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Ausgabe 51-52/18 21.12.18

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Europa brodelt
Frankreich, Großbritannien und Italien stehen 2019 dramatische Tage bevor
Hans Heckel

In drei der vier größten EU-Staaten stehen gravierende Umwälzungen ins Haus. Berlin agiert dabei eher als Krisen-Verstärker.

Es ist immer nur eine Frage der Zeit, bis aufgeschobene, zugedeckte, totgeschwiegene oder schöngeredete Probleme und Gegensätze zur Oberfläche streben und den Firnis der Verdrängung durchbrechen. Vieles deutet darauf hin, dass der Jahreswechsel von 2018 auf 2019 den Zeitpunkt markiert, an dem EU-Europa dieser Durchbruch bevorsteht.

In Frankreich hatte die alte politische Elite mit dem Aufbau ihres Zöglings Macron das Volk noch einmal halbwegs hinter sich bringen können. Dieser Rückhalt ist 2018 krachend zerstoben. Durch den „Gelbwesten“-Aufstand entgleitet jener Elite mit Macron der letzte Strohhalm. Was danach kommt, ist völlig ungewiss.

Der britische Nachbar versinkt infolge des Brexit-Geschachers in einer innenpolitischen Krise. In Italien wiederum wird der Riss in dem Rechts-Links-Bündnis aus Lega und Fünf Sterne immer unüberbrückbarer. 

Damit könnten in drei der vier größten EU-Staaten 2019 Neuwahlen ins Haus stehen, die ein noch größeres Durcheinander hinterlassen dürften, als es derzeit schon zu verzeichnen ist.

Deutschland erscheint im Vergleich dazu verblüffend ruhig und stabil. Selbst der schrittweise Abschied von der Ära Merkel verläuft – bislang zumindest – weitaus weniger dramatisch, als dies nach einer so langen, so dominanten Regentschaft zu erwarten gewesen wäre. Regierungsfreundliche Kommentatoren nehmen diese Sonderstellung der Bundesrepublik zum Anlass, Berlin selbstzufrieden zum Stabilitätsanker Europas in stürmischer Zeit zu erklären. 

Diesem Selbstlob liegen jedoch zwei Fehleinschätzungen zugrunde. Zum einen ist die deutsche Ruhe eine erzwungene, wenn nicht gar erpresste Stille. Wo immer Bürger ihren Unmut offen zeigen, wird ihr Protest von einer polit-medialen Walze regelrecht zermalmt. Die Kampagne gegen Chemnitz gibt da nur das prominenteste Beispiel von vielen ab. Wie lange wird dieses unerbittliche Niederhalten funktionieren? Der Blick auf die Geschichte warnt: Ewig geht so etwas nicht gut, wenn die zugrundeliegenden Probleme nicht kleiner, sondern größer werden. Und sie wachsen täglich, wie der jüngste Hilferuf von „Flüchtlingshelfern“, der das Scheitern der herbeigeredeten Multikulti-Träumerei manifestiert,  exemplarisch offenlegt.

Zum anderen nutzt die deutsche Politik diese oberflächliche Ruhe, um stur genau jenen Weg weiter und weiter zu gehen, der in den anderen EU-Staaten bereits zu Eruptionen geführt hat: UN-Migrations- und Flüchtlingspakt, wachsende Belastungen durch „Klimapolitik“, EU- und Euro-Schulden-Anhäuferei – wohin man blickt: von Einsicht, gar Umkehr keine Spur. Das berechtigte Unbehagen der Bürger wird geradezu aufreizend ignoriert, ja verhöhnt.

So nutzt die deutsche Politik ihre noch vorhandene Handlungsfähigkeit und Stabilität nicht etwa dazu, die Konfliktpotenziale in Europa abzubauen. Sie türmt sie noch weiter auf. 

Bethlehem: Heute eine mehrheitlich muslimische Stadt
In der Geburtsstadt Jesu regieren die korrupte Autonomiebehörde und die palästinensische Mafia
Bodo Bost

Die Geburtsstadt Jesu, Bethlehem, wo einst den Hirten die Botschaft des Friedens auf Erden verkündet wurde, ist ein Beispiel für die in den letzten Jahrzehnten zunehmende Verfolgung von Christen im Nahen Osten. Im Jahre 2002 hatten erstmals palästinensische Terroristen sogar die Geburtskirche in Bethlehem wo- chenlang besetzt und aus ihr einen Ort des Krieges gegen israelische Soldaten gemacht. Während dieser Zeit wurde die Weihnachtskirche entehrt und fast das gesamte Mobiliar zertrümmert.

Bis zur Übernahme der Stadt durch die palästinensische Autonomiebehörde im Jahre 1995 hatte Bethlehem eine christliche Bevölkerungsmehrheit. Heute sind es gerade noch 15 Prozent Christen, die nach jahrelangen Schikanen durch die Arafat-Verwaltung in der Stadt verblieben sind. Statistiken sind jedoch mit Vorsicht zu genießen in einer Region, wo Bevölkerungsstatistiken als Grundlage politischer Forderungen gelten.

Auch wenn die Besetzung der Geburtskirche nur wenige Wochen dauerte, war sie so etwas wie ein Fanal. Die Israelis begannen kurze Zeit später mit dem Bau des Schutzwalls an den Außenmauern Bethlehems. Damit haben sie sich zurückgezogen und die Christen in der Stadt dem Willen der Muslime und der korrupten palästinensischen Autonomiebehörde überlassen, für die Christen nur noch interessant sind, solange sie Geld bringen. Mittlerweile ist Bethlehem eine mehrheitlich muslimische Stadt.

Mit ihrer schwindenden Zahl nimmt der Druck auf die Zurückgebliebenen zu. Das spüren auch die verbliebenen Priester wie Franziskanerpater Rami Asakrieh von der altehrwürdigen Kirche der heiligen Katharina in der Nähe der Geburtskirche. Er beklagte sich gegenüber dem vatikanischen Pressedienst Fides über die palästinensische Mafia, die zunehmend stärker werde. „Die junge Generation hört in den Moscheen, dass Christen Kreuzfahrer seien, Trinker, Atheisten und Verräter an der palästinensischen Sache“, sagt ein anderer Priester, der nicht namentlich genannt werden will. Zwischen palästinensischen und westlichen Christen werde, im Unterschied zu früher, meist nicht mehr unterschieden. Die christliche Minderheit reagiert mit Auswanderung auf die Spannungen mit der muslimischen Mehrheits-Bevölkerung.

Einer der wenigen Christen, der es noch wagt, seinen Namen zu nennen, ist Samir Qumsieh, der in Bethlehem den christlichen TV-Sender Al-Mahed (Krippe) betrieb. Der Name des Senders war bewusst als Brückenschlag gegenüber dem Islam gedacht, denn bis zur Kreuzfahrerzeit gab es unter den Gewölben der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem einen muslimischen Wallfahrtsort zur „Mahd- Isa“, zur Krippe des islamischen Propheten Jesus, weil im Koran die Geburt Jesu in Jerusalem in der Nähe des Tempels lokalisiert wird. Mit dem Sender, der die Identität der Christen im Heiligen Land stärken sollte, hatte sich Qumsieh gegenüber der Palästinensischen Autonomiebehörde stets für seine Gemeinschaft stark gemacht. Er hat 250 Fälle von illegaler Landnahme dokumentiert. „Es gibt hier eine gefährliche Mafia, die es auf christlichen Landbesitz abgesehen hat und die mit gefälschten Papieren, Einschüchterung und Gewalt vorgeht, während die palästinensischen Sicherheitskräfte nur danebenstehen und zusehen“, sagte Qumsieh in einem Interview mit der österreichischen Zeitung „Die Presse“.

Bethlehem ist übrigens nicht nur die Geburtsstadt Jesu, der die Botschaft der Liebe in die Welt gebracht hat. Auch der radikal-

islamische  Hassprediger und Terrorist Abu Qatada, der die Botschaft des Religionshasses in die islamische Welt gebracht hat, ist hier geboren.

Jan Heitmann:
Retter Trump

Üblicherweise bekommt US-Präsident Donald Trump von den meisten ausländischen Medien wenig Schmeichelhaftes zu hören. Nun hat die liberal-konservative italienische Tageszeitung „La Stampa“ ihm sogar eine besondere Ehre zuteilwerden lassen und ihn als „defensor christianorum“ (Verteidiger der Christen) in höchsten Tönen gelobt. Grund ist ein zum Weihnachtsfest in Kraft gesetztes Gesetz, mit dem sich die USA verpflichten, den Christen und Jesiden in Syrien und im Irak zu helfen. Das Gesetz bezeichnet die beiden Bevölkerungsgruppen zudem als Opfer eines Genozids, was den US-Behörden die Strafverfolgung der Täter ermöglicht.

Dahinter steckt nicht das ansonsten von Washington sattsam bekannte Weltordnungsstreben, sondern schlichtweg die Erkenntnis, etwas für die verfolgten Christen im Nahen Osten, die von ihren Glaubensbrüdern in aller Welt im Stich gelassen werden, tun zu müssen. Nicht nur die Regierungen, auch die internationalen Organisationen sehen der Verfolgung und Ausrottung der Christen im Orient nahezu tatenlos zu. Deshalb will die US-Regierung sich nicht auf diese verlassen, sondern ihre Hilfsprogramme gemeinsam mit religiösen Organisationen mit nach- gewiesener Kompetenz und Verbindungen zu den christlichen Bevölkerungsgruppen umsetzen. Diese Organisationen können von nun an direkt bei der US-Regierung um Finanzierung für ihre humanitären Projekte in der Region bitten. Damit soll sichergestellt sein, dass die Hilfe die Opfer des Genozids an Christen und Jesiden auch wirklich unmittelbar erreicht. Dieser mutige und zutiefst humane Schritt ist aller Ehren wert. Dass Trump damit moralisch auf der richtigen Seite steht, können selbst seine Gegner nicht in Zweifel ziehen.

S. 2 Aktuell

Gegen eine einseitige Politisierung
Der Theologe und Politikwissenschaftler Felix Dirsch über »rechte« Traditionen und Strömungen im Christentum

Zusammen mit Volker Münz und Thomas Wawerka hat der Politikwissenschaftler und katholische Theologe Felix Dirsch das Buch „Rechtes Christentum?“ herausgegeben. Es setzt sich kritisch mit Teilen der offiziellen Politik der deutschen Amtskirchen auseinander und opponiert gegen eine einseitige Politisierung von links. Der Sammelband plädiert für eine differenzierte Sichtweise des Christentums und zeigt dabei auf, dass es eine Fülle von traditionsbewussten und konservativen Bausteinen in diesem Glaubensbereich gibt. Bernd Kallina hat mit Felix Dirsch über seine Thesen gesprochen.

PAZ: Warum haben Sie das Buch initiiert?

Felix Dirsch: Zunächst haben wir das Buch geschrieben, weil in der Öffentlichkeit eine irreführende Meinung vorherrscht. Es dominiert nämlich der Eindruck, als ob heute christliches Gedankengut nur mit linksideologischen, sprich universalistischen, Orientierungen vereinbar wäre. Das ist jedoch nicht der Fall. Es gab und gibt auch ganz andere Strömungen, beispielsweise „rechte“. Wichtig ist die Erkenntnis, dass man den christlichen Glauben nicht eins zu eins auf Politik übertragen kann, schon gar nicht exklusiv auf linke Politik. Die globalistisch-universalistische Agenda ist sicher nur eine Variante, die sich aus christlichen Quellen ergeben kann. Es gibt jedoch auch ein volks- und heimatnahes Christentum. Schließlich war Jesus sehr eng mit seinem Volk verbunden, er stand treu zu seiner Herkunft. „Rechtes“ Christentum ist „richtiges“ Christentum im Sinne des Apostolikums: „Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.“

PAZ: Es herrscht der Eindruck vor, dass christliche Kirchentage der letzten Jahre oftmals eher rot-grünen Parteitagen gleichen, als bibelorientierten Versammlungen von Gläubigen. Woher kommt dieser Trend?

Dirsch: Dieser Trend kommt hauptsächlich aus der gesellschaftlichen Linksverschiebung seit den 1960er und 1970er Jahren in Deutschland. Er zeigt sich in der EKD weitaus deutlicher als in der katholischen Kirche. Ein Grund besteht darin, dass es bei den Protestanten kein einheitliches Lehramt gibt wie in der katholischen Kirche. Letzteres legt die Grundprinzipien des Glaubens fest, und diese können nicht so einfach auf rot-grüne Politforderungen verkürzt werden. Hinzu kommt, dass der Protestantismus erheblich stärker in die Verbrechen des Nationalsozialismus involviert war, woraus sich ein quasi-religiöser Schuldkomplex im Rahmen einer immerwährenden Vergangenheitsbewältigung herausgebildet hat. Ehemals starke konservative Bastionen sind in der EKD lange verschwunden, wenn man beispielsweise an Persönlichkeiten denkt wie Alexander Everts, Eugen Gerstenmaier, Hermann Ehlers oder die       „Notgemeinschaft evangelischer Christen“.

PAZ: Ein Vorwurf dieser konservativen Gruppen besteht darin, dass die links-politischen Aktivitäten der Kirchen auf Kosten der seelsorgerischen Arbeit gingen. Besteht dieser Einwand zu Recht?

Dirsch: Ja, es gibt eine starke Verweltlichung in der gesamten Gesellschaft, eine starke Säkularisierung. Große Teile unserer Kirchen nehmen diese Säkularisierung affirmativ hin. Sie meinen, dass man mit traditioneller seelsorgerlicher Arbeit, die am Heil des Einzelnen orientiert ist, nichts mehr gewinnen könne und ersetzen sie durch Politisierung. Insbesondere durch einen sehr starken Humanitarismus. Es handelt sich bei dieser Variante um eine moralisierende Verfallserscheinung eines echten Humanismus. Nicht mehr Gott steht dann im Mittelpunkt der Seelsorge, sondern der Mensch in seiner sozialen Stellung. Diese Verkürzung ist höchstens als ein „Schwundstufenchristentum“ zu begreifen. 

PAZ: Der Soziologe Helmut Schelsky beschrieb diesen säkularen Entwicklungs-Trend schon in den 1970er Jahren als einen Prozess, der „vom Seelenheil zum Sozialheil“ führt.

Dirsch: So kann man diesen Trend sehr gut beschreiben, Schelsky hat ihn früh erkannt.

PAZ: Wäre es aber nicht gerade Aufgabe christlicher Kirchen, diese seelsorgerischen Orientierungen wieder in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten zu stellen?

Dirsch: Ja. Aber man darf nicht unterschätzen, dass diese Wende ein mühsames Unterfangen darstellt. Denn wenn der christliche Glauben einer größeren Zahl von Menschen verloren gegangen ist, dann erscheint eine Rechristianisierung als sehr schwierig. In Einzelfällen mag es Bekehrungserlebnisse geben, doch das sind Ausnahmen. Es gibt sicherlich ein neues Interesse am Glauben. Doch die Amtskirchen wollen den Glaubensverlust lieber durch soziales und humanitaristisches Engagement wettmachen, um damit anschlussfähig in unserer säkularen Gesellschaft zu bleiben.

PAZ: Der Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Rüdiger Safranski hat in seinem Buch „Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?“, geschrieben: „Je mehr emotional gesättigte Ortsbindung, desto größer die Fähigkeit und Bereitschaft zur Weltoffenheit“, also nicht umgekehrt. Wie sehen Sie das?

Dirsch: Ich stimme Safranski zu. Er zeigt realpolitischen Sinn für menschliche Verwurzelungs-Bedürfnisse, die prägend sind, Sicherheit vermitteln und somit die Grundlagen für Weltoffenheit bestimmen. Andererseits berühren wir hier die Bipolarität des Christentums in diesen Fragen von Heimat, Ortsbindung und Globalisierung. Wie schon erwähnt, gibt es sowohl die universalistische, aber auch die ortsgebundene, die nationale Ausrichtung. Die Frage ist aber, wenn wir an das Wohl der betroffenen Menschen denken, in welchem Verhältnis stehen die beiden Pole zueinander? Heute kommt von den Amtskirchen nur die eine Botschaft des Universalismus, die natürlich in der Bibel, etwa im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, gewisse Anhaltspunkte findet. Das erscheint mir aber zu wenig. Denn es gab traditionell auch Stellungnahmen von Kirchenführern, die auf die Pflicht des Christen verwiesen haben, Volk und Vaterland zu lieben.

PAZ: Nennen Sie doch einige dieser Beispiele.

Dirsch: Beispielsweise der berühmte NS-Gegner Bischof von Galen, auch bekannt geworden durch seine Anti-Euthanasie-Predigten. Er sagte einem US-amerikanischen Offizier, der ihn in den Nachkriegsjahren verhörte: „Ich leide sehr an dem Zustand meines Volkes.“ Oder der Kölner Oberhirte Kardinal Frings, der nicht nur die Verbrechen des Nationalsozialismus scharf verurteilte, sondern auch die Untaten der Besatzungsmächte. Sämtlichen Kollektivschuldvorwürfen erteilte er eine strikte Absage. 1958 sprach Papst Pius XII. vom „harmonischen Dreiklang von Heimatliebe, Vaterlandsliebe und Liebe zur Kirche“. Dann könnte man eine Verlautbarung des Zweiten Vatikanums zitieren, die zu einer „hochherzigen und treuen Vaterlandsliebe“ ohne geistige Enge auffordert. Bis Mitte der 1960er Jahre war es in den Gottesdiensten selbstverständlich, den Segen Gottes für Volk und Vaterland zu erflehen. 1985 stellte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Joseph Kardinal Höffner, den Zusammenhang von Gottesglaube und Heimatverwurzelung heraus: „Nach christlichem Verständnis gründet die Liebe zum Vaterland in der ehrfürchtigen Hingabe jenen gegenüber, denen wir unseren Ursprung verdanken: Gott, unseren Eltern und dem Land unserer Väter, wo unsere Wiege stand, dem Land, dem wir durch die gemeinsame Heimat, die gemeinsame Abstammung, die gemeinsame Geschichte, die gemeinsame Kultur, die gemeinsame Sprache schicksalhaft verbunden sind.“

PAZ: Der Altmeister der deutschen Soziologie, Max Weber, diagnostizierte auf dem Feld moralischer Orientierungen die Spannung zwischen Gesinnungs- versus Verantwortungsethik. Damit meinte er, dass die Gesinnungsethiker edle Ziele verkündeten ohne sich um deren oft negativen Folgen zu kümmern, während die Verantwortungsethiker die realpolitischen Konsequenzen stets im Auge behielten und damit viel Unheil verhinderten. Konkret: Kann man mit einer wörtlich genommenen Bergpredigt gerechte Politik betreiben? 

Dirsch: Die Frage taucht immer wieder auf. Für wen gilt die Bergpredigt? Ist sie direkte Maxime an die Politik? Oder ist sie nur die Ethik für einen bestimmten Stand? Also für Leute, welche die christliche Botschaft qua Beruf oder christlichem Leben eins zu eins verwirklichen wollen. Viele haben gesagt, nein, das kann man nicht in der Politik umsetzen, weil hier andere Bedingungen gegeben sind. Das radikale             Christen-Leben führt dann – frei nach Max Weber – zu einer reinen Gesinnungsethik, wenn ich versuche, es wörtlich umzusetzen. Staatspolitisch geht das allerdings nicht.

PAZ: Die Deutschen hätten einen seltsamen Hang zur Fernstenliebe, bemerkte einst Pater Basilius Streithofen. Falls Sie zustimmen, woher kommt der?

Dirsch: Das erscheint mir doch etwas zu generell. Zweifellos ist diese Strömung eine Frucht der schon vorhin erwähnten Dauerfixierung auf das Dritte Reich. Der berühmte Umschwung des Pendels in sein Gegenteil ist als psychologischer Hintergrund evident. Wir kennen den berühmten Satz von Winston Churchill, der den deutschen Nationalcharakter einmal sarkastisch umrissen hat: „Man hat die Deutschen entweder an der Gurgel oder zu Füßen.“ Da ist schon etwas dran. Und der aktuelle Pendelausschlag führt heute in manchen Kreisen dazu, die ganze Welt mit den Botschaften eines grenzenlosen Humanitarismus beglücken zu wollen. Nein, Fernstenliebe ist kein Ausfluss der christlichen Ethik, das ist die Nächstenliebe. Bereits der Heilige Augustinus verwies darauf, dass auch das Liebesgebot einer Abstufung unterliege. Er plädierte für die Bevorzugung derer, die „gleichsam durch ein gewisses Los enger verbunden sind“. Die Art der Beziehung, die in vielen Familien selbstverständlich ist, lässt sich nicht einfach auf die Menschheit übertragen. Das verbieten schon praktische Gründe.

PAZ: Der Präsident des evangelischen Kirchentages, Hans Leyendecker, hält die Ausgrenzung der AfD für notwendig, das heißt,  ihre Politiker sind beim Kirchentag nicht willkommen. Scheut man sich da vor einer öffentlichen Auseinandersetzung mit der größten deutschen Oppositionspartei?

Dirsch: Zunächst einmal ist diese „Ausgrenzeritis“ im „Kampf gegen Rechts“ ein Ausdruck von Zeitgeist-Konformismus. Leyendecker meint also, weil viele Kreise in der Öffentlichkeit die AfD ausgrenzen, müsse er das als Kirchentagspräsident auch tun. Auftrittsverbote sind natürlich leichter zu vollziehen als sich mit Gegenpositionen in offener Feldschlacht der Worte zu stellen. Insofern ist Leyendecker eine Art hoher Priester der etablierten Dis­kurshoheit, was eigentlich so gar nicht zum liberalen Image seiner „Süddeutschen Zeitung“ passt. Das wollten wir in unserem Buch anders gestalten. So haben wir es einerseits vermieden, die AfD als christliche Partei zu bezeichnen, weil sie das nicht ist. Aber andererseits arbeiten wir anhand vieler Belege heraus, dass es in dieser Partei christliche Einsprengsel gibt, und wenn man genau hinschaut, hat die AfD mehr christliche Elemente als andere Parteien.

PAZ: Woran machen Sie das fest?

Dirsch: Beispielsweise das Engagement der meisten Mitglieder gegen die Homo-Ehe, gegen Gender-Mainstreaming, gegen Abtreibung. In der aktuellen Debatte ist die Beibehaltung des Werbeverbots für Abtreibungen die Nagelprobe. Und von daher ist die Positionierung der AfD als Gesamtpartei völlig klar und das muss hervorgehoben werden, auch wenn es hier einzelne Abweichungen gibt, die in jeder Gruppe oder Partei vorkommen. Selbst die etwas säkular ausgerichteten AfD-Parteimitglieder sind beispielsweise für die Beibehaltung des Werbeverbots für Abtreibungen. Auch der viel umstrittene Björn Höcke aus Thüringen, der sich ja als Agnostiker bezeichnet und sich explizit zu dieser Frage noch nicht geäußert hat, steht sicher auf der Seite des Lebensschutzes. Wobei man sagen muss: Gegen die Tötung der Schwächsten und Wehrlosesten zu sein, bedarf keines christlichen Glaubensbekenntnisses, das ist wahrer und an sich selbstverständlicher Humanismus. So sollte es zumindest sein.

PAZ: Aber warum scheut man sich vor der öffentlichen Auseinandersetzung mit der AfD beim Kirchentag, wenn man doch mit eigenen Argumenten diese Partei in die Schranken weisen könnte?

Dirsch: Selbst wenn man der AfD im öffentlichen Disput Paroli bieten könnte, man scheut sich offenbar davor, ihr überhaupt ein Podium für ihre Argumente anzubieten. Das hängt zum Teil sicher mit einem Phänomen zusammen, das Elisabeth Noelle-Neumann in ihrem Buch „Die Schweigespirale“ schon in den 1970er Jahren beschrieben hat. Der Mensch hat wohl eine soziale Haut. Er möchte nicht isoliert sein, und wenn  jemand gegen den Strom schwimmt, viele NS-Gegner haben das leidvoll erfahren müssen, dann schafft man sich häufig große Probleme. Man lebt nämlich weniger ruhig, als wenn man stromlinienförmig im rot-grünen Mainstream mitmarschiert.

PAZ: Sprichwörtlich heißt es ja, wo Gefahr ist, ist das Rettende auch. Haben Sie eine frohe Weihnachtsbotschaft für unsere Leser parat?

Dirsch: Ja, es ist eine Botschaft, die seit ewigen Zeiten gilt: Unsere Hoffnung gründet nach wie vor darauf, dass Gottes Sohn auf die Welt gekommen ist. Es gab nie eine größere Hoffnung als das Geschenk Gottes an die Menschen, und es wird auch nie ein größeres Geschenk geben als das.

  (siehe Buchbesprechnung S. 22)

MELDUNGEN

Pjöngjangs Spion festgenommen

Paris – Angaben der französischen Spionageabwehr zufolge wurde in Paris ein hoher Beamter des Senats (Oberhaus des französischen Parlaments) festgenommen. Er steht in dringendem Verdacht, für den Spionagedienst Nordkoreas gearbeitet zu haben. Den Abwehrdiensten ist bekannt, dass sich Pjöngjang verstärkt für Westeuropa interessiert, dennoch war bis jetzt nur ein weiterer Spionagefall zumindest öffentlich bekannt geworden. Spürbar zugenommen haben die Hackerangriffe Pjöngjangs gegen westeuropäische Staaten. Erstmals seit Ende des Koreakrieges hat Nordkorea einen Militärattaché in die Schweiz entsandt. Wie es heißt, soll dieser ein auffälliges Interesse am Scharfschützen-System der Schweizer Armee zeigen.F.W.S.





Tiger-Absturz aufgeklärt

Berlin – Der Absturz eines Tiger-Kampfhubschraubers der Bundeswehr in Mali ist auf menschliches Versagen zurückzuführen. Demnach hat ein Mechaniker-Team des Herstellers Airbus Helicopters einen Fehler gemacht, als es die Rotorsteuerung am Heimatstandort der Heeresflieger im hessischen Fritzlar nach einer Reparatur neu justiert hat. Das habe zu einem kritischen Zeitpunkt während des Unglücksfluges dazu geführt, dass sich der Autopilot ungewollt abgeschaltet habe, was dann zum Absturz geführt habe, erklärte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. Dieser Fehler sei „die allein unmittelbare und direkt wirkende Ursache“ dafür gewesen, dass der Hubschrauber „abrupt und unvorhersehbar in einen unkontrollierten Flugzustand“ geraten sei, wie es im Abschlussbericht der Luftwaffe heißt. Die Piloten hatten demnach keine Chance, den Absturz abzuwenden. Bei dem Flugunfall am 21. Juni 2017 kamen beide Besatzungsmitglieder ums Leben.J.H.

S. 3 Deutschland

IS-Frauen zieht es nach Deutschland
Gefängnisse im Irak und Syrien: Inhaftierte »Gotteskriegerinnen« erinnern sich ihrer deutschen Pässe
Bodo Bost

Inhaftierte Islamistinnen mit deutschem Pass, die illegal nach Syrien und in den Irak zum IS gegangen sind um für Allah zu kämpfen, pochen jetzt auf den säkularen Rechtsstaat, damit Deutschland sie wieder herausholt.

Im Norden Syriens und im Irak sitzen Dutzende deutsche Frauen als Gefangene in kurdischen und irakischen Lagern fest. Sie hatten sich in den vergangenen Jahren, entgegen aller Warnungen und Verbote, dem „Islamischen Staat“ angeschlossen. Jetzt, nach dem Zusammenbruch des IS, wollen sie wenn es sein muss auch mit Gewalt zurück in die Heimat, um dort den Kampf für Allah fortzusetzen. Die deutsche Regierung soll ihnen dabei helfen. Fast 1000 Islamisten aus der Bundesrepublik zog es in den vergangenen Jahren zur Terrormiliz in den Irak und nach Syrien. Manche wurden Terroristen, Selbstmordattentäter, Sklavenhalter oder Folterknechte,  nach ihrer Gefangennahme waren alle nur Hausfrauen oder Krankenpfleger, wie viele davon umgekommen sind, weiß keiner. Rund 100 deutsche IS-Anhänger sitzen inzwischen in den Gefängnissen in der Region. Sie haben sich irakischen oder kurdischen Truppen ergeben oder wurden bei der Flucht aus dem IS-Gebiet gefasst.

Das Erste, was viele der gefangenen Frauen gemacht haben, war, auf ihre deutsche Staatsangehörigkeit zu pochen, nachdem viele von ihnen vorher demonstrativ für die Internet-Präsenz des IS ihre deutschen Pässe verbrannt hatten. Jetzt wollen sie diese jedoch wieder zurück, weil die Zeiten sich gewandelt haben. Für die Kurden sind die ausländischen Terroristen mittlerweile auch eine Belastung. Die Unterbringung, Versorgung und Bewachung ist kostspielig. Man will die Terroristen deshalb eigentlich so schnell wie möglich loswerden. Bislang wurden in zehn Fällen Kinder, bei denen die deutsche Staatsbürgerschaft eindeutig belegt ist, aus humanitären Gründen zu ihren Angehörigen nach Deutschland geholt. Es gibt bei den zuständigen Stellen unterschiedliche Auffassungen darüber, wie es mit den Dschihadisten aus dem zerfallenen IS-Kalifat weitergehen soll. Nur wenn Deutschland mit den kurdischen Kommandeuren, die von Erdogan bekämpft  und von Deutschland nicht als solche anerkannt werden, verhandelt, könnten die Frauen übergeben werden, heißt es. Das syrische Kurdengebiet aber ist kein anerkannter Staat, es gibt keine diplomatischen Beziehungen dorthin und somit auch keine konsularische Betreuung oder gar ein Auslieferungsabkommen.

Die deutschen Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass viele der Gefangenen durch die Terrorherrschaft des IS und die Kriegserlebnisse radikalisiert und eine tickende Zeitbombe geworden sind. Da die Staatsanwaltschaften zu wenig darüber wissen, was die Islamisten vor Ort tatsächlich gemacht haben, liegen gegen die meisten keine Haftbefehle vor. Die Masse der „Gotteskriegerinnen“ würde nach ihrer Überstellung nach Deutschland, wenn nicht andere IS-Rückkehrer ihr Schweigen brechen, in Freiheit gelassen werden, wegen Mangels an Beweisen. Erste Fälle solcher Freilassungen gibt es bereits. Das wissen natürlich die inhaftierten IS-Kämpferinnen und ihre Rechtsanwälte. Das heißt: Die Rückkehrer müssten wohl aufwendig und kostenintensiv überwacht werden.

Bislang haben nur Russland und Indonesien in größeren Aktionen IS-Anhänger aus Nordsyrien in eigene Gefängnisse ausgeflogen, die meisten Staaten aber schrecken noch immer davor zurück. Frankreich und Belgien weigern sich grundsätzlich, radikalisierte Staatsbürger aufzunehmen. Ein belgisches Gericht entschied jüngst, sogar Kinder von Dschihadisten mit belgischem Pass nicht wieder aufzunehmen. Großbritannien wiederum hat mehreren IS-Terroristen bereits im Schnellverfahren die Staatsbürgerschaft entzogen. Der Entzug der Staatsbürgerschaft bei Terrorkämpfern wird auch in Deutschland seit einiger Zeit diskutiert, er steht sogar im Koalitionsvertrag. Möglich wäre eine solche Ausbürgerung ohne Gesetzesänderung nur bei denjenigen Islamisten, die neben der deutschen mindestens noch eine weitere Staatsangehörigkeit besitzen. BKA-Beamte konnten bis vor einigen Wochen in den Irak reisen, um Einzelfälle zu prüfen. Seit der Rückholaktion des mutmaßlichen Mörders von Su-sanna Feldmann aus Erbil, die ohne Einwilligung der irakischen Regierung geschah, verweigert diese jedoch, weitere Visa an deutsche Beamte auszustellen.

 

Miserabler Führungsstil
Der Fall Singer offenbart, dass Frauen nicht die besseren Chefs sind
Wolfgang Kaufmann

Befürworter von verbindlichen Frauenquoten in Politik, Wirtschaft und Forschung singen permanent Loblieder auf den angeblich so viel besseren, weil deutlich sozialeren weiblichen Führungsstil. Dabei gibt es durchaus nicht wenige Frauen in Leitungspositionen, welche ihre Unterstellten massivst schikanieren. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die aus München stammende Neuropsychologin und Sozialexpertin Tania Singer, bis Anfang Dezember Direktorin am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. Die international angesehene Koryphäe der Empathieforschung und Tochter des ebenfalls höchst renommierten Hirnspezialisten Wolf Singer ließ es ihren Mitarbeitern gegenüber nicht nur an Einfühlungsvermögen beziehungsweise Fairness fehlen, sondern mobbte viele von ihnen auch jahrelang in systematischer Weise. Das kam im August dieses Jahres durch Veröffentlichungen des Wissenschaftsmagazins „Science“ und anderer Medien ans Tageslicht.

Betroffene berichteten davon, dass Singer sie immer wieder aufs Übelste angeschrien, bedroht und abgewertet habe – besonders schlimm soll es dabei schwangeren Nachwuchsforscherinnen ergangen sein, denn Schwangerschaft sei für die Direktorin glatter „Verrat“ an ihren Projekten gewesen. Manche der Institutsmitarbeiter erkrankten daraufhin. Außerdem beklagten die Beschwerdeführer aus dem Leipziger Institut, Singer habe sie genötigt, „hypothesenkonform“ zu arbeiten. Das heißt, Wissenschaftler wurden drangsaliert oder gar entlassen, wenn ihre Forschungsergebnisse nicht zur Bestätigung der Annahmen von Singer taugten. Die Direktorin räumte hingegen lediglich eine „inadäquate emotionale Kommunikation“ ein, die aus den „an den Kräften zehrenden“ Aufgaben resultiere.

Doch das war ganz offensichtlich gelogen, wie die mit der Prüfung der Vorwürfe betraute Untersuchungskommission der Max-Planck-Gesellschaft herausfand. Deshalb musste Singer, welche vom „Manager Magazin“ bereits dreimal zu einer der einflussreichsten Frauen in der deutschen Wissenschaft gekürt worden war, jetzt ihren Posten räumen. Als Grund wurde offiziell mitgeteilt, man habe ein „erhebliches Führungsfehlverhalten“ Singers festgestellt, weswegen die Neurowissenschaftlerin vorerst keine weiteren Leitungsfunktionen übernehmen dürfe.  

Aus der Sicht des bundesweiten Netzwerks von Doktorandinnen und Doktoranden der Max-Planck-Institute „PhDnet“ stellt die Affäre Singer indes „nur die Spitze des Eisbergs“ dar. Und tatsächlich wurde inzwischen bereits ein weiterer Fall von Machtmissbrauch und systematischem Mobbing innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft publik. Wie Singer hat sich auch die Direktorin am Institut für Astrophysik in Garching bei München, Guinevere Alice Mei-Ing Kauffmann, erhebliche Führungsfehler zuschulden kommen lassen. Es soll sogar zu wiederholten rassistischen Ausfällen gekommen sein. Das gestand die US-Professorin mit chinesisch-jüdisch-deutschen Wurzeln gegenüber dem Wissenschaftsmagazin „Nature“ mittlerweile auch ganz freimütig ein, wobei sie ebenfalls dem auf ihr lastenden Erfolgsdruck die Schuld gab. Zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen hat das Ganze bislang freilich nicht geführt. 

MELDUNGEN

Jost Bauch verstorben

Berlin – Der sich als dezidiert konservativ verstehende Soziologe Jost Bauch ist überraschend im Alter von 69 Jahren verstorben. Wissenschaftlich trat er im Bereich der Medizinsoziologie hervor. Aufgrund seiner einwanderungskritischen Haltung und Veröffentlichungen in konservativen Medien erfuhr er viel Widerstand. Auf Betreiben von Studenten wollte die Universität Konstanz dem Professor sogar die Lehrbefugnis entziehen. Bauch war nicht nur publizistisch äußerst rege. Im Studienzentrum Weikersheim wirkte er als einer von zwei Präsidenten. Außerdem gehörte er dem Kuratorium der Desiderius-Erasmus-Stiftung an. Sein letztes Werk trägt den pessimistischen Titel „Abschied von Deutschland. Eine politische Grabschrift“.E.L.





Sonderausschuss zu Beratern

Berlin – Gerade erst hat die Opposition die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Tätigkeit externer Berater für Bundesministerien abgelehnt, kam der Antrag doch von der AfD. Mittlerweile aber ist darüber so viel ans Licht gekommen, dass die anderen Oppositionsparteien eventuell mitziehen wollen. Die Bundesregierung hat in den vergangenen fünf Jahren mindestens 716 Millionen Euro für externe Berater ausgegeben. Das geht aus Antworten des Finanz- und des Verteidigungsministeriums auf Anfragen von Matthias Höhn (Linkspartei) hervor. Demnach wurden seit dem 1. Januar 2014 insgesamt 3804 Verträge mit Beratern abgeschlossen, also mehr als 700 pro Jahr. Kritiker halten das für zu teuer und angesichts der mehr als 20000 Mitarbeiter in den Ministerien auch nicht für zwingend notwendig. Zudem wird zu großer Einfluss von außen auf die Regierungsarbeit befürchtet.J.H.

S. 4 Organspende

Zweifel an Hirntod-Definition
Organentnahme bei noch nicht wirklich Verstorbenen tötet diese Patienten
Wolfgang Kaufmann

Organspenden retteten Leben und seien Akte der Menschlichkeit, heißt es. Voraussetzung für die Organentnahme ist zumeist der Hirntod einer Person. Dabei gibt es mittlerweile erhebliche Zweifel an der medizinischen und ethischen Rechtfertigung dieser Verfahrensweise.

Die Organspenden von Verstorbenen sind in Deutschland seit 2010 um 30 Prozent zurück­gegangen. Das resultiert nicht zuletzt aus dem wachsenden Misstrauen in die Transplantationsmedizin. So machen Initiativen wie „Kritische Aufklärung über Organtransplantation“ (KAO) jetzt verstärkt darauf aufmerksam, dass der Hirntod genaugenommen ein „Tod bei lebendigem Leibe“ sei, denn bis auf das Gehirn funktioniere der gesamte übrige Körper ja in der Regel noch. Somit handele es sich beim Hirntod lediglich um ein juristisches Konstrukt, um diejenigen straffrei zu stellen, die noch nicht wirklich gestorbene Menschen durch den Akt der Organentnahme töten.

Und tatsächlich wurde die heute allgemein anerkannte Hirntod-Definition 1968 von einer Kommission der Harvard Medical School in Reaktion auf die erste erfolgreiche Herztransplantation formuliert. Mit von der Partie war damals auch der US-Neurologe Alan Shewmon, dem später massive Zweifel kamen, dass Hirntote Verstorbene seien. Denn er fand bis 1998 über 170 Fälle, in denen nach der Hirntod-Diagnose noch Wochen, Monate oder sogar Jahre vergingen, bis es zum Herzstillstand kam – in einem Fall waren das 14,5 Jahre. Deshalb zählt Shewmon nun zu den entschiedensten Gegnern der Organentnahme bei Hirntoten. Weitere Kritiker der Gleichsetzung des Hirntodes mit dem Tod der Person insgesamt sind neben vielen Medizinern auch Juristen, Philosophen und Theologen, darunter der einflussreiche Naturethiker Hans Jonas, Manfred Lütz vom Direktorium der Päpstlichen Akademie für das Leben sowie der bekannte Patientenanwalt Georg Meinecke.

Die Transplantationskritiker verweisen in großer Einhelligkeit auf die höchst verstörenden Umstände, unter denen die Entnahme der Organe erfolgt: Warum bewegen nicht wenige der „Hirntoten“ Arme und Beine oder richten gar den Oberkörper auf, weswegen sie vor der „Operation“ fixiert werden müssen? Wieso empfiehlt die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) zur „Optimierung des chirurgischen Eingriffs“ der Organentfernung bei „Verstorbenen“ die Verabreichung des synthetischen Schmerzmittels Fentanyl, das 120 Mal stärker wirkt als Morphium? Weshalb fordern prominente britische Anästhesisten sogar eine Vollnarkose beim Heraustrennen der Organe? Warum ist das alles nötig, wenn der Betreffende doch angeblich aufgrund des Ausfalls der Gehirnfunktionen tot ist? Oder anders gefragt: Wer vermag eigentlich mit hinreichender Sicherheit zu sagen, was der ebenso wehr- wie rechtlose „Hirntote“ beim Ausschlachten seines Körpers für einen „guten Zweck“ tatsächlich empfindet?

Darüber hinaus besteht natürlich auch immer die Möglichkeit von Fehldiagnosen. Es gibt genügend dokumentierte Fälle von „Hirntoten“, die später wieder zu Bewusstsein kamen oder sogar komplett gesund wurden. So wie die Rechtsanwältin Suzanne Chin aus Hongkong und der 17-jährige Stephen Thorpe aus der englischen Stadt Kenilworth. Der junge Brite entging der Organentnahme nur, weil Angehörige die Diagnose anzweifelten und auf Weiterbehandlung bestanden, während die Chinesin drei Tage nach ihrem „Hirntod“ spontan erwachte.

Diagnose gleicht Folter
Zur Absicherung werden zahlreiche Verfahren durchgeführt

Die Absicherung der Hirntod-Diagnose erfolgt in Deutschland nach den Vorgaben der vierten Fortschreibung der Richtlinie für „die Verfahrensregeln zur Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms“ der Bundesärztekammer, die am 30. März 2015 von Bundesgesundheitsministerium genehmigt wurde. 

In diesem Zusammenhang müssen diverse Untersuchungen an dem „Verstorbenen“ erfolgen. Dazu zählen Provokation der Augenhornhaut und Reizen des Rachenraums mit einem Gegenstand, Stechen in die Nasenwand, Setzen heftiger Schmerzreize zur Auslösung von Reflexen, Reizung des Bronchialraumes durch Absaugkatheter, festes Drücken der Augäpfel, Gießen von Eiswasser in die Gehörgänge und ähnliche Handlungen. Gelegentlich wird zur Absicherung der Diagnose noch eine Darstellung der Blutgefäße im Gehirn (Angiografie) mit Kontrastmittelgabe durchgeführt, die zum anaphylaktischen Schock mit Herzstillstand führen kann. 

Außerdem erfolgt als letzte klinische Untersuchung der obligatorische Apnoe-Test, also das kurzzeitige Abschalten der Herz-Lungen-Maschine. Dabei ist ebenfalls ein Herz-Kreislauf-Versagen möglich. Das heißt, der Patient erleidet durch die Untersuchungen zur Abklärung des Hirntodes unter Umständen einen billigend in Kauf genommenen Herztod.

Darüber hinaus bestehen erhebliche Zweifel, ob die Diagnoserichtlinien ausreichen, um den Hirntod mit hinreichender Sicherheit abzuklären. So gehört die Anfertigung eines Elektroenzephalogramms zur Feststellung der hirnelektrischen Stille bei Personen, die älter als zwei Jahre sind, keineswegs zu den zwingend vorgeschriebenen Prozeduren. Das Gleiche gilt für neuere bildgebende Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die funktionelle Magnetresonanztomographie (MRT). Und das, obwohl die Ergebnisse von entsprechenden Untersuchungen Anzeichen für existierende Hirnfunktionen erbrachten, welche jedoch mit anderweitigen Mitteln nicht registriert werden konnten.W.K.

Das Geschäft mit illegalen Spenderorganen

Pro Jahr erhalten weltweit rund 66000 Menschen eine Spenderniere, mehr als 20000 eine neue Leber und etwa 5300 ein Herztransplantat. Dabei wollen viele nicht warten, bis sie ganz oben auf der Spenderliste stehen. Das gilt vor allem für die Reichen in Ländern wie Saudi-Arabien, Malaysia, den USA, Israel, Australien und Russland. Aus diesem Grunde blüht der Handel mit Organen. Nach dem Waffen- und Drogenschmuggel sind hier die größten Gewinne überhaupt zu erzielen.

Um an Spenderorgane zu kommen, gehen Kriminelle auf unterschiedliche Weise vor. Die Angehörigen des Sawarka-Stammes auf der Sinai-Halbinsel überfallen afrikanische Flüchtlinge auf dem Wege nach Israel und verlangen „Wegezoll“ in Form von Nieren oder Lebern, welche dann von Ärzten aus Kairo entnommen werden, wonach man die Opfer zum Sterben in der Wüste aussetzt. Ähnlich brutal agieren dschihadistische Milizen in Libyen sowie der Islamische Staat in Syrien und dem Irak. Der IS soll sogar eigene Verwundete als „Organspender“ verhökert haben, um sich finanziell zu sanieren. In Nigeria lassen Verbrecher junge Frauen „auf Bestellung“ vergewaltigen und schwängern, deren Kinder anschließend als Organlieferanten herhalten müssen.

In anderen Staaten werden den Spendern zumindest geringe Geldsummen geboten, woraufhin die in Armut lebenden Menschen ihre Organe freiwillig zur Verfügung stellen – was aber oft zu gravierenden gesundheitlichen Schäden führt. Besonders häufig passiert dies aktuell in Indien, Pakistan, Sri Lanka, den Philippinen, Brasilien, Südafrika, Äthiopien, Rumänien, dem Kosovo und Moldawien.

Außerdem wäre da noch die Volksrepublik China, welche als Verkäufer von Organen auftritt, die exekutierten Strafgefangenen entnommen werden. Nach Schätzungen kanadischer Menschenrechtler entstammen rund 65 Prozent der Spenderorgane aus dem „Reich der Mitte“ den Körpern Hingerichteter.W.K.

Zeitzeugen

Papst Benedikt XVI. – Der Papst forderte im November 2008 auf einem Kongress der Päpstlichen Akademie, dass lebenswichtige Organe nur „ex cadavere“, also „vom Leichnam“, entnommen werden dürften. Da das aber in der Transplantationsmedizin praktisch kaum möglich ist, zog er seine persönliche Bereitschaftserklärung zur Organspende 2011 zurück.

Paolo Bavastro – Nachdem er in den 1990er Jahren zwei hirntote Schwangere intensivmedizinisch begleitet hatte, bezeichnete der Stuttgarter Kardiologe den Begriff „Hirntod“ als „arglistige Täuschung“. Zwar seien Menschen mit Hirnversagen Schwerstkranke und stünden möglicherweise auch an der Schwelle des Todes, hätten diese aber mit Sicherheit noch nicht überschritten – das ergebe sich aus den weiterbestehenden sonstigen Vitalfunktionen.

Hans Jonas – Der deutschstämmige jüdische Philosoph, der vor allem durch sein wirkmächtiges Werk „Das Prinzip Verantwortung“ über die ethischen Grundlagen von technischen Zivilisationen bekannt wurde, warnte entschieden davor, das Hirntod-Kriterium in den Dienst der Organbeschaffung zu stellen.

Joseph Edward Murray – Am 23. Dezember 1954 gelang dem plastischen Chirurgen am Peter Bent Brigham Hospital in Boston die erste längerfristig erfolgreiche Nierentransplantation der Geschichte. Spender und Empfänger waren damals die beiden eineiigen Zwillinge Ronald Lee und Richard Herrick. Murray, der 1990 den Medizinnobelpreis erhielt, eröffnete damit die Ära der Transplantationsmedizin.

Hans Lilie – Auf dem 110. Deutschen Ärztetag in Münster sagte der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer und stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates der Deutschen Stiftung Organtransplantation am 16. Mai 2007: „Es bleibt dem Einzelnen überlassen, sich selber die notwendigen Informationen zu besorgen, sodass eine Organspende auch dann zulässig ist, wenn der Betreffende sich für die Spende ausgesprochen hat, ohne über die Einzelheiten zuvor aufgeklärt worden zu sein.“

S. 5 Preussen/Berlin

Linke Gewalt gegen Linke
Verwirrung um Statistik: Nicht alles, was wie Rechtsextremismus aussieht, ist auch welcher
Hermann Müller

Von der Linkspartei bis zur Union verweisen Politiker regelmäßig auf die hohe Zahl rechtsextremer Straftaten. Doch Entwicklungen in Berlin und Brandenburg zeigen, wie schwierig es mitunter sein kann, politisch motivierte Straftaten zuzuordnen.

Wie fragwürdig die Aussagekraft von Kriminalstatistiken im Einzelfall sein kann, machte der Abgeordnete Thomas Jung (AfD) auf einer Sitzung des Ausschusses Inneres und Kommunales des Landtags von Brandenburg am 13. September deutlich. Jung sprach einen Vorfall an, der sich kurz zuvor in Cottbus ereignet hatte. 

Laut dem Bericht einer regionalen Zeitung hatte eine Gruppe junger Männer gegen Mitternacht mit lautstarkem Gegröle die Nerven der Anwohner strapaziert. Zeugen berichteten zudem, sie hätten im nächtlichen Lärm auch „Sieg-Heil!“-Rufe gehört. Als schließlich eine alarmierte Polizeistreife eintrifft, machen die Beamten eine erstaunliche Feststellung: Bei der Gruppe dunkel gekleideter Schreihälse handelte es sich um sieben Syrer im Alter zwischen 17 und 29 Jahren. Einer der Ausländer soll bereits polizeilich bekannt gewesen sein. 

Jung, der rechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, wies noch auf eine weitere Besonderheit des Falls hin: Die Cottbuser Polizei hat zwar Ermittlungen aufgenommen, ob die „Sieg-Heil!“-Rufe aus der Gruppe der Syrer kamen. Dennoch zählt der Vorgang wegen der Verwendung rechtsextremer Symbole für die bundesweit erhobene Statistik „Politisch motivierte Kriminalität“ (PMK) als eine Straftat aus dem rechtsextremen Spektrum. Auch im Landtags-Ausschuss Inneres und Kommunales sorgte diese Zuordnung offenbar für Verwunderung. Auf Nachfrage der Ausschuss-Vorsitzenden Klara Geywitz (SPD) bestätigte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) allerdings den angesprochenen Sachverhalt. 

In Brandenburg gab es schon vor einigen Jahren eine Dis­kussion um die Aussagekraft der Kriminalstatistik für das Jahr 2013. Die Polizeiführung sah sich seinerzeit dem Vorwurf ausgesetzt, beispielsweise durch das Zusammenfassen von mehreren Einbruchdiebstählen zu einer „Tateinheit“ die Statistik und vor allem die Aufklärungsquote schöngerechnet zu haben.

Bundesweit gibt es ebenfalls schon lange Kritik an der Aussagekraft der Statistiken zu politischen Straftaten. Mehr als die Hälfte der Straftaten im rechtsextremen Bereich sind sogenannte Propagandadelikte. Ein großer Teil der erfassten Delikte bezieht sich auf das Verwenden von Symbolen des Nationalsozialismus wie etwa Hitler­gruß oder Hakenkreuz. Im Kontrast dazu steht, dass es für den linksextremen Bereich keinen vergleichbaren Straftatbestand für Propagandadelikte gibt. Sieht man von gelegentlichen juristischen Auseinandersetzungen um das Tragen von FDJ-Hemden ab, ist das Zeigen von Symbolen der DDR und des Stalinismus bislang nicht verboten.  

Der Fall einer in Berlin-Neukölln aktiven linksextremistischen Gruppe namens „Jugendwiderstand“ lässt erahnen, dass die Schwierigkeiten bei der Zuordnung politischen Kriminalität sogar noch größer werden könnten. Wie der „Tagesspiegel“ und die „Taz“ berichten, handelt es sich bei der in Berlin aktiven Gruppe um jugendliche Anhänger von Mao und Stalin. In Texten wird zudem auch der deutsche Kommunistenführer Ernst Thälmann zitiert. Als ein Erkennungszeichen werden in Neukölln in roter Farbe ein JW sowie Hammer und Sichel an Häuserwände gesprüht.

Der „Jugendwiderstand“ stellt derzeit wohl die aggressivste Gruppierung im Lager der Berliner Linksextremisten dar. Die Ultralinken betrachten auch Parteien wie die SPD, Grüne und die Linkspartei als Gegner. Auf einer      1. Mai-Demonstration attackierten die Mao-Anhänger sogar den „feministischen Block“ mit Schlägen und Flaschenwürfen. Parolen wie „Anti-Deutsche totschlagen“, „Hipster in die Zähne schlagen“ und „Tod dem Zionismus“ runden das Bild ab. 

Zu den aggressiv vertretenen Positionen gehört offenbar der Hass gegen Israel und andere Vertreter des linken Spektrums, die nicht die feindselige Sichtweise des „Jugendwiderstands“ zum jüdischen Staat teilen. Ähnlich wie kriminelle Araberclans führt sich der „Jugendwiderstand“ als eine Art „Kiez-Miliz“ auf und droht, sogenannte „Volksfeinde“ aus ihrem Viertel zu entfernen. 

Nun haben nicht nur Polizeibeamte zuweilen Probleme damit, die Gruppe richtig einzuordnen. Der äußere Eindruck entspricht nicht dem der üblichen linken Chaoten und Gewalttäter, sondern eher dem von Fußball-Hooligans. 

Auch die Aggressivität gegen andere linke Gruppen und der offene Antisemitismus führen dazu, dass Beobachter davon sprechen, dass der maoistische „Jugendwiderstand“ von Rechtsextremen kaum zu unterscheiden sei. Bislang soll die Berliner Gruppe nur aus weniger als 20 Aktivisten bestehen, allerdings wird berichtete, dass sich in letzter Zeit in Deutschland vielerorts solche Gruppen gebildet hätten. 

Linke Menschenfeindlichkeit
Vera Lengsfeld

Die Linke gilt als solidarisch und menschenfreundlich. Wer sich ihr   zugehörig fühlt, kann das als Bonus beanspruchen. Wie weit die Realität von diesem Mythos entfernt ist, hat sich im vorweihnachtlichen Berlin in aller Dramatik gezeigt.

Jens-Holger Kirchner ist eines der ganz  wenigen Politiker-Talente der Grünen in Berlin. Der langjährige Baustadtrat von Pankow hatte sich mit seiner praktischen Politik einen guten Namen gemacht. 

Sein Ziel war es, die Mieten in Pankow bezahlbar zu halten, fremdgenutzten   Wohnraum seiner eigentlichen Bestimmung wieder zuzuführen, um dem Mangel abzuhelfen. Manche Maßnahmen Kirchners waren kontrovers, aber selbst seine Kritiker gestanden ihm Seriosität und Fairness zu. Letztere ging so weit, dass er sich mitten im Wahlkampf weigerte, die Kandidatin einer konkurrierenden Partei anzuschwärzen. 

Nach der Berlin-Wahl hätte Kirchner eigentlich Senator werden müssen. Aber in Berlin gelten keine Fachkompetenz  und menschliche Qualitäten, sondern es regiert die Quote. Also musste eine Frau auf den Posten des Senators für      Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gesetzt werden. Die Wahl fiel auf die parteilose Regine Günther, die zuvor das Klima- und Energiereferat des WWF Deutschland geleitet hatte. Kirchner wurde ihr Staatssekretär.

Mitte dieses Jahres wurde bei Kirchner Krebs in einem ernsten Stadium diagnostiziert. Er musste sich einer langwierigen Behandlung unterziehen, die noch nicht beendet ist. Die Senatorin beschloss deshalb, Kirchner in den                        einstweiligen Ruhestand zu versetzen und sich einen neuen Staatssekretär an die  Seite zu holen. Angeblich wäre die Arbeit sonst nicht zu bewältigen. 

Diese Argumentation ist erstaunlich, denn ein leitender Mitarbeiter ihres Hauses geht seit November 2017 bei vollen Bezügen spazieren. Lothar Stock war unter dem rot-schwarzen Vorgängersenat zum Leiter des Sonderreferats Klimaschutz berufen worden. Günther hatte aber keine Verwendung für den Klimaschutzexperten, also wurde der 63-Jährige bis zur Pensionierung freigestellt. 

In der Debatte über den Missbilligungsantrag der CDU gegen die Senatorin verzichtete die Koalition auf ihre Reden und damit auf die Verteidigung von Günther. Die Koalition wurde um den Preis, das menschenfeindliche Verhalten gegenüber Kirchner zu dulden, erhalten. 

Schicksal Eckgrundstück
Widerstand gegen Beitrag für »endgültige Herstellung« von Straßen

Brandenburgs rot-rote Landesregierung ist gegen die Abschaffung der sogenannten Straßenbaubeiträge. Dabei geht es um Kommunalabgaben, die anliegende Grundstückseigentümer für Erschließungsmaßnahmen zahlen müssen. Laut Landesregierung könnte eine Abschaffung zu erheblichen Einnahmeausfällen und Risiken für die kommunalen Haushalte führen. 

Seit Monaten sammelt in Brandenburg eine Volksinitiative Unterschriften für die Abschaffung der Beiträge, die Grund­stücksbesitzer beim Ausbau kommunaler Straßen zahlen müssen. Die Initiative wird von den Freien Wählern unterstützt, auch die märkische CDU fordert eine Abschaffung.

Die Erschließungsbeiträge für Straßen sind bundesweit ein Thema. Betroffen sind nämlich nicht nur Käufer von Grundstücken in Neubaugebieten. Auch Käufer älterer Häuser oder jahrzehntelange Eigentümer müssen sich darauf gefasst machen, dass sie herangezogen werden. Das entscheidende Kriterium ist nämlich der Zustand der „endgültigen Herstellung“ der jeweiligen Straße, selbst wenn es sich dabei um eine schon länger existierende Straße handelt. Gerade in Fällen, in denen Häuser schon lange bewohnt werden, können die Erschließungsbeiträge für normalverdienende Familien oder Senioren mit kleiner Rente zu einer hohen Belastung werden. 

Fällig werden mitunter sechsstellige Summen. Auch Gehwege und Straßenbeleuchtung werden bei der Berechnung berücksichtigt. Eigentümer von Eckgrundstücken droht, dass sie sogar für zwei Straßen zur Kasse gebeten werden. Auf der anderen Seite gibt es auch Grundstückseigentümer, die ganz oder teilweise verschont bleiben, etwa Anlieger von Landes- oder Bundesstraßen. Hier zahlt bis auf die Nebenanlagen wie Geh- und Radwege die Staatskasse. Auch für vorhandene Ortsstraßen können Ausnahmen gelten, etwa wenn sie vor der Einführung des jeweiligen Landesstraßenbaugesetzes fertiggestellt wurden. 

Einige Länder verzichten mittlerweile auf die kommunale Gebühr. In vielen deutschen Städten und Gemeinden ist die Haushaltsplanung allerdings so auf Kante genäht, dass sie auf die Beiträge eigentlich nicht verzichten können, sodass bei einem Verzicht die Landeskasse einspringen müsste. Allein in Brandenburg geht es laut Landesregierung um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.  N.H.

Zanders Gäste
Sänger lädt zum 24. Mal Obdachlose ein
Frank Bücker

Am 21. Dezember lädt Schlagerstar Frank Zander nun schon zum 24. Mal Obdachlose zum großen Gänsekeulenessen ein. 3000 Berliner, die keine Bleibe haben, können an diesem Tag einen Hauch von Weihnachtsstimmung erleben. Zander, der inzwischen 76 Jahre alt ist, richtet die Vorweih­nachtsfeier im Hotel „Estrell“ in Berlin-Neukölln aus. Dort begrüßt er jeden seiner Gäste persönlich. Zander wurde 1942 in Neukölln geboren. 

1995 lud der Sänger erstmals 300 Obdachlose ins Schloss Diedersdorf nahe Berlin zum Weih­nachtsessen ein. Sein christlicher Glaube brachte ihn drauf: „Es ist Weihnachten, da sollte man nie aus dem Blick verlieren, dass man für andere da sein sollte.“ Längst nutzen Politiker die Gelegenheit, um sich zu präsentieren. Diesmal helfen Gregor Gysi (Linkspartei) und Mario Czaja (CDU) beim Kellnern und haben auch bereits entsprechende Erwähnung in den Medien gefunden. 

Neben dem Weihnachtsessen wird ein Bühnenprogramm mit Gesang und Tanz geboten. Künstler und Sänger treten ohne Gage auf. Um teilnehmen zu können, müssen sich Obdachlose in der zentralen Beratungsstelle für Wohnungslose in der Levetzowstraße oder anderen mehr als             70 sozialen Einrichtungen (Aufwärmstellen, Essensausgaben und Notübernachtungen) melden und ein Teilnehmerbändchen abholen. Zum Abschluss wird Zander traditionell seinen Ohrwurm: „Nur nach Hause geh‘n wir nicht“ singen. Verabschiedet wird jeder Teilnehmer mit einer Geschenktasche die Schals, Handschuhe, Schokolade und vieles mehr enthält.


Frei wegen Verfahrensdauer

Wenige Monate, nachdem das Landgericht Potsdam einen Mann zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt hat, musste der Verurteilte wieder aus der Haft entlassen werden. Das Landgericht hatte den 64-Jährigen im Februar wegen Mordes an seiner Frau verurteilt. Das Urteil war allerdings noch nicht rechtskräftig. Das Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg nannte in seinem Beschluss eine unverhältnismäßig lange Verfahrensdauer als Grund für die Aufhebung des Haftbefehls. Wie der RBB berichtet, wurde das Prozessprotokoll des Landgerichts wegen Überlastung erst Monate nach dem Urteil unterschrieben und zugestellt. Erst kürzlich war am Landgericht Potsdam ein Prozess wegen Subventionsbetrugs bei der Sanierung des Schlosses Boitzenburg zu Ende gegangen (PAZ berichtete). In diesem Verfahren hatte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen 2010 abgeschlossen. Aus Personalmangel begann der Prozess allerdings erst gut acht Jahre später.  N.H.


S. 6 Ausland

Tummelplatz für »Gotteskrieger«
Neuer Dschihad in Mosambik – Einem der christlichsten Staaten Afrikas droht islamistischer Terror
Bodo Bost

Radikal islamische Kämpfer terrorisieren den Norden von Mosambik. Nach dem Fund der weltweit viertgrößten Gasreserven richten die „Gotteskrieger“ in der Region immer mehr Massaker an.

Zwölf Menschen, vor allem Frauen und Kinder, sind am 23. November im Norden von Mosambik, im Grenzdistrikt Nagane in der Provinz Cabo Delgado, bei einem mutmaßlich islamischen Anschlag auf grausame Art getötet worden. Seitdem sind Tausende Menschen aus der Region auf der Flucht ins benachbarte Tansania. 

Schon seit einem Jahr terrorisieren radikale Moslems in Cabo Delgado die Bevölkerung. Die Rebellion fällt zusammen mit der Entdeckung und Ausbeutung von vielversprechenden Gasvorkommen vor der Küste der Provinz. Der Angriff ist die dritte Aktion dieser Art in der Region innerhalb eines Monats. 

Die Attacken haben sich verstärkt, seit fast 200 Terror-Verdächtige in Verbindung mit den Anschlägen in der Region in der Provinzhauptstadt Pemba vor Gericht stehen. Unter ihnen sind neben Einheimischen auch Tansanier, Somalier und Kenianer. Vor allem die Anwesenheit von Somaliern lässt befürchten, dass das Modell der Al Shabab, die seit 

20 Jahren die Bundesrepublik Somalia in die Islamsteinzeit zu­rückführen will, jetzt auch in Mosambik angekommen ist.

Eigentlich gehört Mosambik wie auch Zentralafrika zu den christlichsten Ländern des Kontinents. Bis zu 90 Prozent der Bevölkerung in diesem vor fast 

500 Jahren von Portugal kolonisierten Land gehören christlichen Kirchen an. Trotzdem häufen sich jetzt im äußersten Norden des Landes, im Grenzgebiet zu Tansania, islamistische Überfälle mit Massakern nach IS-Art.

Vor allem die Provinz Cabo Delgado ist Ziel des neuesten radikalislamischen Gotteskriegs, des Dschihads, in Afrika. Mehr als 100 Menschen haben bereits dabei den Tod gefunden. 

Mosambik wird gemeinhin nicht mit „Gotteskriegern“ in Verbindung gebracht, sondern eher mit dem langen Konflikt mit der Kolonialmacht Portugal, die 1975 abgezogen ist. Diesem Konflikt folgte eine jahrzehntelange Konfrontation zwischen der siegreichen ehemals sozialistischen Befreiungsbewegung Frelimo (Mosambikanische Befreiungsfront) und der ehemaligen Anti-Frelimo-Guerilla Renamo (Mosambikanischer Nationaler Widerstand). 

Dieser Konflikt hatte erst vor einigen Jahren mithilfe der römischen Friedensbewegung San Egidio ein Ende gefunden. Anfang Mai starb der historische Renamo-Führer Afonso Dhlakama, kurz nach einer Einigung mit der Regierung auf eine Verfassungsreform zur Dezentralisierung des riesigen Landes.

Aktuell ist eine Sekte namens Ahlu Sunnah Wa-Jamâ für die blutigen Überfälle im Norden des Landes verantwortlich. Erstmals trat Ahlu Sunnah Wa-Jamâ, was so viel wie „Anhänger der Tradition und der Gemeinschaft“ bedeutet, im Jahr 2015 in Erscheinung. Ihre Mitglieder wollen das Scharia-Recht in Mosambik einführen, wo nur zehn Prozent der Bevölkerung muslimisch sind. 

Die Zahl der Sektenmitglieder, die meist lange Bärte tragen, wird auf 1500 geschätzt. Sie lehnen wie Boko Haram in Nigeria die Staatsmacht ab und fordern die Bevölkerung auf, westliche Bildung und Krankenhäuser zu meiden. Über die Verbindung zu anderen Extremistengruppen herrscht Rätselraten. Weder die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) noch al-Kaida haben sich bislang zu der Gruppe geäußert. 

Im Oktober 2017 besetzten Islamisten zwei Tage lang die Stadt Mocìmboa in der Provinz Cabo Delgado und verwickelte die Polizei in heftige Kämpfe mit 17 Toten. In Mocìmboa liegt die Kernzelle des Aufstandes. Beobachter vermuten, dass sich die Gruppe junger und radikaler Moslems im Norden des Landes aus Protest gegen die Korruption der örtlichen Behörden bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bei den Erdgasfunden vor der Küste gegründet hatte. Unterstützt und vielleicht gesteuert wird der Aufstand vor allem von Islamisten aus Somalia, Tansania und Kenia. 

Mosambiks Norden gehörte vor der Kolonisierung durch Portugal zum arabischen Händlerreich Sansibar/Pemba, das Ostafrika über den Indischen Ozean mit Oman auf der Arabischen Halbinsel verband und den Sklavenhandel im Indischen Ozean jahrhundertelang kontrollierte. Erst durch die deutsche Kolonie Ostafrika wurde der Einfluss arabischer Händler seit 1885 endgültig gebrochen. Sansibar gehört heute zu Tansania, aber die gesellschaftlichen und familiären Verbindungen entlang der Küste des Indischen Ozeans sind bis hinunter nach Pemba islamisch dominiert geblieben.

Durch radikale kenianische und somalische Prediger, die im Sudan oder Saudi-Arabien ausgebildet wurden, kam der früher in Ostafrika nicht heimische radikale Islam bis nach Tansania, die Komoren und eben auch nach Mosambik. Über den Indischen Ozean, der zum Teil immer noch von radikalislamische Piraten beherrscht wird, kamen Mosambikaner nach Somalia und Kenia, diese bilden jetzt den Kern der neuen Terrortruppe. 

Viele junge Mosambikaner versprechen sich von den radikalen Moslems materielle Vorteile wie etwa Stipendien für das Studium zum Beispiel an der „Africa International University“ im Sudan. Diese Stipendien werden in der Regel über die neuen Moscheen vergeben. Bei diesen Studien handelt es sich jedoch um nichts anderes als um raikalislamische Lehren, die vor allem von Saudi-Arabien finanziert werden. Ein Szenario, das aus einem Dutzend anderer Länder Afrikas bereits bekannt ist.

MELDUNGEN

Taiwan wirbt um Fachkräfte

Taipeh – In Taiwan fehlen allein im produzierenden Gewerbe über 200000 Fachkräfte. Um dem Fachkräftemangel abzuhelfen, hat die Regierung ein Immigrationsgesetz beschlossen. Danach müssen sich Ausländer in fünf aufeinanderfolgenden Jahren an mindestens 183 Tagen im Jahr in Taiwan aufhalten, um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen; zuvor waren es sieben Jahre. Auch legt das Gesetz eine Gehaltsuntergrenze für Ausländer fest, um Arbeitsplätze der niedrigeren Einkommensklassen zu schützen. Gesucht werden allerdings nur „qualifizierte mittelständische Kräfte, keine Fabrikarbeiter“.J.H.





Litauer fordern Nordostpreußen

Wilna – Pünktlich zum 100. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung ihres Landes melden litauische Politiker Ansprüche auf Preußisch-Litauen, den nördlichen Teil von Ostpreußen, an. In fast allen offiziellen Karten und Schulbüchern Litauens findet man für den nördlichen Teil Ostpreußens die Bezeichnung Preußisch- oder Klein-Litauen, die Metropole heißt Karalauskas, was wörtlich übersetzt Königsberg heißt. Russland habe längst keinen Anspruch mehr auf das Gebiet, es gehöre zu Litauen, fordern litauische Nationalisten. Die Forderung wird inzwischen auch von litauischen EU-Politikern gestellt. Sie finde sogar innerhalb der russischen Enklave Anhänger, schreibt das Königsberger Nachrichtenportal „Wsgljad“. Nach Ansicht von Seimas Linas Balsys, ehemaliger Sprecher der litauischen Präsidentin, müssen Litauen und die EU gemeinsam über die Zukunft der russischen Exklave entscheiden. Litauens Außenministerium beteuert hingegen, das Land erhebe keinerlei Ansprüche auf das nördliche Ostpreußen.B.B.

S. 7 Wirtschaft

Frankreich wird zum Euro-Risiko
Mit seinen Zusagen an die »gelben Westen« ermutigt Macron andere Schuldensünder – Rom ist begeistert
Norman Hanert

Mit den Protesten der „gelben Westen“ ist Frankreich unversehens in die Rolle eines Sorgenkinds der Euro-Zone gerückt. Stark profitieren kann davon die italienische Regierung. 

Bereits mit den Zusagen, die Präsident Emmanuel Macron gegenüber der Protestbewegung gemacht hat, wird Frankreich mit dem nächsten Staatshaushalt die erlaubte Defizitgrenze deutlich überschreiten. Vor Beginn der Protestwelle hatte das Land ein Defizit für 2019 von 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geplant. Parlamentspräsident Richard Ferrand sagte dem „Journal du Dimanche“ vor Kurzem, er rechne nun mit einem Defizit von 3,4 Prozent. 

Zugesagt hat Macron unter anderem einen monatlichen 100-Euro-Aufschlag für die meisten Mindestlohnverdiener, eine steuerfreie Weihnachtsprämie für mittlere Einkommen und den Verzicht auf Steuererhöhungen für Menschen mit geringer Rente. Insgesamt geht es dabei um rund zehn Milliarden Euro. 

Der aus Frankreich stammende EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici erklärte, ein Überschreiten der Defizit-Zielmarke durch sein Heimatland könne toleriert werden, solange es sich um ein zeitweises Problem handle. Moscovici dürfte es mit dieser Argumentation der EU-Kommission noch schwerer gemacht haben, Defizitsünder zur Räson zu bringen. 

Bereits seit Wochen schwelt etwa zwischen Rom und der Brüsseler EU-Kommission ein Streit um den nächsten Staatshaushalt für Italien. Die EU will gegen Rom sogar ein Defizitverfahren einleiten. Verletzt nun auch Paris die Regeln des Stabilitätspakts, bedeutet dies Rückenwind für die Pläne der italienischen Regierung. 

Die Regierung in Rom sieht die jüngste Entwicklung in Frankreich offenbar auch als außenpolitische Chance. Italiens Vize-Premier Matteo Salvini sagte vor Korrespondenten der Auslandspresse in Rom: „Europa kann zuallererst durch den Dialog zwischen Berlin und Rom wiederbelebt werden.“ Aus Sicht Salvinis hat die deutsch-französische „Achse“ der europäischen Gemeinschaft „nicht viel Positives gebracht“. Der Lega-Chef sagte, ihm schwebe stattdessen eine deutsch-italienische „Achse“ vor. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint indessen weiterhin auf eine strategische Partnerschaft mit Frankreich zu setzten: Bereits seit 2017 drängt Macron auf einen eigenen Haushalt für die Euro-Zone. Gegen dieses Lieblingsprojekt des Franzosen haben sich Österreich, die Niederlande und auch das Nicht-Euro-Land Polen lange quergestellt. Nach langem Ringen haben sich die deutsche und die französische Regierung jedoch unlängst auf ein solches Budget für die Euro-Länder geeinigt. Es soll innerhalb des EU-Haushalts angesiedelt werden. 

Über den Umfang dieses zusätzlichen Budgets soll erst im Zuge der Verhandlungen über den nächsten EU-Finanzrahmen entschieden werden. Als Zweck des neuen Mechanismus wird die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftliche Annäherung zwischen den Mitgliedstaaten angeführt. 

Mit dem Haushalt für die Euro-Zone entsteht indes vor allem ein weiterer Topf für Transferzahlungen. Auf ihrem jüngsten Gipfel haben die EU-Staats- und Regierungschefs überdies weitere Beschlüsse gefasst, die weitreichende Folgen zeitigen können. Auf den Weg gebracht wurde eine Stärkung des Euro-Rettungsfonds ESM und ein Auffangnetz zur Ab­wicklung von Pleitebanken. Beim Gipfel wurden diese Maßnahmen als Reformschritte zur Stärkung des Euro dargestellt. Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings auch, dass aus deutscher Sicht  bei einem Auseinanderbrechen der Währungsunion das Verlustrisiko weiter ansteigt. Diese Entwicklung zeichnet sich auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) immer mehr ab. 

Der EZB-Rat beschloss unlängst das Ende der Nettozukäufe im Zuge ihres Anleihenkaufprogramms ab 2019. Allerdings ist damit das umstrittene Programm, das zu einer Ausweitung der Geldmenge führt, damit keineswegs beendet. Papiere, deren Laufzeit abläuft, sollen weiterhin durch neue Ankäufe ersetzt werden. Der Umfang der Anleihen in der aufgeblähten EZB-Bilanz wird damit zunächst abgebaut werden. Seit März 2015 hat die EZB 2,6 Milliarden Euro in die Märkte gepumpt, indem sie Anleihen von Unternehmen und Staaten angekauft und so deren Schulden in die eigenen Bücher genommen hat. 

Gegen die Anleihekäufe hatten mehrere Euro-Kritiker, darunter Peter Gauweiler (CSU), der AfD-Gründer Bernd Lucke und der Berliner Finanzprofessor und Jurist Markus Kerber geklagt. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Sommer 2017 ebenfalls Bedenken geäußert. Zugleich legten die Karlsruher Verfassungsrichter den Fall aber zur weiteren Prüfung dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vor. 

Dieser urteilte nun, dass die Prüfung „nichts ergeben hat“, was die Gültigkeit des Kaufprogramms „beeinträchtigen“ könnte. Aus Sicht der Luxemburger Richter hat die EZB mit ihren Anleihekäufen weder ihr Mandat überschritten noch gegen das Verbot der Staatsfinanzierung verstoßen.


Kahlschlag bei Windenergie
Ende staatlicher Förderung – Windrädern droht 2020 der Abriss
Peter Entinger

Sie gelten als das Rückgrat der Energie-Wende: Wind-räder. Doch bald läuft die staatliche Förderung aus und die Konsequenzen sind unabsehbar.

Mit dem Auslaufen des Förderanspruchs nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nach 20 Jahren müssen die Betreiber entscheiden, ob diese Alt-Anlagen stillgelegt, zurückgebaut, erneuert oder in bisherigem Umfang weiterbetrieben werden. Nach Experten-Meinung können nicht in jedem Fall die Betreiber Bestandsanlagen durch modernere und 

leistungsfähigere Anlagen ersetzen. Häufig sprechen baurechtliche Gründe dagegen und auch die Wirtschaftlichkeit muss bei jedem Projekt neu geprüft werden. 

Die ersten Windräder gingen im Juni 2000 ans Netz, nur wenige Monate nach Inkrafttreten des EEG. Die alten Windkraftanlagen, deren Rotoren sich seit 20 Jahren oder länger drehen, verlieren zwar ihre Förderung nach dem EEG, aber nicht ihre Betriebserlaubnis. Das Problem ist, dass Wirtschaftslichkeitsrechnungen schwer anzustellen sind. Denn die Strompreise des Jahres 2021 kann niemand seriös vorhersagen. 

„Wenn die Strompreise in der nächsten Dekade nicht steigen, werden sich nur wenige Anlagen ohne Förderung am Markt behaupten“, zitiert das ZDF aus einer Analyse des Berliner Fachberatungsunternehmens Energy Brainpool. Diese Einschätzung werde von den meisten Fachleuten geteilt. „Auf jeden Fall ist ab 2020 mit der Abschaltung von Bestandsanlagen in mehr oder weniger großem Umfang zu rechnen“,  schreiben mehrere Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig in der Zeitschrift „Wirtschaftsdienst“.

Bis Ende 2025 sind gar rund 15000 Anlagen mit einer Leistung von zirka 16 Gigawatt betroffen. Das ist fast ein Drittel der gesamten Windenergie-Leistung, die heute an Land installiert ist. „Wird auch nur ein kleiner Teil davon tatsächlich abgeschaltet, wäre das ein herber Rückschlag für die Energiewende“, ist auf „Spiegel online“ zu lesen. 

Allein im ersten Jahr fallen rund 5700 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 4500 Megawatt aus der Förderung heraus. In den Folgejahren sind es jeweils 2000 bis 3000 Megawatt. Der Bundesverband Windenergie erklärte gegenüber dem ZDF, dass bis 2023 rund 14000 Megawatt installierte Leistung auf der Kippe stehen. „Das wäre mehr als ein Viertel der aktuell installierten Windenergie-Leistung an Land, die zunächst einmal wegfallen würde“, heißt es. 

Die politischen Planungen sahen allerdings vor, dass 2020 und in den Folgejahren jeweils 2900 Megawatt Leistung neu installiert und gefördert werden, allerdings werden stillgelegte und rückgebaute Anlagen in diesen Planungen nicht berücksichtigt. Treten die Prognosen so ein, könnte der Fall entstehen, dass mehr Windkraftkapazität stillgelegt als neu gebaut wird. Die Folge: Es würde in Deutschland weniger Windenergie produziert als vorher. 

„Es ist problematisch, dass die Ausbaupfade den zu erwartenden Ersatzinvestitionsbedarf nicht abbilden“, schreiben die Leipziger Wissenschaftler des Helmholtz-Instituts. Der rentable Betrieb von Anlagen sei aber auch danach noch möglich, erforderte aber Investitionen der Eigentümer. So könne man die Anlagen beispielsweise zur Erzeugung von Wasserstoff oder Fernwärme aufrüsten.

Städte wieder gefragt
Metropolen ziehen Industrie an – Berlin könnte Ausnahme werden

Laut einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) denken viele Berliner Industriebetriebe über eine Verlagerung von Tätigkeiten weg von der Hauptstadt nach. Demzufolge wird in 76 Prozent der befragten Unternehmen über eine Verlagerung aus Berlin diskutiert. Lediglich 21 Prozent gaben an, sie würden über einen Ausbau ihrer Aktivitäten innerhalb Berlins nachdenken. 

In vertiefenden Interviews führten einige Befragte das Lohnkostengefälle zwischen Berlin und dem direkten Umland, aber auch die Nähe von Polen und Tschechien als Gründe an. Eine Rolle spielen zudem die Berliner Immobilienpreise und die Sorge um ausreichend Flächen für Ausbaupläne. 

Trotz solcher Probleme sehen Wirtschaftsforscher generell durchaus Chancen, dass sich Industrieunternehmen wieder in Städten ansiedeln. Zusammen mit Axel Werwatz von der Technischen Universität Berlin hat das DIW im Auftrag der Hans-Böck-ler-Stiftung eine Studie zum Thema Städte als Industriestandort vorgelegt. Den Studienautoren zufolge kann zwar von einer Renaissance der Großstadt als Industriestandort noch keine Rede sein, allerdings sei in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung in Gang gekommen. 

Die Forscher hatten Daten zu Betriebsgründungen der Jahre 2012 bis 2016 untersucht. In den deutschen Großstädten wurden in diesem Zeitraum, gemessen am Anteil der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe, rund 40 Prozent mehr Industriebetriebe gegründet als in den übrigen Regionen Deutschlands. 

Für Industriebetriebe stellten sich Berlin, München, Leipzig und Dresden sowie Städte an Rhein und Ruhr als besonders attraktiv heraus. Laut der Studie hatten in allen untersuchten Metropolen zwischen 2012 und 2016 Betriebe mit einer nied­rigen Technologieintensität den höchsten Anteil an den Industriegründungen. 

Aus Sicht des DIW-Forschers Martin Gornig könnte dies daran liegen, „dass wir bei bestimmten Produkten die Zeit der Massenproduktion hinter uns lassen zugunsten von kleinserieller Fertigung“. Gornig führt als einen Pluspunkt die räumliche Nähe zu einer zahlungskräftigen Kundschaft als einen Pluspunkt von Städten an. Die Experten sehen überdies Chancen, dass sich mehr Hochtechnologie-Firmen in Städten ansiedeln als bislang. Gerade Unternehmen mit starkem Fokus auf Forschung und Entwicklung profitierten von der Nähe zu Forschungseinrichtungen und Universitäten.  N.H.

MELDUNGEN

Handwerk legt zu

Wiesbaden – Im dritten Quartal 2018 stiegen die Umsätze im zulassungspflichtigen Handwerk nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Vorjahresvergleich um 4,7 Prozent. In sechs der sieben Gewerbegruppen gab es im dritten Quartal 2018 höhere Umsätze als im dritten Quartal 2017. Die größten Umsatzsteigerungen erzielte das Bauhauptgewerbe mit einem Plus von 10,9 Prozent. In den Handwerken für den privaten Bedarf stiegen die Umsätze am geringsten, nämlich nur um 1,3 Prozent. Niedrigere Umsätze als im Vorjahresquartal wurden mit einem Minus von 2,8 Prozent nur im Lebensmittelgewerbe erwirtschaftet.J.H.





Milliarden Überstunden

Berlin – Die Beschäftigten in Deutschland haben im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Überstunden gemacht, das entspricht zwei Prozent der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden (58,3 Milliarden). Von diesen geleisteten zwei Prozent Arbeitsstunden waren 1,1 Prozent unbezahlte und 0,9 Prozent bezahlte Überstunden. Diese Zahlen gehen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Linkspartei hervor.J.H.

S. 8 Forum

Neulich auf der Post: Wenn aus Demut Wut wird
Eine Glosse von Jürgen Rath

Ich war auf Dienstreise in Berlin, im östlichen Teil der Stadt. Ich hatte am vorhergehenden Abend einige liebevolle Zeilen an meine Frau geschrieben, jetzt wollte ich eine Ansichtskarte vom Alexanderplatz beilegen. Doch die Andenkenläden hatten noch nicht geöffnet, also erst einmal zur Post.

Ich wartete. In der Schlange. Auf dem Postamt. Seit sich der Sozialismus aus Deutschland verabschiedet hat, ist die Post ja die einzige Institution, bei der man noch einen Teil seiner Lebenszeit in der Schlange verbringen kann. Merkwürdig, dachte ich, was sich hier so alles am frühen Morgen einfindet: junge Leute, alte Leute, Männer im Bürodress, Mütter mit ihrem Nachwuchs auf dem Weg zum Kindergarten. Und in der Mehrzahl natürlich diejenigen, die ihre bestellten Waren – aus welchen Gründen auch immer – an Zalando zurück­schicken wollten. Also alles Leute, die die gleiche kluge Idee hatten wie ich.

Wir rückten langsam, sehr langsam vorwärts. Von hinten zog mir der Geruch von Coffee to go in die Nase, da waren Profis in der Schlange. Immerhin gehörte ich mit den vor mir Wartenden zur privilegierten Spitze, wir schauten bereits aus dem Meer der Trübnis heraus. Die anderen 90 Prozent potenziellen Postkunden hatten sich bereits an der Tür angeekelt mit den Worten „Internet“ und „E-Mail“ abgewendet.

Schließlich stand ich ganz vorne und fixierte mit angespannter Aufmerksamkeit die Reihe der Postbeamten. In diesem DHL-Shop waren die Schalter in einem unvollständigen Halbkreis angeordnet, was wohl modern und weltoffen wirken soll, doch leider ist diese Anordnung extrem kundenunfreundlich. Eigentlich ist sie nur beamtenfreundlich. Die Postler hinter den Schaltern haben von jeder Position aus die Schlange der Wartenden voll unter Kontrolle, während der Kunde hochkonzentriert seinen Kopf wie eine Wetterfahne drehen und wenden muss, um einen freigewordenen Schalter zu registrieren. Wer nicht schnell genug reagiert, dem wird mit einem lauten „Der Nächste, bitte“ Beine gemacht. Auf diesem Postamt klang das eher wie auf dem Kasernenhof: „Na,  wird’s bald!“

Ich wollte nicht viel von der Post. Ich wollte nur, dass der Umschlag mit meinem Brief gewogen wird, wollte nur, dass mir der Beamte sagt, ob ich noch eine Ansichtskarte dazupacken kann und dass er mir eine dem zukünftigen Gesamtgewicht entsprechende Briefmarke verkauft.

„Der Nächste, bitte!“, schnarrte eine Stimme.

„Ich möchte eine Marke. Was kostet dieser Brief?“

Der Beamte schaute auf die Adresse. Er wog den Brief, er prüfte die Größe, er teilte mir das Ergebnis mit: 70 Cent.

Ich zückte das Geld, die Hände des Beamten schwebten über der Tastatur, plötzlich zuckte er zurück, seine schnarrende Stimme empörte sich. „Dieser Umschlag ist geöffnet!“

Ich erklärte ihm die Besonderheit der Sachlage. Der Beamte schob das Couvert mit spitzen Fingern zu mir hin, als würde er eine Briefbombe vermuten.

„Einzelmarken bekommen Sie am Automaten.“

„Der Automat ist defekt.“

„Einzelmarken bekommen Sie am Schalter 5.“

Am Schalter 5 wartete seit einer halben Stunde ein Kunde auf seinen Handy-Vertrag. Der Beamte an Schalter 5 hing seit genau der gleichen Zeitdauer am Telefon. Beide, der Kunde und er, schauten gespannt aus dem Fenster, als könnten sie den Postillion mit der Pin-Nummer auf den Ätherwellen heranreiten sehen. Es ritt aber nichts. Die Kommunikation zwischen der gelben Post und der Telekom scheint nicht besser geworden zu sein, seit sich die beiden Unternehmensteile getrennt haben.

„Der Nächste, bitte!“, schnarrte die Stimme an meinem Schalter.

Während ich noch darüber nachdachte, ob ich mich wieder hinten in die Schlange stellen musste oder ob ich – den Diskretionsabstand ignorierend – direkt zu Schalter 5 hinüberwechseln durfte, drängte eine ältere Dame an mir vorbei.

„Ich möchte diesen Brief verschicken.“

„Einzelmarken bekommen Sie am Automaten.“

„Der Automat ist defekt.“

„Ach?“

Wie durch Zauberhand spuckte der Computer einen kleinen, bedruckten, selbstklebenden Zettel aus, der frankierte Brief verschwand im Postsack. Meine Demut schlug in Wagemut um.

„Warum hat diese Dame eine Briefmarke bekommen und ich nicht?“

„Einzelmarken gibt es an Schalter 5.“

Ich konnte nicht verhindern, dass meine Stimme anschwoll. „Ich brauche keine bunte Briefmarke. Mir reicht so ein Aufkleber!“ Die Schlange hinter mir wurde zum Tausendfüßler, der jetzt mit allen Füßen gleichzeitig scharrte.

„Ich kann Ihren Brief nicht frankieren.“

„Warum nicht?“

„Weil er nicht verschlossen ist.“

Diese Antwort machte mich für einen Moment sprachlos. War das eine besondere, mir unbekannte Logik: die Postlogik? Meine war es jedenfalls nicht. 

„Wenn ich zum Automaten ginge, wäre der Brief auch nicht verschlossen. Verschließen kann ich ihn selbst. Ich will eine Briefmarke!“

„Einzelmarken bekommen Sie an Schalter 5…“, dort hatte man sich inzwischen gemütlich eingerichtet,  „... oder am Automaten.“

„Der Automat ist kaputt!“

„Ach? – Der Nächste, bitte.“

Aus Wagemut wurde Wut. 

„Eine Frage noch...“

Hochgezogene Augenbrauen, irritierter Blick.

„Wo, bitte, ist der nächste private Postdienst?“

„Ham wa hier nüscht.“

Ha, erwischt! Wusste ich’s doch, die ganze Zeit schon: Hier war immer noch DDR.

Gegenwind
Der Normalverbraucher zahlt die Veranstaltung
Florian Stumfall

Der Weltklimagipfel von Kattowitz ist vorüber und es ist, als wäre er nie gewesen. Es ist wie bei allen anderen Weltklimagipfeln: Irgendwo treffen rund 20000 Menschen aufeinander, was einen Erfolg zuverlässig verhindert, und reden darüber, was sie bei ihrer letzten Konferenz vereinbart haben. Beim zurückliegenden Fall Kattowitz überlegte man sich, was man mit den drei Jahre alten Beschlüssen von Paris anfangen könne. Die Dringlichkeit des Themas Klima scheint, vielen gegenteiligen Warnungen zum Trotz, viel Zeit zu haben. 

Wie bei anderen derartigen Konferenzen auch ging es in Kattowitz ebenfalls fast ausschließlich um das Kohlendioxid, das als Grund allen Übels beschrieben wird, wenn es um das Erdklima geht. Man spricht von Folgen wie dem Treibhauseffekt und nutzt gerne den Begriff „Schadgas“. Doch bereits hier regen sich Zweifel. 

Der Begriff „Schadgas“ erscheint nämlich völlig unangebracht, wenn man bedenkt, dass es auf diesem Planeten ohne Kohlendioxid kein Leben im heutigen Sinne gäbe. Das Gas ist notwendig für die Photosynthese, mittels derer pflanzliche Zellen, beginnend bei manchen Bakterien über Algen bis hin zu den Laubbäumen, das Kohlendioxid der Luft mittels der Lichtenergie der Sonne in chemische Energie umwandeln, wobei Sauerstoff frei wird. Der gesamte Sauerstoff der Erde ist durch die Photosynthese entstanden. Ohne das Kohlendioxid hätte das nicht geschehen können. Von einem „Schadgas“ zu sprechen, ist daher irreführend. Denn ohne Kohlendioxid keine Photosynthese, ohne Photosynthese kein Sauerstoff, ohne Sauerstoff kein Leben. So viel zum Schadgas.

Wer jemals von Paracelsus gehört hat, wendet da ein, dass es die Menge sei, die das Gift ausmacht. Man sollte sich also die Mengenverteilung des Kohlendioxids einmal näher anschauen. Die Zahlen sind beeindruckend. In den Gesteinen dieses Globus sind 60 Millionen Gigatonnen Kohlendioxid gebunden. Das sind 60 Millionen mal eine Milliarden –eine Zahl mit 16 Nullen – Tonnen. In den Weltmeeren sind 38000 Gigatonnen Kohlendioxid gebunden und in der Atmosphäre befinden sich rund 800 Gigatonnen. Von diesen sind rund 30 bis 40 vom Menschen verursacht. Also spricht man in Kattowitz und anderswo von einem vergleichsweise mikroskopischen Wert. Dennoch gilt weithin die Hypothese, die zugrundegelegte Erderwärmung sei von den Menschen gemacht.

Doch es muss ja auch andere Gründe für einen Wandel des Klimas geben, denn solche Erscheinungen kennen wir aus Zeiten, die viele Jahrmillionen zurückliegen, in denen es noch keine Menschen gab. Mitteleuropa lag schon unter kilometerdickem Eis und es war einmal ein tropisches Meer. Da es aber damals keine Menschen gab, müssen andere Kräfte gewirkt haben, Kräfte, von denen man nicht annehmen darf, dass sie mit dem Auftauchen des homo sapiens ihre Wirksamkeit verloren hätten.

Die offiziellen Klimatheorien kennzeichnet eine auffällige Einschränkung. Als Begründung für eine Entwicklung in diesem Sinne gelten so gut wie ausschließlich das Kohlendioxid und einige andere Gase wie Methan. Dagegen ist vom Einfluss der Sonne meistens überhaupt keine Rede – wenn er nicht gar geleugnet wird –, nicht von der Sonnenaktivität, der wechselnden Entfernung der Erde von der Sonne oder der Ausrichtung der Erdachse. Doch es gibt Ausnahmefälle. Erst kürzlich hat die NASA von einem Sonnenflecken-Minimum berichtet und hinzugefügt, dass in solchen Fällen mit einer Kaltzeit zu rechnen sei. Allerdings ist diese Meldung bald aus den Medien verschwunden. 

Immerhin ist richtig, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen einer Erwärmung der Erde und dem Kohlendioxid. Der Publizist David Mittleton von dem weltweit am meisten beachteten Klima-Blog WUWT hat sich ausführlich mit Eisbohrkernen beschäftigt und dabei festgestellt: „Aufzeichnungen in Bohrkernen aus dem Pleistozän scheinen eine starke Korrelation zwischen dem Kohlendioxidgehalt und der Temperatur zu belegen; wobei jedoch die Änderungen des Kohlendioxidgehaltes etwa 800 Jahre nach Änderungen der Temperatur erfolgten.“ Das bedeutet, dass eine Erhöhung der Kohlendioxidkonzentration nicht die Ursache, sondern die Folge einer Erderwärmung ist, die dann natürlich andere Ursachen hätte. 

Es leuchtet ja auch ein: Eine Flüssigkeit kann umso mehr Gase binden, je kälter sie ist. Heizt also die Sonne die Meere auf, geben diese neben anderen Gasen Kohlendioxid ab und der Zusammenhang ist festgestellt.

Dazu braucht man keinen Treibhauseffekt. Dieser führt ohnehin ein privilegiertes Dasein, weil es unstatthaft ist, ihn auf Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Aber lohnend ist es zweifellos. Denn zum einen widerspricht er dem zweiten Hauptsatz der Wärmelehre, wonach die Wärme immer in Richtung des kälteren Systems fließt und nicht umgekehrt. Daher kann eine oben liegende, kältere Luftschicht – denn die Atmosphäre wird nach oben immer kälter – eine darunter liegende, wärmere nicht aufheizen. 

Zum anderen weist der frühere Chefmeteorologe Wolfgang Thüne auf ein anderes Gesetz hin, das in diesem Zusammenhang relevant ist: „Der angebliche Treibhauseffekt steckt im totalen Widerspruch zum Newton’schen Abkühlungsgesetz, wonach sich kein Körper in einer kälteren Umgebung erwärmen kann.“ Logisch, möchte man meinen, und offenbar dennoch so schwer.

Denn man kann hören, dass zwischen 70 und 80 Prozent aller Meteorologen die vom Menschen verursachte Erderwärmung für real halten. Für viele reicht das als Argument.

Allerdings gibt es da noch andere geheime Zusammenhänge, und mit diesen verlassen wir die Naturwissenschaft und gelangen zur Psychologie. Denn mindestens 70 Prozent aller Meteorologen leben von öffentlichen Geldern, sei es in Universitäten, Forschungsinstituten oder Fernsehsendern. Wer da aus dem Gleichschritt fällt, tut sich keinen Gefallen. Anwärter gibt es mehr als Planstellen, und auf diese Weise herrscht Disziplin. Die Printmedien haben sich auch überwiegend dem allgemeinen Zug verschrieben, sodass hier entsprechend dasselbe gilt. Wer übrigbleibt, bekommt es mit Schmähungen wie „Klimaleugner“ oder „Verschwörungstheoretiker“ zu tun. Ein Unsinn, übrigens: Wie kann man ein Klima leugnen?

Im Hintergrund walten aber noch weitere Mächte, und um zu diesen zu gelangen, verlassen wir die Psychologie und wenden uns der Finanzwirtschaft zu. Es wird immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass im Sinne der Klimapolitik erhebliche Summen aufgewendet werden müssten, um Schäden in noch viel größeren Dimensionen zu vermeiden. Doch hier gilt die Regel: Wo Billionen bewegt werden, da werden Hunderte von Milliarden verdient. Allein der Schwindel mit dem Handel von Emissionsrechten war ein Jahrhundertdeal, ohne jede Wirkung übrigens. Al Gore kann das bezeugen.

Die Sache mit der Umwelt ist wahrscheinlich heute schon der größte Faktor in der Weltwirtschaft, wenn man seine ganzen Folgeerscheinungen dazu nimmt. Niemand kann mehr abspringen, sie hat eine Eigendynamik entwickelt, und Zusammenkünfte wie die in Kattowitz sind nichts anderes als Hochämter einer Ideologie der Finanzoptimierung an wenigen Adressen. Der Normalverbraucher nämlich zahlt die Veranstaltung, nicht nur die in Kattowitz.

S. 9 Kultur

Blondheitsgebot für Maria
Von Leonardo da Vinci bis Botticelli – Münchener Alte Pinakothek präsentiert Kostbarkeiten aus Florenz
Veit-Mario Thiede

Gefördert von Lorenzo dem Prächtigen. „Florenz und seine Maler“: Münchens Alte Pinakothek präsentiert Meisterwerke der Renaissance.

Fra Angelico, Sandro Botticelli, Leonardo da Vinci: Mit einer exzellenten Schau über das Florentiner Kunstschaffen des 15. Jahrhunderts weiht Münchens Alte Pinakothek den neu eingerichteten Bereich für Sonderpräsentationen ein. Ausgestellt sind 120 Werke von berühmten und zahlreichen weniger bekannten Renaissancekünstlern. Im Mittelpunkt steht die Malerei, aber auch Zeichnungen von Fra Bartolommeo oder Lorenzo Ghiberti, Reliefs von Andrea della Robbia und Kleinplastiken von Donatello sind zu sehen. 

Ausstellungskurator Andreas Schumacher bewundert die singuläre Innovationskraft, Qualität und Vielfalt der in Florenz erbrachten künstlerischen Leistungen und beurteilt die Arnostadt als Geburtsstätte der Renaissance. Deren Vertreter studierten die Werke der Antike mit dem Ziel, sie zu überbieten. 

Konzeptionelle und praktische Basis ihrer künstlerischen Aktivitäten war das Zeichnen, wie die Ausstellung zum Auftakt zeigt. Die Künstler kopierten Werkstattvorlagen, schufen Studienblätter nach lebenden Modellen und zeichneten Antiken. In der Malerei entwickelten sie vielfältige neue Ausdrucksformen für altbewährte christliche Motive. Die versetzten sie in die detailfreudig wiedergegebene Florentiner Le­benswirklichkeit und stellten die Heiligen gefühlsbetont dar, um die Anteilnahme der Bildbetrachter zu erwecken und dadurch deren Gläubigkeit zu stärken.

Zudem etablierten die Maler neue weltliche Bildgattungen wie Szenen aus der antiken Mythologie und griffen die bereits von den Niederländern eingeführte Porträtmalerei auf. Die ist mit schönen Beispielen von Filippino Lippi und Piero Pollaiuolo vertreten. Die porträtierten Damen sind stets blond. Damit entsprachen sie dem Schönheitsideal der Zeit.

Dem Blondheitsgebot ist auch die Heilige Jungfrau Maria unterworfen. Die Schutzherrin von Florenz tritt auf zahlreichen Werken in Erscheinung. Beliebte Themen der Andachtsbilder waren die Verkündigung und Maria mit dem Kind. Die Andachtsbilder dienten nicht nur dem stillen Gebet, sondern waren ebenso als luxuriöse Kunstwerke geschätzt. 

Besonders prächtig ist Fra Angelicos Madonnengemälde (um 1445/50) ausgefallen. Der links und rechts dargestellte Vorhang sieht wie Goldbrokat aus und auch die Heiligenscheine von Mutter und Kind sind betont kostbar gestaltet. Maria blickt ernst auf das Jesuskind. Der Kleine kümmert sich jedoch nicht um die Mutter, sondern kehrt uns das gedankenvolle Gesicht zu und hebt die rechte Hand zum Se­gensgestus. 

Während Fra Angelico auf würdevoll unterkühlte Repräsentation bedacht war, setzte Leonardo da Vinci im Gemälde „Madonna mit der Nelke“ (um 1475) auf Gefühlswärme. Auf die von der Mutter in der Linken gehaltene Nelke hat es der verspielte kleine Jesus abgesehen. Er zappelt mit den Beinen und streckt beide Hände nach der Blume aus. Das ist weit mehr als eine realitätsnahe Darbietung: Die Nelke ist Zeichen göttlicher Liebe und Symbol der Passion.

Sowohl Leonardo da Vinci als auch Sandro Botticelli waren Schützlinge von Lorenzo de’ Medici, „der Prächtige“ genannt. Die Mitglieder der reichen Ban­kiersfamilie besetzten höchste Führungsämter in der Republik Florenz. Als Förderer von Künstlern und Wissenschaftlern trugen sie wesentlich zur Entfaltung der Renaissance bei. 

Die anderen Patrizierfamilien eiferten ihnen nach. Davon kündet Botticellis Gemälde „Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige“ (um 1475). Sein Auftraggeber war der Wechselmakler Guasparre di Zanobi del Lama. Es war für den Altar seiner als Grablege dienenden Kapellenstiftung bestimmt, die sich in der Florentiner Kirche Santa Maria Novella befand. Der in der rechten Gruppe des königlichen Gefolges dargestellte Stifter blickt zu uns, während er mit dem Zeigefinger auf sich deutet. 

Auch rechts vorn wendet sich eine Figur an uns. Vermutlich hat sich da Botticelli verewigt. Guasparres so fromme wie berechnende Bildbestellung offenbart Jenseitsvorsorge und verrät weltliches Kalkül. Denn mit dem Ge­mälde wollte er sich offensichtlich den Medici anbiedern. Gleich fünf ihrer Mitglieder ließ er ins Bild setzen. Lorenzo der Prächtige und sein Bruder Giuliano führen das in zwei Gruppen aufgeteilte Gefolge der Heiligen Drei Könige an. In deren Rollen huldigen die zur Entstehungszeit des Bildes bereits verstorbenen Cosimo so­wie seine Söhne Piero und Giovanni dem von Maria präsentierten Kind.

Den Schlusspunkt des Rundgangs setzt Botticellis gefühlsgeladene „Beweinung Christi“ (um 1490/95). Ohnmächtig sinkt Ma­ria zur Seite. Johannes steht ihr bei und sorgt zugleich dafür, dass der tote Jesus nicht vollends vom Schoß der Mutter rutscht. Zwei Klagefrauen halten Haupt und Füße des Herrn, dem Botticelli nach dem Vorbild klassischer an­tiker Bildwerke einen idealschönen Körper verliehen hat. Eine weitere Klagefrau betrachtet düster den blutigen Kreuzesnagel, den sie in der Linken hält. 

Botticelli hat drei in der konventionellen Bilderzählung nicht vorkommende Heilige hinzugebeten. Links neigen sich Hieronymus und Paulus in synchroner An­teilnahme gen Maria und Jesus. Rechts steht aufrecht und gefasst Petrus mit dem Himmelsschlüssel im Arm.

Bis 27. Januar in der Alten Pinakothek, Barer Straße 27, München, geöffnet Dienstag und Mittwoch von 10 bis 21 Uhr, Donnerstag bis Sonntag bis 18 Uhr, Eintritt: 12 Euro. Telefon (089) 23805216, Internet: www.pinakothek.de. Der im Hirmer Verlag erschienene Ausstellungskatalog kostet 34,90 Euro

Überseehafen an der Spree
Berlin entdeckt »Europa und das Meer« – Frische Brise im Deutschen Historischen Museum
Silvia Friedrich

Berlin liegt gut 200 Kilometer vom Meer entfernt. Grund genug für das Deutschen Historische Museum (DHM), den Berlinern die See mal vorzustellen. Mit der Ausstellung „Europa und das Meer“ betrachtet das DHM den europäischen Kontinent erstmals vom Meer aus. 

Man betritt die auf zwei Etagen errichtete Schau auf der unteren Ebene und wird quasi auf Normalnull von Meeresrauschen und einer Skulptur der Europa aus der Antikensammlung empfangen. Weiße Nylonschnüre bilden rechts und links des Weges Vorhänge. Vielleicht sollen sie die küstensäumende Gischt darstellen, die den Besucher zu den einzelnen Themen-Häfen führt.

2500 Jahre maritime Kulturgeschichte wird entlang bedeutender Hafenstädte wie Venedig, Danzig, Sevilla, Lissabon, Amsterdam, Nantes, London, Bremerhaven, Bergen, Kiel und Brighton aufgespannt. Die Sonderschau mit ihren etwa 400 Exponaten, darunter zahlreiche Leihgaben, auf 1500 Quadratmetern präsentiert sich in vier Hauptkapiteln. 

Ausgehend von der Antike über den Athener Hafen Piräus geht es zum Prototyp der modernen Seemacht, der Republik Venedig. Hier ist ein Modell einer goldenen Barke, des letzten „Bucintoro“ zu sehen. Ein Staatsschiff der Dogen von Venedig. Gleich gegenüber lockt der für die Hanse so bedeutende Hafen von Danzig. Ausgestellt wird der Inhalt eines in den 1970er Jahren am Eingang der Danziger Bucht gefundenen Schiffswracks aus dem 15. Jahrhundert. An Bord befanden sich typische Hansewaren wie Kupferplatten, Eisenstangen und Holzplanken. 

Beim Aufstreben der Seenationen ging es auch um die Herrschaft über die Meere. Kontinente zu entdecken und zu erobern, war das Ziel der europäischen Seemächte. Für die eroberten Völker bedeutete das Unterdrückung und Fremdherrschaft. 

Eindrucksvoll zeigen Abbildungen von Sklavenschiffen, wie eingeengt die „Ware“ Mensch unter Zwang in die neuen Kolonien ge­bracht wurde im Austausch ge­gen Kulturgüter wie Kaffee, Zucker und Baumwolle. Europa war bis ins 19. Jahrhundert ein Auswanderungskontinent, aus dem Millionen in die „Neue Welt“ reisten, um fern der Heimat ein neues Leben zu beginnen. Heute ist Europa selbst zum Einwanderungskontinent geworden. 

Moderne Technik ermöglichte die Nutzung maritimer Ressour­cen. So geht es im norwegischen Bergen um die Ölgewinnung aus dem Meer. Auch das Thema Meeresverschmutzung kommt nicht zu kurz. Unangenehm beeindruckt steht man vor einer mannshohen Säule aus durchsichtigem Plastik, gefüllt mit Meeresmüll. 

Am Ende erst wird das Meer zum Bade- und Imaginationsort. Sowohl in der Kunst in Form von Gemälden als auch mittels Plakaten bekannter Badeorte, kann man sich nun dem Thema Tourismus widmen. Alte Badekostüme aus dem Fundus des DHM ziehen die Blicke auf sich. 

Urlaub am Meer ist eine europäische Erfindung, wenn auch historisch eine recht späte. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das britische Brighton ein von Adligen und Großbürgern besuchtes Seebad und Vorbild für die Badekurorte an Ost- und Nordsee.

Auch Utensilien aus dem Seemannsalltag sind zu bewundern. So ein Schiffszwieback von 1784, der nur „überlebte, weil sein Besitzer eine Widmung an seine Liebste darauf einritzte. Und wer hätte gedacht, dass das Sprichwort „den Löffel abgeben“ aus dem nautischen Bereich stammt. Ein ausgestellter Löffel erinnert daran. Seeleute, die nach ihrem Tod im Meer bestattet wurden, hatten ihren Löffel für immer abgegeben.

„Europa und das Meer“ läuft bis 6. Januar im DHM, Unter den Linden 2, geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr. Der Katalog vom Hirmer Verlag mit 448 Seiten und 415 Abbildungen kostet 35 Euro. Internet: www.dhm.de

Gestohlene Familie
Japanische »Ladendiebe« kommen ins Kino
Harald Tews

Familienfilme sind die TV-Renner zu Weihnachten. Das japanische Familienidyll, das sich vom 27. Dezember an mit „Shoplifters – Familienbande“ im Kino präsentiert, passt da gut ins festzeitliche Schema. Denn hier präsentiert sich eine wahre Musterfamilie in prekären Verhältnissen. Ein Familienoberhaupt, das mit dem Junior Ladendiebstähle („shoplifting“) begeht, nimmt ein junges Mädchen auf, das von Zuhause ausgerissen ist. Sie wird in einer engen Behausung von einer Oma, Mutter und Schwester gehegt und gepflegt. Hier herrschen Familienfrieden und Geborgenheit.

Doch als die Großmutter (ge­spielt von der im September 75-jährig verstorbenen Schauspielerin Kirin Kiki) stirbt und man sie heimlich bestattet, um weiter ihre Rente zu beziehen, driftet diese Patchworkfamilie auseinander. Was sich vorher angedeutet hat, bewahrheitet sich: Keiner ist miteinander verwandt.

In der Not hilft man sich gegenseitig und rückt enger zusammen, könnte das herzerwärmende Mot­to dieses Sozialdramas sein. Dieses ebenso kritische wie warmherzige Porträt der japanischen Gesellschaft durch Regisseur Hi­rokazu Kore-eda, der schon 1998 mit „After Life“ einen Filmhit landete, kommt gleich mit mehreren Preis-Empfehlungen in die Kinos: Goldene Palme 2018 von Cannes, nominiert für die Golden Globes im Januar und Kandidat für den Auslands-Oscar im Februar. Dieser obskur-familiären Bande von Ladendieben sei nur das Beste gegönnt.

Neues Entree zur Museumsinsel

Die Berliner Museumsinsel hat einen neuen Eingang. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat jetzt die Fertigstellung des zentralen Empfangsgebäudes verkündet, um das seit 1999 gerungen wurde. Das James-Simon-Galerie genannte Haus wird in den kommenden Monaten eingerichtet und soll im kommenden Sommer eröffnet werden. 

Als zentrales Empfangsgebäude der Museumsinsel Berlin mit einer Nutzfläche von rund 4600 Quadratmetern sorgt die Galerie dann für Information und Orientierung. Ein rund 655 Quadratmeter großer Raum steht für Wechselausstellungen zur Verfügung. In einem Auditorium mit 300 Sitzplätzen können künftig Veranstaltungen stattfinden. Das Haus weist Ticket- und Infobereiche, Garderoben, Museumsladen so­wie Café auf und hat eine wichtige Funktion bei der Verteilung der Besucherströme. Von der James-Simon-Galerie aus gelangt man in den Rundgang Antike Architekturen im Pergamonmuseum sowie über die Archäologische Promenade in das Neue Museum.

Das Gebäude ist auf der einzig zur Verfügung stehenden Freifläche der Museumsinsel nach Plänen des Architekten David Chipperfield entstanden. Charakteristisch sind die große Freitreppe und die Kolonnaden aus extrem schlanken Stützen, die Elemente der umgebenden klassizistischen Architektur aufgreifen. Das Haus ist Teil des Masterplans Mu­seumsinsel, der 1999 beschlossen wurde, um das UNESCO-Welterbe zu bewahren und gleichzeitig zu einem zeitgemäßen Museumskomplex umzugestalten.

Wie in Berlin meist üblich, verlief auch dieser Bau nicht ohne Konflikte. Erst stoppten Finanzierungsprobleme die Planungen an dem 73 Millionen Euro teuren Bauwerk, dann verlangte eine Bürgerinitiative Nachbesserungen und schließlich verzögerten Probleme mit dem Fundament von 1200 Pfählen den Bau.H. Tews

S. 10 Geschichte & Preussen

Holder Tropfen aus Ostpreußen
Die hochmittelalterliche Warmzeit ermöglichte den Weinanbau sogar im Deutschordensstaat
Wolfgang Reith

Für viele gehört zu Weihnachten eine Weihnachtsgans und dazu ein schönes Glas Wein. Den holden Rebensaft bringt man eher mit dem Süden in Verbindung, doch war Ostpreußen einst sogar ein Weinanbaugebiet. Dieses ist umso bemerkenswerter angesichts der aktuellen Versuche, dem Menschen für die unterstellte Erderwärmung die Schuld zu geben.

In den wärmeren Gefilden des Heiligen Landes hatten die Angehörigen des 1198 in Jerusalem als Ritterorden gegründeten Deutschen Ordens den Wein kennen- und schätzen gelernt. Und so wollten sie wie am Mittelmeer auch an der Ostsee nicht auf ihn verzichten. Hierbei kam ihnen zugute, dass das Klima von Mitte des 11. bis Mitte des 13. Jahrhunderts insgesamt milder war und die Durchschnittstemperatur um ein bis zwei Grad höher lag als heute. Diese sogenannte hochmittelalterliche Warmzeit begünstigte den Weinbau in Nord-, Ost- und Mitteleuropa.

Schon vor der Ankunft des Ordens hatte sich der Weinbau entlang der Oder von Schlesien über Brandenburg und Mecklenburg bis nach Pommern ausgebreitet, wo er 1130 erstmals Erwähnung findet. So ist etwa bekannt, dass Bischof Otto von Bamberg im Jahre 1128 mit einem Fass voller Reben nach Pommern kam, um sie dort anzupflanzen. In West- und Ostpreußen sind Weinberge seit 1138 dokumentiert, und in der Amtszeit des Hochmeisters Winrich von Kniprode (1351–1382) erfolgte sogar eine Ausdehnung des Weinbaus bis nach Tilsit und Memel, wo er 1370 belegt ist. Winrich von Kniprode, unter dem der Ordensstaat seine höchste Blüte erlebte, ließ Winzer aus Süddeutschland und Italien kommen, und so entstanden Weinberge bei Thorn, Kulm, Elbing und Osterode, bei Rastenburg, Leunenburg und Rhein und bald darauf auch bei Tapiau und Königsberg sowie eben bei Tilsit und Memel. Plötzlich erfuhr das bekannte Lied „Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben“ in Ostpreußen die Abwandlung „An Rhein, an Rhein, da wachsen unsre Reben“, bezogen auf das Städtchen Rhein südlich von Rastenburg. Wegen des herberen Klimas benötigte der Wein in Ostpreußen allerdings eine intensivere Pflege als im Süden, und er dürfte auch etwas saurer geschmeckt haben. Zugleich ist jedoch nachzulesen, dass bei großen Festgelagen auf der Marienburg „mit Vorliebe der edle Rastenburger“ ausgeschenkt wurde, der wohl besonders gemundet haben muss. Umgekehrt wurde etwa bei Kulm Wein produziert, der „wegen seiner minderen Qualität vor allem dem Personal vorbehalten blieb“. Außerdem begann die Weinlese im Osten früher als anderswo, denn die Überlieferung besagt, dass die Trauben normalerweise Anfang Oktober abgeerntet waren, und 1379 soll die Lese sogar schon „an Jakobi“ (25. Juli) stattgefunden haben.

Über jenes Jahr, das als ein außerordentlich fruchtbares galt, haben wir überhaupt sehr ausführliche Informationen. So belief sich der Ertrag aller Weinberge des Deutschen Ordens damals auf 608 Tonnen. Ein Teil davon wurde an die Komture sowie an Personen verschenkt, die sich um den Staat verdient gemacht hatten, das übrige wurde eingekeltert. Dazu heißt es in der Literatur: „Wenn der Most acht Tage in den Fässern gelegen hatte, so fing er erst an, sich recht zu reinigen, und dies dauerte gewöhnlich drei Wochen. Dann war ein solcher Dunst in den Kellern, dass man betäubt davon wurde. Dieser Dunst stieg 1379 sogar bis in die Gemächer des Hochmeisters im Schlosse zu Marienburg, so dass er befehlen musste, die Oeffnungen an den Kellern mit Strohwischen zu verstopfen.“

Und weiter erfahren wir aus Johann Nikolaus Beckers 1798 in Berlin erschienenem Werk „Versuch einer Geschichte der Hochmeister in Preußen“: „Wenn das erste und letzte Faß gefüllt wurde, so kam eine frohe Gesellschaft von Rittern zusammen, und feierte ein Fest, das man Füllungsfest nannte. Die Gesellschaft versammelte sich an dem Orte, wo das Faß stand, und erwartete unter beständigem Trinken das Vollwerden. Wenn nun der Kellermeister diese frohe Nachricht kund machte, so erhoben Alle zugleich ein fröhliches Evoe und tranken auf das Wohl des Hochmeisters. Dann gings zum Tanze, wobei gewöhnlich Bockspfeifer aufspielten, und Abends nach vollendeter Arbeit auch die schönen Winzerinnen erschienen und um eine Traube tanzten. Eben dies geschah, wenn das letzte Faß gefüllt wurde.“ Anschließend gab der Hochmeister zwei Tonnen Wein und acht Tonnen Bier zum Trinken frei, während er selbst sich mit den Komturen und Rittern versammelte und man den Herbst feierte. Zu Kriegszeiten herrschte an diesem Tag Waffenruhe. Der Großkomtur und der Marschall durften für ihren eigenen Bedarf soviel Wein aus dem Burgkeller entnehmen wie sie wollten, Pfarrer und Schullehrer erhielten jedes Jahr einen Pfingst- und einen Martinstrunk.

Als im Jahre 1363 Herzog Rudolph von Bayern zu Besuch auf der Marienburg weilte, „mußte der Mundschenk beim Beschlusse der Tafel einen großen goldenen Becher mit Wein aus den Thorner Bergen füllen, den zuerst der Herzog, dann der Hochmeister und die übrigen Ritter auf gut Kriegsglück leerten. Da sagte Rudolph: ‚Langt mir noch einmal den Becher her, der Trank ist echtes Oel, davon einem die Schnauze anklebt.‘ Der Mundschenk füllte den Becher und der Herzog leerte ihn auf das Andenken Ludwigs des Baiern, wobei alle Ritter ein hohes Friedensgeschrei erhoben, und ebenfalls die Becher zu Ludwigs Ehre anstießen.“

Kaum hatte der Deutsche Orden im 14. Jahrhundert seine Macht in Ostpreußen gefestigt, setzte in Europa abermals eine Klimaveränderung ein, die sich seit spätestens 1350 bemerkbar gemacht hatte und danach allmählich stärker zu verspüren war. Diese als „kleine Eiszeit“ bekanntgewordene Epoche dauerte von etwa 1400 bis 1850, wobei die Auswirkungen mal mehr, mal weniger heftig waren. Es wurde kontinuierlich kälter, und diesem Umstand fiel auch der Weinbau in den nördlicheren und östlicheren Gefilden des Kontinents letztlich zum Opfer. Im Ordensstaat kam er in Kulm bereits 1440 zum Erliegen, 1473 erfroren die letzten Weinstöcke bei Osterode, und es musste vermehrt Wein importiert werden, der nun vor allem für Abendmahlsgottesdienste knapp wurde. Der Historiker und Hofgerichtsrat zu Königsberg Lucas David (1503–1583) erwähnt in seinem zehnbändigen Werk „Preußische Chronik“, an dem er bis zu seinem Tode schrieb und das die Geschichte des Preußenlandes von der Urzeit bis zum Jahr der Schlacht bei Tannenberg (1410) beschreibt, dass es noch zu seinen Lebzeiten Weinbau bei Elbing gegeben habe. Doch spätestens mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) ein Jahrhundert später war es auch damit vorbei, und seither gelten Brandenburg (Werder an der Havel) sowie Mecklenburg (Stargarder Land) und Vorpommern (Usedom) als die nordöstlichsten Weinanbaugebiete Europas. Aber wer weiß: Da uns die Meteorologen eine erneute Klimaerwärmung angekündigt haben, werden in absehbarer Zeit vielleicht auch in Ostpreußen wieder Weinstöcke gedeihen.

Startschuss für die industrielle Revolution
Vor 250 Jahren erhielt James Watt das Patent für die erste direktwirkende Niederdruckdampfmaschine
Wolfgang Kaufmann

Wenn es ein Datum gibt, das sich dazu eignet, den Beginn der Industriellen Revolution punktgenau zu markieren, dann ist das der 5. Januar 1769. An diesem Tage erhielt der schottische Erfinder James Watt das Patent für die erste direktwirkende Niederdruckdampfmaschine. Mit dieser Maschine schenkte er der Wirtschaft eine für damalige Verhältnisse hocheffiziente Kraftquelle.

Aufgrund der zunehmenden Größe und Tiefe der englischen Kohlebergwerke zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Abpumpen des Grubenwassers zum entscheidenden Rentabilitätsfaktor. Deshalb konstruierte der Ingenieur Thomas Savery eine kolbenlose Dampfpumpe namens „The Miner’s Friend“ (Des Bergmanns Freund), die er sich am 2. Juli 1698 patentieren ließ. Sie basierte auf der Apparatur, die der französische Physiker Denis Papin 1690 gebaut hatte. Damit schuf er praktisch die erste funktionierende Wärmekraftmaschine der Welt. 

Jedoch wies Saverys Kreation diverse Mängel auf. So konnte die Pumpe das Wasser lediglich um zwölf Meter heben und hatte zudem einen Wirkungsgrad, der nur im Promillebereich lag. Deshalb entwickelte Thomas Newcomen, ein Schmied und Eisenwarenhändler aus Dartmouth, in zehnjähriger Arbeit die atmosphärische Dampfmaschine mit Wassereinspritzung, deren Wirkungsgrad nunmehr 0,5 Prozent betrug. Sie kam erstmals 1712 in den Conygree-Kohlegruben nahe Dudley in der Grafschaft West Midlands zum Einsatz.

Wegen des enormen Kohleverbrauchs der Newcomen-Dampfmaschine war an eine Verwendung abseits von Bergwerken überhaupt nicht zu denken. Deshalb lag es nahe, auch dieses Modell zu verbessern und universell tauglich zu machen, was allerdings erst einige Jahrzehnte darauf durch James Watt gelang. 

Der spätere Erfinder hatte am 19. Januar 1736 in der westschottischen Hafenstadt Greenock das Licht der Welt erblickt und sich eigenständig zum Mechaniker qualifiziert. Ab Juli 1757 arbeitete er als Instrumentenmacher an der Universität von Glasgow und fertigte in dieser Eigenschaft vor allem nautische Instrumente an. Im Winter 1763/64 bekam Watt den Auftrag, das sehr schlecht funktionierende Modell einer Dampfmaschine nach der Bauart von Newcomen zu reparieren. Watt befass­te sich äußerst gründlich mit dem Konstruktionsprinzip der Apparatur und fand schließlich Wege zu deren nachhaltiger Verbesserung. Einer bestand darin, die gravierenden Wärmeverluste durch das fortwährende Aufheizen und Abkühlen des Zylinders zu vermeiden. Die Lösung lag hier im Hinzufügen eines außenliegenden Kondensators sowie der Dampfumspülung des Zylinders.

Watt bezahlte einen hohen Preis für seine Tüftelei. Um genügend Zeit dafür zu haben, gab er 1765 die einträgliche Stelle an der Universität auf und versuchte stattdessen, als Feldvermesser über die Runden zu kommen. Deshalb häuften sich Schulden auf, die ihn daran hinderten, seine Erfindung kommerziell zu verwerten. Die Wende brachte hier erst eine Kooperation mit dem technikbegeisterten Eisenfabrikanten und Minenbesitzer John Roebuck aus Kinneil. 

Kurz nach deren Zustandekommen erhielt James Watt am 5. Januar 1769 das englische Patent Nr. 913 für seine Dampfmaschine, die immerhin 60 Prozent weniger Steinkohle verbrauchte als das Modell von Newcomen, das inzwischen durch John Smeaton verbessert worden war. Allerdings scheiterte die erste praktische Verwendung der Konstruktion in der Kohlegrube Roebucks. Watt war der Verzweiflung nahe. „Es gibt nichts Törichteres im Leben, als das Erfinden“, schrieb er damals an einen Freund. 

Wenig später ging Roebuck pleite. Der vermögende Industrielle Matthew Boulton aus Birmingham, dem Roebuck 1200 Pfund schuldete, erklärte sich bereit, die weitere Finanzierung zu übernehmen, wenn er zu 50 Prozent am Gewinn beteiligt und das Patent um 25 Jahre bis 1800 verlängert werde. Und tatsächlich genehmigte das Unterhaus in London den Antrag auf Letzteres während einer Anhörung am 22. Mai 1775.

Die erste funktionsfähige Dampfmaschine der nunmehrigen Firma Boulton & Watt kam ab 1776 in der Metallfabrik von John Wilkinson beim Ausbohren von Kanonenrohren zum Einsatz. Alle nachfolgend ausgelieferten Maschinen wurden dann nicht verkauft, sondern über die Patentlaufzeit verleast. Als Nutzungsentgelt war jeweils ein Drittel der gegenüber dem Newcomen-Modell eingesparten Brennstoffkosten fällig.

Zwischen 1781 und 1788 optimierte Watt seine Erfindung. So entwickelte er ein Kreisschubgetriebe, um den Kolbenhub in Drehbewegungen umzuwandeln. Seitdem konnten Dampfmaschinen ganz unterschiedliche Aufgaben erfüllen, was die Industrialisierung in England entscheidend vorantrieb. Dazu gesellte sich später das Wattsche Parallelogramm, das eine deutliche Vergrößerung des Kolbenhubs und Erhöhung der Laufruhe ermöglichte. Außerdem stattete Watt die Maschinen ab 1788 mit Fliehkraftreglern zum Ausgleich von Belastungsschwankungen an der Antriebsachse aus. Durch diese Verbesserungen erreichte er schließlich einen Wirkungsgrad von drei Prozent – immerhin das Dreifache der weiterentwickelten Newcomen-Maschine. Selbiges bescherte Watt weitere fünf Patente sowie den finanziellen Durchbruch. 1790 standen bereits um die 500 der von ihm entwickelten Dampfmaschinen in den Bergwerken und Fabrikhallen der britischen Inseln.

Gleichzeitig blockierten Watt und Boulton die Weiterentwick­lung der Dampftechnik durch die Konkurrenz, indem sie bis 1800 jeden juristisch verfolgten, der Watts Patent auf das Prinzip der Kondensation außerhalb des Zylinders verletzte. Hierdurch stagnierte zunächst die Einführung von deutlich effektiveren Hochdruck- und Verbunddampfmaschinen. 

Watt und Boulton zogen sich 1800 aus der Leitung der Firma zurück und übergaben diese an ihre jeweiligen Söhne. Der Vater der modernen Dampfmaschine betrieb noch eine Zeitlang experimentelle Forschungen und starb am 25. August 1819 hochgeehrt in seinem Haus Heathfield Hall in Handsworth (Staffordshire). 

Schon zu diesem Zeitpunkt hatten hellsichtige Beobachter der Entwicklung erkannt, dass die Erfindung der Dampfmaschine nicht nur positive Konsequenzen haben würde. So schrieb der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe kurz nach Watts Tod in seinem Roman „Wilhelm Meisters Wanderjahre“: „Das überhand nehmende Maschinenwesen quält und ängstigt mich, es wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam; aber es hat seine Richtung genommen, es wird kommen und treffen.“

S. 11 Geschichte & Preussen

Der riskante Wettlauf zum Mond
Mit der Mission Apollo 8 öffnete die NASA den Weltraum
Klaus J. Groth

Vor einigen Wochen versteigerter ein Auktionshaus in Texas Erinnerungsstücke aus dem Nachlass von Neil Armstrong. Die Auktion brachte 7,45 Millionen US-Dollar. Verwunderlich ist die hohe Summe nicht. Armstrong war der erste Mensch, der den Mond betrat. Den Weg dorthin hatte die Mission Apollo 8 mit den Astronauten Frank Borman, William Anders und James Lovell vorbereitet. Sie waren am 21. Dezember 1968 zum ersten bemannten Flug zum Mond gestartet, sahen den Erdtrabanten erstmals von der Rückseite, betraten ihn aber nicht.

Mit diesen beiden Erfolgen – erster bemannter Flug zum Mond, erster Mensch auf dem Mond – war endlich das Trauma überwunden, in das die Sowjets mit ihren Erfolgen im Weltraum die US-Amerikaner versetzt hatten. Den ersten Schock löste in den USA der Start des Sputnik 1957 aus, es folgte die erste unbemannte Landung von Lunik 2 auf dem Mond 1959 und schließlich der erste bemannte Raumflug von Juri Gagarin 1961. Dem hatten die Amerikaner nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen.

Ein bemannter Flug zum Mond sollte die Antwort der Amerikaner sein, an eine Landung war anfangs nicht gedacht. Eigentlich hätte die Mission mit Apollo 8 das ursprünglich gesetzte Ziel erreicht. Aber die Ansprüche steigerten sich mit jeder erfolgreichen Zwischenetappe. Das Programm zum Mondflug war 1960 bei einer Konferenz der NASA (National Aeronautics and Space Administration) erarbeitet worden. Es erhielt die Bezeichnung „Apollo“. Getrieben von den Erfolgen der Sowjets, spielten Kosten nahezu keine Rolle. Das Programm verschlang 23,9 Milliarden US-Dollar, damaliger Zeitwert. Die Summe entspräche heute 150 Milliarden Dollar. 400000 Menschen arbeiteten für das Programm. 

Unter dem Eindruck des Weltraumfluges von Juri Gagarin hatte US-Präsident John F. Kennedy im Mai 1961 das Ziel höher gesteckt. Noch im selben Jahrzehnt sollte ein Mensch zum Mond und wieder zurückfliegen. Vor dem Kongress erklärte er: „Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken oder wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein.“ 

Im Mittelpunkt stand die Entwicklung einer schubkräftigen Rakete. Die Grundlagen dazu lieferten Erprobungen der deutschen Wehrmacht. Federführend war Wernher von Braun, der einstmalige technische Leiter der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Dort hatte er die erste funktionsfähige Großrakete „Aggregat 4“ (A4) entwickelt, die spätere „Vergeltungswaffe 2“ (V2). Als erste ballistische Rakete erreichte sie den Grenzbereich zum Weltraum und machte damit Peenemünde zur „Wiege der Raumfahrt“. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges hatte Braun den Amerikanern seine Kenntnisse angeboten. Die Amerikaner suchten damals gezielt nach deutschen Wissenschaftlern, Braun wechselte am 2. Mai 1945 in deren Dienst. Im September 1945 flog er in die USA. Über 100 Mitarbeiter aus Peenemünde folgten. Mit Versuchen mit der V2 setzten sie in den USA ihre Arbeit fort.

Die dabei und mit anderen Raketenprogrammen gemachten Erfahrungen flossen in die Entwick-lung einer neuen Trägerrakete ein, der „Saturn V“. Braun konzipierte mit seinem Team eine Rakete, die in ihrer Höhe von 110 Metern bis heute nicht übertroffen ist. Ihr Startgewicht betrug 2880 Tonnen, die von einer Schubkraft von 160 Millionen PS auf eine Geschwindigkeit von 39000 Kilometern pro Stunde beschleunigt wurden. Sie beförderte Astronauten binnen 60 Stunden zum Mond. 

Doch bevor es soweit war, bevor das ganz und gar utopische Experiment gewagt werden konnte, mussten viele Vorstufen nach einem exakt entwickelten Fahrplan abgeschlossen werden. Es begann mit unbemannten Flügen in der Erdumlaufbahn. Anschließend folgte der Test einer Mondlandefähre. Erst dann wurde ein bemannter Raumflug gewagt. Nächster Schritt war die Erprobung der Funktion zwischen Raumkapsel und Landefähre, zuerst in der Nähe der Erde, im nächsten Schritt in der Nähe des Mondes und als krönender Abschluss: Landung und Ausstieg auf dem Mond.

In der Aufzählung der einzelnen Missionen fehlt der Flug von Apollo 8, der war nicht vorgesehen. Aber inzwischen hatten die Sowjets abermals die Nase vorn. 1965 hatte der Kosmonaut Alexej Leonow an Bord der Woschod 2 den ersten Spaziergang eines Menschen im Raum unternommen. Die Mission Apollo 8 war lediglich geplant als Erprobung der Mondlandefähre in einer hohen Erdumlaufbahn. Doch die Fähre war nicht fertig. Darum wurde vorgeschlagen, den Flug zum Mond zu wagen. Dagegen gab es erhebliche Bedenken. 

NASA-Direktor James Webb fragte: „Seid ihr verrückt?“ Doch Braun setzte auf die Saturn: Wenn sie fliege, sei es egal, wie weit man fliege. Die Astronauten Frank Borman, William Anders und James Lovell waren zu dem Wagnis bereit. Trotz weiter bestehender Bedenken gab es grünes Licht, denn die CIA hatte gemeldet, die Sowjets planten einen gleichen Flug im selben Jahr.

Die Öffentlichkeit wurde vorsichtshalber über die geänderten Pläne erst spät informiert. Am 21. Dezember 1968 startete Apollo 8 am frühen Morgen vom Kennedy Space Center in Florida. Heiligabend, am 24. Dezember, erreichte die Mission die Umlaufbahn um den Mond. Von dort schickten die Astronauten Bilder der Erde und des Erdtrabanten. Und während sie Bilder der Krater des Mondes sandten, lasen sie wechselnd Abschnitte aus der biblischen Schöpfungsgeschichte vor.

Am 27. Dezember landete Apollo 8 nach der Rückkehr im Pazifik, nahe Hawaii. Es war der erste Flug, der sich weiter als 1500 Kilometer von der Erde entfernt hatte. Er bereitete die Landung auf dem Mond vor. Zur Reservemannschaft für den Flug von Apollo 8 gehörte Neil Armstrong, der Mann, der elf Monate später als erster Mensch den Mond betreten sollte. Und als er dabei gesagt hatte: „Es ist ein kleiner Schritt für den Menschen … ein … riesiger Sprung für die Menschheit“, kürzten die Sowjets ihr Raumfahrtprogramm drastisch. Sie strichen die Reisepläne zum Mond.

Christbaumschmuck im Wandel der Zeiten
Sonderausstellung bis zum 3. März im Deutschen Historischen Museum
Dirk Klose

Auch im Deutschen Historischen Museum (DHM) ist es nun weihnachtlich geworden. Im Zeughaus am Prachtboulevard Unter den Linden wurde zwischen Frühsozialismus und Paulskirchenparlament von 1848 ein Kabinett freigeräumt für die Ausstellung 

„Engel, Hakenkreuz, Felsendom – Christbaumschmuck vom 19. Jahrhundert bis heute“. Aus eigenen Beständen und einer kürzlich erworbenen Sammlung aus Frankfurt zeigt das DHM an rund 500 Stücken, dass Christbaumschmuck keineswegs immer nur Zierde des Weihnachtsbaums war, sondern oft genug auch politisch vereinnahmt wurde. Ungewohnt publikumsfreundlich zeigt sich das Museum insofern, als die zahlreichen Vitrinen mit den Ausstellungsstücken von stilisierten grünen und roten Weihnachtsbäumen eingerahmt sind, was diesem Raum in der Tat so etwas wie ein weihnachtliches Flair gibt. 

Der Tannen- oder Weihnachtsbaum eroberte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr die Wohnstuben, ihn zu schmü-cken wurde bald zur Gewohnheit. Als Schmuck dienten vor allem Glaskugeln und geschnitzte Holzfiguren mit biblischen Motiven, also Krippe, Maria und Josef, Hirten und Engel, die bald an der Spitze standen. Das DHM präsentiert in mehreren Vitrinen einige ältere Stücke, die auch zeigen, dass man sich schon bald nicht mehr nur mit einfachen Glaskugeln begnügte, sondern dass mehr und mehr auch – oft winterliche – Motive wie verschneite Tannen oder Schlittenfahrten darauf Platz fanden. Viele dieser Glaskugeln kamen aus dem thüringischen Lauscha, einer ärmlichen Region mit langer Glasbläser-tradition, die, auch das zeigt das DHM, durch die rasant steigende Nachfrage und technische Innovationen bei der Glasgewinnung aus der ärgsten Not heraus kam. 

Die ursprüngliche „Naivität“ beim Christbaumschmuck ging im 20. Jahrhundert verloren. Zu groß war die Verlockung, das emotionale Weihnachtsfest auch politisch und weltanschaulich zu nutzen. Das DHM bringt dafür Beispiele. Von dem Anthroposophen Rudolf Steiner beispielsweise werden als Baumschmuck 14 anthroposophische Weihnachtszeichen wie Dreieck, Kreis, Halbmond und Quadrat als Symbole fernöstlicher Weisheit gezeigt, heute ganz ungewöhnliche und seltene Ausstellungsstücke. Gleich daneben aus der Zeit des Ersten Weltkrieges ein Karton mit versilberten Baumkugeln, die Handgranaten, Minen und Artilleriegeschossen nachgebildet sind. Wer den europäischen Antikriegsfilm „Merry Christmas“ aus dem Jahre 2005 über den sogenannten Weihnachtsfrieden gesehen hat, weiß um die Mini-Weihnachtsbäume, die den deutschen Soldaten an die Front geschickt wurden. Auch von diesen zeigt das DHM ein Exemplar. 

Extremer wurde die Vereinnahmung im NS-Regime, das teilweise das christliche Fest durch ein nordisches Julfest mit entsprechendem Julschmuck zu ersetzen suchte. Die Ausstellung zeigt pars pro toto eine mit dem Hakenkreuz verzierte Weihnachtsbaumspitze und Kugeln mit Hakenkreuz. Die regelmäßig im Dezember laufende Reichsstraßensammlung des Winterhilfswerks (ab 1939 Kriegswinterhilfswerk) dokumentiert das DHM mit Sammelbüchsen, Abzeichen und einer Übersicht zur Struktur dieser seinerzeit in ganz Deutschland durchgeführten Aktionen. Spender wurden mit kleinen Holzfiguren aus dem armen Erzgebirge, die Hirten, den Weihnachtsmann oder Tieren darstellten, belohnt. Diese hier zu sehenden Figuren ähneln unübersehbar denen, die sonst für Pyramiden und Kurrenden verwendet wurden. Aus neuerer Zeit ist das Erzgebirge mit einem großen Weihnachtsengel präsent, der im offfiziellen Sprachgebrauch der DDR zur „Jahresendflügelfigur“ mutiert sein soll.

Den wohl wertvollsten Weih-nachtsbaumschmuck zeigt die Ausstellung am Beispiel der Feier in jüdischen Familien. An einem stilisierten kleinen Baum sind jüdische Heiligtümer zu sehen, so der siebenarmige Leuchter, die Gesetzestafeln und der Felsendom als kunstvoll gefertigter Glasschmuck. 

Die Ausstellung endet mit einer den Weihnachtsbaum imitierenden großen Installation der Künstler Evi Wiedemann und Ulrich Vogl mit 250 Objekten aus aller Welt. Sie ist Blickfang und Hauptattraktion dieser weih-nachtlichen Schau. Tiger, Elefanten, Rennautos und Flugzeuge zeigen, dass Christbaumschmuck mittlerweile globale Ausmaße erreicht hat. Der Besucher erlebt eine sensibel aufeinander abgestimmte Schau, die sowohl eine naive Freude an Schmuck und Dekor als auch eine agitatorisch eingesetzte Verwendung von Symbolen verrät.


Nähere Informationen über die bis zum 3. März im DHM zu sehende Ausstellung „Engel, Hakenkreuz, Felsendom – Christbaumschmuck vom 19. Jahrhundert bis heute“ sind erhältlich beim Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Telefon (030) 20304-0, E-Mail: info@dhm.de, www.dhm.de


»Vom Himmel hoch ...«

Auf die Frage, was Margarete von Kunheim mit Johann Sebastian Bach verbindet, wäre eine richtige Antwort: Martin Luthers Liedschöpfung „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Das Weihnachtslied dichtete der Reformator angeblich 1535 für die Weihnachtsbescherung seiner eigenen Kinder. Später schuf er wohl auch die dazugehörige 

Melodie, die 1539 veröffentlicht wurde. 

Die Inspiration zu dem Lied soll ihm seine in der Adventszeit des Jahres 1534 in Wittenberg geborene jüngste und einzige überlebende Tochter Margarete gegeben haben. Sie verschlug es später durch die Heirat mit Georg von Kunheim d. J. ins Herzogtum Preußen. Margaretes Schwiegervater, Georg von Kunheim d. Ä., war Amtshauptmann von Tapiau und Berater Albrechts von Preußen, und auch ihr Mann trat in preußische Dienste. Sie selbst starb 1570 im (ost-)preußischen Mohrungen.

Johann Sebastian Bach verwendete die Melodie in seinem Weihnachtsoratorium und als Grundlage für seine „Canonischen Veränderungen über ... Vom Himmel hoch“, die er 1746/47 für die Correspondierende Societät der musicalischen Wissenschaften, eine von Lorenz Christoph Mizler 1738 gegründete virtuelle musikwissenschaftliche Gemeinschaft, schrieb, und die vor 270 Jahren, im Jahre 1748, herausgegeben wurden.M.R.

S. 12 Mensch & Zeit

Wie viel Lüge erträgt das Volk?
Von der »sicheren Rente« bis zum UN-Migrationspakt – Eine Geschichte des Betrugs
Erik Lommatzsch

Das mit der Aufklärung und der Vernunft im 18. Jahrhundert war so eine Sache. Wie bei so vielem, im Ansatz gut – wenn es um die Befreiung von Dogmen ging, gerade in der Wissenschaft. Als dann aber die These vertreten wurde, „dass sich sämtliche bestehenden religiösen und politischen Institutionen lediglich auf Vorurteile gründeten“, wurde es sogar Friedrich dem Großen, der gerade in seiner Jugend alles andere als ein Feind der Aufklärung gewesen war, zu viel. 

Der König veröffentliche 1770 selbst, natürlich anonym, eine Widerrede: Auf Vorurteile, Irrtümer und Aberglauben seien die meisten Menschen angewiesen, Vorurteile seien sogar „die Vernunft des Volkes“. Würde man sie überwinden, entstünden in kürzester Zeit neue. Friedrich sah sich bemüßigt, gegen aufklärerische Gedanken, deren weiteres Fortschreiten den handfesten politischen Umsturz nach sich ziehen würde, anzukämpfen. 

Die Überlegung, der Herrscher könne abgesetzt werden, wenn das Volk unzufrieden sei, barg immense Gefahren. Auf Anregung das Königs gipfelten die Überlegungen im Jahr 1780 in der Preisfrage der Berliner Akademie der Wissenschaften: „Ist es dem Volke nützlich getäuscht zu werden – sei es daß man es in neue Irrtümer führt, oder daß man es in jenen erhält, worin es sich bereits befindet?“ (Ausführlich nachzulesen ist der Weg Friedrichs des Großen hin zu dieser Preisfrage bei: Hans-Christof Kraus, „Der Wendepunkt des Philosophen von Sanssouci“, Dunker & Humblot 2017, Berlin.)

Lange liegen die Zeiten zurück, in denen der Herrscher, durchaus auf Gegenrede gefasst, in der Öffentlichkeit über den Sinn des Volksbetrugs debattieren ließ und dabei natürlich signalisierte, dass er dem Ganzen nicht per se ablehnend gegenüberstand.

Welch schwere Folgen der – offensichtliche – Volksbetrug haben kann, bekamen die DDR-Machthaber im Jahr 1989 zu spüren. Eine hohe Zustimmung zur Einheitsliste bei der Kommunalwahl vom 7. Mai konnte ohnehin verbucht werden. Dennoch hatte eine Reihe von Wählern von der Möglichkeit der Ablehnung des SED-Regimes Gebrauch gemacht. Oppositionelle Bürgerrechtler konnten nachweisen, dass das – vergleichsweise noch schlechte – offizielle Wahlergebnis von 98,85 Prozent nicht der Realität entsprach. Die Lüge wirkte als zusätzlicher Katalysator auf dem Weg zum Sturz der zweiten deutschen Diktatur. 

Gelassener erfolgt der Umgang mit derartigen Zumutungen in der Bundesrepublik. Abgesehen von verbal geäußertem Unmut oder entsprechender Publizistik haben die Dinge kaum Konsequenzen. Auf das Jahr 1986 geht der mit dem seinerzeitigen Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm in Verbindung stehende Ausspruch „Die Rente ist sicher“ zurück. Mehrfach beteuert, wenn auch immer weiter verklausuliert aufgeweicht, war schnell klar, dass dies nicht den Gegebenheiten entsprach. Greifbarer Unmut blieb aus. 

Ähnliches gilt gegenwärtig für die axiomatisch als unabdingbar angesehene „Energiewende“, deren Sinn mehr als fraglich ist und deren – nicht nur materielle – Kosten immer spürbarer werden. Politiker, die sich gerade diese Anliegen auf die Fahnen geschrieben haben, sind schlichtweg inkompetent. Wie verkündete doch die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock im Deutschlandfunk? An grauen Tagen habe man viel weniger Energie, deswegen „fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet.“ Trotz dieser hanebüchenen Dummheit – oder ist es Betrug? – werden die Grünen fleißig gewählt, Tendenz steigend. Auch Heiko Maas’ wundersame Geldvermehrung – infolge der Zuwanderung werde „niemandem“ etwas weggenommen – wurde zwar belächelt, aber hingenommen.

Jüngster Höhepunkt des folgenfreien Betrugs ist der auch von Deutschland unterzeichnete UN-Migrationspakt (GCM). Kaum jemand vermag der gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung zu folgen, das Ganze sei „rechtlich nicht bindend“, obwohl dutzendfach von Verpflichtungen die Rede ist – zu klar ist die formal-juristische Spitzfindigkeit von der Lebenswirklichkeit zu unterscheiden. Und jeder, der schon einmal ein Geschichtsbuch in der Hand hatte weiß, das Migration mitnichten schon immer „eine Quelle des Wohlstandes“ gewesen ist  – zumindest nicht für alle am Geschehen Beteiligten. 

Würde Friedrich der Große heute eine Akademiefrage in Auftrag geben, wäre die spannende, zeitgemäße Variante: „Wie viel offensichtlichen Betrug erträgt das Volk?“     

Moment der Woche

Es soll ja eine Zeit der Besinnung sein. Doch viele Deutsche, wenn nicht die meisten, erleben die Adventswochen eher als Stressphase. Ein Leiden, das im dichtbesiedelten Deutschland offenbar auf unsere tierischen Nachbarn im Wald übergegriffen hat.

Aus heiterem Himmel ist vergangene Woche ein halbes Dutzend panischer Wildschweine im Zentrum von Bad Salzdetfurth bei Hildesheim aufgetaucht und hat dort für einige Aufregung gesorgt, wie der „Stern“ berichtet. Eines der Jungtiere war dermaßen durch den Wind, dass es erst in einen Baumarkt gestürmt ist und anschließend in ein Textilgeschäft.

Wieder draußen riss es einen Einkaufswagen um und rannte über einen Autowaschplatz gegen eine dünne Kunststoffwand.

Zu guter Letzt gelang es einem Mann, die Tiere mit einem Wasserstrahl zu verscheuchen, die dann in den nahen Wald zurück­flüchteten. Man vermutet, dass die Wildschweine durch einen Menschen oder einen Hund aufgescheucht worden waren. H.H. 

Von der »Schönheit« des Denunzierens
Linksradikale Gruppe bläst im Internet offen zur persönlichen Hatz auf »Gesinnungskranke«
Günter Scholdt

Bei der Verfolgung Andersdenkender fallen bei manchen Linksradikalen die letzten Hemmungen. Unter dem fadenscheinigen Siegel von „Kunst“ und „Satire“ soll die wirtschaftliche Existenz von Kritikern des Regierungskurses zerstört werden.

Die jüngste Infamie durchgeknallter Aktivisten unter der Firmenbezeichnung „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) ist beendet. Während ihres mehrtägigen Denunzianten-Festivals wurden Fotos von einer Chemnitzer Demonstration gegen Fremdengewalt per Gesichtserkennungssoftware gemustert, Teilnehmer namentlich ermittelt und in politischen Quasi-Steckbriefen der Öffentlichkeit bekannt gemacht. 

Auch rief man, gesteigert durch Geldprämien, dazu auf, weitere Falschfühler zu identifizieren und diese ihrem Arbeitgeber zu melden. Der perverse Online-Pranger, dessen grotesker „Satire“-Anspruch keine Sekunde des Nachdenkens verdient, ist inzwischen abgeschaltet. Gleichzeitig feierten ihn seine Initiatoren als großen datenmäßigen Fahndungserfolg gegenüber vermeintlich rechtsextremistischen „Gesinnungskranken“. 

Man könnte dies als eine der üblichen Entgleisungen unserer sogenannten „Zivilgesellschaft“ abhaken. Doch gab es ausnahmsweise sogar Bedenken im Mainstream. Selbst Hardlinern der regierungsnahen Medien oder Parteien war dieses brachiale Vorgehen ein wenig peinlich. Ganz so degoutant, so offensichtlich von Stasi- oder Nazi-Praktiken abgekupfert, sollte der Kampf um die Deutungsmacht in diesem Land aus Imagegründen eigentlich nicht erscheinen. Lieber profitiert man (wie beim arbeitsteiligen Polizeiverhör) indirekt von den heimlich alimentierten bad guys „antifaschistischer“ Sudelmoralisten und ihrer Straßengewalt. 

Für sich selbst favorisiert man subtilere Gemeinheiten in der Biedermann-Maske des „good guy“. Unsere „Qualitätsmedien“ scheuten daher meist den offenen Schulterschluss mit dieser Chemnitzer Obszönität. Doch – wie eine analytische Presseschau noch weiter zeigen könnte – blieb eine konzertierte unmissverständliche Absage an solchen totalitären Rück­fall aus, was, platzbedingt hier leider nur stellvertretend am Beispiel der „FAZ“ belegt wird. 

Darin positionierte sich Reinhard Müller am 5. Dezember am deutlichsten: „Sollte das Chemnitzer Beispiel Schule machen, dürfte das Vermummungsverbot wohl nicht zu halten sein. Oder es wird sich niemand mehr versammeln. Schöne neue digitale Welt.“ 

Das ist richtig, gilt jedoch nur fürs systemkritische Lager. Denn das linksgrüne bleibt ja, solange es auf Steine oder Brandsätze verzichtet, gänzlich unbehelligt, für welche Abstrusität auch immer demonstriert wird. Insofern verfehlt sein Schlusssatz den Problemkern. Denn nicht der digitale „Fortschritt“ bedingt den Skandal. Vielmehr liegt die wirkliche Ursache darin, dass wir hierzulande höchstoffiziell eine Schnüffelgesinnung inthronisiert haben, die Unangepasste zu Parias stempelt. 

Einen Tag zuvor hatte Kolja Reichert Stellung bezogen. Er wenigstens spürte den „Beigeschmack der Feme“ (warum nur Beigeschmack?) und stieß sich an der verbalen „Pathologisierung“ der Regierungskritiker als „Gesinnungskranke“. Auch das Anschwärzen beim Arbeitgeber hielt er für anrüchig, nur begründete er diese Schufterei geradezu aberwitzig: „Ob damit der allseitige Rückgang staatlicher Förderung für zivilgesellschaftliche Initiativen gegen Rechtsextremismus aufgewogen werden kann?“ Wo bitte wäre aktuell dergleichen zu beobachten angesichts hunderter von Initiativen gegen ein ominöses „Rechts“? Auf welchem Planeten lebt Reichert? 

Immerhin folgt der Satz: „Das Zentrum klingt jetzt wie eine Gruppe am Übergang zum Extremismus, in dem das Vokabular der Kritik, in diesem Fall der Satire, in ein totalitäres Vokabular der Selbstbehauptung kippt.“ Das kann man weniger verschwurbelt formulieren, aber man ahnt zumindest die Missbilligung. Dass er anschließend den abwegigen Vergleich dieser wiederbelebten Stasi mit AfD-Portalen zugunsten einer neutralen Schule zieht, mindert solchen Eindruck wieder. Denn hier werden nicht nur Äpfel mit Birnen, sondern geradezu Elefanten mit Ameisen gleichgestellt. 

In Chemnitz wurden Leute lediglich deshalb öffentlich denunziert, weil sie von ihrem Kundgebungsrecht Gebrauch machten. Mit den AfD-Portalen jedoch geht es darum, strukturelle Missstände zu dokumentieren und mit diesem Material  Schulämter zur Wiederherstellung eines verfassungskonformen Unterrichts zu ermahnen. Zudem werden selbst massiv dagegen verstoßende Lehrer nicht öffentlich bloßgestellt, sondern höchstens wieder dafür sensibilisiert, dass sie durch einseitige Anti-AfD-Polemik im Unterricht gegen das von der Kultusministerkonferenz festgelegte „Überwältigungsverbot“ verstoßen. Ohnehin drohen ihnen angesichts der hiesigen parteipolitischen Machtverhältnisse als wahrscheinlichste Folge eher Bonuspunkte für eine Beförderung. Und im günstigsten Fall ermuntert die AfD-Initiative Eltern und Schüler, sich nicht alles gefallen zu lassen. Insofern ist sie Notwehr gegenüber fast schon zur Unterrichtsfolklore gehörenden Denunziationswellen und damit das Gegenteil dessen, was man ihr vorwirft.  

Bleibt noch Stefan Lockes Artikel vom 5. Dezember, geschrieben aus der wertungsmäßigen Distanz eines Kühlhauses – zumindest auf den ersten Blick. Er wirkt zunächst sachlich referierend und berücksichtigt jede Seite per Zitat, wobei allerdings die obskuren tugendterroristischen Ansichten quantitativ klar dominieren. Doch schauen wir uns diesen scheinbar erhöhten Standpunkt einmal näher an: Der Text beginnt mit Sätzen wie: „Heidenspaß oder bitterer Ernst? Wenn es um Aktionen des Berliner ‚Zentrums für politische Schönheit‘ (ZPS) geht, ist die Entrüstung stets groß und die Meinungen gehen weit auseinander.“

Aha, „Heidenspaß oder …“ Das sind offenbar gleichberechtigte Deutungen. Ob Herr Locke das Ganze auch so juxig fände, sollte unter anderen politischen Voraussetzungen er selbst mal zur moralpolitischen Fahndung ausgeschrieben werden? Weiter geht’s in diesem Stil. In Bezug auf eine frühere „Kunst“-Aktion gegen den AfD-Politiker Björn Höcke vom Nachbargarten aus heißt es: „Die Geister schieden sich fortan an der Frage, ob man einem Politiker privat so nahe auf die Pelle rücken dürfe.“ Locke hat dazu offenbar keine Meinung. Stattdessen werden die Chemnitzer Demonstranten per minimalem sprachlichen Dreh pauschal zu Teilnehmern an „Ausschreitungen“. Anschließend wird auf breitem Raum kommentarlos das seltsame Demokratieverständnis dieser Spitzelnaturen referiert. Unhinterfragt bleibt ihre Larmoyanz angesichts vorgeb­licher Bedrohung durch „gewalttätigen Mob“ und politischer Benachteiligung: „Statt uns zu schützen, werden wir als Nichtstörer von der Polizei entfernt, weil wir Störer stören.“ 

Ein klein wenig darf auch die AfD ihren Standpunkt vortragen. „In niederträchtigster Blockwartmentalität“, urteilte AfD-Bundessprecher und Fraktionschef Alexander Gauland, würden Existenzen vernichtet, die lediglich ihr „Grundrecht auf Versammlungsfreiheit“ wahrnähmen. Und ausgerechnet dazu gibt’s dann plötzlich doch einen Locke-Kommentar. Vertrete Gauland doch eine Partei, die „wenige Wochen zuvor ebenfalls Internetpranger eingerichtet hatte, mit denen Lehrer, die sich abfällig über die AfD äußern, gemeldet werden sollen“. 

Bei solchen Einlassungen ist zu fragen, was mehr provoziert: die unverblümte Niedertracht hassvoller Pseudokünstler, die hierzulande unbehelligt ihr Unwesen treiben, oder die verschämte bis beschwichtigende Haltung von Journalisten, wo für ernstzunehmende Demokraten eigentlich nur noch relativierungsfreier Klartext erlaubt ist. Denn wer in nimmermüder Insistenz der AfD selbst bei kleinsten sprachlichen Unge­schicklichkeiten umfangreiche Distanzierungen und Ausgrenzungen abverlangt, doch nach diesem Chemnitzer Exzess nicht mit einer Stellungnahme ohne Wenn und Aber reagiert, verspielt seinen Vertrauensvorschuss als moralische Instanz.


S. 13 Das Ostpreußenblatt

»Blinder Hering« und »bunte Teller«
AGDM lud zum Vortrag über Weihnachtsbräuche ein – Edward Cyfus sprach über ermländische Traditionen
Uwe Hahnkamp

Zu einem Vortrag über „Weih-nachtsbräuche im Ermland“ hatte Ende November die Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit (AGDM) in ihren Sitz im Haus Kopernikus eingeladen. Als Referent konnten die Organisatoren Edward Cyfus gewinnen, der selber im südlichen Teil Ermlands aufgewachsen ist und sich seit Jahrzehnten für den Erhalt der ermländischen Kultur und Mundart einsetzt.

Edward Cyfus wurde 1949 in Dorothowo geboren und wuchs in Wartenburg auf. In seiner Familie wurde die ermländische Mundart gesprochen, in der er von 1998 bis 2002 unter dem Pseudonym Wosz Klyjmens (Euer Klemens) bei Radio Allenstein regelmäßig über ermländische Geschichte und Bräuche plauderte. Auf seine Initiative wurde der Bischofsweg in Balden erneuert und das Ermländische im Jahr 2016 in die polnische Liste des nichtmateriellen kulturellen Erbes eingetragen. Wer wäre also besser geeignet, um den Gästen der AGDM die weih-nachtlichen Bräuche des Ermlands näherzubringen? Entsprechend waren die Ausführungen von Cyfus mit Beispielen aus seiner Familie gewürzt. 

In der Vorweihnachtszeit hatte lediglich der Nikolaustag eine gewisse Bedeutung, das Feiern konzentrierte sich auf die Weih-nachtstage. An Heiligabend hieß es früh aufstehen, um den Weih-nachtsbaum aus dem Wald zu besorgen. „Das war nicht weit weg, denn die Ermländer bauten so, dass sie ,den Wald am Hintern und das Wasser vor dem Mund‘ hatten. Der Baum wurde gestutzt, auf einem Ständer befestigt und in der Stube aufgestellt – mit einem Eimer Wasser daneben“, betonte Cyfus. Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, da das Haus damals fast vollständig aus Holz bestand.

Auch der Rest des Tages war den Vorbereitungen gewidmet, das Futter für das Vieh wurde bereits gemischt, denn „am ersten Weihnachtstag wurde buchstäblich nichts gemacht, die Hausfrau schälte nicht einmal Kartoffeln“, schmunzelt Cyfus, „der Geruch nach gebratenem Fleisch aus der Küche wurde im Lauf des Tages zur Folter“. Denn an Heiligabend gab es nur Fastengerichte beim frühen Abendessen. Eines davon nannte sich „slepy sledz“, also „blinder Hering“. „Hering wurde bei uns eingesalzen gekauft, filetiert und in einer Marinade aus gekochtem Wasser, Zwiebelscheiben, Piment, Lorbeer, Zucker und Essig einige Tage eingemacht. Blinder Hering ist all das, nur ohne Hering“, erklärt Cyfus. 

Danach kam das Baden der gesamten Familie, lediglich mit Kernseife, denn Shampoo gab es keins. Am Ende wurden mit dem Wasser, das sehr viel Seife enthielt, und einem Schrubber die Holzdielen sauber gemacht, damit sie zu Weihnachten schön glänzten. In Schlafanzügen und Nacht-hemden saß dann die Familie am Weihnachtsbaum, jemand sprach ein Gebet, es wurden Weihnachtslieder gesungen. „Ich erinnere mich nicht an bestimmte Lieder. Eins davon wurde auf jeden Fall auf Deutsch gesungen, das war ,Stille Nacht‘“, so Cyfus, „und danach ging die Kinderschar zu Bett.“

Und die Bescherung? Die gab es mit bunten Tellern, mit Süßem und Spielzeug unter dem Christbaum am ersten Weihnachtsfeiertag. Daher standen die Kinder früh auf, aber auch die Erwachsenen. Die wollten nämlich zur ersten Messe in die Kirche – aus gutem Grund. Die Kommunion wurde nur erteilt, wenn man drei Stunden davor nichts gegessen hatte – laut einem der Zuhörer des Vortrags sogar seit Mitternacht – und danach durfte man die leckeren Sachen essen, die an Heiligabend so gut gerochen hatten.

Das Essen war vollständig hausgemacht, gekauft wurde so gut wie nichts. Nach der Hühnerbrühe mit selbstgemachten Nudeln gab es Kartoffeln, Fleisch – das konnte Gans sein, aber auch Schwein, Kalb, selten auch Lamm – und als Beilage unbedingt Schmorkohl. Später bei der Kaffeemahlzeit war Streuselkuchen sehr wichtig, der auch mit Butter bestrichen wurde. Was es nicht gab, waren Hähnchen, panierte Schnitzel oder Bigos, wie er heute üblich ist. „Und es gab keinen Alkohol, keine Flaschen auf dem Tisch, höchstens ein extra nach der Mahlzeit serviertes Gläschen eigener Likör“, ergänzte Cyfus, „wichtiger war Kaffee, der damals als Rarität nur zu besonderen Anlässen getrunken wurde.“

Getafelt wurde auch am zweiten Weihnachtstag, dann aber nicht wie am 25. Dezember im Kreise der engeren Familie, sondern auch mit Gästen und Nachbarn. Die zwei Tage im Glanz der Kerzen am Weihnachtsbaum, von Wunderkerzen und Weihnachtsliedern endeten mit der Abfahrt der Gäste – die jedoch nicht ohne Pakete mit Wegzehrung nach Hause zurückkehren durften.


Wie man früher Weihnachten feierte
Kinder der Tagesveranstaltung der AGDM lernten ostpreußische Traditionen kennen
Dawid Kazanski

Am 9. Dezember veranstaltete die Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit einen eintägigen Work-shop für Kinder über „die Welt der ermländischen Sagen und Weihnachtsbräuche“. Man fragt sich, wie man die regionalen Märchen mit der Weihnachtsthematik verbinden kann, aber es gelang den Organisatoren zweifellos. Den 15 Projektteilnehmern, das heißt Kindern im Alter von sechs bis 13 Jahren, wurden zunächst in einem Vortrag das tägliche Leben sowie Traditionen auf dem Gebiet des südlichen Ostpreußens dargestellt. Die Referentin, Anita Romulewicz, die in der Allensteiner Woiwodschaftsbibliothek arbeitet und sich dort unter anderem mit der regionalen Bildung beschäftigt, weihte die Kinder in die Welt der ermländischen Traditionen ein. 

Zu diesem Zweck wurde ein Adventskalender vorbereitet, in dem es hinter jedem Türchen ein Stichwort gab, das sich auf das regionale Brauchtum bezog. Von den geschilderten Bräuchen sind heute nur noch wenige bekannt und werden weiterhin gepflegt. Die Referentin erzählte beispielsweise darüber, dass die Geschenke früher weder Nikolaus noch Weihnachtsmann brachten, sondern ein Gefolge mit einem Pferdegespann, das den heutigen Sternsingern ähnelte und das als Diener mit Schimmel bekannt war. Außerdem glaubte man, dass den Menschen nachts bei ihren Hausarbeiten in der Vorweihnachtszeit die sogenannten Kautki und Barstuki halfen. Diese Geschöpfe mit abstoßendem Äußeren entsprachen Zwergen. Sie zeigten eine freundliche Einstellung zu Menschen, soweit sie von ihnen nicht heimlich beobachtet wurden. Im Zeitraum vom Weihnachtsabend bis zum Dreikönigsfest durfte man nicht arbeiten, weil viele böse unsichtbare Geister und Hexen unterwegs waren und man sie mit Arbeitslärm verärgert hätte. 

Anhand des ostpreußischen Volksglaubens bekamen die Projektteilnehmer mit, dass viele Traditionen zum einen mit fabelhaften Legenden und Gestalten verbunden waren, zum anderen auf die Advents- und Weihnachtszeit ihren Einfluss hatten und die Art und Weise prägten, wie man damals Weihnachten feierte. 

Im zweiten Projektteil verschaffte man den Kindern die Möglichkeit, sich auszutoben. Für eine lockere Atmosphäre sorgten zwei als Elfen verkleidete Animateure, die verschiedene Spiele, Bewegungs- und Bastelaufgaben einplanten. Die jungen Projektteilnehmer begeisterten sich vor allem für Lebkuchenhäuser aus Karton, die sie mit unterschiedlichen Materialien schmückten. Das Projekt wurde finanziert aus den Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.


Einigung erzielt
Arbeiten auf dem Friedhof gehen weiter
Edyta Gladkowska

Die Bauarbeiten in der Allensteiner Bahnhofstraße [Partyzantów ul.] wurden eingestellt, als Arbeiter im Frühling auf Reste des evangelischen Friedhofs stießen. Der Umgang mit dem Friedhof löste einen Skandal aus (siehe PAZ Nr. 46/16. November). Im August beantragte der Verein „Swieta Warmia“ (Heiliges Ermland), den Friedhof ins Denkmalregister aufzunehmen. Allensteins Oberbürgermeister Piotr Grzymowicz verhandelte mit dem Verein und mit der evangelisch-augsburgischen Gemeinde in Allenstein über die Zukunft des Friedhofes. Nach drei Monaten wurde eine Vereinbarung über den evangelischen Friedhof getroffen. Die Bauarbeiten sollen wieder aufgenommen werden, aber der Friedhof und die dort begrabenen Personen sollen entsprechend gewürdigt werden.

Die Stadt hat alle Forderungen des Vereins und der evangelisch-augsburgischen Gemeinde akzeptiert und verpflichtet sich auch, eine Recherche im Archiv zu finanzieren, um Informationen über die auf dem Friedhof begrabenen Personen zu bekommen. Mit Beschaffung der Angaben über den Bestattungsort beschäftigt sich auch die Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit zusammen mit der evangelisch-augsburgischen Gemeinde in Allenstein. Es soll eine Internetseite in polnischer, englischer, deutscher und russischer Sprache entstehen, die die Geschichte des Friedhofs und die Biografien der dort Bestatteten darstellt. Es ist geplant, ein Mausoleum oder eine andere Art Erinnerungsstätte auf dem ehemaligen Friedhof zu bauen. Der Verein „Swieta Warmia“ soll den Antrag bei dem Woi-wodschaftsdenkmalpfleger auf Eintrag des Friedhofes ins Denkmalregister zurücknehmen.

Der Oberbürgermeister von Allenstein ist überzeugt, dass die Vereinbarung der beste Weg sei, um die Modernisierung der Bahnhofstraße abzuschließen. „Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, uns mit der evangelisch-augsburgischen Gemeinde in Allenstein und mit dem Verein ,Swieta Warmia‘ zu verständigen“, schrieb er auf seiner  Internetseite.


MELDUNGEN

Eisbahn am Haus der Räte

Königsberg – Die Pregelmetropole bereitet sich auf Weihnachten vor. Mit einer 30 mal 60 Meter großen Eisbahn, die von Weihnachtsbeleuchtung angestrahlt wird, sollen die Bewohner zum Haus der Räte gelockt werden. Bis zum Wochen-ende des dritten Advents soll außerdem ein Weihnachtsmarkt um die Eisbahn aufgebaut werden. Unverständnis gibt es wegen der unterschiedlichen Preise für eine Stunde Vergnügen auf dem Eis. Sie reichen von umgerechnet 2,25 Euro in der Woche über drei am Wochenende und an Feiertagen bis zu 3,75 Euro am Abend. MRK





Wiederaufbau ist geschafft

Trakehnen – Hagen Mörig hat über Jahre viel Fleiß und Arbeit in die Wiederaufstellung der Tempelhü-terstatue an ihrem historischen Ort in Trakehnen gesteckt. Zuerst wurde wieder eine Tempelhüterstatue vor dem Landstallmeisterhaus wieder aufgestellt (siehe PAZ Nr. 24/16. Juni 2017). Seit August 2018 ist auch die Ziermauer fertig. Und damit sieht die ganze Anlage wieder so aus wie 1932, von der damaligen Preußischen Gestütsverwaltung in Auftrag gegeben. Die Ingrid-Wolfgang-Tietze-Stifung hat nach der von Hagen Mörig gelieferten Bauzeichnung die Restaurierung durchgeführt und auch mitfinanziert. Dieses alte Kunstwerk könnte nun ein Touristenmagnet werden. Unweit davon, etwa 400 Meter entfernt, gibt es das Landgasthaus „Zur Alten Apotheke“ mit etwa zwölf Doppelzimmern. G. Serafin


S. 14 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 104. GEBURTSTAG

Müller, Rudolf, aus Schellendorf, Kreis Ebenrode, am 28. Dezember

ZUM 103. GEBURTSTAG

Dießelberg, Christel, geb. Brodowski, aus Lyck, am 28. Dezember

ZUM 102. GEBURTSTAG

Lojewski, Johanna, aus Lübeckfelde, Kreis Lyck, am 27. Dezember

ZUM 101. GEBURTSTAG

Riedel, Hildegard, aus Rostken, Kreis Lyck, am 3. Januar

ZUM 100. GEBURTSTAG

Emsbach, Paula, geb. Wegmann, aus Groß Budlacken, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Mirbach, Christel, aus Lyck, am 25. Dezember

Pichler, Helmut, aus Grenzberg, Kreis Elchniederung, am 3. Januar

ZUM 99. GEBURTSTAG

Bohlmann, Gertrud, geb. Kowalzik, aus Treuburg, am 30. Dezember

Bosies, Luise, geb. Gailus, aus Inse, Kreis Elchniederung, am 29. Dezember

Kaiser, Editha, geb. Neiß, aus Berkeln, Kreis Elchniederung und aus Kreis Wehlau, am 

30. Dezember

Lesniowski, Helga, geb. Gogolin, aus Geigenau, Kreis Lyck, am 1. Januar

Neumann, Hans-Hubert, aus Starkenberg, Kreis Wehlau, am 1. Januar

ZUM 98. GEBURTSTAG

Fedrau, Christel, geb. Sokoll, aus Rhein, Kreis Lötzen, am 26. Dezember

Nobel, Hildegard, geb. Karpowski, aus Plöwken, Kreis Treuburg, am 22. Dezember

Kunert, Rosemarie, geb. Maeckelburg, aus Treuburg, am 3. Januar

Ossa, Erna, aus Neidenburg, am 27. Dezember

Richardt, Johanna, geb. Berger, aus Wehlau, am 3. Januar

Röhle, Else, geb. Steppat, aus Reinlacken, Kreis Wehlau, am 25. Dezember

Schimkus, Helmut, aus Erlen, Kreis Elchniederung, am 24. Dezember

ZUM 97. GEBURTSTAG

Marczinski, Arno, aus Rundfließ, Kreis Lyck, am 29. Dezember

Melzer, Michael, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 28. De-zember

Möhlmann, Frieda, geb. Radau, aus Großheidekrug, Kreis Fischhausen, am 23. Dezember

Rompf, Elfriede, geb. Wark, aus Warnicken, Kreis Fischhausen, am 22. Dezember

Walleit, Anneliese, geb. Just, aus Wehlau, am 3. Januar

ZUM 96. GEBURTSTAG

Brandecker, Wolfgang, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 21. Dezember

Hansch, Ewald, aus Freiwalde, Kreis Neidenburg, am 31. Dezember

Krehl, Georg, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Röpnack, Dietrich, aus Stettin, am 23. Dezember

Thomzigk, Gerda-Rita, geb. Lissek, aus Ortelsburg, am 29. Dezember

Werwath, Rev. Wolfgang, aus Ebenrode, am 29. Dezember

ZUM 95. GEBURTSTAG

David, Hildegard, geb. Wegener, aus Hohensprindt, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Ernestsons, Gertrud, geb. Zablowski, aus Groß Friedrichsdorf, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Evers, Lotti, geb. Cub, aus Prostken, Kreis Lyck, am 1. Januar

Gilbert, Erika, geb. Rattay, aus Lengau, Kreis Treuburg, am 22. Dezember

Göb, Marianne, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 1. Januar

Hanke, Fritz, aus Neukuhren, Kreis Fischhausen, am 22. Dezember

Kohlwage, Alma, aus Lilienfelde, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Marquardt, Konrad, aus Treuburg, am 31. Dezember

Peck, Josefa, geb. Hippler, aus Lopsienen, Kreis Fischhausen, am 22. Dezember

Rama, Walter, aus Muschken, Kreis Neidenburg, am 29. Dezember

Schlicker, Kurt, aus Peterswalde, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Specht, Margot, geb. Becher, aus Merunen, Kreis Treuburg, am 30. Dezember

ZUM 94. GEBURTSTAG

Albers, Christel, geb. Cyrkel, aus Saberau-Abbau, Kreis Neidenburg,  am 23. Dezember

Bartschies, Heinz, aus Lyck, am 24. Dezember

Baus, Liesbeth, aus Lissau, Kreis Lyck, am 3. Januar

Dziedzitz, Heinrich, aus Steinberg, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Froese, Grete, geb. Laser, aus Kalthagen, Kreis Lyck, am 26. Dezember

Gardeick, Heinz, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 23. Dezember

Glashoff, Charlotte, geb. Samsel, aus Schönwiese, Kreis Neidenburg, am 24. Dezember

Hartmann, Lucie, geb. Gatzke, aus Widminnen, Kreis Lötzen, am 21. Dezember

Kempchen, Lisbeth, geb. Taubert, aus Scharnau, Kreis Neidenburg, am 2. Januar

Kewitz, Alfred, aus Grünau, Kreis Lötzen, am 30. Dezember

Schönlein, Herta, geb. Hornberger, aus Windkeim, Kreis Heiligenbeil, am 1. Januar

Schütz, Herbert, aus Seesken, Kreis Treuburg, am 31. Dezember

Stumm, Herta, geb. Stumm, aus Großwalde, Kreis Neidenburg, am 21. Dezember

Werts, Betty, geb. Kuckluck, aus Sechshuben, Kreis Wehlau, am 30. Dezember

Ziermann, Ingelore, geb. Möhr, aus Pillau, Kreis Fischhausen, am 26. Dezember

ZUM 93. GEBURTSTAG

Blödner, Emma, geb. Korzen, aus Groß Dankheim, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Brodowski, Herta, aus Deutsch-eck, Kreis Treuburg, am 3. Januar

Freith, Martha, geb. Brodowski, aus Sentken, Kreis Lyck, am 26. Dezember 

Gugat, Hildegard, geb. Deckmann, aus Argemünde, Kreis Elchniederung, am 28. Dezember

Husing, Anna, geb. Holz, aus Cranz, Kreis Fischhausen, am 23. Dezember

Jedamzik, Elfriede, geb. Mast, aus Wilhelmshof, Kreis Ortelsburg, am 27. Dezember

Killick, Christel, geb. Bartlick, aus Treuburg, am 21. De-zember

Opielka, Grete, geb. Winkler, aus Rummau, Kreis Ortelsburg, am 25. Dezember

Pachutzki, Johann, aus Neuen-dorf, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Pohl, Trauthilde, aus Seefrieden, Kreis Lyck, am 30. Dezember

Pollnow, Gerda, geb. Willuda, aus Freiort, Kreis Lötzen, am 25. Dezember

Rhauda, Christel, geb. Schneider, aus Rudau, Kreis Fischhausen, am 26. Dezember

Rossa, Erna, geb. Kensy, aus Montwitz, Kreis Ortelsburg, am 2. Januar

Sadtkowski, Horst, aus Osterode, am 24. Dezember

Schlewing, Hedwig, geb. Blasko, aus Giesen, Kreis Treuburg, am 21. Dezember

Wittmer, Ilse, geb. Reimann, aus Palmnicken, Kreis Fischhausen, am 29. Dezember

ZUM 92. GEBURTSTAG

Ballin-Hoelger, Waltraud, geb. Ballin, Kreisgemeinschaft Bremen, am 22. Dezember

Chilla, Christoph, aus Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 23. Dezember

Drechsler, Irene, aus Thomsdorf, Kreis Heiligenbeil, am 16. Dezember

Fink, Bruno, aus Grünhayn, Kreis Wehlau, am 1. Januar

Fritsche, Irmgard, geb. Schickmann, aus Auerbach, Kreis Wehlau, am 22. Dezember

Gerhardt, Charlotte, geb. Ger-hardt, aus Angerapp, am 29. Dezember

Gollnow, Eleonore, geb. Machnik, aus Petersdorf, Kreis Wehlau, am 3. Januar

Grabka, Ruth, aus Nußberg, Kreis Lyck, am 23. Dezember

Hanschmann, Hildegard, geb. Holland, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 30. Dezember

Höger, Erna, geb. Krafzick, aus Lötzen, am 30. Dezember

Horzonek, Elli, aus Mulden, Kreis Lyck, am 29. Dezember

Jockel, Georg, aus Wilhelmshof, Kreis Ortelsburg, am 21. Dezember

Mantz, Elfriede, geb. Stodollik, aus Krassau, Kreis Lyck, am 2. Januar

Manzig, Berta, geb. Broschk, aus Gardienen, Kreis Neidenburg, am 24. Dezember

Poetsch,  Frieda, geb. Knizia, aus Hamerudau, Kreis Ortelsburg, am 24. Dezember

Rieper, Margot, geb. Lach, aus Ilgenhöh, früher Bogumschönen, Kreis Osterode, am 31. Dezember

Stellmacher, Christel, geb. Klettke, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 21. Dezember

Thierbach, Claus, aus Ziegelberg, Kreis Elchniederung, am 3. Januar

Vollmer, Klara, geb. Schwarz, aus Königsberg-Rothenstein, am 24. Dezember

ZUM 91. GEBURTSTAG

Audehm, Else, aus Alt Katzkeim, Kreis Fischhausen, am 23. Dezember

Baden, Christel, geb. Derßler, aus Lyck, am 22. Dezember

Bublies, Herbert, aus Kischen, Kreis Elchniederung, am 26. Dezember

Czybulka, Otto, aus Langheide, Kreis Lyck, am 29. Dezember

Dems, Christel, geb. Froelian, aus Lyck, Hindenburgstraße 24, am 25. Dezember

Domhoff, Annelise, geb. Borbe, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 3. Januar

Guttowski, Heinz, aus Treuburg, am 3. Januar

Jorzenuk, Hans, aus Herzogskirchen, Kreis Treuburg, am 1. Januar

Lind, Frieda, geb. Elsner, aus Wokellen, Kreis Preußisch Eylau, am 26. Dezember

Mahlmann, Gisela, aus Lötzen, am 24. Dezember

Meding, Emma, geb. Rymarzick, aus Mulden, Kreis Lyck, am 30. Dezember

Nieswandt, Ernst, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 29. Dezember

Pomian-Semper, Bruno, aus Treuburg, am 2. Januar

Sack, Günther, aus Passenheim-Bahnhof, Kreis Ortelsburg, am 29. Dezember

Schmidt, Wolfgang, aus Thierenberg, Kreis Fischhausen, am 29. Dezember

Seinwill, Erich, aus Narwickau, Kreis Ebenrode, am 22. Dezember

Springer, Hildegard, geb. Lippick, aus Geigenau, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Tepper, Erika, geb. Zisseck, aus Mingfen, Kreis Ortelsburg, am 30. Dezember

ZUM 90. GEBURTSTAG

Bressem, Gerhard, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 26. Dezember

Blüchel, Helene, geb. Ossa, aus Milken, Kreis Lötzen, am 28. Dezember

Conson, Dietrich, aus Polenzhof, Kreis Elchniederung, am 31. Dezember

Dortschy, Christel, geb. Josuhn, aus Hohensprindt, Kreis Elchniederung, am 30. Dezember

Glitza, Ewald, aus Magdalenz, Kreis Neidenburg, am 3. Ja-nuar

Grabowski, Gertrud, geb. Dannapfel, aus Hansbruch, Kreis Lyck, am 25. Dezember

Greschkowitz, Helmut, aus Ortelsburg, am 24. Dezember

Haak, Ilse, geb. Smollich, aus Lötzen, am 22. Dezember

Höltje, Edith, geb. Meyhöfer, aus Altenkirch, Kreis Tilsit-Ragnit, am 21. Dezember

Janzen, Hertha, geb. Marter, aus Kobbelbude, Kreis Königsberg, am 23. Dezember

Junker, Waltraud, geb. Lendzian, aus Altkirchen, Kreis Ortelsburg, am 31. Dezember

Kaiser, Erwin, aus Biegiethen, Kreis Fischhausen, am 22. Dezember

Kauf, Gerda, Vorf. aus Kobbelhals, Kreis Ortelsburg, am 24. Dezember

Kristahn, Else, geb. Seidler, aus Bieberswalde, Kreis Wehlau, am 26. Dezember

Küchmeister, Heinrich, aus Illowo, Kreis Neidenburg, am 28. Dezember

Kulessa, Gerhard, aus Skomanten, Kreis Lyck, am 25. Dezember

Leu, Silvia, geb. Jansen, aus Lyck, am 31. Dezember

Leymann, Heinz, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 1. Januar

Machnikowski, Waltraut, geb. Opretzki, aus Kallenau, Kreis Ortelsburg, am 29. Dezember

Maibaum, Heinz, aus Rauschen, Kreis Fischhausen, am 25. Dezember

Mucha, Hildegard, geb. Gangalowski, aus Noiken, Kreis Elchniederung, am 26. Dezember

Namendorf, Ruth-Elli, geb. Smollich, aus Lötzen, am 22. Dezember 

Neff, Kristhild, geb. Fallik, aus Waiblingen, Kreis Lyck, am 25. Dezember

Nickel, Dagmar, aus Lyck, Lycker Garten 3, am 3. Januar

Niedzwetzki, Alfred, aus Ulrichsfelde, Kreis Lyck, am 24. Dezember

Pommereit, Erich, aus Eibenau, Kreis Treuburg, am 1. Januar

Pries, Helga, geb. Höhnke, aus Bürgersdorf, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Raspe, Edeltraut, geb. Manko, aus Talken, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Saling, Frieda, geb. Gusewski, aus Nußberg, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Scharmacher, Kurt, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Schmidt, Egon, aus Altenkirch, Kreis Tilsit-Ragnit, am 27. Dezember

Seidler, Brigitte, geb. Cziesso, aus Grabnick, Kreis Lyck, am 3. Januar

Trinogga, Elisabeth, geb. Jennert, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 1. Januar

Volkmann, Gerda, geb. Sczech, aus Stettenbach, Kreis Lyck, am 23. Dezember

Wagenzik, Ernst, aus Klein Lasken, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Waldner, Gerhard, aus Bartendorf, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Williams, Eva-Maria, geb. Gers, aus Lyck, am 25. Dezember

ZUM 85. GEBURTSTAG

Ahrweiler, Elisabeth, geb. Gosziniak, aus Lyck, am 31. Dezember

Becker, Irmgard, geb. Mikoteit, aus Inse, Kreis Elchniederung, am 25. Dezember

Berthold, Gisela, geb. Hoffmann, aus Nickelsdorf, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Boldt, Christel, geb. Gollub, aus Herzogshöhe, Kreis Treuburg, am 24. Dezember

Brückner, Inge, aus Frankenau, Kreis Neidenburg, am 31. Dezember

Brzoska, Günter, aus Rettkau, Kreis Neidenburg, am 27. Dezember

Cylius, Erwin, aus Reipen, Kreis Wehlau, am 1. Januar

Donner, Klaus, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 28. Dezember

Fallik, Günter, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 1. Januar

Fricke, Christel, geb. Wiedom, aus Kumehnen, Kreis Fischhausen, am 26. Dezember

Grabosch, Martha, geb. Funk, aus Liebenberg, Kreis Ortelsburg, am 2. Januar

Herrgeist, Fridolin, aus Seesken, Kreis Treuburg, am 26. Dezember

Jakubeit, Siegfried, aus Ebenrode, am 25. Dezember

Kickstein, Manfred, aus Lorenzhall, Kreis Lötzen, am 27. Dezember

Kiunke, Christel, geb. Kürschner, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 25. Dezember

Klostermann, Ruth, geb. Scherotzki, aus Lyck, Posener Straße 2, am 26. Dezember

Köhler, Christel, geb. Weiß, aus Inse, Kreis Elchniederung, am 21. Dezember

Labusch, Elimar, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 137, am 24. Dezember

Liske, Horst, aus Schareiken, Kreis Treuburg, am 1. Januar

Markowski, Edith, geb. Nadolny, aus Deutscheck, Kreis Treuburg, am 27. Dezember

Merkel, Christa, geb. Heimler, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 24. Dezember

Nimzyk, Heinz, aus Treuburg, am 27. Dezember

Olk, Lore, geb. Dietrich, aus Finderdamerau, Kreis Ortelsburg, am 1. Januar

Pruß, Eitel, aus Narthen, Kreis Neidenburg, am 28. Dezember

Rabenstein, Waltraut, geb. Romanowski, aus Maschen, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Raeder, Horst, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 28. Dezember

Rehbeck, Wally, geb. Lange, aus Warsche, Kreis Elchniederung, am 29. Dezember

Roeszies, Eva, geb. Symanzik, aus Seesken, Kreis Treuburg, am 29. Dezember

Samlinski, Werner, aus Duneiken, Kreis Treuburg, am 26. Dezember

Schulligen, Edith, geb. Czyperrek, aus Scharfenrade, Kreis Lyck, am 31. Dezember

Schulz, Christel, geb. Buberek, aus Eichhorn, Kreis Treuburg, am 29. Dezember

Schulz-Sandhof, Klaus, aus Rudau, Kreis Fischhausen, am 30. Dezember

Skorzinski, Horst, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Staffehl, Irmgard, geb. Werner, aus Klein Rödersdorf, Kreis Heiligenbeil, am 29. Dezember

Zielenski, Hildegard, geb. Nuwel, aus Theerwisch, Kreis Ortelsburg, am 28. Dezember

Zimek, Horst, aus Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 1. Januar

ZUM 80. GEBURTSTAG

Anlauf, Christel, geb. Godzieba, aus Klaussen, Kreis Lyck, am 27. Dezember

Behling, Christel, geb. Lasga, aus Neukuhren, Kreis Fischhausen, am 23. Dezember

Bendzko, Ruth, geb. Lankeit, aus Deutscheck, Kreis Treuburg, am 1. Januar

Bienert, Günter Paul, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 1. Januar

Bletz, Hildegard, geb. Sakrewski, aus Waldburg, Kreis Ortelsburg, am 24. Dezember

Bode, Christel, aus Grabnick, Kreis Lyck, am 29. Dezember

Bolz, Irene, geb. Dietrich, aus Argemünde, Kreis Elchniederung, am 1. Januar

Büttner, Brigitte, geb. Bauer, aus Woinassen, Kreis Treuburg, am 23. Dezember

Freitag, Elfriede, geb. Romanowski, aus Millau, Kreis Lyck, am 27. Dezember

Freyer, Inge, geb. Masuch, aus Luckau, Kreis Ortelsburg, am 28. Dezember 

Friedrich, Manfred, aus Gollen, Kreis Lyck, am 28. Dezember

Görke, Siegfried, aus Pillau, Kreis Fischhausen, am 29. Dezember

Grüneberg, Christa, geb. Weiss, aus Rockeimswalde, Kreis Wehlau, am 1. Januar

Guntsch, Heide, aus Lyck, am 29. Dezember

Hässner, Gerda, geb. Jorzik, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 29. Dezember

Hantke, Gisela, aus Zohpen, Kreis Wehlau, am 31. Dezember

Kallweit, Detlef, aus Rautersdorf, Kreis Elchniederung, am 2. Januar

Klapper, Edith, geb. Grabosch, aus Groß Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 2. Januar

Kleint, Ursula, geb. Schlavbaum, aus Knäblacken, Kreis Wehlau, am 26. Dezember

Knott, Marianne, geb. Koenig, aus Alt Petersdorf, Kreis Neidenburg, am 26. Dezember

Koslowski, Siegfried, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 21. Dezember

Krauss, Helmut, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 25. Dezember

Mertins, Hildegard, geb. Gailus, aus Heideckshof, Kreis Elchniederung, am 22. Dezember

Neudert, Hannelore, geb. Bendszus, aus Neuschleuse, Kreis Elchniederung, am 25. Dezember

Newiger, Erwina, aus Wehlau, am 24. Dezember

Norra, Sigrid, geb. Rumpe, aus Sareiken, Kreis Lyck, am 24. Dezember

Ojdana, Christel, geb. Jodeleit, aus Lindenwiese, Kreis Lötzen, am 27. Dezember

Preiksch, Herbert, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 23. Dezember

Pukrop, Herbert, aus Stettenbach, Kreis Lyck, am 26. Dezember

Quest, Irene, geb. Puchert, aus Ruckenhagen, Kreis Elchniederung, am 1. Januar

Richter, Renate, geb. Lison, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 29. Dezember

Schoett, Hildegard, geb. Schmiegel, aus Schwiddern, Kreis Treuburg, am 1. Januar

Scholl, Dora, geb. Ernst, aus Wehlau, am 3. Januar

Somplatzki, Gerd, aus Rauschken, Kreis Ortelsburg, am 21. De-zember

Spey, Dieter, aus Treuburg, am 28. Dezember

Stimm, Christel, geb. Schwarzenberger, aus Neu Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 27. Dezember

Wenghoefer, Manfred, aus Walden, Kreis Lyck, am 27. Dezember

Wiemer, Helmut, aus Rodebach, Kreis Ebenrode, am 23. Dezember

Wischnewski, Christa, geb. Schuhmann, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 22. Dezember

Wolfgart, Jürgen, aus Treuburg, am 22. Dezember

Zimmermann, Franz, aus Keppen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 26. Dezember

ZUM 75. GEBURTSTAG

Barwinski, Benno, aus Wappendorf, Kreis Ortelsburg, am 26. Dezember

Demenus, Karin, aus Seckenburg, Kreis Elchniederung, am 30. Dezember

Dopatka, Bernhard, aus Wilhelmshof, Kreis Ortelsburg, am 1. Januar

Dumke, Christiane, geb. Haarbrücker, aus Wehlau, am 23. Dezember

Heck, Lutz, aus Gauleden, Kreis Wehlau, am 28. Dezember

Hensellek, Hagen, aus Fürstenwalde, Kreis Ortelsburg, am 24. Dezember

Hundertmark, Helga, geb. Kindt, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 29. Dezember

Jacobs, Wolfgang, aus Memel, am 27. Dezember

Milewski, Inge, geb. Rex, aus Ulleschen, Kreis Neidenburg, am 27. Dezember

Platzek, Manfred, aus Weidicken, Kreis Lötzen, am 25. Dezember

Schöll, Renate, geb. Sattler, aus Guttschallen, Kreis Wehlau, am 27. Dezember

Schumann, Eva-Marie, geb. Kohn, aus Wolittnick, Kreis Heiligenbeil, am 25. Dezember

Spang, Dieter, aus Schleuwen, Kreis Ebenrode, am 25. Dezember

Tyschler, Fritz, aus Amalienhof, Kreis Ebenrode, am 29. Dezember

Ulrich, Reinhard, aus Bolken, Kreis Treuburg, am 26. Dezember

Voigtländer, Ingrid, geb. Czylinski, aus Tapiau, Kreis Wehlau und aus Fischhausen, am 27. Dezember

Diamantene Hochzeit

Saborowski, Reinhold und Ehefrau Edith, geb. Kowalzik, aus Andreken, Kreis Lyck, am 22. Dezember


S. 15 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

GERDAUEN

Kreisvertreter: Walter Mogk, Am Eichengrund 1f, , 39629 Bismark (Altmark), Telefon (0151) 12 30 53 77, Fax (03 90 00) 5 13 17. Gst.: Doris Biewald, Blümnerstraße 32, 04229 Leipzig, Telefon (0341) 9600987, E-Mail: geschaeftsstelle@ kreis-gerdauen.de.

Rendsburg – Ein Besuch unserer Heimatstube in Rendsburg ist derzeit nicht möglich. Grund sind dringend notwendige Reparatur- und Malerarbeiten, die in den nächsten Wochen durchgeführt werden. Wir hoffen, dass diese im Laufe des Januar 2019 abgeschlossen sind und die Ausstellungsräume dann wieder zur Verfügung stehen.

Rendsburg – Nach drei Jahren wird unsere Patenstadt Rendsburg 2019 wieder Austragungsort des Hauptkreistreffens sein. Dazu laden wir schon jetzt alle Landsleute und Freunde des Kreises Gerdauen am 12. und 13. Oktober in das Historische Hotel Pelli-Hof nach Rendsburg, Materialhofstraße 1, ein. Unser Festausschuss wird wieder ein kleines Programm vorbereiten, das rechtzeitig bekanntgegeben wird. Unter anderem hat der bekannte Historiker Christopher Spatz zugesagt, der in einem Vortrag sein neues Buch „Heimatlos – Friedland und die langen Schatten von Krieg und Vertreibung“ vorstellen wird, in dem es um die Ankunft auch vieler Ostpreußen im bekannten niedersächsischen Grenzdurchgangslager ab September 1945 und ihre Erfahrungen geht. Zimmerbestellungen im Pelli-Hof sind ab sofort unter Telefon (04331) 22216, Fax (04331) 23837 oder per E-Mail an rendsburg@nordic-hotels.de möglich.


WEHLAU

Kreisvertreter: Gerd Gohlke, Syker Straße 26, 27211 Bassum. Telefon (04241) 5586. 2. Vors. und Schriftleiter: Werner Schimkat, Dresdener Ring 18, 65191 Wiesbaden, Telefon (0611) 505009840. Internetseite: www.kreis-wehlau.de

Am 2. Dezember erhielten wir die traurige Nachricht, dass unser langjähriges Ehrenmitglied Harry Schlisio nach längerer Krankheit verstorben ist. Unser Mitgefühl gilt seiner lieben Frau Wilma und seiner Familie.

Harry Schlisio hat sich um seine Heimat Ostpreußen außerordentlich verdient gemacht. Sein größtes Werk ist die „Ortsplanarbeit“ an der er viele Jahre federführend gearbeitet hat. Jedes Wohnhaus, das es bis 1945 in den Dörfern und Städten des Landkreises Wehlau gab, ist mit seiner Lage und weiteren Informationen graphisch dargestellt. Gleichzeitig bildet die Ortsplanarbeit mit Bildern von vor 1945 und nach 1989 sowie dazu gehörenden Einwohnerverzeichnissen die Grundlage für die Erstellung eines Heimatbuches für jeden Ort.

Diese wertvollen Erinnerungen sind unwiederbringliche Schätze, die in ihrer Gesamtheit als Ganzes auf Dauer erhalten bleiben müssen. 

Es war Harry Schlisio eine große Freude, zu erfahren, dass der Patenkreis Diepholz neben den Exponaten des Wehlauer Heimatmuseums, auch die Archivalien seiner Ortsplanarbeit ins Kreisarchiv übernehmen wird.

Darüber hinaus hat Harry Schlisio viele Jahre Treffen für die Bewohner des Kirchspiels Goldap organisiert und in Dittingheim bei Tauberbischofsheim seiner ostpreußischen Heimat ein steinernes Mahnmal gesetzt, mit der Inschrift: „1302–1945 Kirchspiel Goldbach Ostpreußen“.

Außerdem war er langjähriges Mitglied der Kreisvertretung der Kreisgemeinschaft Wehlau und des Vorstandes. Für seine vielseitige vorbildliche Arbeit für Ostpreußen, die Kreisgemeinschaft und seinem Geburtsort Goldbach hat er Auszeichnungen, auch von der Landsmannschaft Ostpreußen, erhalten, darunter im Jahre 2005 die Ehrenmitgliedschaft in der Kreisgemeinschaft Wehlau. Wir sind Harry Schlisio zu großem Dank verpflichtet, er wird immer einen festen Platz in unseren Erinnerungen haben. Die Wehlauer werden ihm ein bleibendes Andenken bewahren.

Der Vorstand der 

Kreisgemeinschaft Wehlau

S. 16 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BUND JUNGES OSTPREUSSEN

Vorsitzender: Marius Jungk, Gst.: Buchtstr. 4, 22087 Hamburg, Tel.: (040) 4140080, E-Post: kontakt@junge-ostpreussen.de, www.junge-ostpreu­ssen.de.

Osterode – Vom 29. November bis zum 2. Dezember trafen sich Jugendliche vom Bund Junges Ostpreußen (BJO) und aus verschiedenen Gesellschaften der Deutschen Minderheit in der ­Woiwodschaft Ermland-Masuren, aber auch Vertreter aus Danzig in Osterode, um an diesem ersten Adventswochenende die Weih-nachtszeit einzuläuten. 

Ebenfalls vor Ort war eine große Delegation der Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft der West- und Ostpreußen, dem offiziellen Veranstalter des Treffens. Deren Vorsitzender Friedrich Wilhelm Böld und seine Frau Pia sind seit Jahren dabei, um mitzuerleben, was der BJO mit der dank der Landsmannschaft erlangten finanziellen Unterstützung durch das bayerische Sozialministerium auf die Beine stellt. Das offizielle Grußwort bei der Adventsfeier überließ er diesmal gerne seinem Stellvertreter, dem ehemaligen BJO-Vorsitzenden Rüdiger Stolle. Dieser erinnerte daran, dass der BJO seit inzwischen 27 Jahren zum ersten Adventswochenende ins ehemalige Ostpreußen und dabei seit 25 Jahren nach Osterode einlädt. Teilnehmer der für alle Seiten sehr wichtigen Integrationsveranstaltung seien vor allem junge Menschen.

Auch Rainer Claaßen ist nach seiner Zeit beim BJO in der Landsmannschaft der West- und Ostpreußen in Bayern aktiv, für deren Zeitschrift „Preußenkurier“ verantwortlich und regelmäßig Gast des Adventstreffens. An ein Projekt erinnert er sich nicht nur im Rückblick auf das 25-jährige Jubiläum dieser Treffen sehr gerne: „Das sind die Fahrten polnischer Schüler nach Bayern, die auch heute noch stattfinden und die wir unterstützen. Angestoßen haben das mein Freund, der Deutschlehrer Jaroslaw Kowalski aus Guttstadt und seit November Bürgermeister seiner Stadt, und ich gemeinsam mit einer ersten Gruppe seiner Schüler. Heute kommen regelmäßig Gruppen aus Sensburg, Neidenburg und Elbing, und zuletzt haben wir eine Schülergruppe aus Bayern dorthin geschickt.“ 

Solche Begegnungen zwischen jungen Menschen sind auch dem derzeitigen BJO-Vorsitzenden Tobias Link sehr wichtig: „Gerade das Adventstreffen ist für uns von großer Bedeutung, da wir hier unsere Freunde aus der Region treffen.“ Hauptorganisator Friedrich Mudzo ergänzt: „Inzwischen sind auch einige Menschen dabei, die nicht familiär mit Ostpreußen verbunden sind. Das ist ein Zeichen, dass wir mit unserem Einsatz für das Thema Ostpreußen Menschen für diese Region gewinnen.“ 

Ein exotischer Gast war diesmal sogar mehrere Tausend Kilometer unterwegs. Swietlana Goriewa arbeitet im Russisch-Deutschen Kulturzentrum in Abakan, der Hauptstadt der sibirischen Republik Chakassien, einer Region, in der viele von Stalin zwangsweise umgesiedelte Wolgadeutsche leben. Sie hatte von einer Freundin aus Königsberg vom Adventstreffen erfahren und wollte Eindrücke für die eigene Tätigkeit sammeln. 

Bei der Adventsfeier waren auch drei Personen aus dem Vorstand der Turnitzmühle Heritage Foundation dabei, die sich für das kulturelle Erbe der Region vor allem in der Nähe ihres Sitzes, des Ortes Turnitzmühle, einsetzt. Sie unterstützte den evangelisch-augsburgischen Pastor von Osterode Wojciech Ploszek bereits letztes Jahr bei der Errichtung eines Steins für einen unbekannten deutschen Soldaten in Langgut bei Dietrichswalde. „Für das kommende Jahr planen wir dort die Exhumierung und anschließende erneute Bestattung weiterer gefallener Soldaten“, so Pastor Ploszek, „das Projekt wird gerade vom Institut für nationales Erbe (IPN) der Republik Polen begutachtet. Die ersten Signale waren positiv.“

Pastor Ploszek war gemeinsam mit Domherr André Schmeier, dem katholischen Seelsorger der deutschen Minderheit in der Region, für die geistlichen Worte bei der Adventsfeier zuständig. Rüdiger Stolle steuerte eine Weih-nachtsgeschichte aus Königsberg bei. 

Die weitere Gestaltung lag aber in den Händen der Teilnehmer, angefangen mit dem festlichen Schmücken der Tische mit selbst gebastelten Werken und selbst gebackenen Plätzchen über das gemeinsame Singen und Tanzen bis hin zur Zubereitung der traditionellen Feuerzangenbowle. Diese ist immer ein wichtiges Zeichen für alle Teilnehmer der Adventsfeier: Wenn sie fertig ist, beginnt der geselligere Teil des Abends.

.Uwe Hahnkamp


BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Landshut – Freitag, 4. Januar, Vilserwirt, Altfraunhofen: Neujahresessen. 

Weiden – Nach der Begrüßung der Landsleute und Gäste im weihnachtlich geschmückten Café Mitte durch den 1. Vorsitzenden Norbert Uschald und den Heimatliedern „Land der dunklen Wälder“ und „Westpreußen mein lieb Heimatland“ gratulierte die Kassiererin Ingrid Uschald den Geburtstagskindern des Monats Dezember und Januar. 

Der Vorsitzende hielt danach einen Rückblick auf die Jahreshauptversammlung des Heimatringes, auf den Festakt der Stadt Weiden für die Vertriebenenverbände und auf das Totengedenken im Stadtfriedhof.

Mit dem Lied „Macht hoch die Tür“ wurde die  adventliche Feier eingeleitet. Der Vorsitzende erinnerte an den Sinn des Advents. Andreas, Katharina, Barbara und Norbert Uschald entzündeten die Kerzen am Adventskranz und trugen dabei besinnliche Gedanken vor. Danach gedachten die Anwesenden aller verstorbenen Landsleute, besonders derer, die bei der Flucht und Vertreibung ums Leben kamen. Norbert Uschald sorgte zusammen mit seiner Gattin Anita für die musikalische Umrahmung. Dabei kamen Flöte und Melodika zum Einsatz. Verschiedene Advents- und Weih-nachtsgedichte wurden von Ilse Stark und Frieda Weiß vorgetragen. Während des Liedes „Lasst uns froh und munter sein“ verteilte Ingrid Uschald weihnachtliche Gaben an alle Mitglieder und ­Gäste. Mit dem Volkslied „Kein schöner Land“ sowie guten Wünschen für Weihnachten und das neue Jahr 2019, verabschiedete man sich bis zum 3. Februar 2019 zur nächsten Zusammenkunft um 14.30 Uhr im Café Mitte.


HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815.  

Landesgruppe – Sonntag, 30. Dezember, ab 14 Uhr, Haus der Heimat, Teilfeld 8: Brauchtumsstunde der ost- und mitteldeutschen Landsmannschaften. Das im Haus der Heimat, Landesverband der vertriebenen Deutschen in Hamburg (L.v.D.), befindet sich nahe der Haltestelle S1, S3 „Stadthausbrücke“; U3  „Rödingsmarkt“ oder Buslinie 6 und 37 „Michaeliskirche“.

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli) zum Singen und einem kulturellen Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Fried-rich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de


HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788 

Wiesbaden – Unter der Überschrift „Meine Heimat heute“ erzählte der Vorsitzende Dieter Schetat von seiner Reise in das nördliche Ostpreußen. Der Bildervortrag begann in der Geburtsstadt des Referenten Tilsit, die zunehmend russischer geworden ist, aber die deutsche Zeit nicht vergessen lässt. 

Die zur Memel führende Hohe Straße ist immer noch Hauptstraße und Flaniermeile der Stadt. Teilweise restaurierte und neu angemalte Häuser im Jugendstil säumen die Straße und lassen die damalige Schönheit erahnen. Zurückgekehrt ist die bronzene Elchskulptur; im Park Jakobsruh steht wieder eine Nachbildung des Königin-Luise-Denkmals am alten Platz. Im kleinen Stadtmuseum legt man Wert, Zeugen deutscher Vergangenheit zu erhalten. Dort sind neben anderen historischen Ausstellungsstücken auch Reste des einstigen Luise-Denkmals zu sehen. Zwischen Tilsit und Ragnit wird zur Entlastung der Luisen-Brücke an einem neuen Grenzübergang gearbeitet.

Die Landschaft der Elchniederung hat von ihrer beschaulichen Schönheit kaum etwas verloren. Doch die Ortschaften sind vom Krieg gezeichnet. Das Städtchen Kuckerneese ist mehr als zur Hälfte zerstört und die Kirche dem Verfall preisgegeben. Ein Haus trägt noch die Aufschrift „Sarg Bau- u. Möbel Tischlerei“. Das früher als „Kurisches Venedig“ bekannte Dorf Karkeln und der Ort Inse, in dem Kaiser Wilhelm II. abstieg, um sich mit seiner Staatsyacht zum sechs Kilometer entfernten Anwesen Pait zur Jagd zu begeben, bilden eine geruhsame Idylle. Teile des einstigen Jagdhauses Pait sind noch erhalten und werden als russische Stiftung unter „Historisches Jagdhaus Pait“ geführt. In Heinrichswalde steht die größte Backsteinkirche der Elchniederung, in deren Gemeindehaus Gottesdienste der evangelisch-lutherischen Gemeinde stattfinden. Während die Kirche in Kreuzigen in gutem Zustand ist, stehen vom Gotteshaus in Groß Friedrichsdorf nur Teile des Turms und Mauerreste mit übrig gebliebenen Architekturdetails.

Im Naturschutzgebiet „Großes Moosbruch“, dem größten Hochmoor Ostpreußens, haben der Berliner Naturschützer Jürgen Leiste und der deutsch-russische Verein „Anthropos e.V.“ 2001 das „Moosbruchhaus Lauknen“ eingerichtet, das als Natur- und Begegnungsstätte dient und neben ökologischen Exkursionen auch Übernachtungsgelegenheiten bietet. Mit etwas Glück kann man in diesem Gebiet auch Elche antreffen.

Über Gumbinnen und Trakehnen führte die Bilder-Reise in die Rominter Heide, dem beliebtesten Jagdgebiet Ostpreußens und bevorzugten Jagdrevier der preußischen Monarchen. Der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen, Wilhelm II., ließ hier im Sommer 1891 sein Jagdschloss Rominten bauen.

Die Kirche in Tollmingen (Tollmingkehmen) wurde in den Jahren 1964 bis 1980 zum Museum und Gedenkstätte für Christian Donalitius (Donelaitis) hergerichtet, der hier als protestantischer Pfarrer predigte und bis zu seinem Tode 1780 im Ort lebte. Er galt als Pionier der litauischen Literatur.

Als größter Binnensee in der Rominter Heide und des Königsberger Gebiets gilt der Wystiter See mit einer Tiefe von 52 Metern und einer Wasserfläche von 18,1 Quadratkilometern. Wesentlich kleiner der Gömböss-See, genannt nach dem damaligen ungarischen Ministerpräsidenten, der dort seinerzeit auf Staatsbesuch weilte.

Ostpreußens Hauptstadt Königsberg ist lebhafter und bunter geworden. An die deutsche Zeit erinnern meist nur Häuser in den Außenbezirken der Stadt. Mauerreste des einstigen Königsberger Schlosses sind vor dem Haus der Räte freigelegt, der Stelle, wo sich früher der Nordflügel des Schlosses mit der Hauptwache befand. Das russische Verwaltungshochhaus soll zukünftig Stadtverwaltung und Regionalverwaltung werden.

Seinen Vortrag schloss der Referent mit Bildern vom Mövenbruch und der von Johannes Thienemann 1901 gegründeten Vogelwarte in Rossitten, die seit 1957 den Namen „Feldstation Fringilla“ trägt. Ein Blick von der sechzig Meter hohen Ephahöhe auf die Dünenlandschaft und das Haff zeugte von der Einmaligkeit und Schönheit der Kurischen Nehrung, von der schon Wilhelm von Humboldt schwärmte.D. S.


NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Hilde Pottschien, Volgerstraße 38, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 7684391. Bezirksgruppe Lüneburg: Heinz Kutzinski, Im Wiesengrund 15, 29574 Ebstorf, Telefon (05822) 5465. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968. 

Osnabrück – Freitag, 21. Dezember, Hotel „Bürgerbräu“, Blumenhaller Weg 43, 49080 Osna-brück: Frauengruppe.


NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Neuss – Jeden ersten und letzten Donnerstag im Monat, 15 bis 18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Tag der offenen Tür.

Wuppertal – Am 9. Dezember beging Renate Winterhagen, geb. Schymanski, geboren in Königsberg Pr., ihren 90. Geburtstag.

Nach Flucht und dreieinhalbjähriger Internierung in Dänemark, hat sie unter schwierigsten Verhältnissen ihr Abitur nachgeholt, ein Studium an der Universität Köln absolviert und ihre Berufstätigkeit als Studienrätin an Wuppertaler Schulen ausgeübt. Vor 48 Jahren ist sie der LO in Wuppertal beigetreten und wurde bald zur Kulturreferentin gewählt. In diesem Amt, so wie auch später als Vorsitzende der Gruppe hat sie an Festschriften der hiesigen Gruppe mitgewirkt, viele Vorträge gehalten, Gedichte rezitiert, sich um die Eingliederung der Deutschen aus Russland gekümmert.

1981 starb ihr Mann; nun musste sie sich um den beruflichen Werdegang ihrer beiden Söhne kümmern und ihre Mutter pflegen, blieb trotzdem der LO treu. Von 1999 bis 2009 war sie die 1. Vorsitzende, ab 2010 die Ehrenvorsitzende. Im Jahre 2007 wurde Renate Winterhagen mit dem Ehren- und Verdienstzeichen der Landesgruppe NRW LO ausgezeichnet. Trotz ihrer fortschreitenden Erblindung hat sie wunderbare Gedichte rezitiert sowie  gute geschichtliche Vorträge gehalten und tut es noch immer .

Viel Kraft und Gesundheit wünscht die Gruppe und freut sich schon auf die nächsten Vorträge.


SACHSEN

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

Landesgruppe – Jahresabschluss-Veranstaltung. Der Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Ost- Westpreußen Sachsen e.V., Alexander Schulz, hatte alle Kreisvertreter der Ost- und Westpreußen aus Sachsen zum Jahresabschluss eingeladen. In einem schönen gepflegten Landhotel zum „Trakehner Hof“ folgten die Vertreter gerne der Einladung.

Schulz begrüßte die Teilnehmer ganz herzlich und freute sich über die zahlreiche Teilnahme. Er gab den Tagesablauf bekannt, und alle waren damit einverstanden. Die Neuwahl der Landesgruppe setzt sich zusammen aus folgenden Personen: Landesvorsitzender Alexander Schulz, sein Stellvertreter Herr Grasoff, Schriftführerin Frau Grasoff, Schatzmeister Herr Löwe. In der Revision arbeiten mit Herr Scheffler und Herr Kedzierski. Über die geleistete ehrenamtliche Arbeit berichteten die Kreisvertreter der Gruppen. Reinhold Beierling, Vertreter der Gruppe aus Torgau, sprach über die geleistete Arbeit vom Jahr 2018. 

Sehr emotional wurden wir berührt, als er über die Probleme bei seiner Tätigkeit sprach. Die Landsleute sind alle sehr alt und teilweise gehbehindert, dadurch müssen einige abgeholt werden, um an den Veranstaltungen teil-nehmen zu können. Das Ehepaar Beierling will weiterhin alles dafür tun, um den Landsleuten die Teilnahme zu ermöglichen. Aus Dresden war Edith Wellnitz angereist. Sie berichtete über viele Auftritte des Chores und erzählte, wie man mit gemeinsamem Singen viel Freude verbreiten kann, die Lieder aus der Heimat Ostpreußen dürfen dabei nicht fehlen.

Herr Weihe aus Limbach–Oberfrohna sprach über die Arbeit mit der Schule und über seine weiteren Pläne.

Der Vertreter der KG Limbach-Oberfrohna, Reinhard Gerullis, sprach über seine Arbeit bis zu seiner Erkrankung. Danach übernahm Jürgen Scheffler diese verantwortungsvolle Aufgabe. Er ist stets hilfsbereit und zuverlässig bei der Arbeit für Ostpreußen. Hannelore und Harald Kedzierski berichteten über ihre Tätigkeit für ihre Heimatgruppe. 2019 können wir das Kirchspieltreffen von Schwentainen wieder mit dem Besuch des Heimatmuseums in Lüneburg verbinden. 

Alexander Schulz berichtete über seine Tätigkeit für die geleistete Arbeit in der Landesgruppe. Er bedankte sich bei allen, die ihm hilfreich zur Seite standen, weil er selbst noch im Berufsleben steht. Nun bekamen alle Teilnehmer ein schönes Geschenk als Dankeschön für ihre hilfreiche Arbeit. Er versprach weiterhin alles zu tun für die Erhaltung von Kultur und Brauchtum der Heimat Ostpreußen. Er bereitet eine Fahrt in die Heimat Ostpreußen vor. Alle Termine für das kommende Jahr wurden abgesprochen und bestätigt. Nach dem Essen startete die Kutschfahrt durch den Wald und ein Stück des Erzgebirges. Am Abend folgte ein interessanter Film, welchen Erwin Feige, Vorsitzender der Tilsiter Gruppe, zur Verfügung gestellt hat. Der Film wurde vom Fernsehen hergestellt, und Feige konnte dort zu den Ereignissen in Chemnitz seine ehrliche persönliche Meinung sagen. Anschließend zeigte das Ehepaar Beierling aus Torgau einen Film über eine erlebnisreiche Ostpreußenreise. H. und H. Kedzierski


SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Neumünster – Mittwoch, 9. Januar, 15 Uhr, Stadthalle am Kleinflecken: Treffen. Landsmann Manfred Rüthlein zeigt einen Film aus dem ostpreußischen Schatzkästlein. Gäste sind willkommen.

Bericht - Neumünster – Am 14. November traf sich die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen Gruppe Neumünster zu einem Vortrag „Aus dem Leben der Anke Neander – genannt Ännchen von Tharau, die mir gefällt, Biographie und Lied mit 17 Strophen“.

Die Vorsitzende Brigitte Profé begrüßte die Teilnehmer und viele kamen. Das Ännchen ist nun mal sehr bekannt und wird 2019 400 Jahre alt.

Mit dem Lied „Ännchen von Tharau“, in alter Fassung gesungen von Hildegard Henning, begann unser Nachmittag. Gisela Meitz sang die erste Strophe von der jetzigen gängigen Melodie. Das Lied ist in Heinrich Alberts Kürbishütte (Gartenlaube) in Kö-nigsberg, Preußen, entstanden.

Simon Dach (1605–1659), der Vater der preußischen Poesie, schrieb den Text in natangischem Platt, Johann Gottfried Herder übersetzte das Lied ins hochdeut-sche, die Melodie stammt von Friedrich Silcher.

Die erste Aufführung des Liedes war im Jahre 1636 zur Hochzeit der Anke Neander mit dem Bräu-tigam Pastor Johannes Portatius als Hochzeitsreigen im Junkerhof zu Königsberg in Preußen.

Die bezopfte und beschürzte Anke hat es wirklich gegeben.

Wenn man erst angefangen hat, sich mit dem Ännchen zu befas-sen, stößt man auf viele Begeben-heiten, Neuigkeiten, immer wie-der auf interessante Ereignisse, und man kann nicht aufhören, zu forschen. Zu forschen über Ännchens Biographie, die Doppelgängerin, das Denkmal in Memel, über die Komponisten, über das Lied, den Text mit den insgesamt 17 Strophen, den Ort Tharau mit der Kirche, die nach „Ännchen“ benannt wurde, über das ganze Drumherum und natürlich über Gerda Schieweck – das echte Ännchen-Modell des Simon-Dach-Denkmals in Memel.

Das Thema Ännchen von Tharau ist so umfangreich, dass ein Nachmittag nicht ausreichen kann. Also musste gekürzt werden. 

LM Dietmar Anger untermalte den Vortrag mit sehr vielen seiner guten Aufnahmen aus Ostpreußen, den Stationen, wo Ännchen aufgewachsen ist und sich aufgehalten hat. 

Es war ein interessanter Nachmittag mit interessierten Zuhörern und sehr schönen Aufnahmen von Ostpreußen. B. P.

Schönwalde a. B. – Donnerstag, 3. und 10. Januar, jeweils 14 Uhr, Klönstuv (Alte Feuerwehr): Senioren Begegnung.

S. 17 Heimatarbeit

Feiern wie in Ostpreußen
Christiane Rinser-Schrut

Marion Junker hat einen schönen Strauß an Texten rund um das Thema „Weihnachten in Ostpreußen“ zusammengestellt. 

Enthalten sind Erlebnisberichte, wie es sich anfühlte, über den frischen Schnee zu laufen, oder mit selbstgebastelten Schlittschuhen über die zugefrorenen oder auch nicht zugefrorenen Bäche zu schlittern. Einige Texte sind in ostpreußischer Mundart abgedruckt; Lesern, die bislang keine Berührung mit dieser breiten Sprache hatten, sei geraten, den Text laut vorzulesen. Enthalten sind Gedichte, Erzählungen, ein Krippenspiel und auch im weites-ten Sinne Sachtexte. Wie wurde was gebacken und gegessen, welche Spiele und Umzüge wurden veranstaltet, was wurde wie gebastelt, was hat man ge(-aber-)glaubt und wie hat man gefeiert.

In neun Kapiteln und einem Vorwort wird ein umfangreiches Bild über Weihnachtsvorbereitungen, Weih-nachtsfeiern, Neujahrsbräuche und das Drei-Königs-Fest geschildert und das mithilfe von vielen bekannten Autoren, wie zum Beispiel Ernst Wiechert, Agnes Miegel, Siegfried Lenz, Walter Scheffler, Margarete mit Elisabeth Doenning, Ruth Geede und Gertrud Papendieck. 

Die Kapitel nähern sich der „frohen Zeit“ aus unterschiedlicher Sicht, dadurch gibt es einige Doppelungen, die aber nicht weiter stören, da die meisten Leser sich in diesem Buch das Kapitel mit der Geschichte heraussuchen werden, das ihnen in dem Moment ins Auge springt, und das Buch vermutlich nicht von vorne nach hinten in einem durchlesen werden.

Ein Anhang mit einem Autoren-wie einem Quellenverzeichnis und den Bildnachweisen zu den zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen, schließt sich an. 


S. 18 Heimatarbeit

Ostpreußischer Kutter »Ellen« in Travemünde
Detlef Ollesch

Er ist ein schwimmendes Stück Ostpreußen, das jetzt in Schleswig-Holstein beheimatet ist: der Kutter „Ellen“. Gebaut 1938 auf der Werft von Heinrich Modersitzki in Tolkemit am Frischen Haff, diente er unter dem Namen „Nils Holgerson“ zunächst als Fischereifahrzeug unter Segeln, das bei 14 Metern Rumpf-länge, fünf Metern Breite und 

1,70 Metern Tiefgang nur mit einem sieben PS starken Hilfsmotor ausgerüstet war. In der Nachkriegszeit war er als Minenräumer vor der mecklenburgischen und pommerschen Küste im Einsatz, bevor er 1948 nach Großenbrode in Holstein kam und hier bis 1973 wieder seiner ursprünglichen Beschäftigung nachging. 1979 erstmalig umgebaut und auf den Namen „Ellen“ umgetauft, fährt er seit 1993 unter seinem jetzigen Eigner als Traditionssegelschiff. Heimathafen des Segelkutters ist der Lübecker Museumshafen unweit des weltberühmten Holstentores. Von hier aus startet er zu Tagesfahrten oder auch zu längeren Seereisen. Wenn die „Ellen“ bei günstigem Wind bereits auf der Trave ihre Segel setzt, sieht man die Elchschaufel vor dem Ostpreußenkai vorbeiziehen.


Ostpreußisches Landesmuseum im Januar

Ausstellungen

Noch bis 10. März, Sonderausstellung: Johannes Niemeyer – Küsten und Städte. Bilder aus dem Baltikum. 

Eine Ausstellung in Kooperation mit der Galerie Wannsee Verlag, Berlin. Johannes Niemeyer (1889–1980) gehört zu den vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten der 20er bis 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Deutschland. Er war nicht nur ein hervorragender Maler, sondern auch Architekt, Bildhauer, Raumausstatter und Designer. Die überwiegend im Kriegsjahr 1943 entstandenen Pastelle, die Niemeyer im damals von deutschen Truppen besetzten Baltikum malte, handeln von Menschen, ihrer Arbeit am Meer, von Fischern und Häfen und den traditionsreichen Städten.

26. Januar bis 12. Mai, (Eröffnung: Freitag, 25. Januar, 18.30 Uhr, Eintritt frei) Kabinettausstellung: Als Kostbarkeiten empfunden – Aquarelle von Heinrich Bromm (1910–1941).

Der Königsberger Maler Heinrich Bromm war ein Ausnahmetalent. Viele Texte und seine Arbeiten belegen es. Besonders hervorgehoben wurden seine Aquarelle. Von diesen sind noch etwa 100 Blatt von der Familie Bromms 1945 aus Königsberg auf der Flucht gerettet worden. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl dieser souveränen Landschaftsschilderungen: Seine besondere Art, durch Formenvereinfachung und einzelne Details andererseits den Gesamteindruck der Landschaft hervorzuheben, ruft damals wie heute Erstaunen hervor. Bromm wuchs in Königsberg auf und studierte an der dortigen Kunstakademie. 1941 fiel er als Soldat in Russland.

Veranstaltungen

Die Veranstaltungen finden in der Regel – wenn nicht anders bezeichnet – im Foyer des Museums statt. 

Sonntag, 6. Januar, 14 Uhr, regulärer Museumseintritt zuzüglich 1,50 Euro: Öffentliche Sonntagsführung immer am ersten Sonntag im Monat (ohne Anmeldung). „Objekte erzählen Geschichte“, Anthea Hotopp stellt ihre Arbeit als Praktikantin in der Abteilung „Ostpreußen im Zweiten Weltkrieg“ vor. Anhand interessanter Exponate werden besondere Aspekte der Geschichte anschaulich gemacht.

Dienstag, 8. Januar, 19 Uhr, Eintritt: 6 Euro: Murer – Anatomie eines Prozesses. Ein Film von Christian Frosch (Luxemburg, Österreich 2018) in der Reihe „Nordöstliche Spuren im Kino“ im Programmkino SCALA, Apothekenstraße 17, 21335 Lüneburg. Einführung durch Professor Joachim Tauber, Nordost-Institut. Franz Murer war von 1941 bis 1943 in der Stadt Vilnius „für jüdische Angelegenheiten“ zuständig. In dieser Zeit sank die Zahl der einst 80000 Juden in der litauischen Stadt auf 600. Murer war einer der Hauptverantwortlichen für die brutale Ermordung der im Ghetto Vilnius internierten Juden. Erst durch eine juristische Intervention von Simon Wiesenthal landete der als „Schlächter von Vilnius“ bekannt gewordene Murer im Jahr 1962 vor Gericht. Trotz erdrückender Beweislage, wurde Franz Murer unter dem Beifall der Bevölkerung freigesprochen – einer der größten Justizskandale Österreichs.

Ausgehend von den originalen Gerichtsprotokollen erzählt Regisseur Christian Frosch in seinem filmischen Kammerspiel von diesem Skandal und beleuchtet die politischen Strategien, die hinter dem Urteil steck-ten. Veranstalter: SCALA Programmkino, Nordost-Institut (IKGN) und das Kulturreferat am Ostpreußischen Landesmuseum.

Dienstag, 15. Januar, 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr, regulärer Museumseintritt: 7 Euro, ermäßigt 

4 Euro, zuzüglich 3 Euro (inklusive Kaffee, Tee und Gebäck). In der Reihe Museum erleben: Bernstein – ein Stoff voller Überraschungen. Führung mit Chris-toph Hinkelmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am OL. Bernstein ist fossiles Baumharz und mindestens eine Million Jahre alt. Seit Jahrtausenden nutzt es der Mensch für verschiedene Zwecke und da er sich seine Herkunft lange Zeit nicht erklären konnte, ranken sich eine Fülle von Legenden und Mythen um ihn. Anmeldung unter Telefon (04131) 759950 oder per E-Mail: info@ol-lg.de

Mittwoch, 16. Januar, 

19.30 Uhr, Heinrich-Heine-Haus, Am Ochsenmarkt 1a, 21335 Lüneburg, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 

7 Euro: „Gerade dadurch sind sie mir lieb“ – Theodor Fontanes Frauen. Gespräch und Lesung mit Christine von Brühl, Moderation: Gabriele Radecke. Kaum ein Autor hat so eindrückliche Frauenfiguren geschaffen wie Theodor Fontane. Oft verarbeitete Fontane seine realen Erfahrungen mit starken Frauen, zu denen seine Ehefrau Emilie und seine geliebte Tochter Martha gehörten, für seine Figuren. Christine von Brühl zeigt in faszinierenden Porträts die Welt der Frauen, die Fontanes Leben und sein Werk bevölkern.

Veranstalter: Literaturbüro Lüneburg und das Kulturreferat für Ostpreußen am Ostpreußischen Landesmuseum. Kartenreservierung unter Telefon (04131) 3093687.

Mittwoch, 23. Januar, 18.30 Uhr, Eintritt: 8 Euro: Ostpreußen Saga. Lesung mit der Bestsellerautorin Ulrike Renk. Ostpreußen in der Zwischenkriegszeit: Frederike verbringt eine glückliche und unbeschwerte Kindheit auf dem Gut ihres Stiefvaters in der Nähe von Graudenz. Bis sie eines Tages erfährt, dass ihr Erbe verloren gegangen ist. Diese Trilogie ist eine berührende und sehr erfolgreiche Familien-Saga, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Eine Veranstaltung des Kulturreferats am Ostpreußischen Landesmuseum und der Buchhandlung „Lünebuch“. Kartenvorverkauf in der Buchhandlung am Markt „Lünebuch“ in Lüneburg und im Ostpreußischen Landesmuseum; Kartenreservierung unter Telefon (04131) 759950 oder per E-Mail: info@ol-lg.de.

Freitag, 25. Januar, 18.30 Uhr, Eintritt frei, Eröffnung der Kabinettausstellung: Als Kostbarkeiten empfunden – Aquarelle von Heinrich Bromm (1910–1941).


Ostpreußisches Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung, Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg

Oh, du kitschige Weihnachtszeit
Weihnachtsmärkte verbreiten sich in Polen, doch die „german Gemütlichkeit“ fehlt oft
Chris W. Wagner

Auch wenn man es ungern zugibt, die deutsche Tradition der Weihnachtsmärkte hat polenweit Einzug in die Veranstaltungskalender vieler Städte genommen. Doch nur in einer Stadt ist der Weihnachtsmarkt auch wirklich deutsch, wenn auch nur an einem Tag. Man steht dort offen zu dieser Tradition.

Am dritten Adventsonnabend stehen dann Jugendliche der deutschen Volksgruppe auf der Bühne und stimmen Weihnachtslieder an. „Ich dachte, ich höre nicht richtig, als ich vor vier Jahren durch meine Heimatstadt schlenderte und plötzlich ‚Ihr Kinderlein kommet‘ erklang. Ich habe Rotz und Tränen geweint. Seit damals komme ich jedes Jahr am dritten Samstag im Advent zum Weihnachtsmarkt nach Oppeln“, berichtet eine ältere Dame, die es nach dem Krieg nach Hannover verschlagen hat. Sie freut sich auch auf den Weihnachtsschmuck, den fleißige Hände aus den Reihen der Deutschen Freundschaftskreise gebastelt haben, und die an den Ständen verkauft werden. Aus den Einnahmen werden Jugendprojekte der Deutschen Minderheit unterstützt. Es gibt an diesem Tag einen Weihnachtsliederwettbewerb und viele Auftritte von Blasorchestern, Chören sowie Gesangs- und Tanzgruppen aus Oberschlesien. „Deutsche Weihnachtslieder sind wunderschön. Ich warte den ganzen Advent auf den deutschen Weihnachtsmarkt, weil dabei so viel gesungen wird. Das fehlt mir bei anderen Weihnachtsmärkten“, so Angieszka Kolodziej, die aus beruflichen Gründen von Danzig nach Oppeln zog. „Wir haben in Danzig einen viel größeren, imposanteren Weihnachtsmarkt, aber irgendwie fehlt ihm die Seele“, so die Mitvierzigerin.

Dabei ist der Danziger Magistrat besonders stolz auf seinen Weihnachtsmarkt und hat deshalb einen Führer durch die Weih-nachtsattraktionen herausgebracht – der Weihnachtsmarkt hat dabei einen besonderen Stellenwert. Für dieses Jahr hat sich die Stadt als Besonderheit ein Doppelstock-Karussell ausgedacht. Es steht auf dem Kohlenmarkt. Wer dort seine Runden dreht, tut zugleich Gutes, denn ein Teil des Erlöses fließt in die Hospizstiftung. Zum ersten Mal wurde auch eine gastronomische Meile eingerichtet mit Speisen aus Europas Küchen. So wird der hungrige Danziger neben spanischen Churros (Schmalzgebäck), griechischer Bougatsa (süß oder deftig gefülltem Blätterteig), den ungarischem Langos (süß oder deftig belegter, in Fett gebackener Hefeteigfladen) probieren können. Für ausländische Touristen stehen polnische Piroggen, Sauerteigsuppe (Zurek) und kaschubischer Cidre mit Rum im Angebot. Deutsche finden auf dem Danziger Weihnachtsmarkt einige heimische Elemente. Im Zentrum des Geschehens erinnert eine „Engelsmühle“, so nennen Polen die Weihnachtspyramide mit ihren Figuren der Drei Könige, der Heiligen Familie sowie der Engel und Heiligen an die Botschaft der Adventszeit – die Erwartung Christi Geburt. So ganz ohne Kitsch ist man jedoch nicht ausgekommen. An einem Stand hängt ein Sprechender Elchkopf – es ist Elch Lukas (Lucek), der gerne abgedroschene Witze erzählt. Außerdem begrüßt er die Besucher in vielen Sprachen. Auf Deutsch sagt er: „Alle Informationen über Danzig finden Sie auf www.visitgdansk.com“. 

„Meine Großmutter erzählte mir von dem Kindlesmarkt in Breslau, dass es für die Kleinen Zuckerstangen gab und diese, wenn sie nicht gleich aufgegessen wurden, an den Weihnachtsbaum gehängt wurden. Heute erinnert mich der Weihnachtsmarkt in Breslau eher an eine Kirmis“, berichtet Darek aus Oppeln, dessen Großmutter in der Vorkriegsweihnachtszeit ihre Tante in Breslau besuchte. Besonders scheußlich findet Darek die „Nikolaus-Galerie“. Die grell leuchtenden und blinkenden Lichter und die kitschige Dekoration erinnern eher an ein Spielcasino in Las Vegas und haben nichts mit weih-nachtlicher Atmosphäre zu tun, so Darek. Er fährt viel lieber nach Kattowitz zum Weihnachtsmarkt. Dort setzt man, besonders am Anfang der Adventszeit, auf die Tradition der Bergleute. Am vierten Dezember feiern diese den Tag ihrer Schutzpatronin, die Heilige Barbara, und das mit vielen Blasmusikkonzerten.

Auch im oberschlesischen Gleiwitz wurde der Ring zum Weih-nachtsmarkt umgewandelt. Ein Karussell im Retrostil ist ein wahrer Blickfang, doch die weihnachtliche Atmosphäre wird hier von einigen übergroßen „Märchengestalten“ gestört, die nur noch von einer Reihe tanzender Elfen in ihrer Kitschigkeit übertroffen werden. „Da ertrage ich doch eher den Auftritt der Goralenkapelle aus den Beskiden. Die passen hier noch eher hinein, als der Gospelchor und diese Disney-Figuren“, ärgert sich der Oppelner Darek, denn „es wäre besser, wenn der Gleiwitzer Magistrat sich mehr auf die eigenen Wurzeln besinnen würde“.

S. 19 Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

S. 20 Leserforum

Leserforum

Kündigung unbequemer Ansichten

Zu: Direktorin fristlos entlassen (Nr. 49)

Mit Bestürzung habe ich der Ausgabe der Preußischen Allgemeinen entnommen, dass der Direktorin des Museums für Stadtgeschichte in Tilsit, Frau Spiljowa, bereits am 27. November gekündigt worden ist, und zwar fristlos. Mit Bestürzung deshalb, weil ich Frau Spiljowa von früheren Reisen ins Königsberger Gebiet und nach Tilsit persönlich gut kenne.

Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich mit dieser administeriellen Maßnahme wegen der „Liquidierungspläne“ für das Museum durch die Stadtverwaltung in diesem Jahr fest gerechnet hatte. Der in ganz Europa herrschende Gesinnungskampf gegen „Rechts“ wird von den Gutmenschen dieses Erdteils mit allen aus der Ära vergangener Jahre hinreichend bekannten und praktizierten Methoden gnadenlos exekutiert. Und da gibt es keinen Unterschied zu Deutschland. 

Frau Spiljowa wurde das Hochzeitsfoto des aus Tilsit stammenden Dichters Johannes Bobrowski in Wehrmachtsuniform, gezeigt auf einer Ausstellung im Muse­um, zum Verhängnis, wobei dem „gut informierten“ Anstoßnehmer wahrscheinlich gar nicht einmal der Unterschied zu einer SA- oder SS-Uniform bekannt sein dürfte. Und schließlich, was sagt die Uniform über den Cha­rakter des Menschen Bobrowski aus?

In Hamburg wurde in der Bun­deswehruniversität, die den Namen des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt trägt, ebenfalls ein Bild entfernt, das ihn mit einer Wehrmachtsuniform zeigt. Ich befürchte, dass dieser Gesinnungsterror noch weiter anwachsen wird, weil das ein willkommender Anlass ist für die „Herrschenden“, um von ihren zum Himmel schreienden Fehlleistungen ein wenig ablenken zu können. Mit der Zunahme des Terrors erstarkt aber auch gleichzeitig der Widerstand „des Volkes“, so wie augenblicklich in Frankreich.

Ich finde es äußerst interessant, ja sogar makaber, in der gleichen Ausgabe der PAZ einen Artikel zu finden, der sich mit dem „Rausschmiss“ – ebenfalls zunächst eine fristlose Kündigung, die vom Arbeitsgericht aber in eine fristgerechte Kündigung mit zunächst Weiterbeschäftigung beschieden worden ist – des Leiters der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Knast in Berlin-Hohenschönhausen durch den „linken“ Kultursenator Klaus Lederer beschäftigt. 

Weil dem Kultursenator die allgemein anerkannte geschichtliche Aufarbeitung der SED-Vergangenheit durch Herrn Knabe nicht gefiel, hat man nach Gründen für seine Entfernung aus dem Amt gesucht und war natürlich auch fündig geworden.

Hier gilt das Sprichwort, „wer suchet, der findet“. Für mich sind Verfahrensparallelen zur Suspendierung von Frau Spiljowa mehr als erkennbar. 

Karl Krugmann, Erfurt






Glücklicher Merz

Zu: Ein explosives Erbe (Nr. 49)

Gratulation an Herrn Merz. Er hat es nicht nötig, ein so fragwürdiges Erbe zu übernehmen. Er hätte geerbt: Die fragwürdige Energiewende; die verkorkste Abschaffung der Wehrpflicht und den damit verbundenen Abwärtstrend der Bundeswehr; eine unüberschaubare Einwanderungswelle; eine innere Sicherheit, die keine mehr ist; die Duldung krimineller Ausländer; eine auseinanderstrebende Gesellschaft; einen überbordenden Sozialstaat der an sich vollen Kassen, die aber gönnerhaft an „unterentwickelte“ Staaten verteilt werden; der UN-Einwanderungspakt; die „Freundschaft“ zu Macron, der nur unser Geld will und das Bekenntnis zum Vertrag von Lissabon (sprich Versailles). Was die Wahl der AKK bringen wird, das wird die Partei bald erfahren, so wie es die SPD mit der Wahl des Möchtegernkanzlers Schulz auch erfahren hat. Die „mächtigste Frau der Welt“ ebenso wie der Herr Schulz waren nicht einmal imstande die deutsche Sprache als Amtssprache in Europa einzuführen, nur unser Geld sprach Deutsch. Arme CDU, armes Deutschland.

Willi Brüsewitz, Berlin






Total verrückt

Zu: Muezzinruf zum Advent (Nr. 49)

Eigentlich kann ich es nicht glauben, dass vom 2. bis 23. Dezember in Linz einmal täglich der Muezzinruf durch eine Kunst-Installation von Initiatoren (wer sind die?) statt weihnachtlicher Lieder auf dem Linzer OK-Platz ertönen soll. Ist das wirklich wahr? Wenn ja, sind wir denn total verrückt geworden? Und die Linzer Stadtverwaltung macht das mit? Wie gesagt, wenn das wirklich wahr ist, dann reicht es mir jetzt. Ich gehe zu jeder Demonstration gegen die Regierungspolitik auf die Straße. 

Alex Schnell, Steinau






Verdrängtes Elend und Sterben zu früherer Weihnacht

Zu: Auf einer Sowchose im Kreis Insterburg (abgedruckt in der Weihnachtsausgabe vom 20. Dezember 1949 in Wir Ostpreußen – Mitteilungsblatt der Landsmannschaft Ostpreußen)

Weihnachten steht vor der Tür. Geschäfte und Straßen erscheinen in einer Glitzerpracht. Überall sieht man mit künstlichem Licht geschmückte Weihnachtsbäume. Lichtergirlanden zieren so manches Haus. Es ist ein Abwägen und Kaufen in den Geschäften. Schwer bepackt geht es dann nach Hause, und die Gedanken laufen voraus. Welches Festessen werden wir in diesem Jahr genießen können?

Natürlich geht es nicht allen Menschen so gut. Wir müssen ja nur an die jungen Immigranten denken, die zurzeit fernab ihrer Familie in einem fremden Kulturkreis leben müssen, die Weih­nachten – so wie wir es feiern – gar nicht kennen.

Der Zufall spielte mir den zu Weihnachten 1949 erschienenen Artikel „Auf der Sowchose im Kreis Insterburg“ in die Hände. Darin berichtet ein Arzt über die Leidenszeit der zurückgebliebenen deutschen Bevölkerung in Ostpreußen in den Jahren 1945 bis 1947. Es ist ein erschütternder und aufrüttelnder Bericht aus jener Zeit, die ich selbst im Samland als Hilfsschwester in einem Typhuskrankenhaus erlebt habe. Er, der Arzt, bestätigt das, was der heutigen Generation vielfach unverständlich und unvorstellbar vorkommen mag, denn wie anders wäre es möglich, dass man diese Notzeit – je weiter sie zurückliegt – umso eifriger als Befreiung bezeichnen möchte und damit die Not, das Elend und das Sterben jener deutschen Zivilisten in Ostpreußen ganz verdrängt. Diese Menschen sind der deutschen Politikerklasse nicht mal eines eigenen Gedenkens wert.

Der Bericht dieses Arztes schließt mit folgenden Worten: „Wenn nun die Deutschen nach den ersten Jahren der russischen Besetzung ihre ostpreußische Heimat verlassen mussten und sich nicht dagegen gesträubt, sondern es ersehnt haben, dann wurde das erreicht durch Peitsche, Hunger und Krankheit. Was soll man zu einem Staat sagen, der die drei Machtmittel – bewusst oder unbewusst – mit rücksichtloser Konsequenz anwendet?“ 

Inge Keller-Dommasch, Jonen/Schweiz






Bein in der Tür

Zu: Clans greifen nach dem Ku‘damm (Nr. 29)

Es gibt die kriminellen arabischen Großfamilien nicht nur in Berlin sondern in nahezu jeder größeren Stadt. Es gibt aber nicht nur arabische Clans, sondern auch europäische und asiatische. Alle tummeln sich seit Jahrzehnten mit dem Segen der Politik in Deutschland. Ein großer Teil der Bürger nimmt diese Bedrohung nicht wahr oder ist der Ansicht, dass das alles schon nicht so schlimm sei. Sie vertrauen blind einer unfähigen Politik. Einer Politik, die es akzeptiert, dass diese Clans in Politik und Wirtschaft schon mindestens ein Bein in der Tür haben.

Heinz-Peter Kröske, Hameln

S. 21 Stille Nacht

Ein Lied geht um die Welt
Unweit von Salzburg erklang an Heiligabend vor 200 Jahren zum ersten Mal »Stille Nacht! Heilige Nacht!«
D. Jestrzemski

Auch nach 200 Jahren hat das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ nichts von seinem Zauber verloren. Zum ersten Mal erklang es Weihnachten 1818 in der Pfarrkirche St. Nikolai in Oberndorf bei Salzburg. 

Bing Crosby, Elvis Presley, Roy Black, Helene Fischer – alle Sänger haben gemeinsam, dass sie „Stille Nacht“ gesungen haben. Vom weltweit wohl bekanntesten Weihnachtslied liegen mehr als 300 Übersetzungen und unzählige Einspielungen von prominenten Sängern und Gruppen vor.

2011 nahm die UNESCO „Stille Nacht“ in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf als ein Lied, das mit seiner Friedensbotschaft Menschen weltweit verbindet und wie kein anderes Weih­nachtslied das Weihnachtsbrauchtum repräsentiert. Um die Aufnahme hatte sich die Oberndorfer Stille-Nacht-Gesellschaft bemüht, die das Erbe des Liedguts pflegt. Von tiefem Glauben und Dankbarkeit, von Sehnsucht nach Frieden und Erlösung zeugen die von der herzerwärmenden Melodie untermalten Verse. 

Ihr Verfasser ist der aus Salzburg stammende Hilfspriester Joseph Mohr. Wegen seines musikalischen Talents wurde er seit dem Kindesalter gefördert, studierte Theologie und wurde zum Priester geweiht. Den tröstlichen Liedertext mit den ursprünglich sechs Strophen schrieb Mohr 1816 im Salzburger Lungau. 

1817 kam er als Pfarrgehilfe nach Oberndorf und wurde auch dort mit der großen Not der Be­völkerung konfrontiert. Am Weih­nachtstag 1818 komponierte der Lehrer und Organist Franz Xaver Gruber auf Bitten von Mohr eine zu seinen Liedversen passende Melodie für zwei Solostimmen, Chor und Gitarrenbegleitung. In der Christmette trugen Mohr (Tenor) und Gruber (Bass) das Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ mit Gitarrenbegleitung vor. 

Später hat man die Entstehung des Liedes mit verschiedenen Mythen und Deutungen verknüpft, zuletzt im US-Spielfilm „Stille Nacht“ von 2012. Nichts davon ist überliefert, nur dass die Gemeinde – überwiegend Familien von Schiffsbauern und Salzach-Schiffern – das Lied mit Beifall aufgenommen habe. Letzteres erwähnte Gruber am 30. Dezember 1854 in seiner „Authentischen Veranlassung“. Damit wollte er seine Urheberschaft des schon weithin bekannten Liedes bezeugen, das als „ächtes Tyroler Volkslied“ galt. 

Gruber lebte seit 1833 als Organist und Komponist in Hallein. Mohr hat wohl den Siegeszug des Liedes nicht mehr miterlebt. Sein letzter Einsatzort war Wagrain im Pongau, wo er 1848 mittellos an einem Lungenleiden starb.

Ein Zillertaler Orgelbauer brachte das Stille-Nacht-Lied 1821 mit in seine Heimatgegend. Dort nahmen es die Sängerfamilien Rainer und Strasser mit den Strophen 1,6 und 2, in dieser Reihenfolge, in ihr Repertoire auf. Bereits 1822 trugen es die Rainer-Geschwister im Tiroler Schloss Fügen Kaiser Franz I. und dem russischen Zaren Alexander I. vor. Beide Sängergruppen unternahmen ausgedehnte Reisen, die sie zunächst nach Deutschland führten. So wurde das Lied von Ort zu Ort getragen. Für das Jahr 1832 ist eine Aufführung durch die Familie Strasser in Leipzig erwähnt, wo „Stille Nacht“ offenbar schon bekannt war. 1839/40 trat die Rainer-Familie zu Beginn ihrer USA-Tournee in New York auf. Übersetzungen in die englische Sprache sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts überliefert. Um diese Zeit verbreiteten auch katholische und evangelische Missionare „Stille Nacht“ in vielen Gegenden der Welt. Um 1900 wurde das stimmungsvolle Weihnachtslied auf allen Kontinenten gesungen. 

In Deutschland hat das Singen des Stille-Nacht-Liedes bei häuslichen Weihnachtsfeiern seit Mitte des 19. Jahrhunderts Tradition. Wie kürzlich bekannt wurde, hat daran der Hamburger Pastor und Gründer der Inneren Mission, Johann Hinrich Wichern, einen wesentlichen Anteil. In das 1844 gedruckte Liederbuch für seine Heimkinder der Rettungsanstalt „Das Rauhe Haus“ nahm Wichern die dreistrophige Fassung von „Stille Nacht“ auf. Durch einen regen Waren- und Ideenaustausch verbreitete sich das Lied im protestantischen Preußen. Es fand Eingang in die Gesangbücher für den Jugendgottesdienst, die innere und überseeische Mission, der auslandsdeutschen Gemeinden, das Militär und die Seemannsmission. 1881 bis 1895 wirkte Wicherns Tochter Caroline als Gesangslehrerin am Ellerslie-College in Manchester, einer Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen. Dadurch entstand in England eine zweite Schiene der Verbreitung von „Stille Nacht“.

In Oberndorf als Ursprungsort des Stille-Nacht-Liedes und Zentrum des Stille-Nacht-Gedenkens findet alljährlich am 24. Dezember um 17 Uhr vor der Stille-Nacht-Gedächtniskapelle zu Ehren von Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr eine Gedenkfeier statt. Zahlreiche Besucher aus aller Welt nehmen daran teil. Die Kapelle steht auf dem Schuttkegel der alten St. Nikolaikirche. 2016 wurde im Ort ein neues Stille-Nacht-Museum eröffnet. Seit 2018 positioniert sich auch die Salinenstadt Hallein mit einem „authentischen“ Erlebnisangebot als „Franz-Xaver-Gruber-Stadt“. Herzstück ist das neue, nach dem Komponisten benannte Museum mit der noch bis zum 3. Februar laufenden Ausstellung „Stille Nacht 200 – Geschichte.Botschaft.Gegenwart“. 

In heutiger Zeit ertönt die „Stille Nacht“-Melodie in vielen Ländern schon in der Adventszeit aus dem Radio. Die Menschen summen und singen den Ohrwurm. Nur im alpenländischen Raum hält man sich weithin an die un­geschriebene Regel, „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ ausschließlich in der Christmette am 24. Dezember zu singen.

Kein Ton von Haydn
Museumsreifes Lied – Eine Reise zu Österreichs »Stille Nacht«-Orten
Veit-Mario Thiede

Frage: Was wäre „Stille Nacht“ ohne die Anfrage der Königlich Preußischen Hofkapelle? Antwort: Ein Weih­nachtslied, dessen Autoren niemand kennt und dessen Jahr wie Ort der Erstaufführung im Dunkeln lägen. 

Zu Anfang seiner Karriere galt es als „Ächtes Tyroler Lied“, das die Zillertaler Sängerfamilien Strasser und Rainer auf ihren Konzerttourneen international bekannt machten. Die Preußische Hofkapelle aber vermutete, dass es Michael Haydn komponiert habe und richtete 1854 eine entsprechende Anfrage an dessen Wirkungsstätte: die Salzburger Abtei St. Peter. Von der erfuhr Felix Gruber, der Sängerknabe in St. Peter war. Er wusste, dass sein Vater Franz Xaver Gruber „Stille Nacht“ komponiert hatte. Und der stellte nun in seiner „Authentischen Veranlassung“ den Sachverhalt klar: Am 24. Dezember 1818 übergab ihm Joseph Mohr ein Gedicht mit der Bitte, es zu vertonen. Gruber machte sich an die Arbeit und noch am nämlichen Abend führten sie das Werk auf.

Inzwischen wird das Lied überall in der Welt angestimmt. Eine besondere Nähe zu ihm reklamieren 13 „Stille-Nacht-Gemeinden“ für sich, weil in ihnen der Hilfspfarrer und spätere Vikar Mohr (1792–1848) oder der Lehrer, Mesner, Chorleiter und Organist Gruber (1787–1863) gewirkt ha­ben. Diese im Salzburger Land, in Oberösterreich und Tirol liegenden Gemeinden haben Ge­denkstätten und Museen eingerichtet. Neun von ihnen präsentieren anlässlich des 200. Jubiläums von „Stille Nacht“ eine „dezentrale“ Landesausstellung.

Im Salzburg Museum geht es um das Lied, seine Schöpfer und seine Verbreitung. Es hat übrigens sechs Strophen, von denen üblicherweise nur die erste, zweite und sechste gesungen werden. Das Stille-Nacht-Museum von Hallein präsentiert die Gitarre, auf der Mohr „Stille Nacht“ spielte, und Grubers in drei Fassungen erhaltene „Authentische Veranlassung“. Im Schloss Fügen stellt die Schau „Klang der Alpen“ das Wirken der Sängerfamilien Strasser und Rainer vor. In der Oberndorfer St.-Nicola-Kirche hatte „Stille Nacht“ im Anschluss an die Christmette von 1818 Premiere. Mohr und Gruber sangen das Lied vor der Krippe. Die rund 100 Krippenfiguren sind erhalten. Frisch restauriert stehen sie im Museum Innviertler Volkskunst der Stadt Ried. 

An der Stelle der abgetragenen St.-Nicola-Kirche von Oberndorf steht die 1937 eingeweihte Stille-Nacht-Kapelle. Vor ihr finden sich alljährlich an Heiligabend tausende von Menschen ein, um ge­meinsam „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ zu singen.

Ja, ist denn schon Ostern?
Der nächste Traditionsbruch zu Weihnachten: Eier am Tannenbaum
Helga Schnehagen

Bis vor Kurzem war die Welt noch in Ordnung. Zu Weihnachten wurden Ku­geln an den Tannenbaum gehängt, zu Ostern Eier an den Frühlingszweig. Das ist vorbei! Bei „Christmas in Salzburg“, dem ganzjährig geöffneten Fachgeschäft für Weihnachtsdekoration in der Ju­dengasse, dominiert eindeutig das Ei. Tausendfach bemalt und be­klebt, soll es auch zu Weihnachten den Christbaum schmücken. 

Ob Schneemann oder Schneelandschaft, Maria und Josef oder Weihnachtsmann, Engel oder Weihnachtsbaum, alles passt auf die weiße Schale des Hühnerprodukts. Von dem edlen Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule oder für alle Fälle – man weiß ja nie, wer seinen Fuß über die Ladenschwelle setzt – bis zur arabischen Moschee ist fast alles auf dem Ei zu haben, was das Herz erwärmen könnte. 

Und Weihnachten? Glaubt man den begeisterten Kommentaren im Internet, zählt alleine das kunstfertige Handwerk, der Glanz und das Funkeln von Brokat, Samt und Glitzerfarbe. Und wenn man es nicht ganz so genau nimmt, ist das Ei zu Weihnachten so abwegig nun auch wieder nicht.

In vielen Kulturen symbolisiert das Ei Fruchtbarkeit und neues Leben. Im Christentum wurde das Ei zum Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Somit stand das Ei symbolisch für das Grab in Jerusalem, aus dem der Heiland von den Toten auferstanden ist. Ob nun Geburt am Heiligen Abend oder Wiedergeburt am Ostersonntag – in beiden Fällen geht es doch um neues Leben, oder? Und Japanern, Chinesen, Koreanern und vielen anderen nicht-christlichen Besuchern der Mozartstadt sind Eier sicherlich vertrauter als Engel und Kugeln. Eier gibt es schließlich überall. 

Bei Käthe Wohlfahrt, der führenden Kette in Sachen Ganzjahres-Weihnachtsschmuck mit dem Deutschen Weihnachtsmuseum in Rothenburg ob der Tauber, hat das Ei zu Weihnachten allerdings noch keinen Einzug gehalten. Auch andere einschlägige Weih­nachtsmuseen hinken dem Zeitgeist hoffnungslos hinterher. Sie begnügen sich immer noch mit den traditionellen Klassikern 

in Sachen Weihnachtsbaumschmuck. Die Moderne zeigt sich höchstens in neuen Materialien oder neuen Formen der Anhänger und Krippenfiguren. Das Ei zu Weihnachten ist bisher definitiv nicht dabei.

Ein weiterer Vorteil ist nicht von der Hand zu weisen. Bei ge­schickter Ei-Auswahl können die ovalen Kunstprodukte unter Ausschluss der winterlichen Motive durchaus auch als Oster-Dekoration dienen. Bei den stattlichen Preisen ist die Doppelnutzung sowieso zu empfehlen. In Ab­wandlung der Böllschen Erzählung „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ müsste es dann heißen „Nicht nur zu Ostern“. Leider können wir nicht mehr erfahren, was Heinrich Böll aus dem Stoff gemacht hätte.

MELDUNGEN

»Stille Nacht« in Salzburg

Salzburg – Die Mozartstadt steht in der Weihnachtszeit ganz im Zeichen des 200-Jahr-Jubiläums von „Stille Nacht“. Das gilt be­sonders für den Christkindlmarkt am Dom- und Residenzplatz, der noch bis zum zweiten Weih­nachtstag geöffnet ist, und zu dem über eine Million Besucher er­wartet werden. Ein Rahmenprogramm mit Führungen und Ge­sangsaufführungen widmet sich dabei dem berühmten, in der Nähe von Salzburg entstandenen Weihnachtslied. In den Sternarkaden inmitten der Altstadt verzaubert außerdem der Sternadvent noch bis zum 6. Januar täglich mit winterlich dekorierten Ständen unzählige Besucher. Und das ganzjährig geöffnete Weihnachtsmuseum am Mozartplatz zeigt eine europaweit einzigartige, kulturhistorische Sammlung an kostbaren Weihnachtsexponaten aus der Zeit von 1840 bis 1940. Darunter finden sich Exponate der Wiener Werkstätten und Weih­nachtsschmuck aus dem Erzgebirge. www.salzburg.info/de/salzburg/advent-stille-nachttws





»Stille Nacht« in Steyr

Steyr – Der erste Textdruck des Liedes „Stille Nacht“ stammt von dem Steyrer Drucker und Buchhändler Joseph Greis. Eine Replik des Originals, das zwischen 1827 und 1835 entstanden ist, kann man noch bis zum 6. Januar im 1. Österreichischen Weihnachtsmuseum am Michaelerplatz be­trachten. Dort funkeln außerdem  über 14000 Stück historischer Christbaumschmuck. Höhepunkt ist die Erlebnisbahn, die dort an Schaubildern vorbei bis zur Engelwerkstatt führt. Internet: www.christkindlregion.com tws

S. 22 Bücher im Gespräch

Verantwortungsbewusste Christen über den Glauben

Der Sammelband „Rechtes Christentum“ widmet sich einem wichtigen Thema: die Christen und die großen Herausforderungen der Gegenwart. Elf mutige Leute, darunter so vertraute wie Felix Dirsch, Harald Seubert, Stefan Winckler, Martin Lichtmesz und Matthias Matussek, der früher für „Stern“ und „Spiegel“ geschrieben hat, greifen nach dem heißen Eisen. Allein schon die Kapitelüberschriften machen Appetit. 

Dirsch unternimmt den Versuch einer Typologie der „Entwick-lungslinien des Rechtskatholizismus von der Französischen Revolution bis zu aktuellen Diskussionen“, Seubert beschreibt die Stellung des konservativen Protestantismus innerhalb der heutigen evangelischen Kirche. „Lehrer und AfD: ein problematisches Verhältnis?“ fragt Winckler. Dass uns Matussek Autobiografisches bietet, bekennt schon der Titel: „Das katholische Abenteuer“. Weitere Titel, die zumindest erwähnt werden sollen und die für sich sprechen: „Der Untergang des Abendlandes, der Aufstieg des Islams und die Zukunft des Christentums“ (David Engels), „Die Bundesvereinigung ‚Christen in der AfD‘ und ihre Bedeutung innerhalb der Partei“ (Volker Münz), „Christ sein und rechts sein. Versuch einer biblisch-theologischen Grundlegung“ (Thomas Wawerka), „Christlicher Glaube und die Krise des Universalismus in Zeiten der Massenmigration“ (Daniel Zöllner).

Wer aus Nächstenliebe und aufgrund bischöflicher Empfehlung  die Fortbildung eines afrikanischen Arztes in Deutschland mit ermöglicht hat, wird sehr nachdenklich, wenn er erfährt, dass der Schützling seiner Heimat, die ihn so dringend bräuchte, nach bestandenem Examen auf Dauer den Rücken zugewandt hat. Die neue Heimat bietet mehr Annehmlichkeiten.

Mit dieser alltäglichen Erfahrung sind wir mitten im letzten Beitrag, dem von Daniel Zöllner, dem Benjamin unter den Autoren. Hat man im Falle des afrikanischen Arztes gut gehandelt? Niemand gab ihm bisher eine klare Antwort. Vordergründig ja – gemäß den Geboten der Gesinnungsethik. Doch wie urteilt die Verantwortungsethik, die auch an die erste Heimat des jungen Arztes denkt? Zöllner lässt gegen Ende seiner Ausführungen den Phi-losophen Reinhard Merkel zu Worte kommen, der in der Aufnahme einer großen Anzahl von Flüchtlingen in den deutschen Staat die denkbar schlechteste Art sieht, die eigene Verantwortung für den Rest der Welt wahrzunehmen. „So erscheint die ‚Flüchtlingspolitik‘ der Kanzlerin selbst unter der universalistischen Gesichtspolitik als ein ‚moralisches Desaster‘.“ Konkret: Hilfe ist zu versagen, wenn andernfalls die Hilfsbedürftigen in der Heimat ihres Helfers beraubt werden. 

Temperamentvoll und informativ sind die Ausführungen des ältesten Beiträgers, Matthias Matussek. Der Leser erfährt viel über ihn, und, da er mitten im Leben steht, auch das, was er über die Themen der Gegenwart denkt. Schon auf der ersten Seite bekennt er: „Ich bin katholisch, und das ist auch gut so.“ Gleichwohl attackiert er Papst Franziskus und seinen Umgang mit den Missbrauchsfällen in der eigenen Kirche. Kardinal Marx ergeht es nicht besser, der das Kreuz versteckt hat, um die islamischen Gastgeber auf dem Tempelberg in Jerusalem nicht zu verstören. 

Vergegenwärtigen wir uns eine Leseprobe, die nach Form und Inhalt bemerkenswert ist: „Doch das andere, das uns in jeder zweiten Talkshow von blondierten Kabarettnudeln, sozial engagierten Tat-ort-Kommissaren und grünen Kirchenkritiker zur Neuvorlage präsentiert wird, die Kreuzzüge nämlich, die liegen 1000 Jahre zurück. Und jetzt mal unter uns, Herr, im Ernst, es waren doch zuerst die Muslime, die Jerusalem und die heiligen Stätten erobert hatten mit ihren Krummsäbeln? Und gibt es nicht derzeit eher Kreuzzüge gegen uns, auf der ganzen Welt?“

Unter den elf Autoren ist auch eine Frau, Caroline Sommerfeld, gleichsam die Jeanne d‘Arc unter den Männern. Ihre Ausführungen stehen unter der Überschrift: „Gegen Allahu akbar hilft nur Deus vult!“ Un-tertitel: „Christentum und Identitäre Bewegung“. Sie klärt auf, was Identitäre Bewegung meint: Europa hat nicht nur gemeinsame Werte, sondern auch der 1000-jährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus gehört zu seiner Identität. Sommerfelds Aufklärung ist zugleich ein Appell: „Gott will es! (Deus vult).“

Man vermisst in der Diskussion, nicht nur im vorliegenden Werk, die Thematisierung dessen, was als Staatsräson Deutschlands ausgegeben wird, nämlich „Israel“. Ein Vorbild? Eine Diskussion zum Thema Immigration, wie sie bei uns geführt wird, wäre dort unvorstellbar. Der Judenstaat und seine führenden Politiker, auch die Linken, denken nicht daran, von seltenen Ausnahmen abgesehen, andere Menschen als Juden in den Judenstaat aufzunehmen.“

Die Beiträge liefern aufschlussreiche Fakten und beachtliche Überlegungen. So erleichtern sie sachorientierte Erkenntnisse und Gespräche. Leider fehlt ein Personenregister, das ihre Interdependenz verdeutlichen würde. Und: Das fünfte Gebot lautet: „Du sollst nicht morden!“ statt „töten“. K. L.

Felix Dirsch, Volker Münz, Thomas Wawerka (Hg.) „Rechtes Christentum? Der Glaube im Spannungsfeld von nationaler Identität, Populismus und Humanitätsgedanken“, Ares Verlag, Graz 2018, gebunden, 252 Seiten, 19,90 Euro


Moralische Supermacht
Wolfgang Kaufmann

Im Jahre 1945 sei Deutschland der schuldbeladene Aussätzige im Kreise vieler edler Nationen gewesen, welche den Nationalsozialismus zur Strecke gebracht hätten. Heute hingegen, reichlich sieben Jahrzehnte später, trete die Bundesrepublik als moralische Supermacht auf und lese anderen Ländern die Leviten, wenn diese das Gutsein nicht genauso zur Staatsräson erhöben, wie es das „Vierte Reich“ unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel tue. 

So lautet die Kernaussage des Buches „Der gute Deutsche“ von Josef Joffe. Dabei beschreibt der Herausgeber der „Zeit“ auch die einzelnen Schritte dieser wundersamen Karriere und welche Schattenseiten der Aufstieg vom Schmuddel- zum Wunderkind hatte: Scheckbuchdiplomatie und „unerbittlicher Pazifismus“, moralische Dauerentrüstung, Selbstbeschränkung sogar bei der Wahrnehmung legitimster Eigeninteressen und Entfremdung vom „bösen Übervater Amerika.“

Deshalb legt Joffe den politisch Verantwortlichen in der heutigen Bundesrepublik nahe, endlich den dysfunktional gewordenen moralischen Gestus aufzugeben und die ererbten Schuld- in ganz normale Verantwortungsgefühle umzuwandeln, statt diese noch weiter auf andere Staaten wie beispielsweise Israel zu projizieren. 

Was das konkret bedeuten soll, lässt der Publizist jedoch offen, so wie er überhaupt eine merkwürdige Distanz zur Realität des Jahres 2018 an den Tag legt. Joffe beschränkt sich nämlich darauf, der nunmehr „erwachsen“ gewordenen Bundesrepublik mit auf den Weg zu geben, ihren Selbstwert doch künftig aus den „bestandenen Prüfungen“ seit 1949, dem „humanitären Wertekanon“ unserer Gesellschaft sowie dem von anderen Nationen gezollten Respekt zu ziehen.

Josef Joffe: „Der gute Deutsche. Die Karriere einer moralischen Supermacht“, Bertelsmann Verlag, München 2018, gebunden, 256 Seiten, 20 Euro


Ein Buch über Autos, die »floppten«
Manuel Ruoff

Der GeraMond-Verlag hat für Freunde alter Autos eine Reihe im Angebot, in der jeweils 99 Fahrzeuge einer Kategorie vorgestellt werden. So sind bereits „99 Cabrio-Klassiker“, „99 British-Cars“, „99 Sportwagen-Klassiker“, „99 Kultmobile“, „99 italienische Klassiker“, „99 Oldtimer“, „99 US-Klassiker“, „99 Youngtimer“, „99 US-Muscle-Cars“ und „99 Motorrad-Klassiker“ erschienen. Der neuste Band trägt nun den Titel „Die 99 legendärsten Gurken“ und fällt damit gleich in zweifacher Hinsicht aus dem Rahmen. Da ist zum einen die flapsige Kategorisierung „legendäre Gurken“, und zum anderen der vermessene, um nicht zu sagen unseriöse Absolutheitsanspruch, nicht analog zu den vorausgegangenen Bänden „99 legendäre Gurken“, sondern „die 99 legendärsten Gurken“ zusammengetragen zu haben. Diese Kombination aus Superlativ und Flapsigkeit lässt ein spaßiges Buch vermuten, doch die Vermutung täuscht. Das Werk ist humorbefreit. Das provoziert die ebenso humorlose Frage, wie der Autor Hans J. Schippers „legendäre Gurken“ definiert. 

Tatsächlich bietet Schippers im Vorwort eine Definition. Er spricht von „automobilen Versagern“, die wegen schlechten Stylings beziehungsweise Designs, Fehlern bei der Entwicklung, qualitativ schlechter Fertigung, Fehlkonstruktionen bei Fahrwerken und Motoren, hoher Rostanfälligkeit oder aber, weil sie an der anvisierten Zielgruppe vorbeigeplant oder einfach für das Gebotene zu teuer waren, „Anlass für kleine, mittlere, aber auch größere Katastrophen gaben – bis hin zum Verschwinden namhafter Marken oder dem Exitus bekannter Hersteller“. 

Schippers unterteilt die „automobilen Versarger“ in drei Kate-gorien: „1. Die Unattraktiven. Fahrzeuge, die aufgrund ihrer Erscheinung wegen schlechten Designs bzw. Stylings in der Kritik standen und sich daher nur schleppend oder schlecht absetzen ließen. 

2. Die Problematischen. Fahrzeuge, die aufgrund mangelnder Produktqualität, technischer Fehlkonstruktionen oder nicht marktgerechter Preisgestaltung zu Problemfällen wurden. 3. Die Ladenhüter. Fahrzeuge, die zwar innovativ waren, aber einfach ,zur falschen Zeit‘ auf den Markt kamen und abgelehnt wurden; ferner solche, die am Bedarf vorbeigeplant wurden oder sich – begründet oder nicht – ein schlechtes Image erwarben.“ Schippers misst seiner Kategorisierung immerhin derart viel Bedeutung bei, dass er die 

99 von ihm vorgestellten Modelle erst einmal in die drei Kategorien aufteilt, bevor er sie dann erst – wie bei der Reihe üblich – alphabetisch nach der Marke ordnet. 

Die Zusammenstellung der 

99 ist – gelinde gesagt – sehr subjektiv. Die im Buch aufgeführte „Ente“ von Citroën, den immerhin rund viereinhalb Millionen Mal produzierten Fiat 127, der bei den Italienern eine ähnliche Rolle gespielt hat wie der VW „Golf“ bei den Deutschen, oder den Lincoln Continental Serie IV, das Auto, in dem US-Präsident John F. Kennedy starb und von dem Schippers selbst schreibt: „Mit zirka 20000 Einheiten galt diese 1967 gebaute Serie IV als erfolgreich“, als „automobile Versarger“, als „früher kritisierte oder verschmähte Automobile“ zu bezeichnen, ist kaum weniger skurril als die Bezeichnung „legendäre Gurke“.

Die Vorstellung der 99 Automobile lehnt sich an das bei dieser Reihe übliche Schema an. Jedem Auto sind ein oder zwei Seiten gewidmet. Die einseitigen Vorstellungen enthalten die Modellbezeichnung, einen Fließtext, ein Bild und einen Kasten mit Angaben zu dem Produktionszeitraum, der Stückzahl, der Zylinderzahl, der Hubraumgröße, der PS-Zahl, der Höchstgeschwindigkeit, der Verfügbarkeit, den Unterhaltskosten, dem Preis im Jahre 2017 und der Wertentwicklung seit 2012. 

Die doppelseitigen Vorstellungen enthalten zusätzlich eine weitere, zweite Fotografie, eine Bildunterschrift zu beiden Fotos sowie schließlich eine meist aus zwei Sätzen bestehende Unterzeile unter der Typenbezeichnung, die in der Regel einen Hinweis darauf gibt, welche vermeintliche Schwäche aus Schippers’ Sicht das jeweils vorgestellte Auto zur „legendären Gurke“ macht.

Hans J. Schippers: „Die 99 legendärsten Gurken der Autogeschichte“, GeraMond Verlag, München 2018, broschiert, 192 Seiten, 14,99 Euro


Das Ende eines Geheimdienstchefs
F.-W. Schlomann

Als Mitglied der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) verfügt Jost Dülffer über einen einmaligen Einblick in das einstige Ge­schehen. Hatte Reinhard Gehlen als damaliger Leiter des BND lange Zeit bei Adenauer großes Ansehen genossen, so verlor er in den 60er Jahren dessen Vertrauen. Grund war seine nachlassende Arbeitskraft, zudem hatte er die Zügel über die Bürokratisierung des BND verloren. Wichtige Posten waren von veralteten Wehrmachtsoffizieren besetzt, denen „das zeitbedingte Verständnis des gegenwärtigen Geschehens fehlte“. Aus „sittlichen Bedenken“ war Adenauer gegen die Beschäftigung einstiger Gestapo-Leute, die Gehlen auf dem Gebiet der Gegenaufklärung indes „für unentbehrlich“ hielt. 

Misstrauen am Rhein aber blieb. Organisatorisch war der BND dem Kanzleramt „angegliedert“, später wurde er ihm „unterstellt“. Gehlen wollte seinen Einfluss in Bonn möglichst ausdehnen, andererseits wandte er sich verständ­licherweise gegen vertiefte Kontrollen. Ein Parlamentarisches Vertrauensgremium sowie der Bundesrechnungshof hatten zumindest ein gewisses Bild. In den Parteien erhielten nur die Fraktionsspitzen Nachrichten des BND, wobei schon früh Kontakte auch zur SPD-Opposition bestanden. 

1961 erlitt der BND seine größte Niederlage: Der Leiter des Referats Gegenspionage wurde enttarnt. Viele BND-Mitarbeiter im Osten wurden verhaftet, manche als verdächtigte „umgedrehte“ KGB-Spione abgeschaltet. Bereits 1967 gingen dort 135726 Meldungen (davon über 94000 militärischer Art) ein. Ein Jahr später besaß der Bundesnachrichtendienst eine Personalstärke von 5637 Personen mit einem Haushalt von 193 Millionen D-Mark. Seine Stärke lag nunmehr in der neuen elektronischen Aufklärung bis tief in die Sowjetunion hinein. 

Ein breites Kapitel des Buches ist der Übernahme der alliierten Abhörkontrolleinrichtungen durch den BND gewidmet, die zuweilen als „Aushöhlung eines Grundrechts“ gesehen wurde. In diesem Spannungsfeld zwischen Staatsbedürfnissen und men­schenrechtlichen Rechten erhielt Pullach Vorrang, was der Autor nicht unkritisch anmerkt. 

Ein beschämender Teil des Buches ist der Psychologischen Kriegsführung West-Deutschlands gewidmet. Seit 1952 beschlossen verschiedenste Kreise in Bonn, die Ostzonen-Bevölkerung in ihrer Widerstandskraft mit Material zu unterstützen. Tatsächlich wurde es indes ein verbissener Zuständigkeitskampf zwischen BND, dem Bundes­ministerium für gesamtdeutsche Fragen und dem Verteidigungsministerium, während in der Ostzone längst mit finanzieller Hilfe der USA Widerstandsbewegungen aktiv waren. 

Erst 1961 be­gann die Psychologische Kampfführung der Bundeswehr ihre erfolgreiche Zersetzungsarbeit gegen die DDR-Grenztruppen und die NVA.

Von Wichtigkeit für Gehlen war die Pressearbeit mit dem Ziel, in der Öffentlichkeit ein gutes Bild von seinem Dienst zu zeigen. Besonders bevorzugt wurde die Chefredakteurin der „Zeit“, Gräfin Dönhoff, die stets „hohe Bewunderung“ für ihn hatte. Zum „Spiegel“ gab es einen „wechselseitigen vertraulichen Austausch“ durch Lancierung von Exklusivinformationen, zugleich konnte der BND der Redaktion zugespielte Falschinformationen seitens der Stasi abwehren. 

In allen Einzelheiten erlebt der Leser die „Spiegel-Affäre“, bei der Adenauer „selber den BND-Präsidenten hochpeinlich verhörte“. Indes, resümiert das Buch, handelte es sich „weder um eine geheimdienstliche Ausspähung der Redaktion in Hamburg noch um Lancieren von Geheiminformationen aus Pullach an das Blatt“. 

Gehlens Nachfolger wurde Horst Wessel. Die neue Ostpolitik begleitete er mit persönlicher Skepsis, blieb aber immer loyal. Was der BND über die  DDR meldete, passte oft nicht in die politische Landschaft der Ent­spannung. Seine objektiv-skeptische Grundstimmung wurde in Bonn vielfach als störend quittiert. Resignierend heißt es im Buch: „Das war die Diagnose vom einsamen Mahner in der Wüste, die  immer weniger ernst genommen wurde“.  

Jost Dülffer, „Ge-heimdienst in der Krise. Der BND in den 1960er Jahren“, Ch. Links-Verlag, Berlin 2017, gebunden, 672 Seiten, 50 Euro


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S. 24 Panorama

Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel
Überwachte Freiheit / Wo lebende Juden vor ein Tribunal gehören, wie Margots Weisheit uns heute noch leitet, und wo echter Mut zu Hause ist

Das müssen wir uns nicht bieten lassen. Anfang der Woche überfiel uns die „Welt“ mit einer großen Geschichte über einen heute 16-jährigen deutschen Juden, der seine Heimat Berlin verlassen hat. Grund: Seit an der Gesamtschule sein Judesein bekannt geworden war, hatte sich das Leben des Schülers dort in die Hölle verwandelt.

Andere Schüler hatten ihn als „Scheißjude“ und „Scheißisraeli“ beschimpft und bedrängt. Das wurde schließlich so unerträglich, dass seine Mutter ihn von der Anstalt nahm und in ein Internat nahe Tel Aviv schickte. Wer waren die Judenhasser? Erfahren wir nicht so genau, nur dass die Schule einen „hohen Migrantenanteil“ habe. Aha. 

Die deutschen Schüler jedenfalls hatte der damals 15-Jährige wohl eher als seine natürlichen Verbündeten angesehen, was ihm aber nicht viel brachte. Die seien dort selber Außenseiter gewesen und „haben keine Macht“, so der Schüler. 

Dann schließlich sagt Liam Rückert, so sein Name, etwas, das uns blanke Empörung in die Adern schießen lässt. In dem Internat in Tel Aviv fühle er sich, als Jude unter Juden, pudelwohl, denn: „Ich bin jetzt wie alle anderen.“ Wie bitte? Was will er denn damit sagen? Hat dem Jungen niemand beigebracht, dass genau das nur die Hölle bedeuten darf, so zu sein „wie alle anderen“? Dass „Vielfalt“, „Buntheit“ und „Diversity“ die einzigen Formen des Zusammenlebens darstellen, die nach „unseren Werten“ akzeptiert werden dürfen?

Kein Wunder also, dass die zuständige Behörde für die völlig verrutschte Einstellung des Jungen keinerlei Verständnis aufgebracht hat. Seine Mutter berichtet, sie und Liam seien in die Schul­aufsichtsbehörde des Bezirks Spandau bestellt worden. Die zweistündige Sitzung, an welcher auch die Berliner Mobbingbeauftrage Saraya Gomis teilgenommen hat, habe den Charakter eines Tribunals angenommen. „Die wollten uns wegen Rufschädigung drankriegen, haben sogar von Klage gesprochen.“

Das ist doch wohl auch das Mindeste, bei so viel Buntlosigkeit. Der Hinweis auf die „machtlose“ deutsche Minderheit an der Schule lässt es ja mehr als ahnen: Hätten die „Kartoffeln“ in der Schülerschaft (noch) das Sagen gehabt, wäre der junge Liam nicht nach Tel Aviv ausgewichen.

Die Schule ist sich keiner Verantwortung bewusst. Man tue doch so viel gegen Antisemitismus, habe Zeitzeugen eingeladen und sei in ein KZ gefahren. Frau Rückert bemerkt nur bitter, man gedenke also der toten Juden, schön, aber was sei denn mit den lebenden?

Das sind Fragen, die uns im Kampf für Buntheit und gegen Rechts überhaupt nicht weiterbringen. Dass diese Frau das nicht einsehen will, ist schon ein „Tribunal“ wert. Doch die Zeit arbeitet für die Guten: Wenn erst die letzten lebenden Juden aus Deutschland hinausgemobbt und -tribunalisiert sind, wird der Kampf für Buntheit und gegen Antisemitismus wieder harmonisch eins sein, ganz ohne Irritationen durch sogenannte „Lebende“.

Als erstes gilt es dann, den sogenannten muslimischen Antisemitismus als „Desinformation“ zu entlarven. Gegen solche und andere „Desinformationen“ hat die EU am 5. Dezember einen Aktionsplan beschlossen. Fredericia Mogherini, ihres stolzen Titels nach „Hohe Vertreterin“ der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, begründet den Plan damit, dass eine „gesunde Demokratie“ auf einer „offenen, freien und fairen Debatte“ basiere. Es sei „unsere Pflicht, diesen Raum zu schützen und niemandem zu erlauben, Desinformationen zu verbreiten, die Hass, Spaltung und Misstrauen gegenüber der Demokratie schüren“.

Mit Geld, Schulungen und Ermahnungen will man erst mal loslegen, die EU unterhält sogar schon einen „Überwachungsmechanismus für Medienpluralismus“. Überwachter Pluralismus, tolle Idee! Klingt, als lege man die Freiheit in Ketten, damit sie keine Dummheiten macht. Falls das alles nicht hilft, will die EU-Kommission weitere Maßnahmen vorschlagen, die „auch regulatorischer Art sein können“.

Was aber ist „Wahrheit“, was „Desinformation“? Was ist Kritik? Was „Spaltung“? Wer entscheidet das? Na, das sehen Sie doch: die EU natürlich!

Wem das nach „Wahrheitsministerium“, nach „gesteuerter Information“ oder schon nach Ansätzen einer Meinungsdiktatur riecht, der soll sich nicht wundern, wenn er zum Ziel „regulatorischer Maßnahmen“ wird. Das hat er sich dann selbst zuzuschreiben, wie schon Margot Honecker im Hinblick auf die Spalter der sozialistischen Gesellschaft so treffend ausgeführt hatte. Die hätten doch gewusst, worauf sie sich einlassen, und sollten jetzt nicht murren.

Von der Frau Ministerin und ihren Genossen hat man in Brüssel viel gelernt. Damals in der DDR war jeder ein „Feind des Friedens“, wer nicht auf Linie war, denn nur der Sozialismus vermochte den Frieden zu erhalten, samt Schutzwall, versteht sich.

Heute lernen wir, dass wir den Frieden nur wegen der EU haben, samt einer ganzen Kette weiterer Friedensnotwendigkeiten wie etwa dem Euro. Denn „scheitert der Euro, scheitert Europa“, danach gibt es Krieg. Den Feinden des Friedens aber muss man mit aller Entschlossenheit entgegentreten.

Es sei denn, sie sind bewaffnet. Dann verschanzt man sich besser hinter gut gerüsteten Leibgarden. So man welche hat. Das EU-Parlament kann in dieser Sache nicht klagen, es ist bestens bewacht. So viel Sicherheit macht mutig. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hat dem Terroristen vom Straßburger Weihnachtsmarkt daher seine ganze Tapferkeit entgegen geschleudert.

Die „Kraft von Freiheit und Demokratie“ werde siegen über Gewalt, Verbrechen und Terrorismus, so der schneidige Tajani kurz nach dem Attentat. Das Parlament lasse sich an der Fortsetzung seiner Arbeit nicht hindern. Wie auch? Unmittelbar nachdem die mörderische Schießerei in Straßburg losgegangen war, ließ man das EU-Parlamentsgebäude in derselben Stadt hermetisch abriegeln. 200 Parlamentarier und 800 Assistenten saßen fest. Was sollten sie also anderes machen, um sich die Zeit zu vertreiben, als sich der Fortsetzung ihrer Arbeit zu widmen? Immerhin, so ist zu lesen, blieben alle Bars im Gebäude geöffnet, bis die größte Gefahr vorüber war und die Insassen des Hauses wieder dem Risiko ausgesetzt werden durften, zur normalen Straßburger Bevölkerung da draußen zurückzukehren. 

Sicherlich haben sie den Bürgern davon erzählt, was für fürchterliche Angst sie da drinnen ausgestanden haben. Eine Angst, der sie nur durch die „Kraft von Freiheit und Demokratie“ widerstehen konnten. „Bei einigen lagen die Nerven blank“, berichtet ein CDU-Abgeordneter.

Das EU-Parlament wird seit den Brüsseler Anschlägen vor zwei Jahren ohnehin weit strenger bewacht als vordem. Jetzt haben sie aus akutem Anlass offenbar noch eine kräftige Schippe Sicherheit und Kontrolle draufgelegt.

Das ist schon verblüffend:      Einerseits sagt uns unsere Kanzlerin, dass man unsere Grenzen, also das Land und seine Bürger, gar nicht schützen könne (obwohl man es früher problemlos konnte). Andererseits funktioniert der Schutz gewisser Bevölkerungskreise immer lückenloser. Besteht da ein Zusammenhang?

Nun, sicherlich kann jede einzelne Sicherheitskraft immer nur an einem Ort gleichzeitig sein. Da muss man eben Schwerpunkte setzen. 

Dies über Gebühr (also überhaupt) zu thematisieren, spaltet jedoch die Gesellschaft, ist also Desinformation und erfordert regulatorische Gegenmaßnahmen. Die einzig zulässige Losung lautet: Die politische Elite in Brüssel, Straßburg und Berlin tut alles, um die Sicherheit der Bürger hier draußen zu garantieren. Das hören wir immer wieder. Und am glaubhaftesten klingt dieses wackere Versprechen doch zweifellos, wenn es durch die Sprechanlage einer Panzerglasscheibe zu uns dringt.


MELDUNGEN / ZUR PERSON

»EU-Parlament ist unnötig«

Brüssel – Der AfD-Spitzenkandidat zur EU-Wahl im Mai, Jörg Meuthen, hegt Zweifel an der Notwendigkeit des EU-Parlaments. Die EU sei kein Staat, benötige daher auch kein Parlament. Die Abstimmung in der Union könne wie bei Nato oder UN auch zwischen den Regierungen der Mitgliedstaaten erfolgen. Gleichzeitig stellte sich Meuthen, der auch Co-Chef seiner Partei ist, gegen die Forderung des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke, die EU ganz aufzulösen. H.H.





Gelbwesten stärken Le Pen

Berlin – Wie der langjährige EU-Politiker Daniel Cohn-Bendit (Grüne) dem „Tagesspeigel“ sagte, haben die französischen „Gelbwesten“ vor allem die Partei von Marine Le Pen, „Rassemblement National“ (RN), gestärkt. Die Forderung nach Volksinitiativen für Gesetze sei eine RN-Losung gewesen. Bei Umfragen zu den EU-Wahlen im Mai liegt das RN mit 23,5 Prozent derzeit vorn, die Regierungspartei „La République en Marche“ erzielt nur 15 Prozent.  H.H.





Schriftstellerin spricht Recht

Sie sei eine gut bezahlte Arbeitslose, bekannte die Schriftstellerin Juli Zeh kürzlich in einem Interview. Damit wollte sie sagen, dass sie ihre Schriftstellerei nicht als Beruf betrachte, sondern als Hobby, von dem sie leben kann. So hat sich ihr 2016 erschienener Brandenburg-Roman „Unterleuten“ über 600000-mal verkauft.

Da sich ihre letzten beiden Romane „Leere Herzen“ und „Neujahr“ nicht als ebensolche Besteller erwiesen haben, beschlich Zeh wohl die Furcht vor Arbeitslosigkeit und sie sah sich nach einer neuen Tätigkeit um. Die hat sie nun im Brandenburgischen Verfassungsgericht gefunden, wohin sie der Landtag zur Richterin gewählt hat. Auf ehrenamtlicher Basis, wohlgemerkt. In Brandenburg hat es Tradition, dass neben den neun einmal im Monat tagenden ehrenamtlichen Berufsrichtern auch Nicht-Juristen im Gremium sitzen. Der Filmregisseur Andreas Dresen ist aktuell solch ein Beispiel.

Zeh aber ist tatsächlich promovierte Völkerrechtlerin. Vor ihrer Schriftstellerkarriere studierte die in Bonn aufgewachsene Tochter des früheren Direktors beim Deutschen Bun­destag, Wolfgang Zeh, Jura unter anderem in Passau und Leipzig. In Saarbrücken machte die heute 44-Jährige ihren Doktor und in ihrem Romandebüt „Adler und Engel“ das Völkerrecht zum Thema.

Schon früh engagierte sich das Mitglied der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ politisch. So rief sie 2005 zur Unterstützung der rot-grünen Koalition auf und kritisierte 2013 die passive Haltung von Kanzlerin Merkel bei der NSA-Spähaffäre. Seit 2017 ist die in einem brandenburgischen Dorf lebende Autorin SPD-Mitglied. Das Parteibuch verschaffte ihr nun den Zugang zu ihre neue Tätigkeit als Verfassungsrichterin, für den sie gewiss auch ihre nicht immer neutralen Ansichten in die linke Waagschale legen wird.H. Tews

MEINUNGEN

Fritz Goergen beschreibt auf „Tichys Einblick“ (11. Dezember) den Zustand der EU:

„Diese täglich unwirksamer werdende EU gipfelt am laufenden Band, kommt aber nicht zu Ergebnissen, die an irgendeiner Stelle irgendetwas lösen. Eigentlich findet sie nur noch auf dem Papier statt, das mehr für die Ablage produziert wird als für alles andere. Macron, May, Merkel haben nur noch ein Ziel gemeinsam: Jeder kämpft zuhause um den persönlichen Machterhalt.“





Erik Ebneter wirft in der Züricher „Weltwoche“ (12. Dezember) einen Blick auf die CDU nach dem Hamburger Parteitag:

„Die Zahlen verdeutlichen es: Hätten nur 18 von 999 Delegierten anders gewählt, stünde nun Merz an der Parteispitze. Es ist schon fast ein Zufallsresultat, und es zeigt, wie gespalten die Partei, die sich als Union versteht, tatsächlich ist ... Die alte CDU ist zurzeit, was Alexander Gauland über seine junge AfD sagt: ein gäriger Haufen.“





Peter Grimm nimmt sich auf seinem Blog „sichtplatz.de“           (12. Dezember) die Berichterstattung über das Straßburger Attentat zur Brust:

„Es könne sich ja auch um einen Einzeltäter gehandelt haben. Das macht es zwar alles nicht besser, klingt aber doch irgendwie besser. Und da unsere Verantwortungsträger nicht willens oder in der Lage zu sein scheinen, das selbst geschaffene Problem stetig wachsender und mit europäischen Gesellschaften inkompatibler radikalislamischer Gemeinschaften anzugehen, bleibt ja nur, es sich schön zu reden. Es soll doch wenigstens nicht nach Kapitulation aussehen.“




„Deutschlands Auto-Papst“ Günther Schuh greift in der „Bild“-Zeitung (17. Dezember) der Kampagne gegen den Verbrennungsmotor in die Speichen:

„Die (Verbrennungsmotoren) werden wir noch ewig fahren. Wer heute sagt, dass er ab 2020 oder 2030 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zulassen wird, fördert nur die Pferdezucht – reiten statt fahren. Man darf nichts verbieten, wofür man noch keinen vollwertigen Ersatz hat. Ich kann mir derzeit keine ökologisch sinnvollere Lösung vorstellen, als                    mit einem modernen                            Euro-6- und später Euro-7-Diesel Langstrecke zu fahren. Es macht schlicht keinen Sinn, tonnenweise Batterien in jedem Fahrzeug mitzufahren.“





Helmut Marktwort greift im „Focus“ (15. Dezember) die massiven Attacken aus der SPD auf, die der Vorschlag von       Friedrich Merz (CDU) ausgelöst hat, auch Aktien für die Altersvorsorge der breiten Masse in den Blick zu nehmen

„Einen Pluspunkt kann sich Friedrich Merz trotz seiner Niederlage gutschreiben. Er hat Sozialdemokraten zum Offenbarungseid beim Thema private Vermögensbildung getrieben ... (SPD-Politiker Thomas) Oppermann will nicht wahrhaben, dass allein die 30 Dax-Werte in diesem Jahr 36 Milliarden Euro ausgeschüttet haben. Davon geht ein großer Teil an mittelständische amerikanische Aktionäre, die in Pensionsfonds für ihr Alter vorsorgen.“