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Ausgabe 18/19 03.05.19

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Der nächste Beutezug
Höchste Alarmstufe: Brüssel greift nach den Sozialkassen der EU-Nordländer
Hans Heckel

Mit der geplanten Abkehr vom Einstimmigkeitsprinzip sind die Nordländer der EU nach dem Brexit dem Süden ausgeliefert.

Im Schatten des lauen EU-Wahlkampfes braut sich eine Entscheidung zusammen, die den deutschen Steuerzahler dauerhaft Milliarden kosten könnte und die Selbstbestimmung der Bundesrepublik massiv untergraben würde. Die in den letzten Zügen ihrer Amtszeit liegende EU-Kommission unter Präsident Jean-Claude Juncker will bei der Steuer- und Sozialpolitik das Einstimmigkeitsprinzip kippen.

Künftig soll bei Fragen wie der Einführung einer gemeinsamen EU-Arbeitslosenversicherung oder gemeinsamer EU-Steuern eine Mehrheitsentscheidung reichen. Einzelne Länder könnten dann gegen ihren Willen in solche Entscheidungen hineingezwungen werden. Dazu soll es reichen, wenn 55 Prozent der Mitglied-staaten zustimmen, welche mindestens 65 Prozent der Einwohner repräsentieren.

Die EU-Südländer unter Frankreichs Führung streben schon länger nach sehr viel mehr „Umverteilung“ in der EU und sehen mit dem Brüsseler Plan ihren Traum in Erfüllung ge-hen. Die Nordstaaten unter der Führung von Deutschland und Großbritannien haben dies bislang einigermaßen eingedämmt. 

Die angestrebte Entscheidung gewinnt erst durch den Brexit ihre volle Brisanz: Bislang brachten Nord- wie Südländer mit jeweils knapp 40 Prozent der Einwohnerzahl eine Sperrminorität zustande, weil gegen sie keine Mehrheit von 65 Prozent zu erringen war. Wenn die Briten aber gegangen sind, kann Berlin mit seinen wenigen verbliebenen Verbündeten vom Süden der EU spielend überstimmt werden, sobald Paris die übrigen, schwankenden Mitgliedstaaten auf seine Seite gezogen hat.

Paris oder Rom argumentieren, damit würde die Einheit der EU gefestigt. In Wahrheit haben sich die dortigen Regierungen hoffnungslos für Sozialgeschenke verschuldet und suchen nun hän- deringend nach neuen Quellen, um ihren Wählern die schmerzhafte Wahrheit ersparen zu können – auf Kosten vor allem der deutschen Wähler, die den Südregierungen egal sein können. Die Steuer- und Beitragszahler im Norden der EU sollen die Zeche zahlen. 

Gleichwohl unterstützen SPD und Grüne den Juncker-Plan ausdrücklich. Selbst Wolfgang Schäuble (CDU) steht hinter dem Vorhaben. Und der Rest der Union? Von messbarem Widerstand ist nichts zu spüren.

Der Plan wird die EU nicht festigen, sondern einen weiteren Spaltpilz in die Gemeinschaft pflanzen, womöglich den letzten, tödlichen. Unverantwortliche Politik und ihre Macher sollen sich schadlos halten können zulasten derer, die sparsamer wirtschaften. Als hätte nicht bereits die Euro-Krise gezeigt, wie verheerend falsche Vergemeinschaftung die Völker gegeneinander aufbringt, marschiert Brüssel unbelehrbar in die falsche Richtung weiter. 

Hängepartie in Spanien
Weder das linke noch das rechte Lager haben eine Mehrheit – Rechtskonservative Vox-Partei erstmals im Parlament
Bodo Bost

Erneut haben sowohl das linke als auch das rechte Lager in Spanien eine stabile Mehrheit verpasst. Wahlgewinner sind die Sozialisten und die neue rechtskonservative Vox-Partei, die erstmals und zweistellig ins Parlament einzieht.

Bei der Parlamentswahl in Spanien hat die Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) des seit einem Jahr regierenden Ministerpräsidenten Pedro Sánchez die konservative PP mit 29 Prozent der Stimmen als stärkste Partei abgelöst, aber die absolute Mehrheit verpasst. Die PP hat dagegen ihren Stimmenanteil halbiert und landet nur noch bei 16 Prozent. Die Vox hat ein zweistelliges Ergebnis erzielt. Damit wird mit der erst 2013 gegründeten Partei erstmals seit Jahrzehnten eine rechtskonservative Formation ins Madrider Parlament einziehen.

Selbst gemeinsam mit dem einstigen Senkrechtstarter Podemos, die stark verloren hat, erhält das linke Lager keine Mehrheit. Auch das rechte Lager aus konservativer Volkspartei, den liberalen Ciudadanos und der Vox bringt keine Mehrheit zustande. Zum Zünglein an der Waage werden also wieder die Autonomisten aus Katalonien und dem Baskenland, die mit 

20 Prozent der Stimmen für jedes der beiden Lager zur Mehrheitsbeschaffung notwendig sind. Die Autonomisten in Spanien sind zwar eher links eingestellt, aber die zugespitzte Unabhängigkeitsdebatte um Katalonien hat in den letzten Jahren zu einem Auseinanderfallen zwischen nationalen und regionalen Linken geführt. 

Die Regionalisten hatten Sánchez zwar vor einem Jahr mit an die Macht gebracht und zunächst geduldet, aber als dieser in der Katalonienfrage nicht zu mehr Zugeständnissen bereit war, entzogen sie ihm ihre Unterstützung. Das führte dazu, dass Sánchez als Chef einer Minderheitsregierung seinen Haushalt nicht durchbringen konnte und Neuwahlen ansetzen musste.

Erneut droht Spanien somit eine komplizierte Blockade-Situation, wie es sie bereits 2016 gab. Damals war die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro- zone trotz zweier Wahlgänge innerhalb von sechs Monaten wegen der Stimmenzersplitterung und dem Einzug zweier neuer Parteien fast ein Jahr lang ohne reguläre Regierung geblieben. Die jetzige Parlamentswahl war bereits die dritte inner- halb von nur dreieinhalb Jahren. Den Wahlkampf dominiert hatten der Regionalkonflikt in Katalonien, der drohende politische Stillstand sowie erste Anzeichen einer Konjunkturabschwächung bei anhaltend hoher Arbeitslosigkeit. Die Vox konnte vor allem durch die unter der Regierung Sánchez um 60 Prozent gestiegenen Asylsucherzahlen in Spanien punkten. Allerdings sind nur die wenigsten der neuen Asylsucher in Spanien verblieben, viel mehr sie sind entgegen den Abmachungen der EU in andere Länder weitergezogen.

Vox (Latein für „Stimme“) konnte vor dem Hintergrund der Asylkrise und der Unabhängigkeitsdebatte um Katalonien deutlich punkten. Sie lehnt die von der Regierung zugestandenen Autonomierechte ab und strebt stattdessen eine zentralistische Verfassung wie unter Franco an. Im Wahlkampf forderte sie einen „freien Waffenbesitz“ für jeden Spanier. Auch von einer Mauer um die beiden spanischen Exklaven in Nordafrika, Ceuta und Melilla, wo die Partei ihre höchsten Stimmenanteile erzielen konnte, ist die Rede.

Bei den Regionalwahlen in Andalusien 2018 zog die Partei erstmals in ein Regionalparlament ein und konnte mit einem Stimmenanteil von elf Prozent zwölf Sitze erringen. Mit der Duldung durch Vox konnte in Andalusien erstmals seit 36 Jahren ein konservativer Regierungschef vereidigt werden.

Jan Heitmann:
Befreiung?

Dieser Tage hören wir wieder von vielen Seiten, mit ihrem Sieg über Deutschland hätten dessen Kriegsgegner das Land 1945 befreit. Damit das endlich auch der letzte Zweifler begreift, will die Linkspartei, dass der 8. Mai als „Tag der Befreiung“ ein gesetzlicher Gedenktag wird. Dabei kann sie sich auf keinen Geringeren als den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker berufen. Dieser war der erste, der den Tag des Kriegsendes in seiner Gedenkrede 1985 zum Tag der Befreiung erhob.

Auch wenn er damit eine Kernaussage der Erinnerungskultur in der Bundesrepublik geprägt hat, lag er damit neben der Sache. Zum einen suggeriert der Begriff Befreiung, die Deutschen seien ein Volk von Regimegegnern gewesen. Man muss es beklagen, aber das waren sie nun gewiss nicht und von Weizsäcker hat das nicht einmal für sich selbst in Anspruch nehmen wollen. Zum anderen ignoriert er die historische Tatsache, dass es den Siegermächten ausdrücklich nicht um eine Befreiung, sondern um eine Nieder- und Unterwerfung ging. Zudem begann für viele Deutsche das Leid erst, nachdem die Waffen schwiegen.

Und schließlich können nicht Länder, sondern nur Menschen befreit werden. Was eine Niederlage ist und was eine Befreiung, bestimmt ausschließlich das Empfinden derjenigen, welche die 

historische Situation erlebt haben und nicht das Wollen derer, die sie rückblickend bewerten. Und wenn die meisten Deutschen damals die bedingungslose Kapitulation, Entrechtung, Gefangen- schaft, Vertreibung und Besatzung als Niederlage und nicht als Befreiung empfunden haben, dann war es eine Niederlage, auch wenn es den Befreiungs-Apologeten unserer Tage nicht passt.

S. 2 Aktuell

Die unterschätzte Gefahr
Gerade das Versöhnungspotenzial der Christen ist den Vertretern des radikalen Islam weltweit ein Dorn im Auge
Bodo Bost

Über 250 Menschen, vorwiegend Christen, wurden Ostern von Islamisten kaltblütig und brutal in Kirchen und Hotels in Sri Lanka ermordet. Die weltweite Orgie von islamistischer Gewalt zu christlichen Festen wütet nach Ägypten, Pakistan, den Philippinen nun auch im Urlaubs­paradies Sri Lanka.

Bei mehreren fast zeitgleichen Explosionen in katholischen Kirchen und Luxushotels wurden am Ostersonntag über 250 überwiegend Christen bei einer islamistischen Anschlagsserie aus dem Leben gerissen, an dem Tag, an dem sie die Auferstehung Jesu und die Erlösung feierten. Mehr als 500 weitere Menschen wurden verletzt. Unter den Opfern sind auch viele Ausländer aus vielen westlichen Ländern. Die gut koordinierten Angriffe, meistens waren es Selbstmordattentäter, müssen monatelang vorbereitet worden sein und bedurften eines dichten Netzes von Unterstützern. Dabei gehören mit acht Prozent kaum mehr Menschen in Sri Lanka dem Islam an als dem Christentum. Die Verantwortlichen für die Anschlagsserie sind nach Angaben des stellvertretenden Verteidigungsministers bekannte „extremistische Gruppen“, es ist von 25 Festnahmen die Rede. Alle bislang festgenommenen Tatverdächtigen stammen offenbar aus Sri Lanka.

Anders als bei dem Christchurch-Attentat in zwei Moscheen in Neuseeland, wo es bei 50 toten Muslimen einen medial verstärkten weltweiten Aufschrei gab, blieb bei der sechs Mal so hohen Opferzahl am größten christlichen Festtag der mediale Aufschrei aus. Offenbar sind islamistische Terrorschläge gegen Kirchen bereits Alltagserscheinungen, über die nicht extra berichtet werden muss. Nur einige US-amerikanische Nachrichtensender brachten Sondersendungen. Dabei war die religiöse und politische Gemengelage in Sri Lanka wesentlich komplizierter und erklärungsbedürftiger als in Neuseeland.

Die Anschlagsserie auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka ist wie ein Rückfall in finstere Zeiten. Der südasiatische Inselstaat hatte die ethnische Gewalt nach 26 Jahren Bürgerkrieg vor zehn Jahren endlich hinter sich gelassen, auch wenn Spannungen blieben. Seitdem hatte es keine Anschläge mehr gegeben. Der Tourismus blühte. Weder Christen noch Ausländer waren zur Zielscheibe von Gewalt geworden. Im vergangenen Jahr gab es eine Welle von Gewalt gegen Moscheen und muslimische Geschäfte, Auslöser waren Falschmeldungen über ein angeblich von Moslems vergewaltigtes buddhistisches Mädchen.

Damals versuchten Christen noch, sich versöhnend einzusetzen. Auch bei der Massenflucht der muslimischen Rohingya aus Burma nach Bangladesch setzten sich als erste Christen ein, um die auch religiös bedingte Gewalt durch eine von buddhistischen Mönchen aufgeheizte Bevölkerung zu deeskalieren. Der Papst persönlich reiste damals in beide Länder, obwohl Christen in all diesen Ländern nur wenige Prozente bilden. Es könnte gerade dieses Versöhnungspotenzial der Christen sein, das radikalen Anhängern einer Religion, die Konflikte durch Vergeltung und Hass löst, ein Dorn im Auge ist. 

Die Attentate in Sri Lanka tragen klar und deutlich die Handschrift des IS oder der Taliban. Vor allem IS-Kämpfer kehren nach dem Ende ihres Kalifats in Syrien und dem Irak jetzt in Scharen in ihre Heimatländer zurück. Da islamistischer Terror in der Vergangenheit kaum eine Rolle in Sri Lanka gespielt hat, hatten die Sicherheitsbehörden trotz Warnungen diese Gefahr wohl nicht auf dem Radar. Deshalb ist die verheerende Anschlagsserie in Sri Lanka auch ein Warnsignal für viele andere Länder, in die jetzt ebenfalls ehemalige IS-Kämpfer aus dem Nahen Osten zurückkehren. Die Gefahr, die von diesen kampferprobten und von Terror geprägten Fanatikern ausgeht, wird weltweit unterschätzt, nicht nur in Sri Lanka (siehe Beitrag unten).

Dschihadistische Selbstmordattentäter sind nach dem salafistischen Verständnis des Koran Märtyrer, die der Verbreitung des Islam dienen, weil sie durch Terror und Gewalt andere Menschen in den Islam zwingen. Salafistenprediger reden dschihadistischen Selbstmordattentätern ein, dass sie als Glaubensmärtyrer sofort nach ihrer Tat ins islamische Paradies eingingen. Wenn religiöse Autoritäten des Islam diese Lehren nicht widerlegen und auch gewaltsame „Bekehrungen“ als illegitim und ungültig deklarieren, wird wohl kein anderer Weg bleiben, als den Islam als solchen für den Terror im Namen der Religion mitverantwortlich zu machen. Ein Zeichen in diese Richtung haben die politischen Führer in Bangladesch gesetzt, einem zu 90 Prozent islamischen Land. Dort wurde in diesem Jahr Ostern zum nationalen Feiertag erklärt, obwohl die Christen nur ein Prozent der Bevölkerung ausmachen. Allerdings haben dort 90 Prozent der muslimischen Politiker christliche Schulen besucht.

(siehe auch Seite 4)

Die Heimkehr der Salafisten
Aufnahme von IS-Kämpfern in ihren Herkunftsländern birgt erhebliche Sicherheitsrisiken
Friedrich-Wilhelm Schlomann

Es sollen 40000 Personen aus aller Welt gewesen sein, die in den „Heiligen Krieg“ nach Syrien zogen. Etwa 2000 kamen aus Russland, aus Westeuropa rund 4500, davon 1500 aus Frankreich, 850 aus Großbritannien und etwa 400 aus Belgien. Von den 980 deutschen „Gotteskriegern“ wurden 170 getötet, ein Drittel der Überlebenden kehrte inzwischen zurück. Gegenwärtig befinden sich 66 in kurdischer Gefangenschaft, gegen 18 liegen Haftbefehle aus Deutschland vor.

Ihre Auslieferung erfolgt nicht, da kein Abkommen existiert und die kurdische Selbstverwaltung zwar eine de-facto-Macht, aber nicht als Staat anerkannt ist. Das Risiko besteht, dass IS-Kämpfer unkontrolliert freikommen. Nach Forderungen mehrerer Staaten soll ihre Strafverfolgung durch ein Tribunal der Vereinten Nationen erfolgen. Ähnlich wünscht die Schweiz ein internationales Strafgericht, allerdings am Tatort. Frankreich rückte indes von dieser Ansicht ab in der Sorge, gefährliche Dschihadisten könnten dort freigelassen werden. Außer England zögern die meisten Staaten. Deutschland kann sich nicht einigen, die vom Auswärtigen Amt angestrebte „politische Lösung“ dürfte noch lange auf sich warten lassen.

Zurückgeholt werden in ihre bisher so verschmähte Heimat sollen die Rückkehrer mit Flugzeugen, erörtert wird sogar eine internationale Luftbrücke. Als einziges Land lehnt die Schweiz eine solche aktive Rückführung der „Gotteskrieger“ ab: „Sie haben den Weg nach Syrien gefunden, so sollen sie ihn auch zurück­finden“, erklärte ein Experte gegenüber der PAZ. Im Gegensatz zu England, Frankreich und Belgien, welche die Wiederaufnahme ihrer Staatsbürger ablehnen, erlaubt die Schweiz jedem Schweizer die Einreise.

Deutschland ist zur Rücknahme seiner Staatsbürger völkerrechtlich verpflichtet, auch wenn diese im Ausland  Straftaten verübten. Nicht unumstritten ist daher die Ansicht von Außenminister Heiko Maas: „Diese Leute können nur dann nach Deutschland kommen, wenn sichergestellt ist, dass sie unmittelbar in Gewahrsam genommen werden können.“ Der Versuch, etwa über das Ausland illegal nach hier zu gelangen,  bleibt erfolglos, sofern der Name bekannt ist. Dem Bundeskriminalamt zufolge ist die internationale Zusammenarbeit ausgezeichnet.

Ein Haftbefehl setzt konkrete Beweise voraus. Diese zu erbringen, ist recht oft schwierig. Nach Entscheidung des Bundesgerichtshofs reicht ein bloßer Aufenthalt in IS-Gebieten nicht für  eine Strafverfolgung aus. Für den Entzug der Staatsangehörigkeit setzt die Schweiz eine rechtskräftige Verurteilung voraus. Der Entzug der Staatsangehörigkeit wird in faktisch allen Ländern aber nur bei Vorliegen einer Doppel-Staatsangehörigkeit vorgenommen, denn niemand sollte staatenlos sein. Eine recht umstrittene Ausnahme vollzog kürzlich die britische Regierung, indem sie einer in Bangladesch geborenen IS-Kämpferin ihre britische Staatsangehörigkeit aberkannte und der Staatenlosen anschließend ihre Bitte um eine Rückkehr nach London kurzerhand abschlug.

Männliche Dschihadisten zeigten sich in den IS-Propagandavideos häufig stolz mit ihren ermordeten Opfern. Fast ebenso oft sind ihre Stimmen zu identifizieren. Nicht selten verrät schon die Hornhaut am Abzugfinger eines Schützen sein bisheriges Kämpferleben. Frauen, die bei den deutschen Salafisten ein Fünftel ausmachten, wurden seltener gezeigt, Gerichtsprozesse haben indes bewiesen, dass auch sie häufig in militärischen Ausbildungslagern an automatischen Waffen unterwiesen wurden und an öffentlichen Hinrichtungen teilnahmen. Ob das als Beihilfe gewertet werden kann, entscheiden Gerichte unterschiedlich. Kann man ihnen keine direkte Straftat nachweisen, werden sie zumeist wegen IS-Mitgliedschaft oder Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Konnte auch kürzlich nach fast fünf Jahren die letzte Bastion des „Islamischen Staates“ im ostsyrischen Dorf Baghouz gestürmt werden, so wollen die Terroristen ihren Kampf dennoch fortsetzen. IS-Chef Abu Bakr al-Bagdach, auf den die USA ein Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt haben, dürfte im Irak untergetaucht sein. In einer Audiobotschaft fordert er zu weiteren Anschlägen im Westen mit „Bomben, Messern und Autos“ auf.

Erwartungsgemäß erklären die Dschihadisten nach ihrer Festnahme sich zu unschuldigen Opfern, doch scheinen die meisten unbelehrbar zu sein – die mörderische Ideologie lebt allzu oft weiter. In der Schweiz erklärte das zuständige Departement dieser Tage, „die terroristische Bedrohung in der Schweiz bleibt erhöht“. Natürlich wird ein abgeurteilter oder gefährlicher IS-Kämpfer nicht ohne Beobachtung bleiben; eine vollständige Überwachung erfordert indes 30 Personen, die kaum ein westeuropäischer Staat dafür aufbringen kann.

So werden wohl nicht wenige, die sich vielleicht sogar äußerlich als konvertiert zum Christentum ausgeben, zwei bis drei Jahre als „Schläfer“ ein normales Leben führen und dann ihre Bombenattentate im Namen Allahs wieder aufnehmen.

MELDUNGEN

Defizit geht zurück

Luxemburg – Im Jahr 2018 verringerten sich das öffentliche Defizit und der öffentliche Schuldenstand relativ gesehen sowohl in der EU als auch im Euro-Raum im Vergleich zum Vorjahr. Das berichtet Eurostat, das Statistische Amt der EU, auf der Grundlage der Angaben der EU-Mitgliedstaaten in der ersten Datenmeldung im Jahr 2019 für die Jahre 2015 bis 2018 im Rahmen des „Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit“. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt verringerte sich das öffentliche Defizit in der EU demnach von 1,0 Prozent im Jahr 2017 auf 0,6 Prozent im Jahr 2018 und im Euroraum von 1,0 Prozent auf 0,5 Prozent. Nur zwei Mitgliedstaaten wiesen ein Defizit von drei Prozent oder mehr des Bruttoinlandsprodukts auf: Rumänien (minus 3,0 Prozent) und Zypern (minus 4,8 Prozent).J.H.





Aus für deutsche Schule

Prizren – Im Loyola-Gymnasium in Prizren im Kosovo konnten bislang junge Kosovaren unter der Leitung deutscher  Jesuiten eine hochwertige Ausbildung erhalten. Jetzt haben sich die Jesuiten, die das gesamte Schulprojekt initiiert und finanziert hatten, nach Streit im Schulträgerverein zurückgezogen. Damit ist ein weiteres Musterprojekt für das Kosovo gescheitert. Fast die Hälfte der Menschen im Kosovo ist jünger als 18 Jahre, die Jugendarbeitslosigkeit liegt jedoch bei 70 Prozent. Bildung und Perspektiven für die Jugend sind der Schlüssel zu einer Zukunft für das Land, in dem sich Kosovo-Albaner und Serben noch immer unversöhnlich gegenüberstehen. Viele Kosovaren können auch nach neun Jahren Schulpflicht nicht richtig lesen und schreiben. Die Lehrer sind schlecht ausgebildet, die Schulen mies ausgestattet und viele Gebäude im Winter nicht beheizt. Deshalb eröffneten im September 2005 deutsche Jesuiten das Loyola-Gymnasium. Einige Jahre zuvor hatten sich kosovarische Eltern an das deutsche katholische Hilfswerk Renovabis mit der Bitte um den Bau einer Schule gewandt. Aktuell lernen fast 700 Jungen und Mädchen an der Schule, knapp 150 von ihnen wohnen im angeschlossenen Internat. Religion spielt im Schulleben keine Rolle. Religionsunterricht gibt es ebenso wenig wie den von Muslimen verlangten getrennten Sportunterricht von Jungen und Mädchen. Auch Kopftücher sieht man hier nicht. Die Schule ist das erste Internatsgymnasium für Mädchen und Jungen im Kosovo. Sie war bislang sehr erfolgreich und stark nachgefragt, vor allem unter den kosovarischen Rückkehrern aus den deutschsprachigen Ländern. Jetzt hat der Trägerverein den Direktor, den deutschen Jesuiten Axel Bödefeld, überraschend entlassen. Im Kosovo gibt es keine Berufsausbildungen. Bödefeld wollte deshalb neben dem Gymnasium noch eine wesentlich sinnvollere Berufsschule errichten, dies lehnte die Mehrheit des Trägervereins ab. Unter den Augen ausländischer Soldaten, Diplomaten, Richter und Polizisten wurde der Kosovo zu einem der korruptesten Staaten Europas. Auch der Islamismus floriert. Kosovaren stellten das größte Kontingent aller europäischen IS-Kämpfer. In diesem Kontext pass­te eine katholisch und deutsch geführte Schule einer wachsenden Gruppe Einheimischer nicht mehr in die Landschaft.B.B.

S. 3 Deutschland

Chance für die Leichtgewichte
Ins EU-Parlament werden auch die Kleinstparteien einziehen, was ihnen in Deutschland verwehrt ist
Peter Entinger

Wenn am 26. Mai die Wahl zum EU-Parlament stattfindet, wird ein bekannter Namen fehlen. Erstmals seit ihrem spektakulären Wahlerfolg 1989, als ihnen mit 7,1 Prozent und sechs Abgeordneten der Einzug in das Straßburger Parlament gelang, haben die rechtskonservativen Republikaner auf eine Teilnahme verzichtet.  Mittlerweile völlig geschrumpft, nahm die Partei von der ursprünglich geplanten Kandidatur Abstand. Nach der Neuwahl des Bundesvorstands habe die Zeit nicht gereicht, erklärt die Partei, deren Mitgliederzahl unter die 4000er-Marke gesunken ist.

Traditionell erfreut sich die EU-Wahl bei den Parteien großer Beliebtheit. Die Zulassungsvoraussetzungen mit einer bundeseinheitlichen Liste, die von 4000 Unterstützern unterschrieben werden muss, sind relativ gering, für ein halbes Prozent der Wählerstimmen gibt es bereits staatliche Wahlkampfkostenerstattung. Zudem gilt auf EU-Ebene keine Sperrklausel, nachdem sich der Bundestag nicht auf eine Gesetzesänderung verständigen konnte. So erreichte die Satire-Formation „Die Partei“ um den ehemaligen „Titanic“-Chefredakteur Martin Sonneborn bei der vergangenen Wahl mit 0,63 Prozent bereits ein Mandat. Vollmundig wie immer hat sie für die bevorstehende Wahl „die absolute Mehrheit“ als Ziel avisiert. 

Die 96 deutschen Mandate in der zu Ende gehenden Legislaturperiode des EU-Parlaments verteilen sich auf 14 Parteien. Neben den im Bundestag vertretenen Parteien schafften auch die Freien Wähler, die Tierschutzpartei, die ÖDP, die Piraten, die Familienpartei und die NPD den Einzug. Traditionell herrscht im EU-Parlament ein regelmäßiges Stühlerü-cken, sodass auch Formationen in den Genuss von Mandaten kamen, die 2014 gar nicht angetreten waren. So haben auch die christliche Kleinstpartei Bündnis C sowie die AfD-Abspaltung Liberal-Konservative Reformer Abgeordnete in Straßburg.

Der Bundeswahlausschuss hat  vor einigen Wochen insgesamt 41 Parteien zur Wahl zugelassen. Trotz Ankündigung ist die Blaue Partei der ehemaligen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry, die ihre eingereichte Kandidatur kurzfristig zurückgezogen hat, nicht dabei: „Wir haben entschieden, uns auf die für uns wichtigeren Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen zu konzentrieren“, heißt es in einer Mitteilung. Allerdings berichten Medien, die Partei habe die erforderliche Anzahl an Unterstützungsunterschriften nicht erhalten.

Gelungen ist dies dagegen den Liberal-Konservativen Reformern des AfD-Gründers Bernd Lucke. „Die Zulassung ist ein wichtiger Schritt in Richtung Etablierung unserer Partei in der europäischen Parteilandschaft“, erklärte Lucke, der sich optimistisch zeigt, dass er den Wiedereinzug schaffen wird. Der Ökonom tourt derzeit durch die Republik, um sein neues Buch vorzustellen. Sollte er den Wiedereinzug in Straßburg verpassen, wird er sich aus der Politik zurückziehen. Beflügelt von der Regierungsbeteiligung in Bayern und dem guten Abschneiden in Hessen sehen sich die Freien Wähler auch bundesweit im Aufwind. „Die 2,3 Prozent von 2014 wollen wir nach Möglichkeit verdoppeln“, erklärte der Bundesvorsitzende Hubert Aiwanger. Die Partei hat bereits im Sommer 2018 Ulrike Müller zur Spitzenkandidatin gewählt. Müller zog bereits nach der letzten Wahl für die Partei ins EU-Parlament ein und ist optimistisch, „dass mich zwei oder drei Kollegen begleiten werden“.

Als Einzelkämpfer stellt sich Udo Voigt zur Wiederwahl. Der langjährige NPD-Vorsitzende kämpft um das letzte verbliebene überregionale Mandat seiner Partei. „Schwierig, aber nicht unmöglich“, stuft Voigt die Mission ein, für deren Gelingen er je nach Wahlbeteiligung zwischen 0,6 und 0,8 Prozent der Stimmen einfahren muss. Konkurrenz erhält Voigt durch Kandidaturen von den Parteien Die Rechte und der 3. Weg, die sich eindeutig im rechtsextremen Spektrum bewegen.

Ansonsten ist für jeden Wähler etwas dabei. So buhlen gleich mehrere Listen um die Gunst von Tierschützern. Marie-Isabelle Heiss tritt als eine von zwei Spitzenkandidaten von Volt an, einer Mini-Partei, deren großes Ziel es ist, als erste Partei in mehreren Ländern der Europäischen Union mit dem gleichen Programm anzutreten. Ein Deutscher, ein Italiener und ein Franzose haben Volt vor zwei Jahren zusammen gegründet, die Idee ist eindeutig pro-europäisch. Ebenfalls an EU-Euphoriker wendet sich die Europäische Partei LIEBE, die in ihrem Wahlprogramm erklärt: „Die Liebe ist stärker als das Böse und der Hass, die Liebe muss die Welt regieren.“

Weniger mit Liebe als mit Klassenkampf hat es dagegen die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), die einen Arbeiteraufstand und „ein Ende des Europas des Kapitals“ fordert. Auch weitere altbekannte Formationen nutzen die Gunst der Stunde. Die ÖDP möchte sich als bürgerliche 

Öko-Partei neben den Grünen behaupten und die Piraten kämpfen wie die NPD gegen die absolute Bedeutungslosigkeit.

MELDUNGEN

Leistungen für Rotarmisten

Berlin – Bis zum Ende der Frist für die Beantragung einer Anerkennungsleistung für sowjetische Kriegsgefangene sind beim Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen 2027 Anträge eingegangen. Davon wurden 1197 Anträge positiv beschieden und 511 Anträge abgelehnt. Die Anerkennungsleistung wurde an insgesamt 1185 Antragsteller ausgezahlt. Im März 2019 waren noch 65 Anträge nach Ablauf der Frist eingegangen, die ausnahmslos abgelehnt wurden.J.H.





Bargeld weiter Nummer 1

Berlin – Am Freitag vergangener Woche endete in Deutschland die Ausgabe der 500 Euro-Scheine. Auch wenn die Politik den Verbrauchern mit solchen Maßnahmen das Bargeld madig machen will, bleibt es doch das beliebteste Zahlungsmittel. Im Jahr 2017 erfolgten 47,6 Prozent der Umsätze beziehungsweise 74,3 Prozent der Transaktionen in bar. Überweisungen wurden für 5,6 Prozent der Umsätze beziehungsweise 1,3 Prozent der Transaktionen genutzt. Debitkarten wurden 2017 für 27,6 Prozent der Umsätze beziehungsweise 15,2 Prozent der Transaktionen genutzt, bei Kreditkarten waren es 4,4 Prozent der Umsätze sowie 1,5 Prozent der Transaktionen. Internet-Bezahlverfahren spielten hingegen keine größere Rolle. Lediglich 3,7 Prozent aller Alltagsumsätze wurden auf diese Weise beglichen. Der Anteil mobiler Bezahlverfahren war mit 0,04 Prozent gemessen am Umsatz ebenfalls verschwindend gering. Das geht aus den von der Bundesbank erstellten Zahlungsverhaltensstudien hervor.J.H.

S. 4 Christenverfolgung in Sri Lanka

Ziel sind Blut und Chaos
Zwei Fliegen mit einer Klappe – Attentate auf »Ungläubige« und politisches System
Wolfgang Kaufmann

Inzwischen existiert in fast jedem asiatischen Staat eine islamische Terrorgruppe, die zu schweren Anschlägen fähig ist. Seit Ostersonntag gilt dies nun auch für das mehrheitlich buddhistische Sri Lanka, wo Muslime nur knapp zehn Prozent der Bevölkerung stellen.

Die Verantwortung für die Serie von Bombenanschlägen auf drei Kirchen und vier Hotels in oder nahe der Hauptstadt Colombo sowie in Batticaloa, bei der 253 Menschen starben, hat mittlerweile der sogenannte Islamische Staat übernommen. 

Ausgeführt wurden die tödlichen Attacken gegen Christen, Ausländer und andere „Ungläubige“ jedoch von Selbstmordattentätern der lokalen Terrorgruppe National Thowheeth Jama’ath (NTJ; auch Jama‘at at-Tawhid al-Wataniyah, zu Deutsch: Nationale Organisation für Monotheismus). Deren Anführer Moulvi Zahran Hashim, welcher bereits als Hass-prediger in Erscheinung getreten war, sprengte sich dabei selbst mit in die Luft.

Die NTJ gilt als besonders radikale Splittergruppe der Sri Lanka Thowheeth Jama’ath (SLTJ). Letztere erlangte bisher vor allem durch die scharfmacherische Rhetorik ihres Chefs Abdul Razik sowie Gewaltakte gegen buddhistische Heiligtümer Bekanntheit und existiert wahrscheinlich noch nicht sehr lange. 

Jedenfalls trat die NTJ erst im Juli 2017 durch beleidigende Äußerungen über Buddha in Erscheinung. Späterhin knüpfte sie dann Kontakte zum Islamischen Staat, was insofern kein Problem gewesen sein dürfte, als über 30 junge Männer aus angesehenen Familien Sri Lankas für die Terrormiliz in Syrien und dem Irak kämpften, darunter Mohammad Muhsin Nilam alias Abu Shurayh al-Silani, der im Juli 2015 bei Raqqa ums Leben kam. 

Gleichzeitig scheint die NTJ auch von der zweiten großen Dschihadisten-Organisation Al-Kaida inspiriert worden zu sein, denn die Anschlagsserie vom Ostersonntag folgte genau deren Vorbild – und personelle Verbindungen können hier ebenfalls bestehen. Daher liegt die Regierung in Colombo zweifellos richtig, wenn sie davon ausgeht, dass die Attentäter Unterstützer im Ausland hatten.

Trotz dieser Sachlage bezweifeln manche Experten, darunter beispielsweise der Volkswirt Nishan de Mel von der „Denkfabrik“ Verité Research, die Täterschaft der NTJ, wobei sie auf die tiefe Feindschaft zwischen Buddhisten und Muslimen in Sri Lanka verweisen: Vor diesem Hin­tergrund ergebe der Angriff auf Kirchen und Touristenhotels keinen wirklichen Sinn. 

Berücksichtigt man jedoch, wie wichtig es für neue Dschihadisten-Gruppen ist, durch spektakuläre Taten auf sich aufmerksam zu machen, um zukünftig leichter vom Geld und der logistischen Unterstützung der sunnitischen Terrorpaten in der arabischen Welt profitieren zu können, dann passen die Anschläge vom Ostersonntag gut ins Bild. Wenn lediglich buddhistische Gläubige aus Sri Lanka ums Leben gekommen wären, hätte das sicher deutlich weniger Aufsehen erregt. Außerdem sollte der Tod der Christen zugleich Rache für die Ermordung von 50 Muslimen im neuseeländischen Christchurch sein. 

Das schließt jedoch keineswegs aus, dass die NTJ oder andere bislang noch nicht aktiv gewordene islamische Terrornetzwerke in Sri Lanka künftig auch gegen Bud­dhisten oder Hindus losschlagen, denn „Ungläubige“ sind die Vertreter dieser Religionen ja ebenfalls. Außerdem wäre das so ausgelöste politische Chaos ein perfekter Nährboden für das weitere Gedeihen des sri-lankischen Islamismus.

Löwenblut gegen Christen
Buddhistische Mehrheit Sri Lankas strebt homogenen Staat an

Christen, die in Sri Lanka mit knapp acht Prozent eine Minderheit darstellen, werden in dem Inselstaat nicht nur von Muslimen angefeindet, sondern auch von der buddhistisch-singhalesischen Mehrheitsbevölkerung. Diese will einen religiös homogenen Staat und attackiert die Christen bei zahlreichen Gelegenheiten, wobei sich ihr Hass ganz besonders gegen Konvertiten richtet. 2018 gab es insgesamt 86 Übergriffe gegen christliche Kirchen, Gläubige und Geistliche – und 2019 waren es mittlerweile schon wieder 26.

So rotten sich immer wieder Gruppen von mehreren hundert Personen vor den Gotteshäusern zusammen und stören religiöse Zeremonien, wie im September 2018 in Beliatta. Oft hagelt es dabei auch handfeste Drohungen: Die Christen sollten endlich aufhören, sich zu treffen, sonst werde man sie töten. 

Manchmal folgen dann Steinwürfe gegen die Kirchen, die in einigen Fällen bereits zur kompletten Unbrauchbarmachung führten. Beispielsweise demolierte ein buddhistischer Mob Anfang 2017 das Kithu-Sevana-Gebetszentrum in Paharaiya im Nordwesten Sri Lankas. Vergangenen Palmsonntag gingen randalierende Einwohner von Kumbichchikulama sogar auf den methodistischen Bischof Asiri Perera los, als der zum Gottesdienst in der Gemeinde eintraf.

Wegen dieser Zustände steht Sri Lanka nun gleich nach Kuwait, dem Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten auf Platz 46 des Weltverfolgungsindexes des überkonfessionellen christlichen Hilfswerkes Open Doors, also der Rangliste der Staaten, in denen Christen aktuell am stärksten drangsaliert werden.

Zumeist sind nicht muslimische Hassprediger, sondern ultranationalistische buddhistische Mönche Rädelsführer bei den Attacken gegen Christen. Viele davon sammeln sich jetzt in gewaltbereiten Organisationen wie Bodu Bala Sena (Buddhistische Streitmacht) und Sinha Le (Löwenblut). Diese genießen oftmals auch die Unterstützung der Behörden, was für die Zukunft der Christen wenig Gutes erwarten lässt – unabhängig von der Bedrohung durch den muslimischen Terror.W.K.

Ein religöses Pulverfass im Inselstaat

Noch als die Christen in Sri Lanka mit demonstrativer Friedfertigkeit auf alle religiös motivierten Provokationen und Angriffe reagierten, formierte sich unter den Buddhisten wachsender Widerstand gegen das Gebaren der Muslime. Die autochthone Mehrheitsbevölkerung will weder neue Moscheebauten, die von arabischen Gönnern mit Öl-Dollars finanziert werden, noch Straßen voller verschleierter Frauen dulden. 

Ebenso geraten die tierquälerischen Schlachtungen nach islamischem Ritus und die steigende Zahl der Konversionen zunehmend zum Ärgernis. Des Weiteren fürchten die buddhistischen Singhalesen, durch die höhere Geburtenrate der Muslime, welche zumeist tamilischer Herkunft sind, zukünftig in die Minderheitenrolle zu geraten. 

Vor diesem Hintergrund braucht es dann nur noch eine Gewalttat von Anhängern des Islam, damit das ethnisch-religiöse Pulverfass in der früheren britischen Kolonie explodiert. So wie am 22. Februar 2018, als  ein singhalesischer Lastwagenfahrer in Karaliyadda versehentlich den Kotflügel einer Rikscha beschädigte. Daraufhin wurde er von vier muslimischen Jugendlichen derart brutal zusammengeschlagen, dass er am 2. März im Kandy General Hospital verstarb. Kurz darauf entbrannten heftige Straßenschlachten zwischen Muslimen und Buddhisten, in deren Verlauf noch ein weiterer Singhalese ums Leben kam und sowohl buddhistische Tempel als auch Moscheen in Flammen aufgingen. 

Die Regierung in Colombo wurde der Situation damals nur durch den Einsatz von Militär, die Blockierung sämtlicher sozialer Medien im Internet und die Verhängung eines zehntägigen Ausnahmezustandes Herr.

Ein dreiviertel Jahr später revanchierten sich Muslime dann für das erlittene „Unrecht“, indem sie buddhistische Statuen im Bezirk Kegalle verunstalteten – aller Wahrscheinlichkeit nach war das eine Aktion der Terrorgruppe Sri Lanka Thowheeth Jama’ath (SLTJ).W.K.

Zeitzeugen

Moulvi Zahran Hashim – Nach Erkenntnissen des sri-lankischen Geheimdienstes war der Anführer der radikalislamischen NTJ einer der Attentäter vom Ostersonntag. Er hatte zuvor zahlreiche Videos von Hasspredigten über YouTube verbreitet, wurde hier aber nie gesperrt. Vom Islamischen Staat verbreitete Fotos zeigen angeblich, wie Hashim der Terror­orga-nisation die Treue schwört.

Abdul Razik – Der „Sekretär“ der islamistischen Gruppierung Sri Lanka Thowheeth Jama’ath (SLTJ) wurde nach den Bombenanschlägen vom Ostersonntag festgenommen und sitzt seitdem in Haft. Eine Beteiligung an der Terroraktion konnte ihm bisher nicht nachgewiesen werden. Razik war in der Vergangenheit vor allem wegen der Anstiftung zu religiösen Unruhen aufgefallen.

Galagoda Aththe Gnanasara – Als Mitbegründer und Generalsekretär der buddhistisch-nationalistischen Organisation Bodu Bala Sena gehört der Mönch zu den schärfsten Kritikern des SLTJ-Anführers Abdul Razik. Nach diversen muslimischen Übergriffen warnte er 2016 in ultimativer Form vor einem „Blutbad“, sollte der Islamist nicht umgehend verhaftet werden. Im August 2018 musste Gnanasaara dann selbst wegen Missachtung der Justiz ins Gefängnis.

Ilham Ahmed Ibrahim – Einer der beiden Selbstmord-Attentäter, die am Ostersonntag das „Shangri-La“-Hotel in Colombo attackierten, war der Sohn des sri-lankischen Gewürzgroßhändlers und Millionärs Mohammed Yusuf Ibrahim. Als Sicherheitskräfte das Haus des Terroristen stürmten, zündete seine schwangere Frau Fatima einen Sprengsatz und tötete damit sich, ihre drei kleinen Söhne und drei Polizisten.

Lakshan Dias – Am 14. Juni 2017 prangerte der sri-lankische Anwalt und Bürgerrechtler im Interview mit dem populären Fernsehsender Derana TV die wachsende religiöse Intoleranz in seinem Lande an. Daraufhin drohte der Minister für Justiz und buddhistische Angelegenheiten, Wijeyadasa Rajapakshe, er werde Dias ein Berufsverbot erteilen, wenn der seine Vorwürfe nicht innerhalb von 24 Stunden zurücknehme.

S. 5 Preussen/Berlin

Ein Gerücht und viele Köche
Wie ein Mordverdacht und ungeschickte Kommunikation eine Region in Aufruhr versetzen
Norman Hanert

Polizei und Staatsanwaltschaften stehen immer wieder in der Kritik, weil sie bei Ermittlungen nach Straftätern erst sehr spät die Öffentlichkeit einbeziehen. Im Süden Brandenburgs hat ein solches Vorgehen nun zum Aufkommen wildester Gerüchte geführt. 

In der Region um den Ort Bagenz im Landkreis Spree-Neiße und auch im Internet machten in der ersten Aprilhälfte Spekulationen die Runde, in der Nähe des Spremberger Stausees sei eine tote Frau aufgefunden worden. Zudem habe es eine Vergewaltigung gegeben, tatverdächtig sei ein Ausländer. 

Ein massives Polizeiaufgebot und der Einsatz eines Polizeihubschraubers schienen die kursierenden Spekulationen zu bestätigen und heizten die Gerüchteküche weiter an. Für eine Gruppe Jugendlicher war das Gemunkel sogar der Anlass, am Abend des 10. April mit Baseballschlägern und Zaunlatten vor eine ehemalige Jugendherberge zu ziehen und Parolen wie „Ausländer raus“ zu skandieren. 

Auslöser für die Aktion soll die Vermutung gewesen sein, dass sich in der Unterkunft die Täter aufhielten. Die heraneilende Polizei konnte sieben Jugendliche festnehmen, gegen die wegen Landfriedensbruchs ermittelt wird. Zudem sah sich die Polizei genötigt, mit einer Klarstellung die Gerüchte über den Tod einer Frau am Spremberger Stausee zu entkräften. 

Spätestens mit einer Einwohnerversammlung, die am 17. April in Bagenz stattgefunden hat, stellt sich die Frage, wie professionell Polizei und Staatsanwaltschaft Cottbus bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit agieren. Anwesend waren nicht nur mehr als 100 Einwohner und einige Kommunalpolitiker, sondern auch Bettina Groß, die Polizeichefin der Inspektion Cottbus-Spree-Neiße. 

Groß bestätigte, dass sich bereits am 8. April eine Frau an die Polizei gewandt habe, die angab, in der Nähe des Stausees vergewaltigt worden zu sein. Die Inspektionsleiterin sagte auch, dass nach den Aussagen der Frau von dem mutmaßlichen Täter eine Phantomzeichnung angefertigt worden sei. 

Klar wurde bei der Veranstaltung aber auch, dass die Ermittler der Frau offenbar nahegelegt haben, mit niemandem über den Vorfall zu sprechen. Auch die zuständige Staatsanwaltschaft in Cottbus informierte zunächst nicht die Öffentlichkeit. 

Als Begründung für dieses Vorgehen verwies die Polizeichefin gegenüber der Einwohnerversammlung auf den Aspekt des Opferschutzes und auf ermittlungstaktische Gründe. Nicht nur die zeitweise aufgekommenen Gerüchte über einen Mord am Spremberger Stausee lassen zweifeln, ob dieses Vorgehen sinnvoll war. 

Gerade in Berlin hat sich mittlerweile mehrfach gezeigt, dass eine zügige Einbeziehung der Öffentlichkeit oftmals zu sehr schnellen Ermittlungsergebnissen führen kann. Videos oder Bilder aus Überwachungskameras der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben inzwischen mehrfach dazu geführt, dass sich Zeugen mit hilfreichen Hinweisen meldeten. Erstaunlich oft führte der Ermittlungsdruck über die Öffentlichkeit zudem dazu, dass sich Täter freiwillig der Polizei stellten. 

Aus den Reihen der Bagenzer Bürger kam überdies die berechtigte Frage, ob unter Beachtung des Datenschutzes die Bevölkerung nicht zumindest in allgemeiner Form über die Vorgänge hätte informiert und damit auch gewarnt werden können. 

Am Bagenzer Fall ist allerdings noch ein weiterer Aspekt bemerkenswert. Die Beschreibung, die von der Frau geliefert wurde, deutet auf einen ausländischen Täter hin, möglicherweise aus dem arabischen Raum. Damit keimte umgehend der Verdacht auf, dass nicht ermittlungstaktische Erwägungen und Opferschutz die Gründe dafür waren, die Bevölkerung zunächst nicht zu informieren. Entsprechende Vorwürfe wurden auf einer Demonstration der Initiative „Zukunft Heimat“ denn auch öffentlich geäußert. 

Der Berliner AfD-Landtagsabgeordnete Harald Laatsch fasst die verbreitete Stimmung in einfachen Worten zusammen: „Mein persönlicher Eindruck ist, es gibt die Tendenz, Straftaten zu bagatellisieren, wenn Deutsche betroffen sind. Sind Deutsche dagegen die Tatverdächtigen, dann ist oft eine Dramatisierung zu beobachten.“

 


Friedhofs-spaziergänge
Vera Lengsfeld

Berlins Friedhöfe sind Oasen im Großstadttrubel. Manchmal sind sie von stark befahrenen Straßen begrenzt, und doch taucht man in einen Ort der Stille ein, sobald man nur zehn Meter hineingegangen ist. Sie sind geöffnete Geschichtsbücher. Man kann die Grabmalkunst und die preußische Sepulkralarchitektur aus dem frühen 18. Jahrhundert bewundern und immer neue Überraschungen entdecken, wer hier begraben ist. Ein Gang über die Friedhöfe vermittelt einen Überblick über die Stadtgeschichte. 

Der Dorotheenstädtische Friedhof ist sicher der meistbesuchte der Stadt. Hier liegen neben Bert Brecht, Helene Weigel, Heinrich Mann, Herbert Marcuse, John Heartfield und anderen linken Geistesgrößen auch Georg Wilhelm Hegel, Johann Gottlieb Fichte, Christoph Wilhelm Hufeland und Carl Friedrich Schinkel. Die Liste ließe sich fortsetzten. Inzwischen ist aus diesem Friedhof ein Ort der Eitelkeiten geworden. Wer sich für wichtig hält, versucht sich eine Grabstätte zu sichern. 

Deshalb liegt der ehemalige Chef der SED-PDS, Lothar Bisky, hier und nicht auf dem Friedhof der Sozialisten in Friedrichsfelde. Als Kontrapunkt hat es die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley geschafft. Auch Christa Wolf hat es vorgezogen, hier bestattet zu werden, statt auf dem Friedhof an der Schönholzer Heide in Pankow, wo sie zum Schluss wohnte und auf dem viele ihrer Schriftstellerkollegen begraben sind. Dabei ist dieser Friedhof etwas Besonderes. Zu DDR-Zeiten lag er dicht an der Mauer. Wenn man an seiner Westseite entlangging, konnte man die S-Bahnen in West-Berlin fahren sehen. Nachdem die Mauer gefallen war, profitierte der etwas verwilderte Bestattungsort von dem Geschenk Japans an das vereinigte Deutschland. An die 30 der Kirschbäume, die Nippon für die Begrünung des ehemaligen Todesstreifens spendete, wurden hier gepflanzt. Mittlerweile sind sie stattlich herangewachsen. Gerade jetzt stehen sie in voller Blüte, und rosa Blütenwolken bezaubern die Betrachter. 

Auf der Ostseite des Friedhofs begann das Pankower Prominentenviertel, in dem viele Künstler wohnten. Der Sänger Ernst Busch war einer von ihnen. Sein Grab liegt etwas versteckt an der Seite. Er war zum Schluss von der DDR sehr ernüchtert, auch wenn er das nicht öffentlich äußerte. Deshalb hat er es wohl vorgezogen, getrennt von seinen Genossen, die so viel von seiner Kunst profitiert haben, zur letzten Ruhe gebettet zu werden. Nicht weit von ihm befindet sich das Grab der Dichterin Inge Müller, der ersten Frau des Dramatikers Heiner Müller, die Selbstmord beging und heute trotz ihrer wunderbaren Gedichte fast vergessen ist. Nicht von mir, deshalb lege ich an ihrem Grab einen Kirschzweig nieder.

Umzugsplan spaltet Parteien
Woidke will wichtiges Ministerium nach Cottbus verlegen

Brandenburgs Landesregierung stößt mit ihrem Plan, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur von Potsdam nach Cottbus umziehen zu lassen, auf heftige Kritik. Völlig überraschend hatte das Kabinett am 16. April beschlossen, das Ministerium mit seinen rund 150 Mitarbeitern bis 2023 in die Lausitz-Stadt zu verlegen. 

Ministerpräsident Dietmar      Woidke (SPD) und Vize-Regierungschef Christian Görke (Linkspartei) begründen das Vorhaben strukturpolitisch. Cottbus wird in einigen Jahren sehr stark vom Ausstieg aus der Kohleförderung betroffen sein.

Der frühere Wissenschaftsminister Wolfgang Hackel (CDU) äußerte dagegen die Vermutung, Woidke habe Schwierigkeiten, seinen Wahlkreis in der Lausitz wiederzugewinnen, er versuche daher, „vor Ort zu punkten“. In Brandenburg sind im September Landtagswahlen. Der rot-roten Koalition droht der Verlust der Mehrheit. In Umfragen liegt die SPD nur noch knapp über 20 Prozent. CDU und AfD kommen auf ähnliche Werte. 

Selbst in der SPD stößt der Beschluss auf Unverständnis, so etwa bei der früheren SPD-Generalsekretärin Klara Geywitz und dem einstigen Wissenschafts- und Bildungsminister Steffen Reiche. Reiche sprach von „Aktionismus“, der nach den Wahlen wieder kassiert werde. Auch Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) reagiert verärgert. Die Landesregierung hat die Landeshauptstadt offenbar bei der Entscheidungsfindung nicht eingebunden. 

Innerhalb seiner Partei ist der Unmut so groß, dass Woidke in einer Telefonkonferenz mit SPD-Landesvorstand und Landtagsfraktion die Gemüter beruhigen musste. Er räumte dabei Kommunikationsfehler ein, verteidigte aber die Entscheidung. 

Indes ist auch die oppositionelle CDU in der Frage der Umzugspläne gespalten. Der CDU-Oberbürgermeister von Cottbus, Holger Kelch, zollt Beifall. Er spricht sich dafür aus, die Entscheidung als Gesetz festzuschreiben. Hintergrund ist offenbar die Sorge, der Umzugsbeschluss könnte nach den Wahlen durch einen neuen Landtag wieder gekippt werden.

Genau dieses Vorgehen hat allerdings Kelchs Parteifreund, der CDU-Spitzenkandidat Ingo Senftleben, bereits angekündigt. Der CDU-Landes- und Fraktionschef erklärte, im Fall eines Wahlsiegs würde er die Umzugspläne stoppen.  N.H.


Brisanter Brief
Schleswig-Holsteins Zahnärzte: Post aus Berlin
Frank Bücker

Dieser Tage erhielten rund 300 Zahnärzte in Schleswig-Holstein ein Schreiben einer Mieterinitiative aus Berlin-Friedrichshain. Das Eckhaus Rigaer Straße 35/Samariterstraße 8 wurde Ende 2017 von dem Immobilienunternehmen Fortis Group erworben, die Ende Dezember 2018 Modernisierungsmaßnahmen angekündigt hatte. An der Fortis Group ist das  Versorgungswerk der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein zu       25 Prozent beteiligt. Darauf zielt das Schreiben der Anwohner ab. 

Die Initiative vertritt die Auffassung, dass es sich um „offenkundig unnötige Modernisierungen“ handelt. Gaby Gottwald, Abgeordnete der Linkspartei, ist in der Angelegenheit tätig geworden und fragt: „Werden also mit horrenden Mieterhöhungen in Berlin die Renten von Zahnärzt*innen in Schleswig Holstein finanziert? Wissen die Pflichtmitglieder, mit welchen Methoden ihre Altersvorsorge erwirtschaftet wird?“ Gottwald verlangt vom Geschäftsführer des Versorgungswerks, Bruno Geiger, er solle vom Vetorecht im Unternehmen Gebrauch machen, um die Modernisierungen zu verhindern. 

Das Versorgungswerk teilte auf Anfrage mit, das nur die Fortis Group zuständig sei. Vermutlich, um Druck vonseiten der Zahnärzte gegen das Versorgungswerk aufzubauen, ist nun die Briefaktion gestartet worden. In einem anderen Mietobjekt hat das Immobilienunternehmen derweil Einzelgespräche geführt. Von einer Rücknahme des Modernisierungsvorhabens war dabei allerdings nicht die Rede. Synke Köhler von der Mieterinitiative schimpft, das sei eine „Hinhaltetaktik“. 

Vegane Mensa an Berliner Uni

An der Technischen Universität  Berlin (TU) wurde vor Kurzem eine Mensa „Veggie 2.0“ eingerichtet. Der Betreiber strebt 500 Gäste pro Tag an. Die Universitätsmensa zählt am Tag insgesamt 33000 Kunden. In einer Umfrage hatten 13,5 Prozent von 14000 Studenten angegeben, sich vegan zu ernähren. Allerdings steht der Verdacht im Raum, dass einige Studenten in der Umfrage andere Angaben gemacht haben, als es ihrer Lebensrealität entspricht. Die umstrittene Tierschutzorganisation PETA hatte das „studierendenWERK Berlin“ für die Mensa „FU Veggie N° 1“ der Freien Universität Berlin bereits mit vier Sternen ausgezeichnet. Das Studentenwerk, das sich vor einiger Zeit „gendergerecht“ umbenannt hatte, ist eine „Anstalt des öffentlichen Rechts“ und daher „mit einer öffentlichen Aufgabe betraut“, nämlich unter anderem, die „Versorgung von Studierenden“ zu gewährleisten, was auch den Betrieb von Mensen beinhaltet. F.B.


S. 6 Ausland

Heilsbringer ohne Parlament
Wladimir Selenskij wird ukrainischer Präsident – Seine Partei ist in der Rada bislang nicht vertreten
Manuela Rosenthal-Kappi

Wladimir Selenskij konnte die Präsidentschaftswahl in der Ukraine mit einem Traumergebnis von 73 Prozent für sich entscheiden. Der Unterlegene Petro Poroschenko gibt sich jedoch noch nicht geschlagen. Bis zu Selenskijs Amtseinführung sind es noch ein paar Wochen, und im Oktober finden die Wahlen zur Werchowna Rada, dem Kiewer Parlament, statt. 

Wladimir Selenskij hatte vor der Stichwahl Petro Poroschenko zu einem Rededuell im Kiewer Olympiastadion herausgefordert. Obwohl wenig Inhaltliches dabei herauskam und Selenskij gegenüber dem erfahrenen Poroschenko eher eine schlechte Figur machte, siegte er haushoch. Die Ukrainer haben einen neuen Hoffnungsträger gewählt. Sie sehnen sich nach Veränderung, die in erster Linie eine Verbesserung ihrer sozialen Lage bringen soll. Genauso drängend ist der Wunsch nach einem Ende des Krieges in der Ostukraine, einem Ende der Korruption und besseren Beziehungen zu Russland. 

Ähnlich wie Frankreichs Emmanuel Macron gilt Selenskij als Heilsbringer, der alle Probleme des Landes lösen wird. Ein konkretes Programm hat er im Wahlkampf nicht vorgelegt, sondern es bei Versprechen belassen: Selenskij will Armut und Korruption bekämpfen, den Annäherungskurs mit der EU beibehalten und den Konflikt in der Ostukraine durch eine Wiederbelebung der Minsker Verträge beilegen. Das hatte auch sein Vorgänger schon versprochen. Neu ist, dass Selenskij über einen NATO-Beitritt per Referendum abstimmen lassen will. Außerdem soll die Immunität der Abgeordneten, des Präsidenten und der Richter aufgehoben werden. 

Ein Problem für den angehenden Präsidenten dürfte der fehlende Rückhalt im Parlament werden. Bei seiner Amtseinführung, die bis zum 3. Juni erfolgen muss, sitzt kein einziger Abgeordneter seiner Partei „Diener des Volkes“ in der Werchowna Rada. 

Bis zu den Parlamentswahlen am 27. Oktober wird Poroschenko, dessen Partei ein Drittel der Mandate hält und gemeinsam mit der nationalkonservativen „Volksfront“ eine Koalition bildet, weiter die Strippen ziehen. 

Für Selenskij beginnt ein Spießrutenlauf, denn jede Äußerung, die ihm als „Staatsverrat“ ausgelegt werden könnte, gefährdet seinen Amtsverbleib, wozu Zugeständnisse an Russland den Vorwand liefern könnten. Zwar könnte er vorgezogene Parlamentswahlen erzwingen, aber die um ihre Pfründe fürchtenden Abgeordneten würden sofort Gegenmaßnahmen ergreifen und ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn einleiten. 

Der neue Präsident ist auf das Wohlwollen der Abgeordneten angewiesen. Das Volk hat angesichts des ihm gewährten Vertrauensvorschusses hohe Erwartungen an den beliebten Fernsehstar. Seine Umfragewerte in den kommenden Monaten werden davon abhängen, inwieweit er diese erfüllen kann. 

Ärger bereitete ihm bereits Wladimir Putin, indem er ankündigte, ukrainischen Bürgern unbürokratisch die russische Staatsbürgerschaft zu gewähren. Selenskij konterte nach der Devise „Wie du mir, so ich dir“ und bot allen Russen die ukrainische Staatsbürgerschaft an. Inzwischen schlug Putin versöhnlichere Töne an: „Wenn Sie die Staatsbürgerschaft den Russen in der Ukraine geben und wir den Ukrainern in Russland, dann kommen wir ziemlich schnell auf einen gemeinsamen Nenner.“ 

Selenskij hatte zwar angekündigt, auf Russland zugehen zu wollen, hatte sich nach seinem Wahlsieg aber kämpferisch gezeigt. Mit Blick auf die postsowjetischen Staaten sagte er: „Schaut auf uns, hier ist alles möglich.“ Zur Krim-Frage sagte er, diese könne nur ein Machtwechsel in Moskau voranbringen. Das missfiel Russlands Elite, die als ebenso korrupt gilt wie die ukrainische. 

Entscheidend für die Beziehungen zu Russland und eine Bewährungsprobe für Selenskij wird sein Umgang mit dem umstrittenen Sprachgesetz sein, mit dem Poroschenko Russisch aus dem Alltag der Ukraine vertreiben wollte. Dabei sind über ein Drittel der Ukrainer russischsprachig, darunter  ursprünglich auch Poroschenko und Selenskij. Die Sprachenfrage gilt als ein zentraler Auslöser der Ukraine-Krise. Der Osten und der Süden der Ukraine sind überwiegend russischsprachig. 

Bislang hat Selenskij noch kein Kabinett vorgestellt, was die Gerüchteküche nährt. Sein Umfeld soll aus Beratern des reformfreudigen, liberalen Lagers bestehen, aber auch aus Mitarbeitern seiner Fernsehproduktionsfirma und   aus Weggefährten des Oligarchen Igor Kolomojskij. Wegen Kontakten zu Letzterem steht Selenskij in der Kritik.

Der heute in Israel lebende Kolomojskij gilt als Oligarch, der über Leichen geht. 2014 baute er im Kampf gegen Russland die Freiwilligenbataillone „Dnipro“ und „Asow“ auf. Er wurde 2014 Gouverneur seiner Heimatregion Dnipropetrowsk. 2015 kam es zum Streit mit Poroschenko, der ihn infolgedessen feuerte. 2016 wurde seine „PrivatBank“ verstaatlicht, weil Kolomojskij und seine Geschäftspartner fünf Millionen Dollar entwendet haben sollen. Kolomojskijs Leibwächter schützt auch Selenskij, sein Jurist Andrej Bogdan könnte in der künftigen Präsidialverwaltung einen Posten übernehmen.

Wie will Selenskij den politischen Einfluss von Oligarchen wie Rinat Achmetow, Igor Kolomojskij, Viktor Pintschuk, Dmitrij Firtasch, aber auch Julia Timoschenko und Petro Poroschenko eindämmen? In einem seiner politischen Programmpunkte hat er eine Lösung angedeutet: Gegen fünf Prozent Steuern sollen die Oligarchen ihren Besitz legalisieren dürfen. Ob das seinen Wählern genügt, ist fraglich. Zumal Selenskij selbst wohlhabend ist als erfolgreicher Unternehmer mit Immobilienbesitz im Ausland. 

Seine Chance besteht darin, dass, obwohl er zur Elite des Landes gehört, er eine neue Generation verkörpert. Als Polit-Neuling könnte er sich vom Establishment emanzipieren, denn er ist nicht nur Komiker, sondern auch gelernter Jurist. Es könnte ihm gelingen, die Ukraine von einem gemischt präsidial-parlamentarischen Regierungssystem in eine parlamentarische Republik nach US-Vorbild  zu überführen. 

In einem sind sich die Beobachter jedoch einig: Dass ein TV-Komiker die Präsidentschaftswahl gewinnen konnte, zeige, dass die Ukraine in Sachen Freiheit und Demokratie Fortschritte gemacht habe.

Visionen von Gewalt
Nordirland kommt nicht zu echter Ruhe

Die Menschen in Nordirland fühlen sich in längst vergessene Zeiten zurückversetzt. Seit Jahresanfang hat eine Gruppe namens „Neue IRA“ mehrere Anschläge verübt. Zuletzt bekannte sie sich zur Tötung der Journalistin Lyra Mc-Kee. In einem Bekennerschreiben an die „Irish News“ bat die Terrorgruppe die Angehörigen allerdings „aufrichtig um Entschuldigung“. Der Brief sei verifiziert worden, teilte die Zeitung mit. Die Reporterin sei „tragischerweise getötet“ worden, als sie an der Seite „feindlicher Kräfte“ gestanden habe, heißt es in der Erklärung weiter. McKee hatte am Rande von schweren Ausschreitungen in Derry, das offiziell Londonderry heißt, einen tödlichen Kopfschuss erlitten.

Die „Neue IRA“ ist eine der größten republikanischen Splittergruppen in Nordirland. Sie lehnt das friedensstiftende Karfreitagsabkommen von 1998 ab und strebt ein vereintes, unabhängiges Irland an. Mit ihr werden bislang vier Morde in Verbindung gebracht. Sie soll sich im Sommer 2012 gegründet haben und ging aus dem Zusammenschluss der „Real IRA“ und einer Art Bürgerwehr namens RAAD hervor, die hauptsächlich in Derry gegen mutmaßliche Drogendealer vorging, unter anderem mit „Bestrafungsschüssen“ und Rohrbombenangriffen.

Die „Real IRA“ war 1997 von früheren Mitgliedern der Irish Republican Army (IRA) ins Leben gerufen worden, die unzufrieden mit dem damals erzielten Waffenstillstand waren. Sie wollten „ihre Vision lieber mit Gewalt als über Demokratie und Politik umsetzen“, erklärte die Historikerin Gemma Clark von der University of Exeter dem Berliner „Tagesspiegel“. Wie viele Mitglieder der militanten Gruppe angehören, darüber wird in den britischen Medien spekuliert. Die einen sprechen von rund 200 Mitgliedern, andere reden von Dutzenden. Auch Behörden in Nordirland warnen vor Hysterie und davor, die Stärke der Gruppe zu überschätzen.

Die „New IRA“ steckt hinter einer Reihe von Angriffen auf britische Soldaten, Gefängnispersonal und Polizisten in den vergangenen Monaten. Denn auch nach dem Friedensschluss von 1998 hat Nordirland nie zu echter Ruhe gefunden. Es gab und gibt zahlreiche Ausschreitungen und Übergriffe, zu denen sich Splittergruppen bekannten, die sich auf das Erbe der alten IRA beriefen. Diese hat ihre Auflösung offiziell nie erklärt, aber vor mehr als 20 Jahren eingeräumt, „dass die Waffenfrage einer Klärung“ bedürfe. Die „Neue IRA“ ist derzeit die bekannteste der republikanischen Organisationen, die den Friedensprozess zurückweisen und ihr Ziel eines vereinten Irlands weiterhin mit gewaltsamen Mitteln verfolgen.

Die sogenannten Troubles, die in den späten 70er-Jahren begannen und in den folgenden 30 Jahren rund 3500 Todesopfer forderten, wurden mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 offiziell beendet. Seither haben sich Republikaner und Unionisten die Macht in Nordirland geteilt. Dieser Kompromiss ist derzeit auch nicht in Gefahr. „Wir haben es nicht mit einer breiten Kampagne zu tun, sondern mit vereinzelten Individuen aus bestimmten Communities“, sagte Thomas Leahy, Dozent für irische Geschichte und Politik an der Universität Cardiff, gegen­über der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“.P.E.

MELDUNGEN

Kaum Rückkehrer nach Syrien 

Damaskus – Von den rund 780000 Personen, die im Zuge des syrischen Bürgerkrieges nach Deutschland gekommen sind, ist bisher nur ein sehr kleiner Teil in die Heimat zurückgekehrt. Im Jahr 2017 wurden 199 Personen registriert, die in Deutschland finanzielle Unterstützung für die Rück-reise nach Syrien beantragten, 2018 waren es 466. Doch in diesem Jahr sinkt die Zahl: Im ersten Quartal kehrten 77 Personen nach Syrien zurück. Bei gleichbleibender Entwicklung könnte die Zahl der Rückkehrer zum Jahresende bei nur noch rund 300 liegen. Die Regierungstruppen kontrollieren in Syrien mittlerweile wieder fast alle ehemaligen Rebellengebiete. Die IS-Terroristen sind dort weitgehend besiegt.J.H.





Johannis trifft Beauftragte

Bukarest – Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Bernd Fabritius, und die Beauftragte für Kultur und Medien, Monika Grütters, haben die deutsche Minderheit in Rumänien besucht. Am ersten Tag trafen sie mit den Vertretern des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, dem Vorsitzenden des Siebenbürgenforums DFDS, Martin Bottesch, dem Parlamentsabgeordneten Ovidiu Gant, dem Bischof der Deutschen Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Reinhart Guib, sowie der Oberbürgermeisterin von Hermannstadt, Astrid Fodor, zusammen. Höhepunkt des Besuchs war der Empfang durch den rumänischen Staatspräsidenten Klaus Johannis. Schwerpunkte des Gesprächs waren die Situation der deutschen Minderheit in Rumänien, gemeinsame Kulturprojekte, das muttersprachliche Schulwesen und Fragen der Rechtsstaatlichkeit in Rumänien.J.H.

S. 7 Wirtschaft

Kampf ums nackte Überleben
Die Zahl der Bäckereibetriebe ist in nicht einmal 20 Jahren auf die Hälfte geschrumpft
Peter Entinger

Das deutsche Bäckerwesen steht vor einem massiven Umbruch, ja, es kämpft um das nackte Überleben. Denn nach einer neuen Sta-tistik geht das Bäckereisterben in Deutschland weiter. Die Zahl der Betriebe hat sich nach Angaben des Verbandes deutscher Großbäckereien seit der Jahrtausendwende bereits fast auf gerade noch gut 11000 Betriebe halbiert. Dabei ist der Schrumpfungsprozess nach der Überzeugung von Branchenkennern noch lange nicht zu Ende.

Brot aus dem Supermarkt, Fleisch vom Discounter – wer braucht noch den traditionellen Bäcker und Fleischer um die Ecke? „Wir haben einen wahnsinnigen Rückgang an Betrieben“, stellte unlängst auch Lars Bubnick, Geschäftsführer des bayerischen Fleischerverbandes, fest und bestätigt die pessimistische Einschätzung der Bäckerkollegen. Es würden sich auch immer weniger Schulabgänger für diese Handwerksberufe interessieren. „Es fehlt an allen Ecken und Enden an Nachwuchs. Wir suchen händeringend“, sagte Bubnick der Deutschen Presseagentur. 

„Das Hauptproblem ist der Nachwuchsmangel“, meint auch Gero Jentzsch vom Deutschen Fleischer-Verband. Wenn ein Fleischerbetrieb schließe, liege es heute meist nicht an den schlechten Geschäften. Grund sei viel häufiger, dass der Inhaber in ein Alter komme, in dem er nicht mehr weiterarbeiten könne, die Kinder aber keine Lust hätten, das Geschäft zu übernehmen. Außerdem leide die Branche an einem dramatischen Rückgang der Zahl der Auszubildenden. „Der Pool, aus dem zukünftige Fleischermeister rekrutiert werden können, wird immer kleiner“, so Jentzsch.

Angeheizt wird beispielsweise das Bäckereisterben nicht zuletzt durch die wachsende Zahl von Backstationen in Discountern und Supermärkten. Ihre Zahl ist mittlerweile auf über 30000 gestiegen. Mehr als 70 Prozent aller Brote werden mittlerweile im Lebensmittelhandel verkauft.

„Bäcker, Metzger, aber auch Parfümerien können mit den entsprechenden Angeboten der Supermärkte, der Discounter und der Drogeriemärkte kaum noch mithalten“, heißt es in einer Marktstudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Wirklich konkurrenzfähig seien die Fachhändler eigentlich nur noch vor den großen Feiertagen, „wenn etwas ganz Besonderes auf den Tisch soll“. Experten halten diesen Vorgang aber auch für einen relativ normalen Prozess. 

Während die deutsche Back­landschaft in den 1950er-Jahren noch überwiegend von kleinen Familienbetrieben geprägt gewesen sei, deren Waren aus der eigenen Backstube kamen, gehe der Trend heute in Richtung zentrale Produktionsstätten mit Verkaufsstellen-Filialnetz. Die Folge: Ein handwerklicher Bäckermeister, der in den Ruhestand geht, findet keinen Nachfolger und verkauft an ein Filialnetz, beschreibt der Sprecher des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks, Daniel Schneider, die Situation. 

Er hält das Gerede vom Bäckersterben jedoch für übertrieben: „Beim Rückgang der Betriebszahlen handelt es sich vielmehr um einen Konzentrationsprozess, der durch den allgemeinen Strukturwandel auf dem Backwarenmarkt ausgelöst wurde“, so Schneider. Beim Preiskampf könnten die „Kleinen“ mit den „Großen“ ohnehin nicht mithalten. „Die Brotpreise in Bäckereien liegen ungefähr doppelt so hoch wie die Preise der Lebensmitteldiscounter“, heißt es in einer Mitteilung. 

Schneider warnt gleichzeitig vor dem Versuch, die Billiganbieter mit ihren eigenen Waffen schlagen zu wollen. „Angesichts der unterschiedlichen Kostenstrukturen bei Handwerksbäckereien im Vergleich zur industriellen Produktion ist ein Einstieg in den Preiswettbewerb keine sinnvolle Option“, sagt er.

Neben den strukturellen Problemen hat die Branche auch mit externen Problemen zu kämpfen. „Mit jedem zusätzlichen Hitzetag hat die Branche vergangenes Jahr gezittert“, erinnert sich Verbandssprecherin Detmers. Ohnehin mache „der Klimawandel den Bäckereien Angst“. Der Druck Richtung Preiserhöhungen steige. Zuletzt seien die Rohstoffkosten durch den Hitzesommer 2018 deutlich in die Höhe geschnellt.

Dennoch sehen Branchenkenner kleine Betriebe nicht chancenlos. Zwar mache die Konkurrenz von Supermärkten und Discountern den handwerklichen Metzgereien zu schaffen, doch zugleich wachse die Zahl der Kunden, die ihrem oft persönlich bekannten Metzger eher als den 

anonymen Handelsformen vertrauen. Hier scheint es aber Nachholbedarf zu geben. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC zum Kundenerlebnis im stationären Handel kam zu interessanten Ergebnissen. Während dieser für deutsche Verbraucher nach wie vor relevant ist, schätzen viele das Erlebnis vor Ort als „ausbaufähig“ ein. Mehr als die Hälfte der 

1000 Befragten (59 Prozent) kreideten dem Verkaufspersonal an, dass sie es bei ihrem letzten Einkauf aktiv ansprechen mussten, um beraten zu werden. 

„Gut geschultes und aufmerksames Personal ist ein wichtiges Element“, heißt es in einer Mitteilung. Dies könne ein „entscheidender Faktor sein“, um sich gegen die übermächtige Konkurrenz zu behaupten.

Schwachstelle der Banken
Bundesbank warnt vor Dominanz der Bezahldienste aus den USA
Norman Hanert

Bundesbank-Vorstand Burk­hard Balz hat sich für europäische Alternativen zu Online-Bezahldiensten wie PayPal und Apple Pay ausgesprochen. Gegenüber der „Welt am Sonntag“ sagte er: „Es kann uns als Bundesbank nicht gleichgültig sein, wenn große Technologiekonzerne wie Apple, Google, PayPal und Amazon mehr und mehr die Kundenbeziehung übernehmen und den Banken lediglich noch die Rolle des Zahlungsabwicklers im Hintergrund bleibt.“ Auch im Zuge einer „Policy Lecture“ an der Frankfurter Goethe-Universität hatte Balz das Thema angesprochen und die Wichtigkeit „schneller Erfolge“ betont.

Hinter der Warnung der Bundesbank steht die Sorge vor Ertragsausfällen bei den heimischen Banken. Schon die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank hat dem bisherigen Geschäftsmodell der Banken ein Stück weit den Boden entzogen und die Erträge dahinschmelzen lassen. Auf dem Gebiet der On­line-Bezahldienste für Interneteinkäufe haben sich US-Technologiekonzerne wie Google und Apple als feste Größen etabliert. Anbieter wie PayPal und Amazon vergeben mittlerweile auch schon Kredite an Geschäftskunden.

Auch die deutschen Banken bieten Lösungen an. Bereits im Jahr 2006 wurde etwa das Verfahren „Giropay“ eingeführt. Mitentwickelt wurde „Giropay“ unter anderem von der Postbank. Hinter dem System „Paydirekt“ stehen wiederum die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Sparkassen. Ein großes Manko dieser Angebote ist, dass sie 

nicht für einen grenzüberschreitenden Handel taugen. Die Konkurrenten aus den USA haben sich zudem einen großen Vorsprung erarbeitet.

Nicht nur die Internetkonzerne mit ihren Bezahldiensten machen den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken zunehmend Konkurrenz. Viele Kunden sind in den letzten Jahren auch an die Direktbanken verloren gegangen. Ohne eigenes Filialnetz 

kostengünstig aufgestellt, nehmen die Direktbanken den klassischen Geldhäusern zunehmend Kunden weg. Hierauf eine Antwort zu finden, fällt insbesondere den Sparkassen schwer. Traditionell sind die Sparkassen stark regional ausgerichtet, dazu kommt die Vielzahl der Institute. Bundesweit gibt es rund 380 Sparkassen.

Walter Strohmaier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Nie­derbayern-Mitte, Bundesobmann der deutschen Sparkassen und Vize-Aufsichtsratschef der Bayerischen Landesbank, regt eine eigene Online-Direktbank der Sparkassen an. Er wies in diesem Zusammenhang auf die zur Sparkassen-Finanz-Gruppe gehörende DKB, eine Tochter der Bayerischen Landesbank, hin. Auch die Frankfurter Sparkasse ist mit der „1822Direkt“ bereits im Segment der Onlinebanken aktiv.

Dass sich die Sparkassen insgesamt recht schwer tun mit dem Gedanken, gemeinsam eine große Direktbank zu betreiben, hat gute Gründe: Den einzelnen Sparkassen würde auf der einen Seite der Verlust weiterer Kunden an eine große Sparkassen-Direktbank drohen. Auf der anderen Seite fehlt bislang eine Lösung, wie die einzelnen Sparkassen von einer gemeinsamen Direktbank profitieren könnten. Vom Erfolg der DKB profitieren zum Beispiel nur indirekt die bayerischen Sparkassen über ihre Anteile an der Landesbank.

Modular ins All
Grünes Licht für innovatives Raketentriebwerk aus Europa
Friedrich List

Das britische Unternehmen Reaction Engines arbeitet seit einigen Jahren an einem Raketenantrieb für Raumfähren und Hyperschallflugzeuge. Das „Sabre“-Triebwerk könnte eines Tages eine europäische Raumfähre antreiben. Kürzlich haben die europäische Raumfahrtagentur ESA und die britische Raumfahrtagentur UKSA (United Kingdom Space Agency) Finanzmittel für Bodentests mit einem Versuchstriebwerk bewilligt. Die ESA stellt zehn Millionen Euro bereit, das UKSA 50 Millionen Pfund. Inzwischen sind auch die ersten Tests erfolgreich verlaufen. Die komplette Testkampagne wird 18 Monate dauern.

Das „Sabre“-Triebwerk kombiniert Düsen- und Raketenantrieb. Die Abkürzung steht für „Synergetic Air-Breathing Rocket Engine“. Vor dem eigentlichen Raketenantrieb ist die Turbinen- und Verdichterstufe eines Düsentriebwerks installiert. Bis zur Kennzahl von Mach 5, also der 5-fachen Schallgeschwindigkeit, versorgt sie das Triebwerk mit Verbrennungsluft, danach schaltet „Sabre“ um auf reinen Raketenantrieb. Mit ihm könnten einstufige Raumfähren wie die britisch-europäische „Skylon“, an der auch deutsche Unternehmen wie Bayern Chemie mitarbeiten, ins All fliegen.

Das „Sabre“-Kombinationstriebwerk spart Raketentreibstoff und damit Gewicht. Positive Folge: Die Transportkosten würden sinken, weil die Raumfähre weniger flüssigen Sauerstoff an Bord nehmen müsste. Bislang ist der Transport durch eine Raumfähre die teuerste Art, einen Satelliten oder Komponenten eines größeren Raumfahrzeugs in den Orbit zu befördern.

Kern des „Sabre“-Triebwerks ist ein revolutionärer Wärmetauscher. Er schirmt den Motor bei hohen Überschallgeschwindigkeiten ab. Denn dann strömt die Luft mit der 25-fachen Kraft eines Hurrikans der Kategorie 5 ins Triebwerk. Durch die Reibung erzeugt der Luftstrom Temperaturen, die jedes Material schmelzen würden. Dies verhindert ein Vorkühler. Er nutzt flüssigen Wasserstoff aus dem Treibstoffvorrat des „Skylon“, um die einströmende Luft in einer einhundertstel Sekunde von 1000 Grad Celsius auf minus 150 Grad herunterzukühlen. Dann wird sie in den Triebwerkskern geleitet. ESA und Reaction Engines testeten diesen Vorkühler bereits 2012. Nun erproben sie den aus Verdichterstufe und Brennkammer bestehenden Triebwerkskern.

„Einer der großen Vorteile des Sabre-Antriebskonzepts besteht darin, dass es sowohl aus 

konstruktiver als auch aus betrieblicher Sicht vollständig modular ist“, sagt Richard Varvill, Chef-Technologe von Reaction Engines. „Daher ist es möglich, jede der Schlüsselkomponenten des Triebwerks strengen Bodentests zu unterziehen, welche die Betriebsbedingungen des Triebwerks bis zum Flug mit Mach 5 in 25 Kilometern Höhe vollständig nachahmen.“

Bis zum flugfähigen Triebwerk und zum ersten Flug einer „Skylon“-Raumfähre ist es jedoch noch ein langer Weg. Die Raumfähre soll 84 Meter lang sein und entweder 30 Passagiere oder bis zu 15 Tonnen Nutzlast in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen. Im Gegensatz zum US-amerikanischen „Space Shuttle“ würde „Skylon“ aber starten und landen wie ein gewöhnliches Flugzeug.

MELDUNGEN

Blockade bei »Nord Stream«

Kopenhagen – Dänemark behindert den Fertigbau der „Nord Stream 2“-Pipeline. Südöstlich von Bornholm sollte die Gasleitung ursprünglich verlaufen – parallel zu den ersten beiden, bereits im Betrieb befindlichen Strängen von „Nord Stream“ – durch dänische Territorialgewässer. Die neue Route nördlich oder westlich von Bornholm liegt in der „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ Dänemarks. Hier darf die Genehmigung nicht verweigert werden, sondern lediglich eine maximal sechs Monate dauernde Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden, wovon Dänemark jetzt Gebrauch macht.F.B.





Autoproduktion rückläufig

Wiesbaden – Im Jahresverlauf 2018 ist die Produktion von Kraftwagen und Kraftwagenteilen deutlich gesunken. Wie das Sta-

tistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, lag die Produktion im zweiten Halbjahr 2018 kalender- und saisonbereinigt um 7,1 Prozent niedriger als im ersten Halbjahr. Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist die Produktion im gleichen Zeitraum um lediglich 2,0 Prozent zurück-gegangen.J.H.

S. 8 Forum

Endlich etwas tun!
Eberhard Hamer

In der Nacht vom 16. April 2019 wurde der mehr als 700 Jahre alte Pariser Dom Notre-Dame von einer Feuersbrunst heimgesucht und teilgeschädigt. 

Es gab allgemeines Entsetzen, nicht nur in Frankreich, sondern in der ganzen Welt, und allgemeine nationale und internationale – auch aus Deutschland – Hilfsangebote. Es ist erhebend, dass die Welt ein solches Unglück an einem Kulturdenkmal heute gemeinsam zu tragen versucht und auch den Wiederaufbau international angeht.

Das war vor einem Dreivierteljahrhundert noch ganz anders. In den gleichen Ländern, in denen heute größte Betroffenheit über einen Brand eines Kulturdenkmals herrscht, war große Befriedigung und Freude, als 800 Jahre alte Kirchen in Deutschland nicht durch Unglück, sondern vorsätzlich zerstört wurden. Beispiele sind der Magdeburger Dom und die alten Kirchen in nahezu allen Großstädten wie Dresden, Köln, Essen oder Frankfurt am Main. Damals gab es kein Bedauern. Danach gab es keine Aufbauhilfe und keine internationale Aktion.

Ist die Welt inzwischen vernünftiger und besser geworden? Die Menschen sind es vielleicht, die Politiker wohl kaum, wenn man die nahezu wöchentlichen Wirtschafts- und Finanzkriegshandlungen der USA und die militärischen Kriegsdrohungen der NATO-Funktionäre verfolgt.

Oder liegt das heutige Weltmitleid angesichts des Brandes von Notre-Dame daran, dass es sich um ein französisches statt um ein deutsches Kulturgut handelt? Dagegen spricht, dass ein Teil der heute Betroffenen noch im Syrienkrieg Helfer der Zerstörer von Weltkulturschätzen war.

Immerhin sollte man anerkennen, dass Deutschland, welches vor 75 Jahren mit der Totalzerstörung seiner Kulturgüter alleingelassen wurde, als eines der ersten Länder mit Hilfszusagen für den Wiederaufbau von Notre-Dame kam. Zumindest wir Deutschen haben uns inzwischen gebessert.

Die Bereitschaft Deutschlands zur Hilfe im Ausland legt aber den Gedanken nahe, ob nun die deutsche Regierung auch mehr Verantwortung für die Erhaltung deutscher Kulturgüter übernehmen müsste, zum Beispiel für die Erhaltung der unter dem Kommunismus vergammelten jahrhundertealten Dorfkirchen oder der Schlösser in Mitteldeutschland.

So könnte das vom Brand von Notre-Dame ausgehende Zeichen verstärkten Bewusstseins für die Erhaltung unserer Kulturgüter vielleicht noch zur rechten Zeit auch innenpolitisch die Bevölkerung und Regierung zur Erhaltung unserer eigenen Kulturgüter mobilisieren.

Immerhin brennt auch in Deutschland nach Ermittlungen des auf Baudenkmäler spezialisierten Brandschutzingenieurs Sylwester Kabat wöchentlich eine Kirche und jedes Jahr bisher eine historische Denkmalskirche wie beispielsweise 2014 in Nürnberg die 600 Jahre alte Kirche St. Martha, 2015 die historische Kirche in Tellschütz und 2018 die Ravensburger Kirche St. Jodok.

Statt den US-Amerikanern mehr als 20 Milliarden Euro für weitere Rüstungskäufe zuzusagen, sollte sich Deutschland erst einmal um die Sanierung und Rettung seiner eigenen jahrhundertealten Kulturgüter kümmern. Notre-Dame sollte uns so etwas lehren!

Klare Worte an die Bahn
Maria Schneider

Eben wollte ich eine Fahrtverbindung auf Ihrer Internetseite nachsehen und musste dabei feststellen, dass Sie für mich kein repräsentatives deutsches Unternehmen mehr sind.

Auf die ewigen Verspätungen, die kaputten und verschmutzen Toiletten, die funktionsunfähigen Türen, fehlenden Wagen, Zugausfälle, Gleisänderungen, umgekehrten Wagenreihungen, exorbitanten Preise etc. gehe ich erst gar nicht ein. Auch, dass Sie seit Monaten mit einem bi-ethnischen Paar für die BahnCard werben, konnte ich gerade noch hinnehmen.

Nun bilden Sie jedoch auf Ihrer Seite einen Afrikaner, einen Mann aus dem Nahen Osten, eine Frau, die ebenfalls aus dem Nahen Osten oder aus dem Mittelmeer sein könnte, eine Afrikanerin mit Kind und schließlich – quasi als Nachgedanke – einen jungen Mann mit nordeuropäischem Phänotyp ab. Ist es Absicht, dass der junge Deutsche am rechten Rand gelandet ist? Auch sonst sind auf Ihren Seiten mehrheitlich Afrikaner oder Halbafrikaner abgebildet. Deutsche und Europäer sind in der Minderheit.

Kein anderes Land würdigt sein angestammtes Volk so stark herab wie Deutschland und behandelt es als eine Minderheit unter vielen. Dies spiegelt (noch) nicht die Volkszusammensetzung in Deutschland wider.

Darüber hinaus bin ich als Vielfahrerin immer wieder Zeugin von Fahrkartenkontrollen, bei denen gerade Afrikaner und Araber sich über Schaffner lustig machen, keine Fahrkarte haben oder sogar handgreiflich werden. Ein Schaffner, den ich darauf ansprach, meinte, er dürfe nichts sagen, da er sonst von anderen Fahrgästen immer wieder als Rassist beschimpft würde. Dies, nur weil er einfach nur seine Pflicht erledigen will.

Vor 2015 gab es keine schwerbewaffneten Polizisten, die in Bahnhöfen patrouillierten. Mir war nachts immer etwas mulmig in den Bahnhofshallen, aber dies ist kein Vergleich zu den Bahnhöfen in Frankfurt, Stuttgart, Mannheim oder München, geschweige denn in Dortmund und Duisburg.

Sie dienen sich auf Ihrer Seite der Multikulti-Ideologie an, die jeden Tag Menschenleben der einheimischen Deutschen und assimilierten Zuwanderer fordert. Einer Ideologie, die Deutsche und Vielfahrer wie den jungen Mann und mich benachteiligt. Eine Ideologie, die zu Wohnungsnot bei unseren Rentnern und jungen Familien führt.

Ihre Fotos bilden sogar eine afrikanische Mehrheit in Deutschland ab, was nicht der Realität entspricht. Die meisten dieser afrikanischen und orientalischen Zuwanderer haben noch nicht einmal das Geld, eine Fahrkarte zu kaufen oder erwerben sie über Hartz-IV, was ich als Steuerzahlerin finanziere.

Wenn Sie nun meinen, ich sei eine Rassistin, weil ich mich gegen den Rassismus wehre, den Sie gegenüber den Deutschen und westlichen Menschen ausüben, dann sei es so. In diesem Fall bin ich stolz darauf, eine Rassistin zu sein.

Als im Personenverkehr tätiges bundeseigenes Unternehmen hat die Bahn sich neutral zu verhalten. Das Mindeste wäre, das tatsächliche Verhältnis zwischen Zuwanderer zu Deutschen widerzugeben, also nur 20 Prozent Zuwanderer gegenüber 80 Prozent Deutschen.

Richtig wäre es jedoch, all jene widerzugeben, denen Sie Ihre Einnahmen zu verdanken haben. Nämlich die rund 25 Prozent verbleibenden Leistungsträger – meist Deutsche und assimilierte, europäische Zuwanderer – denen gerade neu eingetroffene afrikanische und arabische Zuwanderer ihre Sozialleistungen und der Bahnvorstand seine exorbitanten Bezüge zu verdanken haben.

Manche Begriffe haben Inflation, andere scheinen aus der Mode zu kommen. Daher erinnere ich Sie gerne daran: Schamgefühl, Moral, Dankbarkeit und Anstand wären einige davon, mit deren inhaltlicher Bedeutung sich der Bahnvorstand – und zahlreiche Zuwanderer – einmal auseinandersetzen sollten.

Gegenwind
Absurdes Theater
Florian Stumfall

Die Szene hätte jedem Autor des absurden Theaters zur Ehre gereicht: Sie spielte in Rom am Petersplatz, Rahmenhandlung eine Generalaudienz des Papstes Franziskus. Ebendieser in einer der Hauptrollen, die andere, die jugendliche Heldin, verkörpert durch Greta Thunberg, das Klima-Gewissen des Planeten. Sie, begleitet von ihrem Vater und einem Herrn, dessen Aufgabe es offenbar war, ihr Rat und Richtung zu geben, versichert das Oberhaupt der Katholischen Kirche ihres Wohlwollens, der Heilige Vater steht nicht zurück und fordert das Mädel auf, fortzufahren im löblichen Tun.

Das ist der vorläufige Höhepunkt der weltweiten Glorifizierung eines Mädchens, das außer ein paar unspezifischen Vorwürfen an ihre Eltern-Generation, der Klage, diese stehle der ihrigen die Zukunft, und der Notwendigkeit, dass nun die Kinder das Heft in die Hand nähmen, keinen eigenen Gedanken vorbringt. Doch das tut der Veranstaltung keinen Abbruch. Denn zum einen ist Greta mit ihrer nach außen unprätentiösen Erscheinung gut ausgewählt, zum anderen hat sich hinter ihr ein wahrhafter Sturm medialer Begeisterung aufgebaut – zu gezielt und umfassend, als dass er aus eigenem Antrieb hätte entstehen können.

Nun ist also auch der Papst eingegliedert in diese Apotheose der jungen Schwedin, nachdem bereits Staatenlenker zu ihren Anhängern gehören, zwei schwedische Zeitungen sie zur „Frau des Jahres“ erkoren haben, soweit man mit 16 eine Frau ist, nachdem überdies bereits der Ruf erklungen ist, man müsse Greta den Friedensnobelpreis verleihen, und in den Hauptstädten Europas zehntausende vor allem junge Leute, die sie der Pflicht, am Freitag zur Schule zu gehen, enthoben hat, ihr zujubeln, als wäre sie ein Popstar. Doch das ist der Freuden nicht genug: Ende April erschien ein Buch über Greta und ihre Familie. Übrigens legt sie Wert auf die Feststellung, dass sie für ihre Reisen kein Flugzeug benutze – wahrlich professionell.

Wo der Papst solche Zeichen setzt, mögen sich seine Bischöfe nicht verstecken, und die fortschrittlichsten schließen sich ihm an. Da ist der Berliner Erzbischof Heiner Koch, der erkannt haben will: „Greta Thunberg steht für eine prophetische Botschaft.“ Und passend zum Osterfest setzt er hinzu: „Mich erinnern die Freitagsdemos ein wenig an die biblische Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem.“ Sein Amtsbruder Heiner Wilmer, der Bischof von Hildesheim, hält da mit. Ihm kommt Greta ebenfalls vor „wie eine junge Prophetin“, und was ihre Anhänger angeht, so erscheinen sie dem Bischof „kreativ wie der Schöpfergott, geistreich wie der Heilige Geist und hellwach wie Jesus Christus.“ Christus hellwach? Da hat es schon bessere Bezeichnungen gegeben, aber egal.

Jedenfalls tragen namhafte Vertreter der Kirche dazu bei, die Klima-Debatte zu mystifizieren, mehr noch als es bisher schon der Fall war, und endgültig aus dem Bereich des Tatsächlichen zu lösen. Die Wirklichkeit verliert so ihre Beweiskraft, an die Stelle treten Selbstgerechtigkeit und die Überzeugung vom Triumph des Phantastischen. In anderem Zusammenhang hat erst kürzlich die Grünen-Chefin Annalena Baerbock ein Beispiel für diese Geisteshaltung gegeben. Zur Energieversorgung machte sie wörtlich einen revolutionären Vorschlag: „An Tagen wie diesen, wo es grau ist, da haben wir natürlich viel weniger erneuerbare Energien. Deswegen haben wir Speicher. Deswegen fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet. Ich habe irgendwie keine wirkliche Lust, mir gerade mit den politischen Akteuren, die das besser wissen, zu sagen, das kann nicht funktionieren.“

Angesichts des sich abzeichnenden Triumphs des Erwünschten über das Mögliche tut es not, sich ein paar naturwissenschaftliche Eckdaten zum Bereich Klima ins Gedächtnis zu rufen. Die einschlägige Debatte dreht sich im wesentlichen um ein kleines Molekül, CO2, Kohlendioxyd. Dies ist einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden als „Schadgas“, eine überaus erstaunliche Bezeichnung. Denn ohne das Kohlendioxyd gäbe es auf der Erde kein Leben, wie wir es kennen. Blattpflanzen, Algen und manche Bakterien zerlegen durch die Photosynthese das Sonnenlicht in energiereiche Biomoleküle, wobei Sauerstoff frei wird. Der gesamte Sauerstoff in der Atmosphäre ist aus Kohlendi­oxyd entstanden. Das Gas ist eine der Lebensgrundlagen. Es als schädlich einzustufen, ist ein unerklärlicher Irrtum.

Doch wie immer – die Dosis macht das Gift, daher soll man sich vor Augen führen, wie hoch der Anteil des CO2 in der Atmosphäre tatsächlich ist. Neben rund 78 Prozent Stickstoff, 20 Prozent Sauerstoff und einem Prozent Argon kommt an vierter Stelle der Bestandteile der Luft das Kohlendioxyd mit 0,038 Prozent. Davon sind 96 Prozent natürlichen Ursprungs und etwa vier Prozent vom Menschen gemacht. Der anthropogene Anteil des CO2, um den die ganze Klima-Debatte geht, beträgt mithin 0,00152 Prozent der Atmosphäre.

„Mehr als genug für den Treibhauseffekt!“, heißt es an dieser Stelle von Gretas Jüngern. Nur leider: diese Treibhaustheorie ist ein fragiles Konstrukt. Sie widerspricht zweien von vier Hauptsätzen der Thermodynamik, zunächst einmal dem ersten: „Die innere Energie ist eine Eigenschaft der stofflichen Bestandteile eines Systems und kann nicht erzeugt oder vernichtet werden. Die innere Energie ist eine Zustandsgröße.“ Das bedeutet für das Weltklima, dass signifikante Änderungen nur durch eine äußerliche Einwirkung entstehen können, nämlich die Sonnenaktivität, die Erdumlaufbahn um die Sonne und den Neigungswinkel der Erdachse. Leider aber findet der Faktor Sonne bei der üblichen Klima-Argumentation keinerlei Berücksichtigung. 

Auch der zweite Hauptsatz der Thermodynamik widerspricht der gängigen Klimalehre vom Treibhaus: „Wärme fließt immer vom wärmeren System in Richtung eines kälteren Systems.“ Um das für den vorliegenden Fall anzuwenden: Die Atmosphäre kühlt sich nach oben um 0,1 Grad pro 100 Meter ab. Oben ist es kälter als unten, das hat jeder schon im Flugzeug angezeigt gesehen: Minus 50 Grad bei 10000 Metern Höhe. Hier aber sagt uns der zweite Hauptsatz: Eine oben liegende, kalte Luft kann die untere, warme nicht aufheizen. Der Meteorologe Wolfgang Thüne nennt einen weiteren grundlegenden Lehrsatz der klassischen Physik: „Der angebliche Treibhauseffekt steckt im totalen Widerspruch zum Newton‘schen Abkühlungsgesetz, wonach sich kein Körper in einer kälteren Umgebung erwärmen kann.“

Zurück zur Katholischen Kirche. Sie tut gut daran, den sorglichen, dankbaren Umgang mit der Schöpfung anzumahnen. Doch wer dies tut, sollte auch die Gesetze berücksichtigen, welche der Schöpfer für die Natur in Wirksamkeit gesetzt hat. Diese sind unentrinnbar und auch von keinem angerblich moralisch höheren Anspruch außer Kraft zu setzen. Das zu berücksichtigen, hat vor 700 Jahren schon Thomas von Aquin gefordert. Umgekehrt nämlich sollte es keinem Physiker oder Biologen einfallen, in eine Debatte um meinetwegen die Christologie oder aber liturgische Fragen einzugreifen. Die Achtung vor der Beweiskraft der Wirklichkeit darf nicht einem sachfremden Interesse anheimfallen.

In weiten Teilen hat die Römische Kirche, an ihrer Spitze das Oberhaupt, die Klima-Frage dazu genutzt, sich ein weiteres Mal dem Zeitgeist zu ergeben. Eine solche Kapitulation fällt umso leichter, je öfter sie geschieht. Gleichzeitig werden die Kirchen leerer und die Moscheen voller, auch in Europa, weil immer mehr Menschen beim kirchlichen Politikbetrieb die Spiritualität vermissen.

S. 9 Kultur

Illusion vom Paradies
Die Zuwandererwelle von 2015 hat das Fernsehen erreicht – Ernüchterndes Fazit in der Produktion »Eden«
Anne Martin

Knapp vier Jahre liegt der Höhepunkt des Immigrantenansturms auf Deutschland zurück – jetzt zeigen ARD und Arte in einem fiktionalen Mehrteiler einige der Menschen hinter den Zahlen.

Wenn „Eden“ das Paradies ist, dann ist der Weg dahin die Hölle. Den jungen Nigerianer Amare verschlägt es aus einem griechischen Aufnahmelager nach Athen, dann über Irrwege nach Paris. Er wird von Schleppern in einem verschlossenen Lieferwagen an der Grenze zu Nordmazedonien ausgesetzt, seiner wenigen Habseligkeiten beraubt, von ei­nem Lastwagenfahrer sexuell be­drängt, und immer wieder taucht auf dem Display seines Smartphones die ferne Mutter auf, die ihren Sohn auf dem Weg ins gelobte Land wähnt.

Vier Jahre nach der „Flüchtlings“-Welle auf Deutschland das Thema Migration fürs Fernsehen zu inszenieren, ist ein Wagnis. Zu tief hat die Massenimmigration das Land gespalten, unlösbar scheint das Dilemma zwischen den Menschen, die ein besseres Leben suchen, und den überforderten Aufnahmeländern zu sein. 

Die internationale Co-Produktion von Arte und ARD, zunächst als Serie geplant, nun an jeweils zwei Abenden ausgestrahlt 

(9. Mai Arte, 8. und 15. Mai, jeweils 20.15 Uhr, Das Erste), versucht gar nicht erst, einen Königsweg aufzuzeigen. Der Mehrteiler beleuchtet unterschiedliche Schicksale, vor allem zeigt er eindrucksvoll, wie die Immigranten auf Geschäftemacher treffen oder die Auswanderer selber zu Dealern werden. Dabei sind es nicht nur die skrupellose Schlepper, die von den Menschenströmen profitieren. 

Neu und überraschend ist der Einblick in die Management-Ebene. Da ist die ehrgeizige Helene, die in Griechenland ein privates Aufnahmelager betreibt und mit ihrem fast steril wirkenden Containerdorf EU-Gelder abgreifen will. Die französische Schauspielerin Sylvie Testud, 1996 mit dem deutschen Taubstummen-Drama „Jenseits der Stille“ bekannt geworden, spielt diese Helene als Unternehmerin, die nervös zwischen Altruismus und Gewinnstreben jongliert. Dass die Zuwandererwelle auch Finanzhaie anlockt, ist der aktuellste Aspekt des Themen-Tableaus.

Die Wohlmeinenden, die in einer Mischung aus Blauäugigkeit und moralischem Rigorismus lange die hiesige Willkommenskultur bestimmten, finden sich in einem Mannheimer Lehrerehepaar wieder. Während ihres Spanienurlaubs werden sie zufällig Zeuge eines anlandenden Bootes, nehmen später einen jungen Syrer bei sich auf und machen – so der Co-Produzent Felix von Boehm – „alles falsch, was man nur falsch machen kann“. Im Souterrain des Reihenhauses be­kommt der schweigsame Bassam das Jugendzimmer des Sohnes und sitzt fortan in sich gekehrt mit am Abendbrottisch. 

Während die Mutter (Juliane Köhler) dem fremden Gast ihr Mitgefühl aufdrängt, lässt der eifersüchtige Sohn keine Möglichkeit aus, um den Untermieter zu schikanieren. Bei den Eltern steht Mildtätigkeit auf dem Stundenplan. „Darf ich dich mal in den Arm nehmen“, fragt die Mutter von sich selbst ergriffen und merkt gar nicht, dass der junge Mann in ihrem Arm erstarrt. Erst als Sohn und Untermieter sich im Keller die Zähne ausschlagen, beginnt diese Integration nach Lehrbuch zu bröckeln. Bassam packt seinen Rucksack und reist überstürzt nach Paris, zu Tante und Onkel. 

Die französische Hauptstadt ist neben Griechenland, Brüssel und Mannheim der vierte Standort des Mammut-Projektes. Hierher hat sich das syrische Ehepaar Meryem und Hamid mit der kleinen Tochter vor den Schergen des Assad-Regimes in Sicherheit gebracht. Hier schürzt sich auch das dunkle Geheimnis, das der Vater mit sich trägt. 

Was all diese Menschen verbindet, ist das unbedingte Bemühen, Konflikte und Traumata zu deckeln. Darin verweist der Mehrteiler sehr realistisch auf die anfängliche Situation in Deutschland. Spannend ist der Prozess, wenn die Fassaden beginnen zu bröckeln. Die beiden griechischen Wärter im Aufnahmelager, die den jungen Amare und seinen Bruder verfolgen und dabei den Tod des Älteren riskieren, geraten als erste in einen verhängnisvollen Strudel von Lügen. 

Und auch bei dem syrischen Arzt, der in einer Redaktion Arbeit gefunden hat, liegen die Nerven blank. Damit seine Frau keine Nachforschungen anstellt, wird sie in der Hochhaus-Wohnung eingeschlossen.

„Eden“ ist der Versuch, ein europaweites Problem in Einzelschicksale aufzulösen und dabei verschiedene Blickwinkel einzunehmen. Zwölf Autoren arbeiteten an dem Projekt, das der bisher nur in Frankreich erprobte Regisseur Dominik Moll schließlich in 70 Drehtagen mit Schauspielern unterschiedlicher Nationen stemmte. Auch er gehört zum Autorenteam: „Als ich anfing, gab es erst drei Folgen.“ 

Um authentisch zu sein, gelang es Moll sogar, in dem Lager Skaramagas bei Athen zu drehen. Manchmal geraten die Schnitte hart, manchmal hört man die Synchronisation heraus. Überzeugend ist vor allem die gemeinsame Klammer all dieser Einzelschicksale: Beschönigen und Verschweigen verstärkt nur das Dilemma – bei den Immigranten ebenso wie bei den Helfern. Selbst die vor Ehrgeiz brennende Helene, die den Fluchtversuch in ihrem Camp mit einem Schweigegeld an die Wärter unter den Tisch kehren will, stellt sich schließlich der Wahrheit: „Nicht alles steht in unserer Macht“, bekennt sie vor der EU-Kommission.

Wenn der Zuschauer an einem der vielen Protagonisten hängenbleibt, dann an dem Jungen Amare, den es wie Treibholz von Küste zu Küste treibt, der entwurzelt sein wird, wo immer er auch landet. Der junge Darsteller Jo­shua Edoze wurde in Griechenland besetzt, ein Grieche mit afrikanischen Wurzeln. In der letzten Szene treibt das voll besetzte Schlauchboot von Calais aus in die See hinaus. England ist das Ziel. Warum England? „Weil es da so gute Fußballspieler gibt“, sagt Amare.

Fazit dieser bemerkenswerten Produktion: Die Migrationsbewegungen des 21. Jahrhunderts versanden allzu oft im trostlosen Wartestand, enden in Lagern oder auf schaukelnden Booten, dem drohenden Untergang preisgegeben. Das Paradies entpuppt sich für die meisten als grausamer Irrtum, als unerreichbare Illusion. 

Das Atelier als Labor
Suche nach der vierten Dimension – Marcel Duchamp in Schwerin
Helga Schnehagen

Die bildende Kunst begann sich vor rund 100 Jahren mit dem rasanten technischen Fortschritt – nicht nur in der Fotografie – neu zu erfinden. Die übergeordnete Erfindung ist die Abstraktion, der sich die Künstler fortan auf unterschiedlichste Weise widmen. Gelten Impressionismus, Expressionis­mus, Kubismus – um nur einige der „ismen“ der modernen Kunst zu nennen – noch als „gefällig“, sind radikale Anti-Kunstbewegungen wie Dadais­mus, Surrealismus und Konzeptkunst eine offene Revolte gegen alle traditionellen Kunstformen und im weiteren Sinn die Gesellschaft und ihr Wertesystem. Eine derart radikale Abkehr von traditionellen Normen hatte es in der Kunst bis dahin nicht gegeben.

Marcel Duchamp zählt zu ihren frühesten und radikalsten Vertretern. 1887 in Blainville-Crevon bei Rouen in der Normandie geboren und 1968 in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris, im Alter von 81 Jahren gestorben, stellt er auf der Luftfahrtschau von 1912 in Paris fest: „Die Malerei ist am Ende. Wer kann etwas Besseres machen als diese Propeller?“ Fortan durchdringen Wissenschaft und Technik seine Arbeiten, stellt er die Frage nach der „vierten Dimension“ und wird sein Atelier zum Laboratorium sowie sein Werk zu einem visionären Experimentierfeld.

Mit 91 Werken aus allen Schaffensphasen besitzt Schwerin neben Philadelphia, Stockholm, Paris und Stuttgart eine der bedeutendsten Du­champ-Samm­lungen weltweit. Sie bildet die Grundlage der aktuellen Ausstellung im Staatlichen Museum, die mit Hauptwerken wie das „Große Glas“, die „Grüne und Weiße Schachtel“, die Readymades „Fresh Widow“, „Air de Paris“ und „Stolperfalle“ oder auch die Rotoreliefs einen umfassenden Blick auf seine Arbeit erlauben. 

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Marcel Duchamp: das Unmögliche sehen“ steht das gewagte Spiel mit der Erotik. In Duchamps Hauptwerk, dem „Großen Glas“, versteckt sich eine erotische Maschine. Leonardo da Vincis „Mona Lisa“ verfremdet er durch Hinzufügung eines Bärtchens und der Buchstaben L.H.O.O.Q., was laut gesprochen „elle a chaud au cul“, ein vulgärer Ausdruck für „sie ist geil“, bedeutet. 

Duchamp begnügt sich jedoch nicht mit der Rolle des Transformers. Als „Rrose Sélavy“, was so viel heißt wie „eros c’est la vie“, „Eros ist das Leben“, transformiert er sich selber zur Frau, mit der er fortan gemeinsam seine Werke signiert und editiert. Duchamps Gender-Transformation von 1920, die Man Ray fotografisch festhält, ist gerade heute wieder aktuelles Thema.

Die Verfremdungen, Verwandlungen und Widersprüche machen Duchamps Kunst für den Betrachter nicht leicht fassbar. Doch je mehr man sich in dessen Absurditäten hineindenkt, desto mehr offenbaren sich darin die realen Absurditäten unserer Zeit. Der Versuch, das Unmögliche zu sehen, lohnt also. Mit der Ausstellung feiert das Duchamp-Forschungszentrum am Schweriner Museum noch bis zum 26. Mai sein zehnjähriges Bestehen. 


Bis 26. Mai im Staatlichen Museum Schwerin, Alter Garten 3, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 8,50 Euro, www.museum-schwerin.de

Die letzte Königin
Mehr als nur eine Diva – Zum Tode von Hannelore Elsner
Harald Tews

Es muss ein wahrer großer Star von der Bühne des Lebens abgetreten sein, wenn das Fernsehen sein Programm kurzfristig ändert. Kurz nach Ostern wurden alte Filme mit Hannelore Elsner wiederholt, wo­bei es zu Déjà-vu-Erlebnissen kam. Ach ja, sie spielte neben Henry Hübchen in der Erben-Groteske „Alles auf Zucker“ mit, und richtig: Im „Tatort“ war sie schon vor 22 Jahren als Kommissarin Lea Sommer zu sehen, ehe sie in der gleichen Rolle in der ARD-Serie „Die Kommissarin“ ermittelte.

Jetzt kann sie keine Verbrechen mehr aufklären. Hannelore Elsner starb Ostersonntag an einer Krebserkrankung. Ihr plötzlicher Tod mit 76 Jahren erschüttert die Fernsehnation, trauert man ihr doch als „letzter Diva“ des deutschen Films nach. Keine Sorge: Es wird immer andere Diven geben von der Sorte einer Katja Riemann, Veronika Ferres, Gudrun Landgrebe oder Iris Berben.

Was Elsner aber einzigartig machte, war ihre ungekünstelte Ader, ihre Aufrichtigkeit und ihr Verdienst, sich den Moden der Zeit durch ihren eigenen natürlichen Stil zu entziehen. Man erkannte es schon an der Rollenauswahl. Vor die Wahl gestellt, Lady Macbeth oder eine Superheldin zu spielen, hätte sie sicher die schwierigere, weniger populäre und damit weniger lukrative Rolle gewählt.

Sicher, um ein Bein ins Filmgeschäft zu bekommen, hat sie zu Beginn ihrer Karriere in seichten Komödien wie „Allotria in Zell am See“ oder „Die Lümmel von der ersten Bank“ mitgewirkt. Aber so, wie man bei Marlene Dietrich im­mer an den „Blauen Engel“ denkt, wird man Elsner nie mit einem großen Filmhit in Verbindung bringen. Es liegt wohl auch daran, dass sie sich auf ihre TV-Karriere konzentrierte und erst nach 15-jähriger Pause im Jahr 2000 auf die Kinoleinwand zurückkehrte. 

Dann aber mit Aplomb: Wie sie in Oskar Roehlers biografischem Film „Die Unberührbare“ mit extravaganter Perücke und dickem Lidstrich ein Alter Ego der zufällig namensgleichen deutschen Schriftstellerin Gisela Elsner spielte, war so ergreifend, dass sie dafür wichtige deutsche Filmpreise erhielt.

Fürs große Publikum war dieser in schwarz-weißen Bildern ge­drehte Film nie gedacht. Elsner blieb im Kino zumeist den Cineasten vorbehalten. Populärer war da Doris Dörries „Kirschblüten – Ha­nami“, in dem Elsner aber nur eine kleine Rolle spielte und als Gattin neben Elmar Wepper früh stirbt. Eine Art Auferstehung erlebt sie gerade in der Fortsetzung „Kirschblüten & Dämonen“, die im März in die Kinos kam. Während der Dreh­arbeiten zu dem ARD-Spielfilm „Lang lebe die Königin“ starb sie nun. In ihrer letzten Szene liegt sie aufgebahrt im Sarg.

MELDUNGEN

Frauen veredeln ein Schloss

Caputh – Mit „B.A.R.O.C.K.“ präsentiert sich das Schloss Caputh Schwielowsee vom 4. Mai bis 31. Oktober in einer Verschmelzung mit zeitgenössischen Arbeiten von vier Künstlerinnen. Zu sehen sind barock anmutende Tapisserien von Margret Eicher (Deutschland), Projektionen ba­rocker Deckenbilder, die Myriam Thyes (Schweiz) in zeitgenössische Bildsprache visualisiert, Bildscans der im 17. Jahrhundert beliebten Gattung des Blumenstillebens von der Deutsch-Brasilianerin Luzia Simmons sowie lustvoll-barocke Wachsskulpturen von Rebecca Stevenson (Großbritannien). Schloss Caputh, das älteste erhalten gebliebene Lustschloss aus der Zeit des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, bietet darüber hinaus eine Sammlung niederländischer Ma­lerei, seltene Porzellane, Skulpturen und Möbel aus der Barock­zeit. Internet: www.facebook. com/SchlossCaputhtws





Bemerkenswerte Inszenierungen

Berlin – Mit „Hotel Strindberg“ läutet das Wiener Burgtheater am 3. Mai im Haus der Berliner Festspiele das diesjährige Berliner Theatertreffen ein. Bis zum 19. Mai werden die von einer Jury ausgewählten zehn „bemerkenswerten“ Theaterinszenierungen  aus dem deutschen Raum der aktuellen Saison gezeigt. Eingeladen sind außerdem Ensembles aus Basel, dreimal Berlin, Dortmund, München und Zürich. Das Staatsschauspiel Dresden tritt so­gar zweimal auf: mit „Erniedrigte und Beleidigte“ nach Dostojewski und „Das große Heft“, welches das Treffen beschließt. Karteninfo: www.berlinerfestspiele.detws

S. 10 Geschichte & Preussen

Nur der Vatikan, Weißrussland und der Kosovo fehlen
Dem Europarat gehören 47 europäische Staaten mit zusammen 820 Millionen Bürgern an – Vor 70 Jahren wurde er gegründet
Wolfgang Kaufmann

Vor 70 Jahren entstand mit dem Europarat die älteste politische Organisation der Staaten Europas. Ihre Gründung erfolgte maßgeblich auf Initiative des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA, der auch in den Jahrzehnten danach Einfluss auf den Prozess der europäischen Einigung auszuüben versuchte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unternahmen die USA vielfältige Anstrengungen, um das Wiedererstarken Deutschlands zu verhindern und zugleich auch ihre Vorstellungen von einem großen gemeinsamen Markt beziehungsweise Wirtschaftsraum in die Praxis umzusetzen. Dabei konnte sich Washington auf den britischen Premierminister von 1940 bis 1945 sowie von 1951 bis 1955 Winston Churchill stützen, der bereits am 19. September 1946 in seiner programmatischen Rede an die akademische Jugend im Münsterhof von Zürich gefordert hatte: „Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa errichten.“

Genau das war auch das Ziel des American Committee for a United Europe (ACUE, Amerikanisches Komitee für ein vereintes Europa), das sich am 23. April 1948 im Faculty Club der New York University konstituierte. Als einer der Initiatoren fungierte der japanisch-österreichische „Paneuropäer“ und Gründer der Europäischen Parlamentarier-Union, Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi. Die Hauptakteure kamen allerdings aus der US-Milliardärsfamilie Rockefeller und dem Auslandsgeheimdienst Central Intelligence Agency (CIA). Letzterer sorgte dafür, dass der spätere CIA-Direktor Allen Welsh Dulles als stellvertretender Geschäftsführer des ACUE eingesetzt wurde. Und an der Spitze des Komitees stand William Donovan, bis 1945 Chef des Office of Strategic Services (OSS, Amt für strategische Dienste), der Vorläuferorganisation der 1947 gegründeten CIA.

Das ACUE war die treibende Kraft hinter der European Conference on Federation (ECF, Europäische Föderationskonferenz), die erstmals am 7. Mai 1948 unter dem Vorsitz von Churchill in Den Haag tagte und an der diverse Parlamentsmitglieder der 16 Empfängerländer von Marshallplan-Hilfen teilnahmen. Ebenso finanzierte das Komitee die European Movement International (EMI, Europäische Bewegung International) und die Union of European Federalists (UEF, Union Europäischer Föderalisten). Dadurch konnte die CIA Einfluss auf weitere Befürworter der Vereinigten Staaten von Europa nehmen. Hierzu zählten unter anderem der französische Außenminister Robert Schuman und der frühere belgische Premier Paul-Henri Spaak. Für den Geldfluss an diese beiden und diverse weitere „Herzens-Europäer“ sorgte der aus Polen stammende Mehrfach-Agent Józef Retinger. Die verdeckte Operation, die am Beginn des Prozesses der europäischen Einigung stand, flog erst am 19. September 2000 auf, als die britische Zeitung „The Telegraph“ geheime US-Regierungsdokumente veröffentlichte, die von Joshua Paul von der Georgetown University in Washington aufgespürt worden waren. 

Aufgrund der fleißigen Lobbyarbeit der ECF und der beiden anderen CIA-gesteuerten Organisationen konnte am 5. Mai 1949 der Council of Europe (CoE, Europarat) ins Leben gerufen werden. Als Gründungsmitglieder fungierten die zehn Staaten Belgien, Dänemark, Großbritannien. Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Frankreich, aus dem der erste Generalsekretär, Jacques Camille Paris, stammte. Bevollmächtigte der zehn Staaten unterzeichneten am 5. Mai 949 den sogenannten Londoner Zehnmächtepakt, der momentan als die Satzung des Europarats angesehen wird. Dort heißt es, man wolle den „ausdrück­lichen Wünschen“ der Völker der zehn Signatarstaaten nachkommen und „einen engeren Zusammenschluss“ unter den Mitgliedern des Rates „verwirklichen.“ 

Nachdem nun eine erste formelle zwischenstaatliche Organisation entstanden war, die als Keimzelle für eine weitere europäischen Einigung dienen konnte, setzte das CIA-gesteuerte ACUE seine Bemühungen fort, diesen Prozess im Sinne der USA zu lenken. Gemäß einem von Donovan unterzeichneten Memorandum vom 26. Juli 1950 waren nun Kampagnen zwecks Etablierung eines gemeinsamen europäischen Parlaments zu starten. Ein weiteres Ziel des ACUE war die Schaffung einer europäischen Währungsunion, wie weitere Aktennotizen vom 11. Juni 1965 verraten, denen zufolge das Projekt ver- deckt vorangetrieben werden solle, bis seine Umsetzung „praktisch unvermeidlich würde“.

Wann genau diese heimliche US-Einflussnahme endete, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall wuchs die Zahl der Mitgliedsstaaten des Europarates in den letzten sieben Jahrzehnten von zehn auf 47. Rund 820 Millionen Menschen leben mittlerweile in Mitgliedsstaaten des Europarats. Fast alle europäischen Länder gehören nun dazu mit den drei Ausnahmen Vatikanstaat, Weißrussland und Kosovo.

Obwohl die Europäische Union vom Europarat Sternenkranz und Sternenbanner sowie die Europahymne übernommen und von 1977 bis 1999 das Europäische Parlament den Plenarsaal der Parlamentarischen Versammlung des Europarates im Europapalast in Straßburg mit genutzt hat, bestehen keine institutionellen Verbindungen zwischen den beiden europäischen Organisationen. Deshalb bestehen trotz Namensähnlichkeit auch keine Gemeinsamkeiten mit EU-Institutionen wie dem Europäischen Rat, also dem Gremium der Staats- und Regierungschefs der EU, und dem Rat der Europäischen Union, der quasi als EU-Ministerrat und supranationales legislatives Organ fungiert. Der Europarat bietet lediglich ein Forum für die Diskussion von Fragen von allgemeinem Interesse für Europa. Dazu gehören nicht zuletzt die Einhaltung der Menschenrechte, die Sicherung demokratischer und rechtsstaatlicher Prinzipien, die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Zusammenarbeit sowie neuerdings auch die Terrorismusbekämpfung. In inzwischen mehr als 170 Fällen mündeten die Gespräche in den Abschluss von zwischenstaatlichen, völkerrechtlich verbindlichen Abkommen wie beispielsweise der Europäischen Menschenrechtskonvention vom 4. November 1950, deren Unterzeichnung mittlerweile zur unumgänglichen Bedingung für den Beitritt zum Europarat geworden ist. Die Überwachung der Einhaltung dieses multinationalen Vertragswerkes obliegt dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der deshalb zu den wichtigsten Organen des Europarates zählt.

Heute gilt der Europarat als dringend reformbedürftig. Insbesondere wird eine Konzentration auf die Kernthemen Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaat gefordert. Außerdem hat sich der Europarat in letzter Zeit als zahnloser Tiger erwiesen, als es beispielsweise um die Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen und Wahlfälschungen in einigen Mitgliedsstaaten ging. Verantwortlich hierfür war nicht zuletzt die Bestechlichkeit mancher Funktionsträger.

S. 11 Geschichte & Preussen

Machtwechsel in Südafrika
Unter dem Druck des Westens überließen die Weißen am Kap vor 25 Jahren den Schwarzen die Herrschaft
Wolfgang Reith

Als Nelson Mandela am 10. Mai 1994 sein Amt als Präsident der Republik Südafrika antrat, sah sich die nichtweiße Bevölkerungsmehrheit des Landes, zu der neben den Schwarzen die Coloureds (Farbigen), die Inder sowie auch die Ureinwohner, die San (Buschleute) und die Khoikhoi (Hottentotten) gehören, endlich am Ziel, denn fast dreieinhalb Jahrhunderte lang hatten weitgehend die Weißen die Macht ausgeübt. 

Dass der Übergang von der weißen zu einer von Schwarzen dominierten Regierung in nur wenigen Jahren und vor allem ohne Revolution abgelaufen war, war sicherlich auch der im Umbruch begriffenen weltpolitischen Situation der Jahre 1989/90 geschuldet. Östlich des Eisernen Vorhangs begannen die Staatshandelsländern zu erodieren, und es kam bald zu einem Zusammenbruch des gesamten Ostblocks. Damit verlor der Afrikanische Nationalkongress (ANC) seine traditionellen Verbündeten. Die Westmächte nutzten die Gunst der Stunde und drängten den wegen seiner Lage an der Südspitze Afrikas geostrategisch wichtigen Vielvölkerstaat zu Reformen.

Längst hatten weitsichtige Kräfte innerhalb der Südafrika regierenden Nationalen Partei (NP) erkannt, dass die Politik der getrennten Entwicklung (Apartheid) allein schon deshalb zum Scheitern verurteilt war, weil sie von der Weltgemeinschaft abgelehnt wurde. Bei einer Beibehaltung des Kurses wäre Südafrika auf Dauer international isoliert gewesen. Der Zufall wollte es, dass der eher konservative Staatspräsident Pieter Willem Botha Anfang 1989 einen Schlaganfall erlitt und anschließend nur noch eingeschränkt handlungsfähig war. Zwei Wochen später trat er auf Druck aus seinen eigenen Reihen zunächst vom Amt des Vorsitzenden der Regierungspartei zurück und wurde durch den moderateren Frederik Willem de Klerk ersetzt. Im Juli 1989 empfing Botha in seiner Residenz in Kapstadt zwar noch den inhaftierten Nelson Mandela, gleichwohl schien seine Zeit endgültig abzulaufen, denn inzwischen mehrten sich im Lande die Anzeichen vorsichtiger Reformbestrebungen. 

Am 8. April des Jahres hatten sich die Fortschrittliche Bundespartei (PFP), die Nationale Demokratische Bewegung (NDM) und die Unabhängige Partei (IP) zur Demokratischen Partei (DP) zusammengeschlossen, die nun zur wichtigsten Oppositionspartei wurde. Kurz darauf verurteilte eine der beiden weißen reformierten Kirchen des Landes, die bislang die Politik der getrennten Entwicklung gestützt hatten, die Rassentrennung als Sünde. Und bei einer Wahlveranstaltung Ende Juli 1989 erklärte Außenminister Roelof („Pik“) Botha, die Freilassung Mandelas könne „das Land von einem ‚Albatros um den Hals’ befreien“. Vor diesem Hintergrund trat Pieter Willem Botha im August 1989, also noch kurz vor den Parlamentswahlen der Weißen vom September des Jahres, zurück. Am Tage nach Bothas Rücktritt wurde de Klerk als dessen Nachfolger im Präsidentenamt vereidigt. 

Bei den Parlamentswahlen der Weißen erlitt die Nationale Partei zwar einen Rückschlag, konnte aber die absolute Mehrheit behaupten. Eine Woche später wählten die Abgeordneten aller drei Parlamentskammern – der Weißen, der Inder und der Farbigen – de Klerk mehrheitlich zum Staatspräsidenten, was als Mandat für seine Reformpolitik interpretiert wurde. 

Und dann ging alles Schlag auf Schlag: Bis zum Ende des Jahres 1989 erfolgte die Abschaffung der Apartheid in den meisten öffentlichen Einrichtungen sowie die Aufhebung der Rassentrennung an allen Badestränden des Landes. Walter Sisulu, ehemaliger Generalsekretär des ANC und Mitstreiter Mandelas, wurde aus der Haft entlassen. Bald darauf fand eine erste Kundgebung des seit 1960 verbotenen ANC statt. Und noch vor Weihnachten wurde Mandela von de Klerk in dessen Kapstädter Residenz empfangen.

Am 2. Februar 1990 kündigte der Staatspräsident vor dem Parlament bahnbrechende Reformen an. Wenige Tage später entließ er auch Mandela nach fast 28-jähriger Haft aus dem Gefängnis. Der ANC und die Kommunistische Partei wurden wieder zugelassen. Politische Gefangene wurden freigelassen. Außerdem wurde die Hinrichtung zum Tode Verurteilter ausgesetzt. Im März 1990 wurde Mandela zum Vizepräsidenten des ANC gewählt. Und schon im folgenden Monat kam ein erstes Gespräch zwischen ihm und de Klerk zustande, das den Beginn der Zusammenarbeit zwischen Regierung und ANC bedeutete und bald in ernsthafte Verhandlungen mündete. ANC-Präsident Oliver Tambo, der im August 1989 ebenfalls einen Schlaganfall erlitten hatte, befand sich seitdem in London in Behandlung und fiel daher als Unterhändler vorläufig aus. Kurz nach dem Gespräch zwischen de Klerk und Mandela trafen sich Vertreter der Regierung und des ANC zu einer ersten Gesprächsrunde und vereinbarten die Schaffung einer gemischten Arbeitsgruppe. Der seit 1986 bestehende Ausnahmezustand wurde aufgehoben, die meisten Apartheid-Gesetze abgeschafft. Und bei einem Treffen mit Vertretern der Inder, der Farbigen sowie der schwarzen Homelands erteilten diese dem Staatspräsidenten das Mandat für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Bei der ersten Nationalkonferenz des ANC im Juli 1991 wurde Mandela zum neuen Präsidenten gewählt, der damit den im Dezember 1990 aus dem Exil zurückgekehrten, aber immer noch schwerkranken Tambo in diesem Amt ablöste.

Nachdem ein Sonderparteitag der Nationalen Partei im September 1991 dem Verfassungsentwurf, der ein allgemeines Wahlrecht für alle Bevölkerungsgruppen vorsah, zugestimmt hatte, ließ de Klerk im März 1992 die Weißen des Landes in einem Referendum über seine Reformvorhaben abstimmen. 68,7 Prozent billigten de Klerks Vorhaben. Im April 1993 ernannte er erstmals drei nichtweiße Minister, einen Inder und zwei Schwarze. Ein Vierteljahr später stand der Entwurf für eine Übergangsverfassung fest, den eine Allparteienkonferenz ausgearbeitet hatte und der im November desselben Jahres mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Nelson Mandela und de Klerk erhielten am 10. Dezember 1993 in Würdigung ihrer Verdienste den Friedensnobelpreis verliehen. 

Währenddessen nahm ein Übergangs-Exekutivrat seine Arbeit auf. Vom 26. bis zum 29. April 1994 fanden dann die entscheidenden Wahlen statt. Der ANC erzielte 62,6 Prozent der Stimmen, die Nationale Partei 20,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei immerhin 86,9 Prozent. Es wurde eine „Regierung der nationalen Einheit“ gebildet, an der alle Parteien beteiligt waren, die mehr als 20 Abgeordnete stellten. Außer dem ANC und der NP war dies die Inkatha Freedom Party (IFP) unter dem Vorsitz des Zulu-Prinzen Mangosuthu Buthelezi. Neben Mandela als Präsident amtierten Thabo Mbeki (ANC) als Erster und de Klerk (NP) als Zweiter Vizepräsident. Nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) Südafrika schon für die Olympischen Spiele 1992 zugelassen hatte, wurde das Land noch im Laufe des Jahres 1994 erneut Mitglied im Commonwealth of Nations und durfte ebenso seinen Sitz in der UN-Vollversammlung wieder einnehmen, aus der man es 1974 ausgeschlossen hatte. Zudem wurde es in die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) und damit in die Völkerfamilie des Kontinents aufgenommen, deren wichtigster Staat es seither ist.





Flaggenwechsel in Südafrika

Der Wechsel im politischen System sollte sich auch in einer neuen Flagge ausdrücken. Das Problem war, dass sich sowohl die Anhänger als auch die Gegner des alten Systems, sowohl die Schwarzen als auch die Weißen in der neuen Flagge wiederfinden sollten. 

Ende Oktober 1993 veröffentlichte die Kommission für nationale Symbole, die im Laufe der Mehrparteien-Verhandlungen über den Aufbau eines demokratischen Systems eingesetzt worden war, sechs von insgesamt 3000 eingegangenen Flaggenentwürfen, in denen die Farben Blau, Gelb und Grün dominierten. Die beiden letztgenannten Farben sollten dabei die Goldvorkommen und die grüne Landschaft symbolisieren, während Blau für das Meer stand. Unter ästhetischen Gesichtspunkten ist diese Farbmischung nicht optimal, um nicht zu sagen kontrastarm und damit langweilig, weil man Grün erhält, wenn man Blau und Gelb mischt. Zudem fanden weder die Schwarzen noch die Weißen ihre Hautfarbe in dem Flaggenentwurf wieder. 

Letztlich entschied man sich für die heute noch gültige Flagge. Der zentrale zusammenlaufende grüne Streifen in Form eines liegenden „Y“ soll die Einheit des Landes nach dem Ende der Apart­heid symbolisieren. 

Rot, Weiß und Blau in dieser Reihenfolge längsgestreift ist der Dreifarb der Niederlande, in denen viele Buren ihre Wurzeln haben. Rot, Weiß und Blau sind aber auch die Farben des Union Jack, der Flagge der Briten, deren Kolonie Südafrika längere Zeit war. Davon abgesehen kann man Rot auch als die Farbe des Blutes, das während der Befreiungskämpfe vergossen wurde, Blau als die Farbe der beiden Ozeane und des Himmel sowie Weiß als die Farbe des Friedens und des weißen Bevölkerungsanteils interpretieren. 

Schwarz, Grün und Gelb hingegen haben in den unterschiedlichsten Kombinationen vor allem im Südosten Afrikas eine Tradition. Schwarz-Grün-Gelb ist der Dreifarb des ANC. Gemeinhin wird das Schwarz als die Farbe der schwarzafrikanischen Menschen, Gelb als Symbol für Gold wie den Reichstum an Bodenschätzen sowie Grün als die Farbe des Waldes und der blühenden Felder interpretiert.W.R./PAZ

Der beste aller Ritter
Stephanie Sieckmann

Im Jahr 1144 geboren, wurde William Marshal, der 1. Earl of Pembroke , im Laufe seines Lebens zu einer lebenden Legende. „Der beste aller Ritter“ wurde der Mann genannt, der nacheinander unter insgesamt fünf Königen diente.

Ein großer Teil seines Ruhmes rührte daher, dass sich William Marshall im Sattel als besonders geschickt erwies. Als Sohn von John Fitz Gilbert, Marschall am königlichen Hof, mit Pferden von Kindheit an vertraut, glänzt der junge William schon früh mit reiterlichem Können. Kaum zum Ritter ernannt, beginnt William Mar­shal auf Ritterturnieren teilzunehmen, die vor allem in der Normandie stattfinden. Hier kann er sich durch seine Erfolge ein Vermögen aufbauen. Der Sieger bekommt das Pferd des Unterlegenen sowie Lösegelder von gefangengenommenen Rittern.

Die Massenveranstaltungen – das Lanzenturnier Mann gegen Mann ist noch nicht erfunden – sind in gewisser Weise inszenierte Schlachten. Für die Ritter sind sie ein gutes Training, für Adelige ein Markt, auf dem nach guten Kämpfern Ausschau gehalten wird. Nach rund einem Jahr hat William Marshal den Ruf, der beste Kämpfer seiner Generation zu sein.

Im Schwertkampf sehr ge- schickt, wird er gemeinsam mit seinem Onkel Patrick of Salisbury im Jahr 1168 beauftragt, Königin Eleonore von Aquitanien auf einer Reise zu beschützen. Bei einem Überfall wird sein Onkel getötet, William Marshal aber gelingt es die Königin zu retten und an den Hof nach Poitiers zu bringen. Der Grundstein für seinen legendären Ruf ist gelegt. Die Königin betraut ihn zudem mit der Ausbildung ihres 15-jährigen Sohnes Heinrich.

Wie zu dieser Zeit üblich, zieht der junge Thronfolger schon bald mit einem Gefolge von Turnier zu Turnier. Leiter der rund 200 gut bezahlten Kämpfer ist William Marshal, der bis zum Tod von Heinrich im Jahr 1183 diese Position behält. Nach dem Fiebertod des Thronfolgers wird das Gefolge aufgelöst. William Marshal tritt 1185 in den Dienst von König Heinrich II. Nur ein Jahr später stirbt Heinrich II., William dient jetzt Richard Löwenherz, später dessen Bruder Johann. Noch mit 70 Jahren reitet er erfolgreich in die Schlacht.

Der anglo-normannische Ritter William Marshal, auch bekannt als Guillaume le Maréchal, oft einfach nur Marshal genannt, stirbt am 14. Mai 1219 im Alter von 72 Jahren.

S. 12 Mensch & Zeit

»Aufstehen« ist Sache der Linken
Rechts der Mitte ducken sich die »Spät- und Klemmkonservativen« lieber weg

Die Bewegung „Aufstehen“ sorgte bei ihrer Gründung im Herbst vergangenen Jahres für reichlich Furore. An die Linie einer Partei ist man nicht gebunden, als linke „Sammlung“ versteht man sich. Entsprechende Thesen, sozial und antikapita­listisch, sind im Gründungsaufruf zu finden. 

Nicht weniger als eine „neue Weltwirtschaftsordnung“ nennen die „Aufgestandenen“ als Ziel. Innerhalb kürzester Zeit verfügte die Gruppe über sechsstellige Unterstützerzahlen. Auch prominenten Rückhalt erhielt die Bewegung, etwa durch den Historiker Peter Brandt, Sohn des einstigen Bundeskanzlers, oder den Schriftsteller Christoph Hein. 

Kritik erfolgte – interessanterweise – vor allem von Politikern der Linkspartei, der Grünen und der SPD. Dies ist wohl nicht zuletzt auf Konkurrenzangst zurück­zuführen, eng verbunden mit der Person von Sahra Wagenknecht, die als maßgebliche Initiatorin von „Aufstehen“ gilt. Wie es um diese linke Sammlungsbewegung in Zukunft bestellt ist, wird sich zeigen. Der jüngst erfolgte Rück­zug Wagenknechts aus der Führung dürfte erhebliche Resonanzeinbußen nach sich ziehen.

Ob es um das Schaffen einer neuen Gruppierung oder vor allem um die mediale Wirkung ging, die Initiatoren von „Aufstehen“ haben erkannt, welch große Rolle eine Bündelung und die öffentliche Präsenz von Anliegen bedeutet, auch oder gerade über die Grenzen der bestehenden Parteien hinweg. 

Deutlich sichtbar war dabei auch: Die Gründung an sich hat keinen Aufschrei oder wirklich nennenswerte Widerstände hervorgerufen. Es gibt allerdings noch eine andere politische Seite. Wäre es vorstellbar, dass auch rechts der Mitte eine solche, sich überparteilich verstehende Bewegung ins Leben gerufen werden könnte? Über die dann – wenigstens einigermaßen – ausgewogen in den großen Zeitungen und den GEZ-finanzierten Medien berichtet wird? 

Zu vermuten steht, dass – ebenso wie für „Aufstehen“ – ein erhebliches Potenzial vorhanden ist. Aber wie sähe es mit einer entsprechenden Formierung aus? Die Probleme würden schon damit beginnen, dass linke Sprechdiktate die deutschen Debatten bestimmen. Die Angst vor dem Begriff „rechts“ ist so groß, dass man ihn, obwohl er lediglich das Gegenstück zu „links“ beschreibt, von vornherein durch „konservativ“ oder „bürgerlich“ ersetzen würde. 

Doch selbst diese „Abschreckungsvorsorge“ wäre kaum ausreichend. Diffamierungen und Bedrohungen der beruflichen und sozialen Existenz, seien sie real oder lediglich befürchtet, würden das Übrige tun. Mögliche Unterstützer oder gar bekannte Persönlichkeiten, die nicht ohnehin bereits zum eher kleinen Kreis der Engagierten zählen, würden sich mit ausdrücklichen Solidaritätsadressen weitgehend zurückhalten.

Verstecken ist angesagt. Anonyme Leserkommentare – das Internet macht es leicht –, die inhaltlich deutlich gegen eine linke beziehungsweise links-grüne politische Linie stehen, sind Legion. Eine nicht unerhebliche Zahl von Autoren veröffentlicht in Zeitschriften, die als „rechts“ gelten, unter Pseudonym. Doch Ängste hin oder her, der Wert derartiger Beiträge besteht auch darin, dass man mit seinem Namen dafür einsteht. 

Der Journalist Wolfgang Röhl moniert auf dem Blog „Die Achse des Guten“, dass eine ganze Reihe von Personen in herausgehobenen Positionen erst nach dem Ausscheiden aus dem Dienst kritisch-kompetent Stellung nimmt. Mögen deren Beiträge inhaltlich noch so erhellend sein, Stimmen von Amtsinhabern hätten in der öffentlichen Diskussion erheblich mehr Gewicht gehabt. Konfliktscheue attestiert Röhl denjenigen, die er zu den „Spät- und Klemmkonservativen“ zählt. Sie wünschen politische Veränderungen, sind aber kaum bereit, eigene Risiken in Kauf zu nehmen. 

Eine rechte Sammlungsbewegung als Gegenstück zum linken „Aufstehen“, die eine logische Konsequenz gewesen wäre, ist  daher bislang ausgeblieben. Man schimpft lieber unerkannt oder erst aus dem sicheren Ruhestandshafen. Allerdings muss man sich dann die Frage nach der Mitschuld an der gegenwärtigen Situation in Deutschland gefallen lassen. Per Wegducken hat man die Zustände wider besseres Wissen lange mitgetragen oder trägt sie, unter vielerlei Ausreden, nicht zuletzt für das eigene Gewissen, äußerlich weiterhin mit. E.L.


Moment der Woche

Öde Parolen, kaum bekannte Kandidaten und ein Interesse im Volk, das folgerichtig gegen null tendiert: Der Parteienkampf zur EU-Wahl in gut drei Wochen nimmt kaum Fahrt auf. Die spannungsgeladene Stimmung, welche die „heiße Phase“ kurz vor nationalen Urnengängen prägt, fehlt völlig.

Woher rührt diese Langeweile? Offenbar erkennen Wähler wie auch Medien das EU-Parlament – abseits aller pathetischen Beteuerungen – in Wahrheit als bedeutungslose Schwatzbude. Die Wahl wird eher als nationaler Stimmungs­test betrachtet, bei dem man seine Duftmarke setzen kann.

Manfred Weber (CSU), „Spitzenkandidat“ der EU-Christdemokraten, bestärkt unfreiwillig diese Sicht. Denn er erweckt den Eindruck, durch die Parlamentswahl an das Amt des EU-Kommissionspräsidenten gelangen zu können. Doch das Parlament kann nur den Kandidaten wählen, der ihm vom Rat der Staats- und Regierungschefs der EU vorgesetzt wurde. H.H. 

Im Strudel der Schweigespirale
Von wegen »frei«: Um uns nicht von der Gruppe zu isolieren, handeln wir oft gegen unsere eigene Überzeugung
Erik Lommatzsch

Wir halten uns für freie, vernünftige und selbstbestimmte Wesen. Doch die Wissenschaft hat längst auf vielfache Weise bewiesen, wie angepasst und autoritätshörig die meisten Menschen in Wahrheit oft handeln. 

„Wenn ich wüsste, dass einer von euch morgen AfD wählt …“ Es war der Vorabend der jüngsten Bundestagswahl. Geäußert wurde der nicht zu Ende formulierte Satz von einer Frau mit einer ehrlich-naiven sozialen Ader, folgerichtig war sie unter anderem in der „Flüchtlingshilfe“ engagiert. Angesprochen war eine Runde von sieben weiteren Gästen eines Geburtstages. Nicht alle kannten sich gleich gut. Das Thema brannte zwar auf den Nägeln, aber niemand wollte eine Diskussion ris­kieren. Zudem war von Gastgeberseite gebeten worden, die Politik möglichst außen vor zu lassen.

Die Pointe der kleinen Episode besteht darin, dass jeder der sieben sein Kreuz bei der AfD gemacht hat. An besagtem Abend hat es aber jeder für sich behalten. Die Sprecherin hatte eine Richtung vorgegeben, über die Meinung der anderen war man sich nicht im Klaren, deutete deren Schweigen aber als Zustimmung. Den Mut, sich dem scheinbaren Konsens entgegenzustellen, brachte keiner auf.

Hier handelt es sich um ein idealtypisches Beispiel einer Schweigespirale. Dieses Modell wurde von der Demoskopin und Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann (1916–2010) ausgearbeitet. Sie beschreibt das Phänomen, dass eine selbstbewusst vorgetragene Minderheitenmeinung als Mehrheitsmeinung erscheint und akzeptiert wird, da sie unwidersprochen bleibt. Die Ursache liegt in der sozialen Natur des Menschen. 

Noelle Neumann gab ihrem 1980 erstmals erschienenen Werk „Die Schweigespirale“ den Untertitel „Öffentliche Meinung – unsere soziale Haut“. Die Furcht vor Sympathieentzug oder gar Isolation ist demnach oft stärker ausgeprägt als der Drang zum Bekenntnis der eigenen, abweichenden Meinung. Konformität ist nicht nur bequemer, sondern wird zumeist sogar noch belohnt. 

Der Begriff der öffentlichen Meinung ist bis zu einer Veröffentlichung des französischen Essayisten Michel de Montaigne von 1588 zurückzuverfolgen. Vom „Gesetz der Reputation“, welchem man unterworfen sei, sprach der britische Philosoph John Locke im 17. Jahrhundert. Der französische politische Publizist Alexis de Tocqueville wies 200 Jahre später auf die „Unerbittlichkeit“ der öffentlichen Meinung hin, welche er als tyrannisch empfand. Noelle-Neumann betont, dass öffentliche Meinung „immer eine irrationale wertgeladene Komponente“ habe. Das Problem des moralischen Wertes bestehe darin, dass die abweichende Meinung nicht nur als „dumm“, sondern als „schlecht“ gelte. „Aus dem moralischen Element zieht öffentliche Meinung ihre Kraft, ihre Isolationsdrohung.“ Und die Angst davor lässt viele vor dem Bekenntnis zur eignen Überzeugung zurückschrecken. Man beugt sich nach außen einem Gesinnungsdiktat, welches man für sich selbst eigentlich gar nicht annimmt.

Die empirischen, inzwischen als klassisch geltenden Untersuchungen des in Warschau gebürtigen, in den USA tätigen Psychologen Solomon Asch (1907–1996) berücksichtigen den moralischen Aspekt zwar nicht, zeigen aber eindrucksvoll – oder erschreckend – das menschliche Streben nach Konformität. In Aschs Experimenten geschah dies eindeutig wider besseres Wissen. 

Die Aufgabe für den Probanden war denkbar simpel. Gezeigt wurde ihm eine Linie. Aus drei anderen Linien sehr unterschiedlicher Länge sollte er der ersten diejenige zuordnen, welche am ehesten mit ihr übereinstimmte. Dies wurde mehrfach durchgeführt. Allerdings war der Proband Teil einer Gruppe anderer Probanden, die, im Unterschied zu ihm und ohne sein Wissen „Komplizen“ des Versuchsleiters waren. Die anderen Probanden wurden hinsichtlich der Linienübereinstimmung immer zuerst gefragt. Nach einer Weile fingen sie an, jeweils offensichtlich die falsche Linie zuzuordnen. Folge war, dass über ein Drittel der echten Probanden, nach anfänglicher Irritation, auch anfing, jeweils die falsche Antwort zu geben. Zu betonen ist, dass die Lösung so einfach war, dass ein tatsächlicher Irrtum nahezu ausgeschlossen werden kann. In einem vertiefenden Experiment wurde festgestellt, dass die Fehler nicht passierten, wenn der echte Proband zwar hörte, was die anderen sagten, seine eigene Entscheidung aber nicht vor diesen verkünden musste.

Weiterführend war das ebenfalls klassische psychologische Experiment von Stanley Milgram (1933–1984), dessen Arbeiten stark von Asch beeinflusst waren. Es ging nicht mehr um Konformität innerhalb einer Gruppe, sondern um den Gehorsam gegenüber Autoritäten beziehungsweise Personen, die als solche wahrgenommen wurden. Die Untersuchungen fanden Anfang der 1960er Jahre an der Yale-Universität statt. Dem Probanden wurde erklärt, er sei „Lehrer“, ein anderer Proband, dieser auch hier ohne Wissen des ersten „Komplizen“ des Versuchsleiters sei sein „Schüler“. Der „Schüler“ wurde festgebunden, an seinem Handgelenk wurde eine Elektrode befestigt. Dessen Aufgabe sei es nun, einmal genannte Begriffspaare wiederzuerkennen. Erfolge eine falsche Antwort, so falle es dem „Lehrer“ zu, als Strafe Elektroschocks zu verabreichen. 

Vom Versuchsleiter erhielt der „Schüler“ in Gegenwart des „Lehrers“ die Auskunft: „Die Schocks können zwar äußerst schmerzhaft sein, aber sie werden keine dauerhaften Gewebeschäden verursachen.“ Der „Schüler“, der sich in einem anderen Raum als der „Lehrer“ befand, begann bald Fehler zu machen. Der „Lehrer“ erteilte mittels einer eindeutig beschrifteten Apparatur Elektroschocks, angefangen bei 15 Volt. Schrittweise wurde die Voltzahl gesteigert. Bei 75 Volt stöhnte der „Schüler“ laut, bei 120 klagte er über Schmerzen, bei 150 verlangte er die Beendigung des Experiments. Wandte sich der „Lehrer“ an den Versuchsleiter, so bedeutete dieser nachdrücklich, dass das Experiment fortzusetzen sei. Nach 330 Volt war von dem „Schüler“ gar nichts mehr zu hören. Der Versuchsleiter gab die Anweisung, das Ausbleiben einer Antwort als Fehler zu werten und entsprechend zu bestrafen. Das Ende der Skala war erst bei 450 Volt erreicht.

Natürlich schauspielerte der „Schüler“ während des Milgram-Experiments, er bekam keine Elektroschocks. Eigentliches Objekt der Untersuchung waren die „Lehrer“, welche annahmen, dass sie dem „Schüler“ tatsächlich Schmerzen in großem Ausmaß zufügten. Alle hatten sich freiwillig zur Verfügung gestellt, in Unkenntnis des Ablaufs des Experiments. Jederzeit wäre eine Verweigerung oder ein Abbruch möglich gewesen. Allein die verbalen Anweisungen des „autoritären“ Versuchsleiters standen dem entgegen. 

Mehr als 60 Prozent der „Lehrer“ waren tatsächlich bereit, wenn auch wohl zum großen Teil besorgt um den „Schüler“ und mit sichtlichem Unwohlsein, Schocks von 450 Volt zu verabreichen. In einer Variante des Experiments erfolgte die Erteilung der Schocks nicht mehr per Apparatur an einen „Schüler“ im Nebenraum, vielmehr hatte der „Lehrer“ dessen Hand dafür jeweils auf eine Metallplatte zu pressen. 30 Prozent der „Lehrer“ taten dies bei einem vor Schmerzen schreienden „Schüler“.

Um sich gegenüber einer – vielleicht nur vermeintlichen – Mehrheitsmeinung nicht zu isolieren, hält man mit der eigenen Meinung hinter dem Berg. Um sich nicht aus der Gruppe auszuschließen, trifft man objektiv falsche Aussagen. Einer – vielleicht ebenfalls nur vermeintlichen – Autorität folgend, handelt man entgegen dem eigenen Empfinden. Das stets rationale Individuum ist Illusion. Nach Noelle-Neumann gehört es zur Mündigkeit des Menschen, „dass er sich seiner sozialen Natur bewusst wird, keine falschen Unabhängigkeitsgefühle hegt“. Dennoch mag das Wissen um auf den ersten Blick beschämende, auf den zweiten Blick jedoch lehrreiche Modelle und Experimente helfen, bei künftigen Entscheidungen, die meist kaum mehr erfordern als eine verbale Positionierung, etwas mehr Mut zu zeigen.


S. 13 Das Ostpreußenblatt

Auf den Spuren von Johann Larass
LO-Frühlingsseminar: Teilnehmer besuchten Herrenhäuser und Parks des wichtigsten Landschaftsarchitekten Ostpreußens
Uwe Hahnkamp

Beim diesjährigen Frühlingsseminar für die mittlere Generation der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen, das Edyta Gladkowska, die Vertreterin der Landmannschaft Ostpreußen (LO) in Allenstein, organisiert hatte, besichtigten die Teilnehmer wieder mehrere Gutshäuser der Region. 

Die Teilnehmer gerieten bei der Besichtigung regionaler Herrenhäuser in den schattigen Untergrund, aber auch auf sonnige Paradetreppen. Schwerpunkt der Veranstaltung am ersten April-Wochenende war eine Weiterbildung zu den Vereinen der Deutschen Minderheit als Nichtregierungs-organisationen (NGO) und eine Einführung in die Arbeit des Landschaftsarchitekten Johann Larass.

Es war bereits das fünfte Frühlingsseminar. Zielgruppe ist die mittlere Generation von 25 bis etwa 65 Jahren, für die bei den Gesellschaften der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen extra auf sie zugeschnittene Veranstaltungen organisiert werden. Zum einen geht es um die Förderung von Kontakten und die Weiterbildung der Teilnehmer, zum anderen um die Präsentation der Gutshäuser als besonderer Ausdruck der Kultur der jeweiligen Teilregion im südlichen Ostpreußen.

Zu diesen Gutshäusern im Oberland im Großraum Osterode gehört auch das Schloss Karnitten, in dem das Seminar stattfand. Der jetzige Bau stammt aus dem 19. Jahrhundert und dient heute als Hotel. Bei der Revitalisierung des Geländes wurde auch ein Eiskeller wiederentdeckt, in dem mithilfe von in Stroh gelagerten Eisblöcken im Sommer Lebensmittel gekühlt wurden. Von der Weitläufigkeit des Schlossgeländes und seiner malerischen Lage am fast kreisrunden Kesselsee konnten sich die Teilnehmer des Seminars auf einer Führung durch Heinrich Hoch, den Vorsitzenden des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, überzeugen, der in Karnitten für Reisegruppen begleitet.

Hoch übernahm auch ein Referat über die Zukunft der Deutschen Minderheit am ersten Tag des Seminars, aus dem sich eine rege Diskussion über mögliche Impulse vor allem in der Jugendarbeit entwickelte. Die organisatorischen Grundlagen für solche Ideen präsentierte Anna Czajkowska von der Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Tannen“ in Osterode, die sich mit der Rolle von Nicht-Regierungs-Organisationen beschäftigt. Sie zeigte den Teilnehmern, was eine NGO ist, welche Rolle sie in der Gesellschaft spielt und wie sie sich finanzieren kann. Dieses neue Wissen vertieften die Mitglieder der mittleren Generation im Rahmen einer Gruppenarbeit zur Gestaltung von Projekten, die ihnen auch im Alltag weiterhelfen wird. Zur verdienten Entspannung präsentierte Gladkowska ihnen eine Vorschau auf die Gutshäuser, die bei der Rundfahrt am Sonntag auf dem Programm standen.

Gestartet wurde am nächsten Tag nicht gleich mit der Rundfahrt, sondern mit einem Referat zu einem der wichtigsten Landschaftsarchitekten Ostpreußens im 

19. Jahrhundert. Johann Larass aus Bromberg gestaltete in 40 Berufsjahren über 400 größere und kleine Parks. Über seine kreative Einstellung zur Landschaft und seine akribische Arbeitsweise bei der Gestaltung der Pläne und ihrer Umsetzung erzählte die Landschaftsarchitektin Marta Akincza von der Ermländisch-Masurischen Universität. Von der Kraft der Visionen von Johann Larass konnten sich die Teilnehmer im Park des Gutes der Familie von Rose in Döhlau in den Kernsdorfer Höhen südlich von Osterode überzeugen. Trotz 70 Jahren Vernachlässigung können Besucher die spielerischen Ideen hinter der Gestaltung in der Landschaft noch nachvollziehen. Durch das Dunkel eines Tunnels unter dem Zufahrtsweg zum Gut etwa gelangen sie in die Helle des zweiten Parkteils mit dem Teich.  

Vom Gut selber ist nicht mehr viel erhalten, das Hauptgebäude wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört. Im Gegensatz dazu prunkt das Herrenhaus in Groß Pötzdorf mit einem hervorragenden Zustand und einem luxuriösen Inneren. Hier haben Investoren ein Hotel neben einem weitläufigen Reitsportgelände eingerichtet. 

Eine ähnliche Nachnutzung, wenn auch in einer anderen Größenordnung, hat der Gutshof in Kraplau erfahren. Seine jetzigen Besitzer haben dort eine gediegene Wirtschaft eingerichtet, in der unter anderem das Treppenhaus und der Konferenzsaal deutlich an den einstigen Glanz erinnern. Von einer heutigen Nutzung kann das Herrenhaus in Schildeck dagegen nur träumen. Doch selbst im jetzigen Zustand von Park und Gebäude kann man erkennen, wie das Gut in seinen besten Zeiten ausgesehen haben muss.

Während hier die ordnende Hand in diesem Park eher zu erahnen ist, kann man das bei der Gartenanlage des Gutshauses in Warglitten genau erkennen. Als Höhepunkt an den Abschluss der Rundfahrt hatte Gladkowska dieses sehr gut renovierte und zum Hotel umgestaltete Gebäude gesetzt. Die Eigentümer haben sich aber auch des von Larass gestalteten Parks angenommen und ihn mit der fachlichen Unterstützung von Akincza wiederbelebt. Dabei haben alle Beteiligten eine Liebe zum Detail bewiesen, die schon Larass auszeichnete. Entstanden ist dadurch ein gelungenes Ensemble von Gebäude und Park, wie es auch den ursprünglichen Besitzern im 19. Jahrhundert vorgeschwebt haben mag.

Die Teilnehmer bedankten sich bei Gladkowska für die Organisation der Veranstaltung und bei der Landsmannschaft Ostpreußen für die Finanzierung des Frühlingsseminars.


Spende für die Bruderhilfe
Humanitäre Hilfe für deutsche Landsleute in Ostpreußen geht uns alle an – helfen auch Sie mit!

Liebe Leser der Preußischen Allgemeinen Zeitung,

Liebe Landsleute und Freunde Ostpreußens,

in einer Zeit, in der die Flüchtlingsströme auf dem Weg nach Europa die Berichterstattung unserer Medien beherrschen und die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, konzentriert sich die Bruderhilfe auf eine ganz wesentliche Aufgabe: Die direkte Hilfe für Mitmenschen in der Heimat Ostpreußen. Auch 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es zwischen Weichsel und Memel noch immer viele hilfsbedürftige deutsche Landsleute, denen es am Notwendigsten mangelt. Ein Sozialsystem, wie es in der Bundesrepublik Deutschland bekannt ist, gibt es dort nicht. Das heute dreigeteilte Ostpreußen ist von hoher Arbeitslosigkeit und Altersarmut geprägt und die medizinische Versorgung für viele Menschen kaum noch erschwinglich. Vielfach fehlt es den zumeist alleinstehenden alten Menschen an grundlegenden Dingen wie Medikamenten und Kleidung, aber im harten ostpreußischen Winter auch an Brennmaterial, um die Stuben in der kalten Jahreszeit warm zu bekommen. 

Für uns Ostpreußen ist es wichtig, unmittelbar dort anzusetzen, wo die Not offensichtlich ist. Dieser Aufgabe stellen wir uns mit der Bruderhilfe Jahr für Jahr – mit Hilfe Ihrer Spenden. Aus diesem Grund wende ich mich auch heute wieder mit der Bitte an Sie, unser humanitäres Hilfswerk zu unterstützen.

In Zeiten stark ansteigender Preise bewegt sich das Einkommen der Rentner im südlichen Ostpreußen und im Memelland nahezu unverändert auf einem sehr niedrigen Niveau, vielfach unterhalb des Existenzminimums. Noch dramatischer ist die Lage der russlanddeutschen Bevölkerung im Königsberger Gebiet, der es oft an einfachsten Dingen fehlt, die für uns selbstverständlich sind. Aufgrund mangelnder Perspektiven sind schon viele Russlanddeutsche in die Bundesrepublik Deutschland ausgewandert. Unter besonderer Obhut der Landsmannschaft Ostpreußen stehen die „Wolfskinder“, die am Ende des Zweiten Weltkrieges von ihren Familien getrennt worden sind. Viele von ihnen wurden von Litauern aufgenommen; etliche verloren ihre deutsche Identität. Erst 1990 konnten sie sich im Verein „Edelweiß-Wolfskinder“ zusammenfinden. Materielle Hilfe, aber auch menschliche Zuwendung, hat hier einen ganz besonderen Stellenwert. 

Unser Ziel ist es, allen diesen in der Heimat lebenden Landsleuten eine Perspektive zu geben. Deshalb ist jeder Einzelne von uns gefragt, durch die Betreuung vor Ort oder durch seine Spenden einen Beitrag zur Linderung der Not zu leisten. Wir freuen uns über alle kleinen und großen Zuwendungen. Jeder Euro hilft und ist eine Brücke der Menschlichkeit zu unseren armen, mittellosen deutschen Landsleuten in der Heimat. 


Bitte unterstützen Sie die Fortsetzung unserer humanitären und friedensstiftenden Arbeit und helfen Sie mit, bedürftigen Ostpreußen mit einer Spende zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Geben Sie ihnen das Gefühl, dass sie nicht vergessen sind! Für die Bedürftigen ist die Hilfe ein deutliches Zeichen der großen Zuneigung und Verbundenheit innerhalb der weltweiten Ostpreußenfamilie. Die Heimatkreisgemeinschaften der Landsmannschaft Ostpreußen und ihre ehrenamtlichen Helfer gewährleisten, dass jede Spende direkt und ohne bürokratischen Aufwand bei den Arbeitslosen, den Alten, Kranken und Behinderten, den Notleidenden und den kinderreichen Familien ankommt. Deutsche helfen Deutschen, Ostpreußen unterstützen heimatverbliebene Ostpreußen.


Wir geben Ostpreußen Zukunft!



Stephan Grigat

Rechtsanwalt und Notar

Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen


Wenn Sie helfen möchten, überweisen Sie Ihre Zuwendung bitte auf das Konto der Landsmannschaft Ostpreußen – Bruderhilfe e.V., bei der Commerzbank  IBAN: DE03 2004 0000 0630 2871 00, 

BIC:  COBADEHHXXX. Kontakt: Landsmannschaft Ostpreußen – Bruderhilfe e.V., Peter Wenzel, Buchtstraße 4, 22087 Hamburg, Tel. (040) 414008–25; Fax: (040) 414008–19; wenzel@Ostpreussen.de


S. 14 Glückwünsche

Wir gratulieren

ZUM 102. GEBURTSTAG

Blumreiter, Senta, geb. Litty, aus Seehuben, Kreis Schloßberg, am 9. Mai 

ZUM 100. GEBURTSTAG

Hohmann, Irma, geb. Bondzio, aus Lyck, am 4. Mai

ZUM 99. GEBURTSTAG

Seestädt, Franz, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 7. Mai

ZUM 98. GEBURTSTAG

Theiß, Hedwig, geb. Wisotzki, aus Lyck, Morgenstraße 22, am 7. Mai

ZUM 97. GEBURTSTAG

Hoffmann, Günter, aus Tölteninken, Kreis Wehlau, am 3. Mai

Stiegler, Eva, geb. Rossbach, aus Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, am 3. Mai

ZUM 96. GEBURTSTAG

Quassowsky, Ilse, geb. Conrad, aus Kischken, Kreis Ebenrode, am 7. Mai

ZUM 95. GEBURTSTAG

Bartels, Anneliese, geb. Lask, aus Schelasken, Kreis Lyck, am 4. Mai

Böhm, Wilfried, aus Adlershorst, Kreis Neidenburg, am 3. Mai

Christian, Fritz, aus Partheinen, Kreis Heiligenbeil, am 4. Mai

Heinze, Elfriede, geb. Eckstein, aus Partheinen, Kreis Heiligenbeil, am 5. Mai

ZUM 94. GEBURTSTAG

Jeromin, Käthe, geb. Riemenschneider, aus Neumalken, Kreis Lyck, am 5. Mai

Müller, Elfriede, geb. Born, aus Prostken, Kreis Lyck, am 6. Mai

Orlowski, Kurt-Friedrich, aus Langsee, Kreis Lyck, am 5. Mai

Pörschke, Johannes, aus Willenheim, Kreis Lyck, am 9. Mai

Ruttens, Ilse, geb. Winkler, aus Rosenheide, Kreis Lyck, am 6. Mai

Skubich, Irene, geb. Mörer, aus Balow/Ludwigslust, Kreis Lyck, am 9. Mai

Staklies, Waltraut, geb. Neumann, aus Sorgenau, Kreis Fischhausen, am 9. Mai

Werner, Kurt, aus Grünwalde, Kreis Heiligenbeil, am 3. Mai

Wischnewski, Fritz, aus Woi-nassen, Kreis Treuburg, am 5. Mai

Züfle, Erika, geb. Wedler, aus Bolzhagen, Kreis Elchniederung, am 3. Mai

ZUM 93. GEBURTSTAG

Genenz, Ruth, aus Kreis Lötzen, am 5. Mai

Grallert, Hildegard, aus Waldwerder, Kreis Lyck, am 9. Mai

Guddat, Erika, geb. Czarnetta, aus Lauken, Kreis Ebenrode, am 6. Mai

Jordan, Gisela, geb. Menck, aus Wehlau, am 3. Mai

Ollech, Werner, aus Ortelsburg, am 3. Mai

Pankler, Ernst, aus Gedwangen, Kreis Neidenburg, am 4. Mai

Peters, Helgard, geb. Schneidereit, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 7. Mai

Türke, Erna, geb. Kruschewski, aus Mostolten, Kreis Lyck, am 5. Mai

ZUM 92. GEBURTSTAG

Baumgart, Horst, aus Hanffen, Kreis Lötzen, am 6. Mai

Bierfreund, Heinz, aus Sanditten, Kreis Wehlau, am 5. Mai

Elies, Elli, geb. Worsel, aus Rogehnen, Kreis Fischhausen, am 1. Mai

Gornecki, Gertrud, geb. Botzkowski, aus Osterschau, Kreis Neidenburg, am 8. Mai

Hartmann, Walter, aus Schorkenicken, Kreis Wehlau, am 4. Mai

Kluth, Eleonore, geb. Gasche, aus Monken, Kreis Lyck, am 4. Mai

Pastowski, Edith, geb. Zorawski, aus Bergling, Kreis Osterode, am 3. Mai

Schmitz, Erna, geb. Duchnitzki, aus Weidenkreuz, Kreis Ebenrode, am 7. Mai

Schrull, Martha, geb. Roseneck, aus Zinschen, Kreis Lyck, am 4. Mai

ZUM 91. GEBURTSTAG

Bloch, Edeltraud, geb. Konsy, aus Groß Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 9. Mai

Klönner, Ingeborg, geb. Nitsch, aus Wehlau, am 4. Mai

Klöß, Otto, aus Lengfriede, Kreis Ebenrode, am 3. Mai

Knihs, Gerhard, aus Siegenau, Kreis Johannisburg, am 24. April

Kock, Gerda, geb. Weber, aus Dürrfelde, Kreis Ebenrode, am 6. Mai

Kondoch, Dr. Hartmut, aus Grabnick, Kreis Lyck, am 8. Mai

Lau, Waltraut, geb. Pilchowski, aus Lyck, Bismarckstraße 65, am 7. Mai

Soppa, Werner, aus Steinkendorf, Kreis Lyck, am 8. Mai

Waschulewski, Friedrich, aus Ulrichsee, Kreis Ortelsburg, am 5. Mai 

Wenzel, Gerhard, aus Lyck, Yorkplatz 5, am 5. Mai

Wojke, Elisabeth, geb. Warniak, aus Sarken, Kreis Lyck, am 7. Mai

Zielke, Ernst, aus Wargienen, Kreis Wehlau, am 5. Mai

ZUM 90. GEBURTSTAG

Becker, Gerda, geb. Preuß, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 9. Mai

Blankenagel, Dorothea, aus Neuhausen, Kreis Königsberg-Land, am 6. Mai

Blessing, Helga, geb. Kendziorra, aus Peyse, Kreis Fischhausen, am 7. Mai

Brangewitz, Günter, aus Ortelsburg, am 4. Mai

Ehrhardt, Gerda, geb. Karohs, aus Damerau, Kreis Ebenrode, am 4. Mai

Fankhauser, Hildegard, geb. Salewski, aus Neidenburg, am 8. Mai

Förster, Elli, geb. Schneidereit, aus Grünwiese, Kreis Heiligenbeil, am 6. Mai

Förster, Erika, geb. Aschmonat, aus Rogonnen, Kreis Treuburg, am 5. Mai

Kempka, Gerda, geb. Nernheim, aus Wehlau, am 7. Mai

Kensy, Heinz Wilhelm, aus Groß Schiemanen, Kreis Ortelsburg, am 7. Mai

Kittig, Walda, geb. Pudellek, aus Albrechtsfelde, Kreis Treuburg, am 4. Mai

Leonhardt, Herta, geb. Wenz, aus Burgkampen, Kreis Ebenrode, am 8. Mai

Kretschmann, Irmentraud, geb. Tuguntke, aus Wartenburg, Kreis Allenstein, am 3. Mai

Olomski, Erich, aus Neidenburg, am 6. Mai

Pflugbeil, Ruth, geb. Aschmonat, aus Rogonnen, Kreis Treuburg, am 5. Mai

Rossmann, Walter, aus Grammen, Kreis Ortelsburg, am 9. Mai

Schmidt, Margarete, geb. Mex, aus Treuburg, am 7. Mai

Von Känel, Elfriede, geb. Neumann, aus Fronicken, Kreis Treuburg, am 3. Mai

Ziener, Dr. Gerhard, aus Moterau, Kreis Wehlau, am 5. Mai

ZUM 85. GEBURTSTAG

Behre, Irmgard, geb. Kulschewski, aus Grabnick, Kreis Lyck, am 7. Mai

Bemeleit, Rotraut, geb. Gronau, aus Legehnen, Kreis Fischhausen, am 2. Mai

Birner, Irmgard, geb. Horn, aus Kalgendorf, Kreis Lyck, am 6. Mai

Brandenburg, Ingeborg, geb. Murawski, aus Bartendorf, Kreis Lyck, am 5. Mai 

Buick, Herta, geb. Haack, aus Quilitten, Kreis Heiligenbeil, am 9. Mai

Dramm, Wolfgang, aus Klein Rödersdorf, Kreis Heiligenbeil, am 4. Mai

Dwenger, Erna, geb. Kecker, aus Palmnicken, Kreis Fischhausen, am 8. Mai

Ewert, Emmi, geb. Olbricht, aus Ittau, Kreis Neidenburg, am 8. Mai

Gessner, Ursula, geb. Bagowsky, aus Lötzen, am 2. Mai

Grauenhorst, Elfriede, geb. Schumacher, aus Powayen, Kreis Fischhausen, am 1. Mai

Kalinka, Ingrid, geb. Gronau, aus Legehnen, Kreis Fischhausen, am 2. Mai

Klein, Erich, aus Grieben, Kreis Ebenrode, am 4. Mai

König, Elsbeth, aus Wabbeln, Kreis Ebenrode, am 7. Mai

Koslowski, Günter, aus Treuburg, am 3. Mai

Krossa, Helmut, Vorf. aus Ortelsburg, am 6. Mai

Kühne, Christel, geb. Burry, aus Malshöfen, Kreis Neidenburg, am 6. Mai

Malitte, Marta, geb. Pottek, aus Wallendorf, Kreis Neidenburg, am 5. Mai

Müller, Gertraud, geb. Kompsch, aus Lyck, am 3. Mai

Natrup, Ursel, geb. Burdinski, aus Fröhlichshof, Kreis Ortelsburg, am 8. Mai

Penski, Ulrich, aus Grünheide, Kreis Treuburg, am 4. Mai

Pflaumbaum, Marie-Anne, geb. Hinz, aus St. Lorenz, Kreis Fischhausen, am 9. Mai

Polomski, Gertrud, geb. Radek, aus Flammberg, Kreis Ortelsburg, am 7. Mai

Redder, Hilde, geb. Hoffmann, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 8. Mai

Rosenberger, Heinz, aus Altbruch, Kreis Ebenrode, am 4. Mai

Schmidt, Walter, aus Neidenburg, am 9. Mai

Schwermer, Eva, geb. Gerundt, aus Allenburg, Kreis Wehlau, am 5. Mai

Seier, Ruth, geb. Madeia, aus Freidorf, Kreis Neidenburg, am 3. Mai

Sperling, Frieda, aus Rundfließ, Kreis Lyck, am 5. Mai

Stanko, Gerhard, aus Blumental, Kreis Lyck, am 8. Mai

Vielhaber, Marie Luise, geb. Andersen, aus Lötzen, am 3. Mai

Zilch, Hannelore, geb. Mogahnen, Kreis Fischhausen, am 1. Mai

Zöllmer, Johann, aus Friedrichsdorf, Kreis Wehlau, am 5. Mai

ZUM 80. GEBURTSTAG

Bridszuhn, Walter, aus Groß Rominten, Kreis Lötzen, am 6. Mai

Grust, Manfred, aus Sargensee, Kreis Treuburg, am 7. Mai

Hibsch, Helga, geb. Katzmarski, aus Wallen, Kreis Ortelsburg, am 7. Mai

Hübner, Anneliese, geb. Lopian, aus Schwiddern, Kreis Treuburg, am 4. Mai

Jesgarek, Günter, aus Lyck, am 8. Mai

Klaaßen, Brigitte, geb. Milewski, aus Lyck, am 4. Mai

Köck, Erika, aus Lindenau, Kreis Fischhausen, am 1. Mai

Kossmann, Erich, aus Sanglienen, Kreis Fischhausen, am 7. Mai

Kretschmar, Klaus, aus Tölteninken, Kreis Wehlau, am 7. Mai

Müller, Renate, geb. Karrasch, aus Wehlau, am 6. Mai

Neumann, Marianne, geb. Alex, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 4. Mai

Nielbock, Pfarrer Hartmut, aus Grabnick, Kreis Lyck, am 3. Mai

Packmohr, Manfred, aus Pollwitten, Kreis Fischhausen, am 1. Mai

Störp, Herbert, aus Biothen, Kreis Wehlau, am 7. Mai

Taulien, Ernst, aus Alexwan-gen, Kreis Fischhausen, am 3. Mai

Von der Leyen, Christian, aus Klein Steegen, Kreis Preußisch Eylau, am 8. Mai

Waschkowski, Dr. Wolfgang, aus Borken, Kreis Lyck, am 3. Mai

Wittke, Willy, aus Fischhausen, am 2. Mai

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bergmann, Irene, geb. Hasenbalg, aus Imten, Kreis Wehlau, am 8. Mai

Hoffmann, Ulrich, aus Lomno, Roggen, Kreis Neidenburg, am 4. Mai

Riek, Wolfgang, aus Groß Engelau, Kreis Wehlau, am 4. Mai

Zacharias, Reinhild, geb. Nieduschewski, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 7. Mai

Zalleck, Wolfgang, aus Ortelsburg, am 3. Mai

Eiserner Hochzeit

Donder, Günter, aus Stettenbach, Kreis Lyck und Ehefrau Edith, geb. Kania, aus Kutzen und Klein Lasken, Kreis Lyck, am 19. April

Diamantene Hochzeit

Petruck, Kurt und Ehefrau Ger-trud, geb. Bethke, aus Warschkeiten, Kreis Preußisch Eylau, am 8. Mai

S. 15 Heimatarbeit

Aus den Heimatkreisen

ANGERAPP (DARKEHMEN)

Kreisvertreterin: Edeltraut Mai, Weißdornweg 8, 22926 Ahrensburg, Telefon (04102) 823300, Internet: www.angerapp.com

Handeloh – Sonnabend, 

11. Mai, 11 Uhr, Hotel Fuchs (Telefon 04188/414), Hauptstraße 35, 21256 Handeloh /Nordheide: Jahrestreffen. Anlässlich dieses Treffens müssen Wahlen (Kreistag und Kreisausschuss) durchgeführt werden. Es werden daher alle Mitglieder der Kreisgemeinschaft aufgerufen, sich an den Wahlen zu beteiligen.

Es wird der Hörspielsprecher und Schauspieler Herbert Tennigkeit eine Lesung in ostpreußischer Mundart unter anderem von Günther Ruddies (Woher kommen die Marjellchens?) halten. Außerdem hat sich Besuch aus Angerapp (Bürgermeisterin, Landrätin und Stellvertreter) angekündigt.

Um einen Überblick der Teilnehmerzahl zu diesem Treffen zu haben, bitten wir Sie, sofern noch nicht erfolgt, sich schriftlich oder telefonisch bei der Kreisvertreterin anzumelden. 

Eventuelle Übernachtungswünsche bitte direkt mit dem Hotel Kontakt aufnehmen.

Alle Landsleute, Freunde und Gäste der Kreisgemeinschaft sind herzlich eingeladen, an dem Jahreshaupttreffen teilzunehmen.


BRAUNSBERG

Kreisvertreterin: Manuela Begett, Virchowstraße 46, 44536 Lünen, Tel.: (02306) 21236, E-Mail: manuela.begett@t-online.de. Stellvertretender Kreisvertreter: Ferdinand Schrade. Geschäftsstelle: Stadtverwaltung Münster, Patenstelle Braunsberg, Frau Jostenmeier, 48127 Münster, Tel.: (0251) 4926051.

Heimatreise – Sonnabend, 

15. bis Dienstag, 25. Juni: Busreise der KG Braunsberg nach Ostpreußen mit den Stationen Posen, Thorn, Masuren, Braunsberg/ Ermland, Danzig, Hela, Stettin. Auskünfte und Reiseprospekte bei manuela.begett@t-online.de


EBENRODE (STALLUPÖNEN)

Kreisvertreter: Dr. Gerhard Kuebart, Schiefe Breite 12a, 632657 Lemgo, Telefon (05261) 8 81 39, E-Mail: gerhard.kuebart@ googlemail.com.

Auf dem Ostpreußentreffen in 38440 Wolfsburg, Heinrich-Heine-Straße/Klieverhagen 50, am Sonnabend, den 11. Mai, ist unsere Kreisgemeinschaft mit einem Bücherstand vertreten, Nummer 22, links im Foyer der Kongresshalle, neben Mohrungen und Allenstein. Eintrittskarten sind im Vorverkauf bei der Landsmannschaft oder am 11. Mai am Eingang zu erwerben.

Unser Mitglied Gerhard Scheer fährt mit seinem bequemen Reisebus am Freitag, 10. Mai ab Wuppertal entlang der Autobahn 2 zur Autostadt Wolfsburg, am Sonntag 12. Mai über Lüneburg mit Besichtigung des Ostpreußenmuseums zurück. Zustiege unterwegs können vereinbart werden. Reisepreis mit zwei Übernachtungen rund 210 Euro. Anmeldung über Telefon (0176) 22201847.


GUMBINNEN

Kreisvertreterin: Karin Banse, Wiesengrund 9, 29559 Wrestedt, OT Wieren, Telefon (05825) 642, E-Mail: karin.banse@t-online.de, Internet: www.kreis-gumbinnen.de. 

Chemnitz – Freitag, 10., bis Montag, 13. Mai, Schloss Klaffenbach: Schweizertaler Dorftreffen.


HEILIGENBEIL

Kreisvertreter: Bernd Schmidt, Heideweg 24, 25578 Dägeling, Telefon (04821) 84224, E-Mail: schmidt.ploessen@gmx.de, Erster Stellvertretender Kreisvertreter: Christian Perbandt, Im Stegefeld 1, 31275 Lehrte, Telefon: (05132) 57052. E-Mail: perbandt@kreis-ge­meinschaft-heiligenbeil.de. Zweite Stellvertretende Kreisvertreterin: Viola Reyentanz, Großenhainer Straße 5, 04932 Hirschfeld, Telefon (035343) 433, E-Mail: reyvio@web.de. Schriftleiterin: Brunhilde Schulz, Zum Rothenstein 22, 58540 Meinerzhagen, Tel.: (02354) 4408, E-Mail: brschulz@dokom.net. Internet: www.kreisgemeinschaft-heiligenbeil.de 

Am 11. Mai findet von 9-17 Uhr das Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Wolfsburg statt. Es werden viele Ostpreußen erwartet. Ein reiches Kulturprogramm ist vorgesehen.

Auch unsere Kreisgemeinschaft wird mit einem Stand anwesend sein. Kommen auch Sie. 

Anreise: CongressPark Wolfsburg GmbH, Heinrich-Heine-Straße, 38440 Wolfsburg. Eingabe für Navigationsgeräte: Heinrich-Heine-Straße / Klieverhagen 50.

Die Kreisgemeinschaft Heiligenbeil e. V. gratuliert Rudi Helwing ganz herzlich zu seinem 90. Geburtstag.

Geboren wurde Rudi Helwing am 27. April 1929 in Grünwalde Kreis Heiligenbeil als Sohn des Landwirtes Otto Helwing und seiner Ehefrau Frida, geb. Voß.

Nach Kriegsende lebte Rudi Helwing zunächst bis 1948 weiterhin in Ostpreußen in einem Lager bei Labiau und kam schließlich nach Leipzig, wo er auch heute noch wohnt.

Unmittelbar nach dem Fall der Mauer nahm Rudi Helwing Kontakt zur Kreisgemeinschaft Heiligenbeil auf. Seit Januar 1996 war er Gemeindevertreter von Grünwalde. Von 2001 bis 2005 war er Kirchspielvertreter von Heiligenbeil-Land, von 2005 bis 2008 Gemeindevertreter von Wangnicken.

Dieser überaus tatkräftige Mitarbeiter wurde für seine Ver-

dienste um die Kreisgemeinschaft Heiligenbeil und die von ihm betreuten Landsleute im Jahr 2005 mit der Silbernen Ehrennadel der Kreisgemeinschaft geehrt.

Bis ins hohe Alter ist er ein regelmäßiger und gern gesehener Besucher der Kreistreffen in Burgdorf gewesen. Durch seine aufrichtige Art, aber auch durch seine kritische Meinung zu vielen Themen die verlorene Heimat und alles, was damit zusammenhängt, betreffend, war er auch immer wieder ein interessanter Gesprächspartner.

Die Kreisgemeinschaft Heiligenbeil bedankt sich ganz herzlich bei Rudi Helwing für die über viele Jahre von ihm erbrachte 

Leistung und wünscht ihm für die Zukunft alles erdenklich Gute, vor allem aber viel Gesundheit.

Bernd Schmidt, Kreisvertreter


HEILSBERG

Kreisvertreterin: Jutta Küting, Beerenburg 1a, 52156 Monschau, Telefon (02472) 6214367, Mobiltelefon (0170) 2177152, E-Mail: jutta.kueting@gmx.de, stellvertretender Kreisvertreter: Karl-Heinz Küting, E-Mail: khkueting@gmx.de.

Am 11. Mai findet von 9-17 Uhr das Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Wolfsburg statt. Es werden viele Ostpreußen erwartet. Ein reiches Kulturprogramm ist vorgesehen. Auch unsere KG wird mit einem Stand anwesend sein. Kommen auch Sie. Anreise: CongressPark Wolfsburg GmbH, Heinrich-Heine-Straße, 38440 Wolfsburg. Eingabe für Navigationsgeräte: Heinrich-Heine-Straße/Klieverhagen 50.


INSTERBURG – Stadt und Land

Vorsitzender Stadt & Land: Reiner Buslaps, Am Berg 4, 35510 Butzbach-Kirch-Göns, Tel.: (06033) 66228, Fax (03222) 3721953, E-Mail: R.Buslaps@t-online.de. Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V., Geschäftsstelle, Am Marktplatz 10, 47829 Krefeld, Tel.: (02151) 48991, Fax (02151) 491141, E-Mail: info@insterburger.de, Internet: www.insterburger.de, Bürozeiten: Montag – Freitag von 8 bis 12 Uhr. 

Heimattreffen der Schwägerauer, Eichensteiner und Waldhausener – Sonntag, 19., bis Mittwoch, 22 Mai, Hotel Jägerklause, Schmalkalden/Thüringen: Heimattreffen. Anmeldung bitte an Siegfried Schulz, OT Braunsberg 6, 18276 Zehna oder unter Telefon (038458) 50552.


LÖTZEN

Dieter Arno Milewski, Am Forstgarten 16, 49214 Bad Rothenfelde, Telefon (05424) 4553, Fax (05424) 399139, E-Mail: kgl.milewski@osnanet.de. Geschäftsstelle: Ute Eichler, Bilenbarg 69, 22397 Hamburg, Telefon (040) 6083003, E-Mail: KGL.Archiv@gmx.de

Neumünster – Sonnabend, 18. Mai, 15.30 Uhr, Lötzener Museum, Sudetenlandstraße 18H (Böcklersiedlung), Neumünster: Vortrag (mit Bildern) „Ostpreußens Schlösser in Vergangenheit und Gegenwart“, gehalten von Professor Eckhard Fahrun, Grevesmühlen. Die Meisterwerke des preußischen Barocks, die Königsschlösser Friedrichstein, Finckenstein und Schlobitten werden vorgestellt unter geografischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Aspekten. Auch die ostpreußischen Schlösser Steinort, Quittainen und Dönhoffstedt finden Berücksichtigung. Ebenso beleuchtet der Referent die Voraussetzungen für den Bau repräsentativer Schlösser (Güter als Großgrundbesitz) sowie die Sonderrolle des ostpreußischen Adels in der barocken Schlösserarchitektur Ostpreußens. 

Das Museum ist an Veranstaltungstagen bereits um 10 Uhr geöffnet.


LYCK

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellvertr. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665.

Die Eheleute Günter Donder, Ortsvertreter von Stettenbach, und Edith Donder geb. Kania, Ortsvertreterin von Kutzen, feierten am 24. April 2019 das Fest ihrer Eisernen Hochzeit. Die Kreisgemeinschaft Lyck gratulierte herzlich und wünschte dem Jubelpaar noch ein langes Leben bei guter Gesundheit. 

Günter Donder ist Träger des Goldenen Ehrenzeichens der Landsmannschaft Ostpreußen.


MOHRUNGEN

Kreisvertreterin: Ingrid Tkacz, Knicktwiete 2, 25436 Tornesch, Telefon/Fax (04122) 55079. Stellv. Kreisvertreterin; Luise-Marlene Wölk, Schwalbenweg 12, 38820 Halberstadt, Telefon (03941) 623305. Schatzmeister: Frank Panke, Eschenweg 2, 92334 Berching, Telefon (08462) 2452. Geschäftsstelle Horst Sommerfeld, Lübecker Straße 4, 50858 Köln, Telefon (02234) 498365.

Wir wollen die großartige Arbeit unseres Heimatkreises aus den zurückliegenden Jahren in einer Bild- und Text-Dokumentation zusammenfassen, um unsere interessierten Nachkommen zu erinnern und zu informieren, wie wir unsere geliebte Heimat nicht vergessen, sondern aus der Ferne in lebendiger Erinnerung behalten haben.

An der Form und am Umfang arbeiten wir schon. Was wir noch brauchen, sind Ihre Gedanken und Anregungen, Ihre Bilder und Geschichten aus Ihrem Leben in der Kindheit, aus Ihren Erinnerungen und Erfahrungen dort in der Heimat. Auch die traurigen oder mutmachenden Erinnerungen Ihrer Flucht in den Westen Deutschlands mögen unseren Nachkommen ein Bild erhalten, wie es uns ergangen ist.

Der Gedanke, dass schon jetzt viele unserer Nachkommen ratlos Bildmaterial oder Berichte aus der Heimat nach dem Ableben von Zeitzeugen entsorgen, macht uns traurig und unruhig. 

Dieses Zeitzeugen-Material brauchen wir, um es zu sichten und entscheiden zu können, was festzuhalten, aufgenommen werden muss. Helfen Sie uns dabei. Schicken Sie Bilder und Texte per E-Mail: nc-sommerho@netcologne.de oder Post an unser Arbeitsteam zu Händen von Horst Sommerfeld, Lübecker Straße 4, 50858 Köln.


RÖSSEL

Kreisvertreter: Egbert Neubauer, Nordparkweg 29, 41462 Neuss, Telefon (02131) 569408. E-Mail: Kreisgemeinschaft-Roessel@gmx.de. Stellv. Kreisvertreter Ernst Grünheidt, Schatzmeister Siegfried Schrade, Schriftführerin Waltraud Wiemer, Archivarin/Karteiführerin Ursula Schlempe.

Köln – Sonnabend, 11. Mai, 13 Uhr, Maternushaus, Kardinal-Fringsstraße 1, 50668 Köln: „Seeburger Kaffeeklatsch“. Auskunft bei Siegfried Hoppe, Telefon (02267) 4953.

Werl – Sonntag, 5. Mai, 10 Uhr: Wallfahrt der Ermländer nach Werl. Um zehn Uhr beginnt das Wallfahrtshochamt. Anschließend Treffen der Ermländer Kirchspiele in verschiedenen Lokalen in Werl. Um 15 Uhr findet die Vesper statt.


SENSBURG

Kreisvertreterin: Gudrun Froemer, In der Dellen 8a, 51399 Burscheid, Telefon (02174) 768799. Alle Post an: Geschäftsstelle Kreisgemeinschaft Sensburg e.V., Stadtverwaltung Remscheid, 42849 Remscheid, Telefon (02191) 163718, Fax (02191) 163117, E-Mail: info@kreisgemeinschaftsensburg.de, www. kreisgemeinschaftsensburg.de

Remscheid – Sonnabend, 18. Mai, 15 Uhr, Stadtparkteich beim Schützenplatz, Hindenburgstraße 133, 42853 Remscheid: 58. Traditionelle Stinthengstwasserung.


TILSIT–STADT

Stadtvertreter: Erwin Feige, Am Karbel 52, 09116 Chemnitz, Telefon (0371) 3363748. Geschäftsführer: Manfred Urbschat, E-Mail: info@tilsit-stadt.de

Die Tilsiter gratulieren Ihrem Ehrenvorsitzenden Hans Dzieran zum Fest der Goldenen Hochzeit. Er und seine Frau Regina blicken auf fünfzig gemeinsame Jahre zurück. Stets haben sie sich, beide mit dem gleichen Vertreibungsschicksal, für die Erinnerung an die Heimat eingesetzt. Auf vielen Tilsit-Reisen knüpften sie freundschaftliche Beziehungen zu den heutigen Bewohnern und waren an der Verwirklichung deutsch-russischer Projekte aktiv beteiligt. Wir wünschen dem Jubelpaar noch viele schöne gemeinsame Jahre.Erwin Feige

Magdeburg – Freitag, 10. Mai: Jahrestagung der Stadtvertretung. Sie wird sich mit der Zukunftssicherung und dem Generationswechsel befassen. Zeitpunkt und Ort der Veranstaltung wurden passend gewählt, damit die Mitglieder des Vorstands und der Stadtvertretung am darauffolgenden Tag am Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Wolfsburg teilnehmen können.


WEHLAU

Kreisvertreter: Gerd Gohlke, Syker Straße 26, 27211 Bassum. Telefon (04241) 5586. 2. Vor-sitzernder (komm.): Uwe Koch, Schobüller Straße 61, 25713 Husum. Schriftleiter: Werner Schimkat, Dresdener Ring 18, 65191 Wiesbaden, Telefon (0611) 505009840. Internetseite: www.kreis-wehlau.de

Die Kurische Nehrung, Königsberg und das Königsberger Gebiet vom 28. Juli bis 6. August.

Von Syk, geht es mit Bus über Bassum, Bremen und Hamburg nach Kiel und dort an Bord der Fähre nach Memel. Nach einem eintägigen Aufenthalt in dieser schönen Stadt geht es auf die Kurische Nehrung und zum Übernachtungsort nach Nidden.

Am vierten Tag führt die Reise weiter nach Königsberg mit Stopps in Rossitten und an der Ephas Düne.

In Königsberg besteht am Folgetag die Möglichkeit, ein Orgelkonzert im Dom zu genießen.

Von der ostpreußischen Hauptstadt aus werden Ausflüge in den Landkreis Wehlau, nach Insterburg und Gumbinnen, nach Palmnicken-Rauschen-Pillau sowie in die Patenstädte Wehlau, Tapiau und Allenburg unternommen.

Am neunten Tag steht schon die Rückreise auf dem Plan, wieder über Memel mit der Fähre nach Kiel und dort mit dem Bus entsprechend dem Hinweg weiter bis nach Bassum.

Anmeldungen und weitere Informationen erhalten Sie unter Telefon (04242) 936243, (0421) 3795906, (04241) 5586 oder (04242) 9764444.

S. 16 Heimatarbeit

Auf nach Wolfsburg!

Ostpreußen aus allen Teilen Deutschlands und aus der Heimat werden am 

11. Mai im CongressPark Wolfsburg zum Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen erwartet. 

Die Besucher können sich auf ein reichhaltiges und kurzweiliges Programm freuen. Das Jahrestreffen beginnt mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal für die deutschen Heimatvertriebenen auf dem Klieversberg. Der nur wenige Gehminuten von dem CongressPark errichtete 14 Meter hohe Obelisk gehört zu den beeindruckendsten Denkmälern für die deutschen Opfer von Flucht und Vertreibung im gesamten Bundesgebiet. 

Ab 10 Uhr beginnt das musikalische Vorprogramm mit der Siebenbürger Blaskapelle Wolfsburg. Es folgt die Festveranstaltung, die traditionell mit dem Glockengeläut des Königsberger Domes und dem stimmungsvollen Einmarsch der Fahnen der ostpreußischen Kreise eröffnet wird. Das geistliche Wort übernimmt Domherr André Schmeier aus Allenstein und für die heimatverbliebenen Ostpreußen wird Heinrich Hoch, der Vorsitzende der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen, das Wort ergreifen. Höhepunkt des Vormittags ist dann die Ansprache des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat. Eine zweistündige Mittagspause schließt sich an, die zur kulinarischen Stärkung einlädt und Gelegenheit bietet, sich die Stände und Ausstellungen der Kreisgemeinschaften sowie der Aussteller im Foyer anzuschauen. Der Nachmittag steht ganz im Zeichen der ostpreußischen Kultur. Auftreten werden die französische Sopranistin Isabelle Kusari mit ostpreußischen Volksliedern, die Volkstanzgruppe Saga aus Bartenstein und der bekannte Heimatsänger BernStein, der auch durch das Programm führt. Es gibt also viele Gründe, nach Wolfsburg zu kommen und der Öffentlichkeit gegenüber zu dokumentieren, dass die Ostpreußen fast ein Dreivierteljahrhundert nach Flucht und Vertreibung eine vitale Gemeinschaft sind. 

Karten können im Vorverkauf zum Preis von 10 EURO (Versand zusätzlich 1 EURO) bei der Landsmannschaft Ostpreußen e.V., Buchtstraße 4, 22087 Hamburg, Telefon (040) 414008-0, 

E-Mail: selke@ostpreussen.de

In Wolfsburg wird es eine 

Tageskasse geben. 

Landsmannschaft Ostpreußen


Isabelle Kusari
Der Konzertablauf der Sängerin im Rahmen des LO-Jahrestreffen-Kulturprogramms

Das Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen am 

11. Mai wird ab 14 Uhr mit einem Kulturprogramm aufwarten. Die Teilnehmer dürfen sich schon jetzt auf das zweiteilige Programm der Sopranistin Isabelle Kusari freuen, die nach dem 

ersten Auftritt der Tanzgruppe 

Saga aus Bartenstein die 

musikalische und lyrische „Faszination Ostpreußens“ in den Mittelpunkt stellen wird. Dabei wird sie von Jun Zhao am Klavier begleitet.

Ihr erster Teil enthält in rund 

30 Minuten: „Ännchen von Tharau“ von Gottfried von Herder und Simon Dach, Gesang; das Gedicht „Was Ostpreußen ausmacht“ von Horst Brink; die Lieder „Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt“ von Max von Schenkendorf, „Wenn ich ein Vöglein wär, flög ich zu dir“ von Gottfried von Herder, „Westpreußen, mein lieb’ Heimatland“ von Paul Fleske und Hugo Hartmann, „Danzig, dunkle Giebel, hohe Fenster“ von Johann Friedrich Reichardt, „Ostpreußisches Reiterlied“ von Gertrud Papendick, die Volksweise „Eine Birke seh ich stehen, wartet still am Wegesrand“ von Eike Funck, „Reiter, Schmuck und fein“, „O kämm das Morgenrot herauf“, „Auf der Lüneburger Heide“ von Hermann Löns, sowie „Wo des Haffes Welle“ im Dialekt des östlichen Bereichs des Kurischen Haffes.

Der zweite ebenfalls halbstündige Programmteil enthält die Lieder „In einem kühlen Grunde“ von Joseph von Eichendorff und Friedrich Glück, die Volksweise „Fuhr aus Königsberg heimwärts“, „Abend treten Elche aus den Dünen“ von Heinrich Eichen und Gerd Lascheit, „Kommt lasst uns spazieren gehen“ von Martin Opitz, die Volksweise „Die Erde braucht Regen“, „Trinklied“ von Johann Friedrich Reichardt, die Volksweise „Es dunkelt schon in der Heide“, „Kinderlied oder September“ von Agnes Miegel, „Kein schöner Land“, das Gedicht „Ostpreußen und unsere Kinder“ von Margarete Fischer, und das Lied „Großer Gott, wir loben dich“. PAZ



Was Ostpreußen ausmacht

Die Kurische Nehrung – die Dünen – der Strand,

das Ermland – der Bernstein - die Wälder,

die Fischer von Nidden – berühmt und bekannt, 

rings blühende, goldgelbe Felder.

Masuren mit seinen kristallenen Seen 

erreichst du auf uralten Lindenalleen.

Der Pregel im Samland – er mündet im Haff 

und Königsberg liegt ihm zu Füßen,

zieh weiter mit Freuden recht zügig und straff,

an Menschen vorbei, die dich grüßen.

Sing „Ännchen von Tharau“ dies‘ innige Lied

und spür‘ was mit deinem Herzen geschieht.

Es weitet das Herz sich vom Kind bis zum Greis

und ringsum ertönen die Lieder,

die Nachtigall ruft aus der Ferne dir zu:

„Genieß‘ es und komm recht bald wieder“.

Durch uralte Bäume da lispelt’s ganz leis:

Hier schuf unser Herrgott das Paradeis.

Im tiefdunklen Wald kommt der Elch ins Visier

und stapft über Büsche und Stümpfe,

trägt stolz seine Schaufel durch‘ dichte Revier

und trabt durch morastige Sümpfe,

Freund Adebar holt sich ´nen Frosch aus dem Teich

fliegt heimwärts zum Nest und serviert ihn sogleich.

Die Denker und Dichter, wie Herder und Kant,

wie Schenkendorf oder Frau Miegel,

sie sind all’ geboren m Ostpreußenland,

schaut nur in den Ostpreußenspiegel.

Ihr Werk, ihr Vermächtnis durchdringt alle Mauern

und wird alle Krisen der Zeit überdauern.

Kultur und Geschichte aus jedweder Sicht

sind ewig und werden´s auch bleiben,

die Sprache erhalten, das ist deine Pflicht

ganz gleich, wohin Wellen dich treiben.

Erzähl‘ deinen Kindern und Enkeln vor Ort

und leb‘ die Erinn‘rung an Ostpreußen fort.

Das Recht auf die Heimat - ist elementar,

kein Mensch darf es je dir verwehren,

die innige Sehnsucht zur Heimat, wie wahr,

sie bleibet - drum halt sie in Ehren.

Und fordert der Schlaf dich, verfolge die Spur,

sie führt dich nachhause – nach Ostpreußen nur.

Horst Brink – Gewidmet der großartigen Künstlerin Isabelle Kusari




S. 17 Heimatarbeit

Landsmannschaftliche Arbeit

BADEN-WÜRTTEMBERG

Vors.: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart, Telefon  (0711) 854093, Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, 2. Stock, Zimmer 219. Sprechstunde nach Vereinbarung.

Landesgruppe – Sonnabend, 

11. Mai, 10 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal: Kulturelle Landestagung der AG Frauen im BdV zum Thema „Die Frauen und Ihre Rechte“.

Stuttgart – Dienstag, 7. Mai, 14.30 Uhr, Haus der Heimat, 

2. Stock, Raum 202: Treffen der Kreis- und Frauengruppe zum Heimatnachmittag mit dem Thema „Der Mai ist gekommen“ und 2. Teil des DVD-Films „Von Tilsit nach Trakehnen“ aus dem Jahr 2008. Alle Mitglieder sind herzlich eingeladen, Gäste sind willkommen.


BAYERN

Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Böld, Telefon (0821) 517826, Fax (0821) 3451425, Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www. low-bayern.de.

Ansbach – 10. bis 12. Mai: Landeskulturfahrt zum Ostpreußentreffen in Wolfsburg, außerdem: Besuch des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneburg, Sonderprogramm. Anmeldungen bei Heide Bauer unter Telefon (0981) 85425.

Hof – Sonnabend, 11. Mai, 

15 Uhr, Altdeutsche Bierstube, Marienstraße 88: Muttertag. – Sonnabend, 18. Mai, 15 Uhr, Altdeutsche Bierstube, Marienstra-ße 88: 70 Jahre LOW Hof.

Landshut – Dienstag, 21. Mai, 13.30 Uhr, Gasthaus Zur Insel: Weißwurstessen. Geburtstag Schirmer. 

Weiden – Sonntag, 5. Mai, Café Mitte: Muttertagsfeier.


BERLIN

Vorsitzender: Rüdiger Jakesch, Geschäftsstelle: Forckenbeck-straße 1, 14199, Berlin, Telefon (030) 2547345, E-Mail: info@bdv-bln.de, Internet: www.ostpreussen-berlin.de. Geschäftszeit: Donnerstag von 14 Uhr bis 16 Uhr Außerhalb der Geschäftszeit: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

KREISGRUPPEN

Frauengruppe – Mittwoch, 8. Mai, 13.30 Uhr, Pflegestützpunkt, Wilhelmstraße 116-117, 10963 Berlin: Treffen. Anfragen: Marianne Becker, Telefon (030) 7712354.

Königsberg – Freitag, 10. Mai, 14 Uhr, Forckenbeckstraße 1, 14199 Berlin-Wilmersdorf: Treffen. Anfragen an Elfi Fortange, Telefon (030) 4944404.

Rastenburg – Sonntag, 5. Mai, 15 Uhr, Restaurant Stammhaus, Rohrdamm 24B, 13629 Berlin: Treffen. Anfragen: Martina Sontag, Telefon (033232) 188826.


BREMEN

Bremen – Dienstag, 14. Mai, 20 Uhr, Die Glocke – Das Bremer Konzerthaus: Benefizkonzert des Musikkorps der Bundeswehr zugunsten des Landesverbandes Bremen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Teilnahme des promovierten Christopher Spatz ist geplant. Tickets sind im Ticket-Service der Glocke oder in allen Eventim-Vorverkaufsstellen erhältlich.


HAMBURG

Erster Vorsitzender: Hartmut Klingbeutel, Haus der Heimat, Teilfeld 8, 20459 Hamburg, Tel.: (040) 444993, Mobiltelefon (0170) 3102815.  

Landesgruppe – Freitag, 10. Mai: zweitägige Fahrt zum Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen am 11. Mai in Wolfsburg ein. Informationen bei Walter Bridszuhn, Telefon (040) 6933520.

KREISGRUPPE

Elchniederung – Dienstag, 14. Mai, 14 Uhr, Berenberg-Gossler-Haus, Niendorfer Kirchenweg 17, Hamburg-Niendorf: Treffen. Nähere Informationen bei Helga Bergner, Telefon (040) 5226122.


HESSEN

Vorsitzender: Ulrich Bonk, Stellvertretender Vorsitzender: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Telefon (06151) 148788 

Kassel – Was erwartet man von einem Vortrag mit dem Titel „Poesie des Verfalls – Architektur und Landschaft in Nord-Ostpreußen“? 

Natürlich die verderbliche Entwicklung einer einst blühenden deutschen Kulturlandschaft unter, vorsichtig formuliert, unverantwortlichen Rahmenbedingungen. Diesen Verfallserscheinungen ging beim letzten Heimattreffen der landeskundige Gastredner, Professor Heinz Schürmann, nach. Am Beispiel insbesondere der Städte Allenburg und Gerdauen zeigte er auf, was noch da ist und was verloren ging. Die merkwürdige Formulierung „Poesie des Verfalls“ fand Schürmann bei Theodor Fontane. Verfall ist zwar fast immer eine betrübliche Angelegenheit, lässt aber auch etwas ahnen von früherer Gediegenheit und Größe. Es kommt also immer auch auf den Blickwinkel des Betrachters an, betonte der Vortragende. Das Bildmaterial bezog sich meist auf marode, teils auch renovierte Häuser aus deutscher Zeit. Die gepflegteren Partien um die Stadtplätze mit ihren Neubauten nach russischem Geschmack wurden bewusst vernachlässigt. Stattdessen lenkte der „Reiseführer“ die Blicke der Besucher auf die soliden ostpreußischen Ziegeldächer, alte Fensterrahmen, Türen und dergleichen. Charakteristisch für Kirchen und viele Häuser sind Feldsteine im unteren Teil und darüber Back-steine mit vielfältigen Mustern, teils in Fachwerkbauweise. Eindrucksvoll waren auch mehrere Fotos von uralten Pflasterstraßen aus bunten Findlingssteinen. Dank dem Referenten für eine Heimatvorstellung, die das Besondere hervorhob und manch Übersehenes in den Blickwinkel brachte. Es versteht sich von selbst, dass in eine solche Bilderreise viel Wehmut einfließt, denn über allem schwebte das Wort vom Verfall, vom Verwehen der Heimat. G. Landau

Wetzlar – Montag, 13. Mai, 

13 Uhr, Restaurant Grillstuben, Stoppelberger Hohl 128: „Zwei erinnerungsreiche, beeindruckende Reisen 2018 in die Heimat“. Unter diesem Thema berichtet Karla Weyland (Rauschenberg). Eintritt ist frei. Kontakt: Kuno Kutz, Telefon (06441) 770559.

Wiesbaden – Dienstag, 14. Mai, 14.30 Uhr, Haus der Heimat, Wappensaal, Friedrichstraße 35, Wiesbaden: Frauengruppe „Der Mai tritt ein mit Freuden“. – Sonnabend, 18. Mai, 15 Uhr, Haus der Heimat, Großer Saal, Friedrichstraße 35, Wiesbaden: Monatstreffen zum Thema „Es grünt jetzt alles in Laub und in Gras“. Ein Nachmittag mit Gedichten, Geschichten und Gesang zur Maienzeit, gestaltet von unserer Frauengruppe. Musikalische Begleitung Mathias Budau. Zuvor gibt es Kaffee und Kuchen.


MECKLENBURG-VORPOMMERN

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Telefon (03971) 245688.

Parchim – An jedem dritten Donnerstag, 14.30 Uhr, Café Würfel, Scharnhorststraße 2: Treffen der Kreisgruppe. Gemütlicher Nachmittag, um über Erinnerungen zu sprechen, zu singen und zu lachen. Weitere Informationen: Charlotte Meyer, Kleine Kemenadenstraße 4, 19370 Parchim, Telefon (03871) 213545.


NIEDERSACHSEN

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 42684. Schriftführer und Schatzmeister: Hilde Pottschien, Volgerstraße 38, 21335 Lüneburg, Telefon (04131) 7684391. Bezirksgruppe Lüneburg: Heinz Kutzinski, Im Wiesengrund 15, 29574 Ebstorf, Telefon (05822) 5465. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Telefon (0531) 2 509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Telefon (05901) 2968. 

Landesgruppe – Eine große Trauergemeinde, darunter viele ostpreußische Landsleute und Heimatvertriebene, hatte sich versammelt, um Abschied von Manfred Kirrinnis zu nehmen und ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. In der eindrucksvollen Friedhofkapelle in Celle wurde noch einmal Rückschau auf das Leben des Verstorbenen gehalten. Die Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen-Landesgruppe Niedersachsen, Barbara Loeffke, dankte am Grab dem Verstorbenen für seine aufopferungsvolle Arbeit für die Landsmannschaft und seine Treue zu seiner Heimat Ostpreußen. Elisabeth Krahn erinnerte in einem Gedicht an Ostpreußen und Manfred Kirrinnis. Der Verstorbene, der mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen ausgezeichnet worden war, wird seinen Landsleuten unvergessen bleiben. 

Göttingen – Die LO–Gruppe Göttingen fährt dieses Jahr zum Treffen der Ostpreußen in Wolfsburg am 11. Mai. Abfahrt ist um 8.30 Uhr vom ZOB in Göttingen. Aufgrund der begrenzten Platzzahl bitten wir um umgehende Anmeldung. Nähere Informationen beim Ersten Vorsitzenden Werner Erdmann unter Telefon (0551) 63675.

Oldenburg – Mittwoch, 8. Mai: Tageskulturfahrt zum Ostpreußischen Landesmuseum nach Lüneburg.

Rinteln – Donnerstag, 9. Mai, 

15 Uhr, Hotel Stadt Kassel, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln (Navi: Bäckerstraße 1 oder Kreuzstraße): Professor Heinz Schürmann aus Bielefeld hält einen bebilderten Vortrag „Ostpreußens Norden – Entdeckungen und Begegnungen abseits der Hauptrouten“ und wird dabei am Beispiel von Friedland und Gerdauen, zwei fast vergessenen Orten, über die dortige erhaltenswerte, akut gefährdete Bausubstanz sprechen. 

Neben Mitgliedern und Freunden sind ebenfalls Angehörige und interessierte Gäste von nah und fern herzlich willkommen, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen zur landsmannschaftlichen Arbeit der Gruppe sind unter Telefon (05751) 5386 oder über E-Mail: rebuschat@web.de zu erfahren.


NORDRHEIN-WESTFALEN

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel. (02964) 1037, Fax (02964) 945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: www.Ostpreussen-NRW.de

Landesgruppe – Einladung zum Jahrestreffen der Ostpreußen in Wolfsburg am Sonnabend, 

11. Mai, 10 bis 17 Uhr, Congress-Park, Heinrich-Heine-Straße, 38440 Wolfsburg: Festveranstaltung mit Ansprache des Sprechers Stephan Grigat, Fahneneinmarsch, Kulturprogramm (unter anderem mit Isabelle Kusari). 

Bielefeld – Montag, 13. Mai, 

14 Uhr, Haus der Diakonie, Kreuzstraße 19a, 33602 Bielefeld: Heimatnachmittag. Wegen der Kuchenbestellung ist eine Anmeldung bis spätestens fünf Tage vor dem jeweiligen Termin notwendig unter Telefon (05202) 5584. Die Heimatnachmittage finden jeden zweiten Montag, im Juni jedoch wegen Pfingsten erst am 17. statt.

Düren – Mittwoch, 8. Mai, 

18 Uhr, Haus des deutschen Ostens, Holzstraße 7a, 52349 Düren: Wir begrüßen den Mai. Anfragen an Gerda Wornowski, Telefon (02421) 72776, E-Mail: gwornowski@gmail.com. Wer sich heimatlich verbunden fühlt, ist bei uns herzlich willkommen. Wir freuen uns auf neue Mitglieder und Gäste. Die Gruppe trifft sich an jedem ersten Mittwoch im Monat. – Sonnabend, 11. Mai, Wolfsburg: Jahrestreffen der LO.

Düsseldorf – Mittwoch, 8. Mai, 15 Uhr, Raum 311 „Siebenbürgern, GHH: Ostdeutsche Stickerei mit Helga Lehmann und Christel Knackstädt. – Mittwoch, 8. Mai, 19 Uhr, Eichendorffsaal, GHH: Konzert „Musik aus dem Herzen Europas“. – Freitag. 10. Mai, 

18 Uhr, Restaurant Lauren’s, Bismarckstraße 62: Stammtisch. – Jeden Mittwoch, 18.30 bis 20 Uhr, GHH, Eichendorff-Saal: Chorproben mit Radostina Hristova. – Montag, 13. Mai, 19 Uhr, Konferenzraum, GHH: Gespräch mit Stefan Creuzberger und Sabine Grabowski „Vom Umgang mit der NS-Vergangenheit“. – Donnerstag, 16. Mai, 18 Uhr, Raum 412, GHH: Offenes Singen mit Marion Cals. – Sonnabend, 18. Mai, 11 Uhr, Infostand Hauptbahnhof Düsseldorf: Wandertreff.

Gütersloh – Sonnabend, 

11. Mai: Busfahrt zum LO-Jahrestreffen nach Wolfsburg. Interessierte sind stets herzlich willkommen. Anmeldung unter Telefon (05241) 34841 bei Block oder (05241) 29211 bei Bartnik.

Köln – Mittwoch, 8. Mai, 

14 Uhr, Café zum Königsforst: Besprechungen und gemütliches Kaffeetrinken. Das Lokal befindet sich gegenüber der Endhaltestelle der KVB-Linie 9 Königsforst. Sonnabend, 11. Mai, 14 Uhr, Haus Aubele (Straßenbahn-Museum), Gemarkenstraße 173: Maifeier der Pommerngruppe, mit der wir dankenswerterweise unsere Treffen gemeinsam halten dürfen. Der Eintritt beträgt 7 Euro. 

Münster – Die offene Frauengruppe der Ost- und Westpreußen Münster (Westf.) trifft sich jeden 2. Dienstag im Monat um 15 Uhr unter der gemeinsamen Leitung von Sabine Steinkat und Irmgard Bludau im historischen Lambertuszimmer des Restaurants Stuhlmacher, Prinzipalmarkt 67, Münster. Gäste sind herzlich willkommen.

Wesel – Sonnabend, 11. Mai, CongressPark, Wolfsburg: Jahrestreffen der LO, Eintritt 10 Euro. 

Wuppertal – Sonnabend, 4. Mai 14 Uhr, Rotter Kirche, Rödigerstraße 113, Wuppertal-Barmen: „70 Jahre Kreisgruppe Wuppertal“ und „9. Ostpreußisches Maifest“ mit dem Mundharmonika-Duo Waltraut Bombe und Ulla Busch, dem Musiker Christoph Marr, den Chorfreunden Wuppertal mit Margaryta, der Pianistin Martha Kogan und Josef Schewalenko (Violine). Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. – Freitag, 10., bis Sonntag, 12. Mai: Fahrt zum LO-Jahrestreffen nach Wolfsburg und weiter nach Lüneburg. Ein möglicher Reiseablauf für mindestens 30 Personen: Drei Tage mit zwei Übernachtungen. Abfahrt Freitag 10. Mai morgens ab Wuppertal über Bad Nenndorf, hier ist der Besuch des Agnes Miegel Hauses möglich, weiter nach Wolfsburg. Sonnabend, 11. Mai, Fahrt zum Ostpreußentreffen, CongressPark Wolfsburg, Veranstaltungsdauer 10 bis 17 Uhr. Anschließend Busfahrt durch die Lüneburger Heide nach Lüneburg. Sonntag 12. Mai, Besuch des Ostpreußenmuseums in Lüneburg, dann Stadtrundfahrt oder Freizeit bis zur Heimreise 16 Uhr.

Weitere Informationen und Anmeldung bei Gerhard Scheer, Telefon (0202) 500077, oder Helga Piontek, Telefon (0202) 4698257.


SACHSEN

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

An einem sonnigen Ostersonnabend, den 20. April, feierten wir gemeinsam mit Freunden und Landsleuten die Geburtstage von Hannelore und Harald Kedzierski,  in einem kleinen,gemütlichem Cafe, in Oberlungwitz bei Chemnitz. Es kamen Viele aus Nah und Fern, um dabei zu sein. Hannelore wurde im schönen Ostpreußen in Gorlau bei Lyck und Harald in Oberlungwitz bei Chemnitz im schönen Sachsen geboren. Beide haben wesentlich dazu beigetragen, die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen nach der Wende mit aufzubauen. Ihr Engagement reichte über vortragen von Gedichten, bis hin zu Ausgestaltung des Tischschmuckes zu unseren Heimatnachmittagen. Auch traten beide mit Trachten aus Ostpreußen zu öffentlichen Veranstaltungen auf, nie ist Ihnen ein Weg zu weit  und Ihr unermüdlicher Einsatz ist ein großes Lob wert. Nun wurden Sie Beide mal gefeiert, in einer fröhlichen Runde, mit liebevoll vorbereiteten Überraschungen der Gäste und auch manchem lustigen Vortrag... Wir wurden alle kulinarisch verwöhnt und konnten uns nach Herzenslust bedienen… es war eine schöne, gemeinsame Zeit, danke nochmals den beiden Jubilaren, welche ganz wunderbare Menschen sind.

Viola und Alexander Schulz


SACHSEN-ANHALT

Vors.: Michael Gründling, Große Brauhausstraße 1, 06108 Halle,  Telefon privat (0345) 2080680.

Leipzig/Landesgruppe Sachsen – Sonnabend, 15. Juni, 9 Uhr (Beginn: 10 Uhr), Kleingartenverein Seilbahn, Max-Liebermann-Straße 91, 04157 Leipzig: 7. Regionaltreffen. Stargast ist der Sänger und Entertainer „BernStein“ sowie die Gruppe „Wegelin“ von der LM Deutsche aus Russland. Andere Beiträge können jederzeit angenommen werden.

In traditioneller Weise sind die Kreisgemeinschaften Wehlau, Labiau, die Kreisgemeinschaft Schloßberg und die Samländer an der Gestaltung beteiligt. 

Die LM Ost- und Westpreußen Landesgruppe Freistaat Sachsen e. v. bindet den „Tag der Heimat“ in diese Veranstaltung ein.

Weitere Informationen erteilt der stellvertretende Landesvorsitzende Eberhard Grashoff unter E-Mail: ebs.grashoff@web.de oder Telefon (0341) 9010730.

Gardelegen – 11. Mai 10-17 Uhr, Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen in Wolfsburg. Fahrgemeinschaften bilden. 

Halle – Freitag, 3. Mai, 14 Uhr, Begegnungsstätte der Volkssolidarität, An der Marienkirche 4 (gegenüber der Marktkirche): Treffen


SCHLESWIG-HOLSTEIN

Vors.: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Telefon (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info

Burg auf Fehmarn – Dienstag,  14. Mai, 15 Uhr, Haus im Stadtpark: Monatstreff der Landsmannschaft. Die Landsmannschaft Ost-, Westpreußen und Danzig trifft sich letztmalig vor der Sommerpause. Hagen Wehrendt aus Schönwalde a. B. zeigt an diesem Nachmittag Filme von Heinz Sielmann „Vermittler der Natur“, der 1917 in Rheydt geboren wurde, 1924 als siebenjähriger mit den Eltern in Ostpreußens Hauptstadt zog, wo er das Königsberger Königliche Hufengymnasium besuchte und sich dann später weltweit einen Namen durch seine wunderbaren Tierfilme machte. Er verstarb 2006 in München. Gäste sind herzlich willkommen.

Mölln – Am 11. Mai fahren wir nach Wolfsburg. Dort findet der diesjährige LO-Jahrestreffen statt.

Abfahrt um 6.45 Uhr ab ZOB, Rückkehr etwa um 20 Uhr. Für die Busfahrt und den Eintritt zahlen Mitglieder 25 Euro und Gäste 35 Euro. Wir bitten um baldige Anmeldungen, da wir die  Eintrittskarten frühzeitig bestellen müssen. Anmeldungen nimmt unser Reiseleiter, Herr Schumacher unter Telefon (04542) 5044 entgegen. Er erteilt auch weitere Auskünfte.

Neumünster – Mittwoch, 

8. Mai, 15 Uhr, Stadthalle am Kleinflecken: Treffen „Der Mai ist gekommen.“ Wir singen mit musikalischer Begleitung schöne alte Frühlingslieder.

Uetersen – Freitag, 10. Mai, 

15 bis 17 Uhr, Haus Ueters End, Kirchenstraße 7: Frühling und Muttertag. Wir singen Frühlingslieder. Sabine Mennerich begleitet am Flügel. Besucher lesen dazwischen passende Texte vor.


S. 18 Heimatarbeit

Schlüssel zum Verständnis einer Metropole
Marek Krajewskis Krimis versöhnten die Breslauer mit der deutschen Vorkriegsgeschichte
Chris W. Wagner

Der für seine Breslau-Krimireihe berühmte Altphilologe und Kriminalautor Marek Krajewski feiert 20 Jahre seiner schriftstellerischen Karriere. Die Breslauer ehren ihren bekannten Autor mit einem Breslau-Zwerg, der Krajewskis Antlitz trägt. 

Wenn Reiseführerin und Autorin Malgorzata Urlich-Kornacka Reisegruppen durch die Schlesische Metropole führt, macht sie die Besucher stets auf die 30 Zentimeter kleinen Bronze-Zwerge aufmerksam. Die ersten zwölf Zwerge zierten 2004 erst die Altstadt, später die ganze Stadt. 2018 waren es bereits 600 und sie „erzählen“ die Geschichte der Orte, an denen sie platziert sind wie beispielsweise die bayerische Zwergin am Restaurant „Bierhalle“ am Ring 26 oder die sich zuprostenden Polonicus und Germanicus am deutschen Generalkonsulat, die symbolisch für deutsch-polnische Zusammenarbeit stehen.

„Bald schon wird in Breslau ein weiterer Zwerg seinen Platz finden, es ist der Zwerg Ebi. Er trägt die Gesichtszüge von Marek Krajewski und stellt den Protagonisten aus Krajewskis Breslau-Reihe  Kriminalist Eberhard Mock dar“, so die Germanistin und Polonistin Urlich-Kornacka, deren beliebteste Breslau-Führung auf den Spuren der Krimis von Marek Krajewski führt. „Früher wohnte ich in einem Wohnblock im Breslauer Neubaugebiet Mariahöfchen (Nowy Dwor). Im Haus begegnete ich oft einem Mann, der genauso aussah wie der Schriftsteller Krajewski. Ich sagte damals zu meinem Ehemann: Der Mann könne am Doppelgängerwettbewerb teilnehmen, bestimmt bekäme er den ersten Preis. Doch es war kein Doppelgänger, sondern der Schriftsteller selbst!“, so die resolute Fremdenführerin. Sie fühlte sich nun verpflichtet, alle Bücher ihres berühmten Nachbarn zu lesen. Bald schon wurde sie sein größter Fan und brachte den Reiseführer „Schauergeschichten aus Breslau. Auf den Spuren der Kriminalromane von Marek Krajewski“ auf Polnisch und Deutsch heraus.

Mittlerweile sind Urlich-Kornacka und Marek Krajewski befreundet. Die Stadtführerin schätzt am Krimiautoren, dass er sehr akribisch das Leben und die Atmosphäre der Vorkriegsmetropole recherchiert hat. Auch die Orte des Geschehens in seinen Krimis sind nicht zufällig gewählt. So ist zum Beispiel der Rehdigerplatz 1, wo Kriminalist Mock wohnt, nur kurz von der Opitzstraße (ul. Zelazna) entfernt, wo Krajewski geboren wurde. „Als kleiner Junge hat er immer wieder auf den Straßen und in den alten Häusern Spuren der deutschen Vergangenheit gefunden. An den Türschlitzen stand ‚Briefe’ statt ‚listy’, unter dem bröckelnden Putz schimmerten Aufschriften wie ‚Obst und Gemüse‘ hervor. Es waren seine ersten Begegnungen mit der deutschen Sprache“, berichtet Urlich-Kornacka. die die Idee hatte, dem Schriftsteller einen Zwerg zu widmen. Denn in seinen Büchern hat er den polnischen und – durch die Übersetzungen von Paulina Schulz auch den deutschen – Lesern das Vorkriegsbreslau nähergebracht. 

„Der Zwerg Ebi hält ein Buch mit der Inschrift „Mock“ in der Hand. Er soll zum Lesen anregen und wird wahrscheinlich an der Jahrhunderthalle enthüllt werden. Dort, wo die Handlung eines der Breslau-Krimis spielt und wo auch Buchmessen organisiert werden“, so Ideengeberin Urlich-Kornacka. Der Ort für Zwerg Ebi sei perfekt gewählt, so die Reiseführerin. „Während der Renovierung der Jahrhunderthalle wurde eine unvollständige Liste mit Personen gefunden, die bei der Eröffnungsfeier 1913 dabei waren. Auf dieser befand sich ein Name, der wie sein Protagonist Mock mit -ock endete. Für Krajewski war es ein Himmelszeichen und er konstruierte daraufhin seinen Krimi mit dem jungen Mock in die Zeit vor der Eröffnung der Jahrhunderthalle“, so Urlich-Kornacka.

Mit dem ersten, 1999 erschienenen Kriminalroman „Tod in Breslau“, stürmte Krajewski die Bestsellerlisten in Polen. Bald schon folgten „Der Kalenderblattmörder“, „Gespenster in Breslau“, „Festung Breslau“, „Pest in Breslau“ und „Finsternis in Breslau“. Die neusten Bücher über den jungen Mock: „Mock“, „Der menschliche Zoo“ und „Mock. Ein Duell“ warten noch auf ihre deutsche Übersetzung.

Die Stadt würdigt zu seinem 20-jährigen Schaffensjubiläum Krajewski mit einer Wandmalerei, auf der das Porträt des „Vaters des polnischen Kriminalromans“, wie Krajewski gerne genannt wird, abgebildet sein wird. 

Das Musiktheater Capitol wird im Oktober ein Musical anhand seiner Kriminalromane aufführen.

Und derzeit laufen Vorbereitungen für den Dreh eines Films, in dem der Breslauer Eberhard Mock 1945 seinem polnischen Kollegen aus Lemberg symbolisch die Schlüssel für die Tore der nun polnischen Stadt übergibt. Die Handlung soll unmittelbar nach Kriegsende in Breslau spielen, wobei die Schlüsselübergabe der künstlerischen Freiheit der Filmemacher und nicht Krajewskis entspringt.


S. 19 Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

S. 20 Leserforum

Leserforum

Berliner Freibrief

Zu: SPD auf dem Weg ins Nirvana (Nr. 15) und: Selbst Müller reicht es (Nr. 15)

Es ist kaum noch nachvollziehbar, was in Berlin alles schiefläuft. Diese Stadt scheint einen universellen „Freibrief“ bekommen zu haben und darf wohl alles machen, was seltsame Charaktere in politischen Positionen sich nur ausdenken können. Verstaatlichung von Wohnungsunternehmen beispielsweise. 

Taucht dabei auch die Frage auf, wer diese Wohnungen danach besser managen kann? Der Staat etwa, der diese Wohnungen ja vorher an private Unternehmen verkaufte, weil er damit selbst nicht klarkam? Oder das Verbot von Jugendoffizieren in Berliner Schulen. Ist die Bundeswehr etwas Ekeliges, wovor die Schüler geschützt werden müssen? BER – na ja, das könnte die unendliche Geschichte werden und in die Geschichte eingehen. 

Das Gemisch Rot-Rot-Grün zeigt in seinem disharmonischen Zusammenwirken doch ganz offenbar, wie es eben nicht gehen kann und gehen soll. Und warum ist das alles möglich? Einen bedeutenden Anteil an diesem „Freifahrtschein“ haben die 4,4 Milliarden Euro aus dem Länderfinanzausgleich, den die solide wirtschaftenden Bundesländer in diesen Zirkus der Extravaganzen einspeisen müssen. Wer so subventioniert wird, darf ruhig etwas außergewöhnlicher sein. Berlin ist eben Berlin.

Henry Stephan, Himbergen






Vorbildliche Seite

Zu: Wie auf weißem Teppich (Nr. 9) und: Charly und die Schneefabrik (Nr. 9)

Man hat das Bedürfnis, ja sieht sich verpflichtet, für die zahlreichen vorzüglichen Beiträge Ihrer Zeitung zu danken. Sie sind nicht nur gut gerichtet und spannend, sondern schaffen auch – sehr wichtig – Verbundenheit. Und ohne überflüssige Frivolitäten. 

Lassen Sie mich an Stelle vieler Namen den „Winter“-Artikel von Katharina Gerber nennen, dessen Dichte an Informationen bei schönster Bildhaftigkeit beneidenswert erscheint. Der Artikel von Judith Kunz steht dem nicht nach. Somit bot sich eine vorbildliche Reiseseite.

Arthur Schanz, Overijse/Belgien






Im Fall von Notre-Dame kann die EU wahre Solidarität beweisen

Zu: Entzündlich (Nr. 16)

Der verheerende Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame, dessen Auswirkungen noch gar nicht umfassend erkannt werden können, trifft Frankreich, trifft Europa, ja die Weltgemeinschaft ins Herz. Das zeigen die Reaktionen von Donald Trump über Barack Obama, Papst Franziskus, Giuseppe Conti (Italien), Sadiq Khan (Londoner Bürgermeister), Donald Tusk und Jean-Claude Juncker (beide EU) bis zu Steffen Seibert, dem Sprecher der Bundesregierung: „Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur“.

Neben den französischen Fernsehsendern hatten CNN, BBC und Al Jazeera Live-Sendungen geschaltet. Von den wenigen Fernsehsendern Deutschlands, die über diese Katastrophe ausführlich berichtet haben, hat – so mein Eindruck – Phoenix umfassend informiert.

Ein Monument der oft beschworenen europäischen Werte ist weitgehend zerstört. Notre-­Dame de Paris gehört dem französischen Staat. Es ist ein schwacher Trost, dass die Mauern noch stehen. Wir erinnern uns an Städte, die im Feuerinferno zerstört worden sind: Mauern blieben stehen. Täglich wird von KI, über autonome Fahrzeuge berichtet – daher ist es mir schlankweg unverständlich, dass bei einem solch sensiblen Gebäude wie Notre-Dame de Paris die Renovierungsarbeiten nicht besser überwacht worden sind und zwar über den Feierabend der Arbeiter hinaus.

Die Zündtemperatur (Selbstentzündungstemperatur) von Holz liegt um 300 Grad Celsius (ein Streichholzkopf entzündet sich bei 80 Grad Celsius). Es braucht eine Zünd-(Wärme)quelle, damit Holz Feuer fängt: Bei Bauarbeiten sind das in den meisten Fällen Schweiß- oder Schneide-/Trennarbeiten. Fürs Erste entsteht ein Schwelbrand. Dabei entstehen brennbare Gase. Haben sich diese gut mit Luft (Sauerstoff) durchmischen können, entzünden sie sich schlagartig – um 18.50 Uhr schlugen die Flammen aus dem Dachstock der Notre-Dame.

Ob das Steingewölbe, das den hölzernen, völlig abgebrannten Dachstuhl vom darunterliegenden Kirchenschiff trennt, statisch noch genügt, ist zurzeit eine offene Frage. Stein brennt nicht, aber er kann durch die Feuerhitze „mürbe“ werden – ich verweise auf den Begriff „Gebrannter Kalk“. Der Sandstein von Notre-Dame hat Kalk als Bindemittel. Marmor besteht aus Kalk. Über das Ausmaß der Wasserschäden an der Innenausstattung der Kathedrale ist eine Bewertung zurzeit noch nicht möglich.

Ich frage mich auch, wie oft die Pariser Feuerwehr Löschübungen an Notre-Dame durchgeführt hat. Medien berichten über das Fehlen von Feuerschutzsystemen gegen einen Großbrand. Wie steht es damit in den vielen Städten mit Monumenten der christlich-abendländischen Kultur – mit Münstern, Domen, Kathedralen?

Allein in Deutschland fehlen derzeit 528 Fahrzeuge für den Brand- und Katastrophenschutz. Wie weit sind solche Kunst- und Kulturdenkmäler durch stationäre Installationen – Steigleitungen, Sprinkleranlagen – geschützt? Ich bin der Meinung, dass der Brand von Notre-Dame de Paris allenthalben Überprüfungen des Brandschutzes und der Brandbekämpfung und in Konsequenz entsprechende Verbesserungen auslösen muss.

Die Europäische Union ist gefordert, denn die Solidarität ist einer ihrer „gesellschaftlichen Werte“, durch die sie sich auszeichnen will. Sie will ja nicht hinter privaten Spendern zurückstehen: Die französische Milliardärsfamilie Pinault verspricht 100 Millionen Euro, die Arnaults sogar 200 Millionen Euro. Es gibt noch weitere Milliardäre wie der um Europas Wohlergehen so besorgte Herr Soros, die spenden können. 

Auch in Deutschland soll, so Friedrich Merz, für den Wiederaufbau gesammelt werden. Die Bundeskanzlerin sieht sich ja in einer besonderen Freundschaft mit Frankreich verbunden. 

Jürg Walter Meyer, Leimen






Produktive Väter

Zu: Flatterhafte Verhältnisse (Nr. 16)

Ich schätze im Allgemeinen die Beiträge in der PAZ sehr, nun sehe ich mich allerdings einmal veranlasst, zu einem der Beiträge kritisch und ergänzend Stellung zu nehmen. Die Beschäftigung mit dem Thema über Politikerehen halte ich zwar für wichtig, allerdings nicht die Art der Auseinandersetzung. Diese schadet dem Ansehen des Blattes insbesondere durch einen Fehler, der mich veranlasste, mich mit dem Thema etwas mehr auseinanderzusetzen. 

Josef Karl (Joschka) Fischer, wohnhaft in einer Villa in Berlin-Grunewald mit seiner fünften Ehefrau, hat aus seiner zweiten Ehe zwei Kinder, die ihn auch schon zum vierfachen Großvater machten und auch seiner fünften Eheschließung in Rom beiwohnten. Des Weiteren ist zu bedenken, dass es auch ungewollte Kinderlosigkeit gibt, dies könnte bei Gerhard Schröder der Fall sein, da seine Ehefrauen Kinder in die Ehe mitbrachten. Mit seiner vierten Ehefrau adoptierte er zwei russische Waisenkinder, dies ist in­sofern zu beachten, weil er keine deutschen Waisen annahm, vielleicht sogar behinderte Kinder. 

Angezeigt wäre es auch gewesen, auf die gehäufte Kinderlosigkeit europäischer Regierungschefs hinzuweisen. So neben Deutschland auch in Österreich, Frankreich, Schweden, den Nie­derlanden, dem Vereinigten Königreich, Irland (homosexuell) und bei Jean-Claude Juncker. Zu erwähnen ist auch, dass es in Hessen einmal drei kinderlose Kultusminister in Folge gab, die ja für die Schulen zuständig sind (Holzapfel, Wolf – lesbisch –, Banzer). Im Übrigen ist auch Alice Weidel (AfD) kinderlos und lesbisch.

Unpassend ist auch die Aussage, Parteiversammlungen fänden in dunstigen Kneipen statt. Das kann sein, ist aber nach meiner Erfahrung nicht zutreffend. Zu meinen Daten gelangte ich in gut 30 Minuten Recherche im Internet, dazu sollten auch die Autoren der PAZ in der Lage sein. 

Joachim Jänsch, Wald-Michelbach

S. 21 Lebensstil

Wie aus Frankensteins Versuchsküche
Tierschützer wollen Wildtieren die Kugel geben – Verhütungspillen sollen die Bestände vermindern, Nebenwirkungen inklusive
Stephanie Sieckmann

Beide sind rund, und beide sollen helfen, die enorm große Anzahl der Wildtiere einzudämmen. Pille und Kugel unterscheiden sich aber nicht nur in der Größe, sondern vor allem in der Wirkung. Das eine erledigt das Problem schneller, das andere zeigt seine Wirkung erst nach einiger Zeit. 

Während sich Rotwild und Wildschweine, Mader und Waschbären kräftig vermehren, sehen sich Jäger immer häufiger Anfeindungen ausgesetzt, weil sie Tiere bei der Jagd töten. Dass bei der Jagd- und Forstwirtschaft nicht nur der Schutz des Lebens, sondern auch Hege und Pflege im Sinne von Bestandskontrolle im Fokus stehen, scheinen viele Menschen, die sich als Tierschützer verstehen, nicht sehen zu wollen. Immer öfter fordern daher Tierschützer Bestandskontrollen mittels Alternativen zur Jagd. 

Eine Möglichkeit, die Sache mit den zu großen Wildbeständen leise zu regeln, ist die Empfängnisverhütung. Mit der Pille für die Wildtiere wäre den Jagd-Gegnern der Wind aus den Segeln genommen. Bis diese Maßnahme greift, dauert es jedoch vergleichsweise lange. Und sie hat keineswegs nur Befürworter.

Ein schönes Beispiel für das Problem ist das Wildschwein. Insgesamt 836865 Wildschweine sind in der Saison 2017/18 in Deutschland von Jägern geschossen worden. Die Bestandszahlen nehmen trotz der starken Bejagung Jahr für Jahr zu. Der Bestand explodiert. Vor allem durch den Maisanbau finden die Schwarzkittel einen reich gedeckten Tisch. Jäger können ausschließlich bei guter Sicht auf Wildschweinjagd gehen, im Dämmerlicht des frühen Morgens, des späten Abends oder bei Vollmond. Doch das gemeine Wildschwein ist schlau und versteckt sich gerne im Maisfeld. Eine Idee der Jägerschaft sind daher Bejagungsschneisen in den Maisfeldern, die ihnen die Arbeit erleichtern könnten.

Wenn die Bejagung allein nicht ausreicht, um den Bestand auf dem gewünschten Niveau zu halten, könnte die Pille für Wildtiere eine Ergänzung zur Bestandsregulierung darstellen. Wird der Fortpflanzung ein Riegel vorgeschoben, können sich die Bestandszahlen nicht weiter erhöhen. So lautet zumindest die Theorie. Bis durch das Sterben altersschwacher Tiere die Anzahl der lebenden Population sinkt, braucht es jedoch lange. Forscher geben zu bedenken, dass Populationen, die nicht durch ständige Trächtigkeiten strapaziert sind, länger leben. Das kann die Bestände und damit die Probleme zunächst einmal vergrößern.

Die Empfängnisverhütung für Tiere ist nicht neu. Auf Hormonen basierende Mittel bergen bei Wildtieren aber einige Gefahren, da die Verabreichung nicht zuverlässig kontrolliert werden kann. Legt man Köder aus, die vor allem von den Bachen aufgenommen werden sollen, besteht die Gefahr, dass auch die Frischlinge sie fressen. Dies könnte zu vorzeitiger Geschlechtsreife und bei unregelmäßiger Aufnahme sogar zu gesteigerter Fruchtbarkeit führen, meinen einige Experten – und lehnen dieses Vorgehen ab. 

Auch empfängnisverhütende Mittel, die auf Immunreaktionen basieren, werden bereits seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts erforscht. Auslöser für die ersten Studien waren Zoos, die sich plötzlich mit großen Nachwuchs-Zahlen konfrontiert sahen. Das Töten von Zootieren ist jedoch in einigen Ländern, unter anderem auch in Deutschland, verboten. Die Methode der Verhütung für die Wildtiere ist daher nicht neu und wird in einigen Teilen der Welt bereits angewendet. 

Diejenigen, die aus Tierschutz-Gründen die Jagd ablehnen und für die Pille fürs Wild plädieren, lassen einen wichtigen Aspekt außer Acht: Der Instinkt zur arterhaltenden Fortpflanzung ist bei jedem Tier vorrangig. Einige Forscher warnen davor, dass Empfängnisverhütung bei wildlebenden Tieren zu negativen Folgen wie Inzucht bei der abnehmenden, fruchtbaren Population führen kann. Außerdem müsste der Zuzug unbehandelter Tiere verhindert werden. Diese könnten sich sonst ungehemmt und umso besser vermehren. 

Alternativ zur Hormon-Pille gibt es die Möglichkeit der Verabreichung von Immunokontrazeptiva. Hierbei scheint die Frage noch nicht vollständig geklärt zu sein, ob Immunokontrazeption unabhängig von der Stärke des Immunsystems wirkt oder ob ein schwaches Immunsystem kaum auf die Gabe reagiert. Dann würden sich vor allem die schwachen und kränkelnden Tiere vermehren. Das hätte Folgen für den Genpool, die nicht abzusehen sind. 

Festgestellt wurde auch, dass sich beim Einsatz von Immunokontrazeption Änderungen im Verhalten der Tiere zeigen. So wurde bei Weißwedelhirschen beobachtet, dass sich die Brunftzeit verlängert, wenn die weiblichen Tiere nicht tragen. Eine deutliche Verlängerung der Brunftzeit auf mehrere Monate zehrt die männlichen Tiere stark aus. Ebenfalls wurde beobachtet, dass die Geweihe der betroffenen Tiere ein verzögertes Wachstum aufwiesen. Das lässt eher an Frankensteins Versuchsküche als an Tierschutz denken.

Ein Problem bei den Immunkontrazeptiva waren zu Beginn der Forschung die Auffrischungsimpfungen. Heutige Mittel wirken nach der Verabreichung bis zu zwölf Monate und kommen ohne kurzfristige Auffrischung aus. 

Bleibt noch die Frage: Wie be­komme ich die Pille ins Tier hinein? Die Idee, Köderfallen aufzustellen, in denen die Tiere gefangen werden können, anschließend geimpft und mit einem Chip versehen werden, wird nur schwer umzusetzen sein. Flächendeckend einen großen Anteil an Bachen und Frischlingen und Überläufern so wie ausgewachsenen Keilern mehrfach einzufangen und zu impfen, ist bei der großen Menge an Schwarzwild kaum zu leisten. Denkbar wäre ein solches Vorgehen eher in Ballungsräumen wie der Umgebung von Großstädten wie Berlin. Doch auch hier wird es schwierig sein, die Wanderungen von Einzeltieren, Herden und Rotten vollständig auszuschließen. 

Angesichts der Bemühungen Luxemburgs, Bewegungsjagden, zu denen auch die bei Wildschweinen übliche Drückjagd gehört, zu verbieten, rückt die Empfängnisverhütung als Alternative trotz allem verstärkt in den Blickpunkt. Die stetig lauter werdenden Proteste von Tierschützern könnten durch eine derartige Entscheidung eines – wenn auch kleinen – Landes neuen Nährstoff bekommen und auch in Deutschland für Diskussionen sorgen.

Wild unterwegs
Ein »Easy Rider« aus der Oberpfalz – Mit Chopper-BMW auf Achse
Markus Bauer

Es war die Hippie-Zeit mit dem Woodstock-Festival. In den Kinos lief ein Kultfilm: „Easy Rider“, mit dem Gefühl von Freiheit auf dem Chopper-Motorrad. Dieses Gefühl verspürte damals auch Georg Bleicher (66). Mit seiner „Easy-Rider“-BMW tuckerte er in den frühen 70er Jahren durch die heimatlichen Gefilde. Und der Sound seiner Maschine war schon von Weitem eindeutig zu identifizieren.

Premiere hatte „Easy Rider“ vor genau 50 Jahren. Erstmals gezeigt wurde der Film im Mai 1969 bei den Filmfestspielen von Cannes, ab Dezember lief er in den deutschen Kinos. In Regensburg sah Bleicher das Road-Movie mit Peter Fonda und Dennis Hopper in den Hauptrollen sowie der Titelmusik „Born to be wild“ von der Rockgruppe Steppenwolf. Kaum kam er aus dem Kino heraus, verfestigte sich bei ihm die Idee, eine solche Easy-Rider-Maschine nachzubauen.

Also machte er 1970 mit 18 Jahren den Motorradführerschein. Beim Zweirad kam, vor allem wegen des Klangs, nur eine BMW in Frage. Bleicher entschied sich für eine BMW R 25/3 (Fertigung von 1953 bis 1956, 250 Kubikzentimeter Hubraum, 13 PS, 119 km/h, Einzylinder-Viertaktmotor).

Erste Veränderungen in Richtung „Easy Rider“ waren ein Hochlenker und damit höhere Rückspiegel sowie ein Sitzbügel Marke Eigenbau. Die Maschine hatte damals noch einen goldgelben Tank, ein graues Schutzblech über dem Vorderrad, einen schwarzen Rahmen und eine rote Lampe. Rot war auch Bleichers Sturzhelm. Die erste Modifikation war eine einheitliche gelbe Farbe für Schutzbleche und Tank, der Rahmen wurde verchromt.

Die nächste Entwicklungsstufe brachte dann die R 25/3 à la „Easy Rider“ hervor. Die Farben waren nun Blau, Rot und Weiß – analog zur US-Flagge. Das Schutzblech am Vorderrad wurde blau lackiert, das am Hinterrad rot – und beide Schutzbleche aufs Nötigste gekürzt. Die Lampe wurde wieder rot und der Tank mit den weißen Sternen auf blauem Grund beziehungsweise den roten und weißen Längsstreifen in mehreren Schichten lackiert. An die Stelle des serienmäßigen Auspuffrohrs kam – vor allem wegen des Klangs und der Optik – ein hochgezogenes Doppelrohr, das etwas lauter war. Natürlich wurde auch der Helm entsprechend gestaltet.

Und dann ging es zusammen mit weiteren Bikern auf Ausfahrt. Die Chopper-BMW war aber der Hingucker und Klassenprimus. „Mit einfachsten Mitteln haben wir die BMW so umgebaut, dass sie ähnlich ausgeschaut hat wie die Harley in ,Easy Rider‘“, fasst Bleicher zusammen.

Nie ging es ihm um Geschwindigkeit. „Ich bin immer gemütlich gefahren, ich bin ja fast auf der Maschine gelegen. Ich bin einfach so dahin getuckert. Gern habe ich aber auch gezeigt, wie laut die Maschine ist“, blickt Bleicher zurück. Da damals noch keine Helmpflicht bestand, wurde der Helm auf dem Sitzbügel befestigt, und es wurde ganz lässig mit Sonnenbrille gefahren. 

Doch die Zeiten änderten sich. Die Frau fürs Leben trat in dasselbe, es folgten Hausbau, Familie und so weiter. Mitte der 1970er Jahre trennte sich Bleicher – „schweren Herzens“, wie er zugibt – von seiner Chopper-BMW. Heute erinnern viele Fotos an diese heißen frühen 1970er Jahre und vor allem an die Chopper-BMW. Seinen Motorradhelm hat Georg Bleicher aber immer noch. Etwas „Easy Rider“ steckt weiterhin in ihm.

Ballett auf der Elbe
300 Schiffe machen beim Hamburger Hafenfest im Hafen fest
H. Tews

Vor 830 Jahren erhielten die Hamburger von Kaiser Friedrich Barbarossa einen Freibrief, der ihnen die Zollfreiheit für ihren Hafen garantierte. Dieses Ereignis vom 7. Mai 1189, dass Hamburg dank seines Hafens mit zur heutigen Weltmetropole verholfen hat, feiern die Hanseaten seit 1977 jährlich mit ihrem Hafengeburtstag. 

Auf dem mittlerweile größten Hafenfest der Welt erwartet die Besucher vom 10. bis 12. Mai vor der einzigartigen Hafenkulisse wieder ein abwechslungsreiches Programm. Rund 300 Schiffe machen im Hafen fest und präsentieren sich von ihrer schönsten Seite, darunter Großsegler wie die von dem weiblichen Kapitän Maren Reif geführte „Alexander von Humboldt II“, die drei russischen Windjammer „Kruzen­shtern“, „Mir“ und „Se­dov“, viele Museumsschiffe sowie maritime Dienstfahrzeuge. 

Die Aida-Kreuzfahrtflotte wirbt beim Hafenfest gleich mit vier Schiffen, darunter der 300 Meter langen „AIDAperla“. Der größte Gast ist der rund 330 Meter lange Luxusliner „MSC Preziosa“. Dagegen mutet die auf Flusskreuzfahrten spezialisierte „Sans Souci“ mit ihren 82 Metern Länge fast klein an. Außerdem machen die Kreuzfahrtriesen „Astor“, „Deutschland“ und „Mein Schiff 5“ im Hafen fest. 

Premierengast beim Hafenfest, zu dessen Höhepunkten am Sonn­abend um 18.30 Uhr das alljährliche „Ballett“ der Hafenschlepper zählt, ist Hamburgs neues Feuerlöschboot „Branddirektor Westphal“, das seit Jahresbeginn seinen Dienst im Hafen versieht. Das 44 Meter lange Feuerwehrschiff kann 120000 Liter Löschwasser pro Minute pumpen und das Wasser bis zu 110 Meter hoch und 180 Meter weit spritzen. Damit ist Europas modernstes Feuerlöschboot in der Lage, im Gefahrenfall auch die größten Container- und Kreuzfahrtschiffe der Welt zu löschen.

Futuristisch mutet ein Gast aus Frankreich an, der „Energy Observer“. Der rund 30 Meter lange und knapp 13 Meter breite Katamaran wird durch regenerative Energien wie Wind, Sonne und Wasserstoff angetrieben. Im Juni 2017 brach er zu einer sechsjährigen Weltumseglung mit Stationen in 50 Ländern auf, die ihn nun auch in die Hansestadt führt. 

Nach dem großen Erfolg im Vorjahr soll der Programmpunkt „Elbphilharmonie Concerts on Screen“ auch diesmal Klassikbegeisterte in den Bann ziehen. Dabei werden auf einer Großleinwand auf dem Vorplatz des Konzerthauses kostenlos Mitschnitte von Aufführungen aus dem Großen Saal gezeigt. 

Auf der Kehrwiederspitze präsentiert der Länderpartner Occitanie-Südfrankreich die malerische Region Okzitanien. Der nördlich der Pyrenäen und des Mittelmeers gelegene Landstrich ist nicht nur touristisch attraktiv, sondern verfügt mit dem Airbus-Standort Toulouse auch über ein bedeutendes Wirtschaftszentrum. Dabei kann man südfranzösische Spezialitäten wie Austern, Ar­magnac, handwerklich gebrautes Bier, Olivenöl und Aligot, ein Kartoffelpüree mit Käse, probieren. 

Darüber hinaus zeigen die Museen in der zum UNESCO- Welterbe zählenden Speicherstadt und in der „HafenCity“ diverse Sonderausstellungen. Am Sonntag ab 16 Uhr verabschieden sich die schwimmenden Gäste mit der großen Auslaufparade von der Hansestadt.


Alle Termine im Internet unter www.hafengeburtstag.hamburg

S. 22 Bücher im Gespräch

Stress und Unsicherheit als Ursache für Übergewicht
Dagmar Jestrzemski

Der Hirnforscher und Endo-krinologe Achim Peters hat ein neues Buch über sein langjähriges Forschungsthema, das „egoistische“ Gehirn („Selfish Brain“), geschrieben. Gemeint ist die entscheidend wichtige Rolle, die das menschliche Gehirn bei der Nahrungsverwertung spielt. Obwohl sein Gewicht nur zwei Prozent des Gesamtgewichts eines Menschen ausmacht, verschlingt das Gehirn gut die Hälfte der dem Körper zugeführten Energie, bei Stress sogar 90 Prozent. Mit Bezug auf dieses Phänomen nimmt der 1957 geborene Mediziner einen Gemütszustand in den Fokus, der für unsere heutige Zeit als nahezu typisch beschrieben wird, was im Buchtitel anklingt: „Unsicherheit. Das Gefühl unserer Zeit. Und was uns gegen Stress und gezielte Verunsicherung hilft“. Mit dem Untertitel spielt er auf Strategien an, welche Menschen in schwierigen Lebensumständen helfen können, die Kontrolle über das eigene Gefühlsleben zurückzugewinnen. 

Sehr ins Detail gehend, verbindet er in seinem vielschichten Werk medizinisches Fachwissen, komplexe Wissenschaftstheorien und diverse Studienergebnisse, um anhand der – wissenschaftlich abgesicherten – Selfish-Brain-Theorie nachzuweisen, dass Stress und Unsicherheit nicht nur krank machen, sondern auch Auslöser von Adipositas (Fettleibigkeit) und Diabetes Typ 2 sind. Somit liefert der renommierte Hirnforscher einen neuen Ansatz zum Verständnis von Adipositas.  

Anhand zahlreicher Beispiele erklärt er, warum Informationen über Stressfaktoren in sozialen 

Systemen überaus wichtig für Betroffene sind. Dasselbe gilt für die Vorgehensweise von Akteuren („dunkle Triaden“), die in Beruf und Privatleben anderen zusetzen. Doch genau diese Informationen würden uns meistens bewusst vorenthalten, angefangen bei den mehrfach gefilterten Nachrichten und Meldungen, die über die Medien in die Öffentlichkeit gelangen, so Peters. Dementsprechend lautet sein Befund, dass in unserer Gesellschaft Bedingungen herrschen, die Menschen, je nach individueller Lage und persönlicher Veranlagung, dick und krank machen können. 

Unser zentrales Denkorgan ist darauf ausgerichtet, unter allen Umständen die eigene Energieversorgung sicherzustellen. So benötigt und verlangt das „egoistische Gehirn“ mehr Energie, sobald das Stress-Hormon Cortisol und andere biochemische Botenstoffe Stress signalisieren. Um die Funktionsweise der „Energie auf Abfrage“ zu verstehen, braucht es beim Leser allerdings ein gerüttelt Maß an Willen und Durchhaltevermögen. Bereits in seinem Buch „Mythos Übergewicht – Warum dicke Menschen länger leben“ von 2013 trug der Autor seine Hypothese vor, dass Übergewicht ursächlich mit einer Fehlfunktion des Gehirns aufgrund von toxischem (andauerndem) Stress verknüpft sei. Mit seiner Forschergruppe an der Universität zu Lübeck konnte er nachweisen, dass Menschen, die sich an Stress gewöhnen („habituieren“), zwar weniger anfällig für Herz-Kreislaufkrankheiten sind als andere, die es nicht schaffen, dies jedoch um den Preis der Gewichtszunahme. 

Tatsächlich begnügt sich das „beruhigte Gehirn“ mit nur einem Viertel der zugeführten Glucose anstatt der Hälfte, was normal wäre, und überlässt die restlichen drei Viertel der zugeführten Nahrung dem Körper zur Verwertung. Studienergebnisse deuten darauf hin, dass ein solchermaßen als „Schutzschild“ angelegtes „dickes Fell“ auf Diäten nicht anspricht. Für Betroffene ist das sicherlich eine unwillkommene Botschaft, und auch von einigen Kritikern seiner Bücher erntete der Forscher energischen Widerspruch. Sie bemängeln, dass er unsere überreichliche und teilweise ungesunde Ernährung als Verursacher von Fettleibigkeit völlig außer Acht lasse. Die Wahrheit könnte, wie so oft, auch hier in der Mitte liegen.

Achim Peters mit Sebastian Junge: „Unsicherheit. Das Gefühl unserer Zeit. Und was uns gegen Stress und gezielte Verunsicherung hilft“, Bertelsmann Verlag, München 2018, gebunden, 432 Seiten, 20 Euro  


Eine verbotene Liebe
MRK

Münster am Ende des Zweiten Weltkriegs: Die Stadt liegt in Trümmern. Anna, eine junge Frau, muss ihre Familie über Wasser halten. Sie empfindet es als Glück, bei der britischen Besatzungsmacht als Dolmetscherin Arbeit gefunden zu haben. Aus Angst vor dem Verlust dieses Arbeitsplatzes schleppt sie sich mit Fieber zum Dienst. Der englische Offizier Jeremy fährt sie nach Hause, und es entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, die allerdings unter keinem guten Stern steht: Jeremy ist verheiratet, hat einen Sohn, und eine Verbindung mit dem Feind ist sowohl im Nachkriegs-Deutschland als auch beim britischen Militär verpönt. Als Anna schwanger wird, verschwindet Jeremy. Für Anna und ihre Tochter Charlotte beginnt eine leidvolle Zeit der gesellschaftlichen Ausgrenzung. Erst im Alter übergibt Anna ihrer Tochter ihre jahrelangen Tagebuchaufzeichnungen, aus denen hervorgeht, dass der Vater nicht vor der Verantwortung davongelaufen ist, sondern der britische Geheimdienst die Liaison unterbunden hat. Anna findet im Alter ihren Liebhaber wieder, Charlotte lernt ihren Vater kennen, doch zum Happy End kommt es dennoch nicht.

Federica de Cesco erzählt in ihrem Roman „Der englische Liebhaber“ gefühlvoll die Geschichte eines Paars, dessen Glück der Krieg zerstört hat. Die Betonung der Schuld der Deutschen am Zweiten Weltkrieg durchzieht den Roman wie ein roter Faden. Die Tochter eines italienischen Vaters und einer deutschen Mutter verbrachte die Kriegsjahre im Exil.

Federica de Ces-co: „Der englische Liebhaber“, Europa Verlag, München 2018, gebunden, 360 Seiten, 19,90 Euro


Beliebige Slogans
Wolfgang Kaufmann

Panikmacherei ist derzeit in Mode – nicht nur, wenn es um das Klima geht. Und das Buch „Game over“ von Hans-Peter Martin schwimmt voll auf dieser Welle. Denn der frühere „Spiegel“-Korrespondent und EU-Parlamentarier sieht vielerlei globale Bedrohungen: Cyber-Attacken, Währungs- und Handelskriege, gefräßige Datenkraken und die Regimes in China und Russland. Sowie natürlich Populisten und rechts-nationalistische Bewegungen, welche mit dem Thema „Flüchtlinge“ zu punkten versuchen. Aber darob muss der Leser nicht verzweifeln: „Alles kann doch noch gut werden“, tröstet Martin und skizziert dann die Utopie einer „großen Teilhabe“ als Folge der „Radikalität der politischen Mitte.“ In diesem Zusammenhang wirft er mit allerlei banalen, vor Beliebigkeit strotzenden Slogans um sich: „Reden, reden, reden“, „Das Entdecken lernen“, „Den Neoliberalismus überwinden“, „Den Nationalismus durchschauen“, „Die Heimholung Europas“ und „China die Stirn bieten“. Da wird man in Peking jetzt wohl ganz heftig zu zittern beginnen …

Hans-Peter Martin: „Game over. Wohlstand für wenige, Demokratie für niemand, Nationalismus für alle – und dann?“, Penguin Verlag, München 2018, gebunden, 382 Seiten, 24 Euro


Weibliche Vorbilder für Kinder
Christiane Rinser-Schrut

Was haben Rosa Parks, Marie Curie, Amelia Earhart, Anne Frank, Coco Chanel und Frida Kahlo gemein? Sie alle sind Frauen, die etwas Besonderes, etwas bis dahin Unvorstellbares geschaffen haben, das nicht nur auf den unmittelbaren, sondern auf einen sehr weiten Kreis wirkte und immer noch wirkt. Echte Vorbilder also.

Von diesen Vorbildern erzählt die Reihe „Little People, Big Dreams“, erschienen im Insel-Verlag. Es sind ansprechende, stabile Kinderbücher, die in einfachen, aber ausdrucksstarken Illustrationen von verschiedenen Künstlern und simplen Sätzen die Bedeutung und das Besondere der jeweiligen Heldin aufzeigen. Tatsächlich wird nur das erzählt, was für die Heldin entscheidend gewesen ist. Geschichtliche Hintergründe finden nur dann ihren kindgerechten Einzug in das Buch, wenn sie für die jeweilige Biografie entscheidend gewesen sind. 

So wird zum Beispiel bei der Wissenschaftlerin Marie Curie erwähnt, dass die Polin in Warschau als Frau nicht studieren durfte und deshalb nach Paris gezogen ist, aber nicht, dass zu ihrer Zeit Frauenrechte, wie es sie heutzutage gibt, noch keinen Einzug in die Gesellschaft gefunden hatten. 

Auf der letzten Doppelseite wird jeweils die wirkliche Frau mit Fotos und nicht illustriert vorgestellt. Amelia Earhart, die seit Juli 1937 verschollene Pilotin, fliegt zum Beispiel auf den illustrierten Seiten immer weiter, von einem vermutlichen Absturz ist nicht die Rede. In der anschließenden Biografie, die eine mit Fotos angereicherte Bildleiste beinhaltet, wird dieses Ereignis selbstverständlich genannt, aber auch hier kindgerecht.

Abgesehen von „Rosa Parks“ von Lisbeth Kaiser stammen alle Titel der Insel-Reihe von Isabel Sánchez Vegara in der Übersetzung aus dem Spanischen von Svenja Becker. Die in Barcelona geborene Buchautorin Vegara hat in der Originalserie weitere Titel verfasst, bislang sind diese jedoch noch nicht in deutscher Sprache erhältlich. Man darf also auf eine Weiterführung hoffen.

In der Reihe „Little People, Big Dreams“ sind im Insel-Verlag, Berlin 2019, Hardcover, je 13,95 Euro folgende Titel erschienen:Lisbeth Kaiser, illustriert von Marta Antelo: „Rosa Parks“, 13 Doppelseiten, Isabel Sánchez Vegara, illustriert von Frau Isa: „Marie Curie“, 14 Doppelseiten, Isabel Sánchez Vegara, illustriert von Mariadiamentes: „Amelia Earhart“, 14 Doppelseiten, Isabel Sánchez Vegara, illustriert von Sveta Dorosheva: „Anne Frank“, 14 Doppelseiten, Isabel Sánchez Vegara, illustriert von Ana Albero: „Coco Chanel“, 13 Doppelseiten und Isabel Sánchez Vegara, illustriert von Gee Fan Eng: „Frida Kahlo“, 14 Doppelseiten.

 


Das Ohr, ein überfordertes Organ

Unser Gehör ist ein unschätzbares Gut. Lärm beschleunigt das natürliche Altern der Ohren, und Schwerhörigkeit ist eine der am meisten verbreiteten Zivilisationskrankheiten der heutigen Zeit. Aus persönlicher Betroffenheit heraus hat Thomas Sünder zusammen mit seinem Freund Andreas Borta das Buch „Ganz Ohr. Alles über unser Gehör und wie es uns geistig fit hält“ geschrieben. 

Sünder war jahrelang als Diskjockey tätig und der wummernden Beschallung der Lautspre-cherboxen ausgesetzt. Seit einem Hörsturz nahm er auf der linken Seite nur noch 30 Prozent aller Töne wahr. Seitdem trug er einseitig ein winziges Hörgerät. Als schließlich auch noch heftige Schwindelattacken hinzukamen und er bei seiner Arbeit zusammenbrach, änderte sich sein  Leben. 2016 beendete die Diagnose Morbus Menière seine Karriere als internationaler Hochzeits-DJ. 

Persönlich geschrieben und anhand seiner Krankengeschichte zieht der Autor die Welt des Hörens in Betracht. Wie hat sich das menschliche Gehör im Laufe der Evolution entwickelt, wie funktioniert es, wie bewahrt man es bis ins hohe Alter und wie kann es vielleicht sogar erneuert werden? Diesen Fragen widmet sich Sünder immer mit fachlicher Beratung des Mediziners Borta in vier Kapiteln, die  lauten: „Das Wunder des Hörens“, „Das Wunder des Verstehens“, „Das Wunder bewahren“ und „Das Wunder erneuern“. 

So wie das Gehör eine mehrere 100 Millionen Jahre alte Erfindung der Natur sei, so der Autor, so ist eine wesentlich neuere, zweifelhafte Errungenschaft der menschlichen Zivilisation der Lärm. Unser Gehör habe evolutionär viel zu wenig Zeit gehabt, sich an all die künstlichen Geräusche anzupassen. Wir lebten nun in der Dauerbeschallung einer technisierten Welt, in der Lärm die Regel und Stille die Ausnahme sei. Allgegenwärtige Berieselung sei der Normalzustand für den heutigen Menschen, was verheerende Konsequenzen für das Gehör, die seelische und körperliche Gesundheit habe. „Das Gehirn von Menschen, die schwer oder gar nicht hören, schrumpft mit der Zeit“, behaupten die Autoren. 

Mit reichlich Hintergrundwissen, packend und unterhaltsam geschrieben, stellen die Autoren den Zusammenhang zwischen Hören und geistiger Fitness dar und raten dringend, mithilfe anschaulicher Tipps, das Hörvermögen achtsamer zu behandeln, zu schützen und zu pflegen. 

Wer dieses Buch gelesen hat, wird fortan sehr viel sorgsamer mit seinem Gehör umgehen. Schon das allein ist ein Kauf des Buches wert. Wenn es um die Hör-Gesundheit geht, sicher eines der wichtigsten Werke der letzten Zeit. S.F.

Thomas Sün-der/Andreas Borta: „Ganz Ohr. Alles über unser Gehör und wie es uns geistig fit hält“, Goldmann Verlag, München 2019, broschiert, 384 Seiten, 14 Euro 


Gefährlicher Genuss
M. Rosenthal-Kappi

Ein Feierabendbierchen, ein Glas Wein am Kamin oder bei geselligen Anlässen: Die weitverbreitete Devise lautet: „Ein Gläs-chen in Ehren kann niemand verwehren.“

Obwohl jährlich zirka 40- bis 50000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums sterben, zählt die älteste Droge der Welt in allen Gesellschaftsschichten zum Lebensstil dazu. 

Mit ihrem Buch „Die berauschte Gesellschaft“, das auf den Erkenntnissen von 83 Studien beruht, die in unterschiedlichen geografischen Regionen erhoben wurden, wollen der Medizinprofessor Helmut K. Seitz und die Journalistin Ingrid Thoms-Hoffmann über die neuesten Erkenntnisse der Gefahren des Alkoholkonsums zu informieren. Ziel sei es, über Risiken aufzuklären, nicht, den Menschen die Freude am genussvollen Trinken zu nehmen, doch die Lektüre dürfte jeden Leser nachdenklich stimmen. 

  Helmut K. Seitz/Ingrid Thoms-Hoffmann: „Die berauschte Gesellschaft. Alkohol – geliebt, verharmlost, tödlich“, Kösel Verlag, München 2018, gebunden, 170 Seiten, 19 Euro 

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S. 24 Panorama

Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel
Zufälle gibt’s! / Warum schon wieder was Vertrauliches aus dem BfV sickert, wo überall Gefahr lauert, und wieso auch Sie rechtsextrem sind

Pünktlich zu den anstehenden EU-Wahlen erreichen uns erschütternde Meldungen. In einer geht es um die zunehmende Gefahr durch rechtsextreme „Gefährder“ und in der zweiten um die zunehmende Gefahr durch das Volk.

Laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) geht von gewaltbereiten Rechtsextremisten eine wachsende Gefahr aus. So steht es laut „Welt am Sonntag“ in einer „vertraulichen Analyse“ des Amtes, die der Zeitung vorliege. Seit Thomas Haldenwang als neuer Chef den Geheimdienst von Hans-Georg Maaßen übernommen hat, tropfen Interna immer dann aus Versehen an die Öffentlichkeit, wenn es einen politischen Nutzen verspricht. 

Als die tonangebenden Parteien nach einer Demo in Chemnitz Ende vergangenen Sommer etwas gegen die AfD benötigten, fiel einem Schlapphut die Erklärung der „Alternative“ zum „Prüffall“ aus der Mappe, direkt in den Schoß von Journalisten. Eigentlich ist so eine „Prüffall“-Einstufung vertraulich, aber – na hoppla! – sowas passiert halt. Und nun stehen eben die EU-Wahlen an, bei denen die „Rechts­populisten“ absahnen könnten. Prompt landet die nächste Vertraulichkeit des Verfassungsschutzes auf dem Tisch einer Sonntagszeitung. Zufälle gibt’s!

Was steht denn so drin in der Analyse? Wir hatten uns furchtbare Enthüllungen erhofft, nachdem wir infolge des Christchurch-Massakers über die Existenz einer „Faschistischen Internationale“, also eines global agierenden, gigantischen braunen Netzwerks aufgeklärt worden waren.

Vielleicht sollten wir uns erst mal wieder hinsetzen. Was das BfV auftischt, ist leider doch die eine oder andere Nummer kleiner. Statt von dem versprochenen globalen Netzwerk ist dort von „wenig komplex organisierten Kleingruppen und Einzelpersonen“ die Rede. Also eher randständige Einzelgänger, die beim Anblick von Hitlerbildern ein Sabberproblem überkommt oder unterbelichtete Saufklüngel in Dachstuben. 

Dass da nicht allzu viel herauskommt, muss sogar das BfV-Papier leise einräumen. Im feinen Beamtendeutsch heißt es da, bei den beschriebenen Rechtsextremisten bestünden „Lücken zwischen Planung und Realität“. Auf Deutsch: Die Deppen haben möglicherweise Schlimmes vor, aber zum Glück so wenig auf dem Kasten, dass sie nicht viel gebacken kriegen. Sollte man froh drüber sein, passt aber nicht recht ins Bild von der „wachsenden Gefahr“.

Diese Gefahr lässt sich trotz allem mit harten Zahlen belegen. So zählt das Bundeskriminalamt (BKA) mit Stand Januar 33 rechtsextreme „Gefährder“. Vor zwei Jahren sollen das bloß 22 gewesen sein. Dazu zählen offenbar auch die Typen von der Gruppe „Revolution Chemnitz“, welche die „Welt am Sonntag“ in dem Enthüllungsartikel nennt. 

Von denen waren wir schon vor Monaten erzittert. Die hatten nämlich im September versucht, auf der Chemnitzer Schlossteichinsel die Ausweise von Leuten zu kontrollieren und waren später auf eine Gruppe Deutscher und Ausländer mit Glasflaschen, Quarzhandschuhen und einem Elektroschocker losgegangen. Die Medien waren elektrisiert, sprachen davon, dass die Chemnitzer nicht weniger als den „Umsturz“ des demokratischen Systems planten.

Der Rädelsführer wurde noch am selben Tag festgenommen. Bei Hausdurchsuchungen der Umstürzler fanden die Beamten zwar weder Sprengstoff noch Schusswaffen, dafür aber ein Luftgewehr und einen Schlagstock. Bei genauerer Suche hätten sie gewiss noch eine der berüchtigten Knallkorkenpistolen entdeckt, die nach einem Schuss aus mittlerer Entfernung (was bei dieser Waffenart etwa drei bis sechs Zentimetern entspricht) Hämatome von der Größe einer Sommersprosse verursachen können, die das Opfer fürs Leben zeichnen. Also zumindest fürs Leben an den folgenden drei Tagen.

Wie indes aus dem Übergriff von der Schlossteichinsel ein Umsturz der demokratischen Ordnung erwachsen sollte, bleibt ein Rätsel. Die Attacke sei vermutlich nur der Probelauf für den großen Coup gewesen, mutmaßten damals die Kenner der Materie. Wie darf man sich das vorstellen? Wollten die Chemnitzer „Revolutionäre“ die Schlossteichinsel umkippen als „Probelauf“ für den Umsturz der „Mediendiktatur und ihrer Sklaven“, wie sie die Mächtigen im Lande in ihren Internet-Tiraden nannten?

Immerhin soll sich die Gruppe um die Beschaffung halbautomatischer Waffen „bemüht“ haben, was aber schiefging – „Lücken zwischen Planung und Realität“ eben. Mittlerweile sitzen acht von der Bande im Knast wegen des Verdachts auf Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung. 

Am linken Rand scheinen die „Lücken zwischen Planung und Realität“ übrigens deutlich bescheidener auszufallen. Dort zählt das BKA nur klägliche vier „Gefährder“. Das aber müssen wahre Teufelskerle sein, die es nur zu Viert schaffen, mit Hamburg die zweitgrößte deutsche Stadt anlässlich des G20-Gipfels in den Ausnahmezustand zu stürzen, quasi wöchentlich Angriffe auf AfD-Einrichtungen oder -Politiker durchzuziehen und auch sonst praktisch allgegenwärtig zu sein. 

Bleiben wir trotzdem lieber bei den Rechtsterroristen. Doch selbst wenn die viel interessanter sind, bleibt doch die Frage: Was hat das alles mit der EU-Wahl zu tun? Kann uns diese „Lücke“ auch mal jemand schließen? 

Das macht der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz gern, der zur BfV-Analyse gegenüber der „Welt am Sonntag“ apokalyptisch ausruft: „Rechtextremistische Strukturen sind heute für unsere Demokratie so gefährlich wie noch nie seit 1945.“ Denn ihre Verbindungen reichten bis in die Regierungen europäischer Nachbarländer, Landesparlamente, den Bundestag, in            Sicherheitsbehörden und die Bundeswehr. Bundestag? Gemeint ist natürlich die AfD. So wird ein Schuh draus: Wer die wählt, wählt „die Gefahr“. Verstanden? Deshalb musste die BfV-Analyse auch gerade jetzt durchsickern.

Und die Gefahr hat sich schon viel tiefer in die Gesellschaft gefressen, als es die paar NS-Nasen erkennen lassen. Unter dem dramatischen Titel „Verlorene Mitte. Feindselige Zustände“ deckt eine Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung auf, wie weit das Volk der Deutschen bereits in den braunen Sumpf gerutscht ist. Geleitet hat die Studie Andreas Zick, der ist „Extremismusforscher“ und zugleich Vorsitzender der Amadeu-Antonio-Stiftung, womit über seine ideologische Unbestechlichkeit als lupenreiner Wissenschaftler alles gesagt sein sollte.

So ist das Pamphlet denn auch geraten, bei dem abseits vom Titel „Studie“ rein gar nichts an Wissenschaft erinnert. Um die Ausbreitung rechtsextremer Einstellungen zu belegen, wird angeführt, dass ein Drittel der Befragten die Auffassung vertreten hat, „die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit“. Rechtsextrem ist auch, wer meint, das deutsche Volk besitze eine unveränderliche Identität. Dass rund jeder Zweite „Vorbehalte“ gegen Asylsucher äußert, gilt Zick und den Seinen als Ausdruck von „Menschenfeindlichkeit“.

Also: Wenn Sie der Regierung nicht vertrauen, wenn Sie daran glauben, dass wir Deutsche nun mal so sind, wie wir sind, und dass wir so auch bleiben werden, und wenn Sie „Vorbehalte“ gegen Leute haben, die aus sehr unterschiedlichen Motiven, von nachvollziehbaren bis zu düsteren, nach Deutschland kommen, und das nicht selten unter Bruch unserer Gesetze, dann sind Sie laut Studien-Ko-Autorin Beate Knüpper ein Rechtsextremist.

Das Papier ist dermaßen peinlich, dass Alt-SPD-Chef Sigmar Gabriel in die „Bild“-Zeitung gesprungen ist, um sich so öffentlich wie möglich von dem Ding zu di­stanzieren: „Wer für die Einhaltung von Recht und Gesetz eintritt, ist nicht gleich rechtspopulistisch.“ Das musst du uns nicht erzählen, Siggi. Bring das lieber endlich deinen Genossen bei.

MELDUNGEN / ZUR PERSON

Spion aus dem Polarmeer

Tromsö – Ein vor der norwegischen Küste aufgetauchter Belugawal, der einen Gurt mit einer Kamera trug, sorgt für Spekulationen. Fachleute der Uni Tromsö glauben, dass es sich bei dem zahmen Tier um einen Wal handelt, der aus einer Forschungseinrichtung des russischen Militärs geflohen ist. Russland könnte das Tier zu Spionagezwecken ausgebildet haben. Im Kalten Krieg hatten sowohl Russland als auch die USA Delfine zu Kriegszwecken genutzt. MRK





Athen will Statuen zurück

Athen – Griechenlands Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos fordert von Großbritannien Akropolis-Statuen zurück, die ein britischer Ausgräber vor rund 200 Jahren nach England gebracht hatte. Es gibt Streit, ob es damals eine offizielle Erlaubnis des osmanischen Sultans für Ausgrabung und Abtransport der Statuen gab. Der Direktor des British Museum, der Deutsche Hartwig Fischer, lehnt eine Übergabe ab. H.H.





Lindners blonde Waffe

Die FDP schaut neidisch auf die Grünen. Die schwimmen im Umfragehoch und kratzen noch vor der SPD an der 20-Prozent-Marke. Was hat diese Oppositionspartei, was wir nicht haben, wird sich FDP-Parteichef Christian Lindner gefragt haben. Seine Partei blickt derzeit nur knapp über die neun Prozent. Weil seine Ein-Mann-Show offensichtlich nicht mit dem jung-dynamischen Spitzenteam der Grünen mithalten kann, hat Lindner der FDP beim Parteitag eine Verjüngung verordnet.

Die 37-jährige Juristin Linda Teuteberg ist jetzt als Nachfolgerin von Nicola Beer, die als Spitzenkandidatin ihrer Partei in das EU-Parlament einziehen will, neue FDP-Generalsekretärin. Mit seiner blonden, weiblichen und aus Brandenburg stammenden Waffe will Lindner gleich mehrere Fliegen auf einmal erledigen. Teuteberg lenkt davon ab, dass die FDP mit einem Frauenanteil von knapp 22 Prozent eine „Männerpartei“ ist, und sie soll als attraktives Eigengewächs aus den neuen Ländern  dafür sorgen, dass die FDP endlich in die Landtage von  Brandenburg, Sachsen und Thüringen einzieht. Dort wird in diesem Jahr gewählt.

Als „migrationspolitische“ Sprecherin ihrer Fraktion im Bundestag, dem sie seit 2017 angehört, soll Teuteberg außerdem der AfD den Wind aus den Segeln nehmen. So fordert sie, die Liste der sicheren Herkunftsländer auszuweiten und sagt, dass die FDP zum Grundrecht auf Asyl zwar stehe, zugleich gehöre es aber zu „einem rechtsstaatlichen Asyl­system, dass gehen muss, wer kein Recht auf Aufenthalt hat“.

Die aus Königs Wusterhausen stammende, verheiratete Teuteberg, die in Potsdam studiert hat und als Rechtsanwältin zugelassen ist, könnte auch bald Lindner Paroli bieten. Hier treffen zwei Alphatiere aufeinander.H. Tews

MEINUNGEN

Die Politikwissenschaftlerin und Menschenrechtlerin Düzen Tekkal kritisiert laut „Bild“-Zeitung (24. April) die Reaktionen auf die radikal-islamischen Attentate von Sri Lanka:

„Ich bin entsetzt, dass so viele Politiker und Meinungsführer nicht den Mut aufbrachten, von Gewalt gegen Christen zu sprechen. Als sei ,Christen‘ ein verbotenes Wort, als gäbe es keine christlichen Opfer. Was (für) ein unwürdiger Eiertanz! So kann es nicht weitergehen.“





Susanne Baumstark nimmt in ihrem Blog „Luftwurzel“  (25. April) eine wenig seriöse Gesellschafts-Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) aufs Korn:

„Wenn es (in der FES-Studie) heißt, ,Asylsuchende stoßen in der Bevölkerung auf wachsende Ablehnung‘, dann würde jede seriöse Problemlösung nach der Ursache dafür suchen und als erstes die seit Jahren mit Hunderten von Millionen Euro gepushten Anti-Rechts-Projekte hinterfragen, die ganz offenbar keinerlei Erfolge aufweisen; weil sie der entsprechenden Klientel die Kommunikation verweigern. Qualitätskontrolle: Fehlanzeige.“





Selbst dem früheren SPD-Chef und Bundesminister Sigmar Gabriel ist die FES-Studie derart peinlich, dass er im „Tagesspiegel“ (27. April) eilig auf Distanz geht:

„Es ist unfassbar dumm, wenn man jemanden in die Nähe von Ausländerfeinden rückt, nur weil er meint, dass Recht und Ordnung auch im Asylrecht gelten müssen und zu viele abgelehnte Asylbewerber im Land bleiben. Mit Wissenschaft hat das jedenfalls nichts zu tun ... Es ist bei den alarmistischen Interpreten der Studie offenbar mehr die eigene Mitte verloren gegangen, weil der eigene Standpunkt zu häufig in schlagwortoptimierten Worthülsen eingebettet war.“





Das russische Netzmagazin „Sputnik“ (26. April) zitiert Italiens Vizeregierungschef Matteo Salvini, der vor der Presse auf Sizilien Roms Europa-Politik umrissen hatte:

„Statt die Idee eines EU-Beitritts der Türkei zu fördern, würde ich, ehrlich gesagt, den Beitritt Russlands bevorzugen. Russland ist unserer Geschichte, unserer Kultur, unserer Wirtschaft und unseren Traditionen deutlich näher als die Türkei.“ 





Susanne Schröter, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, wurde jüngst zum Ziel massiver linker  Attacken. Im Interview mit „Tichys Einblick“ (27. April) meint sie zu ihren Widersachern:

„Der politische Islam will weltweit ein Klima der Angst erzeugen bei allen, die es wagen, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Ziel ist es, jegliche Diskussion über Islam oder Islamismus zu verhindern. ... Teile der studentischen Linken übernehmen die Propaganda des politischen Islam, weil sie ihre postkoloniale Theorie dadurch bestärkt sehen. Linke Feministinnen bilden eine krude Querfront mit radikalislamischen Gruppen. Selbst scheinbar renommierte Personen wie Yasemin Shooman vom Jüdischen Museum in Berlin arbeiten eng mit islamistischen Gruppen zusammen. Das ist teilweise mehr als absurd.“