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Ausgabe 05/20 31.01.20

S. 1 Preußische Allgemeine Zeitung

Brexit
Union in der Sinnkrise
An diesem Wochenende verlässt Großbritannien die EU. Für die verbleibenden Mitglieder stellt sich um so mehr die Frage, wohin die Union künftig steuern soll
René Nehring

Nun ist er also da, der Moment, den die einen herbeigesehnt und bejubelt, die anderen jedoch befürchtet und verflucht haben. An diesem Freitag tritt das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland aus der Europäischen Union aus. Nach Jahren des Ringens mit Brüssel um eine Reform der EU; nach Jahren innerbritischer Grabenkämpfe zwischen den „Brexiteers“, die die EU verlassen, und den „Remainers“, die in ihr verbleiben wollten; und nach Jahren zäher Verhandlungen zwischen London und Brüssel über die Modalitäten des Austritts ist es erstaunlich ruhig um den Brexit. Immerhin waren für diesen Tag noch vor Kurzem zahlreiche Katastrophenszenarien an die europäischen Wände gemalt worden.

Trotz der Ruhe kann und muss dieser 31. Januar 2020 schon jetzt als ein historisches Datum gelten. Erstmals in der fast 70-jährigen Geschichte der europäischen Einigungsbestrebungen verlässt ein Mitglied das Staatenbündnis. Ein solches Ereignis wirft viele Fragen auf; allen voran, wie es den ehemaligen Partnern künftig ohne einander ergehen wird. 

Die Briten scheinen sich da inzwischen weniger Sorgen zu machen als die EU. So äußerte der irische Historiker Brendan Simms schon im vergangenen Jahr, dass er die Insel weitaus besser für die Zukunft gerüstet sieht als es die meisten auf dem europäischen Festland wahrhaben wollten. Das Vereinigte Königreich, so der Ire, sei keineswegs mit den anderen Staaten des „Clubs“ gleichzusetzen, den es verlassen wird. Neben der Geschichte, die für ihn in den vergangenen 300 Jahren von kaum einer europäischen Macht so geprägt worden sei wie vom Vereinigten Königreich, führte Simms auch die Rolle des Landes in der NATO an, in der Großbritannien noch immer das dominierende europäische Mitglied sei. Damit hänge die äußere Sicherheit der Europäischen Union künftig von zwei Ländern ab, die nicht Mitglied in ihr sind: von der USA und eben Großbritannien. Andere Stimmen auf der Insel erinnerten an die lange Geschichte der Briten als Seefahrernation, die es gewohnt ist, draußen auf den Weltmeeren das eigene Glück zu suchen – und selbst bei größten Stürmen Kurs zu halten. 

Union in der Sinnkrise

Ganz anders die Europäische Union. Sie muss nun für sich und ihre Bürger klären, was sie ist und was sie künftig sein will. Spätestens seit dem Scheitern des von Valéry Giscard d’Estaing moderierten Verfassungsprozesses im Jahre 2005 fährt die EU im Grunde nur noch auf Sicht: hier mal ein Beitritt Kroatiens, da mal Verhandlungen mit Serbien oder der Türkei über eine Mitgliedschaft, und zwischendurch immer wieder Versuche der EU-Kommission, weitere Kompetenzbereiche von den Mitgliedstaaten nach Brüssel zu verlagern. 

Was fehlt ist eine offene Diskussion darüber, wohin die EU sich entwickeln soll; wofür sie steht und da ist – und wofür nicht. Viel zu lange war sich die Union selbst genug, reichte ihre permanente Erweiterung allein schon als Existenzberechtigung. Solange es weiterhin Interessenten gab, die dem Bündnis angehören wollten, reichte das. In dem Moment jedoch, wo eine der großen Mitgliedsnationen der EU den Rücken kehrt, kann es kein einfaches „Weiter so!“ geben. 

Der Brexit-Prozess offenbarte eine kaum für möglich gehaltene argumentative Hilflosigkeit der Europäischen Union und ihrer Repräsentanten in Brüssel und in den Mitgliedsländern. Während die „Brexiteers“ ganz auf das Gefühl und den Wunsch der Briten setzten, ihre Eigenheiten auch in Zeiten der Globalisierung bewahren und ihre Geschicke selbst bestimmen zu wollen, blieb den Befürwortern eines Verbleibs in der EU als Argument meist nur die Angst vor den katastrophalen Folgen eines Austritts. 

Dass nun nicht nur der Zusammenbruch der britischen Wirtschaft ausgeblieben ist, sondern dieser just zum Austrittstag vom Internationalen Währungsfonds (IWF) sogar ein stärkeres Wachstum vorhergesagt wird als dem EU-Wirtschaftsraum, ist insofern für die EU ein Desaster. Wenn ein Land wie Großbritannien, das zum elitären Kreis der Nettozahler gehörte, tatsächlich ohne Mitgliedschaft besser fahren sollte als innerhalb der Union, dann dürfte schon bald auch andernorts die Frage aufkommen, warum man eigentlich so viel Geld an ein Bündnis zahlen soll, wenn es ohne die lästigen Pflichten einer Mitgliedschaft auch geht?

Rückbesinnung auf die Anfänge

Eine Lösung für die Identitätskrise der EU könnte in der Rückbesinnung auf ihre Anfänge liegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten die Gründerväter die Idee eines Europas souveräner Vaterländer, die dort, wo es sinnvoll ist, zusammengehen, aber grundsätzlich ihre jeweiligen nationalen Eigenheiten bewahren sollten. Die auf dieser Basis entwickelten vier Freiheiten – freier Warenverkehr, Personenfreizügigkeit, Dienstleistungsfreiheit sowie freier Kapital- und Zahlungsverkehr – schufen Wohlstand und Sicherheit. Auch die Entwicklung eines einheitlichen Rechtsraums erwies sich vielfach von Vorteil. Die Tatsache, dass wir heute ohne Grenzkontrollen über Oder und Neiße fahren können, und dass die Masuren, Schlesier und Südtiroler umfangreiche Minderheitenrechte genießen, zeigt, dass die EU auch segensreich wirken kann. 

Es ist an der Zeit, darüber zu diskutieren, was Europa sein soll – und in der ungeordneten Welt unserer Tage vielleicht auch sein muss. Dazu gehört, dass die Entscheidungsträger in Brüssel und in den europäischen Hauptstädten den Bürgern endlich sagen, wie sie sich die Zukunft unseres Kontinents vorstellen. Und sie sollten zuhören, wie sich die Bürger ihrerseits die EU vorstellen – und deren Willen akzeptieren. Ansonsten droht schon bald das nächste Austrittsreferendum. 

S. 2 Thema der Woche

Brexit Warum die Bürger des Vereinigten Königreichs die Europäische Union verlassen – und welche Lehren die EU daraus ziehen sollte
„Die Briten haben eine DNA als Insel“
Der Brexit-Weg und seine Hintergründe: „Souveränität“ ist das entscheidende Stichwort

Im Gespräch mit Thomas Kielinger

Thomas Kielinger, 1940 in Danzig geboren, lebt und arbeitet seit 1998 in Großbritannien, zunächst als Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“, heute vermehrt als Autor viel beachteter Bücher zur britischen Historie. Er hat Biografien über Elisabeth II. und Winston Churchill geschrieben, auch einen Leitfaden zur Geschichte der Insel, die er in seinen Tiefendimensionen kenntnisreich beleuchtet und sie immer wieder Interessierten gerne erklärt. Als er unlängst in Bonn beim 74. Godesberger Presse- stammtisch den „Brexit-Weg“ thesenartig vortrug, gab er, daran anknüpfend, der PAZ ein Interview. 

Herr Kielinger, Anfang der 1970er Jahre vernahmen Sie einen „Hauch vom geeinten Europa, der die Züge umgab, die den Englandreisenden nach Ostende, den ‚port of embarkartion‘ transportierten“. Das schrieben Sie damals in den „Neuen Deutschen Heften“ nach dem Besuch der Insel. Welchen Hauch verspüren Sie heute, fast 50 Jahre später?

Thomas Kielinger: Kein geeintes Europa drängt sich heute an den Küsten der Insel, um hereingelassen zu werden. Geeint? Schauen Sie auf den Zustand der EU und sagen Sie mir, wie geeint er Ihnen vorkommt. Auch ist die Stimmung auf der Insel seit dem Brexit umgekippt, ein alter Reflex kehrt zurück und wehrt sich gegen zu viel Einwanderung. Wenn das nur nicht in Xenophobie umschlägt!

In Ihren Beiträgen zur Lage der Briten heben Sie immer wieder deren DNA als Insel hervor. Das Land sei wesentlich vom Meer geprägt. Was ist daran das Typische?

Dass die Geografie ein Land entscheidend beeinflusst. Eine Insel ist etwas anderes als ein Kontinent, man könnte sie auch als ein Opt-Out zum Kontinent bezeichnen. Das Inselvolk hat in den letzten etwa 900 Jahren eine andere Biografie durchlaufen als das kontinentale Europa, und zwar abseits der zum Teil mörderischen Verdrängungskriege auf dem Festland. Sein Elexier ist die See. Man hatte, was vielen unbekannt sein dürfte, auf der Insel auch lange kein festes Heer gekannt, eigentlich erst seit Oliver Cromwell im 17. Jahrhundert. Nicht mit einem Heer sahen die Menschen ihre Sicherheit geborgen, sondern in der Navy.

Wenn Sie eine vergleichende Brücke zur anderen Prägung der Kontinental-Europäer schlagen, zu den Deutschen beispielsweise, was fällt Ihnen dabei an Unterschieden im politisch-historischen Denken auf?

Ein lineares Fortschrittsdenken in Politik und Geschichte, wie es zum Beispiel bei Helmut Kohl in seiner „Krieg-und-Frieden-Rede“ im belgischen Löwen 1996 zum Ausdruck kam, in dem er die Unumkehrbarkeit der EU beschwor, ist den Briten eher fremd. Damals begannen wir schon die Briten zu verlieren. Robinson auf seiner Insel ist anders gepolt: Jeder Tag ist eine neue Herausforderung für Versuch und Irrtum, für „trial and error“. Geschichte ist offen, nicht unumkehrbar. Der deutsche Begriff „Gesamtkonzept“ ist dem britischen Denken unverständlich, das sich eher am Prinzip der Opportunität orientiert. George Orwell, in „England Your England“ schrieb 1941: „The English are not intellectual.“ Sie haben einen Horror vor abstrakten Gedanken, sie empfinden keine Notwendigkeit für irgendeine philosophische oder systematische „Welt-Sicht“. Anders als der kontinental geprägte Land-Mann ist das seefahrende Volk der Briten, wie Ernst Jünger in seinen „Strahlungen“ schrieb, „an größere Schwankungen gewöhnt.“

Nun könnte man einwenden, dass gerade das Brüssel-Europa der EU für die Briten doch genügend „größere Schwankungen“ bereitgestellt hatte. Und dennoch der Austritt. Warum?

Souveränität ist das operative und somit entscheidende Stichwort, das hier im Zusammenhang mit dem Brexit genannt werden muss. Um ihrer Willen bringen die Briten sogar die absehbaren Opfer möglicher wirtschaftlicher Einbußen. Als David Cameron im Januar 2013 in einer Rede bekannt gab, er werde 2016 ein Referendum über Großbritannien in der EU abhalten, trat er mit patriotischem Stolz vor seine Zuhörer: „Unsere Psychologie wurde von der Geografie geprägt. Wir haben den Charakter einer Inselnation, unabhängig, geradeheraus, leidenschaftlich in der Verteidigung unserer Souveränität. Wir können diese britische Empfindlichkeit genauso wenig ändern wie den Ärmelkanal abfließen lassen.“ Man wundert sich nachträglich, wo der Premierminister die Zuversicht hernahm, den Wählern die fortgesetzte Teilnahme an und in der EU empfehlen zu können. Mit Vokabeln wie „leidenschaftlich in der Verteidigung unserer Souveränität“, „Psychologie, von der Geografie geprägt“, „Inselnation, unabhängig“, „britische Empfindlichkeit“ – alles Begriffe, die ein Nigel Farage von der Ukip-Partei nicht besser hätte artikulieren können.

Das heißt, dass man sich auf der Insel nicht unwiderruflich von Brüssel aus hineinregieren lassen will, oder?

Genau das ist der Knackpunkt! Verträge mit Staaten ohne ein Zurück kennt die britische Geschichte nicht. Schon gar nicht die Teilung von Souveränität mit einer Institution auf dem Kontinent, dem Europäischen Gerichtshof. Im Jahre 2016 eine dieser Geschichte widersprechende Entscheidung treffen zu sollen und sich unwiderruflich an die EU zu binden war und ist für viele Briten geradezu eine Einladung, entschieden Nein zu sagen. Also: für den Brexit zu stimmen. Aber man muss beachten, dass das britische Nein im Wesentlichen ein englisches Nein war. In Schottland liegt die Sache bekanntlich ganz anders, die Schotten stimmten mit großer Mehrheit für die EU, was geradezu ein Auseinanderbrechen des Vereinigten Königreichs heraufbeschwört.

Manche Beobachter vermuten ja das Empire, das im Unterbewusstsein der Briten nostalgisch wie eine Art „Phantomschmerz“ für den Brexit spukt, als wichtigen Grund für die Distanz zum EU-Europa. Und Sie?

Die Quelle liegt woanders. Sie liegt, wie schon gesagt, in der Souveränität einer Inselnation, in der Idee der „freien Hand“, die schon Heinrich VIII. bewog, die Union mit dem Papst aufzukündigen, weil er sich in der Frage der englischen Thronfolge nicht von einem auswärtigen Herrscher hineinregieren lassen wollte: Wenn ein männlicher Erbe zur Sicherung der Tudor-Herrschaft vordringlich war, musste der Bann der römischen Kirche gegen Scheidung zurücktreten. Das war, wenn Sie so wollen, der erste Brexit der englischen Geschichte. Immer wieder sprach der König von seinem Reich als einem „empire entire unto itself“ – modern übersetzt: als einem Reich auf eigene Rechnung. Es sollte unter Elisabeth, seiner Tochter, einen ersten Höhepunkt erreichen. Zur „freien Hand“ in Fragen der Kirche trat die „freie Hand“ in allen Bereichen der Politik und des Handels.

Auch die bei uns in Deutschland so vehement geführte Einwanderungs- und Migrationsfrage soll beim Brexit eine Rolle gespielt und die Insel in Nord und Süd gespalten haben. Stimmen Sie zu?

Ja, wobei allerdings der politische Graben auf der Insel nicht mehr zwischen Rechts und Links verläuft, sondern zwischen Gruppen, die sich unterschiedlich kulturell definieren. Der englische Norden, überwiegend weiß, widerspricht der Attitüde Londons und des Südens, die sich global gerieren und auf steigende Multikulturalität setzen. Sie sehen ihre traditionellen Gemeinschaften untergraben. „Take back control“ war daher auch ein Weckruf gegen weitere unkontrollierte Einwanderung und die Dominanz der „citizens of nowhere“, der Globalisten und Internationalisten – Bürgern quasi ohne Heimat.

Beim knappen Ausgang des Referendums von 2016 habe auch die Politik der offenen Grenzen von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Rolle pro Brexit gespielt. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ja, durchaus. Zeithistoriker sind sich längst einig, dass die deutsche Öffnung der Grenzen im Herbst 2015 Öl ins Feuer der Euroskeptiker warf, die mit den Tausenden von Ankömmlingen verstärkte Propaganda gegen die EU machten, mit dem Unterton: Seht her, die sind nächstens alle bei uns, wenn wir in der EU bleiben. Es war ein Schlag mehr gegen die Hoffnung, das Referendum könnte eine Pro-EU-Mehrheit finden.

Herr Kielinger, wie wird die Johnson-Regierung mit der Nach-Brexit-Zukunft umgehen?

Johnson wird bald mit den harten Realitäten in seinem Land konfrontiert werden – der liegengebliebenen Agenda der Innenpolitik mit ihren riesigen Problemen, ob in der Altersversorgung, dem Wohnungsbau, dem Gesundheitsystem ganz allgemein. Er wird gezwungen werden, in Verhandlungen mit der EU um einen Freihandelsvertrag Kompromisse einzugehen. Er muss die bedrohte Einheit des Königreichs im Auge behalten, die zentrifugalen Kräfte, die auseinanderstreben. Ich beneide ihn nicht um seine Aufgabe. 

Das Interview führte Bernd Kallina.

S. 3 Seite drei

Die EU muss europäisch werden
Der Brexit zwingt die Europäer, sich zu vergewissern, wer sie sind. Eine wichtige Frage dabei ist, ob sie künftig wieder ein eigenständiger Raum sein wollen – oder sich lieber weiterhin als Teil des „Westens“ verstehen mögen
Eberhard Straub

Das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union bestätigt eine nahezu sprichwörtlich gewordene Warnung, die einst Carl Schmitt immer wieder  aufgriff: „ England is of Europe, but not in Europe“. Mit dem Vereinigten Königreich wurde ein wichtiges Mitglied der Union der Vorschriften des Brüsseler Bürokratismus, der allzu leicht und zu oft in Bevormundung ausartet, letztlich überdrüssig. Die Briten ziehen bewusst ihre Selbstständigkeit vor, durchaus in Übereinstimmung mit dem gut europäischen Prinzip der Subsidiarität, das den einzelnen Staaten in einer großen Gemeinschaft alles dies überlassen will, was diese selbst besser regeln können als die zentralen Behörden. Doch diese haben sich mittlerweile vorgenommen, eine umfassende Gleichheit der Lebensverhältnisse in der EU zu erreichen. 

Eine solche Absicht widerstrebt vielen europäischen Staaten, vor allem Italien, wo Rechtsphilosophen, Historiker und Politiker daran arbeiten, dem jeweiligen „Sovranismo“, der Selbstständigkeit und Eigenwilligkeit der Mitglieder, einen angemessenen Spielraum zu gewähren.  Ein solches Vorhaben entspricht den Erwartungen vieler Europäer, die nicht – wie die Briten – die Union verlassen wollen, wie nervös gewordene Ideologen fürchten, sondern vielmehr eine andere Union wünschen, die nicht die historisch hergebrachte Vielfalt erstickt, die Europa immer auszeichnete. 

Der Verlust der alten Welt

Europa ist nicht nur eine geographische Gegebenheit als Vorgebirge Asiens, es war einmal eine Idee und eine von dieser Idee ermöglichte Wirklichkeit. Im „Großen Krieg“ zwischen 1914 und 1918 und erst recht danach waren alle einst verbindlichen Vorstellungen über europäische Gemeinsamkeiten fragwürdig geworden. Dieser Krieg wurde von allen Seiten als erbitterter Kulturkampf geführt. Die jeweiligen Sinnstifter des Krieges unterstellten jeweils den anderen, die europäische Kultur und mit ihr die europäische Idee schlechthin, die Idee der Freiheit, verraten zu haben. Europa als vertrauter geistiger und historisch-politischer Raum zerbrach in viele Fragmente. Es war zu einem gänzlich ungesicherten Begriff geworden. Hugo von Hofmannsthal konnte daher 1921 erschüttert fragen, „ob Europa, das Wort als geistiger Begriff genommen, zu existieren aufgehört habe?“ 

Zusammen mit anderen „alten Europäern“ – mit Benedetto Croce, Paul Valéry oder José Ortega y Gasset – betrachtete Hofmannsthal die Wiederherstellung der alten Kulturgemeinschaft als Voraussetzung für ein geistig-politisches Überleben Europas. Das nannte er eine „schöpferische Restauration“ früherer Selbstgewissheit. Diese hat trotz unterschiedlicher, umstrittener Versuche nie stattgefunden. Ja, die zeitgenössischen Protagonisten europäischer Einheit sind nahezu überrascht, wenn sie hören, dass eine Idee von Europa wiedergewonnen werden müsse. Sie sind davon überzeugt, dass Europa sich überhaupt erst nach 1945 zu versichern vermochte. Doch sofern man Europa nicht auf den Euro reduziert, lohnt es, wieder so europäisch zu werden, wie es unsere Vorfahren bis 1914 waren. Sie waren so selbstverständlich europäisch, wie der Baum grün ist. 

Die Europäische Union hingegen ist ein Wirtschaftsraum ohne jeden geistig-kulturellen Inhalt. Zuweilen werden gemeinsame „europäische Lebensformen“ beschworen, die sich darin erschöpfen, dass wir alle mehr oder weniger das Gleiche konsumieren und wünschen sollen. Darauf beruht ein gemeinsamer Markt, der ja nur bei möglichst gleichgestimmten Erwartungen funktioniert. Der Markt „harmonisiert“ die Bedürfnisse und deren Befriedigung, er egalisiert und homogenisiert und bewirkt eine Gleichheit der Lebensverhältnisse und des Denkens, die nie das Ziel der alten Europäer war. Im Lissaboner Vertrag von 2004 wird mit mancherlei verfassungslyrischen Verspieltheiten die Gewissheit beschworen, dass „in Vielfalt geeint“ die jeweiligen Europäer „stolz auf ihre nationale Identität und Geschichte“ sind. 

Sobald die europäischen Bürger allerdings bekunden, auf manche ihrer historisch bedingten Sonderformen nicht verzichten und ihre Souveränität und Identität nicht für festtägliche Redensarten halten zu wollen, machen sie sich verdächtig, nationalistische, populistische, gar identitäre Irrwege einzuschlagen, die mit der Einheit Europas nicht zu vereinbaren seien. Einheit und Vereinheitlichung ist das Ziel. Im alten Europa galt hingegen Einigkeit als sittliche Ordnungsmacht, gerade weil sie mannigfachste Verschiedenheiten anerkannte, ja begrüßte. Noch vor vierzig Jahren freuten sich die Reisenden, auch Deutsche unter ihnen, in Rom, Madrid, Zürich oder Paris überraschende Eigenwilligkeiten anderer Lebensarten kennenzulernen, die den Reichtum und den Reiz Europas ausmachten. Sie konnten damals sogar noch besondere Geschenke von ihren Reisen mitbringen, weil noch nicht überall die gleichen Handelsketten für den gleichen Geschmack sorgten. Damals war Europa ein spannender Kontinent.

Die Folgen der „Harmonisierung“ 

Heute ist es fast überall in Europa irgendwie immer wie daheim; Paris ist nur noch ein vergrößertes Mannheim, noch nicht einmal mit exklusiven Sonderangeboten überlegen. Es gibt keine Exklusivität mehr. Diese schafft Unterschiede, die in einem nach „Harmonisierung der Lebensverhältnisse“ strebenden Europa nicht mehr gewünscht sind. 

Noch etwas stimmt am heute gängigen Europa-Verständnis im Vergleich zu früher nicht: Allzu oft wird die EU in Brüssel, aber auch in Berlin, mit Europa gleichgesetzt. Dabei ist die EU noch immer weit davon entfernt, den ganzen Kontinent zu repräsentieren, weil eine klassische europäische Großmacht, nämlich Russland, aus der europäischen Gemeinschaft ausgeschlossen bleibt. Auffällig ist, dass die EU sich im Umgang mit Russland nicht als „Europa“ betrachtet, sondern als Repräsentant des Westens. Dabei war mit dem Zusammenbruch des Ostblocks eigentlich auch „der Westen“ als ideologische Gemeinschaft überflüssig geworden. Doch „der Westen“ und mit ihm die Westeuropäer verstanden sich als Sieger des Kalten Krieges. 

„Westen“ als Ideologie

Das verhindert bis heute ein einiges Europa, eine Wiedervereinigung von Gibraltar bis zum Ural, wie es sich de Gaulle einst erhoffte, um Europas atlantisch-westliche Bindungen zu lockern und die Selbstständigkeit gegenüber den USA zu fördern. Für den Franzosen gehörte Europa immer zur Alten Welt, einem kontinentalen Großraum mit einer gemeinsamen Geschichte von fünftausend Jahren. Es waren die Westdeutschen, die immer die Westbindung, die atlantische Wertegemeinschaft, einem einigen Europa vorzogen. In der eigenwilligen Präambel des Bundestages zum deutsch-französischen Vertrag von 1963 wurde ausdrücklich festgehalten, dass die deutsch-französische Freundschaft nicht die atlantischen Beziehungen schwächen dürfe und Großbritannien unbedingt in die damalige EWG aufgenommen werden müsse. De Gaulle begriff sofort, dass mit Westdeutschland keine europäische Politik zu machen sei. Er begann seine Ostpolitik, um Russland und der Sowjetunion allmählich wieder zu einem angemessenen Platz im gemeinsamen europäischen Haus zu verhelfen. 

Die Westdeutschen jedoch konnten sich – in Übereinstimmung mit den USA – Europa nur als erweitertes Westeuropa vorstellen, sie hielten energisch an der Ideologie der Verwestlichung fest. Dabei wurde diese Ideologie im Ersten Weltkrieg von den Westmächten gegen Deutschland entwickelt, das – angeblich mit der Freiheit gänzlich unvertraut – umerzogen, verwestlicht und zivilisiert werden müsse. Die Westdeutschen haben 1990 in diesem Sinne die Wiedervereinigung nicht als deutsche, gar als nationale Aufgabe aufgefasst, sondern als Verpflichtung, die deutsche Verwestlichung in „Ostdeutschland“ zu vollenden. Sie konnten und wollten sich nicht von dem moralisch hoch aufgerüsteten Begriff des Westens lösen, auch gegenüber Russland. Damit verfestigten sie einen Zwiespalt in der EU, die gar nicht weiß, ob sie nun vorzugsweise zum Westen gehören soll – oder ein Europa als Gemeinschaft souveräner Staaten ein eigener politischer Raum im Zusammenhang mit dem euroasiatischen Großraum sein will. Der Begriff „Westen“ verdrängte unter deutschem Einfluss die Idee eines selbstbewussten Europas. 

Einheit in Vielfalt

Längst hält es die EU als Mitglied der NATO für ihre besondere Verpflichtung, zusammen mit der „Weltordnungsmacht“ USA für die Verwestlichung der gesamten Welt zu kämpfen und ihre „westlichen Werte“ als universale durchzusetzen. Ein totales Westeuropa droht, im Westen als ideologischer Gemeinschaft aufzugehen und der Welt als eigenmächtige Erscheinung abhanden zu kommen. Somit braucht Europa eine „Europäisierung“ seiner eigenwilligen Völker, damit endlich wieder ein substantieller Begriff von Europa gewonnen werden kann – und der Aufbau eines in Vielfalt geeinten Europas keine Illusion bleibt.

Dr. Eberhard Straub ist Historiker und Publizist. Zu seinen Werken gehört u.a. „Der Wiener Kongress. Das große Fest und die Neuordnung Europas" (Klett-Cotta 2014).

S. 4 Deutschland

Parteiinterner Machtkampf
Wer wird CDU-Kanzlerkandidat?
Es scheint auf einen Dreikampf zwischen Kramp-Karrenbauer, Merz und Laschet hinauszulaufen
Peter Entinger

Größte Chancen, die nächste Bundestagswahl für die CDU zu gewinnen und der AfD Wähler abspenstig zu machen, hätte zweifelsohne Friedrich Merz. Unter den möglichen Kanzlerkandidaten der Union hat er derzeit den größten Rückhalt für eine Kandidatur. Wie die jüngste Umfrage zeigt, wünschen sich 13 Prozent, dass der 64-Jährige für die CDU antritt. Berauschend ist dieses Ergebnis nicht. Doch unter den Blinden ist der Einäugige König und die möglichen Kontrahenten schneiden noch schlechter ab. Hinter Merz liegen der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Markus Söder mit acht, Kramp-Karrenbauer mit 5,2, der nordrhein-westfälische Regierungschef Armin Laschet mit fünf Prozent und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Eine klare, absolute Mehrheit der Befragten von 59 Prozent befürwortet gar keinen der fünf potenziellen Kanzlerkandidaten oder machte keine Angaben. 

13 Prozent sind für Merz

Die Personaldecke bei der Union ist dünn. Spahn, gerade einmal 39 Jahre alt, wird sich zurückhalten, wissend, dass er egal ob in Opposition oder Regierung auch künftig eine große Rolle spielen wird. Söder gilt durchaus als ehrgeizig, wird sich aber mit der Rolle des bayerischen Löwen begnügen, der sich aus der Ferne ins Berliner Tagesgeschäft einmischt, so wie kürzlich, als er sehr zum Missfallen von Merkel und Kramp-Karrenbauer eine Verjüngung des Kabinetts forderte. Zudem hat die CSU zu viel ihrer einstigen Stärke eingebüßt, um einen ernsthaften Anspruch auf die Kanzlerkandidatur erheben zu können.

5,2 Prozent sind für AKK

Am Ende wird es wohl auf einen parteiinternen Dreikampf zwischen Kramp-Karrenbauer, Merz und Laschet hinauslaufen. Beim nächsten Parteitag im Dezember dieses Jahres soll eigentlich über die K-Frage entschieden werden. Möglicherweise wird die CDU auch auf Regionalkonferenzen setzen, sollte es mehrere Bewerber für die Kanzlerkandidatur geben, so wie das auch im Jahre 2018 im Kandidatenrennen um den Parteivorsitz gehandhabt wurde. Damals war Merz knapp gegen die Saarländerin unterlegen. 

Derzeit tourt der Finanzexperte durch die Kreisverbände und erfreut sich großer Beliebtheit an der Basis. Die große Konfrontation sucht er noch nicht. Mancher aus der CDU-Spitze wertete seine jüngste Mitteilung, er wolle als Teamspieler in einer Wahlkampfmannschaft mitmachen, als Rückzug von eigenen Kanzlerambitionen. Andere behaupten, Merz habe seine Lektion gelernt und halte sich bis zum passenden Zeitpunkt zurück. Anders als beim zurückliegenden Parteitag, als er Kramp-Karrenbauer und Merkel im Vorfeld harsch attackierte, dann aber eine versöhnliche Rede hielt, scheint er nun taktisch klüger vorzugehen. 

Fünf Prozent sind für Laschet

Immer öfter fällt auch der Name Laschets. 54 Prozent der Befragten in NRW sind derzeit mit seiner Arbeit zufrieden. Das ist ein ordentlicher Wert. In der Bundes-CDU hat die Stimme des Parteivizes Gewicht – schon deshalb, weil er den mitgliederstärksten Landesverband führt. „Man darf Herrn Laschet auf keinen Fall unterschätzen“, sagte der Düsseldorfer, also nordrhein-westfälische Politologe Thomas Poguntke NWZ-Online. Er verhalte sich in der Führungsdebatte der CDU klug. „Er hat sich erst einmal zurückgehalten, aber doch immer dafür gesorgt, dass er im Gespräch bleibt.“ Und derzeit ist er ein gefragter Interviewpartner. Dabei gibt er sich loyal und versöhnlich: Auf die Frage, ob auch CSU-Chef Markus Söder Kanzlerkandidat werden könnte, sagte Laschet der „Rheinischen Post“: „Kanzlerkandidat können viele werden.“ Dass auch der Name Laschet genannt werde, lese er in der Zeitung. Derzeit stehe die Frage nicht an. „Die Vorsitzende hat den Weg aufgezeigt, und den werden wir gehen. Die Frage werden wir Ende 2020 entschieden.“

Digitalradiostandard DAB+
DGB und Grüne gegen Frequenz für „Patrioten“
Hartmut Issmers „B&R Klassik-Union GmbH“ bewirbt sich um Übertragungskapazitäten in Thüringen
Norman Hanert

Die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) ist mit einer Ausschreibung für landesweite Übertragungskapazitäten im Digitalradiostandard DAB+ auf eine starke Resonanz getroffen. Fristgerecht haben sieben Interessenten zum 20. Dezember ihre Bewerbungen eingereicht.

Dass diese Ausschreibung in Thüringen inzwischen bundesweite Beachtung findet, hängt mit der Bewerbung des Unternehmens „B&R Klassik-Union GmbH“ zusammen. Hinter der Firma mit Sitz im hessischen Erlensee steht der Unternehmer Hartmut Issmer, der in Medienberichten regelmäßig als „rechtsgerichteter Aktivist“ oder „AfD-Unterstützer“ bezeichnet wird. Laut dem Impressum ist der Diplom-Ingenieur auch der medienrechtlich Verantwortliche für die Internetseite „Volksbewegung Patrioten für Deutschland“. Die TLM will bis Juni entscheiden, wer den Zuschlag für Frequenzen im Digitalradio erhält. 

„Rechtsgerichteter Aktivist“

Vertreter des Deutschen Gewerkschafsbundes und der Grünen warnten inzwischen vor einer Frequenzvergabe an den Issmer. Die Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling, die für die Grünen im Aufsichtsgremium der TLM sitzt, sagt: „Eine Institution wie die Landesmedienanstalt darf nicht als Steigbügelhalter für Sprachrohre der extremen Rechten herhalten.“ 

Issmer selbst erklärte zu seiner Bewerbung, es sei ein Sender geplant, der in erster Linie Unterhaltungsmusik spielt, um eine „möglichst breite Bevölkerung“ anzusprechen. Dazu soll es neben Nachrichten, Wetter und Verkehrsfunk auch redaktionell aufgearbeitete Sendungen geben.

„Möglichst breite Bevölkerung“

Ganz explizit um politische Inhalte geht es bei einer Initiative von zuwanderungskritischen Journalisten, die in den Niederlanden als Anbieter in das öffentlich-rechtliche Programm aufgenommen werden will. Unter dem Namen „Ongehoord Nederland“ sollen dabei Meinungen aufgegriffen werden, die in den Medien der Niederlande bislang meist nicht vorkommen. Die Initiative hat Ende des vergangenen Jahres innerhalb kurzer Zeit 50 000 Unterstützer gewonnen und will in diesem Jahr auf 150 000 Mitglieder wachsen. In den Niederlanden können sich einzelne Anbieter für Sendeplätze im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bewerben, wenn sie über eine Mindestzahl von Unterstützern verfügen.

Meldungen

Zeugen ziehen Aussage zurück

Berlin – Vor dem Amtsgericht Tiergarten sind in einem Prozess gegen einen Angehörigen eines arabischen Großclans zwei Zeugen von ihren ursprünglichen belastenden Aussagen abgerückt. Angeklagter ist in dem Verfahren ein 38-Jähriger, dem zwei gefährliche Körperverletzungen und ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen werden. Der Syrer, der mit einer Frau aus einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie verheiratet ist, soll im Februar 2019 zwei Männer zusammengeschlagen haben. Die Zeugen begründeten die Rücknahme ihrer Aussagen, die sie zunächst gegenüber der Polizei gemachte hatten, mit fehlenden Erinnerungen und dem Hinweis auf eine Einigung zwischen den Familien. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten zudem vor, im Herbst 2017 zusammen mit drei anderen Männern nachts in eine Wohnung in Berlin-Wedding eingedrungen zu sein und eine Frau schwer misshandelt zu haben.N.H.





Essener Vize verlässt SPD

Essen – Mit Karlheinz Endruschat verlässt ein weiteres langjähriges SPD-Mitglied seine Partei. Als Essener SPD-Vizevorsitzender hatte er zuletzt eindringlich vor einer Muslimisierung einzelner Stadtteile wie Altenessen gewarnt und insbesondere eine Null-Toleranz-Politik gegenüber kriminellen Clans gefordert. Endruschat, der als Sozialarbeiter und Bewährungshelfer tätig war, kehrt der SPD nach 15 Jahren Parteizugehörigkeit nun den Rücken. Er wirft der Partei vor, sich mit den realen Problemen nicht auseinandersetzen zu wollen. Seine Vorschläge zur Integrationspolitik, nämlich hin zu einer „stadtplanerischen Entzerrung der Milieus“ durch preiswerten Eigenheimbau sowie eine Aufstockung des Personals im Bildungswesen, fand kein Gehör in der Essener SPD. Stattdessen rügte Thomas Kutschaty, Fraktionschef der SPD im NRW-Landtag, Endruschat für dessen „übertriebene Aussagen“ und das gewählte Vokabular.MRK





Kirche fordert mehr Härte

Bonn – Seit 2010 wurden jährlich 2000 Diebstähle und Einbrüche pro Jahr in Kirchen verzeichnet, wobei die Dunkelziffer noch höher liegen dürfte, da nicht alle Länder die Kirchendiebstähle gesondert erfassen. Die Aufklärungsquote liegt unter 20 Prozent. Laut dem Kunstexperten der Deutschen Bischofskonferenz, Jakob Johannes Koch, hat die Zerstörungswut an religiösen Stätten nicht nur im Ausmaß, sondern auch in der Qualität stark zugenommen. Nicht nur Jesuskind-Diebstähle aus Weihnachtskrippen und eingeworfene Fensterscheiben an Silvester in Leipzig seien zu beklagen, sondern auch beschädigte Gipfel- und Grabkreuze. Es gibt sogar Fälle, bei denen Täter in Weihwasserbecken uriniert haben. Koch spricht in diesen Fällen von „ideologisch zielgerichteten Motivationen“ und fordert von den Ermittlern, genauer hinzuschauen und die Täter im Sinne des Paragrafen 166 des Strafgesetzbuches (Blasphemie) anzuklagen. MRK

S. 5 PREUSSEN & BERLIN

„VERkehrswende“
Krach bei Rot-Rot-Grün
Berliner Rathauskoalition uneins: SPD will sich Autofahrer nicht zu Feinden machen
Norman Hanert

Der Berliner Senat hat im Dezember eine „Klimanotlage“ ausgerufen und angekündigt, in diesem Jahr einen „Zeit- und Maßnahmenplan“ vorlegen zu wollen, mit dem Berlin schnellstmöglich „klimaneutral“ werden soll. Die nun von Grünen und SPD präsentierten Ideen bergen jedoch massives Streitpotenzial für die verbleibende Regierungszeit der rot-rot-grünen Koalition.

Geht es nach den Vorstellungen der Umweltsenatorin Regine Günther, dann wird bereits bis zum Jahr 2030 innerhalb des Berliner S-Bahnrings ein vollständiges Fahrverbot für alle Autos mit Diesel- und Benzinmotoren eingeführt. Eine Senatsvorlage der Grünen-Politikerin sieht darüber hinaus vor, das gesamte Berliner Stadtgebiet ab 2035 zu einer „Zero Emission Zone“ zu erklären. Innerhalb von 15 Jahren wären damit Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren aus der Bundeshauptstadt komplett verbannt. Die Umweltsenatorin will in Berlin zudem auch das Parken deutlich teurer machen und eine Citymaut einführen. Mit den Einnahmen soll dann der öffentliche Nahverkehr subventioniert werden.

2035 alle Diesel und Benziner raus?

Ob insbesondere die radikalen Fahrverbotspläne der Grünen politisch durchsetzbar sind, bleibt abzuwarten. Innerhalb der Koalition treffen die Ideen nämlich auf Widerstand der SPD. Gut anderthalb Jahre vor den Berliner Abgeordnetenhauswahlen 2021 grenzen sich die Sozialdemokraten bei der Verkehrspolitik deutlich vom Koalitionspartner Grüne ab. Auf ihrer Jahresklausurtagung in Nürnberg erteilte die Berliner SPD-Fraktion einem Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor auf absehbare Zeit eine klare Absage. Vizefraktionschef Jörg Stroedter sagte: „Man kann den Leuten nicht vorschreiben, dass sie mit ihrem Auto mit Verbrennungsmotor in zehn Jahren nicht mehr in die Stadt fahren können.“

Der Politiker versicherte zudem: Mit der SPD „gibt es keinen Krieg gegen die Autofahrer“. Auch Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller, stellte klar: „Es wird immer Leute geben, die ein Auto brauchen.“ Müller plädierte auch dafür, bei Bussen als Übergangslösung Gas für den Antrieb zu nutzen, bis es genug Elektrobusse gebe: „Doch das lehnen die Grünen ab, weil es ein fossiler Energieträger ist“, so der Berliner SPD-Chef. Auf der Klausur verabschiedete die SPD-Fraktion ein Programm zu einem „sozialen Klimaschutz“. Teil des Pakets ist die Forderung nach einem 365-Euro-Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr in Berlin.

„Kein Krieg gegen die Autofahrer“

Auf der Klausurtagung hatte Verkehrsexperte Bernd Rosenbusch vom Münchener Verkehrs- und Tarifverbund allerdings deutlich von der Idee der Billig-Jahreskarte abgeraten. Rosenbusch, der als Referent geladen war, sprach sogar von „Unsinn“ und verwies auf das Beispiel Wiens. Die Donau-Metropole hat bereits im Jahr 2012 eine 365-Euro-Jahreskarte eingeführt. Laut Bernd Rosenbusch hat sich der Schritt allerdings nicht gelohnt, da er nicht zu mehr Fahrgästen für den ÖPNV in Wien geführt habe. Rosenbusch sagte auf der SPD-Tagung, dass man sich daher in München von der Idee der 365-Euro-Jahreskarte verabschiedet habe. Nach internen Berechnungen des Berliner Senats würde die Einführung eines solchen Angebots pro Jahr einen zusätzlichen Zuschuss von 160 Millionen Euro an die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erforderlich machen. 

Der Regierende Bürgermeister Müller will sich das Ticket allerdings vom Bund fördern lassen. Genutzt werden soll dabei eine Ankündigung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der bundesweit mehrere Modellregionen ausloben will. Gerade Berlin könnte diese Hilfe des Bundes gut gebrauchen. Um den ÖPNV tatsächlich attraktiver zu machen, wird der Senat in den kommenden Jahren viel Geld in die Hand nehmen müssen. Schon jetzt sind Schienen und Straßen in der gesamten Hauptstadtregion regelmäßig überlastet. Mit den gestiegenen Einwohnerzahlen von Berlin und dem Speckgürtel sind in den vergangenen Jahren die täglichen Pendlerströme massiv gewachsen. Für neue Busse, Bahnen und Schienenwege sind nicht nur Milliardeninvestitionen nötig, sondern auch viel zeitlicher Vorlauf für Planungen, Genehmigungen und den Bau. 

ÖPNV-Ausbau kommt kaum voran

Die Vorbereitungen für den Wiederaufbau der Dresdner Bahn haben sich beispielsweise über 20 Jahre hingezogen, ehe der Bau nun langsam in Gang kommt. Beim Streckenausbau der S-Bahn oder dem Wiederaufbau der preußischen Stammbahn ist die Hauptstadtregion Jahrzehnte nach der deutschen Vereinigung noch immer weit davon entfernt, überhaupt den Stand wiederherzustellen, der schon bis zum Zweiten Weltkrieg oder bis zum Mauerbau 1961 bestanden hatte. 

Wohnungspolitik
Grüner Baustadtrat erzürnt sogar die SPD
Dubiose Deals mit alternativer Wohnungsgenossenschaft: Florian Schmidt hat Akten zurückgehalten
Frank Bücker

Der Baustadtrat des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne), steht massiv unter Druck. Nicht nur die Opposition aus CDU, FDP und AfD fordert seinen Rücktritt, auch die mit den Grünen regierende SPD rückt deutlich von ihm ab. Eigentlich waren es sogar die bezirklichen Sozialdemokraten, die den jüngsten Stein zum Rollen brachten. 

CDU, FDP und AfD fordern Rücktritt

Zwar hatte die FDP bereits beanstandet, dass die von Schmidt den Bezirksverordneten zur Ansicht und Prüfung vorgelegten Akten nicht vollständig und paginiert waren, aber erst nachdem Schmidt in einer gemeinsamen Sitzung von Grünen, Linkspartei und SPD einräumen musste, dass er Verwaltungsakten, die laut gültiger Rechtsordnung öffentlich einsehbar sein müssten, nicht herausgebe „um zu verhindern, dass Presse und Opposition im Bezirk den Inhalt von Akten instrumentalisieren und zur politischen Agitation nutzen“, reichte es der SPD und sie machte Schmidts Äußerungen publik. Die Akten betreffen den bezirklichen Versuch, im Wege des Vorkaufs ein Wohnhaus in der Rigaer Straße der umstrittenen Genossenschaft „Diese eG“ zukommen zu lassen. Der Verkauf scheiterte, weil „Diese eG“ den Kaufpreis nicht aufbringen konnte. Dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg entstanden Verluste in Höhe von 190 000 Euro.

Während die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) keine Veranlassung sieht, gegen Schmidt ein Disziplinarverfahren zu eröffnen, haben die örtliche CDU und FDP gegen den Baustadtrat Strafanzeige wegen Urkundenfälschung, Falschbeurkundung und Urkundenunterdrückung erstattet. Die AfD monierte, dass Schmidt gegen die „Gemeinsame Geschäftsordnung der Bundesministerien“ (GGO) verstoßen habe. Dort heißt es in Paragraf 55 Absatz 1: „Die Schriftgutverwaltung dient der Nachvollziehbarkeit des Verwaltungshandelns. Stand und Entwicklung der Vorgangsbearbeitung müssen jederzeit im Rahmen der Aufbewahrungsfristen aus den Akten nachvollziehbar sein. Dabei ist zu gewährleisten, dass das zur Akte genommene Schriftgut vollständig und vor Veränderung geschützt verfügbar ist. Diese Anforderungen gelten gleichermaßen für elektronische oder in Papierform geführte Akten.“

„Unverzüglich rückabwickeln!“ 

CDU-Bezirksfraktionschef Timur Husein ist empört über Schmidts Verstoß gegen diese Regelung: „FDP und CDU akzeptieren nicht, dass ihre Rechte durch Manipulation von Akten selbstherrlich eingeschränkt werden.“ Sibylle Meister, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, geht noch weiter: „Die ,Diese eG‘ gehört unverzüglich rückabgewickelt, die Verantwortlichen müssen endlich zur Rechenschaft gezogen werden – auch zum Schutz der Genossinnen und Genossen.“ Die CDU erwägt die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus. Aber auch der Landesrechnungshof hat das Gebaren Schmidts im Blick. Dort wurde mittlerweile eine Sonderprüfungsgruppe gebildet, die sofortiges Zugriffsrecht auf die Verwaltungsakten hat. Der Rechnungshof will nun alle Vorkaufvorgänge Schmidts überprüfen.  

Kolumne
Polizisten als Freiwild
Vera Lengsfeld

An dieser Stelle war schon häufig die zerbröckelnde Rechtsstaatlichkeit in Berlin ein Thema. Auch, wie unwürdig die Polizei von der Politik behandelt wird, habe ich schon beschrieben. Langsam bekommt man das Gefühl, zur eigenen Schallplatte zu werden, weil man sich immer wiederholen muss. Aber es passieren in unserer Hauptstadt, deren geistige, moralische und tatsächliche Verlotterung täglich sichtbarer wird, immer wieder Dinge, die man kaum glauben kann. 

Kürzlich wurden Zivilbeamte des Verkehrsdienstes von zwei Männern, Vater und Sohn, in der Wrangelstraße angepöbelt, als diese ihr Fahrzeug verließen und in ein Restaurant gingen. Die Beamten schauten sich das Auto genauer an und stellten Manipulationen am Siegel der Kennzeichen fest. Die Polizisten folgten den Männern in das Lokal und verlangten die Fahrzeugpapiere. Weil diese sich im Fahrzeug befänden, gingen alle Beteiligten zum Auto. Vater und Sohn setzten sich ins Fahrzeug, angeblich, um nach den Dokumenten zu suchen. 

Stattdessen steckte der Vater plötzlich den Fahrzeugschlüssel ins Zündschloss und startete den Motor. Einer der Beamten lehnte sich durch die offene Fahrertür in das Auto, um den Fahrer am Wegfahren zu hindern. Dafür wurde er mit Faustschlägen ins Gesicht und auf die Brust traktiert. Als dies keine Wirkung zeigte, legte der Tatverdächtige den Rückwärtsgang ein und schleifte den Polizisten einige Meter mit. Dennoch konnten die Verdächtigen festgenommen werden. Der Fahrer besaß keine Fahrerlaubnis, der Wagen war nicht zugelassen, nicht versichert, und die angebrachten Kennzeichen gehörten nicht zum Auto, in dem Diebstahlutensilien gefunden wurden. Doch die beiden Festgenommenen wurden nach der erkennungsdienstlichen Behandlung wieder auf freien Fuß gesetzt. Täglich werden 20 Polizisten in Berlin angegriffen. Die Politik schweigt.


Meldung

Grüne kontra Hohenzollern

Berlin – Daniel Wesener, der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, hat sich für einen unverzüglichen Rückzug des Landes Berlin aus den Verhandlungen mit den Hohenzollern ausgesprochen. Berlin, Brandenburg und der Bund führen seit einiger Zeit Gespräche mit Georg Friedrich Prinz von Preußen, in denen es um Entschädigungen und die Rückgabe von Kunstgegenständen geht, die nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet wurden. Wiesner erklärte, wenn die Senats-Kulturverwaltung die Vergleichsgespräche fortsetzen wolle, geschehe dies gegen den ausdrücklichen Willen der Grünen und ohne das Mandat der Koalition. Wie aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Kultur auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht, setzt sich der Berliner Senat mit Verweis auf eine „uneindeutige Rechtslage“ dafür ein, in dem Vermögenskonflikt einen Vergleich mit den Hohenzollern zu erreichen. N.H.


S. 6 Ausland

Regionalwahlen in Italien
„Das Volk hat immer recht!“
Nach einem harten Wahlkampf bleibt die Emilia-Romagna der Linken erhalten. Dafür verflog die Fünf-Sterne-Bewegung wie Sternenstaub. Und Kalabrien wurde klar vom Mitte-Rechts-Bündnis gewonnen
Wulf D. Wagner

Kaum lag die erste Hochrechnung dieses Wahlsonntags in der Emilia-Romagna und in Kalabrien vor, trat kurz nach Mitternacht Matteo Salvini vor die Presse. Obwohl sich abzeichnete, dass ein Regierungswechsel in der Emilia-Romagna dem Wahlbündnis „Centrodestra“ (Mitterechts) nicht gelingen würde, sprach er allen Wählern seinen ehrlichen Dank aus: „Wer wählt, übernimmt Verantwortung.“

Tatsächlich ist es Salvini mit seiner Art zu polarisieren und auf der Gegenseite der gegen ihn gerichteten Bewegung der „Sardinen“ zu verdanken, dass sich die Wahlbeteiligung in der Emilia-Romagna deutlich erhöhte, von den Regionalwahlen 2014 mit 37,3 Prozent stieg sie auf 67,7 Prozent. In Kalabrien blieb sie hingegen fast gleich bei 44,6 Prozent. 

Die „rote Festung“ wankte

Wer nun von einer „Niederlage“ Salvinis spricht, der missversteht die Situation in der wohlhabenden norditalienischen Region: Seit über einem halben Jahrhundert regiert hier die Linke, angefangen mit der kommunistischen Partei, aus der der jetzt weiter regierende „Partito democratico“ („PD“) hervorging. Dem Verteidiger, dem bisherigen Präsidenten Stefano Bonaccini („PD“), standen also in Jahrzehnten aufgebaute Strukturen zur Verfügung. Vor allem verdankt der „PD“ – und das gibt auch Bonaccini zu – der Mobilisierung durch die „Sardinen“ den Sieg.

Der mit großem Einsatz geführte Wahlkampf von Centrodestra, bestehend vor allem aus „Lega“, „Fratelli d’Italia“ („FdI“) und „Forza Italia“ („FI“), war zum ersten Mal eine wirkliche Herausforderung, und wenn die „rote Festung“ Emilia-Romagna auch nicht gefallen ist, gezittert hat sie kräftig. In Kalabrien gelang der Kandidatin von Centrodestra, Jole Santelli („FI“), hingegen ein klarer Sieg mit 55,2 Prozent, womit eben doch eine weitere italienische Region dem Mitte-Rechts-Bündnis gewonnen ist.

Der Sieg Bonaccinis als Kandidat von Centrosinistra ist mit 51,4 Prozent hoch, seine Herausforderin von Centrodestra kam auf 43,6 Prozent. In Italien wird zunächst auf den Kandidaten der Wahlbündnisse geschaut, dann auf die Parteien; hier aber sieht der Abstand schon nicht mehr so groß aus: Der „PD“ erreicht 34,6 Prozent, dicht gefolgt von Salvinis „Lega“ mit 31,9 Prozent. Bonaccinis höherer Wert als der seiner Partei wurde also wegen des Wahlbündnisses sowie deshalb erreicht, weil Wähler anderer Parteien ihre zweite Stimme nicht ihrem Kandidaten – der etwa beim „M5S“ ohne Erfolgsaussichten gewesen wäre –, sondern ihm schenkten. 

Niedergang einer Regierungspartei

Und hier sind wir an einem entscheidenden Punkt, der über die Regionalwahl hinausweist: Die Regierungspartei „Movimento 5 Stelle“ („M5S“, „Fünf Sterne“) ist der größte Verlierer beider Wahlen; nur noch 4,73 Prozent erhielt sie in der Emilia-Romagna. War sie bei den Wahlen in Italien 2018 noch stärkste Kraft und konnte die Regierung stellen, so ist sie nun wie Sternenstaub fast verflogen. Die Partei hat aufgrund ihrer schnellen Anpassung an ihren einstigen Hauptgegner „PD“, mit dem sie seit der Krise im Sommer 2019 regiert, einzig um Neuwahlen zu verhindern, ihre Glaubwürdigkeit verloren – in Kalabrien zieht sie aufgrund der 8-Prozent-Hürde nicht einmal mehr in das Regionalparlament ein.

Schaut man als Deutscher auf den Wahlkampf, ist man von der Heftigkeit überrascht, vor allem aber von der Breite und Offenheit der Medien im Vergleich zu den unsrigen. Selbstverständlich werden auch die Redakteure konservativer oder rechter Zeitungen geladen, freier und demokratischer kommen alle zu Wort, eine Ausschließung findet kaum statt. Daher wird auf einem oft deutlich höheren Niveau wirklich um Ideen gestritten. Und – das ist das Sympathische an Italien – am Ende kann man mit freundlichem Gesicht einfach eingestehen, sein Ziel nicht erreicht zu haben. Daher betonte Salvini: „Das Volk hat immer recht!“; hinzufügend, dass dies auch einige Linke nicht vergessen sollten, die für Wahlen nur noch dann seien, wenn man „richtig“, nämlich sie wählt. 

Erschütterungen bis nach Rom

„Man gewinnt, man verliert“, so Salvini. Letzteres gibt den Ansporn, mehr zu arbeiten, um mit guten Ergebnissen aufzuwarten. Diese müssen nun Centrodestra in Kalabrien mit seiner hohen Jugendarbeitslosigkeit, und das muss die Linke in der Emilia-Romagna zeigen. Ein „Weiter so“ wird es nicht geben, dafür ist das Beben dieser Wahl zu kräftig gewesen – und bis in Rom spürbar.

Syrien-krieg
Gab es in der Stadt Duma einen Giftgasanschlag?
Russland legt den UN neues Material vor, das Weißhelm-Aussagen widerspricht
Florian Stumfall

Gerne wird von den Leitmedien Syriens Präsident Baschar Hafiz al-Assad vorgeworfen, er habe einen Giftgasan­schlag in der Stadt Duma im Jahr 2018 zu verantworten. Mitte Januar nun hat Russland dem UN-Sicherheitsrat Material vorgelegt, das diesem Vorwurf diametral widerspricht. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass über den russischen Vorstoß einhellig geschwiegen wird.

Gegründet von einem MI6-Agenten

Die offizielle Version der Ereignisse in Duma wird getragen von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) und dem sogenannten Syrischen Zivilschutz (SCD), besser bekannt als „Weißhelme“. Diese Zeu­genschaft allerdings ist zweifelhaft. Die OPCW hat sich in Sachen Duma hartnäckig und erfolgreich gegen den russischen Vorschlag geweigert, Spezialisten nach Duma zu schicken, sodass sich die Vorwürfe gegen die syrische Regierung hauptsächlich auf die Aussagen der Weißhelme stützen.

Das wirft die Frage auf, wer oder was die Weiß­helme sind, und was sie wollen. Gegründet hat sie der 1971 in Singapur geborene britische Offizier James Le Mesurier, ein Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6. Nach eigener Aussage half er – zur rechten Zeit am rechten Ort – syrischen Flüchtlingen, eine Rettungstruppe aufzustellen. 

Finanziert von Syriens Feinden

Das Unternehmen gedieh über jede Erwartung hinaus. Es wurde als „Mayday Rescue“ in den Niederlanden registriert und nimmt die Aufgabe wahr, Gelder für die Weißhelme zu sammeln. Dies ist keine schwere Aufgabe. Großbritannien, die Niederlande, Dänemark, Deutschland, Kanada, Neuseeland und die USA haben weit über 100 Millionen Dollar in die Finanzierung der Weißhelme gesteckt – lauter Länder, die dem Regime Assad feindlich gegenüberstehen.

Mit der faktischen Zerschlagung der Macht des Islamischen Staates (IS) in Syrien sind die Weißhelme weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden, wie eben auch die diplomatische Nacharbeit im UN-Sicherheitsrat keine Erwähnung findet. Ihr Gründer allerdings fand am 11. November noch einmal abschließende Aufmerk­samkeit. An jenem Tag stürzte er aus ungeklärtem Grund von einem Balkon im zweiten Stock eines Hauses in Istanbul in den Tod.

Meldungen

EU-Geld für AKP-Studie 

Brüssel – In einem offenen Brief haben liberale Muslime und Islamkritiker die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aufgefordert, die Finanzierung eines sogenannten Berichts über Islamophobie durch die EU einzustellen. Der Bericht wird unter der Schirmherrschaft der türkischen Denkfabrik Seta herausgegeben, die als wissenschaftliches Sprachrohr der Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan gilt. Die Gruppe von Wissenschaftlern und Buchautoren kritisiert in ihrem Mitte Dezember geschriebenen Brief an die EU-Kommission, der Islamophobie-Bericht diskreditiere die kritische Beschäftigung mit dem Islam, indem er Islamkritiker neben Islamhassern und Rechtsextremen aufliste. Die EU hat den mehr als 800 Seiten starken „Islamophobie-Bericht“ über den Fonds zur Unterstützung des zivilgesellschaftlichen Dialogs zwischen der EU und der Türkei mit rund 127 000 Euro mitfinanziert.N.H.





Russisch raus aus Schulen

Kiew – Die Oberste Rada, das ukrainische Parlament, hat am 16. Januar ein Gesetz durchgewunken, demzufolge Russisch-Unterricht in der Schule ab kommendem Schuljahr verboten wird. Damit setzt die Ukraine ihre Ent-Russifizierungspolitik fort, die bereits nach dem Zerfall der Sowjetunion ihren Anfang nahm, aber erst seit dem Euromajdan 2014 forciert wird. Bei einer Volkszählung im Jahr 2001 gaben 30 Prozent der Ukrainer Russisch als ihre Muttersprache an, in der Hauptstadt Kiew wird überwiegend Russisch gesprochen, weshalb das Gesetz nicht unumstritten ist. Gegner befürchten eine tiefere Spaltung der Ukraine und die Gefahr eines eingefrorenen Konflikts im Osten des Landes. Weil auch andere Minderheitensprachen vom Unterrichtsverbot betroffen sind, handelte Kiew sich neben Kritik aus Russland solche auch vonseiten der EU ein. Das Gesetz tritt am 1. September in Kraft.MRK





Putin öffnet Archive

Moskau – Russland und Polen werfen sich derzeit gegenseitig vor, Geschichtslügen über den Zweiten Weltkrieg zu verbreiten. Es geht um Täter, Opfer und Kollaboteure. Als solchen hatte Wladimir Putin jüngst Jozef Lipski, Polens Botschafter in Berlin von 1933 bis 1939, bezeichnet und Polen Antisemitismus und eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg zugeschrieben. Damit löste er einen Skandal noch vor Beginn der Auschwitz-Gedenkfeiern aus. Anlässlich der Gedenkfeier zur Leningrader Blockade kündigte der russische Präsident an, Moskauer Archivdokumente zum Zweiten Weltkrieg einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um, wie er zitiert wird, „jenen das Maul [zu] stopfen, die versuchen, Geschichte umzuschreiben“. Putin sagte jedoch nicht, um welche bislang unveröffentlichten Dokumente es sich handelt und ob selektiert wird oder wirklich alle Dokumente zugänglich gemacht werden sollen.MRK

S. 7 Wirtschaft

Meinungsumfrage der US-Agentur Edelman
Kapitalismus schlittert in eine Vertrauenskrise
Nicht einmal jeder achte Deutsche glaubt, von der aktuellen Wirtschaftsordnung zu profitieren
Peter Entinger

Am Anfang der 2020er Jahre befindet sich der Kapitalismus in einer Vertrauenskrise. Nur zwölf Prozent der Deutschen glauben, dass ihnen die aktuelle Wirtschaftsordnung nützt und sie von einer wachsenden Wirtschaft profitieren. 

Das geht aus der Umfrage „Trust Barometer“ der US-Agentur Edelman hervor. Demnach schaut weniger als jeder vierte Deutsche (23 Prozent) optimistisch in seine wirtschaftliche Zukunft. Lediglich Franzosen (19 Prozent) und Japaner (15 Prozent) sind noch pessimistischer. Hingegen gehören Inder (77 Prozent) und Chinesen (69 Prozent) zu den Nationen, die deutlich positiver gestimmt sind. Auch in den USA ist die Stimmung mit 43 Prozent wesentlich besser als in Deutschland. 

34 000 Personen aus 28 Ländern

Für die Erhebung werden jedes Jahr etwa 34 000 Personen in 28 Ländern in halbstündigen Online-Interviews befragt. Die Umfrage wird seit zwei Jahrzehnten durchgeführt und ist damit als Instrument zur Messung der Vertrauensentwicklung ziemlich aussagekräftig. Die Studie wurde im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos offiziell vorgestellt. 

„Das ist ein alarmierendes Ergebnis. Unternehmen, die die neuen Regeln nicht verstehen, werden es künftig schwer haben“, erklärte Christiane Schulz, CEO (Geschäftsführerin) von Edelman Deutschland gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“). Die Bürger seien auf der Suche nach Antworten auf die großen Fragen. Dazu gehörten neben der Klimadebatte auch der technologische Wandel und die politische Stabilität auf der Welt. 

Weniger Unterschiede als man vielleicht erwarten könnte gibt es, wenn man auf die verschiedenen Einkommensgruppen schaut. Besserverdienende sehen den Kapitalismus nicht weniger kritisch als Geringverdiener. In der weltweiten Befragung zeigten sich 55 Prozent der Personen aus dem untersten Einkommensviertel kapitalismuskritisch, im obersten Einkommensviertel waren es sogar zwei Prozentpunkte mehr (57 Prozent). 

Reicher kritischer als Arme

Dabei ist das Misstrauen gegen die Superreichen besonders hoch. Nur 36 Prozent der Befragten vertrauen laut der Edelman-Umfrage den besonders Vermögenden. Damit bilden sie das Schlusslicht der Befragung und liegen sogar noch hinter den politischen Führern.

Neben den durchaus pessimistischen Zukunftsaussichten gibt es eine große Kluft zwischen informierter und breiter Öffentlichkeit. Noch nie sei in so vielen Märkten der Unterschied zwischen informierter und breiter Öffentlichkeit größer gewesen, erklären die Autoren. Während das Vertrauen der informierten Öffentlichkeit global bei 65 Punkten liegt, ist das Vertrauen der breiten Öffentlichkeit 14 Punkte niedriger (51 Punkte). 

In Deutschland zeigt sich sogar ein massiver Unterschied von 20 Punkten zwischen den 64 Prozent bei der informierten Öffentlichkeit und den nur 44 Prozent bei der breiten Öffentlichkeit. Als informierte Öffentlichkeit gelten in der Studie Menschen im Alter von 25 bis 64 Jahren mit einem Hochschulabschluss, einem überdurchschnittlichen Haushaltseinkommen innerhalb der Top 25 Prozent sowie intensivem Medien- und Informationskonsum.

Deutschland 19. von 28 Märkten

Überraschenderweise hat das Vertrauen der Menschen in gesellschaftliche Institutionen in Deutschland und weltweit laut der Studie leicht zugenommen. Hierzulande ist es über alle Institutionen hinweg von 44 Indexpunkten im vergangenen Jahr auf 46 gestiegen (global 54 Indexpunkte). Dabei genießen Medien das größte Vertrauen (49 Prozent) vor der Wirtschaft (48), der Regierung (45) und Nichtregierungsorganisationen (43). Diese Zahlen belegen aber auch, dass mehr als die Hälfte der Befragten kein Vertrauen in die Institutionen hat. 

Im globalen Vertrauensranking liegt Deutschland auf Platz 19 von 28 Märkten. „Es ist zwar erfreulich, dass sich das Vertrauen der Gesamtbevölkerung in Deutschland leicht erholt hat. Im internationalen Vergleich sind 46 Indexpunkte dennoch kein guter Wert. Der Druck auf die Institutionen nimmt zu – vor allem, wenn man sich die Einstellung der Deutschen gegenüber der Zukunft anschaut. Unternehmen müssen das klare Signal als Motivation verstehen, weiter am Vertrauen zu arbeiten“, sagte Schulz.

Erdgas
Keine Gefahr durch russisches Gas
Eine Abhängigkeit droht Europa laut Thane Gustafson weder durch Gazprom noch durch die USA
Norman Hanert

Gegner der Ostseepipeline Nord Stream 2 begründen ihre Ablehnung sehr stark mit Bedenken hinsichtlich einer steigenden Abhängigkeit Europas von russischen Gaslieferungen und einer weiter wachsenden Marktmacht des russischen Gasanbieters Gazprom. Ein differenzierteres Bild von der Lage auf dem europäischen Gasmarkt entwirft dagegen der US-amerikanische Energieexperte Thane Gustafson. Der an der Washingtoner Georgetown University lehrende Professor für Politikwissenschaften hat ein Buch mit dem Titel „The Bridge“ vorgelegt, in dem er sich intensiv mit dem russischen Einfluss auf den europäischen Energiemarkt beschäftigt. 

Aus Sicht von Gustafson ist der Gasmarkt in der EU inzwischen wesentlich transparenter und offener für weitere Anbieter, als dies in der Vergangenheit der Fall war. In Europa ist ein Netzwerk von Gasleitungen entstanden und zudem auch eine Infrastruktur für den Import von verflüssigtem Erdgas (LNG). Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass Europa inzwischen längst nicht mehr so abhängig von russischen und norwegischen Gaslieferungen sei wie dies noch vor 30 Jahren der Fall gewesen sei. Nebeneffekt dieser Veränderung ist es laut Gustafson, dass auch kein anderer Gasanbieter die frühere Rolle des russischen Exporteurs Gazprom einnehmen könne. 

Flüssiggas nicht nur aus den USA

Generell skeptisch beurteilt der US-amerikanische Wissenschaftler die Ambitionen von Flüssiggasexporteuren aus den USA, auf dem europäischen Gasmarkt von der geschwächten Position Gazproms in großem Maß profitieren zu können. Lediglich Polen sei aus historischen Gründen bereit, einen höheren Preis für Flüssiggas aus den USA zu bezahlen. Als viel wichtiger schätzt der Politikwissenschaftler aber die Rolle Deutschlands ein. Das Land ist schon jetzt der größte Gasmarkt Europas. Die Abschaltung der letzten Kernkraftwerke wird den Bedarf Deutschlands an Erdgas noch weiter steigen lassen. Nach der Einschätzung Gustafsons legt der Bau von LNG-Terminals in Deutschland und anderen europäischen Ländern das Land nicht fest, diese Anlagen auch zum Import von US-Flüssiggas nutzen zu müssen. Zu rechnen ist vielmehr damit, dass große Flüssiggasproduzenten mit kürzeren Transportwegen wie Katar oder Algerien zum Zuge kommen.

Konkurrenz aus dem eigenen Land

Der halbstaatliche Gazprom-Konzern bekommt inzwischen auch durch Nowatek, einen Flüssiggas-Anbieter aus Westsibirien, zunehmend Konkurrenz. Nowatek ist nicht nur das größte private Energieunternehmen in der Russischen Föderation, es sitzt auch auf riesigen Erdgasreserven. Zudem kooperiert Nowatek mit starken ausländischen Partnern wie Total aus Frankreich und CNPC aus China. 

Zusammen mit einem belgischen Unternehmen baut Nowatek derzeit auch in Rostock ein Projekt auf. In der Hafenstadt soll bis 2022 ein sogenanntes Small-

Scale-LNG-Terminal für den Ostseeraum entstehen. Mit Tankschiffen soll künftig russisches Flüssiggas von Wyssozk bei Sankt Petersburg nach Rostock transportiert werden. Vom Rostocker LNG-Terminal aus will Nowatek dann unter anderem Schiffe und Lastkraftwagen mit Flüssiggas betanken.

Meldungen

Appell an Qualifizierte

Bonn – Das Bundesforschungsministerium bezuschusst seit Jahren Treffen deutscher Organisationen, mit denen im Ausland lebende Wissenschaftler zur Rückkehr nach Deutschland bewegt werden sollen. Organisiert werden sie vom German Academic International Network (GAIN), dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Die Veranstaltung richtet sich an Fach- und Spitzenpersonal, das vor allem in die USA ausgewandert ist. Im vergangenen Jahrzehnt wanderten rund 180 000 Deutsche pro Jahr ins Ausland ab, vorwiegend Hochqualifizierte. Zurück kamen jährlich nur zirka 130 000. Gründe für die Abwanderung junger Wissenschaftler sind schlechtere Karrieremöglichkeiten als im Ausland, unattraktive Arbeitsbedingungen, hohe Steuern sowie fehlende Familienfreundlichkeit und befristete Stellen. Mit einer „Exzellenzstrategie“ fördern Bund und Länder inzwischen die Spitzenforschung mit Millionen. Laut Experten gibt es aber noch großen Nachholbedarf.MRK





Deutschland fällt zurück

Berlin – Die deutsche Rüstungsindus-trie ist in den vergangenen Jahren deutlich hinter den größten Rüstungsherstellern zurückgefallen. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri hat kürzlich Zahlen auf Basis der Jahre 2015 bis 2017 veröffentlicht, denen zufolge China der zweitgrößte Rüstungshersteller der Welt ist und Russland damit auf Platz drei verwiesen hat. Größter Rüstungshersteller sind nach wie vor die USA. Deutschland spielt weltweit nur noch eine untergeordnete Rolle. Der europäische Rüstungskonzern EADS belegt nur Platz zehn der Spitzengruppe, Rhein-Metall fällt auf Platz 26. Als Grund für die Weltmarktführerschaft der USA und Chinas sieht Sipri deren riesige Verteidigungsbudgets. Chinas Wehrwirtschaft beispielsweise verkaufte im untersuchten Zeitraum Rüstungsgüter im Wert von insgesamt 49 Milliarden Euro, beteiligte sich aber kaum am Export,  obwohl die Nachfrage nach Waffen aus chinesischer Produktion steige. Grund für das Zurückfallen der deutschen Hersteller dürfte die restriktive Regelung bei der Genehmigung von Waffenexporten aus Deutschland in Drittländer sein.MRK





Große Pläne trotz Flaute 

Aachen – Der Elektroautobauer e.Go hat seine selbst gesteckten Ziele 2019 weit verfehlt. Statt der geplanten 600 Autos verkaufte e.Go nur 540 Exemplare. Vom Konkurrenzmodell „e-UP“ von Volkswagen wurden  im gleichen Zeitraum dagegen 8200 Fahrzeuge verkauft. Die Aachener Start-up-Firma, die eng an die Aachener Universität gekoppelt ist, kann sich im Wettbewerb kaum durchsetzen, weil das als Stadtauto konzipierte Modell „e.Go Life“ nur eine Reichweite von 15o Kilometern hat und zu lange zum Laden braucht. Dennoch hält e.Go-Chef und -Gründer Günther Schuh an ehrgeizigen Plänen fest. 2020 sollen 5100 Autos vom Band laufen.MRK

S. 8 Forum

Kommentare
„Weltgemeinschaft“
Erik Lommatzsch

Da hat doch der US-amerikanische Präsident Donald Trump tatsächlich beim Weltwirtschaftsforum in Davos über die Wirtschaft im eigenen Land gesprochen, in den rosigsten Farben. Mangels Argumenten gab es daran keine inhaltliche Kritik.

Allerdings hatte Robert Habeck eine ganz andere Rede erwartet, und zwar zum Thema „Klima“. Habeck ist Co-Vorsitzender der deutschen Grünen, denen künftig eine bedeutende Rolle vorausgesagt wird. Diese vorwegnehmend und im Bewusstsein für die „richtige“ Seite einer zumindest von ihm gefühlten „Weltgemeinschaft“ zu sprechen, griff er Trump in einer Weise an, die jegliche Frage nach Umgangsformen vergessen ließ. Die Rede sei „völlig daneben“ gewesen, „ein einziges Desaster“. Er glaube, Trump sei der Einzige, „der es hier nicht verstanden hat“, er sei „kein Alliierter, sondern er ist der Gegner. Er steht für all die Probleme, die wir haben.“ Die deutschen Sozialdemokraten stimmten mit ein. Co-Chefin Saskia Esken nannte Trump, ganz auf Habeck-Niveau, einen „erschreckend verantwortungslosen, narzisstischen Menschen“. Laut Umweltministerin Svenja Schulze dürfe man sich „von den Trumps dieser Welt nicht abhalten lassen, Klimaschutz zu machen“. Einige Länder versuchten, den „Fortschritt“ aufzuhalten.

Abgesehen davon, dass historische Erfahrung Skepsis gegenüber Politikern lehrt, die ihre Linien im Namen eines irgend gearteten „Fortschritts“ durchsetzen wollen, zeigen die Stellungnahmen vor allem eines: die Arroganz einer politischen Klasse in Deutschland, die kein Gespür mehr hat für Diplomatie, keinen Respekt vor anderen Ländern und deren gewählten Repräsentanten. Der Gedanke, dass ihre Positionen mit denen anderer Nationen, die sich auch ohne „Einheitsweltbürgertum“ recht wohl fühlen, nicht immer konform gehen, ist ihnen völlig fremd. Ebenso fremd wie die eigene Nation. 

Derartige Verlautbarungen der deutschen „Führer“ werden wahrgenommen. Nicht nur von Donald Trump, nicht nur in Amerika. Als ernstzunehmender Partner auf der internationalen Bühne hat sich unser Land einmal mehr disqualifiziert.

Vom Kopfe her
Hans Heckel

Der grüne Baustadtrat des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, steht zu Recht heftig unter Feuer und ist im Grunde untragbar geworden. Er hat Akten vor der Öffentlichkeit verborgen, weil sie aus seiner Sicht Munition für seine politischen Gegner hätten bieten können (siehe Seite 5). Damit hat Schmidt sein politisches Eigeninteresse in einer Weise über staatliche und öffentliche Interessen und Regeln gestellt, dass selbst sein Koalitionspartner SPD offen seine Empörung zeigte

Und doch steckt in den Attacken auf Schmidt von CDU und SPD ein erhebliches Maß an Selbstgerechtigkeit. Denn der Grüne zeichnet hier genau betrachtet nur einen Trend der Verlotterung weiter, der ganz woanders – und auf politisch weitaus höherer Ebene – seinen Anfang nahm.

Schmidt wird argumentieren, für eine „gerechtere“ Wohnungspolitik sei ein Verstoß gegen die rechtsstaatlichen Regeln kein Vergehen, sondern Ausdruck von Tugend. Im Zweifel rangiere eben „Moral“ vor Recht.

Erinnert das nicht an etwas? Bei der „Euro“-Rettung hat die Kanzlerin, gestützt auf Union und SPD, mit dem Erhalt der Einheit Europas argumentiert, um die Regeln des Maastrichter Vertrages zu brechen. Auch bei der Grenzöffnung setzte sich Merkel, erneut auf den Schultern der Groko, über etliche Gesetze und Verträge hinweg, wieder mit dem Argument einer höheren Moral, die angeblich über dem Recht stehe.

Der Staatsrechtler und frühere CDU-Politiker Rupert Scholz stellte erst diese Woche klar, dass „keine sogenannte Moral“ sich „über das Gesetz hinwegsetzen“ dürfe. Da Moralvorstellungen „variabel“ seien, sei der Rechtsstaat bei einem Vorrang der Moral vor dem Recht am Ende, warnt Scholz. Richtig, das gilt aber nicht nur für einen kleinen Baustadtrat, sondern auch für eine Kanzlerin. Der Fisch stinkt vom Kopfe her.

Kolumne
Verschwiegener Völkermord
Florian Stumfall

Zu den verpönten Themen der poli­ti­schen Korrektheit gehört in vorderer Linie alles, was unter „Islamophobie“ zusammengefasst wird. Dadurch genießt der Islam einen Sonderschutz, der nicht allen Bekenntnissen zuteil wird, ins­besondere nicht dem Christentum, derjenigen Religion, die Europa in entscheidendem Maße geprägt hat. 

Wer sich Ausfälle gegen den christlichen Glauben erlaubt, wird in Deutschland nach geltendem Recht erst dann belangt, wenn dies zu einer Störung des öffent­lichen Friedens führt. Auf diese Weise wird durch das Gesetz dieser öf­fentliche Friede geschützt, nicht aber die christliche Tradition.

Leider ist diese Hintanstellung des Christ­lichen gegenüber dem Islam in Deutschland nur die eine Seite des Pro­blems. Die andere ist eine offen­kundige Verfolgung christlichen Lebens. Diese spielt sich – vorerst – nicht in der Öf­fent­lichkeit ab, sondern hauptsächlich in den vielen Asylsucherunterkünften ab, die Angela Merkels Immigrationspolitik dem Lande beschert hat. Eine Erhebung des christlichen Hilfswerks Open Doors aus dem Jahre 2016 beziffert im Zeitraum von Januar bis Mai die Fälle der religiös mo­tivierten Gewalt in Asylsucher­unter­künften auf 743. Neuere Erhebungen sind sehr selten, das Thema genießt keinen Vorrang.

Auch außerhalb der Immigrationsszene gibt es Übergriffe. Ein Beispiel aus jüngster Zeit: Am 1. Januar dieses Jahres wurde auf die evangelisch-charis­matische Gemeinde in Tübingen ein Brandanschlag verübt. Hier freilich waren im Gegensatz zu der überwie­genden Zahl solcher Fälle nicht kul­turfremde Zuwanderer die Täter, sondern eine „Feministische autonome Zelle“, die sich forsch zu dem Verbrechen be­kannt hat. Schon vor geraumer Zeit stellte der Politikbeauftragte der Deut­schen Evangelischen Allianz, Uwe Heimowski, fest: „Die Fakten liegen vor und es lässt sich nicht mehr unter den Teppich keh­ren: Christenverfolgung ist auch in Deutschland eine bittere Wirk­lichkeit.“

Brandanschlag auf Gemeinde

So sehr diese Entwicklung in Deutschland betroffen macht, so offenkundig ist es andererseits, dass die entscheidende Aggression gegen das Christentum in anderen Ländern geschieht. Sie bilden in ihrer Hauptsache einen geschlossenen Block: Das reicht vom mittleren bis zum nördlichen Afrika, soweit es islamisch ist, über den ebenfalls islamischen Nahen und Mittleren Osten bis Indien und wei­ter nach China und ins islamische In­donesien. Wenn also hier­zulande in selbstquälerischer Weise über Isla­mophobie geredet wird, gälte es zu be­achten, wie es sich mit dem Schick­sal von Christen in islamischen Ländern verhält.

Wiederum das Hilfswerk Open Doors schrieb zum neuesten Verfolgungs-Index 2019: „Mehr als die Hälfte der 50 Län­der in denen es für die Christen am ge­fährlichsten ist, nach ihrem Glauben zu leben, sind islamisch geprägt. Religions­freiheit gibt es dort nicht, ein Glau­benswechsel ist nur erlaubt hin zum Islam. Die Abkehr vom Islam dagegen gilt als todeswürdiges Verbrechen.“

Eine besonders böse Rolle spielt, wenn auch nicht überraschend, der Islamische Staat (IS), wenn es um die Christenver­fol­gung geht. Dazu drei Beispiele aus jüng­ster Zeit: Am 1. Januar wurde in Nigeria Martha Bulus unmittelbar vor ihrer Hochzeit von Mördern der Boko Haram enthauptet, weil sie Katholikin war. Am 8. Januar töteten 20 islamische Ful­ani 13 Christen in dem Dorf Kulben, und am selben Tag wurden vier Seminaris­ten, Anwärter für das Priestertum, im eben­falls nigerianischen Kaduna ermor­det.

Vergleich mit Völkermord

Mitte Januar hat die britische Regierung einen brandneuen Bericht zur weltweiten Christenverfolgung vorgelegt. Das Er­geb­nis im Vorgriff: Weltweit sind Christen die am meisten verfolgte reli­giöse Gruppe. In Teilen des Nahen Os­tens droht demnach dem Christentum die völlige Auslöschung. Zur Erinnerung: Dort ist der christliche Glaube entstan­den und hatte 600 Jahre geblüht, bevor die Region vom Islam mit Feuer und Schwert erobert wurde.

In dem britischen Regierungspapier heißt es weiter: „Die weltweite Chris­tenverfolgung ist von einem Ausmaß, das sich mit Völkermord vergleichen lässt“, so berichtet der „Catholic Herald“ in seiner Online-Ausgabe. Außen­mi­nister Jeremy Hunt, der die Studie in Auftrag gegeben hatte, machte die „poli­tical correctness“ dafür verantwortlich, dass international auf Regierungsebene keine Anstrengungen unternommen wer­den, den verfolgten Christen zu helfen. 

Die Organisation „Kirche in Not“ schil­dert die Lage weltweit: „Christ zu sein war noch nie so gefährlich wie heute. Nie zuvor sind so viele Christen dis­kriminiert, bedroht und verfolgt worden. Mehr als 200 Millionen Christen sind betroffen und die Tendenz ist steigend. Christen verschiedener Konfessionen sind zwar nicht die einzige Religions­gruppe, die wegen ihres Glaubens be­nachteiligt wird, weltweit aber leiden sie am meisten unter religiöser Diskrimi­nierung oder Verfolgung.“

„Kirche in Not“ verweist auch darauf, dass das Recht auf Religionsfreiheit seit Jahrzehnten und international als Men­schenrecht anerkannt ist, aber die Wirk­lichkeit in vielen Ländern dem nicht ent­spricht. In über 50 Staaten würden Men­schen in ihrer Religionsausübung behin­dert und es komme zu schweren Verlet­zungen der Religionsfreiheit. Die Orga­nisation nennt auch einige Staaten, für die das zutrifft: Nordkorea, Saudi-Arabien, Irak, Iran, Pakistan, Eritrea, Sudan, Ägypten, Vietnam, China, Türkei …

Die Beispiele aus derartigen Staaten soll­ten im einst christlichen Europa zumin­dest Überlegungen dahingehend wach­rufen, welchen Weg dieser Kon­tinent geistig gehen wird, wenn man es dul­det, dass der konstitutive Geist des Christentums vollends ausgelöscht wird. In Sonderheit in Deutschland wäre die Überlegung angebracht, wie sich die Zu­sammenhänge zwischen der Diskrimi­nierung von Christen und der unkontrol­lierten Zuwanderung darstellen. Die Mehrzahl der Fälle, die hierzulande zu beklagen sind, haben mit Zuwanderern aus moslimischen Ländern zu tun. Hier darf die Angst vor Diskriminierung der Täter nicht dazu führen, dass einheimi­sche Christen straflos bedrängt werden.

Der Autor ist ein christsoziales Urgestein und war lange Zeit Redakteur beim „Bayernkurier“. 

S. 9 Kultur

Zwei auf einen Streich
Kosmopolitisches Brüderpaar – Das Deutsche Historische Museum in Berlin feiert Wilhelm und Alexander von Humboldt
Norman Hanert

Erstaunlich spät ist in Deutschland derzeit eine große Ausstellung zu sehen, die den beiden Humboldt-Brüdern gewidmet ist. Die im Deutschen Historischen Museum in Berlin gezeigte Ausstellung „Wilhelm und Alexander von Humboldt“ kann nicht nur mit erstaunlichen Leihgaben aus aller Welt punkten, sondern auch mit einer Entdeckung.

Anspruch der Ausstellungskuratoren, des Kunsthistorikers und Humboldt-Forschers David Blankenstein und seiner Kollegin Bénédicte Savoy, war es, die Brüder auch in ihrer Widersprüchlichkeit und im Kontext ihrer Epoche zu zeigen. Beide Kunsthistoriker beschäftigen sich bereits seit Jahrzehnten mit dem Zeitalter des preußischen Brüderpaars und waren bereits für die Ausstellung „Les Frères Humboldt – l’Europe de l’Esprit“ verantwortlich, die 2014 in Paris gezeigt wurde.

In der aktuellen Berliner Ausstellung verzichteten die Kuratoren weitgehend darauf, die Biografien der Humboldt-Brüder chronologisch darzustellen. Stattdessen wird der Versuch unternommen, die Einbettung der beiden in die Zeit um 1800 anhand von sieben zentralen Themenbereichen zu zeigen. Im Themenraum „Ausweitung der Denkzone“ werden beispielsweise die Reisen der Brüder behandelt. Dies geschieht nicht nur anhand der kostbaren amerikanischen Reisetagebücher Alexander von Humboldts aus der Staatsbibliothek. Zu sehen sind auch Messgeräte oder Mineralien, die der Forscher in den Weiten Russlands sammelte. 

Schnappschuss von den Pyrenäen

Bei der Darstellung von Wilhelm von Humboldts Reise ins Baskenland gelang den Ausstellungsmachern sogar eine erstaunliche kunsthistorische Entdeckung: Angestoßen von dem Tagebucheintrag eines französischen Malers, entdeckten Bénédicte Savoy und ihr Co-Kurator David Blankenstein mit fast detektivischem Gespür in einem Museum im Baskenland ein Landschaftsgemälde, das als kleine Randfiguren zufällig auch die Familie Wilhelm von Humboldts auf ihrer damaligen Pyrenäen-Reise zeigte.

In anderen Bereichen der Ausstellung geht es um Themen wie „Kindheit ohne Gott“, „offene Beziehungen“, „globale Interessen“, „Bildungskapital“, „Kräftemessen“ und auch um „politische Schlachtfelder“. Durch diese Ausstellungskonzeption gelingt zum einen, den Besuchern die Entwicklung der beiden Brüder über die Kindheit im Tegeler Schloss der Familie bis hin zu den Reisen und Aufenthalten in den politischen Machtzentren Europas aufzuzeigen. 

Eine ganze Wand voller Lehrbücher gibt zum Beispiel einen Eindruck, welches anspruchsvolle Bildungsprogramm die beiden Humboldt-Kinder im Zuge ihres Privatunterrichts absolvierten. Denn weder der spätere preußische Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt noch sein jüngerer Bruder Alexander hatten es aufgrund ihres Adelsstands nötig, jemals eine reguläre öffentliche Schule zu besuchen.

Gleichzeitig wird über die Gliederung in Themenbereiche anschaulich, wie breit gefächert die Interessen Wilhelm von Humboldts als Bildungsreformer, Diplomat, Sprach- und Kulturwissenschaftler sowie Alexander von Humboldts als Naturforscher, Weltreisender und Schriftsteller waren.

Sehr zugute kommt der Ausstellung dabei, dass aus aller Welt zum Teil sehr erstaunliche Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden. Unter den rund 350 Originalobjekten befindet sich etwa der Schreibtisch, den Alexander von Humboldt über 30 Jahre lang bis zu seinem Tod 1859 nutzte. Das Möbelstück aus Birkenholz spürten die Kuratoren in Paris auf.

Keine Abrechnung

Der Vatikan wiederum stellte aus seinen Sammlungen ein Krokodil aus Marmor zur Verfügung. Alexander von Humboldt hatte genau dieses Marmorkrokodil aus den Vatikanischen Museen mit eigenen Erkenntnissen von seinen Reisen verglichen.

Zu den Leihgaben zählt ebenso der Stuhl mit gesticktem Familienwappen, auf dem Wilhelm von Humboldt als preußischer Gesandter beim Wiener Kongress im Jahr 1815 gesessen hat. Diesen Stuhl fanden die Ausstellungsmacher in Nordirland. 

Kostbarer Teil der Ausstellung sind auch Humboldt-Porträts aus dem Besitz der britischen Königin. Aus einem baskischen Museum stammt ein Reiseutensil der damaligen Zeit, ein sogenannter Cacolet. Einen solchen Tragsattel mit zwei Sitzen nutzten Caroline und Wilhelm von Humboldt auf ihrer Pyrenäen-Reise im Jahr 1799.

In der Ausstellung ist auch das berühmte Berlin-Panorama von Eduard 

Gaertner wieder öffentlich zu sehen. Auf dem Bild mit 360-Grad-Sicht über das Berliner Stadtzentrum von 1834 stellte der Architekturmaler nicht nur sich selbst an die Balustrade der damals gerade fertiggestellten Friedrichswerderschen Kirche, sondern auch Schinkel, Beuth und Alexander von Humboldt.

Aus ethischen Gründen haben die beiden Kuratoren darauf verzichtet, den Atures-Schädel auszustellen, den Alexander von Humboldt aus einer Grabhöhle am Orinoco mitnahm. Insbesondere durch einen Artikel im „Spiegel“ war bereits im Vorfeld der Ausstellung der Eindruck entstanden, über die kritisch-historische Einordnung sollten die beiden Gelehrten „vom Sockel geholt“ und als preußische Idole demontiert werden. 

Tatsächlich ist der Versuch einer postkolonialen Abrechnung mit den Humboldt-Brüdern und ihrer Epoche in der Ausstellung nur in Spuren zu bemerken, etwas deutlicher allerdings im Katalog zur Ausstellung. Dort heißt es etwa in einem der Aufsätze: „Die Tatsache, dass sowohl Alexander als auch Wilhelm von Humboldt klar Position bezogen gegen die Sklaverei“, dürfe „nicht vergessen machen, dass die hochgehaltenen Begriffe des Fortschritts, der Zivilisation und der wirtschaftlichen Entwicklung von Europa aus definiert“ waren.

b Die Ausstellung „Wilhelm und Alexander von Humboldt“ läuft bis 19. April täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zudem bis 20 Uhr, im PEI-Bau des DHM, Unter den Linden 2, Eintritt: 8 Euro. Der Ausstellungskatalog mit 296 Seiten und 200 Abbildungen kostet 28 Euro. Internet: www.dhm.de 

Dürers Lehrer
Vom Schüler überflügelt
Künstler und Lehrmeister – Nürnberg erinnert an den vor 500 Jahren gestorbenen Michael Wolgemut
Veit-Mario Thiede

Im Jahre 1516 malte Dürer das ungeschönte Porträt seines greisen Lehrers Michael Wolgemut. Als der 1519 gestorben war, trug Dürer das Todesdatum nach. 500 Ja-hre später ist Wolgemut erstmals die Ausstellung „Michael Wolgemut – mehr als Dürers Lehrer“ gewidmet. Sie erstreckt sich über neun Museen und Kirchen in Nürnberg und Schwabach.

Der 1434 oder 1437 geborene Wolgemut war einer der führenden Kunstunternehmer Nürnbergs. Mit seinen Werkstattangestellten und Subunternehmern verwirklichte er Großprojekte wie das „Kaiserfenster“ in der Lorenzkirche. Für Hartmann Schedels berühmte „Weltchronik“ lieferte er insgesamt 1809 Holzschnittillustrationen. Sein Kerngeschäft war die Produktion von Altaraufsätzen, den „Retabeln“. Sie kombinieren Gemälde aus Wolgemuts Werkstatt mit Skulpturen, die er bei Holzschnitzern bestellte. 

Aber „wer sich mit den Altaraufsätzen Wolgemuts befasst, muss mit vielen hergebrachten Vorstellungen brechen“, wie Matthias Weniger im Ausstellungskatalog schreibt. Es lasse sich nicht sicher sagen, bei welcher der zahlreich nachweisbaren Hände es sich um die des Werkstattleiters handele. „Damit bleibt in letzter Konsequenz offen, ob dieser überhaupt an der Ausführung beteiligt war oder nicht vielmehr nur den Betrieb geleitet hat.“

So gewinnt Wolgemut zwar als Künstlerpersönlichkeit kein Profil, tritt er uns aber als Dirigent seines florierenden Kunstunternehmens entgegen. Höhepunkte sind die beiden mit zahlreichen Gemälden und Skulpturen ausgestatteten Wandelretabel. Das Peringsdörffer-Retabel (um 1486) im Chor der Nürnberger Friedenskirche zeigt zur Weihnachtszeit Gemäldeflügel mit den Darstellungen der Verkündigung, der Geburt Christi, des Besuchs der Heiligen Drei Könige und Christi Vorführung im Tempel. Die Herstellung des Hochaltarretabels der Schwabacher Stadtkirche oblag ursprünglich dem berühmten Bildschnitzer Veit Stoß. Nach dessen Verurteilung wegen Urkundenfälschung übernahm Wolgemut die Fertigstellung des 1508 geweihten Altaraufsatzes. Die von ihm beauftragen Maler schufen Szenen aus dem Leben des heiligen Martin, Johannes des Täufers und der Leidensgeschichte Christi.

Vermutlich war Wolgemut bis zu seinem Tod am 30. November 1519 als Malerunternehmer aktiv. Noch Jahrzehnte später bemühte sich seine Witwe, Außenstände einzutreiben. 

b Bis 22. März. Ausstellungsstationen: Al­brecht-Dürer-Haus, Germanisches Nationalmuseum, Museum Tucherschloss, Lorenz-, Sebaldus-, Jakobs-, Frauen- und Friedenskirche Nürnberg sowie die Schwabacher Stadtkirche St. Johannes d. T. und St. Martin. Internet: museen.nuernberg.de. Der Katalog kostet 29 Euro

Meldungen

Kirche öffnet für Skulpturen

Berlin – Acht Jahre nach ihrer Schließung konnte die Friedrichswerdersche Kirche vorvergangenes Wochenende bei einem Tag der offenen Tür wieder besichtigt werden. Die Kirche in Berlin-Mitte musste umfangreich saniert werden, nachdem sie durch Neubauten in direkter Nähe zeitweise einsturzgefährdet war (die PAZ berichtete). Im Laufe des Jahres will die Nationalgalerie, die hier ihre Skulpturensammlung untergebracht hat, die Kirche wieder für Ausstellungen öffnen.tws





Kollwitz-Jahr auch am Rhein

Köln – Mit „Lieben und Lassenmüssen … – Persönliche Momente im Werk von Käthe Kollwitz“ präsentiert das Kollwitz Museum Köln vom 4. Februar bis 22. März und vom 5. August bis 27. September zwei Ausstellungen zum 75. Todesjahr der am 22. April 1945 gestorbenen ostpreußischen Künstlerin. Info: www.kollwitz.detws 

S. 10 Geschichte & Preussen

Zwischen deutscher und litauischer Herrschaft
Als die Franzosen im Memelland das Sagen hatten
Vor 100 Jahren traf der französische General Dominique-Joseph Odry mit einem Bataillon Alpenjäger in Memel ein, um als Hochkommissar die Verwaltung zu übernehmen
Bodo Bost

Im am 28. Juni 1919 unterzeichneten Frieden von Versailles verzichtete das Deutsche Reich zugunsten der Sieger des Ersten Weltkrieges auf das Memelgebiet. Am 9. Januar 1920 schlossen Deutschland und die alliierten Mächte einen Vertrag, der das Memelgebiet wie das Saargebiet und die Stadt Danzig übergangsweise der Verwaltung des Völkerbundes unterstellte. Am 12. Februar 1920 verließen die letzten deutschen Truppen das Memelgebiet. Bereits vier Tage vorher war der französische General Dominique-Joseph Odry mit einem Bataillon Alpenjäger in Memel eingetroffen und hatte als Hochkommissar die Verwaltung des Memelgebiets übernommen.

Alpenjäger an der Ostseeküste

Die Franzosen sahen sich als Sachwalter der Interessen ihres Verbündeten Polen. Am 17. Februar setzte Odry ein siebenköpfiges Direktorium aus Vertretern der deutschen Ortsbevölkerung ein. Nach Protesten von litauischer Seite nahm er noch zwei preußische Kleinlitauer, Erdmonas Simonaitis (Erdmann Simoneit) und Pfarrer Mikelis Reidys (Hugo Reidys), zusätzlich in das nun neunköpfige Direktorium auf. 

Am 27. März 1920 erlaubte Odry, dass litauischsprachige Kinder in ihrer Sprache in Religionskunde unterrichtet werden können, der Schulunterricht erfolgte jedoch weiter in deutscher Sprache. Die im Memelgebiet lebenden Klein-Litauer waren evangelisch, während ihre großlitauischen Landsleute zu 98 Prozent katholisch waren. Am 27. April 1920 wurde die Zollgrenze nach Deutschland errichtet. Die Zollgrenze nach Litauen blieb aber vorerst bestehen, und die Währung blieb weiter die Mark. Am 10. August 1922 wurde Litauisch neben Deutsch zweite Amtssprache. 

Die litauische Regierung in Kaunas warf dem französischen Hochkommissar eine deutschfreundliche Politik vor. Am 1. Mai 1921 verließ Odry Memel und der französische Zivilbeamte Gabriel Petisné übernahm seinen Posten. 

Polens Verhalten machte Schule

Seit 1921 kam es zu einem Zuzug vieler polnischer Händler und Spekulanten ins Memelgebiet, die viele Häuser und Grundstücke erwarben, in der Erwartung, dass das Gebiet Polen zugeschlagen würde. Der polnische Gesandte in Memel erklärte Pestiné, „wenn es keine Polen in Memel gibt, dann werden wir welche bringen“. Am 6. April 1922 wurde zwischen Polen und den Alliierten ein Abkommen bezüglich Memel geschlossen, das den Polen bevorzugte Kaufbedingungen für Liegenschaften und im Hafen garantierte. 

Da die Gefahr, dass das Memelgebiet zu Polen oder Litauen kam, ungleich größer schien als die Aussicht auf eine Rückkehr zum Deutschen Reich, fand das Modell eines Freistaates, wie er im Falle Danzigs Anwendung fand, in der deutschen Bevölkerung des Memelgebietes immer mehr Zustimmung. Handelskammerpräsident Joseph Kraus übereichte Petisné eine dementsprechende Petition. Auch die reichsdeutsche Presse begann sich mit dieser Idee anzufreunden. 

Für die litauische Regierung in Kaunas war vor allem die am 24. März 1922 vom polnischen Parlament beschlossene Annexion der bereits seit 1920 polnisch besetzten litauischen Hauptstadt Wilna, ohne dass der Völkerbund dagegen protestiert hätte, ein starkes Warnsignal. Sie fürchtete, dass die Polen die Memelfrage ebenfalls durch eine Annexion in ihrem Sinne lösen könnten. Am 22. September 1922 fiel auf einer Geheimsitzung des litauischen Kabinetts die Entscheidung, den Polen bei der militärischen Besetzung des Memelgebietes zuvorzukommen. Geheimunterhändler Vincas Kreve holte sich in Berlin die Zustimmung der deutschen Reichsregierung und erhielt sogar von Generaloberst Hans von Seeckt 1500 Gewehre mitsamt Patronen als Geschenk und die Versicherung, dass „kein Deutscher auf die Litauer schießen wird“. 

Litauisch-deutsches Einvernehmen

Am 9. Januar 1923 marschierten etwa 1000 von Jonas Polovinskas kommandierte litauische Freikorpsangehörige, die ihre Uniformen im Zug von Kaunas nach Memel gegen Zivilkleidung ausgetauscht hatten, über Krettingen und Tauroggen ins Memelland ein. Der Zeitpunkt war günstig, denn am folgenden Tag besetzten die Franzosen das Rheinland. Ein selbsternanntes „Komitee zur Rettung Kleinlitauens“ rief die französischen Soldaten auf, in ihren Kasernen zu bleiben. Pestiné bat Paris um Verstärkung. Schnell meldeten sich 2000 einheimische Freiwillige, um auf Seiten der Franzosen gegen die Eindringlinge zu kämpfen. Da aber nur 40 dieser Freiwilligen bewaffnet werden konnten, weil es plötzlich an Waffen fehlte, hatten die Aufständischen leichtes Spiel. Sie errichteten in Heydekrug eine neue Landesregierung unter Simonaitis, die jedoch von Frankreich nicht anerkannt wurde. Am 14. Januar hatten die Aufständischen die Stadt Memel eingekreist, wobei 300 Ortsansässige sich ihnen anschlossen. Gekämpft wurde nur um die Eisenbahnlinie zwischen Heydekrug und Memel. Dabei verloren zwölf Aufständische und zwei Franzosen ihr Leben. Als die Aufständischen am 15. Januar das Stadtzentrum erreichten, hisste der Hochkommissar die weiße Flagge und unterzeichnete einen Waffenstillstand. Pestiné zog sich ins Hotel Victoria zurück und wies die französischen Truppen an, in ihren Kasernen zu bleiben. Am 23. Januar kam schließlich das französische Linienschiff „Voltaire“ in Memel an, um Verstärkung zu bringen. Mit diesem verließen Pestiné und die französischen Soldaten am 18. Februar 1923 sang- und klanglos das Memelgebiet. Die unrühmliche Franzosenzeit im Memelgebiet war zu Ende.





Kurzporträts

Erdmonas Simonaitis war Vorsitzender des Landesdirektoriums des Memelgebietes 1926, Gouverneur von Heydekrug 1924 bis 1926 und von Memel von 1930 bis 1934 sowie Bürgermeister Memels 1934/35

Generaloberst Hans von Seeckt war 1920 bis 1926 Chef der Heeresleitung der Reichswehr, 1930 bis 1932 Mitglied des Reichstages und zwischen 1933 und 1935 als Militärberater in China tätig

Jonas Polovinskas kam 1889 in Kaunas zur Welt. Der litauische Geheimdienstler und Diplomat benutzte beim Einmasch ins Memelgebiet jedoch zur Tarnung den Namen des Memelländers Budrys

Karl-Heinz Kurras
Tötete er Ohnesorg im Stasi-Auftrag?
Norman Hanert

Einblicke in das erstaunliche Doppelleben des Karl-Heinz Kurras lieferte eine Diskussion im Berliner Spionagemuseum am Leipziger Platz, die am Donnerstag der vergangenen Woche stattfand. Geladen waren die Historikerin und Projektleiterin beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Daniela Münkel sowie der Historiker, Journalist und Sachbuchautor Sven Felix Kellerhoff. Beide waren sich in der Bewertung einig, dass es sich bei Kurras um einen „extremen Waffennarren“ gehandelt habe. Seinen Agentenlohn aus Ost-Berlin verwendete der Polizist, um in großem Umfang Waffen und Munition zu kaufen. Übereinstimmung herrschte auch in der Frage, ob Kurras die Tötung von Benno Ohnesorg im Auftrag der Stasi ausgeführt habe. Beide verneinten dies. Im Ministerium für Staatssicherheit in der Ost-Berliner Normannenstraße herrschte nach der Tat vielmehr blankes Entsetzen. Wie aus den Akten hervorgeht, brach die Stasi nach den Schüssen auf Benno Ohnesorg den Kontakt zu ihrer Spitzenquelle innerhalb der West-Berliner Polizei ab.

Es kam sogar der Verdacht auf, einem Agent Provocateur der Gegenseite aufgesessen zu sein. Rekonstruiert werden konnte, dass mehrere Stasi-Mitarbeiter die von Kurras bis dahin gelieferten Informationen sogar nach Hinweisen auf eine gezielte Irreführung durch westliche Dienste durchforsteten. Tatsächlich erwiesen sich die Berichte, die Kurras von 1955 bis 1967 nach Ost-Berlin übermittelt hatte, aber als wahrheitsgetreu. Mehr noch: Als Beamter des polizeilichen Staatsschutzes lieferte Kurras nach Ost-Berlin wertvolle Informationen über die Arbeit der Sicherheitsbehörden im westlichen Teil der geteilten Stadt, über aufgeflogene Ostagenten, Überläufer und Pläne von Fluchthelfern. 

Dass die 17 Aktenbände zur Agentenkarriere des Polizisten nach Jahrzehnten überhaupt noch gefunden werden konnten, liegt nicht zuletzt daran, dass Kurras bei der Stasi nicht von der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) geführt wurde, sondern seit seiner Verpflichtung in den 50er Jahren bei der Stasi-Abteilung angesiedelt war, die damals noch für das gesamte „Groß-Berlin“ zuständig war. Hätte der Geheimdienst den West-Berliner stattdessen als Auslandsagenten angesehen, wären seine Akten in den Jahren 1989/90 vermutlich ebenso vernichtet worden, wie dies mit einem Großteil der Unterlagen der DDR-Auslandsspionage geschehen ist. Nach den Schüssen auf Benno Ohnesorg landeten die Kurras-Akten in einer geheimen Ablage, auf die nur noch die Führungsebene des Ministeriums für Staatssicherheit Zugriff hatte.


S. 11 Geschichte & Preussen

Krimkonferenz 1945
Der Eiserne Vorhang senkte sich in Jalta
Josef Stalins Raubzug erkannten Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt erst, als es längst zu spät war
Klaus J. Groth

Der Eiserne Vorhang wurde auf der Krim geschmiedet. Bei der Konferenz von Jalta teilten die sogenannten Großen Drei die Welt. In den Tagen vom 4. bis zum 11. Februar 1945 ließen sich der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill von Kremlchef Josef Stalin über den Tisch ziehen. An den Folgen litt die Welt länger als ein halbes Jahrhundert.

Auf der Tagesordnung in Jalta standen die Aufteilung Deutschlands, die Verteilung der Macht in Europa und die Aufnahme Frankreichs in den Kreis der Besatzungsmächte. Insgeheim ging es auch um die Teilnahme der Sowjetunion am Krieg gegen das Kaiserreich Japan nach der deutschen Kapitulation. Der Preis waren Gebietsabtretungen in den Kurilen und Sachalin sowie politische Zugeständnisse in der Mandschurei.

Stalin konnte auftrumpfen. Die Rote Armee stand an der Oder, verzweifelte Flüchtlingstrecks suchten einen Weg nach Westen. Roosevelt und Churchill glaubten, nur mit Hilfe Stalins lasse sich der Krieg bald beenden. Sie waren bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Und den zahlten sie. 

Die Großen Drei teilten die Welt

Das erste Opfer war Polen. Roosevelt und Churchill erkannten die „Provisorische Regierung der Republik Polen“ an, die aus dem kommunistischen „Lubliner Komitee“ hervorgegangen war. Vorbei war es mit der polnischen Exilregierung in London. Zwar ließ sich der Kremlchef ein diplomatisches Feigenblatt abringen, aber das war das Papier nicht wert, auf dem es stand: Demokraten aus der polnischen Exilregierung sollten in die neue Regierung aufgenommen werden. Das geschah niemals. Im Juli 1945 entzogen die USA und Großbritannien der Londoner Exilregierung die Anerkennung. Den Polen wurden in Jalta große Gebietsverschiebungen auf Kosten deutscher Landstriche versprochen. Die Grenzen legten die Sowjets fest.

Eine ähnliche Qualität hatte die „Erklärung über das befreite Europa“. Roosevelt und Churchill leiteten sie aus der Atlantik-Charta von 1941 ab. Darin wird „das Recht der Völker“ betont, „die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen“. In Jalta wurde das so weit verwässert, dass Auslegungen nach Interessenlage möglich waren. Die „Erklärung über das befreite Europa“ öffnete den Sowjets Tür und Tor für ihre folgende Vorherrschaft im östlichen Teil Europas. 

Zu den nicht veröffentlichten Punkten zählte die Auslieferung von „Displaced Persons“, das heißt sowjetischer Zwangsarbeiter und Angehöriger der Roten Armee, die in deutschen Uniformen gefangen genommen wurden und sich in Lagern der Westalliierten befanden. 

Reichspropagandaminister Joseph Goebbels sprach nach Jalta vom „Ausverkauf westlicher Positionen“ von einem „eisernen Vorhang“, der sich sofort vor dem sowjetisch besetzten Territorium „heruntersenken“ werde. Ein Jahr später, im Februar 1946, bediente sich Winston Churchill dieses Bildes. Als Regierungschef abgewählt, erkannte er zu spät die Folgen von Jalta, das auf der Linie von Stettin bis Triest „alle Hauptstädte der alten Staaten Zentral- und Osteuropas: Warschau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia … nicht nur dem sowjetischen Einfluss ausgesetzt, sondern auch in ständig zunehmendem Maße der Moskauer Kontrolle unterworfen“ habe.

Stalin bestand auf Jalta

Auf der Krim, im Badeort Jalta, hatte das noch anders geklungen. Im Sommersitz des letzten russischen Zaren, Nikolaus II., fand die Konferenz statt. Im „italienischen Hof“ des üppig verzierten Liwadija-Palastes hatten sich die Großen Drei ablichten lassen, Churchill im Flauschmantel, Roosevelt unter einem wärmenden Umhang mit Kordelverschluss, Stalin im Uniformmantel. Das Foto zeigt drei milde lächelnde Männer, mit sich und der Welt offenbar zufrieden. Das Bild wird in Dutzenden Variation heute im Liwadija-Palast gezeigt. In den ehemaligen Konferenzräumen wird die Verhandlung heute zelebriert wie große Oper. Auf den Bildern findet sich keine Spur davon, dass Roosevelt und Churchill nicht begeistert waren, auf die Krim bestellt zu werden. Die Halbinsel war durch die Kriegshandlungen schwer beschädigt. Vergeblich hatten die Briten und Amerikaner andere Treffpunkte vorgeschlagen, Stalin bestand auf Jalta. Ein Mitarbeiter des britischen Premiers notierte: „Churchill meint, dass wir keinen schlimmeren Ort auf der Welt hätten finden können als Jalta, selbst wenn wir zehn Jahre danach geforscht hätten. Er glaubt aber, überleben zu können, wenn er einen angemessenen Whiskyvorrat mitnimmt. Er behauptet, Whisky sei gut gegen Typhus und tödlich für die Läuse, die in der Gegend gedeihen.“

So schlimm kam es dann doch nicht. Stalin quartierte seine Gäste in hochherrschaftlichen Häusern ein, traktierte sie mit reichlich Krimsekt, Kaviar und anderen Genüssen. Auf diese Weise kam es, dass man scheinbar mit sich und der Welt zufrieden sein konnte. Ein Berater Roosevelts beschrieb die Hochstimmung von Jalta: „Wir glaubten im Herzen wirklich, ein neuer Tag sei angebrochen. Wir waren absolut überzeugt, den ersten großen Friedenssieg gewonnen zu haben – und wenn ich sage ‚wir‘, dann meine ich uns alle, die ganze zivilisierte Menschheit. Die Russen hatten bewiesen, dass sie vernünftig und weitblickend sein konnten, und weder der Präsident noch irgendeiner von uns zweifelte im Geringsten daran, dass wir mit ihnen leben und friedlich auskommen könnten bis in unabsehbare Zukunft.“

Wenig später, als erkennbar wurde, was in Jalta wirklich geschehen war, klang das anders. Der US-amerikanische Diplomat George Kennan kommentierte: „Die Erklärung von Jalta mit ihren Hinweisen auf die Umstellung des bestehenden kommunistisch-polnischen Regimes ‚auf eine breite demokratische Basis‘ und auf die ‚Abhaltung freier und ungehinderter Wahlen auf der Grundlage des allgemeinen und geheimen Wahlrechts‘ erschien mir als ein besonders schäbiges Beispiel für Doppelzüngigkeit.“

Friede von Stockholm
Wie Stettin vor 300 Jahren zu Preußen kam
Wolfgang Kaufmann

Am 12. Februar 1700 entbrannte der Große Nordische Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum. In diesem Konflikt konnte Schweden zunächst gegen die von Russland angeführte Allianz seiner Feinde triumphieren. Allerdings erlitten die Truppen des jungen Königs Karl XII. im Juli 1709 in der Schlacht bei Poltawa eine verheerende Niederlage. Seitdem befand sich Schweden in der strategischen Defensive.

Preußen verharrte zunächst in Neutralität und betrieb eine Ausgleichspolitik zwischen den kämpfenden Parteien. Das änderte sich erst 1713/14, als König Friedrich Wilhelm I. mehrere Verträge mit Friedrich IV. von Dänemark und Norwegen sowie dem russischen Zaren Peter dem Großen abschloss, in denen Preußen der Erwerb eines Teils der bisher schwedischen Besitzungen in Vorpommern zugesichert wurde. Kurz zuvor hatte der Soldatenkönig bereits die Hafenstadt Stettin, den vorpommerschen Distrikt bis zur Peene, die Stadt Wolgast sowie die Inseln Usedom und Wollin von der antischwedischen Allianz zur treuhänderischen Verwaltung übertragen bekommen.

Allerdings brauchte Friedrich Wilhelm I. noch einen Anlass, um in den Krieg gegen Schweden einzutreten. Den lieferte ihm Karl XII. im Februar und April 1715, als er mit seinen Truppen zuerst Wolgast einnahm und dann auch auf Usedom landete, wobei jeweils die kleinen preußischen Kontingente dort überrannt wurden. Daraufhin erklärte Preußen am 1. Mai 1715 Schweden den Krieg.

Im darauf folgenden Pommernfeldzug unter der Führung von Friedrich Wilhelm I. und Friedrich IV., an dem neben preußischen und dänischen Kontingenten auch ein sächsisches Korps unter General August Christoph Graf von Wackerbarth teilnahm, eroberten die Angreifer bis zum 19. April 1716 sämtliche noch oder wieder in schwedischem Besitz befindliche Gebiete in Vorpommern und an der Odermündung sowie die Stadt Wismar. Meilensteine dabei waren der Sieg der dänischen Kriegsflotte über die schwedische in der Seeschlacht von Jasmund am 8. August 1715, die Eroberung der Insel Rügen am 17. November 1715 und der Fall von Stralsund am 24. Dezember 1715.

Formell endete der Krieg zwischen Schweden und Preußen mit dem Frieden von Stockholm vom 1. Februar 1720. Nun trat Karls Nachfolgerin Ulrika Eleonore Stettin, das Gebiet zwischen Oder und Peene, die Inseln Wollin und Usedom sowie das Frische Haff und die Mündungen von Swine und Dievenow dauerhaft an Preußen ab. Dafür erhielt Schweden im Gegenzug zwei Millionen Reichstaler Entschädigung. Für Preußen entfiel damit künftig jeglicher militärisch-politische Druck aus dem Norden.


S. 12 Mensch & Zeit

Apokalyptiker
Weltuntergang war eigentlich schon immer
Von den alten Sumerern über die Friedensbewegung bis zu „Fridays for Future“: Die Warnung vor dem nahen Ende durchzieht die Geschichte seit Anbeginn der menschlichen Zivilisation
Wolfgang Kaufmann

Das apokalyptische Denken ist so alt wie die menschliche Zivilisation selbst: Bereits in den Mythen der Sumerer, Babylonier und Assyrer finden sich Passagen, die ein katastrophales Ende der Welt ankündigen. Später brachten vor allem das Juden- und frühe Christentum apokalyptische Strömungen hervor – ruhend auf den düster warnenden Schriften von Autoren wie Amos, Micha, Jeremia, Ezechiel, Daniel und schließlich Johannes. 

Diese entfalteten ihre Wirkung bis in die Neuzeit. Selbst die Friedens- und Ökobewegung im 20. Jahrhundert stand in der Tradition der Apokalypse: So wurde der Untergang der Menschheit mal durch einen Atomkrieg, mal durch Kernenergie, das „Waldsterben“ oder das Ozonloch beschworen. Nun erheben die Klima-Hysteriker ihre Stimme, wobei sich besonders große Ähnlichkeiten mit den apokalyptischen Bewegungen in der Zeit zwischen dem 8. Jahrhundert vor und dem 15. Jahrhundert nach Christi Geburt auftun.

Den Kassandra-Rufern von einst und heute ist gemeinsam, dass sie ein entschieden negatives Bild vom Zustand der Welt zeichnen, wobei die angebliche Misere nicht auf höhere Mächte, sondern den Menschen zurückgeht. Des Weiteren wurde und wird ein baldiger Untergang prophezeit. Manche Klima-Apokalyptiker legen sich sogar schon auf konkrete Jahreszahlen fest – ganz wie weiland Papst Silvester II., der glaubte, das Welten-Ende werde exakt im Jahre 1000 kommen. 

Die Ursache für dieses Denken ist in beiden Fällen gleich. Zum einen spielen ganz konkrete, als traumatisch erlebte Ereignisse in der jeweiligen Gegenwart eine Rolle. War es bei Johannes die Christenverfolgung unter den römischen Kaisern Nero und Domitian, sind es heute Naturkatastrophen, welche von den Medien immer stärker dramatisiert werden. Andererseits durchleiden Apokalyptiker stets auch individuelle Identitätskrisen. Sie sehen Forderungen von Seiten ihrer sozialen Umwelt auf sich zukommen, die sie entweder nicht erfüllen können oder wollen. Das führt zu einem noch stärkeren Bedrohungsgefühl aufgrund der völlig berechtigten Angst vor gesellschaftlicher Isolation. Deshalb suchen Apokalyptiker Gleichgesinnte oder besser gesagt, gleichermaßen „Geschädigte“. So finden sie wieder Halt und Sicherheit.

Der Mensch ist an allem schuld

Als Gruppe versuchen die Apokalyptiker dann eine neue Sicht auf das Universum zu propagieren und durchzusetzen,  denn sie sind die, welche begriffen haben, wie die Welt wirklich funktioniere: Dass alles auf ein finales Gericht hinsteuere oder dass das Klima letztlich für den Gang sämtlicher wichtigen Dinge auf unserem Planeten verantwortlich sei. Diesen alleinigen Wahrheitsanspruch begründen die Apokalyptiker mit ihrer besonderen Sensibilität, die sie Dinge spüren lasse, die der Masse zunächst noch verborgen blieben. Zur Erinnerung: Greta Thunbergs Mutter behauptet mit vollem Ernst, ihre Tochter könne CO2 sehen. Überall zeigen sich den „Wissenden“ Menetekel – sei es in Form eines heißen Sommertages oder im Meer schwimmender Plastiktüten, sei es im Auftauchen falscher Propheten oder unbekannter Tiere.

Zudem ist das Denken und Handeln der Apokalyptiker über die Maßen ethisch-moralisch aufgeladen und damit weitgehend irrational. Das trennt sie ebenfalls vom Rest der Gesellschaft und verschärft die Konfrontation zwischen den Apokalyptikern und der Mehrheitsbevölkerung. Denn die kann sich so viel Irrationalität einfach nicht leisten und reagiert daher immer zorniger auf die Außenseiter. Die Letzteren wiederum flüchten sich in eine zunehmend schlichter werdende Ideologie, welche durch markante Dualismen gekennzeichnet ist: Dem Gegensatz zwischen dem „Richtigen“ und „Falschen“, dem „Guten“ und „Bösen“, den „Klima-Experten“ und den „Klima-Leugnern“ … Gleichzeitig kommen Rachephantasien auf: Wer nicht Buße tun und auf seinem verderblichen Weg umkehren will, dem drohen drastische Strafen und Übel – er verendet jämmerlich infolge der „Erderhitzung“ oder wird von den sieben Plagen aus der Offenbarung des Johannes heimgesucht. Das führt zu selbst beigefügter Angstlust auf der einen und noch mehr Ablehnung auf der Gegenseite.

Wer nicht umkehrt, wird bestraft

Typisch für apokalyptische Bewegungen ist zudem, dass sie über kurz oder lang eine eigene Subkultur zwecks äußerlicher Abgrenzung hervorbringen. In dieser Subkultur finden die Apokalyptiker Sicherheit vor äußeren Bedrohungen, deshalb erlangen Zeichen der Zugehörigkeit immer größere Wichtigkeit: Bußübungen wie Selbstgeißelungen und das Tragen von Kleidung, die kratziger ist als Kamelhaar, oder aber gemeinsame freitägliche Schulstreiks und Demonstrationen, das Schwenken selbstgebastelter Transparente, das makabre Totstellen mitten auf der Straße sowie das gebetsmühlenartige Betonen, wie klimafreundlich und ökologisch man doch lebe – egal, ob dies der Wahrheit entspricht oder nicht. 

Ein weiteres wichtiges Signal an die Außenwelt ist das demonstrative Verzehren von Fastenspeisen: Was bei Johannes indes noch widerliche Tiere wie Heuschrecken waren, das ist heute alles Vegetarische oder besser noch Vegane. An der Haltung zum Fleischgenuss kann man nun ganz klar unterscheiden, wer auf dem richtigen Pfade wandelt und wer sehenden Auges den Weltuntergang provozieren will.   

Selbstverständlich braucht jede apokalyptische Bewegung ihren Angelus Interpres, also Deute-Engel, der die Botschaft verkündigt beziehungsweise erläutert, was ihm die besondere Feindschaft der Ignoranten einträgt. Diese Rolle spielt heute die 17-jährige Dauerschulschwänzerin Greta, welche somit weit mehr als nur eine von den „Klima-Leugnern“ verspottete Ikone der Klima-Bewegung ist.  

Wenn Apokalyptiker merken, dass ihnen die Deutungshoheit über Vergangenheit und Gegenwart entgleitet, dann verschärfen sie ihre Rhetorik und blasen zum „Letzten Kampf“. Wobei der eben nicht dem Aufhalten des Unheils dienen soll, weil dieses ja als unabwendbar gilt, sondern der Ausschaltung der Zweifler. In diesem Fall sind grundsätzlich vier Szenarien möglich: Entweder unterliegen die Apokalyptiker in dem Konflikt und werfen schließlich das Handtuch. 

Oder sie mutieren zu einer Sekte, welche sich ihre gesellschaftliche Nische sucht, in der sie laut oder leise überdauern kann. Möglicherweise schaffen es die Apokalyptiker aber auch, selbst zur Mehrheit zu werden. Dann wiederum würde ihre Bewegung entweder in dumpfer Selbstzufriedenheit und -gerechtigkeit erstarren oder aber gravierende gesellschaftliche Veränderungen herbeiführen. Im letzteren Falle bliebe der Minderheit dann wohl nur noch das Beten.

Klima-Debatte
Greta Thunbergs Gegner werden lauter und zahlreicher
Immer mehr Deutsche machen ihren Ärger über die schwedische Aktivistin öffentlich – und werden nicht selten dafür diffamiert

Was ist die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg denn nun: Heldin oder Nervensäge? Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey vom September 2019 zufolge tendieren 40 Prozent der Deutschen eher zu der letztgenannten Aussage. Wobei die Gruppe der 30- bis 64-Jährigen, welche normalerweise im Berufsleben steht, Thunbergs Auftreten besonders kritisch sieht. Noch deutlicher war das Ergebnis einer Erhebung von YouGov im Monat danach, ob die junge Schwedin den Friedensnobelpreis verdient hätte. Hierauf antworteten 66 Prozent der Befragten klar mit „Nein“.

Die Abneigung gegen Thunbergs Treiben bei gleichzeitigem Wissen um ihre Vermarktung durch Geschäftemacher und grüne Ideologen äußert sich in vielen drastischen Äußerungen in den sozialen Medien im Internet. So wurde geschrieben, sie sei „eine minderjährige Messdienerin der Klimareligion“, deren Anhänger am „Delirium thunberga gretensis“ litten. Andere machten sich darüber lustig, dass „in allen Medien über jeden Furz berichtet wird, den Greta ablässt“. Und dann wäre da noch der Schlachtruf „Kreta statt Greta“ – fliegen wir lieber in den Süden, als uns von der Klimahysterie des Mädchens anstecken zu lassen!

Erwerbstätige besonders kritisch

Das rief Medienpsychologen auf den Plan, die den Thunberg-Gegnern eine stramm konservative Denkweise sowie soziale Abstiegsängste attestierten und zugleich auch die tiefe Abneigung beklagten, welche der Jugendlichen entgegenschlage. Daraufhin ertönten wiederum Gegenstimmen wie die der Leserkommentatorin „Hoshiana 777“ bei „Spiegel-online“: „Wer solche hasserfüllten Reden schwingt wie Greta, muss halt mit dem Echo rechnen.“

Mittlerweile wehren sich nicht mehr nur Einzelpersonen gegen die absurden Vorwürfe der schwedischen Galionsfigur an die ältere Generation. Vielmehr entstanden auch erste Anti-Greta-Gruppierungen, darunter „Fridays for Hubraum“, die im September 2019 von dem KfZ-Meister Christopher Grau gegründet wurde und zwei Monate später bereits 563 000 Mitglieder zählte. Sie wendet sich vor allem gegen die von Thunberg entfachte Kampagne gegen das Autofahren. Viele Kritiker der Klima-Ikone zeigen ihren Missmut neuerdings auch mit mehr oder weniger stubenreinen Fahrzeug-Aufklebern wie „Schnüffel an meinem Auspuff, Greta“ oder „Fuck you Greta. Keine Macht den Öko-Terroristen“. 

Protest gegen „Öko-Terroristen“

Eine dieser Botschaften rief im Herbst 2019 sogar die Staatsmacht auf den Plan: Jemand aus Plauen hatte das Heck seines Wagens mit zwei blonden Zöpfen à la Thunberg verziert, die aus dem Kofferraumspalt baumelten – darüber stand: „Problem gelöst“. Darin witterte die Staatsanwaltschaft Zwickau zunächst eine „öffentliche Aufforderung zu Straftaten“, musste aber wenig später zugeben, dass derlei Dekorationen unter die Kunst- oder Meinungsfreiheit fallen oder maximal eine Beleidigung darstellen.

Dennoch machen Politiker und Medien gegen die Anti-Greta-Bewegung mobil, indem sie diese in die rechte Ecke stellen und teilweise sogar mit Neonazis in Verbindung bringen. Gleichzeitig unterbleibt aber weiterhin jedes Nachdenken darüber, ob mit der Klima-Alarmistin tatsächlich die Richtige zur Heldin gekürt wird. So hat beispielsweise die junge iranische Studentin Roya Saghiri, die gegen den Kopftuchzwang in ihrem Land auf die Straße gegangen war und dafür nun jahrelang im Gefängnis schmoren soll, mit Sicherheit mehr Mut bewiesen als Thunberg. Über Saghiri wird freilich kaum berichtet.   W.K.

S. 13 Das Ostpreußenblatt

Allenstein
Bakterien unterm Mikroskop
Allensteiner Universität lud Schüler zur „Nacht der Biologen“ ein
Dawid Kazanski

Zum neunten Mal fand in Allenstein eine „Nacht der Biologen“ statt. Ähnliche Veranstaltungen wurden auch schon in 35 anderen akademischen Universitätsstädten der Republik Polen veranstaltet. 

Die diesjährige Biologen-Nacht stand unter dem Motto „Globale Umweltveränderungen“. Die Wissenschaftler betonten daher, inwieweit die menschlichen Aktivitäten im Bereich der Landwirtschaft, der Industrie und der Energiegewinnung die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt bedrohen. Der Organisator der Allensteiner Veranstaltung, die Fakultät für Biologie und Biotechnologie der Universität  Ermland-Masuren, bereitete mit ihren Partnern über 100 verschiedene Vorträge, Arbeitsgruppen, Ausstellungen, Demonstrationen, Lernspiele, Treffen und Lehrwerkstätten in Laboren vor. 

Dieses wissenschaftliche Festival war mit großem organisatorischen Aufwand verbunden, und dank der Zusammenarbeit vieler wissenschaftlicher Mitarbeiter, Doktoranden und Studenten wurde es ein Erfolg. Zu unterstreichen ist, dass sich mehrere Freiwillige für das Projekt engagierten und Sponsoren gefunden wurden, die das Vorhaben finanziell unterstützten. 

Bedeutung der Biologie

Die Idee der Nacht der Biologen wurde vor zehn Jahren in Allenstein auf einer  Konferenz der Dekane der naturwissenschaftlichen Fakultäten geboren. Die Veranstaltung findet jährlich am zweiten Freitag im Januar statt. Ihr Ziel ist es, ein breites Wissen über die Natur und die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung an den Universitäten auf verschiedenen Ebenen zu vermitteln – von den Grundkenntnissen der Natur bis hin zu Problemen und Fragen der heutigen Biologie und Biotechnologie. Es handelt sich um eine Aktion zur Förderung des biologischen Wissens in populärwissenschaftlicher Form. 

Eines der Ziele der Veranstaltung ist es außerdem, die Bedeutung der Biowissenschaften für die Existenz der menschlichen Bevölkerung auf der Erde sowie die Bedeutung der Bioökonomie für die regionale Entwicklung zu stärken. In diesem Jahr wurden auch die Inhalte im Zusammenhang mit den globalen Umweltveränderungen, einschließlich der globalen Erderwärmung, hervorgehoben. 

Viele Vorlesungen widmeten sich einzig der Umweltschutzthematik. So stellte eine der Referentinnen in ihrem Vortrag menschliche Aktivitäten dar, die zur Zerstörung der Natur führen sowie einfache Verhaltensweisen, die jeder im Alltag umsetzen kann, um die Natur zu schonen. Dabei wurden die greifbaren Vorteile solcher Handlungen betont. 

Die Treffen im Rahmen der Nacht der Biologen werden traditionell am Vormittag abgehalten, da der Veranstalter den Kindern und Schülern die Teilnahme an ihnen ermöglichen wollte. Deswegen nutzten die vorbereiteten Angebote auch zahlreiche Schulgruppen. 

Vortrag über Schoko und Nüsse

Einer besonders großen Popularität erfreute sich der Vortrag über die Schokoladen-, Kaffee- und Nussarten, bei dem die Anwesenden mitbekommen konnten, welche Nüsse unserem Organismus die meisten Nutzen bringen, welche Schokoladensorten am gesündesten sind und warum es sich lohnt, Kaffee in Maßen zu genießen. 

In einem der Lagerräume zeigten Biologiestudenten ihren jungen Gästen die faszinierende Welt der Bakterien unter dem Mikroskop. Die Kinder waren von der Tatsache begeistert, dass man Bakterien selbstständig züchten kann und dass der Mensch täglich sowohl mit krankmachenden als auch nützlichen Mikroorganismen konfrontiert wird. 

Die Veranstaltungsbesucher hatten darüber hinaus auch die Möglichkeit zu erfahren, worin die Arbeit eines Molekularbiologen besteht oder womit sich ein Histopathologe in seinem Beruf beschäftigt. Zirka 500 Personen haben an der Veranstaltung teilgenommen.

Kant-Universität
Interesse am Studium in Königsberg wächst
Im Berliner „Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur“ stellte sich die Hochschule auf der Ausstellung Expolingua vor
Jurij Tschernyschew

Vertreter der Baltischen Föderalen Universtität Immanuel Kant nahmen in Berlin an der internationalen Ausstellung Expolingua 2019 teil, die im „Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur“ stattfand. Diese Ausstellung richtet sich an Wissenschaftler, Studenten, Lehrer, Übersetzer und an alle, die sich für das Erlernen von Fremdsprachen interessieren. Während der Veranstaltung wurden verschiedene Lehrmethoden vorgestellt, darunter innovative Kurse und neue Lehrbücher. 

Die zweitägige Ausstellung zog die Aufmerksamkeit von Besuchern aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland auf sich. Zur Eröffnung waren zahlreiche Busse mit Schülern angereist. An den Eingängen des Russischen Hauses bildeten sich daher lange Schlangen. Die Besucher erwartete ein volles Programm. Es fanden Dutzende Seminare, Arbeitsgruppen und Präsentationen statt. Es gab thematische Abteilungen zu „Beruf und Karriere“ sowie zu „Kultur und Tradition“, die zu Orten interaktiver Übungen wurden. Zirka 150 Stände warteten auf die Besucher. Die Betreiber waren auf alle möglichen Fragen zu Themenkomplexen wie Erlernen von Fremdsprachen, Bildungstourismus, Karrieremöglichkeiten vorbereitet. 

Die Besucher der Ausstellung hatten die Möglichkeit, mit fremden Kulturen in Berührung zu kommen, mit Lehrmethoden zu experimentieren, an interessanten Debatten teilzunehmen und sich persönlich mit Experten im Bereich Fremdsprachen zu unterhalten.

Die Kant-Universität war durch Oxana Iwlewa und Irina Spakowskaja vertreten, die feststellen konnten, dass Sommer-Sprachkurse besonderes Interesse bei ausländischen Studenten hervorrufen. Unter den Interessenten waren auch viele Menschen mittleren Alters, die schon öfter in Königsberg waren, von der erleichterten Visabeantragung durch das elektronische Visum gehört hatten und/oder familiäre Wurzeln in Königsberg haben. Sie fragten beispielsweise nach der Entwicklung der Universität und wie sie sich zum Erbe Immanuel Kants verhält. Die Universität ist außerhalb der Russischen Föderation bekannter geworden, sodass unter den Interessenten auch russischsprachige Einwohner der Bundesrepublik waren, die einst mit ihren Eltern dorthin gekommen waren und nun ein Studium an der Kant-Universität in Erwägung ziehen, zumal es die nächstgelegene russische Universität ist.

Studenten aus aller Welt

In den vergangenen Jahren hat die Kant-Universität auch in der Russischen Föderation mehr Gewicht bekommen. So studieren mittlerweile Studenten aus der gesamten Russischen Föderation wie auch aus den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken dort. Darüber hinaus kommen zur sogenannten Sommeruniversität Hunderte Studenten aus verschiedenen Ländern der Welt, darunter auch Indien. Für sie werden zurzeit neue Studentenwohnheime gebaut, damit alle Gäste untergebracht werden können.

Meldungen

Hoher Wasserstand

Elbinger Niederung – Die Flüsse Nogat und Elbing hatten Anfang Januar einen sehr hohen Wasserstand erreicht, und der Drausensee hatte zeitweise sogar einen gefährlichen überschritten. Mitte des Monats fiel das Wasser auf einen mittleren Stand. Hochwasser ist für die Jahreszeit in den niedrig gelegenen Gegenden normal. Die Bäche und die Flüsse im Weichseldelta sind abhängig von der Wasserbewegung der Ostsee. Wenn sich der Meeresspiegel erhöht, steigt auch das Wasser in der Niederung. Den Wasserstand kontrolliert die hydrotechnische Verwaltung. In der Niederung arbeiten die Pumpstationen Tag und Nacht. Ohne die Pumpen fließt das Wasser nicht ab. Das Hochwasser wird durch Deiche gebändigt, die unter der Kontrolle der Meliorations-Dienste stehen. Die Krisendienste auf allen Ebenen von den Gemeinden bis zur Woiwodschaft stehen in ständigem Kontakt. Der Austausch von Informationen über hydrologische und Wetterlagen ist ständige Aufgabe der Wasserbehörden. PAZ





„Walross-Festival“

Königsberg – Am Schönfließer See hat am vergangenen Wochenende das „Internationale Walross-Festival“ stattgefunden, das vom örtlichen Verein „Bernstein Walrosse“ organisiert wurde. Dabei handelt es sich um einen Wettbewerb von Winterbadenden. Etwa 100 Schwimmer nahmen an der Veranstaltung teil, darunter 70 Vertreter polnischer Klubs. Die Freunde des Winterbadens maßen sich bei einem Staffel- und einem Schwimmwettkampf, oder sie beteiligten sich an der gemeinsamen Wassergymnastik. Anschließend gab es für alle Teilnehmer eine Teeparty im Badehaus. Bei der Veranstaltung im kalten Wasser entstanden „wärmende“ Freundschaften. MRK


S. 14 Glückwünsche

Wir gratulieren …

ZUM 100. GEBURTSTAG

Dahms, Ursula, geb. Drosdatis, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 1. Februar

ZUM 99. GEBURTSTAG

Kowalewski, Emma, geb. Piotrowski, aus Rothof, Kreis Lyck, am 2. Februar

Lange, Willy, aus Lank, Kreis Heiligenbeil, am 3. Februar

Rehfeld, Ella, geb. Gawehn, aus Schneckenwalde, Kreis Elchniederung, am 1. Februar

Ziegler, Ella, geb. Saborowski, aus Petzkau, Kreis Lyck, am 3. Februar

ZUM 98. GEBURTSTAG

Breede, Hilde, geb. Hamann, aus Pillau, Kreis Fischhausen, am 31. Januar

Rose, Elsa, geb. Bröker, aus Prostken, Kreis Lyck, am 3. Februar

ZUM 97. GEBURTSTAG

Grieschat, Valentina, geb. Gra-bowski, aus Neidenburg, am 2. Februar

Piepke, Else, geb. Goetzie, aus Merunen, Kreis Treuburg, am 2. Februar

ZUM 96. GEBURTSTAG

Bednarz, Anita, geb. Jebramzik, aus Glinken, Kreis Lyck, am 2. Februar

Both, Waltraud, geb. May, aus Canditten, Kreis Preußisch Eylau, am 2. Februar

Gehrke, Gretel, geb. Bresslein, aus Lötzen, am 2. Februar

ZUM 95. GEBURTSTAG

Bloße, Dorothee, aus Schneckenmoor, Kreis Elchniederung, am 2. Februar

Rittrich, Margarete, geb. Weller, aus Lyck, Blücherstraße 2, am 31. Januar

Zindler, Margot, geb. Grommek, aus Mohrungen und Himmelforth, am 29. Januar

ZUM 94. GEBURTSTAG

Beyer, Käthe, geb. Griegel, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 31. Januar

Bitsching, Hilde, geb. Lasarzewski, aus Lübeckfelde, Kreis Lyck, am 3. Februar

Lehmkuhl, Lydia, geb. Rausch, aus Gaistauden, Kreis Tilsit-Ragnit, am 4. Februar

Poeppel, Otto, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 153, am 3. Februar

Werner, Otto, aus Magdalenz, Kreis Neidenburg, am 6. Februar

Willamowski, Ursula, aus Pillau, Kreis Fischhausen, am 31. Januar 

ZUM 93. GEBURTSTAG

Bielenberg, Margarete, geb. Baumgart, aus Wacholderau, Kreis Ortelsburg, am 5. Februar

Christochowitz, Hedwig, geb. Schrage, aus Kölmersdorf, Kreis Lyck, am 1. Februar

Däblitz, Heinz, aus Irglacken, Kreis Wehlau, am 6. Februar

Dwojakowski, Ernst, aus Deutscheck, Kreis Treuburg, am 2. Februar

Hieronymus, Margarete, geb. Kaminski, aus Willenberg, Kreis Ortelsburg, am 4. Februar

Lehsmeier, Erika, geb. Stiller, aus Keipern, Kreis Lyck, am 3. Februar

Mowwe, Anneliese, geb. Piwko, aus Eichensee, Kreis Lyck, am 31. Januar

Puck, Alfred, aus Lyck, Falkstraße 21, am 5. Februar

ZUM 92. GEBURTSTAG

Baldzuhn, Edeltraut, aus Stosnau, Kreis Treuburg, am 6. Februar

Brings, Erna, geb. Spletter, aus Prostken, Kreis Lyck, am 31. Januar

Broge, Günter, aus Genslack, Kreis Wehlau, am 5. Februar

Büchner, Ursula, aus Rauschen, Kreis Fischhausen, am 4. Februar

Cleve, Hildegard, geb. Bojarra, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 1. Februar

Fornasson, Günther, aus Giesen, Kreis Lyck, am 1. Februar

Kopka, Erich, aus Höhenwerder, Kreis Ortelsburg, am 3. Februar

Poreda, Hans, aus Funken, Kreis Lötzen, am 2. Februar

Schaar, Ursula, geb. Hinz, aus Lindendorf, Kreis Elchniederung, am 2. Februar

Schäfer, Ilse, geb. Petz, aus Vorbergen, Kreis Treuburg, am 1. Februar

Schlaugat, Reinhold, aus Bart-ken, Kreis Treuburg, am 4. Februar

Wiebrock, Frieda, aus Allenbruch, Kreis Lötzen, am 3. Februar

ZUM 91. GEBURTSTAG

Bollmann, Helga, geb. Bartz, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 11, am 3. Februar

Edinger, Irmgard, geb. Rembritzki, aus Gusken, Kreis Lyck, am 4. Februar

Gosdek, Lydia, geb. Dorsch, aus Friedrichshof, Kreis Ortelsburg, am 5. Februar

Klein, Erna, geb. Seitz, aus Thierenberg, Kreis Fischhausen, am 3. Februar

Kowalewski, Werner, aus Lyck, Morgenstraße 16, am 2. Februar

Marzischewski, Horst, aus Walden, Kreis Lyck, am 4. Februar

Mielke, Gerda, geb. Grünke, aus Passenheim, Kreis Ortelsburg, am 2. Februar

Scheuer, Edith, geb. Friese, aus Walden, Kreis Lyck, am 5. Februar

Stankewitz, Willy, aus Millau, Kreis Lyck, am 4. Februar

Tannenberg, Irmtraut, geb. Kraska, aus Mensguth, Kreis Ortelsburg, am 4. Februar

Willwoll, Ruth, geb. Bleyer, aus Ebenrode, am 5. Februar

Woehler, Gerda, geb. Adamzik, aus Sentken, Kreis Lyck, am 4. Februar

Woit, Siegfried, aus Reimannswalde, Kreis Treuburg, am 6. Februar

Zandereit, Hanna, geb. Komorowski, aus Mulden, Kreis Lyck, am 4. Februar

ZUM 90. GEBURTSTAG

Brodkorb, Elfriede, geb. Hoffmann, aus Ponacken, Kreis Fischhausen, am 31. Januar

Brüggmann, Horst, Kreisgemeinschaft Wehlau, am 3. Februar

Dörfling, Magdalena, geb. Neumann, aus Köllmisch Damerau, Kreis Wehlau, am 4. Februar

Elmenthaler, Heinz, aus Burgkampen, Kreis Ebenrode, am 3. Februar

Feigenbaum, Eva, geb. Preiksch, aus Goldbach, Kreis Wehlau, am 31. Januar

Fornacon, Anneliese, geb. Eggert, aus Landsberg, Kreis Preußisch Eylau, am 3. Februar

Gieselmann, Gerda, geb. Althoff, aus Keipern, Kreis Lyck, am 4. Februar

Grau, Elisabeth, geb. Brandt, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 31. Januar

Hanella, Eva, geb. Toleikis, aus Bersnicken, Kreis Fischhausen, am 6. Februar

Hinz, Evamaria, aus Bladiau, Kreis Heiligenbeil, am 31. Januar

Mack, Günter, aus Lyck, Kaiser-Wilhelm-Straße 69, am 31. Januar

Schäfer, Käte, geb. Gottheit, aus Tapiau, Kreis Wehlau, am 2. Februar

Seydlitz, Günther, aus Treuburg, am 5. Februar

Stubbe, Eva, geb. Unger, aus Eydtkau, Kreis Ebenrode, am 2. Februar

ZUM 85. GEBURTSTAG

Braun, Adolf, aus Nalegau, Kreis Wehlau, am 2. Februar

Donder, Ulrich, aus Kalkofen, Kreis Lyck, am 2. Februar

Fiedler, Hildegard, geb. Kniza, aus Gardienen, Kreis Neidenburg, am 4. Februar

Götz, Anita, geb. Breitschuh, aus Kuckerneese, Kreis Elchniederung, am 1. Februar

Grünheid, Reinhard, aus Wehlau, am 3. Februar

Jeremias, Gerhard, aus Kuglacken, Kreis Wehlau, am 2. Februar

Kammer, Herwig, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 3. Februar

Kleinhantz, Erwin, aus Bobern, Kreis Lyck, am 2. Februar

Kühn, Heinz, aus Reuß, Kreis Treuburg, am 4. Februar

Minuth, Manfred, aus Wehlau, am 5. Februar

Poch, Marie-Luise, geb. Möller, aus Rogallen, Kreis Lyck, am 5. Februar

Reimann, Udo, aus Palmnicken, Kreis Fischhausen, am 1. Februar

Rentzsch, Ruth, geb. Dziadek, aus Fließdorf, Kreis Lyck, am 31. Januar

Ruchatz, Christine, geb. Greiner, aus Grabnick, Kreis Lyck, am 1. Februar

Sakel, Hedwig, geb. Bondzio, aus Dippelsee, Kreis Lyck, am 1. Februar

Zakrzewski, Ewald, aus Grünfließ, Kreis Neidenburg, am 5. Februar

ZUM 80. GEBURTSTAG

Bachor, Else, geb. Junkuhn, aus Neuendorf, Kreis Wehlau, am 3. Februar

Bauer, Margitta, geb. Hoffmann, aus Kemsie, Kreis Fischhausen, am 4. Februar

Bromberg, Herbert, aus Neuendorf, Kreis Lyck, am 2. Februar

Fischer, Margret, geb. Rohmann, aus Puppen, Kreis Ortelsburg, am 23. Januar

Genat, Manfred, aus Urbansprind, Kreis Elchniederung, am 31. Januar

Jost, Ingrid, geb. Kannenberg, aus Nareythen, Kreis Ortelsburg, am 4. Februar

Kremer, Irmgard, geb. Krause, aus Schwengels, Kreis Heiligenbeil, am 5. Februar

Michelsen, Ursula, geb. Diedrichkeit, aus Grünlinde, Kreis Wehlau, am 28. Januar

Nekat, Siegfried, aus Lötzen, am 6. Februar

Pelka, Erika, geb. Luda, Kreisgemeinschaft Neidenburg, am 3. Februar

Rose, Hubert, aus Draheim, Kreis Treuburg, am 5. Februar

Ruhnau, Herbert, aus Garbnicken, Kreis Preußisch Eylau, am 31. Januar

Schröder, Renate, geb. Stahnke, aus Reddenau, Kreis Preußisch Eylau, am 1. Februar

Skibbe, Günter, aus Ortelsburg, am 4. Februar

Sölter, Ulrike, geb. Gomm, aus Tiefen, Kreis Lötzen und aus Wehlau, am 4. Februar

Stapelfeld, Gisela, geb. Praetorius, aus Warsche, Kreis Elchniederung, am 31. Januar

ZUM 75. GEBURTSTAG

Beckmann, Sabine, geb. Muisus, aus Parnehnen, Kreis Wehlau, am 3. Februar

Dembowski, Gerhard, aus Neuwiesen, Kreis Ortelsburg, am 3. Februar

Frantzius, Ulrich, aus Eichen, Kreis Wehlau, am 1. Februar

Odenbach, Werner, aus Gedwangen, Kreis Neidenburg, am 2. Februar

Rattay, Manfred, aus Rohmanen, Kreis Ortelsburg, am 31. Januar

Stumpe, Sigrun, geb. Schwarmat, aus Fischhausen, am 3. Februar

S. 15 Heimat

Aus den Landesgruppen der Landsmannschaft Ostpreußen e.V.

Baden-Württemberg

Vorsitzende: Uta Lüttich, Feuerbacher Weg 108, 70192 Stuttgart Tel.:  0711 - 85 40 93, uta.luettich@web.de Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Schloßstraße 92, 70176 Stuttgart, 2. Stock, Zimmer 219 (Sprech-stunden nach Vereinbarung)

Stuttgart – Zum bereits dreizehnten Mal findet am Samstag, 21. März 2020, von 10.00 bis 16.00 Uhr im Haus der Heimat in Stuttgart, Schlossstraße 92, ein ostdeutscher Ostermarkt statt. In einer gemeinsamen Aktion von dem Jugendverband DJO-Deutsche Jugend in Europa, dem BdV-Bund der Vertriebenen Vereinigte Landsmannschaften, dem Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland (JSDR e.V.) und fast aller Landsmannschaften der deutschen Heimatvertriebenen und Aussiedler werden den Tag über an verschiedenen Ständen im Haus der Heimat in Stuttgart kulinarische Köstlichkeiten wie Königsberger Marzipan, ostpreußischer Bärenfang, schlesischer Mohn- und Streuselkuchen, Ostpreußischer Raderkuchen und vieles mehr angeboten. Darüber hinaus bieten die Aussteller verschiedene Literatur ihrer Heimatlandschaften, musikalische Raritäten und eine Ausstellung handwerklicher Kunst an, zum Beispiel Ostereier-Bemalen der Böhmerwäldler, ostpreußische textile Volkskunst und vieles mehr.

Im zweiten Stock des Hauses der Heimat wird am Vormittag österliches Basteln für Interessierte und ab 14.00 Uhr eine schlesische Lesung stattfinden. Eine kleine Cafeteria rundet das Angebot ab und bietet Möglichkeit zur Unterhaltung.

Weitere Informationen bekommen Sie gerne unter: DJO-Deutsche Jugend in Europa e.V., Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart. Ansprechpartner ist Herr Hartmut Liebscher, Telefon (0711)625138, Telefax (0711)62 51 68, e-mail: hartmut@djobw.de.


Bayern

Vorsitzender: Christoph Stabe, Ringstraße 51a, App. 315, 85540 Haar, Tel.: (089)23147021 stabe@low-bayern.de, www.low-bayern.de Geschäftsstelle: Heilig-Grab-Gasse 3, 86150 Augsburg, Tel.: (089) 517826, Fax (0821) 3451425, E-Mail: info@low-bayern.de, Internet: www.low-bayern.de

Landshut – Hallo und Grüß Gott, hier die Veranstaltungen der Gruppe Landshut/Bayern:

- Dienstag, 18.02.2020, 14.00 Uhr, Treffen im Gasthaus „Zur Insel“,

- Dienstag, 17.03.2020, 14.00 Uhr, Zusammenkunft im Gasthaus „Zur Insel“ Kassenprüfung, Jahreshauptversammlung. 

- Dienstag, 21.04.2020, 14.00 Uhr, Zusammenkunft im Gasthaus „Zur Insel“, Video-Rückblicke.

Bitte jeweils anmelden. Danke und beste Grüße! 

Reinhard Poneleit

 

Bremen

Bremen – Vom 8. bis zum 17. Mai bieten wir eine Gruppenreise nach Israel an. 

Unser Ziel ist das Heilige Land, das kulturelle und spirituelle Zentrum der christlichen, der jüdischen und der muslimischen Kultur und Religion. Wir besuchen alle bedeutenden Orte des Landes, lernen das Leben im Kibbuz kennen, haben Freizeit am Toten Meer und machen eine Bootsfahrt auf dem See Genezareth. Ein Besuch in der zentralen Gedenkstätte Yad Vashem steht auch auf dem Programm. 

Die Reise unterscheidet sich vom Standardprogramm üblicher Israelreisen, da wir auch Nationalparks und Farmen besuchen, die einen Eindruck von Landwirtschaft unter extremen Klimaverhältnissen vermitteln. Wir fliegen mit Turkish Airlines ab Hannover/an Bremen. Interessenten für diese Reise erhalten auf Anfrage gerne das genaue Programm mit allen Details.

Telefon Geschäftsstelle: (0421) 3469718 oder direkt beim Vorsitzenden Heinrich Lohmann, (01522) 4025314


Hamburg

Erster Vorsitzender: Hartmut  Klingbeutel Geschäftsstelle: Haus der Heimat, Teilfeld 1, 20459 Hamburg, Tel. (040)34 63 59, Mobiltelefon (0170)3102815.

Hamburg – Donnerstag, 6. Februar, 19.30 Uhr im Gemeindehaus der St. Johannis Gemeinde Harvestehude, Heimhuderstr. 92 

Lesung mit Henriette Piper: „Hugo Linck. Der letzte Pfarrer von Königsberg“. 

Als Mitglied der Bekennenden Kirche stand der Königsberger Pfarrer Hugo Linck (1890–1976) im Widerspruch zum NS-Regime. Trotz der drohenden Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee entschied er sich Anfang 1945 gegen die Flucht und blieb bei seiner Gemeinde, bis er 1948 abtransportiert wurde. Von 1948–1959 war er Pastor an St. Johannis-Harvestehude. 

Auf der Grundlage des Nachlasses ihrer Großeltern rekonstruiert die Autorin Henriette Piper (geb. 1951) die Lebens- und Familiengeschichte eines Mannes, der sein Gewissen und seine Verantwortung gegenüber den Mitmenschen über sein eigenes Wohlergehen stellte.

Moderatorin ist Pastorin Dr. Claudia Tietz.

Hamburg – Freitag, 7. Februar, 12 Uhr, Neujahrsempfang des Landesverbandes der vertriebenen Deutschen in Hamburg (L.v.D.) im Haus der Heimat, Teilfeld 8, nahe der Haltestelle S1, S3 – Stadthausbrücke; U3 – Rödingsmarkt oder Buslinie 6 und 37 Haltestelle „Michaeliskirche“. 

Mit besten Wünschen für das neue Jahr 

Hartmut Klingbeutel 


Mecklenburg-Vorpommern

Vorsitzender: Manfred F. Schukat, Hirtenstraße 7 a, 17389 Anklam, Tel.: (03971) 245688.

Landesgruppe – Auch 2020 werden von Anklam aus Busreisen nach Masuren unternommen. Es sind noch einige Plätze frei, Interessenten können sich kurzfristig unter o.g. Adresse melden. 

Reise I: 25.04.–03.05.2020 nach Lötzen und Danzig: 9 Tage á 660,00 Euro p.P. im DZ mit Halbpension

1. Tag: Anreise ab Rostock über Stralsund – Greifswald – Anklam - Stettin – Stargard – Deutsch Krone – Schlochau – Marienburg – Elbing – Allenstein zum Hotel „Wodnik“ in Lötzen (Gizycko) 

2. Tag: Schiffsfahrt über den Löwentin-See nach Nikolaiken (Mikolajki), Weiterfahrt nach Kruttinnen und gemeinsame Stakerkahnfahrt auf der Kruttinna, Rückfahrt über Johannisburg 

3. Tag: Fahrt zum ehemaligen Grenzübergang Prostken und Wanderung zur Grenzsäule am Dreiländereck; Besuch der masurischen Dorfkirche Ostrokollen und Nostalgiefahrt mit der Schmalspurbahn von Lyck (Elk) nach Sypittken und zurück, Besuch der Kriegsgräberstätte Bartossen (Masurisches Golgatha) und auf dem Aussichtsturm Alt-Jucha 

4. Tag: Stadtrundgung in Treuburg und Wanderung auf den Goldaper Berg, Besuch der Stadt Goldap und des Goldaper Sees, von dort Weiterfahrt zur Jägerhöhe bei Angerburg 

5. Tag: Fahrt zur „Wolfschanze“ bei Rastenburg mit Führung; anschließend Besichtigung der Wallfahrtskirche Heiligelinde mit Orgelkonzert, Heimatnachmittag bei der Deutschen Gesellschaft Lötzen mit Kaffee, Kuchen und Kultur 

6. Tag: Abreise vom Hotel „Wodnik“ in Lötzen nach Allenstein mit Stadtführung, Weiterfahrt über Osterode nach Buchwalde mit Besichtigung des Oberländer Kanals; Weiterfahrt über Elbing nach Danzig zur Besichtigung der Westerplatte, Ankunft im Hotel „Mercure“ in Danzig 

7. Tag: Stadtführung in Danzig durch die Altstadt und Rechtsstadt; Orgelkonzert in der Kathe-drale Oliva und Besichtigung des Botanischen Gartens, Besuch im Ostseebad Zoppot (längster Seesteg der Ostsee) und in Danzig-Langfuhr 

8. Tag: Fahrt in die Kaschubei nach Nowy Klincz bei Berent  (Koscierzyna) mit kaschubischem Folklore-Programm; von dort in die Kaschubische Schweiz mit Aufstieg zum Turmberg (Wierzyca / 331 m ü.N.N.), Weiterfahrt nach Karthaus (Kartuzy) zur Besichtigung der Kollegiatskirche 

9. Tag: Abreise vom Hotel „Mercure“ in Danzig, Schiffsfahrt über die Danziger Bucht zur Halbinsel Hela; von dort Rückreise mit dem Bus über Stolp – Köslin – Stettin zu den Zielorten entsprechend der Anreise

Reise II: 07.07.–13.07.2020 nach Mohrungen: 7 Tage á 560,00 Euro p.P. im DZ mit Halbpension

1. Tag: Anreise ab Rostock über Stralsund – Greifswald – Anklam – Stettin – Stargard – Deutsch Krone – Schlochau – Marienburg nach Elbing, dort Stadtrundgang; Weiterfahrt zum Hotel „Tailor“ nach Mohrungen 

2. Tag: Stadtbesichtigung in Mohrungen (Geburtsstadt von Johann Gottfried Herder); danach Besuch des deutschen Vereins in Osterode, am Nachmittag Schiffsfahrt von Buchwalde auf dem Oberland-Kanal mit fünf Rollbergen über den Drausen-See bis Elbing 

3. Tag: Stadtführung in Allenstein und Stadtbummel, danach Picknick am Lehlesker See bei Passenheim mit Bademöglichkeit, Stadtführung in Ortelsburg mit Rathaus und Kirche

4. Tag: Besichtigung des Freilichtmuseums Hohenstein, Besuch des ehemaligen Tannenberg-Denkmals, Besichtigung von Burg, Marktplatz und Stadtkirche in Neidenburg, Weiterfahrt nach Grunwald zu den Stätten von Tannenberg und zur Kernsdorfer Höhe (höchste Erhebung Ostpreußens = 313 m ü.N.N.)

5. Tag: Fahrt über Elbing zum Ostseebad Kahlberg auf der Frischen Nehrung; dort Angebot zum Mittagessen; Schiffsfahrt über das Frische Haff nach Frauenburg; Besuch am Denkmal für die Opfer der Flucht über das Eis, Orgelkonzert im Dom; Rückfahrt über das Hohenzollern-Gut Cadinen

6. Tag: Fahrt nach Wuttrienen bei Allenstein, dort Teilnahme am Ostpreußischen Sommerfest 2020 mit den deutschen Vereinen in Ermland und Masuren 

7. Tag: Abreise nach Danzig zur Stadtführung in der historischen Rechtsstadt; Rückreise von Danzig über Karthaus – Stolp – Köslin – Stettin – Linken zu den Zustiegsorten entsprechend der Anreise.


Niedersachsen

Vorsitzende: Dr. Barbara Loeffke, Alter Hessenweg 13, 21335 Lüneburg, Tel.: (04131)42684, Schriftführer und Schatzmeister: Hilde Pottschien, Volgerstraße 38, 21335 Lüneburg, Tel.: (04131)7684391. Bezirksgruppe Lüneburg: Heinz Kutzinski, Im Wiesengrund 15, 29574 Ebsdorf, Tel.: (05822)5465. Bezirksgruppe Braunschweig: Fritz Folger, Sommerlust 26, 38118 Braunschweig, Tel.: (0531) 2509377. Bezirksgruppe Weser-Ems: Otto v. Below, Neuen Kamp 22, 49584 Fürstenau, Tel.: (05901) 2968.

Rinteln – Donnerstag, 13. Februar 2020, 15.00 Uhr, Hotel „Stadt Kassel“, Klosterstraße 42, 31737 Rinteln (Navi: Bäckerstr.1 oder Kreuzstr.): Henriette Piper liest aus ihrem Buch „Der letzte Pfarrer von Königsberg. Hugo Linck zwischen Ostpreußen und Hamburg“. Trotz drohender Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee entschied sich Hugo Linck im Januar 1945 gegen die Flucht und blieb bei seiner Gemeinde, bis er zusammen mit seiner Frau und den letzten Überlebenden der Kaliningrader Hölle im Frühjahr 1948 abtransportiert wurde, so der Verlagstext. Der Historiker Dr. Christopher Spatz, auch bekannt durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und Vorträge über die Wolfskinder, hat dazu das Nachwort geschrieben. 

Neben Mitgliedern und Freunden sind ebenfalls Angehörige und interessierte Gäste aus Nah und Fern herzlich willkommen. Weitere Informationen zur Veranstaltung sind im Internet unter https://www.myheimat.de/2675997 anzuklicken. Kontakt und Anmeldung bei Joachim Rebuschat unter: Telefon (0 57 51) 53 86 oder per E-Mail über: rebuschat@web.de. 


Nordrhein-Westfalen

Vorsitzender: Wilhelm Kreuer, Geschäftsstelle: Buchenring 21, 59929 Brilon, Tel.: (02964)1037. Fax (02964)945459, E-Mail: Geschaeft@Ostpreussen-NRW.de, Internet: Ostpreussen-NRW.de.

Bielefeld – Jahreshauptversammlung, Montag 10.2.2020, ab 14.00 Uhr in den Räumen im „Haus der Diakonie“,Kreuzstraße 19 a in 33602 Bielefeld.

Tagesordnung: 

1. Begrüßung durch den Vorsitzenden 

2. Totenehrung 

3. a)Ostpreußenlied 

b)Westpreußenlied

4. Termine/Jahresprogramm 

5. Kaffeepause 

6. Jahresbericht 2019 

7. Kassenbericht 

8. Bericht der Kassenprüfer

9. Aussprache 

10. Entlastung des Vorstandes

11. Entlastung der Kassenprüfer, Neuwahl der Kassenprüfer

12. Neuwahl des Vorstands

13. Fragen zur Abwicklung der Kreisvereinigung des BdV Bielefeld und zur Gedenkstätte auf dem Sennefriedhof 

14. Anträge der Mitglieder

15. Verschiedenes

Düsseldorf – Die Lesung aus dem Buch „Der letzte Pfarrer von Königsberg. Hugo Linck zwischen Ostpreußen und Hamburg“ von Henriette Piper findet am Montag, den 17. Februar im Gerhart-Hauptmann-Haus statt, nicht wie ursprünglich angegeben am Freitag. 

Wuppertal – Der 1. Vorsitzende Hartmut Pfecht begrüßte den Vorsitzenden der Landesgruppe NRW Wilhelm Kreuer mit Gattin Brigitte Schüller-Kreuer sowie alle Anwesenden sehr herzlich. Herr Kreuer überbrachte Grüße der Landesgruppe und trug eine sehr zutreffende Parabel zum Klimaschutz vor. In einer Schweigeminute wurde der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder gedacht: Grete Bieber, Gisela Jansen, Friedel Noll und Hildegard Sterz. Vertreter der Tanzgruppe, der Handarbeitsgruppe und der Chorfreunde Wuppertal berichteten über ihre Aktivitäten bzw. Auftritte. Der Vorsitzende Hartmut Pfecht trug seinen Geschäftsbericht vor, aus dem für jeden Monat mindestens eine Veranstaltung hervorging.

An den monatlichen Runden wurden wieder verschiedene Themen besprochen, zum Beispiel über Agnes Miegel, sowie viele schöne Aufnahmen von den Fahrten, auch interessante Ostpreußenbilder, gezeigt. 

Höhepunkte des vergangenen Jahres waren: Die Gruppe feierte Karneval, es gab eine vorösterliche Runde, und ganz groß wurde das „9. Maifest der Ostpreußen“ gefeiert. Die Gruppe war in Wolfsburg  zum Bundestreffen und besuchte auch in Lüneburg das Ostpreußische Landesmuseum. Auch an der Kulturveranstaltung auf Schloss Burg a.d. Wupper nahmen Vertreter teil. Eine einwöchige Fahrt in den Spessart fand großen Anklang. Die diesjährige Tagesfahrt führte nach Münster. Das Erntedankfest wurde mit Gedichten und Liedern gefeiert. Eine wunderbare Adventsfeier mit Geschichten und vielen bekannten Liedern, gesungen von der Mezzosopranistin Isabelle Kusari, brachte alle in weihnachtliche Stimmung. 

Für die in diesem Jahr fälligen Neuwahlen wurde Herr Kreuer als Wahlleiter gewählt. Dem neuen Vorstand gehören an: 1. Vorsitzender: Hartmut Pfecht, 2. Vorsitzende: Helga Piontek, Kassenwarte: Lilia Lau und Ursula Busch, Schriftführer: Sigrid Kruschinski und Waltraut Bombe, Kulturwarte: Rosemarie Pfecht und Sigrid Kruschinski, Organisationsleiterin: Else Olbricht, Beisitzer: Waldemar Gregorzewski, Rente Winterhagen, Rosemarie Lingnau, Waltraut Bombe, Rosemarie Pfecht, Kassenprüfer: Reinhard Moritz und Maria Preuß.

Folgende Mitglieder wurden geehrt: Lilia Lau für zehn Jahre Mitgliedschaft, Helmut Jeckstadt für 25 Jahre. 

Die nächste Veranstaltung, unsere Karnevalsfeier, findet am 15.02.2020 um 14.00 Uhr statt in Wuppertal-Elberfeld, Hofaue 51. Gäste sind herzlich willkommen.


Sachsen

Vorsitzender: Alexander Schulz, Willy-Reinl-Straße 2, 09116 Chemnitz, E-Mail: alexander.schulz-agentur@gmx.de, Telefon (0371) 301616.

„Tag der Heimat 2020“

Landesgruppe – Am 25. April 2020 wollen wir, liebe Landsleute und Freunde unserer unvergessenen Heimat, wieder den „Tag der Heimat“ in Leipzig feiern. Wie immer im Saal des Kleingartenverein „Seilbahn“ in 04157 Leipzig, Max-Liebermann-Straße 91. Einlass ist ab 9.00 Uhr, Beginn um 10.00 Uhr. 

Dr. Christhoper Spatz wird aus seinem Werk „Nur der Himmel blieb derselbe“ über das Schicksal der ostpreußischen „Wolfskinder“, lesen und berichten. Musikalisch wird der Vortrag umrahmt von der Mezzosopranistin Isabelle Kusari.Eingeladen sind alle Ost- und Westpreußen gleich aus welchen Heimatgebieten. Bringen Sie gern Ihre Freunde mit! 

Eberhard Grashoff 

E-Mail: ebs.grashoff@web.de, Telefon: (0341) 9010730 


Schleswig-Holstein

Vorsitzender: Edmund Ferner, Julius-Wichmann-Weg 19, 23769 Burg auf Fehmarn, Tel.: (04371) 8888939, E-Mail: birgit@kreil.info.

Burg/Fehmarn – Die Jahreshauptversammlung der Landsmannschaft „Ost-, Westpreußen und Danzig“ findet am Sonnabend, den 8. Februar 2020 um 15.00 Uhr im „Haus im Stadtpark“ statt. Auf der Tagesordnung stehen, neben Berichten, auch Wahlen des gesamten Vorstandes (bis auf einen Kassenprüfer).

 Burg/Fehmarn – Zu ihrem monatlichen Treffen trifft sich die Landsmannschaft „Ost-, Westpreußen und Danzig“ am Dienstag, den 11. Februar 2020 um 15.00 Uhr im „Haus im Stadtpark“. Adelheid Totz aus Heiligenhafen hält an diesem Nachmittag einen Vortrag „Von Koselau nach Übersee“.

Elmshorn – Gibt es in Elmshorn und Umgebung Kinder mit Interesse am Schachspielen? Das Elmshorner Mehrgenerationenhaus „Forum Baltikum – Dittchenbühne“ möchte jungen Schachspielern gern einen Treffpunkt bieten – zum Spielen, zum Erfahrungsaustausch und zum Weiterbilden. Der Spaß am Schachspiel und seinen schier unendlichen Spielverläufen soll dabei immer im Mittelpunkt stehen. Termine, Wochentage, Altersgruppen, Länge der Einheiten – das ist noch alles offen und könnte mit den Interessenten optimal abgestimmt werden. 

Eltern von schachinteressierten Kindern können sich im Büro des „Forum Baltikum - Dittchenbühne“ melden und gegebenenfalls schon erste Einzelheiten abstimmen. Telefon: (04121)89710 oder E-Mail: buero@dittchenbuehne.de.

Elmshorn – Die Ehefrau des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. steht im Mittelpunkt des deutschen Filmdramas „Königin Luise“ aus dem Jahr 1957.  Am 13. Februar 2020 ist der Film am Elmshorner „Forum Baltikum – Dittchenbühne“ in der Reihe „Filmclub“ um 15 Uhr zu sehen. Darüber hinaus wird zu einer Kaffeetafel geladen. 

Der Film zeigt das Leben am preußischen Königshof in der Zeit des Vierten Koalitionskriegs (1806 – 1807): den unentschlossenen König zwischen Napoleon und Zar Alexander sowie seine Frau Luise als seine Beraterin, als Bittgängerin nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt sowie als kranke Frau, die schließlich 1810 in Hohenzieritz starb – „an gebrochenem Herzen über das Schicksal Preußens“, wie der Volksmund meinte – und die dann Jahrzehnte lang in der Erinnerung als eine Art „Königin der Herzen“ fortlebte. 

Bei „Königin Luise“ führte Wolfgang Liebeneiner Regie. In den Hauptrollen zu sehen sind Ruth Leuwerik als Luise, Dieter Borsche als Friedrich Wilhelm und Bernhard Wicki als Zar Alexander. Die zeitgenössische Kritik lobte den Film nicht nur als menschlich und politisch interessantes Filmportrait, sondern auch für seine Inszenierung, für die Kameraführung und die Bauten. 

Nähere Informationen und Tickets für 8 Euro pro Person inklusive Kaffeetafel beim „Forum Baltikum – Dittchenbühne“, Hermann-Sudermann-Allee 50, 25335 Elmshorn. Ruf: (04121)89710; E-Mail: buero@dittchenbuehne.de.

Elmshorn – Am 21. Februar 2020 feiert ein neues Theaterstück an der Elmshorner „Dittchenbühne“ Premiere: „Biedermann und die Brandstifter“ des Schweizer Dichters Max Frisch – ein Stück, das durchaus aktuell zu interpretieren ist und zugleich ein bedeutendes Stück der Literatur darstellt. Für die Inszenierung zeichnet Regisseur Klaus Falkhausen aus Hamburg verantwortlich. 

Gleich zu Beginn des Stücks warnt ein Feuerwehr-Chor vor Bränden – betont aber auch: „Nicht alles, was feuert, ist Schicksal, Unabwendbares!“ Trotzdem bietet der Fabrikant Jakob Biedermann zwei Brandstiftern Unterschlupf – und gibt ihnen schließlich sogar die Streichhölzer, mit denen sie sein Haus anzünden. Seit der Uraufführung 1958 wurde viel über dieses Stück diskutiert: Hat es eine Lehre? Wer ist Biedermann, wer sind die Brandstifter? Und: Wer sind die Brandstifter in unseren Tagen? Man kann gespannt sein auf die neue Inszenierung des „Forum Baltikum - Dittchenbühne“. 

Karten gibt es beim „Forum Baltikum – Dittchenbühne“, Hermann-Sudermann-Allee 50, 25335 Elmshorn. Ruf: (04121) 89710; E-Mail: buero@dittchenbuehne.de.

Flensburg – 13. Februar, 12.00 Uhr: Jahreshauptversammlung mit Wrukenessen, TSB Sportheim.

S. 17 Heimat

Heimatkreisgemeinschaften

Allenstein-Land

Kreisvertreter: Andreas Galenski, Sauerbruchstraße 2, 42549 Velbert, Tel.: 02051 – 8 77 29, Kreisvertreter-Allenstein@t-online.de, www.allenstein-landkreis.de Geschäftsstelle: Gemeinde-verwaltung Hagen, Postfach 1209, 49170 Hagen. Tel.: 05401 - 977-0

Neujahrsempfang

Zur einer guten Tradition ist der Neujahrsempfang der Kreisgemeinschaft Allenstein in Hagen a.T.W. geworden. Zu dem Treffen am 11. Januar 2020 begrüßten Kreisvertreter Andreas Galenski und die weiteren Vorstandsmitglieder Gäste aus den Landkreisen Allenstein und Osnabrück.

Der Landkreis Allenstein war durch den Landrat Andrzej Abako, die stellvertretende Landrätin Joanna Michalska, Kreistagsmitglied Andrzej Moszczynski, die Koordinatorin für internationale Beziehungen Joanna Braksiek und Dolmetscherin Ewa Kaczynska vertreten. Den Landkreis Osnabrück repräsentierte Landrätin Anna Kebschull. Die junge Landrätin, seit dem 4. November offiziell im Amt, ist bundesweit die erste Landrätin der Partei Bündnis 90/Die Grünen. 

Die Landrätin begleitete Karl-Heinz Finkemeyer, der als Partnerschaftsbeauftragter des Landkreises Osnabrück stets um das Wohl der Allensteiner Gruppe bedacht war. Für die Gemeinde Hagen a.T.W. erschienen Bürgermeister Peter Gausmann und seine Stellvertreterin Mechthild Lauxtermann. Das Hagener Duo verstärkte der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Martin Frauenheim. 

Der Kreisvertreter ging in seiner kurzen Ansprache auf die Förderung der Völkerverständigung ein, die vor 20 Jahren zu der Partnerschaft der beiden Landkreise und der Kreisgemeinschaft Allenstein führte und die seither stetig an Bedeutung gewinnt. Diese Partnerschaft ist ein Zusammenschluss der Bürger, die aufeinander zugehen und zueinanderstehen, die ehrlich und echt sind, wohlwollend zuhören und Hindernisse als Möglichkeiten sehen.

Dieses 20jährige Jubiläum hatte seine Wurzeln in den Bemühungen der Gemeinden Hagen a.T.W. und Wartenburg um eine Städtepartnerschaft vor 25 Jahren. Der Kreisvertreter beglückwünschte Martin Frauenheim zu diesem, damals zukunftsweisenden Schritt und dankte den Bürgermeistern Hubert Große Kracht, Dieter Eickholt und Peter Gausmann für die unermüdliche Fortführung der Völkerverständigung. Einen Dank richtete Andreas Galenski an die Partnerschaftsbeauftragten beider Landkreise, Joanna Braksiek und Karl-Heinz Finkemeyer, die er als die guten Seelen der Partnerschaft bezeichnete.

Der Allensteiner Landrat sprach den Neujahrsempfang des Landkreises Osnabrück am Abend zuvor an. „Die Ansprache und das gestrige Treffen trug eine völlig neue Handschrift. Sie, Frau Landrätin, werden eine gute Dirigentin des Landkreises abgeben“, so Andrzej Abako. Den Allensteiner beeindruckte die integrative Kraft, die die junge aufgeschlossene und ehrgeizige Landrätin ausstrahlt.

Abako wünschte sich einen erneuten Besuch der IHK Osnabrück in seinem Landkreis und lud die Osnabrücker Jugend zu einem Umweltsymposium an der ermländisch-masurischen  Universität in Allenstein ein. Hierbei sollen Jugendliche und Dozenten der Uni sich den brennenden Umweltfragen stellen. Die Osnabrücker Landrätin nahm die Einladung an und äußerte sich positiv zum weiteren Verlauf der Partnerschaft. 

Der Abend verlief in freundschaftlicher Atmosphäre  und zeigte wieder einmal, worauf es bei einer Partnerschaft ankommt: auf die Menschen, die sie gestalten und vorleben. Nur so kommt der europäische, weltoffene Gedanke, die Toleranz und die Völkerverständigung zur Entfaltung.

 

Goldap

Kreisvertreter: Stephan Grigat, Telefon (05231) 37146, Fax: (05231) 24820, Heidentalstraße 83, 32760 Detmold. Geschäftsstelle: Annelies Trucewitz, Hohenfelde 37, 21720 Mittelnkirchen, Telefon (04142) 3552, Telefax (04142) 812065, E-Mail: museum@goldap.de. Internet: www.goldap.de.

„Keilchen und Glumse“ 

Goldaper bitten zu Tisch

Mit diesem Buch ist die geborene Ostpreußin und der geborene Ostpreuße im Land seiner Kindheit. Unter der Federführung von Heike Zander ist im Selbstverlag der Kreisgemeinschaft Goldap ein Kochbuch entstanden, das Erinnerungen aufleben lässt an Bobas, Kissehl und Schmandschinken, Schedderstroh und Hasenbraten. Auch Marzipan, Mohnstriezel und Meschkinnes und vieles mehr findet man auf den Seiten, die ab und zu mit kleinen Zeichnungen oder Fotos geschmückt sind. 

Für die nachgeborenen Generationen soll die ostpreußische Kultur festgehalten werden, das ist mit dieser Arbeit gelungen. Neben ostpreußischen Koch- und Backrezepten kann man ostpreußisch Platt auch in hochdeutscher Übersetzung erlernen sowie Trinksprüche, Gedichte, kleine Weisheiten und Geschichten. Es ist mehr als ein Kochbuch, in ihm ist ostpreußisches Kulturgut enthalten. 

Die einzelnen Rubriken lauten: Kräuter und Gewürze, Suppen, Salate, Gemüse- und Kartoffelgerichte, Eintöpfe, Geflügel- und Wildgerichte, Fleischgerichte. Fisch Glumse-, Mehl- und Eierspeisen, Nachspeisen, Backwerk und Seelenwärmer, die bekannten ostpreußischen alkoholischen Getränke sowie Rezepte für die Gesundheit. 

Auf über 200 DIN A5-Seiten im praktischen Ringbuch ist dieses Buch ein schönes Geschenk. Das Vorwort hat die stellvertretende Kreisvertreterin Annelies Trucewitz überschrieben: „Kochen macht glücklich, essen auch.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

210 Seiten, Ringbindung, 11,90 Euro, ISBN:978-3-9821390-0-5. 

Zu beziehen ist das Buch über 

verkauf@goldap.de oder Telefon (04142) 3552 und (04141) 7977537 oder per Post: Patenschaftsmuseum Goldap in Ostpreußen, Harsefelder Str. 44 a, 21680 Stade.


Johannisburg

Kreisvertreter: Klaus Downar, An der Grubenbahn 21, 01662 Meißen, Telefon (03521) 4592901 Internet: www.kreisgemeinschaft-johannisburg.de; E-Mail: kodo48@aol.com; Kassenverwalter: Günter Woyzechowski, Röntgenstraße 14, 31157 Sarstedt, Telefon (05066) 63438, E-Mail: g.awoy@htp-tel.de

Einladung zur Vorstands- und Kreistagssitzung am 8. Februar 2020 gemäß persönlicher Einladung, hier form- und fristgerechter Hinweis. 

Vorstand/Kreisvertreter 

Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V.


Lyck

Kreisvertreterin: Bärbel Wiesensee, Diesberg 6a, 41372 Niederkrüchten, Telefon (02163) 898313. Stellv. Kreisvertreter: Dieter Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen, Telefon (0551) 61665.

Von Freitag, den 27. März bis Sonntag, den 29. März 2020 findet das Frühjahrstreffen in Göttingen (Hotel Rennschuh) statt. Programm:

Freitag: bis 18.00 Uhr Anreise, gemeinsames Abendessen, Bildpräsentation

Sonnabend: Arbeitsbesprechung, Mittagsimbiss, Vortrag von Christopher Spatz (Autor, Träger des Ostpreußischen Kulturpreises 2019), Abendessen, Filmabend mit gemütlichem Beisammensein 

Sonntag: Familiengeschichtsforschung, Mittagsimbiss.

Die Tagungspauschale, inkl. Vollverpflegung, beträgt 90,- Euro,  EZ 47,- Euro Standard / 56,- Euro Komfort, DZ 74,- Euro je Nacht. Die Erstattung der Fahrtkosten erfolgt nach den Bestimmungen der Kreisgemeinschaft Lyck. 

Verbindliche Anmeldungen bitte bis zum 1. Februar 2020 schriftlich oder per E-Mail an:

Dieter-J. Czudnochowski, Lärchenweg 23, 37079 Göttingen oder E-Mail: dczudno@kabelmail.de.

S. 18 Heimat

Trakehner
Warmblüter mit Tradition
Neues Buch deckt eine Lücke in der Literatur über ostpreußische Pferdezucht
Eberhard Schulte

Dieses Buch über Ostpreußens Trakehner Zuchtstätten in ihren Blütejahren schließt eine wesentliche Dokumentationslücke in der Zuchthistorie des Ostpreußischen Warmblutpferdes Trakehner Abstammung. 

Dem Trakehner Förderverein war es gemeinsam mit der Stiftung Ostpreußen als Förderer dieses Vorhabens zur Aufarbeitung der Zuchthistorie des Trakehner Pferdes ein großes Anliegen, die ostpreußischen Zuchtstätten und Züchterfamilien, die in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg die ostpreußische Warmblutzucht geprägt haben, sichtbar zu machen. 

Sie war seinerzeit die größte geschlossene Warmblutzucht Europas. Nahezu 10 000 meist bäuerliche Züchter formten das Trakehner Pferd zu einem herausragenden Kavallerie- und Sportpferd, das gleichzeitig auch wirtschaftlichen Anforderungen in den landwirtschaftlichen Betrieben gerecht wurde. Die ehemalige Provinz Ostpreußen war sicherlich die Region der großen und namhaften Privatgestüte, sie war aber auch eine Region, in der die Zucht des ostpreußischen Warmblutpferdes Trakehner Abstammung mehrheitlich in bäuerlicher Hand war. 

Kavallerie- und Zuchtpferd

In dem vorliegenden Buch von dem Trakehner Zuchtexperten und Zuchthistoriker Erhard Schulte werden bedeutende ostpreußische Zuchtstätten aus einer züchterischen, landwirtschaftlichen und persönlichen Perspektive der jeweiligen Züchterfamilien beschrieben. 

Es schildert eindrucksvoll die aus den jeweils herrschenden wirtschaftlichen Anforderungen und den landwirtschaftlichen Grundlagen abgeleitete Zuchtphilosophie der Trakehner Züchter in Ostpreußen. Herausgestellt und beschrieben werden besondere züchterische Leistungen der einzelnen Zuchtstätten und herausragende Zucht- und Leistungspferde, die das ostpreußische Warmblutpferd Trakehner Abstammung in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg geformt und geprägt haben. 

Mehrheitlich bislang noch nicht veröffentlichtes Fotomaterial aus Privatarchiven der Züchterfamilien, Faksimiles von Zuchtbuchauszügen und Decklisten und authentische Informationen aus Gesprächen mit Familienangehörigen großer ostpreußischer Züchter als Zeitzeugen bieten authentische Einblicke in die jeweils praktische Zuchtarbeit der ostpreußischen Zuchtstätten in ihren Blütejahren in Ostpreußen.

Dem Autor ist es hervorragend gelungen, mit diesem Werk zur Zuchthistorie des Trakehner Pferdes ein spannendes Buch vorzulegen, das Züchtern, Reitern und Freunden des Trakehner Pferdes neue Sichten auf die besondere Historie der Trakehner Zucht öffnet und zum Nachdenken anregt. Darüber hinaus wird Ostpreußen, Land und Landschaft, seiner Kultur und Geschichte sowie dem täglichen Leben seiner Einwohner im Wechsel der Jahreszeiten in zahlreichen persönlichen Erinnerungen von Zeitzeugen und zeitgenössischen Dokumenten ein Denkmal gesetzt.

Eberhard Schulte: „Ostpreußens Trakehner Zuchtstätten in ihren Blütejahren“, Asmussen Verlag, Gelting 2020, gebunden, 300 Seiten, 36,90 Euro

Östlich von Oder und NeißE
Stolz auf den „Schlesischen Rembrandt“
In Breslau wird das Werk des Ausnahmekünstlers Michael Leopold Willmann als Opus Magnum gezeigt
Chris W. Wagner

Nach mehr als 75 Jahren kehrte der berühmte Zyklus „Apostelmartyrien“ von Michael Leopold Willmann – wenn auch nur vorübergehend – nach Niederschlesien zurück. Das Nationalmuseum zu Breslau präsentiert in einer monografischen Schau die Werke des „Schlesischen Rembrandts“, wie der 1630 in Königsberg (Pr.) geborene und 1706 im schlesischen Leubus [Lubiaz] verstorbene Barockmaler gerne bezeichnet wird. Erstmalig kann man bis zum 26. April an einer Stelle, im Breslauer Vier-Kuppel-Pavillon bei der Jahrhunderthalle, fast 100 Gemälde von ihm bewundern. Das macht ein Drittel der erhalten gebliebenen Werke Willmanns aus. Viele dieser Werke landeten nach dem  Kriegsende in Warschau und wurden für die Schau ausgeliehen.

„Dass man die in Leubus entstandenen Werke nun in Breslau sehen kann, ist ein historisches Ereignis. Die monumentalen Gemälde aus dem Kloster Leubus werden in einer extra für die Präsentation geschaffenen großen Konstruktion in ihrer ursprünglichen Anordnung gezeigt“, so Professor Piotr Oszczanowski, Leiter des Nationalmuseums Breslau und Kurator der Schau. „Weil Michael Willmann so viele Werke schuf, bezeichnen wir die gesamte zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts hier in Schlesien als die Willmann-Epoche. Das ist ein Grund Stolz auf diesen Ausnahmekünstler zu sein, denn er baute die Identität dieses Teils Europas auf“, so Oszczanowski.

Michael Willmann verließ mit 20 Jahren seine Heimatstadt Königsberg und begab sich auf eine zehnjährige Kunstreise durch Europa. Als ausschlaggebend für sein späteres Schaffen wird die Begegnung 1656 mit dem Abt des Klosters Leubus, Arnold Freiberger, bezeichnet. „Ab diesem Augenblick verbindet Willmann sein ganzes Leben mit diesem schlesischen Zisterzienserkloster“, so Kustos Ewa Houszka. In Lebus soll Willmann seine Ehefrau, Helena Regina Lischka aus Prag, kennengelernt haben. Er konvertierte vom Calvinismus zum Katholizismus und nahm dabei vermutlich nach dem herrschenden Kaiser die Taufnamen Leopold und Lukas nach dem Schutzheiligen der Maler an. Er ließ sich in Leubus ein Haus mit Atelier bauen, das jedoch Anfang des 19. Jahrhunderts einem Brand zum Opfer fiel. „Willmanns Gattin galt als Schönheit und so tragen beispielsweise seine Madonnen wie auf dem Gemälde ‚Der Kuss Josephs und Marias’ das Gesicht seiner Ehefrau“, so Houszka.

Abt Freiberger beauftragte Willmann, vierzehn große Leinwände mit Motiven des Apostelmartyriums zu schaffen. Diese Martyrien hingen in der Klosterkirche sehr hoch, so dass die meisten Gläubigen diese oft drastischen Szenen gar nicht richtig erkennen konnten. Die meisten Werke Willmanns im Kloster Leubus haben bis zum Kriegsende überdauert und wurden erst nach 1945 von dort vorwiegend nach Warschau verbracht.

Kurator Oszczanowski hat anhand moderner Technik Willmanns Werke so in Szene gesetzt, dass sie beim Betrachter das Gefühl hinterlassen, sie an Originalschauplätzen zu bewundern. „Die Schau soll eine Assoziation wecken, man befinde sich in der Klosterkirche Leubus. Dafür haben wir eine Art Kirchenschiff kons-truiert“. Zwei Jahre lang wurde an der Schau gearbeitet. Oszczanowski musste in 14 Warschauer Kirchen bei den heutigen Besitzern der Willmann-Werke Klinken putzen. Hilfe bekam er von dem Geistlichen Dr. Miroslaw Nowak, dem Leiter des Erzdiözesanmuseums Warschau. „Es freut mich, dass Willmanns Werke, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, zurück nach Schlesien gekommen sind und dort in ihrer ganzen Schönheit präsentiert werden können“, so Nowak. Die Werke, die sich meistens noch in ihren Originalrahmen befinden, wurden bei der Gelegenheit gleich mitrestauriert. 

„Die in der Schau präsentierten Werke haben zu Willmanns Ruhm beigetragen und werden als sein Opus Magnum bezeichnet“, begründet Oszczanowski die Wahl des Ausstellungstitels. 



Arno Surminski
Baum-Besuch aus Stralsund
Peer Schmidt-Walther

Arno Surminski hat kürzlich Besuch aus Stralsund bekommen. Damit ist nicht sein gleichnamiger Buchtitel gemeint, sondern der Autor dieser Zeilen. Aus Anlass seines 85. Geburtstages bat der Schriftsteller um Baumspenden für seinen Wald, der an sein Wochenendhaus in Schleswig-Holstein grenzt. Der Wald erinnert ihn nicht nur an seine ostpreußische Heimat, sondern auch an die Zeit als Holzfäller in Kanada. 

Im Spätsommer soll zur Buchmesse sein Lokführer-Roman „Unterwegs“ erscheinen. Der Held des Buches wurde in Prostken, dem bedeutendsten Grenzbahnhof in Masuren, geboren. Dort spielen sich später auch viele Szenen ab. Zur Handlung passend hat eine kleine Stralsunder Modell-Dampflok aus der Kriegszeit in Surminskis Ferienhaus eine neue Heimat gefunden.

Als er am 26. April 2017 mit ihr zu einer Lesung am Sund weilte, konnte er die beiden Ahorn-Winzlinge auf der alten Stadtmauer des Heilgeistklosters kaum wahrnehmen. Umso mehr hat er sich jetzt gefreut, dass das Baum-Versprechen tatsächlich eingelöst worden ist. Ein Messing-Schildchen soll später auf den Spender hinweisen, wie man an vielen anderen Bäumen sehen kann. Eine nachahmenswerte Idee, diese private Wiederaufforstungs-Aktion der Surminskis. 

S. 19 Die Pommersche Zeitung

Erlebenswert
Schloss Podewils in Krangen
Ein Schmuckstück in Hinterpommern mit interessanter Geschichte

Wer als Reisender häufig in Pommern unterwegs ist, wird mit Sicherheit auch auf das wunderbare Schlosshotel Podewils in Krangen, heute Krag, stoßen. Es liegt malerisch und ruhig direkt an dem fast kreisrunden Schlosssee, eingebettet in die waldreiche Umgebung des Tals der Grabow, zwischen Schlawe im Norden und Pollnow im Süden. Krangen war ursprünglich ein Kirch- und Gutsdorf, das sich von 1482 bis 1860 im Besitz der Familie von Podewils, der ursprünglich fast das ganze Kirchspiel Krangen gehörte, befand.

Beim Anblick des Schlosses kommt sofort der Wunsch auf, mehr zu erfahren. Es wurde 1414 erbaut und erfuhr im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Um- und Anbauten. Um 1580 wurde es sogar fast abgetragen und neu als Renaissanceschloss um- und angebaut. Zu der Zeit noch mit Verteidigungscharakter, was später wieder entfernt wurde. Als Schmuck wurde eine Attika geschaffen, die Ähnlichkeiten mit der des Stettiner Stadtschlosses erkennen ließ. 

Im Laufe der Zeit wurde die Schlossanlage immer umfangreicher. Türme, Renaissancegiebel, Terrassen und Freitreppen ergeben heute das repräsentative Bild des Schlosses.

Die jetzigen Besitzer des Schlosshotels haben eine sehr interessante Dokumentation verfasst, in der man die wechselvolle Geschichte nachlesen kann. 1860 wurde es dem Major Hugo von Loen für 81.500 Taler verkauft. Der veräußerte es nur 20 Jahre später an die Familie von Riepenhausen für 188.000Taler, von 1880 bis 1929 war Karl Wilhelm von Riepenhausen, Legionsrat, kgl. preußischer Kammerherr der Besitzer, anschließend sein Sohn Karl von Riepenhausen, der kurz vor Kriegsende starb und seinen Besitz seinem Neffen Carl Alexander von Uexküll vermachte.

Nachdem am 26. Februar 1945 russische Panzerspitzen Pollnow erreichten, verließ ein Teil der Einwohner am 27. Februar mit einem Treck Krangen in Richrung Schlawe und kam auf Umwegen bis Hamburg durch. Am 28. Februar 1945 verließ der Rest der Bewohner den Ort mit einem zweiten Treck und wurde im Raum Treptow/Rega von den russischen Truppen überrollt. Einige Einwohner gelangten nach Internierungen und Arbeitseinsatz im Juni 1945 wieder in das verwüstete und geplünderte Krangen. Bis 1946/47 konnten die meisten Krangener die Ausreise nach Westdeutschland erreichen und den Drangsalierungen in ihrem jetzt von der polnischen Verwaltung übernommenen Heimatdorf entfliehen. Das wurde wurde Schloss Krangen 1945 durch Beschuss, anschließend durch Plünderung zur Ruine. 

Was bis dahin nicht zerstört wurde, haben danach Menschen vollbracht: sie haben alles verwüstet, vernichtet, ausgeplündert, weil das Vermögen allen, d.h. niemandem mehr gehörte. Nach dem Krieg hat der polnische Staat das Schloss übernommen. Kurzzeitig war hier das Forstamt untergebracht. 1953 hat man mit dem Wiederaufbau basierend auf überlieferten technischen Unterlagen angefangen. 1974 übernahm die Bezirksleitung der öffentlichen Verkehrswege Köslin in Erbpacht das verwüstete Schloss. Die Verwaltung und der Wiederaufbau wurde der Anstalt für Transport und Straßenmaschinen übergeben. Die Projektplanung sah vor, das Schloss in ein Firmenerholungsheim umzuwandeln. Da jedoch die Kosten zu hoch waren, endete dieses Vorhaben mit einem Misserfolg. Aufgrund der kommunalen Teilungsreform, ca. 1990, hat die Gemeinde Pollnow das Schloss übernommen. Sie war nicht imstande, die hohen Renovierungskosten zu bewältigen. Nun stand eine Versteigerung an.

Mutige Polen kauften das Anwesen und bauten es zum Hotel um, seit 1996 lädt es Gäste ein, fürstlich zu wohnen und die historische Atmosphäre zu genießen. Zudem lädt die herrliche Umgebung zu Wanderungen ein.

Nicht unerwähnt bleiben soll die interessante ehemalige Schlosskapelle. Sie entstand 1580, später im 17. und 18. Jh. wurde sie umgebaut. Um 1700 wurde eine Kapelle angebaut, außen reichlich dekoriert. Wenn man von außen das Gebäude ansieht, sieht man genau ihre zwei Teile: die ältere Kapelle im Renaissancestil und die jüngere Kapelle im Barockstil. Die Kirche hat eine sehr schöne, prachtvolle Renaissance-Innenausstattung: Kanzel, Altar, Taufbecken und Empore und eine eine Gedenktafel für die im I. Weltkrieg Gefallenen. 1997 wurde die Tafel dank Hans Georg Kasischke, einem ehemaligen Bewohner von Krangen restauriert. In der Grabkapelle sind zwei Barocksärge in Messing von Heinrich von Podewils (1696) und in Marmor von Adam von Podewils (1697) untergebracht. 

Brigitte Stramm (Teilaufzeichnungen stammen von Jürgen Lux)

 Das Hotel öffnet wieder im April 2020, Info: https://www.podewils.pl/de

Künstler aus Pommern
Joachim Utech – Bildhauer aus Belgard
Hennrita Werth

Joachim Utech wurde am 15. Mai 1889 im elterlichen Haus in der Kösliner Straße, in der pommerschen Kreisstadt Belgard, geboren. Bereits der Urgroßvater und Großvater waren bekannte Baumeister, die sich sich bildhauerisch betätigten. So wuchs Joachim in einem künstlerischen Umfeld auf. In seinen Kindheitserinnerungen schrieb er: „Die bildhauerische Arbeit meines Urgroßvaters und Großvaters führte mich schon als Kind in Richtung Kunst, so wurde ich Bildhauer wie mein Urgroßvater“.

Nach dem Abitur am dortigen Gymnasium im Jahre 1907 ging er nach Berlin, um bei Professor Wrba eine Ausbildung zu beginnen. Der löste jedoch sein Atelier auf. Utecht ging nun nach Kolberg und begann eine Lehre bei dem Bildhauer und Stukkateur Bräger. Die Arbeit empfand er als wenig schöpferisch, er ging wieder nach Berlin an die Kunsthochschule des Westens und studierte ab 1908 an der Berliner Kunstakademie. Anschließend besuchte er von 1911 bis 1913 die Staatliche Kunstschule in Berlin, die er mit der bestandenen Staatsprüfung als Kunsterzieher und Werklehrer verließ. Diese Ausbildung sicherte ihm stets ein sicheres Auskommen. 1913 wechselte er an die Kunstakademie in Leipzig und belegte gleichzeitig Kurse an der Universität und an der Handelshochschule.

Seine Studien wurden 1914 durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Während des Krieges war er Soldat und wurde 1918 schwer verwundet. Im selben Jahr heiratete er. Von 1919 bis 1921 lebte er als freischaffender Künstler in Leipzig. Danach war er von 1921 bis 1925 Kunstlehrer an einem Lyzeum in Insterburg. Die Zeit dort hatte großen Einfluß auf sein späteres künstlerisches Schaffen, er stellte hier seine Arbeiten zusammen mit führenden Expressionisten aus wie Nolte, Kirchner, Schmidt-Rottluff, Pechstein, Feininger u.a. Dann folgten seine Ausstellungen in Königsberg. 1922 befanden sich seine Arbeiten in der Großen Berliner Kunstausstellung, wo sie sehr gute Kritiken erhielten. Anschließend arbeitete er bis 1945 als Studienrat in Belgard. In seiner Heimat trat er am 1. Januar 1930 dem in Stettin gegründeten Künstlerverein „Das Neue Pommern“ bei, es wurden viel beachtete Ausstellungen durchgeführt, z.B. anläßlich des „Pommerschen Städtetags“ in Belgard. Für seine Arbeiten aus Granit, Ton, Marmor und Holz erhielt er große Anerkennung. 

Eine andere Zeit war 1933 angebrochen, zunächst konnte er unbehelligt künstlerisch wirken, doch dann geriet er in den Fokus der neuen Machthaber, seine Werke wurden aus den Museen zumeist entfernt, ja sogar zerstört. 

1945 floh er vor der sich nähernden Roten Armee nach Lüneburg, wo er ab 1946 bis 1952 zunächst am Johanneum und dann an der Wilhelm-Raabe-Schule unterrichtete. 1952 zog er aus gesundheitlichen Gründen nach Daxweiler im Hunsrück um. 1955 ließ er sich in Marburg nieder. Künstlerisch arbeitete er weiter und präsentierte seine Werke auf zahlreichen Ausstellungen. Bemerkenswert: 1957 erhielt er 86 seiner Plastiken aus Belgard, die nach dem Krieg in Stettin eingelagert waren, zurück. Diese Arbeiten stellte er im Marburger Schloss aus. Die Skulptur „Steuermann“ fand den Weg ins Museum Köslin, sie befand sich Jahrzehnte bei dem polnischen Lehrerehepaar Zawidski, die sie unlängst dem Museum Köslin übereignete. Der Steuermann wurde in die Reihe drei weiterer Porträtköpfe, die sich bereits im Museum befinden, eingereiht. 

Jochim Utech starb am 30. März 1960 – seine Werke bleiben.


Einladung
Danziger Kulturtagung
Marcel Pauls

27. - 28. März 2020 in Ravensburg

Der Bund der Danziger e.V. lädt ganz herzlich zu der diesjährigen „Danziger Kulturtagung 2020“ nach Ravensburg ein.

In der Nachkriegszeit kamen 

6000 Heimatvertriebene aus Ostpreußen, Westpreußen, Danzig, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland nach Ravensburg. Auch der Bund der Danziger e.V. gründete eine Ortsstelle, welche heute von der engagierten Landsmännin Petra Lorinser erfolgreich geführt wird. Im Museum Humpis-Quartier werden zudem ausgewählte Exponate der ehem. „Ostdeutschen Heimatsammlung“ gezeigt.

Ravensburg ist so oder so eine Reise wert: In der Nähe zum Bodensee gelegen, erleben wir dort bergige Schönheit, welche uns Danzigern weniger vertraut ist. Nutzen Sie den Sonntag für Erkundung der näheren Umgebung.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit zahlreichen „alten Bekannten“ und auch vielen Gästen, die an Danzig neu Freude finden. Melden Sie sich bitte an und erleben Sie eine wunderbare Veranstaltung in ausgesprochen familiärer Atmosphäre. 

Programm

Freitag, 27. März 2020

15:00 Uhr – Einlass, Begegnung und Austausch bei Kaffee und Kuchen

16:00 Uhr – Begrüßung durch die Bundesvorsitzende

16:30 Uhr – Bildvortrag: „Johann Sebastian Bach und Danzig“, Dr. Alfred Georg Lange

17:15 Uhr – Bildvortrag: „Der Danziger Komponist und Cembalist Johann Gottlieb Goldberg und die Variationen“, Dr. Alfred Georg Lange

18:30 Uhr  – Abendessen

Samstag, 28. März 2020

09:00 Uhr Einlass

09:30 Uhr – „Elise Püttner – das Schreiben für Danzig und Zoppot“, Dr. Janusz Mosakowski

10:45 Uhr Kaffeepause

11:15 Uhr – „Willi Drost - der letzte deutsche Direktor des Stadtmuseums Danzig“, Iwona Kramer-Galinski

12:00 Uhr Mittagspause

14:00 Uhr Ahnenforschung

14:30 Uhr „Danzig in der Zeit der Hanse – Vorort des livländisch-preußischen Quartiers“, Dr. Heiko Körnich

16:00 Uhr Ende der Tagung

Die Tagung findet im Magdalenensaal, Abteistraße 2/4 in Ravensburg-Weissenau statt. Es wird eine Pauschale von 30 Euro erhoben. Die Tagungspauschale wird direkt vor Ort beglichen.

 Anmeldung erbeten bei 

Petra Lorinser, Blumenstraße 7, 

88214 Ravensburg, Tel: 0751/66230 

Email: tagung-rv@gmx.de

 Anmeldungen werden bis zum 20. März 2020 entgegengenommen. Wir empfehlen die frühzeitige Reservierung einer Unterkunft.


S. 20 Leserforum

Leserforum

Unbeschwertes Leben

Zu: Kein Friede in Berlin (Nr. 1)

Vera Lengsfeld schreibt mir aus der Seele. Ich könnte mir vorstellen, dass junge Menschen sich die Zeit eines unbeschwerten Lebens gar nicht mehr vorstellen können: ohne gehasst zu werden, wenn man mit der mittlerweile dann doch 17-jährigen Greta nicht einverstanden ist, wenn man für Atomkraft und Tagebau votiert; als man abends und nachts unbehelligt in Nahverkehrsmitteln und Straßen als Frau wie auch als Mann unterwegs sein konnte.      

Manfred Hemmersbach,Köln






Wikipedia ganz ähnlich

Zu: Sehr einseitige Studie (Nr. 1)

In der Buchbesprechung wird versucht, das Buch „Die ethnische Säuberung Palästinas“ von Ilan Pappe zu diskreditieren, ganz ähnlich, wie man es bei Wikipedia lesen kann.

Es muss erstaunen, eine Rezension wie diese in einer Zeitung zu finden, die ursprünglich angetreten war, die Belange von Vertriebenen und Flüchtlingen zu vertreten. Vertreibung und Landnahme sind völkerrechtswidrig, egal, wer sie begeht.

Wer die Vertreibung eines Volkes aus seinem Siedlungsgebiet bejaht oder verharmlost, könnte auch das „Replacement Migration Program“ der UN befürworten, welches den Austausch der europäischen Völker durch kulturfremde Einwanderer betreibt. Brigitte Bean-Keiffenheim, 

Frankfurt am Main






Ganz einfache Erklärung

Zu: Was ist eigentlich aus denen geworden? (Nr. 2)

Die Frage, warum die Piratenpartei untergegangen ist, lässt sich ganz einfach erklären. Nach dem Rückzug von Marina Weisband konnte diese dominante Rolle keiner ausfüllen. 

Was machte Willy Brandt zu einer politischen Führungspersönlichkeit? Er hatte – ganz einfach – Zeit dafür. Brigitte Seebacher-Brandt stützt meine These indirekt mit einer Aussage aus dem Jahr 1993 im „Spiegel“. Auf die Frage „Kochen Sie?“ sagt Seebacher: „Ja, mein Mann fand, sehr gut. Ein guter Artikel hat ihm gefallen, aber ein gutes Abendessen noch mehr… Ich habe gern für ihn gekocht, wie ich ihn auch gern chauffiert habe, er hatte ja keinen Führerschein.“

Dazu kommt noch, dass die Piraten den Linken und den Grünen programmatisch immer ähnlicher wurden. 

Dr. Frank Wolfram Wagner, Lemgo






Weitere Partisanenverbände

Zu: Polens besondere Streitmacht (Nr. 1)

Mit Interesse las ich Ihren Artikel über den völkerrechtlichen Status der Armia Krajowa (AK). 

Leider fehlt mir zumindest ein historischer Hinweis, dass es neben der AK weitere militärische Gruppierungen, Partisanenverbände etc. gab. 

Wichtigste Kampforganisation neben der AK war die Gwardia Ludowa, ab 1944 Armia Ludowa (AL). Diese kämpfte, im Gegensatz zur AK, welche von der polnischen Exilregierung in London geführt wurde, im Auftrag der Polnischen Arbeiterpartei (PPR) und wurde von Moskau unterstützt. 

1943 wurde in der UdSSR die Ko-

sciuszko-Division aufgestellt, aus welcher die AL hervorging. Nach Unterzeichnung eines Militärvertrages zwischen Polen und der UdSSR am 14. August 1941 fungierte als Oberbefehlshaber der polnischen Armeeeinheiten (AL) auf sowjetischem Territorium der polnische General Wladislaw Anders. 

Letztendlich setzte sich nach Kriegsende bis zum Fall des Eisernen Vorhangs die kommunistische Arbeiterpartei Polens inklusive ihrer militärischen Einheiten (Vorgänger AL) politisch und militärisch durch.

Thomas Piering, Berlin






Nicht wirklich überraschend

Zu: Islamische Unterwanderung (Nr. 45)

Der Artikel ist interessant. Aber der Inhalt ist nicht wirklich überraschend. Geschichte und Gegenwart lehren, dass der Islam seit seiner Gründung stets eine mit den Mitteln der Gewalt, der Unterdrückung und der Einschüchterung nach Eroberung und Herrschaft strebende Ideologie war und ist. Dort, wo der Islam Fuß gefasst hat, hat er angestammte Kulturen und Religionen auf Dauer an den Rand gedrängt oder gar ganz beseitigt. Auch das ist Unterwanderung, die weit vor dem Jahr 2015 begonnen hat. Auch die lasche Asylregelung (siehe den Fall Ibrahim Miri) gehört dazu. Also eine staatlich geförderte Unterwanderung.

Heinz-Peter Kröske, Hameln






Vertrauen der Bürger

Zu: Per „Klimanotstand“ in die Öko-Diktatur? (Nr. 51/52)

Zunächst sei gesagt, dass es Klimawandel immer gegeben hat und wir dies der Sonneneinstrahlung zu verdanken haben. Es gibt einen natürlichen Kreislauf, von dem keiner derzeit was wissen will, denn die grünen Pflanzen setzen unter CO2 unseren Luft-Sauerstoff frei. 

Die ganze Klimahysterie mit Weltuntergangsstimmung, verbunden mit dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, ist vor einiger Zeit von einer internationalen Lobbyistengruppe mit kommunistischem Einfluss aus ideologischem, machtpolitischem Bestreben in Szene gesetzt worden. 

Auch – und besonders – der rot-rot-grüne Berliner Senat hat sich der Klimanotlage angeschlossen, frei nach dem Motto: autofrei, Industrie raus und Fahrrad als Alternative. 

Da muss man sich fragen, ob mit der Öko-Diktatur alle verrückt geworden sind; dazu die Polizei als „Prügelknabe“ für verfehlte Politik. Folgen auf Dieselfahrverbote, verbotene Straßenabschnitte für Autos und Mietendeckel andere Notverordnungen? 

Ein Staat, der geltendes Gesetz/Recht nicht durchsetzen kann, verliert das Vertrauen seiner Bürger.Günter Algner,

Berlin-Tempelhof






yes, Mister Johnson!

Zu: Brexit (Nr. 1)

Boris Johnson ist nicht nur der große Sieger in Großbritannien, sondern auch in Europa – genauer: in der EU. Denn Boris Johnson hat vor den Wahlen ein neues, für Großbritannien eindeutig günstigeres Austrittsabkommen mit der EU abgeschlossen als die unglücklich agierende Frau Theresa May. Johnson fand mit seinem neuen Vorschlag vor allem Verständnis bei und Unterstützung von Frankreich – von Staatspräsident Emmanuel Macron.

Und nun verfügt Boris Johnson seit dem 12. Dezember mit seiner konservativen Partei über eine komfortable absolute Mehrheit, obschon er im Vorfeld der Wahlen im alten Parlament eine Niederlage nach der anderen hatte einstecken müssen. Es erinnert mich in gewisser Weise an Winston Churchill, dem Großbritannien und Europa, so auch Deutschland, unermesslich viel zu verdanken haben.

Das alles ist eine sehr beachtenswerte Leistung, denn die EU unter Führung Deutschlands, das beim Brexit von allen EU-Staaten weitaus am meisten verlieren wird, hat sich gegenüber dem vom britischen Volk beschlossenen Brexit ablehnend – ich sage: destruktiv – verhalten. Die Lagebeurteilung von Sabine Weyand, der deutschen stellvertretenden Verhandlungsführerin vonseiten der EU, dass „die EU alle Karten in der Hand hat“, trifft nicht (mehr) zu, denn nun hat eindeutig der britische Ministerpräsident Boris Johnson das Sagen. Boris Jonsons Ermahnung an die Briten, die in der EU bleiben möchten, „put a sock in it“ gilt auch für die EU, vor allem für Deutschland. „Let’s get Brexit done, but first get breakfast done“ – yes, Mister Johnson! 

Jürg Walter Meyer, Leimen


S. 21 Reise

Auf dem Dach des Ötztals
Einfach „Spectre“kulär
Im April kommt der neue „Bond“-Film „Keine Zeit zu sterben“ in die Kinos – In Sölden kann man sich bereits jetzt auf 007 einstimmen
Andreas Guballa

Sölden, im Herzen des Ötztals, gehört nicht nur zu Tirols beliebtesten Tourismusorten, sondern auch zu den bekanntesten Skigebieten der Alpen. Der Ski-Weltcuport punktet mit seinen schneesicheren Pisten, die als einzige in Österreich drei 3000er Berge liftmäßig erschlossen haben. Aber der beliebte Alpen-Ferienort bietet auch abseits der Piste jede Menge Abwechslung. 

Seit vergangenem Sommer können sich Fans des berühmtesten Agenten der Welt in der cineastischen Installation „007 Elements“ am Gaislachkogl in 3048 Meter Höhe auf die Spuren von James Bond begeben. Auf größtenteils unterirdischen 1300 Quadratmetern werden Besucher durch verschiedene Galerien mitten hinein in die Welt des berühmten Spions geschickt. Video- und Klanginstallationen, interaktive Stationen und Bond-Original-Utensilien befeuern alle Sinne. Als Gegenpart zu den ultramodernen technischen Effekten öffnen sich faszinierende Ausblicke in die Ötztaler Berge. 

Begonnen hat die Liaison zwischen James Bond und Sölden bei den Dreharbeiten zum 24. Kult-Streifen „Spectre“. Im Jahr 2015 entstanden einige der spektakulärsten Szenen in den hochwinterlichen Bergen über Sölden – das „ice Q Restaurant“ diente als Schauplatz der Hoffler-Klinik und auf der Gletscherstraße lieferten sich die Kontrahenten eine atemberaubende Verfolgungsjagd.

Neal Callow – Art-Director der letzten vier „James Bond“-Streifen – hat persönlich streng über die Realisierung der fantastischen künstlerischen Vision gewacht: „Unser Ziel war es, mit „007 Elements“ einen tiefen Einblick in die Dreharbeiten eines 007-Kinofilms zu geben. Wir wollten diese unglaubliche Gegend nutzen, um den Gast direkt in Bonds Welt zu versetzen und dabei einzigartige und unvergessliche Sequenzen zum Leben erwecken. Es war das beste Projekt, das ich je hatte!“, schwärmt Callow.

Von Connery bis Craig

Die Reise durch das von Architekt Johann Obermoser geschaffene, zum Großteil unterirdische architektonische Gesamtkunstwerk im Hochgebirge mit insgesamt neun Galerien startet in einem Pistolenlauf nachempfundenen Gang, entsprechend der Eröffnungssequenz mit dramatischer Musikuntermalung aus „Spectre“. Es folgt ein Platz im Freien mit herrlichem Blick auf das imposante Bergpanorama. Von der Natur geht es weiter zu exklusiven Filmszenen aus allen 24 „James Bond“-Filmen von „Dr. No“ bis „Spectre“, die teilweise noch nie gezeigt wurden. Außerdem gibt es kultige Studio-Sets und zentrale Sequenzen aller Bond-Darsteller von Connery bis Craig.

Eine gläserne Aussichtshalle ermöglicht den Blick auf die Gletscherstraße 

– einen der atemberaubenden „Spectre“-Drehorte, wo man auch den originalen Land Rover Defender und den Range Rover Sport SVR bewundern kann. Natürlich darf auch Qs Technologie-Labor mit den raffinierten – oft lebensrettenden – technischen Spielereien nicht fehlen, darunter der legendäre goldene Colt. Die Installation in der „Action Hall“ fasziniert mit Spezialeffekten und Stuntszenen.

In Dioramen sind „Spectre“-Szenen, die in Söldens Berg-Panorama spielen, exakt mit Modellautos und Flugzeugen dargestellt. Daneben findet sich das Original-Flugzeugwrack aus einer Schlüsselszene in „Spectre“. Überhaupt steht im Mittelpunkt der cinematischen Installation der Film „Spectre“ aus dem Jahr 2015. Das Ambiente erinnert an das Quartier, das der britische Geheimdienst MI6 in „Skyfall“ und „Spectre“ im Londoner Untergrund bezog. 

Man wird im Inneren das Gefühl nicht los, „M“ oder Miss Moneypenny könnten einem hier jeden Moment begegnen. Und zu sehen ist „Moneypenny“ Naomi Harris tatsächlich: Stellt sie doch die Drehorte zusammen mit den Höhepunkten der Schauplätze aus der bald 60-jährigen Bond-Geschichte vor. Im letzten Raum ermöglichen berührungsempfindliche Monitore, das umfangreiche 007-Archiv zu durchforsten. Außerdem finden Fans im Museumsladen 007-Souvenirs.

Architekturjuwel als Inspiration

Nach dem Auftauchen aus dem filmischen Universum des berühmtesten Geheimagenten der Welt fehlt nur noch der klassische Wodka-Martini. Den genießen die Besucher im wenige Schritte entfernten Restaurant „ice Q“ – einem der spektakulärsten Bauten im Alpenraum –, das im Film eine wichtige Rolle spielte. Zwar nicht als Gourmettempel, sondern als futuristische Hoffler-Klinik, in der Daniel Craig alias James Bond auf die Psychologin Dr. Madeleine Swann (Léa Seydoux) trifft, bevor es zu einer wilden Verfolgungsjagd kommt. 

Der vom Architekten Johann Obermoser kreierte und 2013 eröffnete elegante Kubus war übrigens ausschlaggebend für die Filmleute, in Sölden die spannendsten Sequenzen für „Spectre“ zu drehen. Ein Riesenglück. Schließlich hat das äußerst erfolgreiche Bond-Abenteuer Jakob Falkner, den Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, zum Projekt „007 Elements“ inspiriert. Allerdings war es nicht einfach, die Genehmigung von EON Productions und Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), die alle Rechte an den „James Bond“-Filmen besitzen, zu erhalten – bis er schließlich grünes Licht bekam.

Die weltweit einzigartige „James Bond“-Installation ergänzt das breite Spektrum an Aktivitäten und mache Sölden und die umliegende Region zu einer der renommiertesten Ganzjahresdestinationen für Sport und Unterhaltung in den Alpen, freut sich Falkner über die Attraktion in schwindelerregender Höhe. 

„007 Elements“ erreicht man von Sölden in zwölf Minuten mit der Gaislach­koglbahn: täglich von 9 bis 15:30 Uhr. Eintritt: 22 Euro. Internet: www.007elements.soelden.com, www.oetztal.com

Skispaß am Rennsteig
Winterwunder Thüringen
Der Freistaat im Herzen Deutschlands ist ein Paradies für Pistenreiter – es muss dafür nur erst ordentlich schneien

Der Freistaat Thüringen gilt seit Erlangung der deutschen Einheit durch seine zentrale Lage als beliebte Urlaubs-Destination. Hier kann man Naturschönheiten und Kulturschätze auf vielfältige Weise erleben. Morgens die Originalschauplätze von Goethe und Schiller erkunden, am Nachmittag über die längste, noch komplett erhaltene und bebaute Brückenstraße Europas schlendern und den Abend mit Fernblick über die tiefen Wälder des Thüringer Waldes ausklingen lassen.  

Von Dezember bis März wird das „grüne Herz Deutschlands“ zum Paradies für Winterurlauber. Thüringer Wald, Schiefergebirge und Rhön sind geradezu märchenhaft. Sofern viel Schnee fällt, locken die Höhenlagen des Freistaates alljährlich tausende Besucher an. Kilometerlange Loipen und mehr als 30 Skilifte erwarten Wintersportler. Auf Rodel-, Ski- und Snowboardbahnen kommt jeder Jahrgang auf seine Kosten. 

Nummer 1 unter den Skisportarten ist hier der Langlauf. Ob geruhsam beim Skiwandern oder sportlich in der Loipe – Neigung und Fitnesszustand der Skifahrer bestimmen die Wahl der Strecke. Das Angebot hierfür ist schier grenzenlos: Mit insgesamt 1600 Kilometern hervorragend ausgebautem Loipen- und Skiwanderwegenetz von der Rhön und dem Großen Inselsberg über das Rennsteigareal bis hinüber zum Schiefergebirge warten beste Voraussetzungen auf die Langläufer. Davon allein 142 Kilometer Rennsteig Skiwanderweg, der damit der längste Fernskiwanderweg Mitteleuropas ist. Wer lieber die einsame Winterlandschaft erleben möchte, dem sei eine Schneeschuh-Tour über verschneite Wiesen und Felder oder eine Kutschfahrt im Pferdeschlitten durch die märchenhafte Landschaft empfohlen.

Skispringen als Schnupperkurs

Ganz besonderen Mut braucht es beim Skiflyer in Steinach oder beim „Skispringen für Jedermann“ in Lauscha. Während man in Steinach an einem Stahlseil gesichert den Skiflug von 150 Metern Länge antritt, lernt man an der Sprungschanze in Lauscha bei einem Tages- oder Wochenendkurs das Skispringen – und zwar ohne Seil. Ausgefallenes gibt es ebenso: Rodelbahnen und Pisten laden zu nächtlichen Flutlichtabfahrten ein, Klettern an gefrorenen Wasserfällen und Eiszapfen oder Ice-Rafting mit Spitzengeschwindigkeiten von über 70 Stundenkilometern sorgen für Adrenalin pur. Naturrodelbahnen, Eisstock-Schießen, Snowtubing-Pisten und Schneeskulpturen-Wettstreite lassen Kinderherzen höherschlagen. Für alle, die gern aktiv in der winterlichen Stille unterwegs sind, gibt es Husky- oder Schneeschuh-Trappertouren. 

Auch wenn Frau Holle Urlaub machen sollte und die weiße Winterpracht in den deutschen Mittelgebirgsregionen auf sich warten lässt, müssen Urlauber in Thüringen dennoch nicht auf tolle Erlebnisse verzichten. Aktive Erholung mit Spaß-Garantie findet man wetterunabhängig beim Schlittschuhlaufen in den fünf Eishallen der Region. Beste Schneebedingungen das ganze Jahr über bietet auch die DKB-Skisport-Halle in Oberhof. Mehrere anspruchsvolle Anstiege und Kurven sorgen für sportliche Abwechslung und machen Deutschlands erste Skihalle für den nordischen Wintersport einmalig. Jedermann kann dort bei konstant vier Grad Celsius Wintersport treiben. 

Da Thüringen ein wahres Paradies für Thermen- und Bäderliebhaber ist, kann man die Wintersport-Urlaubstage mit Wellness kombinieren. Auf engstem Raum gibt es eine Vielzahl moderner Thermal- und Freizeitbäder mit gepflegten Warmwasser- und Gesundheitsbereichen sowie exklusive Genusshotels, in denen sich die Gäste rundherum wohlfühlen können. Dafür kann der Schnee dann auch mal fernbleiben.gub

Informationen über Schneehöhen, geöffnete Pisten oder gespurte Loipen auf www.thueringen-entdecken.de oder über das Schneetelefon unter der kostenfreien Rufnummer (0800) 7236 488 sowie auf der SchneeApp Thüringer Wald. Weitere Tipps auch in der Tourist Information Thüringen unter Telefon (0361) 37420.

S. 22 Literatur

Bildband der Woche
„Liebe und Frieden“
Bildbiografie des außergewöhnlichen Musikers und Beatles John Lennon

John Lennon „John war eher introvertiert und aggressiv, weil er sich schützen wollte ... John musste immer scharfzüngig und geistreich sein, dabei war er so ein herzlicher Mensch, wenn man ihn besser kannte.“ Mit diesen Worten hat Paul McCartney seinen Musikpartner einmal beschrieben. Er bringt damit die inneren Widersprüche zum Ausdruck, die das Ausnahmetalent John Lennon stets begleiteten. Der Koehler Verlag zeichnet den Weg des berühmten Beatle ab 1952, den Jahren in Liverpool, bis 1980 in zahlreichen, teils doppelseitigen Aufnahmen nach. MRK

Foto: imago images/ZUMA Keystone

Valeria Manferto De Fabianis (Hg.): „John Lennon. Die Bildbiografie“, Koehler Verlag, Hamburg 2019, gebunden, 270 Seiten, 34,95 Euro

Italienbild
Begeisterung und Abneigung
Klaus Bergdolt geht dem Wandel der Einstellung der Deutschen gegenüber Italienern nach
Dirk Klose

Als Goethe im November 1786 in Rom ankommt, jubelt er: „Endlich bin ich in dieser Hauptstadt der Welt angelangt. Nun bin ich auf mein ganzes Leben beruhigt.“ Sein Zeitgenosse Karl Friedrich Benkowitz schrieb hingegen 1804: „Schon in Verona gerät der deutsche Reisende unter Menschen von gewissenloser Denkungsart, bis er zuletzt in Rom und Neapel den Abschaum der Menschen, den Gipfel der Verworfenheit findet“. Begeisterung und Abneigung gegenüber Italien, das zeigt dieses Buch des Arztes und Kunsthistorikers Klaus Bergdolt, lagen seit der Renaissance immer dicht beieinander, ja nach dem Eindruck aus dieser tour d’horizont durch die deutsche Mentalitätsgeschichte überwiegen negative Meinungen sogar.

Der Autor war Leiter des Deutschen Studienzentrums in Venedig. Sein historischer Rückblick führt ihn zu der Unterscheidung, dass sich die deutsche Italienbegeisterung vorrangig auf Kultur und Landschaft bezog. Die Italiener hingegen, so zeigt er an zahlreichen Zeugnissen aus Briefen, Reisebeschreibungen und Erinnerungen, wurden über Jahrhunderte hinweg von den meisten Deutschen abschätzig beurteilt. Sie seien leichtsinnig, nicht besonders fleißig, heißblütig und schnell aggressiv, die „Weiber“ oft wollüstig und schamlos. Rom ohnehin, aber auch Venedig, Florenz und vor allem das chaotische Neapel sind Zielscheiben bissiger Kritik. 

Die abwertenden Urteile rühren für den Autor aus einem anmaßenden Überlegenheitsgefühl des protestantisch geprägten Nordens gegenüber dem katholischen Süden. Nicht zuletzt Papsttum und Kirchenstaat galten als das Übel schlechthin. Luthers Verdikt trug genauso dazu bei wie deutsche Aufklärer im 

18. Jahrhundert und noch Bismarcks Kulturkampf in den 1870er Jahren. Der Autor belässt es nicht bei der Aufzählung negativer Urteile, sondern zitiert auch freundliche Ansichten, die gerade im südlichen Temperament einen Vorzug gegenüber dem kühlen, oft herzlosen Norden sehen. 

Der Eifer des Autors, anti-italienische Vorurteile zu finden, gerät fast zu einer Anklage gegen die Deutschen. Teils möchte man ihm zustimmen, teils aber auch widersprechen: Wenn viele Reisende unisono über Überfälle, verlauste Herbergen oder ein unerträgliches Bettlerwesen berichten, dann sind es Fakten, weniger persönliche Vorurteile. Bei Italien, so Bergdolt, hätten sich diese inzwischen sehr abgeschwächt; Italien ist ein Nachbar, mit dem man im großen EU-Haus zusammenlebt. 

Klaus Bergdolt: „Kriminell, korrupt, katholisch? Italiener im deutschen Vorurteil“, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2018, gebunden, 244 Seiten, 32 Euro

Nachrichtendienste
Geschichte eines „Maulwurfs“
Heinz Felfes Lebensweg von einem gewieften Mehrfachagenten zum DDR-Professor
Wolfgang Kaufmann

Wer nach den Ursachen für die auffällige Ineffizienz der bundesdeutschen Nachrichtendienste in den 1950er und 1960er Jahren sucht, stößt auf das Phänomen der Doppelagenten beziehungsweise „Maulwürfe“, welche nebenher auch für den KGB der UdSSR oder die DDR-Staatssicherheit spionierten und jede Menge Interna an den Feind weitergaben. Einer dieser Verräter war Heinz Felfe, im Bundesnachrichtendienst (BND) sinnigerweise gerade der Leiter des Referates „Gegenspionage Sowjetunion.“ Über dessen Lebensweg legt Bodo von Hechelhammer, seines Zeichens Chefhistoriker des BND, das akribisch recherchierte Buch „Spion ohne Grenzen“ vor. Darin erfährt der Leser, dass der gebürtige Dresdner Felfe letztlich sogar für sieben Geheimdienste gearbeitet hat: neben BND und KGB auch für den Sicherheitsdienst der SS, den britischen MI6, die bundesdeutsche Organisation Gehlen und den Verfassungsschutz sowie dann schließlich das Ostberliner Ministerium für Staatssicherheit.

Dass Felfe bereit war, über zehn Jahre lang als Doppelagent zu fungieren, hatte zum einen mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit zu tun: Die konnten die Sowjets nutzen, um ihn zu erpressen. Zum anderen zeigt das Buch aber auch sehr deutlich Felfes enorme Geldgier: Der KGB zahlte ihm für seinen Verrat mehrere 100 000 D-Mark Judaslohn, mit denen er einen höchst aufwendigen Lebensstil finanzierte, bei dem man sich fragt, wieso der BND hier nicht schon sehr viel eher stutzig wurde. Neben einer Vielzahl von Doppelagenten – Felfe war keineswegs der einzige – geriet dem bundesdeutschen Auslandsgeheimdienst die Inkompetenz vieler Entscheidungsträger zum Verhängnis. 1961 flog Felfe endlich auf, weil der BND Verdacht geschöpft und seine Telefongespräche abgehört hatte. Anschließend wurde er vom Bundesgerichtshof wegen Landesverrates zu 14 Jahren Haft verurteilt, von denen er nicht einmal die Hälfte absaß. Dann gelangte Felfe im Austausch gegen 21 politische Häftlinge in die DDR, wo er von der Stasi behütet wurde und auf deren Betreiben 1972 zum außerordentlichen Professor für Kriminalistik an der Humboldt-Universität in Ostberlin avancierte. Felfe starb 2008 wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag, zu dem ihm noch der KGB-Nachfolgedienst SWR gratuliert hatte.

Von Hechelhammer legt mit seinem Buch über den Doppelagenten Heinz Felfe ein höchst lesenswertes Psychogramm vor, welches das Wesen solcher „Maulwürfe“ präzise beschreibt und analysiert.

Bodo von Hechelhammer: „Spion ohne Grenzen. Heinz Felfe. Agent in sieben Geheimdiensten“, Piper Verlag, München 2019, gebunden, 410 Seiten, 24 Euro

Für Sie gelesen

Bilderreise durch Deutschland

Kindern auf angenehme Weise ihr Heimatland nahezubringen war das Anliegen der Illustratorin Verena Körting mit dem Buch „Das ist Deutschland. Eine Reise in Bildern“. In ausdrucksstarken Illustrationen zeigt die Grafikdesignerin, wie bunt und voller Vielfalt Deutschland ist. Beim Aufklappen meint man, die Nordsee schwappe an einem stürmischen Seetag aus dem Bildband heraus. Eine kleine Meise, die es auf allen Seiten zu finden gilt, begleitet die Reisenden von Nord nach Süd, vom Meer zu den Bergen, vom Frühling in den Winter. Einem Tag am Ostseestrand folgten die Darstellung einer Hallig von oben, das Hafenfest mit Feuerwerk in Hamburg, Ostfrieslands Wiesen und Felder, ein Morgen in der Lüneburger Heide mit Schafen und blühender Erika, der Marktplatz in Bremen, der Marktplatz in Quedlinburg, die Sächsische Schweiz, die Wartburg in Eisenach, Schlösser in Brandenburg bis hin zum Christkindlmarkt im Englischen Garten und zu einem Winterblick in den Bayerischen Wald. Am Ende gibt es eine schriftliche Erläuterung zu den Darstellungen. 

Kinder werden Spaß daran haben, auf den einzelnen Abbildungen viel zu entdecken. So lernen sie das Land spielerisch kennen. Jeder, der in Deutschland lebt, wird sein Zuhause hier wiederfinden und vielleicht erstmals bemerken, wie wunderschön und abwechslungsreich es allein schon landschaftlich ist.Silvia Friedrich

Verena Körting: „Das ist Deutschland. Eine Reise in Bildern“, Ars edition, München 2019, gebunden, 20 Euro 





Ende einer fesselnden Saga

Fesselnd und faszinierend waren bereits die drei vorherigen Bände der „Neapolitanischen Saga“ aus der Feder Elena Ferrantes. Mit dem vierten Band schließt die Geschichte der Freundschaft zwischen der Schriftstellerin Elena Greco und ihrer Sandkastenfreundin Raffaella Cerucci, genannt Lila, – bedauerlicherweise – ab. Band vier erzählt die Geschichte der Rückkehr Elenas, der Schriftstellerin, nach Neapel, wo ihre Freundin Lila all die Jahre ihrer 60-jährigen Freundschaft gelebt und entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Ereignisse im Rione, einem heruntergekommenen Stadtteil Neapels, genommen hat. Als Lilas Tochter Tina, benannt nach Elenas Puppe, plötzlich verschwindet, verändert sich alles. Sprachlich gewandt und spannend erzählt, gewährt Ferrante einen tiefen Einblick in die italienische Gesellschaft, ohne jedoch konkret die politische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte aufzugreifen. Alles dreht sich um den Rione und die Freundschaft der beiden Protagonisten. MRK

Elena Ferrante: „Die Geschichte des verlorenen Kindes“, Suhrkamp Verlag, Berlin 2019, Taschenbuch, 696 Seiten, 12 Euro

S. 23 Rautenberg Buchhandlung

Rautenberg Buchhandlung

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S. 24 Panorama

Der Wochenrückblick
Wie man Protest plattmacht
Der neue Knüppel gegen Bürgerbewegungen: „Da sind auch Rechte dabei!“
Hans Heckel

Das klappt ja wie am Schnürchen! Eine neue Methode, Bürgerprotest elegant plattzumachen, reift vor unser aller Augen gerade zur Vollendung. Die Methode geht so: Wenn Bürger gegen die Politik oder deren mutmaßliches Versagen auf die Straße gehen, bemerken regierungsfreundliche Medien im Pakt mit engagierten „Organisationen der Zivilgesellschaft“ umgehend, dass da auch „Rechte“ dabei seien. Dadurch geraten die Organisatoren der Proteste umgehend ins Gedränge und geben das Demonstrieren im Idealfall ganz schnell wieder auf. Schon ist wieder Ruhe! 

Selbst, wenn sie nicht (gleich) klein beigeben, ist den aufmüpfigen Bürgern beim kleinsten als „rechts“ identifizierten Vorfall in ihren Reihen der meiste Wind schon aus den Segeln genommen. Denn natürlich lenken genannte Medien die öffentliche Aufmerksamkeit ganz massiv auf die „rechte Unterwanderung“, damit das eigentliche Anliegen der Unzufriedenen im Hintergrund versinkt. In einer „Mediendemokratie“ ist es entscheidend, wohin sich die größte Aufmerksamkeit richtet. Was hier nur auf Platz Nummer 2 landet, kann einpacken.

Zudem werden die Protestierer durch die Vorwürfe genötigt, sich zu rechtfertigen. Das ist besonders wirkungsvoll, denn dadurch werden die Rollen vertauscht. Eigentlich sollten ja die Politiker für ihre Fehler zur Rede gestellt werden. Doch nach dem Vorwurf „rechts“ zu sein, sind es auf einmal die Bürger, die von eben jenen Politikern streng ermahnt werden. 

Einen tollen Erfolg können die vereinten Protest-Ersticker beim Niederhalten des Widerstands gegen den Bau der gigantischen Tesla-Autofabrik bei Berlin verbuchen. Ein Sprecher der Bürgerinitiative sagte: „Es besteht hier jetzt der Vorwurf, dass wir der AfD nahestehen.“ Der Mann beschreibt die gravierenden Folgen dieses öffentlichen Vorwurfs: „Es gab und gibt hier jetzt massiven Druck auf Mitstreiter und auf Redner.“ Ergebnis: Vorerst werde es keine weiteren Demonstrationen mehr geben. Die Befürworter des Tesla-Projekts (die haben sich nämlich auch organisiert) können derweil getrost weiter auf die Straße gehen. 

Ein weiteres Beispiel: Vor Kurzem haben aufmerksame Beobachter bei einer Bauerndemo in Nürnberg auf zwei von insgesamt 2500 Traktoren Transparente mit Sprüchen und Symbolen entdeckt, die sie zu „Nazi-Bannern“ erklärten. Waren es gar nicht, wie die Polizei sogleich feststellte, weshalb auch nicht ermittelt wird. 

Das macht aber gar nichts: Die regierungsfreundlichen Medien hatten die „Nazi-Banner auf Nürnberger Bauerndemo“-Geschichte bereits kreuz und quer durchs Land geschossen, ehe die Polizei überhaupt zu Wort kam. Sofort geriet der Veranstalter, die Initiative „Land schafft Verbindung“, unter Rechtfertigungsdruck. 

Die Gruppe hat sich von den Symbolen „klar distanziert“, ebenso der Deutsche Bauernverband. Was ihnen freilich nicht helfen wird. Wenn demnächst Vertreter der Bauern in eine Staatsfunk-Talkshow eingeladen werden, wird es keine sieben Minuten dauern, bis man sie hinsichtlich der „rechten Umtriebe in ihren eigenen Reihen“ auf den Grill packt. Die Nöte der Landwirte und die etwaige Verantwortung der Politik für diese Nöte haben dann Sendepause. Und genau ist das Ziel der „Nazi-Symbole“-Kampagne gewesen.

Besonders fest beim Wickel haben wir die neue Bewegung namens „Fridays gegen Altersarmut“ (FgA). Die außergewöhnliche Aufmerksamkeit hat eine Ursache. Diese Bewegung könnte nämlich noch viel, viel gefährlicher werden als Tesla-Kritiker und bedrängte Bauern zusammen. Nicht nur, weil sich da schon 300 000 Leute via Facebook angeschlossen haben. Und auch nicht bloß deshalb, weil hier ein Problem schlummert, das eine ganz fürchterliche Sprengkraft entfalten kann. Nein, zu alledem kommt noch, dass im Rahmen dieses Kampfes gegen Altersarmut eine Frage diskutiert wird, die an den Grundfesten der Bunten Republik nagt. Welche Frage das ist, dazu kommen wir gleich.

Weil sie so gefährlich sind, hat man gegen die FgA eine ganz breite Front von Abwehrkämpfern an die Front geworfen. Besonders eifrig gebärden sich hier die „Omas gegen Rechts“. Das sind die älteren Herrschaften, die kräftig mitkrakelten, um den Ex-AfD-Chef und Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke niederzubrüllen, als der an der Hamburger Uni seinem Beruf nachgehen und eine wirtschaftswissenschaftliche Vorlesung halten wollte.

Auf dem (in politischen Sachen immer stramm linken) Internetportal „Wikipedia“ wird eine linke Spitzelplattform zitiert, die zusammengetragen hat, was FgA so abscheulich macht. Da würde nämlich von „Altparteien“ gesprochen, von einem Aufbau (der Bewegung) von „Unten“. Man finde „allgemein abwertende Äußerungen gegen Politiker“. Dadurch solle „ein generelles Misstrauen in die Politik geschürt und elitefeindliche Narrative verfestigt werden“.

Mit einem Wort: Das ist eine Bürgerbewegung, die sich offen gegen die Politik und das Gebaren der politischen Führung und der tonangebenden Elite des Staates stellt. Ein Skandal! Mit solchen Typen musste sich schon Fürst Metternich im Jahre 1848 herumschlagen. Am Ende war er sein Amt los, was die Gefährlichkeit solcher Bewegungen ja wohl eindeutig belegt.

Aber es wird noch schlimmer, womit wir zu der bereits erwähnten Frage gelangen, die nun wirklich ans Eingemachte geht. Der „Bayerische Rundfunk“ berichtet, dass Mitglieder von FgA unter anderem Meinungen verbreiten wie: „Wir kriegen keine Rente, weil das ganze Geld für Flüchtlinge verbraucht wird.“

Jeder von uns muss erkennen, dass hier eine rote Linie überschritten wurde. Seit wann ist es den Untertanen gestattet, eigenmächtig über die Verteilung ihrer Steuergelder zu urteilen? Das ist allein Sache der Obrigkeit. Der Pöbel hat zu zahlen und die Klappe zu halten, so ist es Brauch von alters her. Kritik an den Entscheidungen der Herrschenden stinkt nach Rebellion und muss hart geahndet werden. Der Ausschluss aus der „Zivilgesellschaft“ ist das Mindeste.

Doch wenn wir sehen, mit welch einfachen Mitteln es heute gelingt, jeden Widerstand zu brechen, zu zerstreuen oder in die Enge zu treiben, können wir eigentlich recht beruhigt sein. Allerdings ist es fahrlässig, den Erfolg der Niederhalte-Maßnahmen dem Zufall oder der Treue regierungsfreundlicher Medien zu überlassen, welche willig Nazi-Symbole erkennen, wo gar keine sind. Da wir Deutsche es gern immer noch ein bisschen gründlicher mögen, sollte man die Strategie perfektionieren. 

Denkbar wäre eine Art „Schnelle Eingreiftruppe“. Gut geschulte Leute von staatlichen Stellen oder ausgesandt durch staatlich bezuschusste „Nichtregierungs-Organisationen“, die man gezielt in jede Protestbewegung einschleust, damit sie zum günstigsten Zeitpunkt etwas tun, das den gesamten Protest angreifbar macht. Oder haben wir so etwas schon? 


Aufgeschnappt

Er hat es schon wieder getan: Mit einem einzigen provokativen Satz vermochte es Thilo Sarrazin, seine SPD-Genossen und die Medien in helle Aufregung zu versetzen. Gegenüber „Tichys Einblick“ (Webseite, 26. Januar) sagte Sarrazin: „Die gegenwärtige SPD-Führung ist offenbar in den Händen fundamental orientierter Muslime.“ Was er damit sagen wollte, enthüllte er kurz darauf gegenüber der „Bild“-Zeitung: Die Spitzenfunktionäre seiner Partei seien nicht selbst „Islamisten“. Doch mit dem Ausschlussverfahren gegen ihn begäbe sich die SPD-Führung „in die Händer fundamentalistischer Muslime, die jede politische Kritik am Islam als Rassismus diffamieren“. Sarrazin bedient sich hier seiner seit zehn Jahren erfolgreichen Taktik: Setze erst einmal eine gezielte Provokation. Nur mit dem folgenden Knall erzeugst du die Aufmerksamkeit für das eigentliche Problem, das du enthüllen willst. Dann kann erklärt und diskutiert werden. In einer Mediengesellschaft muss eben laut sein, wer gehört werden will.  H.H.

Stimmen zur Zeit

Als Bundesverteidigungsminister und langjähriger Berliner Justizsenator stand Rupert Scholz für den konservativen Flügel der CDU. Im Gespräch mit der „Welt“ (27. Januar) warnt er seine Partei vor einer dauerhaften Stigmatisierung der AfD:

„Bei der AfD muss man abwarten, wie sich die Partei entwickelt. Ich teile nicht alle Positionen der AfD. Aber sie ist eine Partei, die nach ihrer Programmatik auf dem Boden des Grundgesetzes steht, sie ist nicht verfassungsfeindlich. Den einen oder anderen Ausreißer gibt es in jeder Partei. Ich halte die Politik gegenüber der AfD für hochproblematisch. Denn es ist kein guter demokratischer und rechtsstaatlicher Stil, die AfD durchweg als Populisten und Rassisten zu bezeichnen.“





Thilo Sarrazin beklagt in der Züricher „Weltwoche“ (15. Januar) den qualitativen Niedergang des Personals in Deutschlands Politik und Verwaltung:

„Politik und Verwaltung befinden sich in Deutschland in einem gefährlichen Prozess geistiger und moralischer Austrocknung. Gestaltende Intelligenz, Ethos, Phantasie und Tatkraft sind dort Mangelware geworden. Vor 210 Jahren hatten starke Persönlichkeiten wie Wilhelm von Humboldt oder Freiherr vom Stein die preußische Niederlage gegen Napoleon in einen geistigen Sieg bei der Staatsreform verwandelt. Wo sind solche Geistesriesen heute? Sie sitzen jedenfalls nicht in deutschen Amtsstuben oder an Kabinettstischen, sondern haben wohl eher bei Amazon, Google oder Apple angeheuert.“





Ulrich Reitz kritisiert die Nominierung des Ex-SPD-Chefs Sigmar Gabriel für einen Posten im Aufsichtsrat der strauchelnden Deutschen Bank schwer und fragt sich auf „ntv.de“ (24. Januar), wie die Entscheidung wohl auf die Mitarbeiter des Hauses wirkt:

„Viele Deutschbanker werden sich die Frage stellen: Wie soll ausgerechnet einer, der keine Erfahrung im Bankgeschäft hat, in diesen stürmischen Zeiten die unter Druck stehenden Deutsche-Bank-Vorstände kompetent kontrollieren oder Fehlentscheidungen verhindern? Die Wahl Gabriels in den Aufsichtsrat dürfte zu einer Fortsetzung zahlreicher Fehlentscheidungen werden.“





Im „Spiegel“ (25. Januar) warnt Christian Reiermann die SPD, dass ihre Weigerung, die Steuern zu senken, längst Normalverdiener trifft – also Leute, die einmal SPD gewählt haben: 

„Esken und Scholz laufen Gefahr, ihre Kernklientel endgültig zu verstoßen. Es ist erstaunlich, dass diejenigen, die am lautesten den Niedergang der Mittelschicht beklagen, am wenigsten zu deren Entlastung beitragen wollen.“





Wort der Woche

„Mit seiner Geldpolitik hat Draghi das Vertrauen in eine deutsche Urtugend zerstört: Sparsamkeit. Deutschland sollte ihn dafür nicht auch noch ehren.“

Philipp Fabian, „Bild“-Zeitung (27. Januar), zur geplanten Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Ex-EZB-Chef Mario Draghi