nächste Chance, die sie dann 2009 erhielt.

Nun kommt auf sie die wohl schwierigste Aufgabe ihrer politischen Karriere zu. Sie muss der mit nicht einmal mehr 16 Prozent am Boden liegenden Partei neue Hoffnung geben. Nahles kennt ihre Partei. Sie will die SPD in den nächsten Wochen in eine neue Große Koalition führen und sie zudem rundherum erneuern. Es darf bezweifelt werden, dass beides zusammen möglich ist.

Gegenwind
Sind »konservativ« und »christlich« Gegensätze?
Florian Stumfall

Einen minder begabten Spitzenpolitiker der CDU ist es kürzlich angekommen, mit Blick auf die weltanschaulichen Grundlagen seiner Partei einen Gegensatz zwischen „konservativ“ und „christlich“ zu konstruieren. Damit tat er kund, dass er von beiden Begriffen nicht viel versteht.

Was das Konservative angeht, so hat es sich im allgemeinen Empfinden und der Handhabung durch die Meinungsmacher ein wenig erholt. Vor, sagen wir, noch 20 Jahren galt es als unzumutbar und der finsteren Vergangenheit angehörend. Mangelnde Courage auf der bürgerlichen Seite und der Umstand, dass man allgemein zwar das Wort kannte, damit aber nicht viel anzufangen wusste, hatte die Denunziation sehr erleichtert. Zur Erholung trugen daher die Beispiele konservativer Parteien im Ausland erheblich mehr bei als der Behauptungswille vieler hierzulande Betroffener.

Dabei wäre es gar nicht so schwierig zu erklären, was man unter „konservativ“ verstanden wissen will, wenn man diese Eigenschaft für sich beansprucht. Es ist gekennzeichnet durch das Handlungsprinzip, wonach man nichts dreingeben solle, weder methodisch noch inhaltlich, wenn man nicht etwas Besseres an die Stelle des Bisherigen setzen kann. Was die Methoden angeht, so mögen sich diese im Laufe der Zeiten verändern, der Inhalt dessen aber, was der Konservative zu vertreten hat, ist die Vereinigung der abendländischen Freiheits-Tradition mit dem christlichen Sittengesetz. Und das beansprucht Bestand über die Moden hinaus, jedenfalls im abendländischen Kulturkreis.

Hier – um nur einen kleinen Einschub zu tun – erweist sich bereits, dass auch in der Politik Intelligenz von Nutzen sein kann. Sie ermöglicht die Unterscheidung, was an Vorhaben, Planungen und Zielsetzungen verhandelbar sein kann und was nicht. Früher, als dergleichen noch im Schwange war, nannte man das „ordnungspolitisches Denken“. Dieses wurde in der Ära Merkel zu Grabe getragen, in kleinem Kreis, privat und ohne Blumen.

Das konservative Amalgam, bestehend aus der Tradition der Freiheit in der 

abendländischen Geistesgeschichte und dem christlichen Sittengesetz, zeigt in schmerzlicher Deutlichkeit, wie dumm es ist, jenen Gegensatz zu konstruieren. Es verbietet aber auch alles Staunen darüber, dass mit der allgemein platzgreifenden Beliebigkeit und dem Ende der Ordnungspolitik beides gleichzeitig und zunehmend Schaden nimmt: die Freiheit und die christliche Prägung, jedenfalls des westlichen Europas. Die Aushöhlung des Grundgesetzartikels 5, der die Meinungsfreiheit garantiert, und die Übung, Kreuze aus dem öffentlichen Raum zu verbannen, um nur zwei Beispiele zu nennen, kommen beide aus demselben profan-sozialistischen Denken, das die Religion durch Ethik ersetzt, dann aber nicht weiß, wie es diese Ethik begründen kann.

Hier liegt auch die Erklärung, warum in der Politik zunehmend von „Werten“ die Rede ist, die es zu verteidigen gelte. Dieses geschieht im Wesentlichen dadurch, dass man weltweit anderen Kulturen den eigenen Willen aufzwingt, ihnen erklärt, wie sie zu leben hätten, und die man, wenn das nichts fruchtet, mit Bomben zur Raison bringt. Das Wort aus SPD-Mund, wonach Deutschlands Freiheit am Hindukusch verteidigt werden müsse, trifft diese Sachlage im Kern. Wenn man also seine Werte nur hoch genug hängt, rechtfertigen sie Krieg und Massaker in beliebigem Umfang.

Doch ach! Niemand macht sich die Mühe aufzuzählen, welche denn diese Werte seien, von denen an der Börse abgesehen. Im Allgemeinen wirkt der Hinweis auf die Werte so ehrfurchtgebietend, dass Nachfragen ausbleiben. Sollte es doch anders kommen, so genügt ein Hinweis auf die Demokratie, die auszubreiten man berufen und verpflichtet sei. Spätestens hier sind Zweifel untersagt, denn sonst könnte jemand auftreten und erklären, bei der Demokratie handle es sich um ein Ordnungsprinzip, eine organisatorische und keine ethische Größe. Andernfalls, wenn sie nämlich Selbstzweck wäre, müsste die Demokratie auch im Operationssaal, auf dem Segelschiff, vor einem Orchester oder im Kindergarten als Ordnung gelten. Dieser Hinweis aber ist gefährlich, denn es finden sich umgehend Narren, die dergleichen dann auch fordern.

Die Demokratie also ist ein Organisations-Prinzip, der Wert, der damit in Zusammenhang steht, sind Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Leider ist dieser Zusammenhang nicht selbstverständlich. Um nur Deutschland als Beispiel zu nehmen, so funktionieren die Techniken der Demokratie tadellos, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit aber nehmen immer mehr Schaden.

Doch obwohl die allgemein-nebulösen Hinweise auf Werte irgendwelcher Art die Nachfrage nach einer ethischen Unterfütterung nicht befriedigend und endgültig decken können, greift doch kaum jemand auf ein konstitutiv-europäisches Regelwerk zurück, das seit jeher die Anforderung des Nicht-Verhandelbaren und Über-dem-Zeitgeist-stehen erfüllt, nämlich den Dekalog, die Zehn Gebote. Europa und mit ihm Deutschland haben sich von der ureigenen Prägung bereits soweit gelöst, dass einer der glücklichsten Würfe der Geistesgeschichte mit Missachtung beiseitegelegt wird; nicht etwa, weil am Inhalt etwas auszusetzen wäre, sondern weil die religiöse Konnotation missfällt.

Ja, und dann sucht der Vertreter einer Partei mit dem „C“ im Namen nach einem geistigen Handlauf und irrt im Dunkel. Dabei hätte dieses „C“ noch eine weitere, ganz entscheidende Morgengabe für seine Adepten, und diese berührt die politische Anthropologie.

In der Auseinandersetzung mit dem Sozialismus nationaler wie internationaler Prägung wie mit anderen Ideologien kommt unausweichlich und sehr bald der Punkt, an dem das Menschenbild zum Thema wird. Dann stellt sich heraus, dass die Ideologien der Auffassung sind, der Mensch sei eigentlich und im Grund zur Vervollkommnung in dieser Welt und mit den Mitteln dieser Welt geeignet. Das Programm ist ganz einfach: Räumt die Kapitalisten auf die Seite – respektive im anderen Fall die Angehörigen von Minderheiten – dann wird sich der Rest der Vervollkommnung nähern und wir haben einen perfekten Staat.

Demgegenüber spricht die christliche Lehre von der grundsätzlichen Fehlerhaftigkeit des Menschen, die er aus sich selbst nicht beheben kann. Diese Einsicht ist nichts anderes, als was man als Erbsünde bezeichnet. Nun kann man aber mit unvollkommenen Menschen keinen vollkommenen Staat machen, das folgert ebenso aus der christlichen Lehre wie der Erfahrung von Jahrtausenden, die dem Konservativen zu demselben Menschenbild führen. Konsequenz daraus sind Bescheidung und der Verzicht auf den idealen Staat auf Biegen und Brechen und mit den Blutopfern, an denen die Geschichte keinen Mangel zeigt. 

Von den Höhen theoretischer, ordnungspolitischer Betrachtungen führt ein überraschend kurzer Weg in die Banalität der Tagespolitik. Wer sich gewundert hat, mit welcher Flexibilität und leichtfertigen Unbekümmertheit die amtierende Kanzlerin Angela Merkel bei den Koali­tions­ver­hand­lun­gen beliebig inhaltliche wie personelle Positionen aufgegeben hat, der mag die Erklärung darin suchen, dass ihr die Ordnungspolitik gänzlich fehlt, also ein geistiger Rahmen des Grundsätzlichen und Nicht-Verhandelbaren, der auch in der Praxis Halt und Orientierung gibt. Das willkommene Nebenprodukt wäre zudem Glaubwürdigkeit. Vor diesem Hintergrund entlarven sich die Floskeln von den Werten als altes Weißblech, das für Gold ausgegeben wird.


S. 9 Kultur

»Macht ist eine Droge«
ZDF-Serie »Bad Banks« über neuen Finanzskandal – Mittendrin: der frühere Radiostar Désirée Nosbusch
Harald Tews

Désirée Nosbusch hat sich in den vergangenen Jahren im Fernsehen rar gemacht. Jetzt feiert die Luxemburgerin, die schon im jugendlichen Alter als Moderatorin bei RTL Erfolge feierte, in gereiften Jahren ein fabelhaftes Comeback als strippenziehende Bankmanagerin in der ZDF-Serie „Bad Banks“. Die PAZ traf die Schauspielerin in Hamburg.

Zehn Jahre ist es her, dass der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers die globale Finanzkrise ausgelöst hat. In­zwischen, so sollte man glauben, müsste auch in der Welt der Hochfinanz Demut und Vernunft eingekehrt sein. Wer so denkt, denkt naiv. Die Finanzjongleure tarnen ihre Hochrisikowetten mit immer geschickteren halblegalen Transaktionsgeschäften. 

Dieser Tanz auf Messers Schneide ist jetzt in einem TV-Film zu sehen. „Bad Banks“ heißt der Sechsteiler, den das ZDF vom 3. bis 5. März in Doppelfolgen je­weils ab 21.45 Uhr ausstrahlt (bei Arte bereits am 1. und 2. März um 20.15 Uhr). Verantwortlich für diese Sternstunde des deutschen Fernsehens, die an hochwertige US-Serienglanzlichter wie „Die Sopranos“ oder „House of Cards“ erinnert, ist Regisseur Christian Schwochow, der mit der Verfilmung von Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“ oder mit „Bornholmer Straße“ über den Fall der Mauer in die oberste deutsche Film-Riege aufgestiegen ist.

Dort steht Désirée Nosbusch schon lange. In „Bad Banks“ spielt sie die Investmentmanagerin Christelle Leblanc, die mit Mitarbeitern ebenso zu jonglieren weiß wie mit riskanten Finanzprodukten. Als Luxemburgerin müsste Nosbusch die Bankenwelt eigentlich vertraut vorkommen, da ihr Heimatland nach der Stahlkrise in den 1970ern zu einem führenden Finanzplatz geworden ist. Aber damit habe sie rein gar nichts am Hut, sagte die Schauspielerin gegen­über der PAZ: „Auch als Luxemburgerin kenne ich mich mit Geldgeschäften wenig aus. Ich frage mich schon, wo ist das Geld, das man auf die Bank bringt? Was passiert mit diesen abstrakten Dingen, wenn eine Bank pleitegeht? Wohin verschwindet dann das Geld? Es bleibt für mich eine undurchschaubare Blase.“

Tatsächlich entwickelt sich in der Serie eine Finanzblase. Gleich zu Beginn sind verzweifelte Menschen zu sehen, die an Geldautomaten Schlange stehen. Als kein Geld mehr ausgeworfen wird, weil gerade die verdächtig an die Deutsche Bank erinnernde „Deutsche Global Invest“ pleitegegangen ist, entwickelt sich ein Tumult. Menschen, die geglaubt hatten, ihr Geld sei auf dieser Bank sicher, wollen das Geldhaus stürmen. Das Geld sei nirgends sicher, warnt Nosbusch: „Es gibt die Bank nicht, der ich vertrauen würde. Ich selbst habe schon einmal schlechte Erfahrungen mit Banken gemacht.“

Zu viel Geld ist sie schon als Teenager gekommen. Bereits ab dem Alter von zwölf Jahren mo­derierte sie von 1977 an Hörfunksendungen bei Radio Luxemburg. Damals noch häufig zusammen mit Frank Elstner, dem Erfinder von „Wetten, dass?“. Etwa zeitgleich mit ihrem Mentor wechselte sie zum deutschen Fernsehen, wo sie Musiksendungen und Galas moderierte. Daneben trat sie auch in zahlreichen Filmen auf. Weil sie zusätzlich einen Wohnsitz in Los Angeles hatte, war es zuletzt still um sie geworden. 2012 hatte die heute 53-Jährige ihren vorerst letzten TV-Auftritt in einer luxemburgischen Sitcom. Jetzt wohnt sie wieder in Luxemburg und hat im März neben „Bad Banks“ noch einen weiteren Auftritt in einer Folge von „Soko Stuttgart“ (am 29.3.).

Dass sie bei einer hochkarätigen Produktion wie „Bad Banks“ mitwirken kann, empfindet Nosbusch als Glückslos: „Für mich ist diese Serie eine tolle Möglichkeit, mich in Deutschland neu zu positionieren, wo man nicht auf den ersten Blick die Désirée sieht, sondern wo man die Serienfigur Leblanc sieht und man sagt: Oh, die ist von Nosbusch gespielt. Mir steht meine Popularität oft im Weg, und das ist nicht immer vorteilhaft.“ 

Die mit Produktionskosten von acht Millionen Euro überdurchschnittlich teure Serie kann Nosbuschs Karriere in eine neue Richtung lenken. Mit hastigem Kamera­blick, der das blitzschnelle Treiben der Finanzwelt abbildet, dokumentiert Schwochow die Gier nach dem Geld, der sich auch Nosbuschs Figur Christelle unterwirft. „Es geht um Macht. Macht ist sexy, und es ist eine Droge“, sagt sie kritisch, „es geht dann gar nicht mehr um Geld, sondern einzig darum, das Suchtgefühl zu befriedigen.“

So gehe es auch der Christelle Leblanc, die im Film eine altersgerechte graue Haarsträhne im ansonsten dunklen Haar trägt. „Wenn sie aus diesen Machtspielen nicht als Gewinnerin herausgeht, dann landet sie im Sterbehaus der Bank.“ Im Sterbehaus? Das gebe es wirklich, erklärt Nosbusch. Mitarbeiter, die man in der Bank nicht mehr braucht, würden in „Sterbeflure“ untergebracht. Dort sitzen sie an Pseudoarbeits­plätzen, bis sie so mürbe gemacht werden, dass sie von selbst gehen.

„Man muss fair bleiben: Wir sind alle in unserem Beruf Adrenalinjunkies“, meint Nosbusch selbstkritisch auch über ihren Schauspielberuf. Ja, auch ihr Be­ruf könne süchtig machen. Süchtig nach Erfolg. „Aber es darf nicht allein darum gehen. Dafür sollte mein Schauspielberuf im­mer die schönste Nebensache der Welt sein.“

So hat sie es bislang immer ge­halten. Trotz ihrer Erfolge in jungen Jahren hat sie sich vom Erfolg selbst nicht verführen lassen. Auch nicht von übergriffigen Männern. Im Rahmen der „MeeToo“-Debatte hat sie sich dazu im  sozialen Netzwerk auf Instagram geäußert. „Ja, ich habe auch schon entsprechende Erfahrungen mit sexistischen Übergriffen von Männern gemacht. Ich gehöre aber nicht zu den Frauen in Deutschland, die den Drang verspüren, auch Namen zu nennen.“ 

Ein Name sei noch genannt: „Justice.net“. So heißt ein kanadischer Umweltkrimi, der Ende dieses Jahres in die Kinos kommen soll und in dem Nosbusch die kanadische Umweltministerin spielt. Nach längerer Film-Abstinenz investiert Nosbusch wieder voll ins Hochrisikogeschäft der Schauspielerei.

Jesus, der Modellathlet
Antike Statuen als Inspiration – Rubens-Schau im Frankfurter Städel
Veit-Mario Thiede

Nein, ist denn das die Möglichkeit? Peter Paul Rubens (1577–1640) verlieh im Gemälde „Ecce Homo“ (um 1612) Christus den athletischen Oberkörper eines Kentauren. Das veranschaulicht uns die Gegenüberstellung des Gemäldes mit dem Gipsabguss der antiken Skulpturengruppe des Liebesgottes Cupido, der einen Kentauren zähmt. Die überraschenden Mo­tivverwandlungen des berühmten Antwerpener Barockmalers stehen erstmals im Blickpunkt einer Ausstellung. 

Das Frankfurter Städel Museum präsentiert noch bis zum 21. Mai mit „Rubens – Kraft der Verwandlung“ 54 Gemälde und Zeichnungen des flämischen Malers. Ihnen sind ebenso viele Bilder berühmter Vorgänger und Zeitgenossen sowie Gipsabgüsse antiker Skulpturen gegenübergestellt, deren Figuren oder Kompositionen Rubens seinen künstlerischen Absichten anverwandelt hat.

Während seines Aufenthaltes in Italien 1600 bis 1608 hielt Rubens in zahlreichen Zeichnungen antike Skulpturen fest, um sich ihre durch Haltungen und Gesten vermittelten menschlichen Gefühle und Leidenschaften künstlerisch anzueignen. Damit eröffnete er sich die Möglichkeit, sie in immer neuen Rollen auf die Bühne seiner Bilder zu schicken. 

Und nicht nur das. Versehrte Antiken wie der muskelbepackte „Torso Belvedere“ erwachen auf seinen Gemälden zu neuem, unversehrtem Leben. Im Ölbild „Pan und Syrinx“ (1617) wird der mit Bocksbeinen ausgerüstete Torso zum liebestollen Hirtengott, der einer keuschen Nymphe nachstellt. Und in einem um 1615 gemalten Werk verwandelt Ru­bens den Torso zum „Auferstandenen und triumphierenden Christus“, der mit dem Körper eines Modellathleten in Erscheinung tritt. Großes Vergnügen bereitete es den zeitgenössischen Kunstliebhabern, in solchen Darstellungen die von Rubens neu interpretierten Vorbilder wiederzuerkennen.

Wiederholt suchte Rubens den zu seiner Zeit „Aemulatio“ (Überbietung) genannten künstlerischen Wettstreit mit berühmten Malerkollegen. In der Ausstellung tritt er mit „Venus und Adonis“ (um 1630) gegen Tizians gleichnamiges Gemälde an, das der um 1555 schuf. Beide Künstler malten die gleiche Szene: Venus will ihren sterblichen Geliebten davon abhalten, sie zugunsten der Jagd sitzen zu lassen. Tizian zeigt den vom Liebeslager aufstehenden Adonis in Vorderansicht. Vergeb­lich schlingt die als Rückenakt dargestellte Liebesgöttin einen Arm um ihn. Rubens aber kehrt den Blickwinkel um. Somit sehen wir die nackte Liebesgöttin von vorn. Für Adonis wäre es besser gewesen, bei Venus zu bleiben. Auf der Jagd fiel er einem Eber zum Opfer.

Bis 21. Mai im Städel Museum, Schaumainkai 63, Frankfurt am Main. Geöffnet Dienstag, Mittwoch, Sonnabend, Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag und Freitag bis 21 Uhr. Eintritt: 14 Eu­ro. Telefon (069) 605098200, In­ternet: www.staedelmuseum.de. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet im Museum 39,90 Euro, im Buchhandel 49,90 Euro

Der weibliche Bluff
Eine Luxusfrau lenkt beim Pokern ab – Der Film »Molly’s Game«
H. Tews

Filme mit Heldinnen sind derzeit gefragt wie nie. Damit trägt vor allem Hollywood der Tatsache Rechnung, dass das Kinopublikum immer weiblicher wird. Außerdem wird jede Sexismus-Kritik durch weibliche Besetzung gleich im Keim erstickt. Und die Frauenquote wird nebenher auch noch erfüllt.

Mit Francis McDormand in „Three Billboards Outside Eb­bing“ und Meryl Streep in „Die Verlegerin“ glänzten zuletzt zwei Stars reiferen Alters. Die noch jugendlich wirkende Jessica Chastain soll vom 8. März an mit „Molly’s Game – Alles auf eine Karte“ ein deutlich jüngeres Pu­blikum in die Kinos locken. Das trendige Spiel, das die Molly im Film spielen lässt, Poker nämlich, soll seinen Teil dazu beitragen.

Als verhinderte Winterolympionikin schafft diese Molly Bloom den kurzen, rasanten Aufstieg von einer Kellnerin zu einer Organisatorin von illegalen Pokerrunden, bei der sie bis zu vier Millionen Dollar pro Jahr einstreicht. Das wäre lange gutgegangen, hätte sie nicht die Russenmafia und einen Finanzbetrüger, der seine über ein Schneeballsystem erworbenen Millionen verzockte, mit am Tisch sitzen gehabt. Eines Tages steht das FBI mit automatischen Waffen vor ihrer Tür, um sie wie eine Schwerverbrecherin abzuführen.

Die Geschichte der Molly Bloom ist authentisch. Die reale Molly hat darüber ein Buch geschrieben, das den Zeitgeschmack traf, da Frauenthemen groß in Mode sind. Drehbuchautor Aaron Sorokin, der auch die Bücher zu dem Justizfilm „Eine Frage der Ehre“ (1992) und „The Social Network“ (2010) über Facebookgründer Mark Zuckerberg verfasst hatte, führte nun erstmals auch Regie. Man kann ihm zugu­tehalten, dass er sich nicht lange mit den Geheimnissen des Pokerspiels aufhält. Regelunkundigen Zuschauern erklärt er per Einblendungen, was ein „Call“, „Fish“ oder „Straight“ ist.

Sein Hauptaugenmerk gilt der Protagonistin, die ihrerseits ein unklares Spiel treibt. Blufft sie, wenn sie ihrem Staranwalt eine Viertelmillion Dollar Honorar verspricht, ob­wohl das FBI gerade ihr Vermögen konfisziert hat? Ahnte sie etwa, das ihr Fall verfilmt wird und sie bald zu Geld kommt? Und waren ihre Pokerrunden, an denen auch Stars wie Leonardo DiCaprio oder Ben Affleck teilnahmen, wirklich illegal? Geheim, ja. Aber verboten? Mit Hinweis auf die Zocker an der nahen Wall Street, die unseriöse Geldgeschäfte im weit größeren Stil betreiben, verurteilte sie ein New Yorker Richter zu lediglich 200 Stunden Sozialarbeit.

Sorokin hat ein 140-minütiges, solides Regiedebüt abgeliefert. Hinter dem Bluff der Molly kommt aber auch er nicht, weil er bevorzugt auf ihre Luxuskostüme schaut statt in ihre Seele.

MELDUNGEN

Berlin erhält neue Beckmanns 

Berlin – Die Staatlichen Museen zu Berlin haben ein Konvolut aus zwei Gemälden, 46 Zeichnungen und 52 druckgrafischen Werken von Max Beckmann sowie einem Gemälde von Hans Purrmann für die Sammlungen der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts erhalten. Die Arbeiten stammen aus dem Vermächtnis der Kunsthistorikerin Barbara Göpel (1922–2017) und sollen demnächst in einer Sonderschau präsentiert werden.tws





Als Nolde die Farbe entdeckte

Seebüll – Nachdem im vergangenen Jahr der 150. Geburtstag des Malers Emil Nolde gefeiert wur­de, meldet sich das Nolde-Museum im schleswig-holsteinischem Seebüll jetzt mit einer neuen Jahresausstellung zurück. „Emil Nolde – Wanderjahre. Die Entdeckung der Farbe: Heckel, Kirchner, Schmidt-Rottluff, Marc und Jawlensky in der Sammlung Nolde“ heißt die neue Schau, die von diesem Wochenende an im frisch sanierten Museum der Nolde-Stiftung gezeigt wird. Info: www.nolde-stiftung.detws





Hahn geigt in Deutschland

München – Das Houston Symphony Orchestra und die Stargeigerin Hilary Hahn besuchen auf ihrer Europatour auch fünf deutsche Städte. Mit Werken von Bernstein und Dvoráks 7. Sinfonie treten sie in der Philharmonie Es­sen (11.3.), dem Konzerthaus Berlin (12.3.), der Elbphilharmonie Hamburg (17.3.), dem Congress Centrum Hannover (18.3.) sowie dem Münchener Gasteig (19.3.) auf. Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen.tws

S. 10 Geschichte & Preussen

Deutschlands schönste Alma Mater
Auf einer europaweiten Rangliste von »Times Higher Education« belegt die Rostocker Universität den vierten Platz
Albrecht Willebrand

Das Londoner Magazin „Times Higher Education“ ist bekannt für seine akademischen Ranglisten (Rankings) der Qualität der Hochschulbildung. Jüngst hat es sich der Ausstrahlung und Schönheit der europäischen Universitätsgebäude angenommen. Mit der Universität Rostock erlangte eine deutsche nach denen von  Bologna, Salamanca und Coimbra den vierten Platz.

Rostock ist jedoch nicht nur gemäß dieser Rangliste die schönste Alma Mater Deutschlands, sondern darüber hinaus auch die älteste im Ostseeraum. Bereits im Mittelalter, nämlich im Jahre 1419, wurde sie von den Herzögen zu Mecklenburg Johann IV. und Albrecht V. gemeinsam mit der Stadt Rostock gegründet. Ihr Leitspruch ist seither: „Traditio et Innovatio“ (Tradition und Innovation).

Die höchste Blüte der Kultur und Bildung erreichten das Land und seine Uni, die heute auch als „Leuchtturm des Nordens“ bezeichnet wird, unter dem Renaissancefürsten Johann Albrecht I. (1525–1576). Er schuf auch die auf das Studium vorbereitenden Gymnasien. Als Fürst voll der glühenden Begeisterung für jegliche Art von Bildung wird der Herzog zu Mecklenburg beschrieben. Die von ihm 1553 gegründete Fürstenschule soll hinter dem Glanz der besten italienischen Schulen nicht zurück­gestanden haben. Die vortreffliche Bildung der Schweriner Schule sprach sich herum und Schüler vieler Länder kamen auf dieses Gymnasium. Der Fürst hatte den Direktor und drei Lehrer aus Meißen als die hellsten Köpfe der dortigen Fürstenschule aus dem gebildeten Sachsen an seine Schule geholt. Bildung wurde nicht zerredet, sondern organisiert.

Das 1567 in Rostock erbaute Unigebäude war nach 300 Jahren marode und die Räumlichkeiten beengt. Bei einem Besuch des Großherzogs Friedrich Franz II. an der Uni im Jahre 1864 bat ihn der Rektor um Unterstützung für einen Neubau. Das griff er willig auf, um in den Olymp der Bildungsförderer seiner Vorfahren aufgenommen werden zu können. 

Sein Architekt, Hofrat Hermann Willebrand, schuf mit dessen Mitarbeitern das heutige Hauptgebäude, die Identität der Uni schlechthin. Das Nebengebäude, Neues Museum genannt, hatte dieser bereits 1842 als entwerfender Architekt für seinen Chef Georg Adolf Demmler kreiert.

Die Stilwahl für das Hauptgebäude fiel nicht schwer. Der in nationaler Tradition stehende vaterländische Baustil der italienisch inspirierten Mecklenburgischen Renaissance unter dem Fürsten Johann Albrecht I. stand in der Staatsarchitektur in hohem Ansehen und traf genau die Gefühlswelt des Regenten. 

Johann Albrecht I. hatte auch eine fürstliche Baulust. Seine Bauten, namentlich der Fürstenhof in Wismar, standen im Land wie steinerne Schnittmusterbögen, derer sich nachfolgende Architekten bedienen konnten. Auch der Preußische Architekt Friedrich August Stüler hat 1848 das Formengut und den Bauschmuck vom Fürstenhof eigenhändig skizziert und stilecht auf seine Universität in Königsberg übertragen. Die Übernahme ist laut dem Hamburger Architekturhistoriker Olaf Bartels evident. Stülers Uni in Königsberg und die seines Schülers Wille­brand in Rostock haben dieselbe mecklenburgische Urquelle.

Willebrand hat mit seiner sorgsam gestaffelten Tektonik der Geschosse, deren farblichen Kontrast und dem Bauschmuck aus Skulpturen und Terrakotten einen Neorenaissancebau geschaffen, der durch den Detailreichtum und die gefällige Gesamtwirkung eine Aura generiert, die den hohen Stimmungswert des Gebäudes ausmacht.

Auch im Innern setzt er in der Aula mit Gestaltungselementen und einer festlich wirkenden Farbwahl von Prunksälen des Schweriner Schlosses Akzente seines Könnens. Alle seine Schweriner Gewerkemeister setzte er bei dem Bau ein, die seine höfischen Entwürfe künstlerisch vollendet umsetzen konnten. Nicht umsonst wird der Bau auch „Wissenschaftsschloss“ genannt, wohingegen die Studenten die Aula spöttisch noch heute als „Bernsteinzimmer“ bezeichnen. Friedrich Franz II. war von der Schöpfung seines Architekten so angetan, dass er ihn anlässlich der Einweih­ung der Uni, 1870, zum Ritter der Wendischen Krone ernannte. 

Auch das Schloss Schwerin wurde von ihm 1844 entworfen. Da der Mecklenburgische Landtag im Schloss residiert, wurde das Märchenschloss als schönstes Parlamentsgebäude Deutschlands gekürt. Mehr Superlative kann ein Architekt kaum auf sich vereinen.

„Zwischen 1840 und etwa 1880“ war Willebrand, so die aus dem 20. Jahrhundert stammende Einschätzung des renommierten Schweriner Kunsthistorikers und Denkmalpflegers sowie besten Kenners der Architektur und Architekten Mecklenburgs, Horst Ende, „der bedeutendste der Architekten, die in Mecklenburg tätig waren. Alle Zeitgenossen, die vor ihm und nach ihm kamen, kommen auch insgesamt an seine Bedeutung nicht heran. Er war der beste der Architekten, kann man mit gutem Gewissen sagen, also nicht nur in seiner Zeit, sondern in der ganzen Reihe vom frühen neunzehnten bis zum aus­ge­hen­den (20.) Jahrhundert war er derjenige, der am besten gearbeitet hat, am besten gezeichnet hat und auch die besten Entwürfe geliefert hat.“


Uncle Sam’s schmutzige Kriege
Ihre Bigotterie ließ die heutige Führungsmacht des Westens sich selten zu ihrem Imperialismus bekennen
Wolfgang Kaufmann

Die zahllosen militärischen Konflikte, welche die Vereinigten Staaten seit Beginn ihres Bestehens anzettelten, zeigen, dass das Land von Anbeginn an eine imperialistische Politik verfolgte und sich keineswegs nur auf seine ureigensten inneren Angelegenheiten konzentrierte. Eine zentrale Rolle spielten in diesem Zusammenhang unerklärte oder verdeckte Kriege.

Es gibt vielerlei Methoden, Druck auf schwächere Staaten auszuüben, wenn deren Politik mit den Interessen von Großmächten kollidiert. Typische Beispiele hierfür sind wirtschaftliche Sanktionen und die Unterstützung von oppositionellen Kräften zwecks Destabilisierung unerwünschter Regierungen. Wenn das nicht ausreicht, dann können auch geheimdienstliche Operationen oder eine verdeckte Kriegführung helfen, die eigenen Ziele zu erreichen. Letztgenannte Vorgehensweise ist zum Markenzeichen der Vereinigten Staaten von Amerika geworden, die seit ihrer Gründung am 4. Juli 1776 über 400 Mal in anderen Ländern intervenierten, aber lediglich in elf Fällen offizielle Kriegserklärungen abgaben. Ursache hierfür war die ausgeprägte politische Bigotterie Washingtons: Einerseits formulierte man hohe moralische Ansprüche an die Außenpolitik, so wie das Präsident Woodrow Wilson mit seinen Ausführungen von 1918 über das Selbstbestimmungsrecht der Völker tat. Andererseits wollte das „land of the free and the home of the brave“ (Land der Freien und Heimat der Mutigen), wie die USA sich in ihrer Nationalhymne selbst charakterisieren, keineswegs auf die Anwendung von brachialer Gewalt verzichten, wenn es ihm irgendwie nutzte.

Das bekamen zuerst die Ureinwohner Nordamerikas zu spüren. Um sich deren Land anzueignen, schlossen die Vereinigten Staaten etwa 800 Verträge mit den indianischen Nationen, von denen sie keinen einzigen vollumfänglich einhielten. Stattdessen dezimierte man die „Rothäute“ im offenen Kampf oder durch Hinterlist. Manche Stämme versuchte das US-Militär sogar mittels vorsätzlich eingeschleppter Krankheiten auszurotten, was im Einzelfall wohl auch gelang. 

Dann traf es ab 1806 den „Hinterhof“ der USA, sprich Lateinamerika. Hauptopfer der Übergriffe waren dabei die Nachbarländer Kuba und Mexiko. Dort intervenierten kleinere US-Militär­einheiten oder Freischärler in der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg über drei Dutzend Mal, was ab 1823 mit der Monroe-Doktrin „Amerika den Amerikanern“ begründet wurde, mit der die Vereinigten Staaten die Führungsrolle auf dem amerikanischen Doppelkontinent beanspruchten. Im Jahre 1912, also bereits vor den beiden Weltkriegen, welche die USA zur Supermacht aufsteigen ließen, meinte ihr damaliger, 27. Präsident, William Howard Taft: „Die ganze Hemisphäre wird uns gehören, tatsächlich gehört sie uns aufgrund unserer rassischen Überlegenheit moralisch schon heute.“

Doch damit nicht genug. Sendboten der USA mischten sich auch beizeiten in anderen, sehr viel entfernteren Regionen der Welt ein. Als typisches Beispiel hierfür kann Afghanistan gelten, wo der Amerikaner Alexander Gardner in den 1820er Jahren versuchte, die Thronbesteigung von Emir Dost Mohammad Khan zu verhindern. In ähnlicher Weise beeinflusste ab 1825 Josiah Harlan aus Pennsylvania die nordwestindische und afghanische Innenpolitik.

Der Anspruch, die „von Gott auserwählte … große Nation der Zukunft zu sein“, um es mit den Worten des einflussreichen New Yorker Journalisten John Louis O’Sullivan in „The United States Magazine and Democratic Review“) zu formulieren, führte 1801 zur ersten Intervention in Nordafrika gegen den Pascha von Tripolis und dessen Verbündete in Algier, Tunis und Marokko. Ausnahmsweise lag in diesem Falle sogar eine Kriegserklärung der Gegenseite, nämlich des libyschen Berberfürsten, vor, der von Washington 225000 US-Dollar Tribut forderte.

Im Herbst 1827 kämpfte die US-Marine in der Ägäis und damit erstmals in europäischen Gewässern. Der Anlass hierfür war eine Piratenjagd. Dem folgten mehr oder weniger verdeckte Operationen wie die auf Sumatra 1832 und 1839, gegen das Osmanische Reich 1849 und 1851, Japan 1853 bis 1868, Portugiesisch-Westafrika 1860, Korea 1871 bis 1905, Ägypten 1882 und Sowjetrussland 1918 bis 1922 sowie auf Grönland (April 1941). Allein in China intervenierten die USA zwischen 1843 und 1934 22 Mal. Insgesamt erfolgten bis zum japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 über 200 Interventionen in aller Welt, welche die Legende von der anfänglich ursprünglich isolationistischen Haltung der USA aufs Deutlichste widerlegen. 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges führte der Kalte Krieg zu einer weiteren Intensivierung der verdeckten, irregulären Kampfführung der Vereinigten Staaten. Betroffen waren hiervon erneut ganz verschiedene Länder rund um den Globus – von Griechenland über Tibet, Burma, Indonesien und Angola bis hin zu Pa­na­ma, Chile, Bolivien, Peru, El Salvador, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Haiti und Kolumbien. Dabei griffen die Schattenkrieger Washing­tons noch stärker als zuvor auf Methoden zurück, die dem Mythos von den USA als „Verteidiger der Demokratie und Menschenrechte“ Hohn sprachen. So wurde im Rahmen der verdeckten Kriege immer exzessiver gefoltert und Terror gegen die Zivilbevölkerung ausgeübt. Dazu kam die enge Kooperation mit Drogenkartellen in Asien und Lateinamerika, welche die Welt bis heute mit ihren Erzeugnissen überschwemmen, aber nicht effektiv bekämpft werden können, weil die US-Geheimdienste sie decken. 

Gleichermaßen brutal verlief der „Krieg gegen den Terror“ ab dem 11. September 2001, der ebenfalls über weite Strecken im Geheimen geführt wird – egal ob nun im Nahen und Mittleren Osten sowie Nord- und Ostafrika oder in Europa. Das änderte sich auch unter dem mit viel Vorschusslorbeer bedachten Friedensnobelpreisträger Barack Obama um keinen Deut. Nur, dass seither Privatarmeen und unbemannte Drohnen einen immer größeren Teil der verdeckten Kriegführung der „größten Demokratie auf Erden“ übernehmen. Außerdem setzen die USA ihre Interessen gegenüber Freund und Feind zunehmend auch mithilfe von Aktionen im Cyberspace, also der virtuellen Welt der Computer, durch. Davon zeugt unter anderem der Angriff mit dem Schadprogramm Stuxnet, das 2010 die Atomanlagen des Iran lahmlegte und höchstwahrscheinlich im Rahmen der von Obama autorisierten US-Geheimoperation „Olympic Games“ in Umlauf gebracht wurde.


S. 11 Geschichte & Preussen

Deutscher Flugzeugbau für die Sowjets
Wie sich die UdSSR nach dem Zweiten Weltkrieg Know-how und Know-how-Träger des Dritten Reiches sicherte
Volker Schobeß

Rund 20000 deutsche Wissenschaftler, die in der NS-Zeit auf allen Gebieten der Rüstungsindustrie gearbeitet hatten, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Sowjetischen Besatzungszone in die Sowjetunion verbracht. Darunter befanden sich 1400 so­ge­nann­te Flugspezialisten. Doch nicht nur durch Deportationen machte sich die UdSSR das Know-how des Dritten Reiches im Allgemeinen und auf dem Gebiete des Flugzeugbaus im Besonderen zu nutze.

Seit sich der Russlandfeldzug Ende 1942 zuungunsten Deutschlands zu entwickeln begann, setzte Adolf Hitler seine ganze Hoffnung auf neuartige Waffen und verstärkte ihre Weiterentwicklung. Mit den sogenannten Wunderwaffen gedachte er, der feindlichen Übermacht an Menschen und Material noch Herr zu werden. Am Ende des Kriegs wies der technologische Vorsprung bahnbrechender Waffen tatsächlich weit in die Zukunft. Die Überlegenheit all dieser Erfindungen konnte freilich den Ausgang des Krieges nicht mehr beeinflussen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die greifbaren Ergebnisse dieser Hochtechnologie-Waffen überlebten jedoch den Untergang des Dritten Reichs. Heutige Wissenschaftler billigen der innovativen Waffenentwicklung und ihrer industriellen Fertigung einen Vorsprung von damals zehn Jahren zu.

Die UdSSR suchte daher im Anschluss an die Eroberung Ost- und Mitteldeutschlands dort sehr energisch nach deutschen Flugzeugbauern, Triebwerksbauern und Raketenkonstrukteuren. In Ost- und Mitteldeutschland wurden von russischen Sonderkommissionen etwa 600 Betriebe, die mit der Produktion von Flugzeugen, Motoren, Fluginstrumenten oder -aggregaten befasst waren, ins Visier genommen. 213 dieser Firmen gehörten führenden Luftfahrtunternehmen. An deren Spitze standen Junkers, Arado, BMW, Daimler-Benz, Siemens und Askania. Als am weitesten entwickelt galten damals die Strahltriebtechnik und ihre serienmäßige Umsetzung. Die wichtigsten führenden Neuentwicklungen gab es damals auf den Feldern Düsenflugzeuge, Flugzeugmotoren, Gasturbinen, Flüssigkeitsmotoren für Jets, radargelenkte Fernraketen mit Strahltriebwerken, Senkrechtstarter, Nurflügel-Bomber, funk- und bildgesteuerte Flugbomben sowie düsengetriebene Gleitbomben. Die Alliierten besaßen nichts all den angeführten Waffen Vergleichbares. 

Die Sowjetunion versuchte daher mit allen Mitteln, die deutsche Technik und ihre Produktionsgrundlagen für landeseigene Entwicklungen in die Hand zu bekommen. Für die Umsetzung dieser Pläne hatte man schon vor 1945 ein sogenanntes Trophäen-Programm erarbeitet. Die erste Etappe der Sowjets galt der Übernahme der Luftfahrt-Forschungszentren, die sich in der eigenen Besatzungszone befanden. Zu nennen sind die Forschungszentren in Berlin-Adlershof, Dessau, Halle, Leipzig, Staßfurt, Brandenburg und Rostock. Die entscheidende Frage für einen Nach- oder Weiterbau der beschriebenen Waffensysteme hing freilich vom ehemaligen Personal ab, das es nun galt, neu zu rekrutieren. Führende Gelehrte und Spezialisten wurden daraufhin ausfindig gemacht und vorläufig festgenommen. Jeder, der infrage kam, musste einen ausführlichen Bericht über seine vormalige Tätigkeit liefern und dar­über Referate abhalten. Allein auf dem Gebiet des Luftfahrtwesens wurden im Jahr 1945 635 habilitierte Wissenschaftler und Diplomingenieure sowie etwa 1500 Techniker und Meister in Gewahrsam genommen. Danach ließ man in den alten Werkhallen, wie in dem Junkers-Werk in Dessau, durch die Deutschen unter russischer Aufsicht unvollendete Messerschmitt Me 262 zu Ende bauen. Das war möglich, weil sich der Messerschmitt-Konzern zwar in Bayern befand, der Zusammenbau dieses Düsenjägers aber während des Krieges auch in Dessau stattgefunden hatte. Ebenso arbeitete man in Staßfurt an einzelnen BMW-Düsentriebwerken weiter. Die anderen obengenannten Standorte hatten ebenfalls angefangene Arbeiten an Einzelobjekten abzuschließen. Fertiggestellte Objekte wurden sofort in die Sowjetunion verschafft. Weitere Spezialisten suchten die Sowjets unter den deutschen Internierten und Kriegsgefangenen. In einem von Generalleutnant Alexander Kobulow abgezeichneten Sonderbericht vom 6. Januar 1949 werden auch die Ingenieure Albert Druck und Alois Weber genannt. Druck war ein Spezialist für Beschleunigungsmessgeräte und Weber hatte erfolgreich an der Umwandlung von Strahlenenergie geforscht.

Neben den fertigzustellenden Einzelobjekten sicherte man sich auch die existierenden Testmodelle an Flugzeugen und Triebwerken, um sie nach Russland zu überführen. Darunter war der Prototyp eines Flugzeugs vom Typ Siebel/DFS 346. Das war ein raketengetriebenes Hochgeschwindigkeitsflugzeug aus Halle, sowie ein Flugzeug vom Typ Junkers EF 126 aus Dessau, ein Pulsostrahl-Schlachtflugzeug, von dem fünf Stück fertiggestellt waren. Die Siebel/DFS 346 war übrigens eine Blaupause für die sowjetische Mikojan-Gurewitsch MiG-15 der 50er Jahre. Der 1949 in Dienst gestellte Strahltriebjäger wurde erstmals im Koreakrieg eingesetzt. All diese erbeuteten Fluggeräte gingen zur Erprobung an das Zentrale Aerohydrodynamische Institut nach Moskau. An das Mikojan-Sonderkonstruktionsbüro wurden drei funktionsfähige Hochleistungsstrahltriebwerke der Reihe 003C von BMW übergeben. Alle restliche deutsche Technik ging in die alten russischen Versuchswerke Nr. 1 bei Moskau und Nr. 2 in Kalinin, dem heutigen Twer. Bekannt ist auch die Überführung eines Strahltrieb-Bombers vom Typ Junkers Ju 287 (EF 131), der bis 1948 getestet wurde. Ursprünglich war sogar vorgesehen, den Düsenbomber zum Tag der Luftflotte 1947 in Moskau auf einer Flugschau zu zeigen. Mit dem vermeintlich russischen Gerät sollten die USA beeindruckt werden. Aus technischen Gründen musste die Vorführung zum Ärger Josef Stalins in letzter Minute abgesagt werden. 

Ende 1945 begann die zweite Planungsetappe der Sowjets mit der Schaffung sogenannter wissenschaftlich-technischer Reservoirs. Sinn des Ganzen war es, eine straffe Führungsorganisation für den gezielten Weiterbau aller bedeutenden Flugsysteme unter deutscher Leitung zu gründen. In der Zwischenzeit wendeten sich nicht wenige deutsche Spezialisten an die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) und boten freiwillig ihre Dienste an. In einem schriftlichen Bericht des Chefs der 1. Abteilung des bevollmächtigten Sonderkomitees beim Ministerrat der UdSSR in Deutschland, General Anatolij Ananjew, an den Vertreter der Luftfahrtindustrie wird ein deutscher Flugzeugbauingenieur zitiert, der an dem raketengetriebenen Senkrechtstarter Bachem Ba 349 „Natter“ gearbeitet hatte: „Ich steh’ der russischen Militärmacht zur Verfügung, denn die ,Natter‘ ist von besonderem Interesse, und ich schlage vor, mir die Möglichkeit zu geben, alle ehemaligen Mitarbeiter durch persönliche Besuche zu sammeln und auf diese Weise alle schriftlichen Unterlagen und Zeichnungen zu sammeln …“ Mit ähnlichen Beispielen ließe sich fortfahren.

Im Herbst 1945 begann unter strenger Geheimhaltung das Arbeitsprogramm, nämlich die Gründung der einzelnen deutschen sogenannten Sonderkonstruktionsbüros. Das waren die Konstruktionsbüros für den Instrumentenbau in Berlin sowie Triebwerk- und Flugzeugbau in Dessau und in Halle. Staßfurt war für den Motorenbau vorgesehen, das Leipziger Sonderbüro war für Gussstücke, metallische Beschichtungen und Katapultanlagen zuständig. Für Windaggregate und Schiffstechnik eröffnete man in Rostock ein Sonderbüro. Einen Schwerpunkt für die Russen bildeten weiterhin die deutschen Versuchsarbeiten an Strahltriebwerken und die Fertigung von Düsenjägern und Düsenbombern. Alle Bemühungen der Sowjets standen unter Zeitdruck, da man nach dem Abwurf der Atombomben durch die USA bestrebt war, bei der Rüstung schnell aufzuholen. Im März 1946 befasste sich eine Sonderkommission der sowjetischen Regierung mit dem Stand der Arbeiten zur Übernahme der neuen deutschen Technik. Nach dem vielversprechenden Abschlussbericht fasste der Ministerrat einen neuen Beschluss (Streng geheim Nr. 874-366) vom 17. April 1946 und bestätigte den Plan für die weitere Durchführung von Versuchsarbeiten an Düsenflugzeugen und Strahltriebwerken in Deutschland. Ab dem 19. April 1946 begann die eigentliche Arbeit der unterschiedlichen deutschen Sonderkonstruktionsbüros an ihren obengenannten Standorten, also in den alten Werkstätten. Die schwerbeschädigten Fabriken waren inzwischen durch deutsche Arbeiter wiederhergerichtet worden. Da alle Maßnahmen unter Geheimhaltung fielen, wurden alle Forschungs- und Produktionsstätten von bewaffneten NKWD-Truppen abgeriegelt. Im Werk selbst wurde alles überwacht, und an der Seite eines jeden Deutschen stand ein Russe. Der Personalbestand rekrutierter deutscher Spezialisten für die Sonderkonstruktionsbüros wuchs ständig an. Standen beispielweise in Halle anfangs nur 41 Personen zur Verfügung, belief sich ihre Zahl im Juni 1946 bereits auf 1156. Ähnlich war der Personalanstieg in den anderen Forschungs- und Sonderkonstruktionsbüros. 

Interessant ist die personelle Zusammensetzung vom Büro des prominenten Flugzeugspezialisten Brunolf Baade, der vor dem Krieg für den Flugzeugbau in den Junkers-Werken in Dessau hauptverantwortlich gewesen war. Unter Baade waren erfolgreiche Junkers-Kampflugzeuge wie der Sturzkampfbomber Ju 87, der Schnellbomber Ju 88 und das berühmte Transportflugzeug Ju 52, die „Tante Ju“ konstruiert worden. Baade wurde auch bald zum Hauptkonstrukteur der Deutschen in der Sowjetunion und kehrte erst 1954 in die mittlerweile gegründete DDR zurück. Unter seiner Leitung wurde in der DDR der Prototyp eines ersten Düsen-Passagierflugzeugs vom Typ 152 gebaut. Zeitverzögerungen wegen Materialknappheit und Unfälle beendeten jedoch das Flugzeugprogramm. Baade machte aber weiterhin Karriere, war Kandidat des Zentralkomitees der SED und Mitbegründer des Forschungsrats der DDR. 

In Russland arbeiteten unter Baade insgesamt 433 Personen, darunter zwei promovierte Ingenieure, 31 Diplomingenieure, 164 gra­duierte Ingenieure, 106 Kon­strukteure, 33 technische Zeichner, 95 Arbeiter und Angestellte sowie zwei Testpiloten. Zur Motivation führte die sowjetische Leitung ein entsprechendes Gehaltsystem ein sowie mehrere Arten von Prämien. In Deutschland wurde das deutsche Personal auch privat überwacht, damit Übersiedlungsversuche in den Westen rechtzeitig unterbunden werden konnten. Gemäß der sowjetischen Weisung Nr. 228 des Ministers der Luftfahrtindustrie vom 19. April 1946 mit dem Stempel „Streng Geheim“ mussten alle Arbeiten in Deutschland bis Oktober 1946 abgeschlossen sein. Danach sollten sämtliche Spezialisten durch eine vorbereitete Aktion namens „Ossawakim“ in Betriebe des Ministeriums des Inneren nach Russland überstellt werden. Die Fachleute der einzelnen Sonderkonstruktionsbüros blieben wohl zusammen, die Ansiedlung der unterschiedlichen Fachgruppen war aber für weit voneinander entfernte Orte vorgesehen. Einzelne Standorte befanden sich in der Nähe von Moskau im Dorf Krasnaja Glinka, im Gebiet Kujbyschew in Samara und im Dorf Uprawlentscheskij in Kasan. Der Befehl lautete, insgesamt 1400 ausgesuchte Ingenieure und Arbeiter zu deportieren, mit ihren Familien zusammen 3500 Menschen. Hierbei handelte es sich aber nur um die sogenannten Flugspezialisten. Die Gesamtanzahl deutscher Wissenschaftler, die auf allen Gebieten der Rüstungsindustrie gearbeitet hatten und nach Russland deportiert wurden, belief sich nach Schätzungen auf rund 20000. Man spricht bei diesen Personen von der „zweiten Garnitur“, weil die führenden Wissenschaftler längst im Westen tätig waren. Das Deutsche Reich besaß bis 1945 auch etwa 16000 Patente auf dem Gebiet der Wehrwirtschaft. All diese Patentrechte wurden nach dem Krieg als Kriegsbeute betrachtet, durch die Alliierten entschädigungslos eingezogen und weitergenutzt. Die Überführung der Flugspezialisten in die Sowjet­union war unter militärischer Bewachung mittels speziell eingerichteter Personenzüge und nachfolgenden Güterzüge für den persönlichen Besitz geplant. Durch Stalin befohlen war eine zwangsweise Umsiedlung auf unbegrenzte Zeit. Obwohl die Aktion bis zum Schluss geheim blieb, beobachteten die deutschen Flugspezialisten mit Sorge den Abbau und die großflächige Demontage ihrer Produktionsstätten. Von dem, was auf sie tatsächlich zukommen sollte, hatten sie allerdings nicht ansatzweise eine Vorstellung. Führende sowjetische Luftfahrtingenieure, die sogenannte

Speztechotdel, die in ihrem Land bisher weniger erfolgreich gearbeitet hatten, ließ Stalin kurzerhand einsperren, um sie durch die Deutschen ersetzten zu lassen. 

Im Morgengrauen des 22. Ok­tober 1946 wurde auf dem Dessauer Hauptbahnhof ein Transportzug zusammengestellt. Sonderbrigaden der Truppen des sowjetischen Innenministeriums fuhren nachts mit Kraftfahrzeugen alle Adressen ab und sammelten die Fachleute ein. Innerhalb einer halben Stunde wurden die einzelnen Spezialisten mit ihren Angehörigen ohne großes Aufsehen und mit nur wenig Habseligkeiten auf Lastkraftwagen verladen. Hausrat wurde gesondert eingesammelt und später nachgeführt. Nur wenige Stunden nach der nächtlichen Aktion dampfte ein hermetisch verriegelter Personenzug, mit einem beträchtlichen Teil des Know-how des Dritten Reichs nach Russland ab.

Der Verfasser dieses Beitrags ist Leiter des Arbeitskreises Militärgeschichte im Förderverein des Potsdam-Museums.

S. 12 Mensch & Zeit

Moment der Woche

Deutschland hat seinen Hundeflüsterer Martin Rütter. Die USA haben Cesar Millan (48), den  „beliebtesten Hunde-Verhaltensspezialisten der Welt“, so die nicht ganz bescheidene Eigenwerbung. Immerhin: Seine Doku-Serie „The Dog Whisperer“ („Der Hundeflüsterer“) wird in mehr als 20 Ländern ausgestrahlt. Hier läuft sie auf Sixx. Im April führt ihn auch seine Welttournee wieder nach Deutschland. Das Foto zeigt den gebürtigen Mexikaner bei einem früheren Auftritt in  Berlin. Millans Beliebtheit hält sich hierzulande allerdings in Grenzen. Zwar hat er schon tausenden Hundebesitzern geholfen, ihren vierbeinigen Intensivtätern Benimm beizubringen. Seine Methoden stünden aber für Unterdrückung und Psychoterror, monieren die Tierschutz-Extremisten von Peta. Millan hält dagegen: „Hunde brauchen eine klare Rangordnung und ein selbstbewusstes Frauchen oder Herrchen.“ 

Auf hiesige geschichtsbedingte Empfindlichkeiten hat er sich  allerdings eingestellt. Das Wort „Rudelführer“ habe er in Deutschland aus seinem Wortschatz gestrichen, verriet er dem „Spiegel“.FH

Wahrheit oder wirres Zeug?
Verschwörungstheorien sind alt wie die Menschheit selbst ­– lebensrettend sind sie auch
Ulrike Dobberthien

Haben Sie schon einmal geglaubt, die ganze Welt hätte sich gegen Sie verschworen? Alle Arbeitskollegen, Mitmenschen samt aller Götter des Universums? Dann haben Sie die Grundlagen einer Verschwörungstheorie instinktiv erfasst: Sie bestehen in einem latenten Unwohlsein und dem Versuch, Dinge zu erklären, die auf den ersten Blick nicht zu erklären sind. Das kann zu Neugier, Wissenschaft und dem Versuch führen, dem Rätsel auf den Grund zu gehen; also in rationalen Antworten. Es kann aber auch in bizarren Theorien enden, nach der Außerirdische längst auf der Erde leben und die Mondlandung im Studio gedreht wurde.

Dabei ist einer der Hauptgründe für Verschwörungstheorien die Existenz realer Verschwörungen. 1962 wurde die Watergate-Affäre bekannt, bei der der amerikanische Präsident Richard Nixon unter anderem den Auftrag zum Abhören der Demokratischen Partei gegeben hatte. 1985 befahl die französische Regierung den Bombenanschlag auf ein Schiff von Greenpeace. Der Putsch gegen die iranische Regierung Mossadegh galt lange Zeit als Verschwörungstheorie, bis sie im Jahr 2013 von der amerikanischen Regierung zugegeben wurde. Ein weiterer phantastisch klingender Vorgang, der sich dank des amerikanischen Enthüllungs-Dissidenten Edward Snowden als pure Wahrheit erwies: US-Geheimdienste wie die NSA haben seit 2007 massenhaft die Kommunikation normaler Bürger überwacht. 

„Das Leben ist voller kleiner Verschwörungen“, weiß zudem der US-amerikanische Professor David Livingstone-Smith, der sich mit menschlichen Konflikten und Täuschungen beschäftigt. Der Psychologe und Philosoph an der „University of New England“ nennt Beispiele: „Eine Mutter liest das Tagebuch der Tochter und bespricht es mit ihrem Mann. Kinder sprechen ab, wie sie am besten gemeinsam ihre Eltern zu etwas bringen können.“ Das Prinzip komme in allen Bereichen des sozialen Lebens vor. Livingstone-Smith: „Sehen Sie sich Literatur und Filme an oder die Handlung von Soap Operas – alles dreht sich um Seilschaften, Täuschungen, Verschwörungen.“ 

Theorien darüber, sagen Wissenschaftler, sind so alt wie die Menschheit. Dass es sie zu jeder Zeit in allen Kulturen gab und gibt, deute auf einen Mechanismus des Gehirns. Er sucht selbst in scheinbaren Mustern, zufälligen Ereignissen und Erlebnissen einen Sinn. Für die Entwicklung der Menschheit eine praktische, eine überlebenswichtige Sache, denn immer steht dahinter die Frage: „Wie schütze ich mich vor Unbill, Gefahr und sorge für den Zusammenhalt der Gruppe?“

Es sei ein menschliches Grundbedürfnis, „die kausale Struktur der Umwelt“ zu verstehen, schrieb der österreichische Psychologe Fritz Heider schon 1958. „Wenn ich zum Beispiel auf meinem Schreibtisch Sand vorfinde, werde ich die Ursache dieses Ereignisses herauszufinden versuchen. Ich unternehme diese Nachforschung nicht aus bloßer Neugierde, sondern weil ich die Umwelt nur dann vorhersagen und kontrollieren kann, wenn ich dieses relativ unbedeutende Symptom mit einem zugrunde liegenden Kernereignis in Zusammenhang bringe.“ Diese Ursachen, so Heider, stellten „relevante Konstanten der Umwelt“ dar, „sie sind es, die unseren Erfahrungen Bedeutung verleihen“.

Diese angeborene Suche nach einem Ursache-Wirkung-Schema ist ausbaufähig und führt direkt zu Göttern und bösen Mächten, aber auch zu Naturwissenschaft und Aufklärung: Hört man ein Rascheln und sieht ein Tier, ist der Zusammenhang eindeutig. Auch wenn der Höhlengenosse es nicht gehört hat und von ihm gefressen wird, ist alles klar. Wird der Genosse jedoch vom Blitz erschlagen, wird es kompliziert: Wer hat den Blitz geworfen? Und warum wird er zwar getötet, aber nicht gefressen? Für solche komplizierten Fälle fand der moderne Mensch im Mittelalter das Wirken von Gott und Teufel – der Teufel sah dort alle Nase lang vorbei. Im modernen Leben wittert man eher die CIA, Putin oder den „großen Plan zur europäischen Umvolkung“. Ein weiterer Faktor kommt hinzu: Verschwörungstheorien sind viel interessanter als die Realität; das Böse fasziniert stärker als das Gute.

Wenn die Realität bedrohlich wahrgenommen wird, als Störung der bekannten Welt und sozialen Ordnung, sind Verschwörungstheorien ein rationaler Versuch, Unfassbares zu erklären und so das Gefühl der Unsicherheit und Ohnmacht zu verringern. So ein Gefühl der hilflosen Ohnmacht herrscht aktuell bei Deutschen, die täglich die Folgen der – von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausdrücklich zugelassenen Masseneinwanderung aus der Dritten Welt – ausbaden müssen und sehen, wie ein endloser Strom von orientalischen Dörfern nach Deutschland quillt, der ausschließlich von den deutschen sozialen Sicherungssystemen lebt. „Ich hab diese unfassbare Wut auf das alles, und ich weiß nicht wohin damit!“, ist ein häufiger Satz in den Kommentarspalten der Tageszeitungen, der inzwischen von der „Welt“ über die „Zeit“ bis zur Süddeutschen Zeitung reicht. Die dazu kursierende Verschwörungstheorie lautet: Merkel möchte Deutschland gezielt an die Wand fahren, da sich nur so der chaotische, gerade entstehende Vielvölkerstaat Deutschland auflösen und als nicht mehr wiederzuerkennendes Gebilde besser in der EU aufgehen lässt.

Wie immer gilt natürlich: Urteilsfehler sind eingebaut. So unterliegen Verschwörungsgläubige häufig dem „fundamentalen Attributionsfehler“. Das heißt, sie überschätzen den Einfluss von Personen in einer chaotischen oder komplexen Situation, bei der eventuell allein der Zufall Regie führt. Ein weiterer Urteilsfehler, dem viele erliegen – nicht nur Verschwörungstheoretiker –, ist es, auf scheinbare Ursache-Wirkung-Zusammenhänge hereinzufallen. „Koinzidenz, also zeitliche Nähe, bedeutet noch keine Kausalität“, warnen die Skeptiker. 

Dabei ist es nur allzu menschlich nach Mustern zu suchen. Nur so lassen sich sinnvolle Beziehungen zwischen Ereignissen herstellen: Etwa zwischen einem rot blinkenden Licht an einem Bahnübergang und der Gefahr „Zug“, auch wenn der noch nicht zu sehen ist. Allerdings ist nicht jede Beziehung mit „rot“ sinnvoll. Wer überzeugt ist, dass rote Socken Glück bringen, weil er sie während einer erfolgreichen Prüfung trug, verbindet Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Psychologen nennen dieses Verhalten „illusory pattern perception“, also Wahrnehmung von Scheinmustern.

Dass solche Vorstellungen weitverbreitet sind, „legt nahe, dass sie bestimmte soziale Funktionen oder psychologische Bedürfnisse erfüllen“, schreiben dann auch die britischen Psychologen Viren Swami und Rebecca Coles von der Universität Kent in einem 2010 erschienenen Artikel. Ihre interessanteste Erkenntnis ist, dass viele gleichzeitig mehrere Varianten einer Verschwörungstheorie glauben, die sich widersprechen: So fanden Menschen, die von einem Mord an Prinzessin Diana überzeugt waren, zugleich die Theorie, dass sie ihren eigenen Tod nur vorgetäuscht habe, plausibler als andere Menschen. 

Weniger wichtig als die Logik einer Theorie ist demnach die zugrunde liegende Einstellung: Empfänglich für Verschwörungstheorien sind alle, die sich „machtlos, benachteiligt oder sprachlos fühlen, besonders angesichts einer Katastrophe“, schreiben Swami und Coles. Sie adeln diese Menschen aber auch: „Anhänger von Verschwörungstheorien sind tendenziell politisch, suchen nach Hintergründen und unterstützen demokratische Prinzipien. Das politische System empfinden sie allerdings als undemokratisch – was sie offizielle Erklärungen per se als unzureichend anzweifeln lässt.“ Sie sind, kurz gesagt, einfach misstrauisch. Und das ist nie verkehrt. 





Zwei Rasiermesser Verschwörungen auf die Spur kommen 

Um scheinbar komplexe Ereignisse und rätselhaftes Verhalten zu erklären, gibt es zwei Ansätze, die als die „zwei Rasiermesser“ berühmt wurden, weil sie alles Überflüssige an einer Theorie wegschneiden. Beide eignen sich dafür, um an Verschwörungstheorien angelegt, beziehungsweise auf sie angewendet zu werden

Ansatz Nr. 1: Dumm statt böse

Hanlons Rasiermesser (Hanlon‘s Razor) ist eine Faustformel, um menschliches Fehlverhalten zu erklären und dabei falsche Kausalitäten zu vermeiden. Es lautet: „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist“ (Never attribute to malice that which can be adequately explained by stupidity). Wenn Menschen, also auch Politiker, idiotisch handeln, dann nicht deshalb, weil dahinter ein ausgefeilter Plan steht, sondern weil sie tatsächlich kurzsichtig, dumm, faul und irrational agieren. Wer dieses kluge Prinzip ersonnen hat, ist unklar. Wahrscheinlich geht es auf den Science-Fiction-Autor Robert Heinlein zurück. Dann wäre der Name Hanlon nur eine falsche Schreibweise von Heinlein. Der Autor hat dieses Prinzip jedenfalls 1941 in seiner Kurzgeschichte „Auktion auf der Venus“ formuliert. Statt „Böswilligkeit“ benutzte er allerdings die Bezeichnung „Schurkerei“. Der Begriff änderte sich, als dieser Ausspruch erst zum geflügelten Wort, dann zum erkenntnistheorischen Leitsatz wurde.

Ansatz Nr. 2: Simpel statt kompliziert

Das andere Prinzip ist Ock-hams Rasiermesser (Ockham’s Razor). es wurde von dem englischen Scholastiker Wilhelm von Ockham (1288–1347) geprägt. Es ist auch als „Sparsamkeitsprinzip“ bekannt, denn es verlangt für Theorien die einfachsten Erklärungen. 

Ockhams Razor wird bis heute in der Wissenschaft verwendet, weil man Theorien mit wenigen und einfachen Annahmen leichter überprüfen kann als solche mit vielen und komplizierten Annahmen. Ockham in Kürze lautet:

1. Von mehreren möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.

2. Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält; wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen; wenn aus ihnen der zu erklärende Sachverhalt logisch folgt. In der Praxis entstand dafür der geflügelte Spruch: „Wenn du Hufgetrappel hörst, denk an Pferde und nicht an Zebras.“


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Allenstein verändert sich rasant
Zahlreiche Neubauten, Straßensanierungen, Grünanlagen: Die Stadt wächst in alle Richtungen
Dawid Kazanski

Jeder, der sich in Allenstein aufhält, übersieht nicht, dass sich die Woiwodschaftshauptstadt ständig verändert. Derzeit bestimmt neben zahlreichen Neubauten die Großbaustelle für das neue „Centaurus-Gebäude“ das Bild. 

Seit 2015 das neue Straßenbahnnetz in Betrieb genommen wurde und die Aufnahme des Linienverkehrs erfolgte, beobachtet man eine ständige Entwicklung der Stadt. Moderne Wohnblöcke schießen wie Pilze aus dem Erdboden und so breiten sich die bereits bestehenden Stadtbezirke weiter aus. 

Wo vor Kurzem noch ausschließlich Feldflächen brachlagen, entstehen immer neue Wohnsiedlungen. Beispiele dafür sind Teczowy Las, Przylesie oder der City Park. Somit verläuft das städtische Wachstum in jede Richtung, wobei sich der südliche Teil Allensteins, der auch als Schlafzimmer der Stadt bezeichnet wird und dank der Straßenbahnverbindung mit dem Zentrum gut verbunden ist, am stärksten entfaltet.  

Doch nicht nur neue Wohnhäuser befinden sich im Bau, sondern auch die Hauptverkehrsadern der Stadt und kleinere Straßen werden umgebaut und neu asphaltiert. Obwohl die Bauarbeiten lange andauerten und zu Staus führten, freute man sich im Endeffekt Mitte Dezember über die Öffnung der Wilhelmstraße [Pienieznegostraße], die nach fast neun Monaten Grundsanierung nun wieder befahrbar ist. Derzeit stockt der Autoverkehr wegen des Umbaus der Bahnhofstraße [Partyzantówstraße], aber es besteht kein Zweifel daran, dass die holprige Straße eine gründliche Modernisierung nötig hatte. 

Allenstein, das kein Industriezentrum ist, strebt die führende Rolle als Dienstleistungszentrum in der Region an. Das 2014 eröffnete Einkaufszentrum Galeria Warminska, in dem es auf einer Großfläche von 675 Quadratmetern 170 Geschäfte gibt, lockt sowohl Stadteinwohner als auch Touristen an. Die einzigartige gelöcherte Außenfassade des Kaufhauses erinnert an eine Honigwabe, und trotz ihres klobigen Baukörpers scheint sie sich in die Umgebung gut einzupassen. In der direkten Nähe dieses Objekts wird jetzt der Großbaumarkt Leroy Merlin errichtet. 

Die Hauptstadt der Woiwodschaft Ermland-Masuren investierte auch in die Renovierung des Stadtstrandes am Okulsee. Dank der 2015 durchgeführten Umgestaltung des Seeufers erhielt Allenstein ein modernes Erholungszentrum. Die bisherige Freizeitanlage erhielt ein Gebäude mit Konferenzräumen, eine Cafépassage, einen größeren Verleih von Segelbooten und anderen Wassersportgeräten, neue Stege, mehr Badestellen, zahlreiche Spielplätze sowie Strandvolleyballplätze. Diese Bauanstrengung wurde 2016 mit dem landesweiten Preis für die besten Investitionen in der Kategorie Modernisierungen ausgezeichnet.    

Was aber in aller Munde unter den Bewohnern Allensteins ist, ist die Entstehung eines riesigen Gebäudekomplexes, der Centaurus heißen wird. Mit den Arbeiten auf dem Bauplatz, der sich neben dem Planetarium befindet, hat man im Juli 2017 begonnen. Gegenwärtig werden auf der Großbaustelle die Fundamente gelegt. Im Verkaufsbüro des Bauträgers ist die multimediale Visualisierung des Objekts zu sehen, das sich imposant präsentiert. Bei seiner Fertigstellung, die für 2020 geplant ist, wird Centaurus das höchste Wohngebäude im ganzen südlichen Ostpreußen sein. Die spektakuläre Höhe von 55 Metern gewährleistet laut dem Plan zwei Türme, in denen insgesamt 172 Wohnungen und Appartements untergebracht werden.  Der höhere Turm wird 18-, der kleinere 17-stöckig sein. Wer hier eine Wohnung beziehen wird, kann von der eigenen Terrasse aus einen wunderschönen Blick auf das gesamte Stadtpanorama genießen. Die unteren Teile des Komplexes sind für ein Hotel, Büros, Geschäfte, Cafés und Restaurants vorgesehen. Der zentral gelegene Innenhof, zu dem sich die Wohnräume hin öffnen, soll als täglicher Treffpunkt für die Bewohner der entstehenden Immobilie und für Gäste fungieren. 

Naheliegenderweise kann sich nicht jeder das Wohnen hier leisten, der Preis für einen Quadratmeter Wohnfläche fängt bei zirka 1500 Euro an. Zwar kosten die hohen Standards nicht wenig, aber auf längere Sicht wird sich der Komfort lohnen, weil das Projekt von modernen Technologien profitieren wird, die Strom- und Wasserverbrauch reduzieren. Andrzej Kapuscik, ein bekannter Architekt, der seit 25 Jahren ein Projektbüro in Wien leitet und Ideengeber für Centaurus ist, zählt darauf, dass das neue Gebäude zu einem der Wahrzeichen der Stadt wird. 

Eines ist aber jetzt schon sicher: Bei seiner Vollendung wird das riesige Objekt die Skyline Alleinsteins dominieren.


Große Pläne für 2018
Viele Bauprojekte in Allenstein sollen zum Abschluss kommen
Edyta Gladkowska

In diesem Jahr werden in Allenstein viele Investitionen, die bereits in den letzten Monaten oder Jahren begonnen wurden, beendet. Und schon gibt es neue Vorhaben. Die Ausgaben der Stadt werden in diesem Jahr umgerechnet rund 340 Millionen Euro betragen. 30 Prozent davon ist für die Infrastruktur vorgesehen.

Die Baustellen im Stadtzentrum sollen fertiggestellt werden. Bis Frühjahr sollen die Wilhelmstraße [Pienieznegostraße] samt Wilhelmbrücke [Most sw. Jakuba] sowie neue Grünanlagen und der Übergang zwischen Burg- und Zentralpark fertig werden. Eine neue Grünfläche entlang der Wilhelmstraße besteht aus zwei Bereichen. Die erste, die sogenannte Picknickzone, befindet sich auf dem Gelände des Kindergartens sowie des früheren Parkplatzes. Im Frühling werden dort verschiedene Pflanzen, Bäume und Sträucher angepflanzt. Für die kleinsten Besucher sowie für die Kindergartenkinder wurde ein Spielplatz eingerichtet. Weiter in Richtung Wilhelmbrücke an der Stelle des ehemaligen Gartens des Erzpriesters und Vikars befindet sich die Erholungszone in Form eines Klostergartens. Die Grünanlagen werden den neuen Zentralpark mit dem revitalisierten Burgpark verbinden. Es wird Rad- und Fußwege, unter anderem unter der Wilhelmbrücke hindurch, geben.

Eine weitere Baustelle, die im Sommer beendet sein soll, ermöglicht es, durch die renovierte Bahnhofstraße [Partyzantówstraße] bis zum Bahnhof zu fahren, wo sich ein Umsteigeknoten befinden wird. In diesem Jahr wird noch die Revitalisierung des Parks Jakobsberg zu Ende geführt. Eine Badestelle mit Strand, Bademeisterstelle, Toiletten und Beachvolleyballfeld soll am Skandasee entstehen.

Allenstein will noch eine zweite Straßenbahnlinie bauen. Sie soll das Stadtviertel Stolzenberg [Pieczewo] mit dem Zentrum verbinden. Projektplanungen hierzu gibt es schon, und bald wird auch die Ausschreibung erfolgen.

2018 wird auch ein neues Vorhaben verwirklicht: die soge-nannte Lynostrada (Allepromenade), ein Fuß- und Radweg entlang der Alle. Es ist ein Projekt, das eine sichere und ökologische Verbindung zwischen den Allensteiner Stadtteilen, dem Zentrum, der Altstadt und dem Stadtwald vorsieht. Diese Investition wird ungefähr 2,3 Millionen Euro kosten.

Eine der größten Infrastrukturmaßnahmen der Stadt, die südliche Umgehungsstraße von Allenstein, wird ebenfalls in diesem Jahr beendet sein. Der erste Bauabschnitt von Kudippen [Kudypy] nach Thomasdorf [Tomaszkowo] soll im Juni für den Verkehr freigegeben werden und der zweite von Thomasdorf nach Fittigsdorf [Wójtowo] im Herbst. 


Villa wechselt den Besitzer
Amalienau: Erwerber muss Denkmalschutzauflagen erfüllen
Jurij Tschernyschew

Der Stadtteil Amalienau [Kutusow] in Königsberg sticht durch seine Schönheit hervor. Schon vor dem Krieg galt er als der prestigeträchtigste in der Stadt. Der Stadtteil entstand dank einer Architektengruppe, die den Plan hatte, eine „Gartenstadt“ entstehen zu lassen. Er sah niedrige Gebäude mit einer Fülle von Bäumen, seltenen und blühenden Sträuchern, Seen und Bächen vor. Viele der bekannten Villen von Amalienau wurden nach den Plänen des Architekten Fritz Heitmann gebaut. Jede von ihnen hatte ein individuelles Aussehen mit Dekorationen. Viele sind bis heute fast in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten.

Eine dieser Villen hat vor Kurzem den Besitzer gewechselt. Vor einiger Zeit hatte die Agentur für Grundbesitz des Königsberger Gebiets zwei dieser Kleinode zur Versteigerung ausgeschrieben. Der Ausgangspreis betrug umgerechnet rund eine Million Euro. Die Immobilie gilt als Objekt des Kulturerbes von regionaler Bedeutung. Die Villa wurde im Jahre 1905 erbaut. Zu dem Versteigerungsobjekt gehörten zwei Gebäude mit 490 und 230 Quadratmetern Wohnfläche ebenso wie ein Grundstück von 1721 Quadratmetern Größe. Die Firma „A-Entwick-lung“ hat bei der Auktion den 

Zuschlag erhalten, da sie gut 4000 Euro über dem angesetzten Preis geboten hatte. Anträge zur Teilnahme an der Auktion hatten fünf Unternehmen eingereicht. Der Gründer der Firma „A-Entwicklung“ ist der Gründer der Holding „Avtotor“, Wladimir Schtscherbakow.

Die Villa namens Makowskij blickt auf eine reiche Geschichte zurück.  Ihr ursprünglicher Eigentümer war ein Unternehmer, der im ersten Stock wohnte. In der unteren Etage befand sich das Büro einer Firma, die Alkohol herstellte. Nach dem Krieg diente sie als Gästehaus der Gebietsverwaltung. Im Jahr 2000 mietete der Autokonzern „Avtotor“ die Villa. 

Danach befand sich für eine Weile das ehrenamtliche griechische Konsulat in dem Gebäude, dann wurde es Gästehaus von Avtotor. Honorarkonsul Griechenlands war übrigens Schtscherbakow, der Vorstandsvorsitzende von Avtotor. Nun ist der ehemalige Mieter Eigentümer geworden. Als solcher wird er die Schutzbestimmungen für das erworbene Objekt des kulturellen Erbes von regionaler Bedeutung erfüllen  müssen.


MELDUNGEN

Lyck für Freunde der Eisenbahn

Lyck – Im Park von Lyck soll beim Historischen Museum eine Ausstellung für Eisenbahnfreunde entstehen. Ein Verschiebe-Karussell, ein pneumatischer Kolben, ein Dampfmotor und magnetische Kugeln zählen zu den Exponaten für Eisenbahn-Entdecker. Wie der Direktor der Einrichtung, Kazimierz Bogusz, erläuterte, soll der Park für Eisenbahn-Entdecker eine zusätzliche Illustration für die Besucher der erhaltenswerten Eisenbahnsammlung im Kleinbahnhof werden. Spielerisch soll hier die Arbeit der Dampflokomotiven gezeigt werden. PAZ





Stadt der Tore und Brücken

Königsberg – Das Museum Friedländer Tor zeigt bis zum 25. März Arbeiten des russischen Künstlers Boris Tschetschenin. Unter dem Titel „Stadt der Tore, Stadt der Brücken“ hat der Künstler historische Ansichten der Stadttore und der Königsberger Brücken, die durch Leonhard Eulers sogenanntes Brückenrätsel Weltruhm erlangten, illustriert. Da Königsberg eine Festung war, konnte man die Stadt nur durch die Stadttore erreichen. Durch sie kamen sowohl Herrscher als auch Kaufleute, Handwerker und die Bürger in die Stadt. Heute zählen die noch erhaltenen Stadttore zu den Sehenswürdigkeiten. Lediglich durch das Brandenburger Tor führt noch eine Straße hindurch. In dem Museum für Alltagsgeschichte im Friedländer Tor sind nun die Arbeiten des 1937 geborenen Künstlers zu sehen. MRK

S. 14 Ostpreussische Geschichte

Museumsschätze
Aus dem Ostpreußischen Landesmuseum: Porträt des Daniel von Tettau, des »Helden von Malplaquet« – Bernstein-Kreuzfuß

Das Ostpreußische Landesmuseum ist das einzige Museum in Deutschland, das die reiche Kultur und Geschichte der ehemaligen deutschen Provinz Ostpreußen in Gänze thematisiert.

Aufgabe des Museums ist die Bewahrung und Erforschung der Geschichte und Kultur Ostpreußens sowie die museumsgemäße Darstellung seiner vielgestaltigen Jahrhunderte währenden Realität. Zukünftig werden wir in einer eigenen Abteilung auch die Kulturgeschichte der sogenannten Deutschbalten thematisieren, welche als deutschsprachige Minderheit im heutigen Estland und Lettland lebten. Der genaue Auftrag ergibt sich auf Grundlage des Paragrafen 96 des Bundesvertriebenengesetzes und der Satzung der Ostpreußischen Kulturstiftung.

Die museale Arbeit geschieht in Zusammenarbeit mit polnischen, russischen und litauischen Museen und Kulturinstitutionen, die heute im ehemaligen Ostpreußen tätig sind sowie entsprechenden Partnern in Estland und Lettland für die deutschbaltische Abteilung.

Die Dauerausstellung des Museums wird erweitert und ist daher derzeit geschlossen. Die Wiedereröffnung erfolgt am 26. August 2018. Bis dahin werden in der PAZ in jeder geraden Folge besondere Objekte aus dem Bestand des Museums vorgestellt.

Porträt des Daniel von Tettau, des „Helden von Malplaquet“

Am 18. Januar 1701 setzte sich in Königsberg der bisherige Kurfürst Friedrich III. selbst als neuer „König in Preußen“ Friedrich I. die Krone auf und legte damit einen wichtigen Grundstein für den weiteren Aufstieg Preußens. Das zerrissene Land – im Osten das Herzogtum Preußen, im Zentrum die Mark Brandenburg und im Westen am Rhein weitere Gebiete wie Klewe und Ravensberg – fand sich im neuen Königreich zusammen; der Name Preußen galt bald für das gesamte Königreich.

Der Weg dahin war allerdings steinig, da der Kaiser in Wien eine solche Rangerhebung zunächst ablehnte. Als 1700 der König von Spanien kinderlos starb, begann über den vakanten Thron ein Streit zwischen Frankreich und dem Kaiser Leopold I., der nun dringend Verbündete brauchte.

Er erlaubte Friedrich daher die Krönung, wenn sie außerhalb des Reiches – etwa in Königsberg – erfolgte und sich nur auf Preußen, nicht aber auf Brandenburg bezog – daher der Titel „König in Preußen“. Neben hohen Geldzahlungen sollte Friedrich auch noch 8000 Mann für den Kampf im 1701 ausbrechenden Spanischen Erbfolgekrieg stellen.

Und hier kommt der 1670 in Königsberg geborene Daniel von Tettau ins Spiel, ein General im preußischen Heer und Sohn eines Kanzlers des Herzogtums Preußen, Joh. Dietrich von Tettau. Er begleitete den Kronprinzen und späteren „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., fiel aber 1709 in der blutigsten Schlacht des 13 Jahre währenden Erbfolgekrieges, als bei Malplaquet  90000 Alliierte unter Prinz Eugen von Savoyen und dem Duke von Marlborough auf 80000 Franzosen unter Marshall Villars aufeinanderstießen und zusammen mindestens 36000 Tote und Verwundete auf dem Feld blieben.

Das Gemälde wurde 1945 aus dem historischen Rahmen geschnitten, zusammengerollt und mit dem Flugzeug vom Tettauschen Gut Tolks bei Preußisch-Eylau aus Ostpreußen in den Westen gerettet. Der Familienverband hat für die neue Dauerausstellung einige dieser seltenen Porträts dem Museum zur Verfügung gestellt, das Porträt Daniel von Tettaus wird in der historischen Abteilung zu sehen sein.

Bernstein-Kreuzfuß

Dieses Objekt war schon zu unserer Eröffnung 1987 ein Highlight unserer Sammlung und wird auch in unserer neuen Dauerausstellung in der Bernstein-Abteilung wieder zu sehen sein: Der Bernstein-Kreuzfuß aus der Zeit um 1675. Der Kreuzfuß besteht aus einem mit Bernstein beklebten Holzkern sowie eingearbeiteten Elfenbeinreliefs, die Szenen aus der Passionsgeschichte und Barockornamente zeigen. Rechts und links oben stehen Maria und Johannes als Beifiguren der Kreuzgruppe, das eigentliche Kreuz ist leider nicht mehr erhalten. Das Objekt stammt aus englischem Adelsbesitz und stand vermutlich früher in einer Privatkapelle. Es ist ein repräsentatives Objekt der ostpreußischen Bernsteinkunst des Barock und ein bemerkenswertes Werk des europäischen Kunsthandwerks. 

Gerade an der Küste des Samlands ist das Bernsteinvorkommen besonders hoch, sodass wir uns glücklich schätzen können, einige herausragende Bernsteinobjekte in unserer Sammlung zu besitzen.

OL

Ostpreußisches Landesmuseum in Lüneburg, Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg, Tel. +49 (0) 4131 75995-0, Fax +49 (0) 4131 75995-11, Email: info@ol-lg.de, die Sonderausstellungen und das Brauereimuseum sind über das neue Eingangsfoyer in der Heiligengeistraße 38 zugänglich, eingeschränkte Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12.00 bis 17.00 Uhr.

Großer Bahnhof für Leseratten
Reisen bildet und Lesen sowieso – Polen verbinden beides in Bahnhofsbibliotheken
Chris W. Wagner

Der Bahnhof im westpreußischen Rahmel teilt sich seine Kundschaft mit der städtischen Bibliothek. Die polnische Bahn hat das aus den 1950er Jahren stammende Bahnhofsgebäude saniert. 80 Prozent seines Inneren nimmt nun ein Lesesaal ein, dessen Gestaltung hingegen vom Ministerium für Kultur und Nationales Erbe finanziert wurde. Auf 1500 Quadratmetern können Lesefreunde dort Bücher ausleihen oder – während sie auf ihren Zug warten – einfach nur schmökern. Diese Bibliothek bietet auch Lektüre in kaschubischer Sprache, ist sie doch nach Florian Ceynowa (1817-1881) benannt, der als erster auf Kaschubisch publizierte.

Der in Slawoschin, Kreis Neustadt in Westpreußen geborene Bauernsohn studierte Philosophie sowie Medizin in Breslau und später in Königsberg. Unter dem Einfluss des Polen Ludwik Mieroslawski nahm er 1846 am antideutschen Aufstand in Preußisch Stargard teil, wofür er in Berlin-Moabit als Rädelsführer zum Tode verurteilt wurde. Im Zuge der Märzrevolution 1848 wurde Ceynowa vom preußischen König begnadigt und freigelassen. 1851 wurde er in Berlin zum Doktor der Medizin promoviert.

Er veröffentlichte 1843 seine erste Kurzgeschichte in Kaschubisch und auf Deutsch über die „Germanisierung der Kaschuben“. In seinen Schriften wandte sich Ceynowa gleichermaßen gegen die Vereinnahmung der Kaschuben durch Deutsche wie durch Polen. 1850 rief er die Kaschuben auf: „Sprecht lieber reines Kaschubisch als verdorbenes Polnisch.“ Kaschubisch als eigenständige Regionalsprache wurde in der Republik Polen erst 2005 anerkannt.

Der Ideengeber und Architekt des „Kulturbahnhofs“ in Rahmel, übrigens der Geburtsort von Eri­ka Steinbach, Jan Sikora, wurde beim internationalen Wettbewerb Library Interior Design Awards 2016 mit dem ersten Preis für die beste Innenausstattung ausgezeichnet. Sikora schuf nur einige Bahnstationen weiter, in Zoppot, eine ähnliche Einrichtung, die „Zoppothek“. Und auch hier versetzte der Architekt zugleich den Bahnhof in eine Bibliothek. Passend zum Badeort platzierte Sikora Strandkörbe und Liegestühle in die Bahnstation.

Die Bahnromantik lässt den promovierten Architekten übrigens weiterhin nicht los. Gerade arbeitet der Dozent an der Kösliner Hochschule an der Umgestaltung des Bahnhofs von Großen­dorf bei Putzig in ein Kulturzentrum.

Auch in Großpolen sollen Bahnreisende schmökern können. Im imposanten neugotischen Bahnhofsgebäude Neu Skalmierschütz soll neben einer Bibliothek auch eine Ausstellung zur Geschichte des Bahnhofs entstehen. 1896 eröffnet, sollte das monumentale Gebäude an der Grenze zum russischen Kaiserreich die Reisenden aus Russland ins Staunen versetzen. In der Region Großpolen ist man heute noch stolz auf dieses Monument, das im Januar auf die Denkmalschutzliste der Woiwodschaft gesetzt wurde. Auf diese Weise erhofft man sich EU-Gelder für die Sanierung.

Eine weitere Perle der Back­steinbahnhofsromantik, wenn auch nicht so monumental, ist der Bahnhof im oberschlesischen Morgenroth, der 1902 seine heutige Gestalt erhielt. Neben seiner Ursprungsfunktion soll der Bahnhof Morgenroth ebenfalls einen Lesesaal und einen Lesegarten auf dem Bahnhofsvorplatz bekommen. Die Stadt Ruda O.S. kaufte das Gebäude für etwa 250000 Euro von der polnischen Bahn (PKP). „Durch die Sanierung des Morgenrother Bahnhofs wird einer der schönsten Bahnhöfe polenweit wiederbelebt und steht vielleicht bald als Symbol für die vielen architektonischen Perlen der Region“, freut sich Grazyna Dziedzic, die Stadtpräsidentin von Ruda.

S. 15 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 99. GEBURTSTAG

Gerlach, Erna, geb. Rosengart, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 2. März

ZUM 98. GEBURTSTAG

Bauch, Erna, aus Giesen, Kreis Treuburg, am 5. März

Jeziorowski, Martha, geb. Kulinna, aus Allenbruch, Kreis Lötzen, am 6. März

ZUM 97. GEBURTSTAG

Kröhnert, Bruno, aus Skören, Kreis Elchniederung, am 4. März

Luschnat, Lucie, geb. Tetzlaff, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 7. März

ZUM 96. GEBURTSTAG

Falke, Hanna, geb. Kaminski, aus Willenberg, Kreis Ortelsburg, am 5. März

Schnipper, Erika, geb. Piefkowski, aus Allenstein, am 2. März

ZUM 95. GEBURTSTAG

Brüggemann, Hildegard, geb. Onischke, aus Wehlau, am 6. März

Graubner, Ursula, aus Gut Rothhof, Kreis Lyck, am 3. März

Kensy, Helmut, aus Montwitz, Kreis Ortelsburg, am 6. März

Klimmek, Irmgard, geb. Borowski, aus Neidenburg, am 7. März

Kohtz, Arno, aus Lyck, Steinstr.aße 36, am 3. März

Lanzendorf, Erika-Ursula, geb. Fahrun, aus Lyck, am 4. März

Lühmann, Hertha, geb. Szikorra, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 3. März

Neumann, Marta, geb. Babick, aus Prostken, Kreis Lyck, am 5. März

Pilz, Margarete, aus Schloßbach, Kreis Ebenrode, am 6. März

Walter, Irmgard, geb. Marquardt, aus Wacholderau, Kreis Ortelsburg, am 7. März

ZUM 94. GEBURTSTAG

David, Charlotte, geb. Sköries, aus Ahlgarten, Kreis Elchniederung, am 7. März

Hlavka-Mozarski, Rose, geb. Hlavka, aus Prostken, Kreis Lyck, am 2. März

Kreuzgrabe, Elisabeth, geb. Lohrenz, aus Treuburg, am 3. März

Lasota, Liesbeth, geb. Kolberg, aus Erlental, Kreis Treuburg, am 7. März

Meier, Gerhard A., aus Fronik-ken, Kreis Treuburg, am 2. März

Moissl, Hildegard, geb. Leidreiter, aus Jürgen, Kreis Treuburg, am 4. März

Norloch, Wanda, geb. Dietrich, aus Altengilge, Kreis Elchniederung, am 6. März

Quick, Irma, geb. Fohs, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 2. März

Wolfram, Helene, geb. Stach, aus Malshöfen, Kreis Neidenburg, am 6. März

ZUM 93. GEBURTSTAG

Becker, Waltraud, geb. Schmidt, aus Wehlau, am 5. März

Daudert, Erich, aus Schulzenwiese, Kreis Elchniederung, am 2. März

Karpowski, Friedrich, aus Plöwken, Kreis Treuburg, am 8. März

Kloss, Paul, aus Grünwalde, Kreis Ortelsburg, am 7. März

Riewe, Lydia, geb. Grabowski, aus Neidenburg, am 1. März

Semler, Anneliese, geb. Swiedelski, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 6. März

Tienken, Gerda, geb. Reschies, aus Deschen, Kreis Elchniederung, am 8. März

Wenzel, Anneliese, aus Lyck, am 4. März

ZUM 92. GEBURTSTAG

Boelter, Elfriede, geb. Waschkewitz, Kreis Lyck, am 8. März

de Groot, Edith, geb. Kompa, aus Ortelsburg, am 5. März

Draempaehl, Else, geb. Markowski, aus Ebenfelde, Kreis Lyck, am 2. März

Dürselen, Wolfgang, Kreisgemeinschaft Wehlau, am 7. März

Gollub, Werner, aus Moschnen, Kreis Treuburg, am 6. März

Groth, Hildegard, geb. Zwiesler, aus Klein Rauschen, Kreis Lyck, am 8. März

Klein, Ernst, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 3. März

Piper, Hertha, geb. Hilper, aus Baringen, Kreis Ebenrode, am 3. März

Rogalla, Anna, geb. Luka, aus Seehag, Kreis Neidenburg, am 6. März

Saunus, Gerhard, aus Erlen, Kreis Elchniederung, am 3. März

Steltz, Irmgard, geb. Helmcke, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 4. März

ZUM 91. GEBURTSTAG

Aukthun, Walter, aus Poppendorf, Kreis Wehlau, am 6. März

Greschat, Prof. Dr. Hans-Jürgen, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 3. März

Karpowski, Gertrud, geb. Pukropski, aus Schiemanen, Kreis Neidenburg, am 7. März

Kröger, Irene, geb. Kiy, aus Burdungen, Kreis Neidenburg, am 2. März

Krüger, Emma, geb. Marzinowski, aus Milussen, Kreis Lyck, am 3. März

Müller, Ursula, geb. Böhm, aus Quilitten, Kreis Heiligenbeil, am 7. März

Podscharly, Artur, aus Groß Dankheim, Kreis Ortelsburg, am 3. März

Rohmann, Emma, geb. Griese, aus Lyck, Steinstraße 17, am 7. März

Schwarz, Käthe, geb. Kullik, aus Treuburg, am 7. März

Warschewski, Edtith, geb. Zarsen, aus Ulleschen, Kreis Neidenburg, am 2. März

Welz, Irmgard, geb. Zittlau, aus Montzen, Kreis Lyck, am 3. März

ZUM 90. GEBURTSTAG

Erlach, Willy, aus Schwarteln, Kreis Schloßberg/Pillkallen, am 28. Februar

Kowalski, Hildegard, geb. Karzmarski, aus Neu Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 4. März

Luszik, Werner, aus Markgrafsfelde, Kreis Treuburg, am 5. März

Lyhs, Fritz, aus Bärengrund, Kreis Treuburg, am 6. März

Michelsen, Edith, geb. Dickert, aus Groß Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 6. März

Rechlin, Brigitte, geb. Taudien, aus Grünhausen, Kreis Elchniederung, am 4. März

Robben, Hilde, geb. Jack, aus Rodebach, Kreis Ebenrode, am 7. März

Rossenbach, Hubert, aus Eiserwagen, Kreis Wehlau, am 6. März

Schliwinski, Otto, aus Mulden, Kreis Lyck, am 5. März

Schwedberg, Irmtraud, geb. Schwarz, aus Gerswalde, Kreis Mohrungen, am 4. März

Wendroth, Christel, geb. Sokoll, Liselotte, aus Bartendorf, Kreis Lyck, am 6. März

Wieczorek, Ursula, geb. Skowasch, aus Gimmendorf, Kreis Neidenburg, am 4. März

Dorss, aus Satticken, Kreis Treuburg, am 2. März

ZUM 85. GEBURTSTAG

Albin, Günter, aus Lyck, Bismarckstraße 55, am 5. März

Bartsch, Ruth, aus Bartenhof, Kreis Wehlau, am 3. März

Baufeld, Ida, geb. Recketat, aus Puspern, Kreis Gumbinnen, am 4. März

Brandes, Gertrud, geb. Orzechowski, aus Fylitz, Kreis Neidenburg, am 6. März

Brandt, Anneliese, geb. Dangeleit, aus Elbings Kolonie, Kreis Elchniederung,  am 3. März

Burkhardt, Inge, geb. Reypa, aus Rogonnen, Kreis Treuburg, am 8. März

Dorra, Hans, aus Treuburg, am 4. März

Ehmke, Hans, aus Dreimühlen, Kreis Lyck, am 5. März

Erdmann, Manfred, aus Groß Borken, Kreis Ortelsburg, am 7. März

Falk, Manfred, aus Gelitten, Kreis Treuburg, am 7. März

Fehlau, Friedemann, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 4. März

Hanau, Dr. Winfried, aus Groß Budlacken, Kreis Wehlau, am 2. März

Kailuweit, Karl-Heinz, aus Argental, Kreis Elchniederung, am 7. März

Knorr, Alfred, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 4. März

Krings, Erika, geb. Jekubassa, aus Wallen, Kreis Ortelsburg, am 4. März

Laue, Erika, geb. Reschetzki, aus Grunau, Kreis Heiligenbeil, am 4. März

Pohl, Wolfgang, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 2. März

Ruddat, Helmut, aus Gutsfelde, Kreis Elchniederung, am 2. März

Schade, Astrid, geb. Brock, aus Langenwiese, Kreis Lötzen, am 5. März

Schubardt, Gisela, geb. Abel, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 8. März

Schumann, Liselotte, geb. Riemer, aus Brandlacken, Kreis Wehlau, am 5. März

Trost, Lena, geb. Ellwanger, aus Auerbach, Kreis Wehlau, am 4. März

Wagner, Hildegard, geb. Riemann, aus Hanswalde, Kreis Wehlau, am 3. März

Wichtel, Frieda, geb. Ewert, aus Partheinen, Kreis Heiligenbeil, am 8. März

Wilberny, Erich, aus Wiesenhöhe, Kreis Treuburg, am 5. März

Willutzki, Ursula, geb. Stadie, aus Jägersdorf, Kreis Wehlau, am 6. März

ZUM 80. GEBURTSTAG

Becker, Ingrid, geb. Dominick, aus Grammen, Kreis Ortelsburg, am 5. März

Beher, Renate, geb. Kröhnert, aus Rauterskirch, Kreis Elchniederung, am 8. März

Bernsdorf, Hermann, aus Ittau, Kreis Neidenburg, am 7. März

Block, Edelgard, geb. Janz, aus Stobingen, Kreis Elchniederung, am 5. März

Gundia, Ingrid, geb. Gayk, aus Seehag, Kreis Neidenburg, am 4. März

Habecker, Irene, geb. Kniza, aus Omulefofen, Kreis Neidenburg, am 6. März

Hannker, Helga, geb. Holtey, aus Raging, Kreis Elchniederung, am 6. März

Henschel, Irmgard aus Groß Kosuchen, Kreis Lötzen, am 7. März

Kappeller, Horst, aus Jagsten, Kreis Elchniederung, am 6. März

Katzmirzik, Walter, aus Treudorf, Kreis Ortelsburg, am 6. März

Kedzierski, Harald, am 2. März

Klingschat, Hans-Georg, aus Ebenrode, am 2. März

Klusemann, Irmtraut, geb. Meinhardt, aus Klein Lasken, Kreis Lyck, am 7. März

Kubernus, Heinz, aus Rettkau, Kreis Neidenburg, am 5. März

Leibenath, Walter, aus Ebenrode, am 4. März

Lorenzen, Siegrid, geb. Bandilla, aus Giersfelde, Kreis Lyck, am 8. März

Mack, Christel, geb. Queßeleit, aus Kögsten, Kreis Ebenrode, am 3. März

Mackenstedt, Hildegard, geb. Paulini, aus Soffen, Kreis Lyck, am 3. März

Meyer, Heinz, aus Schirrau, Kreis Wehlau, am 3. März

Münstermann, Ingrid, geb. Rauffmann, aus Karkeln, Kreis Elchniederung, am 8. März

Olbricht, Ernst, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 2. März

Parakenings, Renate, geb. Wruck, aus Groß Sakrau, Kreis Neidenburg, am 6. März

Piorunek, Lydia, geb. Kroll, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 4. März

Pötinger, Erika, geb. Raffalzik aus Wiesenfelde, Kreis Treuburg, am 5. März

Völlmann, Bruno. aus Groß Engelau, Kreis Wehlau, am 5. März

Warascik, Margarete, geb. Striewski, aus Kleinkosel, Kreis Neidenburg, am 6. März

Weber, Edith, geb. Kleta, aus Gorlau, Kreis Lyck, am 6. März

Witte, Brigitte, geb. Schmidt, aus Merunen, Kreis Treuburg, am 2. März

Witte, Helmut, aus Gardienen, Kreis Neidenburg, am 5. März

Zimmermann, Walter, aus Puppen, Kreis Ortelsburg, am 2. März

Zysk, Georg, aus Friedrichsthal, Kreis Ortelsburg, am 7. März

ZUM 75. GEBURTSTAG

Brokop, Magdalena, geb. Kirschnick, aus Sangnitten, Kreis Preußisch Eylau, am 3. März

Dombrowski, Ewald, aus Skurpien, Kreis Neidenburg, am 7. März

Klimmek, Ursula, geb. Krzenzck, aus Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 7. März

Okunek, Manfred, aus Ragnit, Kreis Tilsit-Ragnit, am 8. März 

Saß, Ingeborg, geb. Padlat, aus Kischken, Kreis Ebenrode, am 7. März

Soltau, Marianne, geb. Höhne, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 2. März

Struzyna, Ingrid, geb. Gritzan, aus Reimannswalde, Kreis Treuburg, am 3. März

Thüne, Dr. Wolfgang, aus Wargienen, Kreis Wehlau, am 4. März

Diamantene Hochzeit

Kenzler, Heinrich, aus Kalaushöfen, Pobethen, Kreis Samland, und Ehefrau Sieglinde, geb. Liedtke, aus Kreis Wehlau, am 8. März


S. 16 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERBURG

Kreisvertreter: Kurt-Werner Sadowski. Kreisgemeinschaft Angerburg e.V., Landkreis Rotenburg (Wümme), Postfach 1440, 27344 Rotenburg (Wümme), Landkreis: Telefon (04261) 9833100, Fax (04261) 9833101. 

Am Sonntag, dem zweiten Tag der 60. Heimatpolitischen Tagung der Kreisgemeinschaft Angerburg in Rotenburg (siehe auch PAZ 8, Seite 15), hieß Kreisvertreter Kurt-Werner Sadowski unter anderem den CDU-Landtagsabgeordneten Eike Holsten, Hans-Heinrich Ehlen (CDU) als Vorsitzenden des Kreistages und Dr. Klaus Rinck (CDU) für den Stadtrat willkommen. Er bedankte sich bei seinen Vertreterinnen Brigitte Junker und Susanne Hagen sowie bei Michael Meyer vom Landkreis für die organisatorische Arbeit. 

Dann hielt Ministerialrat a. D. Dr. Jürgen Martens aus Königswinter einen Vortrag über eine neuntägige Reise nach Ostpreußen, dem „Land der 1000 Seen“. Es ging um den Besuch einer kleineren Gruppe in markanten Orten der alten Heimat, ein Treffen mit polnischen Bekannten und Freunden, ein Wiedersehen von Stätten der Jugend. Zu den Schwerpunkten der Busreise gehörten Angerburg, Elbing, Cadinen, Frauenburg und Lötzen.

Das am Ende des Krieges fast völlig zerstörte und inzwischen von den Polen wieder aufgebaute Marienburg des Deutschen Ordens war für die 15 Teilnehmer der Reise die erste Station. Die zweistündige Besichtigung der riesigen Burganlage führte die Besucher in einen Teil der historischen, mit viel Akribie restaurierten  Gebäude dieser größten Back-steinfestung der Welt.

Zu den weiteren Zielen gehörten der Frauenburger Dom mit Kopernikus’ Grab, Cadinen, wo Kaiser Wilhelm II. die Sommertage verlebte, weiter nach Elbing mit seinen restaurierten historischen Gebäuden und der 130 Kilometer lange Oberländische Kanal, dessen fast 100 Meter unterschiedliches Höhenniveau durch eine spezielle Technik, nämlich Schiffe auf Schienenwagen, überwunden wird. Eine raffinierte Idee, im 19. Jahrhundert von den  Amerikanern erfunden.

Lange Bootsfahrten mit Pausen in Lötzen und Allenstein sowie ausgedehnte Spaziergänge an der Ostseeküste, wo im bitterkalten Winter 1945 rund 450000 Menschen über das Eis des Haffs die Flucht in den Westen gelang, gehörten weiter zu dem Reiseprogramm. In Angerburg kam es neben dem Treffen mit Vertretern der Stadt und des Kreises zu einem Gespräch mit drei älteren Damen von der Deutschen Gesellschaft Mauersee. Dabei, so Martens, sei auch diese Frage gestellt worden: Was wird aus der deutschen Kultur und den Menschen, wenn die Letzten einmal gegangen sein werden? Wieland Bonath 


ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Eitorf – Sonnabend, 26. Mai, 10 bis 17 Uhr, Einlass ab 9 Uhr, Hotel Schützenhof, Windecker Straße 2, 53783 Eitorf: Nachbarschaftstreffen der Kreisgemeinschaften Tilsit-Ragnit und Elchniederung sowie der Stadtgemeinschaft Tilsit.

Das Hotel erreichen Sie unter Telefon (02243) 887-0 und per E-Mail: info@hotelschuetzen-hof.de. Es hält für uns ein Zimmerkontingent unter dem Stichwort „Ostpreußen“ bis zum 1. März vor, DZ 94 Euro, EZ 64 Euro. Für Teilnehmer, die früher anreisen, wird im Hotel ein Raum reserviert, wo wir am Freitag, 25. Mai, gegen 19 Uhr das Abendessen einnehmen können, um dann schöne Stunden miteinander zu verbringen.

 Der Besuch beim Stadtfest in Heinrichswalde wird sicherlich einer der Höhepunkte dieser zehntägigen Ostpreußenreise sein. Im modernen Fernreisebus geht es mit Peter Westphal vom Mittwoch, 1. August, bis zum Freitag, 10. August, unter anderem in die Elchniederung, das Samland und auf die Kurische Nehrung. Hier das Programm (Änderungen vorbehalten):

1. Tag: Fahrt ab Hannover mit Zustiegsmöglichkeiten entlang der Fahrtroute bis nach Polen, Zwischenübernachtung im Hotel „Nad Wisla“ direkt am Weichselufer zwischen Dirschau und Marienburg.

2. Tag: Nach dem Frühstück unternehmen Sie eine Führung durch die Marienburg, eine der mächtigsten Backsteinburgen der Welt, die durch ihre Größe und Architektur noch heute die Besucher beeindruckt. Anschließend Weiterreise zum polnisch-russischen Grenzübergang, wo Sie Ihr russischer Reiseleiter erwartet. Danach Weiterreise vorbei an Königsberg, Tapiau und Wehlau bis nach Tilsit zum Hotel „Rossija“. 

3. Tag: Rundfahrt durch die Elchniederung, insbesondere in die Gebiete nördlich der Gilge mit Besuch von Sköpen, Kuckerneese, Herdenau, Karkeln, Inse, zum Jagdschloss Pait, weiter über Milchhof, Alt-Dümpelkrug, Rautersdorf, Bretterhof, Rautenburg und zurück nach Tilsit. Am Abend Fahrt nach Heinrichswalde. Nach einer Kranzniederlegung am Gedenkstein für alle früheren Einwohner des Kreises Elchniederung erleben Sie in der teilrestaurierten Kirche in Heinrichswalde ein stimmungsvolles Konzert zum Auftakt des Stadtfestes. Natürlich besteht an diesem Reisetag auch die Möglichkeit zu eigenen Unternehmungen. Unser bewährter Taxiservice steht Ihnen dafür zur Verfügung. Übernachtung in Tilsit.

4. Tag: Nach dem Frühstück nochmals Rundfahrt durch die Elchniederung, diesmal südlich der Gilge. Die Route führt mit Zwischenstopps über Brittanien, Neukirch, Groß Friedrichsdorf und Kreuzingen. Am Nachmittag erreichen Sie wieder Heinrichswalde. Zunächst besuchen wir das neue deutsch-russische Heimatmuseum zur Geschichte von Heinrichswalde und dem Kreis Elchniederung. Danach besteht die Möglichkeit zur Teilnahme am Stadtfest mit vielerlei Darbietungen, Musik, Kunstgewerbeständen und Volksfeststimmung. Übernachtung in Tilsit.

5. Tag: Am Vormittag können sie gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde in Heinrichswalde am Gottesdienst teilnehmen. Anschließend Weiterfahrt über Neukirch nach Rauterskirch. Dort Empfang durch die örtliche Bevölkerung und Besichtigung der historischen Kirche. In der auch mit deutschen Mitteln unterstützten  Sanitätsstation ist der Tisch zu einem kleinen Imbiss gedeckt. Auf dem Rückweg von Rauterskirch nach Tilsit wird noch ein Abstecher in das benachbarte Seckenburg unternommen. Am Nachmittag Stadtrundfahrt in Tilsit. Zunächst Besuch im teilweise neu gestalteten Park Jakobsruh mit einem Spaziergang zum wiedererrichteten Königin-Luise-Denkmal. Anschließend geht es durch die alten Wohnviertel zum Schlossmühlenteich. Auch die Gedenkstätte am Waldfriedhof wird während der Rundfahrt besucht. Abschluss und Höhepunkt der Stadtführung ist jedoch ein gemeinsamer Spaziergang durch die Hohe Straße. Die überwiegend sehr schön restaurierte Jugendstilfassade lässt die einstige Schönheit der Stadt an der Memel erahnen. Natürlich besteht auch an diesem Reisetag die Möglichkeit zu eigenen Unternehmungen. Übernachtung in Tilsit.

6. Tag: Heute verlassen Sie Ihr Hotel in Tilsit. Erster Besichtigungsstopp ist eine Stadtrundfahrt in Königsberg. Dabei besuchen Sie natürlich die erhaltenen Sehenswürdigkeiten wie den wiedererrichteten Königsberger Dom, die Luisenkirche oder den früheren Hansa-Platz mit dem ehemaligen Nordbahnhof und die erhaltenen Stadttore und Befestigungsanlagen wie das restaurierte Königstor und den Litauer Wall. Am Nachmittag unternehmen Sie vom neuen Fischdorf am Pregel aus eine rund dreistündige Schiffsfahrt durch den Hafen und auf dem Königsberger Seekanal entlang Richtung Ostsee bis nach Pillau. Die Hafenstadt hatte eine besondere Bedeutung. Viele Ostpreußen mussten im Winter 1945, von hier aus ihre Heimat für immer verlassen. Heute gibt es in Pillau neben den historischen Bauten, Befestigungsanlagen und dem bekannten Leuchtturm eine große Kriegsgräbergedenkstätte, ein Ort der Besinnung und des Gedenkens an alle Opfer der vergangenen Kriege. Auf der Weiterfahrt durch das Samland besuchen Sie Palmnicken – hier wird im Tagebau der für Ostpreußen typische Bernstein gewonnen. Beim Besuch der Aussichtsterrasse haben Sie einen guten Überblick. Gegen Abend erreichen Sie das Ostseebad Rauschen an der waldbestandenen Steilküste des Samlandes. Rauschen ist auch heute wieder ein schöner Ferienort mit vielen Gästehäusern und Hotels, hübsch restaurierten alten Holzvillen und einer Kurpromenade mit kleinen Straßencafés und urigen Kneipen. Abendessen und Übernachtung in Rauschen.

7. Tag: Tag zur freien Verfügung. Genießen Sie die Urlaubsstimmung in Rauschen bei einem Spaziergang auf der Kurpromenade oder am Ostseestrand. Sehr sehenswert ist das Hermann-Brachert-Museum im benachbarten Georgenswalde. Übernachtung in Rauschen. 

8. Tag: Tagesausflug vorbei an Cranz auf die Kurische Nehrung. Die rund 100 Kilometer lange Landzunge trennt das Kurische Haff von der Ostsee. Ihre einzigartige Naturlandschaft ist durch die höchsten Wanderdünen Europas geprägt. Sie besuchen die Feldstation „Fringilla“ der Vogelwarte Rossitten, einst die erste ornithologische Beobachtungsstation der Welt. Bei einem geführten Spaziergang auf die Ephadüne bietet sich ein grandioser Ausblick auf das Haff, die Ostsee und die größte noch wandernde Sandfläche der Nehrung. In einer sehr schönen Hotelanlage direkt am Haffufer werden Sie zum Mittagessen erwartet. Bei schönem Wetter sollten Sie natürlich einen Besuch am kilometerlangen feinsandigen Strand mit einem Bad in der Ostsee nicht versäumen. Abendessen und Übernachtung in Rauschen.

9. Tag: Heute verlassen Sie Ihr Hotel in Rauschen und treten die erste Etappe der Heimreise an. Nach dem Passieren der russisch-polnischen Grenze geht es durch das Ermland und Pommern bis nach Schneidemühl zur letzten Zwischenübernachtung.

10. Tag: Nach dem Frühstück Heimreise nach Deutschland. In der Mittagszeit wird bei Küstrin eine Rast auf einem polnischen Markt eingelegt.

Die Mindestteilnehmerzahl sind 25 Personen. Anmeldung bei Peter Westphal, Obere Wiesenbergstraße 26, 38690 Goslar, Telefon und Fax (05324) 798228.


GOLDAP

Kreisvertreter: Stephan Grigat, Telefon (05231) 37146, Fax (05231) 24820, Heidentalstraße 83, 32760 Detmold. Geschäftsstelle: Annelies Trucewitz, Hohenfelde 37, 21720 Mittelnkirchen, Telefon (04142) 3552, Telefax (04142) 812065, E-Mail: museum@goldap.de. Internet: www.goldap.de.

Mit dem Ortsatlas des Kirchspiels Gawaiten/Herzogsrode ist es den Autoren Annelies und Gerhard Trucewitz gelungen, die Dokumentation aller Dörfer des Kirchspiel Gawaiten (ab 1938 Herzogsrode) fertigzustellen. Mitgearbeitet haben die Mitglieder der Kreisgemeinschaft G. Armhold, H.-P. Phielipeit und H. Zander. Gewidmet wurde der Ortsatlas Herrn Heinz Baranski, der sich schon in den 1980er Jahren als Chronist seines heimatlichen Kirchspiels Gawaiten einen Namen machte. 

Aus dem Inhalt: Die Zeittafeln der einzelnen Dörfer, sowie eine Kirchen- und Kirchspielchronik geben umfangreich Kenntnis über die Geschichte des ganzen Kirchspiels von der Besiedlung bis in die heutige Zeit. Die Ortsdokumentationen umfassen den Ortsplan (nach Messtischblatt gezeichnet) mit Einwohnerlegende (Stand 1944) die Infrastruktur, das Schulwesen, zum Großteil noch nicht veröffentlichte Zeitzeugenberichte, Erinnerungen und soweit vorhanden, Fotoseiten zu allen Orten. Ergänzt wird dieser Teil des Buches durch einen alphabetischen Namensindex und eine tabellarische Aufstellung der russischen Ortsbezeichnungen für die Dorfgemeinden des Kichspiels Gawaiten mit den heutigen Einwohnerzahlen aus der allrussischen Volkszählung 2010 (Oblast Kaliningrad).

Das Kapitel über den Ersten und Zweiten Weltkrieg mit seinen Auswirkungen im Bereich des Kirchspiels Gawaiten wird zusätzlich mit Zeitzeugenberichten und Luftbildaufnahmen der deutschen Luftwaffe von 1944 dokumentiert. Den Abschluss der Fotodokumentation bilden die Farbfotoseiten zum Thema „Spurensuche.“

Dokumentierte Gemeinden: Dakehnen/Daken, Egglenischken/ Preußischnassau, Eszergallen/ Tiefenort, Gawaiten/Herzogsrode, Gelluszuhnen/Gellenau, Grischkehmen/Grischken, Groblischken /Ringfelde, Gr. Gudellen/Großguden, Gulbenischken/Gulbensee, Jurgaitschen/Kleinau, Kaszemecken/Kaschen, Kl. Gudellen/ Kleinguden, Kurnehnen/Kurnen, Linkischken/Rabeneck, Loyken/ Loken, Maleyken/Maleiken, Meschehnen/Wehrfeld, Murgischken /Bastental, Pelludszen/Pellau, Plawischken/Plauendorf, Schaltinnen/Quellental, Schardeningken/Schardingen (mit Pabbeln), Schlaugen, Skarupnen/Hartental, Stonupönen/Kaltenbach, Stukatschen/Freienfeld, Stumbern/Auersfeld, Szeeben/Scheeben, Wannaginnen/Wangenheim, Zodschen/Zoden.

Der Ortsatlas (ISBN 978-3-9815253-7-3) erscheint im Din-A4-Format. Der Einband ist broschiert. Die 394 Seiten sind reich bebildert. Der Preis beträgt 34,90 Euro plus Versand. Zu beziehen ist er bei: Kreisgemeinschaft Goldap Ostpreußen, Harsefelder Straße 44a, 21680 Stade, Telefon (04141) 7977537 (nur mittwochs) oder (04142) 3552, E-Mail: verkauf@goldap.de. 


INSTERBURG – Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, Fax (03222) 3721953, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V.,  Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Postfach 111 208, 47813 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, Fax (02151) 491141, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr. 

Krefeld – Freitag, 16. März, 18.30 Uhr, Altes Rathaus, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld: Eine literarische Reise zwischen Ostpreußen und dem Niederrhein. Der Journalist Eberhard Jung liest Text seiner Urgroßtante, der ostpreußischen Dichterin, Frieda Jung. Hans Wilbers trägt unter dem Motto „Vertällekes von Köeb“ Kurzweiliges in Uerdinger Mundart vor. Weitere Informationen, Telefon (02151) 48991. 

E-Mail: info@insterburger.de. Eine Voranmeldung ist aus Platzgründen erwünscht.


LÖTZEN

Dieter Arno Milewski (kommissarischer Kreisvertreter), Am Forstgarten 16, 49214 Bad Rothenfelde, Telefon (05424) 4553, Fax (05424) 399139, E-Mail: dieter.arno.milewski@osnanet.de. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, Fax: (040) 60890478, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Das Heimatmuseum der Kreisgemeinschaft in Neumünster, Sudetenlandstraße 18h (Böcklersiedlung) lädt ein zum Besuch der ständigen Ausstellung, zu Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Der Eintritt ist frei. Von März bis einschließlich November findet stets an einem Sonnabend des Monats „Der besondere Tag“ statt, mit der Öffnungszeit von 10 bis 15.30 Uhr. Veranstaltungen beginnen – wenn nicht anders angegeben – bereits um 15.30 Uhr. Der Besuch von Heimatmuseum und Lötzener Kreisarchiv ist fast zu jeder Zeit nach Vorabsprache mit Ute Eichler, Telefon (040) 6083003. möglich. 


LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Otto Schliwinski wurde am 5. März 1928 als Sohn des Landwirtes Otto Schliwinski in Mulden, Kreis Lyck, geboren. Schliwinski ist anerkannter Kunstmaler. Nach der Flucht machte er eine Zeichnerlehre. Nach künstlerischen Studien in Gelsenkirchen studierte er an der Folkwangschule in Essen. 

Zunächst war er als Maler, Graphiker und Planungsingenieur tätig. Seit 1979 ist Otto Schliwinski freier Maler und Graphiker. Seit 1961 hat er mehr als 60 Einzelausstellungen in allen Erdteilen der Welt veranstaltet. 1985 wurde er als „Artist in  Residence“ von der Silpakorn-Universität Bangkok eingeladen. Außerdem war er Gastdozent am College of the Arts in Sydney und Brisbane in Australien.

1987 fuhr Otto Schliwinski zum ersten Mal wieder nach Ostpreußen. Im August 1994 wurde im Kulturzentrum von Lyck eine gut besuchte Ausstellung eröffnet. Die Landsmannschaft Ostpreußen verlieh Otto Schliwinski 1997 den Kulturpreis für bildende Kunst. 

Er lebt in Zwickau. Die Kreisgemeinschaft Lyck gratuliert Otto Schliwinski zu seinem hohen Geburtstag und wünscht ihm einen noch sehr langen Lebensabend bei guter Gesundheit.


SCHLOSSBERG (PILLKALLEN)

Kreisvertreter: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle/Saale. Geschäftsstelle: Renate Wiese, Tel. (04171) 2400, Fax (04171) 24 24, Rote-Kreuz-Straße 6, 21423 Winsen (Luhe).

In der Zeit vom 25. Juli bis 6. August führt die Kreisgemeinschaft Schloßberg in Verbindung mit dem Patenkreis Harburg ein deutsch-russisches Ferienlager für das Alter von 11 bis 14 Jahren durch. In der Jugendherberge Otterndorf, gibt es jede Menge Möglichkeiten die Sommerferien abwechslungsreich zu gestalten. Vom Baden, Wattlaufen, Fahrten durch das Ahlenmoor, den Besuch des Heideparks und der Stadt Hamburg bis hin zu vielen anderen Sportaktivitäten bietet diese Veranstaltung  ein attraktives Programm. In der Heimatstube in Winsen gibt es Interessantes über die Geschichte Ostpreußens zu erfahren. Neben Kindern aus dem norddeutschen Raum werden an dieser Veranstaltung auch russische Teilnehmer aus dem Königsberger Gebiet/Schloßberg dabei sein. Der Teilnehmerbeitrag liegt bei 220 Euro. Es sind noch einige Plätze frei.

Anmeldungen und weitere Informationen bei Norbert Schattauer, Landesstraße 19, 21776 Wanna, Telefon (04757) 463.


S. 17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Sonnabend, 10. März, 10 bis 16 Uhr, Haus der Heimat, Schlossstraße 92, Stuttgart; ostdeutscher Ostermarkt mit kulinarischen Köstlichkeiten wie Königsberger Marzipan, schlesische Mohn- und Streußelkuchen oder Ostpreußischer Raderkuchen. Daneben präsentieren die verschiedenen Aussteller Literatur ihrer Heimatlandschaften, musikalische Raritäten und  handwerkliche Kunst. Die Ausstellung „Banater Orgeln und Orgelbauer“ im Haus der Heimat sowie die Bibliothek im vierten Stock sind von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Eine kleine Cafeteria rundet das Angebot ab und bietet Möglichkeit zum Gespräch. Weitere Informationen: DJO-Deutsche Jugend in Europa, Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart, Hartmut Liebscher, Telefon (0711) 625138, Fax (0711) 625168, E-Mail: hartmut@djobw.de.

Buchen – Freitag, 2. März, 14 Uhr: die Polsterei Englert in Hettingen – Besuch eines weiteren Handwerks-Betriebes. Treffpunkt der Fahrgemeinschaften ist der Musterplatz Buchen.

Ludwigsburg – Dienstag, 20. März, 15 Uhr, Krauthof, Beihinger Straße 27: Frühlingsfest.

Reutlingen – Der Vorstand lädt alle Mitglieder und Freunde unserer Heimat zur Jahreshauptversammlung am Sonnabend, den 10. März um 14 Uhr herzlich ein. Die Veranstaltung findet im Treffpunkt für Ältere, Gustav-Werner-Straße 6a in Reutlingen statt. Das erste Zusammenkommen 2018 werden wir mit Kaffee, Kuchen und fröhlichen Gesprächen einleiten. Folgende Punkte stehen auf dem Programm: Begrüßung durch die Erste Vorsitzende, Gedenken an die verstorbenen Mitglieder, Isle Hungers Jahresrück-blick 2017/2018, Berichte der Kassenwartin Marianne Praß, der Kassenprüferin Elisabeth Hirzel und der Frauengruppenleiterin Erika Manzau-Schmidt. Es folgt die Aussprache. Danach werden langjährige Mitglieder geehrt. Nach der Pause gibt Peter Jermann in Bild und Ton einen Rück-blick auf das vergangene Jahr.

Mit einem gemeinsamen schwäbischen Maultaschen-Essen mit Kartoffelsalat, der von den Damen des Vorstandes zubereitet wird, lassen wir den Tag ausklingen. Gäste sind herzlich eingeladen. Wir bitten wegen der Essensvorbestellung um kurze Anmeldung bei Ilse Hunger, Telefon (07121) 52541. Ilse Hunger


BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Ansbach – Sonnabend, 17. März, 15 Uhr, Orangerie: „Was uns die Eltern von Heimat und Familie erzählten“ – Erinnerungen von Christel Tagsold, Oswin Palfner, Astrid Kübrich und Heide Bauer.

Bamberg – Mittwoch, 

21. März, 15 Uhr, Hotel Wilde Rose: Ostpreußen nach dem Zweiten Weltkrieg. 

Landshut – Dienstag, 20. März, 14 Uhr, Gasthaus Zur Insel: Kassenprüfung und Jahreshauptversammlung. 


BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Rastenburg – Sonntag, 11. März, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus, Rohrdamm 24 B, 13629 Berlin: Gemeinsames Treffen. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.

Frauengruppe – Mittwoch, 14. März, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: gemeinsames Treffen, Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354. 

Königsberg – Freitag, 23. März, 14 Uhr. Johann-Georg-Stuben, Johann-Georg-Straße 10, 10709 Berlin-Halensee: Gemeinsames Treffen. Anfragen: Elfi Fortange, Telefon (030) 4944404

Tilsit-Ragnit, Tilsit-Stadt – Sonnabend, 24. März, 15 Uhr, Ratskeller Charlottenburg, Otto-Suhr-Allee 102, 10585 Berlin: Gemeinsames Treffen. Anfragen: Barbara Fischer, Telefon (030) 6041054.

Bartenstein – Anfragen für gemeinsame Treffen bei Elfi Fortange, Telefon (030) 4944404.


HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815.  

Landesgruppe – Donnerstag, 22. März, 14 Uhr, Haus der Heimat, Teilfeld 8: Delegiertenversammlung der Landesgruppe Hamburg.

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat zum Singen und einem kulturellem Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg, Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

SALZBURGER VEREIN

Sonnabend, 17. März, 13 Uhr, Hotel St. Raphael, Adenauerallee 41: Die Landesgruppe Hamburg (Schleswig-Holstein/Nordniedersachsen) trifft sich zu diesen Vorträgen: „Begebenheiten und Merkwürdigkeiten aus dem Ostpreußen des 19. Jahrhunderts“. Referent ist Rudolf Forstreuter. Den Reisebericht „Patagonien – Tierra del Fuego“ hält dann Eckhard Schlemminger, Hamburg. Mitglieder des Salzburger Vereins und Gäste sind herzlich willkommen.


HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788 

Wetzlar – Montag, 12. März, um 12 Uhr, Restaurant „Grillstuben“, Stoppelberger Hohl 128: Grütz-wurstessen mit Referat von Karla Weyland zum Thema „Was Essen zum Genuss macht“. Sie erläutert ostpreußische Spezialitäten und informiert über Gebräuche beim Essen und Trinken. Das Treffen beginnt mit einem Grützwurstessen, das es gegen Vorbestellung gibt. Kontakt: Kuno Kutz, Telefon (06441) 770559.

Wiesbaden – Dienstag, 13. März, 14.30 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: Um „heitere Geschichten aus der Heimat“ geht es beim Treffen der Frauengruppe. Gäste sind herzlich willkommen. Sonnabend, 17. März, 15 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35: „Ostpreußische Mandelfreuden – Marzipan selbst gemacht“. Ein Bilder-Vortrag von Helga Kukwa, die mit ihrer Familie die weltberühmte Spezialität schon seit vielen Jahren in den eigenen vier Wänden herstellt. Natürlich nur für den privaten Gebrauch. Nach eigenen Rezepten entstehen in Handarbeit liebevoll geformte und knusprig geflämmte Köstlichkeiten für Herz und Gaumen. Helga Kukwa erzählt, wie ihr Marzipangebäck nach Königsberger Art zubereitet wird und welche Zutaten verwendet werden.Vor dem Vortrag: Beisammensein bei Kaffee und Kuchen von der Konditorei Gehlhaar.

– Bericht – 

Zu Beginn des Heimat-Nachmittags gedachten die Besucher ihres Mitglieds Lieselotte Paul, die mit 95 Jahren verstorben ist. Knapp 70 Jahre gehörte die Königsbergerin der Landsmannschaft an. In dieser Zeit gab es kaum ein Monatstreffen, bei dem sie nicht dabei war. Über viele Jahre hindurch wirkte sie auch bei Veranstaltungen mit und prägte die Zusammenkünfte und Treffen der Frauengruppe. „Mit ihrem heimatlichen Sprachklang berührte Lieselotte Paul die Besucher auf besondere Art. Ihre sanfte und einfühlsame Stimme öffnete die Herzen der Zuhörer und ließ in den vorgetragenen Gedichten und Geschichten die unvergessene Heimat erleben“, resümierte der Vorsitzende Dieter Schetat bei Würdigung des beispielhaften Engagements des langjährigen Mitglieds.

Ein weites Gedenken galt dem Astronomen Nikolaus Kopernikus, der vor 475 Jahren starb. Dabei zeichnete Ilse Klausen ein Lebensbild des bedeutenden Mannes, der das seit Jahrtausenden bestehende Weltbild mit der „Kopernikanischen Wende“ veränderte.

Im Rahmen seiner Berichte über bedeutende Ereignisse und Entwicklungen in Königsberg und der Region informierte Dieter Schetat unter anderem von den Vorbereitungen der Stadt auf die Fußballweltmeisterschaft: So mit neuen Bildern von farbig aufgeputzten Häuserfronten und dem gebauten Fußballstadion im Lomsegebiet sowie den Auflagen der FIFA bezüglich der Behandlung von Symbolen aus kommunistischer Vergangenheit.

Die Kunststoffstatue „Guter Kant“ geht weiter auf Reisen und wird nun in Palmnicken ein neues Domizil vor dem „Aquatoria-Hotel“ haben. Umziehen wird auch die heutige Königsberger Kunstgalerie und unter dem neuen Namen „Museum der bildenden Künste“ in der ehemaligen Königsberger Börse ihren neuen Platz finden. Weiteres Thema waren die neu hergerichteten Durchfahrtbögen an der Pregel-Holzbrücke, die im Bildervergleich alt/neu fast originalgetreu nachgebildet sind. Nach einem Bericht des Königsberger Express macht die Zukunft der Kurischen Nehrung Sorgen: Sie könne Insel werden, sollte die Küstenschutzanlagen nicht bald verbessert werden.

Den heiteren Teil leitet Helga Kukwa mit dem Gedicht „In Königsberg zum zweiten Mal“ von Joachim Ringelnatz ein, das mit den Zeilen schließt: „So möchte ich gern in Königsberg begraben sein und leben.“ Neben anderen Geschichten erzählte sie vom „Verschwundenen Stopfpilz“ und brachte die Besucher zum Schmunzeln, so auch Ilse Klausen mit ihrem Beiträgen und dem Schlussvortrag „Die Gratulationstour“ von der Tilsiter Schriftstellerin Hannelore Patzelt-Hennig.


MECKLENBURG-VORPOMMERN

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

Anklam – Sonnabend, 10. März, 10 bis 17 Uhr, Volkshaus Anklam, Baustraße 48-49 (Stadtzentrum /Nähe Markt): Frühlingstreffen der Ostpreußen. Landsleute von nah und fern mit Angehörigen und Interessenten sind herzlich eingeladen. Eigens zu diesem Anlass nimmt der russische Kant-Chor Gumbinnen die weite Anreise aus dem Königsberger Gebiet auf sich. Ebenso hat der große ostpreußische Philosoph Immanuel Kant höchstselbst sein Kommen zugesagt. Wiewohl er doch Königsberg selten, Ostpreußen aber nie verlassen hat! Kant wird Wissenswertes, Ernstes und Heiteres aus Ostpreußen zu berichten wissen. Das Heimattreffen wird vom Posaunenchor Bansin festlich umrahmt. Den Nachmittag rundet das Fritz-Reuter-Ensemble Anklam mit einem bunten Strauß von Volks- und Frühlingstänzen ab. Wie immer ist für Mittagessen, Kaffee, Kuchen, Bärenfang, Heimatbücher, Landkarten und genügend Parkplätze gesorgt. Erwartet werden 600 Besucher.


NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684.  Bezirksgruppe Lüneburg: Heinz Kutzinski, Im Wiesengrund 15, 29574 Ebstorf, Telefon (05822) 5465. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968. 

Osnabrück – Freitag, 16. März, 15 Uhr, Gaststätte Bürgerbräu, Blumenhaller Weg 43: Treffen der Frauengruppe.

Rinteln – Donnerstag, 8. März, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln (Navi: Bäckerstraße 1 oder Kreuzstraße). Bei diesem Treffen der Gruppe wird der Vorsitzende des NABU Rinteln, Dr. Nick Büscher, zum regional und überregional interessanten Thema „Auenlandschaft Hohenrode“ referieren und ergänzend zu seinem Vortrag auch Bilder zeigen. Gäste aus Nah und Fern sind herzlich willkommen. Weitere Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit der Gruppe gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat, Telefon (05751) 5386 oder über rebuschat@web.de.


NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Landesgruppe – Die nordrhein-westfälische Landtagsfraktion der AfD unter ihrem Vorsitzenden Markus Wagner lud die Vertriebenenverbände am 26. Januar zu ihrem Neujahrsempfang in den Düsseldorfer Landtag – doch nicht alle kamen. Anders die Landsmannschaft Ostpreußen NRW (LO NRW). Sie war mit ihrem Vorsitzenden Wilhelm Kreuer und seiner Ehefrau Brigitte Schüller-Kreuer sowie dem früheren Vorsitzenden und heutigen Stellvertreter Jürgen Zauner vertreten. Darf die LO NRW dazu beitragen, die AfD „hoffähig“ zu machen? Eine schwierige Frage? Nein, eine einfach zu beantwortende Frage! Unser Grundgesetz ist darauf ausgelegt, einen breiten Dis-kurs zu ermöglichen, einen offenen gesellschaftlichen Dialog möglicherweise entgegengesetzter, aber grundsätzlich gleichwertiger und gleichberechtigter Meinungen. Ohne diese Meinungsfreiheit kann es keine politische Auseinandersetzung geben, und also auch keine Demokratie. 

Nun ist es nicht Aufgabe der Landsmannschaften, an der politischen Willensbildung mitzuwirken, es ist aber ihre Aufgabe, ihre verbandspolitischen Ziele in die Parteien hineinzutragen – und zwar in alle Parteien. Insofern hatte die LO NRW Erfolg. Es war erfreulich, zu hören, wie viele der Anwesenden sich zu ihren Wurzeln in den ostdeutschen Vertreibungsgebieten bekannten. Überraschend war das große ostpreußische Faktenwissen. Gleich mehrere Personen „outeten“ sich als PAZ-Abonnenten und Besucher Ostpreußens. Auf die Arbeit der Prussia wurden wir angesprochen. Auch die Verlagerung des Museums Stadt Königsberg nach Lüneburg war Gesprächsthema.

Das Interesse an der Arbeit der LO NRW war groß, und der Vorstand der LO NRW hatte Gelegenheit, sowohl dem Gastgeber Markus Wagner als auch den beiden Landesvorsitzenden (Sprecher) Thomas Röckemann und Helmut Seifen unsere verbandspolitischen Zukunftsziele vorzutragen. Selbstverständlich führt die LO NRW nach wie vor gute und vertrauensvolle Gespräche mit allen anderen im Düsseldorfer Landtag vertretenen Parteien. Wilhelm Kreuer

Landesgruppe – Die Frühjahrstagung der Landesgruppe (Landes-Delegierten, Kultur- und Frauentagung) findet statt am Sonnabend, 17. März, ab 10 Uhr, im Haus Union, Schenkendorfstraße 13, 46047 Oberhausen. Die Jahreshauptversammlung endet etwa um 12.30 Uhr. Danach findet das Mittagessen statt. Der Tagungsbeitrag von 15 Euro beinhaltet das Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen. Das Nachmittagsprogramm bietet gleich drei Höhepunkte:

Erstens: Professor Udo Arnold, Bad Münstereifel, spricht zum Thema  „Vom Ordensland zum Preußentum. Preußen als erstes protestantisches Fürstentum“.

Zweitens: Der Vortrag „Preußens Einwanderer in der Literatur am Beispiel der Erzählung ‚Der Geburtstag‘ von Agnes Miegel“ von Dr. Bärbel Beutner, Münster:.

Drittens: Paul Sobotta, Wesel, stellt die „Preußische Tafelrunde“ vor. Alle Mitglieder der Landsmannschaft, aber auch Freunde Ostpreußens sowie interessierte Gäste sind herzlich eingeladen. 

Bielefeld – Donnerstag, 8. März, 15 Uhr: Jahreshauptversammlung.

Bonn – Dienstag, 6. März, 18 Uhr, Haus am Rhein“, Elsa-Brändström-Straße 74, Bonn-Beuel: Jahreshauptversammlung mit gemeinsamem Königsberger-Klopse-Essen. Tagesordnungspunkte: Totengedenken, Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden, Bericht des Frauenkreises, des Kassenwartes und der Kassenprüfer, Aussprache, Antrag auf Ehrung eines Mitglieds, Jahresbeitrag. – Mittwoch, 7. März, 15 Uhr, Erkerzimmer, Stadthalle Bad Godesberg: Treffen des Freundeskreises der Ost- und Westpreußen, ein Gesprächskreis in lockerer Runde. Gäste sind herzlich willkommen. Sonnabend, 17. März, 10 Uhr, Haus Union, Schenkendorfstraße 13, 46047 Oberhausen: Landes-Delegierten- und Kulturtagung (Frühjahrstagung).

Dortmund – Montag, 19. März, 14.30 Uhr, Landgrafenstraße 1-3 (Eingang Märkische Straße): Monatlichen Zusammenkunft in der Heimatstube.

Düsseldorf – Mittwoch, 7. März, 15 Uhr, Raum 311, Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90: Ostdeutsche Stickerei. – Freitag, 9. März, 18 Uhr, Restaurant Lauren’s, Bismarckstraße 62: Stammtischtreffen, Donnerstag, 15. März, 18 Uhr, Gerhart-Hauptmann-Haus: Offenes Singen mit Marion Cals.

Köln – Zum nächsten Treffen der Ostpreußengruppe fahren wir am Mittwoch, 14. März, wieder in das „Café zum Königsforst“ mit der KVB-Linie 9 bis zur Endhaltestelle Königsforst. Das herrliche Ambiente dieses Lokals und die gemütliche Atmosphäre, die uns die pommersche Runde entgegenbrachte, spricht dafür, dass wir im Jahre 2018 die Zusammenkünfte dort gemeinsam gestalten werden. An dieser Stelle möchten wir der Pommerngruppe unseren herzlichsten Dank aussprechen. 

Witten – Montag, 19. März, 

15 Uhr, Versammlungsraum,  Kreuzgemeinde, Lutherstraße 6–10: Offenes Singen. 

– Bericht – 

Zur Jahreshauptversammlung begrüßte die Vorsitzende Elisabeth Rohlf alle Anwesenden. 30 Mitglieder waren erschienen. Bei den anstehenden Wahlen wurden alle Kandidaten einstimmig gewählt. Es sind Elisabeth Rohlf als Vorsitzende, Ursula Greschkowitz als Stellvertreterin, Kurt Tarrach als Kassierer, Heide-Marie Tarrach als stellvertretende Kassiererin, Ulrich Ruhnke als Kulturwart, Irene Sychold als Beisitzerin, Walter Brenda und Kurt Skupch als Kassenprüfer.


SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle,  Telefon privat (0345) 2080680.

Halle – Freitag, 2. März, 14 Uhr, Begegnungsstätte der Volkssolidarität, An der Marienkirche 4 (Marktplatz): Gemeinsames Treffen.


SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Bad Oldesloe – Die Ost- und Westpreußen feierten im Februar privat den besonderen Geburtstag eines Mitgliedes. Mit dabei waren Brigitte Profé, Vorsitzende der Ost- und Westpreußen in Neumünster und Hildegard Henning aus dem dortigen Vorstand. Mit besinnlichen und launigen Texten entführte Hildegard Henning die Gäste nach Ostpreußen. So gab es viel zu schabbern und zu lachen. Es war eine besondere private Zusammenkunft, die allen viel Freude machte, besonders Erna Dressler, die sich mit 97 Jahren vom Wichern-Haus aus auf dem Weg gemacht hatte. Die Mittagsrunde wurde mit dem Westpreußenlied beendet. Gisela Brauer

Burg auf Fehmarn – Dienstag, 13. März, 15 Uhr, Haus im Stadtpark: Der Kreisvertreter von Rastenburg, Hubertus Hilgendorff aus Flehm, spricht über aktuelle Themen zu Ostpreußen und zum Ostpreußischen Landesmuseum. Gäste sind herzlich willkommen.

Flensburg – Mittwoch, 14. März, 15 Uhr AWO-Stadtteilcafe, Mathildenstraße 22: Kaffeetafel mit Jahreshauptversammlung. 

Neumünster – Mittwoch, 

14. März, 15 Uhr, Stadthalle am Kleinflecken: Jahreshauptversammlung. Nach dem Jahresrückblick beginnt der gemütliche Teil. Gäste sind willkommen.

– Bericht – 

Am 3. Februar fand das beliebte Königsberger Klopsessen statt. Diese Tradition ist nicht nur stadtbekannt, sondern über die Grenzen Neumünsters hinaus.  Der Nachmittag mit lustigen Vorträgen, Sketchen und Liedern. Es fand sich auch der „Landstreicher“ ein, der natürlich die Stadt nicht streichen wollte!

Köstlich der Vortrag von Hildegard Henning. Leider streikte der Leierkasten, er hatte den Transport nicht gut überstanden. Wieder spendierte der Wirt unseren beliebten Meschkinnes. Den ostpreußischen Trinkspruch hörten wir von Paul Trinker. Der Nachmittag verging viel zu schnell. Die Gruppe trifft sich wieder am 14. März in der Stadthalle zur Jahreshauptversammlung. Brigitte Profé

Uetersen – Freitag, 9. März, 

15 bis  17 Uhr, Haus Ueterst End, Kirchenstraße 7: „Island ist anders!“ – Ein Dia-Vortrag von Frau Dr. Kaiser über die außergewöhnliche Insel am Polarkreis. 

S. 19 Heimatarbeit

Auf einem Logenplatz durch Ostpreußen
Gaumenkitzel, Augenschmaus und geistige Nahrung bietet eine Kreuzfahrt mit der Classic Lady über die Masurische Seenplatte
Peer Schmidt-Walther

Seit eh und je ist Masuren ein Sy-nonym für eine der schönsten europäischen Landschaften. Während einer Kreuzfahrt über die Masurische Seenplatte erlebt man unberührte Natur und Sehenswürdigkeiten einer bewegten Geschichte. – Und natürlich die nach wie vor deftige ostpreußische Küche.

Fünf Kilometer hinter Kolno passiert der Bus, der am Hauptbahnhof von Warschau gestartet ist, die Grenze zwischen Masowien und Masuren. Hügelauf, hügelab durch Alleen und Wälder rollt er unaufhaltsam nach Norden. Reiseleiter Andrzej Kraszewski nutzt die Busfahrt, um über seine Heimat zu informieren. In bestem Deutsch und – mit „jemietlichem“ Akzent. Abends schaukelt der Bus auf schmaler Sandpiste durch den Urwald der Johannisburger Heide. Bis es voraus aufblitzt: Wir sind angekommen in Piasken (Piaski) am Beldahnsee, der zur Masurischen Seenplatte gehört. Die untergehende Sonne vergoldet See und Schiff. „Jokehnen“, der bekannte Roman von Arno Surminski, kommt einem in den Sinn, allerdings mit verdrehtem Untertitel: Wie lange fährt man von Deutschland nach Ostpreußen? Spätestens jetzt weiß man es.

Das Willkommens-Abendessen – nach der Begrüßung durch die Besatzung um Kapitän Tomasz Biadun – ist der Start einer Serie von ostpreußischen Köstlichkeiten. Und Reiseleiter Andrzej „droht“ schon mal: „Wer hier in Polen seinen Bauch värrliert, der wird ainejespärrt!“ Aber keine Bange, so schnell wird man sein „Hüftgold“ nicht los. Was Schiffseigner und Chefkoch Pawel Zalewski hier in seiner „U-Boot-Miniküche“ „komponiert“, lässt einem schon lange vorher das Wasser im Munde zusammenlaufen. Seine Kochkünste – Rezepte der alten ostpreußischen Küche stehen obenan – sind allein schon ein Grund, um mit der Classic Lady durch Masuren zu schippern. „Jak u baci – wie bei Oma“, betitelt Pawel seine „einfache Kieche“, und erläutert wie zu jeder Mahlzeit ihre Zubereitung. 

Für heute Abend hat der Meister ein Luciano-Pavarotti-Motto ausgewählt, das ihm aus der Seele spricht: „Kochen ist eine Kunst und keineswegs die unbedeutendste“. Zum Auftakt der kulinarischen Aufführung serviert er Saueramp-fersuppe und Fischsuppe. Es folgt Räucherfisch mit Sauerkohlsalat. Zum Hauptgang dann ein „keineswegs unbedeutende Kunstwerk“ aus Wildgulasch mit Kartoffelklößen, Buchweizengrütze und Waldpilzen. Das Dessert aus Quarktorte rundet die Speisefolge ab.

Danach lässt sich vom Logenplatz an Bord die abendliche Stimmung der Wald- und Wasserlandschaft genießen, sowie auch das eine oder andere frisch gezapfte polnische Bier, wozu hierzulande auch ein „Wässerchen“, sprich: Wodka, gehört. Das Wellengluckern an der Bordwand garantiert anschließend Tiefschlaf. Jedoch nicht ohne zuvor Andrzejs Informationen für den nächsten Tag, Anekdoten und Witze aus Masuren vernommen zu haben. Höhepunkt ist sein „Abendgebet“: „Lieber Gott bestraf´mich nicht, wenn ich bei Tisch das größte Stück erwisch!“

Am nächsten Tag blitzen immer mal wieder ein paar blaue Seen-Spiegel  durch das Grün oder es 

duckt sich das rote Ziegeldach eines alten, einsamen Gehöfts oder Gutes in einer Senke. Auf unzähligen Firsten thronen Storchennester. Den Spitznamen „preußischste aller Vögel“ haben sich die Tiere wegen ihres schwarz-weiß-roten Federkleids eingehandelt. „Jeder vierte Storch weltweit ist heute Pole“, erklärt Andrzej. Tierisch geht es oft unterwegs weiter, wenn See- und Fischadler, Kraniche, Reiher oder gar ein Biber vor die Linse kommen. 

Während der abwechslungsreichen „Seh-Fahrt“ durch Kanäle und Seen unter hohen Wolkentürmen schwingt auch das Ostpreußen-Lied immer mit. Es besingt die „dunklen Wälder und kristallnen Seen“. „Einfach scheen!“, bringt es eine Mitreisende auf den emotionalen Punkt. Jetzt können sie nachempfinden, was damit gemeint ist. 

Die Reisemotive der Mitfahrer sind im Übrigen sehr unterschiedlich. Von: „Wir wollten diese Reise immer schon mal machen“, „bin hier geboren“, „Eltern und Großeltern stammen von hier“, „mich interessiert nur die Landschaft“ bis „möchte Omas Küche wiederbeleben“ reicht die Palette.

Die Frischluft-Kur an Deck hat mächtig Appetit gemacht, und Nietzsche lieferte das (heute wieder moderne) Motto zum Abendessen: „Du musst nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit dem Kopfe essen, damit dich nicht die Naschhaftigkeit des Mundes zugrunde richtet“. Dazu gibt es Linsensuppe mit Backpflaumen, gekochten Aal in Dillsauce, Mehlklöße mit saurer Soße, Mohnstritzel als Dessert – was will man mehr?!  

In Zondern, sechs Kilometer westlich von Rhein steuert die Classic Lady am nächsten Tag die letzten Deutschen der Region an. Kristina und Dietmar Dickti, betreiben in dem Dörfchen ein kleines Privatmuseum, das 200 Jahre alte „Masurische Bauernhaus“ mit regional typischen Hausgeräten und Möbeln. Die Aufkleber von deutschen Reise- und Busunternehmen verraten, dass wir es hier mit einem touristischen Höhepunkt zu tun haben. Souvenirs werden angeboten, aber auch ein leckerer, noch ofenwarmer Kasten-Hefekuchen, gefüllt mit Marmelade und überzogen mit Streußel. Bei Kaffee und Kuchen gibt Frau Dickti in breitestem Ostpreußisch  „Wippches“ (Witze) zum Besten. Zum Beispiel den: „Was haat ejn Mann, was im Schnee sitzt? Na, Schneegleckchens!“ Schallendes Gelächter. 

Auch der frühere ZDF-Moderator Wolf von Lojewski, der aus Widminnen östlich von Lötzen stammt, hat sich darüber amüsiert, als er die Dicktis besucht hat. „Mannche, Mannche, hat därr mich Lecher im Bauch gefraacht!“, berichtet sie strahlend über so viel mediale Aufmerksamkeit.

Neben Landschaft satt bietet die Fahrt auch historische Sehenswürdigkeiten. Am letzten Tag heißt es scherzhaft-doppeldeutig: „Heute haben wir einen Termin beim Führer“. Gemeint ist der polnische Reiseführer Jan Zduniak, ein namhafter Historiker und Buchautor. Im damaligen Hauptquartier Adolf Hitlers, der „Wolfsschanze“ bei Rastenburg, wird einem angesichts gesprengter meterdicker Betonmauern der Wahnsinn des „Tausendjährigen Reiches“ bewusst. Neonazis lassen sich hier daher auch nicht blicken, wie wir hören. Aber jede Menge Deutsche. „Das ist ein Stück sichtbare Geschichte“, antworten einige, befragt nach ihrem Besuchsmotiv. Zwei Denkmäler erinnern an das Attentat vom 20. Juli 1944 und den Widerstand. 

Koch Pawel hat längst seinen Widerstand aufgegeben – gegen die Hartnäckigkeit der Hausfrauen unter den Gästen, hat er ihnen seine Rezepte zu verraten. Obwohl doch jeder Koch so seine kleinen Küchengeheimnisse habe, die er nicht so gern preisgibt, meint er augenzwinkernd. „Smacznego – guten Appetit!” sind seine letzten offiziellen Worte dieser Reise ins Reich von Omas ostpreußischer Küche. 


S. 20 Leserforum

Leserforum

Die Demokratie der anderen

Zu: Nicht einmal eine Nebenrolle (Nr. 4)

Bis zum Mai 1945 war es in unserem Land selbstverständlich und vielfach nachzulesen, dass es sich bei den drei Grundstaatsformen – Aristokratie, Monarchie und Demokratie – in jedem Fall um gute, schlechte, sogar sehr schlechte Regierungen handeln kann. Seit dem Einrücken der Besatzungstruppen 1945 wurde „Demokratie“ genannt, was die Befehlshaber dieser Truppen für richtig hielten. Immer mehr wurde aber auch von Deutschen, mit Regierungsaufgaben zu Recht oder auch Unrecht betraut, folgende Auffassung vertreten: Demokratisch sein, heißt nicht, den Willen und die Interessen der großen Mehrheit des eigenen Volkes zu vertreten, sondern, die unbedingte Durchsetzung ausländischer Wünsche oder inländischer Separatmeinungen (Verbände, Gewerkschaften). 

So wurde aus der in das Grundgesetz der Bundesrepublik aufgenommenen gesetzlichen Regelung (Artikel 21), „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit“, das aktuell bestehende: „Die Parteien und die durch sie gebildeten Regierungen bestimmen allein über die Macht, verteilen diese unter sich.“ Im Sprachgebrauch heißt das, „freiheitlich – demokratische Grundordnung“.

Karl-Heinz Rieger, Kiel






Keine Entschädigung von Russen

Zu: Zahlungen an Sowjetsoldaten (Nr. 4)

Es macht fassungslos zu lesen, dass die deutsche Regierung sich zu Zahlungen an in Deutschland kriegsgefangenen Sowjetsoldaten bereit erklärte, ohne zugleich von Russland eine Zahlung an deutsche Kriegsgefangene zu fordern, die bis zu zehn Jahren unter unmenschlichen Bedingungen Sklavenarbeit in der Sowjetunion geleistet hatten. Russland hat sich darüber hinaus durch die Konfiszierung deutschen Grund und Bodens und die Vertreibung der Einwohner unschätzbare Summen angeeignet, aus denen eine Entschädigung leicht zu leisten wäre.

Wenn man bedenkt, welche Gräueltaten sich zahllose Rotarmisten zuschulden kommen ließen, ist die Entscheidung der deutschen Politiker schwer nachzuvollziehen. 

Brigitte Bean-Keiffenheim, Frankfurt am Main






Selbstzerstörerisch

Zu: Wortbruch (Nr. 7)

Nicht nachvollziehbar ist für mich die Arroganz vieler Politiker, unter anderem die von Olaf Scholz. Mit welchem Recht kann ein Bürgermeister ungestraft nach den G20-Krawallen in Hamburg weiter seiner Wege ziehen?

Jahr für Jahr gibt Hamburgs Regierung das Schanzenviertel für die linksextremen Chaoten zum Üben und zum Abschuss frei. Ich bin fest davon überzeugt, dass, wenn es damals rechtsextreme Chaoten gewesen wären, die diese immer wiederkehrende Randale zelebrieren hätten, dann hätte man dem Spuk schon lange ein Ende gesetzt und dem Ersten Bürgermeister Scholz den Rücktritt nahegelegt.

Wie mir ein führender Mitarbeiter der Hamburger Polizei mitteilte, kann sie nur dann richtig für Ordnung sorgen, wenn sie die Politik hinter sich weiß. Logisch. Aber das ist nicht der Fall.

Ich glaube, dass Herr Scholz, sich seiner gewinnenden Ausstrahlung bewusst, diese schamlos einsetzt. Wortbrüche sind in der SPD an der Tagesordnung. Peinlich ist allerdings, dass einige Genossen diese und interne Streitigkeiten noch als Tugend der Partei verkaufen möchten. Mit Sicherheit wird die Fahnenflucht des Genossen Olaf Scholz nach Berlin die AfD prozentual noch ein bisschen näher an die SPD heranführen.

In dieser selbstzerstörerischen SPD-Periode würde mich einmal interessieren, was Genossin Nahles für ein Vokabular im privaten Leben benutzt, wenn sie sich in der Öffentlichkeit mit der Wahl ihrer Worte schon dem Fäkalienjargon nähert.

Peter Karstens, Eckernförde






Eine Bröckelpartei

Zu: Die CDU in ernster Gefahr (Nr. 7)

Kanzlerin Merkel ist nicht nur eine Gefahr für die CDU. Sie wird allmählich zur Gefahr für Deutschland. Noch schlimmer ist es, dass die Partei es nicht merkt oder nicht merken will. Äußerungen wie „ich weiß nicht, was ich ändern soll“ oder „warum Neuwahlen, es würde sich auch danach nichts ändern“ werden in der Partei geduldet.

Arroganz ist gefährlich. Wenn man zu weit geht, schafft man sich mehr Feinde, als man besiegen kann. Sie und die Partei haben offensichtlich Angst vor Veränderungen. Nur Stillstand bedeutet Tod. Die Bundeskanzlerin kann sich lediglich damit trösten, dass es noch andere Parteien gibt, die sich ebenso verhalten.

Merkel und die Partei machen alles, um an der Macht zu bleiben (zum Beispiel die vielen Zugeständnisse an die SPD). Nur, was geschieht mit Frau Merkel, wenn die CDU/CSU zu einer Bröckelpartei wird? Sie ist nicht unersetzlich.

Heinz-Peter Kröske, Hameln






Nicht die Quantität, sondern die Qualität der Gäste ist entscheidend

Zu: Die Situation entgleitet (Nr. 5) und: Von Cottbus bis Kandel (Nr. 5)

Spricht die Presse hier mit „gespaltener Zunge“, fragt sich der mündige Bürger besorgt, wenn er die Berichterstattung über die jüngsten Ereignisse in der brandenburgischen Stadt Cottbus verfolgt.

Eine Stadt zeigt ihre dunkle Seite, heißt es vielsagend, und die geballte Wut zwischen Einheimischen und Ausländern entlädt sich aktuell an den schönen Ecken dieser Stadt. Sogar ein Bürgerbündnis mit dem schönen Namen „Zukunft Heimat“ mischt da kräftig mit und bekundet: „Wir haben die Schnauze voll.“

Seitens der Medien wird nun darauf verwiesen, dass nur 8477 ausländische Mitbürger in Cottbus leben, was einem Ausländeranteil von lediglich 8,5 Prozent entspricht. 

Nun ja, die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte. Nicht die Anzahl der Gäste ist allein entscheidend, sondern auch die Qualität. Sind sie denn nun wahrlich alle eine Bereicherung, wie die Politik es versucht, der Bevölkerung einzuhämmern?

Nein, nicht in jedem Falle. Es ist schon eine wichtige Frage, aus welchem Kulturkreis die Zuwanderer kommen, welche Qualifikation sie mitbringen und ob sie die Neigung verspüren, sich überhaupt integrieren zu wollen.

Mit rechter Gesinnung oder gar Rassismus hat diese Auffassung gar nichts tun, vielleicht aber mit einem gesunden Menschenverstand.

Heimat ist viel mehr als nur Politik, Gesellschaft oder Geschichte. Ist es nicht erschreckend, wenn in Hamburg beim G20-Gipfel ein linker Mob aus Freude an der Zerstörung wütet? 

Losungen wie „Deutschland verrecke!“ dürfen einfach nicht geduldet werden. 

In der „Vier Tore Stadt“ Neubrandenburg lautete die Botschaft zum Bürgerempfang 2018: „Neubrandenburg – Wir lieben Dich.“ Genauso ist es richtig. Auch in unserer Heimatstadt wachsen die Träume nicht in den Himmel. Aber schön, dass sich Neubrandenburg von der hellen Seite zeigt. 

Die Berliner Lyrikern Gisela Steineckert schrieb einmal: „Heimat, das bist du selber, für andere, wie sie es für dich sind. Heimat ist, wo du dich auskennst, weil du etwas eingebracht hast, deine Versuche, deine Irrtümer. Und jene Leute sind dort, die so ähnliche Erfahrungen haben wie du, die den Witz verstehen und deinen Kummer auch, nicht immer, aber oft.“ Besser ist es wohl nicht zu sagen.

Hans-Joachim Nehring, Neubrandenburg

S. 21 Reise

Mythen und Blüten
Frühlingserwachen im Süden Europas – Aber auch auf der Kanalinsel Jersey fängt der Lenz früher an
Andreas Guballa

Nicht überall lässt der Frühling  so lange auf sich warten wie in Deutschland. Wir haben vier nicht ganz so ferne Ferienziele mit Blütengarantie zusammengestellt.

Eifersucht kann ja manchmal erstaunliche Blüten treiben. In der Mythologie gar wörtlich: Auf Zypern zum Beispiel, wo sich einst Adonis in Aphrodite verliebte, was Aphrodites Geliebten Ares veranlasste, den Nebenbuhler zu töten. Aus dem Blut des Schönlings sollen dann die roten Anemonen entstanden sein. Die Weißen wiederum aus den Tränen der Liebesgöttin. So steht es in Ovids „Metamorphosen“. 

Doch nicht nur aufgrund von Mythen wie diesen ist die Flora Zyperns legendär. Mit 340 Sonnentagen und gut 20 Grad Lufttemperatur in den Wintermonaten bietet die Insel beste klimatische Voraussetzungen für eine beeindruckende Artenvielfalt. Über 1800 Wildpflanzen wachsen auf der „Insel der Götter“, darunter 45 verschiedene Orchideen.

Seit Januar sprießen die Vorboten und sorgen seitdem für erste Frühlingsgefühle. Von Fe­bruar bis Mai blühen dann Mandeln und Kirschen, Chrysanthemen, Narzissen, Krokusse, Pfingst­rosen, Alpenveilchen und die legendären Anemonen. Die Inselbewohner haben sich ihre Pflanzenpracht auch seit jeher zunutze gemacht. So verwenden sie seit dem Altertum das Harz der Zistrosen als Heilmittel in Salben und Tinkturen – noch vor gut 100 Jahren übrigens gewonnen aus den Bärten der Ziegen, wo der Harz kleben blieb, während die Tiere an den Blüten zupften. 

In den Alpujarras, einem hügeligen Gebiet im Herzen Andalusiens zwischen der Sierra Nevada und der Mittelmeerküste, ist es an den schönen Tagen jetzt bereits über 20 Grad warm. An den schlechten zeigt das Thermometer zehn bis 15 Grad an, nur noch selten regnet es. Die Eisdielen haben jedenfalls längst geöffnet. Und da es bis April noch kaum Touristen in der Gegend gibt, sitzen fast nur Andalusier mit hochgekrempelten Ärmeln in den Straßencafés, um Tapas zu essen und dazu eine „Cervecita“ zu trinken, ein Bierchen. 

Genau jetzt ist die perfekte Zeit, um fernab der quirligen Städte die einsamen Gebirge, die Sierras, mit dem Mietwagen zu erkunden. Die Preise der Autovermietungen sind in den ersten Monaten des Jahres noch niedrig, und wer auf den kurvenreichen Landstraßen unterwegs ist, kann außerdem eines der schönsten Naturschauspiele in dieser Jahreszeit erleben. Denn überall in Andalusien blühen die Mandelbäume. Vor allem um die Gegend um Granada säumen sie viele der kleinen Straßen, die zur „Ruta de los pueblos blancos“ gehören, zur Route der Weißen Dörfer. Ihre geografische Lage auf Gipfeln, an Hängen und Schluchten, lassen sie am Horizont wie weiße Flecken in einer Landschaft von Steineichen, Kork­eichen und Spanischen Tannen erscheinen. Insgesamt zählt man 25 Ortschaften dazu. Die meisten wirken wie Farbkleckse, die ein Maler aus Versehen in die raue Kulisse getupft hat. 

Wer auf der Suche nach warmen Temperaturen in den grünen Norden Portugals reist, wird nicht enttäuscht. Denn nicht Schnee, sondern Millionen weiß-rosa Blüten haben sich wie ein Teppich über die Landschaft gelegt. Dieses Naturschauspiel findet zu einer Zeit des Jahres statt, in der weite Regionen Europas noch im Winterschlaf dämmern. Am besten lässt sich die Mandelblüte mit einem der Sonderzüge der portugiesischen Eisenbahngesellschaft CP entdecken. Auf der etwa dreistündigen Reise von Porto durch die Regionen Alto Douro und Trás-os-Montes ziehen 150 Kilometer fantastische Landschaft am Zugfenster vorüber. 

Ein Höhepunkt der Strecke sind die Weinberge, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Nachdem der Zug den Valdeira Stausee erreicht hat, sieht man die terrassenförmigen Weinberge, die – dank der Mandelblüten – den Eindruck erwecken, als seien sie üppig mit Puderzucker bestreut worden. Anlässlich der Mandelblüte finden jetzt in vielen Orten Feste statt. Tatsächlich mit Süßem verziert, sind die typischen Zuckermandeln eine Spezialität der Region, die bei den Festen meist gereicht wird. Dabei werden die Mandeln bei kleiner Hitze in einem großen Kupferkessel geröstet: Die Kö­chinnen zuckern die Mandeln mit viel Geduld und drehen sie dabei mehrere Stunden lang. Die Son­derzüge fahren ab der ersten März­woche. Die Fahrt kostet 35 Euro pro Erwachsenen.

Als Gärtner auf der britischen Kanalinsel Jersey hat man leichtes Spiel: Der Golfstrom sorgt für milde Temperaturen, die selten einstellig werden, geschweige denn im Winter den Gefrierpunkt erreichen. Und so muss man hier gar nicht den Sommer herbeisehnen. Denn schon ab Februar lassen sich auf den Kanalinseln die ersten Frühlingsboten blicken: Teppiche von Schlüsselblumen, roten und weißen Lichtnelken, Glockenblumen, wilde Narzissen und üppige Kamelienbäume breiten sich verschwenderisch aus. Die kleine Kanalinsel huldigt der britischen Gartenkunst: gepflegte Anlagen mit üppigen Blumenrabatten und Wasserläufen wechseln sich mit prächtigen, naturnahen Parks ab.

Aber „my home is my castle“ gilt auf Jersey nicht: Zu bestimmten Terminen zwischen April und August öffnen Besitzer ihre Privatgärten und führen Besucher stolz durch ihre Anlagen. Auf Jersey gedeihen sogar Pflanzen, die sonst nur im Mittelmeerraum oder auf Madagaskar beheimatet sind. Neben Bougainvillea, Callas und Malven auch Dattelpalmen und Bananenstauden. Wem das nicht exotisch genug ist, der kann im Tropenhaus der Eric Young Orchid Foundation seltene und preisgekrönte Orchideengewächse bestaunen. Später im Jahr wird dann die Blütenpracht im „Battle of Flowers“, dem großen Blumenfest – alljährlich am zweiten Donnerstag im August – gebührend gefeiert.

Ins Herz der Wikinger
Schwedens Göta-Kanal – Nostalgietour auf alten Passagierschiffen

Bei Kreuzfahrten in Skandinavien denkt jeder automatisch an die Hurtigruten vor der norwegischen Küste. Mit dem Göta-Kanal besitzt Schweden aber ein traumhaftes Pendant für Binnenschiffer, wobei man auf den 390 Kilometern quer durch das Land mit der 1874 in Dienst gestellten „MS Juno“ auf einem der ältesten Passagierschiffe der Welt reisen kann. 

Allein auf dem Göta-Kanal müssen 91 Höhenmeter überwunden werden, weshalb fast 60 Schleusen passiert werden. Das verschafft Zeit, um die an Bord bereitgestellten Räder zu nutzen. Mit dem Vänern wird zudem der größte See der EU durchquert, wo sich Seevögel wie Kormorane und Seeschwalben beobachten lassen. Mit dem Barockschloss Läckö, dessen Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen, war­tet zudem ein famoses Fotomotiv.

Der Kanal wurde 1832 eingeweiht, um dänischen Zöllen zu entgehen. Die ursprünglich nur 87 Kilometer wurden dabei von fast 60000 Soldaten von Hand gegraben. Weshalb diese Kreuzfahrt für viele zu den Reisen gehört, die man einmal im Leben gemacht haben sollte, liegt vor allem an den Schiffen wie die „MS Juno“ oder „MS Diana“. Diese wurden zwischen 1874 und 1931 in Betrieb genommen und entführen noch heute in eine andere Zeit. Kabinen, Speisesaal und Schiffsbibliothek sind nostalgisch und ge­mütlich.

Der Kanal lockt jährlich drei Millionen Touristen an und wird nur von Mai bis Ende September befahren. Die Zeit im Winter wird seit 2015 dafür genutzt, den Kanal wieder aufzuwerten. So wurden beispielsweise bereits die Schleusen und Uferböschungen wieder instand gesetzt. 

Diese Route lässt sich kompakt in vier oder entspannt in sechs Tagen genießen. Auf der sechstägigen Reise „Göta Kanal vielfältig“ geht es an Bord der „MS Diana“. Insgesamt fünf verschiedene Hä­fen werden zwischen Göteborg und Stockholm angelaufen. In Birka, das seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe ist, stehen ein Be­such des Wikinger-Museums und eine geführte Wanderung auf dem Programm. Im idyllischen Vadstena werden die Renaissanceburg und die Klosterkirche besichtigt. Während der Schleusung bietet sich der Besuch der Klosterruine Vreta an. Insgesamt sieben Ausflüge sind inklusive. Eine Zwei-Bett-Außenkabine ist bei diesem Angebot von TUI-Wolters-Reisen pro Person ab 1863 Euro buchbar. 

Mit der „MS Juno“ bewältigt man bei der Reise „Göta Kanal kompakt“ die gleiche Route in vier Tagen. Hier fährt das Schiff zwei Nächte durch. Ein Stopp wird in Motala, der Hauptstadt des Göta- Kanals, eingelegt. Das Kanalmuseum, die Festungsanlagen von Karlsborg sowie ebenfalls ein Halt in Birka sind eingeplant. Die Zwei-Bett-Außenkabine ko­stet hier pro Person ab 1239 Euro. Beide Reisen können wahlweise in Göteborg oder Stock­holm begonnen werden.tws


Angebote: www.tui-wolters.de

Der Berg als Person
Neuseelands Mount Taranaki genießt Rechte
H. Tews

Als der Alexander Humboldt Neuseelands gilt der Hesse Ernst Diefenbach. Ihm ist die nachweislich erste Besteigung des Mount Taranaki gelungen. Der spitzkegelförmige, inaktive Vulkan, der über den grünen Wiesen der neuseeländischen Nordinsel thront, ist ein wichtiges nationales Symbol des Staates. Nun übernimmt die neuseeländische Re­gierung mit acht Maori-Stämmen sogar die Vormundschaft für diesen Vulkan, der in dem Kinofilm „Last Samurai“ bereits als „Double“ für Japans Fuji fungierte. Wie schon dem Whanganui River wird ihm der Status einer Person mitsamt allen Rechten zuteil.

Von den Ureinwohnern, den Maoris, als Vorfahr und Familienmitglied betrachtet, ranken sich noch heute sagenhafte Geschichten um den Berg. Der Legende nach verlor der 2518 Meter hohe Felskoloss sein Herz an den Berg Pihanga, der Geliebten seines Rivalen, und musste an seinen heutigen Ort fliehen. Aus den Tränen des liebestrunkenen Berges bildete sich der Whanganui River.

Heute ist der Berg im Egmont Nationalpark ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer. Auf Routen wie dem zwei- bis dreitägigen Pouakai Circuit können Pflanzen- und Vogelwelt auf dem Anstieg zur Spitze entdeckt werden. Zwischen Juni und Oktober bietet der Stratford Mountain Club an der Ostseite des Berges die Möglichkeit, sein Können im Ski- und Snowboardfahren zu beweisen. Tipp: In der Dawson Falls Mountain Lodge auf einen Kaffee einkehren und den spektakulären Ausblick auf die Weiten des Nationalparks genießen.

Lady in Rosa wird 90 Jahre

Der Schlaftempel hat einen rosafarbenen Babyanstrich, ist aber schon 90 Jahre alt. In diesen Tagen feiert der Hotelpalast Don CeSar in Saint Petersburg in Florida sein stolzes Jubiläum.  Bereits aus der Ferne ist das Hotel, das wegen seines An­strichs auch „Pink Lady“ genannt wird, mit seinem palastartigen Aufbau direkt am St. Pete Beach nicht zu übersehen. Der Hauch von Prunk und Luxus, den die rosa Edelherberge umweht, stammt aus seiner sagenumwobenen Gründungszeit: Eröffnet im Jahre 1928 ging es im The Don CeSar außerordentlich glamourös zu. Viele berühmte Persönlichkeiten wie der Autor 

F. Scott Fitzgerald oder der berüchtigte Mafiaboss Al Capone logierten im pinken Palast. Auch nach einem knappen Jahrhundert ist das Don CeSar mit seinen 277 hochwertig ausgestatteten Zimmern im nostalgischen Hauptgebäude eine beliebte Unterkunft bei Florida-Reisenden. Wer zum runden Geburtstag gratulieren möchte, muss sich mit einer Buchung, zum Beispiel unter www.doncesar.com, beeilen. Das Haus erwartet einen großen An­sturm von Gratulanten.tws 

S. 22 Bücher im Gespräch

Von »häuslichen« und staatlichen Straflagern
Dirk Klose

Der Leser wird vermutlich im ersten Moment vor über 900 Seiten zurück-schrecken. Und dann ist es wie so oft: Lässt man sich auf Karl Schlögels „Archäologie einer untergegangenen Welt“, so der treffende Untertitel seines neuen Buches, ein, kommt man nur schwer wieder davob los. Mit Sicherheit gehört „Das sowjetische Jahrhundert“ zu den bedeutendsten Arbeiten, die zur 100. Wiederkehr der Oktoberrevolution erschienen sind. Es liegt wohl am unkonventionellen Ansatz, den der Autor gewählt hat: Er analysiert nicht, wie sonst so oft, das sowjetische Regierungs- und Herrschaftssystem, sondern betrachtet die sowjetische Welt anhand ihres Alltags. Sein Fazit überrascht nach der Lektüre nicht mehr: „Das Territorium der ehemaligen Sowjetunion ist markiert von Punkten massenhaften Leidens, eine Memoriallandschaft des Todes und Überlebens.“

Schlögel beschreibt aus intimer Quellenkenntnis und persönli-chen Erfahrungen etwa 60 Manifestationen des Alltags. Das reicht vom Kleinsten bis ins Größte, etwa, um nur einige zu nennen, Ladenschilder und Plakate, Orden, Vergnügungsparks wie der Mos-kauer Gorki-Park, Parfums (das berühmte Chanel Nr. 5, man liest und staunt, ist russischen Ursprungs!), Klaviere, Sanatorien, Paraden, Festkultur, Film und Ballett, Eisenbahnen.

Dann auch größere Themen: Im Zuge der ehrgeizigen Industrialisierungspläne Ende der 1920er Jahre wurden in einem unglaublichen Tempo neue Industriestädte aus dem Boden gestampft. Schlögel bringt dafür die Stadt Magnitogorsk, die eigentlich nur aus dem riesigen metallurgischen Kombinat besteht und bald in dem Ruf stand, wegen der enormen Dämpfe und Abgase eine Stadt ohne Sonne und des frühen Todes zu sein. Ferner der gewaltige Staudamm von Dnjeprogres am Dnjepr, der Weißmeerkanal nahe der finnischen Grenze („Panamakanal am Polarkreis“), der von Tausenden von Häftlingen – vom System zynisch „Kanalarmisten“ benannt – gebaut wurde. Es war das erste Projekt, bei dem in größerem Maße Häftlinge eingesetzt wurden, was schon bald Schule machte. An Menschen mangelte es nicht, Schlögel nennt die erschreckende Zahl von fast 19 Millionen Menschen, die Opfer des Gulag geworden sind.

Mit Anteilnahme und leichtem Grausen wird der westliche Leser das Kapitel über das sowjetische Wohnungswesen („Kommunalka“) lesen. Wohnungen wurden zugewiesen, und da es viel zu wenig Wohnraum gab, war die Regel, dass Dutzende von Menschen in einer großen Wohnung lebten, oft ganze Familien in nur einem Zimmer. Es gab nur eine Küche und, was extremer ist, meist nur eine Toilette. Man war nie für sich, Privatsphäre war unmöglich. 

Schlögel nennt das Wohnen im Kommunalka-System ein „häusliches Straflager“, in dem soziale Katastrophen vorprogrammiert waren. Den Themen „Küche“ und „Toilette“ widmet er jeweils ein eigenes Kapitel. Die Küche wurde, notgedrungen, zu einem Ort der Geselligkeit, eine Toilette hingegen für oft mehr als 30 Personen, oft wenig sauber und  defekt, wurde fast zwangsläufig zu einem Ort ständigen Unfriedens. Dieser „Notzustand in Permanenz“, so Schlögel, änderte sich erst mit dem Beginn des massenhaften Plattenbaus mit jeweils eigenen Wohnungen.

Die düstersten Kapitel stehen ziemlich am Ende. Es ist das System der Straflager, hier gezeigt an der vormaligen Klosterinsel Solowki im Weißen Meer und am „Kältepol Kolyma“, das ist die nordöstlichste Region Sibiriens. Schlögel bringt Zeugnisse und Berichte von Überlebenden, die in der Summe so grausam sind, dass Worte wie „unfassbar“, „entsetzlich“ oder „menschenverachtend“ nicht übertrieben sind. In Solowki mussten die Häftlinge den Weißmeerkanal bauen, in Kolyma wurde Gold geschürft, wovon Moskau mehr und mehr forderte, mithin immer mehr Menschen dorthin gebracht wurden, von denen nur wenige überlebten. 

Die Temperaturen liegen dort monatelang unter minus 40 Grad. Morgens, so erinnerte sich ein Häftling, galt der erste bange Blick dem Thermometer. Zeigte es 49 Grad minus, musste man raus zur Arbeit, bei minus 50 Grad war Außenarbeit aus „humanitären Gründen“ untersagt. Der einstige Häftling Warlam Schalamow hat dieser für heutige Vorstellungen fast irrealen Welt in seinen Büchern ein bewegendes Denkmal gesetzt.

Ein Denkmal ist Schlögels Buch insgesamt, bewegend insofern, als man sich auch als westlicher Leser von einer Zentnerlast befreit fühlt. Nach dieser immensen Text- und Wissensfülle ist man mitunter fast selbst in die damalige Zeit hineingezogen, von der man sich aufatmend vergewissern kann, dass sie vorbei ist. Schlögel schreibt, den Entschluss zu diesem Buch habe letztendlich Putins Annexion der Krim und der unerklärte Krieg gegen die Ukraine gegeben. Man möchte einfach nicht glauben, dass alte Traditionen fortbestehen.

Karl Schlögel: „Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt“, C.H. Beck Verlag, München 2017, gebunden, 912 Seiten, 38 Euro


Rat bei schwierigem Thema
D. Jestrzemski

In seinem Buch „Abschied vom Leben – Von der Patientenverfügung bis zur Palliativmedizin“ vermittelt der Berliner Arzt Michael de Ridder dem Leser das nötige Wissen, um sich den immer komplizierteren Fragen bezüglich des Sterbens zu stellen. „Denn nie war das Sterben seiner Natürlichkeit so sehr entkleidet wie heute, da es unter mehr oder weniger organisierten Bedingungen stattfindet. Nie war es enger umstellt von den Möglichkeiten der Medizin, es zu verhindern oder zu erleichtern.“ 

Der Autor war zehn Jahre Chefarzt der Rettungsstelle eines Berliner Krankenhauses und ist langjähriger Leiter einer palliativmedizinischen Einrichtung. Weiterhin ist er Geschäftsführer des von ihm mitbegründeten Vivantes Hospiz. Sein Buch „Wie wollen wir sterben?“ (2011) schaffte es auf die „Spiegel“-Bestsellerliste. „Ein leidenschaftliches Plädoyer für Selbstbestimmung und Fürsorge am Lebensende“, lobte seinerzeit die Fachzeitschrift „Heilberufe“. 

De Ridders neues Werk bietet eine umfassende Orientierungshilfe für alte und lebensbedrohlich erkrankte Menschen und deren Angehörige. Auch für gesunde Menschen kann es altersunabhängig nur von Vorteil sein, sich mit den schwierigen Entscheidungen zu befassen, die getroffen werden müssen, wenn der Abschied vom Leben unabwendbar ist. 

Geordnet nach Themen erklärt der Autor sachlich und präzise die medizinischen und medizinrechtlichen Begriffe zum Sterben und gibt Antworten auf ethische, pflegerische und juristische Fragen. Folgende Themenbereiche werden behandelt: Selbstbestimmung – Patientenverfügung – Passive und aktive Sterbehilfe – Palliativmedizin – Suizid und Beihilfe zum Suizid – Sterbefasten – Wiederbelebung – Natürliche und künstliche Ernährung – Koma und „Wachkoma“ – Fortgeschrittene Demenz – Die letzten Tage und Stunden – Herztod und Hirntod – Organspende. Der Anhang enthält Kontaktadressen für Beratung und Hilfe, Mustervorlagen, ein Register und Literaturhinweise.

Michael de Ridder: „Abschied vom Leben. Von der Patientenverfügung bis zur Palliativmedizin. Ein Leitfaden“, Pantheon Verlag, München 2017, broschiert, 224 Seiten., 14 Euro


Wie sich Wirtschaftskrisen auf die Schifffahrt auswirken
Britta Heitmann

Seit fast zehn Jahren steuert die Handelsschifffahrt  durch schwere See. Schiffe werden ausgeflaggt und abgewrackt, aber ein Ende der weltweiten Krise ist noch nicht in Sicht. Karsten Kunibert Krüger-Kopiske untersucht in seinem Buch „Schifffahrt im 21. Jahrhundert“ die Ursachen und betrachtet dabei die Rolle der Reeder, Werften, Banken und der Politik.

Schifffahrtskrisen hat es schon immer gegeben, und diese hängen oft, aber nicht immer, mit allgemeinen Wirtschaftskrisen zusammen. Das Tonnage-Angebot übersteigt seit Längerem die Nachfrage, die Frachtraten sinken, und dadurch können die Schiffe nicht mehr kostendeckend betrieben werden. Das hat allerdings nicht nur Auswirkungen auf die Reedereien. Krüger-Kopiske zeigt die Krise aus verschiedenen Aspekten anhand der Auswertung von statistischem Material. Er gibt einen thematischen Überblick, was im Seehandel überhaupt verschifft wird, um welche Produkte es dabei geht und welche Schiffstypen dafür notwendig sind. Diese Schiffe werden detailliert vorgestellt, und er erläutert ihre Unterschiede, von den verschiedenen Tankertypen, Massengutfrachtern, Containerschiffen und der Handelsflotte allgemein. 

Nachdem die ersten Seetransporte ursprünglich von Kaufleuten, die ihre Waren nach Übersee verschiffen wollten, in Eigenregie ausgeführt wurden, hat sich daraus eine eigene Branche zur Abwick-lung des Seetransports entwickelt. Inzwischen sind die meisten Reedereien multifunktionale Unternehmen, die gerade in dieser Krise nicht nur von den Frachten leben, sondern auch von den zusätzlich angebotenen Dienstleistungen rund ums Schiff. Auch dem Kostenmanagement widmet er ein ausführliches Kapitel und stellt die Vor- und Nachteile von Ausflaggungen und den verschiedenen Personalkosten je nach Nationalität der Beteiligten vor, ebenso wie die technischen Betriebs- und Versicherungskosten und die unterschiedlichen Umweltregularien. 

Ein besonderes Kapitel gilt dem Schiff als Finanz- und Spekulationsobjekt. Durch die massive Einbringung von schifffahrtsfremdem Geld durch steuerliche Vorteile wurden Schiffe als Anlageobjekte, deren Auslastung nicht dauerhaft gesichert war, dennoch bei den Werften beauftragt. Hier kommt es zu einem dauerhaften Konflikt mit den Reedereien, die auf einen wirtschaftlichen Betrieb der Schiffe angewiesen sind und der Geldanleger, die nur an Dividenden interessiert sind. 

Krüger-Kopiske möchte mit seinem Buch ausdrücklich eine Dis-kussion in Gang bringen, wie es mit der internationalen Schifffahrt, aber auch der Positionierung der deutschen Reedereien weitergehen kann. Dazu beleuchtet er sämtliche Aspekte ausführlich von allen Seiten. Mit einem Essay „Wege aus der Krise“ wagt er für den nachhaltigen Seetransport einen Blick in die Zukunft. Trotz dieses geballten Informationsgehaltes ist das Buch sehr gut lesbar und die Statistiken sind ansprechend gestaltet. Nach der Lektüre des gründlich recherchierten Buches kann sich der Leser eine fundierte Meinung bilden, wenn auch ein schneller Weg aus der Krise bislang leider nicht in Sicht ist.

Karsten Kunibert Krüger-Kopiske: „Schifffahrt im 21. Jahrhundert“, Koehler im Maximilian Verlag, Hamburg 2017, broschiert, 256 Seiten, 19,95 Euro


Bürgern aus der Seele gesprochen

Gehört der Islam zu Deutschland?“, fragt der Orientalist und Islamkenner Alfred Schlicht in seinem neuesten Werk, das genau diesen Titel trägt. Damit weckt er Erwartungen, die am Ende enttäuscht werden, weil keine konkrete Antwort erfolgt. Dabei beginnt das Buch so furios: Selten einmal wagt es ein Autor, in derart ungeschminkter Form über die Schattenseiten des Islam und der muslimischen Mentalität zu berichten. 

Vieles, was Schlicht schreibt, spricht dem aufmerksamen Beobachter der aktuellen Verhältnisse aus der Seele. So zum Beispiel, wenn er das „Selbstmitleid“ der vielen „kleinen Versager“ und „gescheiterten Existenzen“ islamischen Glaubens kritisiert, die ständig über „Diskriminierung“ jammern. Oder wenn er die gebetsmühlenartig bemühte These in der Luft zerreißt, dass der Terror nichts mit dem „wahren Islam“ zu tun habe. Hier argumentiert er brillant und auf der Basis unbestreitbarer Fakten. Wozu auch gehört, Härte im Umgang mit größenwahnsinnigen Islamfunktionären und gewaltaffinen Steinzeitmuslimen anzumahnen. Insofern ist das Buch wärmstens zu empfehlen – der Rezensent hat selten eine bessere Bestandsaufnahme über den heutigen Zustand des Islam gelesen.

Allerdings kippt das Ganze dann im Schlusskapitel, weshalb der Eindruck entsteht, der Autor habe plötzlich Angst vor der eigenen Cou-rage bekommen. Trotz der Diagnose, dass Muslime über weite Strecken integrationsunwillig sind und in Parallelgesellschaften auf die Islamisierung der Bundesrepublik hinarbeiten, sieht Schlicht „eine wachsende Nähe zu unserem Werte- und Gesellschaftssystem“. Um dann vom „rechten Unterschichtenmob“ zu phantasieren, der Bomben vor Moscheen zünde und Asylbewerberheime in Brand setze – wobei wieder die üblichen Klischees von den „fremdenfeindlichen“ neuen Bun-desländern bemüht werden, in denen „die Grenze zwischen konservativen ‚Normalbürgern‘ und kriminellen Nazis verwischt zu werden droht“.

Ebenso verwundert der Optimismus im Hinblick auf die angebliche Reformierbarkeit des Islam 

– dieser steht im krassen Gegensatz zu all dem, was Schlicht in den ersten fünf Kapiteln seines Buches geschrieben hat. Und noch etwas stört gewaltig, nämlich die permanente Aufforderung, dass wir – die schon immer hier Lebenden – „bessere Integrationsarbeit“ leisten müssten. Nein, das müssen wir nicht: Die Muslime, welche aus den verschiedensten Gründen ins christlich-abendländisch geprägte Deutschland geströmt sind und von uns alimentiert werden, stehen in der Bringschuld, und sonst keiner! W.K.

Alfred Schlicht: „Gehört der Islam zu Deutschland? Anmerkungen zu einem schwierigen Verhältnis“, Orell Füssli Verlag, Zürich 2017, gebunden, 231 Seiten, 19,95 Euro


Alternative für Kranke
Manuela Rosenthal-Kappi

Berichte von Menschen, die jahrelange Odysseen zu verschiedenen Ärzten hinter sich haben, ehe die Ursache für ihre Erkrankung gefunden wird, gibt es zuhauf. 

Der Münchner Arzt für Ganzheitsmedizin und Naturheilverfahren Norbert Kriegisch verfolgt eine andere Methode. Ihm half die Erkenntnis, dass der Mensch ein System aus Körper, Psyche und Geist ist, und Störfelder auf diesen Ebenen chronische Krankheiten auslösen. Kaum ein Schulmediziner würde beispielsweise Rheuma mit einer nicht intakten Darmflora in Verbindung bringen.

Neben Anleitungen zum Gesundheitsbewusstein bietet Kriegisch in seinem Buch „Ich fühle mich krank“ einen ausführlichen Selbsttest. Zahlreiche Fallbeispiele aus seinem Praxisalltag dienen der Illustration seiner Theorien und Behandlungsmethoden. 

Norbert Kriegisch: „Ich fühle mich krank – warum findet niemand etwas? Natur und Ganzheitsmedizin bieten Lösungen an“, Scorpio Verlag, München 2018, gebunden, 223 Seiten, 19,90 Euro

S. 23 Anzeige Rautenberg Buchhandlung

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S. 24 Panorama

Der satirische Wochenrückblick mit Klaus J. Groth
Oma, komm bald wieder / Wie man sich an die Apfelsine ran drängelt, und warum die Polygamie nur ganz langsam vorankommt

Was hat sich dieser Kerl bloß dabei gedacht? Jedenfalls hat er nicht an das Ende gedacht, was ja nach den Worten unserer geschäftsführenden Bundeskanzlerin Voraussetzung für erfolgreiche Politik ist. Nun hat er den Schlamassel. Dabei hat er doch nur Gutes gewollt. Freundliche Zuwendung für alle Menschen, dafür hat er gerackert und geackert, Lebensmittel eingesammelt und an Bedürftige verteilt. Er war einer von denen, die irgendwann Anwärter auf das Bundesverdienstkreuz oder zumindest einer Ehrenamtsplakette werden. Ganz klar, das kann sich der Vorsitzende der Hilfsorganisation „Die Tafel“ in Essen abschminken. Der Verein will nämlich vorübergehend nur noch Leute mit deutschem Personalausweis in seine Liste aufnehmen. Weil, so befand der Vorstand des Vereins, längst die Fremden unter den Empfängern den Ton angeben. Bis auf 75 Prozent war ihr Anteil gestiegen. Weil sie sich durch die Vielzahl junger, fremdsprachiger Männer an den Ausgabestellen abgeschreckt fühlten, seien ältere Frauen und alleinerziehende Mütter nicht mehr gekommen. „Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt“, sagte der Vorsitzende des Vereins, Jörg Sartor. 

Da hatte er was angerichtet. Die Geschwader der vereinigten Wohlmeiner fielen mit voller Wucht über ihn her. „Menschenverachtend“ sei sein Verhalten, „unhaltbar“ sowieso, „es dürfe keine Bedürftigen erster und zweiter Klasse geben“, die Entscheidung „nach Gutsherrenart“ sei „Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten“ und „rechter Hetzer“, das seien eindeutig „Nazi-Methoden“. Und damit der Mann das auch richtig kapiert, sprühten wahrhaft gute Menschen auf Transporter und die Eingangstür der Hilfsorganisation „Nazi“. Solche Demonstration hätte sich der Vorstand in Essen ersparen können mit einem rechten Wort zur rechten Zeit: „He Oma, nur nicht drängeln, immer hübsch hinten anstellen.“ 

Was da in Essen passiert ist, das musste kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Schon mit etwas kleineren Scheuklappen kann man die Notbremse, welche die „Tafel“ in Essen zog, als Hilferuf begreifen. Bei Syrern und Russlanddeutschen gebe es „ein Nehmer-Gen“, will der Vorsitzende der Essener Tafel beobachtet haben. Und das sagt er dann zu allem Überfluss auch noch. Da weiß man doch schon genug über den Mann. Dann setzt er noch obendrauf, einige würden drängeln und schubsen, denen fehle es an „einer Anstellkultur“. Auch darum habe man die Notbremse ziehen müssen. Bei aller Willkommenskultur.

Da kommt der Mann bei seinen Kollegen von anderen Tafeln aber gerade richtig. Hilflosigkeit unterstellen sie ihm landauf, landab. Das Problem habe man selbst ganz anders gelöst. Moment mal, welches Problem? Gab es da ein Problem? Na ja, also … nein, eigentlich, so ganz manchmal vielleicht …, aber schließlich haben wir das Problem ja gelöst. Im hessischen Nidda beispielweise hat man das Problem, das ja gar kein Problem ist, viel eleganter bereinigt. Da kamen die Empfänger in zwei Gruppen an den Gabentisch, zuerst die fremden Gäste, dann die einheimische Klientel. Gruppe zwei durfte dann nehmen, was Gruppe eins verschmäht hatte. Diese Lösung war keimfrei, keine Spur von Fremdenhass und irgendwie so richtig fair.

Die verrammelte Essenausgabe in Essen bringt es an den Tag: Die Willkommenskultur ist gar keine Willkommenskultur. Unsere Gäste müssen hungern, nur weil sie keine Deutschen sind. Und uns hat man immer vorgegaukelt, die Ankommenden würden ausreichend verköstigt, solange sie in einem Lager sind. Und wenn sie länger als 15 Monate in Deutschland sind, egal ob als Asylbewerber oder als anerkannter Flüchtling, dann erhalten sie für ihr Auskommen die Zuwendungen, die auch ein deutscher alleinstehender Sozialhilfeempfänger erhält. Das sind 416 Euro pro Monat. Wenig genug. Da sind Sneakers und Smartphone nicht drin. Werden die absolut benötigt, muss man eben anderswo sparen. 

Wenn einer, unter der wievielten Identität auch immer, mit Drängeln und Schubsen der Oma eine Apfelsine wegschnappt, dann gehört er nicht zu den großen Abstaubern. Die kann es bekanntlich gar nicht geben, weil jeder nur das Allernotwendigste zum Überleben erhält. Wie viel das ist, regeln die Gesetze zur Sozialsicherung. Dann kann es schon mal vorkommen, dass einer Flüchtlingsfamilie mit zehn Kindern eine monatliche Zuwendung von 8298 Euro bewilligt wird. Alles nach den geltenden Bestimmungen auf Euro und Cent exakt ausgerechnet. Kinder läppern sich eben. Und so gibt es für Papa 961 Euro, für Mama ebenfalls, für das ältere Kind 678 Euro, und so staffelt sich das dann herunter bis zu den jüngsten, von denen jedes 602 Euro erhält.

Weil eine so große Familie auch eine große Wohnung benötigt, wird der Bezug einer Sozialwohnung mit bis zu zwölf Wohnräumen oder 183 Quadratmetern amtlich zugestanden. Das ist offenbar die typische Norm einer Sozialwohnung in Deutschland. Wenn eine Wohnung von dieser Größe mal nicht gerade sofort verfügbar sein sollte, dann müssen eben mehrere Wohnungen zusammengelegt werden. So vielleicht drei Wohnungen? Das müsste hinkommen. Kein Wunder, dass es an Wohnungen mangelt. 

Noch problematischer wird es allerdings, wenn ein Mann mit vier Frauen um Unterstützung bittet. Vier Frauen mit einem Mann in einer Wohnung, das ist in deutschen Sozialgesetzen (noch) nicht vorgesehen. Mit vier Wohnungen lässt sich das Problem allerdings zufriedenstellend lösen. 

Nun soll niemand glauben, auf den Ämtern säßen nur Paragrafenreiter. Wenn es darauf ankommt, zeigt man auch in einer Behörde ein großes Herz. Im holsteinischen Pinneberg darf ein Syrer mit seinen zwei Ehefrauen und sechs Kindern in einem gemeinsamen Haus leben. Das Haus stellte die Gemeinde zur Verfügung. Die erste Frau war 14 Jahre alt, als der Mann sie heiratete, die zweite war 13 Jahre alt. Eine dritte, von der er getrennt ist, lebt noch in Syrien. Der Mann ist ungelernter Arbeiter und Analphabet. Er dürfte arbeiten, möchte aber nicht. Wie hoch seine Sozialbezüge sind, weiß er nicht. Er gehe zur Bank und hebe ab, was er benötige, sagt er. Nun denke er daran, zwei weitere Frauen zu heiraten. Um die anfangs erwähnte geschäftsführende Bundeskanzlerin noch einmal zu bemühen: Man muss das Problem immer vom Ende her bedenken. 

Wenn das Ende mal nicht ganz so aussieht, wie man es gerne hätte, dann muss man nur beharrlich daran arbeiten. Mit allen Mitteln. Die geschäftsführende Bundeskanzlerin hat es gerade vorgemacht. Weil das mit der gewünschten „fairen“ Verteilung der Asylsucher in Europa nicht klappen will, versuchte sie es jetzt mal mit ein bisschen Erpressung. Doch die schlichte Formel Asylsucher gegen Bares geht nicht auf. Uneinsichtig, wie sie nun mal sind, verweigern sich die mittel- und osteuropäischen Staaten weiterhin einer „fairen“ Verteilung. Vom Ende her gedacht, wäre das ohnehin keine Lösung. Nach kurzem Zwangsaufenthalt in Ungarn oder Polen würden aus den Asylsuchern Heimkehrer nach Deutschland. Warum die Sehnsucht nach Deutschland so unüberwindlich wäre, ist weiter oben ausreichend beschrieben worden. 

Also warten wir das bedenkliche Ende ab, nachdem die SPD ihre Groko-Werbetour beendete. Wie werden Lima and friends abstimmen; wie jene, die der Aufforderung „Tritt ein, sag Nein“ gefolgt sind? Deren Mitgliedschaft dürfte nicht mehr wert sein als die von Lima. Die ist wohl jetzt schon nicht mehr in der Partei, nachdem sie sich geoutet hat. Dazu benötigte sie nur ein kurzes Wuff, denn Lima ist eine Hündin. Die „Bild“-Zeitung hatte sie als neues Parteimitglied angemeldet, und Lima war mit Kusshand und einem sehr freundlichen Schreiben begrüßt worden. Es wäre nun wirklich billig zu behaupten, die SPD sei auf den Hund gekommen. Andererseits, so vom Ende her gedacht, hätte ein Kabinett der Kuscheltiere absolut viel Charme. Aber auch dazu leistet die Partei der geschäftsführenden Kanzlerin mit den von ihr benannten Ministeranwärtern keinen Beitrag.

MELDUNG / ZUR PERSON

Steinmeier will keine Kritiker

Berlin/Cottbus – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Vertreter der Cottbusser Stadtgesellschaft im Schloss Bellevue empfangen. Darunter waren Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), der Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Cottbus sowie Vertreter der Wirtschaftskammern, des Cottbuser Menschenrechtszentrums und des Fußball-Regionalligisten FC Energie Cottbus. Die Stadt war zuvor durch gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Immigranten und Einheimischen bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Laut RBB hat Steinmeyer es abgelehnt, kritische Stimmen dazu bei dem Treffen zu hören, sodass diese nicht eingeladen wurden, darunter der „Verein Zukunft Heimat“, der eine Demonstration gegen die Zuwanderungspolitik veranstaltet hatte. Die „Märkische Allgemeine Zeitung“ zitiert eine Sprecherin des Bundespräsidialamts, dass es „einen überschaubaren Kreis an Gesprächspartnern“ habe geben sollen, auch könne es „gar keinen Anspruch auf Vollständigkeit geben“.N.H.





Treuer Diener seiner Herrin

Eine Regel darf im Bundeskanzleramt nie gebrochen werden: Der Chef muss der Kanzlerin treu hinterherdackeln. Peter Altmaier hat das etwas über vier Jahre lang auf so ergebende Weise gemeistert, bis er quasi mit seiner Herrin verschmolz. Im Rahmen der Kabinettsumbildung will sich die Kanzlerin von ihrem Sprachrohr trennen. Altmaier soll Wirtschaftsminister werden. Der designierte Neue im Kanzleramt ist äußerlich eine Kopie Altmaiers: Helge Braun scheint die Vorliebe seines Vorgängers für Süßspeisen zu teilen.

Auch vom Temperamt her besteht Verwechslungsgefahr mit Altmaier. Braun gilt als besonnener und loyaler Parteisoldat, der eigenen Ruhm für die Chefin opfern würde. Politisch ist der 45-jährige Politiker aus Gießen, der seit 2009 für die hessische CDU als Hinterbänkler im Bundestag sitzt, ohnehin ganz auf Merkellinie. Als stellvertretender Flüchtlingskoordinator handelte er gemäß Merkels „Wir schaffen das“-Credo.

Obwohl er 2009 Staatssekretär beim Bildungs- und Forschungsministerium war und seit 2013 Staatsminister der Kanzlerin ist, gilt Braun als politisch unbeschriebenes Blatt. Eigentlich ist er Mediziner. Nach dem Wehrdienst studierte er Humanmedizin in seiner Heimatstadt Gießen, ehe er an den Universitätskliniken von Gießen und Marburg tätig war und über das Thema „Herzrasen während einer Operation“ promovierte. 

Parallel dazu reüssierte er in der Politik. Schon von 2002 bis 2005 war er Bundestagsabgeordneter, wurde aber nicht wiedergewählt. Kurz vor der Bundestagswahl 2017 lobte er die Kanzlerin: „Ich glaube, Sie haben gerade eine Bundeskanzlerin erlebt, die ihren Job mit Liebe, mit Hingabe, besonnen und klug macht.“ So etwas hört Merkel gerne. Der Lohn: Kanzleramtsminister. Es sei denn, ein negativer Ausgang der SPD-Mitgliederbefragung zur Groko am Sonntag macht alles zur Makulatur.H. Tews

MEINUNGEN

Ramin Peymani ist empört, dass eine friedliche Frauendemo in Berlin von Linksextremsten gestoppt werden konnte, ohne dass die Polizei das Demonstrationsrecht gegen die Blockierer durchgesetzt habe. In seinem Blog „Liberale Warte“ (19. Februar) schreibt er:

„Was ist es, das einen Staat dazu verleitet, seinen Bürgern den polizeilichen Schutz zur Durchsetzung ihres Rechts zu verweigern? Die Antwort ist simpel: Es ist die zur Staatsfeindlichkeit umdefinierte Ablehnung der Merkelschen Willkommenskultur und der öffentliche Protest gegen das Frauenbild vieler muslimischer Zuwanderer, dem schon so viele Frauen zum Opfer gefallen sind.“ 





Der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache (VDS), Walter Krämer, ruft in der Zeitschrift „Der Burschenschafter“ (1. Halbjahr 2018) zum Widerstand gegen die Verdrängung der deutschen Sprache auf:

„Muss man diese Entwicklung ... tatenlos begleiten, wie das große Teile der deutschen Sprachwissenschaften tun (und selbst auf deutschen Germanistenkongressen Englisch reden)? Man muss nicht. Wie andere ebenfalls vom Englischen bedrohte Kultursprachen wie Französisch oder Spanisch zeigen, lässt sich ebendiese Rolle als Kultursprache auch im 3. Jahrtausend erfolgreich verteidigen. Man muss nur wollen. Also wollen wir.“





Erich Vad, General a. D. der Bundeswehr, von 2007 bis 2013 Militärischer Berater der Bundeskanzlerin und jetzt Lehrbeauftragter an der Universität München, meint im „Cicero“ (22. Februar) zur Misere der Streitkräfte:

„Die Streitkräfte sind an einem Zustand angelangt, der immer das Ziel der westdeutschen Linken war: Die Bundeswehr ist strukturell nicht angriffsfähig. Und das wurde erreicht nach zwölf Jahren, in denen das Verteidigungsministerium in der Hand der Union war. Als CDU-Mitglied ärgert mich das persönlich. Da muss man sich schon fragen, ob man die Bundeswehr nicht lieber zumachen sollte.“





Manfred Baasner, Gründer der Wattenscheider Tafel, äußert sich gegenüber „Der We­sten“ (22. Februar) über das Auftreten mancher Asylsucher in seiner Einrichtung:

„Die sagen ,ich bin jetzt hier, gib, gib, gib‘. In deren Augen sind wir minderwertig.“





Bayerns künftiger Ministerpräsident Markus Söder stellt  im „Hamburger Abendblatt“ (24. Februar) seine Vorstellungen vor, was sich im Land zukünftig ändern muss.

„Seien wir ehrlich: Die Seelenlage der Deutschen hat sich durch die Zuwanderung seit 2015 verändert – und sie ist noch nicht wieder im Gleichgewicht. Viele Menschen haben die Sorge, dass sich die Grundprägung in ihrem Land verändert. In manchen Stadtteilen der Großstädte fühlen sich die Menschen unsicher. Hier muss man ansetzen: Es braucht verstärkte Sicherheit durch Polizeipräsenz auf den Straßen, aber auch ein Bekenntnis zu unserer Identität. Wir sind ein christlich geprägtes Land und wollen das auch bleiben.“