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Ausgabe 09/19 01.03.19

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

»AKK« an grünen Gestaden
Merkels Linkskurs geht auch unter der neuen CDU-Chefin weiter
Hans Heckel

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer zeigt Eintracht mit Katrin Göring-Eckardt von den Grünen. Konservative sind alarmiert.

Einen kurzen Moment schöpften konservative und nationalliberale CDU-Anhänger Hoffnung: Auf dem ersten „Werkstattgespräch“ ihrer Partei ließ die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer zumindest in Nuancen eine Abkehr von der Grenzöffnungspolitik ihrer Vorgängerin Angela Merkel durchscheinen.

War das womöglich nur Show? Beim gemeinsamen Auftritt Kramp-Karrenbauers mit der Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt zum Gespräch mit der „Bild am Sonntag“ strahlten beide eine derart demonstrative Harmonie aus, dass der Verdacht kaum zu verdrängen ist. Eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene erschien hier fast wie eine natürliche Verbindung, ja geradezu als ausgemacht. 

Alexander Mitsch, Vorsitzender der „Werte-Union“ konservativer CDU- und CSU-Mitglieder ist alarmiert: Die Grünen seien bei der Einwanderungspolitik sowie der Wirtschafts- und Energiepolitik „mit ihren ideologischen Positionen meilenweit von der Vernunft entfernt“, wies Mitsch schwarz-grüne Planspiele von sich. Wohl vergebens.

Einigkeit zeigten Kramp-Karrenbauer und Göring-Eckardt besonders beim Thema Frauenquote. In diesem Zusammenhang äußerte die CDU-Chefin einen Satz, der aufschlussreiche  Einblicke in ihre Denkweise freigibt: „Wir müssen in allen Bereichen dafür sorgen, dass der Fortschritt unumkehrbar bleibt.“ Hieraus spricht die tiefe Überzeugung von der Unbezweifelbarkeit der eigenen Wahrheit, wie sie sonst von weit links zu hören ist. Wer so spricht, dünkt sich im angemaßten Recht, „endgültig“ zu entscheiden und festschreiben zu dürfen, was auch von ganz anderen Mehrheiten nicht mehr geändert werden darf. Demokratie geht anders.

Die Erregung von Mitsch ist nur allzu verständlich. Die als Zeichen der Erneuerung angekündigten „Werkstattgespräche“ erfüllen demnach tatsächlich nur die Funktion, Wähler aus jener rechten Mitte zurückzuholen, ohne auf deren Meinung auch nur die geringste Rücksicht zu nehmen. Das unverbindliche Format solcher Gespräche ist dafür der ideale Rahmen: Hier darf jeder Luft ablassen, denn entschieden wird ohnehin ganz woanders.

Die AfD kann durchatmen. Gerade jetzt, da sie von allen Seiten einem Druck wie nie ausgesetzt ist, verschafft „AKK“ mit ihrem Ausflug zu grünen Gestaden der jungen Partei wieder Luft. Auch die FDP könnte aus der schwarz-grünen Annäherung Honig saugen. Konservative Wähler dagegen müssen wohl ihre Hoffnung begraben, dass nach Merkel eine Zeit anbricht, in der auch ihre Position wieder maßgeblich wird für den Kurs der CDU. 

Inwieweit dies eine echte Gefahr für die CDU birgt, bleibt abzuwarten. Das elende Schicksal der SPD jedenfalls bleibt eine eindrückliche Warnung.

Weder geheim noch skandalös
Nach dem Bundesversorgungsgesetz erhält Rente aus Deutschland, wer im Dienst deutscher Organisationen im Krieg geschädigt wurde

Belgische Politiker fordern von der Bundesregierung, Rentenzahlungen an in Belgien lebende Personen, die während des Zweiten Weltkrieges in deutschen Diensten gestanden haben, einzustellen. Tatsächlich erhalten nach Auskunft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) noch 2033 Personen im Ausland, darunter 435 mit deutscher Staatsbürgerschaft, Leistungen. Diese summieren sich laut BMAS auf 787740 Euro im Monat. „Bild“ machte daraus eine „geheime Hitler-Rente“ für „Nazi-Unterstützer“ , womit auch hierzulande für Empörung gesorgt ist. Tatsächlich sind diese Leistungen weder geheim noch eignen sie sich für eine Skandalisierung. Sie erfolgen nicht für den in deutschen Organisationen geleisteten Dienst, sondern für in dessen Folge erlittene Schädigungen.

Grundlage dafür ist das Gesetz über die Versorgung der Opfer des Krieges (Bundesversorgungsgesetz –BVG) aus dem Jahr 1950. Danach hat Anspruch auf Versorgung, wer „durch eine militärische oder militär-ähnliche Dienstverrichtung oder durch einen Unfall während der Ausübung des militärischen oder militärähnlichen Dienstes oder durch die diesem Dienst eigentümlichen Verhältnisse eine gesundheitliche Schädigung erlitten hat“. Dem steht eine Schädigung gleich, die unter anderem herbeigeführt wurde „durch eine unmittelbare Kriegseinwirkung, eine Kriegsgefangenschaft, eine Internierung im Ausland oder in den nicht unter deutscher Verwaltung stehenden deutschen Gebieten wegen deutscher Staatsangehörigkeit oder deutscher Volkszugehörigkeit, eine mit militärischem oder militärähnlichem Dienst oder mit den allgemeinen Auflösungserscheinungen zusammenhängende Straf- oder Zwangsmaßnahme, wenn sie den Umständen nach als offensichtliches Unrecht anzusehen ist“.

Als militärischer Dienst gilt „jeder nach deutschem Wehrrecht geleistete Dienst als Soldat oder Wehrmachtbeamter, der Dienst im Deutschen Volkssturm, der Dienst in der Feldgendarmerie und der Dienst in den Heimatflakbatterien“. Bei Vertriebenen im Sinne des Bundesvertriebenengesetzes, die Deutsche oder deutsche Volkszugehörige sind, steht die Erfüllung der gesetzlichen Wehrpflicht nach den Vorschriften des Herkunftslands vor dem 9. Mai 1945 dem Dienst in der deutschen Wehrmacht gleich. Als militärähnlicher Dienst, der bei einer Schädigung ebenfalls einen Anspruch begründet, gelten unter anderem „der auf Grund einer Einberufung durch eine militärische Dienststelle oder auf Veranlassung eines militärischen Befehls- habers für Zwecke der Wehrmacht geleistete freiwillige oder unfreiwillige Dienst, der Reichsarbeitsdienst, der Dienst in Wehrertüchtigungslagern, in der Organisation Todt für Zwecke der Wehrmacht, im Baustab Speer/Osteinsatz für Zwecke der Wehrmacht und der Dienst im Luftschutz“.

Dieses Gesetz wird angewendet auf „Deutsche und deutsche Volkszugehörige und deren Hinterbliebene, andere Kriegsopfer, wenn die Schädigung mit einem Dienst im Rahmen der deutschen Wehrmacht oder mit einem militärähnlichen Dienst für eine deutsche Organisation in ursächlichem Zusammenhang steht, und deren Hinterblie- bene, andere Kriegsopfer, bei denen die Schädigung in Deutschland oder in einem zur Zeit der Schädigung von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebiet durch unmittelbare Kriegseinwirkung eingetreten ist, und deren Hinterbliebene, soweit sie ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Geltungsbereich dieses Gesetzes haben“.

Die Liste der Organisationen, in deren Dienst eine Schädigung erlitten worden sein kann, ist also ebenso lang wie der betroffene Personenkreis groß ist. Und der Grundsatz ist ganz einfach: Wer im für eine deutsche Organisation geleisteten Dienst geschädigt wurde, hat Anspruch auf Leistungen. Das gilt für deutsche Staatsbürger ebenso wie für Nichtstaatsbürger, für Freiwillige ebenso wie für Zwangsverpflichtete. Dabei sieht das Gesetz auch Zahlungen an Leistungsberechtigte mit Wohnsitz im Ausland vor. Mit einer Art Belohnung für „ehemalige Nazi-Kollaborateure“ haben die Zahlungen nach dem BVG also nichts zu tun. J.H.

Jan Heitmann:
Klitterer

Dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Geschichtsunterricht nicht bei der Sache war, weil er von Angela Merkel träumte, ist unwahrscheinlich, denn die war zu seiner Schulzeit jenseits des Eisernen Vorhangs als Legitimatorin des DDR-Regimes aktiv. Im EU-Vorwahlkampf postete Altmaier auf Twitter ein Foto, auf dem neben der EU- die Deutschlandfahne zu sehen ist. Und er entblödete sich nicht, das wie folgt zu kommentieren: „Die Deutschland-Flagge ist jetzt 100 Jahre alt, die Europa-Flagge immerhin schon 63 Jahre. Glückwunsch an beide, denn sie stehen heute gemeinsam für unser Glück, für unsere Sicherheit & für unsere Zukunft! In meinem Minister-Büro sind sie deshalb unzertrennlich!“

Nun wissen wir es: Beide Symbole sind so gut wie gleich alt, was die Akzeptanz des EU-Tuchs ungemein erleichtert. Ob es sich bei des Ministers Äußerung um peinliche Unwissenheit oder bewusste Geschichtsfälschung handelt, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass die deutschen Nationalfarben doppelt so alt sind, wie von Altmaier behauptet. Sie existieren nicht erst seit 1919, als Reichspräsident Friedrich Ebert den Dreifarb Schwarz-Rot-Gold zur Nationalflagge Deutschlands erhob, was den EU-Apologeten natürlich viel besser ins (Geschichts-)Bild passt. Als Symbol deutscher Einheit gehen die Farben auf die Befreiungskriege zurück und sind seit dem Revo- lutionsjahr 1848 die offiziellen Bundesfarben. Seither stehen sie für republikanische Gesinnung, Freiheit und politische Mitbestimmung. Doch das ficht Altmaier nicht an. Er ist eben ganz ein Mann Merkels, welche die Deutschlandfahne verabscheut. Ganz bestimmt träumt der gehorsame Mann heute ab und an von seiner Herrin.


S. 2 Aktuell

Wohin mit den IS-Kämpfern?
Trump, Grüne und »Linke« wollen, dass möglichst viele mit deutschem Pass nach Deutschland kommen
Bodo Bost

US-Präsident Donald Trump hat gefordert, dass Europa den Kurden die gefangenen europäischen Kämpfer des Islamischen Staates (IS) abnimmt. Nach dem bald beginnenden Abzug der US-Truppen können die Kurden, die von Recep Tayyip Erdogan bedroht werden, die ehemaligen IS-Kämpfer nicht weiter bewachen und wollen sie laufen lassen. 

Im Norden Syriens sitzen Hunderte europäischer IS-Kämpfer als Gefangene in kurdischen Lagern fest. Die letzte Bastion des IS, Baghus im Südosten Syriens, steht kurz vor dem Fall. Die Kurden, die ohnehin vom türkischen Machthaber Erdogan ständig bedroht und belauert werden, haben nicht das Personal und die Infrastruktur, um Tausende von hoch motivierten radikal-islamischen Kämpfern auf ihrem Territorium jahrelang festzuhalten, erst recht nicht, um ihnen einzeln den Prozess zu machen. Die US-Truppen, die den Kurden geholfen haben, den IS zu bekämpfen und deren Kämpfer festzunehmen, sollen sich bald auf Geheiß von Präsident Trump aus Syrien zurückziehen. Dieser hatte unlängst offiziell alle europäischen Staaten aufgefordert, die Kämpfer mit den Pässen ihrer Länder aus Syrien zurückzunehmen, bevor die Kurden sie freilassen müssten und sie dann auf eigene Faust – Erdogan wird sie nicht aufhalten –, nach Europa zurückkehren, um dort weiter gegen „Ungläubige“ zu kämpfen. 

Die Forderung von Trump steht in der Tradition seiner seit Jahren ergehenden Appelle an die NATO-Partner, dass diese endlich ihren vor Jahrzehnten eingegangenen Verpflichtungen nachkommen sollten und größere eigene Beiträge zu ihrer Sicherheit leisten 

müssten. Aber nur Frankreich hat sich mit Bodentruppen am Kampf gegen den IS in Syrien beteiligt. Deshalb kann Frankreich sich derzeit sehr viel intensiver um seine verirrten Landsleute in den kurdischen Gefängnissen kümmern und bereits vor Ort die Strafverfolgung beginnen. Deutschland und andere NATO-Staaten beteiligen sich zwar auch mit Bodentruppen in verschiedenen Ländern im Kampf gegen den radikalen Islam, zum Beispiel in Afghanistan oder in Mali, aber dort stießen die Bundeswehreinheiten nicht auf versprengte Landsleute auf der gegnerischen Seite, wie das die US- und französischen Truppen im Norden Syriens jetzt erleben.

Fast täglich tauchen nun in deutschen Fernsehnachrichten Interviews mit gefangenen IS-Kämpfern mit deutscher Staatsangehörigkeit auf, in denen diese ihren Willen bekunden, nach Deutschland zurückzukehren und unisono wie abgesprochen, „in ein ganz normales Leben zurückkehren zu dürfen“. Was ein „ganz normales Leben“ für enttäuschte und entzauberte Dschihadisten heißt, kann man sich denken. So gut vorbereitet die Kämpfer auf ihre jetzige Lage waren, so schlecht oder überhaupt nicht vorbereitet waren die deutschen Behörden auf dieses Problem, das man doch hätte kommen sehen müssen. 

Von jedem gefragten Minister oder Verantwortlichen kommen jetzt andere Töne. Linke und Grüne waren am schnellsten mit ihren Antworten. Sie loben diesmal Präsident Trump ausdrücklich für seine Weitsicht und Weisheit, die Kämpfer auch nach Deutschland zu schicken, woher sie einst kamen und wo sie vor Gericht gestellt werden müssten. Da die Staatsanwaltschaften zu wenig darüber wissen, was die radikalen Moslems vor Ort tatsächlich gemacht haben, liegen gegen die meisten keine Haftbefehle vor. Die Masse der Gotteskrieger würde nach ihrer Überstellung nach Deutschland, wenn nicht andere IS-Rückkehrer ihr Schweigen brechen, in Freiheit gelassen werden, wegen Mangels an Beweisen. Erste Fälle solcher Freilassungen gibt es bereits. 

Die Regierungsparteien und auch die FDP zeigen sich zögerlich und verweisen auf die fehlenden konsularischen Möglichkeiten vor Ort, denn der Kurdenstaat im Norden Syriens ist von keinem Staat diplomatisch anerkannt, und ohne diplomatische Beziehungen sind Häftlingsauslieferungen nicht möglich, wird argumentiert. 

Bislang haben nur Russland und Indonesien in größeren Aktionen IS-Anhänger aus Nordsyrien in eigene Gefängnisse ausgeflogen. Frankreich und Belgien haben zwar Kinder von IS-Kämpfern zurückgenommen, sie weigern sich aber grundsätzlich, radikalisierte Staatsbürger aufzunehmen. Großbritannien hat mehreren IS-Terroristen bereits im Schnellverfahren die Staatsbürgerschaft entzogen. Der Entzug der Staatsbürgerschaft bei Terrorkämpfern, die Deutschland faktisch den Krieg erklärt hatten, wird auch in Deutschland seit einiger Zeit diskutiert, steht sogar im Koalitionsvertrag. Möglich wäre eine solche Ausbürgerung ohne Gesetzesänderung nur bei denjenigen radikalen Moslems, die neben der deutschen mindestens noch eine weitere Staatsangehörigkeit besitzen.


Steinreiche Hungerleider
Sozialistische Experimente haben das Erdölland Venezuela ruiniert
Markus Matthes

Die venezolanische Wirtschaft liegt am Boden und die Bevölkerung leidet unter Hungersnöten. Dabei verfügt das Land über die größten nachgewiesenen Erdölvorkommen der Welt. Die derzeitige Krise steht am Ende einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung. Kurioserweise war es der preußische Forscher Alexander von Humboldt, der im heutigen venezolanischen Bundesstaat Sucre 1799 als erster „schwarzes Gold“ entdeckte. Durch das Erdbeben von 1875 trat in Táchira Erdöl zu Tage, worauf man dort bis 1909 in kleinem Rahmen Kerosin und Benzin herstellte. Seit 1904 ließ der Präsident unter Umgehung des Parlaments über seine Günstlinge Konzessionen an Ausländer verkaufen, die über die nötige Fördertechnologie verfügten. 1914 stieß ein Tochterunternehmen der Royal Dutch Shell am Ufer des Maracaibo-Sees auf das erste nennenswerte Erdölfeld. Obwohl der Ausbruch des Ersten Weltkrieges den Prozess verlangsamte, verschiffte man ab 1917 Öl.

Bereits 1929 war Venezuela hinter den USA der weltweit zweitgrößte Erzeuger, aber schon in den 30er Jahren zeichnete sich eine zunehmend problematische Entwicklung ab: Eine Konzentration auf den Erdölsektor und die Vernachlässigung der Lebensmittelherstellung und insbesondere der Landwirtschaft, deren Anteil an der Wirtschaftsleistung in weniger als 30 Jahren von einem Drittel auf unter zehn Prozent sank. Obwohl 1943 ein neues Gesetz in Kraft trat, das die Hälfte der Firmengewinne der Regierung zusicherte, wurde nicht genug in Bildung, Erziehung und Gesundheit sowie die allgemeine Infrastruktur investiert. Durch den Zweiten Weltkrieg und die zunehmende Verbreitung des Automobils bedingt, exportierte Venezuela 1945 bereits fast eine Million Barrel pro Tag. Der Bedarf wuchs weiter, bis in den 50er Jahren durch die zunehmende Konkurrenz aus dem Nahen Osten und die strengen Einfuhrbeschränkungen der USA der Preis erheblich fiel. Anfang der 60er Jahre entstand als erste staatliche Ölgesellschaft die Corporación Venezolana del Petróleo (CVP).

Der schleichende Prozess der Enteignung der Privatfirmen begann dabei 1971: Nun sollten nach Erlöschen der Bohrgenehmigungen Grundbesitz, Anlagen und Ausrüstungen der Lizenznehmer inner- und außerhalb der Konzessionen ohne Kompensation an den Staat fallen sowie alle Maßnahmen und Verkaufsziele vom zuständigen Ministerium abgesegnet werden. 1976 verstaatlichte der Sozialdemokrat Carlos Andrés Pérez Rodríguez dann die gesamte Erdölindustrie: Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA) war aber zunächst eher ein Konglomerat verschiedener ausländischer Firmen, in denen überwiegend einheimische Angestellte bei guten Löhnen und nach strengen Auswahlkriterien weiterarbeiteten. Man erstand günstig Raffinerien in Deutschland, Großbritannien, Schweden, Belgien und den USA. Die 1980 erworbene US-Firma Citgo mit über 15000 Tankstellen befindet sich immer noch in venezolanischem Besitz. Der steuerbereinigte Nettogewinn und zehn Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens standen nach wie vor für Investitionen und Kostendeckung bereit.

Dieser als Privileg empfundene hybride Status führte immer wieder zu Spannungen zwischen der Regierung und der Unternehmensführung. So kam es 2002 zum offenen Konflikt mit dem linken Präsidenten Hugo Chávez, der entlassene Manager durch nicht qualifizierte Gefolgsleute zu ersetzen versuchte. Arbeiter von PDVSA organisierten mehrere Streiks, die ihn im April sogar für 48 Stunden das Amt kosteten. Nach neuen Arbeitsniederlegungen Anfang 2003 entließ Chávez 20000 der 35000 Angestellten, worauf man nie wieder die tägliche Erzeugung von drei Millionen Barrel erreichte.

Dieser Verlust konnte zunächst durch mit ausländischer Hilfe ausgebeutete Vorkommen am Orinoco kompensiert werden. Aber die Verstaatlichung der Zulieferer und Dienstleister, ein dramatischer Produktionsabfall, ruinöse Großprojekte, ausufernde Vetternwirtschaft, die Politisierung des Konzerns, welche die PDVSA in ein Instrument der Regierungspolitik mit karitativen Zwecken verwandelte, der als „Öldiplomatie“ bekannte Verkauf zu Vorzugsbedingungen an Brüder im Geiste und der Tausch von Rohstoffen gegen Dienstleistungen haben ein über viele Jahre erstaunlich erfolgreiches Staatsunternehmen ruiniert. Die ab 2014 stark gefallenen Preise sowie die fast völlige Abhängigkeit des Landes von dieser Einnahmequelle und den drei Hauptabnehmern USA, China und Indien verschärften dabei noch die negativen Effekte.

Spitzentreffen
Unionspolitiker trafen BdV-Präsidium

Große Runde in den Räumen der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin. Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Eckhard Pols, Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten in der Fraktion von CDU und CSU im Deutschen Bundestag, trafen sich die Mitglieder der Gruppe am Dienstag der vergangenen Woche mit dem Präsidium des Bundes der Vertriebenen (BdV) zu einem Gedankenaustausch über aktuelle Fragen der Politik. Kernthema der Erörterungen zwischen den Parlamentariern und dem von Bernd Fabritius geführten BdV-Präsidium, in dem die Spitzen der Vertriebenenverbände vereint sind, waren neue Aufgaben in der Aussiedler- und Vertriebenenpolitik.

Ein Gesprächsthema war die Entscheidung des Bundesrates, mit der die Bundesregierung zur Prüfung der rentenrechtlichen Situation der Spätaussiedler und zur Beseitigung von Benachteiligungen aufgerufen wird.

Die Teilnehmer der Gesprächsrunde zeigten sich mit dem „guten und intensiven Austausch“ zufrieden.PAZ

MELDUNGEN

Australien überprüft Gold

Canberra – Bei einer Anhörung des australischen Parlaments kam heraus, dass die Goldreserven des Landes nicht bei der Nationalbank in Sydney, sondern bei der Bank von England in London liegen. Die Nationalbank will auch in diesem Jahr wie schon in den letzten sechs Jahren eine Kommission in die Hauptstadt ihrer alten Kolonialmacht entsenden, um zu prüfen, ob sich die Bestände noch an ihrem Platz befinden. Dabei werden alle Barren gewogen. Die Deutsche Bundesbank konnte eine solche Kontrolle der deutschen Goldbestände in den Kellern der US-Notenbank FED nicht durchsetzen, wo dann auch prompt das Originalgold fehlte.T.W.W.





Baukindergeld treibt Preise

Berlin – Die Nachfrage nach dem im September 2018 eingeführten Baukindergeld steigt. Der staatliche Zuschuss für Immobilienkäufe und Bauvorhaben von Familien wird bis Ende 2020 gewährt. Wie der Zentrale Immobilienausschuss e.V., ein großer Wirtschaftsverband der deutschen Immobilienwirtschaft, mitteilte, treibt die Prämie jedoch die Preise für Häuser, Wohnungen und Grundstücke zusätzlich in die Höhe. In vielen Fällen verkauften die Immobilienhändler die angebotenen Objekte teurer und kassierten letztendlich anstelle der Familien die Steuergelder.D.G.





Marktführer schließt Betrieb

Wietzen-Holte – Der deutsche Geflügelfleisch-Marktführer PHW (Wiesenhof) schließt seinen Schlachthof im Landkreis Nienburg/Weser. Als Grund wird steigender Kostendruck durch ausländische Konkurrenz auf dem deutschen Markt genannt. Im Betrieb Wietzen-Holte werden pro Tag bis zu 70000 Tiere geschlachtet.D.G.

S. 3 Deutschland

Gefahr der Altersarmut wächst rasant
Seit Inkrafttreten der Pflegestärkungsgesetze explodieren die Pflegekosten – Politik sucht nach Lösungen
Manuela Rosenthal-Kappi

Die Bundesregierung ist bemüht, den steigenden Pflegebedarf mit gesetzlichen Regelungen und Anreizen für Altenpflegepersonal Rechnung zu tragen. Die geltenden Gesetze sind jedoch kaum geeignet, der drohenden Altersarmut von Pflegebedürftigen entgegenzuwirken.

In den vergangenen Wochen erhielten Hunderttausende Pflegeheimbewohner in Deutschland unerfreuliche Post: Die Pflegekosten sind erneut gestiegen. Für die einzelnen Heimbewohner bedeutet dies, dass sie – je nach Träger ihrer Einrichtung und Region – zwischen 200 und 500 Euro monatlich mehr für ihre Pflege ausgeben müssen. 

Im Bundesdurchschnitt mussten Heimbewohner 2017 allein für Pflegeleistungen 554,55 Euro zahlen, im Januar 2018 waren es durchschnittlich bereits 593 Euro. Nun drohen die Kosten zu explodieren. Zu den Pflegekosten kommen noch die für Essen und Unterkunft. Der Eigenanteil eines Pflegebedürftigen beträgt im Schnitt rund 1800 Euro, ein Platz im Pflegeheim kostet 3000 Euro. Das Dilemma: Die Rente reicht für diese Mehrkosten nicht mehr aus.  Ist auch das Ersparte aufgebraucht, springt die Sozialhilfe ein. Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos sind derzeit 3,4 Millionen Menschen in Deutschland auf Pflege angewiesen, und schon jetzt beziehen 37 Prozent der Bewohner von Pflegeheimen und drei Prozent der ambulant Gepflegten staatliche Hilfen zur Pflege. Diese Zahl wird sich in den kommenden Jahren durch die Kostensteigerungen in der Altenpflege weiter erhöhen. 

Die Pflegeversicherung fängt die Mehrkosten nicht ab, da im Sozialgesetzbuch nur ein feststehender Sockelbeitrag verankert ist. Dabei hatte die Bundesregierung versprochen, mittels der jüngsten Pflegereform demente Senioren besser zu versorgen und sie finanziell zu entlasten. Beides wurde nur unzureichend umgesetzt. 

Die Pflegestärkungsgesetze (PSG I–III), deren letzte Stufe seit dem 

1. Januar 2017 in Kraft ist, regeln nicht nur die bessere Anerkennung von Pflegebedürftigkeit, höhere Leistungen und die Verbesserung der Pflege auf kommunaler Ebene, sondern auch die Bezahlung von Pflegern nach Tarif. Der Tarifvertrag sieht vor, dass Pflegefachkräfte nicht schlechter bezahlt werden als beispielsweise Krankenschwestern, die durchschnittlich 600 Euro mehr pro Monat verdienen. Der Tarif in kommunalen Einrichtungen bewegt sich zwischen 2600 Euro brutto beim Einstieg und 3044 Euro nach sechs Jahren Berufserfahrung. Das Problem bei den Pflegekräften ist jedoch, dass viele Einrichtungen kirchliche Träger haben, die keinen Tarifvereinbarungen unterliegen. Es sind zwar in den vergangenen Jahren rund 80000 Stellen bei ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen geschaffen worden, in der Kranken- und Altenpflege sind aber 36000 Stellen unbesetzt. Die Pflegekosten in einem Heim spiegeln die Höhe der Personalkosten wider, die zwischen 70 und 80 Prozent ausmachen. 

Kritik hagelt es vor allem an dem Umfang der Erhöhung der Pflegekosten. Die Bezahlung des Personals nach Tarif wurde einfach auf die Heimbewohner umgelegt. Dabei gibt es zum Teil sehr große regionale Unterschiede. Grund für die  unterschiedliche Höhe des Eigenleistungsanteils ist, dass die Pflegesatz-Verhandlungen individuell zwischen Pflegekassen sowie Sozialleistungs- und Heimträgern verhandelt werden. So müssen Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen, Berlin, im Saarland und Bayern besonders hohe Beiträge zahlen. 

Angehörige beklagen, dass der Eigenanteil zwar drastisch gestiegen sei, wie im Beispiel der 107-jährigen Seniorin Lisbeth Exner aus Sachsen von 1322 auf 1734 Euro, aber ansonsten „alles beim Alten“ sei. Von einer Verbesserung der Pflege sei nichts zu spüren. 

Eine weitere Kostenexplosion steht ins Haus, wenn die Babyboomer-Generation (Jahrgänge 1955 bis 1969) pflegebedürftig werden. Dann wird die Zahl derjenigen, die für einen Rentner aufkommen müssen, geringer sein und die öffentlichen Kassen – nicht zuletzt wegen der dann immer noch niedrigen Löhnen – nicht voller. Das Pflegerisiko gerät immer mehr zum Armutsrisiko. 

Beantragt ein Pflegebedürftiger, dessen Rente für den Eigenanteil nicht ausreicht, Sozialhilfe, prüft das Amt, ob der Antragsteller Sparvermögen oder Immobilien hat. Dabei gibt es sogenannte Schongrenzen, die regeln, was man behalten darf. 2600 Euro Ersparnisse bleiben unangetastet. Auch beim Einkommen gelten Grenzen, bis zu denen Angehörige nicht herangezogen werden. In Schleswig-Holstein sind beispielsweise Häuser geschützt, wenn sie nicht unverhältnismäßig groß für die Bewohner sind. Dann tritt das Sozialamt darlehensweise ein holt sich das Geld im Erbfall aber zurück. 

Verbraucherschützer, Gewerkschaften und die Politik streiten seit Langem darüber, wie die Pflege künftig finanziert werden kann. Dass etwas getan werden muss, bezweifelt niemand. Laut einer Forsa-Umfrage sind 89 Prozent der Deutschen dafür, zusätzliche Mittel für die Pflege aus Steuergeldern bereitzustellen. Zumal laut Berechnungen des Statistischen Bundesamts 2018 Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen einen Überschuss von 58 Milliarden Euro hatten, wird die Mehrbelastung pflegebedürftiger Senioren als ungerecht empfunden. 

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schließt Zuzahlungen nicht aus. Mitte Januar hatte er angekündigt, er wolle die Finanzierung der Pflege langfristig „ganz neu austarieren“. Die Gewerkschaft Verdi verlangt, die Pflegeversicherung in eine Art Vollkaskoversicherung umzugestalten, die dann alle anfallenden Pflegekosten übernimmt, so wie es bei der gesetzlichen Krankenversicherung geregelt ist. Der seit Januar angehobene Pflegeversicherungsbeitrag von 3,05 Prozent vom Bruttolohn könnte zukünftig auf 4,25 Prozent steigen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält ein gemischtes System, nämlich die Finanzierung aus Steuermitteln und steigender Beiträge für die Pflegeversicherung, für sinnvoll. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks schlägt einen Bundeszuschuss von zunächst 1,5 Milliarden Euro vor, mit dem die höheren Pflegekosten aufgefangen werden, plus 2,3 Milliarden Euro von den Krankenkassen bei ambulanter Pflege und medizinischer Behandlungspflege in Heimen. Der Awo-Bundesverband hat eine Petition an den Deutschen Bundestag gestartet, um die Eigenanteile der Senioren in Pflegeheimen zu begrenzen. 

Am 15. März will der Bundesrat über den Hamburger Vorschlag beraten. 

Warum die FDP stagniert
Trotz guter Rahmenbedingungen dümpelt die Partei dahin
Peter Entinger

Für die FDP sind die Rahmenbedingungen derzeit ausgesprochen gut. Die Koalitionspartner Union und SPD, welche die Bundesregierung stellen, beharken sich andauernd. Zuerst beim Thema Asyl, nun bei der Suche nach einem neuen Rentenkonzept. Wirtschaftsminister Peter Altmaier, ein CDU-Mann und Vertrauter der Kanzlerin Angela Merkel, gilt in Berlin als nicht sonderlich innovativ. Und das Finanzministerium, geführt von SPD-Vize Olaf Scholz, macht keine Anstalten, das Leib-und-Magen-Thema der FDP, eine die Bürger finanziell entlastende Steuerreform, anzugehen. 

Trotz dieser Rahmenbedingungen liegen die Liberalen in allen Umfragen unterhalb der Zehn-Prozent-Marke. Die FDP leide noch immer darunter, dass viele Bürger ihr den Abbruch der Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition übel nähmen, sagen Demoskopen. Die FDP laufe niemandem hinterher, sagt Parteichef Christian Lindner. Auf dem Dreikönigstreffen Anfang Januar hat der Parteichef allerdings auch deutlich gemacht, dass das nicht bedeute, dass die Partei vor der Verantwortung weglaufen würde, wenn es denn ein faires Angebot zur Mitarbeit in einer Bundesregierung geben sollte. 

Die FDP-nahe „Wirtschaftswoche“ hat kürzlich den Begriff der „Verzwergung der Partei“ ins Spiel gebracht. Sie sieht im Auftreten des Vorsitzenden das zentrale Problem. Die FDP inszeniere sich wie die AfD als Partei „gegen den Zeitgeist“, Linder sei gefühlt gegen alles. An positiven Gestaltungsvisionen fehle es völlig. Sei die FDP früher eine ideologische Partei gewesen, habe sie diesen Part längst an die Grünen abgegeben. Zudem fehle es Lindner an einer durchgehenden Strategie. Der telegene FDP-Sonnyboy tingele stattdessen durch die Diskussionssendungen der Republik und gebe den Besserwisser. 

Die Regierungsparteien würden sich zu sehr mit sich selbst und zu wenig mit dem Regieren beschäftigen, sagte Lindner kürzlich. „Die beiden Regierungsparteien CDU und SPD haben sich auf die Couch gelegt und haben ihre seelischen Wunden bearbeitet und besprochen.“ Interne Kritiker unterstellen der FDP genau das gleiche Verhalten. Der Rauswurf aus dem Bundestag 2013 sei ein Trauma gewesen. Damals hatte sich die FDP als Regierungspartei den Ruf als Lobbyorganisation für Millionäre eingehandelt und sich auf offener Bühne zerlegt. Nun versammeln sich die Liberalen brav hinter ihren Vorsitzenden, der neben Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki das einzig bekannte Gesicht der Partei ist. Sonderlich attraktiv scheint das nicht zu sein.

»Eine reine PR-Aktion«
Der Kampf des Berliner Senats gegen die kriminellen Clans
Norman Hanert

Bundesweit haben die Behörden den Druck auf kriminelle Clans verstärkt. Einige Experten und Politiker betrachten das Vorgehen aber mit einiger Skepsis. Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, sagte etwa beim Europäischen Polizeikongress in Berlin, dass man einigen kriminellen arabischen und kurdischen Familienclans nur noch mit großem Aufwand Einhalt gebieten könne. Der BKA-Chef forderte, die Polizei solle sich verstärkt um Mehrfach-Intensivtäter aus Nordafrika kümmern. Münch äußerte die Sorge, aus diesem Milieu heraus könnten Strukturen wie zuvor bei einigen arabischen und kurdischen Familienclans entstehen. Der BKA-Chef dämpfte die Hoffnung auf einen schnellen Erfolg: „Probleme, die in 25 bis 30 Jahren entstanden sind, die lösen wir nicht in 25 bis 30 Tagen“. 

Auch Sebastian Fiedler, Vorsitzender beim Bund Deutscher Kriminalbeamter, betonte, der Kampf gegen die kriminellen Clans werde lange dauern und auch Personal benötigen. Fiedler warf der Politik vor, bei der Verfolgung krimineller Clans auf reine Showeffekte zu setzen: „Die Politik der kleinen Nadelstiche ist öffentlichkeitswirksam, trifft aber am allerwenigsten das Segment der organisierten Kriminalität. An der Stelle brauchen wir sehr viele hoch qualifizierte Kriminalisten.“ 

Zumindest in der deutschen Hauptstadt scheint fraglich, ob tatsächlich genügend Ermittler für einen jahrelangen Kampf gegen kriminelle Großclans zur Verfügung stehen. Zweifel äußerte etwa der FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe. Er hatte sich über eine parlamentarische Anfrage nach der Personalausstattung beim Berliner Landeskriminalamt erkundigt. Aus der Antwort des Senats geht hervor, dass die Zahl der Stellen beim Landeskriminalamt in den letzten zehn Jahren gestiegen ist. Dennoch erhob Luthe den Vorwurf, der Kampf gegen die Clans sei für den Senat „offenbar eine reine PR-Aktion“. Zur Begründung wies Luthe darauf hin, dass dieser sogenannte Phänomenbereich seit dem Jahr 2008 extrem gewachsen ist, „die darauf verwendete Arbeitszeit hingegen bestenfalls minimal“, denn bei den Angaben des Senats zur Personalstärke müssten beurlaubte Mitarbeiter und auch der „historisch hohe Krankenstand“ abgezogen werden. 

Für Ernüchterung hat auch eine Meldung im Zusammenhang mit der Beschlagnahmung von Immobilien einer kurdisch-libanesischen Großfamilie gesorgt. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte bereits im Sommer vergangenen Jahres 77 Objekte beschlagnahmt, darunter Eigentumswohnungen, Mehrfamilienhäuser, Baugrundstücke und sogar eine Kleingartenkolonie. Laut Recherchen des „Spiegel“ ist die Beschlagnahmung zwar in den Grundbüchern vermerkt, Mieteinnahmen würden aber weiterhin in den Libanon überwiesen. Hintergrund des Vorgehens soll ein Streit innerhalb der Berliner Staatsanwaltschaft sein. Laut dem „Spiegel“-Bericht sollen die für die organisierte Kriminalität zuständigen Staatsanwälte für eine Zwangsverwaltung der beschlagnahmten Immobilien sein, die neu eingerichtete Abteilung „Vermögensabschöpfung“ hingegen offenbar nicht. Bis ein rechtskräftiges Urteil über die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahmung vorliegt, dürfte noch einige Zeit dauern.


MELDUNGEN

Millionen für Parteien

Berlin – Die sieben im Bundestag vertretenen Parteien haben im Wahljahr 2017 insgesamt rund 90 Millionen Euro an Spenden von natürlichen und juristischen Personen, unter Letzteren vor allem Firmen, erhalten. Das geht aus den von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble dem Parlament vorgelegten Rechenschaftsberichten der Parteien hervor. Die mit Abstand meisten Spenden verbuchte die CDU mit rund 35,2 Millionen Euro. Die FDP erhielt rund 15,1 Millionen Euro, die SPD kam auf 14,5 Millionen Euro. Die CSU nahm rund 9,8 Millionen Euro an Spenden ein. Die AfD verbuchte rund 6,8 Millionen Euro Spenden, die Grünen rund 5,9 Millionen Euro und die Linkspartei 2,7 Millionen Euro Spendengelder.J.H.





Stabilitätsrat optimistisch

Berlin – Dem Bericht des Stabilitätsrats zufolge sind die öffentlichen Haushalte überwiegend in guter Verfassung. Mit Ausnahme Bremens und des Saarlands zeigten sich demnach keine Hinweise auf eine drohende Haushaltsnotlage. Grundsätzlich erwartet der Stabilitätsrat weiterhin gesamtstaatliche Finanzierungsüberschüsse. Mit Blick auf potenzielle Wachstumsrisiken sei aber für „eine solide und zukunftsorientierte Finanzpolitik Sorge zu tragen“. Eine zentrale Aufgabe des Stabilitätsrates ist die regelmäßige Überwachung der Haushalte des Bundes und der Länder mit dem Ziel, drohende Haushaltsnotlagen bereits in einem frühen Stadium zu erkennen, um rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Dem Stabilitätsrat gehören der Bundesfinanz- und der Bundeswirtschaftsminister sowie die Finanzminister der Länder an. Den Vorsitz führen gemeinsam der Bundesfinanzminister und der Vorsitzende der Finanzministerkonferenz der Länder.J.H.

S. 4 Lithium

Auch nicht besser als Öl
Grundstoff für E-Batterien wirft Probleme auf – Abbau ökologisch problematisch
Wolfgang Kaufmann

Lithium ist unverzichtbar für den Bau von Elektrofahrzeugen. Allerdings könnte sich dieser neue Schlüsselrohstoff bald als ebenso problematisch erweisen wie das Erdöl.

Das Leichtmetall Lithium, das in der Natur nicht in reiner Form, sondern nur in diversen chemischen Verbindungen wie Lithiumcarbonat und Lithiumhydroxid vorkommt, fand zunächst keine größere wirtschaftliche Verwendung. Das änderte sich, als sich das Element Anfang der 1990er Jahre als idealer Bestandteil von Akkumulatoren herausstellte. Die Lithium-Ionen-Akkus glänzen durch eine hohe Lebensdauer und Energiedichte bei relativ geringem Gewicht. Zudem verläuft das Wiederaufladen unkomplizierter als bei anderen Stromspeichern. Aus diesem Grunde kommen sie auch in Elektroautos zum Einsatz. Für Fahrzeuge mit E-Antrieb werden bis zu 50 Kilogramm Lithium benötigt.

Aufgrund der politisch gewollten Zuwächse bei der Elektromobilität ist die Nachfrage nach Lithium in den letzten Jahren enorm gestiegen. Und das treibt auch den Preis für den Rohstoff in die Höhe. 2005 kostete die Tonne Lithium lediglich 1460 US-Dollar, während die Kunden im Vorjahr zeitweise schon bis zu 16500 Dollar zahlen mussten. 

Doch es gibt noch ein weiteres Problem. Lithium gehört zwar nicht zu den seltenen Bestandteilen der Erdkruste, aber seine Förderung ist keineswegs einfach. Deshalb existieren mittlerweile Zweifel an der ausreichenden Verfügbarkeit des Leichtmetalls, wenn die Zahl der produzierten Elektrofahrzeuge in dem Maße steigen sollte wie prognostiziert. In diesem Fall dürfte sich die Nachfrage nach Lithiumcarbonat und Lithiumhydroxid bis 2035 mehr als verdreifachen. Dann bestünde die Gefahr, dass die Länder, in denen diese Rohstoffe gewonnen werden, nicht mehr mit der Produktion nachkommen. Zudem decken die bisher bekannten Lagerstätten den zu erwartenden Bedarf nur bis etwa 2050. Dann müssten technische Alternativen zum Lithium-Ionen-Akku verfügbar sein.

Außerdem sind da noch die politischen Unwägbarkeiten: China und die westlichen Industrienationen liefern sich ein Rennen um den Zugriff auf die Lithium-Vorkommen außerhalb des Reichs der Mitte. Der Ausgang ist ungewiss. Die außerchinesischen Vorkommen liegen zum Teil in eher instabilen Ländern wie Simbabwe, Afghanistan, dem Kongo und Bolivien. Bolivien, in dem es möglicherweise mehr Lithium gibt als irgendwo sonst auf dem Globus, gilt als Mischform zwischen Demokratie und Diktatur. Boliviens Präsident ist bereits seit 2006 der Vorsitzende der sozialistischen und kapitalismuskritischen Partei Movimiento al Socialismo (MAS), Evo Morales. Das gemahnt an das Beispiel des Erdölexporteurs Venezuela, der unter der Herrschaft der ebenfalls sozialistischen Partido Socialista Unido de Venezuela (PSUV) ins absolute Chaos stürzte.

Und zu guter Letzt verursacht der Abbau von Lithium auch erhebliche Umweltschäden, was besonders bei der oberirdischen Gewinnung von Lithiumhydroxid aus Salzseen der Fall ist. Hier beißt sich die Katze dann quasi in den Schwanz: Die angeblich umweltfreundliche Elektromobilität schafft ihrerseits ganz neue Umweltrisiken, die denen bei der Förderung und Verwendung des fossilen Energieträgers Erdöl kaum nachstehen.


Wo Lithium vorkommt
Das größte Einzelvorkommen beherbergt wohl Bolivien

Es gibt zwei Quellen für Lithium: lithiumhaltige Sole aus Salzseen und lithiumhaltige Minerale. Die global abbaubare Menge des Leichtmetalls wird auf rund 54 Millionen Tonnen geschätzt. 

Drei Viertel davon vermuten die Geologen im sogenannten Lithium-Dreieck Chile, Argentinien und Bolivien. Hier befinden sich die Salzseen Salar de Atacama, Salar del Hombre Muerto und Salar de Uyuni. Der Salar de Atacama weist mit 0,16 Prozent den weltweit höchsten Lithium-Gehalt auf, während der Salar de Uyuni, der in 3653 Metern Höhe in der bolivianischen Provinz Potosi liegt und eine Fläche von mehr als 10000 Quadratkilometern einnimmt, anscheinend das größte Einzelvorkommen von geschätzten 5,4 Millionen Tonnen beherbergt. Träfe dies zu, dann könnte der unterentwickelte Andenstaat quasi zum „Saudi-Arabien des Lithiums“ avancieren. 

Weitere ergiebige oberirdische Lagerstätten existieren in China beziehungsweise Tibet. Besonders zu erwähnen ist hier der Zabuye-Salzsee nordwestlich von Xigatse. Aus ihm sollen angeblich 1,5 Millionen Tonnen Lithium zu fördern sein.

Das derzeit vielversprechendste unterirdische Lithium-Sole-Becken wurde im Cauchari-Gebiet in der argentinischen Provinz Jujuy gefunden. Kürzlich vorgenommene Probebohrungen lassen auf rund drei Millionen Tonnen Lithium in Tiefen von rund 300 Metern und mehr hoffen. 

Und dann sind da noch die Vorkommen vom lithiumhaltigen Erzen in den USA, Kanada, Mexiko, Brasilien, dem Kongo, Simbabwe, Russland, Portugal, Österreich, Finnland, Afghanistan und Australien. Allein in den Minen des besonders reichlich mit Rohstoffen gesegneten Fünften Kontinents liegen wohl weitere 1,5 Millionen Tonnen Lithium.

In der Bundesrepublik wurde inzwischen ein größeres Lithium-Vorkommen bei Altenberg im Osterzgebirge lokalisiert. Dort kommt das Mineral Zinnwaldit vor, das neben Eisen und Aluminium auch Lithium enthält. Möglicherweise lassen sich daraus um die 125000 Tonnen Lithium gewinnen – bei geschätzten Kosten von 4000 US-Dollar pro Tonne, womit der Abbau tatsächlich rentabel wäre.W.K.


Vielfältige Verwendung in der Medizin

Wir alle nehmen Lithium ständig in geringen Mengen mit dem Trinkwasser sowie Fisch, Fleisch, Eiern und Milchprodukten auf. Und das wohl zu unserem Nutzen, denn das Leichtmetall taugt offenbar zum Wundermittel, was die Wirkung auf den menschlichen Körper betrifft. 

Anfang der 1950er Jahre entdeckte der australische Psychiater John Cade, dass Lithiumsalze wie Lithiumcarbonat bei manisch-depressiven Störungen beziehungsweise affektiven Psychosen, therapieresistenter Schizophrenie und Cluster-Kopfschmerz eine deutliche Besserung herbeiführen können. Wahrscheinlich regt das Leichtmetall die Produktion des „Glückshormons“ Serotonin an und reduziert zugleich den Ausstoß von eher problematischen psychotropen Substanzen. Jedenfalls belegen Studien österreichischer, US-amerikanischer und japanischer Forscher, dass die Selbstmord- und Kriminalitätsrate in Regionen, in denen der natürliche Lithium-Anteil im Trinkwasser besonders hoch ist, deutlich unter dem Durchschnitt liegt.

Aufgrund dessen gehört Lithium zu den wichtigsten Medikamenten der modernen Psychiatrie, obwohl es diverse unerwünschte Nebenwirkungen hervorzurufen vermag. Dazu zählen Müdigkeit, Gewichtszunahme, Durchfall, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, Übersäuerung des Blutes sowie Einschränkungen der Schilddrüsen- und Nierenfunktion. Bei zu hoher Dosierung besteht daher sogar Lebensgefahr.

Andererseits könnte sich Lithium auch noch als Geheimwaffe im Kampf gegen die Alzheimer-Demenz erweisen. Im Tierversuch gelang es immerhin schon, Symptome der Krankheit wie Vergesslichkeit vermittels Lithiumgaben zu reduzieren. Das wird damit erklärt, dass das Leichtmetall dem Abbau von Gehirnzellen entgegenwirke. Des Weiteren fand der Altersforscher Michael Ristow einen statistischen Zusammenhang zwischen der Lithium-Konzentration in natürlichen Umwelten und der durchschnittlichen Lebenserwartung der Menschen dort.W.K.


Zeitzeugen

Evo Morales – Der seit Januar 2006 amtierende bolivianische Präsident, der jetzt eine vierte Amtszeit anstrebt, obwohl die Verfassung seines Landes das eigentlich verbietet, setzt überaus große Hoffnungen in die Lithium-Vorkommen am Salzsee Salar de Uyuni: „Lithium ist das neue Erdgas.“ Mit den Milliardeneinnahmen aus der Förderung des Rohstoffes war es Morales in den zurückliegenden Jahren gelungen, die breite bolivianische Unterschicht mit allerlei sozialen Wohltaten ruhigzustellen.

Johan August Arfwedson – Bei der Analyse diverser Mineralienfunde von der Insel Utö entdeckte der schwedische Chemiker 1817 ein fremdes Element, das er zunächst „Lithion“ (von griechisch „Lithos“, zu Deutsch „Stein“) nannte. Für die Entdeckung erhielt er 1841 die Goldmedaille der schwedischen Akademie der Wissenschaften.

Peter Buchholz – Angesichts der Tatsache, dass es nur relativ wenige Unternehmen auf der Welt gibt, die größere Mengen von Lithium abbauen, äußerte der Leiter der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) im Sommer 2017 im Interview mit der „Welt“: „Wer den globalen Öl-Markt mit der OPEC als Kartell für konzentriert hält, der hat sich noch nicht mit Märkten wie dem für Lithium beschäftigt.“

Juliana Ströbele-Gregor – Nach Ansicht der Berliner Ethnologin und Ehefrau des Grünen-Politikers Hans-Christian Ströbele werde der Lithium-Abbau an den Salzseen in Südamerika bald zu großen ökologischen und sozialen Problemen führen: „Besonders besorgniserregend ist die Wasser- und Bodenkontaminierung sowie die Verknappung von Wasser. Es fehlt schon jetzt eine nachhaltige Wasserversorgung und Abwasserbehandlung.“

Lars-Peter Häfele – Für den Geschäftsführer der Unternehmensberatung Inverto steht fest, dass die Beschaffung von Spezialrohstoffen wie Lithium, Kobalt und Seltene Erden derzeit ganz erheblichen Risiken unterliege. Das sei im Übrigen auch die Meinung vieler Unternehmensführer in der Autobranche, die den Rohstoffnachschub mittlerweile für deutlich problematischer hielten als den Absatz ihrer Produkte.


S. 5 Preussen/Berlin

Die Angst auf den Ämtern
Berlin: Prüfgeräte für Passfälschungen fehlen immer noch in fast allen Bezirken
Norman Hanert

Schon 2012 hatte der damalige Innensenator Frank Henkel (CDU) die Berliner Bezirke aufgefordert, ihre Bürgerämter mit Dokumentenprüfgeräten auszustatten. Die Geräte sind mit Daten aus aller Welt gefüttert und können innerhalb von Sekunden selbst gut gefälschte Ausweise, Pässe und Führerscheine identifizieren. Sieben Jahr nach der Aufforderung des Innensenators setzt nur ein Berliner Bezirk die Geräte ein. 

Lediglich Neukölln nutzt die von der Bundesdruckerei entwickelten Dokumentenprüfgeräte schon seit einiger Zeit und auch mit Erfolg. Im Hinblick auf die anderen elf Bezirke fühlen sich Beobachter inzwischen schon an die Endlos-Geschichte des neuen Berliner Großflughafens erinnert. Der CDU-Abgeordnete Stephan Schmidt erklärte unlängst im Nachgang zu einer Anhörung im Abgeordnetenhaus: „Erst waren die Mitarbeiter nicht geschult, dann fehlte es angeblich an Platz auf den Schreibtischen. Die Liste der Hinderungsgründe setzt sich fort. Heute nun setzen Personalvertreter durch ihr Nichterscheinen der Posse eine neue Krone auf.“ 

Tatsächlich waren aus den Bezirken mittlerweile schon die verschiedensten Gründe zu hören, warum die Einführung der Prüftechnik nicht vorankommt. Gleich in der Frühphase des Projekts hatten die Bezirke geklagt, ihnen würde das Geld für die Anschaffung der Geräte fehlen. Später hieß es, Personalmangel erlaube es nicht, Mitarbeiter zur Bedienung der Prüftechnik auszubilden. Einige Bezirke machen bis heute geltend, ihre Mitarbeiter würden gefälschte Pässe auch schon jetzt zuverlässig erkennen. 

Das Ergebnis eines behördenübergreifenden Einsatzes an der Neuköllner Hermannstraße lässt allerdings befürchten, dass im Behördenalltag viele Fälschungen nicht entdeckt werden.  Bei der Aktion waren zwölf Pässe kontrolliert worden, davon stellten sich zwei als Totalfälschungen heraus. Eingesetzt hatten die Beamten eine mobile Variante der Dokumentenprüfgeräte. 

Der von Innensenator Andreas Geisel (SPD) einmal als letzte Frist genannte Herbst 2018 ist mittlerweile verstrichen. Letzter Stand ist nun die Ankündigung, im Frühjahr dieses Jahres solle ein Probebetrieb starten, für den Herbst wurde der reguläre Einsatz auf den Bürgerämtern angekündigt. Dass es bei diesem Fahrplan bleibt, ist keineswegs garantiert. 

Neben dem Hauptpersonalrat des Landes Berlin müssen nämlich auch die Personalräte in den Bezirken zustimmen. Bei ihnen soll es aber starke Bedenken zur Sicherheit der Mitarbeiter geben. Befürchtet werden offenbar gefährliche Situationen, wenn die Mitarbeiter auf den Bürgerämtern auf Passfälschungen stoßen und diese einziehen müssen. 

Während einer Anhörung im Abgeordnetenhaus machte der Experte Wolfgang Volland deutlich, wie wichtig die Prüfgeräte seien. Volland, der im Berliner Landeskriminalamt Spezialist für Urkundenprüfungen war, sagte: „Berlins Bürgerämter schaffen Tag für Tag mit gefälschten Pässen falsche Identitäten.“ 

Erkennen die Mitarbeiter auf den Bürgerämtern vorgelegte Pässe nicht als Fälschungen, dann kann dies weitreichende Folgen haben: Betrüger können sich unter falscher Identität anmelden und Sozialleistungen beziehen oder ein Konto eröffnen. Hinzu kommt ein Sicherheitsrisiko: Der islamische Terrorist Anis Amri, der im Dezember 2016 das Attentat auf einen Berliner Weih­nachtsmarkt verübte, war in Deutschland mit 14 verschiedenen Identitäten unterwegs. 

Berlins Innensenator legte schon 2015 eine Schätzung vor, wonach durch jede Anmeldung mit einem gefälschten Pass ein Betrugsschaden von bis zu 40000 Euro entsteht. Stephan Lenz, Sprecher der Berliner CDU-Fraktion für Digitale Verwaltung, äußerte sogar die Befürchtung, dass mit gefälschten Pässen über Jahrzehnte hinweg Sozialleistungen erschlichen würden.

Gerade für Berliner hat die Frage, ob vorgelegte Identitätspapiere echt oder falsch sind, eine hohe Bedeutung: Gut 25 Prozent der Bewohner der Stadt haben keinen deutschen Pass. Der Anteil wird in den kommenden Jahren noch weiter ansteigen. Wie Geisel vor Kurzem im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses sagte, leben in Berlin 11012 abgelehnte, aber geduldete Asylbewerber. Nach Angaben des Senators ist die Zahl der Abschiebungen aus Berlin im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Die Hauptstadt hat im vergangenen Jahr insgesamt 1182 Personen abgeschoben. Geisel betonte den Vorrang von freiwilligen Ausreisen. 

Bundesweit ist mittlerweile eine Entwicklung zu beobachten, die sich an das Kirchenasyl anlehnt. In immer mehr Städten gründen sich Initiativen, die ein sogenanntes Bürger-Asyl etablieren wollen. Ziel der Initiatoren ist es, abgelehnten Asylbewerbern in Privatwohnungen Unterschlupf zu gewähren, um Abschiebungen zu verhindern und ein Bleiberecht zu erlangen. In Berlin hat sich bereits im vergangenen Jahr eine Initiative namens „Bürger*innen-Asyl Berlin“ gegründet. Seit Kurzem wirbt auch im Land Brandenburg ein „Barnimer Bürger*innen-Asyl“ dafür, ausreisepflichtige Ausländer zu verstecken, um deren Ausweisung zu verhindern.


Dann eben eine »Strukturreform«
Theo Maass

Strukturreform ist das Zauberwort, mit dem sich jeder neue Geschäftsführer oder „Präsident“ in der öffentlichen Verwaltung ein Denkmal setzen will. Nachdem Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) den bisherigen Polizeipräsidenten Klaus Kandt in den einstweiligen Ruhestand versetzt hatte, hat er die 52-jährige Barbara Slowik auf diesen Posten befördert. 

Kandt war seinerzeit vom Innensenator Frank Henkel (CDU) ernannt worden. Geisel erklärte öffentlich, er habe zu Kandt kein  Vertrauen. Der Mann hatte eine lange Polizeikarriere, die ihn immerhin in die GSG 9 brachte, hinter sich. 

Slowik kennt keinen Polizeidienst aus der Praxis. Dafür verbreitet sie sich gern über die Sicherheitslage Berlins: „Ich bewege mich überall ganz allein in dieser Stadt.“ Solche Äußerungen dürften dem Senator gefallen, denn das Sicherheitsempfinden vieler Berliner sagt das Gegenteil aus. Nun macht Slowik das, was andere Verwaltungschefs auch machen, wenn sie nicht mehr weiter wissen und sich in der Öffentlichkeit als „Macher“ präsentieren wollen: eine „Strukturreform“. 

Aus den bisherigen sechs Polizeidirektionen will sie fünf machen. Norbert Cioma (50), Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), ist empört: „Mittwochfrüh um 9 Uhr war ich mit meiner Stellvertreterin bei Innensenator Andreas Geisel. Wir waren eingeladen zum Gespräch, dann saß da auch noch Frau Slowik. Und dann sind auch wir darüber in Kenntnis gesetzt worden ... Wir  repräsentieren die Kollegen, wir haben das Fachwissen. Machen wir uns nichts vor: Wenn man sich im Elfenbeinturm etwas ausdenkt, ist es gut, qualitativ gut – kann sein. Doch ob es auch an der Basis ankommt und dort praktikabel ist, das ist die große      Frage. Wir, das Sprachrohr für die Kollegen, möchten vorher unser Pro und Contra dazu abgeben ... Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich war sprachlos. Ich hätte mir gewünscht, dass wir früher ins Boot geholt werden. Zumindest in Grundzügen in Kenntnis gesetzt werden.“ 

Fassen wir zusammen: No-go-Areas, unhaltbare Zustände an der Polizeischule, arabische Clans, die ganze Straßenzüge kontrollieren, Schutzgelderpressung von Geschäftsleuten, Jugendbanden, die „Bonzenkinder“ in Zehlendorf überfallen, eine florierende Drogenszene am Görlitzer Park und, und, und ... Doch Frau Polizeipräsidentin erklärt, sie bewege sich allein durch die Stadt und macht gegen den Willen der betroffenen Polizisten vor Ort eine Strukturreform. Soll das Ganze dazu dienen, in den Wohnquartieren Berlins ein trügerisches Sicherheitsgefühl zu verbreiten? 

Wieder Ärger bei der Polizei
Berlin: Dauerproblem Polizeiakademie schwelt weiter

Berlins Polizeinachwuchs kommt nicht aus den Schlagzeilen. In den Morgenstunden des 16. Februar verursachte ein 26-jähriger Polizeianwärter in Berlin-Reinickendorf einen Unfall und versuchte zu flüchten. Gegenüber eintreffenden Einsatzkräften reagierte er äußerst aggressiv, leistete Widerstand. Zwei Beamte erlitten bei der Auseinandersetzung mit dem Mann leichte Verletzungen. Da offenbar auch der Verdacht auf Trunkenheit bestand, wurde eine Blutentnahme angeordnet. 

Bereits im Januar soll ein Auszubildender der Berliner Polizei­akademie angetrunken und ohne Führerschein mit einem unversicherten Auto durch Berlin gefahren sein. Ein anderer Polizeischüler hatte sich im Dezember vergangenen Jahres eine Strafanzeige eingehandelt. Er hatte in einem Internetvideo erklärt, wie er eine große Kaffeehaus-Kette um Einnahmen betrügt. 

An der Akademie werden derzeit rund 2500 Nachwuchspolizisten ausgebildet. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Berichte über Probleme mit der Disziplin von Polizeischülern, schlechte Prüfungsergebnisse und sogar schlechte Deutschkenntnisse bei einem Teil des Polizeinachwuchses. Akademie-Leiterin Tanja Knapp kündigte im November mehr Deutschunterricht für die Polizeischüler an.

Tatsächlich prägen zunehmend Beamte mit ausländischen Wurzeln das Bild der Berliner Polizei. Im mittleren Polizeidienst liegt der Anteil von Polizeischülern und Polizisten, die einen Immigrationshintergrund haben, bei mehr als 40 Prozent. Beim jüngsten Ausbildungsjahrgang der Polizeiakademie ist der Anteil sogar auf 45 Prozent gestiegen. 

In der Abendshow des Senders RBB äußerte sich Thomas Wüppesahl von der Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten skeptisch zum Zustand der Polizei in der deutschen Hauptstadt. Wüppesahl sprach unter anderem auch davon, dass es „Informationslinien“ von Polizeibeamten zu Mitgliedern arabischer Clans gäbe. Da seien familiäre Beziehungen „bedeutsamer als die des Rechtsstaats“. Der ehemalige Polizist ging auch auf die Ausbildung und die Personalauswahl in Berlin ein. 

Laut Wüppesahl sind die Anforderungen an den Nachwuchs massiv heruntergeschraubt worden, „Viele derjenigen, die jetzt zu Polizeibeamten und -beamtinnen ausgebildet werden, wären vor 20 oder 30 Jahren nicht angenommen worden.“  N.H.


Palmer bei CDU
Grünen-Politiker erzürnt Parteifreunde
Frank Bücker

Tübingens Bürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat Berlin besucht. Er traf sich mit dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger. Der zeigte Palmer neuralgische Punkte der Stadt. Für ihre „Berlin-Tour“ hatte die CDU einen Bus gemietet, um viele Medienvertreter mitnehmen zu können. In Sachen Verkehrspolitik findet Palmer Berlin zu „autolastig“. Bei Immigranten, öffentlicher Sicherheit und Verwaltung scheint er aber eher der CDU nahezustehen. 

Im Vorfeld des Besuchs hagelte es vonseiten der Berliner Grünen schwere Kritik an Palmer. Fraktionschefin Antje Kapek schimpfte, dass Dregger „so einen Irren wie Palmer eingeladen“ habe. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop forderte Palmer auf, „woanders die Kehrwoche (zu) zelebrieren“, er ertrage nicht „Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust in Berlin“. Palmer hatte zuvor bemängelt: „Vieles klappt einfach in der Hauptstadt erkennbar nicht. Vom Schulwesen über den Nahverkehr bis hin zur sichtbaren Verwahrlosung des öffentlichen Raums, was Drogen, Armut und Kriminalität angeht.“ Als Dregger und Palmer im Görlitzer Park auftauchten, waren dort keine Drogendealer zu sehen. 

Eine Stunde zuvor hatte ein starkes Polizeiaufgebot den Park „geräumt“. Palmer ironisch: „Wenn es so war, hat mein Besuch mehr Gutes bewirkt, als ich je gedacht hätte. So wie der Park heute war, erschien er mir wie ein Kleinod.“ Seinen Parteifreunden riet er: „Man sollte die Probleme aber anerkennen und sie nicht verharmlosen oder mit Weltoffenheit verwechseln.“ 

Garnisonkirche: Der Turm wächst

Beim Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche haben die Hochbauarbeiten begonnen. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste sind am 18. Februar auf dem Grundstück an der Breiten Straße die ersten Ziegelsteine für den Kirchturm vermauert worden. Nach Angaben der Stiftung Garnisonkirche Potsdam wird eine Dresdner Firma insgesamt rund 2,3 Millionen Ziegelsteine verbauen. Der Turm soll knapp  90 Meter hoch werden. Wenn es die Temperaturen zulassen, könnte die Höhe des ersten Stockwerks bereits Ende Mai oder Anfang Juni gemauert sein. Insgesamt liegt der Wiederaufbau allerdings ein Jahr hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Probleme bei den Bohrungen für die Grundpfeiler des Turms haben allein zu einem Zeitverzug von einem halben Jahr geführt. Winterwetter sorgte für weiteren Stillstand. Wieland Eschenburg, Sprecher der Stiftung, hatte zuletzt den Sommer 2021 als möglichen Fertigstellungstermin des Kirchturms genannt. N.H.


S. 6 Ausland

Rund 20 Demokraten gegen Trump
Noch ist völlig unklar, wer den aktuellen US-Präsidenten 2020 herausfordern wird
Peter Entinger

Vorwahlen sind in den Vereinigten Staaten traditionell langwierig und spannend. Bei den Demokraten gibt es bereits jetzt ein Hauen und Stechen darum, wer im kommenden Jahr gegen den republikanischen US-Präsident Donald Trump antreten wird.

Dass sich der Amtsinhaber der Wiederwahl stellen wird, gilt als sicher. Ernsthafte Konkurrenz aus den eigenen Reihen droht ihm offenkundig keine. Und so konzentrieren sich die Blicke der Weltöffentlichkeit auf die oppositionellen Demokraten, bei denen Trumps Vorgänger Barack Obama nach wie vor die Strippen zieht. Obama, in Europa weitaus beliebter als in seiner Heimat, ist aus der Tradition ausgeschert, die besagt, dass ein Vorgänger sich niemals über seinen Nachfolger äußert. Der Ex-Präsident gehört zu den schärfsten Kritikern Trumps. 

„Barack Obama soll den möglichen Herausforderern von Donald Trump Rat und Richtung geben. Manch einer hofft auch, dass der ehemalige Präsident früh einen Favoriten benennt“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unlängst. Doch ob der Demokrat diesen Wunsch erfüllen wird, ist unklar. Obama habe aber John Philips und David Jacobsen, beide waren unter ihm Botschafter in Kanada beziehungsweise Italien, ausgesandt, um das Terrain zu sondieren. Beide seien dabei, Treffen von ehemaligen Spendern Obamas mit ausgewählten Bewerbern zu organisieren. Denn der Vorwahlkampf ist lang und kostenintensiv. Und 

Obama kennt die Spielregeln wie kein anderer. Die „New York Times“ berichtete kürzlich, der Ex-Präsident werde sein Votum dann abgeben, wenn absehbar sei, wer die größte Zahl an Unterstützern hinter sich versammeln dürfte.

Neben bereits feststehenden, aber eher unbekannten Bewerbern wie dem ehemaligen IBM-Manager Cory Booker, die Indo-Afroamerikanerin Kamala Harris oder der Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota wurde zuletzt auch der Name von Senator Sherrod Brown aus Ohio genannt. 

Der populärste potenzielle Kandidat der Demokraten hat sich bisher nicht geäußert. Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden sieht sein Alter von 76 Jahren als größte Hürde für eine Präsidentschaftskandidatur. In den vergangenen Wochen und Monaten habe er mit Freunden und Anhängern intensiv über die Frage gesprochen, ob er zu alt sei, um noch einmal anzutreten, berichten US-Medien. Einige rieten ihm, sich einen jungen Vizepräsidentschaftskandidaten zu suchen. Als ein möglicher Anwärter gilt demnach der Abgeordnete Beto O’Rourke. 

Biden hat bereits zweimal an den Vorwahlkämpfen teilgenommen, einmal gegen Obama verloren, der ihn dann zu seinem Vizepräsidenten machten. 2016 überließ er Hillary Clinton den Vortritt, die Ehefrau von Ex-Präsident Bill hatte die größeren Sponsoren in der Hinterhand. Verloren hat sie gegen Trump trotzdem. Es gibt viele in der Demokratischen Partei, die sicher sind, dass Biden gewonnen hätte. Der Altstar ist beliebt, sogar bei den Republikanern. Viele von ihnen, die mit Trumps ruppiger Art fremdeln, könnten sich mit einem Präsidenten Biden anfreunden. 

In seiner eigenen Partei sieht es anders aus. Der Stachel, dass mit Hillary Clinton eine Vertreterin des Establishments gegen Trump verlor, sitzt tief. Zudem ist die Partei in der Opposition nach links gerückt. „Jeder Kandidat wird nach seiner Vergangenheit bewertet. Entscheidend aber ist, wofür man in der Zukunft stehen will“, sagt Mary Anne Marsh, Wahlkampfstrategin für die Demokraten, vielsagend. 

Aber wer könnte die Zukunft vertreten? Die „No Names“, mit denen sich Obamas Spender getroffen haben? Oder doch die linke Juristin Elizabeth Warren, die gemäßigte Kirsten Gillibrand, der jugendliche Latino Julian Castro oder die Außenseiterin Tulsi Gabbard, die ebenfalls Ambitionen angemeldet haben. „Die Energie der Partei fließt in Frauen mit diversem Hintergrund, die schon bei den Midterms für eine blaue Welle sorgten. Dieses Potenzial will man auch für 2020 nutzen“, sagte Strategin Marsh gegenüber dem „Handelsblatt“. 

Und was will Obama? Einiges deutet darauf hin, dass Senkrechtstarter Castro sein Mann werden könnte. Der 44-Jährige ist studierter Jurist und war von 2014 bis 2017 Wohnungsbau- und Stadtentwicklungsminister im Kabinett Obamas. 

Ebenfalls Chancen könnte der 55-jährige John Delaney haben. Er vertrat von 2013 bis 2019 den US-Bundesstaat Maryland im US-Repräsentantenhaus und galt mit einem geschätzten Vermögen von 92 Millionen US-Dollar als der reichste demokratische Kongress-abgeordnete, ein nicht unerheblicher Faktor im US-Wahlkampf. Auch Eric Garcetti, Bürgermeister von Los Angeles, wird genannt. 

Am Ende könnten es knapp 20 Bewerber werden, schätzen US-Medien. 2016 waren es nur fünf. Damals hatte Obama Clintons Kandidatur unterstützt. Hillary und ihr Mann Bill spielen bei der Auswahl keine Rolle mehr. Auch wenn sie neulich mit einer Kandidatur kokettierte und erklärte, sie „wäre gerne Präsidentin“. Ihr schwacher Wahlkampf habe Trumps Sieg erst ermöglicht, sagen dagegen führende Demokraten. Und so warten alle auf einen Hinweis von Obama. 

Doch zusätzliche Gefahr droht möglicherweise noch von anderer Seite. Der Linksradikale Bernie Sanders will es offenbar noch einmal wissen. Der parteilose Senator hatte sich bereits um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten für die Wahl 2016 beworben und dabei Hillary Clinton das Leben schwer gemacht.


Kirche verschafft sich Gehör
Slowakei: Justizminister entspricht Forderung der Bischofskonferenz
Thomas W. Wyrwoll

Die katholische Slowakische Bischofskonferenz hat Justizminister Gábor Gál von der ungarisch-slowakischen Partei Most-Híd (Brücke) bei einem Gespräch dazu bewegt, in seinem Gesetzesentwurf zur künftigen Annahme von Gesetzen durch den Nationalrat der Slowakischen Republik eine Regelung aufzunehmen, nach der hierbei in jedem Fall eine Stellungnahme seitens der katholischen Kirche erforderlich ist. 

Der ethnische Magyare Gál gehörte vor zehn Jahren zu den Gründungsmitgliedern seiner Partei, die für die gegenwärtige Regierungskoalition und ein gedeihliches Zusammenleben der lange Zeit verfeindeten Ungarn und Slowaken in der Slowakei von elementarer Bedeutung ist, sodass seine Entscheidung in dieser Sache Gewicht besitzt. Die Bischofskonferenz hatte Ende Januar gemeinsam mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen und dem Zentralverband Jüdischer Gemeinden eine Erklärung veröffentlicht, nach der die katholische Kirche die slowakische Gesetzgebung stellvertretend auch für die übrigen Kirchen und das Judentum begutachten soll. 

Das Justizministerium wiegelte die aufflammende Kritik an diesem Zugeständnis gegenüber den Religionsgemeinschaften inzwischen mit dem Argument ab, dass die Kirche auch jetzt schon Stellung zu Gesetzen beziehe und sich insofern nichts ändern würde. Der Politikwissenschaftler, Historiker und Journalist Juraj Marušiak von der Slowakischen Akademie der Wissenschaften hielt derartigen Beschwichtigungen entgegen, dass allein schon die Aufnahme eines solchen Passus dem säkularen Geist der Verfassung widerspräche. Eine ähnlich weitgehende gesetzlich sanktionierte Einflussnahme der Kirche gibt es in keinem anderen Land Europas.

Im Rahmen dieser Diskussion goss jetzt der Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz, Anton Ziolkovský, Öl ins Feuer. In einer schriftlichen Stellungnahme zur parlamentarischen Beratung eines neuen Gesetzes zum Schwangerschaftsabbruch lobte er ausdrücklich Marian Kotleba und dessen Partei „Kotleba – Volkspartei Unsere Slowakei“, die sich an den vor 

80 Jahren gegründeten Slowakischen Staat des Priesters Andrej Hlinka anlehnt (siehe PAZ Nr. 10 vom 8. März 2019). 

Der päpstliche Kammerherr ab 1924 und apostolische Pronotar ab 1927 hatte mithilfe des Deutchen Reiches den ersten unabhängigen slowakischen Staat begründet, was ihm eine bis heute nachwirkende Verteufelung durch linke und tschechoslowakistische Kreise eintrug. Die neue Slowakei hat Hlinkas Verdienste hingegen durchaus gewürdigt. Sein geistiger Nachfolger Kotleba ist mit seiner Kritik am NATO-Beitritt der Slowakei und anderer slawischer Staaten sowie durch die Benennung der im Lande bestehenden erheblichen Probleme mit Zigeunern zum primären Enfant terrible im politischen System des Staates und Erzfeind von dessen prowestlichen Politgrößen geworden.

Dass Ziolkovský Kotleba jetzt als moralische Autorität charakterisierte und zugleich eine nachdrückliche Wahlempfehlung für den Fraktionspartner der bundesdeutschen NPD im Europaparlament aussprach, dürfte bei den etablierten Politikern der Slowakei die Alarmsirenen schrillen lassen.

Offener Tabubruch
Türkinnen posten von sich alte Bilder mit und neue ohne Kopftuch
Bodo Bost

Ein neuer Trend im Internet: #10YearChallenge. Internetnutzer posten von sich ein zehn Jahre altes und ein aktuelles Foto. Das hat auch eine Türkin gemacht. Auf dem einen Foto ist sie zu sehen, wie sie lacht und ein Kopftuch trägt. Letzteres ist eng um ihren Kopf gewickelt, man sieht kein einziges Haar, keinen Zentimeter Hals. Das andere Bild zeigt sie, wie sie ihr Kinn in die Höhe reckt und verschmitzt in die Kamera lächelt. Ihr braunes Haar fällt in Wellen auf ihre Schultern. Diese zwei an sich privaten Bilder werden in der Türkei zum Politikum, weil sie der Islamisierungspolitik Recep Tayyip Erdogans zuwiderlaufen. 

Wie ein Muslim vom Islam nicht abfallen darf, darf eine Frau, die einmal ein Kopftuch anhatte, dieses nicht mehr in der Öffentlichkeit ablegen, allein schon aus Prinzip. Niemand werde ja gezwungen, es anzulegen, so wird argumentiert. Aber wenn eine Frau es einmal angelegt habe, dann müsse sie es immer anbehalten. Zum Wesen des Islam gehöre es ja, dass er nur eine Richtung, zum Sieg und zu Allah, kenne. 

Angestoßen wurde die Kampagne auf den sozialen Medien von Büsra Cebeci. Die junge Journalistin hat viele Nachahmer gefunden, die ihre Entscheidung gegen das Kopftuch öffentlich gemacht haben. Es haben sich ganze Blogs gebildet, in denen Frauen von ihren Erfahrungen mit dem Ablegen des Kopftuchs berichten. 

Manche von säkularer Seite bezeichnen diese Bewegung als eine Befreiung, während andere von konservativer Seite sie als Verrat bezeichnen und den Frauen vorwerfen, sie hätten eine geheime Agenda. Erdogan sieht dahinter eine gezielte Manipulation durch Anhänger der von der türkischen Regierung als Terrororganisation bezeichneten Gülen-Bewegung oder Adnan Oktar, einem religiösen Kultführer.

Das Kopftuch, das Frauen nach islamischer Lesart anlegen sollen, um die Männer nicht zu reizen, sei nur ein Werkzeug, um Frauen zu kontrollieren, behaupten die Organisatoren der Kampagne. Frauen mit Kopftuch können zum Beispiel nicht öffentlich küssen, Alkohol trinken oder tanzen. Wenn Frauen es doch tun, machen sie sich angreifbar, denn fast jeder hat heute ein Mobiltelefon mit Kamera und kann Fotos online stellen. Konservatismus und Kontrolle bedingen sich gegenseitig. Mit Mobiltelefonen ist die Kontrolle noch allumfassender möglich. 

Viele Organisatoren der Kopftuchbewegung sind der Überzeugung, dass die Frauen, die ihre Fotos in den sozialen Medien teilen, nicht unbedingt politisch sind, viele tun es einfach aus Solidarität mit anderen Frauen, die ebenfalls ihr Kopftuch ablegen und diese Entscheidung öffentlich machen. Das Kopftuch ist in der Türkei ein symbolträchtiges Kleidungsstück wie wohl kein anderes. Seit der Republikgründung vor 100 Jahren steht es in der türkischen Politik zwischen den Fronten des politischen Islam auf der einen Seite und des kemalistischen Säkularismus auf der anderen.

Nach dem Militärputsch von 1980 wurde das Kopftuch an Universitäten und öffentlichen Einrichtungen verboten. Die Armee wollte islamischen Tendenzen in der Politik vorbeugen. Als die AKP unter Recep Tayyip Erdogan an die Macht kam, drehte er den Trend um. Zuerst hob er das Kopftuchverbot an den Universitäten auf, später im öffentlichen Dienst, in der Armee und zuletzt im Parlament. Mit dem Kopftuch möchte Erdogan den Islam retten.

MELDUNGEN

Sudan spinnt goldene Drähte

Minsk/Khartum – Weißrussland und die nordostafrikanische Republik Sudan haben volle diplomatische Beziehungen aufgenommen. Der sudanische Präsident Umar al-Baschir hielt sich zur Eröffnung der neuen Botschaft seines Landes in Minsk auf und führte dabei Gespräche mit seinem weißrussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko. Hierbei wurde bekannt, dass der afrikanische Riesenstaat weißrussischen Firmen eine zweite Goldmine zur Ausbeutung übertragen hat. Auch Russland konnte sich zuvor um-fangreiche Förderrechte im eins-tigen Goldland des Alten Ägypten sichern.T.W.W





Strom aus Tschernobyl

Tschernobyl – Über 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe wird in  Tschernobyl wieder Strom erzeugt. 3800 Solarpaneele wurden in nur 100 Meter Entfernung vom havarierten Reaktorblock gebaut, die bis zu einem Megawatt Strom erzeugen. Damit werden rund 2000 Haushalte versorgt. Mit dem Solarpark, betrieben von einem deutsch-ukrainischen Gemeinschaftsprojekt der ukrainischen Rodina Energy Group und der Hamburger Enerparc AG, könnten weite Teile im Norden der Ukraine bewohnbar werden. Möglich wurde der Solarpark mitten in der 30 Kilometer Sperrzone um das Kernkraftwerk, weil das bis zum Jahr 2000 genutzte Stromleitungsnetz nutzbar und der Pachtpreis sehr niedrig waren. Die Solaranlage soll auf eine Leistung von 100 Megawatt erweitert werden. Zudem sind Windkraftanlagen geplant. MRK

S. 7 Wirtschaft

Gedankenspiele um Schwundgeld
Wie man beim IWF bei spürbar negativen Zinsen eine Flucht ins Bargeld verhindern will
Norman Hanert

Der bevorstehende Führungswechsel bei der EZB wird vermutlich kein Ende der ultralockeren Geldpolitik mit sich bringen. Ganz im Gegenteil. Sparer und Verbraucher sollten sich auf immer gewagtere Geldexperimente im Geiste der Freiwirtschaftslehre Silvio Gesells (1862–1930) mit sogenannten rostenden Banknoten, auch Schwund­geld, Freigeld, fließendes Geld oder umlaufgesichertes Geld genannt, gefasst machen.

Spätestens nach der Europawahl im Mai ist damit zu rechnen, dass die Suche nach einem Nachfolger für den jetzigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi in die heiße Phase übergeht. Die Amtszeit des Italieners an der Spitze der EZB läuft zum Ende des Jahres ab. Derzeit gelten der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau, Ex-EU-Kommissar Olli Rehn und Erkki Liikanen als Favoriten. Der frühere Präsident der finnischen Zentralbank kann auch bei den südeuropäischen Euroländern mit Sympathie rechnen. 

Liikanen hat die lockere Geldpolitik Draghis bislang unterstützt.

In den letzten Monaten wurde auch der Name des irischen Zentralbankchefs Philip Lane regelmäßig genannt, wenn es um die Dra-ghi-Nachfolge ging. Vor Kurzem haben sich die Finanzminister der Euro-Gruppe allerdings für Lane als künftigen Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank ausgesprochen. Lane eilt nicht der Ruf voraus, ein geldpolitischer „Falke“ zu sein, sondern zum Lager der „Tauben“ zu gehören. Gemeint sind damit Befürworter einer 

lockeren Geldpolitik im Stil des Italieners Draghi. Als Gouverneur der irischen Notenbank hat Lane auch das umstrittene Anleihekaufprogramm der EBZ unterstützt.

Die EZB hat zwar zum Jahresanfang ihr Anleihekaufprogramm eingestellt und ersetzt nur noch auslaufende Anleihen, aber Zinserhöhungen sind vorerst nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. Weltweit mehren sich die Zeichen für einen Konjunkturabschwung. Das klassische Gegenmittel in solchen Situationen sind Zinssenkungen, doch scheint dieses Mittel bereits ausgereizt. Leihen sich Geschäftsbanken bei der EZB Geld, dann können sie das bereits zu einem Zinssatz von null Prozent. Parken Geschäftsbanken bei der EZB überschüssige Liquidität, dann berechnen ihnen die Währungshüter dafür seit März 2016 sogar einen Negativzins von 0,4 Prozent. Diese Strafzinsen haben dazu geführt, dass einige Banken Geld nicht mehr an die EZB überweisen, sondern als Bargeld in eigenen Tresoren lagern. 

Wie Banken und analog dazu auch den Bürgern dieser Ausweg über eine Flucht ins Bargeld verbaut werden kann und somit noch niedrigere Negativzinsen greifen können, dazu haben Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) mittlerweile eine Denkschrift vorgelegt. Das IWF-Konzept namens „Cashing In: How to Make Negative Interest Rates Work“ sieht eine Entwertung des Bargeldes analog zum Negativzins auf Guthaben vor. Wenn beispielsweise der Einlagenzins der Notenbank auf minus fünf Prozent sinkt, dann soll auch Bargeld um fünf Prozent pro Jahr entwertet werden. 

Im Alltag könnte sich die Abwertung von Bargeld weniger kompliziert darstellen, als dies zunächst scheint. Denkbar ist zum Beispiel, dass die Negativzinsen bei Bezahlvorgängen in Rechnung gestellt werden, ähnlich dem Vorgehen bei der Umsatzsteuer.

Allerdings sind auch die möglichen Schlupflöcher schnell erkennbar. Anleger würden dann stärker noch als jetzt schon versuchen, in Fremd- oder Digitalwährungen wie etwa den Bitcoin sowie Sachwerte zu fliehen. Für Edelmetalle, Aktien und Immobilien könnten die Preise neue Rekordhöhen erreichen. Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob das Konzept des Internationalen Währungsfonds bei freien Kapitalmärkten funktionieren kann. Im Umkehrschluss gilt, dass bei einer möglicherweise eines Tages anstehenden Einführung von Strafzinsen auf Bargeld die Gefahr besteht, dass die Freiheit des Kapitalverkehrs endet.

Von Germania mitgerissen
Der kleine Flughafen Rostock-Laage ist pleite
Peter Entinger

Die Ursache für die Pleite des im Landkreis Rostock zwischen den Laager Ortsteilen Kronskamp und Weitendorf gelegenen regionalen Flugplatzes war die Insolvenz der Berliner Fluggesellschaft Germania, die sich an kleineren Flughäfen auf Ferienflüge spezialisiert hatte. Diese traf Rostock neben Erfurt besonders hart. Auch Friedrichshafen am Bodensee musste eine Vielzahl von Verbindungen streichen.

Der Luftfahrtexperte Gerald Wissel erklärte gegenüber „Spiegel Online“, er erwarte „große Turbulenzen“ für einige der betroffenen Flughäfen. Mangels Alternativen hätten sich manche kleinere Flughäfen abhängig gemacht von Germania. „Jetzt kann es passieren, dass der Steuerzahler hier und da einspringen muss“, sagt der Chef des Hamburger Beratungshauses Airborne Consulting „Dann wird wieder eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Regionalflughäfen aufkommen.“ Und diese hat längst begonnen. Statistiker haben errechnet, dass mehr als neun Zehntel der Flugreisenden im Jahr 2018 einen der acht größten Flughäfen genutzt haben. 

Das Beispiel Rostock zeigt, wohin die Reise geht. Seit 2014 stand der Flughafen unter Druck. Seit Jahren hatte Laage Verluste gemacht, (zivilen) Flugverkehr gab es kaum noch und die Gesellschafter – bestehend aus Stadt und Land – waren nicht mehr bereit, dafür allein geradezustehen. 

Oliver Krischer, Vizechef der Grünen im Bundestag, sieht daher die Zukunft von Regionalflughäfen in Deutschland kritisch. „Die meisten Regionalflughäfen sind Subventionsgräber. Selbst mit vielen Steuergeldern werden rote Zahlen geschrieben“, sagte Krischer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Mit den vermehrten Pleiten verschärfe sich das Problem der Wirtschaftlichkeit der kleinen Flughäfen weiter. „Bei den meisten Regionalflughäfen gilt für mich: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, so der Grünen-Fraktionsvize weiter.

Ein weiteres Beispiel für die Flughafen-Problematik zeigt sich im Südwesten der Republik. Im Umkreis von rund 120 Kilometern konkurrierten über Jahre der Platz in der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken, der Ryan-Standort Hahn im Hunsrück sowie der Flughafen im pfälzischen Zweibrücken. Nicht zu vergessen: Der Flugplatz des Großherzogtums Luxemburg ist aus dem Drei-Länder-Eck in gut einer Stunde zu erreichen, bis zum Metropolen-Flughafen Frankfurt ist es nicht viel weiter. Das Jahr 2014 wurde zu einem Schlüsseljahr für die Zukunft der Luftfahrt im Südwesten. Die EU billigte die staatlichen Zuschüsse für Saarbrücken und stützte mit dieser Entscheidung den Saarbrücker Standort. Der Flugplatz Zweibrücken, etwa 30 Kilometer vom Saarbrücker Flughafen entfernt und dessen Hauptkonkurrent, musste hingegen im November auf Druck der EU-Kommission schließen. Drei Jahre lang ging es gut, nun gehen die Zahlen wieder zurück. Kürzlich sorgten finanzielle Probleme einer Fluggesellschaft dafür, dass die Strecke nach München vorübergehend aus dem Programm genommen werden musste. Ungemach droht auch aus Brüssel. So hat die EU-Kommission schärfere Leitlinien für staatliche Beihilfen im Luftverkehr erlassen. Subventionen zum laufenden Betrieb von Flughäfen sind danach abnehmend nur noch bis ins Jahr 2024 möglich, eine Art Gnadenfrist für manche Piste.

MELDUNGEN

Deckel für Provisionen

Berlin – Die Bundesregierung will einen gesetzlichen Provisionsde-ckel für Lebens- und Restschuldversicherungen einführen, der „etwaigen Fehlanreizen entgegenwirken und die weitere Senkung der Abschlusskosten unterstützen“ soll. Ein Provisionsverbot ist nicht geplant. Seit 1988 wurden für den Abschluss von Lebens- und Pensionsversicherungen 54,8 Milliarden Euro Provisionen an Vermittler gezahlt. Die Provisionen flossen für den Abschluss von insgesamt 57,5 Millionen Policen. Im Jahr 2017 wurden 4,8 Milliarden Euro für fünf Millionen Policen an die über 200000 Versicherungsvermittler gezahlt.J.H.





Bestand an Diesel-Pkw

Flensburg – Der Bestand an Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 1, Euro 2 und Euro 3 lag Ende vergangenen Jahres bei 2,22 Millionen Pkw und damit um etwa 400000 unter dem Wert von 2017. Ebenfalls gesunken ist die Zahl der Diesel-Pkw mit Euro 4 (2018: 2,87 Millionen, 2017: 3,28 Millionen) und mit Euro 5 (2018: 5,51 Millionen, 2017: 5,73 Millionen). Der Bestand an Diesel-Pkw mit Euro 6 ist hingegen von 3,58 Millionen im Jahr 2017 auf 4,42 Millionen im Jahr 2018 gestiegen.J.H.

S. 8 Forum

Kein Aufschrei?
Jan Heitmann

Seit gut 100 Tagen sitzt der deutsche Journalist Billy Six im Militärgefängnis El Helicoide der venezolanischen Hauptstadt Caracas, in dem der Geheimdienst Sebin seinen Sitz hat. Ihm werden unter anderem Spionage, Rebellion und das Verletzen von Sicherheitszonen vorgeworfen, wofür ihm 28 Jahre Haft drohen. Für die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) ist das Verfahren „eine Farce“. Die deutsche Botschaft steht nach Angaben des Auswärtigen Amtes „im ständigen, hochrangigen Kontakt“ mit dem venezolanischen Außenministerium und setzt sich für ein rechtsstaatliches Verfahren ein. Bisher ohne Erfolg. Der Fall ähnelt frappierend dem des „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel, der ein Jahr lang unter fadenscheinigen Vorwänden in der Türkei inhaftiert war. Damals überschlugen sich Medien, Politiker, Intellektuelle und Berufsverbände in Solidaritätsbekundungen und Forderungen nach sofortiger Freilassung. Im Fall Billy Six gibt es keinen kollektiven Aufschrei. Der ROG-Geschäftsführer Christian Mihr vermutet Six’ „politische Ausrichtung“ als Grund dafür. Der schreibt nämlich für „rechte“ Medien wie die „JUNGE FREIHEIT“ und die PAZ. „Aber das entwertet unsere Verteidigung nicht“, betont Mihr. So sollten das auch alle anderen sehen, die für Yücel gekämpft haben, und sich jetzt auch für Six einsetzen.

Schäubles Motiv
Rolf Stolz

Wolfgang Schäuble sucht nach der Niederlage seines Protegés Friedrich Merz weiter nach einem Feld, das Aufmerksamkeit und Erfolg verspricht. Während Angela Merkel auf der Münchener Sicherheitskonferenz am Volkswillen vorbei für die „Vereinigten Staaten von Europa“, also einen kleineuropäischen Zentralstaat, trommelte, wurde Schäuble gegenüber dem RBB-Inforadio wesentlich konkreter: Er will das Prinzip der Einstimmigkeit bei EU-Entscheidungen abschaffen und ein „System von Mehrheitsentscheidungen“ installieren. Die Filetstücke der nationalen Finanz- und Wirtschaftspolitik sollen nach Brüssel und an einen europäischen Finanzminister mit einem eigenen Haushalt, eigenen Einnahmen und Kompetenzen gehen. 

Es liegt auf der Hand, dass die hoch verschuldeten und wenig produktiven Länder des Südens sich zusammentun werden, um durch Auskungeln in Brüsseler Hinterzimmern noch mehr aus Deutschland als Zahlmeister der EU herauszupressen. Das ist besonders pervers, wenn man berücksichtigt, dass Italiener und Spanier im Schnitt vermögender sind als die Deutschen. So liegt der Medianwert privater Vermögen in Italien bei 164000 Euro, in Deutschland nur etwa bei der Hälfte. 

Niemand wird Schäuble überschäumender Begeisterung für die mediterranen Völker verdächtigen. Faktisch geht es darum, die gewaltigen Gelder der Finanzindustrie zu sichern, die in den Süden Europas geflossen sind.

Ungelenkes Schönreden
Hermann Paul Winter

Die Generalsekretärin der ARD, Susanne Pfab, gibt vor, die Aufregung über das „Framing Manual“, das auf ein Gutachten der umstrittenen Linguistin Elisabeth Wehling zurück­geht, nicht zu verstehen. In einem Interview interveniert sie, der Titel „Manual“ sei missverständlich. Es handle sich weder um eine Handreichung im Rahmen einer neuen Kommunikationsstrategie noch um eine Sprach- oder Handlungsanweisung an die Mitarbeiter, sondern um eine interne Arbeitsunterlage für Workshops. Vorüberlegungen zu manipulativen Sprachregelungen sind jedoch bereits der erste integrative Bestandteil einer Kommunikationsstrategie. 

Nicht zuletzt die Tatsache, dass das Manual zum streng gehüteten Geheimnis der Senderfamilie wurde, untermauert diesen Schluss. Die ARD lehnte die Veröffentlichung des Papiers stets ab. Geradezu peinlich mutet angesichts dessen der Satz des ARD-Chefredakteurs Rainald Becker an, der nach (!) Bekanntwerden des „Arbeitspapiers“ bekundete: „Wir haben nichts zu verbergen.“ 

Pfabs Vorwurf, die Kritiker würden das Manual falsch interpretieren, wirft ein fragwürdiges Licht auf den Umgang mit Kritik in der ARD. Wie sollte man Wörter wie „Informationskapitalismus“ oder „Profitzensur“, mit denen das Workshop-Papier die privaten Sender betitelt, fehlinterpretieren? 

Diese Begriffe, so Pfab, lehne sie ab. Nicht jedoch die im Papier vorgeschlagene Formulierung „Argumentieren Sie stets moralisch!“ Es sei schließlich zwischen Moral und Moralisieren zu unterscheiden. Worin der Unterschied besteht, wird sodann deutlich: Mit ihrem Satz „Die Gemeinwohlorientierung steht bei der ARD im Mittelpunkt“ macht Frau Pfab die öffentlich-rechtlichen Sender zu den Guten, die privaten zu den Bösen. Den Unterschied zwischen Moral und Moralisieren hätte sie nicht besser vorführen können. 

Man muss das Manual der ARD ernstnehmen. Nicht nur, weil die Sender schon seit Jahren auf Framing setzen, wenn es um kritische Themen geht. Niemandem ist das plötzliche Auftauchen des Wortes „Schutzsuchende“ in der „Tagesschau“ entgangen, als sich Kritik an Merkels Grenzöffnung regte.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde uns nach dem Krieg von den Alliierten verordnet – zum Schutz vor einem erneuten Staatsfunk. Um diese gute Idee zu bewahren, sollten die ARD ihre Sprachmanipulationen aufgeben und zu ihrem eigentlichen Auftrag zurückkehren. Eine unmissverständliche Distanzierung vom Manual seitens der Intendanten wäre angezeigt gewesen, nicht aber ungelenkes Schönreden.


Frei gedacht
Vergewaltigt im Namen Gottes!
Eva Herman

Es sind Horror-Meldungen, die derzeit aufhorchen lassen: So hatte der Chef der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, zu den Missbrauchsfällen der katholischen Kirche wieder einmal Stellung genommen. Wörtlich sagte er Ende vergangenen Monats beim sogenannten Antimissbrauchsgipfel im Vatikan: „Akten, die die furchtbaren Taten dokumentieren und Verantwortliche hätten nennen können, wurden vernichtet oder gar nicht erst erstellt.“ Nicht die Täter, sondern die Opfer seien „reglementiert“ und ihnen sei „Schweigen auferlegt“ worden. Weiter äußerte Marx: „Festgelegte Verfahren und Prozesse zur Verfolgung von Vergehen wurden bewusst nicht eingehalten, sondern abgebrochen oder außer Kraft gesetzt, die Rechte von Opfern wurden gleichsam mit Füßen getreten und sie der Willkür Einzelner ausgeliefert.“ Dies seien alles Geschehnisse, die dem zutiefst widersprächen, „wofür die Kirche stehen sollte“.

Wir sprechen hier in der Regel von hilflosen Kindern und Jugendlichen, die „der Willkür Einzelner ausgeliefert“ waren. Und heute auch noch sind. Schutzbefohlene, die von kranken und machthungrigen Tätern gedemütigt, gequält und vergewaltigt wurden. Und deren Seelen fürs Leben zerstört wurden. Dieser tragische Moment, wo wieder einmal „aufgearbeitet“ wird im Windschatten der Massenmedien, ist es wert, festgehalten zu werden, um über all das Elend nachzudenken, das von gewissenlosen, machthungrigen Leuten schon immer „im Namen Gottes“ verübt wurde. Ist es ein Wunder, dass heute kaum noch jemand die Kirche von Gott trennen kann? Zahllose Menschen sind es, die sich enttäuscht vom Schöpfer abwenden, weil sie glauben, ihn mit der irdischen Institution gleichsetzen zu müssen, die sich ja selbst als Platzhalter auf Erden betrachtet. Doch wir dürfen niemals vergessen: Die Kirche braucht Gott (als Geschäftsmodell), aber Gott braucht die Kirche nicht.

Und was wurde im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende nicht schon alles „im Namen Gottes“ verbrochen. Da fanden grausame Zwangschristianisierungen mit Feuer und Schwert durch Karl den Großen und Rom im 8. und 9. Jahrhundert statt, der damals nahezu alle heute zu Europa gehörenden Länder ausgesetzt waren. Viele Menschen starben damals. Sie wurden gedemütigt, gequält, vergewaltigt. Auch wurden den Völkern die eigene Identität und ihre Wurzeln ausgerissen, denn sie durften ihre Traditionen, in der freien Natur zu beten, nicht mehr ausüben. An die zahllosen Opfer denkt heute kaum noch jemand, während Karl der Große von Politik und Medien immer noch beziehungsweise schon wieder als „Vater Europas“ hochgejubelt wird. Der regelmäßig verliehene Karlspreis zu Aachen ruft uns den blutigen Machthaber dann auch jedes Mal wieder ins Gedächtnis. Über die vielen Toten von einst spricht niemand bei den hohen Feierlichkeiten in Aachen.

Auch Inquisition und schwere Folter gegen Naturgläubige wurden später von Kirche und Staat ausgeübt, kräuterkundige oder hellsichtige Menschen landeten kurzerhand auf dem Scheiterhaufen, während Klerikale in monotonem Leiergesang lateinische Töne herunterbeteten, womit sie oft die peinvollen Schreie der Opfer übertönen wollten. Vorher wurden letztere häufig ebenso gedemütigt, gequält, vergewaltigt. Wenige Jahrhunderte später dann kam der weiße Mann und kolonialisierte den Rest der Welt, wieder „im Namen Gottes“. Abermals wurde gedemütigt, gequält, vergewaltigt. Millionen und Abermillionen Menschen wurden bestialisch ermordet, ganze Urvölker ausgerottet.

Ist es noch ein Wunder, dass kaum mehr jemand in die Kirche gehen will? Zugegeben, es gibt selbstverständlich einzelne Mitglieder dieser Organisation, die Gutes tun wollen und dies auch tun. Mit bestem Vorsatz für Hilfe und Unterstützung, die man dem Nächsten gewähren will. Doch wie kann es sein, dass die Kirche so viele Menschenseelen auf dem Gewissen hat? Was läuft da schief? Eines ist sicher: Dies ist und war niemals der Plan des Höchsten, sondern hierbei handelt es sich einzig und allein um Entscheidungen durch Menschen, getroffen in der Verantwortung ihres jeweils eigenen freien Willens. Da gibt es kein Rausreden. Wer an die Reinkarnation glaubt, wer die Karmalehre als selbstverständlich bestehend in sein Lebenskonzept mit einbezieht, der ahnt, was den Tätern alles noch bevorsteht, egal, zu welcher Zeit sie die Hand hoben gegen andere Menschen. Man stellt sich die Frage: In welcher Welt leben wir eigentlich? Wie soll der Mensch je glücklich werden angesichts dieser unvorstellbaren Verbrechen?

Der Gottessohn Jesus kam vor über 2000 Jahren auf die Erde, um den Menschen die Wahrheit aus dem Licht zu bringen. Dies war vielen jedoch unbequem, vor allem jenen Priestern, den Pharisäern und Sadduzäern, die sich in den Tempeln schon bequem eingerichtet hatten. Der Nazarener mit seinen klaren Worten, die er zu den Menschen von Gott, seinem Vater, sprach, störte die damals gut eingenisteten Klerikalen, die sich ihre Daseinsberechtigung eben nicht nur mit lichtvollem Wollen und Wirken geschaffen hatten. Ihre berufliche Existenz wurde durch Jesus nun gefährdet, dem große Teile des Volkes willig zu folgen begannen. So hatte schon der wandernde Prophet Johannes der Täufer, der Christus vorausging, um die Menschen auf den Kommenden aufmerksam zu machen, die Pharisäer und Sadduzäer mit wüsten Beschimpfungen aus dem Tempel gejagt, in dem Christus erwartet wurde. Johannes’ zornige Worte wie „Ihr Schlangenbrut, Ihr Otterngezücht“ werden bis heute zitiert. Auch Jesus hatte schnell erkannt, mit wem er es hier zu tun hatte. Sein Urteil tat er offen kund: „Lasset sie fahren! Sie sind blinde Blindenleiter. Wenn aber ein Blinder den andern leitet, so fallen sie beide in die Grube.“ Trotz der Sendung des Gottessohnes, den man später dann ebenfalls blutig ermordete, hat sich am Gebaren der Allianz von Kirchenfürsten und Staat bis heute kaum etwas verändert.

Vieles geht mir durch den Kopf beim Durchlesen all dieser Missbrauchsmeldungen. Da schreiben die Medien jetzt auch, dass an der berühmten hessischen Odenwaldschule viel mehr Kinder missbraucht worden seien, als bislang bekannt. Das gehe aus zwei Studien hervor, die gerade vorgestellt wurden. Bis zu 900 Jugendliche sollen an dem ehemaligen Elite-Internat zwischen 1966 und 1989 sexuell missbraucht worden sein. „Die dort über Jahrzehnte praktizierte sexuelle und emotionale Ausbeutung von Schülerinnen und Schülern lässt keine andere Diagnose zu als die eines manipulativen, selbstherrlichen und schäbigen pädagogischen Systems, in dem alle Kinder und Jugendlichen massiven Entwicklungsrisiken ausgesetzt wurden“, sagte Florian Straus vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung München (IPP), der an einer der Studien mitgearbeitet hatte.

Es stimmt, diese Täter gehörten nicht zum engen Kirchenkreis, sie waren vielmehr „lockere 68er“ die unser Land „befreien“ wollten von allen „Normen und Zwängen“. Doch kann es wirklich sein, dass weder Behörden noch andere Institutionen hiervon niemals etwas mitbekommen haben wollen? Bei 900 Opfern?! Papst Franziskus versprach übrigens am Ende des Antimissbrauchskongresses ein Ende der „Abscheulichkeit“. Doch wie er das konkret erreichen will, ist und bleibt unklar.


S. 9 Kultur

Unverwüstliches Theater
Das Hansa-Theater ist eine Hamburger Institution – Wo sonst klingelt man noch nach dem Kellner?
Andreas Guballa

Das legendäre Hansa-Theater im Hamburger Stadtteil St. Georg feiert am 5. März sein 125-jähriges Bestehen. In einer Jubiläums­show führen gefeierte und preisgekrönte Artisten und Akrobaten und die erstklassigen Musiker der „Hansa Boy“-Band eine Welt voller magischer Momente vor.

Deutschlands ältestes und sicher bekanntestes Varieté-Theater feiert in dieser Saison sein 125-jähriges Bestehen. Seit 1894 haben über 30 Millionen Zu­schauer diese Institution der Unterhaltungskultur besucht und fast jeder verbindet eine schöne persönliche Erinnerung mit dem Aufenthalt: an das erste Rendezvous, an die Verlobung, den runden Geburtstag oder den besonderen Hochzeitstag.

Genaugenommen steckt das jetzige Hansa-Theater am Steindamm unweit vom Hauptbahnhof noch in den Kinderschuhen. Erst 2009 haben die Direktoren Thomas Collien und Ulrich Waller das lange Zeit unbespielte Theater übernommen. Und so erwartet das Publikum in der elften Spielzeit noch bis zum 31. März atemberaubendes Varieté, Stars und faszinierende Artistik – moderiert von wechselnden Kabarettisten, Schauspielern und Musikern wie Horst Schroth, Robert Kreis, Arnulf Rating, Dirk Bielefeldt alias Herr Holm, dem „deutschgewordenen“ Franzosen Alfons sowie Matthias Brodowy, Rolf Claussen und Marcus Jeroch.

Acht internationale Künstler entführen die Zuschauer in dem nostalgischen Ambiente dieser Hamburger Legende auf eine fesselnde Zeitreise in die glamouröse Welt des Varietés – live begleitet von den Hansa-Boys und kulinarisch abgerundet mit dem legendären Theaterteller. Wie Schlangenfrau Maria Sarach sich in ihrer Artistik-Nummer in ungeahnte Höhen windet, ist atemberaubend. Weltklasse auch das Akrobaten-Duo Kvas, das Kopf auf Kopf balancierend die Grenzen der Schwerkraft auslotet. Als Herrin der Ringe fasziniert Yulia Ras­shivkina, die sich scheinbar spielend umkreisen lässt – von 55 Hula-Hoop-Reifen. Gebannt und gerührt sitzt man da, wenn „Strippenzieher“ Alex eine flirtfreudige kleine Puppe zum Leben erweckt oder Illusionist Hans Davis seine flinken Finger spielen lässt, um ins Schattenreich exotischer Tiere zu entführen. 

Und dann ist da noch Alana, die als erste Frau überhaupt als Magierin des Jahres ausgezeichnet wurde. Wie ihre Eltern vor vielen Jahren tritt sie als Lokalmatadorin auf und zaubert auf der Bühne tonnenweise bunte Ohrringe in ständigem Wechsel an ihre Ohrläppchen – eine sehr weibliche Seite der Magie. 

Begonnen hat die glorreiche Geschichte des Hansa-Theaters am 5. März 1894, als der Brauereibesitzer Paul Wilhelm Grell sich entschloss, den „Hansa-Concert-Saal“ zu kaufen. Grell hatte die richtige Nase und das richtige Händchen bei der Wahl seiner Künstler. Internationale Stars, wie die damals sogar von gekrönten Häuptern umschwärmten Tänzerinnen Cléo de Mérode, La Belle Otéro oder Lola Montez verzauberten das Publikum um die Jahrhundertwende. 

In den 1920er Jahren geriet das Publikum außer Atem, als sie Jo­sephine Baker, nur mit einem Ba­nanenröckchen bekleidet, auf der Bühne des Hansa-Theaters sahen. Die Liste der Künstler, die dem Haus die Ehre gaben oder ihre Karriere hier begannen, ist lang und beeindruckend. Berühmtheiten der damaligen Zeit wie Fritzi Massary und Asta Nielsen wurden bejubelt, und Hans Albers, der nur eine Straße weiter in der „Langen Reihe“ das Licht der Welt erblickte, begann hier seine Karriere. Die Gebrüder Wolf und Charly Wittong sorgten mit ihren Hamburger Liedern und Couplets für Stimmung und luden zum Mitsingen ein ebenso wie die Comedian Harmonists, deren frivole Lieder damals jeder kannte.

Varietéstars wie der Entfesselungskünstler Houdini, der Hellseher Hanussen oder der Jongleur Enrico Rastelli versetzten das Publikum in Erstaunen. Zu den Publikumslieblingen, für die die Hamburger stundenlang Schlange standen, um Karten zu bekommen, gehörte Charlie Rivel, dessen „Akrobat schööön!“ zu einem geflügelten Wort wurde.

Kurt Grell, der Sohn von Paul Wilhelm, trat 1919 in das florierende Unternehmen ein und übernahm 1924 die Geschäfte. Doch im Juli 1943 wartete ein schwerer Schicksalsschlag auf ihn. Während schwerer Luftangriffe, die weite Teile Hamburgs in Schutt und Asche legten, erhielt auch das Hansa-Theater einen Volltreffer und wurde völlig zerstört. Offensichtlich hatte Kurt Grell jedoch das Erfolgs-Gen seines Vater geerbt, denn er ließ sich nicht entmutigen und baute aus den vormaligen Stallungen und Teilen des alten Foyers ein neues Theater mit 330 Plätzen. 

1953 ließ Grell Junior sein geliebtes Haus erneut umbauen 

– er machte das Hansa-Theater zu einer Showbühne mit integriertem Restaurant und 491 Plätzen. Seitdem wurde diese wunderbare Hamburgensie nicht mehr verändert, und die Besucher erfreuen sich noch heute an dieser rotgoldenen Pracht. Wenn auch nicht mehr so groß wie vor dem Krieg – den vorzüglichen Ruf unter den Artisten hatte das Hansa behalten.

Und so sah man hier wieder beste Artistik und große Namen. Charlie Rivel trat wieder auf, ei­ner der populärsten Kabarettisten im Nachkriegs-Deutschland, „Der Mann mit der Pauke“ Wolfgang Neuss gab im Wirtschaftswunderdeutschland hier den Takt an, der Kinderstar Cornelia Froboess sang hier „Pack die Badehose ein“ und Caterina Valente, die seit Jahren mit der ganzen Familie, allen voran Mutter Maria, hier auf der Bühne stand, zeigte, welches Talent in ihr schlummerte. 

Doch jede Zeit hat ihre Gaukler, und zur Jahrtausendwende war das Genre aus der Mode gekommen. Am 31. Dezember 2001 fiel nach 108 Spielzeiten mit 51188 Vorstellungen der vorübergehend letzte Vorhang. Glücklicherweise wurde das Haus jedoch nicht abgerissen, sondern nur eingemottet. Nichts wurde verkauft, das gesamte Inventar blieb an seinem Platz. Bis im Januar 2009 die Impresarios des St. Pauli Theaters Thomas Collien und Ulrich Waller den Musentempel aus seinem Dornröschenschlaf erweckten.

Seitdem erfreut sich das Hansa Theater ungebrochener Beliebtheit. Und so ist die Geschichte des Hauses noch lange nicht zu Ende. Zum Jubiläum am 5. März 2019 wird es eine Gala-Vorstellung mit besonderen Gästen geben.

Vorstellungen: bis 31. März, Dienstag bis Freitag, jeweils 19.30 Uhr, Sonnabend 16 und 20 Uhr, Sonnatg 15 und 19 Uhr. Preise: 39,90 bis 66,90 Euro. Vorverkauf: Karten-Hotline (040) 47110644, in den bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.hansa-theater.de

Rheinisches Allerlei
Düsseldorf erinnert an die Gründung der Künstlergruppe »Junges Rheinland« vor 100 Jahren
Siegfried Schmidtke

Das Jahr 1919: Der Krieg war vorbei, der Kaiser hat­te abgedankt, Deutschland war eine Republik geworden. Es war die Zeit für etwas Neues, Zeit zum Aufbruch. Diese Aufbruchsstimmung erfasste auch die Künstler im Rheinland. Einige von ihnen hatten den Ersten Weltkrieg als Frontsoldaten erlebt und kehrten traumatisiert in den Alltag zurück. Andere hatten sich – bereits im letzten Kriegsjahr 1918 – an Ausstellungen beteiligt und bemühten sich, die „junge rheinische Künstlerschaft“ zum Zusam­menschluss zu organisieren. 

Ende 1918 riefen Adolf Uzarski, Herbert Eulenberg und Arthur Kaufmann zur Gründung einer Künstlervereinigung auf. Am 

24. Februar 1919 schließlich wurde in Düsseldorf „Das Junge Rheinland“ gegründet. „Es war zu schön, um wahr zu sein“, soll der aus Brühl bei Köln stammende Surrealist Max Ernst später geäußert haben. Mit der unterschwellig mitschwingenden Ironie sollte er recht behalten.

Anders als der Name vermuten lässt, waren nicht nur junge Künstler aufgerufen, sich zusam­menzutun. Für die Mitgliedschaft waren „Jugendlichkeit und Ehrlichkeit des Schaffens“ verlangt. Jugendlichkeit wurde als „Stärke und Frische des künstlerischen Strebens“ verstanden. Das Alter der rund 400 Künstler, die der Vereinigung zwischen 1919 und 1933 angehörten, lag dann auch in einer Spanne von 19 bis über 60 Jahre.

Ähnlich groß war die stilistische Bandbreite. Sie reichte von Impressionismus, (Rheinischem) Expressionismus und Dada bis hin zu religiös motivierter Malerei. 15 Werke verschiedener Künstler zeigen im ersten Raum der Ausstellung die Vielfalt der Stile. Danach werden exemplarisch zwölf der 400 Künstler mit mehreren Werken vorgestellt. Die bekanntesten Namen dürften Max Ernst und Otto Dix sein.

Von Max Ernst stammt auch das Bild auf dem Ausstellungsplakat: Das „Skandal“-Gemälde „Die Jungfrau Maria verhaut den Menschensohn (Jesus) vor drei Zeugen“. Blasphemie pur – jedenfalls aus Sicht vieler Katholiken. Das Bild, das 1926 in einem Kölner Museum gezeigt wurde, erregte das katholisch geprägte Rheinland so sehr, dass der damalige Kölner Erzbischof Kardinal Schulte verlangt hatte, das Gemälde zu entfernen. Pikanterweise soll nicht die Züchtigung des Gottessohns den Erzbischof erregt haben (darin war und ist be­sonders die Katholische Kirche ja geübt), nein – Max Ernsts Freveltat wurde darin gesehen, dass er nicht nur den Heiligenschein des Jesus-Kindes zu Boden fallen ließ, sondern seine Signatur „Max Ernst“ darin verewigte.

Von Anfang an gab es Differenzen in der Künstlerschaft. Bereits 1923 spaltete sich die „Rheingruppe“ ab. Später verließen Max Ernst und Otto Dix die Düsseldorfer. 1932 war die letzte Ausstellung des „Jungen Rheinlands“ zu sehen. Die Nationalsozialisten lösten 1933 alle Künstlergruppen auf. Die Vereinigung der rheinischen Künstler war Geschichte. Max Ernst hatte recht: Es war zu schön, um wahr zu sein. 


Bis 2. Juni im Kunstpalast, Ehrenhof, 40479 Düsseldorf, Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr geöffnet. Eintritt: 10 Euro. Der Katalog kostet 29,80 Euro, www.kunstpalast.de

Zerbombte Kunst
Syrien – Kulturerhalt in Zeiten des Krieges
H. Tews

Der Syrienkrieg hat nicht nur die dort lebenden Menschen in eine Katastrophe ge­stürzt. Auch die materiellen Kulturschätze und immateriellen kulturellen Ausdrucksformen sind zerstört, stark gefährdet oder unwiederbringlich verloren. 

Was für eine reichhaltige Kultur das vom Krieg gebeutelte Land hatte und was davon noch erhalten geblieben ist, zeigt noch bis zum 26. Mai das Museum für Islamische Kunst, das sich im Berliner Pergamonmuseum befindet. Die Ausstellung „Kulturlandschaft Syrien. Bewahren und Archivieren in Zeiten des Krieges“ geht mit Objekten, Filmen, Fotos und in­teraktiven Bildschirmen auf eine virtuelle Erkundungsreise zu den Kunstschätzen des Landes. 

Syrien ist eine bedeutende Kulturlandschaft, grundlegende zivilisatorische Errungenschaften wie  die Entstehung städtischen Le­bens oder das Alphabet nahmen hier ihren Anfang. Einzigartige historische und archäologische Denkmäler zeugen von der jahrtausendealten Geschichte des Landes. Die altorientalischen Hochkulturen, die griechische und römische Antike sowie die byzantinisch-christliche und islamische Zeit haben überall im Land ihre Spuren hinterlassen.

Zugleich qualifizierte die geografische Lage am Mittelmeer die Großregion als Drehscheibe für den Fernhandel. Mobilität von Menschen und Gütern und die damit einhergehende Vielfalt prägen den Charakter des syrischen kulturellen Erbes. 

Vorher weitgehend intakte Altstädte wie jene von Aleppo – einem Schwerpunkt dieser Ausstellung – und Bosra, ebenso wie die antike Oasenstadt Palmyra wurden durch den Krieg stark betroffen. Be­schädigt sind auch die sogenannten Toten Städte aus frühchristlicher Zeit. Die Kreuzfahrerfestung Krak des Chevaliers wurde bereits wieder instand gesetzt. Einzig die Altstadt von Damaskus und die Burg Salah al-Din blieben bislang von großen Schäden verschont. 

Die Ausstellung gibt außerdem Einblicke in die Arbeit des „Syrian Heritage Archive Project“ und damit in die Praxis des Kulturerhalts. Kann man wegen des Kriegs nicht nach Syrien, so kommt Syrien nun zu uns – ins Pergamonmuseum.

MELDUNGEN

Clara Schumann im Fokus

Leipzig – Die Musikwelt feiert in diesem Jahr den 200. Geburtstag der Pianistin und Komponistin  Clara Schumann. Die als Clara Wieck geborene spätere Frau des Komponisten Robert Schumann wurde am 13. September 1819 in Leipzig geboren. Aus diesem Anlass eröffnet am 1. März im Museum für Druckkunst in der Leipziger Nonnenstraße 38 die Ausstellung „Breitkopf & Härtel und Clara Schumann“ über den bekannten Leipziger Musikverlag. Am 14. April um 14 Uhr wird im Theater Baden-Baden am Goetheplatz 1 „Clara, eine Oper in zwei Akten“ von Victoria Bond uraufgeführt. Weitere Aufführungen: am 17. und 21. April, jeweils 18 Uhr. Auch die Schumann-Feste in Düsseldorf (25. Mai bis 8. Juni), in Bonn (1. bis 15. Juni) sowie – unter dem Motto „Clara 200“ – in Zwickau (6. bis 16. Juni) stehen im Zeichen von Clara Schumann. Dort werden zahlreiche ihrer Kompositionen aufgeführt. Passend zum Jubiläum wurden in Stromberg im Hunsrück offenbar zufällig zwei Briefe Clara Schumanns aus den Jahren 1881 und 1883 entdeckt. Die Leiterin eines Heimatmuseums fand sie im Altpapier. Die Echtheit der Briefe ist allerdings noch nicht bestätigt. Weitere Veranstaltungen zu Clara Schumann im Internet unter: www.clara19.leipzig.detws





Zwei Italiener unter sich

Berlin – Vom 1. März bis 30. Juni präsentiert die Gemäldegalerie am Kulturforum eine Ausstellung zum eng miteinander verwobenen Schaffen von Andrea Mantegna (um 1431–1506) und Giovanni Bellini (um 1435–1516). Mit rund 100 Arbeiten stellt die Schau erstmals das Œuvre dieser beiden Meister der italienischen Renaissance vergleichend gegenüber. www.mantegnabellini.detws

S. 10 Geschichte & Preussen

Das Ende der Novemberrevolution
Vor 100 Jahren entwickelte sich aus einem Generalstreik der Berliner Arbeiterschaft ein bewaffneter Entscheidungskampf
Wolfgang Kaufmann

Mit den Berliner Märzkämpfen von 1919 endete die Novemberrevolution in Deutschland – und zwar nicht im Sinne der Kommunisten und Sozialisten. Da die Sozialdemokraten hieran einen erheblichen Anteil hatten, verschärfte sich die Feindschaft zwischen der radikalen Linken und der Sozialdemokratie in der Folgezeit noch um einiges mehr.

Aus der Wahl zur verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919, der ersten reichsweiten Wahl nach dem Ende des Kaiserreiches, gingen nicht die radikalen Sozialisten oder Kommunisten als Sieger hervor, sondern eine Koalition aus gemäßigten Sozialdemokraten, der Zentrumspartei und der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei. Und diese stand den Forderungen der extremen Linken nach Sozialisierung der Schlüsselindustrien, Etablierung einer dauerhaften Räteherrschaft gemäß sowjetischem Vorbild sowie gravierenden organisatorischen Veränderungen innerhalb des Militärs ablehnend gegenüber. Deshalb kam es nachfolgend in Oberschlesien, dem Ruhrgebiet und Mitteldeutschland sowie Bremen, Braunschweig und Bayern zu lokalen Generalstreiks und Unruhen, durch die sowohl die Nationalversammlung als auch die Regierung von Reichsministerpräsident Philipp Scheidemann (SPD) zunehmend unter Druck gerieten.

In der Reichshauptstadt riefen die Arbeiterräte am 3. März 1919 gegen den Willen der Sozialdemokraten zu einem Generalstreik auf, welcher der Durchsetzung der politischen Ziele der Kommunisten und übrigen radikalen Linken dienen sollte. Daraufhin fanden am Nachmittag und Abend jenes Rosenmontags im Scheunenviertel sowie rund um den Alexanderplatz spontane Demonstrationen statt, an denen sich revolutionäre Arbeiter und mit diesen verbündete Matrosen und Soldaten beteiligten. Die Aufmärsche gingen mit Plünderungen von Geschäften und der Erstürmung von über 30 Polizeirevieren zwecks Erbeutung von Waffen einher.

Hierauf reagierte die preußische Staatsregierung mit der unverzüglichen Verhängung des Belagerungszustandes sowie der Übertragung der vollziehenden Gewalt an den Reichswehrminister Gustav Noske (SPD). Der hatte bereits den kommunistischen Spartakus-Aufstand im Januar 1919 niedergeschlagen und war als „Bluthund“ verschrien. Dennoch begannen große Teile der Arbeiterschaft am 4. März im großen Umfang zu streiken und Berlin lahmzulegen, wodurch die Situation noch chaotischer wurde. Gleichzeitig rückten auf Anordnung Noskes regierungstreue Truppen des Generalkommandos für Berlin in die Stadt ein. Hierzu gehörten die Brigade Reinhard, die Deutsche Schutzdivision, die Freikorps Lützow und Hülsen sowie die Garde-Kavallerie-Schützen-Division. Diese Kampfverbände unter dem Oberbefehl von General Wal­ther Freiherr von Lüttwitz lieferten sich schwere Gefechte mit der Republikanischen Soldatenwehr, dem KPD-nahen Roten Soldatenbund (RSB) und der Volksmarinedivision. Während letztere damit begann, Waffen an linksradikale Arbeiter zu verteilen, setzten die Regierungstruppen ab dem 6. März schwere Artillerie, Panzer und Flugzeuge ein. Dadurch nahmen die Kämpfe endgültig bürgerkriegsähnliche Ausmaße an.

Zu einer weiteren Eskalation kam es am 8. März, nachdem die Verhandlungen zwischen den Streikenden und der Reichsregierung ergebnislos abgebrochen worden waren. Nun stürmten die Aufständischen erst das Lichtenberger Postamt und dann auch das dortige Polizeipräsidium. Dabei nahmen sie den Berliner Polizeipräsidenten Arthur Freiherr von Salmuth sowie rund 20 weitere Beamte gefangen und bedrohten diese aufs Allerheftigste. Die Aktion kostete Menschenleben. Die Angaben über die getöteten Polizisten schwanken zwischen zwei und fünf. Am Folgetag verbreitete die Presse die zumindest maßlos übertriebene Meldung, die Roten hätten zwischen 60 und 200 Beamte massakriert.

Noske genügten jedoch bereits die ersten Nachrichten über die gewalttätigen Ausschreitungen in Lichtenberg, um am Abend des 9. März 1919 bekanntzugeben: „Die Grausamkeiten und Bestialitäten der gegen uns kämpfenden Spartakisten zwingen mich zu folgendem Befehl: Jede Person, die mit Waffen in der Hand gegen Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erschießen.“

Und genauso geschah es dann im Verlaufe der weiteren Straßen- und Häuserkämpfe in Lichtenberg sowie den Stadtteilen Berlin-Mitte, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Spandau, Moabit und Neukölln. Wer den Truppen Noskes in die Hände fiel und eine Waffe besaß, wurde an Ort und Stelle oder nach kurzem Standgerichtsverfahren exekutiert. Außerdem kamen rund 4500 Personen in Haft, sodass die Gefängnisse in Moabit und Plötzensee überquollen.

Am 13. März war die Gefahr eines kommunistischen Putsches gegen die politische Führung der Republik und die Weimarer Nationalversammlung gebannt. Als letzte Bastion der Aufständischen fiel nun auch Berlin-Lichtenberg. Anschließend zog die Regierung Bilanz: Ihrer Zählung zufolge hatte der Aufstand 1200 Todesopfer gefordert, zu denen unter anderem der Vorsitzende der KPD und Chefredakteur der kommunistischen Parteizeitung „Rote Fahne“, Leo Jogiches alias Tyszka, gehörte. Historiker errechneten später hingegen um die 2000 Tote. Außerdem gab es vor allem in Lichtenberg massive Sachschäden.

Nach der  Niederschlagung des Aufstandes wurden die revolutionären Truppen entwaffnet, die Volksmarinedivision aufgelöst und die Führung der Republikanischen Soldatenwehr inhaftiert. Unter dem Eindruck der Berliner Ereignisse hatte die Weimarer Nationalversammlung bereits am 6. März das Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr beschlossen, das den Reichspräsidenten ermächtigte, „das bestehende Heer aufzulösen und eine vorläufige Reichswehr zu bilden, die bis zur Schaffung der neuen reichsgesetzlich zu ordnenden Wehrmacht die Reichsgrenzen schützt, den Anordnungen der Reichsregierung Geltung verschafft und die Ruhe und Ordnung im Innern aufrechterhält“. Damit hatte die sich herausbildende Weimarer Republik eine eigene Streitmacht geschaffen.

Windjammer »Seute Deern« in »schwerer See«
Wird das maritime Wahrzeichen Bremerhavens nach Brand an Bord gerettet?
Michael Buschow

In seinem langen und sehr bewegten Leben hat der alte hölzerne Windjammer, die „Seute Deern“, bereits viele der härtesten Herausforderungen abwettern müssen. Einen Hurrikan vor Westindien, die Weltwirtschaftskrise von 1931, die Kollision mit einem Tanker, Schiffsbohrwurmfraß, eine Meuterei an Bord, den Zweiten Weltkrieg, bedrohliche Leckagen und sogar den eigenen Untergang im Emder Hafen hat sie überlebt. Ein trotz allem wohl glückliches Schiff, wie der Seemann sagt.

Doch jetzt, ausgerechnet im 100. Geburtstagsjahr 2019, folgte ein harter Schlag für das Deutsche Schifffahrtsmuseum und den Pächter des bekannten Bordrestaurants, vor allem aber für die Bevölkerung der Seestadt Bremerhaven, denen die schmucke Bark mit den aufgemalten Geschützpforten und der markanten Galionsfigur des „süßen Mädchens“ („Seute Deern“) seit mehr als 50 Jahren zum maritimen Wahrzeichen geworden ist. In der Nacht vom 15. auf den 16. Februar hat ein Schwelbrand, möglicherweise im Küchenbereich ausgebrochen, große Teile der Innenräume und der Außenhaut zerstört. Gott sei Dank gab es keine Verletzten unter den Gästen und Mitarbeitern des Restaurants, aber obwohl die Bremerhavener Feuerwehr äußerst umsichtig bei den Löscharbeiten vorgegangen war, konnten starke Beschädigungen nicht verhindert werden. 

Die wechselvolle Geschichte des heute weltweit letzten hölzernen Frachtsegelschiffes begann in den USA im Jahre 1919 mit dem Taufnamen „Elisabeth Bandi“ auf der Werft Gulfport Shipbulding Co. Allerdings noch als Viermastgaffelschoner getakelt, ohne Querrahen wie bei Barken oder Vollschiffen, etwa der „Passat“. Ein echter Yankee-Sailor also! Und natürlich ohne Antriebsmaschine.

In der Folgezeit machte das Segelschiff unter US-amerikanischer Flagge zwar schwierige, aber gute Reisen, bis es dann mehrfach seinen Besitzer wechselte. 1931 wurde es nach Finnland an die Reederei Uskanen verkauft, in „Bandi“ umbenannt und danach noch einmal unter der weißen Flagge mit dem blauen Kreuz weiterveräußert. Gegen Ende der 30er Jahre lohnte sich schließlich der Transport mit reinen Segelschiffen nicht mehr und der Schoner sollte zu Kleinholz verarbeitet werden.

Stattdessen gelangte es jedoch 1938 in den Besitz John T. Essbergers. Der Hamburger Reeder ließ das Schiff vom viermastigen US-Schoner zur Bark umtakeln. Der neue Name des Dreimasters: „Seute Deern“. Optisch wurde der Anstrich verändert und ein weißes Portenband, wie es heute noch zu sehen ist, eine Imitation der Kanonenpforten der alten bestückten Segelschiffe des 17. und 18. Jahrhunderts auf den schwarzen Rumpf gemalt. Passend zum neuen Namen bekam die „Seute Deern“, die heute noch als Gallionsfigur den Bug ziert.

Im Jahre 1964 kaufte die Emder Wirtin Erna Hardisty, eine außerordentlich resolute und schillernde Frau, den Segler für 

30000 D-Mark, um ein Hotel und Restaurantschiff im alten Ratsdelft von Emden daraus zu machen. Dieser Plan konnte von ihr allerdings nicht realisiert werden, da man seitens der Verwaltung tatsächlich befürchtete, solch ein alter Kahn könnte das Stadtbild verschandeln. In einer dunklen Hafenecke weit vor den Toren lag die „Seute Deern“ dann unbewacht und gammelte vor sich hin. Eines Tages im Juni sank sie, wenn auch nicht tief, bis zum Hauptdeck weg. 

Totgesagte leben jedoch länger! 1965 gründeten Enthusiasten in Bremerhaven eine Gesellschaft mit dem Ziel, den Oldtimer zu erhalten. Aber noch jemand, der Helgoländer Kaufmann und Antiquitätensammler Hans Richartz, interessierte sich für das Schiff. Und er machte mit einer Nasenlänge das Rennen gegenüber den Bremerhavenern. Vorläufig jedenfalls. Für 61000 D-Mark erwarb er den gesunkenen Oldtimer, ließ ihn heben, in einer Emder Werft mit hochwertiger maritimer Gastronomie ausbauen und 1966 nach Bremerhaven in den Alten Hafen schleppen. 1972 schließlich ging die „Seute Deern“ als Gründungsgeschenk an das Deutsche Schifffahrtsmuseum und wurde mit seinen himmelhohen Masten eines der Wahrzeichen der Seehafenstadt. Tausende von Gästen haben im Laufe der Jahrzehnte dort im Restaurant gespeist, viele Besucher im gemütlichen Salon unter Deck den Seemannsgeschichten der alten Seebären wie Peter Gording oder der letzten Cap Horniers gelauscht. Und kaum zählbar sind die Ehen, die im Standesamt an Bord geschlossen wurden. 

Aber der Zahn der Zeit sowie Wind und Wetter haben seit 1972 erheblich an dem Oldtimer genagt, das Deck wurde undicht und durch defekte Kalfatnähte (Dichtung zwischen den einzelnen Holzplanken) eingedrungenes Wasser musste ständig außenbords gepumpt werden. Holz ist als Schiffbaumaterial niemals so langlebig wie Stahl, und möglicherweise hätte man seitens des Deutschen Schifffahrtsmuseums weitaus früher etwas zur Gesamt­sanierung unternehmen müssen. So aber wurde leider immer nur kleinteilig repariert und gestückelt. Immerhin gab es 2018 einen Beschluss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, die veranschlagten Gesamtrestaurierungskosten von 32 Millionen Euro mit 17 Millionen Euro zu bezuschussen. 

Das aber ist heute bereits Schnee von gestern. Zumindest ist nach Aussage des Pressesprechers des Deutschen Schifffahrtsmuseum Thomas Joppig die „Seute Deern“ gegen Brandschaden versichert. Das Schiff steht zwar unter Denkmalschutz, doch ist seine Reparatur aus Kostengründen fraglich. Aber kann man bei einem Kulturgut betriebswirtschaftlich rechnen? Fragt man die nach dem Brand initiierte Facebookgruppe „Wir lieben die Seute Deern“ oder den Bürger auf der Straße in Bremerhaven, fällt die emotionale Antwort eindeutig für den Oldtimer aus.

S. 11 Geschichte & Preussen

Luftangriffe rund um die Uhr
Für die Reichshauptstadt begann vor 75 Jahren ein neues Kapitel des Leidens
Klaus J. Groth

Die Bomber kamen Tag und Nacht. Die United States Army Air Forces (USAAF) flog bei Tag, die Royal Air Force (RAF) bei Nacht. Ab dem 6. März 1944 beteiligten sich die US-amerikanischen Luftstreitkräfte an der systematischen Bombardierung Berlins. 

Obwohl der Zerstörungsgrad mehrerer deutscher Städte höher war, gingen auf keine deutsche Stadt mehr Bomben nieder. Die Zahl der Todesopfer der 310 Angriffe schwankt zwischen 11000 und 50000, Hunderttausende verloren ihr Zuhause. Dennoch verfehlte das „Moral Bombing“ mit über 45000 Tonnen Bomben sein Ziel: Die Menschen standen nicht gegen das NS-Regime auf.

Der Angriff der US-Amerikaner vom 6. März 1944 war die erste Bombardierung Berlins bei Tag. 627 viermotorige Maschinen steuerten die Reichshauptstadt an. Sie warfen 1600 Tonnen Bomben ab. Der massive Angriff forderte vergleichsweise wenige Opfer: 896 Tote, 57 Verwundete, 2245 Ausgebombte. Zahlreiche Bomben gingen auf locker bebautes oder nicht bebautes Gelände nieder. Unverhältnismäßig größer waren die Verluste der Amerikaner. 68 Bomber und elf Jäger wurden von deutschen Jägern und Flugabwehrkanonen abgeschossen. Mit der Hälfte hatten die Amerikaner für den schlimmsten Fall gerechnet. 

Die Verluste wurden in den USA verschwiegen. Stattdessen wurde ein großer Erfolg bejubelt. Er stützte sich auf maßlos übertriebene Berichte heimgekehrter Piloten. Joseph Goebbels höhnte: „Die US-Zeitungen prahlen mit ihren erfolglosen Tagesangriffen auf Berlin. Je stärker die Amerikaner und Engländer davon überzeugt sind, dass ihre Luftangriffe Berlin völlig zerstören, desto besser für uns.“

Tatsächlich waren die Auswirkungen dieses Luftschlages nicht mit denen der Royal Air Force zu vergleichen. Britische Bomber flogen Berlin erstmals in der Nacht zum 26. August 1940 an. Es folgten bis zum Herbst 1941 immer wieder Luftschläge, dann wurden die Angriffe bis zum Januar 1943 nahezu eingestellt. 

Für Winston Churchill war die Reichshauptstadt vorrangiges Ziel. Bombenabwürfe über Berlin glichen Niederlagen am Boden moralisch aus. Zudem arbeitete in Berlin eine bedeutende Rüstungsindustrie. 800000 Arbeiter waren 1939 in ihr beschäftigt. Jeder zehnte Flugzeugmotor, so gut wie jeder U-Boot-Motor, jeder vierte Panzer und die Hälfte aller Geschütze kamen aus Berlin. 

Der erste massive Anflug britischer Bomber 1940 bildete den Auftakt bis zum Ende des Krieges wiederkehrender und sich steigender Angriffe. Als Vergeltung für Angriffe auf London schickten die Briten 50 Bomber, die aber im Nebel die Orientierung verloren und vornehmlich landwirtschaftliche Betriebe am Stadtrand trafen. Die Berliner spotteten, die Briten wollten sie wohl aushungern.

Zum Spott bestand bald kein Anlass mehr. Fünf Jahre lang war Berlin das Ziel der britischen und später US-amerikanischen Bomber. Allein 1940 flogen Bomber 36-mal über die Reichshauptstadt. Der britische Luftmarschall Arthur Harris hatte das Ziel ausgegeben, Deutschland durch massive Bombardierungen bis zum April 1944 zur Kapitulation zu zwingen. Entsprechend wurden die Luftangriffe auf Berlin ab November 1943 forciert. In fünf Monaten – vom 18. November 1943 bis zum 31. März 1944 – warfen 9111 Bomber ihre Last ab. Dabei wurden zwar große Areale zerstört, die Industrie jedoch kaum beschädigt. Harris musste eingestehen, sein Ziel nicht erreicht zu haben. Die Konsequenz: Steigerung massiver werdender Angriffe.  

Nachdem die US-Amerikaner am 6. März 1944 angefangen hatten, sich an der systematischen Bombardierung Berlins zu beteiligen, gab es mehr Angriffe als in der Zeit ab 1939. Kaum ein Tag verging ohne das Heulen der Luftschutzsirenen. Ungeachtet ihrer großen Verluste beim ersten Angriff, flogen die US-Amerikaner bereits zwei Tage später einen neuen Tagesangriff. Diesmal kamen 540 Bomber, begleitet von 200 Jagdflugzeugen. Wieder waren die Verluste mit 38 abgeschossenen Bombern und elf Jägern groß. Bei dem Angriff am darauffolgenden Tag verloren die US-Amerikaner nur sechs Flugzeuge, da die deutschen Abfangjäger nicht rechtzeitig zum Einsatz kamen. Die US-Amerikaner passten ihre Taktik den britischen Fliegern an, sie nahmen die Wohnbezirke in der Innenstadt zum Ziel. Bei einem nächtlichen Angriff vom 24. auf den 25. März 1944 setzte die RAF 810 Bomber ein, 762 gelangten ans Ziel. Davon wurden 72 abgeschossen, 50 durch Flugabwehrkanonen. 

Straßenzug um Straßenzug wurde nun in Schutt und Asche gelegt. Drei Viertel der Bombenopfer kamen in dieser relativ kurzen Zeitspanne vom März 1944 bis zur Kapitulation ums Leben. 

Für den August 1944 hatten die Alliierten eine totale Vernichtung der Innenstadt geplant. Bei der Aktion „Thunderclap“ (Donnerschlag) sollte das Zentrum vier Tage ohne Unterbrechung bombardiert werden. Der Schlag sollte in seiner Wirkung dem einer Atombombe gleichkommen. Man wolle, hieß es, Deutschland aus dem Krieg bomben. Man rechnete mit 220000 Toten. Am 27. August starteten 1203 Bomber. Wegen schlechten Wetters erreichten sie ihr Ziel nicht. Die Aktion wurde abgeblasen. 

Als das Ende des Krieges absehbar war, wurden die Angriffe auf Berlin noch einmal verschärft. Fast täglich flogen angloamerikanische Verbände die Stadt an. Sie sollten die sowjetische Bodenoffensive unterstützen. Einen der folgenschwersten Angriffe flogen die US-Amerikaner am 3. Februar 1945 mit 937 Bombern und 613 Jägern. 2500 Menschen kamen dabei um, 100000 verloren ihr Zuhause. In Berlin-Mitte sei jedes Haus vernichtet, wurde gemeldet. Erstmals wurde eine Aktion von den Alliierten offiziell als „Terrorangriff“ bezeichnet. Der nächste schwere Schlag erfolgte bereits am 26. Februar 1945, als 1184 US-Bomber 1628 Tonnen Sprengbomben und 1258 Tonnen Brandbomben abwarfen.

Eine bis dahin unvorstellbare große Bomberformation setzten die USA am 18. März 1945 ein: 1221 Bomber, begleitet von 14 Jägergruppen. Drei Wochen später, am 10. April 1945, flogen die US-Amerikaner ihren letzten Angriff auf Berlin. Sie kamen mit der größten Formation, die jemals auf eine Stadt angesetzt wurde: 1232 Maschinen. Die Briten bombardierten noch ein paar Tage länger, sie stellten die Angriffe am 19. April 1945 ein. Nun tauchten erstmals sowjetische Kampfflieger auf.

Ein Mittel zum Export der Oktoberrevolution
Vor 100 Jahren gründete sich in Moskau auf Initiative Lenins als Dritte Internationale die kommunistische
Dirk Pelster

Noch immer tobte ein brutaler Bürgerkrieg im Land, als sich am 2. März des Jahres 1919 Vertreter kommunistischer Parteien und Gruppen aus fast 30 Staaten in Moskau zu einer Konferenz zusammenfanden, um in diesen späten Wintertagen eine der bedeutendsten Organisationen des frühen 20. Jahrhunderts aus der Taufe zu heben. Die Kommunistische Internationale – oder kurz: Komintern – sollte nach dem Willen der neuen Machthaber in Russland einer Idee den Weg ebnen, deren Zeit sie für gekommen hielten, und der gesamte Globus sollte vom Feuer der sozialistischen Oktoberrevolution des Jahres 1917 erfasst werden. 

Die Vorzeichen zu dieser ersten Komintern-Konferenz waren dabei keineswegs günstig. Nur ein Jahr zuvor hatte Wladimir Iljitsch Lenin die Hauptstadt des jungen Sowjetstaats nach Moskau verlegt, da sich die Bolschewiki in der ehemaligen Zarenresidenz an der Newa nicht sicher genug vor den deutschen Truppen fühlten. Nach der Niederlage Deutschlands wich diese Sorge der Angst vor ausländischen Interventionen durch die Entente-Mächte an der Peripherie des kommunistisch kontrollierten Kerngebietes Russlands und vor zahllosen Aufständen im Inneren. Noch während der Konferenz holten die Weißgardisten am 4. März 1919 zum Schlag gegen die westlich des Urals gelegene Stadt Ufa, einem zentralen Eisenbahnknotenpunkt, aus. 

Trotz der argen Bedrängnis, in der sich die rote Diktatur befand, arbeiteten die Bolschewiki bereits an großen Plänen und unternahmen nun verstärkt außenpolitische Initiativen. Die angesichts der prekären Lage mehr als überdimensioniert wirkenden Ambitionen gründeten sich einerseits in der kommunistischen Ideologie und andererseits im strategischen Kalkül Lenins. Während das russische Zarenreich ein agrarisch geprägter und von wenigen Aristokraten bestimmter Ständestaat war, setzte der Übergang zum Sozialismus gemäß der marxistischen Doktrin jedoch eine voll entwickelte bürgerliche Gesellschaft voraus. Nach Lenins Auffassung bot daher vor allem Deutschland die besten Voraussetzungen für den Aufbau eines sozialistischen Gemeinwesens. Die von seinen deutschen Genossen seit einigen Monaten initiierten Umsturzversuche bestärkten ihn dabei in seiner Ansicht. 

Um der gemeinsamen Sache zum Sieg zu verhelfen, versuchten die Bolschewiki, die anderen in Europa schon existierenden kommunistischen Parteien zu unterstützen. Moskau konnte dabei auf lang zurückreichende Traditionen innerhalb der sozialistischen Bewegung zurückgreifen. 

Schon 1864 war in Paris unter Beteiligung von Karl Marx die Internationale Arbeiterassoziation gegründet worden. Innerhalb dieser Ersten Internationale kam es jedoch schnell zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Kommunisten und Anarchisten. Letztere spalteten sich schließlich von der gemeinsamen Organisation ab. Die verbliebenen Marxisten muss­ten die Gesellschaft schließlich 1876 aufgrund fehlenden Engagements auflösen. 

Die Gründung der Zweiten Internationale im Jahre 1889 hielt deutlich länger. Sie zerfiel de facto im Jahre 1916, da der Erste Weltkrieg zu erheblichen Spannungen zwischen den nationalen Mitgliedsorganisationen geführt hatte. Weil sich die Zweite Internationale zu keiner klaren Antikriegshaltung durchringen konnte, galt sie schließlich als diskreditiert. 

Um die neu zu gründende Komintern von solchen Reibereien künftig freizuhalten, war man im Kreml bemüht, von vornherein nur Delegierte solcher Parteien einzuladen, die sich leicht auf den Moskauer Kurs einschwören ließen. Vor allem sollte die Organisation von moderaten und eher sozialdemokratisch orientierten Kräften frei gehalten werden. Aus diesem Grund waren die geladenen Gäste handverlesen und wenig repräsentativ für die weltweite sozialistische Bewegung. Viele Delegierte repräsentierten nur Splittergruppen. Neben den russischen Kommunisten war lediglich die Kommunistische Partei Deutschlands von politischer Relevanz. Sie zeigte sich auf der Gründungskonferenz vergleichsweise souverän. Ihr Vertreter, der aus Saalfeld stammende Hugo Eberlein, enthielt sich denn auch bei der Beschlussfassung zur Gründung der Komintern, da das Berliner Hauptquartier der Partei diese Entscheidung für übereilt hielt. Dennoch traten die deutschen Genossen der Organisation schließlich bei.

Anders als ihre Vorgänger war die Komintern straff gegliedert und kein Debattierclub. Ihre Leitung, das sogenannte Exekutivkomitee, behielt seinen Sitz in Mos­kau und wurde von den russischen Kommunisten kontrolliert. Die Mitgliedsorganisationen in aller Welt waren weitgehend an die Weisungen des Komitees gebunden. Faktisch war die Komintern eine Marionette des Kreml und somit der verlängerte Arm sowjetischer Außenpolitik. Nachdem sich die anfänglichen Hoffnungen auf eine rasche Weltrevolution zerschlagen und Josef Stalin, der das Konzept vom Aufbau des Sozialismus in einem Land entwickelt hatte, die Macht in Moskau übernommen hatte, war die Komintern im Wesentlichen zu einem kleinen Spiegelbild der innersowjetischen politischen Auseinandersetzungen verkommen. 

Der nach dem Tode Lenins aus Russland verbannte Leo Trotzki gründete 1938 gar eine Vierte Internationale, die in Opposition zu Stalin und dem Moskauer Einfluss auf die Komintern stand. Letztere verlor immer mehr an Bedeutung. 

Mit dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939 verzichtete der Kreml darauf, seine deutschen Genossen in der Opposition gegen Adolf Hitler weiter zu unterstützen. Als die Wehrmacht nur ein Jahr später große Teile Kontinentaleuropas kontrollierte, konnten sich auch andere Kommunisten in den zwischenzeitlich besetzten Gebieten nicht mehr an den bisherigen Hilfen aus Moskau erfreuen. Als am Morgen des 22. Juni 1941 die deutschen Streitkräfte mit ihren Verbündeten zum Angriff auf die Sowjetunion ansetzten, war der Einfluss des Kreml auf die in der Illegalität operierenden kommunistischen Widerstandsgruppen massiv geschwunden. Eine erneute Kurskorrektur von einer pro-deutschen Ausrichtung wieder hin zu einer antifaschistischen und antinationalsozialistischen Volksfrontpolitik war vielen zur Komintern gehörenden Gruppen nicht mehr vermittelbar. Wegen ihrer Bedeutungslosigkeit und auch aus Rücksicht auf seine westlichen Verbündeten ließ Stalin die Dritte Internationale schließlich im Juni 1943 auflösen.

S. 12 Mensch & Zeit

Unser Tierbild: Eine Revolution
Ratten lachen, Schweine buhlen um Freunde: Forscher machen epochale Entdeckungen
Dagmar Jestrzemski

Hunde- und Katzenhalter wussten es schon immer: Ihr Haustier zeigt viele Verhaltensweisen, die denen der Menschen erstaunlich ähneln. Daraus resultiert ihre Meinung, dass Tiere uns viel näher stehen als allgemein behauptet. Mittlerweile hat die Verhaltensbiologie, eine Disziplin der Biowissenschaften, diese Einschätzung voll und ganz bestätigt. 

Das gilt keineswegs nur für Tiere, die im Umfeld von Menschen sozialisiert wurden, sondern für alle mit den neuartigen Methoden untersuchten Säugetierarten und bis zu einem bestimmten Grad sogar für Fische. Nur zeigt sich das von uns als „schlau“ oder „friedfertig“ bewertete Verhalten unserer Haustiere bei Tieren in freier Natur, bei Meerschweinchen im Labor oder bei Schweinen auf dem Versuchsfeld eben auf andere Weise.

Lange hielt sich die schon von Aristoteles verkündete Annahme, dass Tiere keinerlei Vernunft besäßen und nur ihren Instinkten folgen. Die gängige Vorstellung vom triebgesteuerten Tier, das gleichsam zu einer Art von Automat abgestempelt wurde, kam erst im Laufe des 20. Jahrhunderts ins Wanken, als neue Methoden der Landwirtschaft wie die Massentierhaltung zu einer allzu leidvollen Behandlung durch den Menschen führten. 

Bereits der Verhaltensforscher Konrad Lorenz bewies durch seine Arbeiten, dass das Verhalten der Tiere ebenso mit wissenschaftlichen Methoden erforscht werden kann wie ihre Anatomie. Bei seiner vergleichenden Forschung sprach Lorenz von „Tierpsychologie“. Doch erst in den vergangenen zehn bis 15 Jahren wurden auch die Emotionen der Tiere zum zentralen Forschungsfeld der Verhaltensbiologie. 

Die moderne Wissenschaft vom Verhalten der Tiere ist darauf ausgerichtet, ein realistisches Bild vom Tier zu ermitteln. Untersucht werden die Einflüsse von Genen und Umwelt. Computergestützte Anwendungen sowie das Zusammenspiel unterschiedlicher Fachdisziplinen erbringen abgesicherte, reproduzierbare Aussagen über die Wesenseigenschaften der Tiere und ihr Verhalten. 

Angesichts der Fülle an bahnbrechenden Forschungsergebnissen spricht der renommierte Zoologe und Verhaltensforscher Norbert Sachser von der Universität Münster in seinem Bestseller „Der Mensch im Tier“ von einer Revolution des Tierbilds. Fest steht, dass Tiere ebenso wie Menschen eine individuelle Persönlichkeit haben. 

Dementsprechend können Säugetiere teilweise auf hohem Niveau miteinander  kommunizieren, sich freuen und ärgern. Sie sind eifersüchtig, eitel oder gelangweilt, sie tricksen, spielen, trauern und geben ihren Gefühlen durch verschiedene Laute Ausdruck. 

Nicht nur Krähen und Papageien, auch Tauben sind ungemein lernfähig und in der Lage, menschliche Gesichter zu erkennen. Ratten können lachen, Schweine arbeiten ebenso hart für einen Sozialkontakt wie für Futter. Dabei zeigen ihre Körper und Gehirne dieselben Reaktionen wie beim Menschen – etwa hinsichtlich der Hormonausschüttung. 

Tiere suchen sich Freunde, jedoch verhalte sich kein Tier zum Wohle seiner Art, versichert der Forscher. Schimpansen verabreden sich zum Töten von Artgenossen, was vermutlich auf eine Vergrößerung der eigenen Gebiete abzielt. Damit erhöht sich für jedes Individuum die Chance, die eigenen Gene weiterzugeben, denn überaus mächtig wirkt in allen Tieren ihr angeborener Fortpflanzungstrieb. 

Nach den jüngsten Enthüllungen über das geheime Leben der Bäume werden wir nun also auch durch den neuen Wissensstand über Tiere an Alexander von Humboldts Rede von der Natur als einem lebendigen System erinnert, in dem alles mit allem verbunden ist. 


Moment der Woche

Pünktlich zum Ferienbeginn in Sachsen ziehen zahlreiche Urlaubsflieger ihre Bahnen über Dresden. Allerdings starteten die Maschinen nicht auf dem Flughafen der Landeshauptstadt, sondern in Berlin und anderswo. 

Verantwortlich hierfür ist die Pleite der Fluggesellschaft Germania, welche bisher die meisten Charterflüge von und nach Dresden-Klotzsche angeboten hatte. Damit entfallen künftig bis zu 47 Starts pro Woche und allerlei Exklusiv-Verbindungen nach Ägypten, Portugal, Spanien, Griechenland, Tunesien, Ungarn, Zypern, Indonesien und in die Türkei. 

Außerdem kann das Land Sachsen nun weniger abgelehnte Asylbewerber in ihre Heimatländer abschieben, denn auch hieran war die Germania beteiligt.  W.K.

Im Abgrund eines Charakters
Wirbel um den Roman »Stella«: Die Jüdin, die im NS-Staat Juden jagte, überfordert manchen Zeitgenossen
Erik Lommatzsch

Es ist eine wahre Geschichte, die Takis Würgers Roman „Stella“ zugrundeliegt. Um sich und ihre Familie zu retten, verdingte sich eine junge Jüdin als „Greiferin“ für die Gestapo. Ein dunkler, irritierender Winkel der Geschichte, in den viele lieber nicht blicken wollen.

Wer Latein in der Schule hatte, wird sich vielleicht noch an das geflügelte Diktum „habent sua fata libelli“ erinnern. „Bücher haben ihre Schicksale“, das vollständige Zitat beginnt mit dem Vorsatz, „pro captu lectoris“, also je nachdem, „wie der Leser sie aufnimmt“. Und lesen sollte man Bücher, bevor man über sie spricht. 

Über den Roman „Stella“ von Takis Würger ergoss sich unmittelbar nach seinem Erscheinen im Januar in den Feuilletons ein Schwall von Verunglimpfungen (siehe PAZ 8/2019). Setzt man dem die eigene Lektüre des Buches entgegen, so liegt der Verdacht nahe, dass das weitgehend vernichtende Urteil einen Reflex auf den Gegenstand der Handlung darstellt. 

Weniger resultieren dürfte die Kritik aus einer eingehenden Beschäftigung mit einem Werk, welches ein reales Geschehen aus der Zeit der NS-Diktatur literarisch verarbeitet. Dabei ist es doch gar nicht so schwer. Der im Hanser-Verlag erschienene „Stella“-Roman ist nicht allzu umfangreich. Zudem kommt der Autor dem Leser durch kurze, fast protokollarisch wirkende Sätze weit entgegen. Was den Hintergrund angeht, so wird man durch die Nennung einer Vielzahl von historischen Ereignissen und Details schon fast „überorientiert“.

Takis Würger bedient sich frei der Lebensgeschichte der Stella Goldschlag. Die Modezeichnerin und Tochter des Komponisten Gerhard Goldschlag hatte der Gestapo als „Greiferin“ gedient, um sich und ihre jüdische Familie zu schützen. Sie spürte eine Vielzahl von versteckten Berliner Juden auf und verriet sie. Unter ihren potenziellen Opfern war sie mit der Zeit als Denunziantin bekannt, an deren Festnahme war sie auch tatkräftig selbst beteiligt. 

Im Unterschied zu ihren Eltern überlebte Stella Goldschlag. Wegen Beihilfe zum Mord wurde sie 1946 von einem sowjetischen Gericht zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. 1994 nahm sie sich das Leben.

Die Haupthandlung des Romans spielt vorrangig im Berlin des Jahres 1942, ein Jahr vor dem real einsetzenden Wirken der Stella Goldschlag. Erzählt wird das Ganze aus der Perspektive des fiktiven Schweizers Fritz. Der ist gerade einmal 20 und materiell gut gestellt. Er bewohnt ein Nobel-Hotel und nimmt Zeichenunterricht. Dort lernt er das Aktmodell „Kristin“ kennen. „Kristin“, die auch in einem Nachtklub singt, weiß den zurückhaltenden Fritz für sich einzunehmen. Es entsteht schnell eine enge Liaison. 

Als dritte Hauptfigur ist Tristan von Appen gegenwärtig, ein schneidiger SS-Obersturmbannführer, der für die Annehmlichkeiten des Lebens seine Ideologie hintan stellt und von Fritz gern mehr Nähe hätte, als dieser zu geben bereit ist. 

Eines Tages verschwindet „Kristin“ und kehrt schwer misshandelt zurück. Fritz erfährt, dass es sich in Wahrheit um Stella Goldschlag handelt. Fortan ist sie als „Greiferin“ tätig, das Hauptmotiv ist der Schutz der Eltern. Fritz, der zu Anfang äußerst naiv ist und aus Kindertagen einen nahezu penetranten Hang zur „Wahrheit“ mitgebracht hat, versucht, das Wissen um Stellas Tätigkeit zu verdrängen. Mit der hässlichen Wirklichkeit tut er sich stets schwer: „Ich wollte nicht, dass mein Freund Tristan in der SS ist.“ 

Erfolglos versucht er, Stellas Eltern freizukaufen. Am Ende verlässt er sie. Unerträglich geworden ist ihm, neben der schwelenden Schuld und der Frage, ob man einen Menschen verraten dürfe, um einen anderen zu retten, vieles. Etwa der Mangel an eigener Courage. Er bringt es nicht fertig, sich an Stellas Peiniger zu rächen. Oder Stellas Verhalten gegenüber Tristan, der sie als „Israelitenpack“ beschimpft und darlegt, warum die Juden seiner Meinung nach zumindest verdrängt werden müssten, von dem sie sich dann aber doch wieder Auftritte verschaffen lässt. 

Fritz resümiert: „Diese Frau trug so viele Rollen in sich, das Aktmodell, die Sängerin mit der dünnen Stimme, die Schönheit in meiner Badewanne, die Büßerin, die Lügnerin, das Opfer, die Täterin.“ Sie selbst sagt: „Wir tun, was wir tun, weil wir es tun müssen.“ Für sich nimmt sie in Anspruch, dass sie keine Jüdin sei, Religion habe ihr und ihrer Familie kaum etwas bedeutet, erst Hitler habe sie „zur Jüdin gemacht“. Dort, wo man ihre Identität nicht kennt, redet sie lauthals antisemitische Propaganda mit. Zuweilen hat man den Eindruck, sie begeistere sich sogar dafür. Einfache Figuren bekommt der Leser nicht angeboten.

Warum es sich bei Würgers Roman um „Holocaust-Kitsch“ handeln soll, so der breite Presse-Tenor in der Beurteilung des Werkes, ist schwer nachvollziehbar. Das Problem liegt wohl eher im Unbehagen gegenüber der Figur der Stella – deren Handeln aus ihrer Perspektive als alternativlos dargestellt wird. Zugleich ist es im Wissen um die Konsequenzen ihrer Denunziationen in höchstem Maße verabscheuungswürdig.

Erstaunlich sind die Vorwürfe vor allem hinsichtlich anderer literarischer Werke, die sich ebenfalls etwas eigenwillig der Holocaust-Thematik annehmen. So erschien 2006 der Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ des irischen Schriftstellers John Boyne. Hier freundet sich der neunjährige Sohn eines SS-Offiziers, der in einem klar als Ausschwitz erkennbaren Vernichtungslager tätig ist, am Zaun mit einem Häftlingsjungen an. Später will er diesem im Lager helfen, seinen Vater zu suchen, beide Kinder sterben in einer Gaskammer. 

Hoch gelobt wurde dieses Werk, mehrfach ausgezeichnet und in 46 Sprachen übersetzt. Neben der Kritik an der historischen Entstellung – die Kinder hätten sich niemals in der Weise begegnen können – wäre noch ein anderer Einwand zu erwarten gewesen. Nämlich, dass man bei „Der Junge im gestreiften Pyjama“ die Problematik der effekthascherischen und damit missbräuchlichen Verwendung dieses dunklen Kapitels der deutschen Geschichte wesentlich stärker hätte aufwerfen müssen.

Ein ebenfalls hoch gelobtes, allerdings gelungenes Wagnis einer Annäherung an eine adäquate literarische Schilderung des Holocaust ist die Arbeit von Art Spiegelmann. Der Sohn eines        Auschwitz-Überlebenden gestaltete die Erlebnisse seines Vaters in Form einer Bildgeschichte, der zweibändigen Graphic Novel „Maus“. Die Juden werden – dem Vorbild der Fabel folgend – als Mäuse dargestellt, ihre Peiniger als Katzen. Bemerkenswert ist, dass Spiegelmann sich nicht scheut, auch den gegenseitigen Verrat und die Egoismen seiner „Mäuse“ zu thematisieren, die hoffen, sich auf diese Weise selbst retten zu können – eine Parallele zu „Stella“.

Angedroht wurde dem Autor Takis Würger auch eine gerichtliche Auseinandersetzung. Eingestreut in sein Buch hat er mehr als ein Dutzend Aussagen gegen Stella Goldschlag vor dem sowjetischen Tribunal. Diese werden aus Originalakten zitiert. Für das ambivalente Bild, welches der Autor vor allem von seiner Titelfigur zu zeichnen bemüht ist, erweisen sich diese Stimmen von Zeugen oder Überlebenden über ihre „Greifer“-Tätigkeit als immenser Gewinn. Denn sie kontrastieren stark die im Luxus stattfindende Liebesgeschichte und die Erscheinung der gutaussehenden und gebildeten Frau. Die Ehre der verstorbenen Stella Goldschlag soll nun durch diese unkommentierte Quellenpräsentation verletzt sein. 

1971 gab es in Deutschland schon einmal eine Entscheidung gegen einen Verlag zugunsten der Ehre eines Toten. In diesem Falle handelte es sich um den Schauspieler und Regisseur Gustaf Gründgens und den Roman „Mephisto“ von Klaus Mann. Allerdings wurde auch festgestellt, dass mit dem Verblassen der Erinnerung die Persönlichkeitsrechte erlöschen. Im Falle von „Mephisto“, der Interessierten stets zugänglich war, hatte das zur Folge, dass der Roman knapp zehn Jahre nach dem Urteil und knapp 20 Jahre nach Gründgens’ Tod wieder gedruckt wurde.

Würgers „Stella“ ist neben anderem auch Nachhilfe-Lateinlehrerin. Daher weiß zumindest sie: „Habent sua fata libelli“.


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Dachbodenfunde im Allensteiner Museum
Das Museum der Moderne des städtischen Kulturzentrums stellt acht deutsche Straßenschilder und ihre Geschichte vor
Uwe Hahnkamp

Mitte Januar präsentierten Artur Sobiela und Rafal Betkowski vom Museum der Moderne des Städtischen Kulturzentrums Allenstein dort das erste Exponat des Monats im Jahr 2019. Vorgestellt wurde eine Sammlung von acht Straßenschildern, die Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in Allenstein hingen und jetzt von der Geschichte der Stadt erzählen. 

Ende der 1880er Jahre bekamen die Straßenschilder im Deutschen Reich ein einheitliches Aussehen. Die Schilder, die das Museum der Moderne jetzt zeigt, stammen ebenso wie das eine, das dem Museum bei der Entstehung gespendet wurde, aus dieser Zeit. „Seit der Eröffnung hängt bei uns das Schild der „Kleeberger Straße“, zwei weitere Schilder wurden wegen ihres schlechten Zustands nicht ausgestellt“, erklärt Rafal Betkowski, „das sollten wir eigentlich ändern, denn sie zeigen, wie am Ende des Zweiten Weltkriegs mit den deutschen Schildern umgegangen wurde.“ 

Historisch interessant aus Sicht der Geschichte der Stadt ist nämlich gerade, wann und warum die Straßenschilder abgenommen wurden. Artur Sobiela, der sich mit den Änderungen von Straßennamen in Allenstein seit dem Jahr 1945 beschäftigt, bedauert daher das Verschwinden solcher Schilder: „Man kann an ihnen viel ablesen; es ist schade, dass sie oft spurlos abhandenkommen, wenn sie entfernt werden.“ Dank des Internets gibt es heute aber einen Markt von Sammlern, die an solchen historischen Gegenständen Interesse haben. „Dort tauchte zuletzt auf einer Auktion die jetzt gezeigte Sammlung auf. Die Schilder sind sehr gut erhalten; sie lagen vermutlich auf einem Dachboden. Dank des Kulturzentrums gelang es uns, sie zu erwerben“, freut sich Betkowski. 

Dabei war anfangs nicht vollständig sicher, dass die Straßenschilder nach Allenstein gehören. Zweifel weckte vor allem die „Steingasse“, die weder im Straßenverzeichnis noch auf dem Stadtplan zu finden war. Kurz vor der Vorstellung der Exponate 

eruierte Betkowski sie auf einem Katasterplan der Innenstadt: „Für das Kulturzentrum sollte es das Glanzstück der Sammlung sein, denn das Schild dieser kleinen Gasse hing an einem Speicher im Zentrum, in dem sich heute die Galerie ,Spichlerz‘ des Kulturzentrums befindet.“

Die „Magisterstraße“ war zur Überraschung der jüngeren Gäste der Veranstaltung nicht bei der Universität zu finden, die es noch nicht gab, sondern in der Nähe des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums. Hier wohnten damals ganz einfach die Lehrer dieser Schule. 

Dass die „Guttstädter Chaussee“ aus Allenstein nach Norden führte, war dagegen klar, jedoch ist sie, so Betkowski, auf dem Stadtplan von 1910, der im Museum der Moderne hängt, nicht mehr zu finden: „Bereits 1903 wurde sie bis zur Stadtgrenze in Königsstraße umbenannt.“ Ähnlich ging es der „Obervorstadt“, die 1909 nach langer öffentlicher Diskussion der „Zeppelinstraße“ weichen musste, weil ihr Name unmodern und zu wenig prestigeträchtig war, immerhin entstand dort das Neue Rathaus.

Die „Zeppelinstraße“ entging übrigens später ebenso wenig den Umbenennungen durch die Nationalsozialisten wie die „Roonstraße“ – die erste wurde zum Adolf-Hitler-Platz, die zweite teilweise zur Straße der SA. „Es gab im Jahr 1933 mehr Änderungen von Straßennamen in Allenstein als 1945“, stellt Artur Sobiela fest, „so muss-ten sie ihre Macht beweisen.“ 

Erst lange nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand hingegen die „Töpferstraße“ (dann polnisch ulica garncarska) mit ihren historischen Häusern vom Stadtplan. Dort, zwischen der Allensteiner Burg und der evangelischen Kirche, verläuft heute entlang des Burggrabens eine Promenade mit Cafés, die am Denkmal von Nicolaus Copernicus endet. Zumindest er hat in der Geschichte der Stadt Allenstein seinen festen Platz. 


»Eigene große Leute«
Königsberger setzen sich für Abramowicz-Platz in ihrer Stadt ein
Jurij Tschernyschew

Am 31. Januar wurde während eines Benfizkonzerts in Danzig auf den Bürgermeister der Stadt, Pawel Adamowicz, ein Attentat verübt. Nach nur einem Tag erlag er im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen  (die PAZ berichtete). Am 19. Januar verabschiedeten sich die Danziger während einer Trauerfeier von ihrem beliebten Bürgermeister.

Fast gleichzeitig erschien in Königsberg auf der Seite des Internetportals „change.org“ eine Petition, zu der aktive Königsberger mit dem Vorschlagaufgerufen hatten, die nach dem russischen Generalfeldmarschall Kutusow benannte Körteallee zu Ehren des ermordeten Bürgermeisters der benachbarten polnischen Stadt umzubenennen. Seinen Namen solle auch der Luisenplatz [Platz der russisch-polnischen Freundschaft] tragen.

Die Initiative wurde wie folgt begründet: „In den Jahren, in denen Adamowicz Danzig geleitet hat, ist es für Königsberg zu einer echten Partnerstadt geworden. Und das nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich – in dieser Zeit wurden enge kulturelle, sozialökonomische, touristische und freundschaftliche Bande zwischen beiden Städten und ihren Bewohnern gewoben. In vielem war das das Ergebnis politischer Offenheit, der Partnerschaft und Gastfreundschaft, die Pawel Adamowicz ausübte, dank seinem großen persönlichen Bestreben, einen Dialog zwischen Polen und Russland aufzubauen.“ Bis jetzt haben 2500 Menschen die Petition unterschrieben.

Und so verwundert auch die Reaktion der Königsberger auf das tragische Ereignis nicht. Am Tag von Adamowicz’ Tod waren die Seiten der Königsberger in den sozialen Netzwerken mit Mitleidsbekundungen an ihre Nachbarn in Danzig gefüllt, so, als ob diese Tragödie sich in ihrer eigenen Stadt ereignet hätte. Unzählige Menschen teilten ihre Gedanken darüber mit, dass in den Jahren, in denen Adamowicz Bürgermeister von Danzig war, die Stadt den Königsbergern nähergekommen sei. In hellen Erinnerungen berichteten sie von ihren persönlichen positiven Erfahrungen. Zehntausende Bürger des Königsberger Gebiets kennen Danzig. Sie verbringen gerne ihre Freizeit, die Ferien und Feiertage in der Hansestadt. Sie fahren dorthin für Einkäufe, Konzerte, erholen sich an der Ostsee oder fliegen vom Danziger Flughafen aus für wenig Geld zu allen möglichen Zielen Europas.

Adamowicz hat sich mehrfach gegen die Aussetzung des Kleinen Grenzverkehrs zwischen Russland und Polen ausgesprochen, der zwischen 2012 und 2016 galt. Er unterstützte eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Polen und Russland, er ließ in der Stadt Informationstafeln auf Russisch aufstellen und hatte im Internet einen persönlichen Blog auf Russisch.

Es ist interessant, wie die Königsberger Stadtregierung auf die Petition reagierte. Der Chef des Stadtrats, Andrej Kropotkin, sagte: „Wir haben unsere eigenen Bürgermeister, eigene große Leute.“ Viele Städter nahmen die Äußerung des Stadtrats mit Sarkasmus auf. Es sei bemerkenswert, dass von Seiten der Königsberger noch nie der Vorschlag kam, eine Straße nach einem ehemaligen Bürgermeister ihrer Stadt zu benennen. Wahrscheinlich deshalb, weil kein einziger Bürgermeister jemals so viel für seine Stadt getan habe, wie Pawel Adamowicz für Danzig. 

Der verstorbene Bürgermeister war von den Danzigern sechsmal in Folge direkt gewählt worden. Jeder, der in den vergangenen 

20 Jahren einmal in Danzig war, wird bestätigen können, dass die Stadt prosperiert und sich zum Positiven verändert hat. 

Zuvor hatte Bürgermeister Alexej Silanow gesagt, dass, falls der Umbenennungsvorschlag an die Stadtverwaltung von Königsberg gerichtet würde, er in der zuständigen Kommission in Betracht gezogen würde. Seine persönliche Meinung gab er jedoch nicht preis.

 


Mike Pompeo in Süd-Ostpreußen
Edyta Gladkowska

Am 13. Februar landete in Schimanen eine Boeing 757-200 der US Air Force. An Bord  befanden sich US-Außenminister Mike Pompeo und der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz. Die beiden wurden am Flughafen offiziell von Marcin Kuchcinski, dem stellvertretendem Marschall der Woiwodschaft Ermland und Masuren, und Tomasz Kadziolka, dem Präsidenten des Flughafens, begrüßt. Der Besuch stand im Zusammenhang mit dem vom polnischen Verteidigungsministerium angekündigten Treffen Pompeos mit den Soldaten der NATO-Bataillonskampfgruppe in Schlagakrug [Bemowo Piskie] bei Arys [Orzysz]. Während des Besuchs präsentierten die Soldaten der NATO-Bataillonskampfgruppe ihre Kampffähigkeiten. Die NATO-Bataillonskampfgruppe ist seit April 2017 in Schlagakrug stationiert. Alle sechs Monate findet ein Austausch der Soldaten statt. Der Kern des NATO-Bataillons besteht aus Soldaten der US-Panzerkavallerie. Dazu gehören aber auch Soldaten aus Großbritannien, Rumänien und Kroatien. Die Entscheidung, vier multinationale Bataillonskampfgruppen nach Polen und in die baltischen Staaten zu schicken, wurde auf dem NATO-Gipfel in Warschau im Juli 2016 getroffen.  Pompeo kam zur Nahostkonferenz nach Polen, die am 13. und 14. Februar stattfand. Das Flugzeug flog noch am selben Tag mit den beiden an Bord weiter nach Warschau. 


Isabelle Kusari in Wolfsburg

Am Sonnabend, 11. Mai, ist es wieder soweit: Ostpreußen von nah und fern kommen zum Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen zusammen, diesmal in Wolfsburg. Im Rahmen des Kulturprogramms tritt die bekannte Sängerin Isabelle Kusari auf. 

Die Französin mit Herz für deutsche Volkslieder wird mit folgendem Programm auftreten:

Teil I:  „Ännchen von Tharau“ (Gottfried von Herder und Simon Dach); Gedicht. Premiere. Uraufführung des Gedichtes von Horst Brink: „Was Ostpreußen ausmacht“; „Freiheit, die ich meine“ (Max von Schenkendorf); „Es steht ein Baum im Odenwald“ (Johann Friedrich Reichardt); „Westpreußen, mein lieb’ Heimatland“ (Fleske und Hartmann); „Danzig, Dunkle Giebel, hohe Fenster“ (Reichardt und Joseph von Eichendorff); „Aufmunterung zur Freude“ (Johann Friedrich Reichardt); „Wenn ich ein Vöglein wär“ (Gottfried von Herder); „Ostpreußisches Reiterlied“ (Gertrud Papendick); „O käm das Morgenrot herauf“; „Auf der Lüneburger Heide“ (Hermann Löns); „Wo des Haffes Wellen trecken an den Strand“ – Dialekt des östlichen Bereichs des Kurischen Haffes.

Teil II: „In einem kühlen Grunde“ (Eichendorff und Friedrich Glück); „Kommt lasst uns gehen spazieren“ (Martin Opitz); „Fuhr aus Königsberg heimwärts“; „Abends treten Elche aus den Dünen“ (Eichen und Lascheit); „Am Strande: Ich wüsste wohl, was ich dir säng, wenn ich die Welle wäre“ (Fürst Philipp zu Eulenburg); „Der kleine Rosengarten. Aber uns lieben, das dürfen wir nicht – Verbotene Liebe“ (Hermann Löns); „Trinklied – Man sagt wohl, in dem Maien da sind die Brünnlein gesund“ (Johann Friedrich Reichardt); „Kinderlied“ oder „September“ (Agnes Miegel); „Kein schöner Land in dieser Zeit“; Gedicht „Ostpreußen und unsere Kinder“ (Margarete Fischer); „Großer Gott, wir loben dich“;  „Land der dunklen Wälder“ (Herbert Brust und Erich Hannighofer).

Sie möchten dabei sein? Eintrittskarten erhältlich zum Preis von 

10 Euro (Versand zusätzlich 1 Euro) bei der Landsmannschaft Ostpreußen e.V., Buchtstraße 4, 22087 Hamburg, Telefon (040) 414008-0, E-Mail: selke@ostpreussen.de


S. 14 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 100. GEBURTSTAG

Gerlach, Erna, geb. Rosengart, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 2. März

ZUM 99. GEBURTSTAG

Bauch, Erna, aus Giesen, Kreis Treuburg, am 5. März

ZUM 98. GEBURTSTAG

Kröhnert, Bruno, aus Skören, Kreis Elchniederung, am 4. März

ZUM 97. GEBURTSTAG

Falke, Hanna, geb. Kaminski, aus Willenberg, Kreis Ortelsburg, am 5. März

Schnipper, Erika, geb. Piefkowski, aus Allenstein, am 2. März

ZUM 96. GEBURTSTAG

Brüggemann, Hildegard, geb. Onischke, aus Wehlau, am 6. März

Kensy, Helmut, aus Montwitz, Kreis Ortelsburg, am 6. März

Klimmek, Irmgard, geb. Borowski, aus Neidenburg, am 7. März

Lühmann, Herta, geb. Szikorra, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 3. März

Melzer, Hildegard, geb. Pichler, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 1. März

Pilz, Margarete, aus Schloßbach, Kreis Ebenrode, am 6. März

Walter, Irmgard, geb. Marquardt, aus Wacholderau, Kreis Ortelsburg, am 7. März

ZUM 95. GEBURTSTAG

David, Charlotte, geb. Sköries, aus Ahlgarten, Kreis Elchniederung, am 7. März

Hohrenk, Ilse-Ina, geb. Jentsch, aus Kreis Belgard, Hinterpommern, am 1. März

Kreuzgrabe, Elisabeth, geb. Lohrenz, aus Treuburg, am 3. März

Moissl, Hildegard, geb. Leidreiter, aus Jürgen, Kreis Treuburg, am 4. März

Norloch, Wanda, geb. Dietrich, aus Altengilge, Kreis Elchniederung, am 6. März

Quick, Irma, geb. Vohs, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 2. März

Ruppenstein, Erwin, aus Schneckenwalde, Kreis Elchniederung, am 1. März

Wolfram, Helene, geb. Stach, aus Malshöfen, Kreis Neidenburg, am 6. März

ZUM 94. GEBURTSTAG

Becker, Waltraud, geb. Schmidt, aus Wehlau, am 5. März

Daudert, Erich, aus Schulzenwiese, Kreis Elchniederung, am 2. März

Kloss, Paul, aus Grünwalde, Kreis Ortelsburg, am 7. März

Riewe, Lydia, geb. Grabowski, aus Neidenburg, am 1. März

Semler, Annelise, geb. Swiedelsky, aus Muschaken, Kreis Neidenburg, am 6. März

Stellwagen, Ingeborg, aus Mogilno, Kreis Posen, am 5. März

Sywottek, Heinrich, aus Nußdorf, Kreis Treuburg, am 1. März

ZUM 93. GEBURTSTAG

De Groot, Edith, geb. Kompa, aus Ortelsburg, am 5. März

Dürselen, Wolfgang, aus Jena, KG Wehlau, am 7. März

Gollub, Werner, aus Moschnen, Kreis Treuburg, am 6. März

Klein, Ernst, aus Lank/Lankhof, Kreis Heiligenbeil, am 3. März

Piper, Hertha, geb. Hilper, aus Baringen, Kreis Ebenrode, am 3. März

Rogalla, Anna, geb. Luka, aus Seehag, Kreis Neidenburg, am 6. März

Saunus, Gerhard, aus Erlen, Kreis Elchniederung, am 3. März

ZUM 92. GEBURTSTAG

Aukthun, Walter, aus Poppendorf, Kreis Wehlau, am 6. März

Greschat, Prof. Dr. Hans-Jürgen, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 3. März

Karpowski, Gertrud, geb. Pukropski, aus Schiemanen, Kreis Neidenburg, am 7. März

Krämer, Christel, geb. Pfarr, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 1. März

Kröger, Irene, geb. Kiy, aus Burdungen, Kreis Neidenburg, am 2. März

Müller, Ursula, geb. Böhm, aus Quilitten, Kreis Heiligenbeil, am 7. März

Podscharly, Artur, aus Groß Dankheim, Kreis Ortelsburg, am 3. März

Steppat, Bruno, aus Hüttenfelde, Kreis Tilsit-Ragnit, am 1. März

ZUM 91. GEBURTSTAG

Erlach, Willy, aus Schwarpeln, Kreis Pillkallen, am 28. Februar

Kowalski, Hildegard, geb. Katzmarski, aus Neu Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 4. März

Luszik, Werner, aus Markgrafsfelde, Kreis Treuburg, am 5. März

Lyhs, Fritz, aus Bärengrund, Kreis Treuburg, am 6. März

Michelsen, Edith, geb. Dickert, aus Groß Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 6. März

Rechlin, Brigitte, geb. Taudien, aus Grünhausen, Kreis Elchniederung, am 4. März

Robben, Hilde, geb. Jack, aus Rodebach, Kreis Ebenrode, am 7. März

Rossenbach, Hubert, aus Eiserwagen, Kreis Wehlau, am 6. März

Schwedberg, Irmtraut, geb. Schwarz, aus Gerswalde, Kreis Mohrungen, am 4. März

Wendroth, Christel, geb. Dorss, aus Satticken, Kreis Treuburg, am 2. März

Wieczorek, Ursula, geb. Skowasch, aus Grimmendorf, Kreis Neidenburg, am 4. März

ZUM 90. GEBURTSTAG

Ackermann, Prof. Günther, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 2. März

Brozy, Hubert, aus Neidenburg, am 4. März

Dittkuhn, Gerhard, aus Kloken, Kreis Elchniederung, am 5. März

Eich, Erwin, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 1. März

Göbeler, Helene, geb. Lucka, aus Haasenberg, Kreis Ortelsburg, am 3. März

Kämpfer, Helga, geb. Goetzie, aus Thomaten, Kreis Elchniederung, am 7. März

Kollmann, Sigrid, geb. Krohm, aus Königsberg, Wangenrodstraße 22, am 22. Februar

Lammers, Liesbeth, geb. Gronwald, aus Petersdorf, Kreis Wehlau, am 5. März

Rosteck, Gerhard, aus Treuburg, am 5. März

Schwarz, Erika, geb. Borchmann, aus Markau, Kreis Treuburg, am 7. März

Stark, Kurt, aus Kreuzingen, Kreis Elchniederung, am 2. März

ZUM 85. GEBURTSTAG

Abicht, Renate, geb. Grywatz, aus Rykusen, Kreis Neidenburg, am 6. März

Dawid, Friedrich, aus Ortelsburg, am 7. März

Draber, Erika, geb. Moritz, aus Leinau, Kreis Ortelsburg, am 7. März

Fischer, Doris, geb. Tantow, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 6. März

Gerigk, Peter, aus Osterode, am 3. März

Grzesny, Günther, aus Anhaltsberg, Kreis Ortelsburg, am 8. März

Kabisch, Gisela, geb. Perkuhn, aus Wehlau, am 4. März

Koplin, Manfred, aus Berlin, KG Wehlau, am 4. März

Masuch, Kurt, aus Groß Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 4. März

Matzat, Horst, aus Nausseden, Kreis Heydebruch, am 6. März

Metzdorf, Ulrich, aus Waldwerder, Kreis Lyck, am 3. März

Preß, Edith, geb. Wonsak, aus Freidorf, Kreis Neidenburg, am 4. März

Prothmann, Elly, geb. Müller, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 7. März

Sadowski, Kurt-Werner, aus Benkheim, Kreis Angerburg, am 4. März

Schnee, Lieselotte, geb. Hohmut, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 7. März

Willutzki, Christel, aus Glauch, Kreis Ortelsburg, am 2. März

ZUM 80. GEBURTSTAG

Bahr, Brunhild, aus Windau, Kreis Neidenburg, am 5. März

Eder, Elisabeth, geb. Skirde, aus Ortelsburg, am 4. März

Fischer, Waltraut, geb. Neumann, aus Groß Engelau, Kreis Wehlau, am 5. März

Fleischer, Ulrich, aus Barnen, Kreis Treuburg, am 7. März

Freund, Jürgen, aus Wehlau, am 3. März

Grigo, Dieter, aus Legenquell, Kreis Treuburg, am 1. März

Jeromin, Alfred, aus Ortelsburg, am 1. März

Keimel, Gerhard, aus Groß Trakehnen, Kreis Ebenrode, am 1. März

Kowa, Klaus-Dieter, geb. Kowalewski, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 2. März

Linow, Margret, geb. Dusny, aus Stosnau, Kreis Treuburg, am 6. März

Mahltig, Ingrid, geb. Konstanski, aus Satticken, Kreis Treuburg, am 6. März

Matheus, Manfred, aus Warchallen, Kreis Neidenburg, am 5. März

Neumann, Siegfried, aus Windkeim, Kreis Heiligenbeil, am 6. März

Sakuth, Rüdiger, aus Memel, Kreis Tilsit, am 5. März

Schönwald, Werner, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 7. März

Stenzel, Ingrid, geb. Haesler, aus Wehlau, am 5. März

ZUM 75. GEBURTSTAG

Brokop, Magdalena, geb. Kirschnick, aus Sangnitten, Kreis Preußisch Eylau, am 3. März

Dzwonek, Anni, geb. Rudnik, aus Alt Kiwitten, Kreis Ortelsburg, am 3. März

Gerlach, Lothar, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 2. März

Hinz, Gerhard, aus Baringen, Kreis Ebenrode, am 6. März

Steinke, Dorothea, geb. Schulz, aus Eiserwagen, Kreis Wehlau, am 3. März

Sucharski, Renate, geb. Tegtmeyer, aus Wehlau, am 1. März

Westerweg, Dirk, aus Gartenau, Kreis Neidenburg, am 5. März

Gedenkkonzert
75 Jahre Zerstörung Königsbergs

Königsberg – Donnerstag, 

29. August, Königsberger Dom: Gedenkkonzert zum 75. Jahrestag der Zerstörung Königsbergs.

Kaum jemand in Deutschland weiß, dass Königsberg schon ein halbes Jahr vor der Vernichtung Dresdens ein ebenso schreckliches Schicksal erlitten hat. 

In der Nacht vom 29. auf den 30. August 1944 haben 175 britische Bomber die Königsberger Innenstadt vernichtet. Fast alle kulturell wertvollen Gebäude, der Dom, die Schloßkirche, die Universität und das alte Speicherviertel wurden ein Raub der Flammen. Tausende von Menschen verloren ihr Leben; über 150000 Menschen wurden obdachlos. 

Seit vielen Jahren lässt der Königsberger Dom jedes Jahr in der Nacht vom 29. auf den 

30. August zum Gedenken an diese Schreckensnacht die Glo-cken des Doms läuten. 

Am Donnerstag, dem 29. August, wird zum 75. Jahrestag der Zerstörung Königsbergs durch die Royal Air Force ein Gedenkkonzert im Dom stattfinden. Die Gäste und die heutigen Einwohner der Stadt werden gemeinsam die Toten ehren und einander die Hand zur Versöhnung reichen. 

Im Museum für bildende 

Künste in der ehemaligen Börse wird es eine deutsch-russische Gedenkveranstaltung mit Gästen der Gebietsverwaltung sowie dem Buchautor Gerfried Horst geben. Auf der Grundlage seines Buches „Die Zerstörung Königsbergs – Eine Streitschrift“ wird Gerfried Horst einen Vortrag über dieses Ereignis und seine Hintergründe halten. 

Zu diesem Anlass ist eine Gruppenreise vom 28. August bis zum 2. September nach Königsberg geplant.

Anmeldung und weitere Informationen zum Reiseprogramm erhalten Sie bei Natalia Romanova, Mühlendamm 84a, 22087 Hamburg, unter Telefon (040) 22697074.

S. 15 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

INSTERBURG – Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, Fax (03222) 3721953, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V.,  Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Postfach 111 208, 47813 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, Fax (02151) 491141, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr. 

Hamburg – Mittwoch, 6. März, 12 Uhr, Hotel Zeppelin, Veranstaltungsraum Empore, Frohmestra-ße 123-125, 22459 Hamburg: Autorenlesung oder Videovortrag. Informationen: Manfred Samel, Telefon (040) 587585, E-Mail: Manfred-Samel@Hamburg.de

Schwerin – Mittwoch, 13. März, 12 Uhr, Gaststätte KAKTUS, Dreescher Köpmarkt, Schwerin: Treffen. Nähere Informationen bei Helga Hartig, Telefon (0385) 3922633, E-Mail: hehartig@web.de

Thüringen – Sonntag, 3. März, 14 Uhr, Café Büchner, Ebertstraße 12, 99817 Eisenach: Rückblick auf 2018 und geplante Aktivitäten 2019. Informationen: Jürgen Böhlke, Dresdener Straße 5, 99817 Eisenach, Telefon (03691) 211105, 

E-Mail: fjboehlke@gmail.com


LÖTZEN

Dieter Arno Milewski, Am Forstgarten 16, 49214 Bad Rothenfelde, Telefon (05424) 4553, Fax (05424) 399139, E-Mail: 

kgl.milewski@osnanet.de. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Neumünster – Sonnabend, 16. März, 15.30 Uhr, Lötzener Museum, Sudetenlandstraße 18H (Böcklersiedlung), Neumünster: Eröffnung der Ausstellung „Masuren – Land der Stille“. Gezeigt werden Aquarelle von Hans-Jürgen Gaudeck (geb. 1940 in Berlin). 

Vorgestellt wird auch sein unter diesem Titel veröffentlichtes Buch, das in 2016 im Steffen Verlag Berlin erschienen ist. Der Heimat seiner Eltern, Ostpreußen, macht er darin mit Stift und Pinsel eine Liebeserklärung. Der Künstler wird anwesend sein. Das Ausstellungsprojekt wird verwirklicht durch eine Kooperation zwischen dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg (Kulturreferentin Agata Kern) und dem Lötzener Museum in Neumünster (verantwortlich Ute Eichler). Ausstellungsdauer bis 20. Juli. 

Das Museum ist an Veranstaltungstagen bereits um 10 Uhr geöffnet.


LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665.

Zum neuen Bezirksvertreter für den Bezirk XX Fließdorf wurde ernannt: Lothar Trinoga, Gradhöhe 1, 34393 Grebenstein.


NEIDENBURG

Kreisvertreter: Ulrich Pokraka, An der Friedenseiche 44, 59597 Erwitte, Telefon (02943) 3214, Fax -980276, E-Mail: u-pokraka@t-online.de. Stellvertreter: Frank Jork, Oberbörry 18, 31860 Emmerthal - Börry, Telefon (0171) 7086334.

Wir beklagen das Ableben von Studienrat Jürgen Dauter, der an seinem 77. Geburtstag, am 31. Januar verstorben ist.

Jürgen Dauter war langjähriges Mitglied in der Kreisgemeinschaft Neidenburg e.V. Im Jahre 1976 wurde er vom Kreistag, als Amtsnachfolger von Paul Wagner, an die Spitze der Kreisgemeinschaft, zum Kreisvertreter gewählt.

Nach nur einem Jahr Amtszeit musste er das Amt aus privaten Gründen zur Verfügung stellen und trat zurück.

Wir danken Jürgen Dauter für seine geleistete Arbeit und werden in stets in guter Erinnerung behalten.Ulrich Pokraka


TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Erwin Feige, Am Karbel 52, 09116 Chemnitz, Telefon (0371) 3363748. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de

Potsdam – Sonntag, 26., bis Mittwoch, 29. Mai, Altstadt Hotel, Dortusstraße 9–10, 14467 Potsdam: Schultreffen der Schulgemeinschaft-SRT-Realgymnasium und der Oberschule für Jungen zu Tilsit. 

Es wäre schön, wenn möglichst viele von Euch erscheinen. Wer weiß schon, wie lange wir dazu noch in der Lage sind.

Das mittlerweile schon 76. Schultreffen beginnt am Sonntag um 15.30 Uhr mit dem gemeinsamen Kaffeetrinken und endet am Mittwoch nach dem Frühstück. Geplant sind „Dampferchen fahren“ Besichtigung des Neuen Palais von Sanssouci beziehungsweise des Museums Barbarini.

Das Hotels erreicht man unter Telefon (0331) 284990, E-Mail: altstadthotel@versanet.de, Fax (0331) 2849930. Anmeldungen können ab sofort mit dem Stichwort: „Gerhard Pfiel, 26.5.19” beim Hotel vorgenommen werden. Ein Kontingent der Zimmer ist bis zum 31. März für uns reserviert. Nach diesem Zeitpunkt kann das Hotel über die nicht gebuchten Zimmer wieder frei verfügen. Die Zimmerpreise pro Nacht  einschließlich Frühstück betragen für ein Doppelzimmer                110 Euro (Einzelzimmer 90 Euro), nur für die Nacht Sonntag auf Montag 86 Euro (Einzelzimmer 75 Euro).

Die nur drei zur Verfügung stehenden Hotelparkplätze kosten sechs Euro pro Tag, der Tagessatz im nahegelegenen Parkhaus 

kostet 12 Euro. Gebuchte Zimmer können bei Krankheit bis zu 

48 Stunden vorher kostenlos storniert werden, bei wichtigen Anlässen bis zu sieben Tage vorher.

Tagesplanung: Sonntag 26. Mai: Ankunft in Potsdam, um 

15.30 Uhr gemeinsames Kaffeetrinken sowie um 19 Uhr gemeinsames Abendessen. Montag, 

27. Mai: vormittags Dampferfahrt, um 15.30 Uhr Kaffee und um 

19 Abendessen. Dienstag, 28. Mai: Besuch des Neuen Palais beziehungsweise des Museums Barbarini. Mittwoch, 29. Mai: allgemeine Heimreise.

Wir bitten um rechtzeitige Zimmerbuchung. Für Spenden zur Deckung unserer Auslagen für die Schulgemeinschaft sind wir immer sehr dankbar.                                                                                            Bankverbindung: Pfiel, SRT-Schulgemeinschaft, Postbank München, IBAN: DE16700100800164110809.

Gerhard Pfiel, Sprecher 

der Schulgemeinschaft


Hoher Besuch
Der lettische Staatspräsident im Ostpreußischen Landesmuseum

Am vergangenen Sonnabend, dem 23. Februar, konnte sich das Ostpreußische Landesmuseum über einen besonderen Höhepunkt freuen: Der Präsident der Republik Lettland, S.E. Raimonds Vejonis, kam zu Besuch nach Lüneburg, um die neue Deutschbaltische Museumsabteilung im Ostpreußischen Landesmuseum in Augenschein zu nehmen. Die Hansestadt war nach Berlin und Hamburg seine dritte Station während seines fünftägigen hochoffiziellen Staatsbesuches in Deutschland. Für Lüneburg war es der erste offizielle Besuch eines ausländischen Staatsoberhaupts – eine gewaltige Herausforderung an Sicherheit und Protokollabstimmung für alle Beteiligten!

Nach kurzem Empfang im Rathaus mit Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und einer halbstündigen Visite im Brömsehaus, dem Kultur- und Begegnungs-zentrum des Deutschbaltischen Kulturwerks, bei der das Archiv und die Jugendarbeit der Deutschbalten im Fokus standen, folgte ein Rundgang in der neugestalteten Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums, das seit August 2018 eine Deutschbaltische Abteilung beinhaltet. Als Biologe hatte sich der frühere Umweltminister sehr für Naturschutzbelange in seinem Land eingesetzt. Entsprechend interessiert zeigte er sich von den großen wunderbaren Dioramen im Museum. Natürlich spielte auch die Hanse eine zentrale Rolle sowie die baltischen Herrenhäuser, von denen viele in den letzten Jahren wieder großartig hergerichtet werden konnten. Viele aber sind noch immer vom Verfall bedroht.

Im Anschluss an die Führung folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema „80 Jahre nach der Umsiedlung: Die Deutschbalten in Lettland – damals und heute“, die der Präsident mit einem Grußwort einleitete. 

Der Staatspräsident hob die gemeinsame Geschichte zwischen Lüneburg und Lettland hervor, die sich keineswegs mit der mittelalterlichen Deutschen Hanse erschöpfe. „Seit dem Ende der sowjetischen Besatzung sind fast 30 Jahre vergangen, und in der lettischen Gesellschaft ist das Bedürfnis nach einem neuen Blick auf die gemeinsame Vergangenheit gewachsen. Ich hoffe, dass die jetzt folgende Diskussion über die deutschbaltische Identität zur Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls beitragen und die Voraussetzungen für eine Wiederbelebung der jüngeren Generationen schaffen wird“, betonte Raimonds Vejonis. Auf dem Podium diskutierte der lettische Präsident der Akademie der Wissenschaft mit zwei deutschen Historikern und einem jungen Studenten aus deutschbaltischer Familie.

Der mehrstündige Museums-aufenthalt klang mit einem kleinen Empfang und anregenden Gesprächen aus. 

Der Besuch bedeutet für das Museum eine hohe Ehre, die seinen internationalen Anspruch für die Lüneburger eindrucksvoll zur Schau stellte, denn die große Eskorte – darunter 15 Polizeimotorräder – mitten am Sonnabend mit seinem großen Markttag, verbunden mit Straßensperrungen und Umleitungen, waren natürlich eine noch nie gesehene Attraktion. Die Museumsmannschaft, konfrontiert mit einem strengen, minutengenauen Protokoll des Staatsbesuchs, kann sich aber freuen, dass nur sechs Monate nach seiner Wiedereröffnung ein hoher Staatsgast die Mühen zur neuen Ausstellung mit seinem Besuch würdigte. Die Freude und Zufriedenheit war allenthalben spürbar. OL

Flugreisen der KG Elchniederung mit Dieter Wenskat

Dieter Wenskat begleitet seine Reisegruppe vom Freitag, 17., bis Freitag, 24. Mai nach Ostpreußen. 

Gumbinnen mit einer Stadtrundfahrt, einem Besuch der Salzburger Kirche, der früheren Friedrichschule mit ihrem historischen Fresko. Von hier aus startet ein Ausflug in den Kreis Gumbinnen, nach Angerapp/ Drakehmen, über Nemmersdorf und Drachenberg nach Angerapp und Ströpken. Trakehnen wird ebenso wie die Rominter Heide ein Etappenziel sein.

Der Weg nach Tilsit wird nicht ohne Programm sein: die Schule von Breitenstein/Kraupischken, das Heimatmuseum von Juri Userzov, die größte Burgruine des Deutschen Ordens in Ragnit, eine kleine Käseverkostung im „Deutschen Haus“ in Ragnit. 

Tilsit ist nicht nur Übernachtungsort, sondern besticht mit dem Park Jakobsruh, dem wiedererrichteten Königin-Luise-Denkmal, den alten Wohnvierteln, dem Schlossmülenteich und die Hohe Straße mit ihren überwiegend sehr schön restaurierten Jugendstilfassaden, an denen man die einstige Schönheit der „Stadt ohne Gleichen“ erahnen kann.

Von Tilsit aus geht es in die Elchniederung, nördlich der Gilge mit Besuch von Sköpen, Kuckerneese, Herdenau, Karkeln, Inse und einem Stopp am Kaiserlichen Jagdschloss Pait. Am Nachmittag geht es durch den südlichen Teil der Elchniederung mit Besuch von Heinrichswalde, Gerhardsweide, Seckenburg, Groß Friedrichsdorf und Kreuzingen.

Die Reise führt mit dem Bus weiter in den Kreis Labiau: Waldwinkel, Groß Moosbruch und weiter nach Königsberg. In der ostpreußischen Hauptstadt stehen der Besuch des Doms mit Konzert, der Luisenkirche oder des Hansa-Platzes mit dem Nordbahnhof und der erhaltenen Stadttore und Befestigungsanlagen wie des restaurierten Königstores und des Litauer Walls auf dem Plan. Natürlich fehlt auch die Bootsfahrt auf dem Pregel und um die Kneiphofinsel nicht. Von hier aus wird noch ein Ausflug an die Samlandküste unternommen mit Einblicken des Bernsteinabbaus in Palmnicken und in das Seebad Rauschen. Am Nachmittag erfolgt der Transfer und der Abflug nach Warschau, Rückankunft in der Bundesrepublik je nach Flughafen gegen 22 Uhr.

Programmänderungen sind vorbehalten, dies gilt insbesondere auch für Veränderungen der Flugzeiten durch die Airline. 

Anmeldung und weitere Informationen bei Dieter Wenskat, Horstheider Weg 17, 25365 Sparrieshoop, Telefon (04121) 85501.

Eine sommerliche zwölftägige Flugreise nach Ostpreußen mit den Reisezielen Rauschen, Königsberg, Gumbinnen, Tilsit, Nidden und Cranz wird vom 

14. bis zum 25. August angeboten. In Gumbinnen wird der Besuch des nebenstehenden Denkmals ein Programmpunkt sein. Auch hierzu erteilt Dieter Wens-kat Auskunft und nimmt Anmeldungen entgegen.PAZ


S. 16 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon  (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, 2. Stock, Zimmer 219. Sprechstunde nach Vereinbarung.

Reutlingen – Sonnabend, 16. März, 14 Uhr, Treffpunkt für Ältere, Gustav-Werner-Straße 6a: Jahreshauptversammlung. Der Vorstand lädt alle Mitglieder mit Familie und Freunde unserer unvergessenen Heimat herzlich ein. 

Heimat ist nur ein Wort, aber Heimat im Herzen zu tragen ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Der Kreis der Ostpreußen wird kleiner. Kommt auch in diesem Jahr zu unseren Veranstaltungen. Gemeinsam können wir bekunden: Ostpreußen lebt!

Das Zusammenkommen werden wir mit Kaffee und Kuchen und mit fröhlichen Gesprächen einleiten. Folgende Punkte stehen auf dem Programm:

1. Begrüßung der 1. Vorsitzenden,

2. Gedenken der Verstorbenen Mitglieder,

3. Jahresrückblick der 1. Vorsitzenden,

4. Bericht der Kassenwartin Marianne Praß,

5. Bericht der Kassenprüferin Elisabeth Hürzel,

6. Bericht der Frauengruppenleiterin Manzau-Schmidt entfällt wegen Erkrankung,

7. Entlastung des Vorstandes und Aussprache,

8. Ehrungen langjähriger Mitglieder und runder Geburtstage.

Nach einer Pause folgt der Bild-und Tonvortrag „2018-2019“ von Peter Jermann. Mit einem gemeinsamen schwäbischen Maultaschenessen mit Kartoffelsalat, der von den Damen des Vorstandes zubereitet wird, lassen wir den Tag ausklingen. Gäste sind willkommen. Wir bitten wegen der Essensvorbestellungen um kurze Anmeldung bei Ilse Hunger unter Telefon (07121) 52541.


BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Altmühlfranken – Freitag, 8. März, 19 Uhr, Hotel Gasthof Krone, Gunzenhausen: heimatliches Essen „Schmandhering mit Pellkartoffeln“, anschließend Lesung „Aus der Russenzeit 1914“, Bericht einer ostpreußischen Gutsfrau, vorgetragen von den Damen Rossius, Klischat und Sanowski.

Hof – Sonnabend, 9. März, 

15 Uhr, Altdeutsche Bierstube, Marestraße 88: „Quer durch Ostpreußen“.

Weiden – Sonntag, 3. März, Café Mitte: Jahreshauptversammlung.


BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

KREISGRUPPEN

Bartenstein – Anfragen für gemeinsame Treffen an Elfi For-tange, Telefon (030) 4944404.

Frauengruppe – Mittwoch, 13. März, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116–117, 10963 Berlin: Treffen. Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Heilsberg, Rößel – Sonnabend, 2. März, 15 Uhr, Seniorenfreizeitstätte Maria Rimkus Haus, Gallwitzallee 53, 12249 Berlin: Treffen. Anfragen: Erika Hackbarth, Telefon (033762) 40137, für Rößel: Ernst Michutta, Telefon (05624) 6600.

Rastenburg – Sonntag, 10. März, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus, Rohrdamm 24 B, 13629 Berlin: Treffen. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826. 


HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815.  

Landesgruppe – Sonntag, 31. März: Das Kulturreferat lädt ein zum ostpreußischen Theater Dittchenbühne nach Elmshorn per Bus. Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken und einem Gläschen Bärenfang sehen wir uns die Komödie von William Shakespeare „Was Ihr wollt“ an. Der Preis beträgt 30 Euro pro Person. Im Preis ist enthalten: Fahrt in einem modernen Reisebus, ein Fläschchen Bärenfang während der Fahrt, Kaffee und Kuchen sowie die Theateraufführung.

Abfahrten: 13 Uhr, Meckelfeld, Höpenstraße 88, Bushaltestelle Waldquelle;

13.15 Uhr, Bahnhof Harburg;

14 Uhr, Kirchenallee beim Hamburger-Hauptbahnhof.

Rückfahrt: 18.30 Uhr nach Hamburg Kirchenallee, Harburg und Meckelfeld. Anmeldung bei Walter Bridszuhn, Telefon (040) 6933520 und (0172) 9209151, 

E-Mail: walter.bridszuhn@gmx.de

FRAUENGRUPPE

Bergedorf – Mittwoch 13. März, Café Hof Neun Linden mit Biohofladen, Billdeich 480, 21033 Hamburg: Kaffeetrinken der Frauengruppe.

KREISGRUPPEN

Insterburg, Sensburg – Die Heimatkreisgruppe trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat (außer im Januar und im Juli), in diesem Monat am 6. März zum Singen und einem kulturellen Programm um 12 Uhr, Hotel Zum Zeppelin, Frohmestraße 123–125. Kontakt: Manfred Samel, Friedrich-Ebert-Straße 69b, 22459 Hamburg. Telefon/Fax (040) 587585, E-Mail: manfred-samel@hamburg.de.


HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788 

Landesgruppe – Sonnabend, 30. März, 9.30 bis etwa. 17.15 Uhr, Wilhelm-Kempf-Haus 1, 65207 Wiesbaden-Naurod: Kulturtagung. Der Teilnehmerbeitrag in Höhe von 30 Euro pro Person enthält ein Mittagessen, Kaffee und Kuchen. 

Referenten und Themen sind: Gerd-Helmut Schäfer „Die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, Fritz Loseries „Ahnenforschung in Ostpreußen“, Karla Weyland „Manchmal seh‘ ich im Traum unser‘n alten Kruschkenbaum“. Nach der Mittagspause übermittelt die Landesbeauftragte der Landesregierung Hessen für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, Grußworte der Hessischen Landesregierung. Gerhard Milkereit referiert zum Thema „Thomas Mann – Ferienhaus auf der Kurischen Nehrung“, Kuno Kutz zu „Begegnungen mit seinem Geburtsort Kruglanken“ und Christian Wagner über die „Begegnung mit meiner Geburtsstadt Königsberg“.

Den Abschluss bildet ein Vortrag von Professor Kurt Gärtner über „Das Preußische Wörterbuch“.

Anmeldungen ab sofort an Kuno Kutz, unter Telefon (06441) 770559 oder per E-Mail: Kuno.Kutz@t-online.de

Kassel – Donnerstag, 7. März, 14.30 Uhr. Cafeteria Niederzwehren, Am Wehrturm 3

(AWO-Seniorenheim): Lesung von Dorothea Deyß und Martin Dietrich aus dem Lebensbericht ihrer Mutter, Ida Dietrich, aus Ostpreußen. 

Bericht – Das Februartreffen der Gruppe wurde bestimmt durch die Jahreshauptversammlung, eine Mitgliederehrung und die Vorstellung des Volkssängers Anton Günther aus dem Erzgebirge. In der JHV erinnerte der Vorsitzende noch einmal an das 

70-jährige Bestehen des Vereins im abgelaufenen Jahr und einige diesbezügliche Sonderveranstaltungen. Geehrt wurden für langjährige Mitgliedschaft: Hannelore Pohlenz-Boehlke, Lieselotte Rüppel, das Ehepaar Marianne und Paul Wennesz und Jutta Creuzer. Im anschließenden Beitrag versuchte Vorsitzender Gerhard Landau den bemerkenswerten, aber leider kaum noch beachteten Volkssänger aus dem böhmischen Teil des Erzgebirges, zu würdigen. Mit seinen mehr als 150 Liedern bekennt Anton Günther seine Liebe zu Natur, Volk und Heimat in einer Eindrücklichkeit, wie sie heutzutage kein „Liedermacher“ mehr besingen würde (und könnte). Mit Günthers bekanntestem Lied „‘s is Feierobnd“ schloss der Heimatnachmittag. G.L.

Wetzlar – Montag, 11. März, 

12 Uhr, Restaurant Grillstuben, Stoppelberger Hohl 128: „Was Essen zum Genuss macht“ ist der Titel eines Vortrages von Karla Weyland (Rauschenberg). Die Veranstaltung startet mit dem Verspeisen einer ostpreußischen Spezialität, dem Grützwurstessen. Vorbestellungen dazu werden erbeten an den Leiter der Kreisgruppe, Kuno Kutz, Telefon (06441) 770559. Karla Weyland wird das Treffen mit allerlei Interessantem über heimatliche Spezialitäten, Gebräuche beim Essen und Trinken ergänzen.

Wiesbaden – Dienstag, 12. März, 14.30 Uhr, Wappensaal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35, Wiesbaden: Frauengruppe. Zum Heimatnachmittag sind 

Gäste immer herzlich willkommen. – Sonnabend, 16. März, 15 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat,: Monatstreffen. „Mit der Samlandbahn unterwegs“. Eine Filmreise mit aktuellen Farbbildern und alten Fotografien. Am 14. Juli 1900 fuhr die Samlandbahn erstmals die 45 Kilometer lange normalspurige Kleinbahnstrecke vom Königsberger Samlandbahnhof über Marienhof und Rauschen nach Warnicken. Im Laufe der Zeit wurde die Stre-ckenführung mehrmals erweitert und reichte schließlich bis nach Fischhausen und Pillau. Zuvor gibt es Kaffee und Kuchen von der Konditorei Gehlhaar.

Bericht – Mit einem bunten Fastnachtsprogramm feierte die Landsmannschaft ihren „Kreppelkaffee im Wappensaal“. Nach der launigen Begrüßung der Preußenschar durch die stellvertretende Vorsitzende Helga Kukwa, verbunden mit Erinnerungen an Fastnacht in Ostpreußen unter dem Motto „Brummtopf und Butschke“, sorgte Mathias Budau mit seinem Keyboard und bekannten Fastnachtshits zum Mitsingen und Schunkeln für den richtigen Schwung im Saal.

Mit einem „Loblied auf die Senioren“ eröffnete Ilse Klausen den Reigen der närrischen Vorträge und meinte: „An uns Senioren kommt keiner vorbei!“ Mit ihren weiteren amüsanten Geschichten wie „Siehste, Papa“ und „Wo selbst Preußen kapitulierten“ traf sie die Lachmuskeln der Besucher.

Jubel und Beifall erhielt Helga Kukwa für die amüsante Geschichte von „Adam und seine erste Frau“ und für ihre humorvollen ostpreußischen Späßchen. Ihr stand Margitta Krafczyk nicht nach und begeisterte die närrische Gesellschaft mit ihren „Gedanken über Quizsendungen im Fernsehen“ und dem Bericht von ihren Erlebnissen als „Touristin in Salzburg“. Fazit ihrer Reise: „Immer wieder Mozartkugeln, obwohl Mozart doch gar kein Bäcker war!“

Zu den Höhepunkten des Nachmittags zählte auch der Auftritt von Helga Kukwa und Ilse Klausen mit ihrem mytho(un)logischen und pointierten Zwiegespräch „Schaller und Schiller“, das den Nerv des Publikums traf und den verdienten Applaus einbrachte.

Stilecht gekleidet trat Gastredner Stefan Fink, hochdekorierter Wiesbadener Fastnachter und Sitzungspräsident, als „Lukas, der Lokomotivführer“ auf. In gekonnter Reimform ließ er sich über Geschehnisse in Wiesbaden aus und machte sich über Frank Ribery’s goldenes Steak lustig. Jubelnden Beifall folgte, weil er bei seiner interaktiven Büttenrede auch das Publikum einbezog und zum Mitmachen animierte. Zum Dank zeichnete ihn der Vorsitzende Dieter Schetat mit dem „Flüssigen Orden der Landsmannschaft“ in Form einer Flasche Bärenfang aus.

Den Schlusspunkt des Nachmittags setzte der närrische Polonaisewurm, bei dem sich die Preußenschar nach bekannten Schlager-Melodien singend und klatschend durch den Saal schlängelte.Dieter Schetat


MECKLENBURG-VORPOMMERN

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

Landesgruppe – Sonnabend, 9. März, 10 bis 17 Uhr, Mehrzweckhalle Volkshaus, Baustraße 48–49 (Stadtzentrum/Nähe Markt), Anklam: landesweite Große Frühlingstreffen der Ostpreußen. Dazu sind alle Landsleute von nah und fern mit Angehörigen und Interessenten sehr herzlich eingeladen. Ehrengäste sind der Dichter Simon Dach aus Königsberg und das von ihm besungene Ännchen von Tharau. Der russische Kant-Chor Gumbinnen gibt dazu ein wunderschönes Freundschaftskonzert mit deutschen, russischen und ostpreußischen Volks- und Heimatliedern, darunter das „Ännchen von Tharau“. Das Heimattreffen wird vom Blasorchester Redefin musikalisch umrahmt. Wie immer ist für Mittagessen, Kaffee, Kuchen, Bärenfang, Heimatbücher, Landkarten und genügend kostenlose Parkplätze gesorgt. Erwartet werden 600 Besucher.

Parchim – An jedem dritten Donnerstag, 14.30 Uhr, Café Würfel, Scharnhorststraße 2: Treffen der Kreisgruppe. Gemütlicher Nachmittag, um über Erinnerungen zu sprechen, zu singen und zu lachen. Weitere Informationen: Charlotte Meyer, Kleine Kemenadenstraße 4, 19370 Parchim, Telefon (03871) 213545.


NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Hilde Pottschien, Volgerstraße 38, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 7684391. Bezirksgruppe Lüneburg: Heinz Kutzinski, Im Wiesengrund 15, 29574 Ebstorf, Telefon (05822) 5465. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968. 

Braunschweig – Mittwoch, 27. Februar, 15 Uhr, Gaststätte Mahlzeit, Kälberwiese 13 a, Braunschweig, (Siedlerheim Alt-Petritor): Zusammenkunft. Nächste Bushaltestelle Kälberwiese.

In der neuen Begegnungsstätte werden wir mit Kaffee, Tee und Kuchen bewirtet. 

Oldenburg – Mittwoch, 13. März, 15 Uhr, Stadthotel, Hauptstraße 38–40, 26122 Oldenburg-Eversten: Treffen mit einem Vortrag von Michael Hirschfeld, Vechta: „Zwischen Seelsorge und Politik in der NS-Zeit, am Beispiel des ermländischen Bischofs Maximilian Kaller 1880–1947“. Mitglieder und Freunde sind herzlich willkommen. 

Osnabrück – Dienstag, 5. März, 16.30 Uhr, Hotel Select, Blumenhaller Weg 152, 49078 Osnabrück: Kegeln. – Sonnabend, 9, März, 

12 Uhr, Hotel Bürgerbräu, Blumenhallerweg 43, 49080 Osna-brück: Jahreshauptversammlung.

Rinteln – Donnerstag, 14. März, 15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln (Navi: Bäckerstraße 1 oder Kreuzstraße): Hans-Walter Butschke aus Lemgo wird den Vortrag „Der Hauptmann von Köpenick – Wahrheit und Legende“ über den Schuster Friedrich Wilhelm Voigt aus Tilsit  halten. Neben Mitgliedern und Freunden sind ebenfalls Angehörige und interessierte Gäste aus Nah und Fern herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit der Gruppe sind unter Telefon (05751) 5386 oder über E-Mail: rebuschat@web.de zu erfahren.


NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Bonn – Donnerstag, 7. März, 18 Uhr, Haus am Rhein, Elsa-Brändström-Straße 74: Jahreshauptversammlung mit Vorstandswahlen.

Düren – Mittwoch, 6. März, 18 Uhr, Haus des deutschen Osten, Holzstraße 7a, 52349 Düren: Jahreshauptversammlung im Bund der Vertriebenen sowie der Landsmannschaft Ost-Westpreußen. Anfragen an Gerda Wornowski, Telefon (02421) 72776, 

E-Mail: gwornowski@gmail.com. Wer sich heimatlich verbunden fühlt, ist bei uns herzlich willkommen. Wir freuen uns auf neue Mitglieder und Gäste. Die Gruppe trifft sich an jedem ersten Mittwoch im Monat.

Düsseldorf – Jeden Mittwoch, 18.30 bis 20 Uhr, GHH, Eichendorff-Saal: Chorproben mit Radostina Hristova. – Freitag, 8. März, 18 Uhr, Restaurant Laurens’s, Bismarckstraße 62: Stammtisch. – Dienstag, 12. März, 19 Uhr, GHH: Ausstellungseröffnung „Die Deutsche Minderheit in Rumänien – Geschichte und Gegenwart im vereinten Europa“, läuft bis zum 3. Mai. – Mittwoch, 13. März, 15 Uhr, Raum 311 „Siebenbürgen“, GHH: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt.

Köln – Mittwoch, 13. März, 14 Uhr, Café zum Königsforst: Treffen der Ostpreußengruppe zu Besprechungen, aber auch zum gemütlichen Kaffeetrinken.

Das Lokal befindet sich gegenüber der Endhaltestelle der KVB-Linie 9 Königsforst. Über ein Jahr treffen wir uns nun mit den Frauen der Pommernrunde in dieser Gaststätte und haben gute Erfahrungen gemacht. Die Frauen dieser Gruppe sind sehr zuvorkommend und behandeln uns Gäste wie Freunde. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken. Gleichzeitig wendet sich der Vorstand an alle Mitglieder, die nach dem „Umzug“ aus den Räumen des Bürgerzentrums Köln-Deutz ins Café zum Königsforst die Teilnahme an den Nachmittagen versagten. Es hat sich doch grundsätzlich nichts geändert, nur die Räumlichkeiten. Wir möchten diejenigen bitten, sich wenigstens einmal das neue „Zuhause“ anzusehen, ehe eine unbegründete Entscheidung gefällt wird. Wir leben in einer Zeit, in der von den Ostpreußen immer weniger werden, weil es an Nachwuchs fehlt; und es wäre schade, wenn nur wegen des Lokalwechsels auch diejenigen wegblieben, die sonst gern gekommen waren. Versuchen Sie es doch bitte wenigstens.

Münster – Die offene Frauengruppe der Ost- und Westpreußen Münster (Westf.) trifft sich jeden 2. Dienstag im Monat um 15 Uhr unter der gemeinsamen Leitung von Sabine Steinkat und Irmgard Bludau im historischen Lambertuszimmer des Restaurants Stuhlmacher, Prinzipalmarkt 67, Münster. Gäste sind herzlich willkommen.

Neuss – Jeden zweiten Mittwoch im Monat, von 15 bis 

18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Frauengruppe.

Wesel – Am 9. Februar führte die Landsmannschaft Ostpreußen-Westpreußen-Kreisgruppe Wesel ihre Jahreshauptversammlung durch. Der Vorsitzende Paul Sobotta konnte eine stattliche Schar von Landsleuten und 

Heimatfreunden an einer schmuckhaften Kaffeetafel begrüßen. Nach der Totenehrung und geschäftlichen Vorgängen mit Entlastung des Vorstandes, führte der Wahlleiter Hans-Joachim Wilm die Neuwahl durch. Es wurden einstimmig gewählt: 

1. Vorsitzende, Kulturreferent und Schriftführer Paul Sobotta,   2. Vorsitzende Irma Lankmichel, 1. Schatzmeisterin Christa Elias, stellvertretender Schatzmeister Manfred Rohde, als Beisitzer Edith Nischik, Hans-Joachim Wilm und Hans Lankmichel.

Für die weiteren zwei Jahre Amtszeit wird die Glut weitergetragen. Paul Sobotta

Wuppertal – Sonnabend, 

2. März, 14 Uhr, Kolkmannhaus, Hofaue 51, Wuppertal-Elberfeld: karnevalistische Runde. Mitwirkende: Mundharmonika-Duo Ulla Busch und Waltraut Bombe, Tanzgruppe Ursula Knocks und Akkordeonmusik von Waldemar Gregorzewski. 

Für das leibliche Wohl ist mit Berliner Ballen und belegten Brötchen bestens gesorgt. Kaffee und andere Getränke werden auch gereicht. Gäste, die gerne mit uns tanzen, schunkeln und singen, sind herzlich willkommen.


SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Bad Oldesloe – Die Vorsitzende begrüßte die Februar-Runde der Ost- und Westpreußen in Bad Oldesloe mit ihrem Gedicht „Winterabend an der Weichsel.“

Dann erinnerte Ulrich Klemens an die Reichsgründung am 18. Januar 1871 in Versailles mit Kaiser Wilhelm I. und Bismarck.

Die Vorsitzende sprach anschließend über Ernst Wiechert, der 1887 in der Försterei Kleinort im Kreis Sensburg geboren wurde. Sein Roman „Die Jeromin-Kinder“, den er von 1945 bis 1947 geschrieben hatte, gab ihr einen besonderen Einblick in die Verhältnisse jener Zeit. Wiechert schildert darin sehr eindrucksvoll das Schicksal der Kinder der armen Köhler-Familie.

Wiechert hatte in Königsberg studiert und wurde Studienrat in Königsberg und Berlin. 1933 schied er aus dem Schuldienst. Durch Schwierigkeiten mit dem NS-Regime kam er zwei Jahre ins KZ. Er lebte als freier Schriftsteller am Starnberger See und später in der Schweiz. Sein Gesamtwerk umfasst Gedichte, Prosa, Dramen und Märchen. Die Vorsitzende geht kurz auf einige Titel ein.

Wiechert starb am 24. August 1950 auf dem Rütihof am Zürichsee. Die Ernst-Wiechert-Gesellschaft e.V. und der Freundeskreis in Braunschweig halten die Erinnerung an Ernst Wiechert aufrecht. In der Aussprache geht es um die Landschaft und Natur in unserer ostpreußischen Heimat, die auch Ernst Wiechert geprägt haben.

Geburtstagskind des Monats war Lieschen Klemens. 

Gisela Brauer

Bad Schwartau – Donnerstag, 14. März, 14.30 Uhr, AWO: Treffen. Ein mit Bildern moderierter Rückblick auf das Jahr 2018 vom Vorsitzenden A. Simanowski. Anschließend Jahreshauptversammlung mit Wahlen des Vorstandes.

Bericht – Unter dem Motto „Ostpreußen lacht“ fand am 

14. Februar das Monatstreffen statt, das erfreulicher Weise von einer großen Mitgliederzahl besucht wurde. Nachdem Torte und Kaffee ausgeschlubbert waren, machte der Vorsitzende Axel Si-manowski mit einführenden humorvollen Kurzgeschichten den Anfang zu einem Nachmittag, den die Mitglieder selbst gestalten sollten. Und wer dachte, wer wird schon nach vorne treten und seine Geschichte vorbringen, der hatte sich geirrt. 

Es wurde fast schon gedrängelt und man ahnt ja nicht was da alles zum Besten gegeben wurde. Mit 90 Jahren und mit einer Inbrunst trug G. Runge das Flohche vor, vom dem, der der Majell das Flohche aus dem Mieder grabschen wollte und sie ihn doch lieber wieder ins Mieder schob, weil sie ihn noch mal jebrauchen konnte. Oder die Gerda Wüsthoff mit der Geschichte vom Schaukelpferd und die Eva Wehrend von der dicken Schwiegermutter, die sich im Bad einen Badeanzug leihen musste, um ins Bad zu dürfen, aber der Größte für sie zu klein war. Na und als sie ins Wasser gehen will und ihre Möpschens  plötzlich frei baumeln, sagt der kleine erstaunte Fritz „Eh Tantche, bevor se de Möpschens versäufen, schenken se doch lieber mir eenen.“ Es ging Schlag auf Schlag und es wurde wirklich viel gelacht, sodass die Lieder, die zwischendurch zu singen vor uns lagen, fast zu kurz kamen. Es war eine Idee, einen Nachmittag mal auf diese Weise zu gestalten, und es war ein toller Erfolg. Zwar nicht zu oft, aber bestimmt wird die Gruppe Ostpreußen wieder mal lachen lassen. 

Hans-A. Eckloff

Burg auf Fehmarn – Dienstag, 12. März, 15 Uhr, Haus im Stadtpark: „Ostpreußen im Winter“, der wissenschaftliche Mitarbeiter des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg Christoph Hinkelmann zeigt einen Dia-Vortrag über den ostpreußischen Winter. Gäste sind herzlich willkommen.

Neumünster – Mittwoch, 

6. März, 15 Uhr, Stadthalle am Kleinflecken: Jahreshauptversammlung. Nach dem Jahresrü-ckblick hören wir ein paar Vertellkes.

Bericht – Die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Gruppe Neumünster, traf sich am 2. Februar zum traditionellen Königsberger Klopsessen in der Stadthalle. Das Stübchen war mit 65 Teilnehmern voll. Die Hackbällchen mit viel Schmand und der Kapernsoße schmeckten wieder köstlich. „Wie bei Muttern! Man konnt‘ auch neun Stücker essen, wieder so reichlich!“ Hinterher ein Schnäpschen und der Mensch ist zufrieden. Aber was reimt sich auf Klops? Nur der Mops. – Die Vorsitzende Brigitte Profé hatte wieder so manches Vertellke parat.

Leider ist es dem Menschen ja zu eigen, dass er sich immer das wünscht, was er grad nicht hat, und das ist ein Schalchen Fleck. Nun wurden Erinnerungen wach. Ein Schalchen Fleck in Königsberg an jeder Eck‘ für drei Dittchen. Hier war das Fleckessen natürlich teurer. Immer reich, den Rest konnte man mitnehmen, im Topchen natürlich.

Leider gab es hier in den 80er Jahren keinen Koch mehr, der Fleck kochen konnte, und so kam man auf die heimatlichen Königsberger Klopse.

Die Vorsitzende hatte viele lustige Gedichte und Geschichten über die „Fleck“ aus ihrer Witzkiste hervorgeholt, die sich dann durch das ganze Programm zogen, vom Kauf, der Zubereitung und dem Essen mit dem Knopf am Pansen. Natürlich durfte das „Flecklied“ nicht fehlen. Mit musikalischer Begleitung kam Schwung und Stimmung auf.

Die Vorsitzende bedankte sich bei den Helfern mit einem selbstgetöpferten „Schalchen“ – nicht mit Fleck, aber mit Konfekt. Wie immer endete der Nachmittag mit dem West- und Ostpreußenlied.B. P.

Uetersen – Freitag, 8. März, 

15 bis 17 Uhr, Haus Ueters End, Kirchenstraße 7: Unsere „Mutter Ostpreußen“ Agnes Miegel wurde am 9. März vor 140 Jahren geboren. Feierstunde und Lesung mit Herbert Tennigkeit.

S. 18 Heimatarbeit

Ostpreußen – Ein Sehnsuchtsland

Strand, Dünen, Meer, Wind und Himmel – was braucht man mehr?

Diese Aufnahme stammt aus dem vergangenen Jahr von Thomas Hübner, der sie der Preußischen Allgemeinen Zeitung freundlicherweise zur Verfügung stellt. Zu sehen ist der Starnd von Pillkoppen. Pillkoppen ist ein Fischerdorf im Landkreis Samland, auf der Kurischen Nehrung, nur einen Katzensprung von der Vogelwarte in Rossitten entfernt. 

Die Kurische Nehrung findet sich nicht nur in Bildern, sondern auch in der Literatur wieder. So dichtet zum Beispiel  Walter Scheffler: „Haff, Himmel und Meer umarmen ein Land, weitabgewand –seine Wege sind schwer. Ewig bedroht ringt hier das Leben mit rauhen Gewalten, flüchtet vorm Tod, um sich dann wieder verjüngt zu gestalten. O Sommertage: Träumerisch Wandern von Strand zu Strand, weitschauend Rasten im goldenen Sand ... Gleich einer Sage leuchtest Du mir, seltsames Land“. 

Wen jetzt das Reisefieber gepackt hat, kann sich gerne an die Kreisgemeinschaften wenden, die in diesem Jahr wieder viele Ostpreußenreisen anbieten. PAZ


Wirren um das Lebuser Land
Eine neue Publikation erklärt die einzelnen Etappen vom Bistum hin zur Woiwodschaft
Edmund Pander

Elzbieta Anna Polak, die Marschallin (entspricht annähernd einem Ministerpräsidenten) der Woiwodschaft Lebus betonte zu dessen 20-jähriger Existenz „Vor 20 Jahren war ich Bürgermeisterin der kleinen Gemeinde Mallmitz [Malomice]. Ich erinnere mich kaum noch an die Antagonismen zwischen Grünberg [Zielona Gora] und Landsberg [Gorzow]. Wir bauen nun gemeinsam eine grüne, technologisch moderne Landschaft“, umriss sie in Gedenken an die Bildung der neuen Woiwodschaften Polens zum 1. Januar 1999 20 Jahre später den Neuanfang und kaschiert damit das schwammige Profil der Kunstregion. Die 16 damals gebildeten Woiwodschaften lehnen sich meist an historische Regionen an, auch wenn es deutlich mehr funktionale Abweichungen gegenüber den deutschen Ländern gibt. Im Falle des Lebuser Landes [Ziemia Lubuska], das mittelalterliche Wurzeln hat, aber exorbitant über seinen historischen Kern hinaus neu konstruiert wurde, geht es um mehr als Abweichungen. Hier fand eine völlige Neukonstruktion eines Raumbegriffs auf Grundlage eines eigentlich längst verlorenen Geschichtsstrangs statt.

Als im Mittelalter das römisch-deutsche Reich nach Osten und der frühe Piastenstaat von Gnesen kommend nach Westen drängte, bildete sich an der Oder ein Konfliktraum. Zur Festigung seiner Macht gründete Boleslaus III. Schiefmund um 1125 das Bistum Lebus als Suffragan und kleinstes Bistum im Erzbistum Gnesen, womit er Kaiser Heinrich V. zuvorkam und diesen Bereich somit dem Einflussbereich des Erzbistums Magdeburg entzog.

Dieses Bistum blieb jedoch 

an neuralgischer Schnittstelle eingeengt und ohne territoriale Entwick-lungsmöglichkeiten. Der Ort Lebus konnte sich zudem nicht zu einem Handelszentrum entwickeln, nachdem das nahe Frankfurt an der Oder im Zuge der deutschen Ostkolonisation diese Funktion besser übernehmen konnte. Aus der polnischen Geschichte war das Lebuser Land bereits Mitte des 13. Jahrhunderts ausgeschieden, als das Gebiet durch Verkauf im Zuge der Teilung des Herzogtums Schlesien zum Kondominium des Erzbistums Magdeburg und Brandenburg wurde und 1252 letztlich brandenburgischer Pfandbesitz. 1276 wurde der Bischofssitz aus Lebus nach Göritz [Gorzyca] östlich der Oder verlegt, die dortige Kathedrale wurde 1325 in einer Vergeltungsaktion zerstört, nachdem polnische Einheiten in die Region eingefallen waren. 1424 erfolgte noch der Wechsel des Bistums mit wiederum neuem Sitz in Fürstenwalde/Spree (ab 1373) vom Erzbistum Gnesen an Magdeburg.

Ab 1313 wurde in Dokumenten für den östlich der Oder gelegenen Teil des kleinen „Lebuser Landes“ der Name „Sternberger Land“ verwendet, womit bis 1945 das Lebuser Land nur noch westlich der Oder bekannt war. Und obwohl das kleine Städtchen Lebus westlich der Oder nach dem Zweiten Weltkrieg nun in der DDR lag, propagierte Polen ab 1945 den Namen nun wieder östlich der Oder. Und zwar nicht etwa nur für den alten östlichen Teil des Lebuser Landes, dem „Sternberger Land“, sondern auch für Gebiete, die niemals in der Geschichte zum Lebuser Land gehört hatten. Mit der Findung von topografischen Bezeichnungen für die neuen Gebiete wurde das Posener Westinstitut beauftragt, das im Falle des Lebuser Landes den Namen als regionalen Begriff für dieses Gebiet geradezu ausufernd definierte, da es Teile Schlesiens, Pommern, des Posener Landes und der Niederlausitz mit einbezog. 

Schon 1946 hatten der Geologe Bogumil Krygowski und der Geograf Stanislawa Zajchowska die neue Funktion des Namens „Lebuser Land“ als Verbindungselement zwischen Pommern und Schlesien bestimmt. Jedoch wurde dieses Land zugleich als westlicher Teil Großpolens verstanden. Konkrete Konturen gewann der Begriff nämlich durch die neuen, bis 1950 gültigen Woiwodschaftsgrenzen, indem alle ehemals deutschen Gebiete innerhalb der Woiwodschaft Posen nun als „Lebuser Land“ galten. Das kuriose dabei: Angesichts des Woiwodschaftszuschnitts wurde nun auf einmal gar Landsberg/Warte [Gorzwo Wielkopolski] und sogar das bislang immer niederschlesische Grünberg [Zielona Gora] in den Raum hineinkatapultiert. Die „Gazeta Lubuska“ bildete das regionale Pressorgan und mit der Woiwodschaftsreform 1999 wurde für die zusammengeschlossenen, seit 1975 bestehenden, Klein-Woiwodschaften Landsberg und Grünberg der Name „Lebuser Woiwodschaft“ auch ganz offiziell als Raumbegriff eingeführt.

Die Etappen, wie diese Aneignung in neuer Raumdimension konstruiert wurde und in welchem Maße, sie von den neuen Bewohnern als identitätsstiftend angenommen wurde, beschreibt eine neue wissenschaftliche Arbeit von Kerstin Hinrichsen. „Die Erfindung der Ziemia Lubuska“ (V&R unipress), die auf ihrer Dissertation von 2015 fußt und das kurioseste Raumgebilde der ehemaligen deutschen Ostgebiete dem deutschen Leser ausführlich verständlich macht. Denn die Begriffsverwirrung bleibt schwierig. Der deutsche Name Ostbrandenburg greift als Übersetzung räumlich nicht mehr, der polnische hat in der deutschen Sprache in dieser Dimension keine Wurzel, zumal vor allem weite Teile Schlesiens seiner eigentlichen Heimatregion entfremdet wurden. Immerhin ist Grünberg in Schlesien ja sogar Sitz des Lebuser Landtages. Die Hauptstadtfunktion teilt man jedoch mit Landsberg, wo der Woiwode seinen Sitz hat.

S. 19 Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

S. 20 Leserforum

Leserforum

Umsiedlung statt Vertreibung

Zu: Warschaus Drang nach Osten (Nr. 5) und Wie „Ostpolen“ zu Polen kam“ (Nr. 5), 8. Februar 2019

Hinzugefügt werden soll, dass die Umsiedlung der Polen aus dem sogenannten Ostpolen nicht mit der Massenaustreibung der Deutschen aus Ostdeutschland gleichzusetzen ist, wie landauf landab suggeriert wird. Besonders in Vertriebenenkreisen ist die irrige Auffassung verbreitet, dass die zirka 1,5 Millionen in die deutschen Ostgebiete gekommenen Polen ebenso vertrieben wurden wie die Deutschen aus den deutschen Ostgebieten. Sie wurden es nicht, denn sie wurden umgesiedelt. Die ersten Umsiedlungen fußten auf Verträgen von 1944 über den nationalen Bevölkerungsaustausch zwischen dem Polnischen Komitee der Nationalen Befreiung sowie der Ukrainischen, der Weißrussischen und der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik, also den Sowjetrepubliken, von denen Teile in der Zwischenkriegszeit als Ostpolen bezeichnet wurden. Die Umsiedlungen hielten bis 1948 an. Weitere mit geringerer Personenzahl erfolgten noch von 1955 bis 1959. „Die Umsiedlung geschah auf beiden Seiten freiwillig“ (Dr. Alfred Bohmann, Journalist, dann Angehöriger des Auswärtigen Amtes) in „Menschen und Grenzen“, Band 1, 1959.

Wenn eine Umsiedlung, aus welchem Grunde auch immer, geboten war, eine Vertreibung gab es nicht, und das sollte immer und immer wieder erwähnt werden, denn der Irrtum einer angeb­lichen Vertreibung der Ostpolen hat schon zu großen Raum eingenommen. Den Polen war die Möglichkeit gegeben worden zu optieren, und sie durften auch all ihre bewegliche Habe und ihr lebendes Inventar mitnehmen, soweit es organisatorisch durchführbar war. Dies wurde dem Verfasser der Zuschrift von einer betroffenen Familie schriftlich bestätigt. „Auch mein Mann ist aus dem Osten umgesiedelt worden mit seinem Hab.“ Die Deutschen hingegen mussten nur mit dem Nötigsten versehen innerhalb kürzester Frist ihre Höfe, Häuser, Wohnungen, ihr Eigentum verlassen. 

Polen hatte natürlich ein großes Interesse daran, möglichst viele Optanten zu gewinnen, um Ostdeutschland neu zu besiedeln. Viele Polen zogen es auch vor, ihre Heimat zu verlassen, statt unter stalinistischem Joch leben zu müssen, obwohl den Ostpolen durch Dekret vom 29. Oktober 1939 von Stalin die sowjetische Staatsbürgerschaft verliehen wurde. „Die Bewohner der damals noch polnischen Ostgebiete, z.B. aus Lemberg, hätten unter der neuen russischen Verwaltung bleiben können“, äußerte der polnische Historiker Dr. Krysztof Ruchniewicz am 20. Oktober 2001 in Breslau. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass von Stalin eineinhalb Millionen Polen, darunter eine Million bodenständige aus dem sogenannten Ostpolen, unter unmenschlichen Bedingungen in die Sowjetunion deportiert wurden und zahlreich zu Tode gekommen sind.

Manfred Weinhold, Hamburg






Bußprediger, Reformator und Politiker

Zu: Gretas Rache (Nr. 5)

Die in diesem Artikel einseitige und undifferenzierte Darstellung Savonarolas mit einem hämischen Unterton hat mich schockiert, auch wenn sie als Satire deklariert ist. 

Es steht außer Frage, dass Savonarola in seinem späteren Wirken, besonders aus heutiger Sicht, übers Ziel hinausgeschossen hat. Dies rechtfertigt aber nicht, ihn ausschließlich als religiösen Irrlehrer darzustellen, zumal er sogar später von der katholischen Kirche rehabilitiert wurde. 

In Wirklichkeit war Savonarola ein Bußprediger, Reformator und Politiker, der gegen die Sittenlosigkeit, Korruption und Gewalttätigkeit der Machthaber kämpfte. Nicht seine religiösen Forderungen und Aktivitäten, sondern seine politischen Ambitionen, die die Herrschenden in Staat und Kirche durchkreuzten, wurden ihm zum Verhängnis. 

Einer Zeitung, die das Reden und Handeln der heute Herrschenden kritisch beleuchtet und bewertet, ist solch einer verkürzten Darstellung eines frühen christlichen Kämpfers für die Bürgerfreiheit nicht würdig. Beim Märtyrertod hört die Satire auf. 

Jutta Daubermann, Ludwigshafen






Besteht ein Zusammenhang?

Zu: „Kaputtgespart“ (Nr. 6)

Seit 2006 wurden mehr als 1,2 Milliarden Euro für Regierungsberater gezahlt. Und diese Ausgaben multiplizieren sich kontinuierlich schon seit dem Bestehen der Bundesrepublik mit der ungeheuren Neueinrichtung von Dienstposten der höchsten Spitzenbeamten unserer Regierung. Sollen diese mit den ihnen nachgeordneten Beamtenbereichen doch eigentlich den größten Teil der Planungs- und Organisationsarbeiten der Regierung leisten.

Man sollte einmal von kompetenter Nicht-Regierungsseite untersuchen lassen, in welchem Umfang seit Gründung der Bundesrepublik der Personalstand nur allein bei den Staatssekretären angewachsen ist. Ganz davon zu schweigen, dass es nun auch noch „Staatsminister“, „Parlamentarische Staatssekretäre“ und „Regierungsbeauftragte“ gibt, die ein Konrad Adenauer überhaupt noch nicht brauchte. Da gab es je Ministerium nur einen beamteten Staatssekretär.

Hat diese Inflation auch etwa mit mangelnder Kompetenz dadurch zu tun, dass viele von ihnen nach dem Motto „Kreißsaal – Hörsaal – Plenarsaal“ noch nie im Berufsleben standen und ihnen dadurch praktische Erfahrungen jeglicher Art fehlen?

Helmut von Binzer, Hamburg






Rufschädigung

Zu: Verdacht gegen AfD-Referenten (Nr. 5)

Ich kenne Manuel Ochsenreiter nicht persönlich. Aber ich mag seine Leitartikel. Sie zeichnen sich aus durch eine unaufgeregte Sachlichkeit, einen immer höflichen Ton, und sie entbehren jeglicher ironischer oder gar sarkastischer Seitenhiebe gegen Andersmeinende. In anderen Blättern finde ich so etwas immer seltener bis gar nicht mehr.

Zu den von Ihnen berichteten Ermittlungen gegen ihn: Ich kann mir Herrn Ochsenreiter nicht vorstellen als jemanden, der zu Straftaten anstiftet, und vermute, dass mit den Anschuldigungen die Rufschädigung eines politischen Gegners beabsichtigt ist. 

Sabine Bauer-Helpert, Görlitz






Ernstes Zeugnis der spanischen Geschichte

Zu: Touristenattraktion und Wallfahrtsort (Nr. 7)

Bei unserem Besuch der Ruhestätte Francos im Valle de los Caidos hatten wir nicht den Eindruck einer Touristenattraktion, sondern den eines ernsten Zeugnisses der spanischen Geschichte. Wir verbrachten einen ganzen Tag auf dem weiten Gelände. Huldigungen am Grab oder Besucher mit erhobener rechter Hand haben wir nicht erlebt. 

Grandios im wilden Bergwald der Sierra gelegen, beeindruckt das Monument weniger durch seine Maße, sondern mehr durch seine schlichte Strenge und die sakrale Stimmung im Inneren des Berges. An den langen Steinwänden der Kirche hängen großformatige Gobelins mit bib­lischen Szenen, auf die gedämpftes Licht fällt. Nur ganz in der Ferne ist es hell, wo auf einer Empore aus rotem Granit ein mächtiger Altar steht. Sobald die Mönche dort die Messe zelebrieren, geht im übrigen Raum das Licht aus, wodurch sich die Aufmerksamkeit der Besucher auf die Messfeier richtet. 

Vor den Stufen zum Altarbereich liegt das Grab des Caudillo, nur eine graue Platte mit seinem Namen und dem von Primo de Rivera, unendlich bescheidener als die goldstrotzende Königsgruft im Escorial. 

Man mag Franco einen Diktator nennen, aber er war keiner von der Art eines Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot, Honecker oder sonstiger linker Idole. Wäre er mit seinen Gegnern so verfahren, wie die es bis heute für ihr Recht halten, gäbe es in Spanien keine Diskussion über die Zukunft des Valle de los Caidos. 

Würdevoller als im Inneren dieses Berges, in der Nähe des ewigen Lichtes, wo Freund und Feind im Tod vereint sind, kann man nicht begraben sein. Und mit ihrem Kampf um und gegen Tote werden die Linken den Bürgerkrieg auch nicht mehr gewinnen. 

Adolf Frerk, Geldern

S. 21 Reise

Wie auf weißem Teppich
In der Wildschönau ist für Skifahrer alles angerichtet – Tiroler Wintersportort lockt mit günstigen Preisen und tollen Panoramen
Katharina Gerber

Ein Tal, zwei Berge und jede Menge Abenteuer. Skifahren in der Wildschönau ist Urlaub vom Alltag. Rund um Markbachjoch und Schatzberg locken breite Pisten, urige Hütten und jede Menge Gastfreundschaft.

Zugegeben. Irgendwann hört man auf, sie zu zählen. Die Kurven, die sich von Wörgl im Inntal über sieben Kilometer in die Höhe schlängeln, bis die schmale Straße einen sanft in der Idylle absetzt und zuflüstert: „Jetzt ist alles gut.“ Denn dann ist man da. In der Wildschönau. Einem Tiroler Bilderbuch-Hochtal in den Kitzbüheler Alpen, keine 30 Kilometer von der deutschen Grenze bei Kufstein entfernt.

Prächtige Bauernhöfe sprenkeln die verschneiten Berghänge, Kirchtürme zeigen die Zentren der Dörfer Niederau, Oberau und Auffach an. Alles wirkt ruhig und gemütlich. Aus dieser Kulisse heraus ragen zwei markante Berge: Das Markbachjoch (1500 Meter) und der Schatzberg (1903 Meter). Sie spannen auf der Wildschönauer Seite das Skigebiet „Ski Juwel Alpbachtal Wildschönau“ auf, das mit dem Nachbartal verbunden ist und insgesamt 109 variantenreiche Pistenkilometer bereithält. Man hat sie vielleicht nicht ganz für sich allein, aber fast, wenn man die Geheimtipps der Wildschönauer kennt. 

Am Markbachjoch, am Taleingang der Wildschönau, wurde 1946 der erste Lift Tirols gebaut. Dem Sessellift „Marke Eigenbau“ – verarbeitet wurden dünne Holzplatten, Drähte und Wasserrohre für die Sitze sowie ein alter Panzermotor für die Stromversorgung – verdankt das Hochtal den Anstoß für den Wintertourismus. 

Heute gibt es am Markbachjoch eine Gondelbahn und neun Lifte. Dazu kommen noch die Liftanlagen am Schatzberg sowie diverse Pisten für jede Schwierigkeitsstufe. „Sie sind bei uns auch dann nicht überfüllt, wenn andernorts bedrängende Enge herrscht“, erklärt Thomas Lerch, Tourismusdirektor der Wildschönau. 

Die Hochbergabfahrt ist übrigens eine, die man so schnell nicht vergisst. Sie ist anspruchsvoll, schwarz und 2,5 Kilometer lang. „Hier lassen die Einheimischen die Skier einfach laufen“, sagt Thomas Lerch, der noch einen weiteren Tipp hat. „Wenn man links vom Mittermoosjoch Lift abfährt, hat man eine weitere traumhafte Strecke vor sich. Manche Urlauber fahren nur diese Abfahrt, weil sie nicht genug bekommen.“ 

Der Vorteil eigentlich aller Pisten in der Wildschönau: Sie sind breit angelegt. Und daher bestens für Skianfänger geeignet, die lieber erst einmal große Schwünge und Bögen fahren. An Übungsliften im Tal mangelt es dennoch nicht. Gerade in Oberau und Niederau, die zu Füßen des Markbachjochs liegen, gibt es zahlreiche Schlepplifte und Übungshänge, die den Einstieg in den Wintersport leicht machen – egal wie alt man ist. Dabei helfen spezialisierte Skilehrer, die Brettl-Novizen natürlich auch den perfekten Einkehrschwung auf einer der zahlreichen Hütten im Skigebiet vermitteln. 

Und wen dann der Ehrgeiz packt, der schaut in der „Race’n Boarder Arena“ in Niederau vorbei: Während auf der Rennstrecke die Geschwindigkeit gemessen wird, bieten Carving-Zone, eine Riesentorlauf-Strecke sowie eine Slalompiste die Möglichkeit, sich einmal wie Österreichs Ski-Ass Marcel Hirscher zu fühlen.

Wie lang Letztgenannter für die sieben Kilometer lange Talabfahrt am Schatzberg brauchen würde, ist bis dato nicht bekannt. Klar ist aber, dass sie eine der schönsten ist. Wer mit der Schatzbergbahn bis nach ganz oben gondelt, biegt in der Regel automatisch links ab. Da geht’s nämlich über die Verbindung Hahnkopfabfahrt runter zum Hahnkopflift und dann in Sechser-Sesseln bis zum Gipfel hinauf. Hier genießt man die Wahnsinns-Aussicht ins Alpbachtal bis rüber zum Rofangebirge sowie auf die Kitzbüheler und Zillertaler Alpen. Hier kann man auch die Verbindungsbahn ins Skigebiet des benachbarten Alpbachtals nehmen. 

Wer da bleibt, kehrt auf der Genusshütte „Gipföhit“ auf einen Kaiserschmarrn oder die legendäre Wildschönauer Breznsuppe ein. Oder aber man biegt nicht links ab, sondern nimmt rechts die Thalerkoglabfahrt unter die Bretter. Und dann stellt sich relativ schnell das Gefühl ein, dass dieser glitzernde Schneeteppich nur für einen selbst ausgerollt wurde, denn hier ist wirklich wenig los. 

Das schätzen besonders Familien, die ihre Kinder getrost ihr eigenes Ding machen lassen können. Zum Beispiel im „Family Snowpark“: Hier gibt es Wellenbahn, Halfpipe, Kicker und anderes, was Spaß macht. „Der Schatzberg ist eigentlich unser Berg für alles – es ist alles an einem Fleck“, sagt Lerch. Für Ski-Zwerge gibt es an der Mittelstation ein riesiges Übungsareal, mit Kinderland, verschiedenen Liften und viel Freifläche für Pflug, Kurven und dem ein oder anderen weichen Sturz. 

Auch abseits der Pisten entpuppt sich die Wildschönau als Wunderland. Insgesamt fünf Ro­delbahnen stehen zur Auswahl. Romantisch und wieder ein Geheimtipp ist die Abfahrt vom Schatzberg in den Ort Thierbach, rasant dagegen die Strecke vom Lahnerköpfl am Markbachjoch. Hier gibt es übrigens auch schöne Spaziermöglichkeiten, die sich gut mit einem kulinarischen Abstecher verbinden lassen, wie zur Genusshütte Norderbergalm. 

Weiteres Plus: Die Wildschönau ist als Fair-Preis-Region bekannt. Wer hier Urlaub macht, kann sich schon ab 60 Euro pro Person im Doppelzimmer eines Drei-Sterne-Hotels mit Halbpension einquartieren. Gratis dazu gibt es für alle Übernachtungsgäste die Wildschönau-Card mit der die Teilnahme am Winterwanderprogramm sowie die Fahrten mit Skibus gratis sind. Alles in allem ist die Wildschönau eine funkelnde Insel inmitten der Kitzbüheler Alpen, auf der es für Skifahrer an nichts fehlt.

Charly und die Schneefabrik
Pitztaler Gletscherbahn fährt seit 35 Jahren Wintersportler ins weiße Glück – Angestoßen wird mit Kaffee

Einfach mal so 27500 Hö­henmeter rauf und runter: für Charly ein ganz normaler Arbeitstag. Der 59-Jährige ist Wagenbegleiter im Pitztaler Gletscherexpress. Seit 35 Jahren, von Anfang an. Das will gefeiert sein.  Vom 23. bis 31. März lassen die Pitztaler Bergbahnen eine große Sause zum Jubiläum der Pitztaler Gletscher­erschließung starten. Höhepunkte sind das Gondeldinner zum Café 3440 (27. März) und Österreichs höchste Kaffeever-kostung (30. März). Zum Auftakt gibt es Live-Musik an der Bergstation des Gletscherexpresses.

Es wird Schnee geben. Ziemlich viel Schnee. Das weiß Charly auch ohne moderne Wetter-App auf dem Smartphone. Das sagt ihm der Tunnel, in dem er jede atmosphärische Änderung spürt. Wenn sich Nebel breitmacht, bedeutet das Niederschlag – je dichter, desto mehr. Gut für die Wintersportler. Charly freut sich mit ihnen, schließlich kennt man sich schon ewig. Charly alias Karl Neururer (59) ist das Gesicht des Pitztaler Gletscherexpresses. Seit 35 Jahren – von Anfang an – ist er als Wagenbegleiter unterwegs. Im März feiern die Pitztaler Bergbahnen die Erschließung des Tiroler Gletscherskigebiets. 

Sein normaler Arbeitstag: 

25 Fahrten, je 1100 Höhenmeter von der Talstation zur Bergstation auf 2840 Metern und wieder runter. Macht 27500 Höhenmeter. Auf nur ein Jahr hochgerechnet sind 5,5 Millionen Meter. „Da kommt was zusammen“, sagt Charly, dem die Höhe nichts ausmacht. 

„Viele kämpfen mit Schwindel und Übelkeit“, weiß Reinhold Streng (59), der technische Be­triebsleiter. Er hat sein Büro auf dem Gletscher, an der Schaltzentrale – und einen grandiosen Blick übers ewige Eis und die Gipfelwelt: „Unsere Angestellten müssen nicht nur fachlich gut sein, sondern auch extreme körperliche Belastungen aushalten.“

Die Pitztaler Bergbahnen haben 100 Mitarbeiter – von der Kellnerin bis zum Mechaniker – und sind der größte Arbeitgeber im Tal. Ähnlich prominent wie Charly ist Sepp Eiter (59), der die Gäste im Café 3440 empfängt. Wenn Sepp am höchsten Punkt im Gletscherskigebiet charmant Sachertorte und Apfelstrudel offeriert, fühlt man sich sofort heimisch. „Ich bin ein einfacher Hüttenwirt“, sagt er, der für seine lässig Tiroler Gastfreundschaft an diesem Ort geliebt wird. Hier kommt alles frisch aus der Gletscherbäckerei, die höchstgelegene Konditorei Österreichs.

Reinhold Streng kommt zurück zur Technik. Im 3,8 Kilometer langen Tunnel, der bis zu 600 Meter unterm Fels des Mittagskogels verläuft, sind zwei Bahnen über ein Zugseil verbunden. Sie treffen sich auf halber Strecke. Beim Start ist eine Bahn oben, die andere unten. „Wir schlafen abwechselnd am Berg“, sagt Charly. Schon einige Male war er für späte Wanderer Retter in der Not. „Sie bekommen Asyl oder auch mal einen Extra-Transfer hinunter“, sagt er.

Der Tunnel steht für Sicherheit. Unabhängig von Wetterunbilden ist er die allzeit funktionierende Anbindung ins Tal. Durch den Schacht laufen alle Versorgungsleitungen – Wasser, Abwasser, Strom, Datenstränge. „Unsere unterirdische Lebensader wurde vorausschauend ge­plant“, so Betriebsleiter Streng. 

Stolz ist Streng auch auf die Wildspitzbahn, mit der die Gäste weitere 600 Meter hinauf ins Café 3440 schweben. Skier werden nicht außen verstaut, sondern in der Gondel in den Boden ge­steckt. „Wir haben diesen Typ entwickeln lassen, inzwischen gibt es Nachahmer“, sagt Streng und weist auf weitere Superlative hin: Die höchstgelegene Fotovoltaikanlage Europas deckt ein Drittel des Energiebedarfs auf dem Gletscher, die Sunna Alm im verbundenen Skigebiet Rifflsee war das erste Passivenergiehaus im ganzen Alpenraum.

Demgegenüber wirkt der Gletscherexpress nostalgisch. Aber nur äußerlich. „Technisch sind wir absolut auf der sicheren Seite“, betont Streng – dank Nachrüstungen und regelmäßiger Kontrollen. 

Charly ist die persönliche Note wichtig. Er schmückt sein Führerhaus, in der Weihnachtszeit mit Tannengrün und roten Glocken. Und immer baumelt der Rosenkranz herunter. „Der begleitet mich seit 35 Jahren.“ Da kann nichts schiefgehen.Judith Kunz

Das Skigebiet: Der Pitztaler Gletscher und das verbundene Skigebiet Rifflsee bieten 40 Pistenkilometer. Der Tagesskipass kostet 

51 Euro für Erwachsene beziehungsweise 30 Euro für Kinder in der Hauptsaison. Weitere Infos: Tourismusverband Pitztal, Unterdorf 18, A-6473 Wenns, Telefon 0043(0)541486999, Internet:  www.pitztal.com

Beste Rodelbahn in ganz Europa

Schlittenfreunde sollten schnell über den Brenner nach Südtirol fahren. Denn am Rosskopf in Sterzing befindet sich neuerdings die schönste Rodelbahn in ganz Europa. Denn die zehn Kilometer lange Winterwunder-Bahn wurde soeben vom Reise-Medium der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ auf Platz eins aller Rodelbahnen in Europa gewählt.

Hell leuchtet die Rodelbahn im Dunkeln des Spätnachmittags, und bereits aus der Ferne lässt sich die Rodelgaudi bei der längsten beleuchteten (und beschneiten) Abfahrt Italiens im Neuschnee erahnen. Ob mit der ganzen Familie, als Paar, mit Freunden oder auch einmal im Alleingang – am Freizeitberg Rosskopf findet jeder sein persönliches Rodelvergnügen. Für Nachteulen ist die Bahn dienstags und freitags sogar bis 

24 Uhr beleuchtet, die Hütten und Bergbahnen bieten bis 22 Uhr Fahrten und heimische Köstlichkeiten an. So wird Nacht­rodeln zum Vergnügen. 

Doch am Rosskopf wird nicht nur auf Spaß und Unterhaltung Wert gelegt. Beim Rodeln steht Sicherheit an erster Stelle. Dank der Testung des ADAC mit hervorragenden Ergebnissen ist die Streckensicherheit garantiert, wo­bei jeder Besucher dazu angehalten ist, sein Rodel-Talent realistisch einzuschätzen. Internet: www.sterzing-ratschings.ittws

S. 22 Bücher im Gespräch

Wie Macht und Geld miteinander verwoben sind
Lars Keiser

Paul Schreyer fasst in seinen Büchern immer wieder heiße Eisen an. Jetzt ist seine 2016 erschienene Studie „Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung“ als überarbeitete Taschenbuchausgabe neu erschienen. Schreyer hat das brisante Thema aktualisiert mit einem 

Rückblick auf die Vollgeldinitiative in der Schweiz, die im Juni 2018 bei einer Volksabstimmung scheiterte. Eine grün-liberale Nationalrätin verlautbarte, dass Banken nur das Geld verleihen könnten, das sie als Einlagen erhalten hätten. 

Die studierte Ökonomin Kathrin Bertschy hat offenbar zu tief in die neoliberalen Lehrbücher geschaut. Denn dem Unterrichtsmaterial der Deutschen Bundesbank könnte sie unmissverständlich entnehmen: „Geschäftsbanken schaffen Geld durch Kreditvergabe.“ Diese Praxis wurde den Banken zwar nie erlaubt, aber auch nicht verboten. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Geschäftsbanken das Geld auf unseren Girokonten buchhalterisch behandeln dürfen, als sei es Eigenkapital. So stopfte etwa die klamme Barclays Bank 2008 in der Finanzkrise das gähnende Kapitalloch mit dem Verkauf von Aktien an die Herrscherhäuser von Katar und Abu Dhabi. 

Ihren optimalen Gestaltungsspielraum stört aus Sicht der Banken eigentlich nur das Bargeld. Als staatlich geschöpftes Zentralbankgeld ist es nämlich nicht durch Knopfdruck aufs Konto zu zaubern und birgt stets die Gefahr des „bankrun“, wenn bei einer Finanz- und Vertrauenskrise die Kontoinhaber alle gleichzeitig ihre Geldansprüche in Bargeld realisieren wollen. Davon ist aber bei Banken ohne Vollgeldordnung nie genug für alle da. 

Soweit die Ausgangslage. Doch wie ist es dahin gekommen, wer profitiert davon, und hat das alles noch mit Demokratie zu tun? Diesen Fragen widmet sich Schreyer und wirft dafür einen Blick hinter die Kulissen. So erfahren wir, dass Karrieren mit Drehtüreffekt dafür sorgen, dass scheinbar neutrale Institutionen lobbyistisch tätig sind und etwa die Verzahnung von staatlicher Verschuldung und privaten Banken diskret organisieren. Aufschlussreich ist auch die Gründung der „Bank of England“ 1694 als erste private Zentralbank. Das englische Unterhaus schuf sie als Aktiengesellschaft, die für die Kredite der Gläubiger, meist an die Krone, garantierte und dafür das Recht erhielt, so viel Geld in Umlauf zu bringen, wie sie Kredit gewährt hatte. Da die reichsten Abgeordneten des Unterhauses auch die Hauptaktionäre waren, wusste man dafür zu sorgen, dass der Schuldendienst durch entsprechende Steuern auch gesichert war. 

Augenöffnend sind auch die Auseinandersetzungen Englands mit seiner nordamerikanischen Kolonie, die sich als Kampf um die Finanzhoheit präsentiert. Während England etwa gezielt Papier-Falschgeld nach Amerika verschiffte, um mit einer Inflation die widerspenstige Kolonie gefügig zu machen, hielten sich die betuchteren Amerikaner ihrerseits schadlos, indem sie britische Schiffe kaperten, von 1775 bis 1782 sage und schreibe 2000. Als nach der schließlichen Unabhängigkeitserklärung der USA eine Zentralbank nach englischem Vorbild etabliert werden sollte, war Präsident Thomas Jefferson skeptisch und fürchtete eine Übernahme durch Spekulanten und Abenteurer. Die neue Bank bekam nur eine 20-Jahres-Lizenz und wurde danach mit knapper Kongressmehrheit wieder aufgelöst. Als dann publik wurde, dass mehr als 70 Prozent der Anteilseigner Holländer und Engländer waren, war die Empörung groß. 

70 Jahre verzichteten die USA danach auf eine Zentralbank, bevor die Bankiers, flankiert von einer Schmutzkampagne gegen den zentralbankkritischen Präsidentschaftskandidaten Horatio Seymour, mit einem neuen Anlauf erfolgreich waren. 

Leider fehlt bei Schreyer die temporäre Bimetall-Gelddeckung der USA durch Gold und Silber. Sie hatte im frühen 20. Jahrhundert für das kaiserliche China desaströse Auswirkungen und ebnete dem Aufstieg Maos den Weg. Zum Schluss noch kurz der „deutsche Weg“: Es war der „Alte Fritz“, der 1765 in Preußen die „Königliche Giro- und Lehnbank“ etablierte, mit der der Preußenkönig die Willkür privater Geldverleiher eindämmte. Staatliches Papiergeld gab es hier zwischen 1766 und 1806, Auseinandersetzungen über die Machtverteilung zwischen Banken und Staat natürlich auch. Ärgerlich sind die Ausführungen Schreyers über die Zeit Bismarcks bis in die Gegenwart, weil sie den „eingebetteten“ Interpretationskorridor zeitgenössischer Sozialkunde nie verlassen. Die Reichsbank von 1933 bis 1945 fehlt komplett. Dennoch insgesamt unbedingt lesenswert. 

Paul Schreyer: „Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung. Eine Reise ins Zentrum der Macht“, Piper Verlag München 2018, 224 Seiten, broschiert, 10 Euro 


Mehr als nur lecker
Silvia Friedrich

Nikola Schwarzers Buch „Was uns schmeckt und was dahinter steckt“ gibt einen Blick hinter die Kulissen unserer Lebensmittel frei. „Das Buch soll Spaß machen“, hofft die Autorin neben dem Aspekt, ganz alltägliche Dinge wie Lebens- und Genussmittel bewusster wahrzunehmen. Das Chemiestudium und die Promotion in Biochemie zeugen von ihrer Begeisterung für die Wissenschaft. Jedoch wollte Schwarzer auch ihre Leidenschaft für das Schreiben, Fotografieren, Zeichnen und für süße Köstlichkeiten zum Ausdruck bringen. 

Abbildungen und Fotos zieren die verschiedenen Kapitel. Es geht um Mehl, Backtriebmittel, Eier, Fett, Zucker, Milchprodukte, Schokolade und Geliermittel. Genauer betrachtet handelt es sich um tiefe Einblicke in den chemischen Aufbau und die daraus resultierenden „Verhaltensweisen“ der Lebensmittel. Warum ist Eile und Kühle notwendig bei der Herstellung eines Mürbeteiges? Was ist so faszinierend an Hefeteigen? Weshalb flockt die Milch im Kaffee manchmal aus? Warum sind Eier Wunderwerke der Natur und aus der Küche nicht wegzudenken? Und wer hat die Zusammensetzung von Fett und Zucker jemals richtig verstanden? 

Welche Funktion diverse Zutaten beim Backen oder Kochen erfüllen, erklärt die Autorin in sehr anschaulicher Art und Weise. Die einzelnen Kapitel zu den verschiedenen Themen lesen sich wie Zeitschriftenartikel sehr amüsant und unterhaltsam. Also Angst vor Formeln oder chemischen Berechnungen ist hier nicht angebracht. Denn alles um uns herum ist nun mal Chemie und Physik.

Was Chefköche längst wissen, wird hier dem Leser auf angenehme Art vermittelt. Einmal zur Unterhaltung, andrerseits, um daraus viel zu lernen. Zahlen und Fakten, Denkanstöße und kleine Experimente runden das Werk ab.

Nikola Schwarzer: „Was uns schmeckt und was dahinter steckt“, Hirzel Verlag, Stuttgart 2018, gebunden, 184 Seiten, 36 Euro


Anleitung zum Fasten
Christiane Rinser-Schrut

Fasten ist ein Thema, das jedes Jahr vor Ostern aktuell ist. Dass Fasten nicht unbedingt etwas mit Abnehmen zu tun hat, sondern eine Methode darstellt, die nicht nur den Körper, sondern auch die Seele reinigt, geht dabei oft verloren. Der Ratgeber „Fasten mit Leib und Seele“ will den Leser beim Fasten begleiten. Zunächst wird beschrieben, was Fasten ist und in welchen Kulturen es schon vor dem Christentum geübt wurde. 

Im zweiten Teil wird dem Leser eine christlich-religiöse Anleitung an die Hand gegeben, wie er mit Wasser, Tee, Gebet und Stille fasten kann. Dabei gibt es sechs eigentliche Fastentage, zwei Entlastungstage vorneweg und zwei Aufbautage hintendran. Zu den einzelnen Tagen gibt es jeweils einen spirituellen Impuls, einen Tagesspruch, praktische Tipps und einen Text, mit dem der Leser den Tag beenden kann. 

Im Anhang befinden sich Anmerkungen, Literaturangaben und Kontaktadressen zu Fastenwochen. Wer zum ersten Mal fasten möchte, findet in diesem Ratgeber ein große Hilfe.

Anselm Grün/ Peter Müller: „Fasten mit Leib und Seele“, Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2010, Hardcover, 191 Seiten, 18,90 Euro



»Enthüllungsbuch« offenbart überwiegend Bekanntes
Wolfgang Kaufmann

Es gibt Bücher, bei denen schon der Titel manipulativ daherkommt. Hierzu zählt „Inside AfD. Der Bericht einer Aussteigerin“ aus der Feder von Franziska Schreiber, einstmals Vorsitzende der Jungen Alternative in Sachsen, welche dann 2017 in den Bundesvorstand der AfD aufstieg. Die Partei ist schließlich keine Sekte oder kriminelle Organisation, aus der man „aussteigt“, um dann über ein für Außenstehende verborgenes Innenleben berichten zu können.

Das Werk, das „unter Mitarbeit“ des Berliner Ghost- und Co-Writers Peter Köpf entstand, kommt als dezidierte Schmähschrift gegen die AfD daher. In dieser Partei hoffte die etwas kindlich wirkende Studienabbrecherin Schreiber, die große politische Karriere zu machen. Allerdings platzte dieser Traum bald wie eine Seifenblase, weil Schreibers maßgebliche Orientierungsfigur Frauke Petry auf immer heftigeren Widerstand seitens der AfD-Basis stieß und nach dem Kölner Parteitag vom April 2017 weitgehend isoliert dastand. Hierfür macht die Verfasserin nun eine „schleichende Radikalisierung“ innerhalb der Partei beziehungsweise das angebliche Erstarken des „rechten Flügels“ um Björn Höcke und André Poggenburg verantwortlich: Die AfD sei sukzessive zum Sammelbecken für Rechtsextremisten verkommen.

Für die behauptete „Radikalität“ und „Fremdenfeindlichkeit“ kann Schreiber freilich keine Belege aus dem Parteiprogramm anführen. Deshalb munkelt sie immer wieder über „geheime Ziele“ und prophezeit, dass die Mitglieder der Jungen Alternative bald auch Straftaten begehen würden. Worauf sich diese Annahme genau stützt, verschweigt die 28-Jährige, die inzwischen auch die Frisur von Petry zu kopieren scheint, freilich. Ansonsten enthält ihr angebliches „Enthüllungsbuch“ kaum etwas, was nicht schon längst bekannt ist. Mit zwei Ausnahmen. Zum einen überraschte Schreiber die Öffentlichkeit mit der Schilderung von Treffen zwischen Petry und dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Zum anderen berichtete sie, dass der Thüringer AfD-Landesvorsitzende Höcke Reden des NS-Propagandaministers Goebbels analysiert und als Vorlage für seine eigenen Ansprachen verwendet habe. Letzteres weiterzuverbreiten wurde Schreiber jedoch im September 2018 vom Landgericht Halle untersagt. Dahingegen blieben ihre Behauptungen über die Maaßen-Petry-Gespräche im Raum stehen und trugen so mit dazu bei, dass Maaßen seinen Hut nehmen musste.

Das Buch ist wegen der weitgehend fehlenden inhaltlichen Substanz kaum zu empfehlen. Es sei denn, man liest es als Lehrstück, wie sich jemand selbst zu therapieren versucht, nachdem er politisch auf das falsche Pferd gesetzt hat.

Franziska Schreiber: „Inside AfD. Der Bericht einer Aussteigerin“, Europa Verlag, München 2018, gebunden, 219 Seiten, 18 Euro


Erinnerungen des erfolgreichen Berliner Staranwalts Erich Frey neu aufgelegt
Bettina Müller

Mit den Worten „Wenn es stimmt, dass alle guten Berliner aus Breslau kommen, dann bin ich ein guter Berliner“ beginnen die Erinnerungen des besten deutschen Strafverteidigers der 1920er Jahre. Prof. Dr. Dr. Erich Frey war „ein guter Berliner“, der sich früh für den Weg der Gerechtigkeit entschied, aber vor allem auch durch seine Menschlichkeit zum unbestrittenen erfolgreichen Staranwalt der 1920er Jahre in seiner Wahlheimatstadt Berlin wurde. Er verteidigte Serienmörder, Nackttänzerinnen, Hochstaplerinnen und andere auf die schiefe Bahn Geratene, erwirkte unzählige Freisprüche, oft aufgrund des umstrittenen Paragrafen 51, der damals über die Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten entschied. 

Weil er jüdischer Herkunft war, endete seine Karriere 1933, und er emigrierte nach Chile, wo er 1964 starb. Fünf Jahre zuvor konnte er noch seine umfangreichen und humorvollen Erinnerungen veröffentlichen, die lange vergriffen waren und nun, von der Kriminalhistorikerin Regina Stürickow mit Kommentaren versehen, in einer Neuauflage erschienen sind. 

Anschaulich schildert der 1882 in Breslau Geborene in der „Eröffnung“ seinen Weg zum Erfolg, von der anfänglichen Unsicherheit, ob denn die vom Vater vorgeschlagene Rechtswissenschaft tatsächlich das Richtige für ihn sei, bis hin zur beschlossenen Berufswahl und der Umsetzung seines Ziels. Wie gut, dass er den Vorschlag seines Vaters nicht abgelehnt hat, ansonsten wäre diese reichhaltige und faszinierende Quelle über die Berliner Kriminalgeschichte der 1920er Jahre nie entstanden. Man merkt dem Autor die Leidenschaft für seinen Beruf an, der für ihn zur Berufung wurde, aber auch das stete Bemühen, die Motive für die Taten seiner Klienten zumindest zu begreifen, ohne sie zwingend zu verstehen oder gar gutzuheißen. Ohne Umschweife plaudert er nach der „Eröffnung“ schließlich aus dem reichhaltigen juristischen Nähkästchen, und beginnt sehr mutig mit drei der grausamsten Massenmördern der deutschen Geschichte: Friedrich Schumann, Carl Grossmann und Fritz Haarmann. 

Schließlich ahnt man Freys Beweggründe, auch die „Bestien“ zu verteidigen, denn sein juristisches Credo über den Angeklagten ist, dass dieser: „solange als unschuldig zu gelten [hat], bis das Gericht über ihn sein Urteil gesprochen hat.“ Nach diesem „starken Tobak“ geht Frey im Kapitel „Frauen in Moabit“ kontrastreich zu einem gelegentlich eher heiteren Teil des Buchs über. Eine Nackttänzerin und vier gewiefte Hochstaplerinnen haben den wackeren Strafverteidiger damals auf Trab gehalten, doch dass Frey weiblicher Gesellschaft zu keinem Zeitpunkt abgeneigt war, liest man mehr als deutlich zwischen den Zeilen. Geradezu beschwingt-verträumt ist daher die Beschreibung der vorgeb-lichen „Gräfin Caletta“ (eigentlich: Gräfin Colonna) geraten, der weibliche Anführer einer Diebesbande, einer wohl sehr attraktiven Dame, die ihr Aussehen dazu benutzte, mit wohlhabenden Männern anzubändeln, sie zwecks Schäferstündchen in ihre eigene Behausung einzuladen, derweil ihre Komplizen beherzt die Villa des liebestollen Opfers ausraubten. 

Der Leser schmunzelt und denkt sich sein Teil über die Opfer: selber schuld. Der Gleichberechtigung geschuldet, dürfen natürlich auch die „Gauner in Frack und Pullover“ nicht fehlen, bevor Frey dann ein ganzes Kapitel der tragischen „Steglitzer Schülertragödie“ widmet, einem der größten Erfolge seiner Laufbahn, denn er erwirkte für den Angeklagten Paul Krantz, der zwei junge Menschen getötet haben soll, den Freispruch. Den fordert Frey dann schließlich auch für sich selber in seinem „Schluss-plädoyer“, das dieses niemals langweilige, temporeiche Buch beschließt, und zwar „in Anrechnung aller von der Zeit und dem Schicksal gegebenen Umstände.“ Freispruch stattgegeben.

Erich Frey: „Ich beantrage Freispruch. Erinnerungen eines Berlomer Strafverteidigers“, Elsengold-Verlag, Berlin 2019, gebunden, 496 Seiten, 26 Euro


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S. 24 Panorama

Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel
Der Himmel unter Luisa / Wofür man schwänzen darf und wofür nicht, warum Schule nichts mit Bildung zu tun hat, und wie man Diesel-Strafen loswird

Gleich ist nicht gleich Gleich, das ahnten wir ja schon, und bekommen es nun abermals bestätigt. Mit großen Augen hat ein schleswig-holsteinisches Elternpaar zur Kenntnis genommen, wie die Schulleitung ihres Sohnes auf das massenhafte Schwänzen  anlässlich einer freitäglichen „Klima“-Demo der Schüler reagiert hat: Man wolle das einmalig dulden, hieß es von der Direktion. Im Kieler Landtag stellte Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben fest: „Regeln (wie die Schulpflicht) sind dazu da, auch mal gebrochen zu werden“, wofür sie die einhellige Unterstützung von CDU, SPD und FDP erhielt.

Was die Eltern so erstaunt: Es war 2016, als ihr damals 13-jähriger Sohn im Erdkundeunterricht eine Moschee in Rendsburg besuchen sollte. Nicht irgendeine, sondern ein Haus der radikalen Milli-Görüs-Bewegung. Der Junge wollte aber nicht, und seine Eltern unterstützten ihn darin und boten der Schulleitung an, er könne doch solange in einer anderen Klasse am Unterricht teilnehmen.

Kommt nicht infrage, beschied die Schulleitung. Da blieb der Junge zu Hause, woraufhin die Schule ein Bußgeld von 300 Euro gegen die Eltern verhängte: Verstoß gegen die gesetzliche Schulpflicht. Dagegen haben die Eltern geklagt, am Ende schrumpfte das Bußgeld auf 50 Euro.

Nun also die Massenschwänzerei fürs „Klima“, doch statt Bußgeld gibt’s warme Worte für die „Fridays for Future“-Demo aus dem Landtag – und eine verblüffend tolerante Schulleitung. Ab jetzt wird es spannend: Der Anwalt der Eltern will erneut vor Gericht ziehen, im Gepäck die Kieler Entschließung und die Nonchalance der Schulleitung gegenüber den „Klima“-Schwänzern. Mal sehen, wie das ausgeht. Wir geben Ihnen Bescheid. Beim Thema „Rechtsstaat Bundesrepublik“ werden wir nach dem Urteil  jedenfalls alle schlauer sein.

Wir wollen aber auch nicht allzu scharf urteilen. Man kann die Sache schließlich auch pragmatisch sehen. Gut, die Gören schwänzen, aber verpassen sie dabei auch was Wichtiges? Kann man so oder so sehen. In einem Brandbrief beschweren sich Hannoveraner Gesamtschulleiter, dass die viel gefeierte „Inklusion“ lernschwacher bis geistig behinderter Kinder in die Regelklassen in ein Desaster geführt habe. Andernorts berichten Lehrer, dass sie in Klassen von 24 Schülern 90 Prozent ihrer Energie auf zwei Kinder konzentrieren müssten, die früher auf eine Förderschule gegangen wären. Die anderen Kinder fielen hinten runter.

Die Hannoveraner Gesamtschulleiter ärgern sich, dass sich die Gymnasien vollständig aus der Betreuung von Förderschülern heraushielten. Das findet auch Niedersachens Sozialministerin Carola Reimann ungerecht. Die Sozialdemokratin fordert die Gymnasien auf, sich stärker für mehr Inklusion einzusetzen. Denn Inklusion sei ein „Menschenrecht“.

Dass wir das richtig verstehen: Lernbehinderte und verhaltensgestörte Kinder, die früher auf Förder- oder Sonderschulen gegangen sind, weil sie bereits mit der Hauptschule überfordert waren und besonderer Betreuung bedurften, haben nunmehr also das „Menschenrecht“, aufs Gymnasium zu gehen. Was sollen sie da? Abitur machen? Später vielleicht studieren und Sozialministerin werden?

Nein, nein, den Inkludierern geht es allein darum, die Schüler auf das Prinzip der „Gleichheit“ festzunageln. Alles, was nicht „gleich“ ist, ist nämlich Diskriminierung. Ob die Kinder was lernen, ist vollkommen schnuppe. Im Gegenteil: Erwiesenermaßen profitieren fleißige und begabte Kinder von gutem Schulunterricht viel mehr als faule und unbegabte. Wer also zulässt, dass guter Unterricht stattfindet, der ebnet den Weg für spätere Ungleichheit, für Diskriminierung.

Nur ein Unterricht, der die Verblödung der Kleinen sicherstellt, der ihren Fleiß ins Leere laufen lässt und ihre Begabungen einebnet, schützt uns vor kommenden Diskriminierungen, und zwar nachhaltig. Nachhaltigkeit ist ja überhaupt das Wichtigste, und sie funktioniert. Schon jetzt können wir die Früchte nachhaltiger Einebnung ernten: Lehrherren berichten, dass sie ihren Azubis erst Lesen und Schreiben beibringen müssten. Die Förderschüler sollen bloß als Kanonenfutter dienen, um den Gymnasialunterricht endlich plattzumachen.

Das Triumphgebaren der Konservativen geht völlig an der Wirklichkeit vorbei. Die linken Bildungsreformen seien allesamt gescheitert, jaulen die Rechten auf. Blödsinn: Die haben das Ziel nicht verstanden, glauben dem Gequatsche von „besserer Bildung“. Es geht den Linken ums genaue Gegenteil, und da sind ihre Reformen absolut erfolgreich, wie wir sehen.

Und was ist mit Karriere? Die kann man auch in der entdiskriminierten Gleichheitsgesellschaft machen. Nur entscheiden über das Fortkommen nicht mehr Fleiß oder Bildung, sondern die richtige Gesinnung. Oder „Haltung“, wie wir das heute nennen.

Dass man damit überfordert ist, selbst einfachste Zusammenhänge zu erkennen, spielt keine Rolle mehr. So wie bei Luisa Neubauer: Die 22-Jährige gilt als eine der Hauptorganisatoren der deutschen „Fridays for Future“-Demos für die Klimarettung und ist damit richtig prominent geworden. Sie will den Kohleausstieg bis 2030 und ist natürlich gegen Diesel, gegen das Fliegen und all den anderen weltvernichtenden Dreck.

Blöderweise hat sie es versäumt, vor dem Berühmtwerden ihre Instagram-Eintragungen zu säubern. Dort hat sie ihre heiteren Reisefotos veröffentlicht, die Neubauer nicht nur in etlichen europäischen Ländern zeigen, sondern auch bei Urlaubsfreuden in Marokko, Tansania, Namibia, China, Indonesien und Kanada. Geben Sie’s zu: Mit 22 waren Sie doch schon mindestens soweit rumgekommen. Macht doch Spaß!

Der verging indes denjenigen, denen Luisa Neubauer die Leviten las („Wir kennen die Schuldigen!“) wegen ihrer Klimasünden wie Dieselfahren, Kohlestromverbrauch oder der besonders „klimaschädlichen“ Fliegerei. So erhob sich ein Schwall des Spotts über Neubauer wegen des nicht geringen Abstands zwischen ihren gestrengen Reden ans Volk und ihrer schwungvollen Fernreisetätigkeit. 

Das findet die Verspottete ungerecht, wie sie der „Süddeutschen Zeitung“ erzählt hat. Die Kritik an persönlichem Verhalten lenke von größeren Problemen auf „strukturell-politischer Ebene“ ab. Was nütze denn ökologisches Verhalten im Privaten, wenn Kohlekraftwerke weiterliefen und der Himmel voller Flugzeuge sei, beschwert sich die Klima-Aktivistin. Ob der Himmel auch so voller Flugzeuge wäre, wenn die Flugzeuge nicht so voller Luisas wären? Das fragt man nicht, weil das ja nur ablenkt vom „Strukturell-Politischen“.

Was für ein verlogenes Geschwafel, höre ich Sie schimpfen. Na ja, wie man’s nimmt. Für jemanden, der mit seinem 40 Jahre alten Diesel in eine Fahrverbotszone geraten ist, enthält Luisa Neubauers weltläufige Erklärung ihrer erklärungsbedürftigen Spaßfliegerei einen wertvollen Tipp. Sollte man Ihnen eine Geldstrafe aufbrummen, weisen Sie die Forderung einfach mit einem „Neubauer“ zurück. Sagen Sie dem Beamten, mit seinem Bußgeldbescheid lenke er nur von den „Problemen auf strukturell-politischer Ebene“ ab: „Was nützt denn das Vorgehen gegen alte Dieselfahrzeuge, wenn der Himmel voller Luisas ist?“ 

In die Enge getrieben, wählen Neubauers Verteidiger einen alten Trick: Sie entlarven die Kritiker als finstere Gesellen. Eine Schweizer Journalistin hat herausgefunden, wer die Spötter sind, die über die „Klima-Mädchen“ wie Luisa Neubauer lästern: „meistens Männer“.

Na also, wer unsere Verlogenheit öffentlich anprangert, der kann nur ein fieser Chauvinist sein. Mit solchen Kerlen geben wir uns nicht ab. Außerdem haben wir jetzt ohnehin keine Zeit. Unser Flug wurde gerade aufgerufen. Aloha!


MELDUNGEN / ZUR PERSON

»Avenidas« wieder sichtbar

Berlin – Das Gedicht „Avenidas“ von Eugen Gomringer hängt wieder an einer Berliner Hauswand. Vor gut einem Jahr war es auf Druck der Studenten von der Wand der Alice-Salomon-Hochschule entfernt worden. Da es davon handelt, wie ein Mann Frauen bewundert, sei es „sexistisch“. Nun hat die Wohnungsgenossenschaft Grüne Mitte Hellersdorf das Werk an einem seiner Häuser anbringen lassen, nur zwei Kilometer von der Hochschule entfernt. H.H.





Ausgebootet per Twitter

Kiew – Die ukrainische Siegerin des Vorentscheids zum European Song Contest (ESC), Maruv, hat ihre Teilnahme abgesagt, weil der Vize-Premier Wjatscheslaw Kyrylenko sie auf Twitter scharf angegriffen und als „Sängerin, die im Aggressor-Staat auf Tour geht“, verunglimpft hatte. Die aus der russisch geprägten Ostukraine stammende Sängerin sagte ihre Teilnahme nun ab, da sie ihren Auftritt beim ESC „nicht in eine Promo-Aktion unserer Politiker verwandeln will“. MRK





Ein Deutscher in Paris

Mit der korrekten Angabe seines Alters tat sich der Modeschöpfer, Designer und Fotograf Karl Lagerfeld meist etwas schwer, offiziell machte er sich gern jünger. Zopf, Sonnenbrille, Fächer und schnelles Sprechen prägten sein Erscheinungsbild. Als Lebensdevise gab er einmal an, „es fängt mit mir an und es hört mit mir wieder auf“. Der exzentrische Künstler hat Großes geschaffen. Stilbildenden Einfluss können auch diejenigen kaum bestreiten, die keinen Gefallen an seinen Kreationen und seinem Auftreten fanden. Am 19. Februar ist Lagerfeld im 86. Lebensjahr gestorben.

1933 in Hamburg geboren, war er in jungen Jahren nach Paris gekommen und hatte sich hier etabliert. Die Marke Chanel führte er als Kreativdirektor wieder zum kommerziellen Erfolg, ebenso war er unter eigenem Namen vielfach gestaltend und unternehmerisch tätig. Die Haute-Couture war sein Feld, er wusste aber stets zu überraschen. So entwarf er auch schon mal Mode für eine Bekleidungskette im Niedrigpreissektor.

Gern ließ er sich mit Bonmots zitieren: Wer Jogginghosen trage, habe die Kontrolle über sein Leben verloren, oder, Strass kenne er, aber keinen Stress. Derartige Äußerungen überdeckten immer ein wenig, dass Lagerfeld unermüdlich und diszipliniert arbeitete. Seine mehrere hunderttausend Bände umfassende Bibliothek stellte ausweislich seiner Bildung wesentlich mehr als ein dekoratives Element dar. Eigensinnig war sein Blick auf die deutsche Politik, eindeutig jedoch in Äußerungen zur „Willkommenskultur“. So sagte er Ende 2017, man könne doch nach der Tötung von Millionen Juden, selbst wenn dies lange zurückliege, nun nicht „Millionen ihrer schlimmsten Feinde“ ins Land kommen lassen. E. Lommatzsch


MEINUNGEN

Der französische Philosoph Alain Finkielkraut sagte der „Welt“ (20. Februar), warum der heutige Antisemitismus in Europa ganz anders sei als jener der 1930er Jahre:

„Weil ich der Überzeugung bin, dass der Antisemitismus in Frankreich und in Europa ein Randproblem wäre, wenn unsere Gesellschaften nicht gegen ihren Willen in multikulturelle Gesellschaften umgeformt worden wären. Der beängstigende Populismus ist eine pathologische Reaktion auf dieses Phänomen der demografischen Verdrängung. Europa wollte das nicht.“





Mina Ahadi, Österreicherin mit iranischen Wurzeln und Gründerin des Zentralrats der Ex-Muslime, wundert sich in der Schweizer „Sonntagszeitung“ (13. Februar, online) über linke Feministinnen:

„Die linken Frauenorganisationen haben meine Erfahrungen sofort verharmlost und relativiert. Sie sagten, das Kopftuch sei Privatsache, und gesteinigt würden nur wenige Frauen. Die Unterdrückung der Frau im Islam sei eine kulturelle Eigenart, die man respektieren müsse. Ich dachte, ich werde verrückt!“





Mit den Worten „Homosexualität ist im Islam verboten“ wies der niedersächsische Ditib-Chef Ali Ünlü die Forderung zurück, im Islamunterricht auch sexuelle Toleranz zu vermitteln. Das treibt Birgit Kelle bei „Focus online (21. Februar) zu der Frage:

„Christliche Eltern, die in Deutschland gegen die Behandlung des Themenkomplexes der sexuellen Vielfalt protestieren, werden gerne in die fundamentalistische oder auch rechte Ecke gesetzt, mehrfach wurden Eltern gar in Beugehaft genommen, weil sie ihren Kindern Unterricht zu diesen Themen nicht zumuten wollten. Man darf gespannt sein, ob man in Niedersachsen bereit ist, mit der gleichen Konsequenz Inhalte zur sexuellen Vielfalt auch gegenüber muslimischen Vertretern und Eltern durchzusetzen, die man allen anderen Schülern ja glaubt zumuten zu dürfen.“





Der langjährige Moskau-Korrespondent Boris Reitschuster wundert sich auf „Tichys Einblick“ (24. Februar), wie ähnlich das heutige Berlin dem Moskau der Sowjetzeit geworden ist:

„Ein ideologischer Schleier hat sich langsam, aber schwer wie Mehltau über das politische Leben in Berlin gelegt: linksgrüner Biedermeier. Dessen Gralshüter glauben sich im Besitz von Wahrheit und Moral. Viele Themen machten sie zu Glaubensfragen, etwa Migration, Islam, Energie und Klima. ,Bist du verrückt? Dazu darfst du in Deutschland nichts schreiben‘, ermahnte mich ein russischer Kollege, der seit fast einem Jahrzehnt in Deutschland lebt.“





Andreas Unterberger widmet sich auf seinem Blog „Andreas-Unterberger.at“ (22. Februar) dem derzeitigen Zustand der politischen Linken: 

„Geradezu bemitleidenswert ist der gegenwärtige Zustand der Linken, im Lande wie global. Lediglich ihre massive Vorherrschaft in den Medien verhindert, dass der gesamte Bankrott von Rotgrün in aller Deutlichkeit und allen Facetten so offenkundig wird, wie es notwendig ist.“