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Ausgabe 30/18 27.07.18

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Erstaunlich nervös
Steve Bannons EU-Pläne haben verblüffend heftige Reaktionen ausgelöst
Hans Heckel

Der US-Stratege will „rechte Nationalpopulisten“ in der EU zusammenschmieden. Etablierte Politiker reagieren nahezu panisch.

Die teils hysterischen Reaktionen auf die Ankündigung des US-Amerikaners Steve Bannon, in der EU politisch aktiv zu werden, deuten auf erhebliche Nervosität bei vielen etablierten Politikern und Parteien hin. Bannon war kurzzeitig Chefstratege im Weißen Haus gewesen, bis US-Präsident Trump ihn im August 2017 entließ. Anfang dieses Jahres verlor er auch seinen Chefposten beim US-Internetportal „Breitbart News“.

Nun will Bannon in Brüssel eine Stiftung mit anfangs weniger als zehn Mitarbeitern gründen, um „rechte Nationalpopulisten“ in der ganzen EU bis zur EU-Wahl im Frühjahr 2019 zu einer schlagkräftigen Truppe zusammenzuschmieden, die bei dem Urnengang 30 Prozent holen solle. So die wenig bescheidene Ankündigung des Multimillionärs.

Ein politisches Establishment, das sich seiner Sache und seiner Machtposition einigermaßen sicher wäre, überginge so einen Fanfarenstoß eines Außenseiters mit müdem Lächeln. Ganz anders die deutschen Parteien: „Wir müssen jetzt kämpfen“, fordert der Europa-Staatsminister im Außenamt Michael Roth (SPD), die Grüne Renate Künast warnt, durch Bannons Aktivitäten solle die EU „zerstört werden“. Der europapolitische Sprecher der Unionsfraktion, Florian Hahn (CSU), schimpft von „unzulässiger Wahlbeeinflussung von außen“, und FDP-Außenpolitikerin Renata Alt sieht in der Ankündigung des US-Strategen gar einen „Frontalangriff gegen die EU und die europäischen Werte“.

Neben der erstaunlich heftigen Erregung sticht das Messen mit zweierlei Maß ins Auge: Über ihre Parteistiftungen üben die etablierten Parteien seit Jahrzehnten Einfluss aus auf die politischen Entwicklungen im Ausland. Bannons Intimfeind und Landsmann George Soros pumpt über seine Stiftung „Open Society“ und andere Kanäle Milliarden in andere Länder, um die Richtung dort mitzubestimmen.

Von „unzulässiger Wahlbeeinflussung“ war aus Berlin zu alldem nichts zu vernehmen. Im Gegenteil erfreut sich Milliardenspekulant Soros großen Ansehens in der etablierten deutschen Politik und wird von regierungsnahen Medien als „Menschenfreund“ gelobt.

Bannon verfügt über Kontakte zu etlichen rechtsbürgerlichen Kräften in Europa, namentlich zum Ungarn-Premier Victor Orbán, zu Frankreichs Marine Le Pen oder zu Italiens neuer Regierungspartei Lega. Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel würdigte den Amerikaner lediglich als interessante Person, ihr Parteichef Jörg Meuthen bat sich im ZDF-Sommerinterview Zeit aus, um sich mit Bannons Vorhaben vertraut zu machen, bevor er Stellung beziehe.

Trotz seiner Vernetzung dürfte Steve Bannon seinen Einfluss in Europa bei weitem überschätzen. Dass es ihm trotzdem gelungen ist, einen solchen Orkan auszulösen, spricht gerade deshalb Bände.  

»Individueller Vorteil unabhängig vom Nutzungswillen«
Bundesverfassungsgericht sichert die Rundfunkzwangsabgabe, fordert aber Änderungen bei der Beitragserhebung
Jan Heitmann

Die Rundfunkbeitragspflicht ist im Wesentlichen mit der Verfassung vereinbar. Mit dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz nicht vereinbar ist allerdings, dass auch für Zweitwohnungen ein Rundfunkbeitrag zu leisten ist.“ Das hat das Bundesverfassungsgericht am Mittwoch vergangener Woche auf die Beschwerden dreier Bürger und des Mietwagenunternehmens Sixt hin entschieden.

Die grundsätzliche Erhebung von Zwangsbeiträgen beanstandeten sie dagegen nicht. Diese sei verfassungskonform, weil sich „diejenigen an den Kosten einer öffentlichen Einrichtung beteiligen, die von ihr – potenziell – einen Nutzen haben“. Beim Rundfunkbeitrag liege dieser individuelle Vorteil in der Möglichkeit, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nutzen zu können. Auf das Vorhandensein von Empfangsgeräten oder einen Nutzungswillen komme es nicht an. Die Rundfunkbeitragspflicht dürfe im privaten Bereich an das Innehaben von Wohnungen anknüpfen, da Rundfunk typischerweise dort genutzt werde. Dem Rundfunkbeitrag stehe eine „äquivalente staatliche Leistung, nämlich ein umfangreiches, so auf dem freien Markt nicht erhältliches Angebot“ in Form von Vollprogrammen, Spartenprogrammen und Zusatzangeboten, einem Bildungsprogramm, zahlreichen Hörfunkprogrammen und Telemedienangeboten gegenüber. Inha- ber mehrerer Wohnungen dürften für die Möglichkeit privater Rundfunknutzung allerdings nicht mit insgesamt mehr als einem vollen Rundfunkbeitrag belastet werden.

Im nicht privaten Bereich verstießen weder die Beitragspflicht für Betriebsstätten noch die Beitragspflicht für nicht zu ausschließlich privaten Zwecken genutzte Kraftfahrzeuge gegen den Grundsatz der Belastungsgleichheit, so das Gericht weiter. Die Möglichkeit des Rund- funkempfangs vermittele den Firmeninhabern einen Vorteil. Sie könnten sich aus dem Rundfunkangebot „Informationen für den Betrieb beschaffen sowie es zur Information oder Unterhaltung ihrer Beschäftigten und ihrer Kundschaft nutzen“. Ein zusätzlicher erwerbswirtschaftlicher Vorteil erwachse ihnen durch die Möglichkeit, Rundfunk in betrieblich genutzten Kraftfahrzeugen zu empfangen. Bei Unternehmen, deren Aktivität vor allem in der Nutzung von Kraftfahrzeugen liege, werde „der Nutzungsvorteil zum Hauptvorteil“. Bei Mietwagen mit Radio liege der Vorteil „im preisbildenden Faktor der Empfangsmöglichkeit“, also einer höheren Miete.

Nach Ansicht des Verfassungsgerichts hätten die Gesetzgeber den bestehenden weiten Gestaltungsspiel- raum bei der Festsetzung des Rundfunkbeitrags auch nicht überschritten, da sie sich dabei an den Berechnungen der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten orientierten. Diese lässt den Rundfunkanstalten regelmäßig mehr Geld zukommen, sodass die Einnahmen durch die Rundfunkabgabe nach Berechnungen des Verbraucherportals „Warenvergleich.de“ seit 1995 rund 1,96 mal stärker gestiegen sind als die sonstigen Verbraucherpreise. Während die Verbraucherpreise nur um 35,78 Prozent zugenommen haben, wuchs der Rundfunkbeitrag im selben Zeitraum um 70,21 Prozent. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der sonstigen Verbraucherpreise lag bei 1,63 Prozent, die der Rundfunkbeiträge dagegen bei 3,19 Prozent. Würden sich die Rundfunkeinnahmen lediglich im Rahmen des allgemeinen Anstiegs der Verbraucher- preise bewegen, dürften sie derzeit nur bei rund 6,38 Milliarden Euro liegen. Tatsächlich sind es acht Milliarden, also 1,62 Milliarden Euro über diesem Wert.

In der jetzt verhandelten Sache hatte der Senat aus einer Vielzahl von Verfassungsbeschwerden vier Kläger ausgewählt, deren Fälle grundsätzliche Fragen aufwerfen. Nach Angaben des Bundesverfassungsgerichts sind dort noch rund 140 Beschwerden gegen den Rundfunkbeitrag offen. Weitere rund 380 Klagen seien „durch Nichtannahme ohne Begründung“ erledigt. Bei anderen Gerichten sind laut „Beitragsservice“ der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über 4000 weitere „rundfunkbeitragsrechtliche Verfahren“ anhängig.

Manuel Ruoff:
Demaskierend

Nach dem Vorbild des Boheis um die französische Nationalmannschaft hatte nicht nur der DFB die „Mannschaft“ als ein gelungenes Vorbild für eine sowohl bunte als auch erfolgreiche Gesellschaft präsentiert. Mit Mesut Özil hat sich nun ausgerechnet ein Angehöriger dieser Mannschaft als Beispiel für eine denkbar schlecht gelungene Integration präsentiert. Der deutsche Staatsbürger verehrt den Präsidenten eines fremden Landes wie einen eigenen. 

Nicht einmal den bescheidenen Ansprüchen der Vertreter des sogenannten Verfassungspatriotismus, denen die Bejahung von Grundgesetz und westlichen Werten als Ausweis für eine gelungene Integration ausreicht, genügt Özil, verehrt er mit Erdogan doch einen Autokraten. Da hilft es auch nicht, wenn Özil seine Wahlkampfhilfe für Erdogan mit dem „Respekt vor dem höchsten Amt des Landes meiner Familie“ rechtfertigt. Hätte ein Deutscher sich so verteidigt, hätte man es als Beweis der Fortexistenz „preußischer Obrigkeitshörigkeit“ interpretiert. Seit Hitler Deutschlands Staats- und Regierungschef war, kommt zumindest ein Deutscher damit nicht mehr durch.

Auch das klassische linke Verteidigungsargument greift hier so gar nicht. Gebetsmühlenhaft wird bei misslungenen Integrationen die deutsche Mehrheitsbevölkerung dafür ver­ant­wort- lich gemacht. Selbst wenn sie durch die Verleihung der Staatsbürgerschaft Rechts- und politische Gleichheit gewähre, so enthalte sie doch ihren Mitbürgern mit Migrationshintergrund die wirtschaftliche Gleichheit und Teilhabe vor, diskriminiere sie sie in der Wirtschaft. Mehr als ein Fußballprofi wie Özil kann ein junger Mensch in Deutschland aber kaum verdienen.

S. 2 Aktuell

Ein Wiedersehen noch in diesem Jahr?
Nicht nur der Wunsch nach Fortsetzung lässt das Gipfeltreffen in Helsinki als Erfolg erscheinen
Florian Stumfall

Ohne Frage hat es schon politische Gipfeltreffen gegeben, deren Bilanz erheblich magerer ausfiel als jene nach dem Gespräch zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem US-Amtskollegen Donald Trump in Helsinki. Da aus dem Weißen Haus bekannt wurde, dass noch in diesem Jahr ein Besuch Putins in den USA vorgesehen ist, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass die Gespräche in Helsinki keine vergeudete Zeit waren.

Allerdings steht zu erwarten, dass vor dem erneuten Treffen wiederum von allen Transatlantikern, EU-Profis, Russland-Hassern und Putin-Feinden ein gleichermaßen gespenstisches Treiben im Vorfeld veranstaltet werden wird, wie es in den Wochen vor Helsinki über die Bühne gegangen war. Kern der anklagenden Warnungen vor einem USA-Russland-Gespräch auf höchster Ebene war und ist, dass die Russen den US-Präsidenten in der Hand hätten wegen kompromittierenden Materials, geheimer Übereinstimmungen oder des nicht aus der Welt zu schaffenden, wenngleich völlig unbewiesenen Verdachts, Russland habe Trump bei der US-Präsidentenwahl geholfen. 

Hier wirkt und webt eine Ansammlung von Gerüchten und Verdächtigungen, die einmal wirklich die Bezeichnung einer „Verschwörungstheorie“ verdienen. Sie wird von der atlantischen Propaganda gehegt und gepflegt, weil man damit Grund zu haben glaubt, die NATO abermals zu erweitern – Stichwort Ukraine und Georgien –, die Sanktionen gegen Russland aufrechtzuerhalten, vom US-Kongress mehr Geld für die Rüstung bewilligt zu bekommen und die europäischen NATO-Partner besser zur Kasse bitten zu können.

Trumps Haltung zu alledem ist – seiner Natur entsprechend – zwiespältig. Doch seinen innenpolitischen Gegnern und teilweise auch seinen Gefolgsleuten ist es bei Mitteilungen wie diesen kalt über den Rücken gerieselt: „Präsident Putin und ich haben eine Diskussion zu einem weiten Kreis von Fragen geführt, die für unsere beiden Länder von strategischer Wichtigkeit sind. Wir hatten einen direkten, offenen und äußerst produktiven Dialog.“

Putin machte seinerseits die Zeugen in Helsinki und die lauschende Weltöffentlichkeit mit einer Tatsache vertraut, die vielen entgangen zu sein scheint: „Der Kalte Krieg ist längst vorbei.“ Allerdings hatte er Grund zuzufügen: „Es ist offensichtlich, dass die bilateralen Beziehungen eine schwere Zeit durchmachen. Diese Schwierigkeiten, die vorherrschende angespannte Atmosphäre haben jedoch keine objektiven Gründe.“

Aus dieser Gegebenheit zogen die beiden Präsidenten den Schluss, dass es sinnvoll und notwendig sei, dem Treffen von Helsinki weitere folgen zu lassen. „Wir sind übereingekommen“, so Trump, „dass unsere bilateralen Treffen künftig öfter stattfinden.“ Insofern ist die bevorstehende Einladung Putins in die USA folgerichtig und zeigt, dass die Partner mehr tun wollen, als die üblichen, wohlfeilen Höflichkeitsflos­keln auszutauschen.

Dazu gehören Vereinbarungen wie die, einen Expertenrat einzurichten, der sich mit jeweils anfallenden bilateralen Problemen befassen soll. Desgleichen sollen Foren geschaffen werden, auf denen geschäftliche und kulturelle Belange behandelt werden können. Die USA haben vorgeschlagen, eine gemeinsame Arbeitsgruppe für den Anti-Terror-Kampf zu schaffen. Dabei wurde von beiden Seiten auf vereinzelte gemeinsame Aktionen in Syrien verwiesen. Außerdem haben Geheimdienste beider Seiten bei der Fußball-WM in Russland erfolgreich zusammengewirkt. 

Angesichts eines solchen Ergebnisses wirken die Angst- und Zornschreie im Vorfeld von Helsinki heute lächerlich. Der frühere CIA-Chef John Brennan entledigte sich mit dem Vorwurf gegenüber Trump, dieser habe „Hochverrat“ begangen, vollends des Anspruchs auf Ernsthaftigkeit.

Dennoch hat auch nach dem Gipfel das Narrativ von dem Unhold Putin, der dem US-amerikanischen Volk einen Präsidenten aufgezwungen habe, der ihm lehenspflichtig sei, immer noch politische Wirkkraft. US-Sonderermittler Robert Mueller hat Anklage gegen zwölf russische Geheimdienstler erhoben. Sie sollen den Hackerangriff auf Trumps Konkurrentin Hillary Clinton geführt und dadurch den Wahlausgang entscheidend beeinflusst haben. Damit wird allerdings offen eingestanden, dass Clinton kompromittierendes Material zu verbergen hat. Die Beweislage aber ist dürftig. Der stellvertretende US-Justizminister Rod Rosenstein erklärte, mit den Anklagen gegen die Geheimdienstler gehe die US-Justiz davon aus, dass russische Militärs hinter den Angriffen stecken. Die Justiz „geht davon aus“, mehr scheint sie nicht in der Hand zu haben.

Obwohl die Anklage rechtzeitig vor den Gesprächen in Helsinki veröffentlich worden war, hat sie nicht, wie beabsichtigt, dort zu Störungen geführt. Die US-Staatsanwaltschaft kann aber den Prozess gegen die zwölf Russen in der beruhigenden Gewissheit führen, dass diese nicht angehört werden müssen. Sie befinden sich nämlich samt und sonders in Russland und können von dort aus den Prozess gegen sie nicht wesentlich beeinflussen.

Allerdings hat Putin mit Blick auf diese Situation vorgeschlagen, man solle die Möglichkeit schaffen, dass Bürger des jeweils anderen Landes – der USA und Russlands – nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit verhört werden können. In diesem Falle wäre er offenbar bereit, die Zwölf in die USA zu dem Prozess zu schicken, der eigentlich gegen ihn selbst, Putin, geführt wird. Allerdings hat bei allem Entgegenkommen Trump diesen Vorschlag abgelehnt. Vielleicht hat ihn Brennans Vorwurf, er habe sich von Putin „über den Tisch ziehen lassen“, doch ein wenig geärgert.

Anschlag auf Exil-Iraner vereitelt
Generalbundesanwalt erließ Haftbefehl wegen geheimdienstlicher Tätigkeit und Verabredung zum Mord
Friedrich-Wilhelm Schlomann

Generalbundesanwalt Peter Frank hat in Karlsruhe Haftbefehl gegen den in Bayern festgenommenen Iraner Assadoilah A. wegen geheimdienstlicher Tätigkeit und Verabredung zum Mord erlassen. Dem 46-Jährigen wird vorgeworfen, vor wenigen Monaten ein in Antwerpen lebendes Ehepaar beauftragt zu haben, einen Sprengstoffanschlag auf die jährliche „Große Versammlung“ der iranischen Auslandsopposition Ende Juni im französischen Villepinte geplant zu haben. Dazu soll er dem Paar in Luxemburg eine Sprengvorrichtung mit insgesamt 500 Gramm des Sprengstoffes Acetonperoxid übergeben haben. Am Tag des geplanten Attentats indes wurde das Ehepaar auf seinem Weg nach Frankreich von belgischen Abwehrbehörden festgenommen, der Iraner wenige Tage später im Raum Aschaffenburg von deutschen Sicherheitsstellen.

Die Aktion gewinnt dadurch an politischer Brisanz, dass der festgenommene Iraner während der vergangenen drei Jahre als Botschaftsrat bei der Botschaft seines Landes in Wien akkreditiert und nach vorliegenden Erkenntnissen zugleich Mitarbeiter des iranischen Ministeriums für Nachrichtenwesen, des Geheimdienstes der Islamischen Republik Iran, gewesen ist. Wegen seiner Organisationsgröße und Bedeutung für die Stabilität des politischen Systems stellt das Ministerium eines der wichtigsten Teherans dar. Leiter ist Mahmud Alawi, der in seiner Funktion als Minister dem iranischen Kabinett angehört. Seine Schwerpunktaufgaben sind die Ausspähung und Bekämpfung der militanten iranischen Oppositionsbewegungen „Volksmudschahedin“ (MEK) und „Nationaler Widerstandsrat des Iran“ (NWRI). 

Der jetzige Vorfall ist nicht der erste dieser Art: Bereits vor zwei Jahren wurden in Deutschland zwei Iraner und ein Pakistani wegen Spionage gegen jene Oppositionsgruppen verhaftet. Im vergangenen Jahr hat das Kammergericht Berlin einen weiteren Agenten Teherans zu einer Freiheitsstrafe von über vier Jahren verurteilt wegen Ausspähung eines langjährigen Bundestagsabgeordneten. Mutmaßlich sollten hierdurch Anschlagsziele ausspioniert werden. Erst nach sechs Jahren konnte ihn der Verfassungsschutz enttarnen. 

Weitere Aufgaben des Ministeriums für Nachrichtenwesen sind die Informationsbeschaffung aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. In jüngster Zeit waren besonders in Baden-Württemberg intensive Aufklärungsaktivitäten gegen wissenschaftliche und militärische Einrichtungen zu beobachten. Neuerdings scheint die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik im Vordergrund des Interesses zu stehen. Häufiges Ziel sind auch afghanische Exilgruppierungen in Westeuropa. 

Ein weiterer Geheimdienst Teherans ist der „Nachrichtendienst der Iranischen Revolutionsgarden“ (RGID). Er soll primär den persönlichen Schutz des Präsidenten gewährleisten. Seine militärische Spezialeinheit, die Qods-Brigaden unter Führung von Generalmajor Qassem Soleimani, konzentriert sich auf Militärspionage. Schwerpunkte scheinen Israel, die USA und Westeuropa zu sein. Die Qods-Brigaden sind auch auf verdeckte militärische Operationen in verschiedenen Ländern des Nahen Osten spezialisiert. 

Die häufigste Art einer Anwerbung zur Spionage erfolgt bei beruflichen oder familiär bedingten Reisen in den Iran. Man kann sich dort dem Zugriff des Ministeriums für Nachrichtenwesen kaum entziehen, was eine ideale Voraussetzung für eine Anbahnung geheimer Mitarbeit darstellt. Daneben hat die iranische Botschaft in Berlin seit vielen Jahren „eine wichtige Funktion bei der nachrichtendienstlichen Ausspähung“ Europas, wie es in einem Papier der CIA heißt. 

Sehr zutreffend meint der soeben erschienene Jahresbericht des Verfassungsschutzes Baden-Württemberg, die Sorgen der USA und westeuropäischer Regierungen wegen des Atomprogramms Teherans „dürften die nachrichtendienstlichen Aktivitäten Irans weiter ansteigen lassen“.

MELDUNGEN

Hilfe bei Minenräumung

Berlin/Bagdad – Im vergangenen Jahr hat Deutschland 42 Millionen Euro für die Minen- und Sprengfallenräumung im Irak bereitgestellt. Der Schwerpunkt der noch immer andauernden Räumungsmaßnahmen liegt in den ehemals vom IS kontrollierten Gebieten im Nordirak, vor allem Mossul und Umland, den Gouverneursbezirken Anbar, Kirkuk und Salah al-Din sowie in der Region Kurdistan-Irak. Zudem beteiligt sich Deutschland an der Wiederherstellung der Versorgungsinfrastruktur und der Lebensmittelversorgung. Mit diesen Maßnahmen will die Bundesregierung die Rückkehr sogenannter Binnenvertriebener unterstützen.J.H.





Frieden in Ostafrika

Addis Abeba/Asmara – In Ostafrika ist einer der längsten Konflikte durch einen Regierungswechsel in Äthiopien beendet worden. Eritreas Staatschef Isayas Afewerki und Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed haben überraschend einen Friedens- und Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Darin wird vereinbart, dass diplomatische Beziehungen, Handel, Transport und Telekommunikation zwischen beiden Ländern wieder aufgenommen werden. Dies ist vor allem für Äthiopien von Vorteil, weil das Land keinen Zugang zum Meer hat. Das Abkommen, laut Papst Franziskus ein „Licht der Hoffnung für den gesamten afrikanischen Kontinent“, schlägt nach Jahrzehnten des Konfliktes ein neues Kapitel im Verhältnis beider Länder auf. Die Provinz Eritrea hatte 1993 nach jahrzehntelangen kriegerischen Auseinandersetzungen seine Unabhängigkeit von Äthiopien durchgesetzt. In der Folge kam es zu bewaffneten Kämpfen, die zwischen 1998 und 2000 in einem Grenzkrieg eskalierten, bei dem 80000 Menschen starben. Trotz eines international vermittelten Waffenstillstands gingen die Grenzstreitigkeiten auch danach weiter. Eritrea galt seitdem als eines der repressivsten und isoliertesten Länder der Welt. Fast 400000 Eritreer, mehr als fünf Prozent der Bevölkerung des Landes, sind nach UN-Angaben als Asylsucher nach Europa geflüchtet, die meisten nach Deutschland, Schweden und die Schweiz. Mit dem Friedensschluss könnte sich auch der Migrationsfluss verändern. Jetzt könnte in Eritrea der lebenslang verpflichtende Militärdienst abgeschafft werden. Diesen hatte Eritrea aufrechterhalten, um für einen neuen Krieg gegen Äthiopien gewappnet zu sein. Da Äthiopien die in Algier unterzeichnete Friedensvereinbarung aus dem Jahr 2000 nicht anerkannte, sah Eritreas Präsident das Land in der Gefahr, jederzeit angegriffen werden zu können. Nach seiner Logik rechtfertigte diese Lage den unbefristeten Wehrdienst. Wenn dieser jetzt abgeschafft wird, könnten Hunderttausende junger Menschen aus dem Militärdienst auf den Arbeitsmarkt strömen. Dieser existiert de facto aber gar nicht, weil es keine funktionierende Wirtschaft in dem bitterarmen Land gibt. Dies könnte kurzfristig den „Migrationsdruck“ trotz des Friedens sogar noch verstärken.B.B.

S. 3 Deutschland

Gemeinsam gegen den Notstand
»Konzertierte Aktion Pflege« der drei Bundesminister für Gesundheit, Arbeit und Familie
Peter Entinger

Die Bundesregierung hat für das kommende Jahr ein Maßnahmenpaket zur Beseitigung des Pflegenotstands angekündigt. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Familienministerin Franziska Giffey (SPD) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) haben hierfür die „Konzertierte Aktion Pflege“ ins Leben gerufen.

Deutschland hat im internationalen Vergleich eine alte Bevölkerung. Die Gruppe der über 60-Jährigen wächst kontinuierlich und mit ihr auch der Bedarf an Pflegepersonal. Nach der jüngsten Pflegestatistik waren 2015 knapp drei Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Die Bertelsmann-Stiftung sagte bereits im Jahr 2015 ein Fehlen von 100000 bis 200000 Pflegekräften voraus. Manche Statistik sei geschönt, weil Anbieter von Pflegediensten auch ungelernte Hilfskräfte einrechnen. 

Dass der Pflegenotstand in der Bundesrepublik sich mehr und mehr zu einem zentralen politischen Thema entwickelt, sieht auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier so und mahnt konkrete Schritte an. „Der aktuelle Zustand der Altenpflege bereitet Sorge“, sagte er. Pflege müsse „auf der politischen Agenda erste Priorität bekommen.“

Ein zentrales Problem ist der Personalmangel. Wegen ihm müss­ten Pflegekräfte mittlerweile morgens entscheiden, welche Abstriche sie bei ihren Patienten machen, kritisierte die Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein, Patrizia Drube, gegenüber dem Deutschlandfunk. 

Nach den Vorstellungen der Konzertierten Aktion sollen bis zu 13000 neue Stellen geschaffen werden. Neue Stellen nützen allerdings wenig, wenn es an Bewerbern mangelt. So sehen Experten ein viel größeres Problem nicht in der Schaffung, sondern in der Besetzung von Stellen. Es gehe darum, junge Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern, ihn für sie attraktiv zu machen. 

So klagt die Branche über massive Probleme, die freien Stellen zu besetzen. Die Folgen seien eine extreme Überlastung des Personals und ein hoher Krankenstand. Das wiederum macht den Beruf unattraktiv und erschwert es zusätzlich, Stellen zu besetzen – ein Teufelskreis.

Verbandssprecherin Drube formuliert es wie folgt: „Die schlechte Personalausstattung ist das, was auch den Pflegeberuf insbesondere unattraktiv macht, und von daher ist die Herausforderung, dass wir wirklich beides brauchen. Wir müssen einerseits eine bessere Personalbesetzung in den Einrichtungen haben, und parallel dazu brauchen wir ein ganzes Paket an Maßnahmen, was dazu beiträgt, dass der Pflegeberuf auch bei den Schulabgängern wettbewerbsfähig ist.“

Mehr Wettbewerbsfähigkeit des Berufs verspricht sich Spahn von einer „Tarifgebundenheit in allen Einrichtungen“. „80 Prozent der Altenpflege-Einrichtungen sind nicht tarifgebunden. Und das wollen wir ändern, indem wir regelhaft zu einer Tarifbezahlung kommen“, so der CDU-Politiker. Das sei rechtlich zwar schwierig, erklärte der Gesundheitsminister, betonte aber, „dass sich Anerkennung nicht nur in Worten ausdrückt. Es geht auch ums Geld.“ „Wir wollen mehr Menschen dazu bringen, diesen verantwortungsvollen Beruf zu ergreifen. Wir wollen Pflegekräfte ermuntern, in den Job zurückzukehren oder wieder Vollzeit darin zu arbeiten. Täglich leisten die Pflegekräfte in unserem Land Großartiges für unsere Gesellschaft. Dafür verdienen sie mehr Wertschätzung im Beruf, gute Arbeitsbedingungen und eine gerechte Bezahlung“, so Spahn.

Bereits vor zwei Jahren lag laut der Bundesagentur für Arbeit der zentrale Mittelwert (Median) des Gehalts für Fachkräfte in der Krankenpflege bei 3239 Euro, sprich die eine Hälfte verdiente mehr, die andere weniger. Doch nicht in der Hohe des Zentralwerts sehen Experten das Grundübel, sondern in den extremen Gehaltsunterschieden zwischen Kranken- und Pflegeberufen. Die Löhne in den Krankenhäusern sind aufgrund von Wochenend- und Nachtzuschlägen wesentlich höher als in den Seniorenheimen. Eine Vollzeit-Pflegekraft verdient derzeit durchschnittlich rund 2100 Euro brutto. Der Pflegeberuf gilt auch daher als extrem unattraktiv. 

Auf der Suche nach Personal sind in den vergangenen Jahren mehrere Anbieter dazu übergegangen, Pflegekräfte aus dem Ausland anzuwerben. Kritiker wenden hiergegen ein, dass mangelnde Sprachkenntnisse eine würdige Pflege verhindern könnten. „Ältere Menschen, die oft alleine sind, haben ein Anrecht auf ein gutes Wort“, sagt beispielsweise der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu einem Vorschlag Spahns, der für eine Anwerbung zusätzlicher ausländischer Pflegekräfte plädiert hatte. Es müsse vielmehr dafür gesorgt werden, „dass bestens qualifizierte Pflegekräfte, die wegen der schlechten Bedingungen und schlechten Bezahlung aus dem Beruf ausgestiegen sind, wieder zurückkommen“.

Fünfte Kolonne der CDU?
Die »Union der Mitte« hat ausgerechnet in Bayern ihre Keimzelle

Der linke Merkel-Flügel in der CDU/CSU hat sich in einer Neugründung zusammengefunden: der Union der Mitte (UdM). 1200 Unterstützer soll sie bereits haben. In Bayern hat sie ihre Keimzelle. „Flüchtlinge sind keine Sündenböcke für Entwick­lungen, die in unserer Gesellschaft schieflaufen“, sagte Stephan Bloch, Gründer der UdM, dem „Spiegel“. Vom CSU-Vorsitzenden und Bundesinnenminister Horst Seehofer forderte der Münchner nicht nur eine Entschuldigung für seinen Hinweis auf 69 Abschiebungen nach Afghanistan an seinem 69. Geburtstag: „Ich wünsche dem Parteivorsitzenden, dass er mit 69 Jahren den richtigen Moment für einen Rückzug von seinen Ämtern findet.“

Neben Seehofer sei es der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag Alexander Dobrindt gewesen, der vor allem zuletzt für Streit, Spalterei und sprachliche Verrohung gestanden habe, aber „auch Markus Söder hat sich inakzeptabler Ausdrücke bedient“. „In der CSU prägen derzeit kleine, aber sehr laute Teile das Image der Partei“, so Bloch weiter gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bloch ist nach eigenen Angaben seit 13 Jahren einfaches Mitglied der CSU und bisher parteiintern kaum in Erscheinung getreten. 

Für ein bisher eher unbeschriebenes Blatt ist es Bloch in auffallendem Maße gelungen, eine gute Vernetzung in die CDU hinein zu organisieren. Denn während prominente Christsoziale aus Bayern in der Liste der Unterstützer fehlen, tauchen aus der Bundes-CDU bekannte Namen auf wie Nord­rhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet. Zu den Unterstützern der UdM zählt Bloch auch Politiker wie Ruprecht Polenz, Roderich Kiesewetter oder der Europaabgeordnete Dennis Radtke. „Wer dauernd nach rechts schielt, sieht irgendwann die Realität verzerrt“, schrieb Radtke auf seiner Facebookseite. Das Herz der Union sei weder rechts noch links, sondern eben in der Mitte. „Wir wollen allen eine Stimme geben, die CDU und CSU auf Mitte-Kurs halten wollen und sich gegen einen Rechtsruck verwahren“, erklärte Karin Prien (CDU), Wissenschaftsministerin im Kabinett des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther, und fügte hinzu: „Wir sind keine Kopie der AfD.“ 

Angesichts dieser prominenten Unterstützung aus dem Merkel-Lager wird gemutmaßt, Bloch sei von Dritten mit der Gründung beauftragt worden. In Münchner CSU-Kreisen wird gar vermutet, man könnte es hier mit Vorbereitungen für einen CDU-Landesverband Bayern zu tun haben. 

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ wertet die Neugründung als Versuch der Anhänger Merkels, eine Organisationsstruktur in Bayern aufzubauen. Es sei aber auch ein Zeichen für die große Nervosität innerhalb der Reihen der Merkel-Befürworter.

Bloch hingegen möchte die UdM eher als eine Initiative verstanden wissen, die sich einem Masterplan für die Zukunft widmen will. „Wir müssen weg von vermeintlichen Problemen, welche den Menschen eingeredet werden. Wir müssen hin zu den wirklichen Nöten, Wünschen und Bedürfnissen der Bürger: Digitalisierung, Infrastruktur, Wohnungsbau, bezahlbare Mieten, Breitband, Verkehr“, erklärte er der „FAZ“.P.E.

MELDUNGEN

Kitas suchen Personal

Nürnberg – Eine Tätigkeit in der Kinderbetreuung scheint für viele nicht attraktiv zu sein. Denn nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren 2017 im Jahresdurchschnitt rund 11000 unbesetzte Arbeitsstellen für Fachkräfte in der Kindererziehung und -betreuung gemeldet. Auf 100 gemeldete freie Stellen seien durchschnittlich 104 Arbeitslose mit entsprechendem Zielberuf gekommen. Im vergangenen Jahr arbeiteten nach Angaben der Regierung knapp 594000 pädagogische Fachkräfte einschließlich Praktikanten und Freiwilligen im sozialen Jahr (FSJ) in Kindertagesstätten. Der Männeranteil sei in den vergangenen zehn Jahren von 3,1 auf 5,8 Prozent gestiegen.J.H.





EKD schrumpft immer weiter

Hannover – Zum Stichtag 31. Dezember 2017 gehörten 21,5 Millionen Menschen einer der 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Dies entspricht einem Rückgang von insgesamt 390000 Mitgliedern gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus der vor einer Woche veröffentlichten Mitgliederstatistik der EKD hervor. Den Rückgang führt die EKD vor allem auf den demografischen Wandel zurück. So seien rund 350000 Mitglieder im vergangenen Jahr verstorben. Als weitgehend stabil erwies sich die Zahl der Taufen und Aufnahmen. Sie lag mit rund 180000 Taufen und 25000 Aufnahmen auf dem Vorjahresniveau. Damit sind auch im Jahr 2017 erneut etwas mehr Menschen in die evangelische Kirche eingetreten als im gleichen Zeitraum Mitglieder ihre Zugehörigkeit aufgegeben haben. Nach den aktuellen Berechnungen auf Basis der gemeldeten vorläufigen Zahlen aus den Gliedkirchen der EKD traten 2017 rund 200000 Menschen aus der evangelischen Kirche aus.J.H.

S. 4 Rohingya

Nicht nur Opfer, auch Täter
Rohingya setzten die Gewaltspirale in Myanmar (Birma) in Gang
Wolfgang Kaufmann

Glaubt man den dramatischen Verlautbarungen der UNO und diverser westlicher Medien, handelt es sich bei den Rohingya in Myanmar (Birma) um die „am stärksten verfolgte Minderheit der Welt“, der eine „Auslöschung“ durch „ethnische Säuberungen“ drohe. Dabei wird verschwiegen, dass die Rohingya selbst die Gewaltspirale in dem südostasiatischen Land in Gang gesetzt haben. Ebenso fragt kaum jemand danach, wer aus dem Chaos in Myanmar Profit schlägt.

Die Rohingya sind kein eigenständiges Volk, wie vielfach behauptet wird, sondern illegale muslimische Einwanderer aus Bangladesch. Ihr Ziel ist die Islamisierung sowie Abspaltung des zu Myanmar gehörenden Rak-haing-Staates, früher „Arakan“ genannt. Dagegen wiederum setzen sich die buddhistischen und hinduistischen Bewohner der Region zur Wehr – mit Unterstützung der Zentralregierung in Naypyidaw und der Streitkräfte von Myanmar (Tatmadaw), die in der Vergangenheit bereits über 20 Militäroperationen gegen die Separatisten durchführten. 

Der birmanische Widerstand erreichte Ende August 2017 seinen Höhepunkt mit spontanen Übergriffen von Zivilisten und neuerlichen Militäreinsätzen, nachdem die islamische Terrororganisation Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) Polizeiposten im Norden des Rakhaing-Staates attackiert und parallel auch noch mehrere Massaker an „ungläubigen“ Bauern verübt hatte. Daraufhin flohen über 600000 Rohingya nach Bangladesch, während die ARSA Gräuelmärchen über den „Völkermord“ an den birmanischen Muslimen in die Welt setzte. So wurden wieder einmal gefälschte Fotos von angeblichen „Mord- und Folteropfern“ in Umlauf gebracht.

Die Eskalation des Konflikts ging also zweifelsfrei von den Separatisten aus. Dabei war es keinesfalls Zufall, dass die ARSA gerade zu diesem Zeitpunkt losschlug. Kurz zuvor war ihr nämlich vom pakistanischen Geheimdienst ISI zugetragen worden, die UNO plane, der Regierung von Myanmar einen Friedensplan vorzulegen. Solch eine diplomatische Initiative hätte es der ARSA schwer gemacht, den bewaffneten Kampf um die Loslösung des Rakhaing-Staates fortzusetzen und dafür weitere internationale Hilfe zu erlangen.

Es gibt es aber auch noch weitere Nutznießer der Verschärfung der Lage in dem südostasiatischen Land. So muss China vorerst darauf verzichten, Myanmar enger in seine Wirtschaftssphäre einzubinden und hierdurch die Energiesicherheit des Reiches der Mitte zu verbessern. Davon profitiert der geostrategische Rivale USA. Außerdem hofft die durch den Islamischen Staat in die Bedeutungslosigkeit abgedrängte Terrororganisation al-Kaida, mit der Unterstützung des Kampfes der ARSA wieder mehr Ansehen unter radikalen Muslimen zu gewinnen. Des Weiteren wäre da noch Pakistan zu nennen, das traditionell daran interessiert ist, Bangladesch, das sich einst von ihm abgespalten hatte, zu destabilisieren, sowie die hiesige Einwanderungslobby, welche die Vorgänge in Myanmar nutzt, um die Aufnahme weiterer Muslime zu fordern, nachdem der Zustrom aus dem Nahen Osten etwas zu stocken scheint. Ein entsprechender Appell wurde beispielsweise von dem Grünen-Politiker Volker Beck vorgebracht. Die Bundesregierung solle der Führung in Bangladesch „proaktiv“ anbieten, Rohingya-Flüchtlinge aus den dortigen Lagern nach Deutschland zu holen.

»Bedrohtes Volk«?
Mehrheitsbevölkerung und Armee wurden wohl gezielt provoziert

Rohingya-Milizen versuchten zwischen 1947 und 1992 mehrmals, die von Muslimen bewohnten Regionen Myanmars abzuspalten. Das scheiterte allerdings am konsequenten Widerstand des birmanischen Militärs. Anschließend herrschte eine Zeitlang relative Ruhe, bis die Lage ab 2012 erneut eskalierte. Nun hatten es die „Heiligen Krieger“ der Rohingya besonders auf buddhistische Mönche abgesehen, weil die als Islamkritiker auftraten. Mindestens 19 von ihnen wurden deshalb geköpft.

2013 entstand die Terrorgruppe „Harakah al-Yaqin“ (Glaubensbewegung) auf Initiative von etwa 20 Rohingya, die sich in Saudi-Arabien aufhielten. Auf das Konto dieser Organisation gingen die Attacken gegen Garnisonen entlang der Grenze zu Bangladesch im Oktober 2016 mit 13 Toten.

Anschließend erfolgte die Umbenennung der Harakah al-Yaqin in „Arakan Rohingya Salvation Army“ (ARSA, Heilsarmee der Ronhingya von Arakan) und die Ankündigung weiterer Aktionen. Letztere erfolgten ab dem 25. August 2017. Während rund 150 Dschihadisten an die 30 Polizeiposten angriffen, was insgesamt 89 Menschen das Leben kostete, verübten andere Massaker an Zivilisten. Die am gründlichsten recherchierte Beschreibung dieser Untaten findet sich in einem Bericht von Amnesty International (AI) vom 22. Mai 2018, dessen Inhalt die „Neue Zürcher Zeitung“ publik machte. Den Nachforschungen von AI zufolge ermordeten die ARSA-Killer in den Dörfern Ah Nauk Kha Maung Seik, Ye Bauk Kyar und Myo Thu Gyi 105 Hindus und Buddhisten, darunter mindestens 26 Kinder. Nach Angaben von Überlebenden erschlugen sie die „Ungläubigen“ oder schnitten ihnen die Kehle durch. Andere Opfer verschleppten die Terroristen nach Bangladesch und zwangen sie dort, zum Islam zu konvertieren.

Es deutet vieles darauf hin, dass die Massaker erfolgten, um das Militär und die nichtmuslimische Bevölkerung Myanmars zu Pogromen gegen die Rohingya aufzustacheln, die deren Selbststilisierung als „bedrohtes Volk“ erleichtern sollten.W.K.


Verbindungen der ARSA in die islamische Welt

Die Rohingya-Terrormiliz ARSA erhält vielfältige Unterstützung aus dem islamischen Ausland. In Saudi-Arabien, Katar und Pakistan sitzen ihre wichtigsten Finanziers und Waffenlieferanten. In Saudi-Arabien, Afghanistan und anderen islamischen Staaten wurde die gesamte Führung der ARSA ausgebildet. In Saudi-Arabien, nämlich in Mekka, sitzt der sogenannte Ältestenrat der Rohingya, der von dort aus den „Befreiungskampf“ der muslimischen Separatisten von Myanmar koordiniert. 

Auch gibt es Verbindungen zu ausländischen Terrororganisationen wie dem Islamischen Staat (IS), den Taliban oder al-Kaida. Das leugnen die Rohingya zwar, doch gibt es diverse Indizien. Zu nennen sind hier die zwei misslungenen Versuche von IS-Anhängern, die Botschaft Myanmars in der indonesischen Hauptstadt Jakarta in die Luft zu sprengen, sowie entsprechende Verlautbarungen des IS. Außerdem sind da noch die expliziten Aufrufe von al-Kaida an die „Rechtgläubigen“ Südostasiens, die Rohingya bei ihrem Dschihad zu unterstützen. Daraufhin rekrutierte die indonesische Front Pembela Islam (Islamische Verteidigungsfront) in kürzester Zeit 1200 Kämpfer für den Guerillakrieg gegen die Hindus und Buddhisten in Myanmar.

Die eindeutig terroristische Natur des angeblichen Freiheitskampfes der Rohingya bereitet den Nachbarländern mittlerweile große Sorgen. So geht die indische Regierung davon aus, dass die Rohingya-Flüchtlinge, die es bis nach Bengalen geschafft haben, ein massives Sicherheitsrisiko darstellen, und bereitet deshalb deren Abschiebung vor. Ja, selbst das muslimische Bangladesch möchte die rund eine Million Rohingya aus Myanmar, die seit 2016 ins Land strömten, alsbald wieder loswerden. Derweil hat die Regierung in Saudi-Arabien ein milliardenschweres Projekt aus der Taufe gehoben, dass den Bau von 560 Moscheen samt Islamschulen für die Rohingya in Bangladesch vorsieht.W.K.


Zeitzeugen

Ata Ullah alias Ataullah abu Ammar Jununi – Nach Erkenntnissen der International Crisis Group (ICG) steht der in Pakistan geborene Rohingya, der später im saudi-arabischen Mekka aufwuchs und dort auch als Imam predigte, an der Spitze der ARSA. Er soll unter anderem von den Taliban und libyschen Rebellen in Guerilla-Taktiken geschult worden sein.

Bina Bala – Als die muslimischen ARSA-Terroristen am 25. August 2017 ein Massaker an den „ungläubigen“ Bewohnern des birmanischen Dorfes Ah Nauk Kha Maung Seik anrichteten, gehörte die 

22-jährige Buddhistin zu den wenigen Überlebenden. Sie wurde gefoltert, ausgeraubt und mit ihrem Kind nach Bangladesch verschleppt, wo sie dann später gegen die ARSA aussagte.

Zachary Abuza – Für den Südostasien-Experten vom National War College in Washington steht fest, dass die ARSA versucht, Übergriffe der birmanischen Armee oder buddhistischer Milizen gegen die Rohingya zu provozieren, um auf diese Weise noch mehr Sympathien im Westen und verstärkte Unterstützung seitens der muslimischen Welt zu erlangen.

Samiha Nettikkara – Bereits 2015 entlarvte die BBC-Mitarbeiterin erstmals diverse Fotos, die als Beleg für Gräueltaten gegen die Rohingya dienen sollten und von vielen westlichen Medien ohne weitere Prüfung abgedruckt worden waren, als plumpe Fälschungen. So zeigen die Aufnahmen von angeblich bei Brandanschlägen gestorbenen Rohingya in Wirklichkeit die Opfer der Explosion eines Öltankers im Kongo mehrere Jahre zuvor.

Ashin Wirathu alias Win Khaing Oo – Der buddhistische Mönch aus Birma und Kopf der islamkritischen 969-Bewegung wird von westlichen Medien als „das freundliche Gesicht des Hasses“ gegenüber den Rohingya oder gar als „Birma-Hitler“ bezeichnet. Er warnt seit Jahren vor dem Machtstreben der Muslime in seiner Heimat und äußerte mit Blick auf diese: „Man kann voll von Liebe und Freundlichkeit sein, aber man sollte nicht neben einem tollwütigen Hund schlafen.“ Damit spricht er vielen Buddhisten und Hindus in Myanmar aus dem Herzen.


S. 5 Preussen/Berlin

Wieder ein voller Erfolg
Brandenburg lockt mit landesweitem Musikfestival und der »Landpartie« Tausende Besucher an
Norman Hanert

Auf den Spuren des erfolgreichen „Schleswig-Holstein Musikfestivals“ lockt auch Brandenburg seit 1990 mit einem eigenen, landesweiten Musikfest. Dabei braucht man sich hinter dem Vorbild aus dem Norden beileibe nicht zu verstecken. Die Menschen strömen zu Tausenden in die Veranstaltungen, auch in diesem Jahr. Parallel soll die „Landpartie“, die Menschen für die bäuerliche Wirtschaft begeistern.

Zwei Veranstaltungsreihen locken auch in diesem Jahr Tausende Besucher in die Dörfer und kleinen Städte Brandenburgs. Noch bis zum 9. September läuft die Saison bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten, die mittlerweile seit 1990 stattfinden.

Bühne für das Festival mit klassischer Musik sind historische Orte in Brandenburg und Berlin. Bereits einen festen Platz auf dem Spielplan des Musikfestes haben das Kloster Chorin, die Kammeroper Schloss Rheinsberg, Schloss Neuhardenberg und das Kloster Neuzelle. 

Im Renaissanceschloss von Königs Wusterhausen trat bereits Anfang Juli die Violinvirtuosin Midori auf. Der Weltstar aus Japan spielte am Lieblingsort des Soldatenkönigs Sonaten von Mozart und Schubert. In Paretz, der Sommerresidenz von Königin Luise und Friedrich Wilhelm III., standen im Juni das kanadische Rolston String Quartett und der Pianist Florian Glemser mit Werken von Haydn und Beethoven auf der Bühne.

Als Veranstaltungsort zum ersten Mal dabei war auch eine Werkhalle im einstmals größten Braunkohleveredlungswerk der Welt im südbrandenburgischen Ort Schwarze Pumpe. Hier führten die Jazzsängerin Angelica Weitz, die Sängerin Katherine Mehrling von der Komischen Oper Berlin und das Filmorchester Babelsberg Musik aus den James-Bond-Filmen auf. Erstmals in diesem Jahr hatten sich die Sommerkonzerte auch ein Partnerland gesucht. In ausgewählten Konzerten wollen die Veranstalter in diesem Jahr die musikalische Vielfalt Russlands darstellen. So präsentierte der Pianist Boris Spasski in Wünsdorf, dem ehemaligen Hauptquartier der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, Klavierwerke russischer Komponisten.

Die Sommerkonzerte umfassen mehr als nur die reine musikalische Veranstaltung vor geschichtsträchtiger Kulisse. Den Besuchern der Konzerte wird immer ein Kaffee- und Kuchenbuffet geboten, ebenso Literaturlesungen und Stadtführungen, aber auch Spaziergänge in der Natur. Dieses Konzept findet seit 28 Jahren großen Anklang. Die Veranstalter verkaufen jedes Jahr mehr als 20000 Karten. 

Wie das Musikfest hat sich mittlerweile auch die „Brandenburger Landpartie“ als Veranstaltung fest etabliert.  Die diesjährige 24. Ausgabe fand am        9. und 10. Juni statt und lockte Tausende Besucher aufs Land. Insgesamt nahmen in diesem Jahr 250 Bauernhöfe, Hofläden, landwirtschaftliche Betriebe, Vereine und Dorfmuseen teil. Ziel der Veranstalter ist es, den zumeist städtischen Besuchern einen Einblick zu geben, wie Lebensmittel produziert werden.   


Wirtschaftsmotor Tourismus in Gefahr
Theo Maass

Wovon lebt Berlin eigentlich? Industrie gibt es kaum noch. Nach dem Wegfall der Berlin-Förderung durch den Bund haben sich fast alle Betriebe davongemacht. Immerhin hilft der Tourismus der Stadt, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze zu schaffen. Abgesehen davon tragen die vielen Besucher ein positives Bild der deutschen Hauptstadt in alle Welt. Eine gute Wirtschaftsverwaltung sollte darüber nachdenken, wie noch mehr Besucher nach Berlin gelockt werden könnten. Dabei ist die Entwicklung erfreulich. 2017 gab es ein Plus von 1,8 Prozent. Fast 13 Millionen Besucher konnte die Stadt zählen. Auch 2018 zeigt die Zahl weiter nach oben. Berlin hat allen Grund zufrieden zu sein. Zumindest in dieser Branche gibt es eitel Sonnenschein.

Kritik an dieser Entwicklung gibt es jedoch aus dem linken Milieu. Die linksextreme Gewaltszene verübte nicht weniger als zehn Anschläge auf das erst vor einem Jahr eröffnete Luxushotel „Orania“ in Kreuzberg. Die Polizei des Innensenators Andreas Geisel (SPD) hat bislang keine Fahndungserfolge vorzuweisen. 

Die Grünen im Bezirk gehen gegen den Wirtschaftsmotor Tourismus subtiler vor. Fraktionschef Julian Schwarze (34) missfällt es, dass Touristen aus aller Welt in den Party-Kiezen von Friedrichshain-Kreuzberg feiern. Er redet von „Bestandsaufnahme“: „Ein Versäumnis seit mehr als zehn Jahren. Man ließ es einfach laufen.“ Ja, seit zehn Jahren lässt man es einfach „laufen“ und Steuereinnahmen fließen auch in die Kasse des grün regierten Bezirks. 

Schwarze fordert nun eine Planwirtschaft, die auch aus der untergegangenen DDR stammen könnte: „Es muss eine Obergrenze für Kneipen geben.“ Draußen dürfen nicht mehr Plätze angeboten werden als drinnen.“ „Lokale müssen besser vom Ordnungsamt kontrolliert werden“ und schließlich „keine neuen Hotels rund um Boxhagener Platz und im Wrangelkiez!“ Abgesehen von der Wirtschaftsfeindlichkeit der Vorschläge ist eine Portion Heuchelei nicht zu leugnen. Seit rund zwei Jahrzehnten haben die Grünen in Fried­richshain-Kreuzberg das Amt des Baustadt­rats besetzt. Der Bezirksverordnete Sven Heinemann (39) von der SPD hält Schwarze beim Hotelbau den Spiegel vor. „Sie hätten Verbote also längst durchsetzen können.“ 

Aber Julian Schwarze wäre nicht bei den Grünen, wenn es ihm nicht um „Grundsätzliches“ ginge. Er fordert ein „Umdenken“ beim Berlin-Tourismus – weg vom Image als Feier-Metropole. Das ist schön. Erst schreiben die Grünen in Kreuzberg vor, wie viele Touristen kommen dürfen und dann legen sie noch fest, wie der Urlaub gestaltet werden soll. Das liest sich fast wie eine Tourismusrichtlinie für das Urlaubsland Nordkorea.

Krach in den Koalitionen
Berlin und Brandenburg: SPD-Innenminister wollen durchgreifen
Frank Bücker/H.H.

In Brandenburg und Berlin gibt es Ärger in der Koalition. Die jeweils für die innere Sicherheit zuständigen Minister oder Senatoren (Andreas Geisel in Berlin und Karl-Heinz Schröter in Brandenburg, beide SPD) wollen Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit durchsetzen und stoßen dabei auf erbitterten Widerstand des SPD-Koalitionspartners Linkspartei in Berlin und der in Brandenburg mitregierenden Grünen. 

Geisel will eine stärkere Videoüberwachung an kriminalitätsbelasteten Orten von Berlin. Brandenburgs Innenminister will das Polizeigesetz ändern und Schleierfahndung nach bayerischem Vorbild und eine Ausweitung der Befugnisse der Polizei ermöglichen. 

Unausgesprochen sind diese Maßnahmen im Zusammenhang mit der ausufernden Gewalt von Immigranten und deren unkontrollierte Einwanderung zu sehen. Die Ausweitung der Polizeibefugnisse in Brandenburg könnte sich indes auch gegen die Gewalt linksextremer Demonstrationen und „Gegendemonstrationen“ richten. Die Videoüberwachung an kriminalitätsbelasteten Orten in Berlin geht letztendlich gegen die gleiche Personengruppe. Dagegen laufen Grüne und Linkspartei Sturm. 

Noch ist offen, ob die jeweiligen von der SPD gestellten Regierungschefs, Michael Müller in Berlin und Dietmar Woidke in Brandenburg, ihre Innenminister unterstützen oder im Regen stehen lassen. Parlamentarische Mehrheiten in Berlin und Brandenburg könnte die SPD auch gegen ihre jeweiligen Koalitionspartner mit Hilfe der oppositionellen CDU und AfD finden. 

Die Sozialministerin und Linkspartei-Landeschefin in Brandenburg, Diana Golze, meint, man  „braucht keinen Überwachungswahn nach bayerischem Vorbild“. In Berlin fasste der Landesvorstand der Linkspartei sogar einen einstimmigen Beschluss: „Nein zur Ton- und Videoüberwachung an öffentlichen Orten“.

Für die SPD ist die Lage brisant, weil sich besonders ihre (einstige) Kernwählerschaft, die sogenannten „kleinen Leute“, von der um sich greifenden Gewalt im öffentlichen Raum bedroht fühlen und Gegenmaßnahmen erwarten. Denn sie sind es, die in den ärmeren Gegenden mit hoher Kriminalitätsbelastung wohnen. Dem entgegen steht das Multikulti-Ideal, demzufolge die Furcht die Gewalt übertrieben und der Hinweis auf ausländische Täter rassismusverdächtig sein soll.

S. 6 Ausland

»Absolutes Sorgenkind«
Der zweite Platz bei der WM kann die vielfältigen Probleme Kroatiens nur kurzfristig überdecken
Peter Entinger

Einst galt Kroatien als Hoffnungsträger. Doch die Probleme sind mittlerweile groß. In die Freude über das gute Abschneiden der Nationalmannschaft bei der Fußball-WM mischen sich ausländische Medienberichte, die vor einem angeblichen Nationalismus-Problem warnen.

Dass es in Frankreich, dem Land des Weltmeisters, in der Nacht nach dem Finale schwere Krawalle vor allem durch jugendliche Maghrebiner gegeben hat, war vielen deutschen Medien kaum eine Notiz wert. Der begeisternde und weitgehend friedliche Empfang der kroatischen Mannschaft in Zagreb bestimmte dagegen die Berichterstattung über die Nachwehen des Fußball-Spektakels. „Über Rechtsaußen ins Finale“, schrieb die „Rheinische Post“ beispielsweise, und das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete auf seinem Online-Portal von nationalistischen Exzessen und kriegsverherrlichenden Rufen auf den Straßen des Landes. „Marko Perkovic, Frontsänger der Rechtsrock-Gruppe Thompson, steht mit auf dem Lastwagen, als hätte er selbst in Russland Tore geschossen. Ivan Rakitic, einer der Mittelfeldstars der Auswahl von Zlatko Dalic, veröffentlicht später ein gemeinsames Foto auf seinem Instagram-Profil“, schreibt die Tageszeitung „Die Welt“ und berichtet davon, dass der Barcelona-Star den Sänger als „König“ tituliert habe. Abwehrspieler Josip Simunic habe zudem Richtung Haupttribüne gebrüllt: „Za Dom!“ (für die Heimat“). Dies sei ein Wahlspruch und Gruß der Ustascha, eines 1929 gegründeten Geheimbundes, der sich zu einer faschistischen Bewegung entwickelte.

Außer Frage steht, dass Kroatien eine wechselvolle Vergangenheit mit vielen Brüchen hat. Die politischen Verhältnisse sind nach wie vor nicht stabil. 

Das Land ist erst 2013 der Europäischen Union beigetreten und damit deren jüngstes Mitglied. Die Wirtschaft kommt aus einem tiefen Tal und erholt sich erst seit 2016 kräftig. Zagreb würde gerne der Eurozone und dem Schengenraum beitreten, die EU-Mehrheit ist aber bislang dagegen. Eine Europa-Begeisterung, wie anderswo im ehemaligen Ostblock direkt nach dem Beitritt, blieb in Kroatien aus. Als sich das Land 1991 vom Vielvölkerstaat Jugoslawien verabschiedete und selbstständig wurde, war die Aufbruchstimmung groß. Doch diese ist längst verflogen. Ausufernde Bürokratie und Korruption haben sich über alle Bereiche von Staat und Gesellschaft gelegt. Das Pro-Kopf-Jahreseinkommen liegt gerade einmal bei umgerechnet 13000 US-Dollar.

Eine Massenabwanderung soll die Folge gewesen sein. Hunderttausende sollen nach Darstellung heimischer Demografen ihre Heimat vorübergehend oder für immer verlassen haben. Etwa zehn Prozent der einstmals 4,4 Millionen Einwohner sollen das Weite gesucht haben. Jeden Tag leben 41 Kroaten weniger in dem Land, berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf kroatische Experten. Gerade junge, gut ausgebildete Kroaten versuchen ihr Glück in den westlichen EU-Ländern. Fachkräfte aller Art sollen mittlerweile das Land verlassen haben. Nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur zeichnet sich in mehreren Landesteilen ein Pflegenotstand ab. Der Tourismus, mit 17 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig, suche in der Hauptsaison händeringend nach Kellnern, Köchen und Putzkräften. 

Gemäß den meisten Wirtschaftsstatistiken haben die vor der „Wende“ gleichfalls sozialistisch regierten EU-Partner in Mittel- und Osteuropa das einst wesentlich wohlhabendere Kroatien längst überflügelt. Selbst Rumänien kann mittlerweile ein höheres Sozialprodukt vorweisen als der auf den vorletzten EU-Platz abgerutschte Adriastaat. 

Der WM-Erfolg überdeckt diese Probleme zeitweise. Die Präsidentin lebt es vor. Auf ihrer Facebook-Seite ging es wochenlang ausschließlich um Fußball. In fast jedem Bild und Video war Kroatiens Staatsoberhaupt Kolinda Grabar-Kitarovic in einem Trikot der Nationalmannschaft zu sehen. Geschickt setzte sie sich als moderne Konservative ins Bild, Kritiker sagen allerdings, dass sie innenpolitisch nichts erreicht habe.

Die Verhältnisse sind schwierig. Nach der Jahrtausendwende steuerte der langjährige Premier Ivo Sanader von der Partei „Hrvatska demokratska zajednica“ (HDZ, Kroatische Demokratische Union), die heute zur christdemokratischen Europäischen Volkspartei gehört, das Land entschlossen in Richtung EU. Er gab dem Land eine gewisse innenpolitische Stabilität. Unzählige Korruptionsskandale ließen ihn jedoch 2009 straucheln. Am Ende seiner Amtszeit musste er sogar eine Haftstrafe antreten. 

Sein Nachfolger machte es nicht besser. „Unglücklich und schlecht vorbereitet stolperte der Neuling unter dem sozialdemokratischen Premier Zoran Milanovic in das neue Zeitalter“, beschreibt die Deutsche Welle den kroatischen EU-Beitritt. 

Seit 2016 stellt die HDZ nun wieder den Regierungschef. Den direkt vom Volk gewählten Staatschef stellt sie bereits seit 2015. Ungeachtet des gleichen Parteibuchs gilt das Verhältnis zwischen Staatspräsidentin Grabar-Kitarovic und Premier Andrej Plenkovic als gestört. Sie wird dem rechten Parteiflügel zugerechnet, während er als viel liberaler nicht nur als sie, sondern auch als der durchschnittliche HDZ-Wähler gilt. In Brüssel stöhnen EU-Funktionäre über das uneinheitliche Auftreten kroatischer Politiker. Die Rede ist von einem „absoluten Sorgenkind“.

So bleibt den Kroaten am Ende nur die Hoffnung, dass der Fußball etwas von seiner Euphorie auf das Land überträgt. „Die Fußballer haben uns allen gezeigt, dass man nicht jammern und aufgeben soll“, erklärte die Politologin Ljubica Vidovic-Vranic gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist für mich schwer, doch ich weiß, ich kann und will das!“, müsse der Leitspruch lauten.

Vom Staat im Stich gelassen
Viele Sicherheitskräfte Frankreichs suchen den Freitod
Eva-Maria Michels

Die französischen Sicherheitskräfte, das heißt Polizei und Gendarmerie, sind am Ende. Zu diesem alarmierenden Schluss kommt der Bericht des Senators François Grosdidier, Berichterstatter des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum „Zustand der inneren Sicherheit“. Sechs Monate lang tauchte das Mitglied der Partei „Les Républicains“ (LR, Die Republikaner) ins Innenleben von Polizei und Gendarmerie ein und kam zu dem Ergebnis, dass ein Teil der Sicherheitskräfte mit dem Staat entweder schon gebrochen hat oder aber dabei ist, es zu tun. 

Die Ursachen sind vielfältig, betreffen aber besonders die schlechte Ausrüstung der Sicherheitskräfte und fehlende Planstellen. Die Folgen des Personalmangels ist ein extremer Arbeitsrhythmus. Die Ordnungshüter können heute nur jedes vierte oder fünfte Wochenende mit ihren Familien verbringen und haben zusammen 22 Millionen Überstunden angesammelt, die sie sich weder auszahlen lassen noch als Urlaub abfeiern können. Ursächlich für die Überlastung ist der Kampf gegen den Terrorismus, der von den Sicherheitskräften einen erhöhten operativen Einsatz verlangt.

Vergangenes Jahr begingen 50 Polizisten und 40 Gendarme Selbstmord. Seit zehn Jahren liegt die Selbstmordrate bei den Sicherheitskräften 36 Prozent über dem nationalen Durchschnitt. 

Schuld daran ist ein allgemeiner moralischer Erschöpfungszustand, der einerseits auf das Klima von Gewalt durch Terrorgefahr, illegale Masseneinwanderung und soziale Spannungen zurückzuführen ist. Andererseits sind immer weniger Sicherheitskräfte vom Sinn ihrer Arbeit überzeugt. Sie haben das Gefühl, weder vom Staat oder ihren Vorgesetzten noch von den Medien oder der Öffentlichkeit anerkannt zu werden. Die Umständlichkeit und Langsamkeit der Justiz sowie die damit zusammenhängenden bürokratischen Arbeiten tun ein Übriges, die Moral der Sicherheitskräfte zu zersetzen. 

Zwar hat der Gesetzgeber Vereinfachungen beschlossen, doch lassen sich diese laut dem Bericht des Untersuchungsausschusses praktisch nicht umsetzen aufgrund fehlender technischer Ausrüstung. Die Ausstattung vieler Kommissariate ist nämlich nicht nur gebäudetechnisch, sondern auch im Bereich der Informatik und Sicherheit völlig veraltet. Bei den Dienstfahrzeugen der Sicherheitskräfte sieht es nicht besser aus.

Der Staat kümmert sich nicht einmal mehr um eine würdige Unterbringung der Polizisten und Gendarmen. Junge Polizisten mit einem Monatseinkommen von 1300 Euro werden aus der Provinz in den Großraum Paris versetzt und müssen in ihren Dienstwagen schlafen, da sie mit ihrem niedrigen Gehalt auf dem privaten Wohnungsmarkt nichts mieten können. Andere mieten zu fünft oder sechst eine 15 Quadratmeter große Unterkunft und schlafen in Schichten. Die wenigen Wohnungen, die der Staat für sie vorgesehen hat, sind nicht nutzbar, weil sie sich in einem desolaten Zustand befinden, geografisch zu weit vom Einsatzort entfernt sind oder aber in gefährlichen Problemvierteln liegen.

Die Gendarmen, die vom Status her Soldaten sind und den armeetypischen starken Kameradschaftsgeist haben, arrangieren sich im Großen und Ganzen besser mit der staatlichen Vernachlässigung als die organisatorisch atomisierten Polizisten.


Unmut im nationalen Flügel
Viele FPÖler beklagen zu große Zugeständnisse an die ÖVP
Michael Link

Der Austritt ihres Nationalratsabgeordneten Harald Stefan aus der Burschenschaft „Olympia“ hat in den vergangenen Tagen für Unmut innerhalb der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) gesorgt. „Das ist meine Privatsache. Das kommentiere ich nicht“, antwortete Stefan knapp auf Fragen der Presse zu den Gründen. Sein Austritt bedeute allerdings nicht, dass er sich generell von den Burschenschaften abwende, betonte Stefan, denn nach wie vor sei er Mitglied einer schlagenden Mittelschülerverbindung. Anlass für sein Ausscheiden soll Stefans Kritik am Gastauftritt Udo Voigts von der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) bei einer Veranstaltung der Olympia gewesen sein.

„Er ist in der Verbandszeitung immer als Paradeburschenschafter aufgetreten. Das nationale Lager fürchtet nun, dass an der Spitze nur Opportunisten sitzen, die sich nun abwenden“, erklärt Ewald Stadler das Missfallen, das Stefans Burschenschaftsaustritt im nationalen Flügel der FPÖ auslöst.  „Sie schlagen nicht sofort los, aber der Unmut steigert sich“, lautet die Vorhersage des früheren FPÖ-Abgeordneten und Ex-Vizechefs der FPÖ Niederösterreich. Immerhin ist mit 40 Prozent der Anteil an schlagenden Burschenschaftern unter den FPÖ-Abgeordneten so hoch wie nie zuvor.

Dass es im nationalen Flügel der FPÖ rumort, wurde bereits Ende vergangenen Monats auf dem niederösterreichischen Landesparteitags deutlich. Landeschef Walter Rosenkranz setzte sich nur mit vergleichsweise bescheidenen 68 Prozent gegen seine parteiinternen Konkurrenten durch. Christian Hafenecker, der Generalsekretär der Bundespartei, schied bei der Wahl zum Landesparteiobmann-Stellvertreter im ersten Wahlgang aus. Zudem wurde der geschäftsführende Landesobmann Niederösterreichs, Christian Höbart, abgewählt. 

Strahlender Sieger des Landesparteitages war Udo Landbauer. Der frühere FPÖ-Spitzenkandidat, der wegen der sogenannten Liederbuch-Affäre hatte zurück-treten müssen, wurde mit tosendem Applaus begrüßt. Bei dieser Affäre ging es um ein antisemitische Textzeilen enthaltendes Liederbuch der Burschenschaft Germania, deren stellvertretender Vorsitzender Landbauer war. Wenige Tage vor dem Parteitag war ein entlastendes Gutachten des Bundeskriminalamtes in der Causa publik geworden. Landbauer wurde von den Parteispitzen ga-rantiert, dass er jederzeit in die Politik zurückkehren könne.

„Die Nationalen sind immer noch angefressen, wie Landbauer fallen gelassen wurde, weil es die Volkspartei so wollte“, so Stadlers Befund. Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) hatte im Januar – wenige Wochen nach der Koalitionsbildung mit der FPÖ – Druck auf ihren Regierungspartner auf Bundesebene ausgeübt, Landbauer den Rücktritt nahezulegen.

Im Übrigen werde generell die Arbeit der Regierungsmannschaft nicht von jedem FPÖ-Mitglied gutgeheißen. „Die ersten Maßnahmen der Regierung sind gerade bei der blauen Basis im Industrieviertel nicht gut angekommen“, ist Stadler überzeugt. Im sozialen Bereich stünden sie diametral zu den Inhalten in der Opposition. So hat die Bundesregierung ein Programm für ältere Langzeitarbeitslose gestrichen und die maximale Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden erhöht.


MELDUNGEN

Kiews brüchige Internetmauer

Kiew – Im Mai 2017 verfügte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko die Sperrung aller russischen Internetseiten, über die sich die Bürger seines Landes bis dahin das Weltgeschehen außerhalb des engen Horizontes der eigenen Medienlandschaft erschlossen hatten. Gut ein Jahr später soll sich zwar laut der ukrainischen „Ekonomitschna Prawda“' die Besucherzahl des östlichen Facebook-Konkurrenten VK.com halbiert haben, dessen Präsenz ist aber immer noch die am vierthäufigsten angesteuerte Netzseite im Land. Augenscheinlich nutzen die Ukrainer technische Umgehungsmöglichkeiten, um sich nicht von den eigenen Zensoren abhängig zu machen.T.W.W.





Syrer sollen heimkehren

Moskau – Laut russischen Nachrichtenagenturen haben US-Präsident Trump und sein russischer Amtskollege Putin bei ihrem Treffen in Helsinki auch einen Rück­führungsplan für syrische Flüchtlinge vereinbart. Die Syrer sollten schon in nächster Zukunft in die Gegenden zurückkehren können, aus denen sie seit Kriegsbeginn 2011 geflüchtet waren. Dies betreffe zunächst 890000 Syrer im Libanon, 300000 in der Türkei und 200000 in der EU. Laut der Vereinbarung sollen Russland und die USA die Rückführung gemeinsam in die Hand nehmen. Von deutscher Seite wird eine nahezu entgegengesetzte Strategie verfolgt. Per Familienzusammenführung sollen weitere Syrer aus ihrer Heimat zu ihren Verwandten nach Deutschland nachgeholt werden, statt die bereits in der Bundesrepublik untergekommenen Bewohner des vorderasiatischen Landes in ihre Heimat zu bringen, wo der Krieg gerade in den allerletzten Zügen liegt und  weite Gebiete längst befriedet sind.  H.H.

S. 7 Wirtschaft

Hedgefonds drängt auf Zerschlagung
Die Vorsitzenden von Vorstand und Aufsichtsrat haben bei ThyssenKrupp bereits das Feld geräumt
Norman Hanert

Nachdem bei ThyssenKrupp der Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger und der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner ihren Rücktritt erklärt haben, steckt der Konzern in einer Führungskrise. Der Kurs des Unternehmens könnte künftig von einem umstrittenen Investor bestimmt werden.

Unmittelbar nachdem der Aufsichtsratschef Ulrich Lehner seinen Rücktritt angekündigt hatte, machte die Aktie von ThyssenKrupp einen Kurssprung von gut zehn Prozent. Beflügelt wurde der Kurs offenbar von Anlegern, die auf eine Zerschlagung des Essener Konzerns spekulieren. Sowohl der bisherige Vorstandsvorsitzende Hiesinger als auch der zurückgetretene Aufsichtsratschef Lehner standen für die Linie, den Gesamtkonzern zu erhalten. 

Insbesondere der Hedgefonds Elliott, der an ThyssenKrupp seit Mai eine relativ kleine Beteiligung hält, drängt auf einen Kurswechsel. Auch der schwedische Investor Cevian hat den bisherigen Konzernchef Hiesinger schon länger stark kritisiert. Der Konzern ist nicht nur in der Stahlerzeugung aktiv, sondern auch im Rohstoffhandel, im Maschinen- und Anlagenbau sowie als Hersteller von Autoteilen, U-Booten und Aufzügen. Speziell die Aufzug-sparte gilt als eine Ertragsperle und könnte bei einem Verkauf Geld in die Kassen der Investoren spülen. 

Hinter dem Hedgefonds Elliot steht der US-Milliardär Paul Singer, der als sogenannter aktivistischer Investor gilt. Diese nutzen ihre Minderheitsanteile, um dem jeweiligen Unternehmen einen anderen Kurs aufzuzwingen. Häufig geht es dabei um den Verkauf von Unternehmensanteilen oder die Ausschüttung von Geldreserven an die Aktionäre. Typisch für diese Investoren ist es, dass sie auf einen informellen Einfluss setzen. In den letzten Jahren muss­ten sich unter anderem Nestlé und Eon mit aktivistischen Investoren auseinandersetzten.

Die Gefahr einer Zerschlagung von ThyssenKrupp hat inzwischen auch die Politik alarmiert. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte an, er wolle eine aktivere Rolle in der Krise um den Industriekonzern übernehmen. Laschet sitzt im Kuratorium der Krupp-Stiftung, die am Konzern einen Anteil von 21 Prozent hält. Auch Sigmar Gabriel (SPD) hat vor einer Zerschlagung des Konzerns gewarnt. Gabriel sagte, bei ThyssenKrupp laufe ein „böses Spiel“. „Finanzinvestoren wie Elliott sind Gegner unserer Wirtschafts- und Sozialordnung“, so Gabriel gegen­über der „Westfälischen Rundschau“. Bereits im Jahr 2005 hatte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering mit Blick auf das Agieren von Hedgefonds das Wort „Heuschreckenschwärme“ gebraucht. 

Die Äußerungen der beiden prominenten Sozialdemokraten sind nicht nur wegen der zugespitzten Wortwahl bemerkenswert. Es war eine SPD-geführte Bundesregierung, welche die Grundlagen dafür legte, dass 

Privat-Equity-Firmen und Hedgefonds auch in der deutschen Wirtschaft mittlerweile eine wichtige Rolle spielen können. Im Jahr 2001 führte die rot-grüne Koalition unter Gerhard Schröder (SPD) die Steuerfreiheit von Gewinnen aus Anteilsveräußerungen an Kapitalgesellschaften ein. Der Schritt war ein wichtiger Faktor beim Ende der alten „Deutschland AG“, jenem Geflecht zwischen Banken und Versicherungen sowie deutschen Industrieunternehmen.

Mit dem Investmentmodernisierungsgesetz von 2003 machte Rot-Grün zudem den Weg für Hedgefonds frei. Gerade das Verschwinden der „Deutschland AG“ wurde als Modernisierungsschub angepriesen, allerdings sind auch die negativen Seiten der Entwicklung, etwa die auf schnellen Gewinn angelegte Zerschlagung von Firmen, nicht zu übersehen. 

Die Unternehmen in Deutschland gehen sehr unterschiedlich mit aktivistische Investoren um. Oftmals wird das Gefahrenpotenzial durch die Aktivisten unterschätzt. Die betroffenen Unternehmen agieren dann wie Getriebene und müssen sich dem Druck der Investoren beugen. Andere Unternehmen haben versucht, Unternehmensteile selbst frühzeitig abzuspalten. Siemens macht bereits seit 20 Jahren regelmäßig Tochterfirmen selbstständig. Der Münchener Konzern erzielt dabei einige Erfolge, musste, wie bei der abgespaltenen Mobiltelefonsparte, aber auch Verluste einstecken. 

Einen völlig anderen Weg zur Wahrung der Unabhängigkeit ist man bei Bosch gegangen. Auch das Unternehmen war in den 1920er Jahren zeitweise an der Börse notiert. Nach schlechten Erfahrungen an den Finanzmärkten fand Robert Bosch eine Lösung, die weltweit als einzigartig gilt. Als GmbH gehört das Unternehmen zu großen Teilen einer Stiftung, der keine Stimmrechte eingeräumt wurden. Die Machtzentrale des Unternehmens ist die Robert Bosch Industrietreuhand KG, die lediglich 0,01 Prozent der Anteile am Unternehmen hält. Zweck der Minibeteiligung ist es, finanzielle Eigeninteressen der zehn Treuhand-Gesellschafter auszuschließen. 

Das Konzept hat sich als erfolgreich erwiesen, Bosch gilt als einziger großer Konzern weltweit, der weder Übernahmeversuche noch die Macht von Aktionären oder von aktivistischen Investoren fürchten muss.

Hässlich, aber nötig: Vorboten der Digitalisierung
Neue Mobilfunkstandards – Fürs bessere Telefonieren und das schnellere mobile Internet wird das Land mit Sendemasten zugestellt

Obwohl der Ausbau des schnellen Mobilfunkstandards LTE (Long Term Evolution) noch nicht abgeschlossen ist, laufen bereits die Vorbereitungen für die nächste Mobilfunkgeneration namens „5G“. 

Die technischen Erwartungen an das System sind hoch. Zu den Vorteilen der neuen Mobilfunkgeneration gehören sehr große Bandbreiten, eine Übertragungsgeschwindigkeit, die etwa das Zehnfache der LTE-Geschwindigkeit beträgt, und extrem kurze Reaktionszeiten. Damit wird das 5G-System die Grundlage für das autonome Fahren im Straßenverkehr schaffen, aber auch der Vernetzung im Alltag, dem sogenannten Internet der Dinge, zum Durchbruch verhelfen. 

Die Erwartungen der Wirtschaft an den neuen Mobilfunkstandard sind ebenfalls hoch. Ein Vertreter des chinesischen Technologiekonzerns Huawei sagte mit Blick auf die neue Mobilfunkgeneration: „5G wird eine großartige Zukunft ermöglichen, in der alles miteinander vernetzt ist.“ Bei der Deutschen Telekom spricht man mit Blick auf 5G sogar von einer „Revolution“. In Berlin hat die Deutsche Telekom bereits erste 5G-Antennen installiert und die neue Technik in ihr LTE-Netzwerk integriert. Schnell sollen weitere 70 Antennen im Stadtgebiet folgen. Für den Versuchsbetrieb nutzt die Telekom eine Testlizenz. 

Die Versteigerung der Frequenzen für die spätere kommerzielle Nutzung sollte eigentlich bereits im Herbst erfolgen. Laut jüngsten Meldungen will die Bundesnetz-agentur die Auktion für die Frequenzen nun aber erst im Frühjahr 2019 durchführen. Hintergrund der Verschiebung ist ein weiterer Abstimmungsbedarf über die neue Mobilfunkgeneration. Unter den Hut gebracht werden müssen sehr unterschiedliche Interessen. Die großen Netzbetreiber hoffen, beim Vergabeverfahren für die Frequenzen günstig zum Zuge zu kommen. Die Einführung der neuen Technik erfordert ohnehin einen finanziellen Kraftakt. Schätzungen gehen dahin, dass für die Einführung des neuen Standards im Bereich der EU Investitionen in einer Größenordnung von 300 bis 500 Milliarden Euro notwendig werden. 

Der Bund hofft wiederum auf möglichst hohe Einnahmen aus der Versteigerung der Netzfrequenzen. Mit den Einnahmen will die Bundesregierung den Ausbau des Glasfasernetzes fördern. Der flächendeckende Ausbau der leis-tungsfähigen Glasfasernetze zur Anbindung der 5G-Sendestationen ist eine notwendige Grundlage für die neue Technik. 

Ländlich geprägte Bundesländer wie Bayern sehen den 5G-Mobilfunksstandard als eine Chance, auch den Raum jenseits der Städte mit schnellen Internetanschlüssen versorgen zu können. Andere Bundesländer geben sich bescheiden und wollen die Versorgung dichter besiedelter Gebiete gesichert sehen, weniger die komplette Abdeckung in der Fläche. 

Es drohen aber nicht nur hohe Kosten, sondern auch eine weitere „Verspargelung“ der Landschaft mit noch mehr Sendemasten. Die für den neuen Mobilfunkstandard vorgesehenen Frequenzen sind nämlich mit einer geringeren Reichweite verbunden. Damit wäre für eine flächendeckende Versorgung Deutschlands eine große Zahl zusätzlicher Sendemasten erforderlich. 

Geht es nach den Netzbetreibern, dann wird mit dem 5G-Mobilfunkstandard die Möglichkeit eines regionalen „Roaming“ eröffnet. Dies würde den großen Mobilfunkbetreibern Telekom, Telefónica und Vodafone die Möglichkeit bieten, dass jeweils nur einer von ihnen in einem Gebiet eine 5G-Infrastruktur aufbaut, die dann von den anderen Anbietern mitgenutzt werden kann.N.H.

MELDUNGEN

Pünktlichkeit Fehlanzeige

Berlin – Die Züge der Deutschen Bahn AG im Personenfernverkehr sind im vergangenen Jahr nur zu 78,5 Prozent pünktlich gewesen. Das Unternehmen registrierte rund 3,3 Millionen Verspätungsminuten. Eine Ursache dafür sieht es in sogenannten externen Ereignissen wie Unwettern. Im Schienennetz würden zudem durch Störungen unter Umständen Verspätungen auf nicht direkt betroffene Züge übertragen. Diese „sekundären Verspätungen“ seien vergleichbar mit einem Stau auf der Autobahn, entschuldigt die Bahn viele Abweichungen vom Fahrplan. Bei den intern verursachten Verspätungen durch Baustellen, Streckenschäden und Personalmangel bemüht sie sich gar nicht erst, diese zu entschuldigen.J.H.





Italien tief in roten Zahlen

Basel – Die Forderungen deutscher Finanzinstitute gegenüber Italien belaufen sich auf 75 Milliarden Euro. Das geht aus Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hervor. Zusammen mit weiteren Forderungen beträgt die Summe 113 Milliarden Euro. Während das Defizit des italienischen Haushalts zurückgeht, steigt das strukturelle Defizit tendenziell an. Der Schuldenstand liegt derzeit bei 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. J.H.

S. 8 Forum

Weimar und PiS
Manuel Ruoff

Wenn es im Unterricht um die Ursachen für das Scheitern Weimars geht, liegt man als bundesdeutscher Schüler nie falsch, wenn man darauf verweist, dass nach der Novemberrevolution wichtige Eliten im Amt belassen worden seien, die sich gegenüber Weimar als illoyal erwiesen hätten. Außer auf das Militär ist dann auf die Richterschaft zu verweisen, die „auf dem rechten Auge blind“ gewesen sei. 

Seit 2015 regiert in Polen die PiS. Wie viele dem sogenannten Rechtspopulismus zugeordnete Parteien ist sie relativ jung, hatte also ähnlich wie die deutschen Revolutionäre von 1918/19 kaum die Möglichkeit, den Justizapparat bis zur Übernahme der legislativen und exekutiven Gewalt zu prägen. Das will sie jetzt mit einer Justizreform nachholen. 

Doch nun sprechen die EU-Institutionen, in denen noch die herrschen, die 2015 in Polen durch die PiS abgelöst wurden, nicht etwa von einer weisen Lehre aus dem Scheitern Weimars, sondern von einem Verbrechen an der Demokratie. Ist das noch Messen mit gleicher Elle?

Mieses Theater
Harald Tews

Die deutschen Theaterbühnen waren immer gut als Kampfplatz für politische Agitation. Die Theatermacher konnten sich und ihre Gesinnung damit immer gut exponieren – meist aber auf Kosten der Zuschauer, die der politischen Belehrung schließlich überdrüssig waren und den Propagandaveranstaltungen fernblieben.

Man kann es daher als einen Verzweiflungsakt betrachten, dass mit Matthias Lilienthal von den Kammerspielen und Christian Stückl vom Volkstheater zwei Münchener Theaterchefs zur Anti-CSU-Demonstration in der bayerischen Hauptstadt aufriefen. Dass Theater auf die Straße verlegt wird, ist nicht neu, dass aber zwei Intendanten ihre Position missbrauchen, um öffentlich gegen diejenigen vorzugehen, denen sie ihre Posten zu verdanken haben, schon. Vergessen wird, dass beide Theater mit öffentlichen Mitteln subventioniert werden, auch und gerade mit Steuergeldern von Wählern der CSU. 

Künstler haben seit jeher ein kritisches Verhältnis zum Staat. In den Theatern wird das wie in einem Biotop genährt. Wer daraus ausschert, verspielt seine Karriere. Solange sich die künstlerische Auseinandersetzung mit den vermeintlichen sozialen und politischen Missständen auf die neutrale Bühne beschränkte, tat es auch kaum jemandem weh.

Nachdem Stückl und Lilienthal jetzt aus dem geschützten Raum ausgetreten sind, ist die Empörung bayerischer Politiker gut zu verstehen, die ihnen die Verletzung einer „Neutralitätspflicht“ vorwerfen. Wären die Intendanten nicht systemkonform auf der sicheren linken Seite, hätten sie jetzt eigentlich ihre Karriere verspielt.

Nachvollziehbare Ängste
Manuela Rosenthal-Kappi

Das Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin in Helsinki wurde nicht nur seitens der EU-Granden mit Sorge verfolgt, sondern insbesondere die Kiewer Regierung zeigte sich äußerst nervös, ungeachtet der Versicherungen Trumps, weiterhin zur Ukraine zu stehen. Als dann nach tagelangem Rätselraten, worüber die beiden Staatschefs sich bei ihrem vierstündigen Tête-à-tête unterhalten haben, Einzelheiten bekannt wurden, war das für Kiew ein Schock. 

Russland brüstete sich damit, dass Putin seinem amerikanischen Kollegen ein neues Referendum in der Ostukraine vorgeschlagen habe, das dieser denn auch überdenken wolle, sich lediglich Zeit ausgebeten habe. 

„Sie sprechen über uns, ohne uns“, so der Aufschrei der Ukraine. Mit diesem kurzen Satz ist das gesamte Dilemma der Ukraine auf den Punkt gebracht: Mit dem Putsch 2014 und der bedingungslosen Hinwendung zu USA und EU hat das Land zum großen Teil seine Souveränität eingebüßt. Die neue Regierung unter Petro Poroschenko ließ sich nur zu gern von ihren Gönnern Barack Obama und Joe Biden sowie deren Mitarbeitern beeinflussen. Im Gegenzug konnte sie auf die Schutzmacht USA hoffen, die auch unter Trump gerade erst wieder eine Erhöhung der Militärhilfen für die Ukraine beschlossen hat. Dennoch: Seit Trump an der Macht ist, wächst die Verunsicherung. Unabhängig davon, wer gerade das Präsidentenamt in Washington innehat, zeigt die Geschichte, dass die USA nicht lange fackeln, einen zuvor unterstützen Staat beziehungsweise auch Diktatoren wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen, wenn diese ihnen nicht mehr von Nutzen sind, wie schon das traurige Beispiel Taiwans zeigt, das die USA unter Richard Nixon zugunsten besserer Beziehungen zur Volksrepublik China fallen ließen. 

Als „Verrat“ und „absolut inakzeptabel“, „gegen den Willen der Ukraine“ bezeichnete Kiew die Idee eines weiteren Referendums. Dem pflichteten Politiker aller Couleurs bei, die ansonsten über jede Kleinigkeit verbittert streiten. Sie eint die Angst, als Tauschobjekt im geopolitischen Machtge-rangel zwischen den USA und Russland abserviert zu werden. Dahinter mag auch die Erkenntnis stehen, dass man sich zu sehr in fremde Abhängigkeit begeben hat, sowohl politisch und militärisch als auch wirtschaftlich. 

Poroschenko setzt weiter auf die Unterstützung der EU und hofft auf eine NATO-Mitgliedschaft, die jedoch noch in weiter Ferne liegt. In der EU gibt es zunehmend Uneinigkeit über die Russlandsanktionen. Verärgert reagierte Kiew auf die jüngsten Äußerungen des italienischen Innenministers Matteo Salvini, der die Annexion der Krim durch Russland gerechtfertigt und sich gegen die Linie der EU und der USA gestellt hatte. Die Ängste der Ukraine sind durchaus nachvollziehbar.

Frei gedacht
Dieser bittere Spuk wird eines Tages vorbei sein
Eva Herman

Ich liebe das Leben. Ja, die an mich gestellten Herausforderungen versuche ich, so gut es geht zu meistern. Ja, ich vertraue dem Schöpfer, und ich bin ohne Zweifel fest davon überzeugt, dass eines Tages endlich alles gut werden wird. Doch bis es so weit ist, werden wir noch sehr schwere Zeiten durchmachen müssen. Denn das logische Denken, das natürliche Empfinden, fällt den Menschen heute zunehmend schwer: Alles steht auf falschen Füßen, die gängigen Anschauungen kranken, Falsches wird als richtig verkauft, Richtiges wird kriminalisiert. In ihrer maßlosen Verwirrung leiten die politisch korrekten Wortführer – sie sind die willigen Diener der Globalen Neuen Weltordnung – die Menschheit in deren eigenen Untergang. Undurchdacht, unhinterfragt, konsumieren viele Bürger unterdessen herunter, was ihnen zum Fraße vorgeworfen wird, so abstrus und bitter dies auch sein mag. Derweil büßen die Menschen ihr letztes Quäntchen Lebensfreude ein, sie trotten matt und unbeholfen dahin – und versauern. 

Wie kommen wir am besten durch diese schweren, dunklen Zeiten? Indem wir endlich ja zum Leben sagen, indem wir aufwachen, indem wir vor allem die an uns gestellten Aufgaben so gut wie möglich zu erfüllen suchen, mit freudigem Geist und zuversichtlichem Herzen. Alles, alles lässt sich so besser ertragen, als zu versauern. Der wahre Widerstand kommt von innen, er formt erst uns selbst um, bevor er die Dinge da draußen berühren und verändern kann. 

Wie finden wir diesen Weg, wie schaffen wir das? Indem wir erkennen lernen, was richtig und was falsch ist, was gut und was wiederum schlecht ist für uns und die Welt. Indem wir Entscheidungen für das Leben treffen, und endlich aufhören, aus falsch verstandener Anpassungssucht gegen das Leben zu agieren, nur weil es uns von der öffentlichen Meinung und der trägen Stromliniengesellschaft vorgeschrieben werden soll. Wir müssen aber nichts annehmen, was wir selbst nicht gut und richtig finden. Also tun wir es doch auch nicht! Wer frei werden will, muss selbst in Bewegung kommen, er persönlich muss entscheiden, was für ihn sinnvoll ist und was nicht. Nur so wird er den Weg zu sich selbst finden, der in den wahren Frieden, zu wirklicher inneren Freiheit führt.

Eine gute Übung ist, öfter mal die Tagespresse zu lesen. Hier kann man mit seiner eigenen, innewohnenden Empfindung schnell erkennen, was richtig und falsch, was gut für uns ist, und auch was nicht. Man muss nur in sich hinein hören, muss das Bauchgrummeln beobachten, wenn es sich einstellt bei bestimmten, gezielten Abrichtungen des Mainstreams, denen wir täglich ausgesetzt werden. Er soll auch auf die inneren, heißen, plötzlich auftretenden Wallungen achten, die uns doch nur zeigen möchten: Halt! Halte ein! Lies nicht einfach darüber hinweg! Prüf es! Prüf es mit Deiner inneren Stimme, die immer Recht hat, schalte endlich Deinen Geist ein!

Auf diesem Weg erst können wir lernen, kritisch das Dargebotene zu hinterfragen und uns unsere ureigene Meinung zu bilden, fernab des Mainstreams, der doch nur grinsend darauf lauert, Dich ins löcherige Boot der Political Correctness hinüberzuziehen, um Dich eines Tages absaufen zu sehen. Dreh endlich an jenem Knopf, der Dir Wahrheit vermitteln kann. Unendlich viel Unsinn wird in den Massenmedien geschwätzt und erzählt, darüber, wie das Leben angeblich richtig sein soll und wie wir Menschen uns verhalten sollten, um auch ja dazu zu gehören, um modern und fortschrittlich zu sein, um eben im Spiel zu bleiben. Doch aufgepasst, wer den Begriff modern auf der ersten Silbe betont, erkennt schnell, welchem Inhalt dieser Begriff angehört, es modert und muffelt schon schnell jede gerade noch moderne Sache, bis sie schließlich wieder ganz vergehen muss. 

Ganz modern scheint es jetzt zu sein, Platz zu machen für andere, zurückzutreten von dem, was einst ganz selbstverständlich für uns war. Ist Deutschland noch unsere Heimat? Darf man den Begriff Heimat überhaupt noch straffrei verwenden? Und Deutschland, dieses immer unbeliebter werdende Stückchen Erde, wo die Täter und Sünder auf eng geballtem Raume zusammen leben, dürfen wir dieses Land überhaupt noch lieben? Dürfen wir noch deutsch sein, und was heißt das überhaupt? Ist Deutschsein gleich schon wieder Nazi? Oder hat es etwas zu tun mit Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Pflichttreue? Dürfen wir diese Tugenden gut finden? Oder sind und bleiben wir einfach nur die „Kartoffeln“, dumpf, täppisch, weißhäutig – und rechtspopulistisch? „Für viele Linke und junge Migranten gehört es in Deutschland heute zum guten Ton, die angestammte Bevölkerung als ,Kartoffeln‘, ,Almans‘ und ,Herkunftsdeutsche‘ zu verspotten“, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ Ende Juli 2018. Und während die Vizebundestagspräsidentin Claudia Roth ungestraft vor der Berliner Grünen-Parteizentrale eine Fahne hissen darf: „Deutschland, halt’s Maul“, und dieselbe deutsche Spitzenpolitikerin bei einer Demo hinter einem Riesen-Banner herlaufen darf, das verkündet: „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“, ohne sich jemals dafür entschuldigen zu müssen, meldete das zu „Spiegel-online“ gehörende Jugendmagazin „Bento“ vor einiger Zeit: „Wir sollten alle aufhören, Kinder zu bekommen.“ Denn das sei egoistisch!

Ach, ja? 

Kinder sollten wir jetzt also auch nicht mehr bekommen. Weil wir der Welt damit schaden. Ja, genau so meinte es Autorin Lena Seiferlin, die diesen Artikel in deutscher Sprache und nicht etwa in Arabisch, Türkisch oder Africaans veröffentlichte, als sie schrieb: „Meiner Meinung nach verschlimmern Menschen, die Kinder bekommen, den katastrophalen Zustand der Erde.“ Sie zitiert eine US-Studie über die Entwicklung der Bevölkerung, wo man herausgefunden haben wollte, dass „ein Kind weniger zu haben dem Einsparen von 58,6 Tonnen Kohlendioxid im Jahr entspricht“.

Seiferlin redet den jungen Menschen ins Gewissen: „Für den Verzicht kann sich also nur jeder Mensch selbst entscheiden. Es ist eine Entscheidung zwischen dem eigenen Glück und dem der ganzen Welt.“ Mit derselben, schwer nachvollziehbaren Überzeugung, mit welcher neulich eine von mehreren Einwanderern schwer misshandelte und vergewaltigte Asylsucherhelferin kundtat, dass sie den Afrikanern verzeihe, da sie es doch so schwer in Deutschland hätten, wirft die „Spiegel“-Redakteurin Seiferlin jenen Menschen, die sich Kinder wünschen, generalstabsmäßig vor: „Das eigene Glück hingegen können sich Eltern besser vorstellen. Sie stellen sich vielleicht die eigene Tochter vor, wie sie im Garten tobt, oder den Sohn, wie er seinen Abschluss schafft. An Hunderttausende von der Dürre betroffene Menschen denken sie vermutlich nicht.“ Es kommen einem vor Rührung fast die Tränen, wenn man das Resümee der politisch einwandfrei funktionierenden Agitatorin Seiferlin liest: „Ich hoffe, dass ich selbst es durchziehen kann, keine Kinder zu bekommen. Denn: Nicht egoistisch zu werden, fällt mir gar nicht mal so leicht. Während um mich herum alle Freunde und auch mein Bruder Kinder bekommen, versuche ich, trotz langjähriger Beziehung, zuerst an die Welt – und dann an mich zu denken.“

Ich bleibe dabei: Ja, ich liebe das Leben! Und ich bin fest überzeugt davon, dass dieser bittere Spuk eines Tages vorbei ist. Ich tät es gerne noch erleben.


S. 9 Kultur

Gebranntes Kind
Weimarer Stadtschloss wird wegen Sanierung fünf Jahre geschlossen – Vor 400 Jahren brach hier ein verheerendes Feuer aus
H. Tews/M. Stolzenau

1299, 1424, 1618 und 1774: Viermal in seiner Geschichte wütete im Weimarer Stadtschloss beziehungsweise seinem Vorläufer, der mittelalterlichen Burg der Feuerteufel. Nach dem dritten Brand vor 400 Jahren erhielt der Bau sein heutiges Aussehen.

Seit diesem Monat ist das Weimarer Stadtschloss vollständig für Museumsbesucher geschlossen. Bis zum Jahr 2023 wird der ge­samte Komplex für 40 Millionen Euro saniert. Zukünftig soll das Schloss und nicht das Goethehaus am Frauenplan das Zentrum der Weimarer Museumslandschaft bilden. Dann dürfte auch im Schloss wieder mehr los sei.

Da sich bislang alles auf die Weimarer Dichterstätten konzentrierte, sah es im Schloss bislang so aus: Wenn nicht gerade eine Busladung an Touristen durch die Räume irrte, herrschte im Mu­seumsteil des Schlosses gähnende Leere. Manchmal übte ein Solist an den alten, dort ausgestellten Tasteninstrumenten für ein Konzert. Begleitet von den sanften Tönen eines Clavichords oder Cembalos, die aus dem fernen Saal ertönten, konnte der einsame Besucher in Ruhe durch die langen Gänge schlendern und ungestört die kostbaren Dürer-, Cranach- oder Tischbein-Gemälde betrachten. Ungestört? Plötzlich heulte ein schriller Ton auf. Feueralarm. Die Museumswärter leiteten die Handvoll Besucher unaufgeregt über die endlosen Gänge zurück zum Ausgang, wo sich nach wenigen Minuten alle im Schlosshof versammelten.

Draußen stand bereits alles voll mit Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr. Nach dem verheerenden Brand in der in Sichtweite gelegenen Herzogin-Anna-Amalia-Bib­liothek im Jahr 2004 reagieren die Rettungskräfte der Stadt Weimar sofort auf die geringste Witterung der Feuermelder, die in jedem Raum der zum UNESCO-Welterbe zählenden Bauten des „Klassischen Weimar“ angebracht sind. 

Das Stadtschloss ist im wahrsten Sinne ein „gebranntes Kind“. Bekannt ist, dass an der Stelle des Schlosses schon in fränkischer Zeit ein befestigter Adelssitz existierte, Ende des 10. Jahrhunderts erstmals eine Burg be­stand und der wehrhafte Bau in den Folgejahrhunderten mehrfach umgebaut und nach Bränden in den Jahren 1299 und 1424 er­neuert wurde. 

Mitte des 16. Jahrhunderts er­folgte dann unter der Regie des bekannten Baumeisters Nicol Gromann die Umgestaltung der Burganlage in ein Renaissanceschloss. Dann kam der 2. August 1618. Ein Jahr zuvor war im Rahmen der Trauerfeierlichkeiten für die verstorbene Herzogin im Schloss die Fruchtbringende Gesellschaft, die erste deutsche Sprachgesellschaft, gegründet worden. 

Die herzogliche Familie hatte wohl im Trend der Zeit eine Neigung zur Alchemie, der Vorläuferin der Chemie, deren Vertreter vorgaben, Metalle in Gold zu verwandeln, entwickelt. Mehr noch: Die Familie nahm einen solchen „Goldmacher“ in ihre Dienste, der im Schloss eine Werkstatt bekam. Mit Folgen. Statt Gold zu produzieren, verursachte der Alchemist bei seinen Experimenten durch Unachtsamkeit einen Großbrand. Die meisten Schlossgebäude brannten ab. Nur der heute als Bastille bezeichnete Turm blieb stehen. 

Die herzogliche Familie musste für die Folgezeit in das Rote Schloss als Ersatzquartier ausweichen. Parallel begann die Suche nach einem Baumeister, der schnellstens für einen repräsentativen Neubau sorgen sollte. Die Wahl fiel auf Giovanni Bonalino, der beim Bamberger Bischof un­ter Vertrag stand und dort schon für beachtliche Bauten ge­sorgt hatte. Herzog Johann Ernst d. J. von Sachsen-Weimar und Eisenach lieh den gefragten Baumeister mit einem lukrativen Angebot aus. So konnte Bonalino schon kurz nach dem 2. August 1618 seine Arbeit in Weimar beginnen.

Er entstammte einer Baumeisterfamilie aus Roveredo in Graubünden, die über mehrere Generationen Baufachleute hervorbrachte, die teilweise in Deutschland wirkten. Giovanni Bonalino, der in manchen Quellen auch als Johannes Bonalino erscheint, ist ab 1614 in Franken nachgewiesen. Er schuf mit seinem Bruder Giacomo 1614/15 die Pfarrkirche im oberfränkischen Reundorf und wurde 1617 in Scheßlitz in der Fränkischen Schweiz ansässig. Im benachbarten Bamberg machte Bonalino in Diensten des kunstsinnigen Fürstbischofs Karriere. Seine frühbarocken Architekturvorstellungen in Anlehnung an Bauten in Norditalien gefielen. Sein Ruf drang bis nach Weimar zur herzoglichen Familie 

Bonalino kam, inspizierte den Brandort und entwickelte seine Vorschläge für den Schlossneubau unter Ausnutzung der alten Grundmauern. Man einigte sich noch 1618 auf eine repräsentative dreigeschossige Vierflügelanlage um einen rechteckigen Innenhof, die Bonalino in der Folge mit seinen Bauzeichnungen bis ins Detail vorbereitete. Nach Ab­schluss der Vorbereitungen be­gannen 1619 die Bauarbeiten. Doch parallel zur Schlosserneuerung in Weimar breitete sich der 1618 ausgebrochene Dreißigjährige Krieg mit allen damit verbundenen Unwägbarkeiten über Deutschland aus. Mit Folgen auch für den Bau der Vierflügelanlage.

Der Weiterbau wurde zunächst gegen den Willen Bonalinos 1623 auf Eis gelegt. Der nun beschäftigungslose Baumeister kehrte un­ter Zurücklassung seiner Baupläne nach Bamberg zurück, wo er als fürstbischöflicher Hofarchitekt neue Projekte übernahm. Das reichte von Aus- und Umbauten und dem Chorbau der Stiftskirche St. Stephan in Bamberg über zahlreiche Landkirchen im Umland von Bamberg bis zur zeitweiligen Ausleihe an den Herzog Johann Casimir von Sachsen-Cobung-Gotha, für den er den Ausbau der Ehrenburg in Coburg mit den Altanen an der Ostseite des Schlosses, einem Etagenvorbau, vornahm. Bonalino war gut ausgelastet, als er 1633 in Scheßlitz starb. 

Sein Weimarer Projekt lag indes bis 1651 auf Eis. Dann ergriff Herzog Wilhelm IV. die Initiative. Er beauftragte Johann Moritz Richter unter Zugrundelegung der Baupläne von Bonalino mit der Bauausführung. Der einheimische Baumeister modifizierte die Pläne jedoch, vollendete eine nach Süden hin geöffnete Dreiflügelanlage, behielt aber das Fassadenschema, die Formen der Pilaster und die Fensterumrahmungen Bonalinos bei. Dieser Bau hieß dann „Wilhelmsburg“, wurde für die frühbarocke Schlossbaukunst Thüringens richtungsweisend und fiel 1774 weitgehend einem erneuten Brand zum Opfer. 

Erst nach 1789 begann unter einer Schlossbaukommission un­ter Mitwirkung Goethes, der auswärtige klassizistische Architekten wie Johann August Arens, Fried­rich Thouret und Heinrich Gentz vermittelte, die Vorbereitung für den Schlossneubau unter „Beibehaltung der noch vorhandenen Umfassungswände und der auf Bonalino zurückgehenden Fassadengliederung. 

1803 bezog die herzogliche Familie, die zuvor im Fürstenhaus residiert hatte, das Schloss. Damit gründet das seither erhaltene und später als Vierflügelbau im Sinne Bonalinos erweiterte Weimarer Schloss weitgehend auf Bonalinos Vorstellungen, der damit bis in die heutige Zeit nachwirkt und auch die mit der aktuellen Sanierung befassten Baufachleute beschäftigt. 

Eines ist (brand-)sicher: Die Sanierung wird mit modernen Brandschutzmaßnahmen dafür sorgen, dass im Schloss so schnell nicht wieder ein Feuer wütet. Für die Besucher, die vor der Sanierung den Feueralarm erlebten, wurde im Schlosshof nach einer halben Stunde Entwarnung gegeben: Diesmal war es nur ein Fehlalarm.

Mister Gesichtsmaske
Wie ein junger Hüpfer – Tom Cruise in neuer »Mission Impossible«
Harald Tews

Gesichtsmasken sind der Clou von „Mission Impossible“. Mit Gesichtsmas­ken, die einem eine andere Identität verleihen, führen die Ge­heimagenten im Film ihre Gegner hinters Licht. Dieses Verwirrspiel war eine der Erfolgsgeschichten der in den 60er und 70er Jahren entstandenen US-Serie „Mission Impossible“, die mit der unverwechselbaren Titelmelodie im deutschen Fernsehen unter dem Namen „Kobra, übernehmen Sie“ lief. Als Relikt ist das Täuschungsmanöver ballastreicher Bestandteil des Kinoablegers der Serie geblieben, in dem Action-Held Tom Cruise seit 1996 in nunmehr sechs Filmen wie ein junger Hüpfer durch die schönsten Gegenden der Erde paramilitarisiert.

Der Scientologe Cruise ist so etwas wie der Meister der Ge­sichtsmaske: Er ist der ewige Junior, der einfach keine Gesichtsfalten ansetzen will. Dass er körperlich doch nicht mehr der ganz junge Hüpfer ist, hat der inzwischen 56-jährige bei den Dreharbeiten zu „Mission: Impossible – Fallout“ erfahren müssen. Bei einer simplen Stuntszene, als er über die Dächer von London sprang, brach er sich den Knöchel. Sechs Wochen lang lagen die Dreharbeiten brach, ehe Cruise wieder zu laufen begann. Eile war nötig, damit der Film pünktlich zum geplanten Kinostart am 2. August anlaufen konnte

Bei all dem Actionkrach und High-Tech-Spielzeugen aus den Erfinderlaboren der Zukunft geht irgendwie verloren, dass Cruise als Geheimagent Ethan Hunt mit seinem Spezialistenteam waffenfähiges Plutonium aufspüren soll. Spielt sowieso keine Rolle. Hetzjagden durch Paris und London, ein Fallschirmsprung aus großer Höhe, eine geografisch schwer nachvollziehbare Hubschrauberverfolgung vom Kaschmir bis zum berühmten Preikestolen-Fels in Norwegen und die Verhinderung einer Katastrophe in gewohnt letzter Sekunde sollen das Herz der Actionfans erwärmen. 

Irgendwie kennt man das zwar alles schon aus den „James Bond“-Filmen, aber auch mit der x-ten Auflage des Actiongewitters lässt sich immer noch viel Geld verdienen. Das weibliche Publikum wird seinen Anteil daran haben. Für dieses ist Cruise der Sean Connery des neuen Jahrtausends: Auch nach einem kilometerlangen Sprint ist er nie verschwitzt, stets der Strahlemann, der gerade von der Gebissreinigung kommt, und immer eine einzige Gesichtsmaske. Frauen kennen und lieben das.

Insel-Sippschaft
In Italien ist es »Zu Hause am schönsten«

Großfamilien geraten in Zeiten des Single-Daseins aus der Mode. Die Italiener sind davon weit entfernt. In dem wunderbaren Sommerfilm „Zu Hause ist es am schönsten“, der am 2. August in die Kinos kommt, ist zu sehen, wie schön anstrengend es doch im Schoß der Familie sein kann.

Auf einer Ferieninsel lädt ein Paar alle Kinder und Verwandten für einen Tag zur Goldenen Hochzeit ein. Alles verläuft harmonisch, bis am Abend die stürmische See die Sippschaft von der Rückreise abhält. Da keine Fähre fährt, ist man gezwungen, sich auf die Pelle zu rücken, was alte Konflikte wieder hochkochen lässt.

Regisseur Gabriele Muccino hat ein sorgfältig ausgewähltes En­semble zusammengeführt, das vor der Postkartenidylle Ischias kleine Seelendramen aufführt. Das für den Zuschauer anfänglich komplizierte Gewirr von Onkeln, Tanten, Neffen, Nichten, Cousins, Cousinen, Schwägern und Schwägerinnen löst sich dabei nach und nach auf heitere Weise auf.tws

Emily Brontës stürmischer Hit

Kaum ein Roman gilt wie Emily Brontës „Sturmhöhe“ als In­begriff „romantischer Literatur“. In dem einzigen Roman der viktorianischen Autorin, die vor 200 Jahren, am 30. Juli 1818, in der nordenglischen Grafschaft York­shire geboren wurde, ist alles drin: Liebe, Leidenschaft, wilde Natur, Wahnsinn, Rache. Trivialliteratur würde man das heute nennen. Doch „Sturmhöhe“, das die mittlere der drei als Schriftsellerinnen in die Weltliteratur eingegangenen Brontë-Schwestern 1847 unter dem männlichen Pseudonym Ellis Bell veröffentlichte, ist längst zum unsterblichen Klassiker ge­worden. Zum Jahrestag Emily Brontës, die nur ein Jahr nach Erscheinen ihres Romans starb, ist eine der letzten Neuübersetzungen durch Micha­ela Meßner neu aufgelegt worden („Sturmhöhe“, dtv, München 2018, 456 Seiten, 12,90 Euro). Erhältlich ist auch die vorzügliche Übersetzung von Wolfgang Schlüter im Hanser Verlag (639 Seiten, 39,90 Euro). Als Hörbuch neu auf dem Markt ist „Sturmhöhe“ famos gelesen von dem 2014 gestorbenen Schauspieler Rolf Boysen (Der Hörverlag, 10 CDs mit 665 Minuten, zirka 25 Euro).H. Tews

S. 10 Geschichte & Preussen

Die Frau, die Marat in der Badewanne erstach
Charlotte Corday: Vor 250 Jahren kam die französische Adlige und Urenkelin des Dramatikers Pierre Corneille zur Welt
Erik Lommatzsch

Alt wurde Charlotte Corday nicht. In der Blüte ihrer Jahre starb sie unter dem Fallbeil. Damit zahlte sie den Preis für ihr Attentat auf Jean-Paul Marat, das zumindest insofern erfolgreich war, als es ihrem Opfer das Leben kostete.

Das unappetitlich-lästige Hautleiden, das den Arzt, Naturwissenschaftler, Publizisten und vor allem Propagandisten der Französischen Revolution Jean-Paul Marat am 13. Juli 1793 wie schon so oft in sein mit Kräuteressenzen versetztes Bad gezwungen hatte, sollte am Abend dieses Tages für ihn kein wirkliches Problem mehr darstellen. Von abschließender Bedeutung für das Leben Marats war der Besuch einer allen Quellen zufolge sehr ansehnlichen Dame von Mitte 20, die sich energisch um Zutritt zur Pariser Wohnung des Herausgebers der Zeitung „L’Ami du Peuple“ (Der Volksfreund) bemüht hatte. Vorgelassen worden war sie schließlich auf dessen eigenen Wunsch, hatte sie doch angekündigt, ihm eine Liste mit „Verrätern“ beziehungsweise Informationen über einen geplanten Aufstand gegen die Revolutionsregierung zu übergeben. 

Marat war einer der radikalsten Köpfe der sogenannten Bergpartei, Sprachrohr der Sansculotten und für eine Periode Präsident des Klubs der Jakobiner. Immer empfänglich für derartige Hinweise, hatte er in den zurückliegenden Monaten oft das Blut seiner Gegner gefordert, nicht nur der Royalisten, sondern auch das der gemäßigten Vertreter der Französischen Revolution, der Girondisten. 

Letzteren fühlte sich seine Besucherin nahe, die neben der – vorgeblichen – Denunziationsliste vor allem ein Küchenmesser mitführte, mit dem sie Marat erstach. Weniger ein Racheakt sollte es sein, vielmehr eine politische Tat, ein Fanal, um den – zu dieser Zeit erst in seiner ganzen Dimension einsetzenden – Terreur, die Terrorherrschaft zu beenden.

Bei Marats Besucherin handelte es sich um die aus der Normandie stammende Marie Anne Charlotte Corday d’Armont. Unter ihrem bürgerlichen Namen Charlotte Corday sollte sie mit ihrer Tat in die Geschichte eingehen. Geboren wurde sie am 27. Juli 1768. Pierre Corneille, einer der bedeutendsten Theaterautoren seiner Epoche, war ihr Urgroßvater. Gemessen an ihrem adeligen Stand, wuchs sie in bescheidenen Verhältnissen auf. Ihre Erziehung erfolgte in einem Kloster in Caen. Die wissbegierige Heranwachsende vertiefte sich unter anderem in die Werke von Jean-Jacques Rousseau und die biografischen Arbeiten des Plutarch. Durch derartige Lektüre soll sich ihr „republikanisches Denken“ geformt haben. Entsprechend sympathisierte sie mit den ursprünglichen Ideen der Französischen Revolution. 

Marats Name war nicht nur mit den sogenannten Septembermassakern des Jahres 1792 verbunden, bei denen inhaftierte Gegner der Revolution ermordet wurden. Vor allem in seinen Schriften, aber auch als Abgeordneter im Nationalkonvent und als Präsident des Jakobinerklubs verlangte er die physische Vernichtung derjenigen, die seines Erachtens seiner radikalen Linie im Weg standen. Gerichtsverfahren waren ihm lästiges Hindernis. Er selbst verstand sich als Anwalt des Volkes, dem er jedoch misstraute. 

Die rege demagogische Tätigkeit Marats war es wohl vor allem, die ihn für Corday zum personifizierten Hauptübel der sich radikalisierenden Revolution werden ließ. Sein Tod, so ihre Annahme, würde diesbezüglich einen Schlussstrich bedeuten. Sein Wort fand tatsächlich Gehör, er verfügte über beträchtlichen Einfluss. Dennoch überschätzte Corday die Bedeutung Marats. Dass sie ihre Tat mit dem Leben bezahlen würde, stand für sie außer Frage. Öffentlichkeitswirksam hätte sie ihn lieber im Nationalkonvent erstochen. Diesen Plan musste sie allerdings aufgegeben, da er dort krankheitsbedingt nicht zugegen war. Vermutet wird im Übrigen auch, dass die biblische Gestalt der Judith, die ihr Volk rettet, indem sie den Feldherrn Holofernes enthauptet, ihr zum Vorbild diente.

Nach der Tat wurde sie überwältigt. Bei sich trug sie ein Manifest, eine „Adresse an die französischen Freunde von Gesetzen und Frieden“ (Adresse aux Français amis des lois et de la paix), einen Aufruf zum Aufstand gegen die Bergpartei. Dass der „außerordentliche Kriminalgerichtshof“, der später als „Revolutionstribunal“ bekannt wurde, sie am 17. Juli 1793 zum Tode auf der Guillotine verurteilte, war weniger überraschend, als dass der Ankläger Quentin Fouquier-Tinville und der Richter Jacques Bernard Marie Montané das weitreichende politische Motiv des Anschlags nahezu völlig ausklammerten. Lediglich Meuchelmord an einem Abgeordneten des Konvents wurde ihr zur Last gelegt. Verschwiegen wurden das Manifest und Aussagen Cordays zu ihren Beweggründen, die sie in den der Hauptverhandlung vorangegangenen Verhören getätigt hatte.

Das Urteil wurde noch am Tag der Verhandlung vollstreckt. Die nach außen getragenen Sympathien der Pariser waren auf der Seite des erstochenen Marat. Der Henker soll sogar noch den abgeschlagenen Kopf der Corday geohrfeigt haben. 

Unmittelbar erreicht hatte sie zunächst das Gegenteil ihres Vorhabens. Marat wurde, vor dem Hintergrund des immer weiter ausgreifenden Terreur, zum Märtyrer. Er erfuhr kultische, die Grenzen zum Religiösen klar überschreitende Verehrung. Seine Büste wurde mehrfach an die Stelle der von den Revolutionären entfernten Heiligenstatuen gestellt, kurzzeitig war er im Pariser Panthéon beigesetzt. Bekannt und bis heute in Schulbüchern verbreitet ist das Gemälde „Der Tod des Marat“ von Jacques-Louis David aus dem Todesjahr Marats und das Drama „Marat/Sade“ von Peter Weiss. 

Die Verehrung und Verklärung der Charlotte Corday sollte erst später einsetzen. Eine Vielzahl von literarischen Arbeiten ist ihr gewidmet, in Form einer Oper wurde ihre Geschichte nicht nur einmal verarbeitet. Nicht weit war der Vergleich mit der französischen Nationalheldin, ja Nationalheiligen Jeanne d’Arc. Auch wurde der folgende Gegensatz präsentiert: Auf der einen Seite eine gebildete, gutaussehende, junge Adelige, die den Terreur beenden will und dafür ihr Leben opfert; auf der anderen ein blutdürstender Fanatiker, gerade mal 1,50 Meter groß, bewusst ungepflegt und zudem skrofulös entstellt. 

Dabei gab es durchaus auch ein Verbindendes zwischen Täterin und Tatopfer: Nicht nur Corday, sondern auch Marat war durch die Schriften Rousseaus beeinflusst. Im abstrahierenden Abstand konstatieren heutige Historiker, dass beiden die Grundidee innewohnte, mit Gewalt weitere Gewalt zu beenden. Nach eigener Lesart erstrebte Marat schließlich die „Befreiung“ des Volkes. 

Bei näherer Betrachtung halten sich die Parallelen allerdings in Grenzen. Die „Befreiung“ betrieb Marat mit unverhohlenem Eifer, der ihn direkt und indirekt zum Mörder Tausender werden ließ. Eben dem wollte Corday ein Ende setzen.


»Nie war er so wertvoll wie heute«
Maria Clementine Martin erfand »Klosterfrau Melissengeist« und sorgte für das Preußenwappen auf der Flasche
Manuel Ruoff

Nie war er so wertvoll wie heute“ gehört zu den geflügelten Werbesprüchen wie „Aus Erfahrung gut“ oder „Nicht nur sauber, sondern rein“. Beworben wird damit der „Klosterfrau Melissengeist“. Dessen Alkoholgehalt ist mit 79 Prozent schon beachtlich, aber noch höher ist sein Bekanntheitsgrad. 94 Prozent aller Deutschen sollen ihn und das klassische Emblem mit den drei Nonnen unter dem gotischen Spitzbogen kennen. Zumindest noch zu Beginn unseres Jahrtausends soll der Geist in jeder dritten deutschen Hausapotheke seinen festen Platz gehabt haben.

Die Klosterfrau, von der im Produktnamen die Rede ist, ist Maria Clementine Martin. So lautete wenigstens der Name, den sie als Nonne und danach führte. Geboren wurde sie am 5. Mai 1775 im damals noch zu Österreich gehörenden Brüssel als Wilhelmine Martin. Ab dem Jahre 1783 ist die Tochter eines Offiziers und dessen Ehefrau in Jever aufgewachsen, wo der Vater Schlosshauptmann wurde. Mit 17 Jahren trat sie in das Annuntiatinnenkloster Sankt Anna in Coesfeld ein. 

Einem ruhigen klösterlichen Leben stand längerfristig die der Französischen Revolution folgende Säkularisation im Wege. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde noch im selben Jahr Martins Kloster aufgelöst. Kurzfristig kam sie im Kloster Glane bei Gronau unter – bis dieses 1811 dasselbe Schicksal erlitt. Zwar zahlte die Nutznießerin jener Säkularisation, die Fürstin Friederike zu Salm, Rheingräfin zu Coesfeld, den vertriebenen Schwestern eine kleine Pension, aber Martin musste sich nun selber durchschlagen. Es zog sie über ihre Geburtsstadt nach Tirlemont in der Nähe von Waterloo. Als es dort 1815 zur Entscheidungsschlacht von Belle-

Alliance/Wa­terloo kam, erwarb sie sich als Krankenschwester auf humanitärem Gebiet Verdienste um die preußische Armee. Als Dank und Anerkennung erhielt sie dafür von Preußens König eine jährliche Leibrente von 160 Goldtalern, die ihr ökonomische Bewegungsfreiheit gewährte.

Obwohl nach Napoleons endgültiger Niederlage im Zuge der Restauration viele neue Klöster entstanden, entschied sich die geschäftstüchtige Frau für ein weltliches Leben. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Münster kam sie 1825 nach Köln, wo seit der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress die Preußen herrschten. Dort lebte sie nahe dem Dom im Haus Auf der Litsch 1, wo sie wohl den kranken 86-jährigen Domvikar Hermann Gumpertz pflegte, der dort wohnte. Noch im selben Jahr erschien in der „Kölnischen Zeitung“ folgende Anzeige: „Ein sich selbst empfehlend ächtes Kölnische Wasser, ist zu haben auf der Litsch Nro. 1, die große Flasche zu 6 Sgr. 3Pf.“ Im darauffolgenden Jahr ließ Martin das Unternehmen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ ins Handelsregister der Stadt eintragen. Sie variierte das Angebot und fand schließlich zum Melissengeist als Hauptprodukt. 

Doch die Konkurrenz war groß, und hier versuchte Martin ihre Beziehungen zum König auszuspielen. Ihr Versuch, vom Staat ein Monopol auf die Herstellung und den Vertrieb von Melissengeist und dessen Anerkennung als Arznei zu erhalten, scheiterte zwar schließlich Mitte der 1830er Jahre, aber dafür erhielt sie ein Privileg, das der Konkurrenz verwehrt blieb und ihr ein Alleinstellungsmerkmal bescherte. 1829 erreichte den preußischen König ein „allerunterthänigstes Gesuch der Klosterfrau Maria Clementine Martin, Köln am Rhein, um die Allerhöchste Erlaubniß, den Preußischen Adler auf ihren Fabrikaten führen zu dürfen“. Der Wunsch wurde ihr noch im selben Jahre gewährt. Ganz unbescheiden interpretierte Martin das Privileg in der Weise, dass sie gleich das gesamte sogenannte Mittlere Wappen verwendete. Die Konkurrenz beschwerte sich zwar, aber Martin kam damit durch. Noch heute ziert das Preußenwappen die „Kosterfrau Melissengeist“-Flaschen an prominenter Stelle.

Inwieweit es an dieser Auszeichnung des Königs lag, sei dahingestellt, jedenfalls wuchs und gedieh Martins Betrieb mit Niederlassungen in Bonn, Aachen und Berlin, sodass sie schließlich feststellen konnte: „Wollte ich eine Statistik meines Absatzes liefern –keine Stadt der zivilisierten Welt würde darin unvertreten sein.“

Vor 175 Jahren, am 9. August 1843, starb Maria Clementine Martin kinderlos. Zu ihrem Erben machte sie ihren Mitarbeiter und Ziehsohn Peter Gustav Schaeben, in dessen Familie die Firma über drei Generationen verblieb. 1933 ging das Unternehmen in Konkurs und den alleinigen Besitz des bisherigen Kommanditisten und Hauptgläubigers Wilhelm Doerenkamp über. Nach dessen Tod 1972 wechselte die Firma in das Eigentum der zu diesem Zwecke von ihm im schweizerischen Chur gegründeten Wilhelm Doerenkamp-Stiftung, die heute noch Inhaber ist.

S. 11 Geschichte & Preussen

Gomorrha: Feuersturm über Hamburg
»Moral Bombing« sollte den Lebenswillen der Bevölkerung brechen
Klaus J. Groth

Den Feuersturm über Hamburg benannten britische und US-amerikanische Militärs so alttestamentarisch wie bildungsbürgerlich „Operation Gomorrha“. Bei Luftangriffen vom 24. Juli bis zum 3. August 1943 kamen nach heutigen Schätzungen 34000 Menschen ums Leben, 125000 erlitten schwere Verletzungen. Die Opfer erstick­ten, atmeten giftige Gase, sie verbrannten oder wurden verbrüht, Detonationen zerrissen ihre Lungen.

Wiederholt hatten die Sowjets ihre Verbündeten aufgefordert, eine zweite Front zu eröffnen. Doch die Briten und US-Amerikaner zögerten, sie fürchteten zu große Verluste für die Bodentruppen. Zum Ausgleich boten sie verstärkte Luftangriffe auf deutsche Städte an. „Wir bomben Deutschland, eine Stadt nach der anderen“, hatte der britische Luftmarschall Arthur Harris 1942 gedroht. Er entsprach damit der Linie des britischen Luftfahrtministeriums. 

Zu dem Zeitpunkt war die deutsche Luftwaffe noch angewiesen, ausschließlich militärische strategische Ziele zu bombardieren. Für Harris gehörte die Bombardierung reiner Wohnviertel zur Strategie. Er wollte den Lebenswillen der Zivilbevölkerung brechen. Das erprobte er erstmals über Lübeck. 234 Bomber legten im März 1942 die Stadt in Schutt und Asche. Es folgten Rostock und im Mai 1942 der erste „1000-Bomber-Schlag“ auf Köln. Als die Bomben im Juli 1943 auf Hamburg fielen, setzten die Royal Air Force (RAF) und die 8. US-Luftflotte 2200 Maschinen ein. Sie lösten ein nicht gekanntes Inferno aus.

Den ersten Angriff flogen 791 Bomber der RAF in der Nacht vom 24. zum 25. Juli 1943. Es war der Auftakt zu fünf nächtlichen Angriffen der RAF und zwei Angriffen bei Tag durch die United States Army Air Forces (USAAF). Beim ersten Angriff wurden Zielmarkierungen mehrfach falsch gesetzt. Dadurch wurden 2300 Tonnen Bomben über einem relativ großen Gebiet abgeworfen. In der Innenstadt, Hoheluft, Eimsbüttel und Altona entstanden großen Flächenbrände. Die Angriffe folgten der über Lübeck erprobten Strategie. Die größte Wirkung ließ sich durch eine Mischung aus Luftminen mit Spreng-, Phosphor- und Stabbrandbomben erreichen. Die ersten Abwürfe bestanden aus Luftminen und Sprengbomben. Die gewaltige Sprengkraft der Luftminen zerstörte ganze Häuserblocks. Die Engländer bezeichneten sie als „Blockbuster“. Die Sprengbomben sollten unterirdische Versorgungsleitungen für Wasser und Gas ausschalten. Damit wollte man den Einsatz der Feuerwehr unmöglich machen. Die Phosphor- und Stabbrandbomben setzten die durch Blockbuster freigelegten Dachböden und Treppenhäuser in Brand. Um die Feuerwehr am Einsatz zu hindern, wurde ein zweiter Angriff geflogen. Bei den Alliierten bürgerte sich der Begriff „Hamburgisierung“ ein.

Starker Rauch als Folge der Angriffe in der Nacht zuvor behinderte die Sicht, als am Nachmittag des 25. Juli US-amerikanische Bomber den nächsten Angriff starteten. Der galt dem Hamburger Hafen. Zwar wurden etliche Schiffe versenkt und einige Raffinerien beschädigt, aber viele Ziele nicht gefunden. 15 Bomber gingen verloren. Eine der Bombergruppen lud nach erfolglosem Einsatz ihre tödliche Fracht über dem Städtchen Heide in Dithmarschen ab. Am darauffolgenden Tag war der Hafen abermals das Ziel der US-Bomber.

Den zweiten großen Angriff flog die RAF mit 739 Bombern in der Nacht vom 27. zum 28. Juli. Dies war der Angriff, der den Feuersturm auslöste, in dem 30000 Men­schen ums Leben kamen. Seit Wochen hatte es nicht mehr geregnet, die Tage waren heiß. Das Thermometer kletterte auf 32 Grad. Diese Wetterlage löste den Feuersturm aus. Von den beginnenden Bränden stiegen sehr heiße Brandgase auf, die durch kühlere Luftmassen bis in 7000 Meter Höhe gelangten. Dadurch entstand ein Kamineffekt, der die Luft am Boden in Hammerbrook und Rothenburgsort zum Orkan anfachte. Diese Stadtteile sowie Borgfelde wurden nahezu vollständig zerstört. Der Feuersturm riss Menschen in die Brände, brennende Balken flogen durch die Luft, der Funkenflug wirbelte wie Schneegestöber durch die Straßen. Als der Feuersturm sich am Morgen legte, stand eine Rauchwolke bis in sieben Kilometer Höhe. In derselben Nacht wurden auch die Stadteile Hamm, Eilbek, Hohenfelde, Barmbek und Wandsbek angegriffen und zu großen Teilen zerstört. Der dritte große Angriff mit 726 Bombern der RAF galt den Stadtteilen Barmbek, Uhlenhorst und Winterhude. Wieder waren ausgedehnte Flächenbrände die Folge. Den letzten Angriff der „Operation Gomorrha“ flog die RAF mit 740 Bombern in der Nacht von 2. zum 3. August. In der Nacht tobte ein schweres Gewitter über Hamburg. Das nahm den Bombern die Möglichkeit, genauer zu zielen. In der Innenstadt verursachten die Bomben mehrere Großfeuer. Jeder dieser Angriffe hatte ein ausgesuchtes Gebiet der Stadt zum Ziel. Orientierungsmarke war stets der Turm der Nikolaikirche, den man später als Mahnmal stehenließ.

Die Bilanz der Zerstörung zeigt das Kriegsziel des „Moral Bombing“. Als die Bomber verschwanden, waren 277330 Wohnungen, 580 Industriebetriebe, 2631 gewerbliche Unternehmen, 24 Kran­kenhäuser, 277 Schulen und 58 Kirchen zerstört. Dagegen stehen lediglich 80 Anlagen der Wehrmacht, welche die Bomben trafen. 

Ins Gedächtnis der Stadt eingebrannt haben sich die Toten der Bombennächte. Ein großer Teil von ihnen erstickte in den Schutzkellern. Giftige Gase, verursacht durch die Brände, drangen in die Keller ein. Viele Opfer wurden nach den Angriffen wie schlafend gefunden. Sie waren an Rauchgasvergiftung gestorben. Andere erlitten einen Hitzschlag, ausgelöst durch brennende Trümmer. Die ungeheure Hitze ließ Wasserleitungen bersten, die Opfer ertranken oder wurden verbrüht. In anderen Fällen brachen die Decken unter der Last der Trümmer ein und begruben die Menschen unter sich. 

Doch trotz der großen Opferzahl, der Plan der Alliierten, die Industrie zu zerstören und die Moral der Bevölkerung zu brechen, ging nicht auf. Bereits Ende August 1943 war ein großer Teil der evakuierten Hamburger zurück in der Stadt, am Ende des Jahres hatte die Rüstungsproduktion wieder 80 Prozent erreicht.

Eine eigene US-Behörde für die Raumfahrt
Vor 60 Jahren wurde die NASA gegründet, um die USA fit zu machen für den Wettbewerb mit der UdSSR im Weltraum
Wolfgang Kaufmann

Vor 60 Jahren veranlasste US-Präsident Dwight D. Eisenhower die Gründung der Weltraumbehörde NASA. Damit beendete er die fatale organisatorische Zersplitterung, die dazu geführt hatte, dass die USA beim Wettlauf ins All anfangs blamabel nachhinkten. Hierdurch schlug auch die Stunde von deutschstämmigen Raketenexperten wie Wernher von Braun.

„Gebt mir fünf Jahre und fünf Milliarden Dollar, und wir können auf dem Mond landen“, versprach Braun 1954 im Interview mit der US-Presse. Dieses Selbstbewusstsein resultierte nicht zuletzt daraus, dass es ihm nur wenige Jahre zuvor gelungen war, erstmals Objekte in den Weltraum zu schießen: Eine der von ihm konstruierten Raketen vom Typ Aggregat 4 (A4) stieg 1944 bis auf 175 Kilometer Höhe. Deswegen wurden er und sein Team auch sofort nach Kriegsende in die USA verbracht, wo man das Fachwissen der Deutschen abschöpfen wollte. 

Allerdings verzögerte sich die Aufnahme eines großangelegten Raketenprogramms zunächst wegen knapper finanzieller Mittel. Der Kurswechsel kam hier erst mit dem Beginn des Korea-Konflikts und der damit einhergehenden Verschärfung des Kalten Krieges im Jahre 1950. Nun holte man Braun und rund 120 weitere deutsche Ingenieure nach Huntsville (Alabama), wo sie die A4 zur ersten kernwaffentragenden Rakete der USA, genannt „Redstone“, weiterentwickeln sollten. Nachdem dieses bis Mitte 1953 gelungen war, wurde der Bau der noch leistungsstärkeren und gleichfalls auf der A4 basierenden „Jupiter“-Rakete beschlossen. Hierzu gründete das US-Heer im Februar 1956 die Army Ballistic Missile Agency (ABMA) unter Major General John Medaris. Der Chef von deren Entwicklungsabteilung, der Development Operations Division (DOD), wurde Braun.

Analog zur ABMA des Heeres beschäftigten sich auch die Western Development Division (WDD) der Luftwaffe und das United States Naval Research Laboratory (NRL) der Marine mit der Konstruktion großer Raketen. Das NRL arbeitete an der „Vanguard“. Mit ihr sollte nach dem Willen von Eisenhower der erste US-amerikanische Erdsatellit ins All geschossen werden. 

Dass Eisenhower trotz seiner Karriere beim Heer das Weltraumprojekt der Marine favorisierte, resultierte aus seiner tiefsitzenden Abneigung gegen Braun. Er wollte nicht, dass der ehemalige Hitler-Günstling und SS-Sturmbannführer an dem Propagandacoup der Vereinigten Staaten mitwirkte. Also trugen die drei „Jupiter C“-Raketen aus Brauns Ent­wick­lungsabteilung, die zwischen dem 20. September 1956 und 8. August 1957 ohne Zwischenfälle von Cape Canaveral aus ins All aufstiegen, keine Endstufe mit einem Erdsatelliten, sondern lediglich Ballastkörper. Damit hatten die USA die Chance verspielt, der Sowjetunion zuvorzukommen.

Kurz darauf löste der erfolgreiche Start von „Sputnik 1“ am 4. Oktober 1957 den Sputnikschock aus. So fürchtete der damalige Senator und spätere US-Präsident Lyndon B. Johnson: „Bald werden die Russen Bomben aus dem Weltraum schmeißen wie Kinder Steine von Autobahn­brücken.“ Das erhöhte den Erfolgszwang, unter dem die Schöpfer der „Vanguard“ standen. Der Erstflug der Rakete mit dem gleichnamigen grapefruitgroßen Satelliten an der Spitze sollte nun am 6. Dezember 1957 erfolgen – allerdings explodierte die „Vanguard TV 3“ schon zwei Sekunden nach dem Abheben. Das war umso blamabler, als die UdSSR am 3. November auch noch den über 500 Kilogramm schweren „Sputnik 2“ ins All geschossen hatte.

In dieser Situation drängte Braun darauf, der ABMA eine Chance zu geben. Und nun konnte Eisenhower trotz seiner Ressentiments sich nicht mehr widersetzen. Infolgedessen transportierte am 1. Februar 1958 eine leicht modifizierte „Jupiter C“-Rakete den ersten Erdsatelliten der USA namens „Explorer 1“ auf seine elliptische Umlaufbahn. Parallel zu den Startvorbereitungen nahm der Druck auf Eisenhower zu, der Zersplitterung des US-Raketen- beziehungsweise Raumfahrtprogramms entgegenzuwirken und zumindest letztere einer einzigen Institution zu übertragen.

Hierbei taten sich besonders der Präsident des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und leitende wissenschaftliche Berater des US-Präsidenten, James R. Killian, sowie das National Advisory Committee for Aeronautics (NACA) hervor, das bereits seit 1915 Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Luftfahrt betrieb. Das 

NACA schuf am 12. Januar 1958 eine Abteilung für Weltraumtechnologie, und sein Direktor, Hugh Dryen, schlug zwei Tage später ein großangelegtes nationales Programm zur Eroberung des Alls vor. Killian schickte am 5. März namens des ihm unterstehenden Beratergremiums, des President’s Science Advisory Committee (PSAC), ein Memorandum an den US-Präsidenten, in dem er dringend riet, das NACA zur nationalen Weltraumbehörde umzubilden.

Eisenhower schloss sich dem an und forderte den Kongress in Wa­shing­ton im April 1958 auf, ein entsprechendes Gesetz, den National Aeronautics and Space Act, zu erlassen. Das geschah zum 16. Juli 1958. Mit der Unterzeichnung durch den Präsidenten trat die Regelung am 29. Juli 1958 in Kraft. Die durch dieses Gesetz gegründete neue National Aeronautics and Space Administration (NASA, Nationale Luft- und Raumfahrtbehörde) nahm zum 1. Oktober 1958 ihre Arbeit auf.

Allerdings erwies es sich bald als ein Problem, dass die neue zivile Behörde auf die Zuarbeit des Militärs in Form von Trägerraketen angewiesen war. Das führte noch in ihrem Gründungsjahr zur ersten großen Krise der NASA. Sie konnte dadurch gelöst werden, dass es der NASA in den darauffolgenden zwei Jahren gelang, zumindest Brauns DOD und einige weitere wichtige Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen der Streitkräfte zu integrieren. Damit war die organisatorische Grundlage für alle späteren Erfolge der NASA auf dem Gebiet der bemannten und unbemannten Raumfahrt geschaffen, Erfolge, an denen deutschstämmige Experten wie Braun maßgeblichen Anteil hatten.


S. 12 Mensch & Zeit

Jeder darf mithelfen
Bis 2025 wollen Forscher Signale außerirdischer Intelligenz gefunden haben
Wolfgang Kaufmann

Mittlerweile kennen die Astronomen bereits 3781 Planeten in 2829 Sternsystemen unserer Milchstraße – und viele davon scheinen nicht lebensfeindlich zu sein. Das hat der Suche nach außerirdischen Zivilisationen erheblichen Auftrieb verliehen. Dabei kann jeder Laie insgeheim an dieser spannenden Fahndungsmaßnahme“ mitwirken, ohne das Gespött kritischer Geister ertragen zu müssen. 

Das Geheimrezept hierfür heißt Seti@home. Die Abkürzung steht für Search for Extra-Terrestrial Intelligence at home, das heißt „Suche nach außerirdischer Intelligenz zu Hause“. Dahinter verbirgt sich ein sogenanntes Volunteer-Computing-Project, zu Deutsch: „Projekt für ehrenamtliches Rechnen“, bei dem zahlreiche private Computernutzer ihre freien Rechnerkapazitäten zur Verfügung stellen, wodurch quasi die Leistung eines großen Supercomputers erreicht wird. Den wiederum benötigt man, um jedes einzelne der vielen Milliarden kosmischen Radiosignale daraufhin zu analysieren, ob es eventuell künstlichen Ursprungs ist. 

Praktisch läuft das Ganze so ab, dass Empfänger an dem riesigen, 305 Meter messenden Radioteleskop von Arecibo auf der Karibikinsel Puerto Rico sowie am Green-Bank-Teleskop in West Virginia die Signale aufzeichnen. Danach werden diese von der Universität von Berkeley in Kali­fornien, welche das Projekt                   Seti@home betreut, mithilfe einer Software-Plattform verteilt. Die nennt sich Berkeley Open Infrastructure for Network Computing (BOINC) und schickt die aus dem All stammenden Datenpakete an registrierte Nutzer, deren Rechner gerade nicht ausgelastet sind. 

Dann beginnt die Analyse, die entweder vollkommen im Hintergrund läuft oder vermittels eines speziellen Bildschirmschoners visualisiert beziehungsweise nachvollzogen werden kann. Zum Schluss gehen die Ergebnisse dann Stunden oder Tage später nach Berkeley zurück – wo man erkennen würde, ob ein Treffer vorliegt.

Nach einhelliger Meinung von Computerexperten ist das Verfahren sicher, da die BOINC-Software auf den heimischen Rechnern im „Sandkasten-Modus“ läuft, was bedeutet, dass das Programm so weit als irgend möglich vom Rest des Betriebssystems abgeschirmt wird. Und es beeinträchtigt auch keinesfalls die Leistung des Computers und nimmt tatsächlich bloß die aktuell ungenutzten Kapazitäten in Anspruch. 

So muss der Prozessor beim Schreiben einer E-Mail nur etwa fünf bis zehn Prozent seiner Leistung erbringen und beim Surfen im Internet um die 30 bis 50 Prozent. Allerdings sorgt der Betrieb unter Volllast aufgrund der nebenher stattfindenden Berechnungen für Seti@home für einen höheren Stromverbrauch. Den kann der Besitzer freilich reduzieren, indem er den Rechner zu bestimmten Zeiten blockiert oder das BOINC-Programm bei Bedarf manuell stoppt. Derzeit verwenden rund 1,7 Millionen Menschen in 233 Staaten die Software aus Berkeley, um bei der Suche nach außerirdischen Intelligenzen zu helfen. Davon stellen reichlich 103000 ihre Computer fast rund um die Uhr zur Verfügung. Hierdurch bekommen die Astronomen viele tausend Jahre akkumulierte Rechenzeit geschenkt. 

Nichtsdestotrotz blieben die Ergebnisse der Suche bisher recht überschaubar. Zwar wurden inzwischen schon mehr als fünf Milliarden Signale aus den Tiefen des Weltalls analysiert, aber keines davon erwies sich eindeutig als künstlich. Jedoch könnte es tatsächlich sein, dass hinter der Radioquelle SHGb02+14a im Bereich zwischen den Sternbildern Widder und Fische Aliens stecken – aber die Entstehung der Signale lässt sich ebenso durch natürliche Phänomene erklären.

Um die Suche zu erweitern, soll in nächster Zeit ein dritter Empfänger für das Seti@home-Projekt am 64-Meter-Radioteleskop des Parkes-Observatoriums in Australien zum Einsatz kommen. Damit könnten auch Signale aus der südlichen Hälfte der Hemisphäre untersucht werden. Experten wie der Leiter des Seti-Projektes Seth Shostak rechnen damit, dass die Suche nach Außerirdischen dann zwischen 2020 und 2025 von Erfolg gekrönt sein wird.


Moment der Woche

Vergangenen Sonntag haben 25000 Menschen in München gegen die Politik der CSU demonstriert, Aufgerufen hatten 130 Institutionen, Parteien und Gruppen, darunter auch das mit Steuergeldern subventionierte Münchener Volkstheater und die Kammerspiele. 

Deren Teilnahme hat heftige Reaktionen seitens der CSU ausgelöst. Weil die Theater damit die Neutralitätspflicht für städtische Einrichtungen verletzt hätten, hat der zweite Münchener Bürgermeister Josef Schmidt (CSU) Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) aufgefordert, dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen die beiden Schauspielstätten einzuleiten. 

Volkstheater-Intendant Christian Stückl behauptet, die Demonstration habe sich gegen die „Verrohung unserer Sprache“ und „Hetzkampagnen“ in der Asylpolitik gerichtet, für die er die Spitze der CSU verantwortlich macht.  H.H.

Die düstere Ahnung einer Vorkriegszeit
In ihrem Roman »Munin« zieht Monika Maron beunruhigende Parallelen zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und der Gegenwart
Erik Lommatzsch

Immer mehr Unsicherheit erfasst die Deutschen im Zeitalter von Multikulti, Masseneinwanderung und radikalem Islam. Rutschen wir in eine Katastrophe? In „Munin oder Chaos im Kopf“ geht Monika Maron unserer Gegenwart unkonventionell auf den Grund.

Unklarheiten waren nie die Sache der Schriftstellerin Monika Maron. In Reaktion auf eine entsprechende Zuneigungsbekundung des seinerzeitigen Bundespräsidenten Christian Wulff, die später wortgleich von der derzeitigen Bundeskanzlerin aufgegriffen wurde, schrieb sie schon 2010: „Zu Deutschland gehören der Rechtsstaat, die Gleichstellung der Geschlechter, die Freiheit der Kunst, die Meinungs- und Religionsfreiheit, die Solidargemeinschaft, das Recht auf Bildung und gewaltfreie Erziehung. Aber nicht der Islam.“ 

Maron mahnte, dass Politiker den Muslimen hierzulande die Grenzen aufzeigen müssten. Im vergangenen Jahr konterte sie den Islamophobievorwurf nicht, im Gegenteil. „Die Wahrheit ist, dass ich vor dem Islam wirklich Angst habe. Aber warum ist das krankhaft und nicht vernünftig?“ Sie beklagte, dass die Zeitungen, die ihr diesen Vorwurf machten, kurioserweise zugleich von „blut­rünstigen Verbrechen“ im Namen des Islam berichteten. 

Als „rechts“ werde sie bezeichnet. Sie selbst bilde sich ein, „ähnlich vernünftig zu sein wie früher, als ich nicht mehr links, aber noch nicht rechts war“, und stellte die Frage, ob jemand am „Meinungskompass“ gedreht habe, sodass „rechts, links, liberal und ahnungslos“ völlig durcheinandergeraten seien.

Nach der Bundestagswahl 2017, welche bekanntlich der AfD mit einem recht ansehnlichen Ergebnis den Einzug ins Parlament ermöglichte, wies sie darauf hin, dass sich der „Hass, der sich tagelang über die Ostdeutschen, insbesondere die Sachsen ergoss“ – hier hatte die relativ junge Partei einen besonders hohen Wähleranteil zu verzeichnen –, den „Tatbestand des Rassismus“ erfülle, sollte dies nach den gleichen Kriterien gemessen werden wie andere Äußerungen. Aber das ist wohl nicht zu erwarten in einem Land, in welchem die Altgrünökolinke Jutta Ditfurth besagtes Wahl­ergebnis ohne erkennbare Gegenstimmen aus dem „etablierten Lager“ mit den Worten kommentieren durfte, es sei ein Fehler gewesen, Dresden wieder aufzubauen.

Besorgniserregende Zustände im eigenen Land, allerdings völlig anders geartet, waren bereits Thema der ersten Romanveröffentlichung von Monika Maron. „Flug­asche“, 1981 in der Bundesrepublik publiziert, enthielt deutliche Kritik an Umweltverschmutzung, Unterdrückung und Opportunismus in der DDR, wo die Autorin bis 1988 lebte. 

War ihr vorletzter Roman – „Zwischenspiel“ aus dem Jahr 2013 – eine heiter-melancholische Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod, gespickt mit DDR-Reminiszenzen ohne Verklärungsansatz, so ist die aktuelle Lage das Beunruhigende ihres neuen Buches „Munin oder Chaos im Kopf“. Es sind Zeiten, in denen noch vor Kurzem als Gewissheit geltende Annahmen wieder auf Hoffnungen reduziert werden. Dazu zählt etwa die nun nicht mehr ganz so große Sicherheit, mit der ausgeschlossen werden kann, dass man jemals selbst (wieder) einen Krieg erleben könnte.

Monika Maron verwahrt sich zwar dagegen, dass die Hauptfigur ihres „Munin“-Romans, die Journalistin Mina, welche die Geschichte erzählt, 100-prozentig mit ihr selbst identifiziert werde. Dennoch: Man sieht die reale Autorin während der Lektüre doch meist recht deutlich vor sich. Mit klaren Ansagen wird auch in diesem Buch nicht gespart. Sicher ist die eine oder andere Kontur etwas stark gezeichnet. Dafür ist es Literatur, es soll anregen und keine apodiktischen Wahrheiten verkünden.

Schmal ist das Buch nur, was den Seitenumfang – reichlich 200 – betrifft. Zwei Linien, die letztlich die gleiche Problematik zum Inhalt haben, lassen sich ziehen. Abstrakt umrissen handelt es sich um das große Problem der Zuwanderung, die entsprechenden Folgen und den Umgang mit dem Unliebsamen. Dies alles vollzieht sich vor der Folie der Auflösung des Vertrauten.

Konkret ist es selbstverständlich farbiger und zum Teil wunderbar komisch. Die erste Linie, die „innere Geschichte“, entwickelt sich anhand der Aufgabe von Mina. Aufgrund der „armseligen Zeitungshonorare“ kommt ihr der gut bezahlte Auftrag, einen Beitrag über den Dreißigjährigen Krieg zu verfassen, sehr recht. 

Im Zuge ihrer Recherchen über die 400 Jahre zurückliegenden Ereignisse zieht sie mehr und mehr Parallelen zur deutschen Gegenwart. Die Atmosphäre einer „Vorkriegszeit“ beginnt sie zu spüren. Mitnichten sieht sie die Religionskriege im Bereich ihres historischen Themas, vielmehr spürt sie eine Rückkehr dieser nach Europa. Sie arbeitet sich an dem – tatsächlich existenten – Tagebuch des Söldners Peter Hagendorf ab. „Gewalt, Rohheit, Dumpfheit“ gehören nicht allein der Vergangenheit an, sie könnten „auch uns wieder erobern“. 

Die These vom Konfliktpotenzial, welches „vor allem in den überzähligen Söhnen armer, dafür bevölkerungsreicher Länder“ liegt, überzeugt sie – eine These, welche der Soziologe Gunnar Heinsohn, der im Roman nicht namentlich genannt wird, maßgeblich ausgearbeitet hat.  

Im Roman wird die einsam arbeitende Journalistin von einer Krähe besucht, die sie Munin tauft, nach einem der Raben des germanischen Gottes Wodan. Munin – hier weiblich – ist über weite Strecken Minas „Dialogpartnerin“. Mit der Krähe spricht sie über Gott, an den sie selbst nicht glauben mag, und die Verwurzelung im Eigenen. Sie lässt sich von ihr sagen, dass die Menschen immer das Falsche lernen, oder darauf hinweisen, dass die Deutschen über ihre Taten in der Zeit des „Dritten Reiches“ so erschrocken waren, dass sie lebenslange Sühne schworen. „Seitdem werft ihr euch schützend über alles, was ihr für schwach und hilflos haltet.“

Nur indirekt politisch, aber deutlich ist die „zweite Linie“ des Buches, die „äußere Geschichte“. In Minas Straße gibt es eine Frau, offenbar geistig behindert, die tagsüber auf dem Balkon beständig laut singt, mitunter wüst schimpft und ein störendes Ärgernis ist. Gespalten sind die Anwohner. Es beginnt ein Kampf zwischen Verständnisvollen und denen, die eine Lösung anstreben. Zur Aufgabe ihrer Wohnung ist die Frau nicht zu bewegen, auch nicht juristisch, sofern nichts weiter passiert. „Na, da können wir ja nur hoffen, dass alles ganz schnell schlimmer wird“, äußert ein Anwohner. Man fühlt sich an eine fatale Sichtweise auf die gegenwärtige Bundespolitik erinnert. Erst eine Katastrophe werde den Weg zum Handeln frei machen.

Natürlich hat der Roman weit mehr zu bieten. Etwa die Sicht einer Figur auf den Zustand des Landes: „Was Du siehst, sehe ich auch. Aber ich will mich nicht daran vergiften.“ Oder so treffliche Worte wie „Genderscheiße“ (der Ausdruck fällt gleich drei Mal).

Angriffe auf die Autorin wegen „Munin“ hagelte es bereits reichlich. Unsachlich und irrational sei ihre Bestandsaufnahme, meinte die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Sie könne „in das nationale Lager gewechselt sein“, was bekanntlich mit einer herben Kritik gleichzusetzen ist, wurde unter anderem im Wiener „Standard“ angedeutet. Etwas großzügiger gab sich der Berliner „Tagesspiegel“: Nein, in der AfD-Ecke sei sie nicht zu verorten, dazu sei ihre Hauptfigur „dann doch zu klug“. Nach den Vorstellungen der besagten Zeitung bestünde ein „AfD-Roman“ offenbar nur aus knappen Hauptsätzen, fremdwortfrei.

Ihr Unbehagen an der gegenwärtigen deutschen Politik hat Maron nicht erst vor Kurzem öffentlich geäußert. In einem Interview anlässlich des Erscheinens des Romans fragte sie noch einmal: „Was glauben Sie, wie aufnahmefähig dieses Land überhaupt ist … ohne, dass wir darunter einfach verschwinden?“ Die – oberflächliche und verordnete – Harmonie im politischen Diskurs will sie stören. Mit ihrem „Munin“ ist ihr das nun auch literarisch hervorragend gelungen.


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Positive Erfahrungen in Allenstein
Vorurteile abgebaut, um neue Erkenntnisse reicher: Wie der Sachse Julian Dawid Koch das Kulturweit-Programm erlebt hat
Dawid Kazanski

Soziales Engagement erfreut sich steigender Beliebtheit.  Immer mehr Schulabsolventen, die gerade ihr Abitur oder ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben, beteiligen sich am sogenannten Kulturweit-Programm. Einer von ihnen ist der Sachse Julian David Koch. Der angehende Deutschlehrer verbrachte ein Jahr in Allenstein.

„Kulturweit“ ist ein Programm des internationale kulturpolitischen Freiwilligendienstes der Deutschen UNESCO-Kommission, das jungen Menschen zwischen 18 und 26 Jahren die Möglichkeit bietet, sich für sechs oder zwölf Monate in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu engagieren. 

Die Freiwilligen können ihren Dienst in verschiedenen Bildungs- sowie Kultureinrichtungen ableisten. Dabei werden sie in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Projekt- oder Kulturmanagement und Sprachvermittlung eingesetzt. Entsendet werden die Kulturweit-Teilnehmer zu Institutionen, die sich sowohl in den Ländern Mittel-, Südost- und Osteuropas als auch in den Entwicklungsländern Asiens, Afrikas oder Lateinamerikas befinden.   

Neben zahlreichen deutsch-polnischen Schüleraustauschen wurde inzwischen das Kulturweit-Programm zu einem wichtigen Verbindungsfaktor, der Allenstein mit der Bundesrepublik Deutschland auf der Ebene der Bildungszusammenarbeit verknüpft. In Allenstein gibt es zwei Schulen – das Lyzeum Nr. 2 und das Lyzeum Nr. 3 –, die sich jedes Jahr um einen Kulturweit-Freiwilligen bewerben. In diesem bereits abgeschlossenen Schuljahr war das Julian David Koch aus Aue in Sachsen, der die Rolle eines Deutschlehrerassistenten erfüllte und somit durch seine pädagogische Mitarbeit den Deutschunterricht mitgestaltete.

Im Gespräch über seinen Aufenthalt in Allenstein im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSB) gab er zu, dass seine erste Reaktion, als er davon erfahren habe, in der Republik Polen als Freiwilliger tätig sein zu sollen, eher negativ ausgefallen sei: „Polen klang vor einem Jahr nicht unbedingt nach interessanten Orten und Leuten, die ich in meinem Freiwilligendienst im Ausland entdecken und kennenlernen wollte. Während ich mich also über Polen und Allenstein ganz speziell informierte und mit meiner Familie darüber sprach, fand ich heraus, dass meine Urgroßmutter aus dieser Region stammt. Somit konnte ich einen persönlichen Bezug zu meiner zukünftigen Arbeit herstellen und habe mich sehr darauf gefreut, für ein Jahr hier zu arbeiten.“ Gerade dieses persönliche Verhältnis zu Ostpreußen bewegte Julian dazu, sich mehr für seine Familiengeschichte zu interessieren und sie hautnah zu erleben. Um mit eigenen Augen den Geburtsort seiner Urgroßmutter zu sehen, unternahm er eine Reise nach Bischofsburg, einer zirka 30 Kilometer von Allenstein entfernten Kleinstadt, in der seine Uroma bis 1945 lebte. 

Das bereitete dem Freiwilligen viel Freude: „Über das Internet konnte ich sogar herausfinden, wo genau sie früher gelebt hat, wodurch ich sogar Fotos von ihrem ehemaligen Wohnhaus machen konnte. Sie hat sich sehr darüber gefreut, ihre alte Heimat wiedersehen zu können.“ 

Was seine Arbeit in den Schulen anbetrifft, konnte sich Julian als angehender Lehrer ausprobieren, sein Potenzial erkennen und sein Wissen erweitern. Der deutsche Schulabgänger bekam er die Gelegenheit, Einblicke ins polnische Schulleben zu gewinnen sowie die deutsche und polnische Schulwirklichkeit miteinander zu vergleichen. 

Seine Lehrerassistenz nahm der Freiwillige folgendermaßen wahr: „Ich war bei einfacheren Dingen wie Grammatik und Aussprache gefragt, durfte ab und zu selbst kleine Unterrichtseinheiten übernehmen oder sogar selbst Themen und Aufgaben vorbereiten und wurde bei Sachen wie zum Beispiel Jugendkultur gefragt, wie das denn in Deutschland aussieht. Überrascht hat mich, dass die Schule technologisch auf einem weitaus höheren Stand als meine Schule in Deutschland ist. Das Klassenbuch ist elektronisch, es wird viel mit dem Computer und dem Beamer gearbeitet und in einigen Räumen gibt es sogar interaktive Tafeln. Zwar gab es an meiner Schule in Deutschland eine ähnliche Ausstattung mit einem Beamer in fast jedem Raum, aber von den Lehrkräften wurden diese Möglichkeiten zu einer interessanteren Unterrichtsgestaltung sehr selten genutzt. Ansonsten hat mich wenig überrascht, die Schulen waren sich im weitesten Sinne doch sehr ähnlich.“ 

Auf die Frage, inwieweit sich die Mentalität der polnischen Jugendlichen von den Verhaltensweisen seiner deutschen Altersgenossen nach seiner Einschätzung unterscheidet, antwortete Julian: „Die Deutschen und die Polen sind sich meines Empfindens nach sehr ähnlich. Den einzigen Unterschied konnte ich bei der Wahrnehmung der jeweiligen anderen Nation erkennen. Als ich Freunden von meinem FSJ in Polen erzählt habe, wurde ich von Autowitzen und anderen selten dämlichen Bemerkungen überhäuft. Die deutsche Wahrnehmung der Polen ist viel weiter von der Realität entfernt als die polnische Wahrnehmung der Deutschen.“ Nach Julians eigener Einschätung hat das Auslandsjahr in der Republik Polen dazu beigetragen, dass er seine sozialen Kompetenzen verbessern konnte. Jetzt fühle er sich erwachsener und selbstständiger und könne sich wohl vorstellen, in Zukunft als Lehrer zu arbeiten. Das spricht dafür, dass die Ziele des Freiwilligenprogramms erfüllt werden. 


Adalbert Zink als Gerechter geehrt
Schüler des Zink-Gymnasiums in Dietrichswalde wohnten der Enthüllung in Warschau bei
Uwe Hahnkamp

Am 18. Juni wurden im Garten der Gerechten in Warschau-Wola drei neue Steine enthüllt. Neben dem Polen Rafal Lemkin, der den Begriff „Genozid“ geprägt hat, und dem deutschen Pazifisten Armin Wegner, der 1916 den Völkermord an den Armeniern dokumentiert hat, erhielt auch Priester Adalbert Zink seinen Gedenkstein.

Den Titel eines „Gerechten“ vergeben das Warschauer Haus der Begegnungen mit der Geschichte und die italienische Stiftung Garivo an Personen, die sich im 20. und 21. Jahrhundert totalitären Systemen und Massenverbrechen widersetzt haben und sich dagegen eingesetzt haben, dass die Menschenwürde mit Füßen getreten wird. Die drei in diesem Jahr in Warschau geehrten Personen zeigen die große Spannbreite der Schicksale und Verdienste dieser Menschen. Die Idee zur Gestaltung solcher Gärten entstand in Italien, der erste Park wurde im Jahr 2003 in Mailand eröffnet. Der Garten in Warschau-Wola existiert seit 2014 und enthält bereits Steine unter anderem für Nelson Mandela oder Tadeusz Mazowiecki.

Priester Adalbert Zink wurde dem Komitee, das den Titel verleiht, unter anderem von dem nach ihm benannten Gymnasium in Dietrichswalde, Kreis Allenstein, vorgeschlagen. Daher war auch eine Delegation der Schule am 18. Juni mit nach Warschau gefahren. Gemeinsam mit dem Dietrichswalder Gemeindebürgermeister Jan Kasprowicz enthüllte die Schülerin Monika Rodziewicz den Stein für den Patron ihrer Schule. „Es ist ein ganz normaler Park hier in Wola. Erst wenn wir wissen, was die Steine und die bei ihnen gepflanzten Bäume bedeuten, wird er etwas Besonderes“, stellte ihre Schulkameradin Karolina Mankiewicz fest. 

Zum Wissen über Adalbert Zink bei den Schülern trugen auch Herbert Monkowski von der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land und Heinrich Hoch, der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, bei. Für Monkowski, der bei Pfarrer Zink Ministrant war und dafür mehrere Kilometer aus Jomendorf zum Marienkrankenhaus in Allenstein zu Fuß ging, war Zink eine Vaterfigur, die ihm Gutes getan hat. Hoch kennt Zink als Cousin seines Vaters, der immer wieder in dessen Werkstatt vorbeischaute, um verfolgte Menschen zu unterstützen. „Damals als Kind traf ich ihn auch häufig bei Kirmessen in Dietrichswalde. Welche Bedeutung er für viele Menschen hatte, begriff ich erst später als Erwachsener“, ergänzte Hoch.

Adalbert Zink wurde 1902 als Sohn eines Berliners und einer Worittenerin [Woryty] bei Dietrichswalde [Gietrzwald] geboren. Vor dem Zweiten Weltkrieg hielt er als junger Priester Predigten auf Deutsch wie Polnisch und setzte sich auch danach für die Ostpüreußen beider Muttersprachen sowie für die deutsch-polnische Verständigung ein. Im Jahr 1951 übernahm er die Funktion des Kapitelvikars in Allenstein und nahm – das war die Bedingung der Zustimmung des polnischen Staates – die polnische Staatsbürgerschaft an. Kardinal Stefan Wy-szynski übertrug ihm als Generalvikar des Primas die Leitung der Diözese. Im September 1953 unterzeichnete Zink als einziger im gesamten polnischen Episkopat die Einverständniserklärung zur Verhaftung von Kardinal Wyszynski nicht und landete dafür selber im Gefängnis. Er starb 1969 in Allenstein und wurde in Dietrichswalde bestattet. 

In Allenstein soll Zink ein Denkmal mit einer Büste errichtet werden; den Text, der auf dem Steinsockel stehen wird, hat Edward Cyfus entworfen, der Autor der Biografie Zinks „Ein standhafter Ermländer“. Die Enthüllung des Denkmals, das vor der Kathedrale, links neben der zu ihr hinaufführenden Treppe, seinen Platz haben wird, ist für den 15. September geplant. Dann ist Zink endlich auch am Ort seines Wirkens verewigt.


Falsche Eindrücke
Deutsche Geschichte wird ausgeblendet
Juri Tschernyschew

Neu- und Umbenennungen betreffen nicht nur die Straßen und Sehenswürdigkeiten Königsbergs, sondern neuerdings auch Postkarten, die in den Postämtern in großer Auswahl verkauft werden. Auch wenn sich inzwischen der Versand elektronischer Kurznachrichten durchgesetzt hat, machen die Städter noch eifrig Gebrauch vom Postkartenkauf. Viele verschicken sie nicht, sondern sammeln sie,  um die schönen Seiten der Städte, die sie besucht haben, in Erinnerung zu bewahren.

In den Königsberger Postämtern kann man wie früher neben Postkarten der heutigen Stadt alte Ansichten von Königsberg erwerben. Das einzige, was es früher nicht gab, waren Postkarten mit Ansichten des alten Königsberg, auf denen geschrieben stand, es sei die Stadt Kaliningrad. Man möge sich die Überraschung der Touristen vorstellen, die solche Postkarten gekauft haben und dann durch die Straßen der Stadt irren, um das Schloss oder das malerische Ufer des Oberteichs zu finden, das von eleganten Villen gesäumt wird. 

Den Machern solcher Ansichtskarten sei geraten, sich noch einmal gründlich mit der Geschichte der Stadt zu beschäftigen.


S. 14 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 98. GEBURTSTAG

Wichert, Gertrud, geb. Malessa, aus Balden, Kreis Neidenburg, am 28. Juli

ZUM 97. GEBURTSTAG

Drescher, Erna, aus Lauken, Kreis Ebenrode, am 28. Juli

Haut, Ulrich, aus Pommern, am 29. Juli

Kurschat, Herta, geb. Augustin, aus Ossafelde, Kreis Elchniederung, am 31. Juli

Nass, Käte, geb. Balzer, aus Kilianen, Kreis Treuburg, am 29. Juli

Röbig, Erna, geb. Kattenberg, aus Deschen, Kreis Elchniederung, am 2. August

Ruddigkeit, Frieda, geb. Brzoska, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 2. August

ZUM 96. GEBURTSTAG

Feuerer, Gerda, geb. Rinas, aus Treuburg, am 30. Juli

Herrmann, Fritz, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 27. Juli

Reimers, Herta, geb. Kröhnert, aus Argendorf, Kreis Elchniederung, am 1. August

Schmitter, Selma, geb. Sucht, aus Stucken, Kreis Elchniederung, am 1. August

Stahnke, Irmgard, geb. Redwanz, aus Lyck, Bismarckstraße 37, am 30. Juli

ZUM 95. GEBURTSTAG

Faak, Edith, aus Herdenau, Kreis Elchniederung, am 1. August

Klemme, Erna, geb. Zitzewitz, aus Tykrehnen, Kreis Fischhausen, am 1. August

Kneisel, Eva, geb. Czychi, aus Neumalken, Kreis Lyck, am 30. Juli

Tresp, Rosemarie, aus Glinken, Kreis Lyck, am 30. Juli

ZUM 94. GEBURTSTAG

Eczko, Elfriede, aus Berlingen /Angerapp, Kreis Lyck, am 29. Juli

Heyduck, Karl, aus Treudorf, Kreis Ortelsburg, am 30. Juli

Krupp, Gertrud, geb. Wolff, aus Willkassen, Kreis Treuburg, am 28. Juli

Reinhardt, Kurt, aus Ebenrode, am 29. Juli

Willuhn, Elisabeth, geb. Schramma, aus Lenzendorf, Kreis Lyck, am 1. August

ZUM 93. GEBURTSTAG

Bottke, Helene, geb. Siminoff, aus Seehag, Kreis Neidenburg, am 27. Juli

Greiner, Lore, geb. Preuß, aus Lyck, Soldauer Weg 5, am 2. August

Hänsel, Edith, geb. Schein, aus Georgenswalde, Kreis Fischhausen, am 28. Juli

Oelsner, Grete, geb. Petereit, aus Kobilinnen, Kreis Lyck, am 29. Juli

Peters, Ursula, geb. Ellmer, aus Lengfriede, Kreis Ebenrode, am 28. Juli

Reuther, Elfriede, geb. Kreuzenstein, aus Groß Hubnicken, Kreis Fischhausen, am 2. August

Zekau, Günter, aus Grammen, Kreis Ortelsburg, am 30. Juli

ZUM 92. GEBURTSTAG

Hawryliw, Marianne, geb. Kischlat, aus Treuburg, am 31. Juli

Hoffmann, Dora, geb. Artschwager, aus Balten, Kreis Elchniederung, am 1. August

Jagemast, Ilse, geb. Böhnke, aus Neukuhren, Kreis Fischhausen, am 29. Juli

Nowak, Hans-Georg, aus Grünlanden, Kreis Ortelsburg, am 2. August

Schwill-Engelhardt, Ingrid, aus Lyck, am 28. Juli

Thater, Herbert, aus Neudims, Kreis Rößel, am 2. August

ZUM 91. GEBURTSTAG

Erkwoh, Dr. Frank-Dietrich, aus Katzenblick, Kreis Fischhausen, am 27. Juli

Fischer, Irmgard, geb. Tregel, aus Grabnick, Abbau, Kreis Lyck, am 2. August

Friese, Herbert, aus Altfelde, Kreis Marienburg, am 30. Juli

Grote, Ruth, geb. Pokatis, aus Pillau, Kreis Fischhausen, am 28. Juli

Oberg, Elfriede, geb. Schulz, aus Jürgen, Kreis Treuburg, am 30. Juli

Peip, Elli, geb. Jedamzik, aus Lyck, General-Busse-Straße 1, am 31. Juli

Plikat, Ruth, geb. Nickel, aus Treuburg, am 1. August

Speicher, Käte, geb. Summek, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 30. Juli

Wilke, Ruth, geb. Braczko, aus Vierbrücken, Kreis Lyck, am 1. August

Wolff, Irmgard, geb. Piotrowski, aus Klein Lasken, Kreis Lyck, am 29. Juli

ZUM 90. GEBURTSTAG

Abitzsch, Gerda, geb. Hilgermann, aus Dollstaedt, Kreis Preußisch Eylau, am 30. Juli

Burdenski, Eitel, aus Grünlanden, Kreis Ortelsburg, am 27. Juli

Finder, Gisela, geb. Schöttke, aus Zimmerbude, Kreis Fischhausen, am 2. August

Kilian, Heinz, aus Gellen, Kreis Ortelsburg, am 2. August

Koetzing, Günter, aus Mosens, Kreis Mohrungen, am 28. Juli

Komatowsky, Heinz, aus Königsberg, am 30. Juli

Ludwig, Lotte, geb. Eigenfeldt, aus Mühlenkreuz, Kreis Elchniederung, am 29. Juli

Mehlberg, Irene, aus Groß Lasken, Kreis Lyck, am 1. August

Puls, Hildegard, geb. Wissigkeit, aus Gallgarben, Kreis Fischhausen, am 30. Juli

Raski, Johanna, geb. Rutkowski, aus Dietrichsdorf, Kreis Neidenburg, am 1. August

Sauer-Koch, Irmgard, geb. Januschewski, aus Schwentainen, Kreis Treuburg, am 31. Juli

Schimnossek, Kurt, aus Willkassen, Kreis Treuburg, am 29. Juli

Schröder, Edith, geb. Bienderra, aus Orlau, Kreis Neidenburg, am 31. Juli

Weber, Erika, geb. Keller, aus Auglitten, Kreis Lyck, am 31. Juli

Werner, Lore, geb. Sadowsky, aus Soffen, Kreis Lyck, am 1. August

ZUM 85. GEBURTSTAG

Biedermann, Horst, aus Dünen, Kreis Elchniederung, am 1. August

Burchardt, Klaus, aus Neidenburg, am 30. Juli

Bush, Ruth, geb. Lenkeit, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 28. Juli

Gorlo, Ulrich, aus Kalthagen, Kreis Lyck, am 28. Juli

Güthe, Ruth, geb. Grönig, aus Goldensee, Kreis Lötzen, am 30. Juli

Illgen, Elisabeth, geb. Krause, aus Liebnicken, Kreis Preußisch Eylau, am 2. August

Hahn, Hildegard, geb. Kallweit, aus Birkenmühle, Kreis Ebenrode, am 1. August

Knobloch, Ruth, geb. Alexy, aus Seedranken, Kreis Treuburg, am 27. Juli

Kremp, Gisela, geb. Gerundt, aus Ebenrode, am 28. Juli

Loyek, Hans-Friedrich, aus Schuttschen, Kreis Neidenburg, am 1. August

Perbandt, Anneliese, geb. Nichau, aus Hohenfürst, Kreis Heiligenbeil, am 24. Juli

Plogsties, Horst, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 29. Juli

Sakobielski, Hubertus, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 30. Juli

Schniesko, Gerlind, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 31. Juli

Schulz, Hildegard, geb. Bartz, aus Waltershausen, Kreis Neidenburg, am 28. Juli

ZUM 80. GEBURTSTAG

Bahrmann, Urte, geb. Meya, aus Pötschendorf, Kreis Rastenburg, am 28. Juli

Bergen, Günter, aus Schwarzberge, Kreis Lyck, am 30. Juli

Buttler, Horst, aus Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 1. August

Döring, Hannelore, aus Mulden, am 2. August

Drobniak, Helga, geb. Ostermann, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 30. Juli

Gudat, Ellen, aus Nausseden, Kreis Ebenrode, am 29. Juli

Gutowski, Anneliese, geb. Heinicke, aus Mingfen, Kreis Ortelsburg, am 29. Juli

Horn, Ingrid, geb. Pietsch, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 2. August

Klotzek, Siegfried, aus Ortelsburg, am 30. Juli

Kruppa, Klaus, aus Lyck, am 31. Juli

Kruska, Helmuth, aus Rheinswein, Kreis Ortelsburg, am 27. Juli

Luther, Albrecht, aus Tannenmühl, Kreis Ebenrode, am 27. Juli

Nitzkowski, Ulrich, aus Soffen, Kreis Lyck, am 1. August

Pendzich, Irmgard, geb. Grabosch, aus Lilienfelde, Kreis Ortelsburg, am 1. August

Reinisch, Elsbeth, geb. Kruppa, aus Lyck, am 31. Juli

Rogowski, Christa, aus Erlental, Kreis Treuburg, am 1. August

Sattler, Inge, geb. Wylutzki, aus Herrnbach, Kreis Lyck, am 1. August

Schilling, Renate, geb. Schimkat, aus Altschanzenkrug, Kreis Elchniederung, am 30. Juli

Schlünsen, Helga, geb. Fydrich, aus  Steinberg, Kreis Lyck, am 28. Juli

Schwekutsch, Klaus, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 30. Juli

Sontowski, Helmut, aus Wilhelmsthal, Kreis Ortelsburg, am 30. Juli

Steinicke, Gisela, geb. Paap, aus Sprosserweide, Kreis Elchniederung, am 27. Juli

Strahl, Siegfried, aus Gobienen, Kreis Elchniederung, am 28. Juli

Wagner, Irmtraut, geb. Kayka, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 30. Juli

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bogenfeld, Udo, aus Treuburg, am 1. August

Knur, Walburga, geb. Schudi, aus Treuburg, am 2. August

Nitschke, Rosemarie, geb. Bendszus, aus Stenzeln, Kreis Lötzen, am 29. Juli

Petraschewski, Winfried, aus Willkassen, Kreis Treuburg, am 27. Juli

Pürschel, Doris, geb. Lettau, aus Gottesgnade, Kreis Preußisch Eylau, am 27. Juli


S. 15 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

EBENRODE (STALLUPÖNEN)

Kreisvertreter: Dr. Gerhard Kuebart, Schiefe Breite 12a, 632657 Lemgo, Telefon (05261) 8 81 39, E-Mail: gerhard.kuebart@ googlemail.com.

Otterndorf – Mittwoch, 25. Juli, bis Montag, 6. August, Jugendherberge Otterndorf, Schleusenstraße 147, in 21762 Otterndorf: Kinderferienlager. Anmeldung beim Jugendbeauftragten Norbert Schattauer, Landesstraße 19, 21776 Wanna, Telefon (04757) 463, E-Mail: schattauer-wanna@t-online.de.


ELCH-NIEDERUNG

Kreisvertreter: Manfred Romeike, Anselm-Feuerbach-Str. 6, 52146 Würselen, Telefon/Fax (02405) 73810. Geschäftsstelle: Barbara Dawideit, Telefon (034203) 33567, Am Ring 9, 04442 Zwenkau.

Freitag, 7., bis Sonntag, 9. September, Hotel Esplanada, Telefon (05723) 798110, Bahnhofstraße 8, 31542 Bad Nenndorf: Kreistreffen/Mitgliederversammlung und Delegierten-Versammlung. 


FISCHHAUSEN

Kreisvertreter: Wolfgang Sopha. Stellvertreter: Uwe Nietzelt. Geschäftsstelle: Telefon (03447) 8966746, E-Mail:  Geschaeftsstelle@kreis-fischhausen.de. Familienforschung: Heidrun Meller, Telefon (03447) 8966021  

Sonnabend, 8., bis Sonntag, 9. September: Das Pillauer Treffen findet in diesem Jahr einen Monat später statt.


GERDAUEN

Kreisvertreter: Walter Mogk, Am Eichengrund 1f, , 39629 Bismark (Altmark), Telefon (0151) 12 30 53 77, Fax (03 90 00) 5 13 17. Gst.: Doris Biewald, Blümnerstraße 32, 04229 Leipzig, Telefon (0341) 9600987, E-Mail: geschaeftsstelle@kreis-gerdauen.de.

Zu unserem diesjährigen Hauptkreistreffen laden wir alle Landsleute aus dem Kreis Gerdauen sowie alle, die sich unserem Heimatkreis verbunden fühlen oder sich dafür interessieren, am 13. und 14. Oktober nach Bad Nenndorf ein. Unser Veranstaltungsort ist das Hotel Esplanade in der Bahnhofstraße 8, in dem uns Räume zur Verfügung stehen.

Folgendes Programm hat unser Festausschuss zusammengestellt (Änderungen vorbehalten): 

Sonnabend, 13. Oktober 

10 Uhr Öffnung des Veranstaltungsraumes im Hotel Esplanade (Infotisch an der Kasse mit Marzipanverkauf und Ansichtsexemplaren unserer Publikationen);

9 bis 11 Uhr Kreistagssitzung; 

11 Uhr Begrüßung;

im Laufe des Tages: Gelegenheit zum Kennenlernen und Wiedersehen von Landsleuten aus dem Heimatkreis und zum direkten Kontakt mit ihren Kirchspielvertretern (nach der Kreistagssitzung); 

12 bis 18 Uhr Gelegenheit zum Besuch des Bauernmarktes im Kurpark (mit zahlreichen Ständen von Anbietern landwirtschaftlicher und kunstgewerblicher Produkte der Region, Ausstellung Schaumburger Trachten in der Wandelhalle) – Organisator: Stadt Bad Nenndorf;

14.30 Uhr Gelegenheit zur Fahrt nach Idensen (zirka 10 Kilometer) zur Führung durch die romanische Sigwardskirche mit Karin Leon – Treffpunkt am Hotel, die Hin- und Rückfahrt wird mit Privatautos organisiert (begrenzte Teilnehmerzahl);

16 bis 18 Uhr Filmvorführungen über Ostpreußen vor 1945 und den Kreis Gerdauen nach 1945;

18.30 Uhr Begrüßung und gemeinsames Abendessen, anschließend gemütliches Beisammensein mit Musik und kleinen Einlagen (gemeinsame Gestaltung; eigene Beiträge der Landsleute sind herzlich willkommen), musikalische Begleitung: Kasimir Tarnowski. 

Sonntag, 14. Oktober 

9 Uhr Öffnung des Veranstaltungsraums im Hotel Esplanade (Infotisch an der Kasse mit Marzipanverkauf und Ansichtsexemplaren unserer Publikationen); 

11 Uhr Feierstunde im Veranstaltungsraum des Hotels Esplanade (Musikalische Begleitung: Kasimir Tarnowski; Begrüßung durch den Kreisvertreter, Ostpreußischer Festvortrag, Geistliches Wort und Totengedenken, Schlusswort des Kreisvertreters, Gemeinsamer Gesang des Ostpreußenliedes); anschließend Gelegenheit zum Mittagessen im Veranstaltungsraum, zum gemütlichen Beisammensein und Gesprächen mit den Landsleuten sowie zum Besuch des Bauernmarktes im Kurpark.

Übernachtungswünsche richten Sie bitte an das Hotel Esplanade, Telefon (0 57 23) 79 81 10, E-Mail: kontakt@hotel-esplanade.de, wo für die Besucher des Treffens Einzelzimmer und Doppelzimmer mit Frühstück zum Sonderpreis von 62 Euro beziehungsweise 

85 Euro pro Nacht zur Verfügung stehen. Bitte geben Sie bei der Buchung an: Sonderpreis für Hauptkreistreffen Gerdauen.


GOLDAP

Kreisvertreter: Stephan Grigat, Telefon (05231) 37146, Fax (05231) 24820, Heidentalstraße 83, 32760 Detmold. Geschäftsstelle: Annelies Trucewitz, Hohenfelde 37, 21720 Mittelnkirchen, Telefon (04142) 3552, Telefax (04142) 812065, E-Mail: museum@goldap.de. Internet: www.goldap.de.

Freitag, 7., bis Sonntag. 9. September: Goldaper Heimattreffen in Stade. Informationen: Annelies Trucewicz, Telefon (04142) 3552, E-Mail: museum@goldap.de.


INSTERBURG – Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, Fax (03222) 3721953, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V.,  Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Postfach 111 208, 47813 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, Fax (02151) 491141, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr. 

Hamburg – Mittwoch, 1. August, 12 Uhr, Veranstaltungsraum Empore, Hotel Zeppelin, Frohmestraße 123–125, 22459 Hamburg: kultureller Vortrag oder Autorenlesung. Informationen: Manfred Samel, Telefon (040) 587585, E-Mail: Manfred-Samel@Hamburg.de.

Heimatgruppe Thüringen – Sonntag, 5. August, 14 Uhr, Egapark Erfurt, Gothaer Straße: Mitgliedertreffen Weitere Informationen: Jürgen Böhlke, Dresdener Straße 5, 99817 Eisenach, Telefon (03691) 211105, E-Mail fjboehlke@gmail.com.


LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665. Karteiwart: Siegmar Czerwinski, Telefon (02225) 5180, Quittenstraße 2, 53340 Meckenheim.

Sonnabend, 25., bis Sonntag, 26. August, Hotel Mercure, Hagen: Diesjähriges Heimattreffen der Kreisgemeinschaft.


NEIDENBURG

Kreisvertreter: Jürgen Szepanek, Nachtigallenweg 43, 46459 Rees-Haldern, Tel. / Fax (02850) 1017.

Unser diesjähriges Treffen findet am Sonntag, 2. September, in Helmstedt statt. Es wird eine Lesung von Marguerite Kollo über ihren Vater Willi Kollo geben. Bekanntlich ist der Großvater von ihr und ihrem Bruder René Kollo der Neidenburger Walter Kollo. Wegen der besonderen Situation der Verpflegung in der Politischen Bildungsstätte Helmstedt wird um Anmeldung beim Kreisvertreter gebeten. Die Kreisgemeinschaft lädt alle ihre Gäste zu einem kleinen Mittagessen ein. 


OSTERODE

Kreisvertreter: Burghard Gieseler, Elritzenweg 35, 26127 Oldenburg, Telefon (0441) 6001736. Geschäftsstelle: Postfach 1549, 37505 Osterode am Harz, Telefon (05522) 919870. KGOeV@t-online.de; Sprechstunde: Mo. 14-17 Uhr, Do. 14–17 Uhr.

Die Einladung zum Sommerfest am 16. Juni der Landsmannschaft Ostpreußen und der Gesellschaft der Deutschen in Osterode/Ostpreußen ging bei uns ein und wir, meine Frau und ich, gingen am 

13. Juni auf die Ostlandfahrt. Sie führte über Küstrin nach Schneidemühl in Hinterpommern. Dort trafen wir uns mit dem Vorsitzenden, Edwin Kemnitz, zu einem Meinungsaustausch. Von dort ging die Fahrt nach Thorn weiter, die Geburtsstadt meiner Frau und auch Patenstadt von Lüneburg. 

Am Folgetag durchfuhren wir die schöne Landschaft Westpreußens und Ermland Masurens über Straßburg, Neumark und Lüben nach Osterode/Ostpreußen, auch Patenstadt von Osterode/Harz. Dort angekommen, bauten wir unser „Häuschen auf Rädern“ (Wohnmobil) auf dem Stellplatz, den wir von früheren Fahrten kannten, auf. Nach einem notwendigen Ruhetag ging es zum Sommerfest im Amphitheater, direkt am schönen Drewenzsee gelegen. Zur Begrüßung der Gäste spielte das Osteroder Stadtorchester flotte Märsche aller Art. Nach den Ansprachen und Grußworten der Verantwortlichen und Gästegruppen sowie dem gemeinsam gesungenen Ostpreußenlied zeigten die Volkstanzgruppen und Chöre ihr Können. Folgende deutsche Volkstanzgruppen und Chöre traten auf: Volkstanzgruppe „Saga“ aus Barteinstein, die Gruppe „Tannen“ aus Osterode, die Kindergruppe „Zarjana“ und die Tanzgruppe „Bernsteinblume“ aus Königsberg, die Chöre „Ermland“ aus Heilsberg, „Stimme der Heimat“ aus Lötzen, der Chor aus Neidenburg, „Masurenklang“ aus Peitschendorf und der Ostpreußenchor aus Mecklenburg-Vorpommern. Alle Teilnehmer sangen gemeinsam mit den Chören zum Abschluss das Ostpreußenlied. Damit ging ein ereignisreicher Tag zu Ende. 

Am 17. Juni stand ein Besuch der Burganlage aus der Zeit des Deutschen Ordens und eine Dampferfahrt auf dem schönen Drewenzsee an. Auf der Rückreise ging es nochmals nach Thorn zu einem größeren Stadtrundgang zum Copernicusdenkmal, Kopernikushaus und dem Hafen an der Weichsel und weiter nach Bromberg zu Freunden, die wir über 20 Jahre kennen. Dort gab es viel zu Erzählen, Fotos zu betrachten, und schon ging es weiter in Richtung Bundesrepublik über Frankfurt/Oder nach Lichtenow in Brandenburg, Standplatz „Am goldenen Lamm“. 

Zum Abschluss stand noch der Besuch des in Wustrau befindlichen Brandenburg-Preußen-Museums auf dem Programm. Der Ort Wustrau liegt am Südende des Ruppiner Sees. Der Ort ist die Heimat des Husarengenerals Hans-Joachim von Zieten. (1699–1786). Hier begannen auch die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ von Theodor Fontane (1819–1898). Preußen war nicht nur Marschmusik und Pickelhaube. Preußen stand für religiöse Freiheit, für Bildung und Spitzenförderung und für den Beginn des modernen Sozialstaates. 

In diesem Museum bekommt jeder einen Überblick über 500 Jahre deutscher Geschichte Brandenburg–Preußens und den Hohenzollern, illustriert mit zahlreichen Exponaten, darunter die einzige Potraitgalerie aller 

20 brandenburgischen Kurfürsten, preußischen Königen und Kaisern. 

Dieses Museum müsste zur Pflichtbesichtigung für alle deutschen Geschichtslehrer an unseren Schulen werden. Hier wird dokumentiert, dass die deutsche Geschichte nicht nur aus den gewissen 12 Jahren (33 bis 45) besteht, sondern wesentlich länger und großartiger war. Ein Besuch lohnt sich für jeden Deutschen. Dieser Besuch in Wustrau war der krönende Abschluss unserer Ostlandreise 2018. 

Am 21. Juni endete die Reise nach gefahrenen 1650 Kilometern, unter anderem auch eine Werbefahrt für das Freundschafts- und Hilfswerk-Ost e.V., Standort Bad Bevensen. Informationen anfordern bei der FHw0.e.V.-Geschäftsstelle, Postfach 1154, 29543 Bad Bevensen, Telefon und Fax. (05821) 3236.


PREUSSISCH EYLAU

Kreisvertreterin: Evelyn v. Borries, Tucherweg 80, 40724 Hilden, Telefon (02103) 64759, Fax: (02103) 23068, E-Mail: evborries@gmx.net. Kartei, Buchversand und Preußisch Eylauer-Heimatmuseum im Kreishaus Verden/Aller Lindhooper Straße 67, 27283 Verden/Aller,  E-Mail: preussisch-eylau@landkreis-verden.de, Internet: www.preussisch-eylau.de. Unser Büro in Verden ist nur noch unregelmäßig besetzt. Bitte wenden Sie sich direkt an die Kreisvertreterin Evelyn v. Borries, Telefon: (02103) 64759 oder Fax: (02103) 23068, E-Mail: evborries@gmx.net

Die Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau beteiligt sich an der Verdener Erinnerungskultur. Wir haben zwei Zeitzeuginnen befragt und davon DVDs hergestellt, die in den Veranstaltungen von Landkreis und Stadt Verden gezeigt werden. Rotraud Hahn (94, die Mutter stammt aus Poschloschen) schildert ihre Zeit von der Flucht aus und der Rückkehr nach Königsberg 1945 bis zur Ausweisung und dem Neubeginn in Bremen 1948; Adelgunde Hamelberg (Verden) die Flucht ihrer Familie bis zum Beschuss des Flüchtlingszuges durch Tiefflieger bei Verden. Die Fragen stellte der Historiker Dr. Christopher Spatz, die Filme fertigte Jonny Reimers (beide Bremen) an. Es sind auch historische Fotos eingefügt. 

Landkreis und Stadt Verden gehen die „Erinnerungskultur“, die zurzeit immer mehr als dringende Aufgabe erkannt wird, unterschiedlich an. Der Landkreis fördert ein „Netzwerk Erinnerungskultur“ mit vielen Ansatzpunkten im Kreisgebiet, die Stadt hat ein Dokumentationszentrum zum 

20. Jahrhundert („DOZ 20“) eingerichtet, beides stützt sich weitgehend auf ehrenamtliche Arbeit. Das Thema Herkunft, Ausweisung und Eingliederung der Vertriebenen stößt gerade deshalb auf Interesse und Bereitschaft zur Mitwirkung, weil 30 Prozent der Bevölkerung im Nordwesten aus Ostdeutschland stammen. Ihr Schicksal war in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend tabuisiert. Die aktive Mitwirkung der Kreisgemeinschaft ist willkommen.  

Wer ist bereit zum Gespräch vor laufender Kamera? Für eine vollständige Dokumentation fehlen noch Berichte von der Zeit unter polnischer „Verwaltung“, als die Überfremdung der Verbliebenen in der eigenen Heimat begann. Meldungen bitte an die Kreisgemeinschaft. Martin Lehmann

Bitte merken Sie sich den Termin vor und buchen Sie schon eine Unterkunft. Das Programm mit den nötigen Kontaktdaten liegt dem letzten Preußisch Eylauer Kreisblatt bei. Den Hauptvortrag am Sonnabend hält der Historiker Dr. Spatz (s. o.) zum Thema „Ostpreußens Hungerkinder“.  


PREUSSISCH HOLLAND

Kreisvertreter: Bernd Hinz. Geschäftsstelle: Gudrun Collmann, Telefon (04823) 8571, Allee 16, 25554 Wilster.

Sonnabend, 8., bis Sonntag, 9. September, Itzehoe: Jubiläums-Kreistreffen.


RASTENBURG

Kreisvertreter: Hubertus  Hilgendorff, Tel. (04381) 4366, Dorfstr. 22, 24327 Flehm. Gst.: Patenschaft Rastenburg: Kaiserring 4, 46483 Wesel, Tel. (0281) 26950.

Einladung zur Mitgliederversammlung und Kreistagssitzung am Sonntag, dem 19. August, um 11.30 Uhr in der Niederrheinhalle Wesel anlässlich unseres diesjährigen Hauptkreistreffens. Der Kreis Wesel und die Kreisgemeinschaft der Rastenburger laden Sie und Ihre Angehörigen herzlich ein, an dem Kreistreffen teilzunehmen. Für den Kreis Wesel: Dr. Ansgar Müller, Landrat, für die Kreisgemeinschaft: Hubertus Hilgendorff, Kreisvertreter 

Tagesordnung: 

1. Begrüßung durch den Kreisvertreter 

2. Feststellung der Anwesenden und Genehmigung des Protokolls vom Vorjahr 

3. Bericht des Kreisvertreters 

4. Kassen und Prüfungsbericht

5. Entlastung des Vorstands und der Kassenführung 

6. Haushaltsplan 2019 

7. Heimatbriefe „Rund um die Rastenburg“ 

8. Bildband 

9. Rastenburger Treffen 2018/2019 

10. Verschiedenes 

Anträge bzw. Vorschläge zur Tagesordnung sind bis zum 12. August 2018 einzureichen.

Sonnabend, 18. August 

9.30 Uhr Abfahrt mit dem Bus ab Hotel Kaiserhof zum Friedhof; 

10 Uhr Kranzniederlegung auf dem Friedhof in Wesel an der „Trauernden Vesalia“, Caspar-Baur-Straße;

10.30 Uhr Kranzniederlegung am Ehrenmal an der Schillkaserne in Wesel; 

14 Uhr Gemütlicher Nachmittag im Biergarten des Hotels „Kaiserhof“; 

19 Uhr Geselliges und gemütliches Beisammensein in der Niederrheinhalle, Wesel; 

Sonntag, 19. August 

9 Uhr Einlass in die Niederrheinhalle, Möglichkeit zum Frühstück; 

9.30 Uhr Evangelischer Gottesdienst in der Gnadenkirche, Wackenbrucher Straße 82; 

10 Uhr Katholischer Gottesdienst in der Kirche Herz-Jesu, in der Feldmark, Wesel; 

14.30 Uhr Hauptkreistreffen in der Niederrheinhalle, Wesel: 

Musikeinführung Blasmusik Lackhausen 

Begrüßung Hubertus Hilgendorff, Kreisvertreter

Gemeinsames Lied „Land der dunklen Wälder“

Ansprachen

Heinrich Friedrich Heselmann 

stellvertr. Landrat des Kreises Wesel 

Ulrike Westkamp Bürgermeisterin der Stadt Wesel, mit Zwischenspiel der Blasmusik Lackhausen 

16 Uhr Großer Zapfenstreich Blasmusik Lackhausen und Tambourcorps Wesel-Fusternberg 

16.30 Uhr Geselliges Beisammensein

Kontakt: Geschäftsstelle „Patenschaft Rastenburg“, Telefon 

(0281) 269 50

Freitag, 17., bis Sonntag, 19. August, 29683 Bad Fallingbostel: Korschener Treffen.

Im Kulturhaus des Kreises Rastenburg (an der ehemaligen Sembeckstraße, einem Gebäude des Provinzial Erziehungsheimes) wurde unsere Ausstellung, die bereits im August 2017 in Wesel gezeigt wurde, den Bürgern vorgestellt. Fast 150 Personen, darunter auch die Reisegruppe der Kreisgemeinschaft Rastenburg, waren anwesend. Diese passten kaum in den vorgesehenen Raum. Auch im Flur und im Treppenhaus warteten Interessierte. 

Es wurden Grußworte von der Kulturbeauftragten des Kreises  Rastenburg Marlena Szypsulska und dem neuen Landrat Jaroslaw Pieniak gesprochen. 

Der Kreisvertreter der Rastenburger, Hubertus Hilgendorff, führte in seiner Rede aus: „Diese Ausstellung ist ein Geschenk für unsere Rastenburger Landsleute und auch ein besonders wertvolle Geschenk für die polnischen Landsleute, die jetzt in der Stadt und im Kreis Rastenburg leben.

Durch diese Dokumentation haben heute und in Zukunft auch ihre Schüler und Erwachsenen die Möglichkeit, über die Geschichte des Kreises Rastenburg Informationen zu bekommen, um diese Geschichtskenntnisse auch an die nächste Generation weiterzugeben.“

Die 37 Ausstellungstafeln und die entsprechende Publikation – beides mit Texten in Deutsch und Polnisch – wurden durch das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen erstellt. Dies war das erste Mal, dass nicht eine Stadt sondern ein ganzer Landkreis Grundlage für eine solche Arbeit war.

Wolfgang Freyberg, Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen, führte in die Ausstellung ein. Diese beginnt mit der Missionierung der Prußen über die Herrschaft des Deutschen Ordens und die herzogliche Epoche bis hin zum preußischen Landkreis. 

Die Publikation erläutert die Entstehung des Kreises auf dem Gebiet der altprußischen Landschaft Barten zwischen Alle und Angerapp, beschreibt den 1752 entstandenen „Großen Kreis Rastenburg“ mit den Städten Barten, Bartenstein, Drengfurt, Gerdauen, Nordenburg, Rastenburg und Schippenbeil, den vier Domänenämtern und weiteren 245 Ortschaften sowie die 1818 durchgeführte Neuordnung zum Kreis Rastenburg.

Die Geschichte des Deutschen Ordens in dieser Region und die Besiedelung des Gebietes mit der Ordensfeste Leunenburg, dem Wildhaus Bäslack und dem Ordenshaus Lamgarben sind ein weiteres Thema. 

Neben den Städten werden Güter und Schlösser wie Dönhofstädt, Langheim, Prassen und Glaubitten beschrieben. Es wird auf die Entwicklung des Verkehrswesens in der Region eingegangen, wobei die Entstehung des Eisenbahnknotenpunktes Korschen und der Bau der Rastenburger Kleinbahn mit originalen Bildern dargestellt werden.

Weitere Kapitel gehen auf die Kirchengeschichte, darunter die der Wallfahrtskirche Heiligelinde, sowie die Entwicklung der Industrie und zahlreicher Firmen und Betriebe im Kreis ein. Nicht vergessen wurde der Zeitabschnitt im Ersten Weltkrieg, in dem das Kreisgebiet von der russischen Armee besetzt wurde. Es folgen der Aufbau der ruinierten Wirtschaft in einer Zeit, in der das Geld keinen Wert mehr hatte, der Aufschwung nach der Machtübernahme der NSDAP, die Judenverfolgung in der Region und Geschehnisse während der Anfangsjahre des Zweiten Weltkrieges.

Der geschichtliche Überblick wird mit der sowjetischen Offensive im Januar 1945, bei der die deutschen Stellungen rasch überrannt wurden, mit Evakuierung, Flucht und Zerstörung der Stadt Rastenburg und anderer Ortschaften sowie der staatlichen Neuordnung nach der Potsdamer Konferenz 1945 abgerundet.

Der Nachmittag wurde ein Erfolg. Die Publikationen – wir hatten 210 Stück mitgebracht – wurden uns geradezu aus den Händen gerissen.

Landrat Pieniak plant, die Ausstellung in den Gemeinden Barten, Korschen, Rößel und Drengfurt zu zeigen. Auch für den Schulunterricht soll sie genutzt werden.Edith Kaes 


TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Norbert Subroweit, An der Rheindorfer Burg 25, 53117 Bonn, Telefon (0228) 6896669. E-Mail: STGTilsit@gmail.com. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de

Auf Navigationsgeräten ist der Rastplatz „Tilsit“ an der Autobahn A3 südlich des Leverkusener Kreuzes noch verzeichnet, aber im Zuge des vierspurigen Ausbaus der Autobahn wurde er stillgelegt. Nach Auskunft von Straßen NRW ist die DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) mit der Suche nach einem neuen Rastplatz beauftragt.

Leider ergibt sich aus den rechtlichen Bestimmungen, dass „gemäß den Richtlinien für die wegweisende Beschilderung an Autobahnen, RWBA 2000 für die Benennung von Rastanlagen landschaftsbezogene Bezeichnungen verwendet werden müssen. Dabei sind Verwechslungen mit Anschlussstellen, Ausfahrzielen oder anderen Rastanlagen unbedingt zu vermeiden. Darüber hinaus soll die Namensgebung nach den derzeit gültigen Empfehlungen für Rastanlagen an Straßen (ERS 2011) für bewirtschaftete Rastanlagen die Landschaft großräumig, für unbewirtschaftete Rastanlagen kleinräumig (nähere Umgebung) widerspiegeln“. (Aus einer Antwort einer Anfrage beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur).

Die Stadtgemeinschaft Tilsit muss dies mit Bedauern zur Kenntnis nehmen. Die Zeitläufte sind wohl so, dass immer mehr Erinnerungsstücke verschwinden, Menschen mit dem Namen „Tilsit“ nichts mehr verbinden können.

Immerhin ergab eine Suchanfrage bei Google, dass die „Tilsiter Straße“ noch über 300000 Mal im Netz auftaucht. Es wäre interessant zu wissen, ob die Anwohner dieser Straßen noch etwas mit Tilsit verbinden.

Trotz vorheriger Bedenken haben wir unser Schultreffen auch in diesem Jahr in eigener Regie durchgeführt und sind glücklich, dass es wieder erfolgreich verlief. Auch ein durch Zeitablauf  zwangsläufig kleiner gewordener Kreis trägt durch gemeinsame Erinnerungen zum allgemeinen Wohlbefinden bei.

Wie im Vorjahr vereinbart, traf man sich in der Zeit vom 4. bis 

7. Mai im „ABACUS Tierpark Hotel“ in Berlin-Friedrichsfelde. Dort warteten wir in dem für uns reservierten Salon „Flora“ auf die Teilnehmer. Es war ein gelungenes und sehr harmonisches Schultreffen – auch dank der guten Organisation von Dieter Wegerer und Gerhard Pfiel. Bis zirka 15.30 Uhr fanden sich insgesamt 17 Personen zur Kaffeetafel ein, davon neun ehemalige Schulkameraden. Mit seinen 96 Jahren war Horst Redetzky der älteste Teilnehmer. 

Angereist waren: Hans-Georg Basties, Dietmar Behrendt mit Frau Sigrid, Max Hildebrandt mit Frau Annemarie, Martin Hübner mit Frau Hannelore, Frau Helga Meyer, Gerhard Pfiel mit Frau Renate, Horst Redetzky mit Pflegerin, Georg Schneidereit mit Partnerin, Harro Thomaschky und Dieter Wegerer mit Frau Maria. Eigentlich wollten es noch mehr sein, doch konnten einige  krankheits- beziehungsweise schicksalsbedingt nicht kommen wie zum Beispiel Hans Dzieran, Klaus Bluhm, Werner Grusdt, Werner Kiupel und Klaus-Jürgen Rausch.

Nach der Kaffeetafel eröffnete Gerhard Pfiel den offiziellen Teil des Treffens. Er dankte den Anwesenden für ihr Kommen – drück-ten sie doch dadurch als ehemalige Schüler ihre Verbundenheit zur Schule und gleichzeitig zur Heimat aus. Er übermittelte liebe Grüße von Hans Dzieran, Klaus Bluhm, Werner Grusdt, Werner Kiupel, Klaus-Jürgen Rausch und Armin Ambrassat aus Kanada.

Die Revision war von Dieter Wegerer durchgeführt worden. In seinem Bericht bestätigte er die korrekte Kassenführung sowie die einwandfreie Erfassung und zweckmäßige Verwendung der eingegangenen Spenden. Für diese Spenden danken wir an dieser Stelle noch einmal herzlich, denn sie sind zur Deckung unvermeidbarer Ausgaben für die Schulgemeinschaft immer sehr willkommen.

Beim Totengedenken wurde der Schulkameraden gedacht, die uns seit dem letzten Schultreffen für immer verlassen haben. Nach Abschluss der Ausführungen von Gerhard Pfiel sang man gemeinsam das Ostpreußenlied. Nach dem gemeinsamen Abendessen im Hotel, das in Buffetform angeboten wurde, setzten wir unser gemütliches Plachandern fort. 

Am Sonnabend-Morgen 

(5. Mai) trafen wir uns zum „Dampferchen“ fuhren bei herrlichstem Frühlingswetter mit viel Sonnenschein. Mit Straßenbahn und S-Bahn fuhren wir zur Reederei Riedel. Die dreistündige Schiffsfahrt begann und endete am Märkischen Ufer in Berlin Mitte. Sie führte uns auf der Spree und dem Landwehrkanal entlang vorbei an historischen und modernen Bauten durch die Stadtbezirke Berlin-Mitte, Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln, Schöneberg, Moabit und Tiergarten. Die vielen interessanten Sehenswürdigkeiten wurden uns ausführlich erklärt. Es war eine sehr informative und erholsame Fahrt. Am Abend trafen wir uns in der nahe gelegenen Gaststätte zum Bären. Dort konnte man rustikal nach ostpreußischer Art essen. Beim gemütlichen Plachandern kam es zu Vorschlägen, das nächste Schultreffen im Mai 2019 in Potsdam durchzuführen.

Für Sonntag (6. Mai) war ein Besuch im Tierpark Berlin-Fried-richsfelde vorgesehen. (Wer wollte, konnte aber auch etwas anderes unternehmen.) Bei herrlichstem Wetter erfreuten wir uns an dem Artenreichtum von Flora und Fauna in dem schönen Park. Sehr beindruckend unter den vielen Sehenswürdigkeiten war die Fütterung der Eisbären und der Vortrag über das Leben der Tiere im ewigen Eis sowie ihre Fortpflanzung.

Am Nachmittag trafen wir uns um 15 Uhr zur gemeinsamen Kaffeetafel, die zum Abschluss des 75. Schultreffens stattfand. Der Tag klang aus mit gemütlichem Beisammensein. Am Montag  (7. Mai) war allgemeiner Abreisetag.

Für alle Teilnehmer waren es erlebnisreiche Tage in Berlin. Alle wollen – soweit es die Gesundheit zulässt – am nächsten Treffen wieder teilnehmen. Also strengt Euch an: Bleibt bis dahin bitte möglichst gesund und bei Kräften! Und denkt bitte daran, Euch im Mai 2019 einige Tage für das Treffen in Potsdam freizuhalten!

Euer Schulsprecher 

Gerhard Pfiel 

Aus Anlass des Besuches einer Delegation aus Insterburg [Tschernjachowsk] trafen sich der 1. Vorsitzende der STG Tilsit, Norbert Subroweit, und das Vorstandsmitglied Marco Wrobel und eine russische Delegation unter Leitung des Stellvertretenden Bürgermeisters Iwan Semtschenko in Witten.

Bei diesem Gespräch ging es um die Erkundung weiterer touristischer Ziele, um Besuche im nördlichen Teil Ostpreußens attraktiver gestalten zu können. Als erste Idee wurden Kanutouren auf Inster, Pissa und Pregel angedacht. Eine entsprechende Anzahl von Kanus können in der Ferienanlage Antel gebucht werden. Im Vordergrund dieses Zieles steht damit das Naturerlebnis, das auch durch Wanderungen vertieft werden kann. Natürlich ist auch an deutsch-russische Begegnungen gedacht. Von russischer Seite besteht jedenfalls ein großes Interesse an einer Zusammenarbeit.


WEHLAU

Kreisvertreter: Gerd Gohlke, Syker Straße 26, 27211 Bassum. Telefon (04241) 5586. 2. Vors. und Schriftleiter: Werner Schimkat, Dresdener Ring 18, 65191 Wiesbaden, Telefon (0611) 505009840. Internetseite: www.kreis-wehlau.de

Sonnabend, 8., bis Sonntag, 9. September, Wessels Hotel, Hauptstraße 33, Syke: Hauptkreistreffen.


S. 17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon und Fax (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, Tel. und Fax (0711) 6336980.

Landesgruppe – Sonntag, 5. August, 11 Uhr, Gedenkplatte auf dem Schloßplatz in Stuttgart: Chartafeier. Begrüßung: Iris Pipsam, Grußwort: Uta Lüttich, Festredner: Egon Primas, MdL. Alle Landsmannschaften und Heimatgruppen sind dazu eingeladen. Bitte kommen Sie recht zahlreich zu dieser Veranstaltung.


BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Altmühlfranken – Freitag, 28. Juli, 19 Uhr, Gastwirtschaft Röschelskeller, Gunzenhausen: Sommerabend der Landsmannschaften. 


BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Bartenstein – Anfragen für gemeinsame Treffen: Elfi Fortange, Telefon (030) 4944404.

Königsberg – Freitag, 17. August, 14 Uhr, Johann-Georg-Stuben-Straße 10, 10709 Berlin-Halensee: Treffen. Anfragen bei Elfi Fortange, Telefon (030) 4944404.


HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815.  

LANDESGRUPPE

Kulturreferat – Dienstag, 4. September. Herzlich willkommen zu unserer Tagesfahrt zum Ostpreußischen Landesmuseum nach Lüneburg. Wir haben noch ein paar freie Plätze im Bus. Das Ostpreußische Landesmuseum ist das einzige Museum in Deutschland, das die reichhaltige Kultur und Geschichte ganz Ostpreußens thematisiert. Wir werden dazu einen Vortrag von Hubertus Hilgendorff hören.

Abfahrt des Busses: 

9.15 Uhr Kirchenallee am 

Hamburger Hauptbahnhof

10Uhr Harburg-Hauptbahnhof

10.10 Uhr Meckelfeld, 

Höpenstraße 88, Bushaltestelle

Waldquelle

17 Uhr Rückfahrt über Meckelfeld und Harburg zur Kirchenallee

Der Gesamtpreis beträgt 45 Euro pro Person. Im Preis enthalten:

Fahrt in einem modernen Reisebus, Mittagessen gemäß Ihrer Wahl im Restaurant Krone, Eintritt und Führung im Museum, Kaffee und Kuchen im Café Bernstein. – Sonntag, 23. September. Herzlich willkommen zu unserer Fahrt nach Elmshorn zum ostpreußischen Theater Dittchenbühne. Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken sehen wir uns das Schauspiel „Die Reise nach Tilsit“ von Hermann Sudermann an.

Abfahrt des Busses:

13 Uhr Meckelfeld, Höpenstra-

ße 88, Bushaltestelle Waldquelle

13.15 Uhr Harburg-Bahnhof

14 Uhr Kirchenallee – am Hamnbuger Hauprtbahnhof

18.30 Uhr Rückfahrt über Kirchenallee und Harburg nach Meckelfeld

Der Gesamtpreis beträgt 30 Euro pro Person. Im Preis enthalten:

Fahrt in einem modernen Reisebus

Ein Fläschchen Bärenfang während der Hinfahrt

Kaffee und Kuchen mit einem Bärenfang im Festsaal der Dittchenbühne

Theateraufführung

Anmeldung bei Walter Brid-szuhn, Telefon (040) 6933520 und (0172) 92 09 151, E-Mail: walter.bridszuhn@gmx.de

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und einem kulturellem Programm um 

12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.

BEZIRKSGRUPPE

Hamburg-Bergedorf – Freitag, 27. Juli, 

15 Uhr, Haus des Begleiters, Harders Kamp 1: Treffen der Frauengruppe zum Thema „Nicolaus Copernicus, Astronom, der Mann der die Welt veränderte“ mit Thorner Katharinchen und Kaffee.


HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788 

Kassel – Donnerstag, 2. August, 14.30 Uhr, Cafeteria Niederzwehren, Am Wehrturm 3: Vortrag von Professor Werner Gitt: „Überraschungen in der Schöpfung und Anmerkungen zu Glaubensfragen“. 


NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Hilde Pottschien, Volgerstraße 38, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 7684391. Bezirksgruppe Lüneburg: Heinz Kutzinski, Im Wiesengrund 15, 29574 Ebstorf, Telefon (05822) 5465. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968. 

Rinteln – Donnerstag, 9. August, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln (Navi: Bäckerstraße 1 oder Kreuzstraße). Dr. Hans-Walter Butschke aus Lemgo referiert über „Die Rangordnung bei Hühnern und anderen Tieren“. Neben Mitgliedern und Freunden sind ebenfalls Angehörige und interessierte Gäste aus Nah und Fern herzlich willkommen. Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit der Gruppe gibt es beim Vorsitzenden Joachim Rebuschat: Telefon (05751) 5386 oder per E-Mail: rebuschat@web.de 


NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Landesgruppe – Dienstag, 31. Juli: Einsendeschluss für die Festschrift zum 70-jährigen Bestehen der Landesgruppe NRW.

Alle Kreisgruppen in NRW werden gebeten, sich in Beiträgen mit ihren Aktivitäten, besonderen Veranstaltungen, herausragenden Persönlichkeiten, grenzüberschreitenden Aktivitäten und Dergleichen darzustellen. Abbildungen sind erwünscht, aber nicht Bedingung.

Die eingereichten Beiträge sollten, falls möglich, in elektronischer Form als Text-Dokument an den Vorsitzenden der Landesgruppe, Wilhelm Kreuer, E-Mail: kreuer@ostpreussen-nrw.de, gesandt werden. Maschinenschriftliche Beiträge können ebenfalls eingereicht werden, müssen dann aber OCR-lesbar sein. Handschriftliche Beiträge können leider nicht verarbeitet werden. Postalische Zusendungen werden erbeten an die Geschäftsstelle der Landesgruppe NRW.

Die von der nordrhein-westfälischen Landesgruppe der Landsmannschaft Ostpreußen begründete Tradition eines jährlichen Landestreffens auf Schloß Burg wird inzwischen von drei Landsmannschaften fortgeführt.

Was vor wenigen Jahren noch als das „Kleine Ostpreußen-Treffen“ bekannt war, heißt inzwischen „Kulturveranstaltung der Landsmannschaften Ostpreußen, Pommern und Schlesien – Landesgruppen Nordrhein-Westfalen“. Die jüngste Begegnung auf Schloss Burg an der Wupper fand am 8. Juli bei schönstem Sommerwetter statt. Auch diesmal war das Plateau vor der Gedenkstätte des Deutschen Ostens Schauplatz des Ereignisses.

Die Vertreter der drei Landsmannschaften organisierten gemeinsam ein attraktives Kulturprogramm und freuten sich über das zahlreich erschienene Publikum. 

Um Ostpreußen-Themen ging es an den Ständen der Landesgruppe und des BJO sowie im „Café Lorbaß“ – letzteres wurde vom 17-jährigen Erik und seinem Vater Michael betreut. Zu erwähnen ist auch, dass Bernstein, das Gold der Ostsee, in all seiner Pracht bewundert werden konnte.

Die Pommersche Landsmannschaft NRW zeigte in der Gedenkstätte des Deutschen Ostens Auszüge aus ihrer Wanderausstellung „Vertrieben – und vergessen? Pommern in der deutschen und europäischen Geschichte“. 

Bei den Schlesiern gab es neben einer umfangreichen Bücher- und Landkartenauswahl traditionsgemäß auch ein Stück Mohnkuchen sowie ein Gläschen Kroatzbeere oder Stronsdorfer. Schlesische Brot- und Backwaren, nach alten Rezepturen hergestellt, waren am Stand einer Bäckerei zu erwerben.

Der offizielle Teil der Kulturveranstaltung auf Schloss Burg bei Solingen wurde im Beisein von prominenten Ehrengästen aus dem politischen, sozialen und kulturellen Leben abgehalten. Anwesend waren der Bürgermeister von Remscheid, David Schichel, der Bürgermeister von Solingen, Carsten Voigt, sowie Helmut Seifen, MdL, und Rüdiger Goldmann MdL a.D. Verlesen wurden Grußworte des Staatssekretärs Klaus Kaiser, MKW NRW, und von Rüdiger Scholz, MdL.

Ein geistliches Wort bot Pfarrer Michael Mohr, Stadtdechant von Solingen. Zum Gedenken an die Opfer von Gewalt, Krieg und Vertreibung sprach Klaus-Arno Lemke, stellvertretender Vorsitzender und Schatzmeister der Landsmannschaft Ostpreußen NRW. 

Wilhelm Kreuer, Vorsitzender der LO NRW, bezog sich in seinem Grußwort auf die ostpreußische Identität, die sich als Teil der gesamtdeutschen Kulturlandschaft wiederfindet. „Bestimmt stellen sich einige der hier Anwesenden die Frage: Was will die Landsmannschaft Ostpreußen, was wollen die Vertriebenen heute überhaupt noch? Sind die Themen heute noch relevant? Der Zweite Weltkrieg ist doch 73 Jahre her“, fragte Kreuer und bot gleich eine Antwort: „Nun, wir Ostpreußen sind selbstbewusst genug, auf unsere 700-jährige deutsche Geschichte zu verweisen. Ostpreußen ist nicht nur Teil der deutschen Geschichte, sondern auch der deutschen Kultur und Identität.“

Kreuer übermittelte Grüße von Stephan Grigat, dem Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, der der Veranstaltung auf Schloss Burg einen guten Verlauf wünschte.

Rudi Pawelka, Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien in NRW und BdV-Landesvorsitzender NRW, betonte, die Kulturveranstaltung auf Schloss Burg, bei der jede der drei teilnehmenden Landsmannschaften ihre kulturellen Eigenarten aufzeigt, sei eine Bereicherung für alle.

Detlef Lindemann, Vertreter der Pommerschen Landsmannschaft, Landesgruppe NRW, sowie Vertreter der Bundeslandsmannschaft der Pommern, definierte den Begriff „Heimat“ und betonte, „Ein Mensch kann seine Zukunft nur gewinnen, wenn er weiß, wo seine Wurzeln sind und wo er herkommt. Pommern lebt so lange, wie wir es wollen!“

Die Festansprache hielt der 1938 in der Wallensteinstadt Sagan in Schlesien geborene Hans Eifler, der sowohl informativ als auch emotional auf „Das Unrecht der Vertreibung – gestern wie heute ein Thema von Relevanz“ einging.

Im Namen der jungen Generation sprach Tobias Link, BJO-Bundesvorsitzender und Regionalvorsitzender West, der Aktivitäten und Ziele des Bundes im Hinblick auf die Bewahrung des kulturellen und geschichtlichen Erbes Ostpreußens hervorhob. Er wandte sich an die Anwesenden mit der Bitte, im Familien- und Freundeskreis das Interesse für die Vergangenheit und Gegenwart Ostpreußens und aller weiteren ehemaligen Siedlungsgebiete der Vertriebenen zu wecken.

Das Kulturprogramm des diesjährigen Heimattreffens auf Schloss Burg wurde von Dr. Bärbel Beutner, der Kultur- und Frauenreferentin der Landsmannschaft Ostpreußen NRW, eingeleitet. Sie stellte bei dieser Gelegenheit die neue Broschüre der Landesgruppe NRW unter dem Titel „Die Deutschen und ihr Nationalgefühl“ sowie aktuelle Bücher eines Ostpreußen der Erlebensgeneration, Martin Schröder aus Detmold, vor.

Die jungen und jung gebliebenen Mitglieder der Danzdeel Salzkotten sorgten für gute Stimmung. Zum Repertoire der Gruppe zählen traditionelle pommersche und niederdeutsche Tänze, welche sie durch internationale Tanzweisen ergänzen. Sie begeisterten das Publikum auf Schloss Burg mit einem bunten Programm bestehend aus Chor, Musik und Volkstänzen. Nicht enden wollender Beifall führte dazu, dass die Danzdeel immer weitere Zugaben geben musste. 

Das Schlusswort zum Treffen auf Schloss Burg hatte der ehemalige Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen und heutige Stellvertretende Vorsitzende Jürgen Zauner, der die Anwesenden mit einem Zitat von Polybios (griechischer Staatsmann, ca. 200 bis 120 v. Chr.) verabschiedete: „Nichts ist geeigneter, uns den rechten Weg zu weisen, als die Kenntnis der Vergangenheit“.

Wilhelm Kreuer, Vorsitzender der Landsmannschaft Ostpreußen – Landesgruppe NRW, blickt auf die Begegnung zurück: „Eine außerordentlich gelungene Veranstaltung dreier Landsmannschaften bei strahlend schönem Sommerwetter. Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer übertraf die des Vorjahres deutlich. Ein Gewinn war die erstmalige Verpflichtung der Volkstanzgruppe Danzdeel Salzkotten. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Landestreffen am 7. Juli 2019.

Düren – Mittwoch, 1. August, 

18 Uhr, Haus des Deutschen Ostens, Holzstraße 7a: Heimat-abend „Sommerimpressionen“.

Köln – Donnerstag, 2. August: Schiffstour der Pommerngruppe von Köln nach Bad Honnef, die Ostpreußengruppe ist dazu eingeladen. Teilnehmen können alle, die einen Anteilsbetrag von 

44 Euro einschließlich eines Fisch-Essens nicht scheuen. Wir treffen uns um 9 Uhr am KD-Pavillon, Köln-Frankenwerft 35; die Abfahrt erfolgt um 9.30 Uhr. Es ist damit zu rechnen, dass wir um 

19 Uhr wieder zurück in Köln sein werden. Nähere Auskunft erteilt G. Donder, Telefon (0221) 7123572. – Das nächste Treffen der Ostpreußengruppe findet am Mittwoch, 8. August, um 14 Uhr im „Café zum Königsforst“ an der Endhaltestelle der KVB-Linie 9 Königsforst statt. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als wir den August zur Urlaubszeit deklarierten und keine Versammlungen abhielten, wollen wir nun die Treffen mit der Pommerngruppe abstimmen – und die kommt auch im August zusammen. Wer daher Lust hat, darf gern am oben genannten Termin das Café aufsuchen. – Außerdem ist noch bekanntzugeben, dass die Pommerngruppe am Sonnabend, dem 1. September ab 14 Uhr einen fröhlichen Nachmittag im Vereinslokal „Haus Aubele“ in Thielenbruch, Gemarkenstraße 173, veranstaltet. Bei Kaffee und Kuchen spielt das vielen bekannte „Senioren-Blasorchester“ alte und neue Weisen. Wir sind auch eingeladen. Das Lokal ist mit den Straßenbahn-Linien 13 und 18 zu erreichen.

Neuss – Jeden zweiten Mittwoch im Monat, von 15 bis 

18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Frauengruppe. – Jeden ersten und letzten Donnerstag im Monat, 15 bis 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Tag der offenen Tür. – Donnerstag, 13. September, bis Sonnabend, 22. September: Große Ostpreußenreise über Stettin, Danzig, Marienburg, Masuren, Thorn und Posen. Anmeldung: Peter Pott: Zollstraße 32, 41460 Neuss, Telefon (02131) 3843400. Programm bitte anfordern.


SACHSEN

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

Limbach-Oberfrohna – Mittwoch, 8. August: Termin mit der Gerhard-Hauptmann-Oberschule: Marienburg und deren Bedeutung für die Entwicklung Ostpreußens.


SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Eckernförde – Das Museum 

Eckernförde zeigt bis Sonntag, 

5. August, die Ausstellung „Landschaft voller Licht und Farbe. Die Künstlerkolonie Nidden“, für die der Sammler und Leihgeber Bernd Schimpke 29 Bilder zur Verfügung stellt. Rund um diese Ausstellung finden weitere Veranstaltungen statt. Donnerstag, 

2. August, 19 Uhr: Gespräch mit dem Sammler Bernd Schimpke. 

Weitere Informationen unter Telefon (04351) 712547 und im Internet: www.museum-eckernfoerde.de.

Neumünster – Die Gruppe trifft sich am Mittwoch, 8. August, um 15 Uhr, in der Stadthalle am Kleinflecken. Ein Kreppsche voll ostpreußischer Mundart, so schabberten wir to Hus, ein typischer ostpreußischer heiterer Nachmittag mit kulinarischen Spezialitäten. Gäste sind willkommen. Brigitte Profé

Uetersen – Freitag, 10. August, 15 bis 17 Uhr, Haus Ueterst End, Kirchenstraße 7: „Die Veränderung der Grenzen Ostpreußens im Laufe der Jahrhunderte“– Vortrag von Dr. Manuel Ruoff, Historiker und Redakteur der PAZ.


S. 18 Heimatarbeit

Miegels späte Wanderfahrt
Marianne Kopp über die letzten Jahre der »Mutter Ostpreußens«
Bärbel Beutner

Abschied von Königsberg“ – mit diesem Gedicht gab Agnes Miegel (1879–1964) nach der Zerstörung Königsbergs durch britische Bomber im August 1944 ihren Landsleuten eine Stimme. Ihre „gekrönte Vaterstadt“ war ein Trümmerfeld geworden, bevor die Einwohner sie endgültig verlassen mussten. Marianne Kopp wählte denselben Titel für eine detaillierte Dokumentation über den einschneidendsten Abschnitt in Agnes Miegels Leben: „Zerstörung Königsbergs, Flucht, Flüchtlingsleben und Neubeginn. Agnes Miegels Lebensweg 1944–1953 dokumentiert in privaten Briefen“, lautet der umfangreiche Untertitel. Für die Dokumentation hat Kopp  umfangreiche Quellenarbeit geleistet, um Miegels „späte Wanderfahrt“ darzustellen. 

„Gabst Kraft dem müden Herzen/auf später Wanderfahrt“, steht in der Gedenkstätte an den deutschen Osten im Batterieturm in Schloss Burg an der Wupper zu lesen, für die Miegel 1951 die Verse schrieb, die mit den Worten enden: „Lehrtest mich täglich neue/nichts als den Haß zu hassen.“

Die „späte Wanderfahrt“ begann für Miegel und ihre „Getreue“ Elise Schmidt nach zermürbenden Wochen im Luftschutzkeller in Königsberg. Die Angriffe auf die zerstörte Stadt setzten sich fort, die Evakuierungen stiegen an, und Miegel und ihre Nachbarinnen hofften bis zuletzt, ihr Königsberg nicht verlassen zu müssen. Am 

22. Januar 1945 schrieb sie an Hans von Gabelentz: „Ich hab mich Gott und dem Schicksal befohlen und hoffe die Kraft zu finden in allerschlimmster Stunde die Angst der Kreatur zu besiegen“. Der Leser erfährt Genaues über die Lebensumstände in Königsberg und im Samland. Die Versorgungslage, die Verkehrsverhältnisse, Aufenthalte auf dem Land bei Verwandten von Elise Schmidt in Rantau, der Alltag in der zerstörten Stadt – alles wird authentisch geschildert durch Miegels Korrespondenz. Dasselbe gilt für die Flucht. Am 27. Februar verließ die Dichterin ihre Vaterstadt, um zusammen mit Elise und Nachbarn aus der Hornstraße die Odyssee übers Meer mit unbekanntem Ziel anzutreten. Die Landung des überfüllten Flüchtlingsschiffs „Jupiter“ in Kopenhagen am 14. März, die erste Unterbringung in dem kleinen Ort Grindstedt und die Verlegung in das größte Lager Oksböl am 30. Mai waren weitere Stationen. Bis zum Herbst 1946 dauerte Miegels Aufenthalt dort. Dann konnte sie mit dem ersten Flüchtlingstransport nach Westdeutschland ausreisen und kam Ende November auf Schloss Apelern bei Bad Nenndorf an, wo die Familie von Münchhausen lange auf sie gewartet hatte.

Die Authentizität macht das Buch „Abschied von Königsberg“ zu einer unschätzbaren Forschungshilfe. Die letzten Mitglieder der Erlebensgeneration, die als Kinder Flucht und Aufenthalt in Dänemark mitgemacht haben, finden Belege für eigene Erinnerungen und für die Erzählungen der Erwachsenen und erfahren viel Neues. Wie waren Flucht und Evakuierung organisiert? Welchen Status hatten die Flüchtlinge in Dänemark vor und nach der Kapitulation im Mai 1945? Wie waren die Lebensbedingungen im Lager? Antworten sind in Miegels zeitgenössischer Korrespondenz zu finden. Nach der Kapitulation hatten die Alliierten bestimmt, dass die deutschen Flüchtlinge vorläufig in Dänemark bleiben mussten. Sie waren auch für die strikte Postsperre nach Deutschland bis zum 5. April 1946 verantwortlich“, schreibt Kopp. Die Lager waren zu „Internierungslagern geworden, in denen die Menschen hinter Stacheldraht leben mussten“. Ungewissheit über das Schicksal der Angehörigen, Fraternisierungsverbot mit den Dänen, Beschränkung der Bewegungsfreiheit, später die zermürbenden Bemühungen um Zuzugsgenehmigungen und die allmähliche Erkenntnis, dass eine Ausreise nach Deutschland keine Rückkehr in die Heimat bedeuten würde, das war das Los der Flüchtlinge. 

Miegel sah in allen Lebensumständen das Positive, war dankbar für die Stillung der Grundbedürfnisse, überhaupt für das Überleben und klagte nicht. In Apelern aber schrieb sie doch am 25. November 1946 an Ina Seidel: „Einleben in jeder Beziehung sehr schwer... Unsere Entwurzeltheit, unsere Heimatlosigkeit und alles dazu kommt uns erst hier (wo kaum ostpreußische Flüchtlinge sind, nur Ausgebombte und Schlesier) täglich mehr zum Bewußtsein“. 

Die Heimatlosigkeit, die „Entwurzeltheit“ war nicht das einzige Leid der Dichterin. Ihre Rolle im Nationalsozialismus brachte ihr nach der Kapitulation Hass und Ablehnung ein. Kopp spart dieses Problem nicht aus, im Gegenteil, sie widmet ihm 15 Seiten. 1949 wurde Agnes Miegel von der Spruchkammer als „unbelastet“ eingestuft, aber am 24. August 1947 schrieb sie resigniert an ihre Biografin Anni Piorreck: „Ich mühe mich um ein klares Weltbild, aber das Einzige was ich bis jetzt erfaßt habe ist, dass für mich weder als Mensch noch Dichter mehr ein Platz ist, am allerwenigsten in Deutschland“. Sie fühlte sich missverstanden und versuchte ihre Situation im Dritten Reich zu erklären. Miegel wurde nach dem Krieg für die Landsleute zur Identifikationsgestalt angesichts des Flüchtlingsschicksals und schließlich zur „Mutter Ostpreußen“. Als sie 1964 in Bad Nenndorf bestattet wurde, erwiesen ihr zahlreiche Vertreter aus Politik und Kultur die letzte Ehre. Die Jahresgabe 2017/18 der Agnes-Miegel-Gesellschaft (AMG) zeigt, welches Forschungsmaterial für Historiker, Literaturwissenschaftler und Soziologen noch bereit liegt. Marianne Kopp geht mit bestem Beispiel voran.

Der Band ist die Jahresgabe 2017/18 der Agnes-Miegel-Gesellschaft (AMG) und kann bei der Geschäftsstelle der AMG, Agnes-Miegel-Platz 3, 31542 Bad Nenndorf, zum Preis von 9.90 Euro bestellt werden.


Wo Miegel einst wohnte
Wanderungen durch Königsberg bringen Neues zutage

Die Häuser in der Königsberger Hornstraße, wo auch Agnes Miegel wohnte, sahen noch im vergangenen Jahr aus wie zum Abriss bestimmt. Doch es gibt eine positive Überraschung: Derzeit sind sie eingerüstet, was auf Sanierungsarbeiten hindeutet. Lange Zeit hat es tatsächlich so ausgesehen, als ob sie abgerissen würden, weil sie so verwohnt aussehen und teilweise leer stehen. Und dann auch noch die von einem in Königsberg [Kaliningrad] lebenden Deutschen betriebene Entfernung der Gedenktafel für Agnes Miegel. Ich war bei meiner Reise in diesem April darauf eingerichtet, die Abrissbirne im Anschlag zu sehen und finde stattdessen dieses Baugerüst vor. Hier wird renoviert, was ein gutes Zeichen ist. Der Baugrund dort (es liegt in der Nähe vom Hufen-Freigraben) ist ein begehrter Baugrund. In der Königstraße ist die Kreuz-Apotheke eingerüstet – die Plane zeigt ein modernes Gebäude, das die alte Fassade integriert. Es wäre zu wünschen, denn die Kreuz-Apotheke ist in diesem Stadtteil das letzte noch erhaltene Beispiel aus der Architektur des beginnenden Jugendstils um 1905. Jörn Pekrul


Auf den Spuren deutscher Industriekultur
Europäisches Netzwerk verbindet Standorte: Sieben liegen in Polen – bis auf Lodsch befinden sich alle im einstigen Preußen
Chris W. Wagner

Auf der Europäischen Route der Industriekultur, kurz ERIH (European Route of Industrial Heritage), dem Netzwerk der wichtigsten Standorte des industriellen Erbes Europas, bilden mehrere Ankerpunkte die Hauptroute. Sieben solcher Ankerpunkte, die die industriegeschichtlich bedeutendsten und touristisch attraktivsten Standorte der Industriekultur markieren, wurden polenweit festgelegt. Der Großteil befindet sich in Schlesien.

So ist man in Tarnowitz [Tarnowskie Gory] auf die Silbermine Friedrich besonders stolz, in der vor 230 Jahren die erste Dampfmaschine Oberschlesiens und die insgesamt dritte Kontinentaleuropas eingesetzt wurde. Im vergangenen Jahr schaffte es das Tarnowitzer Technikensemble auf die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. An die Industrierevolution erinnert auch das Tarnowitzer Dampfmaschinen-Freilichtmuseum. Den Hauptteil der Ausstellung machen dort Dampfloks aus, denn Tarnowitz zählte einst zu den größten Bahnknotenpunkten der Region. Besucher des Museums können eine Fahrt mit der Schmalspurbahn genießen.

Die Guido-Grube in Hindenburg [Zabrze] zählt ebenfalls zur ERIH, genau wie die Hindenburger Königin-Luise-Zeche, deren Errichtung 1791 als Beginn der Industrialisierung Oberschlesiens angesehen wird. Tagebauanlagen aus dem 19. Jahrhundert und Bergbautechnologie erwarten dort den Besucher genauso, wie eine 2000 PS starke Dampffördermaschine aus der Eisenhütte Prinz Rudolph im westfälischen Dülmen. Der Wilhelmine-Schacht dieser Zeche bietet Zugang zu einem anderthalb Kilometer langen unterirdischen Rundgang, der die Fördertechnik des späten 20. Jahrhunderts versinnbildlicht. 

Auf der ERIH liegen auch oberschlesische Brauereien. In Tichau [Tychy] knüpft man gern an die deutsche Braukunst an und stellt man auch wieder das „Tichauer“ her. In Tichau wurde 1629 der Braubetrieb aufgenommen, im habsburgischen Saybusch [Zywiec] hat man 1856 damit angefangen. Beide Orte haben Brauereimuseen eingerichtet. Die moderne Tichauer Brauerei entstand dank Herzog Hans Heinrich XI. von Hochberg und Prinz von Pless in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Allein der Standpunkt des Brauereimuseums in Tichau ist interessant, da er sich in der ehemaligen evangelischen Kirche befindet. Das Saybuscher Museum ist unterirdisch.

Im niederschlesischen Waldenburg [Walbrzych] wurde die 1770 gegründete Thorez-Grube (Julia) als Ankerpunkt der ERIH erkoren. Auf dem viereinhalb Hektar großen Areal entstand ein Wissens- und Kulturzentrum mit einem Café, Übernachtungs-, Ausstellungs- und Schulungsräumen sowie einer Bühne. 

Zu den sich außerhalb Schlesiens befindenden Ankerpunkten der ERIH zählen die ehemalige Textilfabrik von Izrael Poznanski in Lodsch [Lodz] und das Bromberger Exploseum. Das Exploseum befindet sich in den Wäldern um Bromberg [Bydgoszcz] in den Fabrikhallen der ehemaligen Dynamit Nobel Aktien-Gesellschaft (DAG). Dort wurde im Zweiten Weltkrieg Munition und Sprengstoff für die deutsche Wehrmacht produziert. Im „Exploseum“, das rund 30 Gebäude umfasst, dreht sich alles um die Herstellung von Sprengstoffen. Sieben der 30 Gebäude, die durch einen Tunnel verbunden sind, stehen für Besucher offen. 

Ein Großteil der Ausstellung wird der Geschichte des Geländes sowie der DAG und ihrem Gründer Alfred Nobel, dem Erfinder des Dynamits, gewidmet. In einer multimedialen Installation erfährt man beispielsweise, wie die Produktion von Nitroglycerin im Werk Bromberg ablief. Im größten Gebäude des Komplexes erwartet die Besucher eine Ausstellung zur Geschichte der Feuerwaffen vom einfachen Handrohr bis hin zu den Maschinengewehren des 20. Jahrhunderts. Zwei weitere Ausstellungen sind den dortigen Zwangsarbeitern sowie deren Sabotageaktionen gewidmet.

Ziel des ERIH-Projektes ist es, das Interesse für das gemeinsame europäische Erbe der Industrialisierung zu stärken, Regionen, Orte und Objekte der Industriegeschichte vorzustellen und im Freizeit- und Tourismusbereich als Ausflugs- und Reiseziel zu etablieren. Das ERIH-Netzwerk ist in den Jahren 2003 bis 2008 von elf Projektpartnern mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union aufgebaut worden. Um das Netzwerk nach Auslaufen der Projektförderung fortzuführen, wurde 2008 ein Verein nach deutschem Recht, der ERIH-European Route of Industrial Heritage e.V. gegründet. Mittlerweile ist die Mitgliederzahl von 17 Gründungsmitgliedern auf über 150 aus 17 Ländern Europas angewachsen.


S. 19 Pommersche Zeitung

Pommersche Zeitung

Pommersche Zeitung

S. 20 Leserforum

Leserforum

Notwendiges Tun

Zu: Zum Schaden (Nr. 25)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat durch ihre unrealistische, törichte und unüberlegte Flüchtlingspolitik die innere Sicherheit untergraben und sie zur inneren Unsicherheit verkommen lassen. Offensichtlich handelt die Kanzlerin nach dem Prinzip: Flüchtlinge zuerst, Deutschland zuletzt. 

Merkel stellt eine Gefahr für das deutsche Volk dar. Der flo­rentinische Staatsphilosoph Niccolò Machiavelli sagte einst die klugen Worte, dass sich der politisch Handelnde den Realitäten stellen und das tun müsse, was notwendig und nicht, was moralisch lobenswert sei. 

Uwe Spahr, Elmshorn






Seehofer soll ran

Zu: UN bereiten Völkerwanderungen vor (Nr. 20)

Herr Innenminister Seehofer, bleiben Sie bei Ihrem Vorhaben hart, und machen Sie es alleine, die Deutschen werden es Ihnen danken! Endlich Schluss mit diesem „Kopf durch die Wand“ von Kanzlerin Angela Merkel. Es war schon ein ganz großer Schwachsinn, dass die SPD sich wieder hat zu einer großen Koalition hinreißen lassen. Es gibt nichts als Unruhe durch gewisse Individuen, die sich in diesem Deutschland herumtreiben – „in dem wir so gut und gerne leben“, wie Merkel propagiert. 

Die Bundeskanzlerin hat von Anfang an alle Gesetze gebrochen, aber die Hand hochgehoben mit dem Eid „so wahr mir Gott helfe“. Gott hilft nicht mehr, aber das merkt eine Merkel nicht beziehungsweise kapiert es nicht. Da wundert man sich über eine AfD, die es gibt, und nun auch noch über Italien. 

Vielleicht hat Merkel ja auch Beziehungen zu einem UN-Generalsekretär namens António Gu­terres, der ja sowieso die Absicht hat, einen „globalen Pakt“ für eine sichere, geordnete und reguläre Migration (GCM) auszuarbeiten. Diesem Herrn sollte man allerdings nur bedingt zuhören und ihm vielleicht widersprechen. Mit der Völkerwanderung hatte Merkel ja schon 2014/2015 angefangen. Vielleicht gibt es noch ein Wunder und jemand kann Merkel stoppen. Herr Seehofer, Sie sind jetzt dran!

Christel Rau, Bosau






Unverschämtheit gegenüber den Vertriebenen

Zu: „Prägend für das moderne Deutschland“ (Nr. 26)

Die Bundeskanzlerin als Hauptrednerin beim Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung am 20. Juni in Berlin? Ich bin erstaunt. Das Lob von Angela Merkel über die Leistungen der Heimaltvertriebenen ist mehr als gerechtfertigt. Zumal die Deutschen, die ihre deutsche Heimat verlassen mussten, alles andere als eine Willkommenskultur vorfanden.

„Jetzt wollen die auch etwas zu essen haben, wären die doch bloß in Ostpreußen, Pommern, Schlesien geblieben“, waren oft noch die freundlichsten Worte. Das mussten sich diese Menschen noch viele Jahrzehnte später anhören. Die Aussage von Frau Merkel, Vertreibung und Flucht der Deutschen sei „eine unmittelbare Folge des von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkriegs und der unsäglichen Verbrechen während der nationalsozialistischen Diktatur“, ist eine Unverschämtheit. Der Staatssekretär Stephan Mayer erklärte, wie wichtig es sei, deutlich zu machen, „wie das Leid der vertriebenen Deutschen die Politik und Gesellschaft auch weiterhin verpflichten“. Das geschieht allerdings zu wenig. 

Den Flüchtlingen aus der ehemaligen DDR erging es übrigens während des Kalten Krieges nicht viel anders als den Vertriebenen. Eine Willkommenskultur, wie sie die muslimischen Menschen erfahren haben, gab es auch für jene Deutschen nicht. Die Menschen aus der DDR (Dunkeldeutschland) müssen sich noch heute geringschätzige Bemerkungen gefallen lassen. Die Rede der Bundeskanzlerin war nicht klug, sondern dumm.

Heinz-Peter Kröske, Hameln






Renten-Stückwerk

Zu: Arbeiten bis zum Umfallen (Nr. 25)

„Mit dem Rentenpaket schaffen wir Sicherheit für ein gutes Leben.“ Damit will der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, sein Rentenreformstückwerk an die Frau und den Mann bringen. Ein Zahlenwerk, das nicht fundiert ist, sondern mit Mutmaßungen arbeitet, wird von der Bevölkerung, den Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften schon heute als nicht finanzierbar und damit als gescheitert erklärt.

Wenn heute die Staatsbediensteten eine Pension beziehen, die doppelt so hoch ist wie vergleichbare Renten, ist etwas faul im Staate. Warum weigert sich der Minister, eine Bürgerversicherung zu beschließen, in welche alle einzahlen, auch Politiker?

Die Grünen und die Linken sowie auch die neue Partei Arbeitnehmer und Rentner Union (ARU) haben bereits Rentenreformpläne, die eine Altersarmut verhindern. Aber das Beamtentum und die politischen Mandatsträger verhindern dies, weil sie wissen, dass sie dann zum Wohle aller auch Beiträge zur Altersversorgung zahlen müssen. 

So bleibt es dabei, dass politische Scharlatane populistisch ein Stückwerk als Sicherheit für ein gutes Leben verkaufen können. Eine sichere Altersversorgung ist nur über eine Bürgerversicherung mit Aufhebung der Bemessungsgrenzen machbar. Man kann nur hoffen, dass im nächsten Bundestag die für diese Rentenpolitik werbenden Parteien eine Mehrheit erhalten. 

Dieter Kassenbeck, Rheine






Die SPD regiert an ihren Wählern vorbei

Zu: Handzahme Gefährder (Nr. 20)

Die SPD klagt – obwohl in den letzten Wochen besonders mit der Spitze stets in aller Munde – nicht nur über Stagnation, sondern über fallende Zustimmung. Im Wust der vielen Gründe wird nicht nur in den Medien einer fast vergessen: die Tatsache, dass in der bestimmenden Diskussion der sogenannten Großen Koalition die vernünftigen Belange der einst typischen SPD-Klientel kaum eine Rolle spielen. Die Höhe der einfachen Altersrente und die gleiche Behandlung der Patienten verkommen zu Lippenbekenntnissen, wenn man die Verbissenheit betrachtet, mit der sich bekannte SPD-Funktionäre für den Nachzug subsidiär geduldeter Flüchtlinge einsetzen.

Man muss sich das mal in Ruhe betrachten. Da wurde Flüchtlingen amtlich bestätigt, dass ihnen der Asylstatus nicht gewährt werden kann. Aber die menschenfreundliche Bundesrepublik gestattet ihnen vorübergehend auch im Namen möglicher SPD-Wähler meist einen kostspieligen Aufenthalt, bis die Lage in ihrem Heimatland soweit geordnet ist, dass die subsidiär Geduldeten dorthin zurückkehren können. Die Bun­desrepublik trifft diese Zusage, obwohl sie zeitlich ungewiss ist und außerdem unter dem Vorbehalt steht, dass die bundesrepublikanische Rechtsprechung bei der Rückführung subsidiär Geduldeter bisher weitgehend erfolglos ist. 

So weit, so gut. Soweit besteht demnach unter den Parteien der Bundesrepublik Konsens, auch mit der SPD. Nun aber deren unverständliche Verbissenheit, obwohl die Partei weiß, dass im Rahmen des deutschen Rechtswesens einmal ins Land Gekommene kaum zurückzuführen sind, ficht die SPD mit Hingabe dafür, dass die subsidiär Geduldeten noch ihre Verwandten nach Deutschland nachholen können. Für einen subsidiär Geschützten werden unter Umständen fünf weitere ins Land geholt.

Den Gipfel stellt nun der Beschluss dar, auf den der Autor im Wochenrückblick der PAZ hinweist. Geläuterte Gefährder sollen in den Kreis der Nachzügler einbezogen werden. Solche Experimente werden auf unserem Rücken gemacht. Wer weiß, ob ein Gefährder geläutert ist?

Wohlgemerkt, nicht nur ihrer SPD-Klientel, sondern uns allen bürden SPD und die Bundesregierung damit enorme Kosten und die Folgen der Rechtsproblematik auf. Kein Wunder, dass eine solche Partei immer weniger wählen wollen. 

Gerolf Fritsche, Offenbach

S. 21 Reise

Kinder in der Strand-Vitrine
Urlaubsvergnügen an Nord- und Ostsee hinter Glas, aber ohne Plastik – Einfallsreiche Konzepte sollen neue Gäste anlocken
Stephanie Sieckmann

Während auf der einen Nordseeinsel Plexiglaswände den Sand von den Kleinkindern fernhalten sollen, setzen andernorts Hotels darauf, ausschließlich Gäste ohne Kinder aufzunehmen. Wieder andere Tourismus-Magnete setzen auf Plastikfreiheit oder betonen die Entschleunigung durch Auto- und Fahrradverbote. 

Die touristischen Ziele an Nord- und Ostsee müssen heute mehr als nur Sand und Wellen im Angebot haben, um die Touristen anzuziehen. Die vielfältigen An­sprüche der unterschiedlichen Besucher an Fischbrötchen mit Meerblick, weitläufigem Hunde­strand, zentral gelegenem Kur­zentrum, Segelschule mit bestem Revier und Rollator-tauglicher Promenade sind aber längst nicht immer unter einen Hut zu bekommen. Damit die Touristen, die im Sommer kommen, rundum glück­lich sind, setzen immer mehr Inseln und Strandbäder auf eine Spezialisierung.

Butjadingen, an der Wesermündung gegenüber von Bremerhaven ge­legen, mit charmanter und vor allem tidenunabhängiger Lagune ausgestattet, aber nicht unbedingt zu den bekanntesten Ferienzielen an der Küste gehörend, hat sich Familien mit Kleinkindern als Zielgruppe auserkoren. Auf der Halbinsel am Jadebusen soll der Baby­strand zum Zugpferd werden. Mit durchsichtigen Wänden, die dafür sorgen, dass den kleinen Lieblingen der Nordseewind beim Buddeln und Spielen keinen Sand in die Augen weht und damit Heul-Attacken auslöst, bietet Butjadingen ein Extra, das an anderen Stränden der Nordseeküste (noch) nicht vorhanden ist. 

Um dem Anspruch an ein familienfreundliches Urlaubsziel ge­recht zu werden, ist zudem in eine kinderfreundliche Infrastruktur investiert worden. Kinderfreundlichkeit gehört auch beim Gästeservice zu den Prioritäten. Spielscheune und Erlebnisbad sind Einrichtungen, die dem Nachwuchs an Tagen mit typischem Nordseewetter Langeweile und schlechte Laune vertreiben sollen. Die Kehrseite der Medaille: Je mehr die Kleinsten in den Fokus rücken, desto weniger fühlen sich im Gegenzug Reisende angesprochen, die ohne Kinder unterwegs sind oder die mit Jugendlichen im Schlepptau ihren Urlaub verbringen. 

Helgoland will in diesem Jahr auf Gourmet-Insel umsatteln. Die geplante Umrüstung der Insel ist eine Reaktion auf eine Gästebefragung. Vor allem die besser situierten Touristen merkten dabei an, dass sie auf Helgoland die Gastronomie unzureichend finden und das Portemonnaie deshalb geschlossen hielten. Eine klare Aufgabenstellung für die Tourismusabteilung auf Helgoland: Mit der gastronomischen Notsituation soll nun Schluss sein. Die räumlich stark begrenzte Insel will dabei Kulinarik nicht nur in den Restaurants etablieren, sondern auch auf dem Wasser für gastronomische Höhepunkte sorgen. Während die Klippen-Kulinarik der Insel auf Hummerrestaurant und Hummerbuden, auf thailändische Gastronomie und englische Tea-Time setzt, soll die Schwimmbar auf dem Wasser helfen, Touristen und Tagesgästen den Gaumen zu verwöhnen. 

Für das ambitionierte Projekt ist sogar eigens ein Helgoland-Cocktail kreiert worden, der „Lange Anna“ genannt wurde. Um das Getränk vor Helgoland einzunehmen, kann der zahlungskräftige Tages- oder besser gesagt: Abendtourist, mit der neuen Katamaranfähre von Hamburg aus anreisen. Die Hin- und Rückfahrt von den St.-Pauli-Landungsbrücken kostet dann in der Urlaubssaison je nach Klasse zwischen 91,60 und 127,60 Euro. 

Alles andere als rasant geht es auf Spiekeroog zu. Diese Nordsee-Insel setzt auf das Konzept der Entschleunigung und will damit längst nicht nur Stressgeplagte ansprechen. Um „runterzukommen“, wie es modern genannt wird, sind auf dem Eiland jegliche private Fahrzeuge verboten. Im Ortskern und auf dem Weg zum Strand ist sogar das Radfahren verboten. Deshalb gibt es auf der Insel auch keinen Fahrradverleih.

Ein Zugeständnis wird hier jedoch gemacht: Für Menschen mit Einschränkungen gibt es die Möglichkeit, ein Elektromobil in Anspruch zu nehmen – Taxen gibt es schließlich nicht. Der Rausch der Geschwindigkeit kann hier wirklich niemanden in seinen Bann ziehen. 

Stattdessen werden auf Spiekeroog Kinder, Hunde und Rucksäcke mit dem Bollerwagen befördert und der Weg zum Strand zu Fuß zurückgelegt. 15 Kilometer Strand und ein idyllischer Ort sind die Garanten für höchstes Entspannungsglück. Mehr als das gibt es schließlich auf Spiekeroog nicht zu entdecken. Zeit für Muße bleibt damit mehr als genug. 

Die Nordsee-Insel Föhr hat sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben und setzt auf Leben ohne Kunststoff. Das Projekt „Plastikfrei wird Trend“ spricht mit seinem Konzept umweltbewusste Touristen an, die auch im Urlaub ihrer Gesinnung treu bleiben wollen. Die Macher hinter dieser Umweltkampagne setzen jedoch darauf, dass Plastikfreunde den Kunststoffverzicht im Urlaub als Impuls erleben, der zum Umdenken anregt und nach der Auszeit im Alltag weitergelebt wird. 

Die Unterkünfte, die bei dieser Aktion mit im Boot sind, verzichten bei der Ausstattung von Fe­rienwohnungen und Gästezimmern so weit wie möglich auf den Stoff, aus dem die Meeres-Albträume gemacht sind, der Jahr für Jahr für 20000 Tonnen Müll in der Nordsee sorgt und im Flutsaum der See Spuren hinterlässt.

Die plastikbewussten Unterkünfte auf Föhr halten deshalb einen Vorrat an Aufbewahrungsbehältern für Lebensmittel und Einkaufstaschen aus Naturmaterialien bereit und bieten kunststofffreie Trinkflaschen für den Ausflug. Zum Netzwerk gehören folgerichtig Geschäfte, die plastikfreies Einkaufen ermöglichen. Der obligatorische Pappbecher zum Mitnehmen von Kaffee ist auf Föhr aus Porzellan. Klar, dass das seinen Preis hat. Stolze elf Euro kostet der Becher mit Friesenmuster. Wer beim Strandspaziergang dann so müllvermeidungsmotiviert ist, dass er angespülte Chips­tüten, Deckel und abgetrennte Scheuerfäden von Fischernetzen aufhebt und entfernt, kann seine Kunststofffunde in den am Strand aufgestellt Strandmüllboxen entsorgen. Die Gemeinde hat dann weniger Arbeit mit dem verschmutzten Strand und der Tourist ein sauberes Öko-Gewissen. 

Wasser-Marsch im Ötztal
Vier Bergseen in einem Rutsch – Ein Wander- und Wettkampferlebnis auch für müde Knochen
Judith Kunz/H. Tews

Sie heißen Plattachsee, Weißer See, Spitzigsee und Hauersee, und alle leuchten sie in einer anderen Farbe. Tiefblau der eine, smaragdgrün der andere, glasklar der nächste. Türkis gibt es auch. Die vier Seen befinden sich kurz vor dem Urlaubsparadies Sölden im Ötztal in Tirol auf einer Höhe zwischen 2300 und 2500 Metern. Einmal im Jahr stehen sie im Fokus von ambitionierten wie gemütlichen Wanderern gleichermaßen: Bei der sechsten Auflage des „4-Seen-Marschs“, der am 12. August ab sechs Uhr morgens gestartet wird, geht es auf mehr als 16 Kilometern über 1500 Meter rauf und wieder runter. Die durchschnittliche Gehzeit beträgt sechs bis sieben Stunden. Doch viele sind schneller.

Die Bestzeit aus dem Vorjahr beträgt exakt gestoppte zwei Stunden, 18 Minuten und 22 Sekunden. Und das ist noch nicht einmal der Rekord. 2016, ein Jahr zuvor, hielt die Uhr bei zwei Stunden zehn Minuten an. Beide Male war es ein gewisser Martin Scheiber aus dem vorderen Ötztal, der den Heimvorteil ausnutzte und als Erster durchs Ziel ging beziehungsweise rannte. 

Doch um Rekorde geht es gar nicht, sondern um die Freude am gemeinsamen Wandern bei dieser hochalpinen Tour, die technisch nicht anspruchsvoll ist, aber eine gewisse Kondition erfordert. Im vergangenen Sommer war der jüngste Teilnehmer gerade einmal acht, der älteste 72 Jahre alt. Mehr als 160 Wanderer (und Läufer) haben teilgenommen, sie kamen aus Luxemburg und Litauen, aus Spanien und Italien und natürlich auch aus Deutschland.

Es ist fünf Uhr am Morgen, der Frühstücksraum im Hotel füllt sich. Übernächtigte Gestalten mit entschlossenen Gesichtern versuchen, sich mit Kaffee wachzubekommen und beißen nach jedem Schluck beherzter ins Brötchen. Die Profis fachsimpeln, der nicht ganz austrainierte Laie mustert verschüchtert die strammen Waden der anderen. Hieß es nicht, hier ginge es vorzüglich um den Spaß an der Sache? Um die gemeinsame Erfahrung? Und vor allem: um das Naturerlebnis?

Am Ausgangspunkt des 

„4-Seen-Marsches“ in Lehn bei Längenfeld wird jeder Teilnehmer registriert. Der Startschuss fällt um sechs Uhr, im Fünf-Minuten-Takt werden die Leute auf die Strecke geschickt. Doch die Un­terschiede sind schon davor auszumachen. Diejenigen, die Rekorde und Bestzeiten im Blick haben, stehen mit Laufschuhen und in Sportkleidung bereit, die anderen haben gut gefüllte Rucksäcke und lassen es gemütlich angehen. 

Anfangs geht es steil und noch im Dunkeln einen schmalen Pfad hoch. Der Start in Lehn liegt auf 1160 Metern, der höchste Punkt der Runde 1520 Meter weiter oben. Gut eine Stunde braucht der gemütliche Teil der Marschkolonne bis zur ersten Stempelstelle an der Verpflegungstelle, die in Österreich natürlich Labestation heißt.

Mittlerweile ist es schon heller geworden, und es dauert nicht mehr lange, bis ein grandioser Sonnenaufgang die imposante Bergwelt anstrahlt. Hauer- und Luibiskogel heißen die umliegenden Gipfel, das Panorama reicht über die Dreitausender der Ötztaler und Stubaier Alpen bis hinunter ins Inntal. Und dann liegt da auch schon der erste See. Der Plattachsee auf 2492 Metern, glasklar glitzert er in der Sonne, ein paar Wolken spiegeln sich in seinem Wasser. 

Doch es wird noch schöner. Über Stock und Stein, Bergwiesen und Felsblöcke schlängelt sich der Weg zur Felder Scharte, dem höchsten Punkt des „4-Seen-Marsches“. Oben wartet die zweite Stempelstelle. Dann geht es bergab in einen Kessel, in dem sich der Weiße See ausgebreitet hat. Weiß ist er zwar nicht, sondern eher so blau wie der Enzian. Postkartentauglich taucht dann der Dritte im Bunde auf. Der smaragdgrüne Spitzigsee ist der kleinste von allen. Am Ufer ruft eine Minihütte zur Pause, doch alle wollen weiter, zum nächsten Stempel, zum vierten und letzten See. Der Hauersee sorgt für das Türkis im Farbenspiel und wird von einer Herde Schafe bewacht. 

Von nun an geht es bergab, mit der Kondition und auch sonst. Auf dem Weg ins Tal werden die Beine schwerer, die anfängliche Zehnergruppe ist zum Trio ge­schrumpft. Die meisten sind längst im Ziel, aber zum Glück gibt es auch einige, die noch langsamer sind. Nach neun Stunden, 20 Minuten und 46 Sekunden laufen drei bejahrte Herren durchs Ziel. Platz 82 von 94, sie einigen sich auf: gesichertes Mittelfeld.


Die Teilnahmegebühr beträgt zehn, ermäßigt fünf Euro. Anmeldung: Ötztal Tourismus, Gemeindestraße 4, A-6450 Sölden, Tel.: (0043) 572000, www.oetztal.com

Das Narrenschiff im Mittelmeer

Vom 28. April bis 2. Mai kommenden Jahres tauscht Simon Böttger, der Kapitän des 2017 in Dienst gestellten TUI-Kreuzfahrt­riesen „Mein Schiff 6“, seine Kapitänsmütze mit dem Karnevalshut. Auf einer viertägigen Kreuzfahrt erobern Prinzessinnen, Matrosen und als Piraten  kostümierte Narren das Mittelmeer und feiern auf 15 Decks eine Kostümparty der Superlative. Die närrische Reise auf der schwimmenden Karnevalshochburg ist ab sofort buchbar. Der „Jeckliner“ nimmt von Palma de Mallorca Fahrt nach Barcelona und Mar­seille auf. Le­gendäre Karnevalsbands wie die „Höhner“, „Bläck Fööss“ oder „Klüngelköpp“ sorgen während des gesamten Trips für ausgelassene Stimmung. Ebenfalls Teil der Gute-Laune-Crew ist TV-Komiker Guido Cantz, der durch das närrische Programm führt. Die Gäste werden mit Karnevalssitzungen, Auftritten von zehn bekannten Karnevalskünstlern sowie einem Traditionskorps unterhalten. Die viertägige Reise kostet inklusive aller Partys an Bord sowie dem Premiumpaket „Alles Inklusive“ in einer Innenkabine ab 899 Euro pro Person. Einschließlich An- und Abreisepaket kostet die Reise ab 1249 Euro pro Person. Die Kreuzfahrt ist im Reise­büro, im Internet unter www.tuicruises. com oder telefonisch unter (040) 60001-5111 buchbar. Weitere Informationen gibt unter: www. TUICruises. com/Jeckliner.tws

S. 22 Bücher im Gespräch

Zeitdokumente von großem historischem Wert
Friedrich-Wilhelm Schlomann

Über den Feldzug gegen die Sowjetunion sind überaus viele Bücher geschrieben worden. Keineswegs selten stammen sie von Personen, welche dabei eine bestimmte Tendenz verfolgen und direkte Diffamierungen nicht nur gegen die Wehrmacht, sondern generell gegen Deutschland beinhalten. 

Im Nürnberger Prozess wurde das deutsche Ost-Heer indes vom Vorwurf freigesprochen, eine „verbrecherische Organisation“ zu sein. Gustav Rust hat sein umfangreiches Buch „Schicksale deutscher Soldaten“ dem Gedenken deutscher Soldaten an der Ostfront gewidmet und dabei besonders dem einfachen „Landser“ ein Denkmal gesetzt, sind doch über 2,2 Millionen von ihnen dort gefallen oder in sowjetischer Kriegsgefangenschaft umgekommen. Welche Lebenswege die nicht vielen Überlebenden seit ihrer Schulzeit gingen, zu welcher Waffengattung sie kamen und welche Einsätze sie durchlebten, erfährt der Leser anhand vieler Schicksale in allen Einzelheiten. Besonders in ihren Briefen von der Front an ihre Angehörigen in der Heimat berichteten sie über sich, ihre Gedanken und Gefühle sowie die allgemeine Stimmung unter den Kameraden. 

Es sind abgebildete Zeitdokumente von großem Wert: Um die deutsche Bevölkerung in der damaligen Zeit besser verstehen zu können, vermittelt der Autor ein Bild von den Jahren vor 1933 mit der militärfreudigen Organisation „Stahl­helm“ zum einen und andererseits vom „Rotkämpferbund“, der das angebliche Paradies im Reiche Stalins auch bei uns einführen wollte. Ein abgebildeter Briefumschlag aus dem KZ-Sachsenhausen beweist, dass der Autor die aufkommende Hitler-Diktatur dabei nicht übersah. Auch die damalige Eheunbedenklichkeitsbescheinigung („zum Schutz deutschen Blutes“) fehlt nicht. Einen breiteren Raum nimmt die noch heute umstrittene Frage ein, ob der Feldzug gegen Sowjetrussland nicht ein, vielleicht sogar notwendiger, Präventivschlag war. 

Ob russische Partisanen, sofern sie ein Käppi mit dem Sowjetstern trugen, stets wie reguläre Kriegsgefangene behandelt wurden, erscheint fraglich und war wohl oft von den Umständen abhängig. Tatsache ist. Die deutschen Truppen wurden in der Ukraine und im gesamten Baltikum als Befreier von der Sowjet-Diktatur begrüßt, viele Russen unterstützten als „Hiwis“ die Arbeit deutscher Soldaten;  hier wäre ein Wort über die Idee einer Wlassow-Armee, die Hitler viel zu spät realisierte, angebracht gewesen – sofern diese dem Front-Soldaten überhaupt bekannt war. 

Unter den vielen gezeigten brieflichen Lebenszeichen findet sich einer aus Stalingrad (von den dort 330000 kämpfenden Soldaten überlebten nur 6000). Gleiches gilt für die damals so vielen Dokumente wie Einberufungsbefehle, das Wehrstammbuch oder später Befehle für die Volksgrenadierdivisionen, die der Verfasser in mühseliger Fleißarbeit für sein Buch zusammentrug. Neu für den Leser ist gewiss, dass es Briefe deutscher Soldaten aus sowjetischer Gefangenschaft gab, die allerdings sämtlichst den gleichen Wortlaut hatten und zweifellos zur Verwirrung der Angehörigen in der Heimat dienten. 

Man liest von Klagen etlicher NSDAP-Führer und auch einiger Offiziere, die sich bei den Kämpfen um Ostpreußen rechtzeitig in Sicherheit brachten, während die Soldaten zumeist gegen eine achtfache Übermacht kämpften – nach fünf Kriegsjahren war man personell ausgeblutet. 

Das Buch druckt die besondere „Ostpreußen-Feldpost“ ab mit der eingedruckten Parole „Tapfer und treu“, doch im März 1945 ist die teilweise Resignation unter den  „Landsern“ spürbar. Die letzten Briefe kommen aus dem Kessel Kalbe Mitte April 1945, zwei Wochen später ging der verbissene Häuserkampf in der Ruinenstadt Berlin zu Ende, Tage danach kapitulierte die Deutsche Wehrmacht. 

Für die heute jungen Menschen schreibt ein Kriegsteilnehmer, der mit 17 Jahren Soldat wurde und von dessen Einheit mit 165 Kameraden nur 15 das Kriegsende erlebten: „Man muss sich einmal das Erleben meiner Generation vergegenwärtigen, um sie ganz zu verstehen. Zur Zeit der nationalsozialistischen Machtübernahme, noch ohne politische Meinung, wurde uns diese durch Schule, Hitlerjugend und Arbeitsdienst in ganz bestimmter Richtung einge­prägt.“ An einer anderen Stelle heißt es: „Es gibt heute viele Menschen, die über die menschlichen Tugenden wie Treue, Opferbereitschaft und Kameradschaft lächeln und sie als sentimentalen Unsinn bezeichnen. Dabei haben diese Begriffe, diese Tugenden bei all unseren Gegnern höchste Achtung und Anerkennung gefunden. Für uns selber, die missbrauchte Kriegsgeneration, haben diese Tugenden unsere Moral ausgemacht.“ 

Für Interessierte, besonders Historiker, ein wahrer Schatz! 

Gustav Rust: „Schicksale deutscher Soldaten“, Polit-Verlag Rust, Berlin 2018, gebunden, 461 Seiten, 42 Euro

 

Neues über Stubentiger
Silvia Friedrich

Wer ein Geschenk für Katzenfreunde benötigt, liegt mit dem Buch von Abigail Tucker „Der Tiger in der guten Stube“ aus dem Theiss-Verlag genau richtig. Katzen sind des Menschen liebstes Haustier. 600 Millionen Exemplare gebe es weltweit, Tendenz steigend, heißt es im Buch. Das seien dreimal so viele Stubentiger wie Hunde. 

Wie hat dieses zugegeben äußerst putzige Tierchen es nur geschafft, unsere Herzen im Sturm zu erobern, ohne dass es auch nur das Geringste für uns tut? Mal abgesehen von den fleißigen Mäusejägern im Außenbereich, die die Nagerpopulation im Zaum halten. Katzen sind Stars im Internet, herrschen über Hinterhöfe, Gärten und unsere Herzen. Sie haben es geschafft, dass Menschen sie lieben um ihrer selbst willen. Die Autorin, selbst begeisterte Katzenhalterin, sprach mit Wissenschaftlern, um auch die naturwissenschaftliche Seite dieser einmaligen Beziehung zwischen Katze und Mensch zu beleuchten und wendet sich an viele weitere Fachleute. Sie berichtet über die aufschlussreiche Geschichte des Aufstiegs unserer Hauskatze vom ägyptischen Kult-Tier bis in die heutige Zeit. 

Ob Tucker es am Ende geschafft hat, das Mysterium der Beziehung Katze-Mensch zu lüften, bleibt der Meinung des Lesers überlassen. Dass es für den amerikanischen Markt geschrieben wurde und dort auch äußerst erfolgreich ist, spürt man auf jeder Seite. Für manche hiesigen Leser vielleicht gewöhnungsbedürftig, da man vieles nicht kennt, was beschrieben wird. Dennoch ist es ein Sachbuch, prall gefüllt mit vielen interessanten Fakten, die auch eingefleischten Katzenkennern noch neue Erkenntnisse bringen werden.

Abigail Tucker: „Der Tiger in der guten Stube. Wie die Katzen erst uns und dann die Welt eroberten“, Theiss Verlag, Darmstadt 2017, gebunden,  304 Seiten, 19,95 Euro

Potsdam einmal anders

Über die brandenburgische Hauptstadt Potsdam wurden und werden noch zahlreiche Bücher geschrienen, doch das von Joachim Nölte ist erfrischend anders: Der Werbetexter für den Tourismus im Land Brandenburg und speziell in Potsdam schreibt seit einiger Zeit Reiseführer. Im vorliegenden „Potsdam. Wie es wurde, was es ist“ erzählt er auf unterhaltsame Weise die Geschichte der Stadt von ihren Anfängen 993 bis zur Wende beziehungsweise zur Aufnahme weiter Teile der Stadt in die UNESCO-Welterbeliste 1990. Es fehlt auch nicht die Diskussion um den Wiederaufbau der Garnisonkirche, jedoch nicht ohne Seitenhieb auf das preußische Militär. 

Insgesamt ist es ein reich bebildertes, aus vielen Perspektiven betrachtetes Potsdam-Buch, das hervorsticht.MRK

Joachim Nölte: „Potsdam. Wie es wurde, was es ist“, terra press Verlag, Berlin 2018, broschiert, 280 Seiten, 28 Euro


Ernüchternde Bestandsaufnahme unserer Demokratie
Wolfgang Kaufmann

Glücklicherweise gibt es noch politische Bücher, welche tatsächlich das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Hierzu zählt unbedingt auch „Die Arroganz der Macht“ von Rüdiger Voigt, emeritierter Professor für Politik- und Staatswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München.

Das Werk bietet dem Leser eine ebenso umfassende wie schonungslose Analyse der Gebrechen der heutigen Demokratie in der Bundesrepublik, zu denen der Autor unter anderem zählt: wild wuchernde Erziehungsphantasien der Herrschenden, gepaart mit abgrundtiefem Misstrauen gegen-über dem eigenen Volk, die willige Unterwerfung unter den „zentralistischen Moloch“ Europäische Union, ideologische Scheuklappen und Schweigespiralen, die wachsende Unsicherheit auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens, Missachtung des Wählerwillens durch die Parteien und mangelnde Legitimation von Organisationen, die ins Leben der Bürger eingreifen, übermäßig große Spielräume für die Geheimdienste sowie unkoordinierte Einwanderung aufgrund des Drucks von Interessengruppen.

Nach dieser extrem ernüchternden Bestandsaufnahme, deren Lektüre jedem Politiker hierzulande zur Pflichtaufgabe gemacht werden müsste, widmet sich Voigt dann der Zukunft der Demokratie: Ist diese überhaupt noch zu retten und, wenn ja, wodurch? Hier signalisiert der Autor, dass tatsächlich nicht alles verloren sei, nachdem das Volk den Herrschenden im Jahre 2017 eine derbe Lektion erteilt habe – und zwar sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern wie Großbritannien und den USA. Allerdings brauche es dazu nun eine breite gesellschaftliche Diskussion ohne jedwedes Tabu und engagierte „Mutbürger“ statt quengelnder „Wutbürger“.

Rüdiger Voigt: „Die Arroganz der Macht. Hochmut kommt vor dem Fall“, Tectum-Verlag, Baden-Baden 2018, broschiert, 269 Seiten, 19,95 Euro

 


Die Welt besser verstehen
Silvia Friedrich

In den täglichen Nachrichtensendungen ist für tiefergehende Erläuterungen kein Platz. Zeitlich begrenzt bringen sie nur das aktuelle Tagesgeschehen. Wer sich eingehender mit politischen Themen der Gegenwart auseinandersetzen möchte, sollte zu Tim Schreders und Jennifer Sieglars Buch „Ich versteh die Welt nicht mehr“ greifen. Beide Autoren moderieren die Kindernachrichtensendung „logo!“ des ZDF. Sie sind geübt und geschult darin, Wissen verständlich nahezubringen. 

Der Leser kann sich Weltpolitik in einzelnen Happen zu Gemüte führen. Mit welchem Themenfeld man beginnt, ist demnach egal, da die einzelnen Abschnitte in sich abgeschlossen sind. Bei der Anordnung der Texte sind die Autoren geografisch vorgegangen und haben räumlich und inhaltlich verknüpfte Themen zusammengestellt. Verständlich und nicht zu langatmig werden folgende Gebiete besprochen:

Nordkorea, die Taliban, der Islamische Staat, der Krieg in Syrien, der Kurdenkonflikt in der Türkei, Erdogan und die Türkei, der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten, der Nahostkonflikt, die Asylkrise in Deutschland, Terror in Europa, die AfD, der Abgasskandal, die Eurokrise, der Brexit, die Zinspolitik der EZB, das Freihandelsabkommen TTIP, Edward Snowdon und der NSA-Skandal, Donald Trump und die USA, die UN-Klimakonferenz, Wladimir Putin und Russland, der Ukrainekrieg, Boko Haram, die Situation im Südsudan sowie die Huthi-Rebellen im Jemen.

Das Buch eignet sich auch, interessierten Jugendlichen politisches Geschehen leicht verständlich zu vermitteln. Politik muss keine trockene Thematik mehr sein. Ganz im Gegenteil.

Tim Schreder, Jennifer Sieglar: „Ich versteh die Welt nicht mehr“, Piper Verlag, , Nünchen 2018, broschiert, 304 Seiten, 15 Euro

 

Unbekanntes Georgien
Manuela Rosenthal-Kappi

Georgien ist ein Land, über das man hierzulande wenig weiß. Mit seinem Buch „Georgien. Ein Länderporträt“ will Dieter Boden dem entgegenwirken. Als Mitarbeiter diplomatischer Vertretungen in Osteuropa und im Kaukasus leitete der Politikwissenschaftler OSZE- und UN-Missionen in Georgien. Aufgrund seiner langen Auslandserfahrung konnte neben beruflichen viele private Kontakte knüpfen. 

Boden geht auf die Geschichte des Landes ein, die einer „Leidenschronik an Niederlagen“ gleicht, wie es in einem Kapitel heißt. Im Europa des 19. Jahrhunderts wurde mit Reiseberichten  und Abenteuerliteratur die Vorstellung des „wilden Kaukasus“ geprägt. Alexandre Dumas Literatur, aber auch verklärende Gedichte von Alexander Puschkin zeugen davon. 

Die Realität sah jedoch anders aus: Für Georgien ist die Eroberung durch Russland eine traumatische Erfahrung, das Land, das neben dem Diktator Stalin den beliebten Politiker Eduard Schewardnadse hervorbrachte, ist nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht zur Ruhe gekommen. In gebührender Sachlichkeit beschreibt Boden die Rosenrevolution, die Sezessionskonflikte in Abchasien und Südossetien, er geht auf Georgiens Wirtschaft, Kultur und Religion sowie Lebensart und Mentalität ein. 

Ein Grund dafür, dass Georgien sich zu Europa zugehörig fühlt, ist, dass es ein zutiefst christliches Land ist. Zahlreiche Kathedralen zeugen davon. Schade, dass auf jegliches Bildmaterial verzichtet wurde. Bei einem Länderporträt hätte man mehr Anschauungsmaterial erwartet. Die schwarz-weiße Übersichtskarte im Anhang macht das leider nicht wett.

Dieter Boden: „Georgien. Ein Länderporträt”, Ch. Links Verlag, Berlin 2018, broschiert, 200 Seiten, 18 Euro


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S. 24 Panorama

Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel
Augsteins Traum / Wie die CSU ihre eigene Jauche abbekam, wonach die Linke gerade nicht sucht, und was das linke Fußvolk nicht wissen darf

Donnerwetter, das ging aber schnell. Nur ein paar Wochen ist es erst her, dass die CSU gegenüber der AfD so richtig die Sau rausgelassen hat. „Brauner Schmutz hat in Bayern nichts verloren“, bellte CSU-Generalsekretär Markus Blume im Mai. Die neue Konkurrenz sei ein „Feind“ von allem, was für Bayern stehe. Grüne und SPD seien bloß „Wettbewerber“, die AfD dagegen ein „Gegner“.

Die „Wettbewerber“ haben es den Christsozialen auf ihre Weise gedankt, dass die Schwarzen ihnen so demonstrativ um den Bart gingen. Bei der Münchener Sonntagsdemo gegen die CSU waren SPD und Grüne gut vertreten. Dort ging es gegen die „Verrohung der Sprache“ durch die CSU. Nein, natürlich nicht gegen Entgleisungen wie „brauner Schmutz“ und so, sondern gegen ein paar Äußerungen von CSU-Granden zum Thema Grenzschutz und Asylmissbrauch.

Ihre Politik sei „unmenschlich“, knallte man der CSU um die Ohren. Die da so schrecklich unter der „Verrohung der Sprache“ litten, belegten die bayerische Regierungspartei mit Slogans wie „Fick Dich CSU“, „CSU Faschisten-“ oder „Rassistenpack“,  CSUrensöhne“ oder auch nur „Du mieser Haufen CSU“.

Plötzlich ist Markus Blume außer sich über solche Heftigkeit: „Wer ,CSU Rassistenpack‘ skandiert, wer der CSU unterstellt, Konzentrationslager vorzubereiten ..., der hat jeglichen Anstand verloren und betreibt übelste Hetze!“

Arme CSU. Es ist verdrießlich, wenn einem die Jauche, die man kürzlich lustvoll über andere ausgeschüttet hat, nun selbst ins Gesicht spritzt. Dabei hatten die Christsozialen mit ihrer Unterscheidung zwischen bösem „Gegner“ oder „Feind“ hier und netten „Wettbewerbern“ dort doch so emsig um ihre Aufnahme in die Front zum Kampf gegen Rechts gebettelt!

Aber man lässt sie nicht rein, wie herzlos. Stattdessen konnten wir auf der Demo die Namen Seehofer und Söder mit Runen-S lesen, was unzweifelhaft auf Hitlers SS verweisen sollte. Gleich hinter dem SS-Transparent marschierte jemand mit einem Pappschild der Caritas daher. Der Titel der kirchlichen Hilfsorganisation ist das lateinische Wort für Liebe und Mildtätigkeit. Jetzt steht es offenbar für maximale Verdammung Andersdenkender.

Wenn wir über solchermaßen haarsträubende Widersprüche stolpern, sucht uns jedes Mal der schlimmste Quälgeist heim, der einem in dermaßen wirren Zeiten auflauern kann: die Vernunft. Die Vernunft, die uns gebietet zu fragen: Merken die denn nicht, was für einen himmelschreienden Quatsch sie da aufführen? Mit den rohesten, schlimmsten Unterstellungen auf die Straße gehen, um damit gegen „Verrohung“ zu protestieren? Da haben Pyromanen gegen das Feuer demonstriert, indem sie Fackeln warfen.

Hier liegt vermutlich unser Fehler: Wir unterstellen, dass jedermann im Grunde seines Herzens auf der Suche nach der Wahrheit ist. Von wenigen Ausnahmen abgesehen wie Sahra Wagenknecht etwa sucht die zeitgenössische Linke aber gerade nicht nach der „Wahrheit“. Im Gegenteil: Je näher ihnen die Wahrheit auf die Pelle rückt, desto giftiger und galliger, schreiender und hassender zetern sie gegen sie an.

Aber welche Wahrheit meinen wir eigentlich? Linken-Vordenker Jakob Augstein hat es gewagt, sie anzudeuten, als er unlängst schrieb: „Wenn der Preis für unseren Sozialstaat die Toten im Mittelmeer sind, ist er es nicht wert. Wenn der Preis die Versklavten in den libyschen Lagern sind, ist der Preis zu hoch.“

Ein bemerkenswertes Bekenntnis. Das hasserfüllte Geschrei von links soll nämlich vor allem diese eine Tatsache übertönen: Dass Sozialstaat und offene Grenzen auf Dauer nicht zusammengehen. Genau das wird mit Parolen wie „Niemandem wird etwas weggenommen“, „Es ist genug für alle da“ oder „Man darf die soziale und nationale Frage nicht gegeneinander ausspielen“ unter einen Teppich gekehrt, der sich mit der Ankunft jedes weiteren Asylsuchers ein Stückchen höher wölbt.

Augstein schwärmt in seinem Aufsatz von den USA im 19. und frühen 20. Jahrhundert, wo all die Müden und Beladenen aufgenommen worden seien, um sich zu einem „Schmelztiegel“ der Nationen zu vereinen. Er, der Linke, malt in großartigsten Farben das Bild eines Landes, in dem jeder selbst zusehen muss, wie er über den nächsten Tag kommt. Ohne „Stütze“, ohne gesetzliche Krankenversicherung oder sozialen Wohnungsbau. Was die gängigen Linksparteien derzeit alle paar Tage als „Neoliberalismus“ geißeln, ist ein Ponyhof der sozialen Fürsorglichkeit gegen Augsteins „deutschen Traum“, wie er seinen Beitrag genannt hat.

Niemandem wird etwas weggenommen? Natürlich wird weggenommen! Und das ist dann eben auch gut so, sagt Augstein.

Ganz nebenbei hat der brillante Kopf eine in rechten Kreisen verbreitete Verschwörungstheorie abgeräumt. Zumindest als „Verschwörungstheorie“, denn augenscheinlich hatten die „Theoretiker“ nichts als die Wirklichkeit am Wickel.

Wir hatten uns lange schon gewundert, warum ausgerechnet ein hemmungsloser Milliardenspekulant wie George Soros, ein Erzkapitalist also, so intensiv linke Bewegungen unterstützt – gerade, wenn es um den Kampf für mehr Einwanderung geht.

Augstein teilt seinen „Traum“ mit den milliardenschweren, global agierenden Finanzmagnaten, denen die Nationen mit deren nationalstaatlichen Demokratien, den schützenden Grenzen und kostspieligen „Sozialstaaten“ seit jeher ein Dorn im Auge sind.

Schon vor Jahren hatte Augstein bekannt, dass sich die Positionen von Multikulti-Linken und Großkapital zurzeit recht nahekommen. Nun hat er die ganze Katze aus dem Sack gelassen. Endlich.

Wir hatten gedacht, die politische Linke habe bloß ihr Ohr für die Nöte der unteren Schichten verloren. So war es vielleicht mal, als an die Stelle der bodenständigen Arbeitervertreter die universitären Sozialingenieure getreten sind. Heute sind wir einen gewaltigen Schritt weiter: Der „Marsch durch die Institutionen“ hat die einstigen Revolutionäre direkt an den Gabentisch der erzkapitalistischen, globalen Großfinanz gelockt, wo sie nun deren Lied singen. Und das, wie Augsteins Beispiel zeigt, mittlerweile ganz ohne pseudosozialen Akzent.

Allerdings könnte Augstein die Melodie zu früh angestimmt haben. Schließlich müssen die Leidtragenden mindestens solange mit den genannten Beruhigungsparolen wie „Niemandem wird etwas weggenommen“ narkotisiert werden, bis sie sich nicht mehr dagegen wehren können, dass sie „es nicht wert“ sind. Sonst bäumen sie sich auf. 

Haben sie ja schon einmal gemacht: Vor 150 Jahren konnte Lohndumping ganz einfach mit dem Hinweis auf die vielen, oft polnischen oder russischen Fremdarbeiter durchgesetzt werden, die an den Toren deutscher Fabriken rüttelten. Dann haben Gewerkschafter die Tore dichtgemacht. Das war die Geburt sozialer Sicherheit.

Leute wie Soros und Augstein wollen die Tore wieder öffnen. Die guten alten Zeiten des „Manchester-Kapitalismus“ sollen wiederkehren, ironischerweise diesmal von links erzwungen, ohne dass die meisten Anhänger von SPD, Grünen oder Linkspartei das merken sollen.

Das wird ein hartes Stück Arbeit. Um dies hinzubekommen, muss man schon sehr laut brüllen, hassen und hetzen gegen diejenigen, die den genialen Schachzug verpetzen wollen.

Wir dürfen uns also auf immer gewaltigere Spektakel „gegen Rechts“ gefasst machen. Aber eines wird schon sichtbar: Der „Kampf gegen Rechts“ geht gar nicht gegen Rechte. Er dient einzig dazu, dass das linke Fußvolk selber nicht spürt, welchen Karren es zieht. Dass der „Spiegel“-Erbe bereits heute die wahre Absicht preisgibt, lässt ahnen, dass er sich und die Seinen schon recht nahe am Ziele wähnt. Wenn er sich da mal nicht irrt. 

MELDUNGEN / ZUR PERSON

AfD kritisiert »Tagesschau«

Hamburg – Laut einer Studie der Hamburger AfD-Bürgerschaftsfraktion wird die AfD in den         20-Uhr-Nachrichten der „Tagesschau“ benachteiligt. Vom 25. September 2017 bis zum 30. Juni 2018 seien nur 88 Stellungnahmen von AfD-Seite ausgestrahlt worden. Grünen-Politiker hätten sich dagegen in 297 Sendungen äußern können, gefolgt von Linkspartei (102 Mal) und FDP (90 Mal). Die Größenverhältnisse der vier Oppositionsparteien im Bundestag sind genau entgegensetzt: Die AfD ist stärkste Oppositionskraft, gefolgt von der FDP und der Linkspartei, während die Grünen die kleinste Fraktion stellen. Der Hamburger AfD-Fraktionschef Alexander Wolf nennt den Befund „skandalös und nicht hinnehmbar“. Der die „Tagesschau“ produzierende NDR wies die Vorwürfe zurück. Man arbeite journalistisch, außerdem dürfe nicht bloß die 20-Uhr-Sendung beachtet werden. Immerhin: Die Entwicklung der Zahlen von Monat zu Monat deutet auf eine zunehmende Präsenz der AfD in der „Tagesschau“ hin.  H.H.





Hauptsache jungdynamisch

So sieht der ideale Konservative in Spanien aus: Mitte 30, gutaussehend, jugendliches Flair, verheiratet, zwei Kinder und nicht in Korruptionsaffären verstrickt. Der 63-jährige Mariano Rajoy verkörperte offenbar die wenigsten dieser Ideale. Er ist politisch gescheitert. Erst verlor er per Misstrauensvotum sein Amt als spanischer Ministerpräsident an den Sozialisten Pedro Sánchez, und dann gab er auch noch den Vorsitz der konservativen Volkspartei (PP) ab, die er 14 Jahre lang anführte.

Mit Pablo Casado hat die PP jetzt einen jungdynamischen Politiker an ihre Spitze gewählt, der alle oben genannten Ideale verkörpert und der wie Sebastian Kurz in Österreich den Angriff der neuen sogenannten rechtspopulistischen Kräfte auf eine etablierte Volkspartei abwehren könnte. In Spanien sind es die Bürgerbewegungen Ciudadanos und Podemos, die der jetzt größten Oppositionspartei arg auf den Fersen ist. Mit Casado wird die PP einen stärkeren Rechtkurs fahren, schon allein einer rigideren Asylpolitik und einem Ende der katalanischen Autonomiebestrebungen wegen.

Wie der 37-jährige Politiker tickt, konnte man sehen, als er kürzlich noch als Vizepressesprecher der PP zum Fall des sich in Deutschland befindlichen ehemaligen katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont drohte: „Der Schengen-Raum kann aufgehoben werden, wenn es keine Garantien dafür gibt, dass man Spanien respektiert.“

Mit solchen Worten spricht der gläubige Katholik, der gegen Abtreibung und Sterbehilfe ist, vielen Spaniern aus dem Herzen. Vergessen ist dabei, dass er sich möglicherweise einen akademischen Abschluss in Jura erschwindelt hat. Die interne Untersuchung einer Madrider Universität gegen ihn läuft noch. Dass er bislang frei von Korruptionsvorwürfen ist, wiegt für die solcher Affären überdrüssigen Spanier alle anderen Kleinigkeiten auf.H. Tews

MEINUNGEN

In der CDU/CSU gehen linker und rechter Flügel wütend aufeinander los. Da fragt sich Alexander Will in der „Nordwest-Zeitung“ (18.Juli):

„Die SPD hat sich bereits ins 20-Prozent-Dörfchen verabschiedet. Die Union könnte sich nun zerlegen, denn es fragt sich ernsthaft, was eigentlich – außer Machterhalt und Pfründen – diese Partei noch zusammenhält. Gemeinsame Überzeugungen jedenfalls immer weniger.“





CSU-Veteran Peter Gauweiler charakterisiert Angela Merkel im „Spiegel“ (20. Juli):

„Als Politiker ist man Wellenbrecher, der sich auch gegen negative Trends stemmen muss. Es sei denn, man heißt Angela Merkel, die ist eine Wellenreiterin, und zwar die beste der Welt. Sie bleibt oben, völlig egal, wo die Welle herkommt und wo sie hingeht.“





In einen Youtube-Beitrag wundert sich Börsenexperte Dirk Müller („Mister Dax“) sehr darüber, dass ausgerechnet deutsche Politiker und Medien die jüngste Annäherung von Donald Trump und Wladimir Putin kritisiert haben:

„Freunde, nur dass wir uns richtig verstehen, Russland und die USA sind zwei Atommächte, die in immer größerem Diskurs miteinander stehen … und wenn es zu einem Krieg zwischen den USA und Russland kommt, findet der in Europa statt und nicht in den USA. Und zwar ganz wesentlich in Deutschland.“





Roger Köppel, Chef der Schweizer „Weltwoche“ (18. Juli) fragt zu Trump:

„Was ist eigentlich der Skandal an der trumpschen Politik? Dass er die Steuern senkt und die Deregulierungen vorantreibt? Dass er mit Nordkorea Frieden schließt? Dass er den Kalten Krieg mit Russland beendet und Putin respektvoll begegnet? Dass er seine Wahlversprechen einlöst? Dass er aus einem Klimaabkommen aussteigt, von dem selbst die Befürworter sagen, es bringe nichts? Dass er die Chinesen und die EU mit Strafzöllen dazu bringen will, ihre eigenen Strafzölle zu senken?“





Der türkischstämmige Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak erklärt im „Tagesspiegel“ (19. Juli) wie Deutsche an deutschen Schulen zur diskriminierten Minderheit werden:

„Wenn da drei Deutsche sind und elf mit Migrationshintergrund, werden die Deutschen automatisch diskriminiert. Nicht aufgrund ihrer Herkunft, sondern weil sie kein Türkisch oder Arabisch sprechen. Aus demselben Grund waren wir Gastarbeiter damals in der Schule benachteiligt – weil wir in der Minderheit waren.“





Peter Grimm erfassen Bauchschmerzen bei dem Gedanken, die Bundeswehr EU-Ausländern zu öffnen. Auf seinem Blog „Sichtplatz.de“ (21. Juli) gibt er zu bedenken:

„Die Idee, die Willkommenskultur auch innerhalb der waffentragenden Vertreter der Staatsmacht und in der Bundeswehr auszurufen, könnte leider am Ende nur allzu ernst gemeint sein. Warum muss man von dem sinnvollen Grundsatz abweichen, dass jemand, der den deutschen Staat vertritt, auch dessen loyaler Bürger sein sollte?“