© Preußische Allgemeine Zeitung www.preussische-allgemeine.de

Ausgabe 02/20 10.01.20

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Naher Osten
Berlin steht wieder hilflos daneben
Der anschwellende Konflikt am Persischen Golf enthüllt die ganze Machtlosigkeit der Europäer vor ihrer eigenen Haustür
Hans heckel

Selbst in den USA bleibt die Tötung des Kommandeurs der iranischen Al-Kuds-Brigaden, Quassem Soleimani, hoch umstritten. Al-Kuds gilt als Kreuzung aus militärischer Elite-Einheit, Geheimdienst und Terrorgruppe. Deren Professionalität schreiben Experten entscheidend Soleimani zu, der die Organisation ab 1998 geleitet hatte. Offenbar war es das Ziel von US-Präsident Donald Trump, Al-Kuds den Kopf abzuschlagen und Teheran klar zu machen, wer in der Region das Sagen habe. Seit Jahren ringen der Iran und die USA um die Vorherrschaft im zerrütteten Zweistromland.

Fraglich ist, ob die Tötungsaktion den US-Interessen mehr genützt als geschadet hat. Dass das – eigentlich als US-freundlich angesehene – irakische Parlament die US-Truppen unmittelbar nach der Tötung zum vollständigen Abzug aus dem Land aufgefordert hat, nehmen Trumps Gegner zum Anlass, von einem schweren Eigentor Washingtons zu sprechen. Völlig ohne Substanz ist diese Sicht nicht.

Dass der US-Präsident für den Fall eines Rauswurfs seiner Soldaten dem Irak mit Sanktionen gedroht hat, die härter ausfielen als die gegen den Iran, erscheint nicht als diplomatische Meisterleistung. Die Drohung ist Wasser auf die Mühlen derer, welche die US-Präsenz in dem Land als reine imperialistische Besatzung anprangern. Damit hilft sie dem Rivalen in Teheran, der alles daran setzt, die schiitische Bevölkerungsmehrheit im Irak auf seine Seite zu ziehen, um das Land zum Anhängsel des Mullah-Staats zu machen.

Und wie reagiert die EU? Was macht Berlin? Blutarme Appelle, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen, paaren sich mit der ritualisierten Aufforderung an die Konfliktparteien, an den Verhandlungstisch zu treten statt zu schießen. 

Von Franz Josef Strauß stammt das Diktum, wer „Entspannung“ wolle, der müsse auch „Spannung“ können. Soll heißen: Nur wer die Eskalation als Möglichkeit im Köcher trägt (und dies auch glaubhaft zeigt), kann wirklich deeskalierend wirken, denn sonst wird er nicht ernst genommen. Doch Berlins Außenpolitik ist im Nahen Osten wie anderswo längst von einer Mischung aus moralischer Anmaßung und faktischer Handlungsunfähigkeit geprägt, von eigenen strategischen Konzepten ist nichts zu erkennen. Das Gerede von „mehr globaler Verantwortung“ bleibt im Zweifel hohl.

So bleibt uns im Ernstfall nur die Rolle des Zuschauers, obgleich der sich aufschaukelnde Konflikt direkt vor unserer Haustür stattfindet. Weitsichtige Außenpolitik sieht anders aus. 


Medien
Von der Peinlichkeit zur Grundsatzfrage
In der Affäre um das „Umweltsau“-Lied des WDR zeigt sich die Verachtung medialer Eliten für die Bürger, von deren Gebühren sie leben
René Nehring

Der erste „Shitstorm“ im neuen Jahr kam überraschend. Denn er traf ausgerechnet Vertreter derjenigen Zunft, die sonst gewohnt ist, über andere zu richten: Journalisten. Anfang Januar machte ein vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) produziertes Lied die Runde, in dem ein Kinderchor die angeblichen Öko-Vergehen der eigenen Großmutter vortrug, und am Ende jeder Strophe sang: „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau.“ Schnell erregte sich die Wut der Bürger, ebenso schnell erkannte WDR-Intendant Tom Buhrow, dass für den Sender schwerer Schaden drohte. Mehrfach bat er in der Öffentlichkeit für sein Haus um Entschuldigung; versichernd, dass die öffentlich-rechtliche Anstalt keineswegs eine ganze Generation beleidigen wolle. Vielmehr habe es sich bei dem Lied um eine missglückte Satire gehandelt. 

Damit hätte die Sache erledigt sein können. Doch Buhrow hatte die Rechnung ohne seine Redaktion gemacht. Denn der WDR ist nicht nur der größte Sender im ARD-Verbund, sondern auch das Haus mit dem größten Sendungsbewusstsein. Hier ist man – zum Beispiel in Sendungen wie „Monitor“ – gewohnt, der Welt mitzuteilen, wer gut und wer böse ist. Fehler einzugestehen oder gar sich für einen Fehlgriff entschuldigen zu müssen, gehört nicht zum Selbstverständnis. Prompt brachte denn auch die Redakteursvertretung in einem Rundschreiben ihre „Fassungslosigkeit“ zum Ausdruck – natürlich nicht über das Lied, sondern über das Verhalten des Intendanten, der versucht hatte, das Ansehen seines Hauses zu retten, und dabei vor „rechten Kreisen“ eingeknickt sei. 

In dieser Haltung zeigt sich freilich die ganze Arroganz in Teilen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Wohlgemerkt: nicht überall. Doch vor allem in den meinungsbildenden Redaktionen singt man gern das Hohelied vom „Qualitätsjournalismus“ und liefert doch nur parteipolitische Agitation. Wer daran zweifelt, möge eine Woche lang in jeder x-beliebigen Nachrichtensendung oder Talkshow zählen, wie oft dort Vertreter der kleinsten im Bundestag vertretenen Partei vorkommen – und wie oft die anderen. 

Das Ganze wäre nicht weiter schlimm, wenn sich die Kollegen nur von denjenigen bezahlen ließen, die so denken wie sie. Tatsächlich ist jedoch das ganze Volk gezwungen, per Zwangsgebühren eine Tendenzberichterstattung zu bezahlen, die ausweislich jahrzehntelanger Wahlergebnisse von der Mehrheit der Bürger nicht geteilt wird. Insofern geht es in dieser Affäre um weit mehr als nur um guten Geschmack. 

S. 2 Thema der Woche

Altersvorsorge Die Bestrebungen des französischen Präsidenten, die Renten und Pensionen in seinem Land zu reformieren, setzen die Regelung der Ruhestandsbezüge auf die europäische Tagesordnung
Ein kaum durchschaubares System
Die französische Altersvorsorge im Vergleich zur deutschen Rente
Wolfgang Kaufmann

Das französische Rentensystem, dessen beabsichtigte Reformierung zu heftigen Massenprotesten und diversen Streiks führte, ist vergleichsweise teuer, kompliziert – und ungerecht. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung liegt bei 27,5 Prozent (Arbeitnehmeranteil 11,2 und Arbeitgeberanteil 16,3 Prozent), also fast neun Prozent höher als in Deutschland.

Insgesamt machen die Ausgaben unseres Nachbarstaates für die Altersversorgung seiner Bürger mehr als 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus – bei einem EU-Durchschnitt von rund 13 Prozent. Trotzdem wird das Defizit in den Rentenkassen in den nächsten fünf Jahren auf bis zu 17 Milliarden Euro anwachsen, wenn keine Änderungen erfolgen.

Dafür geht es den französischen Ruheständlern ausgesprochen gut: Die Durchschnittsrente der Männer beträgt 1739 Euro, während die Frauen 1065 Euro erhalten. Das sind etwa 74 Prozent der letzten Monatsbezüge, wovon Deutsche nur träumen können. Deshalb gelten auch nur 3,4 Prozent der Rentner in Frankreich als arm, wohingegen die Armutsquote unter den älteren Menschen in der Bundesrepublik fast dreimal so hoch ist. Mehr noch: Frankreich zählt zu den ganz wenigen Staaten der Welt, in denen das durchschnittliche Einkommen der Rentner das der Gesamtbevölkerung übersteigt.

Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt bei 62 Jahren, das faktische bei 60,8 Jahren (in Deutschland bei 64,1). Darüber hinaus bestehen viele Sonderregelungen: So dürfen die Mitarbeiter der Pariser Verkehrsbetriebe schon mit 52 Jahren in Rente gehen. Und die Franzosen erhalten ihr Ruhestandsgeld auch vergleichsweise lange: Die Rentenbezugsdauer bei Männern beträgt durchschnittlich 23 Jahre und bei Frauen sogar 27 Jahre (in Deutschland 19 beziehungsweise 22,5 Jahre).

Sonderversorgungssysteme

Aktuell gibt es zwei Zweige der obligatorischen staatlichen Rentenversicherung, aus denen die Beitragszahler eine Grundrente sowie die ergänzende berufliche Zusatzrente erhalten. Die Erstere bemisst sich nach dem Gehalt der 25 besten Einkommensjahre – bei Beamten zählen sogar nur die am höchsten vergüteten sechs Monate im Verlaufe des gesamten Berufslebens. Das benachteiligt vor allem langjährige Geringverdiener in der Privatwirtschaft.

Noch problematischer ist die Existenz von 42 parallelen Sonderversorgungssystemen für bestimmte Berufsgruppen wie Mitarbeiter des staatlichen Bahnunternehmens SNCF oder Tänzer an der Pariser Oper (siehe auch Seite 9). Zum einen führen diese zu weiteren ungerechtfertigten Privilegien, zum anderen muss der Steuerzahler hier ständig Zuschüsse leisten, weil die Ausgaben fast immer höher sind als die eingezahlten Beiträge. Allein die Renten der SNCF-Beschäftigten kosten die Allgemeinheit 3,3 Milliarden Euro pro Jahr.

Befürchtungen der Franzosen

Der Kern der geplanten Macronschen Rentenreform besteht deshalb logischerweise darin, die Zahl der Sonderversorgungssysteme zu reduzieren und die Rentenberechnung zugunsten der Geringverdiener und zulasten der Bessergestellten zu verändern. Das findet die Mehrheit der Franzosen im Prinzip richtig – außer, wenn die eigenen Pfründe in Gefahr geraten. Darüber hinaus fehlt das Vertrauen in die Regierung: Viele fürchten, dass das Rentensystem nicht gerechter wird, sondern einfach nur das Niveau der Ruhestandsbezüge sinkt. Abgesehen davon will auch kaum jemand bis 64 arbeiten. Aber in diesem Punkt ist Macron ja bereits eingeknickt, indem er seine Bereitschaft signalisierte, beim Renteneintrittsalter „nachzubessern.“





Stimmen zum Thema

Paul Samuelson erhielt 1970 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. 1967 hatte er umlagefinanzierte Rentenmodelle noch als „Schneeballsysteme“ bezeichnet.

Deep Kapur ist Professor an der australischen Monash University und arbeitet als Co-Autor an der Erstellung des Melbourne Mercer Global Pension Index mit.

Ilka Houben ist Lei­te­rin Alters­si­che­rungs­po­li­tik beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und bezweifelt den Erfolg der „Europa-Rente“ PEPP.

Vergleich
Was ist ein gutes Rentensystem?
Ein australischer Index wertet messbare Eckdaten aus. Deutschland liegt auf Platz 13

Wie gut oder schlecht ein Rentensystem ist, zeigt der seit 2008 alljährlich veröffentlichte Melbourne Mercer Global Pension Index (MMGPI), welcher auf ein gemeinsames Forschungsprojekt der international tätigen Unternehmensberatungsfirma Mercer und des Monash Centre for Financial Studies (MCFS) an der Monash University im australischen Melbourne zurückgeht. Der MMGPI vergleicht 37 Rentensysteme, aus denen der Ruhestand von etwa zwei Dritteln der Weltbevölkerung finanziert wird, in puncto Angemessenheit hinsichtlich des Versorgungsniveaus, Nachhaltigkeit bei der Finanzierung sowie Integrität, das heißt Vertrauenswürdigkeit und Beständigkeit. 2019 lag die Bundesrepublik Deutschland hier auf Platz 13 –  überrundet von Staaten wie Singapur, Chile und Irland. Frankreich rangierte noch weiter hinten an 18. Stelle ganz knapp vor Peru, Kolumbien und Polen. Andererseits befinden sich auch fünf europäische Länder unter den zehn Besten, nämlich die Niederlande (Platz 1), Dänemark (Platz 2), Finnland (Platz 4), Schweden (Platz 5) und Norwegen (Platz 6). 

Was gute Systeme auszeichnet

Die besonders guten Rentensysteme beruhen in aller Regel auf mehreren Säulen beziehungsweise Finanzierungsarten, welche weitgehend gleichwertig sind. Sie basieren also nur zum Teil oder gar nicht auf dem Umlageprinzip, bei dem die jeweils Arbeitenden die Renten der aktuellen Ruheständlergeneration aufbringen müssen. Allerdings weisen kapitalgedeckte Systeme den Nachteil auf, dass sie sehr stark von der Situation an den Finanzmärkten abhängig sind: So leiden die meisten Pensionsfonds jetzt natürlich unter dem allgemeinen Zinstief. 

Die Schweiz, die auf Platz 12 vor Deutschland steht und ihren Bürgern momentan noch recht komfortable Renten garantieren kann, setzt daher weiterhin auf eine Mischfinanzierung aus dem Umlageverfahren und Zahlungen aus Pensionsfonds und Versicherungen. 

Im aktuellen MMGPI von 2019 sind nicht alle europäischen Staaten aufgelistet. So fehlen beispielsweise Portugal und Griechenland. Wie letzteres abgeschnitten hätte, wissen wohl nur die Götter auf dem Olymp. 

Auf jeden Fall ist das Rentensystem der Hellenen trotz aller inzwischen erfolgten Reformen weiterhin noch durch zahlreiche Ungereimtheiten gekennzeichnet: Einerseits beziehen 40 Prozent der griechischen Rentner lediglich dürftige Bruttobeträge von unter 500 Euro im Monat, andererseits erhalten manche Griechen immer noch bis zu zehn unterschiedliche Renten parallel aus diversen Töpfen.W.K.

„Europa-Rente“
Neues Modell mit einigen Fragezeichen

Im Kampf gegen die immer mehr um sich greifende Altersarmut hat die Europäische Union jetzt die sogenannte „Europa-Rente“ ins Spiel gebracht. Diese läuft offiziell unter der Bezeichnung PEPP (Pan European Pension Product) und soll eine Ergänzung zu den staatlichen Rentensystemen in den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU und nationalen Vorsorgeangeboten auf privater oder betrieblicher Basis darstellen. Zugleich will Brüssel damit auch den Wettbewerb auf dem Rentenversicherungsmarkt ankurbeln, denn die PEPP-Gebühren dürfen bei maximal einem Prozent der angesparten Beiträge liegen. Außerdem wird es bei der „Europa-Rente“ anders als bisher möglich sein, das Einzahlungs- oder Bezugsland innerhalb der EU ohne Schwierigkeiten zu wechseln.

Die Sache hat allerdings zwei unübersehbare Haken: Zum einen dürfte der im Prinzip höchst verbraucherfreundliche Kostendeckel dafür sorgen, dass sich bloß sehr wenige seriöse Anbieter für das Produkt finden. So lautet jedenfalls die Prophezeiung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Zum anderen steht natürlich die Frage im Raum, ob Brüssel mit PEPP tatsächlich nur die Rentenlücken der Europäer schließen will oder nicht vielleicht noch etwas anderes im Schilde führt. Immerhin würden bei einem Ansturm auf die „Europa-Rente“ bisher brachliegende Spareinlagen der Bürger in die Kapitalmärkte fließen – Optimisten unter den Experten rechnen hier mit rund 700 Milliarden Euro bis 2030. Will man so einen Teil der Unsummen für Ursula von der Leyens „Green Deal“ aufbringen, durch den Europa bis 2050 klimaneutral werden soll? Auf jeden Fall drohen dem Verbraucher künftig ganz neue unkalkulierbare Risiken, sollte er den Verheißungen aus Brüssel folgen und sein Geld vertrauensvoll in die freiwillige „Europa-Rente“ stecken, wenn PEPP dann 2021 Realität wird. Deshalb ist eine gute Beratung vor Vertragsabschluss auch künftig unverzichtbar. W.K.

S. 3 Seite drei

Deutsche Stimmungen
Zu Beginn des Jahres 2020 erinnert vieles an die Spätzeit der Regierung Kohl. Doch während 1998 noch Alternativen erkennbar waren, kämpfen die etablierten politischen Kräfte heute vor allem gegen den Aufstieg einer einzelnen Konkurrenzpartei
Werner Patzelt

Vielerlei Stimmungen lassen sich derzeit in Deutschland erspüren. Da sind die spiegelbildlichen Triumphgefühle von Grünen und AfD, die sich vom Stolz aufs Erreichte nähren: Die einen sind nun fast flächendeckend an der Macht, die anderen oft die größte Oppositionspartei. Da ist die mit wiederkehrenden Erlösungshoffnungen versetzte Verzweiflung der SPD: Sie versucht durch Führungswechsel jene Attraktivitätsprobleme zu lösen, denen allein mit einem neuen „Godesberg“ beizukommen wäre, also mit dem Abräumen wählerverschreckender Positionen. Da gibt es die bemühte Munterkeit der FDP, derweil sich die Linke in einem gutwilligen Meinungsklima an eigener Rechthaberei erfreut. Und da findet sich bei der Union eine Mischung aus Depressivität („Wie nur weiter ohne Merkel?“) und Autoaggression („Der Feind steht in den eigenen Reihen!“). Das erinnert an die Spätzeit Helmut Kohls. 

Nur stand damals ein befreiender Aufbruch in Aussicht, nämlich Rot-Grün als machbarer Neubeginn. Doch die AfD gleitet immer wieder in jenes phrasenartige Empörungsgehabe ab, das ihre Ausgrenzung selbst jenen plausibilisiert, die sich lieber auf pluralistischen Streit mit ihr einließen. Deshalb politisch alternativlos, empfindet man in den traditionell sozial- und christdemokratischen Milieus unseres Landes die Gegenwart wie ein Dahinsiechen von Überlebtem. Hingegen gedeiht bei den Grünen und der AfD als den neuen Polen unserer politischen Kultur eine erfolgsgewisse Aufbruchslust. Die Ersteren wurden nämlich von einem Großteil der Union als Mitstreiter beim Aufbruch zu neuen, verlockenden Ufern geradezu ins Herz geschlossen. Gemeinsam, so die Hoffnung, würden Union und Grüne fortan einen ökologischen Umbau unserer Gesellschaft herbeiführen, auch den Sieg des politisch Guten und Schönen, darunter die – der „alten CDU“ misslungene – Überwindung von Nationalismus und Rassismus. Das alles leuchtet ein und macht das schwarz-grüne Projekt gefühlsmäßig nicht minder anziehend, als es einst das rot-grüne Projekt gewesen ist. 

„Anständige“ gegen „Populisten“

Jenes aber zog die entscheidende Trennlinie noch zwischen den Konservativen und den Fortschrittlichen, also zwischen zwei ganz legitimen Positionen. Die neue Trennlinie verläuft hingegen zwischen den „Anständigen“ sowie jenem „rechtspopulistischen Unrat“, den – teils vorgeblich, teils wirklich – die AfD übers Land schwappen lässt. Doch deren Anhänger, sofern nicht tätig im öffentlichen Dienst oder in Unternehmen der öffentlichen Hand, stört eine solche – inflationär gewordene – Etikettierung kaum mehr. Rechts wollen sie ja wirklich sein, nämlich als Alternative zu jenen Mitte-Links-Regierungen, die allenthalben als Schutzwall gegenüber der neuen Protestpartei errichtet werden. Und populär sind viele Positionen sowie manche Politiker der AfD durchaus, und in durchaus großen Bevölkerungskreisen. Das gilt zumal für Ostdeutschland, wo CDU und SPD es inzwischen als großen Wahlsieg zu feiern pflegen, wenn sie knapp vor einer Partei liegen, die es vor sieben Jahren noch gar nicht gab. 

Die Grünen hingegen überholen die AfD meist nur in den Umfragen, nur selten aber auch am Wahltag. Umso wortgewaltiger gehen sie in den symbolischen und kommunikativen „Kampf gegen rechts“. Der darf nämlich, so ein weit verbreitetes Gefühl, nur von einer einzigen Seite gewonnen werden, nämlich von den Linken und Mittigen. Deren geistiger Angelpunkt ist aber inzwischen das Weltgefühl der Grünen. Das alles macht „Mitte-Rechts“ als Aufbruch aus den entstandenen Umständen für die kommenden Jahre praktisch unmöglich. Einerseits liegt das an der AfD, wie die internen Spannungen zwischen dem „Flügel“ und den „Systemlingen“ zeigen. Andererseits kommt das vom toxischen Hysteriegehalt politischer Gefühlswallungen, die schon bei bloßen Denkspielen über schwarz-blaue Konstellationsmöglichkeiten einsetzen. 

Obendrein fühlt es sich mittlerweile wie illegitim an, in der Frontstellung zwischen den etablierten Parteien und der AfD der Letzteren auch nur dann beizuspringen, wenn diese Partei – bemessen an den Spielregeln pluralistischer Demokratie – unfair behandelt wird. Auch in dieser Hinsicht hat sich an unserer politischen Kultur viel verändert, und wohl nicht zum Besseren. Gerhard Schröder und Joschka Fischer bezweifelten nämlich nie die Legitimität eines Machtwechsels zugunsten der Union, auch wenn sie ihn verhindern wollten. Doch an eine Abwahl bisheriger Mehrheiten zugunsten einer Regierungsübernahme der AfD allein schon zu denken, fühlt sich heute an wie ein Pflücken der „Blumen des Bösen“. Tatsächlich hat sich die AfD jenes politische Vertrauen noch keineswegs verdient, das es für ein – das rein Punktuelle überschreitende – Zusammenwirken nun einmal bräuchte. 

Mangels jeder realistischen Politikalternative rechts der politischen Mitte richtet sich deshalb alle politische Aufbruchshoffnung auf einen Erfolg von Schwarz-Grün. Ihn anzustreben, setzt aber genau jene Politik fort, deren Anbahnung einst rechts jenen Freiraum für die AfD schuf, in dem diese sich nun festgesetzt hat. Vergrößert sich künftig das der AfD überlassene Terrain noch mehr, nämlich durch eine weitere Sozialdemokratisierung oder Vergrünung der CDU, so werden eines Tages Minderheitsregierungen von der Linken bis hin zur CDU zur einzigen Alternative einer Regierungsbeteiligung der AfD. Letzteres zu verhindern, wurde aber zum – gerade auch emotional – verbindenden Ziel aller etablierten Kräfte. Deren Abscheu, bisweilen gar Hassgefühle gegenüber der AfD verstellen freilich den Blick darauf, dass eben die Frontstellung „Wir alle gegen die AfD“ den weiteren Aufstieg dieser dann wirklich einzigen Alternative zur bisherigen, weiterhin kulturell hegemonialen Politik fördern wird. Speziell für die CDU gilt: Es werden viele Wähler bei der Entscheidung zwischen „grünem Original“ und dessen Kenia-bewirkter „CDU-Kopie“ genau dann für das Original stimmen, wenn „Kenia-Politik“ in der erhofften Weise erfolgreich war – und dann für die AfD, wenn auf dem „Kenia-Kurs“ viel weniger erreicht wurde, als in Aussicht gestellt war. Versprochen aber wird von schwarz-grünen Koalitionen kaum weniger als eine fortan lichte Zukunft unseres Landes.

Verdrängte Probleme

Alle Schatten, welche die misslungene Einwanderungs- und Integrationspolitik Deutschlands zum Nachteil der Grünen auf „Kenia“ werfen könnte, wurden durch alarmistisches Beleuchten der durchaus realen Folgeprobleme des nicht zu bezweifelnden Klimawandels um ihre zuvor weit verbreitete Wahrnehmung gebracht. Viel weniger ins allgemeine Blickfeld geraten sind im Vergleich damit die unmittelbar bedrohlichen Anschlussprobleme des Verlusts deutscher technologischer und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit. Dieser ist eine Folge nicht nur des Aufstiegs Chinas im Besonderen und Asiens im Allgemeinen, sondern auch der bürokratischen Gängelung unserer Unternehmen und Forschungseinrichtungen, des Niedergangs unseres Bildungssystems und des Versiegens von Ressourcen wie Leistungswille, Pflichtgefühl und Selbstdisziplin. Hinzu kommen die unausweichlichen Folgeprobleme der lockeren Geldpolitik in der Eurozone, des – wohl noch längere Zeit anhaltenden – außenpolitischen US-Autismus sowie jener sicherheits- und geopolitischen Herausforderungen, die mit dem Abstieg des Westens und zumal Europas einhergehen. 

Viele Leute nicht nur in Deutschland, sondern in allen westlichen Staaten empfinden deshalb, dass bislang erfolgreiche Politiken in ihren Grenznutzenbereich gelangt sind, ja inzwischen wohl mehr schaden als nutzen. Doch der erhoffte schwarz-grüne Aufbruch – um von linken und sozialdemokratischen Politikvisionen erst gar nicht zu handeln – geht gerade nicht von einer solchen Lagebeurteilung aus, wird also bei alldem wenig zum Besseren wenden. Das wiederum wird in Europa noch mehr Leuten als derzeit den rechtspopulistischen Systemprotest als plausibel erscheinen lassen. Aussichten darauf aber dürften die allermeisten erst recht nicht in gute Stimmung versetzen.






Prof. Dr. Werner J. Patzelt lehrte bis 2019 Vergleichende Politik­wissenschaft an der TU Dresden und ist Mitglied des Sächsischen Kultursenats. 

http://wjpatzelt.de

S. 4 Deutschland

„Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!“
Nur die Spitze des Eisbergs
Der aktuelle WDR-Skandal ist symptomatisch dafür, wie bei den Öffentlich-Rechtlichen gedacht wird
Wolfgang Kaufmann

Die zum ARD-Verbund gehörende Landesrundfunkanstalt Westdeutscher Rundfunk (WDR) schaltete am 27. Dezember ein anderthalbminütiges Video in seiner Mediathek frei, das zeigt, wie gut zwei Dutzend Mädchen aus dem WDR-Kinderchor unter der Leitung von Zeljo Davutovic ein Liedchen nach der Melodie von „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ trällerten. Jedoch saß die Großmutter nun hinter dem Steuer ihres SUV, mit dem sie hurtig zwei Opas samt Rollator niederwalzte. Darüber hinaus „brät sie sich jeden Tag ein Kotelett, weil Discounterfleisch so gut wie gar nichts kostet“, und „macht zehn Mal im Jahr ’ne Kreuzfahrt“. Deswegen lautete der Refrain dann auch: „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau!“

Bei dem Vorfall handelt es sich nicht um den singulären Lapsus einiger inkompetenter WDR-Leute, sondern um die Spitze des Eisbergs, der zeigt, wie man innerhalb des Senders denkt. Das belegt nicht zuletzt der Tweet eines weiteren WDR-Mitarbeiters namens Danny Hollek: „Eure Oma war keine #Umweltsau. Stimmt. Sondern eine #Nazisau.“ Offenbar glaubte der junge Medienmacher mit Verbindungen zur Antifa, dass ihm diese infame Beleidigung Anerkennung für seine „Haltung“ eintragen würde. Immerhin hatten ja nicht nur Prominente wie der umstrittene Komiker Jan Böhmermann das Liedchen verteidigt, sondern auch der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe Jürgen Resch. Das Gleiche galt für viele Mainstream-Medien, die den Rückzug des WDR lauthals kritisierten. So hieß es auf Spiegel-Online, der Proteststurm sei durch „Rechte und Rechtsextreme“ ausgelöst worden, und der Sender habe sich von denen völlig unnötigerweise einschüchtern lassen. 

Ein weiterer Beweis für die Zustände beim WDR, den übrigens auch 40 Prozent seiner regelmäßigen Konsumenten für unglaubwürdig halten, ist der Skandal um die gemeinsame Antisemitismus-Dokumentation mit dem Sender Arte aus dem Jahre 2017 „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“. Der Beitrag, der unter anderem zeigte, dass die Muslime die hauptsächlichen Träger des heutigen Antisemitismus auf unserem Kontinent sind, sollte wegen angeblicher „formaler Mängel“ ungesendet in der Versenkung verschwinden.

Nicht viel besser als beim WDR geht es beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) zu. Der produziert regelmäßig Beiträge des Online-Jugendprogramms STRG_F, die anschließend auf der Internetplattform Youtube zu sehen sind. 2018 wurde in diesem Rahmen der Kanon eines Studentenchores präsentiert, dessen unablässig wiederholte einzige Textzeile lautete: „Fick die Cops, sie sind Bullenschweine.“

Ebenso wenig skandalfrei agiert das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), das zusammen mit der ARD und dem Deutschlandradio den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Bundesrepublik bildet. So kam vor Kurzem heraus, wie dreist diese Anstalt ihre Zuschauer manipuliert. Anlässlich der Diskussionssendung mit dem Moderator Markus Lanz am 17. Dezember 2019, bei der unter anderem der ehemalige Verfassungsschutzpräsident und nunmehrige Merkel-Kritiker Hans-Georg Maaßen zu Gast war, fielen die fast durchweg feindseligen Reaktionen des Studio-Publikums gegenüber dem Klartext redenden Maaßen auf. Wenig später brachte eine Recherche des kritischen Journalisten Boris Reitschuster zutage, dass die private Hamburger Medienfirma „Fernsehmacher“, die bei der Produktion der Lanz-Sendung maßgeblich mitwirkt, auf ihrer Internetseite auch die Dienstleistung „Generieren von Wunschpublikum“ nach „zielgruppenspezifischen Merkmalen“ anbietet. Mit anderen Worten, man platziert im Studio je nach Gusto des Auftraggebers bezahlte Claqueure oder Personen mit gegenteiligem Auftrag. Dabei geben die „Fernsehmacher“ als Referenz nicht nur ZDF-Sendungen wie „Markus Lanz“, sondern auch solche der ARD an. 

Angesichts dieser Zustände mehren sich nun Aufrufe, die Zahlung der Zwangsgebühren für die Sender künftig zu verweigern und den „Beitragsservice“ mit einer Vielzahl von Datenschutzanfragen lahmzulegen.Wolfgang Kaufmann

Asylkrise
Der deutsche Michel soll wieder aushelfen
Während die Bundesrepublik Asylsucher anzieht, sind die Verhältnisse in Griechenland eher abschreckend
Peter Entinger

Nach Einschätzung des Hilfswerks Caritas international sind die Menschen in den überfüllten griechischen Immigrantenlagern auf sofortige Hilfe angewiesen. „Die gegenwärtige Situation in den Lagern zwingt uns zum sofortigen Handeln“, sagte der Leiter des Hilfswerks, Oliver Müller. Die Menschen müssten unter katastrophalen Umständen dort ausharren. 

Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat Deutschland angesichts der Situation auf der Insel Lesbos zur Aufnahme von weiteren Immigranten gedrängt. Die Idee von Dublin laute, dass „ein Teil der Asylantragsverfahren in anderen Ländern durchgeführt wird.“ Der Ministerpräsident forderte eine Änderung des Dublin-Verfahrens: „Wir müssen einen europäischen Asyl- und Migrationspakt entwickeln, wie ihn die Kommission versprochen hat, und im Umgang mit diesem Problem benötigen wir mehr Lastenteilung.“ Der griechische Ministerpräsident sagte der Zeitung, dass sein Land die Grenzen seiner Kapazität erreiche: „Wir nehmen 400 bis 500 Menschen pro Tag auf.“

Mehr als 40 000 Menschen leben in den Lagern der griechischen Ägäis-Inseln – obwohl nur Platz für rund 7500 ist. Die katastrophale Lage zeigt nach Expertenmeinung vor allem das Scheitern des EU-Türkei-Deals. Und auch die EU-Staaten selbst sind von einer gemeinsamen Immigrationspolitik noch weit entfernt. Das Abkommen mit Ankara, dass diese Auffanglager erst notwendig gemacht habe, sei praktisch tot, erklärte Birgit Sippel, innenpolitische Sprecherin der SPD im Europaparlament. Der Verwaltungsstau und die schleppenden Asylprüfungen auf Lesbos und den anderen Inseln führten dazu, dass kaum Rückführungen in die Türkei stattfänden.

Meldungen

Hans-Joachim von Leesen tot

Mönkeberg – Der ehemalige freie Mitarbeiter der Preußischen Allgemeinen Zeitung Hans-Joachim von Leesen starb am vorletzten Tag des vergangenen Jahres in Mönkeberg, Kreis Plön, an der Kieler Förde, wo er seinen Lebensabend verbracht hatte. Über zwei Jahrzehnte war der am 12.Mai 1930 in Hamburg geborene Wahl-Schleswig-Holsteiner hauptamtlicher Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB), des Dachverbandes für heimatbezogene Aktivitäten in Schleswig-Holstein, den er vor allem in Zusammenarbeit mit dem Präsidenten Uwe Ronneburger (FDP) in dieser Zeit wesentlich mitprägte. 1994 gründete der Träger der Schleswig-Holstein-Medaille die Regio Schleswig-Holstein der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft (SWG), deren langjähriger Vorsitzender er auch war. Als Autor ist von Leesen durch seinen 2005 in Kiel erschienenen Bildband „Bombenterror. Der Luftkrieg über Deutschland“ bekannt. Auch für die PAZ schrieb der streitbare Patriot vor allem über historische und geschichtspolitische Themen. Die Trauerfeier mit anschließender Beerdigung beginnt am kommenden Montag, dem 13. Januar, um 13.30 Uhr in der Kapelle des Südfriedhofs, Saarbrückenstraße 1, Kiel.PAZ





Verivox: Doch ein Teuro

Heidelberg – Das Vergleichsportal Verivox hat die Preisentwicklung für zehn Produkte und Dienstleistungen des Alltags einem 20-Jahres-Vergleich unterzogen. Die Gegenüberstellung der Preise aus den Jahren 1999 und 2019 förderte insbesondere bei Heizöl eine enorme Steigerung zu Tage. Im Jahr 1999 kostete ein Liter Heizöl hierzulande 26,41 Cent. Für das Jahr 2019 ermittelte Verivox einen Durchschnittspreis von 67,69 Cent je Liter. Heizöl hat sich damit um 156 Prozent verteuert. Autofahrer mussten bei Superbenzin in 20 Jahren eine Preissteigerung von 68 Prozent verkraften. Die Stromkosten haben sich im Vergleich zu 1999 um 78 Prozent verteuert. Raucher zahlen mittlerweile knapp sechs Euro für eine Packung Zigaretten. Ende der 1990er Jahre waren dafür weniger als drei Euro fällig. Ganz massiv gesunken sind dafür in den letzten 20 Jahren die Preise für Internetanschlüsse. Die Minutenpreise beim Telefonieren sanken um 80 Prozent und die durchschnittlichen Kreditzinsen um 41 Prozent.N.H.





Piraten-Kritik an SPD-Politik

Berlin – Patrick Breyer, Europaabgeordneter der Piratenpartei, warnt: „Wie ein Geheimdienst kundschaftet das Bundeskriminalamt (BKA) mithilfe der Bestandsdatenauskunft Personen aus, die einer Straftat nicht einmal ansatzweise verdächtig sind und liefert diese Daten an ausländische Behörden aus – mit ungewissen Konsequenzen. Dass die Bundesjustizministerin ... nun ... ihm ... auch Zugriff auf unser Surfverhalten gewähren will, ist so unverantwortlich wie einen bissigen Hund völlig von der Leine zu lassen.“PAZ

S. 5 PREUSSEN & BERLIN

Schwarzgeld
Offensive gegen Clan-Geldwäsche
Mit neuer Sondereinheit will Berlin kriminellen arabischen Großfamilien zu Leibe rücken
Norman Hanert

Kriminelle arabische Großfamilien, die teilweise schon in den 1980er Jahren nach Deutschland gekommen sind, konnten über Jahrzehnte kriminelle Schwarzgelder in Immobilien und Geschäfte investieren und diese scheinbar in legale Einkünfte umwandeln. Die Politik unternimmt nun erneut einen Anlauf, das Geldwäscheproblem anzugehen.

In Berlin hat am 6. Januar bei der Notaraufsicht am Landgericht eine Sondereinheit („Taskforce“) zur Bekämpfung von Geldwäsche ihre Arbeit aufgenommen – die Notarrevision prüft zudem routinemäßig, ob Notare beispielsweise Urkunden ordentlich führen und aufbewahren. Unter der Leitung einer Vorsitzenden Richterin sollen darüber hinaus zunächst drei Rechtspfleger ab sofort mithelfen, das Einsickern illegaler Gelder in den legalen Wirtschaftskreislauf zu erschweren. 

„Die Taskforce soll Notare sensibilisieren“, so Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne). Hintergrund ist die Überlegung, dass bei der Geldwäsche der Kauf von Immobilien eine wichtige Rolle spielt. Da der Eigentumswechsel an Grundstücken und Häusern in Deutschland regelmäßig über einen Notar abgewickelt werden muss, liegt es nahe, im Kampf gegen die Geldwäsche diesen Bereich in den Fokus zu rücken. 

Überwiegend Banken haben im Jahr 2018 bundesweit etwa 77 000 Verdachtsfälle auf Geldwäsche gemeldet, nur acht Meldungen kamen von Notaren. Die neue Sondereinheit soll dafür sorgen, dass Berlins Notare mehr verdächtige Fälle melden. Bereits mit dem Geldwäschegesetz aus dem Jahr 2017 sind Notaren in Deutschland weitergehende Pflichten auferlegt worden. Mit der seit Anfang dieses Jahres geltenden Neufassung des Gesetzes sind die Regeln nochmals verschärft worden.

Strohmänner besonders im Visier

Bei Immobiliengeschäften sollen nach den Vorstellungen des Justizsenators die Notare in der Hauptstadt künftig unter anderem stärker auf Zeichen achten, ob Immobiliengeschäfte möglicherweise über Strohmänner abgewickelt werden: „Ist derjenige, der den Vertrag schießt, in irgendeiner Weise erfahren, und ist es plausibel, dass derjenige sich ein oder mehrere Grundstücke kaufen kann?“, so der Justizsenator. Behrendt sprach auch für Anzeichen dafür, dass sich Geldwäscher gezielt kleinere Notarkanzleien mit mutmaßlich weniger Erfahrungen im Immobilienbereich suchen.

Als naheliegende Aufgabe für die neue Geldwäsche-Sondereinheit nennt Behrendt auch die Suche nach Auffälligkeiten im Zusammenhang mit den Immobiliengeschäften einer stadtbekannten arabischen Großfamilie. Bereits im Sommer 2018 hatte die Berliner Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme von 77 Wohnungen, Häusern und Kleingärten betrieben. Die Ermittler gehen davon aus, dass diese Immobilien auch mit Geld aus einem Überfall auf eine Sparkasse erworben wurden. 

Spektakulärer Münzraub

Mitgliedern des libanesischen Clans werden unter anderem Tötungsdelikte, Drogenhandel und auch der spektakuläre Diebstahl einer 100-Kilo-Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum im März 2017 vorgeworfen. Der Fortgang des Beschlagnahmeverfahrens auf Grundlage einer erst 2017 eingeführten Regelung zur strafrechtlichen Vermögensabschöpfung wird bundesweit beachtet: Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), sprach sogar von einem Pilotverfahren. Bestätigen Gerichte das Vorgehen, könnten auch bei anderen Clans Beschlagnahmungen folgen.

Vorbild Italien

Inzwischen werden aber Forderungen nach noch schärferen juristischen Mitteln im Kampf gegen die organisierte Kriminalität laut. Berlins Innensenator An–dreas Geisel (SPD) hatte sich bereits vergangenes Jahr für eine Beweislastumkehr nach dem Vorbild Italiens ausgesprochen. Bei Ermittlungen im Bereich der organisierten Kriminalität müssten dann Tatverdächtige die legale Herkunft ihres Vermögens belegen, statt dass ihnen, wie bisher, die illegale Herkunft nachgewiesen werden muss. 

Tatsächlich gleicht gerade der Kampf, den die Ermittler gegen die Aktivitäten der kriminellen Großclans führen, oftmals dem sprichwörtlichen Rennen zwischen Hase und Igel. Allein in Berlin gelten sieben bis acht arabische Großfamilien als hochproblematisch. Zum Teil umfassen diese Clans Tausende Mitglieder. Zudem sind Teile dieser Großclans auch auf den verschiedensten Kriminalitätsfeldern aktiv: vom Drogenhandel über Schutzgelderpressung, Zwangsprostitution, Raub, Diebstahl und Hehlerei bis hin zum Versicherungs- und Steuerbetrug. 

Hinzu kommt auch ein zeitlicher Vorsprung. Da die Clans zum Teil bereits in den 1980er Jahren nach Deutschland gekommen sind, hatten sie über Jahrzehnte Zeit, kriminelle Einkünfte in Grundstücke, Mietshäuser, Gastronomiebetriebe, Autovermietungen oder Shisha-Bars zu investieren und in den regulären Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. Derzeit beobachten Ermittler etwa die Entwicklung, dass Clangrößen in Berlin-Neukölln verstärkt auch Friseurgeschäfte und sogenannte Barber-Shops eröffnen. Die Beamten vermuten, dass diese Läden ebenfalls dazu benutzt werden, um kriminellen Schwarzgeldern einen legalen Anstrich zu verpassen. 


Silvester-Exzesse
Linke stellen in Berlin auf der Straße die Machtfrage
Gewalt eskaliert wie lange nicht – SPD-Chefin Esken laviert, Kubicki (FDP) gibt Politik eine Mitschuld
Frank Bücker

Sylvester entwickelt sich neben dem 1. Mai zunehmend zum Kampftag gewalttätiger Linksextremisten. Nicht nur im mittlerweile bundesweit berüchtigten  Leipziger Stadtteil Connewitz, sondern auch in Berlin. Vornehmlich im Stadtteil Kreuzberg kam es zum Jahreswechsel zu Angriffen auf Polizei und Feuerwehr. 

Attacke auf Journalisten-Auto

Linksextremisten zündeten in der Silvesternacht das Auto des „B.Z.“-Journalisten Gunnar Schupelius in der Wiesbadener Straße im Ortsteil Berlin-Wilmersdorf an. Er sei „als Stichwortgeber von Rassist*innen, Rechten und von Reaktionären auf allen Feldern“ tätig, hieß es in einem Bekennerschreiben. Unterzeichnet wurde das Schreiben von „Prinzessin Latte“ von den „Feministischen Autonomen Zellen“. Unter diesem Kampfnamen sind linke Gewalttäter schon anderswo in Deutschland in Erscheinung getreten. Schupelius’ Auto war bereits 2014 von Linksextremisten angezündet worden. 

In Berlin wurden auf Instagram Videos veröffentlicht, wie an der Graefe- und der Schönleinstraße in Kreuzberg Böller und Raketen quer über die Fahrbahn geschossen wurden. Auch anderswo wurden Passanten durch umherfliegende Pyrotechnik verletzt und Feuerwehr wie Polizei angegriffen. In der Hauptstadt waren in der Silvesternacht 2000 zusätzliche Polizisten im Einsatz. Karsten Homrighausen, Chef der Berliner Feuerwehr, zeigt sich erschüttert von der neuen Qualität der Übergriffe: „Was ich dort beobachte, das entsetzt mich auch.“ Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) beschreibt die Skrupellosigkeit, mit der die Gewalttäter vorgehen: „Fahrer von Rettungswagen werden angegriffen, und denen hält man dann eine Schreckschusspistole vor.“ 

Polizei wird von links kritisiert

Aus der Linkspartei wurden dessen ungeachtet Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Auch die neue SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken übte den vorsichtigen Schulterschluss mit der Linkspartei und kritisierte die Polizei. Nach erheblichem öffentlichem Druck relativierte Esken ihre Kritik an den Beamten allerdings. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, stellt indes fest: „Die linke Szene in Deutschland wird immer gewaltbereiter. Vor allem linke Internet-Blogs und alternative Medien-Seiten machen aus ihrem Wunsch zum gewaltsamen Widerstand gegen das politische System keinen Hehl mehr.“ 

Auch FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki wirft der Politik eine Mitverantwortung für das Erstarken linksextremer Strukturen vor: „Wenn politische Entscheidungsträger jahrelang linksextremistische Biotope und rechtsfreie Räume wie in der Rigaer Straße in Berlin und die Rote Flora in Hamburg dulden, tragen diese Parteien auch eine Mitschuld an der Verrohung dieser Auseinandersetzung.“



Kolumne
Denunziant an der Theke
Theo Maass

Deutschland erlebte 2019 eine Blütezeit für Denunzianten. In der Vorweihnachtszeit trugen Mitarbeiter der Edeka-Filiale in Kleinmachnow bei Berlin in der Fleischabteilung 

T-Shirts mit der Aufschrift: „Hart wie Stahl, zäh wie Leder – das sind die deutschen Fleischzerleger“. Noch 2013 hatte der Volksmusikant Heino den Spruch „Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie ein Windhund“ in einem Interview kultiviert. Nachdem ein Kunde sich in der Edeka-Zentrale über die T-Shirts beschwert hatte, weil der Spruch 1935 von Adolf Hitler benutzt worden war, mussten die Fleischereimitarbeiter ihre Hemden ausziehen. 

Edeka ließ mitteilen: „Wir haben Ihren Hinweis sehr ernst genommen, und die besagten T-Shirts wurden umgehend ausgetauscht.“ Was soll die Handelskette auch anderes machen? Schwer vorstellbar, dass es sich bei dem Beschwerdeführer um einen normalen Kunden gehandelt hat. Bei einer Nichtbefolgung des Hinweises hätte Edeka möglicherweise mit Anschlägen rechnen müssen, weil die Polizei in Brandenburg wenig gegen linke Gewalt unternimmt. 

Die Handelskette versucht, sich mit verbaler Beflissenheit aus der Schusslinie zu nehmen: Als Arbeitgeber halte sich Edeka an das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, dessen erster Paragraf besagt: „Ziel des Gesetzes ist es, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.“ Auf Nachfrage an der Fleischtheke erklärte der Metzger, dass er nicht verstehe, warum um das Zitat auf den Hemden so viel Wirbel gemacht werde. Befragte Kunden sehen das genauso. Die Antifa kauft offenbar woanders ein.

Meldung

Schwarzbau im Garten

Neuköllns Baustadtrat Jochen Biedermann (Grüne) hat Medienberichte bestätigt, denen zufolge auf dem Grundstück eines stadtbekannten arabischen Clan-Chefs im Jahr 2018 ein Gebäude ohne Baugenehmigung errichtet wurde. Dabei geht es um einen Flachbau im Garten einer rund 500 Quadratmeter großen Parzelle in Alt-Buckow. Die historische Villa auf dem Grundstück wird als Stammsitz des Clans mit mehr als 500 Angehörigen bezeichnet. Nach Angaben des Bezirksamts ist der Flachbau bereits seit 2018 bekannt. Ein reguläres Verwaltungsverfahren scheint allerdings erst jetzt, rund eineinhalb Jahre nach Errichtung des Schwarzbaus, in Gang zu kommen. Biedermann erklärt die Verzögerung mit Personalmangel bei der Bau- und Wohnungsaufsicht. Die CDU-Fraktion in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung fordert demgegenüber, gerade gegenüber „Clan-Chefs, die ihre Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien offen zur Schau stellen, muss in solchen Fällen entschieden vorgegangen werden“. N.H.

S. 6 Ausland

Kolonialarchitektur
Gouverneurspalast in neuem Glanz
In der einstigen deutschen Kolonie Togo wurde ein Kunst- und Kulturzentrum eröffnet
Bodo Bost

Der Gouverneurspalast von Lomé in Togo wurde von 1898 bis 1905 unter der technischen Leitung des deutschen Ingenieurs Furtkamp erbaut, nachdem Gouverneur August Köhler, der Lomé als Hauptstadt der deutschen Kolonie Togo errichtete, beschlossen hatte, einen Palast zu errichten. Bauplan und Ort für den Palast entstammten den Ideen Köhlers, dessen Nachfolger Waldemar Horn (1902–1904) und Graf von Zech (1904–1905) die Koordinierung der Bauarbeiten weiter übernahmen. Die Bauarbeiten führte im September 1905 der deutsche Architekt Ernst Schmidt zu Ende. 

Stolz der deutschen Kolonie

Der Palast in der Nähe des Meeres sollte noch von vielen Kilometern Entfernung vom Meer aus sichtbar sein und Eindruck erwecken. Das Gebäude ist ein wahres Meisterwerk der „funktionalen Form“. Es war in einer Zeit der Suche nach Prestige und Machtdemonstration der ganze Stolz der deutschen Kolonie.

Der Gouverneurspalast passte zur „deutschen Musterkolonie“, die Togo zu der Zeit war. Togo war zwar die kleinste deutsche Kolonie in Afrika, aber auch die einzige, die wirtschaftlich für die Kolonialherren rentabel war. 

Für den Bau griffen die deutschen Erbauer auf eine clevere Kombination aus heimischen Materialien, importierten Materialien und deutscher Technologie zurück. Gebrannte rote Ziegel, Eisen- und Stahlstangen, Zement, Massivholzbretter, Platten und Wellbleche sind die Hauptbauelemente dieser Struktur. 

Das Gebäude wird von zwei „Kronen“ überragt, von denen eine „männlich“ und mit der Kaiserflagge in Richtung Meer und die andere „weiblich“ und auf die Stadt und das „Hinterland“ gerichtet ist. Ein Symbol für den Dualismus einer abschreckenden Präsenz auf der einen, und Prestige, Majestät oder Kaisertum auf der anderen Seite, die beide in diesem Gebäude zugewiesenen Funktionen vereinte. Das Gebäude enthält eine große Terrasse, und umfasste auch eine strategische „Untergrundbahn“ als Fluchtmöglichkeit bei eventuellen Aufständen. 

In der Blütezeit war der Haupteingang des Gebäudes mit zwei beeindruckenden Elefantenstoßzähnen aus Togo verziert, die jeweils mehr als zwei Meter hoch waren. Im Erdgeschoss befanden sich Büros, während sich die Wohnungen des Gouverneurs vom Errichtungsdatum bis 1914 im ersten Stock befanden. 

Umgestaltung durch Franzosen

Nach dem Verlust der Kolonie fanden einige Umgestaltungen statt: In der französischen Ära wurde der Verandaboden mit Holz veredelt. Das Innere des Gebäudes wurde renoviert, aber einige Zimmer haben ihren ursprünglichen Zustand beibehalten. Eine Reihe von Nebengebäuden wurde seinerzeit von den Franzosen gebaut. 

Der Palast diente nach der Unabhängigkeit Togos 1960 bis 1970 auch als Sitz des Staatspräsidenten, von 1976 bis 1991 wurde er in einen Palast für hohe Staatsgäste umfunktioniert. 1983 wohnte der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß während eines Staatsbesuchs bei Präsident Eyadema in dem Gebäude. Beide wollten aus der einstigen „Musterkolonie“ wieder ein „Musterland“ machen. Das Projekt scheiterte nach dem versuchten Staatsstreich gegen die Eyadema-Familie 1990/91, bei dem auch um das Gebäude gekämpft wurde. Die Eyadema-Familie hält noch immer die Zügel der Macht in Togo. 

Das Gebäude steht in der Mitte eines riesigen Parks im Stadtzentrum. Die Stadt um den Palast herum hatte zur deutschen Zeit etwa 5000 Einwohner, davon 300 Deutsche, heute leben in Lomé 1,7 Millionen Menschen, doppelt so viele wie damals in der ganzen deutschen Kolonie.

Der ehemalige Gouverneurspalast von Lomé erstrahlt nach fünfjähriger Umbauphase in neuem Glanz. Er wurde in ein Kunst- und Kulturzentrum, das internationalen Standards gerecht wird, umgewandelt. Er erhielt neben Ausstellungsräumen für Kunst und Kultur auch Galerien und Restaurants, jetzt wurde er wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 

Der Umbau kostete den togolesischen Staat umgerechnet 3,6 Millionen Euro. Die Renovierung wurde von einer internationalen Architektengruppe geplant und die Projektleitung zehn togolesischen Unternehmen übertragen. 

Kuratoren der ersten Ausstellungen über togolesische Volkskunst, zu der auch die geheimnisumwobenen tanzenden Masken gehören, und Geschichte, zu der die koloniale deutsche Vergangenheit zählt, sind Bernard Müller („Togo der Könige“) und Sandra Agbessi („Hommage an Kossi Aguessy, Designer“).

Koalitionsvertrag in Österreich
In Wien beginnt das Schwarz-Grün-Experiment
Geringe inhaltliche Schnittmenge zwischen den künftigen Partnern lässt fragile Regierung erwarten
Michael Link

Mit der Zustimmung zum Koalitionsvertrag durch die Parteivorstände und -kongresse am ersten Januarwochenende steht Österreich unmittelbar vor der ersten schwarz-grünen Koalition in der 75-jährigen Geschichte der Republik.

Groß scheint die Herausforderung nach den sechswöchigen Koalitionsverhandlungen, zumal die inhaltliche Schnittmenge zwischen den beiden Parteien eher bescheiden ist. Sowohl die Volkspartei (ÖVP) als auch die Grünen hatten während den Verhandlungen betont, dass es zwischen ihnen große Unterschiede gebe und entsprechend hohe Hürden auf dem Weg zu einem Bündnis überwunden werden müssten. Während die ÖVP die Politik einer strikten Beschränkung der Zuwanderung verfolgt, treten die Grünen nach wie vor für offene Grenzen ein. Auch bei wirtschafts- und umweltpolitischen Themen wie der Öko-Steuer bestehen erhebliche Differenzen zwischen den Koalitionspartnern.

Der künftige Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) konnte in seinen Bestrebungen einer Steuerentlastung und der Beibehaltung einer konsequenten Zuwanderungsbeschränkung den Grünen starke Zugeständnisse abringen, hingegen konnten die Grünen in den Bereichen Klimaschutz, Transparenz, Kontrolle und Informationsfreiheit einige ihrer Forderungen in das Regierungsprogramm einbringen.

Allerdings sollen auch zahlreiche Vorhaben, die schon in der vorangegangenen Koalition mit den Freiheitlichen (FPÖ) geplant waren, umgesetzt werden. Dazu zählen ein Kopftuchverbot an Schulen für Mädchen bis 14 Jahre sowie eine Sicherungshaft für Gefährder. Letzteres fußt auf einem Vorschlag des früheren freiheitlichen Innenministers Herbert Kickl, was Kogler jetzt als mit dem Europarecht vereinbar verteidigt.

Ohne den Willen zu einem ständigen Spagat, mit dem auch die jeweilige Parteibasis gut leben kann, wird die Fragilität dieser Regierung wohl nicht vermindert werden können. Inhaltlich einfacher war es zwischen ÖVP und FPÖ, jedoch ist diese Regierung infolge der Veröffentlichung des „Ibiza-Videos“ und des darauf folgenden Rücktritts des ehemaligen FPÖ-Chefs und Vizekanzlers Heinz-Christian Strache zerbrochen. Bei den Neuwahlen im September konnten ÖVP und Grüne deutliche Gewinne verbuchen, während die sozialdemokratische SPÖ und die FPÖ erhebliche Verluste einfuhren. 

Meldungen

Studenten statt Gelbwesten

Paris – Die Gelbwesten-Bewegung spielt in Frankreich kaum noch eine Rolle. Seit einigen Wochen gehen dafür die Studenten auf die Straße – und auch auf die Barrikaden. Auslöser ist der Tod eines 22-jährigen Studenten. Um gegen die soziale Unsicherheit zu demonstrieren, zündete er sich in Lyon selbst an. Der Mann hatte kurz zuvor sein Stipendium verloren. In zwei Anläufen war es ihm nicht gelungen, das zweite Jahr erfolgreich zu absolvieren, beim dritten Versuch wurde ihm das französische Bafög-Pendant gestrichen. Seitdem gehen Studenten unter dem Schlagwort „soziale Unsicherheit tötet“ auf die Straße. Es kam teilweise zu heftigen Ausschreitungen. Der frühere sozialistische Präsident François Hollande wurde kürzlich an einer Lesung gehindert. Studenten beschimpften ihn als „Mörder“ und zerrissen Seiten aus seinem neuen Buch.P.E.





Sanktionen helfen Ukraine

Kiew/Moskau – Die im letzten Moment, kurz vor Ablauf des bestehenden Gasvertrags zwischen der Ukraine und Russland zum Jahresende geschlossene Einigung im Gasstreit sei ein Kompromiss, der getroffen werden musste, sagte der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij. Die Ukraine profitiert von den US-Sanktionen gegen Nord Stream 2, sichern sie ihr doch die Bedeutung als Transitland für russisches Gas in den kommenden Jahren. Für den russischen Gaskonzern Gazprom bleibt die Ukraine wichtigstes Verbindungsglied für die Gaslieferungen nach Europa. Der neue Vertrag sieht vor, dass in diesem Jahr die Mindestmenge von 65 Milliarden Kubikmeter Gas durch die Ukraine geleitet wird und bis 2024 jeweils 40 Milliarden Kubikmeter. Das ist zwar im Vergleich zu den bisher genutzten Kapazitäten von zirka 90 Milliarden Kubikmetern ein deutlicher Rückgang, Kiew rechnet aber mit deutlich höheren tatsächlichen Zahlen, solange Nord Stream 2 nicht in Betrieb gehen kann. Für die finanzschwache Ukraine sind die Transitgebühren eine wichtige Einnahmequelle.MRK





Mehr Ausländer in Polen

Warschau – In Polen arbeiten mehr als eine Million Ausländer. Die meisten sind Bürger der Ukraine. Der Vizedirektor der Analyse-Abteilung der Staatsbank sagte: „Die Spannung auf dem Arbeitsmarkt wird in hohem Maße durch den Zuzug von Migranten gemildert. Zurzeit haben wir etwa 900 000 Arbeitsmigranten allein aus der Ukraine. Dazu kommen die aus anderen Ländern, unter anderem aus Weißrussland.“  Bei der Ermittlung der exakten Zahl der ausländischen Arbeitskräfte werden die Zahl der ausgestellten Arbeitsgenehmigungen, die sogenannte Polenkarte, die Erlaubnis zum ständigen oder vorübergehenden Aufenthalt in Polen sowie die Zahl der Ausländer, die bei der Rentenversicherung angemeldet sind, herangezogen. Schätzungen zufolge arbeiten ukrainische und weißrussische Bürger durchschnittlich sieben Monate in polnischen Unternehmen. PAZ

S. 7 Wirtschaft

Wirtschaftsprognose
Trotz lahmender Konjunktur soll die Zahl der Arbeitsplätze weiter steigen
Optimisten setzen auf die Digitalisierung, eine Erholung der Automobilindustrie und eine Entlastung des Arbeitsmarkts durch das beginnende Ausscheiden der Baby-Boomer
Peter Entinger

Im vergangenen Jahr mehrten sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Eintrübung in der Bundesrepublik. Dennoch gibt es nun Analysen, die davon ausgehen, dass 2020 Hunderttausende neue Arbeitsplätze entstehen konnten, wenn auch in einem geringeren Tempo als bisher. Während im vergangenen Jahr noch 450 000 neue Stellen entstanden seien, prognostiziert die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) für das Jahr 2020 nur noch rund 200 000 neue Arbeitsplätze. Die schwierige Wirtschaftslage dämpfe demnach das Stellenwachstum. Für Unsicherheit sorgen vor allem die internationalen Handelskonflikte, die schwächelnde chinesische Konjunktur und technologische Umbrüche. Unternehmen zögern daher laut Ernst & Young beim Stellenausbau: „Sie warten ab, wie sich die Nachfrage entwickelt.“

Marcel Fratzscher, der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), zeichnete ein differenziertes Bild zum Jahrewechsel: „Die Wolken sind noch da. Es sind viele dunkle Wolken am Horizont. Die Frage ist, ob sie Richtung Deutschland ziehen oder einen Umweg machen. Es gibt durchaus Grund für Optimismus. Deutschland hat ein großes wirtschaftliches Potenzial. Es gibt keinen Grund, Deutschland schlechtzureden. Wir haben eine hoch wettbewerbsfähige Wirtschaft. Tolle Exportunternehmen, die im globalen Wettbewerb bestehen. Wir haben einen hervorragenden Arbeitsmarkt“, sagte er zum Jahreswechsel. Deutschland habe nach wie vor große Potenziale, so könnten 150 000 Arbeitsplätze entstehen. 

Allerdings gebe es auch große Risiken, die vor allem außenpolitischer Natur seien. „Viele unterschätzen, dass sich Donald Trump Deutschland und Europa doch noch vorknöpft. Ich befürchte, das wird 2020 kommen, weil in den USA gewählt wird. Weil Trump politische Motive hat. Wirtschaftliche Motive sind es nicht. Dann würde man ja realisieren, dass Handelskonflikte keine Gewinner haben, sondern nur Verlierer. Außerdem der Brexit. Nach den Wahlen in Großbritannien scheint der Brexit nun Ende Januar zu kommen. Wie er sich auswirken wird, wissen wir nicht. 

200 000 neue Arbeitslätze 2020

Deutschland wird davon nichts gewinnen, nur verlieren. Die Frage ist wie viel. Wir haben auch mit China ein großes Fragezeichen und mit Italien einen Wackelkandidaten in der Eurozone.“

Doch bereits jetzt gibt es vom Arbeitsmarkt nicht nur positive Nachrichten. Erstmals seit 2013 ist die Arbeitslosigkeit im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen gestiegen – und zwar um 18 000 gegenüber Dezember 2018. 

Die EY-Forscher gehen davon aus, dass durch die Digitalisierung neue Arbeitsplätze geschaffen werden, auch die Autoindustrie werde sich erholen, sollte sie den Wettbewerb um die E-Mobilität annehmen. Dass es in der Bundesrepublik in absehbarer Zeit zu keinen großen Problemen auf dem Arbeitsmarkt kommen wird, hat aber noch einen anderen Grund. Die Zeit der Baby-Boomer-Generation läuft ab. „Das nun zu Ende gegangene Jahr wird das letzte gewesen sein, in dem das Arbeitskräftepotenzial noch einmal kräftig gewachsen ist“, sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), „bereits im Jahr 2020 wird es nur noch um einige Zehntausend zunehmen“.

Illegale Waldabholzung
Das Brasilien der Europäischen Union
Die EU kritisiert gerne Jair Bolsonaro, aber ihr Mitglied Rumänien ist kaum besser
Bodo Bost

Rumänien verfügt über einige der letzten großen zusammenhängenden Urwaldgebiete auf dem europäischen Kontinent, und die sollen beim sogenannten Klimaschutz eine große Rolle spielen. Als im Sommer im südamerikanischen Brasilien die Urwälder brannten, regten sich vor allem die klimasensiblen Europäer auf und meinten gleich im angeblichen rechten Populismus des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro den Hauptschuldigen gefunden zu haben. Bolsonaro wehrte sich und empfahl den Europäern, erst einmal vor der eigenen Tür zu kehren. Denn auch in der EU werden illegal, aber mit der Duldung von korrupten Verwaltungen riesige Urwaldgebiete abgeholzt. 

Vor allem die Urwälder Rumäniens in den Karpaten sind das Ziel einer immer stärker werdenden EU-Holzmafia, die selbst vor Gewalt gegen Waldschützer nicht zurückschreckt, ähnlich wie in Brasilien. Sieben Förster und Waldarbeiter wurden in den letzten Jahren in Rumänien ermordet, zwei davon allein im Herbst 2019. Sie hatten Holzdiebe auf frischer Tat ertappt. 

Systematische Abholzung

Die grausamen Morde an den beiden Förstern erschütterten die rumänische Öffentlichkeit. Medien berichteten fast täglich von der „Holzmafia“ und deren Verbrechen. In der Hauptstadt Bukarest demonstrieren seit Monaten Hunderte Forstangestellte mit Kreuzen und Särgen, welche die Namen toter Kollegen tragen, und fordern einen besseren Schutz. 650 Fälle von Gewalt gegen Forstangestellte während ihrer Berufsausübung sind dokumentiert, sieben davon endeten tödlich. Das ist ein Rekord in Europa. Holzdiebstahl hat es in den Karpaten schon immer gegeben, wie die Wilderei. Aber was jetzt dort passiert, hat eine andere Dimension. Seit Jahren werden in Rumänien die einst ausgedehnten Wälder systematisch abgeholzt. Der Holzhandel ist ein Milliardengeschäft. 

Die große Nachfrage nach rumänischem Holz kommt vor allem aus dem EU-Ausland. Rumänien ist einer der größten Holzexporteure in Europa geworden. Vor allem österreichische Holzkonzerne haben in Rumänien Werke mit großen Verarbeitungskapazitäten errichtet. Aber auch die Bundesrepublik zählt zu den Abnehmern ihrer Produkte, und für den schwedischen Möbelgiganten Ikea ist Rumänien ein wichtiger Rohstofflieferant geworden. 

Starke Nachfrage aus Österreich

In der rumänischen Holzindustrie spielt vor allem die Unternehmensgruppe von Gerald Schweighofer mit ihren Verästelungen und Stiftungen eine zentrale Rolle. Auffallend ist, dass die Kapazitäten ihrer Produktionsstätten mit dem Holz, das in Rumänien auf legalem Weg eingeschlagen werden kann, allein nicht mehr ausgelastet werden können.

Deutsche Bahn
Trübe Aussichten

Die Deutsche Bahn hat im abgelaufenen Jahr Negativ-Schlagzeilen am laufenden Band produziert. Die Konzernspitze gelobte Besserung. Doch diese ist nicht in Sicht. Fast ein Drittel aller Züge kam 2019 später als angekündigt ins Ziel. Mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm soll nun Abhilfe geschaffen werden. Zwischen 2020 und 2029 soll eine von 39 auf 137 erweiterte Flotte von schnellen ICE im Halbstundentakt zwischen den Metropolen verkehren. 

Die Fernverbindungen in entlegenere Gegenden der Republik sollen nach Jahren der Stilllegungen wieder ausgebaut werden. Überwacht werden soll der Verkehr von digitalen Stellwerken, die teils mehr als 100 Jahre alte Vorgänger ersetzen sollen. Zudem soll das marode Schienennetz saniert werden, und Hunderte Brücken sollen neu gebaut werden. Doch dies wird neue Probleme mit sich bringen, weitere Verspätungen scheinen programmiert. Insgesamt stellt allein der Bund dafür mindestens 86 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet bereits von Expertenwarnungen, dass so viel Geld Glücksritter anlocke und die Preise in die Höhe treibe.

Auch intern gibt es Probleme. Viele Bahnhöfe sind in die Jahre gekommen, der Konzern hat kräftig Personal abgebaut, was dazu führt, dass die Serviceleistungen an Bord zurückgegangen sind. Nun soll der Komfort Schritt für Schritt ausgebaut werden. So will die Bahn im Laufe des Jahres 2020 ihr WLAN-Angebot für Reisende im Fernverkehr deutlich verbessern. „Wir wollen unseren Kunden nahtloses Surfen ermöglichen – in den Zügen und an den Bahnhöfen“, teilte Digital-Vorstand Sabina Jeschke der Deutschen Presse-Agentur mit. Das Projekt ist demnach eines der zentralen Digitalisierungsvorhaben, in die der bundeseigene Konzern in den kommenden vier Jahren rund zwei Milliarden Euro investieren will. Doch attraktiver und billiger wird das Bahnfahren damit nicht unbedingt. 

Nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen ist Bus- und Bahnfahren im Nahverkehr 2019 im Schnitt 1,75 Prozent teurer geworden. Seit Anfang dieses Jahres gilt wie im Nahverkehr die reduzierte Mehrwertsteuer von sieben Prozent für Fernverkehrstickets, womit nun auch Fernreisen billiger werden.P.E.

S. 8 Forum

Kommentar
Zuckerbrot und Peitsche
Erik Lommatzsch

Wie heißt die klassische Formel, wenn das uneinsichtige Volk gefügig gemacht werden soll, natürlich nur in seinem eigenen Interesse? Zuckerbrot und Peitsche. Die Peitsche gab es beim Komplex „Klimaschutz und Energiewende“ bereits reichlich. Beschlossen wurde eine „Kohlenstoffsteuer“, ab Januar 2021 sind 25 Euro pro Tonne CO2 fällig. Bis 2025 wird der Preis auf 55 Euro erhöht, für 2026 ist ein „Korridor“ von mindestens 55, höchstens 65 Euro vorgesehen. Diese „Abgabe“ trifft ausnahmslos alle. Auch diejenigen, die, abgesehen vom eigenen Atem, persönlich keinen CO2-Ausstoß verursachen. 

Das scheint bislang in der Breite noch nicht so recht durchgedrungen zu sein – was sich spätestens mit satten Preiserhöhungen zu Beginn des nächsten Jahres ändern dürfte. Aber die deutsche „Klimaneutralität“, die die Bundesregierung für den Fortbestand der Welt für unabdingbar hält, scheint die großen materiellen Opfer zu rechtfertigen, die von der Bevölkerung abkassiert werden. Nennenswerte Gegenbewegungen sind momentan jedenfalls nicht erkennbar. Viel zu selten steht die Frage nach dem Sinn des Ganzen. Suggeriert wird, dass die „Abgabe“ der Umwelt zugutekomme. Allerdings ist auch das mittels Kabinettsbeschluss „bepreiste“ CO2 nicht „sauberer“. 

Wie wenig es wirklich um die Vermeidung des CO2-Ausstoßes geht, der ja angeblich die finanzielle Belastung der Verursacher dienen soll, ist an der politischen Entscheidung erkennbar, das Kernkraftwerk Philippsburg II zum Jahresende 2019 abzuschalten. Der Ausfall der CO2-freien Stromerzeugung muss nun anderweitig kompensiert werden – erzeugt oder im Ausland gekauft. „Klimaneutrale“ Technologien spielen dabei eine eher geringe Rolle. Zu erwarten ist zudem ein Ausgleich über jenseits der deutschen Grenzen erzeugten Atomstrom. Auch über diese Widersprüche hält sich die öffentliche Aufregung in äußerst engem Rahmen.

Nicht ganz so gelassen wurde eine neuerliche Propagandapeitsche zur „Klimapolitik“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hingenommen. In einem vom WDR initiierten Lied titulierten fröhlich feixende Mädchen ihre Oma als „alte Umweltsau“. Die Formulierung spricht Bände über Niveau und familiären Umgangston in dem Sender. Zwar gestand Intendant Tom Buhrow ein, dass der Beitrag ein Fehler gewesen ist. Doch forderten einige Redakteure in seinem Haus sogleich, eine Verteidigungsposition gegen „Rechts“ zu beziehen – denn nur von dort kann nach ihren Vorstellungen Kritik an der Arbeit des Senders kommen. Das Lied sollte nachträglich verharmlost werden, indem es kurzerhand zur „Satire“ erklärt wurde. Fremdwörter scheinen nicht die Stärke des WDR zu sein. Hätte es sich bei dem Lied tatsächlich um eine Satire gehandelt, dann hätten dessen Urheber das hysterisch-überzogene Klimageschrei von Kindern und Jugendlichen angeprangert und folglich die Position der von ihnen eigentlich bekämpften „Klimaleugner“ eingenommen. 

Die vergleichsweise großflächigen Unmutsbekundungen gegen die plumpe Bildschirmagitation sind nicht die einzige Regung, die erkennen lässt, dass die „Klimapolitik“ nicht völlig willfährig oder gar begeistert hingenommen wird. Seitens der Regierung soll jetzt neben der Peitsche auch das Zuckerbrot zum Einsatz kommen. Die nicht ohne Grund auch gern als „Storchenschredder“ bezeichneten Windräder, deren Nutzen für das Projekt „Klimaneutralität“ ohnehin als äußerst begrenzt gilt, erfreuen sich bei denjenigen, die sie in ihrer Nachbarschaft ertragen müssen, keiner allzu großen Beliebtheit. Es kam zu entsprechenden Initiativen. SPD-Bundestagsfraktionsvize Matthias Miersch ließ nun verlauten, man müsse „direkte finanzielle Anreize für Bürger schaffen, die in solchen Gebieten leben“. Der Staat, der zwar bisher nur in geringem Ausmaß, aber doch merklich damit konfrontiert wird, dass die Akzeptanz der Bevölkerung nicht unendlich ist, betritt das Feld der Korruption, in diesem Fall durch das geplante „Windbürgergeld“. Zur Absicherung und um zu verhindern, dass lästige Anwohner doch noch auf dumme Ideen kommen, soll nach SPD-Vorstellungen jedoch zugleich die Möglichkeit eingeschränkt werden, Windräder auf dem Klageweg zu verhindern.

Im Großen und Ganzen funktioniert die Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode bei der Durchsetzung der unsinnigen „Energiewende“ bislang ganz gut. Ob es so bleibt, wenn die Auswirkungen für jeden Einzelnen spürbar werden, wird sich zeigen.

Leitartikel
Die Gewalt der Anderen
René Nehring

Anfang des Jahres zeigte die Debatte um linksautonome Gewalt im Leipziger Stadtteil Connewitz, wie schnell heutzutage Themen in eine andere Richtung „geframed“ werden, wenn sie von der falschen Seite kommen.

Dabei waren die Tatumstände klar: In der Silvesternacht hatten Autonome in Connewitz so massiv auf den Körper und Kopf eines Polizisten eingeprügelt, dass dieser in die Notaufnahme eines Krankenhauses musste. Da durch die massiven Einwirkungen der Tod des 38-Jährigen billigend in Kauf genommen wurde und niedere Beweggründe vorliegen, weil der Beamte in seiner Eigenschaft als Polizist attackiert worden ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes. So weit, so erschütternd.

Wer nun eine Debatte über linksextreme Gewalt im Lande erwartet hatte, sah sich schnell enttäuscht. Vielmehr erhoben Politiker von Mitte-links bis linksaußen schwere Vorwürfe gegen die Polizei. So spekulierte die einstige Grünen-Vorsitzende Jutta Ditfurth auf Twitter ohne jeden Beleg darüber, „dass in Connewitz ein Exempel statuiert werden sollte und Polizeieinheiten mit hohem rechten Anteil ein antifaschistisches Stadtviertel niederwerfen wollten“. Die Linke-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel schrieb: „Ekelhafte Polizeigewalt, überrennen Unbeteiligter, wirre Einsatzmanöver, kalkulierte Provokation.“ Und auch die neue SPD-Vorsitzende Saskia Esken forderte lediglich: „Im Sinne der Polizeibeamten muss jetzt schnell geklärt werden, ob die Einsatztaktik angemessen war.“ 

Bei derlei Argumentationen muss man erst einmal innehalten. Obwohl von keinem einzigen verletzten Autonomen die Rede war (noch nicht einmal die Linksradikalen behaupteten, dass es welche gegeben hätte), faselten hier prominente Linke und Grüne von „ekelhafter Polizeigewalt“ etc. Zwar relativierte die SPD-Vorsitzende ihre Vorwürfe nach Protesten, und versicherte, dass es ihr nicht darum gegangen sei, Polizeibeamte in ihrem Handeln zu kritisieren; gleichwohl wollte auch sie weiterhin über die richtige Einsatzstrategie sprechen. 

Das alles aus einem politischen Lager, das sonst nicht müde wird, den Behörden bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorzuwerfen, auf einem Auge blind zu sein. Warum dann kein einziges Wort der Kritik am Verhalten der Leipziger Autonomen? Warum wird nicht über deren anmaßenden Anspruch diskutiert, in ihrem Viertel keine „Bullen“ dulden zu wollen? Warum gibt es noch nicht einmal den Hauch eines Aufrufs zur Mäßigung an die linken Randalierer, die den Rechtsstaat auf gleiche Weise herausfordern wie andernorts Skinheads oder Hooligans? 

Von der sozialistischen Vordenkerin Rosa Luxemburg stammt der Spruch: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“ Ihre Nachfahren von heute agieren nach dem Motto „Gewalt ist immer die Gewalt der Andersdenkenden“. Und die Gewalt der eigenen Leute ist eben – einfach keine Gewalt. Den Bürgern dieses Landes ist jedoch herzlich egal, wer da gerade mit welcher Begründung versucht, die öffentliche Ordnung zu stören. Sie wollen in Ruhe und Sicherheit leben. Dafür zahlen sie Steuern – und dafür bezahlen sie im Übrigen auch die Diäten ihrer politischen Amtsträger. 

Dem Ansehen der Polizei können die physischen und medialen Attacken von links ohnehin nichts anhaben. Erst im November 2019 veröffentlichte das Portal „statista.com“ neue Zahlen zum Vertrauen der Deutschen in öffentliche Einrichtungen und Institutionen. Die Polizei kam dabei mit 83 Prozent „großem“ oder „sehr großem Vertrauen“ mit Abstand an erster Stelle. Wenn die gewalttätigen Autonomen in Connewitz, aber auch die Grünen, Post-Kommunisten und linke Sozialdemokraten Probleme mit diesen Vertretern des Staates haben, dann sagt das mehr über sie aus als über die Polizei. 

Für die Bürger dieses Landes ist ohnehin klar, auf wessen Seite sie stehen. 


Porträt
Seid verschlungen Millionen
Harald Tews

Dieses Jahr werden die Ohren wehtun von der ständigen Wiederholung eines Klassikerhits. Allerorten droht die Gefahr, dass „Freude, schöner Götterfunken“ von Europa-beseelten Musikern zu jeder Gelegenheit aufgelegt wird. Anlass ist der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens, der in diesem Jahr gefeiert wird. Und damit werden sich die EU-Verfechter in Stellung bringen. Denn Beethovens Vertonung von Schillers mittelmäßigem Gedicht „An die Freude“ im Schlusssatz der 9. Sinfonie ist seit 1972 Europahymne.

Es fehlt nicht viel, und Beethoven wird posthum zum „überzeugten Europäer“ gekürt. Dabei dürfte der Komponist, der am 17. Dezember 1770 in Bonn geboren wurde, für die EU-Enthusiasten ein wenig zu rebellisch gewesen sein. In seinen Ansichten, seinem Verhalten und seiner Musik war er revolutionär. Er begrüßte die Französische Revolution, klappte mitten im Spiel zornig den Klavierdeckel zu, wenn die vornehme Gesellschaft ihm nicht zuhörte, und maßregelte Goethe, als dieser bei einem gemeinsamen Spaziergang einer Schar Adeliger auswich, während Beethoven mitten hindurchschritt.

Der Jubilar war ebenso kompromisslos in der Musik. Als er erfuhr, dass sich Napoleon zum Kaiser gekürt hatte, taufte er die Bonaparte gewidmete 3. Sinfonie in „Eroica“ um. Und Beethoven war der Erste, der menschlichen Gesang in einer Sinfonie einführte: in seiner neunten und letzten. „Seid umschlungen Millionen!“, lässt er dort den Chor singen. Der Wüterich aus Bonn, der 1827 völlig taub und vermutlich infolge einer Bleivergiftung in Wien starb, würde heute den Text mit einem Seitenhieb auf die EU-Finanzjongleure wohl wütend umschreiben: Seid verschlungen Millionen!

S. 9 Kultur

Protest auf offener Bühne
Macrons einstige Unterstützer jetzt in Opposition – In Frankreich schloss sich die Kulturszene dem Massenstreik im Lande an
Eva-Maria Michels

Allons enfants de la Patrie ...“ festlich und mit Orchestermusik unterlegt erklang die französische Nationalhymne, als der Protestzug der Gewerkschaften gegen die Rentenreform von Macrons  Regierung am 17. Dezember 2019 an der Pariser Bastille-Oper vorbeizog. Nicht nur die Pariser Metro und der landesweite Zugverkehr liegen seit dem 5. Dezember weitestgehend still, auch die Pariser Oper und die Comédie Française werden bestreikt, weil die Regierung die 42 Sonderregelungen abschaffen und durch eine Einheitsrente nach Punkten in staatlicher Hand ersetzen will. Alleine in der ersten Woche verlor die Pariser Oper durch den Streik 2,5 Millionen Euro an Einnahmen.

Denn das, was für die Regierung „Privilegien“ sind, die abgeschafft gehören, sind für die Angestellten der Pariser Oper „Rechte“. Ihr Rentensystem geht auf die Zeit Ludwigs XIV. zurück und soll das Leben der Künstler erleichtern. Es gilt nur für die Angestellten der beiden Pariser Opernhäuser Bastille und Garnier sowie für die Comédie Française. Alle anderen Angestellten im Kulturbereich, ob in Paris oder der Provinz, zahlen seit jeher in die allgemeine Rentenkasse ein, obwohl sie im Alltag ähnliche Arbeitsbedingungen haben wie an der Pariser Oper.

Ende 2017 zahlten 1900 Aktive in die Rentenkasse des Sondersystems ein, während 1800 Personen ihre Rente aus der Kasse bezogen. Der Staat finanziert diese Sonderregelungen zu 52 Prozent, während die Beitragszahlungen der Angestellten nur 45 Prozent ausmachen. Drei Prozent stammen aus weiteren Quellen. Konkret bedeutet dies, dass der Staat, der die Pariser Oper mit jährlich zirka 95 Millionen Euro subventioniert, der Institution noch jährlich weitere 14 Millionen Euro an Rentengeldern bezahlt.

Den Angestellten der Pariser Oper bringt die Sonderregelung Vorteile beim Eintritt ins Rentenalter, die jedoch zugleich der Realität der Berufsausübungsmöglichkeiten entsprechen: Die Tänzer können mit 42 Jahren in Rente gehen, die Chorsänger mit 50 (ihr Renteneintrittsalter erhöht sich jedoch progressiv bis 2029 auf 57 Jahre), das technische Personal im Falle von starker Ermüdung mit 55 Jahren (wobei sich auch ihr Renteneintrittsalter bis 2029 progressiv auf 62 Jahre erhöht), Orchestermusiker, Begleitpianisten und Vorsänger mit 60 Jahren. Alle anderen gehen schon heute mit 62 Jahren in Rente, so wie es die allgemeinen Rentenkassen vorsehen.

Mit der Rentenreform wird sich insbesondere der Beitragssatz zur Rentenkasse für die Angestellten der Pariser Oper ändern: Heute liegt er bei 18,46 Prozent, nach der Rentenreform wird er sich auf 28,12 Prozent belaufen, wenn sich der Beitragssatz von 2019 wegen der negativen demografischen Entwicklung in Frankreich nicht weiter erhöht.

Bei der Rentenreform geht es jedoch nicht nur um Geld. Sie stellt die gesamte Ausbildung einer französischen Tanzelite in Frage. Bisher fördert die Staatliche Ballettschule der Pariser Oper vielversprechende Nachwuchstänzer ab dem Alter von acht Jahren. Die Tänzerin Héloïse Jocqueviel, 23, berichtet: „Ich habe meine Familie deswegen verlassen und neun Jahre lang Sport auf höchstem Niveau mit täglich mindestens fünf Stunden Training gemacht. Seit meinem 17. Lebensjahr bin ich professionelle Tänzerin und tanze täglich von 9 bis 23 Uhr. Es war vorgesehen, dass ich mit 42 eine Pension bekommen würde, mit der ich mir etwas Neues im Leben aufbauen oder wenigstens meinen Lebensstandard halten könnte. Dieses Modell wird jetzt in Frage gestellt.“

Ihr College Alexandre Carniato, der seit 20 Jahren an der Oper tanzt, fügt hinzu: „Viele Tänzer werden die Pariser Oper verlassen, denn anderswo können sie mehr verdienen. Das Rentensystem war bisher der Hauptanreiz, um hervorragende Künstler anzuziehen. Ohne dies werden sie ausbleiben. Damit wird das Niveau an der Oper sinken und die Zuschauerzahlen zurückgehen. Gegenwärtig haben wir eine 92-prozentige Auslastung. Das ist enorm in der Branche.“ Bis zum gesetzlichen Rentenalter zu tanzen sei illusorisch: „Schon mit 17 haben viele von uns chronische Verletzungen. 20 Jahre an der Oper sind Synonym für vorzeitige Arthrose, Brüche aufgrund von Ermüdung und so weiter“, erklärt Héloise.

Auch die Musiker des Orchesters sorgen sich um ihre Zukunft: Der Schlagzeuger Jean-Yves Sebillotte berichtet dazu: „An uns werden die allerhöchsten Ansprüche gestellt. Wir versuchen ständig, uns zu perfektionieren, aber wir sind nicht in der Lage, diesen Ansprüchen sehr lange gerecht zu bleiben: Die Konzentration, die körperlichen Widerstandskräfte, die Regenerationsfähigkeiten nehmen mit dem Alter ab.“

Unterstützung erhalten die Künstler von den Intellektuellen der „kritischen Linken“. Am 4. Dezember erschien in „Le Monde“ ein Aufruf, der von der linksextremen Zeitschrift „Regards“ initiiert wurde. Mehr als 180 Intellektuelle und Künstler, darunter der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty, unterzeichneten einen Text, in dem es unter anderem heißt: „Angesichts der Offensiven einer neoliberalen und autoritären Regierung sehen wir es als unsere Pflicht an, zu bekräftigen, dass unsere Gegenwart und Zukunft aus sozialen und politischen Kämpfen entstehen wird.“

So befindet sich heute die offizielle, staatsnahe Kulturwelt, die 2017 nachdrücklich dazu aufgerufen hatte, durch eine „antifaschistische“ Stimmabgabe die Präsidentschaft von Marine Le Pen zu verhindern, in Opposition zum liberalen Präsidenten Emmanuel Macron, dessen Weltbild sie in gesellschaftspolitischen Fragen aber weiterhin teilen.

Provokation aus dem Nachlass
Von Höhepunkt zu Höhepunkt
Vor 75 Jahren starb der ostpreußische Autor Rudolf Borchardt – Trotzdem gibt es ein neues Buch von ihm
Harald Tews

Um Rudolf Borchardt blieb es lange Zeit still. Der Königsberger Autor, der vor 75 Jahren in Tirol starb, drohte nach und nach in Vergessenheit zu geraten. Schon zu Lebzeiten war er mit seinen Gedichten, Essays, poetischen Erzählungen und Übersetzungen unter anderem von Dante Alighieris „Vita Nuova“ nur wenigen Lesern bekannt. Dafür hatte sich der Ostpreuße, der allerdings schon als Fünfjähriger mit der Familie nach Berlin zog und ab 1903 in der Toskana lebte, einen Zirkel von Bewunderern geschaffen.

So erkannte Hugo von Hofmannsthal in dem Dichterkollegen und Philologen, der auf Lateinisch zu dichten und mittelalterliche Wortkaskaden mit proletarischen Satzkatarakten zu vermengen verstand, dass sich in Borchardt „eine philologisch-historische Begabung höchsten Ranges, wie sie kaum einmal im Jahrhundert auftaucht, mit einer dichterischen Sendung verschwistert“.

Im Grunde hat sich bis heute daran nichts geändert. Es gibt weiterhin einen festen Freundeskreis, der das Andenken dieses elitären Wortzauberers und Befürworters einer konservativen Erneuerung – um nicht zu sagen: Revolution – hochhält. Einer von ihnen ist Gerhard Schuster, der Leiter des Münchener Borchardt-Archivs, ein anderer Heribert Tenschert, der im Schweizer Kanton Schaffhausen ein Handschriften-Antiquariat betreibt. Letzterer finanziert die auf 20 Bände geplanten „Sämtliche Werke“ Borchardts in der Edition Tenschert. In diesem Rahmen hat Schuster im Hanser-Verlag acht Briefbände des Autors und im Jahr 2018 bei Rowohlt einen sensationellen Roman-Fund aus Borchardts Nachlass herausgebracht: „Weltpuff Berlin“.

Vom Umfang her müsste man den über 1000-seitigen Roman als Borchardts Hauptwerk bezeichnen. Dabei hat sich der Autor, als er das Werk 1938/39 in Italien schrieb, nie darüber geäußert. Niemand wusste von der Existenz des Manuskripts, bis Schuster es 2011 im Marbacher Literaturarchiv, wo Borchardts Nachlass verwahrt ist, entdeckte. Als die 70-jährige urheberrechtliche Schutzfrist auslief, konnte er es veröffentlichen.

Das Buch ist, sagen wir es frei heraus, ein Porno. Der Ich-Erzähler, der Borchardts Namen trägt, treibt es im Berlin des Jahres 1901 von einem Höhepunkt zum nächsten. Ein D.H. Lawrence oder Henry Miller hätte nicht freimütiger über das Sexleben erzählen können. In „MeeToo“-Zeiten ist solch ein Buch geradezu eine mutige Provokation. Das Werk war für Borchardt wohl eher eine seelische Befreiung. Der Mussolini-Verehrer war bis zum Ende des Faschismus in Italien als Jude einigermaßen geschützt. Vor einem Abtransport war er aber nie sicher. Am 10. Januar 1945 starb er in einem Versteck nahe Steinach in Tirol.

Lektürehinweis „Weltpuff Berlin“ ist im Rowohlt Verlag als Band XIV der „Sämtlichen Werke“ in zwei Teilbänden mit Kommentar (1184 Seiten, 128 Euro) sowie als Einzelband ohne Kommentar (1086 Seiten, 35 Euro) erschienen.

Meldungen

Kollwitz zieht noch nicht um

Berlin – Das Berliner Käthe-Kollwitz-Museum bleibt vorerst in der Fasanenstraße 24. Ursprünglich sollte das Museum bis Ende 2019 umziehen, weil in dem Haus ein privates Exilmuseum entstehen sollte. Als Ersatzstandort war der Spandauer Damm 19 im Gespräch. Zumindest dieses Jahr wird das Kollwitz-Museum noch in der Charlottenburger Villa bleiben können. Vom 9. Februar bis 3. Mai läuft dort die Ausstellung „Käthe Kollwitz und das Elend der Großstadt“. Internet: www.kaethe-kollwitz.detws





Moderne Kunst im „Minsk“

Potsdam – In dem zu DDR-Zeiten beliebten Restaurant „Minsk“ soll ein Museum für zeitgenössische Kunst entstehen. Das vom Abriss bedrohte Haus will die Hasso-Plattner-Stiftung, die bereits das Museum Barberini betreibt, auf Vordermann bringen.tws

S. 10 Geschichte & Preussen

Weichsel-Oder-Operation
„Die Ostfront ist wie ein Kartenhaus“
Bei der Winteroffensive 1945 überrannte die Rote Armee die Front von Ostpreußen bis Schlesien
Klaus J. Groth

Die Winteroffensive der Roten Armee war erwartet worden. Die Wucht und die ungeheure Überlegenheit an Menschen und Material aber überraschte die Wehrmacht. Als vor 75 Jahren, am 12. Januar 1945 um 4.35 Uhr, die Rote Armee losschlug, da standen die sowjetischen Streitkräfte mit 2,2 Millionen Soldaten gegen 450 000 Soldaten auf der deutschen Seite.

Drei Städte waren das Ziel dieser Offensive: Breslau, Königsberg und Frankfurt an der Oder. Die 1. Ukrainische Front hatte im Sommer 1944 einen Brückenkopf bei der Stadt Baranow auf der westlichen Seite der Weichsel erobert. Dort begann die Operation Weichsel-Oder, wie die Winteroffensive offiziell hieß. Die Rote Armee setzte dabei 35 000 Geschütze, Raketenwerfer und Mörser ein, die Wehrmacht konnte dagegen lediglich 5000 ähnliche Waffen aufbringen. Das Kräfteverhältnis bei den Panzern sah in der Papierform ein wenig besser aus. Die Rote Armee setzte 4500 Panzer ein. Auf deutscher Seite standen 1150. Diese Gegenüberstellung ist aber nur theoretischer Natur. Ein schweres Bombardement der sowjetischen Artillerie bereitete die Offensive vor. Noch bevor die Panzer der Roten Armee vorrückten, hatte die 4. Panzerarmee der Wehrmacht zwei Drittel ihrer Artillerie und ein Viertel ihrer Soldaten verloren. Ein Hauptmann der Infanterie erinnerte sich später: „Ich befehligte ein geschwächtes Bataillon. Doch als sich der Rauch des sowjetischen Vorbereitungsfeuers verzogen hatte, war davon lediglich gut ein Zug kampffähiger Männer übrig.“ 

Die 4. Panzerarmee hatte die Wucht des sowjetischen Angriffs abzufangen. In zwei Abschnitten brachen die Panzer der Roten Armee durch. Die geschwächten deutschen Einheiten waren kaum in der Lage, Widerstand zu leisten. Die 

1. Ukrainische Front rückte binnen drei Tagen 100 Kilometer vor. Parallel kämpften sich vier weitere Heeresgruppen der Sowjets nach Westen vor, die gesamte Front in Polen war in Bewegung Richtung Deutschland.

Die Deutschen hatten keine Chance 

Noch drei Tage vor Beginn der Offensive hatte Adolf Hitler einen Bericht beiseite gewischt, nach dem der Beginn des sowjetischen Angriffs nur eine Frage von Stunden sei. Das sei „vollkommen idiotisch“, beschied Hitler, der Verfasser „gehöre in ein Irrenhaus gesperrt“. Der Verfasser war Reinhard Gehlen. Nun, nachdem die Rote Armee zwei Tage rasch vormarschiert war, musste auch Reichspropagandaminister Joseph Goebbels eingestehen: „Stalin ist nunmehr zu seiner Großoffensive im Weichselraum und an der ostpreußischen Grenze geschritten … Es ist nicht zu bestreiten, dass die Sowjets schon in den ersten beiden Tagen beachtliche Erfolge erzielt haben. Die Dinge sind nicht so gelaufen, wie wir das eigentlich erwartet hatten.“

Jetzt bewahrheitete sich, was Heinz Guderian angesichts der schlecht ausgerüsteten Ostfront vorausgesagt hatte: „Die Ostfront ist wie ein Kartenhaus. Wird die Front an einer einzigen Stelle durchstoßen, so fällt sie zusammen.“ Sie wurde nicht nur an einer Stelle durchstoßen. Schon am 13. Januar griff die 1. Weißrussische Front südlich von Warschau an, die 2. und die 3. Weißrussische Front zielten Richtung Danzig und rückten entlang der Grenze Ostpreußens vor. Die 1. Baltische und die 4. Ukrainische Front gewannen Terrain Richtung Königsberg und Ratibor. 

Für die Ardennenoffensive, die Mitte Dezember begann, hatte Hitler sämtliche Reserven von der Ostfront abgezogen. Erst am 15. Januar blies Hitler angesichts der Ereignisse im Osten die Ardennenoffensive ab. Er verzog sich in den Bunker der Reichskanzleitages, den er bis zu seinem Ende nicht mehr verließ.

Pünktlich zu Jalta

Trotz verzweifelter Gegenwehr wurden bereits am 17. Januar Tschenstochau und tags darauf Petrikau besetzt. Die Rote Armee war auf dem Weg nach Breslau. Bis zur größten Stadt Ostdeutschlands waren es nur noch 200 Kilometer. Sie war für Josef Stalin das vorrangige Ziel. Die 1. Weißrussische Front flutete Warschau. Hitler tobte. Am 19. Januar fielen Lodz und Krakau, am 20. Tilsit, am 21. Gumbinnen und Tannenberg. Das Denkmal dort war zuvor gesprengt, Hindenburgs Sarg nach Westen in Sicherheit gebracht worden. Im Warthegau war posaunt worden, die Verteidigungslinien stünden fest wie Beton. Als die Menschen am Morgen erwachten, ratterten die sowjetischen Panzer über die Dorfstraßen. Für den Warnruf „Die Russen kommen“ war es zu spät.

Bis zu dem Zeitpunkt waren Breslau und Dresden die einzigen großen Städte Deutschlands, auf die noch keine Bombe gefallen war. Am 20. Januar überschritten die Sowjets die Oder bei Breslau. Kattowitz, Oppeln und Gleiwitz waren in Reichweite. Auf den Vorschlag Ferdinand Schörners, das Gebiet räumen zu dürfen, reagierte Hitler erstmals resigniert: „Wenn Sie glauben, dass nichts mehr zu machen ist, Schörner, dann tun Sie es.“

Währenddessen wurde der Raum Königsberg vom Restreich abgeschnitten. Über Allenstein und Osterode erreichten die Sowjets am 27. Januar das Frische Haff.

Stalin konnte bei der Konferenz der „Großen Drei“ in Jalta auftrumpfen. Der Erfolg der Winteroffensive war pünktlich. Dass zu Beginn der Konferenz am 2. Februar weder Königsberg noch Breslau eingenommen waren, war eher nebensächlich.





Kurzporträts

Generalmajor Reinhard Gehlen leitete die Abteilung Fremde Heere Ost (FHO) im Generalstab des Heeres. Nach dem Krieg baute er im Auftrag der USA die Organisation Gehlen auf, den heutigen Bundesnachrichtendienst 

Der legendäre Panzerführer Generaloberst Heinz Guderian war vom 21. Juli 1944 bis zum 28. März 1945 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Generalstabes des Heeres betraut

Der Oberbefehlshaber von Armeen und Heeresgruppen Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner war nach Adolf Hitlers Selbstmord dessen Nachfolger als Oberbefehlshaber des Heeres

Eupen-Malmedy
Belgiens DG begeht Gedenkjahr
Bodo Bost

Vor 100 Jahren, am 10. Januar 1920, trat das den Ersten Weltkrieg für das Deutsche Reich beendende Versailler Diktat in Kraft. Damit wurden diverse in dem Werk vorgesehene Gebietsabtretungen gültig, darunter auch die Abtretung des mehrheitlich deutschsprachigen Eupen-Malmedy an Belgien. Wie die anderen damaligen Abtretungen hat auch diese bis zum heutigen Tage Bestand. 

Zum 100. Geburtstag der so entstandenen drei Kantone des Königreiches Belgien Eupen, Malmedy und Sankt Vith wird von der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) des Königreiches ein eigenes Gedenkjahr mit vielen Veranstaltungen organisiert. Zur Eröffnung des Gedenkjahres in Anwesenheit des belgischen Königs Philippe in Eupen im vergangenen Jahr bezeichnete Ministerpräsident Oliver Paasch die DG als eine der bestgeschützten Minderheiten der Welt, um deren Autonomie viele andere Regionen in Europa sie beneideten. Parlamentspräsident Alexander Miesen sagte, Ostbelgien sei aus einer fremdbestimmten zu einer in größten Teilen selbstbestimmten Region geworden.

Eine wichtige Rolle in diesem Gedenkjahr spielt Hubert Jenniges. Der von 1934 bis 2012 lebende Journalist wurde mit seinen Beiträgen zum 50. Jahrestag der Gebietsabtretung 1970 zum Motor der Veränderung, da er Tabuthemen wie die Stellung der deutschen Sprache ansprach, die bis dato nicht öffentlich thematisiert werden durften. Er schenkte den Forderungen der bis dato noch benachteiligten sogenannten Ostbelgier nicht nur Gehör, sondern auch eine Stimme. Er wurde das Sprachrohr Ostbelgiens und der Verteidiger weitgehender kultureller Autonomie für die deutschsprachigen Belgier. 1970 wurde Deutsch die dritte Amtssprache Belgiens und 1973 erhielt die heute 80 000 Menschen zählende DG eine eigene Regierung und ein eigenes Parlament in Eupen. Zur DG gehören allerdings nicht die beiden ehemaligen preußischen Kreise in ihrer Gesamtheit, sondern nur die neun Gemeinden um Eupen und St. Vith, nicht jedoch die französischsprachigen Gemeinden Malmedy und Waimes.

S. 11 Geschichte & Preussen

DDR-Grenze
Unselige Hilfe der „Freiwilligen Helfer“
Bei der Vereitelung von Fluchtversuchen über die Ostsee konnte die DDR-Führung auch auf Unterstützung aus Teilen der Bevölkerung zurückgreifen
Heidrun Budde

Im Norden grenzte die DDR auf 378 Kilometern Länge an die Ostsee. Wie über die innerdeutsche Grenze versuchten die DDR-Machthaber auch über die Ostsee eine Flucht der DDR-Bewohner zu verhindern. Im Zentrum des maritimen Überwachungsapparates stand die 6. Grenzbrigade Küste (GBK) der Volksmarine (VM), die eng mit der Staatssicherheit zusammenarbeitete. Ständig besetzte Wachtürme und Tag und Nacht patrouillierende Schiffe sollten jede Flucht verhindern. Dabei konnte die Grenzbrigade außer auf Amtshilfe auch auf freiwillige Helfer aus der Bevölkerung zurückgreifen, die es in jedem Grenzgebiet gab. 

Ein wichtiger Partner war die Deutsche Volkspolizei (DVP). Innenminister Friedrich Dickel regelte in einer „Vertraulichen Verschlußsache I 020 478“ vom 20. Juli 1972, dass bei der Grenzkontrolle eine „zweckmäßige Kombination gedeckter und offener Einsatzformen“ Anwendung finden sollte. Wörtlich: „Die Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen sind durch taktisch zweckmäßigen Einsatz von Sicherungsanlagen sowie unter Verwendung von Verkehrszeichen gemäß Straßenverkehrsordnung zu verstärken.“

Missbrauch von Kindern

Durchfahrts-, Halte- und Parkverbote wurden „zweckmäßig“ angeordnet, um zu verhindern, dass Fahrzeuge den Sperrzonen zu nahe kamen. Zu den „gedeckten Einsatzformen“ gehörte auch die sogenannte operative Personenkontrolle der Polizei, die zwar juristisch nicht legitimiert, aber für das Anliegen sehr nützlich war. Der zuständige Volkspolizist im Wohngebiet, der Abschnittsbevollmächtigte (ABV), rekrutierte „zuverlässige und verschwiegene Auskunftspersonen“, die jede Auffälligkeit meldeten. Das konnten beispielsweise Nachbarn, Arbeitskollegen, Kneipenwirte oder Hausbuchbeauftragte, aber auch jede andere wichtigtuerische Person sein, die meinte, etwas Verdächtigtes bemerkt zu haben. Wer besonders vertrauenswürdig war, wurde „Freiwilliger Helfer der Volkspolizei“ mit einem Sonderausweis. So gab es beispielsweise im Bereich der SED-Kreisleitung Ribnitz-Damgarten mit 58 Kilometern Küste sowie den Orten Klockenhagen, Dierhagen, Wustrow, Ahrenshoop, Born, Wieck, Prerow und Zingst 166 „Freiwillige Helfer der Volkspolizei“, die ehrenamtlich im Einsatz waren. Daneben überwachten noch 60 „Freiwillige Helfer der Grenztruppen“, die vom Militär betreut wurden, diesen Küstenabschnitt.

226 Bürger, oftmals vermeintlich pflichtbewusste SED-Mitglieder, patrouillierten auf den 58 Kilometern Küste in der Dunkelheit am Strand entlang, um festzustellen, ob nicht vielleicht jemand mit einer Luftmatratze versuchen wollte, in den Westen zu entkommen. In einem Bericht der SED-Kreisleitung Grevesmühlen vom 10. Dezember 1982 ist zu lesen: „Im Bereich der Staatsgrenze zur BRD waren 1981 65 freiwillige Helfer der Grenztruppen tätig, heute sind es 108. Im Bereich Lüdersdorf ist erstmalig eine Frauengruppe mit 17 Mitgliedern im Einsatz.“ Daneben gab es „Ordnungsgruppen auf Campingplätzen“, wie beispielsweise mit 50 Personen in Boltenhagen, die entsprechende Kontrollen am Strand und bei größeren Veranstaltungen durchführten. 

Diese freiwilligen Helfer aus der Bevölkerung konnten durchaus „Erfolge“ für sich verbuchen, wie es weiter im Bericht für 1982 heißt: „In diesem Jahr wurden durch Grenzhelfer und weitere Bürger 220 Hinweise zur Gewährleistung der Ordnung und Sicherheit und zur Verhinderung von Straftaten gegeben. Sie führten zur Festnahme von 10 Grenztätern sowie zur Einleitung von Maßnahmen, die die Grenzsicherheit weiter erhöhten.“

Belohnung mit Privilegien

Aus heutiger Sicht mag es absurd erscheinen, dass DDR-Bewohner selbst dafür sorgten, dass der Staat, in dem sie leben mussten, auch fest verschlossen war und niemand entfliehen konnte. Doch die ideologische Beeinflussung, dass jeder, der mit aufpasste, etwas Gutes für den Frieden tat, begann schon im Kindesalter. So wird im Bericht der SED-Kreisleitung Grevesmühlen vom 10. Dezember 1982 lobend erwähnt: „Spürbare Fortschritte gibt es bei der Bildung von Arbeitsgemeinschaften ,Junge Grenzhelfer‘ an den POS (Polytechnischen Oberschulen). Nachdem in Klütz eine solche Arbeitsgemeinschaft einige Jahre tätig ist, wurden jetzt an allen Schulen des Grenzgebietes diese Arbeitsgruppen aufgebaut, deren Tätigkeit von erfahrenen Genossen der Grenztruppen der DDR angeleitet wird.“

Kinder wollen gelobt werden, und wenn ihnen die Erwachsenen suggerierten, dass alles zu ihrem Schutz und zu ihrer Sicherheit passierte, waren sie leicht zu manipulieren. Patenschaftsbeziehungen zwischen der Schule und der Grenzbrigade Küste dienten der stetigen politischen Erziehung der Schüler, und die Erwachsenen wurden mit gemeinsamen Festen, wie beispielsweise „Kooperationsfestspielen und Kulturfesttagen im Grenzgebiet“ oder mit „Freundschaftstreffen“ bei Laune gehalten. Wer ein besonders eifriger „Freiwilliger Helfer der Grenztruppen“ war, konnte zudem auf eine Vergünstigung hoffen, die anderen DDR-Bewohnern verschlossen blieb. Besitzer eines Sportbootes benötigten zum Befahren der Ostsee außerhalb des Bereiches der Grenzzone eine Genehmigung, die von der Polizei nach Abstimmung mit der Staatssicherheit erteilt oder versagt wurde. Innenminister Dickel regelte dazu in seiner Dienstvorschrift Nr. 08/72 vom 20. Juli 1972: „Genehmigungen können erteilt werden, wenn folgende Gründe vorliegen: … Sportliche Betätigung von Personen, die sich besondere Anerkennungen und Verdienste bei der Entwicklung der DDR erworben haben.“ 

Das war ein völlig willkürlicher Entscheidungsspielraum, denn wie groß die Verdienste sein mussten, wurde nicht vorgegeben. Das wurde offensichtlich personenbezogen entschieden, und je höher jemand in der SED-Parteiriege aufgestiegen war, desto größer war auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person einen Hauch von maritimer Freiheit per Sportboot auf der Ostsee genießen konnte, ein Privileg, das nur wenige genossen. 

b Heidrun Budde hat Rechtswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg studiert und zum Seevölkerrecht promoviert. Seit 1992 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Verwaltungsaufgaben an der Juristischen Fakultät der Universität Rostock

Vor dem Reichstag
Deutschlands blutigste Demonstration
Wolfgang Kaufmann

Die unter den Novemberrevolutionären umstrittene Frage parlamentarische oder Rätedemokratie war auch nach der Vorentscheidung durch die im August 1919 verabschiedete Weimarer Verfassung umstritten. Dabei entzündete sich der Streit vor allem am geplanten Betriebsrätegesetz (BRG). Während einige Politiker der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) das volle Kontrollrecht über die Betriebsführung durch die Arbeiterräte verlangten, sah der Entwurf des BRG zahlreiche Kompromisse zugunsten der Unternehmer vor. 

Allerdings hatte die USPD in der Nationalversammlung nur 22 von 423 Sitzen inne und die KPD überhaupt keine. Wollte die radikale Linke ihre Vorstellungen nicht zumindest vorerst aufgeben, blieb ihr nur, auf revolutionärem Wege von der Straße aus Druck zu machen. Also riefen die Parteizeitungen „Freiheit“ und „Rote Fahne“ für den 13. Januar 1920 zu einer großen Protestdemonstration „gegen das Betriebsrätegesetz, für das revolutionäre Rätesystem“ vor dem Berliner Reichstagsgebäude auf, in dem die Nationalversammlung an jenem Tage den zweiten Entwurf des BRG beraten wollte.

Der Schutz des Gebäudes, um das es damals noch keine Bannmeile gab, gegen eventuelle Übergriffe der rund 100 000 Demonstranten oblag der preußischen Sicherheitspolizei. Die Sipo konnte jedoch nicht verhindern, dass es zu tätlichen Angriffen auf einige Abgeordnete kam, die auf dem Wege zu der Sitzung waren. Teilweise wurden die Sipo-Angehörigen selbst angegriffen und ihrer Waffen beraubt. 

Kurz vor 16 Uhr fielen plötzlich einzelne Schüsse aus der Menge vor dem Portal des Reichstages, durch die ein Polizist starb. Anschließend sollen Demonstranten versucht haben, das Gebäude zu stürmen. Nun begannen die Sicherheitspolizisten, mit Maschinengewehren in die Menge zu feuern und Handgranaten zu werfen. Daraufhin zerstreuten sich die Protestler in Panik.

Die Zahl der Opfer des Zwischenfalls ist bis heute ungeklärt. Möglicherweise gab es 42 Tote und 105 Verletzte. Auf jeden Fall gilt die Demonstration als die blutigste in der neueren deutschen Geschichte.

Das BRG wurde ungeachtet der Krawalle am 18. Januar 1920 von der Nationalversammlung verabschiedet und hatte bis über die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten hinaus bis 1934 Bestand. Damit erlitt die radikale Linke eine weitere empfindliche Niederlage. Außerdem führte der umgehend verkündete Ausnahmezustand zur Verhaftung zahlreicher ihrer Führungspersönlichkeiten. Das beides bewirkte eine weitere Spaltung innerhalb der Arbeiterbewegung. Andererseits solidarisierten sich viele Berliner mit der Sipo, die offenbar einen zweiten Spartakusaufstand verhindert hatte.


S. 12 Mensch & Zeit

Piratenpartei
Was ist eigentlich aus denen geworden?
Blauäugigkeit, Streit und Affären: Das vorübergehende Machtpotenzial für die einst umjubelte Truppe blieb ungenutzt
Erik Lommatzsch

Am Aktionsstand der Piratenpartei wirbt ein Mann mit kleiner Brille, dessen Rauschebart ihn vermutlich älter wirken lässt, als er eigentlich ist. Die 40 dürfte er kaum überschritten haben. Man wird geduzt. „Wir sind eine Mitmach-Partei. Du kannst aber auch nur in einem Bereich mitarbeiten und Dich darauf konzentrieren.“ Von „Mitmachen“ und „Engagement“ ist dann noch viel die Rede. Der Mann, ein Mathematiker, wirkt persönlich authentisch und integer, was ihn nicht unsympathisch macht. Politisch hingegen wirkt er unendlich naiv. 

Die Szene ereignete sich im Sommer 2013 in einer deutschen Großstadt. Folgt man der Selbstdarstellung der Piraten und der Berichterstattung über sie, so dürfte man an diesem Aktionsstand keinesfalls einem untypischen Mitglied begegnet sein. Mächtig Aufwind hatte die Partei erhalten. Als Teil der „internationalen Piratenbewegung“ hatte die 2006 in Berlin gegründete deutsche Partei zunächst bescheidene Wahlerfolge. Das Ganze steigerte sich sprunghaft. Einhergehend mit einer entsprechenden öffentlichen Wahrnehmung. 2011 erreichte man bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 8,9 Prozent. 

Im März 2012 zogen die Piraten mit 7,4 Prozent in den Landtag des Saarlandes ein, im Mai folgten die Landesparlamente von Schleswig-Holstein mit 8,2 sowie von Nordrhein-Westfalen mit 7,8 Prozent. Die „Sonntagsfrage“ wies zu dieser Zeit mitunter Ergebnisse oberhalb von zehn Prozent aus. Allerdings fielen die Werte bereits im selben Jahr schon wieder rasant ab. Sitze in weiteren Landtagen errangen die Polit-Neulinge nicht mehr. Bei der Bundestagswahl 2013 gab es magere 

2,2 Prozent. 2017 noch 0,4 Punkte. Immerhin hatte die EU-Wahl 2014 ein einzelnes Mandat beschert, welches 2019 unter erheblichen Stimmverlusten verteidigt werden konnte. Dazu verfügen sie noch über eine Reihe von Abgeordneten im kommunalen Bereich.

Irgendwas mit Internet

Die plötzliche Präsenz der Piraten war ein Phänomen, von dem so gut wie nichts geblieben ist. Mitunter sind Stimmen vernehmbar, die bezweifeln, dass es die Partei überhaupt noch gibt. Schon immer indes waberte die Frage durch den Raum, wofür diese Partei eigentlich steht. Irgendwie jung und modern, irgendwas mit Internet und Freiheiten – mehr ist kaum in Erinnerung. Die wenigen bekannten Protagonisten haben viel dazu getan, den Eindruck der politischen Beliebigkeit zu verstärken. Marina Weisband, die zur Hochzeit der Piraten 2011/12 deren Geschäftsführerin war und die geneigte Medien zum „Star“ machten, sagte, es gehe um einen „grundlegend veränderten Politikstil“: „Wir bieten kein Programm, sondern ein Betriebssystem.“ 

Über Martin Haase schrieb der „Spiegel“ im Februar 2012, der „Bamberger Linguistikprofessor gilt als mächtigster Pirat der Republik, obwohl er nur einfaches Parteimitglied ist.“ Politik mache er „fast ausschließlich übers Internet“.

Großgeschrieben wird bei den Piraten Basisdemokratie, insbesondere die Idee der „Liquid Democracy“ (flüssige Demokratie), unterstützt von einer entsprechenden Software, „LiquidFeedback“. Verknüpft werden auf diese Weise direktdemokratische Elemente mit repräsentativen Strukturen. Bei Entscheidungen dürfen alle mitreden, können aber auch ihre Entscheidungsbefugnis übertragen, selbst für ganze Politik- oder Kompetenzfelder. Die Übertragung kann wiederum weiterübertragen werden. Dieses Verfahren, welches der Verkrustung von Strukturen vorbeugen soll, ist bei der Mitwirkung einer größeren Anzahl von Personen ohne technische Unterstützung, eben mittels Internet, undenkbar und auch hier alles andere als unproblematisch. 

Derartige Probleme setzen sich in der Programmatik fort. Dort findet sich einerseits die Forderung nach einer Stärkung der Bürgerrechte, man wendet sich gegen Vorratsdatenspeicherung und Lauschangriff, die Geheimdienste möchte man besser kontrolliert wissen und dem Schutz der Privatsphäre kommt höchste Priorität zu. Andererseits wünscht man hochgradige Transparenz der Vorgänge in Politik und Verwaltung sowie Informationsfreiheit für jeden Einzelnen. Patent- und Urheberrecht sollten starke Einschränkungen erfahren. Der Zugang zu Bildungseinrichtungen sei völlig kostenfrei zu gewähren. Im Bereich der Wirtschaftspolitik wird vor allem das bedingungslose Grundeinkommen forciert.

Im Ausland erfolgreicher

Erhebliche innere Auseinandersetzungen prägten das Bild in den Medien, dazu etliche Affären. Lässt sich die Angelegenheit um den „Bayerntrojaner“ – die Veröffentlichung eines Dokuments über Spionagesoftware – noch in die Anliegen der Piraten einordnen, so tat man sich 2009 mit der Aufnahme des Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss, der aus der SPD ausgetreten war, nachdem Vorwürfe wegen des Besitzes von Kinderpornographie laut geworden waren, keinen Gefallen. Tauss wurde später entsprechend verurteilt. Anne Helm kandidierte 2014 fürs EU-Parlament. Kurz zuvor hatte sie in Dresden demonstriert – mit dem Spruch „Thanks Bomber Harris“. Hinzufügen ließe sich noch der Berliner Abgeordnete Gerwald Claus-Brunner, der 2016 seinen Ex-Mitarbeiter, der Claus-Brunners Begehrlichkeiten nicht erwidert hatte, ermordete und anschließend Suizid beging.

Die kurzlebigen Erfolge, welche die Piraten nicht ausbauen konnten – gerade in der „Informationsgesellschaft“ für eine „Internet-Partei“ äußerst kurios – , lassen sich schwer rational erklären. Überschreiben könnte man die Episode als „Macht ohne Idee“. Viele ehemalige Führungskräfte haben die Partei verlassen, mancher in Richtung SPD oder FDP, wie der einstige Vorsitzende Bernd Schlömer. Deutlich mehr kamen zu den Grünen, wie Weisband, oder zur Linkspartei, wie Helm. Politisch blauäugig, aber von vielen Mitgliedern zumindest anfangs mit ehrlicher Weltverbesserungs-Überzeugung getragen, dämmert die deutsche Piratenpartei in der Bedeutungslosigkeit. Mehr Resonanz finden Piraten derzeit in anderen Ländern, etwa in Tschechien. In Prag stellen sie sogar den Oberbürgermeister. 

Schwarzer Rassismus
Dunkle Schatten auf der „Regenbogennation“
Verheerende Ausschreitungen gegen Einwanderer erschüttern Südafrika – Regierungspolitiker gießen sogar Öl ins Feuer
Wolfgang Kaufmann

Die illegal ins Land strömenden Ausländer seien für die Arbeitslosigkeit unter den Einheimischen sowie den gravierenden Wohnraummangel und die Überlastung des Gesundheitssystems verantwortlich. Unter ihnen gebe es eine erhebliche Anzahl von Mördern und Vergewaltigern, aber die Polizei unternehme nichts gegen sie, was die Kriminellen ermutige, allen rechtschaffenen Bürgern ins Gesicht zu lachen. Genauso passiv verhalte sich die Regierung – oft scheine es sogar, als stünde sie heimlich auf der Seite der Immigranten.

Das alles sind Vorwürfe, welche Zweli Ndaba, der Chef der neuentstandenen schwarzen Protestbewegung Sisonke People’s Forum, an die Adresse des African National Congress (ANC) richtet, der seit 1994 in Südafrika herrscht. Wobei die illegalen Einwanderer keineswegs Weiße oder Asiaten sind, sondern Schwarze aus anderen afrikanischen Staaten, die vom Nimbus der selbsternannten „Regenbogennation“ am Kap angezogen werden. Deshalb kommen sie in Scharen über die Grenzen zwischen Südafrika und Namibia, Botswana, Simbabwe und Mosambik, obwohl dort seit geraumer Zeit Sicherheitsanlagen mit Hochspannungszäunen und ähnlichen Hindernissen, welche solche unerlaubten Übertritte verhindern sollen, wie Pilze aus dem Boden schießen.

Soziale Probleme verschärft

Allerdings verschärfen die Neuankömmlinge die soziale Problemlage in Südafrika: Hier herrschen aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise aktuell 29 Prozent Arbeitslosigkeit, und es mangelt an Land sowie Wohnraum für die Einheimischen. Deshalb macht sich Wut unter der autochthonen schwarzen Bevölkerung breit, die nicht mehr wie bisher den Weißen gilt. Denn die vegetieren inzwischen selbst zu Hunderttausenden unter menschenunwürdigen Umständen in Armutsvierteln oder haben das Land verlassen.

Für die fremdenfeindliche Einstellung der schwarzen Südafrikaner kreierten Migrationsforscher wie Jean-Pierre Misago von der Johannesburger Witwatersrand-Universität den Begriff „Afrophobie“. Außerdem schufen sie ein Frühwarnsystem namens „Xenowatch“, dessen Aufgabe darin besteht, Gewaltausbrüche vorherzusagen und die Behörden zu warnen. Immerhin fielen den ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Südafrika bereits um die 300 illegale Immigranten zum Opfer, vor allem Nigerianer. Die Polizei tut sich jedoch weiterhin schwer, effektiv zu reagieren, was wohl nicht zuletzt aus der verbreiteten Korruption in den eigenen Reihen resultiert. 

Staatschef Ramaphosa wiegelt ab

Außerdem wiegeln führende ANC-Politiker bis hinauf zum Staatspräsidenten Cyril Ramaphosa ab: Schwarze Südafrikaner seien weder rassistisch noch gegen Fremde eingestellt. 

Manche ANC-Funktionäre oder gar -Minister gießen jedoch auch selbst Öl ins Feuer, indem sie wilde Gerüchte in die Welt setzen. So beispielsweise jenes, dass 80 Prozent der Johannesburger Innenstadt von Illegalen besetzt seien, welche die staatlichen Kliniken an die Grenzen ihrer Belastbarkeit brächten.

Vor diesem Hintergrund dürfte es künftig kaum weniger Ausschreitungen gegen die schwarzen Einwanderer geben, die aus dem Norden kommen. Eher steht zu erwarten, dass die ruinöse Wirtschaftspolitik des sozialistisch ausgerichteten ANC-Regimes zu einer weiteren Verschärfung der Verteilungskämpfe im Lande führen und das Sisonke People’s Forum noch stärkeren Zulauf erleben wird. Dieses verteilt inzwischen Flugblätter mit dem Slogan: „Es reicht: Südafrika den Südafrikanern. Das ist keine Fremdenfeindlichkeit, sondern die Wahrheit.“

S. 13 Das Ostpreußenblatt

Flughafen Devau
Königsberger Sportflieger wehren sich
Gebietsregierung plant eine Nutzungsänderung – Bauinvestoren wittern Chance
Jurij Tschernyschew

Der älteste zivile Verkehrsflughafen Europas, Devau in Königsberg, der in diesem Jahr sein 100. Jubiläum hat,  könnte schon bald Geschichte sein. Seine Zukunft steht unter einem großen Fragezeichen. Wie es so oft in Königsberg der Fall ist, gibt es den Investorenwunsch, das freie Grundstück, auf dem sich der Flughafen befindet, zu bebauen.

Vor Kurzem erst hat Gouverneur Anton Alichanow öffentlich bekräftigt, das Gelände des Flughafens Devau werde nicht bebaut. Laut Gouverneur gibt es gesetzliche Beschränkungen, für deren Änderung das Einverständis von Regierungschef Dmitrij Medwedjew nötig sei sowie weiterer verantwortlicher Politiker auf Staatsebene. Alichanow sagte: „Ehe ich etwas Falsches sage, würde ich lieber sterben, aber ich werde mein Wort nicht brechen. Mit dem Territorium von Devau, das fast 100 Hektar umfasst, wird in Bezug auf die Entwicklung nichts Schlechtes passieren“, versicherte der Leiter der Region.

Dabei hat der Gouverneur aber nicht vor, mit den Sportfliegern der Russischen Organisation für Verteidigungssport und -technik (DOSAAF), die das Gelände betreibt, Gespräche zu führen. „Ich möchte sagen, dass diese Organisation dort nichts anderes als illegal gebaute und gemietete Garagen hat. Aber ich weiß auch, dass die kleine Luftfahrt in der Stadt gefährlich ist“, sagte Alichanow.

Gebäude sehen verlassen aus

Der Militärpilot der 1. Klasse und ehemaliger Direktor der Königsberger DOSAAF-Abteilung, Sergej Chajlow, wehrte sich dagegen: „Sehr oft fliegen große Flugzeuge bei ihrem Landeanflug sehr dicht über Königsberg. Und das beunruhigt Alichanow nicht? Dagegen soll Devau mit seinen kleinen Flugzeugen plötzlich gefährlich sein?“ Die DOSAAF hat tatsächlich nur wenige Mittel für den Unterhalt des Flughafens. Fast alle Gebäude sehen verlassen und ungenutzt aus. So ist es nicht verwunderlich, dass sich für das große Grundstück viele kommerziellen Organisationen interessieren.

Der Gouverneur schlug vor, dass auf dem Territorium von Devau ein Ort zur Freizeitgestaltung für die Straßenrennfahrer entstehen könnte, damit sie einen Platz haben, um ihre Runden zu drehen. Eine andere Möglichkeit, das Gelände gemeinnützig zu nutzen, sei eine „Spring-Attraktion“. 

Zuvor hatte die DOSAAF vor dem Schiedsgericht geklagt, weil Rosimusch-tschestwo (Föderale Agentur für die Verwaltung von Staatseigentum) unrechtmäßig den Pachtvertrag für das Grundstück, auf dem der Flugplatz liegt, gekündigt hatte. Die Organisation ist bereits seit zehn Jahren Pächterin des Geländes. Gleichzeitig hat das Gericht die Forderung von Rosimuschtschestwo an DOSAAF, einen Teil der ungenutzten Flächen auf dem Territorium des Flugplatzes zur Bebauung freizugeben, für rechtens erklärt. Die Gerichtsentscheidung ist bereits rechtskräftig.

Gericht entschied gegen DOSAAF

Die Gebietsregierung möchte ihrerseits dem Gelände den Status eines Flughafens aberkennen. Wie sich die Ereignisse entwickeln und was am Ende mit dem Grundstück am Rande Königsbergs passieren wird, ist noch völlig unklar. Eines lässt sich jedoch mit Sicherheit heute schon sagen: Die Fläche des Flughafens Devau wird nicht mehr lange unbebaut bleiben. 

Mitbestimmung
Allensteins Bürger durften über Haushalt entscheiden
Zuschauertribünen, Spielplätze, Spazierwege – Die Städter interessierten vor allem Freizeitangebote
Dawid Kazanski

Auf diesen Moment hatten viele Allensteiner gewartet: Die Ergebnisse der Abstimmung über die Verwendung öffentlicher Mittel wurden bekanntgegeben. Die Bürger durften mitentscheiden, welche Ideen zur Entwicklung der städtischen Infrastruktur aus kommunalen Mitteln finanziert werden sollen. 

Das Projekt, für das die meisten Stadtbewohner stimmten, ist der Bau von Zuschauertribünen mit 450 Sitzplätzen in dem gerade erst restaurierten Rugby-Stadion. Außerdem ist vorgesehen,  ein Bürogebäude für die Rugby-Wettkämpfe zu errichten. Das Stadion in der Gietkowska-Straße war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Die mit Unkraut und Sträuchern bewachsene Rasenfläche lag so lange brach, bis die Stadtbehörden beschlossen, das vernachlässigte Sportfeld an den Allensteiner Rugby-Verband zu verpachten. 

Die Bürger hatten die Möglichkeit, ihre Stimmen in zwei Kategorien abzugeben: Stadt- und Wohnsiedlungsprojekte. Abstimmen konnten sie entweder traditionell per Stimmzettel oder über das Internet. Insgesamt wurden fast 57 000 gültige Stimmen abgegeben. Es ging um die Zuteilung von anderthalb Millionen Euro für die Umsetzung der eingereichten Anträge. 

Aus diesen Mitteln werden mehrere Entwürfe gefördert, die im Wettbewerbsverfahren die meisten Punkte erzielten. Ausgezeichnet wurde unter anderem die Idee der Errichtung von Blumenwiesen an fünf Stellen in der Stadt. Auf jeder Wiese sollen Holzhotels für Insekten aufgestellt werden sowie Informationstafeln. Auf diese Weise sollen Inseln für unterschiedliche Pflanzen- und Tiergattungen geschaffen werden. 

Hoch bewertet wurde auch das Vorhaben zur Erweiterung des sehr beliebten Skate-Parks im Bereich des Stadtstrandes, was besonders die Sportbegeisterten erfreute. Interessant ist, dass die Wahlberechtigten neben den unterschiedlichen Angeboten auch das Problem streunender Katzen beschäftigte, die sich unkontrolliert vermehren. Dank den Mitteln aus dem kommunalen Haushalt werden die freilebenden Tiere in ausgewählten Tierkliniken der Kastration unterzogen und nach dem Eingriff bis zu ihrer Freilassung tierärztlich behandelt. 

Erwähnenswert ist auch ein Projekt, das zwar zur Stadtinfrastruktur nichts beiträgt, das aber das Allensteiner Kulturleben wesentlich beleben wird. Es handelt sich um eine Reihe von zehn Konzerten mit Blues- und Rockmusik, die in der Altstadt auf dem Fischmarkt stattfinden sollen. Im Sommer haben jeden Mittwoch sowohl Allensteiner als auch Touristen die Gelegenheit, sich bei Blues- und Rockrhythmen zu entspannen.   

Bei der Abstimmung über Siedlungsprojekte erzielten Entwurfe für den Ausbau beziehungsweise die Erneuerung von Parkplätzen, Fahrradwegen oder Bürgersteigen die höchste Punktzahl. Die Teilnehmer der Abstimmung votierten auch für die Erweiterung des Strandes am Okullsee im Bezirk Göttkendorf. Es ist beabsichtigt, den Strand in einen Freizeit- und einen Sportteil zu unterteilen, wobei auch die Erneuerung des Steges sowie der Kauf neuer Bänke und Liegestühle geplant sind. 

Das Abstimmungsergebnis spiegelt weifellos die Bedürfnisse der Allensteiner nach Freizeitstätten wider. Aus diesem Grund wird ein bedeutender Teil der Haushaltsmittel in Spielplätze, Freiluft-Fitnessstudios, Parkwege, Erholungsgebiete oder Unterhaltungsveranstaltungen investiert. Bei allen, die Anträge gestellt hatten und ihr großes Engagement zeigten, sowie bei denen, die ihre Stimmen abgegeben hatten, bedankte sich der Stadtpräsident Piotr Grzymowicz. 

Meldungen

Weniger Alkoholkonsum

Königsberg – In den letzten acht Jahren ist der Alkoholkonsum der Königsberger Bevölkerung drastisch zurückgegangen: Statt 48 werden pro Erwachsenem und Jahr nurmehr 27 Liter reinen Alkohols konsumiert. Dies sagt zumindest die offizielle Statistik, welche den landesweit hohen und dabei weiter zunehmenden Konsum illegal beziehungsweise „privat“ hergestellter Alkoholika nicht erfasst.  Das nördliche Ostpreußen liegt damit zurzeit amtlich knapp einen halben Liter über dem russischen Landesdurchschnitt. Laut aktuellen Angaben der Königsberger Stadtverwaltung beträgt die mittlere Lebenserwartung in der Gebietshauptstadt mit momentan 72 Jahren ein Jahr weniger als im Gesamtstaat.T.W.W.





Interesse an Königsberg

Königsberg – Das deutsch-russische Diskussionsforum Petersburger Dialog wird im Jahr 2020 in Königsberg stattfinden. Dies bestätigte der sauerländische SPD-Bundestagsabgeordnete, Dialog-Mitorganisator und Beauftragte der Bundesregierung für die Zusammenarbeit mit Russland, Dirk Wiese, gegenüber der Moskauer Zeitung „Iswestija“. Das Interesse der Bundesbürger am Königsberger Gebiet sei durch die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2018 sowie die jüngste Einführung des Elektronischen Visums spürbar gewachsen und werde sich angesichts des bevorstehenden 300. Geburtstags Immanuel Kants nochmals deutlich erhöhen, ließ der Westfale seine russischen Gesprächspartner wissen.T.W.W.


S. 14 Glückwünsche

Wir gratulieren …

ZUM 99. GEBURTSTAG

Schenkewitz, Lotte, geb. Kowalewski, aus Reiffenrode, Kreis Lyck, am 10. Januar

ZUM 98. GEBURTSTAG

Gonska, Horst, aus Moithienen, Kreis Ortelsburg, am 10. Januar

Witt, Frieda, geb. Quednau, aus Lyck, Yorkstraße 1, am 14. Januar

ZUM 97. GEBURTSTAG

Drebot, Gertrud, geb. Seidler, aus Bieberswalde, Kreis Wehlau, am 16. Januar

Müller, Edith, geb. Hildebrandt, aus Groß Degesen, Kreis Ebenrode, am 15. Januar

Scheller, Hildegard, geb. Dronsek, aus Skomanten, Kreis Lyck, am 16. Januar

Sembach, Ruth, geb. Pilchowski, aus Lyck, Blücherstraße 2, am 13. Januar

Sokolowski, Gertrud, geb. Sokollek, aus Skomanten, Kreis Lyck, am 11. Januar

ZUM 96. GEBURTSTAG

Abendroth, Christel, geb. Torner, aus Lyck, Thorner Str. 1, am 15. Januar

Brosowske, Erich, aus Prostken, Kreis Lyck, am 15. Januar

Gerhardi, Traute, geb. Bröker, aus Prostken, Kreis Lyck, am 10. Januar

Murr, Edith, aus Lyck, am 11. Januar

Nachtweyh, Waltraud, geb. Zyiewitz, aus Neidenburg, am 11. Januar

Plaga, Gerhard, aus Lyck, am 16. Januar

Rottschalk, Margarete, geb. Werner, aus Neukirch, Kreis Elchniederung, am 14. Januar

Weiß, Heinz, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 12. Januar

ZUM 95. GEBURTSTAG

Altmeyer, Heinz, aus Lyck, am 14. Januar

Bieber, Elfriede, geb. Kischkel, aus Lyck, am 11. Januar

Girth, Walter, aus Ruß, Kreis Heydekrug, am 13. Januar

Krupinski, Bruno, aus Rehfeld, Kreis Treuburg, am 12. Januar

Liebert, Ursula, aus Lyck, am 11. Januar

Wedler, Hermann, aus Neuginnendorf, Kreis Elchniederung, am 11. Januar

Wiese, Irmgard, geb. Launus, aus Lesgewangen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 15. Januar

ZUM 94. GEBURTSTAG

Biesenthal, Edith, geb. Müller, aus Heiligenkreutz, Kreis Fischhausen, am 14. Januar

Hartwig, Christel, geb. Kraschewski, aus Willkassen, Kreis Treuburg, am 12. Januar

Liss, Ulrich, aus Lötzen, am 11. Januar

Marschand, Hildegard, geb. Schink, aus Fischhausen, am 10. Januar

Sohn, Hertha, geb. Luick, aus Groß Kuhren, Kreis Fischhausen, am 13. Januar

Trakowski, Gretchen, geb. Pape, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 14. Januar

Vierck, Helene, geb. Parzianka, aus Steintal, Kreis Lötzen, am 13. Januar

ZUM 93. GEBURTSTAG

Bandilla, Rosemarie, geb. Rompel, aus Langheide, Kreis Lyck, am 13. Januar

Heuss, Ruth, geb. Gulbis, aus Rossitten, Kreis Fischhausen, am 11. Januar

Horn, Otto, aus Schloßbach, Kreis Ebenrode, am 14. Januar

Kopitzki, geb. Borowski, aus Grallau, Kreis Neidenburg, am 12. Januar

Raphael, Betty, geb. Pollehn, aus Herrnbach, Kreis Lyck, am 15. Januar

Reiche, Hildegard, geb. Mikoteit, aus Finkenhagen, Kreis Tilsit-Ragnit, am 15. Januar

Schoenig, Willi, aus Seedorf, Kreis Lyck, am 12. Januar

Siering, Marianne, aus Neukuhren, Kreis Fischhausen, am 11. Januar

ZUM 92. GEBURTSTAG

Gresch, Wilhelm, aus Neidenburg, am 10. Januar

Krohm, Luise, aus Ebenrode, am 11. Januar

Pohl, Margarete, geb. Kalaschewski, aus Paterswalde, Kreis Wehlau, am 15. Januar 

Siebert, Hilda, geb. Konrad, aus Deutschendorf, Kreis Preußisch Holland, am 11. Januar

ZUM 91. GEBURTSTAG

Christiansen, Kunigunde, geb. Galda, aus Sonnau, Kreis Lyck, am 10. Januar 

Haberer, Hannelore, geb. Stepputis, aus Altenkirch, Kreis Tilsit-Ragnit, am 15. Januar

Jankowski, Ingeborg, geb. Riehl, aus Garbassen, Kreis Treuburg, am 15. Januar

Jeschke, Walter Otto, aus Grünfließ, Kreis Neidenburg, am 12. Januar

Konstanty, Adalbert, aus Wilhelmshof, Kreis Ortelsburg, am 14. Januar

Kukielka, Friedrich, aus Borschimmen, Kreis Lyck, am 10. Januar

Lange, Rudi, aus Burdungen, Kreis Neidenburg, am 12. Januar

Piassek, Edith, aus Albrechtsfelde, Kreis Treuburg, am 11. Januar

Scheel, Doris, geb. Hobucher, aus Altenkirch, Kreis Tilsit-Ragnit, am 11. Januar

Schmidtmeier, Waltraut, geb. Sudau, aus Wartenhöfen, Kreis Elchniederung, am 12. Januar

Wolff, Edith, geb. Patommel, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 10. Januar

Zacher, Hildegard, geb. Sender, aus Wappendorf, Kreis Ortelsburg, am 15. Januar

ZUM 90. GEBURTSTAG

Albat, Heinz, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 15. Januar

Boe, Irene, geb. Zöllner, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 10. Januar

Brauch, Lonny, geb. Stolz, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 15. Januar

Czylwik, Werner, am 30. Dezember

Godau, Grete, geb. David, aus 

Plibischken, Kreis Wehlau, am 12. Januar

Gödecke, Gerda, geb. Nötzel, aus Klemenswalde, Kreis Elchniederung, am 13. Januar

Hildebrandt, Anni, aus Heiligenkreutz, Kreis Fischhausen, am 12. Januar

Kahl, Horst, aus Ortelsburg, am 15. Januar

Kirner, Magdalene, geb. Ryck, aus Auglitten, Kreis Lyck, am 14. Januar

Lenz, Brigitte, geb. Lingk, aus Neukuhren, Kreis Fischhausen, am 12. Januar

Martens, Gerda, geb. Herrmann, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 13. Januar

Möller, Hannelore, geb. Serrek, aus Wittenwalde, Kreis Lyck, am 14. Januar

Müller, Werner, aus Kreuzingen, Kreis Elchniederung, am 13. Januar

Papajewski, Heinz, aus Braynick, Alfredshausen, Kreis Neidenburg, am 14. Januar

Pidun, Willy, aus Maldanen, Kreis Ortelsburg, am 11. Januar

Sanden, Helmut, aus Ebenfelde, Kreis Lyck, am 11. Januar

Schultz, Willy, aus Wehlau, am 14. Januar

Tomuschat, Kurt, aus Schalau, Kreis Tilsit-Ragnit, am 16. Januar

Vent, Annilore, geb. Schiffke, aus Wehlau, am 12. Januar

ZUM 85. GEBURTSTAG

Becker, Lydia, geb. Jeromin, aus Schwiddern, Kreis Treuburg, am 11. Januar

Brangewitz, Willi, aus Willenberg, Kreis Ortelsburg, am 13. Januar

Busch, Ursula, geb. Sakrzewski, aus Gorlau, Kreis Lyck, am 13. Januar

Christochowitz, Heinz, aus Bärengrund, Kreis Treuburg, am 11. Januar

Falkenau, Kurt, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 10. Januar

Fischer, Gerda, geb. Heller, aus Krattlau, Kreis Fischhausen, am 10. Januar

Heinrich, Rosemarie, geb. Tiegs, aus Dankfelde, Kreis Lötzen, am 13. Januar

Holibiuk, Lilly, aus Groß Rauschken, Kreis Ortelsburg, am 14. Januar

Jeschik, Karl, aus Gorlau, Kreis Lyck, am 14. Januar

Kowallik, Ruth, geb. Laskowski, aus Georgsfelde, Kreis Lyck, am 14. Januar

Kristandt, Erna, aus Peyse, Kreis Fischhausen, am 11. Januar

Matten, Heinrich, aus Wallenrode, Kreis Treuburg, am 16. Januar

Muhr, Waltraud, geb. Jankuhn, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 9. Januar

Nötzel, Gisela, geb. Schmidt, aus Ebendorf, Kreis Ortelsburg, am 14. Januar

Pirdßun, Rudolf, aus Hopfenbruch, Kreis Ebenrode, am 15. Januar

Reimann, Renate, geb. Frank, aus Königsberg, Sternwartstraße 10, am 10. Januar

Schönherr, Marianne, geb. Glowatz, aus Neumalken, Kreis Lyck, am 15. Januar

Siegmon, Edith, geb. Augustin, aus Hasenberg, Kreis Wehlau, am 15. Januar

Sommer, Christel, geb. Haering, aus Gutweide, Kreis Ebenrode, am 11. Januar

Splettstößer, Adeltraut, geb. Lietke, aus Kirpehnen, Kreis Fischhausen, am 11. Januar

Stöllger, Ulrich, aus Altengilge, Kreis Elchniederung, am 15. Januar

Terner, Alfred, aus Ebenrode, am 15. Januar

Waschkewitz, Paul, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 14. Januar

Waschnewski, Heinrich, aus Illowo, Kreis Neidenburg, am 16. Januar

ZUM 80. GEBURTSTAG

Babarski, Gerhard, aus Schönhorst, Kreis Lyck, am 16. Januar

Brost, Wilhelm, aus Altenkirch, Kreis Tilsit-Ragnit, am 12. Januar

Czinczel, Werner, aus Lyck, am 14. Januar

Denhauser, Urte, aus Lyck, am 13. Januar

Deptolla, Bernhard, aus Lebenberg, Kreis Ortelsburg, am 10. Januar

Gerlach, Hans-Georg, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 1. Januar

Gerteis, Hanne-Lore, geb. Dietrich, aus Lyck, am 14. Januar

Jeglinski, Bruno, aus Gusken, Kreis Lyck, am 11. Januar

Kiaulehn, Horst, aus Brüsterort, Kreis Fischhausen, am 14. Januar

Linka, Werner, aus Eichthal, Kreis Ortelsburg, am 14. Januar

Lüchau, Sabine, geb. Goldenbaum, aus Alexwangen, Kreis Fischhausen, am 11. Januar

Lumma, Winfried, aus Rastenburg, am 16. Januar

Nyvlt, Erika, geb. Schulz, aus Ansorge, Kreis Elchniederung, am 11. Januar

Polutta, Siegfried, aus Keipern, Kreis Lyck, am 13. Januar

Rautenberg, Heinz, aus Gutten, und Steintal, Kreis Lötzen, am 15. Januar

Rosenberger, Edeltraut, geb. Andreas, aus Kalkhof, Kreis Treuburg, am 16. Januar

Stanko, Hartmut, aus Wiesenhöhe, Kreis Treuburg, am 10. Januar

Taudien, Christel, aus Raging, Kreis Elchniederung, am 14. Januar

ZUM 75. GEBURTSTAG

Bahr, Dietlinde, geb. Neumann, aus Gottesgnade, Kreis Preußisch Eylau, am 7. Januar

Prydzuhn, Reinhard, aus Schwalgenort, Kreis Treuburg, am 13. Januar 

Sczepanek, Helmut, aus Schuttschen, Kreis Neidenburg, am 12. Januar


S. 15 Heimat

Aus den Landesgruppen der Landsmannschaft Ostpreußen e.V.

Baden-Württemberg

Vorsitzende: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart Tel.: 0711 - 85 40 93, uta.luettich@web.de Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, 2. Stock, Zimmer 219 (Sprech-stunden nach Vereinbarung)

Jahresprogramm

Ludwigsburg – 

Dienstag 21.01. 15:00 Uhr Stammtisch.

Dienstag 18.02. 15:00 Uhr 

Jahreshauptversammlung mit Königsberger-Klopse-Essen.

Dienstag 17.03. 15:00 Uhr. Stammtisch

Dienstag 21.04. 15:00 Uhr 

Frühlingsfest.

Dienstag 19.05. 15:00 Uhr Stammtisch.

Juni Sommerpause! 

Juli Sommerpause! 

August Sommerpause!

Dienstag 15.09. 15:00 Uhr Stammtisch.

Dienstag 20.10. 15:00 Uhr. Stammtisch.

Dienstag 17.11. 15:00 Uhr Stammtisch.

Dienstag 15.12. 15:00 Uhr Vorweihnachtsfeier.

Alle Veranstaltungen finden im „Krauthof“, Beihinger Straße 27 in Ludwigsburg statt.


Bayern

Vorsitzender: Christoph Stabe Ringstraße 51a, App. 315, 85540 Haar Tel.: (089)23147021 stabe@low-bayern.de, www.low-bayern.de Geschäftsstelle: Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, Tel.: (089) 517826, Fax (0821) 3451425, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www.low-bayern.de

Hof – Die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen trifft sich am Samstag, dem 11. Januar 2020 um 15 Uhr in der Altdeutschen Bierstube in Hof wieder. In der Jahreshauptversammlung wird der Vorstand über die Arbeit des vergangenen Jahres berichten. Gäste sind immer herzlich willkommen.

München – 2020 ist das Gedenkjahr 75 Jahre Flucht und Vertreibung. Die Generation der Zeitzeugen wird nicht mehr lange da sein, um uns an die Erlebnisse zu erinnern und die Kultur weiterzutragen. Damit stellt sich die Frage, wie wir in den nächsten Generationen damit umgehen wollen. Sylvia Stierstorfer, MdL , die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, wird daher am 6. März 2020 im Bayerischen Landtag in München ein Jugendforum zum Thema „Kultur leben – Erinnerung bewahren“ veranstalten. Das Jugendforum soll den Teilnehmern Raum geben, darüber zu diskutieren, was sie für bewahrenswert erachten und wie man dies am besten bewahren könnte.

Weiden – Nächste Zusammenkunft am 2. Februar 2020 um 14.30 Uhr im Café Mitte.


Hessen

Vorsitzender: Ulrich Bonk Stellv. Vorsitzender:: Gerhard Schröder, Engelmühlenweg 3, 64367 Mühltal, Tel. (06151)148788. 

Wetzlar – „Erinnerungen an Ostpreußen“. Unter diesem Thema steht das Treffen der Landsmann-schaft der Ost- und Westpreußen – Kreisgruppe Wetzlar am Mon-tag, den 13. Januar 2020, um 13 Uhr. Es geht um die Erinnerungen von Friedrich-Wilhelm Georg (Braunfels), langjähriger Leiter des Naturschutzzentrums Hessen in Wetzlar. Vorgetragen werden sie von Kuno Kutz.

Die Gruppe trifft sich dazu im Res-taurant Grillstuben (Stoppelberger Hohl 128). Der Eintritt ist frei. Kontakt: Kuno Kutz, Telefon: (06441) 770559.

Jahresprogramm

Wetzlar - 

Kuno Kutz stellt ostpreußi-schen Humor vor – Montag, 10. Februar, um 13 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben"

„Was Essen zum Genuss macht“. Vortrag mit Grützwurstessen – Montag, 9. März, um 12 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben"

„Wanderfahrt nach Pommern“. – Lichtbildervortrag von Wolfgang Post – Montag, 6. April, um 13 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben“

Vortrag „Posen und das Posener Land“ – Montag, 11. Mai, um 13 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben“

Vortrag „Volksabstimmung 1920 in Ost- und Westpreußen“ – Montag, 8. Juni, um 13 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben“

Grillfest im Schützenhaus Nauborn – Samstag, 4. Juli, ab 13 Uhr im Schützenhaus am Bobenhöllerwald in Wetzlar-Nauborn

Lichtbildervortrag „Eine Reise in unsere Heimat“ – Montag, 14. September, um 13 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben“

Vortrag „Hell die Gläser klingen – unser deutscher Gerstensaft“ – Montag, 12. Oktober, um 13 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben"

Vortrag „Pillau 45 – Hundert Tage im Fluchthafen der Weltgeschichte“ – Montag, 9. November, um 13 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben“

Advents- und Weihnachtsfeier Sonntag, 29. November, um 15.30 Uhr in der Gaststätte „Grillstuben“


Nordrhein-Westfalen

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel.: (02964)1037. Fax (02964)945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: Ostpreussen-NRW.de.

Gedenkschrift der Landes­gruppe Nordrhein-Westfalen

70 Jahre Landsmannschaft Ostpreußen Landesgruppe Nordrhein-Westfalen e.V. 1949–2019

320 Seiten, zahlreiche Abbildungen in Farbe und schwarz-weiß, Preis (Spende): 5,00 Euro, zuzügl. Versandkosten.

Vor zehn Jahren hat die Landesgruppe NRW eine Gedenkschrift zu ihrem 60-jährigen Bestehen herausgegeben, die einen Umfang von 224 Seiten hatte und seit längerem vergriffen ist. Ein Rezensent meinte damals: „Auf jeden Fall kaufen und für die Enkel aufheben – eines Tages werden sie froh darüber sein!“ 

Unter diesem Gesichtspunkt hat die Landesgruppe NRW anlässlich ihres 70-jährigen Bestehens wiederum eine Gedenkschrift herausgegeben – wesentlich erweitert und aktualisiert. Sie umfasst nun 320 Seiten. Die Schrift enthält viele Abbildungen in Farbe und s/w. Sie stellt ein Zeit-, Geschichts- und Kulturdo-kument ersten Ranges dar.

Bestellungen bitte bei Brigitte Schüller-Kreuer, Schriftführerin der Landesgruppe, via E-Mail: Schueller-Kreuer@Ostpreußen-NRW.de sowie bei allen Vorstandsmitgliedern, oder telefonisch unter: 0 22 24 – 987 37 67.

Jahresprogramm

Düren – Heimatabende an jedem ersten Mittwoch im Monat um 17.00 Uhr. Haus des Deutschen Ostens, Holzstraße 7a in Düren. Wir laden alle Mitglieder und Freunde der Heimat ganz herzlich dazu ein.

5. Februar – „Wir wollen lustig sein“, Karneval

4. März – Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen in der Landsmannschaft Ost-Westpreußen sowie im Bund der Vertriebenen

1. April – Vortrag

6. Mai – Wir begrüßen den Mai mit fröhlichen Liedern.

Juni – Keine Veranstaltung

Juli – Keine Veranstaltung

5. August – Austausch von Reiseerfahrungen in den Ferien

2. September – Tagesausflug

7. Oktober – Erntedankfest mit Überraschung

4. November – Totengedenken

2. Dezember – Adventsfeier um 16.00 Uhr.

Düsseldorf – Mittwochs, 18.30 bis 20 Uhr, Eichendorff-Saal: Chorproben mit Radostina Hristova.


Schleswig-Holstein

Vorsitzender: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Tel.: (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info.

Bad Oldesloe – Zu ihrer Dezember-Runde waren die Ost- und Westpreußen in Bad Oldesloe im festlich geschmückten Haus Baltrusch zu Gast. Die Vorsitzende begrüßte die Anwesenden und dankte für die Einladung. Sie las zur Einstimmung ihr Gedicht „Stille Nacht“ und zwei weihnachtliche Geschichten aus ihrem kleinen Buch „Besinnung auf das Licht“. Im Verlauf des Nachmit-tags las Annemarie Knopf „Eine Schneeflocken-Romanze“, ein Beispiel für den ewigen Kreislauf der Natur. 

Im weiteren Verlauf berichteten die Teilnehmer über die Weihnachtsfeste in der Familie, die sie noch in der Heimat als Kinder erlebt hatten sowie über die Weihnachtsfeste in der kargen Nachkriegszeit. 

Gute Wünsche und Grüße richteten sich an die Mitglieder, die an unseren Treffen leider nicht mehr teilnehmen können. 

Gisela Brauer

Burg /Fehmarn – Film über das südliche Ostpreußen

Georg Marquardt aus Burg/Fehmarn zeigt am Dienstag, den 14 Januar 2020 bei der Landsmannschaft Ost-, Westpreußen und Danzig im „Haus am Stadtpark“ um 15.00 Uhr seinen Film „Rund-reise durch das südliche Ostpreußen“ . 

Haus am Stadtpark, Burg/Fehmarn, Bahnhofstraße 45, 23769 Fehmarn

Gäste sind natürlich sehr herzlich willkommen.

Es wird wieder genäht

Elmshorn – Auch im Jahr 2020 ruft Nadja Berning-Pampel wieder zu den beliebten Nähtreffs am Elmshorner „Forum Baltikum - Dittchenbühne“. 

Der erste Nähtreff ist bereits am 15. Januar 2020, ein Vormittagstermin am Mittwoch von 9 bis 12 Uhr. Der Donnerstags-Treff – immer am Nachmittag von 19.30 bis 21.30 Uhr – startet dann am 30. Januar 2020. 

Die weiteren Termine im ersten Halbjahr: mittwochs am 12. Februar, 11. März, 6. Mai und 10. Juni sowie donnerstags am 27. Februar, 26. März, 30. April und 25. Juni. 

„Du möchtest nähen lernen oder deine Fertigkeiten verbessern?“, fragt Leiterin Nadja Berning-Pampel. „Oder suchst Du Inspirationen für dein nächstes Projekt?“ – und gibt auch gleich die Antwort: „Dann komm zu unserem Nähtreff in der Dittchenbühne!“ 

Kosten: 5 Euro pro Monat. Anmeldung jederzeit unter Telefon (04121) 89710.

Elmshorn – Eine der ersten Veranstaltungen des „Forum Baltikum – Dittchenbühne“ im neuen Jahr ist traditionell der „Finnische Abend“. 

So auch 2020: Am Donnerstag, 16. Januar, startet um 19 Uhr ein „Ausflug in die Welt der finnischen Mythologie“ – mit der Referentin Johanna Hansen, Lektorin für finnische Sprache vom Institut für Finnougristik/Uralistik der Universität Hamburg.

Ein Mythos der Finnen beschreibt beispielsweise die Entstehung der Welt: Aus sieben Eiern eines Entenvogels ist sie entstanden – Eier, die vom Knie der Göttin der Lüfte, Ilmatar, heruntergefallen sind und dabei zerbrachen. Aus den Schalen wurden die Himmelskuppeln und das feste Land, aus dem Eigelb die Sonne und der Sonnengott Päivätär, aus dem Eiweiß der Mond und der Mondgott Kuu, und aus den restlichen kleinen Eierschalenstücken bildeten sich die Sterne. 

Wie immer wird es während des Finnischen Abends auch einen finnischen Imbiss geben – der im Eintrittspreis von 15 Euro bereits inkludiert ist. Nähere Informationen zur Veranstaltung und Anmeldung beim „Forum Baltikum – Dittchenbühne“, Hermann-Sudermann-Allee 50, 25335 Elmshorn. Telefon: (04121) 89710; E-Mail: buero@dittchenbuehne.de.

Elmshorn – Dittchenbühne: 

Kindermalspaß mit Illustratorin Susanne Berger

„Malen und Zeichnen für Kinder“ – das ist, kurz gesagt, das Programm der Elmshorner „Dittchenmalschule“, die am 22. Januar 2020 ihre Mittwochs- und am 23. Januar ihre Donnerstagskurse startet. 

Unter der Leitung der Elmshorner Illustratorin und Künstlerin Susanne Berger („Fina & Freddy“) endecken Kinder ab 5 Jahren an sechs Nachmittagen ihren Spaß am Malen und Zeichnen. Bilder werden gemalt, geklebt, gedruckt und vieles mehr... Das Skizzieren einer Idee gehört genauso dazu wie die Ausarbeitung des Originals mit Tusche und Acrylfarben in verschiedenen Techniken. Präsentiert werden die Arbeiten der Künstler am Ende des Kurses in einer Ausstellung für Eltern, Ver-wandte und Freunde in den Räumlichkeiten der Dittchenbühne.

Für Kinder von 5 bis 7 Jahren finden die Kurse von 14.30 bis 15.30 Uhr statt, für Kinder ab 8 Jahren von 16 bis 18 Uhr. Und zwar je-weils mittwochs (22. Januar, 19. Februar, 18. März, 22. April, 27. Mai und 17. Juni 2020) oder donnerstags (23. Januar, 20. Februar, 19. März, 23. April, 28. Mai und 18. Juni 2020). Die Teilnehmergebühr beträgt 77 Euro.

Nähere Informationen bei Susanne Berger (04121/61726) oder bei der Dittchenbühne. Anmeldung beim „Forum Baltikum – Dittchenbühne“. 

Kiel - Einladung zum Preußentag

Sonntag, 19. Januar, 10 Uhr, Haus der Heimat, Wilhelminenstraße 47-49, 24103 Kiel. Tagesordnung:

1. Begrüßung und Eröffnung durch den Vorsitzenden der LO Schleswig-Holstein, Edmund Ferner.

2. Vortrag: „Deutschlands Geschichtsbild 2020“, Referent: Generalmajor a. D. Gerd Schultze- Rhonhof, anschl. Diskussion

3. Mittagessen (ca. 12.00 Uhr)

4. Vortrag: „Kriegssschauplatz Ostpreußen im Ersten Weltkrieg und die Zeit nach den Kämpfen“, Referent Peter Gerigk

5. Sketch von Ingelore Spaeth und

Jochen Gawehns

6. Verschiedenes

7. Kaffeetrinken

8. Zum Ausklang des Tages singen wir das Ostpreußenlied.

S. 17 Heimat

Heimatkreisgemeinschaften

Preußisch Eylau

Kreisvertreter: Evelyn v. Borries, Tucherweg 80, 40724 Hilden, Telefon (02103) 64759, Fax: (02103) 23068, E-Mail: evborries@gmx.net. Kartei, Buchversand und Preußisch Eylauer-Heimatmuseum im Kreishaus Verden/Aller Lindhooper Straße 67, 27283 Verden/Aller, E-Mail: preussisch-eylau@landkreis-verden.de, Internet: www.preussisch-eylau.de. Unser Büro in Verden ist nur noch unregelmäßig besetzt. Bitte wenden Sie sich direkt an die Kreisvertreterin Evelyn v. Borries.

Liebe Kreis-Preußisch-Eylauer, die Herbstausgabe unseres Kreisblatts ist erschienen. Wer es nicht bekommen hat, kann es unter der obigen Anschrift anfordern. Frank Steinau hat wieder einen bunten Strauß wichtiger Informationen zusammengestellt, so über das Schicksal der deutschen Flüchtlinge in Dänemark, über die Ge-schichte der Güter Perscheln und Tharau und – wieder neue Fluchtberichte. 

Wir müssen diese auch deshalb lesen, weil aus ihnen nicht nur die wundersame Rettung der Berichterstatter hervorgeht, sondern auch das Schicksal derer, die es, überwältigt von Waffengewalt, Frost, Hunger und Typhus, nicht geschafft haben und somit nicht mehr berichten können. Sie sind zu Opfern geworden, und wir sind es schuldig, ihrer zu gedenken, d. h. an sie zu denken, damit sie nicht vergessen werden.


Rößel

Kreisvertreter: Egbert Neubauer, Nordparkweg 29, 41462 Neuss, Telefon (02131) 569408. E-Mail: Kreisgemeinschaft-Roessel@gmx.de. Stellv. Kreisvertreter: Ernst Grünheidt, Schatzmeister: Siegfried Schrade, Schriftführerin: Waltraud Wiemer, Archivarin/Karteiführerin: Ursula Schlempe.

Jahresprogramm der Kreisgemeinschaft Rößel e.V.

Freitag, 24. Januar 2020 – Ökumenischer Gottesdienst der Landsmannschaften im Rhein-Kreis Neuss und der Kreisgemeinschaft Rößel e.V. 17.00 Uhr im St. Quirinus Münster, Münsterplatz, 41460 Neuss.

Donnerstag, 30. Januar 2020 – Tag der offenen Tür, 15.00 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstr. 17, 41460 Neuss.

Sonntag, 03. Mai 2020 – Wallfahrt der Ermländer nach Werl,

10.00 Uhr. Wallfahrtshochamt um 15.00 Uhr. Anschließend Treffen der Ermländer Kirchspiele in verschiedenen Lokalen in Werl mit Vesper.

Sonntag, 10. Mai 2020 – Seeburger Kaffeeklatsch im Maternushaus, 13.00 Uhr, Kardinal-Frings-Str. 1, 50668 Köln. Auskunft bei Siegfried Hoppe, Tel.: (02267) 4953

Donnerstag, 25. Juni 2020 – 

Tag der offenen Tür, 15.00 Uhr, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstr. 17, 41460 Neuss

Sonntag, 2. August 2020, Treffen der „Bischofsteiner“ im Altenberger Hotel „Stür“. Auskunft: Gerdy Freise, Tel.: (02232) 411881

Donnerstag, 6. bis Sonntag, 9. August 2020, Treffen der „Bischofsburger Heimatfreunde“ im Haus Mariengrund, Nünningweg 133, 48161 Münster. Auskunft und Anmeldung bei Horst Ehlert, Schmalenau 3, 59821 Arnsberg, Tel.: 02931-7323 oder ehlert-horst@onlinehome.de 

Samstag, 19. September 2020, Hauptkreistreffen der Kreisgemeinschaft Rößel e.V. 10.00 Uhr Hl. Messe in der Kirche Immaculata der Augustinerinnen, Augustiniusstr. 46, 41464 Neuss. Anschließend Feierstunde im Berufsbildungszentrum, Hammfelddamm 2, 41460 Neuss. Näheres zur Jahreshauptversammlung und zum Programm wird noch bekannt gegeben.

Donnerstag, 26. November 2020, Ostdeutsche Heimatstube, Oberstr. 17, 41460 Neuss

Sonntag, 13. Dezember 2020, Adventsfeier der Kreisgemeinschaft Rößel e.V., 14.00 Uhr, Hl. Messe in der Pfarrkirche St. Marien Neuss (gegenüber dem Hbf. Neuss), 15.00 Uhr Adventsfeier bei Kaffee und Kuchen, Musizieren und Singen im Marienhaus, Kapitelstr. 36, 41460 Neuss (fünf Gehminuten von der Kirche entfernt).

S. 18 Heimat

Reisen in die Heimat
Ostpreußen im Winter - Ein Traum in Weiß
Eindrücke einer kleinen Reisegruppe, die bei Eis und Schnee ins nördliche Ostpreußen aufbrach
Gabriele Bastemeyer

Seit Jahren ist in mir der Wunsch gewachsen, das Land meiner Vorfahren einmal im Winter zu erleben, bei Schnee und Eis. Ich habe mich deshalb riesig gefreut, dass mich Bärbel Dawideit und Wolfgang Nienke im Auto mitgenommen haben.

Am 1. Februar 2019 morgens um 5.30 Uhr ging das Abenteuer in Tellschütz-Zwenkau bei Leipzig los. Ich hatte mir wegen des Winterwetters Sorgen gemacht, aber die Straßen waren überall geräumt, in Deutschland, in Polen und in Russland. Über Deutsch Krone [Walcz] und Jastrow ging es Richtung Osten. In Schlochau machten wir Pause in einem sehr schönen Restaurant. Ich habe dort Kartoffelpuffer mit saurer Sahne gegessen und leckeren Cappuccino getrunken. Bei Heiligenbeil haben wir die polnisch- russische Grenze problemlos schnell hinter uns gebracht. Erst auf dem letzten Stück der Fahrt, kurz vor Heinrichswalde, wurde die Straße winterlich glatt. Und so kamen wir nach zwölfeinhalb Stunden Fahrt um 16 Uhr MEZ und 17 Uhr Heinrichswalder Zeit, in Heinrichswalde [Slawsk]an. Unser Quartier bei Nadja und Alik lag in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses von Heinrichswalde in einer ruhigen Nebenstraße. Wir wurden wunderbar von Nadja bewirtet, wie schon bei meinem Besuch im Jahr 2015. Gegen meinen Husten bekam ich sofort einen Lindenblütentee mit Honig. Wir warteten am Abend dieser langen Tagesreise noch bis um Mitternacht auf Dieter Wenskat, den Kirchspielvertreter für Kreuzingen und Gowarten, der eigentlich zeitgleich mit uns ankommen wollte. Wir hatten keine Nachricht von ihm und machten uns große Sorgen.

Am nächsten Tag hatten wir uns mit Lidia, unserer Dolmetscherin, und mit Wjatscheslaw Kent, dem Leiter des Museums, in der Friedrichstraße verabredet. Herr Kent zeigte uns seine Schätze, von der alten Schulbank über steinerne Kanonenkugeln (gefunden bei Kaukehmen/Kuckerneese) bis zu Brotkarten und anderen Dokumenten des 20. Jahrhunderts. Anschließend waren wir in der nahegelegenen Kirche, in der mein Großvater Ernst Loerke 1878 getauft wurde. Vom Wohn- und Geschäftshaus seiner Eltern, des Kaufmanns Louis Loerke und der Köllmertochter Friederike Lessing, in der Friedrichstraße 66, musste man nur über die Straße gehen - schon war man am großen Eingangsportal der evangelischen Kirche. In der Kirche stieg ich mit Herrn Kent die Holztreppe nach oben. Der Blick auf das Kirchenschiff in seiner ganzen Größe ist überwältigend, aber danach habe ich Angst, nie mehr nach unten zu kommen auf dieser wackeligen „Hühnerleiter“.

Es wurde zum zweiten Mal Abend seit unserer Ankunft in Heinrichswalde. Dieter war immer noch nicht da. Unsere Sorgen wurden immer größer. Letzte empfangene Nachricht: Man lässt ihn mit seinen vielen Hilfsgütern nicht nach Russland einreisen. Seit dem 1. Januar 2019 darf man nur noch 25 Kilogramm pro Person nach Russland einführen- und das inklusive eigenem Gepäck! Dann stand Dieter kurz vor 20 Uhr strahlend in der Tür. Mit Honigschnaps und süßem Sekt begossen wir unser aller Erleichterung.

Die Folge war bei mir am nächsten Morgen: ein Brummschädel. Um zehn Uhr waren wir zum Gottesdienst im Gemeindehaus in der Leninstraße eingeladen. Er wurde von Lidia Lobakina und Wolfgang Nienke gestaltet und mit Musik untermalt, gespielt von der ehemaligen Direktorin der Musikschule. Mir fiel auf, wie sauber und adrett die Heinrichswalder gekleidet waren. Ich wurde an meine Kindheit und alte Fotos von damals in „Sonntagskleidung“ erinnert. Mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass diese Zeit bei uns vorbei ist. Bezüglich der Kleidung geht es bei uns in Deutschland doch recht lässig zu, mit Ausnahme von besonderen Festlichkeiten. Nach dem Gottesdienst tagte der Kirchenverein. Von den 37 Mitgliedern waren 

13 anwesend. Danach waren wir zu einem kleinen Imbiss eingeladen. Auch in der Küche des Gemeindehauses war alles supersauber und ordentlich.

Um 15 Uhr ging unser Programm weiter. Wir fuhren zum Kaffeetrinken zu Schwester Barbara und Schwester Helena in das Kinderheim in der Offiziersstraße. Sie leben dort noch mit sechs Kindern zusammen. Die anderen sind inzwischen schon selbstständig und ausgezogen. 

Am nächsten Morgen, dem 4. Februar 2019, war alles weiß. Über Nacht waren 15 Zentimeter Neuschnee gefallen. Auf meinen Wunsch hin machen wir uns auf die Suche nach der einstigen Mennonitenkirche der Memelniederung in Adlig Pokraken. Die Kirche lag malerisch in einem Bogen der Schalteik (Große Selse) im Ort Grietischken, der von 1938 bis 1945 Grieteinen genannt wurde. Schon seit dem Jahr 1831 trafen sich die Mennoniten hier zum sonntäglichen Gottesdienst, parallel dazu auch in Plauschwarren. Seit 1893 fanden die Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen der Mennoniten der Memelniederung und der sonntägliche Gottesdienst nur noch in Adlig Pokraken statt.

Heute ist dort nichts mehr vom ehemaligen Gotteshaus zu sehen. Wir hielten auf der Straße, die nach Pokraken (Weidenau) führt, und stapften auf der linken Straßenseite durch einen Graben und hohen Schnee. 1948 hat die Mennonitenkirche noch gestanden. Niemand weiß, wann sie endgültig verschwand, wann der letzte Stein abtransportiert wurde und mit ihm ein wichtiges Kapitel der Geschichte der Mennoniten, die sich aus der ganzen Memelniederung hier regelmäßig mit ihren Pferdefuhrwerken einfanden.

Weiter ging es nach Pokraken, von 1938 bis 1945 Weidenau und heute Leninskoje genannt, zur Ruine der evangelischen Kirche. Sie also steht wenigstens noch. Ich habe eine besondere Beziehung zu ihr, denn mein Ur-Ur- Großvater Johann Albert Lepa (1825–1892) war hier nicht nur 

38 Jahre lang königlicher Schullehrer, sondern auch der erste Präzentor der Kirchengemeinde Pokraken. Er soll maßgeblich zum Bau dieser Kirche beigetragen haben, deren Vollendung er nicht mehr erlebte. Das Kirchendach ist schon lange eingestürzt, der Rest hält sich beharrlich und sieht schneebedeckt heute malerisch aus, umgeben von weißgepuderten Bäumen.

Zurück in Heinrichswalde, ging ich nachmittags mit Bärbel Dawideit auf eisglatten Wegen in Richtung Friedrichstraße, an der damals wie heute fast alle Geschäfte des Ortes liegen. So ähnlich wie im heutigen Slawsk wird es im Winter auch damals in Heinrichswalde ausgesehen haben, als mein Großvater, der spätere Oberkonsistorialrat Ernst Loerke (1878–1947), als kleiner Junge, der viel zu früh beide Eltern verloren hatte, hier entlangging.

Am nächsten Morgen wurde es abenteuerlich. Wir fuhren mit unserem Gastgeber Alik Mikschta in seinem VW-Bus zum Kurischen Haff. Es ging über Brittanien und die Gilgebrücke bei Sköpen. Dort steht keine Wache mehr, aber es kann jetzt im grenznahen Bereich überall Kontrollen geben. Wir sahen Militär an uns vorbeifahren, wurden in dem Auto mit russischem Kennzeichen jedoch nicht kontrolliert. Vorbei ging es an Kaukehmen (Kuckerneese), an Wolfgang Nienkes Heimatort Kallningken (Herdenau), der früher von der Kirche auf ihrem Hügelchen neben der Straßenkreuzung beherrscht wurde. Heute liegen dort nur noch wenige traurige Mauerreste. Dann kamen wir im Elchwald vorbei, am „Jagdschloss“ Pait, das leider wohl wieder dem Verfall preisgegeben ist, nachdem sich Jürgen Leiste von dort zurückgezogen hat. Einsam und malerisch liegt es in der Einsamkeit, aber auch die Schneedecke konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass eins der Dächer nicht mehr dicht ist.

Dann kamen wir in Inse an, parkten nahe am Schilf noch hinter dem Sturmmast, wo Autos im Sommer gar nicht mehr fahren können. Nun standen dort auf der gefrorenen Fläche die Autos der Eisangler. Von der Schönheit der Landschaft sah ich zunächst nichts, denn auf dem vereisten Weg war es spiegelglatt. Wir sahen Anhäufungen von übereinandergeschobenem Eis und in weiter Ferne auch die Eisangler als kleine Punkte in der Landschaft. Erst auf dem Rückweg genoss ich, ziemlich erleichtert, die magische, fast schon mystische Stimmung dieses Wintermorgens mit einer fahlen Sonne, die sich über der unendlichen Weite im Eis des zugefrorenen Haffs spiegelte. Es war ein unvergessliches Erlebnis für mich. Als wir durch das Fischerdorf Inse fuhren, zeigte mir Bärbel Dawideit den Fundort des Taufsteins aus der Kirche von Inse [Pritschaly], der heute in Heinrichswalde im Gemeindehaus steht. 

Das Abenteuer ging weiter. Auf der Suche nach einem Elch oder wenigstens Elchspuren fuhren wir wieder über Groß Krauleiden zurück und hielten dann beim ehemaligen Hebewerk von Rogainen/Forstamt Sibirien. Die Straße lag auf einem angeschütteten Damm. Es war sogar auf der Straße anstrengend, im Schnee zu Fuß voranzukommen. Wir sahen leider keinen Elch. Ich kehrte vorzeitig um und ließ die Einsamkeit der Landschaft auf mich wirken. In Höhe des Hebewerks stand ein Fischreiher malerisch am Wasser.

Auf dem Rückweg nach Heinrichswalde hielten wir noch kurz bei der ehemaligen Schule von Bogdahnen/Bolzfelde [Werchnij Bisser]. Eigentlich unfassbar, dass sie fast 75 Jahre nach Kriegsende so gut erhalten ist und unerschütterlich dort steht.

Am nächsten Tag, dem 6. Februar, brachen wir noch einmal hoffnungsvoll auf zur „Elchpirsch“. Dieses Mal ging es in das Große Moosbruch mit einer Fahrt über Klemenswalde, Neusorge [Maskoje] und Groß Friedrichsdorf und dann weiter über Liedemeiten (Gerhardsweide im Kirchspiel Kreuzingen [Ochotnoe] nach Osseningken (Grünau). Vor einem auffallend schönen alten Haus, 1912 erbaut, trafen wir einen Armenier, der dort wohnt und Jäger ist. Er gab unserem Fahrer Alik Tipps für die Suche nach Elchspuren. Dieter Wenskat meinte, das hübsche Haus sei früher das Haus des Bauern Buttkus gewesen.

Bei Wasserburg gingen wir Fünf – Barbara Dawideit, Wolfgang Nienke, Dieter Wenskat, Alik und ich – auf einem verschneiten Damm in den Wald. Ich kehrte nach einer halben Stunde um und wartete im Wagen auf die eifrigen „Jäger“. Nahe Lauknen (Hohenbruch) hielten wir dann noch einmal. Im Naturschutzgebiet des Großen Moosbruch starteten wir für den Tag einen letzten Versuch, marschierten wieder durch den Schnee, neben uns Moor, Birken und Gesträuch. Nur kein Elch! Wir gingen bis zu einem Hochsitz und schönen bunten Schautafeln zur Geschichte dieser Region und Landschaft, mitten in der Einsamkeit. In Lauknen [Gromowo] fuhren wir noch beim Moosbruchhaus von Jürgen Leiste vorbei. Wir hatten Glück, ihn anzutreffen, denn er wollte gerade aufbrechen.

Das Thema Elch verließ uns nicht. Am nächsten Tag, dem 7. Februar, wurde der lebensgroße Elch von Alik Mikschta in einem feierlichen Vertrag den Bewohnern der Gemeinde Slawsk übergeben. Anschließend wurden wir vom Landrat des Rajon Slawsk zum Festessen im Bankettsaal seiner Gaststätte eingeladen, der in Sichtweite der Kirche liegt. Abends ging es feierlich weiter, denn Wolfgang verwöhnte uns mit einem Risotto.

Am Freitag fuhren wir über Tilsit entlang der Ragniter Straße, wo meine Urgroßmutter Maria Lepa geb. Schulz (1860–1946) nach ihrer Scheidung vom Arzt Lepa ein recht armseliges Leben führte und am Fenster zur Straße hin Socken zur Aufbesserung ihres Lebensunterhalts strickte, nach Ragnit. Im „Deutschen Haus“ ging es in den großen Räumlichkeiten recht übersichtlich zu. Ich genoss meine Blinis und einen Cappuccino. Gegenüber vom „Deutschen Haus“ besuchten wir einen kleinen Kaufmannsladen. Vom Embargo der EU ist nichts zu spüren. Es sieht eher so aus, als ob im Land die Chance genutzt wird, in mehr Eigeninitiative neue wirtschaftliche Möglichkeiten auszuschöpfen. 

In Ragnit sind die Straßen noch vereister und glatter als in Heinrichswalde. Natürlich besuchten wir wieder einmal die Burgruine Ragnit. Im Schnee kannte ich das geschundene, immer noch eindrucksvolle Bauwerk, noch nicht. Der große neue Grenzübergang bei Ragnit lag weiterhin ungenutzt brach.

Am Samstag, dem 9. Februar, ging es zurück nach Hause. Um 5.40 Uhr russischer Zeit starteten wir und kamen nach 13 Stunden wieder gut in Zwenkau an. Am nächsten Morgen hatte ich Zeit, ein Resümee dieser neun Tage in der winterlichen Elchniederung zu ziehen. Trotz meiner ständigen Hustenanfälle war es ein tolles Erlebnis für mich.


S. 19 Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

Die Pommersche Zeitung

S. 20 Leserforum

Leserforum

zum Thema: Per „Klimanotstand“ in die Öko-Diktatur? (Nr. 50/51)

„Wissen Sie was? Nicht wenn die AfD an die Macht käme, nein, wenn eines Tages Greta Thunberg an die Macht kommt, wird es richtig radikal werden“

Jens Pauly, Düsseldorf 






Geistig belebend

Zu: Die PAZ im neuen Gewand (Nr. 49 ff.) 

Die Preußische Allgemeine Zeitung ist nach wie vor die beste Wochenzeitung auf dem deutschen Markt, und ich freue mich jeden Donnerstag auf die Zusendung.

Zu dem neuen Layout haben sich schon viele Leserbriefschreiber geäußert. Ich persönlich bin angetan und enttäuscht zugleich.  Einige Dinge haben sich verbessert (der frühere Blocksatz zum Beispiel war ziemlich flatterig und ist jetzt endlich „professionell“). Andere Dinge haben sich nach meinem Geschmack verschlechtert (zu großer Zeilendurchschuss, gähnende Leerflächen, serifenfreie Überschriften). 

Bedenklicher als diese Layoutfragen finde ich eine zwar dezente, aber doch spürbare inhaltliche Veränderung in der Zeitung. Ich meine damit nicht den wichtigen umfassenden Kulturteil, den ich nach wie vor schätze. Es geht um die etwas nachlassende politische Prononcierung. Ich hoffe, dass dies nicht mit dem neuen Chefredakteur René Nehring zusammenhängt. Nehrings journalistische Reputation mag tadellos sein, aber damit sollte keine politische Weichspülung verbunden sein. Um nicht missverstanden zu werden: Ein angemessener Ton, ein erkennbarer Bildungshintergrund und ein hohes Maß an Differenziertheit sind für mich elementar für eine informative, geistig belebende und gut lesbare Zeitung.

 Aber in den heutigen Zeiten einer unbezweifelbaren nationalen Malaise brauchen wir ebenso klare, patriotische Standpunkte wie eine deutliche „Herrschaftskritik“. Diese „nicht-destruktive Unruhe“ ist quasi erste Bürgerpflicht. Die PAZ ist (neben der „JUNGEN FREIHEIT“) wohl die einzige seriöse Wochenzeitung in Deutschland, die eine solche Aufgabe im journalistischen Bereich bewältigen kann. Aber ich bin zuversichtlich, dass die PAZ ihre bisherige Grundrichtung behält und dazu noch einen kleinen Schuss mehr „politischen Biss“ entwickelt. Die bisherigen Kommentare und Artikel vom neuen Chefredakteur waren jedenfalls eloquent und anregend. 

Heiko Luge, Berlin






Etwas unscharf

Zu: Die PAZ im neuen Gewand (Nr. 49 ff.)

Vorweg – ich habe extra einige Ausgaben abgewartet – noch meine Meinung zu dem neuen optischen Erscheinungsbild der PAZ. Es gefällt mir sehr gut! Doch hier ist es wohl, wie ich es früher in meinem Beruf (Marketing) oft erlebt habe: Die Grafik-Designer als optische Gestalter fühlen sich oft als Künstler und kreieren daher aus ihrer Sicht. Dabei haben sie leider oft nicht so sehr die „praktische“ Verwertbarkeit des Produktes im Auge. Und gerade das Auge einer vermutlich doch etwas älteren Leserschaft ist meist nicht mehr ganz so scharf. 

Vielleicht ist meine Sehschärfe auch urplötzlich abgefallen, als ich die ersten Ausgaben las. Ich empfinde die Schrift des Fließtextes als zu schwach, zu zierlich. Im Kontrast zu den super-fetten Überschriften und den meist sehr üppig dimensionierten Bildanteilen könnte hier sicher eine ausgewogenere Gewichtung erfolgen. Der „Deal“ könnte in einer etwas fetteren Schrift vollschwarz (oder sogar in einer anderen Schrift?) mit mindestens einem Punkt mehr Größe liegen. 

Denken Sie bitte immer daran: Der Zahn der Zeit nagt auch an der Sehschärfe Ihrer Leserschaft. Aber vielleicht liegt bei mir und meiner Frau wirklich nur ein abrupter Abfall der Sehschwäche vor.

Henry Stephan, Himbergen






Russen Auf deutscher Seite

Zu: Streit um Denkmal für General Andrej Wlassow (Nr. 50)

Ich finde es sehr anerkennenswert, dass Sie mit dem Beitrag diese geschichtliche Persönlichkeit, gleichgültig wie man ihr Handeln beurteilt, ins Bewusstsein gerückt haben.

Noch weniger bekannt als die Russische Befreiungsarmee unter Wlassow ist die Russische Nationalarmee unter General Holmston-Smyslowski, die ebenfalls auf deutscher Seite gegen die Sowjets gekämpft hat. Die letzte Zeit dieser Einheit in der deutschen Wehrmacht, die sich nach Liechtenstein absetzen konnte, ist sehr gut beschrieben in Henning von Vogelsangs „Die Armee, die es nicht geben durfte“. Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein hat ein Vorwort beigesteuert. Bemerkenswert ist, dass die Regierung dem Druck der Sowjets und der Westalliierten widerstand und diese Menschen nicht auslieferte. Wolfgang Lehman, Rimbach






Gut beobachtet

Zu: Die Wunde bleibt offen (Nr. 1/2020)

Dieser Artikel trifft den Nagel auf dem Kopf: Es fehlen die Millionen im heutigen Deutschland, die ein Gefühl für Osteuropa haben. Als ein (letzt-)geborener Westpreuße, der seinen Geburtsort Kulm nicht mehr bewusst erlebte, wurde meine Kindheit im Westen noch geprägt von abendlichen Erinnerungsgesprächen meiner Eltern und Verwandten. Orte wie Thorn, Bromberg, Danzig, Marienwerder, Königsberg oder auch Warschau, die ich nie kennengelernt hatte, wurden Begriffe, mit denen ich aufwuchs. Und noch eins: Viele dieser Generation konnten auch noch Polnisch und Russisch, und es war nicht das aufgezwungene Russisch der DDR, sondern das Ergebnis erlebter Vielfältigkeit Osteuropas. Dieser Bevölkerungsanteil bildete die Brücke zwischen West und Ost, die Stalin mutwillig zerstörte. 700 Jahre Geschichte vernichtet man nicht ohne Konsequenzen. 

Juergen Hahn, Berkeley/Kalifornien






Die Grüne Blase platzt bald

Zu: Griff nach der Macht (Nr. 47)

Die Ära des linken Zeitgeistes geht nun dem Ende zu. Der Höhenflug der Grünen ist nur eine Blase, und die Eigenschaften von Blasen sind nun einmal, dass sie platzen. Die Schicki-Mickis, die Öko-Fuzzis und Bionade-Trinker werden den Untergang der „Grünen“ auch nicht aufhalten können, vielleicht etwas verzögern, mehr aber nicht. Für Politiker wie Habeck und Baer­bock ist kein Platz mehr da. 

Die Zukunft in Deutschland, wie auch in anderen europäischen Staaten, gehört den rechtskonservativen Parteien. Je mehr die hiesigen Politiker auf die AfD reinhauen und sie niedermachen, desto mehr werden sich die Menschen von den etablierten Parteien und Politikern abwenden. Die CDU-CSU-Politiker werden eines Tages froh sein, wenn die AfD bereit ist, mit ihnen zu koalieren. 

Barbara Koerber, Gräfenberg






bezahlte Klimapolitik

Zu: Gretas unglaubliche Reise (Nr. 51/52)

Es geht doch letztlich nicht nur um diese Zugreise der Klima-Aktivistin Greta. Bemerkenswert ist doch, wie manche Medien auf die Stellungnahme der Deutschen Bahn (DB) reagieren. Ausgerechnet die „Süddeutsche Zeitung“ kommt mit der Empfehlung für „mehr Social-Media-Gelassenheit“ in Richtung DB um die Ecke. Eine solche Gelassenheit sollten sich die meisten Medien aneignen. 

Die Mega-Konzerne und Mega-Milliardäre, die seit Jahrzehnten hinter der Globalisierung der Weltwirtschaft stecken, die nach Shareholder Value und Kostenreduzierung streben, die unserer Umwelt immensen Schaden zugefügt haben, genau sie sind die Top-Unterstützer der CO2-„Graswurzel“-Bewegung von Schweden in die Welt. Wie ernsthaft auch Aktivistinnen wie Greta Thunberg oder Alexandria Orcasio-Cortez aus New York (Green New Deal) sein mögen, dahinter steht eine gut geölte Finanzmaschine, die sie fördert, um etwas zu erreichen. 

Greta ist verknüpft mit einem guten Netzwerk, verbunden mit der Organisation von Al Gore, dem ehemaligen US-Vizepräsidenten unter Bill Clinton. Sie wird professionell vermarktet und von den UN, der EU und den finanziellen Interessen hinter der momentanen Klima-Agentur benutzt. Die Konzerne und Milliardäre wollen uns davon überzeugen, unermessliche Opfer zu bringen, um „unseren Planeten zu retten“.

Heinz-Peter Kröske, Hameln

S. 21 Lebensstil

Dunkelheit des Winters
Um den Schlaf gebracht
Künstliche Leuchtmittel hellen die dunkle Jahreszeit auf – Doch wo Licht ist, ist auch Schatten, und der leuchtet meistens blau
Stephanie Sieckmann

Licht ist eines der natürlichen Dinge, die der Mensch gerne stets zu seiner Verfügung hat. Auf den Schalter oder einen Knopf drücken und damit einen Bereich ausleuchten ist heute selbstverständlich. Den Stromleitungen sei Dank, besteht heute im Innen- wie im Außenbereich von Gebäuden die Möglichkeit, Licht zu erzeugen, wenn die Natur sich in natürliche Dunkelheit hüllt. 

Doch Licht ist nicht gleich Licht. Blaues Licht hat andere Eigenschaften als gelbes oder rotes Licht. Das Wissen um die Unterschiede und die Wirkung einzelner Licht-Anteile bietet die Möglichkeit, Räume gezielt mit zweckmäßigen Beleuchtungen auszustatten. Beleuchtungssysteme, die darauf abzielen, mit einem höheren Blaulichtanteil die Konzentration der Mitarbeiter zu fördern, sind in Büros eine sinnvolle Unterstützung. Der Einsatz von Tageslichtlampen bei der Behandlung von Depressionen ist ebenfalls etabliert.

Warm-weißes Licht kann dazu beitragen, das Wohlgefühl zu steigern, und wird daher gerne in Verkaufsräumen eingesetzt. Für Pflegeeinrichtungen werden Beleuchtungen empfohlen, die es möglich machen, morgens und abends warmes Licht anzusteuern, das entspannt, und vormittags und mittags mit einem höheren Blaulichtanteil die Aktivität er Bewohner anzuregen. So wird der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus gefördert. 

Aber wie bei vielen Dingen, sollte vorsichtig und bewusst mit dem Faktor Licht umgegangen werden. Denn das Licht ist trotz seiner großen Bedeutung noch nicht in allen Aspekten erforscht. Nachdem die gute alte Glühbirne mit dem Wolframfaden abgeschafft wurde, haben sich Energiespar- und Halogenlampen etabliert, in letzter Zeit haben sich Leuchtdioden (LED) durchgesetzt. Letztere werden zunehmend in allen Bereichen eingesetzt, so auch bei Fahrzeugen und Fahrrädern, Taschenlampen und Wohnraumleuchten. 

Bejubelt, weil sie ohne Quecksilber auskommen und sich als langlebig erweisen, erfreuen sich LED großer Beliebtheit. Doch einen Nachteil scheinen sie zu haben: Sie haben einen hohen Anteil an blauem Licht, das auch Smartphones, Computer und Fernseher ausstrahlen. Und das, so warnen Wissenschaftler, ist auf Dauer nicht gesund. Die Auswirkungen sind noch längst nicht vollständig erforscht. Studien zeigen aber, dass Vorsicht geboten ist beim Einsatz von Lichtquellen, die blaues Licht verbreiten. 

Melatonin hält uns wach

Bereits etwas älter sind Studien, die herausgefunden haben, dass blaues Licht einen starken Einfluss auf den Schlafrhythmus hat. Das kurzwellige blaue Licht hat eine hohe Energie und Intensität, es beeinflusst die Bildung des Hormons Melatonin. Eine hohe Belastung durch Blaulicht kann dazu führen, dass weniger Melatonin gebildet wird. Der Melatoninspiegel im Körper spielt jedoch eine große Rolle beim Schlafverhalten. Ein Mangel an Melatonin hält uns wach. Wer abends am Computer sitzt oder im Bett liegend bei kaltem-weißem Licht liest oder mit dem Smartphone beschäftigt ist und häufig schlecht schläft, sollte versuchen, auf den Blaulicht-Konsum zu verzichten. 

Wer sich wundert, warum nachts der Heißhunger auf Süßes kommt, sollte sich ebenfalls fragen, ob er abends lange vor dem Fernseher oder dem Computer gesessen hat. Denn das blaue Licht dieser Geräte ist wie bei kalt-weißen Beleuchtungen mit hohem Blaulicht-Anteil nach Studien von Forschern in den Niederlanden in der Lage, Hunger auf Süßes auszulösen. Ein Experiment mit Ratten hat ergeben, dass die Tiere aus einer Auswahl an Möglichkeiten zuverlässig süße Knabbereien mit einem hohen Zuckergehalt auswählten, wenn sie abends blauem Licht ausgesetzt waren.

Vorsicht vor zu viel Blaulicht

Schlafstörungen und Hunger auf Süßes sind aber noch nicht alles, was blaues Licht bewirken können soll. Im Juli veröffentlichte die Fachzeitschrift „Scientific Report“ einen Beitrag, in dem Wissenschaftler der Universität Toledo davor warnten, dass der Blaulicht-Anteil von Computermonitoren oder Smartphones bei intensivier Nutzung sogar zur Erblindung führen kann. Auch diese Wissenschaftler setzten Ratten für ihr Experiment ein. Die Tiere wurden einer hohen Dosis Blaulicht ausgesetzt und entwickelten im Laufe der Studie eine Form der Makuladegeneration – eine Augenerkrankung, die durch den Verlust des Sehens in der Mitte des Blickfeldes gekennzeichnet ist und die zur Erblindung führen kann. Chemische Reaktionen der Netzhaut, ausgelöst durch einen hohen Blaulichtanteil, könnten hier Auslöser sein. 

Erst im Oktober veröffentlichten Wissenschaftler der Universität Oregon ihre gerade gewonnenen Ergebnisse im Magazin „Aging and Mechanisms of Disease“. Die Forscher hatten in Versuchen mit Fruchtfliegen (Drosophila Melanogaster) festgestellt, dass die dauerhafte Einwirkung von blauem Licht nicht nur zu Schädigungen der Augen führt, sondern auch Gehirnzellen und Motorik deutlich in Mitleidenschaft gezogen wurden. 

Jaga Giebultowicz, Professorin für integrative Biologie und eine der Forscherinnen des Oregon College of Science, zog das Fazit, dass blaues Licht den Organismus schneller altern lässt. Der gezielte Einsatz verschiedener Farbspektren in der weiteren Untersuchung zeigte, dass dauerhafte Beleuchtung den Körper vorzeitig ein wenig altern lässt, der dauerhafte Einfluss blauen Lichts jedoch den Körper dramatisch altern lässt. 

Keinesfalls muss der Mensch nun im Dunkeln sitzen, um seine Gesundheit zu bewahren. Ein bewusster Umgang mit Licht ist aber ratsam. Um die Augen vor dem schädlichen Einfluss durch blaues Licht zu schützen, kann es hilfreich sein, den Monitor oder das Smartphone in den Nachtmodus zu schalten, falls die Einstellung bei dem Gerät vorhanden ist. Alternativ kann eine Blaufilterbrille getragen werden. 

Bei LED können Produkte mit gelb-orangem Körper ausgewählt werden. Auch hier wird das blaue Licht gefiltert. Die Verwendung von warm-weißen lichtemittierenden Dioden, die im Bereich 1000 bis 3000 Kelvin strahlen, stellt sicher, dass nur vergleichsweise wenig blaues Licht abgestrahlt wird. 

Kampf gegen die Winterdepression
Auf Vitamin-D-Trip
Viele Menschen fühlen sich im Winter matt und schlapp – Eine Gute-Laune-Stimmung ist nicht das eizige Gegenmittel
Alexander Glück

Winterblues, KO-Virus und allgemeine Schlappheit: Im schnellen Alltag unserer Zeit bleibt oft auf der Strecke, was besonders wesentlich ist – das körperliche Wohlbefinden. Betroffene haben weniger Energie und leiden unter Müdigkeit und allgemeinem Unwohlsein. Neben gesunder Ernährung, Bewegung und Frischluft gibt es inzwischen eine Reihe technischer Geräte, die ein gesundes Allgemeinbefinden, bessere Konzentration und größere Leistungsfähigkeit versprechen.

Fühlt man sich unwohl, dann kann das ganz verschiedene Ursachen haben, beispielsweise eine nicht erkannte Fehlsichtigkeit oder vitaminarme Ernährung. Wer viel vor dem Computermonitor sitzt, sollte durch gelegentliches Augentraining für Ausgleich sorgen. Eine Gesundenuntersuchung ist immer sinnvoll, denn hier können verborgene Ursachen aufgespürt werden. Aber man muss nicht gleich krank sein – oft fehlt nur der sportliche Ausgleich. Ein Besuch beim Masseur oder im Thermalbad kann viel bewirken. Oft ist dafür jedoch keine Zeit oder man möchte keine großen Strecken zurücklegen.

Wie alle Lebewesen braucht auch der Mensch seine tägliche Portion Licht, um nicht einem Schattendasein zu verfallen. Abhilfe schaffen Lichttherapie-Geräte, die das fehlende Sonnenlicht direkt in die Wohnung bringen. Schon eine halbe Stunde Anwendung pro Tag kann das Lichtdefizit beheben. Wichtig: Es kommt auf die Qualität dieses Lichts an. Nur dann wird das wichtige Vitamin D gebildet. 

Wer sich gerne einem Sonnenbad hingibt, kommt im Winter nur mit etwas technischer Unterstützung in den Genuss von Wärme und Licht. Jetzt kann die Sonnenbank helfen, zur Not tut es auch ein Oberkörperbräuner. Auch Infrarot-Wärmegeräte aktivieren die körpereigenen Abwehrkräfte. Bei Erkältungen etwa führt eine frühzeitige Anwendung zu einem leichteren Krankheitsverlauf und schnellerem Abklingen der Beschwerden. Auch bei Verkrampfungen und Verspannungen der Muskulatur gibt es Erleichterung. 

Trockene, staubige Winterluft kann die Ursache schlechter Stimmung und sogar krankheitsfördernd sein. Hier gibt es hochentwickelte Geräte, die den Feuchtigkeitsgrad der Luft präzise regeln und gleichzeitig noch das richtige Gleichgewicht zwischen negativen und positiven Ionen in der Luft wiederherstellen. Dadurch werden Staubpartikel gebunden und senken sich zu Boden. 

Geräte zur Magnetfeld-Therapie gleichen ebenfalls ein Defizit aus, das sich in unserer Umgebung bemerkbar macht. Das Erdmagnetfeld fördert durch Resonanzwirkungen maßgeblich den Stoffaustausch zwischen den Körperzellen. Durch Elektrosmog, der uns mittlerweile fast überall begegnet, ist dieses Feld gestört. Ausgleich soll die tägliche Anwendung eines Magnetfeld-Therapiegeräts schaffen – Kritiker sehen darin nur eine weitere E-Smog-Quelle.

Sprudelbäder, Massagen, Sauna

Die Sauerstoffversorgung der Zellen lässt sich auch noch auf andere, erfrischende Weise unterstützen: durch das Trinken von mit Sauerstoff angereichertem Wasser. Hatten die Menschen früher noch sauerstoffreiches Wasser aus Quellen und Brunnen zur Verfügung, so fehlt es uns heute. Ähnlich den bekannten Sprudelgeräten, mit denen man Getränke selbst mit Kohlensäure versetzen kann, gibt es nun auch Apparate, die anstelle von CO2 reinen Sauerstoff ins Wasser drücken. Dieser wird beim Trinken von den Körperzellen aufgenommen und sorgt so für eine Verbesserung der Versorgung im Körper.

Auch Massagen tragen entscheidend zur Lebensqualität bei. Fußsprudelbäder massieren die Füße schonend und wirkungsvoll. Ähnliche Geräte machen aus der Badewanne ein Sprudelbad. Körpermassagen, ob vom Masseur oder vom Sessel, lockern Verspannungen der Muskulatur. Dadurch wird Stress abgebaut und die Abwehrkräfte werden mobilisiert. 

Ähnlich wirkt auch die neuentwickelte Laser-Akupunktur, die jeder sogar bei sich zu Hause anwenden kann. Anwendungsgebiete sind unter anderem die Verbesserung der Wundheilung, zahnmedizinische Aufgaben, Linderung bei Schmerzen im Bewegungsapparat, Erkrankungen der Atemwege und allgemeine Befindlichkeitsstörungen. Das Laserlicht stimuliert auf schmerzfreie Art und findet inzwischen vielfältige therapeutische Anwendung.

Damit man über seinen körperlichen Zustand immer im Bilde ist, wurden außerdem einige Messgeräte entwickelt, die man leicht mit sich führen und teilweise am Arm tragen kann. Dazu gehören verbesserte Geräte zur Blutzuckermessung, die nun bereits nach fünf Sekunden das Ergebnis anzeigen. Blutdruckmessgeräte kann man am Handgelenk oder am Oberarm tragen, wodurch bei sportlicher Betätigung eine genaue Kontrolle der erreichten Werte ermöglicht wird. Und ganz nebenbei zeigen diese Geräte auch noch die Pulsfrequenz an.

Am wichtigsten ist jedoch eine ausgewogene Ernährungsweise, Bewegung und auch richtige Entspannung bei der Lieblingsmusik oder einem guten Buch. Wunder kann auch ein heißes Entspannungsbad wirken. Auch der Saunabesuch mit anschließendem Schneebad, sofern draußen endlich einmal Schnee gefallen ist, gilt als bewährtes Mittel gegen die Wintermattigkeit und lässt die gute Laune wieder aufleben.

S. 22 Literatur

Anton Tschechow
Winter im russischen Dorf
Geschichten aus dem Zarenreich laden zur Kurzweil ein
Lydia Wenzel

Klassiker neu entdeckt Welche Zeit bietet sich besser an, um sich mit einem Tee und einem Buch zurückzuziehen, als die kalte Jahreszeit? 

Zu genau diesem Anlass passen die „Wintergeschichten“, die Christine Stemmermann aus Anton Tschechows Werk zu diesem Thema herausgesucht hat. Hier gewährt der russische Klasskier sehr eindringlich mit witzigen Geschichten und nachdenklichen Parabeln Einblicke in die Gedanken, Ängste und Sehnsüchte der Menschen des letzten und vorletzten Jahrhunderts in der russischen Provinz. 

Die einzelnen Sequenzen sind dabei so angeordnet, dass sehr nachdenklich stimmende Texte von Geschichten abgelöst werden, die zum Schmunzeln bringen, und zudem das Früh- und Spätwerk des Autors behutsam zusammengeführt werden. 

Die Neuübersetzung all dieser einzelnen Texte von Peter Urban zeigt viel Feingefühl, sogar verschiedene Mundarten und Sprechweisen der einzelnen Figuren werden nachempfunden. 

So bietet diese winterliche Anthologie einen gelungenen Lesestoff für Freunde des russischen Autors, aber auch für alle, die zum ersten Mal etwas von ihm lesen. 


Anton Cechov: „Wintergeschichten“, Diogenes Verlag, Zürich 2019, gebunden, 266 Seiten, 22 Euro   

Scharfzüngige KOmmentare
Ansichten eines kritischen Kolumnisten
Jakob Augstein lässt sich in seinem aktuellen Buch über die Arbeit der Großen Koalition aus
Karlheinz Lau

Kundige Zeitgenossen kennen Jakob Augstein als Herausgeber und Chefredakteur der linken Wochenzeitung „Der Freitag“, aber auch als scharfzüngigen Diskussionspartner des bekannten Journalisten Nikolaus Blome von einer großen Boulevardzeitung. Der Interessent kann also ahnen, was ihn bei der Lektüre des Titels „Im Zweifel Links“ erwartet. 

70 ausgewählte Kolumnen zu wichtigen politischen Vorgängen in Deutschland seit 2011 in „Spiegel-Online“ hat er in seinem Buch zusammengestellt. Er gliedert sie nach selbst gewählten Überschriften wie „Leben unter Merkel“ oder „Alles über Russland“ oder „Demokratie und Kapitalismus“, gewissermaßen ein Kessel Buntes. Unter jedem Beitrag wird das Datum des Erscheinens genannt, die Zeitspanne reicht von 2011 bis 2018, häufig sind noch aktualisierte Kommentierungen angefügt. Augsteins Aussagen müssen also zeitbezogen gesehen werden. Da könnten sich gewisse Wahrnehmungen unterscheiden, in der Regel tun sie es allerdings nicht; stellvertretend seien Merkel und Kohl genannt. 

Kanzlerin negativ beurteilt

Die Beurteilung der Kanzlerin Angela Merkel ist eindeutig negativer als die Bilanz des Altkanzlers Helmut Kohl, dem der Autor attestiert, seine Projekte, Visionen, Hoffnungen, Europa und die Deutsche Einheit, zu verfolgen, Letztere als „Bismarcks gemütlicher Wiedergänger“ ohne Blut und Eisen. Merkel hingegen – so Augstein – habe nichts von dem, ihr einziges Ziel sei der Erhalt der Macht. Mit dieser Behauptung beginnt der Kolumnist sein Buch; er begründet diese mit dem Fall Guttenberg 2012, der die Kanzlerin keineswegs beschädigt hatte. Diese Argumentation ist einfach zu dünn und wenig überzeugend, um daraus für die Jahre der weiteren Kanzlerschaft Merkel eine Globaleinschätzung zu konstruieren, und diese reicht bis in unsere unmittelbare Gegenwart: „Angela Merkel schleppt sich in ihre vierte Amtsperiode, … sie schlurft durch die Gänge der deutschen Politik ohne Orientierung, ohne Ziel.“ 

Konkrete Punkte, die angeblich von der Kanzlerin/CDU nicht angepackt worden seien, lastet Augstein der SPD an, die dabei versage. Das ist reine Schwarz-Weiß-Malerei, die auch bei anderen Politikfeldern zu beobachten ist. Dabei findet er fantasiereich originelle Formulierungen wie: „Das Kanzleramt ist zum Zentrum für sozialdemokratisch betreutes Wohnen geworden“. Dass in Mehrparteien-Regierungen, in einer Großen Koalition bei strittigen Fragen in den meisten Fällen das Ergebnis ein Kompromiss ist, leuchtet dem Kolumnisten offensichtlich nicht ein; dass der Kompromiss zum Wesen einer Demokratie gehört, sollte klar denkenden Menschen bewusst sein. Bei Augstein sind Zweifel angebracht, wenn man Sätze liest wie diesen: „Stellt dieser Kanzlerschaft die lebenserhaltenden Systeme ab. Angela Merkel gehört in Rente. Und die SPD gehört in die Opposition.“ 

Und wie weiter? In der letzten im Buch veröffentlichten Kolumne – als eine Art Quintessenz – fordert er, dass die SPD wegmüsse. An ihre Stelle solle die von Wagenknecht gegründete Sammlungsbewegung treten; in ihr verberge sich eine große Sehnsucht, beispielsweise nach gerechten Löhnen, bezahlbaren Mieten oder Kindern ohne Armut. Das hat der Autor am 13. Augut 2018 geschrieben. Diese „radikalen“ Forderungen stehen aber auch auf den Zetteln der Regierungsparteien sowie der Linken. Offensichtlich sieht Augstein das nicht so. Die Konsequenz für ihn: Er werde zu einer radikalen Haltung gezwungen. Dies ist dann seine stramm linke Position. „Im Zweifel Links“ drückt sich beim Autor in allen Politikfeldern aus, die er in seinen Kolumnen zu kritisieren vermeint. Nicht überall bietet er konkrete Alternativen an.

Die Überspitzungen, ironischen, satirischen und manchmal auch persönlichen Formulierungen in beinahe allen Texten machen ohne Zweifel den Charme dieses Buches aus; man liest die einzelnen Beiträge gern und hat häufig sogar Spaß an den Formulierungen und Wortschöpfungen – zum Beispiel „Polit-Hasardeur Lindner“ oder „sozialpsychologische Kernschmelze“ in der berühmten Kölner Silvesternacht, aber hinter diesen stilistischen Eigenheiten stehen ernst zu nehmende Aussagen und Positionen, die man nicht teilen muss, sie bieten jedoch Stoff zur Auseinandersetzung. 

Diese Form der Darstellung ist von Augstein bewusst gewählt, wie er im Vorwort seines Buches begründet. Der Untertitel „Vom aufhaltsamen Untergang des Abendlandes“ fällt in diese Kategorie, man könnte sogar von Spaßfaktor sprechen. Die Inhalte des Buches sind für eine eigene Urteilsbildung gut geeignet.

Jakob Augstein: „Im Zweifel Links. Vom aufhaltsamen Untergang des Abendlandes“, DVA/Spiegel,  München 2019, gebunden, 299 Seiten, 20 Euro

Für Sie gelesen

Europa nach dem Krieg

Der britische Historiker Ian Kershaw hat schon durch einige monumentale Werke auf sich aufmerksam gemacht. Zuletzt legte er 2016 den ersten Teil seiner großen Geschichte Europas in den letzten 100 Jahren mit dem Titel „Höllensturz“ vor, welcher die Zeit zwischen 1914 und 1949 behandelte. Dem folgt nun der Fortsetzungsband „Achterbahn. Europa 1950 bis heute.“ Darin geht es weniger um heiße militärische Konflikte, sondern um den Kalten Krieg, den Wettlauf der Supermächte bis zum Zusammenbruch des Ostblocks, die Globalisierung sowie jene unablässigen Krisen, die unseren Kontinent seit 2008 erschüttern, einschließlich des endlosen Hin und Hers um den Brexit.

Die Metapher der Achterbahnfahrt beschreibt sehr präzise, was in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges geschah: Neben allerlei Negativem gab es natürlich auch Positives, was Kershaw ebenfalls erwähnt. Die Lektüre des Buches erspart die Konsultation vieler Einzelstudien. Aber Vorsicht: Nicht immer leistet sich der Autor den Luxus einer reflektierten eigenen Meinung, deshalb klingen seine Ausführungen manchmal wie die drögen, politisch korrekten Verlautbarungen unserer Mainstream-Medien.

Wolfgang Kaufmann

Ian Kershaw: „Achterbahn. Europa 1950 bis heute“, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2019, gebunden, 828 Seiten, 38 Euro





„An Apple a Day“

Der AT Verlag besticht in seinen Kochbüchern mit hochwertigem Druck und professionellen Bildern. Da macht auch das Buch „Äpfel“ von James Rich keine Ausnahme. Den größten Teil dieses großformatigen Werkes machen die Rezepte aus: leichte, herzhafte Gerichte, Beilagen und Saucen, Süßes und Getränke. Der allgemeine Abschnitt vorneweg kommt leider zu kurz. Auf nicht einmal zwei Seiten „Alles über Äpfel“ zu erfahren, ist abwegig, auch wenn auf den folgenden Seiten einige Apfelsorten noch kurz beschrieben werden. Hingegen sind die Rezepte vielfältig, von Apfelküchlein bis Schweinebraten ist alles gut beschrieben. Die Getränkerezepte basieren vor allem auf bereits fertigem Cider, Apfelsaft und Apfelweinbrand. Es gibt aber auch alkoholfreie Getränke wie Apfelblütentee, Apfeleistee oder grünenApfelsaft.

Der Autor ist Sohn eines Cider-Herstellers aus dem englischen Somerset. Er selbst hat über die Küche seiner Großmutter und das farmeigene Restaurant viele Kompositionen mit Äpfeln kennengelernt und bereitet in diesem Ratgeber die Familienrezepte mit wunderbaren, farbenfrohen Fotografien von Jaqui Melville auf. CRS

James Rich: „Äpfel. Rezepte aus dem Obstgarten“, AT Verlag, Aarau und München 2019, Hardcover mit Prägedruck, 223 Seiten, 25 Euro

S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung

S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick
Nicht verraten, nicht erwähnen
Je enger der Meinungskorridor wird, desto weniger soll man über die Enge reden
Hans Heckel

Langsam wird es endlich wieder heller in Deutschland. Im Schein der täglich höher steigenden Sonne kommt einiges ans Licht, was wir bislang nur verschwommen wahrgenommen haben. Beispielsweise politische Kampfbündnisse, wie wir sie uns in dieser beeindruckenden Breite kaum vorstellen konnten. So etwa die feste Allianz, die von einer Regierungspartei über den öffentlich-rechtlichen Staatsfunk bis hin zum gewalttätigen Linksextremismus reicht.

Diese Phalanx zeigte in Köln stolz ihr Gesicht (und ihre Fäuste), als ein Haufen Bürger es wagte, nach dem „Umweltsau“-Skandal seinen Unmut über den WDR öffentlich zu machen. Dagegen trat ein Bündnis aus Gewerkschaften, Jusos und Grünen gemeinsam mit den Gruppen „Köln gegen Rechts“ und „Omas gegen Rechts“ ins Licht, um die Bürger von der Straße zu fegen, was nur durch einen massiven Polizeieinsatz vereitelt werden konnte.

Schon bemerkenswert, dass in einem freien Land nicht einmal mehr ungehindert demonstriert werden kann, möchte man meinen. Immerhin kamen die Staatsfunker ihrem Informationsauftrag nach und berichteten detailliert und ausführlich über die Gewaltausbrüche, mit denen die WDR-Anhänger die Kritiker des Senders überzogen. Oder? Na ja, nicht ganz. Stellvertretend sei hier genannt, was der Bayerische Rundfunk (BR) zu den Übergriffen ins Netz gestellt hat.

Dort lesen wir, es sei „zu kleineren Tumulten und Rangeleien“ gekommen, die Polizei habe „bei einem Gerangel zwischen den Demonstranten eingreifen“ müssen. Auch von „gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern und der Polizei“ ist die Rede. „Ein Mann“ sei in „Gewahrsam genommen worden“. „Zudem erstattete die Polizei mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung, Widerstand und Sachbeschädigung.“

Dass Körperverletzung, Widerstand und Sachbeschädigung in der Berichterstattung zu „kleineren Tumulten und Rangeleien“ geschrumpft werden, lassen wir mal beiseite. Viel interessanter ist, was uns der BR nicht verraten will: Von wem ging die Gewalt denn aus? Von den Kritikern des WDR oder dessen Gefolgsleuten? Wer hat Körper verletzt, Widerstand (gegen polizeiliche Maßnahmen) geleistet und Sachen beschädigt? Auf welcher Seite stand der „Mann“, der festgenommen werden musste? Das zu verpetzen, steht offenbar nicht im Auftrag zu „ausgewogener Berichterstattung“, auf welchen die Staatssender immer so gern verweisen, wenn man sie der Einseitigkeit bezichtigt.

Dummerweise sind mittlerweile viele Deutsche von der Sonne der Erfahrung erleuchtet, welche sie zwischen den Zeilen lesen lässt. Die mit DDR-Erfahrung konnten das schon früher, aber Millionen Wessis haben da längst aufgeholt. Sie lesen aus einem Bericht wie dem des BR mühelos heraus, zu welcher Seite der Front jener „Mann“ gehört, wer die Gewalttätigkeiten ausgelöst hat und wer dagegen die Opfer waren.

Das ist ärgerlich für die Staatssender, sehr ärgerlich, was ihre zunehmende Dünnhäutigkeit erklärt. Wer ihnen ihre politische Schlagseite nachweist, wird daher umgehend in den innersten Kreis der Hölle verbannt. Frank Überall, der nicht bloß als Freier Mitarbeiter beim WDR schuftet, sondern zugleich auch auf dem Chefsessel des mächtigen Deutschen Journalistenverbandes sitzt, macht daher keine Gefangenen. Am Rande der Kölner Demo ließ er verlauten: „Wer sich eine Alternative zur Demokratie wünscht, soll ruhig weiter gegen gesellschaftliche Institutionen wie den WDR demonstrieren.“

Das heißt nichts anderes als: Wer die Öffentlich-Rechtlichen öffentlich kritisiert, wird ausgeschlossen aus dem Kreis der Demokraten. Zack! Caroline Fletscher springt im „Tagesspiegel“ den Genossen vom WDR schwungvoll bei und entlarvt die Kritiker des Senders als „rechte Trollarmee“, die „völkisch gesonnen“ sei, die den Schutz der Menschenwürde ablehne und sich nach „Volksempfängern“ und „Gleichschaltung“ sehne. Kurz, das sind alles – was sonst? – Nazis.

Aus der braunen Masse greift sich Fletscher den Bestseller-Autor („Der Turm“) und Bachmann-Preisträger Uwe Tellkamp heraus und haut ihm seine Sünden um die Ohren. Tellkamp habe unverzeihlicherweise „von einer ,Kulturdiktatur‘ der Medien geraunt, und von ,Maßregelung und Zurechtweisung‘ derer, die nicht dem ,Meinungskorridor‘ eines vermuteten klandestinen Bündnisses gegen rechts angehörten“.

Hoppla! Dass das allgegenwärtige „Bündnis gegen rechts“ auf „klandestine“ Weise agiert, also im Verborgenen, haben wir im republikumspannenden Getöse von den „Wir sind mehr“-Konzerten, zahllosen „Bunt statt Braun“-Demos und den allgegenwärtigen Antifa-Rollkommandos gar nicht bemerkt. Aber das ist jetzt nicht der Punkt. 

„Meinungskorridore“! Das hieße ja, dass Abweichler vom linken Mainstream in unserem Land nicht allerorten ihre Meinung frei sagen könnten, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Wer so etwas behauptet, der kann ja nur ...

Nur einen Tag nach Erscheinen dieser Abrechnung mit dem Autor flog uns die Meldung auf den Tisch, dass das Dresdner Lingnerschloss eine Tellkamp-Lesung kurzfristig abgesagt hat. Der Autor wollte dort aus seinem neuen, noch unveröffentlichten Roman lesen. Begründung der Absage vonseiten des Fördervereins Lingnerschloss: Die Lesung verstoße gegen das „Neutralitätsgebot“ des Vereins. „Neutrale“ Belletristik? Wir hören Schiller wüten, Goethe lachen und sehen, wie Kurt Tucholsky die Galle hochkommt. Wie „neutral“ waren denn Brecht, Böll, Grass?

Meinen diese Vereinsmeier das ernst? Selbstverständlich nicht. Es geht ihnen auch gar nicht um den Roman. Uwe Tellkamp hatte es 2018 gewagt, die Regierung zu kritisieren, um genau zu sein: Merkels Einwanderungspolitik. Seitdem steht er auf der Abschussliste. Da ist es ganz egal, von welcher Qualität sein literarisches Werk ist. Wer sich gegen die Mächtigen stellt, ist draußen. Wer es obendrein wagt, von „Meinungskorridoren“ zu faseln, hat erst recht vergeigt.

Tellkamp hat daraus gelernt und spöttelt: „Es gibt keine Gesinnungskorridore. Nur enge Wände.“ Das wird ihm aber nicht helfen. Wir können die Tage an unseren Fingern abzählen, bis wann Frank Überall, Caroline Fletscher und die Ihren die Formulierung „enge Wände“ ins Wörterbuch der „rechten Trollarmee“ aufnehmen und damit jeden, der diese Worte weiterhin verwendet, zum braunen Unhold stempeln.

Herauskommen soll Tellkamps Werk kommenden Herbst. Oder nicht? Gegenüber dem Magazin „Tichys Einblick“ äußerte sich der Autor vergangenen August merkwürdig verhalten, was das Erscheinen Ende 2020 angeht: „Davon gehe ich aus.“ Mehr nicht? Nun ja, woher sollte er damals schon wissen, wohin die „Wände“ des Erlaubten bis dahin noch verschoben worden sind. Warten wir’s ab und sehen in der Zwischenzeit zu, wie all die Fletschers und Überalls an der Enge ihres eigenen Horizonts geistig ersticken.


Aufgeschnappt

Für den WDR wie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt kommt es derzeit richtig dicke: In Köln stiegen Aktivisten der „Identitären Bewegung“ aufs Dach des WDR-Funkhauses und entrollten ein großes Transparent mit der Parole: „WDRerliche Medienhetze stoppen! GEZ sabotieren!“ Parallel verteilten die „Identitären“ Flugblätter mit konkreten Sabotage-Vorschlägen. So könnten Bürger ihren Lastschrifteinzug widerrufen, „aus Versehen“ falsche Beträge überweisen oder um Auskunft über die Verwendung persönlicher Daten bitten. All das löse bei den Gebühreneintreibern enormen Verwaltungsaufwand aus und könne das System in den Kollaps treiben.

Die Werte-Union, ein Zusammenschluss konservativer CDU- und CSU-Mitglieder, fordert derweil die Halbierung der Rundfunkgebühren und die Abschaffung der 2013 eingeführten Haushaltsabgabe, die nach Meinung prominenter Juristen verfassungswidrig sei. Kritisiert werden auch astronomische Gehälter und Pensionen für Staatsfunker.   H.H.

Stimmen zur Zeit

Gesine Schwan, gescheiterte Kandidatin für den SPD-Vorsitz, hat sich im „Nordkurier“ (2. Januar) überraschend von ihrem einstigen Mitstreiter Kevin Kühnert distanziert:

„Ich habe Kevin Kühnert einmal sehr geschätzt. Aber ich gebe zu, dass mich zwei Dinge sehr enttäuscht haben ... Er ist leider doch nicht fair, wie ich ursprünglich dachte Das habe ich in den vergangenen Monaten feststellen müssen.“





David Malpass, Präsident der Weltbank, kritisiert in einem Gastbeitrag für „Focus-online“ (6. Januar) die Folgen zu niedriger oder gar negativer Zinsen für den Wohlstand der Masse:

„Mehr als 15 Billionen Dollar an globalem Kapital stecken in Anleihen mit niedriger oder negativer Rendite. Davon profitiert eine kleine elitäre Gruppe von Eigentümern und Emittenten (Herausgeber von Anleihen, d. Red.), der Wohlstand bleibt eng konzentriert.“





Der britische Komödiant Ricky Gervais mischte mit seiner Rede zur diesjährigen Golden-Globe-Verleihung in Hollywood am 5. Januar seine politisch korrekten Schauspielerkollegen kräftig auf:

„Ihr sagt, Ihr seid aufgewacht, aber die Firmen, für die Ihr arbeitet, es ist nicht zu fassen: Apple, Amazon, Disney. Wenn ISIS einen Streaming-Dienst starten würde, würdet Ihr Euren Agenten anrufen, oder? Wenn Ihr also heute Abend einen Preis gewinnt, benutzt ihn nicht als Plattform für eine politische Rede. Ihr seid nicht in der Position, der Öffentlichkeit Predigten über irgendetwas zu halten. Ihr wisst nichts über die wirkliche Welt. Die meisten von Euch haben weniger Zeit in der Schule verbracht als Greta Thunberg. Also, wenn Ihr gewinnt, kommt hier hoch, nehmt Euren kleinen Preis entgegen, bedankt Euch bei Euren Agenten und Gott und verzieht Euch, in Ordnung?“





Im Interview mit der „Bild am Sonntag“ (5. Januar) zerlegt der (seinerzeit noch designierte) österreichische Kanzler Sebastian Kurz die Legende, dass man die Seegrenzen der EU nicht gegen illegale Einwanderung schützen könne:

„Ja, natürlich kann man Seegrenzen schützen und man sollte sie auch schützen. Wir können dafür sorgen, dass Flüchtlingsboote erst gar nicht ablegen, wir können die Menschen, die gerettet werden, zurück in das Land bringen, aus dem sie gekommen sind. Schauen Sie sich Ägypten an. Von dort kamen einst Tausende Flüchtlinge, heute niemand mehr, weil es ein funktionierendes System gibt.“





Wort der Woche

„Fridays for Future ebbt ab, und die Deutschen merken zunehmend, dass Zaster und Kreta nachhaltiger Freude bereiten als der Zauber von Greta.“

Robert von Loewenstern verrät im Portal „Achse des Guten“ (5. Januar), warum er zuversichtlich auf 2020 blickt