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Ausgabe 17/19 26.04.19

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Richtige und falsche Täter
Christchurch und Sri Lanka: Wie unterschiedlich man mit Terror umgeht
Hans Heckel

Radikal-muslimische Mörder scheinen Politik und Medien nicht in den Kram zu passen, „weiße“ sehr wohl. Das Ergebnis ist grotesk.

Entlarvender ist die völlig unterschiedliche Einordnung von Terror-Attacken durch Politik und Medien kaum je ins Auge gestochen als an den vergangenen Ostertagen. Im Inselstaat Sri Lanka sind mehr als 300 Menschen von radikalen Moslems ermordet worden. Die Mörder wollten gezielt Christen und Gäste aus westlichen Ländern treffen. 

Die allermeisten Medien zierten sich jedoch fast einen Tag lang, die Weltanschauung der Mörder beim Namen zu nennen, sprachen lieber ganz allgemein von „Extremisten“. Die Opfer bezeichnete Außenminister Heiko Maas (SPD) verwaschen als „Betende und Reisende“, nicht als Christen. Weder sollte der Anschlag als Attacke auf die Christenheit und den gesamten Westen gedeutet werden, noch wurde nach der Weltanschauung der Täter geforscht und über mögliche ideologische Überschneidungen mit gewissen muslimischen Gruppen gemutmaßt.

Wie anders wenige Wochen zuvor beim Massenmord im neuseeländischen Christchurch. Nicht nur wurde der Täter im Handumdrehen als weißer Rechtsextremist eingeordnet, auch die religiöse Identität seiner Opfer wurde ebenso prompt wie korrekt thematisiert: Er wollte Moslems töten.

Aber weit mehr noch: Zahlreiche Medien begannen sofort, den Kreis um den Christchurch-Attentäter so weit zu ziehen, dass es ins Absurde abglitt. Die „Zeit“ phantasierte eine „Faschistische Internationale“ herbei, in die das Blatt sogar einzelne Vertreter der AfD und deren Umfeld hineinwarf, um aus dem Massenmord ideologischen Gewinn im „Kampf gegen Rechts“ zu ziehen. 

Dagegen wiederum Notre-Dame: Hier „wussten“ die Behörden schon, dass es sich nicht um einen Anschlag handeln konnte, als das Feuer noch loderte und die Ursachenermittlung zum Kirchenbrand höchstens gerade erst begonnen hatten. Das, was die Verantwortlichen bislang zu dem gigantischen Feuer verlautbart haben, strotzt vor Merkwürdigkeiten, welche die Pariser PAZ-Korrespondentin Eva-Maria Michels auf Seite 2 zusammengetragen hat. 

Die Unterschiede in der Aufarbeitung mutmaßlich oder bewiesenermaßen weltanschaulich motivierter Gewalttaten sind derart offensichtlich, dass man nur noch über das Motiv für die Ungleichbehandlung spekulieren kann. Es ist augenscheinlich ebenfalls weltanschaulich begründet.

Möglicherweise tritt hier westlicher Selbsthass zutage, der den „weißen Mann“ nur als Täter erkennen will wegen des primitiven Täter-Opfer-Klischees, in das man sich verkrochen hat. Die Asyl-Ideologie linker Protagonisten verfolgt zudem ganz offen das Ziel, Europa (und Deutschland zumal) „weniger weiß“ zu machen. Da sind Nachrichten über Gefahren, die mit der Einwanderung bestimmter Gruppen erwachsen können, hinderlich.

Katastrophe mit historischer Parallele
Der Brand von Notre-Dame erinnert an den der Kathedrale von Metz – Wiederaufbau bot die Chance zur baulichen Perfektion
Bodo Bost

Der Brand in der gotischen Kathedrale Notre-Dame in Paris erinnert in Vielem an den Brand des Daches der Kathedrale von Metz im Jahre 1877, ausgelöst durch ein Feuerwerk aus Anlass des Besuchs von Kaiser Wilhelm I.

Die dem Heiligen Stephanus geweihte Kathedrale Saint-Étienne in Metz wurde zwischen 1220 und 1520 im gotischen Stil erbaut und ist eine der größten gotischen Kirchen Frankreichs. Am 7. Mai 1877 besuchte Kaiser Wilhelm I. erstmals Metz, sechs Jahre nach der Annexion Elsass-Lothringens durch Deutschland. Der deutsche Kaiser war gegen die Annexion des Moseldepartements, das er anders als das Elsass für französisch hielt. Um seine Ankunft zu feiern, hatten sich städtische Angestellte, allesamt Deutsche, auf dem Dach der Kathedrale eingefunden, um ein Feuerwerk abzufeuern. Um 4 Uhr morgens brach auf dem Dachboden des Stephansdoms ein Feuer aus, das wie bei Notre-Dame de Paris einen Turm und die hölzerne Dachkonstruktion vollständig verschlang. Raketen aus einem Feuerwerk, waren für den Brand verantwortlich.

Wilhelm I., der bereits erlebt hatte, dass bei seinem Besuch in Frankfurt/Main 1867 der dortige Kaiserdom abbrannte, fühlte sich für die Katastrophe persönlich verantwortlich. Er versprach, die gesamte Restaurierung des Doms aus seiner persönlichen Schatulle zu bezahlen. Dennoch wurde gleichzeitig auch zu Spenden aufgerufen. Die Arbeiten dauerten fast 30 Jahre, auch sein Enkel, Kaiser Wilhelm II, stand zum Wort seines Großvaters. Die Beseitigung der Brandschäden führte zur Renovierung des gesamten Doms, der seit dem Mittelalter nicht mehr umgebaut worden war und aus mehreren nur schlecht zusammengefügten Kirchen und Bauteilen bestand. Beauftragt wurde der Deutsche Paul Tornow, der seit 1874 Staatsarchitekt des Reichslandes Elsass-Lothringen in Metz war. Er errichtete innerhalb weniger Wochen ein Notdach, dann unternahm er eine architektonische Studienreise zu den Kathedralen Frankreichs, um sich für die Neugestaltung des Liebfrauenportals inspirieren zu lassen. Seine dabei gefertigten Entwürfe dienten ab 1880 als Vorbild der Restaurierung.

Tornow nutzte die Renovierung, um ganz neue architektonische Aspekte mit dem Umbau zu verbinden, die den Metzer Dom bis heute prägen. Für die Architekten des 19. Jahrhunderts waren Restaurierungen eine Möglichkeit, ein Gebäude zu verbessern, um es in einem perfekten Zustand wiederherzustellen. So errichtete Tornow nach gotischem Muster einen neuen, steileren Dachstuhl mit Hilfe einer Metallkonstruktion, was dazu führte, dass die Kirche höher wirkte, aber die noch vorhandenen Türme gegenüber der Zeit vor dem Brand kleiner wirkten. Das größte Werk Tornows war die Wiederherstellung des gotischen Liebfrauenportals, ein Projekt, das bereits vor der deutschen Annexion geplant worden war. Dazu mussten zunächst die Umbauungen des Domes aus der Zeit des 18. Jahrhunderts abgebrochen werden. In den Jahren 1897 bis 1903 ersetzte er den klassizistischen Portikus des Liebfrauenprotals des Franzosen Jacques-François Blondel, der durch den Brand gar nicht zu Schaden gekommen war, durch ein neogotisches Marienportal mit gotischem Skulpturenschmuck. So kommt es, dass das heute verschlossene Westportal auf den Besucher den Eindruck macht, als stamme es aus dem Mittelalter, dabei ist es nur gut 100 Jahre alt.

Im jungen Kaiserreich verstand man irrtümlich die Gotik als original deutsche Baukunst. In den gotischen Kathedralen des Mittelalters sah man ein Sinnbild urdeutscher Schaffenskraft im Heiligen Römischen Reich unter den Staufer-Kaisern. An dieses mittelalterliche Kaiserreich wollte das 1871 begründete neue Kaiserreich anschließen, und die Rufe nach Vollendung der seinerzeit noch unfertigen gotischen Kathedralen, wie beispielsweise des Ulmer Münsters, mehrten sich. Dem deutschen Architekten Tornow ist es zu verdanken, dass der gotische, eigentlich französische, Stil der Metzer Kathedrale wieder mehr zur Geltung kommt.

(siehe auch S. 2 und S. 24)


Jan Heitmann:
Kriegserklärung

Der Bundestag hat auch den dritten Kandidaten der AfD für das Amt des Vizepräsidenten des Parlaments durchfallen lassen. Die Niederlage Gerold Ottens kam für die AfD also nicht unerwartet, gleichwohl stellt sie eine Kriegserklärung der anderen Fraktionen an die AfD-Fraktion dar. Denn in Paragraf 2 der Geschäftsordnung des Parlaments heißt es: „Jede Fraktion des Deutschen Bundestages ist durch mindestens einen Vizepräsidenten oder eine Vizepräsidentin im Präsidium vertreten.“ Eigentlich eine ganz eindeutige Vorgabe, doch die Sache hat einen Haken: Dank ihrer im Grundgesetz verankerten Gewissensfreiheit gibt es nämlich kein imperatives Mandat, das die Abgeordneten verpflichtet, einen vorgeschlagenen Kandidaten auch zu wählen.

Während die Fraktionen ihre Ablehnung im Falle Albrecht Glasers mit dessen angeblicher Islamfeindlichkeit begründeten und sich bei Otten an dessen Teilnahme am Trauermarsch in Chemnitz störten, haben sie kein Argument gegen Mariana Harder-Kühnel gefunden. Es reicht, dass sie der AfD angehört. Damit entlarven die „Volksvertreter“ ihr Abstimmungsverhalten als undemokratisches Manöver. Doch der Plan, mit Ausgrenzung die politische Konkurrenz zu verhindern, wird auf Dauer nicht aufgehen, immerhin haben Millionen von Bürgern die AfD in den Bundestag gewählt. Und wenn die anderen Fraktionen der Demokratie weiter auf diese Weise ins Gesicht schlagen, wird ihr Ansehen großen Schaden nehmen. Deshalb sollten die Fraktionsvorsitzenden ihre Kollegen nachdrücklich ermahnen, sich geschäftsordnungskonform zu verhalten und der größten Oppositionsfraktion endlich die uneingeschränkte Teilhabe an der parlamentarischen Arbeit zu ermöglichen.


S. 2 Aktuell

Mehr Fragen als Antworten
Beim Feuer von Notre-Dame schlossen viele sofort Brandstiftung als Ursache aus – Doch es bleiben Zweifel
Eva-Maria Michels

Nach 850 Jahren, in denen die Pariser Kathedrale Kriegen, der Französischen Revolution und der NS-Besatzung widerstand, fiel Notre-Dame de Paris nun unter der progressiven Regierung von Präsident Emmanuel Macron den Flammen zum Opfer. 

Montagabend, wenige Stunden bevor der Präsident eigentlich den Franzosen mitteilen sollte, welche Maßnahmen er ergreifen würde, um die politische Krise zu überwinden, in der sich das Land aufgrund der Gelbwestenproteste seit November befindet, brach im Dachstuhl von Notre-Dame ein verheerendes Feuer aus. Obwohl mehrere Fernsehsender, unter anderem LCI, von mehreren Brandherden berichteten, stand schon zwei Stunden später, als das Feuer noch wütete, offiziell fest, dass es keinen Grund zur Annahme von Brandstiftung gebe und die Baustelle auf dem Dach der Kathedrale ursächlich sei.

Seit Dienstag wird die Un­glücks­stelle zwar von polizeilichen Spurensicherern untersucht, und gegenwärtig gilt offiziell ein Kurzschluss an den Aufzügen, die an den Gerüsten der Dachbaustelle befestigt sind, als Brandauslöser, doch damit bleiben viele Ungereimtheiten: Marc Eskenazi, der Sprecher von AXA, dem Versicherungsunternehmen des Gerüstbauers Europe Echafaudages, gibt an, dass der Feueralarm nicht durch die Brandmelder an den Aufzügen, sondern durch den der Kathedrale ausgelöst worden sei. 

Diese Version wird vom Organisten Johann Vexo gegenüber der Zeitung „Ouest-France“ bestätigt: „Gegen 18.25 Uhr oder 18.30 Uhr ertönte ein Alarm. Diesen Alarm kannten weder der Priester noch die Sängerin, die mich begleitete noch ich, wir hatten ihn nie zuvor gehört. Er begann mit einer Sirene, dann eine Nachricht auf Französisch und Englisch, die die Besucher aufforderte, das Gebäude ruhig zu verlassen. … Ich dachte sofort an eine Fehlermeldung, ich glaubte nicht an einen Brand. Kein Rauch, kein Geruch. … Ich habe die Schaltstelle der Alarmanlage gesehen, auf der ein Feuer auf dem Dachboden angezeigt wurde. Doch ich glaubte es immer noch nicht. Als ich die Kathedrale verließ, war es 18.45 Uhr. Ich sah keinen Feuerwehrmann, keinen Rauch, keinen Geruch.“ 

Der Pariser Staatsanwalt Rémy Heitz erklärt, dass um 18.20 Uhr auf dem Bildschirm des Sicherheitsdienstes von Notre-Dame ein roter Punkt erschienen sei, der eine Anomalie angezeigt habe. Ein Sicherheitsmann untersuchte die angegebene Zone unter dem Dach ergebnislos und benachrichtigte nicht den Priester, genau so wie es das Sicherheitsprotokoll vorsieht: Nur im Fall eines Feuers werden die Geistlichen benachrichtigt, die dann selbst die Ansage zur Evakuierung machen. 

Der automatische Alarm ertönt laut Protokoll erst, wenn es schon richtig brennt. Doch am Montag funktionierte dieses System nicht, der automatische Alarm erklang in der Kirche, obwohl noch kein Feuer zu entdecken war. Ein zweiter Alarm erschien dann um 18.43 Uhr auf dem Bildschirm der Sicherheitsleute. Als ein Sicherheitsmann erneut nachschaute, brannte das Gebälk bereits. 

Anfangs wurde offiziell die Hypothese verbreitet, dass Schweißarbeiten oder die Nachlässigkeit der Handwerker auf dem Dach den Brand ausgelöst hätten. Doch die Firma Le Bras Frères, die sich um die Renovierung des 96 Meter hohen Spitzturmes kümmerte, weist diese Anschuldigungen kategorisch zurück: Der letzte Arbeiter habe bereits um 17.50 Uhr die Baustelle verlassen, und das Sicherheitsprotokoll, das vorsieht, dass am Tagesende der Strom auf der Baustelle vollständig abgestellt und der Schlüssel zur Baustelle in der Sakristei abgegeben wird, sei korrekt umgesetzt worden. Auch habe es keinerlei Schweißarbeiten gegeben, es sei lediglich am Gerüstaufbau gearbeitet worden. 

Polizeiquellen bestätigen dies. Benjamin Mouton, Architekt, Leiter der Monuments Historiques und von 2010 bis 2013 Dombaumeister an der Pariser Kathedrale, war für die Umsetzung eines neuen Feuerschutzprogrammes verantwortlich. Er erklärte: „In 40 Berufsjahren habe ich noch nie ein solches Feuer gesehen. Die Brandschutzmaßnahmen in der Kathedrale sind auf höchstem Niveau. … ein Sicherheitsmann kann innerhalb weniger Minuten sagen, ob es brennt. Wir haben viele Holztüren durch Brandschutztüren ersetzen lassen, wir haben alle Elektrogeräte begrenzt und im Dachstuhl komplett untersagt.“

Ein anonymer Experte des Baugewerbes, den das Fachblatt „Batiactu“ zitiert, fügt noch hinzu: „Das Feuer konnte nicht durch Kurzschluss entstehen. Man benötigt eine echte Hitzequelle am Anfang, um ein solches Feuer zu entfachen. Eiche ist ein besonders resistentes Holz.“

Während es also mehr Fragen als Antworten zu den Brandursachen gibt und ganz Frankreich ins Mark getroffen ist durch den Verlust eines nationalen Symbols, dessen Wiederaufbau nach Expertenmeinung mehrere Jahrzehnte dauern wird, kündete Präsident Emmanuel Macron bereits einen Tag nach dem Brand an, dass er die Kathedrale innerhalb von fünf Jahren neu aufbauen lassen will – pünktlich zu den Olympischen Spielen in Paris. 

Einen Tag später verkündete Premierminister Edouard Phi­lippe die Ausschreibung eines internationalen Architekturwettbewerbs, „um Notre-Dame mit einem neuen Spitzturm auszustatten, der den Techniken und den Herausforderungen unserer Zeit entspricht“. Dabei sind die Originalpläne des Bauwerks und des Spitzturms aus dem 19. Jahrhundert vorhanden. Ein Schelm, der nichts Böses ahnt? Selbst Leser eher macronistischer Publikationen wie des „Figaro“ befürchten Schlimmstes.

Wien zeigt, wie es geht
Enteignung von Wohnraum kein Thema – Österreichs Hauptstadt setzt auf sozialen Wohnungsbau in großem Stil
Norman Hanert

Wie Berlin hat auch Wien mit steigenden Einwohnerzahlen zu kämpfen. Allerdings ist die Enteignung großer Wohnungsunternehmen in der Donaumetropole kein Thema. Das Wiener Modell des sozialen Wohnungsbaus findet inzwischen sogar weltweit Beachtung. 

Österreichs Hauptstadt investiert schon seit gut 100 Jahren in sogenannte Gemeindebauten. Im Gegensatz zu anderen großen Metropolen ist die Stadt Wien auch nie der Versuchung erlegen, den eigenen Wohnungsbestand über Privatisierungen zu Geld zu machen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Stadt lässt sich die Wohnbauförderung sogar jedes Jahr mehrere hundert Millionen Euro kosten, sodass der kommunale Wohnungsbestand jedes Jahr größer wird. Als Resultat gehören der Stadt Wien mittlerweile 220000 Wohnungen ganz direkt, weitere 200000 Wohnungen hat die Stadt mit unterschiedlichen Modellen gefördert.

Das Wiener Modell zeichnet noch eine weitere Besonderheit aus: Vom sozialen Wohnungsbau in Wien profitieren nicht nur Einkommensschwache, sondern auch die Mittelschicht. Als Obergrenze gilt ein Nettoeinkommen von 44000 Euro für eine Einzelperson. Auf dieser Grundlage bringen gut 75 Prozent der Wiener die Voraussetzung für eine städtische Wohnung mit.

Als Resultat leben von den knapp zwei Millionen Einwohnern der Stadt gut 60 Prozent in einer der kommunalen Wohnungen oder aber in einer Wohnung, die über ein öffentliches Fördermodell entstanden ist. Insgesamt hat sich die Stadt damit einen Ruf als ausgesprochen mieterfreundliche Stadt erworben. Claus Michelsen, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, nennt die österreichische Hauptstadt ein positives Beispiel für einen funktionierenden, günstigen Mietmarkt.

Mittlerweile hat die Stadt Wien noch schärfere Vorgaben an In­vestoren auf dem Wohnungsmarkt auf den Weg gebracht. Seit März gilt eine Novelle der Bauordnung, die vorschreibt, dass bei großen Wohnungsbauprojekten auf zwei Dritteln der Fläche geförderte Wohnungen errichtet werden müssen. Lediglich ein Drittel der Wohnnutzfläche soll frei finanziert werden. Die Vorgabe gilt für Projekte ab 5000 Quadratmetern Gesamtgröße. 

Bislang galt die Regelung, dass bei großen Neubauprojekten jeweils die Hälfte der Fläche als sozialer Wohnungsbau ausgewiesen werden muss. Der Wiener Landtag legte zudem eine maximale Nettomiete von fünf Euro pro Quadratmeter bei den geförderten Wohnungen fest. 

Der Österreichische Haus- und Grundbesitzerbund hat die im März in Kraft getretene Novelle der Bauordnung als zu weitgehend kritisiert und eine Warnung vor einem Rück­gang der Bauaktivitäten in Wien ausgesprochen.

Nicht nur in Wien spielt der soziale Wohnungsbau eine wichtige Rolle. In ganz Österreich liegt der Anteil dieses Sektors bei fast einem Viertel des gesamten Wohnungsbestands. Betrachtet man nur den Bereich der Mietwohnungen, dann liegt der Anteil in Österreich sogar bei etwa 60 Prozent.

Ganz anders sieht es mittlerweile in der Bundesrepublik Deutschland aus: Hier hat die öffentliche Hand seit Ende der 90er Jahre hunderttausende Wohnungen an Investoren verkauft. Nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR) in Bonn verkauften allein Kommunen oder Wohnungsunternehmen mit kommunaler Mehrheitsbeteiligung im Zeitraum von 1999 bis Mitte 2011 rund 

379000 Wohnungen im Rahmen von großen Transaktionen. 

Bund und Länder haben mit 532000 Einheiten sogar noch deutlich mehr Wohnungen abgegeben. Käufer waren in vielen Fällen international agierende Finanzinvestoren, die sich mit dem Kauf großer Immobilienpakete als wichtige Größen auf dem bundesdeutschen Wohnungsmarkt etabliert haben.

Auf der anderen Seite hat sich die Zahl der Sozialwohnungen in der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum der Jahre 2002 bis 2017 mehr als halbiert. Die Zahl der Sozialwohnungen ging von 2,57 Millionen auf nur noch 

1,22 Millionen zurück. 

Im Kontrast zu dieser Entwick­lung steht ein hoher Bedarf an preiswerten Wohnungen durch Faktoren wie die Massenzuwanderung und die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Nach Berechnungen des Prestel-Institutes fehlen bundesweit inzwischen vier Millionen Sozialwohnungen.

Derweil versucht auch die Politik umzusteuern. Bereits vergangenes Jahr kündigte die Bundesregierung in Berlin ein Paket im Umfang von fünf Milliarden Euro an, damit in den nächsten drei Jahren 1,5 Millionen Wohnungen gebaut werden können. Sieht man vom Verkauf von 60000 Bundeswohnungen der Bauen und Wohnen (Buwog) im Jahr 2004 ab, dann hat es in Österreich im Gegensatz zur bundesdeutschen Entwicklung keine Privatisierungen von großen öffentlichen Wohnungsbeständen gegeben.

MELDUNGEN

Einfamilienhaus bevorzugt

Berlin – Im vergangenen Jahr besaßen 31 Prozent der privaten Haushalte Einfamilienhäuser. Der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe zufolge war das Einfamilienhaus damit weiterhin die häufigste Form des Immobilienbesitzes, gefolgt von Eigentumswohnungen mit 14 und Zweifamilienhäusern mit fünf Prozent. Unbebaute Grundstücke und sonstige Gebäude mit jeweils vier Prozent sowie Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen (zwei Prozent) gehörten zu den selteneren Formen des Immobilieneigentums bei den Privathaushalten. Insgesamt besaßen 48 Prozent der privaten Haushalte mindestens eine Immobilie. Mit zunehmender Haushaltsgröße steigt der Anteil der Immobilieneigentümer.J.H.





Fortschritte auf der Krim

Simferopol – Die Versorgung der Halbinsel Krim mit Wasser und Strom macht Fortschritte. Nachdem sich die Krim-Bewohner vor fünf Jahren mit großer Mehrheit für einen Übertritt zur Russischen Föderation entschlossen hatten, unterbrach die Ukraine neben den Verkehrs- auch sämtliche Wasser- und Stromverbindungen, was zu schwerwiegenden sozialen und ökologischen Verwerfungen führte. Russland reagierte mit der Verlegung von vier Seekabeln aus dem Kubangebiet durch die Straße von Kertsch auf die Krim mit einer Kapazität von zusammen 800 Megawatt sowie dem Bau zweier Wärmekraftwerke in Sewastopol und Simferopol, die beide im März eröffnet werden konnten und imstande sind, weitere 940 Megawatt Strom zu liefern. Gemeinsam mit den schon zuvor durch Russland angeschafften gasbetriebenen Kleinkraftwerken für die Hochsaison, die vor allem über eine bereits Ende 2016 fertiggestellte „Gasbrücke“ unterhalten werden, dürfte damit 2019 erstmals die Stromversorgung des Gebiets umfassend sichergestellt sein. Größere Probleme macht hingegen die Wasserversorgung, bei der sich Russland einstweilen neben einer Stilllegung größerer Teile der bisherigen Landwirtschaft auf eine Verringerung der Verluste im Leitungssystem sowie die Erschließung örtlicher Ressourcen durch die Anlage neuer Staubecken, Umleitungen einzelner natürlicher Wasserläufe, die Bohrung zahlreicher Brunnen und den Bau dreier neuer Wasserwerke fokussiert. Auf diesem Weg soll bis zum Ende des laufenden Jahres auch eine umfassende Wasserversorgung gewährleistet werden. Freilich geht ein erheblicher Teil der Maßnahmen zulasten der fragilen Süßwasserlinse unter der Halbinsel, die durch nachrückendes Salzwasser verdrängt wird. Diese wohl schwerwiegendste Auswirkung des Kiewer Ökokrieges gegen seine abtrünnigen Untertanen kann nur durch eine Wasserzufuhr vom Festland sinnvoll gestoppt werden, welche für eine adäquate Wasserversorgung der Halbinsel unabdingbar ist. Die Pläne für ein diesbezügliches Leitungssystem über die Straße von Kertsch sind allerdings noch nicht erkennbar gediehen und wären auch obsolet, wenn der neugewählte ukrainische Staatspräsident zu einer konstruktiveren Zusammenarbeit mit Russland finden würde.T.W.W.

S. 3 Deutschland

Sauerländer statt Saarländer
Die Saarländerin Kramp-Karrenbauer steht unter Druck, ihren Landsmann Altmaier für Merz zu opfern
Bodo Bost

Ausgerechnet einen Mann ihres eigenen Landesverbandes, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, der innerparteilich in arge Bedrängnis geraten ist, soll CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer jetzt opfern, um Platz für ihren einstigen Mitbewerber um den Parteivorsitz, Friedrich Merz, zu machen.

Als ihr treu ergebener Kanzleramtschef zur Zeit der Zuwanderungskrise spielte der Saarländer Peter Altmaier die Rolle des Blitzableiters für die Bundeskanzlerin, als diese in arge Bedrängnis geriet. Jetzt richtet sich die Kritik der konservativ geprägten Wirtschaftsverbände eigentlich gegen die zögerliche Kramp-Karrenbauer, aber sie trifft den Wirtschaftsminister Altmaier. Die Wirtschaftsverbände fordern jetzt die Auswechselung von Altmaier durch Friedrich Merz. 

Eine Personaldebatte jedoch kann sich die Union jetzt nicht leisten, denn diese würde unweigerlich auch zu einer Debatte um die Bundesverteidigungsministerin und die Bundeskanzlerin führen. Viele, die eigentlich Angela Merkel meinen, aber es nicht zu sagen wagen, üben an Altmaier Kritik. Nicht zufällig haben sich deshalb Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus und Alexander Dobrindt, sein Vize von der CSU, und nicht gerade ein Altmaier- Freund, demonstrativ hinter Altmaier gestellt. Dabei ist bekannt, dass es in der Politik alles andere als ein gutes Zeichen für einen Minister ist, wenn seine Parteifreunde es für nötig halten, ihn ungefragt zu verteidigen.

Merz würde zwar gerne Minister werden, wie er selbst gesagt hat, aber ob er dabei an das Kabinett Merkel denkt, ist eine andere Frage. Immerhin hat er sich einst wegen Merkel aus der Politik zurückgezogen. Wenn er jetzt unter ihr wiederkäme, würde dies bei Merkel, die ja laut ihres Parteifreundes Wolfgang Schäuble kritikunfähig ist, sicher neue Konflikte heraufbeschwören. Vielleicht hat diese Angst vieler CDU-Granden Merz bereits das Amt des Parteivorsitzenden gekostet.

Kramp-Karrenbauer braucht den einstigen Konkurrenten. Merz steht für einen Parteiflügel, den die Parteichefin einbinden muss. Sie kann sich dann anderen Aufgaben widmen, als Flügel zusammenzuhalten, und ihre Rolle als integrative Parteichefin besser ausspielen. Gerade, weil man Merz lieber heute als morgen brauchen könnte, schließt die Union demonstrativ die Reihen hinter Altmaier, der sich nie zu schade war, die Drecksarbeit während der Asylkrise durchzustehen. Dass die Wirtschaft ihren verständlichen Unmut über die Große Koalition nun bei Altmaier ablädt, sei unfair, sagen seine CDU-Freunde.

Dass die CDU das lukrative Finanzministerium verloren und das undankbare Wirtschaftsministerium dafür erhalten hat, war auch ein Resultat ihres Wahldebakels bei der letzten Bundestagswahl. Und dieses war ein Resultat der Merkel’schen Asylpolitik, für die jetzt Altmaier indirekt wieder den Kopf hinhalten muss. Der Jurist Altmaier hat das Wirtschaftsressort nicht aus Eignung oder Neigung erhalten, sondern weil es sonst wohl niemand übernehmen wollte. In einem Jahr, in dem neben der EU-Wahl noch vier Landtagswahlen und etliche Kommunalwahlen anstehen, könnte Merz die einstige Kernkompetenz der Union wesentlich besser nach außen darstellen. Viele in der Union sehen in ihm den Idealtyp eines Wirtschaftsministers. 

Altmaier, das bewies er in seinem Amt als Koordinator in der Zuwanderungskrise, scheut Konflikte und hat wie die Kanzlerin die Neigung, diese auszusitzen, statt sie zu lösen. Dies ist jedoch in der Wirtschaft, wo Entscheidungen, die auf sich warten lassen, Geld kosten, pures Gift. Deshalb ist Altmaier bei der Industrie und dem Mittelstand, zwei einstigen CDU-Domänen, in Ungnade gefallen.

Nach der knappen Entscheidung über den Parteivorsitz sind die von vielen erwarteten Verwerfungen in der Union ausgeblieben. Die Partei wirkt wieder befriedet. Einstige glühende Merz-Unterstützer haben ihren Frieden mit der neuen Parteichefin gemacht. Trotzdem weiß Kramp-Karrenbauer, dass es besser ist, Merz an der eigenen Seite statt als Gegner zu haben. Die vorzeitige Debatte um ihn in der Union beweist, dass die neue Chefin ihren Kurs der Unschärfe beenden muss. Dies ist nicht nur für die Wirtschaft Gift, auch in Umfragen konnte die Union seit dem Wechsel an der Spitze im Dezember noch nicht zulegen.

Rabbis für die Bundeswehr
Nach 100 Jahren gibt es wieder jüdische Militärseelsorger

Erstmals in Friedenszeiten bekommt eine deutsche Armee jüdische Militärgeistliche – um der „gewachsenen Vielfalt“ unter den Soldaten Rechnung zu tragen, wie es aus dem Bundesverteidigungsministerium heißt. Erstmals gab es in Deutschland 1870/71 im deutsch-französischen Krieg in der preußischen Armee jüdische sogenannte Feldgeistliche.

Rund 185000 Soldaten dienen in der Bundeswehr, 3000 davon sind Muslime und nur 300 sind Juden. Die großen christlichen Kirchen stellen schon seit Jahrzehnten Militärseelsorger für die Bundeswehr. Dies ist in einem Staatsvertrag mit den Kirchen geregelt. Ein solcher Staatsvertrag soll nun auch mit dem Zentralrat der Juden geschlossen werden. Der Zentralrat soll künftig die Kandidaten für die Militärseelsorge vorschlagen, die Auswahl obliegt jedoch der Bundeswehr. Angedacht sind ein orthodoxer und zwei liberale jüdische Militärrabbiner.

Bis zur Aussetzung der Wehrpflicht 2011 gab es kaum jüdische Soldaten in der Bundeswehr. Denn für Überlebende des Holocaust und ihre Nachkommen bis zur dritten Generation gab es eine Freistellung von der Wehrpflicht. Erst nachdem ab 1990 rund 200000 jüdische „Kontingentflüchtlinge“ nach Deutschland kamen, die zwar Opfer des Antisemitismus in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion waren, aber nicht des Holocaust, zog es eine nennenswerte Anzahl von Juden freiwillig in die Bundeswehr. Ihr Anteil ist sogar höher als ihr Bevölkerungsanteil. Deshalb soll jetzt nach 100 Jahren wieder eine jüdische Militärseelsorge eingeführt werden. Für den „Lebenskundlichen Unterricht“, der sich mit der Berufsethik der Soldaten in der Bundeswehr befasst, wirkt sich die Einstellung jüdischer Militärrabbiner positiv aus. Es ist wichtig, gerade in Zeiten des wachsenden Antisemitismus das Thema Judentum authentisch im Rahmen dieses Lebenskundlichen Unterrichts zu vermitteln. Da können Militärrabbiner auch Anlaufstelle für nichtjüdische Soldaten sein.

Der Zentralrat begrüßt die Zusage des Verteidigungsministeriums. „Die Berufung von Militärrabbinern ist ein Zeichen für das gewachsene Vertrauensverhältnis der jüdischen Gemeinschaft in die Bundeswehr als Teil unserer demokratischen Gesellschaft“, erklärte Zentralrats-Präsident Josef Schuster. Es sei über 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs an der Zeit, eine jüdische Militärseelsorge in der Bundeswehr zu etablieren und damit an eine alte Tradition anzuknüpfen, schrieb er in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Eine jüdische Militärseelsorge gab es in Deutschland bislang nur in Kriegszeiten. Im Krieg von 1870/71 nahmen etwa 14000 Juden auf deutscher Seite teil, 337 erhielten das Eiserne Kreuz oder andere Auszeichnungen. So war es folgerichtig, vier jüdische Feldrabbiner zu ernennen. Auch im Ersten Weltkrieg gab es eine institutionalisierte jüdische Militärseelsorge. Fast 100000 Juden dienten in Heer und Marine, 12000 davon waren gleich zu Kriegsbeginn 1914 als Freiwillige zu den Fahnen geeilt. Rund 30000 wurden mit zum Teil höchsten Auszeichnungen dekoriert. 12000 jüdische Soldaten verloren ihr Leben.

Für die 3000 muslimischen Soldaten der Bundeswehr wird die von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen angekündigte Einrichtung einer Militärseelsorge wesentlich schwieriger, nicht nur wegen der ungeklärten Frage des Islam zur Gewalt im Namen der Religion. Ohne eine zentrale Institution für die islamischen Glaubensrichtungen könne aus rechtlichen Gründen gegenwärtig kein Staatsvertrag geschlossen werden, räumt die Ministerin ein. Geplant sei aber, muslimische Geistliche über sogenannte Gestellungsverträge an die Bundeswehr zu binden.B.B.

MELDUNGEN

Beauftragte tagten in der Hauptstadt

Berlin – Zum zweiten Mal seit ihrer Gründung im vergangenen Jahr tagte die Konferenz der Aussiedlerbeauftragten des Bundes und der Länder. Neben Fragen der Kulturförderung, der Eingliederung von Spätaussiedlern und der Problematik bei der Nachweisführung von Dokumenten und Urkunden aus den Herkunftsländern war Hauptthema rentenrechtliche Benachteiligung von Spätaussiedlern. Der persönliche Austausch in der Konferenz sei wichtig, er stärke die gemeinsame Vorgehensweise, so die hessische Beauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf.J.H.





Legehennen waren fleißig

Wiesbaden – Pünktlich zum Osterfest, wenngleich auch erst nach Redaktionsschluss dieser Zeitung, hat das Statistische Bundesamt Zahlen zur Eierproduktion in Deutschland veröffentlicht: 0,82 Eier pro Tag oder 298 Eier an 365 Tagen – so viele Eier hat eine Legehenne in Deutschland im Jahr 2018 durchschnittlich gelegt. Damit wurden 2018 rund 12,3 Milliarden Eier für den Konsum produziert. Die Zahl der Eier je Henne war weitgehend unabhängig von der Haltungsart: So legte ein Huhn in Freilandhaltung 298, in Bodenhaltung 300 und in Kleingruppenhaltung und ausgestalteten Käfigen 302 Eier pro Jahr. Die Hennen in ökologischer Haltung legten mit durchschnittlich 285 Eiern etwas weniger als ihre Artgenossinnen in konventioneller Haltung. Zu den größten Eierproduzenten zählten Niedersachsen mit 4,8 Milliarden, Nordrhein-Westfalen mit 1,4 Milliarden und Bayern mit 1,1 Milliarden Eiern. Dabei war die Bodenhaltung in fast allen Ländern die vorherrschende Haltungsform. Einzige Ausnahme war Mecklenburg-Vorpommern. Dort stammte fast jedes zweite Ei aus der Freilandhaltung.J.H.

S. 4 Der Fall Julian Assange

Fauler Handel mit den USA
Nach sieben Exiljahren wurde Julian Assange verhaftet – Weil vermutlich Geld floss
Florian Stumfall

Seit Ecuador mit Lenín Moreno einen neuen Präsidenten hat, weht dort ein anderer politischer Wind. Das hat jetzt auch der Whistleblower Julian Assange zu spüren bekommen.

Warum hat Ecuador dem australischen Enthüller Julian Assange das Asyl entzogen und der britischen Polizei den Zugang zur dortigen ecuadorianischen Botschaft gestattet, damit sie Assange verhaften konnte? Diese Frage muss man angesichts der offiziell angegebenen Gründe stellen. Denn diese sind derart an den Haaren herbeigezogen, dass man sie nicht ernst nehmen kann.

Assange, so heißt es, habe Ecuador samt Londoner Botschaft bedroht, es habe bei seiner Einbürgerung in den ecuadorianischen Staatsverband Unstimmigkeiten gegeben, er habe sich verwerflich verhalten und es an der Achtung gegenüber Ecuador fehlen lassen und Ähnliches mehr. So die Qualität der offiziellen Begründung durch die Regierung in Quito. Allerdings sieht Rafael Correa, der Vorgänger des derzeit regierenden Präsidenten Lenín Moreno, andere glaubhaftere Gründe.

Wie der Investigativ-Journalist Jason Ditz auf der Web-Seite „Antikrieg“ berichtet, hat der In­ternationale Währungsfonds (IWF) mit der Regierung von Ecuador eine Vereinbarung getroffen, wonach das Land eine Finanzhilfe von zehn Milliarden Dollar bekommt, unter der Voraussetzung, dass Assange aus der Botschaft in London ausgewiesen wird. Dies war eine Bedingung der USA. 

Die Kräfteverhältnisse im IWF sind so, dass die USA mit den EU-Ländern eine Sperrminorität hält, weil Entschlüsse mit 85 Prozent der Anteile gefasst werden müssen. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks, die Assange zum Teil noch von seinem Asyl aus geleitet hatte, trat im Vorfeld des Handels „Geld gegen Assange“ mit dem Hinweis an die Öffentlichkeit, dass der Ansuche Ecuadors nur unter Bedingungen im Interesse der USA stattgegeben würde.

Ecuador scheint keine Wahl gehabt zu haben. Der Wirtschaft des Landes geht es schlecht, das Bruttoinlandsprodukt sinkt, nach Kaufkraft ist es eines der schwächsten von ganz Südamerika, und das, obwohl Ecuador über Erdöl verfügt. Das alles macht Quito nicht nur vom IWF, sondern vor allem von den USA abhängig. Seit dem Jahr 2000 hat Ecuador keine eigene Währung mehr, sondern der US-Dollar ist offizielles Zahlungsmittel. 

Gleichwohl hatte der frühere Präsident Rafael Correa versucht, eine von den USA möglichst unabhängige Politik zu führen. Dass er Assange Asyl gewährt hatte, war Ausdruck dieses Bemühens, und das hat ihm in den USA viel Feindschaft eingetragen. Sein Nachfolger Moreno ist von anderer Art und, obwohl ein erklärter Linker, den USA gegenüber eher willfährig. So gehört er der lateinamerikanischen Allianz an, die unter US-Protektorat gegen Venezuela geschmiedet worden ist. 

Correa, der nach seinen zwei erlaubten Amtsperioden vor der Verfolgung durch seinen Nachfolger Moreno nach Belgien geflüchtet ist, übt harsche Kritik an dessen Verhalten in der Asyl-Sache. Er bezeichnete es als „einen der schrecklichsten Akte, die jemals aus Servilität, Bosheit und Rachsucht ausgebrütet wurden“. Zudem bezeichnete er seinen Nachfolger als „Verräter“.

Zwar hat Scotland Yard Assange verhaftet, doch es steht außer Frage, dass ihn die USA in ihre Gewalt bringen wollen. Sonst hätte der Handel mit dem IWF keinen Sinn. Zudem bemüht sich das Justizministerium in Washington um ein unspektakuläres Vorgehen. Man wirft Assange neuerdings lediglich vor, er habe ein Passwort geknackt, wodurch die Pentagon-Papiere zugänglich geworden seien. Durch dieses Manöver will man die denkbare Möglichkeit aus der Welt schaffen, dass Assange in den USA die Todesstrafe droht. Der jetzige Klagepunkt rechtfertigt nicht mehr als fünf Jahre Haft. Bei einer drohenden Todesstrafe nämlich könnte Großbritannien Assange nicht in die USA ausliefern, wo man auf ihn wartet.

Filou mit Computerwissen
Die Karriere des Julian Assange – Früh im Fadenkreuz des FBI

Obwohl sein Name eng mit WikiLeaks verbunden ist, war Julian Assange nicht der Gründer der Enthüllungsplattform. Doch er gehörte zu den Männern der ersten Stunde und war lange ihr Sprecher, auch noch während einiger Jahre seines Asyls in Ecuadors Botschaft in London. Seit er seinen Asyl-Status verloren hat, ist WikiLeaks endgültig sein Schicksal.

Geboren wurde Assange 1971 in Townsville im australischen Queensland. Er studierte Physik und Mathematik in Melbourne, allerdings ohne Abschluss. Das war sehr typisch für ihn: Seine mathematische Fakultät erstellte im Rahmen eines Vertrages mit der US-Armee eine Studie zur Verbesserung von militärischem Gerät. Er aber wollte seine Hand nicht für die „Optimierung einer Killer-Maschine“ reichen.

Jedenfalls legte Assange doch ein gewisses Talent für die digitale Technik an den Tag. Er sammelte Erfahrungen als Programmierer und gründete zusammen mit anderen eine Hacker-Gruppe namens „International Subservices“.

Es ging für ihn wechselhaft weiter. Assange kassierte eine Bewährungs- und Geldstrafe wegen Hackens. Auf der anderen Seite beschäftigte er sich erfolgreich mit einer Software für Verschlüsselungen, und darüber hinaus erfand er ein Dateisystem, was ihm eine gewisse finanzielle Bewegungsfreiheit verschaffte. Jedenfalls konnte er sich, als er im Jahre 2006 zu WikiLeaks stieß, der Arbeit an diesem Portal ehrenamtlich widmen. 

Das Auf und Ab wurde zum Kennzeichen des Lebens von Assange. Er wurde wegen seiner Arbeit für WikiLeaks mehrfach in Haft genommen, zensiert, von Geheimdiensten abgehört und verklagt, wenn auch ohne Erfolg für die Kläger. Anno 2011 stellte er einen damals 18-jährigen Burschen mit Namen Sigurdur Thordarson als Volontär ein. Was Assange nicht wusste: Dieser Mitarbeiter war ein Spitzel des FBI und damit beauftragt, seinen Chef auszuspionieren. Dies war das erste dokumentierte Mal, dass Assange ins Fadenkreuz der US-Dienste geriet.

Seine Lebensphase, die in die Gegenwart führte, begann 2010, als in Schweden gegen ihn der Vorwurf einer Vergewaltigung erhoben wurde. Dieser wurde mittlerweile zwar zurückgezogen, überschnitt sich aber zeitlich mit dem großen Streit, der ihn jetzt das Asyl gekostet hatte und dessen Erledigung sich in den USA abspielen dürfte.FS

So gefährlich ist WikiLeaks für die Politik

WikiLeaks, so die Selbstdarstellung, „ist spezialisiert auf die Analyse und Veröffentlichung großer Datensätze von zensierten oder anderweitig eingeschränkten offiziellen Materialien zu Krieg, Spionage und Korruption. Sie hat bisher mehr als zehn Millionen Dokumente und zugehörige Analysen veröffentlicht.“ Zehn Millionen – das ist entschieden zu viel. Einige der wichtigsten seien angeführt.

April 2010: Luftangriffe in Bagdad: Die Veröffentlichung zeigt Filmsequenzen aus dem Bordvideo eines US-Kampfhubschraubers. Man sieht, wie die Bordkanonen und Raketen auf Zivilisten schießen. Es gibt Tote und Verletzte, darunter auch Kinder und zwei Berichterstatter der Agentur Reuters. Diese Szene macht WikiLeaks schlagartig weltberühmt.

Oktober 2010: Kriegstagebücher. Hunderttausende von Dokumenten über die Kriege in Afghanistan und im Irak werden ins Netz gestellt. Sie umfassen den Zeitraum von 2004 bis 2009. Dies war die größte Sicherheitspanne in der Militärgeschichte der USA. Dadurch wurde bekannt, dass unter den gemeldeten 110000 Toten im Irak 66000 Zivilisten waren.

April 2011: Die Guantanamo-Files. Das veröffentlichte Material belegt nicht nur die unmenschliche Behandlung der Häftlinge, sondern auch die hohe Zahl von Unschuldigen, die in dem US-Lager eingesperrt sind, unter ihnen Jugendliche.

März/Juli 2016: Hillary-Clinton-Archiv. Die Sammlung von rund 30000 E-Mails und Anhängen aus dem privaten Rechner der damaligen Präsidentschafts-Kandidatin Hillary Clinton nähren den Verdacht, dass die Demokraten um Clinton innerhalb der eigenen Partei gegen ihren Widersacher Bernie Sanders eine Kampagne geführt haben.

März 2017: CIA-Hacker. Hierbei geht es um Dokumente zu den Hacking-Methoden der CIA und den Möglichkeiten über Software-Tools Autos, Fernseher Web-Browser und Computer zu manipulieren.FS

Zeitzeugen

Rafael Correa – Der studierte Ökonom war von 2007 bis 2017 zwei Legislaturperioden lang der Präsident Ecuadors. Er nannte seine Regierung mit Latino-Pathos eine „Revolution der Bürger“, konnte aber gleichwohl und trotz seiner eher linken Ausrichtung auf erhebliche wirtschaftliche und soziale Erfolge verweisen. So sank während seiner Amtszeit die Armut im Lande um rund 40 Prozent. Die Regierung seines Nachfolgers Lenín Moreno ermittelt gegen ihn wegen Entführung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Der Hintergrund ist ein gescheiterter Putschversuch im Jahre 2012. Einen der Anführer, Fernando Balda, habe Correa gewaltsam von Kolumbien nach Ecuador bringen lassen.

Maria Paula Romo – Ecuadors Innenministerin hat dieser Tage auf dem Flughafen der Hauptstadt Quito einen schwedischen Software-Entwickler festnehmen lassen, der nach Japan fliegen wollte. Dem Verdächtigen, dessen Namen die Behörden derzeit geheim halten, wird vorgeworfen, ein „sehr enger Mitarbeiter“ Assanges zu sein. Der Mann lebe schon seit Jahren in Ecuador und sei eine „Schlüsselfigur“ von WikiLeaks. Die Innenministerin in Quito fuhr fort: „In Ecuador gibt es einen Plan der Destabilisierung, der mit geopolitischen Interessen zu tun hat. Wir haben Beweise für eine Beziehung des nun Festgenommenen zu Ricardo Patino, der Außenminister war, als Julian Assange Asyl gewährt wurde.“

Edward Snowdon – Neben As­sange ist der frühere CIA-Mitarbeiter der weltweit bekannteste Enthüller von skandalösen Staatsgeheimnissen der USA. Er hat sich der Strafverfolgung ins russische Asyl entziehen können und schrieb zur Festnahme des „Kollegen“ in London: „Bilder des ecuadorianischen Botschafters, der die britische Geheimpolizei in die Botschaft einlädt, um einen Herausgeber vom preisgekrönten Journalismus aus dem Gebäude zu schleppen, werden in die Geschichtsbücher eingehen. As­sanges Kritiker mögen jubeln, aber dies ist ein dunkler Augenblick für die Pressefreiheit.“

Christine Lagarde – Die Chefin des Internationalen Währungsfonds ist mit den finanziellen Problemen Ecuadors gut vertraut. Erst im Januar traf sie anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos mit dem Präsidenten Ecuadors, Lenín Moreno, zusammen. Damals sagte sie dem Anden-Land bereits 4,2 Milliarden US-Dollar zu. „Das Abkommen“, so Lagarde, „unterstützt die Wirtschaftspolitik der ecuadorianischen Regierung in den nächsten drei Jahren.“

S. 5 Preussen/Berlin

Blinde Zerstörung in grüner Idylle
Luckauer Tulpenfest und Pankower Bürgerpark wurden Opfer von Verwüstungen
Norman Hanert

Die Kleinstadt Luckau in der Niederlausitz gilt nicht nur wegen des historischen Altstadtkerns und einer gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer als touristischer Geheimtipp. Die malerische Gartenstadt am Rande des Spreewalds begeht in jedem Frühjahr auch ein Tulpenfest. In diesem Jahr wurde Luckau allerdings von einem ganz besonderen Pech heimgesucht.

Gut fünf Wochen vor dem traditionellen Fest gruben Diebe über Nacht aus Rabatten fast 1500 Tulpenzwiebeln aus und machten sich mit ihrer Beute davon. Vermutet wird, dass die Täter für ihren Raubzug sogar einen Anhänger mitbrachten, um die Tulpen abzutransportieren. Der Tatort war ausgerechnet der Eingangsbereich des Geländes, auf dem im Jahr 2000 Brandenburgs erste Landesgartenschau stattgefunden hat. Insgesamt richteten die unbekannten Täter bei ihrem Raubzug Mitte März einen Schaden von mehreren Tausend Euro an.

Für die Kleinstadt bahnte sich mit dem dreisten Diebstahl eine kleine Katastrophe an: „Neue Pflanzen in dieser Größenordnung zu bestellen, das hätte unser Budget gesprengt“, so eine Organisatorin des Tulpenfestes. Vor wenigen Wochen bestand somit die Gefahr, dass Tausende Besucher zu Ostern leere Blumenbeete vorfinden.

Allerdings mobilisierte der freche Tulpenklau unter den Bürgern der Stadt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Unter dem Motto „Tulpen für Luckau“ wurde ein Spendenaufruf gestartet, der auf eine bemerkenswerte Resonanz traf. Maja Jentsch, die Chefin des Gartengeländes, berichtete von Spendern, die sogar im eigenen Garten Blumenzwiebeln ausgruben, um sie zum Gelände der ehemaligen Landesgartenausstellung zu bringen. 

Andere überwiesen Geld, damit neue Tulpenzwiebeln beschafft werden können. Eine örtliche Konditorei kreierte eigens ein Tulpen-Törtchen und spendete den Erlös. Am Ende führte das Engagement von Bürgern, Vereinen und Firmen zum Erfolg. Die Bepflanzung der leergeräumten Rabatten konnte noch rechtzeitig wiederholt werden. Wie geplant konnte das Luckauer Tulpenfest zum Osterfest beginnen.

Im Fall einer Berliner Parkanlage steht ein vergleichbar glückliches Ende noch aus. Auch im Pankower Bürgerpark haben bislang unbekannte Täter Anfang April eine Spur der Verwüstung hinterlassen. In den Nachtstunden des Wochenendes vom 5. bis             7. April rissen die Täter unter anderem zwei Engelsfiguren von ihren sechs Meter hohen Sockeln auf dem Dach eines Rosenpavillons. Die Figuren landeten zunächst auf dem Dach des Pavillons, dann auf dem Boden und anschließend in der vorbeifließenden Panke. 

Beide Plastiken sind dabei vermutlich so stark beschädigt worden, dass sie nicht mehr zu reparieren sind. Die sinnlose Aktion richtete zudem auch am Dach des historischen Gebäudes Schaden an. Das Gebäude wird derzeit restauriert, nachdem es immer wieder mit Graffiti beschmiert worden war. Die Randalierer beschädigten zudem auch die Sandsteinsäulen des Pavillons und demolierten obendrein noch mehrere handgefertigte Parkbänke. Die Zerstörungswut der Täter richtete sich schließlich auch noch gegen das Ziegengehege eines Kleintierzoos. Die Polizei beziffert den Schaden, den die Unbekannten anrichteten, auf insgesamt mindestens 50000 Euro. 

Bei der Pflege und Entwicklung des Parks hat in den vergangenen Jahren der Bürgerpark-Verein Pankow eine wichtige Rolle gespielt. Christian          Friedrich, der Vorsitzende des Vereins, kommentierte die Verwüstungen: „Natürlich tut es da umso mehr weh, zu sehen, wenn solche schönen und wertvollen Figuren sinnlos zerstört werden. Das muss in Zukunft verhindert werden.“

Anwohner fürchten schon seit längerer Zeit, dass der Pankower Bürgerpark eine Entwicklung nimmt, wie sie bereits im Mauerpark oder im Görlitzer Park („Görli“) zu beobachten ist. Tatsächlich macht sich in der Pankower Parkanlage bereits seit dem Jahr 2015 zunehmend eine Drogenszene breit. Insbesondere im Westteil des Parks an der Grenze zum Wedding wird mit harten Drogen wie Heroin und Kokain gehandelt. Drogenabhängige entsorgen ihre Spritzen in Büschen entlang der Panke. 

Ähnlich wie dies schon an anderen Drogenumschlagplätzen Berlins zu beobachten war, agiert die Drogenszene auch im Pankower Park zunehmend aggressiv. Berichtet wird unter anderem über völlig enthemmte Beschimpfungen von Spaziergängern durch Drogenhändler. Zusätzlich zieht auch eine alte Bahnhofsbaracke immer mehr Obdachlose an. 

Anwohner des Parks wünschen sich vor allem mehr Präsenz der Polizei, um der Entwicklung im Pankower Bürgerpark entgegenzusteuern. Bislang sind allerdings sogar die Bemühungen gescheitert, Parkwächter anzustellen. Selbst Geld für eine Praktikumsstelle für einen solchen Parkwächter war offenbar bislang nicht vorhanden. Zunehmend wahrscheinlich wird damit eine generelle Schließung des Parks über Nacht, und wie im Fall der Gartenanlage in Luckau nun diskutiert wird, langfristig auch der Einsatz von Videotechnik zur Sicherung.   

Diese Berliner zieht’s nach Brüssel
Theo Maass

Seit einigen Tagen hängen an vielen  Stellen in Berlin Wahlplakate zur EU-Parlamentswahl am 26. Mai. CDU und SPD sehen dem Wahltag mit Sorge entgegen, Grüne und AfD mit Optimismus. Deutschland entsendet 96 Abgeordnete. 

Die Grünen haben mit Franziska Keller (sie lässt sich lieber „Ska“ Keller nennen) sogar eine Brandenburgerin als bundesweite Spitzenkandidatin ihrer Partei nominiert. Ihr Wahlslogan „Kommt der Mut – Geht der Hass“ soll die Weltoffenheit und multikulturelle Grundeinstellung ihrer Partei demonstrieren. 

Dabei hat Keller sehr extreme Ansichten. 2017 forderte sie die Ansiedlung ganzer orientalischer Dorfgemeinschaften in Mittelosteuropa. „Die Weigerung, Flüchtlinge aufzunehmen, verstößt gegen EU-Recht“, dagegen müsse man notfalls auch mit Zwangsmaßnahmen vorgehen. 

Mit dem Berliner Nicolaus Fest auf Platz 6 der Bundesliste zeigt die AfD deutlich in Berlin-Brandenburg Präsenz. Der frühere stellvertretende Chefredakteur der „Bild“-Zeitung gehört zu den gemäßigten  Vertretern seiner Partei und verfehlte bei der jüngsten Bundestagswahl den Parlamentseinzug. 

CDU und SPD werben mit weniger bekannten Gesichtern aus der Region um Stimmen. Zwar kann Gaby Bischoff nach ihrer Nominierung auf Platz 9 der SPD-Bundesliste mit dem Einzug ins Parlament rechnen, aber die Funktionärin der IG Metall ist in der Hauptstadt weitgehend unbekannt. Ähnlich geht es der CDU-Kandidatin  Hildegard Bentele, die sich nun schon das vierte Mal um ein Mandat im EU-Parlament bewirbt und hofft, dass ihr diesmal Erfolg  beschieden ist. Bentele will einen Europabezug in die Berliner Verfassung aufnehmen lassen. Zudem möchte sie einen Ort schaffen, „an dem sich Europa in der Stadt konkretisiert“. Ob solche Vorhaben beim Wähler zünden?

Martina Michels gehört dem EU-Parlament an. Das frühere SED-Mitglied saß zuvor bis 2013 im Berliner Abgeordnetenhaus. Selbst bei einem sehr schwachen Ergebnis für die Linkspartei dürfte der Platz 5, auf dem Michels nominiert wurde, für den Wiedereinzug ausreichen. 

Für den bestplatzierten FDP-Kandidaten aus Berlin könnte es dagegen eng werden. Der gebürtige Belgier Carl Grouwet ist Büroleiter des FDP-Bundestagsabgeordneten Hartmut Ebbing, kommt also bereits aus den Innereien des Polit-Establishments und durchläuft eine Parteikarriere alten Schnitts. Die Liberalen müssten schon sensationell abschneiden, damit Grouwet durchkommt. Er sitzt auf Listenplatz 12.

Abschiebung klappt nicht
Im Lichtenrader Spezialgefängnis sitzt nur ein einziger Mann
Frank Bücker

Im September 2018 wurde die ehemalige Jugendarrestanstalt am Kirchhainer Damm in Berlin-Lichtenrade zum Abschiebegefängnis umgebaut. Aber es steht fast leer und verursacht Personalkosten. In Berlin leben rund 12000 ausreisepflichtige abgelehnte Asylbewerber. Nur wenige Hundert von ihnen wurden 2018 abgeschoben. Wenn die Innenverwaltung trotz aller Schwierigkeiten doch abschieben will, sind die Betroffen häufig „verschwunden“. Neben dem Kirchenasyl haben sich verschiedene „Helferorganisationen“ etabliert.

Jüngst trat „Bürger*innen-Asyl“ öffentlich in Erscheinung. Ein Aktivist unter dem Pseudonym Pas­cal Roth, ein 31-jähriger Student, der gerade an einer Doktorarbeit schreibt, äußerte im RBB-Fernsehen: „Wir wollen so viele Abschiebungen wie möglich verhindern.“ Der öffentlich-rechtliche Sender berichtete über Roth in wohlwollendem Stil. Es gehe vor allem darum, die Sechsmonatsfrist zu überbrücken, in der Deutschland „Geflüchtete“ an die EU-Partner überstellen könne, aus denen sie in die Bundesrepublik gelangt seien und die eigentlich für das Asylverfahren zuständig wären. Der RBB berichtete noch über eine weitere Aktivistin. Sie versteckt einen Mann aus Eritrea. Der sei „geflüchtet“, weil er in seiner Heimat keinen Wehrdienst leisten wolle. 

Um diese Praxis zu unterbinden, dass Ausreisepflichtige sich verstecken oder versteckt werden, wurde eigentlich das Abschiebegefängnis eingerichtet. Zurzeit sitzt in Lichtenrade ein einziger Gefährder ein. Bei der Eröffnung durch Innensenator Andreas Geisel sprach der Politiker noch von „einem weiteren Schritt für noch mehr Sicherheit“. Um den einzigen Häftling kümmern sich zwei Justizvollzugsbeamte, neun Angestellte, zwei Sanitäter und ein Arzt – und das im  Dreischichtbetrieb.

Berlins Linkspartei-Chefin Katina Schubert erklärte im Landesparlament, dass sie verpflichtende Ausreisen für abgelehnte Asylbewerber grundsätzlich ablehne – auch wenn es sich um Terroristen handele. Die Linkspartei bildet mit SPD und Grünen in Berlin die Regierung. 

Die Hauptstadt-Grünen wenden sich ebenso gegen Abschiebungen. Laut Experten-Beobachtung ist die Berliner (Nicht-)Abschiebepraxis mit dafür verantwortlich, dass sich kriminelle Araber-Clans an der Spree besonders stark ausbreiten. Sie fühlen sich hier sicherer als in abschiebefreudigeren Bundesländern.


CDU wittert Amtsmissbrauch
Soll verspätet ausgezahlte Dürrehilfe SPD im Wahlkampf helfen?

Das von Julia Klöckner (CDU) geführte Bundesagrarministerium hat der rot-roten Landesregierung in Brandenburg Vorwürfe im Zusammenhang mit der Auszahlung der sogenannten Dürrehilfe für  Landwirte gemacht. Aus Sicht des Ministeriums hätten die vom Bund kommenden Mittel bereits im Jahr 2018 entweder an die betroffenen Bauern weitergeleitet oder aber an den Bund zurückgeben werden müssen.

Das Land Brandenburg zahlt die Hilfen samt einer eigenen Kofinanzierung aber erst in diesem Jahr aus. Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) wies die Vorwürfe des Bundesagrarministeriums zurück. Der Landeshaushalt sei erst am 1. Januar 2019 in Kraft getreten, vorher hätte die nötige Kofinanzierung aus dem Landeshaushalt nicht ausgezahlt werden können. 

Der CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Dombrowski äußerte gegenüber dem „Tagesspiegel“ den Verdacht, „dass in der SPD die Absicht besteht, möglichst nah am Termin der Landtagswahl mit Geld für gute Stimmung bei den Landwirten zu sorgen“. 

Die CDU warf inzwischen auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) vor, er mache auf Kosten der Steuerzahler Wahlkampf für seine Partei. Anlass war Woidkes Antwort in einem Interview der „Berliner Zeitung“. Darin hatte er auf eine Frage zum Wahlkampf der SPD geantwortet: „Wir müssen zu den Menschen“, und in dem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass er kürzlich seinem neunten Bürgerdialog als Ministerpräsident beigewohnt habe. Aus Sicht der CDU ein Beleg dafür, dass Woidke sein Regierungsamt für Wahlkampfzwecke nutzte. 

Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Jan Redmann, forderte Woidke zur Zurückhaltung auf und verlangte, die Brandenburger SPD solle die Kosten für weitere Bürgerdialoge selber übernehmen. Woidke ist auch Landesvorsitzender der märkischen SPD.

In Brandenburg werden am          26. Mai parallel zur Wahl zum EU-Parlament auch die Kommunalparlamente neu gewählt. Am  1. September küren die Brandenburger dann einen neuen Landtag. Laut einer aktuellen Umfrage ist die rot-rote Koalition von einer eigenen Mehrheit weit entfernt. Für den Sender RBB ermittelte Infratest Dimap für die SPD 22 und die mitregierende Linkspartei 16 Prozent. Als zweitstärkste Kraft kommt die CDU auf 20 Prozent, die AfD liegt mit 19 Prozent nur knapp dahinter.   N.H.


S. 6 Ausland

Voller Hoffnung und Zuversicht
25 Jahre nach den Massakern: Ruandas Präsident Paul Kagame hat die Ethnien in seinem Land versöhnt
Peter Entinger

Vor rund 25 Jahren erschütterte ein unfassbarer Völkermord in Ruanda die Weltöffentlichkeit. Die Wunden schmerzen noch heute, aber das Land hat einen erstaunlichen Wandel vollzogen. In der vorvergangenen Woche hat das Land das Gedenken an den Völkermord begonnen. 100 Tage lang wird im ganzen Land nun daran erinnert. Genauso lange, wie das Grauen damals dauerte.

Heute steht Ruanda nach Auffassung von Präsident Paul Kagame voller Hoffnung und Zuversicht da. Die Ruander würden sich niemals wieder gegenseitig angreifen und töten, sagte er: „Körper und Geist haben Amputationen und Narben davongetragen, aber keiner von uns ist allein. Wir Ruander haben uns selbst einen Neubeginn gewährt. Wir leben in einem Zustand des permanenten Gedenkens, jeden Tag, bei allem, was wir tun.“

Dem Völkermord in Ruanda, der sich zu einem schätzungsweise 3,5 Millionen Opfer kostenden Regionalkrieg ausweitete, lag ein ethnischer Konflikt zwischen den Völkern der Bahutu und der Batutsi zugrunde. Die Geschichte der Gewalteskalation zwischen den beiden Völkern reicht bis weit in die Kolonialzeit zurück. Ruanda war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zunächst deutsche (1884–1916), anschließend belgische Kolonie. Über Jahrzehnte hatte sich der Hass der Volksgruppe der Hutu gegen die Minderheit der Tutsi angestaut. Schon 1959 war es zu Massakern gekommen, die viele Tutsi in Nachbarländer hatten fliehen lassen.

Im Jahre 1994 war es wieder soweit. Auslöser für die Eskalation war ein Attentat. In der Nacht vom 6. auf den 7. April wurde das Flugzeug des damaligen ruandischen Präsidenten Juvenal Habyarimana, einem Hutu, über der Hauptstadt Kigali abgeschossen. Wer für den  Anschlag verantwortlich war, wurde nie offiziell geklärt. Es war jedenfalls, als hätten die Hutu-Milizionäre nur darauf gewartet. Das Morden begann, die Hutus wurden dabei von Armee, Polizei und Milizen unterstützt. Und die internationale Staatengemeinschaft schaute zu.

Der Befehlshaber der UN-Friedensmission, die damals in Ruanda stationiert war, der kanadische Generalmajor Romeo Dallaire, bat mehrfach vergeblich um Hilfe. Statt zu unterstützen, zogen fast alle Länder ihre Soldaten ab. Das Unheil nahm seinen Lauf. Am Ende sollen rund 800000 Menschen ums Leben gekommen sein, eine genaue Statistik gibt es nicht.

25 Jahre später sind die Wunden verheilt, aber die Narben schmerzen noch. Präsident Kagame führt das Land autoritär und straff. Aber die soziale Ungleichheit, die ausschlaggebend für den Bürgerkrieg war, konnte er weitgehend beenden. Kagame war Anführer einer Rebellengruppe der Tutsi, der Rwandan Patriotic Front. Die Miliz eroberte vor 

25 Jahren die Hauptstadt Kigali und beendete so die Gewalt. Und der Präsident schaffte das, was man kaum für möglich hielt: Sein Kabinett besteht zu mehr als der Hälfte aus Hutus. Etwa zwei Millionen Menschen leben in Kigali, Hutu und Tutsi Seite an Seite. „Unter den Überlebenden des Genozids gibt es offenbar kaum Hass und keine Rachegefühle. Verantwortliche sind bestraft worden, und Opfer erhielten materielle und symbolische Entschädigungen“, berichtet das Online-Portal der „Tagesschau“.

Die wirtschaftliche Entwick-lung des Landes ist unterdessen beachtlich. Mit Wachstumsraten von im Schnitt acht Prozent liegt man weit über dem afrikanischen Durchschnitt. Der Anteil der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, wurde halbiert. Frauen sind mittlerweile weitgehend gleichberechtigt, der Einfluss krimineller Clans tendiert gegen Null. Längst hat sich das Land für ausländische Investoren geöffnet. Nicht weniger als 

41 Prozent der nationalen Ausgaben fließen in Gesundheit und Bildung. Eine Unterscheidung zwischen Hutu und Tutsi gibt es laut Landesverfassung nicht mehr. In den Schulen wird mittlerweile gelehrt, dass alle Ruander ein Volk sind.

Ruanda gilt heute als das sauberste Land Afrikas – und der Grund dafür heißt: Umuganda. Das bedeutet in der Landessprache Kinyarwanda so viel wie „Arbeit an der Gemeinde“. Am letzten Sonnabend im Monat muss jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, für seine Gemeinde arbeiten: Straßen kehren, Wegesränder bepflanzen, Häuser renovieren. Aus der Reihe tanzt niemand. Das Regime nutzt den Sonnabend, um die zwölf Millionen Ruander auf die „Ein-Volk-Parole“ einzuschwören. Der Versöhnungsprozess ist staatlich verordnet. Wer sich der Regierungslinie verweigert, muss mit Strafen rechnen.

Menschenrechtsgruppen kritisieren bei allem Lob für die wirtschaftliche Entwicklung den autoritären Regierungsstil Kagames. Es gibt weder Presse- noch Versammlungsfreiheit. Kagame lässt es nicht zu, dass sich eine offizielle Opposition bildet – und rechtfertigt das mit der notwendigen Versöhnung des ethnisch gespaltenen Landes. 

Aber was ist das schon in einem Staat, in dem sich die Einwohner vor 25 Jahren noch gegenseitig umbrachten? Wo der Präsident dafür gesorgt hat, dass mehr als 90 Prozent aller Kinder eine Schule besuchen und dass die Sicherheitslage die vielleicht beste in einem afrikanischen Land ist. Die Lebenserwartung hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten nahezu verdoppelt, die Opfer von früheren Gewaltverbrechen wurden dabei herausgerechnet.

„Nie wieder wird so etwas passieren“, sagt der 1,90 Meter große Präsident. 61 Jahre ist der ehemalige Rebellenführer mittlerweile alt – und „mindestens 25 Jahre“ möchte er noch regieren.

MELDUNGEN

Einreiseverbot aufgehoben

Kiew/Wien – Überraschend schnell wurde das auf Betreiben des ukrainischen Geheimdiensts SBU am 6. März verhängte Einreiseverbot gegen den ORF-Korres­pondenten Christian Wehrschütz wieder aufgehoben. Dies, weil „die Entscheidungsgründe für das Einreiseverbot weggefallen seien“, heißt es in der Begründung der offiziellen SBU-Sprecherin Olena Hitljanska. Zuvor hatte ihm der Geheimdienst vorgeworfen, „antiukrainische Propaganda“ betrieben zu haben (die PAZ berichtete). Wehrschütz hatte sich in den Augen Kiews schuldig gemacht, weil er aus dem Separatistengebiet im Donbass berichtet hatte. Der ORF-Mitarbeiter hatte gegen das Einreiseverbot Klage eingereicht.MRK





»Rotkäppchen« fliegt aus Schule

Barcelona – Eine katalanische Schule hat die „Rotkäppchen“-Bücher aus der Vorschulbibliothek verbannt, da das Märchen aus Sicht der Schule sexistische Stereotype verbreitet. Insgesamt seien nach einer Prüfung 200 Bücher aus den Regalen genommen worden, berichtet die Zeitung „El País“. Diese Prüfung durch eine Kommission aus Lehrern und Eltern hat ergeben, nur zehn Prozent der Werke seien aus Gender-Sicht „gänzlich unbedenklich“, 30 Prozent hingegen „gänzlich toxisch“. Auch der Märchenklassiker „Dornröschen“ und die Sage vom Heiligen Georg, dem Drachentöter und Schutzpatron der Provinz Katalonien, kamen auf den Index. Demnächst will die Kommission auch die Werke in der Grundschulbibliothek prüfen. Allerdings soll hier nichts aus den Regalen genommen werden, da sich die älteren Kinder „bereits kritisch mit problematischen Inhalten auseinandersetzen und daher daraus lernen könnten“. Andere katalanische Schulen wollen nachziehen.J.H.

S. 7 Wirtschaft

»Noch stärker in die Breite«
Supermarktketten hängen die Discounter in der Verbrauchergunst ab
Peter Entinger

Jahrelang war von einem Siegeszug der Discounter die Rede. Mittlerweile hat sich das Blatt gewandelt: Die klassischen Supermärkte haben Rekordergebnisse erzielt – auch weil die Deutschen gerne konsumieren.

Ausschlaggebend dafür sind kräftige Lohnsteigerungen, weswegen sich Verbraucher in Deutschland beim Essen und Trinken immer öfter Luxus gönnen. Davon profitieren insbesondere Edeka, Rewe und Co. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) stiegen die Umsätze der Supermarktketten 2018 doppelt so stark wie die der Discounter. „Die Verbraucher sind bereit, für Produkte mit hoher Qualität mehr Geld auszugeben. Das ist ein Trend, der den Supermärkten in die Karten spielt“, sagte GfK-Handelsexperte Robert Kecskes der Deutschen Presseagentur.

Wie aus der Studie hervorgeht, steht die Kölner Supermarktkette Rewe an der Spitze der Unternehmen, die ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent steigerten. Insgesamt wuchsen die Erlöse bei dem Mischkonzern, zu dem auch noch der Discounter Penny sowie eine osteuropäische Handelskette und ein Reiseunternehmen gehören, um 4,7 Prozent auf 61,2 Milliarden Euro. Das Geschäftsjahr 2018 sei eines der besten der Unternehmensgeschichte gewesen, erklärte der Vorstandsvorsitzende Lionel Souque.

Als Hauptgegner hat der Stratege längst die Discounter ausgemacht. „Wir verfolgen die Preise von Aldi und Lidl jeden Tag und passen unsere Preise entsprechend an“, sagte er auf der Jahres­pressekonferenz seines Unternehmens und kündigte an: „Wir werden keine Preisführerschaft von Aldi bei Markenartikeln zulassen.“ Und so trumpft Rewe mit dem größeren Sortiment auf. Bei Markenartikeln wie Coca Cola kann Rewe im Preiskrieg mit den Discountern locker bestehen, zudem bieten die großen Handelsketten eben auch Luxusgüter. 

Dennoch glauben Experten, dass der Preiskrieg noch nicht entschieden ist. Aldi und Lidl investieren derzeit Milliarden, um ihre Läden attraktiver zu machen. Holzpaletten und Gabelstapler gehören der Vergangenheit an, stattdessen soll ein gediegenes Ambiente einen Hauch von Luxus vermitteln. „Discounter und Supermärkte nähern sich im Erscheinungsbild seit Jahren systematisch an“, erklärte der Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms gegen­über dem „Handelsblatt“. „Je ähnlicher beide Formate nach außen hin werden, desto mehr muss der Discount sich über den Preis differenzieren.“

Die klassischen Supermärkte versuchen, sich über das Sortiment zu profilieren. So finden sich in vielen Regalen mittlerweile hochwertige Eigenmarken im Bio-Bereich. Zudem werden moderne Lebensmittelkonzepte wie Ankerkraut, Little Lunch oder Just Spices verstärkt in das Sortiment aufgenommen. Damit will man vor allem die jüngeren Zielgruppen ansprechen. Die Strategie geht offenbar auf. „Derzeit, so scheint es, reiten die Supermärkte die größere Welle und sind immer schon einen Schritt voraus“, zitiert die Deutsche Presseagentur den GfK-Experten Kecskes. Und Rewe-Boss Souque legt noch einen drauf: „Mit Klopapier und Konserven können wir uns im harten Wettbewerb nicht profilieren.“ Seine Läden seien mittlerweile „Zentren, die zum Verweilen einladen. Eine eigene Gastronomie gibt es nur bei uns. Die Discounter können so etwas nicht“. Rewe will allein in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Euro in Deutschland investieren und mehrere hundert neue Läden eröffnen. Und Hauptkonkurrent Edeka kündigte unlängst an, „noch stärker in die Breite“ gehen zu wollen.

MELDUNGEN

Chinesen für weißes Europa

Riga – Bei einer großangelegten Studie unter chinesischen Touristen in Lettland hielten fast alle Befragten das weitgehende Fehlen von Immigranten aus der Dritten Welt für den größten Vorteil des baltischen Landes als Urlaubsort gegenüber anderen europäischen Reisezielen, die sie zuvor kennengelernt hatten. Dies deckt sich mit Untersuchungen in anderen Ländern, nach denen afrikanische und orientalische Zuwanderer die Attraktivität von Urlaubszielen für asiatische Gäste sowohl wegen ihrer Erscheinung als auch wegen ihres störenden Verhaltens allgemein massiv herabsetzen.T.W.W.





Mehr Wohnungen genehmigt

Wiesbaden – Im Januar 2019 wurde der Bau von insgesamt 27100 Wohnungen genehmigt. Das waren 9,1 Prozent oder 2300 Baugenehmigungen mehr als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Baugenehmigungen ist für alle Gebäudearten gestiegen. In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden rund 23700 Wohnungen genehmigt. Dies waren 9,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Zunahme der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser lag bei 5,6 Prozent.J.H.

S. 8 Forum

Zweierlei Moral
Bodo Bost

Die Eltern eines Gymnasi-asten aus dem schleswig-holsteinischen Rendsburg, die ihren damals 13-jährigen Sohn 2016 nicht an einem Schulausflug in die örtliche Moschee teilnehmen ließen, wurden jetzt in letzter Instanz zu einem Bußgeld von 50 Euro verurteilt. Der Besuch der Centrum-Moschee sollte im Rahmen des Geografieunterrichts stattfinden.

Was ein Moscheebesuch mit Geografie zu tun hat, hatten die Richter nicht zu entscheiden. Das wäre aber eine interessante Nachfrage an das zuständige Kultusministerium. Die Moschee ist Mitglied im Bündnis der islamischen Gemeinden in Norddeutschland, welches der als radikalislamisch geltenden Gemeinschaft Milli Görüs nahestehen soll, das viele Jahre vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet wurde. Für die fundamentalistische Bewegung Milli Görüs gelten wie für radikale Moslems allgemein Nichtmuslime als „Kuffar“, als Ungläubige.

„Warum sollten wir unseren Jungen zu Menschen schicken, die ihn als sogenannten Ungläubigen verachten?“, argumentierten die Eltern des Gymnasiasten nach ihrem gesunden Menschverstand. Sie führten unter anderem auch Angst vor religiös motivierter Gewalt „im Zusammenhang mit islamischen Menschen“ als Grund für ihr Tun an. Dafür konnten sie eine lange Liste solcher Gewalt weltweit in den letzten Jahren auflisten.

Doch gesunder Menschverstand und Angst sind in der Schule wohl fehl am Platze, es sei denn, man heißt Greta Thunberg und man hat Angst vor der Klimaänderung, dann darf man ohne Verfolgung durch deutsche Gerichte zum millionenfachen Schulschwänzen aufrufen. 

Aber Eltern dürften um ihre Kinder keine Angst haben, die aus politisch korrekter Ideologie zum Geografieunterricht in eine fundamentalistische Moschee geschleppt werden, auch wenn sie dort nur willkommen sind, wenn sie mit dem Gedanken spielen, zum Islam zu konvertieren.

Wäre es nicht ein solch sensibler Bereich der Gesellschaft, das Verhältnis von Religion zu Ideologie und umgekehrt, man könnte das Gerichtsurteil von Rendsburg als Wiehern eines Amtsschimmel abtun, auch wenn dieser Schimmel in Rendsburg zu Gunsten von Buraq, dem Fabel-Reittier des Propheten Mohammed, gewiehert hat. Auf diesem Reittier soll Mohammed angeblich in einer Nacht gen Himmel aufgefahren und wieder zurückgekommen sein. Da er dieses Reittier zufällig an der jüdischen Klagemauer in Jerusalem festgebunden hatte, soll Jerusalem heute die drittheiligste Stadt des Islam sein.

Die 50 Euro Strafe, womöglich an die Sozialabteilung der Moschee zur Gewinnung neuer Gläubigen, müssen nun endgültig gezahlt werden. Die Moral von der Geschicht’: Angst vor dem sogenannten Klimawandel darf man in Deutschland haben, aber Angst vor Moscheebesuchen ihrer Kinder dürfen Eltern heute nicht haben. Dabei sollen doch gerade in fundamentalistischen Moscheen die meisten der 300 bis 400 deutschen Dschihadisten des IS angeworben worden sein, die sich jetzt daran machen, wieder nach Deutschland zurückzukehren.

Versicherungsprodukt
Ulrich F. Sackstedt

Der These, dass das Klima gerettet werden muss, stimmen nicht alle zu, denn Klimawandel ist weiterhin ein umstrittenes Produkt der neuen Linken. Aber sie ist d a s bestimmende Medienthema. Der hinter den Pappschildern verwirrter jugendlicher Gretaisten und hinter den Schlagzeilen der Informationsindustrie nach dem Sinn suchende Bürger bekommt mehr und mehr den Eindruck, hier gehe es gar nicht um das gefühlte Klima, sprich: die Teilstriche auf der Celsiusskala der Temperatur, sondern um das politische Klima, das durch eine geschickte, sozialingenieurtechnische Transformation aus dem natürlichen Klima weiterentwickelt wurde.

Hier Erwärmung der Lufttemperatur – dort Erhitzung der Gemüter um heiße Luft. Das nennt man Dis­kussion in der Zivilgesellschaft. Da ist es gut, wenn der ordnende Geist der Naturwissenschaft in diese Gemengelage eingreift. Sollte man meinen. Tut er aber nicht. Die Zahlen einer angeblich objektiv arbeitenden internationalen Klimawandelbehörde werden so durch das Rüttelsieb des neuen globalplanwirtschaftlichen Denkens geschüttelt, dass immer eine gewünschte Konstellation herauskommt: Schuld! Aus Schuld wird medial produzierte Angst, und mit Angst lassen sich immer gute Geschäfte machen, wie die Geschichte zeigt.

Auch unsere vielen Versicherungen leben von der Angst. „Wetten, dass Dir irgendwann irgendwas passiert?“ Ob und wann es passiert, spielt dabei keine Rolle. Das Risiko ist eben da, und dann zahle ich lieber, nicht wahr? So gesehen zahlen wir alle in die neue Klimaversicherung ein, freilich ohne zu wissen, ob das überhaupt Sinn macht. Auf jeden Fall macht sie für diejenigen Sinn, die neue „klimaverträgliche“ Technik erfinden, die in Klimawandel investieren. Hier klingelt die Kasse, auch wenn die Produkte längst die Grenze des Bezahlbaren überschritten haben.

Damit diese Masche funktioniert, brauchen wir nach dem physikalischen zunächst einen politischen Klimawandel, damit dieser dann zu einem geschäftlichen Klimawandel werden kann. Wandel überall. Funktioniert es mit dem freiwilligen Konsumwandel zu klimafreundlichen Gütern nicht so recht, dann müssen Drohungen und Verbote her: Dieselverbot, Benzinerverbot, Kohlekraftwerksverbot, Reiseverbot, Flugverbot, Heizverbot und vieles mehr, vielleicht auch noch Atemverbot oder besser Kinderselbstverbot, wie kürzlich von einer Lehrerin vorgeschlagen. Eine Partei tut sich mit Verboten besonders hervor, und die wird gewählt, denn man wählt ja am liebsten das, was einem wehtut, aber was den Wandel fördert, angeblich. Politischer Wandel, Wandel des Denkens, Wandel des Lebenswandels. Schöne neue Welt des Wandels und vor allem des Handels. Denn letztlich soll ja der Rubel des globalen Kapitals weiterrollen. So wird eine infantilisierte Gesellschaft politisch erzogen.

Der Klimawandel braucht einfach eine neue Welt, die für uns konstruiert wird, eine Welt des ständigen Wandels, der Unsicherheit, der Unvorhersehbarkeit, der Schrankenlosigkeit und der Wertlosigkeit. Zügellos im Konsum, aber streng limitiert im Verhalten. Erst wenn alle Unebenheiten menschlicher Kultur glattgebügelt und alle individuellen Abweichungen zerstört sind und man entdeckt hat, dass unser Schöpfer das Kohlenstoffatom schuf, um das Leben in Pflanze, Tier und Mensch Gestalt werden zu lassen, dann wird vielleicht klar werden, dass die Menschheit ihr Paradigma erneut wechseln muss, weil es mit dem CO2 doch etwas anders aussieht als angenommen.

Frei gedacht
Die Kraft des Baumes
Eva Herman

Heute wollen wir einmal über die Kraft der Natur, die heilende Energie des Waldes sprechen. Denn jetzt beschäftigt sich auch die internationale Wissenschaft wieder einmal mit der geheimen Gabe des Baumes, lindernd und heilend auf den gestressten Menschen der Jetztzeit einzuwirken. Eine namhafte Professorin der Universität Michigan hat aktuell ganz bahnbrechende Dinge zu berichten, jedenfalls stellen unsere Medien diese Forschungsergebnisse als wahre Sensation dar. Der neue Trend mit beruhigender Wirkung heißt jetzt Waldbaden. Ach, ja? Aber mal ehrlich: Brauchen wir tatsächlich Experten, die uns erklären, wie gut es für uns wäre, öfter in die Natur hinauszugehen?

Meine Mutter hat uns Kinder früher jeden Tag rausgeschickt an die frische Luft. Und für uns war es ganz selbstverständlich, stundenlang da draußen zu spielen: Blinde Kuh, Fangen, Gummitwist, während die Jungs Cowboy und Indianer waren und Staudämme an dem kleinen Bach bauten. Wenn wir abends heim kamen, fielen wir vor Müdigkeit oft direkt ins Bett. Schlaf- oder Stressprobleme kannte damals niemand von uns.

Doch der moderne Mensch von heute, bis an die Zähne industrialisiert, der klassische Laptopper, der keinen Schritt mehr ohne Wlan-Verbindung tun kann, um ja stets online zu sein, was weiß er noch davon? Er tut sich viel schwerer mit sol-

chen Selbstverständlichkeiten. Offenbar braucht er Anregungen, Hilfe von außen, um den Weg nach draußen endlich zu finden. Insofern ist es gut, wenn also die Wissenschaftler jetzt über die Notwendigkeit eines täglichen Aufenthaltes in der Natur von mindestens 20 Minuten sprechen.

Auch japanische Forscher haben dieses Thema für sich entdeckt. Dort, wie übrigens auch in den USA, ist das Waldbaden inzwischen eine staatlich anerkannte Therapie. Waldatmosphäre mit Vogelgezwitscher und dem Murmeln eines Wasserlaufs aktiviert auch den Parasympatikus, den sogenannten Ruhenerv, heißt es in einem Bericht. Dieser ist für Stoffwechsel, Erholung und den Aufbau körpereigener Reserven verantwortlich. Im Wald sorgt er dafür, dass die Stresshormone zurückgefahren werden und der Blutdruck sinkt.

Auch der österreichische Biologe Clemens Arvay hat sich auf die Suche gemacht, um die Heilkraft des Waldes zu ergründen. Er erklärt, wie und warum das Waldbaden überhaupt wirkt: „Im Wald kommunizieren Pflanzen untereinander. Sie schütten chemische Verbindungen aus, sogenannte Terpene, und geben sie an die Luft ab. So warnen sie andere Pflanzen vor Angreifern oder Schädlingen, die daraufhin ihr Immunsystem hochfahren, um sich zu schützen.“ Japanische Wissenschaftler der Nippon Medical School in Tokio bestätigen das. Inzwischen sollen etwa 40000 dieser „Pflanzenvokabeln“ sogar entschlüsselt worden sein. „Auch wir Menschen empfangen diese Signale, wenn wir durch den Wald gehen und auch unser Immunsystem reagiert darauf, indem es aktiv wird.“ Und so ist die Waldmedizin in Japan inzwischen eine anerkannte wissenschaftliche Disziplin, die an Universitäten und Hochschulen gelehrt und die weiter erforscht wird.

Geh doch einmal allein hinaus! Lass alles stehen und liegen, lauf durch den Wald, das Feld, auf eine Lichtung zu! Wie schnell verfliegt jeder Ärger, jeder Stress, wenn du da draußen nur tief einatmest, alle Probleme zurückstellst und innehältst vor einem alten Baum, um seiner Geschichte zu lauschen. Vieles weiß er zu erzählen, und genauso wie du haben hier schon viele andere gestanden. Öffne nur deine Sinne, und du wirst das Wispern und Rascheln, das Rauschen und Raunen hören, und es wird dir helfen, deine Sorgen schnell zu vergessen.

Der Baum hat viele Freunde: Es sind die Vögel des Himmels, die sich hier niederlassen und uns ihren wunderschönen, heilenden Gesang schenken. Es sind die goldenen Sonnenstrahlen, die ihn Tag für Tag aufs Neue erwärmen, seinen alten Stamm mit gesundendem Licht kurieren, die ihn, der hier schon Hunderte Jahre steht, immer in neuen, ganz verschiedenen Tönen leuchten lassen. Lausch seiner Geschichte, nenn ihn deinen Freund, diesen alten, starken Baum, entdecke in deinem Inneren sein Wesen, entwickele ein neues Wissen über sein Leben, seinen Werdegang. Dann wirst du schnell sehen, dass ihr eine Verbindung habt, der Baum und du, die dich stärken wird.

Besuch ihn öfter, deinen neuen, alten Freund. Sieh ihn dir an, wenn er im Herbststurm sein Kleid ablegt, wenn seine Blätter um deine Ohren wehen und ihn ganz bloß erscheinen lassen. Gewiss, er rüstet sich für den kalten Winter, für den tiefen Schlaf, für seine wohlverdiente Ruhepause. Leg dein Ohr nah an seinen Stamm und hör zu, was er dir sagt: Das Leben kehrt wieder, sei nicht traurig. Schenk mir die Ruhe, ich möchte nur schlafen. Ganz leise wirst du davonschleichen, ihm noch einmal zuwinken und dich mit ihm verabreden für den nächsten Frühling.

Und dann, wenn der sanfte Schnee die Zweige deines guten Freundes bedeckte, wenn die wärmenden Sonnenstrahlen ihn wieder dahinschmelzen lassen, wenn neue Stürme den jungen Kreislauf der Natur einleiten, und wenn zarte Knospen auf des alten Baumes Ästen und Zweigen sich zeigen und aufspringen wollen, dann zieht es dich wieder hin zu dem alten Baum. Jung und voller Lebenskraft empfängt er dich: Lehn dich nur einmal an seinen starken Stamm. Hörst du es, wie es drinnen tönt? Ein Ziehen und Wachsen ist es, das neue Leben durchströmt jeden Ast, seine Rinde erglüht unter der Kraft des Frühlingslichtes. Und du? Du spürst sie plötzlich, die heitere Lebendigkeit, die unsichtbaren Ströme, die dich umarmen und hochreißen wollen in übermütiges Jauchzen, in die strahlende Kraft des Himmelslichtes, welchem er heute besonders zustrebt. Umarme ihn, deinen treuen alten Freund, verbinde dich mit seiner Energie und danke dem Schöpfer für dieses wundervolle Gnadengeschenk.

Spürst du das Glück? Die Leidenschaft, die dich ergreift, sobald du die vertraute Nähe deines Baumes erleben darfst? Spürst du endlich, worauf es ankommt in deinem Leben? Du siehst ihn dort stehen, in seiner ganzen Kraft und Pracht, in seiner Weisheit und Güte, in seiner Pflicht und Treue. Er spendet dir Ruhe und Wärme, Schutz und Segen, er schenkt dir Stärke. Geh so oft zu ihm, wie du nur kannst, und du wirst bald feststellen, dass alles in deinem Leben besser wird, ruhiger, übersichtlicher, ausgeglichener. Gib ihm, deinem Freund, dem Baum, auch etwas zurück: Respekt, Achtung und Liebe. Weite diese Liebe ins Unendliche aus, öffne deine Arme und entdecke deine Liebe zur Natur, zu allen anderen Lebewesen auf der Erde und darüber. 

Fühl die Kraft des alten Baumes als deinem Energiespeicher, um das Unerwartete, Unaussprechliche endlich spüren, erleben zu dürfen. Finde die Liebe, die wahre Liebe, die alles umfasst, was der Schöpfer uns schenkt. Lerne endlich, diesen Weg zu gehen. Und du wirst sehen, dass er dich leiten wird in Glück und Frieden. Denn alle Probleme dieser Welt werden im Angesicht der wahren Liebe vergehen und vergessen werden. Lausche deinem Freund, dem alten Baum. Er wird dich in alle Erkenntnis leiten.

Der österreichische Biologe Clemens Arvay sagt: „Die Medizin der Zukunft sollte den Menschen als das betrachten, was er eigentlich ist: ein Naturwesen, das untrennbar mit seiner Umwelt verbunden ist.“

S. 9 Kultur

Meister aller Klassen
Vor 500 Jahren starb das Renaissancegenie Leonardo da Vinci – Die Faszinationskraft seiner Werke wird einem bald unheimlich
Helga Schnehagen

Kaum ein Künstler bewegt die Welt so stark wie Leonardo da Vinci. Der 500. Todestag des am 

2. Mai 1519 gestorbenen Malers und Erfinders bietet die Gelegenheit, im Pariser Louvre, in Mailand und in weiteren Ausstellungsorten zu erforschen, woher diese Faszination rührt.


Die „Mona Lisa“ hat Besuch. Viel Besuch. Mehrere Hunderte drängen sich im Louvre täglich vor ihr, um einen Blick von ihr zu erhaschen. Es geht zu wie bei der Audienz des Papstes: Jeder hält sein Smartphone hoch und fotografiert, was das Zeug hält. Entweder sie alleine oder ein Selfie mit ihr. Bei jedem anderen wäre das Lächeln längst vergangen, doch dieses Renaissance-Model lächelt professionell weiter.

Der späte Da-Vinci-Zeitgenosse und Künstlerbiograf Giorgio Vasari beschreibt in seinen „Lebensgeschichten“, wie da Vinci beim Porträtieren die Frau eines floren­tinischen Seidenhändlers bei Laune hielt: Während er die Mo­na Lisa malte, musste immer je­mand zugegen sein, „der sang, spielte und Scherze trieb, damit sie fröhlich bleiben und nicht ein trauriges Aussehen bekommen möchte“. Heute sind die Besuchermassen die Clowns, die einen mit ihrem Selfiewahn amüsieren.

Und ärgern. Denn ein ungestörtes Kunsterlebnis ist in diesem Trubel nicht möglich. Ganz nahe kommt man der hinter Panzerglas aufgehängten „Mona Lisa“ ohnehin nicht. Das verhindern ein Ab­sperrband und die Sicherheitsleute im Saal. Wer ergründen will, warum dieses Bild das wohl wertvollste Gemälde der Menschheit ist, sollte besser eine Reproduktion studieren. Aber auch das hilft vielen Kunst-Laien nicht viel weiter. Mancher würde das Gemälde für 100 Euro auf dem Flohmarkt verscherbeln, hätte er es in Un­kenntnis der Urheberschaft auf dem Dachboden gefunden. In ei­ner Welt voller Partygelächter ist Mo­na Lisas fotogenes Lächeln aus der Mode gekommen.

Aber die Franzosen haben dieses Lächeln als Markenzeichen geschickt vermarkten können. Dabei half die Legende, wonach da Vinci vier Jahre an dem Bildnis arbeitete, es seinem Auftraggeber niemals zeigte, es dann jahrelang auf seinen Reisen mit sich herumtrug, um es dann dem französischen König zu überlassen. Dass es 1911 aus dem Louvre gestohlen wurde, trug zur weiteren Popularität bei. Seit ihrem Wiederauffinden ein paar Jahre später ist die „Mona Lisa“ das Ziel vieler Jäger nach Sehenswürdigkeiten.

Mailand geht da einen ganz anderen Weg. Dort befindet sich mit dem „Abendmahl“ ein weiterer Da-Vinci-Klassiker. Wer sich im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie das Fresko mit Jesus und seinen zwölf Jüngern ansehen will, sollte gut ein halbes Jahr vorher übers Internet einen Termin buchen. Aus konservatorischen Gründenwerden alle 15 Minuten höchstens 25 Personen hineingelassen.

Weil der Andrang nach solchen Terminen enorm hoch ist, nimmt man es mit der Gruppenanzahl nicht so genau. An diesem Tag um 10 Uhr morgens sind es 34 Kunstbeflissene aus aller Welt, welche nach Einlass durch die Sicherheitsschleuse in den Genuss des Abendmahls kommen. 

Und es ist tatsächlich ein Kunstgenuss. Im großen Speisesaal herrscht andächtige Friedhofsruhe. Aufseher achten peinlich ge­nau darauf, dass nicht fotografiert wird. Blitzlicht könnte dem Fres­ko schaden. Das an einer Stirnseite des Saals befindliche neun Meter lange Gemälde übt eine ungewohnte Magie und Dynamik aus. Man spürt die Aufregung der Jünger, als Jesus verkündet, unter ihnen sitze ein Verräter. Wie bei Italienern, die da Vinci Modell saßen, üblich, gestikulieren sie wild mit ihren Händen. 13 Personen und 25 Hände zählt man. Nur dem rechts neben Jesus im Hin­tergrund mit einem Finger in die Luft zeigenden Apostel Thomas fehlt eine fuchtelnde Hand.

Wie viel da Vinci tatsächlich noch in diesem Fresko steckt, war Gegenstand vieler Diskussionen. In den 1990ern wurde es aufwendig restauriert. Weil da Vinci mit einer neuen Freskotechnik experimentierte, blätterten die Farben bereits wenige Jahre nach der Fertigstellung von der Bleigipsgrundierung ab. Man konnte nicht mehr erkennen, ob Jesus spricht oder nicht. Jetzt ist sein Mund geöffnet. Interpretationssache eben. Es schadet aber diesem ausdrucksstarken Kunstwerk nicht, das man nach 15-minütiger Be­suchsdauer be­eindruckt verlässt.

Unweit vom Kloster hat da Vinci außerdem im Castello Sforzesco seine Spuren hinterlassen. Seine Fresken im Sala delle Asse werden derzeit allerdings restauriert. Vom 16. Mai an werden dort jedoch im Rahmen einer Ausstellung erste Restaurierungsergebnisse vorgestellt.Harald Tews

Im Jubiläumsjahr übertreffen sich die Museen in Europa mit vielen Veranstaltungen. Ein Überblick:


Im Geburtsort des Künstlers, dem toskanischen Vinci, steht Leonardos früheste datierte Zeichnung, die Landschaft des Arno-Tals von 1473, im Mittelpunkt der Schau des Museo Leonardiano, die noch bis 15. Okto­ber den Ursprüngen des Genies nachspürt. 

Am Ende stehen die frisch rekonstruierten Ateliers im Loire-Schloss Clos Lucé, Leonardos letztem Arbeitsplatz und Sterbeort. Vom 1. Juni bis 2. September werden hier „Leonardo da Vinci, seine Schüler, das Abendmahl und Franz I.“ präsentiert. In der Kapelle des nahen Schlosses Amboise begraben, kreist vom 

2. Mai bis 31. August die Ausstellung im Königsschloss rund um Leonardos Tod. Höhepunkt ist das Ölgemälde von François-Guil­laume Ménageot von 1781.

Die gesamte Region Centre-Val de Loire nutzt den 500. Todestag, um das ganze Jahr mit einem Mammutprogramm von über 500 Ausstellungen und Veranstaltungen Leonardo und die Renais­sance in Frankreich zu feiern. 1519 begann der Bau von Schloss Chambord, und Katharina von Medici, ab 1547 Königin von Frankreich, erblickte im selben Jahr in Florenz das Licht der Welt.

Die von Leonardo nach Frankreich mitgebrachten Gemälde der Mona Lisa, der Anna Selbdritt und Johannes’ des Täufers wurden von Franz I. erworben und in die königlichen Sammlungen aufgenommen, zu denen wahrscheinlich bereits die von Ludwig XII. angeschaffte „Felsgrottenmadonna“ und „La Belle Ferronnière“ gehörten. Vom 24. Oktober bis 

24. Februar 2020 will der Louvre möglichst viele der 14 bis 17 Ge­mälde, die Leonardo aktuell zugeschrieben werden, in einer einmaligen internationalen Retrospektive präsentieren.

Die größte Ausstellung der letzten 65 Jahre zu Leonardos Werk beansprucht allerdings Großbritannien für sich. Denn mit rund 500 Blättern besitzt die Royal Collection eines der größten Konvolute an Leonardo-Zeichnungen. Vom 24. Mai bis 13. Oktober sind über 200 in der Queen’s Gallery im Buckingham Palace, London, zu sehen, anschließend 80 vom 22. November bis 15. März 2020 auch in der Queen’s Gallery, Pa­lace of Holyroodhouse, Edinburg. 

Die Biblioteca Reale in Turin besitzt 13 Leonardo-Zeichnungen, darunter das berühmte „Selbstporträt“, dazu den Codex über den Vogelflug. Die Schau in den Königlichen Museen kreist bis zum 14. Juli mit etwa 50 Werken um den Turiner Bestand.

In Deutschland gibt es nur sechs Leonardo-Zeichnungen, vier werden vom 5. bis 19. Juni in der Hamburger Kunsthalle präsentiert. In Gießens Mathematikum kann man vom 18. Mai bis 29. März 2020 an rund 20 interaktiven Stationen herausfinden, welche Maschinen von Leonardo tatsächlich funktionieren. 

Mit rund 30 Funktionsmodellen, darunter verschiedene Flugobjekte, widmet sich auch Burg Hohenwerfen im Salzburger Land noch bis Ende des Jahres Leonardos Erfindergeist. Im Leipziger Kunstkraftwerk beeindruckt eine Klang- und Videoinszenierung noch bis Ende des Jahres mit berühmten Werken von Leonardo, Raffael und Michelangelo.

Selbstverständlich ist auch Italien ganz vorne mit von der Partie und ehrt sein Genie besonders in Florenz und Mailand. Der Florentiner Palazzo Strozzi feiert noch bis 14. Juli Leonardos Lehrmeister Verrocchio. Das Wissenschafts-Museum Galileo präsentiert gleich mehrere Leonardo-Ausstellungen. Und im Wissenschaftsmuseum von Mailand, Italiens größtem seiner Art, ist noch bis 13. Oktober die wohl umfangreichste Modellsammlung nach Leonardo zu sehen. 

Etwas spät dran ist das künftige Da-Vinci-Museum in Berlin, das am Leipziger Platz Leonardos Kunst und Erfindungen multimedial und interaktiv aufbereiten will. Die angekündigte Eröffnung für dieses erste Halbjahr kann man allerdings nicht einhalten.

Ausgezeichnete Plastiktüten
Wichtiger deutscher Kunstpreis geht an Brasilianerin – Tütensammlung im Museum Ludwig
Siegfried Schmidtke

Die wenigsten kennen vermutlich Wolfgang Hahn. Der nach ihm benannte Preis bringt allerdings viel Ansehen und Ehre und ist hoch dotiert. Für 100000 Euro Preisgeld erwirbt die „Ge­sellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig e.V.“ in Köln eine monumentale Collage der brasilianischen Künstlerin Jac Leirner. Das neu erworbene Kunstwerk wird, wie immer seit 25 Jahren, dem Museum Ludwig vermacht.

Seit 1994 ist der Hahn-Preis eine der wichtigsten Auszeichnungen in der deutschen Kunstszene. Benannt ist er nach dem ehemaligen Chefrestaurator Wolfgang Hahn (1924–1987), der am Wallraff-Richartz-Museum und später am Museum Ludwig arbeitete. Hahn war ein Typ „Sammler und Jäger“, der schon früh die Bedeutung der sogenannten Pop-Art-Kunst eines Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Claes Oldenburg erkannte. Der Sammler, Mäzen, spätere Museums-Namensgeber und „Schokoladenkönig“ Peter Ludwig aus Aachen wurde erst durch Wolfgang Hahn auf die neue Kunstrichtung aus Amerika aufmerksam.

Der Preis soll an Künstler verliehen werden, die sich international bereits einen Namen ge­macht haben, in Deutschland aber „noch nicht so bekannt sind, wie sie es verdienen“. Das waren in den vergangenen Jahren zum Beispiel James Lee Byars (1994), Rosemarie Trockel (2004) oder Huang Yong Ping (2016). Das Preisgeld wird aus Beiträgen der Vereinsmitglieder aufgebracht. Zum Preis gehört auch eine vom Museum Ludwig organisierte Ausstellung mit Werken der Preisträger.

Jac Leirner, die diesjährige Preisträgerin, war mit ihren Werken schon auf zahlreichen internationalen Ausstellungen zu se­hen. Zum Beispiel auf der Documenta 9 oder auf Biennalen in Venedig, Sao Paulo und Havanna. Leirner sammelt alltägliche Ge­genstände wie etwa Flugtickets, Visitenkarten, Etiketten oder Zigarettenpackungen und stellt diese „wertlosen“ Dinge in Arrangements zusammen. So erhalten die Wegwerfgegenstände eine neue, oft verblüffende Funktion.

Die jetzt ausgezeichnete und für das Museum aufgekaufte Installation „Museum Bags“ be­steht aus rund 50 Plastiktüten, die an vier Drahtseilen hintereinander in vier Reihen aufgehängt sind. Die Tüten stammen aus Museumsläden und wurden den Käufern von Katalogen und Büchern als Transporthilfe angeboten, sind aber zu­gleich auch Werbemittel für die Mu­seen. Die Tütensammlung ist in­ternational bestückt und stammt aus mehreren Jahrzehnten. 

Drei weitere Arbeiten der Preisträgerin runden die kleine Ausstellung ab. Aus Visitenkarten, Geldscheinen und Zigarettenpapierchen zaubert Leirner überraschende Arrangements. So sind zum Beispiel Zigtausend alte Banknoten hintereinander an ei­nem Seil in Form einer Schlange aufgezogen. Und auch die Wand mit Tausenden aufgeklebten Zigarettenpapierchen verblüfft den Besucher.

Bis 21. Juli im Museum Ludwig, Köln (am Dom), Eintritt 11 Euro, Katalog zum Jubiläum 12,80 Euro.

Poetische Abfahrt
Fontane ist in Brandenburg doppelt am Zug

Zum Fontanejahr kommt man jetzt in Brandenburg gleich doppelt in den kostenlosen Ge­nuss einer Ausstellung über den vor 200 Jahren geborenen Schriftsteller. Mit „Fontanes Pflanzen“ widmet sich der Tempelgarten Neuruppin vom 27. April bis 

27. Oktober einem wenig beachteten Thema in Fontanes Werk und zeigt Aloe, Liebstöckl, Wacholder & Co. in einer begehbaren Gartenausstellung. Entstanden ist ein „Fontane-Pfad“, der den Besucher literarisch durch Fontanes Pflanzenwelt geleitet. 

Wer „Effi Briest“ gelesen hat, der erinnert sich an die Beschreibung des schönen Anwesens und Gartens der Familie Briest. Gerade die Pflanzen sind bei Fontane immer wieder ein wichtiges Thema, dienen sie doch der Charakterisierung seiner Figuren. Ihre Verflechtung ist oft komplex und vielschichtig. An keiner Pflanze in Fontanes Werken sollte man achtlos vorübergehen. (Tempelgarten, Präsidentenstraße 64, 16816 Fontanestadt Neuruppin.)

Angestiftet vom Unruhegeist Fontanes haben sich die Schriftstellerin Julia Schoch und der Fotograf Frank Gaudlitz auf eine poetische Reise durch das Land Brandenburg begeben. Mit Text und Bild erschaffen sie in den Potsdamer Bahnhofspassagen mit „Fontaneske. Einmal so schreiben, so reisen: als ginge es um nichts“ bis zum 19. Mai einen Strom, der die innere Biografie eines schöpferischen Menschen erzählt. (Bahnhofspassagen, Babelsberger Straße 16, 14473 Potsdam.)

Zum Fontanejahr ist dazu auch im vacat Verlag eine schmuckvolle Publikation erschienen, in der die Schriftstellerin und der Fotograf der Biografie, den Texten und der Arbeitsweise Theodor Fontanes frei assoziierend und künstlerisch begegnen. Julia Schoch ist freie Autorin, Frank Gaudlitz freier Fotograf. Beide leben in Potsdam. 

Die Garten- und die Foto-Ausstellung sind Projekte im Rahmen des Themenjahres „fontane.200/ Spuren – Kulturland Brandenburg 2019“, das mit einer ganzen Reihe an Veranstaltungen das Werk Fontanes in den Fokus stellt, welches untrennbar mit der Brandenburgs Landschaft, seiner Ge­schichte und Kultur sowie mit der Mentalität seiner Bewohner verbunden ist.tws

S. 10 Geschichte & Preussen

Der Mann, der Hitlers Steigbügel hielt
Franz von Papen, letzter Reichskanzler der Weimarer Republik, irrte verhängnisvoll
Klaus J. Groth

Eines der verhängnisvollsten Fehlurteile der jüngeren Geschichte ist untrennbar mit dem Namen Franz von Papen verbunden. Im Februar 1933 meinte er: „In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht.“ Doch Adolf Hitler „quietschte“ nicht, er baute seine Macht aus. Am 2. Mai 1969, vor 50 Jahren, starb der letzte Reichskanzler der Weimarer Republik.

Von Papens Irrglaube, Hitlers NSDAP zähmen zu können, bestand schon 1932. Die Nationalsozialisten sagten eine Tolerierung von Papens unter zwei Bedingen zu: Neuwahlen und die Aufhebung des Verbots der SA und der SS. Von Papen löste den Reichstag auf, die SA konnte wieder aufmarschieren. Der Weg war frei für einen Wahlkampf voller Gewalt. Von Papen hätte wissen können, dass er von seiner Persönlichkeit her Hitler nicht gewachsen sein würde. Er hatte ein christlich geprägtes, konservatives Weltbild. Sein Denken gründete im deutschen Kaiserreich, über dessen Ende kam er nicht hinweg.

Franz Joseph Hermann Michael Maria von Papen, Erbsälzer zu Werl und Neuwerk, so der vollständige Name, wurde am 29. Oktober 1879 in Werl geboren. Die Familie von Papen-Koeningen gehörte zu altem westfälischem Adel. Bereits mit elf Jahren kam Franz von Papen auf eine Kadettenschule, er wollte Soldat werden. Im Rahmen der Kadettenausbildung wurde er in das Pagenkorps des Kaisers übernommen, diente im Westfälischen Ulanen-Regiment Nr. 5 und gehörte ab 1913 dem Generalstab an. Als Reitsportler war er erfolgreich. Auch privat verlief das Leben nach Wunsch. Von Papen heiratete Martha von Boch-Galhau aus der Keramikdynastie Villeroy & Boch. Er ließ sich an der Saar nieder, seine Frau hatte das Hofgut Wallerfangen in die Ehe eingebracht.

Die gute Verbindung seines Vaters zu Kaiser Wilhelm II. brachte von Papen 1913 auf die Position des Militärattachés an der deutschen Botschaft in den USA. Mit anderen baute er einen Spionage- und Sabotagering auf, der versuchte, die US-Wirtschaft zu stören. 1916 wurde von Papen des Landes verwiesen. 

Zurück aus den USA, diente von Papen als Bataillonskommandeur, im Generalstab im Nahen Osten, später in der osmanischen Armee in Palästina. Er machte die Bekanntschaft von Joachim von Ribbentrop, der später sein Fürsprecher bei Adolf Hitler werden sollte. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nahm von Papen seinen Abschied.

Bald schon begann er, sich politisch zu engagieren. Er wurde in den Preußischen Landtag gewählt, vertrat in der Zentrumspartei landwirtschaftliche Verbände. Seine Position war monarchistisch-katholisch. Damit stand er im Widerspruch zum linken Flügel der Partei.

Als die Zentrumspartei Wilhelm Marx als Kandidaten aufstellte, verweigerte von Papen die Gefolgschaft. Stattdessen setzte er sich für den Konkurrenten Paul von Hindenburg ein. Ein Rausschmiss aus der Partei erschien unumgänglich. Aber von Papen besaß mittlerweile großen Anteile an der Parteizeitung „Germania“ und hatte sich damit in Sicherheit gebracht. Er zog wieder in den Preußischen Landtag ein.

Der Einsatz für Hindenburg zahlte sich aus. Der berief am 1. Juni 1932 überraschend von Papen zum Nachfolger des Reichskanzlers Heinrich Brüning. Von Papen bildete ein „Kabinett der nationalen Konzentration“, spöttisch auch „Kabinett der Barone“ genannt. Die Mehrheit hatte kein politisches Mandat, die Regierung wurde von der Deutschnationalen Volkspartei toleriert. Ohne parlamentarische Mehrheit lief sie an der kurzen Leine des Reichspräsidenten, also Hindenburgs. Von Papen versuchte, durch eine Verfassungsreform die Lage zu beherrschen. Unter dem Begriff „Der neue Staat“ wolle er den Wandel von der parlamentarischen zu einer autoritär-präsidialen Republik durchsetzen. Die Regierung sollte sich nicht mehr auf das Vertrauen des Reichstages stützen, sondern nur noch auf das des Reichspräsidenten. Als fernes Ziel strebte von Papen die Wiedereinführung der Monarchie an.

Bei der Wahl zum Preußischen Landtag 1932 büßten die regierenden Parteien durch hohe Stimmengewinne der NSDAP ihre Mehrheit ein. Der Versuch, eine Koalition mit der NSDAP zu bilden, scheiterte. Hindenburg setzte von Papen als Reichskommissar für Preußen ein, die amtierende Regierung wurde mit dem „Preußenschlag“ abgesetzt, weil „öffentliche Sicherheit und Ordnung“ gefährdet seien. 

Bei der Reichstagswahl 1932 legte die NSDAP wieder erheblich zu. Hitler verlangte die Kanzlerschaft, Hindenburg lehnte ab, damit wurde der Regierung von Papen die Unterstützung der NSDAP entzogen. Im Parlament fand von Papen kaum noch eine Mehrheit, außerhalb des Parlaments stimmte vor allem die Großindustrie seinen autoritären Plänen zu. Denen aber widersetzte sich, nach anfänglicher Zustimmung, von Hindenburg. Er befürchtete einen Bürgerkrieg. Der Reichspräsident entließ von Papen im Dezember 1932, Kurt von Schleicher folgte ihm nach.

Einen Monat später, im Januar 1933, traf sich von Papen heimlich mit Adolf Hitler im Haus des Bankiers Kurt Freiherr von Schröder. Thema: Eine Beteiligung der NSDAP an der Regierung. Anschließend überzeugte von Papen den Reichspräsidenten, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Von Papen glaubte, er selbst könne Hitler in die Ecke drücken, „dass er quietscht“. Das Gegenteil geschah. Von Papen, nunmehr Vizekanzler im Kabinett Hitler, drängte nach dem Reichstagsbrand von Hindenburg dazu, Hitlers „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ zu unterzeichnen, die mit dem Ermächtigungsgesetz den Reichspräsidenten von Hindenburg schwächte und damit auch von Papen. Er wurde zur unglücklichen Figur des Kabinetts. Als Botschafter in Wien, Ankara und beim Vatikan überdauerte er die NS-Jahre.

Bei Kriegsende floh von Papen auf sein Hofgut, dort wurde er von US-amerikanischen Soldaten festgenommen. Bei den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde er freigesprochen, später aber zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. 1949 vorzeitig entlassen, versuchte er sich noch einmal politisch zu betätigen, allerdings ohne Erfolg. Seinen Memoiren gab er den Titel „Der Wahrheit eine Gasse“.

S. 11 Geschichte & Preussen

Für viele der erste »deutsche« König überhaupt
Mit Heinrich I., dem Vogler, begann eine neue Epoche – Vor 1100 Jahren wurde dem Ottonen die Krone angetragen
Erik Lommatzsch

Selbst innerhalb der kritischen Geschichtswissenschaft gilt Heinrich I. noch oft als erster deutscher König im deutschen Reich. Fest steht, dass der Begründer der Herrscherdynastie der Ottonen oder Liudolfinger im Mai 919 in der Königspfalz Fritzlar von Franken und Sachsen zum König bestimmt wurde.

Am Quedlinburger „Finkenherd“ sei der sächsische Herzog Heinrich gerade beim Vogelfang gewesen, als ihm die Nachricht überbracht wurde, dass er zum König des ostfränkischen Reiches gewählt worden sei. Diese Geschichte gehört wohl zu den Legenden, welche die Nachwelt gern weitergetragen hat. Überhaupt handelt es sich bei der Zeit „Heinrichs des Voglers“ selbst für das Mittelalter um besonders quellenarme Jahre, was belastbare konkrete Aussgaen erschwert. 

Die Geburt Heinrichs wird um die Jahre 876/77 datiert. Er entstammte dem Geschlecht der Liudolfinger. Seinem Vater Otto dem Erlauchten folgte er nach dessen Tod 912 als Herzog von Sachsen. Von seiner ersten Frau Hatheburg hatte er sich 909 getrennt, behielt jedoch deren umfangreiche Besitztümer. In zweiter Ehe heiratete er Mathilde, zu deren Vorfahren der Sachsenführer Widukind zählt, der Ende des 8. Jahrhunderts den Kampf gegen Karl den Großen angeführt hatte. Der später als Heilige verehrten Königin ist eine in zwei Fassungen vorliegende Lebensbeschreibung gewidmet, wobei die erste kurz nach ihrem Tod entstand. Ein vergleichbares biografisches Werk, das sich ausdrücklich ihrem historisch bedeutenderen Mann widmet, gibt es nicht.

Als im September 911 Ludwig IV., genannt das Kind, starb, war die Linie der ostfränkischen Karolinger erloschen. Gewählt wurde als König ein Franke, Konrad I., der sich im Reich als wenig durchsetzungsstark erwies. Mehrere mittelalterliche Geschichtsschreiber überliefern, es sei dessen ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass der Sachsenherzog seine Nachfolge antrete. Ende 918 soll er auf dem Sterbebett seinen jüngeren Bruder Eberhard und die fränkischen Großen gedrängt haben, Heinrich die königlichen Insignien zu bringen und ihn zu wählen. Die Stimmen der Sachsen waren ihm ebenfalls sicher.

Die Herzöge der beiden anderen großen Gebiete im ostfränkischen Reich, Burkhard von Schwaben und Arnulf von Bayern, mussten von Heinrich erst zur Unterstellung bewegt werden. Arnulf gerierte sich sogar als Gegenkönig. Dieser Konflikt wurde 921 endgültig beigelegt. Dabei setzte der neue König innerhalb des Reiches insgesamt weniger auf kriegerische Auseinandersetzungen. Der Mediävist Bernhard Jussen urteilt über Heinrich I.: „Kernstück seiner verhältnismäßig konfliktarmen Herrschaft sind ‚Freundschaften‘ (amicitiae) mit den Adligen, also eher genossenschaftliche als herrschaftliche Darstellungen dieser Beziehung.“ Möglicherweise gehört in diesen Zusammenhang auch, dass es Heinrich nach seiner Erhebung zum König ablehnte, durch Erzbischof Heringer von Mainz gekrönt und gesalbt zu werden.

Heinrich scheute sich allerdings nicht, Freundschaftsbündnisse und Verträge im Interesse seiner Herrschaft zu verletzen. Mit dem westfränkischen König Karl dem Einfältigen hatte er im September 921 den Vertrag von Bonn besiegelt. Diesen verletzte Heinrich, als er 923 mit Karls Konkurrenten Robert von Franzien 923 einen ähnlichen Vertrag schloss. Im Ergebnis der Machtkämpfe im westfränkischen Gebiet, wobei auch Heinrich Feldzüge unternahm, kam Lothringen als Herzogtum 925 wieder zum ostfränkischen Reich.

Militärisch erfolgreich war Heinrich gegen Böhmen, das tributpflichtig wurde. Die zeitgenössisch entstandene „Sachsenchronik“ berichtet, 934 habe Heinrich den Dänenkönig Knuba besiegt und zur Taufe gezwungen. Bereits im März 933 hatte er in der Schlacht bei Riade die Ungarn geschlagen. Diese waren immer wieder ins Reich eingefallen. Ein Friedensschluss im Jahr 919 hatte zwar zunächst umfangreiche jährliche Zahlungen an diese zur Folge, ermöglichte aber die Vorbereitung der schließlich gelungenen Abwehr. Die zu den Reichskleinodien zählende Heilige Lanze, die ein Stück eines Nagels vom Kreuz Christi enthalten soll, wurde von Heinrich erworben, ebenso andere Reliquien. Das Mitführen der Heiligen Lanze sah man damals auch als maßgeblich für den Sieg über die Ungarn an.

Entscheidend für die Geschichte des ostfränkischen Reiches war die „Hausordnung“ Heinrichs I. von 929. Gefestigt genug war die Macht, um sie innerhalb seiner Familie zu „vererben“. Abweichend von der karolingischen Tradition, das Reich unter den Söhnen aufzuteilen, legte Heinrich die Individualsukzession fest, das Königtum war nun unteilbar. Alleiniger Nachfolger wurde sein erster Sohn aus zweiter Ehe, der spätere Kaiser Otto der Große. 

Die Pfalz Quedlinburg war der Ort der Feier des Osterfestes, auch für die Nachfolger Heinrichs aus dessen Familie. 922 wurde dieser Ort erstmals urkundlich erwähnt. Heinrich wählte ihn als Grablege. Gestorben ist er am 2. Juli 936 in der Pfalz Memleben. Einen Romzug hatte er wohl noch geplant, war zu dieser Zeit allerdings schon erkrankt. In Quedlinburg gründete seine Witwe Mathilde einen Stift, den sie bis wenige Jahre vor ihrem Tode leitete.

Seine Nachkommen prägten als Könige und Kaiser das 10. Jahrhundert. Mit dem kinderlosen Heinrich II., einem Urenkel Heinrichs I., erlosch das Herrscherhaus der Ottonen im Jahr 1024.

Der Anbruch einer neuen Zeit mit Heinrich I. war bereits den damaligen Menschen bewusst, spätestens mit der weiteren Stabilisierung durch dessen Sohn. Nicht nur Historiker haben die These vertreten, dass mit dem ersten Ottonen-König zugleich der Anfang der Geschichte des deutschen Reiches datiert werden könne. Geschichtsschreiber des Mittelalters setzten den Beginn mitunter noch früher an. Dabei wird der Vertrag von Verdun von 843 ins Spiel gebracht, der das Frankenreich der Karolinger aufteilte und in dem Ludwig II., genannt der Deutsche, den Ostteil erhielt. 

Dieser unterschied sich vom Westteil auch sprachlich. Allerdings war das Karolingerreich später kurzzeitig noch einmal vereint. Aus Sachsen, Franken, Bayern und Schwaben, dann noch erweitert durch Lothringen, war schließlich unter Heinrich I. ein einheitliches Herrschaftsgebiet geworden, das sich konsolidierte. Der Begriff „Regnum Teutonicum“ ist ab dem 11. Jahrhundert belegt. Es wurde zum Ausgangspunkt dessen, was seit dem Spätmittelalter als „Heiliges Römisches Reich“ bezeichnet wurde. Kontinuitäten, nicht zuletzt in territorialer Hinsicht, sind auch 1100 Jahre nach dem Herrschaftsantritt Heinrichs I. erkennbar. Allerdings stellen Pessimisten angesichts der Entwick­lungen der gegenwärtigen Politik heute weniger die Frage nach dem Anfang, sondern vielmehr nach dem möglichen Ende der deutschen Geschichte.


Niccolò Machiavelli war kein Machiavellist
Der Autor von »Il Principe« hat die Mechanismen der Macht wissenschaftlich analysiert, aber nicht propagiert
Wolfgang Kaufmann

Der italienische Diplomat und Schriftsteller Niccolò di Bernardo dei Machiavelli, dessen Geburtstag sich dieser Tage  zum 550. Male jährt, zählt zu den umstrittensten und meistkritisierten politischen Philosophen der Geschichte. Dabei taugt der sogenannte Machiavellismus keineswegs als theoretische Rechtfertigung von Skrupellosigkeit und Unmoral.

Wenn der Begriff „Machiavellismus“ heutzutage auch durchweg negativ besetzt ist, so war sein Namensgeber doch ein glühender Republikaner, der viele Ideen propagierte, die heute als unabdingbare Grundpfeiler demokratischen Denkens gelten. So wie beispielsweise die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz. Bevor sich Machiavelli hierzu in seinen zahlreichen theoretischen Schriften äußerte, durchlief er erst einmal eine Karriere als Staatssekretär der Zweiten Kanzlei des Rates der Zehn der Republik Florenz. In dieser Eigenschaft war der Gegner der entmachteten Familiendynastie der Medici von 1498 bis 1512 für die Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Hierdurch lernte er viele mächtige Männer der damaligen Zeit persönlich kennen wie den französischen König Ludwig XII., Papst Julius II., Kaiser Maximilian I. oder den Renaissancefürsten, Feldherrn und Kardinal Cesare Borgia. Das hautnahe Studium ihres politischen Handelns brachte Machiavelli manch wichtige Einsicht.

Zusätzlich wurde er 1506 Leiter der Militärbehörde. In dieser Eigenschaft schuf er ein Heer, in dem die Florentiner Bürger und Bauern dienten. Dadurch brauchte die Republik keine teuren und unzuverlässigen Söldnerhaufen mehr zu engagieren, um ihre Interessen zu verteidigen. Der größte militärische Erfolg von Machiavellis Bürgermiliz war der Sieg über Pisa, das am 8. Juni 1509 kapitulierte. 

Dann allerdings wendete sich das Blatt. Florenz erlitt eine militärische und politische Totalniederlage gegen eine Allianz des Papstes mit Spanien. Dadurch konnten Kardinal Giovanni de’ Medici, der spätere Papst Leo X., sowie dessen Bruder Giuliano und Neffe Giulio aus dem Exil zurückkehren und wieder an die Schalthebel der Macht gelangen.

Für Machiavelli hatte das den Verlust sämtlicher Ämter zur Folge, was ihn in seiner erbitterten Gegnerschaft zu den Medici bestärkte. Er war aber viel zu bedacht, um sich an dem dilettantischen Komplott vom Februar 1513 zu beteiligen, das auf den erneuten Sturz der Medici abzielte. Inhaftiert und gefoltert wurde Machiavelli trotzdem. Vor einem grausamen Ende im Kerker bewahrte ihn lediglich die Wahl von Giovanni de’ Medici zum Papst. Durch die anschließende Amnestie kam der geschasste Staatssekretär am 12. März 1513 wieder frei.

In den folgenden Jahren lebte Machiavelli als Verbannter auf dem Landgut Albergaccio vor den Toren von Florenz. Dort verfasste er trotz seiner aufgrund der Misshandlungen verkrüppelten Hände mehrere staatsphilosophische Schriften, mit denen er die Hoffnung verband, dass sie ihm die Rückkehr in die Politik ermöglichten. Späterhin katzbuckelte Machiavelli dann sogar vor den verhassten Medici, um wieder ein Amt zu erlangen. Genutzt hat ihm beides nichts, da er sich mit seinen Werken letztlich zwischen alle Stühle setzte.

Zuerst schrieb Machiavelli „Il Principe“ (Der Fürst). In dieser Schrift formulierte er wesentliche Grundsätze der Staatsräson, wie die Trennung von Moral und Realpolitik sowie die konsequente Umsetzung restlos alles Notwendigen zur Erhaltung des Staates. Gleichzeitig ließ Machiavelli aber auch deutlich durchblicken, dass keine Einzelperson jemals dem Bild des von ihm konstruierten Idealherrschers entsprechen könne. 

Anschließend – und in völlig logischer Fortsetzung von „Il Principe“ – entstanden dann die „Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio“ (Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius), in denen es um das perfekte Staatswesen ging. Darin vertrat Machiavelli unter anderem folgende Ansicht, die ganz offenkundig zu seinen absoluten Grundprinzipien gehörte, weil er sie noch mehrmals in ähnlicher Form wiederholte: „Kein Gesetz ist vor Gott und den Menschen lobenswerter als die Ordnung, die eine wahre, einige und heilige Republik begründet, in der man frei beratschlagt, klug dis­kutiert und das Beschlossene getreulich ausführt.“

Am 6. Mai 1527 plünderte das Heer von Kaiser Karl V. Rom. Daraufhin musste Giulio de’ Medici, der sich als Papst  Clemens VII. nannte, die Flucht ergreifen. Dadurch brach das Regime der Medici in Florenz zum zweiten Male zusammen. Nach Wiederinkrafttreten der republikanischen Verfassung am 16. Mai 1527 bewarb sich Machiavelli erneut um einen Posten als Staatssekretär, doch fiel ihm nun die späte Annäherung an die Medici auf die Füße. Nur zwölf der 567 Mitglieder des Großen Rates von Florenz stimmten für seine Ernennung. Wenige Tage später, am 21. Juni 1527, starb der verarmte Ex-Politiker, der sich nie im Amt bereichert hatte wie so viele andere, an einem Magenleiden.

Zu diesem Zeitpunkt war der sogenannte Machiavellismus bereits stark in Verruf geraten. Die darin zum Ausdruck kommende Fürstenkritik bei gleichzeitiger Propagierung republikanischer Ideen empfanden viele Herrscher als Infragestellung der „gottgewollten“ Ordnung. Deshalb animierten sie ihre Haus- und Hofgelehrten, „antimachiavellestische“ Traktate zu verfassen. Darüber hinaus entschied Papst Paul IV. im Jahre 1559, Machiavellis Werke auf die erste offizielle Liste der verbotenen Bücher (Index Librorum Prohibitorum) zu setzen. Im Prinzip widerfuhr Machiavelli das Gleiche wie jenen, die heute öffentlich anzweifeln, dass die Obrigkeit zum Wohle des Volkes handele.


S. 12 Mensch & Zeit

Wenn Fliegen zur Sünde wird
Der neueste Auswurf der Klimareligion kommt – woher sonst? – aus Schweden

Jede Religion generiert ihre ganz eigenen Sünden. Das gilt auch für den fanatischen Glauben daran, dass allein der Mensch für den Klimawandel beziehungsweise die Erderwärmung verantwortlich sei und daher Verzicht üben müsse, um den Planeten zu retten. Aus der Sicht dieser Klimareligion besteht das schwerste Vergehen unserer Spezies in der Produktion von Kohlendioxid. 

Also führt diese Produktion zu Schuld- und Schamgefühlen, welche aus ganz unterschiedlichen menschlichen Handlungen resultieren können: Auto fahren, Fleisch essen, Strom verbrauchen und so weiter und so fort. Neuerdings kommt hierzu auch noch die sogenannte Flugscham beziehungsweise „Flygskam“, wie es auf Schwedisch heißt. Denn in dem skandinavischen Land, in dem man sich offenbar mit am meisten vor einem Temperaturanstieg fürchtet, trat das Phänomen wohl zum ersten Mal auf.

So weigerte sich der Weltcup- und Olympiasieger im Biathlon, Björn Ferry, welcher eine neue Karriere als Sportmoderator beim öffentlich-rechtlichen Fernsehsender SVT gestartet  hat, mit dem Flugzeug zu Sportveranstaltungen zu jetten – weil er damit dem Klima schade. Deshalb finanziert ihm sein fürsorglicher Arbeitgeber nun die Bahnreisen zu den Austragungsorten der Wintersportereignisse. 

Gleichermaßen konsequent handelt die Opernsängerin Malena Ernman: Sie steigt seit 2016 in kein Flugzeug mehr. Damit inspirierte die Künstlerin auch ihre Tochter, die Klimaschutzikone Greta Thunberg, welche sich ebenfalls sehr heftig schämt, zu fliegen. 

Symptomatisch ist des Weiteren die Haltung des Konzerthauses in Helsingborg, das jetzt bekanntgab, es wolle künftig eher Musiker engagieren, die nicht mit dem Flugzeug anreisen – ohne freilich zu berück­sichtigen, wie sehr diese Ankündigung potenzielle Bewerber aus Schwarzafrika oder Ostasien diskriminiert.

Ihr moralinsaures Gehabe können sich die Schweden natürlich nur leisten, weil sie – obzwar fünf- bis siebenmal häufiger in der Luft unterwegs als der globale Durchschnittsbürger – über gute Alternativen zum Flugzeug verfügen. Das gilt besonders für die Mobilität im Inland. Die schwedische Staatsbahn setzt wegen der Flugscham-Epidemie nämlich jetzt mehr Züge ein. 

Das dürfte aber keineswegs die Lösung für die Betroffenen in Deutschland sein, von denen es inzwischen auch genügend gibt. Denn hierzulande grassiert ja parallel zur importierten Flugscham ebenso noch die gleichermaßen quälende, aber hausgemachte Bahnscham. Diese wurzelt aber weniger in ökologischen Schuldgefühlen als im Erschrecken darüber, dass man immer wieder so naiv ist zu glauben, man könne mit der Bahn tatsächlich einigermaßen zuverlässig und in Würde von A nach B gelangen. 

Manchmal ist die Bahnscham jedoch auch eine ganz spezielle Erscheinungsform des Fremdschämens. Dazu kommt es beispielsweise, wenn der Zugbegleiter sein Mantra „Senk ju for drawellink wisze Deudsche Boan Ageh“ ins Bordmikrofon brummelt, während sich der gnadenlos überfüllte ICE gerade mit drei Stunden Verspätung ins Ziel schleppt und die letzte noch einigermaßen funktionstüchtige Toilette im Zug verzweifelt röchelnd den Geist aufgibt.

Daher bleibt uns Deutschen wohl nur, in aller Heimlichkeit zu fliegen, und die „Flygskam“ danach sofort in die Tiefen des Unterbewusstseins zu verdrängen. Etwa, indem man den Begriff mit einem schicken und total nachhaltig produzierten tropenholzfreien Ikea-Möbelstück assoziiert. Noch entlastender könnte es freilich wirken, sich auch mal für die politisch korrekten und von Klima-Apokalyptikern provozierten Schamorgien selbst zu schämen.  W.K.


Moment der Woche

Die Konjunktur bricht ein (siehe S. 1), doch an zumindest einem Marktsegment soll der Abschwung spurlos vorübergehen. Laut dem „Postbank Wohnatlas 2019“ steigen die Wohnungspreise in mehr als der Hälfte der 401 Kreise und kreisfreien Städte bis 2030 weiter an.

Besonders in den großen Metropolen und in Süddeutschland geht es weiter hinauf. Ein Grund ist der Bevölkerungszuwachs in den genannten Regionen sowie der Trend zu immer mehr Ein-Personen-Haushalten. Ein weiterer Preistreiber bleibt die Nullzinspolitik der Notenbanken. 

Sie macht Kredite günstig. Zudem bleibt Sparen auf der Bank unattraktiv, solange das Guthaben von der Inflation erbarmungslos weggefressen wird, ohne dass – wie früher – Zins­erträge die Entwertung ausgleichen. Da sehen viele Sparer in Gold, Aktien oder eben im Eigenheim eine Möglichkeit, um ihr Erspartes einigermaßen in Sicherheit zu bringen.  H.H.

Der schmutzige Krieg gegen Kreuzfahrtschiffe
Knackpunkt Schweröl-Emission: Umweltaktivisten attackieren die Vergnügungsdampfer mit grotesk verzerrten Vergleichsdaten
Wolfgang Kaufmann

Kreuzfahrten sind keineswegs so umweltfreundlich, wie die Hochglanz-Kataloge der Veranstalter verheißen. Vielmehr handelt es sich hier um eine relativ schmutzige Art des Reisens, was vor allem am verwendeten Schiffstreibstoff liegt. Andererseits ist das Ganze aber auch deutlich weniger schädlich, als manche Umweltverbände und Medienvertreter behaupten.

Derzeit sind rund 400 Kreuzfahrtschiffe auf den Weltmeeren unterwegs – und 2019 sollen weitere 21 hinzukommen. Das momentan größte ist die „Symphony of the Seas“ mit 2759 Kabinen für fast 7000 Passagiere. 

Kreuzfahrten erfreuen sich immer größerer Beliebtheit: 2018 stachen etwa 30 Millionen Menschen auf den Vergnügungsschiffen in See – mehr als zwei Millionen davon waren Deutsche. Das stößt nun zunehmend auf Kritik. Zum einen wegen der Touristenmassen, die beim Landgang in die Hafenstädte einfallen, zum anderen wegen der Umweltverschmutzung durch die Schiffe. 

Die Wasserfahrzeuge besitzen zwar meist hervorragende Kläranlagen und produzieren auch relativ wenig Müll. Sie verwenden aber fast ausnahmslos Schweröl als Treibstoff. Hierbei handelt es sich um ein Abfallprodukt bei der Verarbeitung von Erdöl, also quasi um Sondermüll. Deshalb ist Schweröl der Schmutzigste aller Kraftstoffe: Seine Verbrennung erzeugt deutlich mehr Schadstoffe als die Verwendung von Benzin und Diesel. Die Schiffsschornsteine pusten unter anderem Feinstaub beziehungsweise Rußpartikel sowie Stickoxide und Schwefeldioxid in die Luft. Letzteres deshalb, weil Schweröl drei Prozent Schwefel enthält, wohingegen sich im Diesel für Kraftfahrzeuge gerade einmal 0,001 Prozent davon finden.

Daraus wiederum erwachsen Gesundheitsgefahren – auch und gerade für Menschen, welche sich in der Illusion wiegen, „saubere“ Seeluft einzuatmen. Die Rauchschwaden eines Kreuzfahrtschiffes können durchaus Krebs hervorrufen oder Herz und Lunge schädigen. Und das nicht nur beim Aufenthalt an Deck des schwimmenden „Ferienparadieses“, sondern auch in größerer Entfernung an Land. Das Helmholtz-Institut für Umweltmedizin in München konnte 2016 nachweisen, dass die Schiffsabgase aus der Nordsee bei entsprechendem Wind bis in die bayerische Landeshauptstadt gelangen. Professor James Corbett von der University of Delaware in den USA, der zu den renommiertesten Experten auf diesem Gebiet zählt, errechnete die Zahl von 60000 vorzeitigen Todesfällen weltweit durch die Emissionen von Schiffen.

Die unbestreitbare Schädlichkeit des Einsatzes von Schweröl in der Schifffahrt nutzt der Naturschutzbund Deutschland (NABU), um immer wieder in alarmistischer Manier gegen die Kreuzfahrtindustrie Stimmung zu machen. So beispielsweise durch die Behauptung, „ein einziger Ozeanriese stößt auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Autos“. Das war freilich ein Vergleich zwischen Äpfeln und Tomaten: Schließlich sind Personenwagen im Durchschnitt nur 20 bis 30 Minuten pro Tag unterwegs, während Schiffe auf See rund um die Uhr fahren und dabei hunderte von Kilometern zurücklegen. Zudem haben sie auch mehrere tausend Menschen an Bord, während im Auto meist nur ein bis zwei Personen sitzen. 

Deshalb bemängelte Helge Grammerstorf, Deutschlanddirektor des Kreuzfahrtverbandes Clia (Cruise Lines International Association) vollkommen zu Recht, dass die Vergleichsrechnungen des NABU selbst „dem Niveau einer studentischen Seminararbeit nicht genügen“ würden. Das gilt auch für die dilettantisch durchgeführten Feinstaubmessungen, denen zufolge Passagiere an Deck eines Kreuzfahrtschiffes über zehnmal mehr Rußpartikeln ausgesetzt sind als in der für ihre schlechte Luft berüchtigten Innenstadt von Peking. Professor Holger Watter von der Hochschule Flensburg kam bei seiner Gegenrechnung auf ganz andere Werte. Unter Berücksichtigung aller Faktoren dürften die Emissionen von Schiffen sogar um ein Sechstel niedriger liegen als die von Autos.

Andererseits sorgen Schiffsabgase zweifellos für erhebliche  Luftverschmutzungen. So geht mehr als ein Drittel der Stickoxid-Belastung in Hamburg von Schiffen aus. Aber dafür zeichnen beileibe nicht nur Kreuzfahrtschiffe verantwortlich, denn die machen ja weniger als ein Prozent der weltweiten Zivilflotte aus. Den rund 400 Luxuslinern stehen um die 50000 Frachtschiffe gegen­über, welche genau den gleichen Treibstoff nutzen. Darüber hinaus versuchen die Reedereien im zunehmenden Maße, die Emissionen der Kreuzfahrtschiffe durch Systeme zur Abgas-Nachbehandlung zu reduzieren, um den Komfort an Bord zu erhöhen und das eigene Image zu verbessern. Derartiges ist bei Handelsschiffen und deren Eignern in aller Regel kein Thema.

Im internationalen Vergleich besonders sauber sind dabei die deutschen Kreuzfahrtriesen von Hapag-Lloyd Cruises und TUI Cruises. Sie verfügen vielfach schon über Stickoxid-Katalysatoren und die nötigen technischen Voraussetzungen, um in den Häfen Strom vom Land zu nutzen, sodass die bordeigenen Generatoren während der Liegezeit nicht laufen müssen.

Außerdem wird versucht, auf Schweröl zu verzichten. Einen entscheidenden Schritt in diese Richtung unternahm das Kreuzfahrtunternehmen AIDA Cruises mit der Indienststellung der „AIDAnova“ im Dezember 2018. Das auf der Meyer-Werft in Papenburg gebaute Typschiff der Helios-Klasse ist das erste Kreuzfahrtschiff, welches vollständig mit flüssigem Erdgas (LNG für englisch Liquefied Natural Gas) betrieben wird, womit praktisch kein Feinstaub mehr anfällt und die Emissionen von Stickoxiden um 80 Prozent niedriger liegen. Der „AIDAnova“ folgen bis 2023 zwei weitere LNG-Schiffe von          AIDA Cruises. Andere Unternehmen ziehen hier bereits nach. Beispielsweise bestellte die Genfer Gesellschaft MSC Cruises auch zwei neue Schiffe, die 2022 und 2024 ausgeliefert werden und ebenfalls mit LNG fahren sollen.

Des Weiteren darf in Nord- und Ostsee inzwischen ausschließlich Schweröl mit einem reduzierten Schwefelanteil von 0,1 Prozent verwendet werden. Und vom           1. Januar 2020 an lässt die International Maritime Organization (IMO) weltweit nur noch Treibstoffe zu, deren Schwefelgehalt bei höchstens einem Siebtel des bisherigen Wertes liegt. Darüber hinaus gibt es bereits Kreuzfahrtschiffe, die über längere Strecken elektrisch fahren können, wie die „MS Roald Amundsen“ der norwegischen Reederei Hurtigruten für den Einsatz in besonders sensiblen Meeresgebieten der Arktis und Antarktis.

Die Kritik an der Kreuzfahrt-Industrie geht also ein ganzes Stück weit an der Realität vorbei, wenngleich die realen Umweltgefahren auch nicht heruntergespielt werden sollten. Aber auf Spenden angewiesene Organisationen vom Schlage des NABU dürsten eben nach spektakulär schlechten Nachrichten, um öffentliches Interesse auf sich zu ziehen. Das Gleiche gilt sinngemäß für die Medien: Ein deutscher Fernsehsender berichtete, Messungen hätten ergeben, dass die im Hamburger Hafen weilende „AIDAperla“ dort enorm viel Feinstaub produziere. Allerdings liefen die Stromgeneratoren des Schiffes während der Liegezeit komplett mit LNG, weshalb überhaupt kein Feinstaub entstehen konnte. Gemessen wurde also lediglich die allgemeine Luftverschmutzung im Hafen, die aus vielerlei Faktoren resultierte. 

Ansonsten spielen bei der Polemik gegen Kreuzfahrten natürlich auch ideologische Motive eine Rolle. Nicht selten mischt sich hier Kapitalismus- mit allgemeiner Gesellschaftskritik und einem gehörigen Schuss Sozialneid. Für manche Leute sind Kreuzfahrten überflüssiger Luxus, den sich nur die Reichen im „dekadenten Westen“ zu leisten vermögen, was das Ganze schon ganz grundsätzlich verdammungswürdig mache.



S. 13 Das Ostpreußenblatt

Polens Lehrer haben die Nase voll
Landesweiter Streik für würdigere Bezahlung – Allensteins Stadtpräsident unterstützt die Pädagogen
Dawid Kazanski

Seit dem 8. April fällt an polnischen staatlichen Schulen massenweise der Unterricht aus, weil die Lehrkräfte in Streik getreten sind. Auch Lehrer und Kindergärtner im südlichen Ostpreußen sind beteiligt. 

Die Mehrheit der Lehrer und Erzieher öffentlicher Bildungsstätten im südlichen Ostpreußens hat sich an dem polenweiten Streik beteiligt. Alle Verhandlungen zwischen Vertretern von Lehrergewerkschaften und führenden Politikern der Regierung hatten zuvor mit einem Fiasko geendet. Die regierungsnahen Schulaufsichtsbehörden gaben die Streikquote mit zirka 50 Prozent der Lehrkräfte an, die  Gewerkschaft der polnischen Lehrerschaft (ZNP) geht allerdings von einer Beteiligung von fast 75 Prozent aus. Es ist größte Lehrerrevolte seit 1993, als die Pädagogen ähnlich wie heute für eine Gehaltserhöhung kämpften. 

In der Region streiken die Lehrer sowohl in den größeren Städten wie Allenstein, Elbing, Lyck oder Lötzen wie auch in kleineren Ortschaften wie Neidenburg, Hohenstein, Mehlsack oder Osterode. 

Die Lehrer streiken vor allem wegen ihrer unzureichenden Bezahlung und einer ineffektiven Umstrukturierung des polnischen Bildungssystems. Ab September werden die dreijährigen Mittelschulen aufgelöst, stattdessen führt man eine achtjährige Grundschule und vierjähriges Lyzeum ein. Trotz zahlreicher Proteste von Schülern, Eltern, Oppositionellen und Mitgliedern der kommunalen Selbstverwaltung wurde die kontroverse Bildungsreform von der konservativen PiS-Regierung umgesetzt. Die Umgestaltung des Bildungssystems vertilgt nicht nur Milliarden Zloty, sondern sie legt auch der Lehrerschaft neue Pflichten auf. Es wurden neue Regelungen gültig, nach denen sich die Anrechnung der  Berufsjahre verschlechtert. Heute muss ein Lehrer 15 Jahre lang tätig  sein, bis er die höchste Rangstufe, die eines Diplomlehrers, erreicht. Von dem Berufsgrad hängt die Höhe des Lehrergehalts ab. Verglichen mit anderen europäischen Ländern sind die Löhne von Lehrkräften in Polen sehr niedrig. Ein Lehrer verdient monatlich 450 bis 700 Euro, und das ist ein Grund für die allgemeine Unzufriedenheit, weil viele Pädagogen ohne Nebenjob nicht über die Runden kommen. Die Lebenshaltungskosten zu decken, ohne zusätzlich zu arbeiten, ist eine tägliche Herausforderung. Deswegen fordern die Lehrer eine deutliche Lohnerhöhung von 30 Prozent in zwei Schritten. Der Regierung ist das jedoch zu viel, denn die Politiker der Partei Recht und Gerechtigkeit haben gerade Unmengen an Geld in verschiedene Sozialprogramme und -hilfen gepumpt. 

Außerdem finden im Herbst Parlamentswahlen statt, und die graue Eminenz Jaroslaw Kaczynski hat bereits weitere Wahlgeschenke in Form von gesellschaftlichen Hilfsprogrammen, Zuschüssen und Zuwendungen für die Bauern versprochen, sodass die Befürchtung besteht, dass das Staatsbudget infolge einer unvernünftigen Finanzmittelverteilung aus allen Nähten platzt. 

Die Atmosphäre ist angespannt, weil Kinder und Jugendliche wegen des fehlenden Schulunterrichts zu Hause bleiben müssen, was den Eltern organisatorische und berufliche Schwierigkeiten bereitet. Bedroht sind auch staatliche Prüfungen, die von Schülern in Grundschulen und Gymnasien abgelegt werden, denn der Streiktermin fällt mit dem der Examen zusammen. 

Laut Gesetz werden Prüflinge immer von Lehrern beaufsichtigt. Angesichts des massiven Schulstreiks hat Bildungsministerin Anna Zalewska eilig eine neue Verordnung erlassen, aufgrund derer zufällig ausgewählte Personen zur Prüfungskommissionen gehören können, die für die Arbeit als Prüfer entsprechend qualifiziert seien. So konnten im Zeitraum vom 10. bis zum 12. April die Staatsexamen durchgeführt werden, aber wie der Sprecher des Bürgerrechtsbeauftragten sagte, könne diese Lösung ein Rechtsgrund dafür sein, die abgelegten Prüfungen für ungültig zu erklären. 

Die Regierung macht sich nichts daraus, man weiß doch, wie die scheinbare Rechtsstaatlichkeit im Land aussieht, wo sogar der Verfassungsgerichtshof politisiert und instrumentalisiert wurde. Zum Glück sind die streikenden Lehrkräfte in ihrem ungleichen Kampf um Würde und angemessene Arbeitsbedingungen nicht allein. Ihre Forderungen unterstützen andere Berufsgruppen wie Ärzte, Krankenschwestern oder Journalisten und Prominente. Auch der Präsident der Stadt Allenstein, Piotr Grzymowicz, hält ähnlich wie andere polnische Stadtpräsidenten und unabhängige Kommunalpolitiker den Streik für nachvollziehbar und spricht der Lehrerschaft Mut zu. Außerdem wurden in einigen Großstädten Polens öffentliche Kundgebungen organisiert, auf denen die Demonstranten die Unterstützung für Lehrkräfte forderten. Ein Ende der Schulkrise ist noch in weiter Ferne. Der Streik soll unbefristet weitergeführt werden. 


Herzog Albrecht soll Alkoholsucht heilen
Königsberg: Ein in Stein gemeißeltes Amulett soll Glück bringen – Gouverneur ergreift andere Maßnahmen
Jurij Tschernyschew

Geht man in Königsberg von der Belle-Alliance-Straße [Garaschnaja] in Richtung Zentralmarkt, kann man ein interessantes Objekt entdecken. Es handelt sich um einen steinernenGlücksbringer gegen Alkoholismus.

Dieses ungewöhnliche Monument trägt den Namen „Magisches Amulett gegen Trunkenheit“. Es wurde gegenüber dem Einkaufs-zentrum „Epicenter“ in der Nähe des Zentralmarkts aufgestellt. Es heißt, dass dieser Vier-Tonnen-Stein die Ausrottung des Alkoholismus positiv beeinflussen könne. Man müsse einfach nur das Bild auf dem Stein berühren. Es handelt sich um eine Kopie des Amuletts von Herzog Albrecht. Der Legende nach wurde dieses Schmuckstück dem Herzog von einem Zauberer übergeben, und es soll ihm selbst geholfen haben, sich von der Alkoholsucht zu befreien, unter der Albrecht litt.

Doch wie steht es heute mit diesem Problem in Königsberg? Vor Kurzem fand ein offenenes Forum statt: „Schutz der Rechte von Kindern, Verhütung von Jugendkriminalität – eine gemeinsame Aufgabe“, das von der Staatsanwaltschaft des Gebiets veranstaltet wurde. Dort stellte man eine unerfreuliche Statistik vor: Die Zahl der von Minderjährigen verübten Verbrechen ist im Jahr 2018 um 

13 Prozent angewachsen. Darüber hinaus ist die Zahl der von Minderjährigen begangenen schweren und schwerwiegenden Straftaten deutlich um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die meisten Verbrechen wurden von Schülern verübt. Als eine der möglichen Maßnahmen schlug der Staatsanwalt des Königsberger Gebiets, Sergej Chlopuschin, vor, die Verkaufszeit von Alkohol in der Region von 11 Uhr bis 21 Uhr zu beschränken und an einigen Tagen ein Totalverbot für den Verkauf von Alkohol zu verhängen, zum Beispiel an Feiertagen wie dem „Tag der Jugend“, dem  „Tag des Kinderschutzes“ und so weiter. In einigen russischen Regionen gibt es solche Gesetze schon. Zurzeit ist in den Geschäften des Königsberger Gebiets der Alkoholverkauf nach 22 Uhr abends bis zehn Uhr morgens verboten. Diese Beschränkung wurde im Jahr 2012 eingeführt, um der Ausweitung des Alkoholmissbrauchs entge-genzuwirken. 

Chlopuschin präzisierte, dass es nicht um ein Verbot des Verkaufs alkoholischer Getränke in Gastronomie- und Unterhaltungsbetrieben gehe. Die Vorsitzende der Gebietsduma, Marina Orgejewa, versicherte, dass die Vorschläge des Staatsanwalts eine Diskussion wert seien und auf jeden Fall erörtert würden.

Vertreter öffentlicher Organisationen, die an dem Forum teilgenommen haben, sagten, es wäre schön, die Razzien früherer Zeiten in Verkaufsstellen wiederaufzunehmen, um den Verkauf von Alkohol an Minderjährige festzustellen. Solche Razzien führt Gouverneur Anton Alichanow ohnehin schon persönlich durch. Er hat schon mehrfach dazu aufgerufen, den illegalen Verkauf von Alkohol zu stoppen, und wandte sich an die Verkaufsstellen im Gebiet. Besonders hatte er es auf die Getränkeläden der Handelskette „Butyl“ abgesehen. Bei einigen von ihnen entdeckte er, dass auch nach 22 Uhr noch Alkohol verkauft wurde. Für seinen Rundgang durch die Geschäfte hatte er sich verkleidet, damit die Verkäufer ihn nicht sofort erkannten. 

Danach gab Alichanow dem regionalen Industrieminister die Anweisung, die Eigentümer von Handelsketten einzuberufen und sie zu warnen, dass ihnen Sanktionen drohen, wenn sie nicht nach dem Gesetz arbeiteten. Diese könnten bis hin zum Entzug ihrer Lizenz führen.

Ob die Maßnahmen des Gouverneurs wirksam sind, ist bislang schwer festzustellen. Die Städter scherzen derweil, dass ihnen ja notfalls noch der Stein mit dem Amulett des Herzogs bleibe. 


MELDUNGEN

Polen investiert in die Bahn

Lyck – Nach einer winterlichen Unterbrechung werden die Arbeiten mit schwerem Gerät auf der 100 Kilometer langen Eisenbahn-Linie Lyck–Johannisburg–Ortelsburg fortgesetzt. Von Lyck nach Allenstein werden die Züge in Zukunft mit einer Geschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde fahren. Auf der gesamten Strecke wurden die Haltestellen erneuert. Die Arbeiten, deren Kosten auf umgerechnet gut 68 Millionen Euro (290 Millionen Zloty) geschätzt werden, sollen noch in diesem Jahr beendet werden. Diese Investition ist eines von mehr als 200 Projekten, die in Polen durchgeführt werden. Für etliche Investitionen im südlichen Ostpreußen hat die Polnische Staatsbahn etwa 468 Millionen Euro (zwei Milliarden Zloty) bereitgestellt. PAZ





Kombinat ohne Monopol

Königsberg – Wie Gouverneur Anton Alichanow gegenüber der Presse erklärte, könnte das Bernsteinkombinat sein Monopol verlieren, wenn die Firma „Hermes“, der am 15. Dezember 2017 eben zu diesem Zweck die Lizenz zum Bernsteinabbau erteilt worden war, von diesem Recht Gebrauch machte. „Eine zweite Lizenz gibt es ... Sollte der Abbau beginnen, könnte eine weitere Abbaustelle entstehen“, sagte der Gouverneur. „Hermes“ mit Sitz in Wosegau [Wischnewoje] in der Nähe des Ostseebads Cranz wurde die Lizenz zur Erforschung von Bernsteinvorkommen und zu derem Abbau für 20 Jahre erteilt. MRK





Bernstein für reiche Chinesen

Königsberg – Um die seit Jahren anhaltende chinesische Nachfrage nach Bernstein – der mit stark steigenden Preisen einhergeht –für die Entwicklung des Tourismus im Königsberger Gebiet zu nutzen, hat Gouverneur Anton Alichanow eine neu Geschäftsidee vorgeschlagen, aus der Liebe der Chinesen zum Gold der Ostsee Kapital zu schlagen, indem man sie selbst in der Ostsee nach Bernstein tauchen lasse. „Man stelle sich folgende Situation vor: Man holt Touristen aus China, wo der Stein als heilig gilt, verstreut eine nicht zu große und nicht sehr teure Menge Bernstein ..., versorgt sie mit Ausrüstung, lehrt sie tauchen und garantiert für die Sicherheit. Und so können sie mit eigenen Händen den Stein vom Boden der Ostsee heben und sind glücklich. Das ist ein neues Business“, sagte Ali-chanow. Der Gouverneur geht davon aus, dass die Chinesen in finanzieller Hinsicht 50 Prozent der Bernsteinförderung des Gebiets abnehmen könnten. MRK

S. 14 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 102. GEBURTSTAG

Kallweit, Heinz, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 29. April

ZUM 99. GEBURTSTAG

Schneider, Ingeborg, geb. Soergel, aus Lyck, am 27. April

Wilken, Elfriede, geb. Mazeyzik, aus Prostken, Kreis Lyck, am 2. Mai

ZUM 98. GEBURTSTAG

Kaiser, Erich, aus Ebenfelde, Kreis Lyck, am 30. April

Rohde, Carla, geb. Schween, aus Wehlau, am 26. April

ZUM 97. GEBURTSTAG

Enskat, Hedwig, aus Holländerei, Kreis Wehlau, am 29. April

Sonntag, Günter, aus Lyck, am 1. Mai

ZUM 96. GEBURTSTAG

Fritz, Erna, geb. Krafzig, aus Bobern, Kreis Lyck, am 26. April

Montro, Hildegard, geb. Selmbek, aus Magdalenz, Kreis Neidenburg, am 26. April

ZUM 95. GEBURTSTAG

Gregersen, Margaretha, geb. Schöttke, aus Zimmerbude, Kreis Fischhausen, am 29. April

Gruhn, Auguste, aus Lyck, am 28. April

Lendzian, Ingeborg, aus Lyck, am 1. Mai

Pradler, Erwin, aus Pregels-walde, Kreis Wehlau, am 30. April

Sondermann, Else, geb. Lusga, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 27. April

ZUM 94. GEBURTSTAG

Birkholz, Lilli, geb. Krieger, aus Groß Allendorf, Kreis Wehlau, am 1. Mai

Bork, Waltraud, geb. Pudellek, aus Albrechtsfelde, Kreis Treuburg, am 27. April

Diestel, Inge, geb. Wittke, aus Wehlau, am 28. April

Pogoda, Hans-Jürgen, aus Lyck, am 28. April

Schnobel, Irmgard, geb. Dennig, aus Kalgendorf, Kreis Lyck, am 28. April

ZUM 93. GEBURTSTAG

Brzezinski, Kurt, aus Prostken, Kreis Lyck, am 26. April

Herrmann, Ruth, geb. Metzdorf, aus Moneten, Kreis Treuburg, am 26. April

Hilpert, Lore, geb. Kutzmut, aus Barnen, Kreis Treuburg, am 30. April

John, Gotthard, aus Moithie-nen, Kreis Ortelsburg, am 29. April

Kaßmekat, Paul, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 2. Mai

Müller, Waltraud, geb. Goetzie, aus Tawellenbruch, Kreis Elchniederung, am 27. April

Neumann, Gertrud, aus Langendorf, Kreis Wehlau, am 27. April

Neumann, Ruth, geb. Schiller, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 29. April

Pottkämper, Elfriede, geb. Bodemann, aus Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 27. April

Pretzlaff, Helmut, aus Auglitten, Kreis Lyck, am 30. April

Rosehalm, Helga, geb. Nowak, aus Garbassen, Kreis Treuburg, am 1. Mai

Sobotta, Ruth, geb. Bittins, aus Loye, Kreis Elchniederung, am 30. April

Speer, Charlotte, geb. Ryck, aus Auglitten, Kreis Lyck, am 30. April

Szameit, Horst, aus Tewellen, Kreis Elchniederung, am 2. Mai

ZUM 92. GEBURTSTAG

Baltruschat, Hanni, geb. Bloch, aus Wilhelmshof, Kreis Ortelsburg, am 26. April

Böttcher, Hildegard, geb. Fornacon, aus Skomanten, Kreis Lyck, am 30. April

Dworrak, Heinz, aus Kleschen, Kreis Treuburg, am 27. April

Kleinschmidt, Anneliese, geb. Gritzuhn, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 28. April

Krüger, Ilse, geb. Knaack, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 2. Mai

Kupfer, Erna, geb. Schwarzlos, aus Absteinen, Kreis Ebenrode, am 27. April

Lask, Ruth, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 30. April

Liebig, Elisabeth, geb. Rilka, aus Schützengrund, Kreis Ortelsburg, am 29. April

Locke, Gerda, geb. Hensel, aus Friedrichshof, Kreis Preußisch Eylau, am 29. April

Obermüller, Eva, geb. Wolff, aus Wehlau, am 27. April

Opitz, Ursula, aus Sorgenau, Kreis Fischhausen, am 30. April

Puhlmann, Ursula, geb. Hollwitz, aus Wehlau, am 26. April

Schmidt, Gerda, geb. Rohmann, aus Lissau, Kreis Lyck, am 2. Mai

Schneider, Erika, geb. Lelewell, aus Lyck, Otto-Reinke-Straße 12, am 29. April

Volkmann, Sieglinde, aus Treuburg, aus 27. April

Wehle, Esther, geb. Napiwotzki, aus Roggen, Kreis Neidenburg, am 29. April

Westphal, Bruno, aus Hüttenfelde, Kreis Tilsit-Ragnit, am 30. April

Wohlgemuth, Gertrud, geb. Ijewski, aus Ulrichsee, Kreis Ortelsburg, am 27. April

ZUM 91. GEBURTSTAG

Brunckhorst, Erna, geb. Tomuschat, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 2. Mai

Dornbusch, Hildegard, geb. Meyhöfer, aus Seedranken, Kreis Treuburg, am 1. Mai

Kanngießer, Johannes Karl, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 29. April

Kröger, Charlotte, geb. Dworak, aus Skomanten, Kreis Lyck, am 28. April

Lewandowski, Eva, geb. Tomuschat, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 2. Mai

Link, Manfred, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 29. April

Lorenz, Elfriede, geb. Nothelm, aus Lyck, Leo-Schlageter-Straße 9, am 2. Mai

Openkowski, Ruth, geb. Jedamski, aus Grimmendorf, Kreis Neidenburg, am 2. Mai

Pacyna, Dr. Hasso, aus Wehlau, am 29. April

Scheu, Gertrud, geb. Hoffmann, aus Plohsen, Kreis Ortelsburg, am 27. April

Sczuplinski, Gertrud, aus Frankenau, Kreis Neidenburg, am 28. April

Wrobbel, Werner, aus Treuburg, am 1. Mai

ZUM 90. GEBURTSTAG

Grazioch, Martha, geb. Wolter, aus Waldpusch, Kreis Ortelsburg, am 30. April

Helwing, Rudi, aus Grünwalde, Kreis Heiligenbeil, am 27. April

Jessat, Walter, aus Schir-rau, Kreis Wehlau, am 29. April

Knuth, Gerhard, aus Treuburg, am 29. April

Kobus, Fritz, aus Gellen, Kreis Ortelsburg, am 28. April

Kollak, Elfriede, geb. Zeeh, aus Seedorf, Kreis Lyck, am 27. April

Kunz, Martha, geb. Gentz, aus Soffen, Kreis Lyck, am 2. Mai

Lagershausen, Eva, geb. Nagaitschik, aus Goldenau, Kreis Lyck, am 27. April

Leissner, Johannes, aus Liebenberg, Kreis Ortelsburg, am 1. Mai

Narkus, Paul, aus Robkojen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 27. April

Otto, Erich, aus Wehlau, am 28. April

Schneider, Helene, geb. Kloss, aus Grünwalde, Kreis Ortelsburg, am 27. April

Stinka, Gerhard, aus Großschmieden, Kreis Lyck, am 2. Mai

ZUM 85. GEBURTSTAG

Bauer, Siegfried, aus Woinassen, Kreis Treuburg, am 27. April

Bednarczyk, Ilse, geb. Roehr, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 30. April

Berg, Sieglinde, geb. Hübner, aus Heiligenwalde, Kreis Preußisch Holland, am 29. April

Bercz, Christianna, geb. Danowski, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 1. Mai

Brünner, Hannelore, geb. Griebner, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 30. April

Dell, Waltraut, geb. Engelke, aus Ahlgarten, Kreis Elchniederung, am 29. April

Donnerstag, Klaus, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 27. April

Dronsek, Dr. Ing. Gerhard, aus Hennenberg, Kreis Lyck, am 30. April

Giersch, Anneliese, geb. Grudzenski, aus Samplatten, Kreis Ortelsburg, am 2. Mai

Jach, Wally, geb. Litzbarski, aus Stobingen, Kreis Elchniederung, am 26. April

Klatt, Anneliese, geb. Schulz, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 30. April

Klauß, Edith, geb. Trinogga, aus Seedorf, Kreis Lyck, am 30. April

Korte, Martin, aus Schwentainen, Kreis Treuburg, am 27. April

Krafzik, Margarete, geb. Jeromin, aus Freudengrund, Kreis Ortelsburg, am 1. Mai

Krauss, Margarete, geb. Strupat, aus Pregelswalde, Kreis Wehlau, am 1. Mai

Kuckluck, Horst, aus Sechshuben, Kreis Wehlau, am 1. Mai

Lieder, Else, aus Tilsit, am 2. Mai

Potschadly, Elisabeth, geb. Warias, aus Ortelsburg, am 27. April

Meyer, Marianne, geb. Wolter, aus Sauerken, Kreis Mohrungen, am 14. April

Meyn, Kurt, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 27. April

Niklas, Evamarie, geb. Danowski, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 1. Mai

Priwall, Heinz, aus Frischenau, Kreis Wehlau, am 2. Mai

Raufeisen, Günter, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 30. April

Schlegel, Erika, aus Moschnen, Kreis Treuburg, am 29. April

Steppan, Inge, geb. Röhrig aus Zinten, Kreis Heiligenbeil, am 29. April

Vocke, Traute, geb. Skiendziel, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 29. April

Zbikowski, Gerhard, aus Kyschienen, Kreis Neidenburg, am 27. April

ZUM 80. GEBURTSTAG

Acktun, Armin, aus Schillenberg, Kreis Wehlau, am 2. Mai

Baginski, Reinhold, aus Ortelsburg, am 26. April

Bartkowski, Helene, geb. Napirski, aus Wallendorf, Kreis Neidenburg, am 1. Mai

Bieber, Gerhard, Vorf. aus 

Lindenort, Kreis Ortelsburg, am 1. Mai

Böttcher, Irene, geb. Schulz, aus Gartenstadt Stablack, Kreis Preußisch Eylau, am 30. April

Brockmann, Reinhard, aus Weißensee, Kreis Wehlau, am 26. April

Brzoska, Helmut, aus Frankenau, Kreis Neidenburg, am 27. April

Dwek, Erika Marta, geb. Mlodoch, aus Narzym, Kreis Neidenburg, am 1. Mai

Friz, Gerda, geb. Jonas, aus Großlenkenau, Kreis Tilsit-Ragnit, am 29. April

Hanschmann, Brigitte, geb. Stenzel, aus Königsberg, am 1. Mai

Hehl, Margot, geb. Bestvater, aus Kattenau, Kreis Ebenrode, am 28. April

Heisig, Christa, geb. Nachtegal, aus Landsberg, Kreis Preußisch Eylau, am 30. April

Herres, Edith, geb. Janz, aus Altschanzenkrug, Kreis Elchniederung, am 29. April

Lasarzewski, Helga, geb. Birth, aus Landsberg, Kreis Preußisch Eylau, am 28. April

Laser, Karl-Heinz, aus Eichensee, Kreis Lyck, am 30. April

Lemke, Günter, aus Christinenburg bei Stettin, am 28. April

Marzian, Horst, aus Keipern, Kreis Lyck, am 29. April

Mittelstädt, Heinrich, aus Stettenbach, Kreis Lyck, am 1. Mai 

Mittelstädt, Maria, geb. Markowska, aus Stettenbach, Kreis Lyck, am 1. Mai

Nachtegal, Heinz, aus Landsberg, Kreis Preußisch Eylau, am 30. April

Naujeck, Gerhard, aus Gowarten, Kreis Elchniederung, am 1. Mai

Naujeck, Rudi, aus Gowarten, Kreis Elchniederung, am 1. Mai

Neumann, Manfred, aus Neidenburg, am 26. April

Pröhl, Gertrud, geb. Knaak, aus Baringen, Kreis Ebenrode, am 28. April

Reich, Bärbel, geb. Harksel, aus Gilgetal, Kreis Elchniederung, am 27. April

Rotthoff, Elfriede, geb. Garbrecht, aus Ebenrode, am 27. April

Saborowski, Dieter, aus Satticken, Kreis Treuburg, am 30. April

Schüller-Kreuer, Brigitte, geb. Zink, aus Königsberg, am 20. April

Schulewski, Gertrude, geb. Wendling, aus Martinshöhe, Kreis Lyck, am 1. Mai

Sokolowski, Ernst, aus Glinken, Kreis Lyck, am 26. April

Specht, Doris, geb. Torkler, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 30. April

Stoll, Lothar, aus Hochdünen, Kreis Elchniederung, am 26. April

Vogt, Sigrid, geb. Hollack, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 29. April

ZUM 75. GEBURTSTAG

Eulitz, Barbara, aus Danzig, am 9. April

Gramsch, Johannes, aus Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 1. Mai

Herrmann, Jutta, geb. Balke, aus Gumbinnen, am 2. Mai

Högl, Hans-Werner, aus Palmnicken, Kreis Fischhausen, am 27. April

Klink, Irmgard, geb. Meißner, aus Schwalg, Kreis Treuburg, am 26. April

Lange, Sieghard, aus Christburg, KG Kassel, am 21. April

Mielke, Klaus, aus Loye, Kreis Elchniederung, am 1. Mai

Nebel, Gerlinde, geb. Raulin, aus Wiesenfelde, Kreis Treuburg, am 29. April

Pläge, Rosemarie, geb. Schmidtke, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 7. Mai

Schab, Edelgard, geb. Harnack, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 2. Mai

Thiel, Roland, aus Gauleden, Kreis Wehlau, am 28. April

Tiemann, Walburga, geb. Klemens, aus Ansorge, Kreis Elchniederung, am 26. April

Diamantene Hochzeit

Schlomm, Horst aus Barranowen, Kreis Sensburg und Ehefrau Ilse, geb. Bahl, aus Mingfen, Kreis Ortelsburg, am 1. Mai

Auf nach Wolfsburg!

Ostpreußen aus allen Teilen Deutschlands und aus der Heimat werden am 

11. Mai im CongressPark Wolfsburg zum Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen erwartet. 

Die Besucher können sich auf ein reichhaltiges und kurzweiliges Programm freuen. Das Jahrestreffen beginnt mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal für die deutschen Heimatvertriebenen auf dem Klieversberg. Der nur wenige Gehminuten von dem CongressPark errichtete 14 Meter hohe Obelisk gehört zu den beeindruckendsten Denkmälern für die deutschen Opfer von Flucht und Vertreibung im gesamten Bundesgebiet. 

Ab 10 Uhr beginnt das musikalische Vorprogramm mit der Siebenbürger Blaskapelle Wolfsburg. Es folgt die Festveranstaltung, die traditionell mit dem Glockengeläut des Königsberger Domes und dem stimmungsvollen Einmarsch der Fahnen der ostpreußischen Kreise eröffnet wird. Das geistliche Wort übernimmt Domherr André Schmeier aus Allenstein und für die heimatverbliebenen Ostpreußen wird Heinrich Hoch, der Vorsitzende der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen, das Wort ergreifen. Höhepunkt des Vormittags ist dann die Ansprache des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat. Eine zweistündige Mittagspause schließt sich an, die zur kulinarischen Stärkung einlädt und Gelegenheit bietet, sich die Stände und Ausstellungen der Kreisgemeinschaften sowie der Aussteller im Foyer anzuschauen. Der Nachmittag steht ganz im Zeichen der ostpreußischen Kultur. Auftreten werden die französische Sopranistin Isabelle Kusari mit ostpreußischen Volksliedern, die Volkstanzgruppe Saga aus Bartenstein und der bekannte Heimatsänger BernStein, der auch durch das Programm führt. Es gibt also viele Gründe, nach Wolfsburg zu kommen und der Öffentlichkeit gegenüber zu dokumentieren, dass die Ostpreußen fast ein Dreivierteljahrhundert nach Flucht und Vertreibung eine vitale Gemeinschaft sind. 

Karten können im Vorverkauf zum Preis von 10 EURO (Versand zusätzlich 1 EURO) bei der Landsmannschaft Ostpreußen e.V., Buchtstraße 4, 22087 Hamburg, Telefon (040) 414008-0, 

E-Mail: selke@ostpreussen.de

In Wolfsburg wird es eine 

Tageskasse geben. 

Landsmannschaft Ostpreußen


S. 15 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ALLENSTEIN LAND

Kreisvertreter: Hans-Peter Blasche, Lankerstraße 40, 40545 Düsseldorf, Telefon (0211) 17181290; Geschäftsstelle: Gemeindeverwaltung Hagen, Postfach 1209, 49170 Hagen, Telefon (05401) 9770. Internet: www.allenstein-landkreis.de

Braunswalde – In 2019 findet nach aktueller Planung kein Treffen statt. Für 2020 wird noch ein Organisator oder eine Organisatorin gesucht. Bei Interesse bitte bei Johann Certa unter Telefon (02334) 54077 melden. Teilneh-merinteressenten können sich am 

5. Mai in Werl in eine Liste eintragen.

Groß Damerau, Neu Vierzighuben, Süssenthal und Umgebung – Für 2020 wird noch ein Raum und Organisator/in gesucht. Bei Interesse bitte bei Johann Certa unter Telefon (02334) 54077 oder Jan Hacia unter Telefon (0234) 330518 melden. Teilnehmerinteressenten können sich am 5. Mai in Werl in eine Liste eintragen.

Groß Kleeberg, Groß Purden und Klaukendorf – Für 2020 werden neue Räume gesucht. Bei Fragen bitte bei Dieter Schlifka, Telefon (02303) 58285, oder Johann Certa, Telefon (02334) 54077, melden. Teilnehmerinteressenten können sich am 5. Mai in Werl in eine Liste eintragen.


ANGERAPP (DARKEHMEN)

Kreisvertreterin: Edeltraut Mai, Weißdornweg 8, 22926 Ahrensburg, Telefon (04102) 823300, Internet: www.angerapp.com

Handeloh – Sonnabend, 11. Mai, 11 Uhr, Hotel Fuchs (Telefon 04188/414), Hauptstraße 35, 21256 Handeloh /Nordheide: Jahrestreffen. Anlässlich dieses Treffens müssen Wahlen (Kreistag und Kreisausschuss) durchgeführt werden. Es werden daher alle Mitglieder der Kreisgemeinschaft aufgerufen, sich an den Wahlen zu beteiligen. Wahlberechtigt und wählbar ist jedes auf dem Haupttreffen anwesende volljährige Mitglied sowie Ehegatten/Lebenspartner und deren Abkömmlinge. Das Vorschlagsrecht haben die Mitgliederversammlung, die Mitglieder des Kreisausschusses und des Kreistages. 

Der Wahlvorschlag muss enthalten: Name, Vorname, Geburtsdatum, Heimatanschrift und jetzige Anschrift des/der Kandidaten/in sowie dessen/deren Zustimmung, dass er/sie im Falle seiner/ihrer Wahl dieses Ehrenamt annimmt.

Gewählt ist, wer die Mehrheit der Stimmen der anwesenden Angehörigen der Mitgliederversammlung erhält.

Die Wahlvorschläge müssen bis zum 3. Mai bei der Kreisvertreterin eingereicht werden.

Alle Landsleute, Freunde und Gäste der Kreisgemeinschaft sind herzlich eingeladen, an dem Jahreshaupttreffen teilzunehmen.

Zu unserem Jahreshaupttreffen wird der Hörspielsprecher und Schauspieler Herbert Tennigkeit eine Lesung in ostpreußischer Mundart unter anderem von Günther Ruddies (Woher kommen die Marjellchens?) halten. Außerdem hat sich Besuch aus Angerapp (Bürgermeisterin, Landrätin und Stellvertreter) angekündigt. Um einen Überblick der Teilnehmerzahl zu diesem Treffen zu haben, bitten wir Sie, sofern noch nicht erfolgt, sich schriftlich oder telefonisch bei der Kreisvertreterin anzumelden. 

Eventuelle Übernachtungswünsche bitte direkt mit dem Hotel Kontakt aufnehmen.

Über eine rege Beteiligung würden wir uns sehr freuen.


EBENRODE (STALLUPÖNEN)

Kreisvertreter: Dr. Gerhard Kuebart, Schiefe Breite 12a, 632657 Lemgo, Telefon (05261) 8 81 39, E-Mail: gerhard.kuebart@ googlemail.com.

Auf dem Ostpreußentreffen in 38440 Wolfsburg, Heinrich-Heine-Straße/Klieverhagen 50, am Sonnabend, den 11. Mai, ist unsere Kreisgemeinschaft mit einem Bücherstand vertreten, Nummer 22, links im Foyer der Kongresshalle, neben Mohrungen und Allenstein. Eintrittskarten sind im Vorverkauf bei der Landsmannschaft oder am 11. Mai am Eingang zu erwerben.

Unser Mitglied Gerhard Scheer fährt mit seinem bequemen Reisebus am Freitag, 10. Mai ab Wuppertal entlang der Autobahn 2 zur Autostadt Wolfsburg, am Sonntag 12. Mai über Lüneburg mit Besichtigung des Ostpreußenmuseums zurück. Zustiege unterwegs können vereinbart werden. Reisepreis mit zwei Übernachtungen rund 210 Euro. Anmeldung über Telefon (0176) 22201847.

Bei unserer Nordostpreußenfahrt in den Heimatkreis und durch das sehenswerte Ostpreußen vom 26. Juni bis 7. Juli mit ortskundigen Führungen in Ebenrode, Schloßberg, Trakehnen, Rominter Heide, Gumbinnen, 

Insterburg, Königsberg, Kurische Nehrung, Danzig, Stettin und mehr, Näheres im Prospekt, sind noch Plätze frei. Es ist vielleicht die letzte, von der Kreisgemeinschaft organisierte Fahrt. Zustiege entlang der A 2 sowie in Hannover und Berlin möglich. Wer kann, sollte noch einmal mitfahren, die deutsch-russische Freundschaft hat es nötiger denn je. Reisepreis ab 750 Euro, Reisepass ist nötig. Auskunft und Anmeldung unter Telefon (0176) 22201847 oder (0202) 500077.


GUMBINNEN

Kreisvertreterin: Karin Banse, Wiesengrund 9, 29559 Wrestedt, OT Wieren, Telefon (05825) 642, E-Mail: karin.banse@t-online.de, Internet: www.kreis-gumbinnen.de. 

Chemnitz – Freitag, 10., bis Montag, 13. Mai, Schloss Klaffenbach: Schweizertaler Dorftreffen. 


HEILSBERG

Kreisvertreterin: Jutta Küting, Beerenburg 1a, 52156 Monschau, Telefon (02472) 6214367, Mobiltelefon (0170) 2177152, E-Mail: jutta.kueting@gmx.de, stellvertretender Kreisvertreter: Karl-Heinz Küting, E-Mail: khkueting@gmx.de.

Am 11. Mai findet von 9-17 Uhr das Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Wolfsburg statt. Es werden viele Ostpreußen erwartet. Ein reiches Kulturprogramm ist vorgesehen. Auch unsere Kreisgemeinschaft wird mit einem Stand anwesend sein. Kommen auch Sie. Anreise: CongressPark Wolfsburg GmbH, Heinrich-Heine-Straße, 38440 Wolfsburg. Eingabe für Navigationsgeräte: Heinrich-Heine-Straße / Klieverhagen 50.


INSTERBURG – Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, Fax (03222) 3721953, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V., Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, Fax (02151) 491141, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr. 

Hamburg – Mittwoch, 1. Mai, 

12 Uhr, Hotel Zeppelin, Veranstaltungsraum Empore, Frohmestra-ße 123-125, 22459 Hamburg: Monatstreffen mit buntem Programm. Informationen: Manfred Samel, Telefon (040) 587585, 

E-Mail: Manfred-Samel@Hamburg.de


JOHANNISBURG

Kreisvertreter: Siegfried Strysio, Telefon (05147) 975518. Rischwiesen 4, 31311 Uetze/Hänigsen, Internet: www.kreisgemeinschaft-johannisburg.de; E-Mail: kreiver.strysio@t-online.de; Erster Stellvertreter: Klaus Dowanr, An der Grubenbahn 21, 01665 Mei-ßen, Telefon (03521) 4592901, E-Mail: kodo48@aol.com; Kassen-verwalter: Günter Woyzechowski, Röntgenstraße 14, 31157 Sarstedt, Telefon (05066) 63438, E-Mail: g.awoy@htp-tel.de

Lügde-Elbrinxen – Freitag, 3., bis Sonntag, 5. Mai, Landhotel Lippischer Hof, Familie Udo Niermann, Untere Dorfstraße 3, 

32676 Lügde-Elbrinxen, Telefon (05283) 9870, E-Mail: info@lippischerhof.de, Internet: www.lippischerhof.de: Die Gemeinschaft Arys–Stadt und -Land lädt ein zum Arystreffen. Wir bitten um rasche Anmeldung im Lippischen Hof mit Stichwort „Arystreffen“.

Düsseldorf – Mittwoch, 1. Mai, 10.30 Uhr (Beginn 12 Uhr), Im Goldenen Ring, Burgplatz: 36. Regionaltreffen unter der Leitung von Paul Sobotta, Telefon (0281) 45657.


LÖTZEN

Dieter Arno Milewski, Am Forstgarten 16, 49214 Bad Rothenfelde, Telefon (05424) 4553, Fax (05424) 399139, E-Mail: kgl.milewski@osnanet.de. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Neumünster – Sonnabend, 27. April (Achtung: Es ist – wegen Ostern – der 4. Sonnabend des Monats!), 15.30 Uhr, Lötzener Heimatmuseum, Sudetenlandstraße 18H (Böcklersiedlung): Erinnerungsstunde. Doch bereits ab 10 Uhr ist die Sonderausstellung „Masuren – Land der Stille. Aquarelle von Hans-Jürgen Gaudeck, Berlin“ geöffnet. 

Um 15.30 Uhr beginnt aus 

Anlass des ersten Todestages eine Erinnerungsstunde an und für Ruth Geede, die bis in ihr 102. Lebensjahr als Journalistin aktiv war. 

Den Rückblick auf das Leben dieser „Nicht nur Mutter der ostpreußischen Familie“ und den Blick auf ihr Werk nimmt Ute Eichler vor. An der inhaltlichen Vorbereitung war Manuel Ruoff, Hamburg, beteiligt. 

Der Eintritt ist – wie immer – frei.


LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665.

Lübeck – Sonntag, 28. April, 

11 Uhr (Einlass 10.30 Uhr ), Restaurant Zum Tucher, Am 

Burgfeld 1,: Lycker-Regionaltreffen, Organisation: Heidi Mader. 

Telefon (0451) 33517, Internet: www.burgfeldrestaurant.de 

Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.


MOHRUNGEN

Kreisvertreterin: Ingrid Tkacz, Knicktwiete 2, 25436 Tornesch, Telefon/Fax (04122) 55079. Stellv. Kreisvertreterin; Luise-Marlene Wölk, Schwalbenweg 12, 38820 Halberstadt, Telefon (03941) 623305. Schatzmeister: Frank Panke, Eschenweg 2, 92334 Berching, Telefon (08462) 2452. Geschäftsstelle Horst Sommerfeld, Lübecker Straße 4, 50858 Köln, Telefon (02234) 498365.

Wolfsburg – 11. Mai, Congress-Park: Jahrestreffen der Ostpreußen.


OSTERODE

Kreisvertreter: Burghard Gieseler, Elritzenweg 35, 26127 Oldenburg, Telefon (0441) 6001736. Geschäftsstelle: Postfach 1549, 37505 Osterode am Harz, Telefon (05522) 919870. KGOeV@t-online.de; Sprechstunde: Mo. 14-17 Uhr, Do. 14–17 Uhr.

Hamm-Westtünnen – Sonntag, 26. Mai, 10 Uhr, Von-Thünen-Halle, Vereinsheim des Schützenvereins Westtünnen 1893 e.V., Hubert-Westermeier-Straße 1: Regionaltreffen.

Lüneburg – Freitag, 13., bis Sonnabend, 14. September, Festdiele, Gasthaus Krone, Heiligengeiststraße 39-41, 21335 Lüneburg und Ostpreußisches Landesmuseum, Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg: Jahrestreffen.

Freitag, 13. September (Festdiele)

17 Uhr: Mitgliederversammlung der Kreisgemeinschaft Osterode,

19 Uhr: Begrüßungsabend.

Sonnabend, 14. September

10 bis 12 Uhr: Führung durch die neue Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums, beginnend mit „Geschichte Ostpreußens“ oder „Kunst und Kultur Ostpreußens“, ab 11 Uhr „Wild, Wald und Pferde“ oder „Flucht, Vertreibung, Ankunft“,

12 Uhr: Mittagpause,

14 bis 16 Uhr: Feierstunde (Festdiele) mit einem Vortrag von Christopher Spatz „Heimatlos. Das Lager Friedland – ein ostpreußischer Schicksalsort in Niedersachsen“.


RÖSSEL

Kreisvertreter: Egbert Neubauer, Nordparkweg 29, 41462 Neuss, Telefon (02131) 569408. E-Mail: Kreisgemeinschaft-Roessel@gmx.de. Stellv. Kreisvertreter Ernst Grünheidt, Schatzmeister Siegfried Schrade, Schriftführerin Waltraud Wiemer, Archivarin/Karteiführerin Ursula Schlempe.

Köln – Sonnabend, 11. Mai, 

13 Uhr, Maternushaus, Kardinal-Fringsstraße 1, 50668 Köln: „Seeburger Kaffeeklatsch“. Auskunft bei Siegfried Hoppe, Telefon (02267) 4953.

Werl – Sonntag, 5. Mai, 10 Uhr: Wallfahrt der Ermländer nach Werl. Um zehn Uhr beginnt das Wallfahrtshochamt. Anschließend Treffen der Ermländer Kirchspiele in verschiedenen Lokalen in 

Werl. Um 15 Uhr findet die Vesper statt.


SENSBURG

Kreisvertreterin: Gudrun Froemer, In der Dellen 8a, 51399 Burscheid, Telefon (02174) 768799. Alle Post an: Geschäftsstelle Kreisgemeinschaft Sensburg e.V., Stadtverwaltung Remscheid, 42849 Remscheid, Telefon (02191) 163718, Fax (02191) 163117, E-Mail: info@kreisgemeinschaftsensburg.de, www. kreisgemeinschaftsensburg.de

Einladung zur 40. Ostpreußenfahrt der Kreisgemeinschaft 

Wegen der großen Nachfrage ist für das Jahr 2019 wieder eine Fahrt der Kreisgemeinschaft nach Sensburg geplant, die von Klaus Schütz organisiert und durchgeführt wird. 

Die Fahrt beginnt am 22. Mai in Leichlingen, Abfahrt um 7 Uhr. Die Reise endet am 4. Juni gegen 18 Uhr in Leichlingen. 

Es sind fünf Tagesfahrten vorgesehen zur Besichtigung von Schlössern, Kirchen und anderen Sehenswürdigkeiten. Das komplette Paket ist noch in Vorbereitung. Es wird eine sehr schöne Fahrt mit vielen Überraschungen. Anmeldungen bis spätestens zum 1. Mai bei Klaus Schütz, Friedensstraße 14, 42799 Leichlingen, Telefon (02175) 71886 oder (0151) 40382834.

Gelsenkirchen – Sonnabend, 

27. April, 10 Uhr, Gaststätte Zum Türmchen, Oststraße 41, 45891 Gelsenkirchen-Erle: 13. Kirchspieltreffen Peitschendorf und Aweyden.

Bad Sassendorf – Sonnabend, 27. April, 9 Uhr, Hotel Haus Rasche- Neugebauer, Wilhelmstra-ße 1, 59505 Bad Sassendorf: 

24. Kirchspieltreffen Sorquitten, 20. Kirchspieltreffen Warpuhnen.


TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Erwin Feige, Am Karbel 52, 09116 Chemnitz, Telefon (0371) 3363748. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de

Magdeburg – Freitag , 10. Mai: Jahrestagung der Stadtvertretung. Sie wird sich mit der Zukunftssicherung und dem Generationswechsel befassen. Zeitpunkt und Ort der Veranstaltung wurden passend gewählt, damit die Mitglieder des Vorstands und der Stadtvertretung am darauffolgenden Tag am Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Wolfsburg teilnehmen können.

Die Stadtgemeinschaft Tilsit lädt zu einer Bus- und Schiffsreise nach Tilsit und kreuz und quer durch Ostpreußen ein. Reisebegleiter ist der alte Ostpreuße Urbschat, in Tilsit geboren. 

Vom 16. bis 25. August geht es ab Hannover mit Zusteigemöglichkeiten entlang der Fahrtstre-cke nach Thorn – Marienburg – Oberländischer Kanal – Königsberg – Tilsit– Großes Moosbruch – Gumbinnen – Trakehnen und Rominter Heide – Kurische Nehrung und mit dem Schiff nach Kiel und dem Bus zurück nach Hannover. Es sind noch Plätze frei. Informationen: Manfred Urbschat, Telefon (0355) 535544 oder E-Mail: urb.man@freenet.de

Potsdam – Sonntag, 26., bis Mittwoch, 29. Mai, Altstadt Hotel, Dortusstraße 9–10, 14467 Potsdam: Schultreffen der Schulgemeinschaft-SRT-Realgymnasium und der Oberschule für Jungen zu Tilsit. Es wäre schön, wenn möglichst viele von Euch erscheinen. Wer weiß schon, wie lange wir dazu noch in der Lage sind.

Das mittlerweile schon 76. Schultreffen beginnt am Sonntag um 15.30 Uhr mit dem gemeinsamen Kaffeetrinken und endet am Mittwoch nach dem Frühstück. Geplant sind „Dampferchen fahren“ Besichtigung des Neuen Palais von Sanssouci beziehungsweise des Museums Barbarini.Gerhard Pfiel


TILSIT-RAGNIT

Kreisvertreter: Dieter Neukamm, Am Rosenbaum 48, 51570 Windeck, Telefon (02243) 2999, Fax (02243) 844199. Geschäftsstelle: Winfried Knocks, Varenhorst-straße 17, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2309, E-Mail: WinfriedKnocks@aol.com

Das Geburtstagskind wurde am 29. April 1939 als Gerda Jonas in Damfelde-Nettschunen im Kirchspiel Großlenkenau geboren. Sie war das einzige Kind des Landwirts Max Jonas und seiner Ehefrau Bertha. Nachdem die Familie auf der Flucht die gefährliche Querung des Haffs überstanden hatte, erlagen die hochbetagten Großeltern den Strapazen in der Nähe von Stolp. Unter Zurücklassung des Gespanns sowie fast aller Habseligkeiten konnten die Eltern mit dem Töchterchen die Flucht in einem der letzten Züge fortsetzen, um schließlich in Görslow am Schweriner See eine neue Existenz aufzubauen.

Nach erfolgreich absolvierter Schullaufbahn ließ Gerda sich zur Kinderkrankenschwester ausbilden und arbeitete bis 1970 als Säuglingsschwester in einer Kinderklinik. Sie hatte inzwischen geheiratet, und als ihrem Mann die Leitung der Oberförsterei Bützow übertragen wurde, zog die bereits fünfköpfige Familie in das Forsthaus in Steinhagen, westlich von Bützow, wo dann das vierte Kind geboren wurde. Nach der Wende übernahm Gerda die Leitung einer psychiatrischen Einrichtung, später dann, bis zum Ende ihres Berufslebens, leitete sie ein Altenpflegeheim.

Ihrer Heimat blieb sie gedanklich stets verbunden und beteiligte sich, als es ihr nach dem politischen Umbruch möglich wurde, gern an Kirchspieltreffen, um schließlich im März 2007 die Leitung des Kirchspiels Großlenkenau als Nachfolgerin für Lieselotte Janzen zu übernehmen. Da war sie nun ganz in ihrem Element. Auf vielfältige Weise hält sie Verbindung zu den Mitgliedern ihres Kirchspiels, worüber sie stets ausführlich im Heimatbrief berichtet. Akribisch wurden Kirchspieltreffen vorbereitet und durchgeführt, und auch wenn in letzter Zeit sich immer weniger Großlenkenauer auf den Weg zu Ostpreußentreffen machen können – die wenigen, die es noch vermögen, sind bei Gerda bestens aufgehoben.

Ihre Kirchspielberichte strahlen gleichermaßen Engagement, Fröhlichkeit und Nachdenklichkeit aus, wie man überhaupt spürt, dass alles, was sie anfasst, sie aus vollem Herzen und mit großer Einsatzbereitschaft erledigt. Stellvertretend dafür mag ihr erfolgreicher Versuch gewertet werden, den Taufstein der Großlenkenauer Kirche vor dem Verfall zu bewahren sowie ihr Bemühen, die international renommierte Fertigerin von Gobelins, die Ragniterin Ursula Benker-Schirmer, uns näher zu bringen, von der sich ein sogenannter Versöhnungsgobelin in der Kathedrale von Chichester in England befindet. Immerhin erhielt die Künstlerin auf Gerdas Veranlassung Besuch in ihrem Wohnort Marktredwitz von Angelika Spiljowa, der ehemaligen Leiterin des Tilsiter Stadtmuseums, um eine mögliche Ausstellung in Tilsit zu besprechen.

Im Jahre 2013 zeichnete die Landsmannschaft Ostpreußen Gerda Friz für ihren Einsatz zum Wohle Ostpreußens mit der Verleihung des Silbernen Ehrenzeichens aus.

Mit Wehmut hat der Kreistag der Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit zur Kenntnis nehmen müssen, dass Gerda sich im August dieses Jahres aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut einer Wiederwahl stellen kann. Heute aber gratulieren die Mitstreiter in der Kreisgemeinschaft der Jubilarin herzlich zu ihrem runden Geburtstag und wünschen ihr vor allen Dingen den Erhalt einer zufriedenstellenden Gesundheit.

i.A. Dieter Neukamm


WEHLAU

Kreisvertreter: Gerd Gohlke, Syker Straße 26, 27211 Bassum. Telefon (04241) 5586. 2. Vor-sitzernder (komm.): Uwe Koch, Schobüller Straße 61, 25713 Husum. Schriftleiter: Werner Schimkat, Dresdener Ring 18, 65191 Wiesbaden, Telefon (0611) 505009840. Internetseite: www.kreis-wehlau.de

Die Kurische Nehrung, Königsberg und das Königsberger Gebiet vom 28. Juli bis 6. August.

Von Syk, geht es mit Bus über Bassum, Bremen und Hamburg nach Kiel und dort an Bord der Fähre nach Memel. Nach einem eintägigen Aufenthalt in dieser schönen Stadt geht es auf die Kurische Nehrung und zum Übernachtungsort nach Nidden.

Am vierten Tag führt die Reise weiter nach Königsberg mit Stopps in Rossitten und an der Ephas Düne.

In Königsberg besteht am Folgetag die Möglichkeit, ein Orgelkonzert im Dom zu genießen.

Von der ostpreußischen Hauptstadt aus werden Ausflüge in den Landkreis Wehlau, nach Insterburg und Gumbinnen, nach Palmnicken-Rauschen-Pillau sowie in die Patenstädte Wehlau, Tapiau und Allenburg unternommen.

Am neunten Tag steht schon die Rückreise auf dem Plan, wieder über Memel mit der Fähre nach Kiel und dort mit dem Bus entsprechend dem Hinweg weiter bis nach Bassum.

Anmeldungen und weitere Informationen erhalten Sie unter Telefon (04242) 936243, (0421) 3795906, (04241) 5586 oder (04242) 9764444. 

S. 17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon  (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, 2. Stock, Zimmer 219. Sprechstunde nach Vereinbarung.

Landesgruppe – Sonnabend, 

11. Mai, 10 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal: Kulturelle Landestagung der AG Frauen im BdV zum Thema „Die Frauen und Ihre Rechte“. Die Landesfrauenreferentin Rosemarie Schuran eröffnet die Tagung. Helga Engshuber, Leitende Oberstaatsanwältin a.D., spricht über „Die Gleichberechtigung der Frauen als rechtlicher Prozess – Das Erwachen der Frauen sowie Stand heute mit Ausblick“ Nach der Kaffeepause hält Helga Preußner einen Vortrag über „Maria Theresia von Österreich, erste Dame Europas“. Herzlich eingeladen sind alle Frauen aus den Landsmannschaften und BdV-Kreisen. Es wird ein Teilnehmerbeitrag von 15 Euro erhoben. Anmeldungen bis 29. April beim BdV, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, oder Telefon (0711) 625277, E-Mail: zentrale@bdv-bw.de

Stuttgart – Sonnabend, 

27. April, 14.30 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal, Kreis- und Frauengruppe treffen sich gemeinsam mit der LM Westpreußen zum Heimatnachmittag mit einem Diavortrag von Heide Quandt. – Dienstag, 7. Mai, 14.30 Uhr, Haus der Heimat, 2. Stock, Raum 202: Treffen der Kreis- und Frauengruppe zum Heimatnachmittag mit dem Thema „Der Mai ist gekommen“ und 2. Teil des DVD-Films „Von Tilsit nach Trakehnen“ aus dem Jahr 2008. Alle Mitglieder sind herzlich eingeladen, Gäste sind willkommen.

Bericht – Mit einem zauberhaften Frühlingstag gab sich der 

12. Ostdeutsche Ostermarkt im „Haus der Heimat“ in Stuttgart ein wünschenswertes Umfeld, obwohl die reparaturbedürftige Straßenbahn an diesem Tag nicht fuhr und vielleicht manchen Besucher fernhielt. Dennoch war das Markttreiben wie in allen Jahren zuvor vom Morgen bis zum Nachmittag heftig. Auch die im Vorjahr getroffene Behauptung, der Ostdeutsche Ostermarkt werde öffentlicher, hat sich in diesem Jahr bestätigt, weil auch Bewohner des schwarzen Erdteils und fernöstliche Besucher angetroffen wurden. Der Ostermarkt ist auch jünger geworden, weil erstmals bei den Anbietern auch Kinder im vorschulpflichtigen Alter anwesend waren. Erfahrene Veteranen des Ostermarktes haben das Alter der Anwesenden auf 5 bis 95 Jahre eingeschätzt. Es waren mehr Besucher da, die zur mittleren Generation zählten und nach Informationen über Ostpreußen und das Memelland fragten.  Die Idee, den Ostdeutschen Ostermarkt mit einer Lesung von Büchern aus dem Ludwigsburger Pop-Verlag zu bereichern, wurde gerne angenommen. Die Eröffnung des Ostermarktes wurde wie im Vorjahr von einer jugendlichen Geigergruppe der Deutschen aus Russland begleitet. Später gab es noch ein unverhofftes Intermezzo, bei dem eine Trachtentanzgruppe der Banater Schwabenkinder aus Karlsruhe mit mehreren Tänzen und  historischen Vorträgen das Herkommen und das Schicksal der Banater Schwaben erläuterten. Initiator und auch nach wie vor Betreiber, noch versierter als zuvor, ist Hartmut Liebscher, Vorsitzender der Deutschen Jugend in Europa in Baden-Württemberg und neuerdings auch Geschäftsführer des Bundes der Vertriebenen im Lande. Vor zwölf Jahren, als Hartmut Liebscher den Vorschlag eines Ostdeutschen Ostermarktes den baden-württembergischen Vertriebenen nahebrachte und letzt-endlich auch realisierte, war vielleicht an ein paar Jährchen gedacht worden. Inzwischen sind es zwölf Jahre. Man sollte jetzt an ein altes Sprichwort denken, das die „Kräuter-Laboranten“ im 

17. Jahrhundert im Riesengebirge mit sich führten: „Wenn eine Sache ein dutzendmal geklappt hat, dann klappt es ewig“. 

G. Zimmermann


BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Landesgruppe – Der neue Preußen-Kurier (1/2019) ist unter Internet: http://www.low-bayern.de/wordpress1/wp-content/uploads/2019/04/PK_01_19-Netz.pdf oder über die Landesgruppe erschienen. Er enthält wieder eine Vielzahl von Themen und Informationen bereit. Schwerpunkte sind in dieser Ausgabe unter anderen die Landeskulturtagung in Ellingen, die Biografie eines „Pferdeflüsterers“, ein reichbebilderter Bericht über die Fahrtstrecken durch Hinterpommern sowie ein Bericht über den Königsberger Alltag in heutiger Zeit. 

Ansbach – 10. bis 12. Mai: Landeskulturfahrt zum Ostpreußentreffen in Wolfsburg, außerdem: Besuch des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneburg, Sonderprogramm. Anmeldungen bei Heide Bauer unter Telefon (0981) 85425. 

Hof – Sonnabend, 11. Mai, 

15 Uhr, Altdeutsche Bierstube, Marienstraße 88: Muttertag.

Bericht – Berühmte Westpreußen: Ursula Karusseit

Als Prominente des Monats hatte Jutta Starosta die am 2. August 1939 im ostpreußischen Elbing geborene Schauspielerin Ursula Karusseit ausgewählt. Die Künstlerin war eine der bekanntesten Persönlichkeiten des DDR-Theaters und des ostdeutschen Films.

Nach der Vertreibung 1945 wuchs Ursula Karusseit in Parchim und in Gera auf. Sie absolvierte eine kaufmännische Lehre und arbeitete als Stenotypistin und Sachbearbeiterin. Außerdem wirkte sie in der Laienkabarettgruppe ihres Betriebes mit.

Von 1960 bis 1962 studierte sie an der Staatlichen Schauspielschule in Ost-Berlin. Sie spielte von 1969 bis 1987 vor allem an der Berliner Volksbühne und wurde zu einer der wichtigsten Theater-Schauspielerinnen der DDR. Zu ihren großen Rollen am Theater gehörte unter andrem die Rolle der Shen Te in Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“. Seit Mitte der 1980er-Jahre hatte Karusseit zahlreiche Gastengagements in Westdeutschland. So trat sie etwa 1986 als Mutter Courage im gleichnamigen Stück am Kölner Schauspiel auf.

Ihr Filmdebüt gab sie 1963 in dem Fernsehfilm „Was ihr wollt“, später folgten u.a. der Fünfteiler „Wege übers Land“ mit Manfred Krug und Armin Müller-Stahl und über 50 weitere DFF- und DEFA-Produktionen.

Nach der Wiedervereinigung war Ursula Karusseit hauptsächlich im Fernsehen beschäftigt, darunter seit 1998 als Chefin der Cafeteria Charlotte Gauss in der ARD-Fernsehserie In aller Freundschaft. 

Außerdem lehrte sie gelegentlich an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg, beteiligte sich stimmlich an der Produktion von Hörspielen und tourte mit dem Programm Jazz, Lyrik, Prosa durch Deutschland.

Die Aktrice heiratete 1969 den Schweizer Regisseur Benno Besson. Ihr gemeinsamer Sohn Pierre ist ebenfalls Schauspieler. Seit 1998 war Karusseit in zweiter Ehe mit Johannes Wegner verheiratet. Zuletzt lebte sie in Senzig südlich von Berlin. Dort arbeitete sie an einem Buch mit dem Titel „Zugabe“, das im Frühjahr 2019 erscheinen soll. 

Ursula Karusseit starb am 1. Februar 2019 im Alter von 79 Jahren in einer Berliner Klinik an den Folgen eines Herzleidens.

Bericht – Osterbräuche in der alten Heimat

Die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen traf sich zu ihrer monatlichen Zusammenkunft im Restaurant Altdeutsche Bierstube. Vorsitzender Christian Joachim begrüßte Mitglieder und Gäste und wünschte den Geburtstagskindern des letzten Monats viel Glück und Gesundheit. Bei seinem Vortrag ging er besonders auf verschiedene Bräuche in Ost- und Westpreußen ein, die zum Frühling und zur Osterzeit einfach dazugehörten. 

In der Karwoche wurden üblicherweise keine größeren Arbeiten vorgenommen, es war die stille Woche. Kirchgänge am Palmsonntag, Gründonnerstag und Karfreitag machten sie ernst und feierlich.

In den meisten Familien war Sauerampfersuppe das typische Gründonnerstagsessen, denn an diesem Tag war es üblich, dass etwas „Grünes“ gegessen werden musste. Mit Schmand, halb süß, halb sauer abgeschmeckt, dazu Fleischklopse, Salzkartoffel und hartgekochte Eier – ein Festessen. In manchen Gegenden war es auch üblich, eine Soße aus neunerlei Kraut zu Eiern und Fisch zu reichen. Die junge frische Natur bot dazu genug, denn außer Sauerampfer sprossen auch Scharbockskraut, Giersch, Brennnessel, Butterblumen und vieles mehr. Vom Fensterbrett kamen noch Schnittlauch, Kresse, Kerbel und Petersilie dazu. 

Was nicht fehlen durfte, war der Gründonnerstagskringel. An dem Hefegebäck mit Sultaninen und Mandeln wurde vor dem Essen von den Familienmitgliedern gezogen. Wer das größte Stück erwischte, konnte sich etwas wünschen. Dieser Wunsch sollte im kommenden Jahr in Erfüllung gehen.

Am Karfreitag, der auch Stillfreitag hieß, ruhte die Arbeit und nur das Notwendigste wurde getan. Mittags gab es kein Fleisch. Oft fastete man auch den ganzen Tag, um Krankheiten und Siechtum vorzubeugen. 

Wasser war ein wichtiges Element in Ost- und Westpreußen. Dem Osterwasser wurden besondere Eigenschaften zugeschrieben. So sollte es heilende Wirkung haben und auch der Schönheit dienen. Die Mädchen gingen am Ostermorgen vor Sonnenaufgang zu einem fließenden Wasser. Am besten war es, wenn man dabei nicht von anderen gesehen wurde. Wenn man es nicht schaffte, das Wasser ohne zu reden oder zu lachen nach Hause zu tragen, verlor es seine Wirkung. In Ostpreußen glaubte man, dass Mädchen, die alle Bedingungen erfüllt hatten, im nächsten Jahr einen Schatz am Arm haben würden. 

Schmackostern war, wie das Osterwasserholen in ganz Ostpreußen üblich. Bereits im März wurden die Osterruten geschnitten: Birken und auch Weiden, die in der warmen Küche standen und anfingen zu sprießen. Ostern musste das erste Grün da sein. Am Morgen ging es dann in die Schlafstuben, die Bettdecke wurde angehoben und mit den Ruten auf die nackten Füße geschlagen. Dafür gab es dann meistens Süßigkeiten und Osterhasen, aber auch so manches Dittchen (Zehnpfennig-Stücke). Dazu erklang der Spruch, den alle Kinder auswendig konnten: „Schmackoster, schmackoster, fief Eier, Stock Speck, on noch e Stock Floade, ehr goah eck nich weg!“

Im Anschluss an diese interessanten Ausführungen überreichte Hannelore Morgner allen Anwesenden einen Schokoladenhasen. Danach wurden im regen Gespräch Ostererinnerungen ausgetauscht. 

Weiden – Zum Heimatnachmittag begrüßte die Kassiererin Ingrid Uschald die Mitglieder und Gäste im Café Mitte und leitete für den entschuldigten 1. Vorsitzenden Norbert Uschald die Zusammenkunft. 

Nach den Heimatliedern „Land der dunklen Wälder“ und „Westpreußen mein lieb Heimatland“ gratulierte sie den Geburtstagskindern des Monats April.

Uschald machte unter anderem auf den Maibaumaufbau des Heimatrings am 1. Mai vor dem Alten Eichamt in der Weidener Altstadt aufmerksam.

Die Kreisgruppe werde sich wieder am Festzug beteiligen und Norbert Uschald werde auch in diesem Jahr die Moderation des Rahmenprogramms übernehmen.

Im Hinblick auf den Frühling und das bevorstehende Osterfest trug Frau Ilse Stark das Gedicht „Frühlingserwachen“ und die „Geschichte vom Osterhasen“ vor.

Ingrid Uschald überraschte die Anwesenden schließlich mit einem netten Ostergeschenk kulinarischer Art.

Bevor dieses jedoch verteilt wurde, gab sie ein selbst geschriebenes Gedicht zum Besten.

Mit dem Lied „Kein schöner Land“ verabschiedete man sich bis zur Muttertagsfeier am Sonntag, den 5. Mai um 14.30 Uhr im Café Mitte. Norbert Uschald


BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

KREISGRUPPEN

Bartenstein – Anfragen für gemeinsame Treffen an Elfi For-tange, Telefon (030) 4944404.

Frauengruppe – Mittwoch, 8. Mai, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116-117, 10963 Berlin: Treffen. Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Johannisburg, Lötzen, Sensburg – Dienstag, 30. April, 13 Uhr, Restaurant Muna, Albrechtstraße 52, 12167 Berlin: Treffen. Anfragen für Johannisburg und Sensburg an Andreas Maziul, Telefon (030) 5429917, für Lötzen an Gabriele Reiß, Telefon (030) 7563563.

Königsberg – Freitag, 10. Mai, 14 Uhr, Forckenbeckstraße 1, 14199 Berlin-Wilmersdorf: Treffen. Anfragen an Elfi Fortange, Telefon (030) 4944404.

Rastenburg – Sonntag, 5. Mai, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus, Rohrdamm 24B, 13629 Berlin: Treffen. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.


HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815.  

Landesgruppe – Freitag, 

10. Mai: zweitägigen Fahrt zum Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen am 11. Mai in Wolfsburg ein. Informationen bei Walter Bridszuhn, Telefon (040) 6933520.


HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788 

Wiesbaden – Sonnabend, 27. April, 15 Uhr, Großer Saal, Haus der Heimat, Friedrichstraße 35, Wiesbaden: Jahreshauptversammlung. Die dreijährige Amtszeit des derzeitigen Vorstandes und der Kassenprüfer endet mit der heutigen Hauptversammlung. In beiden Fällen sind deshalb Neuwahlen erforderlich. Zu der satzungsgemäß anstehenden Jahreshauptversammlung lädt der Vorstand unsere Mitglieder ein.

Göttingen – Die LO–Gruppe Göttingen fährt dieses Jahr zum Treffen der Ostpreußen in Wolfsburg am 11. Mai. Abfahrt ist um 8.30 Uhr vom ZOB in Göttingen. Aufgrund der begrenzten Platzzahl bitten wir um umgehende Anmeldung. Nähere Informationen beim Ersten Vorsitzenden Werner Erdmann unter Telefon (0551) 63675.

Oldenburg – Mittwoch, 8. Mai: Tageskulturfahrt zum Ostpreußischen Landesmuseum nach Lüneburg.

Landesgruppe – Einladung zum Jahrestreffen der Ostpreußen in Wolfsburg am Sonnabend, 

11. Mai, 10 bis 17 Uhr, Congress-Park, Heinrich-Heine-Straße, 38440 Wolfsburg: Festveranstaltung mit Ansprache des Sprechers Stephan Grigat, Fahneneinmarsch, Kulturprogramm (unter anderem mit Isabelle Kusari). 

Liebe Landsleute in Nordrhein-Westfalen, die Landesgruppe lädt Sie herzlich ein, am Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Wolfsburg teilzunehmen. Wir Nordrhein-Westfalen wollen in großer Zahl teilnehmen, denn NRW sollte in Wolfsburg repräsentativ vertreten sein.

Bitte melden Sie sich bei unserem Mitglied Patrick H. König, Rheine in Westfalen, unter den Telefonnummern (05971) 8040993 (Festnetz) oder (0157) 55295484 (Mobiltelefon) oder per E-Mail: Koenig@Ostpreussen-NRW.de, wenn Sie sich für eine Teilnahme an dem Jahrestreffen interessieren und/oder mit dem eigenen Pkw fahren wollen und bereit sind, weniger mobile Landsleute nach Wolfsburg mitzunehmen.

Bitte kontaktieren Sie auf jeden Fall unseren Koordinator für das Jahrestreffen in Wolfsburg. Patrick H. König wird bei ausreichender Nachfrage Busreisen mit einem Reiseunternehmen organisieren. Darüber hinaus wird er – falls möglich – Fahrgemeinschaften organisieren. Für die Busreisen selbst beziehungsweise für die Fahrgemeinschaften übernimmt die Landesgruppe keine Haftung, da sie nicht als Reiseveranstalter auftritt, sondern als Organisator.

Wilhelm Kreuer

Düren – Mittwoch, 8. Mai, 

18 Uhr, Haus des deutschen Osten, Holzstraße 7a, 52349 Düren: Wir begrüßen den Mai. Anfragen an Gerda Wornowski, Telefon (02421) 72776, E-Mail: gwornowski@gmail.com. Wer sich heimatlich verbunden fühlt, ist bei uns herzlich willkommen. Wir freuen uns auf neue Mitglieder und Gäste. Die Gruppe trifft sich an jedem ersten Mittwoch im Monat. – Sonnabend, 11. Mai, Wolfsburg: Jahrestreffen der LO. 

Düsseldorf – Sonnabend, 

27. April, 15 Uhr, Konferenzraum, GHH: Jahreshauptversammlung mit Wahlen. Anträge waren bis zum 20. April an die Geschäftsstelle LO Kreisgruppe Düsseldorf e.V., Graf-Recke-Straße 20, 40239 Düsseldorf zu richten gewesen. – Mittwoch, 8. Mai, 15 Uhr, Raum 311 „Siebenbürgern, GHH: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt. – Mittwoch, 8. Mai, 19 Uhr, Eichendorffsaal, GHH: Konzert „Musik aus dem Herzen Europas“. – Freitag. 10. Mai, 18 Uhr, Restaurant Lauren’s, Bismarckstraße 62: Stammtisch.

Gütersloh – Dienstag, 30. April, Haus Ohlmeyer, Verl: Tanz in den Mai mit Livemusik. Interessierte sind stets herzlich willkommen. Anmeldung unter Telefon (05241) 34841 bei Block oder (05241) 29211 bei Bartnik. – Sonnabend, 11. Mai: Busfahrt zum LO-Jahrestreffen nach Wolfsburg. Interessierte sind stets herzlich willkommen. Anmeldung unter Telefon (05241) 34841 bei Block oder (05241) 29211 bei Bartnik.

Köln – Mittwoch, 8. Mai, 

14 Uhr, Café zum Königsforst: Besprechungen und gemütliches Kaffeetrinken. Das Lokal befindet sich gegenüber der Endhaltestelle der KVB-Linie 9 Königsforst. Sonnabend, 11. Mai, 14 Uhr, Haus Aubele (Straßenbahn-Museum), Gemarkenstraße 173: Maifeier der Pommerngruppe, mit der wir dankenswerterweise unsere Treffen gemeinsam halten dürfen. Der Eintritt beträgt 7 Euro. 

Neuss – Jeden zweiten Mittwoch im Monat, von 15 bis 

18 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstraße 17: Frauengruppe.

Wuppertal – Sonnabend, 4. Mai 14 Uhr, Rotter Kirche, Rödigerstraße 113, Wuppertal-Barmen: „70 Jahre Kreisgruppe Wuppertal“ und „9. Ostpreußisches Maifest“ mit dem Mundharmonika-Duo Waltraut Bombe und Ulla Busch, dem Musiker Christoph Marr, den Chorfreunden Wuppertal mit Margaryta, der Pianistin Martha Kogan und Josef Schewalenko (Violine). Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. – Freitag, 10., bis Sonntag, 12. Mai: Fahrt zum LO-Jahrestreffen nach Wolfsburg und weiter nach Lüneburg. Ein möglicher Reiseablauf für mindestens 30 Personen: Drei Tage mit zwei Übernachtungen. Abfahrt Freitag 10. Mai morgens ab Wuppertal über Bad Nenndorf, hier ist der Besuch des Agnes Miegel Hauses möglich, weiter nach Wolfsburg. Sonnabend, 11. Mai, Fahrt zum Ostpreußentreffen, CongressPark Wolfsburg, Veranstaltungsdauer 10 bis 17 Uhr. Anschließend Busfahrt durch die Lüneburger Heide nach Lüneburg. Sonntag 12. Mai, Besuch des Ostpreußenmuseums in Lüneburg, dann Stadtrundfahrt oder Freizeit bis zur Heimreise 16 Uhr.

Weitere Informationen und Anmeldung bei Gerhard Scheer, Telefon (0202) 500077, oder Helga Piontek, Telefon (0202) 4698257.

Gardelegen – 26. April, 14 Uhr, Begegnungsstätte der VS Gardelegen: Frühlingsveranstaltung mit Liedern und Gedichten. – 11. Mai 10-17 Uhr, Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Wolfsburg. Fahrgemeinschaften bilden. 

Halle – Freitag, 3. Mai, 14 Uhr, Begegnungsstätte der Volkssolidarität, An der Marienkirche 4 (gegenüber der Marktkirche): Treffen


SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Bad Oldesloe – Thema der April-Runde der Ost- und Westpreußen in Bad Oldesloe waren die Mennoniten, die als Fachleute im Wasserbau in die Weichselniederung und nach Ostpreußen kamen und die Menno-Kate in Bad Oldesloe. 

Ihr Gründer war Menno Simons, katholischer Priester, geboren 1496 in Witmarsum in den Niederlanden, gestorben 1561 in Wüstenfelde bei Oldesloe. 

Die Mennoniten, auch als Taufgesinnte bekannt, sehen sich in der Nachfolge Jesu im Sinne der Bergpredigt. 

Menno Simons war mit seiner Familie und seinen Getreuen ständig auf der Flucht vor seinen Verfolgern. Gutsherr von Ahlefeldt in Altfresenburg bot den Verfolgten Schutz und Unterkunft. Hier entstanden fünf Mennonitendörfer, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurden, und die Menno-Kate als Druckerei für seine Schriften, die heute noch steht und ein kleines Museum ist. 

Die Religionsgemeinschaft hat strenge Regeln: Eidesverweigerung, Wehrdienstverweigerung.   Es gibt nur die Erwachsenentaufe, keine Ehescheidung. Wer einen Partner außerhalb der Mennonitengemeinde heiratet, wird von den Mennoniten ausgeschlossen. 

Die Mennoniten in unserer Heimat gründeten dort ihre Dörfer und Gemeinden und waren über Generationen dort heimisch. 

Menno Simons verstarb 1561 in seinem Dorf Wüstenfelde und wurde in seinem Krautgärtlein begraben, später umgebettet in die Nähe der Mennokate. Dort steht auch ein Gedenkstein. 

Mennoniten sind überall in der Welt vertreten, besonders in Uruguay, Paraguay und in den USA. 

Den Ausführungen schloss sich eine lebhafte Aussprache an, in der die Teilnehmer von ihren Verwandten und Bekannten berichteten, die auch zu den Mennoniten gehören. Gisela Brauer

Malente – An der diesjährigen Jahreshauptversammlung begrüßte der Vorsitzende eine Vielzahl der Mitglieder und besonders den Kreisvorsitzenden der „Rastenburger“ Hubertus Hilgendorff. Nach der Feststellung der ordnungsgemäßen und fristgerechten Einladung zur Jahreshauptversammlung erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht, aus dem zu ersehen war, dass außer heimatpolitische Veranstaltungen auch traditionelle Sitzungen stattgefunden haben. Alle Veranstaltungen waren stets gut besucht. 

Der Kassenbericht durch den Kassenwart Hans-Walter Schützler ergab, dass mit den Beiträgen der Mitglieder sehr sparsam gewirtschaftet worden war, sodass dem Vorstand einstimmig Ent-

lastung erteilt werden konnte. Bei den Vorstandswahlen wurden die Ämter teilweise bestätigt, aber es wurden auch Mitglieder zur Vorstandsarbeit neu gewonnen: 

1. Vorsitzender: Klaus Schützler, 2. Stellvertreter: Heinrich Buchwald, 3. Kassenwart: Hans-Walter Schützler, 4. Beisitzer: Barbara Putzer und Reinhard Locker, 

5. Kassenprüfer: Erich Eichhorn und Hubertus Hilgendorff.

In seinen Schlussworten dankte der Vorsitzende Klaus Schützler allen für die gute Mitarbeit und aufopfernde Tätigkeit zum Wohle der Landsmannschaft und bat alle, auch sich künftig weiterhin für die heimatpolitischen Anliegen einzusetzen.

Mölln – Am 11. Mai fahren wir nach Wolfsburg. Dort findet der diesjährige Ostpreußentag statt.

Abfahrt um 6.45 Uhr ab ZOB, Rückkehr etwa um 20 Uhr.

Für die Busfahrt und den Eintritt zahlen Mitglieder 25 Euro und Gäste 35 Euro. Wir bitten um baldige Anmeldungen, da wir die  Eintrittskarten frühzeitig bestellen müssen.

Anmeldungen nimmt unser Reiseleiter, Herr Schumacher unter Telefon (04542) 5044 entgegen. Er erteilt auch weitere Auskünfte.

Neumünster – Mittwoch, 

8. Mai, 15 Uhr, Stadthalle am Kleinflecken: Treffen „Der Mai ist gekommen.“ Wir singen mit musikalischer Begleitung schöne alte Frühlingslieder.

Schönwalde a. B. – Freitag, 

26. April, 19 Uhr, Café Ehlers, Kasseedorf: Jahreshauptversammlung.

Uetersen – Freitag, 10. Mai, 

15 bis 17 Uhr, Haus Ueters End, Kirchenstraße 7: Frühling und Muttertag. Wir singen Frühlingslieder. Sabine Mennerich begleitet am Flügel. Besucher lesen dazwischen passende Texte vor. 

S. 18 Heimatarbeit

Vom Niederrhein bis Hinterpommern
Ein neuer ethnologischer Park soll über das Leben der Ostseefischer erzählen
Chris W. Wagner

Das Fischerdorf und Seebad Horst [Niechorze] in Hinterpommern mit seinem malerischen Leuchtturm bekommt eine weitere Attraktion – einen ethnographischen Park. Reetgedeckte Fischerkaten aus dem 19. Jahrhundert mit Brotofen und einer Fischräucherei sowie eine Windmühle werden dort bald zu besichtigen sein.

Die zwölfeinhalb Meter hohe Windmühle steht bereits. Gekauft für den sprichwörtlichen einen Zloty musste die Mühle einen weiten Weg zurücklegen, nämlich von Okrau [Okrowo] bei Schrimm [Srem] in Großpolen bis an die Ostsee. „Auch das Zerlegen war schwierig, dafür beauftragten wir Goralen (eine westslawische Ethnie) aus der Tatra“, so Szymon Jedrzejowski vom Verband der Freunde der Ostseefischertradition in Horst [Niechorze] gegenüber der Zeitung „Rzeczpospolita“.

„In den letzten Jahren wurde die Windmühle als Sommerhäuschen genutzt und dadurch wurde manches im Inneren verändert“, berichtet Tomasz Bogdaniec, der für die Sanierung zuständig ist. Die Mühle sei aber in einem guten Zustand und selbst der Antrieb funktioniere noch gut, freut sich Jedrzejowski: „Jetzt muss nur noch der Platz um die Mühle herum geordnet und bald den Besuchern zugänglich gemacht werden“. 

Auf der einen halben Hektar großen Fläche des Ethno-Parks müssen aber noch weitere Gebäude platziert werden. So findet hier bald ein Wirtshaus genauso wie ein Ausstellungsraum seinen Platz. Im Ausstellungsgebäude sollen die Besucher zum Beispiel den Weg eines frisch gefangenen Fisches bis zu einer leckeren Mahlzeit nachempfinden können. „Wir möchten, dass vor allem Schulkinder hier selbst ein Fischgericht zubereiten können“, so Jedrzejowski. 

Da es in Horst keine historischen Fischerhäuser mehr gibt, müssen diese erst gebaut werden. Man will nach historischen Plänen Gebäude aus dem Ort Fischerkaten (Pogorzelica), vor allem aber aus Kamp am Kamper See [Kepa Nadmorska] unweit von Treptow [Trzebiatow], entsprechend nachbauen. Der inmitten ausgedehnter Sümpfe gelegene Ort Kamp war lange Zeit nur über Wasserwege zu erreichen. Die Kamper lebten von der Fischerei und von der Wiesenwirtschaft. Bis 1946 standen in Kamp noch neun altsächsische Rauchhäuser (auch Niedersachsenhäuser genannt). Es handelte sich dabei um Fachhallenhäuser aus Fachwerk, die aus dem 13. bis 15. Jahrhundert stammten. Diese altsächsischen Rauchhäuser wurden so gebaut, dass der Wohnraum, Stall sowie das Erntelager einen großen „Hauskörper“ bildeten. Diese Hausform war bis zu ihrem Niedergang im 19. Jahrhundert in der Norddeutschen Tiefebene vom Niederrhein bis nach Hinterpommern verbreitet. 1946 brannten sechs dieser Fachhallenhäuser durch sowjetische Leuchtspurgeschosse in Kamp ab, die übrigen wurden in den fünfziger Jahren zerstört.

Nun wollen die Freunde der Ostsee-Fischertradition diese altsächsischen Rauchhäuser im Horster Ethno-Park nachbauen. Auf die Idee brachte sie der ehemalige Fischer Henryk Gmyrek bereits 1992, doch erst jetzt sind dafür Gelder gefunden worden. Die erste Etappe der Wiederaubauarbeiten soll 3,8 Millionen polnische Zloty kosten (887000 Euro). Davon will die Woiwodschaft Westpommern 2,5 Millionen Zloty (584000 Euro) finanzieren. In dieser ersten Etappe wird ein gastronomischer Teil bis 2020 fertiggestellt werden.

Der Verband Freunde der Ostsee-Fischertradition in Horst rührt für seinen Ethno-Park kräftig die Werbetrommel, so auch während des ebenfalls von den Freunden der Ostsee-Fischertradition ins Leben gerufenen Heringfestes (Swieto SSledzia Baltyckiego). Dieses findet jährlich Anfang Juli in Horst statt und ist ein weit über die Grenzen der Woiwodschaft Westpommern bekanntes Fischereifest. 2019 findet es am 6. und 7. Juli bereits zum 

18. Mal statt. Dann wird sich der Platz am Horster Leuchtturm wieder mit Touristen und Einheimischen füllen. Auf der Bühne erklingen Shantys, und in einem großen Topf wird Fischsuppe gekocht. Lokale Fischer berichten über ihre Arbeit auf See und ihre Geschichten werden mit viel Seemannsgarn spannend erzählt.

S. 19 Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

S. 20 Leserforum

Leserforum

Nicht zu retten

Zur Buchanzeige: „50 Jahre Umerziehung“ (Nr. 12)

Durch die Rautenberg-Buchhandlung, die regelmäßig in der PAZ Bücher über Ostdeutschland/Ostpreußen und andere aktuelle Themen anbietet, wird der Leser laufend unterrichtet. Das oben genannte Buch wird in Kurzform besprochen. Ich wurde hellhörig. Ich hatte die Gelegenheit, den Verfasser Josef Kraus auf einer Tagung kennenzulernen. 

Kraus ist Ex-Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Sein damaliger Vortrag „Ist die Bildungsnation noch zu retten“ war eine erschütternde Aussage. Dieses Land ist nicht mehr das Land der Dichter, Denker und Musiker. Das gesamte Schulsystem wurde gegen die Wand gefahren. Leistung in den Schulen ist nicht mehr gefragt. 

Kraus ist ein Schulmeister von altem Schrot und Korn. Solche Lehrer habe ich in meiner Schulzeit noch erlebt. Eine bittere Erkenntnis, an der alle Parteien unseres Landes Schuld tragen.

Bernd Dauskardt, Hollenstedt






Blutleerer Politiker

Zu: Meinungen (Nr. 15)

Dass Sozialdemokraten und Christsoziale bei der EU-Wahl ihre absolute Mehrheit verlieren, sehe ich genauso. Anderer Auffassung bin ich hinsichtlich der Wahl des CSU-Politikers Manfred Weber zum EU-Kommissionspräsidenten. Er ist ein blutleerer System-Apparatschik, bekämpfte als politisch korrekter Funktionär abweichende Meinungen und wird daher auch von Grünen und Dunkelroten gewählt werden. 

Carsten Zöllner, Berlin






Kinderkreuzzug

Zu: Jetzt haben wir sie! (Nr. 13)

Die von Erwachsenen eingeflüsterten, freitäglichen Kinder-Demonstrationen zum Thema Klimawandel erinnern mich an den Kinderkreuzzug von 1212, der 

– wie die Geschichte uns lehrt – reichlich Tod und Verderben im Gepäck hatte. Dieses Mal wird es genauso sein.

Elke Barby, Gehrden






Gut Austritt-Ding will Weile haben

Zu: Der Pragmatiker geht von Bord (Nr. 13) 

Sehen insbesondere deutsche EU-Politiker Probleme, wo keine sind? Zum Beispiel soll Großbritannien an der im Mai stattfindenden Wahl zum Europäischen Parlament teilnehmen, weil es EU-Gesetze so vorsehen. Das ist ein unsinniger Akt. 

Wenn EU-Gesetze ohne lange Diskussionen verabschiedet werden sollen, erhalten Bundestagsabgeordnete ellenlange fremdsprachige Texte kurz vor der Abstimmung. Die Weisung, wie abzustimmen ist, erhalten sie von ihren Fraktionsführern. Alles kein Problem. 

Wieso sollte es also ein Problem sein, die EU-Gesetze kurzfristig so zu ändern, dass ein austrittswilliges Land nicht an der Wahl teilnehmen muss und die Wahl trotzdem gültig ist? Oder warum kann die Wahl nicht kurzfristig verschoben werden? Vermutlich mangelt es an gutem Willen der EU-Bewahrer.

Die wirtschaftliche Verflechtung des austrittswilligen Großbritanniens mit der EU und anderen Staaten wird als gordischer Knoten angesehen, der nicht so schnell zu lösen ist. Warum kann die wirtschaftliche Verflechtung nicht auch nach dem Austritt dieses Landes bestehen bleiben und danach in Ruhe entflochten und neu verflochten werden? Der Brexit sollte nicht an dem Krümmungsgrad von Gurken scheitern. Gut Ding will Weile haben. 

Britische Fischer, die für den Austritt aus der EU gestimmt hatten, sind angeblich inzwischen zu der Erkenntnis gelangt, dass sie nach dem Austritt ihren Fisch selbst essen müssten. Sie werden sicher aber auch zu der Erkenntnis kommen, dass sie dafür auch keinen Fisch mehr essen müssten, der von EU-Fischern vor der afrikanischen Küste gefangen wurde. 

Wäre der Brexit also nicht ein guter Anlass für die Briten, ihre wirtschaftlichen Beziehungen human und umweltfreundlich zu gestalten? 

Die Europäische Union strebt möglichst große wirtschaftliche Macht an. Damit ist sie zum Beispiel in der Lage, afrikanischen Staaten für sie unvorteilhafte Handelsverträge aufzuzwingen. Diese ermöglichen es EU-Europäern Afrikanern Hühnerbeine und subventionierte Tomaten zu verkaufen und Küstenstaaten Fischereirechte abzukaufen und deren Wirtschaft zu ruinieren. 

Statt wirtschaftliche Beziehungen auf Macht zu gründen, sollten sie auf Humanität und Vernunft gegründet werden. Es kann nicht vernünftig sein, in Deutschland irische Butter zu verkaufen, wenn hier im Lande genügend Butter produziert werden kann. Der Verzicht auf irische Butter erspart Energie für den Transport und schützt die Umwelt vor schädlichen Abgasen. Eine „raumorientierte Volkswirtschaft“ wäre ein mögliches Stichwort, unter dem die Wirtschaft umweltfreundlicher und humaner gestaltet werden könnte. 

Schüler, die sich um ihre Zukunft Sorgen machen, könnten sich in diesem Sinne engagieren.

Dieter Bliesener, Hamburg






Gleichberechtigung für Deutschland nach Brexit

Zu: Wider die EU-Skeptiker (Nr. 14)

Die politische Landschaft in den EU-Ländern ist in Bewegung geraten, das britische Volk und seine Regierung wollen unbedingt die Gemeinschaft verlassen. Die Verhandlungen dazu sind seitens der Briten ein Trauerspiel. Vor dem Volksentscheid wussten die Briten von allen Problemen eines Austritts, und sie hatten mehr als zwei Jahre Zeit, alle Einzelheiten in Ruhe und mit Gründlichkeit zu behandeln sowie Lösungen abzusprechen. Die Idee einer Verschiebung des Austrittsdatums ist Unsinn, weil es nichts bringt.

Der große Fehler der EU war seinerzeit, den Briten immer wieder unberechtigte Zugeständnisse zu machen, das fordert unweigerlich ständig weitere Wünsche heraus. Das Parlament in London hat sich in ergebnislosen Endlosdebatten verzettelt und jeden Kompromiss mit der EU abgelehnt. Großbritannien muss endlich verstehen, dass es nur eines von vielen gleichberechtigten Ländern ist beziehungsweise war. 

Die Briten haben sich immer gegen Europa und die EU ausgesprochen, und sie werden sich auch künftig nie in die Europäische Union einordnen.

Zur EU-Wahl im Mai: Unseren Kandidaten sollten wir einige wenige Aufgaben mitgeben: Been­digung der Diskriminierung Deutschlands, es gibt nämlich einen Anti-Deutschland-Beschluss, der eine massive Kürzung der uns zustehenden Anzahl der Sitze im EU-Parlament beinhaltet, das darf nicht weiter hingenommen werden. Wenn es zu viele Abgeordnete im EU-Parlament gibt, dann wäre es doch selbstverständlich, dass man die Abgeordneten aller Länder anteilmäßig reduziert.

Ein weiterer Skandal ist beispielsweise, dass nach dem Ausscheiden der Briten deren Abgeordnetensitze auf die anderen EU-Mitglieder aufgeteilt wurden, selbstverständlich ohne Deutschland. Auch das ist eine hinterhältige Diskriminierung – und außerdem: Wenn ein Mitgliedsland ausscheidet, dann müssen auch dessen Sitze komplett wegfallen sowie die EU-Verwaltung anteilig reduziert werden. Wer entscheidet eigentlich über diese inzwischen realisierten absurden Ideen?

Wenn die Briten demnächst ausscheiden sollten, gibt es auch keinerlei Veranlassung mehr, die englische Sprache im Plenum oder der Verwaltung der EU zu praktizieren. An deren Stelle möge die französische Sprache treten, außerdem sollten die deutschsprachigen Abgeordneten und Angestellten endlich den Mut haben, dort ihre Muttersprache auch öffentlich anzuwenden.

Es ist mir unverständlich, dass die Wähler und Verantwortlichen unseres Landes alle diese Demütigungen bisher klaglos hingenommen haben und womöglich sogar dafür gestimmt haben. Was für eine Welle der Entrüstung würde es geben, wenn man dieses den anderen Staaten zumuten würde. Ist es nicht unser Recht, in der Europäischen Union endlich gleichberechtigt behandelt zu werden? 

Werner Pfennig, Neubrandenburg

S. 21 Reise

Weinselige Feiern im Heilbad
Auf der Sonnenseite des Rheins – Der rheinland-pfälzische Kurort Bad Hönningen lädt Gäste zur 1000-Jahr-Feier ein
Bettina Müller

„Wir Hünnijer sind gut drauf.“ Der im Landkreis Neuwied gelegene rheinland-pfälzische Wein- und Badeort Bad Hönningen feiert sein 1000-jähriges Bestehen. 

In diesem Jahr kann sich Bad Hönningen in Rheinland-Pfalz auf eine seiner Kernkompetenzen verlassen: Feiern! Volle 1000 Jahre alt wird der im Jahr 1019 als „Ho­hingen im Ingerisgowe“ erstmals erwähnte Ort. Spuren der Vergangenheit sind noch an vielen Stellen sichtbar. Mit dem Entstehungsjahr 1438 ist das „Hohe Haus“ das älteste profane Gebäude, das noch erhalten ist, ein ehemaliges Hofgut, in dem sich heute das Heimatmuseum befindet. 

Mit dem Aufstieg vom Weinort zum „Bad“ im Jahr 1950, das Hönningen seinen Mineralquellen zu verdanken hat, wurden zunehmend auch Urlauber und Tagestouristen angelockt. Ganze Heerscharen von Kegelklubs, Weintrinkern und Tanzwütigen machten damals in Bad Hönningen die Nacht zum Tag zu einer Zeit, als viele beim Begriff „Schwoof“ noch leuchtende Augen bekamen. 

Die Amüsiersüchtigen verwandelten den Ort am Wochenende in einen temporären Hexenkessel, bevor sie dann im „Hotel Rüssel“ (entgegen aller Gerüchte nicht nach einem Elefanten, sondern nach einem ortsansässigen Hotelier benannt) ihren Rausch ausschliefen und am Montagmorgen die Heimreise mit dem Zug antraten oder übernächtigt in den „Clubbus“ einfielen. 

Diese Zeiten der klingelnden Nachtkassen sind längst vorbei. Eine Reise nach Mallorca ist heute mit dem Billigflieger immer noch preiswerter als ein Aufenthalt in Bad Hönningen, was dem Ort nachhaltig wirtschaftlich geschadet hat. Das Rüsselsche Hotel steht zwar noch, bietet aber mit seinem Leerstand derzeit einen desolaten An­blick. Bis 2021 soll auf dem Areal unter dem Namen „Rüssel-Gelände“ neuer Wohnraum geschaffen werden. 

Mit dem Slogan „Auf der Sonnenseite des Rheins“ wird die Stadt heute offiziell beworben, wobei es der örtliche Tourismusverein vor allem auf Weintrinker, Wellness-Fans und Wanderer ab­gesehen hat. Geht Letzterer offenen Auges durch die Straßen, sieht er zu seinem Bedauern den Leerstand mancher Geschäfte, die verwaiste Schmiedgasse, die in vergangenen Tagen eine Rüdesheimer Drosselgasse im Miniaturformat war. Das soll jedoch nicht den Eindruck schmälern, dass die sehr idyllisch gelegene Stadt, die sich seit 1969 so nennen darf, durch ihre optimale Lage zwischen Fluss und Wald einen sehr hohen Freizeitwert hat, auch ohne eine berüchtigte Partymeile, die einen Ort auch durchaus stigmatisieren kann. Die Städte Andernach, Köln, Koblenz und Neuwied, alle am Rhein gelegen, sind gut erreichbar. 

Ganz in der Nähe locken die Weinorte Erpel, Leubsdorf, Leutesdorf, Linz, Rheinbrohl und Unkel mit zahlreichen historischen Kleinoden und Einkehrmöglichkeiten, zudem sind sie über den Fernwanderweg Rheinsteig miteinander verbunden, der in mehreren Etappen von Bonn nach Wiesbaden führt. Die gesamte erwanderbare Weingegend umfasst mit insgesamt 67 Hektar die größte Weinbergfläche im nördlichen Rheinland-Pfalz. 

Der Wein hält auch in Bad Hönningen fest das Zepter in der Hand – die Stadt hat lange Zeit ein eigenes Weingut unterhalten, das mittlerweile erfolgreich in privater Hand ist und stolze zehn Rebsorten vorweisen kann –, wird es wohl nie wieder loslassen und bestimmt so vor allem neben den kirchlichen Festen die saisonalen Termine und den Festkalender.

Dieser ist über das Jahr gut gefüllt, unter anderem von den Karnevalsveranstaltungen im Winter über die Römertage im Mai, dem Weinblütenfest im Juni bis hin zu den Winzerfesten im Herbst und dem Nostalgischen Weihnachtsmarkt am letzten Novemberwochenende im Jahr.

Ist man gerne als Wanderer unterwegs, bietet sich zunächst das Erklimmen der Weinberge mit ihrem schon von Weitem sichtbaren Wahrzeichen der Stadt an: Schloss Arenfels, dessen Vorgängerbau eine Wehranlage war, die von Gerlach von Isenburg 1258 und 1259 auf einem Felsen geschaffen wurde. Ihr heutiges neugotisches Äußeres entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit Hilfe des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner. Die Innenräume und -gemächer kann der Besucher jeden Montag bei einer Schlossführung erkunden.

Für Privat- oder Firmenfeiern können die exklusiven Räumlichkeiten und der Außenbereich mit spektakulärer Aussicht gemietet werden. Ein gastronomisches Konzept für das Fußvolk gelang jedoch bis heute nicht. Wer dennoch nicht vom Fleisch fallen will, kann in der Wildkammer des Forsthauses von Schloss Arenfels, ein Stück weit hinter dem Schloss gelegen, Wildspezialitäten kaufen, die aus dem Jagdrevier des Freiherren von Geyr stammen. 

Stundenlang kann der Wanderer nun in diesem riesigen Waldgebiet in den Ausläufern des Rheinischen Westerwalds, in dem schon die Römer auf Kriegspfaden waren, umherschweifen und dabei gelegentlich auch noch viel Wild begegnen. Die römischen Mannen hinterließen so manche  Spuren, weil sie es mit anderen Völkern nicht so hatten. Mit ihrem Grenzwall Limes setzten sie deshalb ein klares Zeichen: Bis hierhin und nicht weiter! 

Spuren des Walls, der in Rheinbrohl seinen Anfang nahm, kann man noch heute an vielen Stellen im Wald nachvollziehen. Ganz besonders im Herbst verleiht das Wissen um diese Historie dem Wald oft eine mystische Aura und einen ganz besonderen Zauber. Ein neuer Limes-Wanderweg wurde geschaffen und an der Wegstrecke ein römischer Wachturm rekonstruiert sowie ein Limes-Radweg angelegt, der von Bad Hönningen bis nach Regensburg führt. Mittlerweile informiert die „RömerWelt am Caput Limitis“ in Arienheller bei Bad Hönningen über das kriegerische Volk und dessen Alltag. 

Nicht aufgeben, heißt heute die Devise, der römische Kampfgeist scheint auf die Bad Hönninger abgefärbt zu haben. Zudem versichert die Jubiläumsseite im Internet den Besuchern, dass ein Aufenthalt sicher alles andere als langweilig werden wird: „Wir Hünnijer sind gut drauf.“ 

Als Besucher kommt man bei den alljährlichen Festen schnell mit den „Hünnijern“ in Kontakt, sie sind freundlich und gesprächig, und wenn dann noch das ein oder andere Weinchen kreist, ist der Spaß auch ohne Partymeile garantiert.


Höhepunkt ist das Festwochen­ende vom 3. bis 5. Mai. Informationen und Termine unter: www. 1000-jahre-badhoenningen.de

Hauptsache, es schmeckt
Bad Tölzer leben besonders gesund – Zu erleben ist das bei den Vegan-Wochen im Mai
Judith Kunz

Kein Schweinebraten, kein Rührei und sogar Honig ist tabu – vegane Ernährung klingt erst einmal nach einer Herausforderung. Dass „vegan“ viel einfacher ist, als man denkt und auch schmeckt, zeigt das oberbayerische Bad Tölz vom 29. April bis 26. Mai. Bei der jährlichen Aktion „Tölzer Veg“ können Einheimische und Besucher vier Wochen lang eine pflanzenbasierte Lebensweise ausprobieren. 

Zum Auftakt kocht „Vegan-Queen“ Sophia Hoffmann unkonventionelle Gerichte bei einer Live-Kochshow. Insgesamt warten mehr als 70 Veranstaltungen auf interessierte Teilnehmer. „Gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und bewusster Konsum gehören für mich zusammen“, sagt die Kochbuchautorin.

Wenn Hoffmann in der Küche steht, kommt nichts weg: Sogar aus angeschlagenen Äpfeln, altbackenem Brot oder müder Petersilie kann man noch vieles machen. Zum Beispiel Gemüse-Bratlinge aus Baguetteresten und Zucchini: „Der Schlüssel zu all dem ist die Wertschätzung, die Liebe zu den Lebensmitteln. Und die landet schließlich auch auf dem Teller“, erklärt die Berlinerin. Sie hat kürzlich das Buch „Zero Waste Küche“ herausgebracht, das sich mit der Minimierung von Lebensmittelabfällen beschäftigt. Bei der Kochshow am „Tölzer Veg“ zeigt sie, wie man die Rezepte ganz einfach in den (veganen) Alltag einbauen kann.

Sich gesund essen funktioniert: Das hat Boris Lauser – ebenfalls aus der Vegan-Hauptstadt – am eigenen Leib erlebt. Pollen-Allergie, chronische Nebenhöhlenentzündung und schlechte Haut sind seit seiner Ernährungsumstellung kein Thema mehr. Heute ist er Buchautor und mit dem Kurs „Einführung in die Rohkost Ernährung“ Teil des „Tölzer Vegs“. Mit Zucchini-Bolognese aus Oliven-Kürbiskern-Hack und roh-veganer Mousse au Chocolat beweist er, dass Rohkost mehr als nur Salat ist. 

„Es geht nicht darum, jemanden von einer bestimmten Ernährungsweise zu überzeugen“, sagt Gabi Peters, Projektleiterin der veganen Wochen in Bad Tölz, „wir möchten, dass die Menschen sich bewusst mit Essen auseinandersetzen und neue Dinge probieren. Ob man anschließend ve­gan lebt oder nicht, ist selbstverständlich jedem selbst überlassen.“

Wer bereit ist, Neues zu probieren, wird während der veganen Tölzer Auszeit genügend Gelegenheiten finden. Den Auftakt macht die Mini-Messe „Flanieren und Probieren“ am 29. April um 19 Uhr im Kleinen Kursaal – inklusive Hoffmanns Kochshow: kleine Köstlichkeiten naschen, sich mit Gleichgesinnten austauschen, einen Blick auf das umfassende Angebot werfen. Darauf folgen zahlreiche Veranstaltungen mit gesundem Genuss für jeden Geschmack: von „Leckerem wie aus Omas Zeiten“ über Kräuterexkursionen und Reisen in die Welt der indischen Gewürze bis hin zu einer veganen Weinprobe. Zusätzlich zum kulinarischen Programm können auch Angebote für Bewegung, Entspannung und Lebensstil wahrgenommen werden. Zum Beispiel „Rückenfit“ zur Stärkung der Muskulatur, Qigong mit fließenden Bewegungen für mehr Gelassenheit oder ein Seminar zur Selbstmotivation.

Die Stadt Bad Tölz unterstützt das Projekt finanziell, damit jeder sich gesunde Ernährung leisten kann. Auch die Partner des Programms bieten zum Teil günstige Schnupperpreise. Mit der Pauschale „Tölzer Veg“ zahlt man für sieben Übernachtungen ab 475 Euro inklusive veganem Frühstück und Teilnahme an Koch- und Sportkursen. Der Intensivkurs „Vegane Ernährung richtig gemacht“ mit Ernährungsseminar, Einkaufstraining und vielen Extras kann ab 326 Euro gebucht werden. Ein Krankenkassenzuschuss von bis zu 150 Euro ist möglich.


www.bad-toelz.de/toelzerveg

Thron des Giganten
Busreise zum Giant Causeway in Nordirland

Die finale Staffel der TV-Serie „Game of Thrones“, die aktuell viele Fantasiefreunde vor den Fernseher lockt, sorgt mit dafür, dass Irland eines der beliebtesten Urlaubsziele Nordeuropas ist. Denn die imposante Naturkulisse des nordirischen Giant Causeway diente als einer der Schauplätze der TV-Serie.

Beim Giant Causeway, der längst zur UNESCO-Welterbestätte erklärt wurde, entstanden vor rund 60 Millionen Jahren beim Abkühlen von Lava 40000 bis zu zwölf Meter hohe Basaltsäulen. Die Legende erzählt vom Riesen Finn McCool, der einen Damm baute, um nach Schottland zu gelangen. 

Gelegen ist dieses Naturwunder an der wohl schönsten Küstenstraße der Welt, der Causeway Coastal Route, die der Reiseführer „Lonely Planet“ zusammen mit Belfast als die beste Reiseregion des Jahres 2018 ausgezeichnet hatte. Es sind nur knapp 200 Kilometer, aber wer die Causeway Coastal Route entlangfährt, wird sich tatsächlich in die Region verlieben. Hier wird der wilde Atlantik zum romantischen Nordkanal, werden flache Strände zu Bergen, geschäftige Städte zu verträumten Fischerdörfern. 

Die lange Zeit vom Bürgerkrieg gebeutelte nordirische Hauptstadt Belfast verbindet inzwischen Tradition und Moderne. So erinnert das prunkvolle Rathaus an das Viktorianische Zeitalter, während aus dem alten Hafen ein Szeneviertel geworden ist. Mittendrin ist das Museum „Titanic Belfast“, welches mit aufwendiger Multimediashow die Ge­schichte des einst größten Schiffs der Welt erzählt, das in Belfast gebaut wurde. Ein Ge­heimtipp im Norden sind immer noch die Cliffs of Slieve League, die mit über 600 Metern zu den höchsten Klippen in Europa gehören. Damit sind sie fast drei Mal so hoch wie die bekannteren Cliffs of Moher im Westen der Republik Irland. 

Zwischen Mai und August bietet TUI-Wolters die sechs Busreisen „Glanzlichter des Nordens“ an, die in acht Tagen von Dublin aus an die Westküste und dann in Küstennähe nach Belfast führen. Neben dem Giant Causeway, den Cliffs of Slieve League und Belfast stehen der Besuch der Kilbeggan Whiskey Distillery und der St. Patrick‘s Cathedral in Dublin auf dem Programm. Aufgrund des günstigen Wechselkurses zum in Nordirland gültigen Pfund ist die Reise über TUI-Reisebüros oder über www.tui-wolters.de schon ab 1115 Euro pro Person buchbar. Insgesamt sind acht Eintritte inklusive.tws

S. 22 Bücher im Gespräch

Eine bisher unbekannte Spezies Mensch?
Dirk Klose

Deutschland steht kurz davor, eine bisher unbekannte Spezies Mensch zu entdecken: Die Mitteldeutschen. Jüngst auf der Leipziger Buchmesse gab es zahlreiche Bücher zu diesem Thema, auch waren Neuerscheinungen in großer Zahl angekündigt, die diese seltsamen Wesen zwischen Ostsee und Erzgebirge zu erklären vorgeben. Auch die Parteien haben mit Blick auf die Europawahl und drei Landtagswahlen im Herbst die Parole ausgegeben: Augen auf auf Mitteldeutschland.

Das plötzliche Interesse kommt nicht von ungefähr: Noch immer ist der Schock über die plötzlich hereinbrechenden Pegida-Demonstrationen in Dresden und über die Wahlerfolge der AfD  spürbar. Man glaubte, die Landsleute von „drüben“ zu kennen und steht nun fassungslos vor Entwick-lungen, die man sich einfach nicht erklären kann.

Erklärungen bieten die Journa-listin Jana Hensel (geb. 1976 in Leipzig) und der Soziologe Wolfgang Engler (geb. 1952 in Dresden), die beide schon mehrfach ebenso kritisch wie verständnisvoll über ihre Landsleute geschrieben haben. Ihr Buch „Wer wir sind“ ist ein langer und lebhafter, mitunter kontroverser Dialog. Er mündet letztlich immer wieder in die manchmal resignierende, häufiger aber aufbegehrende Feststellung, die Menschen im Osten Deutschlands seien nach 1990 in jeder Hinsicht regelrecht überfahren worden: mental durch die neuen sozialen Anforderungen, ökonomisch durch Degradierung in Arbeit und Beruf mit langer Arbeitslosigkeit oder Frühverrentung, politisch durch eine Art Ohnmachtsgefühl, von der westlichen Seite bevormundet und gegängelt zu werden.

Für beide Autoren gründen diese Reaktionen nicht in DDR-Erfahrungen sondern in der Nachwendezeit. Die Verwerfungen in den Jahren seit der Teilwiedervereinigung haben die Menschen, so sagen es beide, tief geprägt und Gefühle entstehen lassen, in denen sich Enttäuschung, Zorn, Resignation und politische Radikalisierung mischen – Enttäuschung und Resignation, weil die versprochenen „blühenden Landschaften“ ausgeblieben sind, stattdessen ein industrieller Kahlschlag erfolgte; Zorn, weil der Westen in fast allen Belangen das Sagen hatte; politische Radikalisierung, wie es sich an Pegida und AfD zeigte. Jana Hensel attestiert der AfD eine „Emanzipationsbewegung von rechts“. 

Das Buch reizt zum Widerspruch, und das will es auch. Fertige Rezepte haben Hensel und Engler nicht, aber sie erwarten wohl doch, dass man sich im Westen künftig mehr als bisher in die Mentalität der Mitteldeutschen hineinversetzt und deren Erfahrungen im gemeinsamen Deutschland akzeptiert. Freilich, manchen (westlichen) Lesern hätte es wohl gefallen, wenn wenigstens an ein oder zwei Stellen anerkannt würde, dass in Form des Solidaritätszuschlags und immenser Transferleistungen auch viel Hilfe gegeben wurde, die, wenn nicht alle Erinnerung trügt, alles in allem doch auch bereitwillig geleistet wurde.

Vermutlich wäre dem gegenseitigen Verständnis ohnehin mehr gedient, wenn ein solcher Dialog von Personen aus Ost und West gleichermaßen geführt würde. Hier bestätigen sich beide Autoren – vielleicht ungewollt – wiederholt in ihren eigenen mitteldeutschen Erfahrungen, was das Gespräch streckenweise zu einer unausgesprochenen Anklage gegen den Westen werden lässt. Einen Königsweg wissen beide nicht. Etwas resigniert äußert Engler gegen Ende: „,Wir sind das Volk.‘ Wie verschieden diese beiden Völker doch waren, die das skandierten.“

Wolfgang Engler /Jana Hensel: „Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“, Aufbau Verlag, Berlin 2018, gebunden, 288 Seiten, 20 Euro


Wie »Gott in Frankreich«
M. Rosenthal-Kappi

Frankreich ist eines der beliebtesten Länder für individuelle Reisen mit dem Wohnmobil. Dazu trägt vor allem die gute Infrastruktur mit Stell- und Campingplätzen sowie Versorgungseinrichtungen sogar auf Parkplätzen von Supermärkten bei. Mehr ins Gewicht fallen allerdings Frankreichs abwechslungsreiche und überaus schöne Landschaften und Städte.

Der erfahrene Reisejournalist und Fotograf Thomas Cernak – er reiste selbst als Teilnehmer der „CampChallenge“ in 80 Tagen um die Welt – stellt in seinem bereits in zweiter Auflage erschienenen Reiseführer „Frankreich mit dem Wohnmobil“ 14 Routen vor, die sich für einen Frankreich-Urlaub lohnen. 

Die Strecken führen in alle Himmelsrichtungen des Landes und auf die Insel Korsika. Dabei beschränkt Cernak sich nicht so sehr auf die Beschreibung der Haupttouristenattraktionen wie die mondäne Côte d’Azur oder die stolzen Loire-Schlösser, sondern führt bewusst auch abseits ins Hinterland, wo es ebenfalls viel zu entdecken gibt, wie zum Beispiel das malerische Hochplateau Vaucluse in der Provence.

Berühmt ist Frankreich natürlich auch für seine kulinarischen Spezialitäten, die ebenfalls im Buch nicht zu kurz kommen. Cernak beschreibt, wo man Herstellern erlesener Weine, Seifen, Ölen oder Essigessenzen einen Besuch abstatten kann. Ein Sprachführer zu Beginn, Kartenausschnitte zu jeder Tour und praktische Tipps sowie zahlreiche Fotos runden den ansprechenden Reiseführer ab und machen Lust, wie „Gott in Frankreich“ zu reisen.

Thomas Cernak: „Frankreich mit dem Wohnmobil. Die schönsten Routen von der Normandie über die Côte d’Azur nach Korsika“, Bruckmann Verlag, München 2018, broschiert, 256 Seiten, 30 Euro

Betrachtung der polnischen Geschichte aus der Feder eines Experten
Karlheinz Lau

Wissen um Polen und seine Menschen ist in der deutschen Bevölkerung nicht sehr verbreitet. Der beachtliche strukturelle wirtschaftliche Wandel mit positiven Ergebnissen wird überwiegend nur von der Wirtschaft wahrgenommen. Polen ist einer der wichtigsten Handelspartner für Deutschland, eine Fahrt über die Autobahn A12 Richtung Frankfurt/Oder und Posen zeigt den starken Lkw-Verkehr in beide Richtungen. Trotz dieser positiven Entwicklungen haben – etwa im Vergleich zu Frankreich – verhältnismäßig wenige Deutsche das Land östlich von Oder und Neiße persönlich kennengelernt. 

Das verwundert deshalb, weil die polnischen Westgebiete Pommern, Ostbrandenburg, Schlesien und das südliche Ostpreußen bis 1945 deutsches Reichsgebiet waren, und viele Deutsche einen familiären Hintergrund im Osten haben. Ohne es direkt auszusprechen, will Gerhard Gnauck mit seinem Buch „Polen verstehen“ gegen diese Defizite ankämpfen. Kompetent dafür ist er als Korrespondent der „FAZ“ für Polen und andere ostmitteleuropäische Staaten. Er stammt aus einer deutsch-polnischen Familie, ist in Warschau geboren und hat osteuropäische Geschichte und Slawistik studiert.

Die geschichtliche Entwicklung Polens von der Zeit der Teilungen bis in die Gegenwart ist inhaltlich der rote Faden seiner Darstellung. Er beschreibt durchgängig und gleichgewichtig die Stellung des Landes zwischen Deutschland und Russland. Im Zentrum stehen die Ereignisse seit der Staatsgründung 1918 

– die zweite Republik –, die Jahre zwischen den Weltkriegen bis 1939, das Trauma der Aufteilung zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion sowie die Schrecken und Verbrechen der Besatzungspolitik beider Diktaturen, die „Befreiung“ 1944/45 durch die Sowjetunion sowie die Etablierung der kommunistischen Volksrepublik. Schließlich werden die Ereignisse um die Gewerkschaft Solidarnosc und der politischen Wende 1989/90 dargestellt, Es beginnt die Phase der dritten Republik, und die Schlusskapitel enden in der Gegenwart. 

Der Autor zeigt sich als profunder Kenner der polnischen Geschichte und Politik, besonders seine Ausführungen über die Differenzen und Streitpunkte, die Polen an seinen Ostgrenzen mit den Nachbarn Litauen, Weißrussland, Sowjetunion/Russische Föderation sowie Ukraine bis heute hat. Es ist eine ethnische Gemengelage, man denke an Polen in Litauen oder Ukrainer in Polen. Hier spielte Jan Pilsudski bis zu seinem Tod eine entscheidende Rolle, etwa seine Vorschläge für einen Präventivschlag gegen das Deutsche Reich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Gnauck beschreibt ausführlich die Persönlichkeit dieses Mannes. 

Diese Passagen des Buches sind deshalb besonders wichtig, weil polnische Geschichte bei uns überwiegend im Verhältnis zu Deutschland gesehen wird. Dabei ist der Osten für Polen heute wichtiger als die stabil gewordene Westgrenze an Oder und Neiße. Eine besondere Berücksichtigung der früheren deutschen Ostprovinzen und heutigen polnischen Westgebiete findet sich nicht, allenfalls die zeitgleiche Vertreibung der Deutschen und der Polen aus ihren Ostgebieten, jedoch ohne Qualifizierung der unterschiedlichen Kulturräume. Es entsteht der Eindruck, dass diese Frage nach endgültiger Anerkennung der polnischen Westgrenze kaum noch ein Thema der Besorgnis für den Normalpolen ist, im Gegensatz zur Ostgrenze. 

Von aktuellem Interesse sind besonders die Schilderungen der Persönlichkeit, Mentalität und politischen Strategie des Vorsitzenden der Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski. Nach Gnaucks Einschätzung wird sich diese Partei noch länger halten. 

Als sensibel muss weiterhin das polnisch-jüdische Verhältnis charakterisiert werden, das zeigt die Anfang 2018 eingebrachte Gesetzesnovelle, durch die jede Behauptung einer polnischen Beteiligung am Holocaust unter Strafe gestellt wird. 

Der Autor sieht die Geschichte Polens vornehmlich seit den Teilungen als entscheidenden Faktor zur Entstehung einer Bewusstseinslage und einer nationalen Identität: die Heldennation, die sich gerade in den Leidenszeiten der Teilungen und der Besetzungen während des Zweiten Weltkrieges bewiesen hat, das Trauma zwischen den Großmächten in Ost und West, der nationale Stolz auf das Erreichte seit der Befreiung aus der kommunistischen Bevormundung. Der Einfluss der katholischen Kirche vor Ort sowie das nach wie vor bestehende Stadt-Land-Gefälle müssten noch hinzugefügt werden. Sehr hilfreich für das Verständnis der Texte sind zahlreiche Zitate bekannter Persönlichkeiten oder wichtiger Dokumente wie das geheime Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Pakts von 1939 sowie Kartenmaterial und eine Zeittafel, die mit Beginn der Etablierung eines polnischen Staates im Mittelalter anfängt. Die zahlreichen Anmerkungen sowie eine umfassende Literaturauswahl zeugen von der Solidität der Arbeit. Dass Gnauck Journalist ist, zeigt sein verständlicher Schreibstil, wobei hervorzuheben ist, dass er stets bei Interpretationen betont, dass er seine Meinung referiert. 

Das Buch ist eine ganz wichtige und aktuelle Übersicht über die polnische Geschichte seit den Teilungen bis in die Gegenwart. Wer sich für die Thematik interessiert, muss es zur Kenntnis nehmen.

Gerhard Gnauck: „Polen verstehen – Geschichte, Politik, Gesellschaft“, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018, broschiert, 317 Seiten, 9,95 Euro

 

Fall von taktisch bedingter Verstellung

Die Galionsfiguren des politischen Islam verstehen es inzwischen meist hervorragend, sich zum Opfer von „Islamophobie“ oder „Islamhass“ hochzustilisieren. Das gilt auch für Abdul Adhim Kamouss, der seinen Lesern in dem Buch „Wem gehört des Islam?“ einzureden versucht, dass er niemals die Absicht gehabt habe, Terroristen heranzuzüchten, und stets „für ein friedliches Zusammenleben und ein gemäßigtes Islamverständnis“ eingetreten sei.

Tatsächlich – das schildert der gebürtige Marokkaner ja auch ganz offen – radikalisierte der „Moslem-Macher“ (ARD) und „Popstar der salafistischen Szene“ (Bundeszentrale für politische Bildung) als Imam an der Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln zahllose junge Muslime in seinem Gastland Deutschland. Einige von diesen gründeten später Terrorgruppen, begingen Anschläge oder mordeten für den Islamischen Staat in Syrien. Deshalb steht es Kamouss auch in keiner Weise zu, sich darüber zu beklagen, dass die deutschen Sicherheitsbehörden gegen ihn ermittelten und ein mehrjähriges Ausreiseverbot verhängten – aber genau das tut er voller Larmoyanz.

Außerdem schildert der eigentlich zum Studium der Elektrotechnik in die Bundesrepublik Eingereiste, wie er dann durch das Zusammentreffen mit dem Berliner Innensenator Körting (SPD) zu seinem ganz persönlichen Erweckungserlebnis kam und seither gegen Dogmatismus, Fanatismus und Extremismus im Islam kämpft. Sonderlich glaubwürdig wirkt das Ganze freilich nicht, zumal Kamouss auch weiter an den deutschen Sicherheitsbehörden herumkrittelt. Möglicherweise liegt hier wieder einmal ein Fall von Taqiya vor, also der taktisch bedingten Verstellung, die Muslimen im Umgang mit „Ungläubigen“ erlaubt ist. W.K.

Abdul Adhim Kamouss: „Wem gehört der Islam? Plädoyer eines Imams gegen das Schwarz-Weiß-Denken“, dtv Verlag, München 2018, 224 Seiten, broschiert, 16,90 Euro


Vom Wald und seinen Geräuschen

Jedes Kind liebt es, sich in der Natur aufzuhalten. Wenn man keinen Wald in der Nähe hat, kann man in das Buch „Hörst du den Wald?“ der Diplombiologin Eva Wagner schauen. In diesem Sachbuch bekommen Kinder, aber auch Erwachsene, einen Eindruck davon, welche Geräusche es im Wald gibt und wie die vielen dort lebenden Tiere sich überhaupt anhören. Zuerst muss auf dem rück-wärtigen Buchdeckel ein Knopf eingeschaltet werden. 

Schon geht es auf der ersten Seite mit den Säugetieren los. Damit man diese hören kann, wird die jeweilige Seite per Knopfdruck aktiviert. Es beginnt mit dem Reh, dem Rotfuchs, Wildschweinen, dem Rothirsch und dem Dachs. Welche Laute diese Waldtiere von sich geben, haben sicher nur wenige Stadtmenschen jemals gehört. Zu allen Tieren gibt es zusätzlich Informationen über Aussehen und Lebensweise. 

Weiter geht es mit Luchs, der Wildkatze, der Waldspitzmaus, der Rötelmaus und dem Eichhörnchen. Die Vögel dürfen natürlich nicht fehlen. Auf zwei Seiten erfährt man viel über unsere einheimischen Vögel vom Auerhuhn bis zum Zilpzalp inklusive ihrer Gesänge. 

Spannend wird es bei den nacht-aktiven Tieren, wie dem Baummarder, dem Braunen Langohr, einer Fledermausart, der Waldohreule, dem Waldkauz und der Haselmaus. Die Geräusche einer Fledermaus kann man normalerweise nicht hören. Sie sind im Buch technisch verstärkt. Auch die Insekten haben eine eigene Seite. Am Ende gibt es noch Waldgeräusche, die jeder kennt, wenn Äste knacken oder Motorsägen der Waldarbeiter aufheulen. 

Es macht Spaß, den Wald und die Laute der Waldbewohner zu erkunden. Durch die vielen Tierstimmen wird der kleine Leser angeregt, mehr über die jeweilige Art zu erfahren. Ein rundum gelungenes, informatives Klangbuch mit 

35 Tier- und Waldgeräuschen. S.F.

Eva Wagner: „Hörst du den Wald?“, Soundbuch mit 35 Tier- und Waldgeräuschen, ars edition, München 2019, gebunden, 16 Seiten, 17 Euro


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S. 24 Panorama

Der satirische Wochenrückblick mit Klaus J. Groth
Vorsicht, Künstliche Intelligenz / Redakteure gegen Roboter ausgetauscht? / Programmierte Stichworte / Wenn gute Tanten tadeln / Präsident spielen

Haben Sie das gesehen?! Tagesschau, 15. April 2019. Die Kamera schwenkt über die Bildwand. Ein Feuer ist zu erkennen. Die Kamera fährt weiter, stoppt bei einem Porträt. Martin Winterkorn. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Anklage gegen den ehemaligen VW-Chef erhoben. Es folgen etliche Bildstrecken aus dem Archiv, reichlich Rückblenden. 

Nächstes Thema: Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Eilverfahren auch Menschen mit einer Vollbetreuung das Wahlrecht zugesprochen. Schon zur EU-Wahl. Dann ist die Kamera bei dem bereits zuvor gezeigten Foto eines Großfeuers. Eine Kirche steht lichterloh in Flammen. Seit einer Stunde. Es ist Notre-Dame, eines der bedeutendsten Wahrzeichen von Paris, klärt uns der Sprecher auf. So ähnlich könnte Notre-Dame auch in einer Dreisterne-Busrundreise mit anschließender Rotweinverkostung klassifiziert werden. 

Kein Wort von der kulturhistorischen Bedeutung dieses Weltkulturerbes aus dem 12. Jahrhundert, über das spirituelle Erbe, nicht nur der katholischen Franzosen. Nächstes Thema: Änderung des EU-Urheberrechts. Und so weiter und so fort, wie jeden Abend. Weiter geht es mit einem hervorragenden Tierfilm über Tiger in Indien. Da ist Notre-Dame ganz weit weg. Frank Plasbergs „Hart, aber fair“ schließt sich an. Mitten in dieser Diskussion taucht eine Einblendung auf: Notre-Dame in Flammen. Es muss einen Weckruf gegeben haben, dem sich auch die blasierteste Künstliche Intelligenz nicht entziehen konnte. 

Angesichts dieser journalistischen Glanzleistung drängt sich eine Frage förmlich auf: Wurde heimlich die Tagesschau-Redaktion abgeschafft? Arbeiten dort zwecks Einsparung Roboter, ausgestattet mit Künstlicher Intelligenz? Wurden sie programmiert, nur noch auf Stichworte zu reagieren? Das Verfahren ist bekannt und erprobt. Weltweit arbeiten Geheimdienste damit. Sie fischen aus den Myriaden umherschwirrender Nachrichten die relevanten heraus. Dazu wurden in die Suchprogramme bestimmte Schlüsselbegriffe eingegeben. Taucht solch ein Begriff auf, weiß das Lauschprogramm: Aha, hier sollte ich genauer hinhören. Dabei ist es dem Programm egal, was es aufnimmt. Ist es auf „Buttermilch“ programmiert, fischt es jeden Nachrichtenfetzen heraus, in dem das Wort „Buttermilch“ auftaucht, egal was damit mitgeteilt wird. 

So gesehen ist die Sache vollkommen klar. Die Robotniks der Tagesschau, also die mit der Künstlichen Intelligenz, wurden förmlich überschwemmt mit Reizworten. Sie mussten ganz einfach eine Nachrichtensendung machen, wie sie sie dann machten. Sie konnten nicht anders. Nehmen wir die erste Meldung. Das wimmelte geradezu vor Reizüberflutung. Erste Meldung: Winterkorn! VW! Kohlendioxyd!           Diesel! Betrug! Staatsanwaltschaft! Dagegen wäre nur noch das Stichwort „Trump“ angekommen. Zweite Meldung: Behinderte! Benachteiligung! Recht! Noch einmal Recht! Dann erst rutschte Notre-Dame dazwischen. Das Stichwort war nicht programmiert. 

Als diese Tageschausendung ausbrach, war das Feuer bereits seit nahezu einer Stunde ausgebrochen. Aber wer hätte der Künstlichen Intelligenz sagen sollen: Hey Freunde, da passiert gerade ein ganz großes Ding. Da müsst ihr ran. Wenn einer es versucht hätte, er hätte keine Chance gehabt. Die Künstliche Intelligenz im Studio ist besser abgeschottet, als der Atommüll in Gorleben es jemals sein könnte. 

In der Kalahari der Meinungsfreiheit, bekannter auch als Studio der Tagesschau, wird schon optisch erkennbar, dass dort nichts blühen kann. Jedenfalls nichts, was nicht den Normen der Künstlichen Intelligenz entspricht. Sich ins Nichts drehende Neonschlangen, ein vereinsamter Sprecher vor dem Teleprompter, ein meist verwaister Tisch für einen Gesprächspartner. Auch optisch signalisiert das: Die Tagesschau ist sich selbst genug.

Warum fällt mir jetzt ausgerechnet Jan Böhmermann ein? Der hat doch mit der ARD nichts zu tun. Der verkörpert doch die Meinungsvielfalt der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Richtig, der ist beim ZDF. Das war mal etabliert worden, weil man ein Gegengewicht zur ARD haben wollte, aus welchen Gründen auch immer. Schleichend kam der Wandel durch Annäherung. Der eine oder andere wird sich noch erinnern, dass wir diese Formel Egon Bahr verdanken. Fairerweise muss darauf hingewiesen werden, dass Bahr dabei überhaupt nicht an die öffentlich-rechtlichen Anstalten dachte. Wie kamen wir darauf? 

Ach ja, Böhmermann. Der öffentlich-rechtliche Ziegenf … , na, Sie wissen schon, was. Natürlich fällt dies Wort nur im Zusammenhang mit einer unerlaubten Schmähkritik. Böhmermann wird schon wissen, wie das gemeint ist, er kennt sich damit aus. Das könnte Schnee von gestern sein, hätte Angela Merkel nicht den Böhmermann tadeln lassen. In präsidialer Würde und Wortwahl, wie sich das für eine Kanzlerin gehört. Sie hatte befunden, die Unterleibsschmähungen seien ein „bewusst verletzender Text“ gewesen. Mehr in Watte kann man die Kritik an einer widerwärtigen Beleidigung nicht hüllen, es war die mildeste Form, die Entgleisung Böhmermanns sanft zu tadeln. 

Tanten pflegten früher zu sagen: Du, du, tu das nie wieder! Ach, die guten Tanten. Und ach, die gute Merkel. Die Zeiten haben sich geändert. Allgemein und öffentlich-rechtlich. Da lässt man sich doch nicht von so einer Tante vorführen. Jedenfalls nicht als Verfasser eines Schmähgedichts. Schließlich hat jeder das Recht, den Präsidenten eines anderen Staates eine dumme Sau zu nennen. Das ist Freiheit der Kunst. Und Meinungsfreiheit sowieso. 

Böhmermann nahm das für sich in Anspruch und verklagte die Kanzlerin. Dabei hatte Merkel vorauseilend schon zuvor zusichern lassen, eine solch böse Kritik nicht zu wiederholen. Das genügte Mimose Böhmermann nicht. Die Mimose keilte aus. Allerdings vergeblich, das Gericht wies die Klage  ab. Was der Sache überhaupt nicht schadete, der Schmähkritiker blieb schließlich im Gespräch. Sonst liefert er ja nichts, worüber zu reden sich lohnte. Es sei denn, er riefe sich zum Kanzlerkandidaten aus. Wie so etwas ausgehen kann, wird gerade in der Ukraine vorgeführt. Ein Schauspieler, der einen Lehrer spielt, der Präsident wird, wird Präsident. Verständlich, dass Wahlsieger Wladimir Selenskij den Werbeslogan der Toyota-Affen, „Nichts ist unmöglich“, abgewandelt übernahm: „Alles ist möglich.“ Das kann erst einmal alles Mögliche bedeuten.

Was nun Jan Böhmermann und die noch ausstehende Kanzlerkandidatur betrifft, so sind seine Chancen wohl etwas geringer als die seines Kollegen in der Ukraine. Denn: Böhmermann hat noch niemals Präsident gespielt. Und: Böhmermanns Schmähgedicht war alles andere als gendergerecht. Es war eher wie aus einer anderen Zeit gefallen, das typische Produkt eines alten, weißen Mannes. Als ob es in Berlin nun nicht einen Weltfrauentag gäbe, Brandenburg mit einem Parité-Gesetz für einen Ausgleich der Geschlechter im Landtag sorgte, die Stadt Hannover die gendergerechte Sprache einführte, als ob es an den irrwitzigsten Stellen nicht von Binnen-Is und Gendersternchen wimmelte, allüberall Stadtverwaltungen auf der Suche nach Unisex-Toiletten wären, das dritte Geschlecht in jeder Stellenanzeige ausdrücklich genannt werden muss. Das, werter Herr Böhmermann, sind die wirklichen Dinge, mit denen man sich sprachlich auseinandersetzen muss. 

Wo wäre übrigens das Gendersternchen beim Namen Böhmermann korrekt anzusetzen? Schwierig. Aber mit etwas Bemühen bekäme man das auch hin. Lesen Sie nur mal diese zwei Sätze aus einer österreichischen Fibel für Grundschüler: „Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen.“ Um den Genuss dieser Sätze vollkommen auszukosten, lesen Sie den Text am besten laut vor. Aber nicht ins Stottern geraten. 


MELDUNGEN / ZUR PERSON

Judenfeindliche Taten gestiegen

Berlin – Antisemtische Vorfälle haben in Berlin 2018 gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf 1083 zugenommen. Dies berichtet die Recherche- und Informationsstelle Antisemtismus Berlin (Rias). Gewalttätige Übergriffe nahmen prozentuale besonders stark zu, um 155 Prozent von 18 auf 46. Laut Rias waren 18 prozent der Vorfälle rechtsextrem und nur zwei Pozent islamisch motiviert. Allerdings konnte bei knapp der Hälfte der Übergriffe Risa zufolge kein Motiv ermittelt werden. H.H.





Bremen wirbt um Ausländer

Bremen – Damit mehr bisherige Ausländer wählen können, will der rot-grüne Bremer Senat in den kommenden drei Jahren 36000 Nichtdeutsche im Stadtstaat anschreiben, um sie auf die Möglichkeit des Erwerbs der deutschen Staatsbürgerschaft hinzuweisen. Menschen mit ausländischen Wurzeln neigen bislang überwiegend dazu, linke Parteien zu wählen.   H.H.





Priesterheld von Paris

Nach Katastrophen suchen die Menschen Trost. Dazu werden Helden geboren. Seit der Brandnacht von Notre-Dame wird der Feuerwehr-Seelsorger Jean-Marc Fournier als Priesterheld von Paris gefeiert. Er rettete zahllose religiöse Kulturgüter vor dem Feuer, darunter eine ikonisch verehrte Dornenkrone.

Der Geistliche wusste genau, wo die Heiligtümer aufbewahrt wurden, denn er war Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Der Orden ist für die Pflege der Reliquien in der Kirche Notre-Dame zuständig. 

Der Reliquien-Retter ging nicht naiv in das brennende Gebäude: Der Pater ist auch ausgebildeter Feuerwehrmann. Feuerwehrleute begleiteten den mutigen Retter in die brennende Kathedrale und sicherten ihm den Weg. So konnte dieser die Schätze fachgerecht aus der Kapelle bergen. Seit 1896 wird die Dornenkrone in einer Hülle aus Kristall und Gold aufbewahrt. Gläubige dürfen sie nur einmal im Monat bewundern.

Dass er keine Angst in brenzligen Situationen kennt, demonstrierte der Priester bereits 2015 beim Bataclan-Massaker in Paris, als er noch während des Terroranschlags erste Verletzte gerettet hatte. „Entweder bewegen wir uns oder wir sind tot“, soll er die Verletzten und Verängstigten beschworen haben. 2004 trat er der Seelsorgeeinheit des Militärs bei. Auch in Afghanistan war er schon im Einsatz und überlebte ein Attentat der Taliban, bei dem zehn französische Soldaten den Tod fanden. 

Bevor er Seelsorger der Feuerwehrleute wurde, war Fournier als Priester auch in Deutschland tätig. Er war Mitglied der streng konservativen Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP), die die katholische Messe nach dem alten lateinischen Ritus feiert. Seine Mitgliedschaft in dieser Bruderschaft passte vielen Medien nicht in das Bild, das sie sich von einem Helden machen.Bodo Bost/tws

MEINUNGEN

Imad Karim wundert sich          auf „Journalistenwatch.com“ (16. April), wie schnell die französischen Behörden ausschließen konnten, dass der Brand von Notre-Dame auf einen Anschlag zurückgeht:

„Notre-Dame brennt und die französische Polizei wusste bereits, ohne den Brand zu untersuchen und bevor Feuer-Forensiker ihre Arbeit aufnehmen, es handele sich keinesfalls um eine Brandstiftung oder einen Terroranschlag auf Notre-Dame. Diese Woodoo-Methoden und die telepathischen Fähigkeiten der französischen Polizei sind wirklich faszinierend, nicht wahr?“





Andreas Rödder, Historiker (Uni Mainz) und CDU-Mitglied, nennt in der „Welt“ (18. April) Gründe für die argumentative Leere der Unionsparteien:

„Seit Anfang des Jahrtausends hat sich eine Kultur des Regenbogens immer weiter ideologisiert. Diversität, Antidiskriminierung und Inklusion, Gender-Mainstreaming, Gleichstellung, Postkolonialismus – all dies zusammen ist zu einer hegemonialen Kultur geworden. Diese Vorherrschaft hat wiederum eine Gegenbewegung hervorgerufen, die sich in Donald Trump genauso wie in der AfD ausdrückt und sich vielfach im Ressentiment erschöpft. Es ist das große Defizit der politischen Mitte, dass sie der Kultur des Regenbogens argumantativ viel zu wenig entgegensetzt.“





Der 18-jährige Abiturient Max Roland zeigt in „Apollo News“ (15. April) dem Organ der „Liberalen Jugendbewegung“, auf, wie sehr der politische Witz unter Druck linker Moralisten geraten ist:

„Witze waren immer ein Ventil, um gesellschaftlichen Druck abzulassen. Durch Witze konnte man Themen ansprechen, die gesellschaftlich tabuisiert waren, über die man sonst nicht sprechen konnte. Wenn es jetzt von linksregressiven Schreiberlingen heißt, dass man auch an Karneval nicht mehr über alles Witze machen dürfe, dann zeigt das eines: Die Linken fürchten um die gesellschaftlichen Tabus, die sie geschaffen haben.“





Ralf Schuler hat wenig Hoffnung, dass Innenminister Horst Seehofer (CSU) sein Versprechen einlösen kann, dass Abschiebungen künftig rigoroser durchgesetzt werden. In der „Bild“-Zeitung (18. April) schreibt er:

„So schön der Titel („Geordnete-Rückkehr-Gesetz“) klingt, so gering ist der Wille vieler Länder und Kommunen, Abschiebungen durchzusetzen, und so groß bleibt die Zahl der Ausnahmen und Schlupflöcher. Auch in Zukunft gilt: Rein kommt man nach Deutschland nahezu ungehindert. Beim Verlassen setzt der Staat gewaltige Hürden.“





Harald Schwarz, Energieexperte und Professor an der BTU Cottbus-Senftenberg, zerreißt die „Energiewende“ im „Lausitz Magazin“ (Ausgabe Frühjahr 2019) in der Luft:

„Wir geben in drei Jahren also unsere sichere Stromversorgung ,aus eigener Kraft‘ auf und haben dann nur noch 80 Prozent der notwendigen gesicherten Kraftwerkleistung im eigenen Land, die wir brauchen, um uns verlässlich zu versorgen. 2030 sinkt das weiter auf 60 Prozent. Wo soll der Rest herkommen?“